<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Bernhard</first-name><last-name>Hennen</last-name></author><book-title>Die gefesselte G�ttin</book-title><annotation><p>Immer verbitterter stehen sich Devanthar und Drachen in ihrem Kampf um Macht gegen�ber und schrecken auch nicht davor zur�ck, ihre besten Krieger, den Herrscher Aaron oder die Drachenelfen Nandalee und Gonvalon, f�r ihre Zwecke einzuspannen. Doch dann soll die gefesselte G�ttin Nangogs erweckt werden�� und mit ihr eine Magie, von der niemand wei�, was sie bewirken wird��</p></annotation><date>2013</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><sequence name="Drachenelfen" number="3"/></title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><id>35576AA9-D21B-4348-9BAA-610F65893A14</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Bernhard Hennen</p><p>Drachenelfen:</p><p>Die gefesselte G�ttin</p></title><epigraph id="dedication"><p>F�r meinen Vater,</p><p>meinen Anker in unruhiger See</p></epigraph><epigraph><p>Liebe deine Feinde, denn sie sagen dir deine Fehler.</p><text-author>Benjamin Franklin</text-author></epigraph><section><title><p>Erstes Buch</p><p>Der Pakt der Drachen</p></title><section><title><p>Prolog</p></title><p>Der Himmel zerfloss in Rot und Gold, als das Zirpen der Grillen pl�tzlich verstummte.</p><p>�Sie kommen�, hauchte Gonvalon, und Nandalee blickte zum Himmel empor, der durch das Astwerk des Dornbusches wie ein Mosaik in tausend Fragmente zerteilt war. Undeutlich konnte sie am westlichen Horizont, wo die Sonne als glutroter Ball das weite Grasland ber�hrte, Schattenrisse erkennen.</p><p>Nandalee zog die d�nne Decke hoch, die sie mit dem Schlamm des nahen Wasserlochs eingerieben hatte, und tastete unwillk�rlich nach dem Bogen an ihrer Seite. Die Sehne war aufgezogen. Gonvalon hatte erz�hlt, was geschehen mochte, w�rden sie entdeckt werden.</p><p>Die Schatten wuchsen an. Es waren viele! Sie schienen aus der sterbenden Sonne geboren zu sein, die von blutroten Wolken umlagert wurde. Pegasi! Eine ganze Herde. Mindestens f�nfzig der gefl�gelten Pferde flogen in weitem Bogen heran, warfen die K�pfe ausgelassen in den Nacken und lie�en ein wildes Wiehern erklingen. �ngstlich fl�chteten die Gazellen vom Wasserloch und verschwanden mit weiten Spr�ngen im hohen B�ffelgras der Savanne.</p><p>Das Rauschen m�chtiger Schwingen f�llte den Himmel. Drei Hengste waren der Herde vorausgeeilt und flogen nun in enger werdenden Kreisen dicht �ber dem Dornenversteck der beiden Elfen. Pegasi verhielten sich anders als die Wildpferde der Savanne, hatte Gonvalon Nandalee gewarnt. Wenn sie sich bedroht f�hlten, flohen sie nicht, sie griffen an. Deshalb hatten die Drachenelfen sie zu ihren Schlachtr�ssern erw�hlt.</p><p>Ein Hengst mit schwarz schimmerndem Fell glitt immer wieder �ber ihren Busch hinweg. Seine Augen schimmerten wie Obsidian. Er verlangsamte seinen Flug, weitete die Fl�gel und landete schlie�lich keine zwanzig Schritt entfernt.</p><p>Nie zuvor hatte Nandalee ein so pr�chtiges Tier gesehen. Der Hengst wandte den Kopf. Seine weiten N�stern bl�hten sich, als er Witterung aufnahm.</p><p>Er w�rde sie nicht finden, dachte sie, und ein L�cheln spielte um ihre schmalen Lippen. Sie hatten sich am Morgen im Wasserloch gewaschen und dann, obwohl Gonvalon lauthals protestiert hatte, mit Gazellendung eingerieben. Verborgen unter der schlammverkrusteten Decke und dem Geruch nach Gazellen, waren sie ganz und gar eins geworden mit dem Bainne Tyr, dem Milchland, wie die fruchtbare Savanne, die den Jadegarten umschloss, schon seit Anbeginn der Zeit genannt wurde. Sie waren unsichtbar f�r den Hengst, verborgen vor all seinen Sinnen.</p><p>Und dennoch blickte er in ihre Richtung. Unruhig stampfte er mit den Hufen und kam n�her. Pl�tzlich schnellte eine graubraune Eidechse unter einem flachen Stein hervor, nur wenige Schritte vor ihrem Versteck. Sie st�rmte dem rettenden Dornbusch entgegen und fand ihren Weg unter die Decke. Nandalee konnte die feinen Krallen des Tiers auf ihrem nackten Unterarm sp�ren.</p><p>Der Hengst legte den Kopf schief. Er stand nun unmittelbar vor dem Geb�sch und starrte auf sie herab. Nandalee hielt den Atem an. Nur nicht blinzeln. Keine Bewegung! Kein Laut! Sie lag flach auf den Boden gepresst, die Tarndecke bis weit �ber den Nacken gezogen. Ihre Haare hatte sie mit Schlamm eingerieben, der in der Hitze des Tages zu einem harten, staubigen Panzer geworden war. Sie war vollkommen getarnt. Das verwobene Gitterwerk der �ste l�ste ihre Silhouette auf. Einzig ein Blinzeln k�nnte sie verraten. Nandalee dr�ckte ihre Wange fest an den staubigen Boden. Sie h�tte vorhin, als noch Zeit gewesen w�re, den Kopf ein wenig drehen sollen, sodass ihre Stirn die Erde ber�hrte und ihr schlammverkrustetes Haar wie Stein auss�he. Aber sie hatte den Blick nicht von dem schwarzen Hengst l�sen k�nnen. Nie hatte sie ein so anmutiges Ross gesehen.</p><p>Gonvalon an ihrer Seite hatte die Augen geschlossen. Er war kein J�ger, und doch machte er alles richtig. Auch wenn er sich gegen den Gazellendung gewehrt hatte, war er ein Meister der Tarnung. Wie oft er wohl schon f�r die Drachen ausgezogen war, um zu t�ten? Er sprach nie dar�ber.</p><p>Der Hengst schnaubte. Seine Obsidianaugen blickten geradewegs auf sie hinab. Eine kleine, sternf�rmige Blesse prangte inmitten seiner Stirn wie ein drittes, wei�es Auge.</p><p>Unvermittelt warf er den Kopf zur�ck und wieherte. Der Himmel f�llte sich mit dem Rauschen schwerer Fl�gel, und bald erbebte die Erde unter dem Hufschlag der landenden Pegasi. Nandalee z�hlte dreiundsiebzig Tiere, eines sch�ner als das andere. Sie waren voller Anmut, in jeder ihrer Bewegungen lag vollkommene Harmonie.</p><p>Die Elfe dachte an ihre Tage in der H�hle des Schwebenden Meisters zur�ck. Daran, mit welcher Grazie der gro�e, wei�e Drache seine Schwingen zu entfalten vermocht hatte. Und einen Moment lang hallten seine Worte in ihren Gedanken wider. <emphasis>In allem, was vollkommen ist, wohnt Magie. Selbst wenn Ihr Euch gar nicht bewusst seid, dass Ihr einen Zauber gewoben habt. Der vollkommene Schuss,</emphasis><emphasis>der gegen jede Wahrscheinlichkeit sein Ziel trifft. Oder nur eine einfache Bewegung��</emphasis></p><p>Ihr Lehrmeister war launisch gewesen und ganz gewiss auch ein wenig verr�ckt. Nandalee dachte daran, wie er manchmal mit dem Kopf nach unten von der H�hlendecke gehangen hatte, seine Schwingen vor dem Leib gefaltet, als sei er eine riesige Fledermaus. Er hatte behauptet, so zu schlafen sei sehr entspannend, und sie aufgefordert, es ihm gleichzutun. Wie unw�rdig er gestorben war. Sein schlanker, wohlgestalteter Leib war zerhackt und in St�cken von den Zwergen versteigert worden. Und ausgerechnet seine M�rder waren unter all den Bewohnern der Tiefen Stadt der Strafe der Himmelsschlangen entgangen.</p><p>Dank ihr hatten drei Zwerge in einem verborgenen Brunnen �berlebt. Nandalee hatte ihnen einen S�ugling �berlassen, dessen Mutter durch ihre Klinge gestorben war. Bitterkeit �berkam die Elfe bei der Erinnerung. Es war ein Unfall gewesen. Aber sie wollte eine Drachenelfe sein! Drachenelfen waren vollkommen, in jeder Hinsicht. Missgeschicke geschahen ihnen nicht. Nach dem Tod der Zwergin hatte sie die Wahl gehabt, das Kind dem sicheren Verderben zu �berlassen oder aber jemanden zu finden, der sich um den S�ugling k�mmern w�rde. Die Tiefe Stadt war zu diesem Zeitpunkt schon zu einem riesigen Grab geworden, in dem sie nur diese drei Zwerge gefunden hatte: die M�rder! Die H�ndler von Leichenteilen! Sie verk�rperten die Abgr�nde dieser Welt. Deshalb wohl hatten sie sich so tief unter der Erde verkrochen. Und doch hatte Nandalee sie verschonen m�ssen, denn sie h�tte das Kind nicht hinauf ans Tageslicht bringen k�nnen. Es w�re ein Opfer des rasenden Zorns der Drachen geworden.</p><p>So war, trotz all der Toten, der Mord an ihrem Lehrmeister unges�hnt geblieben. Noch immer nagte dieses Unrecht an Nandalee. Ebenso wie der grausame Rachefeldzug der Drachen. Warum hatten sie nicht ihre Elfen geschickt, um die M�rder zur Rechenschaft zu ziehen? Und nur die M�rder! Warum hatte eine ganze Stadt sterben m�ssen? Es war doch ihre ureigene Aufgabe, die Sch�nheit dieser Welt zu bewahren. Dazu waren die Himmelsschlangen einst von den Alben erw�hlt worden. Aber die Drachen hatten einen anderen Weg eingeschlagen. Sie hatten die von ihnen erw�hlten Elfen zu M�rdern gemacht und in ihren Taten jedes Ma� verloren.</p><p>Sie wollte zu den Urspr�ngen zur�ck, dachte Nandalee. Sie wollte ein Werkzeug des Willens der Alben sein. Eine H�terin dieser Welt, die ihnen anvertraut war, und keine gewissenlose R�cherin. Sie wollte die Schwachen sch�tzen und was sch�n war vor unbedachter Zerst�rung bewahren. Dies w�ren Ziele, f�r die zu streiten nobel w�re. Dies sollte ihr Weg werden, beschloss Nandalee und beobachtete die Fohlen, die ausgelassen durch das flache Wasser preschten, sodass es bis �ber ihre K�pfe aufspritzte.</p><p>Der Rappe hatte sich von ihrem Versteck abgewandt. Er musterte das hohe B�ffelgras, das bis nahe an die Wasserstelle reichte. Es war fast zwei Schritt hoch. Der aufziehende Sommer hatte das Gr�n seiner Spitzen zu spr�dem Gold verdorren lassen. Von Osten war ein b�iger Wind aufgezogen, der das Gras wispern und in Wogen wie ein endloser goldgr�ner Ozean wiegen lie�.</p><p>Ihr Dornbusch wuchs auf einem flachen H�gel. Sie hatten von hier aus einen guten Blick �ber die Wasserstelle und das weite Land. Im schnell schwindenden Tageslicht sah Nandalee eine Meile entfernt eine Herde von Schwarzhornb�ffeln, deren Bewegungen dunkle Linien in das hohe Gras zogen. Sie hielten Abstand von der Wasserstelle. Warteten darauf, dass die Pegasi ihren Durst stillen und weiterziehen w�rden.</p><p>Dunkle Wolkenfinger streckten sich von Osten �ber die Savanne, als wollten sie nach dem letzten Abendrot am Horizont greifen. Ein Regensturm zog auf. Gonvalon hatte ihr in den letzten Tagen viel �ber Bainne Tyr erz�hlt. Der Fechtmeister hatte sie mit seinem Wissen �berrascht. Er kam gerne in die weite Savanne, kannte die Wanderwege der Herden und steckte voller Geschichten �ber das Land. �ber die Flammenw�lle, die sich in der Trockenzeit durch das hohe Gras fra�en, �ber die tausend Farben des Regenbogens, in denen das ausgedorrte Land �ber Nacht erbl�hte, wenn die Regenzeit begann.</p><p>Auch kannte er die Koboldv�lker der weiten Ebene, die blau gewandeten J�ger, die auf ihren sandfarbenen Wildhunden das einsame Land durchstreiften. Die wandernden Hirtenv�lker, die stolz darauf waren, die gr��ten unter den Kobolden von Bainne Tyr zu sein, und deren Sitte es war, sich mit grauem Lehm einzureiben. Oder die Fischer, die in Stelzenh�tten fern der Ufer �ber dem dunklen Wasser der M�ckenseen lebten. Mit ihnen hatte er manche Nacht auf die gro�en Welse gewartet, die sich zuweilen in Vollmondn�chten vom Grund der Seen erhoben und meilenweit �ber Land krochen. Die Kobolde gaben diesen Welsen Namen und verehrten sie wie G�tter. Uchungu, der J�hzornige, der schon manchen Kobold, der es gewagt hatte, ihm zu nahe zu kommen, mit Haut und Haar verschlungen hatte, oder Arani, der Bote, dessen sich windender Leib angeblich geheime Botschaften an die Alben in das hohe Gras schrieb, die man nur hoch vom Himmel herab zu lesen vermochte.</p><p>Nun trug der Wind fernes Donnergrollen heran, und Nandalee sah, wie im Osten Blitze �ber den Horizont flackerten. Irgendwo im B�ffelgras erhob ein Schwarzm�hnenl�we seine Stimme und br�llte dem Sturm seinen Zorn entgegen, als wollte er die M�chte des Himmels herausfordern. Sie waren die Herrscher der Savanne, so wie die Silberl�wen die roten Felst�rme, die das weite Grasland einfassten, ihr Reich nannten. Niemand kam ihnen gleich. Zumindest nicht am Boden. Der weite Himmel aber kannte andere Herrscher. Auch ihnen hatten die Kobolde Namen gegeben, doch diese wagten sie nur in Neumondn�chten zu fl�stern, wenn die Welt nur noch Schatten kannte. Das kleine Volk war �berzeugt, dass es gen�gte, diese Namen laut zu nennen, um den Schrecken auf sich herabzurufen.</p><p>So voller Geschichten steckte Gonvalon, und Nandalee freute sich darauf, weiter mit ihm durch die weite Savanne zu streifen und gemeinsam deren Wunder und Geheimnisse zu erkunden. Niemals h�tte sie erwartet, dass ein Elf, der in einem Palast aufgewachsen war, so sehr mit der Natur verbunden sein k�nnte.</p><p>Sie streckte unter der Decke die Hand nach ihm aus. Tastete �ber seine warme, seidenglatte Haut. Gonvalon hatte sich ver�ndert, seit sie in den Jadegarten zur�ckgekehrt waren. Er strahlte wieder jene �berlegene Ruhe aus, die sie so sehr an ihm bewundert hatte, als er in der Wei�en Halle ihr Lehrmeister gewesen war. Was immer in der Snaiwamark geschehen sein mochte�� er hatte seinen Frieden wiedergefunden. Vielleicht lag es auch an dem Milchland, das er so sehr liebte. Die weite, wilde Savanne.</p><p>In diesem Augenblick schlug glei�end helles Licht in die Wasserstelle, brannte gl�hende Dolche bis tief in Nandalees Kopf. Die Pferde wieherten auf. Nandalee h�rte ihre Panik, sp�rte den Boden unter ihrem Hufschlag erzittern. Sie blinzelte. Tr�nen standen ihr in den Augen, sie konnte nicht klar sehen, die Welt war in helle und dunkle Fl�chen ohne Tiefe zerbrochen. Sie wollte aufspringen, doch Gonvalon dr�ckte sie fest zu Boden. �Nicht. Das ist ein Rotr�cken. Bleib unten! Wir k�nnen nichts tun.�</p><p>Nandalee schloss die Lider und �ffnete ihr Verborgenes Auge, um das magische Netz zu sehen, das alles miteinander verband. Ein helles Rot kaum gez�gelter Wut blendete sie. Es flammte unmittelbar vor dem Dornbusch auf und erhob sich dann in den Himmel. Das musste der Rappe sein, der sich in die L�fte erhob, um seine Herde zu sch�tzen.</p><p>Bei der Wasserstelle herrschte das kalte Blau der Angst vor. Die Stuten und Fohlen preschten durcheinander. Einige flogen auf, behinderten sich gegenseitig. Durch das B�ffelgras leuchteten die Auren kleinerer Tiere, die sich angstvoll an den Boden dr�ckten.</p><p>Hoch �ber ihnen aber schwebte der Rotr�cken, umspielt von der wei�goldenen Aura der Kraft. Ein weiterer Flammenstrahl stach auf die fliehende Herde herab. Durch das verborgene Auge betrachtet, war es nur ein Flackern, das die Aura des Drachen kurz blasser erscheinen lie�. Als dieses mattgelbe Flackern jedoch nach den Pegasi griff, erloschen augenblicklich zwei strahlend blaue Lichter.</p><p>Nandalee riss ihre Augen auf. Sie brannten immer noch, doch das Bild, das sich ihnen darbot, hatte wieder Farben und Tiefe bekommen. Sie sah ein Fohlen mit brennenden Fl�geln in das hohe B�ffelgras galoppieren, sah die Kadaver zweier Stuten im flachen Wasser liegen. Kalter Zorn packte sie. Das war keine Jagd! Der Rotr�cken t�tete aus Lust am Morden und w�rde von den toten Pegasi nur die besten St�cke fressen, um den Rest den Geiern zu �berlassen.</p><p>Die Elfe packte ihren Bogen.</p><p>�Lass es!�, zischte Gonvalon. �Drachen regieren diese Welt. Stellst du dich gegen einen, wirst du den Zorn aller auf dich lenken.�</p><p>Nandalee h�rte nicht auf ihn. Sie richtete sich auf. Dornranken schrammten �ber ihr Gesicht und ihre nackten Arme. Voller Wut blickte sie zum Himmel hinauf, und ihre Rechte strich �ber die befiederten Pfeilsch�fte in ihrem K�cher.</p><p>Der Rotr�cken war mehr als zwanzig Schritt lang und von schlangenhafter Gestalt. Seine Fl�gel sa�en knapp �ber seinen kr�ftigen Hinterl�ufen, die Vorderbeine fielen viel kleiner aus, endeten aber in Tatzen mit messerscharfen Krallen. Und w�hrend seine Unterseite vom kr�ftigen Blau des nachmitt�glichen Himmels �ber der Savanne war, zeigten die Flanken ein flammendes Karmesinrot, durchbrochen nur von rauchfarbenen Streifen.</p><p>Der Rappe war in den Himmel aufgestiegen und umkreiste mit zwei anderen Pegasi ihren Angreifer. Wie klein sie neben dem m�chtigen Drachen aussahen. Dennoch versuchten sie, mit ihren starken Hufen nach den Fl�gelknochen des Drachen zu treten und dabei dem wild peitschenden Schweif des Ungeheuers nicht zu nahe zu kommen.</p><p>Nandalee zog einen Pfeil aus dem K�cher und hakte die Nocke in die Sehne ein. Sie wagte jedoch aus Furcht, im wirbelnden Luftkampf einen der Pegasi zu treffen, nicht zu schie�en. Ein peitschender Schwanzhieb traf einen der Hengste, der dem Drachen zuvor mit einem Huf ein Loch in die ledernen Fl�gel gestanzt hatte. Das stolze Tier trudelte mit gebrochenen Fl�geln hilflos zu Boden, schlug schwer im hohen B�ffelgras neben der Wasserstelle auf und blieb reglos liegen.</p><p>Der Drachenkopf fuhr auf seinem Schlangenhals herum und erwischte einen weiteren Pegasus. Die dolchlangen F�nge schnappten nach dem Bauch des Tieres und rissen ein riesiges St�ck Fleisch heraus, sodass dem Pegasus das Ged�rm aus dem Leib hing, bevor auch dieser stolze Hengst vom Himmel st�rzte.</p><p>Der Rappe aber zog in einem tollk�hnen Man�ver �ber den Kopf des Drachen hinweg und traf ihn hart mit seinen wirbelnden Hufen. Kurz geriet der Rotr�cken ins Trudeln, doch dann fing er sich wieder. Und w�hrend der Hengst eine enge Kehre flog und erneut angreifen wollte, spie der Drache ihm einen Flammenstrahl entgegen. Weit weniger kraftvoll als die glei�ende Flammens�ule, mit der er seinen Angriff auf das Wasserloch eingeleitet hatte, doch immer noch t�dlich f�r jeden, den das Feuer umfing.</p><p>Nandalee hielt den Atem an.</p><p>Der schwarze Pegasus legte die Fl�gel an und lie� sich wie ein Stein fallen, doch nicht schnell genug. Eine Flammenzunge leckte �ber seine Flanke, und er wieherte vor Schmerz. Erst dicht �ber dem Wasser breitete er seine Fl�gel aus und fing seinen halsbrecherischen Sturz ab. Nandalee konnte seine Gelenke knacken h�ren. Die Hufe des Hengstes ber�hrten das Wasser, als er mit schweren Fl�gelschl�gen versuchte, wieder an H�he zu gewinnen.</p><p>Der Drache �ber ihm war nun in der g�nstigeren Position. Die Elfe sah, wie er auf weit ausgebreiteten Schwingen einen Bogen flog, um dem Pegasus den Weg abzuschneiden.</p><p>�So wird es nicht enden�, murmelte Nandalee und hob den Bogen. Der langsame Gleitflug des Drachen machte es ihr leichter. Sie zielte auf das Gelenk, dort, wo die linke Schwinge des Ungeheuers in den R�cken �berging. Sie atmete aus und lie� den Pfeil von der Sehne schwirren, ohne ihr Ziel aus den Augen zu lassen.</p><p>�Nein�, schrie Gonvalon, sprang auf und griff nach ihrem Bogen. Einen Herzschlag zu sp�t�� der Pfeil fand sein Ziel. Ein Ger�usch wie das Schnauben eines riesigen Blasebalgs erklang, als der Drache �berrascht einatmete. Seine linke Schwinge knickte ein, aber er fing sich sofort wieder. Der Pfeil war mehr als zur H�lfte ins Fleisch des Drachen gedrungen.</p><p>Der Rappe blickte zu Nandalee. Er wippte mit dem Kopf, als wolle er sie gr��en. Dann flog er mit kr�ftigem Fl�gelschlag davon. Seine Herde war l�ngst geflohen. Nur die Kadaver der get�teten Tiere blieben zur�ck.</p><p>�Du hast auf einen Drachen geschossen�, zischte Gonvalon. �Bist du noch bei Verstand? Wir werden ihn umbringen m�ssen, damit er es nicht weitererz�hlt. Wir sind tot, wenn die Himmelsschlangen davon erfahren.�</p><p>Der Rotr�cken landete am Ufer des Wasserlochs. Er war keine drei�ig Schritt von ihnen entfernt. Gro�e, gelbe Augen musterten sie aus geschlitzten Pupillen. Seine Beute schien er g�nzlich vergessen zu haben.</p><p>Nandalee sah aus den Augenwinkeln, wie Gonvalon nach dem Schwert griff. Er w�rde es tun. Er w�rde f�r sie, ohne zu z�gern, gegen den Drachen k�mpfen. So wie er sich dem Immerwinterwurm gestellt hatte.</p><p>�Du �berlegst, ob wir Beute sind.� Nandalee sprach laut und sehr langsam. Sie stellte sich vor, wie jedes ihrer Worte in die Gedanken des Drachen fand. Sie wusste nicht, wie intelligent Rotr�cken waren und ob sie wie die Himmelsschlangen ihre Stimme im Kopf von Elfen ert�nen lassen konnten. Sie hoffte einfach, dass er verstand, und w�hrend sie sprach, zog sie ohne Hast einen zweiten Pfeil aus dem K�cher und legte ihn auf die Sehne.</p><p>�Ich habe einmal einen Trollprinzen get�tet, weil er mir eine Jagd verdorben hat. Er war zehnmal so weit entfernt wie du. Mein Pfeil traf ihn mitten ins Auge und durchbohrte sein Hirn. Er war tot, bevor er begriffen hatte, was ihm geschah. Du hast gr��ere Augen als er�� Es w�re nicht klug, mich fressen zu wollen.�</p><p>Der Schweif des Drachen glitt unruhig hin und her und zerw�hlte das schlammige Ufer.</p><p>�Wir beide sind J�ger, du und ich. Aber ich t�te nur, um Nahrung zu bekommen oder um mich zu verteidigen.�</p><p>Der Drache reckte seinen Kopf auf dem schlangenhaften Hals vor. Sie roch seinen Atem. Das riesige Maul war nur noch sechs Schritt entfernt. Dunkle Blutspritzer schimmerten im letzten Abendlicht rund um seine Schnauze. Jeder einzelne seiner schneewei�en Z�hne war so lang wie ihr Unterarm. �berlegte er, sie mit einem Flammensto� zu t�ten?</p><p>�Geh zur�ck�, sagte Gonvalon leise. �Er hat sich zu weit vorgewagt. Er ist in Reichweite meines Schwertes. Ich werde ihm die Kehle durchschneiden.�</p><p>Nandalee bezweifelte nicht, dass er es schaffen konnte. Aber es war etwas anderes, einen gro�en Drachen zu verwunden und seinen Stolz zu verletzen oder aber ihn zu t�ten. Wenn Gonvalon das tat, dann w�ren sie beide verloren. Alle Drachen Albenmarks w�rden sie hetzen, und sie d�rften nicht l�nger darauf hoffen, beim Dunklen Schutz und Unterschlupf zu finden.</p><p>�Wir gehen jetzt�, sagte Nandalee mit fester Stimme. �Wir werden dir deine Beute nicht streitig machen. Doch wisse, du hast von meinem Fleisch gestohlen. Die Herde der gefl�gelten R�sser geh�rt mir�, erkl�rte sie frech. �Und ich lasse mich nicht bestehlen. Wirst du noch eines von ihnen rei�en, wirst du erfahren, was es bedeutet, gejagt zu werden. Ich komme aus Carandamon, weit im Norden, wo die Winterk�lte jeden Tag zu einem erbarmungslosen Kampf ums �berleben macht. Und wie mein Land bin auch ich. Erbarmungslos. Ich werde dich erlegen, wenn du noch eines meiner R�sser t�test. Es gibt Wild genug in der Savanne. Du wirst nicht Hunger leiden m�ssen.�</p><p>Ein dunkles Grollen erklang tief aus der Kehle des Drachen. Seine N�stern weiteten sich. Hei�er Atem schlug Nandalee ins Gesicht. Sie hob den Bogen und zog die Sehne bis weit hinter ihr Ohr zur�ck.</p><p>�Selbst wenn deine Flammen mich t�ten, wird dich der Pfeil noch treffen. Ich brauche nur loszulassen, und mein Zauber wird ihn sein Ziel finden lassen.�</p><p>Der Drache schnaubte.</p><p>�Du glaubst mir nicht?� Nandalee l�chelte ihn herausfordernd an. �Vielleicht l�ge ich. Vielleicht aber auch nicht. Wenn du jetzt die falsche Entscheidung triffst, dann war es deine letzte.�</p><p><emphasis>Drohungen beeindrucken mich nicht</emphasis>, erklang eine Stimme in ihren Gedanken. Sie schien nicht zu diesem blutgierigen Gesch�pf zu passen. Sie wirkte kultiviert, weise. Ein wenig erinnerte sie Nandalee sogar an den Schwebenden Meister. Doch da waren all die toten Pegasi. Es mussten sieben oder acht sein.</p><p>�Warum dieses Massaker? Das war keine Jagd, sondern ein Gemetzel.�</p><p><emphasis>Weil ich es kann.</emphasis></p><p>Diesmal schwang in der Antwort eine Arroganz, wie sie dem Schwebenden Meister fern gewesen war.</p><p><emphasis>Du wirst nun den Pfeil aus meinem Fleisch ziehen, meine Dame.</emphasis></p><p>Nandalee starrte ihn an. Der Rotr�cken war von einer so anma�enden �berheblichkeit, dass er sie faszinierte.</p><p>Gonvalon legte ihr die Hand auf den Arm. �Tu es nicht. Du kannst ihm nicht trauen. Sieh dir seine Aura an!�</p><p><emphasis>Ja, ich spreche auch in seinen Gedanken. Folge ruhig seinem Rat.</emphasis></p><p>Nandalee �ffnete ihr Verborgenes Auge, um erneut das magische Netzwerk zu sehen, das die Welt durchzog und alles miteinander verband. Sie sah das Rot m�hsam unterdr�ckten Zorns in der Aura des Drachens. Es vermischte sich mit dem Gold der Macht.</p><p>�Ich helfe dir, weil es mir so gef�llt�, entgegnete die Elfe ruhig. �Und weil ich wei�, dass Gonvalon dich t�ten wird, wenn du mir etwas zuleide tust. Ich werde den Pfeil herausschneiden m�ssen, da die Spitze Widerhaken hat. Das wird sehr schmerzhaft werden.�</p><p><emphasis>Komm, und tu es.</emphasis></p><p>�Du hast gesehen, wie er ist�, sagte Gonvalon. In seinem Blick lagen Sorge und Misstrauen. Er diente schon so lange den Drachen. Untersch�tzte sie deren Heimt�cke? �Geh nicht!�</p><p>Nandalee ignorierte die Warnung. Sie nahm den Pfeil von der Sehne und schob ihn in den K�cher zur�ck. Dann legte sie den Bogen zu Boden und n�herte sich dem Rotr�cken.</p><p>Noch immer peitschte der Schweif des Drachen durch den Uferschlamm. Seine Pupillen hatten sich geweitet, und ihr schimmerndes Schwarz verdr�ngte fast g�nzlich das Gelb der Iris. Nandalee h�rte das leise Zischen von Gonvalons Schwert, als es aus der ge�lten Lederscheide fuhr.</p><p><emphasis>Du bist die Elfe, an der der Dunkle einen Narren gefressen hat. Die Elfe, in deren Gedanken kein Drache lesen kann. Ich habe dich von Ferne beim Kampf um die Tiefe Stadt gesehen.</emphasis></p><p>Nandalee blickte auf die halbverbrannten Kadaver am Wasserloch. �Ich nehme an, du hast das Gemetzel dort genossen.�</p><p><emphasis>Es war zu schnell vor�ber. Und Zwerge sind nicht sehr wohlschmeckend. Zu z�h. Zu viele Haare. Es ist unangenehm, wenn einem Fellfetzen zwischen den Z�hnen h�ngen. Elfenfleisch hingegen��</emphasis> Er presste seinen schlangenhaften Leib an den Boden und drehte sich leicht auf die Seite, sodass sie den Pfeil, der dicht neben dem Fl�gelansatz in seinen Leib gedrungen war, besser erreichen konnte.</p><p>Nandalee zog ihr langes Jagdmesser. Sie hatte das Gelenk um weniger als einen Fingerbreit verfehlt. Der Pfeil steckte tief im Muskelfleisch. Sie musste all ihre Kraft aufbieten, um die z�he Schuppenhaut weiter aufzuschneiden. Fast schwarzes Blut troff aus der Wunde. Der Drache zuckte, gab aber keinen Laut von sich. Sein Hals war nach hinten gebogen, der Kopf ruhte auf seinem R�cken. Er beobachtete sie aufmerksam.</p><p>Vorsichtig lockerte Nandalee den Pfeil und zog ihn durch den klaffenden Spalt, den ihre Klinge ins Fleisch geschnitten hatte. Der Drache atmete scharf aus, als der Pfeil aus der Wunde glitt. Fleischfasern hingen an den Widerhaken.</p><p><emphasis>Ich bin geneigt, auch dir einen Teil des Schmerzes zuteilwerden zu lassen, den du mir geschenkt hast.</emphasis></p><p>�Ich denke, Gonvalon wird solchen Gro�mut nicht zu sch�tzen wissen.� Nandalee zupfte die Fleischfasern von der Pfeilspitze und wischte das Blut mit einem Lappen fort. �Vergiss nicht, was ich dir �ber meine Herde gesagt habe. Wenn du die fliegenden Pferde jagst, kehre ich zur�ck. Und dann werde ich dich t�ten.�</p><p>Der Rotr�cken bleckte seine Z�hne. <emphasis>Sehe ich aus, als w�re ich leicht umzubringen?</emphasis></p><p>Nandalee l�chelte ihn herausfordernd an. �Sehe ich aus, als w�re ich klug genug, um mich dadurch von irgendetwas abhalten zu lassen?�</p><p><emphasis>Nein, klug bist du in der Tat nicht. Ich sehe deine Zukunft, Nandalee. Du bist rastlos und launisch�� eines Tages wirst du all jene verraten, die dich lieben.</emphasis></p><p>�Wenn ich also schon gef�hrlich f�r die bin, die ich liebe, kannst du dir dann vorstellen, was jene erwartet, die ich hasse?�, entgegnete sie kalt und hielt den Blick des Rotr�cken so lange, bis dieser seine Schwingen ausbreitete und sich mit m�chtigem Fl�gelschlag vom Steppenboden erhob.</p><p>�Was hat er zuletzt gesagt?�, fragte Gonvalon, der den Drachen nicht aus den Augen lie�, als f�rchte er, der J�ger k�nne es sich noch einmal �berlegen und zur�ckkehren.</p><p>�Nur L�gen.�</p><p>Nandalee wusste, dass einigen der roten Drachen seherische F�higkeiten nachgesagt wurden. Hatte er die Warheit gesagt? Die Elfe konnte sich nicht vorstellen, dass sie Gonvalon je verraten w�rde.</p><p>Er war der eine, bei dem sie Frieden fand. Es w�rde niemals einen anderen geben.</p></section><section><title><p>Die Nacht der Sieger</p></title><p>Talawain betrachtete die Schlafende und sah dann in seinen bronzenen Handspiegel. Er hatte ihr Gesicht gut getroffen. Zufrieden legte er den Schminkpinsel zur�ck auf den kleinen Tisch neben seinem Lager und verschloss die Tiegel, in denen er all seine kostbaren Farben verwahrte, die auch Kazumi gerne verschwenderisch benutzte. Das Kajal in seinem Alabastersch�lchen, das er selbst aus dem Ru� von verbranntem Butterschmalz gefertigt hatte und mit silbernen St�bchen um die Augenr�nder auftrug. Oder das aus geriebenem Malachit gefertigte Pulver, mit dem er manchmal einen zarten, gr�nen Schatten auf seine Augenlider legte. Dazu Henna, das sparsam benutzt einen Hauch von Rot auf die Wangen zauberte. Mit einem L�cheln schloss er den kleinen Tiegel aus bl�tenwei�er Keramik, den Kazumi ihm geschenkt hatte. Er stammte aus ihrer Heimatstadt und enthielt eine Salbe aus Honig, Wachs, Ziegelstaub und Rubinpulver. Auf die Lippen aufgetragen, verlieh er diesen ein leuchtendes Rot, in dem sich funkelnd Lichtreflexe brachen. Nie zuvor hatte er eine solche Lippensalbe besessen. Nicht einmal in Albenmark. Talawain warf einen letzten, pr�fenden Blick in den Spiegel und nickte sich selbst zu. Es war gegl�ckt�� er sah Kazumi �hnlich genug, befand er.</p><p>Der Elf hatte sein Gesicht ein wenig ver�ndert, es runder erscheinen lassen, und seinem Haar hatte er eine schwarzseidene Farbe gegeben. Ein wenig Magie und viel Schminke hatten ihn in eine der ber�hmten Konkubinen vom Seidenfluss verwandelt.</p><p>Kazumi hatte ihn in den letzten beiden Wochen mehrfach mit der Gunst ihrer Anwesenheit beehrt. Oft genug, dass niemand sich wundern w�rde, sie sein Zelt verlassen zu sehen. Sie war von zierlicher Gestalt. Ein wenig kleiner als er, aber das w�rde wohl kaum jemand bemerken. Wie sie so dalag im warmen Licht der �llampe, war das M�dchen vom Seidenfluss eine Sch�nheit. Ganz anders als Ashira, die pockennarbige Masseurin, der seine Gunst zum Verh�ngnis geworden war. �Ich werde gut auf dich achtgeben�, fl�sterte er und strich ihr sanft das Haar aus dem Gesicht. Kazumi l�chelte im Schlaf. Sie w�rde lange schlafen. Er hatte Mohn in ihren Wein gegeben. Sie musste hierbleiben, denn sie war sein Alibi�� auch wenn sie davon nichts wusste.</p><p>Er zupfte das kostbare Wickelkleid zurecht, das er von ihr geliehen hatte. Der Saum war um ein weniges zu kurz. Aber bei einer Konkubine w�rde das kein Aufsehen erregen. Talawain nahm ihren langen, schwarzen Umhang von der Kleidertruhe und verlie� das Zelt. Die Siegesorgie im Lager hatte die ganze Nacht gedauert. �berall lagen Betrunkene. Manche hielten noch die Weiber im Arm, mit denen sie sich am�siert hatten. Er sah, wie ein junges M�dchen mit zerrissenem Kleid einem fetten Kerl, der zum Erbarmen schnarchte, die B�rse vom G�rtel schnitt. Die ertappte Diebin sah angstvoll zu ihm auf und hob ihr Messer.</p><p>Talawain sch�ttelte sanft den Kopf. Sollte sie die Geste deuten, wie sie wollte. Er ging weiter, ohne sie eines zweiten Blickes zu w�rdigen. Manchmal widerten ihn die Menschen an. Drau�en auf dem Schlachtfeld mussten noch Hunderte Verwundete liegen, wenn nicht Tausende. Statt sie zu bergen, feierten sie und soffen und hurten sich um den Verstand. Sicher, der Schrecken der Schlacht steckte ihnen noch in den Gliedern. Aber war das eine Entschuldigung, jene sterben zu lassen, die vielleicht gerettet werden k�nnten? Der Unsterbliche h�tte in dieser Nacht nicht das Lager verlassen d�rfen! Auf ihn h�tten sie geh�rt. So nobel es war, einen der Toten stellvertretend f�r alle anderen in sein Dorf zur�ckzubringen, es h�tte nicht in dieser Nacht geschehen sollen.</p><p>�He, Sch�ne. Wie w�r�s mit uns beiden?� Aus einem Zelt, dessen Seitenw�nde hochgeklappt waren, winkte ihm ein b�rtiger Zecher zu. Er trug ein langes, himmelblaues Gewand mit goldenen Stickereien. Da es keiner der Satrapen war�� die kannte Talawain alle��, musste er zu den Hauptleuten geh�ren, die von den Bauernkriegern gew�hlt worden waren. Wahrscheinlich ein verdienter Mann. Die ihn umgebenden Zechkumpane waren Talawain ebenfalls unbekannt, doch dann sah er Mataan, den Satrapen von Taruad, einen der engsten Vertrauten des Unsterblichen Aaron. Obwohl er noch aufrecht sa�, sah der Fischerf�rst zum Erbarmen aus. Sein wettergegerbtes Gesicht wirkte ausgezehrt, die Augen waren rot entz�ndet. Er trank offensichtlich nicht, um zu feiern. Er wollte das Grauen der Schlacht in Wein ertr�nken.</p><p>�Komm schon, M�dchen. Ich zeige dir, wie man richtig feiert!�</p><p>Talawain wich scheu zur�ck. Seine Verkleidung war ihm augenscheinlich gut gelungen. Vielleicht etwas zu gut.</p><p>Nun stand der Kerl mit dem Bart m�hsam auf. Im Sitzen hatte er gr��er gewirkt. Vielleicht spielte er sich deshalb so auf. Ein kleiner Mann, der Aufsehen suchte.</p><p>�Zier dich nicht so! Du bist auch nur eine Schlampe wie all die anderen Huren im Lager. Komm, ich habe heute mein Blut vergossen, jetzt will ich Spa�!�</p><p>�Auch f�r mich sind die Tage des Blutes gekommen�, entgegnete Talawain mit gesenktem Blick. �Ich bitte um Verzeihung, wenn ich Euch deshalb nicht zu Willen sein kann, edler Recke.�</p><p>�Mich st�rt das nicht.� Der Krieger machte einen schwankenden Schritt in seine Richtung, als Mataan ihn packte. �Lass sie, Arikan, oder willst du unseren Sieg besudeln, indem du ein Weib entehrst.�</p><p>�Ich bin fast von einem dieser grauen Ungeheuer zertrampelt worden. Ich habe stundenlang im Schildwall gek�mpft und mich dabei mit Blut, Schei�e und dem Hirn von erschlagenen Feinden besudelt.� Arikan stie� Mataans Hand weg und lavierte sich zwischen mehreren Kriegern hindurch, die auf Teppichen und Kissen hingestreckt lagen und dem Geschehen neugierig folgten. Einer der M�nner hielt ein leicht gesch�rztes M�dchen in den Armen. Er feuerte ihn zuerst an, dann folgten weitere und bald br�llten alle im Zelt, er solle sich holen, was er haben wolle. Der Hauptmann streckte die Arme aus und verbeugte sich wie ein Schauspieler, der auf der B�hne dem Applaus seines Publikums dankt. �Ich glaube�, erkl�rte Arikan mit tief dr�hnender Bassstimme, �meine Ehre hat erheblich gelitten, als ich wimmernd zwischen den stampfenden F��en des Kopfschw�nzlers umhergekrochen bin. Und ich glaube auch, dass man ein Weib, das seine Ehre schon l�ngst verkauft hat, gar nicht mehr entehren kann.�</p><p>Gr�lender Beifall begleitete seine Worte.</p><p>Inzwischen war auch Mataan aufgestanden und vor das Zelt getreten. Er sah Talawain durchdringend an. Der Fischerf�rst war n�chtern, daran konnte es keinen Zweifel geben.</p><p>�Du stellst dich hinten an, Mataan�, lallte Arikan und packte Talawain beim Arm.</p><p>�Halt ein, mein Freund! Dieses Weib schleicht sich in den dunkelsten Stunden der Nacht in das Zelt des Hofmeisters Datames�, fl�sterte Mataan ihm so leise zu, dass die anderen Zecher ihn nicht h�ren konnten. �Sie ist die Geliebte des goldhaarigen Gecken, der mehr Einfluss als irgendein anderer Mann bei Hof besitzt und von dem man sich obendrein noch erz�hlt, er habe gestern gek�mpft, als sei ein Daimon in ihn gefahren. Bist du dir ganz sicher, dass du dieses Weib begehrst? Ich werde dich nicht abhalten, sie dir zu nehmen, wenn du willst. Aber ich sch�tze, noch bevor die Sonne wieder hinter den Bergen versinkt, wirst du in einer der langen Gruben liegen, in denen sie zu Tausenden die Toten der Schlacht verscharren. Sind die Launen deines Schwanzes dir dieses Opfer wirklich wert?�</p><p>Der Hauptmann lie� Talawain los, als h�tte er sich verbrannt. �Das h�ttest du sagen k�nnen, du�� du��� Er blickte zur�ck zu seinen Gef�hrten und lachte laut auf. �Danke f�r die Warnung, Satrap. Bei den Hauern des Mannebers, bei der holt man sich weit Schlimmeres als ein paar Blutstropfen auf dem Schwanz�� Solche Weiber sollte man davonjagen! Die bringen ganz allein mehr M�nner unter die Erde als eine Hundertschaft Luwier!� Mit diesen Worten zog sich Arikan ins Zelt zur�ck, wo er mit h�hnischen Sp��en empfangen wurde.</p><p>Talawain wollte sich eben erleichert zur�ckziehen, als Mataan ihn zur�ckhielt. Der Fischerf�rst war gr��er und beugte sich zu ihm hinab, sodass er dessen weinsauren Atem riechen konnte. �Ich kenne Kazumi, sie hat mir in den letzten Monden an einigen Abenden die Gunst ihrer Anwesenheit geschenkt. Ich wei� nicht, warum Ihr Euch ihre Kleider ausleiht und geduckt durch das Lager schleicht, aber ich werde es herausfinden, <emphasis>Hofmeister</emphasis>.� Mataan sprach beherrscht und leise, doch das lie� seine Worte nur umso eindringlicher klingen.</p><p>�Ich werde Euch zu gegebener Zeit erkl�ren, welche Mission des Unsterblichen mich zu dieser Maskerade zwingt�, entgegnete der Elf ernst. Ein Hauch von Zweifel stahl sich in Mataans Antlitz. Zufrieden wandte sich Talawain ab und schritt davon.</p><p>Er verlie� das Lager ohne weiteren Zwischenfall und reihte sich in die langen Reihen derer ein, die ihre Beute vom Schlachtfeld trugen. Helme und Brustpanzer aus polierter Bronze, eiserne Speerspitzen, B�ndel aus blutverschmierten Gew�ndern und staubbedeckten Sandalen waren darunter. Zwischen den Kriegern und H�ndlern schritten in langen Reihen die Gefangenen. Die meisten waren nackt, manchen waren S�cke �ber den Kopf gest�lpt worden. M�nner mit harten Gesichtern und Knotenst�cken in den H�nden trieben sie der Sklaverei entgegen.</p><p>Talawain dachte an die Drohung Mataans. Der Satrap geh�rte zu den engsten Vertrauten des Unsterblichen Aaron. Er h�tte sich eine bessere L�ge einfallen lassen sollen. Mataan war eine Gefahr. Der Elf wusste, dass es weise w�re, nicht mehr an den Hof des Unsterblichen Aaron zur�ckzukehren. Er hatte genug von der Barbarei der Menschenkinder gesehen. Ungez�hlte Jahre war er nun schon hier. Sein Einsatz als Spitzel der Blauen Halle wurde zu gef�hrlich. Aber er wollte noch erleben, wie Aaron seinen Sieg nutzte. Ein letztes Mal noch w�rde er dessen Hofmeister sein. Er musste auf den Herrscher einwirken, bevor er vor die Devanthar trat. Die Schlacht des gestrigen Tages hatte das Machtgef�ge der Welt ver�ndert. Jetzt gab es unter den sieben Unsterblichen einen Ersten unter Gleichen. Das mochte schwerwiegende Konsequenzen f�r Nangog und Albenmark haben. Und deshalb musste die Blaue Halle noch heute davon erfahren.</p></section><section><title><p>Drei Tode</p></title><p>I�ta schritt �ber eine flache Grube hinweg, in der ein zusammengekr�mmter Leichnam lag. Ein St�ck entfernt hob ein schmutzig gelber Hund den Kopf und blickte argw�hnisch in ihre Richtung, als f�rchte er, sie sei gekommen, um ihm sein Aas zu rauben.</p><p>Die Devanthar musste unwillk�rlich l�cheln. �Ich bin eine J�gerin. Ich fresse nicht, was andere f�r mich get�tet haben.� Sie blickte auf das Lager, dessen hell erleuchtete Zelte aus der Ferne wie riesige Lampions aussahen. Bis hierher h�rte sie das ausgelassene Gr�len der Betrunkenen und das helle Gel�chter der Weiber, die mit ihnen feierten. Sie waren seltsam, die Menschenkinder. Wahrscheinlich hatte fast jeder in diesem Lager am Tag Freunde auf dem Schlachtfeld verloren, und dennoch feierten sie, seit die Sonne untergegangen war. I�ta mochte die Sterblichen. Es war unendlich erfrischend, ihrem Treiben zuzusehen. Dem steten Wandel von allem. Sie w�rde sie beobachten und zu immer neuen Torheiten aufstacheln. Das war ihr Lebensinhalt.</p><p>Mit festem Schritt eilte sie dem Lager entgegen. Sie hatte die Gestalt des Hofmeisters angenommen. Sie h�tte auch den Lauf der Zeit verlangsamen k�nnen, wie es ihr Bruder, der Wei�e Wolf, so gerne tat. Aber solch einen Zauber zu weben kostete mehr Kraft, als die Aufgabe dieser Nacht wert war.</p><p>Mitternacht war l�ngst vor�ber. Ihre Br�der und Schwestern hatten nach der Schlacht zu lange beraten. Ihretwegen�� Es war dumm gewesen, einen Unsterblichen vor den Augen Tausender Menschenkinder zu enthaupten. Dumm und unverzeihlich. Ein einziger Augenblick unbedachten Zorns hatte die Arbeit von Jahrhunderten besch�digt. Ein Unsterblicher hatte sein Leben gelassen! Wenigstens war es eine Hinrichtung durch einen Devanthar gewesen, so hatte sie sich verteidigt, als ihr Bruder, der missgestaltete Schmied, dieselbe Strafe forderte, die einst ihre Schwester Anatu ereilt hatte, nachdem sie sich mit einer Himmelsschlange eingelassen hatte.</p><p>I�ta atmete schwer aus. Der L�wenh�uptige hatte ihr leidenschaftlich widersprochen. Selten hatte sie ihn so zornig erlebt. Dass einer von ihnen den Tod des Unsterblichen Muwatta herbeigef�hrt habe, verbessere gar nichts, hatte er dargelegt. Im Gegenteil, so hatten auch sie selbst Schaden genommen, denn bewies die Hinrichtung nicht, dass auch sie, die G�tter, sich geirrt hatten? Denn sie hatten Muwatta zum Gott unter Menschen erhoben, und es hatte sich gezeigt, dass er dieser Ehre nicht w�rdig war. Wie hatten sie sich so t�uschen k�nnen! Und wie lange w�rde es dauern, bis sich die ersten Menschenkinder fragten, ob sich die Devanthar nicht auch in anderen Dingen t�uschten?</p><p>I�ta hatte in den Augen ihrer Br�der und Schwestern lesen k�nnen, wie der L�wenh�uptige ihre Herzen gewann. Er wollte sie vernichten. Die Niederlage Muwattas gen�gte ihm nicht. Er wollte sie im Staub sehen. Und fast w�re es ihm gelungen.</p><p>Es waren ausgerechnet die Elfen, die sie gerettet hatten. Und nat�rlich ihr eigener k�hler Mut, den sie selbst in verzweifelter Lage bewahrte. I�ta hatte sich gegen�ber ihren Br�dern und Schwestern reum�tig gezeigt, ihre Fehler eingestanden und dann den Gedanken des L�wenh�uptigen noch weitergesponnen. In dem Augenblick, in dem alle gegen sie waren, hatte sie ihre Br�der und Schwestern gefragt, wer dem Ansehen der Devanthar unter den Menschen wohl den gr��ten Schaden zuf�gen w�rde? Und hatte, noch bevor t�richte Spekulationen die Runde machen konnten, selbst die Antwort gegeben: Die gr��te Gefahr ging von den Elfenspitzeln aus, die sich an allen H�fen der Unsterblichen eingeschlichen hatten. Wenn diese die Gunst der Stunde nutzten, um Zweifel zu s�en, mochte der Schaden unabsehbar werden. War der Zweifel an den G�ttern erst einmal in die Herzen der Menschenkinder gepflanzt, die Devanthar w�rden ihn nie wieder herausrei�en k�nnen.</p><p>Verfolgten sie die Zweifler offen, dann w�rde man munkeln, es sei etwas Wahres an den Geschichten �ber die fehlbaren G�tter, da sie doch alles taten, um Gottesl�sterer zum Schweigen zu bringen. Unternahmen sie aber nichts, dann w�rde ihnen dies als Schw�che ausgelegt�� und G�tter durften alles sein, nur nicht schwach. Sie waren es, zu denen die Sterblichen in ihren verzweifeltsten Stunden aufblickten, um in ihnen die St�rke und Unfehlbarkeit zu suchen, die den Menschen fehlten.</p><p>Voller Genugtuung erinnerte sich I�ta an die beklommene Stille, die ihren Ausf�hrungen gefolgt war. Und dann war sie auf Datames zu sprechen bekommen, den Elfen, der sich in Menschengestalt am Hof des Unsterblichen Aaron eingeschlichen hatte und zum Ratgeber des Herrschers aufgestiegen war. Es war nicht das erste Mal, dass im Gelben Turm �ber ihn gesprochen worden war. Datames war es gewesen, der sie auf die Spur der Blauen Halle gebracht hatte. Dank ihm hatten die Devanthar aufgedeckt, wie umfassend die Alben und ihre Statthalter, die Himmelsschlangen, gegen den alten Vertrag �ber den Frieden zwischen den Welten verstie�en. Dutzende von Elfenspitzeln hatten sie inzwischen aufgesp�rt.</p><p>Kein Albenkind h�tte jemals seinen Fu� auf den Boden Daias setzen d�rfen. Aber sie kamen und schn�ffelten, denn sie hielten sich f�r vollkommen in all ihren Taten, diese verfluchten Alben. Sie sahen sich als Lichtgestalten, die sich gegen die Finsternis stellten. Und hielten dabei ihre Welt in l�hmender Ordnung gefesselt.</p><p>I�ta erinnerte sich noch gut an die Alben, obwohl ein Zeitalter verstrichen war, seit sie ihnen das letzte Mal begegnet war. Diese Narren hatten sich eingeredet, Gerechtigkeit zu �ben, als sie gemeinsam mit den Devanthar Nangog gestraft hatten. Die Riesin hatte sich heimlich ihre eigene Welt erschaffen. Sie w�re zur dritten Macht aufgestiegen, h�tte man sie gew�hren lassen, dabei war es ihr nur bestimmt gewesen zu dienen.</p><p>I�ta sah ganz klar, wie perfide und grausam die Strafe gewesen war, die sie f�r die Riesin ersonnen hatten. Die Alben jedoch hatten sich hinter der L�ge verschanzt, dass ein ma�loser Verrat eine ma�lose Strafe rechtfertigte.</p><p>Die Devanthar erreichte den Rand des Heerlagers. Niemand hielt sie auf. Jeder kannte den Hofmeister, die rechte Hand des Unsterblichen Aaron. Am�siert betrachtete sie die Betrunkenen und Ersch�pften, die im Staub lagen und schliefen, w�hrend Fliegen �ber ihre verschwitzten Leiber krochen. Andere hatten nicht das Gl�ck, Schlaf gefunden zu haben. Sie glotzten sie aus hohl�ugigen Gesichtern an, aus denen wohl nie mehr ganz der Schrecken der Schlacht weichen w�rde. Es waren Bauern und Handwerker, die nie zuvor get�tet hatten. M�nner, die nicht zu Kriegern geboren waren, sondern dazu, etwas durch ihrer H�nde Arbeit zu erschaffen. Die meisten hielten mit festem Griff ihre Weinbecher umklammert. Einigen schien bereits aufzugehen, dass aller Wein der Welt nicht gen�gen w�rde, um die Erinnerung an das, was sie gesehen und getan hatten, hinwegzusp�len.</p><p>Es gab drei Arten von Tod, die einen Mann auf dem Schlachtfeld erwarteten. Den schnellen Tod, wenn eine Klinge das Herz durchbohrte, eine Dornaxt sich in den Sch�del fra� oder man auf andere Art so schwer verwundet wurde, dass die Erl�sung von allem Leid nicht lange auf sich warten lie�. Dann gab es die heimt�ckischeren Wunden, die Hoffnung machten, noch einmal davonzukommen, wenn man nur hart genug um sein Leben rang. Manchmal waren es Wunden, die dem Verletzten erst auffielen, wenn sich das Fleisch entz�ndete und er bei lebendigem Leib zu verfaulen begann. Bei einem starken Mann konnte dieser Tod Wochen dauern.</p><p>Noch schlimmer aber war der dritte Tod. Er erwartete jene M�nner, in deren Gem�t inmitten der grausamen Schlacht etwas zerbrochen war. Sie w�rden nie mehr zu dem Leben zur�ckfinden, aus dem sie der Ruf zu den Waffen gerissen hatte. Sie konnten nicht vergessen, was sie im Kampf gesehen hatten. Konnten die Sorgen und �rgernisse eines normalen Lebens nicht mehr begreifen. Sie grenzten sich aus. Bald w�rden sie gemieden werden. Sie lachten wenig und wenn, dann oft �ber Dinge, die alle anderen nicht komisch fanden. Meist aber waren sie m�rrisch und verschlossen. Und sosehr sie sich auch bem�hten, sie fanden aus dem Gef�ngnis, in das ihre Seele blindlings hineingestolpert war, nicht mehr heraus. Hier, unter jenen, die selbst im Suff keinen Schlaf fanden, war die Devanthar inmitten von M�nnern, auf die jener dritte, der grausamste aller Tode, wartete.</p><p>I�ta ging unbeirrt weiter. Aus manchen der Zelte erklangen die falschen Lustschreie der Huren oder einfach nur dumpfes St�hnen und das Ger�usch aufeinanderklatschenden Fleischs. Es gab mehr Wege als nur den Suff, vor dem Schrecken des Schlachtfeldes zu fliehen. Manche Paare trieben es auch in aller �ffentlichkeit. Sie wanden sich auf dem staubigen Boden und ignorierten, wie sie von den Betrunkenen angestarrt wurden. Alle Ordnung im Lager war zusammengebrochen.</p><p>I�ta hatte nun fast den inneren Zirkel der Zelte erreicht. Jenen Ort, der den Satrapen, den Feldherren und dem Unsterblichen vorbehalten war. Hier brannten mehr Lichter. Einige der Zelte waren aus kostbarer Seide gefertigt. Es roch nach schwerem, gew�rztem Wein, nicht nach dem billigen Fusel, den die einfachen Krieger tranken. Und es duftete nach Rosen. Parf�m. Die Huren waren h�bscher. An ihren Armen prangten goldene Reifen. Ihr Lachen und St�hnen klang hier wesentlich �berzeugender. Doch die Augen jener, die nicht zu betrunken waren, um aufzublicken, wenn sie vor�berging, waren genauso leer wie die Augen der Handwerker und Bauern.</p><p>Nur ganz selten begegnete ihr ein Blick, dessen H�rte keine Seelenqual kannte. Der Blick eines Kriegers, eines Mannes, der dem Tod schon so oft gegen�bergestanden hatte, dass er allen Schrecken f�r ihn verloren hatte.</p><p>I�ta ging auf das Zelt des Datames zu. Ein m�der W�chter erhob sich von einem Stapel S�cke, auf denen das Siegel der Goldenen Stadt prangte, und starrte sie �berrascht an. �Ihr, Herr? Ich dachte, Ihr schlaft.�</p><p>�Nun, mir scheint, du warst derjenige, der geschlafen hat, wenn du nicht bemerkt hast, wie ich gegangen bin�, entgegnete die Devanthar leise und las in den Gedanken des W�chters, der sich vor M�digkeit kaum auf den Beinen halten konnte. Datames war fr�h am Abend mit einem schwarzhaarigen M�dchen in sein Zelt gekommen und hatte es seitdem nicht mehr verlassen. Es war also ganz so, wie sie es erhofft hatte�� sie w�rde den Elfen nicht im Heerlager suchen m�ssen. Zufrieden dachte I�ta daran, wie sie ihren Br�dern und Schwestern seinen Tod abgetrotzt und wie sie den L�wenh�uptigen in Missgunst gebracht hatte. Zu lange hatte dieser um Datames gewusst und es ihnen nicht gesagt. W�rde er ihn t�ten, wenn es von ihm gefordert wurde? Wohl kaum!</p><p>Ihr Bruder war seltsam. Er fand zu viel Gefallen an den Menschen. Und wom�glich sogar an Datames. Man hatte ihm andere Elfenspitzel �berlassen, um den Beweis zu erbringen, dass er ohne zu z�gern t�ten w�rde. Dieser hier aber geh�rte ihr. Und sie w�rde es genie�en, ihm das Leben in kleinen H�ppchen zu entrei�en.</p><p>�Ich habe Euch das Zelt nicht verlassen sehen�, murmelte der W�chter �berrascht.</p><p>�Wenn ich es nicht verlassen h�tte, k�nnte ich wohl kaum zur�ckkehren.�</p><p>Die Verwirrung stand dem Menschensohn ins Gesicht geschrieben. Schlie�lich nickte er zerknirscht. �Verzeiht, ich muss wohl im Stehen geschlafen haben���</p><p>�Es sei dir vergeben�, entgegnete die Devanthar ruhig und schlug die Plane am Eingang des Zeltes zur�ck. Der Geruch eines s��lichen Parf�ms schlug ihr entgegen. Sie h�rte leises Atmen. Datames hatte ein richtiges Bett in seinem Zelt. I�ta musste schmunzeln. Tausende schliefen hier im Dreck, aber ein Elf tat so etwas nat�rlich nicht.</p><p>Die Zeltwand d�mpfte den Schein der Lagerfeuer. In dem matten, r�tlichen Licht sah sich I�ta bed�chtig um. Datames hatte ganz gewiss alles, was von Bedeutung war, an die Albenkinder verraten. Schon vor Jahren hatte er sich in den Palast eingeschlichen, und als Hofmeister kannte er die Geheimnisse des Reiches Aram wie kein Zweiter. Er wusste, welche Satrapen treu waren und wer den Unsterblichen betrog. Wusste, wie viele Krieger Aram aufzubieten vermochte, wo die Schw�chen in der Verteidigung waren, und vor allem wusste er, wie abh�ngig alle Gro�reiche von den Korn- und Reislieferungen aus Nangog waren. Wurde diese Lebensader durchtrennt, w�rde es �berall auf Daia zu Hungersn�ten kommen.</p><p>I�ta war erstaunt, welchen Prunk der Elf hier versammelt hatte: goldene Weinbecher, eine wundersch�n gefertigte Truhe, das gro�e Bett. Verrat war augenscheinlich ein eintr�gliches Gesch�ft. Er schwelgte im Luxus, wo alle darbten. Dieser Zustand konnte nicht l�nger geduldet werden. Sie w�rde die T�r zuschlagen, die von den Alben und den Himmelsschlangen in aller Heimlichkeit in ihre Welt ge�ffnet worden war.</p><p>Sie trat an das Bett, und ein gehauchtes Wort der Macht lie� das Seidentuch zur Seite flie�en. Zierliche Schultern und langes, schwarzes Haar sch�lten sich aus dem f�rstlichen Gelb des Tuchs. Die Devanthar hielt inne. Es lag sonst niemand im Bett. Niemand anderes war im Zelt. Der Elf trieb also seine Spielchen, hatte sich davongeschlichen�� Der Hofmeister musste gewusst haben, wie viele Devanthar Zeugen des Zweikampfs zwischen Muwatta und Aaron gewesen waren und hatte geahnt, das ihnen auch seine wahre Herkunft nicht verborgen geblieben war. Deshalb war er geflohen. Er wusste, dass seine Zeit abgelaufen war!</p><p>I�ta musterte das M�dchen. Ihr Atem ging regelm��ig. Zart, wie ein gehauchter Kuss, ber�hrte sie mit den Fingerspitzen das Haupt des M�dchens und las in ihren Erinnerungen. Ihr Schlaf war tief. Sie kam gerne hierher. Eine Nacht mit einem freundlichen Liebhaber in einem sauberen Bett war inmitten des Heerlagers eine seltene Gunst des Schicksals. Sie tr�umte von einem Park voll bl�hender Kirschb�ume. Ein pl�tzlicher Windsto� h�llte sie in tausend wirbelnde zartrosa Bl�tenbl�tter. In ihrem Traum war sie noch ein Kind. Ihr Lachen klang hell und unbeschwert. Ein Lachen, von dem nichts mehr geblieben war, verloren in der Zeit, ebenso wie die seidenen Bl�tenbl�tter jenes lang vergangenen Nachmittags in ihrer Kindheit.</p><p>Die Devanthar lie� von der jungen Frau ab und sah sich erneut im Zelt um. Betrachtete den gro�en Tisch voller Tont�felchen. Bemerkte, dass das Kleid des M�dchens verschwunden war und allein Gew�nder des Hofmeisters herumlagen. Am Rand eines schmalen Tisches standen kleine Schminktiegel. Daneben lag ein Handspiegel aus polierter Bronze mit einem langstieligen Griff, der eine nackte Frau zeigte, deren ausgestreckte Arme den unteren Teil des Spiegels einfassten. Da begriff I�ta, was geschehen war.</p><p>Sie trat zu dem Tischchen, strich �ber den Spiegel und sah, was die glatte Bronzefl�che als Letztes gesehen hatte. Datames, wie er sein Antlitz ver�nderte, seine Z�ge denen des M�dchens anpasste und sich schminkte. Er war ihr entkommen, diesmal. I�ta �berflog nachdenklich die Tontafeln. Dieser Elf war das Herz des Reiches Aram geworden. Er war mehr als nur ein Spitzel�� Er tat dies hier aus Leidenschaft. Und er w�rde wiederkommen.</p><p>Die Devanthar strich �ber die kalte Bronze des Spiegels und hinterlie� einen Gru� f�r Datames. Dann wandte sie sich dem M�dchen zu. Es gab andere Wege, den Hofmeister zu vernichten, als langsam das Leben aus ihm herauszuschneiden. Noch in dieser Nacht w�rde eine kleine Schar Devanthar Krieg nach Albenmark tragen, den die Himmelsschlangen und ihre Herren begonnen hatten. Und sie war eine der Auserw�hlten, die f�r Daia k�mpfen w�rde.</p></section><section><title><p>Das Feld der Fliegen</p></title><p>Barnaba dr�ckte dem Toten die Augen zu. Das Silber des ersten Morgenlichts lie� dessen Antlitz unnat�rlich fahl aussehen. Mit fahriger Geste wischte sich der gefallene Priester mit seinem Handr�cken �ber die Stirn und stemmte sich hoch. Obwohl er die drei�ig noch nicht erreicht hatte, st�tzte er sich wie ein alter Mann auf einen knochenbleichen Stab aus verwachsenem Holz. Gatha, der hagere Schamane, der den Steinrat von Garagum beherrschte, hatte einen speckigen Lederbeutel und einen Streifen roten Stoffs daran gebunden. Die Zeichen eines heiligen Mannes�� auch wenn Barnaba sich sicher war, dass die meisten Krieger hier auf der Ebene ihre Bedeutung nicht kannten.</p><p>Er lie� den Blick �ber das weite Schlachtfeld schweifen. Erst hatte er nicht kommen wollen. Es war Gatha, der ihn gedr�ngt hatte. Es sei die Pflicht der Heiligen M�nner, den Sterbenden beizustehen, hatte er gesagt. Und Gatha hatte recht damit gehabt.</p><p>Barnaba wusste nicht mehr, wie vielen Kriegern er in dieser Nacht Trost gespendet hatte. Es mussten Dutzende gewesen sein. Manche weinten, erz�hlten schluchzend von ihren Kindern und Weibern, andere verfluchten ihr Schicksal oder wimmerten vor Schmerz. Frieden kehrte auf einem Schlachtfeld auch dann nicht ein, wenn die Waffen ruhten.</p><p>Barnaba war fassungslos, wie viele Verwundete einfach liegen geblieben waren, w�hrend ihre Kameraden im Lager ihren Sieg feierten.</p><p>Dumpfes Jammern, Schmerzensschreie und Hilferufe oder einfach nur das leise Flehen um Wasser waren das Lied des n�chtlichen Schlachtfeldes. Und das Tuscheln der Leichenfledderer, meist �ltere Frauen, die sich sonst als K�chinnen und N�herinnen im Lager verdingten. Auch das Knurren der Hunde, die um die besten Happen stritten, all das konnte Barnaba ertragen�� es waren Ger�usche, die aufbrandeten und wieder verstummten. Doch eines blieb die ganze Nacht. Es war immer da, leise und eindringlich: das Summen der Fliegen. Sie waren ohne Zahl. Und wenn sie die Eier ablegten, aus denen binnen einer einzigen Nacht Maden schl�pften, unterschieden sie nicht zwischen Toten und Sterbenden. Ihre Brut n�hrte sich auch von denen, die zu schwach waren, noch mit der Hand zu wedeln, um die Fliegen zu verscheuchen.</p><p>Erst vor ein paar Tagen hatten ihn die J�ger von seiner geliebten Iku�ka getrennt und gnadenlos zusammengeschlagen. Danach war er kaum mehr in der Lage gewesen, einen Arm zu heben. Er ballte die F�uste und k�mpfte gegen das Schluchzen an, das seine Kehle hinaufstieg. Tr�nen standen ihm in den Augen. Iku�ka! Die Xana aus dem einsamen Tal hatte ihm das Leben gerettet. Der Traum seiner Kindheit war wahr geworden. Gegen jede Wahrscheinlichkeit. Es war nichts Daimonisches an ihr gewesen. Sie hatte vielmehr Angst gehabt vor dieser Welt, den Menschen und den �berm�chtigen Devanthar. Und dennoch hatte sie ihn gerettet. Mit ihr war er so gl�cklich gewesen, dass er es f�r einen Traum gehalten hatte.</p><p>Dann war Gatha mit den J�gern und Hirten der Berge gekommen und hatte alles zerst�rt. Sie hatten Iku�ka ermordet und ihn verschleppt. Auf eins ihrer kleinen, stinkenden Pferde gebunden, war er hierhergekommen, auf diese trockene Ebene, die zwei eitle Unsterbliche zum Schlachthaus ihrer V�lker auserkoren hatten. Fliegen hatten Barnaba damals auf dem ganzen Weg von den Bergen zur Ebene umkreist. Sie waren ihm in die Augenwinkel und Nasenl�cher gekrochen, gierig nach jedem Hauch von Feuchtigkeit. In seine schw�renden Wunden hatten sie ihre Eier gelegt. Und er hatte sich nicht wehren k�nnen, war auf ein Pferd gebunden und war den ersten Tag lang dem Tod n�her als dem Leben gewesen. Schon vor der Schlacht hatte er die Fliegen f�rchten gelernt. Ihr tiefes, leises Summen war ihm ein Grauen. Er musste es nur h�ren und bildete sich schon ein, ihre kleinen schwarzen Beine wieder auf seinem Gesicht zu sp�ren.</p><p>Schwer auf seinen Stab gest�tzt, wanderte er weiter, den Blick auf den Boden gerichtet. Einige der toten Leiber waren schon aufgedunsen. Leicht s��licher Verwesungsgeruch begann den Gestank nach F�kalien zu �berlagern. Wenn man den Odem des Todes lange genug einatmete, hinterlie� er einen �blen Geschmack im Mund, der sich nur mit saurem Wein oder Essigwasser hinuntersp�len lie�.</p><p>Barnaba strich sich erneut mit einer fahrigen Geste �ber das Gesicht. Es waren keine Fliegen dort! Heute kamen sie zu den Toten, nicht zu den Lebenden. Er betrachtete seine Hand, die sich nicht mehr seinem Willen f�gte. Sie war mit Schorf �berzogen und noch immer geschwollen von den Schl�gen. Das dunkle, fast schwarze Blau der Prellungen begann an den R�ndern zu einem leicht gr�nlichen Ton zu verblassen. Er musste sich diese Geste wieder abgew�hnen. Musste er? Was sollte dieser Anflug von Eitelkeit? Die J�ger und Hirten der kargen Berge Garagums hielten ihn ohnehin f�r verr�ckt. Er war ein Mann, den die G�tter ber�hrt hatten. Einer, den sie sich nicht mehr nehmen lie�en. In seinen Gedanken hallten ihre hasserf�llten Schreie wider. Barnaba schloss die Augen und sah noch einmal, wie Iku�ka von ihren Pfeilen durchbohrt wurde.</p><p>�Lass deine Finger davon!�, zischte eine raue Stimme hinter ihm.</p><p>Das blutige Bild in seiner Erinnerung zerstob, doch blieb das Gef�hl, auch er selbst sei von diesen Pfeilen t�dlich verwundet worden. Wie konnte man weiterleben, wenn man sein Gl�ck gefunden und es wieder verloren hatte?</p><p>�Ich habe es zuerst gesehen. Lass es liegen!�, giftete die raue Stimme erneut.</p><p>Barnaba drehte sich m�de um und sah eine junge Frau ein paar Schritt entfernt zwischen den Leichen kauern. Ihr gegen�ber stand gestikulierend eine Alte mit drohend erhobener Faust. Die junge Frau hockte �ber einem Krieger mit langem, schwarzem Haar, dessen Kopf in unnat�rlichem Winkel verdreht war. Der Tote war nackt. Ausgepl�ndert. Er musste einmal ein bedeutender Mann gewesen sein, denn die Leichenfledderer hatten ihm weder sein Lendentuch noch seine Sandalen gelassen. Ein Satrap vielleicht? Oder ein Leibw�chter der beiden Unsterblichen? Er war von stattlicher Statur. Ganz anders als das M�dchen, das sich nun gierig �ber ihn beugte. Ihr Gesicht war von roten Geschw�ren bedeckt. Ihr Mund klaffte auf. Eines ihrer Augen war zugeschwollen, das andere funkelte schwarz im blassen Morgenlicht. �Etwas zu sehen hei�t nicht, es zu besitzen�, entgegnete sie und hob einen Dolch auf, dessen Klinge silbern blitzte. Ein eisernes Messer. Die Waffe musste ein kleines Verm�gen wert sein, auch wenn die Luwier viel Eisen auf das Schlachtfeld getragen hatten.</p><p>�Geh zu den M�nnern, M�dchen. Schenk ihnen ein L�cheln, und das Gold des Schlachtfelds flie�t in deine B�rse, ohne dass du dich b�cken musst. Und lass mir, was mir geh�rt!� Die Alte streckte fordernd die Rechte aus. Ein zerschlissener Umhang hing von ihren Schultern. Er verdeckte das kurze Messer, das sie in der Linken hielt.</p><p>�Tu das nicht!�, rief Barnaba best�rzt. �Heute ist genug Blut geflossen.�</p><p>Die Vettel starrte ihn b�se an.</p><p>�Ich wei�, was ich von ihr zu erwarten habe�, sagte die J�ngere eisig und hob die Eisenklinge, bereit, um das Messer zu k�mpfen.</p><p>�Im Namen der G�tter, haltet ein!�</p><p>�Die G�tter haben mir dieses Messer geschenkt�, zischte die Alte. �Ich werde es nicht wegen eines Schw�tzers aufgeben.�</p><p>�Du wagst es, dich dem Wort eines Heiligen Mannes zu widersetzen!� Eine machtvolle Stimme erklang von der nahen Uferb�schung. Dann stieg eine hagere Gestalt aus der Flusssenke empor: Gatha, der Schamane aus den Bergen. Verfilztes wei�es Haar hing dem hohlwangigen Geisterrufer bis zu den H�ften hinab. Er hielt mit beiden H�nden einen altersdunklen Holzstab. Er brauchte ihn nicht als Kr�cke. Auch wenn Gatha aussah, als laste ein Jahrhundert auf seinem R�cken, seine Augen strahlten eine schier unnachgiebige Kraft aus. Es hie�, allein ein Blick von ihm gen�ge, um anderen seinen Willen aufzuzwingen.</p><p>�Ich bin Gatha, der H�ter dieser Berge, geboren aus dieser Erde!� Der westliche Himmel hinter dem Schamanen war noch nachtschwarz. Der erste Silberstreif �ber den �stlichen Bergen hatte nicht die Kraft, diese Dunkelheit zu vertreiben. �Die unb�ndige Macht dieses Landes flie�t durch mich. Ihr seid nicht hier geboren, aber selbst ihr beide k�nnt es sp�ren�, verk�ndete er mit unheilschwangerer Stimme. �Mir geh�ren diese Toten. Sie werden Staub von meinem Staub sein, denn ich bin Garagum.�</p><p>Ein Windsto� fuhr durch das trockene Flussbett, zerzauste dem Schamanen das Haar und wirbelte feinen Sand auf.</p><p>Die �ltere der beiden Frauen wich zur�ck.</p><p>�Lass den Dolch fallen, t�richtes Weib! Ein Wort von mir, und dir wird bei lebendigem Leib dunkles Gew�rm die Eingeweide zerfressen.�</p><p>Barnaba erschauderte. Er verachtete den Schamanen, und zugleich sp�rte er die Macht, die von dem alten Mann ausging. Er glaubte nicht, dass Gatha wirklich zaubern konnte. Diese Gabe war den Menschen nicht geschenkt worden. Aber wer Gatha sah, der verga� das. Niemand vermochte sich seiner Ausstrahlung zu entziehen. Man glaubte ihm, ganz gleich, was er sagte.</p><p>Das M�dchen mit dem entstellten Gesicht legte den Dolch auf dem nackten Leichnam ab, als sei er ein Altar. Etwas Feierliches lag in der Geste und zugleich auch unterw�rfige Demut. Geduckt wich sie vor Gatha zur�ck. Die Alte war, kaum dass der Schamane sich gezeigt hatte, so schnell es ihre gichtkrummen Glieder zulie�en, geflohen.</p><p>Gatha stakste mit weiten Schritten �ber die Toten. Mit seinen langen, d�rren Beinen erinnerte er Barnaba an einen Fischreiher, der in seichtem Gew�sser nach Beute suchte. Als der Priester bei ihm ankam, kniete er vor ihm nieder.</p><p>�Das ist unsere Gabe, Junge. Die Macht der Worte. Eines Tages wirst du so sein wie ich. Ich sp�re es in dir, das alles verzehrende Feuer, das nur in jenen brennt, die von den G�ttern ber�hrt wurden.�</p><p>Barnaba hoffte, dass Gatha in seinen Z�gen nicht lesen konnte, wie sehr er den Schamanen verabscheute. So zu sein wie er war das Letzte, was Barnaba im Leben wollte. Eher w�rde er sich die Kehle durchschneiden!</p><p>�Wei�t du, Junge, die Menschen brauchen jemanden, der ihnen sagt, was gut f�r sie ist. Jemanden, der Verantwortung �bernimmt und Entscheidungen trifft. Die meisten qu�len sich damit, etwas entscheiden zu m�ssen. Sie verharren z�gernd. Das Gl�ck, das wir ihnen schenken, besteht in der Illusion, dass es jemanden gibt, der immer wei�, was richtig und was falsch ist.�</p><p>�Und du wei�t immer, was richtig ist?�</p><p>Der Alte funkelte ihn ver�rgert an. �H�r mir zu, Junge! Ich sprach von der Illusion. Nat�rlich irre auch ich mich gelegentlich. Aber das ist vollkommen bedeutungslos, denn in der Entt�uschung �ber eine zerst�rte Gewissheit keimt immer schon der Traum nach einer neuen Wahrheit, der es zu folgen gilt. So wird die Welt regiert.�</p><p>Barnaba ma� den Schamanen mit ungl�ubigem Blick. Er hatte Gatha immer f�r einen n�rrischen Wilden gehalten. Wahrscheinlich h�tte er sich gut mit Abir Ata� verstanden, dem Hohepriester, der sich gegen Aaron verschworen hatte und dem Barnaba so lange gedient hatte.</p><p>�Der Umgang mit der Macht ist dir nicht fremd, nicht wahr?�</p><p>Barnaba wich dem stechenden Blick des Alten aus. �Ich wei� nicht, wovon du sprichst.�</p><p>�Mich kannst du nicht t�uschen, Junge. Wer in ein Tal am Ende der Welt flieht, der muss m�chtige Feinde haben. Und die hat man nur, wenn man der Macht nahe war. Warum sonst h�tten selbst die Daimonen nach dir greifen sollen? Du tr�gst ein Geheimnis in dir��� Er lachte leise, ein Laut, der Barnaba an das freudlose Meckern einer m�rrischen Ziege erinnerte. �Keine Sorge, dein Geheimnis interessiert mich nicht. Was immer es ist, ich bin den G�ttern dankbar, denn es hat dich hierhergef�hrt, und ich brauche jemanden wie dich.�</p><p><emphasis>Und weil du mich brauchst, musste Iku�ka sterben</emphasis>, dachte Barnaba zornig. Er wusste, dass der alte Schamane ihn zu seinem Nachfolger machen wollte. Aus diesem Grund musste er die J�ger und Hirten in den Bergen kennenlernen, um ihre Sorgen und Eigenarten wissen. Er sollte unter ihnen leben, bis sie ihn, den Fremden, anerkannten. Es w�rde Jahre dauern. Der Alte dachte weit in die Zukunft. Doch Barnaba wollte nie wieder die rechte Hand eines Priesters sein.</p><p>Gatha griff nach dem Messer. Kaum dass er es ber�hrte, zuckte er zur�ck. Mit weiten Augen sah er die Waffe an. �Dies ist��� Er sch�ttelte sich wie ein Hund, der sein nasses Fell trocknete. �Dunkelheit�, murmelte er und spuckte auf die Waffe. ��bel wohnt in diesem Erz. In ein Schlangennest zu greifen ist weniger gef�hrlich, als diesen Dolch zu ber�hren. Wir m�ssen ihn an einen Ort bringen, wo keines Menschen Hand ihn mehr erreichen kann.�</p><p>Skeptisch betrachtete Barnaba das Messer, das vor ihm lag. Sein Griff war mit schmuddeligen Lederriemen umwickelt, doch die Klinge war ungew�hnlich. Sie schimmerte silbern und wirkte anders als die eisernen Waffen, die er bislang gesehen hatte. Kein Anflug von Rost zeigte sich auf dem Metall, daf�r ein leicht bl�ulicher Glanz. Der Dolch war eigenartig�� Aber war er wirklich b�se? Er griff nach der Waffe. �Du meinst wohl, ich soll sie tragen, wenn es dir so unangenehm ist, sie zu ber�hren.�</p><p>Gatha schien den Atem anzuhalten. �Du sp�rst nichts?�, fragte er schlie�lich misstrauisch.</p><p>Das Messer lag gut in Barnabas Hand. Eine angenehme W�rme erf�llte ihn und pl�tzlich auch ein Gef�hl von Macht, wie er es nie zuvor empfunden hatte.</p><p>�Du f�hlst es auch, nicht wahr?� Der Schamane hatte seine Augen zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen und musterte ihn argw�hnisch.</p><p>�Ich sp�re nichts�, log Barnaba.</p><p>�Unsinn�, zischte Gatha ihn an. �Ich kann es doch sehen. Du bist schon jetzt besessen von dem Messer. Es ist nicht von dieser Welt, genauso wie die Daimonin, die dich in den See gelockt hat. Lass es fallen. Es befleckt deine Seele!�</p><p>Barnaba dachte an Iku�ka. An die Stunden mit ihr, die er f�r einen Traum gehalten hatte. Sie hatte ihn gerettet, als er im Sterben lag. Hatte ihm alles gegeben, und ihr Lohn war ein schrecklicher Tod gewesen. Tr�nen traten ihm in die Augen. �Du hast recht, Gatha. Meine Seele ist befleckt�, sagte er mit br�chiger Stimme.</p><p>�Ich kann dich retten.� Der Schamane beugte sich nah zu ihm hinab. �Das Land wird dich heilen. Du brauchst die Einsamkeit der Berge. Dort wirst du die Daimonen abstreifen, die noch immer in dir w�ten.�</p><p>Tr�nen rannen Barnaba �ber die Wangen. Er f�hlte Iku�kas K�sse auf seinen Lippen, als habe er eben noch an ihrer Seite gelegen. Er war verloren! Die Einsamkeit w�rde ihn nicht heilen. Seine Hand schnellte vor. Das Messer traf Gathas Kehle, noch bevor der Alte zur�ckweichen konnte. Er brach in die Knie. Wie ein zweiter Mund klaffte der weite Schnitt in seiner Kehle.</p><p>Barnaba erhob sich und sah sich um. Um ihn herum war alles still, nichts regte sich. Niemand hatte gesehen, was er getan hatte. Gatha war noch nicht tot, obwohl sich sein Blut in einem breiten Sturzbach �ber seine Brust ergoss. Der Alte blickte zu Barnaba auf. Seine Lippen bewegten sich, doch statt Worten brachten sie nur noch ein unverst�ndliches Gurgeln hervor. Barnaba hielt dem Blick des Schamanen stand, bis der Glanz des Lebens in dessen Augen verlosch.</p><p>�Du hast recht, alter Mann. Ich trage einen Daimonen in meiner Seele. Und du warst so dumm, den guten Geist zu t�ten, der meinen Daimon in Fesseln schlug.� Er sah zum Feldlager hin�ber, wo sich das Morgenlicht in den goldenen Standarten brach, die vor Aarons Zelt in den Boden gerammt waren.</p><p>�Der Daimon tr�gt deinen Namen, Aaron. Zweimal hast du mein Leben zerst�rt. Du hast daf�r gesorgt, dass mir nichts geblieben ist als meine Rache.� Er blickte auf das blutige Messer in seiner Hand und dann auf den toten Schamanen, dessen leblose Augen ihn immer noch anstarrten. Es war leicht gewesen zu t�ten. Und befreiend��</p><p>Dem Priester war klar, dass er nicht einfach ins Feldlager marschieren konnte, um Aaron zu erdolchen. Noch war die Stunde der Rache nicht gekommen. Er dachte an das Traumeis und die Vision, von der Iku�ka ihm erz�hlt hatte. Dieses Eis w�rde seinen Traum von Rache wahr werden lassen! Und er wusste, wo es zu finden war.</p><p>Barnaba schob den blutigen Dolch unter sein Gewand, wandte den Zelten des Heerlagers den R�cken zu und ging nach Norden, wo das magische Portal in die neue Welt bl�ulich leuchtete. Bald schon traf er auf die ersten H�ndler und Heimkehrer. So wie die Fliegen von den Leichen, wurden sie von dem blauen Licht angezogen, das jedem versprach, mit nur wenigen Schritten zum Ziel seiner Tr�ume zu gelangen�� ganz gleich, ob es in Aram oder Luwien lag oder aber die Goldene Stadt war.</p><p>Barnaba durchquerte das trockene Flussbett, bei dem so erbittert gek�mpft worden war, und folgte den H�geln am n�rdlichen Ufer. Aus den einzelnen Gr�ppchen von Heimkehrern war inzwischen fast eine Kolonne geworden. Der Priester ging auf seinen Stab gest�tzt neben einer Reihe von Eseln her, die mit blutbefleckten Leinenpanzern beladen waren. Bald w�rden sie die R�stungen f�r neue Krieger sein. Von einem der Packs�ttel hingen Dutzende verbogene Bronzeschwerter. Bei jedem Schritt der Tiere schlugen sie klingend aneinander. Es war das Zimbelspiel des Krieges.</p><p>Als Barnaba die Karawanenstra�e im Nordwesten des luwischen Heerlagers erreichte, wuchs die Kolonne zu einem breiten Strom von Menschen und Tieren an, die diesen Ort des Todes hinter sich lassen wollten. Jetzt sah er das Dunkel, das von dem bl�ulichen Lichtbogen des Portals eingefasst wurde. Eine Meile lag noch vor ihm, aber er war in Sicherheit. Hier in diesem Gedr�nge w�rden ihn die J�ger und Hirten der Berge, deren Schamane Gatha gewesen war, nicht mehr finden k�nnen, dachte Barnaba. Er w�rde den Abgrund der Finsternis �berschreiten und zum Lichte gelangen. Das Messer war ein Zeichen der G�tter gewesen. Sie wollten seine Rache: Aaron w�rde st�rzen!</p><p>Mit jedem seiner Schritte scheuchte er dunkle Wolken von Fliegen auf. Er wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht, um die gr�n schillernden Plagegeister zu verscheuchen. Ihr dumpfes Summen begleitete ihn bis zum Portal, und selbst im Nichts schien es ihn weiter zu verfolgen.</p></section><section><title><p>Das Spiel der G�ttin</p></title><p>Talawain versuchte, den �rger zu vergessen. Die Meister der Blauen Halle hatten die Bedeutung der Ereignisse dieses Tages nicht begreifen wollen. Dass die Devanthar einen Unsterblichen vor den Augen Tausender Menschenkinder hinrichteten, war noch niemals geschehen. Und dass sich unter den Unsterblichen mit Aaron ein Erster unter Gleichen erhoben hatte, war ebenfalls noch nie vorgekommen. Die Devanthar und Menschen b�ndelten ihre Kr�fte!</p><p>Mit aller Leidenschaft hatte er das den versammelten Meistern der Blauen Halle klarzumachen versucht. Aber sie hatten nicht h�ren wollen. Stattdessen wollten sie ihn zur�ckhalten. Jetzt, wo es wichtiger denn je zuvor war, nahe dem Herzen der Macht einen Spitzel zu haben. Aaron w�rde vor die Devanthar treten. Und sie w�rden ihn anh�ren. Damit k�nnte ein einzelner Mensch das Schicksal einer ganzen Welt ver�ndern. Ein Mensch, der auf seinen, Talawains, Rat h�rte!</p><p>Wie blind musste man sein, um nicht zu erkennen, dass es eine solche Gelegenheit nie wieder geben w�rde. Aaron hatte sich nach seinem Sturz aus dem Himmel auf unerkl�rliche Weise ver�ndert. Er war gel�utert und zutiefst von dem Wunsch durchdrungen, eine bessere Welt zu erschaffen. Wenn er ihn klug beriet, dann w�rde sich nicht allein <emphasis>eine</emphasis> Welt ver�ndern. Drei Welten k�nnten ihren Frieden finden. Wie kleinlich w�re es da, allein an seine eigene Sicherheit zu denken.</p><p>Talawain hatte nach dem Gespr�ch mit den Meistern der Blauen Halle darauf verzichtet, noch einmal das Ornat der Konkubine anzulegen. Er kehrte als Hofmeister des Unsterblichen Aaron in das Lager zur�ck. Vorbei an der nicht enden wollenden Kolonne derer, die durch den Albenstern ihrer fernen Heimat entgegenstrebten: Sklavenh�ndler auf dem Weg nach Nangog; Pl�nderer, die ihre Habe wahrscheinlich nach Drus und Valesia schafften, wo man gutes Gold f�r Waffen und R�stungen zahlte; Verwundete, die in den Pal�sten von Aram und Luwien versorgt werden w�rden; Sieger und Besiegte aus aller Herren L�nder.</p><p>Tief in Gedanken ging Talawain an ihnen vor�ber, der Morgensonne entgegen, die ihr Haupt �ber die Berge erhoben hatte. Es gab so vieles, was nach dem Sieg neu zu organisieren war. Auch musste Aaron schnell einige schlagkr�ftige Truppen aufstellen, denn wenn er seine Landreform umsetzte und damit begann, all jenen �cker zu schenken, die auf der trockenen Hochebene von Kush f�r ihn gestritten hatten, mochte es zu Aufst�nden unter den Satrapen und den Gro�grundbesitzern kommen. Das ganze Land w�rde auf den Kopf gestellt werden.</p><p>�Bartloses Dreckschwein!�</p><p>Talawain sah �berrascht auf. Vor ihm stand einer der Hauptm�nner, die unter dem Satrapen Mataan dienten. Der Mann starrte ihn aus rot entz�ndeten Augen an. Er stank nach altem Schwei� und Rotwein. Der Name des Kerls wollte Talawain nicht einfallen.</p><p>�Dreckschwein!�, wiederholte der Hauptmann und spuckte vor ihm in den Staub.</p><p>Talawain entschied, ihn zu ignorieren. Er hatte gehofft, dass sich nach der Schlacht etwas ge�ndert h�tte. Er hatte inmitten ihrer Reihen gestanden und mit ihnen gek�mpft. Aber offenbar war es bedeutender, dass er bartlos war und goldenes Haupthaar besa� und damit in den Augen der meisten Krieger Arams kein richtiger Mann war.</p><p>Er schluckte seinen �rger herunter und strebte mit weit ausholenden Schritten seinem Zelt entgegen, als er aus den Augenwinkeln sah, wie er von einer Gruppe in Scharlachrot gekleideter H�flinge angestarrt wurde. Sie hatten ihm bislang Respekt gezollt. Verwundert sah der Hofmeister sich um. Alle starrten ihn an. Was ging hier vor sich? Unwillk�rlich tastete er nach seinem mit bunten Mustern bestickten Stirnband. Lugten etwa seine spitzen Ohren darunter hervor?�� Nein, das war es nicht. Er konnte den kalten Hass f�rmlich sp�ren, der ihm entgegenschlug. Hatte das etwa mit den Drohungen Mataans zu tun?</p><p>Talawain beschleunigte seine Schritte weiter. Fast hatte er sein Zelt erreicht. Er wollte fort von diesem Starren. Er w�rde seine Diener herbeirufen, die Hofschreiber�� Sollten sie ihm sagen, was geschehen war.</p><p>�Schl�chter!�, rief eine heisere Stimme hinter ihm.</p><p>Der Elf hob die Plane am Eingang seines Zeltes. Ein schwerer, s��licher Geruch schlug ihm entgegen. Auf dem Hocker am Arbeitstisch sa� der Unsterbliche. Er blickte auf, als Talawain eintrat. Tiefe, dunkle Ringe hatten sich unter Aarons Augen gegraben. Er schien seit gestern Morgen um ein ganzes Jahrzehnt gealtert zu sein.</p><p>�Was ist geschehen?�</p><p>�Das m�chte ich von dir wissen, Hofmeister�, entgegnete der Unsterbliche bitter. �Was ist hier letzte Nacht vorgefallen? Ist das deine Art, den Sieg zu feiern? Hast du das Grauen des Schlachtfeldes mit dir hierhergebracht? Hast du Geschmack am Morden gefunden?�</p><p>�Ich verstehe nicht���</p><p>Aaron richtete sich auf. Hei�er Zorn flammte in seinen Augen. �Ich auch nicht!� Er deutete auf das Bett hinter dem Arbeitstisch. �Erkl�r mir das! Was ist in dich gefahren, Datames?�</p><p>Der Hofmeister blickte zu der Schlafstelle. Gro�e Blutflecken prangten auf dem seidenen Tuch, unter dem sich ein zusammengekr�mmter K�rper abzeichnete.</p><p>�Das��� Er trat um den Tisch herum und zog die Decke zur�ck. Fliegen stoben auf und eilten dem bunten Zelthimmel entgegen. Er brauchte einen Herzschlag, um in dem zerschundenen K�rper Kazumi wiederzuerkennen. Sie war �ber und �ber mit verkrustetem Blut bedeckt. Zwischen den Laken entdeckte er abgetrennte Finger und ein Ohr. Ihre Nase�� Talawain lie� die Seidendecke fallen und taumelte vom Bett zur�ck. Er griff Halt suchend nach der Tischkante und stie� gegen einen Stapel von Tontafeln, die zu Boden st�rzten.</p><p>Ihm war �bel. Er schloss die Augen. Er durfte jetzt nicht den Kopf verlieren. �Das war ich nicht. Ich��� Der M�rder war zur�ckgekehrt! Nat�rlich. Die Jaguarm�nner bewachten das Lager nicht l�nger. Er h�tte das voraussehen m�ssen. H�tte Kazumi davor bewahren m�ssen, dass sie dasselbe Schicksal ereilte wie Ashira.</p><p>�Ich���, setzte er erneut an und war doch unf�hig, einen Satz hervorzubringen.</p><p>�Das ist der Datames, der mir vertraut ist�, sagte Aaron m�de. �Welcher Daimon hat dich gestern Nacht geritten?�</p><p>�Ich war das nicht.�</p><p>�Mehr als ein Dutzend M�nner hat dich blutbesudelt vor dem Morgengrauen das Zelt verlassen sehen.�</p><p>Talawain war wie vom Schlag ger�hrt. Er �ffnete den Mund und sagte dann doch nichts. Wieder schloss er die Augen. Versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Zu verstehen�� Er �ffnete sein Verborgenes Auge. Der Handspiegel! Er strahlte wie ein Stern in der Nacht. Ein Zauber war um ihn gewoben. Etwas wurde verh�llt. Ein Menschensohn w�rde es nicht sehen k�nnen. Talawain trat zu dem Spiegel, nahm ihn auf. In der Fl�che aus poliertem Silber erschien das Antlitz I�tas. Sie l�chelte sp�ttisch.</p><p>Niemand w�rde ihm glauben, wenn er behauptete, die Devanthar sei hierhergekommen, um eine Konkubine zu ermorden. Sie hatte ihn gewarnt, damals, als sie ihm den Kopf Ashiras und den eines seiner Sp�her in einer kleinen Truhe geschickt hatte. Er erinnerte sich an die kleine Tontafel, die bei den H�uptern gelegen hatte. Keines der Worte darauf hatte er vergessen:</p><cite><p>Auf das Land ohne Wiederkehr setze ich dich, auf dass Erdstaub und Steine deine Speise seien und du in Dunkelheit sitzest, wohin kein Licht kommt und wo nie das Lied eines Vogels deine Ohren erfreuen wird.</p><p>Ich selbst werde dich f�hren durch die sieben Tore zum Land ohne Wiederkehr.</p></cite><p>�Was starrst du in den Spiegel?�, herrschte Aaron ihn an. �Suchst auch du jetzt nach dem Mann, der gestern noch mein ehrenhafter Hofmeister war? Wo ist er geblieben, Datames?� Der Unsterbliche stie� einen schweren Seufzer aus.</p><p>�Und niemand hat etwas geh�rt�, murmelte der Elf.</p><p>�Der Knebel steckt noch in ihrem Mund. Man hat sie drau�en st�hnen h�ren. Die Wachen haben gedacht, dass du sie hart herannimmst. Aber das hier�� Mataan m�chte, dass ich dich pf�hlen lasse, damit du genauso leidest wie sie. Die Geschichte macht schon im ganzen Lager die Runde. Du kannst nicht mehr l�nger mein Hofmeister sein.� Aaron sah traurig zu ihm auf. �Nach all den Jahren�� Ich verstehe das nicht. Erkl�re es mir! Und sag mir, was ich mit dir tun soll. Was ist der angemessene <emphasis>Lohn</emphasis> f�r so eine Tat?�</p><p>�Seht mich an, Herr! Bin ich ein M�rder?�</p><p>�Das Zelt wurde die ganze Nacht �ber bewacht. Au�er dir und dem M�dchen war niemand hier. Das l�sst nicht viel Auswahl���</p><p>�Schlie�t die Augen, und lasst allein Euer Herz entscheiden. Ein Herz ist schwerer zu blenden als Augen und Verstand.�</p><p>�Verdammt, Datames! Komm mir nicht mit solch philosophischen Floskeln. Ich bin K�nig eines riesigen Reichs. Ich kann nicht mein Herz zum Gesetzbuch machen. Damit w�ren der Willk�r T�r und Tor ge�ffnet. Das wird nicht meine Art zu herrschen sein. Liefere mir irgendeinen Grund, dich zu verschonen. Irgendetwas! Ich will dich nicht auf der Spitze eines Pfahls aufgespie�t sehen. Ich brauche dich, Datames. Keiner kennt dieses Reich und seine Verwaltung so wie du. Dich zu verlieren, ist fast so schlimm, als h�tte ich gestern die Schlacht verloren.�</p><p>Talawain sah den Unsterblichen �berrascht an. Aram war zu abh�ngig von ihm geworden. Indem er immer mehr Machtbefugnisse an sich gezogen hatte, hatte er Aaron und sein Reich verwundbar gemacht. �Ihr seid der Wahrheit �ber das, was gestern Nacht geschah, sehr nahe gekommen, Herr.�</p><p>�Dann erz�hle mir, was noch fehlt. Ich will das hier verstehen. Will begreifen, wie ein Mann mein engster Berater werden konnte, den ich doch offensichtlich so wenig kenne.�</p><p>Talawain z�gerte. Wenn er Aaron helfen wollte, dann musste der Herrscher die Wahrheit erfahren. Auch auf die Gefahr hin, dass er sie nicht glauben w�rde. Wie sollte er auch akzeptieren, dass Gesch�pfe, die von den Menschen als G�tter verehrt wurden, sich zu so etwas hinrei�en lie�en. Der Elf verstand es selbst nicht. Den Devanthar standen so viele Wege offen. Warum hatte I�ta sich f�r diesen entschieden?</p><p>�Wir sind uns einig, dass diese Tat dem K�nigreich schaden wird?�, begann er vorsichtig.</p><p>Der Unsterbliche nickte.</p><p>�Wer h�tte einen Nutzen davon, Aram zu schaden, Herr? Ich?�</p><p>Aaron massierte mit Daumen und Zeigefinger seine Augenlider. Er schien am Ende seiner Kr�fte zu sein. Die Schlacht und dann noch der lange Weg in dieses Dorf, Belbek, um den toten Bauern Narek zur�ck zu seiner Familie zu bringen. Wie lange hatte er nicht mehr geschlafen? Drei�ig Stunden? Vierzig? Talawain bezweifelte, dass der Herrscher in der Nacht vor der Schlacht Ruhe gefunden hatte. Ausschweifende Erkl�rungen waren jetzt nicht angebracht. Er sollte schnell zum Wesentlichen kommen.</p><p>�Ihr habt I�ta gestern im Licht der Sonne eine schwere Niederlage bereitet. In der Nacht kehrte sie zur�ck, um Euch auf einem anderen Schlachtfeld zu bek�mpfen. Sie war es, die meine Gestalt annahm, hierherkam und mordete, damit Euch keine andere Wahl bleiben w�rde, als mich f�r das zu richten, was ich nicht getan habe.�</p><p>Aaron blickte zu ihm auf. Das Gesicht des Herrschers war bleich und abgezehrt. Sein �ppiger schwarzer Bart zerzaust. Das lange, ge�lte Haar fiel ihm in schweren Locken auf die Schultern. �Das ergibt Sinn�, sagte er m�de. �Aber sag mir, wo warst du in der letzten Nacht, wenn du nicht hier warst? Mataan hat mir eine sehr seltsame Geschichte erz�hlt.�</p><p>Talawain z�gerte. Wie sollte er erkl�ren, dass er in Frauenkleidern das Lager verlassen hatte? Und was w�rde geschehen, wenn er dem Unsterblichen verriet, wer er wirklich war? Ein Spitzel, der sich in sein Vertrauen geschlichen hatte, um ihn jahrelang zu verraten. W�rde Aaron, wenn er das wusste, noch glauben, dass es ihm wirklich darum gegangen war, das Reich Aram zu sch�tzen und das Leben f�r die Menschen besser zu machen? Wohl kaum.In diesem Moment erkannte Talawain, wie unentrinnbar er in das Gespinst aus Intrige und Verrat verstrickt war und wie perfide I�tas Tat war.</p><p>�Ich habe mich davongeschlichen, um unerkannt nach Nangog zu gelangen. Wie Ihr wisst, dienen mir dort viele Spitzel. Ich wollte in Erfahrung bringen, ob jemand etwas �ber Shaya wei�. Es gibt ein verborgenes Kloster, in das die Br�ute nach der Heiligen Hochzeit gebracht werden�� Aber niemand konnte mir sagen, wo genau es liegt.�</p><p>�Ich kann sie nicht mehr retten.� Die Stimme des Unsterblichen zitterte, als er sprach, und sein Antlitz war ein Spiegel seiner Seelenqual. �Wenn ich es versuche, stelle ich mich gegen die Gesetze der G�tter. Dann werde ich alles verlieren, was ich gestern gewonnen habe, und der Tod all der Tausende, die jetzt im Staub liegen, wird vergebens gewesen sein. Kann ich so selbsts�chtig sein?� Er presste die Lippen zusammen, sodass sie nur noch ein blasser Strich in seinem b�rtigen Gesicht waren. In seinen Augen schimmerten ungeweinte Tr�nen. �Man wird mich in den Gelben Turm rufen. Ich darf dort vor dem L�wenh�uptigen und all seinen Br�dern und Schwestern sprechen. Nie zuvor wurde einem Menschen eine solche Gunst zuteil. Vielleicht kann ich die Welt ver�ndern. Es g�be so vieles, was man besser machen k�nnte�� Aber der Preis ist, dass ich meine Liebe verrate. Versuche ich, Shaya vor ihrem Schicksal zu bewahren, verliere ich alles. Unternehme ich nichts, verliere ich, was mir in meinem Leben am meisten bedeutet.� Er stie� einen gequ�lten Seufzer aus. �Ich kann nur beten, dass sie von Muwatta ein Kind empfangen hat. Ist das nicht der Fall, dann wird man ihr die Kehle durchschneiden, damit ihr Blut dem d�rren Boden Luwiens Fruchtbarkeit schenkt.�</p><p>Sie sahen einander lange an. Der Unsterbliche wartete auf seinen Rat. Doch Talawain wusste nicht, was er ihm sagen sollte. Was f�r ein Mann w�rde Aaron werden, wenn er das Gl�ck des Reiches mit dem Leben Shayas erkaufte? W�re er noch ein guter Herrscher? Oder w�rde er langsam zu einem verbitterten Tyrannen werden, der in seinem Volk einen Feind sah, der ihm entrissen hatte, was ihm im Leben am wichtigsten gewesen war.</p><p>�Ich glaube dir, Datames�, unterbrach Aaron seine �berlegungen. �Aber suche nicht weiter nach Shaya. Je weniger ich wei�, desto besser ist es.� St�hnend erhob sich der Herrscher. Er tastete fl�chtig nach seiner Schulter, an der er am Vortag verwundet worden war.</p><p>�In meinem Herzen habe ich immer gewusst, dass du niemals eine wehrlose Frau t�ten w�rdest, Datames. Ich bin froh, die Wahrheit erfahren zu haben.� Seine Stimme stockte.</p><p>Talawain musste an Aya denken, die Haremsdame, die er zur L�wengrube gef�hrt hatte. Aaron irrte sich. Unschuldiges Blut klebte an seinen H�nden. Er w�rde diesen Makel niemals abwaschen k�nnen. Beklommen sah er zu seinem Bett. H�tte er sich nicht mit Kazumi eingelassen, w�rde auch sie noch leben. Er h�tte wissen m�ssen, dass er sie in Gefahr brachte.</p><p>�Und doch k�nnen wir deine Geschichte nicht erz�hlen. Sie w�rde dem Glauben an die G�tter Schaden zuf�gen. Du wirst f�r alle der M�rder Kazumis sein. Und ich werde �ber dich richten m�ssen. Du hast dem Reich so vieles gegeben. Darum werde ich dir dein Leben lassen. Ich werde dich verbannen, Datames. Du wirst vogelfrei sein. Wer dich nach Ablauf von drei Tagen aufgreift, mag dich richten.�</p><p>Talawain hatte das Gef�hl, ihm w�rde der Boden unter den F��en weggezogen. �Das ist���</p><p>�Das ist nicht gerecht�, fiel ihm der Unsterbliche ins Wort. �Ich wei�. Aber es ist besser, du bist Kazumis M�rder, als dass die Menschen erfahren, dass I�ta es war�� dass die G�tter uns kleinlichen Intrigen opfern. Du hast Aram viel gegeben, Datames. Dies ist das letzte Opfer, das ich von dir verlange.� Mit diesen Worten schlug Aaron die Plane am Eingang zur�ck und verlie� das Zelt.</p></section><section><title><p>Vor dem weissen Tor</p></title><p>Der Sack wurde ihm vom Kopf gezogen, und glei�endes Sonnenlicht blendete Volodi. Er stand vor dem gro�en, wei�en Torbogen, der zur Palaststadt der Zapote f�hrte. Er erinnerte sich, wie er sich mit einem Teil der Zinnernen auf diesem Platz zum Kampf gestellt hatte und die Jaguarm�nner aus den Schatten gekrochen waren. Sie waren ihnen nur entkommen, weil sie mit Seilen auf eines der Wolkenschiffe gezogen worden waren. Der Unsterbliche hatte seine Leibwache um sich versammelt, um gemeinsam mit der Ischkuzaia-Prinzessin Shaya und ihrer Leibwache gegen den Piraten Tarkon zu ziehen. Volodi hatte gewusst, dass die Wolkensammler �ber diesen Platz segeln w�rden. Wenn der Wind nicht drehte�� Es war ein gef�hrliches Spiel gewesen.</p><p>Volodi sah sich verstohlen um. Neben ihm kauerten etwa drei�ig weitere M�nner auf dem weiten Platz. Den letzten von ihnen wurden gerade die Fesseln und die S�cke, die man ihnen �ber die K�pfe gest�lpt hatte, abgenommen. Sie alle hatten goldblondes Haar so wie er.</p><p>Ein unangenehm pelziges Gef�hl hatte sich auf seiner Zunge eingenistet. Etwas war mit diesem Sack gewesen, den man auch ihm �ber den Kopf gest�lpt hatte. Er hatte den s��lichen Geruch noch in der Nase. Womit sie den Stoff wohl behandelt hatten?</p><p>Er setzte sich zu den M�nnern auf den Boden und sah sich weiter verloren um. Er w�re froh, wenn ihm jetzt jemand sagen w�rde, was er tun sollte. Wieder blickte er zu dem Torbogen. Er war aus poliertem, wei�em Stein erbaut und mindestens zehn Mann hoch. Als sei er dazu erschaffen worden, Riesen Eintritt zu gew�hren. Es gab hier keine Fl�gelt�ren. Der Torbogen konnte nicht verschlossen werden. Die weitl�ufigen G�rten des Statthalterpalastes hie�en einen jeden willkommen, der sie betreten wollte. Und doch war der weite Platz leer. Kein Besucher zeigte sich auf dem Weg in den Blumengarten. Volodi hatte etliche Geschichten �ber die Tempel dort geh�rt, �ber Alt�re, auf denen blonden M�nnern bei lebendigem Leib die Herzen herausgerissen wurden.</p><p>Einer aus ihrer Gruppe stand auf und ging auf das Tor zu. Z�gerlich nur. Als er es erreichte, trat eine junge Frau aus dem Schatten, legte ihm einen Kranz von Blumen um den Hals und reichte ihm einen Becher mit einem Willkommenstrunk.</p><p>Volodi leckte sich �ber die Lippen. Auch er war durstig. Ob er zu dem Tor gehen sollte? Er musste es ja nicht durchschreiten. Die M�nner um ihn herum tuschelten leise, w�hrend die Jaguarkrieger, die sie vom Schlachtfeld hierhergebracht hatten, sie stumm beobachteten. Mindestens zwei der anderen Gefangenen kamen wie er aus Drusna.</p><p>�Lasst euch nicht von den Zapote verlocken�, raunte er ihnen zu. �Ihr m�sst dieses Tor freiwillig durchqueren. Sie k�nnen euch nicht zwingen, so schreibt es ihr Ritual vor.�</p><p>Ein junger Krieger mit der Statur eines Ringers wandte sich zu ihm um. Er hatte aufgeplatzte Lippen und ein halb zugeschwollenes Auge. Ganz offensichtlich war er nicht freiwillig mit den Zapote gegangen. �Du kennst diesen Ort? Wo sind wir?�</p><p>�In der Goldenen Stadt auf Nangog. Hinter dieser Mauer liegen der Palast des Statthalters von Zapote und etliche Tempel dieser Wilden, die aus dampfenden Dschungeln gekrochen sind.�</p><p>�Wenn ich �ber Drusna recht informiert bin, dann ist auch deine Heimat ein Land der weiten W�lder, in denen ein gro�er Teil des Volkes lebt.� Eine Gestalt zum F�rchten war hinter sie getreten. Sie sprach mit hartem Akzent, sodass ihre Worte schwer zu verstehen waren. Es war einer der aufrecht gehenden Jaguare in schwarzblauem Fell. Steinerne Krallen schimmerten dort, wo bei einem Menschen H�nde h�tten sein sollen. Hinter den gelben Fangz�hnen eines weit aufgerissenen Kiefers war im Halbdunkel das Gesicht eines Mannes zu erkennen. Er l�chelte sp�ttisch und lie� dabei spitz zugefeilte Eckz�hne sehen.</p><p>�Es spricht die Sprache Arams�, stammelte der Krieger fassungslos.</p><p>�<emphasis>Es</emphasis> versteht sogar ein wenig das Drusnische, wenngleich ich meine Zunge nicht so zu verbiegen vermag, dass ich eure Sprache auf verst�ndliche Weise nachzuahmen verst�nde.�</p><p>�Das ist Nica��, Neca���, sagte Volodi.</p><p>�Necahual, Anf�hrer dieses Rudels�, unterbrach ihn der Jaguarmann und wandte sich an den jungen Krieger. �Und ich rate dir, mein Freund, den Worten eines Mannes, der sich nicht einmal einen einfachen Namen merken kann, nicht allzu sehr zu vertrauen. Volodi, der �ber den Adlern schreitet, mag ein herausragender Krieger sein. Ein Gelehrter, der mit meinem Volk, seinen Gebr�uchen und seiner Geschichte vertraut w�re, ist er sicherlich nicht.�</p><p>�Er will dich nur verf�hren, durch dieses Tor zu schreiten�, murrte Volodi. Dann deutete er auf die wei�en Steinplatten, mit denen der weite Platz ausgelegt war. �Sieh dir die Bilder an, die in den Stein geschnitten sind, die Priester in Federkleidern, die riesigen Schlangen, die sich um Alt�re winden, die H�gel aus Totensch�deln. Dann wei�t du, was dich hinter diesem Tor erwartet.�</p><p>�Die sch�nen Frauen, die V�llerei, der Wein�� Sieh genau hin, Drusnier. Und du, Volodi, komm mit mir!�</p><p>Volodi k�mpfte gegen den Impuls aufzustehen. Was war mit ihm los? Warum lie� er sich von diesem verdammten Katzenarsch herumkommandieren? Wenn er aufstand, dann h�chstens, um zum Statthalterpalast Arams zu gehen. Er war ein Befehlshaber in der Leibwache des Unsterblichen. Er sollte seine Zinnernen rufen und endg�ltig mit diesen �berheblichen K�tzchen aufr�umen.</p><p>�Ich muss mit dir �ber Quetzalli sprechen�, sagte der Zapote und entfernte sich von der Gruppe.</p><p>Volodi fluchte. Dann stand er doch auf und folgte ihm. Das klare Morgenlicht brannte in seinen Augen, sodass er den Blick gesenkt hielt. Er setzte seine Schritte vorsichtig, um nicht auf die Bilder von Priestern und Kriegern zu treten. Er wusste, dass diese Handvoll Zapote ein ganzes Heer aufgehalten hatten. Sie waren tapfer. Und verr�ckt�� Volodi f�hlte sich unwohl, wenn sie in der N�he waren. Aus den Augenwinkeln sah er, wie drei weitere M�nner aus der Gruppe aufstanden und zu dem gro�en, wei�en Tor, hinter dem irgendwo in den bl�henden G�rten der Tod wartete, hin�bergingen. Lachen erklang von dort. Es waren noch mehr M�dchen mit Blumenketten gekommen. Es sah ganz harmlos aus. Wie ein herzliches Willkommen nach siegreicher Schlacht.</p><p>�Du wei�t, dass Quetzalli meine Schwester ist�, sagte Necahual mit so hartem Akzent, dass seine Worte kaum zu verstehen waren. Er sprach gepresst und leise. Auch sein Blick war zu Boden gerichtet. �Ich wei�, du h�ltst mich f�r das, wonach ich aussehe. F�r ein wildes Tier. Und du hast recht damit�� Wenn ich k�mpfe oder wenn mich die Leidenschaft �bermannt, dann bin ich kein Mensch mehr. Erst wenn mein Blut wieder k�hl wird�� doch dann erinnere ich mich kaum, was ich getan habe. Wir werden in meinem Volk verehrt und sind zugleich auch Ausgesto�ene. Wir werden weggesperrt, wenn es keine Verwendung f�r uns gibt, weil wir eine Gefahr sind.� Es schwang kein Selbstmitleid in seiner Stimme. Er sprach n�chtern und sachlich.</p><p>Volodi wusste nicht, was er sagen sollte. Er f�hlte sich etwas klarer. Es tat gut, nicht mehr diesen s��lich stinkenden Sack �ber den Kopf gest�lpt zu haben.</p><p>�Hast du eine Vorstellung, warum ich nach Kush gekommen bin, Drusnier?�</p><p>�Um dich zu holen blonde M�nner f�r Blutalt�re. Ist sich klar!� Volodi hasste es, sich in der Sprache Arams unterhalten zu m�ssen, die er nie ganz gemeistert hatte.</p><p>Der Panthermann schnaubte. �Du glaubst, du kennst mich? Ich bin deinetwegen gekommen. Die anderen musste ich mitbringen. Ich brauchte sie, um zu rechtfertigen, dass wir nach Kush gingen. So war es mit deinem einarmigen Freund abgemacht. Ein Handel um Fleisch. So sahen es die Hohepriester. Alle waren einverstanden. Aber in Wahrheit ging es f�r mich immer nur um dich. Ich will, dass du durch dieses Tor dort hinten gehst. Freiwillig.�</p><p>Volodi biss die Z�hne zusammen. Kolja! Er hatte es geahnt. Kolja hatte ihn zu den Zapote geschickt. Er musste gewusst haben, was geschehen w�rde. Warum? Wie hatte sein Freund ihn so hintergehen k�nnen. Wollte er allein die Zinnernen anf�hren? Sein eigenes Schattenreich in den dunklen Gassen der Goldenen Stadt errichten? Das h�tte er nie geduldet�� und Kolja hatte das gewusst!</p><p>�Fehlen dir jetzt endg�ltig die Worte, du schafsk�pfiger Stammler?�, zischte Necahual. �Dein bester Freund hat dich verraten. Und dein Feind steht vor dir und fleht dich um einen Gefallen an. Um etwas, das allein du vollbringen kannst. Als Einziger auf Daia und Nangog kannst du meine Schwester retten.�</p><p>Volodi starrte den Panthermann an. Das Gesicht hinter den Raubtierkiefern lag im Schatten. Es war unm�glich, in seinen Z�gen zu lesen.</p><p>�Wie geht es sich Quetzalli?�</p><p>�Schlecht. Sie b��t daf�r, dass sie dich nicht hierhergef�hrt hat. Als du sie kennengelernt hast, war sie eine <emphasis>J�gerin</emphasis>. Sie war���</p><p>�Sie war sich eine Hure! Hat sich M�nner verf�hrt, zu gehen mit sich in Bett. Und wenn sich Kopf leer war von M�nner, hat sie genommen sich und ist sich gegangen in verfluchte Tempelstadt.�</p><p>�So mag es aussehen, wenn man mein Volk nicht kennt�, entgegnete der Jaguarmann erstaunlich ruhig. �Tats�chlich war sie eine Priesterin von hohem Rang, die sich ganz und gar dem Dienst an der Gefiederten Schlange verschrieben hatte. Sie hatte heilige Eide geschworen, niemals einen Mann zu lieben. Sie geh�rte allein der Schlange, und es war ihre Aufgabe, w�rdige Opfer zu finden. Und dann ist sie dir begegnet, und sie hat ihr Volk verraten�� und was noch schlimmer ist, ihren Gott. Du bist entkommen. Meine Schwester aber musste die schlimmste aller Strafen erdulden, die einer Priesterin zuteilwerden kann.�</p><p>Immer noch sprach Necahual ohne jede Emotion.</p><p>Volodi starrte in das hinter Schatten verborgene Gesicht. �Habt ihr sie sich ermordet�� Habt sie sich gezerrt selbst auf einen Blutaltar. War es sich so?�</p><p>Der Zapote sch�ttelte sanft den Jaguarkopf. �Du verstehst nicht. Sein Leben der Gefiederten Schlange zu geben ist eine Ehre. Und Ehre hat man meiner Schwester nicht erwiesen. Auch nicht Gnade, denn nichts anderes w�re eine Hinrichtung gewesen. Ihr wurde bestimmt, �Fleisch� zu sein.�</p><p>�Fleisch?� Volodi schwankte. Er f�hlte sich, als habe ihn ein Schlag in den Magen getroffen. Was sollte das hei�en, Fleisch? Unwillk�rlich musste er an die Hunde und Geier auf dem Schlachtfeld denken, die am Fleisch der Toten gezerrt hatten.</p><p>�So bestraft die Priesterschaft ihre Feinde von hoher Geburt. Die Weiber und T�chter aus Familien von Adel werden dazu verdammt, den Adlerrittern und Jaguarm�nnern gef�gig zu sein, denn auch wir sind M�nner�� zumindest ein Teil von uns ist es noch und wir sehnen uns nach�� z�rtlichen Stunden.� Bei den letzten Worten war Necahual ins Stocken geraten und wandte sein Gesicht ab.</p><p>�Also tut sich deine Schwester, was sie sich immer hat getan�, murmelte Volodi bitter. �Steigt sich in Bett mit fremden M�nnern.�</p><p>Die Bewegung kam so schnell und unerwartet, dass Volodi v�llig �berrumpelt wurde. Obwohl die schwarzen Krallen des Panthermanns seine Wange kaum ber�hrten, blieben vier Schnitte zur�ck, aus denen warmes Blut auf seine Schulter troff. Der Drusnier machte einen Satz zur�ck, duckte sich und hob die F�uste. Ihm war klar, dass der Jaguarkrieger ihn zerfleischen k�nnte, aber zumindest w�rde er sich nicht mehr �berrumpeln lassen.</p><p>Necahual hatte die Rechte erhoben, als wolle er noch einmal zuschlagen. Seine Krallenhand zitterte. �Du wirst nicht schlecht von meiner Schwester sprechen. Du hast ja keine Ahnung�� du goldhaariges St�ck Schei�e!�</p><p>Solange er redete, w�rde er nicht wieder zuschlagen, dachte Volodi. �Was ist sich anders jetzt? Bin ich mich Barbar. Musst du mir mich langsam erkl�ren.�</p><p>Der Zapote lie� die Hand sinken. �Ich hatte doch gesagt, wenn die Leidenschaft uns forttr�gt, sind wir nicht mehr wie normale M�nner. Es ist�� wir verletzen die Frauen. Und hinterher erinnern wir uns nicht einmal mehr, wie es geschehen ist. Wir geraten in Ekstase. Etwas von der unb�ndigen Wildheit der Adler und Jaguare hat in uns Einzug gehalten. Wir wollen nicht, aber es kommt vor, dass wir die Frauen im Liebesspiel verletzen. Schwer. Deshalb nennt die Priesterschaft sie Fleisch. Nur wenige �berleben die ersten Wochen. Quetzalli ist nun mehr als ein Jahr dort. Als ich zur Ebene von Kush auszog, lebte sie noch.� Er stockte. �Seitdem habe ich keine Nachricht von ihr.�</p><p>Volodi dachte an die wunderbaren, leidenschaftlichen Stunden, die er mit der Priesterin verbracht hatte. An das mit Federn geschm�ckte Zimmer, in dem sie sich geliebt hatten. An ihr L�cheln. Er hatte sie nicht vergessen k�nnen. Er hatte es versucht. Hatte sich immer wieder in Erinnerung gerufen, dass sie ihn hatte opfern wollen. Letztlich hatte sie es jedoch nicht getan.</p><p>�Was k�nnte ich mich helfen?�</p><p>�Den Auserw�hlten wird von der Priesterschaft jeder Wunsch erf�llt. Ihr werdet wie F�rsten leben. Allerdings k�nnt ihr die Tempelstadt bis zu jenem Tag, an dem euch die Gefiederte Schlange ruft, nicht mehr verlassen. Ihr k�nnt ein Weib haben oder viele. Ihr bekommt zu essen, was immer ihr wollt. W�nsch dir, dass man dir Quetzalli bringt. Nur so wird sie �berleben.�</p><p>�Und was, wenn ich mich gehen muss zu Schlange? Ist Quetzalli sich dann wieder Fleisch?�</p><p>Necahual nickte. �Ja�, sagte er leise. �Es sei denn, sie tr�gt ein Kind unter dem Herzen. Dann ist sie frei.�</p><p>Volodi blickte unschl�ssig zum Wei�en Tor. Er hatte seine Schuld bei Aaron beglichen. Er hatte dreimal f�r ihn gek�mpft. Im H�gelland Luwiens, wo die Erzschmieden verborgen gewesen waren, am Himmel von Nangog in einer Schlacht zwischen Wolkensammlern, und auf der ausgetrockneten Hochebene von Kush. Er hatte seinen Eid eingehalten. Nun war er frei zu gehen, wohin er wollte. Und durch das Wei�e Tor wollte er nicht! �Ist sich wie viel Zeit mit Quetzalli?�</p><p>Der Jaguarmann seufzte. �Es wird ausgelost. So entscheidet die Gefiederte Schlange, von wessen Blut sie kosten will. Es gab M�nner, die mehr als drei Jahre in allen Freuden schwelgten, bis das Los auf sie fiel. Manchmal sind es aber auch nur wenige Tage. Zu jedem Festtag ruft die Gefiederte Schlange einen Auserw�hlten. Du k�nntest mit Quetzalli lange gl�cklich leben���</p><p>Volodi dachte an seine letzte Nacht mit der Priesterin, als sie ihn gedr�ngt hatte, aus dem Fenster zu springen. Sie musste gewusst haben, welches Schicksal sie erwartete. Dass die Priesterschaft dieses Verhalten nur als Verrat an der Gefiederten Schlange auslegen konnte. Was auch immer sie gewollt hatte, als sie einander zum ersten Mal begegnet waren, zuletzt hatte sie ihm das Leben gerettet.</p><p>Volodi betrachtete die hohe Mauer, die die Tempelstadt umfasste. So wie er die Zapote kannte, w�rde ihm einer der Jaguarm�nner auflauern und umbringen, wenn er nicht durch das Tor ging. Sie waren gute Krieger. Vielleicht w�rde es gl�cken��</p><p>Er hatte Quetzalli nie vergessen k�nnen. Und wenn es stimmte, was der Zapote sagte, war er der einzige Mensch, der sie retten konnte. Was gab es also zu �berlegen! Er war nicht wie andere M�nner. Er war der, der �ber den Adlern schreitet. F�r ihn war nichts unm�glich. Er w�rde dort hineingehen und einfach nicht von dieser verdammten Federschlange auserw�hlt werden.</p><p>�Bist du dich also mein Schwager fast.� Volodi stellte sich den verbl�fften Ausdruck auf dem Gesicht des Jaguarmanns vor, dessen Antlitz nach wie vor im Schatten verborgen blieb, und grinste breit. �Komme ich mich mit dir und mache Quetzalli ein Kind. Das ist sich nicht schwer.�</p><p>Und bei der erstbesten Gelegenheit w�rde er mit ihr fliehen, dachte er bei sich.</p></section><section><title><p>Wie ein ausgesperrter Hund</p></title><p>Zwall kauerte unter dem Haselbusch nahe der alten Eiche und beobachtete die nackte Felswand, die sich ein paar Schritt vor ihm erhob. Eigentlich war dort ein Tor. Wenn er sein Verborgenes Auge �ffnete und die Welt der Magie betrachtete, konnte er das Tor ganz deutlich sehen. Genauso wie den Blendzauber, der jedem vorgaukelte, dass sich dort nichts als eine Felswand befand. Doch zu sehen allein gen�gte nicht. F�r ihn gab es keinen Weg dort hinein. Ein geheimes Wort der Macht �ffnete das Tor hinab zur Blauen Halle. Er war nie nahe genug herangekommen, um es zu erlauschen, wenn die Elfen dort hinabstiegen.</p><p>Missmutig musterte Zwall seine krummen Zehen, die unter dem Oberleder seines linken Schuhs hervorlugten. Seine Kleidung war sch�big und abgerissen und hatte den Geruch des Waldes in sich aufgenommen. Zwanzig Tage war er bei den Seinen gewesen. Elendes Diebespack! Er sollte diese Familienbesuche lassen. Sie hatten ihm seine sch�nen Kleider abgenommen, die ihm die Elfen geschenkt hatten. Jedes Mal taten sie das, wenn er in die H�hle unter dem Erlenbusch zur�ckkehrte, in der seit Generationen seine Sippe hauste. Und wenn er ging, dann lie�en sie ihn in den �ltesten Klamotten gehen. Peinlich war das.</p><p>Nat�rlich wussten sie genau, dass die Elfen ihn neu einkleiden w�rden. Sie mochten es in der Blauen Halle nicht, wenn man nicht auf sein �u�eres achtete. Die Elfen �bertrieben es ein wenig mit ihrer Pedanterie. Er putzte und kochte dort unten f�r sie, war wie all die anderen Kobolde, die in die Blaue Halle aufgenommen worden waren, nur f�r niedere Arbeiten gut.</p><p>Anfangs hatte Zwall noch gehofft, er k�nne sich etwas von der Magie der Elfen abschauen. Aber die Jahre hatten ihn kl�ger gemacht. Sie wachten eifers�chtig �ber ihre Geheimnisse. Und au�erdem hatten sie f�r Kobolde nicht viel �brig.</p><p>Keiner von ihnen hatte bemerkt, wie begabt er war. L�ngst nicht jeder Kobold wusste sein Verborgenes Auge zu �ffnen. Und die meisten nutzten die Gabe des Zauberwebens nur, um irgendwelchen Unfug anzustellen. Aber er, Zwall aus der Sippe Wurzelhaar, war zu H�herem berufen. Er w�rde ein bedeutender Magier werden. Er musste nur noch aufmerksamer die Elfen beobachten. Wenn nur endlich einer von diesem Mistkerlen k�me, damit er hinter ihm durch das Tor im Fels schl�pfen k�nnte. Elende Warterei! Er lauschte dem Lied der Drosseln �ber ihm im Ge�st, dem Zirpen der Grillen und dem leisen Fl�stern des Windes in den B�umen.</p><p>Ein pl�tzliches Kribbeln �berlief Zwall. Etwas hatte das magische Netz ber�hrt. Ein Zauber war gewoben worden, und der Albenstern, der keine zweihundert Schritt entfernt lag, hatte sich ge�ffnet. Zwall unterdr�ckte den Impuls aufzustehen. Manche der Elfen waren �bellaunige Gesellen, denen ein Kobold besser nicht ohne Not unter die Augen kam. Es war kl�ger, ungesehen durch das Portal im Fels zu schl�pfen.</p><p>Zwall bohrte seine Zehen in den weichen Waldboden. Es war �rgerlich, hier warten zu m�ssen wie ein Hund, dem die T�r vor der Nase zugeschlagen worden war. Die Elfen k�nnten sie wirklich etwas besser behandeln. Was w�ren sie, wenn es nicht f�r jeden dieser hochgewachsenen Besserwisser ein halbes Dutzend Kobolde g�be, das hinter ihnen aufr�umte? Irgendwann w�rde es einen Kobold geben, der den Mut h�tte, ihnen das offen ins Gesicht zu sagen! Gut, vielleicht nicht in der Wei�en Halle, wo die Himmelsschlangen ihre M�rder heranzogen. Es war Zwall ein R�tsel, wie sich Kobolde finden lie�en, die dort arbeiteten. Ihn w�rden keine zehn Pferde dazu bringen.</p><p>Die Elfen der Blauen Halle waren schon seltsam genug. Sie waren allesamt Spitzel, und viele gingen in die Welt der Menschenkinder. Das war lebensgef�hrlich! Zwall hatte heimlich in einigen der Berichte gebl�ttert, die sie �ber ihre Reisen schrieben. Eigentlich sollten Kobolde die B�cher unten in der Halle nur abstauben�� Er schnaubte. Die arroganten Elfenschn�sel glaubten, Seinesgleichen k�nne nicht lesen. Sie hielten sich f�r so schlau und waren doch manchmal so dumm!</p><p>Warum kam der Besucher, der aus dem Albenstern getreten war, nicht den Hang hinauf? Zwall lauschte. Warum dauerte das so lange? Er hatte gef�hlt, wie das magische Portal sich wieder geschlossen hatte. Es war nur ein Katzensprung bis zum Felsen. Sie kamen zwar niemals auf direktem Wege zu dem verborgenen Eingang, aber das dauerte jetzt wirklich etwas lange. Was war da los? Er sp�hte den Hang hinab in den Wald. Es war vollkommen still. Vogelgesang und Grillenzirpen waren verstummt. Er wusste, er w�rde sie nicht kommen h�ren. Ein Blatt, das im Herbst auf den Waldboden fiel, machte mehr L�rm als ein Elf auf der Pirsch.</p><p>Hier stimmte doch etwas nicht�� Warum war es so still? Was war da drau�en, das die V�gel so �ngstigte, dass sie zu singen aufh�rten? Zwall blickte �ber die Schulter. Fl�chtig sah er einen Schemen zwischen den B�umen. Er kniff die Augen zusammen. Das konnte nicht sein. Eine Gestalt mit einem umgeworfenen L�wenfell!?</p><p>Als er wieder zur Lichtung vor der Felswand sah, stand dort eine schlanke, dunkelhaarige Frau. M�chtige, schwarze Schwingen wuchsen aus ihren Schultern. Der Kobold hielt den Atem an. Eine Aura der Macht umgab die Fremde. Sie hielt ein Schwert mit schwarzer Klinge in der Rechten. Die l�wenh�uptige Gestalt gesellte sich zu ihr. Und dann noch eine Kreatur, halb Mann, halb Eber.</p><p>Solche Gesch�pfe hatte Zwall nie zuvor gesehen. Da war es sicher kl�ger, sich bedeckt zu halten. Er �berlegte, ob er noch ein wenig tiefer ins Haseldickicht kriechen sollte. Aber wenn er dabei das geringste Ger�usch verursachte�� Nein, besser gar nicht bewegen.</p><p>Die Gefl�gelte deutete auf das Tor im Fels. Wollten die etwa hinab in die Blaue Halle? Waren es am Ende doch Elfen? Einige seiner Herren vermochten die Gestalt zu ver�ndern, das wusste Zwall. Er �ffnete sein Verborgenes Auge und starrte die Fremden an. Ihre Auren waren vom hellen Rot kaum beherrschter Wut gef�rbt. So dicht war das Geflecht aus Kraftlinien, das sie umgab, dass es fast zu einem formlosen Leuchten zerfloss.</p><p>Der Ebermann nahm die Gefl�gelte bei der Hand, und das Leuchten, das von ihnen ausging, wurde noch intensiver. Es erschien Zwall schon fast so intensiv wie das Licht der Sonne an einem Hochsommertag.</p><p>Weitere Lichtgestalten erschienen vor der Felswand. Es waren jetzt zw�lf. Zwall war neugierig, ob auch die anderen Tierk�pfe hatten. An ihren Auren konnte er es nicht ablesen. Er wollte die Augen �ffnen, doch es gelang ihm nicht. Er schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. Es war nicht das erste Mal, dass er sein Verborgenes Auge nicht mehr schlie�en konnte. Manchmal war es, als beherrschte die Magie ihn und nicht er sie. Als w�rde sie ihn einfach forttragen, wenn er ihr ein Tor �ffnete.</p><p>Der L�wenh�uptige nahm nun ebenfalls das Weib mit den Fl�geln bei der Hand. Das Leuchten wurde intensiver. Es schmerzte hinzusehen. Das war ihm noch nie passiert.</p><p>Zwall wollte den Kopf senken, doch was vor der Felsenwand geschah, hatte ihn ganz und gar in Bann geschlagen. Eine weitere Lichtgestalt schloss sich der Gruppe an und ergriff eine Hand des L�wenh�uptigen. Blendendes Wei� l�schte nun alle Farben. Zwall vermochte keine Kraftlinien mehr zu unterscheiden. Alles war nur noch Licht und Schmerz. Seine Stirn gl�hte, als sich das Licht tief in seinen Kopf fra�.</p><p>Er schrie auf, ohne noch dar�ber nachzudenken, dass er sich damit in Gefahr brachte. Was hatte er getan. Nie, nie wieder w�rde er sein Verborgenes Auge �ffnen!</p><p>Eine glei�ende Woge trug ihn fort. Seine Beine knickten weg. Nein, es war der Boden. Etwas geschah. Was taten die Fremden? Sie leiteten das Licht durch das geheime Tor im Fels. Alles schwankte. Tief aus der Erde erklang ein Rumoren und �chzen, wie Zwall es noch nie zuvor vernommen hatte.</p><p>Das Licht war in ihm.</p><p>So heiߠ�</p></section><section><title><p>In Ketten</p></title><p>Unruhig wand sich Nachtatem auf dem flachen Fels, der sich inmitten des weiten, �berfluteten Gew�lbes tief unter der Pyramide im Herzen des Jadegartens erhob. Die Himmelsschlange versuchte sich auf das Fl�stern der Orakelstimmen zu konzentrieren, die Dutzenden von Stimmen der Gazala, die rings um ihn herum im flachen Wasser standen und ihm in Trance versunken von den endlos vielen m�glichen Zuk�nften Albenmarks k�ndeten. Diese Kreaturen, halb Elfe, halb Gazelle, mit schlanken Tierl�ufen, Frauenk�rpern und in sich gedrehten, weit �ber ihren R�cken hinabgeschwungenen H�rnern, sollten ihm helfen, den rechten Weg zu finden. Und doch schafften sie es an diesem Tag nicht, ihm das Gef�hl der Verlorenheit zu nehmen.</p><p>Er war der Erste unter seinen Nestbr�dern. Der Erstgeschl�pfte und fr�her ein Liebling der Alben. Doch die Weltensch�pfer hatten sich zur�ckgezogen und ihre Sch�pfung ihren Kindern �berlassen. Lange war es her, dass er das letzte Mal mit einem von ihnen seine Gedanken tauschen durfte. Nun ruhte alle Last dieser Welt auf seinen Schultern.</p><p>Er wollte ein guter und gerechter Herrscher sein. Einer, der die anderen Kinder der Alben sch�tzte, und den die Devanthar, die Daimonen, die �ber die Welt der Menschen herrschten, f�rchteten. Sie kannten kein Ma� in ihren Begehrlichkeiten. Sie griffen nach Nangog, der verbotenen Welt, und eines Tages w�rden sie auch nach Albenmark greifen, davon hatten die Gazala ihm erz�hlt. Er allein stand zwischen diesen Kreaturen und allem, was ihm etwas bedeutete. Er und seine Br�der waren der geschuppte Schild Albenmarks. Sie mussten stark und furchterregend sein. Das allein hielt die Devanthar zur�ck. Und ihm oblag es, den einen Weg zu finden, der ihn f�r seine Feinde zur Schreckensgestalt machte, f�r jene aber, die er sch�tzen wollte, nicht zum Tyrannen werden lie�.</p><p>Einen Augenblick lauschte er auf Firaz. Er mochte diese rebellische Gazala. Ihre Gabe war besonders ausgepr�gt. Oft war er geneigt, die Bilder der Zukunft, die sie sah, f�r besonders wahrscheinlich zu halten. Nat�rlich w�rde sich das �ndern, je mehr er auf sie h�rte, denn jede seiner Taten ver�nderte die Zukunft. Mochte er eine Katastrophe abwenden, so konnte das, was kurzfristig als ein Gl�ck erschien, nur wenige Jahrhunderte sp�ter noch eine viel gr��ere Katastrophe heraufbeschw�ren. Und allt�glich lauschte er den Worten des Schreckens. Geschichten �ber ein Banner, das einen schwarzen, abgestorbenen Baum zeigte und das �ber einem Albenmark wehte, das all seinen Zauber verloren hatte. Geschichten �ber blutige K�mpfe mit seinen Nestbr�dern, �ber Verrat und Intrigen, das Sterben der G�tter und dar�ber, wie seine ganze Welt zerbrach, weil er sich von seinem Zorn hatte leiten lassen.</p><p>Doch heute sprach Firaz von einer K�nigin, und ihre Vision war so stark, dass sie Bilder vor seinem geistigen Auge entstehen lie�. Nachtatem sah eine kleine, zierliche Elfe, deren gelocktes Haar auf schneewei�e Schultern fiel. Sie bewegte sich inmitten einer pr�chtigen Hofgesellschaft. Die meisten Elfen, die sie umringten, waren gr��er und auch pr�chtiger gekleidet, doch diese kleine, zierliche Gestalt strahlte eine Macht aus, die Tand und K�rperliches verblassen lie�. Sie war die Herrin dieses Hofes und noch viel mehr: Sie herrschte �ber Albenmark!</p><p>Nachtatem w�nschte, er w�rde ihren Namen kennen. Wer war sie, deren Lippen so rot wie Waldbeeren waren und in deren rehfarbenen Augen man zu versinken drohte? Er w�nschte, die Vision w�re so intensiv, dass die Bilder von Lauten und Ger�chen begleitet w�rden, als sei er mitten unter jenen, die er nur in seinem Geiste sah. Unter Elfen, die wom�glich erst in Jahrhunderten geboren werden w�rden. Fasziniert blickte er in die Augen der Herrscherin. Und erkannte tief auf ihrem Grund denselben Schmerz, den er so oft f�hlte und den nur der zu empfinden vermochte, dem die Last einer Welt aufgeb�rdet war. So fremd sie einander waren, ihre Seelen waren verwandt, dessen war er sich ganz sicher. So nah��</p><p>Das Bild verblasste, und es dr�ngten sich die Gedanken an Nandalee in sein Bewusstsein. Gedanken, gegen die er schon den ganzen Tag ank�mpfte. Er wusste, dass sie den gesch�tzten Felsgarten verlassen hatte und im Bainne Tyr auf Pirsch ging. Sie genoss es, durch die weite Savanne zu streifen, die riesigen Herden bei der Wanderschaft zu beobachten und das freie, ungebundene Leben einer J�gerin zu f�hren.</p><p>Nachtatem sehnte sich nach dem Geschmack frischen, warmen Blutes. Auch er war ein J�ger, doch die Last, der Erstgeschl�pfte zu sein, hatte dieses Vergn�gen ein seltenes Gut werden lassen. Seine Nestbr�der fr�nten weit �fter ihren Begierden.</p><p>Nachtatems Schweif peitschte ins Wasser. Ein �rgerliches Schnauben entwich seinen N�stern und lie� die n�chststehenden Gazala in ihrem Murmeln verstummen. Aus der Trance gerissen, blickten sie �ngstlich mit ihren blinden Augen zu ihm auf. Hin und wieder, wenn die Lust auf Blut und lebendes Fleisch zu �berm�chtig wurde, hatte er sich dazu hinrei�en lassen, eine von ihnen zu schlagen. Sie waren kaum mehr als ein Happen. Nicht genug, um sein Verlangen wirklich zu stillen.</p><p>Er musste beherrschter sein, ermahnte er sich stumm, und versuchte das Bild Nandalees aus seinen Gedanken zu bannen. Sein Nestbruder, der Goldene, hatte sie in Gestalt Gonvalons genommen und vielleicht ein Kind mit ihr gezeugt. Nicht aus Lust, sondern um seinen abtr�nnigen Fechtmeister zu bestrafen. Nandalee wusste nicht einmal von dieser Intrige. Manchmal waren es die Dinge, die man nicht wusste, die einen frei sein lie�en. Er blickte �ber das weite Gew�lbe, �ber die unabl�ssig murmelnden Seherinnen, die ihm halfen, nach der besten Zukunft f�r seine Welt zu suchen. Vielleicht hatte er den falschen Weg beschritten. War es nicht gerade die Ungewissheit �ber die Zukunft, die ein Leben lebenswert machte? All das, was die Gazala ihm gefl�stert hatten, hatte ihn nicht gl�cklicher gemacht. Im Gegenteil, mit jedem Jahr k�mpfte er verbissener. Er hatte sich seinen Nestbr�dern entfremdet, und er beneidete eine junge Elfe, die frei als J�gerin durch die Savanne streifte und in der Nacht in den Armen ihres Geliebten liegen w�rde.</p><p>Die Himmelsschlange atmete tief ein. Er sp�rte, wie sich seine Lungen aufbl�hten, sich sein R�cken hob und das Feuer in ihm an Hitze gewann. Lie� er es frei, w�rden die Ketten zerschmelzen, die er sich selbst auferlegt hatte.</p><p>Ein langes Ausatmen, in dem er das Feuer freilie�, und auch er w�re befreit von dem endlosen Raunen �ber die Schrecken, die seine Welt erwarteten. Eine Welt, in der es f�r die Drachen keine Zukunft zu geben schien. Nein, so durfte er nicht denken! Er war der Erstgeschl�pfte! Von Geburt an dazu bestimmt, die Himmelsschlangen zu f�hren. Er w�rde k�mpfen. Er war ein Drache! Wenn sie aus dieser Welt verschwinden sollten, dann w�rde dies nicht leise geschehen! Bis dahin w�rde er die Fesseln der Pflicht nicht abstreifen. Er w�rde ausharren und f�r die Alben streiten. Bis zuletzt.</p><p>Ein Gef�hl, als ber�hrten ihn tausend H�nde zur gleichen Zeit, lie� die Himmelsschlange erzittern. Das magische Netz, das alles umspann, erbebte. Jede der Kraftlinien erzitterte wie eine Harfenseite, die zu stark angeschlagen worden war und zu rei�en drohte. Ein Schauder durchlief Nachtatem. Ein gro�er Zauber war gewoben worden. Ein Zauber, wie ihn die Welt seit den Sch�pfertagen nicht mehr gesehen hatte. Die Alben waren zur�ckgekehrt!</p><p>Rings umher war das unabl�ssige Fl�stern der Gazala verstummt. Angst spiegelte sich in ihren Gesichtern. Der Strom der Zeit schien angehalten zu haben. Selbst sie hatten nicht kommen sehen, was in diesem Augenblick geschah.</p><p>Die m�chtigen Steine des Gew�lbes knirschten. Feiner Staub rieselte von der Decke herab. Nachtatem sp�rte den Felsboden unter sich vibrieren. Die Ersch�tterung der magischen Welt setzte sich im Stofflichen fort. Ein Stein l�ste sich aus der Decke und schlug klatschend ins flache Wasser. Die blinden Blicke der Gazala waren auf ihn gerichtet.</p><p><emphasis>Bleibt, meine Kinder</emphasis>, sprach er in ihren Gedanken und glitt von dem Felsen. Er sp�rte, wo der Zauber gewoben worden war. Tausende Meilen entfernt. Die Magie war ihm fremd, so lange schon hatte er die Zaubermacht der Alben nicht mehr gesp�rt. Ein seltsamer Schmerz ber�hrte seine Seele. Ein Gef�hl, wie er es zuletzt empfunden hatte, als der Purpurne von den Devanthar gemeuchelt worden war.</p><p>Ein Gedanke Nachtatems �ffnete den nahen Albenstern. Fiebrige Erregung trieb ihn voran. Endlich w�rde er wieder vor seinen Sch�pfern stehen!</p></section><section><title><p>Blutender Fels</p></title><p>Die roten Felsen hatten die Hitze des glei�end hellen Nachmittags in sich aufgenommen. Es war ein schwerer Aufstieg, auch wenn ihr Ziel nicht mehr fern war. Nandalee konnte die Wildrosen schon riechen.</p><p>�Dieser Ort ist f�r Elfen gemacht, die auf Pegasi reiten�, sagte Gonvalon hinter ihr.</p><p>�Und f�r Ziegen�, entgegnete Nandalee neckisch, w�hrend ihre Finger nach einem schmalen Spalt im Fels tasteten. Sie fand einen sicheren Griff und zog sich auf ein schmales Sims. Ihre H�nde brannten, und ihre Fingern�gel schm�ckten Halbmonde aus rotem Staub.</p><p>Gonvalon zog sich neben ihr auf den Felsvorsprung. Er kletterte mit beeindruckendem Geschick. Immer wieder �berraschte er sie. Sie sollte sich wohl besser von ihren Vorurteilen gegen�ber den Elfen trennen, die in Pal�sten fern der Natur aufgewachsen waren. Gonvalon hatte seine Jugend offensichtlich nicht allein mit B�chern und K�tzchen auf seinem Scho� verbracht. Der Schwertmeister grinste sie an, als k�nne er in ihren Gedanken lesen. �Du machst dich ganz gut als Ziege. Werde ich dich bei unserem n�chsten Ausflug hierher �berreden k�nnen, mit mir auf Nachtschwinge zu reiten?�</p><p>�Glaubst du nicht, dass es unter der W�rde deines edlen Himmelsrosses ist, eine Ziege auf seinem R�cken zu tragen?�</p><p>Gonvalon n�herte sich ihrem Gesicht bis auf wenige Zoll und fl�sterte verschw�rerisch: �Alle Hengste sind bestechlich. Wenn ich ihn danach f�r eine Woche zu den Stuten seiner Herde zur�ckkehren lasse, w�rde er seine W�rde f�r einen kurzen Flug vergessen.�</p><p>�Und womit besticht man dich?�</p><p>�Ich habe geh�rt, dort oben gebe es einen verwunschenen See, in dem sich staubbedeckte Ziegen in unwiderstehliche Quellnymphen verwandeln. Um Zeuge dieses Wunders zu werden, t�te ich fast alles.�</p><p>�Deine Gabe f�r Komplimente war es nicht, die dir den Ruf eingebracht hat, mit jeder deiner Sch�lerinnen eine Liebschaft zu haben.�</p><p>Gonvalon lachte schelmisch. �Stimmt. Solltest du es bis zum See schaffen, erinnerst du dich vielleicht, was meinen besonderen Charme ausmacht.� Mit diesen Worten drehte er sich um und kletterte weiter die Felswand hinauf.</p><p>Nandalee sah ihm nach. Jede seiner Bewegungen war voller Anmut. Bei ihm schien es, als sei dort hinaufzukommen kaum schwerer, als einen sanften H�gel zu erklimmen. Mit einem Seufzer schob sie den Eibenbogen zurecht. Die lange Waffe behinderte sie beim Klettern. Ebenso der K�cher. Trotzdem w�rde sie auch die n�chste Einladung zur�ckweisen, auf Nachtschwinges R�cken zum See zu gelangen. Sie w�rde nur noch auf einem Pegasus reiten. Dem pr�chtigen Hengst mit der Blesse auf der Stirn. Sie wusste auch schon, wie sie ihn nennen w�rde: Sternauge!</p><p>Sie tastete gerade mit zum Zerrei�en gestreckten Armen nach einem sicheren Griff, als der Fels unter ihren H�nden zu vibrieren begann. �ber ihr ert�nte das unselige Klackern von Steinen, die in weiten Spr�ngen den Steilhang hinabst�rzten. Nandalee dr�ckte sich dicht an den Fels. Immer n�her kam das Get�se einer Steinlawine. In fliegender Eile hetzte die Elfe das absch�ssige Sims entlang, auf dem sie und Gonvalon eben noch gerastet hatte. Rings herum schlugen Steine auf.</p><p>Nandalee warf sich nach vorn und fand im letzten Augenblick Deckung unter einem �berhang. Als sie wieder aufsah, bemerkte sie etwa hundert Schritt links von ihr einen weiten Spalt in der Steilwand, aus dem ein d�nnes Rinnsal �ber den Fels sickerte. Erneut bebte der Berg, und eine dichte Wolke roten Staubs quoll aus dem Spalt hervor. Ein wahrer Hagelschlag kleinerer Steine folgte und verwandelte das Wasser in blutroten Schlamm, der in z�hen Schlieren den Fels hinabtroff.</p><p>�Nandalee?�, rief Gonvalon. Keinen Herzschlag sp�ter war er an ihrer Seite, kniete bei ihr und ber�hrte sie sacht. �Bist du unverletzt?�</p><p>Sie nickte benommen und blickte unverwandt auf die Klamm. Es schien, als sei das Felsgestein verwundet worden und blute aus. Einen Wimpernschlag lang qu�lte sie eine Vision. Ein Bild von Elfen, die unter st�rzenden Gesteinsmassen begraben wurden. �Was ist geschehen?�</p><p>�Das war mehr als nur ein Steinschlag�, sagte Gonvalon. �Ich glaube, es hat ein leichtes Erdbeben gegeben. Wir haben Gl�ck gehabt, unbeschadet davongekommen zu sein.�</p><p>Unheimliche Stille hatte sich �ber die Felswand gelegt. Nur vereinzelt erklang noch das Klackern eines rollenden Steins. Nandalee erhob sich und wollte schon das letzte St�ck des Aufstiegs in Angriff nehmen, als pl�tzlich ein w�tendes Fauchen zu vernehmen war. Es t�nte aus der Klamm.</p><p>�Ein verwundetes Tier. Gehen wir nachsehen!� Nandalee musterte den Steilhang. Das Sims, auf dem sie standen, f�hrte fast bis zum Einstieg in die Klamm. Allerdings wurde der Weg auf dem letzten St�ck immer schmaler.</p><p>�Warum willst du dorthin?�, fragte Gonvalon �berrascht. �Wir k�nnen ohnehin nicht helfen.�</p><p>�Weil ich eine J�gerin bin. Ich lasse keine Kreatur leiden. Das Mindeste, was ich tun kann, ist, ihr einen schnellen Tod zu schenken.�</p><p>�Wei�t du, wie sich das anh�rt?� Wie um Gonvalons Worten mehr Gewicht zu verleihen, erklang wieder das w�tende Fauchen. �Dir ist sicher nicht entgangen, dass der Dunkle mich im Jadegarten nicht duldet. Ich kenne die Kreaturen, die durch die Felsen pirschen. Es gibt hier einen gro�en, �u�erst unfreundlichen Silberl�wen, der mir schon mehr als eine schlaflose Nacht bereitet hat. Wenn das Biest verreckt, werde ich ihm keine Tr�ne nachweinen. Und wei�t du, was er tun wird, wenn du ihm hilfst? Dir zum Dank die Hand abbei�en.�</p><p>Doch Nandalee kletterte schon los. Das Fauchen war immer w�tender geworden, als w�rde die Raubkatze k�mpfen. Nat�rlich wusste Nandalee, dass Gonvalon recht hatte. Mit einem verwundeten Silberl�wen war nicht zu spa�en. Wenn er sie nicht an sich heranlie�, um ihm zu helfen, w�rde sie ihn vielleicht t�ten m�ssen.</p><p>Der Schwertmeister �berholte sie. Es war unheimlich, wie schnell er war. Fast wie eine Spinne bewegte er sich �ber den steilen Fels. Und sie wusste, dass er seine Fertigkeiten nicht durch einen Zauber unterst�tzen konnte.</p><p>Er erreichte die Klamm vor ihr, streckte ihr die Hand entgegen und zog sie auf einen Felsvorsprung hoch. Unter ihnen lag eine enge Schlucht voller Ger�ll, durch das sich ein rotes Rinnsal k�mpfte. Zwei entwurzelte Kiefern hingen zwischen den Felsw�nden verkeilt, nur gehalten von gesplittertem Astwerk, und drohten jeden Augenblick, auf den Grund der Schlucht hinabzust�rzen.</p><p>Das Fauchen war verstummt. Die Raubkatze musste sie geh�rt haben.</p><p>Vorsichtig zog Nandalee ihr langes Jagdmesser und beugte sich vor. Der Silberl�we musste hier irgendwo sein und k�nnte sie jederzeit anfallen. Er war verletzt und f�hlte sich mit Sicherheit bedr�ngt. Gonvalon hatte recht gehabt mit seinen Einw�nden. Ihr Vorhaben war unvern�nftig.</p><p>�Dort!�, fl�sterte der Schwertmeister und deutete auf einen Felsspalt auf ihrer Seite der Klamm. �Eine H�hle.�</p><p>Jetzt sah auch Nandalee sie. Der Eingang war halb versch�ttet. Ein schwerer Felsblock versperrte den Ausgang und lie� nur einen Spalt von weniger als zwei Handbreit offen. Vorsichtig pirschte Nandalee �ber den Hang voller Bruchstein und Ger�ll bis zum Eingang und sp�hte ins Dunkel. Sie konnte nichts entdecken. Kein Laut drang aus der H�hle. Die Elfe �ffnete ihr Verborgenes Auge, und ihr Blick auf die Welt �nderte sich. Sie sah das verschlungene Netz aus Kraftlinien, und dann entdeckte sie den Silberl�wen. Er presste sich hinter dem Felsbrocken zu Boden, bereit, jeden anzugreifen, der in die H�hle eindrang.</p><p>Sie gab Gonvalon, der ihr gefolgt war, ein Zeichen, dass sie das Raubtier entdeckt hatte, und deutete auf einen gesplitterten Zedernstamm, der nicht weit entfernt auf einem Felsvorsprung lag. Sie ben�tigten einen Hebel, wenn sie den Stein vor dem Eingang bewegen wollten. Der Schwertmeister warf ihr einen verzweifelten Blick zu, holte aber den Stamm.</p><p>�Wenn das Vieh herauskommt, wird es als Dank einen von uns zum Nachtmahl erw�hlen.�</p><p>�Ich leugne nicht, dass das geschehen k�nnte.�</p><p>�Warum machen wir es dann?�, grollte Gonvalon.</p><p>�Weil es das Richtige ist. Und weil wir Drachenelfen sind. Es ist unsere Aufgabe, das Richtige zu tun.�</p><p>Ein L�cheln stahl sich ins ebenm��ige Gesicht des Schwertmeisters. �Ich w�rde sagen, es gibt unter den Drachenelfen nur wenige, die deine Auffassung �ber unsere Pflichten teilen w�rden.�</p><p>�Ich werde daf�r sorgen, dass es mehr werden. Und jetzt komm, verkanten wir den Stamm dort unten und hebeln den Fels zur Seite.� Es war gef�hrlich, nur einen Schritt am Abgrund den jungen Baumstamm zu balancieren. Schlie�lich gelang es Nandalee und Gonvalon, den Stamm zwischen einen kopfgro�en Stein und den Felsbrocken zu klemmen. Mit vereinten Kr�ften stemmten sie sich dagegen. Kurz schafften sie es, den Fels anzuheben, dann polterte er wieder in seine Ausgangsposition zur�ck. Aus der H�hle erklang jetzt ein �ngstliches Fauchen. Der Silberl�we w�rde nur dann entkommen, wenn er den Augenblick nutzte, in dem der Fels in der Schwebe war. Doch statt nach drau�en zu fl�chten, hatte er sich nun in das �u�erste Ende der engen H�hle zur�ckgezogen.</p><p>Dreimal versuchten sie es. Und dreimal verlie� der J�ger sein Gef�ngnis, das ihm zum Grab werden w�rde, nicht.</p><p>Gonvalon sch�ttelte resigniert den Kopf. �Wir haben alles versucht. �berlassen wir die Katze ihrem Schicksal. Vergiss nicht, ich werde ruhiger schlafen, wenn sie nachts nicht mehr durch die Felsen schleicht.�</p><p>Es war vern�nftig, was er sagte, und doch wollte Nandalee seine Worte nicht h�ren. Sie starrte den Felsen an, als k�nnte sie ihn allein kraft ihres Willens bewegen. Vielleicht w�re das m�glich? Sie starrte und starrte. Versuchte, sich im Geiste vorzustellen, wie sich der riesige Gesteinsbrocken bewegte, aber nichts geschah. Einen solchen Zauber zu weben war ihr offenbar nicht gegeben. Allerdings g�be es noch eine letzte M�glichkeit. Gonvalon w�rde es hassen! Es w�re besser, ihm nicht zu sagen, was sie plante, sondern es einfach zu tun.</p><p>Sie ging in die Hocke und n�herte sich vorsichtig dem Spalt im Fels.</p><p>�Was machst du da?�</p><p>Nandalee legte einen Finger auf ihre Lippen und �ffnete erneut ihr Verborgenes Auge. Sie sah die Aura des Silberl�wen. Seine Angst. Ruhig redete sie auf ihn ein, suchte im Geiste nach seinen Gef�hlen. Flach auf den Boden gedr�ckt, n�herte er sich dem Eingang. Er wollte k�mpfen. Sie versuchte, Bilder in das Bewusstsein des Tieres flie�en zu lassen. Zeigte ihm, wie es schnell durch den Spalt schl�pfen musste, sobald sich der Fels bewegte. Sie lie� ihn die verw�stete Klamm hinaufst�rmen. Fort, in Freiheit und Sicherheit.</p><p>Ein leises Knurren drang aus dem Spalt. Hatte er verstanden? Die Elfe war sich nicht sicher, ob es �berhaupt eine Verbindung zwischen ihnen gegeben hatte. Aber ein J�ger, der sich geduckt anschlich, w�rde nicht knurren�� er w�rde lautlos n�her kommen, wenn er sie angreifen wollte. Oder w�rde er in seiner Panik nach allem schnappen, was sich ihm n�herte? Es war unm�glich einzusch�tzen, wie sich ein Raubtier, das in der Falle sa�, verhalten w�rde. Wenn sie ganz sicher sein wollte, dass ihre Gedanken den Silberl�wen erreicht hatten, m�sste sie ihn ber�hren. Sie musste ein Band zu ihm herstellen. Hinter sich h�rte sie Gonvalon scharf einatmen, als er begriff, was sie vorhatte.</p><p>Nandalee streckte den Arm durch den Spalt. Ohne Z�gern, ohne Angst. Wenn sie nach Furcht roch, dann w�rde die Raubkatze sie f�r Beute halten und angreifen. Das war ihr Instinkt.</p><p>Ein Tatzenhieb traf ihre vorgestreckte Hand. Nandalee zuckte nicht zur�ck, auch wenn ihr Herzschlag f�r einen Augenblick aussetzte. Der Silberl�we hatte seine Krallen nicht ausgefahren. Er hatte sie verstanden, dass wusste sie nun. Er w�rde die Gelegenheit zur Flucht nutzen.</p><p>Nandalee erhob sich. Ihre Hand schmerzte. Der Tatzenhieb war mit viel Kraft gef�hrt worden. Sie wusste, der Silberl�we hatte nicht anders gekonnt. Sie verstand das. Sie waren nicht von gleicher Art und doch verwandte Seelen. Beide waren sie J�ger.</p><p>Gonvalon zog sie an sich, k�sste sie leidenschaftlich, fast schon gierig. �Du bist vollkommen verr�ckt�, murmelte er zwischen seinen K�ssen. �Verr�ckt! Tu so etwas nie wieder. H�rst du? Ich dachte, das Mistviech w�rde dir den Arm abrei�en.�</p><p>Behutsam schob Nandalee den Schwertmeister ein wenig zur�ck, sah ihm in die Augen. Sanfte Missbilligung lag in seinem Blick. Und doch wusste sie, er w�rde ihr helfen. �Wir m�ssen ihn befreien. Ich habe es ihm versprochen. Und dann geh�re ich ganz dir.� Ihre Beine zitterten. Ihr war bewusst, welches Risiko sie eingegangen war, und sie sehnte sich danach, in Gonvalons Armen zu liegen, dem sichersten Ort auf allen Welten. Er hatte sich dem Goldenen widersetzt und den Immerwinterwurm erschlagen�� nur f�r sie. Sie w�rde ihm f�r immer geh�ren. Jede Jagd w�rde damit enden, dass sie den Schmerz der Trennung und alle Gefahren im wilden, innigen Liebesspiel verga�en. Ganz gleich, wie weit sie im Dienst des Dunklen von ihm fortgehen musste, sie w�rde immer wiederkehren. Und sie w�rde ihn immer lieben, bis ans Ende aller Zeiten.</p><p>�Du wirst ihn also herausholen�, sagte Gonvalon, �aber lass es uns schnell tun. Ich will dich��� Er strich ihr bei den letzten Worten z�rtlich �ber den Arm, und ein wohliges Schaudern durchlief sie. Sie wollte ihn auch, so sehr wie seit Tagen nicht mehr.</p><p>Wieder stemmten sie sich mit vereinten Kr�ften gegen den Baumstamm, und diesmal nutzte der Silberl�we den kurzen Moment, in dem sich der Spalt vor der H�hle erweiterte. Er schl�pfte ins Freie, machte ein paar weite S�tze die Klamm hinauf und blieb dann abrupt stehen. Sein gl�nzendes, wei�silbernes Fell war mit rotem Staub und Schlammspritzern bedeckt. Mit goldenen Augen fixierte er Nandalee einige Herzschl�ge lang, dann stieg er langsam wieder die Klamm hinab.</p><p>Gonvalons Hand fuhr zum Schwert.</p><p>�Ruhig�, fl�sterte Nandalee, obwohl auch sie angespannt war. Die Raubkatze lie� sie nicht aus den Augen. Nandalee versuchte, Bilder in den Gedanken des Silberl�wen entstehen zu lassen und in seinen Gef�hlen zu lesen. Je n�her das gro�e Tier kam, desto st�rker wurde die Verbindung, und dann, pl�tzlich, hatte Nandalee Teil an all seinen Gef�hlen. Seine Gedanken waren ein Chaos widerstreitender Instinkte. Er hatte Hunger und war ver�ngstigt, wollte davonlaufen, aber auch Beute rei�en. Er war ein Einzelg�nger ohne Weibchen. Und er wusste, dass die beiden Elfen ihn gerettet hatten.</p><p>Nandalee griff nach Gonvalons Arm. Er war be�ngstigend schnell mit der Klinge. Sie zweifelte nicht daran, dass er den Silberl�wen mit einem einzigen Stich t�ten k�nnte, aber sie wollte nicht, dass es so endete. Die Elfe lie� Bilder entstehen, wie sie gemeinsam mit Gonvalon in der Savanne auf Jagd gegangen war. Sie beide waren ein Rudel. Ein dunkles Knurren kam tief aus der Kehle der Katze. Nandalee sp�rte ein neues Gef�hl in den Gedanken des L�wen: Einsamkeit.</p><p>Er war der Einzige seiner Art im Jadegarten. Oft hatte er versucht, den verwunschenen W�stenstreifen, der die Felsoase umschloss, zu durchqueren und in die weite Savanne des Bainne Tyr zu gelangen. Doch nur wer fliegen konnte, vermochte in den Jadegarten zu gelangen oder ihn zu verlassen. Wer die W�ste am Boden durchquerte, entfesselte einen magischen Sandsturm, sobald er eine unsichtbare Schwelle �berschritt. Einen Sturm, der jegliches Leben ausl�schte.</p><p>Nur wenige Schritte vor ihnen verharrte der Silberl�we. Mit weiten N�stern schnupperte er mehrere Male. Dann pl�tzlich drehte er sich um und sprang mit weiten S�tzen davon.</p><p>�Was war das?�, fragte Gonvalon verwirrt.</p><p>Noch immer schwang das Gef�hl der Einsamkeit des Tiers in Nandalee nach. �Ich glaube, er wollte sich unserem Rudel anschlie�en. Er hat unsere Witterung aufgenommen. Er wird uns nicht vergessen.� Sie zog Gonvalon an sich und k�sste ihn leidenschaftlich, doch die Ahnung von Einsamkeit hatte sich tief in ihr eingenistet und wollte nicht mehr weichen. Sollte sie Gonvalon je verlieren, w�rde sie wie der Silberl�we sein.</p></section><section><title><p>Der enthauptete L�we</p></title><p>Barnaba reichte dem Wasserverk�ufer seinen Becher zur�ck und verscheuchte mit fahriger Geste die Fliegen, die ihm �berallhin zu folgen schienen. Er kauerte auf einer niedrigen Mauer und betrachtete unschl�ssig das Treiben auf dem weiten Platz vor dem Goldenen Tor. Tausende warteten dort auf ihre Reise durch das Dunkel des Nichts, w�hrend zur selben Zeit unabl�ssig Karawanen von Daia durch das Tor in die neue Welt traten.</p><p>Sie brachten Waren jeglicher Art, Sklaven, Gl�cksritter und exotische Tiere f�r die Pal�ste der Statthalter. Schon auf dem Platz vor dem Weltentor wurden die Arglosen unter den Neuank�mmlingen zu Dutzenden ausgenommen. Nangog war eine Welt, die Menschen verschlang.</p><p>Doch an Menschen herrschte kein Mangel. Zu wunderbar waren die Geschichten, die inzwischen bis in die entferntesten Winkel der sieben gro�en Reiche Daias gedrungen waren. Wer flei�ig und beherzt war, den machte diese Welt reich. Wie viele auf der Suche nach dem Gl�ck nur Elend und Tod fanden, wurde nicht erz�hlt.</p><p>Auch Barnaba war sich nicht mehr sicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, hierherzukommen. Er war immer noch geschw�cht von seinen Wunden. Sein Herz war gebrochen. Er konnte nicht aufh�ren, an Iku�ka zu denken.</p><p>Seine Rechte schloss sich fester um den Griff des Dolches, den er unter seinem Gewand verborgen trug. Der Gedanke, sie zu r�chen, gab ihm die Kraft weiterzumachen</p><p>Obwohl er schon oft in Nangog gewesen war, war er nie auf sich allein gestellt gewesen. Damals hatte er in Statthalterpal�sten und Tempeln verkehrt, nun aber wusste er nicht, wohin er gehen sollte. Oder�� nein, das war nicht ganz richtig. Wohin er wollte, wusste er, doch hatte er keine Ahnung, wie er es schaffen sollte. Es gab eine Sekte, die die Gr�nen Geister anbetete und die in dem Himmelspiraten Tarkon Eisenzunge einen Fleisch gewordenen Krieger dieser Geister sah. Zu Tarkon musste er gelangen. Der Pirat verf�gte �ber Wolkensammler, jene gro�en, schwebenden Kreaturen, die in ihren Fangarmen Schiffe �ber den Himmel von Nangog trugen. Tarkon w�rde ihm helfen, das Traumeis zu finden und diese Welt zu ver�ndern, da war Barnaba sich sicher.</p><p>Wie aber konnte er den ersten Schritt tun? Jene, die zu den Gr�nen Geistern beteten, waren �u�erst misstrauisch. Ihr Kult war verboten, ihre Priester wurden �ffentlich hingerichtet und alle �brigen Anh�nger ohne Ansehen ihres Standes zur Arbeit in den Bleiminen verdammt, was ebenfalls einem Todesurteil gleichkam, nur dass der Tod dort einen unendlich l�ngeren und qualvolleren Weg nahm.</p><p>Sein Blick wanderte unstet �ber den Platz. Gleich zwei silberne L�wen standen beim Goldenen Tor, um ihren Karawanen Wege durch das Nichts zu �ffnen. Hunderte Lastentr�ger kauerten am Boden, w�hrend zwischen ihnen W�chter mit Dornst�cken patrouillierten und darauf achteten, dass niemand das Stirnband oder die Schulterriemen der Tragek�rbe �ffnete. Sie alle sollten sich bereithalten, auf einen Zuruf hin sofort abmarschbereit zu sein. Auch etliche S�nften warteten auf die Weiterreise. Wer sich wohl hinter den halb durchsichtigen Gazeschleiern verbarg? Barnaba war sich sicher, dass ihm einige Gesichter bekannt w�ren. Einst war er selbst in einer S�nfte durch die Stadt getragen worden��</p><p>Er sah an sich herunter, betrachtete die Sandalen mit den geflickten Lederschn�ren, das schmutzige Tuch seines Wickelrocks und seine fadenscheinige Tunika, �ber der er einen schmutzstarrenden Umhang trug. Dazu der lange Stab, auf den er sich st�tzte. Er wusste, dass sein Gesicht hager geworden war, und es hatte lange kein Rasiermesser mehr gesehen. Er musste keine Sorgen haben. Niemand w�rde in ihm den ehemaligen engsten Vertrauten des Hohepriesters von Aram, Abir Ata�, wiedererkennen. Er war kaum mehr als ein Bettler. Fl�chtig tastete seine Linke �ber die Geldkatze an seinem G�rtel. Er hatte drei Silberst�cke und ein paar Kupferm�nzen auf dem Schlachtfeld zusammengerafft. Weit w�rde er damit nicht kommen. Er musste sich Gedanken machen, wovon er leben sollte. Sch�ne Worte und mitrei�ende Predigten waren seine Begabung, doch au�erhalb von Tempelmauern lie� sich damit nicht viel gewinnen.</p><p>Die Mauer, auf der er kauerte, erzitterte unter ihm. Alles ringsum zitterte. Vergoldete Schindeln rutschten von den D�chern der Kaufmannspal�ste, die den weiten Platz s�umten. Eines der Bauger�ste an den Monumentalstatuen der G�tter, die neben dem Goldenen Tor aus dem hoch aufragenden Fels geschlagen wurden, st�rzte in sich zusammen. Die Schreie der Steinmetze gellten weit �ber den Platz, auf den sich einen Herzschlag lang erschrockene Stille gelegt hatte. Dann zersplitterte die Ruhe in tausendfache Schreie. Der Boden bebte noch st�rker, und pl�tzlich rannte alles durcheinander.</p><p>Barnaba sprang von der Mauer. Rings um den Platz, dort, wo Prachtalleen und schmale Gassen in die Stadt f�hrten, die sich auf zahllosen Terrassen entlang der Steilh�nge des Weltenmundes erstreckte, entstand ein m�rderisches Gedr�nge. Fast alle versuchten fortzukommen. Nur wenige strebten zur Mitte des Platzes. Barnaba war �berzeugt, dort am sichersten zu sein.</p><p>Ein Gildenhaus sch�ttelte sein Dach ab, und ein Hagelsturm von Schindeln ging auf jene nieder, die sich zum Eingang der Sonnenallee gefl�chtet hatten, die hinab zum gro�en Kornhafen f�hrte. Risse taten sich in den Steinplatten des weiten Platzes auf. Barnaba sah eine Haremsdame, die unter einer gest�rzten S�nfte eingeklemmt war. Er versuchte, ihr zu Hilfe zu eilen, wurde aber von einer Horde fl�chtender Lastentr�ger abgedr�ngt.</p><p>�Die G�tter haben uns verlassen�, erklang ein gellender Schrei hinter ihm. �Seht! Seht die G�tterbilder!�</p><p>Am Goldenen Tor klaffte ein breiter Riss in der Brust des L�wenh�uptigen, und ein Fl�gel I�tas war abgebrochen und zu Boden gest�rzt. Noch w�hrend der Priester die Monumentalbilder anstarrte, weitete sich das Netzwerk von Rissen, das durch die Felswand und die daraus geschlagenen G�tterbilder lief, weiter aus, und pl�tzlich kippte der Kopf des L�wenh�uptigen zur Seite. Mit einem Get�se wie ein Donnerschlag krachte er auf den Platz, rollte noch ein St�ck und blieb dann mit dem Gesicht im Staub liegen.</p><p>Wer nicht zu den Stra�enm�ndungen geflohen war, warf sich zu Boden und von �berallher hob ein Jammern und Flehen an, wie Barnaba es noch in keinem Tempel geh�rt hatte. Er selbst war zu lange Priester gewesen, um noch an Omen zu glauben. Aber ihm war klar, was das einfache Volk in einem enthaupteten Gott und einer I�ta, die die H�lfte ihrer Fl�gel verloren hatte, sehen w�rde.</p><p>W�hrend fast alle knieten, eilte er zu der gest�rzten S�nfte. Der Anblick der jungen Frau, die unter dem schweren Holzrahmen der S�nfte eingekeilt war, r�hrte ihn. Sie hatte makellos wei�e Haut, die nun von Tritten entstellt war. Ihre gr�nen Augen starrten blicklos in den grauen Himmel. Die Fl�chtenden hatten sie zu Tode getrampelt.</p><p>Barnaba kniete neben ihr nieder und schloss ihre Lider. Dann raubte er ihre Halsketten und ihre schweren goldenen Armreifen. Die G�tter hatten auch ihm ein Zeichen gesandt, dachte er mit zynischem L�cheln. Er w�rde in den n�chsten Wochen nicht hungern m�ssen, selbst wenn er bei einem Hehler nur einen Bruchteil dessen bek�me, was der Schmuck tats�chlich wert war.</p><p>Noch wichtiger als die Gelegenheit zum Diebstahl war etwas ganz anderes. Er wusste, was in der Nacht passieren w�rde. Ein solches Zeichen der G�tter war zu willkommen, um nicht vereinnahmt zu werden. Er w�rde sich auf die Lauer legen, und auch seine zweite Sorge w�rde sich von ganz allein erledigen. Er blickte zu dem enthaupteten L�wenh�uptigen auf. Er hatte seinen Glauben verlieren m�ssen, um zum ersten Mal Hilfe durch die G�tter zu erhalten.</p></section><section><title><p>Die Zeit des Blutes</p></title><p>Nachtatem war der Erste, der durch den Albenstern nahe der Blauen Halle trat. Voller Erwartung sah er sich um. Der Weg hinauf zum Eingang des Elfenrefugiums war von entwurzelten B�umen ges�umt. Einzelne, gro�e Felsbrocken lagen zwischen dem zersplitterten Holz. Hinter den geschwungenen Dornenranken eines Waldbeerdickichts stand ein Reh und blickte ihn mit schreckensweiten Augen an.</p><p>Es roch nach Holz, zerfetztem Gr�n und frisch aufgeworfener Erde. Was um alles in der Welt hatten die Alben hier getan?</p><p>Hinter Nachtatem trat sein flammend roter Bruder durch den Stern. Er sp�rte den Schrecken und den Schock des Roten, und als h�tte es dieses letzten Ansto�es bedurft, wurde ihm bewusst, dass dies hier niemals das Werk der Alben sein konnte.</p><p>Der Drache weitete seine Schwingen und glitt wie ein Schatten �ber den Himmel hinauf, dorthin, wo sich einmal der verborgene Eingang zur Blauen Halle befunden hatte. Der ganze Hang war abgerutscht. Nichts sah mehr vertraut aus. Es war unm�glich zu erkennen, wo einmal der Einstieg gewesen war. �berall, rings im Wald und auch auf den weiter entfernten Wiesen, sah er seltsame Kuhlen, als sei der Boden in die Tiefe gerutscht.</p><p>Der Rote landete neben ihm auf der Lichtung vor dem verborgenen Tor. Er wirkte fremd, sein sonst so aufbrausendes Temperament war verloschen. <emphasis>Sp�rst du es auch, Bruder? Diesen Schmerz, tief in deinem Inneren. Es ist wie damals.</emphasis></p><p>Der Dunkle betrachtete das verw�stete Land durch sein Verborgenes Auge. Auch die Kraftlinien waren gest�rt. Nie seit den Tagen der Weltensch�pfung, hatte er etwas Vergleichbares gesehen. Die Linien leuchteten so hell, dass selbst der Blick durch das Geistauge schmerzte, als bohre sich langsam ein gl�hender Dolch in seinen Kopf.</p><p>Der hinter einem Blendzauber verborgene Eingang zur Blauen Halle war g�nzlich verschwunden.</p><p>Kein Fels versperrte dem Dunklen die Sicht, wenn er auf diese Weise die Welt betrachtete. Er neigte das Haupt und sah hinab in die Tiefe, dorthin, wo die Hallen h�tten sein sollen und die Auren der Albenkinder, die dort wohlverborgen und gesch�tzt tief im Inneren des gewachsenen Felsens ihren Arbeiten nachgingen. Doch da war nichts. Nicht einmal eine Maus. Nur der Abglanz einer Macht, die entlang der Kraftlienen hinab ins Gestein gelenkt worden war. Und da begriff der Erstgeschl�pfte, was geschehen sein musste��</p><p>Der Rote fauchte auf. Ihrer beider Gedanken waren miteinander verbunden gewesen. Sein Nestbruder weigerte sich zu akzeptieren, was die einzige Erkl�rung f�r das war, was sie hier sahen. Die Blaue Halle gab es nicht mehr! Ein Himmel aus Gestein war �ber den ausgedehnten unterirdischen S�len zusammengebrochen und hatte alle dort unten f�r immer unter sich begraben. <emphasis>Alle.</emphasis></p><p>Auch seinen Bruder, den sie den Himmlischen genannt hatten. Die Devanthar hatten ein zweites Mal eine Regenbogenschlange ermordet!</p><p>Der Himmel �ber ihnen f�llte sich mit Schwingen. Jetzt waren all seine Br�der hier, und der Schmerz, der sie miteinander verband, �berw�ltigte Nachtatem. Aber es war nicht allein Schmerz. Alle au�er dem Roten waren bis auf den Grund ihrer Seele erschrocken. Der Tod spielte in ihrem Denken bisher keine Rolle. Sterben war etwas f�r andere. Sie existierten seit den ersten Tagen der Sch�pfung. Sie hatten die Welt entstehen sehen. Sie alterten nicht. Und au�er den Alben, die es aufgegeben hatten, das Schicksal Albenmarks formen zu wollen, gab es kein Gesch�pf auf dieser Welt, das ihnen gef�hrlich werden konnte.</p><p>Und dennoch war der Himmlische inmitten dieses Friedens von einem Augenblick zum anderen gestorben. Ohne Vorwarnung hatte der Tod nach ihm gegriffen. Und mit ihm war auch etwas in ihnen allen gestorben: die Gewissheit, unber�hrbar zu sein.</p><p>Nachtatem sp�rte neben dem Schreck auch den Zorn seiner Br�der. Manche empfanden Mitleid mit dem Himmlischen. Andere waren noch nicht so weit. Sie rangen noch darum zu begreifen, dass ihr Bruder, der sie ungez�hlte Jahrhunderte begleitet hatte, nun nicht mehr unter ihnen weilte. So zahlreich waren die Facetten der Gef�hle, dass Nachtatem zuletzt einen Zauber wirkte, um nicht l�nger mit den anderen verbunden zu sein.</p><p>Der Goldene sah ihn misstrauisch an. <emphasis>Hast du Geheimnisse vor uns, mein Bruder?</emphasis></p><p>Nun blickten all seine Nestbr�der zu ihm.</p><p><emphasis>Wir d�rfen uns nicht unseren Gef�hlen hingeben. Wir m�ssen begreifen, was hier geschah und warum</emphasis>, antwortete er.</p><p><emphasis>Was ist hier nicht zu begreifen?</emphasis> Die Gedanken des Flammenden waren wie ein Feuersturm. Er dachte nicht daran, seinen Zorn zu unterdr�cken. <emphasis>Folgen wir ihnen, Br�der! Sie haben eine F�hrte im Goldenen Netz hinterlassen. Noch wird es leicht sein, sie zu stellen. Die Zeit zu reden ist vor�ber. Nun ist die Zeit des Blutes gekommen.</emphasis></p><p><emphasis>W�re ich an Stelle der Devanthar, dann w�re dies genau die Reaktion, auf die ich hoffen w�rde</emphasis>, wandte der Smaragdfarbene ruhig ein. <emphasis>Dies hier ist erst der Anfang. Sie erwarten, dass wir ihnen in kopfloser Wut folgen, um uns in eine Falle zu locken und alle miteinander zu vernichten. Dies ist ein Schlachtplan, der ihrer Heimt�cke entspricht.</emphasis></p><p><emphasis>Wie k�nnten wir auf eine solche Provokation nicht reagieren, Br�der?</emphasis>, emp�rte sich der Nachtblaue. Er hatte seine Krallen tief in den Boden gegraben. Sein dunkler Leib war angespannt wie bei einem Raubtier, kurz bevor es seine Beute anspringt. <emphasis>Sind es Hasenherzen, die in eurer Brust schlagen, Br�der? Wie k�nnt ihr z�gern zu k�mpfen?</emphasis></p><p><emphasis>Steckt ein Hasenhirn in deinem Sch�del?</emphasis>, entgegnete der Goldene. Nachtatem vermochte seinen Bruder kaum anzuschauen, so hell brach sich das Sonnenlicht auf seinen Schuppen. Es schien, als sei er kein Gesch�pf aus Fleisch und Blut, sondern allein aus Luft und Sonnenstrahlen gewoben.</p><p><emphasis>Wer ohne Plan in die Schlacht zieht, der liefert sich seinem Gegner aus. Versteh mich nicht falsch, Bruder, auch ich will ihr Blut schmecken, doch es wird umso s��er sein, wenn sie uns ausgeliefert sind. Dies hier war ein Sieg der Devanthar. Wir m�ssen dies anerkennen und k�hlen Kopf behalten.</emphasis></p><p><emphasis>Fehlt dir der Mut, f�r unseren Bruder zu k�mpfen? Den Tod unserer Elfen zu r�chen? Sie haben uns treu gedient. Sie haben ihre Leben f�r uns gewagt. Sie waren unsere Augen an all den Orten, die wir nicht betreten konnten. Nun sind uns diese Augen herausgerissen worden, und du sagst, wir m�ssen diesen Sieg der Devanthar anerkennen. Ist es f�r dich so, als h�tten wir nur eine Figur auf einem Spielbrett verloren? Diese Elfen hatten sich uns verschrieben, und du tust ihren Tod mit k�hlem Kopf und einem Achselzucken ab?</emphasis> Der Nachtblaue schien jeden Augenblick �ber den Goldenen herfallen zu wollen. Aus seinen Augen spr�hten Hass und Verachtung. Der Himmlische hatte stets ausgleichend auf seine Br�der gewirkt. Sie hatten mehr als nur einen Bruder verloren, dachte Nachtatem und schob seinen Leib vor den Goldenen. Die Balance zwischen tollk�hnem Mut und Besonnenheit w�rde ihnen ohne die Weisheit des Himmlischen entgleiten.</p><p><emphasis>Keiner von uns hat gesehen, was hier geschehen ist.</emphasis> Nachtatem blickte zum Leichnam eines Kobolds, der halb verborgen unter einem Haselbusch lag. Er war Zeuge des Zaubers gewesen, der hier gewirkt worden war. Und es schien ihm nicht gut bekommen zu sein. <emphasis>Ich sehe keine Wunden auf seinem Leib. Was mag ihn get�tet haben?</emphasis> Nachtatem hoffte darauf, die Aufmerksamkeit seiner Br�der abzulenken und so verhindern zu k�nnen, dass der Streit weiter eskalierte. Er hatte keine Ahnung, was den Kobold umgebracht hatte. Aber wenn der Nachtblaue und der Goldene voneinander ablie�en, war der Kobold zumindest nicht vergebens gestorben.</p><p>Der Smaragdene zog den Kobold unter dem Geb�sch hervor, tastete �ber dessen Leib und zwang schlie�lich mit seinen Krallen den Mund des Toten auf. D�nner, hellblauer Rauch quoll �ber die Lippen des Kobolds.</p><p>Nachtatem nahm Witterung auf. Es roch nach verbranntem Fleisch.</p><p>Die Krallen des Smaragdenen tasteten weiter �ber den Leib des Kobolds. Seine Klaue spannte sich, spaltete ohne M�he das Brustbein des Kobolds und teilte Fleisch und Knochen bis hinab zu den Lungen. Noch mehr Rauch stieg aus dem Kadaver auf. Nun war er von dunklerer Farbe.</p><p><emphasis>Er ist von innen heraus verbrannt.</emphasis> Die Krallen des Smaragdenen griffen nach dem Kopf des Toten. <emphasis>Es kam von seiner Stirn. Durch sein Verborgenes Auge. Es war��</emphasis> Der Schwanz der Himmelsschlange peitschte durch das niedergetrampelte Gras. <emphasis>Es war das Licht der Magie, das ihn get�tet hat. Er hat gesehen, was nicht f�r Sterbliche bestimmt war.</emphasis> Der Smaragdene hob sein Haupt und sah sie einen nach dem anderen an. <emphasis>Wir m�ssen den Alben berichten, was hier geschehen ist.</emphasis></p><p><emphasis>Glaubst du, ein solcher Zauber k�nnte ihnen entgangen sein?</emphasis>, spottete der Goldene.</p><p>Es war ein Gedanke, den sie alle gehabt hatten. Doch jeder ging anders damit um. Nachtatem nahm wieder Verbindung zu seinen Br�dern auf und sp�rte Zorn, aber auch Niedergeschlagenheit. Allein der Goldene reagierte ungew�hnlich. Er schien es nicht anders erwartet zu haben. Ja, es kam Nachtatem fast so vor, als sei er zufrieden damit, dass sich die Sch�pfer ihrer Welt f�r nichts mehr interessierten.</p><p><emphasis>Ihr alle habt gesp�rt,</emphasis><emphasis>wie das magische Netz erbebte,</emphasis> erhob sich pl�tzlich die Stimme des Goldenen in ihren Gedanken. <emphasis>So stark, dass diese Macht auf die stoffliche Welt �bergriff. Ich bin sicher, dass zumindest nahe der gro�en Albensterne die Erde bebte. Die Devanthar haben eine Macht entfesselt, die Welten erschaffen oder vernichten kann. Ihnen einfach nachzusetzen w�re t�richt. Aber glaubt mir, von nun an kenne ich nur noch einen Gedanken: Ich will ihr Blut vergossen sehen! Und ich werde nicht zu den Alben gehen, um sie um ihre Erlaubnis zu fragen.</emphasis></p><p>Es erschreckte Nachtatem zu sp�ren, wie umfassend die Zustimmung seiner Br�der war. Nun also war der Bruch mit den Alben besiegelt. Er musste einschreiten. <emphasis>Und wenn es das ist, was die Devanthar wollen? Vielleicht m�chten sie als Erstes einen Keil zwischen die Alben und uns treiben. Und glaubt ihr wirklich, wir k�nnten die Devanthar besiegen? Sie sind Weltensch�pfer. Wenn sie ihre Macht vereinen, dann sind sie uns um ein Vielfaches �berlegen.</emphasis></p><p><emphasis>Du willst also feige warten, bis sie erneut zuschlagen?</emphasis>, begehrte der Flammende auf.</p><p><emphasis>Ich will, dass sie uns nicht noch einmal so schwer treffen wie an diesem Tag. Sie sind nach der Vernichtung der Blauen Halle nach Daia zur�ckgekehrt, das glaubt ihr doch? Was hindert sie daran, von dort auf einem anderen Albenpfad zur Wei�en Halle zu ziehen? Wir m�ssen damit rechnen, dass dies nicht ihr einziger Angriff bleibt. Sch�tzen wir die Wei�e Halle! Wir m�ssen sie aufl�sen. Und wir m�ssen unsere Refugien auf ihre Angriffe vorbereiten. Wenn sie wussten, wo die Blaue Halle zu finden ist, wer von uns kann dann sagen, was sie noch alles wissen?</emphasis> Nachtatem sp�rte ihre Sorge nach seinen Worten. Und zumindest der Smaragdene und der Goldene waren sich sehr wohl bewusst, dass die Devanthar m�chtiger waren als sie. Ein unbedachtes Vorgehen w�rde nur zu ihrem Untergang f�hren. Nun waren seine Br�der auch in der Stimmung, einem ganz anderen Plan zuzuh�ren. Einem Plan, �ber den er schon lange gebr�tet hatte.</p><p><emphasis>Ich wei�, wie wir den Devanthar schweren Schaden zuf�gen k�nnen. Teilt meine Gedanken, und dann lasst uns in aller Eile aufbrechen, auf dass wir sch�tzen, was uns anvertraut wurde. Sch�ler und Meister der Wei�en Halle m�ssen sich in alle Winde zerstreuen.</emphasis></p><p>Der Goldene war erbost, doch Nachtatem hatte mit nichts anderem gerechnet. Seine �brigen Nestbr�der aber stimmten zu. Ja, sie waren begeistert.</p><p>Die Devanthar w�rden den Tag bereuen, an dem sie zur Blauen Halle gekommen waren.</p></section><section><title><p>Die Bettlerin</p></title><p>Die Doppelmonde Nangogs waren schon weit �ber den Himmel gewandert, als Barnaba sie sah. Auf den ersten Blick schien sie nur eine Bettlerin zu sein. Sie schlich �ber den weiten Platz vor der Goldenen Pforte. Das Tor jedoch war geschlossen, was selten geschah. Kaum je ebbte der Strom von Menschen und Lasttieren ab, der, wie die Gezeiten des Meeres, mal in die eine, dann in die andere Richtung wogte. Nach dem Beben war er jedoch versiegt.</p><p>Barnaba glaubte, die Unruhe, die auf der Stadt lastete, noch immer sp�ren zu k�nnen. Die Goldene Stadt klang anders. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass er hier zum ersten Mal nicht wohlbeh�tet in einem Tempel oder Palast n�chtigte, sondern auf einem offenen Platz wie ein Bettler.</p><p>Der Kopf des L�wenh�uptigen ragte noch immer zwischen Tr�mmern und Ger�ll hervor. Die geborstenen Balken der Ger�ste, auf denen die Steinmetze gearbeitet hatten, waren fortger�umt, die Verletzten und Toten l�ngst davongetragen, Staub und Blut vom Pflaster gewaschen. Doch um den riesigen Kopf zu bewegen, w�rde man einen Kran errichten m�ssen. Und was war mit dem Kopf eines Devanthar zu tun? Man konnte ihn nicht wieder auf die zerst�rte Statue setzen. Dazu war der Schaden zu gro�. Aber man konnte ihn auch nicht einfach in Teile zerschlagen.</p><p>Barnaba blickte zu den riesigen Wolkensammlern mit ihren aufgedunsenen Leibern empor, unter denen Palastschiffe und bauchige Kauffahrer festgebunden waren. Dutzende dieser Kreaturen schwebten �ber der Stadt am Hang, festgeklammert an den himmelragenden Ankert�rmen. Sie bewegten sich sacht im sanften Abendwind, der von den weiten Reisfeldern am Fluss zum Hang hinaufwehte. Die Brise trug das unabl�ssige Klappern und Rauschen der Wasserr�der heran, die das kostbare Nass zu den Pal�sten auf den h�chstgelegenen Terrassen am Kraterrand emporhoben. Von irgendeinem der D�cher der Lagerh�user, die den weiten Platz umstanden, erklang leises, wehm�tiges Fl�tenspiel.</p><p>Barnaba streifte seine Sandalen ab, um der Bettlerin lautlos zu folgen, die von Schatten zu Schatten hinkte. Dabei schlug die flache Schale, die an ihrem Stab hing, bei jedem Schritt klappernd gegen das knotige Holz. Genau wie sie dr�ckte er sich an Mauern entlang und achtete darauf, sich nicht in die schutzlose Weite des Platzes zu begeben, wo er f�r jeden weiteren heimlichen Beobachter leicht zu entdecken gewesen w�re.</p><p>Nach kurzer Zeit erreichte der gefallene Priester den Ort, an dem die Bettlerin das erste Mal innegehalten hatte. Ein unf�rmiger Fleck war mit blassgr�ner Farbe auf eine schmutzige Ziegelmauer gemalt worden. Barnaba l�chelte. Es war genau so, wie er es sich vorgestellt hatte. Die G�tzenanbeter, die sich den Gr�nen Geistern Nangogs verschrieben hatten, wollten ihren Nutzen aus dem Ungl�ck des vergangenen Tages ziehen. F�r sie war das, was geschehen war, ein Zeichen ihrer neuen G�tter. Ein Aufb�umen gegen die gedankenlose Gier der Menschen, die als Pl�nderer in diese Welt gekommen waren und sich blind f�r ihre Wunder zeigten.</p><p>Die Gestalt hatte inzwischen fast das gewaltige Portal erreicht, hinter dessen Tor sich die Goldenen Pfade verbargen. Sie wagte nicht, ihr Kreidezeichen dort anzubringen, doch beschmierte sie eines der Beine des gek�pften L�wenh�uptigen. Der Priester hielt den Atem an. Er hatte dem Gott schon gegen�bergestanden. Er h�tte nicht den Mut, ihn auf solche Weise herauszufordern. Dass eine Statue den Kopf verloren hatte, sagte gar nichts �ber die Macht oder Ohnmacht der Devanthar aus. Wer darin ein Zeichen sah, war naiv.</p><p>Barnaba wartete im Schatten, bis die Bettlerin ihr Werk vollendet hatte. Morgen w�rde es neue Geschichten �ber die Gr�nen Geister und ihre G�tter geben und �ber die Schw�che der Devanthar, die nicht zu verhindern vermochten, dass selbst ihre Statuen beschmiert wurden. Er lauschte auf das leise Fl�tenspiel. Als ein fernes Keifen kurz darauf die unheimliche Stille �ber dem Platz st�rte, eilte die Bettlerin auf die Sonnenallee zu. Jetzt bewegte sie sich mit kr�ftigen, ausgreifenden Schritten, und nun hielt sie die Bettlerschale fest. Kein Klappern begleitete sie mehr. Auch das Fl�tenspiel war verstummt. Die nimmerm�de Stadt schien den Atem anzuhalten.</p><p>Der Priester sprang auf, um ihr nachzusetzen, bevor sie in der Dunkelheit verschwand. Er erreichte die breite Allee gerade noch rechtzeitig, um sie in eine der schmalen Gassen abbiegen zu sehen, die von der Prachtstra�e abzweigten. Sein Herz schlug schmerzhaft gegen seine geprellten Rippen. Jeder Knochen in seinem Leib �chzte. Die Bettlerin war ganz sicher kein Kr�ppel, so wie sie sich jetzt bewegte. Ganz im Gegensatz zu ihm. Hatte sie ihn bemerkt? Oder war es nur Vorsicht, sich so eilig davonzumachen?</p><p>In seinen Ohren dr�hnte das Summen von Fliegen. Branaba wedelte mit der Hand vor seinem Gesicht und wurde sich fast sofort bewusst, dass da nichts war. Er musste das in den Griff bekommen! Und er durfte nicht so leicht aufgeben! So schnell seine geschundenen Knochen es zulie�en, strebte er der Gasse entgegen, in die die Bettlerin verschwunden war. Schon nach wenigen Schritten m�ndete sie in eine steile Treppe, die zu tiefer gelegenen Terrassen der Stadt f�hrte. Barnaba seufzte. Dies war die Stadt der Treppen. Sie war an einem steilen Hang erbaut. Nur Wege, die parallel zu diesem Hang verliefen, waren eben, f�r alle anderen ben�tigte man kr�ftige Beine.</p><p>Argw�hnisch sp�hte der Priester ins Dunkel. Kein Mondlicht fiel in den finsteren Spalt zwischen den H�usern. Vorsichtig, sich Schritt um Schritt vorw�rtstastend, stieg Barnaba die Treppe hinab. W�scheleinen spannten sich wie ein riesiges Spinnennetz zwischen den dunklen H�userw�nden. Es troff feucht auf ihn hinab. Der Gestank von Urin, billiger Kohlsuppe und ranzigem �l hatte sich in das Mauerwerk eingenistet. Der Geruch der Armut und Hoffnungslosigkeit. Der Geruch einer Welt, die Tr�ume fra�, dachte Barnaba bitter. Nicht einmal f�r jeden zehnten Mann hier gab es eine Frau. Kaum ein Weib kam freiwillig nach Nangog, au�er Huren vielleicht. Die Frauen blieben hier unfruchtbar. Warum es so war, geh�rte zu den Mysterien dieser fremden, geheimnisvollen Welt.</p><p>Barnaba erreichte einen Abzweig, an dem eine noch engere Stiege nach links in die Dunkelheit f�hrte. Hier, am Scheideweg, war das Netzwerk aus W�scheleinen lichter, und ein wenig vom Schein der Zwillingsmonde erreichte die schmutzigen Treppenstufen.</p><p>Der Priester entdeckte an zwei Hausw�nden das gr�ne Geschmiere der G�tzenanbeter. Es war allgegenw�rtig in der Stadt. Wie viele Bewohner wohl heimlich den Geistern Nangogs huldigten? Als er schlie�lich den Abdruck eines nackten Fu�es im Schutz des Bodens sah, wusste er, dass die Bettlerin die enge Stiege gew�hlt hatte, die weiter hinab in die dunklen Eingeweide der Stadt f�hrte. Mit zuversichtlichem L�cheln folgte er dem Weg, der so eng war, dass seine Arme die Hausw�nde streiften, und war schon bald wieder ganz und gar von Finsternis umfangen.</p><p>Pl�tzlich griff eine Hand nach ihm. Er wurde in einen Hauseingang gezerrt und gegen die Wand gedr�ckt. Etwas K�hles, Schartiges presste sich an seine Kehle. �Du glaubst, du kannst uns nachschn�ffeln?�</p><p>�Ganz im Gegenteil�, entgegnete Barnaba, bem�ht, sich seinen Schrecken nicht anmerken zu lassen. �Ich bin froh, gefunden worden zu sein.�</p><p>�Was ist das f�r ein n�rrisches Geschw�tz?� Der Druck der Klinge an Barnabas Kehle verst�rkte sich.</p><p>�Ich bin auf der Suche nach euch, um mich euch anzuschlie�en.�</p><p>�Um dich uns anzuschlie�en?�, fl�sterte die Stimme sp�ttisch. �Du meinst wohl, um dein Leben zu vergolden, wenn du uns verr�tst. Doch du wirst als Hundefra� in der Gosse enden, wie all die anderen Spitzel, die sie uns geschickt haben.� Der Druck der Klinge wurde erneut st�rker, und Barnaba sp�rte warmes Blut seine Kehle hinabrinnen.</p><p>�Ich bin Barnaba von Nari�, stie� er keuchend hervor. �Vertrauter des ermordeten Hohepriesters Abir Ata�, der meistgesuchte Mann des K�nigreichs Aram. Ich���</p><p>�Lass ihn los, Artiknos�, erklang eine Frauenstimme hinter ihnen.</p><p>�Du glaubst ihm doch nicht etwa, Za��</p><p>�Nenn meinen Namen nicht! Los, wir bringen ihn zum Stein der G�ttin. Dort gibt es keine Geheimnisse. Soll die Erste Mutter �ber ihn entscheiden.�</p><p>Die Klinge wurde von Barnabas Kehle zur�ckgezogen. Der Priester atmete auf und griff nach dem Schnitt an der Kehle. Die Wunde war nicht tief. �Ich danke euch, meine Dame. Ich verspreche��� Ein Hieb traf ihn dicht hinter dem Ohr, und alles wurde schwarz.</p></section><section><title><p>Verwandte Seelen</p></title><p>Ein Schwall kaltes Wasser riss ihn aus der Bewusstlosigkeit. �ber Barnaba stand ein riesiger, st�mmiger Mann, der eine leere Wasserschale in H�nden hielt. Er trug eine schmutzige Tunika mit einem breiten Lederg�rtel, in dem eine silberne Fl�te und ein Messer steckten. Sein Messer! Der Mistkerl hatte das Messer gestohlen, das eines Tages Aarons Herz durchbohren sollte.</p><p>Ein breites L�cheln teilte den roten Vollbart des H�nen. Blaue Augen blickten in einer Mischung aus Schadenfreude und Neugier zu Barnaba hinab. �Du weilst also wieder unter uns, <emphasis>Priester</emphasis>.�</p><p>Benommen blinzelte Barnaba das Wasser aus den Augen. Er lag in einer H�hle, in deren Mitte sich eine Kristalls�ule bis fast zur Decke hin erhob. Vor Artiknos stand eine Blendlaterne auf einem Felsvorsprung. Ihr Licht reichte nicht sonderlich weit. Es war unm�glich zu sagen, wie gro� die H�hle sein mochte. Irgendwo in der Ferne tropfte Wasser, dennoch war die Luft trocken, und es roch nach Steinstaub und Weihrauch. Barnaba blickte wieder zu dem Kristall, in dessen Facetten sich gelb das Licht der Laterne brach. Er hatte von solchen Kristallen geh�rt. Sie mussten ein Verm�gen wert sein! Sicher gab es irgendwo hier in der N�he auch einen Tempel der G�tzenanbeter. Er hatte also das erste Ziel auf seinem Weg zum Traumeis erreicht.</p><p>�Artiknos ist eine eindrucksvolle Erscheinung, nicht wahr?�, erklang eine br�chige, raue Stimme. �Von dir kann ich das nicht behaupten. Du siehst aus, als w�rest du halb tot geschlagen worden.�</p><p>Barnaba setzte sich auf und wandte sich dann um. Hinter ihm, nur drei Schritt entfernt, stand ein hinf�llig wirkendes, altes Weib. Sie l�chelte ihn freundlich an. Ihr Gesicht war ein Labyrinth aus Falten, hinter welken Lippen klaffte ein zahnloser Mund. Doch ihre dunklen Augen spr�hten vor Kraft. Barnaba kannte diesen Blick nur zu gut. So leuchteten Augen, wenn man vom Glauben erf�llt war und diesen Glauben hinaus in die Welt tragen wollte. Abir Ata� hatte diesen Blick gehabt, wenn er davon gesprochen hatte, wie die Priesterschaft zur treibenden Kraft im Reich Aram werden sollte. Und manchmal hatte er ihn auch am Unsterblichen Aaron bemerkt.</p><p>�Wer du bist, wird uns die Gro�e Mutter nicht verraten, aber sie wird uns zeigen, ob du reinen Herzens bist.� Ihre Augen wurden schmal. �Ich hoffe, du bist kein L�gner, Fremder. Es bereitet mir keine Freude, dich leiden zu sehen.� Sie nickte dem H�nen zu. �Fessle ihn an den Stein der G�ttin!�</p><p>Barnaba erhob sich, bevor Artiknos ihn packen konnte. Ihm war schwindelig. Stechender Schmerz pochte tief in seinem Kopf. Er musterte den B�rtigen, und sein Blick blieb an der Silberfl�te haften, die in seinem G�rtel steckte. �Bist du der Fl�tenspieler auf den D�chern gewesen?� Es fiel Barnaba schwer, sich die zerbrechlich wirkende Silberfl�te in den B�renpranken dieses Riesen vorzustellen.</p><p>�Dachtest du, ich lasse��� Der H�ne stockte und sah schuldbewusst zu der Alten. Fast h�tte er den Namen der Bettlerin genannt.</p><p>Wer mochte sie sein, fragte sich Barnaba, dass ein solches Geheimnis um sie gemacht wird. Eine hochgestellte Palastdame?</p><p>�Mein Fl�tenspiel war ein Zeichen. Unsere�� Freundin wusste, dass ihr jemand folgt, wenn ich das Spiel unterbreche. Wir haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit M�nnern wie dir gemacht. Ich hoffe sehr, dass du mit ehrlichen Absichten gekommen bist. Ich wei�, was hier mit dir geschehen wird, wenn du ein Betr�ger bist. Du wirst dir sehr schnell w�nschen, ich h�tte dir die Kehle durchgeschnitten.� Der B�rtige schlug mit der Linken ein Schutzzeichen und spuckte sich �ber die Schulter, um B�ses abzuwenden. Dann packte er Barnaba, schlang ihm Lederriemen um die Handgelenke und fesselte ihn so, dass er mit weit vorgestreckten Armen die Kristalls�ule umarmte. Der Kristall war k�hl, seine Oberfl�che glatt.</p><p>Artiknos legte ihm eine Schlinge um den Hals und wickelte das lose Ende des Seils um die S�ule, sodass Barnabas Gesicht auf die spiegelnde Oberfl�che gepresst wurde.</p><p>�Gut so�, murmelte die Priesterin. �Sein Kopf muss den Kristall ber�hren, er darf ihn nicht wegziehen k�nnen. Und nun nimm die Laterne, Artiknos�, befahl die Alte und wandte sich an Barnaba. �Verzeih, wenn wir dich im Dunkeln zur�cklassen, Priester, aber dein Erlebnis wird so intensiver sein. Ich w�nsche dir Gl�ck.� Mit diesen Worten hinkte sie auf einen niedrigen Durchgang zu. Artiknos hob die Blendlaterne vom Boden, und verlie� zusammen mit ihr die H�hle.</p><p>Einige Augenblicke lang fiel noch ein Abglanz von Licht durch die �ffnung, dann umfing Barnaba Finsternis. Mit der Dunkelheit kamen die Fliegen. Barnaba wusste, dass er sie sich nur einbildete. Er war irgendwo tief unter der Erde. Es gab hier keine Fliegen. Aber er h�rte sie trotzdem. Ein tiefes, beunruhigendes Summen. Und dann sp�rte er sie. Die erste setzte sich auf seine linke Wange. Sie krabbelte daran hinauf. Ihre winzigen Beine kitzelten auf seiner Haut. Er versuchte, seinen Kopf zu bewegen, so gut es die Fesseln zulie�en, doch das kleine Mistviech beeindruckte das nicht. Die Fliege krabbelte zu seinem Auge hinauf. Jetzt landeten weitere auf seinem Gesicht. �berall kribbelte es, und die Luft war erf�llt von dunklem Summen. Es mussten Hunderte sein. Er schrie. Doch die Fliegen wichen nicht. Er w�rde wahnsinnig werden.</p><p><emphasis>Du bist schon wahnsinnig</emphasis>, meldete sich eine zynische Stimme in seinen Gedanken. <emphasis>Es gibt hier keine Fliegen!</emphasis></p><p>Aber er f�hlte sie doch. Und h�rte sie. Sie waren da!</p><p>Pl�tzlich f�hlte sich die S�ule warm an. Aus den Augenwinkeln sah Barnaba, dass blasses Licht aus der Tiefe des Kristalls hinaufstieg, langsam wie die Wassers�ule in einem Becher, den man aus einem Krug f�llt. Die Dunkelheit wich zu den H�hlenw�nden zur�ck. Einen Herzschlag lang glaubte er, dunkle Punkte um sich herum durch die Luft tanzen zu sehen. Dann verstummte das Summen. Es gab keine Fliegen mehr. Barnaba seufzte erleichtert auf, und seine angespannten Muskeln entkrampften sich. Sein Atem wurde ruhiger.</p><p>Etwas floss aus dem Kristall. War es Nebel? Es wand sich in langen Schlieren durch die H�hle wie F�den von fahlgr�ner Farbe. Die Temperatur fiel drastisch, und es wurde so kalt, dass Barnaba die Z�hne klapperten und er seinen Atem sehen konnte. Mit dem Nebel war auch Licht aus dem Kristall geflossen: unstet flackernd, ohne eine Mitte, so wie Kerzenflammen oder brennende Fackeln. Nein, es str�mte, so wie der Nebel. Und da begriff Barnaba, was da zu ihm in die H�hle gekommen war, und sein ganzer Leib b�umte sich in panischer Angst gegen die Fesseln auf. Die Gr�nen Geister Nangogs waren hier, um ihn heimzusuchen!</p><p>Die Kristalls�ule war noch ein wenig w�rmer geworden. Das unheimliche Licht wirkte, als sei es etwas Lebendiges, von einem Pulsschlag Bewegtes. Die Geister schw�rmten nun dicht um ihn. Barnaba hielt die Luft an, aus Furcht, er k�nne sie einatmen. Bald schon versp�rte er einen Druck in seinem Inneren, als wolle etwas aus seiner Kehle heraus. Das Gef�hl wurde immer unertr�glicher. Aus weiten Augen starrte er auf die Geister. Da sein Gesicht an die S�ule gebunden war, konnte er den gr��ten Teil der H�hle nicht einsehen, was ihn noch mehr �ngstigte. W�hrenddessen glitten die Geister �ber ihn hinweg. Als der Druck in seiner Kehle fast seine Lungen zum Bersten brachte, gab er nach. Sich das Atmen noch l�nger zu verweigern hie�e ersticken. Keuchend rang er nach Luft�� und atmete den gr�nen Nebel ein.</p><p>Er f�hlte sich feucht wie die Luft in einem Dampfbad an und war v�llig ohne Geschmack. Der Priester atmete aus. Was immer in ihn hineingeflossen war, verweilte nun dort. Es hatte ihn mit seinem Atem nicht verlassen.</p><p>Ganz still stand Barnaba nun, lauschte in sich hinein, ob sich etwas ver�nderte.</p><p>Tiefe Verzweiflung ergriff ihn. Er dachte an Iku�ka und daran, dass er sein Gl�ck nicht erkannt hatte. Selbst als er es mit beiden H�nden h�tte fassen k�nnen, hatte er sich eingeredet, alles sei nur ein Traum. Tr�ume, daraus bestand sein Leben. Dem�tigung, Intrigen, Ignoranz. Seine wachen Stunden brachten ihm kein Gl�ck. Er w�nschte sich, er k�nne f�r immer tr�umen.</p><p>Bei diesen Gedanken sp�rte er etwas tief in sich. Ein Gef�hl, als niste eine zweite Seele in seiner Brust, die all das kannte, was er durchlebt hatte und noch viel mehr. Verrat, Schmerz und Einsamkeit waren ihr so vertraut wie ihm, nur dass ihr all dies in einem Ausma� widerfahren war, dass es beinahe ihren Verstand ausgel�scht h�tte. Allein der Gedanke an Rache hatte dieses fremde Sein in ihm vor dem Wahnsinn bewahrt. Ein Gedanke, der auch ihm nur zu vertraut war. S��e Rache. Wenn er das Traumeis finden w�rde, dann k�nnte er sich diese Welt untertan machen.</p><p>Bilder tauchten in seinem Verstand auf. Bilder, wie er sie nie gesehen hatte. Eine weite Landschaft, bedeckt von einem Panzer aus Eis. Es gab keinen Baum, kein Grashalm gedieh hier. Und es war so kalt, dass selbst Tr�ume gefroren. Barnaba blickte aus gro�er H�he auf einen Krater, �hnlich dem Weltenmund, an dessen steilen Flanken sich die Goldene Stadt erhob. Doch hier reichten Kaskaden aus Eis in den Schund der Erde hinab, bis sie sich in der Dunkelheit verloren. Dort musste er hinab, das wusste er jetzt. Und er wusste, wer ihn hinbringen konnte: ein kleiner Mann, den ein Vogel begleitete, der auf sein Wams gestickt war, und den Musik umgab.</p><p>Die zweite Seele wollte ihm Rache schenken und ihn zu ihrem Werkzeug machen. Zweifel �berkamen Barnaba, als er die Finsternis dieser Wesenheit sp�rte. Es war ein gl�hender Zorn, gen�hrt durch ungez�hlte Jahrhunderte. All seine Haare richteten sich auf, und eisige Schauer glitten �ber seinen Leib, w�hrend die Geister ihn wieder dichter umkreisten. Und pl�tzlich konnte er sie sp�ren!</p><p>K�lte ber�hrte ihn, angezogen von etwas inmitten seiner Brust. Die Geister strebten auf ihn zu, tauchten in ihn ein. Sein Leib kr�mmte sich in Kr�mpfen. Sein Herz schlug nur noch unregelm��ig, k�mpfte gegen das an, was da von ihm Besitz ergreifen wollte und ihn ganz und gar durchdrang. Er wusste, er w�rde den Kampf verlieren.</p><p>Und im selben Augenblick, als er dies dachte, sah er sie, und Barnaba verstand.</p></section><section><title><p>Drachenblut</p></title><p>Er thronte auf der Spitze der Pyramide, als sei er der Herrscher im Jadegarten. Nachtatem hatte seine Pr�senz bereits gesp�rt, als er durch den Albenstern getreten war. Bald schon w�rden seine Nestbr�der kommen und jene Auserw�hlten mit sich bringen, die den Hochmut der Devanthar brechen w�rden.</p><p>Er konnte Sonnenwind nun ganz und gar nicht gebrauchen. Zugleich wusste Nachtatem, dass sich der arrogante Rotr�cken sicher nicht mit ein paar Worten abspeisen lassen w�rde. Was seinen Drachenbruder wohl hergef�hrt hatte? Es war lange her, seit er das letzte Mal zu ihm gekommen war.</p><p><emphasis>Ich hoffe, du hattest eine gute Jagd, mein Bruder,</emphasis> schlich sich die Stimme Sonnenwinds in seine Gedanken.</p><p><emphasis>Nein, du hast einen denkbar ung�nstigen Tag f�r deinen Besuch gew�hlt. Komm morgen wieder.</emphasis></p><p><emphasis>Das t�te ich, wenn die Angelegenheit, in der ich hier bin, Aufschub dulden w�rde.</emphasis></p><p>Nachtatem lie� sich am Ufer des Sees nieder, ver�rgert, dass der aufm�pfige Rotr�cken auf der Pyramidenspitze �ber ihm thronte und sich auff�hrte, als sei <emphasis>er</emphasis> der Gebieter �ber den Jadegarten. Einen Moment war er versucht, Sonnenwind zu sagen, dass ein Treffen der �ltesten in dringender Angelegenheit unmittelbar bevorstand. Doch so wie er seinen Drachenbruder einsch�tzte, w�rde er sich eher zu wichtig nehmen, wenn er erkannte, dass er die Kreise der Himmelsschlangen st�rte, als dass er sich erschrocken zur�ckz�ge. Und so fuhr er fort: <emphasis>So sag mir also, was keinen Aufschub duldet.</emphasis></p><p><emphasis>Steht eine Elfe mit langem, goldenem Haar unter deinem Schutz, Bruder? Eine Bogensch�tzin?</emphasis></p><p><emphasis>Das mag sein.</emphasis> Nachtatem musste sich zwingen, seine Gef�hle zu unterdr�cken. Was wollte Sonnenwind von Nandalee? Warum kannte er sie? <emphasis>Was veranlasst dich, eine solche Elfe zu suchen?</emphasis></p><p><emphasis>Ich habe in den Bergen, im Westen deiner Oase, bei einer Quelle ihre Witterung aufgenommen.</emphasis> Sonnenwind versuchte gar nicht erst, seinen Zorn zu verschleiern. Sein dornenbesetzter Schweif peitschte durch die Luft. <emphasis>Versteckst du sie?</emphasis></p><p>Nachtatem richtete sich zu seiner vollen Gr��e auf. <emphasis>Ich verstecke keine Albenkinder. Sie dienen mir, und nun sag frei heraus, was du willst, oder verlasse den Jadegarten. Mir fehlt es an Geduld und Zeit zu einem intriganten Wortgepl�nkel.</emphasis></p><p><emphasis>Sie hat mir meine Jagdbeute gestohlen. Sie hat mich verwundet und mit dem Tod bedroht. Ich wollte zun�chst meine Br�der rufen, um sie zu Tode zu hetzen. Doch ich komme zuerst zu dir, Nachtatem, denn du bist der Gebieter �ber das Bainne Tyr. Du sollst als Erster wissen, dass die Elfen beginnen, ihren Respekt vor uns zu verlieren.</emphasis> Er lie� Nachtatem teilhaben an seinen Erinnerungen. An dem, was bei dem einsamen Wasserloch in der Savanne geschehen war. <emphasis>Ich will ihren Kopf und ihr Herz! Ich will, dass sie sich nicht mehr unter deine sch�tzenden Schwingen fl�chten kann. Verbanne sie aus dem Jadegarten, damit ich sie mir holen kann.</emphasis></p><p>Nachtatem war erschrocken �ber das, was er gesehen hatte. Wie konnte Nandalee so vermessen sein, sich gegen einen Drachen zu wenden! Sie war eine J�gerin! Sie h�tte wissen m�ssen, dass Sonnenwinds Beute unber�hrbar war, und es ganz allein seine Sache war, auf welche Weise er jagte. Keiner seiner Drachenbr�der w�rde ein solches Verhalten dulden!</p><p><emphasis>Lass mich deine Wunde sehen, Bruder. Vielleicht vermag ich deinen</emphasis><emphasis>Schmerz zu lindern.</emphasis> Nachtatem versuchte gar nicht erst, seinen Zorn �ber Nandalees Verhalten zu unterdr�cken. Es war ein Fehler gewesen, sie hierherzuholen!</p><p>Sonnenwind stie� sich von der Spitze der Pyramide ab, weitete die Schwingen und segelte in weitem Bogen zum Ufer des Sees.</p><p>Nachtatem war sich bewusst, dass sie beide beobachtet wurden. Nodon war nahe und mit ihm einige andere Drachenelfen. Dutzende von Kobolden, die in den weiten G�rten arbeiteten, blickten neugierig zu ihm und dem roten Drachen. Doch niemand von ihnen konnte wissen, wor�ber sie sich in Gedanken ausgetauscht hatten.</p><p>Sonnenwind landete und reckte seinen verletzten Fl�gel vor.</p><p><emphasis>Es ist keine schwere Wunde, Bruder. Es ist eher mein verletzter Stolz, der mich schmerzt. Ich war dabei, als wir gegen die aufs�ssigen Zwerge gek�mpft haben, die den Schwebenden Meister ermordet hatten. Unter den niederen V�lkern Albenmarks schwindet der Respekt vor uns Drachen. Wir d�rfen das nicht l�nger dulden!</emphasis></p><p>Nachtatem reckte seinen langen Hals vor und betrachtete die Verletzung. Es war ein meisterlicher Schuss gewesen. Nandalee hatte Sonnenwind im Fl�gelgelenk getroffen. Ganz gleich, was sein kleiner Bruder behauptete, diese Wunde war sicherlich �u�erst schmerzhaft und beeintr�chtigte ihn beim Fliegen. <emphasis>Ich kann all deinem Schmerz ein Ende bereiten.</emphasis> Er konnte sp�ren, wie sein kleiner Bruder in Gedanken triumphierte.</p><p><emphasis>Willst du an der Jagd auf die Elfe teilhaben?</emphasis></p><p><emphasis>Nein!</emphasis> Nachtatem schnappte nach dem langen Hals des Rotr�ckens. Seine m�chtigen Kiefer trennten mit einem einzigen Biss den Kopf des kleineren Drachen ab. Sonnenwinds Schweif f�hrte einen peitschenden Schlag. Die langen Dornen am Schwanzende trafen die Himmelsschlange in die Flanke, doch Nachtatem zuckte nicht einmal. Sein Maul war voller Blut. Er genoss den metallischen Geschmack, und ihm wurde bewusst, wie lange er nicht mehr gejagt hatte.</p><p>Lustvoll grub er seine Rei�z�hne in den Leib des Rotr�ckens. Gierig zerrte er am Fleisch seines toten Bruders und riss es in breiten Streifen von seinen Rippen. Es war seiner nicht w�rdig zu schlingen wie irgendein Raubtier, aber es bereitete ihm Lust. Es war seine Natur, und er hatte sie sich viel zu lange versagt. Oder war es der letzte Gedanke des sterbenden Rotr�ckens, der ihn in diese Raserei versetzte?</p><p>Sonnenwind war sich sicher gewesen, dass Nandalee ihn, Nachtatem, ermorden w�rde. Nachtatem wusste, dass er seherische F�higkeiten besessen hatte. Oder war es doch nur ein letzter, b�sartiger Versuch gewesen, noch im Tod Zweifel in das Herz seines M�rders zu s�en?</p><p>W�tend riss Nachtatem einen weiteren Streifen Fleisch aus der Flanke des kleineren Drachen. Sollte Nandalee ihn wirklich hintergehen wollen, w�rde das offenbar werden, wenn er sie t�towierte. Selbst wenn er nicht in ihren Gedanken lesen konnte, w�hrend des Rituals w�rden alle Schranken fallen und alle Geheimnisse aufgedeckt werden. Insgeheim wusste Nachtatem, dass er es sich vor allem nicht vorstellen <emphasis>wollte</emphasis>, dass die Elfe gegen ihn intrigierte. Alle, nur nicht sie! Sie war rebellisch, aber von geradem Charakter. Nandalee kannte keine Heimt�cke.</p><p><emphasis>So gro� war sein Vergehen, dass du ihn nicht richtest, sondern ganz und gar verschlingen willst?</emphasis></p><p>Erschrocken fuhr Nachtatem auf, sich wohl bewusst, dass ihm Blut vom Maul troff. Hinter einem Felsbrocken, der sich schon vor Jahrzehnten aus der Flanke der Pyramide gel�st hatte und nun halb von Wildblumen versteckt in einem Beet lag, trat ein Elf hervor. So als ziehe seine Gestalt die letzten Strahlen des vergehenden Tages auf magische Art an, umgab ihn eine Aureole aus goldrotem Abendlicht. Es war sein Nestbruder, der Goldene. Wann war er gekommen? Hatte er den Streit miterlebt? Hatte er still in ihren Gedanken gelesen und wusste, was Nandalee getan hatte?</p><p><emphasis>Bist du schon lange hier?</emphasis> Nachtatem bem�hte sich, die Frage m�glichst unverbindlich klingen zu lassen.</p><p>Der Goldene hielt seinem Blick stand. Lange genug.</p><p>Nachtatem stieg �ber den Kadaver des Rotr�ckens hinweg und baute sich vor dem Goldenen auf, der in Elfengestalt neben ihm winzig und zerbrechlich wirkte.</p><p><emphasis>Sonnenwind hat meine Autorit�t in Frage gestellt.</emphasis></p><p>Der Goldene wich nicht vor ihm zur�ck, aber er hatte die Warnung verstanden.</p><p><emphasis>Wie dumm, dabei nicht deinen J�hzorn einzukalkulieren. Ich bin froh, Zeuge dieses Vorfalls geworden zu sein, gibt er mir doch die Weisheit, darauf bedacht zu sein, dich nicht unwissentlich herauszufordern, Bruder.</emphasis></p><p>Nachtatem wollte etwas erwidern, doch die Silhouette des Flammenden erschien �ber den westlichen Bergen. Nun war nicht die Zeit, kleinliche Fehden auszutragen. Es galt, gemeinsam das gro�e Werk zu vollenden, aus dem ihre Rache an den Devanthar erwachsen w�rde.</p></section><section><title><p>Fleisch</p></title><p>Volodi war angenehm �berrascht, als er das Obergeschoss des kleinen Hauses betrat und auf den weiten Garten hinabblickte. Gut, dieses Quartier konnte es nicht mit dem Luxus des Freudenhauses aufnehmen, in dem Kolja residiert hatte, aber davon abgesehen war er noch nie besser untergebracht gewesen. Gleich als er in den durch hohe Mauern abgeschirmten Bereich gebracht worden war, in dem jene M�nner lebten, die irgendwann einmal auf dem Altar der Gefl�gelten Schlange enden sollten, war ein Diener zu ihm gekommen und hatte gefragt, welche Speisen er bevorzugte. Und der Kerl hatte das ernst gemeint, obwohl er mit dem Elfenbeinst�bchen, das er sich durch die Nase gebohrt hatte, einigerma�en l�cherlich aussah.</p><p>Volodi hatte sich erst ein wenig �berrumpelt gef�hlt. Was er gerne a�, war er nicht mehr gefragt worden, seit er das Langhaus seines Vaters verlassen hatte. Er hatte sich schlie�lich ein saftiges St�ck Hirschbraten und Honigwein gew�nscht. Der kleine Nasenverst�mmler hatte nicht mit der Wimper gezuckt, als er seine W�nsche ge�u�ert hatte. Ob es hier auf Nangog Hirsche gab?</p><p>Volodi wandte sich vom Fenster ab und blickte auf das breite Bett, das das Zimmer beherrschte. Es bestand aus einem gemauerten Sockel mit einer dick gepolsterten Auflage. Skeptisch setzte er einen Fu� darauf. Sie war ungew�hnlich weich. Mit Stroh war sie nicht gef�ttert.</p><p>Er lie� sich der L�nge nach auf das Bett fallen. Die Unterlage federte. Womit sie wohl gef�llt war? Er zog das l�cherlich kleine Messer, das Neca�, Nikhu� Verdammter Name! Welcher Drusnier konnte sich schon merken, wie so ein verfluchter Zapote hie�! Sein Beinahe-Schwager, der sich gerne als schwarze Katze verkleidete, hatte ihm das Messer �berlassen. Zuvor hatte er behauptet, es sei f�r einen Krieger eine grobe Beleidigung, ganz unbewaffnet zu sein. Nat�rlich hatte sich Neca�, sein <emphasis>Schwager,</emphasis> nicht verkneifen k�nnen, ihn darauf hinzuweisen, dass er den Rest seiner Tage gefesselt auf einer Bodenmatte liegen w�rde, sollte er es sich einfallen lassen, irgendeinen anderen der Auserw�hlten mit dem Messer zu verletzen. Was Neca nur von ihm dachte! Als ob er herumlaufen und zum Spa� Leute aufschlitzen w�rde.</p><p>Volodi betrachtete sein Lager und �berlegte, an welcher Stelle er das Tuch aufschlitzen sollte, um nachzuschauen, womit dieses Bett gepolstert war. Er hatte einmal davon geh�rt, dass man Rosshaar zum Polstern verwenden konnte. Aber das musste eine dumme L�ge sein. Ein vern�nftiger Mann schm�ckte vielleicht mit einem Rosshaarschweif seinen Helm, aber man stopfte es doch nicht in ein Bett, wo es doch Heu oder Stroh f�r so etwas gab. Vielleicht Schafwolle?</p><p>Er rutschte zum Fu�ende des Betts und schnitt die Unterlage eine Handbreit auf. Das Steinmesser war �berraschend scharf. Mit spitzen Fingern griff er zwischen das Leinen und zog etwas Bauschiges, Weiches heraus. Es sah ein bisschen aus wie eine Kugel aus Schafswolle. Seltsam. Volodi schnupperte daran. Nach Schaf roch es nicht. Er nahm sie in den Mund. Es schmeckte auch nicht wie Schaf. Sehr seltsam.</p><p>Er streckte sich wieder lang auf dem Bett aus. Wie es wohl sein w�rde, Quetzalli wieder zu begegnen. Hatte sie ihn verraten? Ganz zu Anfang sicher. Sie hatte seine blonden Haare gesehen, ihn herausfordernd angel�chelt und ihn mit der Absicht in ihr Federhaus gebracht, ihn bald auf den Opferaltar zu schleppen. Wenn er den Worten ihres Bruders traute, dann war sie darin vor ihm auch sehr erfolgreich gewesen. Ja, angeblich hatte sie sogar einigen ihrer Opfer selbst die Brust aufgeschnitten, um der Gefiederten Schlange deren Herzen zu schenken. Was also war an ihrem letzten gemeinsamen Abend mit ihr geschehen? Sie hatte ihn gedr�ngt, aus dem Fenster zu springen. Wollte sie ihn retten? War etwas anderes schiefgelaufen, das er nicht verstand?</p><p>Volodi zog den flauschigen Klumpen, der kein Schaffell war, aus dem Mund und betrachtete ihn nachdenklich. Er konnte mit Quetzalli nicht reden. Sie w�rde ihm nicht erkl�ren k�nnen, warum sie ihn zum Fenster geschickt hatte. Sie verstand kein einziges Wort seiner Sprache. Vielleicht war das auch besser so��</p><p>�Auserw�hlter?�, erklang die n�selnde Stimme seines Leibkochs von unten. �Das Essen!�</p><p>�Bring es hoch!� Volodi setzte sich auf und lauschte den Schritten auf der Treppe. Und dann roch er es: den Duft gebratenen Fleisches.</p><p>�Ein Hirschbraten�, verk�ndete der Zapote breit grinsend. Dann nickte er zu dem Krug neben dem Bratenteller. �Und Honigwein.�</p><p>Volodi konnte es nicht glauben. Gierig griff er nach dem Braten und verbrannte sich die Finger an dem hei�en Fleisch. Fluchend lie� er wieder los und w�hlte nach dem Steinmesser, das unter die Decke gerutscht war. �Wie hast du das geschafft? Das�� das ist tats�chlich Hirschbraten, nicht wahr?� Er fand das Messer, entschied sich aber, erst einmal von dem Honigwein zu kosten. Er war wunderbar! Leicht gek�hlt, ein wenig klebrig. Es gab nichts Besseres.</p><p>�Sagen wir einmal so��� Sein Diener grinste noch breiter. �Die meisten ehrenwerten Auserw�hlten, die hier als G�ste weilen, sind Drusnier. Und ihr�� versteh mich nicht falsch, das ist keine Beleidigung��, aber ihr seid nicht besonders einfallsreich, was eure Lieblingsgerichte angeht. Wir sind hier inzwischen sehr gut auf eure W�nsche vorbereitet.�</p><p>Volodi rammte das Messer in den Braten, hielt das hei�e Fleisch mit spitzen Fingern fest und schnitt eine dicke Scheibe ab. Es war perfekt. Aus dem Inneren quoll dunkles Blut. Nicht zu lange gebraten! Der Kerl wusste wirklich, wie man Drusnier gl�cklich machte. Volodi leckte sich den Bratensaft von den Fingern.</p><p>�Ich werde nun nach dem Weib f�r dich sehen. Sie sollte inzwischen gewaschen sein.� Mit diesen Worten drehte sich der Zapote um und verschwand die Treppe hinab.</p><p>Pl�tzlich war Volodi der Appetit vergangen. Er sah das blutende Fleisch und stellte sich vor, dass er vielleicht schon morgen genauso aussehen w�rde: ein blutendes St�ck Fleisch auf einem Altarstein. Hatte Quetzalli, als sie ihn das erste Mal angel�chelt hatte, daran gedacht? Wie ihm zu Ehren ihrer G�tter die Brust aufgeschnitten w�rde? Wie hatte er sich w�nschen k�nnen, sie wiederzusehen! Ein verdammter Narr war er.</p><p>Aber ein Narr, der bestimmte, wie die Dinge hier liefen. Er k�nnte sie zur�ckweisen. Es lag ganz bei ihm, welche Frau er w�hlte.</p><p>Missmutig griff er nach dem Krug mit Honigwein und nahm einen tiefen Schluck. Als er aus dem Fenster starrte, fiel ihm ein winziger Vogel auf, der seinen langen Schnabel tief in einen Bl�tenkelch steckte und dabei so schnell mit den Fl�geln schlug, dass sie zu flirrenden Schatten verwischten.</p><p>Volodi wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als wieder Schritte auf der Treppe erklangen. Er straffte sich und stie� gegen den Honigweinkrug, dessen Inhalt sich golden �ber das wei�e Betttuch ergoss. Er w�rde sie wegschicken, dachte er. Und dann w�rde er einen Weg finden, wie er aus diesem goldenen K�fig fliehen konnte.</p><p>Sein Leibdiener mit der Knochennadel in der Nase wirkte ungl�cklich. Er zog ein langes Gesicht und schob eine Frau vor sich her, die den Kopf gesenkt hielt, sodass ihr offenes Haar ihr Gesicht verbarg. Um ihre Schultern lag ein langer Mantel aus bunt schillernden Federn.</p><p>�Ich f�rchte, man hat dich betrogen, Auserw�hlter�, murmelte sein Diener zerknirscht und zog der Frau den Mantel von den Schultern. Sie stand da, die Arme an die Seiten gepresst, leicht gekr�mmt. Ihre braune Haut war entstellt von blauen Flecken und Schrammen. Quer �ber ihren Bauch verliefen vier h�ssliche Narben, als h�tte sie mit einem B�ren gek�mpft.</p><p>Volodi schn�rte sich die Kehle zu.</p><p>�Das ist kein gutes Weib. Ich wei� nicht, wer sich diesen �blen Scherz mit dir erlaubt hat, Auserw�hlter. Ich werde sie zur�ckbringen.�</p><p>Volodi sprang auf, b�ckte sich nach dem auf dem Boden liegenden Federmantel und legte ihn der Nackten um die Schultern. Dann strich er ihr Haar zur Seite. Sie zuckte ein wenig vor ihm zur�ck. Ihre Augen hatten alles Feuer verloren. Was hatte Nica gesagt? Sie war �Fleisch�. Ja, so hatte er seine Schwester bezeichnet. Fleisch.</p><p>Volodi war sich nicht sicher, ob sie ihn erkannte. Ihr Gesicht war wie eine Maske.</p><p>�Ich bringe sie fort, Auserw�hlter. Das muss ein Irrtum sein���</p><p>Volodi legte sanft seine Arme um sie und zog sie fest an sich. �Lass uns allein�, sagte er mit belegter Stimme. �Sie ist die einzige Frau, die ich je haben wollte.�</p></section><section><title><p>Der Schlangenschlund</p></title><p>Volodi lauschte auf Quetzallis Atem. Er ging noch immer unregelm��ig. Jetzt zuckte sie in seinen Armen zusammen, murmelte etwas, erwachte aber nicht. Es hatte lange gedauert, bis sie eingeschlafen war. Sie hatte geduldet, dass er seinen Arm um sie legte und sie eng an sich heranzog. Allerdings zeigte sie keinerlei Reaktion. Es war, als halte er eine Decke im Arm.</p><p>Durch das Fenster des Schlafgemachs fiel graues Licht. D�mmerung erwachte �ber der weiten Stadt. Drau�en in den weiten Gartenanlagen erklang ein tausendstimmiges Vogelkonzert. So friedlich erschien dieser Ort, und doch waren seine Priester so unendlich grausam.</p><p>Volodi zog behutsam seinen Arm zur�ck und stieg aus dem Bett. Quetzalli seufzte im Schlaf. Wieder �berlief ein Zittern ihren Leib. Sie hatte ihre Decke zusammengekn�llt und dicht an ihre Brust gepresst. Sie wird sich wieder erholen, redete er sich ein und stieg die enge Treppe hinab.</p><p>Auf der Schwelle des Hauses lag sein Leibdiener und schnarchte. Volodi weckte ihn mit einem Tritt. �Was essen Zapote gerne?�</p><p>Der Diener blinzelte ihn verschlafen an. �Maisfladen.� Er streckte sich und zupfte an der Knochennadel, die seine Nase durchbohrte. �Das m�gen alle.�</p><p>�Einfache Brotfladen?�, fragte Volodi skeptisch. �Ist das nicht ein bisschen langweilig?�</p><p>�Langweilig!� Sein Diener stand auf. �Das sagt ein Drusnier, dessen K�che als gr��te Gaumenfreude halbgaren Hirschbraten zu bieten hat. Bitte verzeih, wenn ich ersch�ttert bin, Auserw�hlter, aber Maisfladen sind unendlich viel mehr als nur Brot. Die F�llung und die Saucen machen den Unterschied. Man kann sie auf Dutzende Arten servieren: mit gehacktem Hund, dazu eine Sauce aus bitterer Schokolade oder als Beilage in �l gesottene Kolibris���</p><p>�Kohl Ibrihs?�</p><p>�Kleine V�gel, Herr. Sie trinken den Nektar aus Bl�ten, so wie Bienen es tun.�</p><p>Volodi erinnerte sich an den winzigen Vogel, den er am Vortag gesehen hatte. �Kohl Ibrihs���, wiederholte er nachdenklich. �Wie kann man die essen? Da bleibt doch nichts �brig, wenn die Federn mal ab sind.�</p><p>�Wir schneiden auch noch die F��e und den Kopf ab�, entgegnete sein Leibdiener ernsthaft. �Und nat�rlich nehmen wir sie auch aus. Dann werden sie kurz in einen Topf mit kochendem Fett geworfen.� Er schnalzte mit der Zunge. �K�stlich!�</p><p>�Und die Knochen?�</p><p>�Die isst man mit. Sehr knusprig das Ganze, Auserw�hlter.�</p><p>Volodi betrachtete den kleinen Mann mit der Knochennadel in der Nase verwundert. Wollte ihn der Kerl auf den Arm nehmen? Der Zapote hielt seinem Blick stand. Er schmunzelte nicht. Zwinkerte nicht. Er meinte es tats�chlich ernst!</p><p>Volodi r�usperte sich. �Knusprige Knochen�� also ich w�nsche, dass du mir einen ganzen Tisch voll Speisen auftr�gst, die jeder Zapote k�stlich findet. Dir selbst soll das Wasser im Munde zusammenlaufen, w�hrend du in Fett gesottene Kohl Ibrihs heranschleppst oder gehackten Hund und was eure K�che sonst noch zu bieten hat�� Was �brig bleibt, darfst du verspeisen. Also mach deine Sache gut.�</p><p>�Auserw�hlter��� Sein Leibdiener trat verlegen von einem Fu� auf den anderen. �Du musst das nicht f�r das M�dchen tun. Du bist von der Gefiederten Schlange erw�hlt worden. Alles hier dreht sich allein um <emphasis>dein</emphasis> Wohl. Und �blicherweise wissen die M�nner aus Drus die K�stlichkeiten unserer K�che nicht zu sch�tzen. Ich f�rchte, dich zu ver�rgern, wenn ich dir deinen Wunsch erf�lle.�</p><p>�Was immer Quetzalli erfreut, das wird auch mich erfreuen. Sorgen musst du dir nur machen, wenn sie nichts isst.�</p><p>Der Leibdiener sah ihn best�rzt an. �Sie hat in den gro�en Schatten geschaut. Sie vermag nichts mehr zu erfreuen. Das ist���</p><p>Volodi legte dem kleineren Mann beide H�nde auf die Schultern. Der Krieger ahnte, was �in den gro�en Schatten schauen� bedeutete. �Du wirst einfach dein Bestes geben, mein Freund. Ich war einmal ein Anf�hrer von vielen hundert Kriegern. Meine M�nner nannten mich �Der �ber den Adlern schreitet�. Das taten sie, weil ich nicht hinnehme, dass etwas unm�glich ist, bevor ich nicht auch den letzten denkbaren Weg gegangen bin. Wir beide werden es schaffen, dass Quetzalli wieder ihren Kopf hebt und vom Schatten aufschaut in das Licht der Sonne.�</p><p>�Du bist anders als die anderen M�nner, denen ich bisher gedient habe���</p><p>�Wie hei�t du?�</p><p>�Das wirst du dir nicht merken k�nnen, Auserw�hlter. Die Namen meines Volkes sind nicht f�r die Zungen der goldhaarigen Waldm�nner geschaffen.�</p><p>Volodi war sich bewusst, dass der kleine Kerl wahrscheinlich recht hatte. Aber er wollte es zumindest versuchen. �Verrat mir dennoch deinen Namen.�</p><p>�Ichtaca.�</p><p>�Isch-ta-ca.� Volodi sprach den Namen leise, absch�tzend, rollte ihn auf der Zunge, so wie einen unbekannten Wein, von dem man noch nicht wusste, ob er Freude oder Kopfschmerzen bringen w�rde. �Ischtaca. Hat das eine Bedeutung?�</p><p>�Es hei�t Geheimnis�, entgegnete der Zapote ernst.</p><p>�Ein gutes Omen. Wir werden gemeinsam das Geheimnis ergr�nden, was zu tun ist, um Quetzalli aus dem gro�en Schatten zur�ck ins Leben zu holen.�</p><p>�Das werden wir.� Ichtaca verbeugte sich feierlich. �Das werden wir, Auserw�hlter.� Dann eilte er davon.</p><p>Volodi sah ihm nach, bis er hinter einem Dickicht rot bl�hender B�sche verschwand. Der Drusnier wollte nicht sofort zur�ck nach oben gehen. Er wusste, sich einfach zu Quetzalli zu legen und sie in den Arm zu nehmen, war nicht genug. In Gedanken versunken, schlenderte er in den Park. Die schmalen Wege zwischen den H�usern der Auserw�hlten waren mit kleinen wei�en Steinen ausgelegt, die unter jedem seiner Schritte knirschten. Keine welke Bl�te, kein abgerissenes Blatt befleckten das Wei�. Dieser Ort sollte vollkommen sein. Er wanderte an einem Teich vorbei, in dessen steinerne Ufereinfassung gewundene Schlangen gemei�elt waren. Gro�e, wei�e Bl�ten trieben auf dem gr�nen See, und hin und wieder glitten buntscheckige Fische an der Grenze zwischen Dunkelheit und Zwielicht durch das Wasser. Gerade noch wahrnehmbar.</p><p>Volodi w�nschte sich, er w�rde mehr �ber Frauen wissen. Wie konnte er Quetzalli die Freude am Leben zur�ckgeben? Was mochte sie? W�rde gutes Essen sie aufmuntern? Bei ihm half es!</p><p>Er schlenderte weiter in den Park hinein. Gedankenverloren lauschte er dem Lied der V�gel und wunderte sich �ber die pr�chtigen Farben ihres Gefieders. Sie alle schienen einander darin �berbieten zu wollen, wer der pr�chtigste Gaukler in den L�ften war. Volodi dachte zur�ck an die Sommer in Drus. Wie er zusammen mit seinem Bruder Bozidar auf die Jagd gegangen war. Was er jetzt wohl machte?</p><p>So lange hatten sie sich nicht gesehen. Er war der �ltere von ihnen, der Verantwortungsbewusstere. Als die K�mpfe mit Arcumenna, dem Laris von Truria, endeten, war Bozidar heimgekehrt. Eine Ewigkeit schien seitdem vergangen zu sein. Ob ihr Vater noch lebte? Oder sa� sein Bruder nun auf dem schlichten Holzthron im Langhaus ihres Vaters. Er w�rde gern noch einmal durch die W�lder seiner Heimat streifen. An der Seite seines Bruders. Einen Tag nur�� Aber das war nun einmal nicht sein Schicksal. Er w�rde fern der Heimat sterben. Nicht auf einem Schlachtfeld. Er w�rde geschlachtet werden wie Vieh.</p><p>Volodi hatte einen riesigen Steinquader erreicht, der sich, umringt von bl�henden Pfirsichb�umen, inmitten eines Hains erhob. Er genoss den Duft der Bl�ten und betrachtete das seltsame Monument. Tiefe Linien waren in den schneewei�en Stein geschnitten. Er zeigte einen stilisierten Tierkopf. Jetzt erkannte er ein Auge, einen aufgerissenen Kiefer mit Fangz�hnen.</p><p>Er umrundete den Quader und sah, dass er sich auf der Frontseite �ffnete. Eine Treppe mit weiten Stufen f�hrte in die Erde hinab. Am Rand der Stufen standen in langer Reihe �llampen, ihre goldenen Fl�mmchen flackerten in dem warmen Luftzug, der fast einem langen Ausatmen gleich aus der Tiefe der Erde kam.</p><p>�Du stehst vor dem Schlangenschlund�, riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken.</p><p>Erschrocken fuhr Volodi herum. Hinter ihm stand ein gro�er, hagerer Mann, der ein himmelblaues Tuch um seine Lenden geschlungen hatte und ansonsten nackt war. Blondes Haar hing ihm in langen Str�hnen bis zur Brust. Aus seinem Bart troff Wasser. Er hatte offene, dunkelbraune Augen, die von Kr�nzen feiner F�ltchen umringt wurden. Volodi sch�tzte ihn auf �lter als drei�ig. �Wer bist du?�</p><p>�Eirik, ein Auserw�hlter, so wie du. Ich komme aus dem Seenland im Nordwesten von Drus.�</p><p>Volodi stellte sich mit knappen Worten vor. �Du bewegst dich ziemlich leise�, endete er.</p><p>�Du warst so tief in Gedanken, dass du nicht einmal einen Auerochsen auf dem Kiesweg geh�rt h�ttest. Au�erdem musste ich nicht weit gehen.� Eirik deutete �ber die Schulter zu dem kleinen Teich, an dem Volodi zuvor vorbeigegangen war. �Das Wasser dort ist warm. Manchmal, wenn ich nachts nicht schlafen kann, komme ich hierher, schwimme und betrachte melancholisch den Sternenhimmel und den letzten Weg, den ich gehen werde.�</p><p>Volodi sah mit einem Schaudern zu dem klaffenden Schlangenmaul. Das Portal war mehr als drei Schritt hoch. �Wohin f�hrt der Weg?�</p><p>Eirik zuckte mit den Schultern. �Ist das wichtig? Von dort gibt es kein Zur�ck. Die Zapote reden nicht dar�ber, was genau uns dort unten erwartet. Aber du hast die Bodenreliefs vor dem Wei�en Tor gesehen, oder? Wir werden dort vor ihren Gott treten, vor die Gefiederte Schlange. Dort unten wimmelt es nur so von Adlerkriegern und Jaguarm�nnern.� Er hielt kurz inne. �Und von dort gibt es keinen Weg zur�ck. Ich habe geh�rt, du warst ein gro�er Krieger. Dort wird es dir nichts n�tzen.�</p><p>Volodi streckte sich und versuchte, selbstsicherer zu wirken, als er sich f�hlte. �Ich bin nicht leicht umzubringen.�</p><p>�Hier wiegt Gl�ck schwerer als ein starker Schwertarm.�</p><p>Volodi hob fragend die Brauen.</p><p>�Es wird ausgelost, wen sie als N�chsten zur Gefiederten Schlange bringen. Ich habe seit fast zwei Jahren �berlebt. Ich habe zwei Frauen und drei Kinder.� Eirik schenkte ihm ein verzweifeltes L�cheln. �Und keine Zukunft���</p><p>�Du hast Kinder?�</p><p>�Sie sind nicht hier. Ich wollte nicht, dass sie im Schatten eines Vaters aufwachsen, der auf seinen Tod wartet. Die G�tter waren mir gn�dig. Meine beiden kleinen Jungs haben kein blondes Haar. Die Priester haben mir versprochen, dass sie und ihre M�tter ein gutes Leben haben werden. Als Kinder eines Auserw�hlten k�nnten sie eines Tages sogar Priester werden.�</p><p>In Eiriks Stimme lag eine Trauer, die Volodi die Kehle zuschn�rte. Sein Gegen�ber war ein gebrochener Mann, der sich hinter einem melancholischen L�cheln versteckte. �Ich komme hier heraus�, sagte er entschieden. �Und ich werde nicht allein gehen.�</p><p>�Wenn mir die G�tter f�r jede Gelegenheit, bei der ich einen solchen Spruch geh�rt habe, einen Tag schenken w�rden, ich w�rde ein grauhaariger, gl�cklicher Mann werden.�</p><p>�Du wirst schon sehen, Eirik.�</p><p>�Ganz sicher�, entgegnete sein Gegen�ber bitter. �Ganz sicher! Schon in zwei Tagen wird wieder ein Auserw�hlter durch den Schlangenschlund gehen, und in letzter Zeit waren es immer die Neuen, die das Todeslos gezogen haben.�</p></section><section><title><p>Das Geschenk der Drachen</p></title><p>Nandalee blickte mit gemischten Gef�hlen auf den Kobold, der ihr voraneilte. Das Licht seiner Fackel warf tanzende Schatten auf die W�nde des engen Tunnels, dem sie folgten. Sie war nie zuvor in diesem Teil der Pyramide gewesen. Die Stufen f�hrten sie aufw�rts! Nicht hinab zu der halb �berfluteten H�hle, in der Nachtatem sie sonst erwartete.</p><p>Der Kobold hatte sie auf einem Jagdausflug gefunden. Ihre hohen Stiefel waren schlammbespritzt, ihr langes Haar in Unordnung, und �ber der Schulter trug sie den gro�en Eibenbogen, der ihr in der Wei�en Halle schon so viel �rger eingebracht hatte.</p><p>�Und du wei�t ganz sicher nicht, was Nachtatem von mir will?�</p><p>�Herrin, ich bin nur der Bote. Bitte vergesst das nicht. Ich habe keine Ahnung. Ich wei� nur, dass Ihr Euch beeilen sollt.� Der kleine Kerl drehte sich kurz zu ihr um. Sie sah die Angst in seinen gro�en Augen. �Ich habe die Stimme des Gro�en Schlingers in meinem Kopf geh�rt. In meinem Kopf! Er hat noch nie zu mir gesprochen. Ich wusste nicht einmal, dass er wei�, dass es mich gibt.�</p><p>�Des Gro�en Schlingers?�</p><p>Dem Kobold fiel beinahe die Fackel aus der Hand. �Was sagt Ihr da? Nennt ihn nicht so, das hasst er!�</p><p>�Aber du hast doch gerade���, wandte Nandalee ein.</p><p>�Ich? Niemals! So w�rde ich den edlen Nachtatem nie nennen. Alle Kobolde ihm Tal verehren ihn wie ihren Vater.�</p><p>Der Kleine wusste offenbar vor lauter Angst nicht mehr, was er schwatzt, dachte Nandalee und hakte nicht weiter nach. <emphasis>Der Gro�e Schlinger</emphasis>. Sie hatte noch nie geh�rt, dass jemand Nachtatem so nannte.</p><p>�Hier. Das ist der Ort�, stie� der Kobold �ngstlich hervor. Ein zweiter Tunnel kreuzte ihren Weg. �Ihr m�sst da entlanggehen.� Ihr F�hrer deutete auf den Gang, der nach links abzweigte, und hielt ihr die Fackel hin.</p><p>�Und du?�, fragte Nandalee �berrascht.</p><p>�Ich habe diesen Ort in meinem Kopf gesehen�� Ich wei� nicht, wie ich es beschreiben soll. Von hier an steht es mir nicht mehr zu, Euch zu begleiten. Das konnte ich ganz deutlich sp�ren, als mir Nachtatem den Weg zeigte. In meinen Gedanken zeigte�� Versteht Ihr, Herrin?� Er sah verzweifelt zu ihr auf und war sich augenscheinlich dar�ber im Klaren, wie wirr ihr seine Worte erscheinen mussten.</p><p>�Ich wei�, wie es ist, wenn die Himmelsschlangen zu einem sprechen. Man f�hlt sich erhoben und ist doch zugleich auch voller Angst.� Sie nahm die Fackel und stutzte einen Moment. �Woher kennst du mich? Hat Nachtatem dir auch mein Bild gezeigt? Ich glaube, ich bin dir noch nie zuvor begegnet.�</p><p>�Ich bin Skultik, der Seerosenh�ter. Ich bin Euch nie begegnet, aber wir alle kennen Euren Namen, Nandalee, und den von Gonvalon. Ihr habt Euch gegen den Goldenen erhoben.� Bei den letzten Worten senkte der Kobold seine Stimme und sp�hte �ngstlich in die Dunkelheit der Tunnel. �Ihr habt viele Freunde im kleinen Volk. Wir m�gen Geschichten �ber Rebellen.� Er grinste verschw�rerisch und verschwand ohne ein weiteres Wort in der Dunkelheit des Gangs, durch den sie gekommen waren.</p><p>Nandalee blickte in den Tunnel, dem sie folgen sollte. Ein warmer Luftzug kam von dort, der den Wohlgeruch von Drachen mit sich trug. Was wollte Nachtatem von ihr? Warum empfing er sie nicht in der Halle der Gazala oder drau�en in den G�rten der Felsoase? Wusste er um ihren Streit mit dem Rotr�cken?</p><p>Sie streckte die Fackel vor und ging los. Dieser Tunnel war anders als der vorherige. Hier waren die W�nde von zarten Gipsbl�ten bedeckt, die aus den Fugen der Steinquader wucherten. Die Decke war von Ru� geschw�rzt. Ein Prickeln �berlief die Elfe, und pl�tzlich war es, als griffe die Faust eines unsichtbaren Riesen nach ihr, um sie vorw�rtszuzerren. Das Gef�hl dauerte nur einen Herzschlag�� dann hatte sich alles um sie herum ver�ndert. Von einem Moment auf den anderen fand sie sich in einer weiten Halle wieder, die sie nie zuvor gesehen hatte. Himmelsschlangen umringten sie.</p><p>Erschrocken blickte Nandalee sich um. Alle bis auf eine hatten sich zu dieser Versammlung eingefunden. Auch Elfen waren anwesend: Lyvianne, die geheimnisvolle Zauberweberin aus der Wei�en Halle, Bidayn, die sich der Meisterin der Magie verschrieben hatte, auch Nodon, den Befehlshaber der Drachenelfen im Jadegarten, entdeckte sie. Und Gonvalon!</p><p>Der Tunnel musste sie zu einem der geheimen Drachenpfade gef�hrt haben, die es einem, �hnlich wie die Albenpfade, erlaubten, weite Distanzen mit einem einzigen Schritt zu �berwinden. So war es unm�glich zu sagen, ob sich diese Halle irgendwo unterhalb des Jadegartens oder aber Hunderte Meilen entfernt befand.</p><p><emphasis>Ihr kommt sp�t, Dame Nandalee.</emphasis></p><p>Die Gedanken des Drachen, die sie heimsuchten, waren wie ein pl�tzlicher Guss Eiswasser in den Nacken. Sie zuckte zusammen. Es war der Goldene, der das Wort an sie gerichtet hatte.</p><p>Alle Blicke ruhten auf ihr. Sie sp�rte die Missbilligung der Drachen, ihren Zweifel, ihren Zorn. Unwillk�rlich duckte sie sich. Es war ihr unm�glich, sich den Gef�hlen zu verschlie�en, die die Himmelsschlangen ihr vermittelten. Sie war zutiefst besch�mt. Der Gedanke, die Himmelsschlangen entt�uscht zu haben, war ihr unertr�glich.</p><p>�Bitte verzeiht. Ich eilte sofort herbei, als ich Nachricht erhielt zu kommen.�</p><p>War dies ein Tribunal? Hatten sie sich versammelt, um �ber sie zu richten, weil sie einen ihrer Drachenbr�der verwundet hatte? Nandalee hob trotzig den Kopf. Der verdammte Rotr�cken hatte es nicht besser verdient!</p><p><emphasis>Unser Bruder, der Himmlische, ist tot. Er wurde von den Devanthar heimt�ckisch ermordet.</emphasis> Nachtatems Gedanken waren umflort von tiefer Trauer, die Nandalee bis ins Herz ber�hrte, sodass ihr unwillk�rlich Tr�nen in die Augen traten. Es war unm�glich, sich den Gef�hlen der Himmelsschlangen zu verschlie�en. Sie waren so �berw�ltigend, wie die Erstgeschl�pften gro� waren. Sie blickte zu dem Drachen, der ihr und Gonvalon Zuflucht gew�hrt hatte. Schatten umwoben seinen schwarz geschuppten Leib. Er wirkte wie Fleisch gewordene Finsternis. Unheimlich. Bedrohend. Ein Raubtier, in dessen Gegenwart sie ein Nichts war. Und doch war da diese verst�rende Trauer. Nandalee f�hlte, dass er immer noch fassungslos war �ber den Verlust seines Nestbruders. Gef�hle, wie sie ganz und gar nicht zu einem Raubtier passten.</p><p>Nachtatem lie� sie an allem teilhaben, was er �ber den Tod seines Bruders wusste. Wie er binnen eines Herzschlags unter einem Himmel aus Gestein begraben wurde. Beklommen blickte Nandalee zur weiten Decke der Halle hinauf. Waren sie hier unter der Erde, so wie der Himmlische, als er starb?</p><p><emphasis>Ehrenwerte Meister und Novizen, Ihr findet Euch hier versammelt, da ein jeder von Euch auf seine Art einzigartig ist.</emphasis> Es war nicht mehr Nachtatem, der nun in ihren Gedanken sprach. Der Goldene f�hrte das Wort, und seine Gedanken wurden getragen von verhaltenem Zorn und von einem Pathos, dem sich zu entziehen unm�glich war. Von einer Himmelsschlange einzigartig genannt zu werden, war eine Gunst, die wohl kaum einem Elfen zuvor widerfahren war.</p><p><emphasis>So wie ein guter Stahl aus Eisenstangen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften geschmiedet wird, so sollt Ihr von heute an in Eurer Verschiedenheit doch untrennbar miteinander verbunden sein. Ihr seid unser hei�er Stahl der Rache, und Ihr werdet unsere Feinde dort verwunden, wo sie am wenigsten mit einem Angriff rechnen. Ihr werdet Angst in ihre Herzen s�en!</emphasis></p><p><emphasis>Unsere Schwerter zu sein, das war von Anbeginn der Zweck der Drachenelfen, doch nie zuvor wurden Eure Br�der und Schwestern auf eine Probe gestellt, wie sie Euch nun bevorsteht. Geh�rt Ihr uns, mit Euren Herzen und Euren Seelen und jeder Faser Eures Leibes?</emphasis></p><p>�Ja�, erklang es im selben Augenblick aus ihrer aller M�nder, als spr�chen sie mit nur einer Stimme.</p><p><emphasis>Es wird die Dame Nandalee sein, die Euch bei diesem Feldzug, den Tod des Himmlischen zu s�hnen, anf�hren soll.</emphasis></p><p>Erschrocken blickte Nandalee zum Goldenen auf und wurde fast geblendet von dem Licht, das sich in seinen Schuppen spiegelte. Sie sp�rte sein Vertrauen in sie. Was sie �berraschte, hatte sie doch mit ihren Taten in der Tiefen Stadt sein Missfallen erregt. Auch wurde sich Nandalee bewusst, dass alle �brigen Elfen sie anstarrten. Abgesehen von Bidayn war sie die Unerfahrenste hier. Ihr stand diese Ehre nicht zu!</p><p><emphasis>Ich sp�re Eure Verwunderung, Albenkinder. Ja, in einem Herzen glimmt gar Hass.</emphasis> Der Smaragdene neigte sein Haupt, um ihnen zu bedeuten, dass er es war, der nun seine Gedanken mit ihnen teilte. <emphasis>W�hnt nicht, es sei eine Intrige, wenn unsere Wahl auf die Dame Nandalee fiel. Eine ihrer besonderen Eigenarten ist es, dass ihre Gedanken nicht zu lesen sind. Unser Plan ist so k�hn, dass er nicht aufgedeckt werden darf, bevor er zur Vollendung kommt. Es mag sein, dass Euch �berm�chtige Feinde begegnen, die in Euren Gedanken mit derselben Leichtigkeit zu lesen verm�gen, wie wir es tun. Nur bei Nandalee sind unsere Geheimnisse in Sicherheit. Deshalb wurde sie erw�hlt. Wir werden sie einweihen in alles, was zu tun ist, und Ihr werdet ihr folgen, ohne zu murren oder an ihren Worten zu zweifeln, denn sie wird unseren Willen in Worte formen.</emphasis></p><p>Nandalee schluckte und sp�rte, wie sich in ihrem Magen ein Klumpen aus Eis formte. Sie sah den Zorn und die Verachtung in Lyviannes Blick. Nodon lie� sich nichts anmerken, aber ganz gewiss f�hlte auch er sich zur�ckgesetzt. In Bidayns Antlitz spiegelte sich keinerlei Emotion. Sie war zu klug, sich etwas anmerken zu lassen. Bidayn wusste, dass die Himmelsschlangen in diesem Augenblick in ihrer aller Gedanken lasen.</p><p><emphasis>Ich verstehe Euren Unmut,</emphasis> hob der Goldene an. <emphasis>Aber nun zeigt Gr��e und vergesst ihn. Jeder von Euch wird vor Nandalee treten und ihr f�r diese Mission Treue schw�ren. Wir legen die Zukunft Albenmarks in Eure H�nde. Zeigt Euch w�rdig!</emphasis></p><p>Nodon trat als Erster vor und leistete ihr den Treueeid. Nandalee war v�llig �berrumpelt von der Entwicklung der Ereignisse. Sie wollte diese Rolle nicht, und doch begriff sie, dass sie keine Wahl hatte. Lyvianne sah mit eisigem Blick zu ihr auf, als sie vor ihr niederkniete. �Ich hoffe, du bist als Anf�hrerin so vortrefflich wie als Bogensch�tzin.�</p><p>Bidayn verlor kein unn�tiges Wort. Sie leistete ihren Treueeid. Nandalee hoffte, dass ihre alte Freundschaft noch galt. Allein Gonvalon kniete mit einem L�cheln vor ihr nieder. In seinen Augen las sie, wie ma�los stolz er auf sie war. Er w�rde ihr den R�cken freihalten, ganz gleich, was kommen mochte.</p><p><emphasis>Nun geht und wisset, eines Tages wird ganz Albenmark voller Stolz auf jeden von Euch blicken, denn Ihr alle werdet Helden sein, wie jedes Zeitalter sie nur einmal sieht.</emphasis> Es war wieder der Goldene, der sprach, und seine Worte hatten eine solche Kraft und W�rde, dass Nandalees Sorgen schwanden, und sie tats�chlich voller Stolz und Hoffnung war. <emphasis>In wenigen Stunden schon werdet Ihr aufbrechen. Bereitet Euch vor!</emphasis></p><p>Berauscht von dem Gef�hl, f�r Gro�es auserw�hlt zu sein, wandte sich Nandalee gemeinsam mit den anderen Elfen dem Tor zu, das sich auf geheimnisvolle Weise an einer Wand der weiten Versammlungshalle aufgetan hatte, als die Stimme Nachtatems sie innehalten lie�.</p><p><emphasis>Ihr verweilt noch ein wenig bei uns, Dame Nandalee!</emphasis></p><p>Sie sah den anderen nach. Keiner von ihnen blickte zu ihr zur�ck. Selbst Gonvalon nicht.</p><p><emphasis>Dies ist die Einsamkeit der Anf�hrer, meine Dame.</emphasis> Nandalee sp�rte die Melancholie Nachtatems, und sie konnte nur ahnen, wie viel Ungesagtes hinter diesen Worten lag.</p><p><emphasis>Es gibt noch einen zweiten Grund, warum wir Euch erw�hlten, Dame Nandalee.</emphasis> Nun war es wieder der Goldene, der zu ihr sprach. <emphasis>Wir haben Eurer aller Zuk�nfte ergr�ndet. Sie sind mannigfaltig. Voller Ruhm und bei manchen auch voller Abgr�nde. F�r jeden von Euch haben wir an dem Ort, an den wir Euch schicken werden, mindestens eine M�glichkeit zu sterben gesehen. F�r jeden�� au�er f�r Euch. Vielleicht haben wir die m�glichen Zuk�nfte nicht tief genug ergr�ndet, doch kamen wir �berein, dass nur Ihr jenes Kleinod tragen sollt, um das sich alles drehen wird. Tretet erneut in die Mitte der H�hle, verehrte Dame!</emphasis></p><p>Nachtatem sprach ein Wort der Macht, wie nur eine Drachenzunge es zu formen vermag, und als Nandalee vorw�rtsging, sp�rte sie den Boden unter ihren F��en vibrieren. Das Ger�usch von Stein, der �ber Stein schleift, f�llte die weite H�hle, doch war nichts zu sehen, was diesen L�rm hervorrufen mochte.</p><p>Die Elfe ahnte, dass sie auf die Probe gestellt wurde, doch wusste sie nicht, auf welche Weise. Die Blicke der Himmelsschlangen lasteten auf ihr. Kurz vor dem Mittelpunkt der Halle blieb sie unvermittelt stehen. Dieses Spiel w�rde sie nicht mitmachen!</p><p>Augenblicklich trat eine absolute Stille ein.</p><p>Sie ahnte, dass die Drachen ihre Gedanken tauschten. Es lag eine Spannung in der Luft wie an einem hei�en Sp�tsommernachmittag, kurz bevor ein Gewitter losbrach.</p><p><emphasis>Bravo, Dame Nandalee. Eure Intuition wird nur noch von Eurem Hang zur Rebellion �bertroffen. Streckt einmal vorsichtig Euren Fu� vor!</emphasis> Die Stimme des Goldenen traf sie wie ein Peitschenhieb. Mochten seine Worte formal auch freundlich sein, die Gef�hle, die sie begleiteten, waren es nicht.</p><p>Sie sah zu Nachtatem und glaubte, Zustimmung in seinen Augen zu lesen. Ganz behutsam tastete sie sich mit dem linken Fu� vor und fuhr augenblicklich erschrocken zur�ck. Dort, wo ihre Augen ihr festen Boden vorgaukelten, war ein Abgrund.</p><p><emphasis>Ganz recht, Dame Nandalee, dort klafft ein fast bodenloser Spalt, aus dem sich eine S�ule erhebt, die ein kostbares Kleinod tr�gt. Und dieses Kleinod sollt Ihr f�r uns verwahren. Ihr m�sst nur den Arm ausstrecken und es an Euch nehmen.</emphasis></p><p>Sie vertraute dem Goldenen nicht. Nandalee lie� den Bogen von ihrer Schulter gleiten und schwang ihn vor sich �ber den unsichtbaren Abgrund. Erst ein ganzes St�ck links von ihr schlug das Eibenholz auf Stein. H�tte sie sich einfach vorgebeugt, sie h�tte das Gleichgewicht verloren und w�re in den Abgrund gest�rzt.</p><p><emphasis>Das gen�gt, Br�der! Sie mag jung sein und unerfahren, doch ist sie nicht naiv! Sie wird die anderen f�hren k�nnen und ihre Zweifel und ihren Widerstand �berwinden. Ich vertraue ihr.</emphasis></p><p>Entt�uscht nahm Nandalee zur Kenntnis, dass es nicht Nachtatem war, der gesprochen hatte. Der Redner unter den Drachen gab sich ihr nicht zu erkennen, obwohl die Elfe sich sicher war, dass seine Br�der ganz genau wussten, wer gesprochen hatte.</p><p>Der Blendzauber verflog von einem Augenblick zum anderen. Deutlich sah sie nun den Abgrund und die daraus aufragende S�ule. Ohne abzuwarten, ob sie noch ein weiteres Mal aufgefordert wurde, trat sie ein wenig zur Seite und griff nach dem Amulett, das auf dem marmornen Kapitell lag. Es war aus grau-schwarzem Metall und hing von einem schlichten, dunklen Lederriemen, der abgewetzt und lange getragen aussah. �Blei�, sagte sie halblaut. Eine d�nne Tafel, die um etwas gefaltet war. Vielleicht ein kleiner Stein. Buchstaben und seltsame Symbole waren in das Blei geritzt. Nur schwer zu erkennen, denn das Metall war sehr dunkel und die Ritzzeichen vom langen Tragen des Amuletts fast abgerieben. Sie kniff die Augen zusammen. Sie kannte diese Schriftzeichen. In langen Stunden hatte sie sich in der Wei�en Halle mit diesem Alphabet abgem�ht. Sie waren Luwisch, und nun wusste sie, was in das Blei gegraben stand: der Name der Devanthar, die von den Luwiern angebetet wurde, I�ta!</p><p><emphasis>Ihr wundert Euch �ber das Amulett, Dame Nandalee?</emphasis> Der Fr�hlingsbringer in seinem Schuppenkleid von der Farbe jungen Grases neigte sein Haupt und sah freundlich auf sie hinab. Sie sp�rte in seinen Gedanken den Nachklang der Trauer, aber auch die Gewissheit, mit dem, was sie nun taten, auf Jahrhunderte Frieden in alle drei Welten tragen zu k�nnen. <emphasis>Ihr werdet unter Menschenkinder gehen, Nandalee. Viele von ihnen tragen Amulette wie dieses hier. Sie ritzen G�tternamen und Segensspr�che in das Blei, falten es und vergraben es oder tragen es ganz offen als Amulett. Dieser Schmuck wird unter den Menschenkindern kein Aufsehen erregen.</emphasis></p><p>�Sollte uns nicht einer unserer Br�der aus der Blauen Halle begleiten?�, fragte Nandalee. �Viele von ihnen haben etliche Jahre unter Menschen verbracht. Sie kennen ihre Angewohnheiten und Gebr�uche. Sie w�ren ein gro�e Hilfe.�</p><p><emphasis>Sie sind alle tot, Dame Nandalee. Gemeinsam mit dem Himmlischen gestorben. Und jene Meister der Blauen Halle, die in der Welt der Menschen dienen, erreichen wir nicht mehr. Es gilt, das Schlimmste zu bef�rchten. Ihr werdet also auf Euch allein gestellt sein, und Ihr werdet Zugang zu einem Ort suchen, den noch kein Elf zuvor betreten hat, und von dem es hei�t, dass er von schrecklichen Ungeheuern bewacht wird. Es ist ein Ort, �ber den wir nur Legenden kennen.</emphasis></p><p>Und dann schilderte der Fr�hlingsbringer Nandalee, wohin sie gehen sollten und was dort zu tun war. Verzweiflung �berfiel die Elfe, denn dies war keine Aufgabe f�r Sterbliche.</p></section><section><title><p>Geisterwald</p></title><p>Bidayn blickte zweifelnd zu Nandalee auf. Ihre Freundin hatte ihr gesagt, sie w�rde sp�ren, wann der rechte Augenblick gekommen sei, den Albenstern zu �ffnen, und ihr genau beschrieben, welchen der sieben Pfade sie danach beschreiten sollte. Es war ein ungew�hnlicher Weg, der lange von keinem anderen Albenpfad gekreuzt wurde und der sie in weite Ferne f�hren w�rde, fort aus ihrer Heimatwelt. Doch wohin, hatte Nandalee nicht gesagt.</p><p>Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Gonvalon Nandalee fl�chtig mit der Hand streifte. Es war eine Geste der Liebe, um sie wissen zu lassen, dass er hinter ihr stand, ganz gleich, was auch geschehen mochte. Die beiden hatten sich ver�ndert. Man sah ihnen ihre Verbundenheit an. Bidayn sp�rte einen kurzen, scharfen Schmerz. Sie w�rde niemals solche Liebe erfahren. Welcher Mann wollte schon eine Frau, deren ganzer Leib mit einem Rautenmuster aus Narben bedeckt war.</p><p>Sie hatte sich die Wunden zugezogen, als sich die Zaubermacht Nangogs gegen sie gewandt hatte. Seitdem hatte sie alles versucht, die Narben verblassen zu lassen. Doch kein Heilkraut, keine Tinktur und kein Zauber vermochten ihr Stigma auszul�schen. Allein dick aufgetragene Schminke half.</p><p>Bidayn seufzte und konzentrierte sich wieder auf den Albenstern. Die Himmelsschlangen hatten sie weit hinaus in die Savanne des Bainne Tyr geschickt. Sie glaubten, ihre Feinde w�rden leichter auf sie aufmerksam werden, wenn sie eine Reise an einem Ort begannen, der in Verbindung mit den G�tterdrachen stand. Und so standen sie nun im ersten Morgenlicht inmitten des weiten Graslandes neben einer wei�en Felsnadel, die von Dutzenden flacher Holzschalen umlagert wurde, in der sonst Kobolde ihren G�tzen und den Geistern der Savanne Opfergaben darbrachten. Eine halbe Meile entfernt zog eine Gazellenherde vor�ber, deren Leittiere wachsam in ihre Richtung sp�hten. Noch vor dem ersten Morgenlicht hatten sie einen L�wen br�llen h�ren, doch der R�uber war im hohen Gras verborgen geblieben. Die Raubkatze machte Bidayn keine Sorgen, doch troff ihr kalter Schwei� von den Achseln hinab, wenn sie daran dachte, welche Feinde sie an dem Ort erwarten w�rden, an den Nandalee sie f�hren sollte. Die Devanthar! Bidayn erinnerte sich noch gut an die Kreatur mit dem Eberkopf, der sie auf Nangog begegnet war, und daran, wie hilflos sie sich ihm gegen�ber gef�hlt hatte. Doch dann war Nandalee gekommen. Sie sah erneut zu ihrer Gef�hrtin auf. Sie hatte sich damals dem Ebermann entgegengestellt. Sie kannte keine Angst.</p><p>Pl�tzlich durchlief ein Kribbeln ihre H�nde, die sie auf den Boden gedr�ckt hielt, dort, wo sich die sieben Albenpfade kreuzten und einen gro�en Stern bildeten. Etwas ver�nderte sich im magischen Netz. Das Kribbeln lief ihre Arme hinauf. Sie konnte sp�ren, dass an vielen Orten gleichzeitig Tore ge�ffnet wurden. So etwas hatte sie noch nie erlebt.</p><p>Jetzt schien auch Lyvianne etwas zu bemerken, obwohl ihre Meisterin ein St�ck vom Albenstern entfernt stand. �Was geschieht da?�</p><p>�Von �berallher kommen Zauberweber. Sie dr�ngen auf die Albenpfade.�</p><p>�Greifen die Devanthar erneut an?�, fragte Nodon alarmiert. Der rotgewandete Elf hatte die Hand auf den Schwertgriff gelegt, als erwarte er, dass sich der Albenstern vor ihnen �ffnen w�rde, um Heerscharen von Angreifern auszuspeien. Bidayn vermied es, ihn anzusehen. Er hatte Augen, die ganz und gar schwarz waren. Seine Blicke lie�en sie erschaudern.</p><p>�Es geschieht in Albenmark�, sagte sie leise, ganz auf das magische Netz konzentriert.</p><p>�Das ist das Zeichen f�r unseren Aufbruch. �ffne das Tor!�, befahl Nandalee.</p><p>Bidayn sprach ein Wort der Macht, und unter ihren H�nden entwuchsen dem trockenen Savannenboden zwei Schlangen aus glei�end blauem Licht. Sie neigten sich einander zu, und als sich ihre K�pfe ber�hrten, verschmolzen sie zu einem Bogen, der undurchdringliche Finsternis umschloss. Zu ihren F��en aber zeigte sich ein schmaler, goldener Pfad, der in die Unendlichkeit zu f�hren schien. Der Weg, auf dem sie in eine andere Welt gelangen w�rden.</p><p>�Folgt mir!� Nandalee ging als Erste. Ohne zu z�gern, trat sie auf die magische Br�cke, die das Dunkel zwischen den Welten durchma�. Bidayn bewunderte sie f�r ihren Mut. Sie selbst ging als Letzte.</p><p>Es war nur ein kurzer Weg, der sie schon nach wenigen Herzschl�gen inmitten eines n�chtlichen Waldes f�hrte. Nach der trockenen Morgenfrische der Savanne war es an diesem Ort beklemmend hei�. Dunstschwaden zogen zwischen den B�umen und dem weglosen Gr�n, das sie umgab. Hier fand sich keine Markierung neben dem Albenstern. Allein ein himmelhoher Baum ragte auf. Ein Baum mit einem Stamm, so m�chtig wie ein Turm, der alle anderen ringsherum �berragte. Speere aus silbernem Licht stachen durch das dichte Laubdach.</p><p>�Hier entlang!� Nandalee schien sich ganz sicher zu sein, wo sie waren, obwohl sie sich inmitten eines pfadlosen Dschungels befanden und auch keine Gestirne als Wegweiser zu erkennen waren. Und dennoch, als kenne sie den Weg, zeigte sie an dem m�chtigen Baumriesen vorbei.</p><p>Bidayn kannte sie lange genug, um zu wissen, dass Nandalee sie eher in die falsche Richtung f�hren w�rde, als einzugestehen, dass sie nicht wusste, wo sie sich befanden. Oder wusste sie es? Was hatten die Drachen ihr aufgetragen? Welches Geheimnis war so dunkel, dass es au�er ihr niemand erfahren durfte?</p><p>Schweigend schritten sie durch den Wald, begleitet nur von den Ger�uschen des Dschungels: das leise Knacken der �ste, wenn sich kleines Getier seinen Weg durch das Unterholz bahnte; das stete Pl�tschern von Wasser, das auch dann nicht verstummte, wenn die immer wieder einsetzenden Schauer abebbten. Zu lang war der Weg der Regentropfen, die �ber Hunderte Bl�tter gleitend in die Tiefe tropften. Dazu kam das leise Summen von M�cken, nur manchmal unterbrochen von einem seltsam auf- und abschwellenden Schrei, wie Bidayn ihn noch nie vernommen hatte. Ein br�nstiger Affe vielleicht? Torkelnde Schatten glitten zwischen den Baumst�mmen dahin. Jagende Flederm�use. Sie h�tten ruhig n�her um sie kreisen k�nnen, dachte Bidayn. Vielleicht w�rde das die M�cken vertreiben.</p><p>Mit einem Seufzer k�mpfte sie sich weiter voran. Der schlammige Boden schien sie bei jedem Schritt halten zu wollen. Es war ein qu�lender Marsch. Bald schon war ihr sch�biges Wollkleid von Regen und Schwei� durchweicht und scheuerte auf ihrer Haut.</p><p>Es war von Menschen gewoben, wie fast alles, was Bidayn und die anderen am Leib trugen. Ihre Waffen hatten sie in aufgerollten Kleiderb�ndeln verborgen. Jeder von ihnen besa� einen Beutel mit kleinen Goldkl�mpchen. Sie w�rden sich als Gl�cksritter ausgeben, die nach Gold, Elfenbein und Edelsteinen suchten.</p><p>Als ihr Weg sie unter einem gest�rzten Baumriesen hindurchf�hrte, der von einem Gewirr gesplitterten Astwerks und abgeknickter, kleinerer St�mme getragen wurde, erblickten sie zum ersten Mal ein St�ck Himmel �ber sich. Der gest�rzte Riese hatte eine Bresche in die dichte Mauer des Dschungels geschlagen. Sie waren nicht im Dschungel von Zapote, wie Bidayn vermutet hatte. Der Weg, den die Himmelsschlangen bestimmt hatten, hatte sie nach Nangog gef�hrt, und �ber ihnen standen die blassen Zwillingsmonde der verfluchten Welt, auf der Bidayn ihre Narben empfangen hatte.</p><p>In stummer Verzweiflung ballte die Elfe ihre F�uste. Diese Welt war den Albenkindern verboten! Hier erwartete sie nur der Tod!</p><p>Nandalee sah ebenfalls kurz zum Himmel und �nderte dann die Marschrichtung. Bidayn war inzwischen froh um jeden der schrecklichen Ausdauerl�ufe, den sie in der Wei�en Halle hatte absolvieren m�ssen. Ihre Beine waren stark, sie schritt ebenso ausdauernd und unerm�dlich durch den Schlick des Dschungels wie ihre Gef�hrten.</p><p>Einmal wurde sie auf einen Schatten im Ge�st aufmerksam. Ein Tier, das aussah wie ein halb verhungerter B�r. Es hing kopfunter an einem dicken Ast, sp�hte zu ihnen hinab und hangelte sich behutsam vorw�rts. Auf den ersten Blick wirkte die Kreatur harmlos, bis ein verirrter Lichtstrahl seine Pfoten erkennen lie�, die mit messerlangen Krallen best�ckt waren. Nichts auf dieser Welt war ungef�hrlich. Sie h�tte es besser wissen m�ssen!</p><p>Bald hatte Bidayn jegliches Zeitgef�hl verloren. Der Marsch schien Stunden zu dauern. Dann, endlich, erreichten sie einen tr�ge dahinstr�menden Fluss. Sie folgten seinem Ufer, bis Nodon pl�tzlich den Arm hob und zur B�schung deutete. Alle verharrten, w�hrend der H�ter des Jadegartens niederkniete und etwas aus dem Schlick hob. Er hielt ihnen einen Totensch�del hin. �Dort liegt mehr als ein Dutzend Leichen�, fl�sterte er. �Aber ich kann nicht erkennen, woran diese Menschenkinder gestorben sind.�</p><p>Lyvianne trat zu ihm, betrachtete die Toten. �Es scheint, als h�tten sie hier ihr Nachtlager aufgeschlagen. Da vorne ist ein Aschekreis. Und��� Sie stockte und kniete ebenfalls nieder. �Was ist das?� Sie zog halb verrottetes Leder zur Seite und strich �ber etwas, das Bidayn nicht genau erkennen konnte.</p><p>�Lass es liegen�, befahl Nandalee scharf.</p><p>Doch Lyvianne hob ihren Fund hoch. �Das ist der gr��te Smaragd, den ich je gesehen habe.�</p><p>Bidayn schluckte. Ihre Meisterin hielt einen Kristall in H�nden, der jenen �hnelte, die sie bei ihrer Reise in der verborgenen H�hle gesehen hatten.</p><p>�Nun wissen sie, dass wir hier sind�, sagte Nandalee mit tonloser Stimme. �Aber vielleicht ist das nicht das Schlechteste.�</p><p>�Von wem sprichst du?�, fragte Lyvianne mit fast schon provozierender Ruhe.</p><p>Bidayn setzte an, ihr zu antworten, als Nandalee einfach nur den Arm ausstreckte und �ber das Wasser wies. Im Dunst, der �ber den tr�ben Fluss glitt, erschien ein gr�nes Leuchten. Es schien Teil des Nebels zu sein, doch floss es nicht mit ihm, sondern bewegte sich gegen den Wind.</p><p>Zischend fuhr Nodons Schwert aus der Scheide. �Dort oben im Dickicht der Uferb�schung ist es auch.�</p><p>�Lass die Waffe stecken�, rief Nandalee. �Sie wird uns nicht helfen.�</p><p>Bidayn zitterten die Knie. Es war ihr peinlich, aber sie schaffte es nicht, es zu unterdr�cken. Sie f�rchtete die Geister. Allzu gut erinnerte sie sich, was sie mit Nandalee getan hatten.</p><p>Nandalee fl�sterte Gonvalon etwas zu. Er sch�ttelte heftig den Kopf, doch sie ignorierte es, dr�ckte seine Hand und trat ans Ufer.</p><p>�Kinder Nangogs, ich rufe euch!� Die Laute des Dschungels, die sie die ganze Nacht �ber begleitet hatten, verstummten.</p><p>Weitere Lichter zeigten sich im Nebel �ber dem Fluss. Sie tanzten umeinander und kamen dabei langsam n�her.</p><p>Bidayn wich zur B�schung zur�ck, bis Nodon sie beim Arm packte. �Dort oben sind sie auch. Ich kann sie sp�ren. Sie kreisen uns ein.�</p><p>Und w�hrend sie, Nodon, Lyvianne und Gonvalon erstarrten, kniete Nandalee nieder. Sie streckte ihre Arme zur Seite und flehte. �Kommt zu mir, ich erwarte euch.�</p><p>Der Tanz der Lichter wurde schneller. Sie flossen auseinander zu weiten, gr�nen Schlieren, die sich durch den Nebel wanden. Zugleich sickerte Licht aus dem Dickicht �ber ihnen und kroch um ihre F��e.</p><p>Langsam legte Lyvianne den gro�en Kristall zur�ck auf den verrotteten Rucksack, zwischen die Gebeine der Toten. Nun bewegten sich auch die Ranken des Dorndickichts und griffen zu ihnen hinab. �berall im Geb�sch ringsum raschelte es.</p><p>Als sich eine armdicke Wurzel unmittelbar vor Bidayns F��en aus dem Uferschlamm schob, sprach Lyvianne ein Wort der Macht. Sofort leckten Flammen �ber das Wurzelholz.</p><p>�Nicht!�, rief Nandalee. �Tu das nicht, oder wir sind alle des Todes. Du wei�t nicht, gegen wen du dich auflehnst.�</p><p>�Dann sag es mir�, zischte Lyvianne. �Ich werde jedenfalls nicht l�nger tatenlos zusehen, wie��� Dutzende Wurzelstr�nge schossen aus der Uferb�schung. Schlangengleich wand sich das Holz und griff zuerst nach Lyvianne, dann nach den anderen Elfen.</p><p>�Nehmt mich!�, sagte Nandalee ruhig und beugte dem�tig ihren Kopf. �Nehmt mich, Kinder Nangogs!�</p><p>Augenblicklich umfloss sie das gr�ne Leuchten. Bidayn fr�stelte es, und jedes Haar ihres K�rpers richtete sich auf. Sie wollte fortlaufen, doch Wurzeln wanden sich um ihre F��e. Noch war sie nicht in Fesseln geschlagen, doch gab es kein St�ck Ufer mehr, auf das sie einen Fu� h�tte setzen k�nnen, ohne die unheimlichen Wurzeln zu ber�hren. Und sie wollte nicht herausfinden, was bei einer Flucht geschehen mochte. Sie dachte an die toten K�hler und Holzf�ller, die sie auf ihrer ersten Reise nach Nangog aufgefunden hatten. Jene waren im Schlaf von B�umen gemordet worden.</p><p>Die tanzenden Lichter umkreisten Nandalee, troffen z�hfl�ssig �ber ihre Finger, leckten ihre Arme hinauf, umspielten ihre Kehle. Nandalees Augen rollten nach oben, sodass nur noch das Wei�e zu sehen war. Und dann kroch das Licht �ber ihre ge�ffneten Lippen, um ganz und gar von ihr Besitz zu ergreifen.</p></section><section><title><p>Gefangen</p></title><p>Eisiger Wind zerrte an der M�hne des L�wenh�uptigen. Die Arme vor der Brust gekreuzt, stand er hinter den h�chsten Zinnen des Gelben Turms und sah auf die ziehenden Wolken hinab. Sein Blick wanderte �ber die schneebedeckten Gipfel, die in der Ferne zu blauen Schemen verblassten. Ihr Refugium lag hoch an einer grauen Bergflanke. Unerreichbar f�r Menschen. Ein Turm inmitten der Einsamkeit, fast schon in den Himmel gebaut.</p><p>Der Sturmwind blies blasse Schneeschleier von den Gipfeln heran. Der L�wenh�uptige sp�rte das Prickeln der feinen Eiskristalle, die wie winzige Dornen in seinen R�cken stachen. Die K�lte vermochte ihm nichts anzuhaben. Er dachte an die fernen Tage der Weltensch�pfung zur�ck. An die Tage, als sie alle noch mit einer Stimme gesprochen hatten, als Harmonie zwischen ihnen herrschte und ihrer aller Wille eins war. So viel Zeit war seitdem vergangen.</p><p>Die Devanthar waren auf der h�chsten Plattform des Gelben Turms versammelt, doch jeder blickte in eine andere Richtung, hing seinen eigenen Gedanken nach. Von ihrer Gemeinsamkeit war wenig geblieben�� nur die Einsicht in die Notwendigkeit, sich gemeinsam jenem Feind zu stellen, den sie gestern unn�tig herausgefordert hatten. Jetzt bedauerte es der L�wenh�uptige, sich nicht entschiedener gegen den Angriff auf die Blaue Halle ausgesprochen zu haben. Zumindest, als sie gemerkt hatten, dass unten in den Gew�lben eine der Regenbogenschlangen weilte. Sie waren gekommen, um jene Elfen zu vernichten, die als Spitzel nach Daia kamen. Ein durch und durch gerechtfertigtes Ansinnen. Doch indem sie einen der gro�en Drachen t�teten, hatte der Streit eine neue Dimension angenommen. Was sie getan hatten, mochte die Alben aus ihrer seltsamen Lethargie rei�en.</p><p>Er begriff die Beweggr�nde der Sch�pfer Albenmarks nicht. Sie schienen kein Interesse mehr an ihrem Werk zu haben. Sie hatten geduldet, dass die Devanthar den alten Pakt gebrochen hatten und Nangog besiedelten. Aber w�rden sie auch die Ermordung eines ihrer Statthalter hinnehmen? Was w�rde geschehen, wenn ihre unbedachte Tat die schlafenden G�tter Albenmarks aufschreckte? Sicher dachten viele seiner Br�der und Schwestern im Augenblick ganz �hnlich.</p><p>Der L�wenh�uptige trat an die Br�stung des Turms und blickte auf das Schneegest�ber tief unter sich. Irgendwo dort unten am Berghang, mehr als eine Meile entfernt, befand sich der gro�e Albenstern, von dem ein schmaler Saumpfad hinauf zu ihrer einsamen Bergfestung f�hrte. Wer keine Fl�gel hatte, konnte nur durch den Albenstern zu dem unzug�nglichen Tal gelangen, das sie sich als Residenz erschaffen hatten. Sie w�rden jeden Angreifer lange im Voraus kommen sehen. Hier war es unm�glich, sie zu �berraschen, und so blieb ihnen Zeit, sich zu sammeln und die innere Ruhe zu finden, die n�tig war, um ihre Kr�fte zu vereinen.</p><p>Ein Devanthar allein mochte f�r eine Himmelsschlange leichte Beute sein, aber verbanden sie sich zu einer Einheit, vervielfachten sich ihre Kr�fte. Das war die Macht, die aus einem Gedanken eine ganze Welt erschaffen hatte!</p><p>Der L�wenh�uptige sp�rte, wie sich seine Schwester Anatu in ihrem kn�chernen Gef�ngnis regte. Heute schwieg die Versto�ene, deren Wehklagen vom Wind manchmal bis hin zu den Ausl�ufern der Schwarzen W�ste getragen wurde. Auch sie sp�rte, dass etwas vorgefallen war. Vielleicht sollten sie ihr verzeihen. So viele Jahrhunderte dauerte nun schon ihre Gefangenschaft.</p><p>Der L�wenh�uptige wandte sich von der Br�stung ab und sah zu seiner Schwester I�ta hin�ber. Sie sp�rte seinen Blick und wandte sich um. Ihrer Unbesonnenheit hatten sie es zu verdanken, dass sie nun alle Gefangene des Gelben Turms geworden waren, denn nirgendwo anders w�ren sie so sicher wie hier. Nach dem Tod des Himmlischen hatte Ist� sie davon �berzeugt, dass die Himmelsschlangen in ihrem blinden Zorn hierherk�men, wenn sie eine Spur zur�cklie�en, die un�bersehbar war. Sie hatten sich nur gerade so viel M�he gegeben, die F�hrte ihrer Magie auf den Goldenen Pfaden zu verwischen, dass nicht allzu offensichtlich war, dass sie die gro�en Drachen hierherlocken wollten.</p><p>Der L�wenh�uptige fragte sich, ob I�ta diese Krise mit voller Absicht heraufbeschworen hatte. Hatte sie gewusst, dass der Himmlische dort sein w�rde? War sein Tod vielleicht ihr eigentliches Ziel gewesen?</p><p>I�tas Verfehlung, den eigenen Unsterblichen vor den Augen Tausender Menschenkinder enthauptet zu haben, war bedeutungslos in Anbetracht der Probleme, derer sie sich nun zu stellen hatten. Vielleicht w�rde die Furcht vor der Rache der Alben sie enger zusammenr�cken lassen und letzten Endes erwuchs aus I�tas Intrige sogar etwas Gutes. Doch das konnte ganz gewiss nicht ihre eigentliche Intention gewesen sein. Sie war niemand, der Gutes tat�� es sei denn sich selbst.</p><p>Seine Schwester betrachtete ihn mit selbstgef�lligem L�cheln. Sie war sich vollkommen bewusst, dass sie ihren Kopf aus der Schlinge gezogen hatte, denn f�r innere Fehden war nun nicht der Zeitpunkt. Und daran w�rde sich gewiss f�r lange Jahre nichts �ndern. Sie hatte einen G�tterkrieg heraufbeschworen, um ihre Macht zu retten! Sie sollte es sein, die auf immer in das Gef�ngnis aus Drachenbein gesperrt wurde.</p><p>�Nun, Bruder, bist du auch entt�uscht, dass die Regenbogenschlangen offensichtlich den Kampf mit uns f�rchten?�</p><p>�Ich w�rde eher sagen, sie waren nicht so dumm, in unsere Falle zu tappen. Ja, ich frage mich sogar, ob nicht wir es sind, die sich ausman�vriert haben.�</p><p>I�ta schnaubte ver�chtlich. �Wir sind hier unangreifbar.�</p><p>�Und wir sind blind f�r das, was in der Welt geschieht�, entgegnete der L�wenh�uptige. �Wir alle konnten in der Nacht sp�ren, wie das Goldene Netz vibrierte. Es m�ssen mehr als hundert Albensterne ge�ffnet worden sein. Die Kinder der Alben waren �berall in dieser Nacht.�</p><p>�F�rchtest du etwa Kobolde, Elfen und Kentauren?�, spottete I�ta.</p><p>�Sie sind die Pfeile. Ich f�rchte den Bogensch�tzen, und mich beunruhigt, nicht zu wissen, auf welches Ziel er angelegt hat.� Der L�wenh�uptige wandte sich ab und trat wieder an die Zinnen. Es brachte nichts, mit I�ta zu streiten. Er wusste, dass einige seiner Br�der und Schwestern auf seiner Seite waren. Doch viele folgten auch I�ta.</p><p>�Was k�nnen sie schon ausrichten, Bruder? Unsere Unsterblichen werden gut bewacht.�</p><p>Dummes Geschw�tz! Er erinnerte sich noch gut daran, wie eine einzelne Elfe den Unsterblichen Aaron von seinem Wolkenschiff in die Tiefe gest�rzt hatte. Ein Meuchler, der bereit war, sein eigenes Leben zu opfern, konnte fast alles erreichen. Sollten drei oder vier ihrer Unsterblichen ermordet werden, dann w�re das Gleichgewicht der M�chte zerst�rt. B�rgerkriege w�rden ausbrechen, und die Menschenkinder w�rden den Glauben an ihre G�tter verlieren.</p><p>�Keiner der silbernen L�wen ist gekommen, Bruder. G�be es schlechte Nachrichten, w�rden sie uns erreichen.�</p><p>Der L�wenh�uptige �ffnete seinen Blick f�r die magische Welt, in der kein Schneegest�ber seine Sicht tr�bte, und sah noch einmal hinab zu der Felsterrasse weit unter ihnen, wo sich sieben Albenpfade zu einem gro�en Stern kreuzten. I�ta hatte recht. Die silbernen L�wen w�rden sie benachrichtigen, wenn einer der Unsterblichen angegriffen wurde.</p><p>�Mir behagt es nicht, hier abzuwarten, was unsere Feinde tun werden.�</p><p>�Ist Geduld nicht die erste Tugend eines Kriegers?�, spottete I�ta. �Bist du vielleicht kein Krieger mehr?�</p><p>Ungewollt entstieg ein leises Grollen seiner Kehle. Er durfte sich nicht zu Gewaltt�tigkeiten hinrei�en lassen. Worte mussten gen�gen. �Wir sitzen in einer belagerten Festung, Schwester. Willst du uns das als einen Sieg verkaufen? H�ltst du uns f�r dumm?�</p><p>Sie deutete mit weit ausholender Geste zu den Zinnen. �Siehst du dort drau�en einen Feind? Ich nicht.�</p><p>�Steht es uns vielleicht frei, den Gelben Turm zu verlassen und zu gehen, wohin wir wollen?�, mischte sich der Ebermann ein. �Allein ist jeder von uns verwundbar. Und wenn eines gewiss ist, dann dass die Himmelsschlangen Jagd auf uns machen werden. Und vielleicht auch die Alben.�</p><p>�Es steht uns frei, gemeinsam zu gehen, wohin wir wollen.� Auch I�tas hochm�tige Miene vermochte nicht dar�ber hinwegzut�uschen, wie hohl ihre Worte waren. Schweigen lastete auf den Devanthar.</p><p>Der L�wenh�uptige dachte an den Unsterblichen Aaron. So hart hatte sein Mensch daf�r gek�mpft, vor sie treten zu d�rfen und ihnen seine Ideen darzulegen. Was w�rde er wohl von ihnen halten, wenn er sie jetzt so sehen k�nnte. Was Aaron in diesem Augenblick wohl tat? Er musste sich verraten f�hlen, wenn er sich ihm nach dem blutigen Sieg auf der Ebene von Kush nicht zeigte. I�ta hatte den falschen Augenblick f�r ihren Schlag gegen die Elfen gew�hlt. Hoffentlich hatten sie am Ende nicht mehr verloren als gewonnen.</p><p>�Was drucksen wir hier herum?�, maulte Langarm, der gedrungene Schmied, den manche sp�ttisch auch den Affen nannten, weil ihm das Haar dicht wie Fell auf dem Leib wuchs. Doch trotz seiner ungeschlachten Gestalt und seines ungehobelten Auftretens vermochte er wahre Wunder in seiner Schmiedewerkstatt zu vollbringen und war so erfindungsreich wie kein anderer unter ihnen. All ihre Waffen waren von ihm erschaffen, ebenso ihre R�stungen und ihr Schmuck. So duldeten sie seine Ausf�lle, denn keiner wollte riskieren, bei ihm in Ungnade zu fallen.</p><p>�Sprechen wir doch offen aus, was I�ta uns eingebrockt hat. Wir sitzen bis zum Hals in der Schei�e, weil ihr das Schwert locker sa�. Und wenn wir jetzt eine falsche Bewegung machen, dann versinken wir ganz und gar in der Kloake, in die sie uns hineingef�hrt hat.�</p><p>�Deine �beraus geschliffene Rhetorik ist uns eine willkommene Bereicherung. Wie immer erweitert es den Horizont, dir zu lauschen�, entgegnete I�ta k�hl. �Doch verschlie�e dich bitte nicht den einfachen Tatsachen, mit denen wir konfrontiert waren. Die Himmelsschlangen hatten am Hof eines jeden Unsterblichen ihre Elfenspitzel eingeschleust. Warum wohl haben sie uns ausgesp�ht? Sie wollten uns vernichten! Wir hatten gar keine andere Wahl, als zuzuschlagen. Zu warten h�tte bedeutet, dass wir uns ihrer Gnade ausliefern. Wir mussten dieses Spitzelnetz zerschlagen und so unseren Feinden die Augen herausrei�en. Und dass wir dabei eine der verfluchten Regenbogenschlangen t�ten konnten, betrachte ich als gro�en Sieg.</p><p>Gut, sie sind uns nicht in die Falle getappt und in blindem Zorn hierhergefolgt, wo wir unseren Sieg h�tten vollkommen machen k�nnen. Aber wei�t du, was ich glaube? Bei ihnen herrscht heillose Panik. Ihre Elfen fl�chten durch das Goldene Netz und suchen nach L�chern, in denen sie sich vor uns verkriechen k�nnen.�</p><p>Langarm rollte mit den Augen. �Ich beuge mein Haupt vor deinem Talent, Schei�e sch�nzureden, Schwester I�ta. An eine Panik unter unseren Feinden glaube ich nicht. Wei�t du, was ich t�te, wenn ich eine Pfeilspitze verstecken wollte? Ich w�rde hundert gleiche Pfeilspitzen schmieden und die eine, die nicht gefunden werden darf, darunterlegen.�</p><p>�Was interessieren uns jetzt Pfeilspitzen, Langarm?�, fragte I�ta von oben herab. �Bleib lieber bei Esse und Amboss. Mir scheint, du konntest dem, wor�ber wir gerade gesprochen haben, nicht ganz folgen.�</p><p>�Ich wollte lediglich im Bild bleiben, das unser l�wenh�uptiger Bruder gepr�gt hat. Auch ich glaube, dass unsere Feinde in der letzten Nacht hundert Pfeile abgeschossen haben, um uns von dem einen abzulenken, der mit einem t�dlichen Gift bestrichen wurde. Ich hoffe, er hat sein Ziel noch nicht gefunden. Ich jedenfalls werde nicht mehr l�nger unt�tig hier oben herumstehen. Ich steige hinab in meine Schmiede. Wir sind im Krieg, Br�der und Schwestern, und es wird der Tag kommen, an dem wir gezwungen sein werden, diesen Turm zu verlassen. Ich werde daf�r sorgen, dass wir f�r diesen Tag gewappnet sind.�</p></section><section><title><p>Die Zinnernen</p></title><p>Verzweifelt wandte Artax sich vom Altarstein ab. Fast die ganze Nacht hatte er auf dem H�gel hinter dem Heerlager den L�wenh�uptigen angerufen. Am Abend zuvor hatte es ein gro�es Dankesfest f�r die G�tter gegeben. Zehn Stiere waren dem L�wengott geopfert worden. Der Wein war in Str�men geflossen, doch der Devanthar zeigte sich nicht.</p><p><emphasis>Vielleicht erwarte ich zu viel</emphasis>, dachte Artax bitter. Auch wenn er sich Unsterblicher nannte und das Volk ihn f�r einen engen Vertrauten des L�wenh�uptigen hielt, wusste er nur zu genau, dass er all dies nicht war.</p><p><emphasis>Du solltest �fter trinken, das verhilft dir zu Weisheit</emphasis>, spotteten die Stimmen Aarons in seinen Gedanken.</p><p>Artax versuchte, Aaron zu ignorieren und sich nicht anmerken zu lassen, wie entt�uscht er war. Der Devanthar w�rde kommen. Er war ein Gott. Er stand zu seinem Versprechen. Ganz sicher!</p><p><emphasis>Du Narr! Genau, er ist ein Gott! Er tut, was er will.</emphasis></p><p>Artax gr��te eine Gruppe Krieger, die sich ehrerbietig verneigte, als er vor�berging, und war froh, als er schlie�lich in sein Zelt gelangte. Er war zu Tode ersch�pft. Die ganze Nacht hatte er bei dem Altar gewacht und auf Zwiesprache mit dem Devanthar gehofft.</p><p>Auf dem Tisch in seinem Zelt waren die Berge von Papyri und Tontafeln �ber Nacht in ungeahnte H�hen gewachsen. Fl�chtig �berflog er ein paar der Texte. Bittgesuche, Listen mit Gefallenen, ein Bericht �ber ein gro�es Feuer in einer Hafenstadt, die er nur dem Namen nach kannte. Er w�nschte sich, Datames w�re noch hier. Sein Hofmeister hatte ihm so vieles vom Hals gehalten. Nur die wichtigsten Dokumente waren auf seinem Tisch gelandet. Datames hatte die Verantwortung �bernommen zu entscheiden, was von Bedeutung war und was nicht. Die Schreiber und Lagerverwalter, die�� wie er auch�� nun ohne den Hofmeister auskommen mussten, wagten es nicht, solche Entscheidungen zu f�llen.</p><p>�Herr, habt Ihr Euch einen Augenblick von Eurer Zeit f�r mich?�</p><p>M�de l�chelnd blickte Artax auf. Volodi! Er war also zur�ckgekehrt.</p><p>Doch im Eingang des Zeltes stand Kolja. Der Unsterbliche seufzte, versuchte sich aber die Entt�uschung, die er beim Anblick des einarmigen Faustk�mpfers empfand, nicht allzu deutlich anmerken zu lassen. �Was ist dein Begehr, Hauptmann?�</p><p>Kolja trat ein und hob einen prall gef�llten Lederbeutel hoch. �Es geht sich um die Zinnernen, Herr. Du erinnerst dich an was versprochen? Dreimal wir sollten k�mpfen f�r dich, weil hatten wir versenkt deine Schiffe mit Zinn. Hast du uns gegeben eine M�nze von Zinn uns zu erinnern, nach jedem Kampf. Und jede der M�nzen hat sich ein anderes Bild. Datames hat sich noch gie�en Lanzen M�nzen f�r diesen Kampf und sie gegeben, bevor er sich verschwand. Wer sich gesammelt hat drei M�nzen, hat sie nun gegeben mir als Beweis, dass sich der Pakt erf�llt hat.� Kolja lie� den Beutel klimpern. �H�ltst du dich dein Versprechen, Herrscher von Schwarzk�pfen?�</p><p>Artax starrte den Lederbeutel an. Er hatte nicht damit gerechnet, dass ihn die Zinnernen verlassen w�rden. Er hatte ihnen gutes Gold versprochen. Dass ein paar Heimweh nach dem Meer bek�men, hatte er erwartet. Bilder an die Nacht, als er sich allein den Piraten gestellt hatte, die seine Zinnflotten versenkt hatten, erschienen vor seinem inneren Auge. Seitdem waren die Zinnernen und er einen langen Weg gemeinsam gegangen. Er r�usperte sich. �Wie viele sind es?�</p><p>�Wir haben unser Blut viel vergossen in diesen verfluchten W�stensand, Unsterblicher. Es sind zweihundertsiebenunddrei�ig, die gehen wollen. Neunzehn wollen bei dir bleiben, die meisten sind sich verwundet. Ein Hand voll Narren hat Heimweh nach den aegilischen Inseln. Sie werden sich Karawanen anschlie�en, die zur K�ste ziehen.�</p><p><emphasis>Da ist etwas faul</emphasis>, fl�sterten die Stimmen der Aarons in seinen Gedanken. <emphasis>Sie sind S�ldner, und du hast deine letzte Schlacht geschlagen. Wir werden Frieden haben, das hei�t, in deinem Dienst w�rden sie gutes Gold bekommen, ohne daf�r ihre Haut zu riskieren. Da l�uft irgendein krummes Ding. Lass Kolja ein wenig foltern. Ich bin sicher, er wird dir erz�hlen, was dahintersteckt. Gut, er ist ein harter Bursche. Ein oder zwei Tage wird es dauern, und es wird ihn vielleicht ein paar Finger und die Nase kosten, aber am Ende wird er reden. Alle reden irgendwann.</emphasis></p><p>�Hast du eine Ahnung, wo Volodi steckt?�</p><p>Kolja sah ihm fest in die Augen. �Leider nicht, Unsterblicher. Ich habe mich auch schon besorgt. Ist er sich am Abend nach der Schlacht zum letzten Mal gesehen worden.�</p><p>Artax nickte, obwohl er das Gef�hl hatte, dass Kolja ihn belog. �Wirst du bleiben?�</p><p>�Die M�nner haben mich gebeten, mit ihnen nach Nangog zu gehen. Sie glauben sich, dass dort das Gold auf der Stra�e liegt, wenn man ein mutiges Herz hat. Ich werde mein Auge auf sie haben. Wir werden in der Goldenen Stadt sein, und solltet Ihr ein paar erfahrene Schwerter f�r eine heikle Mission brauchen, werden wir uns Euch immer gern zu Diensten stehen, Unsterblicher Aaron.�</p><p><emphasis>Sie werden sich in der Goldenen Stadt als S�ldner verdingen, und deine Feinde werden sie gerne anwerben. Diese M�nner standen dir nahe. Sie wissen zu viel �ber dich, den Palast, die St�rken und Schw�chen unseres Reiches. Du kannst nicht zulassen, dass deine Feinde all das kaufen k�nnen. Lock sie in einen Hinterhalt, und bring sie alle um!</emphasis></p><p>Artax griff nach einer in Holz gefassten Wachstafel und ritzte mit einem Elfenbeingriffel einige Zeilen in das weiche Wachs. Ohne ein Wort zu sagen, setzte er sein Siegel unter den Text und reichte Kolja die Tafel.</p><p>Der h�nenhafte Krieger �berflog die Zeilen und nickte zufrieden.</p><p>�Geh damit zu Datames��� Artax stockte. �Ich meine nat�rlich zum H�ter der Reichssiegel. Er wird dir und den anderen den noch ausstehenden Sold aush�ndigen.�</p><p>�Wollt Ihr nicht richten einige Worten an die M�nner? Sie haben viel f�r Euch getan.�</p><p>�Die, die mit mir nach Ak�u gehen, werden dort mit Gold und Ehren �berh�uft werden. Ihr habt euch entschieden, nicht dazugeh�ren zu wollen. Was sollte ich den M�nnern sagen? Dass ich entt�uscht bin, dass sie am Ende doch nur S�ldner waren?�</p><p>Kolja klemmte sich die Wachstafel unter den Arm und verneigte sich knapp.</p><p>�Du hast die Erlaubnis zu gehen, Kolja. M�gen die G�tter dir ein langes Leben schenken.�</p><p>Der H�ne wandte sich zackig um und verlie� das Zelt.</p><p><emphasis>Gro�artig! Du verstehst wirklich, wie man sich Freunde macht. Diesen Abschied wird er so schnell nicht vergessen. Ich w�rde dir raten, die Bogensch�tzen aus den Bergen zu rufen und��</emphasis></p><p>Artax blendete die geh�ssige Stimme in seinem Kopf aus und trat zum halb aufgeschlagenen Zelteingang. Er sollte die verbliebenen Zinnernen nicht mehr unter seinen Leibwachen dulden. Bestimmt hatte Kolja einige Spitzel zur�ckgelassen. Zu wissen, was im engsten Umfeld eines Unsterblichen geschah, konnte Gold wert sein.</p><p>�Ashot!� Er winkte seinem ehemaligen Freund aus Belbek. Ashot wirkte noch m�rrischer als sonst. Er hatte sich offensichtlich seit Tagen nicht rasiert. Sein Haupthaar hing ihm in wirren Str�hnen in die Stirn, und sein Leinenpanzer war voller Staub. Seit sie seinen toten Jugendfreund Narek nach Belbek zur�ckgebracht hatten, lie� er sich gehen. F�r einen Hauptmann, der den Befehl �ber mehr als tausend Mann hatte, war das nicht akzeptabel. Er w�rde ihm das nicht mehr lange durchgehen lassen.</p><p>�Unsterblicher!� Ashot nahm vor ihm Haltung an.</p><p>�Die Zinnernen verlassen uns, Hauptmann, und von den Himmelsh�tern sind zu viele im Kampf gefallen. Du versammelst all jene, die noch �brig sind, und dann suchst du nach M�nnern, die sich in der Schlacht hervorgetan haben. M�nner, die weitergek�mpft haben, als andere flohen, die ihr Leben riskiert haben, um ihre Kameraden zu sch�tzen. Lass dich von Mataan beraten. Ich sch�tze, er hat ein gutes Auge daf�r, wer ein aufrichtiger Kerl ist. Ich brauche eine neue Leibgarde. Tausend M�nner sollen es sein. Und sie alle m�ssen in dieser Schlacht gek�mpft haben. Ich werde sie die Kushiten nennen, nach dieser Ebene, auf der sie mit ihrem Blut daf�r bezahlt haben, eine gerechtere Welt zu erschaffen.�</p><p>Ashot r�usperte sich. �Wollt Ihr ehrenhafte M�nner oder gute Krieger, Herrscher aller Schwarzk�pfe?�</p><p>�Sie sollen beide Eigenschaften in sich vereinen.�</p><p>Der Hauptmann stie� einen leisen Seufzer aus und strich sich �ber sein stoppeliges Kinn. �Ehrenhafte M�nner, die gut darin sind, anderen die Kehle durchzuschneiden. Das ist wahrlich eine Herausforderung. H�ttet Ihr mich darum gebeten, die gr��ten Halunken zu finden, dann���</p><p>�Wenn es denn Halunken sein m�ssen, dann will ich ganz sicher sein, dass es <emphasis>meine</emphasis> Halunken sind, dass sie niemand anderem dienen. Ich werde sie f�rstlich belohnen und mit Privilegien �bersch�tten, aber sie m�ssen unverbr�chlich zu mir stehen. Gemeinsam mit Mataan wirst du diese neue Garde anf�hren. Ich werde dich in den Rang eines Satrapen erheben, damit die M�chtigen des Reiches dir mit dem geb�hrenden Respekt begegnen.�</p><p>Ashot l�chelte zynisch. �Satrap soll ich sein? Ich, der Sohn eines gescheiterten Schweinez�chters aus einem Dorf, dessen Namen niemand kennt? Verzeiht, Herrscher aller Schwarzk�pfe, aber ein Titel ist nur ein Wort. Glaubt nicht, dass die in Seidenwindeln Geborenen mich respektieren werden, weil Ihr mich zum Satrapen ernennt. Vielleicht werde ich mir durch meine Taten Respekt verschaffen, zum Beispiel hiermit.� Er schlug mit der flachen Hand auf das Schwert an seiner Seite. �Doch das wird dauern. Respekt muss man sich verdienen.�</p><p>Artax stand nicht der Sinn danach zu philosophieren. Er war m�de und entt�uscht. Er wollte ein paar Stunden Ruhe. Doch eins galt es noch zu erledigen.</p><p>�Ich habe eine weitere Aufgabe f�r dich. Du suchst mir Mikayla, den Wagenlenker von Hauptmann Volodi. Wenn er seine Sachen packt und mit den Zinnernen ziehen will, dann lass ihn in Frieden. Tut er das nicht, soll er sich zur Mittagsstunde in meinem Zelt einfinden.�</p></section><section><title><p>Er schuldet mir noch einen Abschied</p></title><p>Artax hatte das Gef�hl, gerade erst eingeschlafen zu sein, als ihn laute Stimmen vor dem Zelt weckten.</p><p>�� aber es war sein Wille, dass ich mich hier einfinde.�</p><p>�Davon wei� ich nichts�, entgegnete ein Bass. �Nur eine Handvoll Vertrauter haben freien Zugang zum Unsterblichen. Du wirst dir irgendwo einen schattigen Platz suchen und warten, bis man dich ruft.�</p><p>�Aber ich bin doch gerufen worden, du Dicksch�del!�</p><p>�Davon wei� ich nichts, und deshalb wirst du warten wie jeder andere auch, Goldl�ckchen.�</p><p>Artax erhob sich und griff nach dem Krug auf seinem Arbeitstisch. Das Wasser darin war warm und abgestanden. Er nahm einige Schlucke und sch�ttete den Rest in eine flache Schale. Mit beiden H�nden benetzte er sein Gesicht und seinen Bart mit dem lauwarmen Nass. Es erfrischte ihn kaum.</p><p>�Wachmann! Schick mir den Drusnier herein.� Seine Stimme klang rau. Er freute sich darauf, diese verdammte staubtrockene Hochebene endlich verlassen zu k�nnen. Kurz dachte er an Shaya. An die wenigen kostbaren Stunden, die sie gemeinsam auf dem R�cken des Wolkensammlers verbracht hatten. Er schloss die Augen und sah ihr lachendes Gesicht. Sah, wie sie f�r ihn jenen seltsamen H�pftanz aufgef�hrt hatte�� Und dann h�rte er die Stimme Muwattas: <emphasis>Ich habe deine Prinzessin bestiegen. Und mein halbes K�nigreich hat zugesehen.</emphasis></p><p>Artax ballte in verzweifelter Wut die H�nde zu F�usten. Er war der m�chtigste Mann der Welt, aber die, die ihm alles bedeutete, hatte er f�r immer verloren.</p><p>�Herr?�</p><p>Artax blickte auf. Vor ihm stand ein schlanker, junger Krieger. Anders als Volodi und Kolja wirkte Mikayla eher drahtig als kr�ftig. Er trug einen himmelblauen Wickelrock, der von einem protzigen, goldbeschlagenen G�rtel gehalten wurde, in dem zwei Dolche steckten. Ein breiter Gurt lief quer �ber seine nackte Brust. �ber seiner rechten Schulter ragte der Griff eines Schwertes auf, halb verdeckt von seinem schulterlangen, wei�blonden Haar. Das bartges�umte Gesicht des Drusniers war schmal. Es wirkte offen und ehrlich.</p><p>�Du gehst nicht mit Kolja?�, fragte Artax.</p><p>�Ich bin Volodis Mann. Sein Wagenlenker�� Kolja schulde ich keine Gefolgschaft. Genau genommen geh�re ich nicht einmal zu den Zinnernen. Ich bin erst vor einigen Monden zu ihnen gesto�en. Zu den alten K�mpen geh�re ich nicht.� Er zuckte bedauernd mit den Schultern. �Ich habe erst in einer einzigen Schlacht f�r Euch gek�mpft, Herrscher aller Schwarzk�pfe.�</p><p>�Ich sehe keinen Nachteil darin, dass du nicht zu den Piraten geh�rst, die meine Zinnflotten versenkt haben�, entgegnete Artax kurz angebunden. �Ich habe eine Aufgabe f�r dich, Mikayla. Finde Volodi, und bring ihn zu mir. Er schuldet mir noch einen Abschied.�</p><p>Der Wagenlenker runzelte die Stirn, sagte aber nichts.</p><p>�Traust du dir zu, ihn zu finden?�</p><p>�Ich werde mein Bestes geben, Herrscher aller Schwarzk�pfe.� Obwohl der Drusnier dem�tig sein Haupt senkte, hatte er etwas �berhebliches an sich, und Artax hatte pl�tzlich Zweifel, ob Mikayla seinen Freund Volodi ausliefern w�rde, wenn er ihn fand. �Den Hauptmann erwartet keine Strafe. Ich schicke dich aus, weil ich in Sorge um ihn bin. Einfach wortlos zu gehen, ist nicht Volodis Art. Es ist���</p><p>Die Plane am Eingang wurde zur�ckgerissen. �Herr!� Ashot st�rmte herein. Blut lief �ber sein Gesicht. �Herr, wir sind verraten worden!�</p></section><section><title><p>Verrat</p></title><p>�Bessos konnte fliehen. Die M�nner, die ihn bewachen sollten, sind zu ihm �bergelaufen. Auch der H�ter der Reichssiegel, etliche andere W�rdentr�ger und der Satrap von Nari sind zu ihm �bergewechselt. Sie haben den Reichsschatz gestohlen und befinden sich auf dem Weg zu den Luwiern. Ich war beim trockenen Fluss, als ich sie kommen sah. Ich habe versucht, sie aufzuhalten.� Ashot senkte den Kopf. �Es war ein kleines Heer.�</p><p>Artax schloss kurz die Augen.</p><p><emphasis>Wir haben dir geraten, ihn zu t�ten. Von Kerlen wie Bessos hat man nichts Gutes zu erwarten. H�ttest du seinen Kopf auf einen Speer vor deinem Zelt gesteckt, w�re dir dieser Verrat erspart geblieben. Als I�ta den Unsterblichen Muwatta enthauptet hat, haben alle sehen k�nnen, dass wir nicht unbesiegbar sind. Nun werden sie dich auf die Probe stellen und versuchen, dein Blut zu vergie�en. Die Flucht des Bessos wird ein Zeichen f�r alle unzufriedenen Satrapen sein, sich gegen dich zu erheben. Und durch deine verr�ckten Gesetze, den armen Bauern Land zu schenken, hast du daf�r gesorgt, dass fast alle deine Satrapen unzufrieden sind.</emphasis></p><p>Verzweifelt k�mpfte er gegen den Impuls an, sich mit beiden H�nden an die Schl�fen zu greifen. Er wollte diese Stimmen nicht h�ren. Und doch wusste er tief in seinem Herzen, dass sie recht hatten. Er nickte dem drusnischen Wagenlenker zu. �Du wei�t, was du zu tun hast, Mikayla. Geh!� Dann wandte er sich an Ashot. �Wie viele folgten Bessos?�</p><p>�Ich wei� es nicht�� Vielleicht hundert Streitwagen und auch einiges an Fu�volk.�</p><p>�Ruf meine Leibwache, und lass meinen Streitwagen anschirren!�</p><p>Ashot sch�ttelte den Kopf. �Das werde ich nicht tun, Herr. Lasst mich vierteilen oder pf�hlen, aber ich werde Euch nicht helfen, Euch umzubringen. Ihr wollt allein in das Heerlager der Luwier? Nachdem Ihr sie gedem�tigt habt? Keiner kennt den Unsterblichen Labarna. Niemand wei� zu sagen, ob er ein Mann von Ehre ist.�</p><p>Artax war �berrascht, mit welcher Leidenschaft Ashot auftrat. �Ich werde meine R�stung anlegen und meinen Streitwagen anschirren lassen. Eine Stunde gebe ich dir, ein angemessenes Gefolge zusammenzustellen. Es soll eindrucksvoll sein, aber nicht so gro�, dass die Luwier glauben k�nnten, wir greifen wieder an. Und lass deine Wunde versorgen. Das sieht �bel aus.�</p><p>�Nur eine Schramme, Herr. Kopfwunden bluten stark. Ich werde mit Euch gehen.�</p></section><section><title><p>Von Freiheit und Rache</p></title><p>Bamiyan war immer noch ersch�ttert. Den Tr�nen nahe blickte er auf den toten Schamanen. Solange er zur�ckdenken konnte, war Gatha der Sprecher des Steinrates gewesen. Sein Wort hatte entschieden, was Recht war. Alle St�mme in den Bergen Garagums hatten sich seinem Willen unterworfen. Er war ein harter Mann gewesen, aber auch ein Friedensstifter.</p><p>�Es muss Barnaba gewesen sein. Ich habe Spuren eines Mannes gefunden, der sich auf einen Stock st�tzt. Sie f�hren in Richtung des Schlangentores�, sagte er.</p><p>�Auch ich kann F�hrten lesen�, entgegnete Ormu. Der rotb�rtige J�ger schnippte einige der Maden zur Seite, die aus dem klaffenden Schnitt im Hals des Schamanen hervorquollen und betrachtete die Wunde nachdenklich. �Ich finde, du bist etwas vorschnell mit deiner Meinung. Seit der Schlacht gibt es viele M�nner, die sich auf eine Kr�cke st�tzen.�</p><p>Bamiyan verstand die Zur�ckhaltung des J�gers nicht. �Gatha muss seinen M�rder gekannt haben. Einen Fremden h�tte er niemals so nahe an sich herangelassen, dass er ihm mit einem �berraschenden Schnitt die Kehle durchtrennen kann.�</p><p>Ormu nickte. �Das klingt einleuchtend.�</p><p>�Und seit wir ihn von der Daimonin befreit haben, war der Heilige Mann seltsam. Hast du seine Augen gesehen?� Bamiyan fuhr jetzt noch ein Schauer �ber den R�cken, wenn er an die Blicke Barnabas dachte. �Er war immer noch besessen!�</p><p>Ormu sah ihn lange an. Seine dunklen Augen waren wie Abgr�nde. Ihn schien der Mord an Gatha �berhaupt nicht zu ber�hren. Vielleicht dachte er schon dar�ber nach, wie er sich zum Sprecher des Steinrates aufschwingen konnte.</p><p>�Nehmen wir einmal an, der Heilige Mann war der M�rder.� Er hob einen Arm des Toten an und lie� ihn wieder zu Boden sinken, was Bamiyan als ziemlich respektlos empfand. �Gatha ist nicht mehr starr. Er ist also schon l�nger als einen Tag tot. Die vielen Maden sprechen auch daf�r. Ein Tag! Und unser M�rder ist durch das Schlangentor geflohen. In der Zeit wurden Wege nach Ak�u und Nari ge�ffnet, zur Tempelstadt Isatami in Luwien und ins ferne Nangog, und wer wei�, wohin sonst noch. Tausende M�nner sind durch dieses Tor geschritten, viele verletzt und auf einen Kr�ckstock gest�tzt. Wie willst du Barnaba finden? Du k�nntest dein ganzes Leben mit der Suche nach ihm vergeuden, ohne ihm jemals nur nahe zu kommen. Welchen Sinn h�tte das?�</p><p>Bamiyan war fassungslos. �Es ist eine Frage der Ehre, Gatha zu r�chen. Wir d�rfen den M�rder nicht einfach so davonkommen lassen.�</p><p>Ormu wiegte nachdenklich den Kopf. �Rache ist eine Frage der Ehre? War es deine Aufgabe, Gatha zu besch�tzen? Seid ihr blutsverwandt gewesen?� Er runzelte die Stirn. �Davon wusste ich gar nichts.�</p><p>�Du wei�t, dass wir nicht verwandt sind.� Ormu war ein Mitglied des Steinrates. Er schuldete ihm Respekt. Deshalb duldete er dieses Spiel. Jeden anderen h�tte er f�r solche Frechheiten zum Duell gefordert.</p><p>�berhaupt verstand er diesen J�ger nicht. War er zu einf�ltig oder zu schlau? Als Mitglied des Steinrates wohl eher Letzteres. Bamiyan ma� ihn mit missbilligendem Blick. Ormu war fast einen Kopf gr��er als er und hager wie ein d�rrer Ast. Er schien nur aus Knochen, Haut und Sehnen zu bestehen. Eine Laune der Natur hatte ihm einen roten Bart geschenkt, obwohl sein Haupthaar schwarz und mit ersten wei�en Str�hnen durchsetzt war. Er trug abgewetzte Lederkleidung und einen stinkenden Umhang aus Ziegenfell. Neben ihm auf dem Boden lag der gr��te Bogen, den je ein Mann in Garagum besessen hatte. Man musste ein Riese wie Ormu sein, um ihn spannen zu k�nnen. Er war als J�ger eine Legende und der j�ngste Mann, der je in den Steinrat aufgenommen worden war.</p><p>Bamiyan lie� seinen Blick zum Griff des Messers schweifen, das aus Ormus G�rtel ragte. Er war aus einem der Knochen des Heiligen Zarud gefertigt. Es gab nur neun Messer wie dieses. Sie waren die Ehrenzeichen der Mitglieder des Steinrates. Wenn einer der W�rdentr�ger seinen Tod nahen f�hlte, w�hlte er einen Nachfolger. Es gab keinen anderen Weg, in den ehrw�rdigen Rat zu gelangen, der �ber den Frieden der Bergst�mme Garagums wachte. Auch im G�rtel des toten Schamanen steckte so ein Dolch. Barnaba hatte ihn nicht gestohlen. Dabei hatte er sicherlich um die Bedeutung der Waffe gewusst.</p><p>Ormu hatte seinen Blick nach dem Messer bemerkt und l�chelte. �Ich wette, ich wei�, was du denkst, Junge.�</p><p>�Und?�</p><p>�Schade, dass er nicht das Messer genommen hat, dann m�ssten wir ihn suchen.�</p><p>�Nahe dran�, gestand Bamiyan.</p><p>�Ich kannte deinen Bruder. Ich habe ihm als F�hrtenleser nie das Wasser reichen k�nnen. Er war ein sehr besonderer Mann. Ich habe ein paarmal mit ihm gemeinsam gejagt. Und manchmal waren wir auch Rivalen.�</p><p>�Er hat nie von dir erz�hlt�, sagte Bamiyan. Es �berraschte ihn, dass Ormu seinen Bruder gekannt hatte.</p><p>�Masud war nie ein Schw�tzer und Aufschneider. Ganz anders als Gatha�� Unser guter Schamane hat nie etwas f�r sich behalten.�</p><p>�Wie kannst du meinen Bruder zum Anlass nehmen, schlecht von Gatha zu reden!�, rief Bamiyan und schlug auf das sch�tzende Horn. Sicher war der Geist des Schamanen ganz nahe. Ermordete fanden nicht in ihr Grab, und ihre Geister zu reizen war t�richt!</p><p>�Warum sollte ich jetzt, wo er tot ist, anders �ber ihn denken als zu seinen Lebzeiten. Er war ein Mann mit einer besonderen Gabe, aber kein besonderer Mann.� Ormu zog seinen kostbaren Dolch aus dem G�rtel und steckte ihn neben den des Toten.</p><p>�Was tust du da?�</p><p>�Ich werde Gatha in unser Lager bringen, damit unsere Leute ihn zu Hazrat auf die Tafel des Himmels bringen k�nnen. Der Vogelrufer soll ihn den Adlern schenken. Das ist das Einzige, was wir Gatha schulden. Wirst du mir dabei helfen?�</p><p>Bamiyan nickte. Nat�rlich war es ihre erste Pflicht, sich um eine angemessene Bestattung f�r den Toten zu k�mmern. Er w�rde den anderen J�gern sagen, was geschehen war. Er hatte einen Verdacht, wohin Barnaba geflohen war: zur Goldenen Stadt auf Nangog. Glaubte er den Geschichten, die er �ber diesen Ort geh�rt hatte, dann lebten dort mehr Menschen, als sich auf dem Schlachtfeld hier versammelt hatten. Barnaba dort wiederzufinden, w�re eine Herausforderung. Aber ein Heiliger Mann w�rde auffallen! Es war gewiss nicht so unm�glich, wie Ormu ihn glauben lassen wollte.</p><p>Er packte Gatha bei den Armen. Auf ein Zeichen Ormus hin hob er ihn an. Der Kopf des Toten kippte nach hinten, sodass er tief in die klaffende Wunde im Hals blicken konnte. Gesch�chtet wie ein St�ck Schlachtvieh hatte Barnaba den Schamanen.</p><p>�Wei�t du, ich werde die Erinnerung daran nicht los, wie Barnaba und dieses Weib auf dem Grund des Sees gelegen haben. Ihr L�cheln�� sie beide hatten zu vollkommener Eintracht gefunden. Wir hatten kein Recht, sie zu st�ren.�</p><p>Bamiyan traute seinen Ohren nicht. Das wurde ja immer besser. Ormu war ganz offensichtlich verr�ckt geworden! �Dieses Daimonenweib hat mich angegriffen! Hast du vergessen, wie ich ausgesehen habe? �ber und �ber war ich mit Wunden bedeckt, als sie ihre Eissplitter gegen mich geschleudert hat. Ich kann von Gl�ck sagen, dass ich nicht mein Augenlicht verloren habe.�</p><p>�Bist du sicher, dass es Gl�ck war? Ich glaube, wenn sie dich h�tte blenden wollen, dann h�tte sie die Macht dazu besessen. Sie wollte dich nur erschrecken und vertreiben. Wollte, dass du nie mehr zur�ckkehrst, um ihren Frieden zu st�ren.�</p><p>�Du hast es nicht erlebt!�, entgegnete Bamiyan aufgebracht. �Es war schrecklich. Ich bin davongelaufen wie ein verschrecktes Kind.�</p><p>�Deswegen muss man sich nicht sch�men. Mich hat einmal ein B�r in meinem Nachtlager in der Wildnis �berrascht. Ich sage dir, ich bin geh�pft wie ein Hase. War eine knappe Sache. Und er hat mir einen Satz peinlicher Narben auf meinem Allerwertesten verpasst.� Ormu l�chelte breit. �Solche Geschichten sind nur dann schlimm, wenn sie jemand nutzt, um dich blo�zustellen. So wie Gatha.�</p><p>Bamiyan verdrehte die Augen und fluchte innerlich. Er konnte die Arme des Schamanen jetzt nicht loslassen, um das sch�tzende Horn zu schlagen. Leise fl�sterte er einen Bannspruch gegen das B�se.</p><p>�Hah!�, stie� der rotb�rtige J�ger hervor. �Du denkst also auch, er ist das B�se!�</p><p>Bamiyan stieg �ber die Deichsel eines zerst�rten Streitwagens hinweg und blickte kurz auf die Pferde, denen Hungrige breite Streifen Fleisch von den Rippen geschnitten hatten. Eine Wolke von Fliegen stieg auf und h�llte sie mit ihrem dunklen Summen ein. �Dies hier wird bis ans Ende aller Zeiten ein verfluchter Ort sein. Zu viele M�nner sind hier gestorben. Da kann man nicht vorsichtig genug sein.�</p><p>�Ja, das stimmt wohl. Man kann nicht vorsichtig genug sein.� Ein seltsamer Unterton schwang in der Stimme des J�gers. �Ich glaube, wir sind wirklich fluchbeladen. Und Gatha ist der Erste, den sein Schicksal ereilt hat.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Wir haben B�ses getan, Junge. Und B�ses wird stets mit B�sem vergolten. Wir h�tten den Heiligen Mann und dieses Wasserweib in Frieden lassen sollen. Sie hatten niemandem etwas zuleide getan. Und die beiden hatten zu etwas gefunden�� Ich wei� nicht, wie ich es in Worte fassen soll. Sie waren <emphasis>eins</emphasis>! Vereint in vollkommener Harmonie. Sie hatten gefunden, wonach ich schon ein Leben lang suche. Und wir sind hingegangen und haben alles zerst�rt. Schon als ich meinen Pfeil auf den Bogen legte, wusste ich, dass ich das Falsche tue. Aber ich habe mich dennoch dazu hinrei�en lassen. Und ich habe die Hand des Weibes abgehackt, die ihren Liebsten selbst im Tode noch umklammert hat. Das war eine durch und durch finstere Tat. Ich werde daf�r bis ans Ende meiner Tage b��en!�</p><p>Bamiyan konnte nicht ganz nachvollziehen, was Ormu meinte. Nur eins machte ihm wirklich Sorge. �Du meinst, die Daimonin hat uns verflucht? Gatha ist deshalb gestorben? Und wir anderen werden auch b��en?�, fragte er.</p><p>Der J�ger seufzte. �Nein. So meinte ich es nicht. Nicht dieses Weib hat uns mit einem Fluch beladen. Wir selbst waren es durch unsere Taten. Wenn eine in die Enge getriebene B�renmutter ihr Junges bis zum letzten Blutstropfen verteidigt, wunderst du dich dann? W�rdest du sie b�se nennen? W�rdest du selbst nicht alles geben, deine Sippe zu verteidigen, wenn Pl�nderer in unsere Berge k�men? Wir sind in das Tal dieses Weibes gekommen. Sie hat uns vorher nicht behelligt. Sie hat uns keinen Grund gegeben, sie anzugreifen, und nur den Mann verteidigt, den sie offensichtlich liebte. Was ist daran daimonisch? Wir waren die Daimonen in diesem Tal, Bamiyan. Und es war Gatha, der uns dazu aufgestachelt hat, diese schreckliche Tat zu begehen.�</p><p>�Aber wir mussten doch den Heiligen Mann befreien���, sagte Bamiyan gedehnt. Ormus Sicht der Dinge verwirrte ihn. Auch er musste daran denken, wie Barnaba und diese Frau Seite an Seite auf dem Grund des Sees gelegen hatten. Es war ein friedliches Bild gewesen. Selbst im Schlaf hatten sie sich bei den H�nden gehalten.</p><p>�Hattest du den Eindruck, dass es Barnaba gl�cklich gemacht hat, dass wir ihn holten? Und jetzt sag nicht, es w�re unsere Pflicht gewesen, ihn von der Daimonin zu befreien.�</p><p>Bamiyan schwieg. Sie �berquerten einen Abschnitt des Schlachtfeldes, von dem schon alle Toten fortgetragen worden waren. Nur die dunklen Flecken auf dem ausged�rrten Boden erinnerten daran, wie viel Blut hier vergossen worden war. Bald w�rden Staub und Wind auch diese Spuren getilgt haben. Dann w�rden die Tage auf der Hochebene von Kush nur noch in den Erinnerungen der �berlebenden bestehen. Pl�tzlich f�hlte Bamiyan sich klein und unbedeutend. Solange er sich erinnern konnte, war Gatha der m�chtigste Mann in den Bergen gewesen. Und nun war er nur noch ein Fra� f�r die Adler. Er war allein gestorben, ermordet von einem Fremden. Und vorher hatte er sie zu M�rdern in seinen Diensten gemacht.</p><p>�Wei�t du, Junge, Rache ist ein kleingeistiger Gedanke. Eine Idee f�r M�nner mit einem engen Herzen�, unterbrach Ormu seine d�steren Gedanken. �Bist du so ein Mann?�</p><p>Bamiyan z�gerte, dann sagte er. �Was werden die anderen von uns denken? Es wird aussehen, als w�ren wir Feiglinge�� als h�tte uns Gatha nichts bedeutet.�</p><p>�Ich finde, eine Entscheidung sollte man nur danach treffen, was richtig und was falsch ist. Manchmal ist das nicht leicht zu erkennen. Was andere �ber eine Entscheidung denken werden, sollte nicht das Ma� der Dinge sein.� Ormu schnaufte. �Gro�e Worte, an die ich mich selbst nicht gehalten habe. Ich bin mit in das Tal gezogen, in dem du Barnaba gefunden hast. Ich habe meinen Bogen auf die Daimonin angelegt, obwohl ich im Herzen wusste, dass es falsch war. Deshalb bin ich es auch nicht l�nger wert, dem Steinrat anzugeh�ren. Deshalb gebe ich mein Messer ab. Soll ein weiserer Mann im Namen des Heiligen Zarud �ber die Geschicke unserer St�mme entscheiden. Ich habe seinem Namen Schande gemacht.�</p><p>Wie angewurzelt blieb Bamiyan stehen und starrte den rotb�rtigen J�ger an. �Aber das gab es noch nie. Man verl�sst den Steinrat nicht! Diese Ehre endet erst mit dem Tod.�</p><p>�Wei�t du, wie frei man sich f�hlt, wenn man die Fesseln abstreift, in die einen die Erwartungen anderer schlagen?�, fragte Ormu grinsend. �Willst du mit mir kommen und von dieser Freiheit kosten?�</p><p>�Wohin willst du denn gehen?�</p><p>�Der Unsterbliche Aaron hat mich beeindruckt. Sein Mut in der Schlacht, sein Plan, den Bauern Land zu schenken und seinem K�nigreich mehr Gerechtigkeit. Ich glaube, er ist ein Mann, f�r den zu k�mpfen sich lohnt. Ganz anders als Gatha. Ich habe geh�rt, er will eine neue Leibwache aufstellen und sucht die besten Krieger. Glaubst du, irgendwelche Bogensch�tzen aus den Ebenen der Kornbauern k�nnten uns J�gern aus Garagum das Wasser reichen? Ich habe dich schie�en sehen, Bamiyan. Du bist gut.�</p><p>Bamiyan wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Das Gemetzel auf der Hochebene hatte er verabscheuensw�rdig gefunden. Sinnlos. Er hatte sich nie vorgestellt, etwas anderes zu sein als ein J�ger oder Hirte.</p><p>�Du denkst immer noch an Rache?� Ormu klang entt�uscht. �Geh in dich. H�re auf dein Herz, und entscheide f�r dich ganz allein, was richtig und falsch ist. Denn ganz gleich, was andere dir einfl�stern m�gen, du wirst auch allein sein, wenn du mit dem, was aus deinen Entscheidungen erw�chst, leben musst.�</p></section><section><title><p>Ein grosser Krieger</p></title><p>Artax z�gelte seinen Streitwagen am Ufer des ausgetrockneten Flusses. Er hatte f�r den �bergang jene Stelle gew�hlt, an der in der Schlacht Muwattas Streitwagen in die offene Flanke seiner Schlachtreihe eingefallen waren. H�tten sich ihnen nicht die Jaguarm�nner in den Weg gestellt, alles w�re verloren gewesen.</p><p>Von den H�geln des anderen Ufers erklangen H�rner. Er konnte einzelne Krieger sehen, die eilig ihre Wachposten verlie�en, um zum Lager der Luwier zu laufen, das von den H�geln verborgen ganz in der N�he lag. Artax hob den Arm und wandte sich zu seinen M�nnern um. Mehr als hundert Streitwagen und eine bunt zusammengew�rfelte Truppe aus etwa f�nfhundert Kriegern folgten ihm. �Haltet von nun an f�nfzig Schritt Abstand�, rief er ihnen zu. �Die Luwier sollen sehen, dass dies kein Angriff ist. Wir fordern lediglich, dass uns der Verr�ter Bessos ausgeliefert wird.�</p><p>Mit diesen Worten lie� er die Z�gel �ber die federgeschm�ckten M�hnen seiner beiden Rappen schnalzen. Rumpelnd fuhr der Streitwagen die B�schung hinab. Artax musste nach dem B�gel an der Seite greifen, um nicht aus dem Wagen geschleudert zu werden. Der Lederboden unter seinen F��en federte bei jedem Sto�. Er hatte darauf verzichtet, einen Wagenlenker mitzunehmen. Er wollte den Luwiern allein begegnen.</p><p>Im flachen Flussbett fielen seine Rappen in einen schnellen Trab und nahmen mit Anlauf die B�schung. Die kargen H�gel jenseits des Ufers waren verwaist. Nirgends zeigte sich ein Luwier. Doch ihre Signalh�rner waren noch immer zu h�ren.</p><p>Labarna, der neue Unsterbliche Luwiens, war mit Sicherheit vorbereitet. Er konnte nicht so dumm sein zu glauben, dass Artax dem Verr�ter Bessos nicht nachstellen w�rde. Artax musterte die H�gelkette und suchte einen Weg, wie er seinen Streitwagen auf einen der flachen Gipfel bringen konnte. Links neben ihm war sein Feldzeichen mit der gefl�gelten Sonne an der Wagenwand festgebunden. Sie sollten schon von Weitem sehen, wer zu ihnen kam.</p><p>Als er die Kuppe erreichte, hatte er freien Blick auf das Heer Luwiens im Tal unter ihm. Labarna hatte seine Truppen nicht im selben Umfang abziehen lassen, wie er es getan hatte. Sie waren unvermindert stark und bewegten sich in diesem Moment in guter Ordnung auf den trockenen Fluss zu. Die einzige �berraschung f�r sie war offensichtlich nur gewesen, an welcher Stelle er den Fluss �berquert hatte. Ansonsten waren sie vorbereitet: In diesem Moment �berholten Schw�rme von Streitwagen die Kolonnen marschierender Infanterie, um sich an die Spitze des Heeres zu setzen. Nur wenig Staub wogte �ber den Truppen auf. Sie schienen sich gerade erst in Bewegung gesetzt zu haben, ansonsten h�tten die Staubwolken sie schon fr�her verraten.</p><p>Ein zweiter Streitwagen erreichte die H�gelkuppe und hielt neben ihm.</p><p>�Schei�e�, fluchte Mataan. �Wir m�ssen uns zur�ckziehen. Sofort! Die werden uns zermalmen.�</p><p>Selten hatte Artax den Fischerf�rsten so aufgebracht gesehen. Auch wenn er den Rang eines Satrapen hatte, war Mataan ein bescheidener Mann. Er trug eine verbeulte Bronzer�stung und darunter eine schlichte, mit eingetrocknetem Blut besudelte Tunika, die ganz offensichtlich seit dem Tag der gro�en Schlacht noch nicht gereinigt worden war. Der Rosshaarschweif seines Helms war nach einem Treffer leicht zur Seite geneigt. Wer Mataan sah�� das wettergegerbte Gesicht und die Raubvogelnase��, wusste, dass er ein abgeh�rteter Veteran war. Wenn so ein Krieger verzweifelt wirkte, dann stand es wahrhaft schlecht.</p><p>�Wir m�ssen uns zur�ckziehen, Unsterblicher. Sofort! Ihr werdet uns alle in den Untergang f�hren. Wir wurden ganz offensichtlich erwartet. Vielleicht paktiert Bessos sogar mit Labarna.�</p><p>Artax entdeckte einen Mann in den anr�ckenden Heerscharen, der alle Krieger �berragte. Er trug einen Wolfskopf als Helm, dessen Fell ihm weit den R�cken hinabreichte. Zwei lang gelockte Haarstr�hnen fielen von den Schl�fen bis auf die Schultern. Er trug einen schlichten Bronzepanzer und schmucklose Beinschienen. In der Rechten hielt er eine m�chtige Keule. Labarna! Der Unsterbliche Luwiens stand nicht in einem Streitwagen oder ritt einen Elefanten, wie Muwatta es getan hatte. Er ging zu Fu�.</p><p>�F�hr unsere M�nner auf die H�gel, sodass die Luwier sehen k�nnen, dass wir nicht mit ganzer Streitmacht anr�cken.�</p><p>Mataan seufzte. �W�re es nicht weiser, sich hinter den Fluss zur�ckzuziehen?�</p><p>Artax sch�ttelte sacht den Kopf. �Vielleicht w�re es weise, aber wenn wir das tun, hat Bessos seinen ersten Sieg errungen, ohne auch nur einen Schwertstreich zu f�hren. Weitere Satrapen werden sich seiner Revolte anschlie�en. Ich kann jetzt nicht mehr zur�ck. Auf den H�geln sind unsere Krieger in einer guten Verteidigungsstellung. Zeige dich ihnen zuversichtlich, Mataan. Du bist ein guter Anf�hrer.�</p><p>Der Satrap salutierte. �Wie Ihr befehlt, Unsterblicher.� Dann zog er die Z�gel herum und lenkte seinen Streitwagen hinab zu den anr�ckenden Truppen.</p><p>Artax wartete noch einen Augenblick, dann fuhr er den Luwiern entgegen. Am Beginn der Talsenke trafen sie aufeinander. In fast gespentischer Stille, in der nur das Getrappel der Pferdehufe erklang, wichen die vorderen Streitwagen vor ihm aus. Deutlich konnte er die Angst und Anspannung in den Gesichtern der feindlichen Krieger sehen. Sie folgten jeder seiner Bewegungen mit misstrauischen Blicken.</p><p>Die marschierenden Speertr�ger vor ihm hielten an. Befehle wurden gerufen. M�nner schw�rmten zu den Flanken aus und bildeten einen Wall aus golden schimmernden Bronzeschilden, der Artax zwang seine Pferde zu z�geln. Sie begegneten ihm, als sei er allein ein ganzes Heer.</p><p>�Labarna von Luwien, tritt vor�, rief Artax, und seine Stimme trug weit �ber die H�gel. �Wir beide wollen nicht das Blut unserer M�nner flie�en sehen. Lass uns miteinander reden wie weise Herrscher. Ich wei�, du bist ein besserer Mann als Muwatta.�</p><p><emphasis>Du schmeichelst ihm. Klug! Wenn du ihm Anerkennung zollst, hebt das den Respekt bei seinen M�nnern. Er war vor ein paar Tagen noch ein Hauptmann, wie es Dutzende gibt. Er kann jeden Zuspruch gebrauchen.</emphasis></p><p><emphasis>Er wurde von einer G�ttin zum Unsterblichen gemacht</emphasis>, konterte Artax in Gedanken. <emphasis>Was z�hle ich da?</emphasis></p><p><emphasis>Es war die G�ttin, die zuvor Muwatta enthauptete und deren Gunst ein fl�chtiges Gut zu sein scheint. Du aber bist K�nig Geisterschwert, der Muwatta auf dem Schlachtfeld bezwang und der selbst noch nie besiegt wurde. Ich sch�tze, dein Ansehen unter den Luwiern ist gr��er als das ihres neuen Herrschers. Begegne Labarna mit Respekt, und er wird dir dankbar daf�r sein, wenn er ein kluger Mann ist.</emphasis></p><p>Labarna l�ste sich aus der Gruppe der Krieger. Er trug seine riesige Keule l�ssig gegen die Schulter gest�tzt, ein selbstbewusstes, fast arrogantes L�cheln auf dem Gesicht. Artax stellte sich vor, wie der Luwier mit einem einzigen Hieb die K�pfe seiner Streitwagenpferde zerschmetterte. Er hatte Labarna k�mpfen gesehen. Er wusste, wozu dieser H�ne f�hig war.</p><p>Artax zog an den Z�geln und schlang sie dann um den Haltegriff auf dem Frontschild des Streitwagens. Er warf einen Blick �ber die Schulter. Mataan hatte seine M�nner auf die H�gel gef�hrt. Sie w�rden alles sehen. Dann stieg er ab und ging Labarna das letzte St�ck zu Fu� entgegen. Der Luwier �berragte ihn fast um Hauptesl�nge. Neben dem Kerl sah er aus wie ein Kind! Er zwang sich zu einem L�cheln und dachte daran, wie Muwatta ihn zum Fest der Himmlischen Hochzeit in Isatami empfangen hatte. Der Unsterbliche war ihm auf einem Elefanten entgegengeritten, um ihn klein aussehen zu lassen. Artax� L�cheln wurde breiter. Die Luwier liebten diese Spielchen mit der Gr��e. Muwatta lag nun irgendwo auf dieser Ebene in einem namenlosen Grab. Seine Elefanten hatten ihm nicht geholfen. Er sah zu Labarna auf�� er w�rde auch diesen Riesen �berleben.</p><p>Der Luwier machte eine Geste, als wolle er l�stige Fliegen verscheuchen. �Zur�ck mit Euch! Es ist sterblichen Ohren nicht bestimmt zu h�ren, was Unsterbliche an diesem Tag zu besprechen haben.�</p><p>Die Krieger ringsum wichen respektvoll zur�ck. Bald war der n�chste Luwier mehr als hundert Schritt entfernt.</p><p>�Ich hoffe, dir steht der Sinn nicht danach, diese trockene Ebene noch einmal mit dem Blut unserer Krieger zu tr�nken�, begann Labarna ohne Umschweife.</p><p>�Wo steckt Bessos?�, entgegnete Artax.</p><p>Labarna hob die Brauen. �Ich halte nicht viel von Verr�tern.�</p><p>�Dann liefere ihn mir aus.�</p><p>Der Riese nahm seine Keule von der Schulter, setzte ihren wuchtigen Kopf auf den Boden und st�tzte beide H�nde auf den Griff. �Das kann ich nicht. Er hat mein Lager bereits verlassen. Ich habe ihm Unterschlupf und Unterst�tzung verweigert.�</p><p>Artax musterte sein Gegen�ber misstrauisch. Sagte er die Wahrheit? �Warum hast du ihn nicht aufgehalten?�</p><p>Der Luwier l�chelte kalt. �Weil es nicht meine Aufgabe ist, deine Sorgen aus der Welt zu schaffen. Versteh mich nicht falsch. Ich m�chte in Frieden mit Aram leben. F�r mich ist dieser Krieg beendet. Aber du kannst nicht erwarten, dass ich zu den Waffen greife, um dich zu unterst�tzen. So weit sind wir noch nicht.� Er deutete nach Norden, wo die Karawanenstra�e zum Adlerpass f�hrte. �Er ist dort entlanggezogen. Er hatte sehr viel Gold bei sich. Ein Teil meiner ausgemusterten S�ldner hat sich ihm angeschlossen. Vor allem Bogensch�tzen und Schleuderer.�</p><p>�Ausgemusterte S�ldner��� Artax gab sich keine M�he, seinen Argwohn zu verbergen.</p><p>Labarna wich seinem Blick nicht aus. �So wie du, reduziere auch ich meine Truppen. Ich hatte ihnen den Zeitpunkt des Abzugs freigestellt. Ich sch�tze, sie waren dar�ber unterrichtet, dass Bessos mit viel Gold kommen w�rde. Mir scheint, deine Satrapen f�gen sich nicht ganz deinem Willen. Solltest du Bessos folgen wollen, um ihn f�r seine Rebellion zu bestrafen, stehe ich dir nicht im Wege. Du und deine Truppen erhalten freies Geleit durch mein Lager.�</p><p><emphasis>Erstaunlich, was aus diesem Krieger binnen so kurzer Zeit geworden ist. Man k�nnte meinen, er habe sein ganzes Leben mit Hofintrigen verbracht.</emphasis></p><p>Doch Artax stand nach Aarons s�ffisanten Scherzen nicht der Sinn. �Ich habe noch ein anderes Anliegen. Die Prinzessin, die Muwatta zur Heiligen Hochzeit gef�hrt hat. �berlass sie mir, und ich stehe in deiner Schuld.�</p><p>�Das kann ich nicht�, sagte Labarna. �Ich kann nicht mit unseren jahrhundertealten Traditionen brechen. Die Braut aus der Nacht der Heiligen Hochzeit geh�rt dem Land. Sollte sie empfangen haben, werden sie und ihr Kind in einem kleinen Palast bis ans Ende ihrer Tage versorgt sein. Sie beide verk�rpern die Fruchtbarkeit des Landes. Ich kann sie nicht hergeben. Und sollte die Prinzessin nicht empfangen haben��� Er seufzte resigniert. �Der Sitte nach wird ihr Blut dann vergossen werden, damit sie den Boden des Landes n�hrt. Gebe ich sie dir, so ist es, als w�rde ich die Hoffnung auf eine gute Ernte im n�chsten Jahr verschenken. Mein Volk w�rde das nicht verstehen. Ich w�rde die Priesterschaft herausfordern und auch I�ta selbst, die diese Hochzeit gewollt hat.�</p><p><emphasis>Alles nur Worte. Er will dir nicht helfen!</emphasis></p><p>Artax sah es genauso. Jeder Augenblick, den er sich noch l�nger mit Labarna abgab, vergr��erte nur den Vorsprung von Bessos.</p><p>�Sind das alle M�nner, die du zur Verfolgung von Bessos aufgeboten hast?� Labarna deutete zu den H�gelk�mmen am trockenen Fluss. �Die Rebellen werden versuchen, dir eine Falle zu stellen, und sie sind dieser Schar drei zu eins �berlegen. Du solltest dir mehr Zeit nehmen und einen gr��eren Heerbann aufstellen. Sonst verlierst du unn�tig viele M�nner.�</p><p>�Muwatta glaubte auch nicht, dass eine Bauernschar seinen S�ldnern standhalten k�nnte�, entgegnete Artax k�hl. �Wenn meine Feinde sich �berlegen w�hnen, steht es meist gut f�r meine Sache.�</p><p>Labarna musterte ihn absch�tzend. Artax war sich bewusst, dass die Arroganz, die aus seiner Antwort sprach, sich eines Tages gegen ihn wenden w�rde. Er sollte sich nicht angew�hnen, zu zuversichtlich zu sein. Aber Bessos� Rebellion musste im Keim erstickt werden, bevor sie sich weiter ausbreiten konnte. Jede Stunde war jetzt kostbar. Er winkte seinen Kriegern, die Stellung auf den H�geln zu verlassen und zu ihm aufzuschlie�en.</p><p>�Dieses M�dchen�� es bedeutet dir sehr viel, nicht wahr?�</p><p><emphasis>Geh nicht darauf ein, Artax</emphasis>, warnten ihn die Stimmen Aarons<emphasis>.</emphasis><emphasis>Das ist kein Mitgef�hl. Er sucht nur nach deinen Schw�chen.</emphasis></p><p>�Es tut mir leid, was Muwatta dir angetan hat.� Labarna klang �berzeugend, fand Artax. Er machte den Eindruck, als ringe er um seine Worte. Er schien im Grunde kein sehr gespr�chiger Mann zu sein. Kein Schw�tzer und H�fling.</p><p>�Es ist nicht meine Art, Kriege zu f�hren�, fuhr der neue Herrscher Luwiens fort. �Aber versuche nicht, deine Prinzessin zu retten. Du w�rdest mich zwingen, einen neuen Krieg zu beginnen. Ich will das nicht. Was geschehen ist, ist geschehen. Lass die Vergangenheit ruhen.� Labarna streckte ihm die Hand entgegen. �Auf unseren Frieden!�</p><p>Artax brachte es nicht �ber sich einzuschlagen. Den Verrat an Shaya mit einem Handschlag zu besiegeln war mehr, als er ertragen konnte. Seine M�nner waren aufger�ckt und zwischen den Kriegern Luwiens hatte sich eine breite Gasse gebildet, durch die sie nach Norden ziehen konnten.</p><p>�St�rze nicht wegen einer Frau zwei K�nigreiche in einen Krieg�, sagte Labarna mit zusammengezogenen Brauen. Er zog seine Hand zur�ck. �Ich werde k�mpfen, wenn du mich zwingst. Und ich werde es besser machen als Muwatta.�</p></section><section><title><p>Der Zorn des alten Mannes</p></title><p>�Er wird es tun.�</p><p>Bessos blickte auf den gebrechlichen, kleinen Mann in der S�nfte. Das war nicht ganz die Art Verb�ndeter, die er sich vorgestellt hatte. Er brauchte Feldherren. M�nner, die durch ihr Beispiel f�hrten und den Kriegern auf dem Schlachtfeld Mut und Zuversicht gaben. Der Satrap wusste nur zu gut um die Stimmung unter seinen Truppen. Sie alle hatten sein Gold gerne genommen. Aber sie f�rchteten sich vor K�nig Geisterschwert. Nun kam es darauf an, dass der alte Mann recht hatte mit seinen Behauptungen.</p><p>Bessos blickte nach Norden, wo die Staubwolke in der Abendsonne deutlich zu sehen war. Ein Drittel seiner Streitwagen entfernte sich. Sie zogen Buschwerk hinter sich her, um mehr Staub aufzuwirbeln. Es war derselbe Trick, den Muwatta bei der Schlacht am trockenen Fluss angewandt hatte.</p><p>�Ich wei�, was du denkst.� Die Stimme des Greises in der S�nfte war rau und br�chig. Er sprach sehr leise. Bessos musste sich zu ihm hinabbeugen, um ihn verstehen zu k�nnen. �Wir k�nnen uns auf die Arroganz und Unbeherrschtheit des Unsterblichen Aaron verlassen. Deine Sp�her haben ja bereits berichtet, dass er uns mit viel zu kleiner Streitmacht nachsetzt. Woran zweifelst du noch? Daran, dass er zweimal auf dieselbe T�uschung hereinfallen k�nnte? Mein Sohn war einst die rechte Hand des Hohepriesters Abir Ata�. Er hat mir viel �ber den Unsterblichen erz�hlt. Er ist ihm oft begegnet.</p><p>Was glaubst du, warum Abir Ata� die Macht in die H�nde der Priesterschaft legen wollte? Um sich zu bereichern? Er wollte das K�nigreich vor den Launen unseres Herrschers sch�tzen! Vor allem nachdem der Unsterbliche pl�tzlich beschlossen hatte, ein Held und gro�er Krieger zu werden. Hast du von seinem ersten Duell mit Muwatta geh�rt? Es war in der Goldenen Stadt. Ich glaube, damals hat er begonnen, sich zu ver�ndern.�</p><p>Bessos nickte, doch auch er hatte Abir Ata� gut gekannt. Der Priester war in die Macht verliebt gewesen. Edle Beweggr�nde hatte es f�r seinen Versuch, dem Unsterblichen einen Teil seiner Macht zu stehlen, ganz gewiss nicht gegeben. Nachdenklich betrachtete er das von tiefen Falten zerfurchte Antlitz des alten Satrapen von Nari. Eleasar war ein Mann, der vor Langem das L�cheln verlernt hatte. Jeder Zoll seines langen Gesichtes verriet das. Er war m�rrisch, traurig, nachtragend. Und er war es, der die F�den gezogen hatte, um ihn zu befreien. Ein goldener Stirnreif umfasste das Haupt des Greises. Sein bl�tenwei�es Haar war noch kr�ftig. Es war sorgf�ltig zu Locken gedreht, die ihm bis auf die Schultern reichten. Ein dichter Bart bedeckte den gr��ten Teil der schmalen, eingefallenen Brust des Herrschers von Nari, in dessen grauen Augen eine zornige Lebenslust strahlte, die so gar nicht zu seinem hinf�lligen Leib passen wollte. Er war einer von nur zwei Satrapen im Reich, der zugleich auch das Amt des Hohepriesters in seiner Provinz innehatte. Bessos hatte Respekt vor dieser Leistung. Er wusste nicht, was Eleasar zuerst gewesen war, Priesterf�rst oder Satrap. Aber beide �mter miteinander zu verbinden, hie�, die vollkommene Macht in Nari in H�nden zu halten. H�tte er nur drei oder vier �hnlich m�chtige M�nner auf seiner Seite, der Untergang des Unsterblichen Aaron w�re gewiss!</p><p>Bessos blickte �ber die Reihen der Bogensch�tzen, die auf den von der Karawanenstra�e abgewandten Seiten der H�gel Stellung bezogen hatten. Wie durch den Mund eines riesigen Trichters lief der staubige Weg durch ein weites Halbrund hoher Grabh�gel, die von Stelen gekr�nt wurden, die verwitterte, b�rtige Gesichter zeigten. Niemand wusste zu sagen, wie alt diese Gr�ber waren und welche F�rsten man hier einst bestattet hatte. Jetzt lieferte ihnen das Gel�nde gute Deckung. Und es erlaubte, dass fast tausend Bogensch�tzen und mehr als dreihundert Schleuderer ihre Geschosse auf einen einzigen Punkt richten konnten: die Spitze der Feindeskolonne, die nun am Horizont sichtbar wurde.</p><p>Bessos sp�rte, wie sich sein Magen beim fernen Funkeln von Helmen und Speerspitzen zusammenzog.</p><p>�Er wird an der Spitze reiten, und wir werden ihn t�ten.� Die Stimme des Alten war kaum noch zu verstehen.</p><p>�Warum hasst du ihn so sehr?�</p><p>�Er hat meinen Sohn ermorden lassen. Meinen Sohn, der immer nur ein Tr�umer war. Wie ich schon sagte, er war ein ranghoher Priester. Die rechte Hand von Abit Ata�. Als er noch ein Kind war, hat ihm einer meiner Schiffsf�hrer mit einer Geschichte den Kopf verdreht. Von da an tr�umte er davon, ein Gesch�pf aus einer anderen Welt zu treffen. Eine jener Daimonenfrauen, die so sch�n sind, dass allein sie zu sehen die Seele verbrennt. Mein Barnaba wollte nie den harten Sitz eines F�rsten einnehmen. Er hing seinen Tr�umen nach��� Die Stimme des Alten brach. �Und nun ist er tot. Verscharrt in irgendeinem namenlosen Grab. Wie so viele andere Priester. Ich�� ich werde niemals von ihm Abschied nehmen k�nnen.�</p><p>In der sich n�hernden Staubwolke tauchten erste Schemen auf. Streitwagen bildeten die Spitze des kleinen Heers des Unsterblichen. Aber w�rde er seine M�nner anf�hren? Fr�her war er nicht so gewesen. Eleasar hatte schon recht. Aaron hatte sich ver�ndert. Diese Dummheit, an mittellose Bauern Land zu verschenken, w�rde alle M�chtigen des Reiches gegen ihn aufbringen. Vielleicht hatten sie mit ihrer Rebellion zu fr�h begonnen. Bessos ballte seine H�nde zu F�usten, damit Eleasar nicht sehen konnte, dass sie zitterten. So gebrechlich der Alte auch war, er zeigte eine Entschlossenheit in dieser Sache, um die er ihn beneidete.</p><p>�Und du bist sicher, dass wir ihn t�ten k�nnen?�</p><p>Der Alte sah ihn mit seinen zornigen, grauen Augen fest an. �I�ta hat Muwatta get�tet. Ich war nicht dort, aber man hat es mir berichtet. Alle konnten sehen, dass die Unsterblichen genauso sterblich sein k�nnen wie wir.�</p><p>�Wenn eine G�ttin das Schwert f�hrt�, wandte Bessos beklommen ein. �Eine <emphasis>G�ttin</emphasis>, Eleasar. Sie hat die Welt erschaffen. Wir k�nnen uns nicht mit ihr vergleichen.� Er h�tte nicht fliehen d�rfen, dachte Bessos bei sich. Er hatte nur auf der richtigen Seite stehen wollen, deshalb hatte er Aaron in der Schlacht verraten. Wer h�tte ahnen k�nnen, dass das Bauernheer siegte! Vielleicht h�tte der Unsterbliche ihm diesen Verrat verziehen. Doch seine Flucht nun�� Das war unverzeihlich. Wenn der Alte sich irrte, dann war er tot.</p><p>�Sieh dir die H�gel an, mein Freund. Sie wurden von Menschenhand erschaffen. Auch wir haben die Macht, die Welt zu formen, in der wir leben. Ich gestehe, es bedarf der Kraft vieler Menschen, um den Taten der G�tter nahe zu kommen, aber sie sind nicht unerreichbar. Wir werden den Himmel mit Pfeilen f�llen. Und glaube mir, es wird der eine darunter sein, der die Schwachstelle in Aarons R�stung findet und den Tyrannen t�tet.�</p><p>Gemeinsam wandten sie sich den herannahenden Streitwagen zu. Einer eilte den �brigen um viele L�ngen voraus. Das Abendlicht spiegelte sich auf der goldenen Standarte mit der gefl�gelten Sonne.</p><p>Eleasar hatte sich nicht geirrt. Aaron war an der Spitze seines Heeres, und er schien nur Augen zu haben f�r die Staubwolke der vermeintlichen Fl�chtlinge, die er im Norden sah. Vielleicht war er ja wirklich sterblich? Bessos winkte den Bogensch�tzen, und sie legten Pfeile auf die Sehnen.</p></section><section><title><p>Und der Himmel verfinsterte Sich</p></title><p>Aaron fluchte leise. Sein schwerer L�wenhelm dr�ckte, und durch die Augenschlitze konnte er nur einen kleinen Ausschnitt der Welt sehen. Aber es gen�gte, um zu wissen, dass er Bessos heute nicht mehr einholen w�rde. Auch wenn die Staubwolke im Norden zum Greifen nahe schien, in einer halben Stunde w�rde die Sonne untergehen, und dann k�nnten sie nicht mehr weitermarschieren.</p><p>Seine Bogensch�tzen und Speertr�ger waren um mindestens drei Meilen zur�ckgefallen. Sie konnten mit den Streitwagen nicht mithalten. Und selbst seine Wagenk�mpfer hatten Schwierigkeiten, dem Tempo zu folgen, das er vorgab. Die beiden Rappen seines Gespanns waren die besten Pferde aus dem k�niglichen Stall. Sie waren unvergleichlich, doch auch sie waren inzwischen ersch�pft. Schaumflocken klebten an ihren Flanken. Das schwei�nasse, schwarze Fell war mit Staub bedeckt, die roten Federn, die in ihre M�hnen geflochten waren, vom Wind zerzaust, und die goldenen Amulette und Gl�ckchen im Geschirr hatten ihren Glanz verloren.</p><p>Ein St�ck voraus, vielleicht dreihundert Schritt entfernt, umfasste ein Halbrund von H�geln die Karawanenstra�e. Das w�re ein guter Platz f�r ein Nachtlager. Er w�rde dort auf seine M�nner warten�� es war sinnlos, die Verfolgung in der Dunkelheit fortzusetzen. Bald w�rde der alte Handelsweg sich an Abgr�nden vorbei hinauf zu steilen P�ssen winden. Diesen Weg sollte man nur bei Tageslicht nehmen.</p><p>Aarons Hand tastete zum Schwert an seiner Seite. Seit der Schlacht hatte er die Waffe nicht mehr gezogen. Er f�hlte sich der Klinge auf seltsame Art verbunden. Oft verlangte ihn danach, die Waffe zu ber�hren. Seine Finger schlossen sich fest um den lederumwickelten Griff. Das Schwert wollte gezogen werden. Wollte das blutrote Abendlicht �ber den Bergen sehen, den Wind sp�ren. Aaron lachte. Es war das Geisterschwert! Eine ganz besondere Waffe, in der diese unheimliche, gr�ne Lichtgestalt gefangen sa�, die ihm vor so langer Zeit in dem verfluchten Tal unweit der Mine Um el-Amad heimgesucht hatte. Aber es war ganz gewiss nichts Lebendiges an dieser Waffe, das sich nach Licht und Wind sehnte. Aus einer Laune heraus zog er blank. Geisterhaft gr�nes Licht umspielte die Klinge. Die Waffe lag gut in der Hand. Er riss sie hoch �ber den Kopf, als er den ersten der H�gel passierte, und als habe er damit ein Zeichen gegeben, traten Hunderte von Kriegern auf die H�gelr�cken rings umher, hoben ihre B�gen, und der Himmel verfinsterte sich. Die Luft war erf�llt vom Sirren der Pfeile.</p><p>Sein Schwert beschrieb einen funkelnden Bogen, als das Dunkel des Himmels auf ihn herabst�rzte. Metall kreischte auf Metall. Holz splitterte. Er wurde dutzendfach getroffen und r�ckw�rts aus dem Streitwagen geschleudert. Die Rappen stiegen und brachen von Pfeilen durchbohrt zusammen. Steine prallten t�nend von seinem Helm ab, und �berall ragten schwarze Pfeilsch�fte dicht wie Gras aus dem staubigen Boden. Runde Kiesel rollten davon. Schleudersteine. Artax f�hlte sich, als sei eine Herde Pferde �ber ihn hinweggest�rmt. Jede Faser seines Leibes schmerzte. Er blickte an sich herab. Grelle Lichtpunkte tanzten ihm vor den Augen. Sein Mund war erf�llt von einem metallischen Geschmack, denn er hatte sich beim Sturz auf die Zunge gebissen. Von den zahlreichen Treffern, die sein Helm abbekommen hatte, dr�hnten ihm die Ohren.</p><p>Stumm dankte Artax den G�ttern, dass er entschieden hatte, seine Prunkr�stung anzulegen, um bei den Luwiern keine Zweifel aufkommen zu lassen, dass der Unsterbliche Aaron ihr Lager aufsuchte. Er hatte kurz �berlegt, nur einen einfachen Leinenpanzer anzulegen, der in der Hitze angenehmer zu tragen war als die neue R�stung, die ihm der L�wenh�utige hatte fertigen lassen.</p><p>Er sah weitere Pfeile rings um sich einschlagen. H�ren konnte er noch immer nichts, und auch sein Nacken schmerzte. Mit einem Ruck setzte Artax sich auf und griff nach seinem Schwert, das ihm beim Sturz aus der Hand geschlagen wurde. Er sah ein wenig verschwommen. Die Krieger auf den H�geln waren nur dunkle Schemen. Ihm wurde bewusst, was f�r ein unglaubliches Gl�ck er gehabt hatte, dass keiner der Pfeile die Sehschlitze seines Maskenhelms getroffen hatte.</p><p>Als das Dr�hnen in seinen Ohren endlich nachlie�, h�rte er Hufschlag. Seine Streitwagen! Sie kamen, um ihn zu retten. Er durfte nicht zulassen, dass sich seine M�nner dem m�rderischen Pfeilhagel aussetzten. Sie trugen keine verwunschenen R�stungen. Von ihnen w�rde keiner lebend dieser Falle entgehen. Er stand auf. All seine Glieder schmerzten, jede Bewegung war ein Akt des Willens. �Ich bin Aaron, der Unsterbliche�, rief er mit Donnerstimme. �Der Herrscher aller Schwarzk�pfe, auch K�nig Geisterschwert genannt. Wie ihr seht, konntet ihr mich nicht t�ten.� Er riss sein Schwert hoch, sodass es deutlich zu erkennen war: Fahles, gr�nes Licht tanzte um die Klinge.</p><p>�Dies Schwert d�rstet nach euren Seelen. Und ich will es f�ttern. Wer jetzt seine Waffe senkt und zur Karawanenstra�e hinabsteigt, der wird �berleben. Doch jeden, der sich mir weiterhin widersetzt, werde ich dieser Klinge �berantworten. Ich bin als ein g�tiger Herrscher bekannt, doch vertraut mir, all mein Langmut und meine G�te sind unter euren Pfeilen gestorben.�</p><p>Artax breitete seine Arme aus. �Bleibt hinter mir zur�ck�, rief er, ohne sich nach seinen M�nnern umzublicken. Dann tat er einen schwankenden Schritt an den beiden Pferdekadavern vorbei. Wut packte ihn, als er seine edlen R�sser im Staub liegen sah. Und die Wut brannte den Schmerz aus seinen Gliedern. Bei seinen n�chsten Schritten schwankte er nicht mehr.</p><p>Jetzt wichen die ersten von Bessos Kriegern erschrocken zur�ck. Sie ergaben sich nicht, aber sie wagten es auch nicht mehr, ihre Waffen gegen ihn zu erheben. Zornig ging er weiter auf sie zu. Er war wie ein Stein, den man in einen stillen See geworfen hatte. Zuerst wichen die S�ldner in Wellen vor ihm zur�ck, doch dann griff Panik unter ihnen um sich. Immer mehr warfen ihre Waffen fort und liefen blindlings davon.</p><p>Artax fluchte und begann, ebenfalls zu laufen. Er war nicht mehr er selbst. Aller Schmerz war vergessen. Als er das Schwert vorstreckte, sah er, dass ein Splitter eines Pfeilschafts aus seinem Handr�cken ragte. Er hatte das Gef�hl, dass es die Hand eines anderen sei, die er betrachtete. Die Wunde war nicht tief, aber er sollte sie doch sp�ren! War es sein verwunschenes Schwert, das ihn nur noch an Blut und Rache denken lie� und dessen Zaubermacht kleinere Wunden heilte, noch bevor er sich ihrer wirklich bewusst wurde? Selbst die Stimmen der Aarons drangen nicht mehr zu ihm durch, wenn er mit dem Schwert in der Hand in die Schlacht st�rmte. Jetzt brannte in ihm allein der Wunsch, die feigen S�ldner b��en zu lassen! Jene M�nner, die sich seinem zornigen Befehl aufzugeben und ohne Waffen zur Karawanenstra�e zu kommen, nicht unterworfen hatten. Er st�rmte den Hang eines H�gels hinauf und gab seinem Streitwagenschwarm mit dem Schwert Zeichen, sich aufzuteilen und �ber die Fl�gel zu gehen, um den Fl�chtlingen den Weg abzuschneiden. Er w�rde nicht dulden, dass Bessos diese M�nner an einem anderen Tag erneut um sich scharte!</p><p>Als er die H�gelkuppe erreichte, sah er, dass sich das ganze gegnerische Heer in Aufl�sung befand. Die Krieger liefen wild durcheinander. Kein Hauptmann versuchte mehr, Ordnung in das Chaos zu bringen. In den l�nger werdenden Schatten eilte etwas abseits eine kleine Gruppe von Kriegern einen steilen Pfad hinauf, der von der Karawanenstra�e abzweigte. War dort Bessos? Einer der Fl�chtlinge trug einen wei�haarigen Mann auf dem R�cken.</p><p>Artax blickte nach Westen. Die Sonne war fast ganz hinter den Bergen verschwunden. Nur zwei Fingerbreit der feurig roten Kugel lugten noch �ber die tiefschwarzen Bergk�mme. Nicht einmal eine halbe Stunde und es w�rde v�llige Finsternis herrschen.</p><p>Fluchend lief Artax in Richtung des steilen Saumpfads, vorbei an einer umgest�rzten S�nfte, durchdrungen von dem irrationalen Wunsch, diese Flucht zu beenden. Obwohl ihm in seinem Innersten klar war, dass er diese M�nner zwar hatte zu Tode erschrecken k�nnen, sie aber allein niemals w�rde aufhalten k�nnen. Nur wenn er Bessos zu fassen bekam, war es vorbei.</p><p>Einige der feindlichen Streitwagen hatten sich bei der �berst�rzten Flucht ineinander verkeilt. Erb�rmlich wiehernde Pferde mit gebrochenen L�ufen hingen im Geschirr umgest�rzter Wagen. Artax sah einen Krieger, der kriechend vor ihm zu fliehen versuchte. Der linke Fu� des Mannes war grotesk verdreht, die Zehen zeigten dorthin, wo die Ferse h�tte sein sollen. Artax setzte dem Verwundeten den Fu� auf die Brust und dr�ckte den Mann zu Boden. Er hob das Schwert, um seinem Opfer die Kehle zu durchtrennen, taub f�r das Flehen des Kriegers. Die Klinge fuhr hinab und verharrte nur einen Zoll vor der Kehle des Mannes. Es waren die schreckensweiten, braunen Augen des S�ldners, die ihn wieder zur Besinnung brachten. Was ging mit ihm vor, dass er fast einen Wehrlosen get�tet h�tte!</p><p>Artax starrte auf das Geisterschwert in seinen H�nden und sp�rte sofort, wie sein Zorn wieder wuchs. Der Krieger am Boden trug einen K�cher auf dem R�cken. Vor einigen Augenblicken erst hatte er mit seinem Bogen auf ihn angelegt. Warum sollte er einen K�mpfer verschonen, der versucht hatte, ihn zu t�ten?</p><p>Artax atmete tief ein und stie� sein Schwert in die Scheide zur�ck. Die Schlacht war vor�ber und damit auch das T�ten! Pl�tzlich f�hlte er sich so schwach, dass er sich auf das Rad eines umgest�rzten Streitwagens aufst�tzen musste. Seine Beine schienen ihn nicht mehr tragen zu wollen, und der Schmerz unz�hliger Prellungen riss ihn mit sich fort. Seine verwunschene R�stung aus verleimtem Leinen und z�hem Leder hatte zwar verhindert, dass auch nur eine einzige Pfeilspitze seine Haut geritzt hatte, doch hatte sie die Kraft des Aufschlags der Geschosse nur zum Teil aufgefangen.</p><p>Artax lie� den Verletzten hinter sich. Kaum war er ein paar Schritte gegangen, �berfiel ihn stechender Schmerz. Er keuchte und hatte M�he, sich auf den Beinen zu halten. Seine Rechte fand ganz von allein wieder zum Schwertknauf. Die Waffe zu ber�hren linderte das Gef�hl des Schmerzes. Zugleich ergriffen ihn wieder Wut und Kampfeslust. Es schien, als sei sein Schwert darauf aus, vom Blut seiner Feinde zu kosten. Er lachte freudlos auf. Offensichtlich war er schwerer am Kopf getroffen worden, als er angenommen hatte! Er war ja nicht mehr ganz bei Trost. Ein Schwert, das Blut trinken wollte! Er dachte daran, was der Ebermann ihm einst erz�hlt hatte. Dass eine hasserf�llte Seele aus einer anderen Welt in dieser Klinge hauste, seit er den Wurm aus gr�nem Licht erschlagen hatte und sich in das blaugraue Wellenmuster der Waffe ein vielfach verzweigter gr�ner Blitz gebrannt hatte, von dem ein unheimliches Leuchten ausging.</p><p>Artax erinnerte sich, wie er den Schwertarm hochgerissen hatte, um etliche der Pfeile von Bessos� Armee zu zersplittern. War es ein Reflex gewesen, oder hatte die Waffe ihm geholfen, ihn vor den Geschossen zu bewahren, die vielleicht durch die Sehschlitze seines Helms gedrungen w�ren? Besch�tzte das Schwert ihn etwa?</p><p>Unendlich m�de blickte der Unsterbliche zu dem steilen Pfad, auf dem er die kleine Gruppe von Fl�chtlingen gesehen hatte. Nun zeigte sich dort niemand mehr. Artax schloss die Augen. Er wollte nur noch ruhen.</p><p>�Herr?�</p><p>Artax schlug die Augen auf und brauchte einen Moment, um sich zu erinnern, wo er war. Ashot stand vor ihm. Es war dunkel geworden. Ein St�ck entfernt brannte ein aus den Tr�mmern eines Streitwagens entfachtes Lagerfeuer, um das sich einige seiner Krieger versammelt hatten. Sie alle blickten in seine Richtung.</p><p>�Ihr wart tief in Gedanken, Herr?�</p><p>�Ja���, entgegnete er z�gerlich. Dann begriff er. Er trug noch immer den Maskenhelm, der sein Antlitz hinter einer silbernen Fratze verbarg. M�de tastete er nach dem seitlichen Helmscharnier und befreite sich. Ashot hatte nicht erkennen k�nnen, ob er nur sinnend den Kopf gesenkt hatte oder aber eingenickt war.</p><p>�Die Rebellen���</p><p>�Wir haben die meisten gestellt. Auch die entflohenen Streitwagen wurden inzwischen eingeholt und haben aufgegeben.� Ashot l�chelte zufrieden. �Ihr habt ihnen Todesangst eingejagt, Herr. Sie mochten gar nicht mehr aufh�ren zu laufen. Mataan lagert mit dem Gro�teil unserer M�nner ein St�ck weiter n�rdlich. Dort sind auch die Gefangenen. Ich bin mit einer Handvoll M�nner hier geblieben, um��� Pl�tzlich wirkte er verlegen, als scheue er davor zur�ck, dass Offensichtliche auszusprechen. ���um �ber Euch zu wachen.�</p><p>�Danke.� Artax hatte M�he zu sprechen. Sein Mund war staubtrocken. �Ich war eingenickt.�</p><p>�Wir waren uns nicht sicher�, entgegnete Ashot ein wenig verlegen. �Ihr h�ttet nicht alleine vorpreschen d�rfen. Wir dachten einen Moment lang��� Statt den Satz zu Ende zu f�hren, zuckte er nur mit den Schultern. �Aber Ihr seid ja unsterblich.� Diesmal lag ein Hauch von Kritik in seinen Worten.</p><p>Artax musste schmunzeln. Das war ganz der Ashot, wie er ihn von fr�her aus dem Dorf kannte. Der Zweifler, der nie ein Blatt vor den Mund nahm. �Bessos?� Jedes Wort kratzte in seiner Kehle.</p><p>�Ist entkommen�, gestand Ashot zerknirscht.</p><p>Der Unsterbliche dachte an die M�nner, die er auf dem steilen Pfad gesehen hatte. Er musste wissen, wohin dieser Weg f�hrte. M�de hinkte er zum Lagerfeuer und lie� sich nieder. Noch schmerzte jedes seiner Glieder. Er bemerkte die Blicke seiner M�nner, die ihn mit fast schon abergl�ubischem Staunen ansahen. �Sind schlechte Bogensch�tzen, diese Rebellen�, murmelte er und griff nach einer K�rbisflasche neben dem Feuer. �Bin froh, dass nicht ihr auf mich geschossen habt.�</p><p>Die Worte hatten den Bann gebrochen. Die Krieger unterhielten sich wieder leise miteinander.</p><p>Artax trank in langen, gierigen Z�gen das schale Wasser in der K�rbisflasche, dann schickte er Ashot los, ihm einen Ortskundigen zu holen. Es dauerte lange, bis sein Gef�hrte zur�ckkehrte. Ihm folgte ein spindeld�rrer Krieger mit rotem Bart, der den gr��ten Bogen trug, den Artax jemals gesehen hatte.</p><p>�Ormu, Herr�, stellte Ashot den Fremden vor. �Er ist ein J�ger und kennt sich hier aus.�</p><p>Artax deutete auf den Berg, der im Licht eines schmalen Sichelmonds nurmehr ein Schattenriss vor dem Sternenhimmel war. �Dort gibt es einen Pfad. Wohin f�hrt der?�</p><p>�Zum Steinhorst.�</p><p>�Was ist das?�, fragte Artax.</p><p>�Eine kleine Fluchtburg. Uneinnehmbar. Meist ist sie verlassen, weil sie so abgelegen liegt. Keiner, der nicht auf der Flucht vor m�chtigen Feinden ist, m�chte dort einen Winter verbringen. Bessos wird dorthin gegangen sein, denn an diesem Ort k�nnen wir ihn nicht besiegen.�</p><p>Artax betrachtete den J�ger skeptisch. Sein Antlitz war hager, vom Wetter gegerbt. Er wirkte nicht wie ein Mann, der schnell aufgab. �Warum k�nnen wir Bessos nicht besiegen? Er hat nur noch ein paar Dutzend M�nner, die ihm treu sind.�</p><p>�Der Steinhorst liegt auf einer Felsnadel. Eine Br�cke f�hrt hin�ber, deren h�lzerner Mittelteil eingezogen werden kann. Die Burg verf�gt �ber Zisternen und ein gro�es Lagerhaus. Mit gen�gend Vorr�ten k�nnen dort hundert M�nner ein Jahr ausharren, ohne Hunger leiden zu m�ssen. Wenn Bessos vorgesorgt hat und dort oben Proviant lagert, dann brauchen wir den Saumpfad gar nicht erst zu erklimmen. Der Steinhorst wurde schon oft belagert, aber noch nie erst�rmt. Dort oben in den Felsen tanzen die Geister des Windes. Ihr eisiger Atem schneidet bis tief ins Gebein, und ihr Wispern in der Nacht l�sst selbst die mutigsten M�nner verzweifeln. Kein Belagerer h�lt es dort oben lange aus. Wenn die h�lzerne Br�cke einmal eingezogen ist, verm�gen nur noch Adler in den Steinhorst zu gelangen.�</p><p>Der Unsterbliche dachte an Volodi und an den Spitznamen, den seine Krieger dem Drusnier gegeben hatten. Er vermisste die unverzagte Art seines Hauptmanns. Er h�tte sich von solchen Geschichten ganz gewiss nicht einsch�chtern lassen.</p><p>�Ich hatte einmal einen K�mpfer, der f�r mich �ber den Adlern schritt. Ich werde versuchen, es ihm gleichzutun. Morgen st�rmen wir den Steinhorst. Bessos muss besiegt werden. Wenn ich ihn nicht bezwingen kann, dann wird sein Beispiel andere ermutigen, ebenfalls zu rebellieren.� Er wandte sich an Ashot. �Du suchst mir f�nfzig M�nner, die mich oder den riesigen Haufen Gold, den sie bekommen werden, so sehr lieben, dass sie mir selbst in den Gelben Turm folgen w�rden. Es wird so viel Gold sein, dass sie in ihrem Leben nie mehr einer ehrlichen Arbeit nachgehen m�ssen, wenn sie keine Spieler oder Narren sind. Morgen bringen wir es zu Ende!�</p><p>Ormu sah mit finsterer Miene auf ihn hinab. �Nur Narren werden Euch bei einem Angriff auf den Steinhorst folgen�, sagte er leise. �Ich werde mitkommen, um einst meinen Enkeln erz�hlen zu k�nnen, wie die Geister des Windes den Unsterblichen Aaron ins Verderben st�rzten.�</p></section><section><title><p>Wo Menschen welken</p></title><p>Merob hatte ein schlechtes Gewissen. Sie kam zu sp�t. Viel zu sp�t�� Sie hatte sich den ganzen vorangegangenen Tag unp�sslich gef�hlt. Ihr Herz hatte geschmerzt, die Beine waren schwer wie Blei gewesen. Sie war zu schwach gewesen, sich von ihrem Lager zu erheben, ja selbst zu schwach, um zu essen. Artiknos hatte sie d�nne Suppe trinken lassen und ihr eine Schweineblase, gef�llt mit warmem Wasser, unter die Decke geschoben. Das hatte geholfen. Heute f�hlte sie sich ein wenig besser. Doch Merob wusste, dass ihre Tage gez�hlt waren. Sie hatte zu lange tief im Fels verborgen gelebt. Menschen waren geschaffen f�r das Licht. Mussten sie sich fern des Lichtes verstecken, so erging es ihnen wie den Pflanzen�� sie verwelkten vor der Zeit.</p><p>Merob betrachtete die grob behauenen W�nde des Tunnels, durch den Artiknos sie trug. Der Fl�tenspieler war dagegen gewesen, dass sie ihr Lager verlie�. Doch diese Angelegenheit duldete keinen Aufschub mehr. Sie musste den Spitzel von seinen Fesseln befreien. Statt der einen geplanten Nacht hatte er ganze zwei an den geheimen Kristall der Gro�en Mutter gefesselt verbracht. Nicht dass er noch einen Unterschied sp�ren w�rde. Er war l�ngst dem Wahn anheimgefallen, so wie die anderen Ungl�ubigen, die eine Nacht bei dem Kristall und den Gr�nen Geistern verbringen mussten. Die Angst l�schte ihren Verstand�� und wenn sie schlie�lich geholt wurden, waren sie sabbernde Idioten geworden, f�r die Werden und Vergehen keinerlei Bedeutung mehr hatten, da sie kein Empfinden f�r den Fluss der Zeit mehr besa�en. Doch w�rde der Priester inzwischen schrecklichen Durst leiden. Ihn unn�tig zu qu�len widersprach ihrem Glauben, in dem jedes Leben heilig war, selbst das ihrer Feinde.</p><p>Pl�tzlich verharrte Artiknos. Jetzt h�rte auch sie es. Spitzhacken! �Wo sind wir?�</p><p>�Etwa unterhalb des Fischmarktes der Insulaner�, entgegnete er, wobei sie ihm deutlich anh�rte, dass er sich nicht ganz sicher war.</p><p>Die Insulaner. So nannten alle die seltsamen Bewohner der Schwimmenden Inseln, die das kleinste Viertel in der Goldenen Stadt unterhielten. Bislang hatten sie kaum in die Tiefe gegraben. �Wissen wir, was sie bauen?�</p><p>Artiknos sch�ttelte den Kopf. �Keiner beachtet sie. Kaum jemand wei�, was sie treiben.�</p><p>�Finde es heraus!�, befahl Merob entschieden. Jeder Keller, jeder Tunnel und jede Zisterne, die in den Fels des Steilhangs getrieben wurde, war eine Gefahr f�r sie.</p><p>Sie benutzte nat�rliche H�hlen, vergessene Gr�fte und gesperrte Abwasserkan�le, um ihre Anh�nger um sich zu versammeln. Mit wenigen neuen Tunneln hatten sie ein verborgenes unterirdisches Netz erschaffen, das sie f�r ihre heimlichen Zusammenk�nfte nutzten. Merob wusste nur zu gut, dass alle Statthalter und die meisten Priester ihre Anh�ngerschaft zumindest mit Misstrauen, meist jedoch mit Hass betrachteten. Dabei waren sie die Einzigen, die diese Welt wirklich verstanden, die begriffen hatten, dass die Gr�nen Geister die Kinder der Gro�en G�ttin waren und dass der Tag kommen w�rde, an dem sich Nangog aus ihrer Gefangenschaft befreien w�rde. Und an dem Tag sollte man besser nicht ihr Feind sein. Was dann geschehen w�rde, hatte der Spitzel in der H�hle am eigenen Leib erfahren. Kurz lauschte sie noch auf die Ger�usche im Fels, dann bat sie Artiknos darum weiterzugehen.</p><p>Zu viele gruben in die Tiefe. Am schlimmsten trieben es die Besitzer der Lagerh�user nahe der Goldenen Pforte. Da Bauplatz in der N�he des magischen Portals selbst f�r die Reichsten unbezahlbar geworden war, vergr��erten die Handelsherren ihre Lagerh�user einfach in die Tiefe. Ihren alten Versammlungsort hatten Merob und ihre Anh�nger schon aufgeben m�ssen, weil einer der verborgenen Zugangstunnel bei der Erweiterung eines Lagerhauses entdeckt worden war. Sie mussten st�ndig auf der Hut sein. Die Alte machte sich keine Illusionen dar�ber, was mit ihr geschehen w�rde, wenn sie den Schergen der Statthalter in die H�nde fiel. Sie w�rden den Kult um die Gr�nen Geister am liebsten ausl�schen. Wie so viele M�chtige waren sie blind f�r die Zukunft und daf�r, was gut f�r das Volk war, das sie regierten.</p><p>Merob sehnte den Tag herbei, an dem Nangog sich erhob. Den Tag, an dem sie endlich die Tunnel verlassen k�nnte, um noch einmal die Sonne zu sehen. Es musste bald geschehen! Sie wusste nur zu gut, wie krank sie war. Viel Zeit blieb ihr nicht mehr. Und sie hatte immer noch nicht entschieden, wer ihre Nachfolgerin sein w�rde. Das war eitel und dumm. Und doch brachte sie es nicht �ber sich�� hatte sie doch das Gef�hl, dass auf einer ihrer Versammlungen ihre Nachfolgerin zu benennen gleichbedeutend damit war, einen gro�en Schritt in Richtung Grab zu tun.</p><p>Eigentlich sollte ihre Wahl auf Zarah fallen. Sie war beliebt in der Gemeinde, sie hatte Einfluss und bereits unz�hlige Male ihren Mut bewiesen, wenn sie nachts mit gr�ner Kreide ihr Zeichen auf die Sockel von Statuen, die Ziegelsteinw�nde der Lagerh�user und manchmal gar auf die T�ren von Pal�sten malte. Der formlose gr�ne Fleck, das Zeichen f�r die Geister Nangogs. Aber Merob gefiel Zarahs Lebenswandel nicht, so klug und mutig sie auch sein musste. Ein solches Weib sollte keine Priesterin der Gro�en G�ttin sein!</p><p>�Was soll ich mit dem Spitzel machen?�, unterbrach Artiknos ihre Gedanken.</p><p>�Setz ihn vor dem Haus der barmherzigen Br�der ab. Vielleicht nehmen sie ihn auf. Und wenn nicht, ist es nicht unsere Sache. Er hat seine Seele an die Herrschenden verkauft und wusste, dass er sich in Gefahr begibt, wenn er uns nachschn�ffelt. Ganz sicher h�tte er keine Gewissensbisse gehabt, uns alle an die Henker der Statthalter auszuliefern. Wir aber sind gn�dig. Wir lassen ihm sein Leben. Und wenn die dort oben�, sie blickte zu der ru�geschw�rzten Decke des Tunnels �ber ihr, �weniger gn�dig sind und einem Verr�ckten kein Gnadenbrot schenken, dann soll dies nicht unsere Sorge sein.�</p><p>Artiknos widersprach nicht. Er hatte schon f�r sie get�tet, aber Merob wusste, dass er es, wie alle J�nger der Gro�en G�ttin, hasste, Blut zu vergie�en. Sie stiegen tiefer und tiefer in den Fels hinab, durchquerten ein St�ck eines bestialisch stinkenden Abwasserkanals und erreichten endlich den kurzen Tunnel, der zur Kristallh�hle f�hrte. Hier hie� Merob den Fl�tenspieler, sie abzusetzen. Die letzten Schritte wollte sie aus eigener Kraft tun.</p><p>Mit wackligen Knien ging sie der H�hle entgegen, nur um im Eingang wie versteinert stehen zu bleiben. Dutzende Gr�ne Geister glitten durch die H�hle. Sie tanzten um den Spitzel herum, der Merob mit klarem Blick entgegensah. �Du kommst sp�t, Erste Mutter, doch ich wei� um dein Unwohlsein und vergebe dir. Die Gro�e Mutter hat mich unterrichtet. Sie will, dass ich von nun an ihr Priester bin, ihre Stimme in den Ohren der Menschen. Du aber bleibst die Erste Mutter, die g�tige Herrin, die unseren Bund anf�hrt. Und nun sei so gut, Mutter, und l�se meine Fesseln.�</p><p>Merob blickte fassungslos auf die Geister, die in schillerndem Reigen um den Kristall und ihren Gefangenen tanzten. Nie zuvor hatte sie so viele gesehen. Tr�nen stiegen ihr in die Augen. Hatte die Gro�e Mutter nun an ihrer Stelle entschieden? W�rde dieser Mann ihr Nachfolger werden? Warum hatte Nangog ihr sein Kommen nicht angek�ndigt?</p><p>Merob st�tzte sich an der H�hlenwand ab. Sie hatte das Gef�hl, dass all ihre Kr�fte sie verlassen wollten. �Befrei unseren Freund�, wies sie Artiknos an, der vom Anblick der Geister nicht weniger ergriffen schien, als sie es war. Alle Sch�nheit Nangogs spiegelte sich in diesem Tanz.</p><p>Der Priester wirkte nicht ersch�pft. Keine Kr�mpfe sch�ttelten ihn, obwohl er so lange an den Kristall gefesselt gewesen war. Mit federndem Schritt kam er ihr entgegen. Merob kannte diese Kraft, die die Gro�e G�ttin ihren Auserw�hlten schenkte. Als junge Frau hatte sie manchmal n�chtelang durchgetanzt, um Nangog zu ehren. Sie seufzte. Diese Zeiten waren lange vor�ber.</p><p>Nun kniete der Priester neben ihr nieder und ergriff mit gewinnendem L�cheln ihre H�nde. �Ich bin nicht hier, um dir etwas wegzunehmen, Merob. Ganz im Gegenteil. Wir werden die Macht der G�ttin mehren. Bald schon werden au�ergew�hnliche Besucher in die Goldene Stadt kommen. Wir sollen ihnen helfen und ein Haus im Herzen der Stadt f�r sie mieten. Sicherlich k�nnte uns Zarah dabei behilflich sein.�</p><p>Merob sah �berrascht auf. �Du wei�t auch um sie?�</p><p>�Die Gro�e G�ttin teilte viele ihrer Geheimnisse mit mir�, sagte er freundlich l�chelnd. �Ich wei� sogar, wer dein Sohn ist. Dass Nangog ihn von den Toten wieder auferstehen lie� und dass ihm noch Gro�es bestimmt ist. Bald schon wird sich diese Welt ver�ndern. Unsere Herrin wird ihre Fesseln abstreifen, und alle, die sie verachtet und gedem�tigt haben, werden ihr Jammern und Wehklagen erheben, wenn Nangogs Kinder Gestalt annehmen. Wir aber werden in Sicherheit sein, denn die G�ttin vergisst keinen, der ihr gedient hat, ebenso wenig, wie sie die Frevler vergisst.� Mit diesen Worten sah er Artiknos an. �Und von dir erwarte ich, meinen Dolch zur�ckzuerhalten. Und zwar sehr bald. Einen Vertrauten der Gro�en G�ttin zu bestehlen ist keine Kleinigkeit, mein Sohn.�</p></section><section><title><p>Alte Freunde</p></title><p>Kolja hatte seinen M�nnern verboten, in eines ihrer Bordelle in der Goldenen Stadt einzukehren. Er wollte Eurylochos, seinen Stellvertreter, mit seiner R�ckkehr �berraschen. Der aegilische Steuermann war ein Schlitzohr, ein Halunke, dem jede Schandtat zuzutrauen war und deshalb genau die rechte Wahl, um die Freudenh�user zu verwalten. Dieser Aufgabe war er sicherlich gewachsen gewesen.</p><p>Koljas Blick wanderte �ber die hohen H�user, die die Stra�e zu ihrem Hauptquartier s�umten. Er befand sich in einem der besseren Viertel der Stadt. Die D�cher hier waren zwar nicht vergoldet, aber es gab keine fliegenden H�ndler und Bettler und die Nachtt�pfe wurden nicht einfach auf das Pflaster entleert, da jedes der H�user an die Abwassertunnel angeschlossen war, die den Hang hinab zum Fluss verliefen. Er genoss es, die Fassaden zu betrachten. Manche schm�ckten sich mit Fresken, die durch die schweren Regenf�lle jedoch schon so gelitten hatten, dass an zahllosen Stellen der Putz abgeplatzt war und das blanke Mauerwerk offen lag. Andere hatten aufw�ndige Hochreliefs angebracht, die ein Verm�gen gekostet haben mussten. In der Regel zeigten sie, womit der Besitzer reich geworden war: aneinandergekettete Sklaven, Bauern bei der Reisernte, Rinder. Kolja �berlegte, ob sie die Front ihres Hauses mit anz�glichen Bildern von Liebesdienerinnen schm�cken sollten. Er l�chelte versonnen vor sich hin, als er an die fette Matrone dachte, die etwas weiter hangabw�rts lebte und ein Verm�gen im Gew�rzhandel gemacht hatte. Sie gab sich gerne keusch und moralisch. Sie w�re entsetzt von solchen Bildern.</p><p>Ob es wohl noch Widerstand gegen ihn und seine M�nner gab? Oder hatten die Schl�ger und T�rsteher der anderern Freudenh�user endlich eingesehen, wer st�rker war? Er dachte an Leon, den Trurier, der sich zum Anf�hrer der Luden der Goldenen Stadt aufgeschwungen hatte. Auch jener hatte gedacht, er k�nne ihn vernichten�� Sicher gab es noch �rger. So war die Welt. Es gab immer irgendwo �rger.</p><p>Das Pflaster der abfallenden Stra�e war noch nass von einem Regenschauer. Er musste auf seine Schritte achten und sah erst wieder auf, als er die Stelle passierte, an der der Schrank gestanden hatte, in der die Zapoter den Leichnam seines T�rstehers Atmos so drapiert hatten, dass er mit irrem Grinsen sein eigenes, herausgeschnittenes Herz in H�nden hielt. Das war mal ein Zeichen gewesen! Die Zapote verstanden sich darauf, Schrecken zu verbreiten.</p><p>Damals h�tte er nicht f�r m�glich gehalten, dass er auch mit ihnen eines Tages Gesch�fte machen w�rde. Dass sie sich Volodis angenommen hatten, war �beraus n�tzlich. Es hatte ihm keine Freude gemacht, seinen Gef�hrten zu verraten, aber Volodi w�re einfach zu einer Gefahr f�r ihr Gesch�ft geworden. Er h�tte sich ganz gewiss vom Unsterblichen Aaron erweichen lassen, l�nger in seiner Leibgarde zu dienen. Und Volodi war beliebt bei den M�nnern. Er h�tte die Mehrzahl von ihnen mit sich genommen. Das ging nicht! Sie mussten sofort nach ihrer R�ckkehr eine respektable Hausmacht in der Goldenen Stadt aufstellen, um ihre Verbindungen weiter ausbauen zu k�nnen.</p><p>Beim Unsterblichen zu bleiben h�tte den M�nnern nichts gebracht. Hier auf Nangog jedoch w�rden sie irgendwann reich und satt in ihren Betten verrecken. Aaron hingegen h�tte sie in eine Schlacht nach der anderen gef�hrt, bis auch der Letzte umgekommen w�re. F�r ihn w�rden sie immer nur ein paar S�ldner und Piraten bleiben. Ihre Leben z�hlten nicht.</p><p><emphasis>F�r die M�nner ist es besser, dass ich nun ganz allein das Kommando f�hre,</emphasis> dachte Kolja. Und dass Volodi ohne Abschied verschwunden war, nahmen ihm seine Kampfgef�hrten �bel. Kolja hatte das Ger�cht ausgestreut, sein Freund sei auf den Herrensitz seines Vaters zur�ckgekehrt. W�re er einfach verschwunden gewesen, h�tten die M�nner wom�glich noch angefangen, nach ihm zu suchen. So war es besser. Wer einmal das Wei�e Tor der Tempelstadt hier in Nangog durchquert hatte, der kam nie wieder zur�ck. Heute Nacht w�rde er im Andenken an Volodi eine Amphore guten Weins leeren. Sein Kamerad war einfach nicht f�r diese Welt geschaffen gewesen.</p><p>Kolja stieg die ausgetretene Treppe zum Eingang des Hurenhauses hinab. Der T�rsteher starrte ihn mit weiten Augen an. �Du bist zur�ck.�</p><p>Der Drusnier l�chelte. �Gut beobachtet. Ich sch�tze M�nner, die ihren Kopf gelegentlich zum Denken benutzen, und nun lass mich herein.�</p><p>Der verdatterte Kerl riss die T�r auf. Zufrieden registrierte Kolja, dass der T�rsteher gewaschen war und in sauberen Kleidern steckte. Dieses Haus war reicheren G�sten bestimmt. Angetrunkene Schl�ger, die rochen, als h�tten sie in ihrer eigenen Pisse �bernachtet, waren hier nicht tragbar.</p><p>Zwei junge Frauen warteten hinter der T�r. Er kannte beide nicht. Eine war sehr klein und zierlich und schien vom Seidenfluss zu kommen.</p><p>�Wie k�nnen wir dich begl�cken, Herr?� Die Zierliche sprach ihn ohne Z�gern an, w�hrend es der anderen nicht gelang, ihren Abscheu vor ihm zu verbergen. Kolja wusste nur zu gut, wie �bel er aussah, einarmig und mit seinem von Hunderten Faustk�mpfen vernarbten Gesicht. Aber wer in ein Freudenhaus kam, wollte nicht schon beim Eintritt in die Wirklichkeit zur�ckgeholt werden. Hier sollten Tr�ume wahr werden. Die Blondine, die sich nun langsam fasste und zu einem falschen L�cheln zwang, war nicht gut f�rs Gesch�ft. Sie sollte in einem billigeren Haus arbeiten, wo statt mit Tr�umen nur mit Fleisch gehandelt wurde.</p><p>Kolja hielt auf die kleine Treppe zu, die hinauf zu seinem Zimmer f�hrte, das er Eurylochos �berlassen hatte. Die Zierliche machte eine Geste, ihn aufzuhalten, stellte sich ihm aber nicht in den Weg. �Dort oben darf nicht jeder hin���, sagte sie mit hinrei�endem Akzent.</p><p>�Da stimme ich dir zu�, entgegnete Kolja und ging an ihr vor�ber. Hinter ihm ert�nte eine dunkle M�nnerstimme. Kolja ignorierte sie.</p><p>Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, eilte er die Stiege hinauf. Der L�rm hinter ihm ebbte ab. Offensichtlich gab es au�er dem T�rsteher hier noch jemanden, der ihn kannte.</p><p>Kolja stie� die T�r zu seinem alten Zimmer auf, ohne sich der F�rmlichkeit des Anklopfens zu unterziehen. Eurylochos lag mit einer dunkelh�utigen Sch�nheit im Bett, die aussah, als habe sie ein Leben zwischen Wind und Meer verbracht. Der Steuermann setzte sich auf, und sein Fluch erstarb, bevor er ihm �ber die Lippen kommen konnte. Seine grauen Augen schienen ihm schier aus dem Kopf quellen zu wollen. �Du���, war alles, was er schlie�lich hervorbrachte. Er war ein gro�er, muskul�ser Mann, genauso braun gebrannt wie die Sch�ne neben ihm im Bett. Irgendwann einmal hatte jemand versucht, ihm mit einem Messer das Gesicht zu halbieren. Eine wei�e Narbe lief quer �ber seine Stirn und reichte bis zur linken Wange.</p><p>�Deine Freude, mich lebend zu sehen, ist wahrlich herzerw�rmend.� Kolja setzte sein L�cheln auf, von dem er genau wusste, dass es bei seinem schrecklich vernarbten Gesicht selbst die tapfersten M�nner bis ins Mark ersch�tterte. �Ich m�chte meine Kammer zur�ck. Und mein Bett. Du darfst gehen. Das M�dchen bleibt. Weiche Betten und h�bsche Frauen habe ich in den letzten Monden auf der Ebene von Kush vermissen gelernt.�</p><p>Eurylochos erhob sich ohne Widerspruch, was ihm einen b�sen Blick von seiner Gef�hrtin einbrachte. Er nahm seine Kleider von einem Hocker neben dem Bett, versuchte sie kurz zu ordnen, gab es aber fast sofort auf. Seine H�nde waren unter der zerkn�llten, roten Tunika verborgen. Ein bronzebeschlagener G�rtel hing zwischen den Kleidern hinab. Er trat um das Bett herum und kam Kolja nun l�chelnd entgegen. �Sch�n zu sehen, dass du das Gemetzel �berlebt hast, altes Ross.�</p><p>�Du wei�t ja, ich bringe aus jedem Kampf eine neue Narbe mit, aber ich bin nicht totzukriegen.�</p><p>�Vielleicht doch.� Eurylochos lie� die Kleider fallen. Er hielt einen Bronzedolch in der Hand und rammte ihn Kolja unter den Rippenbogen, sodass die aufrecht gerichtete Spitze direkt auf sein Herz zielte.</p></section><section><title><p>Eine wie keine</p></title><p>Der Dolch fuhr kreischend �ber das Metall des Bronzek�rass, den Kolja unter der Tunika verborgen trug. Der Drusnier packte Eurylochos� Waffenarm mit dem Geschick des ge�bten Ringers und Faustk�mpfers und schob den Dolch unter seiner linken Achsel vorbei. Gleichzeitig machte er mit der Linken eine wegwerfende Bewegung, und die Klinge, die in der Lederprothese verborgen war, glitt zischend aus ihrem Versteck und rastete ein. Er dr�ckte die st�hlerne Spitze dicht unter Eurylochos� rechtem Ohr an dessen Kehle. �Ich war in den letzten Wochen auf einem Schlachtfeld, wo Dolche wie dieser �ber Leben und Tod entschieden haben, Steuermann, wohingegen mir scheint, dass du dich allein in K�mpfen mit einem Dolch aus Fleisch bew�hrt hast.�</p><p>Kolja blickte zu der jungen Frau, die auf dem Bett kauerte und ganz ohne Bedauern f�r Eurylochos zusah. �Wir haben nun eine M�nnerangelegenheit zu erledigen. Geh!�</p><p>Sie sprang auf und suchte gar nicht erst nach ihren Kleidern. Mit fliegenden Schritten eilte sie aus der Kammer.</p><p>Kolja versetzte Eurylochos einen Sto� gegen die Brust, der den Steuermann zur�cktaumeln und auf das zerw�hlte Lager st�rzen lie�. �Erinnerst du dich, was ich allen Zinnernen versprochen habe, als ich euch nach Nangog gef�hrt habe?�</p><p>Der Steuermann l�chelte bitter. �Dass wir reich werden und in einem bequemen Bett sterben.�</p><p>�Liegst du gut, mein Freund?� Kolja trat an das Lager. Sein Dolch zeigte auf das Herz von Eurylochos.</p><p>Der Steuermann bat nicht um Gnade. Er sah ihn fest an und erwartete das Unvermeidliche.</p><p>�Dir d�rfte aufgefallen sein, dass ich damit gerechnet habe, dass du mir ans Leder willst. Ein guter Gesch�ftsmann muss von Gier getrieben sein.� Kolja lie� sich auf dem Hocker neben dem Bett nieder. Seine Klinge fuhr Eurylochos� Brust hinauf bis zu dessen Kehle. �Du wirst mir jetzt vom Gesch�ft erz�hlen. Um wie viel sind wir reicher geworden?�</p><p>�Wollen wir es nicht einfach zu Ende bringen?�, fragte der Steuermann resignierend. �Was soll dieses Spiel?�</p><p>�F�r jede Frage, die du mir von nun an nicht beantwortest, werde ich ein kleines St�ck von dir abschneiden. Es liegt also ganz bei dir, wie wir es machen. Und damit du siehst, dass ich es ernst meine, gebe ich dir eine kleine Kostprobe.� Bevor Eurylochos wusste, wie ihm geschah, hatte Kolja dessen rechte Hand gepackt und presste sie gegen die Wand hinter dem Bett. �Ich finde, kleine Finger sind relativ nutzlos. Schneidet man einen kleinen Zeh ab, wird das Laufen unangenehmer. Aber einen kleinen Finger�� wozu braucht man den schon?�</p><p>�Die Gesch�fte sind sehr gut gelaufen�, stie� Eurylochos hervor. �Leon ist tot. Uns geh�ren alle gro�en Hurenh�user der Stadt, und wir haben die Seidene f�r uns gewinnen k�nnen.�</p><p>Kolja schob die Dolchklinge zwischen den kleinen Finger und den Ringfinger der geballten Faust des Steuermanns. �Die Seidene? Irgendein M�dchen nehme ich an. Was ist an ihr besonders?�</p><p>�Bitte, es tut mir leid. Ich werde mich nie wieder gegen dich erheben. Ich���</p><p>Kolja dr�ckte die Klinge nieder und trennte den kleinen Finger ab. Er fiel neben dem keuchenden Steuermann aufs Bett. �Das mit den Treueschw�ren glauben wir doch beide nicht. Schenk dir das. Ich erwartete lediglich Antworten auf meine Fragen. Ich hatte mich eben doch ganz unmissverst�ndlich ausgedr�ckt, oder?�</p><p>Eurylochos nickte. Er k�mpfte gegen seinen Schmerz an. Blanke Panik stand ihm in den Augen. Dass er weder schrie noch um Gnade wimmerte, gefiel Kolja.</p><p>�Was ist das n�chste Glied, auf das du verzichten kannst, Steuermann? Nat�rlich k�nnten wir auch mit der Nase oder einem Ohr weitermachen.�</p><p>Eurylochos k�mpfte mit bebenden Lippen um seine Selbstbeherrschung. Schwei�perlen zeichneten ein Gitterwerk feiner Linien auf sein Antlitz.</p><p>Kolja lie� die Hand des Steuermanns los und strich ihm mit der Klinge sanft �ber die Wange. �Ich k�nnte auch ein Auge nehmen.�</p><p>�Den anderen kleinen Finger�, stie� der Steuermann zwischen zusammengebissenen Z�hnen hindurch.</p><p>Der Drusnier schmunzelte. Er w�rde sich gut �berlegen m�ssen, wo er Eurylochos k�nftig einsetzte. Der Steuermann w�rde ihn von nun an ein Leben lang hassen. Aber er war klug und hart. Mit M�nnern wie ihm konnte man K�nigreiche aufbauen. Statt zu jammern und noch eine Wunde davonzutragen, hatte er sich zusammengerissen und gew�hlt.</p><p>�Rei� ein St�ck vom Bettlaken, und verbinde deine Hand. Du blutest hier alles voll.�</p><p>Eurylochos gehorchte. Er wickelte das Leinen straff um die Hand und zog den Verband mit den Z�hnen fest.</p><p>Kolja beobachtete, wie sich der schmutzig wei�e Stoff voller Blut sog. �Nun erz�hlst du mir von dieser Seidenen.�</p><p>Der Seemann begann stockend zu sprechen. Er k�mpfte immer noch gegen den Schmerz an. �Keiner wei�, woher sie kommt, aber sie brachte uns allein im letzten Mond mehr Gold als alle M�dchen aus unserem besten Haus zusammen. Sie ist von sich aus zu mir gekommen und hat sich unter unseren Schutz gestellt. Sie wollte keine W�chter und in keines unserer H�user. Ihr ging es einzig darum, dass die anderen Luden der Stadt wussten, dass sie unter unserem Schutz steht. Und das l�sst sie sich ein Verm�gen kosten.�</p><p>�Woher kommt all das Gold? Was ist an ihr so besonders? Ist sie so sch�n?�</p><p>Eurylochos hob resignierend die H�nde, und Blut rann aus seinem durchn�ssten Verband seinen Unterarm hinab. �Wir haben sch�nere Frauen in unseren H�usern. Aber sie hat etwas an sich, das sich schwer in Worte fassen l�sst. Wenn sie l�chelt, dann geht dir das Herz auf. Ihre Blicke reichen bis auf den Grund deiner Seele. Man will sie haben, wenn man sie sieht. Will in ihrer Gesellschaft sein. Will ihre Aufmerksamkeit. Sie spricht sieben Sprachen, hei�t es. Sie bewohnt ein gro�es Haus in bester Lage. Sie hat Dutzende Diener, mehrere S�nften. Und ihr Ruf reicht bis in die Pal�ste unserer Heimatwelt. Die reichsten Kaufmannsf�rsten tr�umen von ihr. Es sollen Satrapen �ber den Abgrund zwischen den Welten geschritten sein, nur um eine Nacht mit ihr zu verbringen. Sie pflegt Umgang mit mindestens zweien der sieben Statthalter sowie mit hochrangigen Priestern. Sie soll gelehrt sein und kann angeblich genauso frei �ber Philosophie reden, wie sie einen Mann mit den ausgefallensten Spielen in ihrem Bett zu erfreuen vermag.�</p><p>Kolja lachte. �Diesen Wunderk�fer werde ich mir morgen ansehen.�</p><p>Der Steuermann sch�ttelte den Kopf. �So geht das nicht. Man muss um ein Treffen mit ihr anfragen. Das liegt an ihrer Kundschaft. Die Reichen und M�chtigen wollen M�nner wie uns nicht sehen.�</p><p>�Du meinst, sie vergibt Audienzen?� Der Drusnier lachte noch lauter. �Nicht mit mir. Sie arbeitet f�r mich, und ich werde sie morgen sehen. Ich werde ihr ein Geschenk machen, das sie ganz gewiss nicht ablehnen wird. Und nun mach dich davon. Schick mir das M�dchen vom Seidenfluss herauf. Sie soll mir f�r heute gen�gen, bevor ich morgen die Seidene nehme.� Er sch�ttelte lachend den Kopf. �Eine Hure, die eine Philosophin ist. Das will ich sehen. In einer Stunde erwarte ich dich mit zehn der M�nner, die mit mir auf dem Schlachtfeld von Kush gek�mpft haben, vor dieser T�r. Und ihr alle werdet in unseren alten R�stungen als Leibgardisten des Unsterblichen Aaron erscheinen. Wir haben einen Besuch zu machen.�</p></section><section><title><p>Der versunkene Wald</p></title><p>Nodon war diese neue Welt unheimlich. Sie hatten die Flussb�schung hinter sich gelassen und streiften wieder durch dichten Dschungel. Doch seit Nandalee mit diesen eigent�mlichen Geistern in Kontakt getreten war, hatte sich alles ver�ndert. Sie brauchten keine Klingen mehr, um sich einen Weg durch das dichte Unterholz zu bahnen. Das Gestr�pp schien regelrecht vor ihnen zur�ckzuweichen. Das machte es ihnen leichter voranzukommen, aber dem Elf war auch bewusst, dass jeder ihrer Schritte damit gelenkt wurde.</p><p>Nandalee hatte ihnen versichert, dass hier im Wald keine Gefahr bestand, wenn sie mindere Zauber nutzten. Und so verschaffte ein einziges Wort der Macht augenblicklich Erleichterung: Es verbannte die schw�le Hitze und schuf einen angenehmen Kokon aus k�hler Luft, die auch von den Moskitos und anderen Plagegeistern gemieden wurde. Nur gegen die fingerlangen Blutegel, die sie heimsuchten, schien weder Magie noch Kraut gewachsen zu sein.</p><p>Der Schwertmeister blickte zur�ck auf die kleine Kolonne, die er anf�hrte. Nandalee wechselte sich mit ihm und Gonvalon ab. Sie waren am erfahrensten darin, durch die Wildnis zu streifen. Nandalee ging jetzt zwei Schritt hinter ihm. Ihr Blick wirkte in die Ferne gerichtet, obwohl man in diesem von warmem Nebel verhangenen Dschungel kaum weiter als zehn Schritt sehen konnte. In der Linken hielt sie ihren Bogen. Die Sehne war trotz der feuchten Hitze aufgezogen. Dieses Klima, verbunden mit der st�ndigen Spannung, w�rde die Sehne schnell ausleiern lassen. Es konnte f�r dieses Verhalten nur einen Grund geben. Es gab hier eine Gefahr, von der Nandalee ihnen nichts sagte! Etwas, das jeden Augenblick aus dem Dickicht heraus �ber sie herfallen mochte. So hielt auch Nodon seine Klinge stets blank gezogen. Er war bereit, ganz gleich, was da kommen mochte!</p><p>Auf Nandalee folgte Bidayn, die die Kapuze ihres Umhangs tief in die Stirn gezogen hatte, um ihr entstelltes Gesicht zu verbergen. Nodon verstand die junge Elfe nicht�� sie schien unberechenbar, und er konnte f�rmlich sp�ren, wie es in ihr brodelte. Sie war darauf aus, sich zu beweisen. Ihre Meisterin Lyvianne wirkte hingegen ganz ruhig. Sie sah sich aufmerksam um. Sie war eine Schlange. Sch�n und zugleich t�dlich. Er f�hlte sich zu ihr hingezogen. Aber er w�rde es sich nicht anmerken lassen. Auf dieser seltsamen Welt, die den Elfen genauso verboten war wie den Menschenkindern, war es kl�ger, all seine Sinne beisammenzuhalten. Ein Augenblick der Unachtsamkeit, einem verliebten Blick geschuldet, mochte ihn teuer zu stehen kommen.</p><p>Allein in der letzten Stunde hatte er zwei Schlangen bemerkt, die ihm giftig erschienen waren. Kleine, schillernd bunte Mistviecher. Wenn es hier nicht v�llig anders als in ihrer Heimat war, dann waren es gerade diese kleinen, bunten Schlangen, die am giftigsten waren. Er warf noch einen fl�chtigen Blick auf Gonvalon, der ganz am Ende der Reihe ging. Der ehemalige Schwertmeister des Goldenen litt ganz augenscheinlich. Er konnte sich nicht mit einem Zauber gegen die stickige Hitze sch�tzen. Auch suchten ihn all jene Moskitos heim, die sich den anderen in der Gruppe nicht n�hern konnten. Sein Gesicht war �bel zerstochen, seine Augenlider halb zugequollen. Aber er murrte nicht. Er zeigte eine Haltung, die Nodon Respekt abn�tigte, auch wenn er Gonvalon wegen seiner gedankenlosen Aff�ren zutiefst verachtete. Seiner Meinung nach war er das schw�chste Glied in ihrer Gruppe.</p><p>Nach Stunden zerm�rbenden Marsches begann sich der Wald endlich zu lichten. Das Unterholz verschwand, und vor ihnen �ffnete sich eine breite Sumpflandschaft. Fahle B�ume erhoben sich aus dem dunklen Nass. Von ihren �sten wucherten lange, bleiche B�rte. Einige abgestorbene, gest�rzte Baumriesen streckten sich wie Skelette in dem brackigen Wasser. Ganze Wolken von Moskitos tanzten hier im Sonnenlicht. Es war heller als im Dschungel, da das Dach der Baumkronen weniger dicht war.</p><p>�Ich gehe jetzt voran�, sagte Nandalee unvermittelt. Es war das erste Mal seit Langem, dass einer von ihnen sprach. �Bleibt hinter mir, und weicht nicht zur Seite ab. Der Boden, �ber den wir uns bewegen werden, ist �u�erst t�ckisch.� Mit diesen Worten stieg sie in das dunkle Wasser.</p><p>Nodon lie� alle an sich vor�berziehen und reihte sich hinter Gonvalon ein. Schon nach wenigen Schritten schwappte das lauwarme Wasser �ber seine Stiefelstulpe. Er stellte sich vor, wie sich Blutegel an seinen Waden festsaugten. Bei jedem Tritt sank er ein wenig ein, und der Schlick schien sich mit weichen Fingern an seine Stiefel zu klammern, um sie ihm zu rauben. Ein St�ck entfernt sah er etwas im Wasser treiben, das sich gegen die sanfte Str�mung bewegte. Fl�chtig betrachtet sah es aus wie ein bemooster Baumstamm. �Da ist ein Krokodil.�</p><p>�Ich wei߫, kam es lakonisch von Nandalee, die ihren Bogen in Brusth�he waagerecht �ber dem Wasser hielt. �Es wird uns nichts tun.�</p><p>Nodon traute ihren Worten nicht und lie� das Krokodil nicht aus den Augen. Etwas streifte ihn zwischen den Schenkeln. Das Wasser war zu dunkel, um zu erkennen, was es war. Bestimmt nur ein Fisch, redete er sich ein.</p><p>Der Himmel �ber den Baumkronen zog sich zu, und warmer Regen setzte ein. Aus dem aufgew�hlten Wasser stieg Modergeruch. Nodon sp�rte, wie sich die Sohle seines linken Stiefels zu l�sen begann. Er fluchte innerlich. Mussten ihre Kleider wirklich in allen Aspekten so minderwertig wie die Kleidung der Menschenkinder sein? Das war zu viel des Guten! Sollten sie sich vielleicht auch noch die Krankheiten der Menschen zulegen und B�rte wachsen lassen? Wenn er wenigstens w�sste, was sie in diesem verfluchten Wald suchten, aber Nandalee schwieg sich �ber das eigentliche Ziel ihrer Mission aus.</p><p>Eine Schlange glitt ein St�ck entfernt �ber das Wasser. Den Kopf vorgereckt, wand sich ihr K�rper genauso, als sei sie auf festem Grund. Nodon sah ihr nach, bis sie hinter einem bleichen Baumstumpf verschwand.</p><p>Die Wolken schienen sich auf den Wald gesenkt zu haben. Die Baumkronen �ber ihnen waren in blassem Dunst verschwunden. Immer noch regnete es. Das stetige Rauschen der Regenschleier, die �ber das Wasser jagten, tilgte jedes andere Ger�usch.</p><p>Langsam wurde der Boden unter ihren F��en fester. Dichtes Wurzelwerk wand sich unter dem Wasser und schien wie ein Netz den Schlamm einzufangen, um ihn zu einer Insel zu formen. Bald darauf erblickten sie einen wei�en Turm inmitten des Sumpfes. So schien es zumindest zun�chst�� bis sich der Dunst so weit lichtete, dass zu erkennen war, dass es sich um einen jener gewaltigen Baumk�nige handelte. Sein Stamm verlor sich hoch �ber ihnen zwischen Nebelschwaden und Regenschleiern, noch bevor die ersten �ste zur Seite strebten. Er war so m�chtig, dass ihn wohl zwanzig Elfen mit ausgestreckten Armen nicht umspannen k�nnten.</p><p>Verwundert beobachtete Nodon, wie Nandalee geradewegs auf den h�lzernen Turm zuging und ihr Haupt gegen den Stamm lehnte, wie man sich vielleicht ersch�pft an die Schulter eines guten Freundes lehnen mochte. In dieser Geste lag etwas zutiefst Verst�rendes. Er hatte das Gef�hl, dass sich Nandalee mit dem Baum verst�ndigte. Nerv�s lie� er den Blick �ber die Sumpflandschaft schweifen, um zu sehen, ob sich wieder die Gr�nen Geister zeigten. Doch er entdeckte nichts Verd�chtiges. Nichts, was greifbar war, und doch warnte ihn sein Instinkt, dass sie geradewegs in eine Falle liefen.</p><p>In diesem Augenblick schrie Bidayn auf. Nodon fuhr herum und duckte sich dabei intuitiv. Ein armdicker, fleischiger Fangarm verfehlte ihn nur knapp. Diese Dinger waren pl�tzlich �berall um sie herum. Zuckten und wanden sich und suchten nach Beute. Sie schossen aus dem Nebel herab, von dort, wo die �ste des Baums sein mussten.</p><p>Einer der Fangarme hatte sich Bidayn um die Brust gelegt und zog die junge Zauberweberin zum Himmel hinauf. Nodon duckte sich erneut und hob sein Schwert, bereit, den n�chsten Tentakel, der ihm nahe kam, abzutrennen.</p><p>�Lass die Waffe sinken!�, sagte Nandalee k�hl. Sie hatte ihren Bogen gehoben. Auf der Sehne lag ein Pfeil, der auf sein Herz zielte.</p><p>Er hatte es geahnt, sie hatte sie verraten!</p></section><section><title><p>Das Grab �ber den Wolken</p></title><p>Nodon erwog, es darauf ankommen zu lassen. Er war sich fast sicher, dass er den Pfeil ablenken k�nnte. Er war unvergleichlich mit der Klinge. Nicht Gonvalon, der sich so lange in der Wei�en Halle aufgespielt hatte, war der wahre Schwertmeister.</p><p>�Die Gro�e Mutter hat uns einen Verb�ndeten geschickt�, sagte Nandalee beschw�rend. �Diese Tentakel sind keine Gefahr. Sie werden uns aus diesem verfluchten Dschungel hoch �ber die Wolken heben. Wir werden in der H�he reisen. Die M�hsal hat ein Ende.�</p><p>Noch w�hrend sie sprach, schlang sich einer der fleischigen Fangarme um Nandalees Taille. Sie lie� es ohne Widerstand geschehen. Auch Lyvianne und Gonvalon wurden in Fesseln aus Fleisch geschlagen. Beide wehrten sich nicht, als sie hinauf in den Dunst gezogen wurden. Nodon sah ihnen nach. W�hrend seine Gef�hrten verschwanden, erschienen �ber ihm andere Fangarme. Sie waren d�nner, liefen in Haken aus und in Hornplatten, die entfernt an kantige Klingen erinnerten.</p><p>�Er sp�rt deine Feindseligkeit.� Nandalee klang jetzt verzweifelt. �Willst du diese Mission gef�hrden?�</p><p>Der Elf schob sein Schwert in die Scheide. Weder Lyvianne noch Gonvalon h�tten sich einfach so fangen lassen. Sie wussten etwas �ber die Kreatur dort oben im Nebel. Es �rgerte ihn, dass er �ber so vieles nicht unterrichtet worden war. Nangog war den Albenkindern verboten! Woher kam das Wissen seiner Gef�hrten?</p><p>Nodon verschr�nkte mit �bertriebener Geste die H�nde hinter seinem Kopf und duldete, dass sich auch um seine Taille ein Tentakel schlang. Gleichzeitig mit Nandalee wurde er emporgehoben. Eine Bewegung, so schnell, dass ihm �bel wurde. Binnen eines Herzschlags waren sie in den Dunstschleiern. Er sah Schatten m�chtiger �ste an sich vor�berhuschen, und schon schossen sie dem Himmel entgegen.</p><p>Der Dunst wurde lichter. Undeutlich erkannte Nodon Fangarme, die sich um den Stamm und die dicksten �ste des Baumriesen klammerten. Dann tauchte �ber ihm ein Rumpf auf, als ankere ein Schiff im Himmel. Er glitt an dunklen, bemoosten Planken vor�ber durch einen Schacht, der von Dutzenden von Ladeluken ges�umt wurde. Einmal erhaschte er einen kurzen Blick in ein Frachtdeck, wo Amphoren auf h�lzernen Ger�sten vert�ut lagen.</p><p>Schlagartig endete die Aufw�rtsbewegung. Der Fangarm schwenkte ein St�ck zur Seite, und Nodon wurde sanft auf einem rot gestrichenen Deck abgestellt.</p><p>Verwundert sah der Elf sich um. Dies war tats�chlich ein Himmelsschiff! Erstaunlicherweise schien es verlassen zu sein. Au�er seinen Gef�hrten sah er kein Lebewesen an Bord. Die Masten wuchsen hier fast waagerecht aus den Schiffsflanken. Die gro�en, dreieckigen Segel, die zwischen den Masten und dem Rumpf aufgezogen werden konnten, waren bis auf zwei vert�ut. Verwundert betrachtete Nodon einen Baum, der keine zehn Schritt entfernt aus der Mitte des Decks aufragte. Er war in Erde eingelassen. Wie welkes Laub lagen bunte, tote V�gel um ihn herum. Er sah auch zwei Affenkadaver. Nodons Blick folgte dem knorrigen Stamm. Etwa zwanzig Schritt �ber Deck wuchs das schleimbedeckte Astwerk in den Leib der gewaltigen Kreatur, die das Wolkenschiff trug. Mit einer Mischung aus Staunen und Ekel musterte er den gewaltigen, aufgedunsenen K�rper, aus dessen Unterseite Hunderte von Fangarmen hervorwucherten. Manche hielten den Schiffsrumpf umfangen. Andere bildeten zuckende Kn�uel. Jetzt sah Nodon auch Seile, die zu der Kreatur hinaufreichten und sie an das Schiff fesselten.</p><p>�Ein Wolkensammler�, bemerkte Nandalee lakonisch. �Stell sie dir wie eine Mischung aus Tintenfisch und Qualle vor, nur dass sie ein wenig gr��er sind und die Gase in ihrem Leib sie schweben lassen.� Ohne weitere Erkl�rungen ging die Elfe zielstrebig auf den Baum zu, der aus dem Rumpf emporwuchs. Sie lehnte ihren Kopf gegen den Stamm. Dabei schloss sie die Augen, und Nodon erschien es, als horche sie.</p><p>Der Schwertmeister sp�rte, wie sich das Schiff bewegte. Die Fangarme l�sten sich vom Baumk�nig, ihrem Ankerplatz, und langsam stieg das riesige Himmelsgef�hrt h�her, wobei es Richtung Westen driftete. Nodon trat an die Reling und blickte auf das Meer gr�ner Wipfel hinab, in das zarte Dunstschwaden eingewoben waren. Ein Schwarm flammend roter V�gel, fast so gro� wie H�hner, zog unter ihnen �ber die B�ume hinweg. Als Schleim direkt neben ihm auf das Deck troff, spannte er sich an und blickte bewusst nicht nach oben. Er wollte dieses ekelhafte, aufgedunsene Ding, das sie trug, nicht sehen!</p><p>�Hier liegt ein Toter!�, rief Gonvalon pl�tzlich. Er war zum Bug des Himmelsschiffes gegangen und stand bei einem niedrigen Decksaufbau. Nandalee reagierte nicht auf ihn, und auch Bidayn, die ein St�ckweit entfernt in Gedanken versunken an der Reling stand, ignorierte den Schwertmeister. Lyvianne jedoch eilte zu ihm, und Nodon folgte ihr.</p><p>An der R�ckseite des Decksaufbaus f�hrte eine steile Treppe ins Zwielicht eines Frachtdecks. Auf dem oberen Absatz der Treppe kauerte ein Menschensohn mit dem R�cken zur Wand. Er hatte den Kopf weit in den Nacken gelehnt und sah aus, als habe sich sein ganzer Leib im Tod verkrampft. Sein Mund stand offen, und seine toten Augen starrten zu den sich windenden Tentakeln am Leib des Wolkensammlers hinauf. Er trug eine verwaschene, blaue Tunika. Seine Rechte umklammerte etwas, das an einem Lederriemen um seinen Hals hing. Vielleicht ein Amulett?</p><p>Nodon sah sich beklommen um. Es gab keine sichtbaren Wunden bei dem Toten. War er vergiftet worden? Was war auf diesem Himmelsschiff geschehen, bevor sie hier ankamen?</p><p>Lyvianne kniete sich neben den Menschensohn. Sie schnupperte �ber seinem offenen Mund, tastete �ber seine Glieder und zwang mit erstaunlicher Kraft seine verkrampfte Hand auf. Er hielt darin einen durchbohrten, fahlgr�nen Stein.</p><p>�Er ist erstickt�, sagte die Zauberweberin und sah dabei in den Frachtraum hinab. Z�gerlich tat sie ein paar Schritte und murmelte ein Wort der Macht. Nodon sp�rte einen eisigen Luftzug, dann stieg Lyvianne tiefer in das Schiff hinein. Er zog im gleichen Augenblick sein Schwert wie Gonvalon. Ihre Blicke begegneten sich, und ohne ein Wort zu sprechen, war ihre alte Feindschaft begraben. Zumindest so lange, bis sie wussten, was sie dort unten erwartete.</p><p>Das Licht schien aus den letzten Winkeln des Frachtraums zu kriechen, um sich um Lyvianne zu versammeln, die bald von einer unstet zitternden, blaugrauen Aureole umwoben war, w�hrend rings um sie alles in tiefste Finsternis versank. Innerhalb des Lichtkranzes lagen zwei weitere Tote auf dem Deck. Beides junge M�nner. Auch sie waren in verwaschene, blaue Tuniken gekleidet.</p><p>�Ebenfalls erstickt�, sagte Lyvianne und schritt weiter. Die Aureole, die sie begleitete, entriss weitere Leichen der Finsternis, bis sie vor einer seltsamen Kiste stehen blieb, die im hintersten Winkel des Frachtraums hinter B�ndeln aus grobem Segeltuch verborgen stand. Eine verloschene Laterne kr�nte die Kiste, umgeben von gr�nen Steinen und einigen Splittern aus gr�nem Glas und Kristall.</p><p>�Ein Kultplatz?�, fl�sterte Gonvalon, als f�rchte er, seine Stimme k�nne �ber den Lichterkranz hinaus in die Finsternis reichen.</p><p>Lyvianne z�gerte zu antworten, und Nodon trat neben sie, um die seltsame Sammlung von Steinen zu betrachten. Die Idee, G�tter anzubeten, war ihm, wie allen Elfen, fremd. Kobolde taten so etwas und vielleicht auch Zwerge. Sie hingegen kannten die G�tterdrachen. Er selbst war ein Diener Nachtatems und seinem Gebieter unz�hlige Male begegnet. Niemals w�rde er auf die Idee kommen, einen Schrein mit Lichtern und schwarzen Steinen zu errichten, um der Himmelsschlange zu huldigen. Sein Dienst an dem Erstgeschl�pften war seine Art, ihn anzubeten. Wer solche Alt�re errichtete, der war seinen G�ttern noch nie begegnet, dachte er absch�tzig. Wer von ihnen durchdrungen war, ben�tigte solchen Tand nicht.</p><p>�Sie haben hier wohl Schutz gesucht�, mutma�te Gonvalon.</p><p>�Dann scheinen sie ihrem gr�nen Gott nicht viel bedeutet zu haben�, entgegnete Lyvianne herablassend. �Oder sie beteten zu Hirngespinsten. Es sieht so aus, als h�tten sie es in aller Heimlichkeit getan. Wahrscheinlich, um dem Spott ihrer Kameraden zu entgehen.�</p><p>�Ihre Kameraden liegen tot im Heiligtum unter der Eiche.� Nandalees Stimme durchschnitt die Dunkelheit. �Alle hier an Bord sind tot. Die Gro�e G�ttin hat sie unserer Bequemlichkeit geopfert. Sie ist es, die an diesem Altar angebetet wurde. Und sie ist alles andere als ein Hirngespinst, Lyvianne. Sie ist das gefesselte Herz dieser Welt, und wir werden es befreien, damit es wieder voller Kraft schlagen kann. Das ist unsere Mission.�</p><p>�Wir dienen einer G�ttin, die ohne zu z�gern ihre Anh�nger unserer Bequemlichkeit opfert?�, fragte Gonvalon aufgebracht. �So eine Kreatur sollte in Fesseln geschlagen bleiben, damit sie nicht noch mehr Unheil anrichtet.�</p><p>�Mir scheint, dir hat sich der Sinn unseres Seins noch nicht ganz erschlossen, Gonvalon. Wir sind die Krallen der Himmelsschlangen. Unheil anzurichten ist unser Daseinszweck. Erinnere dich an den �berfall auf die Tiefe Stadt.� Lyvianne l�chelte den Schwertmeister k�hl an. �Ganz gleich, was f�r romantische Gedanken dir im Kopf herumspuken, du kannst deiner Bestimmung nicht entkommen. Und die besteht darin, Blut zu vergie�en. Auch unschuldiges Blut. Mir scheint, der Fluch, der auf allen Drachenelfen liegt, hat dich wieder eingeholt. Dem Goldenen davonzulaufen hat nicht geholfen.�</p><p>Gonvalon schob sein Schwert in die Scheide zur�ck. �Ich werde mich an diesem Unrecht nicht beteiligen!�</p><p>Nodon behielt seine Waffe in der Hand. �Was nutzt es, den Befehl zu verweigern? Ich werde dem Wort der Himmelsschlangen gehorchen. Die anderen auch, so wie ich das sehe. Du ver�nderst also gar nichts, es sei denn, du stellst dich uns in den Weg.� Er musterte den Schwertmeister abwartend. Gonvalon glaubte an die Ordnung der Welt, das gab ihm den inneren Halt�� wahrscheinlich wegen seines z�gellosen Lebens. In seinen Augen war er nur noch ein Schatten des Mannes, der er einmal war.</p><p>�F�rchtest du mich so sehr, dass du das Schwert in der Hand beh�ltst, obwohl wir nur reden?� Gonvalon schenkte ihm ein ver�chtliches L�cheln. �Womit willst du mir entgegentreten, sollten wir wirklich einmal gegeneinander k�mpfen?�</p><p>Nandalee trat in den Lichtkranz, der Lyvianne umgab, und f�r einen Augenblick glaubte Nodon, einen gr�nen Schimmer in ihren Augen leuchten zu sehen. Sie wirkte machtvoll und selbstbewusst. Wie Lyvianne, obwohl die beiden Frauen sich in allen anderen Aspekten unterschieden wie Tag und Nacht: War Nandalee die oft unbeherrschte Kriegerin, die ihr Herz auf der Zunge trug, so war Lyvianne die geheimnisumwobene Zauberweberin, und wenn sie redete, dann stets mit Bedacht.</p><p>�Ich dulde keinen Streit.� Die junge Elfe sprach, als sei sie das Befehlen ein Leben lang gew�hnt. Dass sie genau genommen nicht einmal eine richtige Drachenelfe war, merkte man ihr nicht an.</p><p>�Wir k�mpfen f�r die richtige Sache!�, fuhr Nandalee fort. �Das hier hat nichts mit dem Gemetzel in der Tiefen Stadt gemeinsam.�</p><p>�Wenn man von ein paar unschuldigen Toten absieht�, erg�nzte Lyvianne mit s�ffisantem L�cheln. �Nicht dass das mein Gewissen belasten w�rde.�</p><p>�Sie h�tten nicht hier sein d�rfen!�, entgegnete Nandalee scharf. �Der alte Vertrag verbietet es den Menschen, auf Nangog zu siedeln. Jeder Tote in diesem Kampf ist den Devanthar zuzuschreiben, die sich nicht an den Vertrag gehalten haben. Nangog wird das Joch absch�tteln, das ihr auferlegt wurde. Ihr dabei zu helfen ist unsere Mission. Wir m�ssen so schnell wie m�glich an unser Ziel gelangen, bevor die Devanthar bemerken, dass wir hier sind und vielleicht erahnen, wozu wir gekommen sind. Deshalb schickte Nangog uns <emphasis>Winterblau</emphasis>. M�ssten wir weiter die S�mpfe und den Dschungel durchqueren, h�tte es noch Tage gedauert, bis wir die Goldene Stadt erreichen. Mit <emphasis>Winterblaus</emphasis> Hilfe sind wir vielleicht schon morgen am Ziel.�</p><p>Lyvianne hob eine einzelne Braue. �Dieses hirnlose Ding, das das Schiff tr�gt, hat einen Namen? Und es folgt Befehlen?�</p><p>�Alle Wolkensammler haben Namen. Unser Gef�hrte hei�t eigentlich <emphasis>Winterhorizontblau �ber dem Meer der Silberr�cken</emphasis>, aber er gestattet uns, ihn kurz <emphasis>Winterblau</emphasis> zu nennen.�</p><p>Nodon traute seinen Ohren nicht. Dieses Quallenbiest gestattete ihnen etwas. F�r was hielt sich dieser Gallerthaufen!</p><p>�Ihr solltet die Wolkensammler nicht untersch�tzen� sagte Nandalee nun ruhiger, aber immer noch bestimmt. �Sie sind �u�erst feinsinnig und intelligent. <emphasis>Winterblau</emphasis> trauert um die Toten an Bord. Er ist hoch in den Himmel gestiegen, um die Menschenkinder zu ersticken. Er wusste, dass sie unserer Mission im Weg gestanden h�tten. Und er folgte den Befehlen Nangogs. Die meisten der Wolkenschiffer kannte er seit mehr als zwei Jahren. Es sind dreiundf�nfzig M�nner gestorben, um uns Zeit zu erkaufen. Und nur nebenbei, Lyvianne, bedingt durch die gewaltigen Abmessungen ihrer K�rper, besitzen Wolkensammler sieben Gehirne. Mach nicht den Fehler, sie f�r dumm zu halten. Selbst wenn ihr nicht den Schiffsbaum ber�hrt, um ein Band mit <emphasis>Winterblau</emphasis> einzugehen, sp�rt er intuitiv, wie ihr zu ihm steht. Er selbst steht uns mit gespaltenen Gef�hlen gegen�ber, denn er hat nicht gerne dreiundf�nfzig Morde f�r uns begangen. Unsere Fahrt auf diesem Grab in den Wolken ist nur kurz. Also beherrscht euch.�</p><p>�Was sollen wir in der Goldenen Stadt?�, fragte Gonvalon, und Nandalee, die froh �ber den Themenwechsel war, warf ihm einen dankbaren Blick zu, bevor sie antwortete: �Wir suchen einen Weg ins Innere der Welt. Die Goldene Stadt liegt am Weltenmund, einem Krater, der mehr als hundert Meilen durchmisst. Es ist der Ort, an dem die Riesin Nangog ins Innere ihrer Welt hinabgestiegen ist. Dort im ewigen Dunkel wurde sie einst von den Devanthar, den Alben und Himmelsschlangen �berrascht und in Fesseln geschlagen�� Wir werden diese Fesseln l�sen.� Bei ihren letzten Worten wirkte Nandalee bedr�ckt.</p><p>�Und wie machen wir das?�, sprach Nodon an, was die Bogensch�tzin �bergangen hatte.</p><p>�Wir m�ssen nur durch den Krater hinabsteigen.� Nandalee rang sich ein L�cheln ab. �Allerdings ist dies der einzige Ort auf dieser Welt, zu dem Nangog auf keine Weise eine Verbindung herstellen kann. Sie wei� nicht, was uns dort erwartet. Wenn sie Gr�ne Geister dorthin schickt, h�ren sie auf zu existieren�� Es muss irgendwelche W�chter geben. Wir sollten deshalb so viel wie m�glich �ber den Krater herausfinden, bevor wir uns hinabwagen. Wir werden nur einen Versuch haben, und wenn wir dort einen Zauber weben, werden es die Devanthar ganz gewiss bemerken.�</p><p>Nodon konnte sp�ren, dass da noch etwas war. �Wei�t du mehr �ber diese W�chter?�</p><p>Nandalee sch�ttelte den Kopf. �Nein, nicht �ber die W�chter. Aber wir sind nicht die Ersten, die dort hinuntergehen. Im ersten Jahrhundert, nachdem die Wei�e Halle begr�ndet wurde, lange bevor die Menschen die Goldene Stadt gr�ndeten, haben die Himmelsschlangen schon einmal Drachenelfen als Sp�her in den Krater geschickt. Niemand kehrte zur�ck, und es waren nicht Nangog und ihre Gesch�pfe, die ihr Schicksal besiegelten.�</p><p>Nodon erinnerte sich dunkel an eine Geschichte, die er in seinen ersten Jahren in der Wei�en Halle geh�rt hatte. Sie war Teil der Legenden und wurde irgendwann allen Novizen erz�hlt. Darin ging es um die Sieben, die einst ihre Schule begr�ndet hatten: die ersten Drachenelfen. Helden, deren Geschichte �ber Jahrhunderte unvergessen geblieben war. Es hie�, nachdem die ersten ihrer Sch�lerinnen und Sch�ler selbst zu Meistern geworden waren, h�tten sich die Sieben in die Einsamkeit zur�ckgezogen, damit ihr Schatten nicht auf der Wei�en Halle lastete, denn sie waren unvergleichlich in ihren F�higkeiten. Als Beweis daf�r, dass sie selbst heute noch im Verborgenen lebten, hatte gegolten, dass ihre Waffen niemals in die Halle zur�ckgekehrt waren, so wie es sonst stets auf wundersame Weise geschah, wenn ein Drachenelf starb.</p><p>Zum ersten Mal fragte sich Nodon, ob all dies L�gen waren und die verwunschenen Klingen nicht in Wirklichkeit neben ausgeblichenen Gebeinen in jenem Krater lagen, in den sie nun hinabsteigen sollten.</p></section><section><title><p>Das Haus des Datames</p></title><p>Kolja betrachtete das rot lackierte Tor mit den breiten, goldenen Beschl�gen. Er beugte sich vor und leckte an dem Metall. Da war Kupfergeschmack�� also war es nur polierte Bronze. Das passte zu dem Aufschneider von Hofmeister! Machte immer Aufhebens, aber wenn man hinter die Fassade sah��</p><p>Dass Datames ein Hurenm�rder war, hatte Kolja wirklich �berrascht. Das h�tte er dem goldhaarigen Hofmeister gar nicht zugetraut. Manche sagten, Datames sei ein Eunuch gewesen. Es gab viel Geschw�tz am Hof von Ak�u. So weibisch, wie er ausgesehen hatte, war es wohl m�glich. Vielleicht hatte er alle Frauen gehasst, weil er kein ganzer Mann mehr war? Das war nun alles egal. Sicher war, dass Datames niemals mehr hierher zur�ckkehren w�rde. Sein Palast in der goldenen Stadt hatte keinen Besitzer mehr. Darum musste man sich k�mmern.</p><p>Kolja schmunzelte, drehte sich um und blickte zu seinen M�nnern hinab, die auf den Stufen vor dem Tor versammelt standen. Sie trugen polierte Bronzek�rasse und Helme mit pr�chtigen Rossschweifen. Sie sahen gut aus. Ganz wie Palastwachen. Dann hob er seine Prothese und lie� das geh�rtete Leder gegen das Tor krachen. �Im Namen des Unsterblichen Aaron, des Beherrschers aller Schwarzk�pfe, des Wanderers zwischen den Welten, des K�nigs der K�nige! �ffnet dieses Tor!�</p><p>Der Drusnier h�rte eilige Schritte, dann �ffnete ein kahlrasierter Haussklave das Tor einen Spaltbreit. �Bitte verzeiht, aber mein Herr ist nicht hier���</p><p>�Das wissen wir�, polterte Kolja los und trat gegen den Torfl�gel, sodass dieser sich vollends �ffnete, und der Sklave sich nur mit einem unbeholfenen Sprung nach hinten retten konnte. �Dein Herr wird nie mehr zur�ckkommen. Er hat dem Hof Ak�us Schande bereitet, und der Unsterbliche selbst hat einen Preis auf seine Ergreifung ausgesetzt. Nun sag mir, verbirgt sich dein Herr hier?�</p><p>�Nein�, stammelte der Sklave. �Bitte, Herr, Ihr m�sst mir glauben, ich���</p><p>�Du erteilst mir Befehle, du Wurm? Ich <emphasis>muss</emphasis> dir glauben? Einen Schei�dreck muss ich! Jeder wei�, dass Sklaven l�gen, wenn sie nur das Maul aufmachen. Du wirst jetzt alle Sklaven dieses Hauses hier versammeln. Und zwar ein bisschen hurtig!� Kolja deutete auf eine weite Nische, gleich hinter der T�r, die mit farbenfrohen Teppichen ausgelegt war und auf deren gemauerter Bank entlang der Wand zahllose Seidenkissen lagen. �Ich warte hier mit meinen M�nnern und z�hle langsam bis hundert. Wenn ich hundert erreicht habe, erwarte ich, alle Sklaven des Hauses vor mir zu sehen. Und dann werde ich sie befragen. Und wenn ich angelogen werde, werde ich keine Gnade kennen.�</p><p>�Aber, Herr, dies ist ein gro�es Haus. Es ist unm�glich���</p><p>�Eins�, sagte Kolja ruhig. Der Kahlk�pfige sah ihn entsetzt an. �Zwei.�</p><p>Nun rannte der Sklave so schnell los, dass er eine seiner Sandalen verlor.</p><p>Kolja wandte sich an Eurylochos. �<emphasis>Unm�glich</emphasis>. Eines der Lieblingsworte von Sklaven.� Mit einem Seufzer lie� sich der H�ne auf der Bank nieder. Die Wand gegen�ber schm�ckte ein Relief, das Gabenbringer zeigte, die vor dem Unsterblichen Aaron niederknieten. Ein bisschen anbiedernd, dachte Kolja. Aber das passte ja zum Hofmeister. Er war immer ein wenig zu schrill gewesen.</p><p>Kolja blickte auf den Verband an der Hand von Eurylochos. Ein frischer Blutfleck verunzierte das wei�e Leinen. Hatte der Steuermann begriffen, welche Gnade ihm zuteilgeworden war? Eigentlich h�tte er ihm die Kehle durchschneiden sollen. Immerhin hatte der Mistkerl versucht, ihn zu ermorden.</p><p>�Was tun wir hier?�, fragte Eurylochos, der sich unter Koljas Blicken offensichtlich unbehaglich f�hlte. Er trat ein paar Schritte vor und blickte in den Innenhof, in dem in schmalen, aufsteigenden Terrassen ein Meer aus Blumen gepflanzt war, die weite Sonnensegel vor der gnadenlosen Sonne des Nachmittags sch�tzten. Vor einer halben Stunde noch hatte es geregnet. Jetzt aber stand keine Wolke mehr am Himmel, und es war entsetzlich schw�l. Selbst der kleine Springbrunnen, der nahe dem Eingang munter vor sich hinpl�tscherte, verschaffte keine Linderung.</p><p>�Wie macht man sich seine Huren gef�gig, Eurylochos?�</p><p>�Indem man sie gut behandelt?�, sagte der Steuermann vorsichtig.</p><p>�Das ist nur eine Seite der M�nze. Geschenke und andere Zuwendungen sind n�tzlich. Aber ab und zu muss man die Rute gebrauchen, wenn sie aufm�pfig werden. Dies hier wird mein Geschenk an die Seidene werden.�</p><p>Eurylochos glotzte ihn an. �Aber das Haus geh�rt doch Datames���</p><p>�Der tats�chlich in Ungnade gefallen ist und fliehen musste.� Kolja grinste breit. �Das Haus geh�rt also niemandem mehr. Und ich bin mir ganz sicher, der Unsterbliche hat in n�chster Zeit andere Sorgen, als die Besitzungen seines verlorenen Hofmeisters zu beschlagnahmen. Also tun wir das f�r ihn. Sind wir nicht seine Palastwache?�</p><p>�Aber die Zinnernen haben doch den Dienst bei ihm beendet�, fl�sterte Eurylochos und blickte dabei argw�hnisch zum Blumenhof.</p><p>�Glaubst du, irgendein d�mlicher Sklave kann unterscheiden, was f�r eine Sorte Palastwache wir sind? Wir tragen die wei�en Umh�nge der Himmlischen. Und unter den Helmen kann man unsere Gesichter nicht erkennen.�</p><p>�Nur dass du keinen Helm tr�gst, Kolja, und�� bei allem Respekt�� eine recht unverwechselbare Erscheinung bist.�</p><p>Kolja merkte, dass das Gerede des Steuermanns die anderen M�nner zu verunsichern begann. �Was soll schon geschehen? Im schlimmsten Fall haben wir das Haus beschlagnahmt, bevor es Pl�nderern in die H�nde fallen konnte. Ihr seid doch sonst nicht um Ausreden verlegen.� Er lachte und erhob sich, um zum Blumenhof zu schlendern, auf dem sich inzwischen immer mehr Sklaven versammelten.</p><p>�Dreiundneunzig!�, rief er zur �berdachten Galerie des obersten Geschosses hinauf. �Du solltest dich beeilen, Kahlkopf.� Das Haus des Datames war vielleicht nicht der pr�chtigste Palast in der Goldenen Stadt, aber er war exquisit gestaltet. Er lag direkt am Rand einer steilen Terrasse, und Kolja hatte geh�rt, dass es auf der R�ckseite ein �berdachtes Becken gab, von dem aus man �ber die Stadt blicken konnte. �Was meinst du, Eurylochos, werden der Seidenen die Blumen hier gefallen?�</p><p>�Blumen, an denen ein ganzer Palast h�ngt? Welche Hure h�tte je ein solches Geschenk bekommen!�</p><p>�Nicht wahr? Sie wird mir zu F��en liegen, und dann werden wir �ber ihre Kunden plaudern und �ber ein paar neue Gesch�ftsideen.� Kolja konnte es f�rmlich vor sich sehen, wie er sein Ohr an die Wand hielt, wenn liebestolle Satrapen Palastgeheimnisse ausplauderten.</p><p>Der glatzk�pfige Haussklave nahm atemlos vor ihm Aufstellung. �Nun sind sie alle hier, Herr�, stie� er keuchend hervor. �Wir sind neunzehn. Acht davon sind S�nftentr�ger, aber sie verrichten auch andere Dienste.�</p><p>Kolja musterte die muskul�sen M�nner der Reihe nach, zwickte einigen in die Arme und Beine und betrachtete ihr Gebiss. Die Sklaven schienen in guter gesundheitlicher Verfassung zu sein. Auch hielten sie dem�tig den Blick gesenkt.</p><p>�Ihr geh�rt nun alle dem Unsterblichen Aaron. Gemeinsam mit dem Haus seid ihr nun in den Besitz des Palastes von Ak�u gelangt. Und ich verwalte dieses Anwesen. Ab morgen wird es einer Dame zur Verf�gung stehen, die einen wichtigen Dienst f�r Aram leistet. Ich erwarte, dass ihr eurer neuen Herrin jeden Wunsch von den Lippen ablest. Dar�ber, welche G�ste in diesem Haus verkehren, werdet ihr au�erhalb dieser Mauern Stillschweigen bewahren. Ich hoffe, wir haben uns verstanden!� Dann bohrte er einen Finger in die Brust des Kahlkopfes. �Du wirst dieses Haus von nun an leiten. Und wenn etwas nicht zu meiner Zufriedenheit erledigt wird, werde ich dich zur Verantwortung ziehen. Und jetzt sag mir, zu welcher Tageszeit der Garten am sch�nsten aussieht.�</p><p>�Eine Stunde vor Mittag, Herr, wenn das Licht die Farben aller Bl�ten zur vollen Geltung bringt.�</p><p>Kolja wandte sich zu Eurylochos um. �Eine Stunde vor Mittag wirst du die Seidene hierherbringen, und ich werde sie zum gl�cklichsten Weib in der ganzen Stadt machen.�</p></section><section><title><p><emphasis>Katzenm�nner</emphasis></p></title><p>�Es dauerte Tage, bis ich jemanden fand, der Volodi gesehen hatte. Es waren zwei Weiber, nicht sehr vertrauensw�rdig�� Leichenfledderinnen in den Tagen nach der Schlacht, und Marketenderinnen, wenn die Tage des gro�en Sterbens vor�ber sind. Sie hatten ihn gesehen, als er zum Lagerplatz der Katzenm�nner ging, so dr�ckten sie sich aus, und schlugen sogleich das Zeichen des sch�tzenden Horns. Obgleich die Menschenkinder keinerlei Zaubermacht besitzen, sind fast alle von ihnen fest davon �berzeugt, dass bestimmte Rituale, Symbole oder Fl�che das Schicksal zu ihren Gunsten ver�ndern k�nnen. Damals bel�chelte ich das nur. Ich war jung und f�hlte mich trotz all dem, was ich auf dem Schlachtfeld gesehen hatte, unbesiegbar. Ein Wahn, von dem ich bald geheilt werden sollte.</p><p>Die beiden Marketenderinnen waren sich ganz sicher, dass Volodi von den Katzenm�nnern nicht zur�ckgekommen war. Sie hatten bis zum Morgengrauen auf einem H�gel gearbeitet, von dem aus sie einen Blick auf das Lager hatten. Es war ein H�gel voller Leichen, die noch niemand ber�hrt hatte. Vielleicht weil die Katzenm�nner so nahe lagerten.</p><p>Sosehr ich auch suchte, es gab niemanden, der Volodi danach noch einmal gesehen hatte. Er schien bei den Katzenm�nnern geblieben zu sein. Er hatte von ihnen immer mit einer Mischung aus Abscheu und Respekt gesprochen. Ihm war auch klar, dass sie die Schlacht gerettet hatten, als er versagt hatte und auf das T�uschungsman�ver Muwattas hereingefallen war. Aber dass er deshalb mit ihnen gehen sollte, ergab f�r mich keinen Sinn.</p><p>Ich entschied, dass ich zu wenig �ber den Mann wusste, dessen Wagenlenker ich gewesen war, und begab mich an jene St�tte des Jammers, an der die Menschenkinder ihre Verwundeten versorgten. Man muss das Elend gesehen haben, das dort herrscht. Jede Koboldh�hle ist sauberer als diese Verbandspl�tze. Ich musste mich beherrschen, um sie in ihrem Unverstand nicht zurechtzuweisen und sie zu lehren, wie Wunden zu versorgen sind, wie man ein Fieber behandelt und wie bedeutsam sauberes Wasser ist. Es sind Orte zum Sterben, diese Verbandspl�tze. Es ergeht den Verwundeten dort kaum besser als auf dem Schlachtfeld, nur dass ihnen hier, wenn sie Gl�ck haben, einer zur Seite sitzt, wenn es ans Ende geht.</p><p>An diesem Sammelplatz k�nftiger Leichen fand ich zwei Drusnier, die in ihrer Einsamkeit und vom Fieber gesch�ttelt sehr gespr�chig waren. Beide hatten zu den Zinnernen geh�rt, und sie erz�hlten mir von ihren Schlachten. Davon, wie der Unsterbliche Aaron, K�nig Geisterschwert, wie sie ihn nennen, sie auf der Insel Kyrna aufgesp�rt und sie dazu gezwungen hatte, ihm zu Diensten zu sein. Wie sie die verborgenen Eisenh�tten der Luwier gefunden und ihre Schmiede entf�hrt hatten. Sie behaupteten, auf Nangog reiche M�nner zu sein, und bedauerten, dass sie nicht den Tod sterben w�rden, den Kolja ihnen versprochen hatte�� in einem sch�nen Bett, mit einem h�bschen M�dchen an ihrer Seite. Sie waren sehr redselig. Erz�hlten von den Freudenh�usern, die ihnen geh�rten, und von Volodi, den sie zwar bewunderten, der aber keinen Sinn f�r Gesch�fte hatte und einen m�rderischen Streit mit den Zapote heraufbeschworen hatte. Ich werde hier nicht von all den grausamen Einzelheiten berichten, die sie mir �ber den Tod eines Freundes namens Atmos erz�hlten. Die Menschenkinder sind Barbaren, und ich f�rchte, sie werden es immer bleiben. Jedenfalls waren sich beide M�nner darin einig, dass Volodi den Streit heraufbeschworen hatte, weil er ins Bett einer Zapotepriesterin gestiegen war. Und das, obwohl er unter den Weibern in einem halben Dutzend Freudenh�usern h�tte w�hlen k�nnen.</p><p>Sie erz�hlten auch viel �ber das verwunschene Nangog, und es war nicht allein das Fieber, das ihre Augen gl�nzen lie�, als sie von fliegenden Schiffen und H�hlen voller Smaragde schw�rmten. Von all den M�glichkeiten, dort ein neues Leben zu beginnen. Ich muss gestehen, ich erlag der Versuchung und habe einen Zauber gewirkt, der ihr Fieber senkte und das Gift aus ihrem Blut sog. Sie waren keine guten M�nner, und in sp�teren Jahren habe ich mich manchmal gefragt, ob vielleicht andere, bessere M�nner hatten sterben m�ssen, weil ich diese beiden gerettet hatte. An jenem Nachmittag aber war ich den beiden so dankbar, dass ich daran keinen Gedanken verschwendete. Sie hatten mir den Weg nach Nangog gewiesen. Ich wusste nun, dass ich bei den Zapote suchen musste, denn so gut kannte ich den Menschensohn, dessen Wagenlenker ich gewesen war, dann doch.</p><p>Er hatte diese Priesterin ganz gewiss nicht vergessen. Sie war der Schl�ssel zu allem.</p><p>So reihte ich mich in den langen Zug der Verzweifelten und der Gl�cksritter ein, die den Weg �ber den Abgrund zwischen den Welten nahmen, um ins verwunschene Nangog zu gelangen. H�tte ich geahnt, was mich dort erwartete, ich w�re nach Albenmark geflohen, denn Nangog sollte mir meinen jugendlichen Hochmut nehmen und noch weit mehr (�)�</p><cite><text-author><emphasis>Der lange Fluss</emphasis>, Bd. III, Fern der Quelle�� Z�gling der Drachen, Kapitel XXVI�� Katzenm�nner, S. 73 ff., verfasst von Eleborn, Herrscher �ber das Reich unter den Wogen, verwahrt in der Bibliothek der Tiefe.</text-author></cite></section><section><title><p>Ein Krug voller Steine</p></title><p>Noch vor einer Woche h�tte Volodi niemals geglaubt, dass es ihn gl�cklich machen k�nnte, einer Frau einfach nur beim Essen zuzusehen. Denn viel mehr tat Quetzalli nicht. Sie a� und schlief. Und wenn er Gl�ck hatte, schenkte sie ihm manchmal einen Blick, in dem keine Angst mehr lag. Doch das war selten. Sie blieb stets auf der Hut, bereit, sich mit einem Satz in Sicherheit zu bringen. Es war, als w�rde man einem ausgehungerten Wolf beim Fressen zusehen. Seit drei Tagen ging das nun schon so.</p><p>�Ich werde ein wenig rausgehen. Ich bin bald wieder zur�ck.� Bei den letzten Worten sa� ihm ein Klo� im Hals. Er k�me zur�ck, wenn die G�tter ihm an diesem Morgen gn�dig gestimmt waren. Nat�rlich verstand Quetzalli nicht, was er sagte, sie beherrschte seine Sprache nicht. Aber er konnte nicht einfach gehen, ohne ein Wort zu sagen. Das erschien ihm falsch. Selbst wenn seine Worte L�gen waren.</p><p>Als er schon die ersten Treppenstufen hinabgestiegen war, hielt er noch einmal inne und drehte sich um: Sie sah zu ihm auf. Ihr Blick wirkte diesmal nicht gehetzt. Ob sie wusste, was heute f�r ein Tag war? Eher nicht. Sie schien jedes Zeitgef�hl verloren zu haben, wachte mitten in der Nacht hungrig auf und verschlief dann halbe Tage. Es war besser so. Er winkte ihr und schenkte ihr ein L�cheln. Sie sah ihn weiter einfach nur an, aus Augen, die zu Abgr�nden einer verlorenen Seele geworden waren.</p><p>Rasch schritt Volodi die restlichen Stufen hinab. Er wollte nicht zu sp�t kommen. Das w�rde aussehen, als sei er ein Feigling. Unten erwartete ihn Ichtaca. Der Zapote mit dem Knochen in der Nase hielt einen Krug in den H�nden. �Honigwein, Auserw�hlter. Er macht den Weg leichter.�</p><p>Volodi sch�ttelte den Kopf. �Du glaubst nicht, wie viele M�nner ich habe sterben sehen, nur weil sie so d�mlich waren, sich vor einer Schlacht zu betrinken.�</p><p>�Das heute ist anders, Herr�, sagte der kleine Mann bedr�ckt.</p><p>�Kein Grund, mit alten Angewohnheiten zu brechen.� Volodi versuchte, zuversichtlich auszusehen, aber dem Gesichtsausdruck des Zapote nach zu urteilen schien es ihm nicht besonders gegl�ckt zu sein.</p><p>Als Volodi aus dem Haus trat, zog ein leichter Regenschauer �ber den pr�chtigen Park hinweg. Der Regen war angenehm auf der Haut und trotz des Schauers strahlte die Sonne am Himmel und lie� den Garten aussehen, als schwebe ein goldener Schleier �ber ihm. �ber dem Rand des Weltenmunds erhob sich ein weiter Regenbogen. Es w�rde ein sch�ner Tag werden.</p><p>�Darf ich dich ein St�ckweit begleiten, Auserw�hlter?�</p><p>Volodi z�gerte kurz. Dann entschied er, dass es besser war, in Gesellschaft zu sein, als seinen Gedanken nachzuh�ngen. �Gerne.�</p><p>�F�r einen Halbgebackenen bist du ganz ordentlich geraten�, erkl�rte Ichtaca umg�nglich, w�hrend sie zwischen Rosenb�schen hindurchschritten.</p><p>�Halbgebacken?�</p><p>�Eine alte Geschichte in meinem Volk. Wir glauben, die G�tter h�tten einen besonderen Teig erschaffen, aus dem sie dann uns Menschen formten. Wir alle wurden in einem gro�en Ofen gebacken. Zuerst holten sie die Stammv�ter der Drusnier und Valesier aus dem Ofen; aber das war zu fr�h, sie waren noch nicht fertig gebacken, deshalb habt ihr eine so ungesund helle Hautfarbe. Danach holten sie die Luwier und die Erstgeborenen Arams aus dem Ofen. Sie waren besser, aber auch noch nicht vollkommen. Zuletzt wurden die Insulaner und wir, die Zapote, aus dem Ofen genommen. Mit uns waren die Devanthar sehr zufrieden. Wir waren vollkommen.�</p><p>�Nette Geschichte�, murmelte Volodi. �Aber was ist mit den Ischkuzaia?�</p><p>Ichtaca rollte mit den Augen. �Die Ischkuzaia. Das war der allererste Versuch. Eine v�llig missratene Teigmischung.�</p><p>Volodi lachte laut auf. �Ich kenne eine Kriegerprinzessin der Ischkuzaia, die dir mit ihrer Dornaxt den Sch�del einschl�ge, wenn du ihr diese Geschichte erz�hlen w�rdest.�</p><p>�Eine Kriegerprinzessin?�, erwiderte der Zapote und verzog dabei das Gesicht, als h�tte man ihm eben offenbart, er habe ein Methorn geleert, in das sein �rgster Feind gepisst hatte. �Ein Weib in Waffen! Ich sag doch, eine v�llig missratene Mischung!�</p><p>Volodi antwortete nicht. Seine Gedanken waren bei Shaya. Er hatte von ihrem Schicksal geh�rt, konnte sich aber einfach nicht vorstellen, dass sie sich in ein Kloster einsperren lie�. Bestimmt w�rde sie ein paar Priester niederstrecken und bei der erstbesten Gelegenheit die Flucht ergreifen.</p><p>�Du bist ein seltsamer Mann, Auserw�hlter�, unterbrach Ichtaca sein Gr�beln �ber die Prinzessin.</p><p>Volodi l�chelte. �Das habe ich schon oft gesagt bekommen.�</p><p>�Oh, nein!�, wehrte der kleine Mann ab. �Ich hoffe, du fasst das nicht als Beleidigung auf. Ich�� ich wollte mich bei dir entschuldigen. Du hattest recht. Es war die richtige Frau, die du gew�hlt hast. Man sollte jemanden, den man im Herzen tr�gt, niemals aufgeben, ganz gleich wie aussichtslos ein Kampf erscheint. Ich danke dir daf�r, dass du mich daran erinnert hast.� Ichtaca blieb abrupt stehen und verneigte sich feierlich vor ihm. �Du bist ein guter Mensch. Ich�� ich hoffe, dass�� Es war mir eine Ehre, dich gekannt zu haben.�</p><p>�Heh, ich bin noch nicht tot.�</p><p>Ichtaca nickte und sah ihn dann traurig an. �Die Gefiederte Schlange ist gierig, Auserw�hlter. Sie w�hlt die Guten immer zuerst.�</p><p>Volodis Magen zog sich heftig zusammen, aber er zwang sich zu einem sorglosen L�cheln. �Ha! Wenn du w�sstest, wie viele Schurkereien ich in meinem Leben begangen habe, w�rdest du dir keine Sorgen machen.�</p><p>�Ein guter L�gner zu sein, geh�rt nicht zu deinen Schurkentalenten.� Ichtaca blickte zu ihm auf, und es sah aus, als ringe er mit den Tr�nen. �Ich werde ein gutes Mittagsmahl vorbereiten. Ist dir Hirschbraten recht?</p><p>Sie hatten ihr Ziel fast erreicht. Volodi blickte den Weg hinab, an dessen Ende ihn die aufgerissenen Schlangenkiefer erwarteten. �Ja, das w�re sch�n�, sagte er geistesabwesend. �Du gehst schon?�</p><p>�Mir machen die Jaguarm�nner Angst�, gestand Ichtaca ein wenig verlegen. �Sie riechen nach Tod.�</p><p>�Wir sehen uns zum Essen�, murmelte Volodi mit belegter Stimme.</p><p>Der kleine Zapote nickte d�ster. �Ich werde ein Festmahl bereiten. Du darfst es auf keinen Fall verpassen, Auserw�hlter.� Mit diesen Worten entfernte er sich eilig, als habe er Angst, der Tod k�nne auch auf ihn aufmerksam werden, wenn er l�nger in Sichtweite der Jaguarm�nner verweilte.</p><p>Volodi sah, dass sich einige der Auserw�hlten, die er in den letzten Tagen gesehen hatte, bereits vor dem Schlangenhaupt versammelt hatten. Die meisten standen f�r sich allein. Zwei machten leise Witzchen, aber ihr Lachen klang falsch. Volodi sch�tzte, dass mindestens drei der Neuen, mit denen er gekommen war, fehlten. Ganz sicher war er sich allerdings nicht. Mit den Neuank�mmlingen wollte keiner etwas zu tun haben. Verst�ndlich, wenn stimmte, was Ichtaca gesagt hatte, dass Frischfleisch die bevorzugte Wahl der Opferpriester war. Auch er hatte sich deshalb nicht um Freundschaften bem�ht und fast seine ganze Zeit mit Quetzalli verbracht.</p><p>�berall um sie herum glitten Schatten durch die B�sche des Parks. Die Jaguarm�nner lie�en sie nicht aus den Augen.</p><p>Pl�tzlich erklang aus der Tiefe des Schlangenschlunds ein lang gezogener, dunkler Ton. Ein Laut, der durch Mark und Bein ging. Eirik trat an seine Seite, jener Auserw�hlte, den er vor drei Tagen schon am Schlangenschlund getroffen hatte. Er war herausgeputzt. Sein Haar gek�mmt, ein Duft wie von Rosen umgab ihn. Er trug eine schneewei�e Tunika und einen kurzen roten Umhang, der von einer protzigen Goldfibel, die wie ein gekr�mmter Drache aussah, gehalten wurde. In Drusna h�tte ihn jeder f�r einen F�rsten gehalten.</p><p>�Es war klug von dir, freiwillig zu kommen�, raunte er Volodi zu und wies zu dem Weg, �ber den Ichtaca eben erst geflohen war. Dort erschien eine ganze Gruppe von Jaguarm�nnern. Je zwei von ihnen schleiften jeweils einen Gefangenen zwischen sich.</p><p>�Sie lassen uns keinen Moment aus den Augen�, sagte Eirik. �Wenn ich dir einen Rat geben darf, achte mehr auf dein �u�eres. Sie sch�tzen es, wenn wir mit W�rde dort hinuntergehen.� Er nickte in Richtung des Schlangenschlunds. �Und ist es nicht auch besser, wenn wir mit W�rde vor unsere Ahnen treten? Die meisten von uns waren Krieger. Wir sollten das auch hier nicht vergessen und dem Tod mannhaft entgegentreten.�</p><p>Volodi hatte zu viele Schlachten geschlagen, um sich von Geschw�tz wie �dem Tod mannhaft entgegenzutreten� beeindrucken zu lassen. Er hatte Feiglinge wie Helden sterben sehen und war Helden begegnet, die wie Kinder weinend nach ihrer Mutter riefen, als sie verreckten. Er hoffte, er w�rde mit Anstand gehen. Sicher war er sich nicht.</p><p>�Was haben sie mit den��� Es widerstrebte Volodi, das Wort �Feiglinge� auszusprechen. �� mit den weniger Mutigen gemacht?�</p><p>�Zusammengeschlagen. Sie d�rfen nicht unser Blut vergie�en, denn das geh�rt der Gefiederten Schlange. Auch sollen wir nicht verpr�gelt aussehen. Aber glaub mir, diese Mistkerle k�nnen einem verdammt wehtun, auch ohne dass es Spuren hinterl�sst.�</p><p>Wieder ert�nte der langgezogene, dunkle Ton aus dem Schlangenschlund. Er erinnerte Volodi an ein Kriegshorn. Dieses Horn musste gewaltig sein!</p><p>�Komm, es ist so weit.� Eirik zog ihn mit sich. Sie nahmen in weitem Halbrund vor dem Schlangenmaul Aufstellung. Die Verpr�gelten hatten jeweils einen Jaguarmann an ihrer Seite, der sie halbwegs aufrecht hielt.</p><p>Ein drittes Mal erscholl der klagende Ton aus dem Schlangenmaul. Ein Priester mit einem Umhang, dessen Federkragen hoch �ber den Kopf des W�rdentr�gers aufragte und in seiner Farbenpracht mit dem Regenbogen �ber dem Weltenmund wetteiferte, kam feierlich die beleuchteten Treppenstufen hinaufgeschritten. Sein Gesicht war mit schwarz-blauer Farbe t�towiert und wurde von stilisierten Schlangen geschm�ckt, die sich �ber seine Wangen hoch zur Stirn schl�ngelten. Zwischen Kinn und Unterlippe ragte ein blauer Stein aus seinem Fleisch.</p><p>Abgesehen vom Federmantel war der Priester nackt, und sein drahtiger K�rper war mit breiten, schwarzen Streifen bemalt. Volodi hatte den Mann noch nie zuvor gesehen, aber er kannte das Messer, das er in H�nden hielt. Es steckte in einer bunt bemalten Scheide und besa� einen mit Goldbeschl�gen geschm�ckten, dunklen Knauf. Genau wie die Waffe, die er den Zapote vor so langer Zeit gestohlen hatte!</p><p>Hinter dem Priester trat ein Tempeldiener in rotem Lendenschurz ins Tageslicht. Der Mann war kahl geschoren und trug mit feierlicher Miene einen wei�en Krug, auf den eine purpurne, sich windendende Schlange mit einem goldgl�nzenden Kopf gemalt war. Weitere Tempeldiener folgten mit R�ucherpfannen, von denen in blaugrauen Schwaden Rauch mit einem s��lichen Aroma aufstieg.</p><p>�Atme nicht zu tief�, fl�sterte Eirik ihm zu. �Dieser Rauch macht einen ganz benommen.�</p><p>Die Priester mit den R�ucherpfannen teilten sich auf und nahmen hinter den Auserw�hlten Aufstellung, w�hrend der Hohepriester und der Mann mit dem wei�en Krug im Schlund der steinernen Schlange stehen blieben.</p><p>Einige Augenblicke herrschte absolute Stille. Der feine Nieselregen hatte aufgeh�rt, und goldenes Licht brach in breiten, scharf umrissenen Bahnen durch die Wolken. Da trat der Mann mit dem Krug vor und ging geradewegs auf den Auserw�hlten zu, der am linken Ende ihres Halbkreises stand. Mit einem leisen Befehl forderte er den Drusnier auf, in den Korb zu greifen.</p><p>Volodi konnte sehen, mit welchem Unbehagen sein Landsmann seine Hand durch die weite �ffnung des Kruges streckte. Als er sie zur�ckzog, war sie zur Faust geballt. Der Drusnier z�gerte einen Moment, sie zu �ffnen. Dann streckte er die Faust in Richtung des Hohepriesters im Federmantel. Langsam �ffnete er die Hand und stie� einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus. Er hatte einen wei�en Stein gezogen.</p><p>�Mach es wie er�, raunte Eirik. �Nur mit etwas weniger Gest�hne. Wie ich schon sagte, die Zapote lieben es, wenn wir uns mannhaft geben. Sie behandeln uns dann mit Respekt. Das rettet uns nicht das Leben, aber es macht unsere Zeit hier angenehmer.�</p><p>Mit wachsendem Schrecken beobachtete Volodi, wie der Krug immer weiter in seine Richtung wanderte und ein wei�er Stein nach dem anderen gezogen wurde. Er hatte einen Fehler gemacht. Er h�tte sich an den Anfang der Reihe stellen sollen. Ein Griff in den Krug, und alles war entschieden. Rechts von ihm standen nur noch drei Auserw�hlte. F�nf wei�e Steine waren bereits gezogen.</p><p>Eirik kam an die Reihe. Auch er zog einen wei�en Stein und trotz seines Geredes �ber Mannhaftigkeit, stie� er einen leisen Seufzer der Erleichterung aus.</p><p>Nun war es an Volodi zu ziehen. Seine Hand zitterte, als er sie durch die �ffnung des Krugs steckte. Er tastete �ber die vier verbliebenen Steine. Welcher von ihnen w�rde ihm den Tod bringen?</p><p>Er sah den Priester an, der den Krug hielt. Der Kerl verzog keine Miene. Seine Augen waren dunkel und hart. Volodis Hand schloss sich um einen der Steine. Kurz �berlegte er, doch einen anderen zu w�hlen. Sein Griff lockerte sich. Nein! Die erste Wahl war meist die beste. Entschlossen zog er die Hand aus dem Krug und streckte dem Hohepriester die geballte Faust entgegen.</p><p>Ganz langsam �ffnete Volodi die Hand. Er starrte auf den Stein, der dort lag, und sein Herz setzte aus zu schlagen.</p></section><section><title><p>Das geschenkte Leben</p></title><p>Der Stein war wei�! Er war gerettet�� f�r dieses Mal. Er w�rde Quetzalli noch ein paar N�chte lang im Arm halten.</p><p>Der Mann neben ihm stie� einen halb erstickten Laut aus. Auf seiner offenen Hand lag der goldene Stein. Der Priester mit dem Purpurschlangenkrug trat einen Schritt zur�ck und winkte zwei der R�ucherpfannentr�ger herbei.</p><p>�Ich bin noch nicht so weit�, stammelte der Auserw�hlte dieses Tages. �Bitte�� ich���</p><p>Volodi erinnerte sich. Der Mann neben ihm war mit ihm zusammen hierhergekommen. Er war der Erste gewesen, der durch das Wei�e Tor gegangen war. Ein Jaguarmann eilte herbei, packte den Ungl�cklichen und hielt dessen Kopf mit eisernem Griff �ber eine der R�ucherpfannen gebeugt. Bald erlahmte der Widerstand des Auserw�hlten. Sein Jammern verstummte. Sein Blick war leer geworden, und er lie� sich von den Priestern zum Schlund der steinernen Schlange f�hren.</p><p>Die ganze Zeit �ber schwiegen die Zapote. Daheim in Drusna und auch Aram wurde jedes Ritual von sch�n gesetzten Worten begleitet�� feierlich, aufpeitschend oder einsch�chternd, je nach Anlass. Dass die Zapote nicht sprachen, erschien ihm bizarr und unmenschlich. Hatten die Todgeweihten nicht verdient, dass man ihnen verk�ndete, von den G�ttern auserw�hlt zu sein? Wenigstens diesen kleinen Trost, bevor es zum blutigen Opferaltar ging. Das Schweigen der Priester machte das Ritual noch unheimlicher.</p><p>Volodi h�rte, wie Eirik neben ihm schwer ausatmete. �Es ist, als sei einem das Leben geschenkt worden, nicht wahr?�</p><p>Volodi sch�mte sich f�r die Erleichterung, die auch er empfand. So knapp war es gewesen. Seine Finger hatten den Stein gestreift, der den Tod brachte.</p><p>�Komm, geh zu deinem M�dchen und v�gel ihr das Hirn aus dem Sch�del. Heute sind wir unsterblich!�, sagte Eirik und lachte. �Genie� dieses Gef�hl. Es wird nicht lange halten.�</p><p>Volodi sah den Priestern nach, die durch das Maul der Schlange verschwanden.</p><p>�Na los! Genie� das Leben. Es ist zu kurz, um �ber das Unabwendbare zu br�ten.� Eirik zog ihn mit sich den H�gel hinauf, weg von der Opferst�tte.</p><p>Volodi leistete keinen Widerstand mehr. Er wollte dieses Schlangenmaul nicht mehr sehen. Wollte sich nicht l�nger fragen, was dort unten geschehen w�rde. Er w�rde heute keine Antworten erhalten. Er hatte Gl�ck gehabt.</p><p>Sobald sie den kleinen Teich erreichten, der auf dem Weg zu ihren Unterk�nften lag, lie� Eirik sich mitsamt seinen Festtagsgew�ndern hineinplumpsen. �Ich werde mich besaufen�, verk�ndete er ausgelassen, �und dabei zum Regenbogen aufschauen. Ich habe mich noch nie unter einem Regenbogen betrunken. Komm ins Wasser. Es ist herrlich. Es geht nichts �ber warmes Wasser!�</p><p>Volodi dachte an Quetzalli, und pl�tzlich musste er lachen. Er hatte es geschafft, hatte dem Tod seinen Arsch ins Gesicht gestreckt. �Ich hab was Besseres vor, als zu baden�, rief er Eirik zu und begann zu laufen. Er rannte, dass ihm das Herz bis zum Halse schlug. St�rmte an Ichtaca vorbei, der vor dem Eingang ihres Hauses sa� und ein St�ck Fleisch weichklopfte. Auf der Treppe stolperte er fast.</p><p>An der obersten Stufe stand Quetzalli. Sie sah auf ihn hinab, und auch wenn sie nicht l�cheln konnte, vermochte er in ihren Augen zu lesen, wie erleichtert sie war.</p><p>Er nahm sie in die Arme. Sie erwiderte die Umarmung. �Wohl Odi�, sagte sie ganz leise, und ihm ging das Herz auf. �Wohl Odi.�</p></section><section><title><p>Versetzt</p></title><p>Kolja blickte zum Himmel hinauf. Die Mittagsstunde war schon fast vorbei, und sie war immer noch nicht da. Er fluchte. Diese verdammte Hure wagte es, ihn zu versetzen. Die Sklaven des Hauses hatten sich schon vor einer Weile zur�ckgezogen, um seiner Wut zu entgehen. Am liebsten h�tte er jemanden zusammengeschlagen. Endlich schwang das rote Tor zu Datames� Stadtpalast auf, und Eurylochos trat ein. Allein.</p><p>�Wo ist sie!�, schrie Kolja ihn unbeherrscht an. �Ich will ihr einen Palast schenken, und sie erscheint nicht.�</p><p>Der Steuermann blieb f�nf Schritt vor ihm stehen. �Sie ist heute Morgen aus dem Haus gegangen.�</p><p>�Du meinst, sie ist abgehauen?�</p><p>�Nein, gegangen. Sie wei� doch nichts von deinem Geschenk. Sie war schon fort, als ich ankam.�</p><p>�Dann hol sie zur�ck. Wohin kann sie schon gegangen sein?�</p><p>�Zum Hafen�, entgegnete Eurylochos angespannt. �Aber sie kommt wieder. Ich bin ihr nachgelaufen, aber sie war schon auf dem Fluss. Sie will irgendjemanden treffen. Ihre Diener wissen auch nicht mehr. Ich habe wirklich alles versucht, deshalb komme ich so sp�t. Sie wird in zwei oder drei Tagen wieder zur�ck sein. Was sind schon zwei Tage?�</p><p>�Oder drei�, entgegnete Kolja eisig. �Sie ist unsere Hure und l�uft herum, wie es ihr gef�llt. Ich stehe mir hier in einem Blumengarten die Beine in den Bauch, und sie kommt nicht, wenn ich nach ihr rufen lasse! So hat mich kein Weib mehr behandelt, seit mir der erste Bartflaum gesprossen ist. Sie macht mich zum Gesp�tt.�</p><p>�Ganz sicher nicht, Kolja. Keiner wagt es, �ber dich zu spotten.�</p><p>Der Drusnier ging nicht darauf ein. Er wusste es besser. Wusste, dass man ihn hinter seinem R�cken �Fleischkopf� nannte und sich erz�hlte, dass man die Weiber mit verbundenen Augen zu ihm bringen musste, weil keine den Anblick seines Narbengesichts ertrug. Das waren L�gen!</p><p>�Gibt es irgendetwas, das ihr im Leben viel bedeutet? Irgendjemanden, der ihr besonders nahesteht?�</p><p>�Das ist nicht der richtige Weg, Kolja. Bedenke, sie hat m�chtige Freunde. Was wird geschehen, wenn wir den Zorn eines Statthalters auf uns ziehen. Sie ist die Seidene und nicht irgendein Gossenm�dchen. Bei ihr gelten andere Gesetze.�</p><p>�Andere Gesetze?� Kolja schnaubte ver�chtlich. �Es gibt nur ein Gesetz, und das ist immer gleich. Es ist das Gesetz des St�rkeren. Glaubst du, sie kann mir ihren Willen aufzwingen?�</p><p>�Aber das tut sie doch gar nicht!�, begehrte Eurylochos auf. �Sei doch nicht so verdammt stur. Sie hatte keine Ahnung, dass du auf sie wartest.�</p><p>�All unsere M�dchen fragen, bevor sie irgendwohin gehen. Und wenn es uns gef�llt, dann erteilen wir ihnen die Erlaubnis dazu. Meistens sind wir gro�z�gig. Und unsere M�dchen lieben uns daf�r. Wir stecken ihnen enge Grenzen. Und manchmal erweitern wir sie ein klein wenig. Als Ausnahme versteht sich. Und sie lieben uns daf�r und sind uns dankbar.� Koljas Stimme wurde gef�hrlich leise, als er fortfuhr: �Mit dieser Seidenen hast du alles falsch angestellt. Sie kennt keine Grenzen. Zu viel Freiheit macht Menschen undankbar. Sie h�lt sich f�r eine K�nigin, nicht wahr? Ich werde sie daran erinnern, dass sie nur eine Dirne ist. Folge mir, Eurylochos, und lerne! Habe ich dir jemals die Geschichte von dem Bauern erz�hlt, dem man seinen Esel gestohlen hat?�</p></section><section><title><p>Der Irre ohne Nase</p></title><p>�Der ist es?� Kolja blickte auf einen jungen Mann mit vernarbtem Gesicht. Seine Nase war eingedr�ckt, nur noch ein dunkles Loch. Er schielte. Er schien sich zu freuen, dass ihn jemand besuchte und l�chelte arglos.</p><p>�Er ist nicht ganz bei sich�, erkl�rte der Alte, der sich erst nach einer gr��eren Spende bereit erkl�rt hatte, ihn zu dem Jungen vorzulassen. �Ist versch�ttet worden. Soweit ich weiߠ� War mehr tot als lebendig, als sie ihn uns vor die T�r gelegt haben.�</p><p>Kolja sah sich absch�tzend um. Die Kammer, in der er sich befand, war klein, aber sauber. Der junge Mann kauerte auf einem Strohsack. Es kam nicht oft vor, dass er einen Lebendigen traf, dessen Gesicht �bler zugerichtet war als sein eigenes.</p><p>�Was wei�t du �ber ihn?�</p><p>Der Alte strich sich �ber sein stoppeliges Doppelkinn. �Schwierig���</p><p>Kolja hatte verstanden. Barmherzige Br�der nannten sich diese Geier, in Wahrheit ging es ihnen nur um Geld. Es stimmte zwar, dass sie den Auswurf der Gosse aufnahmen, aber immer nur f�r drei Tage. Wer es in dieser Zeit schaffte, wieder auf die Beine zu kommen, hatte Gl�ck. Wer nicht, den setzten sie unbarmherzig wieder auf die Stra�e. Es sei denn, es fand sich jemand, der f�r ihr Wohlergehen zahlte, so wie bei diesem jungen Mann. Den barmherzigen Br�dern schien es bei diesem Handel nicht schlecht zu gehen. Bruder Sanftmut war jedenfalls wohl gen�hrt.</p><p>Kolja schnippte dem Dicken eine Silberm�nze zu. �Hilft das, dich zu erinnern?�</p><p>Der Bruder biss in die M�nze und grunzte zufrieden. �Der Junge bekommt alle paar Tage Besuch von einer Dame. Sie tr�gt immer eine Maske. Ist eher schlicht gekleidet. Aber arm kann sie nicht sein. L�sst immer etwas hier, f�r ihn und f�r uns. Das geht schon viele Jahre so. Wir k�mmern uns gut um den Jungen.�</p><p>�Wie hei�t er denn?� Kolja schnippte Bruder Sanftmut eine weitere M�nze zu, die dieser erneut kritisch in Augenschein nahm.</p><p>�Wir machen uns nichts aus Namen. Wie du dir sicher schon gedacht hast, haben mich meine Eltern nicht �Sanftmut� genannt. Jeder Bruder in diesem Haus erh�lt einen neuen Namen als Geschenk von unserer Gemeinschaft. Unsere G�ste haben keine Namen.�</p><p>�Was macht ihr denn, wenn ihr �ber eure G�ste redet? Ihr m�sst sie doch irgendwie unterscheiden?�</p><p>Bruder Sanftmut spreizte die H�nde und presste dabei die Fingerkuppen aneinander. �Ja, das stimmt schon. Also, er hier�� ihn nennen wir meist den Irren ohne Nase. Wir haben nur einen von der Sorte.�</p><p>Kolja �berlegte einen Moment, welchen Nutzen man daraus ziehen k�nnte, Leute an einem Ort verwahren zu lassen, wo sie keinen Namen mehr hatten. �Habt ihr auch G�ste, die nicht wirklich krank sind?�</p><p>Der Dicke kratzte sich hinter dem linken Ohr. �Wie meinst du das? Der Junge hier ist ja auch nicht <emphasis>wirklich</emphasis> krank.�</p><p>Kolja zog eine Goldm�nze hervor und balancierte sie mit einigem Geschick auf seinen vernarbten Fingerkn�cheln. �Ich glaube, man k�nnte sagen, kranke Leute sind eine Gefahr f�r die Gesunden. Stimmst du mir da zu?�</p><p>Bruder Sanftmut nickte, ohne die M�nze aus den Augen zu lassen.</p><p>�Es w�rde also nicht gegen eure Ordensregeln versto�en, jemanden zu verwahren, der eine Gefahr f�r andere ist.�</p><p>Der barmherzige Bruder blickte auf und sah Kolja mit seinen himmelblauen Augen nachdenklich an. �Ich glaube, du begibst dich in Gedanken gerade auf einen Weg, der doch sehr von unseren Grunds�tzen abweicht. Wir betreiben hier keinen Kerker, falls es das ist, worauf du hinauswillst.�</p><p>�Formulieren wir es einmal anders��� Kolja setzte sein furchtbares L�cheln auf und beobachtete zufrieden, dass es seine Wirkung auch dieses Mal nicht verfehlte. �Dieser Junge war fast tot, als man ihn euch gebracht hat. Ihr habt euch um ihn gek�mmert, wurdet gut bezahlt, und der Junge ist dem Tod entronnen. K�nntet ihr euch vorstellen, hin und wieder einen Gast f�r mich aufzunehmen, der sicherlich sterben m�sste, wenn ihr ihn nicht in eure freundliche Obhut nehmen w�rdet?�</p><p>�Was war noch gleich dein Gesch�ft?�, fragte der alte Bruder, nun eindeutig misstrauisch.</p><p>�Dar�ber werden wir niemals sprechen, auch wenn ich glaube, dass du es bereits ahnst. Meinen Spitznamen darfst du wissen. Manche nennen mich �den Schl�chter�.�</p><p>Bruder Sanftmut strich sich erneut �ber das Doppelkinn, und der Anflug eines verwegenen L�chelns spielte um seine wulstigen Lippen. �Es sieht eher so aus, als seist du derjenige, den man geschlachtet hat.�</p><p>Diesen Scherz hatte sich schon lange keiner mehr mit ihm erlaubt. Kolja lie� die Goldm�nze zur�ck in seine Geldkatze fallen. �Was wei�t du �ber den Faustkampf, Bruder Schwabbelbauch?�</p><p>Bruder Sanftmut wich einen Schritt zur�ck und stellte entsetzt fest, dass er so, wie er stand, nicht zu der T�r der Kammer gelangen konnte, ohne in die Reichweite von Koljas F�usten zu kommen.</p><p>�Es gibt die Faustk�mpfe, die mit blanker Hand ausgetragen werden. Ein blaues Auge, eine aufgeplatzte Lippe oder Augenbraue oder im schlimmsten Fall eine gebrochene Nase sind der Preis. Und dann gibt es die K�mpfe f�r h�rtere Burschen. Die, bei denen wirklich Blut flie�t. Die K�mpfer wickeln sich ihre H�nde mit Lederb�ndern ein, die bis zum Ellenbogen reichen. �ber den Kn�cheln der Faust sitzen Bronzedornen�� Treffer von solchen Schl�gen h�uten dich.� Wieder l�chelte Kolja. �Wie dir ganz richtig aufgefallen ist, habe ich viele schwere Fausthiebe eingesteckt. Es waren nicht Wendigkeit und ausgefeilte Technik, die meinen Erfolg begr�ndeten. Es war die Tatsache, dass ich mehr aushalten konnte als fast jeder andere. Und wenn ich einen Treffer gesetzt habe, dann gab es nur wenige, die danach noch einmal auf die Beine kamen. Man k�nnte also zusammenfassend sagen, dass ich in fast jedem Aspekt das genaue Gegenteil von dir verk�rpere, <emphasis>Bruder Sanftmut</emphasis>.�</p><p>Kolja konnte sehen, wie der Dicke darum rang, sich mutig zu geben.</p><p>�Was f�hrt dich in das Haus der barmherzigen Br�der, Schl�chter? Bitte verzeih, wenn ich so direkt werde, aber es gibt hier Kranke, die meiner Hilfe bed�rfen.�</p><p>�Ich will ebenso geradeheraus sein, Bruder Sanftmut. Ich m�chte den Irren ohne Nase mitnehmen, und ich w�nsche mir, dass diese Kammer unbelegt bleibt und die T�r zu ihr mit einem schweren Riegel versehen wird. Ich biete dir daf�r mein Wohlwollen und werde dir kein Gesicht verpassen, wie ich es habe. Sind wir uns einig?�</p><p>Der alte Bruder lie� sich auf das Lager des Nasenlosen sinken. Er war kreidebleich geworden und rang h�rbar um Atem. �Ich���, stammelte er. �Ich kann nicht��� Er schloss kurz die Augen, bem�ht, sich zu sammeln. �Wir ben�tigen hier mehr als Wohlwollen, um die M�uler unserer Kranken zu stopfen. Die Dame mit der Maske spendet sehr gro�z�gig.�</p><p>�Welches Geschenk ist gr��er als Gesundheit, Bruder? Niemand sollte das besser beurteilen k�nnen als du.�</p><p>�Ich verabscheue dich, und es ist allein die Gewalt, der ich mich beuge�, keuchte der Dicke. �Aber ich verlange zehn Goldst�cke f�r den Irren, und du wirst uns daf�r gut bezahlen, wenn wir jemanden f�r dich in Verwahrung nehmen.�</p><p>Kolja ballte seine Rechte zur Faust, sodass die Kn�chel knackten. �Ich biete dir drei Goldst�cke!�</p><p>�F�nf�, forderte Bruder Sanftmut mit einer Stimme, die wie das Quicken eines �ngstlichen Schweins klang.</p><p>Kolja hatte Respekt vor M�nnern, die gegen ihre Angst ank�mpften. �F�nf? Also gut, in gesch�ftlichen Dingen fehlt dir jeglicher Sanftmut, Bruder. Du bekommst dein Gold, aber daf�r verlange ich, dass die Dame mit der Seidenmaske niemals erfahren wird, wer diesen Irren hier abgeholt hat. Mir ist egal, was f�r eine Ausrede du dir einfallen l�sst. Nur darfst du nicht behaupten, unser Nasenloser sei tot. Haben wir uns verstanden?�</p><p>Der Bruder nickte und streckte die Hand aus. Sie zitterte ein wenig. Kolja z�hlte ihm das Gold in die Hand und bedeutete dann dem verst�mmelten, jungen Mann, der die ganze Zeit �ber mit leerem Gesichtsausdruck vor sich hingestarrt hatte, sich zu erheben. �Du kommst mit mir. Ich werde nun auf dich aufpassen. Du wirst ein sch�nes Zimmer mit einem weiten Blick �ber die Stadt bekommen.�</p><p>Der Irre l�chelte ihn an. Es war eine Grimasse, die Kolja erschaudern lie�. Dieser Junge war h�sslicher als er. Er empfand pl�tzlich Mitleid mit ihm und zwang sich, den Blick nicht von dem so schrecklich entstellten Gesicht des Nasenlosen abzuwenden.</p><p>Ob der Junge etwas von dem Gespr�ch verstanden hatte? So gl�cklich, wie er grinste, wohl eher nicht. Jetzt erst bemerkte Kolja den schmalen Bronzering an dessen Hand. Ein kleiner, gr�ner Stein war darin eingelassen. Es war gut, dass es etwas gab, das zumindest einen Finger des Irren unverwechselbar machte.</p><p>Kolja rechnete damit, dass es noch �rger geben w�rde. Aber nun war er vorbereitet.</p></section><section><title><p>Die Dame in Rot</p></title><p>Bidayn blickte auf das braune Wasser, das beh�big gegen die von dunklen Algen bedeckten St�tzpf�hle der Bootsanlegestelle schwappte. Sie war froh, nicht mehr auf diesem fliegenden Schiff zu sein. Die Kreatur hatte im ersten Morgenlicht an einem K�nigsbaum, etwa eine Meile vom Fluss entfernt, im Dschungel geankert und sie abgesetzt. Das kurze St�ck Weg zum Fluss hatte sie noch einmal zwei Stunden gekostet. Es gab hier kein richtiges Ufer. Wald und Fluss gingen einfach ineinander �ber. Ganz zum Schluss erst waren sie auf einen Kn�ppeldamm gesto�en, der schlie�lich zu dieser Anlegestelle gef�hrt hatte.</p><p>Und so sa�en sie nun hier, von Moskitos umschwirrt, schweigend. Gonvalon hatte ein kleines Feuer entfacht und seine aufgeweichten Stiefel ausgezogen. Er drehte die Spitze seines Dolchs in den Flammen und ber�hrte dann mit dem gl�henden Stahl einen der Blutegel, die an seinen Waden hafteten. Die Plagegeister waren prall vom Blut des Schwertmeisters. Es zischte, wenn er sie mit dem gl�henden Metall ber�hrte. Er k�nnte auch warten, bis sie vollgesogen von allein wieder abfielen, aber es sah so aus, als habe er entschieden, einen Rachefeldzug gegen dieses Gew�rm zu starten. Die anderen hatten sich mehr oder weniger durch mindere Zauber sch�tzen k�nnen. Nur Gonvalon hatte gelitten, seit sie auf Nangog waren. Doch nun w�rde sich das �ndern.</p><p>�Von nun an werden wir alle keine Zauber mehr weben�, hatte Nandalee barsch befohlen, kaum dass sie den h�lzernen Steg betreten hatten. Sie kam Bidayn sehr ver�ndert vor. Nandalee schien Gefallen daran gefunden zu haben, sie alle herumzukommandieren.</p><p>�Wem nutzt es, wenn wir hier bei lebendigem Leib von den M�cken gefressen werden?�, hatte Lyvianne gefragt. �Ich glaube nicht, dass hier mitten im Nichts die Gefahr besteht, einem Devanthar zu begegnen. Eine gute Anf�hrerin verzichtet auf Willk�r und Dummheiten. Du hast noch viel zu lernen, Nandalee.�</p><p>�W�rdest du deiner Meisterin von dem Ebermann erz�hlen, Bidayn, dem wir bei unserer ersten Reise hierher begegnet sind? Vielleicht �ndert das ihre Sicht. Wir sind zu nahe an der Goldenen Stadt. Sie k�nnten unsere Zauber sp�ren. Das Risiko ist zu gro�.� Mit diesen Worten war sie zum Ende des Stegs gegangen und starrte seither mit verschr�nkten Armen auf den weiten Fluss hinaus.</p><p>�Wir sind damals tats�chlich einem Devanthar inmitten wegloser W�lder begegnet�, hatte Bidayn zerknirscht erkl�rt. �Wahrscheinlich war es mein Zauber, der ihn auf uns aufmerksam werden lie�.� Sie hatte mit Schrecken an den Tag gedacht, an dem sie verst�mmelt worden war. Der Tag, an dem sich das unausl�schliche Narbennetz in ihre Haut gebrannt hatte.</p><p>�Sie ist keine gute Anf�hrerin�, hatte Lyvianne beharrt, doch Bidayn hatte sp�ren k�nnen, wie ihre Meisterin den Zauber aufgab, der sie vor den M�cken und der schw�len Hitze gesch�tzt hatte.</p><p>Bidayn umschlag ihre Knie mit den Armen. Auch sie hatte ihren Zauber aufgehoben. Die Hitze umfing sie wie eine warme, feuchte Hand und machte schl�frig. Sie fand diese Welt abscheulich und w�nschte, sie w�re wieder in ihrer Heimat. Nangog war nicht f�r Albenkinder geschaffen. Missmutig blickte sie �ber das schmutzig braune, tr�ge flie�ende Wasser. Es erschien ihr weit wie ein Ozean. Gerade eben noch war der Wald am jenseitigen Ufer als eine verschwommene, gr�ne Linie zu erkennen. Gesplitterte Baumst�mme und gro�e �ste trieben mit der Str�mung.</p><p>Ein St�ck flussaufw�rts konnte Bidayn kleine Fischerboote beobachten. Sie schienen allein aus Schilfb�ndeln zu bestehen, auf denen rittlings die Fischer sa�en und ihre mit Blei beschwerten Netze in die Fluten warfen. Weit im Nordosten zeichnete sich ein blassblauer Schatten vor dem Horizont ab. Auf die Entfernung sah es aus wie eine Mauer. F�r Berge schien es zu regelm��ig geformt zu sein. Es gab keine aufragenden Gipfel. Manchmal glitzerte dort etwas im Sonnenschein. Einige der gr�sslichen Wolkensammler trieben vor dem Wind dieser viele Meilen breiten Barriere entgegen. Bidayn vermutete, dass dieser Ort ihr Ziel sein musste. Die Goldene Stadt.</p><p>Es hie�, die Menschenkinder dort seien so reich, dass ihre H�user goldene D�cher h�tten. Unsinn! Sie wusste nur zu gut, wie die Siedlungen der Menschen aussahen. Sie erinnerte sich noch gut an die Stadt, die sie auf ihrer ersten Reise nach Nangog gesehen hatte: den Dreck, die zerst�rten W�lder und den in Terrassen zerteilten Hang, auf dem die Menschenkinder ihre H�user errichtet hatten. Ihnen fehlte jeglicher Sinn f�r das Sch�ne. Wahrscheinlich war diese Stadt in allem schlimmer. Gr��er, schmutziger, h�sslicher und einfach nur noch �berf�llter mit ungewaschenen Barbaren.</p><p>Die Zeit dehnte sich endlos in der schw�len Hitze, bis Bidayn ein Schiff entdeckte, das mit der Str�mung den Fluss hinabglitt. Lange Ruder lie�en es auf die Entfernung wie einen gro�en Wasserk�fer aussehen, der beh�big �ber die dunklen Fluten stakste. In den Augen der Elfe war es ohne jede Eleganz gefertigt. Sein plumper Rumpf bot den Fluten zu viel Widerstand. Nur eine kleine, wei�e Welle sp�lte um den Bug. Wehm�tig dachte sie an die pr�chtigen Segler, die sie als Kind �ber die Fluten der thalischen See hatte dahinst�rmen sehen. Zischend zerschnitten die schlanken Kiele die D�nung und lie�en die Gischt hoch �ber die Bordw�nde aufspritzen, wenn diese Schiffe unter vollen Segeln �ber das Wasser flogen. Die Elfe vermisste den Luxus, der sie in ihrer Kindheit begleitet hatte, wenn sie die hei�en Sommer im Klippenpalast ihres Onkels verbracht hatten.</p><p>Nandalees Stimme riss sie aus ihren melancholischen Gedanken. �Sie kommen uns holen�, sagte sie und wies auf das Schiff, das nun Kurs auf die Anlegestelle nahm.</p><p>Bidayns Blick ging zu ihren Gef�hrten. Nodon trat als Erster neben Nandalee an den Rand der Anlegestelle. Er hatte w�hrend der Zeit des Wartens den Schlamm von seinen aufgeweichten Stiefeln gekratzt und seine Kleider in Ordnung gebracht. Er sah von ihnen allen am ordentlichsten aus. Lyvianne hingegen war verschmutzt, strahlte aber etwas aus, als k�nne aller Unrat dieser Welt ihr nichts anhaben. Man blickte in ihr Gesicht, in ihre gr�nen Augen, die so viel gesehen hatten, und verga� alles andere. Ganz anders ihre Anf�hrerin, Nandalee. Sie war jemand, zu dem Schmutz einfach passte. Bidayn musste schmunzeln. Ihre Freundin, der sie sich nun so fern f�hlte, wirkte befremdlich, wenn sie gek�mmt und zu sauber war. Sie kam aus der Wildnis, das w�rde man ihr immer anmerken, selbst wenn sie einmal ein Kleid f�r einen Hofball anlegen sollte�� was in ihrem Leben bisher noch nie geschehen war.</p><p>Gerade trat sie zu Gonvalon und legte ihm eine Hand auf die Schulter, als Zeichen, sich bereitzumachen. Als er zu ihr aufsah, musste Bidayn schlucken. Sie beneidete Nandalee um den Blick, den er ihr schenkte. Ein Blick, der mehr sagte als tausend Worte! Die beiden hatten ihre Seelen geschaut.</p><p>Der Schwertmeister wischte seinen Dolch an seinen Stiefeln ab und l�schte das Feuer. Als er aufstand, legte er Nandalee den Arm um die H�fte, zog sie zu sich heran und k�sste sie. Es war keine affektierte Geste. Kein Kuss, der ihnen, den anderen, etwas beweisen sollte. Im Gegenteil, man sah den beiden an, dass sie in diesem Augenblick alles um sich vergessen hatten. Sie waren ganz mit sich allein, und h�tten sie inmitten von tausend Gaffern gestanden, es h�tte sie nicht ber�hrt.</p><p>Bidayn wandte sich ab. Sie w�rde keinen Kuss von jemandem haben wollen, �ber dessen Lippen ein Gr�ner Geist gekrochen war, dachte sie und wusste es doch besser. Jeder Grund, das herabzuw�rdigen, was die beiden hatten, war ihr nur zu willkommen. Sie sah an sich hinab, auf ihre verdreckte, noch feuchte Kleidung. Sie trug Hosen, obwohl sie wusste, dass dies unter den Menschenkindern allenfalls Ischkuzaia-Frauen taten. Und sie hatte Handschuhe an, was bei der schw�len Hitze hier ganz gewiss niemand au�er ihr tat. Aber sie wollte ihre Narben verstecken. Und so achtete sie darauf, dass ihr Gesicht stets schmutzig und im Halbschatten ihrer Kapuze verborgen blieb. Eines Tages w�rde sie die Zaubermacht besitzen, ihr altes Aussehen zur�ckzuerlangen�� oder sich einen anderen K�rper zu stehlen.</p><p>Auf Letzteres war sie in Gespr�chen mit Lyvianne gekommen. Es war ihre Idee gewesen, doch Lyvianne war es, die ihr verraten hatte, dass ihr die dunkleren Pfade der Magie�� h�tte sie den Mut, sie zu beschreiten�� gewiss einen solchen Zauber offenbaren w�rden.</p><p>Das Schiff war nun so nahe, dass Bidayn mehr Einzelheiten erkennen konnte. Unter einem Deck auf Stelzen kauerten Ruderer in einem Unterdeck. Die Schiffsw�nde waren mit roter Farbe gestrichen, auf die in Wei� springende Delfine gemalt waren. Zwei gro�e Augen aus Emaille schm�ckten den Rumpf. Am Heck, unter einem Baldachin, stand eine Frau, ebenfalls ganz in Rot, der Dienerinnen mit breiten Federf�chern frische Luft zuwedelten. Dicht vor ihr lehnte ein Mann mit fast h�ftlangem Haar auf dem Steuerruder des Schiffs. Sein Leib war braun gebrannt und muskul�s. Ein wenig klein kam er Bidayn vor, aber er sah auf barbarische Art gut aus. Vielleicht weil er im Gegensatz zu allen anderen M�nnern an Bord keinen Bart trug.</p><p>Mit einem dumpfen Ger�usch, als Holz auf Holz stie�, legte das Schiff an. Ein J�ngling sprang auf den Steg und schlang ein Tau um einen der h�lzernen Poller. Eine breite Planke wurde ausgelegt, und die Dame in Rot winkte ihnen zu.</p><p>Nandalee ging als Erste an Bord. Leichtf��ig �berquerte sie die Laufplanke und trat vor den Baldachin. �Ich danke Euch f�r die Gunst, uns unseren Weg zur Goldenen Stadt zu erleichtern. Nach langen Wochen im Wald ist es eine Gnade, das letzte St�ck der Reise auf einem Schiff zu vollenden.�</p><p>�Ich bin neugierig, den Bericht eurer Reise zu h�ren, und es liegt ganz in meinem Interesse, euren Weg abzuk�rzen und euch fr�her lauschen zu k�nnen�, entgegnete ihre Gastgeberin h�flich, ja fast herzlich. Sie war eine gute L�gnerin! Gewiss glaubten die arglosen Menschenkinder an Bord jedes ihrer Worte. Und doch, so wusste Bidayn es von Nandalee, war die Dame in Rot nicht mehr als eine Botin, gesandt von Nanog, um sie �ber den Gro�en Fluss zu geleiten. Kaum waren Bidayn und die anderen Nandalee an Bord gefolgt, wurden die Leinen gel�st, und als sie die Mitte des Stroms erreichten, setzten die Schiffer ein gro�es, rechteckiges Segel, das mit breiten aufgen�hten Tauen verst�rkt war.</p><p>So wie das Schiff, war auch das Segel rot, und ein Rad schlagender Pfau war in leuchtender Farbe darauf gemalt.</p><p>Aus gesenkten Lidern betrachtete Bidayn die Frau, die sie aus dem Sumpf gerettet hatte. Auch sie schien Angst zu haben, ihre Haut zu zeigen. Sie war ganz und gar verh�llt, doch waren ihre Beweggr�nde sicherlich andere, dessen war sich die Elfe sicher. Die Menschentochter war schlank und wohlproportioniert. Ein Gazeschleier lie� edle Gesichtsz�ge erahnen, auch wenn Bidayn lediglich mit dunkler Farbe umrandete Augen erkennen konnte. Unter weit geschnittenen Seiden�rmeln lugten zierliche Handgelenke hervor, die silberne Kettchen mit kleinen Gl�ckchen schm�ckten. Auch um die Kn�chel trug sie �hnlich Ketten, sodass jede ihrer Bewegungen von leisem L�uten begleitet wurde.</p><p>Die Dame verstr�mte einen angenehmen Rosenduft. Sie war aber die Einzige unter den Menschenkindern, die gut roch. Die Ruderer, die dank des aufgezogenen Segels nun rasten durften, stanken nach Schwei� und s�uerlichem Wein. Sie be�ugten die zugestiegenen Passagiere neugierig, wagten es aber nicht, einen der seltsamen G�ste ihrer Herrin anzusprechen.</p><p>Bidayn trat an den Bug. Der Horizont war immer noch eine konturlose blaue Wand.</p><p>�Sehr ungew�hnlich, drei Frauen aus dem Flusswald kommen zu sehen.� Der bartlose Steuermann war an ihre Seite getreten. Bidayn warf einen raschen Blick zum Baldachin. Ein anderer Seemann hatte das Ruder �bernommen. Ihre Gef�hrten kauerten im Heck und d�sten. Nur Nodon beobachtete sie und den Menschensohn an ihrer Seite misstrauisch.</p><p>�So selten wie Frauen auf Nangog sind, sollten sie nicht den Gefahren des Waldes ausgesetzt werden.� Er l�chelte herausfordernd. �Selbst dann nicht, wenn sie allesamt Waffen unter ihren Gew�ndern verbergen.� Der Steuermann sprach mit einem so harten Akzent, dass es Bidayn schwerfiel, seinen Worten zu folgen.</p><p>�Was ist verwunderlich daran, wenn eine ungew�hnliche Herrin eine ganz besondere Dienerschaft um sich schart? Als einziger Mann ohne Bart passt auch Ihr hervorragend in das ungew�hnliche Gefolge unserer Herrin.�</p><p>Der Seemann runzelte die Stirn. �Wie kommt Ihr darauf, dass ich ein Diener der Seidenen bin? Diese Prunkgaleere geh�rt Arcumenna, dem Laris von Truria, dem vom Unsterblichen Ansur von Valesia als Lohn f�r seine Siege �ber die r�uberischen Drusnier die Statthalterschaft auf Nangog verliehen wurde. Da die Seidene sehr hoch in der Gunst meines Herren steht, hat Arcumenna uns f�r diesen Tag ihrem Befehl unterstellt.� Der Steuermann sah sie forschend an. �Mir scheint, Ihr seid �ber das Gefolge der Seidenen nicht sehr gut unterrichtet.�</p><p>Bidayn ging auf, dass sie dabei war, das ohnehin nur fadenscheinige L�gengespinst um ihre Herkunft und die Verbindung zu dieser Dame in Rot zu ruinieren. �Verzeiht, meine Herrin hat so viele Sklaven�� Ich hoffe, ich habe Euch nicht beleidigt? M�gt Ihr mir nicht Euren Namen nennen?�</p><p>�Kydon, edle Dame�, er deutete eine Verbeugung an. �Ich muss gestehen, Ihr verbl�fft mich. Dachte ich doch bislang, dass die Seidene mit ganz wenigen Ausnahmen nur Diener in ihrem Haushalt f�hrt. Ihr aber sprecht nun von Sklaven.�</p><p>Bidayn verfluchte sich stumm und warf Nodon, der sich bereits erhoben hatte und sich ihnen nun langsam n�herte, einen flehenden Blick zu. �Da habe ich mich wohl missverst�ndlich ausgedr�ckt.� Sie versuchte es mit einem verlegenen Lachen. �Bitte entschuldigt, ich bin unerfahren darin, mit Fremden zu plaudern. Mein Gebieter sch�tzt es nicht, wenn ich mit anderen M�nnern spreche.�</p><p>Nodon hatte sie erreicht und ihre letzten Worte ohne Zweifel geh�rt.</p><p>�W�rdet Ihr bitte von meinem Weibe ablassen�, sagte er scharf.</p><p>Kydon musterte den Elfen absch�tzig. �Ihr scheint mir nicht besonders mannhaft zu sein. Und klug seid ihr ganz gewiss auch nicht. Mir ist unverst�ndlich, wie Ihr und der andere dort dr�ben drei zarte Weiber den Gefahren des Flusswaldes aussetzen konntet.�</p><p>�F�r einen Mann ohne Bart nehmt Ihr den Mund ganz sch�n voll, was Mannhaftigkeit angeht�, entgegnete Nodon eisig. �Ich wei� ja nicht, woher Ihr kommt, aber in meinem Volk gilt es als �u�erst unschicklich, das Weib eines anderen Mannes anzusprechen. Sucht Ihr vielleicht ein Duell?�</p><p>�Da Ihr in Diensten der Seidenen steht, erfahrt Ihr wohl nicht zum ersten Mal, dass sich der Ruf Eurer Herrin auch auf die �brigen Mitglieder ihres Haushalts erstreckt. Insbesondere die Weiber.� Kydon sah Nodon herausfordernd an. �Ich bin kein armer Mann. Was kostet die Gunst deines Liebchens?�</p><p>Bidayn war entsetzt �ber die Frechheit des Steuermanns. Nodon hingegen blieb v�llig ruhig. �Ich glaube, ganz gleich, wie reich Ihr auch sein m�gt, die Hand nach meinem Weibe auszustrecken k�nnt Ihr Euch nur ein einziges Mal leisten, denn diese Dummheit kostet Euch nicht weniger als das Leben.�</p><p>Kydon wich ein St�ck zur�ck und ma� Nodon erneut mit absch�tzendem Blick, als die Seidene nach ihm rief. �Glaubt nicht, dass ich Euch f�rchte, Herr Aufschneider. Es sind meine Pflichten, die mich zwingen, von Eurer Seite zu weichen.�</p><p>�Auf-schnei-der��� Nodon betonte das Wort Silbe f�r Silbe. �Eines Tages werdet Ihr erfahren, wie au�erordentlich zutreffend der Ehrenname ist, mit dem Ihr mich gerade bedacht habt.�</p><p>Bidayn schien es, dass der Steuermann, der nun eilends seinen Posten am Ruder bezog, eine Spur blasser wurde.</p><p>�Du solltest mit den Menschenkindern m�glichst nicht reden�, sagte Nodon, ohne dabei vorwurfsvoll zu klingen. �Der Kerl wollte dich aushorchen, nicht wahr?�</p><p>�Und ich f�rchte, er hat es geschafft. Wer ist diese Frau, die uns abgeholt hat? Welchen Ruf genie�t sie? Was meinte Kydon mit seinen Anspielungen?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Wahrscheinlich ist sie nur besonders reich und etwas weltfremd. Gewiss hat sie viele Neider, die sich �ber sie das Maul zerrei�en, und Kydon ist einer von ihnen. Ich glaube, wir m�ssen uns deshalb keine Sorgen machen. Wenn er nur ein klein wenig Verstand hat, wird er dich k�nftig in Ruhe lassen.�</p><p>Ob Nodon selber glaubte, was er sagte? Menschenkinder und Verstand? Das schloss sich aus.</p><p>Der Schwertmeister blieb an ihrer Seite, als wolle er sicherstellen, dass Kydon sich nicht mehr zu ihr wagte. Langsam begannen sich die Umrisse einer Stadt abzuzeichnen. Einer Stadt, die auf dem Hang eines Kraters gebaut worden war und die sich �ber Meilen erstreckte! Nie zuvor hatte Bidayn etwas �hnliches gesehen.</p><p>Jetzt passierten sie auch mehr Boote. Sie kamen aus Kan�len, die in den breiten Strom m�ndeten. Plumpe K�hne, hoch beladen mit K�rben, S�cken und Amphoren. Reisende dr�ngten sich dicht an dicht auf den Decks. Schiffe, mit Kriegern besetzt, hielten noch mitten auf dem Fluss jedes der Boote an und untersuchten die Fracht. Es sah aus, als w�rden Listen �ber all die Handelsg�ter gef�hrt, die der Golden Stadt entgegenstrebten.</p><p>Ihr Schiff hielt niemand an. Die Rote Galeere schien bekannt zu sein und einen besonderen Status zu besitzen.</p><p>Seit etwa drei Meilen s�umten Wacht�rme und seltsame Monolithen in regelm��igen Abst�nden das westliche Flussufer. Einmal glaubte Bidayn, ein gr�nes Leuchten zwischen den B�umen am Horizont zu sehen, war sich aber nicht ganz sicher.</p><p>Je n�her sie der Stadt kamen, desto weiter wichen die B�ume zur�ck. D�mme regulierten hier den Lauf des Flusses. Sch�pfr�der von hageren, ockerfarbenen Ochsen angetrieben, hoben das braune Wasser hinauf zu weiten, halb �berfluteten Reisfeldern. Wo das Land weiter anstieg, wuchs Weizen, und es gab bl�hende Apfelbaumhaine. �berall arbeiteten Menschen auf den Feldern. Ihre Zahl musste in die Tausende gehen! Auf jeder Stra�e sah Bidayn Karawanen aus Lasttieren der Stadt entgegenziehen. Die Metropole schien wie ein gewaltiger Schwamm zu sein, der alles aufsaugte, was diese Welt hervorbrachte.</p><p>Bidayn hatte schon auf den weiten Reisfeldern kleine Inseln aus schmutzig braunen Lehmh�usern aufragen sehen. Dicht aneinandergedr�ngt strebten sie in die H�he, als gelte es, m�glichst viele Menschenkinder auf m�glichst engem Raum unterzubringen, um nur keinen Fu�breit Ackerland zu vergeuden. �hnliche Lehmh�user bildeten die �u�ersten Bezirke der riesigen Stadt.</p><p>�ber der Metropole hing eine Dunstglocke, die eine leichte Brise nach Norden hin ausfransen lie�, aber nicht zu vertreiben vermochte. Bidayn stellte sich vor, dass die Siedlung einen fauligen Atem ausstie�: der Rauch unz�hliger Herdfeuer, vermischt mit dem Gestank nach F�kalien, halbgarem Essen und feuchtem Tierfell. Ihr war der Gestank der Stadt, die sie bei ihrem ersten Besuch auf Nangog gesehen hatte, in guter Erinnerung geblieben. Wie viel schlimmer musste es hier sein, war doch die Goldene Stadt um ein Vielfaches gr��er.</p><p>Durch den Dunst blieben die Konturen der Geb�ude zun�chst unscharf. Ankert�rme f�r die Wolkensammler erhoben sich gleich toter Baumk�nige �ber das H�usermeer, das wie eine Stein gewordene Woge den steilen Hang des Kraters hinaufbrandete. Sonnenlicht funkelte auf vergoldeten D�chern. Sie waren tats�chlich aus Gold! Zumindest einige von ihnen.</p><p>Die Segel brachten sie rasch vorw�rts, und nun erkannte Bidayn mehr und mehr Einzelheiten. Schmutzig wei�e Mauern schirmten Palastg�rten gegen den P�bel ab. Manche der H�user mussten sieben oder acht Stockwerke haben und waren mit Br�cken untereinander verbunden. W�scheleinen, beflaggt mit fadenscheinigen Lumpen, zogen sich kreuz und quer durch die H�userschluchten. Es gab turmhohe Wasserr�der, die das kostbare Nass zu den hochgelegenen Terrassen hoben. Was f�r ein Aufwand, um G�rten wachsen zu lassen, wo es von Natur aus nur blanken Fels h�tte geben sollen!</p><p>Als ihre Galeere den Hafen der Stadt erreichte, vergoldete das Licht des fr�hen Abends selbst die einfachen Holzh�tten, die auf dunklen Stelzen vom festen Ufer �ber das Wasser hinausgekrochen waren. Die Seeleute holten die Segel ein und legten den Mast nieder, da sie nun durch ein Labyrinth von Br�cken und Stegen fahren mussten. Auf einen Befehl des Steuermanns hin nahmen die Ruderer wieder ihre Pl�tze auf dem Unterdeck ein. Begleitet vom leisen Aufklatschen der Ruder glitt die Galeere langsam unter h�lzernen Stegen hindurch, immer tiefer in das Labyrinth des Hafens. Pl�tzlich sah Bidayn eine Gruppe junger M�nner in dem schmutzigen Wasser. Sie schwammen zwischen Abf�llen und welken Bl�ten, warfen einander einen Ball aus Lumpen zu und lachten ausgelassen.</p><p>Wie war es m�glich, dass Armut und verschwenderischer Reichtum Seite an Seite existierten? Warum erhoben sich die Bettler nicht? Wie hielt man all die Hungernden im Zaum, die ausgemergelten Hafenarbeiter, die sich tief unter den Lasten beugten, die sie von den Schiffen trugen, die Bettler und Kr�ppel, die mit ihren Holzschalen die Fahrg�ste anlandender Galeeren bedr�ngten? F�rchteten sie sich vor den Schwertern und Speeren der Krieger, die man allenthalben sah, oder hielt sie der Traum, dass hier ein jeder mit ein wenig Gl�ck reich werden konnte, in eiserne Fesseln geschlagen?</p><p>Bidayn legte den Kopf in den Nacken und sah in den Himmel hinauf. Ihr Blick suchte Ruhe, sehnte sich nach freier Weite und wollte dem unbeschreiblichen Gewimmel dieser vor Leben �berquellenden Stadt entfliehen. Doch selbst der Himmel war nicht leer. Scharen von M�wen kreisten kreischend �ber den H�usern. Wolkensammler zogen tr�ge zu Ankerpl�tzen weiter oben am Hang. Eine Gruppe von Kriegern in grellroten Hosen hing in Fluggeschirren unter kleineren dieser abscheulichen Ausgeburten des Himmels. Tentakel hatten sich um die Leiber der Krieger geschlungen. Bidayn sah z�hes Gallert auf Bronzepanzern schimmern, w�hrend die kleineren Wolkensammler, an Leinen gezogen, einem Himmelsschiff hinterherschwebten.</p><p>Schlie�lich erreichten sie eine Marmortreppe, die bis zum Wasser hinabreichte. Schmutzig gr�ner Schleim benetzte die untersten Stufen. Krieger in Bronzer�stungen mit langen roten Umh�ngen erwarteten sie. Bidayn sp�rte, wie Nodon sich neben ihr anspannte. Sie ahnte, dass er in Gedanken einen Kampf gegen die Wachen ausfocht und einen m�glichen Fluchtweg ersann, sollte sich das hier als Falle entpuppen. Die wenigen Krieger w�rden sie nicht aufhalten, dachte die junge Elfe. Es war die Stadt, die ihr Angst machte. Sie war so unglaublich groߠ� Sie waren nur f�nf, um einen Ort zu erreichen, der selbst der G�ttin Nangog verwehrt blieb, und nur Nandalee wusste, was sie dort wollten. Es war, als w�rde eine Ameise einen Drachen herausfordern.</p><p>Das einzig Gute war, dass sie so winzig waren, dass der Drache sie nicht einmal bemerken w�rde. Die Stadt war so voller Menschen, dass f�nf Fremde kaum auffallen w�rden. Die andere Seite war, dass der Drache sie aus Versehen zerquetschen k�nnte, ohne jemals bemerkt zu haben, dass er sich mit einer Ameise im Krieg befunden hatte.</p><p>Halteleinen wurden an goldenen Ringen in der Kaimauer festgezurrt. Die Laufplanke schlug hart auf die marmornen Treppenstufen. Die Seidene winkte ihnen. �Folgt mir in mein Stadthaus. Ihr werdet sehen, es gibt keinen sichereren und friedvolleren Ort in dieser Stadt.�</p></section><section><title><p>Die Burg in den Wolken</p></title><p>Artax musste sich beherrschen, um sich seine Verzweiflung nicht anmerken zu lassen. Vor ihm lag die Burg auf einer Felsnadel, und es war genau so, wie der J�ger aus den Bergen gesagt hatte: Nur eine schmale, steinerne Br�cke f�hrte zu der Festungsanlage. In der Mitte jener Br�cke klaffte eine L�cke, wo es zuvor einen h�lzernen Steg gegeben haben musste. Es waren zwar nur f�nf oder sechs Schritt, aber zu weit, um zu springen.</p><p>Die n�chste Schwierigkeit war, dass es am Ende der Br�cke nur ein winziges Tor ins Innere der Burg gab. Die Schwelle war so hoch, dass man dar�ber hinwegsteigen musste, und der Sturz der T�r so niedrig, dass jeder Eindringling sich gleichzeitig auch noch vorbeugen m�sste. Fremde Erinnerungen kamen in Artax hoch. Ein Festungsbaumeister hatte einem der fr�heren Aarons einmal erl�utert, was es mit solchen T�ren auf sich hatte. Wer sie durchschritt, war durch seine geduckte Haltung fast wehrlos. Selbst ein Stallbursche k�nnte eine solche T�r mit Leichtigkeit verteidigen. Es gen�gte, jedem Eindringling eine Axt in den ungesch�tzten Nacken zu schlagen.</p><p>Selbst wenn sie also die L�cke in der Br�cke schlossen, k�nnten sie diese Festung nicht erobern. Wer diese T�r zu durchqueren versuchte, der betrat seinen Richtplatz.</p><p>Hinter den Zinnen des schroff aufragenden Torturms war ein einzelner, graub�rtiger Krieger zu sehen, der sie aufmerksam beobachtete. Sonst schien alles verwaist. Artax bezweifelte, dass sich in der kleinen Festung mehr als f�nfzig oder sechzig Mann unterbringen lie�en. Hinter dem Torturm, der den Vorsprung �berragte, der sich aus der Flanke der Felsnadel schob, gab es nur einen kleinen Hof. Rechts und links des Turms erhoben sich kurze, von Zinnen gekr�nte Mauern. Auf der rechten Seite war ein einzelnes, wuchtiges Haus mit flachem Dach, das ebenso massiv wie der Turm aussah, Bestandteil der Schutzmauer.</p><p>Es war ein �rmlicher Herrschersitz ohne jeden Luxus, einzig erbaut, um unbezwingbar zu sein. Bis jetzt! Er w�rde sich von diesem Ort und seiner Geschichte nicht abschrecken lassen und die Verr�ter zur Rechenschaft ziehen. Er musste es zu Ende bringen, bevor die Rebellion weitere Anh�nger fand.</p><p>Der Unsterbliche wandte sich zu Ashot und Mataan um, die ihn beim Aufstieg begleitet hatten. �Irgendwelche Vorschl�ge, wie wir diesen Steinhaufen st�rmen?�</p><p>�Wir st�rzen von unseren Kriegern so viele in den Abgrund, bis wir auf ihren Leichen einen Belagerungsturm hin�berschieben k�nnen�, entgegnete Ashot d�ster. �Dieser <emphasis>Steinhaufen</emphasis> ist noch nie erobert worden. Hier erwartet uns kein Sieg, nur der Tod. Wir sollten den einzigen Pfad, der hier hinauff�hrt, zerst�ren und die Verr�ter sich selbst �berlassen. Sie sind es nicht wert, dass auch nur ein einziger von unseren M�nnern stirbt.�</p><p>Mataan nickte zustimmend. �Ausnahmsweise bin ich Ashots Meinung. Du hast ein Reich zu ordnen und ein Versprechen einzul�sen, das dich an den Rand eines B�rgerkriegs f�hren wird.�</p><p>�Dort dr�ben in diesem Steinhaufen liegt die Saat f�r den B�rgerkrieg. Wir m�ssen sie im Keim ersticken, wenn wir weiteres Blutvergie�en verhindern wollen�, entgegnete Artax verbittert. Auch er wollte nicht auf diesem Felsen k�mpfen, aber er w�rde es zu Ende bringen.</p><p>�Wir k�nnten den M�nnern in der Festung freies Geleit anbieten. Allen au�er Bessos nat�rlich�, schlug Mataan vor.</p><p>�Unsinn�, zischte Ashot. �Die Feiglinge haben Bessos schon unten am Adlerpass verlassen. Die M�nner, die jetzt noch bei ihm sind, sind bereit, mit ihm in den Tod zu gehen. Die kannst du nicht bestechen.�</p><p>�Das sehe ich auch so�, sagte Artax und wandte sich an den hageren Rotbart und dessen jungen Gef�hrten, die ihrem Gespr�ch bisher schweigend zugeh�rt hatten. �Ihr habt uns hierhergebracht und kennt die Berge gut. Ist es m�glich, die R�ckseite der Felsnadel zu erklimmen, ohne dass jemand in der Burg bemerkt, dass wir kommen?�</p><p>�Auf diesen Fels klettern nicht einmal Ziegen, Unsterblicher.�</p><p>�Ich hatte auch nicht vor, an der Spitze von Ziegen in die Schlacht zu ziehen.� Kaum dass die Worte �ber seine Lippen waren, bedauerte Artax ihre Sch�rfe.</p><p>�Dabei bin ich schon Ziegen begegnet, die kl�ger als K�nige sind�, gab der Rotb�rtige unger�hrt zur�ck.</p><p>Artax h�rte Ashot hinter sich lachen. Er hatte sich diese Antwort verdient und entschied, die Beleidigung zu �bergehen, obwohl die Stimmen der vergangenen Aarons in seinem Geiste rebellierten. �Kennst du ein paar mutige M�nner, die sich mit Seilen und Dolchen die Steilwand hinaufwagen?�</p><p>�Das hat nichts mit Mut zu tun, Unsterblicher. Um diesen Weg zu nehmen, muss man verr�ckt sein.�</p><p>�Ich brauche f�nfzig Mann, das wird gen�gen, um die Burg zu st�rmen, wenn wir erst einmal auf der Spitze der Felsnadel sind�, beharrte Artax. �Ich selbst werde sie f�hren.�</p><p>�Ihr werdet hundert brauchen, denn die H�lfte der M�nner wird in den Tod st�rzen, bevor ihr die Felsen �ber dem Steinhorst erreicht�, entgegenete der J�ger und sah Artax dabei direkt in die Augen. �Nicht so Ihr. Ihr seid ja unsterblich. Ihr setzt Euch also nicht derselben Gefahr aus wie die M�nner�� auch wenn es nobel ist, wenn Ihr sie anf�hrt.�</p><p><emphasis>Wie lange willst du dich von diesem stinkenden Hirten noch beleidigen lassen? Glaubst du, du wirst jemals ein Herrscher sein, wenn dich jeder ungewaschene Hinterw�ldler ungestraft beleidigen kann? Du h�ltst Bessos f�r eine Gefahr? Der Dummkopf ist ein Nichts. Eine Gefahr ist der Kerl, der da vor dir steht und keinerlei Respekt zeigt!</emphasis></p><p>�Dann such mir hundert M�nner, und nenne mir deinen Namen.�</p><p>�Ormu, Herr. Ich bitte Euch, erlasst mir diese Aufgabe. Ich w�rde mich wie ein Scharfrichter f�hlen.�</p><p>�Ich gehe mit Euch, Unsterblicher!� Mit leuchtenden Augen dr�ngte sich pl�tzlich der junge Gef�hrte des J�gers nach vorne. �Wer diesen Fels an Eurer Seite ersteigt, dessen Name wird ebenfalls unsterblich werden. Ich folge Euch, K�nig Geisterschwert.�</p><p>Artax sah, wie Ormu den J�ngeren mit einem traurigen Blick bedachte, doch dann sagte er: �Also gut. Ich suche die M�nner aus. Aber ich bestimme die Regeln! Wir m�ssen bei Tageslicht hinaufsteigen, und jeder Mann wird einen Knebel im Mund tragen.�</p><p>�Knebel? Was ist das f�r ein Unsinn?�</p><p>�M�nner, die dem Tod entgegenst�rzen, schreien, Herr. Und ein einziger Schrei gen�gt, um die Verteidiger im Steinhorst aufmerksam werden zu lassen. Wenn sie die Felsspitze besetzen und Steine auf uns herabschleudern, wird niemand diesen Angriff �berleben. Also tragen alle, die klettern, Knebel. Sogar Ihr, Unsterblicher. Es sei denn, Ihr entscheidet Euch in Eurer grenzenlosen Weisheit gegen diesen Angriff.� Mit einer raschen Geste brachte der J�ger seinen Begleiter, der bei seinen letzten Worten aufbegehren wollte, zum Schweigen.</p><p>�Wenn das Opfer von hundert M�nnern einen B�rgerkrieg verhindern kann, der Zehntausende das Leben kosten w�rde, gibt es nicht viel zu �berlegen�, sagte Artax. �Ich erwarte dich im Morgengrauen mit den Freiwilligen am Fu� der Felsnadel.�</p><p><emphasis>Das war einmal ein k�nigliches Wort</emphasis>, jubilierten die Stimmen Aarons in seinem Geiste.</p><p>Artax stutzte. Es gab jetzt kein Zur�ck mehr, aber er hatte das beklemmende Gef�hl, eine Grenze �berschritten zu haben und nun auf einem Weg zu sein, der ihn mit jedem Schritt weiter fort von dem K�nigtum f�hren w�rde, das er einmal angestrebt hatte. Es war das erste Mal, dass er den l�stigen Stimmen der fr�heren Aarons dankbar war. Sie mochten ihn davor bewahren, in die Irre zu gehen, auch wenn es das Letzte war, was sie eigentlich wollten. Bislang hatten sie ihn stets verh�hnt und seine Niederlagen und Irrt�mer mit besserwisserischem Hohn bedacht. All die anderen, die vor ihm der Unsterbliche Aaron gewesen waren, waren von hoher Geburt. Sich mit einem Bauern abzufinden war ihnen unertr�glich. Wenn sie ihn nun begl�ckw�nschten, konnte das nichts Gutes hei�en. Begann er, so zu denken wie sie? War er auf dem Weg, ein Tyrann zu werden, f�r den ein einzelnes Leben nichts mehr z�hlte?</p><p>Artax warf einen letzten Blick auf den Steinhorst. Nur diesen Kampf musste er noch bestehen, dann war er endlich frei, die gro�en Reformen anzugehen.</p><p>Die Stimmen in seinem Kopf lachten und verspotteten ihn. <emphasis>Du bist ein Unsterblicher, Artax. Ganz gleich, wie viele Schlachten du schl�gst, es wird immer noch einen weiteren Kampf geben, den es zu bestehen gilt. Das ist unser Schicksal. Und auf diesem Weg werden all deine Freunde zu Feinden, zu Verfemten oder zu Toten werden. Das ist der Preis der Macht. Morgen wirst du von diesem bitteren Trunk kosten.</emphasis></p></section><section><title><p>Das Haus der Toten</p></title><p>Sie hatten fast den h�chsten Punkt der Felsnadel erreicht, der sich noch �ber die kleine Burg erhob. Artax� Arme brannten. Seine H�nde waren aufgesch�rft vom rauen Fels. Seine Kleidung vom Schwei� durchn�sst. Er vermied es, nach unten zu sehen. Die bodenlose Tiefe schien verwunschen zu sein. Sie zog ihn an, lie� ihn �ber das Fliegen nachdenken. Und jeder Blick zur�ck offenbarte, wie viele seiner M�nner schon abgest�rzt waren. Mit hundertzwanzig Kriegern hatten sie den Aufstieg in den Fels begonnen. Ormu hatte gute Arbeit geleistet. Sie h�tten noch mehr M�nner mitnehmen k�nnen, aber sie sollten in Paaren aufsteigen, wobei jeweils ein J�ger oder Hirte aus den Bergen Garagums vorstieg und den Weg suchte. An ihn geseilt folgte ein bew�hrter K�mpfer. Sie stiegen weit aufgef�chert in den Fels, damit die Ungl�cklichen, die abst�rzten, nicht auch die M�nner hinter sich mit in den Tod rissen.</p><p>Artax heftete den Blick fest auf das Hinterteil des jungen J�gers, der vor ihm das letzte St�ck der Steilwand anging. Bamiyan brannte vor Begeisterung. An einem Seil mit dem Unsterblichen gegangen zu sein w�rde ihn zur Legende unter den St�mmen von Garagum machen. Er war ein guter Kletterer und hatte Artax mehr als einmal weitergeholfen, als dieser glaubte, einen glatten Felsabschnitt nicht �berwinden zu k�nnen oder an einem �berhang scheitern zu m�ssen.</p><p>Jetzt schien der Gipfel zum Greifen nahe. Waren es noch zehn Schritt? Oder weniger? Artax hatte sich den ganzen Tag �ber st�ndig geirrt. Mit der Wange an die feuchte Steilwand gepresst nach oben zu starren verzerrte die Wahrnehmung. Die Wege erschienen l�nger. Vielleicht waren es auch weniger als zehn Schritt. Das w�re besser! Er war fast am Ende seiner Kr�fte, und im Augenblick stand er auf einem br�ckelnden Sims, das ihn nicht mehr lange tragen w�rde. Der Felsen hier oben war st�rker verwittert als unten am Fu� des Berges, und so war es immer schwerer geworden, einen sicheren Stand zu finden.</p><p>Aus dem Augenwinkel sah er, wie Bamiyan einen der schmalen Bronzedolche aus den Lederschlaufen seines G�rtels zog, w�hrend er sich gleichzeitig mit der Linken an einer kleinen Felsnase festkrallte. Es war sein letzter Dolch. Wenn sie noch eine weitere Kletterhilfe br�uchten, m�ssten sie das Kurzschwert des J�gers nehmen.</p><p>Artax kaute nerv�s auf dem Lederknebel in seinem Mund. Nur ein kurzes St�ck noch, und er w�rde dieses Ding loswerden. Das Leder schmeckte s�uerlich und lie� seinen Speichel im Mund zusammenlaufen. Immer wieder hatte er w�rgen m�ssen und sich voller Panik vorgestellt, was geschehen w�rde, sollte er sich erbrechen m�ssen. Er w�rde dann ersticken!</p><p>Bamiyan rammte den Dolch in einen schmalen Spalt, zog den mit Lumpen umwickelten Hammer aus seinem G�rtel und schlug auf den Knauf der Waffe, bis die Klinge wirklich fest im Fels sa�. Mit selbstsicherem L�cheln wandte er sich zu Artax um und schob den Hammer zur�ck in den G�rtel. In diesem Augenblick brach die Felsnase, an der er sich mit der Linken festgehalten hatte. Der Junge st�rzte an Artax vorbei. Dann gab es einen heftigen Schlag ins Seil.</p><p>Der Ruck h�tte Artax fast von dem Felssims gerissen, auf dem er stand. Der Unsterbliche presste sich mit der Brust an den Stein. Seine Finger tasteten nach Halt. Aber da war nichts. Die Wand war glatt wie eine frisch verputzte Mauer. Artax sp�rte, wie das Sims unter ihm nachgab. Abbr�ckelndes Gestein st�rzte klackernd in die Tiefe.</p><p>Bamiyan schwang drei Schritt unter dem Unsterblichen vor dem blanken Fels. Blut troff aus einer Wunde an seiner Stirn und rann ihm in die Augen. Er blinzelte, versuchte verzweifelt, einen Ausweg zu finden. Der n�chste sichere Griff lag ein gutes St�ck rechts von ihm. Er streckte sich. Zu kurz! Es fehlte fast eine Arml�nge.</p><p>Das Seil schnitt in Artax� H�ften. Er wagte es nicht, seine H�nde vom Fels zu l�sen, um nach dem Seil zu packen und Bamiyan hochzuziehen. Sein Stand war zu unsicher. St�ndig br�ckelte weiter Gestein von seinem Sims ab, und er musste Zoll um Zoll zur Seite weichen. Dabei wurde das Sims zur Seite hin immer schmaler. Ein Fu�breit blieb ihm noch, bevor es ganz mit der Felswand verschmolz. Selbst wenn Bamiyan sich aus eigener Kraft am Seil hinaufziehen k�nnte, hier w�re kein Platz f�r sie beide.</p><p>Artax dachte fieberhaft nach, wie er sie retten k�nnte. Schlie�lich versuchte er, mit den H�ften zu schwingen, um das Seil in eine Pendelbewegung zu versetzen. Bamiyan erkannte seine Absicht und streckte sich verzweifelt, doch es gelang ihm nicht, den Dolchgriff zu erreichen, der aus dem Fels ragte. Die M�nner unter ihnen wichen zur Seite hin aus. Es war �berdeutlich, dass sie beide bald abst�rzen w�rden.</p><p>Artax biss die Z�hne zusammen, dr�ckte sich noch fester an den Fels und stellte sich vor, dass er mit dem Gestein verschmolz. Er w�rde nicht st�rzen, wiederholte er in Gedanken immer wieder. Er w�rde nicht st�rzen!</p><p>Das Seil pendelte nun immer st�rker. Mit jedem Ausschlag wurde die Kraft gr��er, die an ihm zerrte. Er wollte in die Knie gehen, doch inzwischen war kaum noch etwas von dem Sims �brig. Er wusste, er w�rde das Seil durchschneiden m�ssen, wenn er nicht mit dem jungen J�ger zusammen in den Abgrund st�rzen wollte.</p><p>Verzweifelt blickte er zu Bamiyan hinab. <emphasis>Ein letzter Pendelschwung noch��</emphasis></p><p>Da sah er, wie Bamiyan sich am �u�ersten Ende des Pendelschwungs mit der Hand in den Fels krallte, sich streckte und endlich seine Fingerspitzen den Dolchgriff erreichten. Als sich dessen linke Hand um den lederumwickelten Griff schloss, h�rte augenblicklich der Zug nach unten auf. Artax atmete erleichtert aus und schluckte den Speichel, der sich erneut um den Lederknebel in seinem Mund gesammelt hatte.</p><p>Bamiyan blickte zu ihm herauf. Sein Gesicht war v�llig mit Blut verschmiert und doch grinste er. Sie hatten es geschafft!</p><p>Mit einem scharfen, metallischen Pling brach der Dolch direkt �ber dem Heft. Bamiyan st�rzte erneut ins Seil. Der pl�tzliche Ruck riss Artax fast von den Beinen. Ein weiteres St�ck des Simses gab unter den F��en des Unsterblichen nach. Mit einer schier ungeheuerlichen Kraftanstrengung streckte er die Hand nach dem Dolch, den Bamiyan �ber ihm in den Fels geschlagen hatte. Und tats�chlich�� seine Finger schlossen sich um den Griff. Er spannte die Muskeln.</p><p>Es war aussichtslos. Er konnte sie nicht beide mit nur einem Arm hinaufziehen. Und gewiss w�rde die spr�de Bronzeklinge nicht ihr beider Gewicht halten. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Bamiyan sein Kurzschwert z�ckte. Er f�hrte die Bronzeklinge �ber das Hanfseil. Es war nicht sehr scharf. Faser um Faser durchtrennte er das Seil. Dabei st�tzte er sich mit den F��en am Fels ab, um Artax m�glichst wenig zu belasten.</p><p>Der Knebel in Artax� Mund erstickte seinen Protest. Der Unsterbliche sch�ttelte heftig den Kopf, doch Bamiyan ignorierte ihn. Dann riss das Seil. Der Junge versuchte sich noch im letzten Augenblick mit den Beinen vom Fels abzusto�en und sich m�glichst weit in den Abgrund hinauszukatapultieren, um die Kletterer, die tiefer unter ihnen folgten, nicht zu gef�hrden.</p><p>Artax standen Tr�nen in den Augen. Er sah Bamiyan nach, wie er mit weit ausgebreiteten Armen st�rzte, auf einen Felsvorsprung schlug, weiter rollte und erneut st�rzte, bis sein K�rper in der Tiefe verschwand.</p><p>Der Junge hatte sein Leben f�r ihn geopfert, er musste weitermachen! Alleine konnte er sich an dem Dolch, den Bamiyan zuletzt eingeschlagen hatte, hochziehen. Seine F��e tasteten nach Halt. Zoll um Zoll zog er sich voran. Dann fand er mehr Griffe. Der Aufstieg wurde leichter.</p><p>Endlich erreichte er die Spitze der Felsnadel und l�ste den Knebel aus seinem Mund. Keuchend lag er auf dem Fels und sah, wie die Sonne im Westen hinter dem Adlerpass stand. Fast den ganzen Tag hatte er mit diesem verfluchten Felsen gerungen. Er sah sich um: Von den hundertzwanzig M�nnern, die den Aufstieg mit ihm begonnen hatten, waren bislang nur etwa zwanzig angekommen. Wie er lagen die meisten ersch�pft und schweigend auf dem kalten Steinboden. Erschrocken schob sich Artax an den Rand der Felsnadel. Nein, sie waren nicht die einzigen �berlebenden! Viele M�nner k�mpften noch immer mit der Steilwand.</p><p>Nun erreichte auch Mataan den Gipfel. Er wirkte abgek�mpft. Sein linker Arm war von der Schulter bis zum Ellenbogen aufgesch�rft. Ormu, mit dem der Fischerf�rst an einem Seil geklettert war, hatte eine Platzwunde �ber der rechten Braue. Der J�ger sah Artax finster an, spuckte seinen Knebel aus und zog das Schwert, das er an einem Gurt �ber der Schulter trug. �Bringen wir es zu Ende! Sehen wir uns die Burg von hier oben an. Dann entscheidet Ihr, Unsterblicher, wie die Schlacht zu schlagen ist.�</p><p>Zu dritt robbten sie zum westlichen Rand der Felsnadel. Etwa zehn Schritt unter ihnen lag der Hof der kleinen Festung. Nur drei Krieger zeigten sich auf dem Torturm und den W�llen. Das h�lzerne Mittelst�ck der Br�cke lehnte neben dem Tor an der Innenseite der Mauer. Jenseits der Steinbr�cke sah Artax die Feldzeichen seiner Krieger im Abendlicht gl�nzen. Er hatte dreihundert Mann zum schmalen Pfad vor der Festung beordert. Sie dienten zur Ablenkung. Zersplitterte Pfeile im Hof der Festung und Dutzende Schleudersteine zeugten davon, dass sie die Rebellen den Tag �ber besch�ftigt gehalten hatten. Niemand in der Burg blickte zur Felsnadel hinauf, die sich �ber den Festungsmauern erhob. Keiner war je auf diesem Weg hierhergekommen.</p><p>Artax warf einen Blick �ber die Schulter. Ashot hatte den Gipfel mit einem Dutzend weiterer M�nner erreicht. Sie waren stark genug f�r einen Angriff!</p><p>Bis zum Dach des befestigten Hauses, das sich an die Schulter der Felsnadel lehnte, war es nur ein weiter Sprung. Artax hatte wieder das Bild des jungen J�gers vor Augen, der sein Seil durchtrennte, damit sie nicht gemeinsam in den Abgrund st�rzten. Es war an der Zeit, diese Rebellion zu beenden.</p><p>Der Unsterbliche erhob sich, zog sein Geisterschwert aus der Scheide und ging dorthin, wo sich die Felsnadel �ber das befestigte Haus erhob. Ohne zu z�gern, sprang er hinab und landete in die Knie federnd auf dem Lehmdach. Hatte jemand den dumpfen Aufschlag geh�rt? Egal! Jetzt kam es nur noch darauf an, dass alles schnell ging. Sie mussten die Verteidiger �berrumpeln.</p><p>Statt die Luke auf dem Dach zu �ffnen, sprang er mit einem weiteren Satz hinab in den Hof. Doch diesmal landete er ungl�cklich. Sein linkes Bein knickte auf dem unebenen Pflaster ein, und ein stechender Schmerz fuhr durch seinen Kn�chel. Artax st�rzte, schlug schwer auf und versuchte, sich mit den H�nden abzufangen. Dabei lie� er sein Schwert los, das klirrend �ber das absch�ssige Steinpflaster davonschlitterte.</p><p>Aus dem Schatten des Torbogens trat der grauhaarige Krieger hervor, den Artax am Abend zuvor auf dem Turm gesehen hatte. Er war ein alter K�mpe, die Arme von den Narben vieler Schlachten bedeckt. Er sah Artax an, blickte zur Felsnadel hinauf, entdeckte die M�nner und wusste, dass die Burg fallen w�rde, es sei denn, der Anf�hrer dieses tollk�hnen Angriffs starb. Mit kaltem Blick hob er seinen Speer und schleuderte ihn nach dem Unsterblichen.</p><p>Artax versuchte auszuweichen, doch sein schmerzender Kn�chel gehorchte ihm nicht. Der Speer traf ihn mitten in die Brust, vermochte die R�stung, die ihm der L�wenh�uptige geschenkt hatte, aber nicht zu durchdringen.</p><p>�Bogensch�tzen!�, rief der alte Krieger und zog sein Schwert. �Zielt auf seinen Kopf! Auch Unsterbliche bei�en ins Gras!�</p><p>Artax h�rte, wie einige seiner M�nner auf das Lehmdach des Hauses sprangen. Er sah Schatten hinter den schmalen Fenstern im Torhaus. Waren dort die Bogensch�tzen? Instinktiv riss er die Arme hoch, um seinen Kopf zu sch�tzen. Der Grauhaarige war n�her gekommen und hob nun das Geisterschwert auf, das �ber das Pflaster geschlittert war. Ein Pfeil schlug neben Artax in der Hauswand ein. Ein zweiter streifte seinen Arm und riss ihn zur Seite.</p><p>Der alte Krieger schwang pr�fend das erbeutete Schwert und l�chelte. Ihm war offensichtlich klar, dass er eine Waffe in der Hand hielt, die die verwunschene R�stung des Unsterblichen durchbohren konnte. Mit kaltem Blick trat er auf Artax zu.</p><p>In diesem Moment landete Mataan vor ihm. Artax hatte die Gelenke des h�nenhaften Fischerf�rsten beim Aufprall krachen h�ren, obwohl inzwischen �ber ihnen im Haus lauter Kampfl�rm erklang. W�hrend sich sein Freund unter St�hnen aufrappelte und sich sch�tzend vor ihn stellte, schob sich Artax an der Hauswand hoch. Ein weiterer Pfeil schlug dicht neben ihm ein. Der Fischerf�rst gab einen gurgelnden Laut von sich und kippte nach hinten. Zwei Pfeilsch�fte ragten aus seiner Brust. Noch w�hrend der H�ne ihn mit sich zu Boden riss, zog Artax seinen Dolch.</p><p>Inzwischen sprangen seine Krieger in den Hof hinab. Ashot war unter ihnen. Mit einem gellenden Schrei, der mehr nach Verzweiflung als nach Schlachtruf klang, st�rmte er dem Grauhaarigen entgegen.</p><p>Ein einziger Schwerthieb des Alten durchtrennte Ashots Eisenklinge, als sei sie nur ein d�nner Ast.</p><p>Ein dritter Pfeil traf Mataan, der wie ein lebender Schutzschild �ber Artax lag. Blut rann �ber die Lippen des Fischerf�rsten, und Artax sp�rte, wie der Atem seines Freundes schw�cher wurde.</p><p>Der Unsterbliche sah, wie Ashot einem zweiten Schwerthieb knapp entging, indem er sich zu Boden warf. Immer noch wollte er den Weg zu Artax nicht freigeben. Artax hob den Dolch. Vom Gewicht Mataans niedergedr�ckt, konnte er sich kaum bewegen. Mit letzter Kraft schob er seinen Freund ein wenig von sich und schleuderte die funkelnde Klinge dem alten Krieger entgegen.</p><p>Sie traf ihn dicht unter dem Halsansatz in die Brust. Der Grauhaarige torkelte zur�ck, lie� das Geisterschwert fallen und griff nach dem Dolch. Inzwischen war Ashot wieder auf den Beinen. Er sprang den Alten an und riss ihn zu Boden. Immer mehr von Artax� Kriegern befanden sich nun auf dem Hof. Einige �ffneten das Burgtor im Turm und schafften das fehlende Br�ckenst�ck hinaus. Jubelrufe begr��ten sie vom Bergpfad.</p><p>Artax wurde aufgeholfen, und Ormu dr�ckte ihm einen zersplitterten Speer als Kr�cke in die Hand. Unter Schmerzen wankte er auf die Seitent�r unter dem Torbogen zu und rief: �Bessos, du hast verloren! Zeige dich!�</p><p>Nur Augenblicke sp�ter trat Bessos mit erhobenen H�nden aus der T�r heraus. �Ich ergebe mich deiner Gnade, Unsterblicher Aaron. Ich wurde dazu verf�hrt, mich gegen dich aufzulehnen�, rief er in weinerlichem Ton. �Ich vertraue deiner Gnade und gebe mich��� Ein Wurfspeer traf den Satrapen in die Brust und nagelte ihn an die T�r.</p><p>�Verrecke, Verr�ter�, rief Ormu. Bevor Artax ihn daran hindern konnte, hatte der hagere J�ger einen zweiten Wurfspeer aufgehoben und ging dem sterbenden Satrapen entgegen. �Deinetwegen sind viele mutige M�nner gestorben. M�nner, die Garagum Ehre bereitet h�tten. Du wirst nicht auf den Mulawa getragen werden, um auf der Tafel des Himmels zu liegen, damit dein Fleisch die Adler speist. Ich werde deinen Leichnam in St�cke hacken und an die W�lfe in den Bergw�ldern verf�ttern.�</p><p>�Genug!� Artax griff nach dem Arm des J�gers. �Wir haben gesiegt. Das Sterben soll ein Ende haben.� Dann humpelte er zu Mataan zur�ck und kniete neben seinem Gef�hrten nieder. Die Augenlider des Fischerf�rsten flatterten. Er war leichenblass.</p><p>�Halt durch. Das wird dich nicht umbringen. H�rst du? Ich befehle dir���</p><p>Mataan l�chelte matt. Seine Lippen bebten, als er zu sprechen versuchte. Artax beugte sich vor, um die gefl�sterten Worte verstehen zu k�nnen.</p><p>�Es war eine lange Reise von Kyrna nach Kush���</p><p>�Und wir werden noch viel weiter zusammen gehen.� Das durfte nicht sein. Artax griff nach der Hand seines Freundes und dr�ckte sie fest. Er durfte nicht noch einen Weggef�hrten verlieren! Wir werden���</p><p>�Priesterm�rder!� Die Stimme war nicht sehr laut und doch befehlsgewohnt. Eine Stimme, die alle auf dem Hof der Burg schweigen lie�. Ein alter Mann trat durch die T�r, an die der Leichnam des Bessos genagelt war. Langes, wei�es Haar fiel ihm bis �ber die Schultern. Sein �ppiger Bart war mit Blutspritzern besudelt. Er hielt einen Dolch in H�nden. Die Klinge umklammert, den Griff vorgestreckt, als Zeichen, dass er sich ergeben wollte.</p><p>�Ich bin Eleasar, der Satrap und Hohepriester von Nari. Der Vater von Barnaba, der ein Vertrauter des Hohepriesters Abir Ata� war, den du foltern und t�ten lie�est. Mein Sohn wurde von deinen Schl�chtern gehetzt wie ein tollw�tiger Hund und liegt nun irgendwo in einem namenlosen Grab.� W�hrend er sprach, kam der alte Mann n�her. Alle Blicke hatten sich auf ihn gerichtet. Immer noch war es totenstill auf dem Burghof.</p><p>Artax lie� die Hand Mataans los und stemmte sich mit Hilfe des zersplitterten Speerschaftes hoch. Ein Schmerz, der ihm Tr�nen in die Augen trieb, fuhr durch sein verletztes Bein. Aber er wollte nicht vor dem Alten knien, dessen Zunge Gift spritzte.</p><p>�Ich verfluche dich, M�rder. Aaron mit den blutigen H�nden. M�ge ein grausamer Tod all jene ereilen, die dein Herz erfreuen.�</p><p>�Schweig!�, fuhr Artax ihn aufgebracht an. �Wie kannst du es wagen!�</p><p>Eleasar war nur noch drei Schritt entfernt. Er hielt ihm das Messer hin. �Bring mich zum Schweigen, so wie du es mit allen tust, die dir im Wege stehen, Aaron mit den blutigen H�nden. Nur tu es diesmal selbst, und schicke nicht deine Lakaien.�</p><p>�Der Alte ist verr�ckt�, rief Artax, um den Beleidigungen Eleasars etwas entgegenzuhalten.</p><p>Eleasar stand nun unmittelbar vor ihm. �Komm, nimm das Messer, oder f�rchtest du dich vor einem Greis?�</p><p>Artax packte nach dem Griff der Waffe und zog daran, um sie dem Satrapen aus den H�nden zu rei�en. Doch die drahtigen Finger Eleasars hielten die Klinge fest umklammert. Erst im letzten Augenblick, in dem er Artax entgegenst�rzte, lie� Eleasar die Waffe los. Mit einem schrecklichen Ger�usch bohrte sich der Dolch unter dem Rippenbogen in den ausgezehrten Leib des Satrapen von Nari.</p><p>�Greisenm�rder!�, schrie er mit erstaunlich lauter Stimme, wobei seine kalten, grauen Augen Artax gefangen hielten. Der Unsterbliche glaubte, Triumph in dem brechenden Blick zu lesen. �Dich kann ich nicht t�ten, aber deinen Ruf���, hauchte Eleasar mit seinem letzten Atemzug.</p><p>Artax lie� den Toten zu Boden sinken und starrte fassungslos auf den Fanatiker herab. Dann sch�ttelte er den Kopf. Er verstand nicht, was gerade geschehen war. Aufgew�hlt wandte er sich wieder Mataan zu: �Halte durch, mein Freund. Ich lasse unsere besten Wund�rzte aus dem Lager am Adlerpass holen.� Er kniete sich neben seinen Kameraden. �Halt durch!�, beschwor er ihn noch einmal. �Ich werde bei dir in diesem verfluchten Felsennest bleiben, bis du wieder reisen kannst. Unser gemeinsamer Weg endet hier noch nicht.�</p><p>Der Fischerf�rst l�chelte matt. Seine Lippen hatten alle Farbe verloren. Er starrte hinauf in den Abendhimmel, der sich im Westen noch mit f�rstlichem Purpur schm�ckte, w�hrend �ber den Bergen im Osten die Nacht ihre dunklen Schwingen breitete.</p><p>�Unsterblicher!� Ashot kam �ber den Burghof gerannt. �Herr���</p><p>Er beugte sich zu ihm hinab. �Ihr m�sst kommen, Herr. Unten, bei den Zisternen.� Sein alter Freund sah m�de und ausgezehrt aus. Dichte Stoppeln sprossen auf seinen Wangen. Er roch nach Schwei� und Leder. �Herr��� In seinen Augen nistete etwas, das Artax dort noch nie bemerkt hatte. Es schien, als habe der Wahn Elesasars auch ihn ergriffen.</p><p>�Kommt mit mir, Herr. Schnell. In die Zisternen�� Ihr m�sst sehen, was der irre Alte befohlen hat. Es ist��� Nun standen Tr�nen in Ashots Augen. �Es ist vor nicht einmal einer Stunde geschehen. Wie kann man nur so etwas tun?�</p></section><section><title><p>Der gerade Weg</p></title><p>Ashot war immer der �berzeugung gewesen, dass sein Herz an dem Morgen zu einem harten, grauen Stein geworden war, an dem er seinen Vater, von eigener Hand gerichtet, an einem Strick an der Zeder neben dem Dorfbrunnen hatte h�ngen sehen. Er hatte sich geirrt. Das unstet flackernde Licht einer einzelnen Fackel entriss der Dunkelheit tief in den Eingeweiden des Burgfelsens ein Bild des Grauens. Mit dem Unsterblichen und drei weiteren Kriegern war er zu den Zisternen und Vorratskammern hinabgestiegen. Aaron stand direkt unter ihm auf der steilen Leiter und schwenkte stumm seine Fackel in weitem Bogen.</p><p>Der Boden der Felskammer war so dicht mit Leichen bedeckt, dass man keinen Schritt tun k�nnte, ohne auf Tote zu treten. Es waren ausnahmslos Kinder und junge Frauen. Ihre Gesichter waren von Schmerz verzerrt, ihre K�rper zusammengekr�mmt, als h�tten sie Kr�mpfe gelitten. Viele hielten einfache Becher aus rotem Ton umklammert. Es war nur eine kleine, kaum zehn Schritt durchmessende unregelm��ige Felskammer, und es lagen mindestens f�nfzig Tote hier. Nie, nicht einmal auf dem Schlachtfeld von Kush, war Ashot der Tod so greifbar erschienen. Er hatte sich hier eingenistet, war in der Luft, die sie atmeten, haftete allem an, das sie ber�hrten. Und er sp�rte das B�se. Den verruchten Geist, der dieses Massaker ersonnen hatte.</p><p>Fr�her hatte er das immer f�r eine abstrakte Moralvorstellung gehalten. Jetzt wusste er, es gab das B�se wirklich. Es hatte von Eleasar Besitz ergriffen gehabt! Gut, dass der verbitterte, alte Satrap tot war. Aber Ashot ahnte, dass das B�se damit nicht vernichtet war. Es war noch hier, ganz nah.</p><p>Aaron schwenkte die Fackel nicht mehr. Direkt unter der Leiter lag ein kleines M�dchen mit dunklem Haar, die Ashot aus geweiteten, grauen Augen geradewegs anzublicken schien. Sie hielt eine blutgetr�nkte Puppe aus Lumpen an die Brust gepresst. Ihre Kehle war durchtrennt.</p><p>Ashot musste den Blick abwenden. Warum hatte Eleasar einen solchen Befehl gegeben? Warum waren sie �berhaupt hier? Was hatte die Satrapen veranlasst, Frauen und Kinder statt Kriegern in diese einsame Festung zu holen? Er drehte sich zu den M�nnern um, die �ber ihm an der Luke f�r die Leiter standen. �Geht hinauf auf den Hof! Und redet nicht �ber das, was ihr hier gesehen habt. Diese Kammer ist erf�llt von Geistern�� Wenn wir reden, dann werden wir sie mit uns nehmen.�</p><p>Ashot sah, dass er den M�nnern mit seinen Worten �ber die Geister Furcht eingejagt hatte.</p><p>Obwohl er selbst bis eben nicht an ihre Existenz geglaubt hatte, war er sich nun nicht mehr sicher. Durch die ruchlose Tat war ein dunkler Samen ges�t worden, aus dem noch mehr �bel erwachsen w�rde. Er wusste intuitiv, was hier geschehen war, durfte nicht weitererz�hlt werden!</p><p>Ashot dachte wieder an den verbitterten, alten Mann und daran, wie er sich in den Dolch gest�rzt hatte, den er dem Unsterblichen entgegengestreckt hatte. Wie leicht w�re es, darin einen Dolchsto� Aarons zu sehen. Die H�lfte der M�nner, die hinauf in die Festung geklettert waren, stammte aus den Bergen. Es waren harte, einfache M�nner. Sie w�rden nicht �ber einen heimt�ckischen Alten berichten. Dass der Unsterbliche Aaron den Verr�ter mit eigener Hand gerichtet hatte, war die bessere Geschichte. Aber das hier unten�� Das ergab nur einen Sinn, wenn Eleasar Aaron mit diesen Morden schaden wollte. Also war es besser, wenn ihre Begleiter verschwiegen, was sie hier gesehen hatten.</p><p>Ashot sah den dreien nach, als sie sich auf den R�ckweg machten. Hoffentlich war ihre Furcht vor Geistern gr��er als ihr Bed�rfnis zu reden.</p><p>�Gift.� Aaron schwenkte wieder die Fackel, als wolle er jedem einzelnen Toten ins Antlitz sehen. �Sie haben ihnen Gift zu trinken gegeben. Und sie wussten nicht, was sie tranken. Als das Sterben begann, haben einige versucht, hierher zur Leiter zu fliehen�� und wurden niedergestochen.� Der Unsterbliche sprach mit leiser, tonloser Stimme.</p><p>Ashot hatte das Gef�hl, dass Aaron nur zu sich allein sprach. Vielleicht wurde das Ungeheuerliche, das Eleasar getan hatte, f�r den Herrscher verst�ndlicher, wenn aus Gedanken gesprochene Worte wurden.</p><p>�Herr, steigt nicht hinab in dieses Grab.� Es fiel Ashot schwer zu sprechen. Wieder haftete sein Blick auf dem M�dchen, das im Tod seine Puppe an sich gedr�ckt hatte. Vielleicht waren ja wirklich Geister hier? Er schluckte. �Wir sollten das Gew�lbe verschlie�en. Lassen wir die Toten ruhen.�</p><p>Der Unsterbliche sah zu ihm auf. �Hier lassen? Ohne W�rde? So �bereinanderliegend? Ohne einen Priester, der ihre Seelen mit Gebeten hin�ber in den gro�en Schatten geleitet? Ich begreife nicht, was Eleasar hier getan hat. Nur eins sehe ich ganz klar: Ihr Tod hat mit uns zu tun.�</p><p>Und da begriff Ashot, welch perfide Absicht hinter den Morden bestand. Eleasar war nicht allein Satrap. Er war auch Hohepriester gewesen. Er wusste, welche Rituale eine w�rdige Totenfeier verlangten. Wusste, dass der Unsterbliche die Leichen nicht einfach liegen lassen konnte.</p><p>Es war eine Sache, nach einer Schlacht die Leichen von Kriegern zu verbrennen oder in Massengr�ber zu werfen. Aber Kindern ihr Totenfest zu verweigern�� Sie einfach hier zur�ckzulassen�� Ashot begriff, dass Aaron das niemals tun w�rde. Und Eleasar hatte das auch gewusst. Aber vor allem hatte der durchtriebene Alte gewusst, was daraus folgen w�rde. Da die Festung in den Fels geschlagen und der Boden blanker Stein war, w�rden sie die Toten hinunter zum Adlerpass tragen m�ssen, um sie zu bestatten. Und dort w�rden Hunderte von Kriegern, die alle hier oben nicht dabei gewesen waren, Zeugen dieser Prozession werden. M�nner, die gesehen hatten, dass der Unsterbliche wie rasend vor Zorn gewesen war und diese Festung um jeden Preis nehmen wollte. Was w�rden sie denken?</p><p>�Ihr m�sst sie zur�cklassen, Herr.�</p><p>Der Unsterbliche blickte zu ihm auf, und kalter Zorn lag in seinen Augen. �Hier? Sollen wir Handlanger von Eleasar werden? So herzlos wie er?�</p><p>Ashot zwang sich, dem Blick standzuhalten. �Wir werden zu seinen Handlangern, wenn wir die Toten hinab zum Pass bringen. Das war es, was er wollte. Er kannte Euch gut, Herr�, erkl�rte Ashot. �Er wollte Euch schaden. Bitte macht es ihm nicht so leicht.� Doch Aaron sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Wir werden sie w�rdig bestatten!�</p><p>Es lag eine Endg�ltigkeit in der Stimme des Herrschers, die aus Jahrhunderten des Befehlens geboren war. Ashot wagte es nicht mehr aufzubegehren. Auch vermochte er den Blick des Unsterblichen nicht l�nger zu ertragen. Er sah nach unten und war wieder von den toten, grauen Augen des M�dchens gefangen.</p><p>�Eleasar hat gewonnen, wenn Ihr sie den Berg hinabbringt. Man wird glauben, wir h�tten sie ermordet. Man wird Euch einen M�rder nennen. Euer Name���</p><p>�Eleasar h�tte auch gesiegt, wenn ich es nicht t�te.� Die H�rte war aus Aarons Stimme gewichen. Jetzt klang er nur noch m�de und traurig. �So bin ich nicht. Keine Barmherzigkeit mehr zu kennen, das�� So will ich nicht sein! Eher ertrage ich, dass L�gen �ber mich erz�hlt werden. F�r mich gibt es nur einen Weg, den geraden. Kompromisse sind wie ein Labyrinth. L�sst man sich auf sie ein, wird man sich in ihnen verirren. Ich werde aus dieser Welt einen besseren Ort machen, bevor ich gehe. Wirst du auf diesem Weg an meiner Seite bleiben, Ashot, mein Freund?�</p><p>Pl�tzlich kam ihm die Stimme des Unsterblichen seltsam vertraut vor, als spr�che �ber den Abgrund der Jahre Artax zu ihm, der vor langer Zeit nach Nangog gegangen war. Ashot hatte ihn damals begleiten wollen, doch sein Vater hatte es ihm ausgeredet. Er hatte ihm helfen sollen, eine Schweinezucht aufzubauen, die sie zu den reichsten Bauern Belbeks machen sollte. Und er, Ashot, hatte seine Tr�ume und seine Freundschaft diesen Schweinen geopfert, die bald allesamt verreckt waren. Seine Eltern waren gestorben. Sein Freund Narek auf der Hochebene von Kush gefallen. Und er war zum Befehlshaber der Leibwache des Unsterblichen aufgestiegen.</p><p>Wohin ihn das Schicksal wohl getrieben h�tte, w�re er damals mit Artax gegangen? Auch sein Jugendfreund war ein Weltverbesserer und Tr�umer gewesen. <emphasis>Er</emphasis> h�tte keinen Herzschlag mit seiner Antwort an den Unsterblichen gez�gert.</p><p>Ashot wandte den Blick von dem toten M�dchen ab. Er sp�rte einen Klo� im Hals, als wollten ihn all seine traurigen Erinnerungen ersticken. Dann nahm er seinen ganzen Mut zusammen und blickte in die traurigen Augen des Unsterblichen, und einen Atemzug lang hatte er das absurde Gef�hl, es sei Artax, der ihn ansah. �Ich werde mit Euch gehen, Herr, solange Ihr den geraden Weg geht.� Ashot l�chelte. �Ich hatte einmal einen Freund, der Euch bewundert h�tte.�</p></section><section><title><p>Zarah</p></title><p>Kolja sah auf die steile Stra�e hinab, die zum Haus der Seidenen f�hrte. Die Hure lie� sich in einer pr�chtigen S�nfte tragen, als sei sie eine F�rstin. Er musste schmunzeln. Solche Auftritte machten sicherlich einen Teil ihres Erfolges aus. Fast war er geneigt, ihr zu vergeben, dass sie ihn am Vortag auf dem Blumenhof der Villa des Datames wie einen Narren hatte aussehen lassen. Fast. Ihre Strafe w�rde milde ausfallen.</p><p>Verwundert betrachtete er das seltsame Gefolge, das hinter der S�nfte schritt. F�nf abgerissene Gestalten, die aussahen, als seien sie gerade erst aus der Wildnis zur�ckgekehrt. Was hatte Zarah mit solchen Leuten zu schaffen? Woher kamen sie? F�r einen dr�ckend schw�len Abend waren sie viel zu warm angezogen. Alle trugen sie lange Kapuzenm�ntel. Sie bewegten sich mit einer katzenhaften Anmut, die Kolja an die Jaguarm�nner der Zapote denken lie�.</p><p>Ganz gleich, wen die Seidene dort anschleppte, heute ging es allein darum, sie gef�gig zu machen. Sie sollte begreifen, dass unter seiner F�hrung ein anderer Wind wehte. Er w�rde sie sich unterwerfen, und er war gut vorbereitet! Der Drusnier trat vom Fenster zur�ck, durchquerte das kleine Zimmer mit der schmalen Pritsche, das einer der vielen Dienerinnen der Seidenen geh�ren musste, und stellte sich an die T�r. Von hier aus konnte er den gesamten Innenhof �berblicken.</p><p>Seine M�nner waren diskret aufgestellt. Sie hatten Befehl, nicht einzugreifen, es sei denn, einer der Diener der Seidenen versuchte, seine Herrin zu warnen.</p><p>Das Tor zum Stadthaus der Hure schwang auf, noch bevor angeklopft wurde. Sie musste die gro�e S�nfte verlassen, da sie nicht durch den engen Eingang getragen werden konnte. Kolja betrachtete die ganz in Rot gekleidete, verschleierte Frau. Sie war kleiner, als er erwartet hatte. Die G�ste der Seidenen blieben im Eingang stehen, dort, wo die abendlichen Schatten am tiefsten waren. Etwas an ihnen beunruhigte Kolja. Sie standen nicht im Schatten, weil sie sich f�rchteten. Wieder musste er an die Jaguarm�nner der Zapote denken. Dieses Gefolge der Seidenen war unheimlich.</p><p>�Es freut mich, dass auch ich nun die Gunst deiner Aufmerksamkeit genie�en werde, Zarah, Freundin der Hohepriester und Statthalter. Ich bin nur ein Mann der Stra�e. Der Auswurf der Gosse. Doch auch ich genie�e die Gesellschaft sch�ner Frauen.� Mit diesen Worten stieg Kolja die h�lzerne Treppe zum Innenhof hinab.</p><p>Sollte sein Erscheinen die Seidene erschreckt haben, so lie� sie sich nichts anmerken. Ruhig wandte sie sich zu ihm um. Ihr Gesicht blieb hinter einem roten Gazeschleier verborgen. Er lie� seinen Blick �ber ihren K�rper wandern. Langsam. Sie sollte reichlich Zeit haben, sich auszumalen, woran er gerade dachte, der Mann, der so h�sslich war, dass seine eigene Mutter ihn nicht wiedererkennen w�rde. Die halb durchscheinenden seidenen Gew�nder lie�en ihre Gestalt erahnen. Um ihre Br�ste und H�ften lagen sie eng an, weckten Begehrlichkeit, ohne wirklich etwas zu enth�llen.</p><p>�Du musst Kolja sein�, stellte sie ruhig fest.</p><p>�Es freut mich, dass du um mich wei�t, obwohl wir einander noch nicht begegnet sind.�</p><p>�Dein Antlitz, werter Freund, ist so unverwechselbar, dass man dir nicht begegnet sein muss, um zu wissen, wen man vor sich hat.� Sie sprach das Drusnische mit einem leicht singenden Akzent, der ihren Worten jedoch nichts von ihrer H�rte nahm. �Da du und deine Spie�gesellen mir in meiner Gastfreundschaft zuvorgekommen seid und, wie ich annehme, bereits die Vorz�ge meines Hauses erkundet habt, �berlasse ich dir die Wahl des Zimmers, in das wir uns f�r unsere gesch�ftlichen Gespr�che zur�ckziehen.�</p><p>Kolja versp�rte ein angenehmes Pulsieren zwischen seinen Schenkeln und kratzte sich dort ausgiebig. Auch wenn die Seidene nicht ganz eindeutig geworden war, lag doch die Verhei�ung sch�ner Stunden in ihren Worten. So also bekam sie selbst F�rsten herum. Er versuchte, einen klaren Kopf zu bewahren. Sie war nur eine Hure. Und sie geh�rte ihm wie alle Huren der Stadt. Sie war ein Werkzeug, und er entschied, wann und wie es zu nutzen war, nicht sie! Er w�rde bestimmen, wann sie sich zur�ckzogen, auch wenn man ihm sein Begehren sicherlich ansehen konnte. �Wer sind die Fremden in deinem Gefolge?�, stie� er unwirsch hervor.</p><p>�Sie haben f�r mich die Dschungel im Westen bereist und nach den Sch�tzen der W�lder gesucht, �ber die so viel geredet wird.�</p><p>Kolja betrachtete die Gestalten im Schatten. Er sollte auch mit ihnen einmal plaudern. Er hatte seinen Plan, nach der Kristallh�hle zu suchen, bei der sie nach dem Sieg �ber den Himmelspiraten Tarkon Eisenzunge gegen Daimonen gek�mpft hatten, noch immer nicht aufgegeben. Aber erst galt es, seine Macht in der Goldenen Stadt zu festigen, bevor er sich diesen k�hnen Ideen widmete.</p><p>�Du bist die erste Hure, die ich kennenlerne, die ihr Geld nicht allein f�r Schmuck und Kleider ausgibt�, sagte er und nickte in Richtung der Holztreppe, die er gerade erst hinabgestiegen war. �Dort oben habe ich ein Zimmer mit sch�ner Aussicht und einem gro�en Bett gesehen. Ich w�rde vorschlagen, wir setzen unsere Unterhaltung dort fort. Ich bin neugierig, womit du mich noch �berraschen wirst.�</p><p>Die Seidene wandte sich zu ihrem Gefolge um und sprach leise mit dem Mann, der ihr am n�chsten stand. Ein drahtiger Kerl, der Kolja aus gro�en, schwarzen Augen musterte. Es war ein Blick, der keine Furcht kannte. Ein Blick, der Unheil verhie�. Man musste wohl aus einem ganz besonderen Holze geschnitzt sein, wenn man sich in die gro�en W�lder hinauswagte, in denen die Gr�nen Geister und andere, schreckliche Kreaturen ihr Unwesen trieben. Furchtsame Gem�ter �berlebten dort nicht lange. Nun war sich Kolja sicher: Er w�rde sich diese f�nf Kerle bald genauer ansehen. Bei der Suche nach der Kristallh�hle k�nnten sie ihm gewiss n�tzlich sein. Er l�chelte versonnen. Ganz gewiss k�nnte er sie besser bezahlen als die Seidene. Und indem die arrogante Schlampe f�r ihn die Beine breitmachte und ihm die B�rse f�llte, w�rde sie auch noch das Gold verdienen, mit dem er ihre n�tzlichsten Diener abwarb.</p><p>Gut gelaunt stieg Kolja die Treppe hinauf. Die Seidene folgte ihm.</p><p>Das Zimmer mit dem gro�en Bett hatte dem Drusnier auf den ersten Blick gefallen. �ber dem Bett hing ein breiter F�cher aus gelber Seide, der offenbar vom dar�bergelegenen Zimmer �ber einen Zugmechanismus bewegt werden konnte. Es war ein schw�ler Abend. Die Vorstellung, wie unsichtbare Diener seinem Arsch K�hlung zuf�chelten, w�hrend er sich vergn�gte, lie� ihn schmunzeln. Solche F�cher sollte er auch in einigen der besseren H�user einbauen lassen, in denen seine M�dchen arbeiteten.</p><p>Die Seidene stand in der T�r und sah ihn aus gr�nen, mit schwarzen Linien umrandeten Augen an. Ein Hauch von Gr�n lag auch auf ihren Lidern. Warum nahm die Schlampe nicht ihren Schleier ab? Geh�rte das zu ihrem Spielchen? Ein wenig w�rde er sie noch gew�hren lassen.</p><p>�Nun, Kolja, mein Gebieter, hast du einen besonderen Wunsch?�</p><p>�Bei deinem Ruf h�tte ich erwartet, dass du mir meine W�nsche vom Gesicht ablesen kannst.�</p><p>�Nun, in deinem Antlitz zu lesen ist nicht so leicht.�</p><p>Kolja setzte sein falsches L�cheln auf, das �blicherweise auch die Tapfersten verschreckte, doch Zarah senkte ihren Blick nicht. Verdammter Schleier! In ihren Augen stand keine Angst, und mehr war nicht zu sehen. Langsam begann Kolja ihre arrogante Art zu �rgern.</p><p>Der Drusnier lie� sich breitbeinig auf dem Bett nieder. Jetzt kam sie auf ihn zu. Ihre H�ften schwangen. Er malte sich aus, wie der K�rper, der unter dem zarten Stoff verborgen war, aussehen mochte. Stellte sich vor, in ihr festes Fleisch zu greifen. Ihre kleinen Br�ste mit seinem m�chtigen H�nden zu umschlie�en. Nun stand sie vor ihm. Sie roch gut. Ihre Hand strich �ber seine vernarbte Wange, wanderte �ber seinen sehnigen, kurzen Hals, streifte das grobe Tuch seiner Tunika und glitt tiefer. Und dann, ohne zu z�gern, griff sie unter den Saum seines Gewandes. Er hatte bei vielen Frauen gelegen, aber selten war er so erregt gewesen, obwohl noch nicht einmal wirklich etwas geschehen war.</p><p>Zarah zupfte mit der Linken an ihrem Schleier. Endlich glitt das Tuch zur�ck, und er sah ihr ganzes Gesicht: sinnliche, �ppige Lippen, die ein schmales Gesicht mit hohen Wangenknochen beherrschten. Kolja hatte schon sch�nere Frauen gesehen, und doch war an der Seidenen etwas, das ihn schwindelig machte. Ihre gro�en, gr�nen Augen hielten seinen Blick gefangen, als sie niederkniete. Dabei blieb ihre Rechte unter dem Saum seiner Tunika verborgen, massierte und verhie� Verlockungen.</p><p>�K�ss mich�, stie� er hervor.</p><p>Sie verstand und schob die Tunika zur�ck. Nun griff ihre Linke nach seinen Juwelen. Er st�hnte auf und lie� sich auf das Bett zur�cksinken.</p><p>�Es ist doch immer wieder erstaunlich zu sehen, dass die Gr��e eines Mannes so gar nichts mit der Gr��e seines liebsten Schatzes zu tun hat.�</p><p>Kolja glaubte, nicht richtig zu h�ren. Er stemmte sich auf den Ellbogen hoch und sp�rte, wie die Kraft seiner Lenden erlahmte. Noch nie hatte ihm ein Weib gesagt, er sei zu klein geraten! �Hast du vergessen, wer ich bin, verdammte Schlampe!�</p><p>�Glaubst du, es spielt f�r mich eine Rolle, was f�r ein Mann hinter dem Schwanz steht, den ich in den Mund nehme? Du willst, dass ich deine Hure bin, also behandle ich dich auch so.�</p><p>Kolja griff in ihr langes, schwarzes Haar, zerrte sie hoch und hob die Faust.</p><p>�Schlag mich, und jeder Hieb kostet dich eine B�rse voller Gold. Du verkaufst meine Sch�nheit, hast du das vergessen? Bist du nur ein schlechter Liebhaber oder auch ein schlechter Gesch�ftsmann?�</p><p>Er lie� die Faust niedersausen. Das Bett knarrte unter dem w�tenden Hieb. Sie hatte recht. Und doch�� Nein, er durfte sie nicht schlagen. Er wollte mehr als nur ihr Gold. Er wollte ihren Einfluss auf die M�chtigen.</p><p>Sie musterte ihn kalt. �Ich wei�, was du denkst, Drusnier. Du willst mein Ohr an den Lippen der M�chtigen. Du wei�t, dass M�nner nach dem Liebesspiel �ber alles reden. Sie wollen angeben. Ihr Blut steckt in ihrem Schatz zwischen ihren Schenkeln. Ihr Hirn ist leer. Sie auszuhorchen ist eine Kleinigkeit. Oft fangen sie von ganz allein zu reden an. Hast du ganz zu Ende gedacht, was das bedeutet? Lass mich los, Drusnier!�</p><p>Kolja griff noch fester in ihr Haar. �Ich kann dir Schmerzen bereiten, die keine Spuren an deinem K�rper hinterlassen.� Er sprach sehr leise, doch seine Stimme war blankes Eis. �Reize mich noch weiter, und du wirst lernen, was es hei�t, meinen Zorn zu wecken.� Er konnte sehen, wie die Haut auf ihrer Stirn sich straffte, so fest zog er nun. Sie st�hnte nicht, sah ihn nur hasserf�llt an.</p><p>�Wei�t du, was das Sch�ne daran ist, vom Laris von Truria geliebt zu werden?� Ihre Stimme klang gepresst vor Schmerz, und er lockerte seinen Griff ein wenig.</p><p>�Er steckt mit gro�er Begeisterung die K�pfe von Drusniern auf Pf�hle. Er hat mir erz�hlt, wie er euch in mehr als zwanzig Schlachten besiegt hat. Was glaubst du, was er tun wird, wenn er erf�hrt, dass du mir Leid zugef�gt hast? Er hat f�nfhundert Krieger mitgebracht, als er Statthalter in Nangog wurde. Alles M�nner, die viel Erfahrung darin haben, Drusnier auszuweiden. Kr�mme mir ein einziges Haar, und Arcumenna schneidet dir deinen kleinen Schwanz ab und stopft ihn dir in den Rachen, Kolja. Und du hast noch Gl�ck gehabt, wenn er als Erster kommt. Auch Subai, Sohn des Unsterblichen Madyas und Statthalter der Ischkuzaia, sch�tzt es, von mir unterhalten zu werden. Man sagt, die Steppenreiter seien sehr erfinderisch darin, ihre Feinde umzubringen, und ein Tod k�nne l�nger als einen Tag dauern.�</p><p>Kolja stie� sie von sich. �Du drohst mir, Hure? H�ltst du das wirklich f�r klug? Sieh mich an!� Er zupfte seine Tunika zurecht, denn sie blickte ihm provozierend zwischen die Schenkel. �Mein Gesch�ft ist es, den Tod zu bringen. Du hingegen verkaufst Liebesfreuden. Was glaubst du, wie oft mir schon jemand mit m�chtigen Freunden gedroht hat? Die meisten, die es versucht haben, leben nicht mehr. Und selbst von denen, die ihre Frechheiten nicht mit dem Tod bezahlten, wei� ich mit Sicherheit zu sagen, dass sie bereut haben, mich herausgefordert zu haben.� Er hob seine speckige Lederprothese und lie� sie in die offene Rechte klatschen. �Ein Schlag von mir, und du wirst in Zukunft deine Kunden f�r ein Kupferst�ck oder einen Kanten trockenen Brotes in Gassen bedienen, die so dunkel sind, dass man dein Gesicht nicht sehen muss, wenn man dich nimmt.�</p><p>�Du w�rdest dein Gold in die Gosse werfen?�</p><p>�Willst du es wirklich herausfinden?� Kolja stand auf und trat vor sie. Zarah kniete noch immer. Sie sah ihn unterw�rfig an. Es dauerte einen Augenblick, bis er begriff, dass sie erneut mit ihm spielte. Ihre Tonlage passte nicht zu ihrer Demutshaltung. Sie war sich ihrer Sache v�llig sicher.</p><p>�Ich sage dir jetzt, was ich von dir erwarte, und dann gibst du mir eine klare Antwort, ob du das tun wirst oder nicht.�</p><p>Sie sah ihn aufreizend an. Verdammt, sie hatte etwas, das sich nicht in Worte fassen lie�. Eigentlich mochte er eher Frauen mit einem rundlichen Gesicht und etwas �ppigerem K�rper. Ihr Mund war zu gro�. Ihre Nase ein wenig zu ausgepr�gt. Ein gro�es Muttermal verunzierte ihre Wange knapp unter dem rechten Auge. Sie hatte eine hohe Stirn, was bei Frauen nie ein gutes Zeichen war. Und doch, all diese M�ngel, vereint mit ihrem kecken Blick und ihrer Selbstsicherheit, hatten etwas Unwiderstehliches. Er war noch nie einer Frau wie Zarah begegnet. Sie w�rde sich nicht einfach f�gen, das ahnte er schon jetzt. Als sie nicht antwortete, sprach er weiter.</p><p>�Ich m�chte, dass du mir �ber alles, was die M�chtigen in deinem Bett reden, Bericht erstattest. Du wirst sie f�r mich aushorchen. Daf�r werde ich dich besch�tzen. Ich werde dir einen Palast schenken, der doppelt so gro� wie dieses Haus ist. Es wird dir an nichts fehlen. Du wirst wie eine F�rstin leben.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und sah ihn auf eine Art an, dass er sich wie ein Narr f�hlte. �Du verstehst mein Gesch�ft nicht. Ich verkaufe mehr als nur meinen K�rper. Jeder meiner Kunden verl�sst sich auf meine Verschwiegenheit. Wenn ich t�te, worum du mich bittest, w�rde bald niemand mehr kommen.�</p><p>Kolja seufzte. Mit so einer Antwort hatte er gerechnet. �Eurylochos!�, rief er zur T�r hinaus und bemerkte zufrieden, dass Zarah zum ersten Mal verunsichert wirkte.</p><p>Der Steuermann erschien in der T�r, und Kolja zog den langen Dolch, den er am G�rtel trug. �Sie ist widerspenstig, Eurylochos, ganz wie ich bef�rchtet hatte.� Mit diesen Worten �berreichte er dem Krieger die Klinge. �Du wirst nun leider tun m�ssen, was wir gestern besprochen hatten. Ein Weib, das sich unserem Willen nicht f�gt, ist in unserem Gesch�ft nicht zu gebrauchen.�</p></section><section><title><p>Joram</p></title><p>Eurylochos hatte sie mit dem Dolch in der Hand verlassen. Inzwischen war er mehr als eine halbe Stunde fort. Kolja sah aus dem Fenster im Schlafgemach der Seidenen und beobachtete, wie die D�mmerung ihre langen Schattenfinger nach der Stadt ausstreckte. Noch strahlten die vergoldeten D�cher im letzten Glanz des Abendrots. In den Gassen hingegen regierte bereits die Dunkelheit.</p><p>Zarah hatte sich anfangs gut gehalten. Zwar war sie erschrocken zur�ckgewichen, als Kolja seinen Dolch gezogen hatte, doch als er Eurylochos fortschickte, hatte sie die Gr��e besessen, keine Fragen zu stellen. Selbst jetzt belie� sie es dabei, ihre Blicke sprechen zu lassen. Sie ging unruhig im Zimmer auf und ab. Es am�sierte Kolja zu sehen, wie ihre erzwungene Ruhe br�ckelte. Sie ganz sich und ihren Fantasien auszuliefern war wirkungsvoller als irgendwelche Drohungen.</p><p>Kolja hatte Respekt vor ihr. Ihm fiel keine zweite Frau ein, die diese Stille schweigend ertragen h�tte. Vielleicht war das eines der Geheimnisse der Seidenen? Vielleicht war sie eine der wenigen Frauen, die zu schweigen vermochten, statt M�nnern mit ihren wirren Gedanken die Ohren vollzut�nen. Das lie�e ihren Bettgef�hrten mehr Gelegenheit, ihrer Zunge freien Lauf zu lassen.</p><p>Kolja beobachtete, wie Zarah ihre Fingern�gel in ihre Handfl�chen grub. Nicht mehr lange und sie w�rde das Ringen mit ihrer Zunge verlieren. Noch waren ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst.</p><p>Drau�en auf der h�lzernen Stiege erklangen schwere Schritte. Eurylochos kam ein wenig zu fr�h, dachte Kolja entt�uscht. Der Steuermann hielt ein blutbeflecktes Tuch, in das etwas eingeschlagen war. Kolja nickte in Richtung des kleinen Tisches, auf dem eine Schale mit Trauben stand. Zufrieden sah der Drusnier, dass das Tuch aus Seide war, so wie er es befohlen hatte.</p><p>Eurylochos verschwand wortlos. War er die richtige Wahl f�r diese Aufgabe gewesen? Erst jetzt kam Kolja dieser Gedanke. Ihn dies tun zu lassen war nicht sonderlich einf�hlsam gewesen.</p><p>Die Schattenfinger der Nacht krochen nun auch in das Schlafgemach der Seidenen. Das Licht auf den D�chern der Stadt war verblasst. Die Hure hatte ihre endlosen Wanderungen in der Kammer beendet. Wie angewurzelt stand sie nun vor dem wei�en Seidentuch.</p><p>Kolja klatschte in die H�nde. �Bringt Licht!�, rief er zum Hof hinab.</p><p>Nur Augenblicke sp�ter erschienen Dienerinnen mit �ll�mpchen. Mit gesenktem Blick huschten sie durchs Zimmer und stellten die Lampen in Wandnischen. Den Tisch mit dem blutigen Seidenfetzen mieden sie. So schnell, wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder. Kein Laut drang vom Hof zu ihnen hinauf. Das Haus der Seidenen lag still, als lausche es darauf, was in diesem Zimmer geschehen w�rde.</p><p>�Nun, bist du gar nicht neugierig, was f�r ein Geschenk ich dir bringen lie�? Ich k�nnte ein zweites, gr��eres holen lassen, falls dir dieses nicht zusagt.�</p><p>Zarah sah ihn entsetzt an. �Du w�rdest einen abgetrennten Kopf bringen lassen?�</p><p>�Nicht irgendeinen�, entgegnete er ruhig. �Und nun sieh dir an, was dort liegt, wenn du gr��eres Unheil vermeiden willst. Los, auch meine Geduld kennt Grenzen.�</p><p>Ihr Gesicht war ausdruckslos, doch ihre Augen hatten ihren Glanz verloren. Er w�rde sie brechen�� es war schon fast vollbracht. Und wenn von ihrem Stolz und ihrer Arroganz nichts mehr geblieben war, dann w�rde er sie zu einem Gesch�pf machen, das ihm ganz und gar zu Willen war.</p><p>Zarah nahm den Seidenlumpen und wickelte aus, was darin verborgen war. Sie hielt einen abgetrennten Finger in der Hand, auf dem ein schmaler Bronzering steckte, in den ein kleiner, gr�ner Stein eingefasst war.</p><p>Kolja glaubte, sie eine Spur blasser werden zu sehen.</p><p>�Wo ist Joram?�, fl�sterte sie.</p><p>�Der Nasenlose hat also einen Namen. Nun ja, er war nicht sonderlich gut untergebracht. Jetzt hat er ein sch�neres Zimmer und wird nie mehr allein sein.�</p><p>�Was hast du mit ihm gemacht, du Ungeheuer?� Zarah hielt noch immer den abgetrennten Finger in H�nden. Sie strich z�rtlich �ber den Ring.</p><p>�Ich stelle hier die Fragen. Und wenn ich keine Antworten erhalte��� Er zuckte mit den Schultern. �Es macht mir auch keine Freude, dem Kerl irgendetwas abschneiden zu lassen. Eine Nase hat er ja schon nicht mehr. Soll ich dir vielleicht ein Ohr bringen lassen? Oder seine Zunge? Braucht er die Zunge noch? Kann er noch reden?�</p><p>�Er ist mein Bruder. Wie geht es ihm? Ich will ihn sehen. Jetzt, sofort!�</p><p>�Dein Bruder?� Kolja nickte. �Wenn man einen Finger verliert, geht es einem nie ganz gut. Andererseits, es h�tte ihn auch schlimmer erwischen k�nnen. Und sehen willst du ihn? Schau dir den Finger an. Mehr als eine teilweise Familienzusammenf�hrung wird es nicht geben. W�nschst du, noch andere Teile zu sehen?�</p><p>Zarah wich vor ihm zur�ck. Sie hielt die H�nde vor die Brust gepresst. Angst stand ihr nicht gut. Vielleicht war es doch kein so guter Einfall, sie zu brechen. Was, wenn sie f�r immer den Zauber verlor, den die Statthalter und M�chtigen so unwiderstehlich fanden? Er sollte es etwas weniger hart mit ihr angehen. Ihre Hoffnung n�hren, dass sie auch ihn beeinflussen konnte.</p><p>�Du bist eine ungew�hnliche Frau. Ich h�tte erwartet, dass du in Tr�nen ausbrichst oder zu schreien anf�ngst. Du aber bist sehr beherrscht. Erz�hl mir von deinem Bruder. Was ist mit ihm geschehen?�</p><p>�Er hat mich hierhergebracht�� ich war acht. Er war dreizehn.� Ihr Blick war nach innen gekehrt, als k�nne sie zur�ck in die Vergangenheit blicken. �Unsere Eltern waren Bauern. Die schlimmste Zeit f�r Bauern ist der Fr�hling. Dann, wenn die Wintervorr�te aufgebraucht sind und die Natur uns noch kein neues Gr�n schenkt. Hast du einmal ein Bauerndorf gesehen, in dem der Hunger umgeht? Wo die Menschen bis zum Skelett abgemagert sind?�, Zarah stockte kurz, dann schien der Damm endg�ltig gebrochen, und die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. �Ich hatte noch eine kleine Schwester. Sie ist in jenem Winter gestorben. Meine Mutter folgte ihr bald. Sie hat sich einfach hingelegt, neben die kalte Feuerstelle, und ist nie wieder aufgestanden. Wir Lebenden hatten nicht einmal mehr die Kraft, die Toten zu begraben. Am Tag danach kamen Werber, die Bauern f�r Nangog suchten. Meinen Bruder haben sie genommen, meinen Vater nicht. Sie gaben Joram zu essen, damit er genug Kraft hatte, mit ihnen zu gehen. Sie waren ein Zug ausgemergelter Gestalten. Alle jung. Joram hat mir die Haare abgeschnitten und behauptet, ich sei ein Junge. Er konnte das Blaue vom Himmel herunter l�gen.� Sie hielt erneut kurz inne und wickelte das Seidentuch um den abgetrennten Finger. �Mein Vater war zu alt und kraftlos f�r Nangog, doch er hat uns zugeredet, dass wir gehen sollten. Ich habe ihn nie wieder gesehen.</p><p>Wir kamen nach Nangog und wurden an einen gro�en Gutshof zwei Tagesreisen von hier verkauft. Sklaven waren wir nicht! Aber wir hatten tausend Arbeitstage Schulden bei unserem Gutsherrn. Sobald diese Schuld abgetragen war, sollten wir gehen d�rfen. Aber wir haben jeden Tag neue Schulden gemacht. F�r unser Essen, den Platz, an dem wir schliefen�� Fast ein Jahr waren wir dort, bis wir es begriffen. Eines Nachts, w�hrend eines schweren Regensturms, sind wir geflohen. Wir waren verzweifelt, denn wir wussten, dass sie Bauern, die davonliefen, mit Hunden hetzten. Und so geschah es auch uns. Nach einer schrecklichen Jagd durch den Urwald hatten die Hunde den Baum umstellt, auf den wir geflohen waren. Da kamen die Gr�nen Geister. Sie haben die Hunde vertrieben und auch die Menschenj�ger. Ich wei� nicht, ob du ihnen je begegnet bist, Kolja? Es wird kalt, wo sie sind. Wenn sie in der Nacht tanzen, dann sind sie wundersch�n anzusehen. Manche f�rchten sie. Andere verehren sie wie G�tter und behaupten, die Seele Nangogs lebe in ihnen. Niemand, der sie je zu Gesicht bekam, blieb davon unber�hrt.�</p><p>Sie legte den Finger sanft auf das Bett. Endlich sah sie ihn wieder an. Ihr Blick war ins Hier und Jetzt zur�ckgekehrt. �Die Geister m�ssen auch sp�ter noch �ber uns gewacht haben. Es war, als h�tten sie die Hunde in die Irre gef�hrt. Sie kamen uns nicht mehr nahe. Aber ich hatte immer das Gef�hl, beobachtet zu werden. Und Joram hat es auch gesp�rt. Am Tag, der auf diese schreckliche Nacht folgte, brachte uns ein Fischer in die Goldene Stadt. Daf�r begehrte er einen Kuss von mir. Er hat gestunken und mich ganz fest an sich gedr�ckt, als er mich k�sste. Das war der Preis f�r die �berfahrt. Ich war damals neun. Es war das erste Mal, dass ich mich verkauft habe, und an jenem Tag habe ich begriffen, dass man hier auf Nangog f�r falsche Liebe fast alles bekommen kann. Und wir hatten keine Wahl��Auf der anderen Seite vom Fluss h�tten uns die Menschenj�ger fr�her oder sp�ter gefunden. In der Goldenen Stadt kann man hingegen leicht untertauchen.</p><p>Joram wollte mich vor den M�nnern besch�tzen. Und so hat er immer f�r mich gesorgt, er hat jede Arbeit angenommen, um mich durchzubringen. Ganz gleich, wie schmutzig oder gef�hrlich sie war. Trotzdem waren wir oft hungrig, wenn die Nacht kam. Wenn er selbst nicht bei mir sein konnte, brachte er mich zum Platz der tausend Zungen, wo �bersetzer ihre Dienste anbieten. Er kannte dort einen alten Mann, Meister Bono, der auf mich achtgab. �bersetzer werden respektiert. Dort durfte ich ein M�dchen sein, ohne f�rchten zu m�ssen, dass man mir nachstellt. Und ich entdeckte meine Begabung f�r Sprachen. Es fiel mir leicht, fremde Zungen zu erlernen. Der Alte lehrte mich schreiben, und bald schon konnte ich ihm helfen. Geld hat er mir daf�r nat�rlich nicht gegeben. Wenn ich f�r ihn �bersetzungen fertigte, dann war das nur ein kleiner Ausgleich f�r all die M�hen, die er mit mir hatte.� Ein freudloses L�cheln spielte um Zarahs Lippen. �Du wei�t, dass diese Stadt jeden Tag Menschen frisst, Kolja. Sie gehen zu Grunde, und es sind nicht die Gr�nen Geister, die sie umbringen. Es ist die Gier der M�chtigen und das, was sie und wir alle aus dieser Welt gemacht haben. Einen Ort, wo reiche Kaufherren ihre D�cher vergolden lassen, w�hrend diejenigen, die dieses Gold verdient haben, in den Gassen auf den R�ckseiten der Pal�ste elendig verrecken.</p><p>Wei�t du, wie es ist, in der Regenzeit jede Nacht im Freien verbringen zu m�ssen? Wochenlang keinen trockenen Faden am Leib zu tragen? Ja, es gibt billige Unterk�nfte, wo ein Dutzend Kerle sich ein Zimmer teilen. Dorthin konnten wir nie gehen. Joram hatte immer Angst, dass��� Ihre Stimme stockte. �Es gibt auf zwanzig M�nner in Nangog nicht einmal eine einzige Frau. Selbst wer ein aufrichtiges Herz hat, wird irgendwann verr�ckt. Er wollte nicht, dass ich in ihre H�nde gerate. Er wollte immer das Beste f�r mich.� Ein trauriges, gedankenschweres L�cheln spielte um ihre Lippen, dann sprach sie leise weiter: �Deshalb nahm er mit den Jahren immer gef�hrlichere Arbeiten an, doch nur solche, die ihn nicht fort von der Stadt f�hrten. Ich war seine Fessel, schwerer als ein Band aus schwarzem Eisen. Und ich war noch ein Kind, ich erkannte es nicht einmal. Ich wusste nicht, dass er sich bei den Stollengr�bern verdingte. Als er dort zu arbeiten begann, wo sie den dreifachen Lohn zahlen, weil das Gestein br�chig ist, da hatten wir erstmals ein kleines Zimmer und konnten an manchen Tagen frisches Obst oder ein wenig Fleisch essen.</p><p>Ich habe dir gesagt, Joram war ein guter L�gner. Das ist nur die halbe Wahrheit. Ich war nur allzu bereit, all seine L�gen zu glauben. Dass er Diener im Haus eines reichen Kaufmanns geworden war, hinterfragte ich auch dann nicht, wenn er mit Sch�rfwunden und blutenden Schwielen an den H�nden zur�ckkam. Er wusch sich, bevor er mich abends auf dem Platz der tausend Zungen abholte. Dennoch habe ich manchmal den Steinstaub in seinen Haaren gesehen. Doch statt meinen Verstand zu benutzen, fragte ich ihn, wann er mich endlich einmal mitnehmen w�rde in das Haus seines reichen Kaufmanns oder an Bord eines der Himmelsschiffe, die die Sch�tze Nangogs unter den Wolken tragen.� Zarah schwieg eine Weile, in Gedanken versunken. �Es war eine gl�ckliche Zeit, und ich begann zu glauben, dass die neue Welt auch uns beschenken w�rde. Andere �bersetzer auf dem Platz der tausend Zungen wurden auf mein Talent aufmerksam und wollten mich dem Alten abkaufen. Meister Bono war ein Valesier aus Truria. Ergraut, aber stets glatt rasiert und mit einer Spur von Duftwasser auf seinen Kleidern, machte er einen durch und durch ehrenwerten Eindruck. Um mich von dummen Gedanken abzuhalten, gab er mir nun hin und wieder eine Kupferm�nze, wenn ich meine Arbeit gut gemacht hatte. Ich f�hlte mich reich. Aber dann verlie� uns das Gl�ck. In der Regenzeit wird die Arbeit in den Stollen und in den tausend Kan�len, geheimen Tunneln und tiefen Kellern, die unter der Stadt verborgen liegen, noch gef�hrlicher. Der Fels saugt das Wasser auf wie ein Schwamm. H�hlen werden �berflutet, Rinnsale in den Abwasserkan�len verwandeln sich in rei�ende Fluten. Die Regenzeit w�hrte schon einen Mond, als sie Joram eines Abends auf den Platz trugen. Er war in ein Segeltuch geh�llt, aus dem das Blut tropfte. Mein Bruder hatte ein kleines Bleit�felchen bei sich getragen, auf dem der Name Meister Bonos eingeritzt war und dass dieser auf dem Platz der tausend Zungen zu finden sei.</p><p>Sie hatten ihn kaum auf den Boden abgelegt, als Bono vor mich trat. Er hinderte mich daran, das Tuch zur�ckzuziehen. Mit wenigen Worten machte er mir klar, dass er sich nicht um einen kranken Mann k�mmern w�rde und dass er nicht genug verdiente, um aus Barmherzigkeit einen unn�tzen Esser durchzuf�ttern, es sei denn, er sei ein Mitglied der Familie. Ich war vierzehn, aber ich begriff sofort, was er meinte. Und ich stimmte zu. Noch in dieser Nacht wurde ich seine Frau.�</p><p>Kolja nahm sich einige der Trauben aus der flachen Schale auf dem Tisch. Sie waren s��, lange in der Sonne gereift. Zarah sah ihn an. Ihr Blick war ruhig. Sie schien sich nicht zwingen zu m�ssen, sein entstelltes Antlitz anzusehen. Kein Wunder, so wie Joram aussah. Allerdings vertraute Kolja ihrer Geschichte nicht. In seinem Leben hatte er wahrscheinlich schon mehr als hundert Huren besucht. Die meisten von ihnen hatten eine r�hrselige Geschichte zu verkaufen.</p><p>�Erst als ich Bono feierlich und in Anwesenheit von drei Zeugen das Eheversprechen gegeben hatte, durfte ich das Tuch zur Seite schlagen. Ich erkannte Joram nur noch an dem kleinen Ring, den ich ihm von meinem mageren Lohn gekauft hatte. Das Gesicht meines Bruders sah schrecklich aus. Seine Schneidez�hne waren ausgeschlagen, seine Nase zerschmettert und nur noch ein blutiger Klumpen. Er war nicht bei Bewusstsein. Bono beharrte darauf, dass wir unser Eheversprechen besiegeln, bevor er einen Heiler holen lie�. Und obwohl Joram am Rand des Todes stand, wollte er seinen Stand nicht fr�her als an irgendeinem anderen Tag schlie�en. Aber er erlaubte mir, Joram in sein Haus tragen zu lassen und dort alles f�r die Festnacht vorzubereiten.</p><p>Bono bewohnte drei lichtlose Zimmer in einem schmutzigen, gro�en Haus nahe dem Platz der tausend Zungen. Mit dem Geld, das er verdiente, h�tte er sich eine viel bessere Unterkunft leisten k�nnen. Damals hielt ich ihn einfach nur f�r geizig. Ich holte Wasser aus dem nahen Brunnen und s�uberte die Wunden meines Bruders. Es wurde sp�t, bis Bono kam. Ich verstand in jenen Tagen wenig von M�nnern. Er hatte unterwegs bereits angefangen, unsere Hochzeitsnacht zu feiern und getrunken. Er war ein alter Mann und ich ahnungslos. Die Nacht verlief nicht, wie er erwartete hatte. Er redete mir ein, es sei meine Schuld, und ich glaubte ihm. Joram bekam keine Hilfe, sosehr ich bettelte und flehte. Mein Hochzeitsgeschenk waren Pr�gel. Mein Gesicht war gr�n und blau geschlagen. Vielleicht war es ihm peinlich.</p><p>In den n�chsten Tagen musste ich ihn nicht zu seinem Stand am Platz der tausend Zungen begleiten. Er r�hrte mich nicht mehr an. Und Joram war weiterhin sich selbst �berlassen, weil ich ja meinen Teil unseres Ehegel�bnisses nicht hinreichend erf�llt hatte. Mein Bruder war am Morgen nach dem Unfall erwacht, aber kam nicht mehr zu Verstand. Er st�hnte und jammerte ohne Unterlass. Seine Wunden entz�ndeten sich und begannen, erb�rmlich zu stinken. Schlie�lich erbarmte sich eine Nachbarin und brachte einen Wunderheiler von den Feuerinseln.</p><p>Wahrscheinlich war er der billigste Heiler im ganzen Viertel. Er schnitt einem schwarzen Hahn die Kehle durch, spritzte Joram dessen Blut ins Gesicht und rief die Macht seiner Ahnen an. Einige der Worte verstand ich. Es war ein dunkler Zauber. Dann nahm er sein Steinmesser und begann meinem Bruder das entz�ndete Fleisch aus dem Gesicht zu schneiden. Ich musste Joram die ganze Zeit dabei festhalten��� Zarah tastete nach dem abgetrennten Finger neben ihr auf dem Bett, und ihr Blick wurde hart. �Er hat ihm die Oberlippe weggeschnitten und die Nase, samt den Resten des Nasenbeins. Auf die offenen Wunden legte er Maden, die das letzte entz�ndete Fleisch fressen sollten. Mein Bruder �berlebte. Bono war davon nicht sonderlich erbaut. Als mein Gesicht wieder vorzeigbar war, nahm er mich wieder mit zum Platz der tausend Zungen. Meinen Bruder hat er zu Hause mit einer Leine an einen Bronzering in der Wand festgebunden wie einen Hund. Jorams Verstand erholte sich nicht mehr. Er weinte, wenn wir gingen, und wenn wir zur�ckkamen, versuchte er immer, in unserer N�he zu sein.</p><p>Er war Bono l�stig und fortan durfte Joram nie mehr im selben Zimmer wie Bono sein, wenn sich der Alte in der Wohnung aufhielt. Es mochte etwa ein Mond vergangen sein, bis ich erfuhr, warum mein neuer Ehemann in so einer j�mmerlichen Wohnung lebte. Er bekam Besuch von einem Freund.� Zarah hielt in ihrer Erz�hlung inne und bedachte Kolja mit einem vorwurfsvollen Blick, den der Drusnier auch von seinen anderen M�dchen nur zu gut kannte. Sie alle beherrschten diesen Blick, ganz gleich, wie gut man sie auch behandelte.</p><p>�Unser Besucher hie� Leon. Ich sch�tze, du hast zumindest schon einmal von ihm geh�rt, Kolja. Er arbeitete im selben Gewerbe wie du und war recht erfolgreich, bis er vor einigen Monden spurlos verschwand. Was er war, wusste ich damals nat�rlich nicht.�</p><p>Kolja erinnerte sich noch an den Trurier, der den Sturm auf sein Freudenhaus angef�hrt hatte. Leon war ein gro�er, leicht beleibter Kerl mit sch�tterem Haar und einem merkw�rdigen B�rtchen gewesen. Einer von denen, die es liebten, Kleider in knalligen Farben zu tragen und sich wie ein Weib mit Schmuck zu beh�ngen. Der Dummkopf war mit einem langen Dolch gekommen und war ganz gewiss davon �berzeugt gewesen, gef�hrlich zu sein. Er und die anderen Trottel hatten keine Ahnung gehabt, was es hie�, sich mit schlachterprobten S�ldnern anzulegen. Sie hatten sie alle get�tet und dann deren Gesch�ft �bernommen.</p><p>Der Drusnier zuckte nur mit den Schultern. Wen er kannte und wen nicht, ging die Seidene nichts an.</p><p>�Leon gratulierte Bono zu seiner Verm�hlung. Dabei gaffte er mich schamlos an. Ich konnte ihm damals gar nicht in die Augen sehen. Noch erstaunlicher war, dass mein Gatte, der sonst so eifers�chtig �ber mich wachte, gar nichts dagegen zu haben schien. Er erl�uterte meine Vorz�ge, als sei ich irgendein Gaul auf einem Pferdemarkt. Leon lud uns ein, ihn am n�chsten Abend zu besuchen. Nachdem der Trurier gegangen war, versuchte ich, Bono den Besuch auszureden. Er wollte davon nichts h�ren, ja er drohte mir, Joram nichts zu essen zu geben, wenn ich nicht gehorsam sei. Also f�gte ich mich.</p><p>So gelangte ich zum ersten Mal in meinem Leben in ein Bordell. Leon hatte schon alles arrangiert. Bono mochte es, dabei zuzusehen, wenn ich mit anderen M�nnern zusammen war. Nur auf diese Weise stieg noch Saft in seine vertrocknete Dattel. In jener Nacht musste ich drei M�nnern beiliegen, die allesamt keine Ahnung hatten, dass uns mein Ehemann durch ein wohlverborgenes Guckloch in der Wand zusah.</p><p>Von nun f�hrte Bono mich regelm��ig zu Leon, und ich verstand, wo das Geld Bonos geblieben war. Mein Mann war hier schon lange Kunde. Doch nun hatte sich das Blatt gewendet. Er ging mit gut gef�llter B�rse heim, statt sein letztes Kupferst�ck in Leons Hurenhaus durchzubringen. Sieben Mal haben die beiden mich als Jungfrau versteigert. Ich musste mir die mit Blut gef�llten Eingeweide junger T�ubchen einf�hren, damit dieses Wunder gelingen konnte.</p><p>Ich dachte, es k�nne nicht schlimmer kommen, doch Bono begann nun zu trinken, weil er sich pl�tzlich teuren Wein leisten konnte. Tags�ber an seinem Stand am Platz der tausend Zungen schlief er immer �fter ein. Er wurde d�nner und d�nner�� sich all seine Tr�ume erf�llen zu k�nnen zehrte ihn aus. Immer �fter beschwerte er sich, dass er es nicht mehr ertragen k�nne, meinen Bruder um sich zu haben. Einen Idioten, dem der Sabber aus dem Maul lief und dessen Anblick einem jeden Appetit raubte.</p><p>Eines Abends verk�ndete er mir, er habe unten beim Hafen ein Haus gefunden, in dem solche Ungeheuer wie mein Bruder ausgestellt w�rden. Am n�chsten Morgen wollte er ihn dorthin bringen. In dieser Nacht habe ich Bono reichlich Wein zu trinken gegeben und ihn dann mit einem Seidenschal erdrosselt, einem Geschenk von Leon, denn Bono machte mir nie Geschenke. Niemand wunderte sich �ber das Hinscheiden eines alten Mannes, der schon lange krank und ersch�pft gewirkt hatte, nachdem er sich ein viel zu junges Weib genommen hatte.�</p><p>Zarah be�ugte ihn aufmerksam, um zu sehen, wie er die Geschichte aufnahm. Kolja belustigte ihr Verhalten. Er hatte nichts mit einem alten Mann gemein. Er w�rde sich niemals mit einer Seidenschnur erdrosseln lassen. Die Vorstellung am�sierte ihn vielmehr, wenn er daran dachte, auf welche Art man ihm in der Vergangenheit schon nach dem Leben getrachtet hatte. Er hatte sogar eine Begegnung mit Daimonen �berlebt!</p><p>�Es gibt schlimmere Arten zu verrecken�, war alles, was er dazu zu sagen hatte. Einen Moment schweiften seine Gedanken ab, und er dachte an Volodi. Ob die Zapote ihn wohl schon umgebracht hatten? Es w�re besser, wenn sein ehemaliger Kamerad nicht mehr zu lange lebte, denn f�r die Gesch�fte des Friedens und die Entscheidungen, die n�tig waren, um Erfolg zu haben, war er nicht geschaffen. Mit seinen Moralvorstellungen w�re er eine Gefahr f�r seine Ziele geworden, das wusste Kolja.</p><p>�Ich war selbst �berrascht, wie leicht ich ohne Bonos Schutz leben konnte. Leon bot mir an, auf mich und meinen Bruder aufzupassen. Daf�r musste ich jeden zweiten Abend seine G�ste unterhalten. Auf dem Platz der tausend Zungen erhob niemand Einspruch, als ich das Gesch�ft von Bono weiterf�hrte. Es fiel mir immer noch leicht, Sprachen zu erlernen. Nach nur drei Jahren beherrschte ich die sieben Zungen der sieben gro�en Reiche. Ich machte mir einen Namen unter den �bersetzern. Ich war die einzige Frau dort. Meine Talente als Dolmetscherin wurden gerne in Anspruch genommen, zumal als sich unter den gehobeneren Kunden herumsprach, dass ich auch noch ganz andere Dienste anbot, wenn man es sich leisten konnte. Bald hassten mich die anderen �bersetzer, denn ich ruinierte ihre Gesch�fte. Doch Leon sorgte daf�r, dass niemand auf die Idee kam, mir etwas anzutun.�</p><p>�Und wie lange ist das gut gegangen?� Kolja kannte den Platz der tausend Zungen. Er wusste, wie viele M�nner dort ihre Dienste anboten. Ein einzelnes Weib unter ihnen�� das konnte nicht gut gehen, zumal, wenn sie die besten Kunden bekam. Es war nur eine Frage der Zeit, bis irgendein betrunkener, verbitterter Konkurrent versuchen w�rde, ihr ein Messer in den Leib zu rammen.</p><p>�Auch Leon hat sich Sorgen gemacht. Deshalb habe ich dort nach drei Jahren meinen Abschied genommen. Ich verk�ndete, mich in meine Heimat nach Aram zur�ckzuziehen, verkaufte meinen Stand unter den S�uleng�ngen. Ich gab ein gro�es Abschiedsfest und zog mit allem Pomp durch das Goldene Tor. Einen Mond sp�ter kehrte ich in aller Heimlichkeit zur�ck. Leon hatte mir ein sch�nes Haus besorgt. Dieses Haus hier. Und er hatte Ger�chte ausstreuen lassen �ber eine geheimnisvolle, immer in Seide gekleidete Konkubine, die in den K�nsten der Liebe bewandert sei wie keine zweite und die M�nner erw�hlte, die bei ihr liegen durften. Die Ger�chte wuchsen von ganz alleine immer weiter. Bald wurde behauptet, ich sei die versto�ene Tochter eines Unsterblichen.� Zarah lachte. Es war ein harter, sp�ttischer Laut.</p><p>�Leon war selbst �berrascht, wie die Legende um mich wuchs. Bald hie� es, ich empfinge nur an besonderen Tagen G�ste, und dass meine Gunst nie mehr als einem meiner Liebhaber an so einem Tag g�lte. Oder dass ich den Statthalter der Zapote als zu barbarisch zur�ckgewiesen habe. Jedes dieser Ger�chte mehrte meinen Ruhm. Bald �berboten sich die Reichen der Stadt darin, einen Abend mit der Seidenen verbringen zu d�rfen. Und ich gab mir alle M�he, meinem Mythos gerecht zu werden. Vorbei waren die Zeiten, in denen M�nner nur hastig ihre niedersten Bed�rfnisse erf�llt sehen wollten. Ich verkaufte nicht mehr nur meinen Leib. Ich verkaufte eine Illusion. Und je vollkommener diese Illusion wurde, desto schwindelerregendere H�hen erreichten die Gebote meiner Liebhaber.�</p><p>Kolja nickte. Auch er hatte diese Erfahrungen gemacht. Ein guter Fick war Silber. Aber einen Traum zu verkaufen, das war etwas anderes! F�r Tr�ume gab es keine Grenzen. Auch nicht, was die Bezahlung anging. Er wusste nun, dass er Zarah wollte. Von diesen Tr�umen kosten wollte. Vergessen, dass er ein h�sslicher Kr�ppel war. Auch er w�rde daf�r fast jeden Preis zahlen. Aber das w�rde er Zarah nat�rlich niemals sagen.</p><p>�Ich habe die letzten Jahre meines Lebens damit verbracht, diese Illusion immer vollkommener zu machen. Mein Wert f�r dich besteht darin, dass ich weiterhin Tr�ume verkaufe.� Sie sah ihn herausfordernd an. �Deshalb kann ich nicht mit dir schlafen. Und es w�re auch unklug, wenn man dich in Zukunft noch einmal dieses Haus betreten s�he. Nat�rlich ist das rein gesch�ftlich.�</p><p>Kolja unterdr�ckte den Impuls, sie zu ohrfeigen. Stattdessen trat er so dicht vor sie, dass ihr Wohlgeruch ihn fast �berw�ltigte. Lange hatte er keine Frau mehr so sehr begehrt wie sie. Es war gerade ihr Widerstand, der ihn aufstachelte. Er beugte sich vor und hauchte einen Kuss auf ihren schlanken Hals. �Ich glaube, du hast etwas ausgelassen. Wie gelangte dein Bruder in dieses lichtlose Gef�ngnis?�</p><p>Die Sehnen an Zarahs Hals spannten sich. �Auch er durfte die Illusion nicht zerst�ren. Er konnte nicht in diesem Haus leben. Es war eine Bedingung Leons. Er hat vorgeschlagen, ihn dort unterzubringen�� Ich ging Joram oft besuchen.�</p><p>Kolja h�rte am Klang ihrer Stimme, dass dies halbherzige Ausfl�chte waren. Er hatte sie ertappt. Sie war nicht so gro�herzig, wie sie tat. Sie hatte ihre Besucher und das Leben in einem stattlichen Haus ihrem Bruder vorgezogen. Sie war nicht besser als all die anderen Huren, denen er bislang begegnet war.</p><p>�Glaube nicht, dass du auch nur eines deiner Geheimnisse vor mir verbergen k�nntest. Ich habe hier lange auf dich gewartet. Sehr lange. Ich habe mir dein Haus genau angesehen. H�user verraten viel �ber die Menschen, die darin wohnen. Ich frage mich, wohin du wohl gehst, wenn du das Regal an der S�dwand deines Weinkellers zur Seite schiebst. Dahinter liegt ein aufgegebener Abwasserkanal, der mit etlichen anderen Tunneln verbunden ist.�</p><p>�Manchmal verlasse ich das Haus heimlich, um meinen Mythos nicht zu gef�hrden�, entgegnete Zarah ruhig. �Zum Beispiel, wenn ich verschleiert meinen Bruder besuchen gehe.�</p><p>Kolja war nicht �berzeugt. Er war ein St�ck in die Tunnel vorgedrungen und hatte sich die Fu�spuren im Schmutz angesehen. Es war nicht nur die Seidene, die dort entlangging. Vielleicht hatte sie ja einen heimlichen Liebhaber? �Mir fehlt in deiner Geschichte auch, wie du an Eurylochos geraten bist.�</p><p>Zarah lie� sich auf dem Bett zur�cksinken. Ihre Beine streiften ihn. Ihre Brustwarzen zeichneten sich deutlich durch ihr Seidenkleid ab. Sie setzte ein sicherlich einge�btes und dennoch hinrei�endes L�cheln auf. �Das muss dir doch klar sein, Kolja. Eine Frau wie ich erweckt Begehrlichkeiten. Leon war pl�tzlich verschwunden. Ebenso seine M�nner, die unauff�llig �ber mein Haus gewacht haben. Ich h�tte zu Arcumenna, dem Statthalter von Valesia, gehen k�nnen, doch dann h�tte ich ihm allein geh�rt, und er h�tte ganz sicher keine anderen G�ste geduldet. Auf kurz oder lang w�re Eurylochos auf mich aufmerksam geworden, auch wenn nur wenige Auserw�hlte den Weg zu mir finden. Also entschied ich, zu ihm zu gehen und mich unter seinen Schutz zu stellen. Er war immer sehr zufrieden mit mir.�</p><p>Kolja fragte sich, ob der Steuermann mehr als nur Gold von ihr bekommen hatte. Er sp�rte den Dorn der Eifersucht. Er wusste, dass dies eine der Waffen der Seidenen war. Er durfte sich solchen Gedanken nicht hingeben! Und doch f�hlte er sich wehrlos. Sein Begehren w�rde ihn schwach machen.</p><p>Der Drusnier trat vom Bett zur�ck. Er sah den Triumph im Blick der Seidenen. �Du hast recht, Zarah, wenn man mich in deinem Haus sieht, dann wird das der Illusion schaden, dass du mehr als eine von vielen Huren dieser Stadt bist. Deshalb wirst du morgen in der Stunde der D�mmerung <emphasis>zu mir</emphasis> kommen. Wirst du nicht p�nktlich sein, werde ich dir ein Ohr von Joram schicken, damit du dich k�nftig daran erinnerst, dass du meinen Befehlen umgehend zu gehorchen hast. Und damit es nicht zu Missverst�ndnissen kommt, erkl�re ich dir jetzt ganz klar, was ich morgen von dir erwarte: Du wirst mir mehr als deinen Leib geben. Du wirst mir einen Traum verkaufen. Und sollte dir das nicht gelingen, lasse ich dir den Schwanz deines Bruders schicken. Ich hoffe f�r ihn, dass er dir noch etwas bedeutet, auch wenn du ihn aus deinem Leben hast wegsperren lassen. Solltest du an meinen Worten Zweifel hegen, sieh dir den Finger an. Oder h�re dich um. Ich bin Kolja, den sie auch den Schl�chter nennen, und ich stehe immer zu meinem Wort.�</p></section><section><title><p>Verlorene Geschichten</p></title><p>Lyvianne war beeindruckt. Sie glitt tiefer in die Schatten, als der grobschl�chtige Menschensohn die h�lzerne Stiege hinabkam und das Haus der Seidenen verlie�. Die Elfe h�tte darauf gewettet, dass er Zarah schlagen w�rde. Dieser Fleischberg war viel kl�ger, als seine plumpe Visage vermuten lie�. Jetzt w�rde Lyvianne darauf wetten, dass er morgen bekommen w�rde, was er sich w�nschte. Vielleicht liebte Zarah ihren Bruder wirklich�� Und sollte sie sich Koljas Wunsch verweigern, war ihr sicher bewusst, dass es nicht lange dauern mochte, bis der Schl�chter ein St�ck von ihr abschnitt, um sie gef�gig zu machen.</p><p>Misstrauisch sah sich die Elfe um, lauschte in die Nacht und wurde eins mit der Finsternis. Es war niemand mehr im Innenhof. Die Wachen des Schl�chters waren gemeinsam mit ihrem Herrn abgezogen, und die Dienerschaft ihrer Gastgeberin hatte sich in ihre Gem�cher verkrochen. Eine Taube oben auf dem Dach war das einzige andere Lebewesen, das sie wahrnehmen konnte. Vorsichtig zog sie sich in das gro�e G�stezimmer zur�ck, das ihnen zugewiesen worden war.</p><p>Ohne ihre Gef�hrten zu beachten, trat sie auf einen Zuber aus rotem Kupfer zu, der das Gemach beherrschte. Sie streifte ihre schmutzigen Gew�nder ab. Wie sie den groben Stoff hasste! Sie steckte einen Finger in das Wasser. Nat�rlich war es l�ngst kalt. Bunt schillerndes �l trieb in Inseln �ber das dunkle Badewasser. Lyvianne griff nach dem Schwamm, der auf dem Boden lag, und begann damit, sich mit dem kalten Wasser abzureiben. Die Menschenkinder hatten eigent�mliche Vorstellungen von Reinlichkeit, wenn sie glaubten, sie w�rde das Badewasser nutzen, das bereits ihre Gef�hrten genossen hatten.</p><p>�Und?�</p><p>Nat�rlich war es Nandalee, die in ihrer Neugier nicht warten konnte, bis sie mit ihrem Bad fertig war. Lyvianne ignorierte die J�ngere und strich weiter mit dem Schwamm �ber ihre langen Beine. Aus den Augenwinkeln nahm sie wahr, dass Nodon etwas zu angestrengt zur Seite blickte und Bidayn err�tete. Gonvalon hingegen war sie offensichtlich egal, was sie ein wenig �rgerte.</p><p>Nandalee trat noch einen Schritt n�her und starrte sie durchdringend an. �Was wollte der Kriegsherr?�, wiederholte sie.</p><p>Wie kam Nandalee dazu, diesen Zuh�lter Kriegsherr zu nennen? Lyvianne presste den Schwamm gegen ihre Scham. Wasser troff auf den Boden. Sie lie� sich Zeit. �ffnete einige der kleinen Fl�schchen, die neben dem Badezuber auf dem Boden standen. Vulg�re Parf�ms! Sie waren zu stark oder in ihren Duftfacetten schlecht aufeinander abgestimmt. Zuletzt entschied sie sich, ein wenig Rosen�l zu benutzen. Sie gab drei Tropfen in ihre offene Hand, tupfte den Mittelfinger ihrer Rechten in das �l und strich es auf ihren Hals, ihre Br�ste und die Innenseiten ihrer Schenkel. Es bereitete Lyvianne Freude, Nandalee vor Neugier schier vergehen zu sehen. Erst als sie wieder gekleidet war, lie� sie sich dazu herab zu berichten, was oben geschehen war, und welchem Gewerbe ihre Gastgeberin nachging.</p><p>�Er hei�t also Kolja�, sagte Gonvalon, nachdem Lyvianne geendet hatte.</p><p>Die Elfe sah ihn �berrascht an. �Kennst du ihn?�</p><p>�Nandalee war es, die seinen Arm abtrennte. Wir sind ihm bei unserer ersten Reise nach Nangog begegnet. Damals geh�rte er zur Leibwache eines Unsterblichen.�</p><p>Lyvianne lachte auf. �Er ist einer der Leibw�chter eines der m�chtigsten Menschenkinder und betreibt hier ein Bordell? Ich liebe diese Sterblichen! Sie sind so unendlich viel �berraschender als wir.�</p><p>�Vielleicht wurde er aus der Leibwache ausgeschlossen, weil er nun ein Kr�ppel ist�, sagte Nodon. Er sa� als Einziger an dem runden Tisch, auf dem Teller mit verschiedenen Speisen aufgetragen waren, und tunkte ein St�ck Fladenbrot in eine safrangelbe Sauce. Nachdem er ein kleines St�ck abgebissen hatte, f�gte er hinzu: �Ich w�rde keinen Krieger in der Wache Nachtatems dulden, der verst�mmelt ist. Ganz gleich, wie ruhmreich er einst gek�mpft hat.�</p><p>�Wird er uns wiedererkennen?�, fragte Bidayn, die sich in die dunkelste Ecke des Zimmers zur�ckgezogen hatte.</p><p>Lyvianne sah zu ihrer Sch�lerin. Bidayn trug als Einzige noch ihren langen Umhang. Ihr Gesicht war im Schatten der Kapuze verborgen. Solange sie nicht lernte, zu sich zu stehen und ihre Narben nicht zu verstecken, w�rde sie nie zu wahrer Gr��e aufsteigen, ganz gleich, wie talentiert sie als Zauberweberin auch sein mochte. Lyvianne dachte an den Menschensohn. So wie er sollte Bidayn werden. Er stand zu sich, ja, er nutzte sein furchterregendes Aussehen. �Der Krieger hat erkl�rt, dass er nicht mehr in dieses Haus kommen will. Ich glaube, eine weitere Begegnung mit ihm brauchen wir nicht zu f�rchten. Was wir hingegen entscheiden m�ssen, ist, wie wir weiter vorgehen werden.�</p><p>�Wir werden nicht einfach in den Krater hinabsteigen�, erkl�rte Nandalee. �Ihr erinnert euch, was ich euch �ber die Sieben erz�hlt habe. Die ersten Meister der Wei�en Halle, die spurlos verschwunden sind.�</p><p>�Es hei�t, sie warten irgendwo in der Einsamkeit der Berge�, platzte Bidayn heraus und Lyvianne h�rte ihr an, wie sehr ihre Sch�lerin diese Geschichte glauben wollte. �Sie werden wiederkehren, wenn Albenmarks dunkelste Stunde naht.�</p><p>�Ich glaube, sie haben ihre dunkelste Stunde hier in Nangog erlebt�, entgegnete Nandalee hart. �Sie sind l�ngst tot.�</p><p>�Dann h�tten ihre Waffen in die Wei�e Halle zur�ckkehren m�ssen�, wandte Gonvalon ein, der bisher schweigend zugeh�rt hatte. �Dein Schwert Todbringer geh�rte einst meiner Sch�lerin Talinwyn, die hier in Nangog starb. Ihre Klinge kam zur�ck in die Wei�e Halle, obwohl sie auf einer fremden Welt starb.� Er sah zu Bidayn. �Auch ich glaube, dass unsere alten Meister noch leben.�</p><p>Nandalee wollte etwas erwidern, doch Gonvalon legte ihr die Hand auf den Arm, und sie schwieg.</p><p>Nodon schob seinen Teller von sich. �Ganz gleich, was aus den Sieben geworden ist, wir wissen, es waren schon andere Drachenelfen hier, und sie sind auf ihrer Mission zu Grunde gegangen. Bevor wir in den Krater hinabsteigen, sollten wir herausfinden, was uns dort erwartet. Hat einer von euch eine Vorstellung, wie?�</p><p>�Folgen wir der Spur der Worte�, sagte Lyvianne nachdenklich. �Auch die Menschen lieben gute Geschichten. Sie nennen uns Daimonen und f�rchten uns. Wenn einige unserer Br�der und Schwestern hier starben, dann wird eine Geschichte zur�ckgeblieben sein. Vielleicht auf einer der Stelen niedergeschrieben, die sich ihre K�nige errichtet haben, oder verborgen in einem Palast- oder Tempelarchiv.�</p><p>�Oder in einer Bibliothek�, schlug Bidayn vor.</p><p>Lyvianne sch�ttelte den Kopf. �Nein, mein Liebe. Bibliotheken kennen die Menschenkinder nicht. Nicht einer von hundert vermag zu lesen. Und die wenigen, die schreiben, nutzen diese Gabe nur, um endlose Warenlisten anzufertigen. Tempel und Pal�ste sind die einzigen Orte, an denen Schriften niedergelegt werden. Und auch dort werden wir vor allem eines finden: langweilige Zahlen. Eine erm�dende Suche steht uns bevor.�</p><p>�Vielleicht gibt es wandernde S�nger, die in Liedern und Heldenepen das Wissen um die Vergangenheit bewahren. Die Trolle machen es so�, sagte Nandalee.</p><p>Lyvianne musste lachen. �Ja, die Menschenkinder mit Trollen zu vergleichen trifft es ganz gut.�</p><p>Bis in die fr�hen Morgenstunden beratschlagten sie, wer an welcher Stelle mit der Suche nach den Geheimnissen des Weltenmunds beginnen sollte. Lyvianne h�rte zu und sagte nur noch wenig. F�r sich hatte sie l�ngst entschieden, wohin ihr erster Weg sie f�hren sollte. Sie wollte den Geheimnissen der Seidenen nachsp�ren und jenen Vorratsschrank suchen, der den Eingang zu einem Tunnel in ihrem Keller verbarg.</p><p>Auch Lyvianne war davon �berzeugt, dass Zarah noch lange nicht ihre ganze Geschichte erz�hlt hatte.</p></section><section><title><p><emphasis>Herrscher aller Schwarzk�pfe</emphasis></p></title><p>�Ich, Aaron, Unsterblicher von Aram, Herrscher aller Schwarzk�pfe, ging im Jahr der Schlange nach Kush und schlug dort die Heerscharen Luwiens. Ich schritt �ber tausend tote Feinde, und die �berlebenden flohen vor dem Zeichen des L�wen. Muwatta aber zwang ich im Duell nieder, und so gro� war seine Schande, dass I�ta seinen Kopf nahm, denn er hatte ihrem Volk Schande gebracht. Doch da erhob sich Bessos, und ihm folgte der sch�ndliche Eleasar von Nari. Ich schlug sie am Pass der Adler und st�rmte ihre Burg �ber den Wolken. Und keinem der Verr�ter gew�hrte ich Gnade. Ihre Frauen und Kinder aber lie� ich ziehen. Und ich verschenkte Land in allen vier Winden an die Bauern, die mir gefolgt waren. Und Gerechtigkeit zog ein in das Land Aram. Die K�pfe des Bessos und des Eleasar lie� ich legen in das Salz der Wei�en W�ste, und sie wurden getragen zu jedem Palast in Aram, auf dass die Satrapen sehen mochten, was jene erwartete, die meinem Worte widersprechen. In Ak�u aber feierte ich ein Fest, das da w�hrte sieben Tage und sieben N�chte, und ich beschenkte jene, die mit mir gestritten hatten, so reich, dass ein jeder wie ein F�rst heimkehrte.</p><p>Denn ich bin Aaron, Erster unter den Unsterblichen, und mein Auge reicht in jede H�tte, und ich schreite �ber die Leichen meiner Feinde immerdar.�</p><cite><text-author>Zitiert nach: Vermischte Schriften aus alter Zeit, Herausgeber: Unbekannt. S. 67. Verwahrt in der Bibliothek von Iskendria, Saal der versunkenen K�nigreiche, Regal XXXV, Brett VII.</text-author></cite><cite><p>Anmerkung: Inschrift einer Stele, kopiert von der Elfe Valynwyn, die von Emerelle nach Iskendria verbannt wurde. Valynwyn entdeckte den Stein beim Erweitern der Kellergew�lbe ihres Palastes. Die Stele war kaum besch�digt. Sie ma� fast zwei Schritt in der H�he. Das obere Drittel zeigt einen l�wenh�uptigen K�nig in archaischer R�stung. Er h�lt ein Schwert in der Rechten. In der Linken das abgetrennte Haupt eines b�rtigen Mannes, und er schreitet �ber die Leichen erschlagener Krieger.</p></cite></section><section><title><p>Von L�gen und verlorenen Tr�umen</p></title><p>�� und ich schreite �ber die Leichen meiner Feinde immerdar.� Artax legte die Tontafel, von der er abgelesen hatte, auf den Tisch neben das Lager Mataans. Der Fischerf�rst war immer noch schwach. Er erholte sich nur schleppend von den Verletzungen, die er im Kampf um den Steinhorst erlitten hatte. Doch f�r viele bei Hof galt es als ein Wunder, dass er �berhaupt noch lebte! Als man ihn in den k�niglichen Palast von Ak�u gebracht hatte, war er mehr tot als lebendig gewesen. Seither lag er in einem gro�en, hellen Zimmer auf einem Bett mit roter Decke. Der Heiler, der in der Ecke stand und sie beobachtete, hatte erkl�rt, rote Decken seien gut bei Fieber. Sie w�rden helfen, das Gift aus dem kranken K�rper zu schwitzen. Ebenso der Weihrauch, der tagein, tagaus in zwei flachen Kupferschalen neben dem Bett verbrannt wurde. Der Duft des bl�ulichen Rauchs machte Artax ganz benommen. Er mochte ihn nicht.</p><p>Mataan sah schlecht aus. Sein Gesicht war eingefallen, seine Adlernase ragte wie ein Messer empor. Artax zwang sich zu einem L�cheln, als k�nne er den schleichenden Tod aus dem Krankenzimmer fortl�cheln. �Und? Was h�ltst du von der Wortwahl? Ich werde diese Worte in Stein mei�eln lassen, auf einer Stele, die meinen Sieg auf der Ebene von Kush zeigt. In jeder Stadt des K�nigreiches soll eine solche Stele auf dem gr��ten Markt aufgestellt werden.</p><p>�Auf den Marktpl�tzen werden Hunde an die Stelen pissen�, sagte Mataan matt.</p><p>Artax lachte leise. Er war erleichtert, sein Freund hatte sich noch nicht aufgegeben. Selbst jetzt hielt Mataan nicht mit seiner Meinung hinter dem Berg. Ashot h�tte seine Freude an ihm. Artax entschied, nicht viel auf die Worte des Fischerf�rsten zu geben, und fuhr voller Enthusiasmus fort: �In jeder Stadt wird es Bauern geben, die reich werden, weil sie mir in Kush treu gedient haben. Ich werde die Landreform umsetzen. Die fruchtbaren �cker werden gerechter verteilt werden. Und meine Mitstreiter werden dar�ber wachen, dass Gerechtigkeit herrscht. Sie werden in den R�ten der St�dte sitzen. Sie werden Macht haben!�</p><p>Mataan bedeutete ihm, sein Ohr nah an dessen Lippen zu bringen. Selbst zum Sprechen fehlte ihm inzwischen die Kraft.</p><p>�Ganz gleich, wie tapfer sie gek�mpft haben, in dieser Schlacht k�nnen sie nicht siegen, Herr. Sie werden nur wenige in den R�ten sein, umgeben von M�nnern, die Land und Einfluss an sie verloren haben und die ein ganzes Leben lang Erfahrung in den Intrigen und Winkelz�gen des st�dtischen Geschachers sammeln konnten. Ihre Gegner stammen aus Familien, die seit vielen Generationen in den R�ten sitzen. Eure Bauern werden dort untergehen, Herr. Das, oder sie werden so werden wie die alten Herren. Ihr m�sst einen anderen Weg finden. Opfert sie nicht. Und �berdenkt die Sache mit den Stelen. Ich erkenne Euch kaum hinter diesen Worten, Herr. Sie sind voller H�rte und Grausamkeit.� Mataans Kopf sank zur Seite. Seine Kraft war ersch�pft. Der Heilkundige neben dem Bett sah Artax nerv�s an, wagte es aber nicht, ihm zu sagen, dass es besser sei zu gehen.</p><p>Artax setzte sich auf. Die Stimmen der fr�heren Aarons hatten ihn beraten, als er den Text f�r die Stelen entworfen hatte. Er musste H�rte zeigen! Mataan hatte immer noch Fiebersch�be. Sich mit ihm zu beraten war nicht klug. Der Fischerf�rst war im Augenblick nicht klar bei Verstand.</p><p>Der Unsterbliche klopfte sanft auf die Hand seines Kampfgef�hrten. �Ruh dich aus, mein Freund. Wir reden sp�ter, du musst zu Kr�ften kommen.�</p><p>Mataan hielt ihn mit seinem Blick gefangen. Er wollte noch etwas sagen, seine Lippen bebten. Es war wie vor zwanzig Tagen im Steinhorst. Nichts schien seitdem besser geworden zu sein. Immer noch stand sein Gef�hrte an der Schwelle des Todes, auch wenn die Pfeile l�ngst aus seinem Fleisch geschnitten waren.</p><p>Artax wandte sich ab. Sofort trat der Heiler an ihn heran.</p><p>�Ihr m�sst mit dem Kranken sprechen, mein Gebieter. Er bringt sich um! Er nimmt nichts anderes zu sich als d�nne, scharf gew�rzte Fischsuppe. Fische! Jedes Kind wei�, dass man einen Sud aus Fleisch mit einger�hrtem Ei braucht, wenn man zu Kr�ften kommen will. Seht ihn Euch an, mein Gebieter. Bitte befehlt ihm zu trinken, was gut f�r ihn ist. Um etwas zu kauen ist er zu schwach���</p><p>Artax betrachtete den Heiler missmutig. Es war ein feister junger Mann, dessen Hals halb hinter seinem Doppelkinn verschwand. Artax w�nschte, Mataan h�tte etwas von diesen Pfunden.</p><p>�Seht, wohin ihn sein Starrsinn gebracht hat�, bedr�ngte ihn der Heiler weiter. �Er hat schon die Farbe eines toten Fisches.�</p><p>Artax erinnerte sich noch gut, wie der Heiler Mataan nur noch ein paar Tage einger�umt hatte, als er ihn zum ersten Mal sah. Das war noch vor den Siegesfeiern gewesen. �Er bekommt zu essen, was er gerne mag�, entgegnete er dem Dicken kurz angebunden und verlie� die helle Kammer in Eile. Er konnte den Anblick seines Gef�hrten nicht mehr ertragen. Konnte den Weihrauch nicht mehr riechen, der in d�nnen blauen Schleiern unter der Zimmerdecke hing.</p><p>Auf seinem Weg durch die langen Flure des Palastes begegnete Artax nur wenigen Dienern. Manchmal h�rte er von ferne Musik. Das Fest, das er seiner Hauptstadt geschenkt hatte, dauerte noch an. In den Stra�en wurde getanzt. Tausend Ochsen waren geschlachtet worden, Schiffsladungen von Wein hatte er verschenkt, und die besten Gaukler und Musiker gaben sich auf den Pl�tzen Ak�us ein Stelldichein. Doch er war einsam.</p><p>Schweigend trat Artax auf die weite Terrasse bei seinen Privatgem�chern, lehnte sich an die pr�chtigen, roten S�ulen, die das Vordach aus Zedernholz st�tzten, und blickte nach Osten. Schwarze Rauchwolken stiegen vor den Mauern der Stadt auf, wo die Priesterschaft der gefl�gelten Sonne die Ochsen schlachtete und auf ihren Alt�ren das Fleisch briet. Das Blut geh�rte dem L�wenh�uptigen. Alles andere wurde an die G�ste des Festes verschenkt.</p><p>Es war ein sch�ner Sp�tsommerabend. Die sinkende Sonne umkr�nzte die Wolken mit einem rosa Flor. Die blasse Mondsichel stand schon am Himmel, obwohl die Sonne noch zwei Handbreit �ber dem Horizont thronte.</p><p>�Herr?�</p><p>Artax fuhr erschrocken herum. In der T�r zur Terrasse stand Ashot. Ein Weinfleck prangte auf der hellblauen Tunika seines Freundes. �Warum bist du nicht auf dem Fest?�</p><p>�Es gibt schlechte Nachrichten, Erhabener. Ich wei� nun, warum Eleasar die Frauen und Kinder mit zum Steinhorst nahm. Er wollte Euren Namen besudeln, Herrscher aller Schwarzk�pfe.�</p><p>�Was ist daran neu? Das hatten wir doch schon bef�rchtet.�</p><p>Ashot seufzte. �Neu ist, dass wir nun wissen, was genau er getan hat. Vom Adlerpass hat er Boten in alle Provinzen geschickt. Sie verbreiten die Geschichte, dass er sich Eurer Gnade ergeben wollte und f�r das Leben seines Weibes und seiner Kinder bat. Auch f�r die anderen Frauen und Kinder im Heerlager hat er sich angeblich eingesetzt. Doch Ihr habt vermeintlich sein Ansinnen abgelehnt und geschworen, dass nicht nur die Verr�ter, sondern auch ihr gesamtes Gefolge sterben sollten. Daraufhin flohen Bessos und Eleasar zum Steinhorst. Ihr habt Euch unter dem Vorwand, noch einmal verhandeln zu wollen, Zugang zu dieser uneinnehmbaren Felsfeste verschafft. Ihr und Eure Begleiter hatten Waffen unter Euren Gew�ndern verborgen, und das Morden begann, kaum dass ihr durch das Tor getreten wart.�</p><p>�Auch wir haben unsere Boten geschickt�, entgegnete Artax gereizt. �Es werden immer L�gen �ber mich verbreitet werden. Das geh�rt zum K�nigtum wie die Krone.�</p><p>�Aber seine Boten sind fr�her losgeritten. Er hat sie schon geschickt, bevor er Bessos befreite. Er hatte alles vorausgeplant. Und er war ein beliebter Herrscher in seiner Provinz. Die Menschen glauben der Geschichte, die er verbreiten l�sst. Wohin auch immer unsere Boten kommen, um den Sieg �ber Muwatta zu verk�nden, seine M�nner waren schon dort. Jetzt sieht es so aus, als wollten <emphasis>wir</emphasis> die Wahrheit verschleiern.�</p><p>Artax lachte auf. �So ist unsere Welt. Die L�ge wird zur Wahrheit, wird sie nur vehement genug vorgetragen. Sie wuchert wie Unkraut auf den Feldern und erstickt die Saat der Wahrheit.�</p><p><emphasis>Wir sind stolz auf dich, Artax. Endlich begreifst du, was es hei�t zu herrschen</emphasis>, meldeten sich seine inneren Stimmen zu Wort. <emphasis>Auch du kannst L�gen Wahrheit werden lassen. Du musst es nur wollen. Doch halte die L�gen einfach.</emphasis></p><p>�Aber Unkraut kann man ausrei�en!�, begehrte Ashot auf. �Jeder gute Bauer tut das. Und wenn unser K�nigreich Aram wie ein gro�es Kornfeld ist, seid Ihr dann nicht der gute Bauer, der es pflegen muss, Unsterblicher?�</p><p>Artax sah ihn lange an. Er w�nschte, es w�re noch die Zeit, in der sie wirklich Bauern gewesen waren. In der sie nach dem Tag auf dem Feld zu dritt unter der Zeder beim Dorfbrunnen gesessen hatten, um �ber ihre Sorgen und Tr�ume zu reden. Artax war zum m�chtigsten Mann unter den V�lkern der Menschen geworden. Und zum einsamsten. �Narek war ein guter Bauer, nicht wahr?�</p><p>Ashot sah ihn misstrauisch an, ganz so, als sei es ihm unheimlich, dass sein Herrscher so viel Interesse f�r einen toten Bauern zeigte. Es schmerzte Artax, dass sein Jugendfreund so vor ihm auf der Hut war�� auch wenn Ashot nicht wissen konnte, mit wem er sprach. Artax sah ihn lange an. Im Gegensatz zu ihm hatte sich Ashot nicht ver�ndert. Sein l�ngliches Gesicht war wie immer unrasiert, sein dichtes, schwarzes Haar hing ihm in Str�hnen in die Stirn. Er sah ganz und gar nicht aus wie ein Hauptmann der Leibwache eines Unsterblichen. Aber die Kushiten waren auch keine gew�hnliche Palastwache.</p><p>�Narek war in allen Dingen gut, die mit dem Herzen zu tun hatten�, sagte Ashot schlie�lich.</p><p>Artax nickte niedergeschlagen. Ashots Tiefe �berraschte ihn. Besser konnte man Narek wohl kaum umschreiben. Er war nie der Flei�igste gewesen, hatte keinen Ehrgeiz gehabt, au�er ein guter Vater, Ehemann und Freund zu sein. Er hatte sich immer bem�ht�� war immer aufrichtig gewesen. Er war der beste Freund, den er je gehabt hatte.</p><p>�Magst du mir von Narek erz�hlen?�</p><p>�Aber was machen wir gegen die L�gen Eleasars? Wisst Ihr, welchen neuen Namen Euch das Volk gegeben hat? Blutk�nig!�</p><p>�Wir werden Taten gegen L�gen setzen, Ashot. Und ich werde versuchen, mich an deinen Vergleich zu erinnern. Es ist egal, was ich tue�� so wie das Unkraut nachw�chst, werden sich auch st�ndig neue L�gen um mich ranken. Ich werde Stelen in den St�dten aufstellen, die mich als machtvollen und siegreichen K�nig zeigen, und ich werde schon bald damit beginnen, das Reich zu bereisen. Ich will dort sein, wo die armen Bauern ihr Land bekommen, will den R�ten auf die Finger sehen und die Satrapen daran erinnern, dass das Auge des Unsterblichen bis in den letzten Winkel Arams blickt. Ich werde allen mein wahres Gesicht zeigen. Ich hoffe, dies wird die L�gen besiegen. F�r dich und die Kushiten wird es endlose M�rsche bedeuten. Ich werde kein Palastk�nig sein. Mich soll das Volk gesehen haben.�</p><p>Ashot l�chelte schief. �Die M�nner beginnen ohnehin, faul zu werden und Fett anzusetzen. Ein wenig Bewegung wird ihnen guttun. Und was mich angeht�� Ihr wisst, ich war ein Bauer. Zur Erntezeit, wenn wir die Hirse geschnitten haben, habe ich mich so oft geb�ckt, dass ich abends meinen R�cken kaum noch gerade bekommen habe. Ein bisschen Staub auf der Stra�e schlucken ist im Vergleich dazu wie Honigkuchen essen.�</p><p>�Da ich demn�chst f�r eine staubige Kehle sorgen werde, m�chte ich dich jetzt auf einen Becher Wein einladen.� Artax deutete in sein Zimmer. �Es ist kein besonderer Tropfen. Ein wenig sauer. Er kommt aus Apamei.�</p><p>�Apamei?� Ashots L�cheln verging.</p><p>��berrascht, dass ein Unsterblicher billigen Wein trinkt?�</p><p>�Nein, das ist es nicht��� Der Blick des Hauptmanns war in sich gekehrt. �Es ist nur�� solchen Wein habe ich in meinem Dorf in Belbek getrunken. Selten, denn wir waren arm. Er erinnert mich an einige gute Abende.�</p><p>�Lass uns auf die Toten trinken. Auf verlorene Freunde, deren Andenken nicht sterben darf und denen wir die goldene Zukunft schulden, von der sie nur tr�umen konnten.� Artax verlie� die Terrasse und trat in sein Zimmer, bem�ht, die Berge von Tontafeln zu �bersehen. Er hatte angefangen, sie an den W�nden entlang zu stapeln. Er w�rde ihnen nur entgehen, wenn er den Palast verlie�.</p><p>Er schenkte Wein in zwei einfache, irdene Becher. Er mochte es nicht, aus goldenen Pokalen zu trinken. Seine Dienerschaft hielt ihn f�r seltsam, das wusste er. Er verzichtete auf jeden Genuss. Sein Harem war l�ngst aufgel�st. Nie lie� er sich ein junges M�dchen oder einen Knaben bringen. Er a� wenig Fleisch. Wer alles haben konnte, der fand irgendwann zum Reiz des Einfachen zur�ck.</p><p>Artax hielt Ashot einen Becher hin.</p><p>Der Hauptmann griff danach. Ihm war anzusehen, dass er sich unwohl f�hlte. �Erz�hl mir jetzt von Narek und deinen anderen Freunden.�</p><p>�Da gibt es nichts Bedeutendes���</p><p>�Mein Leben ist �bervoll von vermeintlich Bedeutendem. Ich vermisse es, einfach nur zu plaudern. Zu reden, wie M�nner reden, die die Arbeit des Tages getan haben und mit ihren Freunden schwatzen.�</p><p>Ashot schien verwirrt, doch Artax war froh dar�ber. Endlich war es ihm gelungen, seinen Wall aus Distanz und Zynismus zu durchbrechen.</p><p>�Ich h�tte niemals gedacht, dass ein Unsterblicher sich danach sehnen k�nnte, mit einfachen M�nnern �ber einfache Dinge zu reden.�</p><p>Artax nahm den Weinkrug und deutete zur Terrasse. �Lass uns an der Mauer sitzen und zusehen, wie die Sterne �ber dem Horizont erscheinen. Ich kann den Anblick all dieser Tontafeln nicht mehr ertragen.�</p><p>�Dann schmei�t sie doch einfach heraus.� Ashot lachte. �Ihr habt alle Macht der Welt. Wie kann Euch so etwas bedr�cken?�</p><p>Artax lie� sich mit einem Seufzer gegen die Mauer sinken. Die Ziegelsteine waren noch warm von der Mittagssonne. �Ich will es eben gut machen.�</p><p>�Hm�� Ashot nahm einen ersten Schluck vom Wein und lie� ihn in seinem Mund kreisen. �Wirklich nicht gut, dieses Ges�ff. Aber es schmeckt nach Zuhause.� Er setzte den Becher erneut an. �Ich finde, Ihr solltet nur die Schlachten schlagen, die es wert sind.� Er deutete in Richtung des Zimmers. �All diese Tontafeln da. K�nnt Ihr nicht jemand anderen daf�r finden? Einen neuen Datames? Macht Euch damit das Leben nicht sauer. Mir scheint, auch die Kr�fte eines Unsterblichen haben Grenzen.�</p><p>�Ich glaube, es gibt Unsterbliche, die den Hauptmann ihrer Leibwache f�r solche Worte h�ngen lassen w�rden.�</p><p>Ashot grinste ihn herausfordernd an. �Und ich glaube, dass solche Unsterbliche nie darunter leiden, dass es niemanden gibt, mit dem sie ein offenes Wort sprechen k�nnen.� Er hob ihm herausfordernd den Weinbecher entgegen, und Artax prostete ihm zu. Es tat gut, endlich wieder mit jemandem frei zu reden, den er schon seit Kindertagen kannte, auch wenn Ashot keine Ahnung hatte, wer sich hinter der Maske des Unsterblichen verbarg.</p><p>�Wir haben den Luwiern ordentlich den Arsch aufgerissen�, murmelte der Hauptmann. �Narek sollte jetzt hier mit uns sitzen.�</p><p>�Er war ein tapferer Mann�, sagte Artax. Es schmerzte ihn, so unpers�nlich von seinem Jugendfreund sprechen zu m�ssen.</p><p>�Es war gut, dass ihr ihn in sein Dorf zur�ckgebracht und mit seinem Weib gesprochen habt. Auch wenn sie Euch schlecht behandelt hat�� Es hat auf viele M�nner Eindruck gemacht. Auch davon wird man noch lange sprechen.�</p><p>�So wie von den Morden im Steinhorst.�</p><p>�Es sind Eure Taten, die entscheiden werden, was die Menschen von Euch denken, Herr. Eleasar ist tot. Ihr aber lebt. Ihr k�nnt diesen Schandnamen wieder ausl�schen.�</p><p>Artax f�llte seinen Becher nach und betrachtete die untergehende Sonne. Den ganzen Tag �ber hatte er nicht an die Devanthar gedacht und daran, dass der L�wenh�uptige nicht gekommen war, um sein Versprechen einzul�sen. Was war geschehen? Was z�hlte noch, wenn das Wort eines Gottes nicht mehr galt?</p><p>�Narek und ich, wir hatten einen Freund in unserem Dorf Belbek. Ihr h�ttet ihn kennen sollen. Ein verr�ckter Kerl. Er hat sich ein Weib ausgedacht. Ihr m�sst Euch das vorstellen, Herr. Es gab sie nur in seinen Gedanken. Er hat ihr sogar einen Namen gegeben. Almitra. Er wollte auch die Welt verbessern, so wie Ihr. Ich glaube, Ihr h�ttet ihn gemocht.�</p><p>�Wie hie� er?�</p><p>�Artax.�</p><p>Es war ein seltsames Gef�hl, Ashot so �ber sich reden zu h�ren.</p><p>�Glaubst du, f�r diese Nacht k�nnten wir einfach Trinkkumpane sein und du k�nntest darauf verzichten, mich wie einen K�nig anzusprechen?�</p><p>�Und morgen legt Ihr mir den Kopf vor die F��e f�r diese Frechheit?�</p><p>�Mindestens!�</p><p>Ashot lachte. �Dann sollten wir uns heute so besaufen, dass ich morgen nicht mehr viel sp�re.� Er hob erneut den Becher. �Auf dich, Unsterblicher!�</p><p>�Auf uns, die wir noch �brig geblieben sind.� Krachend lie�en sie die Tonbecher gegeneinanderprallen.</p><p>�Was ist aus diesem Artax geworden?�</p><p>Der Hauptmann seufzte. �Er ist nach Nangog gegangen. Er wollte dort sein Gl�ck machen. Ich habe nie wieder von ihm geh�rt. Keine Ahnung, ob er noch lebt. Wahrscheinlich eher nicht. Soll nicht so golden sein, diese neue Welt, wie die Bauernwerber auf den D�rfern erz�hlen.�</p><p>�Vielleicht ist er ja jetzt ein reicher Kaufherr? Manchen ist Nangog wohlgesonnen. Es ist eine Welt voller Wunder, in der ein Bauer zu einem Herrscher werden kann.�</p><p>Ashot lachte auf. �Ich bitte Euch���h, dich. Das sind doch Ammenm�rchen. In Nangog wird ein Bauer ebenso wenig zum F�rsten wie in Aram.�</p><p>Artax l�chelte in sich hinein. Genauso hatte Ashot geredet, als er mit seinem Freund zum ersten Mal dar�ber gesprochen hatte, nach Nangog zu gehen. Er hatte ihn als v�llig verr�ckten Tr�umer beschimpft. �Sitzt neben mir nun ein Bauer, der in einem halben Jahr zum Hauptmann der Leibwache eines Unsterblichen aufgestiegen ist, oder nicht?�</p><p>�Das ist etwas anderes!�, entgegnete Ashot aufgebracht. �Und ein F�rst bin ich nicht.�</p><p>�Nein, aber die Satrapen des Reiches f�rchten dich. Du bist ein m�chtiger Mann, Ashot.�</p><p>�Vielleicht�, murmelte er. �Aber Artax ist das nicht.�</p><p>�Was macht dich da so sicher?�</p><p>�Er w�re zur�ckgekehrt.� Der Hauptmann hob nachdenklich den Weinkrug und schenkte sich nach. �Artax war ein verdammt guter Kerl. Hab nie wieder einen wie ihn getroffen. Wei�t du, was er wollte? Er wollte sein Gold gar nicht f�r Felder und ein sch�nes Haus ausgeben. Er wollte das Bew�sserungssystem verbessern, damit alle Bauern im Dorf es leichter h�tten.� Er lachte. �Und ein h�bsches, kluges Weib wollte er sich nehmen. Sie sollte eine genauso scharfe Zunge haben wie diese Almitra, die er sich ertr�umt hatte.�</p><p>Der Wein schmeckte Artax pl�tzlich allzu sauer. Er hatte all seine Kraft in seinen Krieg gesteckt, statt seine alten Tr�ume wahr werden zu lassen. H�tte er Belbek geholfen, w�re Narek vielleicht niemals auf den Gedanken gekommen, in den Krieg zu ziehen. Und Ashot w�re nicht so verbittert. Sie beide k�nnten jetzt noch unter der Zeder beim Dorfbrunnen sitzen, h�tte er sie nicht verraten.</p><p>Die n�chsten Worte Ashots rissen Artax aus seinen Gedanken.</p><p>�Wir sollten Mataan besuchen!� Der Hauptmann erhob sich leicht schwankend. �Und auf dem Weg zu ihm m�ssen wir noch einen Krug von diesem k�stlichen Wein auftreiben.�</p><p>�Der Heiler wird das nicht gut finden.�</p><p>Sein alter Freund grinste ihn verschw�rerisch an. �Bestimmt! Aber er wird sich nicht gegen den Unsterblichen stellen. Dieses Schwabbelkinn hat keinen Arsch in der Tunika. Er wird finster schauen, und das war es auch schon. Und Mataan k�nnte dringend mal eine Aufmunterung gebrauchen. Vielleicht kommt er dann wieder auf die Beine.�</p><p>Artax war sich nicht sicher, ob er schon betrunken war, aber er fand Ashots Einfall verlockend. Sie machten sich auf den Weg, und es kam tats�chlich so, wie Ashot es prophezeit hatte. Der Heilkundige suchte das Weite, ohne ernsthaft Einspruch zu erheben. Und Mataan war gl�cklich, auch wenn er zu schwach war, um seinen Becher selbst zu halten.</p><p>Sie tr�nkten seinen Bart und die rote Decke mit apameischem Roten. Mataan brachte nur ein paar Schluck herunter, dann begann er leise ein Fischerlied zu singen, das Ashot zu Tr�nen r�hrte. Es war ein guter Abend, fast wie ein Traum.</p><p>Zuletzt lag Artax auf dem Dach des Palastes. Ashot schnarchte neben ihm zum Erbarmen. Und er blickte zu den Sternen hinauf und konnte zwischen ihnen das Antlitz Shayas sehen. Sie war so nah!</p></section><section><title><p>Freiwild</p></title><p>Shaya sah Kara nach. Die pummelige Priesterin hatte ihr wieder etwas zu essen vor das Viehgatter gestellt. Kara kam fast jede Nacht. Ob sie sich das Essen vom Munde absparte oder aus der K�che stahl, wusste die Prinzessin nicht. D�nner war Kara in den letzten Wochen jedenfalls nicht geworden.</p><p>Ein schmaler Sichelmond stand am Himmel. Er schenkte gerade genug Licht, um ein paar Schritt weit zu sehen. Es blieben genug Schatten, um sich zu verbergen. Shaya wusste genau, welchen Weg sie nehmen w�rde. In den letzten Wochen, die sie zwischen den Ziegen des Klosters verbracht hatte, hatte sie sich jede Einzelheit ihrer Umgebung eingepr�gt. Stunden hatte sie dagesessen und gestarrt. Alle hielten sie f�r verr�ckt. Das w�rde ihre Flucht erleichtern. Ihr blieben jetzt sieben oder acht Stunden, in denen niemand mehr nach dem Viehstall sehen w�rde. Genug Zeit, um einen guten Vorsprung zu bekommen. Hier in den Bergen k�nnte man keine Reiter zur Verfolgung schicken. Wer sie jagte, war ebenso zu Fu� wie sie. Sie w�rde ihnen zeigen, dass sie keineswegs gebrochen war. Sie w�rde ihnen allen davonlaufen!</p><p>Entschlossen schwang sie sich �ber das Gatter. Von Norden wehte ein kalter Wind. Noch war es Sp�tsommer, aber die N�chte wurden schon eisig. Der Winter w�rde in dieser H�he fr�h Einzug halten. Shaya hatte keine Ahnung, was sie jenseits des Tals erwartete, in dem das Haus des Himmels lag. Sie warf einen kurzen Blick zum Kloster zur�ck. Nur in einem einzigen Fenster brannte noch Licht. Tabitha, die Mutter der M�tter, war noch wach. Sollte der m�rrischen Alten das Herz stehen bleiben, wenn man ihr morgen die Nachricht brachte, dass die Barbarenprinzessin geflohen war.</p><p>Shaya setzte ihre Schritte mit Bedacht. Sie ging barfu�. Eine fadenscheinige Tunika war ihr einziges Kleidungsst�ck, und sie stank nach Ziegen, aber das w�rde helfen, sollten die Priesterinnen nach Bluthunden schicken, um sie zu jagen. Die Prinzessin folgte den Pfaden, auf denen die Ziegen jeden Tag zu den Weiden auf der anderen Seite des Tals getrieben wurden. Es w�rde schwer werden, ihre Witterung von der der Ziegen zu unterscheiden.</p><p>Shaya schmerzten die F��e, noch bevor sie die erste Meile hinter sich hatte. Aber sie war darauf vorbereitet. Im Stall hatte sie ihre Fu�sohlen immer wieder �ber die verputzte R�ckwand gerieben. Sie hatte gehofft, so die Hornhaut unter ihren Sohlen zu st�rken. Ihr ganzes Leben lang hatte sie stets Stiefel besessen. Sie konnte sich nicht erinnern, je weiter als ein paar Schritt barfu� gegangen zu sein. Sie wusste, das w�rde ihre gr��te Sorge werden. Bald schon w�ren ihre F��e wund. Dann w�rden sie zu bluten beginnen. Und einer Blutspur w�rden Hunde leicht folgen k�nnen.</p><p>Shaya ging neben dem Weg. Das kurze, trockene Gras kitzelte ihre Sohlen. Nur selten stie� sie gegen einen Stein. Mehr als eine Stunde war vergangen, als sie die Viehweiden erreichte. Der Mond stand nur noch drei Handbreit �ber den Bergen. Das erleuchtete Fenster der Mutter der M�tter war zu einem winzigen Punkt hinter ihr geschrumpft. Freiheit! Es tat gut, dem K�fig entronnen zu sein. Lebend w�rden sie die Priesterinnen nicht fangen, das schwor sich Shaya. Sie w�rde nicht noch einmal wie ein Tier in einem verdreckten Stall vegetieren. Eher w�rde sie sich von einem Felsen st�rzen.</p><p>Wolken zogen vor den Mond, und ein eisiger Regen setzte ein. Es war nun so dunkel, dass die Prinzessin kaum die Hand vor Augen sah. Shaya hatte die Viehweiden hinter sich gelassen und tastete sich dem Bergkamm entgegen, der f�r sie in den vergangenen Wochen das Ende der Welt gewesen war. Sie hatte zwar die blassen Umrisse noch h�herer Berge in der Ferne gesehen, aber sie hatte nicht die geringste Vorstellung, wie das Land jenseits des Tals aussah, in dem das Haus des Himmels lag. Gab es dort fruchtbare H�nge und kleine D�rfer oder nur eine �de Steinw�ste, �ber die sich un�berwindliche Gletscher erhoben? Shaya war klar, dass sie verloren war, wenn sie keine Menschen jenseits des Bergkamms fand. Ihre Tunika war v�llig durchn�sst und klebte an ihrer Haut. Sie brauchte dringend bessere Kleidung und zumindest Lumpen, die sie sich um die F��e wickeln konnte. Und Nahrung. Sie war sich des Risikos ihrer Flucht voll und ganz bewusst. Wenn sie Pech hatte, erwartete sie als einziger Trost ein Tod in Freiheit.</p><p>Langsam arbeitete sie sich einen Hang hinauf, den breite Ger�llzungen bedeckten. Bei jedem Tritt gaben die Steine nach und l�sten kleine Lawinen aus. Immer wieder rutschte sie aus. Schlie�lich tastete sie sich auf allen vieren vorw�rts. Zuletzt kletterte sie �ber blanken Fels. Ihre F��e waren zerschunden. Jeder Schritt schmerzte. Die Handfl�chen waren aufgesch�rft, und der eisige Wind, der ihr den Regen entgegentrieb, lie� sie unkontrolliert zittern.</p><p>Shaya biss die klappernden Z�hne zusammen. Ihre Bewegungen wurden fahriger. Sie dachte an die warmen Ziegenleiber und den gesch�tzten Platz, den sie aufgegeben hatte. Leise fluchend kletterte sie weiter. Was war aus der Kriegerprinzessin geworden, die sie einmal gewesen war? Sich nach der Geborgenheit stinkender Ziegen zu sehnen! Sie brauchte eine ordentliche Schlacht, um wieder klar zu werden. Zu lange hatte sie keinem Bastard mehr ihre Dornaxt im Sch�del versenkt.</p><p>Endlich erreichte Shaya den Bergkamm. Und sah nichts! Die Finsternis war vollkommen. Lag unter ihr �dland oder ein bewohntes Tal? Verzweifelt blickte sie zum Himmel auf. Der eisige Regen streichelte ihre Wangen. Sie sehnte sich danach, sich irgendwo zu verkriechen und das erste Licht abzuwarten. Aber sie durfte nicht stehen bleiben. Die Stunden der Nacht waren unbezahlbar. Jede Rast verringerte den Vorsprung, den sie vor ihren Verfolgern hatte. Und da war noch etwas. Es war zu kalt! Sie wusste, dass der K�ltetod nicht allein mit Eis und Schnee kam. Wenn sie sich jetzt niederlegte, w�rde sie binnen einer Stunde v�llig ausgek�hlt sein. Sie w�rde m�de werden und in das gro�e Dunkel hin�berschlafen.</p><p>Shaya entschied sich f�r den Abstieg. Noch immer bewegte sie sich auf allen vieren, jetzt aber r�ckw�rts. Der Regen hatte an St�rke zugenommen. Der Fels war schl�pfrig. Sie tastete in alle Richtungen, aber es gab keinen Pfad. Immer wieder blickte sie verzweifelt zum Himmel, doch der Mond verbarg sich hinter Wolken. Es war unm�glich abzusch�tzen, wie lange die Nacht noch dauern w�rde.</p><p>Sehr langsam kroch sie tiefer. Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, als sie endlich einen Ger�llstreifen erreichte. Kurz dachte sie, es w�rde nun einfacher werden. Doch dann gerieten die Steine unter ihren F��en ins Rutschen, und sie musste sich fallen lassen, um nicht unkontrolliert zu st�rzen. Mit den Steinen glitt sie ein wenig tiefer. Dann h�rte die Bewegung auf.</p><p>Links von ihr erhob sich ein Block geronnener Finsternis. Ein Fels? Was sonst, du t�richtes Huhn, schalt sie sich stumm. Sie blieb liegen. All ihre Glieder schmerzten. Der Regen streichelte sie. Sie f�hlte sich taub und kraftlos. Die K�lte sp�rte sie schon gar nicht mehr.</p><p>Hatte sich der Fels bewegt? Shaya lachte auf. Was f�r ein Hasenherz sie geworden war!</p><p>Als Antwort auf ihr Lachen erklang ein tiefes Brummen. Der Fels bewegte sich tats�chlich. Ein B�r! Kara hatte einmal davon erz�hlt, dass sich gelegentlich ein B�r eine der Ziegen holte.</p><p>Shaya sprang auf und geriet auf dem Ger�ll sofort erneut ins Rutschen. Der B�r war so nah, dass sie glaubte, sein nasses Fell zu riechen. Er setzte ihr nach. Dabei bewegte er sich deutlich geschickter als sie.</p><p>Shaya rollte herum, versuchte hochzukommen und schlitterte noch ein St�ck durch das Ger�ll. Etwas tiefer h�rte sie Steine klackernd auf Felsen schlagen. Sie stie� sich das Knie an einem Vorsprung, der wie eine flache Insel aus den Gesteinstr�mmern ragte. W�tend packte sie einen Stein und schleuderte ihn nach dem B�ren. Lautes Br�llen war die Antwort.</p><p>Da sprang sie auf und richtete sich zu voller Gr��e auf. Doch sie fand keinen festen Stand, schlitterte langsam hangabw�rts und br�llte nun ihrerseits aus Leibeskr�ften. Sie glaubte einmal geh�rt zu haben, dass man Raubtiere durch mutiges Auftreten und wilde Schreie in die Flucht schlagen k�nne. Der B�r hatte offensichtlich noch nicht davon geh�rt.</p><p>Das Licht des Sichelmondes fiel durch eine L�cke zwischen den Wolken, und einen Herzschlag lang sah Shaya die fingerlangen F�nge der Bestie �ber sich. Dieser Anblick ver�nderte alles, und gro�e Ruhe �berkam sie. Sie hatte in mehr als drei�ig Scharm�tzeln und in zwei gro�en Reiterschlachten gek�mpft. Panik bedeutete den Tod. Wenn der B�r durch ihre Schreie auch nicht erschreckt war, so war er doch zumindest verunsichert. Sie b�ckte sich und hob den gr��ten Stein auf, den ihre klammen Finger zu packen bekamen.</p><p>�Du willst mich als Nachtmahl?�, zischte die Prinzessin. �Das wird dich Z�hne kosten! Ich bin keine Ziege, auch wenn ich so rieche.� Sie schnellte vor und schlug dem B�ren mit aller Kraft den Stein in die Schnauze.</p><p>Der dunkle R�uber br�llte erneut auf, dann st�rmte er vor. Shaya sprang zur Seite, doch der massige Leib des B�ren streifte sie. Sie geriet auf dem Hang ins Schlittern. Sofort lie� sie sich fallen. Unter ihr war blanker Fels. Jetzt rutschte sie auf dem Bauch. Ihre Tunika zerriss. Verzweifelt versuchte sie, sich im Gestein festzukrallen, wurde aber immer schneller.</p><p>Der B�r lief einfach neben ihr her. Wieso fanden seine gro�en Pfoten Halt? Ihr wurde klar, dass er sich anders als sie schon ein ganzes Leben lang durch diese Berge bewegte. Sie konnte ihm nie entkommen. Bald w�rden neue Wolken vor den Mond ziehen und den Hang in Dunkelheit h�llen. Sie musste ihren letzten Kampf liefern, solange es wenigstens noch ein wenig Licht gab. In diesem Augenblick fanden ihre F��e Halt. Ihr ganzer Leib brannte, obwohl der str�mende Regen in Sturzb�chen an ihr hinabrann, als sie sich aufrichtete. Sie lockerte ihre Schultern. Hob die Arme. Es war l�cherlich, sie hatte nicht einmal mehr einen Stein als Waffe. Mit blo�en H�nden w�rde sie gegen den B�ren nichts ausrichten k�nnen.</p><p>Der Regen wob silberne Schleier �ber das glatte Felsgestein. Shaya erkannte, dass vier oder f�nf Schritt hinter ihr der absch�ssige Hang abbrach. Lag dort eine tiefe Schlucht, oder war es nur ein Felsspalt? Sie konnte es in dem sp�rlichen Licht nicht erkennen.</p><p>Der B�r war ebenfalls stehen geblieben. Er riss den Kopf hoch, um ihr entgegenzubr�llen. Es war ein Schrei, der sicher noch Meilen entfernt zu h�ren war. Dann st�rmte er vor. Shaya wich auf dem glatten Fels aus, doch ihre wunden Zehen fanden keinen Halt auf dem schl�pfrigen Stein. Sie stolperte dem Abgrund entgegen. Wild schwenkte sie die Arme. �Komm her! Hol dir deine Ziege!� Sie sah, dass die Schnauze des B�ren blutete. Einer der langen Rei�z�hne war abgebrochen. Jetzt kam auch der B�r auf dem glatten Fels ins Rutschen. Er versuchte, sich mit den m�chtigen Pfoten gegen den Hang zu stemmen.</p><p>Wind und Wetter hatten den Fels in Jahrhunderten glatt geschliffen. Shaya wandte sich um. Es war nur noch ein Schritt bis zum Abgrund. Sie wusste, dass sie sich nicht w�rde halten k�nnen. Jetzt w�rde sie ihren Devanthar zum letzten Mal sehen. Es hie�, der Wei�e Wolf k�me zu allen Sterbenden.</p><p>Als sie ins Dunkel st�rzte, riss sie ihre Arme hoch und stie� ihren Schlachtruf aus, der so oft Schrecken und Verzweiflung in die Herzen ihrer Feinde getragen hatte. Im Sturz drehte sie sich und sah auch den B�ren �ber die Felskante st�rzen, und tiefe Zufriedenheit �berkam sie.</p><p>Sie war auch in ihrem letzten Kampf unbesiegt geblieben.</p></section><section><title><p>Das Ziegenm�dchen</p></title><p>Ein nasser Lappen fuhr ihr durchs Gesicht und kitzelte ihre Nase. Shaya f�hlte sich taub, zerschlagen, kalt. Dazu kam noch diese subtile Folter mit dem Lappen.</p><p>Die Luwier glaubten an ein Leben nach dem Tod, irgendwo tief unter der Erde, gefangen in ewiger Finsternis, wo Daimonen die Seelen der Menschen qu�lten. War sie aus Versehen an diesen Ort geraten, weil sie irgendwo in den Bergen Luwiens gestorben war? Sie sollte mit den Geistern ihrer Ahnen �ber den weiten Himmel des Graslands reiten. Dies war der Platz, der den Helden ihres Volkes vorbehalten war! Sie wurden zum Gefolge des Wei�en Wolfes. In dem Moment, in dem sie das dachte, begriff Shaya, warum sie nicht �ber den Himmel ritt: Sie war keine Heldin! Sie hatte ihr Schicksal nicht auf sich genommen. Sie war davongelaufen und dabei umgekommen.</p><p>Shaya schlug die Augen auf und blickte auf einen nur eine Handbreit entfernten Ziegenkopf. Eine Ziege? Sie lebte also und ritt noch nicht an der Seite ihrer Ahnen. Aber wo war sie? Immer noch im Stall? Hatte sie ihre Flucht nur getr�umt? Sie wollte sich aufsetzen, schaffte es jedoch nicht einmal halb hoch, bevor sie st�hnend zur�cksank. Ihr Leib f�hlte sich an, als sei eine durchgehende Pferdeherde �ber ihn hinweggetrampelt.</p><p>Shaya blinzelte. Die Ziege war immer noch da. Sie hatte eine gro�e, wei�e Blesse auf der Stirn und sah streng auf sie herab. Offensichtlich war sie ver�rgert dar�ber, dass Shaya etwas dagegen hatte, abgeschleckt zu werden.</p><p>Hinter der Ziege sah die Kriegerin eine Felswand aufragen. Sie war nicht allzu hoch, vielleicht sieben oder acht Schritt. Oder doch weniger? Shaya wandte den Kopf. Nur ein kleines St�ck von ihr entfernt lag ein B�r. Der B�r! Sie sah in seine toten Augen, und alle Erinnerungen kehrten zur�ck: die Flucht, der Regen, die K�lte und zuletzt dieser B�r. W�hrend sie selbst auf einem Grasflecken gelandet war, war er auf einen Felsklotz aufgeschlagen. Schlieren aus dunklem, getrocknetem Blut zeichneten sich auf dem hellgrauen Stein ab. Das hie�, er hatte noch geblutet, als der Regen aufgeh�rt hatte. Der Kopf des B�ren war ihr zugewandt. Seine schwarzen Augen waren erloschen. Er hatte sie angestarrt, bis er starb, zu schwer verletzt, sich in seiner letzten Stunde noch vom Fels zu seiner Beute zu schieben.</p><p>Zwei buntscheckige Ziegen leckten das getrocknete Blut des B�ren.</p><p>Shaya fuhr sich mit der Zunge �ber die trockenen, rissigen Lippen. Sie hatte Durst, und ihr war schwindelig. Tief in ihrem Kopf nistete ein pochender Schmerz. Sie wusste, dass sie von hier fortmusste. Waren das Wildziegen? Oder durfte sie hoffen, dass irgendwann ein Hirte nach den verschwundenen Tieren suchte?</p><p>Die Ziege mit der Blesse wandte sich von ihr ab. Ihr Fell war struppig und verfilzt. Sollte es einen Hirten geben, dann k�mmerte er sich nicht gut um seine Tiere.</p><p>Sie sollte sich besser um sich selbst k�mmern, als darauf zu hoffen, von irgendjemandem gerettet zu werden. Erneut versuchte Shaya sich aufzurichten. Sie dachte an das Grauen, das sie auf den Schlachtfeldern gesehen hatte. Den Himmelspiraten, der noch weiterk�mpfte, obwohl ihm eine Axt im Kopf steckte. Einen ihrer Gef�hrten, der auf St�mpfen weitergelaufen war, nachdem ihm ein Katapultgeschoss die Beine abgerissen hatte. Inmitten der Schrecken der Schlacht hatten sie alle ihren Schmerz vergessen und weitergek�mpft. Das musste sie jetzt auch schaffen. Sie durfte sich nicht so anstellen. Gewiss hatte sie nur ein paar blaue Flecken und Sch�rfwunden.</p><p>Als sie sa�, musste sie um Atem ringen. Ihr wurde klar, dass sie alleine nicht auf die Beine k�me und etwas brauchte, um sich hochzuziehen. �Komm, mein Zicklein. Komm!� Shaya streckte der Ziege mit der Blesse ihre blutige Hand entgegen. Das Tier legte den Kopf schief und betrachtete sie misstrauisch. Dann siegte die Neugier. Sie kam n�her. Als die Gei� ihre Hand leckte, packte sie sie bei den H�rnern. Die Ziege riss den Kopf zur�ck. Mit dem Ruck lief eine Welle brennenden Schmerzes durch Shayas Leib. Sie stemmte sich auf ein Knie und hielt verzweifelt fest, w�hrend die Gei� ihren Kopf hin und her warf.</p><p>Mit einem Schrei kam Shaya hoch. Sie zitterte am ganzen K�rper. Die Ziege war eingesch�chtert, hielt endlich still und stie� ein kl�gliches Meckern aus. �Ich bin die Tochter des Unsterblichen Madyas�, schleuderte ihr die Kriegerprinzessin entgegen. �Ich werde hier nicht untergehen!�</p><p>Sie stie� die Ziege mit dem Knie und lenkte sie in Richtung des toten B�ren. Die Prinzessin tastete �ber die Schnauze und den abgebrochenen Fangzahn. �Es tut mir leid, dass sich unsere Wege gekreuzt haben. M�ge deine Seele Frieden finden.� Kurz �berlegte sie, mit einer der B�renklauen den Kadaver aufzuritzen und ein St�ck Fleisch herauszuschneiden. Sie musste essen. Aber wenn sie die Gei� loslie�, w�rde die sicher davonlaufen, und ein zweites Mal w�rde sich das Vieh nicht hereinlegen lassen.</p><p>Die Ziege b�umte sich auf, als h�tte sie gesp�rt, dass Shaya mit ihren Gedanken nicht bei ihr war. Sie riss den Kopf hart zur Seite und versetzte Shaya einen Sto� mit ihren gebogenen H�rnern, der die Prinzessin unter dem Rippenbogen traf. Shaya revanchierte sich, indem sie der Ziege das Knie in die Flanke rammte. Daraufhin herrschte Waffenstillstand.</p><p>�Du wirst meine St�tze sein, ob es dir gef�llt oder nicht�, zischte Shaya, dann sah sie sich unschl�ssig um. Sie stand inmitten gro�er Felsbl�cke, die unterhalb der Steilwand lagen. Sollte sie hier ausharren oder versuchen, weiter den Hang hinabzugelangen? Shaya war sich sicher, dass die Mittagsstunde noch fern war, denn die Sonne stand noch nicht sehr hoch am Horizont. Bis etwaige Verfolger die Bruchkante �ber ihr erreichten, k�nnte sie es riskieren, �ber ein weites Ger�llfeld zu gehen, oder was immer sie jenseits der Felsen erwartete. Tiefer im Tal w�rde sie sicher auch noch Deckung finden. Die Frage war nur, ob sie es so weit schaffte. Immer noch schmerzten all ihre Glieder. Sie schien sich nichts gebrochen zu haben. Aber sie f�hlte sich, als w�rde sie selbst gegen einen Greis, der am Stock ging, bei einem Wettlauf verlieren.</p><p>Shaya schob die m�rrische Ziege zwischen den Felsen hindurch, bis sie einen Blick auf das Tal erhaschte. Irgendwelche Behausungen konnte sie dort nicht entdecken. Es gab auch nur vereinzelt windgeduckte B�ume. Nichts wies darauf hin, dass sich hier Menschen niedergelassen hatten. Sie blickte auf die Gei� hinab. Sie w�rde sie t�ten, wenn sie unten im Tal war. Sie musste essen! Zur Not auch rohes Fleisch. Wenn sie weiter fl�chten wollte, brauchte sie Kraft.</p><p>�Geh�rst du zu jemandem?�</p><p>Die Ziege gab einen leisen, kl�glichen Laut von sich. Fast, als w�sste sie um ihr Schicksal.</p><p>Mit einem leichten Schubs und ohne ihren Griff um das Horn zu lockern, begann sie den Abstieg. Gezogen zu werden, half. Zum Gl�ck war das Gef�lle sanft. Bald f�hlte Shaya sich nicht mehr ganz so schlecht wie beim Erwachen. Ihr war aber klar, wie tr�gerisch dieses Gef�hl war. Wenn sie eine Rast einlegte, w�rde sie erneut kaum auf die Beine kommen. Sie brauchte dringend Hilfe!</p><p>Sie kamen unendlich langsam voran. Shaya richtete den Blick auf den Talgrund. Dort schien es einen Bach zu geben. Wieder strich ihre Zunge �ber ihre spr�den Lippen. Trinken�� Sie sollte an etwas anderes denken. An den Unsterblichen Aaron.</p><p>Die Kriegerprinzessin wusste, dass er nicht hatte kommen k�nnen, um sie zu retten. Selbst er vermochte sich nicht in einen Pakt zu dr�ngen, den Devanthar miteinander geschlossen hatten. I�ta hatte sie auserw�hlt, um Aaron zu dem�tigen. Nur deshalb war sie in aller �ffentlichkeit auf der Zikkurat von Isatami, der Stufenpyramide inmitten der heiligsten Stadt Luwiens, von Muwatta vergewaltigt worden. I�ta hatte Aaron dazu verleiten wollen, sich gegen den Ratschluss der G�tter aufzulehnen. Selbst jetzt noch! Shaya wollte den Unsterblichen nicht zu Grunde richten. Und doch schmerzte es sie tief im Innersten ihres Herzens, dass er nicht gekommen war, um sie zu retten.</p><p>Die Wut trug Shaya vorw�rts. Wut, dass Aaron nicht hier war. Wut, dass sie seine Gr�nde verstand. Er war eben kein K�nig aus einem M�rchen. Und selbst die legten sich nur mit Ungeheuern, nicht aber mit den G�ttern an. Hei�e Tr�nen rannen �ber ihre Wangen. Er h�tte sie selbst aus den Klauen eines Drachen befreit, sie wusste das. Aber gegen die Gefl�gelte war er ohnm�chtig. Welchen Gefallen fanden G�tter daran, Menschen so sehr zu qu�len? Sie w�nschte sich, sie h�tte ein Zauberschwert, eine Waffe, wie sie die Daimonen schmiedeten. Sie stellte sich vor, wie sie der gefl�gelten I�ta die Klinge durch den Leib rammen w�rde. In allen Farben malte sie sich dieses Bild aus. Sie sah die schreckensweiten Augen der G�ttin vor sich, sp�rte, wie ihr warmes Blut den Stahl hinabrann, bis es ihre Hand benetzte.</p><p>Shaya blinzelte die Tr�nen fort und blickte wieder zum Himmel hinauf. Die Sonne stand fast im Zenit. Sie war lange gegangen�� halb ohnm�chtig und gefangen in wirren Tagtr�umen. Jetzt konnte sie den kleinen Wildbach h�ren. Sein Rauschen erinnerte sie an ihren Durst. Sie stellte sich vor, wie sie sich in das Wasser legen w�rde, ganz gleich, wie kalt es war, und trinken, trinken, trinken�</p><p>Pl�tzlich stieg ihr Rauch in die Nase. Verdammt, wie hatte ihr das entgehen k�nnen. Es brannte ein Feuer. Ganz nah! Langsam drehte sie sich mit der Ziege um ihre eigene Achse. Links. Zwischen zwei gro�en Felsquadern stieg eine d�nne, blassblaue Rauchs�ule auf. Sie war fast unsichtbar.</p><p>Shaya griff nach ihrer H�fte, um die Dornaxt aus der Lederschlaufe am G�rtel zu ziehen, so wie sie es unz�hlige Male getan hatte. Nur waren da weder G�rtel noch Axt. Und ehe sie sich versah, trabte die Gei� davon, die endlich ihrem Griff entronnen war.</p><p>Fluchend rang die Prinzessin um ihr Gleichgewicht und bemerkte, dass sie gar keine St�tze mehr brauchte. Sie konnte alleine gehen. Steif b�ckte sie sich und hob einen Stein auf. Es gab also doch einen Hirten. Hatte er sie gesehen? Hielt er sie f�r eine Diebin? Mit Pferdedieben wurde bei ihr zu Hause im weiten Grasland nicht lange gefackelt. Dort wartete niemand darauf, dass ein �ltester oder einer der Vertrauten ihres unsterblichen Vaters ein Urteil sprach. Man brachte Diebe einfach um. Was machten sie hier wohl mit Ziegendieben? Shaya konnte sich gut vorstellen, dass es in diesen einsamen Bergen nicht anders war als im Grasland.</p><p>Ein wenig schwankend schlich sie sich an die R�ckseite der Felsquader. Hatte man sie bemerkt? Sie lehnte sich gegen das warme Gestein, atmete tief ein. Sie musste den Hirten �berraschen. Bestimmt war er allein.</p><p>Shaya b�ckte sich, hob einen kleinen Kiesel auf und schleuderte ihn davon, sodass er ein ganzes St�ck entfernt laut klackend von den Felsen abprallte. Im selben Moment schnellte sie hoch und umrundete den grauen Quader. Sie musste im R�cken des Hirten auftauchen, sobald der sich nach dem Ger�usch umsah.</p><p>An der Lagerstelle sa� niemand! Neben dem Feuer lag ein zerschlissener Umhang ausgebreitet. Ein Wasserschlauch lehnte am Felsen. Und auf einem Stein in der Glut lag ein blutiger, l�nglicher Kadaver. Ein Murmeltier? Shaya erfasste all das binnen eines Herzschlags, und sie wusste, dass sie es war, die in die Falle gegangen war. Sie presste sich gegen den Fels, als der Schatten sich auf sie senkte. Dann traf sie ein Schlag in den Nacken.</p></section><section><title><p>Der Hirte und die Prinzessin</p></title><p>Shaya st�rzte und wurde fest zu Boden gepresst. Sie sp�rte ein Knie in ihrem Nacken und schlug mit aller Kraft mit dem Stein, den sie in der Faust hielt, nach hinten. Sie traf. Der unsichtbare Angreifer heulte auf. Er war nicht sehr schwer. Shaya stemmte sich auf die Ellenbogen, sch�ttelte ihn ab, drehte sich blitzschnell um und schleuderte ihm den Stein ins Gesicht.</p><p>Der Hirtenjunge schrie auf. Der Stein hatte ihn auf der Nase getroffen. Shaya h�rte es knacken. Dunkles Blut quoll aus der Nase. Sie musste gebrochen sein. Der Junge starrte sie entsetzt an. Er war h�chstens sechzehn. Zarter Flaum spross um sein Kinn. Langes, dunkles Lockenhaar rahmte sein Gesicht.</p><p>Aus dem Tuchstreifen, den er als G�rtel um die H�ften gewickelt hatte, ragte ein mit Leder umwickelter Griff. Shaya zog die Waffe, bevor der Hirte wieder zu sich kam und etwas Unbedachtes tun konnte. Die Klinge war aus Knochen gefertigt. Sie musste lachen, als sie dieses l�cherliche Messer sah, und entspannte sich.</p><p>Kaum dass die Gefahr vor�ber war, meldeten sich ihre geschundenen Knochen. Shaya hatte das Gef�hl, sie k�nne kein einziges Glied mehr r�hren. Ersch�pft lie� sie sich gegen den Fels sinken und deutete mit dem Knochenmesser auf das Feuer. �Hol das Murmeltier von dem Stein, bevor es zu Kohle verbrennt.�</p><p>Der Junge gaffte sie an, als sei er nicht ganz bei Sinnen. Immer noch troff ihm Blut aus der Nase auf die Brust.</p><p>Shaya winkte mit dem Messer. �H�rst du mich?�</p><p>�Du bist ja eine Frau���, stammelte der Hirte.</p><p>�Und du bist ein ausgezeichneter Beobachter. Ich begl�ckw�nsche dich zu deinem Scharfsinn. Und nun nimm das Murmeltier aus den Flammen!�</p><p>Er gaffte sie noch immer an, und Shaya fiel auf, dass er ihr nicht ins Gesicht sah. Sie tastete nach ihrer Tunika. Der Saum am Halsausschnitt war tief eingerissen und gew�hrte vermutlich beste Einblicke.</p><p>�Wer bist du?�</p><p>�Wie du schon sagtest, eine Frau. Und ich hasse Feuerpriester, die unschuldige Murmeltiere zu Asche verbrennen.�</p><p>Der Junge runzelte die Stirn, dann begriff er. Mit zwei d�nnen St�cken hob er das hagere Tier von dem hei�en Stein.</p><p>�Hierhin!� Shaya deutete auf die Decke, die sie vom Boden aufgehoben und sich �ber den Scho� gezogen hatte.</p><p>�Das ist nicht sauber���</p><p>�Egal!�</p><p>Der Hirte gehorchte. Er erweckte nicht den Eindruck, als wolle er sie noch einmal angreifen. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, tastete Shaya nach dem Wasserschlauch, zog den h�lzernen St�psel und trank in gierigen, tiefen Schlucken.</p><p>�Wo ist deine Lederschlinge?�, fragte sie und verschloss den Wasserschlauch sorgf�ltig.</p><p>Der Junge glotze sie weiterhin an.</p><p>�Erz�hl mir nicht, dass das Murmeltier sich vor lauter Zuvorkommenheit in dein Knochenmesser gest�rzt hat. Wo ist deine Schleuder? Zeig sie mir, oder ich brat <emphasis>dich</emphasis> auf dem hei�en Stein.�</p><p>Er machte ein Gesicht, als w�rde er ihr das tats�chlich zutrauen. Hastig griff er hinter seinen R�cken und l�ste die Lederschlinge von dem ausgefransten Stoffstreifen, der ihm als G�rtel diente. Er warf ihr die Schleuder vor die F��e.</p><p>�Auch den Beutel mit den Steinen�, befahl sie und tastete mit spitzen Fingern nach dem Murmeltier.</p><p>Er gehorchte und warf ihr einen dunklen Lederbeutel vor die F��e.</p><p>�Hast du noch irgendwelche anderen Waffen?�</p><p>Er nickte in Richtung eines langen Steckens, der nicht weit von ihr am Felsen lehnte.</p><p>�Und Hunde? Wo stecken die K�ter?�</p><p>�Ich hab keine Hunde. Ich hab nur siebzehn Ziegen zu h�ten. Da braucht man keine Hunde.�</p><p>Shaya sah ihn misstrauisch an. Seine Lippen und das Kinn waren von geronnenem Blut verschmiert. Er sah ziemlich erb�rmlich und harmlos aus. Nicht wie ein L�gner. Au�erdem h�tten die Hunde sie ganz sicher weiter oben am Hang gestellt. Sie h�tten nicht einfach zugesehen, wie sie zum Lager ihres Herrn hinabspazierte.</p><p>�Wie komme ich in das Tal, in dem das Haus des Himmels steht?�</p><p>�Von hier aus?� Der Junge sch�ttelte den Kopf. �Gar nicht. Du m�sstest eine ziemlich steile Felswand erklimmen, und du siehst nicht so aus, als w�rdest du das schaffen.�</p><p>�Ach�, entgegnete sie schnippisch. �Das B�rschchen hat sich also mehr als nur meine Titten angesehen. Wonach schau ich denn aus?�</p><p>�Wie eine Frau, die ziemlich durchgepr�gelt wurde.�</p><p>Shaya biss in den Murmeltierbraten und genoss den Geschmack des Fetts, das aus dem hei�en Fleisch troff. K�stlich! Vorsichtig begann sie zu kauen.</p><p>�Was machst du hier?�</p><p>�B�ren jagen�, antwortete sie zwischen zwei Bissen und spuckte einen Knochensplitter aus.</p><p>Der Junge sah sie beleidigt an. Ihr war klar, dass sie ganz und gar nicht wie eine J�gerin aussah. So ganz ohne Waffen, ohne Schuhe und nur mit einer Tunika bekleidet, die in Fetzen hing.</p><p>�Was machst du hier?�, wiederholte der Junge.</p><p>Shaya schnaubte. Ihr war klar, dass man als Hirte keinen sonderlich hellen Kopf brauchte, aber dieser hier schien besonders d�mlich zu sein. �Ich gehe gro�e, schwarze, �bellaunige, ziegenfressende B�ren jagen.� Sie hatte das Murmeltier verspeist und immer noch Hunger.</p><p>�Den Ochsenbei�er?�</p><p>�Euer B�r hat einen Namen?�</p><p>Der Junge nickte eifrig. �Ja, er hat vor vier Jahren den einzigen Ochsen weit und breit gerissen. Sonst frisst er nur Ziegen und�� Einmal hat er auch einen Hirten erwischt. Alle gehen ihm aus dem Weg. Ist ein �bler Bursche, dieser B�r.�</p><p>�Jetzt nicht mehr�, entgegnete Shaya knapp und betrachtete die Schuhe des Jungen. Es waren einfache Sandalen, ziemlich abgetragen. Sie hatten ungef�hr ihre Gr��e. Sie deutete mit dem Knochendolch auf seine F��e. �Ausziehen.�</p><p>Der Knabe gehorchte stumm. Wenn er barfu� war, w�rde er vielleicht nicht davonlaufen. Sie war zu Tode ersch�pft und k�nnte nicht mehr weitergehen. Sie musste ein paar Stunden schlafen. �Wie weit ist denn der Weg von hier bis zu diesem Weiberkloster?�</p><p>�Da darfst du nicht hin. Da gibt es nur Frauen von hoher Geburt. Und manchmal besucht der Unsterbliche das Tal. Seine Br�ute gehen dorthin�, erkl�rte der Kleine ehrf�rchtig.</p><p>�Sehe ich aus, als w�rde ich mich darum scheren, was erlaubt ist?�</p><p>Er musterte sie vom Scheitel bis zur Sohle. Dann sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Also, wie weit ist es dorthin?�</p><p>Er zuckte unschl�ssig mit den Schultern. �Ich war ja noch nie da. Aber es sollte mehr als ein Tagesmarsch sein. Man muss �ber ziemlich steile Felsen klettern. Es gibt keinen richtigen Weg. Es ist ja verboten, dorthin zu gehen.�</p><p>Shaya �berschlug ihre Lage. Wenn der Junge nicht log, w�rde es also mindestens einen Tag dauern, bis hier im Tal Verfolger erschienen. Eher l�nger. Schlie�lich mussten die Priesterinnen nach Handlangern und Hunden schicken, die vermutlich durch das verwunschene Portal k�men. Und dann mussten ihre H�scher erst einmal ihre F�hrte aufnehmen. Sosehr ihr der Regen zu schaffen gemacht hatte, r�ckblickend hatte er auch sein Gutes. Selbst Bluthunde w�rden kaum noch Spuren finden.</p><p>Sollten ihre H�scher aber wirklich zu der Stelle gelangen, an der sie abgest�rzt war, h�tten sie ein Problem: Niemand, der seinen Verstand beisammenhatte, sprang dort hinab. Vielleicht hatte sie sogar Gl�ck, und sie sahen den Kadaver des B�ren. Dann glaubten sie vielleicht, ihre Hunde seien Ochsenbei�er gefolgt, statt ihr. Shaya entschied, dass sie es sich leisten konnte, ein oder zwei Stunden zu schlafen.</p><p>�Leg dich auf den Bauch!�, fuhr sie den Jungen an.</p><p>Der glotzte nur.</p><p>�Was ist daran nicht zu verstehen?� Sie schob sich mit dem R�cken am Felsen hoch und deutete mit dem Knochendolch auf seine Brust. �Sehe ich sehr geduldig aus?�</p><p>Z�gernd legte er sich hin.</p><p>�Jetzt winkle deine Beine an und greife mit den H�nden nach den Fu�gelenken.�</p><p>Diesmal gehorchte er sofort. Sie kniete sich neben ihn, schlang den Lederriemen seiner Schleuder um Fu�- und Handgelenke und zog sie stramm. Dem Kleinen w�rde zwar eine ungem�tliche Zeit bevorstehen, aber auf diese Art gefesselt, konnte er nicht entkommen. Allenfalls w�rde er ein paar Schritt weit robben k�nnen.</p><p>�Du hast ziemlich laut geredet, als du den Hang runterkamst�, sagte der Junge nach einer Weile.</p><p>Shaya hatte sich in die Decke gerollt und neben das Feuer gelegt. Sie entschied, den Kleinen zu ignorieren.</p><p>�Du hast die Gefl�gelte I�ta gel�stert. Hast du keine Angst, dass sie kommen wird, um dich zu holen?�</p><p>Daran hatte sie bisher gar nicht gedacht. I�ta w�rde niemals dulden, dass sie zu Aaron zur�ckkehrte. Wie lange w�rde es dauern, bis sie kam? Wusste sie schon von der Flucht?</p><p>�Du bist die Prinzessin aus dem Haus des Himmels, nicht wahr?�</p><p>�Wie kommst du darauf?� Shaya bem�hte sich, gleichg�tig und schl�frig zu klingen.</p><p>�Nur eine Prinzessin k�me auf die Idee, barfu� durch die Berge zu fl�chten.�</p><p>Jetzt musste sie schmunzeln. Der Kleine war also doch nicht so dumm. Auch wenn er ganz sicher �berrascht w�re, wenn er w�sste, was f�r eine Sorte Prinzessin sie war. Wieder musste sie an I�ta denken. Wie entkam man einer G�ttin? Darauf gab es nur eine Antwort: gar nicht!</p><p>Shaya wurde sich schmerzlich bewusst, dass sie ihre Flucht nie wirklich bis zum Ende durchdacht hatte. Es war immer nur darum gegangen, aus dem Haus des Himmels, ihrem Kloster, zu entkommen, die Berge hinter sich zu lassen und nicht von den H�schern gestellt zu werden, die Tabitha, die Mutter der M�tter, hinter ihr herschicken w�rde. All das mochte ihr gelingen. Aber einer G�ttin zu entfliehen, das war unm�glich! Und I�ta w�rde die Verfolgung aufnehmen, denn sie, Shaya, war Bestandteil ihrer Rache an Aaron, der den Unsterblichen Muwatta gedem�tigt hatte. I�ta w�rde jeden aufsp�ren, dem sie auf ihrer Flucht begegnet war. Und ihr ein angebranntes Murmeltier nicht als Mahl verweigert zu haben, mochte schon als Grund f�r ein Todesurteil gen�gen. Die Gefl�gelte war rachs�chtig.</p><p>Mit gesenkten Lidern betrachtete Shaya den jungen Hirten, der schnaufend gegen seine Fesseln ank�mpfte und nur erreichte, dass ihm die Lederriemen immer tiefer ins Fleisch schnitten. Es lag bei ihr, ob der Junge sterben w�rde.</p><p>Shaya begann zu erahnen, welche Last auf Aarons Schultern lag. Sie zweifelte nicht daran, dass er sich immer noch nach ihr sehnte. Doch dieser Sehnsucht nachzugeben bedeutete auch, Tausende Tode in Kauf zu nehmen, wenn er die G�tter gegen sich aufbrachte. Zu erwarten, von ihm gerettet zu werden, war �beraus selbsts�chtig. Sie konnte sich ja nicht einmal selbst retten.</p><p>Und w�rde sie ihn noch lieben, wenn sie w�sste, dass er kaltbl�tig den Tod Unschuldiger in Kauf nahm, um wieder mit ihr vereint zu sein? Wieder betrachtete Shaya den Jungen. I�ta w�rde ihm einen langen, grausamen Tod schenken. Nein, sie w�rde ihm das ersparen, entschied die Prinzessin. Es war an der Zeit, harte Entscheidungen zu treffen.</p></section><section><title><p>Der Tag der Skorpione</p></title><p>Eleborn stieg �ber einen mit handtellergro�en Saugn�pfen besetzten Fangarm hinweg und balancierte bis zum �u�ersten Ende des goldbeschlagenen Ankerholzes. Es war eine von Dutzenden Streben, die seitlich aus dem Turm ragten. Der Wind spielte mit seinem offenen Haar. Es war ein wundersch�ner Morgen. Blau und Rosa k�mpften am �stlichen Horizont um die Vorherrschaft, w�hrend im Westen, �ber den W�ldern, die letzten Regenwolken der Nacht gleich grauen Festungen thronten.</p><p>Das Goldblech war mit Gallert �berzogen. Jeder Schritt an dem windigen Morgen war ein Risiko. Doch Eleborn liebte Risiken und den unvergleichlichen Ausblick auf die umliegenden D�cher. Und er liebte die Sinfonie aus Licht, mit der ihn jeder Sonnenaufgang hier auf dem hohen Ankerturm beschenkte. Der Elf merkte, wie sein Balanceakt von einigen neugierigen Wolkenschiffern beobachtet wurde, deren Schiff �ber Nacht angelegt hatte. Auf einem dieser Wolkensammler zu reisen w�re sicher eine unvergessliche Erfahrung. Tausend Fu� �ber dem Boden durch die Takelage zu klettern, ganz den Elementen ausgeliefert.</p><p>Eleborn drehte sein Gesicht der Sonne entgegen und genoss die sanfte W�rme. Mit leisem Schmatzen wanden sich die Tentakel am Ankerholz. Die riesige Kreatur �ber ihm drehte sich mit dem Wind und schob sich vor die Sonne. Fasziniert beobachtete der Elf den Tanz der Tentakel. W�hrenddessen wurden unabl�ssig Waren von den Decks des Wolkenschiffes abgeseilt. Die M�nner �ber ihm, die die langen H�lzer der Lastspiels drehten, sangen ein eint�niges Lied und stampften dazu mit den F��en.</p><p>Netze voller Amphoren und praller S�cke senkten sich dem Boden entgegen, wo sie von Lastentr�gern ge�ffnet wurden, die die Frachtg�ter zu markierten Arealen auf dem von hohen Mauern umschlossenen Gildenhof trugen. Die Lagerpl�tze bei den Ankert�rmen waren begehrt und teuer. Das �berraschende Beben hatte etliche der Bauten in Mitleidenschaft gezogen. Ein Drittel der T�rme war ausgefallen, sodass viele Wolkenschiffe drau�en �ber dem Dschungel warteten, wo sie einen K�nigsbaum gefunden hatten, dessen �ste und Wurzeln stark genug waren, um einen der Himmelsgiganten auch bei st�rmischer Brise sicher an seinem Platz zu halten. Sobald die Ladung gel�scht w�re, w�rde eines jener Schiffe den begehrten Ankerplatz �bernehmen.</p><p>Eleborn lie� den Blick vom weiten Horizont zum Tempelgarten der Zapote wandern. Der Ankerturm stand kaum hundert Schritt vom hinteren Abschnitt des Gartens entfernt. Etliche Tage hatte er die �ber drei Terrassen ausgedehnte Anlage aus G�rten, Stufenpyramiden und weitl�ufigen Palastanlagen nun schon beobachtet. Er wollte herausfinden, was dort unten vor sich ging. Inzwischen wusste er, dass die blonden Gefangenen in kleinen, zweigeschossigen H�usern weit hinten in den G�rten untergebracht waren. Sie schienen sich frei bewegen zu d�rfen. Nur der Weg zur�ck durch das gro�e, wei�e Tor am Eingang der Tempelstadt war ihnen offensichtlich verboten.</p><p>Anfangs hatte Eleborn gehofft, Volodi vom Ankerturm aus erkennen zu k�nnen. Aber das dichte Laubdach, das sich �ber viele der Gartenwege w�lbte, behinderte die Sicht. Auch sahen die blonden M�nner dort unten�� auf Entfernung von mehr als vierhundert Schritt�� fast alle gleich aus: Sie alle waren hochgewachsen und muskul�s, Krieger oder auch Bauern und J�ger. M�nner, deren vorangegangenes Leben zu hart gewesen war, um Fett anzusetzen.</p><p>Der Elf wusste, dass er, gemessen an diesen Muskelpaketen, das reinste Gerippe war. Er war zwar z�h und ausdauernd, aber darauf schien es nicht anzukommen. War er zu schlank, um als ein Opfer f�r die Schlange angenommen zu werden? Gestern hatte er sich auf einem der zahllosen Marktpl�tze der Stadt mit einem rotbraunen Saft bemalen lassen. Muster aus kleinen Dreiecken und Halbkreisen rankten sich nun um seine Brust, seine Arme und Beine. Sie erinnerten ihn ein wenig an die Bilder, die sich manche Maurawan mit Bandag auf ihre K�rper malten. Eleborn hatte sich f�r diesen Schmuck entschieden, um einerseits wilder und barbarischer zu erscheinen, aber auch, um von der hellen Farbe seiner Haut abzulenken. Z�pfe an seinen Schl�fen und ein mit Knochen und Z�hnen geschm�ckter Brustgurt f�r sein langes Schwert rundeten seine neue Erscheinung ab.</p><p>Was w�re wohl, wenn er so in die Wei�e Halle marschieren w�rde? Ob ihn noch jemand wiedererkennen w�rde? Er grinste. Wohl kaum. Es war vielleicht die richtige Aufmachung, um eine Maurawani zu verf�hren, jene halbwilden Elfen, die hoch im Norden in den W�ldern im Schatten des Albenhaupts lebten und von denen es hie�, dass sie sich manchmal mit W�lfen paarten. Aber unter den kultivierten Damen Arkadiens w�rde solcher Hautschmuck nur Entsetzen ausl�sen. Er schob die Gedanken an seine Heimat von sich und blickte wieder auf den weiten Park. Vielleicht w�rde er Volodi ja doch noch entdecken.</p><p>Bis zur Mittagsstunde blieb Eleborn auf seinem Beobachtungsposten. Die Tempelg�rten waren wirklich wundersch�n: ein Bl�tenmeer in allen Farben des Regenbogens. Seltsam, dass die Priester, in deren Auftrag all dies entstanden war, einen so grausamen Gott wie die Gefiederte Schlange verehrten.</p><p>Der Elf richtete sich auf und lockerte seine verspannten Muskeln. Alles, was aus der Ferne herauszufinden war, wusste er nun. Wenn er Volodi finden wollte, dann musste er n�her heran. Entschlossen stieg er �ber die Tentakel hinweg und balancierte �ber das glitschige Ankerholz, bis er die steinerne Treppe erreichte, die sich in weiten Spiralen die Au�enwand des Turmes hinabwand.</p><p>Auf dem ersten Treppenabsatz begegnete er Usia, dem Frachtmeister dieses Turms. Der Alte war ein halbes Leben auf den Wolkenschiffen gesegelt, bis ihm eine zerbrochene Rah die rechte Hand zerquetscht hatte. Statt sich in sein Schicksal zu ergeben und sich in die Heerschar der Bettler einzureihen, die die Stra�en der Goldenen Stadt bev�lkerte, hatte er Lesen und Schreiben gelernt. Auf seinem Stumpf sa� eine Ledermanschette, in der die Spitze eines Griffels steckte, mit der er Schriftzeichen in Tafeln aus frischem Lehm presste, die dann ein junger Gehilfe in einem gro�en Holzkasten verwahrte. Usias Aufgabe war es, jedes Frachtst�ck, das gel�scht wurde, zu verzeichnen.</p><p>�Heute gehst du aber fr�h.� Der Alte zwinkerte ihm freundlich zu. �Ist es dir doch langweilig geworden, Gr�nzeug anzustarren?�</p><p>�Ich habe entschieden, mich auf das Anstarren h�bscher M�dchen zu verlegen�, entgegnete Eleborn verschmitzt grinsend. Er war froh, sich endlich zu einer Entscheidung durchgerungen zu haben.</p><p>�M�dchen gibt es hier bedeutend weniger als sch�ne Bl�ten. Meist braucht man eine prall gef�llte B�rse, um auch nur welche zu Gesicht zu bekommen. Wenn du bis Sonnenuntergang wartest, werde ich dir zeigen, wo meine Jagdgr�nde liegen.�</p><p>�Ich f�rchte, Graubart, was du noch als junge M�dchen durchgehen l�sst, sind Damen, die das Alter meiner Gro�mutter �berschritten haben. Aber sollte ich bis Sonnenuntergang noch nicht f�ndig geworden sein, komme ich vielleicht noch mal her.�</p><p>�Ganz sicher wirst du herkommen, denn deine romantischen Vorstellungen �bertreffen den Umfang deiner B�rse�, grinste Usia.</p><p>�Was an M�nzen fehlt, wiegt mein jugendlicher Charme auf.�</p><p>�So wie du dich angemalt hast, laufen die Weiber schreiend davon, wenn sie dich sehen. Ich werde dich tr�sten, wenn du mit eingekniffenem Schwanz angekrochen kommst. Du solltest dich als S�ldner auf den Wolkenschiffen verdingen. Ein Mann wie du k�nnte dort gutes Gold machen. Das ist gescheiter, als seinen Tr�umen hinterherzulaufen. Und nun mach dich davon, sonst verz�hle ich mich noch.�</p><p>Eleborn eilte gut gelaunt die restlichen Turmstufen hinab. Er wusste, dass die Frau, die er suchte, ihn nicht zur�ckweisen w�rde. Was er nicht wusste, war, wo er sie finden w�rde. Sollte er keinen Erfolg haben, w�rde er sich mit Usia einen Krug Wein teilen. Der Alte war ein unersch�pflicher Quell an Geschichten �ber Nangog. Von ihm hatte er bereits vieles �ber diese sch�ne, fremde Welt gelernt. Leider wusste er bei Usias Erz�hlungen nie, wo die Wahrheit in Wolkenschifferm�rchen �berging.</p><p>Eleborn querte das weitl�ufige Gel�nde unter dem Ankerturm und schl�ngelte sich durch das Labyrinth aufgeh�ufter Waren. Es war das Blut dieser Welt, dachte er, das die Menschenkinder Nangog abzapften, um ihre eigene Welt �ber jedes Ma� hinauswachsen zu lassen.</p><p>Am m�chtigen, bronzebeschlagenen Tor zur Stadt lungerte eine Gruppe von Wachen. Die M�nner kannten ihn und lie�en ihn ohne Fragen passieren. Eleborn schlenderte auf der Sonnenseite der Stra�e, lie� sich mit dem Strom der Lastentr�ger treiben, der stetig aus dem Bronzetor quoll und tr�ge die Stufen der Stra�e hinaufsickerte, hin zur Goldenen Pforte, von der aus es nur noch ein paar Schritte in die Menschenreiche war.</p><p>Auf dem Platz der Schlangen verf�hrte ihn der Duft von frisch Gebratenem. Er ging die Reihe der Garstuben ab, die sich in den h�hlenartigen �ffnungen der himmelhohen Ziegelmauer eines Lagerhausees aneinanderreihten. Ein gest�rzter Ankerturm f�llte den halben Platz mit seinen Tr�mmern. Auf den gesplitterten Steinquadern kauerten Lastentr�ger, die einen Teil ihres kargen Lohns in die fragw�rdigen K�stlichkeiten der Gark�che investiert hatten.</p><p>Eleborn verharrte bei einem mandel�ugigen Koch aus einer der gro�en St�dte im Osten Ischkuzas. Auf seinem Tisch lagen Holzspie�e, die mit dunklem Fleisch und Gem�se best�ckt waren. Zuoberst aber hatte er Skorpione liegen, die ebenfalls auf Spie�en steckten, die ihnen der L�nge nach durch den Leib getrieben worden waren. Eine Folter, die etliche der Tiere erstaunlicherweise �berlebt hatten, denn ihre Scheren und Beine zuckten noch, und ihre giftigen Stachelschw�nze kr�mmten sich, begierig danach, ihren baldigen Tod mit einem anderen Gesch�pf zu teilen.</p><p>�Wie isst man Skorpion, Lee?�</p><p>�Ganz vorsichtig.� Der kleine Koch blickte auf und erkannte ihn. Ein L�cheln huschte �ber seine breiten Lippen, w�hrend er nach einem bunten F�cher griff und die Fliegen vertrieb, die sich auf dem Fleisch niederlassen wollten. �Erstaunliche Farbe auf deinem Gesicht. Woraus wird sie gemacht? Aus frischer Hundeschei�e?�</p><p>�Was wird mich eher umbringen? Das Fleisch oder die Skorpione?�</p><p>�Dein empfindlicher Magen, Barbar. Was willst du jetzt? Kaufen oder schwatzen?�</p><p>Der Elf orderte f�nf Fleischspie�e und einen Skorpion.</p><p>Lee legte die Fleischspie�e auf einen kleinen Grill, dessen Glut er mit seinem F�cher zu neuem Leben erweckte. Dann stellte er einen Becher mit geronnenem, gelblichem Fett auf die Ecke des Grills. �Deine Bemalung ist selbst f�r einen Drusnier au�erordentlich geschmacklos, Mikayla. H�ttest du etwas gesagt, h�tte ich dich zu einem Meister geschickt, der dir einen Drachen auf deine Brust gemalt h�tte oder einen Feuervogel. Ein wahres Kunstwerk. Nicht so einen Schei�.� W�hrend er redete, nutzte er den F�cher abwechselnd f�r die Glut und um sich K�hlung zuzuwedeln.</p><p>�Wei�t du, wo ich ein h�bsches M�dchen finden k�nnte?�</p><p>�Bist wohl in der Stimmung zu feiern. Gestern Nacht einen umgebracht und heute die Taschen voller Geld?�</p><p>�Wie gut du mich doch kennst�, entgegnete Eleborn mit vieldeutigem L�cheln.</p><p>Lee hielt seinem Blick stand, dann wendete er die Spie�e. �Also unten am Platz der Silberspinner, direkt beim Abstieg zu den Kan�len, gibt es drei Damen, die sich auf die hohe Kunst verstehen, das Gleichgewicht der S�fte im Leibe eines Mannes wiederherzustellen. Sie sind nicht mehr ganz jung und haben auch nicht mehr sonderlich viele Z�hne, aber wenn du die Augen schlie�t��� Lee schnalzte schw�rmerisch mit der Zunge. �Ist auf jeden Fall besser, als sich an einem einge�lten Amphorenmund zu versuchen.�</p><p>�Ich dachte eher an ein M�dchen, das jung und h�bsch ist und f�r das ich gar nichts zahle.�</p><p>Lee nahm einen der zuckenden Skorpione und tauchte ihn in das inzwischen sprudelnde Fett. �Ich tr�ume nachts davon, dass sich mein gespartes Kupfer in Gold verwandelt und ich��� Er hielt inne und zog den Skorpion aus dem Fett. Das Tier r�hrte sich nicht mehr. Er blies darauf, dann knipste er mit dem Daumennagel den Giftstachel ab. �Junge, h�bsche Dinger, f�r die man nichts zahlt?� Er blickte kurz auf. �Du denkst an eines der Zapotem�dchen. Dumm�� sehr dumm, Mikayla!� Mit diesen Worten reichte er Eleborn den Skorpion.</p><p>�Wie isst man das?�</p><p>�Mund auf, abbei�en, dann kauen.�</p><p>Eleborn musste lachen. Dann biss er vorsichtig ab. Skorpion w�rde nicht sein Leibgericht werden. Der Chitinpanzer knackte zwischen seinen Z�hnen und gab eine weiche, breiige Substanz frei. Der Elf schluckte. �K�stlich�, heuchelte er.</p><p>�Bist kein guter L�gner.� Lee sch�ttete eine dampfende Fl�ssigkeit in einen Tonbecher und reichte ihn �ber den Grill. �Trink das. Ist gut f�r M�nner mit schwachem Magen.�</p><p>Eleborn gehorchte. Das Gebr�u duftete nach Bl�ten und schmeckte nach nichts.</p><p>�Lass die Finger von Zapotem�dchen. Die wollen nur M�nner mit Goldhaar, so wie du es hast, und die, die mit ihnen gehen, sieht man nie wieder.�</p><p>�Du machst dir Sorgen um mich?�</p><p>Lee sah ihn mit seinen schmalen Mandelaugen an. �Es gibt nicht viele Kunden, die mit meinem Humor klarkommen. Ich kann es mir nicht leisten, auch nur einen von ihnen zu verlieren.�</p><p>�Sehe ich aus, als w�rde ich mich von einem M�dchen aufs Kreuz legen lassen?�</p><p>Der Ischkuzaia musterte ihn absch�tzend. Schlie�lich nickte er und nahm die leicht angebrannten Fleischspie�e vom Feuer. �Ja, ganz genau so siehst du aus. Du bekommst etwas So�e geschenkt.�</p><p>�Weil das Fleisch angebrannt ist?�</p><p>Lee tunkte die Spie�e in eine z�he gelbe Paste. �Nein, weil M�nner mit Magenschmerzen nicht mehr an M�dchen denken.�</p><p>Eleborn gab ihm den angebissenen Skorpion zur�ck. �Hunger?�</p><p>Lee a� das Vieh tats�chlich.</p><p>Z�gerlich biss der Elf in das Fleisch. Mit der So�e schmeckte es k�stlich. Er entschied, nicht nachzufragen, welches Tier er gerade verspeiste. Wahrscheinlich war es vermessen zu glauben, dass auf f�nf Spie�en Fleisch von demselben Tier steckte. Vermutlich konnte er sich gl�cklich sch�tzen, wenn das, was er gerade verspeiste, alles zur selben Gattung <emphasis>Tier</emphasis> geh�rte.</p><p>�Du wei�t nicht zuf�llig, wo ich so ein Zapotem�dchen finden k�nnte?�</p><p>�Jeder von uns H�ndlern hier hat diese Giftschlangen schon gesehen. Meist folgt ihnen in einigem Abstand ein Leibw�chter. Ich sag dir eines: Einem Volk, das glaubt, sich zu schm�cken, wenn sie sich Knochensplitter durch die Nase oder durch die Ohren bohren, kann man nicht trauen. Du kannst tagelang durch die Stadt streifen und wirst keines dieser M�dchen treffen. Heuere lieber auf einem Wolkenschiff an. F�r einen Kerl wie dich zahlt jeder Kauffahrer in Gold�� selbst wenn du dir Farbe aus Schei�e ins Gesicht geschmiert hast. Und wenn du genug Gold zusammenhast, dann gehst du zur�ck in deine W�lder und suchst dir ein anst�ndiges M�dchen. Und du vergisst diese verfluchte Welt, auf der Weiber keine Kinder geb�ren k�nnen, Gr�ne Geister durch den Urwald streifen und Zapotem�dchen ihren Liebhabern im Schlaf die Kehle durchschneiden.�</p><p>�Bekommst du von ihnen dein Fleisch?�</p><p>Lee hob drohend einen seiner Holzspie�e. �Keine Beleidigungen bitte! Ich nehme nur erstklassige Ware, und das Fleisch von Drusniern, die ihr Hirn zwischen den Schenkeln tragen, geh�rt ganz sicher nicht dazu.�</p><p>�Ich stelle fest, du leugnest nicht, dass wom�glich auf einigen deiner Spie�e Menschenfleisch steckt�, entgegnete Eleborn trocken.</p><p>Lee grinste ihn an. �Ganz gleich, von wessen Knochen es gesch�lt wird, es ist jedenfalls immer frisch, daf�r verb�rge ich mich.�</p><p>Der Elf betrachtete nachdenklich den letzten der Fleischspie�e. Er w�rde sich nicht von diesem Giftzwerg verschaukeln lassen. Mit mehr Entschlossenheit als Appetit vollendete er sein Mahl.</p><p>�Tust du mir einen Gefallen?� Lee f�cherte sich wieder frische Luft zu. Dicke Schwei�perlen rannen seine Stirn hinab. �Achte darauf, dass <emphasis>du</emphasis> auf keinem Fleischspie� endest. Es gibt Gark�che, die weniger Skrupel beim Einkauf ihrer Waren haben als ich.�</p><p>Eleborn schnippte ihm eine Kupferm�nze als Trinkgeld hin�ber. �Ich bin schwer umzubringen. Und es wird wohl nicht viele Frauen geben, die einen Mann verf�hren, der Bilder auf seinem Leib tr�gt, die die Farbe von Schei�e haben, nicht wahr?�</p><p>Lee lachte auf. �Recht hast du, Waldmann. Jede Frau mit Hirn wird einen weiten Bogen um dich machen.�</p><p>Um das Mahl zu verdauen, streifte Eleborn noch eine Weile �ber den Schlangenmarkt. Stickige Hitze lag �ber der Stadt. Der Himmel stand voller Wolken, die sich kaum noch von der Stelle r�hrten. Kein Luftzug fuhr durch die H�userschluchten. Die wandernden Wasserverk�ufer waren umlagert von Durstigen. Der Elf versuchte sich gegen die Ger�che zu verschlie�en, die Menschenkinder und Mauerwerk ausd�nsteten. Die Goldene Stadt war �berw�ltigend. Alles hatte hier das Ma� verloren. Auch der Gestank! Er hatte mit M�nnern gesprochen, die glaubten, dass man krank wurde, wenn man sich zu h�ufig wusch. Sie waren allesamt verr�ckt!</p><p>Als er die Stra�e der Gerechtigkeit �berquerte, betrachtete er kurz einige fliegenumschw�rmte Leichname, die in goldenen K�figen ausgestellt wurden. Es gab nicht einmal Schilder, auf denen stand, was diese Kerle verbrochen hatten. Wie sollte ihr Tod als Abschreckung dienen, wenn man nicht wusste, weshalb sie gerichtet worden waren!</p><p>Ver�rgert ging Eleborn weiter. <emphasis>Menschenkinder</emphasis>, welch tiefe Wahrheit lag in diesem Wort. Wie Kinder waren sie, mal unschuldig und das Herz ber�hrend und dann, ohne dass ein Grund f�r den Stimmungswechsel erkenntlich war, grausam und unbarmherzig. Der Anblick der Gehenkten hatte seine gute Laune getr�bt und die stickige Hitze und der Gestank taten das Ihre, ihn noch verdrie�licher zu stimmen. Finsteren Blicks schritt er weiter und merkte kaum, wie ihm die Menschen aus dem Weg gingen.</p><p>Wenn er sich nur durch einen Zauber K�hlung verschaffen k�nnte! Es w�re nur ein einziges Wort�� Hier gab es ganz gewiss weit und breit keinen Devanthar, der auf ihn aufmerksam werden w�rde. Eleborn z�gerte, sah sich um und dr�ckte sich in einen Hauseingang, der nach ausgeleerten Nachtt�pfen stank. Leise fl�sterte er ein Wort der Macht, und augenblicklich umfing ihn die luftige K�hle eines Fr�hlingsmorgens. Kurz �berlegte er, ob er sich auch von dem Gestank befreien sollte. Noch ein weiteres Wort und ihm w�rden nur Wohlger�che in die Nase steigen.</p><p>Doch jeder weitere Zauber w�rde seine Aura heller strahlen lassen. Sollte es doch Menschenkinder geben, die empf�nglich f�r Magie waren, w�rde ihnen nicht entgehen, dass er anders war�� auch wenn sie seine Andersartigkeit vielleicht nicht zu benennen vermochten. Der Hitze entronnen zu sein reichte.</p><p>Seine Zungenspitze glitt �ber ein St�ck Chitinpanzer, das sich zwischen zwei Z�hnen verkeilt hatte. Nie wieder w�rde er einen Skorpion verspeisen. Versonnen betrachtete er die Menschenkinder, die auf der Stra�e vor�bereilten. Es waren nur M�nner. Obwohl die meisten von ihnen noch kein Silber im Haar trugen, waren fast alle ausgemergelt. Sie starrten blicklos vor sich hin, gefangen von ihren Tr�umen, obwohl sie l�ngst ahnten, dass sie sich niemals erf�llen w�rden. Sie bestahlen Nangog, doch auch sie brachten ein Opfer. Wenn sie jemals in ihre Heimat zur�ckkehrten, waren sie alte, verbrauchte M�nner, die niemand mehr w�rde haben wollen, sobald das letzte Kupferst�ck ausgegeben war, das sie sich auf dieser ungastlichen Welt verdient hatten.</p><p>Nachdenklich passierte Eleborn den Markt der Silberspinner. Hier wurden die Seidenkokons gehandelt, die mutige J�ger aus den weiten W�ldern mitbrachten. Im Gegensatz zu den Kokons aus Albenmark, die immer nur von silbrigem Wei� waren, gab es hier auch Purpur und ein strahlendes Rot. Gew�nder, die daraus gewoben wurden, verloren niemals ihre Farbe und waren das Hundertfache ihres Gewichtes in Gold wert. An jedem Stand gab es mindestens einen schwer bewaffneten S�ldner, der aufmerksam �ber die Waren wachte und jene M�nner beobachtete, die die hauchzarten F�den der Kokons abrollten und auf Spindeln aus gelben Knochen wickelten.</p><p>S�nften wurden von schwitzenden Sklaven �ber den Markt getragen. An manchen St�nden zeigten sich ganz offen Frauen, die pr�fend �ber die kostbaren Stoffe strichen oder Seidenspindeln kauften. Eleborn hatte geh�rt, dass auch die ber�hmteste Hure der Stadt hierherkam. Angeblich kleidete sie sich einzig in die kostbare rote Seide. Gesehen hatte er diese Frau noch nicht, obwohl er oft hier war. Wahrscheinlich war sie einem der M�rchen entsprungen, die die Wolkenschiffer auf ihren langen Reisen ersannen.</p><p>Der Elf legte den Kopf in den Nacken. Die Wolkent�rme waren von Westen herangezogen und bedeckten nun fast den ganzen Himmel. Die D�mmerung tauchte die Wolkenr�nder in warmes, bernsteinfarbenes Licht. �ber dem riesigen Krater war bereits erstes Donnergrollen zu vernehmen. Nicht mehr lange, und das Gewitter w�rde die Goldene Stadt erreichen.</p><p>Pl�tzlich hatte Eleborn das Gef�hl, beobachtet zu werden. Er wandte sich langsam um. Mindestens drei Leibw�chter von edlen Damen, die hier das Geld ihrer Liebhaber durchbrachten, hielten ihn aufmerksam im Blick. Doch nicht sie waren es, die er gesp�rt hatte. Im Schatten eines unscheinbaren Marktstandes, an dem nur wei�e Seidenkokons angekauft wurden, entdeckte er eine zierliche Frau mit langem, schwarzem Haar. Ein bunter Federmantel lag �ber ihren Schultern. Als er sie ansah, l�chelte sie voller Verhei�ung.</p><p>Langsam schlenderte er zu ihr hin�ber. Wie all dies enden sollte, stand zwar jetzt schon fest, aber er wollte es ihr nicht zu leicht machen.</p><p>Sie war mehr als einen Kopf kleiner. Der offene Mantel gew�hrte freien Blick auf ihren K�rper. Um die H�ften hatte sie ein rotes Seidentuch geschlungen, das ein Verm�gen wert sein musste. Ansonsten war sie nackt. Auf ihren goldbraunen Leib waren wei�e Schlangenlinien und stilisierte Tiere gemalt. Unter ihren Br�sten erhob ein gro�er Skorpion drohend seinen Stachel.</p><p>�Heute ist wohl mein Tag der Skorpione�, sagte Eleborn l�chelnd.</p><p>Sie zog den Mantel zusammen und nickte leicht zur Seite, als wolle sie ihm andeuten, ihr zu folgen.</p><p>�Verstehst du meine Sprache?�</p><p>Sie sah zu ihm auf. Ihr L�cheln lie� alle Fragen vergessen. Was f�r eine Frau! Wieder nickte sie zur Seite. Diesmal machte sie auch einen Schritt.</p><p>�Ich komme�, sagte Eleborn in der Zunge der Zapote. In den sieben wichtigsten Sprachen der Menschenkinder hatte er je etwa dreihundert W�rter gelernt. Gerade genug, um in etwa zu verstehen, worum es ging, wenn er eine Unterhaltung auf der Stra�e belauschte.</p><p>�Du beherrschst meine Sprache?� Verbl�fft blieb sie stehen, und Eleborn hatte das Gef�hl, zum ersten Mal ihr wahres Gesicht zu sehen und nicht die sorgsam einstudierte Maske. Der Elf hob l�chelnd die Hand und zeigte mit Daumen und Zeigefinger einen kleinen Spalt. �Wenig.�</p><p>Sie l�chelte noch hinrei�ender als zuvor. Um ihre Augen bildeten sich kleine F�ltchen, und die Farbe, mit der sie auch ihr Antlitz bemalt hatte, bekam feine Risse. �Es wird ein Vergn�gen sein, dich tief kennenzulernen. Du siehst sehr angespannt aus. Ich glaube, ich kann dich lockerer machen.� Bei diesen Worten lachte sie kokett.</p><p>Eleborn hatte daran nicht den geringsten Zweifel. Gemeinsam verlie�en sie den Markt der Silberspinner, stiegen durch schmale Gassen tiefer und tiefer, bis sie die �rmlichen Viertel nahe am Fluss erreichten. Hier waren die H�user selten mehr als zwei Etagen hoch. H�hner liefen auf der Stra�e umher, und in Bretterverschl�gen grunzten Tiere, die ganz sicher keine Schweine waren. Das Stra�enpflaster war kn�cheltiefem, gelbem Lehm gewichen, aus dem hier und da einige knochenbleiche Kiesel ragten. Die ganze Zeit �ber sprachen sie kein Wort. Hin und wieder wandte sich die Sch�ne im Federmantel zu ihm um und schenkte ihm einen Blick. Es war offensichtlich, dass sie dies nicht tat, um sich zu vergewissern, dass er ihr folgte. Es waren Blicke voller Verhei�ung. Sie begehrte ihn. Eleborn konnte sich nicht erinnern, jemals so angesehen worden zu sein.</p><p>Sie hielten vor einem Haus, das sich auf h�lzernen Stelzen aus dem Schlamm erhob. Ein �bler, modriger Geruch wehte vom Fluss heran. Die Sonne war hinter dem Horizont verschwunden, der in einem eigent�mlichen, gr�nen Licht nachgl�hte, als versammelten sich dort alle Geister aus den W�ldern zu einem riesigen Heer. Erste, gro�e Regentropfen klatschten in den Matsch der Stra�e.</p><p>Eleborn beeilte sich, dem M�dchen die kurze Leiter hinauf zur Veranda des Hauses zu folgen. An der Hauswand aufgereiht, standen schreiend bunte T�pfe und Schalen. Seine Gastgeberin zog den schweren Wollvorhang vor dem Eingang zur Seite und winkte ihn hinein. Das Haus bestand aus einem einzigen Zimmer. Ein Lager aus zerkn�llten Decken beherrschte den Raum. Der Modergeruch des Flusses hatte sich auch innerhalb der vier W�nde eingenistet. Das Haus war �rmlich. Eleborn hatte anderes erwartet.</p><p>Das M�dchen bedeutete ihm mit einer Geste, auf den zerw�hlten Decken Platz zu nehmen. Als er sa�, verneigte sie sich mit �ber der Brust gekreuzten Armen. �Izel�, sagte sie.</p><p>Der Elfe verneigte sich ebenfalls, was im Sitzen allerdings weniger w�rdevoll ausfiel. �Eleborn.�</p><p>Sie wiederholte seinen Namen mehrfach und machte dabei ein Gesicht wie jemand, der von einer fremden Speise kostete und sich nicht ganz sicher war, was von ihr zu halten war. Dann trat sie neben das Bett und schob den Docht der �llampe dort, auf dem ein winziger, gelber Lichtpunkt glomm, h�her. Die Flamme bl�hte auf, und Eleborn sah, wie Izel sich an verschiedenen Schalen zu schaffen machte. Sie entz�ndete R�ucherwerk, und bald verbannte der blassblaue Rauch den Moderduft. Von drau�en war nun das Rauschen von Regen zu h�ren. K�hle kroch durch die Ritzen des Hauses, und an zwei Stellen tr�pfelte es von der Decke.</p><p>Izel legte ihren Federmantel ab und h�ngte ihn an einen Haken an der Wand. Mit Hingabe zog sie ihn zurecht, bis er wie ein gro�er, schillernder Vogelfl�gel wirkte. Dann kniete sie nieder und begann, sich in einer flachen Schale die F��e zu waschen.</p><p>Gebannt verfolgte Eleborn jede ihrer Bewegungen. Die Flamme der �llampe �bergoss Izels Haut mit goldenem Licht. Selbstbewusste Anmut lag in jeder ihrer Gesten. Sie legte das rotseidene H�fttuch ab, das mehr wert sein musste als die H�user eines ganzen Stra�enzugs in dieser �rmlichen Gegend.</p><p>Das grelle, wei�e Licht eines Blitzes stach durch die Ritzen der d�nnen Bretterw�nde, als Izel vor das Deckenlager trat. Sie hielt die flache Wasserschale in ihren H�nden, kniete vor ihm nieder und zog seine Sandalen aus. Schweigend wusch sie ihm die F��e. Als ihre kr�ftigen, kundigen H�nde seine Schenkel hinaufwanderten, lie� Eleborn sich auf die rauen Decken zur�cksinken und genoss, wie sie ihn s�uberte und dabei langsam auszog. Kein Fleck seiner Haut blieb unber�hrt. Als sie ihn zu ihrer Zufriedenheit gewaschen hatte, sagte Izel etwas, das er nicht ganz verstand. Es schien um saubere M�nner und Ger�che zu gehen. Sie endete mit den Worten: �Du bist besonders.�</p><p>Er hoffte, dass sie nicht erkannte, <emphasis>wie</emphasis> besonders er in Wirklichkeit war.</p><p>�Leg dich auf den Bauch�, bat sie ihn mit einem sinnlichen L�cheln.</p><p>Eleborn gehorchte. Izel tr�ufelte ihm �l auf die Schultern und begann, ihn mit ihren kr�ftigen H�nden zu massieren. Er sp�rte, wie sich seine verspannten Muskeln lockerten. Das �l verbreitete einen angenehmen Vanilleduft. Sie beugte sich tiefer. Ihre Brustwarzen ber�hrten seinen R�cken. Nur kurz, dann glitten ihre H�nde tiefer, und sie setzte sich auf seine Beine.</p><p>Wieder streiften ihn ihre Br�ste. Dann legte sie sich auf ihn und bewegte ihren Oberk�rper �ber seinen einge�lten R�cken. Dabei blies sie ihm sanft in die Ohren. Ein Donnerschlag lie� die kleine H�tte erzittern, und wieder war der Raum einen Augenblick in glei�endes Licht getaucht. Der Mantel aus Vogelfedern schien Augen zu haben, die auf Eleborn herabstarrten. Er schloss die Lider und gab sich ganz der sinnlichen Massage hin. Izels K�rper war warm. Ihre H�nde wanderten immer tiefer. Der Vanilleduft, vermischt mit dem Rauch aus den R�ucherschalen, machte Eleborn benommen. Er genoss es, einfach nur still zu liegen, und lie� sich von Izels kundigen H�nden zu nie gekannter Wollust f�hren.</p></section><section><title><p>Hunger</p></title><p>Als Eleborn erwachte, regnete es noch immer. Er lauschte dem Rauschen und dem Ger�usch einzelner Tropfen, die in Schalen fielen, die Izel im Zimmer verteilt hatte. Das Zapotem�dchen war in seinem Arm eingeschlafen. Er betrachtete ihr Gesicht, die harten Linien um ihren Mund und den Skorpion, den sie sich unterhalb ihrer Br�ste mit wei�er Farbe auf den Bauch gemalt hatte. Durch das �l und ihr Liebesspiel waren einige der Linien verwischt. Der Skorpion hatte seinen Stachel verloren.</p><p>Wie klein der Unterschied zwischen Elfen und Menschenkindern doch war. Sie hatte ihn �ber Stunden zu ungeahnten Wonnen gef�hrt. Immer wieder hatte sie das Liebesspiel unterbrochen, kurz bevor es einen H�hepunkt erreichte. Es war beinahe schon wie Folter gewesen. Zum Schluss hatte er sie nicht mehr weichen lassen und sie fast mit Gewalt genommen. Wie hatte sie ihn so gut kennen k�nnen? So genau zu wissen, was ihm Lust bereitete und wie dem Feuer ein wenig der Hitze zu nehmen war, ohne es je zum Verl�schen zu bringen? Sie sollte sich ihrer Sache nicht zu sicher sein, entschied er. Jetzt w�rde er sie hinhalten.</p><p>Als sp�rte sie seine Gedanken, schlug Izel pl�tzlich die Augen auf. Sie r�kelte sich, bettete ihren Kopf auf seine Brust und griff ihm mit der Rechten zwischen die Schenkel, um ihn mit sanftem Druck zu massieren. Eleborn strich ihr durch das zerw�hlte Haar, und sie belohnte ihn mit einem leisen, gurrenden Laut.</p><p>�Muss essen�� Kraft Ende�, gestand er mit den wenigen Worten, die er von ihrer Sprache gelernt hatte.</p><p>Sie lachte leise und antwortete etwas in der Art, dass sie entscheiden w�rde, wann er am Ende sei, und dass er un�bersehbar noch etwas Kraft habe. Eleborn war versucht, ihr nachzugeben, und ihm wurde bewusst, aus welcher Arroganz sein Plan, Volodi in der Tempelstadt der Zapote zu suchen, geboren war. Er hatte geglaubt, immer die Kontrolle zu behalten. Er war sich sicher gewesen, dass er es sein w�rde, der mit den Werberinnen der goldhaarigen M�nner spielte. Dass er entscheiden w�rde, wann und wie er in die Tempelstadt treten w�rde. Und dass es ihm schon gelingen w�rde, es mit diesen Jaguarm�nnern aufzunehmen. Schlie�lich war er ein Drachenelf! Ein t�dlicher Schwertmeister, dem kein Menschenkind gewachsen war.</p><p>Und nun lag er auf diesem Lager aus kratzigen Decken und war im Begriff, einem jungen M�dchen zu erliegen. Entschlossen schob er Izel zur Seite und richtete sich auf. �Hunger!�, sagte er mit einem Anflug von Panik in der Stimme.</p><p>Das M�dchen sah ihn verwundert an. Dann zuckte sie mit den Schultern und erkl�rte, sie k�nne ihm ein einfaches Mahl aus Reis und Bohnen bereiten.</p><p>Eleborn sch�ttelte entschieden den Kopf. Er griff nach seiner Hose und schl�pfte hinein. Izel fragte, ob er schon einmal gebratenen Hund gekostet habe.</p><p>Nat�rlich nicht! Gab es unter den Menschenkindern denn keine Tabus? A�en sie alles, was kreuchte und fleuchte? Er zog die Stiefel an, griff nach seinem Schwertgurt, trat an den Wollvorhang und sah hinaus. Es war Nacht. Der Regen wob silberne Schleier ins Dunkel und erstickte alle Ger�usche.</p><p>Izel trat hinter ihn und schmiegte sich an seinen R�cken. Ihre Arme umfingen ihn, ihre Finger tasteten nach seinen Brustwarzen, und sie hauchte ihm ins Ohr, dass sie ihn allen Hunger vergessen lassen k�nnte. Ein wohliger Schauer lie� Eleborn erzittern. Sie wusste, was sie tat.</p><p>Er zog den Vorhang mit Schwung zur Seite und trat unter das Vordach. Izel lie� ihn los. Leichtf��ig eilte sie zur Wand, an der sie ihren Federumhang aufgeh�ngt hatte. Sie warf ihn �ber ihre Schultern, wickelte das Seidentuch um ihre Lenden und war binnen weniger Augenblicke wieder an seiner Seite. Sollte er sie ver�rgert haben, lie� sie sich nichts anmerken. Sie stellte sich vor ihm auf die Zehenspitzen, gab ihm einen fl�chtigen Kuss und schenkte ihm ihr hinrei�endstes L�cheln. �St�rken wir uns, mein hungriger Wolf. Und dann werde ich dich noch einige der Geheimnisse im Spiel zwischen M�nnern und Frauen lehren.�</p><p>Eleborn musste lachen. Wahrscheinlich war er viermal so alt wie sie. Dennoch zweifelte er nicht daran, dass sie recht hatte. In Liebesdingen war er unerfahren. Sie w�rde ihn auch gegen seinen Willen dazu bringen, ihr in die Tempelstadt der Zapote zu folgen. Diese eine Nacht w�rde er noch bleiben�� l�nger nicht! Wenn er schon dieser Frau ausgeliefert war, wie w�rde es im Tempel werden? Erneut wurde ihm klar, wie vermessen sein urspr�nglicher Plan gewesen war, sich verf�hren und in die Tempelstadt bringen zu lassen. Der Plan eines Narren! Allein w�rde er dort nichts erreichen. Doch dann l�chelte er leichthin�� drohende Todesgefahr hatte ihn nie von etwas abhalten k�nnen. Wahrscheinlich war er deshalb ein Drachenelf geworden.</p><p>Als Izel sich bei ihm unterhakte und �Komm, gehen wir� sagte, wusste er, dass seine Entscheidung gefallen war. Aufzugeben und zu fliehen war von nun an unm�glich.</p><p>Sie stiegen die kurze Leiter der Pfahlh�tte hinab, und Eleborn versank augenblicklich bis zu den Waden in gelbem Schlamm und Regenwasser. Der Weg hatte sich in einen kleinen Sturzbach verwandelt. Da nirgends ein Licht brannte und die beiden Monde sich hinter den Wolken verbargen, war die Finsternis fast absolut.</p><p>Izel hob ihren Federmantel hoch, sodass er darunter vor dem Nass von oben Zuflucht fand. �Ich kenne eine Garstube, in der niemals die Feuer gel�scht werden und wo man zu jeder Stunde des Tages etwas zu essen bekommt. Und nicht nur Hund. Wir m�ssen den Hang hinauf.�</p><p>Eleborn fragte sich, ob diese Garstube diesseits oder jenseits des Wei�en Tors der Tempelstadt lag.</p></section><section><title><p>Die G�rten der Tempelstadt</p></title><p>Nodon wischte sich den z�hen Schleim von der Wange, der von einem der Fangarme �ber ihm getropft war. Fast den ganzen Tag sa� er nun schon auf dem goldbeschlagenen Balken des Ankerturms und betrachtete die weitl�ufigen G�rten der Tempelstadt. Es regnete ununterbrochen, doch der gewaltige, aufgedunsene K�rper des Wolkensammlers sorgte daf�r, dass er im Trockenen war. �ber hundert Schritt musste die Kreatur lang sein, die sich mit ihren Tentakeln am Ankerturm festklammerte, w�hrend die Fracht des Schiffes gel�scht wurde, das mit Seilen unter ihrem Bauch festgezurrt war.</p><p>Nodon verabscheute diese Wesen. Ihnen fehlte jede Eleganz. Doch heute hatte er kaum einen Blick f�r das Ungeheuer �ber seinem Kopf. Er wollte sich ein Bild von den Vorg�ngen in der Tempelanlage machen. Anders als seine Gef�hrten suchte er nicht in den Tempelarchiven nach Hinweisen auf das, was sie im Krater erwartete. Das hielt er f�r Zeitverschwendung.</p><p>Zu den wirklichen Geheimnissen w�rde man Fremde nicht vordringen lassen. Gestern noch hatten Nandalee, Lyvianne und Bidayn dar�ber geklagt, dass sie endlose Frachtlisten eingesehen hatten, Berichte �ber Tempelfeste und manchmal�� wenn sie Gl�ck hatten�� ein paar Zeilen �ber den Kampf gegen die Gr�nen Geister. Es schien, dass die Devanthar etwas im Weltenmund errichtet hatten, das die Geister t�tete. Aber die Angaben dazu waren so vage, dass man sich kein Bild davon machen konnte, was das genau sein mochte. Ein Zauber? Irgendeine Kreatur, �hnlich den silbernen L�wen, die sie erschaffen hatten? W�rde diese Waffe auch gegen Albenkinder wirken? All dies blieb ungewiss.</p><p>Einzig Gonvalon schien einen guten Weg gefunden zu haben, an einige n�tzliche Informationen heranzukommen. Mithilfe einer tolldreisten Verkleidung hatte er sich Zutritt zu allen Archiven des Tempels der Gefl�gelten Sonne verschafft. Doch auch er war den Geheimnissen des Weltenmundes bisher nicht n�her gekommen.</p><p>Nodon hatte entschieden, sich unter den Wolkenschiffern umzuh�ren. Es hie�, deren Lotsen kannten diese Welt so gut wie niemand sonst, doch zu ihrem Treffen�� sie versammelten sich in einem roten Zelt auf einem Frachthof unter einem der Ankert�rme�� hatte er nicht vordringen k�nnen. Allein schon auf diesen Turm zu kommen hatte ihn viel gutes Zureden und einen kleinen Silberbarren gekostet.</p><p>Die Menschenkinder waren misstrauisch. Das Beben, das die Stadt ersch�ttert hatte, hatte Angst in ihre Herzen gepflanzt.</p><p>Der tr�be Tag glitt in graue D�mmerung. Der westliche Horizont f�rbte sich in schwefliges Gelb. Ein Gewitter zog �ber den weiten Wald jenseits des Flusses. Es war an der Zeit zu gehen. Nodon hatte von Kreaturen geh�rt, die nicht Mensch noch Tier waren: Jaguarm�nner, die �ber den Garten wachten. Er wusste nicht, ob das nur wilde Schenkenger�chte waren oder ob es stimmte. Auf jeden Fall hatte er zweimal schattenhafte Gestalten durch die G�rten schleichen sehen. Sie hatten sich geschickt bewegt, waren mit dem Dunkel unter den B�umen verschmolzen. Einfach bei Nacht �ber die Mauer der Tempelstadt zu steigen war ganz gewiss keine gute Idee. Diese W�chter waren geschickt. Sie mochten gef�hrlich werden.</p><p>�He, Roter. Meine Schicht ist zu Ende. Du musst jetzt gehen.�</p><p>Nodon drehte sich zu dem alten Menschensohn um, der auf der Treppe des Turms stand und zu ihm aufsah. Ihm hatte er sein Bestechungsgeld gezahlt. Der Alte hatte ihn gewarnt, dass er nicht l�nger als bis Sonnenuntergang bleiben k�nne.</p><p>�Ich komme.� Nodon stieg �ber die Tentakel weg, die sich nah am Turm um das Goldblech wanden.</p><p>�Hast du Lust, mit einem alten Fahrensmann einen Krug Wein zu teilen?� Der Frachtmeister grinste ihn durch seinen grauen Bart an. �Schlie�lich hast du den Krug ja bezahlt.� Bei diesen Worten klopfte er mit seinem Armstumpf auf die B�rse an seinem G�rtel. �Da ist es nur recht, wenn du auch was davon hast.�</p><p>Nodon war nicht in der Stimmung zu plaudern. In einer Stunde sollte er im Haus der Seidenen sein. Jeden dritten Abend versammelten sie sich dort, um zu berichten, was sie �ber den Krater herausgefunden hatten. Bisher war fast nichts bei ihrer Suche herumgekommen.</p><p>Usia stieg vor ihm die Treppe hinab. F�r einen alten Mann wirkte er r�stig. �Ich versteh nicht, warum ihr euch alle so f�r die G�rten der Zapote interessiert. Das ist ein verfluchter Ort. Wer durch das Wei�e Tor geht, kommt nicht mehr wieder.�</p><p>�Wer interessiert sich denn noch daf�r?�</p><p>Usia hielt inne und drehte sich zu ihm um. �Dieses Spiel geht anders, mein Junge. Du warst recht einsilbig, als ich dich heute Morgen gefragt habe, warum du auf den Ankerturm hinaufwillst. Sag du mir, was so interessant an den G�rten der Tempelstadt ist, und dann erz�hle ich dir, wer so wie du ganze Tage auf einem Balken gesessen hat.�</p><p>Nodon hatte damit gerechnet, dass so eine Frage kommen w�rde, und sich eine Geschichte �ber einen Freund zurechtgelegt, der verschwunden war, nachdem er Streit mit einem H�ndler aus Zapote angefangen hatte.</p><p>Inzwischen hatten sie den Fu� des Turms erreicht. �Dein Freund war aber nicht zuf�llig so ein schlanker, blonder Kerl mit Schl�fenz�pfen. Hat sich am Ende von Kopf bis Fu� mit rotbraunen Mustern bemalen lassen. Sah schrecklich aus.�</p><p>�Bandag�, murmelte Nodon. Zu seiner Zeit in der Wei�en Halle hatte es einen Sch�ler aus dem Volk der Maurawan gegeben. Manchmal hatte er sich bemalt und war ganze N�chte lang in die W�lder verschwunden.</p><p>�Was sagst du?� Usia winkte den Wachen zu, die hinter ihnen das Tor zum Frachthof schlossen.</p><p>�Bandag nennt man in meiner Heimat einen rotbraunen Saft, mit dem man sich bemalt. Nach zwei Wochen verblassen die Bilder wieder.�</p><p>Der Frachtmeister deutete den Hang hinab. �Hunger? Unten am Schlangenmarkt kann man g�nstig essen. Und ich wei� auch, wo man dort einen passablen Wein bekommt.�</p><p>�Deine Entscheidung. Du zahlst den Wein�, erkl�rte Nodon. Er entschied, seine Pl�ne zu �ndern und noch etwas Zeit mit Usia zu verbringen. Er wollte h�ren, was der Alte �ber diesen geheimnisvollen anderen Beobachter der G�rten zu erz�hlen hatte.</p><p>�Sagst wohl kein Wort zu viel. Mal sehen, ob ein guter Roter dir die Zunge l�st.� Usia schlenderte die breiten Treppen hinunter. Er hatte es trotz des Regens nicht eilig. Es waren nur wenige Menschenkinder auf der Stra�e. Ab und an gr��te der Frachtmeister. Er schien in diesem Viertel wohlbekannt zu sein.</p><p>Der Schlangenmarkt war ein trostloser Ort, umringt von Bauten aus ungebrannten Ziegeln, denen der Regen Furchen in ihre lehmbraunen Gesichter geschnitten hatte. Der ungepflasterte Platz war ein einziger Morast. Sie mussten durch tiefe Pf�tzen waten, vorbei an St�nden unter ausgeblichenen Segeltuchplanen, wo sich Ungl�ckliche an kleine Feuerstellen kauerten, in der Hoffnung, dass doch noch ein Hungriger zu ihren K�stlichkeiten finden w�rde. Es stank nach ranzigem Fett und angebranntem Fleisch. Nodon w�rde sich �berwinden m�ssen, hier etwas zu essen. Warum machten die Menschenkinder nichts ordentlich? Warum bauten sie eine riesige Stadt aus h�sslichen H�usern, statt eine kleinere aus guten festen Steinbauten, in denen man sich wohl f�hlen konnte? Sie waren schlimmer als Kobolde.</p><p>Usia deutete zu einem Mann mit Mandelaugen, der aufgespie�te Skorpione feilbot. �Da gehst du besser nie essen. Es ist unbeschreiblich, was die Ischkuzaia f�r einen Schlangenfra� anbieten. Der Kerl grillt halb verfaulte Ratten und bietet dir die kleinen Fleischst�cke in So�e getaucht als Rinderlende an. Er kommt vom Seidenfluss. Das sind die Allerschlimmsten!�</p><p>Nodon, der nicht wirklich einen Unterschied zu den anderen Bratst�nden erkennen konnte, schwieg.</p><p>�Hier sind wir richtig, Junge.� Der Frachtmeister deutete auf eine tiefe Mauernische, in die sich einige Menschenkinder gefl�chtet hatten und hinaus in den Regen stierten. Rauch zog unter der gew�lbten Decke entlang. Es roch nach Gem�se und Fisch.</p><p>Usia verscheuchte einige M�nner von ihren Pl�tzen und lie� sich an einem von drei wackeligen Tischen nieder. �Rabal! Bring mir Reis und Bohnen, und trag uns einen Krug von deinem verdammt besten Roten auf. Nicht diese saure, gepanschte Br�he, die du sonst frecherweise Wein nennst. Wir wollen den richtigen Stoff!�</p><p>Hinter einer niedrigen, gemauerten Feuerstelle stand ein unglaublich fetter Kerl mit t�towiertem Gesicht. �Usia, alter Pirat, bist du immer noch nicht von deinem verdammten Ankerturm gest�rzt. Ich hatte wirklich gehofft, dass uns die Sturmwinde heute endg�ltig von deiner Anwesenheit auf dieser Welt der Seligen befreit h�tten. W�rdest du mir freundlicherweise die M�nzen zeigen, mit denen du f�r die Sch�tze dieses edlen Hauses zu zahlen gedenkst?�</p><p>�Rabal kommt von den Schwimmenden Inseln�, erkl�rte der Frachtmeister Nodon gut gelaunt und hielt den kleinen Silberbarren hoch. �Rabal ist gar nicht sein richtiger Name. Anst�ndige Leute k�nnen das Kauderwelsch, das die auf den Schwimmenden Inseln reden, nicht aussprechen, deshalb nennen wir alle ihn einfach so.�</p><p>Der dicke Wirt schob sich erstaunlich geschickt an seiner Feuerstelle vorbei und zwischen den G�sten hindurch. Er nahm Usias kleinen Silberbarren, der kaum so lang und dick wie ein Mittelfinger war, und leckte an dem Metall.</p><p>Ohne Vorwarnung zog er pl�tzlich eine Handaxt, die hinter seinem R�cken im G�rtel gesteckt hatte.</p></section><section><title><p>Die ersten Menschen</p></title><p>Nodons Hand tastete unter dem Tisch nach dem Messer in einem G�rtel.</p><p>�Einen Fingerbreit�, sagte Usia, als sei es das Normalste der Welt, dass ein t�towierter Barbar mit zum Schlag erhobener Axt vor ihm stand.</p><p>Rabal nickte.</p><p>�Aber einen von meinen Fingern�, f�gte Usia hastig hinzu.</p><p>�Wenn du den Mut hast, ihn auf den Barren zu legen, alter Mann.�</p><p>In der Garstube war es totenstill geworden. Alle beobachteten nun das Treiben an ihrem Tisch. Der Garkoch legte den Silberbarren auf das zerfurchte Holz und bedachte Usia mit einem L�cheln, das nadelspitz zugefeilte Schneidez�hne blo�legte. Doch der Frachtmeister hob seelenruhig den verst�mmelten Arm und legte den Griffel, der in die Ledermanschette eingelassen war, auf das �u�ere Ende des Silberbarrens.</p><p>�Das ist kein Finger�, grollte Rabal.</p><p>�Ich nenn ihn immer meinen Schreibfinger. Wir hatten doch nicht vereinbart, welchen Finger ich nehme. Und solltest du mir nicht glauben, frag irgendjemanden auf meinem Ankerturm. Alle wissen das!�</p><p>Die Axt sauste nieder und verfehlte den Griffel nur um Haaresbreite. �Einmal Pirat, immer Pirat�, murrte der Koch und betrachtete die tiefe Kerbe, die sein Hieb in dem Barren hinterlassen hatte.</p><p>�Das ist gutes Silber aus Fernwald�, behauptete Usia. �Spiel dich also nicht so auf.�</p><p>Das L�cheln auf dem Gesicht des Kochs erstarb. Wieder sauste die Axt herab.</p><p>Nodon registrierte, dass Rabal ganz genau in dieselbe Kerbe geschlagen hatte. Er war gut mit der Axt und erstaunlich schnell f�r einen Mann mit dem K�rperbau eines Walrosses. Der Koch nahm das abgetrennte Silberst�ck an sich und zog sich ohne ein weiteres Wort hinter seine Feuerstelle zur�ck.</p><p>�Netter Kerl�, bemerkte Nodon.</p><p>�Wir sind ein paar Jahre zusammen auf demselben Schiff gefahren. Die <emphasis>Liebt Mondlicht im Winterwald</emphasis> ist meist auf der Nord-S�d-Route gesegelt. Wir waren oft in Fernwald. Er ist kein �bler Kerl. Aber er vermisst seine Heimat und die Weiber, wie wir alle auf Nangog. Nur wenn er trinkt, sollte man Rabal besser aus dem Weg gehen. Die meisten M�nner von den Schwimmenden Inseln vertragen weder Wein und noch Bier. Und schon gar nichts Gebranntes!�</p><p>�Der Barren kommt nicht aus Fernwald�, sagte Nodon nun.</p><p>Usia nahm das Silber mit seiner gesunden Hand und steckte es in seine Geldkatze. �Was macht das schon? Es ist gutes Silber. Das sieht man an der Farbe, und schmecken kann man es auch. Und da wir gerade dar�ber reden, was woher kommt�� Von wo stammst du eigentlich, Roter? Einen wie dich habe ich noch nie gesehen.� Usia nickte in Richtung des Garkochs. �Und du hast ja gesehen, ich kenne eine Menge seltsame M�nner.�</p><p>�Ich komme aus Drusna.�</p><p>Der Frachtmeister sch�ttelte den Kopf. �Drusna? Du siehst nicht aus wie ein Drusnier. Das sind M�nner wie B�ren, mit struppigen B�rten aus Gold oder Feuer. Deine Wangen aber sind blank wie ein Kinderarsch. Drusnier r�lpsen, furzen und saufen wie echte Barbaren. Nicht so wie Rabal, der zwar gerne die Axt schwingt, aber in Wahrheit eine empfindsame Seele ist. Wenn es sp�t wird und nur noch wenige G�ste in dieser H�hle hocken, dann tr�gt er selbst erdachte Gedichte vor. Also nochmal. Woher kommst du, Roter?�</p><p>�Drusna�, beharrte Nodon.</p><p>Usia schnaubte �rgerlich. �Wenn du Geschichten von mir h�ren willst, dann h�re ich erst eine von dir. Und zwar eine wahre Geschichte! Wenn du dich daran nicht halten magst, dann trinkst du den Wein, den ich dir versprochen habe, und gehst. Und jetzt nimm deine verdammte Kapuze ab. Hier drinnen regnet es schlie�lich nicht, und ich sehe den M�nnern, mit denen ich mich unterhalte, gerne in die Augen.�</p><p>�Du willst nicht in meine Augen sehen.�</p><p>�Ich glaube, ich will nicht mal einen Wein mit dir trinken. H�ltst du mich f�r einen altersschwachsinnigen Greis, weil mir ein paar graue Haare im Bart sprie�en? Meinst du, ich wei� nicht, dass du mich aushorchen willst? Ich bin ein gutm�tiger Kerl. Ich erz�hle gern ein paar Geschichten. Aber ich m�chte wissen, wem. Und die W�hrung, in der man Geschichten bezahlt, sind eigene Geschichten, Roter. Entweder h�ltst du dich daran, oder du suchst besser das Weite.�</p><p>�Hast du einmal von den Geisterhainen in Drusna geh�rt, Usia?�</p><p>Der Frachtmeister sch�ttelte den Kopf. Er bem�hte sich zwar noch um eine grimmige Grimasse, aber Nodon konnte sehen, dass Usias Interesse geweckt war. Die Menschenkinder waren seltsam. Obwohl sie hier auf Nangog t�glich mit der konkreten Bedrohung durch die Gr�nen Geister lebten, liebten sie Geschichten �ber solche Gesch�pfe.</p><p>�Dann h�r zu�� Die Geisterhaine sind Orte, in denen seltsame B�ume wachsen. Wir h�ngen Windspiele in ihre �ste und die Waffen und Helme unserer toten Helden. Wenn ein Schwert gegen einen alten Bronzehelm st��t, gibt es einen dunklen, schwingenden Ton. Und wenn der Wind durch die �ste f�hrt, die Bl�tter rauschen und die Helme wie Totenglocken klingen, dann sind uns unsere verstorbenen Ahnen nahe. Manche von ihnen gehen nicht an den Ort, der den Toten bestimmt ist. Sie bleiben in den W�ldern und beobachten uns. In den Geisterhainen tragen der Wind, die Bl�tter und die Glocken ihre Stimmen zu uns.�</p><p>�Wohin gehen eure Toten, wenn sie den rechten Pfad gefunden haben?�</p><p>Die Frage �berraschte Nodon, damit hatte er nicht gerechnet. �Goldene Hallen�, sagte er hastig und hoffte, dass Usia nicht schon andere Geschichten �ber Drusna geh�rt hatte. �In meiner Provinz, hoch im Norden, glauben wir daran, dass die toten Krieger sich in Goldenen Hallen versammeln, wo sie gemeinsam zechen, essen und bis ans Ende aller Zeiten mit ihren Heldentaten prahlen.�</p><p>Die harten Z�ge des Frachtmeisters entspannten sich. �Besser, ein Drusnier zu sein als ein Luwier. Die glauben, die Seelen der Toten fahren in ein finsteres Loch tief unter der Erde.� Usia deutete zur ru�geschw�rzten Gew�lbedecke. �So finster ist es dort. Und es gibt kein Entrinnen bis ans Ende aller Zeiten. Wie hei�t du eigentlich?�</p><p>�Lassen wir es bei Roter. Mein Name ist in meiner Heimat fluchbeladen. Es ist besser, wenn du ihn nicht kennst.�</p><p>Rabal trat an ihren Tisch und stellte vor dem Frachtmeister eine Schale mit verkochtem Reis und dicken roten Bohnen ab, die in einer z�hen So�e schwammen. �Der Wein kommt gleich. Hatte noch nicht die Zeit, in meinen weitl�ufigen Keller zu steigen, um das Siegel meiner edelsten Amphore zu brechen.�</p><p>Nodon sah dem Wirt verbl�fft nach.</p><p>�Er macht Witze. Nat�rlich hat er keinen Weinkeller�, erkl�rte Usia, w�hrend er mit einem Holzl�ffel rote Bohnen in sich hineinstopfte. �Und jetzt erz�hlst du mir, warum du verflucht bist. Sch�n ausschweifend. Nichts regt die Verdauung so sehr an wie eine gute Geschichte.� Er grinste, w�hrend ihm So�e vom Bart troff. �Jedenfalls, wenn man erst einmal mein Alter erreicht hat. Und nun zieh deine Kapuze zur�ck. Ich will endlich deine Augen sehen. Wenn ich einem Mann in die Augen blicke, sehe ich jede L�ge.�</p><p>�W�hrend du isst?�</p><p>�Mach hin!�</p><p>Nodon sah sich um. Die anderen G�ste beobachteten sie noch immer�� mehr oder weniger unverhohlen. Er drehte den Kopf so, dass ihn nur Usia sehen konnte. Dann zeigte er sein Gesicht.</p><p>Der Frachtmeister starrte ihn mit offenem Mund an, sodass die halb zerkauten Bohnen deutlich zu sehen waren. �Das��� Er verschluckte sich, hustete, und ein Schwall Bohnenst�cke flog �ber den Tisch. �Was bist du? Versteck sie wieder! Ich will deine Augen nie mehr sehen!�</p><p>Nodon zog die Kapuze nach vorne und verbarg sein Antlitz wieder. Selbst Albenkinder, die ihn gut kannten, erschreckte der Anblick seiner Augen, die nur aus schwarzen Pupillen zu bestehen schienen. Es gab kein Wei�, keine bunte Iris. Nur Schwarz.</p><p>�Ich hatte dich gewarnt, Usia.�</p><p>Der Frachtmeister murrte etwas und starrte ihn an. �Was bist du?� Jetzt lag ein drohender Unterton in seiner Stimme.</p><p>Nodon war wenig beeindruckt. Selbst wenn sich all die traurigen Gestalten einschlie�lich des Wirts auf ihn st�rzen sollten, w�rde er wohl kaum in Gefahr geraten. Aber er wollte kein Aufsehen erregen. �Ich sagte doch, ich bin verflucht. Als Kind hatte ich sch�ne, himmelblaue Augen. Doch dann stachelten meine Freunde mich zu einer Mutprobe auf. Ich schlich in einer st�rmischen Nacht in den Geisterhain, der tief im Wald lag. Ich war fast verr�ckt vor Angst. Als Blitze in die B�ume um mich herum einschlugen, begann ich zu laufen. Ich �bersah eine Wurzel, st�rzte schwer und habe mir derart den Fu� verstaucht, dass ich nur noch kriechen konnte. In unseren W�ldern gibt es W�lfe. Einer von ihnen fand mich. Er merkte sofort, dass ich leichte Beute war, aber allein griff er nicht an. Stattdessen stimmte er ein unheimliches Geheul an. In diesem Augenblick h�rte ich die Stimme meines toten Onkels in den rauschenden Bl�ttern. Der Sturmwind zerrte an den �sten. Die alten Schwerter klirrten, und immer wenn ein Blitz niederging, sah ich den Wolf zwischen den B�umen. Ein gro�es, hageres Biest mit struppigem Fell. Er hatte nur noch ein Ohr. Seine Schnauze war voller Narben und seine Augen so blau wie die meinen. Mein Onkel sagte, er wolle mir helfen. Ich sollte den Mund weit �ffnen und an ihn denken, so wie ich ihn zuletzt beim Mittwinterfest gesehen hatte. Ein paar Tage sp�ter war er im Wald ermordet worden. Man fand nie heraus, wer es gewesen ist.�</p><p>�Schmeckt dir mein Essen nicht mehr?� Rabal knallte einen Krug Wein und zwei angeschlagene Tonbecher auf den Tisch.</p><p>�Alles gut.� Usia wischte Bohnen und Reis von der schmutzigen Holzplatte. �Alten M�nnern f�llt schon mal was aus dem Mund. Das kennst du doch.�</p><p>�Ich habe noch all meine Z�hne. Ich bin kein alter Mann�, entgegnete Rabal br�skiert und ging wieder.</p><p>�Du hast also den Geist deines Onkels in den B�umen geh�rt. Und dann?�, fragte Usia dr�ngend.</p><p>�Eines der Bronzeschwerter st�rzte aus dem Ge�st. Es fiel direkt neben mir zu Boden. Ich war wie erstarrt, doch der Geist bedr�ngte mich, es zu nehmen und endlich meinen Mund aufzumachen. Ich hatte entsetzliche Angst. Er wollte in mich fahren, wei�t du? Jedes Kind in Drusna kennt diese Geschichten. Dann fuhr ein Blitz nieder, und ich sah, dass jetzt drei W�lfe da waren. In dem Moment habe ich meinen Mund so weit aufgerissen, wie ich konnte�� Seitdem geschehen manchmal Dinge, die ich angeblich getan habe, an die ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Angefangen hat es in jener Nacht.</p><p>Als ich am n�chsten Morgen gefunden wurde, hielt ich das blutige Schwert meines Onkels in der Hand. Sp�ter entdeckte der Priester des Geisterhains zweiW�lfe, die sich t�dlich verletzt davongeschleppt hatten. Dazu musst du wissen, dass man meinen Onkel ohne sein Schwert in den B�umen bestattet hatte. Es war nie gefunden worden. Auch meine Augen hatten sich ver�ndert. Seit jener Nacht sehen sie so aus wie jetzt.�</p><p>Usia schenkte zwei Becher ein. �Gute Geschichte. Lass uns darauf ansto�en.�</p><p>Nodon nippte z�gernd am Wein. Er war mit Honig gepanscht worden.</p><p>�Und wegen dieser Sache und deinen Augen hat man dich versto�en?�</p><p>�Versto�en wurde ich wegen der drei Toten.�</p><p>�Welcher Toten? Heraus damit. Ich kann es nicht leiden, wenn man anderen die Geschichten Brocken f�r Brocken aus der Nase ziehen muss.�</p><p>�F�nf Jahre sp�ter war ich auf einem Fest im Nachbardorf. Ich geriet in Streit mit drei M�nnern. Einer von ihnen trug die Brosche meines Onkels an seinem Umhang. Ein unverwechselbares St�ck: Sie sah aus wie ein B�r. Wieder kann ich mich nicht genau erinnern, was geschehen ist. Angeblich habe ich alle drei mit einem abgebrochenen Ast erschlagen. Ich wurde als M�rder vor unseren F�rsten gebracht. Meine ganze Sippe glaubte mir und unterst�tzte mich, aber die Frau des Toten mit der Brosche behauptete, er habe sie am Markttag von einem fliegenden H�ndler gekauft. Mein Volk legt gro�en Wert darauf, in Frieden mit seinen Geistern zu leben. Deshalb wurde ich nicht hingerichtet, aber mein Urteil lautete auf Verbannung. Ich war vierzehn. Seitdem verdinge ich mich als S�ldner, und mir eilt ein gewisser Ruf voraus.�</p><p>Usia pfiff leise zwischen den Z�hnen. �Das nenne ich mal eine Geschichte. Also wenn ich deine Augen nicht gesehen h�tte, w�rde ich dir kein Wort glauben.� Er hob seinen Becher. �Auf alle kleinen Jungen, denen Unrecht widerfahren ist.�</p><p>Nodon fragte sich, ob der Alte das ironisch meinte, prostete ihm aber dennoch zu. �Nun bist du mit einer Geschichte dran. Bist du jemals �ber den Weltenmund geflogen? Was kann man dort sehen? Gibt es dort einen Tempel?�</p><p>�Das sind ziemlich viele Fragen, Junge.� Usia wischte mit einem Finger durch die Holzschale und leckte die So�e ab. �Ich bin nur einmal, zuf�llig, �ber den Weltenmund geflogen. Die Unsterblichen haben es n�mlich verboten. Aber manchmal, bei ung�nstigem Wind, wird einer der Wolkensammler abgetrieben, wenn er ankern will. Als ich �ber dem Weltenmund war, habe ich nichts als Nebel im Krater gesehen. Aber es gibt nat�rlich Geschichten. Es soll dort Ruinen geben.� Der Alte blickte zu den Nachbartischen und senkte seine Stimme zu einem Fl�stern. �Und einen geheimen Tempel.�</p><p>Nodon war entt�uscht. �Das ist alles?�</p><p>�So ist das eben bei Geheimnissen. Sie sind geheim.�</p><p>�Und niemand wei�, wie es unten im Krater aussieht?�</p><p>�Es gibt kein Unten im Krater. Er f�hrt hinab ins Herz der Welt. Es ist ein unermesslich tiefes, dunkles Loch.� Usia schenkte sich nach. �Eine Sache ist da noch. Die habe ich von einem Lotsen erfahren. Er will einen Wald aus rotem Bambus gesehen haben. Aber ganz ohne Bl�tter. Nur die Bambusrohre. Tausende.�</p><p>�Gibt es denn keine Geschichten dar�ber?�</p><p>Der Frachtmeister r�lpste. �Der Weinkrug ist leer. Komm sto� mit mir an. Ich mag es nicht, wenn ich alleine trinke.�</p><p>Nodon hob den Becher. Er war das Trinken nicht gew�hnt. Schon jetzt sp�rte er die Wirkung des Weins. Ein Wort der Macht, und das Gift des Alkohols w�rde aus seinem Blut verbannt werden. Er sah sich vorsichtig um. War er hier sicher? Am Nebentisch sa� eine Gruppe bunt gewandeter dunkelh�utiger M�nner. H�ndler vielleicht? Sie sprachen die Zunge Arams und diskutierten lebhaft dar�ber, wie sich das Beben auf den Handel auswirken w�rde und ob damit zu rechnen sei, dass die Preise f�r Weizen und Reis noch weiter stiegen.</p><p>�Rabal! Mehr Wein. Noch mal den guten!�</p><p>Der Wirt nickte Usia zu.</p><p>�Geschichten sind nicht dasselbe wie Augenzeugenberichte. Geschichten gibt es viele. Aber jetzt wirst du mir sagen, warum dich die G�rten der Zapote interessieren.�</p><p>�Mich reizte es immer schon, an Orte zu gehen, die man nicht betreten darf.�</p><p>Der Frachtmeister st�hnte. �Ach, Junge, das ist einfach nur dumm! Du hast keine Ahnung, worauf du dich da einl�sst. Die Zapote haben irgendwelche Ungeheuer aus Menschen und Raubkatzen erschaffen. Sie bewachen den Garten, lauern in den Schatten und w�rden dich in Fetzen rei�en. Vor denen k�nnte dich nicht einmal der Geist deines Onkels besch�tzen.�</p><p>�Warum besch�tzen sie die G�rten so gut? Haben sie Gold in den Tempeln?� Nat�rlich interessierte ihn kein Gold. Er wollte Usia nur aufstacheln, mehr zu erz�hlen.</p><p>�Mit dem Gold auf deinem Kopf wirst du hineingelangen.� Der n�chste Weinkrug kam, und der Frachtmeister schenkte sich munter nach. �Sie suchen goldhaarige M�nner. Sie locken sie mit h�bschen M�dchen, aber wer ihre verfluchte Tempelstadt betritt, der kommt nie wieder zur�ck.�</p><p>�Es gibt immer ein erstes Mal.�</p><p>�Du redest schon wie Mikayla. Noch so ein Drusnier. Der ist wie du auf meinen Turm gestiegen und hat sich die G�rten angesehen. Ein schlanker Kerl mit kurzem Bart. Ich mochte ihn. Gestern wollte er sich nach einer der Menschenf�ngerinnen umschauen.� Usia blickte verdrossen in seinen Weinbecher. �Geben die G�tter, dass er keine gefunden hat. Heute ist er nicht mehr gekommen���</p><p>Nodon h�tte sich diesen blonden Kerl gerne n�her angesehen. Konnte es sein, dass noch andere Elfen hier in der Goldenen Stadt waren? �War irgendetwas auff�llig an ihm?�</p><p>�Sein verdammtes blondes Haar. Und der Glaube an seine Unbesiegbarkeit. Die Krankheit, an der die meisten jungen M�nner sterben. Wenn du da hineinwillst, brauchst du �ber keine Mauer zu steigen. Such dir eines ihrer M�dchen, die bringt dich dann schon in die Tempelstadt.�</p><p>�Hat er gesagt, was er dort wollte?�</p><p>�Einen Freund suchen, der vielleicht dorthin verschleppt worden ist.� Usias Zunge wurde schwer. Der Wein begann zu wirken. �Ich hab ihm gesagt, er solle das nicht tun. Ein blonder Mann, der durch das Wei�e Tor geht, ist ein toter Mann.�</p><p>�Aber warum denn? Was machen sie mit den Blonden?�</p><p>Der Frachtmeister hob in verzweifelter Geste die H�nde. �Was wei� ich? Sie sind Zapote. Die denken nicht wie normale Menschen. Die opfern die Blonden ihren G�ttern. Es gibt dort, verborgen im Park, einen gro�en, steinernen Schlangenkopf. Es hei�t, das sei der Einstieg in ihre Totenwelt.�</p><p>Diesen Schlangenkopf w�rde er sich in einer mondlosen Nacht n�her ansehen, entschied Nodon. Aber nicht allein.</p><p>�Ach, wei�t du, Roter�, nuschelte Usia weiter. �Es gibt so viele Geschichten �ber die Zapote. Sie waren angeblich die ersten Menschen hier auf Nangog, sagen manche. Andere erz�hlen, dass es fr�her einmal Tempel aller G�tter im Weltenmund gegeben hat. Doch dann kam es zu einem Streit. Und die Zapote haben etwas hierhergebracht. Etwas Dunkles. Sie allein konnten es beherrschen und nutzten es, um die anderen Priester aus dem Krater zu vertreiben. Alle mussten fliehen. Und dann haben die vertriebenen Priester T�rme rings um den Krater errichtet und wachen dort in jeder Stunde �ngstlich �ber das, was dank der Zapote am Grund des Kraters lauert.�</p><p>�Und was sollte das sein?�</p><p>�Wer es gesehen hat, lebt nicht mehr. Dieser Kreatur bringen sie die blonden M�nner als Opfer. Sie verschlingt die Herzen der Krieger. So halten die Zapote sie im Zaum.�</p><p>Noch eine verlorene Nacht, dachte Nodon. Diese Geschichte war allzu verworren. Wahrscheinlich war nicht einmal ein F�nkchen Wahrheit daran. Der Alte lallte nur noch. Er war stockbetrunken. Inzwischen stand der dritte Krug Wein vor ihnen.</p><p>�Ich danke dir f�r deine Erz�hlungen, Usia�, sagte Nodon und erhob sich. �Brauchst du Hilfe, um zu deinem Nachtlager zu finden.�</p><p>�Ich finde �berall hin�, murrte der Frachtmeister st�rrisch. �Ich war ein Wolkenschiffer. Ich habe die Wunder dieser Welt gesehen. Und ich wei�, was dort unten ist.� Er winkte ihn n�her. �Komm, Geheimnisse darf man nicht laut aussprechen.�</p><p>Nodon beugte sich vor. Der warme Atem des Alten schlug ihm ins Gesicht. Usias Augen sahen w�ssrig aus, als wolle er gleich weinen. �Geh nicht zu den Zapote, ja? Nicht mit ihren M�dchen gehen�, stammelte er. �Dann verrate ich dir das Geheimnis. Aber erst musst du es mir versprechen.�</p><p>�Ich schw�re es dir bei dem Geist meines Onkels.�</p><p>Usia nickte ergriffen. �Das ist ein guter Schwur.� Dann beugte er sich so weit vor, dass seine welken Lippen fast Nodons Wange ber�hrten. �Einen Drachen haben sie dort unten gefangen. Einen echten Drachen.�</p></section><section><title><p>Die Gefangene</p></title><p>Shaya lauschte auf das leise, reibende Ger�usch. Es war ihr nicht entgangen, dass sich der Hirtenjunge zu dem hohen Felsen gedreht hatte, der ihr Lager abschirmte, und er versuchte, seine Lederfesseln durchzureiben. Es w�rde dauern. Immer wieder hielt der Junge inne und lauschte auf ihren gleichm��igen Atem. Sie konnte sp�ren, dass er Todesangst hatte.</p><p>Shaya musste sich gar nicht schlafend stellen, immer wieder d�ste sie ein, wenn das Reiben aussetzte, und wurde wach, wenn es einsetzte. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie er Stunde um Stunde an den Fesseln arbeitete. Als die Nacht zu Ende ging, setzte leichter Nieselregen ein. Ein erleichterter Seufzer schreckte Shaya auf�� sie war tats�chlich f�r eine Weile tief eingeschlafen! Der Junge hatte nicht bemerkt, dass sie erwacht war. Er f�hlte sich augenscheinlich sicher, denn er richtete sich auf und massierte seine schmerzenden Glieder.</p><p>Lange hatte Shaya �berlegt, wie sie sich in diesem Augenblick verhalten sollte. W�rde er versuchen, sie umzubringen, w�rde sie ihn t�ten. Wollte er sie vergewaltigen, w�rde sie ihm seinen l�cherlichen Knochendolch durch die Kehle rammen. Es lag nun an ihm.</p><p>Aus halbgeschlossenen Lidern sah sie, wie er sich b�ckte und �ber den Boden tastete, bis er einen gro�en Stein fand. Zu gro�! Damit k�nnte er ihr ohne Weiteres den Sch�del einschlagen! Er pirschte auf sie zu und war kaum einen Schritt mehr entfernt, als sie sich aufsetzte und vermeintlich schlaftrunken blinzelte. Der Hirtenjunge sprang vor und holte weit zum Schlag aus. Der Stein traf Shaya seitlich am Kopf. Sie bewegte sich mit dem Schlag, um dem Treffer etwas von seiner Wucht zu nehmen, dennoch explodierten grelle Blitze vor ihren Augen. Sie ging zu Boden, lie� den Jungen aber nicht aus den Augen. Wenn er jetzt noch einmal nachsetzte, um einen weiteren Schlag zu f�hren, blieb ihr keine andere Wahl, als ihn zu t�ten. Sie lag auf der Seite. Den linken Arm hielt sie unter ihrem K�rper verborgen, in der Hand den Knochendolch.</p><p>�Du dumme Ziege!�, fluchte der Junge und lie� den Stein fallen. �Ich habe noch nie ein M�dchen geschlagen. Ich habe das nicht gewollt���</p><p>Shaya seufzte und lie� den Dolch los. Der Kleine sah aus, als w�rde er gleich anfangen zu weinen.</p><p>�H�rst du mich?�</p><p>Sie gab einen unartikulierten Laut von sich.</p><p>�Das wollte ich nicht! Du hast mich dazu gezwungen! Wehr dich jetzt nicht�� Ich m�chte dich nicht noch einmal schlagen, aber ich werde es tun.� Bei den letzten Worten zitterte seine Stimme.</p><p>Er beugte sich �ber Shaya, drehte sie ganz auf den Bauch und stemmte ihr ein Knie in den R�cken.</p><p>Konnte sie ihm trauen? Sie musste sich <emphasis>jetzt</emphasis> entscheiden! Hatte er sie erst einmal gefesselt, konnte er mit ihr machen, was er wollte. Das Zittern seiner Stimme�� War das Unsicherheit oder Hass gewesen?</p><p>Als er ihre H�nde auf den R�cken zerrte, lie� Shaya das Knochenmesser los, sodass es unter ihrem Leib verborgen liegen blieb. Er suchte nicht einmal danach, so aufgeregt war er.</p><p>Sie sp�rte, wie er zitterte, als er ihr die H�nde fesselte. Dann zog er sie in eine sitzende Position hoch.</p><p>�Sobald es richtig hell wird, werde ich dich zum Haus des Himmels zur�ckbringen�, sagte er, ohne ihr in die Augen zu blicken.</p><p>Er versuchte, das Feuer wieder zu entfachen, das der Nieselregen in einen grauen Haufen aus Asche und Holzkohlest�cke verwandelt hatte. Nach einer Weile gab er auf. Nicht der kleinste Funken Glut hatte sich erhalten.</p><p>Blasses Licht kroch �ber die gezackten Bergk�mme. Der Junge kramte in einer Ledertasche nach einem Kanten Brot. Er brach zuerst die verschimmelten St�cke ab und hielt Shaya dann den Rest hin. �Hunger?�</p><p>�Ich bin gefesselt. Wie soll ich essen?�</p><p>Einen Moment wirkte der Hirte unschl�ssig. �Mund auf�, sagte er dann einfach und streckte ihr das Brot so dicht vors Gesicht, dass sie abbei�en konnte. Es schmeckte muffig und war von Feuchtigkeit durchzogen.</p><p>Der Junge nahm f�r sich die schimmeligen St�cke. Er a� schweigend. Shaya konnte sehen, wie er mit sich rang. Schlie�lich begann er sorgf�ltig, seine wenigen Habseligkeiten in eine Ledertasche zu verpacken. Als er damit fertig war, sah er sie endlich an. �Ich muss dich ins Haus des Himmels zur�ckbringen. Ich habe keine Wahl. Alle Hirten in den Bergen haben den Befehl, entflohene M�dchen zu fangen und zur Mutter der M�tter zu f�hren. Die Frauen dort helfen uns. Wenn Krankheiten die Herden heimsuchen, wir zu viele Tiere verlieren und Hunger uns heimsucht. So ist es seit alter Zeit.�</p><p>Shaya entgegnete nichts. Sie hatte f�r sich l�ngst beschlossen, dass es keinen Ausweg gab. Vor einer Devanthar konnte sie nicht davonlaufen. So w�rde sie dem Jungen eine Belohnung einbringen.</p><p>Ein langer Marsch begann. Er f�hrte sie �ber Ziegenpfade den steinigen Hang entlang nach Westen. Es war ein anderer Weg als der, auf dem sie in der Nacht geflohen war. Meist hielt er sich vor ihr. Shaya hatte das Gef�hl, dass es ihn nerv�s machte, sie anzusehen. Wahrlich hatte er noch nie bei einem M�dchen gelegen.</p><p>Gegen Mittag h�rte der Regen auf, doch der Himmel blieb grau. Ein kalter Wind strich �ber die H�nge und biss in Shayas zerfetzte Lumpen. Ihre F��e schmerzten und waren wund, obwohl der Hirte ihr die Schuhe nicht abgenommen hatte, die sie ihm am Vortag gestohlen hatte.</p><p>�Machst du dir keine Sorgen um deine Ziegen?�, fragte sie irgendwann. Sie hatten die Tiere inzwischen weit hinter sich gelassen.</p><p>�Es gibt hier keine W�lfe. Nur Ochsenbei�er. Und wenn er kommt, ist es egal, ob ich in der N�he bin.�</p><p>�Ich sagte dir doch, er wird nicht mehr kommen.�</p><p>Er drehte sich um. �Wie sollte ein unbewaffnetes M�dchen mit wunden F��en einen B�ren erlegen?�</p><p>�Indem sie mit ihm einen Felsvorsprung hinabst�rzt.� Sie beschrieb ihm genau, wo er den Kadaver finden konnte. �Hol dir sein Fell und die Z�hne. Das wird dir einige M�nzen einbringen und dich ber�hmt machen. Sag, du hast ihn erlegt, und dein Leben wird sich �ndern.�</p><p>�Ich m�chte mein Leben nicht auf L�gen begr�nden.�</p><p>�Wem nutzt es, wenn Fleisch und Fell verrotten?� Sie konnte sehen, wie ihn ihre Worte ins Gr�beln brachten.</p><p>�Aber es wird mir niemand zutrauen, dass ich Ochsenbei�er get�tet habe.�</p><p>�Dann sag <emphasis>du</emphasis> doch, du seiest mit ihm von der Klippe gest�rzt.�</p><p>Er st�hnte. Die Geschichte behagte ihm ganz offensichtlich nicht.</p><p>�Hol dir wenigstens etwas von dem Fleisch. Und iss nicht von der Leber! Bei B�ren ist sie meist von W�rmern verseucht.�</p><p>Wieder gingen sie schweigend. Inzwischen war jeder Schritt f�r Shaya eine Qual. Aber sie wollte ihn nicht darum bitten anzuhalten. Dazu war sie zu stolz. Sie war eine Prinzessin der Ischkuzaia, Tochter des Unsterblichen Madyas. Sie war h�rter als ein Hirtenjunge.</p><p>Am sp�ten Nachmittag querten sie einen Bach. Das eisige Wasser tat ihren F��en gut. Am anderen Ufer legten sie endlich eine kurze Rast ein. Der Hirte bot ihr erneut etwas von seinem schimmeligen Brot an. Diesmal gab es einen wei�en, kr�meligen K�se dazu. Wenn sie ihn beobachtete, wurden seine Bewegungen linkisch. Er hielt den Kopf meist geneigt, sodass sein schwarzes Lockenhaar vor sein Gesicht fiel und es vor ihrem Blick verbarg.</p><p>�Wie war es, dem Unsterblichen Muwatta zu begegnen?�</p><p>�Schmerzhaft!�, entgegnete sie bitter, entschlossen, dazu kein weiteres Wort zu sagen.</p><p>Er schien verstanden zu haben.</p><p>Erneut nahmen sie ihren qu�lenden Marsch auf. Er ging diesmal langsamer. Hatte er gemerkt, wie ersch�pft sie war? Er sagte jedenfalls nichts, und so fl�chtete sich Shaya in Erinnerungen an Aaron: Ihre gestohlenen N�chte auf dem R�cken eines Wolkensammlers, als sie nach dem Himmelspiraten Tarkon Eisenzunge gesucht hatte. Immer und immer wieder dachte sie daran, wie sie f�r ihn getanzt hatte und wie sie einander ihre Narben gezeigt hatten.</p><p>�Dort ist ein Lager.� Die Stimme des Jungen lie� die s��en Tr�ume zerflie�en. Er deutete den Hang hinauf. Ein Felsen reflektierte den Lichtschein eines Feuers. Eine schmale, blassgraue Rauchs�ule war zu sehen. Mehr Ahnung als Gewissheit.</p><p>�Menschenj�ger�, sagte er knapp.</p><p>�Woher willst du das wissen?�</p><p>�Es riecht nach Gebratenem. Wir Hirten braten nur an Festtagen eine Ziege. Und au�er uns Hirten gibt es niemanden in diesen Bergen.�</p><p>Shaya roch keinen Bratenduft. Sie sah nur den gelben Feuerschein auf der Felswand �ber ihnen. Das Lager musste sich in einer Senke befinden. Klammen Herzens folgte sie ihrem selbsterw�hlten W�chter den Hang hinauf. Sie hatten sich vielleicht auf hundert Schritt gen�hert, als ein Warnruf erklang. Nur Augenblicke sp�ter erschienen zwei M�nner mit Gesichtern wie Schakale, zwischen ihnen eine Frau, die Shaya nur zu gut kannte�� Malnigal, eine der W�chterinnen aus dem Haus des Himmels. Ein b�ses L�cheln spielte um die Lippen der Priesterin, die sich schwer auf einen Eschenholzstab st�tzte.</p><p>�Weit bist du nicht gekommen, Prinzessin�, begr��te sie Shaya mit ihrer vertrauten, grotesk hohen Stimme, die so gar nicht zu ihrem bulligen Aussehen passte. Dem Hirten warf sie einen misstrauischen Blick zu. �Wie kann so ein Knochensack wie du eine Kriegerin �berw�ltigen?� Sie musterte Shaya, sah all die Prellungen und Sch�rfwunden und das Blut an ihren F��en, das das Leder der Hirtenschuhe dunkel gef�rbt hatte. �War wohl ein harter Kampf.�</p><p>�Ich konnte sie im Schlaf �berw�ltigen�, gestand ihr W�chter freim�tig. Shaya sch�ttelte den Kopf. Der Junge w�rde es nie weit bringen. Er war einfach zu ehrlich und hatte es verpasst, mit einer L�gengeschichte gut dazustehen.</p><p>�Du hast jetzt Gelegenheit, vor mir niederzuknien, Barbarenhure, und meine F��e zu k�ssen. Dann werde ich dir vielleicht sogar etwas zu trinken geben.� W�re sie ein Mann, Malnigal h�tte ein Schmied sein k�nnen. Ihre Gestalt war massig, das Gesicht grob und fl�chig. Selbst die kunstvoll hochgesteckte und mit Knochennadeln geschm�ckte Frisur der Priesterinnen half nicht, ihr Anmut zu verleihen. Ihr tief orangenes, unf�rmiges Kleid hing wie ein Sack an ihr herab.</p><p>�Selbst wenn ich knie, werde ich mich zu weit �ber dir erheben, um deine F��e zu erreichen.� Der Spruch war dumm und ohne Finesse, doch Shaya konnte nicht anders. Bei ihrer ersten Begegnung, als die Priesterin versucht hatte, sie mit ihrem Eschenholzstab zu schlagen, hatte sie Malnigal das Handgelenk gebrochen. Damals waren ihre H�nde nicht gefesselt gewesen.</p><p>�Haltet sie fest�, zischte Malnigal ihren beiden Handlangern zu.</p><p>Die J�ger traten vor und packten sie bei den Armen. Beide rochen, als w�rden sie Wasser nur zum Trinken benutzen. Sie waren mit gekr�mmten H�utemessern bewaffnet.</p><p>Malnigal umrundete Shaya. �Du hast keine Angst?�, fl�sterte sie ihr ins Ohr.</p><p>�Wer nichts mehr zu verlieren hat, verliert auch jegliche Angst.�</p><p>�Ich glaube, da irrst du, Prinzessin. Solange man lebt, hat man immer noch etwas zu verlieren. Ich werde dir helfen, dies zu begreifen.� Mit diesen Worten rammte sie ihr den Eschenstab in die linke Kniekehle.</p><p>Shaya st�hnte auf und knickte ein. In dem Moment traf sie ein zweiter Sto� in die rechte Kniekehle. Die beiden J�ger dr�ckten sie zu Boden und zerrten ihre gefesselten H�nde hoch, sodass ihr Gesicht nun fast den steinigen Hang ber�hrte.</p><p>�Das k�nnt ihr nicht tun�, begehrte der Hirtenjunge auf. �Ihr habt doch gesagt, sie ist eine Prinzessin.�</p><p>�Sie ist eine Barbarenhure. Und so wie sie aussieht, hast du dich mit deinen Schl�gen doch auch nicht zur�ckgehalten. Oder ist das nachts passiert, als du sie genommen hast?�</p><p>Shaya h�rte den Jungen keuchen. �Ich w�rde niemals���</p><p>�Du hast sie nicht gefickt?� Malnigal lachte auf. �Ziehst du Ziegen vor? Dummkopf. Zieh ihr die Schuhe aus. Die wird sie nicht mehr brauchen. Die letzten Meilen geht sie morgen barfu�.�</p><p>�Aber ihre F��e sind wund�� Sie kann nicht���</p><p>�Du hast sie doch geh�rt: Sie hat vor nichts Angst. So sind Prinzessinnen, sie k�nnen sich niemals vorstellen, dass die Welt einmal genauso hart und ungerecht zu ihnen sein k�nnte, wie zu allen anderen.�</p><p>�Ich brauche die Schuhe nicht mehr!�</p><p>Shaya wurde noch immer zu Boden gepresst. Sie konnte den Jungen nicht sehen, doch sie h�rte deutlich die hilflose Wut in seiner Stimme. �Geh!�, zischte sie.</p><p>�Ja, geh�, stimmte Malnigal zu. �Du brauchst weder Weib noch Schuhe. Du bist ja ein echter Naturbursche. Und weil das so ist, habe ich gerade entschieden, dass du auch keine Belohnung brauchst, daf�r dass du uns die Barbarenschlampe gebracht hast.� Sie redete sich immer weiter in Rage, ihre hohe Stimme �berschlug sich, wurde bei den letzten Worten zu einem schrillen Kreischen. Widerspruch duldete Malnigal nur von der Mutter der M�tter, der gegen�ber sie immer eine speichelleckerische H�flichkeit an den Tag legte.</p><p>�Geh!�, wiederholte Shaya beschw�rend.</p><p>Die Priesterin schob ihr einen ihrer staubbedeckten Schuhe vors Gesicht. �K�ss meinen Fu�!�</p><p>Shayas Mund war zu trocken, sonst h�tte sie auf das rissige, abgewetzte Leder gespuckt. Sie hob den Kopf, rieb ihre Wange an der strammen Wade der Priesterin, als sei sie ein K�tzchen. Und dann biss sie zu. Mit aller Wut, die in ihre brannte, grub sie die Z�hne in das harte Fleisch.</p><p>Malnigal stie� einen spitzen Schrei aus. Ihr Eschenstab fuhr mit m�rderischer Wucht auf Shayas R�cken nieder. Doch die Prinzessin f�hlte den Schmerz kaum. Blut f�llte ihren Mund, und als sie schlie�lich von Malnigal fortgezerrt wurde, spuckte sie ein St�ck Fleisch aus.</p><p>�F�r diese Nacht geh�rt diese Hure euch�, zischte die Priesterin, bleich vor Wut und Schmerz. Malnigal presste eine Hand auf die blutende Wade. �Nehmt sie, sooft ihr wollt. Wenn sie morgen nur noch kriechen kann, ist das egal. Nur leben muss sie noch.�</p><p>Shaya hatte sich zusammengerollt, die Beine angezogen und die Arme vor der Brust gekreuzt. Sie dachte an Shen Yi Miao Shou, den Heilkundigen vom Seidenfluss, der auf Gehei� ihres Vaters ihre Jungfr�ulichkeit wiederhergestellt hatte und der sie gelehrt hatte, wie sie in eine sch�ne Erinnerung fl�chten konnte, um dem Hier und Jetzt ganz zu entfliehen.</p><p>Beinahe w�re es gelungen, da holten sie die Worte des Hirtenjungen in die Wirklichkeit zur�ck</p><p>�Ihr tut ihr gar nichts!� Breitbeinig stellte sich der Junge �ber sie, drohend seinen Hirtenstab erhoben. �Ich komme mit zum Haus des Himmels. Keiner von euch wird sie anr�hren. Sie geh�rt allein der Mutter der M�tter.�</p><p>Malnigal lachte h�hnisch. �Glaubst du, ich w�rde etwas tun, was die Mutter der M�tter nicht billigt.� Sie winkte den beiden J�gern. �Stopft ihm das Maul. Endg�ltig!�</p><p>Die beiden zogen ihre Messer und begannen grinsend und siegesgewiss, den Jungen zu umkreisen. Sie bewegten sich schnell und so, dass einer von ihnen stets im R�cken des Jungen war.</p><p>�Greif an!�, rief Shaya, die wusste, dass dies die einzige Hoffnung war, diesen ungleichen Kampf zu �berleben.</p><p>Der Hirte hob den Stab, um auf den J�ger vor ihm einzudreschen. Ein t�dlicher Fehler. Sein Gegner unterlief die Waffe, noch bevor der Junge zuschlagen konnte. Das Messer traf den Hirten in den Bauch. Blut spritzte auf wie eine dunkle Font�ne. Die Hauptader war durchtrennt. Der Hirte war tot, bevor er richtig begriffen hatte, was geschehen war.</p><p>Verzweifelt k�mpfte Shaya gegen ihre Fesseln an, doch sie erreichte nur, dass ihr das d�nne Leder immer tiefer ins Fleisch schnitt.</p><p>�Dein kleiner Prinz war wohl nur ein Maulheld.� Der J�ger packte das lange gelockte Haar des Hirten und zerrte den Leichnam hoch. �Schade, jetzt kann er nicht mehr zusehen, was richtige M�nner mit einem Weib anfangen.�</p><p>�Ich werde dich umbringen�, zischte Shaya. �Ich werde deine Leber an meine Hunde verf�ttern.�</p><p>�Gar nichts wirst du�, lachte der Mann, und Speicheltropfen spr�hten Shaya ins Gesicht. �Du bist keine Prinzessin mehr, verstehst du. Du bist jetzt unsere Hure.�</p><p>Der zweite J�ger packte sie von hinten und zerrte sie auf einen Felsblock. Dann schob er ihre Tunika hoch.</p></section><section><title><p>Eine Prinzessin des Reiches</p></title><p>Shaya konnte nicht sagen, wie lange sie schon eingesperrt war. Ein paar Stunden? Ein paar Tage? Die K�lte war tief in ihre Knochen gedrungen. Sie h�tte es nie f�r m�glich gehalten, aber sie sehnte sich nach der Zeit im Ziegenstall zur�ck. Dort hatte es wenigstens Licht gegeben. Und die Leiber der Tiere waren warm gewesen.</p><p>In dieser Zelle herrschte Finsternis. Sie musste irgendwo tief im Fels liegen. Genau erinnern konnte sie sich nicht mehr daran, wie sie hierhergekommen war. Jede Faser ihres Leibes war vom Schmerz versengt gewesen. Aber ihre Tr�ume hatten sie gerettet. Nicht nur die von Aaron. Auch davon, wie sie einst f�r ihren Vater auf der Trommel getanzt hatte. Damals war er stolz auf sie gewesen. Und sie w�rde ihn noch ein letztes Mal stolz machen. Sie w�rde nicht Hand an sich legen, ganz gleich, was sie ihr auch antaten. Selbstmord begehen hie�, den Kampf aufgeben. Sie war eine Kriegerin! Sie mussten sie schon umbringen. Brechen konnten sie sie nicht.</p><p>Shaya hob den Kopf�� da war ein Ger�usch. Schritte. Nicht die leisen Schritte der Priesterinnen. Feste, selbstbewusste waren das. Der Riegel scharrte, und einen Augenblick sp�ter stach glei�endes Licht wie Dolche in ihre Augen. Sie st�hnte auf. Schloss die Lider, doch das Licht brannte weiter, bis sie ihren Arm hochnahm und die Augen damit abschirmte.</p><p>�Was habt ihr mit ihr gemacht?�, fragte eine fremde Stimme emp�rt. �Sie ist eine Prinzessin des Reiches! Wie k�nnt ihr sie in dieses Rattenloch sperren?�</p><p>�Sie ist geflohen. Sie ist gef�hrlich, Unsterblicher.� Das war die Stimme Tabithas, der Mutter der M�tter.</p><p>�Ich will keine Ausfl�chte h�ren. Wenn sie fliehen konnte, dann habt <emphasis>ihr</emphasis> versagt. Holt sie hier raus. Wascht sie. Ich will sie in dem gro�en Zimmer sehen, in dem du mich empfangen hast. Und ich will, dass eure H�scher ebenfalls dorthin gebracht werden. Immerhin haben sie Shaya zur�ckgeholt. Und behandelt die Prinzessin mit mehr Respekt!�</p><p>Shaya konnte sp�ren, wie sich jemand n�herte, doch sie wagte nicht, den Arm von den Augen zu nehmen. Eine Hand strich �ber ihre Wange. �Es ist vorbei, Prinzessin. Euer Leiden hat ein Ende.�</p><p>Das war nicht Muwattas Stimme! Wer war der Fremde, den Tabitha Unsterblicher genannt hatte? Und was bedeuteten seine Worte? War der Winter schon vor�ber? War so viel Zeit verstrichen? Sie reckte stolz ihr Kinn vor. Wenn der Tag ihres Todes nun gekommen war, dann wollte sie wie eine Kriegerin sterben.</p><p>Aufrecht und ohne Angst.</p></section><section><title><p>Pferde</p></title><p>Das Licht machte ihr noch immer zu schaffen. Shaya hatte die Augen zu schmalen Schlitzen zusammengekniffen, Tr�nen rannen ihr �ber die Wangen, und die Wut dar�ber verbrannte sie schier. Dieses verdammte Licht! Sie konnte nichts dagegen tun. Das Zimmer war zu hell! Es war zu gro�, die W�nde zu wei� get�ncht. Nur die Decke war vom Ru� zweier Feuerschalen, die angenehme W�rme spendeten, gezeichnet.</p><p>Shaya gegen�ber stand ein h�nenhafter Krieger. Sie glaubte, ihn schon einmal gesehen zu haben. Jetzt erinnerte sie sich: Er war der Hauptmann von Kuruntas Leibwache gewesen. An seinen Namen erinnerte sie sich nicht. Hatte Muwatta ihn als ihren Henker geschickt?</p><p>Der Krieger hatte ein hartes Gesicht. Ein struppiges Wolfsfell hing von seinen Schultern. Sein pr�chtiger Glockenharnisch funkelte golden im Licht der Feuerschalen. Die H�nde �ber den Griff einer riesigen Keule gefaltet, sah er sie unverwandt an. Neben ihm stand die Mutter aller M�tter, hinter ihm die Leibwachen des Unsterblichen. Sie trugen pr�chtige rote Wollumh�nge. Doch keiner von ihnen war so gro� wie der H�ne mit der Keule.</p><p>�Ihr also seid Shaya.� Er deutete eine Verneigung an. �Ich habe Euch bislang nur von Ferne gesehen. Ich bedauere, dass man Euch so schlecht behandelt hat. Dies geschah ohne mein Wissen. Doch es war auch nicht klug zu fliehen.�</p><p>War das die Stimme, die sie im Kerker geh�rt hatte? Sie war sich nicht sicher. �Ich hatte entschieden, lieber auf der Flucht zu sterben, als l�nger wie ein Tier in einen Stall voller Ziegen gesperrt zu sein.�</p><p>�Unter Ziegen gesperrt?� Der H�ne sah auf Tabitha hinab. Die alte Priesterin wirkte neben ihm wie ein Kind mit der Haut von D�rrfleisch.</p><p>�Wir mussten sie bestrafen�, erkl�rte die Mutter der M�tter. Sie sah dem H�nen dabei selbstbewusst in die Augen. �Nichts geschah gegen den Willen Muwattas.�</p><p>�Mein Wille ist das nicht. Shaya ist das Weib des Unsterblichen, wenn auch nicht seine erste Frau. Sie hat den Rang einer Prinzessin des Reiches. Und wer eine Prinzessin zu Ziegen sperrt, der beleidigt mich und das Reich.�</p><p>Tabitha senkte dem�tig das Haupt. Es war das allererste Mal, dass Shaya sie so sah. Die Mutter der M�tter hatte Angst vor diesem Mann. Und was redete er da? Mich und das Reich?</p><p>�Wer bist du?�, platzte es aus ihr hervor.</p><p>Ein Raunen ging durch den Raum. Tabitha bedachte sie mit einem eisigen Blick. Hatte sie einen Fehler begangen?</p><p>�Ich bin Labarna. Nachdem es der allweisen I�ta gefiel, den Unsterblichen Muwatta noch auf dem Schlachtfeld von Kush zu richten, weil er unserem Reich Schande bereitet hatte, endschied sie, mir die Last der Herrschaft aufzub�rden. Ich bin der neue Unsterbliche von Luwien, Prinzessin. Und auch wenn nicht wir die Heilige Hochzeit feierten, so seid Ihr nach den Gesetzen Luwiens doch eine meiner Frauen.�</p><p>Shaya sah ihn argw�hnisch an. Noch nie war ein Unsterblicher gestorben! Das war ein Widerspruch in sich! Sie waren die Auserw�hlten der G�tter und standen nur eine Stufe unter ihnen. Erst als die Kriegerprinzessin die Angst in den rehbraunen Augen Tabithas sah, war sie �berzeug. Eine Last fiel von ihr. Alles hatte sich ver�ndert!</p><p>Sie war nicht l�nger die Gedem�tigte. Nun war sie es, die gef�rchtet wurde. Zumindest in dieser Stunde. Sie dachte an all die Dem�tigungen, die ihr hier widerfahren waren, und an den grausamen Mord an dem Hirtenjungen, der versucht hatte, sie zu verteidigen.</p><p>�Ich bedauere, Euch mitteilen zu m�ssen, dass dies nicht der Ort ist, der zu sein er vorgibt, mein Gemahl.� Shaya lie� Tabitha nicht aus den Augen und genoss den Anblick der aufkeimenden Panik in ihrem Gesicht.</p><p>�Was hei�t das?� Seine Worte waren k�hl gesprochen, durchdrungen von einer Ahnung von Grausamkeit dahinter. Labarna war ohne Zweifel ein Mann, der hart durchgriff, wenn er seinen Namen beschmutzt w�hnte.</p><p>�Ich wurde hier nicht allein wie Vieh behandelt�, begann sie und sah sich nach Malnigal um, doch die Priesterin war nicht anwesend. �Als ich auf der Flucht gefangen wurde���, Shaya stockte und rang mit ihren Gef�hlen. Es wollte ihr nicht gelingen, mit fester Stimme zu sprechen: ��� man hat die J�ger angewiesen, mich zu missbrauchen.�</p><p>Labarna erbleichte. �Ist das wirklich wahr?�</p><p>Shaya nickte, unf�hig ein weiteres Wort herauszubringen und aufgew�hlt �ber ihre Schw�che.</p><p>Der Unsterbliche wandte sich einem seiner Leibw�chter zu und forderte von diesem eine gro�e, doppelk�pfige Axt. Dann verlie� er das Zimmer mit weiten Schritten und lie� eisiges Schweigen zur�ck. Kurze Zeit sp�ter drangen laute Stimmen aus den G�rten zu ihnen empor.</p><p>Shaya r�hrte sich nicht von der Stelle, trat nicht an das weite Fenster, von dem aus sie h�tte sehen k�nnen, was drau�en vor sich ging. Niemand im Raum r�hrte sich. Nur Tabitha wandte den Kopf und sah sie unentwegt an. In ihren Augen lag ein stummes Flehen.</p><p>Shaya ignorierte es. Solange sie die Mutter der M�tter kannte, war sie kalt und grausam gewesen. Eine unbarmherzige Tyrannin, die auf jede Verfehlung�� ob eingebildet oder tats�chlich begangen�� nur eine Antwort gekannt hatte: h�rteste Strafen! Nun sollte sie erleben, was es hie�, ausgeliefert zu sein.</p><p>Shaya stand ganz gerade, obwohl sie seit der Nacht der erneuten Vergewaltigung das Gef�hl hatte, ein �tzender Eisblock verzehre sie langsam von innen heraus. Es war allein die Aussicht auf Rache, die ihr die Kraft gab, sich aufrecht zu halten. Langsam gew�hnten sich ihre Augen an das Tageslicht, das bei Weitem nicht so hell war, wie es ihr anfangs erschienen war. Sie betrachtete Tabitha so lange mit kaltem Blick, bis diese die Augen senkte. Die Mutter der M�tter hatte begriffen, wie t�richt es war, auf Schonung zu hoffen.</p><p>Als Labarna zur�ckkehrte, waren seine bronzenen Beinschienen und sein Wickelrock mit Blut bespritzt. �Wer hat Euch noch schlecht behandelt, meine Gemahlin?�</p><p>Es war eigenartig, von einem Mann, den sie vor diesem Tag noch nie bewusst wahrgenommen hatte, Gemahlin genannt zu werden. Dennoch, das anf�ngliche Hochgef�hl, kein ohnm�chtiges Opfer mehr zu sein, war verflogen. Und so antwortete sie m�de:</p><p>�Wollen wir unter vier Augen �ber das Haus des Himmels reden? Ich m�chte nicht, dass dieser ehrw�rdige Ort Schaden nimmt, weil einzelne Priesterinnen pflichtvergessen waren. Was ich zu sagen habe, ist nicht f�r die Ohren Eurer Krieger bestimmt.� Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Tabitha zu schlottern begann, als habe sie ein Fieber gepackt.</p><p>Labarna runzelte die Stirn, dann scheuchte er alle mit einer ungeduldigen Handbewegung aus dem Raum. �Geht!�</p><p>�Wer noch?�, fragte er, kaum dass die T�r geschlossen war. Und Shaya erz�hlte, wie sie an diesem Ort wieder und wieder gedem�tigt worden war. Sie wollte, dass Labarna verstand, warum sie geflohen war. Anfangs fand sie stockend die Worte, dann aber redete sie sich mehr und mehr in Rage.</p><p>Es war dem Unsterblichen anzusehen, dass das Geh�rte ihn fassungslos und zornig machte. Als sie endete, hielt er ihr die blutige Axt hin. �Ich habe von Euch geh�rt, Prinzessin. Ich wei�, dass Ihr M�nner in Schlachten gef�hrt habt und Euch mit Eurem Mut und Eurem K�nnen Respekt erworben habt. Wollt Ihr selbst den Tod zu Euren Feinden bringen, meine Gemahlin?�</p><p>Sie z�gerte. Von einem Augenblick wie diesem hatte sie in den letzten Wochen nicht einmal zu tr�umen gewagt. Aber war ein schneller Tod nicht zu gn�dig? Sie konnte sich gut an die zahlreichen Hinrichtungen am Wandernden Hof erinnern, denen sie als Kind beigewohnt hatte. Vierteilen, langsames Erdrosseln, K�mpfe mit wilden Tieren. Ihr Vater hatte es immer geliebt, seinen Feinden auf vielerlei Art den Tod zu schenken. Pf�hlen war die grausamste aller Todesstrafen. Manchmal ging es schnell, aber einmal hatte es mehr als zwei Tage gedauert, bis ein hagerer, kleiner J�ger, der Pferde gestohlen hatte, voller Erleichterung seinen letzten Seufzer tat.</p><p>�Pf�hle�, sagte sie leise. Das w�re die angemessene Strafe f�r zwei Frauen, denen es Freude bereitet hatte, sie vergewaltigt zu sehen.</p><p>Shaya hatte nicht den geringsten Zweifel daran, dass die �bergriffe der J�ger auf Tabithas Befehl geschehen waren. Malnigal h�tte es niemals gewagt, ohne die Zustimmung der Mutter der M�tter zu handeln.</p><p>�Was sagtet Ihr? Ich habe Euch nicht verstanden.�</p><p>Shaya sah in das harte Gesicht ihres neuen Gemahls. Er wollte ein mahnendes Beispiel schaffen, um seine Herrschaft zu festigen. Ein Satz von ihr und ihre Rachetr�ume w�rden Wirklichkeit werden. �Ich sagte Pferde.�</p><p>�Pferde?�</p><p>�Mein Brautpreis war eine riesige Herde Pferde. Die k�niglichen St�lle Luwiens sind ber�hmt f�r ihre starken Hengste. Ich w�nsche, dass die Mutter der M�tter und ihre Handlangerin Malnigal ihre restlichen Tage damit verbringen, k�nigliche Pferdest�lle auszumisten.�</p><p>Er seufzte. �Dieses milde Urteil h�tte ich von Euch nicht erwartet. Ihr �berrascht mich. Ich hatte geh�rt, dass Ihr Eure Feinde nicht am Leben lasst.�</p><p>�Ihr haltet mich f�r gn�dig? Von Tabitha habe ich gelernt, was der Unterschied zwischen einer schnellen, harten Strafe und langanhaltender Dem�tigung ist. Ich w�nsche, dass sie ihre Lektionen am eigenen Leib erf�hrt. Was sie mir antun lie�, werde ich bis ans Ende meiner Tage als offene Wunden auf meiner Seele tragen�� T�uscht Euch nicht, mein Gemahl, meine Tage hier im Haus des Himmels haben mich h�rter und unnachgiebiger als zuvor gemacht.�</p><p>Labarna musterte sie schweigend.</p><p>Shaya ahnte, dass sie zum Erbarmen aussehen musste. Sie hatte nicht so viel Zeit in dem lichtlosen Keller verbracht, wie sie anfangs geglaubt hatte. Es waren h�chstens zwei Tage, das erkannte sie am Zustand der Sch�rfwunden und Prellungen. Nicht lange genug, dass alles verheilen konnte.</p><p>�Ich kann Euch nicht freilassen, Ihr wisst das�, sagte er schlie�lich. �Ihr h�ttet es verdient, aber ich schulde meinem Volk Euren Tod. Jedes Kind in Luwien kennt die Geschichte der Heiligen Hochzeit. Empf�ngt die Braut ein Kind, dann wird alles gut, und unseren �ckern werden reiche Ernten beschert werden.�</p><p>Shaya nickte. Dann erg�nzte sie mit tonloser Stimme, was er �ber das Ritual der Himmlischen Hochzeit noch ausgelassen hatte: �Bleibt die Braut aber unfruchtbar, ist dies ein schlechtes Omen f�r das Reich. Dann muss sie ihr Leben geben. Ihr Blut muss in die Ackerfurchen verstr�men und ihre Asche �ber dem Land verstreut werden, nur das vermag die Missernten abzuwenden. Eure Traditionen verlangen meinen Tod.�</p><p>�Und es ist I�tas Wille. Kein Mensch vermag Euer Schicksal zu wenden. Nicht einmal meine Macht als Unsterblicher k�nnte dies bewirken. Aber ich kann erreichen, dass Ihr in den Tagen bis zu Eurem Tod mit Respekt behandelt werdet, dass Ihr gut untergebracht seid und es Euch an nichts fehlt.�</p><p>Shaya l�chelte bitter. �An nichts, au�er an Freiheit.�</p><p>�Ich werde Euch anketten lassen, damit Ihr nicht noch einmal flieht, meine Gemahlin. Soll diese Kammer k�nftig Euer Gef�ngnis sein?�</p><p>Shaya sah sich um. Sie w�rde sein Angebot annehmen. Ihr war bewusst, dass er versuchte, es ihr so angenehm wie m�glich zu machen, und dass er auf ihre Flucht reagieren musste. �Ich bin mit allem einverstanden, wenn Ihr mir zwei W�nsche erf�llt.�</p><p>Sofort flackerte Misstrauen in seinen Augen auf.</p><p>�Tragt sie vor�, forderte er k�hl.</p><p>�Ich w�nsche, dass die Priesterin Kara von nun an die Mutter der M�tter im Haus des Himmels sein soll. Sie ist jung und hat ein weiches Herz. Ihr werdet sie mit dieser Entscheidung zu Tode erschrecken. Sie h�tte dieses Amt niemals haben wollen, aber ich bin mir sicher, sie wird es gut und gewissenhaft erf�llen.�</p><p>�Dieser Wunsch sei Euch gew�hrt. Was wollt Ihr noch?�</p><p>�Es hei�t, der Ort, an den Eure Toten gehen, sei eine H�hle tief unter der Erde. Und dort herrsche ewige Finsternis.�</p><p>�Den Gro�en Schatten nennen wir es. Die Weisen und Priester beschreiben ihn so, wie Ihr sagt. Wenn es f�r die Augen nichts zu sehen gibt, dann wendet sich unser Blick nach innen. Und wenn wir reinen Herzens waren, dann finden wir dort ein Licht. Die meisten sind also zu einer Ewigkeit in Finsternis verdammt.�</p><p>�Es gab einen Jungen, der mich verteidigt hat, als mir die beiden J�ger den letzten Rest meines Stolzes nehmen wollten. Ein Hirte. Er hat daf�r mit seinem Leben bezahlt. Er liegt einen halben Tagesmarsch von hier auf einem �den Hang als Fra� f�r die Aasv�gel. Ich w�nsche, dass er begraben wird und ihm eine �llampe f�r seine letzte Reise mitgegeben wird. Ich wei� wenig �ber sein Herz, aber mein Herz w�re mir leichter, wenn ich w�sste, dass es f�r ihn im Gro�en Schatten immer ein Licht geben wird.�</p></section><section><title><p>Der Prediger</p></title><p>Bidayn hielt mit klopfendem Herzen inne und sah der Seidenen nach, die gerade in einen engen Seitentunnel abgebogen war. F�r ihren Ausflug in das Netz verborgener G�nge hatte Zarah schlichte Gew�nder angelegt und ein graues Tuch um Kopf und Schultern gelegt. Ihr Gesicht war ungeschminkt. Sie war nicht mehr wiederzuerkennen. Noch immer war sie eine sch�ne Frau, aber durch ihren geduckten Gang und die sch�bigen Kleider hatte sie alles, was sie unter den Menschenkindern hervorhob, verloren. Sie w�rde in einer Menge nicht auffallen, sondern unsichtbar werden. Auf ihre Art war auch sie eine Zauberweberin.</p><p>Der Gestank der Algen, die die W�nde hier unten �berzogen, war atemberaubend. Auf dem ersten St�ck des Weges hatte Bidayn gedacht, sie m�sse umkehren. Aber dann hatte doch ihre Neugier gesiegt. Sie war Zarah heimlich durch das Loch in der Kellerwand gefolgt. Wohin ging ihre geheimnisvolle Gastgeberin? Die junge Elfe h�tte sie gerne n�her kennengelernt. Sie war so anders als all die anderen Menschenkinder. Voller Stolz und Erhabenheit. Zweimal hatte Bidayn mit ihr gesprochen, aber jeweils nur kurz. Die Seidene mied sie. Sie hatte sie und ihre Gef�hrten nicht aus freien St�cken in ihrem Haus aufgenommen. Aber wer gab Zarah Befehle?</p><p>Bidayn bog nun ebenfalls in den Seitentunnel ein. Sie entdeckte einen verschwommenen, gr�nen Kreidefleck an der Wand. Darunter war eine Gruppe tanzender Strichm�nnchen gemalt. War das eine geheime Botschaft?</p><p>Schritte lie�en Bidayn aufschrecken. Die Tunnel und Kan�le verzerrten Ger�usche, doch sie war sich sicher, dass sich jemand von hinten n�herte. Jetzt h�rte sie auch Stimmen.</p><p>Eilig lief sie in die Richtung, in der die Seidene verschwunden war, und versuchte, die aufkeimende Panik zu beherrschen. Es war v�llig unm�glich, dass man sie hier in eine Falle gelockt hatte. Zarah wusste nicht, dass sie ihr folgte!</p><p>Sie erreichte einen Kanal, durch den tr�ge eine dunkle, stinkende Br�he floss. Bidayn hatte kein Licht mitgenommen, aber sie hatte immer schon gut im Dunkeln sehen k�nnen. So blieb ihr nicht verborgen, dass es hier keine M�glichkeit mehr gab, noch trockenen Fu�es voranzukommen. Hinter ihr hallte helles Lachen durch die Kan�le. Das waren ganz gewiss keine Verfolger. Dennoch hatte die Elfe kein Interesse herauszufinden, was sie stattdessen waren. Sie musste in das Abwasser steigen!</p><p>Die warme Br�he reichte ihr bis �ber die Kn�chel, und als Bidayn sich vorw�rtsbewegte, stieg ein F�kaliengestank auf, der sie fast ohnm�chtig werden lie�. Sie hielt sich die Nase zu und atmete nur noch flach durch den Mund.</p><p>In Spalten im Gem�uer gl�nzten dunkle Augen. Ratten? Etwas streifte ihr linkes Fu�gelenk. Das war keine Ratte gewesen! Was mochte in dieser Drecksbr�he �berleben? Sie beschleunigte kurz ihre Schritte, hielt dann jedoch wieder inne. Der Boden im Kanal war zu rutschig. Eine z�he, seifige Masse bedeckte ihn. Bidayn stellte sich vor, wie es w�re, hier zu st�rzen. Wie das Kloakenwasser ihr ins Gesicht und in die Augen spritzte. Nein, Eile konnte sie sich nicht leisten.</p><p>Vorsichtig, immer einen sicheren Stand suchend, tastete sie sich durch das Dunkel des Kanals. Wieder glitt etwas um ihre Kn�chel. Was war das? Sie dachte an die Blutegel in den S�mpfen. Man merkte gar nicht, wie sie sich an der Haut festsaugten. Sie mussten wohl irgendein bet�ubendes Gift verwenden. Vielleicht konnte das auch anderweitig von Nutzen sein? Bei der Wundbehandlung auf dem Schlachtfeld vielleicht? Wenn man den Verletzten auf diese Weise vor�bergehend die Schmerzen nehmen k�nnte, w�rde es ihre Behandlung erleichtern. Bidayn war keine Heilerin, �ber Wundpflege wusste sie nur wenig, aber sich in abstruse Gedanken zu fl�chten, half, die Schrecken der Abwasserkan�le zu verdr�ngen.</p><p>�Schwester?�</p><p>Ein mattes Licht leuchtete neben ihr auf und enth�llte den etwas h�her gelegenen Einstieg zu einem Seitentunnel, den sie ganz �bersehen hatte. Ein alter Mann, dem ein Kranz grauer, str�hniger Haare von seinem fast kahlen Sch�del hing, empfing sie mit zahnlosem L�cheln. �Hier entlang, Schwester. Den Einstieg zu den drei Bl�ten �bersieht man leicht.�</p><p>Sie nickte und hoffte, dass ihr der Menschensohn im Halbdunkel nicht allzu deutlich ihre Verwirrung anmerkte. Drei Bl�ten? Was sollte das sein?</p><p>�Du musst dich beeilen. Bruder Barnaba wird gleich mit seiner Predigt beginnen.�</p><p>�Danke�, sagte sie knapp und zw�ngte sich an ihm vorbei. Dieser <emphasis>Bruder</emphasis> trug nur ein ausgefranstes Tuch um die H�ften und war bis auf die Knochen abgemagert. Was wohl derart an ihm zehrte? Bidayn achtete darauf, ihn nicht zu ber�hren.</p><p>Wie immer trug sie d�nne Handschuhe, um ihre vernarbten H�nde zu verbergen, und hatte ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Ihr war klar, dass sie auff�llig angezogen war, viel zu warm f�r die schw�le Hitze in den Abwasserkan�len, aber der Menschensohn schien sich nicht daran zu st�ren.</p><p>�Beeil dich, mein Kind�, sagte er lediglich und l�chelte sie aus freundlichen, braunen Augen an. Dann schirmte er seine mit dunklem Schmier bedeckte �llampe mit einer Holzschale ab, sodass es wieder dunkel wurde.</p><p>Bidayns Nachtsicht war durch das Licht verloren. Sie lie� die Linke �ber die Tunnelwand gleiten und tastete sich voran. Bald h�rte sie das leise Raunen vieler Stimmen. Ihr Kanal m�ndete in einen Tunnel, an dessen Ende Licht zu sehen war.</p><p>Zwei drahtige M�nner mit wilden B�rten stiegen aus einem weiteren Seitentunnel. Ihre Beine waren bis zu den Knien mit Schlamm und F�kalien bedeckt. Sie l�chelten ihr zu, nickten und gingen dann auf das Licht am Ende des Tunnels zu.</p><p>Bidayn folgte ihnen. �berall an die W�nde waren nun unf�rmige Flecken mit gr�ner Kreide gemalt. Zweimal sah sie auch die tanzenden Strichm�nnchen. War sie in eine geheime Zusammenkunft der Menschenkinder geraten, die die Gr�nen Geister wie G�tter anbeteten? Geh�rte Zarah zu diesen Verschw�rern? Was hatte eine Menschentochter, die ihren Reichtum in vollen Z�gen genoss, mit diesen Bettlern zu schaffen? Ihre Sorge war Neugier gewichen. Niemand wunderte sich, hier Frauen zu sehen, obwohl sie im Stadtbild so gut wie nie auftauchten. Bidayn sp�rte, hier galten andere Gesetze als �ber der Erde.</p><p>Der Tunnel m�ndete in einer gro�en, von S�ulen gest�tzten Zisterne. Die schwarze Wasserfl�che verlor sich in der Finsternis. Im Licht von Fackeln und �ll�mpchen, die einige Menschenkinder mitgebracht hatten, sah die Elfe, dass der Uferabschnitt, an dem sie stand, als breite Treppe gestaltet war. Und auf diesen Stufen hatten sich Hunderte Menschenkinder eingefunden. Die meisten von ihnen waren zerlumpt, doch nicht alle. Am meisten verwunderte Bidayn, dass etwa die H�lfte der Versammelten Frauen waren. Manche hatten sich grell geschminkt und verbargen unter weiten Umh�ngen anz�gliche Kleider, die ihre Br�ste von Stoff unbedeckt lie�en. Andere waren augenscheinlich die Ehefrauen reicher Kaufherren. Seite an Seite standen sie mit Lastentr�gern aus den Frachth�fen, Fischern, Bauern und kleinen Handwerkern.</p><p>Die leisen Gespr�che in der Menge wurden durch die besondere Akustik der Zisterne zu einem Brausen, das an Meeresbrandung an einem st�rmischen Tag erinnerte. Bidayn zog sich auf die oberste Treppenstufe zur�ck und lie� ihren Blick schweifen. Sie konnte Zarah nicht entdecken. War nicht diese Zisterne ihr Ziel gewesen? War sie an dem alten Mann etwa vorbeigegangen?</p><p>Bidayn musterte den Kanal, aus dem sie getreten war. Es mussten �berlaufrohre sein, durch die die Zisterne geleert wurde, wenn der Wasserstand zu hoch war. Wie konnte man Trinkwasser nur mit den Abwasserkan�len verbinden? Unwillk�rlich musste sie l�cheln. Wieder suchte ihr Verstand irgendeine Banalit�t, um sich von der Gefahr abzulenken. Es mussten mehr als dreihundert Menschenkinder in der Zisterne versammelt sein. Wenn sie hier unten nur den geringsten Fehler machte, w�re sie tot! Diese Sekte, die sich den Gr�nen Geistern verschrieben hatte, wurde verfolgt. Sie galt als grausam und unberechenbar. Doch als Bidayn erneut den Blick �ber die Gesichter der Menschenkinder wandern lie�, stutzte sie. Was sie sah, passte nicht zu den Ger�chten �ber die Gr�nen: Sie wirkten friedlich.</p><p>Pl�tzlich verstummte das Raunen. Weit drau�en auf der dunklen Wasserfl�che der Zisterne war ein Licht erschienen.</p><p>�L�scht die Lichter�, rief irgendjemand in der Menge. Fackeln erstickten zischend im Wasser. Die Flammen von �ll�mpchen wurden zwischen schwieligen Fingern zerdr�ckt.</p><p>�Er kommt�, fl�sterte der Mann neben Bidayn. Dabei sah er sie nicht an. Sein Blick war auf das ferne Licht gerichtet, sein Antlitz verz�ckt. �Er kommt, der Auserw�hlte�, murmelte er noch einmal.</p><p>Der flache Nachen war bis auf drei�ig Schritt herangekommen. Ein gro�er, junger Menschensohn stakte ihn durch das dunkle Wasser. Neben ihm kniete eine Frau in einem makellos wei�en Gewand. Bidayn stockte der Atem. Es war Zarah, und es war sie auch wieder nicht! Nun sah sie wie ein junges, unschuldiges M�dchen aus. Nichts war von der verf�hrerischen Frau geblieben, der die M�chtigen der Stadt zu F��en lagen. Und nichts von der Verkleidung, mit der sie in die Tunnel geschl�pft war. Hinter ihr, aufrecht stehend, blickte ein hagerer Mann mit zerzaustem Bart der Menschenmenge entgegen. Er trug eine schlichte, graue Tunika. Er hatte etwas an sich, das Bidayn nicht in Worte fassen konnte. Man konnte den Blick nicht von ihm abwenden. Jede seiner Gesten schien eine Verhei�ung. Er war eins mit sich und dieser Welt. Menschgewordene Harmonie.</p><p>�Meine Kinder�, sagte er und weitete die Arme, als wolle er sie alle umfangen. �Wieder seid ihr mehr geworden. Ihr macht das Herz unserer Mutter weit vor Freude.�</p><p>Ein Schauer �berlief Bidayns ganzen K�rper. Sie war versucht, ihr Verborgenes Auge zu �ffnen. Konnte dieser Mann Zauber weben? Es hie�, den Menschenkindern sei diese Gabe auf immer verweigert. Doch bei ihm schien das anders.</p><p>Fasziniert lauschte Bidayn seinen Worten. Mit voller, warmer Stimme sprach er von der Liebe zu allem Lebenden und dass die Natur sich gegen die Menschen wenden w�rde, wenn sie weiterhin so tiefe Wunden in das Land schlagen w�rden. Er verglich das Land mit dem Leib der gro�en G�ttin.</p><p>�Was macht ihr, wenn euch eine Laus bei�t?�, rief er den Gl�ubigen zu. �Ihr werdet sie zerquetschen! Aber um wie viel kleiner sind wir als L�use. Und was macht ihr, wenn ihr L�use jagt? Ihr sucht nach den Stellen, wo viele von ihnen sind, sucht nach den Nissen. Wo aber sind viele von uns? In den St�dten, bei den Tempeln, deren verblendete Priester nicht die Wahrheit dieser Welt begriffen haben! Nangog wurde nicht f�r Devanthar oder G�tterdrachen erschaffen. Ihre Macht ist hier begrenzt, und wenn Nangog sich nur ein einziges Mal im Schlaf bewegt, dann f�llt der Kopf des L�wenh�uptigen. Sie wird sich wieder regen. Sie beginnt zu erwachen. Es ist jemand gekommen, der sie wecken wird!�</p><p>Bidayn hatte das Gef�hl, dass der Priester bei diesen Worten genau in ihre Richtung sah. Sie zwang sich zur Ruhe. Sie durfte jetzt nichts Auff�lliges tun.</p><p>Der Nachen hatte die breite Ufertreppe fast erreicht. Etliche der Gl�ubigen traten ins Wasser. Sie streckten dem Priester die H�nde entgegen, wollten von ihm ber�hrt werden, um ihn mit allen Sinnen zu erfassen.</p><p>�Nangog wei� um dich, Amur. Und um dich, Elias, und auch um Tarak und Baidur. Die G�ttin kennt eure Schw�chen wie auch eure Ergebenheit. Und sie hat zu mir gesprochen in dieser Nacht. Euch allen soll ich eine Botschaft ausrichten. Dir, Noram, und dir, Sakur.�</p><p>Er schien jeden Einzelnen mit Namen zu kennen. Der Priester sprang vom Boot und verschwand in der Menschenmenge. Der Mann, der den Nachen zum Ufer gestakt hatte, versuchte, den Priester von der begeisterten Menschenmenge abzuschirmen. Er sah jung und stark aus, dem Enthusiasmus Hunderter hatte aber auch er nichts entgegenzusetzen.</p><p>Bidayn stand immer noch auf der h�chsten Treppenstufe, doch das Gew�hl aus Menschen konnte sie nicht �berblicken. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen. Wo war Zarah? Eben noch war sie an der Seite des Predigers gewesen. Hoffentlich geschah ihr nichts in diesem Durcheinander. Ihrer wunderbaren Haut.</p><p>Bidayn hatte sie einmal ber�hrt, als Zarah ein Kleid getragen hatte, das ihren R�cken fast v�llig freigelassen hatte. Sie hatte den Namen die Seidene wahrlich verdient, denn zart wie Seide war auch ihre Haut. Die junge Elfe tr�umte davon, auch eines Tages eine solche Haut zu haben. Lyvianne hatte Andeutungen gemacht, dass sie Zauber weben k�nne, die ihr so eine Haut schenkten. Doch dazu m�sste Bidayn die dunkleren Pfade ihrer Kunst beschreiten. Sie blickte �ber das Meer aus zuckenden Armen, das den Prediger umbrandete. So viele Menschenkinder gab es. Wer w�rde zwei oder drei von ihnen vermissen?</p><p>�Nangog kennt jeden Einzelnen von euch�, rief der Prediger, als habe er ihren Gedanken gesp�rt.</p><p>�Im Namen der G�ttin bitte ich die Furchtsamen unter euch, verlasst die Stadt! Nehmt jene mit, die euch nahestehen. Meidet jegliche Siedlung, aber auch Berge, die K�sten und das Meer. Flieht in die weiten Ebenen. Wessen Glaube aber so fest wie der Fels ist, auf dem wir stehen, der m�ge bleiben. Denn sein Glaube wird sein Schutzwall sein und ihn vor allem �bel bewahren. Wer bleibt, der wird sehen, wie Nangog sich erhebt. Die f�nf sind nah, von denen schon in alter Zeit verhei�en wurde, dass sie Nangogs Fesseln zerschlagen werden.�</p><p>Bidayn zog sich in die M�ndung des Kanals zur�ck, der sie in die Zisterne gef�hrt hatte. Sie musste die anderen warnen! Woher wusste der Prediger von ihnen? War es die Seidene oder wirklich Nangog, die aus ihm sprach? Doch wer auch immer es gewesen war, nun mussten sie sich beeilen, denn die Kunde �ber die F�nf w�rde sich �berall in der Stadt unter den Anh�ngern der Gro�en G�ttin verbreiten. Und diese Menschenkinder waren Verfolgte. Was, wenn einer von ihnen unter der Folter �ber die F�nf sprach? Sie waren nicht vollkommen unbemerkt in die Goldene Stadt gelangt. Mindestens das Narbengesicht Kolja und die Leibwachen des Statthalters von Valesia hatten sie kommen sehen. Sie konnten nicht l�nger im Haus der Seidenen bleiben!</p><p>�In einer Woche treffen wir uns bei den f�nf Lotusbl�ten, meine Br�der und Schwestern. Dort wird uns die schlafende G�ttin ihre Macht offenbaren. Sie wird ein Wunder wirken und all jene retten, deren Glauben fest und unverr�ckbar ist.�</p><p>Bidayn wandte sich ab und eilte durch den Kanal davon. Niemand beachtete sie, da noch alle Augen auf dem Prediger ruhten. Sie begann zu laufen. Sie musste mit Nandalee sprechen und ihre Gef�hrten warnen. Ihnen zerrann die Zeit zwischen den Fingern.</p><p>Ihre Anwesenheit war nicht l�nger geheim, und es war nur noch eine Frage des Gl�cks, wie lange sie unentdeckt blieben.</p></section><section><title><p>Die Verr�terin</p></title><p>Arcumenna strich sanft �ber den R�cken der Seidenen. Er hatte sie mehr vermisst, als gut f�r ihn war. �Du warst zu lange fort.�</p><p>Zarah drehte sich halb zu ihm um und schenkte ihm einen dieser Blicke, die ihn in Flammen setzten. �Ich hatte auch Sehnsucht nach dir.�</p><p>Keiner anderen Hure glaubte er ihre L�gen so gern wie Zarah. Sie war eine Meisterin der Illusion. Wenn sie bei ihm war, hatte er stets das Gef�hl, sie sei eine junge Landadelige, mit der er eine heimliche Aff�re pflegte. Er war mindestens zwanzig Jahre �lter, aber wenn Zarah ihn so ansah, fiel das Alter von ihm ab. Er zog sie an sich, genoss es, ihren warmen Leib zu sp�ren. �Was hast du �ber Kolja herausgefunden? Steht er noch unter dem Schutz des Unsterblichen Aaron?�</p><p>�Ich glaube nicht. Er geh�rt nicht mehr zur Leibwache des Unsterblichen, und die meisten der Zinnernen sind mit ihm gegangen. Sie scheinen aber den Unsterblichen nicht im Streit verlassen zu haben. Ihr Soldvertrag endete.�</p><p>Er streichelte weiter ihren R�cken. Arcumenna konnte besser denken, wenn er eine sch�ne Frau im Arm hatte, die ihn zuvor von jenen S�ften befreit hatte, die den Verstand eines Mannes die verr�cktesten Kapriolen schlagen lie�en. Es war ihm schwergefallen, Zarah in die Intrige gegen Kolja einzubinden. Aber ihm war klar gewesen, dass der Drusnier sie sich auf jeden Fall schnappen w�rde. Es war nur folgerichtig, dass sich ein Lude die beste Stute in seinem Stall ganz genau ansah.</p><p>�Hat er deine Geschichte geglaubt?�</p><p>Zarah lachte. �Ehrlich gesagt war ich verbl�fft, wie genau du dich in die Gedanken dieses Schl�gers hineinversetzen konntest. Ich habe ihn warten lassen, und er hat ganz genau das getan, was du vorausgesagt hast. Er hat sich den armen Kerl geschnappt, den du zu meinem Bruder gemacht hast, und mich mit ihm erpresst. Er hat ihm sogar einen Finger abgeschnitten, damit ich sehe, wie ernst es ihm ist. Danach bin ich zusammengebrochen und habe mich ihm unter Tr�nen gef�gt.� Sie lachte erneut ihr glockenhelles, entz�ckendes Lachen. �Er hat alles geglaubt, mein Meister der T�uschung.�</p><p>�Es ist eine Sache, sich etwas auszudenken, und eine ganz andere, so eine T�uschung Wirklichkeit werden zu lassen. In unserem Fall mag geholfen haben, dass wir sehr nahe bei der Wahrheit bleiben konnten.�</p><p>Zarah war tats�chlich die Frau eines �bersetzers am Platz der Tausend Zungen geworden, nachdem ihr Bruder einen Unfall gehabt hatte. Nur hatte ihr wirklicher Bruder diesen Unfall nicht �berlebt. Den Jungen, den Kolja nun f�r Zarahs Bruder hielt, hatte Arcumenna in einem der Siechenh�user der Stadt gefunden. Er w�rde sich niemals verplappern, da er seinen Verstand verloren hatte. Mochte Kolja mit ihm machen, was er wollte. Er war einzig und allein von Bedeutung, um dem Drusnier vorzugaukeln, er habe Zarah fest in der Hand, und dass sie nicht wagen w�rde, etwas gegen seinen Willen zu unternehmen.</p><p>H�tte sie Kolja nicht den falschen Bruder geliefert, h�tte er so lange gesucht, bis er vielleicht tats�chlich eine Schwachstelle Zarahs gefunden h�tte. Jeder Mensch hatte einen wunden Punkt.</p><p>Arcumenna lie� seinen Blick �ber den vollkommenen Leib seiner Geliebten wandern. Er kannte Zarah erst seit etwas mehr als einem halben Jahr, aber nie zuvor war er einer Frau so sehr verfallen. Vielleicht war es gut, dass er sie nur selten sehen konnte, solange Kolja nicht aus der Welt geschafft war. Der Laris von Truria wollte sich erst ganz sicher sein, dass der Unsterbliche Aaron in keinster Weise in die Gesch�fte des Drusniers verwickelt war. Eigentlich war nicht vorstellbar, dass ein Unsterblicher etwas mit Freudenh�usern zu tun hatte. Aber bei M�nnern aus Aram konnte man nie wissen. Sie waren kompliziert und nicht so wunderbar vorhersehbar wie die Drusnier.</p><p>Es war nicht normal, dass ein Herrscher einen Mann wie Kolja zum Hauptmann seiner Leibwache machte. Und noch verr�ckter waren die Dinge, die er �ber die Landreform geh�rt hatte, die Aaron plante. Auch h�tte er niemals geglaubt, dass der Unsterbliche Arams mit seinem Bauernheer gegen Muwatta h�tte siegen k�nnen. Bei so einem Mann musste er vorsichtig sein! Alles war bei ihm m�glich. Auch dass er wusste, dass Teile seiner Leibwache alle Freudenh�user der Goldenen Stadt unter ihre Kontrolle gebracht hatten.</p><p>Und sosehr Arcumenna darauf aus war, den M�rder seines Freundes Leon zu richten, so musste er doch vorsichtig sein. Einen Unsterblichen wollte er nicht provozieren. Aaron war ein Mann, der einen Krieg mit Valesia anfangen w�rde, sollte er den Verdacht haben, dass einer seiner Vertrauten durch den Heermeister des Reiches umgebracht worden war. Er war zu impulsiv f�r einen Herrscher. Ganz und gar von seinen Gef�hlen gesteuert. Ein Mann Arams eben.</p><p>�Morgen muss ich zu Subai. Kolja hat es befohlen. Er w�nscht, dass ich meine Freundschaften zu den Statthaltern weiter pflege. Dass ich jetzt hier bin, war ebenfalls sein Wunsch.�</p><p>Arcumenna versetzte der Gedanke einen Stich, dass die sch�ne Zarah morgen in den Armen eines Wilden liegen w�rde. Und zwischendurch vielleicht noch einmal im Bett dieses Fleischkopfes. Er sollte die Sache mit Kolja so schnell wie m�glich erledigen�� dann w�rde Zarah ihm ganz allein geh�ren!</p><p>�Was machst du f�r ein Gesicht?� Zarah k�sste ihn sanft auf die Stirn. �Glaubst du etwa, ich sei gern bei Subai? Der Kerl stinkt immer nach Pferd. Und er ist��� Sie stockte kurz. �Er mag es, Frauen zu qu�len. Einmal hat er mich zusehen lassen, wie eine seiner Sklavinnen ausgepeitscht wurde, bis ihr die Haut in Fetzen vom R�cken hing. Danach hat er mich wild und leidenschaftlich genommen. Er muss Blut vergie�en, um seine M�nnlichkeit zu beleben. Ich wei� nicht, was mit ihm los ist. Er macht mir Angst. Ich habe einmal geh�rt, eine j�ngere Schwester von ihm habe ihn bei einem Pferderennen unter den Augen ihres Vaters besiegt. Sie soll eine gro�e Kriegerin gewesen sein, die von all ihren Gefolgsleuten respektiert wurde. Immer vor Augen zu haben, wie sie alles erreichte, wovon er immer tr�umte, scheint einen dunklen Schleier �ber seine Seele gelegt zu haben.�</p><p>Arcumenna kannte Subai von Empf�ngen und den gro�en Tempelfesten. Er hielt nichts von ihm. Der Ischkuzaia wurde nicht respektiert, nur gef�rchtet. Und bislang hatte er keinen gl�nzenden Sieg an seine Standarten heften k�nnen. Er war ein b�sartiger Weichling! �Ich habe daf�r gesorgt, dass er wei�, dass du auch meine Geliebte bist.�</p><p>Die Seidene sah ihn erschrocken an. �Ich m�chte nicht in eure Machtspiele hineingezogen werden.�</p><p>�Das bist du doch schon l�ngst.� Ihm gefiel es, sie �ngstlich zu sehen. Das kam sehr selten vor.</p><p>�Und wenn er mir etwas antut, um dich zu treffen? Du wei�t nicht, wie diese wilden Pferdem�nner denken!�</p><p>�Wilde sind immer ganz einfach�, beruhigte Arcumenna sie l�chelnd. �Ganz gleich, ob es Drusnier sind oder die stinkenden Steppenreiter aus Ischkuza. Er wird es nicht wagen, mich zu provozieren. Er kennt mich. Er wei�, dass ich in sieben gro�en Schlachten und in dreiundzwanzig Scharm�tzeln stets siegreich war. Wann immer ich das Schwert f�r Valesia f�hrte, haben die Drusnier am Ende ein St�ck ihres Landes an den Unsterblichen Ansur verloren. Er wird es nicht wagen, dir etwas anzutun.�</p><p>Wieder schenkte sie ihm einen ihrer hinrei�enden Blicke. �Du w�rdest einen Krieg um meinetwillen f�hren?�</p><p>�Ich w�rde eine ganze Welt in Asche legen�, sagte er leichthin. �Du bist die einzige Frau, die es wert w�re.�</p><p>Ihre Fingerspitzen umkreisten seine Brustwarzen. �Das hat noch nie ein Mann zu mir gesagt. Nicht dass ich dir glauben w�rde�� Aber ein neues Kompliment ist ein seltenes Gut. Fast so selten wie ein ernst gemeintes.�</p><p>Arcumenna mochte es nicht, wenn sie in dieser Stimmung war. Manchmal konnte Zarah f�r eine Frau erstaunlich zynisch werden.</p><p>�Warum willst du Kolja t�ten? Wenn er nicht mehr lebt, wird sehr bald ein anderer seinen Platz einnehmen. Das Gesch�ft mit den Freudenh�usern ist zu lukrativ. Keine Goldmine auf ganz Nangog wirft so sichere Gewinne ab. Hast du etwa Interesse?�</p><p>�Ich kannte Leon seit �ber zwanzig Jahren. Er war ein Trurier, so wie ich. Unsere Provinz ist nicht sehr reich, und es gibt kaum Bodensch�tze. Gewinne machen wir mit sch�ner Keramik und kostbarem Schmuck. Da ist das Gold der Freudenh�user eine gro�e Versuchung. Ich genie�e hohes Ansehen in Valesia, aber das bringt nur Feinde und kein Geld ein.</p><p>Leon hat in der Vergangenheit daf�r gesorgt, dass auf meinen Festen immer gen�gend sch�ne M�dchen zugegen waren, um alle wichtigen G�ste gl�cklich zu machen. Ich habe ihm Geld geliehen, als er hierherkommen wollte, um Freudenh�user zu er�ffnen.</p><p>Ich muss bekennen, als Laris von Truria war meine sicherste Einnahmequelle das Gold, das aus Nangog kam. Als dieser Quell versiegte, habe ich den Unsterblichen Ansur gebeten, mich zum Statthalter in der Goldenen Stadt zu machen. Glaub mir, Zarah, meine Feinde waren gl�cklich, als ich mein Kommando an der Grenze zu Drusna niederlegte. Sollen nun andere in den W�ldern der Barbaren k�mpfen. Sie sind tapfere Krieger. Ich bin zuversichtlich, dass sie einigen F�rsten, die glauben, gute Intriganten seien auch gute Feldherren, den Kopf abschneiden werden.� Er seufzte ein wenig theatralisch. �Und obwohl ich mit einem neuen Amt in eine neue Welt gekommen bin, werde ich tun, was ich schon immer getan habe: Ich k�mpfe gegen einen Drusnier. Sobald ich mir ganz sicher sein kann, dass Kolja nicht unter dem Schutz des Unsterblichen Aaron steht, werde ich zuschlagen. Und mit dir werde ich verfahren, wie ich in der Vergangenheit mit meinen tapfersten Kriegern verfahren bin: Ich werde dich reich beschenken.�</p><p>�Wenn Kolja stirbt, bin ich wieder eine freie Frau. Welch gr��eres Geschenk k�nnte ich bekommen? Ich muss ihm nicht mehr vorspielen, was f�r ein wunderbarer Liebhaber er ist. Muss nicht mehr in sein gr�ssliches Antlitz blicken, w�hrend er mich schwitzend nimmt. Das gen�gt mir.� Sie spielte zwar immer noch an seinen Brustwarzen, doch ihr Blick war hart geworden. Unwillk�rlich fragte sich Arcumenna, ob sie �ber ihn ebenso dachte. Er war kein junger Mann mehr. Attraktiv waren seine Geschenke und seine Macht, nicht sein K�rper.</p><p>Er nahm ihre H�nde, k�sste jede ihrer Fingerspitzen und f�hrte sie dann zwischen seine Schenkel. �Ich bin mir sicher, ich werde ein Geschenk f�r dich finden, das du noch h�her sch�tzen wirst als deine Freiheit. Es wird etwas Greifbareres sein. Etwas weniger Verg�ngliches.�</p><p>Zarah verst�rkte den Druck ihrer Massage und fragte schelmisch: �Solltest du etwa beabsichtigen, mir ein Kind zu schenken?�</p><p>Arcumenna lachte laut auf. �Du als Mutter? Das wollen wir beide uns nicht antun.�</p><p>Sie bedachte ihn mit einem ihrer ganz besonderen Blicke, und pl�tzlich war er sich nicht mehr sicher, ob ihre Worte vielleicht mehr als nur ein Scherz gewesen waren.</p><p>�Ich bin f�r Geschenke empf�nglich�, sagte sie mit vieldeutigem L�cheln. �Vielleicht habe ich auch ein Geschenk f�r dich. Wie bedeutend ist deine Stellung unter den Statthaltern?�</p><p>Seine gute Laune verflog. Wollte sie ihm etwa vor Augen f�hren, wie schwach seine Position war? �Ich bin als Letzter berufen worden. Jeder andere Statthalter ist schon l�nger hier. Ich bin nicht so reich, um st�ndig gro�e Feste zu geben oder mit pr�chtigen Umz�gen durch die Stra�en auf mich aufmerksam zu machen. Mein Wort wiegt nicht schwer auf den Versammlungen der Statthalter.�</p><p>�Und dein gr��tes �rgernis sind die J�nger dieses Hasspredigers, der �ber die Gr�nen Geister und die Gefesselte G�ttin spricht?�</p><p>Arcumenna richtete sich halb auf, umfasste ihre Handgelenke und sagte kalt: �Frauen, die sich f�r Staatsgesch�fte interessieren, finde ich ganz und gar nicht liebreizend. Vielleicht ist es nun an der Zeit f�r dich zu gehen?�</p><p>�Und du willst mein Geschenk nicht? Ich k�nnte dich binnen einer Woche vom j�ngsten zum bedeutendsten der Statthalter aufsteigen lassen.� In ihren Augen lag eine H�rte, die sie v�llig ver�nderte. Die Seidene hatte viele Gesichter. Bislang hatte er das immer anziehend gefunden, doch nun fragte er sich zum ersten Mal, ob sie vielleicht zu viele Gesichter hatte.</p><p>Er lie� sie los und l�chelte, wie immer, wenn er sich bedroht f�hlte. Es war ein L�cheln, das die meisten blendete und �ber seine wirkliche Stimmung t�uschte. �Manche Angelegenheiten lassen sich nicht im Bett regeln, meine Sch�ne.�</p><p>�Da habe ich grundlegend andere Erfahrungen gemacht.� Sie k�sste ihn erneut auf die Stirn und erhob sich geschmeidig vom Lager. �Ich habe das Gef�hl, dass du meiner �berdr�ssig bist. Ich werde mich�� mit deiner Erlaubnis�� nun zur�ckziehen.�</p><p>Er griff nach ihrem Arm. �Was?�</p><p>Sie wirkte verzweifelt. �Du bist pl�tzlich so kalt. Ich glaube, ich habe mich in dir get�uscht. Du bist wie alle anderen M�nner auch nur an einer sch�nen Stunde mit mir interessiert.�</p><p>Arcumenna lie� sie los und strich ihr mit der Hand �ber die Lippen. �Ich habe dir doch gesagt, dass ich es nicht sch�tze, wenn Frauen sich in hohe Politik einmischen. Ihr seid nicht daf�r geschaffen. Euer Verstand vermag all die verwickelten Zusammenh�nge nicht zu erfassen. Du hast mich ge�rgert. Du wei�t das. Jetzt sag mir schon dein dr�ngendes Geheimnis, und wir vergessen diese Sache.�</p><p>Einen Moment sah Zarah ihn nachdenklich an, dann sagte sie: �Aber du musst mir schw�ren, dass du mich immer besch�tzen wirst. Was ich dir verraten kann, wird dich m�chtiger machen. Aber mich kann es das Leben kosten. Es gibt viele M�nner, die ohne zu z�gern t�ten w�rden, um meine Lippen zu versiegeln.�</p><p>Arcumenna musste l�cheln. Das war einer der Gr�nde, warum Frauen bei den Spielen der Macht nichts zu suchen hatten. Sie wurden immer gleich so pathetisch. �Ich werde dich immer sch�tzen, solange mein Herz schl�gt, solange die beiden Monde �ber dem Horizont Nangogs aufgehen. Du wei�t, ich bin dir verfallen, selbst wenn du mich ein wenig neckst.� Er zog sie dicht an sich heran, f�hlte ihren warmen K�rper, atmete ihren berauschenden Duft. Dann k�sste er sie lange und leidenschaftlich.</p><p>Als er seine Lippen l�ste, schimmerten ihre Augen feucht.</p><p>�Das war sch�n�, hauchte Zarah. �Ich vertraue dir wie keinem anderen Mann. Deshalb sollst du mein Geheimnis erfahren. Ich wei�, wann der Priester, der im Namen der Gefesselten G�ttin predigt, das n�chste Mal seine Gl�ubigen um sich scharen wird. Sie treffen sich an einem Ort, den sie die f�nf Lotusbl�ten nennen. Es ist ein gro�es Sammelbecken f�r Abw�sser, in das f�nf Kan�le m�nden. Es liegt in dem Labyrinth tief unter der Stadt. Du wirst alle Anh�nger der G�ttin auf einmal gefangen nehmen k�nnen. Das Herz ihrer Bewegung schl�gt in dieser Stadt. Rei�t du es heraus, dann wird der Kult, den sie aufgebaut haben, auseinanderbrechen. Du wirst der Geschichte Nangogs eine neue Wendung geben. Dein Name wird f�r immer in die Annalen dieser Welt geschrieben sein.�</p></section><section><title><p><emphasis>Der Mann im Stein</emphasis></p></title><p>��� der Erste der Sieben aber�� und das Lebende Licht umh�llte ihn mit ihrem Atem�� Und so ward er hinaufgetragen vom Tor der Toten. Und es blieb unber�hrt der Platz, der seinem Haupte bestimmt war. So verlie� der Frevler den Mund der Welt und ward gegeben den Dienern des Lebenden Lichtes. Sie aber erschraken ob der Dunkelheit, die der Mann in seiner Seele trug, und als das Lebende Licht sah, dass der Schrecken nicht gebannt war, nahm sie den Mann, von dem das Dunkel nicht weichen wollte, und schloss ihn in einen Stein, damit das Dunkle im Dunkel vergehe. Den Stein aber schenkte sie ihrer Schwester, der Schwarzbeschwingten, die dem Dunkel stets nahestand. Und sie fand einen Platz f�r den Stein, an dem sein Geheimnis gewahrt blieb, fern des Lichtes, wo Dunkel Dunkles gebiert. Und seine Stimme blieb, als sein Leben ging, denn er war voll der Zaubermacht.�� in fremder Zunge und nur die Schwarzbeschwingte�� ward aus seinem Blut geboren.�� Eine Mauer verschloss den Ort, wo die Stimme lebt immerdar.�</p><cite><text-author>Zitiert nach: Der lange Fluss, Bd. VI, Von der gefesselten G�ttin�� Erz�hlungen Nandalees, Kapitel XI�� Der Mann im Stein, Zitat nach einer zerbrochenen Tontafel aus dem Archiv des Tempels des Lebenden Lichts, S. 19, niedergelegt von Eleborn, Herrscher �ber das Reich unter den Wogen, verwahrt in der Bibliothek der Tiefe.</text-author></cite></section><section><title><p>Drei Tage noch</p></title><p>Nandalee schob die Bruchst�cke der Tontafel von sich und rieb sich die brennenden Augen. Immer und immer wieder hatte sie den Text gelesen, sodass sie ihn inzwischen auswendig aufsagen und selbst mit geschlossenen Augen die seltsamen Schriftzeichen vor sich sehen konnte, die wie die Abdr�cke von Vogelkrallen aussahen. Sie hatte am Vortag die zerbrochene Tafel unter einem Regal im Archiv des Tempels des Lebenden Lichts gefunden. Von Staub bedeckt, mussten die Tontafelfragmente dort schon lange Jahre gelegen haben. Hunderte Texte hatte sie zuvor durchgesehen, ohne f�ndig zu werden, und mit jedem Tag fiel es ihr schwerer, den freundlichen Priestern des Lebenden Lichts zu erkl�ren, warum sie immer wieder ins Archiv des Tempels kam.</p><p>Ein letztes Mal �berflog sie die Zeilen und versuchte, die Geschichte zu entschl�sseln, die sich hinter dem kryptischen Text verbarg. Waren die Sieben jene verschollenen sieben ersten Meister der Wei�en Halle? Wer sonst w�re eine Gefahr gewesen, die ein Eingreifen der Devanthar heraufbeschworen hatte? Was hatten sie dem �berlebenden angetan? Und warum fanden Lyvianne und Bidayn, die in den Archiven des I�ta-Tempels suchten, keine Spur von diesem Mann im Stein? Er musste doch dorthin gebracht worden sein.</p><p>War die Schwarzbeschwingte am Ende eine andere Devanthar als I�ta?</p><p>Leises R�uspern riss Nandalee aus ihren Gedanken. In der T�r zum Archiv stand die Bewahrerin des Wissens, eine rothaarige Frau in mittleren Jahren, mit einer Haut so wei� wie Milch. Nandalee bedachte sie nur mit einem kurzen Blick. Die Elfe empfand die Gew�nder der Priesterinnen als verst�rend. Sie alle waren in Wickelr�cke in erlesenen, leuchtenden Farben gekleidet: Sonnengelb mit rotem Fransenbesatz, lichtes Blau mit goldenem Saum�� Jede der Priesterinnen schien andere Farben zu tragen. Ihre engen Blusen mit Halb�rmeln waren so geschnitten, dass sie die Br�ste der Frauen nicht bedeckten. Nandalee war nicht pr�de, im Gegenteil, sie machte sich gerne einen Spa� daraus, Gonvalon mit anz�glichen Reden zu necken und ihn fordernd zu verf�hren, wann immer sie Sehnsucht nach seinen Z�rtlichkeiten empfand. Aber sich wie diese Priesterinnen des Lebenden Lichtes halb nackt in aller �ffentlichkeit zu zeigen, war etwas anderes. Das verstand sie nicht.</p><p>Behutsam legte sie die Fragmente der Tontafel auf den Boden einer jener Kisten, in denen hier im Archiv diese empfindlichen Schriftst�cke verstaut wurden. Anschlie�end schichtete sie die anderen Texte dar�ber, die eigentlich in diese Kiste geh�rten. Es waren Listen mit den Namen aller Wolkensammler, die jemals Priesterinnen des Lebenden Lichts �ber die Himmel von Nangog getragen hatten.</p><p>Ohne sich von dem zweiten R�uspern der Priesterin beeindrucken zu lassen, legte Nandalee zuerst einen kleinen Silberbarren auf den Tisch, an dem sie den ganzen Tag gesessen hatte, und stellte dann die Kiste mit den Tontafeln in eine der unz�hligen Wandnischen zur�ck. Auf den Vorderseiten der Kisten stand geschrieben, um welche Themen die Texte kreisten, die man dort finden w�rde. Es gab Tausende Tafeln, die einfach nur Verwaltungslisten auff�hrten, doch hatte Nandalee auch Reiseberichte, Texte �ber Architektur und Beschreibungen von Kunstwerken entdeckt.</p><p>Inzwischen hatte die Rothaarige, ohne gro�es Aufhebens darum zu machen, den Silberbarren an sich genommen. Gemeinsam gingen sie durch den langen Tunnel, der hinauf zum Tempel f�hrte.</p><p>War das Archiv in Nandalees Augen schon ein Hinweis darauf, dass sich die Priesterinnen des Lebenden Lichts f�r alles Sch�ne interessierten, so war ihr Tempel ein einziger Beweis dieser These. Auf den wei� get�nchten W�nden des Gangs waren Fresken aufgemalt, die eine Flotte auf strahlend blauer See zeigten. Alle Schiffe waren in leuchtenden Farben gehalten: rot, blau oder gelb. Ihre schlanken R�mpfe durchpfl�gten die See, in der sich Delphine und anderes Meeresgetier tummelten. Priesterinnen streuten Bl�ten ins Wasser und blickten mit feierlich erhobenen H�nden zu einem strahlenden Licht fern am Horizont. Regelm��ig auf dem Boden aufgestellte �llampen lie�en bernsteinfarbenes Licht �ber die W�nde tanzen und vermehrten den Glanz der Farben.</p><p>Wie jedes Mal f�hrte die Bewahrerin des Wissens Nandalee auch an diesem Abend durch den Hauptsaal des Tempels, obwohl es ganz gewiss auch andere Wege hinaus gab. Trotz der sp�ten Stunde knieten noch zahllose Gl�ubige im stummen Gebet oder standen einfach nur zwischen den S�ulen und erfreuten sich an der Sch�nheit des Tempels. Auch sie war lange in der S�ulenhalle geblieben, als sie zum ersten Mal hierhergekommen war. Es war ein Ort der Harmonie, der ganz und gar nicht zu dem passen wollte, was sie sonst auf Nangog von den Werken der Menschenkinder gesehen hatte. Jedes Mal, wenn sie die Halle durchquerte, musste sie an Eleborn denken. Ihm h�tte der Tempel des Lebenden Lichts ganz sicher gefallen. Wo er jetzt wohl war? Fr�her hatte er es geliebt, Skulpturen aus Licht und Wasser zu erschaffen, verg�ngliche Kunstwerke, deren einziger Nutzen darin bestand, f�r einige kostbare Momente das Auge des Betrachters zu erfreuen.</p><p>Die Priesterinnen des Tempels h�tten seine Sch�lerinnen sein k�nnen. In einer gro�en, goldenen Schale an der R�ckwand der S�ulenhalle brannte ein helles Feuer. Bewegliche Spiegel aus polierten Bronzeplatten fingen das Licht der Flamme ein und lie�en es �ber W�nde und S�ulen gleiten. Andere Feuer mussten unter dem Boden brennen. Ihr Schein fiel durch Glasplatten, zwischen denen Wasser eingeschlossen war, sodass auch von ihnen unregelm��ige Lichtreflexe ausgingen, die ein Wellenmuster auf die wei�e Decke zeichneten. Dazu erklangen aus verborgenen R�umen seitlich des S�ulengangs sanfte Gongschl�ge und Gesang. Es war ein verwunschener Ort, der zur inneren Einkehr einlud.</p><p>Doch heute hatte Nandalee keinen Blick f�r den Zauber der S�ulenhalle. Mit einem leichten Nicken verabschiedete sie sich von der Rothaarigen, strebte dann eilig dem weiten Bronzetor entgegen und stieg die Treppen hinab zu der S�nfte, die dort den ganzen Tag auf sie gewartet hatte.</p><p>�Zum Haus der Seidenen�, rief sie den Tr�gern zu, w�hrend sie die Vorh�nge schloss und sich in die Kissen sinken lie�. Ihr R�cken war verspannt von den endlosen Stunden, die sie im Archiv gesessen hatte. Sie war es nicht gewohnt, ganze Tage stillzusitzen und zu lesen. Lieber w�rde sie noch einmal durch die S�mpfe wandern, in denen sie auf den Wolkensammler getroffen waren. Sie stellte sich vor, was Bidayn davon halten w�rde, und musste l�cheln.</p><p>Bald kreisten ihre Gedanken wieder um den Mann im Stein. �Und als das Lebende Licht sah, dass der Schrecken nicht gebannt war, nahm sie den Mann, von dem das Dunkel nicht weichen wollte, und schloss ihn in einen Stein, damit das Dunkle im Dunkel vergehe�, wiederholte Nandalee leise. War es nur irgendein obskurer Text, oder war sie auf die Spur eines anderen Drachenelfen gesto�en, der Jahrhunderte vor ihrer Geburt hierhergekommen war?</p><p>Vor dem Tor zum Haus der Seidenen lungerten einige der Schl�ger herum, die Kolja stets bei seinen Besuchen begleiteten. Nandalee hasste es, wie die Kerle sie ansahen, wenn sie aus der S�nfte stieg und durch das Tor ging. Sie musste mitten zwischen ihnen hindurch. Sie betatschten sie, machten anz�gliche Bemerkungen und verglichen sie mit Frauen, deren Namen sie nicht kannte und deren besondere Eigenarten sie geflissentlich �berh�rte. Sie war sich sicher, dass sie diese Drecksschweine binnen Augenblicken und ganz ohne Waffen ins Jenseits bef�rdern k�nnte. Sie hatte sich oft genug mit Ailyn gemessen, der Meisterin des waffenlosen Kampfes. Jener Drachenelfe, die gemeinsam mit Gonvalon gekommen war, um sie vor den Trollen zu retten, und die sie in der Wei�en Halle so gnadenlos verpr�gelt hatte. Nandalee seufzte. Hier durfte sie nichts dergleichen tun, und so stieg sie rasch die Treppe hinab, die zu den Gem�chern f�hrte, die ihnen die Seidene �berlassen hatte. Aus der oberen Etage erklang das lustvolle St�hnen der Hausherrin. Fleisch klatschte auf Fleisch. Wie konnte Zarah nur dieses Narbengesicht ertragen. Bevor sie Nangog verlie�, sollte sie ihm die Kehle durchschneiden, dachte Nandalee gereizt. Wenigstens diesen einen Gefallen konnte sie Zarah f�r ihre Gastfreundschaft gew�hren. �berhaupt hatte dieser Hurenbock dem Haus doch fernbleiben wollen, um den Gesch�ften und dem Ruf der Seidenen nicht zu schaden. Offensichtlich hatte seine Lust �ber die Vernunft gesiegt.</p><p>Ihre Gef�hrten erwarteten Nandalee in eigenartig gedr�ckter Stimmung.</p><p>�Ein Prediger der Menschenkinder hat von uns gesprochen. Wir sind die F�nf, die angeblich diese Welt ver�ndern sollen�, sagte Gonvalon, kaum dass sie die T�r hinter sich geschlossen hatte. �Bidayn war dabei.�</p><p>�Wir sollten hier verschwinden�, sagte Nodon entschieden, nachdem Nandalee alles �ber Bidayns Abenteuer in den Kan�len erfahren hatte. �Wir sind hier nicht mehr l�nger sicher. Zarah geh�rt zu denen, die die Gr�nen Geister anbeten. Auch sie hat die Prophezeiung �ber die F�nf geh�rt, und sie wird sich bereits ihren Reim darauf gemacht haben, wer damit gemeint ist.�</p><p>�Hat sie das nicht von Anfang an?�, widersprach Nandalee. �Nangog hat sie uns geschickt, weil sie eine ihrer Auserw�hlten ist. Weil sie ihr vertraut.�</p><p>�Es gibt noch einen zweiten Grund zur Sorge: Wir befinden uns in genau dem Haus, in dem der Menschensohn ein und aus geht, der dich, Bidayn und Gonvalon schon einmal gesehen hat. Einer von euch hat ihm damals den Arm abgehackt!� Nodon war v�llig au�er sich. �Was glaubt ihr, was geschehen wird, wenn er euch wiedererkennt? Wir m�ssen uns ein anderes Quartier suchen.�</p><p>�Ist das klug?�, mischte sich nun Lyvianne ein. Sie wirkte vollkommen ruhig, als sie alle der Reihe nach ansah. Sicherlich hatte Bidayn ihr als Erste ihre Entdeckung mitgeteilt. Sie hatte die meiste Zeit gehabt, mit k�hlem Kopf die neue Entwicklung zu �berdenken. �Jetzt gibt es also Hunderte Menschenkinder, die darauf warten, dass f�nf Fremde ihnen die vermeintliche Erl�sung bringen. In deren Augen k�nnen wir �berall in der Stadt sein. Bidayn hat gesehen, dass die Anh�nger Nangogs aus allen Schichten der Gesellschaft kommen. Wenn wir f�nf auff�llige Gestalten uns ausgerechnet jetzt auf die Suche nach einem neuen Quartier machen, ist das blanke Unvernunft! Ich pl�diere daf�r, dass wir hierbleiben. Und sollte dieser Kolja, der die Hausherrin jeden Tag besucht, zu einem Problem werden, w�re es mir ein Vergn�gen, eine endg�ltige L�sung zu finden.�</p><p>Bei ihren letzten Worten l�chelte sie auf eine Art, die Nandalee einen Schauer �ber den R�cken jagte. Warum hatte sich Bidayn unter all den Meisterinnen und Meistern der Wei�en Halle ausgerechnet Lyvianne als Lehrerin ausgew�hlt? Daraus konnte nichts Gutes erwachsen. Lyvianne hatte schon lange den Pfad des Lichtes verlassen. Sie fand Gefallen daran, sich kalt und unbarmherzig zu zeigen. Und sie w�rde Bidayn mit in die Dunkelheit ziehen.</p><p>Wieder musste Nandalee an den Text der zerbrochenen Tontafel denken: <emphasis>Und als das Lebende Licht sah, dass der Schrecken nicht gebannt war, nahm sie den Mann, von dem das Dunkel nicht weichen wollte, und schloss ihn in einen Stein, damit das Dunkle im Dunkel vergehe.</emphasis> War von jener Art von Dunkel die Rede, das auch Lyvianne in sich trug?</p><p>�Lyvianne hat recht�, stimmte Gonvalon zu. Es schmerzte Nandalee, dass er sich auf die Seite der Zauberweberin schlug. Was sie gesagt hatte, klang richtig, aber dennoch wurde Nandalee das Gef�hl nicht los, dass es falsch war, auf sie zu h�ren.</p><p>Aus den Augenwinkeln betrachtete sie Gonvalon, der ihr abgewandt am Tisch sa�. Seit Tagen verhielt er sich merkw�rdig. Er suchte ihre N�he und blieb zugleich seltsam distanziert. Irgendetwas stimmte nicht. Verheimlichte er ihr etwas? Oder war sie schon v�llig �berspannt?</p><p>�Und wir sollten noch etwas ganz anderes bedenken�, setzte der Schwertmeister nach und holte sie damit in die Gegenwart zur�ck. �Vielleicht war das gar nicht in erster Linie eine Botschaft f�r die Gl�ubigen. Vielleicht war sie f�r uns bestimmt! Nangog ist eine G�ttin, und wie es scheint, ist sie immer noch mit fast allem auf ihrer Welt verbunden�� auch wenn ihr die Macht genommen wurde, gro�en Einfluss zu nehmen. Sie dr�ngt uns, zu ihr zu kommen. Wir sollten mutiger sein und nicht unsere Zeit damit vergeuden, nach dem sichersten Weg zu suchen!�</p><p>Nandalee fasste nach dem Amulett an ihrem Hals. Nachtatem war sehr deutlich gewesen. Dieses Kleinod durfte nicht verloren gehen. Und auf gar keinen Fall durfte es in die H�nde der Devanthar gelangen. Mutig sollten sie sein, aber nicht tollk�hn. Ihr Unternehmen durfte nicht so enden wie der Vorsto� der sieben Meister. Sie mussten einen sicheren Weg hinab in den Krater finden. Oder zumindest herausbekommen, welche Gefahren sie dort erwarteten.</p><p>Nandalee erz�hlte ihren Gef�hrten von der zerbrochenen Tontafel. �Hast du irgendetwas �ber einen Mann in einem Stein in den Archiven des I�ta-Tempels gefunden, Lyvianne?�</p><p>�Nein. Das Einzige, was ich dort gefunden habe, ist ein l�sterner Hohepriester, der sich gro�sprecherisch der Bewahrer der Tiefen Gew�lbe nennt. Er ist nicht der oberste Priester des Tempels, aber doch einer der bedeutendsten. Er �bersch�ttet mich und Bidayn mit anz�glichen Schmeicheleien und Andeutungen �ber all die Geheimnisse, die er kennt. In dieser Welt fast ohne Frauen scheinen alle M�nner verr�ckt geworden zu sein. F�r einen heimlichen Kuss hat er mich heute auf eine Tontafel blicken lassen, aus der hervorgeht, dass die Hohepriesterin in Schmuggelgesch�fte verwickelt ist.� Lyvianne schnaubte ver�chtlich. �Mein Gef�hl ist, dass es in seinen Tiefen Gew�lben nichts als Spinnweben gibt. Ich kann an diesem Ort keine Magie sp�ren.�</p><p>�Du hast im Tempel dein Verborgenes Auge ge�ffnet?�, fragte Nandalee entsetzt. �Ausgerechnet dort! Willst du uns alle verraten?�</p><p>�Wie du siehst, lebe ich noch, und es sind uns auch noch keine Devathar auf den Fersen, oder?�, entgegnete Lyvianne v�llig unbeeindruckt. �Wir waren lange genug zur�ckhaltend. Auch ich glaube, dass Nangog uns eine Botschaft geschickt hat. Wir m�ssen uns beeilen. Sie braucht uns. Wir k�nnen es uns nicht leisten, noch mehr Zeit in irgendwelchen Archiven zu verlieren. Dort finden wir nichts, wonach wir suchen. Und ein Mann in einem Stein wird uns wohl kaum weiterhelfen.�</p><p>�Ich wei�, dass wir auf dem richtigen Weg sind�, beharrte Nandalee.</p><p>Sie sah zu Nodon, der mit versteinerter Miene an der Wand lehnte. �Hast du etwas Neues �ber die Zapote herausgefunden? Und was ist mit dem blonden Mann, der vielleicht ein Elf ist?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Der Blonde ist nicht aufzufinden. Vielleicht zeigt er sich aber auch deshalb nicht mehr, weil er bemerkt hat, dass ich auf ihn aufmerksam geworden bin. Oder aber er war so dumm, sich in die Tempelg�rten locken zu lassen. Wom�glich gibt es dort einen Abstieg in den Krater. Ich w�rde gerne���</p><p>�Drei Tage noch�, schnitt ihm Nandalee das Wort ab. �So lange werdet ihr noch meinem Weg folgen, dem Geheimnis des Weltenmunds nachzusp�ren. Noch gehen wir keine un�berschaubaren Risiken ein!�</p></section><section><title><p>Der Weg ins Dunkel</p></title><p>�Nandalee ist zu jung, um uns anzuf�hren. Sie hat sich verrannt und ist zu stolz, um es zuzugeben. Diese endlosen Stunden mit alten Aufzeichnungen bringen gar nichts. Nodon hat vom ersten Tag an nicht auf sie geh�rt und ist seinen eigenen Weg gegangen. Ich werde es von nun an genauso machen. Was ist mit dir, Bidayn?�</p><p>Ihre S�nfte neigte sich nach hinten. Sie wurden eine der endlosen Treppen dieser Stadt hinaufgetragen. Lyvianne sp�rte, wie das Gewicht ihres K�rpers sie in die Kissen dr�ckte. Bidayn hielt sich an zwei Haltegriffen zwischen den Kissen fest. Ihre Sch�lerin hatte ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sodass es ganz im Schatten verborgen blieb, und dennoch wand sie sich unter ihrem Blick. Bidayn ging Unannehmlichkeiten gerne aus dem Weg. �Ich wei� nicht, was wir anders machen sollten�, antwortete sie schlie�lich leise.</p><p>Lyvianne ergriff die H�nde ihrer Sch�lerin und l�ste sie von den Haltegriffen. Die junge Elfe rutschte ihr ein St�ck entgegen. �Folge mir, und ich zeige dir, was zu tun ist.� Sie streichelte �ber die d�nnen Handschuhe. �Darf ich sie sehen?�</p><p>Bidayn nickte sch�chtern. Es war dr�ckend schw�l. Wahrscheinlich trug au�er ihr niemand in der ganzen Stadt Handschuhe. Lyvianne streifte das d�nne, geschmeidige Leder von Bidayns schlanken Fingern. Auf der wei�en Haut des Handr�ckens zeichnete sich ein Rautenmuster ab. Diese Narben bedeckten ihren gesamten K�rper. Es sah aus, als habe man sie in ein Fischernetz aus gl�hendem Draht gewickelt. Nichts vermochte diese Narben auszul�schen.</p><p>Die S�nfte neigte sich wieder in die Waagerechte. Der L�rm von Marktschreiern umfing sie und der Gestank nicht mehr ganz frischen Fisches.</p><p>�Ich werde dir deine Sch�nheit zur�ckgeben�, sagte Lyvianne und l�chelte. �Nein, entschuldige, deine makellose Haut. Sch�n bist du immer gewesen. W�rdest du dich nicht verstecken, ich bin mir sicher, viele M�nner w�rden dein Aussehen nicht als Makel betrachten, sondern dich exotisch und geheimnisvoll finden.�</p><p>�Ich finde es absto�end�, zischte Bidayn. �Ich kann es nicht ertragen, meinen Leib zu betrachten. Ich w�rde alles tun, um diese Narben verschwinden zu lassen und eine Haut wie die Seidene zu haben. Hast du sie einmal ber�hrt, Lyvianne? Sie ist makellos!�</p><p>�F�r eine Menschentochter.�</p><p>�Nein, in jeder Hinsicht. So unglaublich zart. Als h�tte sie ihre Haut viele Jahre t�glich mit �len behandelt.�</p><p>�Du wei�t, wie schnell Menschenhaut altert?�</p><p>Bidayn streifte ihre Handschuhe wieder �ber. Sie hielt den Kopf gesenkt, gefangen in ihren Tr�umen.</p><p>�Hast du schon einmal einem Mann beigelegen?�</p><p>�Warum?�</p><p>�Hast du?�</p><p>�Nat�rlich!�, entgegnete Bidayn so hastig und so betont, dass Lyvianne es nicht glaubte. Ihre Sch�lerin tr�umte, statt zu leben. Das war ihr gr��ter Fehler. Aber davon w�rde sie Bidayn nun heilen.</p><p>�Gut�, sagte Lyvianne. �Heute werden wir gemeinsam einen Mann verf�hren. Ich werde dir zeigen, was zu tun ist, damit ein Mann jedes seiner Geheimnisse mit Freuden mit dir teilt. Es wird dein Leben ver�ndern.� Sie sah, wie Bidayns H�nde sich erneut fest um die Haltegriffe zwischen den Kissen schlossen, obwohl sie diesmal keine Treppe hinaufgetragen wurden.</p><p>�Ich glaube nicht, dass ich das will�, sagte ihre Sch�lerin steif.</p><p>�Und wenn ich dir daf�r eine neue Haut schenke?� Es war Bidayn anzusehen, wie sehr sie mit sich rang. �Ich will dich nicht �berreden. Wenn du mit mir gehst, werden sich dir in dieser Nacht ganz neue Pfade in der Kunst des Zauberwebens erschlie�en. Ich lehre dich eine dunklere, m�chtigere Magie. Doch du musst es wollen. Dies ist keine Kunst, die man mit halbem Herzen aus�bt. Verschreibe dich ihr ganz und gar, und sie wird dir ungeahnte Freiheiten schenken. Gehe diesen Weg unentschlossen, und er wird dich verschlingen. Hilf mir heute, vergiss dabei all deine moralischen Bedenken, und ich schenke dir eine neue Haut, sobald wir aus dem Krater zur�ckkehren.�</p><p>Wie um ihre Worte in ihrer Endg�ltigkeit zu unterstreichen, wurde in diesem Augenblick die S�nfte abgestellt. Sie hatten vor einem gro�en Haus mit staubiger, rotbrauner Ziegelfassade gehalten. Hier hatte Lyvianne ein Zimmer f�r einen Tag gemietet. Es war kein allzu sch�biges Viertel, und es gab einen Hof, auf den kein Fenster blickte, sodass sie ungesehen die S�nfte verstecken konnten.</p><p>Entschlossen stieg Lyvianne aus. Drei Schritt und sie trat in den d�steren Hauseingang, dessen Schatten sie umfingen wie Rabenschwingen. Die Zauberweberin blickte zur�ck. Zufrieden sah sie, dass Bidayn ihr folgte.</p></section><section><title><p>Rausch der Sinne</p></title><p>Tuwatis hatte den ganzen Tag �ber mit sich gerungen, ob er gehen sollte. Und in der Nacht zuvor hatte er kaum geschlafen. Dieses Weib wusste genau, was sie ihm angetan hatte, als sie ihm den Papyrusstreifen mit der Wegbeschreibung zugesteckt hatte. Er h�tte nicht hierherkommen d�rfen. Wenn er nur an sie dachte, wurde ihm hei� und kalt. Der Dienst an der Gefl�gelten I�ta verbot ihm nicht, mit Frauen zu verkehren. Aber hier auf Nangog gab es kaum einmal eine M�glichkeit. Der Tempel versorgte ihn mit allem, was er brauchte: gutem Essen, sch�ner Kleidung, einem angenehmen, sauberen Raum, in dem er die Nacht verbrachte. Nur Geld hatte er keines. Er konnte nie zu den k�uflichen Weibern gehen. Und jene Frauen, die in den Tempel zu ihm kamen, hatten alles andere im Sinn, als mit ihm anzubandeln. Zu ihm als Leiter der Archive kam ohnehin selten ein Besucher.</p><p>Doch diese schwarzhaarige, schlanke Frau war anders. Schon als sie vor zehn Tagen zum ersten Mal erschienen war, hatte er es gesp�rt. Sie begehrte ihn. Heimlich verschlang sie ihn mit Blicken, das hatte er genau bemerkt. Dabei war er nicht mehr der J�ngste. Er hatte bereits sein f�nfunddrei�igstes Jahr vollendet.</p><p>Er blieb vor dem gro�en Haus aus getrockneten Lehmziegeln stehen. War es hier? Er sah noch einmal auf den Papyrusstreifen. Der Beschreibung nach musste er richtig sein. Vorsichtig sp�hte er durch den Torbogen in den Innenhof, und sein Herz machte einen Satz. Da stand ihre S�nfte!</p><p>Gut gelaunt trat er in den Eingang des Hauses. Eine gemauerte Treppe f�hrte im Zwielicht nach oben. Auf der Botschaft hatte gestanden, dass es im ersten Stock nur eine T�re g�be. Und so war es auch. Z�gerlich klopfte Tuwatis. Er hatte so etwas noch nie getan.</p><p>Die T�re wurde sofort ge�ffnet. Dahinter wartete die dunkelhaarige Sch�ne. Sie empfing ihn mit einem Kuss und bat ihn hinein. �Ich freue mich, dich zu sehen. Ich war im Zweifel, ob du den Mut dazu finden w�rdest.�</p><p>Ihre Worte �rgerten ihn. Sie entsprachen zwar genau der Wahrheit, aber er stand nicht gerne als Zauderer da. Er sah sich um. Das Zimmer war gro�, das einzige Fenster mit einem Laden verh�ngt. Zwei �llampen verbreiteten goldenes Licht, das aber nicht bis in die Winkel des Zimmers reichte. Er blinzelte. Da war noch jemand. Nahe beim Bett!</p><p>�Wer ist das?�</p><p>�Meine Gef�hrtin�, entgegnete die Fremde l�chelnd. �Du erinnerst dich an sie. Manchmal hat sie mich ins Archiv begleitet.�</p><p>�Was sucht sie hier?� Ein Hauch von Panik schwang in seiner Stimme. Sie h�tte ihm sagen m�ssen, dass sie nicht allein waren.</p><p>�Ich dachte mir, dass zwei Frauen dir doppelte Freude bereiten k�nnten. Hast du das Spiel der Liebe jemals mit zwei Frauen gewagt?�</p><p>Tuwatis� Mund wurde trocken. �Nein�, sagte er, und seine Stimme klang f�rchterlich kr�chzend. Verdammt, wieso konnte er sich nicht ganz normal verhalten? So leicht und unbefangen wie die Fremde. Sie schien viel weniger aufgeregt zu sein als er. Wie oft sie so etwas wie das hier wohl tat? Eigentlich einerlei. Wenn sie erfahren war, w�rde das nicht von Nachteil f�r ihn sein.</p><p>�Dir muss sicherlich warm sein, Tuwatis.� Sie reichte ihm einen Becher mit s��em Wein, besser als alles, was er seit vielen Jahren zu trinken bekommen hatte. Nachdem er einen gierigen Schluck genommen hatte, streckte er z�gerlich seine Hand aus und ber�hrte die sch�ne Fremde an der H�fte. Sie trug einen Wickelrock und eine enge Bluse, die so tief ausgeschnitten war, dass er die obere W�lbung ihrer Br�ste sehen konnte. Tuwatis sp�rte, wie ihm Schwei� an den Schl�fen hinablief.</p><p>�Ich werde meine Per�cke ablegen.� Er war froh, endlich wieder unverkrampfter sprechen zu k�nnen. Der Wein hatte geholfen! Die Fremde nahm ihm seinen Becher ab, und er hob vorsichtig die Pferdehaarper�cke von seinem Kopf und legte sie auf ein gemauertes Bord an der Wand.</p><p>�Magst du dich nicht setzen?� Ohne seine Antwort abzuwarten, geleitete sie ihn zu dem Lager an der gegen�berliegenden Wand. Auf einem gro�en, gemauerten Sockel lagen etliche Decken �bereinander. Auf dem Bett waren bunte Kissen in Blau und Gelb drapiert. Jetzt bemerkte Tuwatis auch, dass neben dem Lager eine kleine Schale mit R�ucherwerk aufgestellt war, �ber der sich eine blassblaue Rauchs�ule kr�uselte.</p><p>�Meine Freundin wird dir ein wenig die Schultern und den Nacken massieren, wenn du nichts dagegen hast.� Die Fremde k�sste ihn auf die Wange, und ihre H�nde streiften �ber seine Brust. �Bidayn ist noch eine Jungfrau�, fl�sterte sie. �Sie wird sich dir heute schenken.�</p><p>Mit kundigen Fingern l�ste sie seinen schweren, halbrunden Halsschmuck aus T�rkisen und Onyx, der ihn als Bewahrer der Tiefen Gew�lbe auswies. Dann streifte sie mit seiner Hilfe seine goldenen Armreife und den gro�en Siegelring ab, der die gefl�gelte I�ta zeigte. Die Jungfrau nahm den Schmuck entgegen und legte ihn neben die Schale mit dem R�ucherwerk.</p><p>�Steck den Ring in einen Becher.� Seine Kehle war wieder trocken. Wellen unbekannter Gef�hle brandeten in ihm auf und setzten ihn in Flammen. �Bitte. Die G�ttin soll uns nicht zusehen�, erkl�rte er, als er den fragenden Blick der Fremden bemerkte.</p><p>�Wie hei�t du, meine Sch�ne? In all den Tagen im Tempel hast du mir nie deinen Namen genannt.�</p><p>�Lyvianne, und meine Freundin hei�t Bidayn.� Ihre Hand fuhr unter den Saum seines langen Priesterkleides. Sie schob es ihm �ber die Knie und streifte wie zuf�llig die Innenseiten seiner Schenkel. Auf einen Wink hin kniete sich die Jungfrau nun hinter ihm auf das Bett und massierte mit kundigen H�nden die verspannten Muskeln seiner Schultern. Er konnte sp�ren, wie sich die Knoten l�sten.</p><p>�Bidayn und Lyvianne? Ungew�hnliche Namen. Ich habe sie noch nie zuvor geh�rt.�</p><p>�Wir sind auch keine Luwierinnen�, entgegnete Lyvianne mit rauchiger Stimme. �Wir kommen von sehr weit her.�</p><p>Er wollte fragen, wo sehr weit her war, doch ihre H�nde wanderten seine Schenkel hoch, und brennende Lust lie� all seine Gedanken zu Asche werden. Bidayn zog ihm das lange Gewand �ber den Kopf. Etwas Warmes floss �ber seine Schultern. �l? Aus den Augenwinkeln sah er die H�nde und Unterarme des M�dchens. Sie waren mit einem seltsamen, weitmaschigen Rautenmuster �berzogen. So etwas hatte er noch nie gesehen.</p><p>�Was ist mit ihr?�</p><p>�Jungfrauen werden in einem besonderen Ritual auf ihre erste Liebesnacht vorbereitet. Dazu geh�rt, dass sie am ganzen K�rper bemalt werden.�</p><p>�l rann �ber seine Brust, und Lyvianne strich sanft durch das ergrauende Haar, in dem seine Brustwarzen verborgen waren. Nie hatte Tuwatis eine solche Erregung versp�rt. Er lie� sich zur�cksinken und ganz und gar treiben. Immer wieder f�hrte ihn Lyvianne kurz vor den H�hepunkt der Lust, um dann innezuhalten und ihn erneut zu noch gr��erer Ekstase anzustacheln.</p><p>Inzwischen waren auch seine H�nde voller �l. Mit ihnen erkundete er die K�rper der zwei Frauen. Die Jungfrau war sch�chtern. Manchmal zuckte sie zur�ck, wenn er zu dr�ngend und begehrlich wurde. Auch k�sste sie schlecht. Bem�ht, doch ohne Leidenschaft. Er lie� von ihr ab und genoss einzig die Ber�hrung ihrer schlanken H�nde, w�hrend Lyvianne es war, die ihn von Seufzer zu Seufzer f�hrte.</p><p>Pl�tzlich riefen die beiden Frauen etwas�� ein seltsames, befremdliches Wort, das keiner Sprache glich, die er je vernommen hatte. Dunkle Verhei�ung haftete ihm an. Lyvianne trieb ihn zu einem immer wilder werdenden Reigen der Lust. Inzwischen kauerte sie auf ihm, ritt ihn mit schnellen St��en und br�nstigem St�hnen. Schwei� und �l rannen �ber ihre kleinen Br�ste und ihren drahtigen K�rper, dabei verdrehte sie die Augen zur Decke wie eine Besessene.</p><p>Der Anblick machte ihm Angst. Er war ein heiliger Mann. Er sollte so etwas hier nicht tun! Damit forderte er den Zorn der G�tter heraus. In dem Zimmer war es j�h k�lter und ein wenig dunkler geworden. Vielleicht war eine der beiden �llampen herabgebrannt? Tuwatis hatte das Gef�hl, etwas Ungreifbares habe sich Zutritt verschafft, doch er war unf�hig, von Lyvianne abzulassen. Auch die Jungfrau war ein wenig leidenschaftlicher geworden. Sie beugte sich von hinten immer wieder �ber ihn herab und k�sste ihn. Obwohl ihr der Ekel vor ihm anzusehen war, machte sie weiter�� als st�nde sie unter einem Zauberbann. Und endlich, endlich fand das wilde Liebesspiel Erf�llung. Er b�umte sich mit einem lauten Schrei auf, der ihm tief in die Kehle schnitt, verstr�mte all sein Gef�hl und zerfloss in seliger Ekstase. Es wollte gar nicht mehr enden, das Flie�en. Es lie� ihn matter und matter werden, bis er das Gef�hl hatte, sein Herz habe kaum noch die Kraft, l�nger zu schlagen.</p><p>Er verga� alles. Wusste nicht mehr um die Geheimnisse, die tief unter dem Tempel der I�ta verborgen lagen, um seine gl�ckliche Kindheit oder seinen Stolz, als er die Weihen des Priesters empfangen hatte. Sein Leben war ganz Augenblick geworden. War nur noch dieses Zimmer. Nur noch die beiden Frauen mit ihren fremden Namen, die ihm nun auch entfallen waren, als er dem Rand des Gro�en Dunkels entgegenglitt.</p><p>Zuletzt verga� er seinen eigenen Namen und verabschiedete sich mit einem langen Seufzer.</p></section><section><title><p>Ohne jede Spur</p></title><p>Mit einer Mischung aus Ekel und einer Faszination, die sie sich nicht zu erkl�ren vermochte, betrachtete Bidayn den Leichnam des Priesters. Es war kaum mehr als Haut und Knochen von ihm geblieben. Weniger als eine Stunde war vergangen, seit er das Zimmer betreten hatte. Eine Stunde, in der all die Jahre, die er noch zu Leben gehabt h�tte, zerronnen waren.</p><p>Bidayn versuchte, all die Erinnerungen zu verarbeiten, die ihren Geist �berflutet hatten. Die fremde Sprache, die rituellen Ges�nge, das Bild des M�dchens aus seinem Dorf, in das er so schmerzlich und hoffnungslos verliebt gewesen war, dass er sich entschieden hatte, sein Leben I�ta zu weihen. Sie wusste, dass Lyvianne ihr einige seiner Erinnerungen vorenthalten hatte. So konnte sie etwa nicht benennen, was in den Tiefen Gew�lben verborgen wurde. Nur eine vage Angst beschlich sie, wenn sie daran dachte. Dort war etwas, das den Priester zutiefst erschreckt hatte.</p><p>Ihre Meisterin war entt�uscht gewesen, dass sie den Zauber nicht gest�rkt hatte, indem sie dem Priester ihre Jungfr�ulichkeit schenkte. Bidayn hatte die Absicht gehabt, es zu tun, und es doch nicht gekonnt. Zu gro� war ihr Ekel vor dem Menschensohn gewesen. Ihre erste Liebesnacht w�rde sie mit einem jungen Mann verbringen. Mit einem Elfen!</p><p>Lyvianne kehrte ins Zimmer zur�ck. Sie war kurz auf den Hof gegangen, um ihre S�nfte fortzuschicken. �Du musst dich ankleiden�, sagte sie freundlich, wenn auch ein wenig dr�ngend. Bidayn war froh, dass die Meisterin der Wei�en Halle sie nicht fragte, was sie bei diesem m�rderischen Liebesspiel empfunden hatte. Noch war sie sich �ber ihre widerstreitenden Gef�hle selbst zu sehr im Unklaren. Sie hatte es gehasst, von dem Mann ber�hrt zu werden, aus dessen Mund es mehr und mehr nach Verwesung gerochen hatte. Zugleich hatte sie das Gef�hl der Macht berauscht. Wie hatte Lyvianne sich ihm nur so hingeben k�nnen! Zum ersten Mal kamen Bidayn Zweifel, ob sie ganz wie Lyvianne werden wollte. Ja, sie wollte Macht. Es war verlockend gewesen, von der Macht der dunklen Magie zu kosten. Aber der Preis daf�r war hoch.</p><p>Sie w�rde ihren eigenen Weg finden!</p><p>Lyvianne trat in die Mitte des Raums und legte ihre beiden H�nde mit weit gespreizten Fingern auf ihr Antlitz. Sie sprach ein Wort der Macht. Augenblicklich st�hnte sie vor Schmerz auf. Ihre Fingerkuppen modellierten Fleisch und Knochen, lie�en ihre Erinnerung an Tuwatis Form annehmen. Es dauerte qu�lend lange, bis sie die H�nde vom Gesicht nahm, das nun jegliche �hnlichkeit mit ihr verloren hatte. Wieder blickte Bidayn in das Antlitz des m�rrischen, vor der Zeit gealterten Mannes, der vor einer Stunde dieses Zimmer betreten hatte.</p><p>Unwillk�rlich sah die junge Elfe zu dem Bett hin�ber, wo noch immer der Leichnam des Priesters lag. Beraubt von allem, was ihn ausgemacht hatte, sah er kaum noch menschlich aus, und nun war er in Lyvianne wiedererstanden.</p><p>�Nandalee hatte recht! Es gibt diesen Mann im Stein tats�chlich�, erkl�rte ihre Meisterin. �Der Stein wird in den tiefsten Gew�lben des I�ta-Tempels verwahrt. Tuwatis hat ihn nur ein einziges Mal gesehen. Er machte ihm Angst. Wir werden selbst hingehen m�ssen, um zu sehen, was sich im Inneren des Steins verbirgt. Der Priester war nicht Manns genug, um diesem Geheimnis nachzusp�ren. Er hat es nur bewacht.�</p><p>Bidayn �berlegte, ob das nicht vielleicht auch wesentlich kl�ger gewesen war. Deutlich sp�rte sie die Angst, die Tuwatis vor diesem, dem geheimsten der Gew�lbe, �ber die er wachte, empfunden hatte. Dennoch legte sie die grobe Wolltunika und den Glockenpanzer eines Kriegers an, die Lyvianne besorgt hatte. Die langen �rmel und die Beinschienen verbargen ihre Narben. Ihre Meisterin hatte ihr deutlich gesagt, dass sie nichts davon hielt, dass sie Handschuhe trug, aber Bidayn scherte sich nicht darum. Zuletzt steckte sie ihre Haare hoch und setzte den Helm auf. Er war aus Leder gefertigt, auf das einander wie Fischschuppen �berlappende gespaltene Eberz�hne aufgen�ht waren.</p><p>Die junge Elfe fragte sich, wer sich so etwas ausgedacht hatte. Sollte es ein Zeichen daf�r sein, dass der Tr�ger ein furchtloser J�ger war? Oder waren die Hauer eines Ebers tats�chlich das h�rteste Material, das die Menschenkinder kannten? Ein schwarzer Rossschweif erhob sich �ber der Mitte des Helms und fiel weit auf ihren R�cken hinab. Er sorgte daf�r, dass der Helm schlecht ausbalanciert und unangenehm zu tragen war. M�rrisch zog sie den Kinnriemen fest und warf sich einen weiten, roten Umhang �ber die Schulter, wie ihn auch die Hauptleute der Leibwachen des Unsterblichen trugen.</p><p>Lyvianne nickte ihr zufrieden zu. �Solange du nichts sagst, wird man dich f�r ein stattliches Mannsbild halten.�</p><p>Die Zauberweberin hatte ihre Verwandlung abgeschlossen. Sie war von der Statur her ein wenig kleiner als Tuwatis und auch weniger f�llig, aber das fiel h�chstens dann ins Auge, wenn man ahnte, dass etwas nicht stimmte. Sein Gesicht hatte sie geradezu erschreckend gut nachempfunden. Nur von ihrem langen, schwarzen Haar hatte sie sich nicht trennen m�gen. Sie versteckte es unter der Pferdehaarper�cke, auf der Bidayn L�use krabbeln sah. Da hatte sie es mit ihrer Verkleidung schon besser getroffen.</p><p>�Was h�ltst du von meiner Stimme?�</p><p>Bidayn erschrak, als sie ihre Meisterin sprechen h�rte. Auch hier war die T�uschung vollkommen. Und als Lyvianne ein paarmal im Zimmer auf und ab gegangen war, vermochte sie den Gang und die K�rperhaltung des Priesters so �berzeugend zu imitieren, dass Bidayn sich fragte, wie oft ihre Meisterin schon einem Menschenkind die Gestalt gestohlen hatte. Sie war un�bersehbar sehr erfahren in dieser Art der T�uschung.</p><p>Bevor sie das Zimmer verlie�en, nahm Lyvianne die beiden Lampen und sch�ttete deren �l �ber den Leichnam und das Bett. Dann lie� sie einen brennenden Docht auf das Lager fallen und sah unger�hrt zu, wie die Flammen sich ausbreiteten und nach dem entstellten Leichnam des Priesters leckten. Das Zimmer begann sich mit dichtem, schwarzem Rauch zu f�llen.</p><p>�Komm!� Lyvianne griff nach ihrem Arm und zog sie zur T�r. �Gehen wir.�</p><p>�Aber das Feuer.� Bidayn sah zu den Balken der Decke hinauf. �Das ganze Haus k�nnte abbrennen. Vielleicht greift das Feuer sogar auf die Nachbarh�user �ber. Die Gassen hier sind eng. Es k�nnte���</p><p>�Je gr��er der Brand wird, desto besser�, entgegnete Lyvianne und bedeutete ihr dann zu schweigen.</p><p>Sie traten auf die Stra�e und schritten, ohne einen Blick zur�ck, z�gig voran. Erst als sie schon ein ganzes St�ck von dem roten Haus entfernt waren, h�rten sie hinter sich aufgeregte Rufe. Doch niemand lief ihnen nach. Niemand brachte den ehrw�rdigen Priester und den stolzen Hauptmann an seiner Seite mit dem Feuer in Verbindung.</p><p>Sp�ter, als sie die endlosen Stufen zum hoch am Hang gelegenen Tempel der I�ta erklommen hatten, sah Bidayn eine dichte Rauchs�ule �ber dem Viertel stehen.</p><p>Waren Menschenkinder in den oberen Etagen des Hauses gewesen? Waren sie alle rechtzeitig entkommen?</p><p>Lyvianne schien sich nicht mit derlei Gedanken zu belasten. Bidayn war klar, warum es n�tzlich gewesen war, das Feuer zu legen. Es w�rde nichts mehr �brig bleiben von Tuwatis. Er w�re ohne jede Spur verschwunden. Und Lyvianne musste nicht bef�rchten, dass ihre Maskerade auffliegen w�rde. Sie konnte im Tempel ein und aus gehen, wie es ihr beliebte. Und vielleicht vermochte sie sich mit dem Namen und dem Ansehen des Bewahrers der Tiefen Gew�lbe sogar in anderen Tempeln Zutritt zu verschaffen. Bidayn wandte sich von den Rauchwolken ab und versuchte, sich gegen jegliche Bedenken zu verschlie�en. Die Devanthar hatten diesen Krieg heraufbeschworen. Ihnen war zuzuschreiben, was nun geschah!</p><p>Warmes Abendlicht lie� die trutzige Zikkurat, die die Luwier I�ta zu Ehren erbaut hatten, in allen T�nen zwischen lichtem Gold und Purpurrot leuchten. Eine steile Treppe f�hrte hinauf zum Heiligtum auf der Spitze der Stufenpyramide. Die Mauern waren mit glasierten Ziegeln verkleidet, die das Licht der Sonne einfingen und ihm zu letztem Glanz verhalfen. Seitlich des Tempels lag in einem langen Geb�ude, das von wuchtigen, fassartigen S�ulen getragen wurde, der Zugang zum Archiv. Bidayn kannte diesen Ort so gut, als habe sie hier ihr halbes Leben verbracht. Die gestohlenen Erinnerungen des Tuwatis verrieten ihr, was in all jenen oberirdischen Kammern verborgen lag, die sie in den vergangenen zehn Tagen nicht hatten betreten d�rfen.</p><p>Lyvianne sprach gerade mit einem hageren Mann, dessen Antlitz mit m�rrischen, h�ngenden Mundwinkeln von Jahrzehnten asketischen Verzichts gepr�gt war. Sie erkl�rte ihm, dass der Unsterbliche einen seiner Hauptleute geschickt habe, um die Tiefen Gew�lbe zu betreten und mit eigenen Augen einen jener Schrecken zu betrachten, die dort vor den Blicken der Menschheit verborgen wurden. Bidayn sah das Flackern in den Augen des Priesters. Die Angst vor diesen Gew�lben. Eilig winkte er ihnen weiterzugehen und schlug dabei ganz offen das Zeichen des sch�tzenden Horns.</p><p>Nebeneinander betraten die beiden Elfen das Archiv und gingen vorbei an jenen R�umen, in denen in endlosen Regalen Tausende Tontafeln lagerten. So viele Stunden hatten sie hier schon vergeblich verbracht. Sie folgten dem langen Flur, der vor einem gro�en Wandteppich endete, auf dem die gefl�gelte I�ta zu sehen war. Ein junger Priester streckte neugierig aus einer der T�ren den Kopf hervor, zog sich aber sofort zur�ck, als er sah, wie Lyvianne den Wandteppich zur Seite zog. Die Elfe b�ckte sich und nahm eine der vielen mit bunten Bildern bemalten �llampen, die vor dem Teppich auf dem Boden standen und die Bidayn bislang f�r Votivgaben gehalten hatte. Geschenke dankbarer Gl�ubiger, denen I�ta Hilfe in der Not gew�hrt hatte.</p><p>Bidayn tat es ihrer Meisterin gleich, dann schl�pften sie hinter den Teppich und stiegen eine lange Treppe hinab, die sie fort von den Archiven tief unter die Grundmauern der Zikkurat f�hrte. In diesen geheimen Tunnel war die Hitze des Tages nicht gesickert: Grabesk�hle ging von den gebrannten Ziegeln aus. Schlie�lich erreichten sie ein Tor, das mit breiten Eisenb�ndern beschlagen war, denen der Flugrost die Farbe geronnenen Blutes gegeben hatte. Lyvianne schob den schweren Riegel zur�ck, und eisernes Schaben hallte von den W�nden des Tunnels wider. Ein Ger�usch, als kratze eine Kralle �ber Stahl. Ohne zu z�gern, �ffnete Lyvianne das Tor und trat hindurch. Altes Dunkel, das lange von keinem Licht mehr durchdrungen worden war, umfing sie. Die Flammen ihrer �ll�mpchen schienen zu schrumpfen und die W�nde des Gangs n�her zu r�cken. Bidayn verstand, warum Tuwatis sich vor diesem Ort gef�rchtet hatte. Ihr ging es nicht anders.</p><p>Sie erreichten ein weiteres Tor aus gr�n angelaufener Bronze. In das Metall war ein Relief gepr�gt, das die gefl�gelte I�ta mit einem langen Schwert zeigte. Triumphierend setzte sie ihren linken Fu� auf einen riesigen Schlangenkopf. Der Bronzeriegel glitt �berraschend leicht und leise zur�ck. Hinter der T�r erwartete sie eine Treppe, die noch tiefer in den Berg hinabf�hrte. Haarfeine Kalkkristalle wucherten in den Fugen des alten Ziegelwerks. Es war jetzt so kalt, dass Bidayn der Atem in einer wei�en Wolke vor dem Mund stand. Die Flammen ihrer �llampen flackerten. Tief unter ihnen, weit entfernt, war ein leises Klirren zu h�ren. Ein eisiger Luftzug schlug ihnen entgegen, und einen Moment lang qu�lte Bidayn der Gedanke, dass sie etwas befreit hatten, das nun dem Licht entgegenstrebte. Unwillk�rlich tastete sie nach dem Schwert an ihrer Seite. Es war eine schlecht ausgewogene, primitive Waffe, und doch war es tr�stlich, den lederumwickelten Griff zu sp�ren.</p><p>Endlich erreichten sie das Ende der Treppe. Bidayn hatte jegliches Gef�hl f�r Raum und Zeit verloren. Sie vermochte nicht zu sagen, wie weit sie in die Tiefe gestiegen waren. Daf�r sp�rte sie umso deutlicher, dass dies kein Ort f�r Menschenkinder oder Elfen war. Selbst die Flammen der beiden �ll�mpchen schienen sich vor dem zu ducken, das hier im Dunkel lauerte. Sie waren zu winzigen Punkten gelben Lichts geschrumpft, das kaum einen Schritt weit in die Dunkelheit reichte.</p><p>Seitlich des Ganges, dem sie nun folgten, erhoben sich dunkle �ffnungen im Fels. Hier hatten die Priester verborgen, was nie ein Menschenkind sehen sollte. Dinge, die den Verstand untergruben, Schriften, die Wahrheiten verk�ndeten, f�r die Daia noch nicht reif war. Aus Tuwatis Erinnerungen wusste Bidayn um manches, was hier verwahrt wurde. Es �berraschte sie, wovor die Menschenkinder sich f�rchteten und was sie f�r Jahrhunderte wegschlie�en wollten. Hier gab es nur eines, das wirklich gef�hrlich war.</p><p>Sie erreichten eine dritte T�r. Zersprungene Ketten lagen wie zertretenes Gew�rm vor ihr auf dem Boden. Bidayn kniete neben Lyvianne nieder und betrachtete die Kettenglieder. K�rniger, roter Rost hatte sich tief in das Metall gefressen. Doch deutlich sah die junge Elfe silbern gl�nzende Bruchstellen. Sie dachte an das Klirren, das sie oben an der Treppe geh�rt hatte, und ihr schn�rte sich die Kehle zu. Selbst Lyvianne wirkte pl�tzlich beunruhigt. Leise fl�sterte sie ein Wort der Macht, einen Bann, der sie vor dunkler Magie sch�tzen sollte. Bidayn tat es ihr gleich.</p><p>Der Riegel dieses schmucklosen Tores war so verrostet, dass sie ihn erst nach einer gemeinsamen Kraftanstrengung l�sen konnten. Auch die beiden Torfl�gel waren verzogen. Sie mussten sich mit den Schultern gegen das Tor werfen, um es Zoll f�r Zoll aufzudr�cken. Ein schreckliches Kreischen begleitete ihre Bem�hungen. Bidayn sp�rte, wie sich tief in ihr K�lte einnistete. Das Tor zu �ffnen widersprach jedem ihrer Instinkte. Ohne ihrem Verstand etwas Greifbares liefern zu k�nnen, wusste sie, dass es falsch war hierherzukommen. Was hinter diesem Tor war, geh�rte wirklich weggeschlossen!</p><p>Als die T�r einen Spaltbreit offen war, griff Lyvianne nach ihrem Handgelenk und zog sie zur�ck. Ihrer beider Gew�nder waren mit roten Rostflocken bedeckt, sodass es im Schein der zu winzigen Lichtpunkten geschrumpften �llampenfl�mmchen aussah, als w�rden sie aus zahllosen Wunden bluten.</p><p>�Hast du das geh�rt?�, fl�sterte sie.</p><p>Au�er dem Kreischen des Tores hatte Bidayn nichts vernommen. Jetzt, da sie ihren Kampf gegen Rost und Zeit aufgegeben hatten, die miteinander verb�ndet diese Kammer unbedingt verschlossen halten wollten, schien es, als habe die Stille an Gewicht gewonnen. Sie lastete auf ihnen.</p><p>�<emphasis>Liuvar</emphasis>�, klang es durch die Torfl�gel zu ihnen heraus. Es war ein Gru� in ihrer Muttersprache. Liuvar hie� Frieden, doch die Stimme klang nach unterschwelliger Bosheit und jahrhundertealter Entt�uschung.</p></section><section><title><p>Die Stimme aus der Vergangenheit</p></title><p>Lyvianne sp�rte die alte, sterbende Macht jenseits des Tores.</p><p>Tuwatis war nie weiter als bis zu diesem Tor gegangen, obwohl es zu seinem Amt geh�rt h�tte, alle zehn Jahre die Kette zu l�sen und das Gef�ngnis dahinter zu betreten. Auch sein direkter Vorg�nger als Bewahrer der Tiefen Gew�lbe hatte es so gehalten. Wie lange dieser Betrug schon w�hrte, hatte Tuwatis nicht gewusst, doch die Tage, an denen er bis hierher hatte kommen m�ssen, geh�rten zu den dunkelsten seiner Erinnerungen. Allein das Tor hatte ihn schon in Angst versetzt. Sp�rte er doch die Macht des Steins, der dahinter verborgen lag. Als er zum letzten Mal hier unten gewesen war, war die schwere Eisenkette noch intakt gewesen. Und eine Stimme hatte er hier nie geh�rt. Aber er wusste, dass es eine Stimme gab, die in unbekannten Sprachen raunte, wenn man das Gew�lbe betrat. So stand es in den verbotenen Schriften, �ber die zu wachen Teil seiner Pflichten war.</p><p>Lyvianne hatte das meiste dieser geraubten Erinnerungen bis zu diesem Augenblick f�r d�mmliches Priestergeschw�tz gehalten. Doch nun schien es, als habe ausgerechnet Nandalee die Spur gefunden, die zur Aufdeckung der Geheimnisse des Weltenmunds f�hrte. Der Mann im Stein mochte tats�chlich etwas mit den verschollenen sieben Meistern zu tun haben. Aber wie h�tte er �berleben k�nnen?</p><p>Lyvianne k�mpfte den Schrecken nieder, den ihr die Stimme einjagte, und lauschte. Bedr�ckende Stille herrschte nun jenseits der Pforte. Sie sah kurz zu Bidayn, die zitternd versuchte, ihre Angst zu �berwinden, dann zw�ngte sie sich entschlossen durch den Spalt zwischen den Torfl�geln. Sie war nicht hier hinabgestiegen, um an dieser Stelle aufzugeben!</p><p>Das Gew�lbe hinter dem Tor war �berraschend klein. Es wurde v�llig von einem gro�en, schwarzen Stein beherrscht. Rechteckig, mit sorgsam gegl�tteten Fl�chen, erinnerte er an einen aufrecht stehenden Sarg. Lyvianne h�rte Bidayn hinter sich in das Gew�lbe treten. Es war schneidend kalt hier. Mit hoch erhobener Lampe umrundete sie den seltsamen Stein. Feine Eiskristalle hatten sich auf der spiegelglatten Oberfl�che abgesetzt. Es gab keine Fuge, nichts, was darauf hindeutete, dass dies etwas anderes als ein massiver Quader war.</p><p>Lyvianne strich �ber die kalte Oberfl�che.</p><p>�Schlange���</p><p>Das Wort kam von �berall und nirgends. Es war um sie herum wie die Luft, die sie atmete. Und es jagte ihr einen Schauder �ber den R�cken.</p><p>Sie �ffnete ihr magisches Auge und betrachtete das Muster der Kraftlinien, die sie umgaben. Ihr war klar, dass dies gef�hrlich war, denn auf diese Weise �ffnete sie sich zugleich auch den Zaubern, die hier gewoben worden waren.</p><p>Sofort erkannte sie, wie die nat�rlichen Linienverl�ufe ver�ndert worden waren. Jeder Zauber manipulierte die Kraftlinien, die alles durchdrangen. Doch meist war dies nur vor�bergehend. Die von den Alben und Devanthar ersonnene urspr�ngliche Form kehrte stets wieder zur�ck. Das magische Netz sorgte f�r ein Gleichgewicht in der Welt�� seine Linien waren wie Grashalme, trat man sie nieder, richteten sie sich doch stets wieder auf.</p><p>Hier aber war auf Dauer etwas ver�ndert worden! Das nat�rliche Muster war in eine neue Ordnung gezwungen worden. Alle Kraftlinien waren zum Stein gerichtet, wie Lanzen, die etwas in Schach halten sollten. Ihr Licht war so hell, dass sie verbargen, was sich im Stein befand. Lyvianne vermochte nur zu erahnen, dass dort etwas war�� schwach, flackernd, vergehend.</p><p>Sie trat von dem Monolithen zur�ck. �ber ihm war etwas, das erst durch das Verborgene Auge sichtbar wurde: �ste aus himmelblauem Licht. Wie ein kleiner Baum erhoben sie sich und vergingen. Dann war es wieder da, griff nach den Kraftlinien, die den Stein umlagerten.</p><p>�Er ist hier���, fl�sterte Lyvianne.</p><p>Wieder war das ver�stelte, blaue Licht verschwunden. Die Elfe sp�rte, wie sich jedes einzelne Haar an ihrem K�rper aufrichtete. Einer der �ste hatte ihre Aura ber�hrt, das Licht aus dem Netz von Kraftlinien, das sie umgab, das ihre Lebenskraft speiste. Sie ahnte, was f�r eine Art Zauber das war!</p><p>�Hast du es nicht geh�rt? Diese Stimme��� Bidayn trat dicht neben sie. �Lass uns gehen. Hier finden wir keine Antworten. Das ist eine Falle!�</p><p>Lyvianne dachte gar nicht daran. Dieser Ort war fremd, geheimnisvoll und ganz sicher auch gef�hrlich, aber sie musste verstehen, was hier vor sich ging. Wollte lernen, welche Zauber gewoben worden waren und was sie verbargen. �Wir bleiben.�</p><p>Sie untersuchte den Stein genauer, stellte ihre Lampe ab und betastete mit beiden H�nden die eisige, glatte Oberfl�che. Abwechselnd sah sie durch ihr Verborgenes Auge und ihre wirklichen Augen. Nichts!</p><p>Sie wob einen Zauber, der den Stein durchdrang, bis er nach kaum zwei Fingerbreit auf un�berwindlichen Widerstand traf. Es war keine Magie. Etwas Nat�rliches schirmte das Innere des Monolithen ab. Blei?</p><p>Sie h�rte Bidayn hinter sich nerv�s auf und ab gehen.</p><p>�Liuvar�, erklang wieder die geisterhafte Stimme.</p><p>�Bidayn, �ffne dein Verborgenes Auge und beobachte das obere Ende des Steins. Sag mir, wenn sich etwas ver�ndert, wenn das blaue Licht st�rker wird!�, befahl Lyvianne. Diesmal hatte sie deutlich gesp�rt, wie eine dunkle Macht nach ihr griff, als der Friedensgru� erklungen war. Etwas, das in ihr Beute sah!</p><p>Bidayn war bis zum Tor zur�ckgewichen. Zwar lief sie nicht schreiend davon, doch sie war noch weit davon entfernt, eine Drachenelfe zu sein, schoss es durch Lyviannes Kopf. Vielleicht w�rde sie dieses Ziel niemals erreichen. Mit ihrer Begabung k�nnte sie eine der gr��ten Zauberweberinnen Albenmarks werden, aber es fehlte ihr an Mut und Kaltherzigkeit.</p><p>Lyvianne atmete tief ein, dann widmete sie sich erneut mit allen Sinnen dem Zauber, mit dem sie die Beschaffenheit des Steins untersuchte. Sie sp�rte die feinen Adern, sp�rte, wo der Stein unregelm��ig gewachsen war und entdeckte einen Schwachpunkt. Entschlossen sprach sie ein Wort der Macht und lie� die verschiedenen Kr�fte des Steins gegeneinander wirken. Sie sp�rte die Spannung, die sich aufbaute. H�rte das feine Knacken im Inneren. Dann kroch der erste Haarriss �ber die glatte Oberfl�che. Das Knacken wurde lauter. Gleich��</p><p>�Vorsicht!�, rief Bidayn. ��ber dir!�</p><p>Lyvianne blickte auf. Das blaue Licht leuchtete nun intensiver. Pl�tzlich beugten sich seine feinen �ste gierig zu ihr herab, drangen in ihre Aura ein und stahlen von ihrer Lebenskraft. Ihr Verborgenes Auge offenbarte ihr in aller Deutlichkeit, was geschah.</p><p>K�lte umfing sie. Sie sollte zur�ckweichen, doch ihr eigener Zauber hielt sie gebannt. Sie musste den Stein spalten. Immer weiter ver�stelten sich Risse in der Oberfl�che. Gleichzeitig wurde der Stein k�lter. Ihre Hand klebte an der Oberfl�che fest. Eisiger Schmerz fra� sich tief in ihre Fingerknochen.</p><p>Pl�tzlich war Bidayn hinter ihr. Sie zischte etwas und kappte mit einem Wort der Macht die blauen �ste, die kaum einen Herzschlag sp�ter nach der Aura der Novizin griffen. Bidayn schrie auf. Der dunkle Stein zerbarst. Er war nicht massiv. Eine gro�e Platte l�ste sich, st�rzte zu Boden und zerbrach in Hunderte von Splittern.</p><p>�Schlange���</p><p>Hinter der herausgebrochenen Steinplatte war eine innere, graue Wand zu sehen. Gleich mehrere der blauen Licht�ste tanzten �ber das Grau und griffen nun nach Lyviannes Aura, als wollten sie sie vom Stein vertreiben. Sie h�rte, wie Bidayn erneut mit Worten der Macht gegen das blaue Licht ank�mpfte, um sie zu sch�tzen.</p><p>Wie durch einen Zauberbann angezogen, ber�hrte Lyvianne die graue Wand mit den Fingerspitzen. Es war Metall. Vorsichtig �bte sie einen leichten Druck aus und sp�rte, wie es sich nach innen beulte. Blei, ganz wie sie vermutet hatte.</p><p>�Dein Schwert, Bidayn.� Sie streckte die Rechte zur�ck, ohne die Bleiplatte aus den Augen zu lassen. Was immer der Ursprung des blauen Lichts war, das wie ein magischer Sinn nach ihnen tastete, war hinter dieser Platte eingeschlossen. Wenn es einen Mann in diesem Stein gab, dann war sein Licht seine einzige M�glichkeit, mit dem, was jenseits seines Gef�ngnisses lag, Verbindung aufzunehmen.</p><p>�Er ist hier���, erklang nun die Stimme, deutlicher und kraftvoller.</p><p>Bidayn schob ihr den Griff ihres Schwerts in die Hand. Es war eine primitive Bronzeklinge, aber sie musste gen�gen. Mit angehaltenem Atem setzte Lyvianne die Spitze des schlanken Schwertes auf die Mitte der Bleiplatte und hieb mit aller Kraft auf den Schwertknauf.</p><p>Die Bronze durchdrang das Blei. Lyvianne ruckte und zog an der Waffe, um das Loch zu vergr��ern. Schlie�lich nahm sie ihre H�nde zu Hilfe und bog das Blech auf. Ein fast kopfgro�es Loch war entstanden. Trockene, abgestandene Luft schlug ihr entgegen.</p><p>�Liuvar�, begr��te sie die unheimliche Stimme, und jetzt floss das blau ver�stelte Licht durch die neue �ffnung. Es war ein Gef�hl, als kratze Dornenge�st �ber ihre Haut. Friedlich war dieser Empfang ganz und gar nicht. Lyvianne erkannte eine schwache, flackernde Aura im Inneren. Sie war vom dunklen Rot lange gen�hrten Zorns kaum sichtbar. Nur zwei Kraftlinien umspannten den K�rper, wo ein ganzes Netz h�tte sein sollen. Beide hatten das Blau der Blitze.</p><p>Vorsichtig schob die Elfe ihre �llampe durch die �ffnung und schloss ihr Verborgenes Auge. Im Inneren des Monolithen kauerte ein Gefangener, die Beine angezogen, den R�cken gerade gegen die R�ckwand gepresst. Seine Haut hatte die Farbe dunklen Pergaments. Die Augen waren so tief in den Sch�del eingesunken, dass nur noch dunkle L�cher geblieben waren. Seine zusammengepressten Lippen waren kaum mehr als eine schmale Narbe. Der Elf hatte eine hohe Stirn, aus der ein schmaler, dunkel angelaufener Reif sein Haar zur�ckhielt. Hohe Wangenknochen verliehen seinem Antlitz eine asketische H�rte. Sein Haar war schwarz wie Rabenschwingen. Selbst im Tod wirkte er respekteinfl��end.</p><p>�Du bist also der Mann im Stein, von dem Nandalee gelesen hat�, sagte Lyvianne leise und fragte sich, wie lange er in diesem elenden Gef�ngnis hatte ausharren m�ssen. Sie hob die �llampe noch etwas h�her, um besser sehen zu k�nnen. Wie eine Kralle lag die ausgedorrte Hand des Toten an dessen Hals. Nun schob Lyvianne den Kopf durch die �ffnung. Nein, die Hand lag nicht <emphasis>an</emphasis> seinem Hals. Er hatte seine Kehle aufgeritzt und die Fingerspitzen hineingeschoben! Wie es schien, hatte er seinem letzten Zauber mit seinem eigenen Blut mehr Macht verliehen.</p><p>�Ich h�tte dich gerne gekannt�, fl�sterte Lyvianne voller Respekt. Was f�r eine Selbstbeherrschung! �Wer bist du gewesen?�</p><p>�Schlange��� Das Ge�st blauer Blitze griff nach Lyviannes Kopf. Und in dem kalten Licht sah sie, dass die Innenw�nde des Gef�ngnisses mit Zeichnungen und Texten bedeckt waren. Der Tote musste sie mit den N�geln in das Blei gegraben haben. �ber seinem Kopf war das Blei aufgebogen und ein winziges Loch durch den Stein gegraben. Durch dieses Loch musste das blaue Licht gedrungen sein. Hatte er das getan, oder waren es die Devanthar gewesen, die so verhindern wollten, dass er erstickte und einen schnellen Tod fand? Wie es schien, hatte der Gefangene versucht, das Loch zu erweitern. Es waren Kratzspuren auf dem Stein. Haarfeine Schrammen, f�r die er mit Schmerzen und abgebrochenen N�geln bezahlt haben musste.</p><p>Wie lange hatte er noch gelebt, nachdem er lebendig in Stein und Blei gesperrt wurde? Und auf wen hatte er gehofft? F�r wen hatte er seine Nachricht hinterlassen?</p><p>�Er ist hier���</p><p>Die Worte jagten Lyvianne einen Schauer �ber den R�cken. Es war, als sp�rte er selbst im Tod noch ihre Gedanken und versuchte nun, ihr zu antworten. <emphasis>Er ist hier.</emphasis> Wer?</p><p>�Wir m�ssen weg von diesem Stein, von dieser Stimme�, flehte Bidayn. Die junge Elfe zerrte an ihr, versuchte sie zur�ckzuziehen. Aber Lyvianne wollte Antworten. Und f�r manche Antworten musste man einen Preis zahlen. Sie waren hier, in diesem Gef�ngnis, da war sie sich sicher. Sie presste ihre Wange an das Blei und versuchte zu lesen, was auf der Innenseite der Wand, gleich neben der �ffnung stand.</p><p><emphasis>Wir entdeckten den Zugang, als es zu sp�t war. W�ren wir nur von dort gekommen, statt ihm direkt in seine grausamen F�nge zu laufen. Er hat uns nicht mehr erkannt. Er lebte, aber er war nicht mehr der, den die Alben erschaffen hatten</emphasis>.</p><p>Neben die Worte war eine sich windende Schlange geritzt. Oder war es ein schlangenhafter Drache? Nein, sein Kopf war anders. Zu gro�. Fremd. Vielleicht ein Fehler in der Zeichnung? Hatte der Gefangene all dies in vollkommener Dunkelheit in die W�nde geritzt? Hatten seine tastenden Finger ihm dabei die Augen ersetzen m�ssen, oder hatte er das blaue Licht heraufbeschworen?</p><p>�Liuvar.�</p><p>Der Tonfall hatte sich ver�ndert. Es klang weicher. Die blauen Blitze drangen tiefer. Jetzt waren es keine Dornen mehr, die �ber ihre Haut schrammten. Es f�hlte sich an, als w�rden sich kleine Krallen in ihr Fleisch graben. Lyvianne sp�rte, wie seine Macht wuchs und Bidayn sie immer weniger gegen ihn abschirmen konnte.</p><p>Etwas rann �ber ihre Oberlippe. Lyvianne leckte danach. Blut! Ihr troff Blut aus der Nase!</p><p>�Komm dort heraus!�, flehte Bidayn. �Bitte komm mit mir weg von hier! Deine Aura verlischt!�</p><p>�Gleich!� Sie war dem Geheimnis so nahe�� nur noch ein paar Augenblicke. Das blaue Licht war pl�tzlich verschwunden, und so musste sie die �llampe an den Bleiw�nden entlangbewegen, um weiterzulesen. Ihre Augen �berflogen den Text. Er war einer der sieben ersten Meister der Wei�en Halle gewesen. Ein Drachenelf! Die Himmelsschlangen hatten ihn und seine Gef�hrten geschickt, und sie waren �ber den Kraterrand gestiegen. Auch sie hatten den Befehl gehabt, zu Nangog vorzudringen.</p><p>Ein leises Knistern lie� Lyvianne den Blick wenden. In den Tiefen der Augenh�hlen des Toten glomm nun ein himmelblaues Licht. �Die Schlange hat uns gestellt���</p><p>Seine Botschaft. Lyvianne begriff. Es war ihre Aura, die den Zauber mit neuer Kraft speiste, den der Sterbende gewirkt hatte. Die Botschaft, die bis zur Unkenntlichkeit verst�mmelt war. Sie w�rde sich wieder zusammensetzen.</p><p>Der Zauber, der seine Worte �ber den Tod hinaus zu ihr trug, vermochte sich selbst zu heilen, wenn ihm neue Kraft zugef�hrt wurde. Lyvianne war �berw�ltigt. Nie hatte sie von so etwas auch nur geh�rt. Vielleicht konnten die Himmelsschlangen solche Magie wirken, den Albenkindern aber war sie vorenthalten. Ein Irrtum.</p><p>Das Glimmen in den Augen wurde st�rker. Die Lippen des Toten, die eben noch geschlossen gewesen waren, klafften nun einen Spalt weit offen.</p><p>�Bleib!�</p><p>Brennender Schmerz kroch �ber Lyviannes Haut. Fast h�tte sie die Lampe fallen gelassen. Er hatte seine Seele gebunden, sodass sie seinen Leichnam nicht verlassen konnte! Sie wollte ein Wort der Macht sprechen, um sich zu sch�tzen, doch sp�rte sie, dass ihre eigene Macht sie verlassen hatte. Sie war so schwach, dass die Lampe in ihrer Hand schwer wie ein Felsbrocken wog.</p><p>Wieder zog Bidayn an ihr, und diesmal leistete Lyvianne keinen Widerstand mehr.</p><p>Das blaue Licht in den Augen des Toten wuchs an. Er l�chelte, als Lyvianne vom Stein zur�ckwich.</p><p>�Das Ding da drinnen bringt dich um!�, keuchte Bidayn aufgel�st. �Wir m�ssen fort von hier. Sofort!�</p><p>Lyvianne konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Sie wusste, es war nicht klug, l�nger zu bleiben. Aber sie war so nah daran, das Geheimnis zu l�sen! Der alte Zauber baute sich wieder auf. Bald w�rde die ganze Botschaft zu h�ren sein, die dieser alte Meister ihnen hinterlassen hatte.</p><p>Die �llampe entglitt Lyviannes zitternder Hand. Sie war so schwach. Benommen bemerkte sie, dass die Haut ihrer Hand schlaff und faltig wirkte. Sie blinzelte. Sah noch einmal hin, dann fuhr sie erschrocken mit den Fingern �ber ihr Antlitz. Sie war gealtert! Der Schock nahm ihr die letzte Kraft. Ihre Beine knickten weg, sie st�rzte nach vorn und fing sich mit den H�nden an der grauen Bleiwand ab, die unter dem zersplitterten Stein hervorgetreten war.</p><p>Dann erinnerte sie sich, und sie lachte unendlich erleichtert auf. Das waren gar nicht ihre H�nde, nicht ihr Gesicht. Sie hatte die Gestalt des Tuwatis nachgeahmt! Auch dessen gealterte Haut. Eine Hand wie eine Vogelkralle schnellte aus dem Loch im Stein und schloss sich wie kaltes Eisen um ihren Arm. Blaue Blitze zuckten aus dem Stein. Gr��er, kraftvoller nun. Sie h�llten sie in ein Gitterwerk aus Licht.</p><p>Lyvianne schrie auf vor Schmerz. Hundert Messer stachen durch ihre Haut, und es f�hlte sich an, als hielte die Krallenhand nicht ihren Arm, sondern ihr Herz umklammert. Sie sp�rte, wie ihre Aura verging. Wie ihr die Lebenskraft gestohlen wurde, so wie sie selbst vor wenigen Stunden erst Tuwatis bestohlen hatte.</p><p>Ein Schwerthieb ging auf die Krallenhand nieder, verletzte sie aber nicht. Bidayn, halb gel�hmt vor Angst, hatte mit ihrem Bronzeschwert zu kraftlos zugeschlagen. Der Arm zuckte zur�ck durch das Loch in der Bleiwand. Lyvianne wurde hochgerissen. �Wir verschwinden!�, schrie Bidayn.</p><p>�Wir h�tten niemals hierherkommen sollen�, f�gte sie hinzu, als sie Lyvianne durch den engen Spalt zwischen den Torfl�geln schob.</p><p>�Bleibt!�, erklang es nun herrisch und kraftvoll hinter ihnen, und ein armdicker Blitz raste in Richtung des Tors.</p><p>Bidayn schleuderte ihm das Schwert entgegen, das sie noch immer in H�nden gehalten hatte. Funken stoben auf. Der Lichtarm verlosch, doch schon erglomm ein neues Astwerk von Blitzen um die �ffnung im Blei.</p><p>�Rette dich�� und lass mich zur�ck�, murmelte Lyvianne. Sie war am Ende ihrer Kr�fte und wusste, dass sie die endlose Treppe hinauf zum Licht nicht mehr erklimmen konnte.</p><p>Doch Bidayn entgegnete mit einer trotzigen Entschlossenheit, die sie ihr niemals zugetraut h�tte: �Entweder gehen wir zusammen, oder wir sterben zusammen.�</p></section><section><title><p>Flucht</p></title><p>Bidayn stemmte Lyvianne auf ihre Schultern. Im ersten Augenblick dachte sie, sie w�rde unter der Last zusammenbrechen. Dann sprach sie ein Wort der Macht. Anders w�rde sie hier nicht herauskommen. Sie hatten Nandalees Verbot, Zauber zu weben, an diesem Abend schon dutzendmal gebrochen. Und so ver�nderte sie auch jetzt das magische Netz, stellte sich vor, dass die Luft helfen w�rde, Lyvianne zu tragen�� so wie auch Wasser einen K�rper tragen konnte.</p><p>Sie sp�rte ein Kribbeln auf der Haut. Ihre Narben begannen zu brennen. Als sie das letzte Mal so tiefgreifend in das magische Gef�ge Nangogs eingegriffen hatte, war sie f�r immer gezeichnet worden. Doch sie konnte ihre Meisterin nicht zur�cklassen. So vermessen Lyvianne auch gewesen war, sich allein dieser unbekannten Gefahr zu stellen, sie waren Drachenelfen, sie lie�en nie einen der Ihren zur�ck.</p><p>�Bleib!�</p><p>Die Stimme hinter dem Tor hatte sich v�llig ver�ndert. Machtvoll war sie. Auch in ihr lag Magie. Sie mussten hier fort. Das Ding aus dem Stein, auf das sie keinen richtigen Blick hatte werfen k�nnen, w�rde entkommen, das sp�rte sie.</p><p>Bidayn k�mpfte sich die Stufen hoch. Lyvianne war leichter, doch sie hatte ihre �llampe zur�cklassen m�ssen und bewegte sich nun in absoluter Dunkelheit. Mit beiden H�nden hielt sie den K�rper, der leblos �ber ihren Schultern lag�� ihre Meisterin, zu der sie immer aufgeblickt hatte.</p><p>Sie wusste nicht, wie weit sie schon war. Angst trieb sie vorw�rts, doch jeder Schritt in die Finsternis war ein vorsichtiges Tasten. Einmal h�rte sie hinter sich Ger�usche. Splitternder Stein. Waren da schlurfende Schritte? Sie sah nicht zur�ck!</p><p>Nach einer Ewigkeit erreichte sie das Tor, das die Gefl�gelte I�ta zeigte. Es stand noch offen. Erst als sie hindurchgetreten war, wagte sie, Lyvianne abzusetzen. Ihre Meisterin zitterte am ganzen Leib, doch sie war bei Bewusstsein. Es war seltsam, sie in so fremder Gestalt vor sich zu sehen. Als Mann, Menschenkind und Priester. Lyvianne schwitzte. Ihre Unterlippe zitterte. Ein Speichelfaden troff ihr aus dem Mundwinkel. Sie war am Ende ihrer Macht. W�rde sie je wieder sie selbst werden? Bidayn wusste nicht einmal, ob Lyvianne den n�chsten Morgen erleben w�rde. Sie wusste nur eins, sie mussten fort von hier. So schnell wie m�glich!</p><p>Pl�tzlich wehte ein eisiger Luftzug aus der Tiefe herauf. Bidayn erzitterte. Die Angst verlieh ihr neue Kr�fte. Hastig wandte sie sich dem schweren Bronzeportal zu und schloss die Fl�gel des Tores. Als sie den Riegel vorschob, bl�hten Eisblumen auf der gr�nen Patina der I�tafl�gel. Erschrocken zog Bidayn die H�nde vom Riegel zur�ck.</p><p>Der Temperatursturz konnte nur eines bedeuten: Unten wurde ein machtvoller Zauber gewoben. Ein Zauber, der von Kraftlinien und W�rme zehrte. Bidayn z�gerte nicht l�nger. Wieder schulterte sie Lyvianne und setzte ihren Weg fort. Die Angst verlieh ihr neue Kr�fte. Der Weg zum ersten Tor, das sie durchschritten hatten, kam ihr diesmal k�rzer vor. Dennoch war sie in Schwei� gebadet, als sie es erreichte.</p><p>Wieder setzte sie Lyvianne ab. Sie schob den Eisenriegel �ber die rostigen B�nder.</p><p>�Danke�, murmelte die Meisterin schwach. Tuwatis� Gesicht war leichenblass. Immer noch zitterte seine Unterlippe.</p><p>Bidayn schlang sich einen ihrer Arme um die Schulter. Langsam gingen sie auf den Vorhang zu, der den Zugang zu den Tiefen Gew�lben verbarg.</p><p>Eine Gruppe Priester erwartete sie in dem Gang, an dem die Archive lagen.</p><p>�Warum warst du so lange fort, Tuwatis?�</p><p>�Woher kommt der kalte Wind?�</p><p>�Was hast du getan?�</p><p>Sie wurden mit endlosen Fragen best�rmt. Lyvianne machte kraftlos eine abwehrende Geste. �Ich muss zur Hohepriesterin des Lebenden Lichts. Ich brauche ihren Rat.�</p><p>�Was ist dort unten geschehen, Tuwatis?�, bedr�ngte sie ein b�rtiger Greis erneut.</p><p>�Das Dunkel.� Lyvianne wedelte schwach mit der Rechten. �R�umt das Haus. Lasst niemanden herein. Ich komme wieder. Dann werde ich mich dem Dunkel stellen. Geht nicht dort hinab, wenn euch eurer Leben lieb ist.� Wie um ihre Worte zu unterstreichen, w�lbte sich der schwere Wandteppich, und ein eisiger Luftzug zog durch den Gang.</p><p>Bidayn konnte sp�ren, dass Lyvianne das getan hatte. Sie fand wieder zu sich, und sofort verbreitete sie Entsetzen. Die Priester, die sie gerade noch umringt hatten, wichen erschrocken zur�ck. Einer st�rmte sogar laut schreiend auf den Hof hinaus.</p><p>�Ihr habt geh�rt, was der Bewahrer des Tiefen Gew�lbes gesagt hat. Macht Platz! Wir sind in Eile.�</p><p>Augenblicklich stoben die Priester auseinander. Keiner stellte ihnen mehr Fragen oder wagte auf andere Art, die Autorit�t des Kriegers herauszufordern, als den Bidayn sich ausgab. So verlie�en sie ungehindert erst das Archivgeb�ude und gingen dann auf dem Vorplatz durch kleine Gruppen tuschelnder Priester hindurch, die sich �ber sie und das Ungl�ck, das sie heraufbeschworen hatten, das Maul zerrissen.</p><p>Je weiter sie sich vom Archiv entfernten, desto kr�ftiger wurde Lyvianne. Bald konnte sie wieder aus eigener Kraft gehen, wenn auch langsam. Es war Nacht geworden, und Bidayn sah weiter unten am Hang ein w�tendes Feuer toben. Wie schwarze Scherenschnitte zeichneten sich die Fassaden der umgebenden H�user gegen den Brand ab. Sie versuchte sich einzureden, dass es nicht dort war, wo sie Tuwatis ermordet hatten, doch sie wusste es besser.</p><p>Lyvianne schwieg, obwohl auch sie die verheerenden Flammen gesehen haben musste. Und schweigend folgten sie der Stra�e, bis sie einen jener M�rkte erreichten, die von billigen Garstuben ges�umt waren und auf denen bis tief in die Nacht die Sch�tze Nangogs verschachert wurden. Dort lie� sich Lyvianne auf einer gest�rzten S�ule nieder und bat Bidayn, ihr etwas zu essen zu holen. Sie schien sich etwas erholt zu haben, doch Bidayn wusste, dass sie ge�bt darin war, Dinge zu �berspielen.</p><p>Die junge Elfe betrachtete ihre Meisterin durch ihr Verborgenes Auge, und alle Masken fielen: Lyvianne hatte ihre Kraft verloren. Ihre Aura war nur noch ein schwaches Flackern.</p><p>Sie fand an einer Garstube etwas, das als H�hnerspie� verkauft wurde. Das Fleisch sah nicht schlecht aus. Bidayn nahm es, dazu eine Schale Reis und einen Krug mit Wasser.</p><p>Lyvianne a� nicht, sie schlang. Ein wenig Farbe kehrte in ihr fremdes Gesicht zur�ck. �Mehr�, sagte sie gierig. �Das war gut.�</p><p>�Sollten wir nicht zu den anderen gehen?�</p><p>�Nicht so! Ich will etwas zu Kr�ften gekommen sein, bevor ich mich Nandalees Vorw�rfen stelle. Wir sind den richtigen Weg gegangen. Der Mann im Stein wei� alles, wonach wir suchen.�</p><p>Bidayn war anderer Meinung, aber sie sagte nichts. Sie kannte Lyvianne zu gut. Ihre Meisterin hatte sich verrannt. Sie w�rde es mit der Zeit von alleine einsehen. Aber ganz gewiss nicht in dieser Nacht.</p><p>Sie nahm die leere Reisschale und den Wasserkrug. Der Besitzer der Garstube l�chelte breit. �Du bist aber hungrig, Hauptmann.�</p><p>Bidayn nickte schweigend. Sie trug nur M�nnerkleidung und hatte weder ihre Gestalt noch ihre Stimme ver�ndert. Sollte der Garkoch sehen, was er sehen wollte, und so deutete sie wie beim ersten Mal einfach auf die Speisen, die sie haben wollte.</p><p>Einen Moment lang legte er den Kopf schief und musterte sie argw�hnisch. �Bist nicht gerade gespr�chig, Krieger�, raunzte er, doch dann nahm er ihre M�nzen und �berlie� ihr die Speisen.</p><p>Als Bidayn zu der gest�rzten S�ule zur�ckkehrte, war Lyvianne verschwunden.</p></section><section><title><p>Zwei Schwertmeister</p></title><p><emphasis>Zwei Stunden zuvor</emphasis></p><p>Voller Wut schob Gonvalon die Tontafeln von sich. Sofort trat der junge Priester an seine Seite.</p><p>�Darf ich Euch weitere Tafeln bringen, Herr?�</p><p>Der Elf sah die Angst in den Z�gen des kahlgeschorenen J�nglings, was ihn nicht gn�diger stimmte.</p><p>�F�r heute gen�gt es mir�, sagte er eisig. Am liebsten h�tte er den Priester zum Schwertkampf gefordert, doch der Junge war unschuldig. So wie die Dinge standen, war er nicht einmal auf Nangog gewesen, als seine Kirche die tote Talinwyn sch�ndete. Jene Elfe, die gekommen war, den Unsterblichen Aaron zu t�ten. Seine Sch�lerin.</p><p>�Wollt Ihr einen der Oberen sprechen?�, fragte der Priester unterw�rfig.</p><p>�Nein! Du h�ttest in Kush k�mpfen sollen. Du und all deine Ordensbr�der mit den weichen H�nden und den kleinen Herzen. Euer Verrat war es, der Tausenden M�nnern auf der staubigen Hochebene den Tod gebracht hat. Ich war da, es zu sehen. Wo warst du? Ging es dir gut in diesem Tempel? Hat man deinen Bauch mit k�stlichen Speisen gef�llt? Musstest du hart mit dem Griffel arbeiten, um neue Tontafeln zu verfassen, als die besten M�nner Arams in den Staub von Garagum bluteten? Bald wird der Unsterbliche nach Nangog zur�ckkehren. Und mit ihm werden die Kushiten kommen. Meine Br�der. Und sie haben nichts vergessen, Priester.�</p><p>Gonvalon ma� den jungen Mann mit abf�lligem Blick. Der Priester war fast einen Kopf kleiner als er. Er hatte ein d�mmliches, rundes Gesicht und roch viel besser, als es die Menschenkinder gemeinhin taten. Er wusch sich regelm��ig und betupfte sich unter den Achseln mit Bl�tenwasser.</p><p>�Ihr Priester habt euch den Befehlen des Unsterblichen widersetzt und die Bambusrohre des Fluggestells der Daimonin mit Blei gef�llt. Die G�tter allein h�tten entscheiden sollen, ob die Daimonin unter den anderen Helden Nangogs im Wind gleitet. Ihr habt euren Willen �ber den der G�tter gestellt, und ihr wagt es noch, euch deren Diener zu nennen?� Der Elf erhob sich abrupt, und seine Schwertscheide schlug so hart gegen den Stuhl, dass dieser zur Seite schlitterte. �In meinen Augen bist du ein Wurm. Und du bietest mir an, mir einen Oberwurm zu rufen? Welchen Gefallen sollte ich daran finden?�</p><p>�Ich wollte Euch dienen, ehrenwerter Asa. Ich���</p><p>�Schweig still, Wurm!�, fuhr Gonvalon den Jungen an, der aussah, als wolle er sich am liebsten in sich selbst verkriechen. �Du r�hrst keine dieser Tafeln �ber euren sch�ndlichen Verrat an, der den Zwist zwischen dem Unsterblichen Aaron und dem Unsterblichen Muwatta heraufbeschworen hat. Sie sollen auf diesem Tisch liegen bleiben. Morgen werde ich noch einmal die Geschichte eurer Niedertracht studieren. Du kannst nicht ermessen, wie viel Leid ihr �ber die beiden K�nigreiche gebracht habt! Du wirst zudem nach anderen Tafeln f�r mich suchen. Morgen m�chte ich �ber die ersten Helden lesen, denen die Ehre zuteilwurde, �ber dem Weltenmund zu schweben.� Gonvalon hielt kurz inne und baute sich drohend vor dem Priester auf.</p><p>�Suche leidenschaftlich nach dem, was ich von dir fordere. Sorge daf�r, dass ich nicht entt�uscht bin, wenn ich morgen wiederkehre, denn ich bin einer der M�nner, die entscheiden werden, ob du und deine Oberen dem langen Schlaf �bergeben werden.�</p><p>Ohne eine Antwort abzuwarten, verlie� er mit raschen Schritten den Saal, den ihm die Priester der Gefl�gelten Sonne seit dem ersten Tag seines Erscheinens ganz allein �berlie�en. Gonvalon war sich bewusst, dass er eben zu weit gegangen war. Seine Worte w�rden den Oberen zu Geh�r gebracht werden.</p><p>Der Elf schritt auf einem schmalen Grat. Die ersten Tage nach ihrer Ankunft war er in verschiedenen Masken durch die Goldene Stadt gestreift. Er hatte den Menschenkindern auf den M�rkten und in den billigen Garstuben unten am Hafen zugeh�rt, ihre Gespr�che belauscht und versucht, sich ein Bild von dieser ungeheuerlichen Metropole zu machen. Dabei war er auf die Geschichte des Duells zwischen den beiden Unsterblichen gesto�en, und auf Talinwyn, die hier nur als Daimonin bekannt war.</p><p>Die Intrige der Priester hatte zu vielen Verhaftungen gef�hrt. Juba, der Kriegsmeister Arams, war mit eiserner H�rte gegen die Verschw�rer vorgegangen, woraufhin Dutzende Priester hingerichtet worden waren. Hunderte hatten Amt und W�rden verloren und waren in die Verbannung vertrieben worden. Seit jenen Tagen schien das Reich Aram nicht zur Ruhe gekommen zu sein. Aaron, der Herrscher, hatte ein gro�es Heer aufgestellt und Muwatta auf der Hochebene von Kush besiegt. Seine Reformen brachten Unsicherheit, und vor einem Mond erst hatte er eine neue Leibgarde aufgestellt, die Kushiten. Angeblich bestand sie ausschlie�lich aus Fanatikern, die sich auf dem Schlachtfeld hervorgetan hatten.</p><p>Daraufhin hatte Gonvalon beschlossen, in die Rolle eines solchen Kriegers zu schl�pfen. Aaron war nicht auf Nangog und seine Leibwache in weiter Ferne, aber niemand im Tempel der Gefl�gelten Sonne hatte daran gezweifelt, dass er einen seiner M�nner schickte, um die Archive einzusehen.</p><p>Die Oberen hatten Angst, dass es zu neuen Morden kommen k�nnte. Sie wollten nicht den geringsten Anlass bieten, den Unsterblichen zu ver�rgern. Ihnen allen war bewusst, dass sie gro�e Schuld am Krieg zwischen Aram und Luwien trugen. Da zudem bekannt war, dass Aaron gerne S�ldner aus aller Herren L�nder in seine Leibwache aufnahm, wunderte sich niemand, dass Gonvalon mit einem seltsamen Akzent sprach. Solange der Unsterbliche Aaron nicht tats�chlich in die Goldene Stadt kam, war dies also die perfekte Tarnung. Der Rang als einer der Hauptleute der Leibwache �ffnete ihm T�r und Tor.</p><p>Seine genagelten Sandalen klackten auf den Stufen, als er zum Hof neben dem Haupttempel der Gefl�gelten Sonne hinabstieg. Aus den weit ge�ffneten Bronzetoren des Hauses der Sonne zogen Weihrauchschwaden. Priester mit kahl geschorenen K�pfen und auff�lligen gelben Gew�ndern beobachteten ihn misstrauisch. Die beiden Torw�chter, die auf ihren hohen, mit Kuhfell bespannten Schilden lehnten, nickten ihm zu, sodass die roten Federkr�nze auf ihren Helmen wippten. Alle im Tempel der Gefl�gelten Sonne hatten schon von ihm geh�rt. Nach den Ma�st�ben der Menschenkinder war er eine eindrucksvolle Gestalt. Er hatte sich einen Brustpanzer aus Bronze besorgt, in dessen Vorderseite ein L�wenkopf gepr�gt war�� eine erb�rmlich schlechte Arbeit von jemandem, der vermutlich noch nie einen L�wen gesehen hatte. Dazu trug er eine t�rkisfarbene Tunika und einen schreiend roten Wickelrock, der von gelben Wollfransen ges�umt war. Die Kleidung kratzte und juckte, und der Brustpanzer war zu breit f�r seine schmalen Schultern und dr�ckte.</p><p>Wie viele S�ldner in dieser Welt trug er sein Schwert auf den R�cken geschnallt. Er hatte die Scheide der Waffe mit einem roten Leder�berzug versehen, um sie unauff�lliger zu gestalten. Ein breiter Schwertgurt mit Silberm�nzen geschm�ckt verlief quer �ber seine Brust und verk�ndete jedem, dass er kein armer Mann war. Auf einen Helm hatte er verzichtet. Sein langes, blondes Haar trug er offen, sodass es ihm bis auf die Schultern fiel. Gonvalon war sich bewusst, dass er ohne Bart eine auff�llige Erscheinung war. Nur wenige M�nner rasierten sich. Doch seine Verkleidung gen�gte, dass niemand dazu Fragen stellte und die meisten Menschenkinder dem�tig den Blick senkten, wenn er vor�berging.</p><p>Der Elf �berquerte eilig den weiten Vorplatz des Tempels, auf dem sich der Markt f�r R�ucherwerk erstreckte. Eine Sinfonie von Ger�chen umfing ihn. Immer wieder war er aufs Neue �berrascht, wie vielf�ltig die D�fte dieser Welt waren. Unter ausgeblichenen Sonnend�chern wurden hier die Sch�tze der W�lder und entfernter Inseln feilgeboten: Schalen mit H�geln aus langgezogenen Baumharztr�nen in heller Bernsteinfarbe, S�cke voller getrockneter Bl�tenbl�tter, Knospen, Rindenst�cke und zu feinem Mehl zersto�ene K�rner in satten Erdt�nen.</p><p>Obwohl der Abend nahte und schon die ersten �llampen brannten, war es noch voll auf dem Markt. Gonvalon passierte einen Stand, an dem gelbliche Rauchschwaden aus roten Kupferschalen stiegen. Vollmundig verk�ndete ein kleiner Gew�rzh�ndler dazu, dass der Rauch die Gr�nen Geister vertreiben w�rde.</p><p>Gonvalon blickte �ber die Schulter und entdeckte im Gew�hl hinter ihm den Glatzkopf, der ihm stets folgte. Heute hatten die Priester ihrem Spitzel immerhin befohlen, unauff�llige Kleidung zu tragen. Gonvalon musste �ber ihre plumpen Versuche, ihm nachzustellen, l�cheln. Bisher war es ihm noch jedes Mal gelungen, seinen Verfolger abzusch�tteln. Heute w�rde er ihn f�r seine Zwecke benutzen.</p><p>Er verlie� den Markt und ging ein St�ck die Stra�e der Gerechtigkeit entlang. Eine jener breiten Prachtstra�en, die l�ngs des Kraterhangs verliefen und fast kein Gef�lle hatte. Gonvalon mochte diesen Weg nicht, denn wie Perlen an einer Schnur reihten sich kleine Pl�tze entlang dieser Stra�e, auf denen sich Richtst�tten befanden: Sterbende auf R�der geflochten, Kadaver in goldene K�fige gesperrt, M�nner, die mit auf den R�cken gefesselten H�nden von Seilen hingen, bis sie sich die Schultern auskugelten. Es war eine Stra�e der Schreie und der Gaffer, die sich an der Obsz�nit�t erfreuten, die die Menschenkinder Gerechtigkeit nannten.</p><p>Er war froh, als er eine breite Treppe erreichte, die zu den tiefer gelegenen Stadtvierteln f�hrte. Dort, in den engeren Gassen, hatten sich bereits die ersten Schatten der nahenden Nacht eingenistet. Fl�chtig sah der Elf �ber seine Schulter. Sein Verfolger war ihm wie erwartet noch auf den Fersen. Sollte der Priester nur sehen, mit wem er sich traf. Es w�rde ihn einsch�chtern.</p><p>Das Viertel war belebt, und dennoch wirkte es wie die ganze Stadt auf Gonvalon zugleich wie in Trauer. Er hatte dies schon am ersten Tag so empfunden, als sie vom Fluss hinauf zum Haus der Seidenen gestiegen waren. Aber es hatte eine Weile gedauert, bis ihm klar geworden war, woraus das Gef�hl resultierte. Es gab fast keine Frauen auf den Stra�en. Und er hatte bisher kein einziges Kind gesehen.</p><p>Aus den Berichten im Tempelarchiv hatte er erfahren, dass die Frauen der Menschenkinder auf Nangog so gut wie nie schwanger wurden. Dass die Sterblichen hier dennoch siedelten und St�dte bauten, konnte er nicht begreifen. Konnte es ein deutlicheres Zeichen geben, dass diese Welt nicht f�r sie geschaffen war? Dies war der Grund, warum Frauen Nangog mieden.</p><p>Ihn allerdings mieden sie nicht! Hier, wo Frauen unter Hunderten w�hlen konnten, hatte ihn gestern eine dunkelh�utige Sch�nheit auf dem Platz der Vogelh�ndler angesprochen. Sie war nur mit einem Umhang aus schillernden Federn und einem kurzen Rock bekleidet gewesen. Ihre zarte Haut hatte sie mit verschlungenen, wei�en Schlangen bemalt. Ganz ohne Begleitung war die seltsame Sch�ne �ber den Markt geschlendert. Sie musste eine Priesterin oder etwas Vergleichbares sein, denn niemand hatte sie behelligt. Ihr strahlendes L�cheln hatte Gonvalon auf seinem Weg zur�ck zum Haus der Seidenen innehalten lassen. Und kaum dass er stehen geblieben war, war sie zu ihm gekommen. Die geheimnisvolle Dame hatte ihn in verschiedenen Sprachen angesprochen und wollte ihn einladen, irgendein wei�es Tor mit ihm zu durchqueren. Nat�rlich hatte er h�flich abgelehnt. Und doch hatte ihm die Begegnung geschmeichelt.</p><p>Er erreichte die Stra�e der Wolken. Gro�e H�user mit vergoldeten D�chern s�umten seinen Weg. Hier lebten Fernh�ndler und einige der Lotsen, die die riesigen Wolkenschiffe �ber den Himmel f�hrten. Ein Warnruf schreckte ihn aus seinen Gedanken. Eine ausladende, blaue S�nfte wurde die Stra�e hinaufgetragen, und er musste in einen Hauseingang zur�ckweichen, um den schwitzenden Tr�gern auszuweichen. Hinter durchscheinenden Schleiern sah Gonvalon den Schattenriss einer Frau. Zwei riesige Leibw�chter mit ge�lten, nackten Oberk�rpern, die neben der S�nfte liefen, warfen ihm misstrauische Blicke zu. Dann war der seltsame Tross vor�ber.</p><p>Wenig sp�ter hatte er das Haus erreicht, bei dem er sich verabredet hatte. Zum Eingang f�hrte eine schmale Steintreppe hinab. Er musste l�cheln�� es w�rde ihn schon sehr wundern, wenn der Priester ihm hier hinein folgte.</p><p>Vor der T�r erwartete ihn ein gedrungener Rausschmei�er mit aufgedunsenem Gesicht. Er betrachtete Gonvalon mit der Herablassung jener, die ihre Schlachten mit dem Maul statt mit F�usten schlagen. Der Elf strich �ber seinen mit M�nzen besetzten Schwertgurt. �Ich habe geh�rt, dass man hier auf angenehme Weise sein Silber loswerden kann.�</p><p>�Lass dich nicht abhalten.� Der Schl�ger dr�ckte die T�r auf, und kaum dass Gonvalon einen Schritt �ber die Schwelle in die d�mmrige Eingangshalle getan hatte, l�chelte ihn ein M�dchen mit hinrei�enden Mandelaugen an.</p><p>�Hast du einen Kerl, so rot wie die Abendsonne, hier hereinkommen sehen?�, fragte er unumwunden.</p><p>Das L�cheln der Sch�nheit erstarb. �Dort dr�ben�, entgegnete sie knapp und wies �ber ihre Schulter auf den Durchgang zum Innenhof. Auch hier war es dunkel, und so musste Gonvalon eine Weile suchen, bevor er hinter einem Brunnen Nodon entdeckte. Ein Schatten unter Schatten.</p><p>Der Vertraute Nachtatems trug einen auff�lligen Umhang aus roten Papageienfedern, darunter weite Beinkleider und eine Tunika. Beides ebenfalls in Rot. Es wimmelte in der Stadt zwar von exzentrisch gekleideten S�ldnern und Gl�cksrittern, aber einem, der aussah wie Nodon, war Gonvalon noch nicht �ber den Weg gelaufen. Obwohl seine Wahl der Maskierung f�r einigen �rger gesorgt hatte, hatte er sich nicht umstimmen lassen. Wenigstens trug er heute einen Turban und verbarg sein bleiches Gesicht hinter einem Schleier, sodass seine vollkommen schwarzen Augen nicht auffielen.</p><p>�Wei�t du, wessen Haus das hier ist?�, zischte Nodon.</p><p>�Es geh�rt dem Narbengesicht�, entgegnete Gonvalon leichthin. �Aber ich glaube nicht, dass Kolja dich in diesem Aufzug als einen der abgerissenen Reisenden erkennen wird, die von der Seidenen in ihr Haus geholt wurden.�</p><p>�Warum gehst du dieses unn�tige Risiko ein? Das ist dumm.�</p><p>�Weil ich hoffe, dass dein Unbehagen, an diesem Ort zu bleiben, dich davon �berzeugen kann, mich bei einer noch gr��eren Dummheit zu begleiten.�</p><p>�Glaubst du?� Nodon entfernte mit einer zornigen Geste den Schleier. Seine Lippen waren ein schmaler, harter Strich. Ganz offensichtlich hatte er keinen Sinn f�r Scherze. Er griff nach einem Becher, den er auf dem Brunnenrand abgestellt hatte. Er trank Wasser an diesem Ort der Sinnlichkeit. �Und wohin willst du, Gonvalon?�</p><p>�An den Ort, an den wir eigentlich alle wollen. Ich werde in dieser Nacht in den Weltenmund steigen.�</p><p>Nodons Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Er stellte den Becher zur�ck und zog den Schleier wieder vor sein Gesicht. �Mir scheint, es bekommt dir nicht gut, deine Tage in weihrauchverhangenen Tempeln zu verbringen.�</p><p>�Es ist eine Frage der Ehre, dort hinabzusteigen.�</p><p>�Ich glaube nicht, dass wir dieselben Vorstellungen von Ehre haben.� Nodon wandte sich zum Gehen. Gonvalon packte ihn beim Arm.</p><p>�Wir nennen uns beide Schwertmeister. Heute Nacht k�nnte sich zeigen, wer von uns beiden der bessere ist.� Gonvalon konnte in seinen Augen lesen, dass er jetzt seine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte. �H�r mir einfach nur zu. Ich erz�hle dir eine Geschichte. Sie ist nicht lang. Dann entscheidest du.�</p><p>Als Gonvalon seine Erz�hlung beendet hatte, sah Nodon ihn lange an. Schlie�lich nickte er. �Es ist tats�chlich eine Frage der Ehre. Ich werde mit dir gehen. Aber vorher verr�tst du mir noch, warum du mich ausgerechnet hierherbestellt hast. Es h�tte tausend bessere Orte gegeben, um einander unauff�llig zu treffen.�</p><p>�Das Narbengesicht macht der Seidenen �rger. Es k�nnte sein, dass wir ihn bald aus der Welt schaffen m�ssen. Ich hielt es f�r klug, sich den Ort, an dem er am h�ufigsten anzutreffen ist, ein wenig anzusehen.�</p><p>Nodon schwieg. Doch Gonvalon wusste, dass auch ihm nicht entgangen sein konnte, dass der Einarmige ihre Gastgeberin schlecht behandelte und sie vielleicht sogar zu Liebesdiensten zwang, auch wenn er das bislang nicht offen ausgesprochen hatte. Lyvianne war da weit weniger diskret gewesen. Sie hatte behauptet, Zarah verkaufe ihren K�rper f�r Geld und Macht, und man solle ihrer Gastgeberin besser nicht trauen.</p><p>�Treffen wir uns in einer halben Stunde am Ausgang?�, brach Nodon schlie�lich sein Schweigen.</p><p>Gonvalon wunderte sich, dass er auf alles widerspruchslos einging. Allerding sprach Nodon nie sonderlich viel, und so trennten sie sich, um Koljas Haus zu erkunden.</p><p>Gonvalon unterhielt sich mit einigen der Damen. Dass er seine Silberm�nzen auf seinem Schwertgurt so offen zur Schau stellte, machte es ihm leicht, mit ihnen ins Gespr�ch zu kommen. Er sah sich die Zimmer an, in die man sich zur�ckziehen konnte. Waren sie nicht belegt, standen die T�ren weit offen. Der Elf versuchte, den Aufbau des Hauses zu begreifen. Wie es schien, bewohnte Kolja einen Raum in der ersten Etage, dicht bei einigen der Zimmer f�r Besucher. Einmal sp�rte Gonvalon Nodons bohrende Blicke. Ihm war klar, wie sehr er sich dem Schwertmeister Nachtatems auslieferte. Nandalee w�rde nichts von dem, was er in dieser Nacht tat, guthei�en. Er hatte nicht mit ihr dar�ber sprechen k�nnen, als er gestern die erste Spur gefunden und sich daraufhin mit Nodon verabredet hatte.</p><p>Zur vereinbarten Zeit trafen sie sich am Eingang. Gonvalon hatte Silber f�r Wein ausgegeben, um nicht in zu schlechter Erinnerung zu bleiben. Vielleicht m�ssten sie schon bald zur�ckkehren, und es w�re leichter, wenn sie nicht schon am Eingang abgewiesen w�rden.</p><p>Als sie die Treppe zur Stra�e hinaufstiegen, entdeckte Gonvalon den Spitzel. Der Glatzkopf zog sich in den Eingang eines Kaufmannshauses zur�ck, in der irrigen Hoffnung, dass sie ihn nicht bemerkten.</p><p>�Du wirst verfolgt?�, fragte Nodon mit ver�chtlichem Unterton.</p><p>�Ich wollte, dass er dich sieht�� folge mir, aber lass nur mich reden.�</p><p>Au�er ihnen dreien war niemand auf der Stra�e. Die beiden Monde Nangogs standen dicht �ber dem Horizont. Nicht weit entfernt klammerte sich ein Wolkensammler an einen Ankerturm. Die Decks des Himmelsschiffs waren hell erleuchtet. Musik drang bis zu ihnen hinab. Zu sp�t erkannte der Spitzel, dass es f�r ihn kein Entkommen mehr gab. Er hatte darauf vertraut, dass er in den tiefen Schatten des Eingangs verborgen blieb.</p><p>�Ein sch�ner Abend, Priester.� Gonvalon stand nun auf Armesl�nge vor dem Spitzel.</p><p>�Ehrenwerter Asa, wie konntet Ihr so rasch�� �h, was wollt Ihr von mir?�, stammelte der Priester, wobei er sich ungelenk gegen die T�r dr�ckte.</p><p>�Hast du jemals von Jonah dem Roten geh�rt?�</p><p>�Nein, ehrenwerter Asa�, ihr Verfolger sch�ttelte den Kopf. Ein Muskel in seiner Wange zuckte unkontrolliert.</p><p>Gonvalon nickte Nodon zu, der neben ihm stand und nun einen Schritt auf den Priester zu machte. �Dies ist der Scharfrichter der Kushiten. Es hei�t, er habe am Tag der Schlacht dreiundzwanzig Luwier get�tet. Ob das stimmt, wei� ich nicht. Aber ich selbst habe gesehen, wie er an einem einzigen Nachmittag vierundvierzig Verr�ter enthauptete.� Gonvalon l�chelte malizi�s. �Geh nun zur�ck zu deinen Oberen, und richte ihnen aus, dass ich es als Aufforderung betrachte, Jonah mit in den Tempel zu bringen, sollte mir noch ein einziges Mal einer wie du hinterherschleichen. Ihr wisst, wie empfindlich der Unsterbliche Aaron auf Intrigen seiner Priester reagiert, und ich habe alle Vollmachten, seinem Zorn mit Jonah fleischliche Gestalt zu geben. Nun geh!�</p><p>Gonvalon trat zu Seite, und der Priester st�rzte zwischen den beiden Elfen hindurch und rannte die Stra�e hinauf, als s��en ihm die Gr�nen Geister im Nacken.</p><p>�War es notwendig, mich in deine Angelegenheiten hineinzuziehen? Nun kennt er mich�, fragte Nodon eisig.</p><p>�Jetzt sag nicht, dass ein Mann, der ganz in Rot durch die Stadt stolziert, Wert darauf legt, unerkannt zu bleiben.�</p><p>Gonvalon ignorierte Nodons schlechte Laune. Der erste Schritt war getan, er war seinen Schatten losgeworden. Gemeinsam gingen sie durch schmale Gassen und �ber steile Stiegen, die immer h�her den Hang hinauf bis zu dem Weg f�hrten, der den Rand des Kraters s�umte. Gonvalon war tags�ber schon mehrfach hier gewesen, doch die Nacht schien einen Zauber �ber den Krater geworfen zu haben. Jetzt erschien ihm alles anders: geheimnisvoller, einsamer, bedrohlicher.</p><p>Niemand war auf dem Kraterweg zu sehen. Nur einige Wachen, die in weiten Abst�nden patrouillierten. Entlang des Kamms erhoben sich etwa alle f�nfhundert Schritt Wacht�rme, hinter deren gezackten Mauerkr�nzen Feuer brannten. Deutlich waren die Schattenrisse der Krieger zu erkennen, die dort auf einsamer Wacht standen.</p><p>Gonvalon kam es so vor, als seien all ihre Blicke ins Innere des Weltenmundes gerichtet. Er wusste, dass in den Tempeln genaue Aufzeichnungen �ber die fliegenden Toten existierten. Jene Helden, deren Leichen an Flugger�ste gebunden in den Aufwinden des weiten Kraters kreisten. Es wurde Buch dar�ber gef�hrt, welcher Held wie lange schwebte, und die Zahl der Tage, die er �ber dem Krater gekreist war, wurde Teil seiner Legende. Doch jetzt hatte er das Gef�hl, dass dies nicht allein der Grund f�r so viel Aufmerksamkeit f�r das Innere des Weltenmunds sein konnte.</p><p>Es schien, als bewachten die Menschenkinder den Abgrund selbst, voller Angst vor dem, was dort hauste. Etwas, das auf all den Hunderten von Tontafeln, die er inzwischen gesehen hatte, mit keinem Wort erw�hnt worden war! Man brauchte nicht so viele Wacht�rme, um �ber den Flug der Toten Buch zu f�hren.</p><p>Es wurde k�lter, je n�her sie dem Weltenmund kamen. Ein frischer Wind wehte �ber den Kraterrand und zerrte an ihren Umh�ngen. Gonvalon war oft genug als Meuchler ausgesandt worden, um zu wissen, wann Gefahr drohte. Selten hatte er dieses Gef�hl so intensiv empfunden wie in diesem Augenblick. Er tauschte einen Blick mit Nodon und wusste sofort, dass auch sein Gef�hrte es sp�rte.</p><p>�Gehen wir hinunter?�, fl�sterte Nodon. Seiner Stimme war nichts von seiner Unruhe anzumerken.</p><p>�Ich habe eine Schuld zu begleichen�, entgegnete Gonvalon beklommen. �Es ist eine Frage der Ehre.�</p></section><section><title><p>Im Weltenmund</p></title><p>Nodon bereute inzwischen, sich auf diese Dummheit eingelassen zu haben. Aber wenn er jetzt einen R�ckzieher machte, h�tte er auf immer sein Gesicht verloren. Ein wenig hoffte er darauf, dass dies nur eine absurde Mutprobe war und Gonvalon seine Pl�ne im letzten Augenblick aufgab. Knapp eine halbe Meile waren sie mit etwas Abstand dem Kraterrand gefolgt. Sie hielten sich in den oberen Gassen, die parallel zum Weltenmund verliefen. Hier gab es nur noch wenige H�user, meist umgeben von ausgedehnten G�rten, die sich hinter hohen Mauern versteckten.</p><p>B�iger Wind strich durch die Baumwipfel und entlockte den Kronen ein geisterhaftes Wispern. Es war k�hl. Sie erreichten eine breite Prachtstra�e, die wie eine Schneise die Stadtviertel zerteilte. Kein Menschenkind war zu sehen. Beklommen blickte Nodon die Stra�e hinauf. Statuen s�umten das letzte St�ck bis zum Kraterrand.</p><p>�Hier ist es.� Gonvalon fl�sterte, obwohl es weit und breit niemanden gab, der ihren Stimmen h�tte lauschen k�nnen. �Diese Stra�e f�hrt direkt an den Ort, an dem sie ihre Toten im Himmel bestatten.�</p><p>Geduckt bogen sie ab und hielten sich am Rand der steil ansteigenden Stra�e. Die beiden Monde hatten sich hinter Wolken verborgen, doch reichte das Licht der Sterne, um der Nacht den Anblick der grotesken Ungeheuer zu entrei�en, denen die Menschenkinder huldigten: G�ttern mit Tierh�uptern wie das gefl�gelte Weib, eine leicht geb�ckte Gestalt mit Keilerkopf und Krallenh�nden oder ein Mann, der in Flammen geh�llt war. Dies waren die Bilder der M�rder, die zur Blauen Halle gekommen waren. Wider alle Vernunft w�nschte Nodon sich, eines Tages einem von ihnen gegen�berzustehen. Sie sollten f�r ihre Verbrechen b��en. Hier auf Nangog w�rde es beginnen!</p><p>Es dauerte nicht lange, und sie erreichten den Kraterrand. Aus der Prachtstra�e wurde eine breite Treppe, die ins Innere des Kraters hinabf�hrte. Viel war vom Weltenmund nicht zu erkennen. Schroffe Felsh�nge verloren sich im Dunkel der Nacht. Hier und dort klammerte sich ein windgebeugter Baum ans Gestein. Nodon glaubte, auch geborstene S�ulen zu sehen, war sich aber nicht ganz sicher.</p><p>�Vorsicht�, zischte Gonvalon.</p><p>Zwei Wachen n�herten sich von Westen her auf dem Saumpfad, der sich den Kraterrand entlangzog. Die beiden waren ins Gespr�ch vertieft. Ab und an blickten sie in die dunkle Wunde, die angeblich bis zum Herzen der Welt f�hrte.</p><p>Die Elfen wichen zur Prachtstra�e zur�ck und duckten sich in den Schatten eines l�wenh�uptigen G�tterbildes. Die Wachen sahen nicht ein einziges Mal in Richtung der Stadt. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt dem Krater.</p><p>Nodon fragte sich, was sie dort unten erwartete. In den letzten Tagen hatte er oft den Geschichten der Lotsen gelauscht und sich nach den Routen erkundigt, auf denen die Himmelsschiffe mit den wechselnden Winden zogen. Er hatte ein Dutzend oder mehr Angebote bekommen, sich als S�ldner einzuschiffen. Dabei hatte er immer wieder von einem gef�rchteten Piraten geh�rt, der den Kauffahrern mehr und mehr zu schaffen machte. Einem Mann, von dem es hie�, er sei bereits einmal von einem der Unsterblichen erschlagen worden und dennoch wieder unter die Lebenden zur�ckgekehrt. Die Wolkenschiffer hatten eine abergl�ubische Furcht vor ihm. Man munkelte gar, er k�nne seine Schiffe gegen den Wind steuern und die Gr�nen Geister seien ihm zu Diensten. Der Elf fragte sich, ob dieser Tarkon Eisenzunge so wie Nandalee auch von einem der Geister besessen war.</p><p>Was er von den Wolkenschiffern aber nicht erfahren hatte, war das Geheimnis des Weltenmunds. Obwohl sie Nangog am besten kannten, wussten auch sie nicht, was dort unten lauerte. Sich jetzt einfach kopflos und unvorbereitet in die Gefahr zu st�rzen entsprach ganz und gar nicht seiner Art.</p><p>Als die Wachen vor�ber waren, eilte Gonvalon erneut zum Kraterrand und dann, ohne zu z�gern, die breite Treppe hinab. Nodon folgte ihm widerwillig und sah, dass sie auf eine Felszunge f�hrte, die weit in den Krater hineinragte. Sieben goldene Masten erhoben sich dort, von denen die Banner der sieben Unsterblichen im warmen Wind wehten, der vom Grund des Kraters aufstieg.</p><p>Eine niedrige Br�stung umfasste die Felszunge. Nodon trat zu Gonvalon und sp�hte ebenfalls in den Abgrund.</p><p>Es war wenig zu erkennen. Nicht weit unter ihnen wogte Nebel. Der Schwertmeister musste an eine der Geschichten denken, die er unter den Wolkenschiffern geh�rt hatte. Sie besagte, dass die Welt Nangog aus dem Leib einer Riesin erschaffen worden war, die die Devanthar besiegt hatten. Doch diese Riesin war nicht tot. Nicht einmal die Waffen der G�tter hatten ihr das Leben nehmen k�nnen. Der Kampf mit ihr hatte �ber Jahrhunderte gedauert, bis der Ebermann eine List ersann. Die G�tter bestrichen ihre Waffen mit einem Gift, das die Riesin Nangog in einen tiefen Schlaf versetzte. Dann banden sie sie mit Magie und begruben ihren zur Kugel gekr�mmten Leib unter Bergen und Meeren.</p><p>Der Krater aber, an dem die Goldene Stadt erwuchs, hatte seinen Namen bekommen, weil er tats�chlich der Mund der Riesin war. Und trat man an seinen Rand, so konnte man den warmen Atem Nangogs auf seinen Wangen f�hlen.</p><p>Nodon l�ste Turban und Schleier, die seine Sicht behinderten. Es stimmte, nun sp�rte auch er den warmen Atem Nangogs auf seinem Antlitz, der die fliegenden Toten �ber dem Krater kreisen lie�.</p><p>Gonvalon, der sich weit �ber die Br�stung gebeugt hatte, sah zu ihm auf. �Danke.�</p><p>�Ich h�tte niemals gedacht, dass ich mich von dir in deine t�richten Frauengeschichten hineinziehen lassen w�rde�, murmelte Nodon. Er f�hlte sich verlegen. Gonvalons Dank kam unerwartet.</p><p>�Diese Welt ver�ndert uns alle�, entgegnete der Schwertmeister und schwang sich �ber die Br�stung.</p><p>Nodon folgte ihm. Es ging eine steile B�schung hinab. Die Wolkendecke am Himmel brach auf, und geisterhafte Finger aus fahlem Mondlicht schnitten in die Schatten der Nacht. Obwohl sie auf ihre Deckung achteten, hatte Nodon das unangenehme Gef�hl, beobachtet zu werden. Immer wieder duckten sie sich hinter Felsen oder gest�rzte S�ulen und kauerten dort im Schatten, wenn die Silberfinger �ber den Hang tasteten. Es waren nicht die W�chter oben am Kraterrand, die dem Schwertmeister Sorge bereiteten. Er hatte das Gef�hl, dass dort, wo der Nebel begann, etwas lauerte. Auch beunruhigten ihn die fliegenden Toten, die in weiten Kreisen �ber dem Krater zogen. Das alles war nur naiver Aberglaube, ermahnte er sich, und doch wuchs das klamme Gef�hl, ins Verderben zu gehen, mit jedem Schritt, den sie weiter den Hang hinabstiegen.</p><p>Gonvalon f�hrte sie unterhalb der Felszunge, die in den Krater ragte, geradewegs in die Tiefe. Einst schienen hier Menschenkinder gelebt zu haben. Nodon entdeckte im Spiel von Licht und Schatten halb versch�ttete Eing�nge zu H�hlen. Sie kletterten �ber gest�rzte S�ulen hinweg, von denen einige nachtr�glich mit Schriftzeichen versehen worden waren. Er vermochte nicht zu entziffern, was sie bedeuteten. Sie wirkten hastig in den Stein geritzt. Waren sie eine Warnung? Und warum waren alle Bauten im Krater verfallen?</p><p>Pl�tzlich hielt Gonvalon inne. Das Mondlicht enth�llte vor ihnen gesplitterte Bambusstangen und Stofffetzen. Gonvalon b�ckte sich, betrachtete die �berbleibsel des aus dem Himmel gefallenen Helden und sch�ttelte dann den Kopf.</p><p>Als er sich wieder erhob, fl�sterte er: �Nimm etwas von dem Bambus mit.� Er selbst hob auch einige der Stangen auf.</p><p>Nodon ahnte, was er tun wollte. �Ist das eine gute Idee?�</p><p>�Es wird die Aufmerksamkeit von uns ablenken, wenn wir zur�ckwollen.�</p><p>Vielleicht, dachte Nodon, sagte aber nichts. Das Mondlicht enth�llte einen von Gr�nspan �berzogenen Bronzehelm, in dem noch ein Sch�del steckte. Dunkle Augenh�hlen blickten den Elfen melancholisch an. Welche Heldentaten diesem Krieger wohl einst ein Grab am Himmel eingebracht hatten? Und gab es noch jemanden, der sich an den Namen des Toten erinnerte? Nodon schob das bleiche Gebein zur Seite und sammelte ein paar armlange Bambusrohre ein. Als er aufblickte, fiel ihm eine Ritzzeichnung auf. Sie war halb unter Moos verborgen. Das Bild eines seltsam verzerrten Vogels, von unge�bter Hand in den Stein gekerbt.</p><p>�Komm!� Gonvalon war schon ein St�ck tiefer geklettert.</p><p>Nodon folgte ihm hastig. Sie durften einander nicht aus den Augen verlieren. Die Grenze zum Nebel war nicht mehr fern.</p><p>Schweigend stiegen sie immer weiter hinab, �ber Ger�llzungen und halb versch�ttete Wege. Sie fanden zwei weitere gest�rzte Helden und sammelten auch dort die gr��ten Bambusstangen aus den zerschmetterten Flugrahmen auf.</p><p>Erster Nebel spielte um ihre F��e. Nodon sp�rte intuitiv, dass sie eine Grenze erreicht hatten. Im wogenden Wei� lauerte etwas! Nicht dass er es sehen konnte. Er sp�rte es. Seine Schritte wurden z�gerlicher. Gonvalon jedoch schien nichts aufhalten zu k�nnen. Nur manchmal hielt er kurz inne, um zu der Felszunge hinaufzublicken, die sich hier als fast senkrechte Steilwand �ber ihnen erhob. Dann murmelte er leise vor sich hin, sah wieder nach vorne in den Nebel.</p><p>Dann pl�tzlich trat er in den Nebel. Die Monde waren eben wieder hinter den Wolken hervorgetreten und tauchten den Krater in ein geisterhaftes Licht. Einen Augenblick war Gonvalon noch als ein Schatten zu erkennen, und Nodon hatte das erschreckende Gef�hl, zwei verschiedene Bilder zu sehen, die einander �berlagerten: einen Schatten auf Stein und die Gestalt im Nebel. Dann war Gonvalon verschwunden.</p><p>Kurz �berlegte Nodon, einfach umzukehren. Er mochte Gonvalon nicht. Ja, seine Art, den Frauen nachzustellen und sich immer aufs Neue kopflos zu verlieben, verabscheute er zutiefst. So viel Ungl�ck hatte er damit heraufbeschworen. Wenn er ihn jetzt im Stich lie�, w�rde der versto�ene Schwertmeister des Goldenen vielleicht niemals aus dem Krater zur�ckkehren. Allerdings war sein Grund hierherzukommen ehrenhaft. Nodons Hand tastete nach dem Schwertgriff unter dem Federmantel. Der Bambus, den er unter die Arme geklemmt trug, verrutschte leicht. Fast w�re eines der Rohre heruntergefallen.</p><p>Er verfluchte sich stumm f�r seine Torheit. Dann trat er in den Nebel, und die Welt l�ste sich g�nzlich auf. Er sp�rte festen Boden unter den F��en, den er nicht mehr sehen konnte, sp�rte den leichten, warmen Luftzug, der aus der Tiefe aufstieg und der den Nebel in weiten Spiralen tanzen lie�, sodass es pl�tzlich geschah, dass Nodon den Sternenhimmel wieder �ber sich sah. Doch es dauerte nur wenige Herzschl�ge, bis der Himmel wieder vom wogenden Wei� verschlungen wurde.</p><p>�Hier. Ich bin hier!� Es war Gonvalons Stimme. Sie schien von �berallher zu kommen.</p><p>Nodon drehte sich einmal um sich selbst. Er h�rte ein scharfes, schabendes Ger�usch, und dann flammte ein winziger Funke gelben Lichts im Nebel auf. Der Funke wuchs zu einer Flamme. �Hier�, rief Gonvalon erneut. �Ich habe sie gefunden.�</p><p>Nodon ging dem Licht entgegen. Etwas knirschte unter seinen F��en. Trockener Bambus? Dann sah er Gonvalon. Er hatte eine Fackel aus Bambus und zerfetztem Leintuch entz�ndet. Die zitternde Flamme schien den Nebel schmelzen zu lassen. Sie hatte eine Insel im Wei� geschaffen. Einen Ort, an dem man auf den Boden blicken konnte.</p><p>Halb von grauem Ger�ll bedeckt lag dort ein zerschmetterter Flugrahmen. Und, mit Lederriemen an die Bambusrohre gebunden, ein schlanker K�rper.</p><p>Mit Tr�nen in den Augen durchtrennte Gonvalon vorsichtig mit seinem Messer die Riemen.</p><p>Nodon b�ckte sich, hob eines der Bambusrohre auf. Es war schwerer als die, die er bisher aufgesammelt hatte, und als er es drehte, sah er, dass etwas Dunkles hineingef�llt worden war. Er lie� etwas davon auf seine Handinnenfl�che rieseln und rieb es zwischen den Fingern. Bleipulver! Sie hatten Talinwyn gefunden.</p><p>Fetzen eines fadenscheinigen, wei�en Stoffes bedeckten ihren Leib. Ihre Haut war bleich wie Knochen. Das Fleisch darunter schien dahingeschmolzen zu sein. Seltsam, dass nicht Maden und Aasfresser ihren Leib zerst�rt hatten, dachte Nodon. Vielleicht hatten die Menschenkinder Talinwyns K�rper balsamiert. Es konnte nicht in ihrem Interesse sein, dass die fliegenden Toten an den Flugger�sten verwesten und in St�cken in den Krater hinabst�rzten.</p><p>Gonvalon hatte den Leichnam nun g�nzlich von den Resten des Flugrahmens geschnitten. Er zog die Tote z�rtlich an sich und k�sste ihre bleiche Stirn. Die Augen waren eingesunken und hatten nur noch dunkle H�hlen zur�ckgelassen. Behutsam strich er �ber ihr wei�blondes, staub�berkrustetes Haar.</p><p>�Liuvar�, sagte er leise. �Frieden. M�ge deine Seele schnell zur�ck ins Fleisch finden, meine sch�ne, tapfere Talinwyn.� Gonvalon liefen nun Tr�nen �ber die Wangen. Er gab sich ganz und gar seinen Gef�hlen hin. Nodon war peinlich ber�hrt, als der Schwertmeister zu ihm aufsah. �Sie ist mit Todbringer hierhergekommen. So wie Nandalee jetzt. Es darf nicht wieder geschehen.�</p><p>�Dann lass uns gehen, um das zu verhindern!�</p><p>�Nicht, bevor es nicht zu Ende gebracht ist.�</p><p>Etwas glitt �ber sie im Nebel hinweg. Sehr nah! Es war keiner der fliegenden Toten. Sie waren entdeckt!</p><p>�Lass das!�, zischte Nodon.</p><p>Gonvalon ignorierte ihn und schichtete die Bambusrohre �bereinander, die er mitgebracht hatte. �Es ist richtig�, beharrte er. �Und es wird sie von uns ablenken.�</p><p>Nodon lie� seinen Bambus fallen und duckte sich. War da ein Schatten im Nebel?</p><p>Neben ihm klaubte Gonvalon hastig die trockenen Rohre zusammen. Er errichtete ein niedriges Lager daraus und bettete nun die Segeltuchfetzen des Flugrahmens dar�ber, der Talinwyn nicht zu den schwebenden Helden getragen hatte.</p><p>Da war er wieder, der Schatten. Wie ein gro�er Vogel. Nodon glaubte, auch ein zischendes Ger�usch geh�rt zu haben. Der Elf war versucht, sein Verborgenes Auge zu �ffnen, auch wenn ihnen ausdr�cklich verboten worden war, ihre Zauberkunst zu nutzen. War hier ein magisches Gesch�pf, dann w�re sein Zauber wie ein Leuchtfeuer in der Nacht. Stumm verw�nschte Nodon seinen Gef�hrten. Zwei Feuer konnten sie nun wirklich nicht gebrauchen.</p><p>Der Schwertmeister nahm den Leichnam Talinwyns vorsichtig auf die Arme und bettete sie auf das Lager, das er f�r sie errichtet hatte. Dann holte er ein Fl�schchen mit Lampen�l unter seinem Umhang hervor, �ffnete den Verschluss und sch�ttete das �l �ber die Tote. Obwohl die Haut straff auf Talinwyns Sch�del lag, ihre Lippen nur noch d�nne Linien und die Augen leere H�hlen waren, hatte sie sich einen Abglanz ihrer Sch�nheit erhalten.</p><p>�Ihre Augen waren einmal gr�n�, sagte Gonvalon leise. �Du h�ttest sie sehen sollen an jenem Tag, als die Himmelsschlangen sie auf ihre erste Mission schickten. Ihre Augen waren so voller Leben und Leidenschaft gewesen. Im Drachenpalast bei der Jadebucht bin ich ihr zum letzten Mal begegnet.� Gonvalons Blick war abwesend, ruhte auf Bildern, die weit in der Vergangenheit lagen. �Liuvar�, hauchte er und lie� die brennende Fackel fallen.</p><p>Die Flammen leckten �ber das Segeltuch, und binnen eines Herzschlags wuchsen sie zu einer lodernden Flammens�ule.</p><p>�Fort hier!� Nodon zerrte Gonvalon mit sich. Sein Plan war davon ausgegangen, dass alle W�chter zu den Flammen eilen w�rden, und sie beide umso leichter entkommen k�nnten. Nodon war davon nicht �berzeugt gewesen.</p><p>Selbst Menschenkinder w�ren nicht so dumm. Sie w�rden Alarm geben und die Postenkette auf dem Weg am Kraterrand verst�rken. Die Wachen mussten nicht zu ihnen hinabsteigen, das wusste Nodon jetzt. Das, was in der Tiefe des Kraters lauerte, w�rde ihnen die Arbeit abnehmen. Die Menschenkinder w�rden sich ihnen nur in den Weg stellen, wenn sie es schaffen sollten, aus dem Weltenmund zu entkommen. Ihre einzige Hoffnung auf Flucht war jetzt Geschwindigkeit. Sie mussten entkommen, bevor die Menschenkinder aus der Lethargie endloser Wachn�chte aufschreckten. Es durfte nicht zum Kampf kommen! Sie waren Drachenelfen, das w�rde nicht verborgen bleiben, wenn sie ihre Klingen zogen, und wer Augen hatte zu sehen, der w�rde es an den Leichen jener erkennen, die den Fehler gemacht h�tten, sich ihnen in den Weg zu stellen. Die Art der Wunden und die Zahl der Toten w�rden eine deutliche Sprache sprechen.</p><p>Endlich erwachte Gonvalon aus seiner Starre. Er zog sein Schwert.</p><p>�Das brauchen wir nicht�, raunte Nodon, w�hrend sie sich den Hang hinaufarbeiteten. Sie hatten fast die Grenze des Nebels erreicht. Die Wachfeuer auf den T�rmen waren fahlgelbe Lichter, die mit jedem Schritt nach oben einen Hauch an Leuchtkraft gewannen.</p><p>Irgendwo unter ihnen l�ste sich eine Ger�lllawine und ging mit infernalischem Get�se den Hang hinab. Der Boden unter ihren F��en erzitterte. Dann wieder. Und noch einmal. Das war kein Erdbeben. Da bewegte sich etwas. Etwas Riesiges! Hatten sie Nangog mit ihrem tollk�hnen Vorsto� im Schlaf gest�rt?</p><p>Nodon glaubte, ein zischendes Atmen zu h�ren. Der Nebel unter ihnen geriet in Bewegung. Er wurde eingesogen!</p><p>Das zu sehen, verlieh Nodons F��en Fl�gel. Er ber�hrte kaum noch den Hang, mied die t�ckischen Ger�llfelder nicht mehr, und als er den Nebel hinter sich lie� und die Wacht�rme und all die schattenhaften Gestalten auf dem Weg am Kraterrand sah, da erschien ihm diese ganz konkrete, greifbare Gefahr wie eine Erl�sung.</p><p>Gonvalon hielt sich neben ihm. Wieder erbebte der Hang. Was immer ihnen folgte, war noch tief unter ihnen. Von oben ert�nten Warnrufe. H�rnerklang erf�llte die Nacht. M�nner mit Fackeln verst�rkten die Wachen auf dem Weg. Eine Feuerkugel st�rzte den Abhang hinunter�� ein Ballen aus pechgetr�nktem Stroh, der das Dunkel vertreiben sollte.</p><p>Wieder erklang der zischende Laut, begleitet von einem Ger�usch wie �bereinanderschabendes Metall.</p><p>Der Nebel streckte einen geisterhaften Arm den Hang hinauf. Unnat�rlich schnell. Er verschlang sie, d�mpfte den Fackelschein erneut zu mattem Gl�hen und brachte noch ein weiteres Ger�usch mit sich. Fl�gelschlagen!</p><p>Pl�tzlich versetzte Gonvalon ihm einen Sto�, der ihn von den Beinen riss und der L�nge nach st�rzen lie�. Etwas glitt dicht �ber ihm hinweg. Nodon rollte herum, schlug mit dem Schwert in den Nebel und traf etwas, das nicht mehr als ein Schatten war. Ein Schrei, nicht von einem Tier und auch nicht von einem Menschenkind, war die Antwort auf seinen Angriff. Etwas Dunkles fiel neben ihm zu Boden. Nodon griff danach und war im n�chsten Augenblick wieder auf den Beinen.</p><p>Weiteres Fl�gelschlagen war zu vernehmen. Keine zehn Schritt entfernt hastete h�pfend eine Feuerkugel den Hang hinab und schnitt eine schmale Gasse durch den Nebel, bevor das wogende Wei� sie doch verschluckte. Krallen stie�en aus dem Nebel herab und gruben sich in Gonvalons Umhang. Nodon schnellte vor, stie� sich mit aller Kraft vom Hang ab und holte gleichzeitig zum Schlag aus. Die Krallen verschwanden mit einigen Stofffetzen im grauen Dunst.</p><p>Sie mussten den Nebel hinter sich lassen! Die Kreaturen, die er verbarg, schienen das Licht der Fackeln zu scheuen. �Dort entlang, weg von der Felszunge!�, rief Nodon.</p><p>Die Fackeln eilten am Kraterrand entlang hin zu der breiten Felsterrasse, von der die fliegenden Toten hinabgest�rzt wurden. Sie hatten unterhalb der Steilwand Talinwyns Totenfeuer entz�ndet. Es schien, als w�rde Gonvalons Plan doch noch aufgehen, denn das Totenfeuer lockte die Krieger an. Entlang des Pfades am Kraterrand w�rden jetzt nur noch wenige Wachen stehen.</p><p>Ganz deutlich h�rte Nodon nun ein metallisches Klirren unter ihnen. Sie erh�hten ihr Tempo. Wieder bebte der Hang wie unter schweren Schritten, als sie ein St�ck �stlich der Felsterrasse den Rand der weiten Nebelbank erreichten. Mal entkamen sie f�r einige Schritt dem milchigen Odem des Kraters, dann umfing sie erneut der Dunst. S��licher Verwesungsgeruch haftete ihm nun an. Endlich lie�en sie die Grenze zwischen Nebel und Nacht hinter sich. Parallel zum Kraterrand rannten und kletterten sie den Monden am Horizont entgegen, setzten �ber jahrhundertealte Mauerreste hinweg und lie�en die Feuerkugeln, die noch immer in den Abgrund rollten, weit hinter sich. Bald waren es nur noch die Signalfeuer auf den T�rmen, die die Nacht erhellten. Jetzt endlich wagten sie sich das letzte St�ck zum Kraterrand hinauf.</p><p>Die beiden Schwertmeister verlangsamten ihre Schritte und hielten auf einen Wachturm zu, dessen Wachmannschaft von der Plattform aus gespannt das Spektakel bei der Felszunge verfolgte. Ungesehen gelangten sie �ber die niedrige Mauer beim Saumpfad. Kurz verharrten sie im Schatten des Turmes, dann strebten sie der n�chstgelegenen Stra�e entgegen, die hinunter in die Stadt f�hrte.</p><p>Sie waren noch keine zehn Schritt weit, als sie das Verh�ngnis nahen h�rten. Marschtritte. Eine ganze Kolonne von Kriegern kam ihnen entgegen. Rechts und links wurde die Stra�e von hohen Mauern ges�umt, hinter denen das aufgeregte Kl�ffen von Wachhunden zu vernehmen war.</p><p>�Zur�ck!�, entschied Nodon. Sie w�rden den n�chsten Weg hinab in die Stadt nehmen.</p><p>�Zu sp�t!� Gonvalon deutete zum Turm am Kraterrand. Einer der W�chter auf der Plattform hatte sie entdeckt und schwenkte nun wild seine Fackel. Sie konnten h�ren, wie sich die Marschtritte beschleunigten. Gleichzeitig st�rmten f�nf der Turmwachen den Eingang der Stra�e.</p><p>Die beiden Elfen tauschten einen kurzen Blick. Sie waren gefangen. Die Mauern waren zu hoch, damit war Flucht keine L�sung. Nodon konnte in Gonvalons Augen lesen, dass der Schwertmeister ebenso dachte. Vielleicht k�nnten sie sich noch frech herausreden?</p><p>�Was macht ihr hier?�, herrschte sie einer der M�nner an, die vom Turm kamen. Ein Kerl mit einem l�nglichen Gesicht und �ppigem Bart. Drohend reckte er ihnen einen langen Speer entgegen, w�hrend ihn seine Gef�hrten mit ihren Rundschilden und Bronzeschwertern abschirmten. �Antwortet! Was habt ihr am Weltenmund zu suchen?�</p><p>Gonvalon hob beschwichtigend die Arme. �Wir sind nur am Kraterrand entlanggeschlendert.�</p><p>�Und warum hattet ihr es dann so eilig, in diese Stra�e zu schl�pfen?�</p><p>�Ich hab die nicht am Kraterrand gesehen�, f�gte einer seiner Kameraden hinzu. �Die l�gen.�</p><p>�Was ist hier los?�, erklang hinter ihnen eine scharfe Stimme, und die Marschtritte verstummten. Eine Kolonne von Kriegern versperrte den Weg hinab in die Stadt. In Zweierreihe aufgestellt, standen dort zw�lf Speertr�ger, gewappnet mit gro�en, mit Kuhfell bespannten Schilden und Bronzek�rassen. Ihre Helme waren von Kronen aus roten Federn umringt. Nodon hatte solche Krieger bislang noch nicht in der Stadt gesehen. Vielleicht geh�rten sie zu einer Tempelwache? Ihr Anf�hrer trug einen pr�chtigen, goldges�umten Umhang, der von einer Brosche in Form einer gefl�gelten Sonne zusammengehalten wurde. Er war ein J�ngling mit sp�rlichem Bartwuchs und schulterlangem, ge�ltem Haar. Wahrscheinlich irgendein Adelsspross, der sich auf leichten Missionen erste Meriten verdienen sollte, ohne dabei wirklich in Gefahr zu geraten.</p><p>Pl�tzlich runzelte der Anf�hrer die Stirn. �Ihr? Was tut Ihr hier, ehrenwerter Asa?�</p><p>�Ich suchte einen Ort, an dem ich mit Jonah dem Roten, dem Scharfrichter der Kushiten, reden konnte, ohne neugierige Ohren f�rchten zu m�ssen�, entgegnete Gonvalon mit eisiger Gelassenheit. �Und nun, Hauptmann Luma vom Tempel der Gefl�gelten Sonne, lasst uns passieren.�</p><p>Gerade wollten die beiden Elfen an Luma vorbeigehen, da rief der B�rtige: �Sie l�gen! Die beiden sind in den Weltenmund gestiegen. Sie m�ssen vor den H�ter des Mundes gef�hrt werden. �berall am Krater sucht man nach ihnen.�</p><p>Nodon sah, wie aller Respekt aus dem Antlitz des Hauptmanns schwand. Er konnte sich vorstellen, was in dem jungen Mann vorging. Wenn er den Tempel der Gefl�gelten Sonne von diesem l�stigen Besucher befreite, der im Archiv herumschn�ffelte und alle �ngstigte, w�rde er sicherlich bef�rdert werden.</p><p>�Ehrenwerter Asa, begleitet uns zum H�ter des Mundes. Ich bin sicher, dort werdet Ihr Euch erkl�ren k�nnen.� Er l�chelte triumphierend. �Und noch vor dem Morgengrauen werdet Ihr ins Haus der Seidenen zur�ckgekehrt sein, um in den Armen Eurer Geliebten zu liegen.�</p><p>Nodon traute seinen Ohren nicht. Es war ihnen also doch gelungen, Gonvalon bis zu ihrem Versteck zu folgen! Er hatte von Anfang an gewusst, dass es keine gute Wahl war, den versto�enen Schwertmeister des Goldenen auf dieser Mission zu dulden. Er war �berheblich und leichtfertig. V�llig sorglos hatte er den Erfolg ihrer Mission gef�hrdet. Au�er ihm w�re niemand auf die Idee gekommen, in den Krater zu steigen, um Talinwyns Leichnam zu verbrennen.</p><p>�Als Hauptmann der Leibwache des Unsterblichen Aaron nehme ich von niemandem au�er dem Herrscher aller Schwarzk�pfe Befehle an, mein junger Freund. Und nun lass uns passieren.�</p><p>Der J�ngling zog sein Schwert. �Ich wei�, dass Ihr ein Held seid, doch wir sind achtzehn gegen zwei. Bitte zwingt mich nicht dazu, Eure Ehre in diesem aussichtslosen Kampf zu beflecken.�</p><p>�Genug geredet�, sagte Nodon auf Elfisch. Es galt, dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Ein f�r alle Mal. �Keine �berlebenden.� Er konnte Gonvalon ansehen, wie sehr ihm dieser Befehl zuwider war, und doch nickte der Schwertmeister. Es war schlimm genug, dass man im Tempel der Gefl�gelten Sonne wusste, dass der geheimnisvolle Asa im Haus der Seidenen verkehrte. Wurde er noch mit einem Frevel am Weltenmund in Verbindung gebracht, w�rden sie alle auffliegen.</p><p>Beide zogen ihre Schwerter. Gonvalon schnellte vor und versetzte dem J�ngling einen geraden Stich in die Kehle. �Es tut mir leid�, murmelte er dabei und drang im n�chsten Augenblick auf die �berraschten Tempelgardisten ein.</p><p>Nodon wandte sich den f�nf M�nnern vom Wachturm zu. Der B�rtige war erstaunlich schnell f�r einen Menschensohn. Er versuchte, Nodon den Speer durch die Brust zu bohren, kaum dass der Elf sich zu ihm umwandte. In einer flie�enden Bewegung lie� sich Nodon auf die Knie fallen und beugte sich gleichzeitig zur�ck. Das bronzene Stichblatt fuhr knapp �ber sein Gesicht hinweg. Er selbst traf den Krieger mit einem Hieb im Kniegelenk. Der Silberstahl durchtrennte Sehnen, Fleisch und Knochen. Das abgetrennte Bein kippte zur Seite weg. Nodon richtete sich auf, schnitt dem st�rzenden Krieger im Vor�bergehen die Kehle durch und stach den Schildtr�ger zur Rechten des B�rtigen nieder.</p><p>Die �brigen Menschenkinder stellten sich erschreckend ungeschickt an. Wie konnten solche M�nner sich f�r Krieger halten! Nodon deutete einen Hieb auf den Kopf an. Sein Gegner riss den Schild hoch, um sich zu sch�tzen, und nahm sich damit jegliche Sicht. Der Elf lie� das Schwert nach unten schwingen und stach dem Schildtr�ger unter dem Rippenbogen hoch ins Herz.</p><p>Die beiden �berlebenden suchten ihr Heil in der Flucht. Sie waren zu langsam. Den Ersten erwischte Nodon im Nacken. Es war ein glatter Stich hinauf ins Hirn. Den Zweiten dr�ngte er gegen eine Mauer. Der Krieger hatte silberne F�den im Bart. Das Wei� in seinen angstweiten Augen schimmerte gelblich. Er atmete heftig und wollte schreien, als Nodon seinen Kehlkopf durchbohrte. Blut sprudelte aus Mund und Kehle des Sterbenden.</p><p>Das Gemetzel hatte kaum zehn Atemz�ge gedauert. Nodon sah zu Gonvalon zur�ck. Der Schwertmeister w�rde allein zurechtkommen. Die Menschenkinder behinderten sich mit ihren langen Speeren gegenseitig. Nun war es wichtiger, daf�r zu sorgen, dass der verbliebene W�chter auf dem Turm keine Verst�rkung herbeirief.</p><p>Entschlossen st�rmte der Elf die Stra�e hinauf, bis er das Ende der Gartenmauern erreichte. Noch immer wurden brennende Strohballen den Abhang hinabgeschleudert. Die Aufmerksamkeit der meisten Wachen war ganz auf die Felszunge gelenkt. Ohne zu z�gern, lief Nodon �ber die freie Fl�che vor dem Turm. Der Wachposten oben hatte ihn kommen sehen. Nodon h�rte, wie die Fallt�r zur Turmplattform zuschlug. Er hielt sich nicht damit auf, die Leiter zu nehmen.</p><p>Der Turm war aus gro�en, grob verfugten Steinquadern errichtet. Ohne M�he fanden Nodons Finger Halt. Er kletterte bis zur Br�stung. Dort stand der Letzte der Turmw�chter auf der Fallt�r und starrte auf seine F��e hinab. So ein Idiot! Lautlos schwang sich der Elf �ber die Br�stung und enthauptete den Menschensohn, der nicht einmal mitbekam, auf welchem Weg der Tod zu ihm gekommen war.</p><p>Nodon rollte den Toten gerade von der Fallt�r, um sie zu �ffnen, als ihn ein Ger�usch innehalten lie�. Da war wieder das metallische Klirren. Geduckt schlich er zu der Seite der Brustwehr, die dem Weltenmund zugewandt war, und sp�hte �ber den Mauerrand. Weit unten, an der Grenze des Nebels, stand etwas und blickte zu ihm hinauf. Es wusste, dass er da war. Gro�e, bernsteinfarbene Augen sahen ihn aus einer goldenen Raubtierfratze an. Einen Herzschlag lang, dann zog sich das Ungeheuer in den Nebel zur�ck. Nodon ahnte, dass ihn diese Bestie so leicht t�ten k�nnte, wie er die Menschenkinder gemordet hatte.</p><p>Warum war sie nicht zu ihm heraufgekommen? Er konnte es sich nicht erkl�ren.</p><p>�Ich wei� nicht, was du bist�, murmelte er und dachte an die Kralle aus Obsidian, die er nach dem Angriff im Weltenmund aufgehoben hatte. �Aber ich wei�, wer deine fliegenden Diener sind.�</p></section><section><title><p>Mit dem Schicksal feilschen</p></title><p>Volodi erwachte von dem Gef�hl, beobachtet zu werden. Eine Zeitlang blieb er reglos liegen und lauschte auf den regelm��igen Atem Quetzallis, die neben ihm zusammengerollt unter der Decke lag. Feuchte, warme Luft drang durch das offene Fenster. Es war noch dunkel. Der melancholische Ruf einer Rohrdommel t�nte von den Seen in den G�rten her�ber.</p><p>Etwas bewegte sich in den Schatten bei der Treppe. Ichtaca, sein Diener, stand dort. Lautlos erhob sich Volodi aus dem Bett. Der Holzboden knarrte unter seinen Schritten. Quetzallis Atmen hatte sich ver�ndert. Sie drehte sich auf die andere Seite. Hatte auch sie etwas bemerkt, und tat sie nur so, als w�rde sie weiterschlafen?</p><p>Volodi folgte dem Zapote die Treppe hinab. �Es tut mir leid, Auserw�hlter�, fl�sterte er. �Ihr werdet zur Schlange berufen.�</p><p>�Nein��� Volodi sch�ttelte noch leicht schlaftrunken den Kopf. �Nein. Es sind noch zehn Tage bis zum n�chsten Opfer. Das muss ein Irrtum sein!�</p><p>Der kleine Diener sch�ttelte traurig den Kopf. �Nein, Auserw�hlter. Ein Priester war hier. Alle Auserw�hlten werden gerufen. Irgendetwas muss vorgefallen sein. Es kommt nur sehr selten vor, dass die Gefiederte Schlange au�erhalb der vorbestimmten Festtage ein Opfer verlangt.�</p><p>Wieder hallte der Ruf der Rohrdommel durch den n�chtlichen Park. Diesmal klang er in Volodis Ohren wie ein Totenruf. Er sch�ttelte die dunklen Gedanken ab und streifte die Tunika �ber, die ihm der Zapote entgegenstreckte. �K�mmere dich um Quetzalli, wenn sie erwacht. Ich bin kurz nach dem Morgengrauen zur�ck.�</p><p>�Gewiss, Auserw�hlter.�</p><p>�Sag nicht immer Auserw�hlter zu mir. Ich bin ein Gast in diesen G�rten, h�rst du? Ein Gast! Und bis ich auserw�hlt werde, wird es hoffentlich noch sehr lange dauern.� Mit diesen Worten verlie� er das kleine Haus.</p><p>Den Weg durch den Garten kannte er inzwischen gut. Irgendwo hinter den B�umen erklangen Schreie. Die Jaguarm�nner waren gekommen, einen zu holen, der nicht aus freien St�cken ging, einen, der sich nicht darin f�gen wollte, dass die Schlange sie zu einem Extratanz gefordert hatte.</p><p>Volodi war in viele K�mpfe gezogen. Und genau wie vor einer Schlacht hatte er nun dieses Gef�hl im Bauch. Dieses unruhige Rumoren. Vor einem Kampf hatte er stets die Illusion, dass es an ihm lag, ob er �berlebte. An seinem K�nnen, daran, dass er schneller mit der Klinge war als andere oder einfach nur mehr schmutzige Tricks kannte. Aber hier�� Was gleich geschehen w�rde, konnte er nicht beeinflussen. Er h�tte auch rebelliert, wenn er nicht genau gewusst h�tte, wie aussichtslos es war, sich mit den Jaguarm�nnern anzulegen.</p><p>Bisher hatten die Regeln ihrem Leben an der Schwelle des Todes einen Rest von Halt gegeben. Es war ungerecht, heute, da kein Festtag war, mit einem Leben zahlen zu m�ssen.</p><p>Volodi spuckte in einen Rosenbusch. Was sollte es, das Leben war nun mal ungerecht! Er w�rde sich davon nicht unterkriegen lassen. Stattdessen begann er trotzig, ein altes S�ldnerlied �ber die M�dchen in den Schenken zu pfeifen.</p><p>Er geh�rte zu den Ersten, die vor dem wei�en Schlangenhaupt eintrafen.</p><p>Eirik aus dem Seenland war schon da. Sein langes, blondes Haar und sein Bart troffen vor N�sse. Volodi musste l�cheln. �Habe ich dich eigentlich schon mal trocken gesehen?�</p><p>�Im Gegensatz zu Hinterw�ldlern wie dir lege ich Wert darauf, sauber zu sein�, entgegnete Eirik grinsend. Er hatte sich wieder herausgeputzt wie ein F�rst und trug seine schneewei�e Tunika und den kurzen roten Umhang, der von der goldenen Drachenfibel gehalten wurde. Eiriks L�cheln verflog. �Sauerei, nicht wahr?�</p><p>�Geschieht das oft?�, fragte Volodi.</p><p>Sein Freund sch�ttelte den Kopf. �Das ist erst das zweite Mal, dass ich es erlebe. Keiner wei�, warum die Priester das tun. Da muss man einfach durch.�</p><p>Schweigend standen sie beieinander und sahen zu, wie die Auserw�hlten sich versammelten. Zwei der Neuen wurden von den Jaguarm�nnern gebracht. Es waren zumeist die Neuank�mmlinge, die sich noch wehrten. Wer l�nger im Tempelgarten lebte, hatte eingesehen, dass Widerstand zwecklos war. Als einer der Letzten kam ein junger, schlanker Mann herangeschlendert, dessen Leib �ber und �ber mit rotbraunen Mustern bemalt war. Eine st�mperhafte, billige Arbeit, das konnte Volodi schon von Weitem sehen. Der Drusnier musste grinsen. Er konnte sich vorstellen, was f�r einer das war. Ein junger Krieger, der den Geschichten �ber schnellen Reichtum in Nangog auf den Leim gekrochen war und der sich dann auf einem der Marktpl�tze in ein Zapotem�dchen verguckt hatte.</p><p>Also eigentlich genau so einer wie er. Volodi ging ihm ein St�ck entgegen. Der Junge war neu. Jemand musste ihm erkl�ren, was ihn hier erwartete. So locker, wie er aussah, hatte er gewiss noch keine Ahnung.</p><p>Je n�her er ihm kam, desto st�rker hatte Volodi das Gef�hl, den Mann schon irgendwo einmal gesehen zu haben. Diese katzenhafte Art, mit der er sich bewegte. Diese Ausstrahlung, nichts auf der Welt wirklich ernst zu nehmen.</p><p>�Mikayla?�</p><p>�Sch�n dich zu sehen, Feldherr. Der Unsterbliche Aaron macht sich Sorgen um dich.� Sein Wagenlenker blickte zu dem Schlangenschlund, dessen Treppen tr�gerisch im warmen Licht der �ll�mpchen erstrahlten. �Kein sehr netter Ort. Was tun wir hier?�</p><p>Bevor Volodi antworten konnte, drang ein dunkler, langanhaltender Ton aus dem Schlangenmaul.</p><p>�Wir stellen uns zun�chst einmal im Halbkreis auf. Und dann solltest du es vermeiden, einen goldenen Stein in die Hand zu nehmen.�</p><p>Mikayla sah ihn fragend an.</p><p>�Sie losen aus, wer heute sterben wird. Wer den goldenen Stein aus dem Krug zieht, begegnet der Gefiederten Schlange.�</p><p>Der Wagenlenker nickte l�chelnd. �Gold ist noch nie an meinen Fingern haften geblieben. Kaum bekomme ich meinen Sold, hat er sich schon wieder in Luft aufgel�st. Das sollte hier von Vorteil sein.�</p><p>Wieder ert�nte der markersch�tternde Hornruf aus dem Schlangenschlund. Dann erschienen die Priester. Volodis Mund war pl�tzlich ganz trocken. Er ballte die H�nde zu F�usten. Einer der Neuen wimmerte leise. Auch Eirik, der links neben ihm stand, wirkte angespannt.</p><p>Diesmal trat der Priester mit dem Krug an das linke Ende der Reihe.</p><p>Eirik fluchte. �Das ist nicht richtig. Er h�tte rechts anfangen m�ssen. Es gibt eine Reihenfolge�� So geht das nicht.� Einer der Jaguarm�nner warf einen finsteren Blick in ihre Richtung.</p><p>�Sei still�, zischte Volodi. �Es ist doch egal, wo wir stehen.�</p><p>�Nein! Ich stehe auf dem falschen Platz. So geht das nicht. Alles muss seine Ordnung haben.�</p><p>�Heute hat gar nichts seine Ordnung. Stell dich nicht so an.�</p><p>�Du kannst auf meinen Platz�, bot Mikayla an.</p><p>Inzwischen hatte der erste Auserw�hlte seinen Stein gezogen. Er war wei�. Der Mann st�hnte vor Erleichterung.</p><p>Mikayla und Eirik tauschten ihre Pl�tze. Volodi fand das albern. Wenn der Tag gekommen war, zu seinen Ahnen zu gehen, dann traf es einen, ganz gleich, wo man stand. Er hatte das etliche Male im Schildwall erlebt. Man konnte mit dem Schicksal nicht feilschen!</p><p>Jetzt tauschten auch an anderer Stelle zwei M�nner ihre Pl�tze. Der Hohepriester mit dem Federmantel, der wie auch beim letzten Mal im aufgerissenen Schlangenschlund stehen geblieben war, bellte einen Befehl.</p><p>Volodi sp�rte, wie sich eine Hand auf seine Schulter legte. Hinter jeden der Auserw�hlten war ein Jaguarmann getreten.</p><p>Der Priester mit dem Krug erreichte Mikayla. Unbefangen, als sei gar nichts dabei, griff der Junge hinein, nahm ohne zu z�gern einen Stein und hielt ihn dem Priester hin. Es war ein wei�er Kiesel.</p><p>Volodi fragte sich, ob Mikayla �berhaupt begriffen hatte, was hier vor sich ging. Nun war die Reihe an ihm. Er streckte die Hand in den Krug. Seine Fingerspitzen ertasteten sieben Steine. Gute Aussichten, noch einmal lebend davonzukommen. Er nahm einen Stein, der am Rand lag, ballte die Faust darum und zog sie aus dem Krug. Er sah Quetzalli vor seinem inneren Auge, wie sie zusammengerollt auf ihrem Lager gelegen hatte, als er gegangen war. Er wollte sie wiedersehen!</p><p>Z�gerlich �ffnete er die Hand. Ein wei�er Stein. Auch er st�hnte vor Erleichterung auf.</p><p>Eirik neben ihm brauchte noch l�nger, um seine Entscheidung zu treffen. Endlich zog er die Hand aus dem Krug.</p><p>Er hatte den goldenen Stein gezogen. Eirik r�usperte sich, blinzelte, als k�nne er nicht glauben, was geschehen war. Dann sch�ttelte er einfach nur den Kopf. �Alles ist aus der Ordnung geraten�, sagte er leise. �Ich w�nsche dir Gl�ck, Volodi. Manchmal �berlebt man Jahre. Du solltest Kinder haben. Ich kann mir vorstellen, dass du ein guter Vater w�rst.� Mit diesen Worten trat er aus der Reihe und verneigte sich vor den anderen Auserw�hlten. �Es war mir eine Freude, euch kennengelernt zu haben. Genie�t die Freuden des Gartens, damit ihr eines Tages leichten Herzens gehen k�nnt und unsere Ahnen stolz macht.�</p><p>Mit diesen Worten trat er aufrecht in den Schlangenschlund und stieg, gefolgt von den Priestern, die Treppen hinab. Die Zapote zogen sich zur�ck. Ein Teil der Jaguarm�nner ging ebenfalls durch den Schlangenschlund, die �brigen verschwanden in den Schatten der G�rten.</p><p>�Was war das?�, fragte Mikayla verwundert.</p><p>�Das war ein tapferer Mann�, entgegnete Volodi niedergeschlagen. Das Gef�hl der Erleichterung war bedr�ckender Traurigkeit gewichen. Er legte seinem Wagenlenker einen Arm um die Schultern. �Du musst noch viel �ber diesen Ort lernen.� Und dann erz�hlte er Mikayla von den Regeln, von Quetzalli und Ichtaca. Davon, dass sie alle im Vorhof des Todes lebten.</p><p>Als Volodi sein Haus sah, stand Quetzalli am Fenster ihres Zimmers. Sie winkte ihm zu und verschwand. Es war gut, nach Hause zu kommen. Dass man diesen Ort ein Zuhause nennen konnte��</p><p>An der T�r sa� Ichtaca und schnitt Fleisch. Er grinste breit. �Ich habe f�r dich gebetet, Auserw�h� �h, Herr. Die Gefiederte Schlange hat mich erh�rt.� Er deutete mit dem Steinmesser auf das Fleisch. �Heute wird es eine besondere drusnische Spezialit�t geben: angebrannter B�renschinken in klebriger Sauce. Euer Begleiter kann gerne mitessen.�</p><p>Volodi lachte. �Meine Mutter h�tte mich nicht besser empfangen k�nnen.�</p><p>Pl�tzlich r�usperte sich Ichtaca und warf einen Blick an ihm vorbei ins Innere des Hauses.</p><p>Volodi drehte sich langsam um, und da stand sie auf der untersten Treppenstufe: Quetzalli. Sie kam auf ihn zu und schloss ihn fest in ihre Arme. Dass ihnen ein Fremder zusah, war ihr ganz egal. Als sie ihren Kopf von seiner Brust l�ste, schimmerten Tr�nen in ihren Augen. �Wohl Odi�, sagte sie mit einer Erleichterung, in der immer noch Todesangst nachklang.</p><p>�Komm zur Mittagsstunde zum Essen, Mikayla. Jetzt m�chte ich allein sein.�</p><p>Der Wagenlenker grinste schief. �Versteh ich.�</p><p>Ein seltsames Lied vor sich her summend, ging er davon. Volodi war fassungslos, wie unbeschwert sein Kampfgef�hrte war. Ganz, als k�nne ihm nichts auf dieser Welt etwas anhaben. Einen Moment lang beneidete er ihn um diese Leichtigkeit.</p><p>Dann sah er Quetzalli an und wusste, dass er mit niemandem auf der Welt tauschen wollte.</p></section><section><title><p>Das unerwartete Tun</p></title><p>�Du h�ttest ihr nicht dabei helfen d�rfen�, sagte Nandalee. Die Elfe war w�tend auf ihre Freundin aus der Wei�en Halle, empfand aber zugleich auch so etwas wie Mitleid.</p><p>�Ich wusste nicht, was sie tun wollte�, wandte Bidayn schwach ein.</p><p>Nandalee deutete durch das Fenster hinaus auf den Rauch. �Fast einen Tag schon brennt es dort.�</p><p>�Es gibt keine Verbindung zu uns�, sagte Bidayn und hob nun trotzig ihr Kinn.</p><p>�Bist du es, die da spricht, oder Lyvianne? Denkst du eigentlich noch selbst, oder hast du das ganz ihr �berlassen? In diesem Feuer sind Menschen umgekommen. Unschuldige.�</p><p>�Gibt es hier Unschuldige?�, warf Nodon ein.</p><p>�Die Menschenkinder sollten nicht auf dieser Welt sein�, nahm Bidayn Nodons Frage auf. �Du wei�t so gut wie ich, Nandalee, dass der alte Pakt zwischen Devanthar und Alben ihnen verbietet, Nangog zu besiedeln. Diese Welt h�tte auf immer unber�hrt bleiben sollen. Sieh aus dem Fenster! Sie treten diesen Pakt mit F��en. Und jetzt kommen sie sogar in unsere Welt, um zu morden. Ist es wirklich das Feuer, �ber das du so aufgebracht bist? Oder liegt es nicht vielmehr daran, dass sich Lyvianne �ber deine Befehle hinweggesetzt hat.�</p><p>Nandalee musste schlucken. Bidayns Worte entsprachen zwar nicht ganz der Wahrheit, aber sie kamen ihr sehr nahe.</p><p>�Gonvalon und ich haben uns auch �ber deine Befehle hinweggesetzt�, unterbrach Nodon das Schweigen, das sich �ber die kleine Gruppe gelegt hatte. �Alle rebellieren gegen dich, Nandalee. Wann wirst du endlich einsehen, dass es die falschen Befehle waren, die du erteilt hast? Vorsicht in allen Ehren, aber wir k�nnen es uns nicht leisten, im Namen der Vorsicht auf der Stelle zu treten.�</p><p>�Und wir k�nnen es uns auch nicht leisten zu versagen.� Nandalee tastete instinktiv nach dem Amulett aus Blei an ihrem Hals. Jeden Abend war ihre Haut darunter dunkel. Hatte das Amulett auch auf ihren Verstand abgef�rbt? War sie nicht mehr in der Lage, klar zu denken?</p><p>�Wir m�ssen Lyvianne helfen�, bat Bidayn. �Sie schafft es nicht alleine. Der Mann im Stein wird sie t�ten. Wir sind Drachenelfen. Und das hei�t, wir lassen niemanden zur�ck!�</p><p>�Wei�t du, was Drachenelfen auch nicht tun?�, fuhr Nandalee Bidayn an. �Sie verraten nicht ihre Gef�hrten. Sie gef�hrden nicht ihre Mission. Sie ignorieren nicht die Befehle der Himmelsschlangen. Nodon und Gonvalon haben gestern Nacht ein Feuer im Weltenmund angez�ndet. Du und Lyvianne, ihr habt fast ein ganzes Viertel niedergebrannt. Aber was Lyvianne jetzt tut, setzt alldem die Krone auf. In den I�ta-Tempel zu gehen, um dort den Ort, an dem die dunkelsten Geheimnisse bewahrt werden, zu sch�nden, das ist dasselbe, als w�rde sie ein Leuchtfeuer f�r die Devanthar entz�nden! Damit I�ta auch ja nicht entgeht, dass hier ungew�hnliche Dinge geschehen.</p><p>Wir werden noch in dieser Stunde dieses Quartier verlassen, denn hier sind wir nicht mehr l�nger sicher. Und wir k�nnen Lyvianne nicht zu Hilfe eilen, um uns alle in dem sinnlosen Kampf zu opfern, den sie angezettelt hat.� Sie sah ihre Gef�hrten der Reihe nach an. Nandalee war nicht nur fassungslos, sondern auch entt�uscht. Am meisten von Gonvalon. Warum hatte er, um seiner fr�heren Liebe die letzte Ehre zu erweisen, die Mission gef�hrdet? Bedeutete sie, die lebte, weniger als die tote Talinwyn?</p><p>Alles lief aus dem Ruder. Vielleicht hatte Nodon recht, und sie war eine schlechte Anf�hrerin. Von nun an w�rde sie die Z�gel straffer in die Hand nehmen.</p><p>�Bidayn, du wirst dich als Tagel�hner verkleiden und auf einem unserer Beobachtungspunkte Posten beziehen, den ich dir noch benennen werde.�</p><p>�Aber wir haben doch schon sichere Orte, von denen wir���</p><p>�Du wirst dich an keinem Platz aufhalten, den Lyvianne kennen kann�, unterbrach Nandalee sie. �Nach allem, was du erz�hlt hast, scheint dieses Ding ihre Lebenskraft zu stehlen. Vielleicht raubt es ihr auch den Verstand oder den K�rper? Wir k�nnen also nicht wissen, <emphasis>was</emphasis> hierherkommt, selbst wenn wir glauben, Lyvianne zu sehen.�</p><p>Nandalee �berlegte, wo die neuen Beobachtungsposten sein sollten. Noch an ihrem Ankunftstag hatten sie sieben Punkte im Umkreis von hundert Schritt Abstand zum Haus der Seidenen festgelegt. Allen war gemeinsam, dass man unbemerkt den einzigen Hauseingang beobachten konnte. Jetzt w�rden sie auf sehr viel mehr Abstand gehen m�ssen.</p><p><emphasis>Und als das Lebende Licht sah, dass der Schrecken nicht gebannt war, nahm sie den Mann, von dem das Dunkel nicht weichen wollte, und schloss ihn in einen Stein, damit das Dunkle im Dunkel vergehe.</emphasis> Nandalee wusste, es waren diese verfluchten Worte, die Lyvianne dazu getrieben hatten, das Dunkel zu suchen. Und dieses Dunkel konnte jeden Augenblick hier erscheinen. Konsequent w�re es, sich ganz und gar zur�ckzuziehen. Aber Drachenelfen lie�en einander nicht im Stich. Sollte Lyvianne �berleben und hierher zur�ckkommen, ohne verfolgt zu werden, dann w�rden sie es sehen und sich ihr vorsichtig n�hern, um herauszufinden, ob sie besessen war.</p><p>Kl�ger war es, zun�chst einmal vom Schlimmsten auszugehen. Alle ihre Pl�ne waren Asche, ihnen blieb nur noch, das Unerwartete zu tun, das, was Nandalee bisher als unn�tig gef�hrlich abgelehnt hatte.</p></section><section><title><p>Den Anderen ein Beispiel</p></title><p>Eleborn stand am Eingang des Hauses, das ihm die Zapote zugewiesen hatten, und sp�hte in die G�rten hinaus. Hinter ihm lag sein Leibdiener gefesselt und geknebelt am Boden. Izel war gestern gegangen. Sie war eine J�gerin. Sie musste wieder auf die M�rkte der Stadt hinaus, wo sie ihrem ganz besonderen Wild nachstellte. Selbst als ihr Netzwerk aus Lug und Betrug zerrissen war, war sie noch charmant gewesen. Eleborn musste sich eingestehen, dass er sie gemocht hatte. Jetzt, da sie fort war, gab es auch f�r ihn keinen Grund mehr, noch zu bleiben.</p><p>Er wollte Volodi befreien, auch wenn er sich dessen bewusst war, dass ihm das allein nicht gelingen konnte. Der Drusnier w�rde nicht ohne Quetzalli gehen, und zu dritt w�rden sie es niemals schaffen, die W�chter in den Schatten zu t�uschen. Er hatte keine andere Wahl, als die G�rten jetzt zu verlassen und Hilfe zu holen.</p><p>Auf den beiden Monden am Himmel lag ein breiter Schatten. Sie spendeten nur wenig Licht in dieser Nacht. Eleborn glitt ins Dunkel. Er hatte die Jaguarm�nner beobachtet. Sie waren gut. Sie folgten keinen festgelegten Wegen. Sie folgten keinem Rhythmus bei ihren Wachg�ngen. Sie konnten jederzeit an jedem Ort sein. Und sie verstanden es zu k�mpfen. Eleborn dachte an das Schlachtfeld auf der Hochebene Kush zur�ck. Daran, wie die Jaguarm�nner mit geradezu l�cherlich wenigen Kriegern die Streitwagengeschwader Muwattas aufgehalten hatten. Sie zu untersch�tzen w�re t�richt. Sie waren mit Abstand die gef�hrlichsten Krieger unter den Menschenkindern, die er bislang gesehen hatte. Aber gef�hrlich war er auch.</p><p>Lautlos glitt Eleborn durch ein Rosendickicht. Die Blumen des Gartens waren nicht allein nach �sthetischen Gesichtspunkten ausgew�hlt worden. Es gab ungew�hnlich viele Pflanzen mit Dornen. Wer die Wege verlie�, der hatte es schwer voranzukommen. Wie die Jaguarm�nner lautlos durch dieses Dickicht streiften, war ihm unbegreiflich.</p><p>Der Elf dachte an Volodis Warnungen. Wen die Jaguarm�nner bei einem Fluchtversuch erwischten, dem zerschmetterten sie beide F��e, so hie� es. Heute Morgen hatte er sich deshalb alle Auserw�hlten genau angesehen. Keiner von ihnen hatte getragen werden m�ssen oder auch nur gehinkt. Entweder war der letzte Fluchtversuch lange her, oder es handelte sich nur um eine erfundene Geschichte, um die Auserw�hlten einzusch�chtern.</p><p>Eleborn hatte nach dem Mittagsmahl noch lange mit Volodi gesprochen. Der Drusnier hatte sich ver�ndert. Obwohl der Schatten des Todes jede Stunde auf ihm lastete, wirkte er in sich ruhend. Er haderte nicht mit seinem Schicksal. H�tte er die Gelegenheit, mit Quetzalli zu fliehen, dann w�rde er sie nutzen. Gelang dies nicht, w�rde er jeden Tag genie�en, der ihm noch blieb.</p><p>Eleborn verharrte. Vor ihm bewegte sich etwas. Ein Jaguarmann trat aus dem Schatten eines Kirschbaums. Er kam genau auf ihn zu. Pl�tzlich verharrte der Zapotekrieger. Dann bewegte er den Kopf auf seltsame Art, wie ein Tier, das Witterung aufnahm! Eleborn st�rmte vor. Er durfte nicht riskieren, dass der Zapote Alarm schlug.</p><p>Der Jaguarmann reagierte be�ngstigend schnell. Er wich dem Hieb, der auf seine Kehle gezielt hatte, aus, sodass Eleborn ihn nur seitlich am Hals traf. Dann schlug er mit seiner Krallenhand zu. Der Elf duckte sich, landete einen Tritt, der seinen Gegner seitlich am Knie traf. Deutlich war das Knacken des Gelenks zu h�ren, doch der Zapote gab keinen Schmerzenslaut von sich. Stattdessen warf er sich nach vorne, um ihn mit vorgestreckten Armen zu umfangen.</p><p>Eleborn entkam mit einem Salto r�ckw�rts. Dornenranken zerrten an ihm, als er ein wenig unsicher auf dem unebenen Boden landete. Er musste es schnell zu Ende bringen. Jeden Augenblick mochte der Zapote um Hilfe rufen. Noch hielt ihn vielleicht sein Stolz als Krieger davon ab. Aber bald w�rde die Vernunft siegen.</p><p>Der Stolz! Das war es. Das war der verwundbarste Punkt des Jaguarmanns. Er w�rde diesen Sieg f�r sich allein haben wollen. Eleborn schenkte dem Zapote ein abf�lliges Siegerl�cheln und ganz, wie er gehofft hatte, stemmte sich der Jaguarmann hoch, um weiterzuk�mpfen. Es war deutlich, dass er das verletzte Knie nicht mehr belasten konnte. Dennoch wirkte der Zapote zuversichtlich. Seine Z�hne blitzten unter dem seltsamen Helm, der sein Gesicht hinter einem aufgerissenen Raubtierkiefer verbarg. In beiden H�nden hielt er Krallenst�cke, kurze Rundh�lzer, die mit dolchlangen Obsidiankrallen besetzt waren und zwischen den Fingern seiner geballten F�uste hervorlugten. Mit einem einzigen Hieb k�nnte er ihm damit die Kehle zerfetzen.</p><p>Eleborn hob seine F�uste. Er besa� keine Waffe. Nur seine Ausbildung. Aber er war ein Drachenelf!</p><p>Mit t�dlicher Geschwindigkeit t�uschte er einen Schlag auf den Hals seines Gegners an, zuckte zur�ck, blockierte einen Krallenhieb mit dem Unterarm und lie� sich nach hinten fallen, als sei er aus der Balance geraten. Er fing seinen Sturz mit nach hinten gerissenen H�nden ab, federte in den Armen und versetzte seinem Angreifer einen Fu�tritt, der ihn direkt unter dem rechten Rippenbogen auf die Leber traf.</p><p>Der Zapote keuchte. Er hob die Rechte zum Schlag. Dann sackte er pl�tzlich in sich zusammen. Augenblicklich war Eleborn �ber ihm und zerquetschte ihm mit einem weiteren Schlag die Luftr�hre.</p><p>Hastig zog er den Sterbenden unter einen Busch und nahm ihm die Krallenst�cke ab. Es waren viele Jaguarm�nner im Park, und es w�rde nicht lange dauern, bis sie ihren toten Kameraden fanden.</p><p>Der Kampf war h�rter gewesen, als er erwartet hatte. Eleborn zwang sich zur Ruhe. Jetzt w�rde er all seine Sinne brauchen, um zu entkommen. Er hatte die G�rten in den letzten beiden N�chten aufmerksam beobachtet. Es gab Pflanzen, die im Dunkeln ein mattes Licht verstrahlten, wenn man sie ber�hrte. Auch waren im Ge�st der B�sche d�nne Dr�hte mit Gl�ckchen gespannt. Manchmal l�sten kleine V�gel oder andere Tiere einen Fehlalarm aus.</p><p>Wieder blieb Eleborn stehen und lauschte in die Schatten. Er hatte das Gef�hl, beobachtet zu werden. Es waren etwa zweihundert Schritt von seinem Standpunkt bis zur gro�en Mauer, die die G�rten einfasste. Bis zur Mauer war alles mit dichtem Geb�sch bewachsen. Einfach dorthin zu laufen und in die Freiheit zu klettern war unm�glich. Er musste nach den Pfaden suchen, auf denen sich die verfluchten Jaguarm�nner bewegten. Womit die Wahrscheinlichkeit wuchs, auf einen von ihnen zu treffen.</p><p>Ein Vogelruf ganz in der N�he schreckte ihn auf. War das ein Signal? Er betrachtete seine erbeuteten Krallenst�cke. Zur Not w�rde er sich den Weg eben freik�mpfen. Entschlossen pirschte er weiter. Leises Rascheln folgte ihm. Wieder erklang der Vogelruf. Diesmal aus einer anderen Richtung. Kreisten sie ihn ein? Er erreichte einen Weg und entschied, ihm zu folgen. Wenn er ohnehin entdeckt war, war es besser, sich schnell bewegen zu k�nnen.</p><p>Er war keine vier Schritt gegangen, als vor ihm zwei Jaguarm�nner aus dem Dickicht brachen. Der vordere griff sofort an, w�hrend der zweite versuchte, in seinen R�cken zu gelangen. Eleborn blockte einen Hieb, grub seine Linke mit den Obsidiankrallen in die Kehle des Gegners, packte den Krieger, dessen warmes Blut ihm ins Gesicht spritzte, zog ihn dicht an sich heran und wirbelte mit ihm als Schild herum. Keinen Augenblick zu sp�t: Der zweite Jaguarmann hatte bereits zum Schlag ausgeholt. Nun wich er zur�ck, als er seinen sterbenden Kameraden sah. Eleborn lie� den Verletzten fallen, wandte sich um und rannte weiter. Noch hundertf�nfzig Schritt bis zur Mauer. Er konnte es schaffen!</p><p>Aus den Augenwinkeln sah er eine Bewegung. Er duckte sich. Etwas zog mit seltsamem Ger�usch �ber ihn hinweg. Eine Bola. Die Wurfwaffe traf einen Ast, das Seil wickelte sich darum, bis zuletzt die beiden Steine an den Enden klackend gegeneinanderschlugen.</p><p>Weitere Bolas wurden geworfen. Eleborn lie� sich nach vorn fallen, rollte sofort zur Seite ab und sah sich um. Er befand sich auf einer kleinen Lichtung, auf der sich zwei Wege kreuzten. �ber ihm wiegten sich Kirschbaum�ste in sanftem Wind. Wei�e Bl�ten fielen wie Schnee auf die Lichtung. Auf jedem der vier Wege, die von hier fortf�hrten, stand ein Jaguarmann.</p><p>Eleborn richtete sich auf und streckte kampfbereit die Arme. �Kommt!�, rief er herausfordernd, wohl wissend, dass es keine Hoffnung gab zu gewinnen.</p><p>Eine Stimme erklang seitlich aus den B�schen, herrisch, befehlsgewohnt. Die Jaguarm�nner legten ihre Krallen auf den Boden. Zweien von ihnen wurden Kampfst�be zugeworfen. Vermutlich hatten sie gerade den Auftrag bekommen, ihn unbedingt lebend zu fangen, dachte Eleborn. Das verbesserte seine Aussichten zu entkommen.</p><p>Eleborn lief auf einen der M�nner mit einem Kampfstab zu. Wieder blockierte er mit den Unterarmen die ersten Angriffe. Ein Tritt gegen das untere Ende des Stabes verhinderte einen Schlag, der zwischen seine Beine gezielt hatte. In rasender Folge kam Hieb auf Hieb. Dann durchbrach der Elf die Deckung des anderen und rammte zwei Finger durch das offene Maul der Jaguarmaske in die Augen des Zapote.</p><p>Der Krieger heulte auf, Eleborn entriss ihm den Stab. So hart der Kampf gewesen war, er hatte kaum l�nger als drei Herzschl�ge gedauert. Mit einem wild ausholenden Hieb nach hinten verschaffte er sich Raum vor den anderen Angreifern.</p><p>Mehr als zwei von ihnen konnten nicht nebeneinander auf dem Weg stehen, ohne sich zu behindern. Eleborn setzte den Zur�ckweichenden sofort nach. Kurz vor der Lichtung rammte er das Ende des Stabes in den Boden, stie� sich ab und traf den vorderen der Jaguarm�nner mit beiden F��en in die Brust. Der Krieger st�rzte nach hinten, seinem Kameraden entgegen, der f�r den Augenblick abgelenkt war. Mehr brauchte Eleborn nicht, um auf den F��en zu landen und den zweiten Krieger mit einem Sto� ins Sonnengeflecht, dicht unter dem Brustbein, au�er Gefecht zu setzen.</p><p>Etwas stach in seinen Hals, sanft, nicht bedrohlich. Ein seltsam bitterer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Der Elf griff nach seinem Hals. Ein winziger Pfeil hatte ihn getroffen. Kaum mehr als ein mit Federn behafteter Zahnstocher. Ihm wurde schwindelig, die wei�en Bl�tenbl�tter der Kirschb�ume segelten in seltsamen Pirouetten um ihn herum. Der Bl�tenduft hatte etwas L�hmendes. Eleborn schwankte, als ihn eine Bola dicht oberhalb der Knie traf und sich ein z�hes Lederband um seine Beine wickelte.</p><p>Als er sich auf den Stab st�tzte, wurde der ihm weggetreten. Er st�rzte. Die Bl�tenwirbel hatten weitere dunkle Gestalten geboren, die ihn nun umringten.</p><p>�Das war ein guter Kampf, Waldmann�, sprach ihn einer der Zapote in der Sprache Drusnas an. Er hatte einen grausamen Akzent. Eleborn konnte seinen Worten kaum folgen. Vielleicht lag es auch am Pfeilgift. Ein Geschmack wie von frisch erbrochener Galle haftete ihm in Mund und Rachen.</p><p>�M�nner wie du geben nicht auf. Ich habe Respekt davor. Aber ich m�chte nicht, dass du noch einmal gegen meine Krieger k�mpfst. Und ich m�chte auch nicht, dass sich die anderen Auserw�hlten ein Beispiel an dir nehmen. Wir werden eine L�sung finden m�ssen.� Der Sprecher winkte seinen M�nnern. �Presst ihn auf den Boden, und haltet ihn gut fest. Lasst ihn ruhig schreien. Die �brigen Auserw�hlten sollen h�ren, welcher Preis f�r einen Fluchtversuch zu zahlen ist.�</p><p>Eleborn wurde von mehreren Kriegern zu Boden gepresst. Er konnte keinen Muskel mehr regen, aber ihm war jetzt weniger schwindelig. Ganz deutlich sah er, wie der Anf�hrer der Jaguarm�nner ein Messer mit einer schwarzen Obsidianklinge zog und sich vor ihm niederkniete.</p><p>�Knochen kann ich mit diesem Messer nicht zers�gen, aber das ist auch nicht notwendig, um dich von deinen F��en zu trennen.�</p></section><section><title><p>Lebende Schatten</p></title><p>�Ich werde am Fu�gelenk ansetzen. Haut, Fleisch und Sehnen durchtrennt so eine Steinklinge sehr gut. Ich mach es langsam, damit du dir gut ansehen kannst, was ich tue.� Er blaffte seinen M�nnern einen Befehl zu. Im n�chsten Moment packten sie Eleborn unter den Achseln und hoben ihn so an, dass er an seinen gefesselten Beinen entlang auf die F��e blicken konnte.</p><p>�Du scheinst mir ein harter Mann zu sein, auch wenn du f�r einen Drusnier etwas zart gebaut bist. Ich bin sehr gespannt, wann du zu schreien anf�ngst.� Ein erwartungsvolles L�cheln blitzte im Rachen seines Jaguarhelms auf.</p><p>Er setzte die Klinge an Eleborns Ferse, als er nach hinten gerissen wurde. Ein langer Pfeil ragte aus seiner Brust. Ein zweiter Jaguarmann brach zusammen. Die anderen sprangen auf und versuchten, in den B�schen, die den Pfad s�umten, Deckung zu finden, doch pl�tzlich waren zwei Gestalten mit blitzenden Schwertern unter ihnen.</p><p>Ein abgetrennter Arm fiel auf Eleborns Brust. Die Finger, die einen Krallenstock umschlossen, zuckten noch. Der Kampf war gnadenlos und bereits vor�ber, kaum dass er begonnen hatte. Schon waren die verr�terisch schimmernden Schwerter wieder in den Scheiden verschwunden.</p><p>Acht oder neun Zapote hatten Eleborn eben noch umringt. Keiner von ihnen lebte noch.</p><p>Gemeinsam griffen die beiden fremden Krieger ihm unter die Achseln, rissen ihn hoch und trugen ihn fort, ohne sich damit aufzuhalten, die Lederschnur der Bola, die seine Beine fesselte, zu durchtrennen. Die Krieger waren ganz in Schwarz gekleidet, so wie die Jaguarm�nner, nur dass sie keine Tierhelme trugen. Ihre Gesichter hatten sie mit Ru� eingeschmiert. Sie waren wie lebende Schatten.</p><p>Eine dritte Gestalt gesellte sich zu ihnen. Eine Frau, die ihr langes Haar zu einem Zopf gedreht und mit schwarzer Gaze umwickelt hatte. Sie sicherte ihren R�ckzug mit einem riesigen Bogen. Ihr hatte er wohl zu verdanken, dass er keinen Fu� verloren hatte.</p><p>�Geht �ber die Mauer�, befahl sie knapp und lie� den Garten nicht aus den Augen. �Ich sehe keinen von diesen Katzenm�nnern mehr.�</p><p>Eleborn traute seinen Ohren nicht. Diese Stimme. Er h�tte sie unter Hunderten erkannt. Dazu der Bogen! �Nandalee?�</p><p>Sie wandte sich nicht zu ihm um, lie� die G�rten nicht aus den Augen.</p><p>Eleborn wurde hochgezogen und �ber die Mauerkrone gewuchtet. Die Lederriemen an seinen Beinen wurden durchtrennt.</p><p>�Kannst du laufen?�</p><p>Jetzt erkannte er auch den Elfen, der ihn befreit hatte. �Gonvalon?�</p><p>Der Schwertmeister sah ihn scharf an und wiederholte: �Kannst du laufen?�</p><p>Eleborn nickte. Auf der Mauerkrone erschien Nandalee. Sie gab einen Schuss ab und sprang zu ihnen hinunter. �Schnell! Da kommen mehr Katzen, als ich Pfeile habe.�</p><p>Eleborn wurde wieder hochgezogen. �Lasst das, ich kann laufen.�</p><p>�Wenigstens das�, murrte der Elf, den er nicht kannte. �Ich m�chte wissen, wer dich das K�mpfen gelehrt hat. Geh�rt verpr�gelt, der Kerl.� Mit diesen Worten dr�ckte er ihm einen Dolch in die Hand. �Fang mal damit an. Die gro�en Klingen sind noch nichts f�r dich.�</p><p>Die tiefen Schatten eines Torbogens gebaren Jaguarm�nner. Wie aus dem Nichts waren sie pl�tzlich auf der Gasse vor ihnen. Nandalee hob den Bogen und zog in flie�ender Bewegung die Sehne zur�ck. �Wir gehen durch sie hindurch�, befahl sie knapp.</p><p>Schon hatten die beiden Elfen wieder ihre Klingen in der Hand. Eleborn wollte ihnen folgen, doch Nandalee hielt ihn zur�ck. �Du sicherst unseren R�cken. Da, wo die beiden sind, ist der Tod, und dich brauche ich lebend.�</p><p>Eleborn setzte zu einem Protest an, als keine f�nf Schritt hinter ihnen zwei Jaguarm�nner �ber die Mauerkrone stiegen. Nandalee hob den Bogen. Ein Pfeil schnellte von der Sehne und nagelte einen Zapotekrieger an die wei� get�nchte Steinmauer. Der zweite hatte sie fast erreicht. Eleborn hob den Dolch, doch er sp�rte noch immer das Gift in seinen Adern. Seine Glieder waren immer noch halb bet�ubt. Er w�rde es nicht schaffen, ihn aufzuhalten.</p><p>Nandalee hakte die Nocke eines neuen Pfeils ein, als der Krieger sprang. Als seine Obsidiankrallen die Sehne zerschnitten, versetze sie ihm einen Hieb mit dem Bogen, doch der Zapote lie� sich nicht aufhalten. Eleborn wurde bewusst, dass der Krieger ihn ignoriert hatte, weil Nandalee gef�hrlicher war. Er kniff die Augen zusammen. Sein Kopf schmerzte, ihm war schwindelig, und sein Mund schmeckte noch immer nach Galle.</p><p>�Katzengesicht!�</p><p>Der Zapote ignorierte ihn. Seine Krallen hinterlie�en tiefe Kerben auf Nandalees Bogen. Eleborn hob noch einmal seine Waffe und warf sie. Die Klinge traf dicht unter dem Sch�delansatz und verschwand bis zum Heft im Hals des Zapote.</p><p>Nandalee �ffnete eine Tasche am Deckel ihres K�chers und zog eine neue Sehne heraus. Sie schob den Bogen unter ihren Schenkel und nutzte das ganze Gewicht ihres K�rpers, um die Sehne aufzuziehen.</p><p>Gonvalon winkte ihnen, alle Angreifer lagen tot am Boden. �Schnell, es kommen noch mehr.�</p><p>Die drei Elfen zogen Eleborn in das Labyrinth aus Treppen, Tunneln und Br�cken, das sich unterhalb der Palastg�rten ausbreitete. Bald hatte er jegliche Orientierung verloren. Zweimal mussten sie noch k�mpfen, dann stiegen sie in einen Kanal hinab.</p><p>Der Gestank des knietiefen Morasts, durch den sie wateten, lie� Eleborn fast ohnm�chtig werden. Er war dankbar, dass er in der Finsternis nicht sehen konnte, was es war. Er h�rte die Laute kleiner Tiere, und einmal sah er, wie sich etwas Wei�es durch den Schlamm wand, so lang und dick wie ein Unterarm.</p><p>Nach einer Weile schob Nandalee ihn in einen Tunnel, der so niedrig war, dass er kriechen musste. �ber sich h�rte er schnell flie�endes Wasser im Stein. Es tr�pfelte von der Decke. Der Tunnel wurde noch niedriger. Ein elendes Rattenloch. Wenn hier Wasser eindrang, dann w�rden sie alle ertrinken! Auf die Ellenbogen gest�tzt, k�mpfte sich Eleborn Zoll um Zoll voran. Vollkommene Finsternis umfing ihn.</p><p>Pl�tzlich hielt der schwarz�ugige Elf, der ihm vorangekrochen war, an, und sagte: �Hier endet der Tunnel. Kannst du schwimmen?�</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Eleborn gekr�nkt.</p><p>�Es ist kalt.�</p><p>Eleborn bekam etwas in die Hand gedr�ckt. Ein z�her Lederriemen. Ein G�rtel?</p><p>�Lass das nicht los. Wir k�nnen noch kein Licht machen.�</p><p>Es platschte. Das Leder in seiner Hand ruckte, er wurde nach vorne gezogen, verlor den Boden unter den F��en und schlug der L�nge nach ins Wasser.</p><p>�Leise!�, zischte es irgendwo vor ihm in der Finsternis.</p><p>�Wo sind Nandalee und Gonvalon?�</p><p>�Die sichern unseren R�ckzug und nehmen sp�ter einen anderen Weg.�</p><p>Eleborn richtete sich auf. Das Wasser war nur h�fthoch.</p><p>�Bind den Riemen an deinem G�rtel fest, damit du die H�nde frei hast. Das Wasser wird gleich tiefer.�</p><p>Er gehorchte, zu benommen und ersch�pft, um Widerspruch zu leisten. Sie schwammen weit. Langsam kroch die K�lte des Wassers tief in seine Knochen. Es fiel ihm immer schwerer durchzuhalten, aber er w�rde sich lieber die Zunge abbei�en, als den Fremden um Hilfe zu bitten, der sich so vollkommen gleichm��ig bewegte, als kenne er keine M�digkeit.</p><p>Als sie endlich ein Ufer aus eingest�rztem Mauerwerk erreichten, waren Eleborns H�nde so kalt, dass er den Knoten der Lederschnur nicht zu l�sen vermochte.</p><p>�Schneid den Riemen einfach durch.� Zum ersten Mal klang Nandalees Kamerad ein wenig vers�hnlicher.</p><p>�Ich hab keine Waffe mehr�, gestand er m�de.</p><p>�Was?�</p><p>�Sie steckt im Nacken eines Zapote, der Nandalee aufschlitzen wollte.�</p><p>�Ich geb dir einen Dolch, und du wirfst ihn weg!�</p><p>�Kam er aus der Wei�en Halle?�, fragte Eleborn zerknirscht.</p><p>Sein Gegen�ber schnaubte. �Nat�rlich nicht. Warum h�tte ich dir eine wirklich gute Waffe geben sollen? Und obendrein noch eine, die unseren Feinden verr�t, wer wir sind. Der Dolch stammte von einem Basar in der Stadt. Aber f�r die Arbeit von Menschenkindern war er erstaunlich gut.�</p><p>�Glaubst du nicht, dass sie ohnehin vermuten, wer wir sind? Dieser Kampf���</p><p>�Zwischen Vermuten und Wissen besteht ein gro�er Unterschied. Und nun sei vorsichtig, vor uns liegt ein Schutthaufen, �ber den wir klettern m�ssen.�</p><p>Das Wasser wurde immer niedriger, bis Eleborn sich auf allen vieren vorw�rtstasten musste. Die Steine des Haufens lagen locker und rutschten unter ihm. Pl�tzlich wurde seine Rechte ergriffen. Der Fremde zog ihn hoch. T�rangeln kreischten. �Bleib da stehen!�</p><p>Einen Augenblick sp�ter flammte eine kleine, blaue Flamme auf. Sie zehrte an einem Docht, gewann an Kraft und verwandelte sich in ein warmes Gelb.</p><p>Eleborn blickte zur�ck. Hinter ihm lag ein Durcheinander grob behauener Steinquader, das sich in der Dunkelheit verlor. Vor ihm befand sich eine offene T�r, die mit gr�n angelaufenen Bronzeb�ndern beschlagen war. Rote Farbe bl�tterte in breiten Streifen von dem alten Holz.</p><p>�Ein aufgegebener Keller�, erkl�rte der Fremde. �Nicht leicht zu finden.�</p><p>Eleborn trat nach ihm in ein niedriges Gew�lbe. In den Ecken lagen Decken und abgewetzte, fleckige Ledertaschen. Es roch nach Moder und nasser Wolle.</p><p>�Schlie� die T�r! Das Licht kann man noch am anderen Ende der Zisterne sehen.�</p><p>Der Elf gehorchte und lie� sich ersch�pft auf eine Decke fallen, w�hrend sich sein unbekannter Retter auszog und mit einem Lumpen trocken rieb.</p><p>�Du bist der erste Elf, den ich kenne, dem ein Bart sprie�t.�</p><p>�Und du? Spricht man dich oft auf deine Augen an?�, entgegnete Eleborn gereizt.</p><p>�Die meisten sind zu vorsichtig, um das zu tun�, entgegnete er und wickelte das schwarze Tuch ab, das sein wei�blondes Haar verborgen hatte. ��brigens, ich hei�e Nodon.�</p><p>Eleborn schluckte. Nodon, der Schwertmeister des Dunkeln! Jeder Drachenelf hatte schon von ihm geh�rt. Er galt als kaltbl�tiger M�rder, der es liebte, sich wegen Nichtigkeiten zu duellieren.</p><p>�Mir scheint, du hast schon von mir geh�rt.� Nodon schenkte ihm ein schmallippiges L�cheln. �Und nun sag mir, welche Himmelsschlange hat einen wie dich erw�hlt?�</p><p>Er w�rde sich nicht provozieren lassen, dachte Eleborn. Er w�rde ihm keinen Grund f�r ein Duell liefern, ganz gleich, wie beleidigend er wurde. �Ich diene dem Himmlischen�, sagte er voller Stolz.</p><p>Der Gesichtsausdruck des Schwertmeisters �nderte sich. Die unnahbare K�lte wich aus seinem Blick, ja, es kam Eleborn so vor, als s�he Nodon ihn mitleidig an.</p></section><section><title><p>Die Stimme im Schatten</p></title><p>Bidayn kauerte auf dem Flachdach einer Backstube und lie� die gelbe Laterne, die am Eingang zum Haus der Seidenen hing, nicht aus den Augen. Den Kopf gegen die Ziegelmauer in ihrem R�cken gepresst, hatte sie die Knie angezogen und eine Decke um sich gewickelt. Von Ferne musste es so aussehen, als schliefe sie.</p><p>Die Ziegelsteine waren noch warm von der Hitze des Tages. Es war ein guter Platz, um Wache zu halten. Wenigstens diesen Dienst konnte sie Lyvianne noch leisten. Bidayn f�hlte sich elend. Sie h�tte h�rter um ihre Meisterin k�mpfen m�ssen, sich nicht einfach den Befehlen Nandalees f�gen d�rfen. Lyvianne w�re zur�ckgegangen, um nach ihr zu suchen, da war sie sich ganz sicher.</p><p>Auf dem Nachbardach heulte ein einsamer Hund die beiden Monde an. Kurz darauf gab es Bewegung vor dem Tor der Seidenen. Ein Bote klopfte dr�ngend. Bidayn war mehr als zweihundert Schritt entfernt, aber die K�rpersprache des gro�en Mannes war �berdeutlich. Er wirkte gehetzt. Was blitzte an seinem G�rtel? Dort steckte etwas Silbernes. Ein Messer?</p><p>Was da wohl vor sich ging? Bidayn konnte sich nicht erinnern, den Mann im Haus der Seidenen schon einmal gesehen zu haben. Dennoch kam er ihr irgendwie bekannt vor.</p><p>�Eine gute Sp�herin l�sst auch ihre unmittelbare Umgebung nie aus den Augen�, erklang eine vertraute Stimme. Vor dem Treppenschacht, der aufs Dach f�hrte, stand eine schattenhafte Gestalt.</p><p>�Und wer schl�ft, dem sinkt der Kopf auf die Brust oder auf die Schulter. So aufrecht, wie du dort gesessen hast, war un�bersehbar, dass du ein Spitzel bist.�</p><p>�Herrin?� Bidayn schlug die Decke zur�ck und erhob sich.</p><p>Lyvianne trat ins Mondlicht. Sie trug noch immer die Gew�nder des Bewahrers der Tiefen Gew�lbe, aber sie hatte wieder ihre eigene Gestalt angenommen.</p><p>�Verzeih mir, dass ich mich auf dem Markt davongestohlen habe, Bidayn. Aber ich musste zur�ck zu dem Mann im Stein.�</p><p>Einen Moment fragte sich Bidayn, ob Lyvianne nur von ihrem Ehrgeiz oder vielleicht von einem b�sen Geist besessen war. Sie hatte nicht vergessen, wie die �ste aus blauem Licht nach ihr gegriffen hatten.</p><p>�Geht es dir gut?�</p><p>�Ich bin sehr ersch�pft.� Ihre Meisterin schenkte ihr ein m�des L�cheln. �Und sehr zufrieden.� Bei diesen Worten trat sie zur Seite, sodass Bidayn den Schatten auf der Treppe hinter ihr sehen konnte.</p><p>�Du musst uns nun zum Versteck deiner Freunde f�hren�, sagte eine warme, sympathische M�nnerstimme. Doch so freundlich der Schattenmann auch klang, von seinen Worten ging ein Zwang aus, dem Bidayn nichts entgegenzusetzen hatte. Sie begriff, dass sie mit einem Zauber belegt worden war.</p><p>�Ich bringe euch zu ihnen�, sagte sie ergeben.</p></section><section><title><p>Die Welt verteidigen</p></title><p>Nandalee konnte immer noch nicht glauben, Eleborn vor sich zu haben, so sehr hatte sich ihr einstiger Mitsch�ler ver�ndert. Es war nicht diese l�cherliche Bemalung, die vermutlich selbst die Mehrheit der Menschenkinder barbarisch fand. Er hatte einen Bart! Er bewegte sich anders. Seine Stimme hatte einen anderen Klang!</p><p>�Ich fasse noch einmal kurz zusammen. Der Himmlische hat dich nach Aram geschickt, damit du dort einen Spitzel der Blauen Halle ersetzt? Du, ein Elf der Wei�en Halle?�</p><p>�Nicht irgendeinen Spitzel. Talawain ist der Vertraute des Unsterblichen. Er hat Einfluss auf die Politik eines riesigen K�nigreiches. Das ist keine Kleinigkeit.�</p><p>�Aber dieser Talawain musste verschwinden�, fuhr Nandalee fort, ohne auf die Einw�nde einzugehen. �Weil er ein M�rder war.� Sie l�chelte schief. �Ungew�hnlich f�r einen Elf der Blauen Halle. Das ist doch eigentlich unser Part.�</p><p>�Man hat ihm den Mord untergeschoben.�</p><p>Nandalee machte eine wegwerfende Bewegung. �Wie dem auch sei. Dann hat dich der Unsterbliche damit beauftragt, nach einem verschollenen Hauptmann seiner Leibwache zu suchen. Und die Spur f�hrte dich bis in die Tempelg�rten der Zapote in der Goldenen Stadt.�</p><p>Eleborn nickte. �Ich bin froh, dass ihr gekommen seid. Alleine h�tte ich es wohl nicht dort hinausgeschafft.�</p><p>�Das war un�bersehbar�, meinte Nodon, fragte dann aber nach einem eisigen Blick von Nadalee: �Was wei�t du �ber den Schlangenschlund?�</p><p>�Wenig. Die Auserw�hlten reden nicht viel dar�ber. Es kommt keiner zur�ck, der die Treppe in den Berg hinabsteigt. Dort unten gibt es einen Tempel. Sehr weit unten�� Das ist alles, was ich geh�rt habe.�</p><p>�Was wirst du nun tun?�, wollte Nandalee wissen. Sie konnte nicht nachvollziehen, dass Eleborn sich ohne direkten Befehl nach Nangog gewagt hatte. Und h�tten sie ihn nicht gefunden, h�tte der Kampf mit den Zapote ein �bles Ende f�r ihn genommen.</p><p>Ohne es zu wissen, hatte er ihre Pl�ne zerst�rt. Nodon war es, der entdeckt hatte, dass die Katzenm�nner ganz darauf fixiert waren, die Auserw�hlten an Fluchtversuchen zu hindern. Damit, dass jemand versuchen k�nnte, in den Garten einzudringen, hatten sie bislang nicht gerechnet. Nach dieser Nacht w�re das anders. Sie hatten die eine Gelegenheit, den Garten auszusp�hen, verpasst.</p><p>�Ehrlich gesagt, bin ich unschl�ssig, was ich tun soll�, gestand Eleborn. �Melde ich dem Unsterblichen Aaron, was geschehen ist, dann wird er nichts unversucht lassen, um Volodi zu retten. Er wird einen Streit mit dem Reich der Zapote beginnen und ihren Devanthar erz�rnen. Unternehme ich aber nichts, dann wird der Hauptmann seiner Leibwache sterben.�</p><p>�Was ist daran schlecht, wenn zwei gro�e Menschenreiche einen Krieg beginnen?�, fragte Nodon.</p><p>�Talawain hatte Einfluss auf den Unsterblichen Aaron. Vielleicht werde auch ich in seiner Gunst aufsteigen. Es w�re unklug, ausgerechnet diesen Mann zu schw�chen�, entgegnete Eleborn ernst.</p><p>Nandalee sah zu Nodon. �Er wei� es noch nicht?�</p><p>Der Schwertmeister des Dunklen nickte.</p><p>�Was wei� ich nicht?� Eleborn sah die drei Elfen der Reihe nach an. �Was ist geschehen?�</p><p>�Wir wurden angegriffen�, sagte Nandalee mit tonloser Stimme. Sie hasste es, diejenige zu sein, die es ihm erkl�ren musste. Sie hatte gehofft, Nodon h�tte schon mit ihm gesprochen. Aber sie war die Anf�hrerin, es lag bei ihr, solche Dinge zu tun. �Die Blaue Halle wurde angegriffen.�</p><p>�Die Zwerge�, stie� Eleborn hervor. �Aber die Blaue Halle hatte doch nichts mit der Tiefen Stadt zu tun!�</p><p>�Es waren nicht die Zwerge. Es waren die Devanthar. Die Blaue Halle ist zerst�rt. Es gab keine �berlebenden. Wie es scheint, haben sie auch eure Sp�her auf Daia get�tet. Und��� Nandalee erhob sich, ging ein paar Schritte, rang um Worte. Wie erkl�rte man den Tod einer Himmelsschlange? �Der Himmlische��� Sie blieb vor Eleborn stehen.</p><p>Der Elf sch�ttelte den Kopf. �Nein. Das kann nicht sein! Das�� die Devanthar sind nach Albenmark gekommen? Wie��� Er sah sie bittend an, als hoffe er, das alles sei nur ein makabrer Scherz.</p><p>�Die Devanthar haben Albenmark angegriffen, Eleborn, deshalb sind wir hier.� Nandalee sah, dass ihn ihre Worte kaum erreichten. Er stand unter Schock. Seine Himmelsschlange war tot. Ein Drache, alt wie die Welt. Ein Zeichen von Allmacht und Unverg�nglichkeit�� ausgel�scht.</p><p>�Wir m�ssen hinab zum Grund des Weltenmundes. Und du wirst uns dabei helfen.�</p><p>�Ich soll helfen, einen Krieg zwischen zwei Gro�reichen anzuzetteln? Die Menschen, die dann sterben werden, haben nichts mit dem zu tun, was in Albenmark geschehen ist�, sagte er schlie�lich.</p><p>Nandalee war �berrascht. Er begriff anscheinend immer noch nicht. �Wir sind nicht hier, um Gerechtigkeit zu �ben, Eleborn. Wir sind hier, um unsere Welt zu verteidigen, deren Unber�hrbarkeit die Devanthar nicht mehr akzeptieren. Wir werden die Devanthar davon �berzeugen, dass sie einen Fehler gemacht haben, den sie auf keinen Fall wiederholen d�rfen.�</p><p>Pl�tzlich flackerten die Flammen auf den �llampen auf. Schlagartig wurde es k�lter in ihrem Versteck. Nandalee griff nach ihrem Schwert. Die T�r schwang auf, und auf der Schwelle stand Dunkelheit.</p></section><section><title><p>Mein Name ist Manawyn</p></title><p>Eine Gestalt ganz in Schwarz gewandet trat in das verborgene Gew�lbe. �Eine eindrucksvolle Rede, Nandalee�, sagte sie mit warmer, charismatischer Stimme. �Ich bin v�llig deiner Meinung. Wir sind wieder sieben. Der Kreis schlie�t sich. Ich bin froh, dass ihr mich geholt habt.� Mit diesen Worten schlug der Fremde seine Kapuze zur�ck. Sein Gesicht war ausgezehrt, die Wangen eingefallen, die blauen Augen lagen tief in ihren H�hlen. Ein silberner Stirnreif hielt sein rabenschwarzes Haar zur�ck. �Mein Name ist Manawyn.�</p><p>Nandalee traute ihren Ohren nicht. Jeder Drachenelf kannte Manawyn. Er hatte auf Befehl der Himmelsschlangen die Wei�e Halle gegr�ndet. Er war eine Legende. Wie die anderen der Sieben hatte er sich in die Einsamkeit zur�ckgezogen.</p><p>Jetzt traten auch Lyvianne und Bidayn durch die T�r. Die Meisterin war ersch�pft und wirkte fast so ausgezehrt wie Manawyn, doch in ihren Augen strahlte Triumph.</p><p>�Wo warst du all die Jahrhunderte?�, fragte Gonvalon respektvoll. Als er dabei sch�tzend an Nandalees Seite trat, warf sie ihm einen �rgerlichen Blick zu. Sie konnte allein auf sich aufpassen!</p><p>�Ich bin der Mann im Stein, von dem du gelesen hast�, antwortete Manawyn und l�chelte Nandalee gewinnend an. �Und wahrscheinlich bin ich nach dieser endlosen Gefangenschaft ein wenig verr�ckt. W�re ich es nicht, w�rde ich auf dem schnellsten Wege in die relative Sicherheit Albenmarks zur�ckkehren, statt noch hier zu sein.�</p><p>�Was ist passiert, als ihr in den Krater gestiegen seid?�, fragte Nandalee.</p><p>Sie wusste, sie klang schroff, aber das war die einzige Frage, die wirklich von Bedeutung war. Manawyn konnte von unsch�tzbarem Wert sein. Er war an dem Ort gewesen, �ber den sie einfach keine verwertbaren Informationen fanden.</p><p>Der alte Elf trat in ihre Mitte. �Wir waren �berheblich�, sagte der alte Elf. �Nach allem, was ich �ber dich geh�rt habe, bist du die bessere Anf�hrerin, Nandalee. Wir haben den Krater nicht erkundet, sondern sind einfach in dem Glauben hinabgestiegen, dass sieben Drachenelfen unbesiegbar seien.� Er machte eine Geste, als wolle er mit seinen Armen die ganze Welt umfassen. �Zu meiner Zeit sah hier alles ganz anders aus. Die Menschenkinder sind wie Ameisen. Der ganze Kraterrand ist ver�ndert. Als ich hierherkam, gab es nur eine Handvoll H�user am Hang und eine kleine Festung, dort wo jetzt die Tempelg�rten der Zapote liegen. Allerdings hatten die sieben gro�en Kulte der Gro�reiche Tempel im Inneren des Weltenmundes errichtet. Wir haben darin keine Gefahr gesehen.� Sein Blick wurde hart. �Ich war der Anf�hrer. Ich wollte schnell hinein und wieder hinaus. Laut des alten Vertrages h�tten wir Nangog nicht betreten d�rfen. Ich wollte so wenige Stunden wie m�glich hier verweilen. Wir sollten zur Gefesselten G�ttin durchbrechen und erkunden, ob sie noch lebt. Wir sind nie bei ihr angekommen.� Er seufzte und lie� sich auf einer Decke nieder. Er bewegte sich langsam, als sei er noch immer geschw�cht.</p><p>�Was ist geschehen?� Nandalee vermochte sich kaum der Faszination zu entziehen, die von Manawyn ausging. Sie betrachtete ihn durch ihr Verborgenes Auge. Seine Aura war nur ein schwaches Flackern, und das Gewebe aus Kraftlinien, das ihn umgab, wirkte unvollst�ndig. Es gab nichts, was darauf hinwies, dass er versuchte, sie durch einen Zauber zu manipulieren. Bislang waren es nur seine Worte und seine Pers�nlichkeit, die sie gefangennahmen. Manawyn, der Gr�nder der Wei�en Halle, war zu ihnen gekommen! Sie konnte es immer noch nicht fassen.</p><p>�Wir wollten schnell in den Weltenmund hinab, m�glichst ohne Menschenkindern zu begegnen�, setzte er seine Erz�hlung fort. �Und wir waren uns sicher, w�rde es doch zu einem Kampf kommen, w�re er kurz und blutig f�r die Menschenkinder. Wir haben uns geirrt.� Er l�chelte traurig. �Wir stiegen bei Nacht in den Krater hinab. In der Tiefe stie�en wir dann auf ganze W�lder aus Eisenstangen. Sie alle waren durch Zauber miteinander vernetzt. Ich glaube, sie wurden errichtet, um die Gr�nen Geister fernzuhalten. Im Nachhinein habe ich mich oft gefragt, ob auch wir einen Alarm ausl�sten, als wir die Stangen passierten. Hinter dem Wald aus Eisenstangen fanden wir den Eingang zu einer gro�en Grotte, so gewaltig, dass der gr��te Wolkensammler ohne M�he h�tte hindurchfliegen k�nnen. Wir wussten, dass dies der Durchgang zum Gef�ngnis von Nangog war und wir nicht am Grund des Kraters suchen mussten.</p><p>Auch hier waren �berall Spuren der Menschenkinder zu sehen. Sie hatten H�user errichtet, die wie Schwalbennester an der hohen Decke hingen. Das h�tte uns eine Warnung sein sollen, war es doch ein Zeichen, dass es etwas auf dem Boden gab, vor dem sie sich f�rchteten. Wir aber hielten es in unserer Arroganz nur f�r eine der vielen versponnenen Eigenarten der Menschenkinder, f�r die ein k�hler Verstand keine rationale Erkl�rung finden konnte. Wir scheiterten, weil wir so selbstsicher waren.� Er seufzte. �Wir gingen ins Innere der Grotte und kamen an ein ummauertes Becken, gro� wie ein kleiner See. Das Wasser darin war von dunkelroter Farbe. Dort stie�en wir auf den ersten Widerstand. Seltsame Krieger, verkleidet wie Raubkatzen, griffen uns an. Sie schlugen sich tapfer, dennoch h�tten wir sie wohl alle get�tet, w�re nicht dieses Ding im See gewesen! Es erhob sich pl�tzlich aus dem roten Wasser: eine Kreatur mit einem Kopf aus Metall, der halb offen lag, sodass man darin allerlei seltsames R�derwerk sehen konnte, das sich bewegte. Es war gro� wie eine Himmelsschlange, sein schlangenhafter Leib ganz mit Federn bedeckt. Auch einige der Federn waren aus Metall. Und im selben Augenblick, als sich die Schlange erhob, sahen wir die Devanthar. Eine gefl�gelte Frau und eine Gestalt wie aus flie�endem Licht versperrten uns den Weg in die Tiefe. Hinter uns aber war ein h�sslicher, langarmiger Kerl erschienen und ein gro�er Mann, den Flammen umspielten. Mit ihrer Zaubermacht unterst�tzten sie die Schlange. Wir konnten weder hinab zu Nangog noch zur�ck in den Krater.</p><p>Habt ihr jemals gesehen, wie eine alte Katze ihren Jungen beibringt, M�use zu t�ten? Sie f�ngt eine Maus lebend und bringt sie zu ihren Kindern. Dann sieht sie zu, wie die Kleinen mit der Maus spielen, bis sie tot ist. So war dieser Kampf. Wir konnten nicht entkommen. Wir waren in ihre Falle gelaufen.</p><p>Zuletzt versuchten wir in unserer Verzweiflung, die Devanthar anzugreifen. Ich glaube, dass zwei oder drei Drachenelfen einen einzelnen Devanthar besiegen k�nnen�� doch wenn die Devanthar gemeinsam agieren, vervielfacht sich ihre Macht. Zwei verf�gen gemeinsam �ber die Zauberkraft von vier einzelnen Devanthar. Vier schon �ber die Macht von sechzehn. Es war hoffnungslos. Zuletzt war nur noch ich �brig. Ich wurde von der Gestalt aus flie�endem Licht besiegt. Sie lie� mich am Leben, um mich zu studieren, und als sie meiner �berdr�ssig wurde, schenkte sie mich ihrer gefl�gelten Schwester I�ta. Meine Gef�hrtinnen und Gef�hrten haben sie enthauptet und ihre K�pfe in Nischen in einem gro�en Torbogen ausgestellt. F�r mich aber ersann I�ta das Gef�ngnis im Stein.� Manawyn hatte den Kopf gesenkt. Seine Stimme hatte an Kraft verloren.</p><p>�Waren deine Gef�hrten allesamt blond?�, fragte Eleborn.</p><p>Der erste Meister sah den jungen Elfen verwundert an. �Ja, wie kommst du darauf?�</p><p>�Ich glaube, mit eurem Kampf habt ihr ein Ritual begr�ndet, das bis heute fortdauert. Die Zapote opfern an ihren Festtagen blonde Krieger einer Gottheit, die sie die Gefiederte Schlange nennen.�</p><p>�Wie konntest du in dem Stein �berleben?�, fragte Nandalee. Sie wollte nichts �ber die Opferrituale der Zapote h�ren. Sie musste an den Auftrag der Himmelsschlangen denken, an ihre Gef�hrten. �Und was hast du mit Lyvianne und Bidayn getan?� Sie konnte zwar sehen, dass die beiden im Augenblick nicht unter seinem Zauberbann standen, aber das unerwartete Erscheinen eines der Sieben machte sie stutzig. Warum hatten die Devanthar ausgerechnet ihn nicht get�tet?</p><p>Manawyn hob langsam sein Haupt und sah sie an. In seinen blauen Augen erstrahlte eine unheimliche Kraft. Es lag ein Fanatismus in ihnen, wie er Nandalee fremd war. �Ich bin ein Drachenelf�, sagte er mit fester Stimme. �Ich habe mich geweigert zu sterben, bevor ich meine Mission erf�llt habe.�</p><p>�Das gen�gt mir nicht�, entgegnete Nandalee entschieden. �Bitte werde ein wenig konkreter.� Sie war sich der Blicke ihrer Gef�hrten bewusst. So sprach man nicht mit Manawyn, dem Ersten der Drachenelfen.</p><p>Doch er antwortete ohne Umschweife: �I�ta war sich meiner F�higkeiten wohl bewusst. Sie wusste, dass ich der Anf�hrer unserer Gruppe gewesen war. Und sie wusste auch, dass die Himmelsschlangen selbst mich in die Geheimnisse der Magie eingef�hrt hatten. Als sie mein Gef�ngnis erschuf, da erkl�rte sie mir, dass sie mir einen langen, qualvollen Tod schenken w�rde. Einen Tod, bei dem meine F�higkeiten mein Leiden verl�ngern w�rden, ohne mich letztlich retten zu k�nnen. Ich habe lange gebraucht, bis ich begriff, wie perfide ihr Plan war. Sie schloss mich in den Stein ein, und die dicken Bleiplatten verhinderten, dass meine Zauber nach au�en wirken konnten. Doch nicht nur das�� sie selbst waren verwunschen. Wann immer ich einen Zauber wirkte, wandte sich ein gro�er Teil der Kraft, die ich einsetzte, gegen mich. H�tte ich versucht, die Blei- und Steinplatten zu zerschmettern, w�re ich von der Kraft, die ich entfesselt h�tte, selbst zerquetscht worden.</p><p>All dies erkl�rte sie mir gen�sslich, bevor sie mein Gef�ngnis versiegelte. Nat�rlich habe ich ihr nicht geglaubt, und gleich nachdem ich einen Zauber gewoben hatte, der die Atemluft in meinem Gef�ngnis erneuerte, versuchte ich, es zu zerschmettern. Zum Gl�ck war ich vorsichtig. So zahlte ich nur mit drei gebrochenen Rippen und etlichen Prellungen. Da begriff ich, dass meine Gefangenschaft lange w�hren w�rde. Ich verlangsamte meinen Kreislauf. Ich habe viel geschlafen und nachgedacht.�</p><p>Manawayns Kopf war ihm wieder auf die Brust gesunken. Er wirkte unendlich m�de.</p><p>�Wenn ich erwachte, bearbeitete ich das Blei �ber meinem Kopf mit meinen N�geln. Ich wei� nicht, wie lange ich brauchte, um einen Spalt zu schaffen, der es mir erlaubte, die Platten zur Seite zu biegen. Monde, Jahre, Jahrzehnte? Zeit war nicht mehr messbar in meinem Gef�ngnis. Danach habe ich sehr vorsichtig ein nadeld�nnes Loch durch den Stein gedacht. Mehr wagte ich nicht. Und selbst f�r diesen winzigen Angriff auf die W�nde meines Gef�ngnisses wurde ich mit einem Ozean von Schmerzen bestraft. Ich dachte, ich m�sste wahnsinnig werden. Immer wieder habe ich f�r Wochen aufgegeben, um neue Kraft zu sammeln. Doch als ich es endlich schaffte, wurde ich mit der k�stlich frischen Luft eines versiegelten Kellergew�lbes belohnt. Ich meine das nicht zynisch. Etwas freier atmen zu k�nnen, war ein Geschenk! Allerdings �berkamen mich Zweifel, ob ich jemals entkommen k�nnte. So kerbte ich mit meinen Fingern�geln meine Geschichte in das weiche Blei. Ich gestehe, dass ich zu diesem Zeitpunkt wohl schon nicht mehr ganz klar dachte. Ich klammerte mich an mein Leben, konnte aber nicht verhindern, dass sich mein K�rper von innen heraus auszehrte. Erst als ich meine Arbeit am Blei vollendet hatte und es nichts mehr gab, worauf ich mein Denken richten konnte, erreichte ich jene kristallene Klarheit, die mir das ganze Ausma� der Strafe deutlich vor Augen f�hrte.</p><p>Niemand w�rde mich je im Inneren des Steins suchen! Es gab ja nichts, das auf mich hinwies. I�ta hatte mir mein Gef�ngnis gezeigt, bevor sie mich einsperrte. Kein Name war in den glatten Stein geschnitten. Kein Bild, das auf mich hinwies. Es war einfach nur ein Stein. Niemand w�rde je meine Geschichte im Blei lesen. Also erhob ich meine Stimme und wob einen neuen Zauber. Wie ein Insekt seine F�hler ausstreckt, wob ich eine Kraftlinie, die hinaus zur verketteten T�r und das erste St�ck die Treppe hinaufreichte. Fast nie kam jemand hinab.</p><p>Mein magischer Sinn sah das Eisen der Ketten rosten. Wann immer sich jemand n�herte und diese Kraftlinie ber�hrte, aktivierte er einen Zauber, der meine Worte aufs Neue erklingen lie�. Meine Botschaft, die Neugierige zum Stein locken sollte. Doch die Menschenkinder verschreckte der Zauber nur, und sie kamen noch seltener.</p><p>Die Zeiten, in denen ich schlief, wurden l�nger. Bald hatte ich kaum mehr die Kraft, mich zu r�hren, wenn ich wach war. Nur mein Verstand hatte alle Fesseln abgestreift. Ich wusste, ich w�rde mich in den Tod hin�berschlafen. Ich bemerkte, dass mein Zauber, mit dem ich meine Worte f�r die Ewigkeit hatte konservieren wollen, zu vergehen begann. Ich fand nicht mehr die Kraft, ihn zu erneuern. Alles, was mir noch an Willen verblieben war, wollte ich in einen letzten, meinen m�chtigsten Zauber legen. Ich band meine Seele an mein Gebein, sodass ich niemals wiedergeboren werden w�rde. Und ich ersann einen Zauber, der von jedem, der sich meinem Gef�ngnis n�herte, Lebenskraft stahl, um sie mir zuzuf�hren.</p><p>Da ich schwach war, besiegelte ich den Zauber mit meinem Blut. Ich gab mein Leben hin, um die M�glichkeit der Wiederkehr zu erhalten.� Er hob seine faltige Rechte, an der die N�gel lang wie Krallen waren. �Ich schlitzte meine Kehle auf und gab mein Leben in der Hoffnung, es zugleich zu erhalten. Einen letzten Funken meines Willens an das hagere Gerippe zu binden, das im Stein gefangen war. Und tats�chlich. Etwas blieb, bis Lyvianne kam.�</p><p>Nandalee sah zu der dunklen Meisterin, der vielleicht besten Zauberweberin der Wei�en Halle. Sie wirkte ausgezehrt und mit ihrem rabenschwarzen Haar sah sie Manawyn sogar ein wenig �hnlich. <emphasis>Sie</emphasis> hatte die Taten Manawyns sicherlich gut verstanden. Nandalee hingegen war der alte Meister unheimlich. Sie wusste nicht, ob sie ihm vertrauen durfte. Wahrscheinlich w�rde er sie bei ihrem Versuch, zu Nangog vorzusto�en, sogar unterst�tzen. Aber sie ahnte, dass er das nicht t�te, um ihnen zu helfen. Er wollte seine eigene, alte Mission erf�llen, und ihr Leben und das ihrer Gef�hrten w�re f�r ihn nur von untergeordneter Bedeutung.</p><p>�Warum hast du Lyvianne angegriffen, als sie dein Gef�ngnis �ffnete?�</p><p>�Sie hatte die Gestalt eines Menschensohns, eines Priesters.� Er zog bedauernd die Schultern hoch. �Und ich gestehe, ich war gierig. Ich war nicht mehr weit davon entfernt, endg�ltig zu vergehen. Ich habe mich gen�hrt, ohne an mein Opfer zu denken. Erst als ich wieder ein wenig zu Kr�ften kam, sp�rte ich, dass das kein Menschensohn sein konnte, der da zu mir gekommen war. Doch da war sie bereits geflohen.�</p><p>�Bei mir war es ganz �hnlich�, sagte Lyvianne. Sie hatte bisher geschwiegen und lehnte noch am Eingang ihres Verstecks. Sie sah blasser als gew�hnlich aus, und sie sprach leise. �Als ich gegessen hatte und mich etwas gest�rkt f�hlte, habe ich verstanden, was geschehen war. Ich ging zur�ck zum Tempel der I�ta und sprach in Gestalt des Tuwatis mit dem Kolleg der Tempelvorsteher. Sie alle hatten Geschichten davon geh�rt, dass etwas Dunkles in den Tiefen Gew�lben gefangen gehalten wurde. Dass dort eine fremde, daimonische Kraft in Bann geschlagen worden war. Die �lteren von ihnen hatten alle schon einmal gesehen, wie verst�rt die Bewahrer der Tiefen Gew�lbe zur�ckkehrten, wenn sie ihrer Pflicht nachkamen. Ich erkl�rte ihnen, dass der Zauberbann, der das B�se fernhielt, geschw�cht sei und Menschenopfer n�tig seien, um ihn erneut zu st�rken. Sie gaben mir zehn Sklaven. Junge, starke M�nner, denen ich weismachte, dass sie mir bei der Reparatur einer besch�digten Wand helfen sollten. Aus Respekt vor dem Heiligtum wurden sie alle in feierliches Schwarz gewandet und ihre H�upter verh�llt. Sie halfen mit ihrem Leben, Manawyns Kraft zu st�rken.</p><p>Als ich mit einem Mann in Schwarz zur�ckkehrte, erkl�rte ich den Priestern, neun Leben seien genug gewesen. Ich beruhigte sie, dass der alte Bann wieder stark sei und ich alle Pforten in die Tiefe erneut versiegelt h�tte. Niemand wird nachsehen, was dort unten geschehen ist.�</p><p>Nandalee sah von Lyvianne zu Manawyn und wieder zur�ck. Ihr gefiel nicht, was geschehen war, aber es war nicht mehr r�ckg�ngig zu machen. Auch hatte sie der Bericht Manawyns darin best�rkt, einen Plan zu verfolgen, der schon nach Eleborns Erscheinen begonnen hatte, erste Konturen anzunehmen.</p><p>�Wir sind also wieder sieben�, sagte sie mit fester Stimme. �Ich bitte dich, Manawyn, und auch dich, Eleborn, uns nach Kr�ften zu unterst�tzen. Ich habe einen Plan, wie wir zu Nangog gelangen k�nnen, ohne dass man uns Beachtung schenken wird.� Lebend zur�ckzukommen war eine andere Sache, doch dar�ber wollte sie sich zun�chst ausschweigen.</p><p>�Wir werden Folgendes tun���</p></section><section><title><p>Ein Herz f�r die G�tter</p></title><p>Endlich sah Eleborn das Dorf am Horizont. Das Licht der Mittagssonne funkelte auf den goldenen Fl�gelsonnen- und L�wenstandarten. Er hatte den Unsterblichen Aaron nach drei Tagen Suche gefunden.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter lenkte er den Streitwagen an den kleinen, von Steinmauern ges�umten Hirsefeldern vorbei den H�gel hinauf zu einer Ansammlung sch�biger H�user aus ungebrannten Ziegeln. Am Fu� des Hangs, bei einem Teich, erstreckte sich ein gut bew�sserter Dattelhain, aus dem neugierige Kinder hervorst�rmten. Lachend und rufend liefen sie neben seinem Streitwagen einher, bis er den Dorfplatz erreichte, wo ein gro�es Sonnensegel aufgespannt worden war. In seinem Schatten sa�en der Unsterbliche und einige der W�rdentr�ger des Dorfes auf einfachen Schilfmatten und diskutierten lebhaft miteinander.</p><p>Eleborn hatte kaum die Pferde gez�gelt, da war Ashot an seiner Seite. In den Seitenstra�en zum Marktplatz standen Krieger aus der neuen Leibwache der Kushiten. Auf einem Flachdach, von dem aus man den gesamten Platz �berblicken konnte, hatten Bogensch�tzen Stellung bezogen. Sie alle hielten sich�� so gut es ging�� im Hintergrund, aber es war dennoch ziemlich auff�llig, wie schwer der Unsterbliche bewacht wurde.</p><p>�Bringst du gute Nachrichten?�, fragte Ashot m�rrisch. Der Hauptmann der Kushiten, der aus den Bauerntruppen aufgestiegen war, hatte sich offensichtlich seit Tagen nicht rasiert. Sein Gesicht war von Stoppeln bedeckt, und Staub klebte auf seiner Stirn. Er war einer von ganz wenigen M�nnern Arams, die keinen Vollbart trugen.</p><p>�Gut sind die Nachrichten nicht, aber er wird es wissen wollen. Sofort.�</p><p>Ashot sch�ttelte einfach nur den Kopf. �Vor zwei Tagen hat jemand versucht, ihn zu erdolchen. Eigentlich eine dumme Idee bei einem Unsterblichen, aber er tr�gt ja nie die R�stung, die der L�wenh�uptige ihm geschenkt hat. Er findet, sie sch�chtere die einfachen Menschen ein. Also tr�gt er nur eine Tunika oder einen Wickelrock. Er hatte Gl�ck. Eine Naht von f�nf Stichen l�ngs �ber den Rippen und der Schreck, das war alles. Der Angreifer war ein aufgebrachter Idiot. Er hat den Sto� von oben nach unten gef�hrt�� Es kann jederzeit wieder geschehen. Die Landreform kommt bei den Reichen und M�chtigen nicht gut an. Es werden sich andere Verzweifelte oder Verr�ckte finden, die glauben, ihn t�ten zu k�nnen. Und er spricht mit jedem.� Ashot stie� einen tiefen Seufzer aus. �Er ist unbelehrbar.�</p><p>�Ich muss zu ihm, jetzt!�</p><p>Der Hauptmann der Kushiten sch�ttelte erneut den Kopf. �Nein. Wenn der Unsterbliche jetzt die Verhandlungen unterbricht, um mit einem Krieger zu sprechen, dann werden sie ihn f�r arrogant halten. Es geht nicht, gedulde dich ein wenig.�</p><p>Aaron nickte ihm zu. Er hatte ihn also wenigstens bemerkt. An seiner Seite sa� ein Mann, den Eleborn erst auf den zweiten Blick erkannte. Mataan. Er war abgemagert, wirkte krank, nur noch wie ein Schatten des Mannes, den er einst gekannt hatte.</p><p>Er fragte Ashot, was geschehen war, und h�rte von den K�mpfen mit den aufst�ndischen Satrapen. Fand dieses K�nigreich denn niemals Ruhe?</p><p>Eleborn zog sich in den Schatten eines Strohdachs zur�ck und beobachtete, wie seine Pferde getr�nkt wurden. Die Kinder standen immer noch um seinen Wagen und bestaunten die M�nzen und Amulette, die das Zaumzeug schm�ckten. Einige sahen auch verstohlen in seine Richtung. Mit seinem bemalten Oberk�rper musste er sehr fremd auf sie wirken.</p><p>�Das findet man h�bsch in den W�ldern?� Auch Ashot deutete nun auf die rotbraunen Muster, die Eleborns Brust und Arme schm�ckten.</p><p>�Du findest das ungew�hnlich? Du h�ttest mal das Zapote-M�dchen sehen sollen, das mir in der Goldenen Stadt das Bett warm gehalten hat. Ihr war ein Skorpion auf den Bauch gemalt worden, sodass der Stachel zwischen ihren Br�sten aufragte.�</p><p>�Mir scheint, da zeigt der Stachel in die falsche Richtung�, entgegnete Ashot trocken.</p><p>Eleborn antwortete mit einem anz�glichen Grinsen. Er hatte die Stunden mit Izel genossen. Seltsamerweise vermisste er sie. Eine Menschentochter! Manchmal fragte er sich, ob der Himmlische ihn nicht nur �u�erlich ver�ndert hatte. Unter den G�tterdrachen war er der Einzige, der in den Menschenkindern nicht nur die Diener ihrer Feinde sah. Er hatte sich wirklich f�r sie interessiert. Deshalb hatte er die Blaue Halle geleitet, und alle seine Spitzel hatten ihm gelegentlich pers�nlich berichten m�ssen. Wie der Himmlische empfand auch Eleborn Mitgef�hl f�r die Menschenkinder. Als Drachenelf konnte er sich so etwas eigentlich nicht leisten.</p><p>In die Gruppe unter dem Sonnensegel kam Bewegung. Der Unsterbliche erhob sich. Die alten M�nner folgten seinem Beispiel und zogen sich dann mit ernsten Gesichtern zur�ck. Aaron winkte Eleborn zu sich.</p><p>�Du warst lange fort, Mikayla�, begr��te ihn der Herrscher, als er sich vor ihm auf den Schilfmatten niederlie�.</p><p>�Ich �berbringe Euch Gr��e von Hauptmann Volodi.�</p><p>�Du hast den Fl�chtigen also gefunden.�</p><p>�Mit Verlaub, Erhabener, aber Volodi wurde aus dem Heerlager entf�hrt und dazu gezwungen, in die Tempelg�rten der Zapote zu gehen, wo ihn der Tod unter einem Opfermesser erwartet.�</p><p>Aaron beugte sich nach vorne. �Was?�, fragte er aufgebracht.</p><p>Eleborn erz�hlte ihm, was geschehen war, und mit jedem Wort wurde der Unsterbliche zorniger. �Warum haben sie ihn geholt?�, fragte Aaron fassungslos. �Einen meiner Feldherren!�</p><p>�Erinnert Euch an das, was Volodi vor dem Wei�en Tor getan hat?�, mischte sich Mataan ein. �Wie er die Zapote gedem�tigt hat, indem er den Platz mit Lampen�l tr�nkte, um sich mitsamt allen Jaguarm�nnern, die ihn umzingelt hatten, in Brand zu setzen. Damals ist er auf den Wolkenschiffen entkommen, mit denen Ihr auf die Jagd nach dem Himmelspiraten Tarkon Eisenzunge gegangen seid. Ich glaube nicht, dass die Zapote diesen Tag vergessen haben. Es war ein Heldenst�ck und eine Dem�tigung. Ich kann verstehen, dass sie sein Herz ihren G�ttern schenken wollen.�</p><p>Aaron machte eine wegwerfende Handbewegung. �Ich werde nicht dulden, dass sie den Hauptmann meiner Leibwache mitten aus meinem Heerlager gestohlen haben. Ashot!� Er winkte dem Hauptmann der Kushiten. �Ich brauche meine Leibwache und Bogensch�tzen. M�nner, die mit mir den Himmel st�rmen w�rden, wenn ich es ihnen befehle. So viele wie m�glich. Und ich brauche sie in zwei Tagen in der Goldenen Stadt.�</p><p>Eleborn konnte sich nicht erinnern, den Unsterblichen je so aufgebracht gesehen zu haben. In ihm regte sich der Verdacht, dass sich Aaron lieber mit den Zapote anlegte, als seine vertrackte Landreform Wirklichkeit werden zu lassen.</p></section><section><title><p>F�nf Lotusbl�ten</p></title><p>Zarah strich sich �ber die Arme. Das grobe Leinen war unangenehm. Sie hatte fast vergessen, wie es sich anf�hlte. Ihr Kleid war ungewaschen. Ihr Haar unter einem schmutzig braunen Tuch verborgen. Sie hielt dem�tig den Kopf gesenkt und lauschte den Worten Barnabas. Er war ein wunderbarer Prediger. Seit er in die Stadt gekommen war, hatte sich die Zahl der Gl�ubigen mehr als verdoppelt. Er war ergriffen von Nangog, und selbst die Erste Mutter hatte ihn inzwischen in ihr Herz geschlossen. Er tat der Sache gut, und nur das z�hlte.</p><p>Barnaba redete gegen das Rauschen des Wassers an, das aus f�nf mannshohen Rohren dicht unter der Decke in das gro�e Sammelbecken st�rzte. Von hier aus wurde es als ein breiter, unterirdischer Strom zum Fluss hin geleitet. Der Gestank der sch�umenden, gelbbraunen Sturzb�che war atemberaubend. Niemand kam freiwillig hierher. Zarah war unbegreiflich, wer diesen Ort <emphasis>F�nf Lotusbl�ten</emphasis> genannt hatte. An diesem Ort den Worten Barnabas zu lauschen war wahrlich eine Pr�fung des Glaubens. Die meisten hatten sich parf�mierte T�cher oder kleine, mit wohlriechenden Kr�utern gef�llte Kissen mitgebracht, die sie vor Mund und Nase hielten.</p><p>Zarah atmete durch ein Kissen mit getrockneten Veilchenbl�ten. Doch selbst sie vermochten den Gestank nicht zu besiegen. Nur Barnabas Worte spendeten ein wenig Trost. Er wusste, was kommen w�rde. Sie h�rte es deutlich aus seiner Predigt heraus. Ihr Verrat war sein Wunsch gewesen. Es war die schwerste Last, die ihr je aufgeb�rdet worden war.</p><p>�Br�der und Schwestern, wen die G�ttin erheben will, den wird sie pr�fen. Ich wei� um euer aller M�hsal. Ich wei�, wie es ist, ins Licht gesehen zu haben und nicht zu jenen reden zu k�nnen, die im Dunkel verharren, weil in diesem Dunkel Schlangen hausen, die sich am Busen der Unsterblichen n�hren. Ihr musstet so oft schweigen. Jedes Wort hundertmal auf eurer Zunge w�gen. Ihr lebt in Angst, weil uns jene im Dunkel ewige Feindschaft geschworen haben. Doch Nangog erh�rt jedes unserer Gebete und jede unserer Bitten. Nangog wird uns stark machen, alles zu ertragen. Ihr glaubt, ihr habt den Kelch der Bitternis schon bis zur Neige geleert? Ihr irrt! Unsere dunkelste Stunde steht uns noch bevor. Sie hat jetzt begonnen!�</p><p>Ein �ngstliches Raunen ging durch die Menge der Gl�ubigen. Bisher hatte Barnaba stets von den Verhei�ungen Nangogs gesprochen. So wie jetzt hatte ihn noch niemand reden h�ren. Er hob beide Arme und winkte ihnen, n�her zu kommen. Sie hatten sich, nah der unteren Kan�le, durch die sie F�nf Lotusbl�ten betreten hatten, im Schlamm des Ufers der Kloake versammelt, und Barnaba war mitten unter ihnen. Er stand auf einem gro�en Stein, der aus der Decke gest�rzt war. Auch er trug ein einfaches Gewand. Einen Wickelrock, der mit Schlamm und Unrat besudelt war. Deutlich konnten alle die Narben auf seinem K�rper sehen. Er war schon durch viel M�hsal gewandert.</p><p>�Kommt, Br�der und Schwestern! Kommt zu mir, und so, wie ein guter Hirte seine Herde in der Finsternis vor den W�lfen beh�tet, so will auch ich euch besch�tzen. Will mit euch aus dem Kelch der Bitternis trinken und werde mit euch jede der dunklen Stunden teilen, die uns erwarten. Kommt n�her, meine Br�der und Schwestern! Kommt n�her!�</p><p>Zarah fand sich in der Menge eingekeilt. Niemand erkannte in ihr die sch�ne Priesterin, die Barnaba bei den fr�heren Predigten so oft begleitet hatte. Nun wurde sie wie alle anderen geschoben und gesto�en. Leiber rieben sich an ihr. Lastentr�ger aus den Frachth�fen und Karawansereien, Fischer und Handwerker. Es gab nicht viele Alte auf Nangog. Nur die Jungen und Starken konnten auf dieser Welt �berleben.</p><p>Jene, die Barnaba am n�chsten standen, streckten die Arme aus, um den Prediger zu ber�hren und seinen Segen zu erhalten.</p><p>�Seid stark in eurem Glauben, und alle F�hrnisse des Schicksals werden an euch brechen wie Wellen an einer Felsk�ste.�</p><p>Pl�tzlich wurden Rufe laut. Krieger mit hohen Schilden und Helmen, auf denen sich stolze Bronzek�mme erhoben, st�rmten die Eing�nge der F�nf Lotusbl�ten. �Ergreift den Ketzer�, befahl die Stimme, die Zarah schon so oft Komplimente ins Ohr gefl�stert hatte. �Schlagt jeden nieder, der Widerstand leistet.�</p><p>Zarah sah, dass die Krieger nur mit schweren Kn�ppeln bewaffnet waren, keiner hatte sein Schwert gezogen.</p><p>�Ruhig, meine Br�der und Schwestern! K�mpft nicht. Streitet nicht. F�gt euch, und ihr werdet sehen, Nangog ist mit euch. Es ist nicht euer Leben, das in Gefahr ist.� Barnaba stieg von seinem Stein herab, und eine Gasse bildete sich in der Menge der Gl�ubigen. �Habt keine Angst!�, rief er immer wieder, w�hrend Arcumennas Krieger sie einkreisten.</p><p>Er ging so nah an Zarah vorbei, dass sie ihn h�tte ber�hren k�nnen. In diesem Augenblick empfand sie zum ersten Mal so etwas wie Liebe. Es war ein Gef�hl, als w�rde ihr die Brust zu eng. Dieser geschundene Mann mit den flammenden Augen w�rde sich f�r sie alle opfern. Einen Mann wie ihn hatte es unter all jenen, bei denen sie je gelegen hatte, nie gegeben. Er war stark und hatte doch ein g�tiges Herz.</p><p>�Ruhig, meine Freunde!�, rief Barnaba erneut. �Euch wird nichts geschehen!�</p><p>Zarah wollte ihn zur�ckhalten, doch schon war er an ihr vor�bergegangen, und ihre Kraft reichte nicht aus, sich durch die Menge zu dr�ngen. Sie kannte den Laris von Truria, der an der Spitze seiner Krieger stand, gut. Und sie wusste, welchen verh�ngnisvollen Fehler Barnaba gerade beging.</p><p>�Schweig!�, rief sie aufgebracht und erntete daf�r Ellenbogenst��e.</p><p>�Unterbrich den Heiligen nicht!�, zischte ein gro�er Mann neben ihr. �Jedes seiner Worte ist Gold!�</p><p>Nein, jedes seiner Worte bringt ihn dem Tod n�her, dachte sie verzweifelt und versuchte, sich in die Gasse zu dr�ngen, die sich hinter Barnaba bereits wieder schloss. Kr�ftige H�nde legten sich auf ihre Schultern. �St�re den Heiligen nicht!� Der gro�e Kerl war stark wie ein Steinmetz. Es war unm�glich, sich ihm zu entwinden.</p><p>Zarah drehte sich um und blickte zu ihm auf. �Bitte, ich muss den Priester warnen.�</p><p>�Er wird ein Wunder wirken�, sagte der Kerl mit verkl�rtem Blick, der ganz und gar nicht zu seinem harten, wettergegerbten Gesicht passte. �Du wirst es sehen.� Mit diesen Worten packte er sie bei den H�ften und hob sie hoch, als sei sie ein kleines M�dchen.</p><p>�Nicht!� Das Letzte, was sie brauchte, war, aus der Menge herauszuragen. Sie war zu oft bei Arcumenna gewesen. Er w�rde sie trotz der Verkleidung erkennen!</p><p>�Du glaubst, du kannst mir befehlen, Priester?�, rief Arcumenna mit einer Stimme, die es gewohnt war, den L�rm auf Schlachtfeldern zu �bert�nen. �Ihr glaubt, eure G�ttin besch�tzt euch?� Der Feldherr zog sein Schwert. �Ich zeige euch jetzt, was der Schutz eurer G�ttin und die Worte dieses Heuchlers wert sind!�</p></section><section><title><p>Entdeckt</p></title><p>Arcumenna war au�er sich. Was bildete sich dieser falsche Heilige ein? Dass er dessen Befehlen folgen w�rde! Er hob sein Schwert hoch �ber den Kopf. �Vorr�cken! Dr�ngt sie mit euren Schilden zusammen, bis sie sich nicht mehr r�hren k�nnen!�</p><p>Seine M�nner gehorchten augenblicklich. Jahrelang hatten sie gemeinsam an der Grenze zu Drusna gek�mpft und dem Unsterblichen Ansur Sieg auf Sieg geschenkt. Jeder seiner M�nner war ein Veteran und ihm unbedingt ergeben.</p><p>�Frieden!�, rief ihm der Priester mit hoch erhobenen Armen entgegen.</p><p>Dieser Wicht hatte jetzt fast den Rand der Menge erreicht. Arcumenna st�rmte vor, leicht hinter seinen Schild geduckt, den rechten Arm zur�ckgenommen, bereit, mit seinem Schwert einen geraden Sto� zu f�hren. �F�r Valesia!�, rief er mit donnernder Stimme, und seine M�nner nahmen den Schlachtruf auf.</p><p>�F�r Valesia!�, hallte es hundertfach von den W�nden der riesigen Grotte, in der sich die Abw�sser der halben Stadt zu einem stinkenden See versammelten. Der Laris hob seinen Schild und rammte ihn einem dickleibigen Kr�mer vor die Brust, sodass der Kerl schnaufend zur�cktaumelte. Er st�rzte gegen die Menge, die sich dicht zusammendr�ngte. Arcumennas Rechte schnellte vor, und er schlug den Schwertknauf gegen die Stirn des Kr�mers, der quiekte wie ein Schwein auf dem Schlachthof. Zur gleichen Zeit sausten die Kn�ppel seiner M�nner nieder.</p><p>�Bitte!�, rief der Priester. �Gnade!�</p><p>�Haltet ein!� Arcumenna musste seinen Ruf dreimal wiederholen, bis all seine M�nner ihn bei dem L�rm verstanden hatten. �Drei Schritte zur�ck!�</p><p>Als sie vor der Menschenmenge zur�cktraten, brachen etliche in der vorderen Reihe in die Knie. Sie hielten ihre blut�berstr�mten Gesichter in den H�nden verborgen. Soweit Arcumenna es sehen konnte, war keiner seiner M�nner verletzt. Dieser P�bel war unbewaffnet. Es lag kein Ruhm darin, ihn niederzumachen.</p><p>�Tritt vor, Priester!�</p><p>Einige seiner J�nger versuchten, den falschen Heiligen zur�ckzuhalten, doch er schob ihre H�nde zur Seite. Ein Feigling war der Kerl nicht. Das gefiel Arcumenna. Er hatte etwas �brig f�r mutige M�nner, auch wenn er ganz offensichtlich kein Krieger war, so hager wie er aussah.</p><p>�W�rdest du f�r deine Leute sterben?�, fragte der Laris.</p><p>�Ohne zu z�gern.� Der Priester stand nun wenige Schritt vor ihm. Sein K�rper war mit Narben bedeckt. Ganz offensichtlich war er nicht der Erste, der diesen Aufwiegler gefangen nahm.</p><p>�Dann knie nieder�, befahl Arcumenna und hob sein Schwert.</p><p>�Nein, Herr! Bitte nicht. Nein!�, schrien die Gl�ubigen auf und dr�ngten dem Schildwall seiner Krieger entgegen.</p><p>�Ich gebe mein Leben f�r seines�, �bert�nte deutlich eine Frauenstimme das Geschrei.</p><p>�Ich opfere mich!�, schrie jemand anderes hysterisch.</p><p>�Nehmt mein Leben, Herr!� Ein b�rtiger Lockenkopf trat vor Arcumenna und kniete neben dem Priester nieder.</p><p>Der Laris war �berrascht. Seine M�nner w�rden ihm zwar ohne zu z�gern in jeden Kampf folgen, aber er machte sich nichts vor: Ganz sicher g�be es kaum welche unter ihnen, die so bereitwillig ihr Leben geben w�rden, um ihn zu retten.</p><p>Arcumenna stie� sein Schwert in die Scheide. �Fesselt diese Bastarde, und bringt sie aus diesen verfluchten Kan�len heraus.�</p><p>�Danke, Laris�, sagte der Priester, der noch immer vor ihm niederkniete. In seinen Augen gl�hten eine Entschlossenheit und ein Fanatismus, die den Statthalter schaudern lie�en. Dieser Mann war gef�hrlich. Es w�re klug, ihn zu t�ten. Doch nicht jetzt. Nicht vor den Augen all seiner Anh�nger. Das w�rde nur einen Aufstand provozieren.</p><p>Arcumenna wollte aus diesen stinkenden Kan�len so schnell wie m�glich wieder heraus. Dies war kein Ort, um eine Schlacht zu schlagen. Er sah zu, wie seine M�nner den Ketzern die H�nde auf den R�cken banden und sie einzeln abf�hrten. Erstaunt bemerkte er, wie viele Frauen unter den Gefangenen waren. Das war beunruhigend. Was hatte dieser Priester an sich, dass er die Weiber so anlockte? Und was brachte M�nner und Frauen dazu, ausgerechnet jene Geister anzubeten, die so viel Not und Ungemach verbreiteten? War es Angst? Hier in der Goldenen Stadt waren sie doch sicher. Ob es nutzen w�rde, sie zu befragen, oder ob er nur verstockte Phrasen zu h�ren bek�me?</p><p>Eine der Frauen fiel ihm auf. Obwohl sie sich duckte und mit dem Schlamm des Kanals eingeschmiert war, als h�tte sie sich darin gew�lzt, war sie un�bersehbar von gutem Wuchs und unter dem Schmutz schien sich ein h�bsches Gesicht zu verbergen.</p><p>Er winkte einem seiner Krieger. �Bring mir dieses Weib da vorne!�</p><p>Die Gefangene wurde ihm unverz�glich vorgef�hrt. Sie hielt ihren Kopf gesenkt, wie es sich geh�rte, wenn niederes Volk vor einen Statthalter trat. Sie stank, als lebte sie hier unten in der Kloake. Er zupfte ein Tuch aus seinem G�rtel und packte sie damit unter dem Kinn, um ihren Kopf anzuheben. Diese Augen�� Es dauerte einige Herzschl�ge, bis er begriff, wer da vor ihm stand. �Du hier?� Er war fassungslos. Was hatte Zarah hier zu schaffen? Sie hatte doch gewusst, was geschehen w�rde. Einen Augenblick lang dachte er an Verrat. Doch das war absurd. Sie hatte den Priester und seine Anh�nger ganz offensichtlich nicht gewarnt.</p><p>Zarah schenkte ihm einen ihrer unwiderstehlichen Blicke. �Gut, dass du mich gerettet hast�, sagte sie voller Inbrunst. �Sie haben mich gezwungen, hier zu sein. Sie haben meinen Verrat aufgedeckt.�</p><p>Das machte Sinn, dachte Arcumenna. Allerdings war seltsam, dass sie ihm nicht sofort entgegengelaufen war, nachdem er die Ketzer �berw�ltigt hatte. Etwas stimmte an ihrer Geschichte nicht. Aber sie sollte erst einmal denken, dass er ihr glaubte. �Ich bin froh, dass ich dich retten konnte.� Er winkte zwei Wachen herbei. �Bringt sie nach hinten, wo sie vor diesem P�bel in Sicherheit ist.�</p><p>Nachdenklich sah er ihr nach. Jetzt bewegte sie sich ganz anders, nicht mehr geduckt, sondern aufrecht und voller Stolz, wohl wissend, dass es kaum einen Mann gab, der ihr zu widerstehen vermochte.</p><p>Arcumenna �berwachte, wie die Gefangenen aus dem Kanal ans Licht und zu einem nahe gelegenen Frachthof gebracht wurden, an dessen Ankert�rmen sich zwei Wolkensammler festhielten, die unter der Flagge Valesias �ber den Himmel zogen. Die Gefangenen sollten noch heute an Bord. Je schneller, desto besser. Es herrschte Unruhe in der Stadt. Der Unsterbliche Aaron war in den fr�hen Morgenstunden durch das Goldene Tor gekommen, und ihm folgte eine ganze Armee.</p><p>Keiner wusste, was er hier wollte. Anfangs hatte Arcumenna bef�rchtet, Aaron sei ebenfalls gekommen, um die Ketzer gefangen zu nehmen. Aber etwas anderes ging vor. Seine Spitzel hatten ihm berichtet, dass die H�lfte seiner Truppen auf Wolkensammler verladen wurde. Ob er noch einmal gegen Tarkon Eisenzunge vorgehen wollte?</p></section><section><title><p>Frachtk�rbe</p></title><p>Nodon musterte die riesigen, mehr als mannshohen Seiltrommeln, die auf dem Deck festgenagelt waren. St�mperhaft festgenagelt! Ihm war nicht klar, wozu die Seiltrommeln dienen sollten, aber ein gr��eres Gewicht sollte man ihnen besser nicht anvertrauen.</p><p>Der Elf kniete vor dem Frachtschacht, der quer durch das Schiff ging und in einem Loch im Rumpf m�ndete. Er war zehn Schritt lang und drei Schritt breit. Neben dem Schacht standen zwei lange K�rbe aus Weidenruten auf dem Oberdeck. Nebeneinander w�rden sie den Schacht ganz ausf�llen. An beiden Enden des vorderen Korbs wurden Seile festgeknotet. Bei dem Anblick wurde ihm ganz mulmig.</p><p>�Was ist unsere Aufgabe?�, fragte er Eleborn leise. Der Elf war in der ersten D�mmerung �berraschend zur�ckgekehrt. Er hatte sie in R�stungen gesteckt, wie die Kushiten sie trugen, und an Bord des Wolkensammlers geschmuggelt.</p><p>Eleborn hockte neben ihm auf einem Sack aus Segeltuch und d�ste. �Wir sind nur die Reserve�, murmelte er verschlafen. �Wir gehen als Letzte ins Gefecht. Die Tempeltore st�rmen andere.�</p><p>Irgendwie beruhigte Nodon das nicht. Er sah sich die anderen M�nner an, die ringsherum auf dem Deck im Schatten des Wolkensammlers d�sten. Angeblich waren diese Kushiten eine Elitetruppe. Sie waren neu aufgestellt, kannten sich untereinander kaum und wurden auch noch durch S�ldner erg�nzt, die Ger�chten zufolge aus den Bordellen der Stadt angeworben worden waren. Der Schwertmeister hatte auch das einarmige Narbengesicht an Bord gesehen. Es stimmte also, dass alles m�gliche Gesindel aufgeboten worden war, um diesen Angriff zu f�hren. Und sie sa�en inmitten dieser Halunken und Halsabschneider! Nandalees Plan gefiel ihm mit jedem Augenblick weniger.</p><p>Nodon erhob sich, schlenderte zur Reling und sah zu den Tempelg�rten der Zapote hin�ber. Er hatte die G�rten so viele Stunden beobachtet, dass er dort jeden Weg, jedes Haus kannte. Er k�nnte sich blind orientieren. Aber was sich tief unter der Pracht aus Bl�ten und wucherndem Gr�n verbarg, wusste er nicht. Und das beunruhigte ihn. Ihm ging wieder die Geschichte vom Blutteich durch den Kopf, die Manawyn erz�hlt hatte. Von der Kreatur, die dort hauste. Nandalees Plan sah vor, dieser Bestie aus dem Weg zu gehen. Aber wie sollte das gelingen, wenn sie nicht einmal wussten, wo der Teich lag.</p><p>Eleborn trat an seine Seite. �Die G�rten sind sch�n, nicht wahr?�</p><p>Nodon war nicht danach, �ber Belanglosigkeiten zu plaudern.</p><p>�Du machst dir Sorgen?�</p><p>�Wie sollte ich nicht?�, entgegnete er gereizt. �Wir wissen ja noch nicht einmal, wie dieser Angriff ablaufen soll. Wir wissen nicht, wo wir letzten Endes hinm�ssen. Ja, wir wissen nicht einmal, ob der Wind richtig stehen wird, sodass diese verdammten aufgequollenen Monster �ber die G�rten schweben werden. Ja, ich mache mir Sorgen.�</p><p>�Der Wind bl�st um diese Tageszeit stetig nach Westen. Ich habe vorhin den Lotsen gefragt. Es wird wahrscheinlich kein Problem geben.�</p><p>Nodon mochte das Wort <emphasis>wahrscheinlich</emphasis> nicht, wenn es um eine Mission der Himmelsschlangen ging. Er war schon oft f�r den Dunklen ausgezogen. Wenn ein Drachenelf geschickt wurde, war die Aufgabe, die es zu l�sen galt, nie leicht. Er hatte sich immer gut vorbereitet, deshalb lebte er noch. Deshalb war er eine Legende, selbst unter den Drachenelfen. Er war nie gescheitert. Aber heute hatte er das Gef�hl, dass sich das �ndern w�rde. In Nandalees Plan kam einfach zu oft das Wort <emphasis>wahrscheinlich</emphasis> vor. Wahrscheinlich w�rde der Wind richtig stehen. Wahrscheinlich war die Mehrzahl der Jaguarm�nner durch den Angriff auf das Wei�e Tor abgelenkt. Wahrscheinlich w�rden sie den Blutsee umgehen k�nnen und wahrscheinlich unbehelligt bis zu Nangog gelangen.</p><p>Und wie sollten sie �berhaupt zu der gefesselten G�ttin gelangen? Diese Welt war hohl wie ein Ei. Und Nangog schwebte wie ein riesiges Eigelb in der Mitte der Leere. Vielleicht mussten sie einen hundert Meilen tiefen Abgrund hinab, um zu ihr zu gelangen.</p><p>Nodon sah in den wolkenverhangenen Himmel. W�rde er je wieder in die Sonne blicken?</p><p>�Na, Jungs, habt ihr die Hosen voll?� Kolja kam die Reling entlanggeschlendert. �Dich kenne ich doch, Blondschopf! Wo sind wir uns schon mal begegnet?�</p><p>�Auf der Hochebene von Kush, Hauptmann�, entgegnete Eleborn zackig. Dem Jungen machte es Spa�, ein Menschenkind zu spielen, dachte Nodon. �Ich bin Hauptmann Volodis Wagenlenker.�</p><p>�Volodis Wagenlenker?� Kolja strich sich nachdenklich �ber das Kinn. Da lag ein Ausdruck in seinen Augen, der Nodon nicht gefiel. Etwas stimmte mit dem Kerl nicht.</p><p>�Hast dich in der Schlacht wacker geschlagen. Hab von dir geh�rt. Und wer ist dein Kamerad da?�</p><p>�Einer der Kushiten, Hauptmann!�</p><p>�Ach, und ich dachte, das seien alles gro�e, muskelbepackte Bauerntrampel.�</p><p>�Ich bin einer der kleinen, gemeinen Bauerntrampel�, entgegnete Nodon k�hl.</p><p>Kolja sah ihn durchdringend an. Dann pl�tzlich fing der H�ne an zu lachen �Also, du bist ein Kerl wie dieser verdammte Ashot. Vor solchen wie dir muss man sich in Acht nehmen.�</p><p>�Vor allem, wenn man einen Katzenschwanz tr�gt, Hauptmann�, versuchte Eleborn die Lage mit einem Scherz zu entspannen.</p><p>�Ich bin kein Hauptmann mehr, Junge. Ich bin jetzt ein reicher Mann. Und ich bin nur hier, weil der Unsterbliche Aaron mich und meine Zinnernen f�r heute um einen Gefallen gebeten hat. Weil er wei�, wie unsere Herzen schlagen, hat er uns f�r diesen Kampf so unanst�ndig viel Gold geboten, dass ich unm�glich ablehnen konnte.� Kolja grinste, und seine Narben verzogen sich zu einer Grimasse des Grauens. �Kommt zu mir, wenn euch die Zapote heute nicht die Eier abschneiden, und ich mache auch aus euch reiche M�nner. Alles, was ihr f�r mich tun m�sst, ist, auf ein paar h�bsche M�dchen aufzupassen und ab und an ein oder zwei Sch�del einzuschlagen. Nun, w�r das was f�r euch?�</p><p>�Wie ist das mit den h�bschen M�dchen? Sollen wir nur aufpassen, oder ist auch anfassen erlaubt�, fragte Eleborn mit einem anz�glichen Grinsen.</p><p>Nodon traute seinen Ohren nicht. Wie konnte man nur so tief sinken? Er w�rde sich lieber die Zunge abbei�en, als sich mit solchen Spr�chen bei einem Drecksack wie Kolja anzubiedern.</p><p>Das Narbengesicht verpasste Eleborn einen freundschaftlichen Hieb auf die Schulter. �Du bist richtig, Junge. Bei meinem Haufen w�rde es dir gut gefallen. Es ist ein besseres Leben, als auf einem Streitwagen zu stehen und Staub zu schlucken. Du w�rdest��� Kolja beugte sich vor und schnalzte mit der Zunge. Auch Nodon beugte sich weiter �ber die Reling. Unter ihnen lag der weite, wei�e Platz jenseits des Tors, das zu den Tempelg�rten f�hrte. Dort war ein einzelner Mann mit rotem Umhang aufgetaucht. In der Mittagssonne gl�nzte das Gesicht des Mannes wie Silber.</p><p>�Das ist der Unsterbliche Aaron�, murmelte Kolja und wandte sich wieder zu ihnen um. �Seid froh, dass ihr nicht bei ihm k�mpft. Da, wo er steht, verrecken die meisten.� Der H�ne schnaubte. �Es ist leicht, ein Held zu sein, wenn man eine R�stung tr�gt, die einen unverwundbar macht. Und jetzt kommt mal mit, ihr H�bschen.� Kolja schlenderte in Richtung der gro�en Frachtluke im Deck. �Wagenlenker, du willst doch sicher bei den Ersten sein, die bei Volodi sind. Ich �berlasse dir die Ehre�� du wirst den ersten Trupp anf�hren, der landet.� Er deutete in Richtung Frachtluke, in deren N�he Nandalee und die anderen Elfen kauerten. �Das sind deine Freunde, nicht wahr? Nimm sie alle mit.�</p><p>Nodon hatte das Gef�hl, dass es nicht Geh�ssigkeit war, die Kolja zu der Entscheidung bewogen hatte. Da war etwas an diesem Krieger, das ihm seltsam vorkam. Er hatte in den Stra�en der Stadt Ger�chte �ber Kolja geh�rt. Dieser Menschensohn war ganz bestimmt kein Feigling. Doch dort unten gab es etwas, vor dem selbst er sich f�rchtete.</p><p>Kolja war weitergegangen. Er w�hlte noch mehr M�nner f�r den ersten Landungstrupp aus. Es waren ausnahmslos Krieger, die nicht zu den Zinnernen geh�rten.</p><p>�Los, in die K�rbe mit euch, ihr Hunde�, rief er ausgelassen. �Gebt es den K�tzchen dort unten! Jeder, der mir ein Katzenfell bringt, darf sich heute Nacht in meinem besten Haus all seine W�nsche erf�llen lassen.�</p><p>Nodon war verbl�fft, f�r wie viel gute Laune die Aussicht sorgte, eine Nacht in einem Bordell freigehalten zu werden. Er w�rde sie niemals begreifen, diese Menschenkinder! Was bedeutete es schon, bei einer Frau zu liegen, die einen nicht liebte?</p><p>Eleborn war der Erste, der in den Korb stieg. Nodon folgte ihm mit einem mulmigen Gef�hl. Der gro�e Korb schwankte in der Frachtluke. Alle, die einstiegen, wirkten angespannt. Nur Manawyn l�chelte. Der alte Elf war w�hrend seiner Gefangenschaft wohl verr�ckt geworden!</p><p>Bidayn stellte sich direkt neben Nodon. Sie klammerte sich mit beiden H�nden am Rand des h�fthohen Korbs fest. Sie war nicht die Einzige, die das tat. Dicht gedr�ngt standen sie jetzt. Mehr als zwanzig Krieger. Nodon sp�rte, wie sich der Boden unter ihrem Gewicht durchbog, und das Flechtwerk aus Weiden�sten bedenklich knarzte. Er musste sich zwingen, nicht ebenfalls nach dem Rand zu greifen.</p><p>�Zugleich!�, erklang der Befehl eines Wolkenschiffers, und die Kurbeln an den Seiten der Seilwinden wurden gedreht. Ruckend setzte sich der Korb in Bewegung und geriet sofort leicht in Schieflage. Nodon schloss die Augen und atmete ganz langsam aus. In seinem Geiste sah er, wie das Seil so ungleich nachgelassen wurde, dass eine Seite des Korbes nach unten wegkippte, und sie alle den Tempelg�rten der Zapote entgegenst�rzten.</p><p>�Ich w�nschte, ich s��e auf Nachtschwinge�, fl�sterte Gonvalon hinter ihm.</p><p>Nodon musste lachen. Die H�lfte von ihnen besa� Pegasi und war unz�hlige Male �ber den Himmel geritten. Und nun vertrauten sie sich diesem zerbrechlichen Korb an und der vagen Hoffnung, dass die Menschenkinder es schafften, gleichm��ig zu kurbeln. Nicht nur Manawyn war verr�ckt!</p><p>Mit einem Ruck kam ihr Korb auf H�he des untersten Frachtdecks zum Stehen. Durch den Spalt zwischen Bordwand und Korb konnte Nodon das Wei�e Tor sehen. Der Unsterbliche Aaron sprach mit einem Priester. Glaubte er wirklich, die Zapote w�rden seinen Hauptmann freilassen?</p></section><section><title><p>Neue Regeln</p></title><p>Zwei Jaguarm�nner st�rmten in die kleine K�che, packten Volodi bei beiden Armen und rissen ihn vom Boden hoch.</p><p>�Was ist los?�, rief er erschrocken, als er zur T�r gezerrt wurde.</p><p>Sie riefen etwas in ihrem gr�sslichen Kauderwelsch.</p><p>�Die Gefiederte Schlange verlangt nach neuen Opfern�, �bersetzte Ichtaca erschrocken.</p><p>�Das muss ein Irrtum sein.� Volodi stemmte sich gegen den Griff der beiden Krieger und fing sich einen Tritt in die Kniekehlen. �Heute ist kein Tag f�r ein Opfer�, begehrte er auf, w�hrend er durch die T�r gezerrt wurde.</p><p>Drau�en stand Necahual, Quetzallis Bruder. �Es tut mir leid�, murmelte er und verschwand dann in Volodis Haus. Bevor der Drusnier weiter den Weg hinabgezogen wurde, sah er noch, wie Necahual aufgebracht auf seine Schwester einredete.</p><p>Volodi gab es auf, Widerstand gegen die Zapote zu leisten. Er wusste, dass es sinnlos war. Er dachte an Eirik und daran, wie gefasst sein Kamerad durch das Schlangenmaul getreten war. Sollte heute seine Zeit gekommen sein, wollte er nicht weniger w�rdevoll abtreten. Seine Ahnen w�rden auf ihn blicken, wenn es so weit war. Sogar hier in Nangog, da war er sich sicher. Sie wussten, wann und wo ihn die Stunde des Todes erwartete. Sie w�rden dort sein. Im Wind und im Rauschen der Bl�tter der B�ume.</p><p>Als sie am Schlangenschlund ankamen, wartete kein anderer Auserw�hlter. Hatten sie ihn zuerst geholt? War das ein Zufall?</p><p>Aus dem Schlund ert�nte der unheimliche Hornruf. Der Priester mit dem pr�chtigen Federmantel stieg die erleuchteten Stufen hinauf. Volodi blickte zur�ck zu den Wegen, die hierherf�hrten. Noch immer war kein anderer Auserw�hlter zu sehen.</p><p>Von Westen blies ein b�iger Wind, beugte die B�ume und riss die letzten wei�en Kirschbl�ten von den �sten. Eingeh�llt in wei�en Bl�tensturm, stand Volodi allein vor den Priestern. Jetzt konnte er sie h�ren, die Stimmen seiner Ahnen. Sie waren hier!</p><p>Der tiefe Krug wurde ihm hingehalten, und er fasste hinein. Auf seinem Grund lag nur ein einziger Stein. Volodi zog ihn heraus. Er war golden.</p><p>�Das ist gegen die Regeln�, sagte er leise.</p><p>�Ab heute gelten neue Regeln�, entgegnete der Priester im Federmantel. Es war das erste Mal, dass Volodi seine Stimme h�rte. �Du hast alles ver�ndert. Nun komm!�</p></section><section><title><p>Durch die Augen der Schlange</p></title><p>�Ihr habt nur ihn geholt?� Quetzalli konnte nicht fassen, was ihr Bruder ihr gerade erkl�rt hatte. �Das ist gegen die Tradition! Ihr werdet die Gefiederte Schlange erz�rnen!�</p><p>�Wir m�ssen unumkehrbare Tatsachen schaffen. Wir bef�rchten, dass der Unsterbliche Aaron seinetwillen in die Goldene Stadt gekommen ist. Volodi ist einer seiner Feldherren, ein Held aus dem Krieg gegen Luwien und ein Freund des Unsterblichen.�</p><p>�Ihr habt all dies l�ngst gewusst.� Quetzalli hatte das Gef�hl, als wachse ein St�ck Eis in ihrem Bauch. Immer weiter breitete sich die K�lte aus. �Und ich habe es begonnen.� Sie sah verzweifelt zu ihrem Bruder auf. �Ich wusste nicht, wen ich auserw�hlte. Er war einfach nur ein goldhaariger Krieger wie all die anderen. Ihr h�ttet ihn niemals hierherholen d�rfen.�</p><p>�Er wurde auserw�hlt�, sagte Necahual mit tonloser Stimme. �Der Blick der Gefiederten Schlange fiel durch dich auf ihn. Und er hat uns durch seine Taten verh�hnt. Er muss geopfert werden! Du wirst es tun!�</p><p>Quetzalli sah ihn sprachlos an.</p><p>�Du wirst wieder eine Priesterin sein, wenn du es tust.� Ihr Bruder senkte den Blick. �Tust du es nicht, bist du wieder Fleisch. Ich habe dann den Befehl, dich sofort zur�ck in die Quartiere der Jaguare zu bringen.�</p><p>Quetzalli musste sich setzen. Sie wusste, die Gefiederte Schlange kannte keine Gnade und noch weniger ihre Priester. Ihr Leben geh�rte seit ihrer Geburt der Priesterschaft. Von ihrem ersten Atemzug an war ihr der Weg vorherbestimmt gewesen, den sie gehen sollte. Es war ein Leben, das ihr kein Gl�ck gebracht hatte. Mit ihrem vernarbten Leib w�rde sie nicht mehr f�r die Schlange jagen k�nnen. Izel und andere erf�llten nun diese Aufgabe. So f�hrte ihr Weg sie also letztlich zum Blutstein oder zu den Jaguaren.</p><p>�Ich bin froh, dass ich Volodi die letzte Ehre erweisen kann�, sagte sie mit einer Stimme bar jeder Emotion. �Er ist ein tapferer Mann. Ich betrachte es als gro�e Gnade der Schlange, dass ich bei seinem letzten Atemzug bei ihm sein darf. Ich werde es tun!�</p></section><section><title><p>Von der Freiheit</p></title><p>Artax nahm seinen Maskenhelm ab und musterte den Priester, der im Wei�en Tor stand. Der Mann hatte sich Dornranken um die nackten, t�towierten Arme geschlungen. Die Dornen dr�ckten in sein Fleisch, und Blut troff ihm von den Armen. Volodi hatte ihm einmal erz�hlt, dass die Zapote ihren G�ttern Schmerz schenkten.</p><p>Er w�rde dieses Volk niemals begreifen, dachte Artax.</p><p><emphasis>Und du solltest nicht hier sein. Du verspielst gerade alles, was du gewonnen hast. Ihr Devanthar wird dich hassen. Ja, vielleicht wird ein neuer gro�er Krieg wie der gegen die Luwier beginnen. Und all das nur wegen eines Barbaren? Wegen eines S�ldners? Das ist weitaus verr�ckter, als sich Dornranken um die Arme zu wickeln!</emphasis>, mahnte ihn seine innere Stimme.</p><p>Artax ignorierte sie. �Verstehst du meine Sprache, Priester?�</p><p>Der Zapote nickte. Tiefe Falten umrahmten seine Augen. Seine Haut hing ihm in Lappen vom Hals herab. Er musste sehr alt sein. Hatten sie ihn geschickt, weil sein Verlust f�r den Tempel zu verschmerzen war?</p><p>�Ich wei�, dass der Hauptmann meiner Leibwache gegen seinen Willen hierhergebracht wurde.�</p><p>�Niemand betritt die G�rten des Tempels gegen seinen Willen�, entgegnete der Priester mit stoischer Ruhe. �Man muss Euch falsch unterrichtet haben, Herr.�</p><p>�Du wei�t, wer ich bin?�</p><p>�Der Unsterbliche Aaron, Herrscher aller Schwarzk�pfe.� Der Priester sagte das in einem Tonfall, als bedeuteten Titel und W�rden gar nichts.</p><p>�Ich wei�, dass man meinen Hauptmann vor die Wahl stellte, die Frau, die er liebt, zu retten oder sie sterben zu lassen. Das nenne ich keine freie Entscheidung.�</p><p>�Er hatte die Freiheit, in sich zu gehen und zu erforschen, was ihm von Bedeutung ist. Wie ich h�rte, habt Ihr diese Freiheit den Frauen und Kindern Eurer Feinde nicht gelassen. Ihr habt ganze Sippen ausgel�scht, Unsterblicher. Nat�rlich steht es mir nicht zu, dar�ber zu urteilen.� Er sprach ruhig, doch in seinen Augen meinte Artax ein h�hnisches Funkeln zu sehen. Die L�gen �ber die Ereignisse im Steinhorst waren also schon bis in die Goldene Stadt gedrungen. Sie zu h�ren versetzte Artax einen Stich. Eleasar hatte in seinem Tod noch einen letzten Triumph errungen. Seine Bluttat bestimmte Aarons Ansehen inzwischen in gr��erem Ma�e als sein Sieg �ber Muwatta. Dabei wusste Artax nicht einmal zu sagen, was ihn mehr verletzte: wegen seiner grausamen Entschlossenheit bewundert oder aber verachtet zu werden.</p><p>�Du wei�t also, wozu ich f�hig bin, Priester�, entgegnete er beherrscht. �Ich verlange meinen Hauptmann zur�ck. Liefert ihr ihn nicht samt seiner Frau aus, dann werde ich ihn mir holen.�</p><p>�Was einmal den G�ttern geh�rt, ist f�r uns Sterbliche auf immer verloren. Das wird auf immer���</p><p>�Ich bin ein Unsterblicher, Priester!� Artax ma� den Alten mit einem kalten Blick, trat einen Schritt zur�ck und setzte seinen Helm wieder auf. Seine Stimme hallte ihm dumpf in den Ohren, als er weitersprach. �Ich respektiere Eure Tempel, aber ich werde nicht dulden, dass meine M�nner auf Eure Opfersteine gezerrt werden.� Artax trat noch einen Schritt zur�ck und legte die Hand auf den Griff seines Geisterschwertes. Er blickte in die Schatten, die das Tor warf. Er erinnerte sich, wie die Krieger der Zapote pl�tzlich aufgetaucht waren, als Volodi hier gestanden hatte. Wie aus den Schatten geboren, waren sie gewesen. W�rden sie das noch einmal tun?</p><p>�Gib Befehl, meinen Hauptmann lebend vor mich zu f�hren! Sofort!� Mit diesen Worten zog er sein Schwert und hob es hoch �ber seinen Kopf.</p><p>Der Priester verschr�nkte seine Arme vor der Brust. �Ich nehme keine Befehle von einem Mann aus Aram entgegen. Ganz gleich, welcher Mann das ist.�</p><p>�Deine Freiheit, alter Mann.� Artax senkte das Schwert. Er hatte sich gew�nscht, dass es nicht so kommen w�rde. <emphasis>Hattest du das? Oder bist du inzwischen versessen auf das K�mpfen?</emphasis></p><p>Aus den Stra�en, die vom Platz wegf�hrten, erklang das dumpfe Ger�usch von Katapultarmen, die auf die gepolsterten Rahmen des St�tzger�sts schlugen. Augenblicke sp�ter zersplitterten Amphoren, gef�llt mit �l, rings um das Wei�e Tor, w�hrend gleichzeitig Hunderte Krieger aus den gro�en Stra�en hervorbrachen. Sie hatten Leitern geschultert, keiner von ihnen w�rde durch das Tor die G�rten betreten.</p><p>Artax wich noch weiter zur�ck. Gestalten manifestierten sich im Schatten, w�hrend goldenes �l �ber die Bodenplatten floss. Schon sah der Unsterbliche ganz deutlich die ersten Jaguarm�nner.</p><p>Brandpfeile zogen schwarze Streifen �ber den strahlend blauen Mittagshimmel. Er hatte sich von Volodis Plan inspirieren lassen, nur dass er diesmal zu Ende gef�hrt wurde. Fauchend schossen Flammen im Tor auf. Eine brennende Gestalt kam Artax entgegengetaumelt. Mit einem wilden Schrei hob sie die Krallen. Der Unsterbliche t�tete den Krieger mit einem glatten Stich in die Brust. Dann eilte er fort vom Tor, hin zu den Mauern des Tempelgartens, wo schon die ersten Sturmleitern angelegt wurden.</p></section><section><title><p>Sturmlandung</p></title><p>�Jetzt!�, ert�nte eine dunkle Stimme irgendwo oberhalb des Frachtschachtes.</p><p>Nandalee h�rte, wie Dutzende Halteseile gekappt wurden. Das riesige Himmelsschiff setzte sich mit einem Ruck in Bewegung. Der Korb, in dem sie standen, begann leicht zu pendeln.</p><p>Die Elfe fragte sich, wie dieser Angriff gl�cken sollte. Sie w�rden kaum mehr als eine Ladung Krieger in K�rben absetzen k�nnen, bevor der Wolkensammler �ber die Tempelg�rten hinweggeglitten war.</p><p>�Absetzen!�, hallte ein Befehl durch den Frachtschacht. �Zugleich!�</p><p>Surrend st�rzte ihr Korb der Tiefe entgegen. Erschrocken sah Nandalee nach oben. Die M�nner hatten die Kurbeln an den Seilrollen losgelassen!</p><p>�Schei�e�, fluchte ein junger Krieger mit sp�rlichem Flaum auf den Wangen neben ihr. �Wir sind tot.�</p><p>Gonvalon legte Nandalee eine Hand auf den Arm. Sie st�rzten in rasendem Fall dem Boden entgegen. Das Schiff war noch mehr als dreihundert Schritt von den G�rten entfernt. Sie w�rden irgendwo auf den D�chern des Gerberviertels aufschlagen!</p><p>Nandalee hatte ein Gef�hl, als wolle ihr der Magen in den Mund springen. Der junge Krieger neben ihr stammelte ein Gebet. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Bidayn und Lyvianne sich bereitmachten abzuspringen. Besser, sich durch einen auff�lligen Zauber retten, der sie sanft hinabschweben lie�, als am Boden zerschmettert zu werden. Aber was w�rde aus Gonvalon? Er hatte die F�higkeit verloren, Zauber zu weben. F�r ihn gab es keine Rettung.</p><p>Die Krieger in den beiden K�rben schrien ihre Angst heraus. Hinter ihr erbrach sich jemand.</p><p>Gonvalon k�sste sie auf die Stirn. �Spring!�, hauchte er.</p><p>Pl�tzlich gab es einen Ruck. Ihr Korb begann zu schwingen. Er st�rzte immer noch der Tiefe entgegen, doch er wurde jetzt langsamer.</p><p>�Vorsicht!� Ein Schlag lie� Nandalee gegen Gonvalon taumeln. Dem jungen Krieger vor ihr wurde der Helm vom Kopf gerissen. Das Weidengeflecht knarrte bedenklich. Die beiden pendelnden K�rbe waren gegeneinandergeschlagen.</p><p>Die Seiltrommeln wurden abgebremst. Noch immer glitten sie schnell in die Tiefe, doch ihr Sturz verlangsamte sich, je n�her sie der Mauer des Tempelgartens kamen. Noch f�nfzig Schritt bis zum Boden.</p><p>�Wir schaffen das�, sagte Gonvalon so voller Zuversicht, als h�tte er schon Dutzende dieser verr�ckten Sturmlandungen mitgemacht.</p><p>Noch drei�ig Schritt. Die beiden K�rbe glitten �ber die Mauer des Tempelgartens hinweg.</p><p>Der junge Krieger neben Nandalee betete noch immer. Dabei flossen ihm Tr�nen �ber die Wangen. Wie hatte man ihn nur f�r eine solche Mission aussuchen k�nnen! Als die beiden pendelnden K�rbe erneut gegeneinanderschlugen, war nicht nur das Knacken der verflochtenen Weiden�ste zu h�ren�� ein trockener, splitternder Laut kam dazu. Der Holzrahmen, dachte Nandalee.</p><p>�Achtung!�</p><p>Ringsum wogten �ste auf. Ihr Korb verfing sich in einer Baumkrone, doch das riesige Wolkenschiff glitt weiter. Ihr Frachtkorb wurde zur Seite gerissen. Nandalee verlor den Boden unter den F��en.</p><p>W�hrend neben ihr die Krieger schreiend in das Ge�st eines Baumes st�rzten, fiel Nandalee durch Rispen voller kleiner, wei�er Bl�ten, die einen intensiven Lilienduft verstr�mten. D�nne �ste peitschten ihr ins Gesicht. Sie griff Halt suchend in das mattgr�ne Laub. Mit der H�fte prallte sie auf einen dickeren Ast. Ihre Finger krallten sich fest. Kurz nur, bevor der abrupte Ruck ihr die Muskeln zerren konnte, lie� sie los. Griff nach einem weiteren Ast, verlangsamte ihren Sturz, bis sie sich schlie�lich ganz gefangen hatte und leichtf��ig �ber dunkles Astholz dem Stamm des Baumes entgegeneilte. Auch die anderen Drachenelfen hatten sich gefangen. Sie hangelten an gr��eren �sten. Lie�en sich kontrolliert fallen und strebten dem Boden entgegen. Ein Teil der Menschenkinder hatte es auch geschafft, sich zu retten. Die meisten aber waren wie Fallobst zu Boden gest�rzt. Nandalee sah ihre verdrehten Leiber unter dem Baum liegen.</p><p>Beh�nde kletterte die Elfe das letzte St�ck Stamm hinab, zog ihren Bogen aus der ledernen Schutzh�lle und spannte ihn. Ein St�ck neben ihr, unter dem Baum, sa� der junge Krieger aus ihrem Korb. Fassungslos tastete er �ber seine Glieder und murmelte immer wieder: �Ich lebe. Ich lebe. Ich���</p><p>Nandalee sah kurz nach oben. Die Frachtk�rbe hatten sich aus den �sten gel�st und wurden hastig nach oben gekurbelt. Von den beiden Wolkenschiffen, die nun �ber den G�rten schwebten, gingen etliche dicke Taue zu den Ankert�rmen. So w�rden sie ihre Position halten. Schon beugten sich Gesichter �ber die Frachtsch�chte. Die N�chsten, die eine Sturmlandung wagen w�rden.</p><p>Nodon forderte ihre Aufmerksamkeit, indem er ihr winkte und auf einen Apfelhain deutete, in dem sich etwas unter dem Ge�st bewegte. Vielleicht waren es die Krieger aus den anderen Landungsk�rben. Vielleicht ihre Feinde. Nandalee zog einen Pfeil aus dem K�cher, hakte die Nocke ein, bedeutete dem jungen Krieger, ihr zu folgen, und rannte zu ihren Gef�hrten. Die Elfen hatten sich im Schatten des Mangobaums versammelt, durch den sie so unsanft aus ihren K�rben gerissen worden waren. �ber ihnen kletterten die wenigen �berlebenden Menschenkinder durch die �ste hinab und fluchten.</p><p>Und dann waren die Zapote da, sie st�rmten aus dem Apfelhain, geduckt wie gro�e Katzen mit ihren Krallenst�cken. Nandalee hatte gerade Zeit f�r einen Schuss, dann lie� sie den Bogen fallen und zog Todbringer. Lange hatte sie nicht mehr mit dem verfluchten Schwert gek�mpft. Es f�hlte sich gut an in der Hand. F�r einen Herzschlag hatte sie das Gef�hl, als vibriere der Griff in ihren H�nden, als k�nne die Waffe es nicht erwarten, wieder Blut zu vergie�en.</p><p>Mit weit ausholendem Hieb traf sie den vordersten der Angreifer, der noch seine Krallenst�cke hochriss, um die Klinge abzuwehren. Der Silberstahl zersplitterte den Obsidian, fuhr durch beide H�nde des Menschensohns und h�mmerte ihm tief in die Brust. Nandalee trat dem Sterbenden in die Magengrube und befreite ihre Klinge, um einen zweiten Angriff abzuwehren. Auch ihre menschlichen Gef�hrten hatten sich in den Kampf geworfen, doch unter sie waren die Jaguarm�nner wie Schnitter ins Kornfeld gefahren. Bald war der Boden im Schatten des Mangobaums von Toten und Sterbenden bedeckt.</p><p>Pl�tzlich wichen die Jaguarm�nner zur�ck. Nodon, Gonvalon und Manawyn setzten ihnen gnadenlos nach. Bidayn tastete �ber eine tiefe Schramme auf ihrer Wange, die stark blutete, schien aber ansonsten unverletzt zu sein.</p><p>�Zur�ck!�, rief Eleborn. �Lasst euch nicht zu den Pyramiden locken. Unser Ziel liegt dort.� Er deutete mit ausgestrecktem Schwert auf die G�rten jenseits des Apfelhains. �Dort liegt der Schlangenschlund! Der Eingang, der tief in den Weltenmund f�hrt!�</p><p>Nandalee sah zwischen zwei Stufenpyramiden eine Wand aus Rauch und Feuer. Ferner Kampfl�rm hallte von dort. Von den Wolkenschiffen �ber ihnen senkten sich neue Frachtk�rbe voller Krieger herab. Der Unsterbliche Aaron w�rde bald bis zum Eingang des verborgenen Tempels durchbrechen. Es w�re besser, wenn sie vor ihm dort w�ren und nicht zu K�mpfen befohlen werden konnten, die sie nicht ausfechten wollten.</p><p>Ihr Ziel war erreicht. �berall herrschte ein heilloses Durcheinander. Endlich w�rden sie zu Nangog gelangen k�nnen.</p></section><section><title><p>Am Schlangenschlund</p></title><p>�Ich brauche keine Schildtr�ger! Seht lieber zu, dass die Bogensch�tzen abgeschirmt sind�, rief Artax und stieg �ber einen der Jaguarm�nner hinweg. Die Zapote schickten jetzt auch Tempelwachen in den Kampf. M�nner in Lendenschurz mit befiederten Schilden, die mit obisdiansplitterbesetzten Keulen k�mpften. F�r seine gut ger�steten Krieger waren sie keine ernsthaften Gegner.</p><p>Ein Stein traf seinen Helm und riss ihm den Kopf nach hinten. Der Unsterbliche fluchte, sch�ttelte sich und ging weiter. �Bringt die Schleuderer um�, befahl er dem rotb�rtigen Bogensch�tzen aus Garagum, der zum Hauptmann unter den Kushiten aufgestiegen war und den Befehl �ber die Bogensch�tzen der Garde f�hrte.</p><p>�Wir schicken sie zu den Adlern, Herr!�, entgegnete Ormu knapp und wies seinen M�nnern die neuen Ziele zu.</p><p>Der Widerstand vor ihrem Schildwall zerbrach. Die Verteidigung der Zapote war schlecht organisiert und aussichtslos. Artax sah die Tempelwachen in die Haine und das dichte Buschwerk der umliegenden G�rten fl�chten. Als eine Bola dicht �ber seinen Kopf hinwegzog, duckte er sich. Die Seilkugeln rissen einem Krieger hinter ihm den Speer aus der Hand. Von vorne lief ihm Ashot, umringt von einer kleinen Schar Himmelsh�ter in ihren pr�chtigen, wei�en Umh�ngen, entgegen. Er zerrte einen blonden, b�rtigen Mann neben sich her. �Das ist einer der Auserw�hlten�, rief er. �Einer der M�nner, die wie Volodi f�r den Opferstein vorgesehen sind.�</p><p>�Wei� er, wo Volodi steckt?�</p><p>�Haben Zapote sich ihn geholt�, radebrechte der Drusnier mit schwerem Akzent in der Sprache Arams. �War ich mich eine Mann von Muwatta. Sie mich auch verschleppt von Kush, wie dich deine Hauptmann. Volodi jetzt Schlange gehen. Ich mich gesehen!�</p><p>�Was meint er?� Artax verstand den Mann kaum.</p><p>Ashot deutete hinter sich in die G�rten. �Irgendwo dort liegt der Eingang zu einem unterirdischen Tempel. So wie ich den Kerl verstanden habe, ist Volodi abgeholt worden, kurz bevor der Angriff begann. Der Eingang zum Tempel sieht wie ein Schlangenmaul aus. Ich glaube, das meinte dieser Drusnier mit <emphasis>Volodi jetzt Schlange gehen</emphasis>.�</p><p>Scheppernd schlugen Wurfsteine auf die Schilde und R�stungen der Kushiten. Die Schleuderer der Zapote hatten sich zwar ins Unterholz des Gartens zur�ckgezogen, aber noch lange nicht aufgegeben.</p><p>�Dann ist das unser Ziel!�, entschied Artax.</p><p>�Aber wir haben die gro�en Pyramiden noch nicht von den Feinden ges�ubert�, wandte Ashot ein. �Sie k�nnen sich neu sammeln und uns den R�ckweg abschneiden, wenn wir uns nicht jetzt darum k�mmern.�</p><p>Artax sch�ttelte entschieden den Kopf. Wenn sie nicht so rasch wie m�glich zum unterirdischen Schlangentempel vorstie�en, w�re all das vergebens gewesen. ��ber den R�ckweg machen wir uns Gedanken, wenn wir zur�ckgehen! Jetzt geht es vorw�rts.� Er riss sein Schwert hoch. �Im Laufschritt mir nach!�</p><p>Den Drusnier, der den Weg kannte, in ihrer Mitte, hasteten sie durch den Garten. Auf einem Wegkreuz lagen drei tote Auserw�hlte. Die Priester hatten ihre Opfer f�r die Gefiederte Schlange lieber umgebracht, als sie den vorr�ckenden Kriegern Aarons in die H�nde fallen zu lassen.</p><p>Artax musste daran denken, dass diese M�nner allein seinetwegen gestorben waren. Sie hatten den Preis daf�r zahlen m�ssen, dass er Volodi zur�ckverlangte.</p><p>Vielleicht war sein Hauptmann auch schon l�ngst ermordet. Artax beschleunigte seinen Laufschritt. Die M�nner um ihn keuchten. Schilde und R�stungen schepperten. Die leicht gewappneten Bogensch�tzten �berholten sie. Unter der Aufsicht von Ormu lieferten sie sich immer noch ein Gefecht mit den Schleuderern, die parallel zu den vorr�ckenden Kushiten durch das Dickicht eilten. Warum konnten die verfluchten Zapoter nicht einsehen, dass sie diese Schlacht verloren hatten, dachte Artax w�tend. Dieses Gemetzel war unn�tig.</p><p>Fauchend wie Raubkatzen brachen zwei Jaguarm�nner aus einem Rosenbusch voller gelber Bl�ten. Sie hieben mit ihren Krallenh�nden einen Bogensch�tzen nieder und standen pl�tzlich vor Artax. Ohne auf seine Leibwachen zu achten, gingen sie sofort auf ihn los. Eine Krallenfaust schrammte �ber seinen Leinenpanzer. Obwohl der Hieb auf der R�stung der Devanthar nicht mehr als ein paar feine Kratzer hinterlie�, lie� ihn die Wucht des Treffers zur�cktaumeln. Sofort folgte ein zweiter Hieb, der auf seine Schwerthand zielte. Artax drehte die Klinge weg, sodass der Angriff ins Leere ging, und versetzte dem Zapote einen Ellenbogensto� zwischen die F�nge des Jaguarhelms. Dann sauste seine Geisterklinge nieder. Selbst im hellen Tageslicht war das unheimliche gr�ne Leuchten deutlich zu erkennen, das den Stahl umspielte. Das Schwert schnitt durch Helm und Sch�delknochen. Noch im Sterben hob der Zapote ein letztes Mal seine Krallenh�nde und hieb nach Artax� Beinen. Doch in dem Angriff lag keine Kraft mehr.</p><p>Im selben Moment stie� Ashot den zweiten Jaguarmann mit dem Schild zur�ck, und Ormu versenkte auf drei Schritt einen Pfeil in die Brust des Zapote-Kriegers, der von der Wucht des Treffers von den Beinen gerissen wurde.</p><p>�Weiter!�, rief Artax verzweifelt. Wieder hatten sie einige Augenblicke verloren. Ihnen lief die Zeit davon.</p><p>Endlich erreichten sie den Eingang zum unterirdischen Tempel. Rings um das marmorne Schlangenmaul lagen tote Jaguarm�nner. Es sah aus wie in einem Schlachthaus. Die W�nde des Tunneleingangs, die F�nge der Schlange, die wie Stalaktiten �ber ihren K�pfen ragten, alles war mit Blut bespritzt. Abgetrennte Arme und K�pfe lagen auf den vordersten Treppenstufen.</p><p>�Was ist hier geschehen?� Ashot stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. �Wer war das?�</p><p>Artax deutete zu den Wolkenschiffen, von denen K�rbe voller Krieger abgeseilt wurden. �So war das nicht geplant�, murmelte er, dann sagte er laut zu seinen M�nnern: �Ich glaube, jemand ist uns zuvorgekommen.�</p><p>�Und hat keinen einzigen Mann verloren? Seht Euch um, Erhabener, hier liegt kein einziger toter Zinnerner. Das geht nicht mit rechten Dingen zu!�</p><p>Artax nickte zustimmend. Doch wer immer das getan hatte, hatte ihnen geholfen. Entschlossen betrat er das Schlangenmaul. Er w�rde Volodi befreien!</p></section><section><title><p>In die Tiefe</p></title><p>Der endlose Tunnel in die Tiefe weitete sich. Auf jeder der breiten Stufen, die Nandalee hinabstieg, stand eine brennende �llampe und tauchte die mit wei�em Marmor verkleideten W�nde in ein warmes Licht.</p><p>Die Elfe bemerkte Ritzzeichnungen auf den W�nden. Anfangs nur fl�chtig wie Skizzen, die aber bald zu wohlausgef�hrten Reliefs wurden, je weiter sie gingen. Die Bilder zeigten einen Garten voller Blumen. Es gab V�gel und Schlangen, auch waren einige Priester zu sehen. Dann spannte sich �ber den Himmel ein weiter Schlangenleib, der statt Schuppen Federn trug. Die Kreatur war viele Schritt lang.</p><p>Der Tunnel machte einen weiten Bogen, und die Szenerie �nderte sich. Decke und W�nde wichen weiter zur�ck. Etwa f�nfzig Schritt vor ihnen schloss eine solide Mauer den Tunnel ab, in die ein gro�es Tor eingef�gt war. Die Wandreliefs waren hier bemalt: Sieben �berlebensgro�e Krieger mit blondem Haar k�mpften gegen einen gefiederten Drachen mit goldenem Haupt.</p><p>�Das sind wir�, h�rte Nandalee Manawyn sagen. �So sah der Schlangendrache wirklich aus. Es ist��� Seine Stimme brach, als er sah, wie der Drache einen Krieger mit seinen Krallen zerfetzte und einem zweiten den Schwertarm abbiss.</p><p>�Er bewegte sich schnell f�r seine Gr��e.� Manawyns Stimme klang rau, als er an ihr vorbeiging und mit seinen alten, faltigen H�nden �ber die Reliefs strich. Er wirkte abwesend.</p><p>Direkt neben dem Tor war ein Bild der gefl�gelten I�ta. In der Rechten hielt sie ein Schwert. Ihren Fu� hatte sie in den Nacken eines Toten gesetzt, aus dessen Halsstumpf Blut quoll. Mit der Linken aber hielt sie an ihrem langen blonden Haar den Kopf einer Elfe hoch. Nandalee erschauderte, als sie sah, dass in die beiden Seitenpfeiler des hohen Tors je drei Nischen geschnitten waren, in denen abgetrennte K�pfe lagen. Im Sturz des Tores war ebenfalls eine einzelne Nische angelegt. Sie jedoch war leer.</p><p>Bisher hatten sie nur ihren eigenen Atem und das leise Ger�usch ihrer Schritte vernommen. Nun erklang jenseits des Tores Gesang. Dunkel, auf- und abschwellend�� wie eine Beschw�rung. Das Lied schien etwas bei Manawyn auszul�sen. Seit er ihnen seine Geschichte erz�hlt hatte, hatte er nicht mehr viel gesagt. Doch auch schweigend strahlte er eine stumme Autorit�t aus. Jetzt jedoch wirkte er ver�ndert auf Nandalee. Es schien, als sei er nicht mehr bei ihnen, sondern durch die Jahrhunderte zur�ck in die Vergangenheit geschritten. Manawyn war vor dem Tor stehen geblieben und betrachtete entr�ckt die abgetrennten K�pfe.</p><p>�Wir m�ssen weiter�, zischte Nodon. �Jemand kommt die Treppe hinab. Wenn es Krieger Arams sind, wird es Fragen geben, und sollten es diese verdammten Zapote sein��� Er seufzte. �Auf der anderen Seite des Tors erwarten uns sicher auch noch reichlich von diesen verdammten Katzen. Wir k�nnen hier nicht bleiben!�</p><p>Noch w�hrend Nodon sprach, war Manawyn vor den linken Pfeiler getreten, hatte sich auf Zehenspitzen gestellt und hob nun den Kopf aus der mittleren Nische. Die Devanthar schienen ihre Troph�en mit einem Zauber umsponnen zu haben: Das Fleisch der Toten war nicht verfault, ja es war nicht einmal dunkel oder faltig geworden. Ihre Augen waren geschlossen. Das ebenm��ige Gesicht wirkte ruhig, als schlafe sie nur. Sie war einmal eine Sch�nheit gewesen. Manawyn sah unendlich viel �lter aus als diese K�pfe. Er sagte etwas zu Lyvianne, und die Zauberweberin reichte ihm einen Kamm.</p><p>�Der ist verr�ckt geworden�, stellte Nodon n�chtern fest und trat an dem ersten Meister vorbei durch das Tor.</p><p>Nandalee sah noch einen Augenblick zu, wie Manawyn z�rtlich das goldene Haar der Toten k�mmte. Vorsichtig l�ste er die Knoten. Sie hatten daf�r wirklich keine Zeit, aber sie brachte es nicht �bers Herz, den ersten Meister zu st�ren. Leise folgte sie Gonvalon und Eleborn.</p><p>Hinter dem Tor machte der weite Tunnel eine Kehre nach rechts. Es ging erneut steil in die Tiefe. Auch hier standen auf jeder der breiten Stufen �ll�mpchen, die die Finsternis aus dem Berg bannten. Nandalee konnte etwa hundert Schritt weit sehen. Ein sanfter, kaum sp�rbarer, warmer Wind stieg aus der Tiefe auf. Der Atem Nangogs?</p><p>Sie h�rte, wie hinter ihr Schwerter aus der Scheide gezogen wurden. Nun waren auch Lyvianne und Bidayn durch das Tor getreten. Beide hielten ihre Klingen in der Hand und schritten nun, ohne zu z�gern, an Nandalee vor�ber die weite Treppe hinab. Sie sah ihren Gef�hrtinnen nach. Sie ahnte, was sie alle dachten. Sie fragten sich, ob sie dasselbe Schicksal erwartete wie Manawyn und die anderen Meister der Wei�en Halle.</p><p>Nandalee ging zur�ck zum Tor. Der erste Meister hielt immer noch den abgetrennten Kopf in H�nden. Das lange Haar war nun sorgf�ltig gek�mmt und gl�nzte wieder. Der alte Elf hob seinen Blick und nickte ihr zu. Dann setzte er den Kopf vorsichtig zur�ck in die Nische und ging ihr entgegen. Als er sie erreichte, legte er seine Rechte auf die Brust, dort, wo sein Herz war. �Ich war so lange in diesem Stein eingesperrt, dass ich dachte, auch mein Herz sei ein Stein geworden.� Seine Augen schimmerten feucht. �Ich habe mich geirrt.�</p><p>Nandalee h�rte die Stimmen hinter ihnen nun ganz deutlich. Vielfach an den Tunnelw�nden gebrochen, war schwer zu sch�tzen, wie weit sie entfernt sein mochten. Sie wurden vom rhythmischen Ger�usch eiliger Schritte begleitet. Sie mussten sich beeilen!</p><p>Ohne ein weiteres Wort strebten sie gemeinsam immer zwei Stufen auf einmal nehmend in die Tiefe, bis sie die weite Kehre hinter sich lie�en und sich ihnen ein atemberaubender Anblick bot. Die H�hlen der Zwerge in der Tiefen Stadt waren nichts im Vergleich zu dem, was nun vor Nandalee und Manawyn lag: Weit wie eine Landschaft breitete sich eine nat�rliche Grotte aus. Die W�nde spielten in Farben von rostgeadertem Wei� �ber hellem Rosa bis hin zu einem dunklen Orangerot. Ein Zauber musste in die H�hlenw�nde gewoben sein, denn es herrschte ein zartes Licht wie zur ersten Stunde der D�mmerung. Geschwungene Pfeiler aus nat�rlichem Fels, ein jeder f�r sich gro� wie ein Berg, trugen die Decke, unter der bleicher Dunst hing. An einige dieser Pfeiler klammerten sich schlichte H�user mit Fenstern wie dunkle Augenh�hlen. Sie lagen weit �ber dem Boden und waren nur �ber schmale Pfade zu erreichen. Nandalee erinnerte sich, wie Manawyn davon gesprochen hatte, dass die Zapote H�user errichtet hatten, die wie Schwalbennester an der H�hlendecke klebten. Und sie hatte seine Erkl�rung nicht vergessen, warum sie so gebaut waren!</p><p>Mit mulmigem Gef�hl stieg sie die letzten Stufen hinab, wo die anderen sie erwarteten. Vergessen waren die Zwistigkeiten der letzten Tage, zum ersten Mal sp�rte sie, dass sie alle in ihr die Anf�hrerin sahen. Sie erwarteten ihre Befehle.</p><p>Rechts von ihnen, etwa zweihundert Schritt entfernt, hatten sich Krieger auf einer flachen Erhebung versammelt. Auf ihren K�pfen wippten lange, rote Federn. Sie trugen gesteppte, bunte Gew�nder und geh�rtetes Leinen als R�stungen. Auch ihre Schilde waren mit Federn geschm�ckt. Die Zapote beobachteten sie und schienen nicht angreifen zu wollen, obwohl sie fast hundert waren.</p><p>Weit hinter ihnen, in einer Felsnische, die so gro� war, dass sie die halbe Goldene Stadt in sich h�tte aufnehmen k�nnen, lag eine Stufenpyramide. Eine steile Treppe f�hrte in deren Mitte zur obersten Terrasse. Etwas bewegte sich dort. Nandalee kniff die Augen zusammen: Priester in Federschmuck standen um einen Opferstein versammelt. Es schien, als l�ge dort ein Mann. Ganz sicher war sie sich nicht. Die Entfernung war zu gro�.</p><p>Gut sichtbar war hingegen ein kleiner See, der vor der Pyramide lag. Sein Wasser schimmerte im D�mmerlicht blutig rot.</p><p>�Hier ist es�, sagte Manawyn, und in seiner Stimme lag ein Zittern. �Das ist der See, aus dem der Schlangendrache kam.�</p><p>Von der Stufenpyramide ert�nte H�rnerklang. Es war ein dumpfer, aufw�hlender Laut, der sich in Nandalees Knochen krallte.</p><p>�Wo geht es in die Tiefe?�</p><p>Manawyn deutete nach links, wo sich die weite, abfallende Grotte in der Ferne in silbernem Licht verlor. Es war wundersch�n hier, und zugleich sp�rte Nandalee die Angst, die sich seit Jahrhunderten ins Gestein gefressen hatte.</p><p>�Warten wir nicht, ob etwas aus dem See steigt. Lauft!�</p></section><section><title><p>Alte Macht</p></title><p>Es war Quetzalli v�llig fremd geworden, von Zapote-Priestern mit Respekt behandelt zu werden. Seit sie zu Fleisch erkl�rt worden war, hatten aus ihrem Volk nur ihr Bruder und der Diener Ichtaca freundliche Worte f�r sie gehabt. Jetzt erinnerte sie sich wieder daran, wie es war, Ansehen zu besitzen. Sie stammte aus einer der �ltesten Familien des Reiches. Ihr Urahn hatte als einer der Ersten vom Purpurfleisch gekostet.</p><p>All dies war nun zur�ckgekehrt. Sklavinnen hatten sie gewaschen und ihren nackten Leib mit �liger, schwarzblauer Farbe bemalt, von der das Blut des Auserw�hlten abperlen w�rde.</p><p>Um ihre H�ften war ein bl�tenwei�es Seidentuch geschlungen, das noch nie zuvor getragen worden war. Jetzt schoben ihr die Sklavinnen die schweren goldenen Armreife �ber die H�nde. Der Prunkkragen aus Gold und dunkler, alter Jade legte sich schwer und k�hl auf ihre Schultern. Gedankenverloren betrachtete sie die feinen, schwarzen Linien, die zwischen Jade und Goldfassung lagen�� es war eingetrocknetes Blut. Manches davon so alt wie die Pyramide, die sich vor ihr erhob. Sie stand zusammen mit den �brigen Priestern unter einem Baldachin aus Tausenden Federn. Es war ein Ort der letzten Einkehr, wo die Sklaven ihnen ihre Prunkgew�nder anlegten und sie sich gesenkten Hauptes darauf vorbereiteten, einem Gott gegen�berzutreten.</p><p>Sklavinnen legten ihr den Federmantel um, den sie so lange nicht getragen hatte, und befestigten ihn mit Seidenschn�ren am Kragen. Zuletzt wurden ihre Haare mit goldenen K�mmen hochgesteckt, die mit sich windenden Schlangen geschm�ckt waren. Sie war bereit.</p><p>Alle Blicke ruhten auf ihr. Sie sp�rte den alten Respekt. Es war, als sei sie nie fort gewesen.</p><p>Der ganz schwarz geschminkte Klingenh�ter, der die Auserw�hlten durch den Schlangenschlund f�hrte, trat vor sie, verbeugte sich ehrerbietig und reichte ihr mit beiden H�nden das alte Opfermesser.</p><p>�Tochter der Schlange, nimm ein Leben, um Leben zu schenken�, sagte er feierlich, wie der Ritus es vorschrieb.</p><p>�Meine Hand wird auf dem schlagenden Herzen eines Helden ruhen, wenn deine Klinge scharf genug ist�, antwortete Quezalli feierlich. Sie hatte keines der Worte vergessen. Sie war wieder in ihre alte Haut geschl�pft, als sei sie niemals zur Gespielin der Jaguarm�nner gemacht worden. Seit Jahrhunderten waren die Frauen ihrer Familie Priesterinnen gewesen. Hier zu stehen war ihre Erf�llung. Hier war sie ganz sie selbst.</p><p>Quetzalli nahm das Opfermesser entgegen, dessen Obsidianklinge die Farbe eines dunklen Waldsees hatte. Es lag vertraut in ihrer Hand, obwohl ein ganzes Leben vergangen zu sein schien, seit sie zum letzten Mal dieses Messer entgegengenommen hatte. Es stand den J�gerinnen zu, jene zu opfern, die sie in die Tempelg�rten gebracht hatten. Die meisten machten von diesem Vorrecht keinen Gebrauch, doch Quetzalli hatte es stets als Ehre empfunden, zu Ende zu bringen, was sie im Namen der Gefiederten Schlange begonnen hatte.</p><p>Gemessenen Schrittes begann sie den steilen Aufstieg zum Opferstein hinauf. Sie ging allein, konzentrierte sich ganz auf ihre Aufgabe. Ihr durfte nur der Klingenh�ter folgen, und auch er musste Abstand halten.</p><p>Erst als sie die H�lfte der Treppen erklommen hatte, fiel ihr auf, dass etwas anders als sonst war. Eine seltsame Unruhe herrschte in der weiten H�hle. Doch Quetzalli hielt den Blick fest auf das Ende der Treppe gerichtet. All ihr Streben und Denken sollte nun allein auf die Gefiederte Schlange gerichtet sein. Sie dachte an wei�e Haut und daran, wie der Schnitt unter dem Rippenbogen, nahe beim Herzen zu setzen war. Daran, wie sie ihre schmale Hand unter den Rippen hindurch nach oben schieben musste, um nach dem schlagenden Herzen zu greifen. Dem Herzen Volodis, der sie in seine starken Arme geschlossen hatte, als sie f�r ihr eigenes Volk nur noch Fleisch gewesen war.</p><p>Doch nun konnte sie all das hinter sich lassen. Ein Schnitt�� ein letztes Herz, und sie w�rde wieder zur Priesterkaste der Gefiederten Schlange geh�ren. Die Vergangenheit w�re vergessen. W�re sie das? Sie hatte fast das Ende der Treppe erreicht. Sah den Opferstein, auf dem Volodi festgebunden lag. Sah die vier Wachen, die in den vier Winden standen. Einer an jeder Ecke der Plattform. Zwei Adlerkrieger und zwei Jaguarm�nner. Quetzalli wusste, unter den Jaguaren w�rde man immer �ber sie reden. �ber die Priesterin, die einmal ihr Fleisch gewesen war. Nichts w�re je wieder wie fr�her. Sich an diesen Irrglauben zu klammern war dumm.</p><p>Sie nahm die letzte Stufe. Volodi drehte seinen Kopf und sah sie an. Er sagte nichts. In seinen Augen lag, was Worte niemals h�tten ausdr�cken k�nnen. Er hatte sie erkannt und wandte nun den Kopf wieder ab.</p><p>Der Opferstein war eine h�fthohe S�ule. Volodis Becken ruhte auf der S�ule. Seine Arme und Beine waren zur�ckgebogen und mit Lederriemen an schwere, goldene Ringe am Boden gebunden worden. Quetzallis Blick wanderte �ber die Bauchmuskeln zum Rippenbogen. Die Art der Fesselung erleichterte es, den Schnitt zu setzen, der ihr erlaubte, sein Herz herauszurei�en.</p><p><emphasis>Wohl Odi</emphasis>, dachte sie. Er war um ihretwillen zur�ckgekehrt. Ihr Bruder, Necahual, hatte ihr erz�hlt, wie er es geschafft hatte, den Drusnier dazu zu bringen, freiwillig in die Tempelg�rten zu treten. Der Krieger hatte sie gew�hlt, die Verr�terin, die ihn zum Tode hatte verf�hren wollen und ihn dann doch nicht ausliefern konnte. Die gefallene Priesterin, deren Leib von Narben entstellt war, war seine Wahl gewesen, als er jedes M�dchen in der Tempelstadt h�tte haben k�nnen. Er war z�rtlich und einf�hlsam zu ihr gewesen. Er hatte gewusst, sie zu retten, war sein Tod. Kein Zapote hatte je f�r sie sein Leben gewagt. Quezalli wusste nicht, was er in ihr sah. Warum er das tat. Sie wusste nur, sie w�rde es niemals herausfinden. F�r sie beide gab es keine Zukunft.</p><p>Ungewohnter L�rm lie� Quetzalli aufblicken. In der H�hle war eine regelrechte Schlacht entbrannt. Was bedeutete das? Die ungew�hnliche Akustik dieses Ortes verzerrte die Ger�usche und lie� sie fern erklingen, doch die fremden Krieger waren schon bis fast auf zweihundert Schritt an die Pyramide herangelangt. Sie bewegten sich entlang des Blutteiches, ohne zu ahnen, in welch t�dlicher Gefahr sie schwebten.</p><p>Volodi hatte ihr erz�hlt, dass er ein Feldherr im K�nigreich Aram gewesen war. War sein K�nig gekommen, ihn zu retten? Dann w�rde noch in dieser Stunde ein Unsterblicher sein Leben verlieren.</p><p>Quetzalli blickte auf den pr�chtigen Opferdolch. Ihre Entscheidung war gefallen. Sie w�rde Volodi befreien und dann wahrscheinlich mit ihm sterben! Der Drusnier spannte seine Bauchmuskeln, um den Kopf, der in den Nacken gebogen war, anzuheben und sie anzusehen. Er sah zu ihr auf. Ohne Angst! Selbst jetzt vertraute er ihr noch. Sie k�nnte ihn niemals verraten.</p><p>Quetzalli w�nschte, sie w�rde seine Sprache beherrschen und ihn darauf vorbereiten k�nnen, was sie jetzt tun wollte. Es musste alles sehr schnell gehen! Sie w�rde seine Handfesseln durchtrennen und dann seine F��e befreien. Die vier Krieger blickten angespannt auf das Kampfgeschehen. Die Fremden hatten die Schlachtreihe der Tempelwachen durchbrochen. An ihrer Spitze k�mpfte ein Mann, der einen pr�chtigen Maskenhelm trug. Er focht wie ein Berserker. Niemand vermochte sich ihm zu widersetzen. Nur eine Handvoll Jaguarm�nner stand jetzt noch zwischen ihm und der Pyramide.</p><p>�T�te ihn, und rufe die Schlange�, befahl der Klingenh�ter hinter ihr.</p><p>Quetzalli hob den Opferdolch.</p></section><section><title><p>Blutige Tr�nen</p></title><p>Artax sah die Priesterin mit dem Dolch auf der Spitze der Pyramide. Sie waren so weit gekommen, und nun war im letzten Augenblick alles verloren. �Ormu!�, rief er aus Leibeskr�ften nach dem Bogensch�tzen aus Garagum und wehrte den Hieb eines Jaguarmanns ab. �Ormu!�</p><p>Die letzten Zapote k�mpften mit dem Mut der Verzweiflung. Artax konnte das nicht verstehen. Die Schlacht war f�r sie verloren, das war offensichtlich. Warum ergaben sie sich nicht? Der Unsterbliche streckte den Jaguarmann vor sich mit einem wuchtigen Hieb nieder. Sein verwunschenes Schwert trennte den Arm ab, den der Krieger zum Schutz erhoben hatte, und drang ihm noch tief in die Schulter. Der Zapote schrie nicht. Er sackte zusammen, und als Artax das Schwert aus der gr�sslichen Wunde zog, kroch er ein St�ck weit zur�ck. Er rief den letzten drei �berlebenden Jaguarm�nnern etwas zu, dabei deutete er auf Kolja, der mit seinen Zinnernen von den G�rten heruntergestiegen und zur Verst�rkung gekommen war. Artax nutzte den kurzen Moment der Sicherheit und wandte sich zu Ormu um. Im selben Augenblick war Ashot an seiner Seite und schirmte ihn mit seinem Schild ab.</p><p>�Schie� auf die Priesterin, Ormu!�</p><p>Der Bogensch�tze hob die Waffe und z�gerte. �Das ist sehr weit.�</p><p>�Schie�!�, befahl Artax. Noch zwei oder drei Herzschl�ge und Volodi w�re tot. Es war die letzte Gelegenheit.</p><p>Ormu hob die Waffe und zog in flie�ender Bewegung die Sehne zur�ck. Er h�rte den J�ger ausatmen. Dann schnellte der Pfeil von der Sehne.</p><p>Artax murmelte gepresst ein Sto�gebet.</p><p>Der Pfeil fand sein Ziel. Die Priesterin wurde von der Wucht des Treffers nach hinten gerissen. Das Messer fiel ihr aus der Hand. Die anderen Zapote auf der Tempelspitze schrien auf.</p><p>�Schie� auf jeden Zapote, der sich Volodi n�hert!�, befahl er Ormu und hob sein von gr�nem Licht umspieltes Schwert hoch �ber den Kopf. �Vorw�rts M�nner, st�rmt den Tempel!� Ohne sich noch einmal umzusehen, rannte Artax los. Sein Herz schlug so schwer wie eine Trommel. Sein Atem ging keuchend, als er die steilen Stufen erreichte, die zum Tempel hinauff�hrten.</p><p>Die letzten �berlebenden Jaguarm�nner hatten sich an das gemauerte Ufer des unheimlichen roten Sees zur�ckgezogen. Die K�mpfe waren zum Erliegen gekommen. Nur die Krieger auf der Tempelspitze schienen entschlossen, noch Widerstand zu leisten. Sie formierten sich dort, wo die Treppe auf die oberste Terrasse der Stufenpyramide m�ndete.</p><p>Pfeile zogen �ber Artax hinweg. Ein Krieger in einer Adlerr�stung wurde in die Brust getroffen und st�rzte die Treppe hinab. Nun standen nur noch drei Zapote vor Volodi.</p><p>Artax blickte kurz �ber seine Schulter. Unmittelbar hinter ihm lief Ashot die Treppen hinauf, dicht gefolgt von etlichen Kushiten. Kolja war bei Ormu geblieben und hatte eine Gruppe Bogensch�tzen um sich geschart. Gerade deutete er mit grimmigem Gesicht auf die Spitze der Pyramide. Die Krieger hoben ihre Waffen.</p><p>�Nein!�, schrie Artax. Sie durften nicht wahllos schie�en. Wenn sie den Opferplatz mit Pfeilen eindeckten, war die Gefahr viel zu gro�, auch Volodi zu treffen. Er schrie, winkte mit den Armen, doch Kolja gab den Sch�tzen ein Zeichen weiterzumachen. Er musste ihn missverstanden haben!</p><p>Artax rannte um Volodis Leben. Stufe um Stufe. Seine Waden brannten. Seine Lungen f�llten sich mit Feuer. Der Maskenhelm drohte ihn zu ersticken. Schwei� rann ihm in die Augen. Er sp�rte, wie seine Gef�hrten zur�ckblieben, wandte sich aber nicht um und hielt den Blick fest auf das Ende der Treppe gerichtet.</p><p>Pl�tzlich st�rzte sich der letzte, noch verbliebene Adlerkrieger von der obersten Terrasse. Er fiel, weitete die Arme, und Fl�gel schwangen auf. Artax hielt staunend in seinem Lauf inne. Der Zapote hatte sich nicht nur in Federn geh�llt, nein, er schien wirklich ein Vogel zu sein! Durch den Schnabel der Helmmaske sah er die dunklen Augen des Kriegers funkeln. Mit kr�ftigen Fl�gelschl�gen gewann er an H�he, schwang sich auf �ber den Opferplatz. Zwei Pfeile verfehlten ihn.</p><p>Artax fasste sich und lief weiter, als er Ashot hinter sich gellend aufschreien h�rte. ��ber Euch, Herr!�</p><p>Als der Unsterbliche aufblickte, krallten sich F�nge aus Obsidian in seinen Maskenhelm. Artax verlor das Gleichgewicht, taumelte zur�ck und riss dabei sein Schwert hoch, um es dem unheimlichen Angreifer in den Leib zu rammen. Die steinernen Krallen brachen, und messerscharfe Splitter drangen durch die Sehschlitze in seinen Helm. Artax blinzelte. Etwas war ihm in die Augen geraten. Hart schlug er auf die Treppe auf und rollte einige Stufen hinab, dabei kreischte der Zapote wie ein Raubvogel. Auch er war gest�rzt und seine Fl�gel zerbrochen.</p><p>Artax blinzelte. Seine Augen tr�nten. Es brannte. Er sah nur noch verschwommen. Sein Schwert war ihm entglitten. Benommen tastete er nach dem Dolch an seinem G�rtel. Er fand den Griff, zog die Waffe und rammte sie dem Vogelmann in die Seite, der auf den Stufen vor ihm lag und nicht aufh�rte, wie ein angriffslustiger Raubvogel zu kreischen. Nichts Menschliches war mehr in diesen Schreien.</p><p>�Er ist tot�, erklang die vertraute Stimme Ashots.</p><p>Artax tastete nach seinen Augen. Seine Handschuhe glitten �ber das Metall des Maskenhelms. Er konnte nicht richtig sehen. Tr�nen rannen ihm die Wangen hinab. Es f�hlte sich an, als sei ihm Salz in die Augen gesch�ttet worden. �Volodi���, stie� er benommen hervor.</p><p>�Dort oben regt sich nichts mehr�, sagte Ashot mit belegter Stimme.</p><p>Artax stemmte sich hoch. Seine Finger streiften den Schwertgriff. Er umklammerte die verwunschene Klinge. Noch immer konnte er nicht richtig sehen. Seine Augen wollten nicht aufh�ren zu tr�nen.</p><p>�Herr���</p><p>Artax blickte auf. Sein R�cken schmerzte vom Sturz. Sein linkes Knie f�hlte sich an, als stecke ein gl�hender Nagel darin. Er blinzelte. Statt eines Gesichts sah Artax nur Schlieren aus zerlaufender Farbe. Er kniff die Augen fest zusammen, z�hlte stumm bis zehn und �ffnete sie wieder, aber es wollte nicht besser werden.</p><p>�Herr, Ihr weint blutige Tr�nen.�</p></section><section><title><p>Die gefiederte Schlange</p></title><p>Der Pfeilhagel hatte aufgeh�rt. Volodi �ffnete vorsichtig die Augen. Er konnte nur flach atmen. Mit jedem Heben und Senken seiner Brust peinigte ihn ein stechender Schmerz. Ein Pfeil ragte aus seiner rechten Brusth�lfte. Zwischen seinen Rippen hindurch hatte er sich in sein Fleisch gegraben. Ein zweiter Pfeil steckte in seinem rechten Oberschenkel. Um ihn herum war alles voller Blut. Drei tote Krieger lagen um den Opferstein, gebettet in ihre bunten Federm�ntel. Ein Pfeil hatte seine linke Fu�fessel durchtrennt, und Volodi hatte die Gelegenheit genutzt, sich vom Altarstein zu w�lzen, w�hrend der schwarz bemalte Priester, der Quetzallis Messer aufgenommen hatte, von mehreren Pfeilen getroffen worden war.</p><p>Quetzalli, dachte Volodi verzweifelt. Sie war die Erste gewesen, die ein Pfeil getroffen hatte. Warum sie? Er hatte es in ihrem Blick gesehen. Sie h�tte ihm niemals etwas zuleide getan. Sie hatte nach einem Fluchtweg f�r sie beide gesucht. Quetzalli!</p><p>Er zerrte an der rechten Lederfessel. Dadurch, dass er am Boden lag, hatte er etwas mehr Spielraum, sich zu bewegen. Volodi nahm einen der zersplitterten Pfeile, die um ihn herumlagen und begann, mit dessen verbogener Bronzespitze das Lederband zu bearbeiten, das ihn an den goldenen Ring im Boden fesselte.</p><p>Pl�tzlich fiel ein Schatten auf ihn. Ein hochgewachsener Krieger, dessen Gesicht unter einem Maskenhelm verborgen war, �ber den rote Tr�nen rannen. Ein Krieger mit hagerem, unrasiertem Antlitz st�tzte den Unsterblichen. Aaron und Ashot!</p><p>�Helft mir!� Volodi bezahlte f�r den Ruf mit einem schmerzhaften Stich in der Brust.</p><p>Mit raschen Schwerthieben durchtrennte Ashot die Fesseln. �Du lebst�, sagte der Bauer erleichtert. �Aber der Pfeil in deiner Brust��. Das sieht �bel aus.�</p><p>Volodi h�rte gar nicht hin. Was war mit Aaron? �Geht mich sich gut!�, sagte er entschieden und k�mpfte seinen Schmerz nieder. Er setzte sich auf und versuchte, auf die Beine zu kommen. Er ben�tigte beide H�nde, um sich am Opferstein hochzuziehen. Wo war Quetzalli?</p><p>Er entdeckte sie halb begraben unter dem Leichnam des schwarzbemalten Priesters. Auf den Opferstein gest�tzt, schleppte er sich voran. Er blickte auf den Pfeil in seiner Brust. Er steckte in einer Rippe. Er hatte Gl�ck gehabt�� ein Fingerbreit tiefer, und das Geschoss h�tte sein Herz durchbohrt. Er griff nach dem Schaft, war aber von dem Blutverlust zu geschw�cht, um ihn durchbrechen zu k�nnen. Wenn er hier lebend herauskam, w�rde er sich schnell wieder erholen. Hoffte er��</p><p>Endlich erreichte er Quetzalli. Volodi kniete bei ihr nieder und schob den Priester von ihrem zerbrechlichen Leib. �Quetzalli�, rief er, und Tr�nen liefen ihm �ber die Wangen. Ihr Gesicht war ganz mit Blut verschmiert, eine Hand umklammerte den Pfeil in ihrer Brust.</p><p>Quetzallis Augenlider flatterten. Ihre Lippen formten ein Wort. �Wohl���</p><p>�Ich bin hier!�, sagte er aufgeregt.</p><p>Sie tat einen tiefen Seufzer. Ihr Blick wurde klarer. Sie tastete �ber ihre Brust.</p><p>Volodi sah, dass eines der Jadepl�ttchen ihres schweren Halsschmucks zersplittert war. Der Pfeil war darunter nicht tief in ihre Brust gedrungen. Der pr�chtige Priesterschmuck hatte sie wie eine R�stung vor dem t�dlichen Treffer bewahrt.</p><p>�Er hat die Priesterin aufgehoben, die Ormu mit seinem Pfeil niedergestreckt hat�, h�rte Volodi Ashots Stimme hinter sich. �Ich versteh das nicht. Sie wollte ihm doch das Herz aus der Brust schneiden���</p><p>�Sich mich retten wollte!�, rief Volodi aufgebracht.</p><p>�Geht es ihr gut?� Es waren die ersten Worte, die der Unsterbliche sprach. Seine Stimme war leise und beherrscht, so als k�mpfe auch er gegen einen Schmerz an. Volodi sah das Blut, das vom Kinn der Maske tropfte. Seine Augen! �Was ist sich geschehen?�</p><p>Quetzalli stie� einen Schrei aus und deutete auf die Krieger des Unsterblichen, die sich auf dem Schlachtfeld am Ufer des Blutsees nach ihren Verwundeten umsahen. Keiner von ihnen bemerkte, wie sich die letzten �berlebenden Jaguarm�nner anschlichen. Die Zapote ergriffen einen gro�en, blonden Speertr�ger, der sich ein St�ck weit von der Gruppe entfernt hatte. Volodi sah, wie einer von ihnen dem armen Kerl eine Krallenfaust in die Brust rammte und ihm das Herz herausriss.</p><p>Quetzalli redete aufgeregt in ihrer Sprache auf ihn ein und deutete zu der Treppe an der R�ckseite des Tempels.</p><p>Die Jaguarm�nner wurden nun von allen Seiten von Aarons Kriegern angegriffen. Der Zapote, der das blutige Herz in H�nden hielt, warf das grausige Opfer in den See.</p><p>Quetzalli war inzwischen auf den Beinen. Sie zog sich Volodis rechten Arm �ber ihre Schulter und m�hte sich ab, ihn zur Treppe zu bringen.</p><p>�Die Kerle sind so gut wie tot�, sagte er beruhigend, doch Quetzalli sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Du musst dir keine Sorgen machen, Liebste.�</p><p>�Da ist eine Welle�, h�rte er Ashot hinter sich sagen. Neugierig sah Volodi zum See zur�ck.</p><p>Etwas hob sich aus dem Wasser. Gro� wie eine Insel. L�nglich. Gold funkelte im unnat�rlichen Licht der H�hle. Volodi hatte das Gef�hl, sein Herz setze zu schlagen aus, als er erkannte, was da dem roten See entstieg: eine riesige Schlange mit goldenem Kopf. Ein Ungeheuer wie jene Kreatur, die die Zapote anbeteten. Die Gefiederte Schlange. Es gab sie wirklich!</p><p>Der Schlangendrache warf sich auf das Ufer des Blutsees, und die ganze H�hle erbebte unter dem Gewicht des Aufpralls. Aarons Krieger stoben schreiend auseinander. Die Gefiederte Schlange war entsetzlich schnell! M�helos holte sie die Fliehenden ein, zerfetzte sie mit ihren Krallen und den silbern funkelnden Rei�z�hnen. Volodi sah, wie ein Bogensch�tze seines Streitwagengeschwaders durchgebissen wurde, sodass nur ein St�ck Rumpf und die Beine �brig blieben.</p><p>Der Schlangendrache metzelte die Krieger nieder, wie man Fliegen an einem schw�len Sommertag erschl�gt. Aber er setzte den Fliehenden nicht lange nach. Nach wenigen Schritten schon hob er den Kopf, als w�rde er Witterung aufnehmen. Dann wandte er sich ab, kroch tiefer in die riesige Grotte, die sich in blaugrauem D�mmerlicht verlor. Es schien, als wolle er zum Herzen der Erde kriechen.</p></section><section><title><p>Kristalle</p></title><p>Lyvianne sah zur H�hlendecke, die sich im blaugrauen D�mmerlicht verlor. Das Zwielicht machte es schwer, Entfernungen zu sch�tzen. Wie hoch war sie wohl? Dreihundert Schritt? Vierhundert? Mehr? Nie zuvor hatte sie sich so klein und unbedeutend gef�hlt. Dieser Ort war nicht f�r Elfen geschaffen.</p><p>Die Sieben waren auf dem Weg zu etwas, das selbst Alben und Devanthar gef�rchtet hatten. Etwas, das die verfeindeten Weltensch�pfer dazu gebracht hatte, ein einziges Mal gemeinsam zu k�mpfen. Und sie sollten es nun entfesseln. Bislang hatte Lyvianne sich die Riesin nicht wirklich vorstellen k�nnen. Sie hatte an ein gro�es Gesch�pf gedacht. Plump und ungeschlacht wie die Menschenkinder und gro� wie ein Turm. Aber Nangog musste viel mehr sein. Sie hatte die Welten Daia und Albenmark erbaut. Wie gro� war eine Kreatur, die Berge erschuf? War sie vielleicht nicht einmal aus Fleisch und Blut? Eine Naturgewalt, die eine Form angenommen hatte? Ihr ging auf, wie naiv sie gewesen war. Nangog war gewiss kein plumper, riesiger Mensch. Sie konnte jede Gestalt haben!</p><p>Die Drachenelfe blickte zu Manawyn zur�ck. Hier zu sein hatte ihn schrumpfen lassen. Zu sehen, wie er den Kopf der toten Elfe k�mmte, hatte ihn entzaubert. Er war nicht der, f�r den sie ihn gehalten hatte, als sie ihn aus dem Stein befreite. Er hatte Schw�chen. Sein Blick kehrte immer wieder in die Vergangenheit zur�ck. Sein K�rper mochte die Jahrhunderte �berstanden haben, aber sein Herz war gestorben, als seine Gef�hrten fielen. Immer wieder wandte sich der schwarzhaarige Elf um. Er dachte nicht an Nangog. Er f�rchtete allein das Ungeheuer, das die Devanthar erschaffen hatten.</p><p>Schweigend stiegen sie immer weiter in die Tiefe. Der Boden der H�hle war sanft abfallend. Wie lang war der Weg, der vor ihnen lag? All ihre Gef�hrten wirkten bedr�ckt. Vor ihnen lag Nangog, hinter ihnen der Schlangendrache, der Manawyn besiegt hatte�� sie waren dem Untergang geweiht. Die Himmelsschlangen hatten sie geopfert!</p><p>Lyvianne wurde sich bewusst, dass sie ihr eigenes Ziel niemals erreichen w�rde, vollkommene Kinder zu geb�ren. Sie sah zu Gonvalon, der sich nah bei Nandalee hielt. Er ahnte nicht, wer seine Mutter war, ahnte nicht, dass er in der Wei�en Halle jahrelang an ihrer Seite gelebt hatte. Vielleicht hatte sie ihre Kinder an den falschen Ma�st�ben gemessen? Sie hatte ihn im Schnee zur�ckgelassen, damit er starb. Aber er war st�rker gewesen, als sie erwartet hatte. Die Gabe des Zauberwebens war nicht m�chtig in ihm gewesen. Er war keine jener Lichtgestalten, die in ihren Tr�umen eines Tages die Nachfolge der Alben antreten w�rden. Elfen, die eine Macht in sich versammelten, die sie �ber alle anderen Gesch�pfe Albenmarks stellte. Sie w�rden gerechte Herrscher sein und eine Welt der Sch�nheit und Harmonie erschaffen.</p><p>Sie h�tte gerne Nandalee als ihre Sch�lerin gehabt. Sie war von ihnen allen am n�chsten an jenem Ideal, von dem Lyvianne tr�umte. Wenn sie nur nicht so eine unbeherrschte Barbarin w�re! Sie folgte viel zu sehr ihren Gef�hlen. Daraus konnte nichts Gutes erwachsen. Weise Entscheidungen wurden mit Bedacht getroffen, nicht auf der Grundlage von Emotionen. Aber vielleicht w�rde sie das noch lernen�� Lyvianne l�chelte. Nein, eher nicht.</p><p>Auch Nodon war nahe an dem Ideal, dem sie so lange schon folgte. Vielleicht etwas zu beherrscht. Lyvianne erlaubte sich, durch ihr Verborgenes Auge seine Aura zu studieren. Er war vollkommen in Harmonie mit sich und dieser fremden Welt. Er haderte nicht mit seinem Schicksal, ging ohne Furcht dem entgegen, was sie hier erwartete. War das Mut oder einfach nur ein Mangel an Fantasie?</p><p>Bei allen anderen sah sie Spuren von Furcht in ihrer Aura. Vor allem bei Bidayn und Manawyn. Der erste Meister ging hinten. Er hatte seine alte Kraft nicht wiedererlangt. Seine Aura war unstet wie ein Kerzenlicht im Wind.</p><p>Am st�rksten strahlten die Auren von Gonvalon und Nandalee. Sie waren miteinander verschmolzen. Nicht einfach �berlagert, wie es geschah, wenn man dicht beieinanderging. Ihnen wohnte eine Harmonie inne, die sie gleich sein lie�. War das Liebe?</p><p>In Eleborn hingegen brannte eine kalte, beherrschte Wut. Er hatte den Tod des Himmlischen nicht verwunden. Es war gut, dass er hier unten war, als Teil dieser Mission, von der es keine Wiederkehr geben konnte. Wohin h�tte er gehen sollen in Albenmark? Ein Drachenelf, der seine Himmelsschlange verloren hatte�� Das hatte es noch nie gegeben. Daraus konnte nichts Gutes erwachsen.</p><p>Sie dachte an all ihre Kinder, deren Seelen sie hatte fliegen lassen, damit sie ein langes Leben in einer unvollkommenen, fleischlichen H�lle �berspringen konnten und einen Schritt weiter im Zyklus aus Tod und Wiedergeburt gingen. Wie viele von ihnen waren bereits zur�ckgekehrt? H�tten sie das Opfer verstanden, das sie ihnen gebracht hatte?</p><p>Ein seltsames Funkeln riss sie aus ihren Gedanken. Aus der Decke hoch �ber ihnen ragte ein gr�ner Kristall. Er musste gro� wie der Stamm einer hundertj�hrigen Eiche sein, wenn sie ihn von hier unten so deutlich sehen konnten. Auch an den H�hlenw�nden befanden sich nun Einsprengsel aus gr�nem Kristall. Was hatte es damit auf sich?</p><p>Ihr Verborgenes Auge enth�llte Lyvianne eine Aura aus goldenem Licht, das den riesigen Kristall pulsierend umh�llte. Er war lebendig, dachte Lyvianne �berrascht. Das war anders als in Albenmark. Auch dort war alles in das magische Netz eingebunden, doch Steine und Metalle waren tot.</p><p>Weit hinter ihnen war ein dumpfes Ger�usch zu vernehmen, und der Boden unter ihren F��en erzitterte.</p><p>�Er kommt!�, rief Manawyn. �Er wei�, dass wir hier sind.�</p><p>�Lauft!�, befahl Nandalee und verfiel in den ausdauernden Trab der J�ger.</p><p>Bidayn war sehr blass. Lyvianne konnte sich gut vorstellen, was in ihrer Sch�lerin vorging. Die junge Elfe wusste, dass sie die schlechteste L�uferin von ihnen allen war. Sie w�rde bald zur�ckfallen.</p><p>�Ich bin bei dir�, sagte Lyvianne. �Du wirst nicht allein sein, Bidayn. Und dies ist nicht das Ende. Ich habe dir eine neue Haut versprochen. Und ich stehe zu meinem Wort.�</p><p>Die H�hlenw�nde ver�nderten sich. Immer h�ufiger waren die Kristalle nun zu sehen. In allen Gr��en wucherten sie nicht mehr nur an der Decke und den W�nden, sondern auch auf dem Boden, sodass ihr Weg immer beschwerlicher wurde. Immer wieder mussten sie den Kristallen ausweichen. Manche waren fein wie Grashalme und splitterten unter ihrem Schritt. Andere so dick wie Finger. Sie wurden m�chtiger, je weiter sie vordrangen.</p><p>Bald versperrten sie ihnen den Weg und lie�en kaum noch ein Durchkommen zu. L�ngst war es nicht mehr m�glich zu laufen. Sie stiegen �ber klare gr�ne S�ulen hinweg, duckten sich unter kristallenen Bl�ten, m�chtig wie Pferdeleiber.</p><p>�Ich halte ihn auf!�, sagte Manawyn pl�tzlich. �Es ist mein Schicksal, ihm gegen�berzutreten.�</p><p>Nandalee nickte z�gernd. Auch sie wusste, dass es kein Zur�ck mehr gab.</p><p>�Ich bleibe bei dir�, erkl�rte Nodon. �Es wird mir eine Ehre sein, von dir zu lernen, Meister.�</p><p>Er ist auf der Suche nach einem guten Tod, dachte Lyvianne. Vielleicht sollte ich es auch so machen.</p><p>�Ihr anderen folgt mir!�, befahl Nandalee in einem Tonfall, als w�sste sie ganz genau, was vor ihnen lag.</p><p>Lyvianne entschied, dass sie die G�ttin sehen wollte. Jene Kreatur, die Alben und Devanthar so sehr gef�rchtet hatten, dass sie ein B�ndnis schmiedeten.</p><p>Der Kristallwald wuchs nun ohne Ordnung. Und auch die Bezeichnung Wald vermochte nicht wirklich zu beschreiben, wodurch sie sich bewegten�� wuchsen in einem Wald die B�ume doch von der Erde dem Himmel entgegen. Hier aber wucherten die Kristalle in allen Winkeln und Richtungen, dabei waren sie so gro�, dass sie Lyvianne, wie auch schon die H�hle selbst, das Gef�hl vermittelten, v�llig unbedeutend zu sein.</p><p>In einem der besonders gro�en Kristalle war ein Schatten eingeschlossen. Ein l�nglicher Leib, ihrem eigenen nicht un�hnlich, nur gr��er, fast wie ein Troll, dabei aber feingliedriger. Was war das? Eine solche Kreatur hatte Lyvianne noch nie gesehen.</p><p>Bald sah sie weitere Schatten. Auch ver�nderte sich die Struktur des Chaos hin zur Ordnung. Es schien nun, als seien die S�ulen �hnlich wie Bienenwaben angeordnet. Doch eine jede von ihnen war besch�digt, und Lyvianne sp�rte, dass das, was auch immer darin gewachsen war, seit Langem nicht mehr lebte.</p><p>Nandalee blieb unvermittelt stehen. Lyvianne sah an ihr vorbei. Sie hatten einen Ort erreicht, an dem es keinen festen Boden mehr gab��Vor ihnen erstreckte sich Zwielicht, weit wie ein Himmel. Einzelne der Kristalls�ulen wuchsen in den freien Raum hinein. Sie hatten die Innenseite der Hohlwelt erreicht. So weit das Auge reichte, gab es entlang der Wand nur noch wuchernde Kristalle. Viele in Wabenstrukturen angeordnet. Sie erinnerten an S�rge aus smaragdgr�nem Glas, und in einem jeden lag ein l�nglicher Schatten. Nangog hatte sich ihre eigenen Kinder erschaffen, doch sie waren niemals geboren worden.</p><p>Nandalee erstieg einen Kristall, der weit in die Leere des Zwielichts hinausreichte. �Das letzte St�ck des Weges muss ich alleine gehen. Sollte ich in einer Stunde nicht zur�ck sein, dann flieht. Dann gibt es keine Hoffnung mehr.� Mit diesen Worten lie� sie sich mit weit ausgebreiteten Armen r�ckw�rts in die Leere fallen.</p></section><section><title><p>Nangog</p></title><p>Nandalee sah, wie Eleborn und Lyvianne Gonvalon zur�ckhielten. Sie hatte ihm nichts von ihrem Plan erz�hlt. Er h�tte niemals zugelassen, dass sie sich dem Abgrund anvertraute. Das Letzte, was sie von ihrem Geliebten sah, waren der Schrecken und der Schmerz in seinem Antlitz. Sie w�nschte, sie h�tte auf andere Art gehen k�nnen. Schon als sie den Blutsee erblickt hatte, war ein Bild in ihrem Inneren erstanden: der Befehl zu springen, verbunden mit der Gewissheit, dass dies der einzige Weg war, um zu Nangog zu gelangen.</p><p>Ihre Gef�hrten und dann auch die himmelweiten Kristallw�nde verschwanden im Zwielicht. Nandalee verlor jedes Gef�hl f�r Zeit und Raum. Ihr Sturz schien endlos zu dauern. Sie schlang die Arme um ihre Brust, wappnete sich f�r den Aufprall. Sie sp�rte, dass sie hier keinen Zauber mehr zu weben vermochte.</p><p>Da war etwas, das jegliche Magie einfach in sich aufnahm. Der Bann, den Devanthar und Alben gemeinsam auf Nangog gelegt hatten, verhinderte jeden weiteren Zauber. Und doch f�hlte Nandalee die Macht der Riesin mit jedem Herzschlag deutlicher.</p><p>Ihr Sturz wurde langsamer. Nandalee sah nach unten. Etwas Dunkles, Drohendes zeichnete sich im Zwielicht ab. Sie streckte die Arme aus und zog die Beine an. Ihre Fluglage �nderte sich. Nun st�rzte sie mit den F��en voran dem Dunkel entgegen. Ihr Fall verlangsamte sich weiter. Als sie auf der schwarzen Ebene landete, war ihr Aufprall nicht h�rter, als sei sie von einer niedrigen Mauer gesprungen.</p><p>Der Boden unter ihr federte leicht nach. Eine d�nne, hellgraue Schicht, wie schmutziger Gips, der aus den Fugen alter, feuchter W�nde sickerte, lag auf der Ebene. Jetzt bildeten sich Risse im Gips. Verwundert sah Nandalee sich um. Sie konnte keine Spur von der gefesselten G�ttin entdecken.</p><p><emphasis>Ich bin hier</emphasis>, erklang eine Stimme in ihren Gedanken. <emphasis>Und ich wei�, warum du gekommen bist. Doch deine Gebieter haben nicht erkannt, welches Unrecht sie getan haben. Sie bereuen nicht. Sie schicken dich, weil sie darauf hoffen, dass ich ihnen helfen werde. Sage ihnen, ich habe nichts vergessen, und ich werde ihnen nicht vergeben.</emphasis></p><p>Nandalee griff nach dem Amulett an ihrem Hals. Es lag kein Hass in der Stimme. Sie war n�chtern, unerbittlich wie die Flut eines gro�en Stroms, der �ber die Ufer trat, ohne Zorn eine Stadt davonsp�lte und Hunderte Leben ausl�schte, ohne dabei etwas zu empfinden. Nangog war eine in Fesseln geschlagene Naturgewalt. Und sie, Nandalee, war hierhergekommen, um dieser Gewalt wieder Freiheit zu schenken. W�re Nangog ein Fluss, dann w�re sie, Nandalee, jemand, die heimt�ckisch die D�mme durchstach, um den Fluten freien Lauf zu schenken.</p><p>Die Risse im Gips unter ihren F��en weiteten sich. Er zerbrach in Tausende Schollen, die auf der schwarzen Fl�che zu treiben begannen.</p><p><emphasis>Ich sp�re mein Herz. Gib es frei, dann darfst du gehen. Dir und deinen Gef�hrten schenke ich zwei Stunden. So lange will ich warten, bis ich beginne. Lauf, Nandalee! Du hast ganz und gar begriffen, was du in diesem dunklen Spiel bist. Gib mir mein Herz und flieh!</emphasis></p><p>�Du musst sie nicht alle t�ten�, sagte Nandalee beklommen. �Sie werden begreifen���</p><p><emphasis>Du begreifst nicht, was ich tun werde. Tu, weswegen du geschickt wurdest. Wie lange wirst du leben, wenn ich und die Himmelsschlangen dir z�rnen? Willst du zu den Devanthar fl�chten? Du, die Elfe, die ihr Reich auf Nangog aus den Angeln gehoben hat. Erf�lle deine Mission! Es ist nicht deine Aufgabe, dir Gedanken zu machen. Das haben jene getan, die dich geschickt haben.</emphasis></p><p>Nandalee nahm das Bleiamulett vom Hals, in dem Nangogs Herz verborgen war, und hielt es hoch. �Du bist mit einem Bann belegt. Du kannst dich nicht r�hren. Du brauchst mich, damit ich dein Herz an den richtigen Platz bringe.�</p><p><emphasis>Ich kann mich nicht r�hren?</emphasis> Nangog lachte auf, und ein pl�tzlicher Luftzug riss Nandalee fast von den Beinen. Der Boden unter ihren F��en erzitterte. Er war ganz nass geworden. Das Wasser stieg schnell h�her. Die Elfe sah auf. Vom Horizont her eilte ihr eine Mauer entgegen, so weit ihr Blick reichte. Nandalee wandte sich um, wollte fliehen, doch auch von der anderen Seite schnellte ihr eine Mauer entgegen. Vielleicht zehn Schritt hoch, von matter, wei�er Farbe, durch die sich blassblaue Adern zogen.</p><p><emphasis>Ich k�nnte dich einfach zerquetschen.</emphasis> Die Mauern hielten an. Sie waren keine zwanzig Schritt mehr voneinander entfernt.</p><p><emphasis>Ein Lidschlag, und du bist tot.</emphasis></p><p>�Wenn ich sterbe, wer wird dann das Kleinod aus der Bleih�lle befreien?� Nandalee sah auf die hellen W�nde und den mit Wasser bedeckten, schwarzen Boden. Sie wusste jetzt, wo sie war!</p><p><emphasis>Du glaubst, ich k�nnte mir mein Herz nicht holen? Wie naiv!</emphasis> Die W�nde r�ckten n�her auf Nandalee zu.</p><p>�Ich wei�, wo ich bin! Du bist gel�hmt. Der Zauber ist nicht gebrochen. Das Einzige, was du bewegen kannst, sind deine Lider. Ich wei�, ich stehe auf einem deiner Augen, das ein Zeitalter lang reglos in Apathie ins Zwielicht geblickt hat. Wenn ich hier sterbe, wird vielleicht ein weiteres Zeitalter vergehen, bevor jemand kommt, das Amulett aufzuheben.� Nandalee dachte an die Tiefe Stadt, daran, wie sie im Dienst der Himmelsschlangen geholfen hatte, die Zwergenmetropole auszul�schen. Das sollte sich nicht wiederholen! Sie verachtete die Menschenkinder daf�r, wie gedankenlos sie ihre Umwelt zerst�rten, f�r ihre Grausamkeit und all die ungeheuerlichen Dinge, die sie im Namen ihrer G�tter taten. Und dennoch, sie waren wie Kinder. Nicht <emphasis>sie</emphasis> sollte der Zorn Nangogs treffen. Die Devanthar waren es, die ihren Kindern den Weg in diese Welt ge�ffnet hatten, wohl wissend, was geschehen w�rde.</p><p>Die mauerhohen Lider wichen zur�ck und verschwanden im Zwielicht. <emphasis>Du setzt dich f�r die Menschenkinder ein? Du, eine Drachenelfe? Hast du meine Kinder gesehen, als du hier hinabgestiegen bist?</emphasis></p><p>Nandalee wusste nicht, was Nangog meinte.</p><p><emphasis>Die Schatten in den Kristallen. Sie waren kurz davor zu schl�pfen, als die Devanthar und die Alben kamen. Nur zehntausend sollten es sein. Nicht zu viele, um zur Last f�r meine Welt zu werden. Voller Bangen und Hoffen habe ich sie wachsen sehen. Ich habe ihre Seelen geformt: edel, mit Respekt vor allem, was lebt. Ihre Seelen konnte ich retten, als ihre K�rper starben. Sie wurden die Gr�nen Geister. Es war meine letzte Tat, bevor mich der Bann der Alben und Devanthar fesselte, sie mein Herz herausschnitten und zugleich verhinderten, dass ich starb. Nur meine Augen konnte ich noch bewegen. Ich sollte sehen, wie sie meine</emphasis> Brut <emphasis>ausl�schten, so nannten sie meine Kinder. Und nun sag mir, Nandalee, welche Gr�nde h�tte ich, die Menschenkinder zu schonen, die auf der Welt leben, die meinen Kindern vorenthalten wurde?</emphasis></p><p>�Nur einen�, entgegnete Nandalee leidenschaftlich. �Du bist nicht so grausam wie die Alben und Devanthar. Die Menschenkinder wissen nicht, wozu sie missbraucht werden. T�te sie, und du bist nicht anders als jene, die deine unschuldigen Kinder gemordet haben.�</p><p><emphasis>Deine Zunge ist gef�hrlicher als dein Schwert. Und dein Mut grenzt an Wahnsinn. Du bist weniger als ein Staubkorn auf meinem Auge und forderst mich heraus? Was ist mit jenen, die dir geholfen haben hierherzugelangen? Der Wurm, dem die Devanthar einen goldenen Kopf gaben, wird bald Manawyn und Nodon erreichen. Er wird sie beide t�ten. Ich aber k�nnte ihn aufhalten, Nandalee, wenn du mir mein halbes Herz gibst. Tust du es nicht, wird auch der Kristallgarten den Wurm nicht aufhalten. Er wird zu deinen anderen Gef�hrten vorsto�en. Sie alle werden mit ihrem Leben f�r dein Z�gern bezahlen. Sind die Menschenkinder es wert, dass du deinen Liebsten opferst?</emphasis></p><p>�Was wirst du den Menschenkindern antun?�</p><p><emphasis>Ich werde ihre St�dte von den H�ngen meiner Berge sto�en. Ich werde die Erde beben lassen, bis auch der Letzte von ihnen unter Tr�mmern begraben ist. Ich werde die Fl�sse und Meere �ber die Ufer treten lassen und sie ertr�nken. Ich werde die Wolkensammler alle Schiffsbesatzungen meucheln lassen. Die B�ume werden jene w�rgen, die sich in meine W�lder gewagt haben. Meine ganze Welt wird gegen sie k�mpfen. Zuletzt auch meine Kinder. Ich werde ihnen K�rper schenken. Nicht jene, in die sie h�tten geboren werden sollen. Ich werde K�rper suchen, die schon existieren und die Gr�nen Geister mit ihnen verschmelzen lassen. Sie werden vielerlei Gestalt haben. Nur eines wird ihnen allen gemein sein, der Hass auf die Menschenkinder. Ich werde mir meine Welt zur�ckerobern. Ich werde��</emphasis> Sie hielt kurz inne. <emphasis>Der Wurm hat Manawyn erreicht, und dein Gef�hrte h�lt einzig ein Bronzeschwert, das die Menschenkinder erschaffen haben, in H�nden. Ich glaube nicht, dass ich ihn noch retten kann. Um der anderen willen, entscheide dich, Nandalee. Schnell!</emphasis></p><p>Stimmte es, was die Riesin behauptete? Sie hatten den Drachen nicht gesehen, und kurz nach ihnen mussten Hunderte Menschenkinder in die gro�e H�hle gest�rmt sein. W�rde er nicht zun�chst gegen sie k�mpfen? �Verschone ihre St�dte!�</p><p><emphasis>Nein! Ich werde sie f�hlen lassen, dass ich erwacht bin, und selbst wenn du mich nicht aus meinen Fesseln befreist, so habe ich doch die Macht, meine Gesch�pfe, ja, meine ganze Welt gegen sie k�mpfen zu lassen. Gibst du mir mein halbes Herz, habe ich mehr Freiheiten zu w�hlen, auf welche Art ich k�mpfe. Dann kann ich die Unschuldigen verschonen. Doch wisse, es sind nur wenige, die ohne Schuld sind. Ich werde nur jene�� Oh, dieser Manawyn ist tapfer�� Aber er hat seine alte Kraft nicht wiedererlangt. Dieser Kampf wird nicht so lange dauern, wie sein erstes Duell mit dem Wurm.</emphasis></p><p>Nandalee setzte sich. Ihr Herz war zerrissen, aber sie war entschlossen, sich nichts anmerken zu lassen. Sie wollte nicht noch einmal die Mitschuld an einem Massaker tragen. Nicht, wenn sie es verhindern konnte.</p><p><emphasis>Dir bedeutete Manawyn wohl nicht viel? Und Nodon? Manawyn ist nun verwundet. Ich glaube, er will sterben. Nodon hingegen will leben. Und Bidayn? Oder Eleborn, Lyvianne und Gonvalon? Willst du sie alle opfern? Ich habe ein Zeitalter lang auf Erl�sung gewartet. Ich habe Geduld gelernt.</emphasis></p><p>Woher kannte die Riesin ihrer aller Namen?</p><p><emphasis>Du tr�gst noch immer einen meiner Geister in dir, Nandalee. Auch wenn er sich nicht ger�hrt hat, ist er noch da. Ich wei� alles von dir. Ich kenne deine innersten Geheimnisse, die selbst vor den Himmelsschlangen verborgen sind, denn ein Teil von mir ist in dir. Ich wei� um das, was dieser garstige rote Drache zu dir gesagt hat. Du wirst jene verraten, die dir am meisten bedeuten, so wie du jetzt Manawyn und Nodon durch dein Z�gern verr�tst. Dies ist meine Welt. Ich bin mit ihr auf eine Art verbunden, die du dir nicht einmal vorzustellen vermagst. Hier bleibt nichts vor mir verborgen. Die Gr�nen Geister sind meine Augen. Die Kristalle, die ich in Jahrtausenden habe wachsen lassen, sind meine Nerven und Sehnen. Ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst. Ich vermag zu sehen, aber kaum einzugreifen. Aber ich bin eine G�ttin, Nandalee. Versuche nicht, mich zu verstehen. Ich entziehe mich dem Verst�ndnis eines einfachen Albenkindes. H�re auf, mit mir zu feilschen! Rette deine Gef�hrten. Das schuldest du ihnen. Den Menschenkindern aber schuldest du nichts.</emphasis></p><p>Nandalee blieb sitzen, das Amulett fest in ihrer Faust. Sie wollte sich nicht so leicht geschlagen geben. Sie hielt buchst�blich das Leben Tausender in der Hand. �Ich hatte gedacht, du seiest anders, g�tiger�� Aber du bist, was andere aus dir gemacht haben. Du hast dich verloren in Hass und Einsamkeit.�</p><p><emphasis>Ich kann in dir lesen, Nandalee. Ich kenne jeden deiner Gedanken. Wie kannst du glauben, du k�nntest mich t�uschen? Und wie kannst du mir Vorhaltungen machen? Hast du nicht einst einen Trollprinzen nur deshalb get�tet, weil er den Hirsch erlegte, dem du so lange durch den Schnee gefolgt warst? Wie unbedeutend war seine Tat im Vergleich zu dem, was mir und meinen Kindern angetan wurde. Und du willst mich um meine Rache bringen?</emphasis></p><p>�Ich habe erfahren m�ssen, welchen Preis Rache hat. Meine Sippe wurde ausgel�scht. Alle, die mich in meiner Kindheit und Jugend begleitet und mir Liebe geschenkt haben, sind tot. Tot wegen eines einzigen unbeherrschten Augenblicks. Du sagst, du kannst in mir lesen? Sieh genau hin! Sieh, was mir meine Rache gebracht hat! Glaubst du, die Devanthar werden tatenlos zusehen, wenn du ihre Kinder mordest? Sie werden gegen dich vorgehen. Gegen das, was noch geblieben ist. Aus Rache wird nur Rache geboren werden. Du kannst dies verhindern! Du bist es, die nun �ber die Zukunft entscheidet!�</p><p><emphasis>Manawyn ist tot</emphasis>, sagte die Stimme in Nandalees Kopf, und sie sp�rte die Trauer der Riesin. <emphasis>Nodon fl�chtet. Auch er wird sterben.</emphasis></p><p>Nandalees Faust schloss sich noch fester um das Amulett. Sie konnte sp�ren, dass Nangog nicht gelogen hatte. Der Erste Meister war gegangen. Er war ihr unheimlich gewesen, aber sie hatte kein Recht gehabt, ihn zu opfern. Sie dachte an die Gef�hrten. Sie konnte sie retten��</p><p><emphasis>Du wirst nicht nachgeben, nicht wahr? Du w�rdest einfach auf meinem Auge sitzen bleiben und auf deinen Tod warten, wenn ich nicht auf deine Forderungen eingehe.</emphasis></p><p>Nandalee nickte, denn ihre Stimme versagte ihr, str�ubte sich dagegen, das Todesurteil f�r Gonvalon und die anderen zu sprechen.</p><p><emphasis>Ich werde nicht darauf verzichten, die Menschenkinder zu vertreiben. Ich werde sie warnen, dass ich erwacht bin. Die Erde wird erzittern, und meinen Kindern werde ich Leiber geben, die es ihnen</emphasis><emphasis>erlauben werden, die Menschen zu bek�mpfen. Aber die Brut der</emphasis><emphasis>Devanthar soll Gelegenheit haben, sich von meiner Welt zur�ckzuziehen. Mehr werde ich dir nicht bieten, Nandalee. Dies ist meine Welt, und ich werde nicht mein Recht aufgeben, Eindringlinge zu vertreiben.</emphasis></p><p>Nandalee �ffnete die Hand. Sie hatte die eiserne Entschlossenheit der Riesin deutlich gesp�rt. Sie wusste, dass es keinen Spielraum mehr f�r weitere Verhandlungen gab. Im Grunde hatte sie gar kein Recht, irgendetwas zu fordern. Die Himmelsschlangen hatten sie geschickt, um die Menschenkinder und Devanthar auf Nangog zu bek�mpfen, bevor sie den n�chsten Schritt wagten und auch noch Albenmark angriffen. Wie sollte sie da der Riesin verbieten, gegen jene Invasoren vorzugehen, die ihre Welt zerst�rten?</p><p>Die Elfe faltete das Bleiblech auf, in das die Himmelsschlangen Nangogs halbes Herz gebettet hatten. Es war ein von innen heraus gl�hender Smaragd. Ein wundersch�ner Stein, in dessen Facetten tausend Lichter zu tanzen schienen.</p><p>Die Riesin tat einen langen Seufzer. Pl�tzlich wurde Nandalee wie von Geisterhand emporgehoben. <emphasis>Ich sp�re meine Kraft zur�ckkehren</emphasis>, frohlockte Nangog.</p><p>Nandalee wusste, dass sie nun machtlos war. Sie schwebte h�her. F�nfzig Schritt. Hundert. Und doch sah sie immer noch nichts als das gewaltige schwarze Auge unter sich, das am Horizont mit dem Zwielicht verschmolz.</p><p>Ihr wurde bewusst, wie ausgeliefert sie war und dass sie nichts dagegen tun k�nnte, sollte Nangog sich nicht an ihr Wort halten. Nandalees Flug beschleunigte sich. Die schwarze Fl�che unter ihr wurde von einem Augenblick zum n�chsten zu milchigem Wei�. Schneller und schneller wurde sie. Der Wind zerrte an ihren Haaren. Sie ahnte, dass die blo�e Anwesenheit des halben Herzens, befreit vom Mantel aus Blei, der Riesin schon einen Teil ihrer Macht zur�ckgegeben hatte.</p><p>Sie erreichte einen Abgrund, der in glosendes, gr�nes Licht getaucht war. Kristalle, m�chtig wie die Ankert�rme der Goldenen Stadt, ragten aus der einen Wand, die sie sehen konnte, w�hrend das andere Ende sich in der Ferne verlor. Zwischen den Kristallen war eine r�tliche, vibrierende Masse zu sehen. Fleisch? Der Abgrund verlor sich in gr�nem Licht.</p><p>Das Herz in ihrer Hand wurde schwerer. Es begann zu wachsen! Schon war es so gro� wie eine Faust, dann gr��er als ein Kinderkopf. Sein Gewicht zerrte an ihren Fingern. Sie konnte es nicht l�nger halten. Nandalee lie� es los und sah zu, wie es im Fall immer schneller anwuchs. Nun blieb ihr nur noch die Hoffnung, dass die Riesin Wort halten w�rde.</p></section><section><title><p>Die Gefiederte Schlange</p></title><p>�Such Deckung zwischen den Kristallen!�, rief Manawyn und st�rmte vor, ohne auf seine eigene Deckung zu achten.</p><p>Das Drachenhaupt stie� nieder. Die gro�en unregelm��igen Z�hne schnappten. Z�hne, die aus den Schwertern bestanden, die Manawyn und seine Gef�hrten einst im Kampf gegen das Ungeheuer verloren hatten.</p><p>Der Erste Meister lie� sich auf die Knie fallen, beugte den Oberk�rper nach hinten und rutschte auf dem glatten H�hlenboden noch ein St�ck weiter. Knapp verfehlten ihn die st�hlernen Rei�z�hne der Bestie. Manawyn hielt sein Bronzeschwert mit beiden H�nden umklammert, jetzt stie� er es nach oben, dorthin, wo der goldene Kopf des Schlangendrachen in purpurne Schuppen �berging.</p><p>Die Klinge glitt ab, ohne die Schuppen auch nur zu ritzen. Der Elf rollte sich zur Seite weg und wollte sich wieder aufrichten, als ein krallenbewehrter Fu� auf ihn niederging. Der Hieb �ffnete seine Brust bis hinab in seinen Schritt: Dunkles Blut benetzte die purpurnen Schuppen, die an den Flanken des Ungeheuers in ein buntes Federkleid �bergingen.</p><p>Nodon wich unwillk�rlich einen Schritt zur�ck.</p><p>Der Drache senkte sein Haupt. Er hatte aus dem Angriff auf seine Kehle gelernt. Augen aus kristallgr�nem Licht funkelten Nodon b�se an. Dann st�rmte die Bestie vor, ohne einen Laut von sich zu geben. Kein Fauchen, kein Schnauben. Nur ein leises, metallisches Klicken begleitete ihre Bewegungen.</p><p>Nodon wich weiter in den Kristallgarten zur�ck. Bald w�rden die baumdicken Streben das Ungeheuer aufhalten. Doch es gab keinen Weg zur�ck, wenn sie den Drachen nicht besiegen konnten.</p><p>Die Kreatur setzte ihm nach. Schnuppernd streckte sie den Kopf vor und zw�ngte sich unter einer Kristalls�ule hindurch, die fast waagerecht aus der H�hlenwand wuchs. So tief geduckt, halb eingeklemmt, wirkte sie wehrlos. Nodon sprang vor und versetzte ihr einen Hieb quer �ber die Schnauze, doch sein Schwert hinterlie� kaum eine Schramme auf dem goldfarbenen Metall. Schwarzer Geifer quoll aus dem Maul des Drachen, als er sich gegen den Kristall stemmte.</p><p>Nodon versuchte, mit einem tollk�hnen Sprung auf die Schnauze des Drachen zu gelangen. Wenn er sein Schwert in das Auge der Bestie rammen k�nnte�� Splitternd gab die Kristalls�ule nach. Der Drache b�umte sich auf, und Nodon verfehlte sein Ziel. Eine Pranke fuhr auf ihn herab, und er wurde zu Boden geschmettert. Einen Teil der Wucht des Aufpralls setzte er in Bewegung um, rollte fort und war mit einem Satz wieder auf den Beinen, nur um sich sofort wieder fallen zu lassen und der Pranke auszuweichen, die wie bei Manawyn seine Brust zerfetzen wollte.</p><p>Die Kreatur war atemberaubend schnell. Nodon rollte nach links und kroch durch einen Spalt zwischen wuchernden Kristallen. Ein Prankenhieb zersplitterte die Kristalls�ulen, als seien sie lediglich d�nnes Glas. Er riss den Arm hoch, um sein Gesicht vor dem Hagel messerscharfer Splitter zu sch�tzen. Dann kroch er hastig weiter, richtete sich auf, sobald der Platz gen�gte, und begann zu laufen.</p><p>Der Drache blieb ihm dicht auf den Fersen. Mit wuchtigen Hieben bahnte er sich einen Weg durch den Kristallgarten. Nichts vermochte ihn aufzuhalten!</p><p>�Halt durch!�, ert�nte eine vertraute Stimme. Gonvalon! �Wir kreisen ihn ein.�</p><p>Der Schwertmeister war gemeinsam mit Eleborn gekommen. Ja, im Hintergrund sah er sogar Bidayn und Lyvianne.</p><p>Der Kopf des Drachen pendelte hin und her. Er wirkte unentschlossen, wen er zuerst angreifen sollte.</p><p>Eleborn schlitterte mit einem wilden Schrei �ber die glatte Fl�che eines Kristalls, der leicht zum Boden hin geneigt aus der Wand wuchs.</p><p>Lyvianne lie� flackernde Lichter �ber die spiegelnden gr�nen Fl�chen huschen.</p><p>Der Drache warf den Kopf zur Seite und zerschmetterte mit einem Schwanzhieb den Kristall unter Gonvalon. Der Elf zog die Beine an, machte einen Salto und landete dicht neben dem Schlangenleib, w�hrend Eleborn ihn von der anderen Flanke angriff.</p><p>Auch Nodon st�rmte erneut auf die Bestie zu und f�hrte einen Hieb gegen die vordere Klaue.</p><p>Eleborn wurde von einem Schwanzhieb zur Seite gefegt. Er kroch unter eine S�ule, die schon im n�chsten Augenblick unter einem weiteren Hieb zersplitterte. Im selben Moment fuhr der Drache herum und schnappte nach Nodon. Obwohl sein ganzer Kopf aus Metall zu bestehen schien, roch sein Atem nach Verwesung.</p><p>Ein Wort der Macht hallte durch den Kristallgarten. Bidayn! Sie lie� die tausend Splitter schweben. Kurz verharrten sie reglos in der Luft. Es war, als sei die Zeit stehen geblieben. Dann prasselten die scharfkantigen Kristalle wie Hagelschlag auf den Drachen nieder. Das Metall seines Kopfes kreischte. Sein Rumpf zuckte und wand sich.</p><p>Nodon sah, dass Gonvalon dem Drachen seine Klinge in die Flanke getrieben hatte. Doch schon als sein Gef�hrte das Schwert wieder zur�ckzog, schloss sich die Wunde wieder. Es blieb nur eine kahle Stelle im Federkleid, die purpurn schillernde Schuppen zeigte.</p><p>Der Hagelsturm aus Kristallsplittern ebbte ab. Es war kaum eine Schramme auf dem Metall des Kopfes geblieben.</p><p>Der schlangenhafte Drache richtete sich auf wie eine Kobra, die zusto�en wollte.</p><p>Nodon wich zur H�hlenwand hin aus. Doch statt eines direkten Angriffs h�mmerten die Krallen des Ungeheuers auf die Kristalls�ulen. Es schien, als wolle es nun seinerseits einen Hagelsturm aus Splittern entfesseln. Nodon lie� seine Klinge kreisen und suchte Deckung zwischen den Kristallen. Eleborn war nicht schnell genug�� er st�hnte auf. Ein pfeillanger Splitter steckte in seinem linken Oberarm. Gonvalon riss den jungen Drachenelfen zur Seite, als die Klaue des Drachen niederfuhr.</p><p>Wie konnte man ihn verwunden, fragte sich Nodon. Er dachte daran, wie Manawyn von seinem ersten Kampf mit der Kreatur erz�hlt hatte. Es hatte sich so angeh�rt, als h�tten sie den Drachen vielleicht sogar besiegt, w�ren nicht die Devanthar dazugekommen. Also wie war die Bestie zu verwunden?</p><p>Gonvalon lenkte den Drachen mit wilden Schreien ab, w�hrend Lyvianne den verwundeten Eleborn aus der Reichweite der Krallen brachte. Bidayn kauerte ersch�pft am Boden und fluchte.</p><p>Der Schwertmeister war geschickt. Er bewegte sich flie�end. Fast sah es aus wie ein einstudierter Tanz mit dem Drachen. Er blieb jedem der Angriffe stets um einen Lidschlag voraus, duckte sich, sprang hoch und wich den Krallenhieben und dem schnappenden Maul aus. Doch es gelang ihm nicht, zum Angriff �berzugehen. Er war ganz und gar damit besch�ftigt zu �berleben.</p><p>Nodon nutzte die Gelegenheit, um sich seitlich an den Drachen heranzupirschen. Von dort sprang er auf den R�cken der Bestie, die sich aufb�umte und ihn abzusch�tteln versuchte. Er griff in das Federkleid, um sich festzuhalten. Doch die Federn glitten aus dem R�cken des Drachen, als seien sie gar nicht mit dem Fleisch verwachsen.</p><p>Fast verlor Nodon das Gleichgewicht und st�rzte, als ihm ausgerechnet das Bocken des Drachen einen Schubs nach vorn gab. Es gelang ihm, nach einer Feder aus Metall zu greifen. Sie hielt, und er schnellte hoch, wechselte den Griff und wollte sein Schwert wie einen Dolch tief in den Nacken des Ungeheuers treiben, als ihn ein Schwanzhieb traf und gegen die H�hlenwand schleuderte.</p><p>Benommen sah er eine Kralle auf sich niedersausen, als der Kristall neben ihm pl�tzlich zu wachsen begann und wie ein Speer auf die Brust des Drachen zielte. Das Ungeheuer wich zur�ck.</p><p>Nodon troff Blut von den Lippen. Der letzte Hieb hatte ihm mindestens zwei Rippen gebrochen. Keuchend stemmte er sich hoch und versuchte, den Abstand zum Drachen zu vergr��ern. �berall um sie herum schoben sich nun knirschend Kristalle aus dem Fels. Sie dr�ngten den Drachen an die gegen�berliegende H�hlenwand. W�tend setzte sich das Ungeheuer zur Wehr. Seine Tatzen zersplitterten dutzende S�ulen, doch der Kreis aus Kristall, der sich um ihn schloss, wurde immer enger.</p><p>Die Luft war erf�llt von flirrendem Kristallstaub. Nodon versuchte, flach zu atmen. Er wusste, dass die feinen Splitter ihm die Lungen zerschneiden w�rden, wenn er sie einatmete.</p><p>�Schnell! Lauft!�</p><p>Nandalee! Sie trat hinter Bidayn aus dem Kristallgarten. �Nangog ist erwacht. Sie wird den Drachen aufhalten, doch nicht f�r lange. Lauft! Unsere Mission ist erf�llt.�</p></section><section><title><p>Ein Imperium zerf�llt</p></title><p>Kolja trat durch das Wei�e Tor. Ohne sich umzublicken, lie� er die Tempelg�rten hinter sich. Er konnte keinem seiner M�nner mehr trauen. Sie w�rden ihm nicht beistehen, wenn sein Stern sank. Und er konnte es ihnen nicht ver�beln. Er hatte ihnen stets vorgelebt, dass allein der Starke durchkam. Noch waren sie nur verwirrt und begriffen nicht, was geschehen war. Aber sehr bald schon w�rde es offenbar werden.</p><p>An den Ankert�rmen s�dlich der G�rten lagen Wolkenschiffe. Zwei von ihnen wurden ganz offensichtlich f�r den Abflug vorbereitet, denn lange Menschenschlangen dr�ngten sich die steilen Treppen hinauf. <emphasis>Sklavenschiffe</emphasis>, dachte Kolja. Das traf sich gut! Dort konnte man immer einen Aufseher mehr gebrauchen.</p><p>Kurz �berlegte er, ob er noch einmal in sein Zimmer zur�ckkehren sollte. Im geheimen Fach seiner Truhe hatte er einen Beutel mit Rubinen und Diamanten versteckt. Ein Verm�gen, das ihm ein sorgenfreies Leben garantieren w�rde.</p><p>Doch das Freudenhaus w�re der erste Platz, an dem die neuen Garden Aarons nach ihm suchen w�rden. Das konnte er nicht riskieren. Wahrscheinlich wurde dem Unsterblichen bereits in diesem Augenblick klar, was er, Kolja, getan hatte. Warum er den Bogensch�tzen den Befehl gegeben hatte, die Spitze der Stufenpyramide mit einem Pfeilhagel einzudecken. Es war nicht um die Priester gegangen! Schlie�lich hatte dieser verfluchte J�ger aus Garagum ja daf�r gesorgt, dass jeder, der sich Volodi mit einem Messer n�herte, einen Pfeil abbekam. Kolja hatte gehofft, sein einstiger Freund w�rde im Pfeilhagel umkommen.</p><p>Seit der Unsterbliche Aaron ihn im ersten Morgengrauen zu sich befohlen und ihm eine unglaubliche Menge Gold daf�r geboten hatte, wenn er mit den Zinnernen den Angriff auf die Tempelstadt unterst�tzte, hatte Kolja alles getan, um dieses Unternehmen zu sabotieren. Volodi durfte nicht aussagen! Er hatte ihn beseitigt, um die Zinnernen davor zu bewahren, immer weiter in Aarons Schlachten ziehen zu m�ssen. Volodi w�re dem Unsterblichen sicher treu geblieben und h�tte f�r ihn gek�mpft, bis auch der Letzte der S�ldner verreckt war. Auch die Gesch�fte mit den Freudenh�usern in der Goldenen Stadt h�tte Volodi wahrscheinlich gest�rt. Er hatte einfach zu viele Skrupel!</p><p>Kolja blieb mitten auf dem weiten Platz vor der Tempelstadt der Zapote stehen. Verwundete und Feiglinge, die sich vor den K�mpfen gedr�ckt hatten, sammelten sich hier. �Gib mir deinen Helm�, herrschte er einen Krieger an, der, die Ellenbogen auf die Knie gest�tzt, am Boden kauerte, sein Gesicht in den H�nden vergraben. Erschrocken sah der junge K�mpfer zu ihm auf. Er schien nicht verwundet zu sein, war aber aschfahl. Manche mussten erst den Schrecken des Schlachtfeldes begegnen, um zu begreifen, dass sie nicht aus dem rechten Holz f�r einen Krieger geschnitzt waren.</p><p>�Deinen Helm!�, wiederholte Kolja herrisch.</p><p>Stumm reichte ihm der Mann seinen Helm. Er war aus Bronze und mit einem Busch aus wei�em Rosshaar geschm�ckt. Ein sch�nes St�ck, das gut zu dem Bronzepanzer und den Beinschienen passte, die Kolja trug. Der H�ne setzte den Helm auf. Er passte fast perfekt. Er sollte die Polsterung aus geflochtenem Stroh ein wenig anpassen. Aber f�r den Augenblick w�rde es vollauf gen�gen. Er sah sich aufmerksam um. Sein Gesicht war zu bekannt. Es war kl�ger, es zu verbergen, wenn er unerkannt als S�ldner auf einem Wolkenschiff anheuern wollte.</p><p>Kolja nahm eine der kleineren Gassen, die auf den Wei�en Platz m�ndeten, und lachte �ber sein verfluchtes Schicksal. Er h�tte sich nicht mit einem Gl�ckskind wie Volodi anlegen sollen. Wer au�er ihm h�tte es geschafft, lebend dem Opferstein der Zapote zu entkommen? Es hatte ihm leidgetan, seinen Freund auszuliefern, aber es war die richtige Entscheidung gewesen. Selbst gestern Nacht, als er vor den Unsterblichen zitiert wurde und Aaron ihm seine Pl�ne erl�utert hatte, war Kolja noch optimistisch gewesen. Allerdings hatte er erst, als seine beiden Wolkenschiffe bereits bemannt wurden, Gelegenheit gehabt, einen Boten an die Zapote zu schicken, um sie zu warnen. Dass sie Volodi nicht einfach die Kehle durchgeschnitten hatten�� Kolja sch�ttelte den Kopf. Aber wer verstand schon M�nner, die sich gerne als Katzen verkleideten.</p><p>Er sah zu den Ankert�rmen. Weit war es nicht mehr. Wie es schien, waren bald alle Sklaven an Bord. Die Banner Valesias schm�ckten die Schiffe. Ein wei�er Tempel auf rotem Grund in Anspielung auf das pr�chtige Selinunt, das der Unsterbliche Ansur in einem weiten Tal erbauen lie�. Wenn es vollendet war, sollte es die sch�nste Stadt Daias sein. <emphasis>Ausgerechnet Valesier</emphasis>, dachte Kolja. Jahrelang hatten sie im Krieg mit Drusna gelegen. Ob sie wirklich einen S�ldner aufnahmen, der mit unverkennbar drusnischem Akzent sprach?</p><p>Kolja warf einen Blick �ber seine Schulter. In der Gasse hinter ihm schwankte ein altes M�nnlein, das eine riesige Last frisch geschnittenen Schilfs auf dem Buckel trug. Sonst war niemand zu sehen. Er wurde also noch nicht verfolgt. Aber lange w�rde das nicht auf sich warten lassen. Er musste eines der beiden valesischen Wolkenschiffe besteigen, koste es, was es wolle.</p><p>Mit energisch ausgreifenden Schritten eilte er an der Mauer aus ungebrannten Ziegeln entlang, die den Frachthof umfasste, auf dem sich die beiden Ankert�rme erhoben.</p><p>Selbst als Aarons Angriff begann, hatte er noch gehofft, dass alles gut enden w�rde. Seine Aufgabe sollte es sein, bis zum Schlangenschlund vorzusto�en und den Eingang zum unterirdischen Tempel zu sichern. Also hatte er statt erfahrener Krieger nur Kushiten f�r die erste Landung in den Tempelg�rten ausgew�hlt. Krieger, denen man ihre Unerfahrenheit ansah oder die so mager waren, dass offensichtlich war, dass es ihnen an Kraft fehlen w�rde, ein l�ngeres Gefecht durchzustehen. Und dann auch noch gegen diese Jaguarm�nner, die auf der Ebene von Kush fast allein Muwattas Streitwagengeschwader besiegt hatten. Was h�tte da schieflaufen k�nnen?</p><p>Die Besatzungen der ersten K�rbe waren samt und sonders Todgeweihte gewesen! Kolja hatte seinen Augen nicht getraut, als er vom Wolkenschiff aus sah, wie eine kleine Gruppe der Krieger die Jaguarm�nner niedermachte. Wen hatte der Unsterbliche ihm da geschickt? Als diese fremden Krieger bis zum Schlangenschlund durchbrachen und entgegen ihrem Befehl auch noch den Weg in die Tiefe freik�mpften, hatte Kolja geahnt, dass seine Gl�cksstr�hne, die ihn zu einem der reichsten M�nner der Goldenen Stadt gemacht hatte, vor�ber sein musste. Sein Befehl an die Bogensch�tzen, die Spitze der Pyramide zu beschie�en, war ein letztes, verzweifeltes Aufb�umen gegen die neue Wendung gewesen, die sein Schicksal zu nehmen drohte.</p><p>Der Moment, in dem sich Volodi schwankend neben dem Altarstein erhoben hatte, hatte sein Schicksal besiegelt. Aber es war nicht das erste Mal, dass er st�rzte. Schon als er nur ein einfacher Faustk�mpfer gewesen war, hatte er mehr einstecken k�nnen als jeder andere. Sooft er zu Boden ging, war er wieder aufgestanden. So w�rde es auch diesmal sein.</p><p>Am Tor zum Frachthof standen Krieger aus der Leibwache des valesischen Statthalters. Kolja war �berrascht, sie hier anzutreffen, versuchte aber, sich nichts anmerken zu lassen.</p><p>�Was willst du hier?�, wurde er von einem selbstgef�llig blickenden Hauptmann angesprochen, der im faulen Garnisonsleben Fett anzusetzen begann.</p><p>�Ich bin S�ldner. Der Lotse des Wolkenschiffs da vorne hat mich hierherbestellt�, log Kolja dreist. Er hatte ohnehin nichts mehr zu verlieren. Dank Tarkon Eisenzunge flogen alle Wolkensammler jetzt mit wesentlich mehr S�ldnern an Bord, als es fr�her �blich war. Ganz an den Haaren herbeigezogen war seine Geschichte also nicht.</p><p>Der Hauptmann musterte ihn sp�ttisch. �Voccio muss sehr verzweifelt sein, wenn er jetzt schon Einarmige anwirbt.�</p><p>Kolja sah, wie �ber ihnen das erste Wolkenschiff die Haltetrossen l�ste und in den Himmel aufstieg. Das zweite Schiff w�rde ihm jeden Moment folgen.</p><p>�Ich habe Voccio vor Jahren das Leben gerettet.� Kolja hob seinen verst�mmelten Arm. �Das hat mich den hier gekostet. Seitdem sorgt er daf�r, dass ich immer einen Platz auf einem Wolkenschiff bekomme. Du musst mich durchlassen.�</p><p>Der Hauptmann betrachtete die lederne Prothese. �Diese Geschichte musst du mir erz�hlen, wenn du zur�ckkommst. Dass Voccio sich dankbar erweisen kann, ist ja ganz was Neues.� Mit diesen Worten winkte der Krieger ihn durch.</p><p>Kolja h�tte ihm am liebsten die Z�hne in den Rachen geschoben. Wenn es eine Sorte M�nner gab, die er nicht leiden konnte, dann waren es solche, deren durchtrainierte Leiber unter Fettschwarten verschwanden, weil sie tr�ge geworden waren. Meist hielten sich diese Mastschweine immer noch f�r vortrefflich. Kolja war sich sicher, dass sich der Kerl einbildete, ein unendlich viel besserer Schwertk�mpfer zu sein.</p><p>Der Drusnier schluckte seinen �rger herunter. Es war besser, einen �berheblichen als einen misstrauischen Hauptmann getroffen zu haben. Dann blickte er zum Turm empor. Eben wurden die Ankerseile von den mit Goldblech beschlagenen Balken gel�st. Diese verdammte Himmelsqualle w�rde bald abfliegen!</p><p>Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, st�rmte er die Treppe an der Au�enwand des Turms hinauf, dr�ckte Lastentr�ger und Frachtmeister zur Seite, bis er einen kleinen, haarigen Mann traf, der ihn auf den ersten Blick an eine Spinne erinnerte. Seine Glieder waren so d�nn, als habe er in seinem Leben noch nichts gehoben, was schwerer war als ein Becher voll Wein. Lange schwarze Haare bedeckten seine Unterarme. Sein Gesicht war voller Stoppeln, nur wenige davon grau, obwohl sein braungebrannter Sch�del v�llig kahl war. Mit gro�en, dunklen Augen sah er ihn an. �Noch ein Kerkermeister?�, fragte er sp�ttisch.</p><p>Kolja hatte den Eindruck, dass der Lotse dies durchaus f�r m�glich hielt. Der Kerl musste Voccio sein, denn auf seine Tunika war eine stilisierte Sichelschwalbe gestickt, das Zeichen der Lotsengilde. Nie hatte ein Wolkensammler mehr als einen Lotsen.</p><p>�Ich suche einen Posten als S�ldner. Braucht Ihr noch M�nner, Herr?�</p><p>Voccio nickte in Richtung der Tempelg�rten. �Du kommst von dort unten, nicht wahr? Bist fortgelaufen?�</p><p>�Ich���, begann Kolja gedehnt, doch die Spinne schnitt ihm das Wort ab.</p><p>�Du schleppst keinen Sack voll Plunder mit dir herum, hast nicht einmal einen Mantel, der dir nachts als Decke dienen k�nnte. Erz�hl mir keine M�rchen, Mann. Du bist vor dem Kampf weggelaufen.�</p><p>�Ich bin vor den Jaguarm�nnern weggelaufen�, entgegnete Kolja aufgebracht. Noch nie hatte ihn jemand verd�chtigt, ein Feigling zu sein. �Kennt Ihr die Jaguarm�nner? Das sind keine Menschen, das sind Daimonen!� Er hob seine lederne Armprothese. �Ein Feigling erleidet nicht so eine Verletzung, er hat seine Narben auf dem R�cken, wenn er �berhaupt Narben davontr�gt.�</p><p>Voccio strich sich �ber sein schmales Stoppelkinn. �Wir fliegen zu den luwischen Bleiminen. Eine Reise von zehn Tagen, wenn die Winde g�nstig stehen. Ich biete dir Unterkunft und Essen und, weil ich ein gro�es Herz habe, auch noch drei Silberst�cke.�</p><p>�Der �bliche Sold w�re mehr als das Doppelte�, entgegnete Kolja �rgerlich.</p><p>Voccio klopfte ihm auf die Lederprothese. �Ein halber Mann bekommt auch nur den halben Sold. Aber ich will dich nicht �berreden mitzukommen. Es ist deine Entscheidung.�</p><p>�Gut, drei Silberst�cke!�</p><p>Voccio sch�ttelte den Kopf. �Jetzt bist du nur noch zwei wert. M�nner, die ihrem Lotsen widersprechen, sollte man eigentlich gar nicht an Bord nehmen.�</p><p>Kolja stellte sich vor, wie er dieser kleinen, haarigen Spinne die d�nnen Glieder ausrenkte. �Gut�, entgegnete er gepresst. Er hatte keine Wahl.</p></section><section><title><p>Wie eine zerbrochene Puppe</p></title><p>Arcumenna betrachtete die Seidene, die immer noch das sch�bige Kleid trug, in dem er sie inmitten der Ketzer gefunden hatte. Er hatte sie gleich hinter dem Torhaus des Palastes genommen, ihr Kleid hochgeschoben und sie gegen die schmutzige Mauer gedr�ckt. Einige seiner M�nner hatten ihm dabei zugesehen. Das st�rte ihn nicht sonderlich. Es war nicht das erste Mal. Wenn ihn die Lust �berkam, dann fackelte er nicht lange, sondern nahm sich einfach, was sich ihm bot.</p><p>Heute war das keine gute Entscheidung gewesen. Auf diese Art hatte der Zauber gefehlt, der den Liebesn�chten mit Zarah stets innegewohnt hatte. Sie war etwas Besonderes gewesen. Die Seidene! Ein Weib, von dem die M�nner tr�umten und deren himmlisches Gesicht nur die wenigsten je zu sehen bekamen. Ganz zu schweigen von ihrem unvergleichlichen K�rper. Aber der Zauber war dahin. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, sie wie eine gew�hnliche Dirne vor seinen Leuten zu v�geln. Anfangs hatte ihn die Vorstellung, dies zu tun, aufgestachelt. Sie hatte eine Bestrafung verdient gehabt�� Was fiel ihr ein, sich inmitten dieser Bettlerherde davonschleichen zu wollen! Warum hatte sie sich nicht zu erkennen gegeben? Arcumenna konnte das einfach nicht begreifen. Es f�hlte sich an wie Verrat. Sie w�re lieber in einen Kerker gegangen, als sich zu ihm zu bekennen und in einem Bett mit Seidenlaken zu liegen.</p><p>Zarah hatte sich wie eine Magd verkleidet, also hatte sie sich selbst zuzuschreiben, dass sie auch so behandelt worden war. Und eigentlich hatte sie noch gro�es Gl�ck gehabt. Arcumenna konnte sich sehr gut vorstellen, was die zwei oder drei besser aussehenden Frauen unter dem ketzerischen Lumpengesindel auf den Wolkenschiffen und in den Bleiminen erwartete. Wahrscheinlich selbst die Weiber, die zum Erbarmen aussahen. Er wusste nur zu gut, womit sich M�nner zufriedengaben, die etliche Monde lang keinen Rock mehr gel�ftet hatten. So war es auf jedem der Feldz�ge gegen die verfluchten Drusnier gewesen. So w�rde es auch hier sein. Wenn Zarah also vern�nftig denken konnte, dann wusste sie, was f�r einen Gefallen er ihr getan hatte, als er sie aus der Menge holte.</p><p>Wie sie da vor der Mauer kauerte��</p><p>Arcumenna schickte die Gaffer weg. Ihr Kleid war immer noch hochgerutscht. Ihre dunkle Scham war gut zu sehen. Sie hielt den Kopf gesenkt. Ihr langes Haar verdeckte ihr Antlitz. Arcumenna dachte daran, wie er als Junge einmal in einem Wutanfall sein liebstes Spielzeug zerbrochen hatte. Einen Reiter, bei dem unter den t�nernen Beinen des Pferdes Bronzer�der angebracht gewesen waren, sodass er den stolzen Reiter an einer Schnur hinter sich herziehen konnte. Er hatte ihn vor eine Wand geworfen, als sein Vater ihn nicht zur Eberjagd mitnehmen wollte, obwohl er schon sieben gewesen war. Er hatte es bitter bereut. Die Pferdebeine waren zerbrochen, Kopf und Brust des Reiters in unz�hlige Scherben gesplittert. Nur ein Torso, dem kaum noch anzusehen gewesen war, was er einmal dargestellt hatte, war geblieben.</p><p>So wie sie an der Wand kauerte, erinnerte Zarah ihn an seinen zerbrochenen Reiter. War ihre gemeinsame Zeit vor�ber? In ihrem sch�nen Stadthaus, mit eleganten Kleidern und ihrem fast schon beleidigenden Selbstbewusstsein hatte sie ihm besser gefallen. Einer Frau wie ihr war er zuvor nicht begegnet. Vielleicht gen�gte es ja, sie in ihr Haus zur�ckzuschicken und da von vorne anzufangen, wo sie vor ein paar Tagen aufgeh�rt hatten. Sie hatte ihm durch ihren Verrat die Ketzer ausgeliefert. Und damit sich selbst gleich mit. W�rde unter den Reichen und M�chtigen bekannt, dass sie die Gr�nen Geister anbetete, w�rde niemand mehr zu ihr kommen. Er war jetzt alles, was ihr noch blieb. Eine Zeit lang w�re es sicher interessant, sie zu beherrschen. Aber es w�rde nicht mehr wie fr�her werden.</p><p>Er winkte ein Dienstm�dchen herbei, das bei den St�llen H�hner f�tterte. �Bring sie in Ordnung!� Wie Zarah sich gehenlie�, erf�llte ihn zunehmend mit �rger. �Sorge daf�r, dass sie gewaschen wird und ordentlich ihrem Stand entsprechend eingekleidet.�</p><p>�Ich f�rchte, wir haben im Palast keine Hurenkleider, Herr�, entgegnete das M�dchen und schaffte es, trotz der Frechheit unterw�rfig zu klingen. Arcumenna war versucht, sie zu ohrfeigen, doch dann sah er sie genauer an. Sie war ziemlich h�bsch. Vielleicht w�rde sie Zarahs Nachfolgerin in seinem Bett werden. Sie hatte genau jenes Temperament, das die Seidene verloren zu haben schien.</p><p>�Dann kleide sie wie eine Hofdame ein. Und sorge daf�r, dass sie in einer S�nfte nach Hause gebracht wird. In diesem Zustand soll sie keiner auf der Stra�e sehen.� Arcumenna sch�ttelte den Kopf. Zarah war eine Hure. Sie war ganz gewiss nicht zum ersten Mal auf solche Art geritten worden. Was hatte sie so aus dem Gleichgewicht gebracht? Er w�rde Wachen mit ihr schicken, f�r den Fall, dass sie noch einmal versuchen sollte zu fliehen. Sollte Kolja ruhig kommen und sich anma�en, �ber sein verlorenes <emphasis>Eigentum</emphasis> zu gebieten. Ein Anlass zur Fehde mit dem Faustk�mpfer kam ihm nur gelegen. Er w�rde ihm die Freudenh�user abnehmen und Leon r�chen!</p></section><section><title><p>Der Unsterbliche</p></title><p>Noch immer war das Klirren splitternder Kristalle zu h�ren. Wie lange w�rde Nangog den Drachen aufhalten k�nnen? Was f�r eine Kreatur war das, die offensichtlich von den Devanthar erschaffen worden war, um die Himmelsschlangen zu verh�hnen und gegen sie zu k�mpfen.</p><p>Nun war auch Lyvianne endg�ltig davon �berzeugt, dass die Sch�pfer der Menschenwelt sich darauf vorbereiteten, Albenmark anzugreifen. Der Goldene musste wissen, was hier vor sich ging, damit er die Alben und seine Nestbr�der davon �berzeugen konnte, dass die Zeit zu warten vor�ber war. Auch die Zeit des Taktierens! Sie mussten angreifen, die Devanthar vernichten, solange das noch m�glich war. Ein friedliches Leben mit ihnen war unm�glich. Wenn die Devanthar noch einige dieser Drachen erschufen, dann w�rde die Mark der Alben fallen.</p><p>Endlich erreichten sie den Ort, an dem sich die Pyramide erhob und wo der rote Teich lag. Die Menschenkinder hatten ein Schlachtfeld daraus gemacht. Dutzende M�nner lagen hingemetzelt. Einige waren regelrecht zerhackt. Auch hier schien der Drache mit dem Goldkopf gew�tet zu haben. Kurz fragte sich Lyvianne, warum die Devanthar f�r die Kreatur einen Kopf aus Gold erschaffen hatten? Wollten sie damit den Goldenen verh�hnen? Sie schob den Gedanken von sich und betrachtete das Gemetzel, fassungslos, dass all dies geschehen war, um einen einzelnen Mann zu retten. Wer das wohl gewesen sein mochte? Ein K�nig? Ein Philosoph? Wessen Leben war so viel wert?</p><p>Vor ihnen bewegte sich eine kleine Schar von Kriegern auf den Ausgang zu. Jene Treppe, die durch das Tor mit den Elfenk�pfen hinauf zum Schlangenschlund f�hrte. Bald w�rde auch Manawyns Kopf in der leeren Nische ruhen. Sie hatten ihn nicht mitnehmen k�nnen. Nandalee hatte es verboten. Seinen Leichnam zu tragen h�tte sie langsamer gemacht. Nun war er endg�ltig nur noch eine tote H�lle. Manawyns Seele war frei.</p><p>Lyvianne hatte sich gewundert, dass Nandalee diese kaltherzige, aber richtige Entscheidung getroffen hatte. Gonvalon hatte zu ihrem Befehl zwar geschwiegen, aber ihm war deutlich anzusehen gewesen, wie wenig er davon hielt. Ihr Sohn war einfach zu weich, dachte die Drachenelfe traurig. Sie hatte das schon immer gewusst. Wie lange die Liebe der beiden wohl noch halten w�rde? Es w�rde zu ihm passen, wegen dieser Lappalie einen Streit anzufangen.</p><p>Sie hatten die kleine Gruppe erreicht und wollten gerade an ihr vor�bergehen, als sie ein drahtiger Krieger aufhielt.</p><p>�Woher kommt ihr?�, rief er mit harscher, befehlsgewohnter Stimme. Er wirkte unwirsch mit seinem stoppelb�rtigen Gesicht und brennenden Augen. Auf ihn st�tzte sich ein gro�er Mann, dessen Antlitz hinter einem Maskenhelm verborgen war.</p><p>�Tiefer aus der H�hle�, entgegnete Nandalee ruhig. �Kolja hat uns dorthin geschickt, um die Flanke zu sichern. Dann kam dieses Ungeheuer��� Sie senkte die Stimme. �Die meisten meiner M�nner sind tot.�</p><p>Keine schlechte L�gengeschichte, dachte Lyvianne und musste ein Schmunzeln unterdr�cken. Kolja war nirgends zu sehen. Bevor diese L�ge auffliegen w�rde, w�ren sie l�ngst auf und davon.</p><p>�Steigt die Treppe hinauf�, befahl der Mann mit dem Maskenhelm und deutete mit dem Schwert zu den Stufen hin. Es war eine ungew�hnliche Klinge, die von einem gr�nen Licht umspielt wurde. Ein verzaubertes Schwert in der Hand eines Menschensohns? Lyvianne konnte der Versuchung nicht widerstehen, ihn durch ihr Verborgenes Auge zu betrachten. Das Licht der Kraftlinien, die ihn umspielten, war blendend hell. Er war von etlichen Zaubern umwoben, sodass seine eigentliche Aura fast nicht mehr wahrnehmbar war. Das Schwert und seine R�stung mussten von den Devanthar erschaffen worden sein.</p><p>�Was ist Euch geschehen, Herr?�, fragte sie, bem�ht, nach echter Anteilnahme zu klingen.</p><p>�Splitter. Ich habe irgendwelche Splitter in die Augen bekommen. Es geht aber wieder besser.�</p><p>Er war kein guter L�gner, entschied Lyvianne. Sie sp�rte deutlich seine Angst, die er kaum mehr zu beherrschen vermochte. Er f�rchtete zu erblinden, und da war noch eine andere Furcht�� Er hatte Angst um sein Leben. Warum?</p><p>�Darf ich Euch helfen, Herr? Ich bin ein wenig erfahren���</p><p>�Bei Hof erwarten ihn die besten Heilkundigen des Reiches!�, schnauzte sie der drahtige Kerl an, der ihn st�tzte. �Er braucht keinen Idioten, der an seinen Augen herummacht und alles verschlimmert.�</p><p>�Lass ihn, Ashot. Er meint es gut. Er���, der Mann mit der Maske brach ab. Tief in der H�hle erklang ein gewaltiges Bersten. Der Boden erzitterte unter ihren F��en. Der Drache musste sich aus seinem kristallenen Gef�ngnis befreit haben.</p><p>�Es ist keine Zeit daf�r, wir m�ssen sofort hier heraus! Schnell!�, zischte Nandalee und sah Lyvianne vorwurfsvoll an.</p><p>Sicher sollten sie sich beeilen, doch diese Gelegenheit war einmalig! Ein Unsterblicher stand vor ihnen. Einer der sieben Herrscher Daias. Nandalee fehlte es einfach an Visionen. Welche Geheimnisse k�nnte sie durch diesen Menschensohn ergr�nden! Seine Gedanken und Erinnerungen w�ren ein unfassbarer Schatz.</p><p>Sein m�rrischer Gef�hrte half dem Unsterblichen die Stufen hinauf. Der Menschensohn war v�llig hilflos. Und dennoch bestand er darauf, als Letzter die H�hle zu verlassen. Ein Held ganz nach Gonvalons Geschmack, dachte Lyvianne.</p><p>Nandalee eilte als Erste die Treppe hinauf und gab ihnen allen das Tempo vor. Die beiden Menschenkinder und ihre Getreuen, die trotz des Drachens geblieben waren, konnten nicht mit ihr und den anderen Elfen mithalten. Und Lyvianne wollte nicht. Sie war einem Unsterblichen begegnet, der keine Ahnung hatte, wer sie war oder was sie zu tun vermochte!</p><p>�Darf ich deine Augen einmal sehen, sobald wir ins helle Sonnenlicht treten?�</p><p>�Die besten Heiler der Stadt���, begann Ashot.</p><p>�Lass ihn, mein Freund. Was habe ich zu verlieren?�</p><p>Der drahtige Kerl bedachte sie mit einem warnenden Blick.</p><p>Lyvianne l�chelte. Sie trug immer noch ihren Helm und die Verkleidung als ein Krieger der Menschenkinder. Wenn Ashot w�sste, wer und vor allem, was sie war�� Sie studierte ihn, wie er seinem Herrscher die Treppen hinaufhalf. Wie er sich umsah, auf alles achtete. Vielleicht konnte er von Nutzen sein? Den Unsterblichen zu heilen, w�re eine Kleinigkeit. Aber seine Erinnerungen zu trinken, verzehrte viel Kraft. Kraft, die sie normalerweise von ihren Opfern nahm. Aber was nutzte es, wenn sie alles �ber einen Herrscher erfuhr und ihn dabei zu einem Greis machte, der nicht mehr lange regieren w�rde?</p><p>Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sie die G�rten erreichten. Vor dem Schlangenschlund lagen Dutzende Verwundete. M�nner, in deren Augen sich das Grauen spiegelte, dem sie im unterirdischen Tempel der Zapote begegnet waren. Lyvianne nahm ihren Helm ab. Die meisten der Krieger reagierten nicht darauf, dass sie sich als Frau zu erkennen gab. Zu sehr waren sie in sich gefangen.</p><p>Ashot jedoch starrte sie mit offenem Mund an. Noch bevor er etwas sagen konnte, zog sie ihn zu sich heran. �Ich bin eine Hexe, die Kolja mit in die Tiefe genommen hat, damit ich ihm Gl�ck bringe. Ich kann deinen Herrscher heilen, aber das hat einen Preis. W�rdest du zehn Jahre deines Lebens f�r das Augenlicht des Unsterblichen opfern?�</p><p>Der Krieger presste die Lippen zusammen, sodass alle Farbe aus ihnen wich.</p><p>�Ich kann auch gehen. Bring ihn zu seinen Heilern, und er wird blind sein. Es liegt bei dir, Ashot.�</p><p>Nandalee, die mit den anderen auf sie gewartet hatte und ihre Worte hatte h�ren k�nnen, funkelte sie w�tend an, hielt aber Abstand. Sie hatte begriffen, dass jeder, der zu dieser Frau in R�stung geh�rte, von nun an ebenfalls verd�chtig w�re.</p><p>�Ich werde es tun�, sagte Ashot mit rauer Stimme. �Komm!� Er nahm den Unsterblichen bei der Hand. �Ihr m�sst einen Augenblick rasten, Herr. Der Heiler wird sich Eure Wunden ansehen.�</p><p>Dem Unsterblichen war jetzt seine Unruhe deutlicher anzumerken. Er musste begriffen haben, wie schlimm es um ihn stand. Ashot f�hrte ihn unter einen bl�henden Kirschbaum.</p><p>�Im Schatten kann der Heiler doch nicht sehen���</p><p>�Direktes Sonnenlicht k�nnte Euch schaden, Herr�, sagte Lyvianne sanft. �Ich vermag genug zu sehen. Macht Euch keine Sorgen. Bitte nehmt nun Euren Helm ab, Erhabener.� Sie blickte zu dem Krieger auf. �Knie dich neben ihn, Ashot. Hilf ihm.�</p><p>Der Krieger gehorchte, lie� sie aber nicht aus den Augen.</p><p>Lyvianne war �berrascht, dass der Herrscher Arams wie ein ganz gew�hnlicher Menschensohn aussah. Er war nicht h�sslich, aber keineswegs etwas Besonderes. Ein langer, in Locken gedrehter Bart reichte ihm weit auf die Brust hinab. Sein Haar war rabenschwarz, die Haut leicht gebr�unt. Er hatte ein edles Antlitz, in dem sich gleicherma�en Gro�mut und Entschlossenheit spiegelten. Seine Augenlider und der Nasenr�cken waren blutverklebt. Feine Obsidiansplitter hatten in seine Haut geschnitten, und seine Augen auf eine Art verletzt, dass er nie wieder richtig sehen w�rde, bliebe er der Kunstfertigkeit seiner Heiler �berlassen.</p><p>Sie strich ihm sanft mit der Rechten �ber die Stirn, �ffnete sich f�r all seine Gef�hle und griff gleichzeitig mit der Linken nach Ashot. Seine Finger krallten sich in ihre Hand. Sie waren feucht. Deutlich sp�rte sie seine Angst.</p><p>Die Splitter einzeln zu entfernen, die den Unsterblichen verletzt hatten, h�tte eine Stunde oder l�nger gedauert. Es waren zu viele! Diese Zeit hatte sie nicht! Fieberhaft dachte sie an andere M�glichkeiten und visualisierte in Gedanken ein Bild, in dem sie eine Kraft war, die all die Splitter anzog, so wie ein Magnetstein Eisensp�ne an sich zog. Leise sprach sie ein Wort der Macht, um das Netz der Kraftlinien zu ver�ndern. Hier auf Nangog war es anders gewoben. Zu zaubern fiel ihr schwerer als in Albenmark. Sie nahm von der Kraft Ashots. Sollte er verbl�hen, um Aaron Leben zu schenken.</p><p>Lyvianne hatte die Augen geschlossen, um sich ganz in ihre Kunst zu versenken. Sie sp�rte, wie sich die feinen Splitter in Aarons Fleisch bewegten. Sie war nun eins mit ihm. Sp�rte den Schmerz, den er f�hlte, kannte seine �ngste und�� Da war noch jemand! Ein anderer Geist lebte im K�rper des Herrschers. Und noch einer�� Immer mehr! Sie umlagerten den Aaron, der einmal ein Bauer gewesen war, spotteten �ber dessen Dummheit, sich mit der Priesterschaft der Zapote anzulegen, rieten ihm, sich nicht einer Unbekannten anzuvertrauen und er�ffneten ihm schreckliche Visionen von dem, was der L�wenh�uptige mit einem blinden Herrscher tun w�rde.</p><p>Lyvianne zog sich erschrocken vor diesem Mysterium zur�ck, versuchte sich zun�chst auf das Einfache zu konzentrieren. Sie war im Blut des Unsterblichen, in seinen Wunden, langsam zun�chst und dann immer schneller werdend verwob sie diese Wunden. Lie� zusammenwachsen, was die Osidiansplitter durchtrennt hatten.</p><p>Sie sah durch seine Augen. Sah, wie die Kirschbaumkrone �ber ihnen, ein verschwommenes Bild aus Wei� und Gr�n, langsam wieder an Form gewann, bis sie zuletzt jedes Blatt und jede Bl�te deutlich vor sich sah.</p><p>Ein Sturm von Stimmen brandete in Aarons Verstand auf. Gellend warnten sie ihn vor der Hexe, die nach ihrer aller Seele griff. Ihre Gedanken waren Gift und Dunkelheit. Doch dann erklang mitten unter ihnen eine Stimme, die alle anderen beherrschte. Der, den sie abf�llig den Bauern nannten, der Mann, der einmal Artax gehei�en hatte, war von einer Macht, die all die anderen verstummen lie�. Lyvianne betrachtete die Erinnerungen an sein Leben. Es war reich an Freud und Leid. Die anderen Geister in ihm ber�hrte sie nur fl�chtig. Sie waren klein, gefangen in einer Selbstgef�lligkeit, die ihrem Dasein jeden Glanz genommen hatte. Der Mann, der einmal Artax gewesen war, war anders. In ihm brannte ein Feuer. Er wollte die Welt der Menschenkinder ver�ndern, sie zu einem gerechten Ort machen, wo niemand mehr Hunger leiden oder die Willk�r der Herrschenden f�rchten musste. Sie sah all die K�mpfe, die Artax ausgefochten hatte, seine verzweifelte Liebe zu einer Barbarenprinzessin und seinen Abstieg in jenes d�stere Tal, wo er dem eberk�pfigen Devanthar begegnet war. Dort war sein Schwert zum Geisterschwert geworden, und er war einem Geheimnis nahe gekommen, das die Devanthar eifers�chtig h�teten.</p><p>Lyvianne zog sich aus den Gedanken des Unsterblichen zur�ck und �ffnete ihre Augen. Einen Moment starrte sie ihn desorientiert an. Zu deutlich waren noch die Bilder seiner Erinnerungen, sie �berlagerten sich mit dem, was ihre Augen ihr zeigten.</p><p>Der Herrscher l�chelte sie an. �Danke�, sagte er mit warmer Stimme.</p><p>Lyvianne nahm ihre Hand von seiner Stirn. Fl�chtig sah sie zu Ashot. Der Krieger wirkte ersch�pft. Seine Schl�fen waren ergraut, aber er hatte nicht zu viel von seinen Jahren verloren. Seine Ver�nderung mochte f�r andere von den Schrecken dieses Tags herr�hren. Sie hatte keine allzu deutliche Spur hinterlassen.</p><p>Aaron ergriff ihre Hand. �Du musst mit mir kommen. Du k�nntest viel Leid von den Menschen nehmen, sch�ne Fremde.�</p><p>Lyvianne sah ihm tief in die Augen. Einsamkeit hatte sich dort eingenistet, hinter dem Strahlen, das jene blendete, die nur den Unsterblichen sehen wollten. �Ich kann nicht. Mein Schicksal ist ein anderes. Ich bin wie der Wind, du kannst mich nicht halten. Es ist mir bestimmt weiterzuziehen.�</p><p>Er lie� sie los. In seinen Augen spiegelte sich nun Bedauern. Er w�rde niemals versuchen, sie mit Gewalt aufzuhalten, das wusste sie. Dieser Mensch war tats�chlich ganz anders als die wenigen anderen Menschenkinder, die sie bis zum Grund ihrer Seele kennengelernt hatte.</p><p>Lyvianne setzte wieder ihren Helm auf und zog sich zu ihren Gef�hrten zur�ck. Sie ignorierte die schneidende Bemerkung Nandalees, dass bald die halbe Stadt einst�rzen k�nnte und keine Zeit f�r irgendwelche Spielchen blieb. Lyvianne sah das anders. Sie war hier noch nicht fertig. Sie hielt sich dicht an Bidayns Seite, als sie die Tempelg�rten verlie�en, den weiten Platz vor dem Wei�en Tor querten und sich in den engen Gassen dr�ngten, flankiert von einfachen H�usern, deren Flachd�cher nun dicht gedr�ngt voller Gaffer standen, die sehen wollten, was in der Tempelstadt der Zapote vor sich ging.</p><p>Bald hatten sie eine der endlosen Treppen erreicht, die die Terrassen der Stadtviertel miteinander verbanden. Nandalee hatte einen Weg abseits der Hauptstra�en gew�hlt. Sie zog es vor, im Halbdunkel enger Stiegen zu bleiben. Sie erklommen ausgetretene Stufen, glitschig vom Unrat, der achtlos aus Fenstern gesch�ttet wurde, und von dem Wasser, das von der W�sche tropfte, die an einem dichten Spinnennetz von Leinen hing und den Blick auf den Himmel zu einem Mosaikbild werden lie�. Lyvianne bemerkte, wie angespannt Nandalee immer noch war, als f�rchte sie, ihre Mission k�nne noch im letzten Augenblick eine tragische Wendung nehmen. Wussten die Devanthar vielleicht schon, was geschehen war, und w�rden sie angreifen?</p><p>Lyvianne w�rde sich nicht von den �ngsten der jungen Elfe anstecken lassen. Sie zog Bidayn dicht an sich heran. �Ich habe dir ein Versprechen gegeben. Ich werde es einl�sen. Lass uns im Gedr�nge auf dem Platz vor der Goldenen Pforte verschwinden.�</p><p>Bidayn wirkte �ngstlich. �Wir k�nnen doch nicht���</p><p>�Willst du eine neue Haut haben, glatt wie Seide? Dann folge mir!�</p></section><section><title><p>Neue Wege</p></title><p>Auf dem Platz vor der Goldenen Pforte dr�ngten sich Menschen, Maultiere, S�nften und Kamele. Die Luft schwirrte von Fl�chen in allen Zungen der Menschenwelt, von Gebeten der �ngstlichen und den lautstarken Prahlereien jener, die ihre Angst hinter gro�en Worten versteckten. Auch alle D�fte Nangogs hatten sich hier versammelt. Der Geruch von Safran, Pfeffer und Koriander mischte sich mit dem Duft gegrillten Fleisches, der von den zahllosen kleinen Bratstuben, die den weiten Platz s�umten, aufstieg und sich wie eine Glocke �ber den Platz legte. Wasserverk�ufer mit gro�en Amphoren auf den R�cken geschnallt und B�ckerburschen mit Stangen voller Sesamkringel zogen durch die Menge. Gaukler und Musiker spielten f�r die Wartenden, die mit Karawanen durch das magische Tor, das die Welten miteinander verband, in ihre ferne Heimat ziehen wollten. Nur nachts kehrte hier f�r wenige Stunden Ruhe ein. Die Waren einer ganzen Welt mussten durch dieses Nadel�hr.</p><p>Nandalee wusste, dass ihnen nicht mehr die Zeit blieb, sich unter den Wartenden einzureihen. Sie vertraute Nangog nicht. Hatte die G�ttin ihren Plan, die Goldene Stadt einfach von den H�ngen des Weltenmunds zu wischen, wirklich aufgegeben? Nangog hatte sie geringer als ein Staubkorn auf ihrem Auge genannt. Warum sollte sie sich an das Versprechen ihr gegen�ber halten?</p><p>Und selbst wenn sie es tat, was war f�r sie ein kleines Beben? Nandalee wusste nur eines, wenn es so weit war, wollte sie nicht in der Goldenen Stadt sein, um die Rache der Riesin zu erleben. Es w�rde Tausende Tote geben, dachte sie niedergeschlagen. Obwohl sie alles getan hatte, um dies zu verhindern. Wieder war sie gescheitert.</p><p>�Wo ist Lyvianne?�, fragte Gonvalon pl�tzlich.</p><p>Nandalee fuhr herum. Lyvianne und Bidayn waren im Gew�hl der Menge verschwunden. �Diesmal warten wir nicht!�, entschied sie. Ihnen lief die Zeit davon. Nandalee hatte schon nicht begreifen k�nnen, was Lyvianne mit dem Unsterblichen getan hatte. Sie alle in Gefahr zu bringen, um dessen Wunden zu heilen, passte im Grunde gar nicht zu der Zauberweberin. Wahrscheinlich hatte sie in den Erinnerungen des Herrschers gelesen�� doch das zu tun war nicht ihre Aufgabe. Sie hatten ihre Mission erf�llt und das Letzte, was Nandalee nun noch zu tun blieb, war, all ihre Gef�hrten lebend zur�ck nach Albenmark zu bringen.</p><p>�Wir k�nnen sie doch nicht einfach zur�cklassen�, sagte Gonvalon schockiert. �Wir geh�ren zusammen. Wir stehen f�reinander ein. Selbst f�r die Toten und erst recht f�r die Lebenden.�</p><p>Nandalee war verletzt. Ihr war nicht entgangen, wie sehr ihn ihre Entscheidung, Manawyns Leiche zur�ckzulassen, verst�rt hatte. Aber es ging hier um die Lebenden. �Es ist Lyvianne, die uns im Stich l�sst, und ich bedauere, dass sie Bidayn verf�hren konnte, mit ihr zu gehen. F�r uns gibt es kein Zur�ck mehr.� Sie deutete auf das m�chtige Portal zwischen den G�tterstatuen. �Dies ist unser Weg nach Albenmark, und in kurzer Zeit k�nnte er sich f�r lange Zeit schlie�en. Nangog ist voller Zorn aus ihrem magischen Schlaf erwacht. Was sie bislang getan hat, war Teil ihrer Tr�ume in diesem Schlaf. Jetzt ist sie wach. Und sie sieht, dass es kein Traum war, was die Menschenkinder ihrer Welt angetan haben. Wie sie ganze Landstriche in W�sten und ihre Fl�sse in Kloaken verwandelt haben, W�lder zerst�rten, die in Jahrhunderten gewachsen waren, und ihren Himmel mit Rauchschwaden �berzogen. Als sie erwachte, wollte sie diese ganze Stadt vom Hang fegen.�</p><p>�M��ige dich�, zischte Nodon. �Wir werden schon angestarrt.�</p><p>Nandalee hatte ihre Muttersprache benutzt, es konnte also kein Menschenkind verstanden haben, wor�ber sie redete. Aber sie hatte sich derart in Rage gesteigert, dass alle Gespr�che um sie herum verstummt waren, und zahllose Menschenkinder sie, diesen seltsamen Krieger mit der hellen Stimme, anstarrten. Nodon hatte recht. Dieser Ort war der schlechteste der ganzen Stadt, um Aufmerksamkeit zu erregen. In der Goldenen Pforte stand einer der Silberl�wen der Devanthar und wachte �ber die Karawanen, die kamen und gingen. Und manchmal waren sogar die G�tter selbst hier.</p><p>Nandalee packte Nodon. �Los, lies in meinen Gedanken, sei eins mit mir.� Lieber h�tte sie sich Gonvalon offenbart, doch seit der Schwertmeister all seiner magischen Gaben durch Matha Naht beraubt worden war, war dies nicht mehr m�glich. �Tu es!�</p><p>Nodon zog seine Hand zur�ck und warf Gonvalon einen fast entschuldigenden Blick zu. �Ich glaube dir�, sagte er ruhig. �Du musst mir nichts beweisen.�</p><p>�Aber wir haben Nangog befreit�, sagte Eleborn. �Sie kann doch nicht���</p><p>�Sie wird auf uns keine R�cksicht nehmen. Wir sind Staubk�rner f�r sie. Albenkinder! Gesch�pfe jener G�tter, die kamen, um sie in Fesseln zu schlagen. Dass wir sie nun befreit haben, �ndert nichts daran, dass sie die Alben ebenso hasst wie die Devanthar. Und dass wir noch in der Stadt sind, wird sie nicht von ihrer Rache abhalten.� Sie deutete auf die enthauptete Gottheit bei der Goldenen Pforte. �Vor einigen Wochen erst hat die Stadt ein Erdbeben ersch�ttert, als Nangog noch schlief. Du hast die zerst�rten Ankert�rme gesehen, die eingest�rzten H�user. Diesmal wird es schlimmer werden. Sie ist voller Zorn. Ich m�chte nicht hier sein, wenn ihre Wut die Stadt trifft. Deshalb k�nnen wir Lyvianne und Bidayn nicht mehr suchen. Ich hatte euch eindringlich gewarnt, dass wir keine Zeit zu verlieren haben, und Lyvianne hielt sich dennoch mit diesem Unsterblichen auf. Nun setzt sie unser aller Leben erneut aufs Spiel. Ich dulde nicht, dass einer von euch zur�ckgeht, um nach ihr zu suchen. Sie hat ihre Entscheidung getroffen. Wir schulden ihr nichts.�</p><p>�Sie hat Manawyn zur�ckgeholt. Sie hat ihr Leben gewagt, damit wir unsere Mission erf�llen�, entgegnete Gonvalon vorwurfsvoll. �Ich kann jetzt nicht einfach gehen.�</p><p>�Sie schert sich einen Dreck um uns�, versuchte nun auch Nodon, ihn zu �berzeugen. �Sie h�tte wenigstens sagen k�nnen, was sie will. Und warum ist Bidayn mit ihr gegangen? Bidayn ist nicht einmal eine Drachenelfe. Wo zieht sie die Kleine hinein?�</p><p>�Wenn sie sich falsch verh�lt, ist das keine Rechtfertigung f�r mich, es auch zu tun. Wir sollten zusammenstehen.�</p><p>Nandalees Gedanken �berschlugen sich, sie wollte ihm widersprechen, doch dann besann sie sich. Die Welt um sie herum verblasste�� es gab nur noch Gonvalon. Sie sah sein schmales Gesicht, seine melancholischen Augen, die so oft vor Liebe �berspr�hten, wenn er sie betrachtete, den weichen Mund, den sie unz�hlige Male gek�sst hatte, den sehnigen K�rper, der in den sch�nsten N�chten ihres Lebens neben ihr gelegen hatte. Sie dachte an sein Lachen, wenn sie etwas Verr�cktes getan hatte. Und sie traf eine Entscheidung.</p><p>Gonvalon w�rde lieber in einer Stadt zur�ckbleiben, die dem Untergang geweiht war, als gegen seine Moralvorstellungen zu versto�en. Das war der Mann, in den sie sich verliebt hatte. Der wei�e Ritter, der stets auf der Seite des Lichtes blieb, selbst wenn die Himmelsschlangen ihn als M�rder aussandten. Sie wusste, wie sehr er an diesem Leben litt und dass sein Moralkodex das Einzige war, was ihm Halt gab. Sie w�rde ihn nicht zwingen, diesen Kodex gegen ihre Liebe abzuw�gen. In den vergangenen Wochen war er ihr immer gefolgt. Nun war es an der Zeit, dass sie sich ihm anschloss, auch wenn es n�rrisch erschien, was er tun wollte.</p><p>�Ich erkl�re unsere Mission f�r beendet�, sagte sie langsam. Ein letzter Zweifel, ob sie das Richtige tat, lag noch in ihren Worten. �Jeder ist nun frei, seiner Wege zu gehen.�</p><p>Die drei Drachenelfen sahen sie erstaunt an.</p><p>�Und du?�, fragte Eleborn verwundert. �Was wirst du tun?�</p><p>�Ich bleibe bei Gonvalon.� Dies laut auszusprechen machte ihr das Herz leichter. Es war keine vern�nftige Entscheidung, aber sie wusste, ganz gleich, was auch geschehen mochte, sie w�rde es nicht bereuen.</p><p>Allein der Blick, voller Stolz und Liebe, den Gonvalon ihr in diesem Augenblick schenkte, war es wert, alles zu riskieren.</p><p>�Ich gehe mit euch�, sagte Nodon in seiner knappen Art.</p><p>Eleborn z�gerte kurz, dann nickte er. �Ich auch.�</p><p>Nandalee hatte sich gew�nscht, nicht diese Verantwortung tragen zu m�ssen. Und doch war sie auch froh, dass ihre Gruppe nicht zerbrochen war. Sie w�rden Nangog die Stirn bieten und gemeinsam mit den Menschenkindern erleiden, was sie entfesselt hatten.</p></section></section><section><title><p>Zweites Buch</p><p>Der Himmel in Flammen</p></title><section><title><p>Der T�uscher</p></title><p>Gleich w�rden sie den Hund hereinlassen. Den gr��ten von ihnen.</p><p>Dojan hatte sie stets gef�rchtet, diese Hunde. Deshalb war er zum Aufseher der Zwinger geworden, zum Hundef�hrer. Er hatte entschieden, dass es besser sei, der zu sein, der die Leine h�lt. Den Hunden hatte er nichts vormachen k�nnen�� sie hatten seine Furcht stets gesp�rt. Er hatte sie sich mit Peitschenhieben und Dornhalsb�ndern gef�gig gemacht, sie hatten gekuscht, aber sie hatten es gewusst.</p><p>Nicht so ihre Herren. Wie er sie hasste, diese selbstgef�lligen Grundbesitzer. Sie hielten keine Sklaven, sie lie�en Schuldner f�r sich arbeiteten. Und diese Schuldner entkamen ihren Verpflichtungen erst mit dem Grab. Manche nicht einmal dann! Mit Schaudern dachte er an den Fleischhandel mit der Goldenen Stadt. Dojan blickte hinauf zu den dunklen Sehschlitzen, oben, dicht unter der Decke der kleinen Arena. Die Mauern waren wei� get�ncht, aber er konnte die Flecken unter der T�nche sehen. Sie lie�en sie jedes Mal neu t�nchen nach so einer Hinrichtung. Dann sah Dojan zum Gitter, das sich bald heben w�rde. Er konnte den Hund hecheln h�ren. Rei�er nannten sie ihn. Ein wahres Ungeheuer. Fast so gro� wie ein Pferd, mit struppig grauem Fell und himmelblauen Augen. So blauen Augen wie bei Hanna.</p><p>Er h�tte wissen m�ssen, in welche Gefahr er sich begab. Sie war zu auff�llig gewesen mit diesen leuchtenden Augen, ihrem goldenen Haar und ihrer selbstverliebten Art. Hanna hatte nicht die F�higkeit, sich zu verstecken. Sie hatte nicht unsichtbar werden k�nnen. Nichts hatte ihrem Wesen mehr widersprochen.</p><p>Sie hatten sie gefunden. Und sie hatte ihnen seinen Namen genannt. Den Namen des Herrn der Bluthunde. Und ausgerechnet dieser Vollstrecker der Gerechtigkeit der Ungerechten war fehlbar gewesen.</p><p>Dojan lie� das Gitter nicht aus den Augen. Wann w�rde es sich endlich heben? Er war doch da! Er konnte Manasses Blicke sp�ren. Diese satten, selbstgef�lligen Blicke! Weidete er sich an seinem Elend? An seinen gebrochenen Beinen. Er w�rde nicht weglaufen k�nnen. Sie hatten ihm mit Kn�ppeln die Knie zerschlagen, die Schienbeine und die F��e. Aber er hatte ihnen nichts gesagt. Drei Tage lang, bis sie des Fragens m�de wurden. So gerne h�tten sie gewusst, wie vielen er geholfen hatte. Das war seine Rache, sie im Zweifel zu lassen, wer von denen, die er als von Hunden zerrissen gemeldet hatte, in Wirklichkeit geflohen war. Wie oft hatte er sie hintergangen? Und was war aus jenen geworden, die ihren Hass auf die Gro�grundbesitzer am Fluss niemals vergessen konnten? W�rde einer von ihnen wiederkommen?</p><p>Der Gedanke an diese Zweifel, die seine Peiniger niemals verlassen w�rden, hatte ihm die Kraft gegeben, seine Martern zu ertragen. Hanna hatte nichts gehabt, woran sie sich festhalten konnte. Sie hatten sie zusehen lassen, wie sie ihn schlugen, nachdem sie ihnen seinen Namen verraten hatte. Und Hanna hatte ihnen auch von seiner Furcht vor Hunden erz�hlt. Sie hatte alles erz�hlt, und als sie nichts mehr preiszugeben hatte, hatte sie Geschichten erfunden, um nicht geschlagen zu werden und das Unvermeidliche hinauszuz�gern. Gestern Nacht hatten sie sie zum Krebsbecken gebracht und an den Pfahl am Ufer gebunden. Er hatte zusehen m�ssen, wie sie aus dem Wasser gekommen waren. Jene gro�en Scherentr�ger, die mit einem Schnippen Zehen abtrennen konnten. Sie wurden geh�tschelt und gem�stet, um irgendwann in den Kocht�pfen der Reichen in der Goldenen Stadt zu landen. So w�rde auch Hanna wieder in die Goldene Stadt zur�ckkehren, von der sie immer getr�umt hatte. Sie w�rde in die H�user der Reichen kommen�� Daf�r h�tte sie alles gegeben, als sie noch lebte. Dojan lachte bitter. Er h�tte ihr nicht bei ihrer Flucht helfen d�rfen. Er h�tte es besser wissen m�ssen. Sie war nicht dazu geschaffen gewesen, unsichtbar zu werden.</p><p>Irgendwo hinter dem Gitter scharrte Rei�er ungeduldig mit den Pfoten. Im Grunde hatte er Gl�ck mit seiner Angst vor Hunden. Rei�er w�rde ihn schnell erledigen. Es w�re nicht so wie letzte Nacht mit Hanna. Als sie ihrer Schreie �berdr�ssig wurden, hatten sie ihr die Stimmb�nder durchtrennt, nicht etwa die Kehle. Wie er sie hasste, diese feisten Schweine. Er malte sich aus, was er ihnen antun w�rde. Sie hatten ihn viel �ber Grausamkeit gelehrt. Dojan schloss die Augen. Sein letztes Gef�hl vor dem Tod sollte nicht Hass gewesen sein. Er versuchte, auch den pochenden Schmerz in seinen Beinen zu vergessen, der sich umso st�rker meldete, als er den Hass loslie�. Er dachte an all jene, die er gerettet hatte, die in Sicherheit leben konnten, weil er seinen Herren ein paar blutige, zerrissene Kleider gezeigt hatte.</p><p>Er hatte als einer der erfolgreichsten Hundef�hrer gegolten, die der gro�e Fluss je gesehen hatte. Dojan l�chelte still in sich hinein. Besonders gerne dachte er an das erste M�dchen, dem er zur Flucht verholfen hatte. Was f�r eine wunderbare L�gnerin sie gewesen war. Und wenn er sie angeschaut hatte, hatte er jede dieser L�gen wider besseren Wissens glauben wollen. Sie war klug gewesen und sch�n. Alles, was er ihr je erz�hlt hatte, hatte sie in sich aufgesogen, wie ein ausgetrockneter Schwamm Wasser aufnimmt. Ihr hatten die G�tter alles im �berma� geschenkt, was man brauchte, um in der Goldenen Stadt zu �berleben. Bei ihrem gr��eren Bruder waren die G�tter nicht so freigiebig gewesen. Er war ein braver Junge, stark f�r sein Alter, ehrlich und strebsam. Er hatte immer auf Zarah achtgegeben, sie besch�tzt, so gut er nur konnte, und gar nicht bemerkt, wie oft sie es war, die die F�den ihres Schicksals in der Hand hielt.</p><p>Mit den beiden hatte sein Treiben angefangen. Er hatte sie unaufdringlich ermutigt zu fliehen, indem er Geschichten erz�hlt hatte von Dienern, denen es gegl�ckt war zu entkommen. Und als die Geschwister dann endlich den Mut fanden, es zu tun, hatte er ihnen den R�cken freigehalten. Er hatte die anderen Hundef�hrer auf falsche F�hrten geschickt und schlie�lich zerfetzte, blutige Kleider vorgelegt und behauptet, er habe gesehen, wie die Flusskrokodile sie geschnappt hatten. So hatte niemand mehr nach ihnen gesucht. Niemand war so frei wie die Toten, dachte er l�chelnd.</p><p>Mit einem Scharren hob sich das Gitter. Er h�rte das Knurren von Rei�er. Gleich w�rde auch er zu den Toten geh�ren. Zu den Freien!</p></section><section><title><p>Verwandlung</p></title><p>Manasse betrachtete Dojan voller Abscheu. Nicht vielen war es gelungen, ihn zu hintergehen. Dieser verdammte Bastard hatte ihm wohl schon �ber Jahre etwas vorgemacht. Und jetzt lag er da und l�chelte, als das Gatter aufging, statt sich vor Angst anzupissen. �Drecksack!�, zischte er.</p><p>Hanna hatte geschworen, dass Dojan Angst vor Hunden hatte, die er nur dadurch beherrschen konnte, dass er wie ein Tyrann �ber die Tiere regierte, ihre Leinen hielt, sie mit der Peitsche z�chtigte und niemals nachgiebig war. Und jetzt wartete er l�chelnd auf den Schlimmsten von ihnen!</p><p>Heute genoss er es, allein zu sein. Selbstverliebt seinen Spa� mit niemandem zu teilen. Es war �blich, die Herren der benachbarten G�ter einzuladen, einer Hinrichtung beizuwohnen, so wie er es gestern getan hatte, als sie das M�dchen an den Pfahl gefesselt hatten. Es geschah nicht viel auf den gro�en Landg�tern am Fluss. Jede Abwechslung war willkommen. Manasse b�ckte sich, um besser durch den schmalen Sehschlitz vor ihm blicken zu k�nnen. Rei�er trat misstrauisch schnuppernd durch das Gitter. Er roch das Blut und das Fleisch, das schon brandig zu werden begann. Hunde mochten es, wenn ihr Fressen nicht mehr ganz frisch war. Doch irgendetwas stimmte nicht mit Rei�er. Steifbeinig stakste er aus dem Tunnel und hielt sich dicht bei der Wand, statt �ber Dojan herzufallen. Er musste doch sehen, dass der Hundef�hrer wehrlos war. Warum klemmte das Vieh seine Rute zwischen die Hinterl�ufe? Warum��?</p><p>Gr�ner Nebel glitt durch den Tunnel, durch den gerade erst Rei�er gekommen war. Manasse wich ein St�ck vom Sehschlitz zur�ck. Ein Gr�ner Geist! Zweimal hatte er sie von ferne in den W�ldern gesehen und Hunderte Geschichten �ber sie geh�rt. Was immer jetzt kommen w�rde, w�rde interessant werden. Er tastete nach der kleinen Glasphiole, die an einer Lederschnur um seinen Hals hing. In ihr war ein Pulver enthalten, das gegen die Geister sch�tzte. Man musste es nur in eine offene Flamme schleudern, dann entstand ein Rauch, den die Waldgeister nicht ertragen konnten. Es war unanst�ndig teuer gewesen, das Pulver. Aber es wirkte. Er hatte selbst einmal einen Reisenden zu Gast gehabt, dem das Pulver im tiefen Wald das Leben gerettet hatte. Manasse blickte aus den Augenwinkeln zur Fackel, die hinter ihm an einem Halter in der Wand steckte. Er war hier sicher!</p><p>Mit angehaltenem Atem verfolgte er, was unter ihm in der kleinen Hundearena geschah. Der Geist trieb Rei�er vor sich her, dr�ngte ihn in die Enge. Dabei winselte der gro�e Bluthund so erb�rmlich, als habe ihn ein Krokodil geschnappt. Dann atmete Rei�er den Geist ein! Manasse presste sich die Hand auf Mund und Nase. Davon hatte er noch nie geh�rt. Rei�er stand ganz still. Seine Rute war nicht l�nger zwischen seine Hinterbeine geklemmt. Er sah zu dem Sehschlitz hinauf. Kurz glaubte der Gutsherr, ein gr�nes Leuchten in den Augen des Bluthundes flackern zu sehen. Dann ging das Tier auf Dojan zu.</p><p>Der Kr�ppel l�chelte nicht mehr, sondern war gel�hmt vor Angst. Unf�hig sich zu r�hren, starrte er den Hund an, der ihm seine gro�en Pfoten auf die Brust setzte und ihn nach hinten dr�ckte, bis er schlie�lich ganz auf ihm stand. Die Schnauze des Bluthundes kam dem Gesicht Dojans immer n�her. Einen Augenblick sah es so aus, als wolle der Hund ihn k�ssen, als pl�tzlich der Gr�ne Geist aus seinem Maul quoll. Ein Teil der Nebelgestalt drang in Dojans Mund und Rachen, der verzweifelt aufschrie.</p><p>Der gr��te Teil des b�sen Geistes jedoch wand sich in schlangengleichen Spiralen um den Leib des Hundes und Dojans. Die beiden K�rper b�umten sich unter spastischen Zuckungen auf und schlugen immer wieder hart aneinander. So hart, dass sich ihre Glieder verformten, als w�rden die Knochen brechen.</p><p>Manasse hatte so etwas noch nie gesehen. Gleicherma�en schockiert und fasziniert vermochte er den Blick nicht abzuwenden. Die starken L�ufe Rei�ers knickten ein, und sein massiger Leib sank auf den K�rper Dojans. Fast sah es aus, als liebten sich die beiden zuckenden Leiber. Da begann der gr�ne Nebel, von innen heraus zu gl�hen. Schillernde F�nkchen stiegen von ihm auf, tanzten durch die Arena und st�rzten zur�ck zu den beiden Leibern, die��</p><p>Der Gutsherr traute seinen Augen nicht. Er dr�ngte gegen den Sehschlitz, als wolle er durch die schmale �ffnung hindurchkriechen. Das konnte nicht sein! Das Fleisch von Hund und Mann ver�nderte sich. Die beiden Leiber verschmolzen miteinander! Sie waren nicht mehr l�nger zwei Kreaturen. Die Rippen Dojans klafften auf wie ein fleischiges Maul und zogen den Hund in den ge�ffneten Leib. Der Kopf des Bluthundes fiel auf Dojans Gesicht, und als h�tten beide keine feste Form mehr, begannen sie ineinanderzuflie�en, bildeten einen neuen, gr��eren Kopf mit vorspringender Hundeschnauze und gro�en Hundeohren.</p><p>Die Kreatur aus den beiden Leibern wand und streckte sich. Und sie wuchs. Als der gr�ne Nebel g�nzlich verschwand und das Ungeheuer, das aus Hund und Hundef�hrer entstanden war, sich aufrichtete, war es mehr als zweieinhalb Schritt hoch. Es hatte den Rumpf eines Menschen und auch dessen Arme, wenngleich diese in H�nden endeten, die mit langen Klauen besetzt waren. Die Beine sahen drahtig und seltsam verdreht aus. Aber es waren Beine f�r lange, ausdauernde L�ufe. Der Kopf der Kreatur wirkte am wenigsten menschlich. Mit fingerlangen Rei�z�hnen in einer Hundeschnauze schien die Bestie einem Albtraum entsprungen zu sein.</p><p>Nur die Augen erinnerten noch an Dojan. Gro�e, braune Augen, hinter denen der rachs�chtige Verstand des Hundef�hrers blitzte. Nun sahen sie hinauf zu dem Sehschlitz. Witternd reckte die Bestie den Kopf vor. In dem Augenblick begriff Manasse, dass diese Kreatur, in der Dojans Verstand weiterlebte, wusste, dass er hier oben war.</p><p>Die Bestie fuhr herum und zw�ngte sich durch den kurzen Tunnel, der zu den Zwingern f�hrte. Panisch sah sich der Gutsherr um. Er musste fliehen! Aber wohin? Er durfte nicht im Freien erwischt werden. Schon �fter hatte er gesehen, was Bluthunde mit fl�chtigen Arbeitern anstellten. Und diese Bluthunde waren Streicheltiere im Vergleich zu der Bestie, die in der Arena geboren worden war. Verzweifelt blickte er auf den schmalen Riegel an der T�r der engen Kammer. Sieben Kammern wie diese und eine gro�e, die viele G�ste aufnehmen konnte, umringten die Hundearena. Der Riegel war nur dazu da, um ungest�rt zu bleiben, falls man etwas anderes tun wollte, als sich am blutigen Gemetzel zu erg�tzen. Einem ernsthaften Ansturm w�rde er nicht standhalten.</p><p>Manasses Blick blieb an der Fackel haften. Sie w�rde ihn retten. Als er sie aus dem Bronzehalter an der Wand zog, h�rte er, wie unten eine T�r zersplitterte. Die Bestie hatte den Zugang zur Treppe, die hier hinauff�hrte, aufgebrochen.</p><p>Mit zitternden H�nden tastete der Gutsherr nach dem Glasfl�schchen. Deutlich konnte er scharrende Laute auf den Stufen h�ren. Stumm in sich hineinfluchend, riss er den d�nnen Lederriemen vom Hals, als es ihm einfach nicht gl�cken wollte, den Verschluss des Fl�schchens zu �ffnen.</p><p>Er h�rte, wie die Bestie drau�en witternd von T�r zu T�r ging. Der Hals der Phiole brach, die H�lfte des gelben Pulvers rieselte zu Boden, und beinahe w�re die Flasche Manasses verschwitzten Fingern entglitten. Er war inzwischen fast verr�ckt vor Angst.</p><p>Es kratzte an der T�r. Ein tiefes, kehliges Knurren erklang. Wenigstens ein Teil des Pulvers gelangte in die Flammen der Fackel, bevor das Fl�schchen doch noch seinen verschwitzten Fingern entglitt und klirrend zu Boden fiel.</p><p>Ein dicker, �liger Rauch von schwefelgelber Farbe w�lkte auf, als der Sperrriegel aus der Halterung an der Wand gerissen wurde. Die T�r flog auf, und geifernd, mit leicht geducktem Gang schlich die Bestie in die enge Kammer, die Krallenh�nde vorgestreckt, als wolle sie Manasse damit das Herz herausrei�en. Der Gutsbesitzer blies in den gelblichen Rauch, um ihn schneller in Richtung des Ungeheuers zu treiben. Wenn die Kreatur das Zeug doch nur endlich einatmen w�rde!</p><p>Der riesige Hundemann legte den Kopf schief und schnupperte misstrauisch. Es wirkte also! Ermutigt schob Manasse die Fackel vor. �Hau ab, du Vieh!�, schrie er voller Inbrunst und �berlegte, wie er Jagd auf die Bestie machen k�nnte, wenn sie sich in die sumpfigen Flussauen fl�chtete. Er hatte schon vor Augen, an welcher Stelle seines Hauses er den Kopf des Ungeheuers ausstellen k�nnte, als der Hundemann vorschnellte.</p><p>Ein einziger Biss trennte Manasses Hand mit der Fackel vom Arm.</p></section><section><title><p><emphasis>Chim�ren</emphasis></p></title><p>�Und so begab es sich, dass sich die G�ttin in der Erde gegen ihre Fesseln aufb�umte. Und auch wenn sie fern der Macht war, die sie einst besessen hatte, so vermochte sie nun doch Ungemach �ber jene Welt zu bringen, die aus dem erschaffen worden war, was sie einst Daia gestohlen hatte. Sie rang mit ihren Ketten, ohne sie zerrei�en zu k�nnen. So war ihr Zorn nur als fernes Donnergrollen zu vernehmen und vermochte nur einige kleine Kinder zu erschrecken, die noch an der Brust ihrer M�tter lagen. Und so sann sie darauf, das Gift ihrer Rache auf andere Art in ihre Welt zu tragen, der flei�ige H�nde fruchtbare �cker abgerungen hatten, und wo die Kinder der sieben Reiche Ordnung brachten, wo zuvor nur Wildnis und Chaos geherrscht hatten.</p><p>Und ihr b�ser Wille erstarkte in den Geistern, die durch die Nacht streiften, und gab ihnen eine Zaubermacht, die sie zuvor nicht besessen hatten. So wurden sie zu Seelenverschlingern, die Menschenkinder in der Einsamkeit heimsuchten, um sie eins werden zu lassen mit Gesch�pfen der Wildnis und Dunkelheit. So wurden jene Tapferen, die in den Bergen nach dem Gold der Erde suchten, von Geiern und Adlern heimgesucht, und die Geister verschmolzen ihre Leiber und erschufen widernat�rliche Chim�ren, halb Mensch und halb Gesch�pf der Wolken. �hnlich erging es J�gern, die eins mit W�lfen und Tigern wurden. Doch wurde mir auch berichtet von Ungl�ckseligen, die �ber den Frieden der Toten�cker wachten und die verschmolzen mit jenen, die sich, getrieben von der rachs�chtigen G�ttin, aus der Erde erhoben.</p><p>Solcherart war dies �bel, dass es �berall zugleich geschah, wo Menschen in der Neuen Welt lebten. Und bald gab es keinen Ort mehr, an dem sie vor den Chim�ren der gefesselten Riesin sicher waren. Doch bald schon ward den Unsterblichen zugetragen, was in ihren fernsten Provinzen geschah, und sie entschieden, einen gro�en Rat einzuberufen, um des Dunkels Herr zu werden, das die friedlichen H�tten ihrer Untertanen befallen hatte (�)�</p><cite><text-author>Zitiert nach: Vermischte Schriften aus alter Zeit, Herausgeber: Unbekannt. S. 83. Verwahrt in der Bibliothek von Iskendria, Saal der versunkenen K�nigreiche, Regal XXXV, Brett VII.</text-author></cite><cite><p>Anmerkung: Abschrift eines alten Textes, den die Elfe Valynwyn in der Bibliothek der Menschenkinder in ihrer Stadt Iskendria entdeckte. Auch wenn die Geschichte �ber die Entstehung der Chim�ren grunds�tzlich glaubw�rdig erscheint, spricht doch einiges daf�r, dass der Verfasser sich nie auf Nangog aufgehalten hat und auch nicht zeitnah zu den geschilderten Ereignissen gelebt hatte.</p></cite></section><section><title><p>Jenseits des roten Tors</p></title><p>Bidayn wollte eine neue Haut mehr als alles andere, aber es machte ihr Angst, sich gegen die Befehle Nandalees gewandt zu haben. Ihr fehlte die Selbstsicherheit Lyviannes, die unerschrocken voranschritt und sich einen Weg durch das Gedr�nge der Menschenkinder bahnte. Allerorten raunte man, ein Krieg zwischen den Zapote und dem Unsterblichen Aaron von Aram sei ausgebrochen. Die Stadt schien wie von einem Fieber ergriffen. Tausende dr�ngten in Richtung der Viertel, �ber die sich dunkle Rauchschwaden erhoben hatten�� jene G�rten, denen Bidayn und Lyvianne gerade erst entronnen waren. W�ssten die Menschenkinder, welche Kreatur dort in der Tiefe lauerte, sie w�rden ihr Heil in der Flucht suchen.</p><p>Bidayn fragte sich, ob der gefiederte Drache wohl in die Stadt hinaufk�me, um ihrer F�hrte zu folgen. Lyvianne war davon �berzeugt, dass er die H�hle nicht verlassen w�rde. Aber nur, weil er das bisher noch nie getan hatte, hie� das doch nicht, dass er es grunds�tzlich nicht konnte�� �ngstlich behielt sie die Rauchschwaden im Auge und lauschte auf die Rufe der Menschenkinder. Waren da Anzeichen von Panik zu h�ren? Als sie zum wiederholten Male den Stand der Sonne �berpr�fte, blieb Lyvianne stehen.</p><p>�Wir haben sicher noch etwas Zeit, bevor das Beben kommt, von dem Nandalee gesprochen hat. Sie sagte doch, dass die G�ttin noch ihre Kr�fte sammelt�, beruhigte ihre Meisterin sie. �F�rchte dich nicht, ich werde dich hier herausbringen. Aber du wirst mir helfen m�ssen. Den Zauber, den es zu wirken gilt, kann ich nicht alleine weben. <emphasis>Du</emphasis> wirst das Wort der Macht sprechen, das uns die Kraft des Blutes schenkt.�</p><p>Bidayn nickte, obwohl sie ein Schauer durchlief. Sie war sich bewusst, was das bedeutete. Half sie Lyvianne bei diesem Zauber, dann h�tte sie sich auf immer der dunkleren Seite der Magie verschrieben. Hatte sie diesen Weg einmal eingeschlagen, gab es kein Zur�ck mehr.</p><p>Schweigend folgte sie ihrer Meisterin, die ihren Weg durch die stinkende Stadt wieder aufgenommen hatte. In einer dunklen Gasse kauerte ein kleiner, schwarz-wei�er Hund, der sein eigenes Gespei mit gierigen Happen wieder verschlang. Er erschien der jungen Elfe wie ein Sinnbild f�r die Menschenkinder, die sich hier inmitten von Dreck und Elend niedergelassen hatten. Sie waren in der Hoffnung auf schnellen Reichtum gekommen�� und nun kauerten sie im Dreck und verschlangen Tag f�r Tag aufs Neue ihr eigenes Gespei, w�hrend nur jene reicher wurden, die auch in ihrer alten Heimat schon reich gewesen waren. All die anderen aber fra�en ihre unerf�llten Tr�ume in sich hinein. Tag f�r Tag, bis der Tod an ihre T�r klopfte.</p><p>Endlich erreichten sie das sch�ne Haus der Seidenen, und Lyvianne klopfte an das rote Tor. Bidayn l�chelte. Niemand in dem Haus ahnte, dass der Tod an ihre T�r gekommen war. Pl�tzlich empfand sie keine Gewissensbisse mehr wegen dem, was sie tun wollten. Die Menschenkinder lebten ohnehin einem schnellen Tod entgegen. Es spielte keine Rolle, wenn er ein wenig fr�her kam. Sie waren zum Tod geboren. Sie hingegen w�re immer noch jung, wenn die Urenkel der Seidenen das Licht der Welt erblickten. Sie lachte leise auf. Ein schlechtes Bild hatte sie da gew�hlt, denn die Seidene w�rde nat�rlich keine Urenkel haben. Nicht einmal S�hne oder T�chter.</p><p>Eine kleine Luke �ffnete sich in der T�r. Die beiden Elfen nahmen ihre Helme ab, sodass der T�rw�chter sie erkennen konnte. Er �ffnete unverz�glich, obwohl er mit gro�en Augen ihren kriegerischen Aufzug betrachtete. �Die Herrin dachte, ihr w�rt fortgegangen�, sagte der schielende Mann konsterniert.</p><p>�Nun sind wir wieder zur�ck!�, entgegnete Lyvianne leichthin. �Wo finden wir die Herrin?�</p><p>Der T�rw�chter zuckte die Schultern. �Sie ist verschwunden, obwohl keiner sie hat gehen sehen�, sagte er un�bersehbar ungl�cklich dar�ber, dass sein wichtiger Posten durch dieses Verhalten der Seidenen ad absurdum gef�hrt wurde.</p><p>Lyvianne sah zum Himmel hinauf. �Wir warten auf sie. Es bleibt noch Zeit.�</p><p>Bidayn w�nschte sich, sie w�re so ruhig wie ihre Meisterin. Unauff�llig musterte sie die gew�lbte Decke des kleinen Torhauses, in dem sie standen. War dies ein guter Platz bei einem Erdbeben? Waren die Steine hinter dem wei�en Putz wirklich ordentlich gesetzt?</p><p>Der Diener verschloss sorgf�ltig das rote Tor und kauerte sich wieder auf den grauen Stein, auf dem ein schmuddeliges, gelbes Kissen lag. Den Ort, an dem er sein Leben damit verbrachte, darauf zu warten, dass es klopfte.</p><p>Eine junge Dienerin blickte von der holzgefassten Br�stung im ersten Stock zu ihnen hinunter. Bidayn kannte sie. Ihre Aufgabe war es, die kostbaren Seidenkleider ihrer Herrin zu h�ten. Nun lief sie eilig die Treppe hinab. Obwohl sie sich an einem freundlichen L�cheln versuchte, war ihr deutlich die Missbilligung dar�ber anzumerken, Frauen im Gewand von Kriegern vor sich zu sehen.</p><p>�Die Herrin war entt�uscht, dass ihr ohne Abschied gegangen seid, nachdem sie so gut zu euch gewesen ist�, sagte sie spitz. Ihr langes, honigfarbenes Haar hatte sie straff zur�ckgek�mmt und zu einem dicken Zopf geflochten, der ihr �ber die Schulter fiel und fast bis zu ihrer H�fte reichte.</p><p>Sie hat beneidenswert wei�e Haut, dachte Bidayn eifers�chtig. Wahrscheinlich bestahl sie die Seidene und nutzte heimlich deren Tinkturen und Salben.</p><p>�Wir sind durstig, M�dchen�, sagte Lyvianne in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran aufkommen lie�, wer Herrin und wer Dienerin war. �Ich habe den frischen Pfirsichsaft vermisst, den es hier stets gab. Bring uns zwei Becher davon.�</p><p>�Wie Ihr w�nscht�, murmelte das M�dchen unterw�rfig und eilte in Richtung K�che davon.</p><p>Bidayn war noch immer von diesem pl�tzlichen Wechsel im Verhalten der Dienerin verbl�fft, als Lyvianne sich l�chelnd an sie wandte. �Mach dir keine Sorgen. Du wei�t, dass sie in der Hitze der Mittagsstunden fast immer zu Hause ist. Sie wird kommen. Ich kann es f�hlen.�</p></section><section><title><p>Sicherheit</p></title><p>Zarah sp�hte zwischen den Vorh�ngen der S�nfte zu den Wachen und fluchte leise. Erst war sie v�llig geschockt gewesen, dass ihre geplante Gefangennahme durch Arcumenna vereitelt worden war. Sie hatte zu den wenigen Auserw�hlten geh�rt, denen Barnaba in aller Deutlichkeit geschildert hatte, was die Stadt erwartete, wenn Nangog erwachte. Es g�be dann nur noch einen einzigen sicheren Ort�� hoch am Himmel musste man sein! In den Stra�en der Goldenen Stadt w�ren Leben und Tod allein Gl�ckssache.</p><p>Als Arcumenna sie wie irgendeine Dienstmagd genommen hatte, war die Erstarrung von ihr gefallen. Ganz bewusst hatte sie sich aufgef�hrt wie eine Magd. Ihr machte es nichts aus, wenn jemand dabei zusah, wie sie fickte. Auch nicht, wenn sie an einer schmutzigen Hofwand entw�rdigt wurde. Sie hatte Schlimmeres erlebt.</p><p>Ganz bewusst hatte sie die Gebrochene gespielt. Sie hatte kein Interesse an Arcumenna mehr. Sie wollte fort von hier. Dort, wo das Schicksal Barnaba und all die anderen Gl�ubigen hinf�hren w�rde, war ihr Platz. Sie hatte gehofft, dass Arcumenna erkannte, dass er mit seiner Tat nicht nur sie, sondern vor allem auch sich selbst gedem�tigt hatte. Hatte gehofft, dass er an einem apathischen Wrack alles Interesse verlieren w�rde. Stattdessen hatte er sie waschen lassen, sie in dieses kratzende Kleid gesteckt und der Willk�r einer Dienerin �berlassen, die sich wohl schon ausmalte, wie sie ihren Platz im Bett des Arcumenna �bernehmen w�rde. Zarah lachte. Es war ein harter, freudloser Laut. Dann blickte sie wieder nach drau�en.</p><p>Sie hatten gerade das Portal am Fu� der langen Treppe passiert, die hinauf zum Palast des Statthalters der Ischkuzaia f�hrte. Es war nun nicht mehr weit bis zu ihrem Stadthaus. Dies war eines der besseren Viertel. Die H�user waren hoch und aus Stein errichtet. Sie stellte sich vor, wie die W�nde auf die Stra�e st�rzten. Es blieb nicht mehr viel Zeit, und sie wusste nicht, wohin sie gehen sollte. Doch auch das war nicht mehr ihre Sorge. Nicht <emphasis>sie</emphasis> entschied, wohin sie ging. F�nf Krieger aus Arcummenas Leibwache, angef�hrt von dem Ein�ugigen Horatius, eskortierten ihre S�nfte. Horatius war unter allen Hauptleuten des Statthalters der mit Abstand phantasieloseste. Ihn w�rde sie nicht verf�hren k�nnen. Er w�rde stets an ihrer Seite bleiben, bis sie in den Palast des Statthalters zur�ckgekehrt war. Andere h�tte sie vielleicht verf�hren k�nnen, sie dazu verleiten k�nnen, gemeinsam mit ihr durchzubrennen. Aber dieser Mann begeisterte sich nicht an Frauen oder an Wein. Ihn interessierten nur Waffen und Geschichten �ber Schlachten. Er hatte nicht begriffen, worum es im Leben ging.</p><p>Wieder sp�hte Zarah durch die Vorh�nge. Die Zeit wurde knapp. Sie mussten fort von der Stra�e. Das war der allerschlechteste Ort, an dem man bei einem bevorstehenden Erdbeben sein konnte. �rgerlich feuerte sie die S�nftentr�ger an, nicht wie fu�kranke Maultiere daherzuschleichen. Sie musste ihr Haus erreichen!</p><p>Zarah dachte an den tiefen Keller mit der gew�lbten Decke, in dem sie ihren Wein lagerte. Dieses starke Gew�lbe w�rde gewiss allen herabst�rzenden Tr�mmern widerstehen. Erneut befahl sie den S�nftentr�gern, schneller zu laufen. Es war nicht mehr weit.</p><p>Wenn sie erst ihr Haus erreichte, w�re sie in Sicherheit!</p></section><section><title><p>Ich rieche Blut</p></title><p>Gonvalons Blick wanderte �ber die Menschenmenge vor der Goldenen Pforte. Gemeinsam mit Nandalee, Nodon und Eleborn stand er auf den Stufen des Tempels der Sch�pfer, in dem alle Devanthar einen eigenen Altar hatten. Von hier aus hatten sie den besten �berblick, obwohl er nicht glaubte, dass sie Lyvianne und Bidayn hier noch entdecken w�rden. Was immer sie bewogen hatte, ihre Gef�hrten zu verlassen, hatte sie mit Sicherheit zur�ck in die Stadt gef�hrt. Aber wohin?</p><p>Gonvalon sah zu Nandalee. Sie war ganz die J�gerin. Sie bemerkte nicht, dass er sie beobachtete, so sehr war sie darauf konzentriert, den weiten Platz nach Bidayn und Lyvianne abzusuchen. Vielleicht wollte sie sich aber auch nicht anmerken lassen, dass sie seine Blicke sp�rte. Er wusste, dass sie gegen ihre �berzeugung geblieben war�� seinetwegen. Sie hatte sich hier auf Nangog ver�ndert. War h�rter geworden, vermochte ihre Gef�hle besser zu beherrschen. Gonvalon wusste, wie schwer sie darum gerungen hatte. Sie hatte bereut, aus Frustration und Wut den Trollprinzen mit einem Pfeil niedergestreckt zu haben, der vor langer Zeit ihre Jagdbeute erlegt hatte. Sie wollte beherrscht sein und keine falschen Entscheidungen mehr treffen. Er sehnte sich danach, mit ihr allein zu sein. Er wollte mit ihr reden. Vor den anderen w�rde sie keine Kritik dulden. Wenn sie eine Drachenelfe sein wollte, dann durfte die Grundlage ihrer Entscheidungen nicht sein, was andere von ihr erwarteten. Sie allein war das Ma�, denn sie war es, die k�nftig mit ihren Taten leben m�sste. Hatte sie das begriffen, als sie entschied, nach Lyvianne und Bidayn zu suchen? Er hatte seine Zweifel.</p><p>�Vielleicht wei� ich, wo sie sind�, sagte Nodon gepresst.</p><p>Nandalee fuhr zu ihm herum. �Wo?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher�, beeilte sich Nodon zu sagen. �Ich versuche nur die ganze Zeit einen Sinn hinter dem, was sie tun, zu finden. Vor einer Weile habe ich geh�rt, wie sie �ber Bidayns Haut sprachen. �ber die Narben. Lyvianne hat versprochen, ihr zu helfen���</p><p>�Und?�</p><p>�Die Seidene�, stie� Gonvalon hervor. Ihm war schon am Tag ihrer Ankunft in der Goldenen Stadt aufgefallen, wie sehr Bidayn die Sch�nheit ihrer Gastgeberin bewundert hatte.</p><p>�Das werden sie doch nicht tun���, sagte Nandalee. �Wir waren ihre G�ste. Sie hat uns geholfen��� Die junge Elfe sch�ttelte den Kopf. �Es muss einen anderen Grund geben!�</p><p>Gonvalon konnte sich sehr wohl vorstellen, dass Lyvianne ihre Gastgeberin ermorden w�rde. F�r sie z�hlte ein Menschenleben nichts. Er legte seine Hand auf Nandalees Arm.</p><p>Sie sah ihn an, voller Verzweiflung �Gehen wir zum Haus der Seidenen�, entschied sie dann. �Eine andere F�hrte haben wir ohnehin nicht.�</p><p>Keiner widersprach. Nandalee f�hrte sie durch verwinkelte Gassen und �ber Stra�en, die Gonvalon nie zuvor betreten hatte. Er wunderte sich, wie gut sie diese riesige Stadt zu kennen schien. Schneller, als er erwartet h�tte, erreichten sie das Haus mit dem roten Tor. Im Gegensatz zu sonst stand es leicht angelehnt.</p><p>�Lyvianne?�, rief Nandalee �ber die Stra�e hinweg.</p><p>Sie erhielten keine Antwort. Nodon zog sein Schwert. �Ich rieche Blut�, sagte er leise.</p><p>Gonvalon roch nur den Duft von gebratenem Fleisch und Gem�se. Die Mittagsstunde war nicht fern. In einem der H�user w�rde es bald ein �ppiges Mahl geben. Er sah Nodons Anspannung und entschied sich, den scharfen Sinnen des erfahrenen Schwertk�mpfers zu vertrauen. Er legte die Hand auf den Griff seiner Waffe.</p><p>�Gehen wir hinein�, entschied Nandalee, nahm den Bogen von der Schulter und zog die Sehne auf.</p><p>Gonvalon war als Erster beim Tor. Er rammte es mit der Schulter auf. Hinter ihm stand Nandalee und sicherte ihn mit einem Pfeil auf der Sehne.</p><p>Im Durchgang des Torhauses kauerte ein alter Mann, der erschrocken die Arme hochriss. �Tut mir nichts! Bitte, tut mir nichts! Ich hab damit nichts zu tun. Ich��� Als er erkannte, wer sie waren, warf er sich zu Boden und verbarg mit den H�nden sch�tzend seinen Kopf.</p><p>Nandalee trat zur Seite und sicherte mit halb gespanntem Bogen den Innenhof. Ihr Blick wanderte �ber die umlaufende Galerie, an der die T�ren zur ersten Etage lagen. Der Hof war wie ausgestoben. Nur in seiner Mitte lag lang hingestreckt eine rote Gestalt.</p><p>Gonvalon brauchte einen Herzschlag, um zu begreifen, was er da sah, so fremd war es ihm: Vor ihm lag eine geh�utete Frau! Ihr ganzer Leib war nacktes, rotes Fleisch, �berzogen von einem Netzwerk von Adern.</p><p>�Bei den Alben�, stammelte Eleborn neben ihm. �Sie lebt noch!�</p><p>Jetzt sah auch Gonvalon, wie sich die Lippen der Frau bewegten. Ihre gro�en, gr�nen, lidlosen Augen waren auf ihn gerichtet. Er konnte nicht verstehen, was sie sagte, las nur die Qual in ihren Augen. Er war fassungslos, dass Lyvianne und Bidayn das hatten tun k�nnen.</p><p>Nodon, der zu ihnen aufgeschlossen hatte, hob etwas mit der Spitze seines Schwertes hoch. Es war durchscheinend, wie Pergament. Ein Rautenmuster war darauf zu erkennen. �Auch Bidayn hat sich geh�utet.�</p><p>Gonvalon h�rte Eleborn hinter sich w�rgen. Der Schwertmeister hatte das Gef�hl, dass ihm der Boden unter den F��en weggezogen wurde. Wie hatte Lyvianne nur so grausam sein k�nnen! Wie�� Das Wanken des Bodens war mehr als nur ein Gef�hl gewesen. Die Erde unter ihm b�umte sich auf. Ein dumpfes Ger�usch stieg aus der Tiefe auf�� als zerbreche etwas. Dann wurde es tausendfach variiert. Ein breiter Riss lief durch die Hauswand ihm gegen�ber. Ein Teil der Galerie sackte zur Seite.</p><p>Nandalee packte ihn und zog ihn in den gew�lbten Durchgang des Torhauses. Steine prasselten in den Hof. Nodon war noch immer dort. Sein Schwert beschrieb einen blitzenden Bogen. Die Haut, die er aufgespie�t hatte, flog davon. Seine Klinge stach nieder und durchbohrte das Herz der Sterbenden. Ihre bebenden Lippen kamen zur Ruhe, als eine ganze Hauswand in den Hof st�rzte. Staub wirbelte auf und legte sich wie eine neue Haut �ber ihren geschundenen Leib. Ziegelsteine rollten bis zum Durchgang des Torhauses. Doch nicht einer ber�hrte die Tote.</p><p>Das Beben endete so unvermittelt, wie es begonnen hatte. Inmitten des Schutts lag eine zersplitterte Kleidertruhe. Ein Seidenschal in den tausend Rott�nen eines Sonnenaufgangs glitt in einer Kaskade aus schillernden Farben heraus. Wie bunte Bl�ten, davongetragen vom Fr�hlingswind, flatterten die Kleider der Seidenen durch den Hof. Der Schal legte sich um den Hals der Toten und bedeckte ihre Augen, die hinauf zu einem Wolkenschiff blickten, das �ber den Himmel schwebte.</p></section><section><title><p>Im Himmel</p></title><p>�Seht, meine Br�der und Schwestern, wie Nangog die Stadt straft, die uns in Verdammnis schicken wollte!�, rief Barnaba, und seine Stimme war so gewaltig, dass sie auch zu dem zweiten Wolkenschiff trug, das dicht neben ihnen durch den Himmel glitt.</p><p>Der Prediger lie� den Blick �ber die Stadt tief unter ihnen wandern. Es war genauso, wie Nangog es ihm in seinen Visionen gezeigt hatte. Wie von unsichtbaren H�mmern getroffen, brachen die Pal�ste und hohen Wohnh�user in sich zusammen. Ankert�rme knickten, als seien sie nicht mehr als lange Grashalme, nach denen �berm�tige Burschen mit Weidenruten schlugen. Staub erhob sich in rotbraunen Wolken �ber der Stadt, und das Get�se dr�hnte ihnen selbst hier, hoch am Himmel, in den Ohren.</p><p>�Halt dein Maul, Prediger, oder ich lass dich deine Z�hne fressen!�, fuhr ihn der Hauptmann der Wachen an, die als ihre Kerkermeister mit an Bord gegangen waren. Er war ein gro�er, gedrungener Kerl, dessen Hals so kurz war, dass es schien, als w�rde sein Kopf direkt aus dem Rumpf wachsen. Ein kurzer, eckiger Bart betonte das breite Kinn, sein Sch�del war kahlgeschoren. Man musste ihn nur ansehen, um zu wissen, dass er ein grausamer Mann war, dachte Barnaba, aber selbst er sollte Gelegenheit haben, errettet zu werden.</p><p>Der Priester hob dem Hauptmann seine H�nde entgegen, um die d�nne Hanfseile so fest geschlungen waren, dass sie Barnaba tief ins Fleisch schnitten. �Befreie mich, und du kannst einer von uns werden, erleuchtet von der Weisheit der Gro�en G�ttin und stets von ihr besch�tzt. Sieh hinab, Krieger! Sieh, wie deine Welt zerbricht! Folge mir zu neuen Ufern! Erkenne���</p><p>Der Krieger zog sein Schwert, eine lange, m�rderisch spitz zulaufende Bronzeklinge, wirbelte sie herum und versetzte Barnaba mit der flachen Seite einen Schlag auf den Rippenbogen, direkt unter dem Herzen.</p><p>Barnaba traten Tr�nen in die Augen, als ihm pfeifend die Luft aus den Lungen floh. Er brach in die Knie und verfluchte stumm sein Fleisch, das so schwach war. Ein erschrockenes Raunen ging durch die Menge seiner Gl�ubigen. Sie wollten ihm helfen, doch nun zogen auch andere Krieger aus ihrer Eskorte die Schwerter.</p><p>�Bitte, meine Freunde���, stie� Barnaba schwer atmend hervor. �Mir geht es gut. Wir���</p><p>�Dir geht es gut, Aufwiegler?� Den Worten folgte ein Tritt in Barnabas Magengrube. �Ich darf dich zwar nicht umbringen, aber Arcumenna war sehr deutlich, dass ich dir, wann immer es mir beliebt, die Schei�e aus den D�rmen pr�geln kann.� Der Krieger packte Barnaba an den Haaren und riss seinen Kopf hoch. �Wenn es dir gutgeht, Priester, dann bin ich meinen Pflichten nicht nachgekommen.�</p><p>Der Hauptmann deutete auf die Goldene Stadt hinab. Zehntausende Schreie klangen zu ihnen herauf. Das Get�se einst�rzenden Mauerwerks war Wehklagen gewichen. Dichte Staubwolken wogten durch die Gassen und stiegen zum Himmel hinauf. Allerorten waren Br�nde ausgebrochen.</p><p>�Du hast davon gewusst und sie nicht gewarnt, Priester?� Ein Schwerthieb, erneut mit der flachen Seite, ging auf Barnabas H�fte nieder. �Allein daf�r sollte ich dich schon totpr�geln, du Drecksack. Predigst Frieden und l�sst die Menschen zu Tausenden verrecken, wo du h�ttest helfen k�nnen!�</p><p>�Sie wollten nicht h�ren���, stie� Barnaba keuchend hervor.</p><p>Der Hauptmann lie� ihn los, nur um ihm sofort wieder einen Fausthieb in die Magengrube zu verpassen, der ihn in sich zusammenklappen lie�. Zitternd lag er an Deck und w�rgte. Er w�nschte, er w�re tot.</p><p>�ber ihm wanden sich die Tentakel des Wolkensammlers, der das Gefangenenschiff trug. Ein absto�endes Gewimmel schleimtriefender Fangarme. Barnaba atmete schwer aus. Galle stieg ihm in den Mund.</p><p>�Du solltest aufh�ren, ihn zu pr�geln. Noch zwei oder drei Schl�ge, und er ist kaputt.� Es war eine starke, dunkle Stimme mit schwerem drusnischem Akzent, die da gesprochen hatte.</p><p>�Wer bist du?�, fragte der Hauptman w�tend. Dabei schob er einen Fu� unter Barnabas Leib und drehte ihn auf die Seite.</p><p>Der Prediger f�hlte sich, als sei er nur noch willenloses Fleisch. Er war v�llig au�erstande, noch Widerstand zu leisten. Jetzt konnte er seinen F�rsprecher sehen. Es war ein h�nenhafter Krieger in guter R�stung, der einen Helm mit wei�em Rosshaarschweif trug. Ganz offensichtlich geh�rte er nicht zum Gefolge des Hauptmanns.</p><p>Der Fremde z�gerte und schien nicht antworten zu wollen.</p><p>�Na los, sag schon! Wer bist du?�, fuhr ihn der Hauptmann �rgerlich an. �Sprich, oder ich lasse dich �ber Bord werfen!�</p><p>Der H�ne hob beschwichtigend eine Hand, klang aber keineswegs eingesch�chtert, als er antwortete: �Ich bin nur ein S�ldner mit ein wenig Erfahrung darin, Leute totzupr�geln. Und ich sage dir, dein Prediger da unten vertr�gt nicht mehr viel. Noch zwei oder drei Schl�ge und er ist hin�ber.�</p><p>�Und ich sage dir, ich kann dieses Schwein noch eine ganze Weile quieken lassen, bevor es sich verabschiedet.� Mit diesen Worten setzte der Hauptmann die genagelte Sohle seiner Sandalen auf Barnabas Rechte und begann langsam, den Druck zu erh�hen. �Und du nimmst jetzt deinen Helm ab. Ich will dein Gesicht sehen.�</p><p>Der H�ne lachte. �Die meisten sind froh, wenn sie es nicht sehen.� Mit diesen Worten hob er den Helm und zeigte ein gr�ssliches, von fleischigen Narben entstelltes Antlitz. Seine Nase war nur eine unf�rmige Masse, eines seiner Ohren ein merkw�rdig amorpher Klumpen. Er besa� keine Augenbrauen mehr. Sein Sch�del war ebenfalls kahlgeschoren. �Man nennt mich Kolja�, sagte er und l�chelte dabei, was sein Antlitz noch erschreckender aussehen lie�. �Ich wollte mich nicht einmischen, Hauptmann. Wie gesagt, ich habe einige Erfahrung darin, Leute totzuschlagen. Ich war einmal Faustk�mpfer. Und ich sage dir, dein Priester da ist bald hin�ber. Solltest du ihn nicht lebend abliefern?�</p><p>�Ich sagte doch, ich lass ihn noch ein wenig quieken.� Bei diesen Worten verst�rkte der Hauptmann den Druck seines Fu�es. Barnaba h�rte die Knochen seiner Hand knacken und st�hnte laut auf.</p><p>�Helft dem Klugschei�er zur�ck in die Goldene Stadt!� Der Befehlshaber bedeutete seinen M�nnern, Kolja zu ergreifen. �Lasst ihn auf dem kurzen Weg reisen.�</p><p>Der H�ne zog ein pr�chtiges, silbern schimmerndes Schwert. Er wirkte nicht im Geringsten beunruhigt. Barnaba w�nschte sich, er w�re ebenso kaltbl�tig.</p><p>Der Hauptmann hob ebenfalls sein Schwert und sah zu den Gl�ubigen. �Seht ihr die Hand eures Priesters? Ihr redet so viel von Frieden und Harmonie. Aber wer von euch hat auch nur eine Hand erhoben, um das Ungl�ck der Goldenen Stadt zu verhindern? Ich verachte euch. F�r mich seid ihr nichts als Heuchler!� Er funkelte nun Barnaba w�tend an. �Deine Hand sollte dort unten sein, wo jetzt jede Hilfe gebraucht wird. Ich finde, das schuldest du der Stadt.�</p><p>Barnaba war unf�hig zu sprechen oder sich auch nur zu bewegen. Jeder Atemzug f�hlte sich an, als w�rden ihm gl�hende Dolche in die Brust getrieben. Er sah das hoch erhobene Schwert, das gleich seine rechte Hand abtrennen w�rde, aber er war jenseits von Angst. Ein wenig war es, als s�he er einem Fremden zu. Es ber�hrte ihn nicht mehr. Er hatte zu viel erlitten.</p><p>Das Schwert sauste nieder, aber der Schmerz blieb aus. Eine kraftvolle, fremde Stimme f�llte Barnabas Verstand. Nicht die G�ttin�� Das Schwert des Hauptmanns war dicht neben Barnabas Hand in die Planken des Oberdecks gefahren. Der Hauptmann gab seltsame, glucksende Ger�usche von sich und begann zu schweben.</p><p>Barnaba blinzelte, traute im ersten Moment seinen Augen nicht. Sein Folterer wurde in die Luft gehoben. Aus seiner Brust ragte ein langer Dorn. Ein Tentakel mit einer Knochenspitze hatte ihn durchbohrt.</p><p><emphasis>Ich werde dich besch�tzen, Barnaba</emphasis>, war da wieder die Stimme in seinem Kopf. <emphasis>Ich bin</emphasis> Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer<emphasis>, der Wolkensammler, der dieses Schiff tr�gt. All deine Qualen werden ein Ende haben.</emphasis></p><p>Die Wachen des Hauptmanns hatten von dem h�sslichen H�nen abgelassen, und sahen stattdessen schockiert zu ihrem schwebenden Anf�hrer.</p><p>Pl�tzlich schlangen sich Fangarme um Barnaba. Auch er wurde emporgehoben. Seine Anh�nger riefen aufgeregt durcheinander. Einige der mutigeren, wie der Fl�tenspieler Artiknos und Merob, die Erste Mutter, dr�ngten an den Wachen vorbei und versuchten, seine H�nde zu ergreifen. Doch er wurde zu schnell in die H�he gehoben.</p><p>Der Schleim, der von den Tentakeln des Wolkensammlers troff, war angenehm k�hl und bet�ubte den Schmerz in seinen Wunden. Auch konnte er etwas besser atmen. �Werft eure Waffen weg�, befahl er den Kriegern mit zittriger Stimme. �<emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer</emphasis> duldet keine weitere Gewalt gegen meine Gefolgschaft.�</p><p>Wie um seine Worte zu unterstreichen, schwenkte der Tentakel, von dem der immer noch zuckende Hauptmann hing, weit �ber die Reling hinaus und lie� den Sterbenden von der Knochenklinge gleiten, sodass er in die Tiefe st�rzte.</p><p>Barnaba blickte zu dem Lotsen des Wolkenschiffes, einem drahtigen, kleinen Mann, der ihn ein wenig an eine Spinne erinnerte. �Wir werden einen s�dwestlichen Kurs fliegen. <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer</emphasis> und sein Bruder kennen den Kurs. Folge ihren Anweisungen.�</p><p>Zu sprechen hatte ihn mehr ersch�pft, als er erwartet hatte. Sein Kopf sank ihm auf die Brust. Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, Ekel vor der Umarmung der Tentakel zu empfinden. Sie hielten ihn fest umschlungen und hoben ihn langsam dem aufgedunsenen Leib des Wolkensammlers entgegen.</p><p>Im Wald aus wogenden Fangarmen �ffnete sich ein breiter Spalt im Fleisch der Kreatur. Ein Maul? Gallert troff auf Barnaba herab und rann in warmen, z�hen Schlieren �ber sein Gesicht. Inmitten des Mauls sah er ein blasswei�es Licht, und dieser Anblick erf�llte ihn mit tiefem Frieden. Mit der Gewissheit des Sterbenden wusste er, dass dort seine Xana Iku�ka auf ihn warten w�rde.</p><p>Ein L�cheln lag auf seinen Lippen, als er im Leib des Wolkensammlers verschwand.</p></section><section><title><p>In fremder Haut</p></title><p>Hustend kroch Bidayn unter dem halb versch�tteten Torbogen hervor. Voller Sorge betrachtete sie die Sch�rfwunden auf ihren Armen. Nach dem Get�se der einst�rzenden Bauten war es nun geradezu still. Nur leises Wimmern war zu h�ren. Irgendwo in der N�he steigerte sich ein Hund in immer schrilleres Gekl�ff. Die Luft war so voller rotem Ziegelstaub, als hinge dichter Nebel in den Stra�en. Das, was von den Stra�en �brig geblieben war��</p><p>Dort, wo eben noch eine f�nfzehn Schritt breite, sanft ansteigende Treppe gewesen war, die zur n�chsten Terrasse der Stadt f�hrte, erstreckte sich nun eine Ger�llhalde. Rote Ziegelsteine und Fragmente aus Marmorverblendungen hatten die Treppe v�llig verschwinden lassen. Dazwischen ragten Mauerst�cke auf, die, obwohl sie auf die Stra�e gest�rzt waren, noch einen Verband aus Ziegeln bildeten. S�ulenkapitelle und ein einzelner Kopf aus grauem Stein erhoben sich aus dem Schutt.</p><p>Der Staub kratzte in Bidayns Hals. Ihr Mund war trocken. Lyvianne stand vor ihr, eine Gestalt aus Staub. Ihre Augen wirkten unnat�rlich gro� in der roten Maske, zu der ihr Gesicht geworden war.</p><p>�Wir haben Gl�ck gehabt�, sagte sie mit rauer Stimme. Dann sah sie Bidayn zweifelnd an. �Geht es dir gut?�</p><p>Bidayn hob ihre Arme. Das Blut der Sch�rfwunden hatte mit dem Staub einen z�hen Brei gebildet.</p><p>�Du musst dir keine Sorgen machen. Das ist jetzt deine Haut. Sie wird verheilen, und es werden keine neuen Narben bleiben. Komm jetzt, es ist nicht mehr weit bis zur Goldenen Pforte.�</p><p>Bidayn sah sich um. Sie hatte jegliche Orientierung verloren. Nichts sah mehr aus wie vor wenigen Augenblicken. Sie dachte an die Menschen, die eben noch auf der Stra�e gewesen waren. Ein St�ck voraus ragten schr�g die Pfosten einer goldbeschlagenen S�nfte aus dem Ger�ll. Von den Tr�gern war nichts zu sehen. Sie folgte Lyvianne, die sich entschlossen den Hang aus Tr�mmern hinaufk�mpfte. Jeden Schritt galt es mit Bedacht zu setzen. Nichts war mehr festgef�gt in dieser Welt. Auch im Ger�llhang war noch Bewegung, Steine sackten nach. Hinter ihnen st�rzte eine ganze Hauswand auf die Stra�e, und eine neue Wolke aus Staub kroch den Hang hinauf.</p><p>Bidayn trat auf etwas Weiches. Sie blickte hinab und sah eine zierliche Hand mit Silberringen zwischen den Ziegelsteinen. Sie regte sich nicht. Die wei�e Haut erinnerte die Elfe an das, was sie vor dem Beben getan hatte. Es war ihre Entscheidung gewesen. Lyvianne hatte ihr nur die M�glichkeit angeboten. H�tte sie der Meisterin nicht zugestimmt, w�re nichts geschehen. Bidayn strich vorsichtig �ber ihre nackten Arme. Es gab keine Narben mehr! Mit Schrecken dachte sie an das, was geschehen war. Daran, wie sie das Wort der Macht gesprochen hatte, das sie mit der Menschentochter verband. Sie hatten nackt nebeneinandergelegen, die H�nde ineinander verschr�nkt. Und dann hatte die Haut begonnen, sich zu bewegen�� in Wellen, als sei irgendetwas darunter. Sie war zum Leben erwacht, war �ber ihre Finger gekrochen, w�hrend sie die Menschentochter verlie�. Gleichzeitig hatte sie selbst begonnen, sich zu h�uten, wie eine Schlange, nur dass dort, wo ihre Haut gewichen war, f�r endlose, peinigende Augenblicke nur rohes Fleisch geblieben war, bis die Menschenhaut dar�berkroch und anwuchs. Die Menschentochter aber hatten sie nackt, als Jammergestalt aus rohem Fleisch zur�ckgelassen. Noch lebend, doch zum Tode verdammt.</p><p>Die neue Haut hatte sich ganz und gar ihrem K�rper angepasst. Bidayn f�hlte keinen Unterschied zu fr�her, obwohl Lyvianne sie gewarnt hatte. M�glicherweise w�rde die Haut der Menschentochter in einigen Jahren zu altern beginnen. Sicher war das allerdings nicht. Und selbst wenn es nach einer Weile dieses Problem g�be, sie w�rde es noch einmal tun. Menschenkinder gab es ja mehr als genug, und sie wusste nun, wie dieser Zauber zu weben war. Wieder strich sie sich �ber die Arme. Es war gut, nicht mehr gebrandmarkt zu sein! Sie w�rde keine mitleidigen Blicke mehr f�r ihre Narben ernten. Sie w�rde sich endlich M�nnern zeigen k�nnen. Sie hatte Sehnsucht danach, in starken Armen zu liegen, fremden Atem auf ihrer Haut zu sp�ren und Begehren in den Blicken zu lesen, die ihren nackten K�rper betrachteten. Endlich w�rde sie wieder ganz sein! Was Nangog ihr genommen hatte, hatte sie sich auch auf Nangog zur�ckgeholt. Es war ihr gutes Recht gewesen, das zu tun!</p><p>Zuerst h�rten sie das Geschrei. Es klang anders als das Wimmern der Verletzten und Wehklagen jener, die inmitten der Tr�mmer verzweifelt nach �berlebenden suchten. Panik lag in diesen Schreien und die Gier, um jeden Preis zu �berleben, koste es, was es wolle. Und dann standen sie am Rand des gro�en Platzes vor der Goldenen Pforte. Ein gest�rzter Ankerturm hatte einen Wall aus Schutt quer �ber die weite Fl�che gelegt. Von den Lagerh�usern, die ihn einst umgeben hatten, reichten Zungen aus Ziegelstein und gesplitterten Balken �ber das Pflaster. Pl�nderer w�hlten zwischen den Ruinen nach Sch�tzen, entschlossen, die Gunst der Stunde zu nutzen und unerwartet als reiche M�nner heimzukehren.</p><p>Un�bersehbare Menschenmengen dr�ngten dem magischen Tor entgegen. Erbarmungslos schlugen sie einander nieder, krochen �ber die Gest�rzten hinweg, schrien und meuchelten, um zum Tor zu gelangen, denn sie alle hatten begriffen, Sicherheit gab es allein jenseits der Goldenen Pfade.</p><p>In dem Augenblick, als Bidayn die Menge sah, wusste sie, dass sie und Lyvianne niemals mit heiler Haut auf die andere Seite des Platzes kommen w�rden. Selbst wenn sie bereit w�ren, Gewalt anzuwenden. Es waren zu viele Menschenkinder dort, und st�ndig dr�ngten neue aus den Tr�mmern der Stadt nach. Was sie sah, war ein Mahlstrom aus Fleisch, und er verschlang mehr Leiber, als er ausspie.</p><p>�Du musst es wieder tun�, sagte Lyvianne.</p><p>Bidayn verstand nicht, was ihre Meisterin meinte.</p><p>�Damals, als du dir deine Narben geholt hast, hast du den Lauf der Zeit f�r dich ver�ndert. Du hast dich so schnell bewegt, dass alle um dich herum wie erstarrt gewirkt haben. Du hast mir davon erz�hlt. Das musst du wieder tun, sonst werden wir dieser Stadt nicht entkommen.�</p><p>Bidayn sch�ttelte entschieden den Kopf. Das war genau jener Zauber gewesen, f�r den sie mit ihren Narben bezahlt hatte. Das magische Netz, das sie zu stark manipuliert hatte, hatte sich gegen sie gewandt. Wenn sie diesen Fehler ein zweites Mal beging, w�re alles vergeblich gewesen. Sie wollte diesen Schmerz nicht noch einmal f�hlen, nicht noch einmal zur Auss�tzigen werden.</p><p>�Ich kann das nicht���, sagte sie mit tonloser Stimme. �Ich���</p><p>�Wir werden sterben, wenn wir nicht schnell fl�chten�, dr�ngte Lyvianne. �Die Devanthar werden kommen, um zu sehen, was hier geschehen ist. Sie werden sehr schnell begreifen, dass Nangog Hilfe hatte. Was, glaubst du, werden sie mit uns tun?� Lyvianne strich �ber den Griff des Schwertes an ihrer Seite. �Ich werde mir lieber selbst die Kehle durchschneiden, als mich lebend von den Devanthar fangen zu lassen. Noch lieber w�rde ich allerdings entkommen. Zeig mir, was zu tun ist!�</p><p>Bidayn z�gerte. Dann dachte sie an den unheimlichen Ebermann. Lyvianne hatte recht, ihnen blieb keine Wahl. Aber sie w�rde den einen Zauber, in dem sie ihrer Meisterin voraus war, nicht verraten. Sie schloss die Augen und griff nach dem Netz der Kraftlinien, das alles durchdrang. Deutlich sp�rte sie die Pfade, die zum Albenstern hinf�hrten. Starke, pulsierende Linien, die sich von der Matrix Nangogs deutlich abhoben. Das Goldene Netz war dieser Welt aufgezwungen worden, es war kein nat�rlicher Bestandteil von ihr.</p><p>Bidayn �ffnete ihr Verborgenes Auge und studierte das Netz aus Kraftlinien, das sie umgab. Hell flackerten die Auren der Menschen in den Farben von Zorn und Angst. Sie griff nach der Magie der fremden Welt und unterwarf sie ihrem Willen, formte den Strom der Kr�fte, bis die Bewegungen der Menschenkinder immer langsamer wurden und schlie�lich ganz erstarrten. Bidayn wusste, dass dies eine T�uschung war. Ihre Wahrnehmung hatte sich ver�ndert. Nichts um sie wurde langsamer. Sie war schneller geworden�� so viel schneller, als w�rde die Welt um sie herum stillstehen. Sie sp�rte, wie das magische Netz sich dagegen aufb�umte, in widernat�rliche Bahnen gezwungen zu werden. Diesmal war sie vorbereitet. Sie nahm auch von der Kraft der Albenpfade, die sich in der Goldenen Pforte kreuzten. Daraus wob sie ein Netz, das sie und Lyvianne umgab und sie unber�hrbar f�r die Kr�fte Nangogs machte.</p><p>Sie �ffnete die Augen. Lyvianne stand vor ihr wie aus Stein gemei�elt. Bidayn hob ihre Meisterin auf und legte sie sich �ber die Schulter. Die Elfe war starr, keiner ihrer Muskeln bewegte sich. Geschickt schl�ngelte sich Bidayn zwischen den fliehenden Menschen hindurch, die inmitten ihrer Bewegung erstarrt waren. Es war eine stille Welt, aus der alle Ger�usche au�er dem ihres Atems verschwunden waren. Es war, als sei sie in ein Bild hineingestiegen. All die gemalten Figuren waren dazu verdammt, in ihrer Pose zu verharren. Nur sie konnte sich bewegen.</p><p>Bald war das Gedr�nge zu gro�, um noch voranzukommen. Sie stieg auf das eingeknickte Vorderbein eines strauchelnden Kamels, schob Lyvianne vor sich hoch zum Lastsattel, von dem S�cke mit Reis hingen. Als sie hinaufgesprungen war, schulterte sie ihre Meisterin erneut und schritt von dort �ber die K�pfe und Schultern der Menge hinweg. Fest wie Statuen standen die Menschenkinder, sodass sie ihre Tritte sicher setzen konnte, ohne ein einziges Mal zu schwanken.</p><p>Sie sp�rte, wie das magische Netz der fremden Welt gegen sie aufbegehrte, sich enger zusammenzog und sie vernichten wollte, doch ihr Bannzauber bewahrte sie diesmal vor Schaden. Bidayn lachte hell auf. So gut hatte sie sich nicht mehr gef�hlt, seit sie bei ihrer ersten Reise nach Nangog aus der Kristallh�hle ausgebrochen war und die Menschenkinder entwaffnete, die sie dort belagert hatten. All ihre Selbstzweifel waren von ihr abgefallen.</p><p>Pl�tzlich nahm sie eine Bewegung wahr. Das war doch nicht m�glich! Wer au�er ihr��? Der silberne L�we der Devanthar schwang sich auf die Menschenleiber und sprang ihr in weiten S�tzen entgegen. Die K�pfe, �ber die er hinwegschritt, platzten unter seinem Gewicht wie Eierschalen. Er bewegte sich ein wenig langsamer als sie, aber ohne Zweifel beherrschte auch er ihren Zauber. Nun riss er sein Maul auf und zeigte ihr seine dolchlangen Z�hne. Blut spritzte in seine silberne M�hne, als er ihr entgegeneilte und fast mit jedem Schritt ein Leben ausl�schte.</p><p>Bidayn wurde sich schlagartig bewusst, dass sie ganz und gar auf sich allein gestellt war. Niemand w�rde ihr helfen k�nnen, ja, es gab nicht einmal jemanden, der sah, was geschah. Seit sie den Zauber gewoben hatte, war weniger Zeit vergangen, als ein Stein brauchte, um von ihrer Hand zu Boden zu fallen. Die Menschenkinder w�rden einfach nur zwei tote Daimoninnen am Ende einer Schneise des Gemetzels finden. Und keiner h�tte gesehen, wie der Tod mitten unter ihnen Einzug gehalten hatte. Und was noch schlimmer war: Sie h�tte Lyvianne ermordet! Ihr unbedachtes Handeln w�rde ihre Meisterin nun das Leben kosten.</p><p>Bidayn stie� Lyvianne von der Schulter und zog ihr Schwert. Zugleich konzentrierte sie sich darauf, die Zeit noch weiter zu verlangsamen. Das magische Netz Nangogs begehrte immer st�rker gegen ihren widernat�rlichen Zauber auf. Es war ein Gef�hl, als bef�nde sie sich im Inneren einer Nussschale, auf die stetig gr��erer Druck ausge�bt wurde. Wie lange w�rde ihr Bann noch bestehen?</p><p>Sie wurde schneller, aber der Silberl�we zog mit! Nur noch ein Augenblick, dann h�tte er sie erreicht�� Sie riss das Schwert hoch, vermochte mit knapper Not den ersten Tatzenhieb abzublocken, wurde aber von der Wucht des Angriffs zur�ckgeschleudert. Eilig setzte der L�we ihr nach. Bidayn k�mpfte gegen die aufkeimende Panik an, rappelte sich auf und floh vor dem L�wen. Jetzt war sie wieder ein wenig schneller. Der Abstand vergr��erte sich, doch blieb er stets zwischen ihr und der Goldenen Pforte, um ihr den Fluchtweg abzuschneiden. Sie begriff, dass sie sich ihm stellen musste.</p><p>Bidayn versuchte sich an den Schwerttanz Gonvalons zu erinnern. All die fr�hen Morgenstunden des �bens, die sie lehren sollten, mit sich im Gleichgewicht zu bleiben und die Kraft des Gegners gegen ihn zu wenden. Auf den Schultern eines b�rtigen Greises hielt sie inne und wandte sich zu ihrem Verfolger um. Sie k�nnte schneller als der silberne L�we sein! Sie wusste es!</p><p>Entschlossen lief sie ihm entgegen und tats�chlich verlangsamte sich das Raubtier. Sie versetzte ihm einen Hieb quer �ber die Schnauze, doch ihre Klinge richtete auf dem silbern schillernden Metall kaum einen Schaden an. Sie wich ihm aus und entging nur knapp einem weiteren Tatzenhieb. Jetzt war er wieder genauso schnell wie sie. Wann immer sie ihrem Zauber mehr Kraft gab, zog er nach, als seien sie miteinander verbunden.</p><p>Bidayn wich ein St�ck zur�ck und strauchelte, als sie von einer Schulter abrutschte. Sofort war der silberne L�we bei ihr. Die Elfe warf sich zur�ck, und der Tatzenhieb, der ihr gegolten hatte, riss einem jungen Lastentr�ger das Gesicht weg. Beklemmend sp�rte sie die Hitze der Kraftlinien, die sich immer enger um sie zusammenzogen, wie ein Fischernetz, das eingeholt wurde. Das magische Gef�ge wehrte sich immer entschiedener gegen die Verzerrung der Zeit. Lange w�rde ihr Bann sie nicht mehr sch�tzen.</p><p>Sie schob sich zwischen die Leiber der Menschen, suchte nun eher Deckung, als dass sie noch �ber einen Angriff nachdachte. Dabei bewegte sie sich bewusst immer weiter von Lyvianne weg. Der silberne L�we folgte ihr und fegte mit w�tenden Hieben die Menschenkinder zur Seite.</p><p>Bidayn duckte sich unter einem Kamel hindurch, auf dessen R�cken ein kleines Zelt aufgeschlagen war, das durch die allgemeine Panik gerade zu verrutschen begonnen hatte. Eine verschleierte, schlanke Frau st�rzte zwischen den Vorh�ngen aus gr�n und wei� gestreiftem Leinen. Doch wie alles auf dem weiten Platz war auch diese Szene in der Zeit gefroren, so schnell bewegten sie sich. Bidayn steigerte ihr Tempo ein weiteres Mal, und ein Gef�hl �berkam sie, als sei sie in einem gl�henden K�fig gefangen. Aus der Tunika unter ihrer R�stung stieg Dampf auf. Ihr Schwei� verdunstete und bald schon w�rden die Kraftlinien unbarmherzig in ihr Fleisch schneiden.</p><p>Ein Tatzenhieb rammte durch den Leib des Kamels. �berdeutlich sah Bidayn Fleischfetzen zwischen den Krallen des L�wen, die sich kr�mmten, gebraten wurden und dann zu schwarzer Kohle verbrannten, w�hrend Blut auf der fast menschenkopfgro�en Pfote verdampfte. Die Elfe schrie auf, so nah war ihr die Pfote gekommen. Sie sp�rte die sengende Hitze, die von dem Metall ausging, fast wie eine k�rperliche Ber�hrung.</p><p>Ihre Angst verlieh ihr Fl�gel. Vergessen war die Gefahr, die vom magischen Netz ausging. Der L�we war viel konkreter, und er w�rde nicht mehr lange brauchen, um sie zu erwischen. Hinter dem Kamel schob sich Bidayn zwischen zwei Lastentr�gern hindurch, erreichte einen von Leibwachen umringten W�rdentr�ger, griff ihm in den dichten Bart, setzte einen Fu� auf seinen ausladenden Wanst, der durch eine breite Bauchbinde noch betont wurde, und schwang sich hoch auf die Schultern des Mannes. Die Speere seiner Leibw�chter ragten wie ein geschliffener Bronzewall um sie auf.</p><p>Der L�we erschien zwischen den Lastentr�gern. Doch seine Bewegungen wirkten ungelenk, und dunkler Rauch quoll aus seinem Schlund. Er versuchte zu br�llen, doch statt des wilden Schreis, den er eben noch von sich gegeben hatte, entrang sich seiner Kehle nun ein Ger�usch von kreischendem Metall.</p><p>Sollte sie das Rennen gegen ihn gewinnen k�nnen? Immer dr�ngender empfand Bidayn die Hitze des magischen Netzes, das gegen sie aufbegehrte. Fl�chtig blickte sie auf ihre Hand. Ihre Haut begann sich zu r�ten, als habe die Sonne sie verbrannt. Sie sprang von den Schultern des W�rdentr�gers, zwischen den Speeren hindurch in die Menge. Ihr Fu� traf das Gesicht einer alten Frau, ohne Halt zu finden. Abgleitend krallte sie sich in das struppige Haar ihres Opfers, schwankte und trat auf den Kopf eines erstaunlich kleinen Mannes, dessen Haar sich in der Mitte des Hauptes zu lichten begann, sodass eine Insel braungebrannter Haut in dem Meer rot eingestaubter Locken erschien.</p><p>Der L�we schien Schwierigkeiten zu haben sich zu bewegen, als w�rde eine unsichtbare Macht ihn zur�ckhalten. Bidayn balancierte mit einem Fu� auf dem Kopf des kleinen Mannes, mit dem anderen auf der Schulter der Alten und hielt sich mit der Linken an einem aufragenden Speerschaft fest. Verwundert beobachtete sie das Tier. Seine Pfoten gruben sich in das Pflaster. Er lehnte sich vor, kam aber nicht von der Stelle. Immer mehr Qualm stieg von ihm auf. Er rauchte aus all den Spalten zwischen den Schuppen, aus denen sein Leib zusammengesetzt war. Linien aus gelb gl�hendem Licht spielten �ber seinen Silberleib, wurden dichter und heller. Sie bildeten ein Rautenmuster!</p><p>Jetzt erst begriff Bidayn, was sie sah. Anders als sie war der L�we von keinem Schutzbann umgeben. Er hatte sich im magischen Netz Nangogs verfangen, das alles vernichtete, was zu tief in die Ordnung eingriff, die die Riesin einst erschaffen hatte.</p><p>Bidayn atmete erleichtert aus und lie� sich in der Zeit vorw�rtsfallen. Nicht zu sehr, nur gerade genug, um den Ansturm gegen ihren Bannspruch ein wenig zu lindern. Das Ende des Silberl�wen kam schnell: Die Linien aus glei�endem Licht brannten sich in das Metall und zerteilten den L�wen in tausend rautenf�rmige Blechst�cke, ebenso sein Innenleben aus seltsamen, gezahnten R�dern, Spulen aus Metallb�ndern und gr�nen Kristallen. Er sah aus, als sei er in eine jener m�rderischen Fallen geraten, wie sie die Zwerge in der Tiefen Stadt in ihren Tunneln aufgestellt hatten. Von schweren Messern zerteilt, bis zur Unkenntlichkeit verst�mmelt.</p><p>Ersch�pft folgte Bidayn der blutigen Spur, die der L�we hinterlassen hatte. War er nicht abgestellt gewesen, die Menschenkinder zu besch�tzen? Ihr Leben schien ihren G�ttern nicht viel zu bedeuten.</p><p>Sie fand Lyvianne immer noch st�rzend, kaum zwei Handbreit tiefer gesunken, so wenig Zeit war vergangen. Mit einem Seufzer stemmte sie sich ihre Lehrerin erneut auf die Schulter und trat durch die Goldene Pforte. Sie drang tief in das magische Wegenetz ein, w�hlte Abzweige, um ihre F�hrte zu verwischen, und trat dann durch den Albenstern, der sich an jenem Ort befand, an dem �ber die Zukunft dreier Welten entschieden werden w�rde.</p></section><section><title><p>Ein neues Leben</p></title><p>Als Zarah die Augen �ffnete, sah sie nichts als roten Staub. Benommen versuchte sie sich zu erinnern, was geschehen war. Etwas lag schwer auf ihr. Sie regte ihre Glieder. Klackend stie�en Steine gegeneinander. Ihr Mund war voller Staub, ihre Kehle eine W�ste und jeder Atemzug eine Qual. Sie versuchte zu schlucken, doch das verschaffte ihr keine Linderung. Sie musste trinken! Sie konnte sich nicht erinnern, sich je in ihrem Leben so durstig gef�hlt zu haben. Blinzelnd erkannte sie nun die Vorh�nge einer S�nfte. Aber sie stand schief, so als seien die hinteren Tragebalken gegen eine Hauswand gelehnt. Ziegelsteine lagen auf ihren Beinen. Zarah bewegte sich erneut. Ein stechender Schmerz fuhr durch ihren linken Kn�chel. Und mit dem Schmerz kehrte die Erinnerung zur�ck. Horatius, der Hauptman ihrer Eskorte, hatte etwas gerufen. <emphasis>Die Wand!</emphasis> Danach waren alle Erinnerungen ausgel�scht.</p><p>Zarah tastete nach ihrem Kopf. Ihre Schl�fe war geschwollen. Sie hatte einen Hieb abbekommen. St�hnend befreite sie sich von den Steinen in der S�nfte und kroch zwischen den Vorh�ngen hindurch. Was sie sah, lie� ihren Atem stocken. Sie hatte gewusst, dass es kommen w�rde. Barnaba hatte das Beben, mit dem Nangog die verderbte Stadt vom Weltenmund absch�tteln wollte, in grellen Farben geschildert, aber der Anblick der Stra�e vor ihr �bertraf alles, was sie sich hatte vorstellen k�nnen.</p><p>Neben ihrer S�nfte lagen zwei M�nner ihrer Eskorte. Horatius schien noch zu leben, jedenfalls hob und senkte sich seine Brust. Die anderen W�chter waren verschwunden. Hinter der S�nfte lag das Kapitell einer S�ule. Es hatte die S�nfte angehoben. Zarah sah Arme unter dem Kapitell aus den Tr�mmern ragen und wandte sich hastig ab. Die anderen beiden S�nftentr�ger schienen geflohen zu sein.</p><p>Sie stand inmitten eines Tr�mmerfeldes, aus dem sich einzelne H�userw�nde erhoben. Dazwischen wogte roter Staub. Vereinzelte Schreie drangen aus dem Ger�ll, Wimmern und Klagelaute. Eine alte, br�chige Stimme bettelte um Wasser, aber Zarah konnte nicht ausmachen, von wo sie kam.</p><p>Langsam begriff sie, was die Katastrophe f�r sie bedeutete. Sie konnte Arcumenna entkommen! Sie konnte allem entkommen und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Sie hatte ein neues Leben geschenkt bekommen. Mit widerstreitenden Gef�hlen sah sie auf Horatius hinab. Sie sollte einen Stein nehmen und ihm den Sch�del einschlagen. Der Hauptmann war so pflichtversessen, dass er nach ihr suchen w�rde, wenn er nicht ihren Leichnam in der S�nfte fand. Er w�rde nicht wie die �berlebenden Tr�ger und Wachen einfach davonlaufen.</p><p>Zarah hob einen schweren Ziegelstein hoch und kauerte sich neben den Krieger. Ein paar Schl�ge, und sie w�rde nie mehr �ber Horatius nachdenken m�ssen. Inmitten dieser Katastrophe w�rde sich niemand �ber einen Toten mehr zwischen den Ziegelsteinen Gedanken machen.</p><p>Sie lie� den Ziegel fallen. Sie wollte ihr neues Leben nicht mit einem Mord beginnen. Leise betete sie zur Gro�en Mutter, sie in Zukunft vor M�nnern wie Horatius zu besch�tzen. Dann nahm sie sich einen gesplitterten Speer als Kr�ckstock und hinkte davon. Es fiel ihr schwer, sich zu orientieren, so sehr hatte sich alles ver�ndert. Jedes dritte Haus war in sich zusammengesunken, die Stra�en unter Schutt verschwunden und der Rauch unz�hliger Br�nde zog den Hang hinab.</p><p>Hoffentlich war ihr Heim nicht ebenfalls v�llig verw�stet. Sie hatte einige Edelsteine und etliche Goldm�nzen in dem Keller versteckt, in dem sie ihre Weinamphoren lagerte. Genug, um nie mehr in ihrem Leben Armut leiden zu m�ssen, ganz gleich, wohin sie ging.</p><p>Zarah sah zum Himmel hinauf, der hinter Staubwolken und Rauchschleiern seltsam entr�ckt wirkte. Sie w�rde sich einen Platz auf einem Wolkensammler suchen. Sie wusste, wohin sie wollte und wo sie f�r immer in Sicherheit sein w�rde.</p></section><section><title><p>Goldene Kaskaden</p></title><p>Endlich war der Boden unter Nandalees F��en zur Ruhe gekommen und b�umte sich nicht mehr gegen die Stadt auf, die gegen den Willen Nangogs an den H�ngen des Weltenmunds entstanden war und deren Abw�sser den Gro�en Fluss in eine Kloake verwandelten. Fest dr�ckte sie die Hand Gonvalons, der an ihrer Seite kauerte. Ihn neben sich zu haben hatte ihr gegen jede Vernunft die Gewissheit gegeben, die Katastrophe zu �berleben. Selbst als der Ziegelstaub der einst�rzenden H�user sie in dem engen Gew�lbe des Torhauses fast erstickt h�tte, hatte er eine solche Zuversicht und Gelassenheit behalten, dass auch Nandalee ihre Angst �berwinden konnte.</p><p>Sanft zog er ihr das staubverklebte Tuch vom Mund und k�sste sie, ohne sich darum zu scheren, was Eleborn und Nodon von ihnen dachten. Mit geschlossenen Augen genoss sie seine Z�rtlichkeit und tr�umte davon, mit ihm auf eine lange Jagd in der Savanne jenseits des Jadegartens zu gehen. Keine Pflichten mehr zu haben, wieder eins zu werden mit der Wildnis und dem Krieg zwischen Himmelsschlangen und Devanthar zu entfliehen.</p><p>Nodons R�uspern zerst�rte den Tagtraum. Noch hatte sie ihre Pflicht nicht erf�llt. Sie musste ihre Gef�hrten zur�ck nach Albenmark bringen. Lyvianne und Bidayn hatten sich entschieden, ihren eigenen Weg zu gehen. Nun ging es nur noch um Nodon, Eleborn und Gonvalon. Sie w�rden heimkehren, und zur�ck in Albenmark m�sste sie vor den Himmelsschlangen Zeugnis ablegen, was geschehen war.</p><p>�Bald�, fl�sterte Gonvalon und hielt sie nicht zur�ck, als sie sich aus seiner Umarmung l�ste.</p><p>Nandalee sp�rte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, als Nodon und Eleborn sie ansahen.</p><p>�Macht euch keine Hoffnungen�, sagte Gonvalon gut gelaunt hinter ihrem R�cken. �Sie k�sst nur mich. Ihr werdet niemals erfahren, wie es ist, mit beiden F��en auf dem Boden zu stehen und doch zu schweben.�</p><p>�Ich finde die Erfahrung mit dem Erdbeben ging durchaus in diese Richtung�, entgegnete Nodon trocken. �Gehen wir nun?�</p><p>Gonvalons Anspielung hatte Nandalee nur noch verlegener gemacht. Sie trat in den staubverhangenen Innenhof. Zarahs Haus schien bis auf die eine eingest�rzte Wand nur wenig Schaden durch das Erdbeben genommen zu haben. Auch der T�rw�chter hatte zwischen ihnen im Durchgang des Torhauses �berlebt, obwohl seine geistige Verfassung sichtlich gelitten hatte. Er schlotterte immer noch, sei es nun wegen des Bebens oder wegen dem, was Lyvianne und Bidayn getan hatten.</p><p>�Wir sollten nicht zur Goldenen Pforte zur�ckkehren�, entschied Nandalee. �Wenn die Devanthar kommen, werden sie diesen Weg nehmen. Wir sind dort nicht mehr sicher. Sie werden sehr bald ahnen, dass Elfen hier waren, und so gut wir uns auch verkleiden, wenn sie die Welt durch das Verborgene Auge betrachten, sind wir so auff�llig wie Melonen, die zwischen Erbsen liegen.�</p><p>Niemand widersprach ihr, und so traten sie an das rote Holztor, das hinaus auf die Stra�e f�hrte. Steine verkeilten die Pforte, aber sie lie� sich so weit �ffnen, dass sie sich hinauszw�ngen konnten. Der Anblick verschlug Nandalee die Sprache. Sie h�tte nicht erwartet, dass Nangog die Stadt derart verw�sten w�rde. Die G�ttin hatte ihr doch versprochen, dass sie die Goldene Stadt nicht vom Hang des Weltenmundes fegen wollte. Was Nandalee nun sah, lie� sich damit kaum in Einklang bringen. Nangog hatte sie angelogen�� Oder vielleicht war es auch einfach nur so, dass die Vorstellungen eines einfachen Albenkindes und einer Sch�pferg�ttin nicht �bereinstimmen konnten. Wenn das hier ein leichtes Beben war, was w�rde die Menschenkinder erwarten, wenn Nangog ihrem Zorn freien Lauf lie�?</p><p>Schweigend suchten sie sich ihren Weg zwischen Schutthalden und H�userruinen, immer bergab. Nandalee hatte das Gef�hl, dass die Viertel der Reichen und die Tempelbauten schwerer getroffen worden waren, denn als sie zu den Schilf- und Holzh�tten nahe am Fluss gelangten, sahen sie weniger Verw�stungen. Feuer waren hier ebenfalls ausgebrochen, doch es sah aus, als k�nnten die Menschenkinder das Ungl�ck, das �ber sie gekommen war, beherrschen.</p><p>Wieder bockte die Erde unter ihren F��en auf. Die Menschenkinder, die eben noch mit Ledereimern gegen das Feuer gek�mpft hatten, lie�en von den Flammen ab und suchten die Sicherheit der breiten Stra�en und Marktpl�tze. Einzelne Prediger hatten Menschentrauben um sich versammelt und riefen die Ver�ngstigten dazu auf, ihre G�tter um Hilfe anzuflehen. Gleichzeitig behaupteten sie, das Ungl�ck sei der Lohn f�r die S�nden der Goldenen Stadt. Ob sie auch nur ahnten, wie nah diese Behauptung an der Wahrheit war?, fragte sich Nandalee, w�hrend sie sich an der Spitze ihrer Gef�hrten durch das Gedr�nge schob.</p><p>Mit lautem Get�se brach eine Reihe steinerner Lagerh�user weiter oben am Hang in sich zusammen. Wasser schien aus den Fundamenten der Lager zu quellen und ergoss sich in blassgolden schillernden Kaskaden �ber den Rand der Terrasse oberhalb des Fischerviertels. Nandalee meinte in der Ferne Jubelrufe zu h�ren. Die Menge um den n�chststehenden Prediger folgte nicht l�nger den Worten �ber S�nden und Verdammnis. Sie sahen auf, und pl�tzlich rief ein rothaariger Mann mit pockennarbigem Gesicht: �Das sind die Palm�l-Lager!� Augenblicklich zerstreute sich die Menge. Der Prediger bedachte die Menschenkinder mit w�sten Fl�chen.</p><p>�Komm, lass uns weitergehen�, sagte Gonvalon sanft und zog sie mit sich.</p><p>Nandalee w�rde die Menschenkinder niemals verstehen. Wie konnten sie inmitten der Katastrophe in Begeisterung ausbrechen, nur weil es die Aussicht gab, �l von den schmutzigen Gassen sch�pfen zu k�nnen?</p><p>Die Gef�hrten tauchten in das Labyrinth der auf Stelzen gebauten Fischerh�tten ein. Unter den H�usern t�rmte sich allerlei Unrat. Zerbrochene Kr�ge, leckgeschlagene Boote, zerrissene Netze. Nandalee sah einen ein�ugigen Hund mit gelbem Fell gierig aus einem schmalen Rinnsal Palm�l trinken, das sich seinen Weg durch den Schlamm suchte.</p><p>�berall liefen M�nner mit Sch�sseln, Schalen und T�pfen herum, um m�glichst viel von dem kostbaren Nass zu retten. Nandalee beobachtete einen nackten Alten, der mitten in einer Pf�tze sa� und sich mit einer Mischung aus rotem Schlamm und �l einrieb. Als er ihren Blick bemerkte, schenkte er ihr ein zahnl�ckiges L�cheln. �Ist gut f�r meine Haut!�, erkl�rte er und rieb sich mit beiden H�nden �ber seine eingefallene Brust, aus der seine Rippen hervorstachen wie Spanten aus dem Skelett eines gestrandeten Bootes.</p><p>�ber ihm hingen an Hunderten d�nnen Seilen kleine, fingerlange Fische zum Trocknen, die nun alle mit rotem Staub bedeckt waren. Ihre verdorrten K�rper tanzten wie Bl�tter im Wind.</p><p>�Hierher!�, rief Nodon, der auf einem Steg mit einem knochigen Menschensohn verhandelte. Schlie�lich dr�ckte er dem Mann seinen ganzen Geldbeutel in die Hand und winkte sie hinunter zu einem primitiven Boot. Es war aus dicken, durch Seile miteinander verbundenen Schilfb�ndeln gefertigt. Die B�ndel an Bug und Heck waren hochgebogen und mit roter Farbe getr�nkt. Sie mussten sich rittlings auf das Boot setzen, als w�rden sie einen Baumstamm reiten. Ihre Beine hingen ins Wasser.</p><p>Nodon reichte ihnen allen Paddel und stie� das Boot vom Steg ab. Ringsherum schillerte das Wasser in allen Regenbogenfarben vom Palm�l, das als d�nner Teppich darauf trieb.</p><p>�Schneller!�, rief Nodon und tauchte sein Paddel ins Wasser �Schn��</p><p>Ein tiefer, dumpfer Ton hallte �ber das Wasser. Nandalee blickte �ber die Schulter zur�ck zur Stadt. �ber den Lagerhallen wuchs eine Flammenwand hoch in den Himmel. Dichter, schwarzer Rauch quoll aus den Ruinen und wurde vom Wind hinab zu den tiefer gelegenen Terrassen gedr�ckt, wo er sich wie ein schwarzes Tuch �ber das Armenviertel legte. Inmitten des Rauchs sah Nandalee die Flammen dem Weg des Palm�ls folgen.</p><p>Die Elfe blickte auf das Wasser. Sie waren immer noch von schillernden �lschlieren umgeben. �Stromaufw�rts!�, rief sie. �Wir m�ssen weg vom �l!�</p><p>Die Hitze der Flammen wogte wie warmer Atem �ber das Wasser des Gro�en Flusses. Schweigend paddelten sie um ihr Leben. Stie�en die breiten Ruderbl�tter ins Wasser, legten all ihre Kraft hinein und fanden schnell in einen guten Rhythmus. Ihr Schilfb�ndelboot war leicht. Es hatte wenig Tiefgang und glitt wie auf Fl�geln �ber die schmutzigen Fluten. Andere Schiffe auf dem Fluss drehten bei. Der Rauch verdunkelte den Himmel. Funken flogen wie Gl�hw�rmchenschw�rme weit �ber das Wasser hinaus. Ein unangenehmer, �liger Geschmack hatte sich in Nandalees Mund festgesetzt.</p><p>Ihr Boot war nur noch von unregelm��igen �lflecken umgeben. Sie hatten sicheres Fahrwasser erreicht und verlangsamten ihren Paddelschlag. Nandalee wagte es, wieder zur�ckzusehen. Flammen tanzten nun auch auf dem Wasser und kr�mmten sich wie eine riesige Feuerschlange mit der Str�mung den Fluss hinab. Zwei Schiffe mit brennenden Segeln versuchten, einem der Frachth�fen zu entkommen. Von �berallher str�mten kleine Fischerboote der Stadt entgegen. In den Gesichtern der M�nner, die gegen die Kraft des Stroms anpaddelten, spiegelten sich Entsetzen, Verzweiflung und die Entschlossenheit, wider jede Vernunft nach Freunden und Verwandten in dem Inferno zu suchen.</p><p>Nandalee sah M�nner in Flammen geh�llt aus dem dichten Rauch herausbrechen und sich ins Wasser st�rzen. Gellende Schreie hallten �ber den Fluss, begleitet vom Fauchen der Flammen, die sich durch die Elendsviertel fra�en.</p><p>Wo keine schwarzen Rauchschleier den Blick auf den Hang versperrten, war das ganze Ausma� der Zerst�rung zu sehen: Hunderte H�user waren nur noch Ruinen. Breite Schneisen aus Schutt reichten �ber die Terrassen hinab bis zum gro�en Fluss. Kaum einer der hohen Ankert�rme stand noch. �berall loderten Br�nde in Ruinen. Aus niedergebrochenen Aqu�dukten ergossen sich Str�me von Wasser in die gezeichnete Stadt. Und doch gab es auch ganze Stadtviertel, die kaum Schaden genommen hatten. Vornehmlich dort, wo die H�user weniger hoch gewesen waren.</p><p>Gonvalon legte ihr die Hand auf die Schulter. Seine Ber�hrung tat Nandalee gut. Und sie war froh, dass er nichts sagte. Kein Wort h�tte den Schmerz zu lindern vermocht, den sie empfand. Dies war ihr Werk! Nangog hatte die Erde ersch�ttert, doch sie, Nandalee von den Windg�ngern, war es gewesen, die Nangogs Fesseln gel�st hatte. H�tte sie der Gefesselten G�ttin nicht die H�lfte ihres Herzens zur�ckgebracht, w�re all dies nicht geschehen.</p></section><section><title><p>Das verfluchte Haus</p></title><p>Talawain hockte nun schon eine Stunde unter dem Torbogen zur Gasse der Gew�rzh�ndler. Aufmerksam beobachtete er aus den Augenwinkeln das Treiben auf der Stra�e. F�r den fl�chtigen Beobachter musste es aussehen, als d�se er wie so viele andere w�hrend der hei�esten Stunden des Tages einfach nur vor sich hin. Seinen Gew�ndern war deutlich anzusehen, wie lange er gereist war. Der Saum seines Wickelrocks war schmutzig und ausgefranst. Die lange Tunika hatte ihre leuchtend rote Farbe verloren. Er trug einen breitkrempigen Strohhut, unter dem die nun tiefschwarz gef�rbten Haare auf seine Schultern fielen. Ein wenig unsicher tastete er �ber seine Wangen nach dem falschen Bart aus Ziegenhaaren, den er selbst gekn�pft hatte. Ein Mann ohne Bartwuchs und mit goldenem Haar war einfach zu auff�llig. Seit er die Hochebene von Kush verlassen hatte, hatte er nicht einen Zauber gewoben. Auch hatte er nicht gewagt, einen der Albensterne zu nutzen. Zu gro� erschien ihm die Gefahr, dass I�ta doch noch auf ihn aufmerksam wurde. Er war den weiten Weg nach Ugara zu Fu� gegangen. Meile f�r Meile, bis er seine F��e kaum noch sp�rte. Quer durch Luwien war er gewandert. �ber Gebirge und durch W�sten. Anfangs hatte er sich als heimkehrender Krieger ausgegeben, aber in dieser Rolle wurde er mit zu vielen Fragen �ber die Schlacht auf der Ebene von Kush behelligt. Dann war er als Bettler unterwegs gewesen. Doch in dieser Maske hatte er ebenfalls Aufmerksamkeit erregt. Kein Bettler wanderte mit den langen ausholenden Schritten, die er �ber Stunden durchhielt. Zuletzt war er darauf verfallen, sich als Gew�rzh�ndler zu verkleiden. Er hatte einige Pfund Safran erworben, was gut zum Ziel seiner Reise passte. Er wollte zu Nyllan. Er war einer von zwei Spitzeln der Blauen Halle, die er in Luwien kannte. Zu Rowayn, dem Knochenschnitzer, wagte er nicht zu gehen. Er lebte in Isatami, der alten Tempelstadt, in der einmal im Jahr die Heilige Hochzeit gefeiert wurde.</p><p>Talawain hatte beide Elfen in der Bibliothek der Blauen Halle kennengelernt. Er war auf sie gesto�en, weil sie Texte �ber I�ta eingesehen hatten. Berichte fr�herer Spitzel und Sagen aus der �berlieferung der Menschenkinder. So wie die beiden anderen hatte auch er versucht, das Wesen dieser launischen G�ttin besser kennenzulernen und zu ergr�nden, was genau geschehen war, als I�ta entdeckte, dass der Purpurne und ihre Schwester Anatu ein Liebespaar geworden waren. N�chtelang hatten sie zu dritt dar�ber diskutiert, was geschehen sein mochte. Hatte I�ta ganz allein eine Himmelsschlange bezwungen? Und warum war Anatu ihrem Geliebten nicht zu Hilfe geeilt? Zu zweit h�tten sie doch st�rker sein m�ssen als I�ta. Was hatten die Devanthar Anatu angetan? Wo waren die Gebeine des Purpurnen? Lebte er vielleicht noch als ein Gefangener im Gelben Turm? Oder stimmte die Geschichte, die sich die Menschenkinder erz�hlten, in der die Devanthar aus dem Sch�del des Purpurnen ein Gef�ngnis f�r ihre Schwester Anatu erschaffen hatten?</p><p>Noch drei weitere Male hatten sie sich in der Blauen Halle getroffen und miteinander diskutiert. Rowayn war ganz besessen davon gewesen, den geheimnisumwobenen Berg Luma zu finden, auf dem Anatu einen Palast aus Mondlicht erbaut haben sollte. Talawain und Nyllan hatten dies stets f�r ein M�rchen gehalten, doch Rowayn hatte darauf bestanden, dass in jedem M�rchen auch ein K�rnchen Wahrheit steckte.</p><p>Au�erhalb der Blauen Halle hatten sie sich nie getroffen. Dass Talawain wusste, in welchen St�dten die beiden lebten und welchen Berufen sie in ihrer Maske als Menschen nachgingen, war eigentlich schon ein grober Versto� gegen die Regeln der Blauen Halle. Um die Sicherheit der Spitzel zu gew�hrleisten, sollten sie keinen Umgang miteinander pflegen. So w�rde niemand, wenn sie von den Devanthar gefangen genommen und gefoltert w�rden, andere Drachenelfen verraten k�nnen.</p><p>Dass er Nyllan nun in seinem Laden besuchen wollte, war ein noch gr�berer Versto� gegen die Sicherheitsregeln, als einander zu kennen und zu wissen, wo sie lebten, aber Talawain brauchte Hilfe, die er nur von einem Vertrauten erhalten k�nnte. Er hatte nichts �ber das Kloster in Erfahrung bringen k�nnen, in das die Prinzessinnen gebracht wurden, die mit dem Unsterblichen die Heilige Hochzeit feierten. Jeder Luwier kannte Geschichten �ber diesen Ort, aber keiner wusste, wo er lag. Und wenn jemand doch behauptete, etwas zu wissen, entpuppte sich das vermeintliche Wissen meist als w�ste L�gengeschichte. Immer hie� es dann, das Kloster bef�nde sich verborgen in den n�chsten Bergen oder H�geln.</p><p>Talawain nahm den Wanderstab, der neben ihm an der Mauer lehnte, und stemmte sich hoch. Er hatte lange genug unter dem Torbogen gekauert. Er war sich sicher, nicht beobachtet zu werden. Langsam schlenderte er an den offenen L�den vorbei, in deren Auslagen getrocknete Bl�ten, gemahlene Gew�rze in satten Erdfarben, seltsame Wurzeln und Harze feilgeboten wurden. Talawain genoss die berauschenden D�fte, die mit jedem Schritt in ihren Nuancen wechselten, gefangen unter den bunten Sonnensegeln, die tief �ber der engen Gasse hingen und Wind und Regen fernhielten. Die W�nde der H�user waren wei� get�ncht, die T�ren in grellen Farben bemalt. Es war ein Ort, der alle Sinne anregte. Sicherlich genoss es Nyllan, hier zu leben.</p><p>Ugara war ein klug gew�hlter Ort, um Informationen zu sammeln. Viele Handelsrouten kreuzten sich hier. Von der Hafenstadt stach ein Teil der luwischen Zinnflotte in See, um zu den Inseln in der Meerlunge weit im Westen zu segeln. Wenn sie zur�ckkehrten, brachten sie Bernstein, Honig, kostbare Pelze und vor allem das Zinn, das unverzichtbar zur Herstellung von Bronze war. Aus dem Osten und S�den kamen Gew�rzkarawanen nach Ugara, und die Ischkuzaia im Nordosten brachten Seide. Wenn Nyllan gute Verbindungen zu den Karawanenf�hrern und Seefahrern unterhielt, w�rde er Geschichten aus der halben Welt zu h�ren bekommen.</p><p>Talawain dachte an den Palast des Unsterblichen Aaron. Er vermisste seine Pflichten dort, das Gef�hl, dass nichts im Reich ohne sein Wissen geschah. Er hatte Aram viele Jahre lang fast allein regiert, w�hrend Aaron seinen perversen Vergn�gungen nachgehangen hatte. Und jetzt, da der Unsterbliche wie ausgetauscht war und sich so vieles im Reich ver�nderte, musste er fliehen! Was h�tte er nicht alles f�r die Menschenkinder tun k�nnen? Aram h�tte ein Land werden k�nnen, in dem Gerechtigkeit regierte. Der neue Aaron hatte das gewollt. Wie wohl seine Landreform voranging?</p><p>Talawain sah traurig in den Staub der Stra�e. Das waren nicht mehr seine Sorgen. Er sollte keinen Gedanken mehr daran verschwenden. Er zwang sich, aufrecht zu gehen, den Kopf stolz erhoben. Aram lag hinter ihm. Alles, was er f�r Aaron noch tun konnte, war, nach Shaya zu suchen. Deshalb war er hier.</p><p>Er ging die Stra�e bis zum Ende und blickte in jeden der offenen Verkaufsst�nde, ohne Nyllan zu entdecken. Verwundert machte er kehrt. Diesmal hielt er an jedem der St�nde kurz an. Die H�userfronten waren zur Stra�e hin offen, sodass sie an Marktst�nde erinnerten, nur dass sie nach hinten hin ummauert waren und in der ersten Etage die Wohnungen der Besitzer lagen. Fast in der Mitte der Stra�e gab es ein gro�es Haus, dessen Vorderfront mit Brettern vernagelt war. Talawain blickte durch die Ritzen ins Innere. Im Dunkel war nicht viel zu erkennen.</p><p>�Suchst du Lilluma, Fremder?�, erklang eine harte Frauenstimme hinter ihm.</p><p>Der Elf drehte sich um. Lilluma war der Menschenname gewesen, den Nyllan benutzt hatte. Talawains Gedanken �berschlugen sich. Was war geschehen? Hatte Nyllan den Laden aufgegeben? Oder hatten sie entdeckt, dass er ein Daimonenkind war? Wenn ja, dann konnte er niemandem in dieser Stra�e vertrauen. Sie alle w�rden beobachten, wer kam, um Lilluma zu besuchen.</p><p>Eine Frau mit knochigem Gesicht beugte sich auf der anderen Seite �ber die Korianders�cke in ihrem Laden. Zwei Schl�fenz�pfe hielten ihr langes Haar im Zaum. Sie trug eine weite Tunika, die um ihren hageren Leib schlotterte.</p><p>�Wer ist Lilluma?�, fragte Talawain arglos.</p><p>�Der arme Wicht, dem dieser Laden zuletzt geh�rt hat. Warum glotzt du durch die Spalten zwischen den Brettern. Da gibt es nichts zu sehen.�</p><p>�Ist der Laden zu kaufen?�</p><p>Sie hob die Brauen und ma� ihn mit misstrauischem Blick. Er sah nicht aus wie jemand, der sich einen Laden in einem Basar leisten konnte. �Ich w�rde dir nicht raten, dort ein Gesch�ft zu er�ffnen.� Sie warf den Kopf zur Seite und spuckte �ber ihre linke Schulter. �Ist verflucht, das Haus. Hat bisher noch jedem Ungl�ck gebracht, der sich dort niedergelassen hat.�</p><p>Talawain blickte noch einmal zu dem Haus mit dem vernagelten Laden. Dann nickte er der H�ndlerin freundlich zu. �Danke f�r die Warnung.� Mit diesen Worten ging er weiter. Vielleicht wollte die Menschentochter nur verhindern, dass ein weiterer Gew�rzh�ndler in die Gasse zog und ihr das Gesch�ft schwer machte. Wenn sie die Wahrheit sagte, w�rde er auch anderswo noch mehr �ber das Haus erfahren.</p><p>Er verlie� den Basar der Gew�rzh�ndler und schlenderte ziellos durch die Stra�en der Stadt, bis er eine Garstube entdeckte, die nach den Ma�st�ben, die f�r Menschenkinder galten, recht reinlich aussah. Er w�hlte einen Platz mit einer Mauer im R�cken, von dem aus er einen guten Blick auf die Stra�e hatte, selbst aber im Halbschatten eines Sonnensegels sa�. Abgesehen von einem Seemann, der mit dem Kopf auf den Armen eingeschlafen war, gab es keinen Gast in der engen Stube, die nur aus zwei schmalen Tischen und einem kleinen Garofen bestand.</p><p>�Brot, K�se und deinen besten Wein�, verlangte Talawain mit einem L�cheln, dazu legte er drei Kupferst�cke auf den Tisch, um zu zeigen, dass er auch zahlen konnte.</p><p>Der Wirt musterte ihn nur fl�chtig, nahm zwei der M�nzen, stellte ihm einen Krug und einen sch�nen, rot glasierten Becher auf den Tisch. Dann ging er kurz fort, um Brot und K�se zu holen.</p><p>�Du bist fremd?�, fragte er nach seiner R�ckkehr nicht sonderlich interessiert.</p><p>�Mein Bruder schickt mich. Angeblich ist ein Laden im Gew�rzbasar frei geworden.� Talawain brach ein St�ck vom Brot ab und begann zu essen. �Soll herausfinden, warum das Haus leer steht und ob es einen guten Namen hat.�</p><p>�Einen guten Namen?� Der Wirt schnaubte, dass sein Doppelkinn wackelte. �Jeder im Viertel kennt dieses Haus. Sein Vorbesitzer hat es billig verkauft, weil es darin spukte.�</p><p>Talawain schluckte. �Spuken?�</p><p>�Lebende Schatten�, murmelte der Wirt geheimnisvoll und schlug das Zeichen des sch�tzenden Horns. �Der Besitzer war fast verr�ckt vor Angst und heilfroh, dass sich ein Fremder gefunden hat, der ihm das Haus abkaufen wollte.�</p><p>Talawain konnte sich vorstellen, was Nyllan getan hatte, um g�nstig an das Haus zu kommen. Er wunderte sich allerdings, dass der Elf so verwegen gewesen war, von seiner Zauberkunst Gebrauch zu machen.</p><p>�Dieser Lilluma war ein seltsamer Kerl. Er hat das Haus gekauft, das niemand im ganzen Viertel h�tte haben wollen. Der hatte Gold wie unsereins Dreck unter den Sohlen. Alles, was er anpackte, machte ihn reicher. Er war den alteingesessenen Gew�rzh�ndlern bald ein arger Dorn im Arsch.� Der Schankwirt stie� ein kl�ffendes Lachen aus, holte sich auch einen Becher, setzte sich und schenkte sich, ohne zu fragen, von Talawains Wein ein. �Lilluma verstand es wahrlich, das Leben zu genie�en. Nachts zog er oft mit irgendwelchen Kapit�nen oder Fernh�ndlern durch die Schenken, war aber stets beim Morgengrauen wieder in seinem Laden und stand hinter seinen Gew�rzs�cken. Er hat immer nur beste Ware gehabt.� Der Wirt schlug sich mit der flachen Hand auf die Wange. �Sieh mich an. Ich hab auch jede Nacht bis sonst wann ge�ffnet. Diese verdammten Ruderer von den Galeeren. Wenn die auf Landgang sind, finden die kein Ende und saufen wie die L�cher. Ich war mal ein h�bscher, schlanker Junge.� Wieder klatschte er sich auf seine feisten Wangen. �Viel davon geblieben ist nicht. Hab R�nder unter den Augen wie eine alte Hure, Schweinebacken und einen Wanst wie einen Rammbock. Aber dieser Lilluma, das schw�re ich dir, der ist in den zehn Jahren um keinen Tag gealtert. Mir sind in dieser Zeit alle Haare ausgefallen, aber der Gew�rzh�ndler hatte nicht mal ein einziges graues Haar. Sah immer noch aus wie ein zartes J�ngelchen.�</p><p>Talawain seufzte innerlich. Wenn stimmte, was der Wirt erz�hlte, dann hatte Nyllan so ziemlich keinen Fehler ausgelassen, vor dem sie bei ihrer Ausbildung in der Blauen Halle gewarnt worden waren. Wie hatte er nur so verdammt leichtsinnig sein k�nnen! Sie wurden angehalten, stets unauff�llig zu sein und den Eindruck zu erwecken, dass auch sie alterten.</p><p>Der Wirt schenkte sich einen zweiten Becher ein und leerte damit den Krug.</p><p>�Wei�t du�, raunte er und beugte sich dabei so weit �ber den Tisch, dass Talawain seinen warmen Atem auf dem Antlitz sp�rte. �Manche munkeln, dass Lilluma einen Pakt mit diesen lebenden Schatten geschlossen hat, die den Vorbesitzer vertrieben haben. Hat ihnen seine Seele verkauft.� Wieder schlug der Wirt das Zeichen des sch�tzenden Horns. �Und daf�r bekam er Erfolg und ewige Jugend. Bis die Nacht kam, in der der Preis zu zahlen war. Es hei�t, sie h�tten in der ganzen Gew�rzgasse seine Schreie geh�rt. Sollen sich sehr seltsam angeh�rt haben. Mehr wie ein quiekendes Schwein als wie ein Mensch. Als sie sich reintrauten ins Haus�� da war die Mittagsstunde schon weit vor�ber��, haben sie ihn mit dem Kopf nach unten von einem Deckenbalken h�ngend gefunden. War ausgeweidet wie ein Vieh beim Fleischhauer. Finger, Zehen, Nase, Ohren�� Alles M�gliche hatten sie ihm abgeschnitten, wer immer ihn in der Nacht besucht hatte. Die W�nde waren �ber und �ber mit Blut bespritzt. Seine Gew�rze, die M�bel und Kleider, alles haben die H�ndler aus dem Basar weit drau�en vor der Stadt verbrannt. Zusammen mit seinen sterblichen �berresten. Und seine Asche wurde ins Meer gestreut. Wenn dir an deinem Bruder liegt, dann lass ihn nicht dieses Haus kaufen. Ist kein guter Ort���</p><p>Talawain hatte bei der Beschreibung der Leiche an Kazumi denken m�ssen. Er konnte sich vorstellen, wer zu Nyllan gekommen war.</p><p>�Wann ist das geschehen?�</p><p>�Vor ein paar Wochen erst.� Der Wirt erhob sich, um sich einem neuen Kunden zuzuwenden.</p><p>�Etwa zu der Zeit, als die Schlacht auf der Ebene von Kush geschlagen wurde?�</p><p>�K�nnte hinkommen. Vielleicht war es auch fr�her.�</p><p>Tief in Gedanken schnitt Talawain den K�se auf. Er war sauer und alt, aber der Elf schmeckte es kaum. War I�ta zu Nyllan gekommen oder waren es seine Nachbarn gewesen, die sich einen zu erfolgreichen Konkurrenten vom Hals schaffen wollten? War Nyllan in derselben Nacht gestorben, in der I�ta zu Kazumi gekommen war? Wie viele Spitzel der Blauen Halle hatte die Devanthar entdeckt?</p><p>Er schob Brot und K�se zur Seite. Ihm war der Appetit vergangen. Es w�re vern�nftig, einfach zur Blauen Halle zur�ckzukehren, statt ohne Auftrag seinen eigenen Feldzug f�r den Unsterblichen Aaron zu f�hren. Aber konnte er Shaya einfach vergessen und sie ihrem Schicksal �berlassen? Sie zu retten w�re auch eine Bu�e f�r seinen Mord an Aya, die er einst in die L�wengrube des Palastes von Ak�u gesto�en hatte. Aya�� Shaya�� Das Schicksal ging seltsame Wege. Wie �hnlich die Namen der beiden doch waren. Beide hatten sie Aaron geliebt. Wenigstens Shaya sollte er f�r ihn retten.</p><p>Er wusste, wenn er nicht nach Albenmark ging, g�be es nur noch Rowayn, der ihm helfen konnte. Dass dieser ausgerechnet in Isatami leben musste. Die alte Tempelstadt war neben dem Palast des Unsterblichen vermutlich der gef�hrlichste Ort in Luwien. Regelm��ig erschien I�ta ihren Priestern in der Stadt. Und eben diesen Priestern lieferte Rowayn seine auserw�hlten Knochenschnitzereien.</p><p>Talawain winkte dem schwatzhaften Wirt zum Abschied, der ganz in ein Gespr�ch mit dem neuen Gast vertieft war. Es war ein weiter Weg nach Isatami. Und er w�rde wieder die Landstra�e nehmen. Dazu Albenpfade zu benutzen fehlte ihm der Mut.</p><p>Er dachte an sein letztes Treffen mit Rowayn. Sie waren sich in der Blauen Halle in der Aula der Fechter begegnet. Dutzende andere Elfen waren dort zugegen. Allesamt Spitzel, denen ihre Berufung zum Leben geworden war. Kein Ort, an dem sie beide h�tten erkennen lassen d�rfen, dass sie heimlich befreundet waren. Rowayn hatte ihn angel�chelt, als habe er das gro�e Fechtturnier gewonnen. �Das Meer verbirgt alle Geheimnisse�, hatte er ihm zugeraunt. Talawain hatte nicht verstanden, was damit gemeint sein mochte. Isatami lag mehr als tausend Meilen vom Meer entfernt.</p></section><section><title><p>Wer, wenn nicht er</p></title><p>Artax stand auf der Terrasse des Statthalterpalastes. Unter ihm breitete sich die verw�stete Stadt aus. Was er sah, lie� sein Herz bluten. Sein eigener Palast war nicht dramatisch vom Beben betroffen. Der Thronsaal war eingest�rzt, ein Wohntrakt und ein Pferdestall. Es schien wohl keine Toten gegeben zu haben. Und so hatte er die Dienerschaft und alle Krieger, die den Angriff auf die Tempelg�rten der Zapote unverwundet �berstanden hatten, hinaus auf die Stra�en geschickt, um zu helfen. Ashot war bei ihnen, er w�rde daf�r sorgen, dass alles unter der Aufsicht eines k�hlen Kopfes geschah.</p><p>Auf dem weiten Hof des Palastes unterhalb der Terrasse und in den intakten Geb�uden wurden Notquartiere vorbereitet. Seine Vorratskammern waren ge�ffnet worden. Sie mussten nun alle eng zusammenstehen. Er w�rde alles geben, was hier war, und er w�rde Vorr�te aus Aram kommen lassen. Eigentlich wollte er unten in der Stadt sein. Es widerstrebte ihm, hier zu stehen und nichts zu tun, als nachzudenken. Aber wenn er �ber die zerst�rte Stadt blickte, dann konnte er in die Zukunft sehen. Dies hier war nur der Anfang. Die eigentliche Katastrophe stand ihnen noch bevor. Und im Vergleich zu dem, was noch kommen w�rde, war die Zerst�rung der Goldenen Stadt eine Kleinigkeit.</p><p>Das Klacken von Holz auf Stein riss Artax aus seinen d�steren Gedanken. Volodi kam auf die Terrasse, begleitet von seiner Zapotepriesterin. Der S�ldner st�tzte sich schwer auf eine Kr�cke und war sehr blass. Aber er grinste breit, so wie er es immer getan hatte, ganz gleich, mit welchem Ungl�ck das Schicksal ihn �bersch�ttete. Mataan ging hinter den beiden. Auch er brauchte einen Stock, um gehen zu k�nnen. Er w�rde nie wieder als Krieger in die Schlacht ziehen. Das war der Preis, den er daf�r gezahlt hatte, seinem Herrscher beim Kampf um den Steinhorst das Leben zu retten. Mataan hatte damit begonnen, einige Aufgaben des Hofmeisters Datames zu �bernehmen. Er fluchte �ber die Berge von Tontafeln, die Tag f�r Tag immer h�her wuchsen, und die kleingeistigen Schreiber und H�flinge, die aus einfachen Dingen einen undurchschaubaren Staatsakt machten. Er hatte ein neues Schlachtfeld gefunden, und auch wenn er dort niemals so gl�nzen w�rde, wie Datames es getan hatte, so ging er die Sache doch mit Hingabe an, und was er machte, machte er gut und mit pedantischer Genauigkeit.</p><p>Artax sah Volodi lange an. Er w�rde den langhaarigen Drusnier vermissen. �Du wirst nicht l�nger an meinem Hof bleiben k�nnen�, begann er ohne Umschweife.</p><p>Das L�cheln auf Volodis Lippen erstarb. �Was ich mich nicht gut gemacht?�</p><p>�Du bist hier nicht l�nger sicher, mein Freund�, sagte Artax bitter. �Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. Mein �berfall auf die Zapote wird ein Nachspiel haben, und ich m�chte nicht, dass du jenen unter die Augen kommst, die sich eigentlich meinen Kopf holen wollen.�</p><p>�Bin ich mich Hauptmann von Leibwache. Ist sich mein Zweck, zwischen dich und Leute zu stehen, die sich dich holen wollen deinen Kopf.�</p><p>Artax musste l�cheln. �Du bist verwundet. Du hattest eine schwere Zeit��� Er betrachtete die Priesterin. Er konnte nicht begreifen, was die beiden zusammengebracht hatte, aber obwohl sie mit dem Opfermesser in der Hand �ber Volodi gestanden hatte, schien sie ihn zu lieben. �Mir scheint, es gibt nun noch jemand anderen, den du sch�tzen musst. Ich f�rchte, die Zapote werden in ihr eine Verr�terin sehen. Auch sie ist hier nicht sicher.�</p><p>�Kann ich mich stellen vor zwei�, beharrte Volodi. �Habe ich mich breite Brust und starken Arm. Kann ich mich gut Schutz machen.�</p><p>�Das wei� ich. Und doch k�nnte der Augenblick kommen, wo du dich entscheiden musst und nur einem von uns helfen kannst. Ich m�chte nicht, dass du jemals in deinem Leben in die Lage kommst, w�hlen zu m�ssen. Geh so weit fort von meinem K�nigshof wie m�glich. Wenn bessere Zeiten kommen, dann werde ich nach dir schicken. Du wei�t, an meiner Seite wird es immer einen Platz f�r dich geben.�</p><p>Volodi sch�ttelte fassungslos den Kopf. �Wenn sich Hauptmann von Leibwache ist sich nicht an Seite von sein K�nig in schwere Zeit, wann dann?�</p><p>�Wenn man einen Kampf nicht gewinnen kann, Volodi, dann muss man sich zur�ckziehen und einen besseren Tag abwarten, um f�r seine Sache zu streiten. Du warst immer ein guter Anf�hrer, du wei�t, dass ich recht habe.�</p><p>Volodi rang mit den Tr�nen. In seinen Augen lag Trotz.</p><p>�Bitte, mein Freund, zwing mich nicht dazu, dich von meinem Hof zu verbannen. Lass uns im Guten auseinandergehen. Ich werde mit dir nicht �ber diesen Befehl diskutieren. Es muss sein.�</p><p>Dem Drusnier sank der Kopf auf die Brust. Artax hasste sich in diesem Augenblick, doch er wusste tief in seinem Herzen, dass es die richtige Entscheidung war, ihn fortzuschicken. �Mataan, wirst du Volodi zur Goldenen Pforte eskortieren? Ich w�nsche, dass er noch in dieser Stunde die Stadt verl�sst. Es steht ihm und seiner Gef�hrtin frei zu gehen, wohin sie wollen.�</p><p>�Wie Ihr befehlt, Unsterblicher Aaron�, entgegnete der Fischerf�rst kurz angebunden. Er war kein Freund des Drusniers, aber es war un�bersehbar, dass er nicht damit einverstanden war, dass der Hauptmann auf diese Art vom Hof entfernt wurde. Doch auch er wusste, dass es sein musste. Bald w�rden Schuldige f�r die Katastrophe gesucht werden, die die Goldene Stadt heimgesucht hatte, und dann w�re es besser, wenn Volodi nicht unter die Augen der selbsternannten Gerechten k�me.</p><p>Artax blieb allein auf der Terrasse zur�ck. Den Blick in die Ferne gerichtet. Auch �ber den Gutsh�fen und kleinen D�rfern am Gro�en Fluss standen Rauchfahnen. Wie weit war das Beben zu sp�ren gewesen? War es mehr als nur ein Beben gewesen? Daia brauchte Nangog. Sie brauchten das Korn dieser Welt. Wenn die Karawanen mit Lebensmitteln nicht mehr nach Daia zogen, w�rde es Hungersn�te geben. Datames hatte Aram gut auf schwere Zeiten vorbereitet. Jede Stadt, ja selbst jedes Dorf, hatte Vorratsspeicher angelegt. Hunger, wie ihn Artax noch aus seiner Kindheit kannte, hatte es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben. Aber er hatte nie vergessen, wie es war, die ganze Nacht nicht schlafen zu k�nnen, weil einem der Hunger die Ged�rme zusammenzog. Er konnte sich an Kinder erinnern, die die Winter in Belbek nicht �berlebt hatten. Und an die Alten mit den aufgebl�hten B�uchen, die zu lange keine Mahlzeit mehr gesehen hatten. Wenn die Karawanen nicht mehr durch die Goldene Pforte zogen, dann war alles, was heute geschehen war, nur das Vorspiel zu einer noch viel gr��eren Katastrophe. Auf jeden Toten hier in der Stadt w�rden hundert in den sieben K�nigreichen folgen.</p><p>Artax ballte in hilfloser Wut die F�uste. Sein Volk erwartete Schutz und eine gute Regierung von ihm. Es durfte keine Kriege mehr wie den mit Muwatta geben. Und die grausamen Br�uche der Zapote mussten verboten werden. Gab es denn keine Vernunft in der Welt?</p><p>Es dauerte bis nach Sonnenuntergang, bis der Besucher kam, den er so lange erwartet hatte. Der L�wenh�uptige war pl�tzlich einfach da, Artax hatte ihn nicht kommen sehen. Wie aus dem Nichts war er neben ihm auf der Terrasse erschienen.</p><p>�Es ist schade, dass du nicht zu mir kommst, wenn ich in meinen Gebeten um deine Hilfe flehe�, sagte Artax statt einer Begr��ung. Er konnte nicht anders, er war zu entt�uscht von seinem Devanthar.</p><p>�Und deshalb hast du dir das hier einfallen lassen?�, erwiderte der L�wenh�uptige so scharf, dass sich Artax die Nackenhaare aufrichteten und ihm ein eisiger Schauer �ber den R�cken lief.</p><p>�Ich verstehe nicht, was du meinst, Erhabener.�</p><p>Der Devanthar machte eine ausholende Geste zur Stadt hin. �Eine eindrucksvolle Art, uns zu rufen.�</p><p>�Das ist nicht mein Werk.�</p><p>�Nicht? Viele meiner Br�der und Schwestern sehen das anders, und es hat mich einige M�he gekostet, den Gro�en Jaguar davon abzuhalten hierherzukommen und sich deinen Kopf zu holen.�</p><p><emphasis>Willkommen bei den lebenden Toten</emphasis>, raunten die Stimmen in seinem Kopf.</p><p>�Ich wei� nicht���</p><p>�Das glaube ich dir nicht�, br�llte der L�wenh�uptige. �All die Jahre habe ich dich besch�tzt. Ich habe in dir etwas Besonderes gesehen, und dann machst du das! St�rmst die Tempelg�rten der Zapote, um einen S�ldner von ihrem Altar zu holen. Was kommt als N�chstes? Wirst du den Unsterblichen Labarna meucheln und Shaya befreien?�</p><p>�Ich versto�e nicht gegen die Gesetze der G�tter�, entgegnete Artax steif. �Ich verabscheue, was der Prinzessin angetan wurde. Aber ich werde sie nicht befreien.�</p><p>Die geschlitzten, goldenen L�wenaugen sahen ihn durchdringend an. �Ich verstehe dich nicht, Artax�, sagte er nun ruhiger. �Du rufst den Zorn der G�tter auf dich herab, um einen S�ldner zu retten, aber die Frau, die du liebst, l�sst du im Stich?�</p><p>�Sie wurde von ihrem Vater an Muwatta verheiratet. Es wurde ein Ehevertrag geschlossen. Die Hoch�� Seine Stimme versagte ihm. �Was in Isatami geschah, war Teil eines alten Rituals. Ebenso wie das Schicksal, das sie erwartet. Volodi aber wurde entf�hrt. Er ist erpresst worden, um durch das Wei�e Tor zu gehen.�</p><p>Der L�wenh�uptige sah ihn lange an. �Und das ist alles? Oder warst du vielleicht dort, weil du Shaya nicht retten kannst? Hast du ausgelebt, was du dir bei deiner Geliebten versagtest?�</p><p>�Nein!�, sagte Artax entschieden, war sich pl�tzlich aber nicht mehr so sicher, ob der L�wenh�uptige nicht einen Blick in jene Abgr�nde seiner Seele geworfen hatte, die er selbst vor sich verborgen hielt.</p><p>�Wie dem auch sei, Unsterblicher Aaron, sehr bald wird sich dein Wunsch erf�llen, und ich bringe dich zum Gelben Turm. Alle Devanthar werden dann versammelt sein. Doch sie werden nicht kommen, um sich deine Tr�ume von einer besseren Welt anzuh�ren. Du trittst vor ein Tribunal.�</p></section><section><title><p>Alte Freunde</p></title><p>Amalaswintha schob sich aus dem Turmluk des Aals und nahm einen tiefen Atemzug. Nach dem Mief im Aal war selbst die k�hle, feuchte Luft �ber dem Meer der Schwarzen Schnecken Balsam f�r ihre Lungen.</p><p>�Ich glotz dir ja gerne unter die R�cke, Weib, aber k�nntest du trotzdem aussteigen? Ich will mir auch mal die F��e vertreten�, erklang hinter ihr die Stimme eines dieser ungehobelten Unholde, mit denen sie seit Wochen an den Pedalen der Kurbelwelle sa�, mit deren Hilfe das kleine Tauchboot angetrieben wurde.</p><p>Einen Moment war die Zwergin versucht, auf der Eisenleiter abzurutschen und dem Kerl einen Absatz ins Gesicht zu rammen. Doch dann entschied sie sich lieber daf�r, dieses verdammte Boot so schnell wie m�glich zu verlassen. Die Reise war vom ersten Tag an erniedrigend gewesen. Es gab keine Privatsph�re in dem winzigen Tauchboot. Wenn sie sich erleichtern musste, dann war das vor aller Augen geschehen. Auch wenn sie v�llig �berraschend von Eikin, dem Alten in der Tiefe aus den Ehernen Hallen, in diesen verfluchten unterirdischen Turm verbannt worden war, konnte es hier nur besser werden.</p><p>Glamirs Turm, der Ort, den sie erreicht hatten, war ein Geheimnis. Die Aalschiffer an Bord wussten so gut wie nichts �ber diesen Platz, an dem sie und ihre drei Gef�hrten in Sicherheit sein sollten. Schwarzer Farbstoff wurde hier gewonnen, aber das schien nur ein Vorwand zu sein. Jeden Tag erz�hlten sich die Schiffer andere Geschichten �ber den Turm. Dass Glamir dort nach einem Schatz suchte, dass er aus Drachenschuppen R�stungen baute, die unverwundbar machten oder er nach einem Elixier suchte, das Eikin Unsterblichkeit schenken sollte. Alles Unsinn, dachte Amalaswintha. Nicht einmal Galar, Hornbori und Nyr, die schon einmal da gewesen waren, wussten, was in dem Turm vor sich ging. Oder sie wollten es ihr nicht sagen, das traute sie den dreien auch zu.</p><p>Sie schritt das letzte St�ck �ber den schwankenden Rumpf des Aals und sprang zur gemauerten Anlegestelle hin�ber, an deren Eisenringen das Boot vert�ut lag. Es waren nur ein paar Schritt bis zu der von gr�ner Patina verkrusteten T�r des Turms. Amalaswintha schwankte ein wenig. Es war ungewohnt, festen Boden unter den F��en zu haben.</p><p>Zwei Fackeln rechts und links der T�r waren die einzigen Lichtquellen weit und breit. Ihr fielen einige Armbrustsch�tzen auf, die mit ihren Waffen im Anschlag nerv�s �ber das dunkle Wasser sp�hten. Wer in aller Welt sollte sie denn hier angreifen? Glamirs Turm lag auf einer Felseninsel irgendwo verloren im Meer der Schwarzen Schnecken, tief unter der Erde.</p><p>Amalaswintha sah an dem von dunklen Algen bedeckten Gem�uer hinauf. Turm war ein reichlich �bertriebener Name f�r den gedrungenen Stummel aus Mauerwerk, der sich auf dem Felsriff erhob und nach ein paar Schritt mit der H�hlendecke verschmolz. Sie l�chelte. Zwerge hatten eine Gabe, f�r kleine Dinge gro�e Namen zu finden.</p><p>Entschlossen trat sie durch die T�r und blieb �berrascht stehen. Sie war in einen Brunnenschacht getreten! Ein St�ck unter ihr schimmerte im Fackellicht schwarzes Wasser. Eine schmale Treppe wand sich entlang der Innenmauer des Schachtes nach oben. Ringe aus getrockneten Algen zeigten die Wasserst�nde der Vergangenheit. Eine gew�lbte Kuppel schloss den Innenraum ab. Auch auf ihr waren noch dunkle Algenreste zu erkennen.</p><p>Amalaswintha wurde mit Schrecken bewusst, dass der Innenraum des Turms wohl regelm��ig vollst�ndig unter Wasser stand. Und dann g�be es keinen Weg mehr hinaus! Eilig lief sie die letzten Stufen bis zum Luk am Ende der Treppe hinauf und trat mit einem mulmigen Gef�hl unter der schweren Kupferkuppel hindurch, die �ber den Durchstieg gesenkt werden konnte, um dann mit etlichen Riegeln verschlossen zu werden. �ber dem Durchstieg hingen gut ge�lte Ketten von der Decke.</p><p>�Wer zum Henker hat diese Vettel hier hereingelassen!�, grollte eine dunkle Stimme.</p><p>Zwischen Stapeln von K�rben, Fischreusen und F�ssern erwartete sie der mit Abstand absto�endste Zwerg, den Amalaswintha je gesehen hatte: ein graub�rtiger Alter, der sich schwer auf eine Kr�cke st�tzte. Ihm fehlten der rechte Arm und das rechte Bein. Sogar sein rechtes Auge fehlte. Jedenfalls trug er dar�ber eine Klappe, auf die mit Goldfaden ein strahlendes Auge gestickt war. Seine rechte Gesichtsh�lfte war von tiefen Narben entstellt.</p><p>�Wer auf die Idee kam, uns ein Weib zu schicken, dem haben sie ins Hirn gepisst! Verflucht, packt diesen Haufen R�cke und steckt sie wieder in den Aal, aus dem sie hervorgekrochen sind.� Bei diesen Worten deutete er mit seinem nur wenige Zoll langen Armstumpf auf sie. �Los, schafft sie mir aus den Augen.�</p><p>�Gerne �berbringe ich Eikin, dem Alten in der Tiefe in den Ehernen Hallen, deine Nachricht, dass man ihm ins Hirn gepisst habe. Ich bin wirklich neugierig, wie er das aufnehmen wird, Glamir. Soll ich meine Gef�hrten, Hreidmar, Fundin und Onar und ihr Kind, auch wieder mitnehmen? Sie sind ebenso auf Befehl Eikins hier wie ich. Aber offenbar gilt das Wort des Alten aus der Tiefe in deinem Turm nichts.�</p><p>Glamir zog die Brauen zusammen. �Du glaubst, du kannst mich erpressen, du Flittchen? Hast du eine Ahnung, worauf du dich hier einl�sst? Ich habe hier fast f�nfzig M�nner im Turm. Die meisten haben seit �ber einem Jahr kein Weib mehr gesehen. Benutz mal dein Hirn zum Denken, und dir wird klar werden, dass du gar nicht hier sein willst.� W�tend sah er zur Treppe, auf der gerade ihre Mitverbannten erschienen. �Der Wortefurzer, die Amme und der Querulant. Bei den Alben! Was habe ich getan, euch schon wieder am Hals zu haben?�</p><p>�Eikin w�nscht, dass wir dich bei deiner Arbeit unterst�tzen�, entgegnete Galar der Schmied frech. �Wie es scheint, tut ihr doch mehr, als nur Schnecken auszuquetschen.�</p><p>Glamir lief rot an. Eine dicke, blaue Ader begann, an seiner Schl�fe zu pochen. �Du��� Er hob seinen verst�mmelten Arm. �Du���</p><p>Frar, der kleine Qu�lgeist, den Nyr tagein, tagaus auf dem Arm hielt, fing an zu quengeln. Er hatte abnorm oft Hunger, und es war stets ein Problem, ihn zu f�ttern. Nie gab es Milch, sie mussten immer improvisieren, und der Junge wurde nie richtig satt.</p><p>Galar warf Amalaswintha wieder einen seiner d�steren Blicke zu. Es war nicht ihre Schuld, dass sie keine Amme war! Jedes Mal, wenn sie sich das stinkende H�ufchen Elend in Nyrs Armen ansah, wusste sie, dass sie niemals Kinder haben wollte.</p><p>�Hab ihr keine Ziege, die Mich gibt?�, fragte der Richtsch�tze aufgebracht.</p><p>�In meinem Turm gibt es immer noch keine Weiden, Amme!�, zischte Glamir ihn �rgerlich an.</p><p>�Bitte, bitte, meine Freunde�, mischte sich nun Hornbori ein. �Wir alle sitzen in einem Boot. Lasst uns einen Weg finden, miteinander auszukommen. Wir sind nicht hier, um deine Geduld auf die Probe zu stellen, Glamir. Ohne dir zu nahetreten zu wollen, glaube ich doch, sagen zu k�nnen, dass wir wesentlich ungl�cklicher �ber die Entscheidung Eikins sind, als du es jemals sein wirst, denn wir���</p><p>�Halt�s Maul, Wortefurzer!�, fuhr Glamir ihn an, dann winkte er nach einem seiner Arbeiter. �Bring dieses Gelump in dieselbe Zel� �h, Kammer, in der sie beim letzten Mal untergebracht waren.�</p><p>�Ich protestiere auf das���</p><p>�Rebellen setze ich auf dem Felsen vor dem Turm aus�, zischte Glamir Hornbori an. �Also �berlege dir, was du sagst, oder du debattierst demn�chst mit den Seeschlangen dort drau�en.�</p><p>Alles ist besser als noch eine Nacht in einem Aal, dachte Amalaswintha, aber nur so lange, bis sie das Quartier sah, in dem sie untergebracht wurden. Es war eine feuchte H�hle, aus dem Fels geschlagen, ohne vern�nftige Betten und mit einem stinkenden Eimer in der Ecke, um seine Notdurft zu verrichten. Als sich die T�r hinter ihnen schloss, wurde sie verriegelt. Sie waren Glamirs Gefangene.</p><p>�Der wird uns verhungern lassen�, murmelte Nyr, der Frar einen Daumen in den Mund gesteckt hatte, was den Jungen offensichtlich beruhigte.</p><p>�Das wird er nicht riskieren�, wandte Hornbori lahm ein.</p><p>�Doch!�, sagte Galar entschieden, und betretenes Schweigen senkte sich �ber die Zwerge. Vor wenigen Monden erst war das Trio als Helden, die einen riesigen, wei�en Drachen erlegt hatten, gefeiert worden. Doch durch die Rache der Himmelsschlangen wurden sie zu den Verantwortlichen f�r den Untergang der Tiefen Stadt. Denn die Drachen hatten sich nicht damit begn�gt, lange nach den M�rdern zu suchen. Sie hatten gleich alle get�tet, wobei�� welche Ironie�� ausgerechnet jene drei Zwerge, die wirklich Drachenblut vergossen hatten, das Massaker �berlebt hatten.</p><p>Eikin, der Alte in der Tiefe in den Ehernen Hallen, bewunderte Galar, Hornbori und Nyr f�r das, was sie getan hatten. Aber er wollte sie um keinen Preis in seiner Stadt haben und so vielleicht den Zorn der Himmelsschlangen auf sich ziehen. Deshalb waren sie hierher in Glamirs Turm verbannt worden. Hier w�rde kein Drache sie jemals finden.</p><p>�Ich denke, ihr solltet Glamir sagen, wer ihr wirklich seid. Vielleicht ist er ja einer eurer Bewunderer�, sagte Amalaswintha schlie�lich.</p><p>�Ein Arsch ist der und sonst nichts�, murmelte Galar w�tend.</p><p>�Nee, nur ein halber Arsch�, erg�nzte Nyr. �Mehr ist an ihm doch nicht mehr dran.�</p><p>�Ich finde, Amalaswintha hat recht. Wir sollten das Ganze diplomatisch���</p><p>�Halt�s Maul, Wortefurzer�, schnauzte Galar Hornbori an. �Zumindest dich hat er sofort durchschaut.�</p><p>Amalaswintha legte sich auf eines der schmuddeligen Lager. Auch wenn der Sack, auf dem sie lag, mit �bel stinkendem Stroh gef�llt war, war er doch besser als alles, was die Aale in den letzten Wochen zu bieten gehabt hatten. Sie war froh, dass diese endlose Irrfahrt durch unterirdische Fl�sse und Seen endlich ein Ende gefunden hatte. Sie waren mit einem kleinen Konvoi bei Glamirs Turm angekommen. Die Frachtboote sollten ihn mit allem versorgen, was er brauchte, um �ber den Herbst zu kommen�� dann, wenn das Wasser so hoch anstieg, dass der Turm g�nzlich im Meer der Schwarzen Schnecken versank und kein Aal mehr anlegen konnte.</p><p>Amalaswintha blendete den Streit ihrer Mitgefangenen aus, schloss die Augen und genoss es, ihre m�den Glieder zu strecken. Mit Glamir w�rde sie fertigwerden, dachte sie mit selbstbewusstem L�cheln. Sie wusste schon, wie sie es anfangen w�rde. L�ngstens zwei Tage, und der Mistkerl w�rde ihr wie ein zahmer Ziegenbock aus der Hand fressen.</p></section><section><title><p>In den Stein blicken</p></title><p>Als Amalaswintha aus tiefem, traumlosem Schlaf erwachte, wusste sie im ersten Augenblick nicht, wo sie sich befand. Es stank um sie herum, war feucht und dunkel wie immer in den letzten Wochen. Aber das schleifende Ger�usch der Kurbelwelle fehlte, ebenso wie das leichte Schwanken des Aals.</p><p>�Was hat Frar denn da?�</p><p>Es war Hornbori, der sprach. Amalaswintha zog es vor, die Augen geschlossen zu halten, um nicht mit ihren drei ungewollten Gef�hrten reden zu m�ssen.</p><p>�Das ist ein Hammer�, entgegnete Nyr schl�frig.</p><p>�Ein Hammer? Woher hat der Kleine einen Hammer? Wie kannst du einem Kind einen Hammer geben! Der schl�gt sich noch den Sch�del ein und���</p><p>�Es ist nur ein kleiner Hammer�, murmelte Nyr �rgerlich. �Und irgendwas zum Spielen muss er doch haben.�</p><p>�Einen Hammer�, sagte Hornbori fassungslos. �Das ist���</p><p>�Woher kommt der Hammer?�, mischte sich nun auch Galar ein.</p><p>�Hab ihn mitgehen lassen. Ich meine, als klar war, dass wir wieder in diese feuchte Zelle verknackt werden, dacht ich mir, dass sich unser halber Gastgeber verdient hat, dass ich ihn ein bisschen beklaue.�</p><p>�Hast du auch was N�tzliches geklaut?�, fragte Galar.</p><p>�Frar liebt seinen Hammer�, kam es beleidigt von Nyr. �Ihr wisst doch noch, wie sehr er das Ger�usch von Hammerschl�gen mochte. Das ist wie ein Wiegenlied f�r ihn. Wenn er gro� ist, wird er bestimmt einmal Schmied. Und wenn er am Griff lutscht, beruhigt ihn das.�</p><p>�Der Kleine lutscht jetzt am schmuddeligen Griff irgendeines alten Hammers�, emp�rte sich Hornbori.</p><p>�Er hat es ja auch �berlebt, die schmuddeligen Daumen von Nyr im Mund zu haben�, konterte Galar. �Ein bisschen Dreck hat noch keinem Kind geschadet.�</p><p>Amalaswintha versuchte, die Stimmen auszublenden und ihre besondere Gabe zu erwecken. Auf der Schwelle zwischen Schlaf und Wachen lie� sie ihren Geist wandern. Sie sah in den Stein, verlie� ihre enge Zelle und erkundete den Turm und den Fels, in den er gebettet war. Der kurze, gemauerte Stummel auf der Klippe im unterirdischen Meer war nur ein winziger Teil der Anlage. Glamir und seine M�nner hatten sich tief in den Fels der H�hlendecke gegraben. Die Anlage war seltsam. Es schien verschiedene Schmieden und Werkst�tten zu geben. Ganz sicher war sich Amalaswintha jedoch nicht. Am klarsten sah sie die Adern der verschiedenen Erze. Obwohl ihr der verwunschene Blick durch den Stein erlaubte, Hohlr�ume im Fels zu erkennen, blieb ihr verborgen, <emphasis>was</emphasis> in den Hohlr�umen gemacht wurde. Sie sah weder die Einrichtungen, noch war es ihr m�glich zu sagen, ob sich jemand oder etwas dort aufhielt. Sie erkannte nur das Metall der Werkzeuge und ihre groben Formen.</p><p>Besonders seltsam war ein recht breiter, fast eine Meile langer Tunnel, der ins Nichts f�hrte. Amalaswintha konnte sich nicht erkl�ren, welchen Nutzen er haben mochte. Es musste viel Kraft gekostet haben, ihn aus dem Fels zu brechen, und sie bezweifelte, dass die wenigen M�nner Glamirs dieses Werk vollbracht hatten. Dieser Tunnel hatte beim Bau zus�tzliche Arbeitskr�fte erfordert. Sie richtete ihren Blick nach oben, durchdrang all die Gesteinsschichten, bis sie hinauf zu Ger�ll, Humus und Wurzeln gelangte. Der Turm war gut durchdacht angelegt. Die Rauchabz�ge der Schmieden m�ndeten in eine gro�e, nat�rliche H�hle, sodass niemand an der Oberfl�che Rauch aus einem vermeintlichen Kaninchenloch im Waldboden aufsteigen sehen konnte. Es gab einen d�nnen Kohlefl�z, der bei den Bauarbeiten bereits entdeckt worden war und nun ausgebeutet wurde, um die Schmiede und einige Heiz�fen zu versorgen. Metall war im Gestein kaum vorhanden. Ein paar Einsprengsel Eisenerz war alles, was sie entdecken konnte.</p><p>Nun wandte Amalaswintha sich den Gesteinsformationen in der Tiefe zu. Der Brunnenschacht durchstie� eine Klippe, die �ber einem dunklen Abgrund aufragte. Niemals h�tte sie erwartet, dass der See so unglaublich tief war. Glamirs Turm erhob sich �ber einem Spalt, der hinab bis zum Herzen der Welt zu reichen schien. Zum ersten Mal empfand die Zwergin ein Gef�hl von Beklommenheit. Ihr ganzes Leben hatte sie in H�hlen verbracht. Sie war es gewohnt zu wissen, dass sich �ber ihr Gebirge aus Felsgestein erhoben, viele hundert Schritt dick. Nie hatte ihr das etwas ausgemacht! Im Gegenteil, tief unter der Erde f�hlte sie sich geborgen. Aber hier war es anders. Glamirs Turm schwebte �ber einem unterirdischen Abgrund. Das Gestein, auf dem er errichtet war, war por�s. Das Wasser war tief in die Klippe eingedrungen. Sie hingen fast in der Schwebe.</p><p>Amalaswintha sp�rte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann und Panik sie zu �berw�ltigen drohte. Die Klippe war Jahrtausende alt. Sie w�rde nicht abbrechen�� aber wenn es gesch�he, meldete sich die Stimme der Panik, dann w�rde das Wasser in die unteren Etagen des Turms eindringen, und sie s��en in ihrem Kerker wie Ratten in der Falle. Sie wollte aufwachen, die Trance hinter sich lassen und einfach nur die festen, feuchten W�nde ihres Kerkers sehen und ihren drei verr�ckten Gef�hrten lauschen. Wollte, dass ihre Welt so klein wurde, dass die gr��te Sorge war, ob es klug war, ein Kind am schmutzigen Stiels eines Hammers lutschen zu lassen, als ihr Blick auf etwas am Rand des Abgrundes fiel. Etwas, was sie noch nie gesehen hatte. Es war gewaltig, fremdartig und entzog sich jeder vern�nftigen Erkl�rung.</p><p>Und es konnte keinen Zweifel daran geben, dass dies der Grund war, warum Glamir seinen Turm auf dieser Klippe im Nirgendwo errichtet hatte.</p></section><section><title><p>Von Schmied zu Schmied</p></title><p>Galar war selbst ein wenig �berrascht, dass sie ihn zu Glamir gebracht hatten. Er wusste nicht genau, was Amalaswintha den Wachen zugefl�stert hatte, aber es hatte sie so sehr �berzeugt, dass sie ihn umgehend vor den verst�mmelten Schmied gef�hrt hatten.</p><p>Glamirs Kammer stank nach ungewaschenen Kleidern und schimmelnden Essensresten. Sie war erstaunlich klein und kaum weniger feucht als der Kerker, in den man sie gesperrt hatte. Auf Luxus schien der alte Zwerg keinen sonderlichen Wert zu legen.</p><p>Glamir sa� in einem wuchtigen Sessel mit hoher Lehne und abgewetzten, braunen Lederpolstern. Er trug nur eine Lederhose. Das Bett hinter ihm war zerw�hlt, seine Haare zerzaust, als sei er gerade erst aufgestanden. Galar hatte keine Ahnung mehr, welche Tageszeit war. Sein Zeitgef�hl war ihm w�hrend der Reise im Aal und den Tagen im Kerker v�llig abhanden gekommen.</p><p>�Du kennst also mein Geheimnis�, kam Glamir unverbl�mt zur Sache. �Dann lass mal h�ren.� Er beugte sich vor und kratzte sich seinen Beinstumpf.</p><p>Amalaswintha hatte Galar alles genau erz�hlt. Anfangs hatte er die Sache mit ihrer Gabe nicht glauben wollen, bis sie ihn auf den kleinen Tunnel ansprach, den er in der Tiefen Stadt heimlich an seinen Brunnen angeschlossen hatte. Niemand wusste davon! Allerdings war er sich immer noch unsicher wegen der Geschichte, die sie ihm anschlie�end aufgetischt hatte. Das klang zu unwahrscheinlich.</p><p>�Ich h�re!�, brummte Glamir unfreundlich und fixierte ihn mit seinem verbliebenen Auge.</p><p>�Du bist wegen der Metallwand hier�, sagte Galar gedehnt.</p><p>Die Aussage schien Glamir nicht sonderlich zu beeindrucken, deshalb sprach er rasch weiter: �Diese Wand ist riesig. Sie reicht mehr als eine Meile in die Tiefe und ist sogar noch breiter. Sie ist mehr als f�nf Schritt dick. Ein kleines St�ck liegt offen am Abgrund unter dem Brunnenschacht. Du versuchst, die Wand zu durchbohren, um herauszufinden, was dahinter liegt. Aber da ist nichts. Es gibt dort keine H�hlen, keine Geheimnisse. Die Wand an sich ist das Geheimnis.�</p><p>�Soso�, antwortete Glamir ironisch. �Jetzt bin ich aber wirklich beunruhigt. Hat man euch verdorbene Pilze zu essen gegeben? Ich muss dringend mit dem Koch sprechen. Er sollte wirklich nicht wahllos alle K�chenabf�lle an euch verf�ttern.�</p><p>Galar war verwirrt. Glamir wirkte nicht im Mindesten beeindruckt. Hatte Amalaswintha nur wirre Geschichten erz�hlt? Aber woher hatte sie dann von dem geheimen Tunnel bei seinem Brunnenschacht gewusst? �W�rdest du mir denn sagen, was es mit dem seltsamen Tunnel auf sich hat, der eine Meile lang pfeilgerade in den Fels getrieben wurde, um dann im Nichts zu enden?�</p><p>Glamir grinste sp�ttisch. �Erstaunliche Geschichten hast du da auf Lager. War es das jetzt, oder wirst du mich noch mit weiteren M�rchen unterhalten?�</p><p>Galar war verzweifelt. Glamir lie� alles an sich abgleiten. Nun hatte er nur noch eine letzte Karte auszuspielen. Amalaswintha hatte ihm dringend geraten zu offenbaren, wer sie wirklich waren. Wenn Glamir schon sonst nichts beeindruckte, dann vielleicht die Drachen, die sie zur Strecke gebracht hatten.</p><p>�Meine Gef�hrten und ich, wir haben dich belogen.� Eigentlich ging es ihm gegen den Strich, sich derart bei Glamir anzubiedern. So etwas hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht getan. Er h�tte Hornbori schicken sollen, doch wahrscheinlich w�re sein speichelleckender Gef�hrte bei Glamir nicht einmal vorgelassen worden. Die beiden trennten Welten.</p><p>�L�gner seid ihr also.� Glamirs Stimme war sch�rfer geworden, und etwas Lauerndes lag im Blick des Schmieds, als er hinzuf�gte: �Habt ihr auch den Alten in der Tiefe belogen?�</p><p>Pl�tzlich war sich Galar sicher, dass der Kerl sie schon h�tte ertr�nken lassen, w�rden sie nicht unter dem Schutz des Zwergenf�rsten stehen.</p><p>�Er wei�, wer wir sind. Deshalb hat er uns hierhergeschickt. Hat er dir nicht mitgeteilt, welche G�ste unter deinem Dach weilen?� Auf die Andeutung, dass sein F�rst Glamir nicht �ber alles informierte, war Galar stolz. Solche Spitzen hatte er fr�her nicht verteilt. Das kam vom Umgang mit Hornbori.</p><p>Glamir fluchte leise und kratzte sich erneut an seinem Beinstumpf. �Wei�t du, wie das ist, wenn dir die Zehen jucken, obwohl du gar keine mehr hast?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann erz�hl mir mal, wer du heute zu sein vorgibst.�</p><p>Galar schluckte seinen �rger hinunter, sp�rte aber, dass er nicht verhindern konnte, vor Zorn rot zu werden. Dieser Kr�ppel sollte es nicht �bertreiben! �Ich bin Galar, Schmied aus der Tiefen Stadt. Meine Gef�hrten sind Hornbori und Nyr. Wir haben die beiden Drachen get�tet.�</p><p>Glamir nahm einen Riegel Kautabak vom Tisch neben sich und biss ein ordentliches St�ck ab. Er kaute eine Weile, bis er schlie�lich nickte. �Jetzt verstehe ich, warum Eikin euch nicht in den Ehernen Hallen haben wollte und hierher zur�ckgeschickt hat.�</p><p>Er spuckte einen br�unlichen Schleimklumpen aus und verfehlte den Napf, der neben ihm auf dem Boden stand, nur knapp. �Wie ist es, damit zu leben, dass man f�r den Untergang der Stadt verantwortlich ist, in der man aufwuchs? Den Tod aller verursacht zu haben, die dir geholfen haben zu werden, was du bist?�</p><p>Es war, als h�tte ihm der Alte eine gl�hende Eisenstange direkt aus der Esse in den Magen gerammt. �Schei�e��� Galar wich zwei Schritte zur�ck.</p><p>�Ganz genau, Junge, an dir klebt Schei�e. Auf alle Zeit, wohin auch immer du gehst. Alle bewundern den Drachent�ter, aber keiner will ihn in seiner Stadt haben. Glaubst du, das hier ist ein guter Unterschlupf? Das hier sind miese, feuchte H�hlen. Der Turm macht jeden krank, der l�nger als ein paar Wochen in ihm lebt. Ist mein Gl�ck, dass ich die H�lfte meiner Knochen unten im Brunnen gelassen habe. So plagt mich mein Rheuma weniger.� Glamir lachte, ein heiseres, freudloses Lachen, das in trockenen Husten �berging. �Jetzt habe ich dich also am Hals, und es gef�llt dir, deine Nase in meine Angelegenheiten zu stecken. Schwafelst von riesigen Metallw�nden und Tunneln, die nirgendwohin f�hren. Versuchst zu verstehen, warum ich hier bin, und kannst dich nicht mit der Wahrheit anfreunden, dass du nur in einem dreckigen, nassen Turm am Arsch der Welt steckst, in dem Schnecken gefangen werden, um sie wegen ein bisschen schwarzer Farbe auszuquetschen. Du brauchst es gro� und geheimnisvoll, nicht wahr? Du brauchst etwas, das all die Toten rechtfertigt. Das wirst du hier nicht finden. Und auch nirgendwo anders! Das musst du mit dir alleine ausmachen.�</p><p>Galar hatte mit den anderen nie �ber den Untergang der Stadt gesprochen. Er war vor seiner Schuld davongelaufen, genauso wie Nyr und Hornbori.</p><p>�Wei�t du, was du f�r mich bist?�, setzte Glamir unbarmherzig nach. �Ein Kind, das mit seinen Freunden auf einer Bergweide spielen gegangen ist. Und da hast du ein paar Kiesel gefunden und am Waldrand einen Auerochsen entdeckt. Einen gro�en Bullen mit H�rnern, fast so lang wie du. Du hast dir ausgemalt, wie dich alle bewundern werden, wenn du diese Troph�e erringst. Und dann bist du mit deinen Kieseln losgezogen. Leider haben sie nicht ausgereicht, um den Auerochsen zu erlegen. Es reichte nur, ihn so richtig w�tend zu machen. Und als er auf dich lospreschte, da bist du auf den n�chsten Baum geklettert. Aber die anderen, die haben es nicht geschafft, und du hast aus deinem sicheren Versteck zugesehen, wie sie verreckten.� Glamir spie einen weiteren Schwall braunen Schleim aus. Und diesmal traf er den Spucknapf.</p><p>�Wenn du den Rat eines alten Mannes willst, dann stell dich deinen Toten. Weiter als bis hier kann man nicht mehr fortlaufen. Und jetzt verkriech dich in deine H�hle. Ich bin fertig mit dir.�</p></section><section><title><p>Die Pfeilspitze</p></title><p>Galar schlich wie ein gepr�gelter Hund davon. F�r dieses Mal hatte er den Schmied noch kleingekriegt, aber das w�rde nicht lange halten, dachte Glamir besorgt. Er musste eine andere L�sung finden.</p><p>Er griff nach der Pfeilspitze, die zwischen Pergamentrollen und Kautabakvorr�ten auf dem gro�en Arbeitstisch lag. Sie wirkte unscheinbar, und doch mochte sie die Welt aus den Angeln heben. Er hatte mit seinen Gliedern f�r diese Pfeilspitze bezahlt. Und mit dem Leben von sieben seiner Gef�hrten. Sie sah aus, als sei sie aus gew�hnlichem Stahl geschmiedet, doch das Metall kam aus dem Brunnenschacht.</p><p>Glamir dachte an die Geschichte �ber die riesige Metallwand, die Galar ihm aufgetischt hatte. Verr�ckt! Eine Metallwand von mehr als einer Meile! Wer sollte so etwas erschaffen haben. Die Alben? Das war nicht ihre Art. Galar musste verr�ckt sein, daran zu glauben. Ja, es gab im Gestein der Klippe einen Abbruch und dort waren sie beim Schneckensammeln auf eine Metallwand gesto�en. Aber das war es auch. Sie war im Gestein eingebettet, was zugegebenerma�en seltsam war, denn es lie� sich kein Zweck f�r diese Wand erkennen. Nichts gab Anlass zu der Vermutung, dass sie von au�ergew�hnlicher Gr��e war. Man musste ein St�ck in eine Felsnische kriechen, um sie zu erreichen. Von dort kam der Stahl der Pfeilspitze. Doch es war schwer, etwas von dem Metall zu l�sen. Ein paar winzige Sp�ne, das war alles, was jeder Tauchgang brachte. Das Metall war fast unverw�stlich. Sie kratzten mit Diamant �ber die Metallplatte, und mit einem Magneten zogen sie die winzigen Sp�ne an, die sich dabei l�sten. Zum Gl�ck lie� sich dieses fremdartige Metall nicht schwerer schmelzen als herk�mmlicher Stahl.</p><p>Glamir wog die Pfeilspitze in der Hand. So viel Blut und Zeit hatten sie daf�r gegeben. Und sie mussten noch mindestens zwei Dutzend solcher Pfeilspitzen herstellen, bevor sie daran denken konnten, sie einzusetzen. Glamir spuckte einen Strahl Tabaksaft in den Napf neben seinem Sessel. Er w�rde es nicht mehr erleben, wie sie die Welt ver�nderten. Aber das spielte keine Rolle, denn er hatte den ersten Schritt getan. Das w�rde nicht in Vergessenheit geraten. Zwerge hatten Geduld. Der Tag der Abrechnung mit den Himmelsschlangen w�rde kommen!</p><p>Glamir starrte auf die T�r, durch die der junge Schmied verschwunden war. Sie waren sich gar nicht so un�hnlich. Aber auf einem Misthaufen konnte es nicht zwei H�hne geben. Er musste ihn loswerden, und er wusste auch schon wie. Seine Neugier und Selbst�bersch�tzung w�rden Galar zum Verh�ngnis werden. Er sollte nicht lange damit warten, den Anf�hrer der Drachent�ter loszuwerden, �berlegte Glamir. Je fr�her der St�renfried verreckte, desto besser.</p></section><section><title><p>Auf Leben und Tod</p></title><p>Nachtatem nahm seinen Platz in der H�hle unter den Basaltklippen ein. Die weite Felsnische auf der anderen Seite der Halle war leer. Dort hatte der Himmlische sich niedergelassen, wenn sie sich zur Beratung versammelten oder die Berichte der heimkehrenden Drachenelfen h�rten. Es war nun schon die zweite leere Nische. Eine Mahnung, dass sie nicht unbesiegbar waren.</p><p>Er lauschte auf die Schritte auf der Treppe, die zu ihnen hinabf�hrte, und �ffnete seine Gedanken f�r seine Br�der. Sie waren gekommen, um zu h�ren, was geschehen war, obwohl sie alle es im Grunde schon wussten�� Nangogs Erwachen war auf allen Welten zu sp�ren gewesen. Ihr Griff nach dem magischen Netz war in Wellen durch die Sch�pfung gelaufen. Die kleinen V�gel im Jadegarten hatten f�r einen Moment mit ihrem Gesang innegehalten, als Nangog erwacht war. Gewiss hatten nicht alle Gesch�pfe gesp�rt, dass die Geschichte der drei Welten in diesem Augenblick eine neue Wendung genommen hatte, doch die feinf�hligeren waren sich bewusst, dass etwas vorgefallen war, auch wenn es sich nicht ihrem Begreifen erschloss.</p><p>Er sp�rte die Unruhe seiner Nestbr�der. Nur der Goldene schien nicht dem Bericht der Drachenelfen entgegenzufiebern. Wusste er mehr als sie? Nachtatem lauschte erneut auf die Schritte. Es waren zu wenige! Nur zwei Elfen kamen die Treppe hinab! Und da erschienen sie auch schon: Lyvianne und Bidayn. Wo waren die anderen? Warum war Nandalee nicht hier?</p><p>Es fiel ihm schwer, seine Ungeduld zu beherrschen. Er musste sich zwingen, keine Fragen zu stellen und dem Bericht der Ereignisse zu lauschen. Es war Lyvianne, die in ihre Mitte trat und �ber die Mission auf Nangog Rechenschaft ablegte. Die Meisterin der Wei�en Halle erhob keine Anklage gegen Nandalee, doch hinter ihren Worten schimmerte deutlich auf, dass sie die junge Elfe f�r zu unerfahren hielt. Sie berichtete von der ziellosen Suche in der Goldenen Stadt. Davon, wie jeder eigene Wege gegangen war, statt gef�hrt zu werden. Sie machte keinen Hehl daraus, dass es ein gl�cklicher Zufall gewesen war, auf den Mann im Stein gesto�en zu sein.</p><p>Nachtatem sp�rte das Unbehagen seiner Nestbr�der, als Lyvianne �ber Manawyn sprach. Sie alle hatten gehofft, dass diese Geschichte niemals ans Licht kommen w�rde. Sie hatten Manawyn, wie alle anderen Elfen seiner Mission, f�r tot gehalten. Es war das unr�hmlichste Kapitel im Buch der Drachenelfen. Sie hatten den Begr�nder der Wei�en Halle und die anderen ersten Meister nach Nangog geschickt, um zu erkunden, was im Weltenmund vor sich ging. Und ihre besten Krieger waren gleich bei ihrer ersten Mission gescheitert. Deshalb hatten sie das Ger�cht verbreitet, die ersten Meister h�tten sich in die Einsamkeit zur�ckgezogen, um in der schwersten Stunde Albenmarks zur�ckzukehren.</p><p><emphasis>Ihr werdet dieses Geheimnis immer f�r euch behalten!</emphasis> Die Gedanken des Roten waren wie ein Flammensturm, unter dem selbst Lyvianne kurz zusammenzuckte.</p><p>Die beiden Elfen w�rden schweigen, sie hatten von sich aus begriffen, was ihre Entdeckung f�r die Wei�e Halle bedeuten mochte. Obwohl es die Schule der Meuchler ohnehin nicht mehr gab. Die Novizen und Meister waren, seitdem die Himmelsschlangen sie nach dem Angriff auf die Blaue Halle fortgeschickt hatten, nicht mehr zur�ckgekehrt, und sie w�rden sich gewiss f�r lange Zeit nicht in jenem abgelegenen Tal versammeln, in dem die Wei�e Halle lag. Sie w�rden sich nirgends mehr versammeln. Sie waren ein zu attraktives Ziel f�r einen Gegenschlag der Devanthar�� und der w�rde kommen, dessen waren sich Nachtatem und seine Br�der vollkommen sicher.</p><p>Wie genau Nangog ihr halbes Herz zur�ckerlangt hatte, vermochte Lyvianne nicht zu berichten. Es war Nandalee gewesen, die dies vollbracht hatte und die zum Erstaunen Lyviannes nicht zur�ckgekehrt war. Die Meisterin erkl�rte, wie sie und Bidayn sich von den anderen getrennt hatten, die auf schnellstem Wege zum Goldenen Tor wollten. Sie gestand, dass sie ihrer beider Leben aufs Spiel gesetzt hatte, um Bidayn eine neue Haut zu schenken. Nachtatem sp�rte, dass diese Details seine Nestbr�der kaum interessierten. Die Mission war gegl�ckt, das allein z�hlte, und dass mit Opfern zu rechnen war, war ihnen von Anfang an klar gewesen.</p><p>Lyvianne schilderte in eindrucksvollen Farben das Beben, das die Goldene Stadt verw�stet hatte, und berichtete, wie ihre Novizin Bidayn einen der Silbernen L�wen der Devanthar bezwungen hatte.</p><p>�Bidayn hat in h�chster Gefahr Tapferkeit und einen k�hlen Kopf bewiesen. Als ihre Meisterin m�chte ich vorschlagen, sie nun unter die Drachenelfen aufzunehmen. Sie ist durch ihre Taten auf Nangog ohne Frage �ber den Rang einer Novizin hinausgewachsen�, schloss sie ihren Bericht.</p><p>Es war selten, dass in dieser Runde vorgeschlagen wurde, eine Novizin zur Drachenelfe zu erheben. �blicherweise entschieden die Meister der Wei�en Halle dar�ber. Der Dunkle konnte sp�ren, dass seine Nestbr�der dennoch geneigt waren zuzustimmen.</p><p><emphasis>Bitte erkl�rt noch einmal genau unter welchen Umst�nden ihr Euch von Euren Gef�hrten getrennt habt, Dame Lyvianne?</emphasis> Nachtatem ahnte, dass Lyvianne nicht alles erz�hlt hatte, und es kostete ihn einige Beherrschung, nicht direkt nach Nandalee zu fragen. In jeder Zukunft, die er f�r sie gesehen hatte, war sie lebend von Nangog zur�ckgekehrt. Was war geschehen?</p><p>Widerstrebend bekannte sich Lyvianne dazu, ihre Gef�hrten verlassen zu haben, ohne die Erlaubnis Nandalees einzuholen. Sie und Bidayn hatten das Gedr�nge um die Goldene Pforte genutzt, um sich davonzuschleichen. Die Meisterin berichtete, wie es schon zuvor zu einer Auseinandersetzung mit Nandalee gekommen war, weil sie darauf bestanden hatte, den Unsterblichen Aaron, der geblendet worden war, zu heilen.</p><p><emphasis>Ihr habt einem unserer Erzfeinde das Augenlicht zur�ckgegeben?</emphasis>, brauste der Flammende auf und schob sich aus der weiten Felsnische, die sein Lager war. <emphasis>Die Unsterblichen sind die ersten Diener der Devanthar unter den Menschenkindern. Wie konntet Ihr ihn retten? Das ist Verrat!</emphasis></p><p>�Ich habe ihn nicht gerettet, ich habe ihm seine Geheimnisse entrissen�, entgegnete Lyvianne, ohne vom sengenden Zorn des Flammenden eingesch�chtert zu sein. �Ich wei� nun, wo sich die zweite H�lfte von Nangogs Herzen befindet. Die Devanthar verbergen es in einem abgeschiedenen Tal in Aram, nur einen Tagesritt von der Kupfermine Um el-Amand entfernt. Es gibt dort immer einen Devanthar als Wache. Sie l�sen einander in dieser Pflicht ab.�</p><p>Der Dunkle sp�rte, welch kopfloses Begehren diese Nachricht bei seinen Nestbr�dern ausl�ste. Sie wollten das halbe Herz an sich bringen und dachten in ihrer Gier nicht bis zum Ende.</p><p><emphasis>Ruhig</emphasis>, sprach er nur in ihren Gedanken. Die beiden Albenkinder sollten seine Worte nicht h�ren. <emphasis>Es w�re nicht klug, jetzt noch einen Schlag gegen die Devanthar zu f�hren.</emphasis></p><p><emphasis>Wir w�rden sie entwaffnen</emphasis>, begehrte der Flammende auf.</p><p><emphasis>Haben wir das Herz, k�nnen wir ihnen unsere Bedingungen f�r einen Frieden diktieren.</emphasis> So sprach der Goldene in ihrer aller Gedanken. <emphasis>Wir m�ssen es haben!</emphasis></p><p><emphasis>Wahrt eure W�rde im Angesicht von zwei Albenkindern</emphasis>, mahnte der Fr�hlingsbringer. <emphasis>Zeigt ihnen nicht so deutlich euer Begehren!</emphasis></p><p>Nachtatem war unzufrieden mit der Wendung, die das Gespr�ch nahm. Es war an der Zeit, es wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. <emphasis>Was gewinnen wir, wenn wir die zweite H�lfte des Herzens holen?</emphasis>, begann er. <emphasis>Wollen wir Nangog wirklich ihre alte St�rke zur�ckgeben? W�rde sie es uns danken? Wir geh�rten zu denen, die sie hintergangen haben! Welchen Grund h�tte sie, uns freundlich gesonnen zu sein.</emphasis><emphasis>Wenn wir sie ganz erwecken, erschaffen wir eine dritte Kraft. Zwischen uns und den Devanthar gibt es ein Gleichgewicht. Das ist vor�ber, wenn sie erwacht. Wer immer sie auf seine Seite zieht, kann den anderen vernichten. Und was ist der n�chste Schritt? Eine Seite bleibt mit Nangog allein �brig. Wird sie der Versuchung widerstehen k�nnen, auch noch die Letzten ihrer Kerkermeister zu vernichten?</emphasis></p><p><emphasis>Wenn wir das fehlende Teil ihres Herzens besitzen, entscheiden wir, ob, und wenn ja, wann Nangog es erhalten wird</emphasis>, widersprach ihm der Goldene temperamentvoll. <emphasis>Ich pl�diere daf�r, dass wir es den Devanthar nehmen.</emphasis></p><p>Sein Nestbruder geb�rdete sich mit einem Selbstbewusstsein, das nahe an Arroganz grenzte, dachte Nachtatem zufrieden. Mochte er noch so im Lichte erstrahlen, seine Nestbr�der blendete er damit nicht.</p><p><emphasis>Was gewinnen wir au�er einer neuen B�rde?</emphasis> Fr�hlingsbringers Schwanz peitschte aufgeregt �ber den Granitboden. Er gab sich keine M�he zu verbergen, dass er aufgebracht war. <emphasis>Wir sollten Entscheidungen dieser Tragweite in aller Tiefe durchdenken. Deshalb frage ich noch einmal: Was gewinnen wir? M�ssen wir bef�rchten, dass die Devanthar der Riesin die zweite H�lfte ihres Herzens bringen? Kaum, denn sie k�nnen es sich nicht leisten, die Welt Nangog zu verlieren. Nangog ist die Kornkammer ihrer �berbev�lkerten Welt. Sie werden mit aller Kraft versuchen, die Riesin wieder in ihre Schranken zu weisen. Und nun nehmen wir einmal an, wir bes��en das Herz. W�re uns daran gelegen, Nangog all ihre Macht zur�ckzugeben? Nein! Und glaubt ihr, die Devanthar wissen das nicht, Br�der? Wenn wir unseren Bruder, den Himmlischen, r�chen und die Devanthar vernichten wollen, dann m�ssen wir es selbst tun! Darauf zu hoffen, dass Nangog uns diese Last abnimmt, ist nicht klug. Die einzige Alternative zu ihrer Vernichtung ist ein ernsthaftes Friedensangebot. Wenn wir diesen Weg gehen wollen, dann m�ssen wir es schnell tun. Ich denke, die Devanthar sinnen bereits in dieser Stunde auf Rache. Wir sollten uns k�nftig nicht mehr alle an einem Ort versammeln. Untersch�tzt die Devanthar nicht. Sie sind Weltensch�pfer, sie haben schon zwei unserer Br�der get�tet. Ich bin �berzeugt, sie haben die Macht, uns alle zu vernichten, wenn sie w�ssten, wo sie uns versammelt antreffen k�nnten. Wenn wir uns f�r den Krieg entscheiden, dann m�ssen wir ihnen zuvorkommen. Wir m�ssen diejenigen sein, die zuerst zuschlagen. Der Krieg, der uns bevorsteht, wird anders sein als jeder, der zuvor gef�hrt wurde. Es gibt nicht Gewinner und Verlierer. Es gibt die �berlebenden und jene, die nur noch Geschichte sind. Eine Niederlage wird gleichbedeutend mit v�lliger Vernichtung sein.</emphasis></p><p>Nachtatem war �berrascht, solche Reden von Fr�hlingsbringer zu h�ren, der sonst immer als ruhig und besonnen galt.</p><p><emphasis>Wie also schaffen wir die Devanthar aus der Welt?</emphasis>, fragte der Flammende.</p><p>Nachtatem sah die Mordlust in den Augen seines Bruders, und er wusste, auch der Nachtblaue, der von ihnen allen am meisten Raubtier war, w�rde den Weg des Krieges w�hlen.</p><p><emphasis>Was immer wir tun, es sollte wohl �berlegt sein. Ich bin nicht dagegen, die Devanthar auszul�schen, aber es muss beim ersten Versuch gelingen. Einen zweiten werden wir nicht bekommen.</emphasis> Es war der Rote, der gesprochen hatte. Er war launisch und leidenschaftlich. Er liebte es, die Gestalt von Elfen anzunehmen und sich unter sie zu mischen und sch�nen Frauen nachzustellen. Eine Angewohnheit, die ihm von seinen Br�dern schon viel Spott eingebracht hatte. So leidenschaftlich er bei Elfendamen war, so unbarmherzig konnte er auch als Krieger sein. Das Leben auf alles oder nichts zu reduzieren, entsprach ganz seiner Art.</p><p><emphasis>Die Devanthar werden nicht damit rechnen, dass wir sehr schnell noch einmal zuschlagen,</emphasis> sagte der Goldene. <emphasis>Es durchbricht das Muster unserer Auseinandersetzung. Bislang gab es immer Schlag und Gegenschlag. �berraschen wir sie, w�hrend sie denken, sie seien am Zug! Ihr Zorn �ber das, was getan worden ist, und ihre Gier nach Rache werden sie unvorsichtig sein lassen. Sie werden nicht glauben, dass wir so schnell noch einmal zuschlagen k�nnten. Auch ich bin daf�r, diesen Krieg zu Ende zu bringen, jetzt. Vernichten wir sie, bevor ihnen einf�llt, wie sie uns vernichten k�nnen. Nach dem, was auf Nangog geschehen ist, gibt es keinen Weg mehr zur�ck zum Frieden. Nun kommt</emphasis><emphasis>es nur noch darauf an, wer als Erster den entscheidenden Schlag</emphasis><emphasis>f�hrt.</emphasis></p><p><emphasis>Und wann besprechen wir unsere Pl�ne mit den Alben?,</emphasis> wandte Nachtatem ein. <emphasis>Sie sind unsere Sch�pfer. Wir sind die W�chter ihrer Welt. Ihre Krieger. Ich war immer stolz darauf, genau das zu sein. Aber ein Krieger, der ohne den Befehl seines Herrn einen Kampf beginnt, ist ein Rebell. Und das will ich nicht sein.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn wir auf sie warten, k�nnen wir den Devanthar gleich unsere Kehlen anbieten,</emphasis> fauchte der Flammende. <emphasis>Was ist mit dir los, Bruder. Fehlt es dir am Mut zu k�mpfen?</emphasis></p><p>Nachtatem war diese Begeisterung f�r einen Kampf auf Leben und Tod unheimlich. <emphasis>Ich habe oft genug gek�mpft, um zu wissen, dass der, der seinen Gegner besser kennt, meist siegt. Ich bin dagegen, einfach un�berlegt loszuschlagen. Und ich bin dagegen, dass wir vor zwei Albenkindern unsere Kriegspl�ne schmieden.</emphasis></p><p><emphasis>Sie k�nnen uns nicht verstehen,</emphasis> wandte der Nachtblaue ein.</p><p><emphasis>Aber sie merken uns an, dass wir uns uneins sind</emphasis>, entgegnete Nachtatem scharf.</p><p><emphasis>Wir k�nnten sie fressen.</emphasis> Der Nachtblaue bleckte die Z�hne. Geifer troff von seinen m�chtigen Kiefern, und Nachtatem war sich nicht sicher, ob sein Bruder nur einen schlechten Scherz machte.</p><p><emphasis>Soll das der Lohn daf�r sein, dass sie uns gut gedient haben?</emphasis> Der Goldene schob sich aus seiner Felsnische und nahm dabei den Kopf zur�ck, als wolle er im n�chsten Augenblick wie eine Schlange zusto�en.</p><p><emphasis>Dame Bidayn!</emphasis> Nachtatem drang nun in die Gedanken der beiden Albenkinder ein. <emphasis>Wir haben entschieden, dass Ihr zur Drachenelfe erhoben sein sollt. Wen von uns wollt Ihr als Euren k�nftigen Gebieter erw�hlen.</emphasis></p><p>Ohne zu z�gern, trat die junge Elfe vor den Goldenen. �Ihm soll mein Leben geh�ren. Ihm will ich dienen, bis der Tod mich findet.� Mit diesen Worten sank sie vor dem Goldenen auf die Knie, der diese Unterw�rfigkeit sichtlich zu sch�tzen wusste.</p><p><emphasis>Erhebt Euch, Dame Bidayn. Von nun an seid Ihr die meine</emphasis>, entgegnete der Goldene feierlich. <emphasis>Ihr wisst, welche letzte Pr�fung Ihr zu bestehen habt. M�gen die Alben �ber Euch wachen, wenn Ihr allein in der Wildnis von Bainne Tyr seid. Es ist Euch nun erlaubt zu gehen. Mag Eure Meisterin, die Dame Lyvianne, Euch helfen, diese Reise vorzubereiten. Wenn das Gl�ck mit Euch ist, sehen wir uns im Jadegarten, Dame Bidayn.</emphasis></p></section><section><title><p>Heimat</p></title><p>Volodi war gl�cklich. Er atmete tief ein und genoss den Duft des sp�tsommerlichen Waldes. Bald w�rde das erste Laub fallen. Er hatte den Geruch der Eichen vermisst, das trockene H�mmern eines Spechtes in der Ferne. Seine Heimat! So lange war er nicht mehr hier gewesen. Es war ein guter Tag. �ber ihrem Weg w�lbten sich Eichen und Buchen zu einem dichten Dach, durch das nur vereinzelt Sonnenspeere herabstie�en, um den Wald in ein magisches Licht zu tauchen.</p><p>Schneeschwingen, die gro�en, wei�en Schmetterlinge, die im Sommer �ber die fetten Kuhweiden gesegelt waren, tanzten in dichten Schw�rmen ihren Todesreigen in den S�ulen aus goldenem Licht. Sie w�rden die ersten kalten N�chte, die nicht mehr fern waren, nicht �berleben.</p><p>Quetzalli ging neben ihm. Mit weiten Augen folgte sie jeder Bewegung im lichten Unterholz. Sie hatte ihm verst�ndlich gemacht, dass in ihrer Heimat der Wald die Unvorsichtigen fra�. Ganz offensichtlich traute sie dem Wald Drusnas trotz seiner Beteuerung, dass es hier anders sei, nicht. Sie fror, obwohl noch nicht einmal der Herbst angebrochen war. Der Winter w�rde hart f�r sie werden, dachte Volodi. Zapote schien ein warmes Land zu sein. Er hatte ihr nicht begreiflich machen k�nnen, was Schnee war. Er w�rde gut auf sie achten m�ssen. Sie trug ein sch�nes Kleid aus rotem Leinen. Er h�tte ein Wollkleid f�r sie w�hlen sollen oder wenigstens einen wollenen Umhang.</p><p>Volodi mochte es, sie einfach nur anzuschauen. Sie hatte ihren Stolz wiedergefunden, ging sehr gerade und auf eine Art, die zeigte, dass sie aus einer Familie stammte, die es gewohnt war zu herrschen. Mataan hatte sich als �berraschend gro�z�gig erwiesen, als er sie beide f�r die R�ckkehr nach Drusna ausgestattet hatte. Der Fischerf�rst hatte Volodi �berrascht. Er hatte immer das Gef�hl gehabt, dass Mataan f�r S�ldner nichts �brighatte. Er hatte sich in ihm get�uscht.</p><p>Quetzalli trug breite goldene Armreife und eine Kette aus goldgefasster Jade. Wie eine F�rstin sah sie aus. Volodi freute sich darauf, wie sie am Hof seines Vaters bestaunt werden w�rde. Bald w�rde sie seine Sprache gelernt haben, und er malte sich aus, wie sie faule M�gde mit der Drohung erschreckte, ihnen das Herz herausschneiden zu wollen. Er grinste gut gelaunt.</p><p>�Du gl�cklich?�, fragte Quetzalli leise.</p><p>�Gl�cklich, mit dir hier zu sein. Mein Vater wird ganz sch�n staunen, wenn er sieht, dass sein j�ngster Sohn, von dem er nie mehr als �rger erwartet hat, mit einer Prinzessin nach Hause kommt.�</p><p>�Ich nicht Prinzessin�, sagte sie ernst.</p><p>Volodi l�chelte breit. �Aber das wissen die anderen ja nicht. Sie werden uns glauben, was immer wir ihnen sagen.�</p><p>�Ich nicht Prinzessin�, wiederholte Quetzalli.</p><p>�Und wenn du die niederste Dienstmagd w�rst, w�re ich immer noch stolz, dass du meine Frau bist. Du bist das Beste, was mir in meinem Leben begegnet ist.�</p><p>Quetzalli sah aus, als wolle sie etwas sagen, fand aber nicht die richtigen Worte. Er kannte dieses Gef�hl nur zu gut. In Aram war er ein stammelnder Idiot gewesen. Oft hatte er sich unverstanden gef�hlt. Volodi nahm Quetzalli fest in die Arme. �Ich kann in deinem Herzen lesen, meine Sch�ne. Wir werden keine Worte brauchen.�</p><p>Pl�tzlich wurde ihm bewusst, dass er Quetzalli mit aller Kraft gegen seinen Bronzek�rass quetschte. Er lockerte die Umarmung. Sie strahlte ihn an. Volodi grinste verlegen. Er war noch nie so gl�cklich gewesen.</p><p>Auch ihn hatte Mataan zum Abschied reich beschenkt. Er trug einen pr�chtigen Bronzepanzer, auf dessen Brust der L�we Arams prangte. Die Augen der Bestie waren aus Bernstein, mit geschlitzten Pupillen aus Onyx. Es war die R�stung eines Feldherrn. Zwei schmale, goldbeschlagene Schwertgurte aus rotem Leder kreuzten sich �ber seiner Brust, sodass die Griffe der Waffen �ber seinen Schultern aufragten. Es waren beides Eisenklingen aus Luwien. Am G�rtel um seine H�ften hing ein sch�ner Helm mit wei�em Rosshaarbusch, und seine Schienbeine wurden von fein gearbeiteten Beinschienen gesch�tzt, die �ber den Knien in L�wenk�pfen m�ndeten. Sein Bruder w�rde blass vor Neid werden, wenn er die R�stung und die Waffen sah.</p><p>Er w�rde ihm eines der beiden Schwerter schenken.</p><p>Sie erreichten den Waldrand, und Volodi lie� den Blick �ber die Felder auf der weiten Lichtung schweifen. Das meiste Korn war schon eingefahren worden. Nur wenige Feldarbeiter waren noch zu sehen. In einiger Entfernung trieb ein junges M�dchen einen Schwarm G�nse �ber eine Weide und sah neugierig zu ihnen hin�ber. Inmitten der Felder, auf einem flachen H�gel, erhob sich das Langhaus seines Vaters, das von einer h�lzernen Palisade umringt wurde. St�lle und Gesindeh�user umgaben die Halle, die mit goldenem Stroh gedeckt war. Ganz offensichtlich war das Dach erst in diesem Sommer erneuert worden. Es stand erstaunlich wenig Vieh auf den Weiden nahe beim Herrensitz. Ob es wieder �rger mit irgendwelchen R�ubern gab?</p><p>�Das ist mein Zuhause�, erkl�rte Volodi stolz.</p><p>Quetzalli lie� sich Zeit, die weite Lichtung und alles, was sich darauf befand, in sich aufzunehmen. Dann kniete sie nieder, riss ein Grasb�schel aus, roch daran und rieb die schwarze Erde, die von den feinen, wei�en Wurzeln hing, zwischen den Fingern. �Land gut�, sagte sie schlie�lich.</p><p>Er mochte ihre direkte Art. �Ja, das Land ist wirklich gut�, sagte er l�chelnd. �Hier wachsen Korn und Kinder.�</p><p>Jetzt l�chelte auch sie.</p><p>Volodi sah, dass man beim Herrenhaus auf sie aufmerksam geworden war. Am Durchgang der Palisade sammelte sich ein kleines Tr�ppchen von Feldarbeitern und Gesinde. Es mussten wirklich unruhige Zeiten sein. So misstrauisch waren die Leute seines Vaters nicht gewesen, als er gegangen war.</p><p>Mit kr�ftigen Schritten ging Volodi den M�nnern und Frauen entgegen. Seine Verletzung durch den Pfeil war gut verheilt und bereitete ihm kaum noch Schmerzen. Quetzalli hielt sich leicht hinter ihm. Ihr war nicht entgangen, dass etwas nicht stimmte.</p><p>�Wer bist du?�, rief ein kleiner, schwarzhaariger Kerl, der die Gruppe anf�hrte. Volodi erinnerte sich noch gut an ihn. Es war Vadim, der Wagenlenker seines Vaters.</p><p>�Na, Vadim, pr�gelt dich immer noch dein Weib, wenn sie schlechte Laune hat? Hast du so viele Schl�ge auf den Kopf bekommen, dass du den Sohn deines Herrn nicht mehr erkennst, wenn er vor dir steht?�</p><p>Vadim hatte eine gro�e, streits�chtige Frau geheiratet und war seitdem abwechselnd verspottet oder bedauert worden. Sie hatte das Sagen in seinem Leben, aber sie schien die Richtige f�r ihn zu sein, denn er hatte nie rebelliert. Nicht einmal, wenn er ab und an mit einem blauen Auge zum Dienst bei seinem Vater erschienen war.</p><p>�Du bist Volodi?� Der kleine Mann musterte ihn ungl�ubig. �Deine Haut ist so dunkel. Du bist auch gr��er als der Sohn unseres Herrn.�</p><p>�Vielleicht bist du ja kleiner geworden, Vadim. Hast du vergessen, du musstest zu mir aufblicken, seit ich dreizehn bin.� Er wandte sich an den bulligen Schildtr�ger seines Vaters, der hinter Vadim stand. �Was ist mit dir, Grisha? Erkennst du mich auch nicht? Was macht dein Bein? Im Fr�hling, als ich gegangen bin, hatte dich ein Eber auf der Jagd erwischt, und du hast gehinkt wie ein Greis. Und du, Mila? Sind deine Zwillinge gro� geworden? Als wir uns zum letzten Mal gesehen haben, hast du dich beschwert, wie sie dich bei�en, wenn sie an deinen Br�sten liegen.�</p><p>�Er ist es wirklich�, rief Grisha mit seinem tiefen Bass. Er schob den Wagenlenker Vadim zur Seite und schlang seine m�chtigen Arme um Volodi. �Junge��� Er schniefte. �Gut, dass du wieder da bist. Wir hatten schwere Zeiten.�</p><p>Jetzt traten auch die anderen n�her, klopften ihm auf die Schulter und bestaunten seine R�stung und seine Waffen. �Bist ein reicher Mann geworden�, murmelte Grisha. �Hattest einen gro�z�gigen Soldherrn, was?�</p><p>�Ich bin der Hauptmann der Leibwache des Unsterblichen Aaron�, erkl�rte Volodi stolz. �In der Schlacht auf der Hochebene von Kush habe ich dreihundert Streitwagen angef�hrt. Ich war auch in Nangog und bin mit einem Schiff �ber den Himmel geflogen.�</p><p>�Sch�n, dass du reich geworden bist. Einen Helden h�tten wir hier auch gut gebrauchen k�nnen�, schimpfte Vadim.</p><p>�Genau, einen Helden.� Volodi lachte. Vadim hatte sich nicht ge�ndert. Vor seinem Weib kuschte er, aber bei jedem anderen hatte er ein freches Mundwerk. �Zwei Helden in einem Langhaus sind einer zu viel.� Er sah sich um. �Wo steckt Bozidar?�</p><p>Alle verstummten, ja, sie wichen pl�tzlich seinem Blick aus.</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Du hast es nicht geh�rt?�, begann Vadim.</p><p>�Was lauft ihr da zusammen wie ein Haufen H�hner? Habt ihr keine Arbeit mehr?�</p><p>Die harte, alte Stimme h�tte Volodi unter Tausenden erkannt. Seine ganze Kindheit hatte sie ihm Angst gemacht. Selbst jetzt jagte ihr Klang ihm einen Schauer �ber den R�cken. Es war sein Vater�� Ilja, der Herrscher �ber diese Lichtung und �ber die W�lder in Umkreis eines Tagesritts. Er war ein harter Mann, der nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass sein Herz nur seinem Erstgeborenen Bozidar geh�rte. Was immer Volodi auch geleistet hatte, an seinen Bruder hatte er nie herangereicht. F�r seinen Vater war er nicht mehr wert gewesen als der Dreck unter den Fingern�geln.</p><p>Das Gesinde und die alten Kampfgef�hrten seines Vaters traten zur Seite, sodass er den Alten sehen konnte. Er stand unter der T�r des Langhauses, ein gro�er Mann mit einem m�chtigen wei�en Schnauzbart, der sein Gesicht in zwei H�lften teilte. Das Alter hatte ihm die Muskeln weggeschmolzen. Er war drahtig, seine faltige Haut wettergegerbt. Unnachgiebig wirkte er, als h�tten die Jahre ihn h�rter und h�rter gemacht.</p><p>�Komm n�her, Krieger!�, befahl er.</p><p>War es ein gutes Zeichen, dass sein Vater ihn noch nicht erkannt hatte? Volodi ging ihm entgegen, Quetzalli blieb an seiner Seite. Sp�rte sie seine Anspannung? Er hatte ihr nie von seinem Vater erz�hlt. Davon, wie sehr er ihn immer entt�uscht hatte.</p><p>�Volodi.� Er klang nicht �berrascht. Seine Stimme war nicht zu deuten.</p><p>�Vater�, entgegnete er knapp. �Du hast dich gut gehalten.�</p><p>Iljas Wangen zuckten. Das war schon fr�her kein gutes Zeichen gewesen. Schon hatte er seinen Vater wieder ver�rgert, und wie meist hatte er nicht die geringste Ahnung, womit.</p><p>�Du hast es dir in der Fremde also gut gehen lassen.� Ilja ma� die R�stung mit ver�chtlichem Blick. �Was ist das f�r ein Tier mit Katzenaugen?�</p><p>�Ein L�we.�</p><p>�Was ist das? Hast du vergessen, woher du kommst? Eine Katze als dein Zeichen zu f�hren��� Er spuckte ihm vor die F��e. �Was bist du? Ein Krieger zum Streicheln, dass du dich mit einer Katze vergleichst.�</p><p>Nichts hatte sich ver�ndert, dachte Volodi bitter. �Der L�we ist das Zeichen Arams. Der Devanthar dieses Reiches hat ein L�wenhaupt. L�wen sind stolze und m�chtige Raubtiere.�</p><p>�Bist du ein Sohn Arams geworden? Hast du dich deshalb so lange nicht mehr blicken lassen? Hast du vergessen, dass wir dem alten B�ren dienen? Er wird es nicht m�gen, wenn du mit so einer R�stung durch seine W�lder l�ufst. H�ttest sie dalassen sollen, wo du hergekommen bist.� Er bedachte Quetzalli mit einem abf�lligen Blick. �Und was macht die Schlampe hier? Hast du dir eine Ischkuzaia-Sklavin ins Bett geholt? Wundert mich nicht. Richtige Weiber lachen sicher �ber einen Katzenmann.�</p><p>�B�ser, alter Mann!�, sagte Quetzalli aufgebracht und funkelte ihn so wild an, als wolle sie ihm das Herz aus der Brust rei�en. Dann spuckte sie ihm vor die F��e.</p><p>Sein Vater war f�r einen Augenblick sprachlos. Volodi fing seine Hand mitten im Schlag. Er war �berrascht, wie leicht es ihm fiel, die zur Faust geballte Rechte seines Vaters niederzudr�cken. Fr�her war er ihm immer so un�berwindlich erschienen. �Quetzalli war eine der h�chsten Priesterinnen in ihrem Volk. Sie hat in Zapote den Rang einer Prinzessin. Du wirst dich ihr gegen�ber benehmen, f�r eine Nacht. Dann sind wir fort.�</p><p>�Kneifst du also wieder den Schwanz ein?�, knurrte sein Vater. �Das war ja schon immer deine Art.�</p><p>�Es ist unmissverst�ndlich, wie sehr dich mein Besuch freut. Ich verstehe. Du h�ltst deinen Stuhl f�r Bozidar warm. Ich werde euch beiden nicht in die Quere kommen. Soll er �ber ein Dutzend K�he und alte M�nner herrschen.�</p><p>�Du wei�t nichts �ber deinen Bruder?�</p><p>�Was m�sste ich �ber ihn wissen? Dass er dein Liebling ist? Ich habe begriffen, dass sich in all den Jahren nichts ge�ndert hat.�</p><p>Ilja trat zur Seite und gab ihm ein Zeichen, in die Halle einzutreten. �Du solltest deinen Bruder begr��en.�</p><p>Einen Moment war Volodi versucht, sich seinem Vater zu verweigern. Sollte Bozidar doch zu ihm kommen! �berhaupt, warum lie� sich sein Bruder nicht blicken? Nur weil er mit Bozidar selten Streit gehabt hatte, gab er nach und trat ein. Seinem Bruder war es meist unangenehm gewesen, dass ihr Vater sie so unterschiedlich behandelt hatte.</p><p>In der gro�en, lichtlosen Halle hatte sich nichts ver�ndert. Ihr Boden bestand aus gestampftem Lehm. In der Mitte war eine lange Feuergrube ausgehoben. Die hohe Decke war von Ru� geschw�rzt. Der schwere Duft von frischem Sommerheu, das bei den Schlafpl�tzen liegen musste, hing in der Luft. Dort, wo die Dachschr�ge auf den Lehmboden traf, waren mit Balken und Wolldecken kleine Nischen abgetrennt, in denen das Gefolge seines Vaters schlief. Am Ende der Halle, dort, wo auf einem niedrigen Sims der hohe geschnitzte Lehnstuhl Iljas stand, waren die Schlafnischen der Familie.</p><p>�Rieche Tod hier�, sagte Quetzalli sehr leise.</p><p>Volodi roch nichts Ungew�hnliches. Neben dem Geruch nach Heu stank es nach Rauch, kaltem Fett und vergossenem Honigwein. So wie immer schon. Es war dunkel in der Halle. Das einzige Licht fiel durch die breite, zweifl�gelige Eingangst�r und den Rauchabzug unter dem Dachfirst. Alles war wie immer.</p><p>Ilja lie� sich st�hnend neben einer der Nischen nieder und zog den Vorhang zur Seite. Im Heu dahinter lag ein alter Mann. Seine Augen waren nach innen verdreht und zeigten nur noch das Wei�e. Sabber troff ihm aus dem Mundwinkel �ber lange, schlohwei�e Bartstoppeln. Er schien nur aus faltiger Haut und Knochen zu bestehen.</p><p>Volodi hatte den Mann nie zuvor gesehen. �Wer ist das?�</p><p>�Bozidar�, sagte Ilja mit brechender Stimme. �Das ist Bozidar.�</p><p>Volodi hatte immer schon Probleme mit den makaberen Scherzen seines Vaters gehabt. Doch das hier war das Abgeschmackteste, was sich der Alte je geleistet hatte. �Das reicht! Ich gehe!�</p><p>Quetzalli strich dem Greis �ber den Kopf. �Hat Dunkel ber�hrt�, sagte sie betroffen. �Bleib, Wohl-Odi.�</p><p>Er verstand nicht mehr, was hier vor sich ging.</p><p>�Was soll das hei�en, �hat Dunkel ber�hrt�?�, fragte sein Vater sichtlich aufgew�hlt.</p><p>Quetzalli rang mit den Worten. �Von weit gekommen�� hat Leben gestohlen�, sagte sie schlie�lich.</p><p>�Verdammt, kann die Schlampe nicht vern�nftig reden?�, fluchte Ilja. �Was soll das hei�en? Ich verstehe nicht, was sie meint.�</p><p>Volodi betrachtete den Mann, der sein Bruder sein sollte und um mindestens ein Jahrzehnt �lter aussah als sein Vater. �Du glaubst wirklich, dass das Bozidar ist?�</p><p>�Er ist es! Er ging in den Geisterhain, um sich von den Seelen der Erschlagenen loszusagen. Dort ist irgendetwas geschehen�� Als er noch klarer bei Verstand war, hat er manchmal von einem wundersch�nen Weib gesprochen, das er dort getroffen haben will. Es muss eine Hexe gewesen sein! Sie hat das aus ihm gemacht.� Er seufzte voller Schmerz und Verzweiflung. �Er hat dieselben Narben wie dein Bruder. So unglaublich es ist, es ist wahr.� Er blickte zu dem alten, h�lzernen Thron. �Du musst bleiben, Junge. Nach mir gibt es niemanden au�er dir, der �ber Drei Eichen herrschen wird.�</p><p>�Jetzt soll ich bleiben?� Er sch�ttelte den Kopf. �Bei dem Empfang.�</p><p>�Ich werde dich nicht anbetteln, bockiger Mistkerl. Du bist mein Sohn, mein Erbe. Tu verdammt noch mal, was deine Pflicht ist! Du hast immer alles versaut. Mach es dieses eine Mal richtig!�</p><p>Volodi traute seinen Ohren nicht. �Ich habe alles versaut? Ich konnte dir nie etwas recht machen. Warum glaubst du, dass es jetzt besser klappen sollte.�</p><p>�Du hast keine Wahl. Dein K�nig hat dich und diese Schlampe von seinem Hof verjagt, nicht wahr.�</p><p>�Nenn Quetzalli noch einmal Schlampe, und du siehst mich in deinem ganzen Leben nicht mehr wieder. Sie ist mein Weib, und du wirst sie gef�lligst mit Respekt behandeln.�</p><p>�Ihr beide k�nnt nirgendwohin. Warum sonst solltest du nach all den Jahren wiedergekommen sein? Doch wohl kaum, weil du mich vermisst hast. Erz�hl mir also nichts. Du hast es auch bei deinem Katzenk�nig verbockt. So wie immer.�</p><p>Volodi war kurz davor, auf seinen Vater einzudreschen. �Komm, Quetzalli. Dies ist nicht unser Zuhause. Ich habe mich geirrt. Gehen wir.�</p><p>Quetzalli legte ihm sanft die Hand auf den Arm und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Na also�, triumphierte sein Vater. �Die Schl� dein Weib hat begriffen, dass es f�r euch keinen anderen Platz gibt. Weiber verstehen eben schneller, wo sie hingeh�ren.�</p><p>�Du bist es nicht, der versteht, Vater. Ich habe mir in der Fremde einen Namen gemacht. Ich bin Volodi, der �ber den Adlern schreitet, Hauptmann der Zinnernen. Jeder Unsterbliche wird mich an seinem Hof willkommen hei�en.� Er blickte zu dem Thron. �Ich habe lange aufgeh�rt, davon zu tr�umen, einmal auf diesem alten Stuhl zu sitzen. Er bedeutet mir nichts mehr.�</p><p>Ilja stemmte sich st�hnend hoch und schlug ihm �berraschend mit der flachen Hand vor den Brustpanzer. �H�r auf das Herz, das unter dieser verdammten Katzenfresse schl�gt. Das wei� genau, wo dein Platz ist, du st�rrischer Esel. Du h�ttest hier k�mpfen sollen statt f�r diesen Katzenk�nig in der Fremde. Wir h�tten hier jedes Schwert gebrauchen k�nnen. Zwei Kriege haben wir gegen die verfluchten Valesier gef�hrt. Leon, dieser verdammte trurische Feldherr des Unsterblichen Ansur, hat uns derart in den Arsch getreten�� M�ge er in der Gosse verrecken, auf dass die Stra�enk�ter ihm die Eingeweide herausrei�en! Die H�lfte unserer jungen M�nner hat er ins Grab gebracht. Wir sind am Arsch! Wir haben die besten Landstriche im Westen verloren. Und damit seine Horden nicht durch die W�lder ziehen und unsere Ahnenhaine pl�ndern, zahlen wir den Valesiern jetzt Tribut. Zehn Kisten voller Gold, alle drei Monde! Wir haben Frieden, aber diese Hunde haben immer noch nicht damit aufgeh�rt, unser Land auszubluten. Hier h�ttest du k�mpfen sollen, verdammt noch mal. Und jetzt sag mir noch einmal, wie dein Weib hei�t, damit ich sie mit einem Namen ansprechen kann.�</p><p>�Quetzalli.�</p><p>�Was? Was f�r eine Art Name ist das denn? Ketz� Ketza� Verdammt noch mal, ich verbiegt mir doch nicht meine alte Zunge.� Er sah auf Quetzalli hinab. �Alli nenn ich dich. Das muss reichen.�</p><p>�Wir bleiben. Regeln!�, entgegnete Quetzalli, ohne sich darum zu scheren, wie sein Vater ihren Namen verst�mmelte. �Eins. Wir schlafen eigenes Dach. Zwei. Ich nicht Dienerin. Drei. Du Respekt Volodi. Wenn nicht geht, wir gehen.�</p><p>�Mir hat noch nie ein Weib unter meinem Dach gesagt, was ich zu tun habe!�, knurrte sein Vater sie an.</p><p>�Dann heute Anfang!�, sagte sie entschieden und verlie� die Halle.</p></section><section><title><p>F�r Drusna</p></title><p>Volodi st�tzte sich schwer auf seinen Dreschflegel und atmete keuchend. Er war schwei�gebadet, sein K�rper mit goldener Weizenspreu bedeckt. Sie hatten das letzte Korn von den Feldern eingefahren, und den ganzen Morgen stand er nun schon auf der Tenne und drosch mit wuchtigen Hieben die K�rner aus den �hren. Er hatte diese Arbeit fr�her schon verrichtet, konnte sich aber nicht erinnern, sich dabei je so m�de gef�hlt zu haben. Auch stach seine Pfeilwunde in der Brust jetzt wieder heftiger. Klug w�re es, sich Ruhe zu g�nnen, aber der Winter kam schnell in den W�ldern und auf Drei Eichen wurde jede helfende Hand gebraucht.</p><p>�Na, gro�er Krieger, richtiges Tagwerk bist du wohl nicht mehr gewohnt.� Auch Grisha hatte in seiner Arbeit innegehalten. Der alte Schildtr�ger seines Vaters nahm einen tiefen Schluck aus seinem Lederschlauch und spritzte sich ein wenig Wasser auf seine wei�haarige Brust, auf der goldene Grannen und St�ngelteile gl�nzten.</p><p>�Ist harte Arbeit�, entgegnete Volodi ein wenig atemlos.</p><p>Grisha warf ihm den Lederschlauch her�ber. �Trink etwas, das hilft. Du kennst ja den Spruch: Liegst nach der Tenne auf dem R�cken, kein Weib kann dich begl�cken.� Der Alte grinste breit. �Und morgen wird es noch schlimmer. Wenn du aufwachst, wirst du glauben, dass du keines deiner Glieder mehr bewegen kannst.�</p><p>Volodi wischte sich mit dem Arm den Schwei� von der Stirn. Er war vor einigen Tagen im Geisterhain gewesen, um den Stimmen der Ahnen zu lauschen und die Seelen der Erschlagenen hinter sich zu lassen. Zu lange hatte er sich nicht mehr gereinigt. Zu viele Tote galt es zu vergessen. Der Priester hatte ihm ins Gewissen geredet, dass er oft wiederkehren m�sste, bis seine Schuld an den Toten beglichen sei. Dabei war schon der eine Weg zum Geisterhain schwer gewesen. Zwei Tage hatte er mit seinem Vater dar�ber gestritten. Der Alte hatte Angst gehabt, dass es ihm wie Bozidar ergehen w�rde. Sein Bruder war auf dem R�ckweg vom Geisterhain von der Daimonin �berfallen worden, die ihm sein Leben gestohlen hatte. Ilja konnte sich einfach nicht damit anfreunden, dass er nicht Bozidar war, dachte Volodi leicht ver�rgert. Er hatte ein anderes Schicksal als sein Bruder. Er musste sich anderen Versuchungen stellen.</p><p>Er sah hin�ber zu der kleinen H�tte, die er mit Quetzalli bewohnte. Sie sa� eingemummt in ein Wollkleid und eine Decke in der Sonne und rupfte einen schwarzen Hahn. Golden schimmerten ihre Armreife. Auch wenn sie einfache Kleidung trug, mochte sie ihren Schmuck nicht ablegen. Sie hatte verstanden, dass die meisten Drusnier sie f�r eine Sklavin aus dem Reitervolk der Ischkuzaia hielten. Von den Zapote hatte hier noch nie jemand etwas geh�rt. Ihr Reich war einfach zu fern.</p><p>Vielleicht wollte Quetzalli mit den Armreifen einfach nur deutlich machen, dass sie keine Sklavin war. Keine Sklavin trug Gold. Sie schien seinen Blick gesp�rt zu haben. Pl�tzlich sah sie auf, l�chelte und winkte ihm zu. Allein, sie so zu sehen, schenkte ihm neue Kraft. Er w�rde sich an das Leben hier gew�hnen.</p><p>�L�sst du uns mal ein Weile allein, Grisha?�, erklang die Stimme des Vaters hinter seinem R�cken.</p><p>Der alte Schildtr�ger sah ihn beschw�rend an, nicht schon wieder einen Streit mit seinem Vater zu beginnen. Dann zog er sich in den Schatten des Langhauses zur�ck.</p><p>�Ich muss mit dir reden, Junge.�</p><p>Volodi drehte sich mit einem Seufzer um. Sein Vater hatte dunkle Ringe unter den Augen. Er sah m�de aus. Auch ihn zerm�rbten ihre Streitereien. �Dein Weib, sie macht den Leuten hier Angst.�</p><p>Volodi l�chelte sp�ttisch. �Dann schl�gt sie ja ganz nach dir.�</p><p>�Zieh nicht alles ins L�cherliche. Es ist eine Sache, ob ich jemanden anschreie oder ab und zu den Kn�ppel tanzen lasse, wenn es sein muss. Mit deinem Weib ist das anders���</p><p>�Ich kann mich noch gut erinnern, wie du den jungen Stepan dort vorne am Tor gehenkt hast. Und das nur, weil er einen Krug voller Weizen f�r seine alte Mutter gestohlen hatte.�</p><p>�Der Bastard hatte mir keine Wahl gelassen�, brauste sein Vater auf. �Es ist eine Sache, ob er w�hrend der Erntezeit einen Scheffel Weizen stiehlt oder ob er es zu Beginn eines Fr�hlings tut, in dem alle Hunger leiden. Wenn du erst auf meinem alten Stuhl sitzt und der Herr von Drei Eichen bist, dann wirst du besser verstehen, was ich meine.�</p><p>�Komm zur Sache. Was st�rt dich an Quetzalli?�</p><p>�Mich st�rt, dass sie kein vern�nftiges Weib von hier ist. Aber das tut nichts zur Sache.� Er senkte die Stimme, was sonst so gar nicht seine Art war, und schlug das sch�tzende Horn. �Mila hat sie heute Morgen gesehen. Wie sie diesen verdammten, schwarzen Hahn geschlachtet hat. Das war unheimlich.�</p><p>�Einen Hahn zu schlachten? Nur weil er schwarz ist?� Volodi lachte laut auf. �Seit wann schreckt dich das abergl�ubische Geschw�tz von Weibern? Was ist schon dabei, einem Hahn im Morgengrauen den Kopf abzuhacken?�</p><p>�Wenn sie es so getan h�tte, ganz sicher nichts. Aber so wie Mila es erz�hlt hat, hat sie sich vor den Hahn gesetzt, bis er freiwillig zu ihr kam, und dann hat sie ihm das Herz aus der Brust gerissen und es in einer kleinen Kupferschale hinter eurem Haus verbrannt. Mila h�lt sie jetzt f�r eine Hexe, und sie hat die Geschichte schon herumgetratscht. Das wird es f�r euch beide nicht einfacher machen, hier Fu� zu fassen. Warum tut diese Schl� dein Weib so was?�</p><p>Volodi war sich auch nicht sicher. �F�r die Gefiederte Schlange vielleicht?�</p><p>�Eine Schlange mit Federn? Was soll das sein?�</p><p>�Ihr Devanthar.� Er dachte daran, wie er auf dem Altar gelegen und die schreckliche Kreatur aus dem Blutsee auftauchen gesehen hatte. �Ich werde mit ihr reden. Sie soll besser darauf achten, dass ihr niemand mehr zusieht.� Pl�tzlich musste Volodi l�cheln. Die L�sung war noch viel einfacher. �Au�erdem hatten wir doch nur einen schwarzen Hahn. Es wird also nicht wieder vorkommen.�</p><p>�Der Gro�e B�r mag es nicht, wenn man in seinen W�ldern irgendwelche Schlangen anbetet�, sagte Ilja k�hl. �Mach das deinem Weib klar und��� Am Waldrand erschien ein Trupp Reiter. Sein Vater fluchte.</p><p>�Wer ist das?� Die Reiter kamen geradewegs auf das Geh�ft zu.</p><p>�Krieger im Auftrag des Unsterblichen Iwar, unseres geliebten Herrschers. Und bei ihnen ist Alba, der Schiss einer r�udigen Gossenkatze. Er ist der Berater der Steuereintreiber unseres Unsterblichen. Er schl�gt vor, was ben�tigt wird, in welcher Form die Steuern einzutreiben sind, wie hoch sie sein sollen. Das sind nat�rlich nur Vorschl�ge. <emphasis>Er</emphasis> stiehlt keine Kuh, streckt die Hand in keine Truhe. Das tun nur die M�nner des Unsterblichen Iwar. Sie spielen uns vor, dass unser Herrscher die Abgaben eintreibt, die wir Valesia seit unserer letzten Niederlage zu entrichten haben. So wird der Schein gewahrt.</p><p>In Wahrheit aber liegen alle Entscheidungen bei Alba. Und auch wenn er sich ganz in Wei� kleidet, hat er eine schwarze Seele. Es macht ihm Spa�, uns zu schikanieren. Seine beiden S�hne sind im Kampf gegen Drus gefallen. Er l�sst keine Gelegenheit aus, uns daf�r b��en zu lassen. Ich werde mit ihm reden. Du h�ltst dich von ihm fern, Volodi. Er ist ein �bler Geselle.�</p><p>Volodi dachte gar nicht daran. �Es gibt eine Menge Leute, die mir auch nachsagen, ein �bler Geselle zu sein. Es wird interessant sein, Alba zu begegnen.�</p><p>�Ich rede!�, sagte Ilja entschieden. �Du stehst neben mir und h�ltst dein Maul. Versuch ein wenig zu sein wie dein Bruder Bozidar.�</p><p><emphasis>Ich soll wie ein sabbernder, alter Greis sein</emphasis>, dachte Volodi und sch�mte sich augenblicklich. Bozidar war nicht schuld daran, dass ihr alter Vater in ihm immer noch seinen Liebling sah.</p><p>Ilja ging ihm voran zum Tor in der Palisade. Die Reiter drangen bereits ins Geh�ft ein, bevor er sich ihnen in den Weg stellen konnte. Alba wurde von drei Kriegern begleitet, von denen jeder ein Packpferd am Z�gel f�hrte. Pl�nderer, war Volodis erster Gedanke. Solche M�nner hatte er ausgeschickt, um seine Truppen auf dem Streifzug zu den geheimen Schmieden Luwiens mit Vorr�ten aus dem Land zu versorgen. In einem Schildwall w�rden sie nicht ihren Mann stehen. Sie waren verschlagen, k�mpften nur, wenn sie sich st�rker f�hlten oder ihre Gegner �berraschen konnten und waren sehr schnell wieder verschwunden, wenn sie auf ernsthaften Widerstand stie�en. Die drei trugen Schuppenpanzer aus Bronze. Ihre R�stungen waren schlecht gepflegt. Gr�nspan und Dreck hatten sich zwischen den einzelnen Bronzepl�ttchen abgelagert. Um Kinder und Greise zu erschrecken, waren sie die Richtigen. Ihn beeindruckten sie nicht.</p><p>�Ich gr��e dich, Ilja, F�rst von diesem Misthaufen.� Alba hob fl�chtig die Hand zum Gru�. Er war einmal ein Krieger gewesen, dessen war sich Volodi sicher. Der alte Mann, der die Steuereintreiber anf�hrte, hielt sich gut im Sattel. An seiner Seite hing ein langes Schwert. Volodi sch�tzte, dass es eine Eisenklinge war.</p><p>�Auch ich gr��e dich, Alba, F�rst von gar nichts�, entgegnete sein Vater, und in diesem Augenblick war Volodi zum ersten Mal, seit er heimgekehrt war, stolz auf den Alten.</p><p>Alba nahm die Beleidigung mit einem L�cheln. �Wenigstens habe ich genug Hirn, noch nie in meinem Leben den Mann herausgefordert zu haben, der festsetzen wird, wie viel Steuern ich dem Unsterblichen Iwar schulde. War der stolze Augenblick es wert, dass deine Leute im n�chsten Fr�hling hungern werden?� Er machte eine Geste in Richtung der abgeernteten Felder. �Und das, obwohl ihr so flei�ig die Ernte eingefahren habt?�</p><p>Iljas kleines Gefolge versammelte sich vor dem Tor der Festhalle. Misstrauisch und �ngstlich verfolgten sie, was geschah. Auch Quetzalli hatte ihren Platz vor der H�tte verlassen. Sie stellte sich an Volodis Seite und griff nach seinem Arm. Es tat gut, ihre Ber�hrung zu sp�ren.</p><p>Volodi versuchte, vom �u�eren des Mannes, der gekommen war, um sie auszupl�ndern, ein Bild seiner Seele zu gewinnen. Alba ritt einen Schimmel. Er trug sein wei�es Haar schulterlang und b�ndigte es mit einem schmalen Silberreif. Er war glatt rasiert, sein schmales Gesicht wurde von hellgr�nen Augen beherrscht. Eine leicht gebogene Nase w�lbte sich �ber schmale Lippen, deren Mundwinkel nach unten wiesen, als habe er vor Langem das L�cheln aufgegeben, das im Herzen geboren wurde. Es war ein hartes Gesicht, und Volodi entschied f�r sich, dass es nicht klug war, diesen Mann zu reizen. Alba wartete nur darauf, einen Anlass zu finden, grausam zu sein.</p><p>Nun drehte er sich in seinem Sattel und sah sich um. �Du hast deine K�he in den Wald schaffen lassen, Ilja. Glaubst du, ich kenne deine Betr�gereien nicht? Es ist unendlich erm�dend, tagein, tagaus zu erleben, wie alle kleinen F�rsten dasselbe tun und sich dabei noch f�r klug halten. Glaubst du, ihr seid klug, Ilja?�</p><p>�W�re es klug, darauf eine Antwort zu geben?�, entgegnete Ilja mit einer Glattz�ngigkeit, die Volodi seinem Vater nicht zugetraut h�tte.</p><p>Alba schmunzelte. �Du wirst mir zehn fette K�he geben und hundert Scheffel Weizen. Und heb etwas von deinen Sch�tzen auf. Vor der Wintersonnenwende werde ich noch einmal wiederkommen.� Der Valesier wendete sein Pferd und blickte auf Quetzalli herab.</p><p>�Du bist ja reicher, als ich dachte, Ilja. So ein Weib hab ich noch nie gesehen. Ist das eine Konkubine vom Seidenfluss? Du solltest sie besser einkleiden, Ilja. So kommen ihre Reize gar nicht zur Geltung.�</p><p>Volodi griff sich �ber die Schulter, doch er trug kein Schwert.</p><p>�Ich werde doch noch ein wenig bleiben, Ilja. Wo hat der F�rst dieses Misthaufens denn sein bestes Bett stehen?�</p><p>�Ich kann sie dir nicht �berlassen, Alba. Sie ist nicht mein. Sie ist die Gemahlin eines Reisenden.�</p><p>Volodi traute seinen Ohren nicht. Was sollte das werden? Ilja bat ihn mit einem flehenden Blick still zu bleiben.</p><p>�Eines Reisenden?�, wiederholte der Valesier sp�ttisch. �Und wo ist der gute Reisende, der sich so weit abseits aller bedeutenden Stra�en bewegt, die durch diese verfluchten W�lder f�hren. Wieder verreist? Erz�hl mir nichts, Ilja. Ich wei� um die Torheiten alter M�nner, schlie�lich bin ich selbst einer. Sich ein junges Weib ins Bett zu holen ist nicht so au�ergew�hnlich. Nur die Wahl, die du getroffen hast, ist bemerkenswert. Was tr�gt sie denn da? Ist das Gold?� Der Valesier schwang sich aus dem Sattel.</p><p>�Bitte, ich beschw�re dich, Alba. Der Reisende ist zur Jagd ausgeritten. Er kann jeden Augenblick zur�ckkehren. Und er ist kein Mann, der duldet, dass jemand seine Frau behelligt.�</p><p>Alba schnippte mit den Fingern, und seine Eskorte sa� ab. Einer der Krieger packte Ilja. �Nun h�r mir mal gut zu, alter Knabe. Erstens befiehlt euch der Friedensvertrag, den der Unsterbliche Iwar unterschrieben hat, eure Sch�tze k�nftig mit uns zu teilen. Ich kann mir hier also nehmen, was ich will.� Er hob die Rechte, auf deren Mittelfinger ein gro�er Siegelring steckte. �Ich trage das Siegel des Iwar. Ich bin erm�chtigt, in seinem Namen den Tribut einzufordern, der meinem Volke zusteht. Und dieses Weib soll Teil dieses Tributes sein. Und zweitens, werter Ilja, halt mich bitte nicht f�r dumm. Es gibt keinen Reisenden, denn die Frau eines Gastes h�tte wohl kaum den Morgen damit verbracht, ein schwarzes Huhn zu rupfen. Glaubst du, ich h�tte die Federn auf ihrem Kleid nicht gesehen?�</p><p>�Du solltest das nicht tun�, mischte sich nun Volodi ruhig ein. �Nimm unsere K�he und unser Korn und geh oder��� Zwei Speerspitzen richteten sich auf Volodi. �Oder f�ttere das Gras f�r unsere K�he und unser Korn mit deinem verfaulenden Leichnam unter ihren Wurzeln.�</p><p>�Stecht ihn ab und���</p><p>Volodi schnellte vor. Mit der Linken versetzte er dem Valesier einen Haken und griff zugleich mit der Rechten nach dessen Schwertgriff. Als Alba zur�cktaumelte, kam die Klinge frei. Volodi stach sie dem n�chststehenden Speertr�ger durch die Innenseite des Oberschenkels, dorthin, wo die gro�en Adern lagen. Gleichzeitig packte er mit der freien Hand Alba und zog ihn zu sich heran.</p><p>Die beiden �berlebenden Leibwachen wichen aus Angst, ihren Herrn zu verletzten, zur�ck. Volodi setzte ihnen nach, stie� Alba nach vorne und stach einem der Krieger das Eisenschwert durch den Hals. Der andere packte sein Pferd bei der M�hne und schwang sich in den Sattel.</p><p>Volodi lie� Alba los, umklammerte den Schwertgriff mit beiden H�nden und schmetterte die Waffe mit aller Kraft gegen die Schnauze des Pferdes. Er h�rte Knochen und Z�hne splittern; Blut quoll aus den N�stern des Roten, der mit schrillem Wiehern stieg, sodass sein Reiter zu Boden st�rzte. Dann stetzte Volodi dem Mann einen Fu� auf die Brust und rammte ihm das Schwert in den Mund, als er um Gnade flehte. Es glitt durch den Nacken bis tief in die weiche Erde. W�hrend der Leibw�chter noch zuckte, drehte sich Volodi zu Alba um.</p><p>�Ich bin ein reicher Mann�, bettelte der Valesier. �Lass mich leben, und wir k�nnen das alles noch im Guten kl�ren. Ich werde nie wieder hierherkommen und Steuern von Ilja abpressen.�</p><p>�Stimmt�, sagte Volodi hart, griff mit beiden H�nden nach dem Kopf des Valesiers und riss ihn mit einem Ruck zur Seite, sodass sein Genick brach.</p><p>Das Gesinde stand sprachlos um die Toten. Vadim, der Wagenlenker seines Vaters, hatte das verletzte Pferd beim Zaum gepackt und redete auf es ein. Der Kampf hatte kaum l�nger als zwanzig Atemz�ge gedauert.</p><p>�Du bist ein Daimon�, sagte Ilja fassungslos. �Das ist nicht das Werk eines einfachen Mannes. Was hast du nur getan? Daf�r werden wir alle h�ngen! Glaubst du etwa, Alba sei allein gewesen? Jeden Augenblick kann eine ganze Kolonne Packpferde aus dem Wald kommen, begleitet von Dutzenden Kriegern.�</p><p>�Quetzalli�, sagte Volodi ruhig. �Hol meine R�stung und meine Waffen. Pack ein paar Decken und etwas zum Essen zusammen. Wir gehen in die W�lder.�</p><p>�Und das war es?�, fuhr ihn sein Vater an.</p><p>Volodi versetzte dem Alten eine rechte Gerade, die ihn mit aufgeplatzten Lippen zu Boden schickte. �Du hast versucht, den Streit zu schlichten, den der fremde Krieger mit Alba angefangen hat. Ich war hier nur ein Gast und bin nach den Morden in die W�lder geflohen.� Er blickte in die Runde. �Hat das jeder verstanden? Es war nicht Iljas Sohn, der hier gemordet hat, sondern ein durchreisender S�ldner. Ihr habt versucht, es zu verhindern. Die besten L�gen enthalten stets ein K�rnchen Wahrheit. Erz�hlt, dass er mein Weib begehrt hat. Ich bin sicher, sie ist nicht die Erste, die er wollte. Die M�nner aus seinem Tross werden ihn kennen. Sie werden es glauben.�</p><p>Sein Vater rappelte sich auf. �Endlich k�mpfst du f�r Drusna�, sagte er und spuckte Blut. Dann nahm er ihn in die Arme. Zum ersten Mal, seit er heimgekehrt war.</p></section><section><title><p>Allein</p></title><p>Nandalee h�tte am liebsten laut in die Savanne hinausgeschrien, doch sie wusste, auch das w�rde ihren Zorn und ihre Entt�uschung nicht lindern. Sie f�hlte sich verraten. Schwer atmend rang sie um ihre Fassung. Es war geschehen, sie konnte nichts mehr daran �ndern, ganz gleich, was sie tat. Sie schloss die Augen, zwang sich zur Ruhe. Sie sp�rte, wie Gonvalon den flachen H�gel hinaufkam und auf Armesl�nge hinter ihr stehen blieb. Er sagte nichts, ber�hrte sie nicht, wartete einfach ab, im Bewusstsein, dass ihr nicht verborgen geblieben war, dass er hinter ihr stand. Er kannte sie so gut. Er w�rde sie niemals entt�uschen. Diese Gewissheit half ihr, ihren inneren Frieden wiederzufinden.</p><p>�Es geht schon wieder.�</p><p>Ihr Zorn schwang immer noch in ihrer Stimme nach und strafte ihre Worte l�gen.</p><p>�Ich k�nnte noch ein paar Tage bei dir bleiben�, sagte Gonvalon in einem Tonfall, als w�rde er es wirklich nicht besser wissen. Sie wandte sich um und l�chelte. Es war ihr erstes L�cheln, seit sie in den Jadegarten heimgekehrt war und davon erfahren hatte, dass Gonvalon, Nodon, Eleborn und sie nicht vor den Rat der Himmelsschlangen gerufen w�rden, um von ihrer Mission zu berichten. Das hatten Lyvianne und Bidayn schon getan. Nandalee war �ber den Verrat der beiden v�llig au�er sich gewesen. Gonvalon hatte versucht, sie zu beruhigen, indem er erkl�rt hatte, dass die beiden nun einmal zuerst zur�ckgekehrt waren, und die Himmelsschlangen so schnell wie m�glich einen Bericht hatten h�ren wollten.</p><p>Rein vom Verstand her konnte Nandalee das sogar nachvollziehen. Aber dass sie nicht vor die Drachen gebeten worden war, schmerzte dennoch. Sie hatte allein Nachtatem berichtet, der sich sehr f�r Nangogs Reaktion interessiert hatte. Er schien nicht �berrascht gewesen zu sein, dass die Riesin sich ihren <emphasis>Befreiern</emphasis> gegen�ber nicht dankbar gezeigt hatte. Auch was Nandalee �ber die Gr��e der G�ttin erz�hlte, beindruckte den Drachen nicht sonderlich, allerdings hatte er viele Fragen nach den gr�nen Kristallen gestellt.</p><p>�Was h�ltst du von Gazellenbraten an einem Lagerfeuer unter Vollmondhimmel?�</p><p>Nandalee sah Gonvalon dankbar an. Wieder hatte er sie aus ihren d�steren Gedanken gerissen.</p><p>�Versuche nicht, die Himmelsschlangen zu verstehen�, sagte er mit traurigen Augen. �Ich habe das schon lange aufgegeben. Denkst du noch �ber einen Pfeil nach, wenn du ihn von der Sehne hast schnellen lassen? So sind wir f�r sie. Wir sind ihre Pfeile. Hast du dich je bei einem Pfeil bedankt, der einen deiner Feinde t�tete?�</p><p>�Ich sollte dar�ber nachdenken�, entgegnete sie l�chelnd.</p><p>�Und wie steht es nun mit einer romantischen Nacht am Lagerfeuer?�</p><p>�Waren wir nicht eben noch beim romantischen Abendessen?�</p><p>Er grinste schelmisch. �Ich bin eben ein Mann mit Visionen.�</p><p>Nandalee sch�ttelte entschieden den Kopf. �Es geht nicht, du wei�t das. Ich muss diese letzte Pr�fung allein bestehen. Du darfst nicht hier sein. Es w�rde einen Makel auf alles werfen.�</p><p>Gonvalon runzelte die Stirn. �Niemand, der mich kennt, wird mich ernsthaft verd�chtigen, eine Hilfe zu sein, wenn es darum geht, einen wilden Pegasus zu b�ndigen.� Er blickte zu Nachtschwinge, der ein St�ck entfernt graste. Der Rappe hob den Kopf und sah zu ihnen hin�ber. Er war zu weit entfernt, um sie geh�rt haben zu k�nnen, aber er sp�rte, dass �ber ihn gesprochen wurde. Es hie�, dass keine Worte mehr n�tig waren, wenn ein Drachenelf den richtigen Pegasus fand. Die Gedanken von Ross und Reiter waren eins. Sie verstanden einander ohne Blicke, Befehle oder Gesten.</p><p>�Ich habe drei Monde gebraucht, um mit Nachtschwinge zur�ckzukehren. L�nger als die meisten���</p><p>�Und dennoch muss ich auf dich verzichten�, sagte Nandalee liebevoll. �Ich muss es allein tun.�</p><p>Gonvalon seufzte. �Und ich musste dich fragen.� Er nahm sie in die Arme. �Bitte mach es besser als ich. Ich kann keine drei Monde auf dich verzichten�� �</p><p>�Ich brauche eine Zeit f�r mich allein. Du wei�t, ich liebe die Wildnis�� Aber zu lange mag auch ich nicht auf dich verzichten.� Was f�r eine lahme Liebeserkl�rung, dachte sie betroffen, kaum dass die Worte �ber ihre Lippen gekommen waren. Sie war nicht gut in solchen Dingen. Sie hatte die Wahrheit gesagt, aber irgendwie h�rte sie sich nicht gerade romantisch an. �Ich liebe dich�, setzte sie nach und gab ihm einen Kuss.</p><p>Er hielt sie fest, erwiderte ihren Kuss mit einer Leidenschaft, die sie w�nschen lie�, er bliebe doch noch eine Nacht bei ihr.</p><p>Als Gonvalon sich schlie�lich von ihr l�ste, sah er sie mit dem Blick an, den sie so sehr mochte�� selbstbewusst und ein wenig schelmisch. �Als ich dir zum ersten Mal begegnet bin und du nackt durch die verschneiten W�lder liefst, verfolgt von einem ganzen Heer von Trollen, hatte ich schon den Verdacht, dass du ein ziemlich wildes M�dchen bist. Ich w�nsch dir Gl�ck auf deiner Jagd. Komm schnell in den Jadegarten zur�ck! Ich warte dort auf dich.� Mit diesen Worten wandte er sich ab, und Nandalee, die sonst so gerne alleine ausgedehnte Jagdausfl�ge gemacht hatte, f�hlte sich pl�tzlich einsam.</p><p>Sie wollte ihm etwas nachrufen. Etwas, das so frech war wie seine letzten Worte. Das von ihrer Liebe sprach�� Ihr fiel nichts ein. Ihr Kopf war leer. �Ich liebe dich, Gonvalon�, sagte sie leise. Sein Hintern sah gut aus, dachte sie. Aber das w�re wohl kaum der passende Abschiedsgru�. Warum fiel es ihr so schwer, ganz unbefangen zu sein? F�r ihn schien es selbstverst�ndlich wie das Atmen zu sein, ihr Komplimente zu machen. Wenn er sich noch einmal umdrehte und ihr zuwinkte, w�rde alles gut werden, dachte sie und schalt sich in Gedanken daf�r, solchen Albernheiten nachzuh�ngen.</p><p>Er sprang auf den Sattel, schob seine F��e in die Lederschlaufen und nahm die langen Z�gel auf. Nachtschwinge preschte los, gallopierte, mit den Fl�geln schlagend, gegen den Wind an und erhob sich in den weiten blauen Himmel. Gonvalon flog eine weite Schleife und winkte ihr noch einmal zu.</p><p><emphasis>Zu sp�t</emphasis>, dachte sie beklommen. Er h�tte es tun sollen, bevor er in den Sattel sprang. Das war kein gutes Omen. �Ich liebe dich!�, rief sie aus Leibeskr�ften, um ihre t�richten Gedanken auszul�schen. Er hatte sie nicht mehr geh�rt. Er sah nicht zur�ck.</p><p>Nandalee sah ihm nach, bis er nur noch ein winziger, schwarzer Punkt am weiten, blauen Himmel �ber der Savanne war und schlie�lich ganz verschwand. Dann hob sie ihr B�ndel auf. Eine Ledertasche mit ein wenig Salz, Reis, Bohnen und trockenem Brot. Den schmalen Ledersattel, den man ben�tigte, um auf einem Pegasus stehend reiten zu k�nnen, sowie eine Decke, zu einer Rolle verschn�rt, Pfeil und Bogen und ihr Schwert Todbringer. Sie hatte lange gez�gert, die Waffe mitzunehmen. Sie w�rde ihr die meiste Zeit nur hinderlich sein. Aber sollte der Rotr�cken, der die Pegasi niedergemetzelt hatte, noch einmal ihren Weg kreuzen, w�rde sie die Waffe brauchen. Sie war sich bewusst, dass sie in sein Revier eindrang. Sie w�rde vorsichtig sein m�ssen. Normalerweise machten Drachen keine Jagd auf Elfen, aber dieser war ihr Feind. Er w�rde sich nicht darum scheren, was als normal galt. Mit einem letzten Blick zum Himmel schulterte sie ihre Last. Sie trug zu viel, sie wusste das. Als J�gerin in den W�ldern Carandamons hatte sie nie so viel Ballast mit sich gef�hrt.</p><p>Trotz des schweren Gep�cks und der Gefahr durch den Rotr�cken wurde ihr das Herz mit jedem Schritt leichter. Es tat gut, wieder allein in der Wildnis zu sein. Schon bald streifte sie durch das hohe B�ffelgras, das nach dem trockenen Sommer eine tief goldene Farbe angenommen hatte. Es �berragte sie ein ganzes St�ck. Sie konnte kaum zwei Schritt weit sehen. Aus ihrer Heimat war sie es gewohnt, einen weiten Blick zu haben. Selbst in dunklen Fichtenw�ldern war das Sichtfeld gr��er als hier!</p><p>Der Wind lie� das Gras leise rascheln. Ein Ger�usch, das ihr erlaubte, sich fast lautlos zu bewegen. Hielt der Wind inne, verharrte auch sie. Sie wusste um die L�wen, die hier jagten, die Hy�nen, die nach Aas suchten, die Sandvipern und Skorpione. All ihre Sinne waren auf das �u�erste gespannt. Die Wasserstelle, an der der Rotr�cken �ber die Pegasi hergefallen war, lag nur drei Meilen entfernt, aber sie schlug einen weiten Bogen, um sich gegen den Wind zu bewegen, damit R�uber nicht allzu leicht ihre Witterung aufnehmen konnten. Immer wieder blickte sie zum Himmel. Es zeigten sich weder Pegasi noch der Drache.</p><p>Als sie die F�hrten von Gazellen und einer kleinen B�ffelherde kreuzte, die eine Schneise durch das hohe Gras gezogen hatten, hielt sie inne und betrachtete das Land durch ihr Verborgenes Auge. Der Blick auf die magische Welt zeigte ein ganz anderes Bild. Kein Gras versperrte ihr die Sicht. Sie sah die Kraftlinien, die das Land durchzogen, und die Auren der Tiere. Eine halbe Meile entfernt entdeckte sie bei einem aufgegebenen Termitenh�gel eine Gruppe von L�wen. Sie hatten gefressen und d�sten schl�frig in der Sonne. Von ihnen ging keine Gefahr aus. Aber etwas stimmte nicht. Einige der Kraftlinien vibrierten wie die Saiten eines Instruments, das eben erst angeschlagen worden war. Hier war Magie gewirkt worden, die sich gegen die nat�rliche Ordnung wandte. Konnte das der Rotr�cken gewesen sein? Beherrschte er �berhaupt die Kunst des Zauberwebens?</p><p>Vorsichtig pirschte Nandalee weiter. Kein Wild war bei der Wasserstelle. Aber nahe dem Geb�sch, in dem sie sich mit Gonvalon versteckt hatte, fand sie einen verlassenen Lagerplatz. Wer immer hier gewesen war, war allein gekommen. Sie fand einen schmalen, recht kleinen Fu�abdruck. Eine Elfe?</p><p>Nandalee sah die ins Erdreich gegrabene Feuergrube. Alle Glut war l�ngst verloschen�� der Lagerplatz war seit mindestens einem Tag verlassen. Der Ort f�r die Feuerstelle war nicht gut gew�hlt. Trotz der Grube musste man den Widerschein der Flammen weit gesehen haben. Nur ein paar Schritt weiter gab es eine Senke, die ein viel besserer Lagerplatz gewesen w�re.</p><p>Nandalee legte Sattel, Decke und den Proviantbeutel ab, dann folgte sie der Spur, die zum Wasserloch f�hrte. Wer immer hier gelagert hatte, hatte entweder meisterhaft seine F�hrten verwischt oder war nur ein einziges Mal zum Wasser hinabgegangen. Die J�gerin hielt inne. Die Sonne k�sste den Horizont. Es w�rde schnell dunkel werden. Da die Spuren im Schlamm leicht zu lesen waren, entschied Nandalee, zun�chst in einem weiten Kreis um den Lagerplatz zu gehen und dort nach weiteren F�hrten zu suchen.</p><p>Die einzige Spur, die sie fand, kam von Osten. Nandalee wusste, dass etwa zehn Meilen entfernt ein gro�er Albenstern lag. Die andere J�gerin musste von dort gekommen sein.</p><p>Im letzten Abendlicht ging Nandalee zur�ck zum Wasserloch. Der Schlamm am Ufer war von den Hufabdr�cken verschiedenster Tiere gezeichnet. Eine Herde Gnus hatte sich gen�hert, hielt aber Abstand, w�hrend der Leitbulle sie aufmerksam beobachtete. Sie warteten darauf, dass dieser sonderbare Zweibeiner vom Wasser verschwand.</p><p>Nandalee fand die Spuren der Pegasi-Herde. Die Fu�spuren vom Lager f�hrten mitten unter die Herde, als sei, wer immer hier gewesen war, geradewegs zu den gefl�gelten Pferden gegangen und auf eines aufgestiegen. Verbl�fft �ffnete Nandalee ihr magisches Auge. Deutlich sah sie die schwingenden Kraftlinien rings herum. Hier war der Zauber gewoben worden, der sich gegen das Gef�ge Albenmarks gestellt hatte!</p><p>Und jetzt wusste Nandalee, wer vor ihr zum Wasserloch gekommen war. Sie hatte Bidayn von ihrer Begegnung mit den Pegasi und dem Rotr�cken erz�hlt. Sie wusste, dass ihre Freundin den Goldenen gew�hlt hatte und zur Drachenelfe erhoben werden sollte. Sie musste nur noch ihr Reittier einfangen. Wahrscheinlich hatte sie sich heute auf den Weg zum Jadegarten gemacht. Sie h�tte ihr begegnen k�nnen, als sie mit Gonvalon hierhergeflogen war. Die verwunschene W�ste zu �berwinden, die den Jadegarten umschloss, war der letzte Teil der Pr�fung. Ritt man einen Pegasus, war es leicht. Aber wehe dem, der zu Fu� durch die W�ste wollte��</p><p>Nandalee stellte sich vor, wie sich ihre Freundin in diesem Moment im Jadegarten feiern lie�. Sie war froh, nicht dort zu sein oder gar Bidayn hier in der Wildnis getroffen zu haben. Was sie in der Goldenen Stadt in der Villa der Seidenen getan hatte, w�rde f�r immer zwischen ihnen stehen. Was war nur aus der sch�chternen, jungen Elfe geworden, die sie einst in der H�hle des Schwebenden Meisters getroffen hatte? Jene Bidayn, die sich vor dem Wei�en Drachen gef�rchtet hatte und in Sayn verliebt gewesen war, ohne dem arroganten Sch�nling davon je ein Wort zu sagen. War es das, was die Wei�e Halle aus ihnen machen sollte? Ganz und gar verdrehte Gesch�pfe, fern jeder Moral? M�rder, die keine Skrupel kannten? Sie w�rde nicht so werden, schwor sich Nandalee und kehrte zu der Senke zur�ck, die hinter Bidayns verlassenem Lagerplatz lag.</p><p>Sie entfachte ein kleines Feuer, kochte in einem kleinen Topf ein wenig Reis und Bohnen und sah den Sternen zu, wie sie ihren Weg �ber den Himmel begannen. Es mochte Tage dauern, bis die Pegasi-Herde wiederkehrte. Sie versuchte sich vorzustellen, wie sehr die Tiere in Panik geraten sein mussten. Sie wusste, was Bidayn getan hatte: Sie hatte den Zauber gewoben, der sie schneller werden lie�. Pl�tzlich war sie mitten in der Herde gewesen und hatte auf dem R�cken eines Tiers gestanden, das vermutlich auch schon aufgeschirrt gewesen war. Eine Reiterin, die den Fluss der Zeit manipuliert hatte, konnte nicht abgeworfen werden. F�r sie waren alle Spr�nge und jedes Bocken des auserw�hlten Pegasus so langsam gekommen, dass sie sich in Ruhe darauf einstellen konnte, ihr Gleichgewicht zu behalten. Wie lange der ungleiche Kampf wohl gedauert hatte?</p><p>Was Bidayn getan hatte, war nicht gegen die Regeln dieser Pr�fung, aber es verstie� gegen ihren Geist. Sie w�rde es anders machen, entschied Nandalee. Aber wie lange musste sie wohl warten, bis die Herde an dieses Wasserloch zur�ckkehrte? Sie sah erneut zu den Sternen und dachte an Gonvalon. Daran, dass er erst so sp�t zur�ckgewunken hatte.</p><p>Das war ein schlechtes Omen gewesen. Ihre Pirsch auf die Pegasi w�rde lange dauern.</p></section><section><title><p>Sternauge</p></title><p>In der D�mmerung des neunten Tages kamen die Pegasi zum Wasserloch zur�ck.</p><p>Zun�chst war es nur jener Hengst, der so tapfer gegen den Drachen gek�mpft hatte. Er kreiste lange �ber der Wasserstelle, bis er schlie�lich nach S�den abdrehte. Nandalee hatte sich ein Tarnnetz aus geflochtenem B�ffelgras gefertigt, das sie fast unsichtbar werden lie�. Reglos kauerte sie darunter verborgen, zwanzig Schritt vom Wasser entfernt, im Gras. In den H�nden hielt sie ein starkes Hanfseil, in das sie eine weite Schlinge gekn�pft hatte.</p><p>Sie hatte keine Ahnung, wie man einen Pegasus einfing. Jeder der Drachenelfen, den sie bisher darauf angesprochen hatte, machte ein gro�es Geheimnis daraus, wie er an sein Reittier gekommen war. Sie w�rde es so versuchen, wie man ein Wildpferd fing. Mit einem Lasso.</p><p>Angespannt wartete sie auf die Ankunft der Herde. Sie kamen aus der Sonne. Vor einem Himmel, der von dramatischem Orange �ber Blassrosa zu zartem Graublau �berging. Jetzt kreisten vier Hengste tief �ber der Wasserstelle. Jener Rappe, den sie in Gedanken Sternauge getauft hatte, war der Erste, der landete. Er preschte das Ufer entlang, faltete grazi�s seine gro�en Schwingen und nahm Witterung auf. Ein helles Wiehern war das Zeichen f�r die anderen zu kommen. Nach und nach landete die ganze Herde. Zuletzt die Jungtiere.</p><p>Nandalee hatte die letzten Tage �berlegt, wie ein Wild zu fangen war, das einfach davonfliegen konnte. Sie hatte erwogen, eines dieser seltsamen Wurfseile mit den Steinen an ihren Enden zu fertigen, die von den Jaguarm�nnern auf Nangog benutzt worden waren. Geschickt geworfen, war es sicherlich gut geeignet, Beute zu Fall zu bringen. Aber wie gro� war die Gefahr, dass der Pegasus, den sie fangen und z�hmen wollte, sich dabei verletzen w�rde? Es musste also das Lasso sein. Sie war den F�hrten rund um die Wasserstelle gefolgt und hatte entdeckt, dass einige der Hengste mit etwas Abstand zur Herde auf Wache standen.</p><p>Nahe einem dieser Pl�tze hatte sie ihr Versteck eingerichtet. Sie war gewaschen und dann mit B�ffeldung eingerieben, sodass ihr K�rpergeruch sie nicht verraten konnte. Alles, was sie jetzt noch brauchte, war Geduld und ein wenig Gl�ck. Sie wusste nicht, ob <emphasis>ihr</emphasis> Hengst zu ihrem Versteck kommen w�rde. Sie wollte keinen anderen als den Rappen mit der sternf�rmigen Blesse auf der Stirn. Sternauge, das sollte ihr Pegasus sein, ein stolzes, mutiges Tier, das vor keinem Feind zur�ckschreckte, und sei er auch noch so �berm�chtig.</p><p>Bald hatte sich die Herde satt getrunken. Einige der j�ngeren Tiere tollten im Wasser, w�hrend die �lteren grasten. Keinen Augenblick lie� die Aufmerksamkeit der Hengste nach. Sie standen auf H�gelkuppen und beobachteten das weite Grasland, achteten auf verr�terische Bewegungen im B�ffelgras. Zu Nandalee kam ein Roter mit langen, wulstigen Narben auf der Flanke. Auch er schien ein Drachenk�mpfer zu sein.</p><p>So sch�n die gefl�gelten Pferde anzusehen waren, sie waren auch K�mpfer. Nandalee kannte zahllose Geschichten um legend�re K�mpfe und Fluchten, die in der Wei�en Halle und auch schon in der H�hle des Schwebenden Meisters erz�hlt worden waren. Geschichten dar�ber, wie Pegasi ihren Elfenreitern das Leben gerettet hatten, wie wuchtige Huftritte die Sch�del von Angreifern platzen lie�en wie Melonen. Manchmal war das Band zwischen dem Pegasus und seinem Reiter so eng, dass das gefl�gelte Pferd selbst dann nicht wich, wenn sein Elf im Kampf gefallen war. Sie hielten Wache bei dem Toten, bis andere Drachenelfen kamen oder sie selbst starben.</p><p>Der rote Hengst kam Nandalee so nahe, dass sie mit ausgestreckter Hand einen seiner Vorderl�ufe h�tte ber�hren k�nnen. Sie wagte kaum noch zu atmen, blickte auf die m�chtigen Hufe und dachte daran, wie viel Schaden sie anzurichten vermochten.</p><p>Eine Ewigkeit schien zu vergehen, bevor der Hengst den H�gel wieder verlie�. Es war inzwischen dunkel geworden. In der Wasserstelle spiegelte sich das Licht der Sterne. Die ersten Pegasi flogen davon. Nandalee sank das Herz. Wie lange w�rde sie warten m�ssen, bis die Herde zur�ckkehrte? Wohin zogen sie weiter? Ihnen zu Fu� zu folgen war aussichtslos. Sie wusste, dass ihr nichts anderes �brig blieb, als zu warten, bis sie zur�ckkehrten.</p><p>Nach und nach verlie�en alle Tiere das Wasserloch. Zuletzt war nur noch Sternauge �brig. Er ist der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht, dachte sie. Ein Krieger. Zum ersten Mal �berlegte sie, was es f�r die Herde bedeuten mochte, wenn sie ihr diesen Hengst nahm.</p><p>Sternauge drehte eine letzte Runde um die Wasserstelle, dann trottete er langsam ihren H�gel hinauf. <emphasis>Komm n�her</emphasis>, dachte Nandalee. <emphasis>Noch ein wenig!</emphasis> Dies war ihre einzige Gelegenheit. Sie durfte nicht zu fr�h aufspringen. <emphasis>Los</emphasis>, feuerte sie ihn in Gedanken an. <emphasis>Noch etwas!</emphasis> Er kam in gerader Linie auf sie zu, hielt manchmal inne, zupfte ein wenig am hohen Gras und schritt weiter. Schlie�lich stand er unmittelbar vor ihr. Wieder hielt Nandalee den Atem an. Ihre H�nde schlossen sich fester um das Hanfseil, mit dem sie ihn fangen wollte.</p><p>Sternauge beugte sich vor und fra� vom trockenen Gras ihres Tarnnetzes. Warum weidete er nicht vom frischen Gras rings herum? Hatte er��?</p><p>Der Hengst biss ins Netz und zog es mit einer energischen Kopfbewegung zur Seite. Nandalee rollte unter seinen Hufen weg. Er hatte die ganze Zeit �ber gewusst, dass sie dort war!</p><p>Mit einem Satz war sie auf den Beinen. Der Rappe wich ein St�ck vor ihr zur�ck. Er schien keine Angst zu haben�� er war wachsam, aber nicht aggressiv. Sternauge h�tte sie in ihrem Versteck in den Boden trampeln k�nnen, w�hrend sie darauf vertraut hatte, dass ihre Tarnung sie vor seinen Blicken verbarg. Wie hatte er sie entdeckt? Ganz bestimmt hatte er sie nicht wittern k�nnen.</p><p>Sie standen einander gegen�ber, ma�en sich mit Blicken. Nandalee wusste nicht, was sie tun sollte. Jetzt w�re die Gelegenheit gewesen, ihr Lasso zu nutzen. Stattdessen lie� sie es fallen. Es kam ihr sch�big vor, ihm, der neugierig zu ihr gekommen war, die Freiheit zu rauben. Als Sternauge vorsichtig mit seinen N�stern gegen ihre Brust stie�, strich Nandalee ihm �ber den Hals. Sein Fell war rau und staubig. Er schnaubte leise. Nie zuvor hatte sie erlebt, dass ein Wildtier so zutraulich war. Hatte er etwa auf sie gewartet? Nein, der Gedanke war abwegig!</p><p>Sie hob ihre Hand und ber�hrte die sternf�rmige Blesse auf seiner Stirn. Wenn sie doch nur in seinen Gedanken lesen k�nnte! Die �brigen Pegasi waren am Nachthimmel verschwunden. Er aber schien keine Eile zu haben, ihnen zu folgen.</p><p>�Wirst du mir erlauben, dich zu reiten?�, fragte sie leise.</p><p>Sternauge legte den Kopf schief und schnaubte leise. Es kam ihr fast wie eine Antwort vor. Sollte sie es wagen? Sie w�rde das Seil als Zaumzeug nutzen und den Sattel, den sie in ihrem Versteck verborgen hatte, zwischen seinen Schwingen auflegen m�ssen, um einen Halt zu haben, wenn sie auf seinem R�cken stand.</p><p>Ganz langsam b�ckte Nandalee sich und griff nach dem Hanfseil. Sie zog die Schlinge weit auseinander und hob sie vorsichtig an. Sternauge zuckte nicht zur�ck, als sie das Seil �ber seinen Kopf schob. Ebenso vorsichtig nahm sie den Sattel, der aus einem breiten Ledergurt bestand, dessen Sitzfl�che aber verl�ngert und fast eben war. Auf diesem Sattel sa� man nicht, Drachenelfen standen auf dem R�cken ihrer Pegasi. Mehrere aufgen�hte Schlaufen gaben den F��en in verschiedenen Standpositionen einen sicheren Halt. Die Innenseite war mit weichem Stoff gepolstert, damit der Sattel m�glichst bequem f�r den Pegasus zu tragen war.</p><p>Es war Nandalee bewusst, dass den ungewohnten Sattel zu akzeptieren und das Festzurren des Ledergurts �ber sich ergehen zu lassen, f�r ein freies Tier die gr��te �berwindung war. Doch Sternauge schnaubte nur einmal leise und schlug mit seinem Vorderhuf in den staubigen Boden. Noch immer hielt er still und sah die Elfe aus klugen Augen an.</p><p>Nandalee legte die Hand flach auf seine Blesse und bereitete sich auf das Aufsteigen vor. Sie wartete, bis ihr Atem denselben Rhythmus wie sein Atem fand. Sie suchte die Verbindung mit seinen Kraftlinien und sp�rte, wie entspannt er war. Er hatte gewusst, dass sie kommen w�rde und dass es sein Schicksal war, mit ihr zu gehen. Was zwischen ihnen war, brauchte keine Worte. Seine Gef�hle durchdrangen sie. Sie wusste um sein Leben, um seine K�mpfe. Er hatte beim Angriff des Drachen seine Stute und sein Fohlen verloren. Sein Leben, wie er es bisher gef�hrt hatte, war zerfallen. Er war bereit, mit ihr zu gehen.</p><p>�Ich werde immer gut auf dich achten, Sternauge.�</p><p>Er mochte den Namen, den sie f�r ihn erw�hlt hatte, und dr�ckte seine warmen N�stern gegen ihren Hals. Ihr Pakt war besiegelt. Auf immer.</p><p>Sie schwang sich auf seinen R�cken, stellte die F��e in die Schlaufen, sp�rte, wie sich seine Muskeln unter dem Leder bewegten. Nandalee beugte sich leicht nach vorne, dann lief Sternauge gegen den Wind den H�gel hinab und durch das seichte Wasser, nahe beim Ufer. Immer st�rker schlug sein Herz, und im gleichen Ma�e beschleunigte sich auch ihr Herzschlag. Das Wasser spr�hte in tausend funkelnden Perlen im Mondenlicht und benetzte ihr Antlitz.</p><p>Dann hoben sie ab und flogen den Sternen entgegen.</p></section><section><title><p>Der Brunnen</p></title><p>Glamir schob den Riegel zur�ck und betrat die Kammer, die er seinen unerw�nschten G�sten zugewiesen hatte. Zehn Tage hatte er sich Zeit mit seinem Besuch gelassen. Der kleine Raum war erstaunlich sauber. Es roch zwar nach benutzten Windeln, aber auch ein wenig nach Parf�m. Er kannte diesen schweren Moschusduft zu gut. Amalaswintha legte ihn jedes Mal auf, wenn sie eine Stunde Freigang hatte. Sie machte alle Zwerge im Turm damit verr�ckt. Der Geruch blieb, selbst wenn sie schon gegangen war, noch eine ganze Weile in der Luft h�ngen. Glamir hatte beobachtet, wie seine M�nner einfach die Arbeit Arbeit sein lie�en, wenn sie vor�berging, sie angafften und noch lange danach mit geschlossenen Augen tr�umten. Wie hatte Eikin ihm das antun k�nnen? Wie hatte der Alte aus der Tiefe ihm eine Frau hierherschicken k�nnen?</p><p>Glamir sp�rte ein Jucken zwischen den Schenkeln. Selbst bei ihm hatte sie l�ngst vergessene Gef�hle erwachen lassen. Es war nicht gut, sie hier zu haben. �ber kurz oder lang w�rde es Streit wegen Amalaswintha geben. Er sollte sie in Ketten legen und im Brunnen versenken. Vermutlich erwartete ihn dann dasselbe Schicksal. Dieses Flittchen hatte durchblicken lassen, dass der Alte in der Tiefe sie sch�tzte. Aber h�tte er sie dann mit den Drachent�tern hierhergeschickt? Vielleicht war das ja Eikins Art, diese Frau in Ketten zu schlagen und in einem Brunnen zu versenken.</p><p>�Wir f�hlen uns geehrt, Besuch vom Herrn des Turms zu bekommen�, sagte sie mit rauchiger Stimme, die ihm ein angenehmes Kribbeln im Bauch verursachte. Sie schaffte es, gleichzeitig anz�glich und ironisch zu klingen, w�hrend die anderen drei Zwerge ihn mit eisigem Schweigen empfingen.</p><p>Es fiel Glamir schwer, den Blick von ihr zu l�sen. W�re er nicht hier in diesem Turm am Ende der Welt, um eine Mission zu erf�llen, die all seine Kraft und Hingabe erforderte, sie h�tte seine Traumfrau sein k�nnen. Andererseits h�tte sie wohl an keinem anderen Ort auch nur einen Blick f�r den halben Mann �brig, den die Smaragdspinnen verst�mmelt hatten. Dabei war er an entscheidender Stelle noch vollst�ndig!</p><p>Amalaswintha war �ppig, ohne dick zu sein. Ihr Gesicht fein geschnitten, mit sinnlichen, vollen Lippen. Die tiefgr�nen Augen �berschattet von buschigen Brauen, die ihrem Gesicht etwas Animalisches verliehen. Sie trug ein tailliertes, rotes Kleid, das v�llig unangemessen f�r diesen Kerker war. Das tiefe Dekollet� brachte ihre Br�ste gut zur Geltung und erweckte in Glamir den Wunsch, seine verbliebene Hand darin zu versenken.</p><p>�Geht es Euch gut, mein F�rst?�, fragte sie kokett und spielte dabei mit einer Str�hne ihres langen, rabenschwarzen Haares. Sie war sich wohl bewusst, was er tr�umte.</p><p>Und warum sollte er nicht seine Stellung ausnutzen, um ein wenig Spa� mit ihr zu haben? Er war genauso ein Gefangener dieses Turms wie sie. Er hatte kein besseres Quartier als seine M�nner, bekam denselben �blen Fra� wie sie. Nie hatte er seine Stellung genutzt, sich irgendeine Verg�nstigung zu verschaffen. Warum nicht dieses eine Mal?</p><p>Glamir r�usperte sich. Er musste sich zusammenrei�en, es w�rde den empfindlichen Frieden des Turms st�ren, wenn er allein ein Weib h�tte. Bald, wenn der Turm v�llig in den Fluten versinken w�rde, w�ren sie f�r viele Wochen von der Au�enwelt abgeschnitten. In der Vergangenheit war es in diesen Zeiten schon wegen Nichtigkeiten zum Streit gekommen. Es war eine Sache, f�r Monde tief in einem Berg zu bleiben, aus dem etliche Wege ins Freie f�hrten, so dass man, wenn einem der Sinn danach stand, jederzeit einen Spaziergang unter weitem Himmel machen konnte. Doch es war etwas v�llig anderes, hier unten eingesperrt zu sein. Der Alte in der Tiefe und er hatten dieses Problem untersch�tzt. Bei der letzten Flut hatte es einen Streit gegeben, weil einer seiner Schmiede angeblich jedes Mal ein St�ck Bauchfleisch mehr in der Suppe hatte als die anderen.</p><p>Wahrscheinlich war es nichts als Zufall gewesen. Ein Zufall, der diesem Schmied am Ende das Leben gekostet hatte. Jemand hatte ihm in einem abgelegenen Stollen aufgelauert und ihn kaltbl�tig niedergestochen. Es hatte nie gekl�rt werden k�nnen, wer diese Bluttat begangen hatte. Danach war ein erbitterter Streit zwischen den Freunden des Toten und denjenigen ausgebrochen, die ihm vorgeworfen hatten, Fleisch zu stehlen. Die Besatzung des Turms hatte sich binnen zwei Tagen in zwei Lager gespalten. Jeder hatte sich f�r eine Seite entscheiden m�ssen. Es war zu handfesten Schl�gereien gekommen, und w�re nicht schlie�lich das Wasser wieder gesunken und ein Aal vor Anker gegangen, es h�tte gewiss noch weitere Tote gegeben. Glamir hatte in den Wochen danach die halbe Besatzung des Turms austauschen m�ssen, um den Frieden wiederherzustellen.</p><p>Sein Blick wanderte wieder zu den Br�sten Amalaswinthas. Was f�r eine Versuchung war sie im Vergleich zu einem l�cherlichen St�ck Bauchspeck. �Ich w�rde mich freuen, dich heute Abend zu einem kleinen Imbiss zu empfangen�, sagte er wider jede Vernunft. Aber heute Abend w�rde es etwas zu feiern geben. Und danach w�re er enthaltsam. Nur dieses eine Abendessen!</p><p>�Galar, wenn du Manns genug bist, in den Brunnen zu steigen, dann komm mit mir. Ich brauche heute einen mutigen Begleiter.� Er hob seinen Armstumpf. �Und vor allem einen, der noch beide H�nde benutzen kann. Ich zeige dir, wo wir das Metall gewinnen, das diesen Turm so besonders macht.�</p><p>�Ihr steigt hinab zu der Metallwand im Fels?�, fragte Amalaswintha neugierig.</p><p>Glamir sch�ttelte den Kopf. �Es gibt keine Metall<emphasis>wand</emphasis>! Nur ein St�ck Metall im Fels.�</p><p>�Aber es sieht ganz anders aus als eine Erzader, nicht wahr?�</p><p>�Ja, das tut es�, gestand er widerwillig ein. �Aber ganz sicher ist sie nicht eine Meile lang und ein paar Fu� dick!�</p><p>�Wenn du es sagst, mein F�rst.� Sie hatte wieder diesen Ton, der halb ironisch, halb anz�glich klang. Wenn sie den beibehielt, w�rde das Abendessen kein Vergn�gen werden, dachte er s�uerlich.</p><p>�Also, Galar, wie steht es mit deinem Mut?�</p><p>�Bestens�, entgegnete der Schmied streitlustig. �Genau wie mit meinem Verstand. Und der warnt mich davor, mit dir zu gehen. Warum hast du dich so lange nicht mehr blicken lassen? Und vor allem, woher kommt dein pl�tzlicher Sinneswandel?�</p><p>Glamir versuchte sich an einem unschuldigen L�cheln. �Ist ein paar Tage niemand mehr so tief hinabgestiegen. Die verdammten Spinnen waren unruhig. Aber jetzt sieht alles gut aus. Ist nat�rlich was anderes, auf eine halbe Meile Entfernung einen Drachen abzuschie�en, als sich wie ein Stein im Wasser versenken zu lassen, wo jederzeit die Spinnen aus dem Dunkel kommen k�nnen.�</p><p>�Willst du damit sagen, wir alle seien Feiglinge?�, rief Nyr entr�stet.</p><p>�Nein, er m�chte nur erreichen, dass Galar eine Entscheidung trifft, ohne seinen Verstand zu benutzen�, mischte sich Hornbori ein. �Und so, wie ich unseren Freund kenne, wird Glamir das auch gelingen.�</p><p>�K�mmer dich gef�lligst um deinen eigenen Schei�, Wortefurzer�, schnauzte Galar und erhob sich von seinem Lager. �Erinnere dich, dass selbst die Drachen es nicht geschafft haben, mich umzubringen.�</p><p>�Was unterstellst du mir!�, emp�rte sich Glamir. �Du stehst unter dem Schutz des Alten in der Tiefe. Ich w�rde niemals die Hand gegen dich erheben.� Bei diesen Worten legte er feierlich seine Linke auf sein Herz. �Das schw�re ich bei den B�rten meiner Ahnen.�</p><p>�Es w�rde dir ohnehin nicht gelingen�, entgegnete Galar selbstsicher. �Also gehen wir. Ich kann es kaum erwarten, dieser verschissenen Kammer zu entkommen.�</p><p><emphasis>Deine Arroganz wird dich umbringen, ich werde fast nichts dazutun m�ssen</emphasis>, dachte Glamir und sagte: �Also gehen wir.�</p><p>Er f�hrte den Schmied hinab zu der Kammer �ber dem Brunnen. Dort waren bereits zwei Fassanz�ge f�r sie vorbereitet worden. Glamir hasste es, sich dabei helfen lassen zu m�ssen, in den Fassanzug zu steigen, aber verst�mmelt wie er war, brauchte er jemanden, der ihn st�tzte, w�hrend ein zweiter Zwerg die Lederlaschen festzog.</p><p>Am�siert sah er zu, wie Galar mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen seinen Fassanzug ansah. Man musste irre sein, um in so ein Ding zu steigen und sich in den dunklen Brunnen versenken zu lassen. Aber Galar war irre! Nach den Geschichten, die Glamir �ber den Schmied aus der Tiefen Stadt geh�rt hatte, war er sich da ganz sicher. Ja, sie waren sich ziemlich �hnlich. Und genau deshalb musste er ihn loswerden.</p><p>�Was ist das f�r ein Ding?�, fragte Galar skeptisch und betrachtete das Fass mit der angenieteten Lederhose und den dicken Leder�rmeln, die aus der Seite herausragten.</p><p>�Das ist der V-7�, entgegnete Glamir und genoss den fragenden Gesichtsausdruck des Schmieds.</p><p>�Ein Variante-sieben-Fassanzug. Das Beste, was wir im Moment zu bieten haben. Erh�hte Bleigewichte, ein gr��eres Sichtglas, gesch�tzt durch ein Stahlgitter, zwei Abluft�ffnungen und das Fass wurde nie zur Lagerung alkoholischer Getr�nke genutzt. Alle Erfahrungen der letzten Jahre sind in den V-7 eingeflossen. Schau mal zum Beispiel dort vorne, unter dem Sichtfenster der Kasten. Das ist ein Barinstein, der in eine Halbkugel aus Spiegelglas eingelassen wurde. So wird sein Licht geb�ndelt und gibt einen st�rkeren Strahl, der direkt nach vorne leuchtet, wohin du schaust. Und falls es n�tig wird, rasch im Dunklen zu stehen, schlie�t du die Blende davor. H�tte ich so einen Anzug bei meinem Unfall getragen, h�tte ich vielleicht meine Glieder behalten.�</p><p>�Wieso?� Galar runzelte die Stirn, stieg aber in das Fass und lie� sich in die Lederbeine helfen.</p><p>�Die Smaragdspinnen folgen dem Licht, wenn du hochgezogen wirst. Gibt es kein Licht, hast du bessere Aussichten, ihnen zu entkommen.�</p><p>�Mein Fass stinkt nach Fisch�, maulte Galar.</p><p>�Waren Heringe drin eingelegt. Aber glaub mir, das ist besser als die Branntweinf�sser, die wir anfangs genommen haben. Der Alkohol zieht zu tief ins Holz ein. In dem Fass kann es ganz sch�n warm werden, und wenn du zu schwitzen anf�ngst, dann dunstet Alkohol aus dem Holz. Ist nicht gut, f�nfzig Schritt tief im Brunnen pl�tzlich besoffen zu sein. Hab drei gute M�nner verloren, bis wir verstanden haben, woran es lag. Heringsgeruch ist viel besser!� Glamir streckte seinen linken Arm in den seitlich angebrachten �rmel aus B�ffelleder. Riemen wurden straff um sein Handgelenk und seinen Oberarm gezogen, damit kein Wasser ins Innere des Fasses eindringen konnte. Sein rechter Arm war eine Sonderanfertigung. Die Prothese konnte eine Harpune verschie�en, aber davon musste Galar nichts wissen.</p><p>Glamir beobachtete den Schmied durch das gro�e, gew�lbte Glas, das in die Vorderseite des Fasses eingelassen war. Sein eigenes Fass war eine Sonderanfertigung. Zwei zus�tzliche Gl�ser waren rechts und links in Kopfh�he angebracht, sodass er einen besseren �berblick hatte. Das einzig Gute an den Smaragdspinnen war das seltsame, phosphoreszierende Licht, das sie umgab. Im Gegensatz zu Mur�nen oder Seeschlangen konnte man sie von Weitem kommen sehen.</p><p>�Was sind denn das f�r Hebel hier drinnen?�, maulte Galar, seine Stimme klang dumpf durch das Fass. �Welcher hirnlose Zwerg hat sich das denn ausgedacht? Wie soll ich die bedienen, wenn meine Arme in Lederschl�uchen au�erhalb des Fasses stecken?�</p><p>�Ganz einfach, du bei�t in den Holzgriff und drehst den Kopf zur Seite. Mit dem blauen Hebel rechts entriegelst du das R�ckschlagventil. Keine gro�e Sache.�</p><p>�Ein Ventil?� Galar starrte ihn fassungslos durch das Glas seines Fassanzugs an. �Warum sollte ich ein Loch im Fass �ffnen?�</p><p>�Ein R�ckschlagventil!�, antwortete Glamir gen�sslich schmunzelnd. �Es kommt kein Wasser rein, jedenfalls wenn alles in Ordnung ist. Es entweicht Luft, wenn der Druck im Fass zu hoch wird.� Er deutete zu den Pumpen im Hintergrund der H�hle, die wie zwei �berdimensionale Blaseb�lge aussahen, �ber denen zwei h�lzerne Hebel aufragten. �Wir haben Schl�uche aus einem seltenen Baumblut angefertigt. Sie sind von innen mit einem Spiraldraht stabilisiert. Dar�ber wird Luft zu uns heruntergepumpt. Und wenn der Druck im Fass zu gro� wird, dann �ffnest du ein Ventil.�</p><p>�Woran merk ich das denn?�</p><p>�Du bekommst Ohrenschmerzen. Es hilft, weit den Mund aufzumachen. Besser ist aber, wenn du das Ventil �ffnest. Dann wird Luft abgelassen und der Druck ausgeglichen. Tust du das nicht, und der Druck wird immer st�rker, k�nnte irgendwo �ber dir der Schlauch platzen.�</p><p>�Der aus Baumblut gefertigt ist�, sagte Galar h�rbar verst�rt.</p><p>�Ein elastisches Harz. Mach dir keine Sorgen deshalb.�</p><p>�Und der rote Holzgriff links?�</p><p>�Damit verriegelst du die �ffnung f�r den Schlauch oben im Fass. Sollte der Schlauch platzen und Wasser eindringen, hast du immer noch genug Atemluft im Fass, um sicher hochgezogen zu werden. Das Fass h�ngt an einer schweren Stahlkette, die an einer �se im Fassdeckel aus Kupfer befestigt ist. Wir holen jeden hoch. Du musst keine Angst haben.�</p><p>�Ich hab keine Angst�, knurrte Galar gereizt.</p><p>�Angst hilft dir, da unten zu �berleben, Junge. Du solltest besser nicht zu mutig sein. Die Tollk�hnen sind immer die ersten Toten.�</p><p>�Ist ja wohl keine Schlacht, in die wir ziehen.�</p><p>Glamir sagte dazu nichts. Der Junge w�rde schon noch sehen, worauf er sich eingelassen hatte. �Links von dir findest du ein Seil. Wenn du daran dreimal ruckartig ziehst, ist das das Signal, dass du schnell heraufgezogen werden willst. Einmal ziehen hei�t, den Kranarm, von dem du h�ngst, nach rechts schwenken, zweimal ziehen, nach links schwenken und viermal ziehen, dass sie mehr Kette geben sollen, damit du tiefer sinken kannst. Vorne am Fass gibt es Lederschlaufen, in denen Werkzeug steckt. Ein Pickel, ein Stemmeisen, ein Hammer und vor allem ein starker Magnetstein. Du wirst nur ein paar kleine Sp�ne aus dem seltsamen Eisen dort unten l�sen k�nnen. Mit dem schweren Lederhandschuh kannst du sie nicht greifen, der Magnetstein hilft dir, sie einzusammeln.�</p><p>Galar nickte.</p><p>�Noch Fragen?�</p><p>�Das Blei hier im Fass dient dazu, dass wir schneller sinken, richtig?�</p><p>�Es erm�glicht uns, �berhaupt zu sinken�, erkl�rte Glamir. �Ohne das Blei treiben die F�sser auf dem Wasser.�</p><p>�Warum ist es nicht so angebracht, dass man es einfach abwerfen kann? Dann w�rde das Fass aus eigener Kraft nach oben steigen.�</p><p>Dumm war er nicht, dachte sich Glamir. Sie hatten das anfangs auch versucht. �Kommt das Fass zu schnell nach oben, passiert irgendetwas mit deiner Lunge. Wir wissen nicht genau was. Aber es kann passieren, dass du aus der Nase und dem Mund zu bluten beginnst und verreckst. Zu schnell aufzusteigen ist nicht gut. Jedenfalls nicht, wenn du f�nfzig Schritt tief im Wasser bist. Noch weitere Fragen? Das ist die letzte Gelegenheit. Wenn erst einmal der Kupferdeckel auf dem Fassanzug festgeschraubt ist, gibt es keine M�glichkeit mehr, miteinander zu reden.�</p><p>�Genug gequatscht! Gehen wir runter�, entgegnete Galar gro�spurig.</p><p>Wieder f�hlte sich Glamir daran erinnert, wie er gewesen war, als er noch all seine Gliedma�en besessen hatte. �Gut. Ich werde dir unten ein Lichtzeichen geben, wenn wir die Stelle erreichen, an der du in einer Felsnische die kleine Metallwand findest. Du gehst rein, und ich sichere dir den R�cken. In der Nische ist es so eng, dass nur einer darin arbeiten kann.�</p><p>�Gut, machen wir so. Ich werde einen sch�nen Klumpen Metall mit hochbringen.�</p><p><emphasis>Aber sicher doch</emphasis>, dachte Glamir. <emphasis>Wir haben in all den Monden gerade genug f�r eine Pfeilspitze zusammenkratzen k�nnen, und du kommst gleich mit einem ganzen Klumpen. Du wirst dich noch wundern, wenn du deinen Pickel an der verdammten Wand platt haust und du das Gef�hl hast, die Luft in deinem Fass f�ngt an zu kochen</emphasis>.</p><p>�Schlie�t die F�sser�, rief er den wartenden Arbeitern zu.</p><p>Mit einem dumpfen Laut senkte sich der schwere, gew�lbte Kupferdeckel. Glamir konnte h�ren, wie die Schrauben angezogen wurden. Wie immer war ihm, als w�rde der Deckel seines Sargs verschlossen. Wer in den Brunnen hinabstieg, der sollte mit sich und der Welt im Reinen sein. Zu viele waren von dort unten nicht lebend wiedergekehrt.</p><p>Er h�rte, wie die schwere Kette am Deckel befestigt wurde und gab ein Handzeichen, dass er bereit war. Klirrend bewegten sich die Kettenglieder, dann wurde er emporgehoben. Der Kranarm, von dem er hing, schwenkte �ber die �ffnung inmitten der gew�lbten Decke, die den Brunnen abschloss. Sie war weit genug, dass vier Zwerge in Fassanz�gen nebeneinander hindurchgelassen werden konnten. Das dunkle Wasser im Brunnen stand hoch. Noch anderthalb Schritt, und es w�rde bis zur gew�lbten Decke reichen. Dann m�ssten sie den Brunnen endg�ltig mit der schweren Kupfert�r verschlie�en. Viele Gelegenheiten, um in die Tiefe zu steigen, gab es nicht mehr. Dann begannen die Wochen des Wartens, in denen sie alle im Turm eingeschlossen waren.</p><p>Der alte Zwerg sp�hte mit zusammengekniffenem Auge ins Wasser, suchte nach dem verr�terischen Leuchten der Smaragdspinnen, konnte aber nichts entdecken. Sie w�rden kommen, er wusste es, aber noch hatten sie Zeit. Als Galar in seinem Fassanzug neben ihm in der Luft schwebte, gab er das Zeichen zum Hinablassen. Er sah Galar die Anspannung an. Die Scheibe in seinem Fass war schon beschlagen. Ein Zeichen daf�r, wie sehr er schwitzte.</p><p>Ruckend senkten sie sich dem Wasser entgegen. Glamir legte die Hand auf die Blendlaterne mit dem Barinstein. Er wollte sie so sp�t wie m�glich �ffnen. Nicht nur die Spinnen waren durch ihr Licht von Weitem zu sehen, auch sie w�rde ihr Licht verraten.</p><p>Sein Bein tauchte ins Wasser. Intuitiv hielt er den Atem an. Es war verr�ckt, was sie hier taten. Es gab so viele M�glichkeiten, in diesen verdammten Fassanz�gen zu Tode zu kommen. Die Einfassung der Scheibe konnte undicht werden, eine Daube unter dem Wasserdruck nachgeben, sodass sich ein Spalt �ffnete�� und dann gab es noch all die Kreaturen, die die Finsternis gebar. Als das Wasser �ber ihm zusammenschlug, tastete er nach dem Pickel in der Lederschlaufe am Fass. �Ich komme wieder hoch�, schwor er sich leise. �Alles wird gutgehen.�</p><p>Der alte Schmied begann leise zu z�hlen. In der Dunkelheit des Brunnens verstrich die Zeit langsamer. Augenblicke dehnten sich ins Unendliche. Er sp�rte einen leichten Druck auf den Ohren und biss in den blauen Griff neben seinem Kopf. Vorsichtig �ffnete der das Abluftventil. Durch das kleine Seitenfenster sah er silberne Luftblasen im Wasser aufsteigen. Noch erhellte das Licht der Brunnen�ffnung das Wasser. Er sah die W�nde mit der weiten Treppe. Auf dem Mauerwerk entdecke er einzelne Schwarze Schnecken. Er sollte ein paar M�nner runterschicken, um sie zu ernten, sobald er zur�ck war. Der kostbare schwarze Farbstoff, der aus den Schnecken gewonnen wurde, war ihre Tarnung, der offizielle Grund, warum dieser Turm existierte. Die Farbe war begehrt. Ihr Gewicht wurde in Gold aufgewogen. Sie verbleichte niemals. Alle wichtigen Dokumente, die nicht in Stein gemei�elt waren, wurden mit dieser Tinte niedergeschrieben. Und Kleidung, die man damit f�rbte, verlor nie mehr ihr tiefes Schwarz.</p><p>Die Fenster in seinem Fassanzug begannen zu beschlagen. Glamir fluchte. Als w�re die Sicht nicht schon schlecht genug. Er hatte jetzt fast die Grenze zur ewigen Dunkelheit erreicht. Die W�nde des Brunnenschachts konnte er schon nicht mehr sehen. Seine Hand tastete nach der Blendlaterne au�en am Fass. <emphasis>Noch nicht</emphasis>, ermahnte er sich. <emphasis>Noch nicht!</emphasis></p><p>Er hatte das Z�hlen vergessen. <emphasis>Mist!</emphasis> Wie tief sie wohl schon waren? Das Zwielicht war zur Dunkelheit geworden. Die Eisenkette, an der er hing, war markiert. Sobald f�nfzig Schritt erreicht waren, w�rden die M�nner oben an den Kr�nen ihn nicht mehr tiefer sinken lassen. Aber es war besser mitzuz�hlen, um einen Anhaltspunkt zu haben, wie lang es noch dauern mochte.</p><p>Auch Galar hatte seine Blendlaterne noch nicht ge�ffnet. Er hat Disziplin, dachte Glamir. Nur wenige widerstanden bei ihrem ersten Tauchgang der Versuchung, zumindest einen kurzen Blick auf die Brunnenwand zu werfen. Nur um zu wissen, dass sie noch da war und sie nicht von endloser Schw�rze umfangen waren, so als sei man von einem der Goldenen Pfade ins Nichts gest�rzt, in die grenzenlose Dunkelheit zwischen den Welten.</p><p>Er dachte wieder an Amalaswintha und daran, dass es ein Fehler w�re, mit ihr zu Abend zu essen, aber <emphasis>einen</emphasis> Fehler durfte er sich erlauben. An jedem anderen Ort w�rde sie ihn mit Missachtung strafen, aber hier war er der Herr. Der Herrscher �ber den Turm. War es unmoralisch, diese Gelegenheit zu nutzen? Schlie�lich zwang er sie zu nichts. Er w�rde geschehen lassen, was immer kam. Glamir schloss die Augen und gab sich ganz seinen Phantasien hin. Es war lange her, seit er bei einem Weib gelegen hatte.</p><p>Ein pl�tzlicher Ruck riss ihn aus seinen Tagtr�umen. Sie mussten die Tiefe von f�nfzig Schritt erreicht haben. Glamir tastete nach seiner Laterne und zog die Blende zur�ck. Warmes, gelbes Licht schnitt in die Dunkelheit. Es war nicht sehr grell, gen�gte aber, um einige Schritt weit zu sehen. Sie hatten die Bohrung durch den Felsvorsprung, auf dem sein Turm errichtet war, hinter sich gelassen. Vor ihnen war undeutlich die Wand der unterseeischen Klippe zu erkennen, auf der Nester aus fleischigen F�den wucherten. �ber ihnen war der untere Rand des Brunnenschachts.</p><p>Galar zog bereits an seinem Seil. Augenblicke sp�ter schwenkte er sanft auf die Wand zu. Auch Glamir gab Befehl, ihn zur Felswand zu schwenken. Deutlich zeichnete sich die H�hlung in der Klippe nun im Licht der Blendlaterne ab. Galar war bereits am Fels angelangt. Sie hingen ein wenig zu tief. Er benutzte den Pickel, um sich den Steilhang hinaufzuarbeiten, und verschwand dann in der H�hle. Sie reichte nicht tief ins Gestein. Vielleicht drei, h�chstens vier Schritt.</p><p>Glamir sah eine wei�e Krabbe auf langen Beinen davonstelzen und aus dem Lichtkegel der Blendlaterne fl�chten. Der Schmied seufzte. Was zu tun war, gefiel ihm nicht, aber Galar war eine Gefahr f�r den Turm. Wer er war, hatte bereits die Runde gemacht. Die M�nner kannten ihn gar nicht, aber sie empfanden Respekt vor dem, was er und die anderen zwei Fremden getan hatten. Sie waren die Drachent�ter! Sie hatten wahr gemacht, wovon fast alle Zwerge tr�umten. Sie hatten einen der gro�en Tyrannen vom Himmel geholt! Wie dumm die drei dabei vorgegangen waren, sahen sie nicht. Sie hatten durch ihre Taten ihre Heimatstadt vernichtet.</p><p>Glamir wandte sich dem Abgrund zu, dem endlosen Dunkel, in das die Klippe hinabreichte. Sein Lampenschein schnitt nur eine kurze Bahn in die Finsternis, aber er w�rde sehr weit zu sehen sein. Er wartete.</p><p>Hinter sich h�rte er dumpf das Klirren von Galars Pickel. Der Schmied m�hte sich an der Eisenwand ab. Sollte er sich nur m�de arbeiten. Das Ende w�rde leichter sein, wenn er keinen Widerstand mehr leisten konnte. Tief im Dunkel erschien ein blassgr�nes, phosphoreszierendes Licht. Sie kamen.</p><p>Glamir entschied, noch ein wenig zu warten, bevor er dreimal an der Signalleine ziehen w�rde. Er wollte ganz sicher sein, dass sie in die H�hle fanden, obwohl auch sie wahrscheinlich den Klang des Pickels h�rten. Der Anblick der Smaragdspinnen lie� seine alten Narben brennen. Er f�hlte sich schlecht.</p><p>�Es muss sein!�, sagte er mit fester Stimme, aber das half nicht. Er war in seinem Leben schon vieles gewesen. Aber heute wurde er zum ersten Mal zum Verr�ter.</p></section><section><title><p>Smaragdspinnen</p></title><p>Galar hieb mit aller Kraft auf die Metallwand, die er im Fels verborgen gefunden hatte. Dann untersuchte er im mattgelben Licht der Blendlaterne das Metall. Er hatte nur eine kleine Schramme im Metall hinterlassen. Er schien nicht einmal einen Span gel�st zu haben. Deutlich sah er die Spuren jener, die vor ihm hier gewesen waren. Er empfand Respekt vor den M�nnern. Um �berhaupt eine Spur zu hinterlassen, musste man schon ziemlich fest zuschlagen k�nnen.</p><p>Das Werkzeug, das sie ihm mitgegeben hatten, war f�r diese Aufgabe nutzlos. Vielleicht k�nnte er mit einem Diamanten ein paar Sp�ne aus der Metallplatte kratzen? Seltsam, dass Glamir darauf noch nicht gekommen war. Vielleicht hatten sie hier einfach keinen Diamanten, der sich in ein Werkzeug einpassen lie�. Und da der Turm in K�rze von der Au�enwelt abgeschnitten w�re, w�rden sie auch lange kein neues Werkzeug bekommen.</p><p>Wieder hieb Galar mit aller Kraft den Pickel vor die Wand. Sie vibrierte nicht, bewegte sich nicht das kleinste bisschen, ganz gleich, wie heftig er darauf eindrosch. Sie musste dick sein und bestimmt endete sie nicht ein kleines St�ck rechts oder links vom Fels, in den sie eingebettet war. Der Schmied dachte daran, was Amalaswintha erz�hlt hatte. Konnte es eine so riesige Metallwand mitten im Felsgestein geben? Und wenn ja, was war ihr Nutzen? Und wer hatte sie errichtet?</p><p>Statt weiter an der Wand zu arbeiten, leuchtete er zur Seite und betrachtete den Fels, in den sie verschwand. Das Gestein war por�s. Er hob den Pickel. Schon mit dem ersten Hieb gelang es ihm, einen faustgro�en Brocken loszul�sen. Ein wenig Ger�ll rutschte nach. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, Gestein zu brechen, ohne vorab die H�hlendecke und die Seitenw�nde vern�nftig abzust�tzen. Eigentlich sollte er es besser wissen. Sein Leichtsinn war nicht�� Mehr Ger�ll l�ste sich an der Stelle, an der er den Steinbrocken herausgebrochen hatte. Der Fels gab ein bedrohliches Knirschen von sich. Jetzt rieselten auch von oben feine Gesteinssplitter herab und tanzten im Lichtkegel seiner Blendlaterne.</p><p>Galar wich ein St�ck zur�ck. Er war kein Steiger. Er hatte so gut wie keine Ahnung vom Bergbau. H�tte er nur die Finger davon gelassen! Seine verfluchte Neugier w�rde ihn eines Tages noch umbringen.</p><p>Er trat noch einen Schritt zur�ck. Es hatte aufgeh�rt, der Berg war wieder ruhig. Erleichtert atmete er auf. Sein Kopf schmerzte. Es war ein Gef�hl, als habe jemand Finger in seine Ohren gesteckt und versuchte nun, ihm das Gehirn auszuquetschen. Das Ventil! Er hatte es v�llig vergessen!</p><p>Welcher Hebel war es auch gleich? Der blaue oder der rote? Er versuchte es mit Blau. Seine Z�hne gruben sich in den Holzgriff. Diese Fassanz�ge waren wirklich nicht ausgereift. Der Druck lie� nach. Er blinzelte und betrachtete die Metallwand. Wenn er es schaffte, ein paar winzige Sp�ne mit nach oben zu bringen, k�nnte er froh sein. Nyr sollte sich das einmal ansehen. Er war ein findiger Kopf, und es war an der Zeit, dass er mal an was anderes dachte als an den kleinen Hosenschei�er. Frar hatte sich erstaunlich gut gemacht. Er war gro� f�r sein Alter. Drachenblut und vorgekaute Sardinen hatten ihn nicht umgebracht. Der Junge w�rde es ein paar Stunden ohne Nyr aushalten.</p><p>Galar drehte sich in der Felsnische um. Vor dem Ausgang war kein Lichtschein mehr. Glamir war verschwunden. Ob der Alte ein paar dieser ekelhaften Schnecken sammelte?</p><p>Galar trat bis zum H�hlenrand und sah nach oben. Da war nichts. Kein Licht, nicht einmal das des Einstiegslochs in die Kuppeldecke. Unten vielleicht? Er musste sich weit vorbeugen, um in den Abgrund zu blicken. Schatten, geh�llt in unstetes, gr�nes Licht, hasteten den Hang hinauf. Von Glamir gab es keine Spur. Der Alte hatte sich verdr�ckt und ihn zur�ckgelassen! Galar griff nach dem Notseil, zog ruckartig daran. Kein Widerstand. Was��? Das durchtrennte Ende des Seils sank durch den Lichtkegel seiner Blendlaterne.</p><p>Schlagartig wurde dem Schmied klar, warum Glamir ihn mit zur Wand hinuntergenommen hatte. Er wollte ihn aus dem Weg r�umen. Aber so leicht verreckte er nicht! Galar trat zur�ck in die Felsnische. Die verdammten Spinnen konnten ihn hier nur von vorne angreifen. Er war ein Drachent�ter! So leicht w�rde er sich nicht umbringen lassen!</p><p>Er zog das Messer, das in einer der Fassschlaufen steckte. Zusammen mit dem kurzstieligen Pickel waren es die besten Waffen, um sich gegen Spinnen zur Wehr zu setzen. Das hoffte er zumindest. Seine Erfahrungen mit Spinnen beschr�nkten sich auf solche, die man ohne Schwierigkeiten mit der flachen Hand erschlagen konnte.</p><p>�Kommt schon!�, rief er so laut, dass ihm in dem engen Fass die Ohren dr�hnten. �Ich mach euch fertig!�</p><p>Die erste Spinne, die in die Felsnische einstieg, lie� ihm den Atem stocken. So gro� sollten solche Viecher nicht sein! Die langen, schlanken Beine trugen einen wuchtigen Rumpf. An Land w�rde die Spinne einfach �ber ihn hinwegstelzen k�nnen, ohne dass ihr Bauch ihn ber�hren w�rde. Die beiden Vorderbeine endeten in spitzen Dornen. Unter dem Maul wuchsen zwei kleinere Arme hervor, die in Scheren, gro� wie Schwerter, m�ndeten. Leuchtend gr�ne Augen blickten aus dem dunklen K�rperpanzer auf ihn herab. Ein geisterhaftes, gr�nes Licht umspielte die Spinne.</p><p>Galar wurde bewusst, dass er einen Fehler bei der Wahl seiner Waffen begangen hatte. Mit der Brechstange h�tte er vielleicht eines der gepanzerten Spinnenbeine zerschmettern k�nnen, mit dem Pickel hingegen k�nnte er h�chstens auf einen Gl�ckstreffer hoffen. Er w�nschte, er h�tte eine vern�nftige Axt dabei!</p><p>Eines der Vorderbeine schnellte vor. Er wich zur Seite aus. Viel Platz war in der verdammten Felsnische nicht. Sofort schnellte das zweite Bein vor. Dieser riesige Mistk�fer wollte ihn einfach aufspie�en! �So leicht t�test du mich nicht!�, schrie er w�tend und warf sich der Seespinne entgegen.</p><p>Eine Schere schnappte nach der Hand, in der er sein Messer hielt. Er zuckte zur�ck. Die Schere schloss sich um die Spitze der Klinge und durchtrennte sie so leicht, als sei sie nicht erstklassiger Zwergenstahl, sondern ein d�nnes �stchen. Pl�tzlich konnte sich Galar sehr bildlich vorstellen, wie Glamir seine Gliedma�en verloren hatte. Die zweite Schere schnappte nach einem seiner Beine. Er lie� den Pickel mit aller Wucht auf den dicken Hornpanzer niedersausen. Die Spitze drang in die Schere ein, aber dann wurde ihm die Waffe aus der Hand gerissen, als die Spinne den Scherenarm zur�ckzog.</p><p>Galar griff nach dem Brecheisen in der Lederschlaufe, als die in Dornen endenden Beine erneut vorstie�en. Im plumpen Fassanzug konnte er nicht schnell genug ausweichen. Einer der Dornen schrammte �ber das Holz. Es gab ein kreischendes Ger�usch. Galar wurde nach hinten geworfen, und ein eisiger Strahl Wasser schoss ihm ins Gesicht.</p><p><emphasis>Ich bin tot</emphasis>, war sein erster Gedanke. Er stach mit dem verst�mmelten Messer nach den Spinnenbeinen, richtete aber keinen Schaden an. Wieder stie�en die Dornbeine auf ihn hinab.</p><p>Er lie� sich in die Knie sacken. Eines der Beine kratzte neben ihm �ber die Metallwand und hinterlie� eine tiefe Schramme. <emphasis>Jetzt wei� ich, wie man dieser Wand beikommt</emphasis>, dachte Galar resignierend, <emphasis>werde aber verrecken, bevor ich es irgendjemandem sagen kann</emphasis>. Das eiskalte Wasser im Fassanzug stand schon bis zu seinem Brustbein. Er erinnerte sich daran, dass ihm der Steuermann eines Aals einmal erz�hlt hatte, dass Tauchboote nie ganz voll Wasser liefen, wenn es keine zweite �ffnung gab. Es hielt sich immer eine Luftblase an der h�chsten Stelle.</p><p>Galar biss in den roten Hebel, mit dem der Verschluss f�r den Schlauch oben im Fass bewegt werden konnte. Er drehte den Kopf und h�rte �ber sich etwas klacken. Das Wasser spritzte ihm immer noch ins Gesicht. Da fuhr ein sengender Schmerz durch seinen Oberschenkel. Er dachte an das abgetrennte Bein Glamirs und sah an sich hinab, aber das gew�lbte Fass versperrte seine Sicht. Eine Wolke aus Blut wogte in den Lichtkegel der Blendlaterne. Das war das Ende, dachte er bitter. In einem Brunnen am Arsch der Welt verrecken, nachdem sein Brunnen in der Tiefen Stadt ihm beim Drachenangriff das Leben gerettet hatte! Das Schicksal machte �ble Scherze.</p><p>Die Smaragdspinne zog sich ein St�ck zur�ck. Sie wusste, dass der Kampf vor�ber war, und er nicht mehr fliehen konnte. Weitere Spinnen umringten seine M�rderin. Sie hoben aufgeregt ihre vorderen Beinpaare und winkten damit. Es sah ganz so aus, als w�rden sie erhitzt �ber etwas streiten. Vermutlich dar�ber, wie die Beute aufzuteilen war. �Meine F��e kann ich nur empfehlen�, murmelte Galar matt. �Der Geruch t�tet sogar Fliegen. Aber damit habt ihr hier unten wohl keine Probleme.�</p><p>Er sah der Blutfahne zu, die wirbelnd durch den Lichtkegel trieb. In Gedanken zog sein Leben an ihm vorbei. All die verpassten Gelegenheiten, bei denen ihm sein Stolz und sein Dickkopf im Weg gestanden hatten, und die wenigen glorreichen Momente. Der Tod der beiden Drachen geh�rte dazu und der Tag, an dem er seinen Tunnel voller Fallen in der Tiefen Stadt vollendet hatte.</p><p>Sein Blick wanderte zur�ck zu den Seespinnen. Warum f�hrten die so lange ihren seltsamen Tanz auf? So viel Beute gab es hier doch nicht aufzuteilen. Das Wasser reichte ihm nun bis zum Kinn, aber der dicke Strahl, der ihm eben noch ins Gesicht gespritzt war, war zu einem schmalen Rinnsal verebbt. Ertrinken w�rde er wohl nicht, dachte er erleichtert. Besser, von Seeungeheuern zerlegt werden, das war ein angemessener Tod.</p><p>Galar hob das gekappte Messer, wenn er damit auch nicht zu mehr als etwas symbolischem Widerstand in der Lage w�re. Etwas Funkelndes im Ger�ll neben ihm erweckte seine Aufmerksamkeit. Erst hielt er es f�r die abgetrennte Messerspitze, aber die Form passte nicht. Es war zu schmal. Er tastete mit dem klobigen Handschuh danach, bekam es aber nicht zu fassen. Vielleicht lag es daran, dass ihm die K�lte schon zu tief in die Glieder gefahren war. Seine Z�hne klapperten. Das Wasser im Fassanzug war wirklich eisig.</p><p>Er zog den Magnetstein aus seiner Fassschlaufe und f�hrte ihn in Richtung des Metallsplitters. Er wurde angezogen und klebte an dem grauen Stein fest. Im selben Augenblick kroch die Spinne in die Felsnische zur�ck. Ihre Zangenarme griffen nach seinen Stiefeln. Er wurde von der Metallwand weggezogen und lag bald inmitten eines Waldes aus Spinnenbeinen. Das Wasser im Anzug sp�lte �ber ihn hinweg. Er versuchte, sich wieder aufzusetzen, damit sein Kopf in der kleinen Luftblase im oberen F�nftel des Fasses blieb. Zweimal rissen sie ihn wieder zu Boden, doch dann lie�en die Spinnen ihn sitzen. Die R�uber krochen �bereinander, stie�en ihn mit ihren Vorderbeinen und zwackten ihn mit ihren Scheren. Aber keine verletzte ihn ernsthaft. Es machte eher den Eindruck, als untersuchten sie ihn neugierig.</p><p>Als er an den Rand der Nische gezogen wurde, konnte er in die Tiefe blicken. Der ganze Hang war voller Spinnen, es mussten weit �ber hundert sein. Und einige von ihnen waren noch deutlich gr��er als das Vieh, das ihn als Erstes angegriffen hatte.</p><p>Galar zitterte inzwischen unkontrolliert. Mit dem Blut rann auch die restliche W�rme aus seinem K�rper. Er biss die Z�hne zusammen und konnte doch nicht verhindern, dass sie rasend klapperten. Es ging zu Ende mit ihm. Ihm war schwindelig. Er schob den Magnetstein in die Halterung am Fass und st�tzte sich dann mit beiden H�nden auf dem Boden auf, um nicht zur Seite zu kippen. Auch wenn er tief einatmete, hatte er das Gef�hl, nicht genug Luft zu bekommen. Er war allerdings zu m�de, um dar�ber in Panik zu geraten. Warum rissen sie ihn nicht einfach in St�cke, dann w�re es vor�ber?</p><p>Eine der gro�en Spinnen hob ihn auf. In ihren Scheren war sein Fass nicht mehr als eine Walnuss in einer Zange. Ein leichter Druck und das dicke Eichenholz w�rde zersplittern, dann w�re es endlich vor�ber. Galar atmete jetzt hechelnd, so als sei er eine weite Strecke gelaufen. Seine Sinne begannen sich zu tr�ben. Er hatte das Gef�hl, inmitten einer Flut aus glosendem, gr�nem Licht aufw�rtszutreiben.</p><p>Pl�tzlich wurde die Luft im Fass besser. Er lag auf dem Boden. Gluckernd floss das Wasser durch das zerst�rte Abluftventil. Eine der Fassdauben war zerbrochen, sodass frische Luft eindringen konnte. Gierig, wie ein Verdurstender Wasser trinkt, schnappte er nach Luft. Er war zu schwach, um sich aufzusetzen. Seine Z�hne klapperten noch immer. Er h�rte Stimmen, sah einen Graubart hinter der Glasscheibe im Fass. Jemand machte sich an seinem verletzten Bein zu schaffen. Dann knirschten die Schrauben, die den Kupferdeckel festhielten, in ihren Gewinden. Kaum dass der Deckel abgenommen wurde, packten ihn kr�ftige H�nde und zogen ihn aus dem Fass.</p><p>�Er ist v�llig ausgek�hlt. Wir m�ssen ihn ausziehen und in warmes Wasser legen�, sagte jemand hinter ihm.</p><p>�Besser w�re es, ihn mit einem netten Weib in ein warmes Bett zu packen. Nichts weckt die Lebenskr�fte so schnell wie ein h�bsches, anschmiegsames M�dchen.�</p><p>�Idiot!�, schimpfte die erste Stimme.</p><p>Galar war gl�cklich, wieder frei atmen zu k�nnen. �berdeutlich nahm er all die Ger�che um sich herum wahr. Die Kleider der Zwerge, die nach altem Schwei� stanken, den Fischgeruch, das �l auf den Eisenketten, Rauch.</p><p>Glamirs Gesicht erschien �ber ihm. Sein Mienenspiel verriet nicht, ob er entt�uscht war, ihn wiederzusehen. �Du bist erstaunlich z�h�, sagte er anerkennend.</p><p>�Und du bist ein erstaunliches Arschloch.�</p><p>Alle Gespr�che verstummten.</p><p>�Er ist noch nicht ganz bei sich�, wiegelte Glamir l�chelnd ab, aber in seinem Blick spiegelte sich blanker Hass. �Wir h�tten gerne gewusst, was du mit den Spinnen gemacht hast. �blicherweise fressen sie Zwerge, aber dich haben sie auf ihren R�cken hier heraufgetragen�� als seist du ihr K�nig. Was ist an dir besonders? Bist du selbst f�r Spinnen unvertr�glich?�</p><p>Galar hatte keine Ahnung, warum die Spinnen ihn verschont hatten, aber das w�rde er ums Verrecken nicht zugeben. �Stimmt, bin ihr K�nig�, murmelte er schwach. �Am Magnet ist mein Kr�nungsgeschenk.�</p><p>Aus den Augenwinkeln sah er, wie der Stein aus der Lederschlaufe gezogen wurde. Sofort bildete sich eine Traube von Gaffern.</p><p>�Das ist mehr, als wir alle zusammen bisher heraufgeholt haben!�, rief jemand, v�llig au�er sich. Galar sp�rte, dass sie ihn daf�r nicht liebten.</p><p>�Ich kann das wieder tun�, behauptete er frech.</p><p>Matt winkte er Glamir, sich �ber ihn zu beugen. �Du wirst mich in alle Geheimnisse des Turmes einweihen�, murmelte er mit letzter Kraft. �Dann verrate ich deinen M�nnern nicht, dass du ein M�rder bist.�</p><p>�Du verr�tst gar nichts�, fl�sterte Glamir ihm ins Ohr. �Du wirst dich leider von deinen schweren Wunden nicht erholen. Jeder hier hat gesehen, dass du mehr tot als lebendig bist. Wir werden dich als einen Helden in Erinnerung behalten.�</p><p>Galar sah in den Augen des alten Zwergen, dass es ihm ernst mit seiner Drohung war. �Ich kann dir helfen, an mehr Metallsplitter zu gelangen. Du musst nicht mehr Jahre warten, bis du��� Galar war am Ende seiner Kr�fte. Er wollte Glamir noch sagen, dass er keine M�nner mehr verlieren m�sste. Galar war �berzeugt, dass die Spinnen ihm nichts tun w�rden. Doch der Schmied brachte kein Wort mehr �ber die Lippen. Seine Z�hne fingen wieder an zu klappern. Er konnte sich nicht beherrschen, sein ganzer K�rper zitterte.</p><p>�Er wird sterben!�, rief jemand.</p><p>Die Gesichter der Zwerge verschwammen vor Galars Augen.</p><p>�Ich bleibe bei ihm.� Die Stimme war unverkennbar. �Schafft ihn hier raus. Ich werde mich um ihn k�mmern.�</p><p>Galar wollte aufbegehren, doch er brachte nur ein R�cheln zustande. Sie durften ihn nicht mit Glamir allein lassen!</p></section><section><title><p>�bermut</p></title><p>Nandalee erwachte im ersten Morgenlicht in ihrem Lager nahe der Wasserstelle. Einen Augenblick hing sie noch der Erinnerung an die letzte Nacht nach, dem Flug auf dem Pegasus. Sie sah sich um. Der gro�e, schwarze Hengst war verschwunden. Schlagartig hellwach setzte sie sich auf. Am Rand des Lagers sah sie noch die Hufspuren.</p><p>Sie hatte ihm vertraut! Wie hatte sie so dumm sein k�nnen? Sternauge war ein wildes Tier. Sie hatte gestern �berlegt, ihm eine leichte Fu�fessel anzulegen, dass er sich zum Grasen zwar bewegen konnte, es aber unm�glich war davonzulaufen oder gar zu fliegen. Sie hatte es nicht getan, weil sie es sch�big gefunden hatte. Er war freiwillig zu ihr gekommen. Er hatte sie erw�hlt, genauso wie sie ihn unter allen Hengsten seiner Herde auserw�hlt hatte.</p><p>Ein ausgelassenes Wiehern lie� sie aufblicken. Sternauge kreiste �ber ihr, dann stie� er in weitem Bogen hinab und landete am flachen Ufer des Wasserlochs. Nandalee sch�mte sich, ihm nicht getraut zu haben. Doch er trabte zu ihr zum Lager hinauf und verspr�hte gute Laune. Neugierig sah er ihr zu, wie sie ihre wenigen Habseligkeiten packte und in ihre Decke einrollte. Nachdem sie ihn gesattelt hatte, ging sie zuletzt zum Wasserloch hinab und f�llte ihren Lederschlauch. Es w�rde kein langer Flug werden bis zum Jadegarten.</p><p>Sternauge lie� sich die Deckenrolle und die zusammengebundenen Waffen, ohne zu bocken, aufschnallen. Neugierig drehte er seinen Kopf nach hinten und versuchte zu sehen, was sie tat. Endlich sprang auch sie auf seinen R�cken, und nach einem kurzen Trab den H�gel hinab hoben sie ab.</p><p>Nandalee war sich ein wenig unsicher, wie sie den Hengst dazu bringen sollte, ihr Ziel anzufliegen. Sie konnte versuchen, ihn �ber das Seil, das sie um seinen Hals gelegt hatte, in eine bestimmte Richtung zu dr�ngen, aber ihr widerstrebte das. Gonvalon hatte ihr einmal erz�hlt, dass Nachtschwinge am besten flog, wenn er ihm seinen freien Willen lie�. Vor allem im Luftkampf.</p><p>Leider hatte sie Gonvalon nicht danach gefragt, wie er es schaffte, Nachtschwinge klarzumachen, wohin der Flug gehen sollte. Gestern hatte Nandalee in ihren Gedanken ein Bild des Wasserlochs erstehen lassen und gehofft, Sternauge k�nne ihre Gedanken sp�ren. Nach einiger Zeit war er tats�chlich dorthin geflogen, aber vielleicht hatte er es auch nur deshalb getan, weil sie von dort aufgebrochen waren.</p><p>Nandalee dachte an das schroffe Felsmassiv, das sich inmitten der W�ste erhob und in seinem Herzen den Oasengarten verbarg, der ihr zur neuen Heimat geworden war.</p><p>Nach einer Weile �nderte Sternauge die Flugrichtung. Er hielt nun tats�chlich auf den Jadegarten zu, der noch weit hinter dem Horizont verborgen lag. Ein Zufall? Oder wusste er, dass alle Drachenelfen dorthin flogen? Er war klug, davon war Nandalee �berzeugt. Schlie�lich hatte er sie erwartet.</p><p>Fast zwei Stunden flogen sie in gut hundert Schritt H�he �ber die weite Savanne. Nandalee sah die gro�en Herden ziehen, die von Horizont zu Horizont die weite Ebene f�llten. Sie wanderten nach Westen, dorthin, wo es noch Wasser gab. Das Land unter ihnen wurde karger. Die Akazien, die ohnehin nur vereinzelt inmitten des Grasmeers aufragten, verschwanden ganz. Bald waren rote Termitenh�gel die einzigen Erhebungen, die sie noch sah. Rotbraune Monolithen, erbaut in Jahrzehnten und unter der glei�enden Sonne des Sommers zu Festungen, hart wie aus Stein, gebrannt.</p><p>Das Gras wurde niedriger. Es hatte eine fahlgelbe Farbe. Breite Sandzungen reichten nun in die Savanne. Nur sehr selten sah Nandalee noch gr��ere Tiere. Einen einzelnen B�ffelbullen, ein hageres Wildpferd. Sie n�herten sich der Todeszone, jenem sechzig Meilen weiten Streifen W�ste rings um den Jadegarten, den die Drachen mit einem Zauber belegt hatten, der sich gegen jeden wandte, der sie zu durchqueren versuchte. Nur wer fliegen konnte oder die Tore zum Goldenen Netz zu �ffnen vermochte, sollte den Jadegarten erreichen. Nur ein Novize, der seine letzte Pr�fung bestand und einen Pegasus fing und b�ndigte, konnte dorthin zur�ckkehren.</p><p>Bald war unter ihnen nur noch Sand, aus dem sich einzelne, bleiche Felsformationen erhoben. Es war so einfach gewesen, dachte Nandalee. Sie hatte nur auf die R�ckkehr der Herde warten m�ssen. Das konnte nicht der Sinn der Pr�fung sein. Wenn sie jetzt heimkehrte, dann h�tte sie all die anderen betrogen, die so lange damit gerungen hatten, einen Pegasus zuzureiten.</p><p>Mochte Bidayn sich ihr Recht, eine Drachenelfe zu sein, mit einem Zaubertrick erschleichen, sie w�rde so etwas nicht tun. So vorzugehen h�hlte den Status der Drachenelfen aus. Sie w�rde es anders machen. Versonnen betrachtete sie die tote Landschaft, die unter ihnen dahinzog. Dann �ffnete sie ihr Verborgenes Auge. Das Netz der Kraftlinien war hier ungew�hnlich dicht. Aber nichts wies darauf hin, dass die nat�rliche Ordnung grundlegend gest�rt war. Die Himmelsschlangen waren Meister in der Kunst des Zauberwebens, wahrscheinlich war ihre Magie zu fein gesponnen, als dass sie h�tte erkennen k�nnen, was sie hier getan hatten. Oder aber die Geschichte von der verwunschenen W�ste war eben nur dies�� eine Geschichte. Nandalee l�chelte. Auch das w�rde sie den Himmelsschlangen zutrauen, dass sie sich ganz und gar auf die Macht der Worte verlie�en, die manchmal einen Zauber �berfl�ssig machen konnte.</p><p>�Lande, Sternauge!�, rief sie gegen den Wind an.</p><p>Der Pegasus gehorchte nicht. Er flog stur weiter. Nandalee zog erst kurz am Seil, doch als Sternauge auch darauf nicht reagierte, stellte sie sich vor, wie sie beide �ber den gelben Sand schritten.</p><p>Sternauge sch�ttelte wild den Kopf und geriet dabei ins Trudeln. Nandalee hatte M�he, ihren Stand auf seinem R�cken zu halten. Schlie�lich landete er doch und sah sie auf eine Art an, die beredter war als alle Worte. Er f�rchtete ganz offensichtlich die W�ste. Nerv�s bl�hte er seine N�stern. Sein Kopf pendelte ruhelos. Sp�rte er etwas, das Nandalee nicht wahrzunehmen vermochte?</p><p>Sie nahm den Wasserschlauch von seinem R�cken. Mehr w�rde sie nicht brauchen. Sie sch�tzte, etwa einen Tagesmarsch vom Jadegarten entfernt zu sein. �Wei�t du, in den Jadegarten zur�ckzukehren soll eine Pr�fung sein. Eine herausragende Leistung. Aber was ich bisher getan habe, war alles andere als herausragend. Ich werde das letzte St�ck zu Fu� gehen. Erwarte mich an der Schlucht, die in den Garten der Himmelsschlangen f�hrt. Zur D�mmerung sollte ich dort ankommen.�</p><p>Sternauge sch�ttelte den Kopf. Hatte er ihre Worte verstanden? Wohl kaum. Was dachte sie nur f�r einen Unsinn, schalt Nandalee sich in Gedanken. Er war einfach nur nerv�s. Sie stellte sich das Bild der Schlucht vor. �Dort�, sagte sie leise und eindringlich, �wirst du warten.�</p><p>Der Hengst schien zu begreifen, wie ernst es ihr war. Er schnaubte �rgerlich, dann preschte er davon und stieg fl�gelschlagend in den Himmel hinauf. F�r eine Weile drehte er noch weite Kreise �ber ihr, dann drehte er ab und flog dem Jadegarten entgegen.</p><p>Nandalee orientierte sich am Stand der Sonne und schritt kr�ftig aus. Sehr bald schon begann ihr die trockene Hitze zuzusetzen. Sie griff nach dem Wasserschlauch, lie� ihn aber wieder sinken. So rasch durfte sie nichts trinken. Bis zur Zeit der gr��ten Hitze waren es noch mindestens zwei Stunden. Das war die erste ihrer selbstauferlegten Pr�fungen: Bis Mittag sollte sie den Wasserschlauch nicht anr�hren. Sie riss einen breiten Streifen vom Saum ihres fahlgr�nen Jagdhemdes und wickelte ihn sich um Mund und Nase. So w�rden ihre Schleimh�ute weniger schnell austrocknen.</p><p>Bald schon war der Stoff von ihrem Atem feucht. Es mochte eine halbe Stunde vergangen sein, bis sie eine Ver�nderung bemerkte. Der Sand unter ihren F��en vibrierte. Er bewegte sich, obwohl nicht der geringste Lufthauch �ber die weite Ebene strich. Nandalee kniete nieder, um das Ph�nomen genauer zu betrachten. Die Sandk�rner tanzten, als l�gen sie auf einem Blech, gegen das von unten mit einem Trommelstock geschlagen wurde.</p><p>Nandalee �ffnete ihr Verborgenes Auge. Das Muster der Kraftlinien hatte sich drastisch ver�ndert! Sie waren kein weitmaschiges Netz mehr, sondern erinnerten an Strahlen, die alle auf einen Punkt zuliefen. Auf sie! Etwas hatte sie aufgesp�rt. Nandalee beschleunigte ihre Schritte, um aus dem Zentrum der Linien zu entkommen, aber selbst als sie zu laufen anfing, wollte es ihr nicht gelingen. Sie sp�rte, wie eine Macht sich immer mehr aufbaute, hatte aber keine Ahnung, auf welche Art sie sich gegen sie wenden w�rde. Sie konnte keinen Schutzzauber wirken, wenn sie nicht wusste, wie sie angegriffen wurde.</p><p>Ein St�ck voraus ragte einer der knochenbleichen Felsh�gel aus dem Sand. Festen Boden unter den F��en zu haben konnte nicht schaden. Sie hatte das Gef�hl, dass der Sand unter jedem ihrer Schritte ein wenig mehr nachgab. Pl�tzlich �berfiel sie die Vorstellung, dass sich unter ihr ein Strudel aus Sand bilden w�rde, um sie f�r immer zu verschlingen.</p><p>Keuchend erreichte sie das flache Felskliff, kletterte hinauf. Der Sand hatte den Stein in Jahrtausenden glatt poliert. Es gab nur wenige Griffe dort, wo der Fels unter der Einwirkung von Hitze und K�lte aufgeplatzt war. Auf der Kuppe lie� sie sich nieder und blickte �ber das Sandmeer. Der Jadegarten war noch nicht zu sehen. Kein Lebewesen regte sich. Nicht einmal ein Vogel war am Himmel zu sehen. Sie sa� inmitten der Todeszone, nur mit einem Wasserschlauch und ihrem m�rderischen �bermut. Niemandem w�rde es einfallen, hier nach ihr zu suchen. Es konnte Wochen dauern, einen Pegasus zu fangen. Das war nicht ungew�hnlich. Niemand w�rde sich also Sorgen um sie machen. Alle w�rden denken, dass sie irgendwo in der Savanne war, wo es ausreichend Wasser und Wild gab. Eine Weile fluchte Nandalee vor sich hin, dann siegte ihr Pragmatismus. Sie musste sich aus eigener Kraft aus dieser Lage befreien. Nandalee �ffnete ihr Verborgenes Auge und betrachtete das Sandmeer. Der Lauf der Kraftlinien ver�nderte sich wieder. Sie fanden in ihr nat�rliches Muster zur�ck. War der Sand der Schl�ssel zu dem Zauber? Wandte er die Magie des Landes gegen sie, sobald er sie sp�rte?</p><p>Etwa eine halbe Stunde dauerte es, bis keine Spur des Zaubers mehr zu entdecken war. Nandalee blickte zum n�chsten Felskliff, das sich �ber den Sand erhob. Es lag etwa eine Meile entfernt und w�rde sie ein paar Grad in die falsche Richtung f�hren, fort vom Jadegarten. Sie erinnerte sich, dass es rings um die Oase nichts als Sandw�ste gab. Mindestens zehn Meilen weit war dieser letzte Abschnitt, der an die Todeszone anschloss. Dort g�be es keine rettenden Felsinseln mehr, auf die sie fl�chten k�nnte.</p><p>Doch dar�ber w�rde sie sich Sorgen machen, wenn sie dort ankam. Vielleicht reichte der Zauber ja gar nicht bis dort? Und zun�chst einmal konnte sie ja von Fels zu Fels laufen.</p><p>Nandalee betrachtete nachdenklich den Wasserschlauch. Wenn sie so oft eine Rast einlegen musste, damit sich der Sand jeweils wieder beruhigen konnte, w�rde sie ihr Ziel allerdings nicht mehr heute erreichen. Es w�re besser, mit dem ersten Schluck so lange wie m�glich zu warten, auch wenn ihre Kehle schon v�llig ausged�rrt war.</p></section><section><title><p>Die Kriegerin</p></title><p>Sie war am Ende, dachte Nandalee, und stemmte sich mit letzter Kraft gegen die Gewalt des Sturms. Sie hatte einen unsichtbaren Kokon gewoben, einen Wall aus magischen Schutzlinien, um den w�tend auf sie einst�rmenden Sand fernzuhalten. Doch mit jedem Schritt schwanden ihre Kr�fte. Der Kokon wurde enger, und der Sand r�ckte n�her.</p><p>Einzelne K�rner durchstie�en ihren Schutzwall und bohrten sich wie winzige Geschosse in Haut und Augen. Sie war halb blind und torkelte vor Schw�che. Hin und wieder begann sie zu kichern. Ein irres, freudloses Lachen, das aus der Tiefe ihrer Seele aufstieg. Sie h�tte gar nicht hier sein m�ssen! Sie k�nnte jetzt in Gonvalons Armen liegen! Jetzt, im Angesicht des Todes, begriff sie, was ihre eigentliche Pr�fung gewesen war. Es ging nicht wirklich um den Pegasus, sondern allein um sie. Sie h�tte ihren Hochmut �berwinden sollen! H�tte akzeptieren sollen, dass Dinge manchmal einfach sein k�nnen.</p><p>Stattdessen hatte sie sich diese unn�tige Pr�fung auferlegt. Ob jeder der Drachenelfen hier mit seinen verborgenen Schw�chen konfrontiert worden war? Was mochte es bei Gonvalon gewesen sein? Keine h�bsche Elfe um sich zu haben? Wieder brach sie in ihr irres Kichern aus. Sie sank auf die Knie. Warum noch k�mpfen? Sie wusste nicht, wie lange sie vorw�rtsgestolpert war. Mehr als einen Tag? War es Nacht geworden? Der Himmel war so finster, dass sie es nicht beurteilen konnte. Eigentlich h�tte sie das letzte St�ck Weg geschafft haben sollen. Aber vielleicht ging sie auch im Kreis. Der tosende Sturm nahm ihr jede Sicht, machte jede Orientierung unm�glich. Auch ihr Verborgenes Auge half ihr nicht weiter. �ffnete sie es, wurde sie von strahlendem Licht geblendet, so hell, als blicke sie in die Sonne am wolkenlosen W�stenhimmel.</p><p>Alle Kraftlinien um sie herum leuchteten in t�dlich wei�em Licht. Sie waren verformt, vibrierten im Kampf darum, wieder die nat�rliche Ordnung herzustellen, und hatten sich in weitem Kreis um sie geschlossen. Ihre Energie machte den Sand lebendig. Jedes einzelne Sandkorn war ihr Feind und st�rmte gegen sie an. Sie bewegte sich durch einen Sturm, der durch ihre blo�e Anwesenheit entfesselt worden war. Die W�ste wollte sie vernichten, vorher w�rde das Land keinen Frieden finden.</p><p>Ihr Kokon war weiter geschrumpft. Bald w�rde der Sand erbarmungslos �ber ihre Haut schmirgeln, w�rde sie abtragen, ebenso wie ihr Fleisch, bis von ihr nichts bliebe als ein blank poliertes, strahlend wei�es Skelett. Sie hatte solche Skelette auf ihrem Weg gesehen�� Hochmut schien keine seltene Untugend unter angehenden Drachenelfen zu sein.</p><p>Nandalee k�mpfte sich auf die Beine. Sie presste ihre rissigen, ausged�rrten Lippen zusammen. Zu ihrem Hochmut geh�rte, dass sie bis zuletzt k�mpfte. Die Niederlage war sicher, aber sie w�rde nicht aufgeben, solange auch nur ein Funken Kraft in ihren Gliedern steckte.</p><p>Sand peitschte scharf �ber ihre Hand. Der sch�tzende Kokon brach zusammen. Nandalee b�umte sich ein letztes Mal auf. Ihre innere Kraft war fast aufgebraucht. Sie sp�rte, wie ihre Verbindung zum magischen Netz sich aufzul�sen begann. So also f�hlte sich der R�ckzug vom Leben an. Sie blinzelte gegen die Krusten aus Sand und Blut, die ihre Augenwinkel verklebten, um ihre Hand zu sehen. Der Handr�cken war eine einzige, offene Wunde, aufgesch�rft und blutig. Aber sie f�hlte kaum Schmerz. Nicht einmal daf�r hatte sie noch Kraft. All ihren Willen steckte sie in ein einziges, letztes Ziel: vorw�rtszutaumeln, solange es noch ging.</p><p>Der Sand rutschte unter ihren F��en weg, lie� sie straucheln, aber immer und immer wieder zwang sie sich auf die Beine, oft nur, um einen Schritt zu tun und erneut zu straucheln. Sie verweigerte sich dem Tod.</p><p>Der gnadenlose Sand schliff �ber ihr Gesicht, zerrte an ihren Kleidern und versuchte, sie zur�ckzudr�cken. Vorn�bergebeugt stemmte sie sich gegen die Macht der Elemente. Noch ein Schritt und noch einen��</p><p>Sie war am Ende aller Schmerzen angelangt. Der Sand peinigte sie nicht l�nger. Es war, als liebkose er sie, br�chte K�hlung im Glutofen der W�ste.</p><p>Noch einen Schritt��</p><p>Dunkelheit umfing sie. Nicht mehr lange, und alles war vor�ber.</p><p>Noch einen Schritt�</p><p>Sie strauchelte, schaffte es nicht mehr, sich aufzurichten. Ihr Haupt sank auf den Sand. Ihre Augen waren inzwischen so verklebt, dass sie sie kaum mehr �ffnen konnte. Selbst einfach nur zu atmen war eine Anstrengung, die ihre Kr�fte �berstieg. Sie hatte sich einen letzten Schluck Wasser aufgehoben. Ihre geschwollene Zunge tastete �ber ihre aufgesprungenen Lippen. Sie wollte trinken, den Abschied noch ein wenig hinausz�gern, aber ihre Arme verweigerten ihr den Dienst. Wie totes Holz hingen sie von ihrem K�rper herab, losgekoppelt von ihrem Willen.</p><p><emphasis>Willkommen, Dunkelheit!</emphasis>, dachte sie. <emphasis>Ich will dich wiederfinden, Gonvalon. Gib auf dich acht. Meine Seele wird sich erneut in Fleisch kleiden. Sie wird nach dir suchen. Du bist der Eine. Gib auf dich acht!</emphasis></p></section><section><title><p>Drei Schritte</p></title><p>Etwas Nasses fuhr �ber Nandalees Gesicht. Wieder und wieder. Es war unangenehm. Sie wollte etwas sagen, aber ihrer Kehle entfuhr nur ein kr�chzender Laut. Ihre Augenlider waren verklebt. Sie konnte sie nicht �ffnen. Erst als der feuchte Lappen zweimal �ber ihr linkes Auge wischte, konnte sie wenigsten dieses aufschlagen.</p><p>Der Himmel war silbernes Fell.</p><p>Die Elfe blinzelte, unf�hig zu begreifen, was sie sah. Wieder fuhr der Lappen �ber ihr Gesicht. Warm, feucht, dr�ngend. Sie erinnerte sich, wie sie in den Sand gest�rzt war und auf den Tod gewartet hatte. Wie es schien, w�rde sie noch l�nger warten m�ssen.</p><p>Ihre Glieder schmerzten. Sie bewegte ihre linke Hand. Ihr K�rper gehorchte wieder ihrem Willen, aber viel kr�ftiger war sie nicht geworden. Sie war also offensichtlich noch in der W�ste. Aber wer wischte �ber ihr Gesicht? Ihre Sinne mussten ihr einen Streich gespielt haben.</p><p>Sie �ffnete erneut ihr linkes Auge. Eine gro�e, blassrote Zunge leckte �ber ihre Wange. Wieder sah sie silbernes Haar und dann ein bernsteinfarbenes Auge mit geschlitzter Pupille. Erschrocken st�hnte sie auf, wollte zur�ckweichen, aber ihr Leib war wie an den Boden genagelt. Sie hatte einfach keine Kraft. �ber ihr stand ein Silberl�we!</p><p>Sie hielt den Atem an, k�mpfte die aufsteigende Panik nieder und zwang sich, erneut in das Auge zu blicken, das kaum eine Handbreit von ihrem Gesicht entfernt war. Wenn der Silberl�we sie fressen wollte, h�tte er damit sicher schon begonnen. Er w�rde nicht erst ihr Gesicht sauber lecken, um ihr dann die Kehle durchzubei�en.</p><p>Sie dachte an den Silberl�wen, den sie nach dem Erdbeben im Jadegarten aus der halb versch�tteten H�hle gerettet hatte. War das ihr L�we? Sie drehte den Kopf zur Seite und blickte an einem kr�ftigen Raubkatzenbein vorbei zum Horizont. W�ste. Die Luft tanzte in der dr�ckenden Hitze. Silberne Schlieren zogen �ber den hei�en Sand, gaukelten dem leichtgl�ubigen Betrachter kristallklare Seen vor, wo es nur Staub und Durst gab. �ber den falschen Seen erhoben sich Felsen. Unm�glich zu sch�tzen, wie weit entfernt sie waren. F�nf Meilen oder auch zehn? Nur eins war gewiss, so schwach, wie sie war, w�rde sie nicht aus eigener Kraft dorthin gelangen.</p><p>Der Silberl�we leckte �ber ihre aufgesprungenen Lippen. Die Feuchtigkeit zu sp�ren tat unendlich gut. Nandalee erinnerte sich an ihren Wasserschlauch, den letzten Schluck, den sie aufgespart hatte. Sie griff nach ihrer H�fte. Die Hoffnung auf einen Mund voll brackigen Wassers gab ihr neue Kraft. Sie hob den Schlauch an die Lippen, dr�ckte den Verschluss auf. Aber es war kein Wasser mehr da! Ungl�ubig drehte und wendete sie die Lederblase. Eine Naht war aufgeplatzt. Das Nass im trockenen W�stensand versickert.</p><p>Sie schluchzte. Es war ein Gef�hl, als w�rde ihr eine Scherbe durch die trockene Kehle gezogen. Verzweifelt tastete sie mit ihrer aufgedunsenen Zunge �ber die Lippen, die der Silberl�we eben angefeuchtet hatte.</p><p>Die gro�e Raubkatze sah sie aufmerksam an. Was ging in diesem Kopf vor sich, fragte sich Nandalee, und ihr Blick wanderte zur Kehle des Silberl�wen. Wenn sie dem Raubtier den Hals aufschneiden k�nnte�� das Blut. Nandalee glaubte es fast zu schmecken, warm, metallisch. Es w�rde sie retten. Sie tastete nach ihrem Jagdmesser. Es war fort. Verloren, irgendwo in dem schrecklichen Sturm.</p><p>Wieder wanderte ihr Blick zur Kehle der Raubkatze. Sie glaubte die gro�en Adern unter dem silbernen Fell pulsieren zu sehen. Der Silberl�we wich vor ihr zur�ck. Nur einen einzigen Schritt, doch damit war er schon au�er Reichweite.</p><p>Der Gedanke an das Blut gab Nandalee neue Kraft. Sie stemmte sich hoch und blickte zum fernen Horizont. Versuchte erneut zu sch�tzen, wie weit die Berge des Jadegartens entfernt waren. Die Luftspiegelungen verzerrten die Wirklichkeit. Zehn Meilen waren es nicht, redete sich Nandalee ein und wusste doch in ihrem Innersten, dass es unm�glich war, unter diesen Bedingungen eine Strecke abzusch�tzen.</p><p>Sie blickte zur�ck in die W�ste, die hinter ihr lag. Ein Meer aus blassgelbem Sand. Drei Fu�stapfen f�hrten zu der Stelle, an der sie lag. Dahinter gab es keine Spur. Der Sand bildete leichte Wellenlinien, wie Wasser, �ber das eine sanfte Brise strich. Langsam d�mmerte ihr, was das, was sie sah, bedeutete. Sie war der Todeszone um drei Schritte entronnen, hatte mit ihrem letzten Aufb�umen den verwunschenen Zirkel hinter sich gelassen, den die Drachen in die W�ste gezogen hatten. Dort, gleich hinter der dritten flachen Mulde im Sand, lag die unsichtbare Grenze, an der der Zauberbann endete.</p><p>Sie war der Todesfalle der g�ttergleichen Himmelsschlangen entgangen! Sie durfte nicht einfach wie ein St�ck Vieh in der W�ste verenden. Wieder blickte sie nach der Kehle der Raubkatze. Die Rettung war zum Greifen nah. Sie machte einen ersten schwankenden Schritt, und augenblicklich wurde ihr schwindelig. Ihr leerer Magen rebellierte, ein pochender Schmerz w�tete hinter ihrer Stirn. Nandalee schloss die Augen und sammelte sich. Sie machte einen weiteren, unsicheren Schritt.</p><p>Sie tastete nach der Kruste aus geronnenem Blut und Sand, die ihr rechtes Auge verklebte. Rieb vorsichtig �ber die wunde Haut und machte den n�chsten Schritt. Als sie die Augen �ffnete, war der Silberl�we ein St�ck vor ihr zur�ckgewichen. Der Abstand zu ihm hatte sich um keinen Zoll verringert. Wusste er, was sie wollte? Wie k�nnte sie ihn k�dern? Kurz �berlegte sie, in die Knie zu gehen, um kleiner und weniger bedrohlich auszusehen, aber sie hatte Angst, nicht wieder auf die Beine zu kommen. Und bedrohlich sah sie f�r den Silberl�wen ganz gewiss nicht aus!</p><p>Was hatte ihn zu ihr gef�hrt? Hatte er von den hohen Klippen des Jadegartens einen winzigen, unbeweglichen Punkt in der W�ste gesehen. Beute? Er war kein Aasfresser. Bestand ein Band zwischen ihnen, seit sie ihm das Leben gerettet hatte, wie es einst ein Band zwischen ihr und der kleinen Misteldrossel Piep gegeben hatte? Dem Vogel, den sie in der Wei�en Halle aufgezogen hatte, �ber den die anderen Novizen so gespottet hatten, und der doch Gonvalon zu ihr gef�hrt hatte, als sie verloren gewesen war.</p><p>Sie wollte nicht wissen, ob es ein Band zwischen ihnen gab. Er war ihre Beute. Sein Leben w�rde ihr Leben sichern, das war alles, was sie miteinander verband! Nandalee hielt den Blick fest auf ihn gerichtet und machte einen Schritt vorw�rts. Er wich zur�ck. Sie wollte ihn k�dern, ihm etwas Freundliches sagen oder wenigstens einen gurrenden Laut hervorbringen, aber ihre Kehle war zu trocken. Sie stie� ein Kr�chzen aus wie ein Aasvogel.</p><p>Wenn sie pl�tzlich loslief, dann k�nnte sie ihn vielleicht erwischen. Sie stellte sich vor, wie sie ihre Arme um seinen Hals schlang, ihn zur Seite riss und ihm die Kehle durchbiss. So w�rde sie es tun m�ssen. Sie hatte kein Messer, und in dieser verdammten W�ste gab es auch keine Aussicht, einen Stein oder ein St�ck Holz zu finden. Hier gab es nichts au�er Sand. Lange w�rde sie nicht durchhalten. Sie musste es schnell tun. Alles sprach gegen sie. Mit seinen Fangz�hnen und Tatzen war der Silberl�we deutlich besser f�r einen Kampf gewappnet. Und er war ohne Zweifel st�rker und schneller. Sie musste ihn �berraschen, das war ihre einzige Hoffnung. Und er durfte es nicht schaffen, sich umzudrehen, wenn sie sich am Boden wanden und sie seine Kehle umklammert hielt. Sonst w�rde er ihr mit seinen Hinterl�ufen die Eingeweide aus dem Leib rei�en.</p><p>Nandalee machte ein paar Schritt nach vorne, er wich zur�ck. Sie fluchte innerlich, aber ihre Wut gab ihr die Kraft weiterzugehen. K�nnte sie ihn durch einen Zauber �berw�ltigen? Ein Wort der Macht, das ihn erstarren lie�, wehrlos machte? Sie versuchte erneut zu sprechen, brachte aber wieder nur ein Kr�chzen hervor. Sie f�hlte sich wie ein altes Maultier, dem eine M�hre vor die N�stern gehalten wurde, damit es willf�hrig einen Karren zog.</p><p>Sie dachte an die drei Schritte, die den Unterschied zwischen Leben und Tod ausgemacht hatten, und ging weiter. Die Sonne stieg h�her. Unerbittlich brannte sie auf die W�ste und verwandelte die Luft in fl�ssiges Glas, das Nandalee bei jedem Atemzug die Kehle versengte. Sie schleppte sich voran, immer den Blick auf das silbrige Fell des L�wen gerichtet. L�ngst dachte sie gar nichts mehr, hatte alle Hoffnung aufgegeben, ging nur noch. Noch einen Schritt und noch einen, bis sie in das Loch einer W�stenmaus trat, ihr der Fu� umknickte und sie st�rzte. Schwer kam sie wieder hoch, ging weiter, bis ihr erneut die Beine wegknickten, diesmal aus Schw�che.</p><p>Die Sonne stand im Zenit. Sie verbrannte Nandalees Gesicht. Sie kroch auf den Knien weiter. Sie durfte nicht aufh�ren, sich zu bewegen. Jeder Schritt z�hlte. Erste d�rre Grasb�schel ragten aus dem Sand. Vielleicht gab es ein Wasserloch. Sie sah Vogelspuren neben dem Gras. Es gab hier Leben. Sie durfte nicht aufgeben. Drei Schritt konnten den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen, ermahnte sie sich immer wieder und peitschte sich an, bis ihre Arme zitternd nachgaben, und sie auf den Bauch sackte.</p><p>Sie rutschte auf dem Bauch weiter. K�mpfte sich durch den gl�hend hei�en Sand, bis jegliche Kraft, sich zu bewegen, verlosch. Wohin war der Silberl�we verschwunden? Er hatte sie aufgegeben, dachte Nandalee bitter und war sich nur zu bewusst, dass sie ohne ihn erst gar nicht bis hierhergekommen w�re. Wie weit mochte sie gegangen sein? Eine Meile? Zwei?</p><p>Es spielte keine Rolle mehr. Sie war zu weit vom Jadegarten entfernt, um zuf�llig entdeckt zu werden. Niemand verlie� die sch�tzende Oase, um sich der gnadenlosen Glut der W�ste auszusetzen. Hier gab es nichts, das diese Strapaze lohnte.</p><p>Die linke Wange im Sand, das str�hnige Haar halb vor ihr Gesicht gefallen, lag sie da, unf�hig sich zu bewegen. So w�rde man sie finden. Ihr Blick ging �ber die glei�ende Ebene. Etwas Dunkles bewegte sich in ihre Richtung. Sie sah es nicht ganz klar. Es kam nur langsam n�her. Es verschwand in den flirrenden Luftspiegelungen, war pl�tzlich wieder da und verschwand erneut. Hoffnung keimte in ihr auf, bis der dunkle Punkt von einem Augenblick zum anderen Konturen gewann und dann ganz klar zu sehen war: Es war ein gro�er, schwarzer K�fer, der eine Kugel aus dunklem Kot rollte. Sein Hinterleib schimmerte metallisch gr�n, der Halsschild war schwarz. Die F�hler, die aus seinem Kopf wuchsen, verdickten sich nach vorne, sodass sie wie winzige Keulen aussahen.</p><p>Vor Nandalees innerem Auge tauchte der Mistk�fer auf, den sie vor so endlos langer Zeit in der H�hle des wei�en Drachens, ihrem ersten Lehrmeister, beobachtet hatte. Wie er, statt einer Rille im Bodenmuster zu folgen, �ber die schmalen Seitenw�nde der parallel verlaufenden Furchen im Boden gestiegen war. Er hatte sich keiner vorbestimmten Bahn f�gen wollen, hatte seinen eigenen Weg gemacht.</p><p>Die Elfe dachte an die Worte des Schwebenden Meisters �ber den K�fer: <emphasis>Er frisst Exkremente, wisst Ihr. Und er kommt bestens damit klar. Er sammelt sie auch f�r seinen Nachwuchs. Er dreht sie zu Kugeln, die ein Vielfaches seines eigenen Gewichtes betragen. Darin legen die Weibchen ihre Eier ab, und die Jungen werden in eine Welt geboren, in der sie vor lauter Exkrementen das Tageslicht nicht sehen. Ihr ganzes Leben dreht sich um Schei�e! H�rt sich ein bisschen an wie Euer Leben im Moment, nicht wahr? Aber wisst Ihr, was wirklich faszinierend ist? Die M�nnchen rollen die Kugeln aus Mist, die von so erdr�ckendem Gewicht sind, mit ihren Hinterbeinen. Sie blicken dabei nach vorn in die Sonne. Sie haben das Beste aus ihrem Leben gemacht. Lernt von ihnen. Wenn Ihr den Mist in Eurem Leben schon nicht loslassen k�nnt, packt ihn wenigstens hinter Euch, dass er Euch nicht andauernd den Blick auf die Zukunft versperrt.</emphasis></p><p>Nandalee erwog, ihren Mund zu �ffnen, um den K�fer in die vermeintliche H�hle zu locken. Wie viel Feuchtigkeit enthielt ein Mistk�fer? Doch dann schob sie sich vorw�rts und entschied sich, dem K�fer nichts zu tun. Einige Schritt konnte sie dem Tod noch abtrotzen, dachte sie entschlossen.</p><p>Sie war noch nicht bereit zu gehen.</p></section><section><title><p>Roter Durst</p></title><p>Nandalee trieb in einem Meer von roten Bl�tenbl�ttern in aufgew�hlter See. Angenehme K�hle liebkoste ihre Haut. Sie atmete Wasser. Ihre Kehle war endlich wieder feucht. Tief unter sich im Meer sah sie zwei m�chtige Schlangendrachen, die vor einer riesigen Scheibe aus geh�mmertem Silber eng umschlungen miteinander rangen. Liebten sie sich? K�mpften sie miteinander? Es war unm�glich, das zu sagen. Der eine war schwarz wie die Nacht, der andere so silbern wie die Scheibe, vor der sie ihr leidenschaftliches Duett auff�hrten.</p><p>Ein Schwanzhieb traf Nandalee und schleuderte sie davon. Ihre Kehle war sofort wieder trocken. Ihr ganzer Leib ein dumpfer Schmerz. Sie blinzelte, sah die endlose schwarze Ebene der W�ste im Mondlicht vor sich ausgebreitet. Eine unheimliche Kreatur n�herte sich ihr. Ein Gazellenkopf, der ruckend auf seinen H�rnern schreitend n�her kam.</p><p>Nandalee glaubte, erst zu tr�umen, als sie auch den Kopf des Silberl�wen erkannte. Seine F�nge waren in den Hals der Gazelle gegraben. Ihre L�ufe zuckten im Sand. Er lie� das sterbende Tier neben Nandalee niederst�rzen, und sie machte sich augenblicklich �ber die aufgerissene Kehle her, trank von dem warmen Blut, und als ihr erster Durst gestillt war, riss sie mit den Z�hnen Fleischst�cke aus der verendeten Gazelle.</p><p>Der Silberl�we brach mit seinen langen Krallen den Leib des Tieres auf und begann, ebenfalls zu fressen. Immer und immer wieder grub Nandalee ihre Z�hne in das Fleisch und sp�rte, wie der tote Leib ruckte, als der L�we seinen Teil der Beute nahm. Mund an Mund lagen sie, als seien sie aus einem Wurf.</p><p>Als Nandalees Hunger und Durst gestillt waren, schlief sie ersch�pft ein. Sie erwachte gest�rkt im ersten Morgenlicht. Der Silberl�we sa� neben ihr, als wartete er auf sie. Die J�gerin fand die Kraft, sich aufzurichten. Ein schaler Geschmack lag ihr im Mund. Sie mied es, den Kadaver der Gazelle anzusehen. Sie w�rde vergessen, was in der vergangenen Nacht geschehen war. Sie lebte, allein das z�hlte.</p><p>Sie strebte den Felsen am Horizont entgegen. Bald sp�rte sie die Schw�che zur�ckkehren. Die zwei Tage in der W�ste hatten sie ausgezehrt. Sie fand nicht in den weit ausholenden, ausdauernden Schritt, mit dem sie durch die eisigen Weiten Carandamons und der Snaiwamark gestreift war.</p><p>Der Silberl�we begleitete sie. Er blieb stets in Sichtweite, mal war er ein St�ck voraus, dann lie� er sich wieder zur�ckfallen. Die Felsen wuchsen vor ihnen empor, und als die wei�e Hitze der Mittagssonne die W�ste erneut in einen Glutofen verwandelte, erreichten sie die ersten Ausl�ufer der Berge. Nandalee fl�chtete in den Schatten einer engen Schlucht und fand Wasser. Es war brackig, und Wasserlinsen trieben auf der Oberfl�che. Dennoch trank sie. Sie musste sich beherrschen, nicht zu viel von der lauwarmen Br�he zu schlucken. Als sie ihren ersten Durst gestillt hatte, zog sie sich aus und wusch Staub und Blut von ihrem Leib.</p><p>Ihre aufgesch�rfte Hand brannte. Die Wunde hatte sich entz�ndet. Sattgetrunken und schl�frig legte sie sich auf einen Fels und schlief erneut ein. Als sie erwachte, war es wieder Nacht. Der Silberl�we war verschwunden. Sie wartete eine Weile, aber er kehrte nicht zu ihr zur�ck. Allein verlie� sie die Schlucht und suchte nach der engen Klamm, die durch den Ring aus Felsen zur Oase hinf�hrte.</p><p>Die Nacht schenkte Nandalee keine Erleichterung. Sie hatte das Gef�hl, dass das Feuer der W�ste in ihr weiterbrannte. Ihre Kraft verlie� sie wieder. Immer h�ufiger musste sie auf ihrem Weg innehalten und sich ersch�pft an einen Fels lehnen. Immer l�nger wurden ihre Pausen. Wieder war sie stehen geblieben. Sie tastete nach ihrer Stirn, und kalter Schwei� benetzte ihre Finger. Fieber sch�ttelte ihren ausgemergelten K�rper. Sie h�rte das Rauschen von Schwingen und glaubte, Rosenduft zu riechen. War sie noch wach?</p><p>Sie kniff sich. Etwas Feuchtes dr�ckte sich in ihr Gesicht. Ein gro�es, schwarzes Auge sah sie an. Verschwommen sah sie eine Blesse auf schwarzem Fell. Sternauge! Sie musste die Klamm zum Jadegarten erreicht haben. Er hatte auf sie gewartet.</p><p>Mit letzter Kraft zog sie sich auf seinen R�cken und krallte ihre Finger in die Lederschlaufen des langen Sattels. Um zu stehen, hatte sie keine Kraft. Seine Schwingen streiften ihr Gesicht, als er sich in den Sternenhimmel erhob. Nandalee dachte an die Pyramide im Herzen des Gartens. Sternauge schnaubte zum Zeichen, dass er verstanden hatte.</p><p>Es war kein langer Flug. Nandalee krallte sich verzweifelt in die Lederschlaufen auf dem Sattel. Sie hatte Angst, wieder ohnm�chtig zu werden und aus dem Himmel zu st�rzen. Klug w�re es gewesen, den Pegasus einfach durch die Klamm in das verborgene Tal preschen zu lassen. Aber kein Drachenelf, der sein Reittier gefunden hatte, hatte je diesen Weg genommen. Sie musste fliegen und vor der Pyramide landen, wenn sie nicht ihr Gesicht verlieren wollte.</p><p>Fl�tenspiel und sanfter Trommelschlag schlichen sich in ihr Bewusstsein. Fast h�tte sie die Grenze zum Schlaf �berschritten. Unter sich sah sie den weiten Garten Nachtatems. Fackeln beleuchteten die verschlungenen Wege. Auf einer Wiese nahe der Pyramide waren Zelte aufgeschlagen. Nandalee biss sich auf ihre spr�den Lippen, damit der Schmerz die Benommenheit vertrieb. Das Fieber hatte sie fest im Griff. Sie versuchte sich aufzusetzen, doch die Schwungfedern des Pegasus streiften ihre Beine. Sie w�rde seinen Flug st�ren, wenn sie nicht fest im Sattel stand, so wie es sich f�r einen Pegasusreiter geh�rte, hatte aber nicht die Kraft sich aufzustellen. So blieb sie auf seinem R�cken liegen, klammerte sich an die Sattelschlaufen und hoffte, dass alles gutgehen w�rde.</p><p>Etwas abseits, im Schatten bl�hender Tulpenb�ume, war ein besonders gro�es, dunkelrotes Zelt aufgestellt worden. Sein Tuch war mit aufwendigen Goldstickereien geschm�ckt, die fliegende Schlangendrachen zeigten. Dort musste Nachtatem zu finden sein, dachte Nandalee und versuchte, Sternauge an diesen Gedanken teilhaben zu lassen. Augenblicklich flog ihr Pegasus eine weite Kehre und ging sehr langsam tiefer. Ihr war es ein R�tsel, wie er sie verstehen konnte, vermochten doch nicht einmal die Himmelsschlangen, in ihren Gedanken zu lesen.</p><p>Sternauge musste gesp�rt haben, wie unsicher sie im Sattel hing, und f�rchtete wohl, dass sie bei einem tollk�hnen Flugman�ver st�rzen k�nnte, denn er bewegte sich unendlich sanft. Dicht �ber der Wiese spreizte er die Schwingen, um mit weniger Schwung zu landen. Seine gro�en Hufe trommelten auf den Boden, der dicht wie Schnee mit roten Bl�tenbl�ttern bestreut war. Grassoden flogen auf. Nach etwa drei�ig Schritt kam er zum Stillstand.</p><p>Nandalee st�rzte mehr aus dem Sattel, als dass sie abstieg. Sie lehnte einen Augenblick an Sternauge, dann zwang sie sich, gerade zu stehen. Die Musik im Lager war verstummt. Kobolde mit Fackeln in den H�nden eilten ihr entgegen. Die Plane am Eingang des gro�en, roten Zeltes wurde zur�ckgeschlagen. Eine breite Lichtbahn schnitt in die Dunkelheit. Und inmitten des Lichtes stand ein goldhaariger, hochgewachsener Elf von bet�render Sch�nheit.</p><p>�Es tut mir leid, Euch in diesem Zustand zu sehen, Dame Nandalee.� Die Stimme des Elfen lie� ihr Herz aufgehen. Sie war Verhei�ung. Allein sie zu h�ren linderte ihren Schmerz. Wenn sie in dieses Zelt trat, dann w�rde ihre Zukunft so strahlend sein wie die Gestalt, die vor ihr stand und sie mit ihrem L�cheln willkommen hie�.</p><p>Noch hatte sie die Wahl. Es war der allerletzte Augenblick. Sie sah durch den offenen Eingang, wer im Zelt weilte. Bidayn und Lyvianne.</p><p>Sie stand vor dem Lager des Goldenen, der Elfengestalt angenommen hatte.</p><p>�M�gt Ihr nicht eintreten, Dame Nandalee, und alle M�hsal hinter Euch lassen?� Er trat ein wenig zur Seite und wies auf das Zelt, das ein Meer von Lichtern erhellte. Auf einem L�wenfell lag Bidayn, nackt, ihr R�cken voller Blut und leuchtender Farben. Sie empfing die T�towierung, die den Bund mit dem Goldenen besiegelte, ihrem eigenen Drachen. Noch war erst der Entwurf vollendet. Eine m�chtige, gefl�gelte Schlangengestalt, die mit ihren Krallen an einem Netz zerrte, das eine Kugel umfing.</p><p>Bidayn winkte ihr zu und l�chelte, so wie damals, als sie gemeinsam in die Wei�e Halle gegangen waren und sie sich manche Nacht zu Nandalee in deren Kammer geschlichen hatte. Das Gesicht ihrer Freundin war schmaler geworden, h�rter. Sie hatte sinnliche Lippen und gro�e, schwere Br�ste, fast so wei� wie Milch. Nandalee musste daran denken, woher diese Haut stammte. Nichts w�rde je wieder so sein wie fr�her. Bidayn hatte ihren eigenen Weg gefunden.</p><p><emphasis>Ihr werdet dieses Zelt nicht betreten, Dame Nandalee, ebenso wenig, wie Ihr mit Gonvalon gehen werdet</emphasis>, schnitt eine Stimme wie ein Messer in ihre Gedanken. Zwischen den Tulpenb�umen trat die Gestalt eines Elfen hervor, dem das Dunkel der Nacht zu folgen schien. In seiner N�he verblasste das Licht, das vom Zelt ausging, und obwohl er aus dem Schatten der B�ume heraustrat, schien ihm die Dunkelheit zu folgen. Nachtatem, ihr Meister, hatte sie gefunden. Seine eisblauen Augen musterten sie voller Missfallen.</p><p><emphasis>Wie k�nnt Ihr so hierherkommen, meine Dame? Ihr geh�rt zu mir, und wenn Ihr zerlumpt und verletzt auf einem Fest der Drachen erscheint, dann f�llt dies auf mich zur�ck. Ich wirke schwach, wenn Ihr ein Abbild von Schw�che seid. Ihr seht nicht aus wie eine Drachenelfe, sondern wie ein gepr�gelter Kobold!</emphasis></p><p>�u�erlich lie� sich Nachtatem seinen Zorn nicht anmerken. Ein k�hles L�cheln spielte um seine Lippen, als f�r alle vernehmbar seine dunkle, wohlt�nende Stimme erklang. �Mir scheint, Ihr hattet einen schweren Kampf, Dame Nandalee. T�usche ich mich, oder umgibt Euch der Geruch von Blut.�</p><p>�Gazellenblut�, sagte sie mit kratziger Stimme. Sie litt wieder Durst und hatte Angst, dass sie jeden Augenblick vor Schw�che zu Boden sinken k�nnte. Nachtatem br�skiert zu haben w�hlte sie zutiefst auf. Alles, was sie je gewollt hatte, war, ihm zu gefallen. Ihn zu sehen, lie� sie alles andere vergessen. In einem fernen Winkel ihres Bewusstseins war ihr klar, dass diese Gef�hle dem Zauber der Himmelsschlangen entsprangen. Alle Gesch�pfe Albenmarks verehrten sie. Es war unm�glich, ihnen zu begegnen und von ihnen nicht vereinnahmt zu sein, selbst wenn sie nur in Elfengestalt erschienen und ihren Drachenleib verbargen.</p><p>�Mir scheint fast, die Dame Nandalee hat in Gazellenblut gebadet, so stark wie ihr dieser sinnliche Duft anhaftet.� Der Goldene lie� auf laszive Art seine Zunge �ber seine Lippen spielen. �Ich gratuliere Euch zur Wahl dieses Duftes, meine Dame. Er passt zu Euch. Er macht Euch begehrenswert. Man m�chte Euch geradezu verschlingen. Wusstet Ihr, wie sehr mein dunkler Nestbruder rohes Fleisch sch�tzt? Ihr solltet zweimal dar�ber nachdenken, diesen Duft aufzulegen, bevor Ihr ihn besucht. Manchmal kann er �berraschend z�gellos sein.�</p><p>Nandalee schwankte leicht. Ihr Blick klammerte sich an den Dunklen. Stumm bat sie ihn darum, sie einfach mit sich zu nehmen und von hier fortzubringen. Sie brauchte seine St�rke nun. Sie w�rde jeden Augenblick zusammenbrechen, und sie wollte ihn nicht noch weiter br�skieren. Er sah so gut aus, wenn er Elfengestalt annahm. Schon als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte, hatte sie sein ernstes Gesicht mit den vollen Lippen und dem energischen Kinn, das eine Spur zu breit war, sehr gemocht. Er trug sein schwarzes, leicht gewelltes Haar schulterlang, sodass es auf seinen Brustpanzer aus blauschwarzen Schuppen fiel, die seinen eigenen Schuppen in Drachengestalt �hnelten. Obwohl es ein warmer Abend war, war er mit einer wei�en Hose aus weichem, lose fallendem Stoff angetan, die in kniehohen Schaftstiefeln steckte. Breite, goldene Reife schm�ckten seine blassen Arme. Er strahlte Macht aus und Selbstbewusstsein. Ihn zu sehen erinnerte Nandalee stets daran, wie unbedeutend sie war.</p><p>Wie hatte Gonvalon sie genannt? Die Drachenelfen waren nur Pfeile, die die Himmelsschlangen von ihren B�gen verschossen. So viel Arbeit ein J�ger auch in die Herstellung eines Pfeils steckte, wurde er doch unbedeutend, war er in der Schlacht erst einmal verschossen.</p><p>�Komm!�, befahl der Dunkle br�sk und streckte ihr die Hand entgegen.</p><p>Nandalee musste all ihre verbliebene Kraft f�r diese letzten Schritte aufbieten, doch kaum ber�hrte sie den Drachen in Elfengestalt, durchflossen sie neue Kraft und ein Wohlgef�hl, das sie gegen ihren Willen aufseufzen lie�.</p><p>�Noch in dieser Nacht wirst du ganz die Meine sein�, sagte er verhei�ungsvoll und f�hrte sie zum Eingang der alten Pyramide.</p></section><section><title><p>Gezeichnet</p></title><p>Der Dunkle f�hrte sie hinab in jenes weite, �berflutete Gew�lbe, in dem er den Gazala, seinen Seherinnen, lauschte. Als sie eintraten, verstummte ihr unabl�ssiges Murmeln.</p><p>Nandalee f�hlte ihre Blicke auf sich lasten. W�rden diese Wesen, die halb Gazelle, halb Elfe waren, und denen die F�higkeit, in die Zukunft sehen zu k�nnen, jede Hoffnung auf ein normales Leben genommen hatte, zusehen bei dem, was nun kommen w�rde? Der Dunkle sagte etwas in einer Sprache, die sie nicht verstand. Seine Worte hallten unheimlich von den W�nden wider.</p><p>Alle Gazala verbeugten sich. Es war eine Bewegung voller Anmut, zugleich aber auch von verst�render Gleichzeitigkeit, als seien sie alle nur ein einziger K�rper. Sie verlie�en das weite Gew�lbe.</p><p>�Entkleidet Euch bitte, Dame Nandalee.�</p><p>Sie hatte es bislang nie als unschicklich empfunden, sich nackt zu zeigen, aber es lag etwas im Blick der geschlitzten Pupillen des Drachen, das sie erschauern lie�. Unf�hig sich zu r�hren, sah sie ihn einfach nur an. Er trat nahe vor sie. Wohlgeruch entstr�mte seinem Atem. Langsam, z�rtlich strich er ihr �ber die Wange. Sie sah, wie der Nagel seines Mittelfingers sich in eine Kralle verwandelte.</p><p>Die Hand glitt tiefer. Sie h�rte das Rei�en von Stoff. Streifen um Streifen schnitt er ihr die zerrissenen Kleider vom Leib. Dabei sah er ihr unverwandt in die Augen, als sei ihre Nacktheit v�llig nebens�chlich und alles, was ihn interessierte, in ihrem Blick zu finden.</p><p>Er ging vor ihr im flachen Wasser des Gew�lbes in die Knie, noch immer ohne den Blick von ihren Augen zu lassen. Die Kralle schlitzte das Leder ihrer Stiefel, und Nandalee stellte sich vor, mit welcher Leichtigkeit sie ihre Haut zerfetzen w�rde.</p><p>Zwei Gazala waren zur�ckgekehrt und traten an ihre Seite. Eine trug eine flache Schale mit klarem Wasser, auf deren Grund das Bild eines bl�henden Kirschbaums gemalt war, die andere Gazellenfrau hielt seidene T�cher auf ihren Armen.</p><p>Der Dunkle nahm eines der bl�tenwei�en T�cher, tunkte es in das Wasser und begann vorsichtig, ihre Haut abzutupfen. Das Wasser war angenehm k�hl. Leichter Anisgeruch haftete ihm an. �Eure Haut muss vollkommen sauber sein, Dame Nandalee. Ich werde Euch verletzen, wenn ich Euch das Bild, das Euch zur Drachenelfe macht, unter die Haut steche. Gelangt Schmutz in die Wunden, dann k�nnten sie sich entz�nden.� Er tupfte �ber ihre Br�ste und ein wohliges, warmes Gef�hl breitete sich in ihrem Bauch aus. Ihre Brustwarzen richteten sich auf, doch er hatte keinen Blick daf�r. Nach wie vor sah er ihr ins Gesicht, so als g�be es nur ihre Augen und alles andere sei ohne Belang.</p><p>�Ich werde Euch Schmerzen bereiten, Dame Nandalee, sie sind Teil des Rituals. Sie werden lange anhalten. Es wird ein gro�es Bild werden, auch wenn ich noch nicht wei�, wie es aussehen wird. Ganz gewiss wird es Euren R�cken f�llen, vielleicht auch Teile der Arme und Beine. Ihr werdet dieses Gew�lbe erst wieder verlassen, wenn es vollendet ist. Und wenn Ihr geht, meine Dame, dann werdet Ihr �u�erlich wie innerlich eine andere sein.�</p><p>W�hrend er sprach, tupfte er immer weiter ihren Leib ab. Die besudelten Seident�cher lie� er achtlos fallen. Sie trieben wie verlorene Bl�ten im Wasser um ihre Kn�chel.</p><p>�Ich vermag Euch nicht zu sagen, was geschehen wird. Es ist jedes Mal anders. Der Schmerz wird wie Wellen gegen Eure Seele branden. All Eure Sinne werden ber�hrt sein. Eure Augen m�gen Euch Trugbilder vorgaukeln oder Ihr m�gt pl�tzlich einen unertr�glichen Hei�hunger versp�ren. Gebt Euch ganz Euren Gef�hlen hin. Die Gazala werden stets nahe sein. Sie werden jeden Eurer W�nsche erf�llen, meine Dame, nur einen nicht. Der Schmerz endet erst, wenn das Bild vollkommen ist. Und wenn er endet, wird eine Zeit kommen, in der Ihr Euch nach ihm zur�cksehnt, denn nichts von allem, was Ihr je erleben werdet, wird sein wie die n�chsten Tage. Wenn Ihr Euch fallen lasst und mit dem Schmerz treibt lasst, wird er Euch nach einer Zeit Lust bereiten, wie Ihr sie noch nie kennengelernt habt.�</p><p>Der Dunkle fasste ihr Kinn und wandte ihr Gesicht zur Seite. Jetzt endlich war der Bann seiner eisblauen Augen gebrochen. Blaugrauer Rauch trieb �ber das Wasser, wob einen Schleier, der das weite Gew�lbe unwirklich erscheinen lie�. Kristallschalen, in denen kleine Kerzen brannten, trieben auf dem Wasser und verbreiteten ein gelbes Licht, das, vom dunklen Wasser reflektiert, ein flie�endes, gelbes Muster auf die gew�lbte Decke reflektierte.</p><p>Die flache Insel, die sich in der Mitte der H�hle aus dem Wasser erhob, war nun mit schweren Teppichen und Kissen bedeckt. Nahe beim Wasser brannte in Kupferschalen R�ucherwerk. Ein schwerer, harziger Duft kratzte in Nandalees Hals und umschmeichelte zugleich ihren Geruchssinn. Er trug zun�chst den Duft von Moschus mit sich und einen Hauch vom Aroma �berreifer Mangos, dann wandelte er sich wieder und roch wie Zitronengras, das man zwischen den Fingern zerrieb.</p><p>Der Dunkle nahm sie bei der Hand und f�hrte sie zur Insel. Die Gazala trugen Obst in Sch�sseln aus hauchzarter Keramik herbei. Kirschen und schwere, reife Trauben, goldene �pfel, dunkelrote Beeren und seltsame mit Stacheln besetzte Fr�chte, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. In anderen Schalen entdeckte sie Geb�ck. Der Duft von gew�rztem Fleisch mischte sich unter die Aromen, die im Rauch schwangen.</p><p>�Legt Euch nieder, meine Dame�, sagte der Dunkle sanft. Er bettete ihr Haupt auf eine steife Nackenrolle. Hinter Nandalee kniete eine Gazala nieder, die ihr str�hniges Haar nahm und es durch ihre feingliedrigen Finger gleiten lie�.</p><p>�Ihr m�gt den Geruch von Vanille, meine Dame?�, fragte er, w�hrend er die Lederschlie�en seines Schuppenpanzers �ffnete.</p><p>�Ja.�</p><p>Der Dunkle l�chelte sanft. �Ich auch�, sagte er, legte die R�stung ab und streifte die Tunika, die er darunter getragen hatte, �ber seine Schultern. Seine helle Haut schimmerte, als sei sie leicht ge�lt.</p><p>Warmes Wasser benetzte Nandalees Haar. Die Gazellenfrau massierte ihre Kopfhaut sanft mit den Fingerspitzen, und jede ihrer Ber�hrungen jagte ihr ein angenehmes Schaudern �ber den R�cken. Dann wusch die Gazala Nandalees Haar �ber einer Schale. Sie mengte dem Wasser Vanille�l bei, dessen Duft kurz alle anderen Ger�che �berlagerte.</p><p>Weitere Gazala brachten ein wei�es Tuch, auf dem Bambusstiele lagen, die an Pinsel erinnerten, nur dass nicht Haare, sondern jeweils f�nf oder sechs, nicht einmal einen halben Zoll lange Stahlnadeln von der Zwinge aus feinem Seidengarn gehalten wurden. Neben den T�towiernadeln lagen auch wirkliche Pinsel, deren rote Haarb�schel etwa so dick wie Nandalees kleiner Finger waren. Schweigend trugen die Gazala Dutzende wei�e Sch�lchen heran, in denen alle nur erdenklichen Farben schimmerten. In einem weiten Halbkreis stellten sie sie um Nandalee ab.</p><p>Der Dunkle war nun nackt. Er band sein Haar zur�ck in den Nacken und kniete neben ihr nieder. �Ihr erlaubt, dass ich heile, was die W�stensonne Eurer Haut angetan hat?�</p><p>Wie h�tte sie dieser sanften, dunklen Stimme widersprechen k�nnen? Sie w�rde zustimmen, was immer er von ihr verlangte. Nun war er mit allen Sinnen bei ihr, das las sie in seinen Augen. Die Gazala, die weite Grotte, der Rauch, das alles existierte f�r ihn nicht. Nur sie allein war in diesem Augenblick von Bedeutung f�r diesen Drachen, der so alt wie die Welt war.</p><p>Nandalee nickte. Sie hatte Sorge, ihre raue Stimme w�rde seine Ohren beleidigen, und sie sehnte sich nach nichts mehr, als ihm zu gefallen.</p><p>Seine Fingerspitzen glitten sanft �ber ihre Haut. Die Kralle, die ihre Kleider zerfetzt hatte, war wieder verschwunden. Seine Ber�hrung war sanft wie ein Lufthauch. Ein Prickeln �berlief ihre Haut. Sie sah, wie R�tungen verschwanden, wie die Verletzung an ihrer Hand heilte. Als seine Finger ihre Lippen streiften, ber�hrte sie sie mit der Zungenspitze. Die geschlitzten Pupillen des Dunklen verengten sich.</p><p>Wie hatte sie das tun k�nnen, dachte Nandalee erschrocken. Er musste sie f�r v�llig schamlos halten, wusste er doch, dass sie und Gonvalon ein Paar waren. Besch�mt senkte sie den Blick, und doch fuhr ihre Zungenspitze erneut �ber die Lippen, die der Dunkle eben erst ber�hrt hatte. Sie waren weich und geschmeidig, als h�tten sie niemals vom Glutodem der W�ste gekostet.</p><p>Irgendwo fern in der Pyramide erklang Musik, leise Gongschl�ge, die tief im Bauch vibrierten, begleitet von Saitenspiel und einer melancholischen Fl�te. Die Melodie war unaufdringlich, lud dazu ein, die Lider zu schlie�en und zu tr�umen.</p><p>�Ihr werdet auf dem Bauch liegen, w�hrend ich an dem Bild arbeite, und Ihr werdet nicht sehen k�nnen, was ich tue, deshalb gebt nun acht.� Der Dunkle griff nach einem der Bambusst�cke mit den kurzen T�towiernadeln. �Reicht mir Eure Hand, meine Dame.�</p><p>Nandalee setzte sich auf. Warmes Wasser troff �ber ihren R�cken. Die Gazala trocknete ihr mit einem weichen Tuch das Haar.</p><p>Als der Dunkle ihre Hand ergriff, richteten sich die feinen H�rchen auf ihrem Arm auf, und wieder war da dieses warme, wohlige Gef�hl in ihrem Bauch. Sie versuchte an Gonvalon zu denken, an seine z�rtlichen K�sse. Daran, wie er einfach stumm f�r sie da sein konnte, wenn kein Wort ihren Weltschmerz zu lindern vermochte. Sie sollte ihm ganz und gar geh�ren und die Ber�hrung des Dunklen nur als Teil einer unangenehmen, letzten Pflicht empfinden. Doch dem war nicht so. Sie sehnte sie herbei.</p><p>�Hiermit werde ich zun�chst alle Linien zeichnen und danach die Fl�chen zwischen ihnen mit Farbe f�llen. Viele tausend Male werde ich die Nadeln unter Eure Haut sto�en, meine Dame.� Mit diesen Worten stach er in ihren Handr�cken. Wieder und wieder und wieder. Es war eine ge�bte Bewegung ohne Eile, sicher. Als er ihre Hand loslie�, zog sich eine geschwungene, blutrote Linie vom Zeigefinger zum Handgelenk. Ein einzelner Blutstropfen rann �ber ihren Daumen hinab und tropfte auf den Teppich, auf dem sie sa�.</p><p>Es war kein intensiver Schmerz gewesen. Sie hatte ihn ohne mit der Wimper zu zucken ertragen. Sie war eine Kriegerin!</p><p>�T�uscht Euch nicht, meine Dame�, sagte der Dunkle eindringlich, als habe er ihre Gedanken erraten. �Der Schmerz wird wachsen, so wie eine Lawine w�chst und schlie�lich alles mit sich fortrei�t, was sich ihr in den Weg stellt. Ihr m�sst mit dem Schmerz flie�en, oder Ihr werdet ihm nicht widerstehen, wenn ich die Nadeln Stunden um Stunden in Eure zarte Haut versenke. Ich darf nicht zu zaghaft sein, denn steche ich nicht tief genug, dann wird das Bild verblassen und schlie�lich ganz verschwinden. Steche ich aber zu tief und Ihr blutet, dann wird das Blut die Farbe aus den Wunden sp�len, und ich muss mein Werk erneut beginnen, wenn die Verletzung verheilt ist.�</p><p>Er nahm einen der Pinsel, tunkte ihn in leuchtend rote Farbe und klemmte ihn unter den Mittelfinger seiner flach ausgestreckten linken Hand, dann streifte er den kurzen Bambusstock mit den Nadeln mit flie�ender, wohlge�bter Bewegung durch die Farbe auf dem Pinsel, sodass sie alles gut sehen konnte. �So nehme ich die Farbe auf. Es geht schnell, auch wenn ich die Nadeln viele tausend Male aufs Neue benetzen muss. Nun wisst Ihr, was ich Euch antun werde, meine Dame. Seid Ihr bereit, diese letzte aller Pr�fungen �ber Euch ergehen zu lassen?�</p><p>Nandalee nickte, ohne zu z�gern, doch mit einem Anflug von schlechtem Gewissen. �Gonvalon���, sagte sie leise.</p><p>�Ich habe ihm einen Boten schicken lassen. Er wei�, dass Ihr wohlbehalten zur�ckgekehrt seid, meine Dame.�</p><p>Nandalee glaubte einen Anflug von �rger aus den Worten herauszuh�ren.</p><p>�Er wei�, was wir hier tun. Auch er war einmal ein Drachenelf und ist diesen Weg gegangen. Nun dreht Euch um, legt Euch auf den Bauch, lauscht der Musik und �ffnet Euch den bet�renden D�ften, die uns umschmeicheln. Wir m�ssen unsere Seelen in Einklang bringen, um das eine Bild zu finden, in dem wir uns beide widerspiegeln.�</p><p>Nandalee gehorchte. Sie f�hlte sich leicht benommen. Lag es am Fieber oder war etwas im Rauch, das ihre Wahrnehmung ver�nderte? Alles geschah langsamer. Jedes Gef�hl war tiefer. Der Dunkle strich ihr sanft �ber den R�cken. Seine schlanken H�nde liebkosten ihre Schultern, l�sten kleine Knoten in ihren Muskeln. Bald f�hlte es sich so an, als w�rden seine H�nde ihren Leib verstehen und auf ihm spielen wie ein Musiker auf einem wohl vertrauten Instrument. Er wusste, wo seine Ber�hrung samtenen Schmerz verursachen w�rde und wo sie ihr Lust bereitete. Sie bewegte sich, presste ihren Leib seinen H�nden entgegen und st�hnte leise. Feuchte Hitze wogte zwischen ihren Schenkeln. Seine H�nde fuhren ihre Wirbels�ule hinab. Tiefer und tiefer�� Er hauchte einen Kuss auf ihren Nacken. �Ich sehe es�, sagte er leise.</p><p>Seine H�nde flohen, lie�en sie allein mit ihren aufgew�hlten Gef�hlen. Dann kam der Schmerz. Ein erster Stich dicht neben der Wirbels�ule. Sie zuckte, mehr �berrascht als wegen der Pein. In schneller Folge kamen weitere Stiche, nur kurz unterbrochen, wenn er die Nadeln �ber den Pinsel strich, um neue Farbe aufzunehmen.</p><p>Der Schmerz wanderte in weitem Bogen hinauf zu ihrem Schulterblatt. Sie versuchte, nicht dagegen anzuk�mpfen. Es war so, wie der Dunkle es prophezeit hatte, der Schmerz wuchs, wurde mit jeder neuen Linie, die er begann, unertr�glicher. Sie verkrampfte sich, k�mpfte dagegen an und wusste, dass es falsch war. Die Lawine w�rde sie verschlingen, wenn sie nicht mit ihr mitschwamm, und doch vermochte sie nicht aufzugeben. Zu k�mpfen war ihre Natur, eher ging sie unter, als aufzugeben. Tr�nen rannen ihr �ber die Wangen, aber sie biss die Z�hne zusammen und verweigerte sich jedem Schluchzen. Ein Zucken ihrer Schultern mochte den Verlauf der blutigen Linien st�ren, die sich in ihr Fleisch gruben. Sie k�mpfte weiter, war ersch�pft, sp�rte nagenden Hunger und die irrationale Lust, sich auf den Dunklen zu st�rzen und ihn zu bei�en.</p><p>Aber etwas im Rauch nagte an ihrem Willen, lie� den Wunsch aufkeimen, sich zu ergeben. Auch die leise Musik erweckte in ihr die Sehnsucht nach Unterwerfung. Sie wollte sich einfach nur noch f�gen, mit dem Schmerz gehen, ihn zu einem Teil von sich machen und ihn voller Wollust genie�en. Es war dieser Augenblick am Rand der Ersch�pfung, in dem der Dunkle die Nadeln zur Seite legte und seine kundigen H�nde nach den verborgensten Stellen ihres K�rpers tasteten. Und ihr Widerstand zerbrach. Sie gab sich ihm hin und empfand eine bislang unbekannte Lust darin, sich einfach treiben zu lassen, nur noch K�rper zu sein. Nie zuvor war sie so frei gewesen.</p></section><section><title><p>Rausch der Sinne</p></title><p>Hatte der Dunkle ihr eine Droge gegeben? Lag ein Zauberbann auf ihr? Nandalee gab sich ihm mit einer Leidenschaft hin, die sie niemals f�r m�glich gehalten h�tte. All ihre Sinne schienen durch den Schmerz gesch�rft zu sein. Wenn sie vom Obst kostete, dann war es k�stlicher als alles, was ihr je �ber die Lippen gekommen war. Der leichte Rotwein berauschte sie, als ginge er ihr direkt ins Blut. Blumig und mit einem Nachgeschmack nach den Waldbeeren eines sonnigen Herbstes, war er wie kein zweiter Wein, den sie je gekostet hatte. Das helle Brot war kross, krachte zwischen ihren Z�hnen, Fleisch und Saucen unvergleichlich.</p><p>Sie schlemmte stundenlang, auf dem Bauch liegend, w�hrend ihr neuer Meister weiter das Bild in den R�cken stach. Er war genauso besessen wie sie. Kaum dass er sich eine Pause g�nnte. Nur wenn sie einander liebten, legte er den Pinsel und die Nadeln zur Seite. Manchmal �berfiel er sie wie ein hungriges Tier, nahm sich, was er begehrte, ohne an sie zu denken. Dann wieder war er der vollkommene Liebhaber, z�rtlich, zuvorkommend und allein darauf bedacht, sie zu unbekannter Ekstase zu f�hren. Sie war dabei ganz passiv, lie� ihn gew�hren, vertraute sich ihm ganz an. Und sie sp�rte, wie er trotz aller Leidenschaft sehr darauf achtete, die frischen Wunden nicht zu fr�h zu ber�hren und dem Bild, das auf ihrer Haut erstand, Schaden zuzuf�gen. Willig gab sie sich hin und genoss seine Lust, bis sie schlie�lich v�llig ersch�pft in seinen Armen einschlief.</p><p>Jedes Mal wenn sie erwachte, war der Schmerz der Nadeln schon da. Jede Freude wurde von ihm begleitet, bis Nandalee insgeheim zu f�rchten begann, dass sie von nun an ohne Schmerz vielleicht f�r jedes Empfinden taub sein k�nnte. Sie vermochte nicht zu sagen, wie lange dieser Rausch andauerte. Zeit verlor an Bedeutung. Schlaf, Schmerz, Lust�� alles vermengte sich, schien sich endlos zu dehnen. Er verweigerte ihr einen Blick auf das gesamte Bild. Sie sah, dass sich ein blauschwarzer Drachenschweif ihren linken Oberarm hinabwand.</p><p>Er begann, ein Bild in ihren rechten Oberschenkel zu stechen, als er sie blendete. Es war ein �berraschender, neuer Schmerz. Ein Gef�hl, als sei eine der Nadeln tief in ihren Kopf gedrungen, und von einem Moment auf den anderen konnte sie nicht mehr sehen. Panik �berkam sie. Sie wollte fliehen, aber er dr�ckte sie gnadenlos auf den Teppich, der inzwischen von der Farbe seiner Pinsel durchtr�nkt war. Sie sp�rte noch die Seident�cher, mit denen er Farbe abtupfte und ihr Blut, das ihr Bein hinunterlief. Immer wieder hielt er jetzt inne, um kritisch sein Bild zu pr�fen.</p><p>�Was�� was ist mit meinen Augen?�, fragte sie nach langem Schweigen voller Angst.</p><p>�Ihr sollt das Werk nicht sehen, bevor es vollendet ist, Dame Nandalee. Beweist mir Euer v�lliges Vertrauen, indem Ihr Euch mir blind ausliefert. Das Werk ist fast vollbracht, meine Dame.�</p><p>Sie hatte sich ver�ndert. Nur ein paar Tage zuvor h�tte sie gegen ihn aufbegehrt. Wie konnte er das tun! Aber jetzt war alles anders. Sie war sein. Und auch er hatte sich ihr in den vergangenen Tagen offenbart. Sie war sich fast sicher, dass er sie begehrte, nicht nur um hier und jetzt seine Lust zu befriedigen. Er respektierte sie. Sie hatte seine Einsamkeit gesp�rt und wie sehr er sich danach sehnte, mit ihr alles zu teilen. Aber sie w�rde gehen. Auch wenn er vielleicht glaubte, sie zu lieben, w�rden sie einander nie von gleich zu gleich begegnen.</p><p>Nandalee nahm hin, was war, lie� sich zwischen Fieberwahn und Ekstase treiben. Er arbeitete nun abwechselnd mal an ihrem rechten Bein, mal f�llte er auf ihrem R�cken Fl�chen mit Farbe. Sie sp�rte seine Unrast. Etwas, wor�ber er nicht mit ihr reden wollte, beunruhigte ihn.</p><p>Irgendwann erwachte sie, und die leise Musik, die sie all die Tage begleitet hatte, war verstummt. Er war fort, sie sp�rte es ebenso, wie sie wusste, dass sie wieder w�rde sehen k�nnen, wenn sie die Augen aufschlug. Sie z�gerte es hinaus, blieb still liegen und hoffte wider besseres Wissen, dass er noch einmal zur�ckkehren w�rde. Dass es einen Abschied g�be, feierliche Worte, ein letztes Beisammensein.</p><p>Sie wartete lange. Doch der Dunkle kam nicht zur�ck. Endlich sah sie sich blinzelnd um. Sie lag inmitten der feinen Seident�cher, mit denen er bei seiner Arbeit Blut und Farbe von ihrer Haut gewischt hatte. Sie waren �berall, auf dem flachen Fels, der ihre Insel fern der Welt gewesen war, im dunklen, warmen Wasser, das den Boden des Gew�lbes verbarg. Das geheime Refugium des Dunklen sah aus wie ein bl�hender Apfelhain, der von einem w�tenden Fr�hlingssturm heimgesucht worden war und dessen makellos wei�e Pracht der Wind in den Schmutz gezerrt hatte.</p><p>Nandalee drehte den Kopf, soweit sie konnte, und versuchte, das Bild auf ihrem R�cken zu erkennen. Doch alles, was sie deutlich erkennen konnte, war eine schwarze Drachenklaue auf ihrer linken Schulter sowie das Schweifende an ihrem linken Oberarm. Dann fiel ihr Blick auf ihr rechtes Bein. Um ihren Oberschenkel wand sich der lange Schweif eines zweiten Schlangendrachen. Er reichte bis unter ihr Knie. Nandalee entfuhr ein leiser Schrei. Hatte sie zwei Drachen auf ihrem R�cken? Das hatte es, soweit sie wusste, noch nie gegeben!</p><p>Die Elfe kauerte sich zwischen die fast leeren Farbschalen, a� ein wenig kalte H�hnerbrust, die nicht mehr so unvergleichlich schmeckte wie w�hrend ihres Rausches. Was f�r ein Bild befand sich auf ihrem R�cken?</p><p>Sie erhob sich, sah sich ein letztes Mal um. Noch immer trieben Kerzen in Kristallschalen �ber das dunkle Wasser und woben Netze aus goldenem Licht auf die Decke des Gew�lbes. Ohne die Gazala und vor allem ohne den Dunklen wirkte das unterirdische Versteck trostlos. Wohin mochte er gegangen sein? Nandalee b�ckte sich nach dem Krug mit dem k�stlichen Wein, als sie zwischen den Seident�chern etwas golden glitzern sah. Sie schob die T�cher zur Seite und fand ein wei�es Kleid, geschnitten wie die langen Gew�nder, die die Meister der Wei�en Halle getragen hatten. Lange hielt Nandalee es nur in der Hand, strich �ber den feinen Leinenstoff und die goldenen Stickereien an den S�umen. Pl�tzlich sp�rte sie einen Klo� im Hals. Sie war eine Drachenelfe!</p><p>Sie w�nschte, Gonvalon w�re jetzt hier, oder Ailyn, die Meisterin des waffenlosen Kampfes aus der Wei�en Halle. Oder Cullayn, der schweigsame J�ger mit dem entstellten Gesicht, der mit seinem Gef�hrten, dem sch�nen Tylwyth, durch die Weite der Snaiwamark streifte. Ob die beiden in der Blauen Halle gewesen waren, als die Devanthar angegriffen hatten?</p><p>Sie musste an alle denken, die sie ein St�ck auf ihrem Weg bis hierher zu diesem Hort der Geheimnisse begleitet hatten. An die Kobolde der Wei�en Halle, die sie und ihre Launen gef�rchtet hatten, und an Sata, jene alte Koboldin auf dem <emphasis>Blauen Stern</emphasis>, dem Himmelsschiff, das jenem Alben geh�rte, den alle nur den S�nger nannten. Sata hatte sich auf raue, aber herzliche Art ihrer angenommen, als sie halb erfroren auf das schwebende Schiff des Alben gekommen war.</p><p>Auch dachte sie an Eleborn, der nach ihrer R�ckkehr von Nangog den Jadegarten verlassen hatte, um seine Familie in Arkadien zu besuchen und dort um seinen verlorenen Meister, den Himmlischen, zu trauern. Gewiss h�tte er sie mit einer seiner wunderbaren Skulpturen aus Wasser und Licht beschenkt, wenn er jetzt hier w�re. Ganz in melancholische Gedanken versunken, legte Nandalee das Kleid an.</p><p>Es war ihr auf den Leib geschnitten. Wer es wohl gen�ht hatte? Die Gazala? Sie schloss die Haken �ber ihrer Brust und am steifen Stehkragen, der ihr fast bis zum Kinn reichte. Dann schlang sie pl�tzlich die Arme um ihren Leib. Hielt sich fest, wollte sich sp�ren und war sich doch nur allzu bewusst, dass etwas von ihr nun f�r immer verloren war. Es hatte sich aufgel�st, wie jene Schleier aus berauschendem, graublauem Rauch, die vor wenigen Stunden noch durch das Gew�lbe gezogen waren. Sie war keine Novizin mehr, sondern Teil des Ordens von M�rdern, den die Himmelsschlangen gegr�ndet hatten. Sie hatte sich entschieden und den Weg der Unschuld f�r immer verlassen. Sie geh�rte nun dem Dunklen!</p><p>Aber ihr blieb ein Gewissen, entschied sie. Sie w�rde als Meisterin nicht minder rebellisch sein, als sie es als Sch�lerin der Wei�en Halle gewesen war. Nandalee raffte ihr neues, bis zu den H�ften geschlitztes Kleid, um durch das Wasser zu waten, und verlie� das Gew�lbe �ber den Weg, den zu finden sie bei ihrer Gefangenschaft hier unten einst so viel Zeit gekostet hatte. Sie war noch nicht weit durch den Tunnel geschritten, der sie in die Freiheit f�hren w�rde, als sie in einer erleuchteten Wandnische ihr Schwert Todbringer fand. Der m�chtige Zweih�nder steckte in einer neuen Scheide aus braunem Leder, um die ein messingbeschlagener G�rtel gewickelt war, der es ihr erlauben w�rde, das Schwert auf dem R�cken zu tragen. Neben der Waffe lehnten ihr Bogen und ein neuer K�cher, ebenfalls aus braunem Leder und prall gef�llt mit Pfeilen.</p><p>Warum beschenkte der Dunkle sie, zeigte sich aber nicht? Sie legte die Waffen an. Es tat gut, wieder den Bogen in H�nden zu halten. Wenn der Dunkle ihn hierhergebracht hatte, musste das wohl bedeuten, dass er ihr erlaubte, die Waffe zu nutzen, obwohl dies in der Wei�en Halle auf so viel Widerstand gesto�en war. Die Meister fanden es unehrenhaft, einen Feind auf gro�e Distanz zu t�ten, ohne ihm in die Augen gesehen zu haben. Nandalee hatte das immer f�r verlogen gehalten. Kaum ein Gesch�pf Albenmarks konnte gegen einen Schwertk�mpfer aus der Wei�en Halle bestehen. Wer einem Drachenelfen gegen�berstand, den die Himmelsschlangen geschickt hatten, der war verloren. Ihren Klingen war ebenso wenig zu entkommen wie einem wohl gezielten Pfeil.</p><p>Mit festem Schritt verlie� sie die Pyramide und trat aus dem uralten Gem�uer in eine sternenklare Nacht. Gonvalon stand auf der Wiese, von der nun alle Zelte verschwunden waren. Hinter ihm weideten Sternauge und Nachtschwinge.</p><p>Er trug nicht l�nger das Gewand eines Meisters der Wei�en Halle, sondern hatte sich neu eingekleidet. Taubengrau war die Farbe seines langen Waffenrocks. Verspielte Ranken in einem Rot an der Grenze zum Purpur s�umten die �rmel und reichten ihm bis fast zu den Ellenbogen. Er trug keine Waffen. Ihn so zu sehen versetzte Nandalee einen Stich. Sein Gesicht, gerahmt von goldenem Haar, wirkte schmaler. Auch er hatte sich ver�ndert.</p><p>Nandalee dachte an den Rausch, den sie mit dem Dunklen gelebt hatte, und senkte besch�mt den Blick. �Ich���, begann sie z�gerlich, als er ihr sanft die Hand auf den Mund legte.</p><p>�Bitte sag nichts. Auch ich war einst ein Drachenelf. Ich wei�, was geschehen ist. Sie sind unwiderstehlich.� Er l�chelte, diesmal ganz ohne den melancholischen Blick, mit dem er sie sonst so oft ansah. Seine Augen strahlten. �Wichtig ist allein, dass du nun hier bist. Du bist nicht bei ihm geblieben. Ich wusste, du w�rdest zur�ckkommen. Sie sind nur ein Rausch. Wir k�nnen ihnen nicht lange nahe sein, wir w�rden vergehen wie Motten, die ins Licht fliegen.�</p><p>Nandalee war unglaublich erleichtert. Kurz fragte sie sich, was er wohl mit dem Goldenen erlebt hatte, dann schob sie den Gedanken daran weit von sich. Auch das war ohne Belang f�r sie beide. Pl�tzlich spielte jenes freche L�cheln um seine Lippen, das er bei ihrer ersten Begegnung gezeigt hatte, als sie g�nzlich unbekleidet vor einem Heer von Trollen durch die Wildnis geflohen war und er kam, um sie zu retten. �Ich wei�, was dich im Augenblick am meisten qu�lt.�</p><p>Sie sah ihn fragend an.</p><p>�Du m�chtest wissen, wie deine T�towierung aussieht, nicht wahr?�</p><p>�Dir steht der Sinn danach, mich nackt zu sehen?�</p><p>Sein freches L�cheln wurde noch ein wenig breiter. �Immer, meine Sch�ne. Und doch will ich dir vor allem zu Diensten sein, wenn auch nicht ganz ohne Hintergedanken.�</p><p>�Du m�sstest mir den Kopf verdrehen, damit ich auf meinen R�cken sehen kann�, entgegnete sie keck.</p><p>�Nichts lieber als das, aber ich w�sste auch noch einen anderen Weg. Wenn du nat�rlich deine unertr�gliche Neugier pl�tzlich abgelegt hast und zur weisen, allem weltlichen entr�ckten Drachenelfe gereift sein solltest, entschuldige ich mich, solche Banalit�ten an Euch herangetragen zu haben, Meisterin.�</p><p>Nandalee �ffnete den Schwertgurt und streifte ihren K�cher ab. �Los, zeig mir, wie es geht.�</p><p>Gonvalon ging zu Nachtschwinge und hob eine gro�e Satteltasche vom R�cken des Pegasus. Etwas darin klirrte leise, als er zu ihr zur�ckkam.</p><p>Nandalee wartete, bis er wieder vor ihr stand, dann l�ste sie die Haken ihres Kleides und lie� es zu Boden gleiten. Sie genoss seine Blicke. Sie wusste, dass er vor ihr schon viele Frauen geliebt hatte, aber er sah sie an, als sei sie die Eine, die Vollkommene, die er sein ganzes Leben lang gesucht hatte.</p><p>Auch sie war nicht unerfahren in der Liebe gewesen, als sie Gonvalon zum ersten Mal begegnete, aber mit ihm war es anders als mit allen anderen. Sie f�hlte sich sch�n, wenn er sie so ansah, dabei fand sie sich selbst zu d�nn und wenig weiblich. Gonvalon l�schte diese Selbstzweifel aus und wurde es nie m�de, ihren K�rper aufs Neue mit all seinen Sinnen zu erforschen�� als sei sie ein wunderbares R�tsel, dem auf den Grund zu gehen er gern sein ganzes Leben widmen w�rde.</p><p>�Man k�nnte meinen, du h�ttest noch nie eine Frau gesehen�, scherzte sie, nachdem sie eine Weile seine Blicke genossen hatte.</p><p>�Keine wie dich�, entgegnete er mit einer Leidenschaft, die jeden Gedanken daran verbannte, dass dies nur eine Floskel sein k�nnte. Er legte die Satteltaschen auf den Boden und holte mehrere Blendlaternen heraus.</p><p>�Du wusstest, dass ich nachts zur�ckkehren w�rde?�</p><p>Er sch�ttelte l�chelnd den Kopf. �Ich wusste, du w�rdest zur�ckkehren. Das war alles. Ich habe mich darauf vorbereitet, dass es etwas dauern k�nnte. Ich wei� ja seit einer Weile schon, dass du nur selten tust, womit alle rechnen.� Er sagte das nicht vorwurfsvoll, sondern so herzlich, dass Nandalee nicht anders konnte, als neben ihm niederzuknien und ihn leidenschaftlich zu k�ssen. Es wurde ein langer Kuss. Gonvalon zog sie so fest in seine Arme, als seien sie ein Jahrhundert lang getrennt gewesen. Schlie�lich war sie es, die sich l�ste. Sie war neugierig, endlich das Bild auf ihrem R�cken zu sehen.</p><p>�Wartest du schon lange auf mich?�</p><p>Er zuckte mit den Schultern, als bedeute es nichts. �Zwei Tage. Es waren noch andere hier. Nodon und die �brigen Drachenelfen aus der Bergfeste. Du hast lange geschlafen, nachdem Nachtatem gegangen war.�</p><p>Es lag ihr auf der Zunge zu fragen, wohin die Himmelsschlange verschwunden war, doch sie f�rchtete, Gonvalon damit zu verletzen. �Wie lange war ich in der Pyramide?�</p><p>�Elf Tage�, sagte Gonvalon knapp, und diesmal lag ein Hauch von Bitternis in seiner Stimme. Er sah nicht zu ihr auf, sondern begann, die Lichter in den Blendlaternen zu entz�nden. Dann stellte er sie auf einen der m�chtigen Steinquader, die aus der Seitenwand der Pyramide gebrochen waren.</p><p>Nandalee hatte gedacht, dass sie noch l�nger beim Dunklen geblieben war. Sie hatten so vieles geteilt. Elf Tage nur��</p><p>�Komm!� Gonvalon winkte sie zu sich und zog etwas, das in ein dickes, rotes Wolltuch geh�llt war, aus der Satteltasche. Vorsichtig schlug er das Tuch zur�ck; darin verbarg sich ein fast einen Schritt langer Spiegel.</p><p>�Wo hast du den her?� Nandalee drehte sich davor und konnte nun wenigstens einen Teil des Bildes auf ihrem R�cken sehen.</p><p>Gonvalon zog noch einen Handspiegel aus der Satteltasche. �Nimm den hier. Benutze ihn, um das andere Spiegelbild zu betrachten.� Er lachte. �Ich hab einige �bung darin, so siehst du am meisten. Die Spiegel stammen �brigens vom verehrten Schwertmeister Nodon. Er ist eitler, als ich gedacht h�tte. Er hat sie hierher mitgebracht und mir unter der Androhung �berlassen, mir s�mtliche Glieder abzuhacken, wenn auch nur eine Schramme auf die Spiegel kommt.�</p><p>Nandalee h�rte ihm kaum zu. Sie hatte den Handspiegel genommen und drehte ihn, bis sie durch den zweiten Spiegel ihren ganzen R�cken sehen konnte. Zwei Drachen waren darauf t�towiert. Sie glichen jenen aus ihrem Fiebertraum in der W�ste. Ein Silberner und ein Schwarzer. Beide rangen miteinander, oder war es ein Liebesspiel? Im Hintergrund war eine geh�mmerte Silberscheibe zu sehen. Davor, mit der Spitze nach unten, ihr Schwert, Todbringer.</p><p>�Was mag das bedeuten?�, fragte sie Gonvalon.</p><p>Der Schwertmeister sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht. Das Schwert steht zwischen den Drachen, aber es scheint sie nicht daran zu hindern, einander zu befehden. Die Silberscheibe��? Ein R�tsel. Soll es der Mond sein? Und die beiden Drachen��? Der Schwarze k�nnte Nachtatem sein. Aber der Silberne��? Es hat nie eine Himmelsschlange von dieser Farbe gegeben. Jede T�towierung ist ein Spiegel deines Schicksals. Meine zeigte die Verbundenheit mit dem Goldenen und dem Schwert. F�r lange Zeit war ich sein Auserw�hlter, sein Schwertmeister, der Erste unter seinen M�rdern. Du hast mir geholfen, einen anderen Weg zu finden. Doch der Goldene bedroht mich nun. Auch wenn er mir meine T�towierung genommen hat, so bin ich sicher, dass ich eines Tages entweder durch ihn oder durch das Schwert fallen werde. Diese beiden Kr�fte bestimmen mein Leben.�</p><p>�Willst du sagen, auch mein Leben wird durch das Schwert bestimmt?�</p><p>Gonvalon sah sie verwundert an. �Du bist eine Drachenelfe. Du hast dich f�r den Weg des Schwertes entschieden. Ich wei� nicht, ob das Schwert dich symbolisiert. Ich hoffe nicht, denn es ist nicht gut, zwischen zwei Drachen zu stehen.�</p><p>Nandalee betrachtete die T�towierung lange durch den Spiegel. �Es ist nur ein Bild�, sagte sie schlie�lich. ��ber meinen Lebensweg entscheide allein ich. Gar nichts ist vorherbestimmt!�</p><p>Gonvalon war klug genug, nicht zu widersprechen, aber sie sah ihm an, dass er anders dar�ber dachte. �Findest du, dass mich die T�towierung entstellt?�</p><p>Er wirkte �berrascht, dann sah er sie lange an. �Ich liebe dich, Nandalee. F�r mich wirst du immer sch�n sein. Ganz gleich, ob du den Leib eines Rehs aufbrichst, mich mit blutbespritztem Gesicht anschaust und deine Arme bis zu den Ellenbogen in den Eingeweiden stecken oder du frisch gewaschen einem See entsteigst. Du bist die Eine. Und das wirst du immer sein.�</p><p>Sie war so unglaublich erleichtert, suchte nach Worten, und wieder wollte es ihr nicht gelingen, ihre Liebe in Sprache zu kleiden. Gonvalon schien auch nichts zu erwarten. Er nahm den Handspiegel wieder an sich, schlug den gro�en Spiegel in die Wolldecke ein und l�schte die Blendlaternen. �Ich habe ein verborgenes, kleines Tal in den Bergen entdeckt. Es gibt dort ein paar B�ume, eine kleine Quelle und ein paar Felsbl�cke, die ganz gutes Rohmaterial f�r B�sten abgeben. Magst du mir zusehen, wie ich mich in den Pausen als Bildhauer versuche.�</p><p>�Den Pausen?�</p><p>Gonvalon l�chelte anz�glich.</p><p>�Du glaubst wirklich, dass du in den Pausen etwas anderes tun wirst, als schwer atmend auf dem R�cken zu liegen, alter Mann?�</p><p>Er ging zu Nachtschwinge und zurrte die gro�en Satteltaschen fest. �Willst du es herausfinden?�</p><p>�Andere w�rden sich vermutlich erst einmal bei der Felsenburg melden. Gewiss erwarten mich Nodon und die �brigen Drachenelfen des Dunklen zu einem Willkommen.�</p><p>�Tja, <emphasis>andere</emphasis> sind so entsetzlich langweilig und vorhersehbar�, sagte Gonvalon gedehnt und f�gte dann herausfordernd hinzu. �Aber manche ver�ndert das Ritual von Grund auf.�</p><p>�Irgendwie f�hle ich mich wirklich ganz anders�, sagte sie leise, kniete nieder und wickelte ihre Waffen in das neue Kleid.</p><p>�Was hast du vor?� Gonvalon war sichtlich irritiert.</p><p>�Als du die Trolle vor mir gerettet hast, hast du mich nackt auf deinem Pegasus reiten lassen. Und das bei bitterem Frost. Ich wollte das immer schon einmal bei angenehmeren Temperaturen wiederholen.�</p><p>Breit grinsend ging sie an ihm vorbei. Sternauge trabte ihr entgegen und begr��te sie schnaubend. Sie t�tschelte seine N�stern. �Ich glaube, wenn ich so auf Nodons kleinem Fest erscheine, wird man noch eine Weile dar�ber reden.� Sie blickte �ber die Schulter und genoss Gonvalons Gesichtsausdruck.</p><p>Pl�tzlich �ffnete er seinen G�rtel und begann, seinen grauen Waffenrock �ber die Schultern zu streifen.</p><p>�Was wird das?�</p><p>�Da du die Gewandfrage f�r diesen Abend entschieden hast, habe ich wohl keine Wahl, als���</p><p>�Glaubst du wirklich, ich w�re lieber dort als mit dir allein, mein Liebster?�</p><p>Gonvalon l�chelte schelmisch. �Ich bin nicht davon ausgegangen, dass du l�nger bleiben w�rdest, als n�tig ist, um einen Skandal zu provozieren. Was bei dieser Abendgarderobe eine Angelegenheit von ein paar Augenblicken w�re. Augenblicke, die ich mir um nichts in der Welt entgehen lie�e.�</p><p>�Du glaubst wirklich, ich w�rde���</p><p>Gonvalon nickte sehr ernst. �Aber nat�rlich. Das passt zu dir. Ich habe keinen Moment gezweifelt.�</p><p>�Du meinst, ich���</p><p>Er lachte und sch�ttelte den Kopf. �Lass uns aufh�ren mit dem Unsinn. Komm einfach mit mir. Lass uns verschwinden. Wenn sie uns brauchen, werden sie uns finden. Fliehen wir vor der Welt, solange sie uns noch gehen l�sst. Schenk dich mir! Mein Herz ist wund vor Sehnsucht nach dir, und nur du kannst es heilen.� Mit diesen Worten sprang er auf den R�cken von Nachtschwinge, griff nach den Z�geln und preschte los. Er blickte nicht zur�ck, als sei er ganz sicher, dass sie ihm folgen w�rde. Und er hatte recht. Bei ihm zu sein war alles, was sie wollte.</p><p>Mit leichtem Herzen sprang nun auch Nandalee auf den R�cken ihres Pegasus, der Nachtschwinge in wildem Galopp folgte. Er preschte gegen die sanfte Brise, die �ber die Wiese strich, und bald schon hoben sie ab und glitten mit schwerem Fl�gelschlag �ber den Jadegarten gen Osten. Gonvalon liebte sie noch, dachte Nandalee unendlich erleichtert. Das Ritual mit Nachtatem hatte nichts daran ge�ndert.</p><p>Sie flog ausgelassen jubelnd in den Himmel. Hinter den schroffen Schatten der Berge zeigte sich ein zarter Streifen silbernen Lichts. Zum ersten Mal seit langer Zeit war sie gl�cklich.</p></section><section><title><p>Die Wolkenstadt</p></title><p>Barnaba stand am Bug des Wolkenschiffes. Unter ihnen zogen tief h�ngende Wolken, keine zwanzig Schritt links von ihnen erhob sich eine fast senkrechte Wand aus rotem Fels. Wind und Wetter hatten tiefe Wunden in das Gestein geschlagen, in dem sich verkr�ppelte B�ume festklammerten.</p><p>Barnaba lie� seinen Blick �ber das Deck des Wolkenschiffes schweifen. Seine Anh�nger kauerten um den Baum, der in schwarze Erde gebettet mitten aus dem Rumpf wuchs. Sie beteten zu Nangog. Hin und wieder wagte es einer aufzublicken und die seltsame Kreatur anzugaffen, die neben ihm auf der Reling kauerte: ein Gesch�pf, halb Adler, halb Weib. Statt Armen wuchsen weite Schwingen aus ihrem Frauenk�rper. Nase und Mund waren zu einem gekr�mmten Schnabel verwachsen, das �brige Gesicht war hingegen fast noch menschlich. Die Beine unterhalb der Knie hatten sich in verhornte Vogelbeine verwandelt, die in messerscharfen Krallen endeten. Barnaba hatte die Kreatur davon �berzeugen k�nnen, ein Tuch um die Lenden zu tragen, um weniger Ansto� unter seinem Gefolge zu erregen. Das Ungeheuer lie� sich von ihm anfassen, aber von niemandem sonst.</p><p>Im Bauch des Wolkensammlers hatte er davon getr�umt, was auf der Welt geschehen war. Wie die Gesch�pfe Nangogs mit Menschen verschmolzen waren und den Gr�nen Geistern Leiber geboren hatten. Tausende neue Ungeheuer streiften durch die weiten W�lder, und sie hatten hunderterlei Formen angenommen. Sie alle waren vom Hass auf die Eindringlinge in ihre Welt beseelt, allerdings sp�rten sie auch, wer seinen Weg zur Gro�en G�ttin gefunden hatte. Wehe denen, die den Devanthar nicht abgeschworen hatten! Bei ihrem ersten Besuch hatte die Kreatur einen Wolkenschiffer aus der Takelage gezerrt und in die Tiefe st�rzen lassen. Danach war sie f�r eine Weile verschwunden gewesen. Barnaba hegte keinen Zweifel daran, dass das Vogelweib ein Festmahl am zerschmetterten Kadaver des Ungl�cklichen abgehalten hatte.</p><p>Ein �ngstliches Raunen seiner J�nger riss ihn aus seinen Gedanken, und er drehte sich um. Steuerbord schrammten die Spitzen der Masten, die fast waagerecht aus dem Rumpf ragten, beinahe die Felswand. Seit einigen Stunden flogen sie nun schon zwischen himmelhohen Tafelbergen hindurch, die sich wie geborstene S�ulen eines riesigen Palastes aus dem weiten Dschungel erhoben. Sie waren so nah, dass Barnaba ganz deutlich eine hundegro�e Eidechse die Felswand hinaufklettern sah.</p><p>�Wir alle sind in der Hand der Gro�en G�ttin�, sagte er laut. �F�rchtet euch nicht, meine Freunde, unsere neue Heimat ist nah.�</p><p>Barnaba sah zur�ck. Sie hatten schon vor �ber einer Stunde die Sicht zum zweiten Wolkenschiff verloren, das w�hrend des Bebens mit ihnen aus der Goldenen Stadt geflohen war. Der Priester streichelte �ber die d�nne Wurzel, die das Holz der Reling gespalten hatte. Der Schiffsbaum war �berall an Bord pr�sent. Sein Wurzelwerk hatte alle Decks durchdrungen, und seine �ste reichten tief in den Leib des Wolkensammlers <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer</emphasis> hinein. Es war der Baum, der das Schiff und die riesige, tentakelbewehrte Kreatur eins werden lie�. Wie Nervenbahnen verbanden sich �ste und Wurzelwerk mit dem Konstrukt aus totem Holz. Die Lotsen in ihren gl�sernen Kanzeln unter dem Rumpf konnten ihre Gedanken durch den Baum an den Wolkensammler �bermitteln. Meist jedenfalls. Barnaba bezweifelte, dass es auf ganz Nangog einen zweiten Mann gab, der eine dieser Himmelskreaturen so verstand wie er. Er hatte die Tr�ume von <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer</emphasis> geteilt, war in die verwickelten Gedanken der sieben Gehirne des Wolkensammlers eingetaucht. Er wusste, dass das riesige Gesch�pf Gedichte �ber Schneeflocken ersann, wusste, an welchen Baumriesen er besonders gerne ankerte und teilte die Erinnerung daran, wie der junge Wolkensammler von einem Adler schwer verletzt worden war. <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer</emphasis> mochte die Kreatur, die auf der Reling hockte, nicht. Obwohl sie so grotesk entstellt war, erinnere sie ihn immer noch zu sehr an einen Adler. Sie weckte k�mpferische Gef�hle in ihm.</p><p>Kolja stieg aus einem Luk an Deck und kam zu ihm her�ber. Der narbige Krieger lie� seine verbliebene Hand stets auf dem Schwertknauf ruhen, wenn er in die N�he des Vogelweibs kam. Barnaba wusste, wer der S�ldner gewesen war. Der Wolkensammler hatte ihn vor <emphasis>Bluthand</emphasis>, wie er Kolja nannte, gewarnt.</p><p>�Veccio flucht so lautstark, dass man ihn im halben Schiff h�ren kann�, rief Kolja Barnaba entgegen. Er blieb in einigem Abstand stehen und lie� das Vogelweib nicht aus den Augen. �Vorhin w�re seine Kanzel fast von einer Felsnadel abgerissen worden, die pl�tzlich aus den Wolken aufragte.�</p><p>�Sag dem Lotsen, dass wir in weniger als einer halben Stunde unser Ziel erreichen werden. Ich f�rchte, das letzte Flugman�ver wird ihn noch einige Nerven kosten.�</p><p>Der S�ldner sah ihn so �berrascht an, dass Barnaba schmunzeln musste. �Ich bin ein Heiliger Mann. Ich wei� um alles, was auf dem Schiff geschieht, so auch, dass Veccio dich hierhergeschickt hat, um diese Auskunft einzuholen.�</p><p>Kolja musterte ihn argw�hnisch. Barnaba konnte sp�ren, dass ihm der h�nenhafte Krieger nicht glaubte. Und er hatte v�llig recht�� es war <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont,</emphasis> der ihn �ber alles, was an Bord geschah, informierte. Barnaba musste nur �ber eine der Wurzeln streichen, um mit ihm verbunden zu sein.</p><p>�Soll ich Veccio auch das mit dem letzten Flugman�ver ausrichten?�</p><p>�Hast du Sorgen, dass er vor Angst in seine Glaskanzel pisst?�</p><p>Kolja sch�ttelte seinen entstellten Kopf. �Das hat er schon.�</p><p>�Es liegt bei dir, wie viel du ihm verr�tst.�</p><p>Der H�ne grunzte und kehrte zur�ck zu dem Luk, durch das er gekommen war. Er w�rde durch zehn Decks hinabsteigen, bis zu der gl�sernen Lotsenkanzel, die unter dem Rumpf des Schiffes hing. Nur von dort gab es freie Sicht in jede Richtung, au�er nach oben.</p><p>Es missfiel Kolja sichtlich, den Laufburschen zu spielen. Bluthand war ein passender Name f�r ihn. In der Wolkenstadt, unter den Himmelspiraten von Tarkon Eisenzunge, w�rde er sich gewiss wohler f�hlen als hier bei ihnen.</p><p><emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont</emphasis> verlor ein wenig an H�he, und das Schiff tauchte in die Wolkenbank. Barnaba war entt�uscht gewesen, als er zum ersten Mal durch Wolken geflogen war. Im Sonnenlicht sahen sie wundersch�n aus, als seien sie aus Ziegenk�se geschnitten. Doch durchquerte man sie, verflog aller Zauber, und es blieb nur besonders dichter, k�hler Nebel.</p><p>Das Vogelweib stie� einen kr�chzenden Laut aus und trat nerv�s von einem Bein auf das andere. Sp�rte sie, wohin die Reise ging? Gab es noch Verstand in diesem Kopf? Barnaba dachte an die Zeit, die er im Leib des Wolkensammlers verbracht hatte. Den langen Traum von dieser neuen Welt, der ihm Antwort auf seinen brennenden Schmerz gegeben hatte. Hier auf Nangog k�nnte sein Feldzug der Rache, nach dem er sich so sehnte, die Fackel der Freiheit entz�nden. Seine Rache bek�me einen �bergeordneten Sinn. Sich daf�r zu opfern, w�re nicht mehr nur selbsts�chtig, er opferte sich zugleich auch f�r die Freiheit dieser Welt, die so anders als seine ferne Heimat sein k�nnte. Barnaba tastete nach dem Dolch an seinem G�rtel. Die Waffe, die er vor der Vernichtung bewahrt hatte und die das Blut des Unsterblichen Aaron vergie�en w�rde.</p><p>Voller Zuversicht blickte er in den Nebel. Seine Zukunft lag klar vor ihm. Er w�rde diese Welt ver�ndern. Es hatte bereits begonnen, doch was bisher geschehen war, war nichts im Vergleich zu dem, was er entfesseln w�rde, wenn er erst das Traumeis gewann. Nangog war ihm in seinem Traum im Leib des Wolkensammlers erschienen, und sie hatte ihm verhei�en, was durch das Traumeis bewegt werden konnte.</p><p>Der Nebel lichtete sich. Sie hatten die Wolkendecke durchsto�en und flogen auf eine Felswand zu, in der sich eine gewaltige �ffnung befand, so, als sei sie vom Hammer eines zornigen Gottes getroffen worden. Sie erinnerte Barnaba an ein Tor, gro� genug, dass selbst die gewaltigsten der Wolkensammler hindurchfliegen konnten. Doch vielleicht hundert Schritt im Inneren des Tors wogte ein silberner Schleier, der die Sicht tiefer in den Berg hinein versperrte. B�ume und mannshohe Farne wucherten in dieser �ffnung. Ein Schwarm gro�er, roter V�gel kam ihnen entgegengeflogen, als sie sich dem Loch im Fels n�herten.</p><p>Das Vogelweib schwang sich in die Luft auf und segelte auf weit ausgebreiteten Schwingen neben dem Wolkensammler. Pl�tzlich �berkamen Barnaba Zweifel. Hatte er sich versch�tzt? War der Durchlass wirklich gro� genug? Seine Gefolgsleute blickten auf dem Deck kniend zu ihm auf. Der Priester breitete die Arme aus. �Alles wird gut!�, sagte er mit Donnerstimme, sich wohl bewusst, dass er nun auch gegen seine eigene Angst anpredigte. �Wir sind in der Hand Nangogs. Sie f�hrt und sch�tzt uns.�</p><p>Das Wolkenschiff war keine hundert Schritt mehr von der �ffnung entfernt. Der aufgedunsene Leib von <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont</emphasis> gab zischende und glucksende Laute von sich. Die Tentakel peitschten nerv�s in die Luft. Die st�rksten der Fangarme tasteten nach der roten Felswand, einige fanden Halt. Sie zerrten das Schiff tiefer in die H�hle hinein, es wurde dunkler, und eine k�hle Brise, die feine Wassertr�pfchen mit sich trug, schlug ihnen entgegen.</p><p>Die V�gel, die im Schiffsbaum lebten, zwitscherten nerv�s. Nun begann auch Barnaba zu beten. Stumm flehte er die Gro�e G�ttin an, sie alle zu sch�tzen. Vom Silberschleier drang nun ein lautes Rauschen zu ihnen. Ein Wasserfall lag hinter dem weiten Loch in der Felswand, und <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont</emphasis> flog geradewegs auf die tosende Gischt zu!</p><p>Ein Ruck lief durch das Schiff, als der Leib des Wolkensammlers gegen die gew�lbte Decke aus rotem Gestein stie�. Das Schiff scherte nach Steuerbord aus, und mit scharfem Knall brach die Spitze des Steuerbordhauptmastes. Lauter und verzweifelter ert�nten die Gebete seiner Gefolgsleute. Tentakel schnellten nach vorn und zerrten sie dem Wasserfall entgegen. Das Prasseln des Wassers war ohrenbet�ubend. Der Leib des Wolkensammlers hing wie ein gro�er Schirm �ber dem Schiff. Obwohl sich um sie herum ein Get�se erhob, als wolle die Welt zerbrechen, spritzte nur Spr�hwasser �ber das Deck, als sie ganz und gar vom Silberschleier des Wasserfalls eingeh�llt wurden.</p><p>Pl�tzlich war das Vogelweib wieder da. Nass und mit zerzaustem Gefieder landete es neben Barnaba auf dem Deck. Er strich ihr �ber das lange, schwarze Haar. Sie gab wimmernde Laute von sich, dr�ckte aber den Kopf fest gegen seine Hand, als habe sie lange nicht mehr die Ber�hrung einer barmherzigen Hand gesp�rt. Wer sie in ihrem fr�heren Leben wohl gewesen war? Noch w�hrend er dies dachte, schob sich der Leib des Wolkensammlers vollends durch den Wasserfall, und sie tauchten in eine breite Bahn aus goldenem Licht ein.</p><p>Barnaba hielt den Atem an�� sie flogen in eine H�hle hinein, die f�nf oder sechs Meilen weit sein musste! Es schien, als sei der ganze Tafelberg, dem sie entgegengeflogen waren, von innen ausgeh�hlt. Speere aus Licht durchbrachen die Finsternis. Er eilte zur Reling und lehnte sich weit nach vorn, um am Leib von <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont</emphasis> vorbei zur Decke der H�hle blicken zu k�nnen. Sie war von �ffnungen, gro� wie Stadttore, durchbrochen. Wurzelwerk und dunkelgr�ne Ranken wucherten dort. Vor dem Himmel zeichnete sich das Bl�tterwerk von B�umen ab. Wahrscheinlich waren die Lichtsch�chte von oben, wenn jemand den Tafelberg �berflog, trotz ihrer Gr��e kaum auszumachen. Tarkon hatte das vollkommene Versteck gefunden! Nun wunderte es Barnaba nicht mehr, dass der Himmelspirat von den Unsterblichen so lange vergeblich gejagt worden war. Diesen Ort konnte man nur mit Hilfe eines Verr�ters aufsp�ren.</p><p>Der Priester ahnte, was nun kommen w�rde. Auf einem breiten Felsvorsprung am gegen�berliegenden Ende der H�hle war eine Siedlung errichtet worden. Holzbaracken und Zelte umringten ein halbes Dutzend steinerner Bauten. Das Einzige, was dort wirklich solide aussah, waren die drei Ankert�rme, an denen zwei kleinere Wolkensammler vert�ut waren. Schon aus der Ferne konnte Barnaba sehen, dass in der Siedlung helle Aufregung herrschte. Auf den Flachd�chern der Steinbauten sammelten sich Bogensch�tzen, w�hrend andere M�nner eilends an Bord der Wolkenschiffe gingen. Er h�rte, wie sich das Rauschen des Wasserfalls ver�nderte. Ihr zweites Schiff hatte seinen Weg in die H�hle gefunden. Jetzt erst bemerkte er, dass der Grund der H�hle ganz von einem See eingenommen wurde. Unterhalb der Siedlung gab es Stege, und einige kleine Boote waren auf das Ufer hinaufgezogen worden.</p><p>Auf kleinen Terrassen entlang der H�hlenw�nde wuchsen B�ume, und an einer Stelle waren sogar Reisfelder angelegt worden. Wahrscheinlich ern�hrte all das nicht einmal Tarkons M�nner. Der Piratenf�rst w�rde nicht begeistert sein, wenn Hunderte Gl�ubige der Gro�en G�ttin in der legend�ren Wolkenstadt Zuflucht suchten.</p><p>Kolja kam aus der Luke in der Mitte des Decks gestiegen. Der S�ldner sah sich staunend um, dann eilte er an Barnabas Seite. �Soll ich das Schiff gefechtsbereit machen lassen?�</p><p>Der Priester sch�ttelte den Kopf. �Wir kommen in friedlicher Absicht.�</p><p>�Dann hoffe ich mal, dass die Bogensch�tzen dort hinten das auch wissen.�</p><p>�Die Gro�e G�ttin besch�tzt uns. Hab keine Sorge, mein Freund.�</p><p>�Ein ordentlicher Schild w�re mir lieber�, murmelte Kolja leise.</p><p>�Komm mit mir zum Bug, wir werden den Piratenf�rsten empfangen.�</p><p>�Das halte ich f�r keine gute Idee, Priester. Ich war bei der Flotte, die unter der F�hrung des Unsterblichen Aaron und der Ischkuzaia-Prinzessin Shaya den Piratenf�rsten in eine Falle lockte. Ich sch�tze, dass Tarkon sich noch an mich erinnert. Mein Gesicht vergisst man leider nicht so schnell. Vor allem, wenn man von mir ein Schwert in den Bauch gerammt bekommen und das wie durch ein Wunder �berlebt hat.�</p><p>Barnaba traute seinen Ohren nicht. �Du hast was?�</p><p>�Den Kerl abgestochen�, sagte Kolja ohne das geringste Anzeichen von Reue. �Er hatte versucht, den Unsterblichen Aaron umzubringen, und ich geh�rte zur Leibwache Aarons.� Der H�ne zuckte mit den Schultern. �Hab nur meine Pflicht getan.�</p><p>Barnaba seufzte. �Gibt es einen Krieg, in dem du nicht dabei gewesen bist?�</p><p>�In den letzten zehn Jahren nur wenige.� Kolja grinste ihn an. �Ich bin dann mal wieder unter Deck, bevor mich Tarkon sieht. Wollte nur wissen, ob hier oben alles klar ist.�</p><p>Der Priester sah dem S�ldner mit gerunzelter Stirn nach. Der Kerl begann sich aufzuspielen, als sei er der Schiffsf�hrer. <emphasis>Nachsehen, ob alles klar ist��</emphasis> Er sollte Kolja Gelegenheit geben, seinen Mut zu k�hlen. Barnaba l�chelte in sich hinein. Er wusste schon, wo dies sein w�rde�� vorausgesetzt, Tarkon fand den Drusnier nicht.</p><p>Immer noch l�chelnd ging Barnaba allein zum Bug und beobachtete, wie sich eines der kleinen Wolkenschiffe von seinem Ankerturm l�ste. �Geht unter Deck�, rief er seinen J�ngern zu. Vielleicht w�rden die Piraten sie doch mit einem Pfeilhagel empfangen.</p><p>Der Wolkensammler, der ihnen entgegenflog, gewann schnell an H�he. Barnaba sah, wie ein einzelner Mann auf die Reling stieg und zu ihm hin�bersah. Bald waren sie in Rufweite.</p><p>�Ich biete euch Frieden�, rief Barnaba mit der ge�bten Stimme eines Predigers. Als Antwort erhielt er nur Gel�chter.</p><p>Pl�tzlich wurde der Mann auf der Reling von einem Tentakel seines Schiffs ergriffen, der sich um seinen Leib schlang und ihn �ber den Abgrund hinweg zu <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont</emphasis> trug. �ber Deck l�ste sich die Umklammerung, und der Krieger landete leicht federnd auf den Planken, keine zehn Schritt von Barnaba entfernt.</p><p>�Wir kommen in Frieden�, sagte der Priester entschieden und hob beide H�nde, sodass der Pirat sehen konnte, dass er unbewaffnet war.</p><p>�Das ist auch besser f�r euch�, entgegnete der Fremde selbstbewusst. Er hatte eine dunkle, sympathische Stimme. �Ihr seid also der Prediger.�</p><p>Barnaba war einigerma�en verbl�fft. �Ihr kennt mich?�</p><p>�Du bist Barnaba, einst die rechte Hand des Abir Ata�, Hohepriester Arams, der einige sehr unsch�ne Dinge �ber mich verbreitet hat. Und ich sch�tze, du err�tst, wer ich bin.� Der Pirat l�chelte. Er hatte ein schmales, gut aussehendes Gesicht, das von dunklen Augen beherrscht wurde. Ein rotes Stirnband b�ndigte sein schulterlanges, ergrauendes Haupthaar. Er beherrschte die Sprache Arams fast ohne Akzent und schien gebildet zu sein, obwohl ihm eine gewisse Wildheit anhaftete. Jetzt erst bemerkte Barnaba, dass sein Gegen�ber unbewaffnet war.</p><p>�Die Gro�e G�ttin hat mich in meinen Tr�umen auf deine Ankunft hingewiesen, Priester.� Er blickte zu dem m�chtigen Wolkensammler hinauf. �Allerdings hat sie einige Kleinigkeiten ausgelassen�� etwa, wie du hier erscheinen w�rdest. Ich gestehe, das Erscheinen dieser Schiffe hat mir und meinen M�nnern einen geh�rigen Schreck eingejagt.�</p><p><emphasis>Mir hat Nangog auch nicht alles offenbart</emphasis>, dachte Barnaba und blickte zu der �rmlichen Siedlung der Piraten. Er hatte sich die Wolkenstadt pr�chtiger vorgestellt. �Ich nehme an, vor mir steht Tarkon Eisenzunge�, sagte der Prediger ein wenig konsterniert. Dass auch der Pirat ein Vertrauter der Gro�en G�ttin zu sein schien, �berraschte ihn. Gewiss, ohne ihren Schutz h�tte er niemals so lange �berlebt. Aber dass sie ihm Tr�ume und Visionen schickte�� Das sollte ihren Priestern vorbehalten sein! Er ma�te sich ja auch nicht an, mit der Waffe in der Hand f�r die G�ttin zu streiten. Aber vielleicht war sich Tarkon ja gar nicht bewusst, wie bevorzugt er war. Er musterte den gro�en, sehnigen Mann absch�tzig. Tarkon war bartlos, was ungew�hnlich f�r einen Krieger war. Welchem Volk er wohl entstammte?</p><p>Auch der Piratenf�rst taxierte ihn mit seinen schwarzen Augen. �Du bist vernarbt wie ein altes Maultier, Priester. Als ich in meinem Wolkensammler ruhte, wurde ich g�nzlich wiederhergestellt. Mir scheint, dein Gro�er liebt dich nicht.�</p><p>�Ich bat ihn, meine Narben behalten zu k�nnen�, entgegnete Barnaba gereizt. �Eine jede erinnert mich daran, welche Gr�uel noch unges�hnt sind.�</p><p>Tarkon wirkte pl�tzlich ernster. �H�rt sich so an, als sei es nicht gut, dich zum Feind zu haben. Lass uns also ganz offen reden. Wir beide stehen auf derselben Seite. Aber ich begreife nicht ganz, warum du hierhergekommen bist. Auch das hat Nangog mir in meinen Tr�umen nicht verraten. Und sag mir, wof�r du k�mpfst. Ganz frei heraus und ohne irgendwelchen Phrasen.�</p><p>�Ich will den Tyrannen Aaron tot sehen. Und ich will, dass Nangog eine freie Welt wird, auf der die Unsterblichen und selbst die Devanthar keine Macht mehr haben.�</p><p>Tarkon packte ihn leidenschaftlich bei den Schultern, zog ihn heran und umarmte ihn, dass Barnaba fast die Luft wegblieb. �Du bist mein Mann, Priester. Das ist auch mein Kampf.�</p><p>Barnaba war erleichtert und zugleich auch entt�uscht. Er hatte hier eine Zuflucht f�r seine J�nger gesucht und einen Verb�ndeten. Allerdings hatte er einen m�chtigeren Mann erwartet als den, der vor ihm stand. �berall wurde erz�hlt, dass Tarkon jeden Gefangenen vor die Wahl stellte, seinen alten Herrschern abzuschw�ren und ein freier Mann zu werden oder den Wolkentod zu sterben. Das war wohl auch nur eines der vielen M�rchen, die sich um den Himmelspiraten rankten. In der Siedlung auf der Klippe lebten vielleicht f�nf- oder sechshundert Menschen. Barnaba hatte darauf gehofft, hier zwei- oder dreitausend Piraten vorzufinden. Eine m�chtige Festung, verteidigt von einem ganzen Heer, das sich der Freiheit verschworen hatte.</p><p>�Gut, dass wir uns in unseren Zielen einig sind�, sagte der Priester und l�ste sich aus Tarkons Umarmung. Seine Entt�uschung war ihm anzuh�ren. �Ich werde dir helfen, hier eine richtig gro�e Gemeinde aufzubauen. Ich muss zun�chst noch eine Reise antreten, doch wenn ich wiederkomme, werde ich mich ganz deiner Sache verschreiben. Und mach dir keine Sorgen: Unsere Schiffe haben Korn und P�kelfleisch geladen. Wir versorgen uns selbst. In meinem Gefolge reisen auch sehr viele Frauen. Das ist gut f�r die Moral. Wenn sich das herumspricht, dann werden mehr M�nner von den gekaperten Schiffen zu dir �berlaufen. Du wirst sehen, wir werden uns mit der Zeit ein richtiges kleines K�nigreich aufbauen. Ich bin dein Priester, und du wirst hier herrschen.�</p><p>Tarkons L�cheln war anfangs immer breiter geworden, doch bei den letzten Worten verblasste es schlagartig. �Du hast es doch nicht begriffen, Priester. Es kann nicht unser Ziel sein, einen Tyrannen durch einen anderen zu ersetzten. Und jeder Herrscher wird irgendwann zum Tyrannen. Ich will keine Krone, und du kannst mir auch kein K�nigreich schenken. Es gibt l�ngst ein Reich der Freien, verborgen vor den Unsterblichen. Und ich bin der Schild, der es sch�tzt.�</p><p>Barnaba schluckte. Er sah zu der kleinen Siedlung und dann wieder zu Tarkon. Der Piratenf�rst hatte offensichtlich den Sinn f�r die Realit�ten verloren. Der Priester nickte ernsthaft. �Der Schild der Freien. Das ist gut.�</p><p>�Warum so ironisch?�</p><p>Barnaba hob abwehrend die H�nde. �So habe ich das nicht gemeint. Bitte entschuldige, wenn es dir so erschien. Ihr habt da eine sch�ne Stadt gebaut. War sicher schwer, hier in der H�hle, so ganz ohne Mittel.� Er brauchte Tarkon. Er durfte ihn nicht ver�rgern, auch wenn er ganz offensichtlich irre war.</p><p>Der Pirat kniff die Augen zusammen und sah ihn misstrauisch an. �Du nennst das da schon eine Stadt?� Bei seinen Worten nickte er in Richtung der Siedlung. �Das ist ein Dreck. Mehr hat die Bande von Halsabschneidern, die mit mir auf Kaperfahrt geht, nicht zuwege gebracht. Das sind keine Bauern und Handwerker, musst du wissen. Sag mal�� dieses Vieh da��� Er deutete auf das Vogelweib, das nicht weit von ihnen auf dem Deck kauerte. �Kann das k�mpfen?�</p><p>�Sie hat einen Wolkenschiffer aus unserer Takelage gepfl�ckt.� Barnaba ging zu der armen Kreatur und strich ihr sanft �ber das Haar. Tarkon sollte sehen, dass er Macht �ber die neuen Gesch�pfe Nangogs besa�. Zumindest hoffte Barnaba, dass auch die anderen Kreaturen, die Nangog ihm in seinen Visionen gezeigt hatte, zahm wurden, wenn er auf sie zuging.</p><p>Tarkon versuchte sie nun auch zu ber�hren, aber das Vogelweib schnappte sofort mit dem Schnabel nach ihm. Eilig trat der Pirat zwei Schritte zur�ck.</p><p>Barnaba sprach beruhigend auf sie ein, dann wandte er sich wieder an den Piraten. �Es sieht so aus, als h�tte diese Bestie Gefallen an Menschenfleisch gefunden. Sie wird uns sicher helfen. Aber zur�ck zum Wesentlichen. Wirst du mein Gefolge hier in deiner H�hle aufnehmen und besch�tzen?�</p><p>�Hier?� Tarkon wirkte irritiert. �Ich glaube nicht, dass dies��� Pl�tzlich weiteten sich seine Augen. Dann begann er zu lachen. �Du wei�t es nicht! Sie hat es dir nicht gezeigt, richtig?�</p><p>�Wovon redest du?�</p><p>�Sie sind alle hohl, die Tafelberge. Alle, an denen du vor�bergeflogen bist. Die S�ulen der Gro�en G�ttin, sie waren f�r ihre Kinder geschaffen. Die Kinder, die ihr abschlie�endes Sch�pfungswerk sein sollten. Jene nie vollendeten Leiber, deren Seelen zu den Gr�nen Geistern wurden. Sie hat uns ihre S�ulen geschenkt! Sieben St�dte haben wir gegr�ndet und dreiundvierzig D�rfer. Mehr als drei�igtausend haben hier, im verborgenen Refugium der Freien, Zuflucht gefunden. Die Geschichten �ber die Wolkenstadt habe ich mit Bedacht ausgestreut, um unsere Feinde in die Irre zu f�hren. Sie werden uns niemals <emphasis>in</emphasis> den Bergen suchen. Dort liegt die wirkliche neue Welt! Eine Welt ohne selbstverliebte Satrapen, fette Handelsherren und grausame Gutsbesitzer. Hier f�ngt ein jeder ohne Vergangenheit neu an. Alle sind gleich, ob F�rstensohn oder Bettlerkind. Hier z�hlt nur der Mensch. Und �ber uns allen wacht Nangog. Hier hat die Erde nicht gebebt. Hier sind keine Schreckenskreaturen wie dieses Vogelweib erschienen, und die Frauen, die hier leben, k�nnen Kinder geb�ren.�</p><p>Barnaba war sprachlos. Das war mehr, als er sich je ertr�umt hatte. Zugleich blieb er misstrauisch. Was er in diesem Berg sah, passte so ganz und gar nicht zu den Geschichten des Piraten. Vielleicht war er doch verr�ckt. �Warum hast du hier dein Lager aufgeschlagen? Warum nicht bei einer der St�dte?�</p><p>Tarkon war seine Entt�uschung anzusehen. �Du glaubst mir nicht? Ein Priester ohne Glauben.� Der Pirat sch�ttelte den Kopf. �Dies hier ist der einzige Berg, in den Wolkensammler hineinfliegen k�nnen. Sieh dich um!� Er weitete die Arme. �Siehst du hier einen Ort, an dem man eine Stadt errichten k�nnte? Die steilen H�nge, der tiefe See. Wo w�rdest du eine Stadt bauen? Weil ich meine Wolkenschiffe hier im Berg verstecken kann, haben mich die H�scher der Unsterblichen nie gefunden. Es gab Zeiten, da haben mehr als sechzig Schiffe an allen Himmeln nach mir gesucht. Die Zug�nge zu den anderen Bergen sind klein. Sie liegen verborgen im Dschungel oder in unzug�nglichen T�lern. Du willst eine der St�dte sehen? Gehen wir. Die n�chste liegt drei Tagesm�rsche entfernt. Unsere sch�nste Stadt liegt sieben Tagesm�rsche von hier. Du solltest sie sehen, Priester, sie ist wirklich���</p><p>Barnaba hob abwehrend die H�nde. �Ich glaube dir.�</p><p>Es war im Augenblick gleichg�ltig, ob das Reich der Freien nur in Tarkons Kopf existierte oder ob es Wirklichkeit war. Ganz sicher war es ein sch�ner Traum. Aber Barnaba konnte ihn noch nicht mit dem Piraten teilen. Nicht jetzt! �Ich werde mit diesem Schiff schon morgen deinen Hafen verlassen m�ssen. Nangog will es so. Ich werde nach etwas suchen, womit wir die Himmel erobern und die Tyrannen endg�ltig besiegen. Wenn ich es finde, dann werden die Freien sich nicht mehr in H�hlen verstecken m�ssen. Es wird die Welt ver�ndern! Es wird alle frei machen. Nangog hat mich auserw�hlt, das Traumeis zu finden.� Barnaba dachte an die Visionen, die er im Leib des Wolkensammlers gehabt hatte, als seine Wunden heilten und die Gro�e G�ttin ihm nahe gewesen war. Er hatte eine Ebene aus Eis gesehen, die von Horizont zu Horizont reichte. Sie w�rden viele Tage �ber das Eis fliegen, bis sie den Ort erreichten, an dem der gr��te Schatz Nangogs lag.</p><p>�Ich werde ins ewige Eis aufbrechen, Tarkon. Dorthin, wo nachts gr�ne Lichtb�gen �ber den Himmel tanzen. Es ist ein Ort von strenger Sch�nheit. Ein Ort f�r G�tter und Geheimnisse.�</p><p>Tarkon sah ihn ernst an. �Du willst an einen Ort, an dem Tr�ume zu Eis werden? Das ist nicht klug. Dort wirst du nur eines finden, Priester, den Tod.�</p></section><section><title><p>Zu viele Kriege</p></title><p>�Du bist sicher, dass du das schaffen kannst? Es ist eine sehr gef�hrliche Aufgabe, Lamgi.� Pl�tzlich �berkamen Artax Zweifel, ob er dem schlaksigen Kerl mit dem rasierten Sch�del diese Pflicht auferlegen sollte. Lamgi hatte tapfer auf der Ebene von Kush gek�mpft und war einer der Scharf�hrer in seiner neuen Leibwache geworden, aber was er nun von ihm verlangte, war im h�chsten Ma�e selbstm�rderisch.</p><p>Der Bauernkrieger nickte selbstbewusst. �Es hei�t, Tarkon stellt jeden Gefangenen vor die Wahl, sich ihm anzuschlie�en oder den Wolkentod zu sterben. Niemand wird sich wundern, wenn ich mich daf�r entscheide zu leben, Herrscher aller Schwarzk�pfe.�</p><p>�Aber du wei�t auch, dass noch nie jemand aus dem Versteck Tarkons geflohen ist. Ich m�chte dich nicht �berreden���</p><p>�Es gibt immer ein erstes Mal�, entgegnete Lamgi erstaunlich selbstbewusst. �Ich werde Euch nicht entt�uschen, Erhabener.�</p><p>�Dein au�erordentlicher Mut soll mit einer ebenso au�erordentlichen Belohnung geadelt werden. Dir steht ein Wunsch frei, wenn du wiederkehrst, Lamgi. Wenn ich dank dir Tarkon Eisenzunge besiegen kann, wirst du viele Menschen gerettet haben.�</p><p>Lamgi verneigte sich dem�tig. Er bewegte sich erstaunlich gewandt f�r einen gro�en, knochigen Mann. �Ich m�chte Euch nicht br�skieren, Erw�hlter, aber wenn Ihr erlaubt, wei� ich schon jetzt, was ich einst sein m�chte.�</p><p>�Sprich.�</p><p>�Macht mich zu einem der Hauptleute unter den Kushiten, wenn ich zur�ckkehre, Herrscher aller Schwarzk�pfe. Es ist mein gr��ter Wunsch, Euch zu dienen und Euch immer nahe zu sein.�</p><p>�Dein Wunsch wird dir erf�llt werden, Lamgi. Und ich w�nsche dir Gl�ck bei dieser schwierigen Aufgabe. M�gen wir uns bald wiedersehen.�</p><p>Der Bauernkrieger verneigte sich und verlie� dann das kleine Zelt, das inmitten des Tr�mmerfelds des T�pferviertels aufgeschlagen stand. Ashot, der die ganze Zeit �ber schweigend neben dem Eingang gestanden hatte, spuckte aus, nachdem Lamgi verschwunden war. �Ich trau dem Kerl nicht. Ihr solltet ihn nicht in Eure N�he lassen, Erhabener. Etwas stinkt an dieser Sache.�</p><p>�Was hat er verbrochen, dass du ihn so sehr verachtest?�</p><p>�Er hat in der Schlacht in Eurem R�cken gestanden, Herr. So wie Narek. Er h�tte sehen m�ssen, wer Narek ermordet hat�� aber er behauptet, ihm sei nichts aufgefallen.�</p><p>Artax seufzte. �Das ist alles? Du hast selbst in der Schlacht gek�mpft. Du wei�t, wie es war. Man hat nur Augen f�r die Feinde und dazu eine verdammte Todesangst. Ich finde es nicht verd�chtig, dass er nicht bemerkt hat, wie Narek starb.� Artax sp�rte einen Klo� im Hals aufsteigen. Es war so viel geschehen, seit er seinen toten Freund nach Belbek zur�ckgebracht hatte. Er hatte keine Zeit gehabt, um Narek zu trauern. Die Wunde, die sein Tod hinterlassen hatte, hatte nicht heilen k�nnen.</p><p>�An jenem Tag sind viele tapfere M�nner an meiner Seite gefallen�, sagte er bitter. �An die meisten erinnere ich mich auch nicht mehr.�</p><p>�Ich mag ihn nicht�, beharrte Ashot. �Er hat so etwas��� Er hob hilflos die H�nde. �Es ist, als w�re er nicht da. Er verschwindet trotz seiner auff�lligen Gestalt, wenn er unter Menschen ist. Er trinkt nicht, flucht nicht, hat keine Laster. Wenn er auf ein Fest geht, dann kann sich hinterher niemand sicher erinnern, ob er tats�chlich da gewesen ist, weil er mit niemandem geredet hat. Er steht nur in einer schattigen Ecke und sieht zu. Er ist wie ein Geist. So einen Mann k�nnt Ihr nicht als Hauptmann in Eurer Leibwache gebrauchen, Unsterblicher.�</p><p>�So, wie du ihn beschreibst, ist er genau der Richtige f�r diese Mission.� Artax blickte auf den Tisch voller Tontafeln, die nie weniger wurden, ganz gleich, wie hart er arbeitete. �Seit dem gro�en Beben sind drei Kornschiffe von Tarkon gekapert worden. Du wei�t, dass der Winter Hunger in die sieben K�nigreiche bringen wird. Ich bin mir mit dem Unsterblichen Labarna, mit Leon, dem Statthalter von Valesia, und Prinz Subai, Statthalter von Ischkuza, einig. Wir m�ssen herausfinden, wo Tarkon sein Versteck hat, und die Bedrohung durch den Piraten ein f�r alle Mal beenden. Sie alle suchen nach ihm, und alle werden sie Truppen und Himmelsschiffe zur Verf�gung stellen, wenn er gefunden wird.�</p><p>Ashot senkte niedergeschlagen das Haupt.</p><p>�Was?�, fragte Artax gereizt.</p><p>�Ihr f�hrt zu viele Kriege, Herr. Die Ebene von Kush, Bessos und Eleasar, der Kampf gegen die Zapote�� Gibt es denn niemals Frieden?�</p><p>Artax ging zum Eingang des Zeltes und wies auf die verw�stete Stadt. �Siehst du das, Ashot? Tausende dort unten hungern. Sie haben kein Dach mehr �ber dem Kopf. Haben alles verloren. Eines der Schiffe, das Tarkon pl�nderte, sollte Lebensmittel f�r die Hungernden dieser Stadt bringen. Kann ich das dulden, Ashot? In den Lazaretten gibt es M�nner, denen nun die Handvoll Korn fehlt, um einen Tag l�nger zu leben. Was f�r ein Herrscher w�re ich, wenn ich das dulden w�rde?�</p><p>Ashot seufzte. �Ich sagte ja nicht, dass es nicht gute Gr�nde g�be���</p><p>�Komm, mein Freund. Es ist viel zu tun. Die anderen warten auf uns. Wir sollten nicht so lange der Versammlung fernbleiben. Sonst sieht es noch so aus, als dr�ckten wir uns um unsere Verantwortung.�</p><p>Artax verlie� das Zelt und schritt �ber den h�lzernen Steg, der �ber die Ruine des Tempels der kleinen G�tter f�hrte. Hier waren vor dem Beben Heiligen aus allen Regionen Daias Alt�re errichtet worden. Am Ende des Stegs gab es nur noch einen Weg aus schmalen Planken, die durch das weite Tr�mmerfeld gelegt waren. Unter dem einzigen, verbliebenen Mauerbogen des Aqu�dukts in diesem Viertel war eine h�lzerne Plattform auf Stelzen errichtet worden. Im Wind, der vom Gro�en Fluss den Hang des Weltenmunds heraufwehte, flatterten die Banner der Unsterblichen.</p><p>Hierher kamen die Bittsteller aus den Ruinen, die Baumeister, die aus allen L�ndern Daias herbeigerufen worden waren und sich bem�hten, wieder Ordnung in die halb zerst�rte Stadt zu bringen. Freiwillige Helfer meldeten sich hier und wurden Trupps zugeteilt, die damit begonnen hatten, systematisch die Tr�mmer zu beseitigen. Diese Plattform war zum Herzen der Goldenen Stadt geworden. Alle Entscheidungen von Bedeutung wurden hier getroffen.</p><p>Beim N�herkommen sah Artax Labarna, den Unsterblichen von Luwien, der alle M�nner um sich herum �berragte. Der Herrscher trug nur eine schlichte, braune Tunika. Seine H�nde waren aufgesch�rft. Er war sich nicht zu schade, selbst mit anzupacken, wenn es galt, schwere Gesteinsbrocken zu bewegen. Als er Artax bemerkte, winkte er ihm aufgeregt zu. �Ein Wunder ist geschehen!�</p><p>Artax erklomm dicht gefolgt von Ashot die kurze Leiter zur Plattform. Labarna kam ihm entgegen. Der Unsterbliche war �ber und �ber mit dem roten Staub geborstener Ziegelsteine bedeckt. �Wir haben noch drei �berlebende gefunden. Beim Platz der tausend Zungen. Sie waren in einem Gew�lbe versch�ttet. Es gab dort Wasser und ein wenig zu essen. Sie sind v�llig abgemagert und zu schwach, um auf den Beinen zu stehen, aber sie leben. Und das dreiundzwanzig Tage nach dem Erdbeben. Es ist unglaublich! Ein Wunder!�</p><p>�Das ist gut�, sagte Artax begeistert. �Wirklich gut! Unsere Stadt braucht Wunder. Sie geben allen Kraft und neue Hoffnung.� Aus dem Augenwinkel sah Artax den Galgen hinter dem Aqu�dukt. Nicht alles, was Labarna tat, gefiel ihm. Gegen Pl�nderer war der Luwier unbarmherzig. Sie wurden hierhergebracht und gehenkt. Allerdings hatte Artax auch schon erlebt, dass Labarna im Zweifel f�r den Angeklagten entschied.</p><p>Artax sah sich um. Einige W�rdentr�ger und Hauptleute standen auf der Plattform, Schreiber und auch zwei Baumeister, deren Aufgabe es war zu entscheiden, welche Geb�ude noch zu retten waren und welche zur Sicherheit eingerissen werden sollten.</p><p>�Wo steckt Arcumenna?�</p><p>Labarna schnaubte ver�chtlich. �Er erholt sich von der Last der Verantwortung. Wie immer w�hrend der hei�esten Tagesstunden. Wenigstens arbeiten seine M�nner noch.�</p><p>Artax seufzte. Er hatte versucht, alle Unsterblichen daf�r zu gewinnen, ein Zeichen zu setzen und den Einwohnern der Goldenen Stadt mit allen Mitteln zu helfen. Nur Labarna war ihm gefolgt. Krieger, die sich vor wenigen Wochen erst auf der Hochebene von Kush als Todfeinde begegnet waren, arbeiteten nun Seite an Seite. Madyas, der Unsterbliche, der �ber die Ischkuzaia herrschte, hatte seinen Sohn Prinz Subai, seinen Statthalter auf Nangog, angewiesen, ihnen zu helfen. Doch der ritt lieber mit seinen Adlern zur Jagd in die W�lder. Wenn er wenigstens den Daimonen nachstellen w�rde, �ber die sie nun immer mehr Berichte erhielten. Mit Schaudern dachte Artax an den Krokodilmann, dessen Leiche man ihm vor drei Tagen gezeigt hatte. Vielleicht konnte er den Prinzen ja bei seinem Stolz packen und ihn �berreden, diesem gef�hrlicheren Wild nachzustellen. Bislang halfen nur einige wenige M�nner seiner Leibwache bei den Aufr�umarbeiten. Manchmal stolzierte Subai durch den Schutt und gab mehr oder weniger sinnvolle Befehle.</p><p>Arcumenna, der Laris von Truria und Statthalter auf Nangog, vertrat den Unsterblichen Ansur von Valesia. Er bem�hte sich nach Kr�ften. Wenn es nicht zu hei� war�� Sein Herrscher hatte keinen einzigen der Arbeiter aus Selinunt abgezogen, der Wei�en Stadt, die er in seinem K�nigreich errichten lie�. Sein Traum war es, die sch�nste Stadt Daias zu erbauen. Iwar, der Unsterbliche von Drusna, verf�gte zwar �ber keine Mittel und Vorr�te, aber er hatte f�nfhundert kr�ftige Holzf�ller geschickt, unter der Bedingung, dass andere sich darum k�mmerten, sie zu verk�stigen und zu bezahlen.</p><p>Die Zapote lehnten jede Zusammenarbeit mit ihm ab. Wahrscheinlich w�rde es wegen seines �berfalls auf den Tempel zum Krieg mit ihnen kommen, dachte Artax bitter. Ashot hatte recht: Er war dazu verdammt, von Schlachtfeld zu Schlachtfeld zu ziehen.</p><p>Der Statthalter der Schwimmenden Inseln war ebenfalls seinen eigenen Weg gegangen. Er organisierte den Wiederaufbau des Hafens und half dort�� ohne sich mit jemandem abzusprechen. Aber immerhin kamen von den Inseln Lebensmittel und Arbeiter.</p><p>Labarna trat an seine Seite. Neben dem Luwier f�hlte er sich jedes Mal wie ein Zwerg. Labarna war der gr��te Mann im Heer Muwattas gewesen. Bewaffnet mit einer riesigen Keule, war er in der Schlacht genauso unaufhaltsam wie ein Kriegselefant. Gemeinsam blickten sie �ber das weite Tr�mmerfeld, das sich den Hang hinab bis zum Gro�en Fluss erstreckte. Manchmal ragte ein einzelnes Geb�ude inmitten von Ruinen auf. Einige Viertel waren r�tselhafterweise fast ganz verschont geblieben. Alle unversehrten H�user hatten die Statthalter beschlagnahmt, um Obdachlose und Fl�chtlinge, die jeden Tag in gr��erer Zahl in die Ruinenstadt str�mten, unterzubringen.</p><p>�Ich wei�, was du denkst, Aaron�, sagte Labarna noch voller Begeisterung �ber das Wunder der Geretteten vom Platz der tausend Zungen. �Es ist �bermenschlich. Es sieht so aus, als k�nnten wir es niemals schaffen. Manchmal bin auch ich verzweifelt. Vor drei Tagen haben wir den Befehl gegeben, nicht mehr nach Versch�tteten zu suchen, weil nur noch Tote geborgen worden waren. Es schien unm�glich, dass nach so langer Zeit noch jemand lebte. Aber Wunder geschehen. Wir werden diese Schlacht gemeinsam schlagen, Aaron. Wir werden die Goldene Stadt wieder aufbauen, gr��er und pr�chtiger, als sie je zuvor war! Wir werden���</p><p>Labarna stockte. Pl�tzlich knieten die M�nner rings herum nieder und neigten dem�tig ihre H�upter. Alle Gespr�che waren verstummt. Artax sp�rte, wie sich die feinen H�rchen in seinem Nacken aufrichteten. Langsam drehte er sich um. Inmitten der Schutth�gel stand eine l�wenh�uptige Gestalt.</p><p>�Aaron, Unsterblicher Arams, Herrscher aller Schwarzk�pfe, meine Br�der und Schwestern schicken mich als Boten�, sprach der Devanthar mit Donnerstimme. �Als Erster unter den Menschen ist Euch die Gnade gew�hrt, in den Gelben Turm zu kommen. Sie werden Euch erh�ren, so wie es Euch versprochen ward.�</p><p>Leises Raunen ging durch die Versammelten.</p><p>Aaron sp�rte, wie alle zu ihm aufblickten</p><p><emphasis>Mach dir keine Hoffnungen,</emphasis> erklang die Stimme des Devanthar in seinem Kopf. <emphasis>Es ist ein Tribunal, vor das du treten wirst. I�ta will dein Blut. Sie erwarten uns. Noch in dieser Stunde!</emphasis></p></section><section><title><p>Unter G�ttern</p></title><p>Wie tausend feine Nadeln schnitt der eisige Wind in sein Gesicht. Der L�wenh�uptige hatte Artax durch das Goldene Tor gebracht. Sie waren nur ein paar Schritt auf dem verwunschenen Pfad zwischen den Welten gegangen. Nun standen sie auf einem sturmumtosten Felsvorsprung hoch in den Bergen. Feiner Schnee wurde vor dem Wind hergetrieben. Vor ihnen lag ein steiler Pfad, der noch h�her f�hrte. Artax legte den Kopf in den Nacken, und dann sah er ihn, den Turm, von dem er zum ersten Mal als Kind geh�rt hatte. Die gelbe Trutzburg der G�tter! Sie verschmolz mit den dunklen Wolken.</p><p>�Komm!�, ermahnte ihn der L�wenh�uptige. �Meine Br�der und Schwestern sind ungeduldig.�</p><p>Artax folgte dem Devanthar, der mit eiligen Schritten den steilen, schneebedeckten Pfad erklomm. Bald schon begann Artax zu keuchen. Es war so wie damals auf dem Wolkenschiff, das immer h�her in den Himmel gestiegen war. Hechelnd rang er um Luft, atmete schneller und schneller und hatte doch das Gef�hl, langsam erdrosselt zu werden.</p><p>Bald musste er alle paar Schritte eine kurze Rast einlegen.</p><p>Ver�rgert kam der L�wenh�uptige zur�ck. �Ihr Menschen seid zu schwach�, grollte er, legte seine gro�e Hand an Artax� Kehle und lie� sie dann langsam auf dessen Brust hinabgleiten, bis sie �ber dem Herzen ruhte. Dabei stie� er eine Folge dunkler, grollender Laute aus, die Artax bis ins Mark gingen. Nie zuvor hatte er etwas Vergleichbares geh�rt. Wenn dies eine Sprache war, dann war sie dazu ersonnen worden, den dunkelsten Abgr�nden der Seele nachzusp�ren.</p><p>Pl�tzlich hatte er ein Gef�hl, als zerrei�e etwas in seiner Kehle. Ein scharfer Schmerz stie� von seinem Hals hinab in die Lungen, so intensiv, dass ihm Tr�nen in die Augen traten. Er w�hrte einen Herzschlag lang, dann konnte Artax frei atmen.</p><p>�Wird es nun gehen?�, fragte der L�wenh�uptige.</p><p>�Ja. Danke.� Artax hatte erwartet, dass ihm das Sprechen schwerfallen w�rde oder er zumindest eine raue Stimme h�tte, doch beides war nicht der Fall. Er konnte wieder frei atmen, das Gef�hl zu ersticken, war verflogen.</p><p>�Komm�, dr�ngte der Devanthar und eilte erneut voraus.</p><p>Der Aufstieg dauerte noch gut eine halbe Stunde, dann erreichten sie einen Torbogen, so hoch wie eine alte Zeder. Mannslange Eiszapfen hingen von der W�lbung hinab und lie�en Artax an einen Raubtierschlund denken. Der Wind erzeugte seltsame Laute, als er durch die Eiszapfen strich. Sie erinnerten an das leise Wimmern eines verwundeten Tiers. Hinter dem Tor lag ein fensterloser Saal, der sich in Schatten verlor. Das Echo ihrer Schritte hallte von den fernen W�nden wider.</p><p>Der L�wenh�uptige f�hrte ihn zu einer Treppe, deren Stufen so hoch waren, dass es unangenehm war, sie zu ersteigen. Artax kam sich vor wie ein kleines Kind. Dieser Turm war wahrlich nicht f�r Menschen erbaut worden. Sie verlie�en die Treppe und durchquerten einen zweiten Saal. Hier war es heller, doch bald w�nschte Artax sich, es w�re so dunkel wie unten beim Eingang. Etwas stimmte mit diesem Raum nicht. Sie gingen auf eine gro�e T�r zu, neben der ein gewaltiger Tiersch�del an der Wand lehnte. Jedes Mal, wenn sie die T�r fast erreicht hatten, schien sie ein St�ck vor ihnen zu fliehen. Verwirrt blickte Artax zur�ck. Die Treppe lag nur ein kurzes St�ck hinter ihnen, aber sie gingen und gingen, ohne voranzukommen. Die Decke wurde von einem weit gespannten Kreuzgew�lbe getragen. Zwei Reihen von S�ulen untergliederten den Saal. Jedes Mal, wenn er zur Decke sah, hatte er das Gef�hl, dass ganz am Rande seines Gesichtsfeldes die Streben des Gew�lbes verrutschten. Ein Anblick, der ihm �belkeit bereitete.</p><p>Pl�tzlich standen sie vor dem Sch�del, als h�tten sie einen weiten Sprung quer durch den Saal getan. Da war etwas in diesem kn�chernen Gef�ngnis. Etwas bewegte sich in den Schatten. Fl�chtig glaubte Artax eine Gestalt zu sehen. Oder war es ein Trugbild? Als er genauer hinsah, waren dort nur noch Schatten.</p><p>�Sei nicht zu neugierig�, warnte der L�wenh�uptige. �Es gibt Wissen, das dir f�r immer deinen Seelenfrieden rauben w�rde. Es anzustreben ist nicht weise. Und nun folge mir.� Wie von Geisterhand schwang die hohe T�r vor ihnen auf. Vor ihnen lag ein weiterer Saal, durch den S�ulen aus Schatten wanderten. Sie erinnerten Artax an die breiten Lichtbahnen, die an sonnigen Tagen durch die schmalen Dachluken in seinen d�steren Thronsaal in Ak�u fielen. Doch hier waren Licht und Schatten vertauscht. Der weite Saal war hell, ohne dass es ein einziges Fenster gegeben hatte. Und durch das Licht bewegten sich Schattens�ulen, unstet, springend, manchmal flackerten sie sogar und verblassten, um dann urpl�tzlich an anderer Stelle neu zu erstehen. Die befremdlichen Lichtverh�ltnisse machten es Artax unm�glich zu sagen, wie gro� der Saal war. Auch konnte er nicht einsch�tzen, wie viele Devanthar sich versammelt hatten. Drei�ig? Vierzig? Manche standen in kleinen Gruppen beisammen, andere allein, und immer wieder verschwanden einzelne in den tanzenden Schattens�ulen, um binnen eines Herzschlags an anderer Stelle im Saal wieder zu erscheinen.</p><p>Kaum dass er die Schwelle der hohen T�r �berschritten hatte, erscholl hinter ihm das leise Wimmern, das er schon geh�rt hatte, als er den Turm betreten hatte. Es war ein Laut, bar jeglicher Hoffnung. Die Stimme des Wahnsinns.</p><p>Mit dumpfem Klang schloss sich hinter ihm die T�r, und der L�wenh�uptige erhob an seiner Seite die Stimme: �Es sind alle meine Br�der und Schwestern hier, bis auf eine, Artax, der ich dich zum Unsterblichen Aaron erhoben habe. Wir haben uns versammelt, um �ber dich zu richten.�</p><p>�Er hat gestohlen, was der Schlange geh�rte�, kam es zischelnd aus der Dunkelheit. Kurz erhaschte Artax einen Blick auf einen Schlangenleib, der sich um eine graue S�ule wand. M�chtige Schwingen wuchsen aus dem R�cken der Kreatur, und geschlitzte Pupillen durchbohrten ihn mit ihrem Hass.</p><p>Artax war froh, als die Kreatur wieder von gn�diger Dunkelheit verschlungen wurde.</p><p>�Den Frieden des Tempels hat er gebrochen, Priester gemordet und den Auserw�hlten vom Altar geraubt. Ich verlange, dass sein Herz der Gefiederten Schlange geopfert wird.�</p><p>Artax nahm all seinen Mut zusammen, blickte fest auf die S�ule aus Dunkelheit, die die Schlange verschlungen hatte, und antwortete: �Wer in den Ring tritt und als Erster die Faust erhebt, dem steht es nicht zu zu jammern, wenn er durch die Faust f�llt.�</p><p>In einem fernen Winkel des Saals ert�nte Gel�chter.</p><p>�Gut gesprochen, Mensch�, rief eine helle Stimme.</p><p>�Volodi aus Drusna, Hauptmann meiner Leibwache, wurde nach der Schlacht auf der Hochebene von Kush entf�hrt, von M�nnern, die ich f�r Verb�ndete gehalten hatte. Vor dem Wei�en Tor der Tempelstadt hat man ihm offenbart, dass die Frau, die er liebte, einen grausamen Tod sterben w�rde, wenn er nicht anerkennen w�rde, ein Auserw�hlter zu sein. Er hat nicht freiwillig die Tempelg�rten betreten! Die Tempeldiener Zapotes haben sich die Freiheit genommen, mir einen Mann zu stehlen, der sich mir verschworen hatte. Und deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, mir zur�ckzuholen, was mir geh�rt. M�nnern, die mit ihrem Leben f�r mich einstehen, schulde ich nicht weniger als genau das: mein Leben f�r sie zu wagen. Wenn dies nicht Eure Vorstellungen der Tugenden eines Herrschers sind, dann f�ge ich mich Eurem Richtspruch. Ich jedoch werde nie anders handeln, als ich es f�r Volodi getan habe.�</p><p>Ein riesiger, schwarzer B�r l�ste sich aus den Schatten. Eines seiner Augen war blutunterlaufen, seine Schnauze von den Schrammen vieler K�mpfe verunstaltet. Vor Aaron richtete er sich auf die Hinterbeine auf. Der B�r �berragte ihn um drei Hauptesl�ngen. �Du bist ein Mann nach meinem Geschmack, Aaron von Aram�, sagte er mit brummiger Bassstimme.</p><p>Artax war sich nicht sicher, ob das ein Kompliment war, oder ob es ganz anders zu verstehen war. �So wie du sollten all unsere Unsterblichen sein.�</p><p>�Doppelz�ngig und intrigant w�nschst du dir unsere Herrscher?�, fragte eine wohlmodulierte Stimme. Zwischen den wandernden Schatten trat eine hochgewachsene Frau in einem himmelblauen Kleid, ges�umt von filigranen Silberborten, hervor. Ihr fein geschnittenes Gesicht wurde von schwarzem Haar gerahmt, und schwarze Schwingen ragten �ber ihren Schultern auf. I�ta!</p><p>�Worte sind wohlfeil, meine Schwester�, grollte der L�wenh�uptige neben Artax. �Welche Beweise hast du gegen Aaron vorzubringen?�</p><p>I�ta wandte sich nun an die Versammlung der G�ttlichen. �Viele von euch haben mich begleitet, als ich zum Grab der Riesin hinabstieg, um ihre Fesseln zu pr�fen. Ihr alle habt den toten Elfen gesehen, der eine R�stung der Leibwache des Unsterblichen Aaron trug. Doch habt ihr auch die richtigen Schl�sse aus dem gezogen, was ihr gesehen habt?</p><p>Es war Aaron, der die Elfen dort hinabgef�hrt hat. Er hat ihnen den Weg zu Nangog ge�ffnet. Sie haben seinen Angriff genutzt, um in die verborgenen Tiefen des Tempels hinabzusteigen. W�re nicht ein ganzes Heer eingefallen, die Jaguarm�nner h�tten die Elfen vielleicht aufgehalten. Und selbst wenn nicht, h�tten unsere Priester meinen Bruder, die Gefiederte Schlange, sofort um Hilfe angerufen. Es h�tte nicht verborgen bleiben k�nnen, was dort geschieht. Wir w�ren den Zapote zu Hilfe geeilt, so wie beim letzten Mal, als Elfen es wagten, in den Weltenmund hinabzusteigen.</p><p>Aber Aaron hat sie unter seinen Mantel schl�pfen lassen. In seiner Einfalt hat er sich zu ihrem willf�hrigen Diener gemacht. Dass Nangog fast befreit wurde, dass unsere St�dte von Flutwellen, Erdbeben und Feuersbr�nsten zerst�rt wurden. Dass Hunger in unsere K�nigreiche kommen wird und dass das Gleichgewicht zwischen den drei Welten auf immer gest�rt wurde, ist die Schuld eines einzigen Mannes, Aarons! Nie zuvor gab es einen Menschen, der uns so gro�en Schaden zugef�gt hat. Ich verlange seinen Tod. Ein langer, grausamer Tod soll es sein. Und viele Menschen sollen Zeugen unseres Urteils sein, auf dass sie gewarnt seien!�</p><p>Artax war ersch�ttert. Er erinnerte sich an die toten Jaguarm�nner, die er am Schlangenschlund gesehen hatte. Unter seinen Wachen machten Erz�hlungen die Runde, dass sich unter Koljas S�ldnern ein kleiner Trupp Schwertk�mpfer befunden hatte, der die Krieger der Zapote das F�rchten gelehrt hatte. Jene M�nner Koljas waren seit der Schlacht, ebenso wie der vernarbte Drusnier, spurlos verschwunden. Sie waren nun unter Kushiten und Zinnernen die geheimen Helden des Kampfes in der Tempelstadt. Niemals w�re es Artax eingefallen, dass Daimonen f�r ihn gefochten haben k�nnten. Seine Krieger hatten schon �fter als nur einmal vollbracht, was alle f�r unm�glich hielten.</p><p>�Was sagst du zu diesen Anschuldigungen?�, kl�ffte ihn ein gro�er wei�er Wolf an.</p><p>�Ich bin ersch�ttert�, sagte er wahrheitsgem��. �Genau wie ihr erfahre auch ich erst in diesem Augenblick, dass ich von Daimonenkindern get�uscht wurde. Und ich zweifle nicht daran, dass die Worte I�tas wahr sind. Nun f�gt sich so manches, was mir r�tselhaft geblieben war.�</p><p>�Du willst es nicht gewusst haben?�, verh�hnte ihn I�ta. �Du hast jahrelang einen Elfen als engsten Vertrauten an deinem Hof geduldet. Einen Mann ohne Bart und mit goldenem Haar unter Hunderten b�rtigen, schwarzhaarigen M�nnern. Willst du uns ernsthaft vorl�gen, du h�ttest nicht bemerkt, wie andersartig er war?�</p><p>Artax las in den Gesichtern der Devanthar�� sofern es keine undeutbaren Tierfratzen waren��, dass der Kampf um seine Sache verloren war. I�ta war letztlich also doch an ihr Ziel gelangt. Sie w�rde seinen Kopf bekommen. Aber diese Gewissheit schenkte ihm auch Freiheit. Er konnte nicht mehr verlieren, nur noch gewinnen, ganz gleich, was er sagte. Er musste sich keinen Regeln der H�flichkeit mehr unterwerfen.</p><p>�Andersartigkeit ist also ein Grund, sofort das Schlimmste zu vermuten?� Er lie� seinen Blick �ber die versammelten G�tter wandern. �Es �berrascht mich, dies aus dem Munde jener zu h�ren, die so gro�en Wert darauf legen, ihren Geschwistern auf keinen Fall zu gleichen.�</p><p>�Zerrei�t das Gro�maul!�, forderte eine Gestalt, die ganz in lodernde Flammen geh�llt war, von denen jedoch eigent�mlicherweise kein Licht ausstrahlte.</p><p>�Ja, ich gestehe�, fuhr Artax fort. �Ich war vielleicht arglos. Ich habe meinen Hofmeister Datames nie nach seinem Aussehen beurteilt. F�r mich z�hlte allein seine Arbeit. Und selbst wenn er ein Daimon gewesen ist, so sind seine Verdienste um Aram unleugbar. Er hat die Verwaltung reformiert. Selbst jetzt, da er fort ist, arbeiten meine Schreiber und Beamten immer noch besser als vor seiner Zeit. Ich habe nie erkannt, dass er ein Spitzel war, und dies war auch nicht der Grund, warum ich ihn schlie�lich von meinem Hof verbannte.� Artax blickte herausfordernd zu I�ta. �Im Zelt des Datames wurde ein Mord begangen, so grausam, dass er selbst meine Veteranen ersch�tterte. Ein junges M�dchen aus den Seidenst�dten war das Opfer. Und ein jeder glaubte, Datames sei es gewesen. Ich jedoch wei� es besser. I�ta kam als M�rderin in mein Heerlager, um Datames, den sie nicht in seinem Zelt angetroffen hatte, durch diese Bluttat zu vernichten. Und nun, himmlische Herrscherin von Luwien, beantworte mir zwei Fragen. Warum kamst du nicht zu mir, um mir zu sagen, wer sich hinter der Maske des Hofmeisters verbarg? Und wie lange wusstest du schon um sein Geheimnis?�</p><p>�Wie kannst du es wagen?�</p><p>Der Zorn der G�ttin traf Artax wie gl�hende Lohe. Ganz so, als sei ihr verzehrender Hass greifbar geworden. Er wich einen Schritt vor ihr zur�ck, senkte aber nicht den Blick. �Soll ich an deiner Stelle antworten, allm�chtige I�ta? Kleinliche Intrigen waren es, die dich schweigen lie�en. Dein Wunsch, mich zu vernichten, wenn ich hier im Gelben Turm vor die Devanthar trete, um euch meinen Traum von einer besseren Welt zu schildern. Dein Wunsch war es, dass meine Visionen unausgesprochen bleiben und ich mich nicht �ber deinen Sterblichen, Muwatta, erhebe.� Artax wandte sich an all die Gestalten im Licht und im Schatten. �Ihr kennt eure Schwester. Ihr wisst, dass es wahr ist, was ich sage. Meine Schuld ist einzig, den Intrigen einer G�ttin nicht gewachsen gewesen zu sein, denn ich bin nur ein Sterblicher, und meinem Charakter entspricht es nicht, einzig auf meinen Vorteil bedacht zu sein.�</p><p>�Du��� I�ta wollte ihm an die Kehle, doch der L�wenh�uptige und der B�r stellten sich sch�tzend vor ihn.</p><p>�Und was sind deine Visionen, Menschensohn?�, fragte eine wundersch�ne Frau mit Haaren aus sich windenden Schlangenleibern.</p><p>Artax war �berrascht, gefragt zu werden. Er hatte fest damit gerechnet, nun der Willk�r I�tas ausgeliefert zu sein, doch die G�ttin schien auch unter ihren Br�dern und Schwestern nicht nur Freunde zu haben. �Blicke ich auf die kurze Zeit, die ich die Ehre habe, der Unsterbliche Arams zu sein, so habe ich das Gef�hl, wir werden belagert. Ich wurde Unsterblicher, weil mein Vorg�nger im Himmel �ber Nangog auf seinem Palastschiff von einer Daimonin angegriffen und ermordet wurde. Ich selbst begegnete ihnen in den W�ldern Nangogs. Heute erfahre ich, dass ich ihnen unwissentlich geholfen habe, Nangog und all unseren K�nigreichen schweren Schaden zuzuf�gen. Und mir wird auch noch offenbart, dass mein engster Berater ein Daimon war. Ich f�hle mich, als w�rde ich in einer Festung belagert. Einer Festung, in der es wom�glich Verr�ter innerhalb der eigenen Mauern gibt.� Er blickte bei diesen Worten auf I�ta und sah, dass die G�ttin vor Wut sch�umte. �Ich erfahre, dass zumindest eine von euch um den Verr�ter wusste, mir aber nichts sagte. Warum? Wie viel Schaden h�tte abgewendet werden k�nnen, h�tte ich fr�her um die Schlange gewusst, die ich an meinem Busen n�hrte! Wie viele andere Spitzel wie ihn gibt es? Warum zieht ihr eure Kinder, uns Menschen, nicht ins Vertrauen? Gebt uns Waffen in die Hand, die uns erlauben, Daimonen zu erschlagen, und ihr werdet sehen, auch wir verstehen es zu k�mpfen.</p><p>Ich denke, ihr alle wisst, dass ich eigentlich nur ein einfacher Bauer bin. Aber selbst ich wei�, wer im Krieg nichts wagt, wer es immer den anderen �berl�sst, Ort und Zeit der Schlacht zu bestimmen, der wird untergehen. Seien wir nicht l�nger die Belagerten! Greifen wir an! Nehmen das Schwert in die Hand, dr�ngen die Daimonen in ihre Welt zur�ck und besetzen alle Pforten, auf dass sie nie wieder zu uns gelangen k�nnen.</p><p>Ich bin auf der Hochebene von Kush mit einem Heer von Bauern den Kriegern des Unsterblichen Muwatta entgegengetreten. Muwattas M�nner waren allesamt ausgesuchte K�mpfer, und sie hatten die besseren Waffen. Dennoch siegte ich. Dies mag uns auch gelingen, wenn wir gegen die Daimonen antreten. Schlie�en wir unsere Reihen, vergessen wir die kleinlichen Fehden von gestern! Sprechen wir mit einer Stimme! Lasst unsere Heere wie ein riesiges Schwert sein, gef�hrt von einer einzigen Hand, und wir werden siegen!�</p><p>�Du bist wahrlich ein Mann nach meinem Geschmack�, brummte der B�r.</p><p>�Bitte, Bruder�, insistierte I�ta, �vergessen wir �ber all die sch�nen Worte nicht, was er getan hat. Er f�hrte die Elfen zu Nangog! <emphasis>Er</emphasis> ist die Wurzel allen �bels, mit dem wir uns herumzuschlagen haben.�</p><p>�Sprichst du da nicht eher von dir, Schwester?� Der L�wenh�uptige machte einen Schritt in Richtung der gefl�gelten G�ttin. �War es nicht <emphasis>dein</emphasis> Rat, die Blaue Halle anzugreifen? Und waren die Ereignisse auf Nangog nicht die Antwort auf unsere Tat?�</p><p>Auf die Bemerkung folgte Schweigen, doch aus dem Mienenspiel einiger der Devanthar schloss Artax, dass sie noch immer miteinander sprachen, in Gedanken vielleicht oder auf irgendeine andere Art. Wahrscheinlich w�rden die G�tter seine Gef�hle als anma�end empfinden, aber es �rgerte ihn, ausgeschlossen zu sein. In dem, was gerade geschah, spiegelte sich eines der grunds�tzlichen Probleme: Die Unsterblichen waren f�r die Devanthar wie Kinder. Sie hatten nicht teil an den Entscheidungen, die getroffen wurden, sie waren lediglich die Ausf�hrenden. Dennoch wagte er nicht, etwas zu sagen.</p><p>Die Devanthar waren einsch�chternd, ein jeder von ihnen eine Naturgewalt. Und sie waren so unorganisiert und von unberechenbarer Willk�r wie Naturgewalten. Wenn ihre Kr�fte nur geb�ndelt w�ren, dachte Artax. Sie k�nnten gewiss alles erreichen! Stattdessen befehdeten sie einander und machten es den Daimonen leicht.</p><p>�Meine Br�der und Schwestern streiten dar�ber, wie die bisherigen Ereignisse zu bewerten sind�, erkl�rte pl�tzlich der L�wenh�uptige mit leiser, dunkler Stimme. Hatte der Devanthar in seinen Gedanken gelesen? Artax hatte in den vergangenen Monden viel dar�ber nachgedacht, was geschehen war. Er r�usperte sich. Pl�tzlich f�hlte er sich unbedeutend und klein. Es kostete ihn all seine Willenskraft, �berhaupt ein Wort herauszubringen.</p><p>�Ich sehe in den Dingen, die geschehen sind, ein Muster.� Er sah zu Boden, um nicht von den bohrenden Blicken der G�tter abgelenkt zu sein und klarer seinen Gedanken folgen zu k�nnen. �Ich glaube, der Mord an meinem Vorg�nger war ein Versuch herauszufinden, wie sterblich wir Unsterblichen sind, und was geschieht, wenn einer von uns unter einem Daimonenschwert f�llt. Danach scheinen sie Sp�her nach Nangog geschickt zu haben. Sie haben die Welt erkundet. Als N�chstes folgten die Katastrophen. Die Ordnung, die wir errichtet haben, ist ersch�ttert. Unseren K�nigreichen drohen in diesem Winter Hungersn�te, denn wir sind abh�ngig vom Korn Nangogs. Vielleicht wird es zu Aufst�nden der Hungernden kommen.� Artax machte eine kurze Pause, um seinen n�chsten Worten mehr Gewicht zu verleihen. �Sie haben uns auf vielfache Weise geschw�cht. Es ist offensichtlich, was folgen wird: die Invasion Nangogs. Alles, was bislang geschah, l�uft darauf hinaus.�</p><p>Jetzt hob Artax seinen Blick, und was er sah, erschreckte ihn zutiefst. Seine Worte hatten Betroffenheit ausgel�st! Waren die G�tter denn so sehr in ihren Intrigenspielen gefangen, dass sie nicht mehr sehen konnten, was vor sich ging? Oder waren sie nur erschrocken �ber seine Dummheit. Hatte er etwas �bersehen? Auch ihm war bewusst, dass sich nicht alle Mosaiksteine in das Bild f�gten, das er entworfen hatte. Die Frau, die ihm geholfen hatte, als er erblindet war, musste eine Daimonin gewesen sein. Warum hatte sie das getan? Wenn sie Chaos stiften wollten, war ihnen mit einem blinden Unsterblichen doch eher geholfen.</p><p>�Spricht da nicht nur ein �ngstliches Herz?�, zischte die Gefl�gelte Schlange. �Wie weit ist es mit uns gekommen, Br�der und Schwestern, wenn wir nun auf die Phantasien eines �ngstlichen Mannes h�ren? Wissen wir nicht besser, was wirklich geschehen ist? Wir kennen den Grund, warum die Himmelsschlangen ihre Elfen nach Nangog schickten. Wenn wir von nun an Frieden bewahren, dann wird es keine weiteren K�mpfe geben. Bringen wir Ordnung in unser eigenes Haus! Strafen wir diesen Tempelsch�nder, der es den Elfen erleichtert hat, so viel Unheil zu stiften. Ich verlange sein Herz! Er soll auf dem Altar jenes Tempels sterben, den er entweiht hat!�</p><p>�Unsere Schwester hat recht!�, pflichtete ein Devanthar mit Adlerkopf bei. �H�ren wir nicht auf ein Hasenherz! Schlimm genug, dass wir uns so weit erniedrigten, ihn hier vor uns sprechen zu lassen. Sein Gestammel erinnert mich an einen Blinden, der versucht, Farben zu beschreiben.�</p><p>Artax sp�rte, wie die Stimmung erneut kippte und sich gegen ihn wandte. Wenn er die G�tter jetzt nicht f�r sich gewann, dann war er ein toter Mann. �Die Invasion hat bereits begonnen!�, sagte er mit fester Stimme.</p><p>�Wovon redest du da?�, herrschte ihn der Ebermann an, dem er schon einmal in dem unheimlichen Berg unweit der Kupfermine Um el-Amand begegnet war.</p><p>�Davon, was mir vor drei Tagen gezeigt wurde: ein Daimon halb Mann, halb Krokodil. Er hatte die Fischer auf dem Gro�en Fluss angegriffen, ihre Boote zerfetzt und seine ungl�cklichen Opfer hinab in die Fluten gezogen. Er war kaum kleiner als Ihr es seid, G�ttlicher. Zwei Wochen wurde er gejagt. Und als meine Krieger ihn stellten, hat er f�nf von ihnen get�tet und sieben weitere schwer verwundet. Jeden Tag gibt es neue Berichte �ber Daimonen. Ganze D�rfer wurden schon aufgegeben, weil die Menschen Angst haben. Mir wurde von gefl�gelten Frauen berichtet, die mit Adlerf�ngen die Bauern auf den Feldern zerrei�en, von Hundem�nnern, lebenden B�umen und selbst von Toten, die sich wieder aus ihren Gr�bern erhoben haben sollen. Ich rede hier nicht �ber �ngste. Dass die Invasion begonnen hat, ist eine Tatsache!�</p><p>Wieder herrschte lange Schweigen, und Artax konnte nur vermuten, dass die Devanthar miteinander in Gedanken sprachen. Auch kam es ihm vor, als w�rden sie sich in zwei Lager teilen. Es kam Bewegung in die G�tter, der Tanz der Schattens�ulen wurde schneller, selbst die W�nde und die gew�lbte Decke �ber ihm schienen zu zerflie�en und sich neu zu formen. Nichts in diesem Raum war von Bestand. Ihre Architektur war genauso launisch und unstet wie die G�tter, die sie erschaffen hatten.</p><p>�Du wirst nicht sterben�, raunte ihm der L�wenh�uptige zu. �Aber du hast m�chtige Feinde, die von nun an nur darauf warten, dass du einen Fehler machst.�</p><p>Ein au�erordentlich h�sslicher Devanthar mit �berlangen, muskul�sen Armen l�ste sich aus der Gruppe der G�tter und trat vor Artax. �Was brauchst du, um die Daimonen besser bek�mpfen zu k�nnen?�</p><p>�Einigkeit�, antwortete er ohne Z�gern. �Alle Unsterblichen sollen sich versammeln. Unsere Fehden m�ssen beigelegt werden. Wir m�ssen umeinander wissen, uns verstehen und vertrauen lernen. Wir��� Er stockte. Ihm war nur zu bewusst, dass sich der Unsterbliche der Zapote wohl kaum mit ihm an einen Tisch setzen w�rde. �Ihr G�tter m�sst dabei anwesend sein. Alle! Es wird Streit geben, den nur ihr schlichten k�nnt.�</p><p>Der B�r an Artax� Seite brach in tiefes, dr�hnendes Gel�chter aus. War es so naiv anzunehmen, dass die Devanthar untereinander Frieden hielten und alle gemeinsam ein Ziel verfolgten?</p><p>�Ein solches Treffen will vorbereitet sein�, erhob der adlerk�pfige Gott seine Stimme. �Die Unsterblichen werden Zeit brauchen. Und ein Hungerwinter steht vor der T�r. Vor dem Fr�hling ist keine gro�e Zusammenkunft m�glich. Ich unterst�tze den Vorschlag Aarons von Aram. W�hlen wir den Tag des Opferfestes zu Fr�hlingsbeginn. Und versammeln wir uns in Selinunt. Bis dahin wird die neue Hauptstadt des Unsterblichen Ansur vollendet sein. Feiern wir ein Fest der Menschen und G�tter, um sie einzuweihen. Ein Fest, das der Beginn eines neuen Zeitalters sein wird�, endete er, und in seiner Stimme lag eine Euphorie, die Artax alles vorangegangene Ungemach vergessen lie�.</p><p>Er hatte es geschafft! Die Welt w�rde sich zum Guten ver�ndern.</p></section><section><title><p>Russas Blitze</p></title><p>Talawain schritt die Prachtstra�e mit den blau geklinkerten Mauern entlang, die auf die gro�e Zikkurat von Isatami zuf�hrte. Dutzende abgerissene Gestalten wie er gingen, auf ihre Stecken gest�tzt, dem Tempel entgegen.</p><p>Der Elf hatte sich die schwarzen Federn des Pilgers an seinen sch�bigen Umhang gesteckt. Er gab sich als einer der zahllosen I�ta-Pilger aus, die zum gro�en Heiligtum der G�ttin strebten, um f�r die Heilung einer Krankheit, eine gute Ernte oder einfach eine gl�ckliche Wendung ihres elenden Lebens zu beten. Aber sein Ziel war nicht der pr�chtige Tempel. Aus den Augenwinkeln musterte er die H�user, die hinter der blauen Mauer lagen, bis er endlich jenes entdeckte, auf das mit verblassender, roter Farbe das Bild der G�ttin auf br�ckelnden, wei�en Putz gemalt war. Von hier war es nicht mehr weit zu Rowayns Laden. Talawain musste nur noch die n�chste Gasse, die nach links abzweigte, nehmen, und nach ein paar Schritten w�rde er vor dem Gesch�ft des Knochenschnitzers stehen.</p><p>Der Elf sah zum Tempel hin�ber. Sich so nahe beim bedeutendsten I�ta-Heiligtum Luwiens niederzulassen war schon tollk�hn. Er erinnerte sich daran, wie er Rowayn dessen Arglosigkeit vorgehalten hatte, worauf sein Freund in Gel�chter ausgebrochen war und ihm vorgehalten hatte, Hofmeister im Palast eines Unsterblichen zu sein w�re durch nichts anderes zu �berbieten. Rowayn hatte recht gehabt�� es war letztendlich nicht gut gegangen.</p><p>Er verlie� die breite Prachtstra�e und bog in eine Gasse ein, die von kleinen L�den ges�umt wurde. Ihre Auslagen �hnelten sich: Es gab bunte Tontafeln, auf denen I�ta abgebildet war, und andere, auf die Segensspr�che geschrieben waren, breitkrempige Strohh�te f�r Pilger, Sandalen und Ledertaschen sowie allerlei Amulette. Sogar kleine Nachbildungen der Zikkurat konnte Talawain entdecken und Bilder, die den Unsterblichen bei der Heiligen Hochzeit zeigten. Fassungslos blieb der Elf stehen. Wie konnte man Bilder von einem Gott beim Liebesakt verkaufen! Er w�rde die Menschenkinder niemals ganz verstehen, dachte er verst�rt.</p><p>�Und, sch�ner Mann, gef�llt dir, was du siehst?� Eine junge Frau von vielleicht sechzehn oder siebzehn Jahren beugte sich �ber die Auslage und schenkte Talawain ein bezauberndes L�cheln. �Das hier ist der Unsterbliche Muwatta�, sie strich mit der Hand �ber den nackten Gott, doch Talawain war nicht mehr von dem Bild, sondern von ihren hellgr�nen Augen gefesselt. Sie waren mit Ru� umrandet, was sie noch gr��er und geheimnisvoller aussehen lie�.</p><p>�Er feiert die Heilige Hochzeit mit der Barbarenprinzessin Shaya�, erkl�rte die junge Frau und fuhr in verschw�rerischem Ton fort. �Bei den Wilden musst du mit einer Prinzessin k�mpfen, bevor du sie zum Weib nehmen kannst. Shaya hat mehr als ein Dutzend ihrer ungl�cklichen Freier erschlagen. Aber Muwatta konnte sie besiegen. Er hat sie niedergestreckt, mit seinem G�rtel gebunden und hierhergebracht.�</p><p>�Direkt zum Tempel?�</p><p>Die Verk�uferin lachte. �Nat�rlich nicht. Ich sagte doch, dass Shaya eine Barbarenprinzessin war. Sie musste erst ins Bad, denn die Wilden waschen sich nie, wei�t du.� Sie l�chelte keck. �Ich w�rde wetten, dass du nach einem Bad auch noch besser aussehen w�rdest.�</p><p>�Da halte ich nicht dagegen.� Talawain erwiderte das L�cheln. Die Verk�uferin hatte hohe Wangenknochen und schmale, sch�n geschwungene Lippen. Ihre Augen standen etwas zu weit auseinander. Auf den ersten Blick war sie keine klassische Sch�nheit, aber ihr L�cheln und die strahlenden Augen lie�en dies schnell vergessen. Sie machte sicher gute Gesch�fte.</p><p>�Suchst du etwas in meinem Laden oder in meinen Augen, sch�ner Fremder?�</p><p>Talawain r�usperte sich verlegen. �Also, ehrlich gesagt, suche ich einen anderen Laden. Mein Bruder war zur Heiligen Hochzeit hier, und er hat bei einem Knochenschnitzer ein Bild der I�ta in Auftrag gegeben, das sie mit einem flammenden Schwert zeigen sollte. Es hie�, Anfang des Herbstes w�re die Arbeit vollendet und man k�nnte���</p><p>�Ich hoffe, dein Bruder hat den Knochenschnitzer nicht angezahlt�, unterbrach die H�ndlerin ihn.</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil er seine M�nzen nie wiedersehen wird.� Sie wies ein St�ck die Gasse hinab auf ein Haus, �ber dessen Fenstern schwarze Ru�zungen auf dem Mauerwerk zu sehen waren. �Das war das Gesch�ft von Zidanza. Er war der einzige Knochenschnitzer in dieser Gasse. Dort gibt es nichts mehr abzuholen, und niemand wird dir die M�nzen deines Bruders zur�ckgeben. Du hast kein Gl�ck, sch�ner Fremder. Aber ich k�nnte dir helfen.�</p><p>Talawain h�rte kaum noch hin. Die Erinnerung an Rowayn beherrschte seine Gedanken. Fast h�rte er dessen ausgelassenes Lachen. Er war so sorglos und fr�hlich gewesen! Was war nur geschehen? �Wie ist er gestorben?�</p><p>�Wenn du Geschichtenerz�hler suchst, Fremder, dann geh zum Kornmarkt, da lungern immer welche herum. Ich f�hre einen Laden.�</p><p>Hilflos blickte Talawain auf die Auslage. Mit diesem Plunder konnte er nichts anfangen.</p><p>�Das hier ist genau das, was du brauchst�, erkl�rte die Verk�uferin nun wieder l�chelnd und nahm einen kleinen Lederbeutel, der von einer geflochtenen, roten Schnur hing, aus der Auslage und dr�ckte ihn Talawain in die Hand.</p><p>�Was ist das?� Er sp�rte etwas Weiches in dem Beutel.</p><p>�Einer der m�chtigsten Gl�cksbringer, den du in der Stadt bekommen kannst. Er hilft auch gegen Zahnf�ule, Gicht, das Fr�hlingsfieber und Schmerzen im Wochenbett.� Ihre Stimme sank zu einem Fl�stern. �In dem Beutel ist Erde, auf die die G�ttin I�ta ihren Fu� gesetzt hat. Heiliger Boden! Streust du diese Erde �ber einen Acker, wird er im n�chsten Jahr doppelt so viele Fr�chte tragen. Nur die Asche einer Braut der Himmlischen Hochzeit, die verbrannt wird, weil sie unfruchtbar blieb, besitzt noch mehr Zaubermacht.�</p><p>Talawain traute seinen Ohren nicht. Dieses S�ckchen Dreck sollte Gl�ck bringen? �Und wo werden diese Prinzessinnen verbrannt?�</p><p>�Auf einem Feld vor dem Haus des Himmels.� Sie sah ihn misstrauisch an. �Kein normaler Sterblicher wei�, wo das ist. Das kann dir jedes Kind sagen. Von wo kommst du, Fremder, dass dir solche Dinge nicht bekannt sind.�</p><p>�Aus Aram.�</p><p>�Ach so��� Sie rollte mit ihren wundersch�nen Augen, als sei damit alles erkl�rt, da alle Bewohner Arams entsetzliche Narren waren.</p><p>�Was kostet mich dieser Gl�cksbringer?�</p><p>Sie sah ihn absch�tzend an. �Eine Silberm�nze�, sagte sie schlie�lich.</p><p>Ihm war nicht nach Feilschen zumute. Er griff in seinen Geldbeutel und holte das abgehackte Ende eines Silberbarrens hervor. Ein St�ck, das fast so lang und dick wie das oberste Glied seines kleinen Fingers war. �Das muss gen�gen�, sagte Talawain in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran lie�, dass er nicht weiter verhandeln w�rde.</p><p>Die Verk�uferin wog das Silberst�ck in der Hand. Dann nickte sie. �Du machst ein gutes Gesch�ft, Fremder aus Aram.�</p><p>Talawain ergriff ihre Hand, noch bevor sie das Silber in der Auslage verschwinden lassen konnte. �Und jetzt sagst du mir, was dem Knochenschnitzer geschehen ist. Wenn ich ohne eine gute Geschichte in mein Dorf zur�ckkehre, dann wird mein Bruder glauben, ich h�tte nur sein Geld durchgebracht, statt meine Pflicht zu tun. Die Geschichte ist Teil unseres Gesch�fts.�</p><p>�Es gibt Dinge, �ber die man besser nicht spricht, Fremder. Dunkle Dinge, die, wenn man mit Worten an ihnen r�hrt, noch weiter an Macht gewinnen und einem���</p><p>Talawain hielt ihr mit der Linken den kleinen Lederbeutel hin. �Ich habe ja jetzt einen m�chtigen Talisman. Also erz�hle, mir wird schon nichts passieren!�</p><p>Sie blickte nerv�s die Gasse hinauf und dann zum Himmel, als f�rchte sie, dass jeden Augenblick r�chende Geister �ber sie herfallen k�nnten. �Zidanza hat die kleinen G�tter erz�rnt. Er hat immer nur I�ta in Knochen geschnitzt. In gro�er Vollkommenheit! Seine Amulette und Reliefs und kleinen Statuen waren weit �ber die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt. Er konnte doppelt so viel f�r seine Arbeit verlangen wie andere Knochenschnitzer. Ein paar Tage vor seinem Tod kam ein reicher Karawanenf�hrer aus Garagum und wollte eine Statue so gro� wie seine Hand haben, die Russa, den Blitzeschleuderer, zeigt, einen Berggott aus seiner Heimat. Es gab einen lauten Streit in Zidanzas Werkstatt. Die Fenster standen offen, denn es war ein hei�er Sommertag. Ohne zu lauschen, konnte ich bis hierher verstehen, was gesprochen wurde. Der Barbar bestand darauf, das Bildnis Russas zu bekommen. Er behauptete, der Gott selbst habe ihn geschickt, um eines der Wunderwerke des Meisters Zidanza zu holen, das in seinem Tempel einen Ehrenplatz erhalten solle. Der Fremde wollte mit einem faustgro�en Goldklumpen zahlen. Man stelle sich das einmal vor! So viel Gold! Ich h�tte keinen Herzschlag gez�gert, den Auftrag anzunehmen und alles andere stehen und liegen zu lassen. Nicht so Meister Zidanza. Er hat den Karawanenf�hrer hinausgeworfen und laut verk�ndet, all seine Kunstfertigkeit geh�re allein I�ta. Da hat ihn der Fremde verflucht! Seine Worte konnte ich nicht verstehen. Es muss die Sprache der Barbaren in Garagum gewesen sein, aber der Tonfall war eindeutig.�</p><p>Die H�ndlerin hatte nur im Fl�sterton gesprochen. Jetzt blickte sie noch einmal die Stra�e hinauf. �Drei Tage lang geschah nichts, und ich dachte mir schon, dass Fl�che, in denen die Namen anderer G�tter ausgesprochen wurden, in der Stadt I�tas keine Macht h�tten. Ich irrte mich.� Sie tastete nach einem Knochenamulett der G�ttin, das sie um den Hals trug. �In der dritten Nacht nach dem Streit erwachte ich von schrecklichen Schreien. Ich schlafe hier im Laden, musst du wissen. Als ich die T�r aufmache, wurde ich fast geblendet. Ein glei�ender, wei�er Blitz fuhr aus dem Laden des Zidanza zum Himmel hinauf. Dann flackerten noch weitere Blitze in seinem Laden. Es hat ganz seltsam gerochen. Du kannst gerne die anderen H�ndler fragen. Alle haben es gesehen! Wir wagten uns erst in Zidanzas Laden, als ein Priester gekommen war.�</p><p>Jetzt schloss sich ihre Faust fest um ihr Amulett, und in ihren Augen spiegelte sich ein Grauen, als w�rde sie die Schrecken jener Nacht ein zweites Mal durchleben. �Dort im Laden war alles mit feinem, �ligem Ru� bedeckt�� Decke und W�nde, die sch�nen Schnitzarbeiten, sein Werkzeug, einfach alles. Mitten im Raum lagen seine Sandalen. Sie waren ganz versengt und mit sehr feiner, wei�er Asche bedeckt. Sein Schmuck lag neben den Schuhen. Der Priester fand auch drei Z�hne in der Asche. Das war alles, was von Meister Zidanza geblieben war.� Sie schlug mit der Linken das Zeichen des sch�tzenden Horns. �Statt ein reicher Mann zu werden, hat er seinen eigenen Tod heraufbeschworen.�</p><p>�Wann geschah das?�, fragte Talawain, obwohl er sich fast sicher war, welche Antwort er erhalten w�rde.</p><p>�Etwa zu der Zeit, als sich euer Unsterblicher, der Blutk�nig, der unschuldige Frauen und Kinder ermorden l�sst, auf der Ebene von Kush seinen Sieg gestohlen hat.�</p><p>Mit mulmigem Gef�hl blickte Talawain �ber die H�userd�cher hinweg zur Zikkurat. Er war sich sicher, dass dies nicht das Werk irgendeines Berggottes war. I�ta hatte Rowayn ermordet, ebenso wie Nyllan in Ugara und Kazumi, die sie in seinem Zelt im Heerlager auf der Hochebene von Kush angetroffen hatte. Sie hatte jeden get�tet, der Umgang mit ihm gehabt hatte. Oder war es noch schlimmer? Hatten die Devanthar das Werk der Blauen Halle entdeckt und mit der Jagd auf die Elfenspitzel begonnen?</p><p>Talawain griff in seine Geldb�rse und dr�ckte der H�ndlerin ein paar Kupferm�nzen in die Hand. �Das war wahrlich eine eindrucksvolle Geschichte. Damit kann ich nach Hause gehen. Aber sag, ist es m�glich, einen Blick in Zidanzas Werkstatt zu werfen? Vielleicht hatte er die Arbeit f�r meinen Bruder ja schon abgeschlossen?�</p><p>�Du solltest dieses Haus besser nicht betreten. Ich sagte doch schon, etwas Dunkles ist dort geblieben. Der Geist von Zidanza�� Auch wirst du nichts mehr finden. Priester sind gekommen und haben alle vollendeten Werke des Meisters zum h�heren Lob der G�ttin mit sich genommen. Sie sind an Tempel im ganzen Land verschenkt worden. T�ren und Fenster sind mit heiligen Siegeln verschlossen. Wer sie zerbricht, ruft den Zorn der G�ttin auf sich herab�� Alles, was du dort noch finden kannst, ist dein Ungl�ck.�</p><p>Die Worte hallten in ihm nach. Er sollte aufgeben. Nicht fern der Stadt lag ein gro�er Albenstern. In weniger als einer Stunde k�nnte er in Sicherheit sein. Wieder sah er zu der Zikkurat. Er war der Einzige, der Shayas Leben vielleicht retten k�nnte. Aber dazu musste er herausfinden, wo dieses verfluchte Kloster lag. Wenn es einen Hinweis auf das geheimnisumwobene Haus des Himmels gab, dann hier in Isatami, der Stadt der Tempel und Priester. Der Stadt, �ber die I�ta selbst wachte. Aber wie k�nnte er hier �berleben?</p><p>�Ich danke dir f�r deine Hilfe�, sagte er der H�ndlerin h�flich.</p><p>�Meidet dieses Haus, Fremder!�, ermahnte sie ihn noch einmal. �Es ist ein verfluchter Ort. Wir alle hier leiden darunter, denn diese Gasse wird gemieden, seit Zidanza auf so ungew�hnliche Weise starb. Es kommen viel weniger Kunden. Wer es sich leisten kann, gibt seinen Laden auf und er�ffnet ihn anderswo in der Stadt neu.�</p><p>�Tut mir leid�, murmelte Talawain und ging davon. Er hatte sich schon viel zu lange und intensiv mit der jungen Frau unterhalten. Sie w�rde ihn so schnell nicht vergessen, und das war genau das Gegenteil dessen, was er beabsichtigt hatte. Er musste unauff�llig bleiben.</p><p>Langsam schlenderte er an dem Haus vorbei, in dem Rowayn gestorben war. An T�ren und Fenstern waren Siegel aus getrocknetem Lehm angebracht. Es war reine Intuition, dass er sein Verborgenes Auge �ffnete. Klug war es nicht. Jeder Zauber, den er wob, ver�nderte das magische Netz geringf�gig. Es war, als werfe man einen Stein in einen See, �ber den eine leichte Brise wehte. Zwischen den sanften Wellen fielen die anderen Wellen, die vom Aufschlagpunkt des Steines davoneilten, kaum auf. Doch wer auf der Lauer lag, w�rde sie bemerken.</p><p>Die Siegel erstrahlten in einem matten, goldenen Licht. Talawain sah nicht mehr hin. Er ging auf der Stra�e weiter und hoffte, nicht aufgefallen zu sein. Hier waren nicht nur Priester am Werk gewesen. I�ta selbst oder ein anderer Devanthar musste diesen Zauber gewoben haben, dessen Kraftlinien zur Zikkurat hin liefen. H�tte er eines der Siegel zerbrochen, w�re das im Tempel bemerkt worden. I�ta hatte ihm eine Falle gestellt.</p><p>�Das Meer verbirgt alle Geheimnisse�, hatte ihm Rowayn einst zugeraunt. Was das bedeutete, mochte er in diesem Haus erfahren oder auch nicht. Ganz sicher lieferte er sich seinen Feinden aus, wenn er hineinzugelangen versuchte.</p><p><emphasis>Alles, was du dort noch finden kannst, ist dein Ungl�ck</emphasis>, waren die Worte der H�ndlerin gewesen. Talawain bog in eine andere Gasse. Er hatte alle Hoffnungen darauf gesetzt, Rowayn zu treffen. Nun gab es nur noch Hoffnung f�r Shaya, wenn er einen geschw�tzigen Priester fand, der ihm verriet, wo das Haus des Himmels zu finden war. Vermutlich w�re es leichter, einen sprechenden Hund zu finden, dachte Talawain niedergeschlagen. Aber er w�rde nicht aufgeben!</p></section><section><title><p>Glamirs Geheimnis</p></title><p>Galar sp�rte, wie an der d�nnen Signalleine gezogen wurde. Er fluchte leise. Er hatte zu wenig Zeit gehabt.</p><p>Zwei Wochen hatte er gebraucht, um sich von seiner Verletzung so weit zu erholen, dass er wieder in den Fassanzug steigen konnte. Seither war er viele Male hinabgetaucht. Sie hatten Gl�ck gehabt, dass der Herbstanfang in den Bergen �berraschend trocken geblieben war. Der Pegelstand im Meer der schwarzen Schnecken war nur langsam gestiegen, aber schon als er in den Brunnen hinabgetaucht war, hatte das Wasser nur noch wenige Zoll unter der gro�en Kupferluke gestanden. Bald w�rde der einzige Zugang zu Glamirs Turm endg�ltig verschlossen werden.</p><p>Galar beugte sich vor und hielt den Magnetstein dicht �ber den Boden, um jede Unze des kostbaren Metalls einzusammeln. Die gro�e Smaragdspinne, die ihm mit ihren Dornbeinen geholfen hatte, die Metallwand zu bearbeiten, sp�rte, dass er fortwollte, und kroch aus der Nische im unterseeischen Felsgestein hinaus zum Steilhang. Der Zwerg griff einen letzten langen Metallspan, verstaute ihn in dem kleinen Korb am G�rtel seines Fassanzugs und trat ebenfalls aus der Nische. Drei kurze, ruckartige Z�ge an der Signalleine waren das Zeichen, dass er bereit war, hochgezogen zu werden.</p><p>Die Spinne beobachtete ihn aus ihren gr�n schillernden Augen. Galar wusste nicht, warum ihn die Ungeheuer aus der Tiefe verschonten. F�r alle anderen Zwerge, die in den Brunnen hinabstiegen, war jeder Tauchgang nach wie vor gef�hrlich. Nur f�r ihn nicht. Die Spinnen hatten ihm in den letzten zehn Tagen sogar geholfen, an der r�tselhaften Metallwand zu arbeiten. Kurze Zeit hatte Galar sich der tr�gerischen Hoffnung hingegeben, dass es ihm vielleicht gelingen mochte, ein Loch durch die Wand zu brechen und zu sehen, was sich dahinter verbarg. Aber sie war zu dick, ganz so, wie Amalaswintha es gesagt hatte. Obwohl damit bisher all ihre Voraussagen �ber die Metallwand eingetroffen waren, wollte Galar einfach nicht glauben, dass hinter der Wand nichts als taubes Gestein war. Niemand errichtete ein solches Bollwerk, um dahinter nichts zu verstecken!</p><p>Die Kette an seinem Fassanzug straffte sich, und er wurde nach oben gezogen. Galar biss in den Hebel, der das Ventil seitlich am Fass �ffnete, und lie� etwas Luft ab. Sofort sp�rte er, wie der Druck im Fassanzug nachlie�. Er w�rde die Zeit, die sie im Turm gefangen waren, nutzen, um gemeinsam mit Nyr einen neuen Fassanzug zu bauen. Es gab noch viele M�glichkeiten, dieses klobige Unget�m zu verbessern.</p><p>Galar beugte sich vor. Die Scheibe im Fass gab ein zu eingeschr�nktes Sichtfeld. Auch das w�rde er verbessern. Fl�chtig sah er noch die Spinne, die von unstetem, gr�nem Licht umspielt wurde. Sie blieb bei der Nische im Fels, und Galar hatte das Gef�hl, dass sie ihm nachblickte. Mochten sie ihn, weil er Drachen get�tet hatte? Was unterschied ihn sonst von den anderen Zwergen Glamirs? Dieses Geheimnis w�rde er wohl nie l�ften. Es schien eine Ewigkeit zu vergehen, bis er endlich durch die Luke in der gew�lbten Decke �ber dem Brunnen gezogen wurde. Das Wasser stand nur noch zwei Fingerbreit unter der Mauerkante�� es war w�hrend seines Tauchgangs noch einmal gestiegen! Noch als er in seinem schweren Fassanzug am Kranarm �ber dem Boden schwebte, schoben drei Zwerge das Kupferluk �ber die �ffnung und begannen, es mit fingerdicken Schrauben zu verschlie�en.</p><p>Dann wurde Galar abgesetzt. Er legte seine Arme an, die in Lederwulsten steckten, die seitlich aus dem Fass ragten. So konnten die Arbeiter, die den Verschluss seines Tauchanzugs l�sten, besser an ihn heran. Jedes Mal genoss Galar den Augenblick, wieder <emphasis>frische</emphasis> Luft atmen zu k�nnen. Selbst die nach Tang, verfaultem Fisch und dem Schwei� viel zu lange nicht gewaschener Kleidung stinkende Luft im Turm war eine Wohltat im Vergleich zu dem Odem, der den Fassanzug erf�llte. Kaum dass der Deckel abgehoben wurde, klopfte Glamir mit seiner Kr�cke gegen das Fass. �Hast auch schon mal mehr hochgebracht, Kleiner.� Der alte Schmied hatte bereits den Magnetstein und den Korb mit den Metallsplittern an sich genommen.</p><p>Galar war versucht, ihn anzuschnauzen und ihn darauf hinzuweisen, dass allein dieser Tauchgang dreimal so viel von dem kostbaren Metall gebracht hatte, wie Glamir und seine M�nner in mehr als einem Jahr hochgeholt hatten. Aber er war zu m�de zum Streiten. Wie nach jedem Tauchgang pochte ein stechender Schmerz hinter seinen Schl�fen. Sein Mund war erf�llt vom widerlichen Geschmack des elastischen Harzes, aus dem sein Atemschlauch bestand. Willf�hrig lie� sich Galar aus dem Fass heben und nickte dankbar, als ihm einer von Glamirs M�nnern einen Humpen Bier reichte. Galar leerte ihn in einem einzigen Zug.</p><p>�Du hast gut gearbeitet, Junge�, erkl�rte Glamir in aufger�umter Stimmung. �Hast du die Kraft, mich auf einen kleinen Spaziergang zu begleiten? Ich w�rde dir gerne etwas zeigen. Du hast es dir wirklich verdient.�</p><p>Galar erhob sich m�de, er h�tte gerne noch ein Bier getrunken, aber Glamir war launisch. Er mochte es sich schon im n�chsten Augenblick anders �berlegen. Seit �ber drei Wochen wartete Galar darauf, dass der alte Schmied ihm endlich verriet, was er mit dem Metall aus dem Brunnen plante. Alles in allem war Glamir ein wenig umg�nglicher geworden. Er speiste nun oft zusammen mit Amalaswintha, und nur die Alben wussten, was die beiden noch miteinander taten. Hornbori behauptete, die Zwergin sei Glamirs Geliebte geworden, aber Galar konnte sich nicht vorstellen, dass dieses eingebildete Weibsbild im Bett mit einem Kr�ppel lag.</p><p>Ganz ignorieren sollte er Hornboris Ausbr�che aber nicht. Der Wortefurzer zeigte ernste Anzeichen von Eifersucht. Er w�rde ihm demn�chst einmal den Kopf zurechtr�cken, damit es nicht noch zu einem Ungl�ck kam. Hier in seinem Turm war Glamir der unumschr�nkte Herrscher, und gegen ihn aufzubegehren konnte nicht gut enden. Es sei denn, der Alte trieb es zu weit mit Amalaswintha. Auch seine eigenen M�nner sch�tzten es nicht, dass der Schmied mehr und mehr Zeit mit der Zwergin verbrachte. Eine einzige Frau, eingesperrt mit siebenundvierzig Zwergen in einem Turm, den sie nun auf etliche Wochen nicht verlassen konnten, das w�rde nicht gutgehen, wenn nur einer Spa� mit dem Weib hatte und alle anderen nicht. Galar wunderte sich, dass das nicht auch Glamir begriff.</p><p>Noch immer ersch�pft, folgte er dem Schmied, der schwer auf seine Kr�cke gest�tzt voraushinkte. Der Alte f�hrte ihn �ber enge Treppen und durch Tunnel hinauf zu den verborgenen Kammern, die tief in das Felsgestein getrieben waren. In diesem Abschnitt des Turms war Galar noch nie gewesen. Schwere T�ren, die meist auch noch bewacht wurden, versperrten den Weg. Doch heute trafen sie auf niemanden. Sie gingen schweigend. Nur das Klacken der Kr�cke und ein gelegentlicher Schnaufer Glamirs st�rten die Stille.</p><p>Endlich erreichten sie eine mit breiten Eisenb�ndern beschlagene Eichent�r, die in ihrer Mitte drei nebeneinanderliegende Schl�ssell�cher besa�. Glamir l�ste den schweren Schl�sselbund von seinem G�rtel. Als er die Schl�ssel in den Schl�ssern drehte, war scharfes, metallisches Klacken und das leise Ger�usch gut geschmierter Zahnr�der zu h�ren. Galar trat ein wenig n�her. Er kannte sich mit Schl�ssern gut aus. Gern h�tte er sein Ohr auf das Eichenholz gelegt, um dem verborgenen Mechanismus zu lauschen, den der Alte mit dem Drehen der Schl�ssel in Gang gesetzt hatte. Zuletzt vernahm er ein leises, schleifendes Ger�usch, als w�rden schwere Sperrriegel seitlich ins Felsgestein zur�ckweichen.</p><p>�Ist ein feines Schloss. Hab lange dran get�ftelt�, erkl�rte Glamir mit wichtigtuerischem L�cheln und zog die Schl�ssel ab. �Diese Kammer birgt das gr��te Geheimnis meines Turms. Es ist eine Entdeckung, die den Zwergenv�lkern Freiheit von den Tyrannen am Himmel schenken wird�� Obwohl ich mir sicher bin, dass du es nicht einmal begreifen wirst, wenn du direkt davorstehst.� Er lachte sp�ttisch und drehte sich zu Galar um. �Schluck nicht deinen �rger. Ich wei� genau, dass du mich f�r ein altes Arschloch h�ltst, und allein deine Begierde zu erfahren, was hier im Turm wirklich vor sich geht, deinem lockeren Maul Z�gel anlegt.�</p><p>�Quatschen wir nicht, gehen wir endlich hinein�, entgegnete Galar. Er w�rde die �berheblichkeit des Alten tats�chlich nicht mehr lange ertragen k�nnen. Besser, sie brachten es schnell hinter sich.</p><p>Glamir stie� die T�r auf. Eine einzelne �llampe brannte auf einem Tisch, vermochte die Dunkelheit aber nicht zu vertreiben. Neben dem Tisch waren zwei Windenarmbr�ste auf massiven, h�lzernen Dreibeinen aufgebockt worden. Die Waffen wiesen in die Dunkelheit.</p><p>�Ich wei�, dass dir Amalaswintha von diesem Tunnel erz�hlt hat, Galar, du musst dir also nicht die M�he machen, �berrascht zu tun. Die �berraschung wird sein, was unsere kleine Hexe nicht wei�. Das hier ist ein Schie�stand.�</p><p>Galar war wenig beeindruckt. Dass er auf einem Schie�stand war, hatte er sich schon gedacht, kaum dass er die Armbr�ste gesehen hatte.</p><p>Glamir schien zu bemerken, dass seine Offenbarung nicht den gew�nschten Effekt hatte. Er nahm die �llampe vom Tisch und gab sie Galar. �Geh mal ein bisschen voraus. Ich lade inzwischen die beiden Armbr�ste. Ich verspreche dir, du wirst zutiefst von dem beeindruckt sein, was du siehst.�</p><p>Galar gefiel der Gedanke gar nicht, vor zwei Armbr�sten herumzulaufen, die gerade geladen wurden. Ein Unfall auf einem Schie�stand�� So etwas konnte passieren. War das der zweite Versuch, ihn loszuwerden, nachdem er den <emphasis>Unfall</emphasis> bei seinem Tauchgang �berlebt hatte? Mit der �llampe in der Hand w�re er in dem langen Tunnel ein un�bersehbares Ziel. Und eine fest auf ein Dreibein montierte Armbrust konnte auch ein Einarmiger ohne Schwierigkeiten bedienen.</p><p>�Haben wir ein Problem?�, fragte Glamir.</p><p>Der Schmied wusste mit Sicherheit ganz genau, was jetzt in ihm vorging, dachte Galar. Und ganz sicher genoss er es. Galar entschied, lieber zu verrecken, als wie ein Feigling dazustehen. �Derjenige von uns, der ein Problem damit hat, ein bisschen spazieren zu gehen, bin ganz sicher nicht ich.� Mit diesen Worten nahm er die Lampe und ging tiefer in den Tunnel hinein. Er war nur etwa vier Schritt breit, aber wenn stimmte, was Amalaswintha behauptet hatte, dann ersteckte er sich �ber etwa eine Meile. Was hatte sie noch gesagt? Er sei <emphasis>pfeilgerade</emphasis>. Sie war wirklich gut mit ihren Vorhersagen.</p><p>Hinter sich h�rte Galar das metallische Klicken der Winde, mit der eine der beiden Armbr�ste gespannt wurde. Ein Ger�usch, das ihm die Haare im Nacken zu Berge stehen lie�. Ob Glamir ein guter Sch�tze war?</p><p>Galar war versucht, ein wenig schneller zu gehen. Aber in dem engen Tunnel w�rde das wenig nutzen. Er war ein erstklassiges Ziel! Zu seiner Linken entdeckte er ein Fass und noch eines und noch eines�� Was war das? Sie waren in einer Reihe hintereinander aufgestellt. An der Frontseite des vorderen Fasses entdeckte er ein Loch in einer Fassdaube. Das Holz am Rand des Lochs war nicht gesplittert. Er wollte an dem Fass rucken, um es sich n�her anzusehen, aber es r�hrte sich nicht vom Fleck.</p><p>�Sie sind mit Abraum aus den Tunneln gef�llt�, rief Glamir hinter ihm. Im n�chsten Augenblick h�rte das Klicken der Winde auf. Eine der Armbr�ste war gespannt.</p><p>Galar stellte sich vor, wie der alte Schmied jetzt den Bolzen auflegte und die Waffe ausrichtete. Kalter Schwei� rann ihm den R�cken hinab. Er verfluchte seinen Stolz. Er h�tte nicht vor den Armbr�sten herumlaufen m�ssen. Wie schwer w�re es gewesen, irgendeine fadenscheinige Ausrede zu finden? Er blickte zur�ck. Glamir hatte kein zweites Licht entz�ndet und war nicht zu sehen.</p><p>Wieder war das Klicken einer Winde zu h�ren. Jetzt lud der Schmied also die zweite Waffe. Er w�rde zur�ckgehen, entschied Galar. Ganz langsam, ohne das geringste Anzeichen von Eile zu zeigen! Er zwang sich dazu zu schlendern, als ginge er �ber den gro�en Waffenmarkt, der fr�her immer zu Beginn des Winters in der Marmorhalle der Tiefen Stadt abgehalten worden war. Meisterschmiede von nah und fern hatten den Markt besucht und ihre besten Arbeiten feilgeboten. Galar erging sich ganz in seinen Erinnerungen.</p><p>�Stell die Lampe auf das vorderste der F�sser und bleib in einer Linie mit ihr, wenn du zur�ckkommst�, hallte Glamirs unfreundliche Stimme durch die Dunkelheit.</p><p>Was sollte das nun wieder? Galar stellte die Lampe ab, ganz Gefangener seines Wunsches, kein Feigling zu sein.</p><p>�Komm schon! Beeil dich! Ich bin ja selbst ohne Kr�cke noch schneller als du!�</p><p>Galar dachte nicht daran, sich hetzen zu lassen. Jetzt ging er erst recht langsam.</p><p>Das Klicken der zweiten Armbrust verstummte. Ein leises Knirschen erklang, als w�rde die schwere Waffe ausgerichtet. Ein zweites Licht flammte auf. Es gab also doch noch mehr Lampen. Deutlich erkannte Galar nun die Silhouette des Schmiedes, der an einem der Dreibeine lehnte. �Los, nimm die Beine in die Hand.�</p><p>Galar wurde noch etwas langsamer und st�rte sich nicht an den Fl�chen, die folgten. Endlich erreichte er den Schmied.</p><p>�Geh zur linken Armbrust�, kommandierte der alte Schmied. �Ich habe sie einen Zoll weit zur Seite ger�ckt. Ver�ndere blo� nicht die Ausrichtung! Alles ist perfekt vorbereitet. Du wirst dicht neben dem ersten Loch ins Fass treffen. Der rote Bolzen auf der F�hrungsschiene tr�gt eine Spitze aus Spinnenstahl, meiner hier eine normale. Und nun zieh den Ausl�ser. Du wirst das vorderste Fass treffen.�</p><p>Galar peilte �ber die F�hrungsschiene f�r den Bolzen. Deutlich konnte er die �llampe auf dem ersten Fass sehen. Er verzichtete auf Fragen, wohl wissend, dass Glamir ohnehin nur antwortete, wenn es ihm in den Kram passte.</p><p>Surrend entspannte sich der Stahlbogen der Armbrust. Galar h�rte den Bolzen einschlagen. Es folgte ein eigenartiges, lang anhaltendes Ger�usch, das er nicht zuordnen konnte. Glamir schoss indessen auch seinen Bolzen ab. Er hatte nicht auf die F�sser gezielt. Galar hatte keine Ahnung, worauf sonst.</p><p>�Und nun wandern wir�, forderte der Schmied ihn gut gelaunt auf. Es war un�bersehbar, wie sehr er seine Spielchen genoss. �Beide Bolzen waren exakt gleich schwer. Die Spannung der Waffen war gleich. Ihre Reichweite betr�gt etwas mehr als zweihundertf�nfzig Schritt.�</p><p>Der Schmied nahm die zweite �llampe und hinkte auf seine Kr�cke gest�tzt los.</p><p>�Und?�, fragte Galar reichlich entnervt. �Was sagt mir das?�</p><p>�Nur die Ruhe, Junge. Noch zweihundertf�nfzig Schritt, und die Antworten liegen buchst�blich vor dir.�</p><p>Galar griff sich unterwegs die �llampe, die er auf dem Fass abgestellt hatte. Ihr Weg zog sich endlos, und der verfluchte Alte brachte die Z�hne nicht mehr auseinander. Schlie�lich erreichten sie das Ende der Fassreihe.</p><p>Glamir fand seinen Bolzen. Er lag auf dem blanken Felsboden. Nerv�s schwenkte er seine Lampe hin und her. �Etwas Spiel gibt es immer�, murmelte er. �Das hat nichts zu bedeuten. Das�� ah, da! Da ist er! Siehst du ihn dort vorne. Noch ein St�ck voraus. Da liegt der rote Bolzen!�</p><p>Galar traute seinen Augen nicht. Die rote Farbe war fast vollst�ndige abgeschliffen, die h�lzernen Finnen, die den Flug stabilisieren sollten, waren ganz verschwunden. Galar hob den Bolzen auf und betrachtete ihn von allen Seiten.</p><p>�Es ist der, den du eben abgeschossen hast�, erkl�rte der Schmied triumphierend.</p><p>Das war unm�glich, dachte Galar. Er ging zur�ck zum letzten Fass. Die mittlere Daube war an zwei Stellen zersplittert.</p><p>�Er ging durch all die F�sser, Junge! Es ist so. Bist du dir dar�ber im Klaren, was das bedeutet?�</p><p>Galar drehte das Geschoss in den H�nden. Auf dem metallenen Bolzenkopf zeigte sich keine Schramme. Vorsichtig tastete er �ber die Spitze. Obwohl er sie kaum ber�hrt hatte, rann Blut seinen Finger hinab.</p><p>�Ist immer noch �bel scharf, was? Sie durchdringen alles, Galar. Ich hab es dutzendfach versucht. Nichts h�lt sie auf. Und sie werden dabei nicht einmal langsamer. Sie fliegen genauso weit wie ein Bolzen, der einfach nur Luft zerteilt.� Mit jedem Wort wurde die Stimme des Alten schriller. �Du begreifst, was das bedeutet?�</p><p>�Das sind Drachent�terbolzen�, sagte Galar aufgew�hlt. H�tten sie solche Pfeile bei der Verteidigung der Tiefen Stadt gehabt��</p><p>�Du kannst mit einer einfachen Armbrust ein Loch in das Hirn einer Himmelsschlange schie�en. Damit holen wir die G�tterdrachen vom Himmel! Du bist der erfahrene Drachenj�ger, und ich liefere dir die Geschosse, Galar. Was du an Metall heraufgeholt hast, reicht f�r dreihundert Armbrustbolzen und mindestens drei�ig Speerspitzen, falls wir auch Speerschleudern bauen wollen.�</p><p>Galar lie� den Bolzen fallen und schloss den Alten in die Arme. Er war den Tr�nen nahe. Er hatte nicht geglaubt, dass der Untergang der Tiefen Stadt jemals ger�cht werden w�rde. �Gemeinsam werden wir die gefl�gelten Tyrannen vom Himmel fegen. Wir brauchen nur eine Gelegenheit, bei der sie alle an einem Ort versammelt sind und bei der wir in Waffen erscheinen, ohne dass sie etwas ahnen. Wir m�ssen uns ihnen als S�ldner anbieten.� Galar konnte es f�rmlich vor sich sehen, wie die Himmelsschlangen von den Bolzen durchl�chert wurden, wie sie auf die Erde hinabst�rzten, die d�nnen Knochen in ihren Fl�geln splitterten und sie im Todeskampf zuckten. �Wir werden unsere Toten r�chen!�</p></section><section><title><p><emphasis>Erinnerungen an eine verlorene Kindheit</emphasis></p></title><p>�Wenn ich an meine Mutter zur�ckdenke, dann gibt es ein Bild, das mehr als alle anderen meine Erinnerungen beherrscht. Noch heute vermag ich sie mit zwei F�chern in der Abendsonne vor goldenen Felsen tanzen sehen, wenn ich die Augen schlie�e. Sie hatte dem Schwert abgeschworen, doch nicht dem Schwerttanz, den Gonvalon, mein Vater, sie einst gelehrt hatte. Voller Anmut waren ihre Bewegungen, und ich erschreckte mich jedes Mal, wenn sich mit lautem Ger�usch die F�cher �ffneten, auf die kunstvoll ein schwarzer Drache gemalt war.</p><p>Ganz gleich, was man �ber sie erz�hlt, sie hat den Dunklen niemals verraten. Und ebenso wenig Gonvalon. Ich wei� es, weil ich es in ihren Augen gelesen habe, wenn sie von meinem Vater erz�hlte. Von jenem halben Jahr, in dem sie gl�cklich gewesen waren. Als sie gemeinsam auf Sternauge und Nachtschwinge in den Himmel ritten und die verborgensten Winkel des Jadegartens erkundeten. Ihre Stimme ver�nderte sich, wann immer sie von dieser Zeit sprach. Sie verlor ihre H�rte, ja, manchmal erschien es mir sogar, als w�rde sie dann j�nger werden. Ich war damals ein Kind. Die Alben allein wissen, wie sehr meine W�nsche meine Erinnerungen f�rbten.</p><p>Wie oft sehne ich mich danach, ich k�nnte zur�ck in jene Tage, als die Welt noch geordnet war in Schwarz und Wei�. In der meine Mutter eine Streiterin des Lichts war und mein Vater ein Held, dessen Namen jeder Elf kannte. So sehr w�nschte ich mir, dem Vater, dem ich nie begegnet war, nahezukommen, dass ich begann, seine wiedergeborene Seele zu suchen. Ich wollte das alte Leben in ihm erwecken und die Erinnerungen, die bei jeder Wiedergeburt tief begraben werden, ans Licht holen. Ich beschritt einen dunklen Weg, wollte aber doch nur Gutes. Ich wollte verstehen, warum ich so anders war. H�tte ich mich doch nur mit den Geschichten aus meiner Kindheit begn�gt. Ich fand ihn. Ich zerst�rte all meine Illusionen. Ich entzweite mich mit meiner Schwester, die ich doch liebe. Und ich lie� die Ungeheuer der Vergangenheit frei, die ins Dunkel zu sperren meine Mutter sich so sehr bem�ht hatte���</p><cite><text-author><emphasis>Mein brennendes Herz</emphasis>, Kapitel XI�� Erinnerungen an eine verlorene Kindheit, S. 103 ff., verfasst von Meliander von Arkadien, verwahrt in der Bibliothek von Iskendria, im Saal des Lichtes, in einer Amphore vergraben an einem Ort, der nur Galawayn, dem H�ter der Geheimnisse, bekannt ist.</text-author></cite></section><section><title><p>Die Rebellenarmee</p></title><p>Volodi hob den Bogen und legte auf das junge Reh an. Er war ein miserabler Sch�tze, doch er durfte nicht danebenschie�en. Quetzalli schaffte es, jeden Tag mindestens eine Forelle zu fangen. Sie mussten keinen Hunger leiden, aber Volodi konnte keinen Fisch mehr sehen. Es war an der Zeit, dass ein ordentliches St�ck Fleisch �ber das Feuer vor ihrer Laubh�tte kam.</p><p>Nachdem er Alba get�tet hatte, waren sie weit in die W�lder geflohen. Anfangs war es romantisch gewesen. Aber zu viele Forellen und der Dauerregen der letzten Tage hatten ihrem Abenteuer den Glanz genommen. Quetzalli fror, obwohl sie nachts beide Decken bekam und Volodi in seinen Kleidern schlief. Wie w�rde erst der Winter werden! Er musste dringend eine bessere Unterkunft als die H�tte aus verflochtenen �sten bauen. H�tte er nur daran gedacht, eine Handaxt bei ihrer Flucht mitzunehmen! Und ein paar Schafsfelle f�r Quetzalli. H�tte, h�tte, h�tte�� Sie w�rde eine Rehhaut bekommen!</p><p>Entschlossen hob er den Bogen, als irgendwo hinter ihm ein Pferd schnaubte. Der Kopf des �senden Rehs schnellte hoch. Volodi schoss im selben Moment, als seine Beute mit einem weiten Satz im Schutz eines Tannendickichts verschwand.</p><p>Volodi fluchte stumm und duckte sich tiefer ins Geb�sch, in dem er stundenlang darauf gewartet hatte, dass sich ein Reh auf die Lichtung wagte. Ein Reiter in diesem Teil des Waldes konnte nichts Gutes bedeuten. Dieser Ort war zu abgelegen von allen Wegen. Hierher verirrte sich niemand zuf�llig. Wahrscheinlich war ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt. Behutsam legte er den Bogen auf den weichen Waldboden und zog sein Messer. Lieber vertraute er sein Leben einer Klinge an als seinen Fertigkeiten als Sch�tze.</p><p>Zwischen den Tannen erschien eine Schattengestalt, die ein Pferd am Zaum f�hrte. Einen alten Roten mit durchgebogenem R�cken. Eine echte Schindm�hre.</p><p>Die Schattengestalt hielt eine gro�e Axt in der Linken. Volodi l�chelte. Die G�tter liebten ihn. Jetzt w�rde er Quetzalli ein Haus aus schweren Baumst�mmen bauen k�nnen.</p><p>Geduckt bewegte er sich durchs Geb�sch und dann durch den hohen Farn auf der Lichtung. Der Fremde blieb im Schatten der Tannen. Wenn er in diese Richtung weiterging, w�rde er nach ein paar hundert Schritt auf ihren Lagerplatz sto�en.</p><p>Volodi fand einen morschen Ast. Entschlossen packte er ihn, schleuderte ihn quer �ber die Lichtung, wo er mit einigem Get�se in einem Brombeerdickicht verschwand.</p><p>Der Fremde blieb stehen und musterte misstrauisch das Geb�sch. Volodi schlug einen Bogen, sodass er in den R�cken dieses verfluchten Kopfgeldj�gers gelangte. Fast hatte er den Mann erreicht, als der Rotfuchs schnaubte. Der verfluchte Gaul war aufmerksamer als sein Herr. Volodi stach ihm mit dem Dolch in die Hinterhand. Das Pferd keilte aus, machte einen Satz nach vorn und rammte den �berraschten Axttr�ger, der zu Boden ging.</p><p>Sofort war Volodi �ber ihm, setzte einen Fu� auf die Hand, die die Axt hielt, und dr�ckte sie in den weichen Waldboden. Entschlossen, dem Kerl die Kehle durchzuschneiden, beugte er sich vor und blickte in ein bartloses Gesicht. Er hatte einen Jungen niedergestreckt, der h�chstens f�nfzehn Jahre sein mochte. Aus gro�en, blauen Augen blickte er unter str�hnigem, blondem Haar zu ihm auf.</p><p>�Du bist Volodi von Drei Eichen!�, rief der Junge begeistert, statt mit Todesangst, die jeder vern�nftige Mensch h�tte, wenn ein Krieger ein gez�cktes Messer auf seine Kehle richtete.</p><p>�Nie von dem Kerl geh�rt�, murmelte Volodi.</p><p>Der Junge lachte. �Doch, du bist es. Der Krieger mit den Eisenwaffen. Der �ber den Adlern schreitet. Der, der nie eine Schlacht verloren und die Steuereintreiber der verfluchten Valesier niedergemetzelt hat. �</p><p>�Legt er auch noch goldene Eier, dieser Volodi?�</p><p>Jetzt wirkte der Junge doch ein wenig verunsichert. �Wer bist du?�</p><p>�Nur ein S�ldner, der genug davon hat, f�r fremde Herren seine Haut zu riskieren.� Volodi schob das Messer zur�ck in die Scheide. �Und wer bist du?�</p><p>�Ich bin Fedor von B�renfurt. Anf�hrer des Rebellenheeres, das die verfluchten Valesier aus den W�ldern jagen wird. Ich suche schon viele Tage nach dir!�</p><p>Volodi stand auf, hielt dem Jungen die Hand entgegen und half ihm auf die Beine. Fedors Lippe war aufgeplatzt und blutete. �Ein Heerf�hrer bist du also. Ziemlich jung���</p><p>�Willst du damit sagen, ich sei ein L�gner?�</p><p>Volodi hob abwehrend die H�nde. �Nat�rlich nicht, ich bin schlie�lich nicht auf ein Duell mit dir aus.�</p><p>Fedor runzelte die Stirn. �Nimmst du mich gerade auf den Arm?�</p><p>�Das w�rde wohl auch auf ein Duell hinauslaufen, nicht wahr?� Volodi sch�ttelte den Kopf. �Du bist zu hitzk�pfig, Junge. Und nein, ich nehme dich nicht auf den Arm.� Er l�chelte. �Ich bin ja schlie�lich nicht deine Amme.�</p><p>Fedor hob die Axt. �Du tust es schon wieder!�</p><p>�Ich bitte um Verzeihung.� Bei diesen Worten beugte Volodi dem�tig das Haupt. Als er aus den Augenwinkeln sah, wie der Junge sich entspannte, versetzte er ihm einen Fausthieb in die Magengrube, packte die Axt und drehte sie Fedor aus den kraftlosen Fingern. �Das war���, japste der Junge, ��� gemein.�</p><p>�Gemein w�re, dir die Kehle aufzuschlitzen und dich auszupl�ndern. Die meisten S�ldner, die ich kenne, h�tten das l�ngst getan. Solche M�nner sind nicht sehr duldsam, wenn man ihnen mit einer Axt in der Hand entgegentritt.� Volodi wog die Waffe in der Hand. Der Kopf war aus Bronze gefertigt. Eine Eisenaxt w�re eher geeignet, um B�ume zu f�llen. Aber die hier war allemal besser als nichts. �Ich behalte die Axt. Sie ist mein Lohn daf�r, dass ich heute ein netter und duldsamer Mann bin und dich am Leben lasse.�</p><p>�Das darfst du nicht�, entr�stete sich Fedor. �Das ist���</p><p>�Willst du mich einen Dieb nennen?�, fragte Volodi k�hl.</p><p>�Ich��� Der Junge rang mit sich. Schlie�lich sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Kluger Kopf.� Volodi schulterte die Axt und wollte sich auf den Weg machen, seinen Bogen wieder einzusammeln, als hinter ihm erneut die Stimme des Jungen erklang.</p><p>�Du bist doch Volodi von Drei Eichen.�</p><p>�Ich sagte��� In diesem Moment sah Volodi Quetzalli. Sie stand am anderen Ende der Lichtung, eine Decke �ber den Schultern, und hielt zwei Lachse hoch. Sie schien den Jungen, der noch halb im Schatten der Tannen stand, nicht bemerkt zu haben, hatte nur ihn gesehen, wie er mit der Axt �ber der Schulter aus dem Wald stolziert kam.</p><p>�Volodi hat eine Barbarenprinzessin aus dem Grasland geheiratet. Du bist es!�</p><p>Nun hatte Quetzalli den Fremden entdeckt, sie z�gerte kurz, aber als ihr klar wurde, dass auch sie bemerkt worden war, ging sie ihm weiter entgegen. Volodi drehte sich nicht mehr nach Fedor um. Er nahm Quetzalli in den Arm. �Also wieder Fisch�, sagte er l�chelnd.</p><p>�Wer Mann?�</p><p>Der Junge war ihm gefolgt, und als er die Frage h�rte, verbeugte er sich. �Ich bin Fedor von B�renfurt, Anf�hrer der Rebellenarmee, die die Valesier vertreiben wird. Wir hoffen darauf, dass auch Volodi sich uns anschlie�en wird. Mit einem Helden wie ihm k�nnen wir nicht verlieren.�</p><p>Volodi sah Quetzalli an und rollte mit den Augen. Er hatte zu viele Helden sterben sehen, um auf solche Spr�che etwas zu geben. �Der Junge ist sehr anh�nglich�, sagte er entnervt.</p><p>�Du essen Fisch?�</p><p>Fedor nickte heftig.</p><p>�Wir essen, dann reden.�</p><p>Volodi kannte Quetzalli gut genug, um nicht zu widersprechen. Fedor holte sein Pferd, und gemeinsam gingen sie zum Lager, wo Quetzalli die Fische vorbereitete, w�hrend Volodi sich an den seichten Fluss setzte. Auf dem tr�ge flie�enden Wasser trieben goldene Bl�tter. Er warf mit Kieseln danach, als sich Fedor neben ihm niederlie�.</p><p>�Sch�ner Platz hier!�, fing der Junge an.</p><p>�Wir k�nnen hier nicht den Winter verbringen. Meine Frau kommt aus einem sehr warmen Land�, sagte Volodi und dachte mit Schrecken an die langen Wintermonde. Sie hatten auch nicht genug Vorr�te, um diese Zeit zu �berstehen. Irgendwo musste er Lebensmittel auftreiben, eine kleine Pfanne, Salz�� Es fehlte ihnen an fast allem.</p><p>�Ich kenne da eine Jagdh�tte. Liegt sehr einsam. Man m�sste ein bisschen was am Dach tun, aber dann kann man den Winter dort ganz gut �berstehen.�</p><p>�Du willst mir also ein Gesch�ft vorschlagen?� Volodi ma� Fedor mit abf�lligem Blick. �Wenn ich wirklich dein Held w�re, dann w�rdest du mir die H�tte einfach so zeigen.�</p><p>�Aber wir brauchen dich im Kampf! Ohne dich k�nnen wir es nicht schaffen! Ich hab keine Wahl.� Fedor wirkte wirklich bedr�ckt. �Sonst bin ich nicht so. Zu feilschen ist nicht meine Art.�</p><p>�An was f�r eine Schlacht hattest du denn gedacht?�</p><p>Die Augen des Jungen weiteten sich. �Du denkst also doch dar�ber nach!� Er schlug sich mit der flachen Hand auf den Schenkel. �Ich hab es doch gewusst. Du wirst keine Gelegenheit verstreichen lassen, die verdammten Valesier in den Arsch zu treten. Du kennst doch den Winterstein? Den gro�en Thingplatz.�</p><p>Volodi st�hnte. Nat�rlich kannte er den Platz, an dem sich die F�rsten der Region zweimal im Jahr versammelten, um Streitigkeiten zwischen den gro�en Sippen und einzelnen F�rstent�mern beizulegen. Inmitten weiter Wiesen erhob sich ein einsamer Kreidefelsen. An seinem Fu� fanden die Versammlungen statt. Volodi hatte auch geh�rt, was sich jetzt am Fu� des Wintersteins befand.</p><p>�Du bist verr�ckt, Kleiner. Wenn du dich umbringen willst, dann nimm dir doch einfach einen Strick.�</p><p>�Essen!�, rief Quetzalli.</p><p>Volodi stand auf und ging mit Fedor zu der kleinen Laubh�tte, vor der sich ihre Feuerstelle befand. Quezalli nahm einen Fisch vom Feuer und zerteilte ihn auf einem flachen Stein. Dann schlug sie den hei�en Fisch in gro�e Ahornbl�tter ein und reichte ihnen je eine Portion. Holzschalen oder gar Teller hatten sie nicht.</p><p>Fedor fing sofort an zu essen. �K�stlich!�, sagte er begeistert und spuckte ein paar Gr�ten aus. Dann begann er von der H�tte im Wald zu erz�hlen.</p><p>Quetzalli sah Volodi auf eine Art an, die er nur zu gut kannte. Sie hatte eine Entscheidung getroffen. �Du gehen. Zur�ck vor Schnee!�</p><p>�Ich kann doch nicht���, begann Volodi.</p><p>�Ich nicht M�dchen!�, unterbrach sie ihn entschieden und blickte zu Fedor, der ausnahmsweise klug genug war, seinen Mund zu halten. �Volodi gut k�mpfen. Du geben gut Haus.�</p><p>�Ein sehr gutes Haus! Es ist wirklich���</p><p>�Eine H�tte mit einem undichten Dach�, grollte Volodi. �Daf�r allein tu ich gar nichts. Ich bekomme noch so viel an Vorr�ten, dass sich ein Maultier einen Bruch daran hebt. Zwei Sack voll Korn, ein kleines Salzfass, einen Sack �pfel, Speck und was mir sonst noch so einf�llt.�</p><p>Fedor hob beschwichtigend die H�nde. �Wir werden genug Beute machen. Das ist �berhaupt kein Problem.�</p><p>�Ich wei� nicht��� Mit diesem Jungen in den Krieg zu ziehen war keine gute Idee.</p><p>�Du gehen!�, beharrte Quetzalli. �Zur�ck vor Schnee.�</p><p>Er sah die Angst in ihren braunen Augen. Sie w�rde alleine zurechtkommen. Sie f�rchtete sich nicht vor W�lfen oder B�ren, es war das wenige, was sie �ber die Winter in Drusna geh�rt hatte, das ihr Todesangst einjagte. Sie fror schon jetzt, dabei waren die Temperaturen noch recht angenehm. Der Winter war ein Feind, den sie nicht einsch�tzen konnte. Und Volodi wusste, wenn er keinen besseren Platz fand, dann w�rde sie vor dem n�chsten Fr�hling sterben. Sie w�rde die langen, klaren Frostn�chte, in denen es so kalt wurde, dass einem selbst in einem sch�tzenden Langhaus der Atem im Bart gefror, wenn man sich ein paar Schritt von der Feuergrube entfernte, nicht �berleben. Er h�tte mit ihr nicht hierherkommen d�rfen!</p><p>�Also gut, Junge. Eine Schlacht. Du hast es geh�rt, vor dem ersten Schnee haben wir uns in der Jagdh�tte einquartiert, von der du erz�hlt hast.�</p><p>Fedor legte feierlich die Hand auf sein Herz. �Das schaffen wir leicht�, erkl�rte er voller jugendlichem �berschwang.</p><p>Volodi hatte kein gutes Gef�hl, als er nach dem Essen das Pferd des toten Steuereintreibers Alba sattelte. Quetzalli schenkte ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Es war offensichtlich, dass ihr die Worte fehlten, um sich auszudr�cken. Sie hielt seine beiden H�nde. �Gut zur�ckkommen.�</p><p>�Ganz sicher�, sagte er mit belegter Stimme und strich ihr eine Str�hne aus dem schmalen Gesicht.</p><p>Sie hauchte ihm noch einen Kuss auf die Lippen, dann zog sie sich in die Laubh�tte zur�ck. Er wusste, dass sie Abschiede ebenso hasste wie er.</p><p>Zwei Tage lang ritt er mit Fedor durch den Wald. Es war regnerisch, und der Wind klatschte ihnen nasse Herbstbl�tter ins Gesicht. Fast die ganze Zeit �ber dachte Volodi an Quetzalli. Er h�tte nicht gehen sollen. Nicht mit diesem jungen Burschen, der von der Wirklichkeit des Krieges keine Ahnung hatte.</p><p>Schlie�lich erreichten sie einen Lagerplatz in einem lichten Eichenhain. Ein dutzend Pferde stand angepflockt unter einem Baum, m�chtig wie ein Turm. Eine Gruppe junger M�nner kauerte um ein Feuer zwischen den Wurzeln. Volodi kannte Gestalten wie diese nur zu gut. Frischlinge mit brennenden Augen und ohne jede Erfahrung.</p><p>Er schwang sich vom Pferd und genoss es, wie er angegafft wurde. �Ihr seid also die Sp�her von Fedors Heer.�</p><p>�Ist das Volodi?�, fragte ein Rotschopf. �Es hei�t doch, er sei ein H�ne.�</p><p>Auch Fedor war inzwischen abgesessen. �Er ist es, glaubt es mir. Ich habe ihn k�mpfen sehen.�</p><p>Volodi blickte zu den Pferden. Sie waren allesamt alt und ihr struppiges Fell schlecht gepflegt. �Los, aufsitzen, Jungs. Lasst uns zu eurem Heerlager weiterreiten.�</p><p>�Was meint der?�, fragte der Rotschopf. �Gibt es noch ein Heer?�</p><p>�Ein paar meiner M�nner sind noch unterwegs und suchen nach dir�, erkl�rte Fedor.</p><p>�Ist das hier dein Heer?� Volodi sah sich fassungslos das Tr�ppchen durchn�sster, erb�rmlicher Gestalten an.</p><p>�Gib mal nicht so an, Alter.� Der Rothaarige baute sich bedrohlich vor Volodi auf. Er war gro� und kr�ftig. �Ich bin Radik vom Rabenberg, und auch ich bin ein erfahrener K�mpfer. Wir alle hier sind schon in die Schlacht gezogen.� Er deutete auf einen Haufen Knochen unweit des Lagerfeuers. �Letzte Woche erst haben wir den S�ldnern aus Valesia zwei fette Schweine abgejagt. Welchen Kampf hast du letzte Woche gewonnen, Gro�maul.�</p><p>�Radik, das ist wirklich���, versuchte Fedor, seinen Kameraden aufzuhalten.</p><p>Volodi hatte genug gesehen. Aus dem Augenwinkel sah er, wie zwei der Halbstarken nach Speeren griffen. Offenbar hatten sie begriffen, dass Radik kurz davor stand, sich um Kopf und Kragen zu reden. �Was ich letzte Woche so getan habe?�, sagte er gedehnt und strich sich �ber den Bart. �Ich hab mein Weib f�r mich kochen lassen, hab jedes Reh im Wald entkommen lassen, das meinen Weg kreuzte. Ach ja, an einem Tag ging es mit dem Schei�en nicht so gut. Die Probleme alter M�nner, wei�t du. Ich geh dann mal wieder. Ich glaube, eure Spielchen sind nichts f�r mich.�</p><p>�Nein, wir k�nnen dich nicht gehen lassen�, sagte Fedor mit einer Entschlossenheit, wie Volodi sie von dem Jungen bisher noch nicht kannte. Im selben Augenblick griffen auch die �brigen jungen M�nner nach ihren Speeren.</p></section><section><title><p>Das Licht der Freiheit</p></title><p>�Los, alter Mann, es wird bald dunkel, beeil dich.� Um seinen Worten mehr Nachdruck zu verleihen, stie� Fedor Volodi mit dem stumpfen Ende seines Speers in den R�cken.</p><p>Einer der beiden Reiter, die sie seit einer Weile eskortierten, kicherte. �Nach den Geschichten, die man so �ber ihn h�rt, hatte ich ihn mir gr��er vorgestellt.�</p><p>Ihre Begleiter waren wohlgen�hrte Krieger auf kr�ftigen Pferden. Sie trugen Brustpanzer aus z�hen Lederschuppen und hohe Bronzehelme. Der hintere der beiden machte sich ab und an einen Spa� daraus, Volodi ebenfalls mit dem Speer zu sto�en.</p><p>Die H�nde auf den R�cken gebunden, k�mpfte sich der Drusnier einen steilen Weg hinauf. Es goss in Str�men, und der Boden war durch unz�hlige Hufe und Karrenr�der in z�hen Schlamm verwandelt worden, in dem er bis �ber die Kn�chel versank. Bei jedem Sto� musste er aufpassen, dass er nicht mit dem Gesicht voran im Schlamm landete. Blut troff ihm von den aufgeschlagenen Lippen und vermischte sich mit dem Regen, der �ber sein Gesicht rann.</p><p>Endlich erreichten sie die H�gelkuppe, und Volodi blickte �ber weites Weideland, das von einer Erdfestung beherrscht wurde: ein unregelm��iges Quadrat, jede Seite mindestens f�nfhundert Schritt lang. Die W�lle waren aus Erde errichtet und wurden von einer Brustwehr aus miteinander verflochtenem Ge�st gekr�nt. Ein breiter Graben voll schlammigen Wassers umgab das Lager. Nur ein einziger Weg f�hrte hinein. Er wurde von einem h�lzernen Turm beherrscht, der sich �ber dem weiten Tor erhob.</p><p>Links hinter dem Tor lagen Viehgatter, in denen sich Hunderte Rinder dr�ngten. Dahinter erhoben sich lange Holzschuppen, die wohl als Lagerh�user und Kasernen dienten. Soweit Volodi wusste, war die Festung am Winterstein mit mindestens f�nfhundert Valesiern belegt. Dazu kamen noch die Steuereintreiber des Unsterblichen Iwar.</p><p>Die Beute aus allen F�rstent�mern im Umkreis von �ber hundert Meilen wurde hier gesammelt. Alle zwei Wochen brach eine schwer bewachte Karawane nach Westen auf�� angeblich wurden die meisten Vorr�te nach Selinunt geschafft, um all die Arbeiter zu ern�hren, die dem Unsterblichen Ansur eine neue Hauptstadt ganz aus Marmor errichteten.</p><p>�Wir reiten voraus und werden den hohen Besuch ank�ndigen�, erkl�rte der vordere der beiden Reiter. �Du wirst f�r einigen Wirbel im Heerlager sorgen, Junge.� Mit diesen Worten preschten sie den H�gel hinab.</p><p>Volodi wandte sich um. Hinter ihnen k�mpfte sich ein zweir�driger Karren den schlammigen Weg zur H�gelkuppe hinauf. Weit im Osten preschte eine mit Speeren bewaffnete Patrouille aus dem Wald.</p><p>�Los, bringen wir es hinter uns.� Fedor sprach mit belegter Stimme. Seine Anspannung war ihm deutlich anzuh�ren.</p><p>Volodi schritt den H�gel hinab. Gerade passierte ein schwer beladener Zug Maultiere das Festungstor. Die beiden Reiter dr�ngten sich daran vorbei und verschwanden aus Volodis Blickfeld.</p><p>Als er und Fedor das Tor erreichten, war es fast schon dunkel. �ber ihnen, auf der Plattform des Turms, schlugen hohe Flammen aus einer Feuerschale, an der sich drei Krieger w�rmten. Die beiden Wachen unten am verschlossenen Tor hatten es nicht so gut. Frierend und in durchn�ssten Kleidern standen sie auf ihre Speere gest�tzt. Der Kleinere der beiden, ein ausgemergelter, blonder Mann, wandte sich an Fedor. �Lass ihn hier, und hau ab, Junge. Wenn du die Belohnung einforderst, wird dir das nicht gut bekommen. Die nehmen dir deine kostbaren Schwerter ab und vielleicht noch mehr.�</p><p>�Quatsch nicht, Schenya�, mischte sich der Zweite ein. �Du wirst schon bekommen, was du verdienst. H�r nicht auf diesen Schwarzseher. Mach dir keine Sorgen.�</p><p>Das Tor �ffnete sich. Zwei M�nner mit Fackeln standen im Durchgang. Schon an der Art, wie sie sich bewegten, und an ihren Blicken erkannte Volodi, dass es Veteranen waren. Obwohl es nichts zu bef�rchten gab, waren sie auf der Hut, blickten zu dem Karren, der den H�gel hinabkam, und musterten Fedor genau.</p><p>Ein f�nfter Mann trat hinzu und durchma� den Torraum. Er war hager wie der Tod, nicht sonderlich gro�, aber mit einem pr�chtigen Bronzepanzer gewappnet, auf dem ein sch�n gearbeiteter Adler seine Fl�gel ausbreitete. Seine Haare waren schlohwei�, und er ging leicht gebeugt, seine Augen aber waren jung geblieben.</p><p>�Du also bist der verdammte Drusnier, der Alba abgestochen hat.�</p><p>Volodi hob stolz den Kopf. �War mir ein Vergn�gen.�</p><p>Eine schallende Ohrfeige war die Antwort des Alten. �Leider habe ich Befehl, dich vor den Unsterblichen Ansur bringen zu lassen. Wenn es nach mir ginge, w�rde ich dich einfach hier am Turm aufkn�pfen lassen. Dem Unsterblichen zu begegnen ist zu viel der Ehre f�r so ein St�ck Dreck, wie du es bist.�</p><p>Volodi blickte aus den Augenwinkeln zu Fedor. Der Junge zitterte. Das hier war zu viel f�r ihn. Es w�re besser gewesen, Radik h�tte ihn hierhergebracht. Der Rotschopf war zu dumm, um sich zu f�rchten.</p><p>Der Kommandant des Lagers wandte sich an Fedor. �Zeig doch mal die beiden Schwerter, die du da auf dem R�cken tr�gst.�</p><p>Volodi hatte fest damit gerechnet, dass sie sich die Waffen ansehen w�rden. Der Alte stand nun genau vor Fedor, seine fackeltragenden Leibw�chter hielten sich hinter ihm. Die beiden Torwachen standen seitlich von Volodi, ebenfalls begierig darauf, die kostbaren Eisenklingen zu sehen.</p><p>�Du willst den Jungen wohl ausrauben, statt ihn zu belohnen, Valesier. Du bringst den Kleinen um, und dann wirst du vor deinem Herrscher behaupten, du h�ttest mich gefangen, und Ruhm und Ehre daf�r ernten. Ist es nicht so?�</p><p>Eine zweite Ohrfeige war die Antwort.</p><p>Volodi taumelte zur�ck und st�rzte, dabei zog er die linke Hand aus der lose gekn�pften Fessel. Fedor hatte eines der Schwerter gezogen, ganz wie der Alte es gew�nscht hatte.</p><p>Gier funkelte in den Augen des Valesiers. �Gib mir das Schwert, Junge. Das ist die Waffe eines Feldherrn und nicht eines Ziegenhirten. Ich biete dir f�nf Silberst�cke f�r jede der Klingen. Ich bin kein Dieb. Das ist ein �beraus gro�m�tiges Angebot.�</p><p>�Die Schwerter sind das Hundertfache wert�, sagte Fedor und wich ein St�ck zur�ck. Er hielt die Waffe nur mit zwei Fingern und hob sie ganz vorsichtig hoch, sodass niemand auf den Gedanken kommen konnte, er wolle angreifen. �Ich nehme an, das Angebot beinhaltet auch mein Leben und freien Abzug.�</p><p>�Schlauer Junge.� Der alte Valesier l�chelte breit und griff nach der B�rse an seinem G�rtel. �Du k�nntest einer meiner Steuereintreiber werden.�</p><p>Fedor warf Volodi das Schwert zu.</p><p>Volodi schnappte es noch im Flug, f�hrte mit der breiten Seite einen R�ckhandhieb gegen die Schl�fe des Kommandanten und stach in flie�ender Bewegung einem der beiden Leibw�chter durch die Kehle.</p><p>Der zweite Veteran versuchte, ihm die Fackel ins Gesicht zu rammen. Volodi duckte sich, Flammen griffen nach seinem Haar und verloschen sofort wieder im Regen. Aus der Hocke heraus stach er dem Angreifer in den Unterleib und trieb die Klinge weit hinauf in dessen Eingeweide. Sein Schwert sa� zu tief im K�rper des Sterbenden, um es schnell wieder freizubekommen. Er griff die Fackel, die dem Krieger aus der Hand gefallen war, und fuhr herum, gerade rechtzeitig, um einen Speersto� eines der Torw�chter abzublocken. Volodi, der noch immer geduckt war, unterlief die Speerspitze, schnellte hoch und rammte dem Angreifer die Fackel unter das Kinn. Sofort stand der Bart des Kriegers in hellen Flammen. Schreiend lie� er seinen Speer fallen und schlug auf das brennende Haar ein, als Volodi ihm in den Magen boxte.</p><p>Der W�chter klappte zusammen.</p><p>Der zweite Speertr�ger, jener, der Fedor gewarnt hatte, lie� seine Waffe fallen. �Ich bin Drusnier. Die haben mich in den Dienst gezwungen!�</p><p>Fedor starrte Volodi mit offenem Mund an. Der Junge hatte noch nicht einmal sein Schwert gezogen.</p><p>�Schafft die M�nner unter den Torbogen�, befahl Volodi barsch. �Schnell!� Mit diesen Worten packte er den Alten, zerrte ihn ins Trockene und schlug ihm noch einmal vor den Kopf, damit er nicht vor der Zeit wieder zu sich kam.</p><p>�Was ist da unten los?� Ein Kopf erschien zwischen den Zinnen des Torturms. Es war zu dunkel, um im prasselnden Regen mehr als huschende Schatten zu erkennen. Der Kampf hatte kaum zehn Herzschl�ge gedauert und war fast lautlos gewesen. Fast�� Volodi fluchte stumm. An die Turmbesatzung hatte er nicht gedacht, als er den Plan zum �berfall ausgeheckt hatte.</p><p>�Die haben sich diesen Volodi geschnappt und pr�geln ihm die Schei�e aus dem Leib. Willst du runterkommen und mitmachen?�, rief der drusnische Torw�chter geistesgegenw�rtig.</p><p>�Du meinst, ich soll meinen Posten verlassen, wo der Alte danebensteht? Im Leben nicht, Schenja! Da w�r ich ja gleich der N�chste, dem das Fell gegerbt wird.� Mit diesen Worten verschwand der Wachtposten hinter den Zinnen.</p><p>�Danke�, fl�sterte Volodi und schaffte den zweiten Leibw�chter unter den Torbogen au�er Sicht.</p><p>Schenja packte seinen bewusstlosen Gef�hrten und brachte ihn ebenfalls unter das Tor. �Ihr m�sst mich mitnehmen. Hier kann ich nicht mehr bleiben.�</p><p>�Willkommen in Fedors Heer.� Volodi dr�ckte ihm die Hand und warf dem Jungen, der noch immer vor Entsetzen gel�hmt war, einen sp�ttischen Blick zu. �Das ist anders als in den Heldensagen, wenn man pl�tzlich selbst Blut an den H�nden hat.�</p><p>�Du�� du hast vier M�nner get�tet.�</p><p>Volodi sch�ttelte den Kopf. �Nein, tot sind nur zwei.� Er stie� mit dem Fu� nach dem bewusstlosen Festungskommandanten. �Den hier nehmen wir mit. F�r den werden wir ein h�bsches L�segeld bekommen. Und wenn nicht, k�nnen wir ihn ja immer noch an irgendeine Eiche h�ngen. Er mag das H�ngen, hatte ich den Eindruck.�</p><p>Die Reiter kamen den H�gel hinabgeprescht. In der beginnenden Nacht waren sie mit ihren weiten Umh�ngen nicht mehr als fliegende Schatten.</p><p>�Es klappt!�, jubilierte Fedor. �Es klappt.�</p><p>�Man verteilt das Fell des B�ren erst, wenn man ihn erlegt hat�, murmelte Volodi. Er blickte durch das Tor ins Lager. Das Wetter war auf ihrer Seite. Bei dem str�menden Regen hatte jeder, den sein Dienst nicht ins Freie zwang, Zuflucht in den Baracken gesucht. Auch hielt er die Wachfeuer klein und sorgte daf�r, dass kaum ein Licht in der Dunkelheit flackerte.</p><p>Die Reiter erreichten das Tor. Sie hatten ihre Pferde gez�gelt. Radik, der den Trupp anf�hrte, winkte frech den Wachen oben auf dem Torturm zu. Dann f�hrte er seinen Trupp im Schritt in die Festung hinein.</p><p>Der Wagen vom H�gel n�herte sich ebenfalls dem Tor. Auf dem verschlammten Weg kam er nur qu�lend langsam voran. Volodi hob den Schild eines der toten Leibw�chter auf und schob seinen Arm durch die Lederschlaufen. Dann zog er sein Schwert aus dem Toten.</p><p>Von den Pferchen hinter dem Tor war unruhiges Muhen zu h�ren. Radik und seine M�nner hatten mit ihrer Arbeit begonnen.</p><p>Volodi schlug das sch�tzende Horn. Gleich w�rde der Tanz losgehen. �Nimm dir den anderen Schild, Fedor�, fl�sterte er. Nerv�s blickte er zu dem Karren. Es sah aus, als h�tte er sich festgefahren. Die beiden Kutscher waren vom Bock gesprungen und machten sich an den gro�en R�dern zu schaffen. �Wenn es nicht so l�uft wie geplant, werden wir vielleicht das Tor halten m�ssen, damit die anderen entkommen k�nnen.�</p><p>Fedor nahm sich den zweiten Schild und stellte sich an Volodis Seite. Er konnte den Jungen schwer atmen h�ren. Der Drusnier wusste nur zu gut, wie schwer es war, vor der Schlacht die Angst niederzuringen. In der Festung lagen �ber f�nfhundert Krieger. Wenn Alarm gegeben wurde, dann gab es f�r die M�nner in Fedors Heer, das gerade einmal dreiundzwanzig K�pfe z�hlte, keine Hoffnung, lebend zu entkommen.</p><p>�He, was macht ihr da unten?�, rief eine raue Stimme vom Wachturm.</p><p>Von den Pferchen kam keine Antwort. Volodi konnte nur huschende Schatten sehen. Dann pl�tzlich lief ein Rind an ihm vorbei.</p><p>Oben auf dem Turm erklang ein Horn. Volodi drehte sich nach dem Karren um. Er steckte noch immer fest. Wenn sie ihn nicht bewegt bekamen, waren sie alle tot! �Fedor, Schenja, helft, den Wagen wieder flottzumachen. Ich geh rein, ein wenig Unruhe stiften.�</p><p>Mehr und mehr Rinder trotteten nun durch das Festungstor. Radik hatte den Befehl, so viele Pferche wie m�glich zu �ffnen und das Vieh davonzutreiben. Mit der Herde als Beute waren sie beweglicher als mit Karren oder zu schwer beladenen Maultieren.</p><p>Volodi stie� mit dem Schild eine gro�e, gescheckte Kuh zur Seite und schob sich auf den weiten Hof der Festung. Das Vieh staute sich schon vor dem Tor. Die Tiere waren unruhig, keilten aus, und der L�rm nahm mit jedem Augenblick zu.</p><p>Vom Turm schallte das Wachhorn. �Alarm! Wir werden angegriffen.� Der str�mende Regen d�mpfte die Stimme des T�rmers, aber lange w�rde es nicht mehr dauern, bis jemand in den Baracken merkte, was drau�en geschah.</p><p>Volodi fand Radik in dem Gewimmel. �H�r auf!�, rief er dem jungen Krieger zu. �Nimm deine M�nner, und sieh zu, dass ihr fortkommt!�</p><p>Immer mehr Rinder dr�ngten sich vor dem Tor, als sich die T�r der vordersten Baracke �ffnete. Ein matter Lichtstreifen vergoldete den Regenschleier vor dem Eingang, und ein schwarzb�rtiger Krieger erschien in der T�r. �Was geht da vor?�, rief er mit vollt�nender Stimme.</p><p>�Das Wetter macht die Rinder verr�ckt!�Volodi ging ihm entgegen und winkte abwiegelnd. Er hoffte, dass der Krieger, vom Licht der Stube noch nachtblind, nicht genau sehen konnte, was geschah. �Die Viecher haben ein Gatter niedergetrampelt, aber wir treiben sie schon zur�ck. Ich hab keine Ahnung, was sich der T�rmer denkt, so einen L�rm zu veranstalten.� Kaum waren die Worte �ber Volodis Lippen, erscholl erneut das Alarmhorn auf dem Turm.</p><p>Der Schwarzbart fluchte und griff neben der T�r nach seinem Umhang. �Ich werde den T�rmer zum Schweigen bringen. Verdammter Idiot. Der versetzt noch die ganze Garnison in Unruhe.�</p><p>Bei zwei weiteren Baracken gingen die T�ren auf. Mehrere Bewaffnete traten hinaus. Das war es, dachte Volodi. Jeden Moment w�rden sie merken, dass etwas nicht stimmte. Er blickte zur�ck. Viel konnte er auch nicht sehen.</p><p>Der T�rmer rief etwas, doch seine Worte gingen im Rauschen des Regens unter. Wieder stie� er ins Horn. Immer mehr Barackent�ren �ffneten sich. M�nner liefen ins Freie, um die Rinder einzufangen, die nun �berall innerhalb der weiten Festungsanlage herumliefen. Noch glaubte niemand an einen �berfall, wie es schien. Die M�nner stellten den Rindern nach. In ihrer Festung hinter Wall und Graben und nach all den Siegen, die sie �ber die Drusnier errungen hatten, hielten sie sich f�r unangreifbar.</p><p>Volodi zog sich eilig zum Tor zur�ck. Jetzt gab es ein Durchkommen, denn Radik und seine M�nner scheuchten die Rinder, die sie nicht mitnehmen konnten, zwischen die Baracken in der Erdfestung. Der Stau vor dem Tor hatte sich aufgel�st. �R�ckzug!�, rief Volodi leise und eilte von Reiter zu Reiter. �R�ckzug!�</p><p>Die jungen Krieger h�rten auf ihn. Immer und immer wieder hatte er ihnen in den letzten Tagen eingesch�rft, dass Disziplin der Schl�ssel zum Sieg war. Ohne zu murren, befolgten sie seine Befehle. Volodi rannte als Letzter in Richtung Tor, als hinter ihm der L�rm losging. Jemand hatte entdeckt, dass das Tor offen stand.</p><p>Schatten hasteten in seine Richtung.</p><p>Fedor und die Kutscher schoben den Karren in den Durchgang unter dem Turm. Volodi musste unter der Achse hindurchkriechen, um zu entkommen. Kaum hatte er das geschafft, sprang er auf und schlug mit dem Schwert auf das schmale St�ck Achse ein, das zwischen Ladefl�che und Rad zu sehen war.</p><p>Die Valesier warfen sich auf der anderen Seite des Tors gegen den Wagen.</p><p>�Z�ndet ihn an�, befahl Volodi und versetzte der Achse einen weiteren Hieb.</p><p>Auf der Ladefl�che des Karrens stand ein Topf mit gl�henden Kohlen. Volodi h�rte das drohende Zischen von �l, das in die Glut gegossen wurde.</p><p>Noch ein Hieb traf die Achse. Im selben Moment loderte eine gelbe Flamme auf und setzte die Plane des Karrens in Brand. Hitze griff nach Volodi. Ein letzter Schwerthieb. Die Achse splitterte, und der Wagen neigte sich zur Seite.</p><p>Das Feuer fand immer mehr Nahrung. Eilig zog Volodi sich zur�ck. Sie hatten alles m�gliche Brennbare auf den Karren geladen: Speck, Reisigb�ndel, Lampen�l, ein kleines Fass mit Fischtran. Das Feuer blockierte nun den einzigen Weg aus der Festung der Valesier. Und wenn sie Gl�ck hatten, w�rde auch noch der h�lzerne Torturm in Brand geraten. Hoffentlich machten sie den Fehler, Eimer mit Wasser zu holen, um das brennende Fett zu l�schen, dachte Volodi. Sie w�rden das Feuer damit nur noch mehr anfachen.</p><p>Fedor wartete mit einem Pferd vor dem Tor auf ihn. �Wir haben ihnen �ber f�nfhundert Rinder gestohlen�, rief er begeistert gegen das Fauchen der Flammen. Der Platz vor dem Tor war in unstet tanzendes Licht getaucht. �Wir werden���</p><p>Ein Pfeil schnitt ihm das Wort ab. Er war fast bis zur schwarzen Befiederung in seine Brust gedrungen. Volodi packte die Z�gel von Fedors Pferd und zog es hinter sich her, fort von der Festung und dem Bogensch�tzen auf dem Torturm in die sch�tzende Dunkelheit.</p><p>Erst als sie den H�gel erreichten, wagte Volodi anzuhalten. Fedor war nach vorn auf die M�hne seiner Stute gesackt. Der Drusnier stieg ab und hob den Jungen von seinem Pferd. Blut rann ihm von den Lippen. Der Pfeil hatte ihm die Lunge durchbohrt.</p><p>�Ich���</p><p>�Nicht reden, du brauchst deine Kraft, um wieder gesund zu werden.�</p><p>Fedors Augen wurden so weit wie an dem Tag ihrer ersten Begegnung, als er in ihm seinen Helden erkannt hatte. �War das�� ein gro�er Sieg?�, stie� er unter Schmerzen hervor.</p><p>�Man wird �berall in Drusna von Fedor von B�renfurt und seinen tapferen Recken sprechen, die die Valesier besiegten, ihnen ihre Beute wieder abjagten und sie in ihrer eigenen Festung eingesperrt haben.�</p><p>Fedors Augen starrten, ohne zu blinzeln, in den Regen. Er h�rte Volodi nicht mehr.</p><p>Hinter ihnen brannte der Turm der Festung lichterloh.</p><p>�Du hast die Fackel zum Aufstand entz�ndet�, sagte Volodi mit rauer Stimme. �Sie wird �berall in Drusna leuchten.�</p></section><section><title><p>Auf der Suche nach dem Meer</p></title><p>�Du malst wirklich die sch�nsten G�tterbilder der Stadt, Meister �utarna!� Begeistert schob der Erste Schreiber die Pergamentrolle in eine lederne Schutzh�lle. Er war ein relativ junger Mann, bei dem das gute Leben im Tempel bereits Spuren zu hinterlassen begann. Seine H�ften waren f�llig, und deutlich zeigte sich der Ansatz eines Doppelkinns. Ganz im Schwarz der Schreiber des Tempels gekleidet, wirkte er dennoch ehrfurchtgebietend. Aus einem roten Etui an seinem G�rtel ragten zwei goldene Griffel�� das Zeichen seines Amtes als Erster Schreiber des I�ta-Tempels.</p><p>�Das Bild der Gefl�gelten wird einen Ehrenplatz erhalten�, fuhr er begeistert fort.</p><p>Talawain verneigte sich. �Ihr schmeichelt meinen bescheidenen Gaben, Erster Schreiber. Ich bin nur die Hand, die den Pinsel h�lt; ich bin sicher, die G�ttin selbst lie� Sch�nheit in das Werk flie�en, wenn es Euch so sehr gef�llt.�</p><p>�Du bist zu bescheiden, �utarna. Es ist ein Gewinn f�r unsere Stadt, dass du dich hier niedergelassen hast.� Der Aufseher der Schreibstube des I�ta-Tempels senkte seine Stimme. �Nur hat man dich schlecht beraten, dass du dich ausgerechnet neben dem Haus des Verfluchten niedergelassen hast. Hat dir denn niemand von den besonderen Todesumst�nden des Knochenschnitzers erz�hlt?�</p><p>�Ich h�rte davon erst, nachdem ich das Haus gekauft hatte.�</p><p>Der Erste Schreiber gab ein keckerndes Ger�usch von sich, das wohl Missbilligung ausdr�cken sollte. �Ich hoffe, du hast keinen zu hohen Preis gezahlt. Die L�den in dieser Gasse gehen nicht mehr gut.�</p><p>�Ich f�rchte, der T�pfer war ein besserer Gesch�ftsmann als ich.�</p><p>�Ein guter T�pfer war er jedenfalls nicht�, sagte sein Gegen�ber stirnrunzelnd. �Es ist doch immer dasselbe mit euch K�nstlern. Habt ihr wirklich Talent in eurem Fach, seid ihr in Gesch�ftsdingen arglos wie Kinder.�</p><p>�Ich fasse das als ein Kompliment auf�, sagte Talawain dem�tig.</p><p>�So ist es auch gemeint.� Er klopfte auf die Lederrolle. �Morgen fr�h werde ich dieses Bild im Priesterkollegium zeigen. Wir suchen noch nach einem Geschenk f�r den Unsterblichen Ansur, den Herrscher Valesias.�</p><p>Talawain blickte �berrascht auf. �Das ist sehr weit fort von hier.�</p><p>Der Erste Schreiber l�chelte selbstgef�llig. �Zum Opferfest im Fr�hling werde ich zusammen mit den bedeutendsten Priestern dorthin reisen. Der Unsterbliche Ansur feiert ein Fest zur Einweihung des Wei�en Selinunt. Ein Fest, wie es unsere Welt noch nicht gesehen hat. Alle Unsterblichen werden sich dort versammeln, und selbst die G�tter werden anwesend sein, um mit uns zu feiern. Der Hofstaat des Unsterblichen Labarna hat schon begonnen, Vorbereitungen f�r die Reise zu treffen. Zur Mitte des Winters werde auch ich an den Hof abberufen werden, um mit meinen bescheidenen Gaben zu helfen. Aber zur�ck zu dem Bild. Ich werde dir eine gro�e Tierhaut bringen lassen. Darauf sollst du mit deinen sch�nsten Farben I�ta und den adlerk�pfigen Devanthar der Valesier malen.� Wieder klopfte er auf die Lederrolle. �Ich bin sicher, mit diesem kleinen Meisterwerk hast du dir den Auftrag verdient, �utarna. Und wer wei�, vielleicht wird auch der Unsterbliche auf dein Talent aufmerksam werden, denn Labarna h�chstselbst wird jedes Geschenk begutachten, das wir nach Selinunt tragen.�</p><p>Talawain hatte M�he, seine Aufregung zu verbergen. Ein Fest, bei dem alle G�tter und alle sieben Gro�k�nige zugegen waren. Das hatte es in der Tat noch nie gegeben. Es konnte nur eines bedeuten: Dort sollte ein Pakt geschlossen werden, und der konnte nur gegen Albenmark gerichtet sein!</p><p>Der Elf begleitete den Schreiber zur T�r und sah ihm nach, bis er am Ende der Gasse in die Prachtstra�e zum I�ta-Tempel abbog. Er musste so rasch wie m�glich nach Albenmark. Aber wenn er die Blaue Halle aufsuchte, w�rden sie ihn nicht mehr gehen lassen. Daf�r, dass er auf eine selbstm�rderische Mission f�r einen Unsterblichen gehen wollte, um dessen Geliebte zu retten, h�tte der Himmlische gewiss kein Verst�ndnis. Ja, vielleicht w�rde er es sogar als Verrat betrachten. Selbst wenn die Himmelsschlange ihm wohlgesonnen w�re, w�rde sie ihn nicht mehr ziehen lassen.</p><p>Dies war vielleicht die wichtigste Information, die er in all den Jahren als Spitzel erhalten hatte. Und sie war ihm einfach so zugefallen��</p><p>Es war schon sp�t. Am Himmel zogen dunkle Wolken auf. Der Winter in Isatami brachte viel Regen. Talawain bemerkte, wie ihn die H�ndlerin, die ihn �ber Rowayns Schicksal aufgekl�rt hatte, beobachtete. Mit dem abgerissenen Pilger, als der er zu ihr gegangen war, hatte �utarna wenig gemeinsam. Er trug jetzt einen gepflegten, schwarzen Bart und�� zumindest nach den Ma�st�ben der H�ndler in dieser Gasse�� vornehme Gew�nder.</p><p>Talawain trat auf die Gasse hinaus, klappte den schweren Holzladen vor das gro�e Fenster, verriegelte dann sorgsam die Eingangst�r und ging in den hinteren Teil seines Ladens, in dem er auch lebte. Er galt als Eigenbr�tler, pflegte mit niemandem Umgang und war nicht sonderlich beliebt.</p><p>Eine Zeitlang sah er nachdenklich auf sein Bett. Eigentlich sollte heute der gro�e Tag sein. Vielleicht auch der Tag seines Untergangs�� Aber jetzt hatte sich binnen einer Stunde alles ge�ndert. Wenn er sich irrte und heute durch seine Taten I�ta auf sich aufmerksam machte, w�rde er sicherlich nicht mehr entkommen. Vielleicht war er der einzige Elf der Blauen Halle, der um diese Zusammenkunft der Herrscher wusste. Er kannte den Tag und den Ort. Er durfte nicht l�nger hierbleiben!</p><p>Und dennoch�� Entschlossen schob er das Bett zur Seite und dann die gro�e, aus Binsen geflochtene Schale, die das Loch im gestampften Lehmboden verbarg. F�nf Wochen lang hatte er an dem Tunnel zum Nachbarhaus gearbeitet. Ganz sicher gab es auf dem Fu�boden keine magischen Siegel, redete er sich ein. Er konnte es wagen!</p><p>Er zw�ngte sich in den engen Tunnel. Acht Schritt war er lang und so niedrig, dass er sich nur auf allen vieren bewegen konnte. �berall in seinem kleinen Haus hatte er den roten Lehm versteckt, den Aushub des Tunnels. Am Ende des Tunnels entz�ndete er eine �llampe. Daneben lehnte der messingbeschlagene Grabstock an der Erdwand, mit dem er sich Zoll um Zoll durch den z�hen Boden gek�mpft hatte. Er �hnelte einem Speer mit gebrochenem Schaft, war kaum l�nger als sein Unterarm und hatte ein schmales Stichblatt an seinem Ende.</p><p>Eine Weile kauerte Talawain am Ende des Tunnels und lauschte. Angeblich war, seit die Priester Rowayns Laden versiegelt hatten, niemand mehr dort gewesen, aber man konnte nie wissen. Es war so still unter der Erde, dass er sein Blut in den Ohren rauschen h�rte.</p><p>Schlie�lich nahm er den Grabstock und rammte ihn gegen die Decke aus Lehm. Klumpen l�sten sich und fielen in den Tunnel hinab. Feiner Staub brannte Talawain in den Augen.</p><p>Immer und immer wieder stie� er den Grabstock nach oben, bis er pl�tzlich ins Leere stach und ru�bedeckte Erdklumpen in den Tunnel hinabst�rzten.</p><p>Talawain nahm einen der Erdbrocken in die Hand. Die Geschichte der H�ndlerin stimmte also. Rowayn war verbrannt. Ein bisschen Ru�, das war alles, was von seinem Freund geblieben war.</p><p>Er lie� den Klumpen fallen. Mit energischen St��en erweiterte er die �ffnung, bis er sich schlie�lich durch sie hindurchzw�ngen konnte. So wie sein Haus bestand auch Rowayns Laden nur aus einem einzigen Raum. Es war ein Ort der Finsternis! Alles war mit �ligem Ru� bedeckt. Der sch�ne Tisch, an dem er gearbeitet hatte. Das Schnitzwerkzeug, das wohl noch genauso dalag, wie Rowayn es aus der Hand gelegt hatte. Gekr�mmte Messer, verschiedene Feilen, ein kleiner Bohrer.</p><p>Unter dem Tisch lagen Knochensplitter auf dem Boden.</p><p>Talawain �ffnete sein Verborgenes Auge. Sofort wurde offenbar, dass es hier drinnen keine magischen Siegel gab. Allerdings hatte sich der Abglanz eines machtvollen Zaubers erhalten. Immer noch vibrierten die Kraftlinien, die das Zimmer teilten.</p><p>�Das Meer verbirgt alle Geheimnisse�, sagte Talawain leise. Was hatte Rowayn ihm damit sagen wollen? War es nicht vermessen, darauf zu hoffen, dass er etwas fand, was I�ta �bersehen hatte? Ganz sicher hatte Rowayn sein Versteck nicht durch einen Zauber getarnt.</p><p>Talawain ging im Zimmer auf und ab. Er leuchtete in alle Winkel, schob das Bett zur Seite und untersuchte die Unterseite des Tisches. Nichts! Nur Ru�.</p><p>Er begann, ein zweites Mal das Zimmer zu durchsuchen. Langsamer, systematischer diesmal. Mit den H�nden tastete er �ber die W�nde. In der Bettnische entdeckte er etwas�� hauchd�nnes Pergament war auf die Wand geklebt. Es war ebenso ru�geschw�rzt wie alles andere. Man musste mit den Fingerspitzen dar�ber tasten, um den Unterschied zu den Lehmw�nden zu bemerken.</p><p>Vorsichtig wischte Talawain �ber die Wand. Der Ru� verschmierte, gab aber nicht preis, was sich unter ihm verbarg. Ungeduldig ging der Elf zum Tisch, auf dem die Werkzeuge lagen, nahm eines der Schnitzmesser und l�ste mit ihm ein handgro�es St�ck Pergament von der Wand. Darunter verbarg sich nur grober Lehmputz wie an allen �brigen W�nden. Er drehte das Pergamentst�ck um. Auf der R�ckseite war nichts. Die Nachricht, wenn es denn eine gab, musste sich unter dem Ru� verstecken!</p><p>Ungeduldig kroch er durch den Tunnel zur�ck in seinen Laden, stellte mehrere Lampen auf seinen Arbeitstisch, um gen�gend Licht zu haben, dann holte er die Ziegenlederflasche mit dem Branntwein. Vorsichtig goss er etwas davon in eine flache Schale, suchte ein paar Lumpen zusammen und begann, das Pergament mit alkoholgetr�nkten Stofffetzen abzutupfen.</p><p>Und endlich hob sich der schwarze Schleier. Talawain hatte eine stilisierte Welle freigelegt, wundersch�n in verschiedenen Blaut�nen gehalten. Das Meer hatte er gefunden. Wo aber waren die Geheimnisse, die es verbarg?</p></section><section><title><p>Das verborgene Land</p></title><p>Bis zum Morgengrauen hatte Talawain sechs weitere Pergamentstreifen geborgen, in seine Werkstatt gebracht und ges�ubert. Er hoffte, dass sich im Gesamtbild ein Hinweis verbarg. Er hatte die Muster der Wellen untersucht, ihnen Zahlen zugeordnet und versucht, daraus Buchstaben abzuleiten. An zwei Stellen hatte er sehr vorsichtig die Tusche des Bildes entfernt, um zu sehen, ob sich darunter etwas verbarg. Alles vergebens! Rowayns Meer wollte sein Geheimnis nicht preisgeben.</p><p>Zuletzt hielt er die Pergamentstreifen ganz nah an die Flamme einer �llampe, um nach einer Geheimschrift zu suchen, die vielleicht bei Hitze oder einem ver�nderten Licht sichtbar wurde. Auch das half nicht weiter. Durch sein Verborgenes Auge betrachtet war ebenfalls nichts Auff�lliges zu entdecken. Es war zum Verzweifeln.</p><p>Im ersten Tageslicht lie� Talawain sich v�llig ersch�pft auf sein Lager sinken. Sieben Wochen hatte er auf diese Nacht hingearbeitet, und nun sah es so aus, als sei er einem Irrtum aufgesessen. Er lauschte auf die Ger�usche drau�en auf der Stra�e. Die Holzl�den vor den Auslagen wurden hochgeklappt, die H�ndler tauschten neuesten Tratsch aus. Ein fr�her Brotverk�ufer pries seine Ware an.</p><p>Talawain sank in einen unruhigen Schlaf. Er tr�umte von I�ta, die �ber die Wellen eines aufgew�hlten Meeres schritt und ihn verspottete. Sie war mit Schild und Speer bewaffnet. Herausfordernd schlug sie den Schaft des Speers vor den Schild, dass es laut krachte. Pl�tzlich schleuderte sie ihm die Waffen entgegen.</p><p>Mit einem Schrei fuhr Talawain auf. Er war in Schwei� gebadet. Sein Herz schlug wie rasend. Und immer noch war das Krachen zu h�ren. Benommen sah der Elf sich um. Die T�r�� jemand h�mmerte gegen die T�r. �Moment, ich komme.� Hastig raffte er die Pergamentstreifen des Bildes zusammen und versteckte sie unter seiner Nachtdecke. Noch benommen �ffnete er die T�r, wo der Erste Schreiber auf ihn wartete.</p><p>�Mir scheint, du nutzt nicht die Nacht zum Schlafen, �utarna. I�ta gef�llt es nicht, wenn man die von ihr gesetzte Ordnung der Dinge missachtet�, sagte er anstelle einer Begr��ung streng. �Dennoch hat die G�ttin sich dir gn�dig erwiesen. Das Priesterkollegium hat sich fast einhellig f�r dich ausgesprochen. Wir m�chten eine deiner Arbeiten als eines der Geschenke f�r den Unsterblichen Ansur haben.�</p><p>Talawain verneigte sich. �Ich danke Euch untert�nigst, Erster Schreiber. Ich wei�, dass ich diese Gunst Euch zu verdanken habe. Gerne w�rde ich mich daf�r erkenntlich zeigen. Seit Langem schon m�chte ich den Dienerinnen im Haus des Himmels ein Geschenk machen, da ich gro�en Respekt vor ihrem Dienst an der G�ttin in tiefster Einsamkeit empfinde. Sagt, wisst Ihr, auf welchem Wege ich ihnen eines meiner Bilder zukommen lassen k�nnte?� Es war ein plumper, letzter Versuch, das Kloster zu finden, in dem Shaya gefangen gehalten wurde, das wusste Talawain, aber nach seinem Scheitern in der letzten Nacht war er in der Stimmung f�r Verzweiflungstaten.</p><p>Der Priester runzelte die Stirn. �Es ist ein Geheimnis, wo das Haus des Himmels liegt. Nur wenige Auserw�hlte kennen den Weg dorthin. Es hei�t, man m�sse zwischen den Welten wandern, um dorthin zu gelangen. Wenn du mir aber ein Bild f�r die Priesterinnen dort gibst, werde ich sicherlich eine M�glichkeit finden, es ihnen �berbringen zu lassen.�</p><p>�Bis wann m�sste ich mein Bild denn vollenden, damit die Barbarenprinzessin es noch vor ihrer Opferung sieht? Ich glaube, ein eindrucksvolles Bild der G�ttin k�nnte ihr verdeutlichen, welche au�erordentliche Ehre es ist, ihr Blut f�r I�ta und unser Land zu vergie�en.�</p><p>Der Erste Schreiber lachte auf. �Was f�r ein nobler Gedanke, �utarna, doch f�rchte ich, dass es zu den Eigenarten von Barbaren geh�rt, dass ihnen alles Noble fremd bleibt. Du magst dein Bild malen, und die Priesterinnen werden es gewiss zu sch�tzen wissen, aber das Herz der Barbarin wird es gewiss nicht ber�hren. Man erz�hlte mir unl�ngst, dass diese <emphasis>Prinzessin</emphasis> lange Wochen lieber unter Ziegen lebte als im Kloster. Sie wird zu Fr�hlingsbeginn hingerichtet werden, wobei man im Haus des Himmels, das hoch in den Bergen liegt, einen recht eigent�mlichen Brauch pflegt zu entscheiden, wann der erste Fr�hlingstag ist. Im Klostergarten steht ein gro�er Kirschbaum. Wenn sich seine ersten Bl�ten �ffnen, wird die Barbarenprinzessin sterben. Zu diesem Zeitpunkt sind �berall sonst im Reich die Kirschbl�ten l�ngst gefallen.�</p><p>�Aber sie wird doch geopfert, um dem Reich Fruchtbarkeit zu schenken. Und das geschieht, wenn die Obstbl�te �berall sonst schon vor�ber ist und das Korn schon hoch steht?�, wandte Talawain verwundert ein.</p><p>Der Erste Schreiber strich sich nachdenklich �ber den Bart. �Ja, das ist schon etwas ungl�cklich�, gab er schlie�lich zu. �Aber unsere Sorge ist das nicht. Halte dich bereit, in den n�chsten Tagen mit der Arbeit am Bild f�r den Tempel zu beginnen, und wenn dein Geschenk f�r das Haus des Himmels vollendet ist, werde ich mich darum k�mmern, dass es die Priesterinnen erreicht.� Mit diesen Worten wandte sich der Erste Schreiber ab, und Talawain verschloss sorgsam die T�r seines Ladens. Heute wollte er keine Kunden mehr sehen.</p><p>Bei einem kargen Mahl aus altem Brot und Schafsk�se br�tete er weiter �ber dem Geheimnis von Rowayns Bild. Schlie�lich entschied er sich, das Haus seines toten Freundes bei Tageslicht zu besuchen. Er konnte es zwar nicht wagen, eines der Fenster zu �ffnen, aber durch die Spalten in den Holzl�den sollte genug Licht einfallen, um eine bessere Sicht als bei Nacht zu haben.</p><p>Erneut kroch er durch den Tunnel. Als er den Kopf aus dem Loch im Fu�boden streckte, war er �berrascht. Durch den Ru� an den W�nden wirkte das Zimmer genauso finster und abweisend wie zuvor in der Nacht. Nur drei schmale Lichtbahnen, in denen goldene Staubfl�ckchen tanzten, schnitten durch den Raum. Ein Lichtstreifen fiel genau in die Bettnische. Talawain, der sonst nicht viel auf Omen gab, nahm es als ein Zeichen. Noch einmal ging er zu der Wand. Der Lichtpunkt leuchtete mitten auf den roten Lehmputz. Er klopfte rings um das Licht die Wand ab, in der Hoffnung einen verborgenen Hohlraum zu finden. Aber da war nichts. Im Gegenteil, diese Wand schien sogar besonders solide zu sein.</p><p>Der Elf stutzte. Warum sollte eine Wand st�rker als alle anderen sein? Er trat aus der Nische und klopfte auf das Wandst�ck daneben. Der Ton klang dumpfer, erdiger.</p><p>Talawain nahm eines der Messer vom Arbeitstisch und kniete sich auf Rowayns Bett. Vorsichtig begann er, mit der Klinge am Lehm zu kratzen. Bald schon brach ein St�ck heraus, und darunter kam hellerer, festerer Putz zum Vorschein. Auf dem St�ck, das er freigelegt hatte, war eine stilisierte Palme auf ockerfarbenem Untergrund zu sehen.</p><p>Aufgeregt schob Talawain das Messer unter die Bruchkante und hebelte mehr Lehm von der Wand. Eine gestrichelte Linie, die durch das Ocker f�hrte, kam zum Vorschein. Er folgte der Linie, bis weitere Palmen und dann eine Gruppe H�user erschienen, die von einer Mauer umgeben waren. Daneben war ein schwarzer Schriftzug auf dem Putz aufgetragen: <emphasis>Alalach</emphasis>.</p><p>Talawain kannte die Stadt dem Namen nach. Sie lag nicht weit von der Grenze zu Aram in einer fruchtbaren Ebene. Er hatte Rowayns Geheimnis entdeckt!</p><p>Sinnend betrachtete er die Wand und versuchte zu sch�tzen, wo unter dem roten Putz er Isatami finden w�rde, wenn die Karte ma�st�blich gezeichnet war. Nur eine genaue Karte w�rde ihm bei seiner Suche wirklich helfen. Er setzte drei Ellen entfernt, links oberhalb von Alalach, die Klinge an und hatte bald eine L�cke in den Lehm gekratzt. Erst fand er nur H�gelland, in dem vereinzelt Zedern eingezeichnet waren, dann stie� er erneut auf eine gestrichelte Linie, die gewiss einen Karawanenweg darstellte. Er folgte ihr und legte eine Gruppe von roten H�usern frei, in deren Mitte sich eine Zikkurat erhob, die gro�e Stufenpyramide, die Isatami beherrschte.</p><p>Stundenlang arbeitete Talawain weiter und legte immer gr��ere Teile der Karte frei. Er hatte keine Ahnung, wo er nach dem Haus des Himmels suchen sollte. Unweit der Grenze zu Drusna war der Berg Luma eingezeichnet. Jener Berg, auf dem einst die Devanthar Anatu einen Palast aus Mondenlicht errichtet hatte. Talawain hatte diese Geschichte immer f�r eine der vielen Legenden um I�ta gehalten, denn diese hatte Anatu im Kampf �berwunden und im Gelben Turm eingekerkert. Aber wenn Rowayn den Berg auf seiner Karte an einem ganz konkreten Ort eingezeichnet hatte, dann musste er Beweise daf�r entdeckt haben, dass es diesen Palast wirklich gab.</p><p>Rowayns Karte war ein Schatz! Alles M�gliche war darauf verzeichnet, auch Erzgruben, Handelsrouten oder die geheimen Siedlungen der Erzschmiede, in denen die hochwertigen Eisenwaffen f�r das Heer Luwiens hergestellt wurden. Und dort, wo der Platz es erlaubt hatte, waren sogar Nachbarreiche eingezeichnet. So war ein Teil des n�rdlichen Aram zu sehen, bis hin zur gro�en Kupfermine Um el-Amand, in deren N�he sich das von den Devanthar bewachte Dunkle Tal befand�� auch dieser Ort fehlte auf Rowayns Karte nicht.</p><p>Es war tief in der Nacht, als Talawain das Haus des Himmels fand. Es lag in einer schroffen Bergkette weit im Norden von Luwien, nicht fern der Grenze zu Ischkuza. Ein siebenstrahliger, goldener Stern verriet, dass es einen gro�en Albenstern in dem Tal gab. Aber diesen Weg w�rde er nicht nehmen k�nnen, dachte Talawain.</p><p>Ersch�pft lie� er sich auf das �ber und �ber mit Lehmbrocken bedeckte Lager seines toten Freundes sinken. Endlich war seine Suche zu Ende. Bis zur Kirschbl�te in den Bergen w�rden noch viele Monde vergehen, hatte der Winter doch noch nicht begonnen.</p><p>Er w�rde die Karte kopieren, entschied Talawain. Das hinter dem Putz verborgene Land war das Lebenswerk von Rowayn gewesen. Er war gestorben, ohne sein Geheimnis weitergeben zu k�nnen. Er schuldete es ihm, dass dieses Wissen nicht verloren ging. Auch musste der Himmlische vom G�tterfest erfahren, das zum n�chsten Fr�hjahr in Selinunt stattfinden sollte. Doch wie sollte er es anstellen, dass die Himmelsschlange ihn wieder hierher zur�ckkehren lie�? Dem gro�en Drachen bedeutete Shaya nichts.</p><p>Zu aufgew�hlt, um einzuschlafen, und zu ersch�pft, um durch den Tunnel in seine Werkstatt zur�ckzukriechen, dachte er �ber seine Zukunft nach, und er entschied, etwas zu tun, wovon er schon lange getr�umt hatte.</p></section><section><title><p><emphasis>Der Held eines Winters</emphasis></p></title><p>�Ein ums andere Mal schlug Arcumenna, der Laris von Truria, unsere tapferen Krieger, denn er f�hrte Krieg, wie sein Unsterblicher Herrscher St�dte baute. Eine Mauer von Schilden war seine erste Schlachtreihe, dahinter standen Tausende Bogensch�tzen, die dunkle Wolken des Todes auf die Tapferen der W�lder niedergehen lie�en. Auf den Flanken des Schildwalls die Streitwagen, bereit vorzusto�en, wenn der Angriff im Pfeilsturm zerbrach. Arcumenna besiegte Heere, die seinen Truppen um das Dreifache �berlegen waren, denn f�r die M�nner Drusnas ist der Krieg eine Sache der Ehre. Ein Duell, in dem der bessere Schwertk�mpfer siegt. Doch Ehre ist ein schlechter Schild gegen Pfeile. Bei jedem Kampf starben Hunderte von uns, noch bevor ihre Schwerter und �xte die Schilde der Feinde ber�hrt hatten. Drusna verlor seine Helden und weite Landstriche, und zuletzt verlor es auch den Mut zu k�mpfen, denn die tapfersten jungen M�nner waren l�ngst auf unz�hligen Schlachtfeldern verblutet. So wurde ein Friede geschlossen, den der Unsterbliche Ansur diktierte.</p><p>Ein Friede sollte das Ende des Sterbens bedeuten. Der Friede aber, den die Valesier Drusna auferlegten, war nicht von dieser Art. Sie pl�nderten die Vorr�te, sodass in jenem Winter auch im entlegensten Dorf der W�lder Hunger Einzug hielt. Und bevor der Fr�hling kam, waren erneut viele zu den Ahnen gegangen, obwohl die Waffen ruhten. Als aber der zweite Hungerwinter drohte, da erhob sich einer, der Volodi von Drei Eichen genannt wurde. Und er stahl den Valesiern das Vieh, das sie gestohlen hatten, und er erschlug ihre Krieger, wo immer er sie fand. Seine Beute aber verschenkte er freim�tig, und bald schon hatte sich ein ganzes Heer um sein Banner versammelt.</p><p>Als aber der erste Schnee fiel, verschwand Volodi, als sei er nur ein Geist des Herbstes gewesen und dahingegangen wie die goldenen Bl�tter der Eichen. Der Unsterbliche Iwar aber hatte neuen Mut gefasst, denn endlich war ein Mann gekommen, der den Drusniern zeigte, dass sie noch siegen konnten. Und Iwar stellte sich gegen die Vasallen des Unsterblichen Ansur, die wie F�rsten in Drusna regierten und das Land bis aufs Blut ausbeuteten, damit ihr Herrscher seine Wei�e Stadt bauen konnte. Iwar hob den Bann auf, der gegen Volodi gesprochen war und der den gr��ten Helden Drusnas zu einem Gesetzlosen gemacht hatte. Und obwohl es mitten im Winter war, schickte er seine Boten in alle Winde, auf dass sie Volodi suchten und dem Volk verk�ndeten, dass ihr Held k�nftig der Hauptmann der Leibwache im K�nigspalast sei und der erste Berater Iwars. Jeder in den W�ldern sollte erfahren, dass eine neue Zeit angebrochen war.</p><p>Niemand ahnte zu jener Zeit, dass die Valesier l�ngst ihre Schlingen ausgelegt hatten und beschlossen war, dass der, den ihre Schwerter nicht niederzustrecken vermochten, in Selinunt sterben sollte. Die Nacht vor dem Opferfest, zu dem sich alle Unsterblichen versammeln wollten, sollte Volodis letzte Nacht werden (�)�</p><cite><text-author>Das Buch der W�lder�� Die Chronik der K�nige Drusnas, Bd. I: Von den Anf�ngen bis zum Jahr des Flammenden Himmels. Kapitel XCII, S. 776 ff., verwahrt in der Bibliothek des Heiligen Guillaume in Aniscans.</text-author></cite></section><section><title><p>Ein Freundschaftsbesuch</p></title><p>Arcumenna war sich der hasserf�llten Blicke, die jedem seiner Schritte folgten, nur zu bewusst. Und er war dankbar, dass ihm der Unsterbliche Ansur eine Eskorte seiner Palastwache mitgegeben hatte. Zu viele Valesier waren in den letzten Wochen in Drusna gemeuchelt worden, und Arcumenna wollte nicht Teil dieser Namensliste werden, an deren Anfang der verdiente Laris Alba stand.</p><p>Die genagelten Sohlen seiner Stiefel knallten im Gleichschritt mit denen seiner Leibwachen, als sie die schmutzige Halle des Langhauses durchquerten, das der Unsterbliche Iwar einen Palast nannte. Das Einzige, was die Halle von den dreckigen, wanzenverseuchten Katen seiner Untertanen unterschied, war ihre Gr��e und die verschwenderische Ausstattung mit Gold. So waren die wuchtigen Eichs�ulen, auf denen die Dachbalken ruhten, mit Goldblech beschlagen. Man musste schon ein Barbar sein, um zu glauben, dass die reichliche Verwendung von Gold jedes Geb�ude veredelte. Wie anders war da das Wei�e Selinunt, das sein Herrscher, der Unsterbliche Ansur, errichten lie�. Nur wenige Wochen noch und die Stadt w�re vollendet. Der Stein gewordene Traum eines gro�en Herrschers.</p><p>Sie hielten vor der apfelgr�nen T�r am Ende der Halle. Zwei bullige Drusnier mit ungepflegten B�rten lehnten dort auf schweren doppelk�pfigen �xten. Allein ihr Anblick lie� Arcumenna die Galle �berlaufen. Was sie hier taten, war herumzul�mmeln, statt Wache zu stehen. Und der Linke der beiden stank auch noch nach billigem Wein. Hier in Drusna war alles dreckig und heruntergekommen. Wie sehr er dieses K�nigreich hasste!</p><p>�Ich bin Arcumenna, der Laris von Truria, Gesandter des Unsterblichen Ansur von Valesia. Ich bringe wichtige Nachricht f�r euren Herrn, den Unsterblichen Iwar.�</p><p>�Iwar ist jetzt besch�ftigt�, entgegnete abf�llig grinsend der Kerl, der nach Wein stank. �Du wirst sp�ter wiederkommen m�ssen, Memma.�</p><p>�Das kann ich wohl tun, aber ist es weise, den Zorn von vielleicht gleich zwei Unsterblichen zu riskieren, nur weil du nicht kurz zu deinem Gebieter gehen magst, um in einer dringlichen Angelegenheit um einen Augenblick Zeit f�r mich zu bitten? Ich wei� nicht, wie es um den Langmut deines Herrschers bestellt ist, wackerer Recke mit dem Odem vergorener Trauben, aber der Unsterbliche Ansur pflegt seinen Untergebenen schon f�r geringere �rgernisse den Kopf vor die F��e zu legen.�</p><p>Der Drusnier starrte ihn aus kleinen, blauen �uglein an. Seine Wangen r�teten sich, und eine steile Zornesfalte bildete sich zwischen den Brauen.�H�? Was sagst du? Kannst du auch ordentlich reden?�</p><p>�Memma meint, Iwar k�nnte herumschreien, wenn wir ihn nicht zu unserem Herrscher bringen.�</p><p>�Aber���</p><p>Der zweite Wachposten winkte abwiegelnd und �ffnete das Tor. �Soll er sich nur mit Iwar herumschlagen.� Mit diesen Worten �ffnete er die T�r. �Deine Leibw�chter bleiben hier. Die brauchst du dort nicht. Wir sind hier doch unter Freunden.�</p><p>Die Ironie des W�chters gefiel Arcumenna nicht. Er merkte sich genau das Gesicht des Mannes, der eine kleine, rote Narbe unter seinem linken Auge hatte. Wenn sich die Gelegenheit bot, w�rde er ihn beseitigen lassen. Dieser Krieger war intelligent und aufs�ssig. Solche M�nner sollte Iwar nicht um sich haben, das w�rde k�nftig nur �rger bringen.</p><p>Der Krieger f�hrte ihn �ber einen kleinen Flur, der vor einer roten T�r endete. Energisch klopfte er. Von drinnen erklang irgendein unartikulierter Laut, den der Krieger offenbar als Aufforderung zu �ffnen verstand.</p><p>�Du bist willkommen�, sagte er mit sp�ttischem L�cheln und zog die T�r auf.</p><p>Arcumenna hatte kaum einen Fu� �ber die Schwelle gesetzt, als neben ihm klirrend ein Weinkrug an der Wand zerbarst. �Ich wollte nicht gest�rt werden�, grollte eine trunkene Bassstimme. �Raus mit euch!�</p><p>Auf einem hohen Lehnstuhl hockte ein schwarzb�rtiger Kerl, massig wie ein B�r. Zwei dralle, blonde Frauen standen hinter ihm. Eine kraulte ihm das lockige Haar, w�hrend die zweite eher lustlos an einer Harfe zupfte.</p><p>Arcumenna kniete vor dem Unsterblichen Iwar nieder. �Mein Gebieter, der Unsterbliche Ansur schickt mich mit einer dringenden Botschaft, Erhabener. Ich bitte Euch, mich zu erh�ren.�</p><p>Iwar blinzelte, als habe er M�he, ihn zu erkennen. Offensichtlich war der Unsterbliche wieder einmal sturzbetrunken. Arcumenna konnte sich nicht erinnern, den Herrscher Drusnas jemals n�chtern gesehen zu haben. Kein Wunder, dass sein K�nigreich vor die Hunde ging.</p><p>�Du kannst bleiben�, murrte Iwar.</p><p>�Ich bitte es zu entschuldigen, wenn ich Umst�nde mache, aber die Angelegenheiten, die wir zu besprechen haben, erfordern eine gewisse Diskretion.� Arcumenna liebte es, der Sprache der Barbaren ein Maximum an F�rmlichkeit abzuringen. Damit l�ste er jedes Mal Verbl�ffung aus. Seine Grammatik und seine Aussprache waren vollkommen, und doch redete kein Drusnier wie er.</p><p>Iwar glotzte ihn einen Moment an, als m�sse er die geh�rten Worte neu sortieren, um ihnen einen Sinn abzuringen. �Geht�, fuhr er pl�tzlich die Weiber an, die sich beeilten, das Zimmer zu verlassen.</p><p>Eine Hand legte sich schwer auf Arcumennas Schulter. �Dein Schwert und deinen Dolch, Memma. Du wirst keine Klingen brauchen, wenn du mit meinem Herrscher sprichst. Deine giftige Zunge ist schon Waffe genug.�</p><p>Der Valesier erhob sich, l�ste seinen Waffengurt und dr�ckte ihn dem Leibw�chter in die Hand. Augenblicklich verlie� der Krieger den Raum und schloss hinter sich die T�r.</p><p>�Dann pack mal aus, Memma.�</p><p>Es fiel Arcumenna schwer, seinen Zorn zu beherrschen. Dass selbst der Unsterbliche ihn mit dem Spottnamen ansprach, den man in ganz Drusna f�r ihn benutzte, war ein unverzeihlicher Affront. Aber Spott war das Letzte, was den Drusniern geblieben war, alles andere hatten sie ihnen abgenommen, dachte der Feldherr, und seine Laune besserte sich ein wenig.</p><p>�Der Unsterbliche Ansur ist bedr�ckt �ber die Verstimmung, die zwischen deinem Volk und seinen M�nnern herrscht.�</p><p>Iwar lachte auf. Es war lautes, freudloses Gel�chter. �Verstimmung? Nenn die Dinge doch beim Namen: Dutzende eurer Krieger wurden niedergemetzelt. Meine Steuereintreiber wurden gehenkt, wenn sie sich mit weniger als hundert Reitern als Eskorte in die W�lder wagten. Au�enposten sind niedergebrannt, und Hunderte Lasttierladungen von Abgaben, die wir eingezogen haben, wurden gestohlen. Verstimmung�� das ist wirklich nicht das, was die <emphasis>Stimmung</emphasis> in meinem K�nigreich beschreibt.�</p><p>�Doch seit dieser Volodi verschwunden ist, ist es wieder etwas ruhiger geworden�, wandte Arcumenna ein, der sehr wohl um die Lage in Drusna wusste. Vor zwei Wochen war er aus der Goldenen Stadt abberufen worden. Seitdem hatte er unz�hlige Stunden damit verbracht, Berichte �ber den Aufstand in Drusna zu studieren und mit M�nnern zu sprechen, die Augenzeugen der �berf�lle gewesen waren.</p><p>�Der Kerl wird wiederkommen.� Iwar erhob sich leicht schwankend aus seinem Lehnstuhl, ging zu dem kleinen Tisch neben dem zerw�hlten Bett und schenkte sich einen Becher Wein ein. �Auch was? Ist guter Wein, kommt von den Aegilischen Inseln.�</p><p>Sosehr Arcumenna sonst den schweren Roten der Aegilen sch�tzte, nun lehnte er dankend ab. Es galt, bei dieser heiklen Mission einen klaren Kopf zu behalten. �Der Unsterbliche Ansur w�nscht nicht zu warten, bis es dem Banditen beliebt wiederzukommen. Er w�re sehr erfreut, wenn Ihr alle Kr�fte aufbieten w�rdet, um nach ihm suchen zu lassen, erhabener Iwar.�</p><p>�Jetzt, da der Winter begonnen hat?� Der Unsterbliche knallte den Weinkrug auf den Tisch. �Hast du eine Vorstellung, worum du mich da bittest?�</p><p>�Mit Verlaub, nicht ich bitte Euch, sondern der Unsterbliche Ansur.�</p><p>�Ein Mann, der sich im Winter in den W�ldern verkriecht, ist unauffindbar.� Iwar machte eine vage Geste zum verschlossenen Fenster. �Dieser Volodi hat da drau�en mehr Freunde als ich. Niemand wird verraten, wo er sich verkrochen hat. Sollte ich mir einfallen lassen, ihm etwas anzutun, kostet mich das den Thron.�</p><p>�Aber, aber��� Arcumenna hob beschwichtigend die H�nde. �Wer sagt denn, dass Ihr diesem Rebellen etwas <emphasis>antun</emphasis> sollt. Dem Unsterblichen Ansur ist die schwierige Lage, in der Ihr Euch befindet, vollauf bewusst. Ihr sollt Volodi nicht bestrafen. Ganz im Gegenteil. Lobt ihn in aller �ffentlichkeit f�r das, was er getan hat. Und dann ernennt ihn zum Hauptmann Eurer Leibwache. Fordert ihn auf, hierher an den Hof zu kommen, und schw�rt vor Euren Priestern, dass Ihr ihn mit Eurem Leben besch�tzen werdet, sollte ein Valesier versuchen, Volodis Blut zu vergie�en.�</p><p>Iwar glotzte ihn an und traute ganz offensichtlich seinen Ohren nicht.</p><p>�Nat�rlich werden wir vor aller Welt gegen diese Ehrungen protestieren, aber vertraut mir, das wird nichts zu bedeuten haben. Es ist der ausdr�ckliche Wunsch des Unsterblichen Ansur, dass Ihr Volodi an Euren Hof holt und wie Euren besten Freund behandelt.�</p><p>�Und warum sollte ich das tun?�, fragte der Herrscher misstrauisch.</p><p>�Euer Volk wird Euch daf�r lieben. Aber das ist zugegebenerma�en nur eine Nebens�chlichkeit�� Wirklich von Bedeutung ist, dass Euch der Hauptmann Eurer Leibwache zum Fest der G�tter ins Wei�e Selinunt begleiten wird. Dort werden er und seine Zapote-Priesterin f�r immer verschwinden. Der Unsterbliche Ansur hat mir bereits die Gruft gezeigt, die f�r die beiden vorgesehen ist. Ein Hohlraum im Fundament des Tempels der kleinen G�tter. Niemand wird sie dort je wiederfinden. Gewiss wird Volodi in den Sagen deines Volkes unsterblich werden. Sie werden allen m�glichen Unsinn zurechtspinnen, wie es immer geschieht, wenn jemand einfach verschwindet. Ist er erst einmal fort, wird die Rebellion sehr schnell in sich zusammenbrechen.�</p><p>�Muss ich ihn t�ten?� Ein weinerlicher Ton lag in der Stimme des S�ufers.</p><p>�Sagen wir einmal so, es wird nicht sein Blut an deinen H�nden haften.�</p></section><section><title><p>Von der Ehre</p></title><p>Talawain genoss den scharfen Ritt durch den herbstlichen Wald. Die B�ume hatten sich in strahlendes Gold gewandet. Der w�rzige Duft verrottenden Laubes lag in der Luft und erinnerte daran, dass all die Pracht des lichten Waldes nur ein Vorspiel zum Todesschlaf des Winters war. Eine pl�tzliche B� zog einen Schleier wirbelnder Bl�tter �ber den Hohlweg.</p><p>Talawain duckte sich dicht �ber den Nacken des Rappen. Der Wind spielte mit seinem offenen Haar. Warmes Fell liebkoste seine Wange. Er sp�rte das Rauschen des Blutes unter dem seidigen Haar, den wilden Herzschlag des Hengstes, der den ausgelassenen Ritt ebenso genoss wie er. Der enge Waldweg �ffnete sich auf eine Lichtung, die von einem pr�chtigen Herrenhaus beherrscht wurde. Doch hier waren der Natur Z�gel angelegt. Kein goldenes Blatt lag auf dem gestutzten Gras, das viel zu gr�n f�r diese Jahreszeit war. Aber vielleicht hatte er auch zu viele Jahre in K�nigreichen verbracht, in denen die gnadenlose Sonne allzu schnell jedes Gr�n vergilben lie�.</p><p>Nahe beim Haus standen bl�hende Kirschb�ume. Nun sp�rte Talawain deutlich die Vielzahl von Zaubern, die gewoben waren, um den nat�rlichen Ablauf der Jahreszeiten dem Willen des Hausherrn unterzuordnen. Fast hatte er vergessen gehabt, wie sehr sein Vater diese Spiele liebte, wie viel es ihm bedeutete, alles in seiner Umgebung zu beherrschen. Es war einer der Gr�nde gewesen, warum er vor �ber einem Jahrhundert in die Blaue Halle gefl�chtet war. Damals hatte er der Tyrannei entfliehen wollen. Und nun war dies der einzige Ort in ganz Albenmark, an den er gehen konnte. �berall anderswo w�rde man ihn aufhalten. Und ausgerechnet sein tyrannischer Vater, der Schatten, der �ber seiner Kindheit lag, hatte diese Macht f�r immer verloren. Deshalb kam er hierher. Talawain wusste nicht, ob Solaiyn ihm helfen w�rde. Er war sich nur sicher, dass der alte F�rst ihm keine Fesseln mehr auferlegen konnte.</p><p>Feiner, wei�er Kies spritzte unter den Hufen, als er seinen Hengst z�gelte und in eine langsamere Gangart fallen lie�. Im S�ulengang des linken Fl�gels des Anwesens erschienen zwei Silene�� bocksbeinige Tunichtgute mit wilden B�rten und waldgr�nen Augen, in denen der Schalk gl�nzte. Einer der beiden eilte auf den Kiesweg und griff nach den Z�geln des Rappen. �Du erlaubst, dass ich dein Pferd unterstelle, Herr?�</p><p>Talawain musste unwillk�rlich l�cheln. Ihn Herr zu nennen und gleichzeitig zu duzen, war au�ergew�hnlich subtil f�r einen Silen. Das musste der Einfluss seines Vaters sein, der zweifellos diesen beiden Raufbolden ebenso seinen Willen aufgezwungen hatte, wie der Natur auf der Lichtung, die sein Heim umgab. Die beiden hatten noch nicht im Dienst seines Vaters gestanden, als er das letzte Mal hier gewesen war. Das musste vor�� vierzehn Jahren gewesen sein. Ja, so lange war es her, dachte er best�rzt. Die Zeit war wie im Flug vergangen.</p><p>�Reib ihn trocken, und gib ihm etwas Hafer zu fressen�, befahl Talawain und schwang sich aus dem Sattel. Er trat in den S�ulengang und winkte dem zweiten Silen. �Bring mich zu F�rst Solaiyn.�</p><p>Der Bocksmann ma� ihn mit d�sterem Blick. �Ich glaube, der F�rst ist nicht in der Stimmung, Fremde zu empfangen. Er hat sich zur�ckgezogen. Bittsteller empf�ngt er erst morgen wieder.�</p><p>�Melde ihm seinen Sohn Talawain als Bittsteller, vielleicht ist er dann gn�diger gestimmt.�</p><p>Der Silen zog die buschigen Augenbrauen zusammen und musterte ihn argw�hnisch. �Du bist nicht tot?�</p><p>Talawain blickte l�chelnd an sich hinab. �Offensichtlich nicht.�</p><p>�Aber alle��� Der Silen stockte, rang einen Moment mit sich und fuhr dann fort: �Gewiss wird dein Vater dich empfangen, junger Herr.� Er wandte sich um und eilte mit klappernden Hufen zum s�dlichen Fl�gel. Dort �ffnete er die T�r zu einem langen Korridor und hielt inne. �Du findest deinen Vater in der kleinen Bibliothek hinter dem Tanzsaal. Um diese Tageszeit ist er immer dort und blickt hinaus aufs Meer. Vielleicht ist es besser, wenn du gleich selbst zu ihm gehst, junger Herr. Mir w�rde er wom�glich nicht glauben, wenn ich von deiner Ankunft berichte.�</p><p>Wie es schien, war sein Vater noch tyrannischer geworden, dass der Silen ihn so sehr f�rchtete. Der bocksbeinige Diener verbeugte sich und Talawain betrat den Korridor. Fast drei�ig Schritt ma� der lichtdurchflutete Gang, der sich entlang des ganzen S�dfl�gels des Hauses erstreckte. In Wandnischen waren Statuen aufgestellt, Arbeiten der erlesensten Bildhauer Arkadiens. Talawain entdeckte zwei neue Standbilder, die seit seinem letzten Besuch hinzugekommen waren. Eines zeigte einen geb�ckten Athleten, der seine Beinmuskeln dehnte. Das zweite einen J�ger mit gesenktem Bogen, der in die Ferne sp�hte. Beides waren nackte M�nner.</p><p>Schmunzelnd erinnerte er sich an die Kommentare seiner beiden kleineren Schwestern �ber die nackten M�nner. Wie sie mit err�tenden Wangen gekichert hatten. Als Kinder hatten sie hier manchmal heimlich Verstecken gespielt und sich dabei hinter die Sockel der Standbilder gezw�ngt. Dabei hatte sein j�ngerer Bruder einmal aus Versehen den Finger eines marmornen Kobolds abgebrochen. Ihr Vater Solaiyn hatte ihn zur Strafe daf�r drei Tage ohne Licht in die Familiengruft gesperrt. Alles Bitten und Flehen hatte ihn davon nicht abbringen k�nnen. Als Asfahal seine Strafe abgesessen hatte, war er ver�ndert gewesen. Noch am selben Tag hatte er einer der geliebten Statuen ihres Vaters mutwillig eine Hand abgehackt. Danach hatte er ein Pferd gestohlen und das Haus f�r immer verlassen. Er war erst siebzehn gewesen. Ein Kind noch, denn Elfen verlie�en �blicherweise erst irgendwann in den F�nfzigern ihre Familie, um ihre eigenen Wege zu gehen.</p><p>Talawain beschleunigte seine Schritte. Pl�tzlich waren die Erinnerungen, die in ihm aufstiegen, unangenehm. Er hatte so vieles verdr�ngt. �ber zehn Jahre hatte er nicht mehr an seinen Vater und seine Geschwister gedacht. Und nun kam er, weil er einen Gefallen erbitten wollte, den ihm niemand sonst gew�hren w�rde. Er strich �ber das Kartenrohr aus z�hem Leder, das er wie einen K�cher auf dem R�cken trug.</p><p>Als er die T�r zur kleinen Bibliothek erreichte, �ffnete er, ohne anzuklopfen. Sein Vater stand mit vor der Brust verschr�nkten Armen an einem der gro�en Fenster, die auf das Meer blickten. Er wandte sich nicht um, obwohl er ganz sicher geh�rt hatte, dass jemand den Raum betreten hatte. Sein schulterlanges, silberblondes Haar wurde von einem schmucklosen, goldenen Stirnreif zur�ckgehalten. Er trug einen langen, gerade geschnittenen Hausmantel aus feinem, flaschengr�nem Tuch, der genauso aussah wie jene M�ntel, an die Talawain sich aus seiner Kindheit erinnerte.</p><p>�Ich freue mich, Euch bei guter Gesundheit zu sehen�, sagte Talawain f�rmlich. Ein herzlicher Umgangston war nicht die Sache seines Vaters.</p><p>Solaiyn wandte sich langsam zu ihm um. Seine linke Braue hob sich ein wenig. Ob das �berraschung oder Missbilligung ausdr�ckte, vermochte Talawain nicht zu beurteilen.</p><p>�Wie ich sehe, hast du deinen eigenen Tod verpasst, mein Sohn.� Er nickte sanft, und der Anflug eines L�chelns spielte um seine blassen Lippen. �Erfreulich.�</p><p>Das Gef�hl, das das Wort ausdr�cken sollte, fand keinen Widerhall im Tonfall Solaiyns.</p><p>Das Gesicht seines Vaters war schmaler geworden, seit sie sich zuletzt begegnet waren. Sehr deutlich zeichneten sich seine hohen Wangenknochen auf der marmorwei�en Haut ab. Asfahal hatte fr�her immer gesagt, Vater sehe selbst aus wie eine seiner Statuen, nur dass sein Herz noch h�rter als Stein sei.</p><p>�Ich f�rchte, ich verstehe nicht ganz, was Ihr mit meinem verpassten Tod meint, Vater.�</p><p>�Du bist also gerade erst zur�ckgekehrt�, stellte Solaiyn ohne weitere Erkl�rung n�chtern fest. �Eure �berm�tigen Sticheleien sind mit einem vernichtenden Schlag beantwortet worden.�</p><p>�Wovon sprichst du?�</p><p>�Vom Unheil, das die Elfen der Blauen Halle heraufbeschworen haben!� Er war jetzt in denselben Tonfall verfallen, in dem er Asfahal einst verk�ndet hatte, dass er ihn in die Familiengruft sperren w�rde. �Weil ihr sie gereizt habt, haben die Devanthar die letzte Grenze �berschritten. Sie sind nach Albenmark gekommen und haben die Blaue Halle vernichtet! All die Narren, mit denen du dich verschworen hast, sind tot. Selbst der Himmlische wurde von den Devanthar ermordet. Und so, wie ich h�rte, haben sie auch gr�ndlich mit den Spitzeln aufger�umt, die ihr t�richterweise in eurem Wahn, ihr k�nntet vor den Devanthar verborgen bleiben, nach Daia geschickt habt.�</p><p>Talawain hatte das Gef�hl, als w�rde ihm der Boden unter den F��en weggerissen. Er taumelte einen Schritt zur�ck und musste sich an einem der B�cherregale abst�tzen. �Das kann nicht sein���, stammelte er. Und doch erkl�rte es alles. �Der Himmlische���</p><p>�Er wurde in euren unterirdischen Gew�lben unter einem Gebirge aus Felsgestein begraben�, fuhr sein Vater gnadenlos fort. �Deine Himmelsschlangen leiden unter Gr��enwahn. Nur weil die Alben es ihnen �berlassen haben, sich um die Gesch�fte der Sch�pfung zu k�mmern, sind sie noch lange keine G�tter wie die Devanthar. Das ist ganz so, als w�rde sich mein T�rw�chter pl�tzlich f�r den Erbauer und Herrscher dieses Palastes halten, nur weil ich den Schl�ssel dazu seiner Obhut �berlassen habe.�</p><p>Talawain hob beschw�rend die H�nde. �Lasst es, Vater. H�rt auf! Viele gute Freunde von mir sind tot. Verschont mich mit Eurem Sarkasmus. Ich will nicht��� Seine Stimme brach. Die Blaue Halle zerst�rt! Er konnte sich das einfach nicht vorstellen. Sie waren die Augen und Ohren der Himmelsschlangen gewesen. Wie hatte ihnen entgehen k�nnen, dass die Devanthar auf ihre Vernichtung sannen! Hatte sein Vater etwa recht? Waren sie zu eitel und selbstgef�llig geworden, um die Gefahren zu bemerken, die sie durch ihre Taten heraufbeschworen hatten?</p><p>�Setz dich�, sein Vater deutete auf den gro�en Lehnstuhl vor dem Kamin. �Du siehst aus, als seist du sehr ersch�pft. Soll ich dir etwas zu trinken bringen lassen?� Sein Tonfall war noch immer k�hl und distanziert, und doch waren es die mitf�hlendsten Worte, die er von seinem Vater je geh�rt hatte.</p><p>Talawain lie� sich in das weiche Leder sinken. Er starrte in den Kamin, auf die zusammengefegte Asche und versuchte f�r sich, seine Welt neu zu ordnen, in der alles verloren war, wof�r er die letzten Jahrzehnte gelebt hatte.</p><p>�Du wirst wieder gehen, nicht wahr?�</p><p>Talawain blickte in das harte, ausgezehrte Gesicht des alten Elfen. Jetzt erst sah er die Traurigkeit, die dort regierte: die Falten, die Bitterkeit und der Ehrgeiz, sich auf keinen Fall irgendwelche Gef�hle anmerken zu lassen. �Ja, ich werde wieder gehen. Ich bin hier, weil ich Eure Hilfe brauche. Weil Ihr der Einzige seid, dem ich im Augenblick vertraue.�</p><p>Erneut spielte ein d�nnes L�cheln um Solaiyns Lippen. �Ich h�tte nicht erwartet, so etwas je aus deinem Munde zu h�ren. Dass ich der Einzige bin, dem du noch vertraust. Es h�rt sich so an, als h�ttest du genauso wenig Freunde wie ich.�</p><p>�Meine Freunde sind tot. Und jene, die leben, werden mich nicht nach Daia zur�ckgehen lassen. Aber ich habe noch eine letzte Pflicht zu erledigen. Es ist eine Frage der Ehre.�</p><p>�Eine Frage der Ehre?�</p><p>Da war er wieder, jener sarkastische Tonfall, der Talawain und seinen Geschwistern die Kindheit und Jugend vergiftet hatte.</p><p>�Versteh mich nicht falsch, Junge. Ich werde dich nicht aufhalten. Ich m�chte nur verstehen, warum du gehst. Alle sind gegangen, und bei deinen Geschwistern habe ich die Gelegenheit vers�umt, sie zu fragen, womit ich sie vergrault habe.�</p><p>Talawain dachte daran, wie sein Vater am Fenster gestanden hatte, als er eingetreten war. Solaiyn war auf der Suche nach dem Weg, der ihn in die Einsamkeit gef�hrt hatte. Wollte er ihn zur�ckgehen? Oder wollte er nur verstehen? Sein Vater sollte zumindest <emphasis>sein</emphasis> Leben kennen. Das schuldete er ihm. Und bald schon w�re er der Letzte, der es kennen w�rde. Talawain war sich nur zu bewusst, wie schlecht seine Aussichten waren, von der Reise zum Haus des Himmels zur�ckzukehren.</p><p>Und so erz�hlte er von seinem Leben, seinen Missionen im Dienst der Blauen Halle, den vielen Jahren, in denen er als Hofmeister des Unsterblichen von Aram die Geschicke eines Reiches entscheidend mitbestimmt hatte, das um ein Vielfaches gr��er war als Arkadien. Er berichtete auch von der Blauen Halle, seinen Freunden dort und von der Gro�mut und Weisheit des Himmlischen. Es war der Bericht seines Lebens.</p><p>Vor den Fenstern war es l�ngst dunkel geworden. Sein Vater hatte ein Feuer im Kamin entfacht und sich einen weiteren Sessel geholt, als er zum Stehen zu m�de geworden war. Nicht ein einziges Mal hatte Solaiyn ihn unterbrochen, als habe er Angst gehabt, ein falsches Wort k�nne den Redefluss seines Sohns zum Verstummen bringen.</p><p>Nachdem Talawain seine Erz�hlung beendet hatte, sa�en sie lange schweigend beieinander und blickten ins Feuer. Es war ein angenehmes, verstehendes Schweigen. Eine Stille, die jedem Raum f�r seine eigenen Gedanken lie�.</p><p>�Du hattest ein erf�llteres Leben als ich�, sagte sein Vater schlie�lich. �Auch wenn ich die gefl�gelten Tyrannen nicht sch�tze, werde ich eine der Himmelsschlangen aufsuchen und ihr die Kopie von Rowayns Karte und deinen Bericht �ber die bevorstehende Versammlung der Devanthar und der Unsterblichen �berreichen.�</p><p>�Danke.�</p><p>�Doch nun habe auch ich eine Bitte an dich. Sei dir dessen ganz bewusst, warum du gehst!�</p><p>�Es ist eine Frage der Ehre�, entgegnete Talawain und war auf der Hut. Der Abend war gut gewesen. W�rde sein Vater zum Schluss doch wieder alles verderben?</p><p>�Ehre!�, sagte er sp�ttisch. �Ehre ist nicht mehr als ein Schleier, hinter dem sich stets dunkle Gef�hle verbergen. Versteh mich nicht falsch, Junge, ich respektiere deinen Mut, daran scheint es dir wahrlich nicht zu fehlen. Lediglich an Verstand.�</p><p>Talawain seufzte und erhob sich. Wie hatte er hoffen k�nnen, dass sein Vater sich ver�ndert hatte? Ihm fehlte es wohl tats�chlich an Verstand! �Es ist sp�t, ich werde mich zur Ruhe begeben.�</p><p>Solaiyn griff nach seinem Arm und hielt ihn zur�ck. �Bleib. Ich�� Bitte verzeih mir, du kennst meine schroffe Art. Aber so soll es heute nicht enden. Ich w�nsche mir nur, dass du dir �ber deine wirklichen Gef�hle im Klaren bist, wenn du in deine letzte Schlacht in der Welt der Menschenkinder ziehst. Es wird dich st�rker machen.�</p><p>�Und Ihr wisst etwas �ber meine Gef�hle, Vater?�</p><p>�Glaub mir, Junge, ich hatte sehr viel Zeit, �ber falsches Ehrgef�hl nachzudenken und so manches zu bedauern, was ich in meinem Leben getan habe. Ehre ist etwas, was noch weniger greifbar ist als die Liebe. Jeder versteht etwas anderes darunter. Die Ehre einer Frau kann in einer einzigen Liebesnacht vernichtet werden. Ich habe Gleiches aber noch nie �ber einen Mann geh�rt. Im schlimmsten Fall nimmt sein guter Ruf ein wenig Schaden, wenn er sich auf das Liebesabenteuer einl�sst. L�uft ein Mann vor einem Kampf davon, ist seine Ehre dahin. Einer Frau�� selbst einer Kriegerin�� sieht man das nach. Und wie oft, wenn vermeintlich um die Ehre gek�mpft wird, geht es in Wahrheit um dunklere Gef�hle? Um verletzte Eitelkeit, den Wunsch nach Rache oder anderes�� Wer f�r etwas Edles einsteht, der muss nicht die Ehre vorschieben, sondern nennt seinen Grund zu k�mpfen beim Namen.�</p><p>Im ersten Moment war Talawain �rgerlich, und er wollte schon gehen, als ihm bewusst wurde, dass dies eine Flucht w�re. Diesmal w�rde er vor der Antwort fliehen, die sein Vater eingefordert hatte, und nicht vor der harschen Art Solaiyns.</p><p>Er blieb sitzen. Warum fiel ihm die Antwort so schwer? Tat er es wirklich f�r den Unsterblichen Aaron? Er w�rde ein besserer Herrscher sein, wenn er Shaya zur Seite hatte. Oder wollte er auf diese Weise Kazumi r�chen, indem er I�tas Pl�ne durchkreuzte? �Ich glaube, ich tue es, weil Shayas Leben nicht verl�schen darf, und ich der Einzige bin, der dies noch verhindern kann.�</p><p>Sein Vater nickte. �Aber wohin soll die Prinzessin gehen, wenn du sie rettest? Sie kann niemals zu dem Unsterblichen zur�ckkehren, denn wenn sie erkannt wird, dann ist das ihr Tod, und auch dieser K�nig Aaron wird in schwere Bedr�ngnis geraten. Zu ihrem Volk kann sie auch nicht mehr zur�ckkehren. Hast du dir das reiflich �berlegt? W�rde sie das Leben, das du ihr schenkst, wirklich haben wollen?�</p><p>�Ja.� Nat�rlich war er sich dieser Schwierigkeiten bewusst. Viele N�chte hatte er wach gelegen und dar�ber nachgedacht. Und es gab den einen einzigen, verzweifelten Weg, dieses Dilemma zu l�sen.</p><p>Er verriet ihn seinem Vater.</p><p>Solaiyn sah ihn ersch�ttert an. Nie zuvor hatte Talawain Tr�nen in den Augen seines Vaters gesehen. Der alte Elf zog ihn an sich, hielt ihn in den Armen und wollte ihn gar nicht mehr loslassen. �Du bist ein besserer Mann, als ich es je war, mein Sohn. Ich bin stolz auf dich, und zugleich bin ich zutiefst verzweifelt �ber das, was du zu tun gedenkst.�</p></section><section><title><p>Der letzte Schlag</p></title><p>Der Goldene stie� in steilem Bogen hinab und flog nun dicht �ber der aufgew�hlten See der weiten Meeresbucht entgegen, deren schwarze Klippen sich wie steinerne W�chter vor ihm erhoben. Gischt spr�hte �ber seine weit gestreckten Fl�gel und perlte von seinem Schuppenleib ab. Wilde B�en griffen nach ihm, als wollten sie ihn von seinem Ziel fortzerren, jenem H�hleneingang, der nicht weit �ber der Tidenmarke im Fels klaffte. Im letzten Augenblick legte er die Fl�gel an den Leib, lie� sich von seinem Schwung weitertragen und landete mit vorgestreckten Krallen auf nassem Basalt. Leicht schlitternd kam er schlie�lich zum Halt.</p><p>Das Felsgestein erbebte unter den w�tenden Wellen, die gegen die Steilklippen anrannten. Es war der bislang schlimmste Sturm in diesem Winter. Ein Tag, an den man sich noch lange erinnern w�rde. Aus vielerlei Gr�nden��</p><p>Der Goldene kroch tiefer in die H�hle, hinab zu jener weiten Grotte, in der er sich schon so oft mit seinen Nestbr�dern versammelt hatte. Als er den Platz in seiner Felsnische einnahm und den Blick durch die Runde schweifen lie�, musste er feststellen, dass er als Letzter gekommen war. Selbst Nachtatem, der so oft auf ihren Versammlungen gefehlt hatte, war anwesend.</p><p><emphasis>Du hast sicherlich gute Gr�nde, uns mit so dringenden Worten zu dieser Zusammenkunft gebeten zu haben</emphasis>, er�ffnete der Fr�hlingsbringer ihr Treffen. Er war h�flich und pragmatisch wie immer. Der Goldene sah seinen Br�dern an, dass nicht alle so duldsam waren. Manche von ihnen verlie�en im Winter nur ungern ihre Refugien. Nat�rlich konnten sie sich gegen die Unbilden des Wetters wappnen. Ein Wort der Macht gen�gte, die K�lte zu bannen. Doch gegen das tief in ihrem Gem�t verwurzelte Bed�rfnis, sich im Winter unter Felsgestein zu verkriechen, half kein Zauberwerk.</p><p><emphasis>Talawain, ein Meister der Blauen Halle, ist den Nachstellungen der Devanthar entgangen und konnte uns eine wichtige Nachricht schicken, bevor er nach Daia zur�ckkehrte, um dort weiter seine Pflicht zu tun</emphasis>. Der Goldene hatte zwar keine Ahnung, warum Talawain nach Daia zur�ckgekehrt war, er hatte es nicht aus den krausen Gedanken des alten Solaiyn lesen k�nnen, doch w�rde sich das Eingest�ndnis, dass er nicht wusste, was der Elf dort tat, nicht gut machen. Er w�rde ihn nur als Helden hinstellen. <emphasis>Zum Opferfest im Fr�hling wird es in Selinunt im K�nigreich Valesia eine Zusammenkunft aller Unsterblichen und Devanthar geben. Ein Ereignis, das bislang einmalig in der Geschichte der Menschenkinder ist. Und eine Gelegenheit, wie sie sich kein zweites Mal bieten wird. Wir k�nnen sie alle vernichten und damit das Zeitalter ewigen Friedens einl�uten!</emphasis></p><p><emphasis>Oder aber das Zeitalter der Bruderkriege,</emphasis> meldete sich der Smaragdfarbene zu Wort. <emphasis>Wir d�rfen die Devanthar und ihre Unsterblichen nicht vernichten. Jede Kraft in den drei Welten braucht eine Kraft, die ihr entgegenwirkt. Sonst kann es kein Gleichgewicht geben. Wenn die Devanthar verschwinden, dann werden wir uns eines Tages untereinander bekriegen. Wir sind Raubtiere. Wir brauchen einen Feind, sonst werden wir uns selbst zerfleischen.</emphasis></p><p><emphasis>Was ist denn das f�r eine versponnene Philosophie?</emphasis>, ereiferte sich der Flammende. Er war so zornig, dass der Goldene deutlich sp�ren konnte, wie es in der Ratsh�hle w�rmer wurde. Auch wenn der Flammende f�r ihn sprach, waren dessen Gedanken von so vielen negativen Gef�hlen begleitet, dass es unangenehm war, seine Stimme in sich zu h�ren. Er war ganz anders als der Smaragdfarbene, der vielleicht weltfremd war, aber durchdrungen von einer Harmonie, die es angenehm machte, seinen Gedanken zu lauschen.</p><p>Der Schwanz des Flammenden peitschte mit scharfem Knall gegen das Felsgestein der weiten Nische, in der er kauerte. <emphasis>Was glaubt ihr, aus welchem Grund versammeln sich die Unsterblichen und die Devanthar? Sie planen, einen Schlag mit bislang ungekannter Macht gegen uns zu f�hren. Und wir sollen die Gelegenheit auslassen, gegen sie vorzugehen, Br�der? Ihr alle habt den Bericht von Lyvianne und Bidayn geh�rt. Ihr wisst, was auf Nangog geschehen ist. Und nun wollt ihr warten, bis sich Gleiches oder gar Schlimmeres in Albenmark ereignet? Ohne mich! Wir wurden von den Alben dazu berufen, diese Welt zu besch�tzen. Ich stehe zu dieser Pflicht!</emphasis></p><p><emphasis>F�r mich macht es einen gro�en Unterschied, ob wir durch unsere Drachenelfen den Krieg nach Nangog tragen, wo nach altem Recht weder Albenkinder noch Menschenkinder leben sollen, oder ob wir Daia direkt angreifen</emphasis>, meldete sich der Rote zu Wort.</p><p>Der Goldene war �berrascht, dass sich sein Nestbruder so friedlich gab, konnte doch auch er ein gnadenloser K�mpfer sein.</p><p><emphasis>Lasst mich durch eine Metapher darlegen, wie ich unsere Lage sehe</emphasis>, sagte der Goldene ruhig. Er musste ihre Debatte wieder in die richtigen Bahnen lenken, bevor die Friedliebenderen unter ihnen die Meinungsmehrheit errangen. <emphasis>Stellt euch vor, durch einen gl�cklichen Zufall erfahrt ihr, dass eure Feinde einen m�chtigen Kriegsspeer schmieden. Eine Waffe, die jede R�stung durchdringen kann. Ihr k�nntet die Waffe zerst�ren, bevor sie vollendet ist, oder aber euch abwenden und darauf hoffen, dass euch der Speer niemals in den R�cken gesto�en wird. Was werdet ihr tun? Ist es klug, vor der Gefahr die Augen zu verschlie�en und darauf zu hoffen, dass unser Feind die Waffe nicht nutzen wird?</emphasis></p><p><emphasis>Stell uns nicht als arglose Narren dar</emphasis>, fauchte der Nachtblaue aufgebracht und bleckte die Z�hne. Wachsam wandte der Goldene sich ihm zu. Sein dunkelblau geschuppter Bruder war mit den Narben zahlloser K�mpfe bedeckt. Er war der Einzige unter seinen Nestbr�dern, dem er zutraute, dass ein Streit in Gedanken mit ihm jederzeit in einen Streit mit Klauen und F�ngen umschlagen konnte. <emphasis>Findet ihr es nicht seltsam, Br�der, dass uns diese Nachricht erreicht, obwohl doch alle Spitzel aus der Blauen Halle ermordet wurden? Wer hat sie �berbracht? Warum steht dieser Bote nicht hier vor uns, damit wir in seinen Gedanken lesen k�nnen? Wollen die Devanthar uns in eine Falle locken? Oder willst du uns zu deinem Speer machen, den wir den Devanthar in den R�cken sto�en, w�hrend sie noch ihre Wunden lecken?</emphasis>, fragte der Nachtblaue und lie� ihn nicht aus den Augen.</p><p><emphasis>�berbracht wurde die Nachricht von Solaiyn, dem Vater des Talawain, eines der Meister der Blauen Halle, der lange Jahre f�r uns am Hof des Unsterblichen Aaron sein Leben wagte. Talawain ist �ber jeden Zweifel erhaben, Br�der</emphasis>, wiegelte der Goldene ab.</p><p><emphasis>Und warum ist er dann nicht hier?</emphasis>, setzte der Nachtblaue nach.</p><p><emphasis>So wie ich den alten Elfen verstanden habe, f�hrt Talawain eine Fehde gegen die Devanthar I�ta. Er will etwas tun, das ihr Schaden zuf�gt. Er ist bereits nach Daia zur�ckgekehrt. Wir k�nnen ihn nicht mehr erreichen. Ich sehe in seiner Tat, uns diese Nachricht zu schicken, einen Beweis seiner Loyalit�t. Er ist das Risiko eingegangen, von den Devanthar entdeckt zu werden, als er durch das Goldene Netz zu seinem Vater reiste.</emphasis> Der Goldene f�hlte sich mehr und mehr in die Enge getrieben und wurde mit jedem Wort des Nachtblauen zorniger. Er wusste, er musste einen k�hlen Kopf bewahren, aber am liebsten h�tte er seinem impertinenten Bruder die Kehle durchgebissen.</p><p><emphasis>Warum tritt er nicht vor uns?</emphasis>, beharrte der Nachtblaue. <emphasis>Was hat er zu verbergen?</emphasis></p><p><emphasis>Nichts!</emphasis> Es war das erste Mal, dass Nachtatem seine Stimme in ihren Gedanken erhob. Fast unsichtbar im Schatten seiner Felsnische, waren nur seine himmelblauen Augen deutlich zu sehen. <emphasis>Es ist doch offensichtlich, dass er bef�rchtete, dass wir ihn nicht mehr h�tten ziehen lassen, w�re er vor uns getreten. Er ist der letzte lebende Meister der Blauen Halle. Der Letzte, der um viele der Geheimnisse wei�, die nun f�r immer verloren gegangen sind. Talawain wird uns nicht hintergehen. Allerdings k�nnte es sein, dass die Devanthar ihn ohne sein Wissen zu ihrem Boten gemacht haben, weil sie uns eine Falle stellen wollen. Mir erscheint es leichtfertig, dass sie sich au�erhalb des Gelben Turms alle an einem Ort versammeln wollen.</emphasis></p><p><emphasis>Sie f�hlen sich im Augenblick nicht bedroht</emphasis>, sagte der Smaragdfarbene und wirkte bedr�ckt.</p><p>Der Goldene sp�rte, dass sich sein Nestbruder, obwohl er diesen Angriff nicht wollte, verpflichtet f�hlte, seine Gedanken mit ihnen allen zu teilen.</p><p><emphasis>Unser Streit folgt seit Langem einem immer gleichen Muster</emphasis>, fuhr der Smaragdfarbene fort<emphasis>. Eine Seite f�hrt einen Schlag. Dann f�hren die anderen einen Gegenschlag. Die Angriffe wechseln sich ab. Wir haben den letzten Schlag gef�hrt. Nun bereiten sie ihren vor, und ich muss meinem flammenden Bruder zustimmen. Es scheint, dass sie einen Schlag von bislang ungeahnter Kraft f�hren wollen. Einen Schlag, der unseren Streit beendet, weil er mit vernichtender Grausamkeit erfolgt.</emphasis></p><p><emphasis>Da h�rt ihr es, Br�der, selbst der Friedlichste unter uns hat begriffen, was wir zu erwarten haben</emphasis>, triumphierte der Flammende.</p><p><emphasis>Unsere Lage ist ganz einfach.</emphasis> Jetzt war die Gelegenheit, die Abstimmung zu gewinnen, dachte der Goldene und gab sich keine M�he, diesen Gedanken vor seinen Br�dern zu verbergen. <emphasis>Wir haben durch einen Gl�cksfall die einmalige Gelegenheit, unsere Feinde zu vernichten. Feinde, von denen wir wissen, dass sie sich versammeln, um unseren Untergang vorzubereiten. Schlagen wir nicht zu, geben wir ihnen die Gelegenheit, Albenmark ungeahnten Schaden zuzuf�gen. Lasst uns den Angriff auf eine Art f�hren, die uns nicht ausliefert, falls dies eine Falle ist. �ffnen wir einen Drachenpfad nach Selinunt, wo es keinen Albenstern gibt. Und schicken wir einen alles vernichtenden Flammenstrahl auf die Stadt und die Devanthar hinab.</emphasis></p><p>Die Gedanken seiner Br�der �berschlugen sich. F�r den Begriff �alles vernichtender Flammenstrahl� erntete er reichlich Spott. Nur der Flammende schwieg. Der Goldene wusste es besser, und er genoss das Konzert ihrer Gef�hle, als er weiter ausf�hrte, was er meinte: <emphasis>Es war die Art, auf die die Devanthar ihre gro�en Zauber weben, die in mir den Gedanken keimen lie�, �hnliches zu versuchen. Ihr wisst, dass sich die Macht der Magie mit jedem Devanthar vervielfacht, der neue F�den in das Gespinst des Zaubers einbringt. Es ist auch m�glich, unseren Drachenodem zu verst�rken, ja, ihn zu etwas g�nzlich anderem werden zu lassen, als wir es bislang kennen. Der Flammende hat mich bei meinen Versuchen unterst�tzt. Die Ergebnisse waren erstaunlich! Wenn wir alle sieben unsere Flammen magisch zu einem einzelnen Strahl b�ndeln, so wird er ganz Selinunt zerst�ren. Ja, es w�re sogar m�glich, den Zauber so zu gestalten, dass wir auf Jahrhunderte das Tal vergiften, dass dort ein kaltes Feuer bleibt, das die Menschenkinder zun�chst nicht sp�ren, das ihre Haut wie Sonnenstrahlen verbrennt und sie letztlich t�tet, wenn sie sich ihm zu lange aussetzen. Und selbst wer nur f�r kurze Zeit an dem Ort verweilt, an dem das kalte Feuer als unsichtbare Macht wirkt, wird fortan ein Gift in sich tragen, das ihn langsam t�ten wird.</emphasis></p><p><emphasis>Welchen Nutzen h�tten wir von einer so heimt�ckischen Tat?</emphasis> Der Fr�hlingsbringer war entsetzt, und der Goldene sp�rte, dass au�er dem Nachtblauen und dem Flammenden all seine Br�der von diesem Gedanken befremdet waren.</p><p><emphasis>Br�der, ihr m�sst in die Zukunft denken! Wir erschaffen einen Ort von bizarrer Sch�nheit, einen Ort, wie es keinen zweiten in der Welt der Menschenkinder gibt. Und es wird der Platz sein, an dem ihre G�tter gestorben sind. Ich m�chte nicht, dass dort eine Wallfahrtsst�tte entsteht, wo man der M�rtyrer gedenkt. Ein Ort, aus dem sie neue Kraft sch�pfen. Das Tal soll verflucht sein. Es soll gemieden werden. So werden auch ihre G�tter</emphasis><emphasis>schneller in Vergessenheit geraten.</emphasis> Der Goldene f�hlte, wie nach diesen letzten Argumenten der Widerstand seiner Br�der zu br�ckeln begann.</p><p><emphasis>Und was tun wir, wenn die Devanthar</emphasis><emphasis>nicht</emphasis><emphasis>dort sind?</emphasis>, fragte Nachtatem. Allein er und der Fr�hlingsbringer waren jetzt noch gegen ihn.</p><p><emphasis>Du wei�t, Bruder, wenn alle Devanthar an einem Ort versammelt sind, dann werden wir sie sp�ren.</emphasis> Es gab keine L�cke in seinem Plan. Der Goldene hatte tagelang dar�ber gebr�tet, jede M�glichkeit abgewogen. <emphasis>Sollten die Devanthar nicht in Selinunt sein, dann werden wir den Drachenpfad sofort wieder schlie�en. Wir wollen ja nicht, dass sie vor der Zeit von unserer neuen Waffe erfahren.</emphasis></p><p><emphasis>Aber du wei�t, wie vage dieses Gef�hl ist, Bruder!</emphasis>, entgegnete Nachtatem scharf. <emphasis>Vor allem, wenn der Abgrund zwischen den Welten uns trennt. Sie k�nnen irgendwo im Umkreis vieler Meilen sein. So weit wird dein alles vernichtender Flammenstrahl doch wohl kaum seine Zerst�rungskraft entfalten.</emphasis></p><p><emphasis>Sie m�ssen schon im Umkreis von hundert Schritt sein</emphasis>, r�umte der Goldene ein<emphasis>. Sonst wird der Flammenstrahl sie vermutlich nicht t�ten. Wir werden einen Drachenelfen schicken m�ssen, der f�r uns das Ziel markiert oder uns ein Zeichen zum Abbruch gibt, sollten die Devanthar nicht gekommen sein.</emphasis></p><p><emphasis>Ich nehme an, auch das ist schon wohldurchdacht.</emphasis> In den Gedanken Nachtatems war sein Unwille deutlich zu sp�ren. Seine anderen Br�der hingegen lauschten einfach nur. Er hatte sie fast gewonnen.</p><p><emphasis>Nicht allein</emphasis><emphasis>durchdacht. Ich habe einen Umhang mit Zaubern durchwoben. Unser Drachenelf soll ihn an den Ort bringen, an dem sich Unsterbliche und Devanthar versammeln werden. Es gen�gt, wenn er diesem auf hundert Schritt nahe kommt. Liegt die rote Wollseite oben, dann bedeutet es, dass unsere Feinde dort sind. Sehen wir das himmelblaue Innenfutter, greifen wir nicht an. Mein Zauber bewirkt, dass sich der Drachenpfad genau �ber dem Umhang �ffnen wird.</emphasis></p><p><emphasis>Dein auserw�hlter Elf wird dann wohl auch in den Flammen sterben,</emphasis> bemerkte der Smaragdfarbene.</p><p><emphasis>Gehen wir dieses Risiko nicht bei jeder Mission ein, auf die wir unsere M�rder schicken?</emphasis>, fragte der Goldene befremdet. Warum sollten sie sich Gedanken �ber das Schicksal eines einzelnen Elfen machen? Dies war doch der Zweck, wozu sie die Drachenelfen erschaffen hatten. Sie sollten in ihren Diensten morden und sterben.</p><p><emphasis>Und welchen unserer Krieger hast du zum Tode auserkoren?</emphasis>, fragte der Rote.</p><p>Der Goldene sp�rte die Unruhe seiner Br�der. Niemand wollte einen Drachenelfen f�r eine Mission opfern, bei der es nicht die geringste Hoffnung gab zu �berleben.</p><p><emphasis>Ich hatte an Gonvalon gedacht. Er hat mich verraten. Er ist der erste Drachenelf, der sich gegen seine Himmelsschlange gerichtet hat. Er verdient den Tod. Sein Beispiel darf nicht Schule machen.</emphasis> Jetzt sp�rte der Goldene allgemeine Zustimmung. Wie berechenbar seine Br�der doch waren. Nur Nachtatem musterte ihn voller Argwohn.</p><p><emphasis>Gonvalon ist kein Drachenelf mehr</emphasis>, wandte der Erstgeschl�pfte ein. <emphasis>Er muss nicht gehen, wenn wir ihn schicken. Er hat sich schon einmal gegen dich gewandt, Bruder, und ich stimme dir zu, dies verdient harte Bestrafung. Aber warum sollte er sich f�gen, wo du doch nicht mehr sein Meister bist?</emphasis></p><p><emphasis>Deshalb beauftragen wir Nandalee. Er folgt ihr wie ein braves H�ndchen. Er wird �berallhin gehen, wohin sie geht. Und du wei�t sehr genau, Bruder, dass sie das eigentliche Gift unter den Drachenelfen ist. Sie hat den Willen zur Rebellion in Gonvalon geweckt. Durch Bidayn und Lyvianne wei� ich, dass sie unsere Befehle in Frage stellt und��</emphasis></p><p><emphasis>Und doch hat sie bisher jeden unserer Befehle ausgef�hrt</emphasis>, unterbrach ihn Nachtatem.</p><p><emphasis>Willst du abwarten, bis sie erneut andere verf�hrt, sich gegen uns zu wenden?</emphasis>, wandte der Goldene ruhig ein, denn er wusste, dass alle anderen Drachen hinter ihm standen. <emphasis>Wir haben mit ihr eine Natter an unserem Busen gen�hrt. Die Silberschale hat mir offenbart, dass der Tag kommen wird, an dem sie auf deinen Tod sinnt, Bruder. Und mit Todbringer hast du sie ein Schwert w�hlen lassen, das selbst uns gef�hrlich werden kann.</emphasis></p><p>Nachtatem hatte jede Beherrschung verloren. Er fletschte die Z�hne. <emphasis>Du wei�t, dass die Silberschale nur die dunklen Seiten der Zukunft zeigt. Wir d�rfen den Bildern, die wir in ihr sehen, nicht vertrauen.</emphasis></p><p>Der Goldene sp�rte, wie sich seine Br�der endg�ltig von Nachtatem abwandten. <emphasis>Es liegt an uns, daf�r zu sorgen, dass diese dunkle Zukunft niemals eintrifft. In diesem Fall ist es wirklich einfach. Schicken wir Gonvalon und Nandalee als unsere Todesboten, und vernichten wir die Devanthar.</emphasis></p><p>Alle stimmten f�r seinen Vorschlag. Nur Nachtatem nicht.</p></section><section><title><p>Im Schatten der Stierk�pfe</p></title><p>Talawain richtete sich aus dem tiefen Stand des Schwertk�mpfers auf, verneigte sich vor dem fiktiven Partner der �bung und schob die Klinge mit flie�ender Geste in die Scheide. Ihm war sehr wohl bewusst, wie l�cherlich seine Kampfesk�nste im Vergleich zu denen der Drachenelfen waren, aber dass er f�r die Menschenkinder immer noch ein schrecklicher Gegner war, hatte sich in der Schlacht bei Kush gezeigt. F�r seine Pl�ne w�re es besser, wenn er ohne Blutvergie�en zu Shaya vordringen konnte. Aber er wollte auf alles vorbereitet sein.</p><p>Er strich �ber den Knauf der Klinge. Es war eine erstklassige Waffe. Das Abschiedsgeschenk seines Vaters. Er straffte sich und blickte nach Norden zu den Stierk�pfen. Ein seltsamer Name f�r die hohe Gebirgskette, die den Osten Luwiens von den weiten Grassteppen Ischkuzas trennte. Er war weit von hier durch einen Albenstern gegangen und lange �ber einsame Ebenen gewandert, ganz darauf bedacht, wo immer m�glich, den Menschenkindern aus dem Weg zu gehen.</p><p>Rowayns Karte hatte ihm geholfen, seinen Weg zu finden. Talawain hatte sie so lange studiert, bis er ihr Bild in Gedanken erstehen lassen konnte, mit all den unz�hligen Details, die sein Freund aufgezeichnet hatte. Rowayn musste viel gereist sein. Davon hatte er nie erz�hlt.</p><p>Vor drei Tagen war Talawain auf eine verlassene Sch�ferh�tte gesto�en und hatte dort Quartier bezogen. Es war m�hselig gewesen, durch den hohen Schnee zu wandern. Dabei hatte er noch nicht einmal die Vorgebirge der Stierk�pfe �berwunden. Sein Blick wanderte langsam von Gipfel zu Gipfel der gezackten Gebirgskette und blieb an einem Berg haften, der mit seinen fast senkrechten Flanken entfernt an einen Turm erinnerte. In seinem Schatten befand sich das Tal, in dem das Haus des Himmels errichtet worden war. Inmitten der Einsamkeit, fast unerreichbar.</p><p>Es w�rde ein harter Marsch dort hinauf werden. Talawain l�chelte. Die Jahre im Palast hatten ihn weich gemacht. Er w�rde die Einsamkeit nutzen, seinen Leib zu st�hlen und seine Seele auf das vorzubereiten, was ihn dort oben in den Bergen erwartete. Ihm blieb noch reichlich Zeit.</p><p>Manchmal dachte er an den Ersten Schreiber. Der Priester hatte ihm eine gro�e, fein gegerbte Tierhaut gebracht, um wie vereinbart das G�tterbild darauf zu malen. Doch stattdessen hatte Talawain die Karte Rowayns darauf kopiert und war aus Isatami geflohen. Den Tunnel zu Rowayns Haus hatte er sorgf�ltig wieder mit Erde verf�llt und in der Nacht seiner Flucht in seinem eigenen Laden Feuer gelegt, um alle Spuren zu verwischen. Ob der Erste Schreiber �rger bekommen hatte, weil er dem fremden Maler vertraut hatte? Ein Pergament dieser Gr��e und Qualit�t war sicherlich sein Gewicht in Gold wert. Aber der Tempel war reich. Sicherlich sa� der �bergewichtige Erste Schreiber jetzt in einem G�stehaus in Selinunt und hatte irgendein anderes Geschenk gefunden.</p><p>Das Opferfest war nicht mehr fern. In sechs Tagen schon fand die Versammlung der Unsterblichen und der G�tter statt. Talawain schob den Gedanken weit von sich. Dies war nicht mehr sein Kampf. Erinnerungen an Aarons Palast in Ak�u stiegen in ihm auf. An das sch�ne Haus mit dem kleinen Garten, wo er so lange gelebt hatte. Ob der Kirschbaum dort schon bl�hte? In den fruchtbaren Ebenen Arams war das Klima viel milder. Sicher hatte dort schon der Fr�hling begonnen. Doch hier in den Bergen w�rde der Winter seine Herrschaft noch lange nicht aufgeben. Erst gestern hatte es stundenlang geschneit.</p><p>Bis dort oben im Tal, nahe dem Felsturm, der Fr�hling einzog und die Kirschbl�te begann, w�rden noch Wochen vergehen. Ihm blieb noch viel Zeit, sich auf die Befreiung Shayas vorzubereiten.</p></section><section><title><p>Ein leichter Auftrag</p></title><p>Mit sicheren Schritten balancierte Nandalee �ber den federnden Birkenstamm, der �ber einen kleinen Gebirgsbach f�hrte. Die Schneeschmelze hatte das Wasser so anschwellen lassen, dass die gurgelnden wei�en Fluten fast bis unter den Stamm reichten.</p><p>Mit einem Sprung landete sie sicher am anderen Ufer. Sie blickte zu Gonvalon zur�ck, der mit ebensolcher Leichtigkeit wie sie den Stamm �berquerte. Die fast sechs Monde, die sie mit ihm in den Bergen des Jadegartens verbracht hatte, hatten sie ihre Vorurteile �ber Palastelfen vergessen lassen. Zumindest was ihn anging. Fast jeden Tag hatte er sie aufs Neue �berrascht. Er vermochte mit bescheidensten Mitteln in der Wildnis k�stliche Mahlzeiten zu zaubern, wusste, welche Wurzeln und Kr�uter schmackhaft waren und wo er sie in den Bergen finden konnte. Er war z�h und ausdauernd, so wie sie. Nur als J�gerin war sie ihm voraus, obwohl auch er ein fast schon be�ngstigendes Talent besa�, sich lautlos anzuschleichen.</p><p>Vor allem aber war er ein aufmerksamer Gef�hrte. Sie war sprachlos gewesen, wie gut er sie kannte, wie er �ber ihre Marotten mit einem L�cheln hinwegging und nicht m�de wurde, ganze N�chte mit ihr am Lagerfeuer zu reden. Er hatte so vieles gesehen. Steckte so voller Geschichten. Deutlich hatte sie sp�ren k�nnen, wie gut es ihm getan hatte, �ber seine Zeit als Drachenelf zu sprechen. Sich die dunklen Taten von der Seele zu reden. Sie hatte nie �ber ihn geurteilt, sondern einfach nur zugeh�rt. Nur eines hatte ihr manchmal einen Stich versetzt. Er war ein zu guter Liebhaber. Wenn sie beieinanderlagen, hatten sie es genossen, doch wenn sie danach manchmal schlaflos zu den Sternen blickte, hatte sie sich immer wieder gefragt, wie viele Frauen es wohl vor ihr gegeben hatte. Dar�ber schwieg er sich aus oder entgegnete nonchalant, dass sie die Eine sei, die seine verzweifelte Suche nach der vollkommenen Liebe zu einem gl�cklichen Ende gebracht hatte.</p><p>Gonvalon hatte sicher den Wildbach �berquert und l�chelte sie herausfordernd an. �Du dachtest, ich nehme ein unfreiwilliges Bad und du h�ttest einen gro�en Auftritt als meine Retterin.� Er kannte sie so gut!</p><p>Gemeinsam setzten sie ihren Weg fort. Nandalee genoss die k�hle, klare Luft der Berge. Sie war eine angenehme Abwechslung zur trockenen Hitze des Jadegartens und erinnerte sie an die Heimat ihrer Kindheit. Der dichte Fichtenhain links am Hang h�tte auch in Carandamon stehen k�nnen. In den Schatten, dort, wo die Sonne nicht hinkam, lag noch ein wenig Schnee.</p><p>An ihrem ersten Tag hier in diesen Bergen hatte sie f�r Gonvalon ein kleines Schneehaus gebaut, wie sie es fr�her so oft w�hrend ihrer einsamen Jagdausfl�ge getan hatte. Sie waren hoch in den Bergen, mehr als siebzig Meilen von Selinunt entfernt, durch einen minderen Albenstern getreten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Gonvalon hatte die Nacht im Schneehaus z�hneklappernd und fast ohne Schlaf hinter sich gebracht. Dabei war es drinnen deutlich w�rmer als am Berghang gewesen. Die Temperatur im Schneehaus hatte kaum unter dem Gefrierpunkt gelegen, und sie waren gut vor den eisigen Winden gesch�tzt gewesen. In jener einen Nacht hatte er sich doch als Palastelf erwiesen. Nandalee musste bei der Erinnerung daran l�cheln. Sie w�rde ihn noch lange damit aufziehen, wie verfroren er war.</p><p>Sie passierten einen aufgegebenen Lagerplatz. Ein einziger Blick auf die Asche und Holzkohle, die zu einer schwarzen Fl�che innerhalb eines kleinen Steinkreises geworden war, verriet Nandalee, dass dieses Lager schon vor dem Winter aufgegeben worden war. In den Bergen waren Holzf�ller unterwegs gewesen. Doch anders als auf Nangog hatten sie sich besonnen verhalten und nur etwa ein F�nftel der B�ume geschlagen. Nirgends hatten sie in der Fl�che gerodet, sondern immer nur einzelne B�ume gef�llt. So blieb genug Wurzelwerk �brig, um die Erde zu halten, die sonst unweigerlich vom Regen und der Schneeschmelze davongesp�lt wurde, bis nur noch Ger�ll oder blanker Fels blieben. Die Menschenkinder wussten also auch, wie man weise mit den Sch�tzen der Natur verfuhr.</p><p>�Dort oben vom Bergkamm aus m�sste man Selinunt sehen k�nnen�, erkl�rte Gonvalon, kaum dass sie den Rand des Fichtenhains erreicht hatten. �Wollen wir wetten, dass der Palastelf schneller oben ist als du?�</p><p>�Vielleicht in f�nfhundert Jahren, wenn ich vor der Zeit altere und am Stock gehe!� Sie blickte den Hang hinauf. Er war relativ steil. Das helle Fr�hlingsgras, noch feucht vom Morgentau, w�rde den Aufstieg nicht erleichtern. �Wenn ich gewinne, wirst du meine Decke, den kleinen Topf und meine Vorr�te f�r die n�chsten beiden Tage tragen.�</p><p>�Du wei�t, dass wir Palastelfen ganz schlechte Packesel abgeben? Am Ende wirst du die Sachen zur�ckhaben wollen, damit ich dein Tempo beim Wandern mithalten kann.�</p><p>�Sehe ich nachsichtig aus?�, fragte sie grinsend. �Und im �brigen musst du doch ein Esel sein, wenn du dich mit mir auf eine solche Wette einl�sst.� Mit diesen Worten eilte sie los.</p><p>�Du betr�gst!�, schimpfte er hinter ihr und beeilte sich, die Verfolgung aufzunehmen.</p><p>Am Ende gewann er das Rennen mit mehr als zehn Schritten Vorsprung. Es hatte ausgesehen, als w�rde er �ber das Gras fliegen, so leichtf��ig war er den Hang hinaufgeeilt. Mit einem Seufzer lie� Nandalee sich neben ihm nieder. Sie rasteten ein paar Schritt unterhalb des Hangs, damit ihre Silhouetten nicht vor dem hellen Morgenhimmel zu sehen waren.</p><p>Ihre Waden brannten, sie atmete keuchend. Heute war sie einfach nicht in Form. Schon nach dem Aufstehen war ihr �bel gewesen. Vielleicht hatte sie irgendeines der Kr�uter, mit denen sie das Abendessen verfeinert hatte, nicht vertragen.</p><p>�Der Esel hatte vorhin ganz vergessen zu fragen, was dein Wetteinsatz ist.�</p><p>�Such dir was aus�, murmelte sie, immer noch etwas au�er Atem. Was war nur mit ihr los, dass ein kurzer Hanglauf sie so au�er Puste brachte?</p><p>�Nach f�nf Tagen, an denen es Kaninchenragout in allen kulinarischen Finessen gab�� gar, halbgar, angebrannt, mit ein paar Fichtennadeln drin oder Kr�utern, die keine Ziege fressen w�rde��, w�re ich froh, wenn es heute ein Abendmahl geben k�nnte, in dem ich kein Kaninchenohr finde�, sagte Gonvalon und betrachtete sie am�siert.</p><p>�Was ist an Kaninchenohren auszusetzen?�</p><p>�Ich f�rchte, man muss ein Palastelf sein, um das zu verstehen.� Er k�sste sie auf die Stirn. �Es muss doch etwas anderes geben, das meine gro�e J�gerin schie�en kann.�</p><p>Er hatte leicht reden, dachte sie. Er ging ja nicht auf die Jagd. Was das Wild in den Bergen anging, hatten sich die Menschenkinder eindeutig nicht so klug wie mit den B�umen verhalten. Sie hatte ja nach F�hrten gesucht. Aber es gab keine Ziegen oder Steinb�cke, keine W�lfe oder B�ren. Nichts, was gr��er war als ein Kaninchen, hatte �berlebt. Und selbst die waren schwer aufzusp�ren. �Essen Palastelfen Eichh�rnchen?�</p><p>�Alles ohne Hasenohren ist willkommen�, entgegnete er gut gelaunt.</p><p>Sie erwog, einen Hasen zu erlegen und einfach die Ohren zur�ckzulassen, wenn sie ihn ausweidete. Nandalee war sich ziemlich sicher, dass er den Unterschied nicht bemerken w�rde, wenn sie das kleingeschnittene Fleisch garte.</p><p>�Komm, sehen wir uns die Stadt an.� Gonvalon robbte das letzte St�ck den Hang hinauf.</p><p>Sie wollte ihm folgen, als ein Krampf sie zusammenzucken lie�. Ein Gef�hl, als kralle sich etwas tief in ihr fest. Sie presste sich beide H�nde auf den Leib, atmete flach und k�mpfte gegen den Schmerz an, als er genauso pl�tzlich verschwand, wie er gekommen war.</p><p>Nandalee war in kalten Schwei� gebadet. <emphasis>Was war das?</emphasis></p><p>�Ist alles in Ordnung?� Gonvalon lief geduckt zu ihr zur�ck. �Was ist los?�</p><p>�Wadenkrampf�, stie� sie hervor. �Geht schon wieder.�</p><p>Er kniete neben ihr nieder. �Welches Bein?�</p><p>�Links.�</p><p>Er streckte ge�bt die Muskeln und massierte dann ihre Wade. �Besser?�</p><p>Sie nickte und f�hlte sich schlecht, ihn angelogen zu haben. Er w�rde das niemals tun.</p><p>�Komm, es ist wirklich sch�n.� Er st�tzte sie, und gemeinsam stiegen sie das letzte St�ck hinauf und gingen in Deckung, sodass sie f�r etwaige Beobachter unten im Tal unsichtbar blieben.</p><p>Der Anblick war atemberaubend. Selinunt hatte sich wahrlich den Namen �Wei�e Stadt� verdient. Alle Geb�ude waren aus Marmor errichtet: Pal�ste, Tempel, Wohnh�user, das Aqu�dukt, einfach alles. Strahlend wie frisch gefallener Schnee lag die Stadt im Tal. Es gab keine einfachen, schmucklosen H�user, nur Prachtbauten. Dazwischen wanden sich wie gro�e, schwarze Schlangen die Stra�en, die im Sonnenlicht spiegelten, als seien die gro�en Granitplatten, aus denen sie gef�gt waren, poliert worden. Eine Stra�e jedoch, die vom Eingang des weiten Tales pfeilgerade ins Herz der Stadt f�hrte, unterschied sich von allen anderen. Sie war wie die Mauern der Pal�ste aus wei�em Marmor erbaut. Gewiss war dieser Weg allein den Herrschern vorbehalten.</p><p>Wohin Nandalees Blick auch schweifte, alles, was sie sah, war von vollendeter Form. Selbst die weniger aufwendig gestalteten D�cher, die statt mit Marmor mit Schindeln in einem warmen Orangerot gedeckt waren, prunkten an ihren Giebeln mit Goldbeschl�gen. Und nicht nur da sah die Elfe Gold. Auf einigen Pl�tzen und bei den Brunnen, die das Aqu�dukt speiste, erhoben sich �berlebensgro�e Statuen aus dem edlen Metall, die den Herrscher, Kriegsszenen, aber auch Meerestiere und Nymphen zeigten.</p><p>�Wirklich sch�n f�r Menschenwerk�, gestand sie. �Wahrscheinlich werden sie uns verbieten, mit unseren schmutzigen Stiefeln die Stadt zu betreten.�</p><p>�Als J�ger fallen wir sicher nicht auf.� Gonvalon deutete auf lange Reihen von Zelten, die im Westen der Stadt aufgeschlagen worden waren. Dahinter lagen Koppeln, auf denen Vieh stand. �Dort werden sie morgen das Essen bereiten.�</p><p>Nandalee �berlegte, auf welchem Weg sie am besten in die Stadt gelangen konnten. �berall patrouillierten Wachen in Bronzer�stungen mit wei�en Federb�schen auf den Helmen und langen, wei�en Umh�ngen. Abgerissene Gestalten, wie sie beide, waren auf dem Opferfest morgen sicher nicht erw�nscht.</p><p>�Mit dem h�bschen Umhang, den Nachtatem mir geschenkt hat, werde ich ganz sicher durchgelassen�, sagte Gonvalon mit seltsam tonloser Stimme.</p><p>�F�r einen Dieb werden sie dich halten, so wie du aussiehst. Ich verstehe nicht, warum er ihn dir mitgegeben hat. Wir tragen diese sch�bigen Kleider, und dann hast du einen Umhang im Gep�ck, der unter Menschenkindern eines Prinzen w�rdig w�re. Das ergibt keinen Sinn. Am besten wirfst du ihn einfach weg.�</p><p>�Das w�rde ich wirklich gerne.� Er wirkte bedr�ckt. �Aber die Geschenke von Himmelsschlangen zu missachten ist keine gute Idee. Zumal dann, wenn man ohnehin nicht hoch in ihrer Gunst steht.�</p><p>Nandalee entschied, auf diesem Thema nicht l�nger herumzureiten. In seinem Gep�ck war der Umhang ja sicher verborgen. Es w�rde schon keinen �rger geben. �Steigen wir hinab und sehen uns die Stadt aus der N�he an?� Sie wies hinter ihnen den Hang hinab. �Ich glaube, dort unten liegt der Weg, den die J�ger und Holzf�ller im letzten Jahr benutzt haben.� Sie blickte zur�ck �ber die friedliche Berglandschaft, die hinter ihnen lag. Keine Stadt, die je gebaut w�rde, k�nnte mit der Sch�nheit der Wildnis konkurrieren. Nandalee war froh, dass Nachtatem ihnen eine so leichte Mission �bertragen hatte und Gonvalon sie begleiten durfte, obwohl er kein Drachenelf mehr war. Endlich hatte sie eine Aufgabe, bei der es nicht um Tod und Vernichtung ging.</p><p>Sie robbte den Hang zur�ck und richtete sich auf. Gonvalon folgte ihr. Pl�tzlich zog er sie an sich und k�sste sie. �Ich liebe dich!�, sagte er, als er sich atemlos von ihr l�ste. Er hatte mit solcher Leidenschaft gesprochen, dass es sich unter anderen Umst�nden wie ein verzweifelter Abschied angeh�rt h�tte.</p></section><section><title><p>Shayas Verm�chtnis</p></title><p>Schon als sie eintrat, sah Shaya der Mutter der M�tter an, dass ihr etwas auf dem Herzen lag. Der Titel der Hohepriesterin im Haus des Himmels wollte nicht so recht zu der jungen Priesterin passen, die vor ihr stand. Kara vermied es, ihr in die Augen zu sehen.</p><p>�Es ist eine Nachricht vom Unsterblichen Labarna gekommen�, sagte sie leise. �Es geht um��� Sie trat einen Schritt von Shaya zur�ck. �Es geht um deine Ermordung.�</p><p>Trotz des Themas musste Shaya l�cheln. �Meine <emphasis>Ermordung</emphasis>? Ich glaube, dir fehlt die innere Einstellung, dieses Kloster zu f�hren. Ich opfere mich dem Land. Das ist��� Jetzt versagte auch ihr die Stimme. Sie hatte sich in ihr Schicksal gef�gt und akzeptiert, dass es f�r sie keinen Ausweg gab. Ganz offen dar�ber zu reden war allerdings eine andere Sache.</p><p>Sie zog an der langen, goldenen Kette, die verhinderte, dass sie ihr Zimmer verlassen konnte, und lie� die schweren Glieder durch ihre H�nde gleiten. Das k�hle, glatte Metall zu sp�ren hatte etwas Beruhigendes.</p><p>�Es ist meine Schuld�, sagte die junge, pausb�ckige Frau. �Ich habe die Briefe dieses Tempelschreibers aus Isatami nicht ernst genommen. Immer ereiferte er sich dar�ber, wie unbedacht der Zeitpunkt f�r das Ritual deiner Opferung gew�hlt sei. Ich h�tte nie gedacht, dass er etwas bewirken k�nnte! Labarna ist sehr auf Traditionen bedacht. Er �ndert nicht einfach ein althergebrachtes Ritual.�</p><p>Shaya verstand nicht. �Wovon redest du?�</p><p>�Deine Opferung. Dein Tag w�re gekommen gewesen, wenn der Kirschbaum in unserem Garten bl�ht. So war es immer, wenn eine Prinzessin in der Himmlischen Hochzeit kein Kind empfangen hat. Aber dieser Priester fand, dass sei viel zu sp�t f�r ein Fruchtbarkeitsritual, da fast im ganzen K�nigreich die Zeit der Bl�te schon vor�ber ist, wenn sie bei uns beginnt. Ich habe ihn ignoriert und auf die Tontafeln, die er schickte, nicht geantwortet��� Kara versagte die Stimme. Jetzt rannen ihr Tr�nen �ber die Wangen.</p><p>�Was ist denn geschehen?�</p><p>�Dieser Tempelschreiber muss sich an Labarna gewandt haben. Vor einer Stunde �berbrachte mir ein Bote einen Befehl des Unsterblichen. Von diesem Jahr an und f�r alle Zukunft werden wir uns nicht mehr nach der Bl�te unseres Baums richten. Ich habe Befehl, dich zur Mittagsstunde am Tag des Opferfestes deinem Schicksal zu �bergeben. Er hat Krieger mit dem Boten geschickt, die sicherstellen sollen, dass sein Befehl ausgef�hrt wird.�</p><p>Shaya trat ans Fenster, �ffnete es und blickte �ber die weiten Klosterg�rten. Es war ein kalter Morgen. Raureif hatte sich in den Hecken eingenistet, und noch immer war nicht aller Schnee geschmolzen. Deutlich sah Shaya den gro�en Kirschbaum. Es w�rde noch Wochen dauern, bis er Bl�ten trug. �Wann ist das Opferfest?�</p><p>Die Mutter der M�tter antwortete so leise, dass Shaya sie nicht verstand.</p><p>�Wann?�</p><p>�Morgen.� Das Wort war nur gehaucht, und doch traf es Shaya wie Donnerschlag.</p><p><emphasis>Morgen!</emphasis> Sie dachte, sie sei auf den Tod vorbereitet, doch dass ihr von der kurzen Lebensspanne, die ihr noch verblieb, nun Wochen gestohlen wurden, erf�llte sie mit brennendem Zorn. Und zugleich raubte es ihr alle Kraft.</p><p>�Morgen�, sagte sie laut, als k�nne sie dem Wort etwas von seinem Grauen nehmen, wenn sie es nur aussprach. Seit ihr Vater sie an den Wandernden Hof zur�ckgerufen hatte, um sie zu verm�hlen, war ihr Leben von bitterster Ungerechtigkeit erf�llt gewesen. Dieser letzte Schlag f�gte sich in die lange Reihe der Grausamkeiten, die das Schicksal ihr beschert hatte. Sie dr�ckte ihren R�cken durch, stand gerade und k�mpfte gegen den Klo� an, der in ihrem Hals sa�. Sie war eine Kriegerin, das war das Einzige, was sie ihr nicht stehlen konnten. Sie w�rde nicht weinen und nicht l�nger hadern. Sie w�rde sich ihrem Schicksal stellen.</p><p>�Lass feuchte Tontafeln holen, Kara.�</p><p>�Du willst weiterarbeiten? An deinem letzten Tag?�</p><p>�Wir werden das Buch nicht vollenden k�nnen, aber zumindest werde ich dir noch alle wichtigen Dinge �ber die Allwurzel erkl�ren k�nnen. Er ist eine besonders heilkr�ftige Wurzel. Wenigstens dieses Kapitel muss noch vollendet sein. Und da ist noch etwas. Ich m�chte, dass mein Name nicht mit diesem Buch in Verbindung gebracht wird.�</p><p>�Das geht nicht.� Kara wirkte verst�rt. �Es ist doch fast ausschlie�lich dein Wissen, das darin���</p><p>�Nein�, unterbrach Shaya sie. �Ich habe es mir nicht erarbeitet so wie du deine Kenntnisse �ber Kr�uter und �ber die Heilkunde. Es war ein Geschenk. Und deshalb ist es nun mein Geschenk an dich. Au�erdem solltest du pragmatisch denken. Welchen Wert h�tte ein Buch dieser Art, das unter dem Griffel einer Barbarenprinzessin entstand? Die Priesterschaft w�rde es bel�cheln. Nach ein paar Jahren schon w�rde es v�llig in Vergessenheit geraten. Niemand w�rde es kopieren und weiterverbreiten. Kommt dieses Buch aber von der Mutter der M�tter im Haus des Himmels, dann ist es ein heiliges Buch voller gesegneter Weisheit.� Shaya lachte leise, fast fr�hlich. �Lass uns den engstirnigen Priestern und Heilern einen Streich spielen. Lass sie das Verm�chtnis einer Prinzessin aus Ischkuza studieren.�</p><p>Kara sah sie skeptisch an. Shaya wusste, dass sie viel zu ehrlich f�r jeglichen Betrug war, also fuhr sie rasch fort: �Etwas nicht zu sagen ist keine L�ge, meine Freundin. Und bedenke auch, du warst es, die alles niedergeschrieben hat. Es ist also tats�chlich dein Buch. Vor allem aber ist es mein letzter Wunsch, dass du so verf�hrst. Du wirst einer Todgeweihten doch nicht ihre letzte Bitte abschlagen?�</p><p>Die Augen der Priesterin f�llten sich mit Tr�nen. Endlich nickte sie. �Ich hole die Tafeln�, sagte sie leise und verlie� das Zimmer.</p><p>Shaya trat wieder an ihr Fenster. Sie mochte den Blick �ber das weite Tal. Er hatte ihr in den letzten Wochen Frieden gegeben. Tief atmete sie die schneidend kalte Luft des weichenden Winters ein. Sie betrachtete den steilen Berg, der wie ein riesiger Turm das Tal �berragte. Der Wind lie� Schneewirbel um seinen Gipfel tanzen. Sie dachte an Shen Yi Miao Shou, den Heiler vom Seidenfluss, den ihr Vater vor fast einem Jahr an den Wandernden Hof berufen hatte, um ihre Jungfr�ulichkeit wiederherzustellen. In der Nacht seines Todes hatte er ihr sein Wissen �ber die Heilkunde geschenkt. Es war eine magische Nacht gewesen, und bis heute vermochte sie sich nicht zu erkl�ren, wie genau dies vonstattengegangen war. Sie wollte es auch gar nicht genau wissen, denn jedes aufgedeckte Geheimnis entzauberte die Welt ein wenig mehr.</p><p>Karas Schritte erklangen auf dem Flur. Sie trug ein Brett herein, auf dem mehrere feuchte Tontafeln lagen, und stellte es auf dem Tisch in der Mitte des Zimmers ab.</p><p>�Bist du bereit?�</p><p>Die Mutter der M�tter zog einen der beiden sch�n geschnitzten Elfenbeingriffel aus dem Etui an ihrem G�rtel. �Lass uns dein Verm�chtnis vollenden.�</p><p>Ihre Feierlichkeit r�hrte Shaya. Sie konnte sie nicht ansehen, oder sie w�rde von der Traurigkeit angesteckt werden, gegen die die Priesterin, die zu ihrer Freundin geworden war, nicht einmal anzuk�mpfen versuchte.</p><p>Shaya wandte sich ab, blickte zu dem fernen, windumtosten Gipfel und begann, leise zu sprechen. �Die Allwurzel ist von Magie durchdrungen und von gro�er Heilkraft. Sie �hnelt in ihrer Gestalt dem Leib eines Menschen. Ihr Blattwerk ist unscheinbar. Sie gedeiht nur an schattigen Orten im Wald. Man ben�tigt Tageslicht, um sie zu finden, doch die beste Zeit, sie zu ernten, ist eine mondhelle Nacht. Wer bei Tage eine Allwurzel entdeckt, der soll eine rote Schnur um sie schlingen. Die Schnur bannt ihre Magie. Tut man dies nicht, so wird sich die Wurzel davonschleichen und in der Erntenacht nicht mehr zu finden sein.�</p><p>Sie w�nschte, sie w�re eine Allwurzel, dachte Shaya, und dass sie sich einfach davonschleichen k�nnte. Ihre H�nde schlossen sich fest um das Fenstersims. Sie k�mpfte gegen den s��en Schmerz in ihrer Brust an. Was f�r kindische Gedanken, schalt sie sich stumm. Dann fuhr sie fort, ruhig �ber die Allwurzel zu sprechen, die richtig angewandt so viele Krankheiten zu besiegen vermochte.</p></section><section><title><p>Ein Becher voll Wein</p></title><p>Iwar mochte die verdammten Berge nicht. Und er mochte es nicht, den Abgrund zwischen den Welten zu �berschreiten. Er war der Unsterbliche von Drusna, und nun war er ausgerechnet in Valesia, dem Land, dessen Herrscher ihm den letzten Stolz genommen hatte. Alle hier wussten das! Wenn es m�glich w�re, w�rde er �berhaupt nicht vor sein Zelt treten und sich ihren h�mischen Blicken ausliefern.</p><p>Wann immer er zur�ckdachte, konnte er nicht klar benennen, wann sein Ungl�ck angefangen hatte. Hatte er sich zum Krieg verleiten lassen? Immer schon hatte es Streitigkeiten an der Grenze zwischen Drusna und Valesia gegeben: Viehdiebst�hle, kleinere Pl�nderz�ge und Scharm�tzel. Es war Arcumenna, der die Regeln in diesem Spiel ver�ndert hatte. Mehr und mehr Krieger waren in die K�mpfe hineingezogen worden, und Arcumenna siegte immer. Das hatte es vorher noch nicht gegeben. Zuletzt war Iwar keine Wahl geblieben, als einem Frieden zuzustimmen, bei dem ihr Reich noch schlimmer ausgepl�ndert wurde als w�hrend der Kriegsz�ge. Er hatte die Arbeiter ern�hrt, die diese verfluchte Wei�e Stadt erbaut hatten, in der sie morgen feiern sollten. Er wollte nicht dort sein, und doch musste er. Der Gro�e B�r, sein Devanthar, war sehr deutlich geworden, was das Fest anging.</p><p>Iwars Finger trommelten gegen das kleine Glasfl�schchen, das Arcumenna ihm gerade erst gebracht hatte. Nun sollte er den beliebtesten Mann seines K�nigreiches vergiften, den Hauptmann seiner Leibwache, Volodi von Drei Eichen. Jeder einzelne Drusnier, ob jung oder alt, kannte Volodis Namen. Er war der Erste seit Jahren gewesen, der die Valesier besiegt hatte. Aber er war ja auch nicht gegen Arcumenna angetreten, dachte Iwar s�uerlich. Volodis Siege z�hlten nicht! Verdammter, falscher Held. Er hatte genug davon, ihn jeden Tag um sich zu haben. Mit anzusehen, wie er f�r alle bei Hof eine Lichtgestalt war.</p><p>Iwar strich sich �ber den Wanst. Er war fett geworden, das stimmte. Aber er wusste, wie man einen Bauch wieder klein schwitzte. Er musste raus in die W�lder, wenn das alles hier vorbei war. Einfacher leben. Jagen, mit den Leuten auf den Feldern sprechen. Er wusste, was seine Untertanen mochten. Aber zun�chst musste Volodi verschwinden. Er hatte sich den Platz in ihren Herzen erobert, der nur ihm, dem Unsterblichen, zustand.</p><p>Iwar zog den Kork aus dem Fl�schchen und leerte es in einen Weinkrug, der gerade noch voll genug war, um einen Pokal zu f�llen. Neugierig schnupperte er an dem Wein. Es war ein guter, schwerer Wein von den �gilen. Er roch fruchtig. Da war nichts Ungew�hnliches. Arcumenna hatte ihm erkl�rt, dass das Gift erst in ein paar Stunden wirken w�rde. Volodi w�rde ganz ruhig entschlummern, und diese verdammte Hexe aus Zapote sollte erdrosselt werden. Dann w�rde Arcumenna die beiden Leichen in der Nacht f�r immer verschwinden lassen.</p><p>Weil auch die Valesier Volodi loswerden wollten, w�rden sie nach seinem Tod nur noch halb so viele Abgaben einfordern. Iwar konnte das als Erfolg verkaufen. Seine Untertanen w�rden ihn wieder lieben, weil jeder etwas davon hatte, von einem Teil seiner Lasten befreit zu werden. Dann w�ren dieser verfluchte Volodi und seine Hexe bald vergessen.</p><p>Er schwenkte noch einmal den Krug. Arcumenna hatte gesagt, das Gift sei stark genug, um damit zwei Stiere zu t�ten. Das sollte gen�gen.</p><p>�Wache!�, rief er dr�hnend. �Schaffe mir den Hauptmann her. Ich habe etwas mit ihm zu bereden.�</p><p>Iwar stellte den Krug auf den Tisch und daneben einen goldenen Pokal, wie er ihn selbst benutzte, und f�llte ihn aus dem Krug. Das w�rde diesem Spatzenhirn Volodi gefallen, aus einem goldenen Becher zu trinken wie sein Unsterblicher. Dann nahm er seinen eigenen Weinpokal und stellte ihn ganz ans Ende des langen Tisches, der das Zelt beherrschte. Weit weg von dem Pokal mit dem Gift.</p><p>�Erhabener?� Volodi trat einfach in das Zelt. Jeder andere wartete drau�en, bis er hineingerufen wurde. Wie er diesen Mistkerl hasste! Ihn den halben Winter am K�nigshof gehabt zu haben war eine Qual gewesen!</p><p>Eine eisige B� fuhr durch das Zelt. Sie h�tten diese Versammlung im Sommer einberufen sollen. Iwar lie� sich auf seinem gro�en, h�lzernen Lehnstuhl nieder. Der Stuhl knarrte leicht unter seinem Gewicht. Fr�her hatte er das nicht getan.</p><p>�Herr?�</p><p>Das war ganz Volodis Art. Ihn zu bedr�ngen! Ihn, den Unsterblichen. �Sind die Zapote inzwischen eingetroffen?�</p><p>�Nein, Erhabener. Eben ist der Unsterbliche von den Schwimmenden Inseln mit seinem Gefolge angekommen. Die Zapote fehlen noch immer. Aber morgen werden sie gewiss da sein.�</p><p>�Was macht dich da so sicher, Volodi?�</p><p>�Es ist der Wunsch der G�tter, dass wir uns hier versammeln, Erhabener. Niemand fordert die G�tter heraus. Nicht einmal die verdammten Schlangenpriester.�</p><p>�Dein Weib stammt doch auch aus dieser Priesterbrut, nicht wahr?�</p><p>Volodis Gesicht verd�sterte sich. Sein Blick wurde hart. �Sie ist anders�, sagte er entschieden.</p><p>�Man hat mir zugetragen, sie ermordet gerne schwarze H�hner.�</p><p>�Schwarze H�hne sind es, Herr.�</p><p>Iwar schnalzte mit der Zunge. �Tja, die Weiber und ihre Marotten. Ohne sie w�re die Welt ein langweiliger, friedfertiger Ort.� Er griff nach seinem Weinpokal. Das schwere Gold f�hlte sich angenehm k�hl an. �Komm, trink mit mir, Volodi. Auf die Weiber.�</p><p>Er sah dem Hauptmann an, dass er keine Lust hatte, mit ihm zu zechen. Es aber nicht zu tun, w�re eine grobe Beleidigung.</p><p>�Auf die Weiber!� Volodi hob feierlich den Pokal und trank einen Schluck.</p><p>War das genug? Er sollte besser ganz sichergehen. Volodi war ein harter Kerl. Er durfte das hier auf keinen Fall �berleben. �Du hast nie eine Schlacht verloren, nicht wahr? Kannst du Arcumenna besiegen?�</p><p>�Mit gen�gend M�nnern ganz sicher!�</p><p>Ekelhaft, dieses Selbstbewusstsein. �W�rdest du f�r mich gegen Arcumenna ins Feld ziehen?�</p><p>�Nichts lieber als das, Erhabener�, sagte der Hauptmann voller Begeisterung. �Es ist an der Zeit, dass wir das valesische Joch absch�tteln.�</p><p>�Im Sommer, Volodi. Im Sommer! Trinken wir darauf. Auf die Freiheit Drusnas!�</p><p>�Auf die Freiheit Drusnas!�, nahm Volodi den Trinkspruch begeistert auf. Und diesmal leerte er seinen Pokal bis zur Neige.</p><p><emphasis>Gut</emphasis>, dachte Iwar. <emphasis>Sehr gut!</emphasis> �Ich m�chte dich nicht weiter von deinen Pflichten abhalten, Hauptmann. Bitte berichte mir umgehend, wenn die Zapote eintreffen. Die m�chte ich mir gerne ansehen.�</p><p>Der Hauptmann verneigte sich zackig und verlie� das Zelt.</p><p>�Lebe wohl, Dummkopf�, sagte Iwar leise und brach in Gel�chter aus. �Wieder einmal ist ein gro�er Mann dem Wein zum Opfer gefallen.� Er stellte sich vor, wie Volodi in dieser Nacht einfach in den Tod hineinschlafen w�rde. Was f�r ein j�mmerliches Ende f�r einen gro�en Recken.</p></section><section><title><p>Die Gerechtigkeit des Unsterblichen</p></title><p>Aaron trat aus dem gro�en, roten Zelt und blickte �ber das pr�chtige Lager, das sich �ber eine Meile am Fluss entlang erstreckte. Hundert Boote waren am Ufer vert�ut, und immer noch kamen neue hinzu. Vor einer Stunde erst war der Unsterbliche der Schwimmenden Inseln mit einer ganzen Flotte schillernder Katamarane eingetroffen. Ein jedes der doppelr�mpfigen Boote wurde von zwei Tierk�pfen auf den beiden Vordersteven �berragt. Fischreiher, ein paar Haie, verschiedene Echsen, wie Aaron sie noch nie gesehen hatte. Kein Boot glich dem anderen.</p><p>Jetzt schlugen die M�nner von den Inseln ihr Lager auf. Sie errichteten H�tten aus Schilfmatten, die sie mitgebracht hatten. Einige gro�gewachsene Krieger sahen zu ihm her�ber. Sie schienen seine Blicke bemerkt zu haben. Ihre Gesichter waren t�towiert. Dunkelblaue Muster wanden sich auf haselnussbrauner Haut.</p><p>Aaron winkte ihnen zu. Sie sahen zum F�rchten aus. Bei der gro�en Parade morgen w�rden sie sicherlich einiges Aufsehen erregen.</p><p>�Unsterblicher, auf ein Wort!�</p><p>Aaron h�tte die Stimme unter Hunderten erkannt, kraftvoll, aber ein wenig schrill. Es war die Stimme seines Gewissens, die ihn stets an all das erinnerte, was er vor sich herschob. Und sie geh�rte Mataan. Mit einem Seufzer drehte sich Artax um. Mataan hatte sich den Winter �ber erholt. Dennoch war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Aus dem stattlichen Krieger war ein hagerer Mann geworden. Er hatte graue Str�hnen im Bart, die Augen waren tief in dunkle H�hlen eingesunken. Scharfe Falten zerfurchten seine Stirn.</p><p>�Wir m�ssen �ber einige Vorf�lle im Lager sprechen. Ein T�lpel von Stallknecht hat die Pferde mit nassem Fr�hlingsklee gef�ttert. Die H�lfte von ihnen hat nun Koliken. Du solltest sie sehen! Es ist ein Bild des Jammers. Sie werfen sich auf den Boden und winden sich vor Schmerzen, manche versuchen, sich in den Bauch zu treten. Wir werden auf viele der Streitwagen, die f�r die Parade morgen vorgesehen waren, verzichten m�ssen. Was soll mit dem Stallknecht geschehen? Er hat dem Ansehen Arams schweren Schaden zugef�gt! Man sollte ihn in einen Sack einn�hen und unten in den Fluss werfen.�</p><p>Artax seufzte. Er stimmte nur sehr selten einem Todesurteil zu. �Was ist mit den Stallmeistern? Trifft sie nicht auch ein Teil der Schuld? Warum haben sie nicht besser achtgegeben, welches Futter die Pferde bekommen?�</p><p>�Sie haben auch Fehler gemacht�, r�umte Mataan ein. �Welche Strafen siehst du vor?�</p><p>�Sind sie nicht schon genug damit gestraft, sich um die kranken Pferde k�mmern zu m�ssen?�</p><p>Mataan rollte mit den Augen. �So geht das nicht! Fehler zu machen muss Konsequenzen haben, sonst gibt sich keiner mehr M�he.�</p><p>�Aber ist es nicht besser, Erfolge zu belohnen, statt Fehler zu bestrafen.� Sie hatten schon oft �ber dieses Thema gestritten. Mataan hatte die Tendenz, eher zu bestrafen als zu belohnen. Vielleicht, weil er sich seit seiner schweren Verwundung selbst bestraft f�hlte.</p><p>Ein Streitwagen, auf dessen Front ein gro�er, goldener Adler mit ausgebreiteten Schwingen prangte, n�herte sich. Das musste Ansur von Valesia, ihr Gastgeber, sein. Artax hatte ihn darum gebeten, mit ihm in die Wei�e Stadt zu fahren, um sich den Ort anzusehen, an dem sich morgen die Unsterblichen versammeln w�rden. Bislang hatte der Herrscher seine G�ste noch nicht in die neue Stadt gelassen und sich damit herausgeredet, dass noch letzte Arbeiten vollendet werden mussten.</p><p>Artax wusste, dass Langarm, der G�tterschmied, gekommen war, um selbst den Saal vorzubereiten, in dem sich die Unsterblichen versammeln w�rden. Artax wollte wissen, was ihn erwartete. Von Geheimniskr�merei hielt er nicht viel.</p><p>Er wandte sich noch einmal Mataan zu. �Der Stallbursche bekommt zehn Rutenschl�ge auf die Fu�sohlen und jeder der Stallmeister f�nf, weil sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind. Sollte sich dieser Fehler wiederholen, wird einer von ihnen in die L�wengrube im Palast von Ak�u geworfen.� Er meinte das nicht ganz ernst. Seit er Herrscher war, hatte es keine Hinrichtungen dieser Art mehr gegeben. Nur einen Ungl�cksfall�� als die Haremsdame Aya Selbstmord beging, indem sie in die L�wengrube sprang. Die Erinnerung an ihren Tod stimmte Artax traurig. Aya war eine der drei Haremsdamen gewesen, die in seiner ersten Nacht als Unsterblicher bei ihm geweilt hatten. Wahrscheinlich hatte sie gehofft, danach zu einer seiner Favoritinnen aufzusteigen. Doch er hatte sie zur�ckgewiesen und f�hlte sich seither an ihrem Tod mitschuldig.</p><p>�Ihr seid zu milde, Erhabener�, murmelte Mataan �rgerlich. �Ohne Strafen l�st sich jede Ordnung auf. Ihr werdet es sehen.�</p><p>�Ich werde �ber deine Vorw�rfe nachdenken, Mataan. Lass nun bitte die Strafen vollstrecken, �ber die wir beraten haben.� Artax winkte nach dem Streitwagen, den er hatte anschirren lassen, und stieg auf.</p><p>Soweit er wusste, erwartete ihn eine enge Stra�e, die aus einer Steilwand herausgeschlagen worden war. Er nahm die kurze Peitsche, die seitlich des Wagens im Pfeilk�cher steckte, und lie� sie �ber die K�pfe der beiden Schimmel knallen. Ruckend setzte sich der Streitwagen in Bewegung. Er war froh, ein paar Stunden dem Lager am Fluss zu entkommen. Noch waren die Herrscher der sieben Gro�reiche weit davon entfernt, Gemeinsamkeiten zu schaffen. Vielmehr war das Zeltlager ein Ort, an dem Intrigen und Verrat besser gediehen als neue Freundschaften.</p></section><section><title><p>Die Liebe des letzten Tages</p></title><p>Gonvalon musste sich beherrschen, sie nicht immerzu anzusehen. Sie war so sch�n, selbst in diesen abgerissenen Kleidern. Ihre Art, sich zu bewegen, ihre katzenhafte Anmut, das leichte, fast sp�ttische L�cheln, das immer um ihre Lippen spielte. Er kannte sie so gut. Einen Herzschlag, bevor sie es tat, wusste er, dass sie den Kopf in den Nacken werfen w�rde, um ihre widerspenstigen Haare aus dem Gesicht zu bekommen. Sie sollte sie flechten, ein Stirnband tragen oder sie vielleicht auch abschneiden. Sie tat nichts von alledem. Sie liebte ihr langes Haar, in dem der Wind spielte. Und sie lie� sich von nichts und niemandem in ihrem Leben Fesseln auferlegen. Das galt auch f�r ihre Haare.</p><p>�Warum siehst du mich so an?�</p><p>Er wusste, dass keine Ausrede gelten w�rde. Trotzdem deutete er an ihr vorbei auf einen gro�en, von S�ulen getragenen Bau. �Sieht interessant aus, nicht wahr? Was das wohl sein mag? Noch ein Tempel?�</p><p>�Du schaust gar nicht dorthin. Du siehst mich an.�</p><p>Er l�chelte ganz offen, entschlossen, den Augenblick zu genie�en. �Ja�, gestand er. �Im Grunde interessieren mich all diese Pal�ste und Tempel nicht. Das einzig wirklich Sch�ne hier bist du. Ich k�nnte dich immerzu ansehen, bis ans Ende meiner Tage.�</p><p>�Ich merke mir das!� Der Schalk funkelte in ihren Augen. �In einem Jahrhundert oder zwei werde ich dich noch einmal darauf ansprechen. Du solltest schon mal anfangen, dir zu �berlegen, was du dann sagst.�</p><p>�Das muss ich nicht�, entgegnete er und h�tte sich am liebsten auf die Lippen gebissen. Was redete er da! Sie durfte nichts merken! Seit der Dunkle ihn drei Tage vor ihrer Abreise zu sich bestellt hatte, um ihm zu sagen, was geschehen w�rde, verstellte er sich. Gonvalon gab sich so unbeschwert, wie er konnte, versuchte jeden Augenblick zu genie�en und wusste doch, dass bald schon das letzte Sandkorn durch die Enge des Stundenglases fallen w�rde. �Ich muss nicht dar�ber nachdenken, weil ich es wei�. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass meine Liebe dir unverbr�chlich bis zum Ende meiner Tage geh�ren wird.�</p><p>Gonvalon sp�rte, dass sie etwas zu merken begann. Ihr Blick �nderte sich, wurde fragender.</p><p>�Du machst dir Sorgen wegen dem, was wir sind, Gonvalon? Weil es unser Gesch�ft ist, mit dem Tod zu tanzen? Du glaubst nicht, dass wir beide in zweihundert Jahren noch leben werden.�</p><p>�Ich lebe jeden Tag mit dir, als sei es mein letzter.� Er blickte zum Himmel hinauf. Sie hatten lange gebraucht, um in das Tal hinabzusteigen. Die Mittagsstunde war l�ngst vor�ber. Morgen um diese Zeit�� Er schob den Gedanken von sich.</p><p>Nandalee sah ihn betroffen an. �Warum so d�ster?�</p><p>�Aber das bin ich doch gar nicht. Du bist nur gerade meinem geheimen Rezept auf die Spur gekommen, wie ich der Liebe Unsterblichkeit verleihe. Sie kennt kein Morgen. Lebt von Augenblick zu Augenblick. Ist sich in sich selbst genug und tr�gt weder die B�rden der Vergangenheit noch der Zukunft. Es ist die Liebe des letzten Tages. Sie ist von so besonderer S��e, wie die letzten Trauben, die im Jahr geerntet werden.�</p><p>Nandalee sch�ttelte den Kopf. �Und von besonderer Melancholie. So kann Liebe nicht leben. Du wirst damit aufh�ren! Verstanden? Ab morgen gelten andere Regeln!�</p><p>Gonvalon legte feierlich die Hand aufs Herz. �Versprochen, meine Sch�ne.� Er war erleichtert, dass die L�gen endlich ein Ende haben w�rden.</p><p>Ein Horn erklang hinter ihnen. Reiter preschten die breite Prachtstra�e entlang und vertrieben die wenigen Schaulustigen. Gonvalon zog Nandalee zur Seite. �Lass uns gehen�, fl�sterte er. Doch Nandalee sch�ttelte den Kopf. Manchmal war sie zu neugierig! Es w�re kl�ger gewesen, erst nach der D�mmerung zu kommen, wenn selbst das Wei�e Selinunt in Schatten versank und sie weniger Aufsehen erregt h�tten. Aber er hatte Nandalees Dr�ngen nicht widerstehen k�nnen. Welche Gefahr lauerte hier schon? Doch allenfalls die, als zu schlecht gekleideter P�bel aus der Stadt geworfen zu werden.</p><p>Es war schwer gewesen, sich hier einzuschleichen, doch einmal in der Stadt, beachtete sie niemand mehr. �berall wurden allerletzte Arbeiten ausgef�hrt, Blumengirlanden aufgeh�ngt oder kleinere Reparaturen durchgef�hrt. Keiner nahm von den beiden blonden J�gern Notiz, die durch die Stadt schlenderten. Obwohl die Wege in die Stadt scharf bewacht gewesen waren, gab es in Selinunt selbst kaum Krieger.</p><p>Gonvalon hatte geh�rt, dass das Lager, in dem sich die Unsterblichen zurzeit versammelten, einige Meilen entfernt am Fluss lag. Erst morgen w�rden sie in einer gro�en Parade in die Stadt einziehen. Vor den Toren der Stadt waren auch die Palastgarden versammelt. Diesen Ort sollten sie auf jeden Fall meiden. Und sobald sie herausgefunden hatten, wo sich morgen G�tter und Unsterbliche trafen, w�rden sie auch Selinunt verlassen. Er wollte allein mit Nandalee sein. Ein letztes Mal.</p><p>Eine Schar Krieger, ganz in Gold und Wei�, ritt vor�ber. Einer von ihnen stie� erneut in sein Horn. Es war ein langer feierlicher Ton, begleitet vom scharfen, metallischen Klang der Hufeisen auf den Marmorplatten, mit denen die Prachtstra�e ausgelegt war. Funken stoben unter den Hufen auf. Die Krieger sahen sich grimmig um, und gleich drei von ihnen wurden zur selben Zeit auf sie aufmerksam. Sie lie�en ihre Pferde wenden und kamen langsam auf sie zu.</p><p>Gonvalon ahnte, woran es lag. Sie beide waren die einzigen Bewaffneten weit und breit, auch wenn die Sehnen von ihren B�gen gezogen waren und die Waffen an Riemen �ber ihrer Schulter hingen.</p><p>�Was tut ihr hier?� Abscheu lag in der Stimme des Reiters. Ein eckiger, blonder Bart verlieh seinem Gesicht einen harten Zug. Seine Augen blieben im Schatten seines Bronzehelms verborgen, auf dem lange, wei�e Federn wippten.</p><p>�Wir schauen uns die sch�ne Stadt an.� Nandalee schaffte es, vollkommen arglos zu klingen. Wer sie sah und h�rte, w�re niemals auf die Idee gekommen, dass er vor einer M�rderin stand, die alle drei Krieger, die sie gerade be�ugten, binnen sechs Herzschl�gen t�ten k�nnte.</p><p>�Ist doch nicht verboten, oder?�, f�gte Gonvalon nicht minder arglos hinzu.</p><p>Der Krieger sch�ttelte angesichts so viel Dummheit den Kopf. �Ihr macht euch jetzt davon. Und wenn ihr morgen hierherkommen wollt, dann seid ihr gewaschen und ordentlich angezogen. Gestalten wie euch beide wird der Unsterbliche Ansur in der Wei�en Stadt nicht dulden. Ihr seid���</p><p>Helle Fanfarenst��e ert�nten von einem nahe gelegenen Dach, und am Ende der Prachtstra�e erschienen sechs Streitwagen. Die beiden vordersten waren mit Gold beschlagen, die Wagenlenker in Wei� und Purpur gekleidet. Hinter ihnen ragte je ein goldenes Feldzeichen auf. Ein Adler mit weit ausgebreiteten Schwingen und eine gefl�gelte Sonnenscheibe.</p><p>�Wir sollten gehen, sofort!�, sagte Gonvalon dr�ngend. Warum waren die beiden Unsterblichen heute schon hier! Sie h�tten erst morgen kommen d�rfen. Wo Unsterbliche waren, mochten auch Devanthar nicht fern sein. Es war ein gro�er Fehler gewesen, sich nicht unauff�lliger zu kleiden. Aber wer h�tte ahnen k�nnen, welche Gesetze hier herrschten. In jeder anderen Stadt Daias waren die Stra�en voller abgerissener Gestalten, wie sie es waren, ja, viele sahen noch schlimmer aus. Dort w�ren sie einfach in der Menge untergegangen.</p><p>Nandalee hielt ihn zur�ck. �Lass uns sehen, wohin sie wollen. Sie werden uns zu dem Ort f�hren, den wir suchen. Erkennst du auch den Mann unter der Fl�gelsonne?�</p><p>Nat�rlich erkannte er den Kriegerk�nig mit dem m�chtigen schwarzen Bart. Schlie�lich waren sie Aaron, dem Unsterblichen von Aram, schon zweimal begegnet, wenngleich er dabei nie so festlich gewandet gewesen war wie heute. Er und der andere Unsterbliche fuhren keine f�nf Schritt entfernt auf ihren Streitwagen vor�ber. Gonvalon senkte den Kopf, um nicht erkannt zu werden. Eilig folgte Nandalee seinem Beispiel, doch beide Herrscher hatten kurz in ihre Richtung gesehen.</p><p>Die Unsterblichen hielten auf jenes Geb�ude zu, das Gonvalon schon vorhin aufgefallen war. Rund, mit einer goldenen Kuppel, die von zwanzig Schritt hohen Marmors�ulen getragen wurde, �berragte es alle umstehenden Bauten. Ein regelrechter S�ulenwald trug das Dach und versperrte den Blick auf die inneren Bereiche. Gonvalon sch�tzte, dass der Bau hundert Schritt durchma�. Er hatte zwar gr��ere Pal�ste und Tempel in der Stadt gesehen, doch nur dieses eine Bauwerk war rund.</p><p>�Wer ist das? Und wohin gehen die da?�, fragte Nandalee den Krieger, der sie immer noch argw�hnisch be�ugte. Gonvalon seufzte stumm. Sie h�tten sich sofort aus dem Staub machen sollen. Er wusste, dass sie sich unwissend stellte, um die letzte Best�tigung zu bekommen, dass dies dort vorne der Versammlungsort f�r morgen war, aber sie sollten jetzt nicht mehr hier sein. Nicht unter den Augen der Unsterblichen. Es gab h�chstens eine Handvoll Menschenkinder, die sie wiedererkennen konnten, und ausgerechnet eines von ihnen tauchte jetzt auf! Verfluchtes Pech!</p><p>�Ihr erkennt euren eigenen Herrscher nicht?�, antwortete der Krieger auf Nandalees Fragen. �Links seht ihr Ansur, den Unsterblichen von Valesia, und neben ihm f�hrt Aaron, Unsterblicher von Aram.� Der Berittene sagte das mit einer Ergriffenheit, als seien sie leibhaftige G�tter, die nicht zu erkennen ein Sakrileg darstellte.</p><p>Die Herrscher z�gelten ihre R�sser, stiegen von den Streitwagen und erklommen die Stufen zum Rundbau.</p><p>�Dies ist die Halle der Unsterblichen�, fuhr der Reiter stolz fort. �Der Ort, an dem morgen zur Mittagsstunde Menschen und G�tter einen Pakt schlie�en werden, um jene Daimonen zu besiegen, die so viel Unheil �ber unsere Welt gebracht haben. Und nun macht euch davon. Und vergesst nicht, was ihr gesehen habt. Ich glaube nicht, dass ihr jemals wieder zwei Unsterblichen so nahe sein werdet.�</p><p>�Danke, Herr�, sagte Gonvalon unterw�rfig, um das Gespr�ch zu beenden, und zog Nandalee mit sich. �Lass uns so schnell es geht verschwinden�, zischte er, sobald der Reiter au�er H�rweite war. �Dort, in die Seitenstra�e, schnell.�</p><p>�Aaron hat uns sicher nicht erkannt.� Nandalee war v�llig ruhig. F�r seinen Geschmack war sie zu entspannt. Sie durften nicht den Argwohn der Unsterblichen erwecken. Nicht heute! Sie wusste ja nicht, worum es ging.</p><p>�Wir haben auf Nangog Helme getragen, als wir an Aaron vor�bergegangen sind. Er erinnert sich nicht an uns.�</p><p>�Und in der Kristallh�hle?�, wandte Gonvalon ein. �Da hatten wir keine Helme auf. Und du hast einem seiner Leibw�chter den Arm abgehackt. So jemanden vergisst man nicht. Er ist keine f�nf Schritt an uns vorbei, und er hat in unsere Richtung geblickt!�</p><p>Halb verborgen in einem S�ulengang am Eingang der Seitenstra�e warf Gonvalon einen letzten Blick auf die beiden Herrscher, die auf der obersten Stufe vor der Halle der Unsterblichen stehen geblieben waren. Der Elf hatte das Gef�hl, dass ihm Ansur �ber die weite Entfernung hinweg genau in die Augen sah. Eben schon, als sie auf den Streitwagen vor�bergefahren waren, hatte der Herrscher ihn und Nandalee mit hasserf�llten Blicken bedacht.</p><p>Ansur war ein schlanker, nicht allzu gro�er Mann mit schmalem Gesicht. Sein schwarzes Haar war von reichlich Silber durchzogen, doch seine grauen Augen brannten in der Leidenschaft der Jugend. Neben diesen Augen war sein auff�lligstes Merkmal ein gew�lbtes, schwarzes Muttermal dicht �ber der Oberlippe. Es h�tte das Gesicht eines Gelehrten sein k�nnen, w�re da nicht dieser Blick gewesen. Dies war ein Mann, der �ber Leichen ging, wenn es galt, seinen Willen durchzusetzen.</p><p>Und sie hatten seinen Zorn auf sich gezogen.</p></section><section><title><p>Der Plan der G�tter</p></title><p>Artax bemerkte, wie Ansur zu den beiden abgerissenen Gestalten sah, die auch ihm eben auf ihrem Weg zur Halle der Unsterblichen aufgefallen waren �Stimmt etwas nicht, mein Freund.�</p><p>�Die beiden sollten nicht hier sein.�</p><p>Es lag ein Zorn in Ansurs Stimme, den Artax als unangemessen empfand. Angegafft zu werden war doch allt�glich. Ihm war der bartlose J�ger mit dem langen blonden Haar, der zuletzt den Kopf gesenkt hatte, seltsam vertraut vorgekommen. In seiner Erscheinung hatte er ihn ein wenig an Datames erinnert, auch wenn das Gesicht ein anderes gewesen war.</p><p>Ansur winkte eine der Wachen vom Fu� der Treppe hinauf. �Dort hinten��� Er stockte. Die Gestalten waren verschwunden. �Dort hinten waren zwei Vagabunden in Lumpen. Nimm dir ein paar M�nner, suche sie und sorge daf�r, dass sie nie wieder auf die Idee kommen, Selinunt zu betreten.�</p><p>Der Krieger salutierte, st�rmte die Treppe hinab und stieg auf sein Pferd.</p><p>�Was war denn mit den beiden?�</p><p>�Wer die Wei�e Stadt besucht, der sollte sich angemessen kleiden. Ich dulde hier keine Vagabunden! Dies ist ein Ort der Vollkommenheit. Mir ist ein R�tsel, wie die �berhaupt hierhergelangen konnten.� Pl�tzlich l�chelte Ansur wieder. �Entschuldige. Manchmal verliere ich mich im Detail, werter Freund. Ich wollte dir von den Geheimnissen Selinunts erz�hlen. Ich hatte das Gl�ck, Langarm, den G�tterschmied, f�r meine Vision zu begeistern. Er hat mich beim Bau der Stadt beraten und auf vielerlei andere Art geholfen. Sieh hin, so sch�n dieses Tal ist, es hat auch einen verborgenen Makel. Manchmal erbebt der Fels.�</p><p>�Was?� Artax sah den Unsterblichen fassungslos an. Sofort hatte er die Bilder der zerst�rten Goldenen Stadt wieder vor Augen. �Du h�ttest mir sagen m�ssen���</p><p>�Keine Sorge, Bruder.� Ansur hob beschwichtigend die H�nde. �Selinunt ist sicher, denn es gibt eine zweite, verborgene Stadt. Da das Wasser der Quellen hier in den Bergen bitter ist, nutzen wir das Aqu�dukt nur, um die Zierbrunnen zu speisen. Unser Trinkwasser sammeln wir in riesigen Zisternen. Die ganze Stadt ist darauf errichtet. Statt auf herk�mmlichen Fundamenten stehen die Bauwerke hier auf m�chtigen S�ulen, die sich aus dem Wasser erheben. Sie sind sicher vor Erdbeben. Dir wird sicherlich aufgefallen sein, dass einige Viertel in der Goldenen Stadt weit weniger von der Katastrophe betroffen waren als andere. Auch sie waren �ber Zisternen errichtet.�</p><p>Artax w�nschte sich, Ansur w�re in die Goldene Stadt gekommen, um von diesen Erfahrungen zu berichten. Fast ein halbes Jahr lief nun schon der Wiederaufbau. Dieses Wissen h�tte vieles ver�ndert. Er musste sich beherrschen, um sich seinen �rger nicht anmerken zu lassen. Er mochte diesen arroganten Burschen nicht.</p><p>�Folge mir, Aaron! Es war dein eigener Wunsch, dir die �berraschungen f�r morgen zu verderben. Du sollst die Halle der Helden sehen.�</p><p>Ein Weg f�hrte in weiter Spirale zwischen den S�ulen hindurch, bis sie in das Heiligtum gelangten, das den sieben Devanthar geweiht war. Sieben goldene Statuen standen auf hohen Sockeln entlang der W�nde des runden Tempelbaus. In der Mitte �ffnete sich eine breite Treppe. Ansur nahm eine Fackel von der Wand und eilte die Treppe hinab, ohne die G�tterbilder eines Blickes zu w�rdigen.</p><p>Nach zwanzig Stufen m�ndete die Treppe in einen Tunnel, der sich, so wie schon der S�ulengang oben, in weiten Spiralen wand. Ansur schritt so rasch aus, dass Artax kaum Gelegenheit fand, die kostbaren Fresken an den W�nden zu betrachten. Er wurde ein wenig langsamer. Sollte Ansur sich an die Gesetze der Gastfreundschaft erinnern! Eigentlich h�tte sich der Herrscher von Selinunt die Zeit nehmen m�ssen, ihm alles in Ruhe zu zeigen. Aaron erkannte auf den Fresken zun�chst Nangog und die Goldene Stadt am Hang des Weltenmundes, wenig sp�ter flogen Wolkensammler an einem herrlich blau gemalten Himmel. Es waren Bilder des Friedens und der Harmonie. Doch das �nderte sich, je weiter sie dem Gang folgten. Nun waren die Devanthar abgebildet, begleitet von M�nnern mit silbernen Gesichtern, die alle gleich aussahen. Und dann kamen die Drachen. Sie f�llten den Himmel wie ein Vogelschwarm, k�mpften gegen eine ganze Flotte von Wolkensammlern. Nein��!</p><p>Artax blieb stehen, und nun endlich verlangsamte auch Ansur sein Tempo, kam zur�ck und leuchtete ihm mit der Fackel, damit er die Szene n�her betrachten konnte. Artax hielt den Atem an�� auf diesem Fresko bek�mpften sich die Wolkensammler auch untereinander! Reiter auf gefl�gelten Pferden flogen zwischen Himmelsschiffen. Einer der Wolkensammler stand in hellen Flammen. Das Schiff, das er trug, war halb seinen Tentakeln entglitten. Hunderte Krieger und Wolkenschiffer st�rzten in den Tod.</p><p>�Das ist die Vorstellung, die unsere G�tter von der Zukunft haben�, sagte Ansur ernst. �Sie wollen, dass wir es jedes Mal sehen, wenn wir uns hier versammeln. Langarm ist �berzeugt davon, dass die Daimonen nach Nangog kommen werden. Er wird uns die Waffen geben, um sie zu besiegen. Und wir sind die Ersten, die er beschenken wird. Komm!�</p><p>Nach wenigen Schritten m�ndete der Tunnel in einen weiten Kuppelsaal, der von einem gro�en, runden Tisch beherrscht wurde. Sieben Schwerter lagen mit der Spitze nach innen gerichtet darauf, angeordnet wie die Speichen eines Rades. Sieben wuchtige St�hle mit niedrigen R�ckenlehnen standen um den Tisch. Und hinter jedem der St�hle verharrte ein W�chter. V�llig reglos.</p></section><section><title><p>Die Geschenke der G�tter</p></title><p>�Erschrocken?� Diesmal klang Ansur nicht hochm�tig, sondern erstaunlich einf�hlend. �Mir ging es genauso, als ich zum ersten Mal hier war. Was du da siehst, sind unsere neuen R�stungen. Und an dieser Tafel sollen wir von nun an zu jedem Opferfest versammelt sein. Sie ist rund, damit es keinen Streit gibt. Niemand hat hier einen hervorgehobenen Platz. Wir alle sind gleich. Aber nun sieh dir die R�stungen an. Langarm selbst hat sie gefertigt.�</p><p>Z�gerlich ging Artax zum n�chsten R�stungsst�nder. Alle R�stungen waren�� abgesehen von den Helmen�� ganz in Wei� gehalten. Er betrachtete eine Brustplatte aus dickem Leder, in das ein L�wenkopf gepr�gt war, und musste schmunzeln. Wie es schien, hatte er auf Anhieb seine R�stung gefunden. Der Brustpanzer bedeckte ein lang�rmliges Hemd, �hnlich dem, das er schon jetzt besa�. Doch was auf den ersten Blick wie d�nnes Leder aussah, war eine R�stung, die ihresgleichen suchte. Wurde das Leder getroffen, verh�rtete es sich unter dem Aufprall der Waffe. Keine Klinge von Menschenhand vermochte es zu durchdringen. Als ihm der L�wenh�uptige damals die R�stung brachte, hatte er ihm versprochen, dass auch die meisten Waffen der Daimonen nichts gegen diesen Panzer auszurichten vermochten.</p><p>Ein Rock, besetzt mit goldgefassten Lederstreifen, und eine Hose aus Leder, die in hohen Stiefeln verschwand, vervollst�ndigten die R�stung. Mit zwei goldenen Broschen, die L�wenk�pfe zeigten, war ein langer, wei�er Umhang an den Schulterst�cken befestigt. Nur der Helm, der zur R�stung geh�rte, befremdete Artax. Es war ein Maskenhelm wie der L�wenhelm, den er jetzt besa�. Doch dieser hier zeigte ein Menschengesicht. Artax blickte in die Runde. Alle Helme waren �hnlich.</p><p>�Warum sehen sie alle gleich aus?�</p><p>�Liegt das nicht auf der Hand?�, fragte Ansur. �Die G�tter wollen, dass es den Daimonen in der Schlacht schwerer f�llt, einen von uns gezielt zu t�ten.�</p><p>�Und weshalb sind sie alle gleich gro�? Ich sch�tze, Iwar wird es bei seiner Statur schwerhaben, sich in eine dieser R�stungen zu zw�ngen.�</p><p>�Langarm hat sie mit einem Zauber belegt. Sie passen sich ihrem jeweiligen Tr�ger an. Ich sch�tze, das ist eine Vorsichtsma�nahme, falls einen von uns ein �hnliches Schicksal wie Muwatta ereilt. Die R�stung kann einfach weiterverwendet werden, ganz gleich, was f�r ein Mann sie tragen wird.�</p><p>Artax gefiel dieses Konzept nicht. Es unterstrich noch einmal, dass jeder von ihnen beliebig austauschbar war. Er ging um den Tisch und sah sich jede einzelne R�stung an. Sie unterschieden sich tats�chlich nur in der Schmuckpr�gung auf der Brustplatte. Der Adler Valesias, der B�r Drusnas. Die dritte R�stung zeigte einen Eberkopf.</p><p>Ansur hinter ihm lachte. �So sehen die Scherze von G�ttern aus. Diese R�stung ist f�r unseren Freund aus Zapote. F�r dieses Volk sind Schweine unreine Tiere. Ich sch�tze, Langarm mag seinen Bruder, die Gefiederte Schlange, nicht sonderlich.�</p><p>�Dir ist schon klar, was geschehen wird?� Fassungslos betrachtete er den Eberkopf. Es w�rde ohnehin schon schwer genug werden, die Unsterblichen in dieselbe Richtung zu f�hren. Sie waren Herrscher und daher nicht gewohnt, sich anderen zu f�gen. Ganz abgesehen von den alten Fehden, die es unter ihnen gab.</p><p>Ansur winkte ab. �Er muss sie nur anziehen, dann erscheint diese widerliche Schlange auf dem Brustpanzer.�</p><p>�Aber das wird er nicht tun! Er wird die R�stung nicht einmal ber�hren.�</p><p>�Oh, doch, das wird er.� Ansur strahlte eine Zuversicht aus, die in Anbetracht dieses grotesken Scherzes durch nichts zu rechtfertigen war. Der Unsterbliche klatschte laut in die H�nde und rief laut: �Zeige dich!� Er hob die Fackel, und Artax, dessen Augen sich inzwischen an das Halbdunkel gew�hnt hatten, konnte sehen, dass noch etliche andere G�nge in den unterirdischen Kuppelsaal m�ndeten.</p><p>Irgendwo im Dunkeln ert�nte ein Ger�usch wie ein Hammerschlag auf Fels. Es folgte ein weiterer Schlag und noch einer. In einem sich langsam steigernden Rhythmus kam das Ger�usch n�her. Bald konnte Artax sp�ren, wie bei jedem der Schl�ge der Felsboden unter seinen F��en vibrierte. Seine Hand fuhr zum Schwert.</p><p>�Was ist das?�</p><p>�Ein ganz besonderes Geschenk f�r dich�, sagte Ansur mit einem vieldeutigen L�cheln.</p></section><section><title><p>Der L�we</p></title><p>Artax zog sein Schwert. Blassgr�nes Licht umspielte die verwunschene Klinge. Er blickte zur�ck zu dem Tunnel, durch den sie gekommen waren. Dachte an Flucht. Das schreckliche Ger�usch hallte nun von allen W�nden wider.</p><p>Da ert�nte ein letztes Stampfen. Eine gewaltige Gestalt aus Gold und Silber trat in das Zwielicht des Kuppelsaals�� ein silberner L�we mit einer M�hne aus Gold, dem weite, goldene Schwingen aus dem R�cken wuchsen. Der L�we war mehr als drei Schritt hoch.</p><p>Seine Augen funkelten in strahlendem Blau. Sein metallenes Gesicht wirkte edel. Es war nicht die Fratze eines angriffslustigen Raubtiers.</p><p>�Was ist das?�, rief Artax erschrocken und zugleich auch fasziniert von der Kreatur. Sie erinnerte an die Silberl�wen, die f�r die Unsterblichen die magischen Pforten zu den Goldenen Pfaden �ffneten. Nur war dieser L�we noch deutlich gr��er und hatte Fl�gel. �Ich bin dein Schlachtross, Aaron, Unsterblicher von Aram�, antwortete die Bestie und sah auf ihn hinab.</p><p>Das Monstrum aus Metall konnte reden! Seine Stimme wurde von einem merkw�rdigen Klicken und Surren begleitet. Der gefl�gelte L�we sprach langsam und beh�big.</p><p>Neugierig trat Artax n�her. Er umrundete den L�wen, der den Kopf wandte und seinen Bewegungen folgte. Das metallene Ungeheuer war gesattelt. Von seiner rechten Seite hing eine kleine, silberne Leiter. Um ihn wie ein Pferd nur �ber einen Steigb�gel zu besteigen, war der L�we entschieden zu gro�. Bewundernd sah sich Artax nun die Fl�gel an. Jede einzelne Feder war f�r sich allein gearbeitet und in die Fl�gel eingesetzt. Wie viele Stunden Langarm wohl an diesem absonderlichen Gesch�pf gearbeitet hatte? Oder vermochte der G�tterschmied solch eine Kreatur kraft eines einzigen Gedankens zu erschaffen?</p><p>�Jeder von uns wird morgen einen solchen gefl�gelten L�wen bekommen�, riss ihn die Stimme des Unsterblichen Ansur aus seinen Gedanken. �Doch nun lass uns gehen. Und bitte, sprich nicht �ber die Dinge, die du hier gesehen hast. Langarm wollte, dass nur du eingeweiht bist. Unsere �brigen Br�der sollen morgen �berrascht werden.�</p><p>Artax strich dem L�wen �ber die feinen Silberschuppen, aus denen sich sein Leib zusammensetzte. �Ich freue mich darauf, mit dir in den Himmel zu reiten.�</p><p>Der L�we warf ihm einen Blick aus gl�henden, blauen Augen zu. �Ich werde dich nicht entt�uschen, Herr. Ich wei�, du bist ein gro�er Krieger. Ich werde dich zu neuem Ruhm f�hren.�</p><p>Artax sah ihn an und dachte an die Fresken von den schrecklichen Schlachten am Himmel Nangogs, die die W�nde des Tunnels schm�ckten. Er w�nschte, er w�rde mit dem L�wen einfach nur fliegen k�nnen. Er wollte keinen neuen Ruhm. Er wollte Frieden.</p><p>Bedr�ckt folgte er Ansur, der ihn zur�ck in den Tempel f�hrte. Oben angekommen, durchquerten sie schweigend den S�ulenwald. Dunkle Wolken hatten sich �ber dem Tal geballt. Ein Unwetter zog auf. B�iger Wind zerrte an den Umh�ngen der Krieger, die ihre Streitwagenr�sser am Zaum hielten. Die Tiere scharrten unruhig mit den Hufen. Sie sp�rten den nahenden Sturm.</p><p>Artax sah die weite Prachtstra�e hinab, dorthin, wo vorhin die beiden J�ger gestanden hatten. Und dann traf es ihn wie ein Blitz. Jetzt wusste er, warum ihm das Gesicht so vertraut vorgekommen war. Seit er der Herrscher Arams war, hatte er gelernt, sich Gesichter gut einzupr�gen. Namen verga� er immer noch allzu leicht. Aber nur selten ein Antlitz. Das war kein J�ger. Es war nicht einmal ein Mann und auch kein Mensch. Dort hatte die Daimonin gestanden, die ihm bei der Kristallh�hle in den W�ldern Nangogs begegnet war!</p><p>Voller dunkler Vorahnungen sprang er auf den Streitwagen, riss die Peitsche aus dem K�cher an der Wagenflanke und lie� sie �ber die K�pfe der erschrockenen Schlachtr�sser knallen. Die Krieger sprangen zur�ck, dann schlugen die Hufe der Pferde Funken aus den Marmorplatten, als er �ber die Stra�e dahinjagte.</p><p>Er musste die Devanthar warnen!</p></section><section><title><p>Ein letzter Irrtum</p></title><p>Wenn Iwar eines hasste, dann war es, wenn sich irgendjemand einbildete, ihm Befehle erteilen zu k�nnen. Die Valesier hatten ihn auf dem Schlachtfeld besiegt, waren aber wenigstens meist so h�flich, die Form zu wahren und ihm gegen�ber W�nsche auszusprechen. Dieser Aaron von Aram hatte ihm einfach einen Boten geschickt und ihn umgehend in das gro�e Zelt am Fu� des Passweges bestellt. Was bildete sich der Kerl ein? Er hatte geh�rt, dass Aaron im Gelben Turm vor den G�ttern gesprochen hatte. War er deshalb etwas Besseres? Wer wollte da schon hin? Wenn er, Iwar, darum bitten w�rde, dann w�rden ihn die G�tter dort gewiss ebenfalls empfangen.</p><p>Er goss sich einen Pokal mit Wein ein und trank. Seit einer Weile hatte er dr�ckende Kopfschmerzen und in seinen Ged�rmen rumorte es. Nach dem Mittagessen hatte er einen Krug valesischen Wei�en getrunken. Ein Fehler! Wein sollte rot sein. Verdammte Br�he! Wie hatte er nur auf die Idee kommen k�nnen, dass aus Valesia etwas Gutes k�me.</p><p>Der Rotwein hingegen war k�stlich. Er nahm noch einen zweiten Pokal und f�hlte sich gleich viel besser.</p><p>�Erhabener!�</p><p>Iwar zuckte zusammen. Volodi war wieder einfach in sein Zelt gekommen, ohne erst von drau�en um Erlaubnis zu bitten. War er darauf aus, ihn mit heruntergelassenen Hosen auf dem Nachttopf zu erwischen?</p><p>�Herr, der Unsterbliche Aaron bittet Euch untert�nigst darum, sich zum Versammlungszelt zu begeben. Ohne Eure gesch�tzte Meinung kann keine weise Entscheidung gefunden werden.�</p><p>Iwar l�chelte. �Hat sich dieser Drecksack aus Aram also doch noch erinnert, was sich geh�rt.� Er f�hlte sich ein wenig schwindelig, war aber davon abgesehen sehr zufrieden. Sie brauchten ihn also. Gut, da er in aufger�umter Stimmung war, w�rde er kommen. Aber das war seine Entscheidung. Er war so gn�dig, sie mit der Gunst seiner Anwesenheit zu beehren.</p><p>Iwar griff nach dem roten Umhang, der �ber seinem geschnitzten Thronsessel hing. Es war schon dunkel und erstaunlich kalt f�r die Jahreszeit. So nahe an einem Fluss zu lagern war nicht klug. Welcher Trottel nur auf diese Idee gekommen war. Beim Aufwachen taten Iwar jeden Morgen alle Gelenke weh. Das lag an der feuchten K�lte, die vom Fluss hinaufstieg.</p><p>Volodi zog die Zeltplane am Eingang zur�ck, um ihn hinauszulassen. Und nat�rlich verga� der Kerl, sich zu verbeugen, wie es sich geh�rt h�tte. Aber lange m�sste er sich nicht mehr �ber den Hauptmann seiner Leibwache �rgern. Er blieb dicht vor ihm stehen und starrte ihm ins Gesicht. Ein wenig blass sah er aus, und dunkle Ringe hatten sich unter seine Augen gegraben. Zitterte er? Iwar war sich nicht ganz sicher. �Ich habe �ber diesen Aaron geh�rt, dass er die Frauen und Kinder seiner Feinde ermorden l�sst, ja, sogar ihren ganzen Haushalt. Alle Diener und Sklaven. Das ist ohne Moral.�</p><p>�Man hat Euch L�gen erz�hlt, Unsterblicher.�</p><p>Iwar bedachte Volodi mit einem abf�lligen Blick. �W�rde ich auch sagen, wenn ich dabei gewesen w�re. Kinderm�rder.�</p><p>�Das ist nicht���</p><p>�Du darfst jetzt den Mund halten, Hauptmann, und mich einfach zum Beratungszelt eskortieren.�</p><p>Schweigend gingen sie durch das Lager. Iwar war ein wenig kurzatmig. Schon wieder rumorte es in seinen Ged�rmen. Verdammter valesischer Wei�er! Er hatte das Gef�hl, dass au�er Volodi noch jemand in seiner N�he war. Nat�rlich war das Lager voller Menschen. �berall herrschte gesch�ftiges Treiben. Manche Faulpelze gafften ihnen nach. Aber das war es nicht. Einmal glaubte er sogar, warmen Atem auf seiner Wange zu sp�ren. Hastig drehte er sich um. Da war niemand. Gab es hier Geister?</p><p>Endlich sah er das Zelt. Es war mehr als doppelt so gro� wie sein eigenes. Das passte zu Ansur. Sicher geh�rte dieses protzige Zelt dem Unsterblichen von Valesia. Der Hurenbock lie� keine Gelegenheit aus, ihn blo�zustellen. Er deutete auf den fast f�nf Schritt hohen, gefl�gelten Marmorl�wen, der sich neben dem Zelt erhob und gemeinsam mit einem ebenso gro�en Zwilling den Beginn des Passweges markierte. �Das da ist ganz und gar valesisch. Zu gro�! Angeberisch! Und dann hat das Vieh auch noch Fl�gel!� Er sprach so laut, dass man ihn sicherlich im Zelt h�ren konnte. Aber das war ihm egal. �Eine L�we mit Fl�geln! L�cherlich. Sieht genauso eindrucksvoll aus wie ein Schwein mit Fl�geln!�</p><p>Als Iwar in das Zelt trat, herrschte Stille. Alle sahen ihn an.</p><p>�Gut, dass du endlich kommst�, begr��te ihn Aaron k�hl, und Iwar d�mmerte, dass die unterw�rfige Einladung nie ausgesprochen worden war. Volodi hatte ihn angelogen, um ihn hierherzulocken. Er warf seinem Hauptmann einen finsteren Blick zu.</p><p>�Wie ich schon sagte�, fuhr Aaron fort, �bin ich mir ganz sicher, heute eine Daimonin, die mir bereits einmal auf Nangog begegnet ist, auf den Stra�en von Selinunt gesehen zu haben. Das hei�t, sie wissen von unserer Zusammenkunft! Das ist nur m�glich, wenn noch immer Spitzel unter uns weilen und���</p><p>Iwar lie� den Blick durch das Zelt schweifen. Neben den Unsterblichen waren auch einige Devanthar anwesend. Ihre Gegenwart hatte immer etwas Beunruhigendes, und er war froh, dass er nahe beim Ausgang stand.</p><p>Am liebsten h�tte er sich gesetzt. Er f�hlte sich schwach und ein wenig unp�sslich. Etwas Warmes lief ihm �ber die Wange. Wie Tr�nen�� Er tastete danach und blickte auf seine Hand. Da war Blut an seinen Fingerspitzen!</p><p>Iwar schloss kurz die Augen. Das konnte nicht sein! Aber er sp�rte, wie es aus seinen Augen tropfte. Und aus seiner Nase. Es perlte durch seinen Bart auf die Lippen.</p><p>Niemand im Zelt beachtete ihn. Sie alle sahen Aaron an, der immer noch sprach. Es schien wichtig zu sein. Er konnte den Worten des Unsterblichen nicht mehr folgen. Sein Kopfschmerz lie� nach. Vielleicht half das Nasenbluten.</p><p>Iwars Knie waren ganz weich. Er sackte nach vorn, schlug aber nicht auf dem Boden auf. Deutlich sah er vor sich zwei Blutstropfen in der Luft h�ngen. Nichts bewegte sich mehr. Alle Ger�usche waren verstummt.</p><p><emphasis>Ich kann den Lauf der Zeit ver�ndern, Iwar,</emphasis> erklang eine Stimme, die er lange nicht mehr geh�rt hatte, in seinem Kopf. Der Gro�e B�r! <emphasis>Ich habe den winzigen Augenblick, bis die Blutstropfen den Boden ber�hren, gedehnt, damit ich noch ein wenig mit dir reden kann. Du hast mich entt�uscht, Iwar. Aber so wie der liebende Vater die Hoffnung auf seinen Sohn nicht aufgibt, vermochte auch ich dir nichts anzutun. Ich konnte dich sogar verstehen. Es war niederschmetternd, all diese Schlachten zu sehen, in denen Mut nichts mehr z�hlte. Zu sehen, wie unsere Krieger dahingeschlachtet werden und Krieg zu einer Aufgabe am Rechenschieber wurde. Ich konnte verstehen, dass du angefangen hast zu trinken. Und du musstest Frieden schlie�en, denn Drusna hatte zu viele seiner S�hne verloren. Du wolltest das Beste f�r dein Land. So sollte ein Unsterblicher denken.</emphasis></p><p>Iwar wollte etwas dazu sagen. Er wusste, was er alles falsch gemacht hatte. Und er wusste auch, dass der Gro�e B�r ihn selbst jetzt noch retten k�nnte. Doch seine Lippen wollten sich nicht bewegen. Es war, als seien sie festgefroren. Nur sein Verstand arbeitete noch. Ganz deutlich h�rte er die Stimme des Devanthars.</p><p><emphasis>Ich war in deinem Zimmer, als du den Pakt mit Arcumenna geschlossen hast. Selbst da habe ich nicht aufgeh�rt zu hoffen. Ich hatte gedacht, der Umgang mit Volodi w�rde dich ver�ndern, w�rde dir neuen Mut machen und dir zeigen, dass noch nicht alles verloren ist. Ihr beide gemeinsam h�ttet die Valesier aus dem Land treiben k�nnen. Sogar heute Nachmittag noch habe ich gehofft�� Ich dachte, du w�rdest das Gift nicht benutzen. Dann hoffte ich, du w�rdest Volodis Pokal im letzten Augenblick umst�rzen. Ich war der kalte Luftzug, den du gesp�rt hast. So wie jetzt, bin ich auch aus der Zeit getreten, als du ihn vergiften wolltest. Ich habe die Becher vertauscht. Volodi ist Drusnas gr��te Hoffnung. Er durfte nicht sterben. Er h�tte auch dich wieder einen Helden sein lassen. Er h�tte den Mann wiedererweckt, der du fr�her einmal warst, Iwar. Aber du hast dich anders entschieden.</emphasis></p><p>Iwar schlug mit dem Gesicht voran auf den h�lzernen Boden des Zeltes. Er sp�rte keinen Schmerz. Jetzt h�rte er Rufe. Die �brigen Unsterblichen waren auf ihn aufmerksam geworden. Jemand packte ihn bei der Schulter und drehte ihn herum. Volodi!</p><p>Er sah hinauf. Sah seinen entsetzten Blick��</p><p>Blut f�llte Iwars Augen, und die Welt verschwand hinter einem roten Schleier.</p></section><section><title><p>Von der Vernunft</p></title><p>Volodi kniete neben dem Unsterblichen und wusste nicht, was er tun sollte. Iwar blutete aus den Augen. So wie der Unsterbliche Aaron auf der Pyramide der Zapote. Das Wei� der Augen war ganz rot geworden. Jetzt tropfte Iwar auch Blut aus den Mundwinkeln.</p><p>�Er ist vergiftet worden.� Eine m�chtige Bassstimme f�llte das Zelt. Wie aus dem Nichts war der Gro�e B�r erschienen, der Devanthar Drusnas.</p><p>Volodi sah zu der riesigen Tiergestalt auf. Der B�r stand auf seinen Hinterbeinen und war so nah, dass er ihm mit einem Tatzenhieb den Kopf von den Schultern h�tte rei�en k�nnen. Und das w�rde er auch ganz gewiss bald tun, dachte Volodi. Er war der Hauptmann der Leibwache des Unsterblichen. Er h�tte das verhindern m�ssen!</p><p>�Hier in diesem Zelt steht der Mann, der das Gift zu Iwar trug. Und neben ihm steht der Unsterbliche, der ihn damit beauftragte.�</p><p>Totenstille herrschte im Zelt. Die Herrscher Daias und die wenigen Auserw�hlten, die sie begleitet hatten, sahen einander misstrauisch an. Volodi hatte keinen Zweifel, wer die M�rder waren. Aber ebenso wenig hatte er Beweise. Er musste sich damit begn�gen, anklagend in Ansurs Richtung zu sehen.</p><p>�Ich werde keine Fehde mit Iwars M�rdern beginnen, doch sollen die beiden nicht glauben, dass ich ihnen vergeben h�tte.� Jetzt sah auch der Gro�e B�r zu Ansur und Arcumenna. �Es ist die Vernunft, die mich zwingt, auf das zu verzichten, was mein Herz mir gebietet. Der Unsterbliche Aaron hat recht. In dieser Stunde m�ssen wir zusammenstehen, denn wir alle wurden auf Nangog angegriffen, und dass eine Daimonin in Selinunt gesehen wurde, kann nur bedeuten, dass f�r unsere Feinde der Krieg noch nicht vor�ber ist.�</p><p>Volodi h�rte ihnen nicht mehr zu. Das alles ging ihn nichts mehr an. Er war nur deshalb an den Hof des Unsterblichen gekommen, weil es ein guter Platz zum �berwintern gewesen war. Obwohl er Iwar nie gemocht hatte, war er traurig �ber das Ende seines Herrschers. Er hatte es nicht verdient, auf diese Art zu sterben. Sein Tod war so bedeutungslos, dass es nicht einmal eine Fehde geben w�rde. Selbst der kleinste F�rst Drusnas durfte darauf rechnen, dass er von seiner Familie ger�cht wurde, wenn er auf diese Art verreckte. Iwar hatte keine Familie. Die Kinder, die seine Geliebten gebaren, hatte er eigenh�ndig umgebracht. Er hatte es ganz gewiss verdient, ein schlimmes Ende zu nehmen��</p><p>Volodi dr�ckte dem Herrscher die Augenlider zu und tupfte ihm mit dessen Umhang das Blut vom Gesicht. Dann deckte er ihn mit dem Umhang zu und blickte auf. Sie redeten noch immer. Keiner achtete mehr auf Iwar.</p><p>Das war nicht in Ordnung! Iwar war ein Mistkerl gewesen, und Volodi hatte es gehasst, ihm dienen zu m�ssen. Aber er hatte ihm als Hauptmann der Leibwache die Treue geschworen. Das wog schwerer als Sympathie. Es w�re seine Aufgabe gewesen, dies hier zu verhindern. Darin hatte er versagt. Aber er konnte ihn zumindest r�chen. Er blickte zu Ansur auf. Der Unsterbliche trug nicht die R�stung, die die G�tter ihm geschenkt hatten. Volodi dachte an das Ende Muwattas. Unsterblich waren sie keineswegs, diese gro�en Herrscher. Sie waren keine G�tter. Alles, was man brauchte, waren ein gutes Schwert und Entschlossenheit. An beidem mangelte es ihm nicht.</p><p>Er stand auf.</p><p><emphasis>Das wirst du lassen!</emphasis>, ert�nte eine machtvolle Stimme in seinen Gedanken. <emphasis>Wir werden ihn irgendwann r�chen, wie es sich geh�rt, doch hier ist nicht der Ort und nicht die Stunde, es zu tun.</emphasis></p><p>Volodi lie� die Hand sinken, die nach dem Schwert hatte greifen wollen.</p><p>�So geht es nicht�, warf der Gro�e B�r nun in die Runde. �Wir brauchen einen siebten Unsterblichen, um die Abstimmung entscheiden zu k�nnen. So wie meine Schwester I�ta noch in der Stunde von Muwattas Tod den gr��ten Krieger Luwiens zu dessen Nachfolger berief, will auch ich es halten. Volodi von Drei Eichen, du sollst von nun an die Geschicke Drusnas lenken. Das Volk sieht zu dir auf. Dein Name ist seit diesem Winter in aller Munde. Du wirst Drusnas Schicksal wenden.�</p><p>Volodi sah den B�ren fassungslos an.</p><p><emphasis>Mach den Mund zu, verdammt. Das sieht nicht gut aus. Und</emphasis><emphasis>glaube ja nicht, dass du mit mir �ber diese Entscheidung verhandeln k�nntest!</emphasis></p><p>�Nun wird dein Wort den Ausschlag geben, was am morgigen Tag geschieht.� Aaron hatte sich direkt an ihn gewandt. In seinen Augen las Volodi, wie gl�cklich er �ber die Entscheidung des Gro�en B�ren war.</p><p>��h, was��� Nun sahen ihn alle an. Und er hatte nicht zugeh�rt. Er wusste nicht einmal, wor�ber sie abstimmten.</p><p><emphasis>Der Unsterbliche Aaron hat einen recht vern�nftigen Vorschlag gemacht, wie das morgige Fest verlaufen soll. Ansur ist dagegen, weil es seine Pl�ne f�r die feierliche Einweihung von Selinunt durcheinanderbringt. Dieses Fr�chtchen von Zapote benutzt sein Hirn nicht und stimmt mit Ansur, weil er seit dem kleinen Zwischenfall in der Tempelstadt auf Aarons Verderben sinnt. Er hat �brigens die Hoffnung</emphasis><emphasis>nicht aufgegeben, dich doch noch irgendwann der Gefiederten Schlange</emphasis><emphasis>zu opfern. Dieses t�towierte Ungeheuer, der Unsterbliche von den Schwimmenden Inseln, stimmt mit den Zapote, weil sie Verb�ndete sind. Madyas, der Unsterbliche von Ischkuza, unterst�tzt Aaron nur deshalb, weil er lieber in Zelten als in festen H�usern Feste feiert. Einzig Labarna geht es um die Sache. Er unterst�tzt Aaron, weil er findet, dass es der richtige Weg ist. Deine Stimme wird nun den Ausschlag geben, Volodi. Ist es nicht erstaunlich, wie wenig Vernunft bei der ersten Entscheidung, die ihr sieben Herrscher gemeinsam trefft, eine Rolle spielt?</emphasis></p><p>Volodi blickte zu dem arroganten Herrscher Valesias. Er hatte Drusna gedem�tigt und Iwar ermordet. Jetzt hatte er Gelegenheit, ein wenig Rache f�r Iwar und Drusna zu nehmen. �Ich, �hm��� Er hatte keine Schwierigkeiten, vor einem ganzen Heer von Halsabscheidern zu sprechen und ihnen mit lauter Stimme Befehle f�r die Schlacht zuzurufen. Aber das hier war anders. Vor den Unsterblichen und den G�ttern zu sprechen�� Er w�nschte sich, er h�tte einen Schluck Wein, um seine Kehle anzufeuchten. Wie sie ihn alle ansahen�� <emphasis>Verdammt!</emphasis> Er musste das hinter sich bringen.</p><p>�Also ich stimme im Namen Drusnas mit dem Unsterblichen Aaron, denn seine Gr�nde sind von Gewicht.� Er hatte zwar nicht zugeh�rt, was Aaron vorgeschlagen hatte, aber wie es schien, spielten gute Argumente und Vernunft ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, wenn �ber das Schicksal der Welt entschieden wurde. Und wenn er ganz ehrlich war, dachte auch er gerade mehr an Quetzalli als an die Zukunft Daias. Wie sie es wohl aufnehmen w�rde? Er grinste. Jedenfalls w�rde sie nie wieder in einem drusnischen Winter frieren. Nicht im Palast eines Unsterblichen!</p></section><section><title><p>Der Abschied einer Prinzessin</p></title><p>Die Mutter der M�tter hatte ihr einen Baldriantrunk angeboten, damit sie in ihrer letzten Nacht besser in den Schlaf fand.</p><p>Kara war zu nett, um dieses Kloster f�hren zu k�nnen. Shaya machte sich Sorgen um das weitere Schicksal der jungen Priesterin. Die alte Tabitha war ganz sicher besser geeignet gewesen, um die Hinrichtung von Prinzessinnen zu vollstrecken. Hoffentlich beschritt der Unsterbliche Labarna neue Wege. Sie hatte bei ihrem Gespr�ch das Gef�hl gehabt, dass das Ritual der Himmlischen Hochzeit auch ihm nicht gefiel. Doch vom Hof ihres Vaters wusste sie, dass es zum Fundament von Herrschaft geh�rte, an alten Traditionen festzuhalten.</p><p>Shaya l�chelte �ber sich selbst. Da sa� sie nun auf ihrem Bett, gefesselt mit einer schweren goldenen Kette, deren Manschette ihr den Winter �ber das Fu�gelenk blutig gescheuert hatte, und machte sich Sorgen um das weitere Schicksal ihrer Kerkermeisterin.</p><p>Ein scharrendes Ger�usch lie� sie aufblicken. Von au�en wurde der Fensterladen ge�ffnet, und eine schlanke Gestalt schl�pfte leise in ihr Zimmer. Nur die kleine Flamme einer �llampe erhellte den Raum. Aber ihre Augen waren an das schwache Licht gew�hnt. Ganz deutlich sah sie den n�chtlichen Besucher. Es war ein junger Mann mit schulterlangem, blondem Haar. Er trug sein Schwert auf den R�cken geschnallt, so wie es die Piraten, die Aaron zu seiner Leibwache gemacht hatte, gerne taten.</p><p>Aaron�� Er hatte sie also nicht vergessen. Aber sie konnte nicht mit diesem Fremden gehen. Ihre Flucht w�rde Aaron vernichten. F�r sie beide gab es keine Hoffnung. Ihr Schicksal war es, morgen mit durchschnittener Kehle zu sterben und auf einem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Und doch tat es gut, diesen Krieger zu sehen. Sie hatte sich in Aaron geirrt, gegen jede Vernunft hatte er sie niemals aufgegeben. Nun w�re sie es, die vern�nftig sein m�sste.</p><p>�Prinzessin Shaya?�, fl�sterte der Eindringling. �Bitte erschreckt nicht, ich bin ein Freund Aarons. Ihr seid nicht in Gefahr. Ich bin hier, um Euch zu retten.�</p><p>�Ich bin wach. Ich sehe dich, und mein Leben w�hrt zu kurz, um noch vor irgendetwas Angst zu haben. Ich freue mich, dass du gekommen bist, und doch werde ich nicht mit dir gehen. Sag Aaron, dass ich ihn liebe. Und weil es so ist, habe ich keine andere Wahl, als hierzubleiben.� Sie senkte den Kopf. Ihre letzten Worte hallten in ihr nach. Nein, das sollte nicht das Letzte sein, was Aaron von ihr h�rte. Sie reckte stolz das Kinn vor. �Vergiss das�� Sag ihm bitte nur, dass ich ihn liebe.�</p><p>Der Fremde sah sie eigenartig an, und obwohl er noch ein bartloser J�ngling war, wirkten seine Augen in diesem Moment so, als h�tten sie schon alle Schrecken und Wunder dieser Welt gesehen. �Ich verstehe jetzt, warum er Euch liebt. Und lasst nicht alle Hoffnung fahren. Ich werde Euch retten, Prinzessin, denn ich bin nicht, was ich zu sein scheine.�</p><p>Sie stellte den Docht der �llampe h�her und sah ihn forschend an. Gleichzeitig verweigerte sie sich jeder neuen Hoffnung. Niemand konnte sie retten. Eines war allerdings seltsam. �Woher wusstest du, dass ich schon morgen hingerichtet werde?�</p><p>�Ich wusste es nicht. Ich sch�tze, wir beide haben Gl�ck gehabt.� Er l�chelte, doch seine Augen wirkten traurig. �Es war uns eben einfach bestimmt, zur rechten Zeit zueinanderzufinden. Eigentlich w�re ich erst zur Kirschbl�te gekommen. Ich habe das Ende des Winters in einer H�tte drei Tagesm�rsche von hier verbracht. Als das Wetter besser wurde, dachte ich, es sei eine gute Idee, schon einmal den Weg hinauf zum Kloster zu erkunden. Als ich das verborgene Tal fand, sah ich, dass hinter den G�rten ein Scheiterhaufen errichtet wurde. Viele Wochen zu fr�h. Da wusste ich, dass es mein Schicksal war, zu Euch zu finden, Prinzessin Shaya.�</p><p>Wieder sp�rte sie diesen s��en Schmerz in der Brust wie in der Stunde, als Kara ihr offenbart hatte, dass sie fr�her sterben w�rde. Was war es? Verletzte Hoffnung? Verzweifelte Liebe? �Ich kann nicht mit dir gehen.� Jetzt fiel es ihr schon schwerer, standhaft zu bleiben, obwohl sie ganz genau wusste, welches Ungl�ck aus ihrer Flucht erwachsen w�rde.</p><p>�Seht Euch bitte das hier einmal an.� Er strich sein Haar zur�ck, sodass ein seltsam deformiertes Ohr zum Vorschein kam. Es war zu lang, zu schmal und lief spitz aus wie ein Tierohr. �Ich bin das, was ihr Menschenkinder einen Daimon nennt. Wir selbst bezeichnen uns als Elfen.�</p><p>Shaya atmete scharf ein. F�r dieses Ohr mochte es viele Erkl�rungen geben. Sie dachte an die Daimonen, gegen die sie einst in den W�ldern Nangogs gek�mpft hatte. Ein bisschen sah er ihnen schon �hnlich, ohne Bart und so schlank. Dann sch�ttelte sie entschieden den Kopf. Seine Behauptungen waren absurd! �Aaron w�rde niemals einen Daimon schicken, um mich zu retten.�</p><p>�Das stimmt, meine Dame. Ich habe ihm viele Jahre treu gedient, und doch hat er nie erfahren, wer ich wirklich bin. Ich war sein Hofmeister Datames.�</p><p>Das wurde ja immer verr�ckter! Sie glaubte ihm kein Wort. Diese Geschichte ergab keinerlei Sinn. Die Daimonen waren Feinde der Menschen, der Hofmeister Datames aber hatte Aaron gute Dienste geleistet.</p><p>�Ich sehe schon, ich muss �berzeugendere Argumente ins Feld f�hren, meine Dame. Bitte achtet auf meine Nase. Sie erschien mir immer schon ein wenig zu spitz und zu lang.� Er hob die H�nde vor sein Gesicht, murmelte etwas, das Shaya nicht verstand, und schien dabei seine Nase zu massieren. Als er die H�nde wieder senkte, glaubte sie ihm. Seine Nase war nun kleiner und gedrungener, fast wie ihre eigene Nase.</p><p>�Das ist��� Sie streckte die Hand vor und wagte dann doch nicht, ihn zu ber�hren.</p><p>�Das ist die L�sung aller Probleme, Prinzessin, denn heute wird sich die, die ihr seid, einfach in Luft aufl�sen. Prinzessin Shaya wird f�r immer aus dieser Welt verschwinden.�</p><p>�Du wirst mein Gesicht ver�ndern?� Misstrauisch sah sie den Daimon an. Hatte ihn vielleicht I�ta geschickt? War dies eine Falle? Aber welche Falle machte am Abend vor ihrem Tod noch einen Sinn?</p><p>�Ihr k�nnt mir vertrauen, Prinzessin.�</p><p>Seine Stimme klang so warm und freundlich, dass sie geneigt war zuzusagen. Doch geh�rte das nicht auch zu den R�nkespielen der Daimonen? Sie waren Meister der Intrige. Und sie gaben nichts, ohne einen dunklen Preis zu fordern. �Was verlangst du von mir, wenn du mein Gesicht ver�nderst und mich rettest? Muss ich dir daf�r meine Seele verpf�nden?�</p><p>Einige Herzschl�ge lang sah er sie fassungslos an. Dann begann er pl�tzlich, leise zu lachen. �Ja, ich kenne die Geschichten, die ihr Menschenkinder �ber uns erz�hlt. Sehe ich wirklich aus wie ein Abgesandter der M�chte der Finsternis?�</p><p>Shaya musterte ihn mit ausdrucksloser Miene. Nat�rlich sah er nicht so aus�� Aber war er nicht gerade deshalb verd�chtig? Daimonen waren die gro�en T�uscher. Sie waren nie das, was sie vorgaben zu sein. Er wirkte harmlos und freundlich. Nein�� Ihr Blick wanderte zu seinem Schwert. Ganz harmlos sah er nicht aus.</p><p>�Ihr m�sst Euch entscheiden, Prinzessin Shaya. Was habt Ihr zu verlieren? Bleibt Ihr, werdet Ihr sterben. Kommt Ihr mit mir, werdet Ihr ein neues Leben beginnen.� Er l�chelte erneut. �Und ich verspreche Euch noch einmal, ich werde nicht Eure Seele rauben.�</p><p>Sollte sie ihn ver�rgert haben, so lie� er es sich zumindest nicht anmerken. Seit fast einem Jahr hatten G�tter und Unsterbliche ihr Leben gelenkt. Sie war nicht mehr Herrin ihrer Entscheidungen gewesen, und jedes Mal, wenn sie sich gef�gt hatte, war sie ein St�ck tiefer ins Ungl�ck gesto�en worden. Vielleicht war sie ja ein ganzes Leben lang angelogen worden? Vielleicht waren die Devanthar das Dunkel und die Daimonen das Licht. Und was hatte sie noch zu verlieren? Sie w�rde morgen sterben��</p><p>Z�gerlich nickte sie. �Ich danke dir f�r dein Angebot. Ich werde mit dir gehen. Bitte ver�ndere mein Gesicht.� Sie sah ihm seine Erleichterung an. Da war keine Verschlagenheit in seinem Antlitz. Er wollte ihr wirklich helfen.</p><p>�Ihr habt die richtige Wahl getroffen, Herrin. Lasst uns beginnen. Ihr solltet auch eine andere Haarfarbe w�hlen. Das allein wird Eure Erscheinung schon erheblich ver�ndern. Lasst uns beginnen! Sagt mir, wie wollt Ihr aussehen?�</p><p>�Eine gr��ere Nase w�re sch�n�, entgegnete sie noch ein wenig z�gerlich, doch ihr Herz hatte wie wild zu schlagen begonnen. Sie hatte mit ihrem Leben abgeschlossen gehabt, und jetzt w�rde sie doch noch dem Tod entfliehen! �Gr��ere, rundere Augen wie die Frauen im Westen h�tte ich auch gerne�, sagte sie kokett �Und meine Wangenknochen���</p><p>�Ich muss Euch warnen, Prinzessin, diese Ver�nderungen bereiten Schmerzen. Wir sollten mit Bedacht vorgehen. Zu viel Ver�nderung ist weder notwendig noch gut.�</p><p>�Warum?�, fragte sie entt�uscht und dachte, dass sie gerne auch ein wenig gr��er w�re. Nicht viel. Nur ein oder zwei Zoll. Ihre Beine waren zu kurz und krumm, weil sie zu viel im Sattel gesessen hatte.</p><p>�Euch umgibt eine Aura, die magische Gesch�pfe, wie etwa die Devanthar, sehen k�nnen. Jeder Zauber, den ich wirke, hinterl�sst eine Spur. Jedenfalls f�r eine Zeit, bis Euer ver�ndertes Aussehen Euch zur neuen Natur geworden ist. In zwei oder drei Monden verm�gen nicht einmal Eure G�tter noch zu erkennen, wer Ihr einmal wart.�</p><p>Shaya z�gerte, dann entschied sie sich, auf ihn zu h�ren. Er wusste es mit Sicherheit besser als sie. Ihre Haarfarbe zu ver�ndern verursachte nur ein leichtes Prickeln in ihrer Kopfhaut. Ganz anders war es mit der Nase. Es f�hlte sich an, als w�rde sie gebrochen. Sie k�mpfte gegen den Schmerz an, konnte aber nicht verhindern, dass ihr Tr�nen in die Augen traten. Als auch noch ihre Augen ver�ndert waren, verzichtete sie freiwillig auf weitere Zauber. Sie w�nschte, es g�be einen Spiegel. Zu gerne h�tte sie ihr neues Gesicht gesehen.</p><p>�Ihr seid immer noch sehr h�bsch�, sagte der Daimon, als k�nne er in ihren Gedanken lesen. Er war sehr einf�hlsam und zuvorkommend. Einem Mann wie ihm war sie noch nie begegnet. Er hatte fast schon etwas Weibisches. Jetzt kniete er auch noch vor ihr nieder!</p><p>Wieder murmelte er vor sich hin, und ihre Fu�fessel sprang auf. Vorsichtig verband er die Sch�rfwunden an ihrem Kn�chel, dann blickte er l�chelnd auf. �Jetzt m�sst Ihr nur noch andere Kleider anlegen, Prinzessin, und Ihr k�nnt diesem Gef�ngnis entfliehen.�</p><p>�Und was ist mit dir?�</p><p>�Ich warte hier auf Eure M�rder, Prinzessin. Und wenn sie kommen, Euch zu holen, dann werde ich mit ihnen einen Tanz veranstalten, den sie so schnell nicht vergessen werden. Bluttaten und Zauberwerk werden sie �berzeugen, dass ein leibhaftiger Daimon hier war, Euch verschlungen hat und danach noch Appetit auf weiteres Menschenfleisch hatte.�</p><p>�Du erz�hlst ihnen, du h�ttest mich verschlungen?�</p><p>�Nicht so freundlich, wie ich es Euch gerade gesagt habe, Prinzessin. Glaubt mir, ich kann sehr �berzeugend sein. Und wir brauchen eine Erkl�rung, was aus Euch geworden ist. Sucht Euch einen sicheren Unterschlupf irgendwo hoch in den Felsen und seht zu, wie ich mich vom Kloster verabschiede.� Seine Stimme war leise geworden. Melancholisch. �Wir treffen uns dann bei meinem Versteck in den Bergen.�</p><p>Er beschrieb ihr den Weg zu der Sch�ferh�tte, in der er die letzten Wochen gelebt hatte. Dort sollte sie Zuflucht suchen und auf ihn warten. Als Shaya die Kleider anzog, die er f�r sie mitgebracht hatte, wandte er sich h�flich ab. Zuletzt dr�ckte er ihr sein Schwert in die Hand. �Nehmt dies, Prinzessin. Ich wei�, Ihr k�nnt gut damit umgehen. Es ist eine sch�ne Bronzeklinge. Nichts Besonderes, aber zuverl�ssig. Sobald Ihr in belebtere Gegenden kommt, solltet Ihr sie gegen einen Dolch tauschen. Eine Frau mit einem Schwert erregt zu viel Aufsehen.�</p><p>�Aber wie wirst du ohne Waffe k�mpfen? Labarna hat einige M�nner seiner Leibwache geschickt, um meine Opferung zu �berwachen. Das sind erfahrene Krieger!�</p><p>�Und ich bin ein Daimon�, sagte er entschieden, und seine Augen wurden hart. �Glaubt Ihr wirklich, eine Handvoll Menschenkinder k�nnte mich aufhalten.�</p><p>In diesem Augenblick wirkte er ganz und gar nicht mehr weibisch, und sie war froh, dass er ihr nicht feindlich gesonnen war. Sie dachte an die Kristallh�hle in den W�ldern Nangogs, wo sie gegen die Daimonen gek�mpft hatte. Er hatte recht, er w�rde kein Schwert brauchen, um die M�nner Labarnas zu bezwingen.</p><p>�Ich werde auf einem anderen Weg aus dem Tal fliehen als Ihr, Prinzessin. Unsere Verfolger d�rfen uns nie zusammen sehen. Deshalb treffen wir uns erst bei der Sch�ferh�tte.� Er dr�ckte ihr die Hand. �Es war mir eine Ehre, Euch kennengelernt zu haben. Ihr seid wahrlich eine Prinzessin unter den Menschent�chtern.�</p><p>Obwohl er ihr geholfen hatte, war sie froh, seiner Gesellschaft zu entkommen. Er war ihr erneut unheimlich geworden, als sie f�r einen Herzschlag die H�rte hinter seiner weibisch h�flichen Art hatte aufblitzen sehen. Er hatte ihr geholfen, aber er blieb ein Daimon. Sie sollte ihm nicht zu sehr vertrauen. Sie verneigte sich knapp.</p><p>�Ich danke dir�, sagte sie kurz angebunden, dann stieg sie mit klopfendem Herzen aus dem Fenster hinaus in eine sternklare Nacht. Von Norden wehte ein eisiger Wind ins Tal. All ihre Sinne waren gesch�rft wie zuletzt bei ihrer Flucht, die sie abgebrochen hatte. Sie musste nicht mehr f�rchten, Aaron zu schaden. Die Prinzessin Shaya hatte aufgeh�rt zu existieren. Sie war in ein neues Leben geboren worden.</p></section><section><title><p>Der Verrat</p></title><p>Nandalee lauschte auf die Ger�usche der Nacht. Sie hatte fast keinen Schlaf gefunden. Es regnete. Leises Tr�pfeln auf Stein und Bl�tter und der Wind, der ab und an in den Felsen heulte, waren die einzigen Laute, die sie vernahm.</p><p>Gonvalon lag reglos an sie geschmiegt. Sein Atem ging ruhig. Konnte er schlafen? Nandalee verfluchte sich immer noch daf�r, dass sie in der Stadt nicht vorsichtiger gewesen waren. Sie hatten dorthin gemusst! Es war ihre Mission herauszufinden, wo sich Menschen und G�tter versammeln w�rden. Ein seltsamer Auftrag�� Sie w�rden Tage brauchen, um nach Albenmark zur�ckzukehren. Was nutzte dieses Wissen im Nachhinein? Vielleicht sollten zuk�nftige Versammlungen angegriffen werden.</p><p>War da ein Ger�usch? Sie hielt den Atem an. Nein, nichts. Nur Wind und Regen. Den Reitern, die sie anfangs verfolgt hatten, waren sie leicht entkommen. Doch in der Abendd�mmerung, als sie in die Berge oberhalb der Stadt zur�ckgekehrt waren, waren andere Kreaturen gekommen. Die Devanthar selbst hatten nach ihnen gesucht! Sie hatten in einer Felsspalte hinter dichtem Geb�sch Zuflucht gefunden. Ein Versteck, das im Dunkeln eigentlich unauffindbar war. Es sei denn, jemand besa� das Verborgene Auge. Nandalee war sich nur zu bewusst gewesen, wie verr�terisch ihre Aura war. Sie war magiebegabt. Ihre Aura unterschied sich grundlegend von der aller anderen Kreaturen in weitem Umkreis. Deshalb hatte Gonvalon ihr befohlen, so tief wie m�glich in die Spalte zu kriechen und sich dann sch�tzend vor sie gelegt, sodass seine Aura die ihre �berlagerte.</p><p>Jetzt war alles ruhig. Ein oder zwei Stunden noch, dann wurde es hell. Sicher w�rden die Devanthar sich dann ganz dem Schutz der Stadt widmen und nicht l�nger in den Bergen auf die Jagd gehen.</p><p>Sie sp�rte, wie Gonvalon sich regte. Er l�ste sich aus ihrer Umarmung, drehte sich zu ihr um und k�sste sie. Im schwachen Licht konnte sie ihn kaum erkennen. Sein Gesicht war eine Fl�che aus Schatten. Z�rtlich strich seine Rechte �ber ihren Nacken. �Was immer auch geschieht, ich liebe dich�, fl�sterte er und dr�ckte im selben Augenblick auf einen Punkt in ihrem Nacken. Ein hei�er Schmerz brannte bis in ihre Zehenspitzen. Was hatte er��? Sie wusste, was er getan hatte, auch wenn sie es nicht glauben wollte.</p><p>Ailyn, die Meisterin im waffenlosen Kampf, die sie an ihrem ersten Tag in der Wei�en Halle so unbarmherzig mit einem Holzschwert verpr�gelt hatte, lehrte dieses Geheimnis. Aber nicht an Sch�ler. Nur wenige, auserw�hlte Meister wussten um die Nervenpunkte, bei denen ein leichter Druck gen�gte, um unertr�glichen Schmerz oder L�hmung zu verursachen.</p><p>�Es tut mir leid, Nandalee. Ich wei�, dass du dies als Verrat empfinden musst. Aber bald schon wirst du wissen, dass diese Tat aus Liebe geboren wurde. Dieses Tagwerk heute muss ich allein verrichten. Ich habe Sorge, dass die Himmelsschlangen uns verraten haben. Nach allem, was ich mit dem Goldenen erlebt habe, vertraue ich ihnen nicht mehr. Wenn ich irre, bin ich vor Sonnenuntergang wieder zur�ck und stelle mich deinem Zorn. Und wenn nicht��� Er stockte. Rang um Worte. �Und wenn ich nicht zur�ckkomme, dann war es besser so.�</p><p>Sie sp�rte seine Verzweiflung. Sie war nicht w�tend. Sie wollte ihn zur�ckhalten, denn er w�rde eine Dummheit begehen!</p><p>�Hab keine Sorge um mich. Durch die Tat Matha Nahts bin ich kein magisches Gesch�pf mehr. Dieses eine Mal wird es mein Vorteil sein. Die Devanthar k�nnen mich im Gegensatz zu dir nicht erkennen, wenn sie ihr Verborgenes Auge �ffnen.� Er klang ganz so, als wolle er sich mit diesen Worten selbst Mut machen.</p><p>Gonvalon kroch aus ihrem Versteck, suchte am Berghang einige kopfgro�e Bruchsteine und schichtete sie vor Nandalee auf, um ihre Deckung hinter dem Busch zu verbessern. Noch einmal kam er zu ihr zur�ck und k�sste sie. Dann ging er im letzten Sternenlicht davon.</p></section><section><title><p>Shayas Tod</p></title><p>Irgendetwas musste schiefgegangen sein. Seit Stunden lag Shaya nun schon versteckt zwischen den Felsen und beobachtete das Tal. Es war �berdeutlich, dass dies kein Tag wie jeder andere im Haus des Himmels war. Alle Priesterinnen hatte ihre orangegelbe Festtracht angelegt. Eine Farbe, die aussah, als wollten sie mit Gewalt den noch fernen Sommer heraufbeschw�ren.</p><p>Shaya blickte zu dem Scheiterhaufen, der nahe einem Altar aus schlichtem, grauem Stein errichtet worden war. Den Morgen �ber hatten die Priesterinnen die B�ume und B�sche im Garten mit bunten Seidenb�ndern geschm�ckt. Dreimal waren sie in langer Reihe betend rund um das Kloster gezogen und hatten dabei lange R�ucherst�be abgebrannt, um die Geister des Winters zu vertreiben. Pl�tzlich ert�nte ein so lauter Gongschlag, dass er selbst hoch in den Felsen noch deutlich zu h�ren war. Shaya wusste von Kara, dass er den Beginn der Zeremonie einleitete. Wie konnten sie anfangen? Sie h�tten doch l�ngst den Daimon in ihrem Zimmer entdecken m�ssen! Was war da vorgefallen? Diese Zeremonie konnte nicht stattfinden!</p><p>Unter dem Tor des Tempels erschien eine Prozession, angef�hrt von Kara, der Mutter der M�tter. Ihr folgten die Krieger Labarnas in Bronzer�stungen, auf denen sich hell die Sonne spiegelte. Leuchtend rote Federn wippten von ihren Helmen. Sie waren mit Speeren bewaffnet und trugen gro�e Schilde aus Kuhhaut. Zwischen ihnen, ein wenig verloren wirkend und einen Kopf kleiner als ihre W�chter, ging eine wei� gewandete Frau. Shaya stockte der Atem. Dort unten ging sie! Der Daimon hatte ihre Gestalt angenommen!</p><p>Er hatte sie belogen! Von Anfang an musste es sein Plan gewesen sein, an ihrer Stelle zum Opferplatz zu gehen. �Prinzessin Shaya wird f�r immer aus dieser Welt verschwinden�, hatte er ihr gesagt. Es war die Wahrheit gewesen, auch wenn sie die Bedeutung dieser Worte anders aufgefasst hatte.</p><p>Sie w�rde nicht unsichtbar werden, und er hatte nie vorgehabt, das M�rchen von einem prinzessinnenverschlingenden Daimon zu erz�hlen. Ihr Verschwinden aus der Welt w�rde vor �ber hundert Zeugen stattfinden. Sie schluckte, k�mpfte mit den Tr�nen. Es war zu sp�t, um noch etwas zu verhindern. Selbst wenn sie sich aus dem Versteck erhob und den mit Felsbrocken �bers�ten Hang hinablief, w�rde sie den Opferplatz nicht mehr rechtzeitig erreichen.</p><p>Der Daimon war gekommen, um ihr sein Leben zu schenken! Wenn Shaya vor so vielen Zeugen starb, w�rde es nie mehr irgendwelche Fragen geben. Er hatte alles geplant. Niemand hatte den Daimon kommen sehen. Niemand hatte gesehen, wie sie aus dem Fenster gestiegen war. Alle w�rden sie dieselbe Geschichte erz�hlen: dass die Kriegerprinzessin mit stolzerhobenem Haupt, ohne ein Zeichen von Angst zum Opferstein gegangen war.</p><p>Kara ging zu der falschen Shaya, nahm sie in die Arme und verabschiedete sich von ihr. Dann legte sich der Daimon auf den Opferstein. Labarnas Krieger kamen und hielten ihn an Armen und Beinen fest, obwohl er kein Anzeichen von Widerstand zeigte.</p><p>Kara wurde feierlich das Opfermesser �berreicht. Sie trat neben den Altar. Dreimal hob sie die goldene Klinge und dreimal lie� sie sie wieder sinken. Sie konnte es nicht �ber sich bringen. Ein Mann mittleren Alters, leicht untersetzt, im Festgewand eines I�ta-Priesters, l�ste sich aus der Gruppe der G�ste, die wohl mit Labarnas Kriegern gekommen waren. Er nahm der Mutter der M�tter das Messer ab, streckte die Klinge dem Himmel entgegen und sprach offensichtlich ein paar feierliche Worte. Dann fuhr das Messer hinab. Mit einem Schnitt durchtrennte es die Kehle der Prinzessin. Blut spritzte auf und durchtr�nkte das wei�e Kleid.</p><p>Shaya rannen hei�e Tr�nen �ber die Wangen. Unf�hig den Blick abzuwenden sah sie zu, wie sie starb. Schluchzen sch�ttelte sie.</p><p>Das Blut perlte durch eine Rinne und troff in einen goldenen Kessel, der am unteren Ende des Altars stand. Noch immer hielten die Krieger den Elfen fest. Nie wieder w�rde sie das Wort Daimon benutzen, schwor sich Shaya. Daimonen waren Ungeheuer der Nacht. Seelenlose Gesch�pfe, allein f�hig, B�ses zu tun. Doch dort unten hatte eine Lichtgestalt ihr Leben f�r sie gegeben, allein f�r die Hoffnung, dass die Welt ein besserer Ort sein w�rde, wenn sie noch nicht starb.</p><p>�Danke, Datames�, fl�sterte sie und wurde sich bewusst, dass sie nicht einmal seinen richtigen Namen gekannt hatte. �Du hattest eine gro�e Seele.�</p><p>Ein wei�es Seidentuch wurde �ber das Gesicht des Toten gelegt. Die Priesterinnen hoben den Leichnam vom Altar und trugen ihn zum Scheiterhaufen.</p><p>Der I�ta-Priester trat mit einer brennenden Fackel neben den Scheiterhaufen. Kara kam, redete auf ihn ein und nahm ihm schlie�lich, sichtlich gegen seinen Willen, die Fackel ab. Eine junge Priesterin kam vom Tempel herbeigelaufen. Auf den Armen trug sie ein Brett, das mit Leint�chern abgedeckt war. Shaya erkannte es sofort. Es musste sich um die Tontafeln handeln, auf denen Kara gestern niedergeschrieben hatte, was sie ihr �ber die Heilkr�fte der Allwurzel erz�hlt hatte.</p><p>Vorsichtig bettete die Mutter der M�tter die Tafeln auf die Brust des Leichnams. Sie w�rden im Totenfeuer gebrannt werden. Wieder ert�nte der laute Gong. Kara hielt die Fackel an das �lgetr�nkte Holz, und bald schon h�llten Flammen den Leichnam ein. Der Wind lie� das Feuer tanzen und riss gl�hende Funken hoch in die Luft hinauf.</p><p>Shaya hatte aufgeh�rt zu weinen. Frieden war �ber sie gekommen und das Gef�hl einer nie gekannten Freiheit. Sie schuldete niemandem in dieser Welt mehr etwas, konnte zum ersten Mal in ihrem Leben tun, was sie wollte.</p><p>Die Gruppe der Opferzeugen begann sich aufzul�sen. Als Erster ging der I�ta-Priester. Nur Kara blieb bis weit in den Nachmittag. Zuletzt holte sie die Tontafeln mit zwei St�cken aus der Glut und legte sie zum Ausk�hlen auf den Altar. Shaya wartete bis zur Abendd�mmerung und sah zu, bis schlie�lich auch die letzte Glut des Scheiterhaufens verloschen war. Dann verlie� sie ihr Versteck und schritt �ber den Bergkamm hinweg in ihr neues Leben.</p></section><section><title><p>Der letzte Krieg</p></title><p>Langsam breitete sich in der Menschenmenge vor der Halle der Unsterblichen Unruhe aus. Das Wispern von Tausenden Stimmen wurde immer lauter. Manche von ihnen hatten schon Stunden auf dem Platz ausgeharrt, so wie Gonvalon. Immer wieder gab es kurze Regenschauer. Die Sonne hatte sich an diesem Tag noch gar nicht gezeigt.</p><p>Heute hatte der Elf sich nicht in die Stadt schleichen m�ssen. Er trug eine wei�e Tunika, dazu rote Sandalen, und hatte den Umhang, den ihm der Dunkle gegeben hatte, um die Schultern geschlungen. Sein Haar machte ihm Sorgen. Er hatte es am Morgen schwarz gef�rbt. Der Regen w�rde bald das F�rbemittel aussp�len und die Schultern der Tunika und den Umhang damit durchtr�nken. Irgendwann w�rde sich in der kalten N�sse auch der falsche Bart l�sen, der an seinen Wangen haftete. Niemand, der ihn gestern gesehen hatte, w�rde ihn heute noch wiedererkennen. Aber wenn der Regen sein zerst�rerisches Werk noch l�nger fortsetzte, w�rde bald offenbar werden, dass etwas mit ihm nicht stimmte.</p><p>�Bald wirst du die G�tter sehen�, versuchte eine junge Mutter neben ihm ihre quengelnde Tochter zu beruhigen. Das blondhaarige M�dchen war h�chsten sieben und jammerte, dass es nicht mehr stehen k�nne.</p><p>�Nur wenige Menschen sehen jemals einen leibhaftigen Gott. Das bringt Gl�ck! Ein guter Stern wird �ber deinem Leben stehen und dir ein zufriedenes Leben bescheren.�</p><p>Gonvalon blickte zum Himmel. Dichte, bleigraue Wolken zogen �ber das Tal. Die Sonne war nicht zu sehen. Es war schon jetzt so dunkel wie zur D�mmerung. Der Elf stellte sich vor, wie ungeduldig die Himmelsschlangen nun auf sein Zeichen warteten.</p><p>Pl�tzlich erschien eine Gruppe von Kriegern zwischen den S�ulen der Festhalle. Sie setzten silberne Fanfaren an die Lippen und schmetterten einen Gru�, der jedes Gespr�ch auf dem weiten Platz verstummen lie�.</p><p>Ansur trat zwischen den Kriegern hervor und stieg einige der Stufen des Prachtbaus hinab.</p><p>Gonvalon dr�ngte sich nach vorne. Er wollte keines der Worte des Menschensohns �berh�ren. Der Elf ignorierte die Ellbogenst��e und Fl�che der M�nner und Frauen, an denen er sich vor�berschob. Schlie�lich war er keine f�nf Schritt mehr von Ansur entfernt, als dieser die Arme ausweitete und zu sprechen begann. �B�rger von Valesia!� Die Stimme des Menschensohns war kraftvoll. Schon den ersten Worten merkte Gonvalon an, dass der Herrscher ein ge�bter Redner mit wohlausgebildeter Stimme war.</p><p>�G�tter sind unter Euch!� Ansur machte eine Pause und genoss sichtlich das Raunen in der Menschenmenge.</p><p>�Schon in der Nacht haben sich die Unsterblichen und die Himmlischen in der Halle, auf die ihr blickt, versammelt. Wie ihr wisst, waren es die Daimonen Albenmarks, die all das Ungl�ck �ber Nangog brachten und auch uns einen Hungerwinter bescherten.� Er blickte auf die Menge hinab. �Ich sehe eure ausgezehrten Gesichter, ich sehe eure hohl�ugigen Kinder. Ich wei�, wie sehr ihr gelitten habt.�</p><p>Etwas war anders als gestern, dachte Gonvalon. Freilich hatte er Ansur gestern nicht sprechen h�ren, aber diese warme, freundliche Stimme wollte so gar nicht zu den hasserf�llten Blicken vom Vortag passen. Auch schienen ihm die Gesichtsz�ge leicht ver�ndert. Doch da war das auff�llige Muttermal �ber der Oberlippe.</p><p>�Wir werden einen Krieg gegen die Daimonen f�hren!�, rief er. �Wir werden sie aus Nangog vertreiben! Und dann werden wir mit dem Schwert in der Hand in ihre Welt treten.� Seine Stimme �berschlug sich jetzt. Immer leidenschaftlicher wurden die Gesten, die seine Worte begleiteten. �Wir werden auch sie sp�ren lassen, was es hei�t zu darben. Auch sie sollen wissen, wie es ist, ein Kind in den Schlaf zu wiegen, dem der Bauch vor Hunger schmerzt. Und wenn wir sie zur letzten Schlacht stellen, dann werden wir keine Gnade kennen. Sie waren es, die den Krieg begonnen haben. Wir sind Kinder des Friedens. Aber sie haben unseren Zorn erweckt, und wenn wir etwas beginnen, dann bringen wir es auch zu Ende. Wir werden es sein, die diesen Krieg beenden. Und enden wird er erst, wenn wir auf dem letzten Schlachtfeld �ber den letzten Leichnam des letzten Daimons hinweggeschritten sind.�</p><p>Lautes Jubelgeschrei erhob sich. Die Menge dr�ngte nach vorn, und nur mit M�he konnten die Wachen am Fu� der Treppe die begeisterten Valesier zur�ckhalten. Ansur stieg noch ein paar Stufen weiter hinab. Er winkte seinen Untertanen zu. Gonvalon konnte ihn jetzt ganz deutlich sehen. Das Muttermal�� Er musste n�her an ihn heran! Er dr�ngte sich in der Menge weiter nach vorne. �Heil dir, Ansur Daimonenschl�chter�, rief er aus Leibeskr�ften und winkte, damit der Herrscher auf ihn aufmerksam wurde. �R�che unsere toten Kinder!�</p><p>Ansur blickte auf ihn herab. Und in diesem Augenblick sah Gonvalon es ganz deutlich. Das Muttermal w�lbte sich nicht. Es war nur aufgemalt. Ein Schausteller war gekommen, um f�r das Volk den Herrscher zu spielen!</p><p>Ansur wandte sich um, stieg ein St�ck die breite Marmortreppe hinan und winkte den Fanfarenbl�sern. Schneidig hoben sie ihre Instrumente an die Lippen und lie�en ein weiteres Mal einen Tusch erklingen.</p><p>Das L�rmen auf dem Platz verstummte. �Es ist der Letzte aller Kriege, �ber den G�tter und Herrscher beraten, und noch sind wir uns nicht einig, wie wir die Daimonen bezwingen werden. Die Beratungen werden noch bis zur Abendstunde andauern. Dann aber werden die Unsterblichen und die G�tter Hand in Hand auf diesen Stufen hier stehen und ihr, meine Valesier, ihr werdet die ersten Zeugen dieses neuen B�ndnisses sein. Geduldet euch noch einige Stunden. Dies ist ein Tag, von dem noch in hundert mal hundert Jahren gesprochen werden wird. Und ihr werdet irgendwann euren Enkelkindern voller Stolz erz�hlen: Ich war dabei, als der Kriegsrat der G�tter und Unsterblichen entschieden hat, wie die Feinde der Menschheit ausgel�scht werden sollen!�</p><p>Lauter Jubel brandete auf, als der falsche Ansur sich nach diesen Worten abwandte, die Treppe hinaufstieg und zwischen den S�ulen verschwand.</p><p>Auch Gonvalon zog sich zur�ck. Die Worte hatten ihn aufgew�hlt. Selbst wenn es nicht Ansur war, der dort oben gestanden hatte, zweifelte er nicht daran, dass der Redner ausgesprochen hatte, was der Unsterbliche dachte. Dieser Krieg durfte nicht beginnen!</p><p>Als der Dunkle ihm vom Plan der Himmelsschlangen berichtet hatte, die Devanthar und Unsterblichen alle in einem Augenblick zu vernichten, hatte er das f�r gut befunden. Es schien das einzig Richtige zu sein. Doch heute w�rde dies nicht gelingen. Gonvalon war sich sicher, dass die G�tter und Herrscher nicht in dieser Halle �ber den Krieg beratschlagten. Sie hatten sich an einen anderen, geheimen Ort zur�ckgezogen. Er musste den Himmelsschlangen das Zeichen geben, nicht anzugreifen!</p><p>Er sah sich um und ging dann nach Norden. Die Masse der Menschen dr�ngte in die entgegengesetzte Richtung zu den Zelten, wo jeder kostenlos Speis und Trank erhielt.</p><p>Den Umhang auf einem der D�cher auszubreiten, wie es der Dunkle vorgeschlagen hatte, w�rde nicht gelingen. �berall standen Krieger. Es war unm�glich, unbemerkt von ihnen auf eins der D�cher zu gelangen. Aber er hatte am Morgen einen kleinen Platz nahe einer S�ulenhalle, ein St�ck den Hang hinauf, gesehen. Dort w�rde er das Zeichen geben, dass die Himmelsschlangen nicht angreifen sollten.</p><p>Der Dunkle w�rde entt�uscht sein. Er war sich so sicher gewesen, dass sie die Devanthar heute vernichten w�rden. Er hatte Gonvalon mehrfach eingesch�rft, dass als Signal f�r den Angriff das blaue Innenfutter des Umhangs nach oben zum Himmel weisen musste. Sollte es keinen Angriff geben, war der Mantel so hinzulegen, dass die rote Seite nach oben wies. Gonvalon hatte zweimal nachgefragt, ob er richtig verstanden hatte. Ihm war die Wahl der Farbe f�r den Angriff eigenartig vorgekommen. H�tte er seine Befehle vom Goldenen bekommen, dann h�tte es ganz gewiss gehei�en, dass die Farbe des Blutes das Zeichen sei, mit dem Werk der Vernichtung zu beginnen. Aber die beiden Nestbr�der waren so verschieden wie Tag und Nacht. Da war es wohl nur folgerichtig, dass der Dunkle ein anderes Verst�ndnis von Farben hatte.</p><p>Es hatte wieder angefangen zu regnen. Gonvalon beeilte sich. In zwei oder drei Stunden w�rde er wieder bei Nandalee sein. Das Wiedersehen w�rde keine Freude werden. So wie er sie kannte, w�rde es einige Tage dauern, bis sie ihm verzeihen w�rde, was er getan hatte. Und dann w�rde sie keine Ruhe geben, bis er sie lehrte, wo sie den Nervenpunkt fand, der Elfen zu l�hmen vermochte.</p><p>Er suchte in der S�ulenhalle am Marktplatz Unterschlupf. Einige H�ndler hatten im Trocknen ihre St�nde aufgeschlagen und verkauften Schmuck und auserlesene Stoffe. Gonvalon fragte sich, wie diese Stadt �berleben wollte. Bislang hatte er nirgends einen Bauern gesehen, der Obst und Gem�se anbot. So sch�n Selinunt auf den ersten Blick erschien, war die Stadt letztlich doch nichts als Stein gewordener Gr��enwahn.</p><p>Gonvalon nahm den durchn�ssten Umhang von den Schultern. Der Regen w�rde nicht nachlassen. Er sollte es besser hinter sich bringen, statt noch weiter zu warten. Eilig trat er auf den kleinen Platz hinaus und breitete mit einem Schwung seinen Umhang aus, sodass die rote Seite nach oben wies. Ihm war nicht ganz klar, wie die Himmelsschlangen sehen wollten, was er tat. Zweifelnd sah er erneut zum grauen Himmel hinauf, dann suchte er in der S�ulenhalle Schutz vor dem Regen.</p><p>�W�re es nicht einfacher, den Mantel zu einer W�scherin zu bringen�, fragte ihn ein Goldschmied, der verwundert seinem Treiben zugesehen hatte.</p><p>�Ich bin geizig�, erwiderte Gonvalon knapp. Er hatte keine Lust, in ein Gespr�ch verwickelt zu werden. Andererseits�� Er musterte die Waren, die der H�ndler auf einem dunkelblauen Tuch ausgebreitet hatte. Vielleicht k�nnte er Nandalee mit einem sch�nen Schmuckst�ck gn�dig stimmen. Er l�chelte. Endlich gestattete das Schicksal ihm eine gl�ckliche Liebe. Die Stadt w�rde nicht untergehen, und ihm war sein Leben geschenkt worden. Er w�rde zu Nandalee zur�ckkehren. Und er wollte ihr nicht mit leeren H�nden entgegentreten.</p><p>�Seht nur! Die G�tter schieben die Wolken vom Himmel!�, erklang eine Stimme in fr�mmlerischer Ergriffenheit. Trotz des Regens verlie�en etliche H�ndler den Schutz des S�ulengangs und blickten zum Himmel.</p><p>Nach kurzem Z�gern trat auch Gonvalon auf den kleinen Platz, um das seltsame Ph�nomen besser beobachten zu k�nnen. Eine L�cke, die an einen langen Tunnel erinnerte, hatte sich in den Wolken aufgetan, genau �ber ihnen. Es war ganz so, als st�nden sie im Auge eines Wirbelsturms, dachte Gonvalon. Blitze flackerten entlang der Innenwand des Tunnels, und ihre vielfach gegabelten Arme griffen von dort weit in die bleigrauen Wolken hinaus. Nie zuvor hatte der Elf ein solches Himmelsph�nomen beobachtet. Warmer Wind strich durch den Tunnel auf den kleinen Platz hinab. Er trug einen ihm vertrauten Wohlgeruch mit sich. Den Geruch von Drachen.</p><p>Das konnte nicht sein! Er hatte doch das Zeichen gegeben, <emphasis>nicht</emphasis> anzugreifen. Ganz am Ende des Tunnels erschien Licht, und einen Moment lang sah es aus, als blicke ein gro�es, wei�es Auge auf Selinunt hinab. Gonvalon wandte sich ab. Er lief, wie er noch nie in seinem Leben gelaufen war, um in der S�ulenhalle Deckung zu finden, als vom Himmel ein Licht stach, so hell, dass alles in seinem Schein verging.</p></section><section><title><p>Der Pakt der Unsterblichen</p></title><p>Regen trommelte auf das Dach des Beratungszeltes. Vom nahen Fluss zogen Nebelschwaden durch das Zeltlager. Alle hatte eine gedr�ckte Stimmung erfasst, und im Zelt wurde seit Stunden nur gestritten. Sie w�rden niemals zueinanderfinden, dachte Artax niedergeschlagen. Die Devanthar hatte er von seinen Ideen �berzeugen k�nnen, an den Unsterblichen w�rde er scheitern. Sein Traum, dass sie alle in einem Sinne handeln w�rden, war an diesem Morgen im Beratungszelt gestorben.</p><p>�Wie kommst du darauf, dass einer deiner Katzenkrieger so viel wert ist wie zehn meiner Reiter?� Madyas, der Unsterbliche von den weiten Grasebenen Ischkuzas, war rot vor Zorn.</p><p>�Deine Pferdeschinder k�nnen nicht k�mpfen�, entgegnete der Unsterbliche von Zapote herablassend. Auch er trug wie seine Jaguarkrieger einen Helm, und sein Gesicht blieb im Schatten hinter den Raubtierf�ngen verborgen. �Ich wei�, wie viele Pferdem�nner meine Krieger auf der Sandebene besiegt haben.�</p><p>�Du meinst auf der Hochebene von Kush?� Madyas lachte auf. �Da haben meine Reiter gar nicht gek�mpft, du Katzenhirn!�</p><p>�Es macht keinen Unterschied, ob sich Krieger von Pferden ziehen lassen oder auf ihnen sitzen�, bemerkte der Zapoter arrogant l�chelnd. �M�nner, die mit Pferden zusammen k�mpfen, sind nichts wert!�</p><p>�Das will ich sehen! Jetzt auf der Stelle. Sollen zehn meiner Reiter gegen eine deiner Katzen antreten. Wir werden���</p><p>Wei�es Licht trank die Farben aus der Welt. Artax riss sch�tzend den Arm vor seine Augen. �berall im Lager erhob sich Geschrei. Ein pl�tzlicher Sturmwind zerrte an den Zelten. Pferde wieherten. Zeltstangen splitterten.</p><p>Artax warf sich zu Boden, aus Angst, der Sturmwind k�nne ihn mit sich fortzerren. Blinzelnd �ffnete er die Augen. Sie schmerzten, und er sah nur undeutlich. Ein Schatten zog �ber ihn hinweg. Etwas peitschte in sein Gesicht. Das Zelt! Der Wind hatte es fortgerissen.</p><p>Von der Passstra�e erhob sich ein Fauchen, als sei ein ganzes Heer von Schlangen vom Himmel gest�rzt. Madyas rief nach seinem Pferd.</p><p>Artax� Augen erholten sich vom grellen Lichtblitz. Er konnte wieder etwas deutlicher sehen. Alle Devanthar, die eben noch teils gelangweilt, teils am�siert oder aber ver�rgert dem Streit der Unsterblichen gelauscht hatten, waren verschwunden.</p><p>Fast alle Zelte des Heerlagers waren niedergerissen worden. Menschen wie Tiere hatten sich zu Boden gekauert, um dem w�tenden Zerren des Sturms widerstehen zu k�nnen. Noch immer war der Wind au�ergew�hnlich stark. Er wehte die Passstra�e nach Selinunt hinauf, und einen Moment lang hatte Artax die absurde Vorstellung, dass in der Wei�en Stadt ein riesiges Tier kauerte und der Wind sein Atem war.</p><p>Die Unterseiten der dunklen Wolken hinter den Bergen waren in zuckendes, rotes Licht getaucht.</p><p>�Selinunt brennt!�, rief Ansur au�er sich. �Meine Stadt steht in Flammen! Ich muss den Pass hinauf. Ich muss���</p><p>Wie aus dem Nichts erschien der adlerk�pfe Devanthar und packte den Herrscher. �Du wirst nicht dorthin gehen.� Er blickte in die Runde. �Keiner von Euch. Das Feuer der Himmelsschlangen ist �ber Selinunt gekommen. Keiner dort lebt mehr. Die Stadt hat aufgeh�rt zu sein. Und w�ren wir dort gewesen, wir w�ren mit ihr vergangen.� Er sah Artax mit seinen Vogelaugen an. �Ich danke dir f�r deine Zweifel, Unsterblicher Aaron. Du hast uns alle gerettet.�</p><p>�Aber wir m�ssen das Feuer l�schen�, begehrte Ansur auf. �M�ssen retten, was noch zu retten ist, damit wir die Stadt wieder neu���</p><p>�Es gibt nichts mehr zu retten!� Der Devanthar schrie die Worte in verzweifeltem Zorn. �Selbst die Steine sind geschmolzen. Und in dem Feuer ist ein Gift, das ich nicht zu benennen vermag. In diesem Tal wird nie wieder eine Stadt stehen, und Jahrhunderte m�gen vergehen, bis das Gift verflogen ist.�</p><p>Einer nach dem anderen erschienen auch die �brigen Devanthar wieder auf dem h�lzernen Boden, der alles war, was vom Versammlungszelt geblieben war. In ihren Gesichtern spiegelten sich Schrecken und Zorn, soweit sie menschlich genug waren, dass Artax Gef�hle darin lesen konnte.</p><p>Artax erhob sich. Der Anblick des brennenden Horizonts machte ihn sprachlos. Erst vor einem halben Jahr war die Goldene Stadt zerst�rt worden. Nun Selinunt��</p><p>�Diese Heimsuchung h�tte jede unserer St�dte treffen k�nnen�, sagte der h�nenhafte Labarna, und Artax sah �berrascht, dass in den Augen des Herrschers von Luwien Tr�nen standen. �Wenn sie hierherkommen konnten, dann k�nnen sie �berallhin gelangen.�</p><p>�Wenn solche Flammen in die W�lder Drusnas fahren, dann werden sie auf Hunderte Meilen brennen�, stammelte Volodi.</p><p>�Wir k�nnen nicht mehr f�r uns alleine herrschen�, erhob Artax seine Stimme. �Es gibt keinen sicheren Ort mehr auf dieser Welt. Wenn wir nicht endlich unsere kleinlichen Streitereien aufgeben, dann werden wir untergehen.� Er legte feierlich die Hand auf seine Brust. �Jede Fehde wird ruhen, bis wir die Schlangen des Himmels vernichtet haben, das schw�re ich bei meinem Herzen.�</p><p>Einer nach dem anderen wiederholten die Unsterblichen diesen Eid. Dann wurde es still.</p><p>Selinunt hatte brennen m�ssen, damit sie zueinanderfinden konnten, dachte Artax aufgew�hlt. Hoffentlich war es die letzte Stadt, die von den Daimonen Albenmarks verw�stet wurde. Er dachte erneut an die Bilder, die er im Tunnel vor dem Kuppelsaal gesehen hatte. Die Schlacht im Himmel Nangogs. Und er wusste, dass sein Wunsch sich nicht erf�llen w�rde.</p></section><section><title><p>Die Zeit wird es zeigen</p></title><p>Die Stadt war nicht wiederzuerkennen.</p><p>Drei Tage hatte Nandalee gebraucht, um aus der Starre zu erwachen. Und je l�nger es dauerte, desto sicherer hatte sie gewusst, dass etwas Schreckliches geschehen sein musste. Schon am Nachmittag, nachdem Gonvalon gegangen war, hatte sich ein w�tender Sturmwind erhoben und einen Teil des Geb�schs vor ihrem Versteck fortgerissen. Zwei Tage lang hatte der Abglanz eines Feuers die Unterseiten der grauen Regenwolken rot ergl�hen lassen. Zur Bewegungslosigkeit verdammt, einfach nur in ihrem Versteck zu liegen, hatte sie fast wahnsinnig werden lassen. Wo war Gonvalon? Warum kam er nicht? Je �fter sie sich diese Frage stellte, desto mehr f�rchtete sie sich vor der Antwort.</p><p>Als sie sich endlich wieder hatte bewegen k�nnen, war sie, ohne ein einziges Mal innezuhalten, hinunter zur Stadt gelaufen.</p><p>Doch jetzt wusste sie nicht mehr weiter. Hilflos sah sie sich um, unf�hig, auch nur eines der Geb�ude wiederzuerkennen. Tote hatte sie nur au�erhalb der Stadt gefunden. Hier war nichts. Die Stra�e, der sie folgte, war zu schwarzem Glas geworden. Und trotz des Schutzzaubers, den sie gewoben hatte, sp�rte sie die Hitze durch ihre Stiefelsohlen. Ihre Haut prickelte, als liefen Ameisen dar�ber. Ihre Augen tr�nten.</p><p>Sie betrachtete die Reste einer wei�en S�ule, an der Perlen aus geschmolzenem Gestein hafteten. Wie eine riesige, gebogene Kerze sah sie aus.</p><p>�Gonvalon!�, rief sie aus Leibeskr�ften und wusste doch, dass sie keine Antwort bekommen w�rde. Sie hatte Selinunt durch ihr Verborgenes Auge betrachtet. Hier gab es kein Leben mehr.</p><p>Ein warmer Luftzug streifte ihren R�cken. Da war ein vertrauter Duft. Sie wandte sich um. Hinter ihr stand der Dunkle zwischen halb geschmolzenen Hausw�nden, deren Fenster wie verzerrte Augen auf sie blickten. Er hatte Elfengestalt angenommen.</p><p>�Das h�tte nicht geschehen sollen�, sagte er bedr�ckt. �Ich habe versucht, es zu verhindern�� Ich war mir so sicher, dass sie sich hier treffen w�rden. Ich habe Gonvalon angelogen, welche Seite des Mantels er uns zeigen sollte, weil ich wollte, dass dies nicht geschieht. So sicher war ich mir, dass sie hier w�ren���</p><p>Nandalee verstand kein Wort von dem, was er sagte. �Was war mit dem Mantel?�</p><p>�Meine Br�der waren im Rat �bereingekommen, dass mit diesem Mantel das Signal gegeben werden sollte, ob sie angreifen oder nicht. L�ge die rote Seite oben, sollte dies das Zeichen zum Angriff sein. Gonvalon aber habe ich belogen. Er h�rte von mir, blau sei das Angriffszeichen. Ich tat es, weil ich mir v�llig sicher war, dass die Unsterblichen und die Devanthar hier sein w�rden. Ich wollte nicht, dass die Stadt zerst�rt wird. Ich wollte einen anderen Weg suchen. Und ich wollte auch nicht, dass du��� Er sah sie durchdringend an.</p><p>Nandalee war dieser Blick unangenehm. �Was ist mit Gonvalon?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Er war hier, als das Feuer kam�, sagte er ohne Anteilnahme. Dann sah er sich suchend um und deutete schlie�lich zu einem S�ulengeviert am Hang. �Dort bei der Markthalle hat er den Umhang ausgelegt. Er kann nicht weit gekommen sein, Dame Nandalee. Beendet Eure Suche. Ihr werdet ihn nicht finden�</p><p>Doch Nandalee lief bereits �ber die Stra�e aus schwarzem Glas. Zweimal st�rzte sie, rappelte sich wieder auf, lie� nicht zu, dass der Dunkle sie ber�hrte. Sie betrat etwas, das einmal ein kleiner Platz gewesen sein musste, stieg �ber gest�rzte S�ulen hinweg, die mit dem Untergrund verschmolzen waren, und sah sich suchend um.</p><p>Der Dunkle blieb stets an ihrer Seite. �Hier kann es nichts geben. Es ist nicht einmal Asche geblieben. Ihr solltet nun mit mir gehen, Dame Nandalee. Dies ist ein gef�hrlicher Ort.�</p><p>Nandalee wollte das nicht h�ren. Sie wollte sich dem nicht stellen, was doch so offensichtlich wahr sein musste. Immer wieder sch�ttelte sie den Kopf, w�hrend ihr Blick rastlos �ber die Ruinen streifte. Es gab keine verkohlten Balken, keinen Staub, keine Asche. Nur geschmolzenes Gestein.</p><p>Er konnte doch nicht so gestorben sein. Einfach ausgel�scht. Gonvalon, der Schwertmeister des Goldenen, der beste Fechter Albenmarks. Verschwunden, ohne Spur��</p><p>Ihr Blick verharrte. Da war ein dunkler Fleck. Ein Schatten. Nur auf dieser einen S�ule. Alle anderen waren makellos wei�. Sie stieg �ber Stufen, die wie halb geschmolzenes Wachs ineinandergelaufen waren. Der Schatten hatte eine Form. Je l�nger sie ihn betrachtete, desto deutlicher erkannte sie einen schlanken Mann. Er war so gro�, wie Gonvalon es gewesen war. Sie streckte die Hand aus. Die S�ule war immer noch hei�. Das war kein Ru� auf ihr. Der Schatten war in den Stein eingebrannt! F�r alle Zeit!</p><p>�Wir werden nie wissen, ob er es ist�, klang die Stimme des Dunklen beschw�rend hinter ihr.</p><p>Nandalee presste die Hand fest auf die S�ule. Sie wusste es! Die Hitze verbrannte ihr die Hand, aber durch den Schmerz hindurch konnte sie ihn sp�ren. Er hatte vor der S�ule gestanden, als das Feuer gekommen war.</p><p>�Ihr d�rft nicht l�nger bleiben, Dame Nandalee. Hier ist ein Gift, �berall. Ihr sp�rt es nicht, aber es hat bereits begonnen, Euch zu schaden. Und nicht nur Euch. Ihr seid schwanger.�</p><p>Sie l�ste die Hand von der S�ule. Die Innenseite war voll blutiger Blasen. Doch sie sp�rte nichts. Der Schmerz, der in ihrem Herzen w�tete, l�schte jedes andere Gef�hl.</p><p>�Kommt!� Der Dunkle nahm sie beim Arm und f�hrte sie fort.</p><p>Nandalees Augen hatten sich mit Tr�nen gef�llt. Sie konnte nichts mehr sehen, hatte keine Kraft mehr. Es war gut, dass er gekommen war. Ohne ihn w�re sie vor der S�ule zusammengebrochen. Sie musste jetzt an das Kind denken.</p><p>Unf�hig sich zu bewegen hatte sie nach einer Weile in ihrem Versteck in der Felsspalte eine Ruhe �berkommen, die ihr sonst fremd war. Sie hatte in sich hineingehorcht. Hatte sich auf ganz neue Art gesp�rt. Sie hatte gef�hlt, wie ihr Herz schlug, wie ihr Blut durch die Adern rann. Und dann hatte sie um das neue Leben gewusst, das nun in ihr wuchs. Denn auch das hatte sie sp�ren k�nnen. Eine Bewegung tief in ihr.</p><p>Der Dunkle sprach ein Wort der Macht, und es war, als w�rde sie in einen Abgrund hinabgezogen. Der Boden unter ihren F��en war verschwunden. Sie st�rzte. Einen Herzschlag lang. Dann stand sie wieder fest auf den Beinen.</p><p>Trockene, warme Luft umfing sie. Nandalee blinzelte die Tr�nen fort. Sie waren im Jadegarten. Nachtatem hatte einen Drachenpfad ge�ffnet. Einen jener unsteten Wege, die mit Gewalt durch das Gef�ge des Raums gebrochen wurden und nur selten l�nger als einen Augenblick Bestand hatten.</p><p>Sie sah zu den Bergen, die den Jadegarten einfassten. In den letzten Monden hatte sie mit Gonvalon jeden Gipfel und jedes Tal erkundet. Sie war dort drau�en gl�cklich gewesen. Sie w�rde nicht hier unten im Garten bleiben. Wenn sie schon nicht mehr bei ihm sein konnte, dann wollte sie zumindest an jenen Orten sein, an denen sie gemeinsam gelacht hatten. Dort w�rde f�r immer etwas von ihm lebendig bleiben. Zumindest f�r sie.</p><p>Nachtatem legte seine Hand auf ihren Bauch.</p><p>Sie stie� ihn zur�ck. �Dazu hast du kein Recht!�, zischte sie ihn an. �Das ist Gonvalons Kind. Du wirst es nie ber�hren.�</p><p>�Ihr tragt zwei Kinder unter Eurem Herzen, Dame Nandalee�, sagte er kalt. Die Pupillen in seinen himmelblauen Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. �Es k�nnten auch meine Kinder sein.�</p><p>Sie wusste, dass er recht hatte. Und doch konnte sie den Gedanken nicht ertragen. Sie war nicht bei Sinnen gewesen, als sie einander geliebt hatten. Der Rauch und der Schmerz hatten sie berauscht, sie von sich selbst entr�ckt. Er hatte das ausgenutzt. Und was ihr einst der Rotr�cken in der Savanne prophezeit hatte, war wahr geworden�� sie hatte Gonvalon verraten.</p><p>�Wie k�nnte eine Elfe jemals das Kind einer Himmelsschlange empfangen�, fuhr sie ihn an. �Es sind Gonvalons Kinder. Anders kann es nicht sein.�</p><p>�Die Zeit wird es zeigen�, sagte er mit erzwungener Ruhe, und sie konnte sp�ren, dass es da noch etwas gab, das er ihr nicht verraten wollte.</p><p>Hatte er Gonvalon wissend in den Tod geschickt? Obwohl Nachtatem in Elfengestalt vor ihr stand, sah sie nur noch das Ungeheuer in ihm. Und zum ersten Mal konnte sie sich vorstellen, dass sie auch ihn verraten w�rde.</p></section><section><title><p>Epilog</p></title><subtitle>Drei Monde sp�ter, im Palast des Unsterblichen Aaron in Ak�u</subtitle><p>Aaron schob seinen Teller von sich. Er hatte kaum gegessen.</p><p>So konnte das nicht weitergehen, dachte Ashot aufgew�hlt. Aarons Gesicht war schon ganz schmal geworden, und jedes Mal, wenn er ihn genauer betrachtete, entdeckte er neue wei�e Haare im Bart des Unsterblichen.</p><p>�Soll ich Euch etwas anderes bringen lassen, Erhabener?�, fragte Mataan, und Ashot sah dem Fischerf�rsten an, dass er genauso besorgt war wie er.</p><p>�Nein, ich habe keinen Hunger mehr.�</p><p>Aaron war erst vor einer Stunde in den Palast zur�ckgekehrt. Er hatte sich irgendwo auf der Welt mit den anderen Unsterblichen getroffen. Seit dem Brand von Selinunt hielten sie geheim, wann und wo ihre Zusammenk�nfte waren. Nicht einmal er, der Hauptmann seiner Leibwache, wusste darum.</p><p>Aaron hatte ihm schon nach dem letzten Treffen der Herrscher anvertraut, dass sie wieder begonnen hatten, miteinander um bedeutungslose Kleinigkeiten zu streiten. Ashot wusste, wie verzweifelt sein Herrscher war. Er sah die Welt untergehen und dass er es, sosehr er sich auch dagegen stemmte, nicht verhindern konnte.</p><p>�Ihr m�sst entschuldigen, wenn das Essen Euch nicht mundet, Herr�, sagte Mataan zerknirscht. �Es hat einen�� einen Zwischenfall in der Palastk�che gegeben, w�hrend Ihr fort wart.�</p><p>�Einen Zwischenfall?� Aaron hob gereizt den Kopf. �Reicht es nicht, dass es Zwischenf�lle an der Grenze zwischen Drusna und Valesia gibt. Oder dieser kleine Zwischenfall im Beratungszelt der Unsterblichen, als Iwar vergiftet wurde. Jetzt gibt es auch noch Zwischenf�lle in meiner K�che. Was zum Henker ist geschehen?�</p><p>�Ich wollte Euch damit eigentlich jetzt nicht behelligen, Herr. Ihr solltet vielleicht besser ruhen���</p><p>�Das werde ich nicht! Es wird mir ein Vergn�gen sein, wenigstens einmal einen Zwischenfall bereinigen zu k�nnen. Wenigstens in meiner Palastk�che sollte mir das gelingen, nicht wahr? Also erz�hlt.�</p><p>Ashot sah Mataan beschw�rend an. Noch nie hatte er Aaron wegen einer Kleinigkeit so aufgebracht erlebt. Wenn er jetzt ein Urteil sprach, dann w�rde es kein Recht sein, sondern nur Blutvergie�en.</p><p>�Also!�, fuhr Aaron den Hofmeister an.</p><p>�Eurem Leibkoch Mahut wurde der Arm ausgekugelt. Es wird noch Tage dauern, bis er wieder arbeiten kann.�</p><p>�Ihm wurde in der K�che der Arm ausgekugelt? Wie geht das?�</p><p>�Es geschah, als er verhindern wollte, dass noch eine weitere Amphore auf dem Kopf Eures Vorkosters zertr�mmert wird.�</p><p>�Ich habe einen Vorkoster?�</p><p>�Mataan und ich dachten, das w�re vielleicht nicht ganz unklug nach dem Ende, das der Unsterbliche Iwar genommen hat�, mischte sich Ashot ein und erntete daf�r einen �rgerlichen Blick des Unsterblichen.</p><p>�Ich habe also einen Vorkoster, ohne dass ich davon wei�.� Aarons Finger trommelten auf der Lehne seines Stuhls. Das war kein gutes Zeichen, dachte Ashot.</p><p>��ber den Vorkoster reden wir sp�ter. Jetzt w�sste ich gerne, wer Amphoren auf seinem Kopf zertr�mmert hat.�</p><p>�Es war die junge Frau, die die Abf�lle aus der K�che tr�gt. Sie hat noch vier weitere K�chengehilfen niedergeschlagen, bevor sie von der Palastwache gefangen gesetzt wurde.�</p><p>Aarons Augen funkelten vor Wut, als er sich Ashot zuwandte. ��berall auf der Welt regiert die Unvernunft, und nun werden auch noch Kriege in meiner K�che ausgetragen. Du warst es, Ashot, der mich vor einer Weile gefragt hat, ob diese Kriege nicht endlich einmal aufh�ren k�nnten. Warum immer noch eine Schlacht zu schlagen ist. Und nun ist der Unfrieden auch in meinem Haus angekommen. Hat sich schon herumgesprochen, dass ich meine Palastwache aufbieten muss, um ein K�chenm�dchen zu b�ndigen?�</p><p>Ashot r�usperte sich verlegen. �Das wei� ich nicht, Erhabener.�</p><p>�Ich will sie sehen. Sie soll mir in die Augen blicken, wenn ich ihr Urteil verk�nde. Sie soll heute noch bestraft werden. Holt sie her!�</p><p>Ashot verlie� die Gem�cher des Unsterblichen und schickte eine Wache, das K�chenm�dchen zu holen. Es dauerte nicht lange, bis sie vorgef�hrt wurde. Sie hatte ein zugeschwollenes Auge und aufgeplatzte Lippen. Beim Gehen hinkte sie leicht, aber sie hielt sich gerade, und das eine Auge, das sie noch aufbekam, gen�gte ihr, um Ashot einen Blick wie einen Messer-stich zu schenken. Ihr Kleid war zerrissen. Sie hielt es mit der Hand �ber der linken Brust zusammen. Schamhaft wirkte sie nicht auf ihn.</p><p>�Du solltest dich vor dem Unsterblichen dem�tig zeigen, Weib. Er ist sehr ver�rgert �ber dich.�</p><p>Jetzt wirkte sie erschrocken. �Ich werde vor den Unsterblichen gef�hrt. Aber es war doch nur eine Kleinigkeit�� Nichts, worum sich der Unsterbliche���</p><p>�Er hat davon geh�rt, und er ist w�tend. Knie dem�tig vor ihm nieder, benimm dich, und alles wird ein gutes Ende nehmen.� Sie machte zwar nicht den Eindruck, als sei Demut ihre Sache, aber vielleicht steckte ja ein F�nkchen Verstand in ihrem Kopf. Vor der Schl�gerei hatte sie wohl recht h�bsch ausgesehen. Vielleicht etwas zu drahtig. Aber wenn sie genug zu essen bek�me�� �Gehen wir! Du musst vor dem Unsterblichen niederknien, wenn er mit dir spricht. So ist es Sitte bei Hof.�</p><p>Aaron wirkte immer noch ver�rgert, als sie gemeinsam dessen Gemach betraten.</p><p>Allzu selbstbewusst trat die junge Frau bis kurz vor den Herrscher, lie� sich dann umst�ndlich auf die Knie nieder und beugte sich so tief vor, dass ihre Stirn fast den Boden ber�hrte. Ashot betete darum, dass sie sich benehmen w�rde, und stellte sich neben Aarons Thron.</p><p>�Du also hast meinen Leibkoch auf dem Gewissen�, sagte der Unsterbliche unwirsch. �Wie hei�t du?�</p><p>�Kirum.�</p><p>�Und woher kommst du?�</p><p>�Nari.�</p><p>Aaron seufzte und sah ihn an. �Aus Nari kommt in letzter Zeit nichts als �rger, nicht wahr, Ashot?�</p><p>Kirum hob ihren Kopf, nickte und sagte, ohne gefragt zu sein. �Ja, ich habe davon geh�rt, dass Ihr unserem Satrapen Eleasar ein Messer in den Leib gerammt habt, nachdem er Euch verraten hatte.�</p><p>Ashot schloss die Augen und sandte ein Sto�gebet zum L�wenh�uptigen. So war das nicht gewesen. Dieses Weib redete sich um Kopf und Kragen.</p><p>�Ich h�tte das genauso gemacht�, fuhr sie fort, die finsteren Blicke Aarons ignorierend.</p><p>Pl�tzlich l�chelte Aaron. �Na, da haben Mahut und mein Vorkoster wohl Gl�ck gehabt, dass sie kein Messer abbekommen haben.�</p><p>�Es war gerade keines in Griffweite�, sagte sie so trocken, dass Ashot nicht einsch�tzen konnte, ob das ein Scherz sein sollte oder ob sie es ernst meinte.</p><p>Aaron lachte. Das hatte er seit Langem nicht mehr getan.</p><p>�Worum ging es in dem Streit?�</p><p>�Der verdammte Vorkoster hat mir zwischen die Schenkel gefasst. Als er das zum ersten Mal getan hat, habe ich ihm gesagt, ich w�rde ihm den Sch�del einschlagen, wenn er es noch mal versuchen w�rde.�</p><p>Mataan r�usperte sich. �Der Mann hat sieben Zeugen daf�r, dass diese Geschichte nicht stimmt.�</p><p>Wieder l�chelte Aaron. �Ich nehme an, diese Zeugen sind allesamt K�chenkrieger, die bei dem Streit etwas abbekommen haben.�</p><p>�Das k�nnte sein�, r�umte Mataan ein. �Ich werde dem nachgehen.�</p><p>Kirum hatte sich nun ganz aufgerichtet. Sie wagte es, dem Unsterblichen geradewegs ins Antlitz zu blicken und ihm ein verschw�rerisches L�cheln zu schenken, als seien sie beide Komplizen.</p><p>Eine steile Zornesfalte zeigte sich auf Aarons Stirn.</p><p>H�tte sie doch einen Augenblick noch ihren Kopf unten behalten, dachte Ashot verzweifelt. Jetzt war alles verdorben. Diener durften den Unsterblichen nicht in die Augen sehen. Normalerweise war Aaron das egal, aber bei der Stimmung, in der er heute war��</p><p>�Du���, setzte der Herrscher zornig an. Dann weiteten sich seine Augen. �Du hast eine sehr ungew�hnliche Narbe dort unter deinem Schl�sselbein.�</p><p>Ashot folgte dem Blick seines Herrschers. Kirum hatte vergessen, ihr zerrissenes Kleid weiter zusammenzuhalten. Deutlich sah man eine h�ssliche, rote Narbe unter ihrem Schl�sselbein, die ein wenig an eine stilisierte Sonne erinnerte.</p><p>�Wie bist du zu dieser Verletzung gekommen?� Aarons Blick hatte sich dramatisch ver�ndert. Aller Zorn war gewichen. Er schien zwischen Hoffnung und Bangen zu schwanken. Was ging in ihm vor sich?</p><p>�Man k�nnte sagen, es war ein besonders gro�er Dorn, der mich dort verletzt hat, Unsterblicher.�</p><p>Ashot zuckte innerlich zusammen. Was war das denn f�r eine kl�gliche L�gengeschichte?</p><p>Erstaunlicherweise war Aaron nicht ver�rgert. Er erhob sich von seinem Thron, trat zu ihr, legte ihr die Hand auf die Stirn und tastete mit den Fingerspitzen nach ihrem Haaransatz.</p><p>Ashot sah zu Mataan hin�ber. Der Hofmeister war ebenso verwundert wie er.</p><p>�Als du dich hier verletzt hast, musst du wohl wie ein angestochenes Schwein geblutet haben�, sagte er mit weicher Stimme.</p><p>�Das w�ren auch meine Worte�, best�tigte sie mit einem L�cheln.</p><p>Ashot traute seinen Augen kaum. Es war unglaublich, wie sehr sich Aaron in wenigen Augenblicken ver�ndert hatte. Pl�tzlich schien alle Bitternis von ihm gefallen zu sein. In seinem Blick lag ein Strahlen, wie er es noch nie zuvor gesehen hatte. Und dieses K�chenm�dchen sah den Unsterblichen auf eine Art an, als seien sie schon lange miteinander vertraut. Das war von fast selbstm�rderischer Tollk�hnheit, aber Aaron schien es zu dulden.</p><p>�Ich dachte, mein Leben sei zu Asche geworden.� Der Unsterbliche schien v�llig vergessen zu haben, dass er mit diesem K�chenm�dchen nicht allein war.</p><p>�Mir wurde gesagt, dass diese Asche eine reiche Erntezeit schenken wird�, entgegnete Kirum.</p><p>Ashot verstand kein Wort von dem, was die beiden redeten. Aber das musste er auch nicht. Er war gerade Zeuge eines Wunders geworden. Mit ihrem einen nicht zugeschwollenen Auge, ihrem L�cheln und ein paar r�tselhaften Worten hatte sie es offensichtlich geschafft, den Unsterblichen zu verzaubern. Aaron sah gl�cklich aus!</p><p>Pl�tzlich schien sich der Unsterbliche der verwunderten Blicke bewusst zu werden. Er r�usperte sich. �Ich glaube, meine Palastk�che ist nicht der richtige Ort f�r Kirum. Vielleicht sollte sie besser die L�wengrube h�ten oder meiner Leibwache beibringen, wie man k�mpft. Mataan, sorge daf�r, dass sie in einem ordentlichen Zimmer untergebracht wird und eine Heilkundige nach ihren Wunden sieht.�</p><p>�Und ihre Strafe?�, fragte der Hofmeister.</p><p>�Sie darf den Palast nicht verlassen�, sagte Aaron ernst. �Das gen�gt f�rs Erste.�</p><p>Mataan war anzusehen, dass er die Welt nicht mehr verstand. Aber er war klug genug, nichts zu sagen. Vielleicht freute auch er sich insgeheim, dass ihr Herrscher sein L�cheln wiedergefunden hatte.</p><p>�Du darfst nun gehen, Kirum. Ich werde �ber eine angemessene Strafe f�r dich nachdenken. Vielleicht werde ich dich auf einer Trommel tanzen lassen.�</p><p>Ashot zuckte zusammen. Was mochte das f�r eine Barbarei sein? Von dieser Strafe hatte er noch nie etwas geh�rt. Er kannte nur Kn�ppel, die auf dem R�cken tanzten.</p><p>Diesmal schwieg das M�dchen. Sie l�chelte nur und verlie� mit Mataan die Gem�cher des Unsterblichen.</p><p>�Heute ist ein guter Tag�, sagte Aaron zwar leise, aber er meinte es un�berh�rbar von ganzem Herzen. �Du solltest jetzt in die Palastk�che gehen und jedem der Raufbolde dort ein Silberst�ck schenken. Aber mach ihnen klar, dass ich ihnen zwei Silberst�cke abnehme, wenn ich erfahre, dass sie diese Geschichte herumerz�hlen.</p><p>�Euer Wunsch ist mir Befehl, Unsterblicher!�</p><p>Es w�rde einen Aufschrei unter allen Adligen des K�nigreichs geben, wenn Aaron einer Dienerin seine Liebe schenken w�rde, dachte Ashot, als er sich auf den langen Weg zur Palastk�che machte. Aber das w�rde Aaron nicht davon abhalten, es zu tun, wenn sich zeigte, dass Kirum die Richtige f�r ihn war. Schlie�lich hatte Aaron auch ihn, einen mittellosen Bauern aus einem Dorf am Ende der Welt, zum Hauptmann seiner Leibwache gemacht.</p><p>Ashot w�nschte sich, dass Aaron sein wiedergefundenes L�cheln behielt. Er w�rde fest an Aarons Seite stehen, sollte es n�tig sein, f�r diese Fremde zu streiten. Selbst den Devanthar w�rde er die Stirn bieten, um seines K�nigs willen. Was waren alle Macht und Sch�tze der Welt wert, wenn sie nur um den Preis eines Lebens ohne L�cheln erkauft werden konnten.</p><empty-line/><subtitle>Fortsetzung folgt�. . .</subtitle></section></section><section><title><p>Anhang</p></title><section><title><p>Dramatis Personae der �Drachenelfen�-Saga</p></title><subtitle>Die Devanthar und andere G�ttergleiche</subtitle><p><strong>Alben</strong> Die Sch�pfer der Welt <emphasis>Albenmark</emphasis>. Ihre Beweggr�nde sind ihren Gesch�pfen unergr�ndlich. Sie ziehen sich immer weiter aus ihrer Welt zur�ck und verzichten auf einen Gro�teil ihrer Macht, wie es scheint.</p><p><strong>Devanthar</strong> Weltensch�pfer, �hnlich den <emphasis>Alben</emphasis>. Von den Alben und den meisten ihrer Kinder als Verk�rperung des B�sen betrachtet. Sie beherrschen <emphasis>Daia</emphasis>, die Welt der Menschen, und lenken die Geschicke der dort lebenden V�lker. Sie lieben den Wandel und stehen damit im Gegensatz zu den Alben, die nach Vollkommenheit streben, um diesen Zustand dann f�r immer zu erhalten.</p><p><strong>Regenbogenschlangen</strong> Ein anderer Begriff, der f�r die <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> verwendet wird, jene m�chtigen, erstgeschl�pften <emphasis>Drachen</emphasis>, die als Statthalter der <emphasis>Alben</emphasis> auftreten. Der Begriff spielt darauf an, dass sie alle verschiedene Farben haben. Glaubt man den Drachen, dann sind die Regenbogenschlangen die �ltesten unter ihnen. Sie nennen sich auch die Erstgeschl�pften und beanspruchen f�r sich, dass sie die ersten Gesch�pfe waren, die von den <emphasis>Alben</emphasis> erschaffen wurden, nachdem <emphasis>Nangog</emphasis> ihr Werk vollendet hatte.</p><empty-line/><p><strong>Anatu</strong><emphasis>Devanthar</emphasis>, die sich mit dem <emphasis>Purpurnen</emphasis>, einer der <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis>, einlie� und ihn verf�hrte, nach <emphasis>Daia</emphasis> zu kommen. <emphasis>I�ta</emphasis> wollte nicht, dass die Feindschaft zwischen <emphasis>Drachen</emphasis> und <emphasis>Devanthar</emphasis> endete. Deshalb, so sagt es die Legende, erschlug sie den Drachen und lie� Anatu einkerkern.</p><p><strong>Ebermann</strong> Oder auch <emphasis>Manneber</emphasis>. Name, den die Menschen einem der <emphasis>Devanthar</emphasis> gaben, da er h�ufig in einer Gestalt halb Eber und halb Mensch auftritt. (Siehe auch das Buch: <emphasis>Die Elfen</emphasis>)</p><p>Die <strong>Gefl�gelte</strong> Synonym f�r <emphasis>I�ta</emphasis>.</p><p>Die <strong>Gefesselte G�ttin</strong> Synonym f�r <emphasis>Nangog</emphasis>.</p><p><strong>I�ta</strong> Einer der Namen der Menschen f�r die <emphasis>Gefl�gelte</emphasis>. Sie wird in <emphasis>Luwien</emphasis> als Hauptg�ttin verehrt. <emphasis>I�ta</emphasis> ermordete den Unsterblichen <emphasis>Muwatta</emphasis> nach der Schlacht von <emphasis>Kush</emphasis> und setzte daf�r den Unsterblichen <emphasis>Labarna</emphasis> als den Herrscher Luwiens ein.</p><p><strong>Langarm</strong><emphasis>Devanthar</emphasis>, der meist in gedrungener, haariger Gestalt auftritt. Ein begnadeter Schmied, der die R�stungen und Waffen der <emphasis>Unsterblichen</emphasis> anfertigt.</p><p>Der <strong>L�wenh�uptige</strong><emphasis>Devanthar</emphasis>, der das K�nigreich <emphasis>Aram</emphasis> besch�tzt. Tritt als Mentor des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> auf.</p><p><strong>Manneber</strong> Siehe <emphasis>Ebermann</emphasis>.</p><p><strong>Nangog</strong> Im Sch�pfungsmythos der <emphasis>Zwerge Albenmarks</emphasis> eine Riesin, die von den <emphasis>Devanthar</emphasis> und den <emphasis>Alben</emphasis> gemeinsam erschaffen wurde. Sie formte die Welten der Menschen, der Albenkinder und eine dritte Welt f�r sich selbst und ihre Kinder. Wurde vor der Vollendung ihres Werkes von Alben und Devanthar mit einem m�chtigen Bannzauber belegt und ihres Herzens beraubt. Auch <emphasis>Die gefesselte G�ttin</emphasis> genannt.</p><p><strong>Russa</strong> Berggott. Auch Blitzsch�tze genannt. Wird von den Hirtenst�mmen <emphasis>Garagums</emphasis> verehrt und h�ufig in einer Fl�gelsonne abgebildet. Die Geister der Toten, deren Fleisch von einem Adler gefressen wurde, reiten w�hrend Gewittern�chten mit Russa auf den Sturmwinden, so glauben die Hirten und J�ger <emphasis>Garagums</emphasis>.</p><p>Die <strong>Sturmruferin</strong><emphasis>Devanthar</emphasis>, erscheint meist als verf�hrerisch sch�ne Frau mit Schlangenhaar. Gebietet �ber die Winde, ist frei und launisch und an keines der sieben Gro�reiche gebunden. Verschenkt ihre Gunst ebenso leicht, wie sie sie den Sterblichen auch wieder entzieht.</p><p>Der <strong>Wei�e Wolf</strong><emphasis>Devanthar</emphasis>, erscheint meist in Gestalt eines Wei�en Wolfes. Tritt als Mentor des Unsterblichen <emphasis>Madyas</emphasis> auf.</p><p>Der <strong>gro�e B�r</strong><emphasis>Devanthar</emphasis> des Gro�reiches <emphasis>Drusna</emphasis>, erscheint meist in B�rengestalt. Ist der Mentor des Unsterblichen <emphasis>Iwar</emphasis> und sp�ter auch von dessen Nachfolger.</p><p>Das <strong>lebende Licht</strong><emphasis>Devanthar</emphasis> des Gro�reiches <emphasis>Valesia</emphasis>, erscheint in Gestalt einer Flamme oder eines Mannes mit einem Adlerkopf. Tritt als Mentor des Unsterblichen <emphasis>Ansur</emphasis> auf.</p><subtitle>Die Drachen</subtitle><p><strong>Drachen</strong> Ein Sammelbegriff f�r verschiedene Drachengattungen. Die <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> sind die Statthalter der <emphasis>Alben</emphasis>. Ihnen haben sie ihre Welt anvertraut, in der Hoffnung, sie seien weise Herrscher. Die �brigen Drachen stehen in der Hierarchie tiefer. W�hrend die Himmelsschlangen intelligente Gesch�pfe von gro�er Macht sind, sind etliche andere Gattungen wenig mehr als besonders gef�hrliche Raubtiere.</p><p>Der <strong>Dunkle</strong> Synonym f�r <emphasis>Nachtatem</emphasis>. Der Dunkle, ein <emphasis>Elf</emphasis> mit Augen vom Blau des Winterhimmels, ist eine der Gestalten, die der �lteste <emphasis>Drache</emphasis>, <emphasis>Nachtatem</emphasis>, annimmt, wenn er sich unter Elfen mischt.</p><p><strong>Himmelsschlangen</strong> Glaubt man den <emphasis>Drachen</emphasis>, dann sind die Himmelsschlangen die �ltesten unter ihnen. Sie beanspruchen f�r sich, dass sie die ersten Gesch�pfe waren, die von den Alben erschaffen wurden.</p><p><strong>Erstgeschl�pfter</strong> Ein Name, den die <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis><emphasis>Nachtatem</emphasis>, dem �ltesten unter ihnen, gegeben haben.</p><p>Der <strong>Flammende</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis> mit gelb-karmesinrot changierender Schuppenfarbe; gilt als aufbrausend, sehr nachtragend und wankelm�tig. Kann seine �berzeugung binnen Augenblicken �ndern und vertritt jeden neuen Standpunkt mit hitziger Vehemenz.</p><p>Der <strong>Fr�hlingsbringer</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis> (Letztgeborener unter ihnen). Seine Schuppen leuchten im hellen Gr�n des Fr�hlings; gilt als ruhig und pragmatisch.</p><p>Der <strong>Goldene</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis>. Verk�rpert Macht und Sch�nheit in vollkommener Harmonie. Seine Schuppen erstrahlten urspr�nglich in warmen Gelbt�nen, wurden von ihm jedoch mit goldenem Glanz verfeinert, um seinen Anspr�chen von �sthetik zu gen�gen. Seine Eifersucht auf den <emphasis>Erstgeschl�pften</emphasis> ist ebenso grenzenlos wie sein Ehrgeiz.</p><p>Der <strong>Himmlische</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis> mit strahlend hellblauer Schuppenfarbe; gilt als der Weiseste der acht. Der Himmlische starb beim Angriff der <emphasis>Devanthar</emphasis> auf die <emphasis>Blaue Halle</emphasis>.</p><p><strong>Nachtatem</strong><emphasis>Himmelsschlange,</emphasis> �ltester Drache Albenmarks. Manche nennen ihn auch ihren K�nig. Residiert im <emphasis>Jadegarten</emphasis> und nimmt nur selten an den Zusammenk�nften der anderen Himmelsschlangen teil.</p><p>Der <strong>Nachtblaue</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis>. Liebt es, sich wie ein Raubtier zu geb�rden, was so weit geht, dass er besiegte Gegner frisst. Gilt als der Kriegerischste der acht.</p><p>Der <strong>Purpurne</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis>. Er geh�rte zu den erstgeschl�pften <emphasis>Drachen</emphasis>. Im Goldenen Netz begegnete er der <emphasis>Devanthar Anatu</emphasis>. Die Liebe zu ihr kostete ihn das Leben.</p><p>Der <strong>Rote</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis>. Liebt es, sein Leben mit allen Sinnen zu genie�en, nimmt gelegentlich Elfengestalt an und versucht sich als Verf�hrer, womit er bei seinen Nestbr�dern auf blankes Unverst�ndnis st��t. Manchmal neigt er zu �berraschender Grausamkeit.</p><p>Der <strong>Smaragdfarbene</strong><emphasis>Himmelsschlange</emphasis>. Er strebt Harmonie und Ausgleich zwischen den <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> an. Oft ist er derjenige, der den Kompromiss findet, dem letztlich alle folgen.</p><p>Der <strong>Schwebende Meister</strong> Name der <emphasis>Elfen</emphasis> f�r jenen <emphasis>Drachen</emphasis>, der die Auserw�hlten die Kunst des Zauberwebens lehrt. Er galt als schrullig und manchmal willk�rlich grausam. Zu seinen Verschrobenheiten geh�rte es, sich mit dem Kopf nach unten von einem Fels h�ngen zu lassen, als sei er eine Fledermaus. Der Schwebende Meister starb durch die Hand der Zwerge <emphasis>Nyr</emphasis>, <emphasis>Hornbori</emphasis> und <emphasis>Galar</emphasis>.</p><p>Der <strong>Sommergoldene</strong> Synonym f�r den <emphasis>Goldenen</emphasis>.</p><p><strong>Sonnenwind</strong> Ein <emphasis>Drache</emphasis> der Spezies der Rotr�cken. Sein Revier liegt in der weiten Savanne des <emphasis>Bainne Tyr</emphasis>. Er macht den Fehler, <emphasis>Nachtatem</emphasis> herauszufordern.</p><subtitle>Die Elfen</subtitle><p><strong>Elfen</strong> Das letzte der V�lker, die von den <emphasis>Alben</emphasis> erschaffen wurden. (So behaupten die Elfen.) Sie sind etwa menschengro�, von schlankerer Gestalt und haben l�ngliche, spitz zulaufende Ohren. Die meisten von ihnen sind magiebegabt. Sobald sie ausgewachsen sind, scheinen sie nicht mehr zu altern. Die Mehrzahl von ihnen lebt zwar �nur� einige Jahrhunderte, manche erreichen aber auch ein Alter von weit �ber tausend Jahren. Die Seelen der Elfen werden wiedergeboren, bis sie ihre Bestimmung finden und ins <emphasis>Mondlicht</emphasis> eingehen.</p><p><strong>Drachenelfen</strong><emphasis>Elfen</emphasis> im Dienst der <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis>. Werden von den Drachen geholt, sind oft Au�enseiter oder gar Ausgesto�ene in ihren Sippen. Sie kommen als Sch�ler in die <emphasis>Wei�e</emphasis> oder <emphasis>Blaue Halle</emphasis>. Wenn sie die Ausbildung und alle Pr�fungen �berstehen, werden sie zu Meisterinnen und Meistern, um Auftr�ge f�r die <emphasis>Himmelsschlange</emphasis> auszuf�hren, der sie sich verschrieben haben.</p><empty-line/><p><strong>Ailyn</strong><emphasis>Drachenelfe</emphasis> und Meisterin der <emphasis>Wei�en Halle�</emphasis>� die Erfahrenste unter ihnen. Ausgezeichnete Schwertk�mpferin mit unglaublichen Reflexen. Unerreicht ist sie im waffenlosen Kampf.</p><p><strong>Alvias</strong> Lange Zeit Haushofmeister von <emphasis>Emerelle</emphasis>, der ersten K�nigin <emphasis>Albenmarks</emphasis>. Auch ber�hmt f�r seine Sammlung von Schriften aus der Epoche des Dritten Trollkriegs. Legte bemerkenswerterweise den Schwerpunkt auf Texte, in denen die Herrschaft der <emphasis>Elfen</emphasis> angefeindet wurde.</p><p><strong>Asfahal</strong> Sohn des <emphasis>Solaiyn</emphasis> und Bruder <emphasis>Talawains</emphasis>. Gilt als Lebemann und Gl�cksspieler.</p><p><strong>Bidayn</strong> Sch�lerin der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>. Kennt <emphasis>Nandalee</emphasis> seit ihrer gemeinsamen Zeit bei dem <emphasis>Schwebenden Meister</emphasis>. Begabte Zauberweberin mit wenig Talent f�r den Kampf. Seit ihrer ersten Mission als angehende <emphasis>Drachenelfe</emphasis> von entstellenden Narben �berzogen. Sie ist ein Sch�tzling <emphasis>Lyviannes</emphasis>.</p><p><strong>Eleborn</strong> Sch�ler der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>. Gilt als versponnen und erschafft Kunstwerke aus Wasser und Licht. Sp�ter einmal wird er einer der gro�en Herrscher Albenmarks sein. Hat sich dem <emphasis>Himmlischen</emphasis> verschrieben. Schleicht sich unter dem Name <emphasis>Mikayla</emphasis> in Gestalt eines Drusniers bei den Zinnernen ein und wird der Wagenlenker <emphasis>Volodis</emphasis>.</p><p><strong>Galawayn</strong><emphasis>Elf</emphasis> aus der Schar der Verbannten aus Valemas. F�hrt den Titel <emphasis>H�ter der Geheimnisse</emphasis> und gilt als einer der bedeutendsten K�pfe in der Bibliothek zu Iskendria.</p><p><strong>Gonvalon</strong><emphasis>Drachenelf</emphasis> und lange Zeit Meister der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>. Ein exzellenter Schwertk�mpfer mit einem Hang zu Aff�ren, bis er <emphasis>Nandalee</emphasis> begegnet. Ohne es zu wissen, ist er der Sohn von <emphasis>Lyvianne</emphasis>, die ihn einst aussetzte. Sein Name bedeutet w�rtlich �bersetzt Winterkind. Hat sich urspr�nglich dem <emphasis>Goldenen</emphasis> verschrieben.</p><p><strong>Lyvianne</strong><emphasis>Drachenelfe</emphasis> und Meisterin der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>. Lehrerin von <emphasis>Bidayn</emphasis>. Verfolgt sehr radikale Ideen �ber die Vervollkommnung des Volkes der <emphasis>Elfen</emphasis>. Hat sich dem <emphasis>Goldenen</emphasis> verschrieben.</p><p><strong>Manawayn</strong> Legend�rer erster Meister der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>. Die <emphasis>Elfen</emphasis> glauben, dass er sich mit sechs anderen Meistern in die Einsamkeit zur�ckgezogen hat, um zur�ckzukehren, wenn Albenmark in Gefahr ist. Tats�chlich wurden die sieben Meister von den <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> nach <emphasis>Nangog</emphasis> geschickt, wo sie im Kampf gegen die <emphasis>Gefiederte Schlange</emphasis> unterlagen. Manawayn wurde von <emphasis>I�ta</emphasis> lebend in einen Stein eingeschlossen.</p><p><strong>Nandalee</strong> Sch�lerin, sp�ter <emphasis>Drachenelfe</emphasis> der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>. Entstammt der Sippe der <emphasis>Windg�nger</emphasis> aus dem Elfenvolk der <emphasis>Normirga</emphasis> in <emphasis>Carandamon</emphasis>, erst Sch�lerin und sp�ter Geliebte <emphasis>Gonvalon</emphasis>s, Freundin <emphasis>Bidayn</emphasis>s. T�tete den Sohn des Trollk�nigs Bromgar und wurde zur Sippenlosen. Hat ein ausgepr�gtes magisches Talent, sieht sich selbst aber vor allem in der Rolle der J�gerin. Gewinnt das Vertrauen von <emphasis>Nachtatem</emphasis>, dem �ltesten unter den Drachen. Laut einer vom <emphasis>Goldenen</emphasis> verbreiteten Prophezeiung soll sie es sein, die <emphasis>Nachtatem</emphasis> einst t�ten wird.</p><p><strong>Nodon</strong><emphasis>Drachenelf</emphasis> und Erster unter den <emphasis>Elfen</emphasis> des <emphasis>Jadegartens</emphasis>. Ber�hmt f�r seine Heilkunst. Gilt als Schwertmeister <emphasis>Gonvalon</emphasis> als ebenb�rtig. Eine Jahrhunderte andauernde Rivalit�t der beiden Krieger f�hrte dazu, dass die <emphasis>Drachen</emphasis> Sorge trugen, dass sich die beiden nie am selben Ort aufhielten. Hat sich <emphasis>Nachtatem</emphasis> verschrieben.</p><p><strong>Nyllan</strong> Ein <emphasis>Elf</emphasis> der <emphasis>Blauen Halle</emphasis>, der in der luwischen Hafenstadt <emphasis>Ugara</emphasis> einen Laden als Gew�rzh�ndler betreibt. Nyllan pflegt gute Kontakte zu den Fernh�ndlern und Kapit�nen, die diesen Handelsknotenpunkt aufsuchen und ist so bestens �ber die Ereignisse im K�nigreich unterrichtet. Ein Freund <emphasis>Talawains</emphasis>.</p><p><strong>Rowayn</strong> Ein <emphasis>Elf</emphasis> der <emphasis>Blauen Halle</emphasis>, der in der luwischen Tempelstadt <emphasis>Isatami</emphasis> eine Werkstatt als Knochenschnitzer unterh�lt. Sein Name unter den Menschen ist <emphasis>Zidanza</emphasis>. Er pflegt gute Kontakte zur Priesterschaft, die seine Hauptinformanten sind. Ein Freund <emphasis>Talawains</emphasis>.</p><p><strong>Sayn</strong> Sch�ler des <emphasis>Schwebenden Meister</emphasis>s. Starb w�hrend seiner Ausbildung eines r�tselhaften Todes. Es blieb ungewiss, inwieweit <emphasis>Nandalee</emphasis> in diesen Tod verwickelt war.</p><p><strong>Solaiyn</strong> Vater des Elfen <emphasis>Talawain</emphasis>, einer der F�rsten <emphasis>Arkadiens</emphasis>.</p><p><strong>Talawain</strong> Meister der <emphasis>Blauen Halle</emphasis>. Er geh�rt zu den erfolgreichsten Spitzeln der <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> in der Welt der Menschen und ist als <emphasis>Datames</emphasis> bis zum Hofmeister des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>, Herrscher von <emphasis>Aram</emphasis>, aufgestiegen. Sp�ter verliert er durch eine Intrige <emphasis>I�tas</emphasis> dieses Amt.</p><p><strong>Talinwyn</strong> Sch�lerin der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>. Von <emphasis>Gonvalon</emphasis> ausgebildet. Wird unter die Auserw�hlten aufgenommen. Ihre erste Mission ist, den Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> zu t�ten, wobei sie selbst den Tod findet.</p><subtitle>Die Menschen</subtitle><p><strong>Aaron Einer der sieben Unsterblichen.</strong> Der Erleuchtete, Herrscher aller Schwarzk�pfe, Wanderer zwischen den Welten, K�nig der K�nige. Herrscher von <emphasis>Aram</emphasis>, dem eine Fahrt auf seinem Palastschiff am Himmel von <emphasis>Nangog</emphasis> zum Verh�ngnis wurde (siehe <emphasis>Artax</emphasis>). Sch�tzling des <emphasis>Devanthar</emphasis><emphasis>Der L�wenh�uptige</emphasis>.</p><p><strong>Abir Ata�</strong> Hohepriester des Gro�reiches <emphasis>Aram</emphasis>. War vor der Verschmelzung von <emphasis>Aaron</emphasis> mit <emphasis>Artax</emphasis> einer der einflussreichsten W�rdentr�ger im Gefolge des Unsterblichen Aaron. Abir ist ein �beraus ehrgeiziger Mann und vermag kaum zu verwinden, dass der <emphasis>L�wenh�uptige</emphasis> mehr Umgang mit Aaron pflegt als mit rangh�chsten Priestern seines Kultes. Abirs Traum ist es, aus Aram einen Gottesstaat zu machen. Sein Ehrgeiz, die Macht der Priesterschaft zu st�rken, kostet ihn sein Leben. Mentor <emphasis>Barnabas</emphasis>.</p><p><strong>Alba</strong><emphasis>Valesier</emphasis>, der die drusnischen Steuereintreiber begleitet, um sie zu beraten, welche Abgaben einzufordern sind, um sie an <emphasis>Valesia</emphasis> weiterzugeben. Hat auf <emphasis>Drei Eichen</emphasis> einen Arbeitsunfall.</p><p><strong>Almitra</strong> Eine Frau, die <emphasis>Artax</emphasis> sich w�hrend seines Lebens als einfacher Bauer in <emphasis>Belbek</emphasis> ertr�umt. Almitra hat nie wirklich existiert, was ihn nicht davon abhielt, auch seinen Freunden von ihr zu erz�hlen.</p><p><strong>Amur</strong> Anh�nger des verbotenen Kultes um <emphasis>Nangog</emphasis> und die <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>Ansur</strong><strong>Einer der sieben Unsterblichen</strong>. Herrscher <emphasis>Valesias</emphasis>. F�hrt einen jahrelangen Kleinkrieg an der Grenze zu <emphasis>Drusna</emphasis>, den <emphasis>Arcumenna</emphasis>, der <emphasis>Laris</emphasis> von <emphasis>Truria</emphasis>, f�r ihn entscheidet. Baut seit vielen Jahrzehnten am <emphasis>Wei�en Selinunt</emphasis>, das die sch�nste Stadt <emphasis>Daias</emphasis> werden soll. Sch�tzling des <emphasis>Devanthar</emphasis>, der von seiner Priesterschaft das <emphasis>Lebende Licht</emphasis> genannt wird.</p><p><strong>Arapur der Allweise</strong> Chronist aus den fr�hen Jahren des Dunklen Zeitalters. Arapur der Allweise, Hohepriester in <emphasis>Isatami</emphasis>, Bewahrer der Vergangenheit, gilt als tendenzi�s, bleibt aber dennoch bei dem schlechten �berlieferungsstand eine unverzichtbare Quelle. Sein Hauptwerk ist <emphasis>Der gro�e Krieg</emphasis>, eine Beschreibung des Kriegs der Welten in einunddrei�ig B�nden.</p><p><strong>Arcumenna</strong><emphasis>Laris</emphasis> (F�rst) von <emphasis>Truria</emphasis>, ein begnadeter Kriegsherr. Sp�ter Statthalter des Gro�reiches <emphasis>Valesia</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>, wo er den Tod <emphasis>Leons</emphasis> r�chen will und mit der Seidenen eine Intrige gegen <emphasis>Kolja</emphasis> spinnt.</p><p><strong>Arikan</strong> Hauptmann im Heer des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>, der nach der Schlacht auf der Ebene von <emphasis>Kush</emphasis> die Schrecken des Tages im Wein ertr�nkt.</p><p><strong>Arimaspu</strong> F�rst der <emphasis>Ischkuzaia</emphasis>, viele Jahre treuester Diener und Berater des Unsterblichen <emphasis>Madyas</emphasis>. Ein alter, ein�ugiger Kriegerf�rst.</p><p><strong>Artax</strong> Ein Bauer aus <emphasis>Belbek</emphasis> und einst guter Freund von <emphasis>Narek</emphasis> und <emphasis>Ashot</emphasis>. Wird nach dem �berraschenden Tod von <emphasis>Aaron</emphasis> durch den <emphasis>Devanthar</emphasis>, den man den <emphasis>L�wenh�uptigen</emphasis> nennt, in Aaron verwandelt und nimmt von den Menschen unbemerkt dessen Platz ein. Artax �bernimmt vollst�ndig Ged�chtnis und F�higkeiten Aarons, versucht aber, einen eigenen, gerechteren Regierungsstil durchzusetzen. Ungl�cklich verliebt in <emphasis>Shaya</emphasis>, die seine Liebe zwar erwidert, aber mit dem Unsterblichen <emphasis>Muwatta</emphasis> im Ritual der Heiligen Hochzeit zwangsverheiratet wurde.</p><p><strong>Asa</strong> Falscher Name, den der Elf <emphasis>Gonvalon</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> annimmt, um sich als vorgeblicher Hauptmann der <emphasis>Kushiten</emphasis> Zugang zu den Archiven im Tempel der Gefl�gelten Sonne zu verschaffen.</p><p><strong>Ashira</strong> Eine pockennarbige junge Frau, Masseuse und Hure im Heerlager <emphasis>Arams</emphasis>. Dass sie das Herz des Hofmeisters <emphasis>Datames</emphasis> ber�hrt, wird ihr zum Verh�ngnis.</p><p><strong>Ashot</strong> Ein verarmter Bauer aus <emphasis>Belbek</emphasis>. Schlie�t sich gemeinsam mit <emphasis>Narek</emphasis> dem Heer des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> an, um auf der Hochebene von <emphasis>Kush</emphasis> zu k�mpfen. Steigt nach der Schlacht auf der Ebene von Kush zum Hauptmann der Kushiten, der neuen Leibwache des Unsterblichen Aaron, auf.</p><p><strong>Aya</strong> Eine der drei Konkubinen, die der Unsterbliche <emphasis>Aaron</emphasis> in der Nacht nach seinem Himmelssturz ausw�hlt, um mit ihr das Lager zu teilen. Sp�ter versucht Aya, den Hofmeister <emphasis>Datames</emphasis> zu erpressen. Eine verh�ngnisvolle Entscheidung.</p><p><strong>Baidur</strong> Anh�nger des verbotenen Kultes um <emphasis>Nangog</emphasis> und die <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>Bamiyan</strong> J�ger aus den Bergen <emphasis>Garagums</emphasis>, der sich auf die Suche nach dem verschwundenen Wunderheiler <emphasis>Barnaba</emphasis> macht und dabei der Xana <emphasis>Iku�ka</emphasis> begegnet. J�ngerer Bruder des <emphasis>Masud</emphasis>. Stirbt, als er dem Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> beim Kampf um den <emphasis>Steinhorst</emphasis> das Leben rettet.</p><p><strong>Barnaba</strong> Ein junger Priester aus <emphasis>Aram</emphasis>, Vertrauter von <emphasis>Abir Ata�</emphasis>. Stammt aus der Provinz <emphasis>Nari</emphasis>, in der sein Vater das Amt eines Hohepriesters und <emphasis>Satrapen</emphasis> bekleidet. Im Rahmen der Priesterverfolgung durch den Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> flieht er in ein verrufenes Tal in der Provinz <emphasis>Garagum</emphasis>, wo er unter den Bergst�mmen bald als heiliger Mann und Wunderheiler gilt. Tr�umt seit seiner Kindheit davon, einer <emphasis>Xana</emphasis> zu begegnen. Doch sein Gl�ck mit der Xana <emphasis>Iku�ka</emphasis> dauert nur kurz, und er wird nach seiner Flucht in die Neue Welt zum Ersten Priester <emphasis>Nangogs</emphasis>.</p><p><strong>Bessos</strong> Der <emphasis>Satrap</emphasis> jener H�lfte von <emphasis>Garagum</emphasis>, die zu <emphasis>Aram</emphasis> geh�rt. Ein stolzer Mann, der auf die Rechte seiner adligen Geburt besteht. Ganz anders als sein Urgro�vater, der noch ein Nomade aus den Bergen war und dem Steinrat angeh�rte.</p><p><strong>Bozidar</strong> F�rst aus <emphasis>Drusna</emphasis>, der im Geisterwald eine verh�ngnisvolle Begegnung mit der Elfe <emphasis>Lyvianne</emphasis> hat. Bruder <emphasis>Volodis,</emphasis> Sohn des <emphasis>Ilja</emphasis>.</p><p><strong>Datames</strong> Hofmeister des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>. Der ergebene Vertraute begleitet Aaron auch auf seinen ausgedehnten Reisen und k�mmert sich dort um die Logistik. In Wahrheit ist Datames der Elf <emphasis>Talawain</emphasis> und einer der Meister der <emphasis>Blauen Halle</emphasis>. Obwohl er ein Spitzel ist, kommt seine Liebe zu den Menschen von Herzen.</p><p><strong>Dojan</strong> Hundef�hrer in Diensten des Gutsbesitzers <emphasis>Manasse</emphasis>. Er erm�glicht �ber Jahre einigen der Feldarbeiter und Dienern des Manasse die Flucht. Unter anderem der sp�teren Kurtisane <emphasis>Zarah</emphasis>. Wird schlie�lich von der Dienerin <emphasis>Hanna</emphasis> verraten, deren Flucht missgl�ckt. Er geh�rt zu jenen Menschen, die, von einem <emphasis>Gr�nen Geist</emphasis> besessen, zur Chim�re werden. Sein K�rper verschmilzt mit einem Bluthund.</p><p><strong>Eirik</strong> Ein Drusnier aus dem Seenland im Nordosten dieses Menschenreiches. Er begegnet <emphasis>Volodi</emphasis> bei dessen Gefangenschaft in der Tempelstadt der <emphasis>Zapote</emphasis> und ist so wie der Feldherr als Opfer f�r die <emphasis>Gefiederte Schlang</emphasis>e vorgesehen.</p><p><strong>Elias</strong> Anh�nger des verbotenen Kultes um <emphasis>Nangog</emphasis> und die <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt.</emphasis></p><p><strong>Eurylochos</strong> Einst Steuermann auf dem Schiff des <emphasis>Aigolos</emphasis>, den <emphasis>Volodi</emphasis> im Zweikampf get�tet hatte. Gefolgsmann von <emphasis>Kolja</emphasis>.</p><p><strong>Fedor von B�renfurt</strong> Junger Rebell aus <emphasis>Drusna</emphasis>, dem es gelingt, <emphasis>Volodi</emphasis> f�r den Freiheitskampf gegen die Valesier zu gewinnen.</p><p><strong>Gatha</strong> Schamane. Einer der Anf�hrer der Bergst�mme und Mitglied des Steinrates. Erkl�rt <emphasis>Barnaba</emphasis> zum Heiligen Mann und etabliert ihn so bei den Bergst�mmen.</p><p><strong>Grisha</strong> Drusnier, in die Jahre gekommener Schildtr�ger des F�rsten <emphasis>Ilja</emphasis>, des Herrn �ber das Gut <emphasis>Drei Eichen</emphasis>.</p><p><strong>Hanna</strong> Dienerin des Gutsherren <emphasis>Manasse</emphasis>, deren Flucht scheitert und die unter der Folter ihren Helfer, den Hundef�hrer <emphasis>Dojan</emphasis>, verr�t.</p><p><strong>Horatius</strong> Hauptmann aus dem Gefolge des Feldherren und valesischen Statthalters auf Nangog, <emphasis>Arcumenna</emphasis>. Der ein�ugige Krieger ist ber�chtigt f�r seinen Diensteifer und seine Loyalit�t.</p><p><strong>Ilja</strong> Einer von vielen kleinen F�rsten in <emphasis>Drusna</emphasis>. Herrscht �ber das Gut <emphasis>Drei Eichen</emphasis> sowie die umliegenden Weiler und W�lder. Vater von <emphasis>Volodi</emphasis> und <emphasis>Bozidar</emphasis>.</p><p><strong>Ilmari</strong> Anf�hrer der Spitzel auf <emphasis>Nangog</emphasis>, die unmittelbar <emphasis>Muwatta</emphasis> unterstehen. Er ist Muwatta ganz und gar ergeben und w�rde dessen Ziele und Motive niemals hinterfragen. Die Krieger <emphasis>Aaron</emphasis>s kennen ihn unter dem Namen <emphasis>Lamgi</emphasis>.</p><p><strong>Iwar Einer der sieben Unsterblichen</strong>. Herrscher �ber <emphasis>Drusna</emphasis>. Ihn haben die Niederlagen in den Grenzstreitigkeiten mit <emphasis>Valesia</emphasis> gebrochen. Er f�hlte sich von seinem <emphasis>Devanthar</emphasis>, dem <emphasis>Gro�en B�ren</emphasis>, verlassen und ging deshalb einen unehrenhaften Frieden mit den Valesiern ein, die seinem Land bedr�ckende Steuerlasten auferlegten. Ohne Erfolge auf dem Schlachtfeld versucht er seine schwindende Macht durch Intrigen zu festigen.</p><p><strong>Izel</strong> Eine Priesterin der <emphasis>Zapote</emphasis>, deren Aufgabe darin besteht, auf den Stra�en der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> stattliche blonde M�nner zu verf�hren. Jene sollen ihr in die Tempelg�rten der Zapote folgen, um dort als Opfer der <emphasis>Gefiederten Schlange</emphasis> zu enden. Sie bringt <emphasis>Eleborn</emphasis> in die Tempelg�rten.</p><p><strong>Jonah der Rote</strong> Falscher Name, den der Elf <emphasis>Gonvalon</emphasis> f�r seinen Gef�hrten <emphasis>Nodon</emphasis> ersinnt. Er gibt Nodon als Scharfrichter der <emphasis>Kushiten</emphasis> aus.</p><p><strong>Joram</strong> Angeblicher �lterer Bruder <emphasis>Zarahs</emphasis>. Wurde durch einen Unfall in einem Stollen grausam entstellt. <emphasis>Kolja</emphasis> nimmt ihn als Geisel, um sich Zarah gef�gig zu machen.</p><p><strong>Kara</strong> Erst Priesterin, dann Mutter der M�tter im Haus des Himmels, jenem einsamen Bergkloster, in dem <emphasis>Shaya</emphasis> nach der Heiligen Hochzeit mit <emphasis>Muwatta</emphasis> auf ihren Opfertod vorbereitet werden soll. Kara betreut den Kr�utergarten des Klosters.</p><p><strong>Kazumi</strong> Konkubine im Heerlager auf der Ebene von <emphasis>Kush</emphasis>, die sowohl dem <emphasis>Satrapen</emphasis><emphasis>Mataan</emphasis> als auch dem Hofmeister <emphasis>Datames</emphasis> ihre Gunst erweist. Kazumi stammt aus einer der gro�en St�dte am Seidenfluss. Wird ein Opfer <emphasis>I�tas</emphasis>.</p><p><strong>Kirum</strong> Falscher Name, unter dem <emphasis>Shaya</emphasis> als K�chenhilfe im Palast <emphasis>Aarons</emphasis> dient.</p><p><strong>Kolja</strong> Neben <emphasis>Volodi</emphasis> bis nach der Schlacht bei <emphasis>Kush</emphasis> gleichberechtigter Anf�hrer der Zinnernen und Hauptmann in der Leibwache des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>. Leitet die Freudenh�user der Zinnernen. Das Gesicht des einst ber�hmten Faustk�mpfers ist von zahlreichen K�mpfen entstellt. Den linken Unterarm verlor er in einer Schlacht auf <emphasis>Nangog</emphasis> und tr�gt seitdem eine Prothese aus geh�rtetem Leder, in der er eine Klinge verbirgt.</p><p><strong>Kydon</strong> Steuermann an Bord des roten Schiffes, das dem Statthalter <emphasis>Valesias</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> zur Verf�gung steht.</p><p><strong>Labarna Einer der sieben Unsterblichen.</strong> Zun�chst Hauptmann der Leibwache <emphasis>Kurunta</emphasis>s. Ein au�ergew�hnlich gro� gewachsener Krieger, der mit einer m�chtige Keule bewaffnet in die Schlacht zieht. Nach dem Gefecht auf der Hochebene von <emphasis>Kush</emphasis> und der Hinrichtung <emphasis>Muwattas</emphasis> steigt er zum neuen Unsterblichen <emphasis>Luwiens</emphasis> auf.</p><p><strong>Lamgi</strong> Spitzel und eingekaufter Meuchelm�rder im Auftrag des Unsterblichen <emphasis>Muwatta</emphasis>. Schleicht sich im Heerlager <emphasis>Aaron</emphasis>s auf der Ebene von <emphasis>Kush</emphasis> ein. Sein wirklicher Name ist <emphasis>Ilmari</emphasis>. Wird sp�ter vom Unsterblichen Aaron damit beauftragt, nach der <emphasis>Wolkenstadt</emphasis>, dem Sitz des Himmelspiraten <emphasis>Tarkon Eisenzunge</emphasis>, zu suchen.</p><p><strong>Lee</strong> Betreibt eine Garstube auf dem Schlangenmarkt der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>. Seine besonderen Spezialit�ten sind ein loses Mundwerk und frittierte Skorpione. Er stammt aus einer der gro�en St�dte am Seidenfluss. Warnt <emphasis>Eleborn</emphasis> vor den Verlockungen der Priesterinnen der <emphasis>Zapote</emphasis>.</p><p><strong>Leon</strong> Kommt aus <emphasis>Truria</emphasis> und ist in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> im Bordellgewerbe ein scharfer Konkurrent <emphasis>Koljas</emphasis>, unterliegt im Bandenkrieg.</p><p><strong>Lilluma</strong> Der Name, den der Elf <emphasis>Nyllan</emphasis> in seiner Rolle als Gew�rzh�ndler in der luwischen Hafenstadt <emphasis>Ugara</emphasis> tr�gt. Nyllan ist ein Spitzel im Dienst der <emphasis>Blauen Hall</emphasis>e.</p><p><strong>Luma</strong> Hauptmann in der Tempelwache des Tempels der Gefl�gelten Sonne in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> auf <emphasis>Nangog</emphasis>.</p><p><strong>Madyas</strong><strong>Einer der sieben Unsterblichen</strong>. Gro�k�nig von <emphasis>Ischkuza</emphasis>, H�ter der Herden, Licht der Sonne, Sohn des Wei�en Wolfes, Vater <emphasis>Shaya</emphasis>s. Sch�tzling des Devanthar <emphasis>Der Wei�e Wolf</emphasis>.</p><p><strong>Mahut</strong> Leibkoch des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> in dessen Palast in <emphasis>Ak�u</emphasis>.</p><p><strong>Malnigal</strong> Tempelw�chterin im Haus des Himmels, jenem einsamen Bergkloster, in dem <emphasis>Muwatta</emphasis>s Auserw�hlte auf die Heilige Hochzeit vorbereitet werden.</p><p><strong>Manasse</strong> Aus <emphasis>Aram</emphasis> stammender Gutsbesitzer, der ausgedehnte L�ndereien am <emphasis>Gro�en Fluss,</emphasis> nicht fern der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>, besitzt. Er ist ber�chtigt f�r den unmenschlichen Umgang mit seinen Feldarbeitern und Dienern. Einst standen auch <emphasis>Zarah</emphasis> und ihr Bruder in seinen Diensten.</p><p><strong>Masud</strong> J�ger aus den Bergen <emphasis>Garagums</emphasis>. �lterer Bruder des <emphasis>Bamiyan</emphasis>. Stirbt an einer Blutvergiftung.</p><p><strong>Mataan</strong><emphasis>Satrap</emphasis> von <emphasis>Taruad</emphasis>, einer winzigen Insel im Gro�reich <emphasis>Aram</emphasis>. Einer der engsten Vertrauten <emphasis>Aaron</emphasis>s. Ein bescheidener Mann, der den Pomp gro�er H�fe verabscheut und lieber mit seinen Fischern hinaus aufs Meer f�hrt. Rettet Aaron im Kampf um den Steinhorst das Leben, wird dabei jedoch schwer verletzt und �bernimmt als Hofmeister die Gesch�fte des verbannten <emphasis>Datames</emphasis>.</p><p><strong>Memma</strong> Spottname der drusnischen Rebellen f�r den valesischen Feldherrn <emphasis>Arcumenna</emphasis>.</p><p><strong>Mikayla</strong> Der falsche Name, unter dem sich der Elf <emphasis>Eleborn</emphasis> als Drusnier unter den Zinnernen einschleicht.</p><p><strong>Mila</strong> Drusnische B�uerin, lebt auf dem Gut <emphasis>Drei Eichen</emphasis> unter der Herrschaft des F�rsten <emphasis>Ilja</emphasis>. Hat viele Kinder.</p><p><strong>Muwatta</strong><strong>Einer der sieben Unsterblichen</strong>. Erzk�nig <emphasis>Luwiens</emphasis>. Ein Herrscher mit gro�en Ambitionen, wurde von <emphasis>I�ta</emphasis> im Kampf gegen <emphasis>Aaron</emphasis> instrumentalisiert. Als ihre Pl�ne in der Schlacht von <emphasis>Kush</emphasis> nicht aufgingen, enthauptete sie ihn.</p><p><strong>Narek</strong> Bauer aus dem Dorf Belbek, der sich gemeinsam mit <emphasis>Ashot</emphasis> dem Heer des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> anschloss und in der Schlacht auf der Hochebene von <emphasis>Kush</emphasis> als Held stirbt. Ehemals bester Freund von <emphasis>Artax</emphasis>, der einst auszog, in der Ferne sein Gl�ck zu suchen.</p><p><strong>Necahual</strong><emphasis>Zapote</emphasis>. Anf�hrer der Jaguarm�nner, die dem Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> in der Schlacht auf der Hochebene von <emphasis>Kush</emphasis> zur Seite stehen. Bruder der Priesterin <emphasis>Quetzalli</emphasis>.</p><p><strong>Noram</strong> Anh�nger des verbotenen Kultes um <emphasis>Nangog</emphasis> und die <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>Obalit</strong> Sklave, der in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> dem Haushalt des <emphasis>Datames</emphasis> vorsteht, des Haushofmeisters des Palastes von <emphasis>Ak�u</emphasis>.</p><p><strong>Ormu</strong> Rotb�rtiger J�ger der Bergst�mme aus <emphasis>Garagum</emphasis>, j�ngstes Mitglied des <emphasis>Steinrats</emphasis>. Verzichtet nach der Schlacht von <emphasis>Kush</emphasis> auf sein Amt und schlie�t sich den neu gegr�ndeten <emphasis>Kushiten</emphasis>, der Leibwache des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>, an, in der er schnell in den Rang eines Hauptmanns aufsteigt.</p><p><strong>Quetzalli</strong><emphasis>Zapote</emphasis>. <emphasis>Priesterin</emphasis>, die junge, goldhaarige M�nner dazu verf�hrt, ihr in den Tempel zu folgen, wo sie der <emphasis>Gefiederten Schlange</emphasis> geopfert werden. Erst Geliebte, sp�ter Frau <emphasis>Volodi</emphasis>s. Schwester des <emphasis>Necahual</emphasis>.</p><p><strong>Rabal</strong> Der Name, den seine G�ste dem Betreiber einer Garstube am Schlangenmarkt der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> gegeben haben. Er stammt von den <emphasis>Schwimmenden Inseln</emphasis>. Der Frachtmeister <emphasis>Usia</emphasis> geh�rt zu seinen regelm��igen G�sten.</p><p><strong>Radik vom Rabenberg</strong> Junger Rebell aus <emphasis>Drusna</emphasis>, der an <emphasis>Volodis</emphasis> Seite gegen die Besatzer aus <emphasis>Valesia</emphasis> k�mpft.</p><p><strong>Sakur</strong> Anh�nger des verbotenen Kultes um <emphasis>Nangog</emphasis> und die <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>Shaya</strong> Siebenunddrei�igste Tochter des <emphasis>Madyas</emphasis>, Gro�k�nig von <emphasis>Ischkuza</emphasis>, lange Zeit Anf�hrerin der Palastwache des Statthalters Kurunta in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>. Verliebt in <emphasis>Artax</emphasis>, der ihre Liebe in Gestalt des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> erwidert (und um dessen Geheimnis sie nicht wei�). Nach der <emphasis>Heiligen Hochzeit</emphasis> mit dem Unsterblichen <emphasis>Muwatta</emphasis> soll sie im <emphasis>Haus des Himmels</emphasis> den Opfertod sterben, da sie nicht empfangen hat.</p><p><strong>Shen Yi Miao Shou</strong> Ein betagter, jedoch begnadeter Heiler vom <emphasis>Seidenfluss</emphasis>. Wird von dem Unsterblichen <emphasis>Madyas</emphasis> an dessen Hof gerufen, wo er eine Aufgabe an <emphasis>Shaya</emphasis> zu erf�llen hat, die ihm selbst ganz und gar nicht behagt. �bertr�gt Shaya vor seinem Tod all sein Wissen.</p><p><strong>Subai</strong> Missg�nstiger und grausamer �lterer Bruder <emphasis>Shaya</emphasis>s. Machthungriger Sohn des Unsterblichen <emphasis>Madyas</emphasis>. Statthalter in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>�utarna</strong> Der Name, den der Elf <emphasis>Talawain</emphasis> annimmt, w�hrend er als Maler in der Tempelstadt <emphasis>Isatami</emphasis> lebt.</p><p><strong>Tabitha</strong> Als Mutter der M�tter Herrin �ber das <emphasis>Haus des Himmels</emphasis>, jenem in einem einsamen Tal Luwiens gelegenen Kloster, in dem <emphasis>Muwatta</emphasis>s auserw�hlte Jungfrauen auf die <emphasis>Heilige Hochzeit</emphasis> und ihren Opfertod vorbereitet werden. Missg�nstig, rachs�chtig und grausam. Erh�lt von <emphasis>Shaya</emphasis> eine lebenslange Strafe.</p><p><strong>Tarak</strong> Anh�nger des verbotenen Kultes um <emphasis>Nangog</emphasis> und die <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>Tarkon Eisenzunge</strong> Anf�hrer der <emphasis>Himmelspiraten</emphasis> auf <emphasis>Nangog</emphasis>, dem Unterst�tzung durch die <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> nachgesagt wird. Wurde in einer Schlacht gegen den Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis> erschlagen, doch rei�en die Ger�chte nicht ab, dass er von den Toten zur�ckgekehrt sei. Sein Versteck, die legend�re <emphasis>Wolkenstadt</emphasis>, gilt als unauffindbar. Verb�ndet sich mit dem Priester <emphasis>Barnaba</emphasis>.</p><p><strong>Tuwatis</strong> Einer der Hohepriester der <emphasis>I�ta</emphasis> in ihrem Tempel in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>. Er f�hrt den Titel Bewahrer der Tiefen Gew�lbe, ist f�r die Archive des Tempels, aber auch f�r dessen dunklere Geheimnisse verantwortlich, bis er <emphasis>Lyvianne</emphasis> begegnet.</p><p><strong>Usia</strong> Frachtmeister auf einem der Ankert�rme der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>, der nahe der Tempelg�rten der <emphasis>Zapote</emphasis> steht. War fr�her ein Wolkenschiffer, bis er bei einem Unfall seine rechte Hand verlor.</p><p><strong>Vadim</strong> Drusnier, in die Jahre gekommener Wagenlenker des F�rsten <emphasis>Ilja</emphasis>, des Herrn �ber das Gut <emphasis>Drei Eichen</emphasis>. Hat ein loses Mundwerk, wird von seinem Weib drangsaliert, die alle wichtigen Entscheidungen trifft.</p><p><strong>Veccio</strong> Lotse aus <emphasis>Valesia</emphasis>, der auf dem Wolkensammler <emphasis>Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer</emphasis> Dienst tut, auf dem der Prediger <emphasis>Barnaba</emphasis> die <emphasis>Goldene Stadt</emphasis> verl�sst.</p><p><strong>Volodi</strong> F�rstensohn aus <emphasis>Drusna</emphasis>, einer der engsten Vertrauten des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>. Ehrenname: Der �ber den Adlern schreitet. Bruder <emphasis>Bozidar</emphasis>s. Einst einer der S�ldner, die die Zinnflotten <emphasis>Arams</emphasis> versenkten und die zun�chst nicht ganz freiwillig in die Dienste Aarons traten. Gemeinsam mit <emphasis>Kolja</emphasis> einer der Anf�hrer der Zinnernen. Den blonden H�nen verband einst eine kurze, leidenschaftliche und unheilvolle Aff�re mit der <emphasis>Zapote</emphasis><emphasis>Quetzalli</emphasis>, die sp�ter seine Frau wird. Wird nach der R�ckkehr in seine Heimat aufgrund einer Intrige der <emphasis>Valesier</emphasis> Hauptmann des Unsterblichen <emphasis>Iwar.</emphasis></p><p><strong>Zarah</strong> Auch die Seidene genannt. Sie ist die ber�hmteste Hure der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>. Zu ihren G�sten geh�ren F�rsten und Stadthalter. <emphasis>Kolja</emphasis> macht sie sich vermeintlich gef�gig, indem er ihren �lteren Bruder <emphasis>Joram</emphasis> als Geisel nimmt und sie zwingt, ihm als Spitzel zu dienen. Zarah geh�rt zu den einflussreichsten Anh�ngerinnen der <emphasis>Gr�nen Geister</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>Zidanza</strong> Der Name, den der Elf <emphasis>Rowayn</emphasis> in seiner Rolle als Knochenschnitzer in der luwischen Tempelstadt <emphasis>Isatami</emphasis> tr�gt. Rowayn ist ein Spitzel im Dienst der <emphasis>Blauen Halle</emphasis>.</p><subtitle>Die Zwerge</subtitle><p><strong>Zwerge</strong> In alten M�rchen auch Twerge oder Getwerg genannt, sind die Zwerge eines der �ltesten V�lker <emphasis>Albenmarks</emphasis>. Sie sind Meister des Bergbaus und leben unter der Erde oder im Fels. Dort f�hlen sie sich sicherer vor den <emphasis>Drachen</emphasis>, mit denen sie seit langer Zeit in Fehde liegen. Seit die Drachen die <emphasis>Tiefe Stadt</emphasis> vernichtet haben, planen einige Zwerge die Vernichtung der gefl�gelten Tyrannen. Die <emphasis>Elfen</emphasis> verachten sie, denn sie sehen in ihnen willf�hrige Diener der <emphasis>Drachen</emphasis>.</p><empty-line/><p>Der <strong>Alte in der Tiefe</strong> H�ufig genutzter Titel von Zwergenf�rsten. Manchmal, wie in der <emphasis>Tiefen Stadt</emphasis>, benutzt kein Zwerg mehr den wirklichen Namen des Herrschers, sondern man spricht nur noch durch Nennung des Titels �ber ihn.</p><p><strong>Amalaswintha</strong> Eine ebenso beg�terte wie einflussreiche Zwergin aus der <emphasis>Tiefen Stadt</emphasis>, die auf Anregung des Ratsherren <emphasis>Skorri</emphasis> ganz eigene Wege beschreitet, um ihrem Volk den Schl�ssel zur Kunst des Zauberwebens zu erstreiten. �berlebt den Untergang der Tiefen Stadt und wird von <emphasis>Eikin</emphasis> in <emphasis>Glamirs Turm</emphasis> verbannt.</p><p><strong>Arbinumja</strong> Name, den <emphasis>Nandalee</emphasis> annimmt, als sie sich als Zwerg aus der <emphasis>Ehernen Halle</emphasis> ausgibt.</p><p><strong>Eikin</strong> F�rst, <emphasis>der Alte in der Tiefe</emphasis> in den <emphasis>Ehernen Hallen</emphasis>.</p><p><strong>Frar</strong> Baby aus der <emphasis>Tiefen Stadt</emphasis>. Wurde von der Elfe <emphasis>Nandalee</emphasis> verschont und den Zwergen <emphasis>Nyr</emphasis>, <emphasis>Hornbori</emphasis> und <emphasis>Galar</emphasis> �bergeben, die sich seiner annahmen und ihm den Namen Frar Drachentod gaben. �berlebte als einer der wenigen den Untergang der <emphasis>Tiefen Stadt</emphasis>. Spitzname: Draupnir (zwergisch f�r �Tr�pfler�).</p><p><strong>Galar</strong> Von unb�ndiger Neugierde getriebener Forscher, Schmied und Alchemist aus der <emphasis>Tiefen Stadt</emphasis>, der auch schon mal zur Axt greift, wenn die Umst�nde es erfordern. Erfand den Schie�mechanismus, mit dem der <emphasis>Schwebende Meister</emphasis> get�tet wurde. Sucht nach dem Mittel, Zwergenhaut mithilfe von Drachenblut unverwundbar zu machen. Einmal ist es ihm durch Zufall gelungen�� leider nur an seinem von ihm m��ig gesch�tzten Kumpel und F�rderer <emphasis>Hornbori</emphasis>. Gemeinsam mit <emphasis>Hornbori</emphasis>, <emphasis>Nyr</emphasis>, <emphasis>Frar</emphasis> und <emphasis>Amalaswintha</emphasis> in <emphasis>Glamirs Turm</emphasis> verbannt.</p><p><strong>Glamir</strong> Schmied aus der <emphasis>Ehernen Halle</emphasis>. Hat im Meer der Schwarzen Schnecken einen <emphasis>Turm</emphasis> errichtet, in dem er seinen eigenwilligen Forschungen nachgeht. Er verlor im Kampf gegen die <emphasis>Smaragdspinnen</emphasis> sein rechtes Bein, seinen rechten Arm und sein rechtes Auge.</p><p><strong>Hornbori</strong> Gl�ckskind aus der <emphasis>Tiefen Stadt</emphasis>. Optisch der Traum jedes Zwergen-Heldenepos, leider aber nur bedingt mutig und nicht der Hellste. Trotzdem sorgen sein �u�eres und sein selbstbewusstes Auftreten bei Zechgelagen immer wieder daf�r, dass ihm die Heldentaten anderer zugeschrieben werden. Proteg� <emphasis>Galar</emphasis>s, Freund <emphasis>Nyr</emphasis>s. Gemeinsam mit den beiden und <emphasis>Frar</emphasis> und <emphasis>Amalaswintha</emphasis> in <emphasis>Glamirs Turm</emphasis> verbannt.</p><p><strong>Nyr</strong> Ehemaliger Gesch�tzmeister aus der <emphasis>Tiefen Stadt</emphasis>. In seinem Volk ber�hmt daf�r, die Drachenflitsche entwickelt zu haben, ein zerlegbares Gesch�tz, das die Drachenjagd erheblich erleichtert. Freund <emphasis>Galar</emphasis>s. Gemeinsam mit diesem, <emphasis>Hornbori</emphasis>, <emphasis>Nyr</emphasis>, <emphasis>Frar</emphasis> und <emphasis>Amalaswintha</emphasis> in <emphasis>Glamirs Turm</emphasis> verbannt.</p><subtitle>Albenkinder und andere</subtitle><p><strong>Albenkinder</strong> Sammelbegriff f�r alle V�lker, die durch Alben erschaffen wurden (Elfen, Trolle, Kobolde, Kentauren etc.).</p><p><strong>Bl�tenfeen</strong> Eine andere Bezeichnung f�r Auenfeen. Gesch�pfe von knapp Fingerl�nge mit elfen�hnlichem �u�eren, mit Schmetterlings- oder Libellenfl�geln.</p><p><strong>Gazala</strong> Seherinnen, die auf Wunsch des <emphasis>Erstgeschl�pften</emphasis>, des Drachen <emphasis>Nachtatem</emphasis>, erschaffen wurden. Die Gazala haben schmale, langgezogene Gazellenh�upter mit sehr auff�lligen, weit nach hinten gebogenen und in sich gedrehten H�rnern. Sie sehen m�gliche Zuk�nfte; gelten aber als launisch, was auch daran liegen mag, dass sie die gro�e Pyramide im <emphasis>Jadegarten</emphasis> nie verlassen d�rfen.</p><p><strong>Gr�ne Geister</strong> Gesch�pfe der Riesin <emphasis>Nangog</emphasis>. Es sind die Seelen der Kreaturen, die sie noch erschaffen wollte, bevor sie von den <emphasis>Devanthar</emphasis> und <emphasis>Alben</emphasis> verzaubert wurde. Es hei�t, sie waren kaum mehr als einen Herzschlag von ihrer Fleischwerdung entfernt. Sie sind die k�rperlosen Schutzgeister der Welt <emphasis>Nangog</emphasis>.</p><p><strong>Kobolde</strong> Eine Sammelbezeichnung f�r eine ganze Gruppe verschiedener V�lker oder St�mme wie etwa die Lutin oder die Holden. Die Kobolde sind, nach den Ma�st�ben eines Menschen gesch�tzt, etwa knie- bis h�fthoch. Viele Kobolde sind magiebegabt. Die meisten gelten als hervorragende Handwerker. Andere <emphasis>Albenkinder</emphasis> bedienen sich der Kobolde gerne als Diener oder Sklaven. Man sagt ihnen einen eigenwilligen Sinn f�r Humor und eine ausgepr�gte Neigung nach, anderen Streiche zu spielen.</p><p><strong>Pegasus</strong> Gefl�geltes Pferd. Pegasi leben in der Steppe <emphasis>Bainne Tyr</emphasis>. Einen Pegasus zu fangen und als sein Reittier zu gewinnen, geh�rt zu den abschlie�enden Pr�fungen f�r Sch�ler der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis>, die zu <emphasis>Drachenelfen</emphasis> aufsteigen wollen. Besteht einmal ein Band zwischen einem Pegasus und einem <emphasis>Elfen</emphasis>, h�lt es f�r den Rest ihres Lebens.</p><p><strong>Silene</strong> Urspr�nglich aus Dailos stammende <emphasis>Albenkinder</emphasis>, haben Bocksbeine und einen Oberk�rper, der eher Menschen als <emphasis>Elfen</emphasis> �hnelt. Obwohl sie als aufs�ssig und dem Trunk ergeben gelten, wurde es Mode, an den F�rstenh�fen Arkadiens Silene als Stallburschen zu besch�ftigen.</p><p><strong>Trolle</strong> Das kriegerischste Volk <emphasis>Albenmarks</emphasis>. Mehr als drei Schritt gro� und von gedrungener Statur, weisen sie eine graue Haut auf, die in ihrer Farbe Steinen �hnelt. Trolle scheuen vor der Ber�hrung mit Metall zur�ck.</p><p><strong>Wolkensammler</strong> Riesige Gesch�pfe, die am Himmel <emphasis>Nangogs</emphasis> schweben. Sie erinnern vage an Oktopoden, nur dass sie weit mehr als acht Fangarme besitzen. Die gr��ten dieser Gesch�pfe erreichen einen Rumpfdurchmesser von mehr als zweihundert Schritt. Mit Hilfe der <emphasis>Devanthar</emphasis> gelang es den Menschen, einige der Wolkensammler zu fangen. Sie konstruierten Schiffe und Flugplattformen, die mit den gewaltigen R�mpfen der Wolkensammler durch Seile und Netze verbunden wurden. Wie intelligent Wolkensammler sind, ist umstritten. Nach einer Weile scheinen sie die Himmelsschiffe und deren Mannschaften als Teil ihres eigenen K�rpers zu betrachten.</p><p><strong>Xana</strong> Wassernymphen mit seherischen Gaben, die aus <emphasis>Albenmark</emphasis> in die <emphasis>Andere Welt</emphasis> verbannt wurden, weil sie nach dem Geschmack der <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> zu aufs�ssig waren und anderen gegen�ber zu frei �ber m�gliche Zuk�nfte sprachen.</p><subtitle>Andere Gesch�pfe</subtitle><p><strong>Arani</strong> Ein gro�er Wels, der in den M�ckenseen des <emphasis>Bainne Tyr</emphasis> lebt und von den <emphasis>Kobolden</emphasis>, die dort fischen, wie ein Gott verehrt wird. Seine Name bedeutet �bersetzt Der Bote, und die Kobolde glauben, dass der Wels in mondlosen N�chten, wenn er sich �ber Land windet, mit seinem Leib Botschaften f�r die <emphasis>Alben</emphasis> in das B�ffelgras schreibt.</p><p><strong>Firaz</strong> Schamanin aus dem Volk der <emphasis>Gazala</emphasis>. Sie lebt in der Fels-Oase, die als Jadegarten bekannt ist, und geh�rt zum Orakel <emphasis>Nachtatem</emphasis>s.</p><p><strong>Iku�ka</strong> Eine <emphasis>Xana</emphasis>, die aus <emphasis>Albenmark</emphasis> in die Welt der Menschen floh. Lebte �ber Jahrhunderte in einem Teich in den Bergen <emphasis>Garagums</emphasis> verborgen, bis sie dort eines Tages dem Priester <emphasis>Barnaba</emphasis> begegnete. Wurde von den J�gern Garagums get�tet auf Befehl des Schamanen <emphasis>Gatha</emphasis>.</p><p><strong>Matha Naht</strong> Beseelter Holunderbaum. Matha Naht ist von Finsternis durchdrungen. Schwarz wie ihre Rinde ist auch ihre Magie. Wenn es ihr nutzt, paktiert sie mit der Elfe <emphasis>Lyvianne</emphasis>, die von ihr in der Lehre der Blutmagie unterwiesen wurde. Nahm <emphasis>Gonvalon</emphasis> seine Magie und wurde durch <emphasis>Nachtatems</emphasis> Eingreifen in ihrer urspr�nglichen Form zerst�rt.</p><p><strong>Nachtschwinge</strong> Der <emphasis>Pegasus</emphasis><emphasis>Gonvalons</emphasis>. Ein Rappe.</p><p><strong>Sata</strong> Kobolddienerin auf dem Blauen Stern des <emphasis>S�ngers</emphasis>, die unter ihresgleichen an Bord des <emphasis>Himmelsschiffes</emphasis> gro�es Ansehen genie�t.</p><p><strong>Sternauge</strong> Der <emphasis>Pegasus</emphasis> von <emphasis>Nandalee</emphasis>. Ein Rappe.</p><p><strong>Uchungu</strong> Ein gro�er Wels, der in den M�ckenseen des <emphasis>Bainne Tyr</emphasis> lebt und von den <emphasis>Kobolden</emphasis>, die dort fischen, wie ein Gott verehrt wird. Seine Name bedeutet �bersetzt Der J�hzornige, denn er hat schon etlichen Fischern und J�gern den Tod gebracht.</p><p><strong>Wind vor regenschwerem Horizont im Fr�hlingsmorgenlicht �ber dem Gr�nen Meer</strong> Name des <emphasis>Wolkensammlers</emphasis>, auf dem der Prediger <emphasis>Barnaba</emphasis> die <emphasis>Goldene Stadt</emphasis> verl�sst. Der Lotse an Bord ist der Valesier <emphasis>Veccio</emphasis>.</p><p><strong>Winterhorizontblau �ber dem Meer der Silberr�cken</strong> Name des <emphasis>Wolkensammlers</emphasis>, auf dem <emphasis>Nandalee</emphasis> und ihre Gef�hrten reisen. Er gestattet es, ihn auch einfach nur <emphasis>Winterblau</emphasis> zu nennen.</p><subtitle>Schaupl�tze</subtitle><p><strong>Aegilen/Aegilische Inseln</strong> Region auf <emphasis>Daia</emphasis> mit �ber hundert weit verstreuten Inseln. Ber�chtigtes Piratenversteck. Wie steinerne G�rten liegen die Inseln inmitten des Meeres, gr�n von Zedern, so alt wie die Welt und reich an wunderbaren Weinbergen.</p><p><strong>Ak�u</strong> Palaststadt von <emphasis>Aaron</emphasis>, des Gro�k�nigs von <emphasis>Aram</emphasis>.</p><p><strong>Albenpfad, Albenstern</strong> Siehe Glossar.</p><p><strong>Alalach</strong> Luwische Stadt, nahe der Grenze zu <emphasis>Aram</emphasis>.</p><p><strong>Andere Welt</strong> Name der <emphasis>Albenkinder</emphasis> f�r die Welt der Menschen.</p><p><strong>Apamei</strong> Eine Stadt mittlerer Gr��e im K�nigreich <emphasis>Aram</emphasis>. Sie liegt nicht weit entfernt von <emphasis>Belbek</emphasis>. Dort wird, unter anderem, ein saurer Wein angebaut, der nur regionale Bedeutung hat.</p><p><strong>Aram</strong> Eines der sieben Gro�reiche in der Welt der Menschen, beherrscht von dem Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>, der den Titel Herrscher aller Schwarzk�pfe f�hrt. Das Banner mit der gefl�gelten Sonne ist das Feldzeichen des Reiches, w�hrend des Feldzugs von <emphasis>Kush</emphasis> kommen auch Standarten mit goldenen L�wen auf.</p><p><strong>Arkadien</strong> M�chtiges Elfenf�rstentum, ber�hmt f�r seine Sch�nheit wie f�r die kalte Arroganz seiner Herrscher, die als besonders intrigant und skrupellos verschrien sind.</p><p><strong>Bainne Tyr</strong> Die Heimat der <emphasis>Pegasi</emphasis> in <emphasis>Albenmark</emphasis>, oft Milchland genannt. Hier siedeln auch verschiedene gro�e Koboldst�mme, die in der weiten Steppenlandschaft Viehwirtschaft betreiben. Inmitten der Steppe befindet sich ein W�stenstreifen, der von den <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> mit Zaubern belegt wurde. An diesem lebensfeindlichen Ort legen die <emphasis>Drachenelfen</emphasis> ihre letzten Pr�fungen ab. Dort befindet sich auch der legendenumrankte <emphasis>Jadegarten</emphasis>.</p><p><strong>Belbek</strong> Ein kleines Dorf in der Provinz <emphasis>Nari</emphasis>, im K�nigreich <emphasis>Aram</emphasis> gelegen. Der Geburtsort von <emphasis>Artax</emphasis>.</p><p><strong>Blaue Halle</strong> Neben der <emphasis>Wei�en Halle</emphasis> der einzige Ort, an dem <emphasis>Elfen</emphasis> zu Dienern der <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> ausgebildet werden. In der Blauen Halle liegt der Schwerpunkt des Lernens auf der Entfaltung der Magie. Ihre Sch�ler steigen in aller Regel nicht in die Reihen der <emphasis>Drachenelfen</emphasis> auf, sondern dienen als Spitzel auf <emphasis>Daia</emphasis> und <emphasis>Nangog</emphasis>.</p><p><strong>Carandamon</strong> Elfenf�rstentum in <emphasis>Albenmark</emphasis>. Die Hochebene im Ewigen Eis ist eingefasst von m�chtigen Bergketten. Carandamon ist die urspr�ngliche Heimat des Elfenvolkes der <emphasis>Normirga</emphasis>. Es liegt westlich der <emphasis>Snaiwamark</emphasis>, des K�nigreichs der <emphasis>Trolle</emphasis>.</p><p><strong>Daia</strong> Archaischer Name f�r die Welt der Menschen. Man findet ihn vor allem in �lteren Schriften <emphasis>Albenmarks</emphasis>.</p><p><strong>Das Nichts</strong> Die gro�e Leere zwischen <emphasis>Daia,</emphasis> der Welt der Menschen, <emphasis>Albenmark</emphasis> und <emphasis>Nangog</emphasis>. Das Nichts wird durchzogen vom goldenen Netz der <emphasis>Albenpfade</emphasis>.</p><p><strong>Der Wandernde Hof</strong> Bezeichnung f�r den K�nigshof des Unsterblichen <emphasis>Madyas</emphasis>, des Herrschers �ber das Gro�reich <emphasis>Ischkuza</emphasis>. Der Hof besteht aus zum Teil riesigen Wagen und Kuppelzelten, die auf Plattformen mit R�dern aufgeschlagen sind. Dieses Lager, das sich K�nigshof nennt, bewegt sich st�ndig �ber die weiten Steppen Ischkuzas und verweilt nie l�nger als drei Tage an einem Ort.</p><p><strong>Deva Kush</strong> Gebirge im s�dlichen Teil der beiden Provinzen <emphasis>Garagum</emphasis> auf der Welt <emphasis>Daia</emphasis>. Viele Menschen glauben, dass die Berge, die sich weit �ber die Wolken erheben, der Sitz der <emphasis>Devanthar</emphasis> sind. In den Bergt�lern wird die Nutzpflanze <emphasis>Kush</emphasis> angebaut, die Tr�ume schenkt, die einen den G�ttern n�her bringen. Die Berge sind auch ber�hmt f�r die besonders gro�en T�rkise, die man hier finden kann.</p><p><strong>Die Goldene Pforte</strong> Name des gro�en <emphasis>Albensterns</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis> auf der Welt <emphasis>Nangog</emphasis>. Dieser Albenstern ist fast ununterbrochen ge�ffnet. Er ist der Umschlagplatz f�r alle Karawanen, die Nangog verlassen.</p><p><strong>Die Goldene Stadt</strong> �beraus pr�chtige Stadt und gemeinsame Residenz aller sieben Gro�k�nige, der <emphasis>Unsterblichen</emphasis> von <emphasis>Daia</emphasis>, auf der Welt <emphasis>Nangog</emphasis>.</p><p><strong>Drei Eichen</strong> Kleines Landgut in <emphasis>Drus</emphasis>. Auch Name des F�rstentums, das die das Gut umgebenden Weiler und W�lder umfasst. Hier regiert F�rst <emphasis>Ilja</emphasis>, Vater von <emphasis>Bozidar</emphasis> und <emphasis>Volodi</emphasis>.</p><p><strong>Drus, auch Drusna</strong> Eines der sieben Gro�reiche auf <emphasis>Daia</emphasis>, der Welt der Menschen. Heimat der S�ldner <emphasis>Volodi, Kolja</emphasis> und <emphasis>Eirik</emphasis>. Wird vom Unsterblichen <emphasis>Iwar</emphasis> beherrscht.</p><p><strong>Eherne Hallen</strong> Zwergenstadt im Nordwesten der W�lder von <emphasis>Galvelun</emphasis>. <emphasis>Nandalee</emphasis> behauptet als Zwerg <emphasis>Arbinumja</emphasis>, aus den Ehernen Hallen zu kommen. Dort regiert <emphasis>der Alte in der Tiefe</emphasis><emphasis>Eikin</emphasis>.</p><p><strong>Galvelun</strong> Provinz in <emphasis>Albenmark</emphasis>. Hier liegt die Zwergenstadt <emphasis>Eherne Hallen</emphasis>. Ber�chtigt f�r die braun geschuppten <emphasis>Drachen</emphasis>, die in den W�ldern leben.</p><p><strong>Garagum</strong> Der Name zweier Provinzen auf <emphasis>Daia</emphasis>. Die Provinzen sind benachbart und geh�ren zu den Gro�reichen <emphasis>Aram</emphasis> und <emphasis>Luwien</emphasis>. Garagum bedeutet �bersetzt <emphasis>Die Schwarze W�ste</emphasis>. (Siehe auch: <emphasis>Deva Kush</emphasis>)</p><p><strong>Der Gelbe Turm</strong> Ein sagenumwobener Palast der <emphasis>Devanthar</emphasis>, der verborgen in den himmelhohen Bergen am Rande <emphasis>Garagums</emphasis> liegt. Es hei�t, dorthin brachte die Devanthar <emphasis>I�ta</emphasis> das Drachenhaupt des <emphasis>Purpurnen</emphasis>, den sie ermordet hatte. Und dort erschufen die Devanthar der <emphasis>Anatu</emphasis>, der Geliebten des Purpurnen, ein Gef�ngnis aus dem Sch�del der <emphasis>Himmelsschlange</emphasis>. Und manchmal tr�gt der Wind ihr Wehklagen bis hinaus in die <emphasis>Schwarze W�ste</emphasis>. Hier darf <emphasis>Aaron</emphasis> als erster Unsterblicher zu den <emphasis>Devanthar</emphasis> sprechen.</p><p><strong>Gelbwasser</strong> M�chtiger Strom auf <emphasis>Nangog</emphasis>, der die <emphasis>Messergras Steppe</emphasis> zerteilt und sich in das <emphasis>Meer der Silberr�cken</emphasis> ergie�t.</p><p><strong>Glamirs Turm</strong> Ein Turm, der auf einem Riff im unterirdischen <emphasis>Meer der Schwarzen Schnecken</emphasis> liegt. Bei normalem Pegelstand des Sees versinkt der Turm ganz im Wasser. Hier sp�ren die Zwerge der <emphasis>Ehernen Halle</emphasis> unter der F�hrung des Schmieds <emphasis>Glamir</emphasis> einem der gro�en Geheimnisse <emphasis>Albenmarks</emphasis> nach.</p><p><strong>Gro�er Fluss</strong> M�chtiger Strom auf <emphasis>Nangog</emphasis>, an dessen Ufer sich die <emphasis>Goldene Stadt</emphasis> erhebt.</p><p><strong>Herzland</strong> Zentrale Provinz in <emphasis>Albenmark</emphasis>.</p><p><strong>Haus des Himmels</strong> Einsames Bergkloster im K�nigreich <emphasis>Luwien</emphasis>. Hier werden die auserw�hlten Jungfrauen auf die <emphasis>Heilige Hochzeit</emphasis> und oft auch auf ihren Opfertod vorbereitet. Hier ist auch <emphasis>Shaya</emphasis> gefangen.</p><p><strong>Isatami</strong> Uralte Tempelstadt im K�nigreich <emphasis>Luwien</emphasis>. Auf der <emphasis>Zikkurat</emphasis> von Isatami wird jedes Jahr zur Sommersonnenwende das Fest der <emphasis>Heiligen Hochzeit</emphasis> gefeiert. Dabei vereinigte sich auch der Unsterbliche <emphasis>Muwatta</emphasis> mit <emphasis>Shaya</emphasis>. Isatami liegt auf einer abgelegenen Hochebene unweit eines gro�en <emphasis>Albensterns</emphasis>.</p><p><strong>Ischkuza</strong> Eines der sieben Gro�reiche in der Welt der Menschen, beherrscht von dem Unsterblichen <emphasis>Madyas</emphasis>. Gro�k�nig ist der Titel des Herrschers �ber das weite Steppenreich und ein Banner mit einem stilisierten Pferdekopf sein Feldzeichen. Die Bewohner des Reiches werden <emphasis>Ischkuzaia</emphasis> genannt.</p><p><strong>Jadegarten</strong> Name einer Felsoase inmitten des <emphasis>Bainne Tyr</emphasis>. Die Oase wird von einem mit Zaubern belegten W�stenstreifen umgeben. Der Jadegarten ist die Residenz der erstgeschl�pften <emphasis>Himmelsschlange</emphasis><emphasis>Nachtatem</emphasis>. Inmitten der Oase erhebt sich eine Pyramide, in der sich die <emphasis>Gazala</emphasis>, die Orakel <emphasis>Nachtatems</emphasis> verbergen.</p><p><strong>Kush</strong> Hochebene und Schauplatz der Entscheidungsschlacht zwischen <emphasis>Aram</emphasis> und <emphasis>Luwien</emphasis>. Hoch in den Bergen nahe der Grenze zwischen den beiden Provinzen <emphasis>Garagum</emphasis> gelegen. Vor der Schlacht vor allem f�r die gleichnamige Nutzpflanze bekannt, die hier angebaut wird. <emphasis>Aaron</emphasis> benennt seine neue Leibwache nach diesem Ort seines Siegs: <emphasis>die</emphasis><emphasis>Kushiten</emphasis>.</p><p><strong>Luma</strong> Mythischer Berg, angeblich im Gro�reich <emphasis>Luwien</emphasis> in der Welt der Menschen gelegen. Auf seinem Gipfel soll sich, erschaffen aus Mondenlicht, der Palast der Devanthar <emphasis>Anatu</emphasis> erheben, die von <emphasis>I�ta</emphasis> ermordet wurde.</p><p><strong>Luwien</strong> Eines der sieben Gro�reiche in der Welt der Menschen, beherrscht von dem Unsterblichen <emphasis>Muwatta</emphasis>. Es ist das erste der Menschenreiche, in dem in gr��erem Umfang Eisenerz verh�ttet wird, wodurch es zur milit�risch st�rksten Macht aufsteigt.</p><p><strong>Meer der schwarzen Schnecken</strong> Ein gro�er unterirdischer See in <emphasis>Albenmark</emphasis>, s�dlich jener Zwergensiedlung gelegen, die als die <emphasis>Eherne Stadt</emphasis> bekannt ist. Hier befindet sich <emphasis>Glamirs</emphasis><emphasis>Turm</emphasis>.</p><p><strong>Meer der Silberr�cken</strong> Meer auf <emphasis>Nangog</emphasis>, in das sich das Gelbwasser ergie�t.</p><p><strong>Messergras Steppe</strong> Weite Steppenlandschaft auf <emphasis>Nangog</emphasis>, durch die das m�chtige Gelbwasser flie�t. Inmitten der Steppe liegt die von Luwiern gegr�ndete Stadt <emphasis>Naga</emphasis>.</p><p><strong>Milchland</strong> Anderer Name f�r <emphasis>Bainne Tyr.</emphasis></p><p><strong>Mulawa</strong> Einer der h�chsten Berge in der Provinz <emphasis>Garagum</emphasis> in der Welt der Menschen. An seiner Flanke liegt auf einer einzeln stehenden Felss�ule einer jener Orte, den die Bergst�mme <emphasis>Tafel des Himmels</emphasis> nennen. Ein �Begr�bnisort� f�r ihre Toten.</p><p><strong>Naga</strong> In der <emphasis>Messergras Steppe</emphasis> am Gelbwasser auf <emphasis>Nangog</emphasis>. Besser bekannt als die Stadt der toten Kinder, nach einer Trag�de, die sich ereignete, als der dortige <emphasis>Satrap</emphasis> hunderte Kinder in die Stadt bringen lie�, damit sie ein freundlicheres Antlitz gewinnt.</p><p><strong>Nangog</strong> Die Welt, die von der gleichnamigen Riesin erschaffen wurde, ohne dass <emphasis>Devanthar</emphasis> und <emphasis>Alben</emphasis> ihre Zustimmung gegeben hatten. Nangog ist eine Hohlwelt, in der die gleichnamige Riesin durch Zauberbann gefangen ist. Nach dem Sieg �ber sie schlossen <emphasis>Alben</emphasis> und <emphasis>Devanthar</emphasis> einen Pakt, der besagt, dass ihre Kinder diese Welt niemals betreten sollten. So wurde Nangog zu einem verwunschenen Ort, der sp�teren Generationen nur noch als die <emphasis>Zerbrochene Welt</emphasis> bekannt sein wird.</p><p><strong>Nari</strong> Ist sowohl eine Provinz im K�nigreich <emphasis>Aram</emphasis> als auch deren Hauptstadt und damit Sitz des <emphasis>Satrapen</emphasis>.</p><p><strong>Platz der tausend Zungen</strong> Platz in der vielsprachigen <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>, der seinen Namen der hier arbeitenden �bersetzer zu verdanken hat.</p><p><strong>Purpurnes Meer</strong> Meer in <emphasis>Nangog</emphasis>, das purpurn leuchtet, wenn man es von oben, etwa von einem <emphasis>Himmelsschiff</emphasis> aus, betrachtet. S�dwestlich des <emphasis>Weltenmunds</emphasis> gelegen.</p><p><strong>Schlangenr�cken</strong> Gebirgskette auf <emphasis>Nangog</emphasis>, n�rdlich des <emphasis>Weltenmunds</emphasis> gelegen, ber�hmt f�r seine Goldvorkommen.</p><p><strong>Schwebende Halle</strong> Versammlungsort der <emphasis>Wolkenschiffer</emphasis> in der <emphasis>Goldenen Stadt</emphasis>.</p><p><strong>Schwimmende Inseln</strong> Inselgruppe tief im Westen von <emphasis>Daia</emphasis>. Hier befindet sich das entlegenste der sieben Gro�reiche der Menschen.</p><p><strong>Seelenhort</strong> Die Seelen der <emphasis>Elfen</emphasis> gehen in den Seelenhort ein, bis sie aufs Neue wiedergeboren werden. Alle anderen Seelen verblassen einfach.</p><p><strong>Seidenfluss</strong> Urspr�nglich der Grenzfluss von <emphasis>Ischkuza</emphasis>. Die dortigen Stadtstaaten wurden vom Unsterblichen <emphasis>Madyas</emphasis> erobert.</p><p><strong>Selinunt</strong> Auch das <emphasis>Wei�e Selinunt</emphasis> genannt. Eine Palaststadt, die der Unsterbliche von Valesia in einem abgelegenen Tal erbauen lie�. Selinunt wurde nur aus kostbarsten Materialien errichtet. Die Pal�ste und Tempel waren aus makellos wei�em Marmor erbaut, die D�cher mit Goldbeschl�gen geschm�ckt. In Selinunt schlossen die sieben Unsterblichen ihren Bund zum Kampf gegen die <emphasis>Albenkinder</emphasis>. Es wurde durch einen Angriff der <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> vollst�ndig zerst�rt.</p><p><strong>Sepano</strong> Fluss, der sich mit einem gro�en Delta in das <emphasis>Purpurne Meer</emphasis> auf <emphasis>Nangog</emphasis> ergie�t.</p><p><strong>Snaiwamark</strong> Landstrich hoch im Norden <emphasis>Albenmarks</emphasis>, gepr�gt durch weite Tundra-Landschaften. Die Snaiwamark wurde den <emphasis>Trollen</emphasis> einst von den <emphasis>Alben</emphasis> geschenkt und gilt als ihr Stammland.</p><p><strong>Steinhorst</strong> Abgelegene kleine Festung in den Bergen <emphasis>Garagums</emphasis>. Dort tr�gt <emphasis>Aaron</emphasis> seine letzte Schlacht gegen die abtr�nnigen <emphasis>Satrapen</emphasis><emphasis>Bessos</emphasis> und <emphasis>Eleasar</emphasis> aus.</p><p><strong>Tafel des Himmels</strong> Abgeflachter Fels in den Bergen von <emphasis>Deva Kush</emphasis>. Dort finden die Toten der Bergv�lker ihre letzte Ruhest�tte.</p><p><strong>Tanthalia</strong> Kleines Inselk�nigreich, das s�dwestlich <emphasis>Arkadiens</emphasis> liegt.</p><p><strong>Stierk�pfe</strong> Eine Gebirgskette auf Daia, im Osten des K�nigreichs <emphasis>Luwien</emphasis>, nahe der Grenze zu <emphasis>Ischkuza</emphasis> gelegen. Hier verbirgt sich das <emphasis>Haus des Himmel</emphasis>s.</p><p><strong>Tiefe Stadt</strong> Zwergenstadt im Norden <emphasis>Arkadiens</emphasis> in <emphasis>Albenmark</emphasis> gelegen. Die Heimatstadt der Helden <emphasis>Galar</emphasis>, <emphasis>Nyr</emphasis> und <emphasis>Hornbori,</emphasis> des Zwergenbabys <emphasis>Frar</emphasis> und der Zwergin <emphasis>Amalaswintha.</emphasis> Wurde von den <emphasis>Drachen</emphasis> aus Rache f�r den Mord am <emphasis>Schwebenden Meister</emphasis> vollst�ndig zerst�rt.</p><p><strong>Truria</strong> F�rstentum des Gro�reichs <emphasis>Valesia</emphasis>. An der Grenze zum Gro�reich <emphasis>Drus</emphasis> gelegen. <emphasis>Arcumenna</emphasis>, der Laris (F�rst) von <emphasis>Truria</emphasis>, gilt als begnadeter Feldherr und ist der Schrecken seiner Nachbarn.</p><p><strong>Ugara</strong> Bedeutende luwische Hafenstadt, in der sich viele Handelsrouten kreuzen. Auch ein gro�er Flottenst�tzpunkt.</p><p><strong>Um el-Amand</strong> Name einer gro�en Kupfermine und der dazugeh�rigen, von Schacht�fen umgebenen Bergwerkssiedlung in der Satrapie <emphasis>Nari</emphasis> im K�nigreich <emphasis>Aram</emphasis>. Der Name ist aus einem regionalen Dialekt abgeleitet und bedeutet so viel wie Mutter aller S�ulen.</p><p><strong>Umbarit</strong> Minenstadt auf <emphasis>Nangog</emphasis>, westlich des <emphasis>Weltenmunds</emphasis> gelegen.</p><p><strong>Urat</strong> Eine der K�nigsresidenzen <emphasis>Aaron</emphasis>s von <emphasis>Aram</emphasis>. Ber�chtigt als ein Ort, an den Haremsdamen abgeschoben werden, an denen der Herrscher sein Interesse verloren hat. Der Hauptmann der Palastwache von <emphasis>Urat</emphasis> sorgte auch daf�r, dass manche der Damen f�r immer verschwanden.</p><p><strong>Valesia</strong> Eines der sieben Gro�reiche in der Welt der Menschen, beherrscht von einem Unsterblichen. S�dlich von <emphasis>Drusna</emphasis> gelegen.</p><p><strong>Verbranntes Land</strong> Sp�terer Name f�r <emphasis>Bainne Tyr.</emphasis></p><p><strong>Wei�e Halle</strong> Neben der <emphasis>Blauen Halle</emphasis> der einzige Ort, an dem <emphasis>Elfen</emphasis> zu Dienern der <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> ausgebildet werden. In der Wei�en Halle liegt der Schwerpunkt des Lernens auf der Kunst des Schwertkampfes, obwohl auch die Kunst des Zauberwebens weiter gef�rdert wird. Nur die Besten unter den Absolventen der Wei�en Halle steigen zu <emphasis>Drachenelfen</emphasis> auf.</p><p><strong>Weltenmund</strong> Ein mehr als hundert Meilen durchmessender Krater, der in unergr�ndliche Tiefen reicht. An seiner Flanke liegt die <emphasis>Goldene Stadt</emphasis>. Ein schwacher, warmer Wind steigt vom Grund des Kraters auf, der f�r eine ungew�hnliche Thermik sorgt. Die Himmelsfahrer nutzen die Eigenarten des Kraters, um hier, an Fluggestelle geschnallt, ihre F�rsten und Helden zu bestatten. Die Leichen mumifizieren in der warmen, trockenen Luft und segeln manchmal �ber Jahre, bis sie schlie�lich an den Felsen zerschellen oder in den Abgrund st�rzen.</p><p><strong>Windland</strong> Weite Steppenlandschaft im Norden <emphasis>Albenmarks</emphasis>, s�dlich von <emphasis>Carandamon</emphasis> und der <emphasis>Snaiwamark</emphasis>. Heimat der Kentauren.</p><p><strong>Winterstein</strong> Nach einem wei�en Fels benannter Thingplatz in <emphasis>Drusna</emphasis>, auf der Welt <emphasis>Daia</emphasis>.</p><p><strong>Wolkenstadt</strong> Auf <emphasis>Nangog</emphasis> gelegen, eigentlich eine ganze Ansammlung von St�dten, �ber die wenig bekannt ist. Sie liegen im Westen des <emphasis>Purpurnen Meeres</emphasis> in Tafelbergen, die sich hoch �ber den Dschungel erheben. Hier befindet sich das Versteck des Himmelspiraten <emphasis>Tarkon Eisenzung</emphasis>e.</p><p><strong>Zapote</strong> Eines der sieben Gro�reiche in der Welt der Menschen, beherrscht von einem Unsterblichen.</p><p><strong>Zerbrochene Welt</strong> Sp�terer Name f�r <emphasis>Nangog</emphasis>. Ein altes Schlachtfeld, der Ort, an dem die <emphasis>Alben</emphasis> gegen die <emphasis>Devanthar</emphasis> gek�mpft und sie vernichtet haben. W�hrend jenes Krieges wurde die Welt auseinandergerissen. Ihre Tr�mmer schweben weit verstreut im <emphasis>Nichts</emphasis>.</p><p><strong>Zinnk�ste</strong> Weit im Westen, nahe der Meerlunge gelegene K�ste. Ber�hmt f�r seine Zinnminen. Wird von den Zinnflotten des K�nigreichs <emphasis>Aram</emphasis> angelaufen.</p></section><section><title><p>Glossar</p></title><p><strong>Aal</strong> Bezeichnung der <emphasis>Zwerge</emphasis> f�r die primitiven Tauchboote, mit denen sie unterirdische Fl�sse und Seen befahren. Das Boot gewinnt Fahrt mit Hilfe einer Kurbel, die l�ngs durch den Rumpf l�uft und von allen Besatzungsmitgliedern, mit Ausnahme des Steuermanns, durch Muskelkraft angetrieben wird.</p><p><strong>Adlerritter</strong> Gef�rchtete Krieger <emphasis>Zapotes</emphasis>, die ein Federgewand anlegen und sich mit einem Adlerhelm schm�cken. Es hei�t, einige von ihnen verm�gen zu fliegen.</p><p><strong>Alben</strong> Die Sch�pfer der Welt <emphasis>Albenmark</emphasis>. Ihre Beweggr�nde sind ihren Gesch�pfen unergr�ndlich. Sie ziehen sich immer weiter aus ihrer Welt zur�ck und verzichten anscheinend auf einen Gro�teil ihrer Macht.</p><p><strong>Albenkinder</strong> Sammelbegriff f�r alle V�lker, die durch die <emphasis>Alben</emphasis> erschaffen wurden (<emphasis>Elfen</emphasis>, <emphasis>Trolle</emphasis>, <emphasis>Kobolde, Silene</emphasis> etc.).</p><p><strong>Albenpfade</strong> Ein Netzwerk magischer Pfade, die durch die <emphasis>Alben</emphasis> erschaffen wurden, so besagt es die �berlieferung. Es verbindet <emphasis>Albenmark</emphasis>, <emphasis>Nangog</emphasis> und <emphasis>Daia</emphasis> miteinander.</p><p><strong>Albenstern</strong> Schnittpunkt von zwei bis sieben <emphasis>Albenpfaden</emphasis>. An Albensternen kann man die Albenpfade betreten und auf ihnen sogar in andere Welten gelangen.</p><p><strong>Allwurzel</strong> Wurzel mit fast magischen Heilkr�ften aus der Welt der Menschen.</p><p><strong>Bandag</strong> Rotbrauner Saft, der aus den Wurzeln des Dinko-Busches gewonnen wird. Die <emphasis>Albenkinder</emphasis>, insbesondere die Maurawan, benutzen diesen Saft zur K�rperbemalung.</p><p><strong>Barinstein</strong> Meist honigfarbene Steine, die ein warmes, nie verl�schendes Licht spenden.</p><p><strong>Bola</strong> Gef�hrliche Wurfwaffe, bestehend aus zwei Kugeln an den jeweiligen Enden eines Seils.</p><p><strong>B�ffelgras</strong> Bis zu zwei Schritt hohes Gras, das in der Savanne des <emphasis>Milchlandes</emphasis> (<emphasis>Bainne Tyr</emphasis>) gedeiht. In der Trockenzeit ger�t es leicht in Brand.</p><p><strong>Daimonen</strong> Sammelbegriff der Menschen f�r alle Gesch�pfe <emphasis>Albenmarks</emphasis>.</p><p><strong>Daimonenohren</strong> Menschenwort f�r Elfenohren.</p><p><strong>Der Alte in der Tiefe</strong> Bezeichnung f�r den Vorsteher einer Zwergensiedlung. Gew�hnlich residiert er in den tiefsten H�hlen und entstammt einer der f�nf gro�en Familien, die ihre Herkunft bis auf den Sch�pfungstag zur�ckverfolgen k�nnen.</p><p><strong>Der Blaue Stern</strong> Ein Wolkenschiff, in dem ein <emphasis>Alb</emphasis>, von den Albenkindern der <emphasis>S�nger</emphasis> genannt, �ber den Himmel zieht.</p><p><strong>Devanthar</strong> Weltensch�pfer, �hnlich den <emphasis>Alben</emphasis>. Von den Alben und den meisten ihrer Kinder als Verk�rperung des B�sen betrachtet. Sie beherrschen <emphasis>Daia</emphasis>, die Welt der Menschen, und lenken die Geschicke der V�lker. Sie lieben den Wandel und stehen damit im Gegensatz zu den Alben, die nach Vollkommenheit streben, um diesen Zustand dann f�r immer zu erhalten.</p><p><strong>Drachen</strong> Ein Sammelbegriff f�r verschiedene Drachengattungen. Die <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis> sind die Statthalter der <emphasis>Alben</emphasis>. Die �brigen Drachen stehen in der Hierarchie tiefer. W�hrend die Himmelsschlangen intelligente Gesch�pfe von gro�er Macht sind, sind etliche andere Gattungen wenig mehr als besonders gef�hrliche Raubtiere.</p><p><strong>Drachenpfad</strong> Von <emphasis>Drachen</emphasis> geschaffene Wege zwischen den Welten, �hnlich den <emphasis>Albenpfaden</emphasis>, aber viel gef�hrlicher und nur von <emphasis>Drachen</emphasis> und wenigen ausgew�hlten Gesch�pfen zu �ffnen.</p><p><strong>Erstgeschl�pfter</strong> Ein Name, den die <emphasis>Himmelsschlangen</emphasis><emphasis>Nachtatem</emphasis>, dem �ltesten unter den Drachen <emphasis>Albenmarks</emphasis> gegeben haben.</p><p><strong>Gazala</strong> Seherinnen, die auf Wunsch des <emphasis>Erstgeschl�pften</emphasis>, des Drachen <emphasis>Nachtatem</emphasis>, erschaffen wurden. Die Gazala haben schmale, langgezogene Gazellenh�upter mit sehr auff�lligen, weit nach hinten gebogenen und in sich gedrehten H�rnern. Sie sehen die m�glichen Zuk�nfte und gelten als launisch, was auch daran liegen mag, dass sie die gro�e Pyramide im <emphasis>Jadegarten</emphasis> nie verlassen d�rfen.</p><p><strong>Geisterwald</strong> Bezeichnung f�r die Heiligen Haine der <emphasis>Drus</emphasis>, einem der gro�en V�lker auf <emphasis>Daia</emphasis>. Die Drus bestatten in den B�umen der Haine ihre Toten und glauben daran, dass man in den Windspielen, die in die �ste geh�ngt werden, die Stimmen der Ahnen raunen h�ren kann.</p><p><strong>Getwerg</strong> Anderer Begriff f�r das Volk der <emphasis>Zwerge</emphasis>. Wird oft in M�rchen und Sagen �ber dieses rebellische Volk verwandt.</p><p><strong>Gr�ne Geister</strong> Gesch�pfe der Riesin <emphasis>Nangog</emphasis>. Es sind die Seelen der Kreaturen, die sie noch erschaffen wollte, bevor sie von den <emphasis>Devanthar</emphasis> und <emphasis>Alben</emphasis> verzaubert wurde. Es hei�t, sie waren kaum mehr als einen Herzschlag von ihrer Fleischwerdung entfernt. Sie sind die k�rperlosen Schutzgeister der Welt <emphasis>Nangog</emphasis>.</p><p><strong>Himmelsh�ter</strong> Elitetruppe unter den Kriegern auf den Palastschiffen des Unsterblichen <emphasis>Aaron</emphasis>, des Herrschers von <emphasis>Aram</emphasis>.</p><p><strong>Himmelsschiff</strong> Von <emphasis>Wolkensammlern</emphasis> getragene schiff�hnliche Konstrukte. Sie dienen haupts�chlich zum Getreidetransport auf <emphasis>Nangog</emphasis>. Einige sind zu schwebenden Pal�sten der <emphasis>Unsterblichen</emphasis> oder auch zu Kampfschiffen umgebaut. Auf all diesen Schiffen erhebt sich ein Baum aus einem tiefen Erdbecken, der die Verbindung zwischen Schiff und Wolkensammler darstellt.</p><p><strong>Himmlische Hochzeit</strong> Fruchtbarkeitsritual zwischen dem Unsterblichen <emphasis>Muwatta</emphasis> von <emphasis>Luwien</emphasis> und einer Jungfrau.</p><p><strong>Ischkuzaia</strong> Steppenreitervolk auf <emphasis>Daia</emphasis>. Die Ischkuzaia sind das Herrschervolk in einem der sieben Gro�reiche. Sie sind als Barbaren verschrien, die angeblich Menschenopfer bringen und f�r ihre F�rsten grausige Totenriten zelebrieren. Als Krieger gelten sie als unbesiegbar, solange sie vom R�cken ihrer Pferde aus k�mpfen.</p><p><strong>Jaguarm�nner</strong> Gef�rchtete Krieger <emphasis>Zapotes</emphasis>, die sich mit einem Jaguarfell sowie einem Helm in Form eines Jaguarkopfs schm�cken und ihr Haupt schwarz f�rben. Sie benutzen Krallenst�cke im Kampf.</p><p><strong>Luwier</strong> Bewohner von <emphasis>Luwien</emphasis>, einem der sieben Gro�reiche auf <emphasis>Daia</emphasis>, der Menschenwelt.</p><p><strong>Maurawan</strong> Elfenvolk, das hoch im Norden <emphasis>Albenmarks</emphasis> lebt. Ber�hmt f�r seine Bogensch�tzen. Die Maurawan galten als unberechenbar, verschlagen und eigenbr�tlerisch. Selbst <emphasis>Trolle</emphasis> z�gern, die W�lder dieses streitbaren Elfenvolks zu betreten. Zwei bekannte Maurawan sind <emphasis>Tylwyth</emphasis> und <emphasis>Cullayn</emphasis>.</p><p><strong>Meerwanderer</strong> Auch Walhirten oder Seeherrscher genannt. Riesige Meeresungeheuer. Die obere K�rperh�lfte �hnelt einem Kraken und die untere hat etwas entfernt Menschliches. Ihre zwei Beine sind gro� wie T�rme.</p><p><strong>Pfade der Unsterblichen</strong><emphasis>Albenpfade</emphasis> zwischen <emphasis>Nangog</emphasis> und <emphasis>Daia</emphasis>.</p><p><strong>Rotr�cken</strong> Eine mehr als zwanzig Schritt messende Drachenspezies, die in <emphasis>Albenmark</emphasis> unter anderem im <emphasis>Bainne Tyr</emphasis> heimisch ist und dort das Gro�wild der Savanne jagt.</p><p><strong>Rufer</strong> Alarmhorn auf einem <emphasis>Wolkenschiff.</emphasis></p><p><strong>Satrapien</strong> Bezeichnung f�r die Provinzen <emphasis>Arams</emphasis> und <emphasis>Luwiens</emphasis>, denen ein <emphasis>Satrap</emphasis>, ein Gro�f�rst, vorsteht.</p><p><strong>Schwarze Schnecken</strong> Eine Meeresschneckenart, die einem gro�en unterirdischen See <emphasis>Albenmarks</emphasis> den Namen <emphasis>Meer der Schwarzen Schnecken</emphasis> eingebracht hat. Diese im Wasser lebenden Schnecken werden von den Zwergen aus <emphasis>Glamirs</emphasis><emphasis>Turm</emphasis> gejagt, die aus ihnen einen besonders haltbaren, schwarzen Farbstoff gewinnen.</p><p><strong>Schwarzhornb�ffel</strong> Gro�e B�ffelart, die auf <emphasis>Albenmark</emphasis> in der Savannenlandschaft des <emphasis>Bainne Tyr</emphasis> beheimatet ist.</p><p><strong>Schwarzm�hnen</strong> L�wenart, die auf <emphasis>Albenmark</emphasis> in der Savannenlandschaft des <emphasis>Bainne Tyr</emphasis> beheimatet ist.</p><p><strong>Seeherrscher</strong> Anderer Name f�r <emphasis>Meerwanderer.</emphasis></p><p><strong>Sichelschwalbe</strong> Das Wappen der Zunft der Himmelslotsen auf <emphasis>Nangog</emphasis>.</p><p><strong>Silberl�wen</strong> Bergl�wenart, die in <emphasis>Albenmark</emphasis> sehr weit verbreitet ist.</p><p><strong>Silberner L�we</strong> Diese Kreaturen wurden von dem <emphasis>Devanthar</emphasis><emphasis>Langarm</emphasis> erschaffen. Dabei verwendete er Splitter vom Herzen <emphasis>Nangogs</emphasis> und erschuf Wesen, die nicht lebendig, aber auch nicht tot waren. Sie dienen den Menschen als F�hrer auf den <emphasis>Albenpfaden</emphasis> und haben die Macht, ein Tor in einem <emphasis>Albenstern</emphasis> zu �ffnen. Sp�ter erschufen die <emphasis>Devanthar</emphasis> auch gefl�gelte L�wen, auf denen die Unsterblichen in die Schlacht um <emphasis>Nangog</emphasis> ziehen sollten.</p><p><strong>Sippenlose</strong> Eine Bezeichnung der <emphasis>Elfen</emphasis> f�r jene, die den Dienst bei den <emphasis>Drachen</emphasis> gew�hlt haben. Oft handelt es sich bei den <emphasis>Drachenelfen</emphasis> tats�chlich um Ausgesto�ene. Wenn dies nicht der Fall ist, leisten sie den <emphasis>Drachen</emphasis> Eide, die st�rker sind als jedes Sippenband.</p><p><strong>Smaragdspinnen</strong> Eine Seespinnenart, deren Leib so gro� wie der eines Grubenpferdes werden kann. Man trifft sie nur im <emphasis>Meer der Schwarzen Schnecken</emphasis> in der N�he von <emphasis>Glamir</emphasis>s <emphasis>Turm</emphasis> an. Sie stehen in Verbindung mit dem Geheimnis, dem die Zwerge der <emphasis>Ehernen Hallen</emphasis> dort nachsp�ren.</p><p><strong>Steinrat</strong> Eine Ratsversammlung verdienter M�nner aus den Bergst�mmen <emphasis>Garagums</emphasis>. Nur neun M�nner geh�ren dem Rat an. Ein jeder von ihnen tr�gt einen Dolch, dessen Griff aus den Knochen des Weisen <emphasis>Zarud</emphasis> gefertigt wurde. Sie entscheiden �ber Fragen, die die wilden St�mme betreffen.</p><p><strong>Tafel des Himmels</strong> Name, den die Bewohner von <emphasis>Garagum</emphasis> ihren Begr�bnisorten geben. Es handelt sich um hohe, abgeflachte Felsen, auf denen die Toten vom Vogelrufer bestattet werden.</p><p><strong>Unsterbliche</strong> Gemeinsamer Titel der sieben Gro�k�nige, die in der Welt der Menschen herrschen und f�r die <emphasis>Devanthar</emphasis> den Krieg um <emphasis>Nangog</emphasis> f�hren.</p><p><strong>Verborgenes Auge</strong> Alle Gesch�pfe <emphasis>Albenmarks</emphasis> besitzen das Verborgene Auge, doch nur wenige erlangen die F�higkeit, es zu nutzen. Wer sein Verborgenes Auge �ffnet, vermag die magische Beschaffenheit der Welt zu sehen, jene leuchtenden Kraftlinien, die alles und alle durchdringen.</p><p><strong>Windg�nger</strong> Name der Elfensippe aus dem Volk der Normirga, der unter anderem <emphasis>Nandalee</emphasis> entstammt.</p><p><strong>Zapote</strong> Bewohner des gleichnamigen Gro�reichs auf <emphasis>Daia</emphasis>, der Menschenwelt.</p><p><strong>Zikkurat</strong> Gestufter Tempelturm. Gleicherma�en in <emphasis>Luwien</emphasis> und <emphasis>Aram</emphasis> verbreitete Tempelform. Besonders ber�hmt ist die Zikkurat von <emphasis>Isatami</emphasis>, auf der der Unsterbliche <emphasis>Muwatta</emphasis> zum Mittsommerfest die Himmlische Hochzeit zelebriert.</p></section></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Es hei�t, der Applaus sei das Brot des K�nstlers � Doch wovon leben Autoren, die die meiste Zeit �ber in der Einsamkeit des Elfenbeinturms hinter ihrem Computer verharren? F�r mich waren es die vielen Mails, Posts und freundlichen Kritiken. Auch wenn ich nur selten antworte, lese ich doch fast alles, was mir �ber meine Homepage www.bernhard-hennen.de oder meine Facebook-Seite www.facebook.com/bernhard.hennen geschickt wird. Und es sind diese freundlichen Zeilen, die mein Brot sind und mir die Kraft geben, meine Arbeit zu machen. Daf�r sei all jenen gedankt, die mir in der Vergangenheit ein paar Zeilen geschickt haben.</p><p>Ganz nah und von all meinen Schreiblaunen unmittelbar betroffen ist meine Familie. Es sind Xinyi, Melike und Pascal, die daf�r sorgen, dass ich den Zauber dieser Welt nicht aus den Augen verliere, wenn ich von meinen langen Reisen nach Albenmark, Daia und Nangog zur�ckkehre.</p><p>Treue Gef�hrten bei meiner Queste um die <emphasis>Gefesselte G�ttin</emphasis> waren: Karl-Heinz, der Herr der verlorenen Kommas und W�chter �ber die innere Logik des Elfen-Universums. Elke, die unter anderem daf�r sorgte, dass jeder Sattel am richtigen Platz lag. Und Babette, die stets Antworten auf alle Pferdefragen wusste.</p><p>Ein Geschenk ganz besonderer Art machte mir Maite Itoiz mit ihrer wunderbaren Musik und ihrer Kraft, Tr�ume wahr werden zu lassen, die daf�r sorgte, dass die <emphasis>Drachenelfen</emphasis> als Rock-Oper auf den Saarbr�ckener Phantasie &amp; Mittelaltertagen auf die ganz gro�e B�hne kamen.</p><p>Mein besonderer Dank gilt diesmal Martina Vogl, die den Roman als Lektorin begleitete, mit viel Empathie in die verwunschenen Welten eintauchte, aber dennoch nie den Blick f�r all die vermeintlichen Kleinigkeiten verlor, die eine Geschichte besser machen.</p><cite><text-author>Bernhard Hennen, August 2013</text-author></cite></section></body><binary id="cover" content-type="image/jpeg">/9j/2wBDAAUDBAQEAwUEBAQFBQUGBwwIBwcHBw8LCwkMEQ8SEhEPERETFhwXExQaFRERGCEYGh0dHx8fExciJCIeJBweHx7/2wBDAQUFBQcGBw4ICA4eFBEUHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh4eHh7/wAARCAJYAYkDASIAAhEBAxEB/8QAHQAAAQUBAQEBAAAAAAAAAAAABQMEBgcIAgEACf/EAGAQAAEDAwICBQYICAgKBwcEAwECAwQABREGEhMhByIxQVEIFDJCYXEVIzNSYoGRsSRDcoKSobLBFiVTY6KzwtEXNERUZHN0k9LhJic1N1XD8DZFZXWDo+IYKJTxhNPy/8QAGwEAAgMBAQEAAAAAAAAAAAAAAwQCBQYBAAf/xABCEQABAwIEAwUEBgkCBwEAAAABAAIDBBEFEiExBhNBIjJRYXEUgbHBJEJSkaHRByMlM2Jy4fDxFTUWNDaCkrLCJv/aAAwDAQACEQMRAD8AzglNdFulksGuw0TyoVwmSE14de8MmngjmlW4prmYFeyJghkqHZSrcfHdT4s7e6vAmuqOVIIZ8RXqmk+FOUDn2UsGge6ouupNaU0SyScUsIuBmnbMck0SbipWgDFDdKWo8bMzdUCEYk8xypRuOewVI4luS8NgHOulWotq2Y50MzX3U/Z2gaIG3F6uCK7EQd4o15i4g4Uk/ZSjMBZX1k0F05JRmxNa1CfMviuymS2cejVjyLH5rY+K6Oa1p/RqJTIO09QVIPc3vIQs9t2KMqQe3NckE9hou9EKORP6qRLGBy+6m2kFKSB10NwcYNcFJzRTzYnmfurwxT3fdU9lFClNJJ7K+VHTjlRREMk8hXXmYBrwXraIG40U+rXG00ddiKx6PKmT8Yp7BXboVrIaQc1yQrup2ljlzrpLGeyuLxCYbD3iklo63IUY80JGcVwuGcdlSavZUG4eK52KzRUQya6ETHLFTQg3tIWG1EV6GVeFF0w/ZSyIW7uryn1QUMGvlMK7RR1NvVjmK5XBVjkKjmC7lcgnDUa94SjRdMFWeYr1cIjsFezBdyuQlLWa5U0odlFkxSO0GulxDtyBXbrmUoGpo4pMsqx20bVDOOyuRBUT3V1cyFB+ErwrpLSvCjHmJHq16IhB9GvXXOWfFCktKA76+KSDRcxvZSbkSuZlHI4IO4k5zXBSTRRcb3/ZSDkfA766uapgocsUkaeONkUgW+deXrpACvcClCjFfbRXrLykaGlKUAE86NwLelwDcgJPjQ9pxtJ/fT6NMwMJORSjwcvZVrFlR2DppUnLjeMChl2hNxXi2e0UozdJTSFIbeWhJ7QDQ959JPMk10WOygLg3JXDjaSKbKb58qdpWhVelKO2pXLVE6puw1z50+abTSKSkdlOGMGhucVNhATtllOB3fXS4aSkjKj9tJNsqxkGnLTSSQFDP10s9NNOZPrc3FCgtT5Cge6pXaE27iNuOp3YPb21FGI+TtQkYPjU/wBJaYkyreh4kISVdvbXYZC42YLlQqIm5cxKJM2qBN2vcIKRjGRSkiwQEPIcW2E7SBzqQQ7IWIK2GFEdXA99M9R226eZoaDZWduCR41aSlrI82XVV0bTI+wOiQulnjv2xSHFtpRkZOewVErvpJbcc3CM8HmgduE+FFfN5i4Xmspp3LiwgnNTSHpRbFtTCjvHGAVBVV75nVQtkTrGimbcOVBz4BeJKG+yhbkLacKRVj6gQ7Fu0hiMnZ19mzZQ6dpq4MJ48mK4ygp3ZUKSiqC1OzU7XAFQjzXHdQ25PmNLSyhPW9YqqWuRcd1MnLIudLQ4ANvrFVGqqnLESlY6ft2TWNa5DsXzgNHFcCLv+qrMtUyAzC+D2E8a44w2gDl1vWX4Y8KN2TRdnjW/hvs8V1z5RY+cao4uIOVZs59E7LQXbdipNyJk0i7ByKs/WWkItqZjyYvE2ObvTqNeZ/zf9Gr2nrmVDMzEiKZzTqoSq35OeZ+qumoO7JKDUyYtqpkgMtslRPo7RUkY0K6mCuQtBBTz299FfVNZuvex3Nwqv8zCR2Vyi3qddCEoJUo8hViL0fMeiuSER17UnsAofCs85qegtskqB6qSKgK9pHZXW4e8m/RRc6bdDPFdBH91D/g/DtX/ACbVNvtlbifBXBLTfbj7aredpuelXE4JCAT3cqGysf8AWRXUjOijLNsCkAkV05AQ2kkCpXGtu1sBQriXbQUECpc+57yn7M1rdlE/NMjsrrzDI7KNpihPIinCYowMUbn3Q20zVHEwB3ivFwBnsqRqiDNe+YBXMVDnqXsoUaVEQBzQKTXFGOSRUidhpx6NNVxu7bXRJ5rnIAQJURJ9WuFREjuo75unsxzrw25a05FS5vmoOgCA+bj5tc+bZPZR1dvI7jXIiY7qnzUN0RPRA1xj3CkVxlYo+uOAKbKZ62MCiNkuhGnugio3V7DTRyP25FHpDIHhTR1nl2Ci3Q3wgKPSY5pi42QakjzIx3UMlsc84roclyxCFpxXO2nLyMGkttTUUaUk+NLNFSR2078yUfVrtMJXhS97bJtgt2nJvxT40olBcTmnaLcTjIozb7WnYMpoRdl1RMhcowppzPYaXYbcVy25qWLs7K0gpBz7KJ2zSU2SQGIhcz4ChulZl0RhC7qoW1EWTkpNO40Ne7wqz4/Rnf1MhSYoAPce2nkPouvSnAFR+EfFXZQDKbaAqYja3cquI8RQQCTinceOdwLaCo1b9i6K31O7rm8hIHcipdF6OrI0gAsqVjvNdbTVEg7Isue0QRu3uqIhwyT8YCKtvoyMN2A5EQoAseLm7tqYjR9nx/iQqGat0U3amHZtraI4Z58M+rXGwT0n6xwuvc6Gr/VDqpwxCKfDFOhAQvtFDejwtzbAC0XSW19ff6XuqZsx6t6aYSsDgN1UywmJ+Q9EDEFgIILTe4HlkUwvUW5LtpVCUGXQrkalb8NKsj0Vdxr2LGCWil5W/ny5V6UXuLLsZILSVAhpH4TfamPOtZbR8Yvh9aiWorMGdMutuhpzDKk/q7qlwA+MwPQ9Gh98S07ZZAc4mdiv0qrpYI44zkFk3HJI+QByzE/C+OcGK50VpxF31fIizUr4TKEqTj3VZJ0hK8+3Y4Y6x3/Npex2hy1XqTckIBQ8hOz9GsrX1P0Z60Ay522UO6Tplo0FpjziDH/DpTnDjIP0fSUqqv0t0k65YlccvtOsE/GRy2nZ+Tu7RVodNFmVqSLBW7DdAhqUVZGfSPh3VBLgiJZ7e2hqE1wHnVBW45PVHj3V7DoYhCI5G5iiMcXOuNFM35x1DGamPHPER1APU+iPdTf4IcVQbQnDguvNpLjUSRzwV563iPCp0G1gZHZ400HmPQIpYHbpnYLQIMoPh5KVAcganFrucVMgplbFjb1hjtqJ8BxSuSs04UwtporW5zKeVRMj3d5BfBGRYIhqa4QG07oHEQSeskdhpx0fy7XIumJbTbSh6K3E1FVKUVEq7KLWCdGhSt8lhLzZGMd4rjXvYbhQkhZlygq45qLe1b3n3QlTLSCVkVAL+u13iD/FeFnbhKaQuduuN2uMZm2qcRHlI5AHqox4/bUqsHRy1aX+M3M7U4Ke2raSaar0jZp6/wBFWxxQUpzPdqqUu0F+PJKFtYpg4ypCSQKuLXOiHA27cfOwtXht51WJjuAkOd1Iva6F3aCs4pRPHdpUeVG5ncnvrox0EfVRd9CR2ppsoJycCjtkUXMsELXFrxEai8coDo3JyKMpYtCm0mNuHzkq7q6+a3RcyKLN29T2MJpKfa3Gk+jzqfRDZ21laRkY5UDvxacdUWjgd1CZM5zlIsGVQh+GsdoFIhOwbRyFGpCCTimzsT1hVg1+bdKPYbaIedxHOuFnAxinymDjkK4U0NvMc6MNUAvKFuN55gUktCscxRThZ7qSdZ9lFaUI3QV5nl2U2da6vZRl1vI7KZPo5kYpkJd6DOtcjTCQ1Rp9HOh0lPOjNSr0EksYprwqKyBTbamiWQrq03tOraOMZpm/bUs9talunRuIlw41sALTjfoOep/fVM62sPwPepEFxxtxxHzPbVGJHt7wV20RvF2qvHIwTjAotYIPnk5iMV7N6x1vClnIxT2poppvZDvEOS6je02sKcT7MivPlvZcDNSrys3R/p+3xATE85dxnevrfZRSzWUNtZQwlptfWCRUmS01OtiX4jyXGnkpKVJ7MGnMWCI8ZtpOSEjGTVkyJgeCAqwyPta6FJhECuhFx3UXEYDvroM47qdCCUIQwVDspcMBIAxRLzc9wpF5QacAWKg94aMxXWtc53ZTdEfNQ7pO/A4rwG/C2NmB6xNWEhqh+pbU5cYC43DQQscie40jiLDJTkNKYopAyYFyiHRbItjemkNJVtkpOXkntqXv3GExDMkup4Se/vqM6X0dKtdzcU8QWVDAPealh0/A4PCcSpbau1JNVtFJWCINcLpqsFKJs7XXQ6DfIk+YGGkOL+ljlRrgY5DmK6iW+NEJ4DKUZHaBTlKfVJq0hbKARIbpKZ0ZddmgTBmKhAKe8185AQ62Ud9EeGkCuxsT7qJk07SFftZgoLqWFJhILy2Stn6AqCz7y4sKjqijherkYNXLdZQTEWgbCtQwAeYqt9XmG7CVxmGxJR3tiszXwhj/ANWr2hne4dsKCyXlyNwd5hScKqLXK123DYl/GbF/F+t6Z8KkYXnOynsjT4l2njY/CEddFIvY/TKFal7QdVTd4fal3l20LZbDTe1GQvalSgKm+iroy8x8DF5pyVHR1EfPT/ypOYzDjxJc9FvjB2Onc7lPpGgOn1B65tXcQWmZTXNxzrfo+0eypMmv0RNxZWhChq37yK6mRE79xp9ZLnBu1sRNhSG3UFRQvafRUO0Ujfz8Ujh0a2iWB7SCSm0kqQvsSOVDWgpSwB40/luBOxS/SPbTRIIXvQa9lXWvUq01dEwryw48+tIxj3Crlt95tcwbI8hKzs6ufGs6JklK+fNXYSe6jVmuSm3NipIRgdQA4qUFVNTHK3UIVVRMqe3sVP8AX9u1K5CW8zMSuMASppPaRVQuJf3/ABjZRnuNWPb9TOutORZUkISB399RrVKoa5OY5KitPWI7qHJK2WTN1UqaN0AyOUSnkAgYpksZTyHbTuYvcrspsoHAxTkTNFySS50SLeC4lJ7BRNLTLiEoSsDFDVNkqNOYMNbqjtWciiSNUWG6W81KE4C+VM56MI9LnRNaVJTsHM0ycZccByaHGADqpyXy6IGsHd2mvVAFPbTp1raoim60EHBNPNAKRc9ySCc9ldFkEcxXoGOylR6POi2QwmTiAOQFJqZChzp6oDwpFdEaLKJKGvs8qHPM86I3Pz3b+BtsrVnnxCRTFp8vReM8jgLT8og9iaYYlXoVKbVQ2S2rwoqmZElrKIz6XFJ7hTSZ6FMMS77ILKbzTXhU+k0150QIGVfoQ/q4Jtzj8aMpZCDsAHfWfdTSXrhdn5klCjKWs7+XYKtO13G4QnPNgw26yTyV4Co9qO0M8ZyWAlKnV7iKyjKuSXRy0jaVsJ7KreNHMh9SFJUlIPh21IbPbEuOp2s7lZ2nl204bZZRLQgkZUeypro0xET2+K0koScJPtqEz/qlSjaACVYPRzBMbTMdLmQv1hUkKBTe38JxIca7OdfT5cZoKaceQhzbyGavoHiOIKglvJIbJndLrDhNFJwpXcKTh3aO4yFLI3d2KgUtUp2QpD6iVZ7aeWs7VBG7BqgOMSc0lXAwtmTMp6ia06wVIzkeyg7zjzkkL34Gae2nhcFSFOpJNcSGm2XklfMU9O98rQ66SiYI3FtkWjkrRk05SCMU0gyGnUYRjnT8c8Zq4ifnbcpBzcpsuCCa+xzruviKIornAxXyU4r016mvei8uHFBKTQmY67go8aKugAeJphLSM5PbSlSMzUentmQV9tRR1sk1G7zbwoLeUnlUxWEkYqPX91DaFpUoAVmallirqndbRV4+hi3tb1kbj2Jr23XdTqAgcyk8hTC973lHaSsg9tNHgY0Y7OoojmqixtsESRd39m2PCV538k5tWtA9lRLVvmVsjtCEzwhM2/s8/wBVGVL3dvOkJNtt9yeb874nEQjajr7fupOqhLZC8bFMU0wAylBdI3RrT6sZ/AZJ66PVT9P2VNrlL4rIIPEHdUH1NbrUFNWp9CkqKDuG/rBIORzovasJgIbS+89w+q2p3t2imaeUPdayJUR3bmuncglQ3K5KxXzG9A3L5jFeIWVq5869fcwMDlyppzUm1yTdBJ3pxmvW94O40kN2M4NLJQ4tGQDioOYHImd1kq3JWFgmnbkgOIzyzQs8jgiuS4UnvqPIU+bYL2QjcvIpAjb208ZO5GTX0gpbCUN5dkK7GgOdEMoj3KHa6HqCj6NOIj5YGe+jlv0wgDz3Ub3msUDfw1dU9nYaBx+kPT4ur0WDZLeYjXJtxxYSte35qcZqp/1yKZxENntHVFbEG63Ta6XYRfjX3to7f/6oXaL6i7cV2Kkhpv13xw/aVJB7aP68nWOVZGtSaht3wcofEQog9N/b6Sto9X2VAX+kq4TJjcSDauGDw0sqcaSngp+aBtxj6qYiq3yjss28EIsFySVJ0SESGkutkKSsApPiKRwVd1LoZ2NIT2YGK+wE1fx6i6SKbBNdAVxcnlx4TrzZSFJTyB76ZWG5qu0MvqjKYIVjBo7QlybG6fqTzzSKxlVODyFN3OzIogahucmz2NpNMXU8sY5U/cIxzpk+tAJyrFFaxLuchDzLTSlFCACrwFC5Zz20WlrBz7KCyj20drbIZchcwkE4pnuNOZhwTzpluqaCXLYttfkNFLa9wbdPM/NonfGkOBKWiVDHM0PkMOxwM52g8jTkXFHmyW1FIUn9dYp+Y9oLYNtexUVeY2XJQcGD6tGtPrjsyD524pKM8qB3q4NIk8VHxjgVgAU/hNy7gwEMxiR87HfQHOc7Uoga0BWNpXUTiSuOkAoQrqn2VzdJb0288bgbWm0HcrxFQy2KuFmkpccYKkBWHB4Cjse7CTJVkENbfR8RU/aCRb6qV9mY1+dMTd/OH1qc6jY7KUttwQqTzVyHYTQu8RlRZSzjan5tC25KgvHd7KXAykBNjZWvZZrTyxjGR7aIXSQOFuWQMVWNmnuMulaSrA9tFZ16ffaSgd9GErhHlSkkDeYTdS+HcUBaOErFHolzB9M5qqo8twq6iiMGpjaXFKjoUo5yKPS1sjHZAl6mlYdVNGpSFClQ4FVHYz5CgM0UadO3Oa0lPUcwaqonhyJ8T7aSdd2dlJBwmuVArpn0QFyuSoqyBmkZLh4alHwrvG00znqGFAHkRS8oOVORBo1QdU5TalZ+qojflPSJKitRCT3VJZDZJyKDXRHMqKazlTclWULm5lEpY4O/lnnQGd1lKyeRqTz0BWfaKjNwTjJTXoTdFeepTPu5V6yE8dpZ5bTXB5LwfCu2mVOuBI5DFOSND2WKFdzTcJDUWl3LhNXcPPwMoG1OzlgCo1qh+Yl9liG98kve/wDTSOxOe721Lnkyo76HC6tcYp248DVa6hkvIvcx3n13tv5o5VTtYYnuD+iuKdxlbYKfWaR8JxEPMp+MPJaAew+FGWre84jcRjnjsqP9Fdlv027tXC2w/ivx4cWlO5Ps781aTSoiZsiArlJZ9Nk+klNOCoY5uuir5mZZMqiKLXudR7qeOWvYyk+2jkp23xHELkyG2tuOSvb2UOvV/aDAYiQpMp1fqpb7K6KqFn1lDI4qITOs6v1lfRoNen/immmpJLnGRvA9Lh55mjUWM1c+KuXcURR8xsBTm7d8zNFRFtMLgptFvmzbm7/lLsbhIR+VvGAKrZsbaTeLVTEJ6rwW23zIvnzUC/hrvb4rf9rmmhQ1xB07cmbVaNP8OW85ww87IS4pHvx91S9vTD78R06lvOA53NbfzcL7TUJ1rqqx2aN8CxLFHU5E+SW1zJ9vV6yVfR51RsM9XfOzPb3WTNg3rZW6ym3W6wttX14S5jpD7i3E88kZAx3D2VB77f8AQ9rmPXJu2QUSP5dY/ZxzJ91Ve1N1zqN/j3a8S4cdfht4qx3d3Ie/nRK32W3w3uOGlvyP5aQ4XFj3k9lWtPw9IADfLfoGpcTRxt1Nyvb5LueoLj57Cji3Jc7Jkhve+v6O3sQn30lGt0hMjzy4T35rjfocYJ6qvcP30YLu5KAe2vFHCjnsrSU1M2CMMCXknkebkpm44c7TXgORSshAHXpD3U8xrkq4r0qwO6uSs9gAArzIrlShR2NSzyuHF4GKbLcxTe/XBq3wlSVIWvHqikIU6PPYDrCsp/XnwpxjEm9yVfdNDZrivNVltCVueqFHANPXzQ2QrkaLlCHmPVBIs2XK4vnDKGtito299D5MxlTxZS8nfnG3vou+Rk0BkxYyZ/nSW078Yz7a6vXSEo8zmmvKlZZ5mmma4uLfEm0SruoNMYCQe0iiMPo2hOJSqbIUVd4TyrprVTMRJTDiY/KpvL1lMdQfi0D3cqzNPTxtb223cruarlJsw2aisTRmlYDxUqDxV+LhzSs5+JEgrj2+K20O7YnGKhbN+nIlLfWkYPZhWaRXqiU4VpMZa8+IxR5I3FtmtsEu1wJuXXQC4rlmStxe5e5XWOabJmOx3QtIO4HkjFEX5KhJ4qil7ccqRjspnLu0cOKLds5Z9PNV5w+RuxVp7exJSX5colx0EZ7qSbbGckfXXkm9cipMBRI5Y8a4gz3H3w25H4aO08s4qBoqgLvtsafx14VhIANPTuKAabMgZJW2oeFPWFNlBTnHvoZppR9VSFTGRuvoKHC7uQk7B6VS+zyRwA2T7qjkN+O20WwvBNErcvhvJJOQagIyDsvPkDm6KUsrCFdtFILoIxmo83vODRCApfEAq7on9qyQqWZxmR5GO2vQevXDJxjNdqwOeKuVVZdUm8ogkChUxXW59tP5LoAOO6gUyTlzcKUlc0bpyFuYJKSpRyKE3dpRaChT8uFSz7abXYlEcI8aoqk3PZT7BqFEJ6Dnl2VH5jJcWSOXOpVICFNncM4oLKbwer2GlmOt0TRaSgT0bYsczk05Z2oSBgE+2nZaKl4I5eNN32esCk5p1kgIS72lLtxTPZ82H/8Az7aK6d6K2H7K9NuQ/CnN3D+h1vS99F+jazLkS0vOp6lW0hhCEcMJ6opaopjUuuEF9U6n7LVnG3Wu+6OvXGYyWR3dbr0+1PGn6vUzPCWrZM9RwSEhbn5u/mKuPUEKKfjHQ39dVjqB4RpToSn8Z13N/p/neqMVj5I3U7y12yeZMJW5gO0o7eIFwYeZhK/i9oLy5JPPKdvWT1vE9nd1u2hGns3WZbQxcWpj0l1Ych9VrYhPV623nn35zUrmSBcbWY8jnncPW6m1PVV1vysVWGk7rD0p0kRPPY5MRt1Tefmbv3A86JTXeSfBME6WVz26bYbJONsuMGPa3v8AJ3FcmnPcrvoVqLpCtEG4m3Kls25o/Lzcej7k99COnhImadmpQfinWFONHs6ycKHW7qoOxaaXdnhLkvqLXe+d36KM/fTeGYWKxpcHZbeV0OV4ia0v1upJN1Tdrtc7jatOyZhthkqW065u3bfar1B6XLtp9abSzB2uqVx5I7XF89v5I7qdwosaDGTHitJabT2AV0V1uaXDYqe+Uaqqkq3HcpUPEd/9KvOMoH/8qRya8C6c5F0DOiDT9eXCdHgRPOpaihsKwSEk4oXKmCJGckFKtqBk8q4sl5F1YcBaWgI9R77ag+Et3XWyJB/OqYfFtU+RD4a+v2p3eyisNl9uI0h7m6E9dWc5NdW9uLCaW2wjaFuFw+807KxsobnFo0U/NNFDHbXBNDLpdDEvTUbC3G3keihBJSqn7fWGT1c9x7aYjQ3NC5VggpOCaY+bNhRUhISpRyogdtNr3Fujk1tyC6hsc0rX9E+yiGwoYbbJyUbefjTjHJFzE0eGBQubg0YkJ6poRMQTmpISDyk9uKFSqMSE4zQeZ6RqW68hkk9tM6dyk9tNMVBcW4whS1YQM0m7HdBIV1a7iPL3jh8/bTiYhxwAqNUjpMrlZBqHqjrSMleBQ+Qy+67hLm0eNGUMlwFGSqmj0QhRAUc1zmsvqvZUwZThAK1BRB+2u2WUrUtIbHbkDbmnibe4lG5eVc+XKnKAhoAbNis8zmumYBeyoe7HUMJCE591JpjYPUHM9vKiu3K9xUD4Uu2tCApTZy4O3lmvc/Nsu5CEGUytJ2lJFebMZAHPvoku4uLf3FKVbfo00ecDrqiAApfaKm1znKNhbdNMKCvZS6Fq253kY9tdtslXI8gO+l1NJbYKAdxX7KjkBKlcgJa232ZAO5C1Op8FnIoq1rGYlYUuMwpPgBio8/GLfL5RPgeVI80pwBgeFe5bc2ZqHc7Kw4Gu7eoBuTEebPik5FGYmpbHKG0TEoUe5fKqfye4YFfLcCOfI0wHkG5UC1XRIRHfbJYfbc/JVmg8q3OE5BAqtGp8mONzTrjJ+iqncXV97jkfhHGSO5wZoMxL9AEaF+UaKZLjLQvmlVD7qHMYPMU1ia84hAlwEHxU2aIfDthuHJUjgK8HBiqaeCVpuAnI5w46qNSUlKCRgjvoXIaJIyDjuqeN2uHJRmO6h3PZg01mWBSRuCFdXupJznsGqda9jtioUhrOSrs76TcaRzKRUgn2xTbYWlG0nxqPzVKZeLZIUo9oFG57Y48xK9lJOimvRzKUjcCcITU8NybSAor6pqpNPmZ8Hymon4gqz9H6I9pp7qWfcbVbxMXFMaK23uALgJz4HwqjjxmW2ZuihLSse+ymmrJzKox54GP6XdVXTZD0gKYZHGl/5P6vq7lKV3/OwKfC9C/2Jp+FJYdI9FvP0e72jwoHKU9AkglQZ+M4mc/o8v0e2k5pHzuzv3TFNTtY2wTMPqeWM8IFwob4f5O30vrV295qvukGc7H1dcjCDPJt1DjjnySM43K/aqVXbU9vtIemvTmXnm3N4A+f6qlnswO0CqJvWoZuqL6YbLLoiOucz/LK3Z3ftcqtsJoJKmpa5o0buo1VS2Fmqm+idfSNWaaOiFRnp05jf5rL+h6XW3fR7Kf2ual2M3FS4FvISEqATjaociP1VA5cKXoycm8wWSptaQ24kHG5J9IZ9tGJsQ2jXMqfY7Y63EYjNSHW3HVFDKXEpCk9+TWmFHFRyh8bbX1SDJjNGQfqqXOkk8qTKzivluhxO5HfzpFTndWghYCquQ5TZdqcxXgcz20mCDXPPNM8gJMy5SuLlCbuDXBfcdS33pbVjNKx2mI6NjTeE++vUq5V8lXOuOiARWSgpdDiwedOEPcuZpsT1KTUvq0lLCE0yQuT3cgqB5V66QVZTQ7iKCyAeVKtOkigsZ2kU6hLKVikXHBnFKnFN5CDnI7aZjKHINEOu0pMS3uvJcSCkE5Pf7KYIlIlQ23UEL3pBUfD2USmx0PsqQ80FpHMg0LWlDTZbaQlCB2BNMA3CSfo5MJhwDQWXyVmi0teRQaWvJIruy4mcjnmmmKdDrZrjZUSFxb8ti42VbYzaVd/KlJSI6gXFBBI7AaHRlpSolByT404eALCi4nKsd1YgvkbsVp3RMO6HzJ45tpbSkkdqai8iW+y4oJJHPxovLU0lZU4pKT3UMceiZ6wCj7RTkD/ABal5Ig3ulNTdFlodbs7qSVcFqyoK5VzLQwpzKBgeFMiEgnCTimMrUA3RJi5uDlupT4QdKipKutQ5oJxnFdI7SCk++pBrVFEI8nK9yjnI7Kctqxk7ckihaE4wRnNOGXlBY7vfRACouARJt1KUYXuxS7q21JHWGMcqZb93MkYrlbiSrn2V5vmuAJxJcK1JIXuIFNlqAxgEGknFY5g18pZOMdtEbZDN104rkCVZz2Ui4eQ3Zz3Yr5w7sE0mtWypL1ly8tRGM8q4SoA9p299eKUThKTn2Vy5lHaeXhUXOXcq6K0kcs48a7StI76bJWcdbsrw+lkK+quZlJEGJDjXWbcKD7Din41pdre18bLyjq+n1k0BU6nG1RzTJyMLzI+DvxCdrsl3uZQnrel49WlKmWOCMvf0RYWGV1gpfctbylDgO2wedH5NYzt3K8aHqj7ozM7snPOJ4Qc9npKV9Sai8TUDCbpMvBYy9IbUqE2fytqcfVtOakMVTNvvtsVeHzxnWslz8S36yU+CawVfKKgi3RaCGLliykFzEi0W1gJ+N4ZRIk49fapKlfqo5q6OLtYULiLS604ncFDmMVXurdd27zV6NAfD9xlfF/QYR63W8aA2XXUyxEMsP8AnURXpsL9H6vCoQYdPIHNcLBBfIGuDvBRWddX9HyZdnQxHbDjm9uVjsT8wp9agmpdWy1xshlT2W8ZDe39VW1dbHprU0WXe7xHlNMIb3NMhPr+IV631VEtCogP3Q2qS3weG58VuH6KlCtFhzWy7nZBq5X2OVVQi13O5NlUtxSm1c8Huo1arPHRGQWRtUDgH5qvGrkuOmYyVGS2ylJ/GoA6oNQ+72gwpC5TKfiX+q4n1Ue2tbA4Du9lUT3l+6WUxHvmmTCewXgNn5Ckp9H+6q5YlSbTqVSXojzUOdDER5J55UE4B+up7ZS4xcR81z0/9Z3Ufv1ntV8jZxh7+l//AGKPNTia1zayXhn5V9NyojY3OJZY7n0dn0uRIwfbyrpxHXpaNZXrOx5m7xXRvUts+/uriQhaXOF4dtMU2jQizgE3SCc57a7KMjtroDHdXDqj3Cn2qvkXXZXBITzHbXASpXfXwbxnJqdlFrrL5b4CeZput/rkBVKLaSrtNJFtCCeyhuYpiRe8bCsAUs0sp5qputPIEV4orSPGgmJHEqIMupUTyrtbnV5UPYWpPOl+IFIOORqPKsu83VevHe3gCg0pjasqosSoNmmElQIO411ee66CTxyPKgslINHJvfQSTncfCvIaaL5IpDd7q+kqIHbTXefGvZl5bg87Q2SohR8K8cuchbZShYbHtp0u3sKRuW+lJ8M0wnxWkJKW3U/bWZijjV25z+oQyQsLWVrXvPtpo8Aog57adFBJ7BypIpUewgfVTLWW2ULkpopOFYHbXBQsDtyDTwtJABzk17wkn0RUsoQsx6pNhoJAyM5pTh5J7q6QjI6pr3bj31zKuhwXbbGQCDmu3GDsBwM1w2+UDGAeXdX24nmN2cUN0b2lSzNC+PVTiuSklXtrolWOrg8q8Uo8XJPPFdylSzNXimz410loqr1tWTSwUAT1htzzrhJauaJosKScUi5z5kZogsoU4RyxTd5Cg72jsojZFxzE1T1VAqOffXMg70naBn2UotPPszSLiduc8qlYO0UL2TNa8euaTed4fp/pdldPqx3ClNPwG5r8qdcHNlvgMqde9p7cUjWzmniLgjQMMht0SDUG4XPe8hPm0Jr5WQv0R7vGlZjVxl6Yftmm7QXLclzbJlFxKOOn1koV62e/Hup1orWPwrfm7BNs/wCBSfk/1+r2berUr1XeYkOyz5kkDzG3tkNtj8Y76iftxWNmlq6h36xvoL/0Vw3LGLBVfGfgW02y9yGOMV5W4M/J+qhKU+A8BQbUmpZ9+lOsM8mfQW5/ZKv3D7aEwIEuY2hcskJKc7O1Q9ns+qj7EAAYCMfm1d0WCvjkEkh2UanEWgWYgUeztxued7n/AK7qXXHwPyaPeZcqayI+Pzq0bMrAAFUPc5w7RUl0fqpoW+32WQyNzLm9Dh8aT1+i9IuLFwdjAIU7vQ4B3VB5LRZeCkL6wVuSodoqV2TW5kWYWS/jitcTAf8AmJ781nK2hkFUJmG4TkMwDbFTCxPu3S2+d8JQxyWk9ivbQ++W9Co7iyctr5LR7KPaOaDSXI7LiXEIHxZHYU011EwhDa3N21aj1PmmrOkqjJ3lXTRhmyqeYg26TsPoo559nh9VSWy3pMxjhchw/wBHs/fQbUzJkOcJAJUs9w558KJ6C6MNWTpDb0tk2+Afxj/yik+xFXkcl0k5l0esKTc7k1AYGc8kfQ/5d9RjU1in2K5uRJrakkKO1eOSx4itA6P0tbdMxQ3BC1vqwXXnDlS1eNMekqxi6WaU+0OK7Hb39nh++mRIvAWWeAM+lzrpSEV9IByeG51PVV6P6u403U4PGmGvsly269WpKBgCkF9Y12obhmvANqudHbJdCLU3WnsOTSSkBRPM07cGSAK+4WEHPbXSbLwCbbSEDnXQTypTAKeVfbeXKooh7KSKDnlXhG0+FK7SK9cRkdYVyy8HXTWQ4dmAaGyFHvNP5bZHZ2UwUhRJFRIU7IdMOU8jQaarAo8+zzNA7gypJJFBcpBBZa+fbTbd7aXmI50221CxXFvNq3N5y4V+7NevWuKpHNKvtojIJC+Q518yQpJC6y3MkWkyMQfzGK2jAbJ+ulItqjvHm1y99eywpLpCR9VPrespjlS0gGol0g6rwY1M5NrhtjAaP20PlRYiGCdoKvfRK4S9mU7qjVyuCVKCSsfUKPC5xCFK0AJZDzDQAKE/ZTtCoz4A4efzajkiUkr2pWBypzap61BSOXLvBpi5sggCycKshU+6pUpbeT1dhpRmzyWldSUpzPbuTTyNLS4dh9LxolHKCQTz8a6ZHBTaxij0qPObdwlCM9xrx6HIShThAKiOYSakkttso3J5Ghc+W1FCeIM7qiahxU+QxD2klvKltkcuWe6uHnF7CpojI7c08ekMPtZQpJPfg0wkLCUFSR2frqfOBbqELk2N0nHecdJ3pJ5d/ZSjisEA9leRVKXh934pkdgJ9KlJSmHCXGXCo46yCez3V1rmEaob2PB0SaVg8sc6bSlAg57aUSUvAbEFKh24pGQytZJSrGPnUTlHdQvdCJjncP2qfOQ7i7ov4LiqZaMrLshxboG7YpJx9eKStBYhE3O5PNFtt/gttr9dXzseAofdNQC/6pamOMBm2WsJHCH4x9Xo7vnHPo/k1jq+pdUvsVbUsQjZonlpm2nT8b4UfmEzXBscf/o8NtPefuFCrpdpuoJCOO35tBZ+Qi+H0ln1lUcNkDr3wi98bIcQkoHpcJPzAnupWPp1vt4jn/CKt8OwyGJxEpufggVVS6RtmtUfYigEZp6htKezFLyoq4rqkqbV9HNM3XtmCGxy9KrolVrTddulKRQyUpJJr124qUcKZZPuB/4qK2W1agub/wATplv/AFj+5Kfyu2vNbdSzKJSUKVjCSc+ym4tVwc+QgS3fc0auWzdH+opyvw+7s29pH4uE2nP21NLZo6y2oNcV6TKd63XlPlX9GiBnmuZ1RWhY+sbdeorsSz3B1lBwtHDVt2ntq5v4KPzwC+75q128P1tqvVqRIcjxmgvqIaHZjq12m5MpdCCFub+zHWofssbn5rKDpHObYodB0rabR1ocVsPA9Z1zm5RdUhxDwaCipShy7zQGVLlqfUHQpDZPNXrGnMWS64hQjtFhaR1Vq5qNHQ0bU80kLW84EqpFD6MLcSAAB2r9E00jxFrUVv55nkDQbVMG6zGX2WnChhA7E8qKDdRVWa/sDBvMqZZmh5q45v2I/pKSPDNQV6Ots5wCkekSOyrAlMP2mK9MiN+dvRpvGRHLqVuoaWrrJSkel4j66Aaos0iJJQ+rc5GmNh1lak7CoH2dx9lFY9QLFGwOXPlXJIA504cZWBz50gps55g0w111DKu0jdhQxXL+U4wQT767CSGqbO5PdRQVC1lyFpzXuDjcBnNJbVdwp4wMNjPdU1yy5baW4M9mKVbZ7lUo0tGcZAzXeU+NeXbWTN9hI7qHPR8KJNGXcbM0zWN2cioleQiSynb2UDuLGEnl21Jn2+RzQi4ozyxUCxeuohPY7eVD+CfCpBObyTypnwvZUcq8twPyEuL3DlSDk5KFEAdnfUXM9XFUAs4Htrl2eEs7t2c+2sq9i0TQjS7jxHsAfXTx24tJjbQRmocicS7tG0Z9tfGSskjlih5UbQIrcJinVEcufeKjUhwJkKGSqjDQyjdu7e8mvE6fuc1RXDjofCvWSeymqcOKXqHNAQZzro3YrqEtUdRyM5qXQdA3VxoecutsjwHPFEWujzasLcuiVgeqlHOnC02SgkaAopDcV8qCeXZmjNsnKWkhSMHNEJGiiGyfhBaAk8+rgU3jWeE0otNXlgrB57lc80J0blNs7Cvn5KEpIVlJppIhiayntVmiEjSz8gcQXFJHd3g0QiWeXEZS2HAs49Uc6CYnFGEzVCnYaIUnDkpaMdqdueVeLnWlKynEh1X2CpXeNLyJi9+9LT2ORx20Ic6PphIWqezuPs7KKGEt2UeawaoBJnLfWBhKUgYSkdwrlt455k5qQjQM5Jyucxj2CniNAOJ2rXPOwjmUppV0Mh2R21EQbqozHJ3gkqO7206aZb4u4AqI7ATUyg6It5aSHZchSh2nkKIR9I2dAUFrWT3ZWBmuGln2JQ21NPuGquZNqt0lSnH4iFKPaedcW7TtojyA/HiI4nbnJq1mtOWppIxG7O8qzmlkwozOOEyylI+jXBhzhqSumub0aq+ZhvKUC3HcI9iTS6bRcXThLK2+fjU6kSkx1DahPuxSTV1IkEhpDKiO1Sa6KFrXXc5R9tLh2Qo2jSsqQA5JeaxjBSU86Q/gnaY6lKfbdOe0IwBUtTcmnFhG4KWT2CkJ0mQHVJSwFp+bgVYtYGjspR73SHtIPYrfYILPFj2cBwHkCMnFSByQkpbwgIB7EHtAqOiRLTIU2AefMY7MV4iVNekglYSE8kgdpqWZD2RyXMfjj8HaQArvUaHyZUrYA0shzxV6OaRkmU4rIQpAHZnnmlLbCUqSl+SVBB7j411QSZLymtjpdXjuxRGGibvbEdktkp7aJRoyFubjuDZFOk/FqSGmnOXIKNSaGleuh3weXGkh5W1wK5mnMGEhlZKFb895p0GkJWOIorKufurwrbKNiVDke6p2aFzMunU5TkHcR3UhLYcdjqCTzWMFNOGwgKyTyxXIWFJJQrvqYUVS2qbT5trFqVby2Wm1/hSFekrPbt9tAruppmUq1T7sXYp/Cobnm6uSezZk57PfVv36zRA47LVjxP3/APr6qzrr/wCFnlPXZnitW6K4kers2lXV2/T7q83VccbLh988VQSAfCkmy64eaeVM7ddfP44eASk+AFGo+0IB7yKO0qJTcoUEYFeNoQkHKcmlX1gdmKavubEE4JHsNGQsq+cQATikuE4UkA4zXKHgpRJNdiU2UnnjFEC8uG2ig5UckVylxS3DzwKbLllKyRzBpWKtK0nHbU91xOUnCNqlc64KglJpnI3JSV7udILlFCAFd9cXLpxIUDzzyoTN6ySc15Lkr58+VNn3gWwM11czIZNA50xp3KVuzTTFRyry0UxJVzUo5zS7zu5sbcc6FJUd2B2U/YQCjPOszJay0jd16ArAOOdPYW4KztB99cxo6nFc+yisWM0lI3ZzSZCZ6LtTq0sjhssJI7wnP30q1c70oBtu4ONpx2JGK8fKUDalINLWsMnK35BbSk9iUg5piFzm6JWVrUgq53hk87rJOPpGkRqi9NPf444R4nnRCZM00tS0OGY4vHalOaFJFlkIIYtd0kkH1VbacAdulDlUqtmqRenhC5Nyut1F569Gfg1lz4163Ng9X1AqofZLK+zJ89ZszcV1v5PiPqV2p9lTC3y7iGPwvhuftVI+SA5KxYMaM2kMM7Ug5AB7DTkoOXMqAWRkEHsps1dXXFLbcaaRt5gjvr12W45hRLCfYO2vKKGXW8sQntjnGdWgc+GDihKtYAq2MWx57n2FVPpcIvrWtaA4tXaeIRSLVoitdYsAnv2qxXrO8VNuVdo1GXRul28wm8fynP7KS/hdFcRwG4sh1KDyUSEinAaYRjZb45Hi4dxpw0VKQU8GOAewBAofa8UTsp5b0yHGkmS3IQ3sHzOf6P76IlLKchtpWVdmKHJkvjl+l1KVTJf/AOHqUVpQnIhxMBRVkFJpZbzPDUFLITjnTAJB5KWoqXzNdoQ0pBzkipEqNkot1pQSWlZT3GvUrbW4U+bFWB2nvr5AbSAAkYHhXYdIcO0YAFRynqupBAQXCTDSnwPhXXAKlBxSlJHeRXoefyrITtPfSyVb2x1sHvAqQaFzMV75hHW/u2lWTnnXL1ut6llQbKVezspVCwVYCsYrpbzaOR7fCuleKReistNgtAI9or3hJQsK2AhQ9KujIST6ITSDkttCCpbqEkHkK4FDKl1vNIOFN59oHZSUqcllrY0rKj2BQpku/p3E7EH6qSF5YccO5lJA9lSzELtku2qa9H3LIAz3U9a+K6yUpJxzFM0XtJwhtgba6VdXdwDbCQT7KkNV5EVJUpAAyAe2m8p9pthSQoACmD9zeSlXFICe7aKHuXEushUdgvJHp5r2dcypPUGbjALX4v8As1R3SQwf4NXm0h9plqM4xLbbkOK27fQUlJHZzVnNXXIelY5jhhf6W2qA6ULvBkLvDL07zXiHgI6m7elKgSnH5ia8w6rpVZ6XkTIVy4E0jg/P4iVfk8x21YUaQjhenn21V0k2xgfxXl13+Xkep+SnsqS6befkW/0V70e3NOOZ1SkUlm2UqdlNdmaTdlt8qFLJz21wo8qKyxUu0E7kPpKjt5U3cdORSaj3k0mpZz7KI1vVRSm/ceddpfU2klBxTYqHca4Lh5pIyKkuJw5JcUs7lcqTddKkqH2U3WSXEhI7aWDSgsbjXEMpNLJKSs0KlJUSTjvo2sgJwFUPlIyTg11QQd5ZpHerwpxLTt7qabq8pAq/YYKl7TkVILc0gN9YmmFtaSM9mfbRZlO1OCRWVlFwtU3ZOS60xgo511x0rAUVYHspkrGcGvFrAQQKWDUb6qdvTY6U4UHPeCKHm7QUqKD5z9ShTaWoqzQOWpSXDTUIsUvN3VKLLOsrKuNMhynW/pvpSndUqj6v0zDj/FBtr6DO1X3VTy3CpWcUuhhxSd4SKeGqri3Wyt9Gu9PrIKVqSkeKa4e1pYHV/wCMuY/1ZqrG2ZCSFJwr3UqHJu/mSkD2iuOKlkCtGNqGwSRlt89X56SPvp0m9W1xQSh9v7aqrbMWnapzclXgsU5iQXN4DgQEjxV/dQs1ypchpVnC4tZPDIX9dJquG8Y2Yx7ajdudagNBCnWVKPtxToXNsJPyf1GomQKIbZGUqbebSpZOUnuVThDyU9YZqOi4BRICgB76VRLPeoYqJeAu7qQicARilPOgDvzUcRLSSBvpYSCFc1cqm16HlUiTNSpOSvFeplbVgJcODQBuSPHtpQSwnq99TDgvZXKRJmbspHaO+vPOnFggqxigKZvVzke0V0iWMctyjXs5K9ZH231bMcjmuy+A3kKwfEVH0TDnvH118uagH5bHgK8CuWR1coFI2knxNcyJwQkEnFR925BDYDZICx2Ui26pwgvLPsBrnM0XUcXNkOry0kBJ9Y0giOkvlx57efAnlQ5MsghIOAKTlTQjBKhz8Khzb7KWVFmXGE7gQlZ9vfX3nERIKuSDUdXOyobc48T30m4644nqqNc5q9kUgdurSSEpAPurtq5JUBvXjw2io2wA24eIoqPhT2O/gkpASO+u8y+y9lR151Cm07sAntT4V4y2TnC9jXfjvobFWgOKWSVKPpZ7qfpeIa7iO6p50O6b6qlNRrVIcz6ArJGui8q4uxXWtnEf853+tzAx91X7r7VNiiR3YbpM9310MOdX2ZNUNcQq4XByUoudblt3die4fVRWPbuFF6j/AJkVI7P+VdWWQi13VsO5DD52E+FSWJBCm+z/AJ0wvFqTkJWnmOz3eNWcBL7tCqJew8FGZbKoygjOUkbkq8RTcqxXennRPt67PJVmVH/xZR9ceFNF5QVA9qTipkFmjk012YJRb2cJrvKCnmqh7ziq7aXlIB7aIPBcungIzgCu2kgg0kgd2edKJJCQB211dXBSoELHdXQXxFHcqvVuAIxTZWBuOa8hv0XEtYbSdpzTFyUUjBpd9WU0xkpGOZrygkJT+4U04leScJ7DTbea8vLTkd0dWnC5RBODQZEghKcdtOEubjms29i1DEQQ+VKGeylQsFBxQ7iAEYpdlw8/ClXDVMtddeyiAKFPoSrdyGTT+asbScGh61jIo8YQJdkOkt9emd3leZRVOE4Hf/fT+Uvr0JuRQ4ytspzyp1oukCbKxdNaFtd7061eYmpnVxnOSVIijrH2c6jOpXdGWC7OWubrF1Upk4cS1GC9ivA4NSXodJ/wQqZaz8VcnPvSf31ALdZbdP1DfnZlvDx86c2K+lnsrK0tTVTVclNJKTltr63/ACTrmtYwPA3UjEIzbWbtYJ7N3hjt9RY+3I3eym5kF23l1pp1wjt+rx8KJdEjQtN4v9pxw4bsZtYa+Y7uI3fZSNwj/B+pjHz8TPb4/wCclW1X9mo09dIyufRO7VgNTvrffxRCxrohLZEdB6Xi6qsyriL8W1tna82InVZPzTk9tJ6jd05pCa3brjq/Dqhu2ph5KR7cGnnRAeAjWMcfzTn9FY/dUUutpjXLXt187Tu+T/YFCbNMa51JzHaW1v4+Vl5wHJ5tlLNLybDqRfm9r1aXD4GEn9nPZTDVd3d05PMWQ4JjCmeKysJ2etgjHOozPg/wUvFv1HbBgRHPjED1293MfZRTU14hav1b5xCSXLdGg7EcvXUpSlf2RTzmVEdU1nM016ILDC+MuAU807ZxebQ1cmNUAR3PRPmfZ9pqO3zUOm7RdF2+TrXc+3yUBD5D7DRLoz4X+CtTPP4u5PfeD++q3tun4dzuF0eeZyfOnP26QpZJpqp8BlcMvmOvuU3xsbGH23Vgrub0SMzPQ+1craT/AIy3u/Z/upvf9Q+YwmpCXm+GtwBbnpBtJPNWB20l0UoDemNR2RfNqJLSuPn1d6eafqwKjkiKlD13tTnNtvJa+sUzRVUvMNPL3m9f6L00TcmdoVkfBc5+1M3ePfmTEca4jbnm/p/N78YodYb87NW5Fl/FSY/UeR/aHsNFtDzWGeiu0NzOaG2FZ/NJqDPPMXizI1XYlfJK4brY9Pq+k2r7xSFNic8Vc6J5uwAgna19vgimja+O40KMuXxp3VEaz+e+aiRt2HZuUtRONg7hR272t+zxX507U0NqK03vC3I+3n6uev8AdVeXjhPSbLd2hzbnMrK//qipX03I84tbqFHqOSY4x9dN4lUzw1TI2u73y/yhwsbI0kjZBNK6lTfrxHt0q4IhLcxsKWCovLPsJGKmF/hv2CLMnTtTRG2muxTkfmV+rnr/AHVBfMmYV/03LZwC3cWf2wKPdMzXHfbz2Ge3y/NP91QxGqmpp4og64eQPS69EwPa4+C+YvT8myonqHNaNxHtp3ouO5qmzrnRNQtNqaOHkKi5S0fBSs5zTdphkQktIAA25CfZXfRH+Cfwuj+o5w14+oin8Sn5URkHRCgGYhtlzd5As14g2126RbhJc3cRhtG1SE7eSuRVy99FQ78Xy+bUM4DQ6RLq53oDWFf/AExRa53SPCgOOKd2HuouHvndTNdIdSLqE0bQ8taNk4mXaVJuDdttv+Mr+UX6qE96v7q8iXB6Fd/g2a9xA5u4D+zrL8UkeNMUuu6X0Bc9Uuc71NSGo5Ppblckj6hmmGnUyNVdEyFPKze7W8W1uescc2z9maQNdPzuY09gdP6poU8YaWncqVzdRwbeHCt3iL+ajtqN2C9HXt+esL9/Nr/ko8dvct7q5UrcfuqKw5ZlRTu+VG7eg+klQ5Gu9DBuN0uaZdbGNzykn62l1ZTyPc0ujNrNzIbIMmhUq1b0daa03aVzrvrF9lhKwhZUyjIJz7fZUXt+m9KXw40rqxuU+32NOxscT7D+6pB0/tNTFWxD7YcBuSsg+40CRpyNpy8Wa/W3A4T6MgDkQpe0iq2lmmlg5gdZekiYx4aBuhnmT1ukOw5jPDdH6PvB7xRjo+0za9avSYb128ymx9x4KGEqwkd+T+7FSfpfhMqlquDaQlLT6Co+KFEJI+3nQnojj+adLzfg5bXv0eRp2mxOapw8zxaObv5pGWkENQAdimmrejfRulVRZl217KiKUfwdSmkdYfUqhErTmk73MCNOa6iyZKhyQ41jcftpl5S0BNwv1naXkgIcx/RqpYEVNqlg44RB5ON+p1uSxTuGCsr6IVLZLHXS3nbfqh1ElPSzCJzL3UwvlsuNouCoN1jGO8PROcpWPEGkWUEHJq5tT29GuOie234c7glrcT/PN9VX1Hb/AEqpqO+HWCewjtqywjEn1bHCTRzdD+aHWQCKxbsU5K0pIGa6L6e40NekpB50gZYGcVcDVJXaiTr4JyDTd2SlKwM02LqG4+4nmaHLk5cya7YKJciTjo3Hnypu+rcjtps67nAFcOuAN4J51zVQum8jnmmua9kSE5IzTbjiur2ZaOaIUe2lQ7sPspm2oDspRRUU8qoZBotM1PmHkq7eynbKxjkaDs7s+yn8cgHmeVJObpdHancnYUg57aHuBvcTu7KcSHgQMHsoQ+6dy+fKpx6IcuoST/CC+S1fo07hWCTLYLuwNt9brvEJTQ51xtK+aVfpVyZTriSFunZ4ZqxYLqtedVPeipow+j+eyHg6n4Uc7PcmoPbdQMQp96z2+dOfeamfQ4Qro7uBPb8KL+5NV7DsMY3a5XXUUli02gTXThbm1b/WV1UDtxWHp5YosWqHSOI7u3XdXEjHSU0YaFZXQpbn7vx7tKY2ic4nme5pv0d3vJVUZ17foF26Tnvgj42FAb804nz3d2VqT4+H5tE7lfpmqtHu2bo8vkOGEj8JT1g84jb6qj6H2VDtIWIw2i0stx3m/lEOL5ppzCaaN9Q+d5s7T5oFVI5gDR3VOuidZXO1YQfxDP8AboW04pWvbrgA+h2/kCiXRS0hdw1WGV/iWP7dN78NC2jUks3XUr7VycHxrbS07PRTt2goOOVJGblY5I217gfNMWzUYT91lt9jguNjae0eNNmoEWCw55s0G99NRdtLz4ymtO6rddnDmhEh5oIPsPJJpKFqCJKt/FUlaSrkR21eU9QyckNDtPEFIviLN1I+jQqToKahv/xdz7k1FtK8k3B//S3P2zUm6LXw5oKa4j/xZz7k1XtluEl1+faYTRdkPzHUjHqDccr+qqWjsyvnc49AnJG54GhWD0TQvOE3d49k6Wdn5KOX37qj97abVrvUHB+TaQho/lJTzqUTb/B6N9KtWmEWXr++1siMD8Xn8Yv6+f6qg9qRIYtTzsp8uSHyVPOlPNaickmpYTTCSR1UfrHQL077s5anOkiD0V24Hwe+9dVp0eSDpWah2Rzs9wUG5A+YpXoOfUf1VY2kz/1V273PfeuoFabei5aQbYV245ULDWiSSYFHl0jjTjVDD1jvyIWcx3pSHIx+luTlKf6J/OqadNCswULHIibHGProNp+3Oa10zHgO8rvZ5De/6TSFbkK+vCk0S6WHjLtzIIwROZH30m99p4Izu2/yUo2dlx8UGuziPhOxHaf8ejf1go50yHrRv/mCf2DQW7pImWI4/wAujf1gqXdJcexEecX6eYkRqQnh8JxKV7vrBpzGJctTG+21/kh08dmlqCMub2R9IUp0a/8Aa+qR/MM/26CHUnR4DtGqrqP0P/8AXUi0F/B9w3WVp64SpvFbT52t5aVdmduMAe2iYnVZqcjKdfu96jTxBr7hRSYr/p9eBn+T/q01y5F8+1Fb7R+Kcc4z/wCSjn+s1xMV/wBP7zj+b/q00W6NGPPL9dLm9z4W2M39fM16tqHQYUZmd4DRHawGZedL0hMmbZLGyRtTvmPI7wR1U/vpPoXcTH1vc7Ao/EXGEVtDv3t9b7s0Nv8AIE/pLu0oc22NkZH1IGf1k0hClfBHSHp+6gcmpiUK/JX1D+1TVHRvGGBkneIQJzd9wuNSQ1W/WDrahgTBxh+Uk4UPs515p8BHSdplaf8AOv7Kqk/TvEEKe1cGxgx5Gc49Vzt/XyqJ2JR/wg6aWn/Ox+yquUs/Ow53kF54tKD4qR9OS/w21A9nnzn3UJtVwVMm2/T6k78yW3Uq9gVuI++nnTs9slWsr/zxZ/VS/RLZQmTL1ZeH2YcNLfxbjnqNesr66Sw6sjhwtrnne6nPHmlzeClHSxEW3pJb6hlc19ptlOPBefu51HdANcHpRtpWkjMN8Efm0aj35npLv/Eg8rPavi4Yc9f+cUnwO3q+yuosMw+lm3naATFfwPzanT0oo6CSK9+v3pJ0hlqGOKgnTc2XtV2kAdVMdzl+dVQarilpbh4XU/caufpZbek6ztwbHWRGcyPzqg+soH4I98VzrX8MW9iaCqPGR9Ld7lZnQUHH+gGA2519st3+sNUfe2/MNWXiD/Iy1JR+STkffV+dBrKmehS3oIxvfdP/ANw1THSZbSdZ3y4sc2xK4T/0FACs1gUt+IKlv97q2rhbD4yo289k5NIhzma5UnCBk0kpXLAr6I1Z11ivZL5KgjupspSieVehKlq50uhnGM0UNCCZEihxaRlQ7KQfeUcnFPXgEimMggjArpUA+6YOklROaR3Uu6BzpDbQkTMtINLO7FOUKTyzQ1Lu1XLnSyXe81SPaLrURlPwvnhNLh0AYpg04Ac5rtalZyKVc3VMBycOK7TTF0blV6XFK7eVeZ7j21ONvihSO0TSSnHbTcjGQOzFPZAyOdNF8gr3VYxNuFWyuyuU+6HR/wBW9wOf/ei/uTVUjT8e5Xu5Oyll1ImO4Gff2VanQ1j/AAYTFKPbdXf7NQO1uJRcrsk8h54v7zWRwZn7dqvQfNWNabUTP76LjowhosPS9ZFxOaJBdZd8CkpzmpN0nxxAvMW5s52F4xln5ye0UP0DFE7pHZWj0IbRcz4FQwBUk8oENwYun7ZgCTJkB1Q8EgYzXq0vkx1og2A1XqYBlDr3nbLzoZcy/rBQ/kmf7dQjUVsh3DX1284az1kfsipp0IJ3N6wV/Nsf26jd0b26/uwBzzR+wKjTsvj8hH2D8VN7h7CL/aCDuaQtS3N6GcdbPKjsWK1Gg8JtO3FOThCOdfcRp1j4pQUa1T9DZIsKk3RIMdHM/d33R37k1XKNU/BKrvB0pac3FclzjzZm08PmfRFWR0VjHRzJKu+6O/emoPZY7apdyUE/5U8VD89VYmjpYpsQn5gvt81cSPLYG2RswI9/0HbdZMsk3dncxJ/1qfSR7iOYpJEnzmyKWgc9m40a6J23HNFahhj0E3IKSPapKP76itsbLcK6xv5CQ6n83Jo+HP5dbLRAWa0XHl5KL3fqxIprpUEdD9v8VJe+9dR3QYxYYw7sVKNLADontPgpD33rqNaFGLBHHvpTBu1U1H/Z80xJpG1FdGTf4PdKEF4/4rdd0Zz8o+gft++nnTG3sUcf583+s0B1M3h63O/jES2dn+8FHul9e9PP/PGPvr2KtHt1MfFw+ajE2we5B71zkWMf6dH/AGxT7pujJltQmXv8+T+waY3TncLGP9Oj/tiinS8krfhKWf8ALk/sGp17slfD7/kpQjMxyi/8FLNw0/Ec/dRvofgs22VqdLGduxnl+nT4NDgp5Dsrjo02ol6o7+oz/bpzGiRRvQqdtpAoy6EnXF8XnmFI/q0VJ+ihtJ05eJKR1zcjk+5KKjLoB1re8jA+LP8A9tNSvokQhWlro24va2u5r5/mpqqqjzMGiPkEVrrTuUKtSA5cbs8r01zXVH9I031ajhsxXk+ml9GP0hTi56n0HDucxmPYLu+pEhYWtEpxIUrdzON1JNao6P5bzLMqwXZlSnEhK3JTigDkYON1W0dS8Rgcp1vT+qC+x6qcdPhDmk5bpHxmI5z+eKr3SZ4mvdLZP+VjP6CqsDpnaUnSc5Dq9ytjB+riCoZpiMka+0ttT/lOT/u1VXYI4Pw+X3olQMr2I303SbLCk2uXeosqW23Lc4bLOOurHLdnuoDoPWE3Wmtf4NaigxYVsubXm8KO3y2KTkjcrvyP10c6bWBJlWjf2edrH6qjESKYutLBLaHyU9vb78iiYVSRT0Ae8X0KhVPLH6JzZxI6NNfmOT+BunHD+h3p94q1pLrEvX9llx1BSFw3lJUPWBTyqC9PUf8ACIk/HPz3Z+knd+6k+iS5PyddW62Pq3NNRXy2T2pynsrsbvacIE+xIKHI39eF5rptatZMOIG9SY6in29egGqrVxrep9eWwhG7b9LNWDIhola6ZQ4ncREO0e3dQ3pJgBi3OMpAQ68UoQn25q04Wq+ThjB/N8SqrGYc9U5GuhxgQ+i6zR1dnBW4frWo/vrPundSsu69vrd252m+TXR/q+ttQqr81pNGiehd3h/45Ia8whj6SuRV9Q3GsxvwFRYCQfSKQc+2icIxPldNVvFi5xFvedfeuY3PbLCw7IrqWzu2m7OwnuZT6CvnI7jQ1TAqWWh4aq0z5o8f45taPi/9IZ70+0ioq6SCRjGK2rFTuva4SC0pQDSK1EdlduqODupo66CAM0ZpS7gvnlFQOTTRdKKcAByabvOeFeeh7JB3mDSG0+NdvqJ9GkdxoKKAtBcgM0s1zFIbVJGMUuyDjIqmeLrSRlOmQDS4TkYpBoK7cU6bPLnS7k01ecDIBPIikltlS93ZinefndtJOHwokbbHVCldomMnkcGmkjalK1KOE4p7KGTmht0jPvw3EtnChzFWcfd0VVNurD6IgEdF7yTyPwk64M/m/pVXRQ8jUl0t7TDzkh2UpSE7MZ3dh93tpJOqekNKAlLFsCWuSPiPV9wNKjUvSO8rITAjH+URHCj+usdSYbisFW+qEbc7tL36ellaPqKJ8LGEnRWtoq02fQGmHb/qWaGlY4iyfTfd9VKO9X0aq67XmdrTU8zVV1aLQcOyNH+Y0n1f/XjTcWi8Xh7zvUdzlXNbfoBbnoe4dgouYm2OtpocPlV9heDvpCZJzeQ7lIVNVzTaPRoUl6DsBnVe4YDoa4efopX6PzvSqO3p1UfX1wddQpLTiG1IXjt6mP3UIj33X9rjpgQmobkVCdqdzHb78EZpwzqzpIT6Ea3f7g/31Sf6biUWJurGtaAdLE+HnZWIqad1KIXElEC09fJLNuhJPXPx60BXVb7+dPdWwmrLqNoNfFtSI/ofket9hFB1ao6SF81MW8e5gj99JT0ar1FHYkXsskxG1IjNtt7e353Pn4c6YbBiMta2WRjQNe6dPusuNlgZAWM1KsTosdb/AMGrwPabk994qHWZKm7jdW1DCxKXkH6RUaYnVevGWm2GbTbQhv8AmT/fTuLO1BebgzJusKJG4efkO1WfHx7KSo6KeGqfM4CzvPa101LURPjDAdQpj0QvNpturICjh9D7clI9mMf2aiLJ4b1959slz++lJcidpq9/DkFnijh7JMf+WaV6SffTG/yWZ0caisZZcjO7fOGe9C0427/YeqFV2SP2avdONczbfD8lyIZ47eBVi6XDSujG1DsPDXy+tVR3QZ/iNCDyWkkKHtoIm+a4dS0Ew4PBHcEH++i+mReJd3cuFxZjRVuISjDGe7J3HPfz/VSuEUdVTyvNQ0DN4G/X0CPNNG9gEZvZOdUBPFtwHp+es4/3iaM9MCuJCcUn8XJZUr8kHnUc1GL9EvHwjbWYz2xCuo+j7vChvw3rpbxC7bBdB7UFs/386jiOHyT1Eb4wOwb+GulvguwzMax1yjlxLZuFhw4D+HMnA+bvTzon0tdZxp0cw3LbX+oioZHY1LbFIeiMRH3dpwhaeSc5xtx2dtLKvevlcVMi22x3icubZ27ftqVdSVE1QyXKBlvspwyRhp13UzZIMdB+hSPRuWxO1KvPJfDSPsP99N7LDkx7Elt35UoqMM3DW9taNvhQoPCQfT4Z5+/n203iFPNPEYwBr5oMEjGuuSn0jhp1tdQeQWy2r7E/8qkHR04UaTlJwQVz3l/cP3VCLkrVt6jNxpECJHUhe/icPKz7M+Hsp0m49JCE+bp+DgPZH/58vqqrqMOqZqBsAtvrY+H3IrJWNkLiUpYLcyZM0SWEqWmS5uC04OCrtpvrO3xUQx5uwlLnETw9ickndRC0p1BNuCZt34LakNcLLacbh7fGuNTpvMO4R51rUy4411dq2UqT/wCvbV42N7YQzW/qgFwJUs6VyZml5QSCV8Bs7QO3atJ/dUP0s+P4caV5di1Z9nVX1vtoerU3SKqSXSxbj9HgH/iphaJur7LNfmxbZbnFyettLZwjn3c+XuqqoqCemhkjsDm138rI0kokIO1lNeljKpVuePNtFwUfqUnlUevLgg3G0zh8mzNZdPuChmmLuqNcSUORZdntrqX+qr4s/dnlTl+3y3dPeZSeR27R7KawWlmpaYU7xe3VBqZA91wpZ5Qbe5+ItPomY2f0kHrUC6KeXSo0/wCq3BcRn6RxgGmkW/G+WAaVvrnCuLPUjTXOxe3mnd3ZHZ7aFWpXSDan5cK025l5XF+MPm+/n9VJRU0xgmoWC9yTfbf+/FEc5t2ykqzJc/zTWEWe8h1TQjrQdrZPPdy7KIvR2H5P8K9Sn4Pt0H5Jlz01f8Sz2YqpXNW9Jttkebz7a00kr+MJi7eX51WTaNNT7uhmffZ71xB5tjq7EbvBI5CvRYXNHSimnPZ6+f5IFRPEXGRuhVf61uN21rfDdZrPmlsi9SFC+Yj6XtNQfUTW3uq6taWlqGMM1Ueo29xPKtzhzmtYA0rM1LS52ZQuFdJVju8e5Q17XmFZB8R6w+ypFqpuLIbY1BbiDBm53Njtbc7wail076c6Mu7LCn7PcTmDM5JJ/FudyhVhI3NqgRaOSD6twNDXsZ5An3VcNg0LBVIaUmE7MDnfIcS0jqp621AOV++pSba41Gd8ys9sbZa/GR4SU/pdvOjRt0soyxOIsFn63Wa83Ld5hbJUkJ7eGjNLu6Y1EhakLtElKk922rpefZRJ4TodH+qb9D6WECozrO+4S95lxvOnBw+e7qfSA7qI6MEaqLGWVSutuNLcRJQUhv0we6mXnEb+RP2U8VMalNHjfK56/wCV4014x/kk1Xu3TQWk3o4ArhCMHGKJBCFJ7edJKZOcAUiW6XVwwpJAwOVKNJ3Gl24+1PMUqiPjnS41TAdZNnU5OabLCuZHfRFxvB99eNxzzG3tozNrIEmqFOtqPZzppcFvRIi3wk5qQFkJPo0lIjIfaUhYGD3U81vZSDzlKkPR/pTTurrZxod6uTikjDj7e3hBXgU45fXXeqdIWPTunJc+5akdYWkERnVBO1xz1UFGMnJ5Vz5PKfMZuqICDhohhYHtO/P7qjfTCyzJuFgbfJI4j2B9QrBuq62PEm4fznG53911bthjfTmcCyb2x5UmC06oALX2geNOtHG0Xm+u2q8T5jDpOI0eNt3rT87cc7vW5CuWmwhoBHYkdlM24jcTW+mrk11Xk3RlIV4BSwDW2xNsxpnGN1nDqqemy57uF1Z8voyt7Lm5Go56muHvwUNhSfyjt5VVt9usSBdpcaDdfhCG0UBuT6X5fZ249lW70tE/Bd5wSM25zs/INU/piyRUWBDZZylaMVlcCqqitklEkp0tZWdY1sDWkDdWbpHSendQWnz9nUlycaG7MhsN7F/O28jTHWlp0dpKOy7dL/cm+L8mA43vX9iKW6EDwdBX+2/im5zn62kGohrq2MXXX0BqQguBNvGAe741VItnqH4n/p7pnbXvf5W+aYyjlGa3uSzeoujB1bbSNR3UFfbnH/BU2iaU0xItPwhGu93I7vk/zdvU51BXtE2lxhTYjAE99HOiCUID83R9xPJr8Ihl35u7rJ+qncTpaqlhMrZCbeSHTOjkflIsgFzuAhw5bE0E+bSOG45w+exWOtt9yqOWfov05foXw5abvNCe9XDRsX1vS/5UytqGr9PvVwI/Bn31BH5I5D7qm3Ql+CaOuENv5KPcnv1hB/fUK6WpZSMna+xsBaynGGZy0BRKfixXPay8Xrc58XxHNu9CvpY7qJAjh7h4Zonq9m0OXN21Ryy6p2PxHI/r7d2Kj1jdcafds8zktHya/np7j/fS+BYu+e8FW/tC1tE1U0zWtEjBovtNXCDdtTO2m4TpkR08o0eO2nctPztyh+ofNqXztFMx1EjUEnYkZUlTTY2j37cVClw2oWudO3Jrt8+bR+aVYP31L+l8k2a6gH/IjQsYqKimlBY/Q/JRgYJTYqB3XUSY6pTUKa1OhsOANyUp5pzjOMduM1MrPYo9/sQu1qv0xxrvX5ulSV/O2/N93dUbsNjiHTLbZZHNvnUt6EVqgaRusVrk2xcHdqPBJQgj76dxMTRMDmyfghMsdLIDdVfA14A8886gOdTjrx1Fe3HcT30RyFJ5fqpxqtm0yLq7aQpnc9G4i4/0eygmlZLrTzlnmO4cb+TX89Pcf3UpguJidwhk36H46fcmqiEWzeCSsUqBddUO2mfPmMO54caO22nc91cqVuIP0uQ+bUwl6MQiRuN/lpZAyctt7x+crl+qojfITLGrrDcmflW5zP614P31J+l1Z+C7kASMwj2e40HGqqaikaQ+4cB0UKePnPIsoDc76I67imFO88htHDczh+Ppdg54PhU30ppqyaltInM6huDjRG4uBltKc/o/qqO6ascBOmW20NdreT9lHeiT8E0df4TXybc5XD+tCD99PYpzKaLmRO0+KCwiTRNNaWrSOk47Lt0v1ybLvyYDje/+ijNRpvUPR26A1/CG6DJxjan79lMtfuWsa3iM3Bl6Y75n1G0I6y8KVu59ifRoTf7O5OjcKDaHIbLne3tU76PrYo+E4dW1tK2Z78pPTdRnmZA8tVqN6V0vItipbF4uRATuQOp1vr2UAaVAjadnOupdlS4j3DeIQS2E5CtxwefUO7Hsof0C3aW0iboe9NO8RnL9vLvrtZ5pz347aXRfbS9AvIM3zR64SHeBgb+qnqD3ck1LDqWq9ukpZz2QL5vLxt/VDmnYI87dVJWtNW7VumBKjTnXIi+8Qm8q+dt2j781H5k2FoaVxo8EzYh+LbkOfifpLSOSh7cVJfJ9fTE6PJEMSOOhi4PICvfg/vpPVTNpk3p2yNvMqLjHH833dfFU8mJVeHT3LrgbpuKJs4yDS+yHapvNouFiEjgCZIbb4nNxSGWd32c+8CmPR7rCFfLg5px+7Khym+yHbm0/N9JKlg7vW5Ch0a12lVqNqFpmXC4t9cNtyFYe63VcVz7v1GmdksHwRrDTk8xvMpke4pbcy4nb10nuB+l35rb4kG12GGSB1r+9UbJHQ1Bil3Vn6h0Wh5OZOoJfAA+Ny22jZ9JSlVn3UiYKdRzYlrn/AAjDYX1HsezmM9+PnVeXS8Fu226hKyAYuDzqpp1mag2xHCTzUgEmstwzXPqJ5M+zTZPYlBkY0qrL7GIKuVRKc0RnHI5qxr3GB3cqhF3a2k48a3jHqgeMqszod1aHyzarq+61w+S+GU9f1Undjs+dirKutrupjcK1Q/NGTzcPnKurj5qcjurKUaU7b57cyOopWnl+b4VfFi6Roc3R8RL0LizGm+H5xlXo/S9tHjkHRdaMy+ul+dtTEmOp0LeT+M8TVWXjUrkp9xZcCCrkoeJrrWF6XOlP7QpO89VI8aiDqQOaslVHkfm7qVeSN19c4+0qkIWSfZQ7zhfiqiLCwjm6FFBrvfE/kqVLURpWp46Fk5PKnSUqUcYpdLSd2aWQ2nIxVadQrtiTZRz2kU4LI7qWQ1jnSoQO2hBiPmTVTCBzIrgpT3U8UgbedIKSEjbjtqbGoD0xdSFLz3VwpHInFOXEYxyrx1GAKcYbJR+qcdDBKdSakH+jsn+kuhXSkjdedPpx6z5/Yox0RI26r1GB/mjP7S6F9JBB1Dp8E9z55/m18+l/6rH8quov9s/vxXDLZJ9Gmt5RsuNmX825MK/piirK20n5RP20wvzzJkWvBB/Do/f/ADgrf1Trwu9FRRjUBWB0rZVZ7sez+LXfuVUL02lJszGe3YPuqZ9LKgbJdu7+L3fuVUR02yoWRg45bU/dWK4GbZ0/qrrG9o/RHuiLqWTVKc/5X/5VR29H/p/ExyxAR+0upD0UjEHVSf8ASf8AyqBXZIV0gx95CQLej9pdJU2nEh9CmD/yB9yMJUrfQu/adRd3UPNuKjvI7HG1KSR9Yo0hUfd6aftpwlIIylQI9hreOYDuqYGybWe1x7ba0R4/USnt9tO+jI405qQf6er+qRShVuSRikejU4sepR/pyv6pFZviUWpCVYUHamyqA6zROa6REXS2k+dwoba0Z9FXWVlKvYakV0Bu1jh6jt/I4yEj8Usekg++umWeNr+QO38Da+9VeWn/AKPapcs0n/sy9HLY7mn+4j31T01A2agpq1o7UbfvT3tDWzuhfsUncnmpb+nLi12+fR1H/eipL0qqzarpn/NCKg10jyLRrG3Wp7PAcurC2/oK4g3/AN9TfpU/7Kun+ymlcfmM0lO4fbCJRxhma6a2KMfgFgfzdOOjIFFm1Qn/AEv/AMpNObDj4FYH83SOghst2qAP88/8pNaLiIfRif76JKjN5Mqr7Wzc9vX0e62zPnkKIhxsfO6ysp+vFSJ9z4Ws8XU1uID7fPhDtbX+MQffXzI43SA+D/mSPvXSdoH8HNZqtcjlbrwcqPc2/wDiyPfVJBh0poaesp+8wG/mDrZMmcCd8Z62/BdXGY1Nasstrt87ZUf0xUj6WnW27BdHCg9WE4f1GoFfI8iw6qhwefAlTmnB9BXETlP19tTfpsWtOlb2QkcoS/uNBxeoE7o3Wtf+i7Ts5biFT0bphKLTEjWq1B15bWCXHP6O33JUanvk63mde9FajlXFptqQbkeojuTw04rOmmn4SLYGoLRdmuer2Z+vuq/PJcadiaC1I0/8qZij257WxWx4qgbHhj3DpYqkwypdLVC6BdKiJCOkG2oaWNq4fWPh1lUjdL9OmhliDOIaaXw5DfDSj1fS91I9L7pTruA225hS4fI+HWVQnzIQX+P5+HvOR3f8+Yp3hYAYTBfwXMTP0t69lFq6kli7GI9Gbw258ktPzsqHj1qc23EOytZIU82j4s8TrbfpDsoZAlO+cxwYbTkZbm4r9H7aKGI27duHFhlxrrfR3eFaEMaHAtSGZWf0AHOgrxn5T4Scz1s+FVt0qz5tm6Xol+YeLa7dADhA5hY3KCkke0VZfQcf+hV6+KEdYnK6ifV6gqE67UD0hOtGM2/vhsjr93pV82pYxNxC+B4uHAlX0xy0HMHkpPc3mL3pq3az04/gufHs8Lu/lGVU0N/f1Lc7C8qA6G25rSy54/8AOhnRpdGbLqE6TnvRfg28f4vw3Pk3x6P24xX1841h6QLRbHuNwZNwa4DfW+Jc3ZKd3h3/AJ1NU+fCZp6J2kZacvr4IU5FXHHO3cbqxOlYpTa7msn/ACbNQ29JDunIjiQOs2kZqX9MfBOnLuHCAnzXCirknHtNVXcr8xY7CmDOfhvMojcRrzNxTuz8pXtqq4Spnuilc3q6/wB/RM4u8NyDyUSvqCl1WF5FQi7sOLKiyjJqSSLzDu7HxRcad63ht21xao6o0NZmubkPq3J5cse+vocDOzdZqU3VbzYr4IVwVnJpWySn4aXWyVt7ldlSK8W7i6gZhw3t7Uj5IAYCaH33Td0Y/E8XH9OmxGl2yW6JWWpt4t8BIVhPyh8aCvAbxv8AHnS8KaW2eAtOPmj201nLUXOqOffXQMuy46Rr0lJcSpCUIzgU3xSiWy4VIRnIrjhK8a4VEFbHbRz506bb5cq4tZRNjNyGDlK+zIxRNqP3VWOarqyRbRyrrZzp43Gr0x+dcGiKHJk4D3U1UOtzomtlQFNXWD21KNuZDe5DnQd9JOGnrjfsrksHGcUwGpclLdD4UNX3/P8Amrf3mnOsb/o3TCo3w3HauZlby35xH4q2/R3bfm0h0U706vv/APsrf3mgOuIjEvU9mbkthxBS9yP5tfOsRpxU42ISbX6+5XtM7JQ3/vdcHpH0Zn4nScXH/wAu/wCdL2rXmibhKZjnTUJl51zhx/wNSeupXVwr1edFYen7bj/FW/sofqOywYq7e4xFbbX58xzH+sTV9UcNQsZm5r//ACSMeIFzg3KFJekdiQxpW7syFbj5kr7jTHT7P8UMgfMFFulfPwNdeefwFX3GkrAz/FDOPmCqzgSMRQStCaxp2rD5JLouQEo1RvOBxx/V0w1ZqjS9guTMGZb2blM8238RyHxV7dx9bs9VVEuj5IQ1qjd2ccf1dAvMI07pDw43vCIDf7a6rnQCrx10JeW7902Ow6dfkjh+WkD7X+CYxukPRx+W0zGa/Lt6v3Uum+WSdcIs2xS4TXnD6WX4DPV7vT2Hs2+NS13TVqX2wRSEHSVohzPO2WAHfGtTFgjoHB7ZnX8Ha/4Ve6sEgs5gRAN8Rvwpj0fDFo1N/t3/AJaKNrbHCPLHKguheVo1N/t3/lopXiofs1/oi4b+/Qm3c9fS8f5qz/bolrSym52xaU/LJ64X63Lnmh9nGdfS/wDZWf7dTB1vIpnh4XwqEfwhCrjapf6qNRog1dYbPdkj8MhyE+e/6xpWf1pT/SrrpHl+daduboGCGAP1096PH/gXpBlWY/4rdWd7aP5xHb9qfupv0rs8G033HLlWJxigNNUtha79WDoLfNW1BUGSIl3gndo6toZP0KadH53Q9Uk/50P6sU5s6s2Rgn5lNdAD+L9Un/Sh/VitZxUz9mP9FXYebzBBWVY6RXcd0Nr71U81jbTc7W6Wzh1JyDQxJ29ID57hEa+9VGbrOZixFuSFbWz309w1EZsNhPkPgh4nJkncvbZEGu7FbJzo/DIchPnn0HWVZ/pD9qk+l2QqVoa9rUMK8wWlQ9450A6A9WpV0q3GxH/Erqxx4/8ArWk/vH3VJumNpLFg1MgDCDFcCR7xyrI4vQPoKwMdtcWT1DViphNvBZxsMNNs0m5NUna64VcDtLjhPjV0+TOnGkr03JbCFmUMnceqC2mqv07d0OWREl6Nw2GUENrOCpZPsq1PJ6kKXpPUzi2VJSqcCCrtxw01u+MDkwx0h/h+Kz2BuvU2HgvuknWPRzpW6sxdQW+POkuI3ocehcVW3u50Ci9LPROohJsNua/nHLer7xQfpSscC69IcORcOsluFyT1jklSu4VHPgOxiQ9wbHyHoOOfZ6J5ZqmwPA4KuhjnL3AuAO6ta6rMMpZYGylOt5ul7slm7aculvZ4kjgeZMev1fS2dvLFItXCRAdUJhR5sGghY7SAO3APL99RRMCEC5h0NEH5Tqp6vbtwKWmXC3ynAiWpe9KS2hjOVAjsyRkc/trWYdQmgi5RNwkKiT2h2a1lcXQMEq0Nf3EOJWk3BRSofkpqKaumMRek5bchCnUmC2SB9dSbyfIzkXo4u7HLHnijnPsTUS15bnJfSa+4JQaKYLYx9tYXDSP+KZCfs/mrOr/2oe5IX5pFzt8STAgj4RSctucRPU+klINWZZYTevdP2XUAbC5kZ0GUB2tPt8ufvKc/nVRt+v0Sw/EMst8Zzv5f+hU68kLVq2tX3nTMt/cm6NGdGB71o9MD6lZ/NrT8T0gni5sfebc38lUYbVcp9j1Ut6Z5Rk6Fv7iUFGIasjPhWXYsoygyme4pLaWxtaA7eytT9OKEs6a1MggBKY6ht+ysmRZZ+VRgq2jbkdg5VQ/o/u6mnv8AaKPxNMRLDbwRCNZmjD87IcZCF5BA7RmpHJ2SbOmOw+t1XaE/N7aG2K8uyuHEUtK0KTkoI5Cu4dpuAaeuUZ5KRvPUz6QyeyvoBjsFnRLnJ9FGRKDknKtrDqTlSgeXuFLXTV9xkRVRGEIQn0S56/vp7cbDGciJmtvJSs/KJJ5g+6ou5b3QXNhDjiOZ8CK7upAFq4aG4lWMkKzSbyFF7OcpKsmu4bmzKVg57TXk4lJIB5EZqLtl0FJEBIKEDJ7zSfDR/JfrpISSG9qhz8aT86PgaFmR8i2toG6WubaHEvERXW9yx9Q5/XUvm2sRbe7IRKaU4kJKcnxrM0Wa5HeUlGcKHMZ7vGrJsGp52orXLdek8FxnZvb6vX9Xv5491VkjHLRDk9VOrZODxLTg2vJHMePtohsqN6TmMzLg0HflV7UfnHlg1LiACR8z6+devdDlFjdNFMjbSK46SOyiC0gCuNvhRGCyVc5CXIwJ5CuFsbU9lFlt57qRUzntozShlCOjNvbq/UH+zNfeuhmqUbtVWT8h7700c0ANurtQf7M1966D3/rarsf5D33prAyG3EI9Pkrxv/If34qSx0YHZQXWCeduHjPY/rE1Im04FAtYp+OtI8Z7H9YmtzV6Qu9FRQi8gT/pV/7LuI/0Jf3GlNNgmxMc/wAWPurjpTH8WXHv/Al/cac6YA+AWOrj4sfdWF4FOZtR6j4BXeNaGNNNBp/B9UdXP4Z/5YoZbv8AvEVjl+At/tuUV0Qn8G1Qd2B55/5YoVaz/wBYaif8xb/rHKBTutxEB5lHe2+Hqc7K+4fL66V5UA1Pfnbe83EtzLbslfXO/wBHaPWP3VvJpY4WF8hsFRMBecgRh1vqr91R7RP/AGLqU/6er+rRRKw3VN3tIlJ5EpVuT81XeKG6L/7C1H/t6v6tFZviwh+GucOoVhhelRlPRCrP/wC3csf6Gz966mSzyqHWn/2/kj/Q2fvXUvWasuHRfDYfQIOIOtUOUY1F+C6k07Pa+VRcGhn6JXgj7CaedMCt9suiv9DJ/XTPVfO82If/ABNj9oU46YTsslzP+hn76zfFrrVDP78FYYV2ob+q+sjn8SR8/NpPo5x8E6mV2/hh5f8A000Bb1NboViZHF86d4XUbR6Xo/qol0RzlXLSV/kcEMhc5XVTz/Fpq34uYW4a4pLC33nUT1RqO1WDX6lXKSmOl2Ejbnv6xqL681C9fjmMf4ta8N31qr3pjsjV513CakslTfmKPR5n0jUeuZZ03Ae62eJ1G4+xP/rACav+FLDC4SPshVmMG9U71TbRd2np6VdL3RjLLTdwaY+T7c9Tb9hrRvTR8bp67f8Ay8/cazn0eCbN1dp+5yhhpNyRwwOSeahnA7q0V0xK2adu57f4vV9xrJcbOy1kJ8bfEK2wPWKQeF/gqf0bbG2dOJkPKbUoqKlOPgBKeXcKsfoRKV6a1EUKCh50oBQ5g/FiqCVL1HqG2R2Ysbgs7QoKeBSkCrs8muGqB0f31p5fFeXOUlZb5pB4aeyr7jcl2EvYN9FW4E21UPRQXpguaLX0gwVrd5GHzTg8+aqjkXddjwmLqYrckq6jfW6u6ivT8y4/reCUyYsf8E9N0fSNRGTdRZLcPMpw4znU+LbSn872++p8KvaMGp772R8VNqt6kKrHHgSsSLs7/OLcR8Xu+ieyhku56SicQxpHxqV7luIG5Svr7qC6bst91rqc2x2a88OHx1vr3dRO3q/b2VB56XIc+TCeTtdYcLa0k8wR41dtq45JXQtN3Ntp6/4VfLGcgedlr3ydJsef0X3eWzxCgT1gKPf6NV/0takVZ+kssNNBbr8RO0H3mpb5JiXf8B89Oer8Iun3+jVbdPre7pTjPq6qk28Y+0186w17TxTI3yP4XV9Vgtwoe5V1qi+TZ0p7z0Yz+T3Ko30D3edA6ZNLvsP/AOWcP81SSFfqqMX9oreUe1Su0H1akPQpD/60tMuun/Lk/vr6FiRb7G8EdD8Fm6PWYLU3TyQ9pfUSzyV5ipRrIrkmOiI0goAO0dnfWuenABek9QN9u63qrISbQXW0CMviOqAwknsrIcBkcia32irXiVobJF6JBpx5pIU0soUeWQamER95rTzCW5JVJ3EBvHfzqNKtUuKyVPBI2qHLOTT61SJEfekqBO7KSR2V9AceysxERnKMxrKXGfPJyypI9JvOMUHv1v2vAx3eax8XgYA99StuQV2xtcoodVvALfYc19OaSucsrSgbW+aCMbBQcyay3VVodwh4gDJGBXclALLZ9bbzp1eIfmUwnblBNNHXklSh28uQrx2XAELkJwaQzTh87qR20G6ZVwxFh4Bbh2rHI0rarg5FnqC8utIVk45ZFM2l5Y3AdhxSbbwbKlH4soOT35ohitsnuffsuVi6XvG2+MqhvywBz4iG1KVtSr1gKsWya0amXhxLzPyi8b9nt9Iiqp0rIiMcNuVEdcbf28YoX6ScgnHgeVWPoqFDmXHzxgcmvcntpGRwaU+xhkZorC5cwqvABjIFKOSY2QFDHjXTZYc+TUM+FSaLhIuBCb7Bnma8d4bSN6iAnvpwpBGRimV4hPybcpppWFK7x3VIDRCDiSguiJKBqO8XHBMOQ20ltzHJW0nOPtoTf0OG5wLkGnFMRnFcZSfUSR2/qoWm3a8io8xYnI83RlKFBkZxScSH0gxyEGe325KuCMmvn7sBxV+IsrTbsm4C0La6mbTmIXVjwnW3mg62oKQRkEd9R7U8lEm7wIrfxjjctl5aEeokLBJPhRLTkA2+1MxVOZKU4NRvU1t1Oi4OzLHK+Lkbd6FoCk8uytpiDamWkIpw3OftKjp3RtmBk2Ul1y6m4tSYzHPjRHE59pBpDTNzZj6dxLPCdhtgPIX2pOPCoUbX0gE8b4UQs/M4SNtG7dp+93KJIdvEwGW40GvQAwE5x2e+szw9hGJYbLKZwAHbW8Va11VTVTGZL6Izo6SUWm9F6O4x55JU4gudUqAAA5fVTKE3MTqti4IiuvtCOpCy3zKSDkcvroI5p3XO/AvriwOwKaR/w183p7XaVYF9cR+S0j+6kIsDxZuJe3kjNayYdW0Zp+VqrFlXhbLJX8E3Qn/ZjUatcaY/JdmzgW5Uo7MbvkUdyff40BGm9dn/AN/O/op/urpOmtc5B+HHP0U/3Uxi2G49iEXIJY1h3Fzr+CDR1FFSv5gBJUg0y63aJF6jSHwY8Z4YUrkEgpCj99L6Rl+b2W7l5taBKmuPs5HpIUhASfrxUa1SxIs9hdTIn8a8zipzf28+5SvsquHdV9Iz7nmguENI9ZfATuP107ieBV9Th7aSnIsNySl6bEKZs5lkBurEvd4nWG9i9CCX4nm+xxwerhSjg/bXT2v58rhPNRWozXzPTUr31WruoOkOZGctzz0bzR9BaeXwBu2ntpTiNcBLSHN2zlgd9XvD2HVFHSinm1DRokMQrYJZeYzqpm1qi5ak1ramYkP4mHObelcNHoJCs8zU66QnUXiFKiQ/x8VSfziDVDG76p0xIda087G82kbVuIWjd8ZjGaNaQvXSLeJOPPYjvxnfHT/Rqh4hwHEa2UyRgBre7108PcrHDcTpYo7OB1Uzttvs7FhiB55lp6M3+GcQK4pV7fCpD0bLZt+mLslTTrbciQXmt6NmUltCRy7vRqE6ht9/Q465drk0qUQEAoAGAOzqjlQbUt415Gt6wm6RUpASUlKU7z7wKni1FiOJUbYYg3fXzXqaSlp5ubITfpp/VFOlCDPVOauwBbiCPwXJA3bUdb0lY/KqqnJI1XPbiRmS3CYGZTnrqHzifb4dlOp/SHr+TCetIkRS3Jb4BX5v1l7+X3UrZI02zQmYcRlLjjhy6vHUUfnKPs8OytBwzh9Xh9E2CpaARtY7jx8lSYxVQVU/OhOhUp0hFkS9V2dLMH4mBJae+L9RpKvS9lXL0guC7xpUSHkqdjqQMjGTg4qiEv6109JdNlDP4Vt6nD371bcbvYnHtpQ6o6SI8gvGbEcPtY+7vqg4mwHE8Sqg+INsPMn5K0wmtpKSDKblCJEZUCAWLxNuLUtspQqP/wAvA1dHQg1KsWhpjF1hmK7KkKfaR4pUkJTurPWqtR6iuskXC6ut+cpSlCVtt7W0gHIx7a4c6R+k5vEYXXenuK2EH+zRsWpcTr6eNsVgRe97+VrL1C+mpZHE38lZfTvovUWo7tCn2K1u3DhNlDqG/SHZjH66q1/ot6TZCGwvR10Q2gnruJSP30/l9IvSiwvCru00soy3hsc0juodM6VOk1pADt1RtcT1eoO+hUVJi1DTiFjWO9SfyU6mejnkL3E/d/VX90O6Hd0pZOBOe4lylD4xz5nzUis+9O9r+Duly6xUjm8ULwPn7Uq/XXyemDpET6V2bT4fgzf91RK4X283HUq9Rz5nnN0W8Hg+4nPXT6PLs7q7g2F18FRJU1jgXOG46+H3KVZWRSRNijGgWsfJwhzNOdD64d2YciynX3XUNrHMheMGq48o20Xpy92/U0KE49b24/DkOJ9Q7u+oQ/009IL0YM8eG2BjkGOtSNy6Ytdz7W9a3zEQxJb4Lh4Cd209tV1LguKw4gazK3XcXPX3JmatpH0xgJTKQ2HGHCMPpV2LHfR/oEt1wk9JdquUeI47FhyN7znclPtqGWlRihtp4/KUe0hrnVml+NCsvB81dXv2LbSrrdm6tpi7KmWmLKZoLv4tlmsPMMdQDMdFrLpJAv8AabpEhc3X4qkt/lEGsezbfNtUp6Jc2HmZbR+T/tVIR0tdIUGXxnX4jvF/lI6aBag1Pf8AVN/NwvXBccQng7GG9o5VnOGMJxLDJne0ZQx3n4f5VrjNTSVUQy7hJm4uvL2hzCe3GKUj3Zx6OIS9iVLX1XPbSMBMZKHX3nUoUrkGyPVpB9yDxnAnKerhs4/XW40KywjLVMXLgIaEobltrXyG0jOK9m3KW5KASguMHG4eFMbTBjvxWUoYKHFJ7jnJ8TT12XLYWmIpDYSeTituMjxoCcZe2qAakWZKS03HKQleSs1FllaFK3E7uyrGvUCMpbZDpBKeaVesPGoPqJlDUrqDakcge415Tt1QpxPLfSWa7dcy1tFNtxpdx1R2DRXK20UpUlavrrhbW9Ba3BQJzS84LQ2MDO6vorQWlauYO3A99WbSCEjnddKcZ2Nsbz1CkbatPogubT0tyE86GS8QMmqvREeTEaW9z29hpWJcHrfODrZO4LBGKDUUwkYmaWqcx6vzVEiVBkBkgA5yCO8UGkXV0LQeQVjIUk1JOjqdpvVFsPw2n8J5IT21PLToGxhqQHmGltEhLShnIFVolZEMjlakOdqqd+HlOJU1JfVu9Tma6b1C5Hwlt2RknOCo4pbpOs0GzXZbcAIIQcA5ORUAu1182ZUoLIUE9ueQphrWPbnagOc4GyseJe3i8spkhX0F91EkXoFSA8xnPatPdQbRnRtAv1rTcY+rnltH0ltMp2D3KzzpS+aXs+nXGmZ+vX4q3UlSEutIGQPrqjPEFFewJ+5NmkcVI25Md5O9hwOD2Uo25UGjQYj0jFh6QIT0zuacY+U/OBP3U4td/msXMWbUcdMKapOWHE823/caap8Vpah4jY7VLyU0rdbaKatLFLBXhUbu12+D7a9KCdym05Ao3pG1p1FZ/hKJqfe33qZidUe4k12txOCitzXZb+SHFTvkF2p6lfjSqVp8aDal+D9PSENXPWDTBcBLaVsJClAd+M0hAmouTBdsN6i3Qp7WyOF+sbqR/wCIaA7uA9xCZ9ilGwUkSr2V664lDSlqIASMkmoe9ra3xH1xX2325KE5U2U8xTJjVvwgzIa4vyiFdTl9lXEL2zND2G4ShBj0Kh+qZUuVKdmyjvOVBHhtzyqPxHB5z1/WqQa0OI+fk2/2ab6I0e/qO2v3hUsw446kX6avE+ymKvEqfD4807rBAbTPqX9lNzJbSChDSU8u3xoVNbjt8NxoIS6TzT40moS250iFOSUSo6tik9v1+6n4tjrv4tz53o01FUMe0OZqChGPWx3CAceQ498ZIqZ9G1yEa4OOO/FcP0N+PS9lRS7WpyLl3hyMo/RTSOhbBqPVV8ZZtPGw24nziS5u2I2+qkd5odVWwwUznymwU2QuLwWDUKxelR1+TLZXEjK2KayMDACh25qrBdLlI4jLbsdazlHDSkbiPfVycLQMG9fAWptSOzbh2OIam8Ifq/voJrLoqYYQbjpdTzjPaIbhSlXzuqoel9dZ2l4toY3CF4LL9XAhv3p2ow2rk13HqqiBhMlnvuPE/F/ldXre+nOp7k/CnxeL+XsR8730T6NbRYrlqc2+8SDbHkHGXW1fK7vRSPH3mrTunk7CVKbkPazkKZXz2ORklwD35qxrOJKOnJY4paDDZHNzHRU5E1DfJUkKjJUlB5dXsT+lX12edZcEiXcBJUe3hnmn7KZa5tUKw6umadt9+du8SNt+NG3vT6JxyyPZTnoysljv2rhartePg0IR8WT1lPK+anuzR3V0YpxO4WB8z+amIjfKN08uHwc9ADUVnht9X0/S+umFwT+NdHxeE9dHrJFXYfJ7bTP451pJcYcGeG5HSFY+d21U2p2LTa+kH+CqdSRH4WUt+fL9BncnrJOO8dlVsGOUVU48t97aqUtNJHbMN0BtkGMSXX3POnlDKE8uqDQe+wQJqmENhbDqctHA6qh3VpSwdAtgXakymNXSyHeYdbjoSF7vr5iorqbo46PbFqXze9dIMpuUtHxjaw3y/NzS7eKMOe8tjfmPgAfyUxh9RbVZx4DXxrp+THoflUi6yHPk+pWj7V0P9G2q7o4i1a0uGXPTDAb2/o5qKdN3RDbej+zi5We8ybm2Hg06HkBOM94xTEXEFG+QQl2Vx8QQguw6oYL2VKO5C6Ix2DMgttNA8Xifm86t7oc6GbJr/SzNwTq4efg5ciNtb0t/RV2GiXSf0Ry9GWX4Tsl0dmebdebH4aU7PBSMeFFGO0bZeSXWd53XPYJ3C4CpN6E81NTEdc6ykZpSzpU1JdadXhK07c1zJJmq4/PjD1/V6tW50LdHVh6RbV5vK1G5b5yXVER2I6SptQ9Y57vbVhXV8dJFzJNvf8ktDBzDoqwvMTgc1fH0OalPDk38XWoLj0BW+y2mcq7a1TwmWjh8x20bT6uVKNZglJDLrrDLu4BRSFp9dNAosVp65xbCbkKU9I+FuZySccUtXW7EjtpSOI5c3LWezI5U3Qy5xAhQUUk86duxmXGRwVniA4CafulVKIgU/MYCXk7AncShW04o5KahKWhpJcceWnLSVn5Q+FQu3BNqbTIlJDigQQ0pXW//AKogm5mRcUSi4WcHchIHJv3V4tsVPmBSCTJSIxTPw0sIIAKclOO6q7uaVyWVuBSSyVHYPCi825uXOYgbnFFSzvJPb7aSuW1LJSEJSMYGB21B+ikx2ZRJWBXO9PhXr42ulJpGlSnI9lou+N25cNpyEQ2ojrN+FCbShSnOEEkqUrkKaNOJDyA6Stnb1V+Jqf6HatVw4bL4DUsc0OfOHhVq9pY26SjyyTEIdeYPAKE7Du2DqVFtQw3GbqSeQKEnFXTrGxocfaS0nC0spyoVA+k20Owp6HVJ6nBTuPhypZk2Y2TrqVoF1DYmobhaZzTsSWRsX8b61aC0l03sx7C5HnsfJfjW/X3J+aaze6G/O1/kivbe9+ESeKfwZv1PS+uuTUzJO8iRS5RZaNduEHV0qRMQoKUprLZP3VAdbQEtKLPCSlWTxDs9nZUMsOpJlruOYqylgIztHjntq0TPXqO2Ge2hSnEjD6Qnux20oz9SmpBzUa8mJRRoPUcJCsJbn5A/+mn+6qv6bITF06TdkwqOyC0Bz9hq0vJ4CG7Jq7YOqJYwPe2KrLpacS30qOhfP8EaH6lVgqQZuKvc7/5T8oy0P3KEP6faZQZNteUxIZVvQ4ntB7vtq/7GE9IPQ7EuEv4q5R1+bvu/Mfb/ABg/o/pVSzvDLm/iflVbXkzLMnQmr4znoN3ElHuDaaveMY209F7bELPj1B9UphxvJyzsUK01fk3Rt60XY8OczltefXUKnvQepuNpHUcVhWxLVw6uP9WKpfpSh/BOvHwzyamRkPJ9/PNWP5LUhyRo3U/HUXFNz+ef9WKQxmqNdgLak6XaNESmj5VZk8EF12bXJ6RnBdySGobfD+d3+jTXS8612LpLsXwVxuDOkJiyG/UWlasej7NyTQ7pSI/wqP8A+xtfvplpcKndI2nWUjm3MS9+hzp/D6eNvD7M+oaz5BCnc41hDd7qw+n21iJFeucf5WEe0d7aldh9xVVZ2W6p4xXvPPFXV0xDOhdQy3+Y8wXzPzscv11m21yFIioc3jmBSX6PKuSeilY/ZjtPdr9y7joDJGW3srIlq/hTc4Vkhu53/L/RbHaf3fXR7pe1m7oCVpbStkZQlKVNy56B/Idm366ceThYkmO9qKT8rMc6mf5JP95/ZqB6sKNWdIOoL89IQGm3FRGknuQnkMUN3LxnHHE6xxtt6uO6mM9LTAD6ynfTXaWoLaNW2tLZZdjpUvbz3NK55/NqqE6rlmcAJjmKvDo2fY1f0LNMyAhTtuU9bn93PKe0VmTV0T4I1LJtZcx5r1cet7D+cKe4bqTHNJQO7zL/AHD/ACuVbW8tjxsd1ZlwZ+EWmWFPh2TKWlKG21k7ifbVhatmjox6F5QswAuT/wCCRHPX4i/Sc9/pVXHk/uv37VbeebVsj7/t5D+1RryqZjqG9OxUfJpfdWr6kjFVWM1TqrG4sPd3Rqfx/L8UzTsDKR0nVQTT+jGJem3J95dzKcWpe9R63Op/0Ma3QxP/AID6jn8Rz/3bJc9b+bUrx8Kh+m1S7xa1qlKJ4a0pynsoJrW2x0lx9h0tSmjvYc39ZGOxQrV4rg8OJ07oJW77HwVbTTvpX52o95RcyDb+k2NBjAJl8KO+6sfO3cle/G2tKdILpVphboUeduUcj8isJyZl3vmpHLze5zs6YtSAt5fadnIVuHW692hFL/8AhJP9CsPj1A7D6SlpnG5a21/uVrQT8+Zz7LD9lRw2AQSSVHn9dPAUNTmpnY4082cjt5KFNLUksxkbj3n76XluhxTaB88ffX0Z/cP8qo3brb/SQ+p3Tct1JwV21ZP+7rE0O2MrtriXlBSidwGa2br0/wDQp1aTnNnWo/7usX2maTbgjgKUpQ5GsLwIM09W7+IfFP433Ilr7oXlPO+T9prJypptbf6LqhWZeki0N3LpC1LLKjvE4ox7K0h0COhzoIsSu5LzySP/AKyhWdtXiS30iaoSCdi568e8EV3hlt8eqiPP/wBl7FHfs9vqo9Zp7+iL5DvVtU95zBdDjo+ej1k+0Yq4vKp1har30bWIWhaXTe1pkpwfRQnmf18qr2fbGWx53L4jvEb2ehUN1Rp9dtjMzWlEsudQAn0Ot6vhWxrcIhqKmOo+s38f8FVNLXPijLArX8iVwwukyc0D8tazy9yhWitbTLQqREhSH22XZ75YShR+UOM/dWbPI2Xt6ZXWlHITanf1EVLPK4XJattikQXeFKZmKcbX4YFYPiSlFXjENKTbODr6BaDDpOXA6UbtVY9NGh39GancXGQRbJay4g9yT3poz5L05pjp6tK2QUNyGXkLT4jb31ZFmlQumLooW6+kfCbI4UpPe04Cdqh76q7yeYEq39P9lhTEbHmVvIWPA7DVxRYk+XDZqOX95GCB52GhSM9LlqBMO49Wt5XzqmejmVhaikXNoHB7e3lVEW21RbtZo8mO4POktbQPD2Ve/lgEjo9Kto2m4tYH21me0XCTYn0uoVvadaJIHdReCW5sN/7vkvY076Q30T23NcIvB9CQ52HNMXHI6y4C3wyk9o76lMKNCkIamONFan05KgeVRq422T5066y2ogqxjHLHjWzYqF6HytnESUBWcdY07gtpLqXUglpQwr2UyU86hBGUqwcZolp5pTzTyg6Bs5lNSc6yhl1TkWxKXGlNufF5ya41Dw0QFmPkFvmfbTue2tllBS7htXPNAlPrdEpgubsjlQX+KYaLKMSFqW5k1zmu5iChdI59tLkpxo0V6OgusIMcpJCvR7jXVonOwXy4lRS6DzT4UOt7zxyA0UoB76dKU0vJBwoj66uxlczVVJDmuuVfnRzqi33VCI9zCGlpA2vZ6xp501WNMuN5xFSlSFJGNvYr31n6zSXokoOhxYI7OdWxpLW5fiGLdTvYUQAT3VT1NO5kmdiuqWZsjbFVPcrQuO4Xee4Y3k0EkxiovqYO1zd1vdV+6305AnWlUu24U3t62PGqWukJ+FKfbcaIOBR4pc6i+DIULaIivqWtwqBQABVi9EtzfauZS2dzR7RVdO4TvwAVcPAqQ9HtwTb7ipbhOMDl7ajUjRShOVyvboMCG2taISMI86RgfmVUfS8SvpXlA8gIrWD+aatroOfbdZ1g4jmlUtr9mqi6XUlfStM58vNWv2a+cYfrxT7nf/Kuak/QfuUffcKM7AhXLvq4/JRO3SOpHFevNIP+7FUs4naOtz51d3kso26EvDiux64rA+pCB++r3jl9sJd6j4pLC23qQon5RLAa1Hp9ae+K6n7CB++pR5Lq/wDohq/H+eI/q6iflNSSjXdjgJ/FwlrP5yv+VSPyV1k6S1d/tqP6us9VDJwiT5fNPAXxEqIdKjn/AFrP/wCyNf2qkfQHZ3rlqOXescm/iI/53pqT91B9d6Vveq+ml5iCOFE4DXGfPINo55qzY1wTZdB3OB0cKt025wRsCg5vShXj7T95qM2JsZgsOHt2LG5vIHQX9dVFlNeodMVH/Kz1bGjWqJoC3qD0yTtXOIPoNp5pSr2k93hVESG8ssRY3MvKShKQMcycCmzJnSbnMm3d12RdXFlT63VZUVk8+dSDQUH4R6StMwXvQM9Cj9XP91bujpI8Kwx3JHRzj6qhkldUS3d4rRz/AAtHdGsp48vg62KHvWU7R+s1lVq8XGKoqbdPxpyfzq0j5RErzfo5kxk/5U+00r8neCfurP2qwyJrAZDXyI9fcmsp+j+C0U1S7UuddXOMPtI2MbBquHyU33ESNSWKQreLhHblsj2pO01XvlKWhyJrODdUNbRJaUw8e4qbPL9VSboSuxhdMdlgpRw/OIjjRx4Y3CinlY2/ZpduYlWVM3AYOO5QzXq17qbiOMs2eO38B+IXoWcylffomXkfxEuHVEoDrp4SPq5mufKRdAFlUeYDzqST7hTzyJHEvDVzJ9IlhYHsAIr7ykIPE0uw+B1484c/yjg1WVLOXxUyU7Xt97UeE58PLfBQWz35m22HiO/GH+Z9H3GmWoLsp6yuOojBregp9DdnNRC3q4rE5tWc4FSxKSiyBCuY2CvqQaqK6rgSSwkZ5J3jl9dbp1PGel6CREYbU487aghsDtJUisFXVwedYHbxBy+ut8366vWnQTcxhCVPNWtK28+KUV8945uXRW/i+IVrg+l1k6J0R9JiIuF6TmDme0o/4qXa6IekhTQcOk5pIUD2o8fyqXe6Vuk6XGW+mbCbbB64aZC8faacs9J/STHiMy1vMPMlQCd7WzPP2GrgniDlX5cfd8TukHPw4OtndmWi9eEfwFk4V1mrQpKvfw6yPbW4YsEd5Cil8N5zitba+UD0fy3AjaXLYoq/QrHUN4fBbSFLCOpyFU/AF3e0nzHxKax49mP0WqfJ6dDnQPaOofl3v65VVVqPo511J1bd58fTs9caRMW82pKh1xn31a3k8ulvoHtHUHy739cqqW1r0t68h60vMCDJjNQ48xbbSVNk8gaSwx9e3FpxRgbm9/5jbZGqI6d9Ez2g6f0Cf3bQutIlqD7mnZ4baSVOEpB2/rqu7q4p/TRCj8c05vQ3+d6P31LoPTdreEpHwuzFmRl5BRtKQoVDb/dU3KVeZzsRERua6VsMNnqtg+qK3NBU15lLatgA6EH81SuhpWtHJJIUt8jZaT03JSodf4OkZP1ipl5W6nEWqwI7U+ePfcKhXkckDptTjutr/P8ARqb+VksJjafPaPPHeX1CspiH/VNP6H5K2iH7MkVX9DOtFaH15Hly8qs1wPmtxb/m1et9Xb9VXvN0q5D8oHTepYn+LPrcS8R48I7VfWKytc2uIHWvrX82tgeS5eWdb9GLDUpQ+FbDiLxD28NPyZ/RyPqqw4ppHQfS4R3gWu87iwP9+SWwmVjoxHJ7lHPK8Wj+AYbV2fCbX76y482W4+cFSVdnsrTPlY7ldHUYLVlwXNoH9dZwjAuR3ELPIcvdUuBNcLv/ABfIKGPHLUN9ET00qRHbYLskcJfMN57BUhecZadU+l3duHJGOVQWEFIkiI5ua63VWT2VNlJbgBqKSl9KgDv781swFSFCZlnauDSnEI4UlXWQKBW6S7AnqbeVwnCdqzVkP25nzdxTLvEcYb37PV/9e2pJfehdertNW3UWh5AuslUZsTIXLjMOkcwR3p3etQ3myK1t1Vr6kXKM87DVt6uwjtx7aAMDB4Pf9fWqc9JmjIHRvbYMV7UTcvVjzv4fCiHezEa296x62aimbZ8Hccvu8Zz5D9H7qA9yZYy6i94bKFcxQzNErk+H1Uw20sLplXI+xOQ2jBUrYrnuHaK+UUITxEtKyVcsVY0Y2qfEDb6Q04RyUBzoJM006AVsqC2UnO4dtXLJEi+JtuyvNLRIMkqak4JURt3doo5qTTirc0mZCWpxjHWxzwahsgy7c8ktbtyTkZHKpJpzUUtyM5kelyKVc0moS3OylTSNabOT+walmW07CsrYd5FKhyIonfIdk1Chcy3nhSlI67CuwkeFDzHjXGLsYZUhxHqeFRx9u42qUHlqdQkZIPeKWydArHmA7qP322OxXjuQpKCg5GO+hsR5TEk8xjaMDHOrDj3CBeIrTE9X4TghCscjnxqI6otD0OQHFjGAUgpHI10Pt2VB8TTqFdfkzSDI0pqt5XMmakZ/MqqunGSUdKcltJwVRGjn6qsvyU9/8BdVJI5fCAGT/qxVZdPKGkdLBU4cAwm/3185w54PF0jf4T8layj9mj1CiBuHM+wbfm/bWnfJlhFPRlDP+dyHpH2qx/ZrMEa2OXi5RrfByJMhYbQnwz21rKVdYXRT0MvXKQQHIkUx4bf8s6eqNv18/dVjxk8TmKhbu8k+7RBw7sB8hWeem+7m8dMF5KHstQtsVv2bM5/WTVn+SeFnRWq3lqCv4wH9WKoTTqvOW1zpnxkmS4pxa/nKUrNaA8lZlDOgNVpbVu/jAf1YqXE8Ap+H3xDoAPuXKCTmVQKr7p3vmqBraXYIV8eh2+VHaXIQ36/dzUOeK+8mKUrTvSo1ZFqKol5jusOZOeuOaP2a86bU7ulh30B+AMel+dTHok/75NJ/7Z/ZNM4dTRt4eBA1ya+Zso1D3GssTsVIOnyw/A+qWrsyMIlqUy97FDs+2g3Q71umPTifF1z9hVWV5UbYOmS4n0k3NP299Vt0Lc+mXTee4uH+gqgYHXOq+H3vHQEH0G6jWwZcRZbqQVa3lEtqbsrSEpL/AA7insGf6NURq+E83LacaYkOlZ7ENE7a0d0364maIsoudsgsvy3piWRuHzu81TV66d+kOHzdtUL9dVnCDqymoOXDDmAJF8wCcrxCZ8z32NvBe9DzTqelvSUhba0gcTiEpPzV1YPlZdfo8keycz99CeiTpgv+rdc2iwXy0x47Vw3bFoUMpIST4eyi3lYjZ0dzR4TmPvpfEpaiTGaczx5Dcdb9USmawUsgY6+iivkQzUo1zqC3k/L25DiR4lK6sXp6twd0vfGUjJZPHT9oNUD5M19+Aem6xrUrDM8GCvw6yTt/XWrelO3pdfkRljLcxjb+rBrvFn0SsFV4WP3aKOFjOzJ4rFUB7/HvHZTy3C6PvtJ7GeH8oXFd6e6mjUL4MbmtO/Gyi6WeH7uSU/qqQaLs161FeodgTHy5II4623PkWt3P3Gvo8lbDDAaiQ2ZlzXVEGFzwwblRmVphiKoLNxaelcQEtoGdnPx762ZrxSU9Hi07Cf4rX/V1m7plh2KJruTZrFG4MeElliWU+s+nbu2+7sPtBrS2vVKToV1O0Y+Cl/1dYDi2f2iOCTu5sx/FWuDNs9wtdZSgPhFmAjNx8PnLqnVKLiR4JptLdAtQQsuSMKTtK1KCUjNR63TnlMBaHUpKV44pUTg+AFOpTzzjKGn3nHOulSQTyzmvpUjo+V/2rMMacy2T0if928gf/Cj/AFdYvaaXItIcHyaUnrd9bR6RP/YCSn/4Sf6usM2+5ONx3WfV2nFfP+CCG8/1HzWhx1jnMZl8FsXoA/7gLL+W5/WKrMmto7j2vtQIUDw/P11pvoA/7gLL+W5/WKqgdRoQde6hQ4Or5+ul+GdccqT4X/8AZFxDSgj9R8EDYdYe4bDmNzfPZXExlF0Dm/klvkEUInvM27Uzrw+Na+ZS10k3RmPFmvwXWYknrsfz2FYr6MZGBwF91mSHuHZCnnkfM8PpucQnsTbX+f1ipZ5Wg3RLCscima7+yKjfkfFLnTbKV2AWx7H2pqQeV4Vos1lcT6SZzn3Cvm+KuLOKqb0PwC1FLrhkio1wLW2laU5yopIz31bvkfX12ydLkizLWoRbvAUjZnlxE80n9aqqSLOGBMDHxvoPj9lVWH5OeH+m+xcb5XY+v/7ZrY4uxvscpcNLFVNN+9arL8rcY0MvHddW8f0qoG2QRNiuzYR+NHyjfV/9ZrQXlbJzoVX/AM0b/tVm+MXYAHmyyN3p+2qH9HxvhA/md8Uxjw+kD0Xt5ZRJi8dPUfZ9JXzqc6dnGXHCXnSp9nmM94prEdaanNl0lxKjlSD413qeKiDLROtyglp30gO4+FbjdUqksW5PPFxl57h/mbeqfVqwbdp3W1lv8ONYpzsOZLtnnoMZ/aSwU7utj6PdVTW+YmWkrWn0BlQzzBrWGl7o9Kh2e9K6Ib/cJrdpRBblsvJ2Os8PH2GhSusuQNvdZQ1zpqczZUavf2mJNmKhoWpzK1vjrErHhioS1JW2jhnrJHYPCtB+U1MMHQlo09H6NLrpKE3PXJDsp3iIdcKduM+OOdZvIVuK80qdRdWIbZcSVbnCaRpRwFXOueGaGiLRIkFBz6Jx2GlmrxMbQAlYKRzKFUIiTmJati1gKKc8+0UnNVwwAle4Hwq6c1vRVLHuCmNret1+cbYlrTHWrkoq7Kl8bSmno0AM+eoKhz3pNUk6480hTjCyB6xz2UUXcrgmI0OMoAJ7AfSFLPje7ZNNkibq5WZFFggDhNSXHVH0STzBoFfJrS2XBKQt1JO1LneBUJRNf3tK3q3Ak9tSeBKauVsW0pBEhsZIPfUSws1KKyZr9kAmW98OpehKCm0nJCT2e+kV3hRhuxrh8Y3zIUfST7q+kzPgybxCkt7yQUZ6p99MdRsG5R98JsIdKchPj7qE5vVNMeFenk3pdiaDvPHSU+dTN7HL0k8MDNQjpg05drp0hRHoVrdlh2GlvIHIEKV2nu7aiDXTL0iQQmAuHbQEAAfFHOKXHTZ0ij4hqJbvfwjWB/0nEoK99fE1udwI39PhZW7qilMIiJNlbXR7oO0dHlplaz1lOZY4XNSj2pT81PzlGqP6XOkG69JOpjLeJiWCNyhQ/mDd6Svpmm99uWpNYykSNWXqVLDfyTQVhpv8lHZXL9vjtxiylv0ue6tHhuDGKR1XVnNM6wzAdkgfZ+9VlTUGT9VGOwvWDF8y+KI2fl1e/kuuea9Ht+Chgu3BS2wfX+LA3J+us2vMFo9VvOT21O2OmnUkGzs29ixwWEI5cRAUQPZjuoHFVJiFfTCChAudyTa23lqi4fLFFJeQp/09sOHpNjT+EvguwkI3Y6vInIz41GNA3X4E6TNL3SZ8Uy3cmuJ/qvQKv6VE7/0oX/UVhVZLjZ7Yy06QQ6jJWPbnuqLTIplb0JLbimkZH20fBqOrioBS1LACBbQ3v+AUaqaOSfOw3stF+Vq1jSzi0c0tyW1cvpZH76q/oHjvP9LNrmBklmOhze53J3Jx++pHoPW0TXek16K1SQxduEWmnVeulPZj6Q7vfUPgap1x0YKf0z8HQnQ071VOhWXAr3er76zNBHWU9HU4dCy82Y2zG2hO43/spupMYqG1L3WaB8P8q1vKNjSbhpFKozTjgZmNrVsRux21ROu/jExnPZUnh9Luv0pdbeg2t1DvL5I/31G9YtuphsKeHM7j1PR51fcL4bVYdTmGawBN7g33CDiNTFUS52FHOhVL73SNpKTFjrcbivOLdWkcgkBQ51cHlIsyLz0eXRqK0XXEracCUDJwCCaofQeudU6LtCmbNFhPsvPLWOIDuH2UXPTP0gw0omPwLcQe1stn++qbGcGxKqxWKuiaMsZIGve1vfb3JmjqaeGF0T93Ks7Up9mfDkReT7DocR+UOY+6txWzVkLX2gbbeomPOCAHkfMdHJaaxlpcvXzVAnyG0NqmSCspQMJSScnAq0NOfDuiQ9NtCuLEcO+RDW4r9L2GrPifCnYlSZGfvB06+iVoqhsEmZ2ykPSF0T3q73p256bYZeZk9eY2tzhcNXLrJ8c4owYtt6DdBP3BZZf1NdBworXelXj87YKENdOk63pLMDSrpmY7ZDnxX6uZqtb7Pveqr6dRaqmPSZQPJtHMI+iB3JFLYPh2K1MLYa62QdPH3qNbVUsLzLDufwQmR5xJjpjkcebKlhTqxu39u5Sq17q4l3SyY7OSXIZb/oVliy6guGlr2L3a4cGU53Jc5lP0s9yqPSum7V7Mnjv2u3cL+T6/31PijCq7EZGNgFg2/wCJuuYPVU1Mwl3VV/BhxIq1R5bBTKZBDqT6SQPo1xPjLnPW34ORx2nXQrh+srB8Kca01XO1jqdFzkwYkMqZDJDKcbvao95pSw6rnaF1G3docKJMKY/DCXhkJPiD3GtQ585o+527d2+iqWNb7TmvpdbA1t8bpdUdrrldvWMD8jsrBabdIZkrjvpeadSo9U9vb2Yq1T5RGq/PuM9ZreU/MSFffUQ1N0g3XUeuomp0Wy3w5MXhlLTbWUuFPevd6Wax/D2HVuHOl5rO9a2vhf8ANaCulinDAx2y1V0LNrh9Btht77TrMllLhcQvuy4rH6sVnHpJi36B0nXx+PbZr7L0jjIw0ooO5I8Kef4e9ap5fB9vcDXgFf305h+ULr7aVMxoLQ7xtNKYVhmMUFZLVPa05+l/Pxt0RKmWmlhbEHbeSjejtFX/AFbqQRm7c/FZcczIcca27Eet2jtq4vKK01Ci9GUF5hoNN2tbTbZ+ieriq6f8ojXbzhSWISj38iKB656VtVas06bNchEYhcQOK4WcrUns7e6nZqbF67EIZ3ta1jNwD95GnVLtkpaemdGw3JUw8jpKk9Kc+aQeB8HrQHMct2Ucql/lasPStKw5kdJUItwO/A7Aod9VH0f9Md60hpz4Fh2i2uto3bHVApXkqzk47aMNeUDf3Ir0aVY7c/xhjmCU/WKBiFDikuL+1xxhwB+1bRHp56SKlMLjqqrDpLylAEJ8KtvyX0l3pes0/B4LTDmT8zqqHW8KqVfGdW46pIClEnAqcdFvSld9F2161W60QZSXHC4XXAUrz7SDzrVYuyeSkcyFtyfNU1GGc3M/ZaC8pCP8KaRlx0h1XDmtuK4YJwnx/pVnu2vMQbk0wR5212c9vpdxqXRunPWDaVB6wW54HtzuqEW0v3VcyeAyy7Jd4nD9VGVZ6vhVVwjh9Th0DqeawBJI12v0TGMzxSyB0aVv9pV5/wCc7kR2ZHMH5pprHRxWlMPp3NpO3PifGitxmeeKVEEVT4TyVj1DQxbggjDyDxU+mjwTWzas5I/XRAWnzbpax2itddH+hdUxNB2nUir1qG+l6Kh232S33MsIbQrapPFcUodXbtG0VkG7KSqUs1oHRWg9OdJOmYMfTE+6Wi+wrejzqK6pfmkj0dykup9HPzaRl6J2PS6CeVG70sTYsB/Wtoj2yx8T+L4jL6XOt9JW4qUrb61UIY7mziY5VefSZ0c6s0nAjSNQqaejPOFpgIm8cgjB+rsFVddSP8W4VRydgopkUVfATyFJ7jTmc3sexTbIoF0YK3ZbQdaXtwhePT8ab6fDqmXQ87nCsClXG3mGlqVh1sjKR4U0euIRtbYY5qGSoVfGw2VK13ZsU+cWA2tCgVoCxyom8EpZTgE8h9VA4pcdUDu6xOTmiE919CEhsjJ7RUL3RRsnPDy6j8jq/SpD4QdgZdc//JVJxLkhuT+E9TZ6tJXrDtvQfEivbqQ0Uis9nGoYa3s9c7fTqQXCFbrbwYZib3TtQgn5x5dtQRmfKtohCM8Wx1anD1yt99t/mtx66l/Jn+1VTiLHONmhXmGSAsObvKWM9Aab+hMh3VsJmURkBuPv/NKsjNPZHk4KJSP4WITk45w//wAqdeTDMmIud4sl1f8APGYzaXIbjnqdYpKc+Ho1Z+pLy/AkTlIPNpBI3+6vnOIY9WUE5gfLctsdNPRW8dKyTuhUu50FWuAsxV69UlSe0GD/AM65HQvaXOX8PScf6D/zqibldNR6muki6XfUdwcfk5UoNvKSkc+zGez2U2EW8NEOM365cuz8KX/fWkFDjrtqpv8A4/1SPOpGd5h9y0ZG8neDN5M6zT//ABf+dQrpg6JXdE2ddzZuwuLTXN9AY2KQndjOMmpJ5NevpV7ujuldRv8AEuLbe+LIz8slPzvnGpr09tNwui6/uvc97QbR+UTyqidjGL0lZ7NVaG4tb/CdFHA9uaM9FmjRdviX7Vtus824NRIspexbi/xVXzE6AtNTUE2LV0tKxyPFjDH6qzQiGXLcFJJD3cR7K1j5J0+bK6Liq4SFyHmp7rQWs5VtCUY599X3Es9ZTBs8L+xsRb7jdI0QbIS1w1QRvya9OylecXHU9yW+nvjBKPsqp+lXTdw090gN2tzUku9NNRUcLzp/iOMp3Kwk+Ge366vvpw1FcrF0YXqXaZC40pbfBS6j0k7uXL7ayvphC2St+a+p95z03HOat3tNKcJz1da/2maS4Fxaw+KnicTI2cto1KNW6GpyShITlW6i2sbWuTHQ2haUuJ9Qn2U1bluN54KxxMcsCm0h+7Kc3ELWT3lFbeS7lUiPKvrZYX+Nb7cpxCJEiQEo34CQT4nuq5GegFN6h7F6rZbV2KSIxJH2qrPmplvr5yVOh0fJ4PZWk/I3vF0u2mbpHvkgypUB9Hm7jnNQaUn0c+8VmuIJq2mj5sUha3w6Kxpw15ykapvZfJubssxt/wDhYHCk5SDC7P10an6DjNFcdWrYrZHVWFQef31KNcain2yzXqRFc4TzUZ1TSu3aoA4rJ99j32Qszpl9uTzsn4xbwkK/XVDhFXXYwHuiltlNu6mKpkNJl5gvdXP/AIJrWVdTWSAT/oR/4qW/wCNzvkNbtu/kQ/8AnWbbS/fHnXHoFyuDSm1YyqQ5z/pVpLyctcPX4PWK5Ei+x2+Th/HtfO94p7EnY7h7BKJczetri3uG6Xpm4fVOy5bev9lV30ydHc7QUBMuNcmbs2CkPHZwuHn6zmn+k+gOZqWBHnXHWkNh95AWGEs8TAP0gqp/5R8JtHRlKQ92yJDTLf5RVu+5JqB+S3cpkPpMTpSdLcehOxHHmY63N2xQx9nu7qWgxLFKrDXVAlsGE7+GiJLT08M7Y8veCOP+SpIBBXrpRx4Qx/fTC6+TbbkYYk67WD7YH/OtE6hubjE7DXcisVdJV61dqvWt1lybvOQyxJW0y2w6UIbQDgAAUvg+IYni8rmxy2y+QPyUqmCnpWtc9u6sEeTdZFJw5r0t/wD+F/zojaPJjtC1fE69W5ns/Av+dZ6IvLb7v8fXMkf6Uv8Avq3/ACeukea1qWJpbVU5UliSdkOQ56aHO5Cj4VZYjBjNHTOla8OI1y2APwKDTvop5AwAi6fdI3k/ydI2N67QtUKuLzaSpMdcbbuA7eZVVX9FOi5Gu9UqZjXJq1xk8nVPJ3qHuRWy9dx+DaLpNmyMstxFrXxPyVVgS3yplslG5RJz0WQlRLa2XClQoOAYnWYjDLkNnCwudUWtpoad8Ydsd1oK4eS3dR+GWrVtslRc4JWyoL+wcqiHTD0HXLRtkTcIF1F3abG59lLe1TfifaK1h0J3H4e6I7HeJA3SJURKnTntUOqo/WQaY6kgOsvqM4B1p7KcHv5dn2VRT8TYhRP/AFrgbHW3km4cOpptGjTovz2bHPsxSrTY51YvTXoQ6R1L5zBTutE4ktHHyKu0p/uqH26C1gvv54Xd9P6NfSaKqjqoWzR7FZyqhfBIWuVn9CXRQ/rPT8i5P3+HAivOFlKCne5y78ZFTS4eSld0PiRadZW5xrHa+woH9WRVJ9HGoblp3WVqfgSlMtOTG0PNeopJPeK/QbUMgxLUx5phGVA/VjNY7HMRxLDqgkPBa7bQdFcUVPTzxtsO11Wbbh0BS7ZpV+4nUrDspiPxHG/NFbeXbzzVPWGJDRaZDyJLm5047PVNWL5VmutSL1PE0yxcXYlqdjJW8zHO3i57lHvHsqvGI7rFpY4Ulvb3jHqitHw3LWT0gnqnA5trdFU4q2OKXIwWsuoCEwJIdYO1eMuA9hTSN+YQ/tfaTux1lgesPCvLkpyRB2tpIUo4yO3FeR1vwozUd3Ct3oeNaS6pXBuyhtyU2uRuSnag9g8K0BOuvSM/p2x9HenLZHsLLun2p5+DnNjklnhZ4rrnpbinntqh71FcQS4pOFH0h4VrvQF1f+BLDdldDGorhNa08zATcGZISl5nh7SE+zFIy6FWUGrVnN6BqE6Qi6pdkrVbVzVwG8ycq4qU5VlPu76it2QhDbLiTkjtq9vKFkGL0b2qzxejm7aNhtXJcgCXIC+KS3glNUAuShbQQrniotfdec2yYzwhYz30O2eyis3arngCmXVoJKK15CsKFcPOmlcIHs2kHupKUsedpSMDannim2nUYhuK+lSd9kIiSkqT2rTnNXgd2blVOU5rIzDcIcRgY54NP33EqXg9g7xUdss0PErecCCnsz30tGuXxjmSFAKoYc0oxFjZFZSQ/bHGVcwk8lVxMIbsjCfSwQM0imaw4yttJ5d9KzHm3bRta5bDUOqI0Zmr24kpVFAO7cByp8mS40EBShkdgoRPS64zEeQcbe2up+9wtvJVjHbQZxmcE7R9lW95Jlwfd6Tb2h08jAz/AEhV1a3WAm5HH4hX7FUR5J6gOlW6DPbbM/0hV6a/ymLcSkf5Or9ivjfGYtVm3ktZhWsTvese2iJwoOWmuJxAPpdbPOn6WA2tQMcg8uaRXmnnP4hbX3/86cJ3OFWCrHtNfZIxdgWYl3Q5ciZYbtC1HayfOoLqH0Y+j6Sfd3VaHlEdKVl1bpbT9qsjx3Tl+dzm/wCRKexJ9ud32VXZbW5lv1KZ/BEdg54VJVOGxVMzZZO81TiqHMBDeqab+GF/pVpfyQV7ujCV7Lq/+yms7vcNsfJ1obyQ+fRtcupt/jZ79hFUPGf+3+8JzDNJbod5Qry09F04k5KpDI5flVn+2qkFmOQwtIyDkCr58otbiOjZ5DZTkzGR/SqkIz0xLSEuqDYCc5qv/R0P2UP5im8b/fj0RO3cJ1wNOrLakeuntNLXS73AyPNoWEpSnGV9poREubaZrKFKytSwOSfbRrWAK5jDjI2uADmE+2t5mBKpd1F9SBS3UOqTsSpPpDvq+vI7dJVqFkc0lphQ+1VUnqM8eDGWWeGE5SEmrn8kVLjVxv7RR1jGZIx3czWe4n/2x6aoj9Jb71PulVxQ01f1bRkRn/uqioJTJtjZdQNuzHvq8elggaP1Eo8wIz2TWem7i2xbkKZUQGkDKD39lZ/9HEX6uc+JHwCLxM+7oh5JzGhMiceIOEPUR6X6qSTfxo/VVr1HEOJESRzSPxrfYsH6qZLuct34toANcPrkr63uqNTXGjEK7k6wk+ptXv3J7q+lzQtljLHjQrMxvs8OHRWr5SXSXZdQN2eDZJvnUVsKluhv56+Q+sDnUY8lq4hfT3aSTxC6iQOf+rVVZzI1vdZ4kRb63PU2oxtHfUv8mLe108WHtSUqfH/2zWXqqRmH4TLCzUBp+BVxC72iqbId1s/Vx/DW/a0KxU5eZNv1tey6EbDMe4f0uZ7a2jq1QM9rn+KFYYvcQP6xvcheeH569gePWNYXgFwOKVN/BvxV7jzL0saTvEtp88VlrhucRP0e2kpyyhaZSPin2SCHPyfR2189s832MoCUjq86byDsVvUets219TJLt1kbWWgOkHpog6i8npESO+TqO47Ikhj10BKvjVe4hP66z/cYT/wUg7B1RX1mZYLpUEfGBXOlrw++GSgJwjdSVDQR0Qc2PqbpqeqdNYu6LZfkzyP/ANv2n+foMPD7HV0w6b+kJvStgt012OJbap6EOH1kp2qzj2195MR3eT5bPopkgf71dVz5WHW0ja2vnzk/ca+VvgZU4uKaXuOcbrXxEx0hk6hWFq6xWfWWhS82tL8Ka0FsuJ9U+qftrLd9iv2dqZYLkPw1o7B7B3EezFWv5OWq12OSNAX14qgzRvgOKOdjp9T8k058pnQxchpv0dvhz4Cdj2B8s34/m1d4PI7AMQ/0+T9ydQT4pGtaMRp+fF31nmOsN3OCrwkNn+lX6I3xXFsEdWe1DZ/oivzlaWRKiqPc83+1X6KT1btMxFeLTf7Irv6QG3gb7/khYAFkbynQ0elGEHT2W5P3moTpeb8f5o8eXqf3VLvKkG7pSj+y3o+81BLfZ5jsdyYOTbe3r1q+FP8AaYfRVGNj6Y5Sl8POyzGioG5Cd2PEeNDZj+WU5O5xKufspSDOUqGcL2SmxtLn0a8aCEtejlT3JxXzR41pAs2Gu8UkXGplpPFZ6lX95PmkOla3SYlwuOpG06detLgiNKvAVwy418V8XnljI91UhxA0N4xj16jupGto40d9wOeAWf0aUlF7K2gOW6nnS/pbpMsFtiyNd6gRcI7rxbYaF3EracZ9Hu5d9U/I+LcxSzsp11IdW4tWPSyomlFNCQxv8Oygo6YOrz2muN7fga5WpROAivOfhQUTKFN9Pq3QH9vcsU31aAExSfAikbNILVvfSk8yQa8vS1SYLa1eorFXV7xZVWBv65CUmlWluJPVURSDRyrGadtgAjlQWlGcE4iqkKUOZOe+pBDCxbHeIrPhQRt9TYAAG2isN9LkBaezPdU1xjuieTwRAZBXgkDFfSHAmMAFYxjnSclaFQ2Crn4VzMOU9xTtzihPTkOitDySHQrpduvLqm2nH6Qq99eLxCu244KYzmP0KoPyRx/1vTcej8Fq/aFaA1fGduLk+3spw8+wtCVH0QdlfHeMm2xIFazCv3CyHYHOHp+I528gmnxlfFfF/wDCmrKh+T9rmNbWYXnlgOwZ3edr/wCCl/8AAJrtwf45YP8A+Ur/AIK+lRY7RNFi8KifSyk7KoI1z3vLbRyWlXWTTmVJddaSSvaU/RqXdIXRXqbR9sFwuCYUtKObnmTpXwx4qyByqAtyQsJO3cD9KrGmrYqoXiIsPBBfC6M9obriYt0lPDPEOOea0n5IHPo2u4KsK+FV/wBW3WaXSsuJWnq8uytJ+R8R/g8vJV/4qv8Aq26zvF4Bw438UzhmlQhXlGLx0drwMqMtrH2ms+W+PIkNKckqXhBwEnvrQnlFqSro7OBz88az+uqTZWnhp5csCkP0fNthdg6/aKaxw3qW+i4iQ2lMshtkJWXBj2c6kl/UtQWR1VBhZyPYKCNOITtWobQlWaLynPOghbTThSphaeztyK2ryA5VKj8guu2GM48SpRJ7au3yV1g6qvSUkjENoHH5RqqmbcV2pvirDYZJJ3VZXknlatYamPESpJjtbNv5Rqk4lbmw6QE9W/EKeHvaapqnvS/lvRGqP9le+6srWaI9tjNvfGOemvr+r3VrbXdql6jtV40/BATJnNKabW5yQknvJ7hVTq6Addot3BauGm+KG/8AOV+l870ay3AtdTUUcsMr7a/mrDH6eWdzDE25sqskkTZT0IY4PD+M+MV1Kaqttj+LaJ6n91WlF8nLXrCDsuWn96vTV50vn/QqJdI3RhqrQkVuVd3IExhfpKhuqXw/yspGK3LcfoHOazmgEqkdh07RfKoNqOexHjtCEkDCeVHvJof4vTvp5au0qdz/ALs1Xt2ecUpKSMBKanXkwnPTxpwDnuU5/VqoGMyZqWX+V3wTWHttI1bU1GELmBZGOpWHb275vf72sd0579s1t3UynRPS0BuyjFZ3vPk4a/l3SZKj3iwIYfeU4AuQsHmc/Nr5rwXV01HNLJOQ0m1r9VocZgfLE1rNVSag27GA45CgvNcSW8uAk5SOdXTF8mfXwXt+F9PknwkKP9mmWqegnV+mrW7PmyLbMDYyWIz5Lp9wKa+jDHKAkASi5WYdQzfZVawozbMZLaVJ4i+spVM7tIJjrj4SpaOaVUSiyGXIxC2whY6pHhQ1iGt6QtW5OOYAq4cM2qrw6y155Lxz5Ptr7utK/rDVdeVgrGm7JnuuA/ZqxvJmSB0B29PZhcn+sNVn5XKsaatCR3Tv7NfGY3H/AIob4Z/kVvO9hj/5VUk3jSIwnwn1Mvx9qmlo9JKh2EHurUXR3qJjpN6Lm5zqkm4xR5tcmldquXJX1jn+lWUrOpchtttKy2lA7E99T7oM1ErQfSLF+EFn4HvHxEtvPJGT1VfUf1bq+hcS4Q3Eaa5GrNR/fuWZwis9kfl6HRQLpN0y9pLW8i1KBVEW4HYqz80ns+qt3TDu0hBx28Nr9mqR8qTRgl2z4RYTl+EsPMrA9JsnmD99XS4rOkoIP8m1+zWCxqvFdRRa6jMD9wWopKflTHzsVlnp7iNyumOPx3DsTDY3pHhzoLHTDUibDYcJa4/onvGKKeUBKWz0rpW2pIWYTCcnw50EcUzAuqXAtC0LSFDHerFfSeGdMKh9AsXjhzVzkAnw3rZMU/8Ai9+B7qdNvIIQtnm2VZJ9tfakWma4ENuHKlZA7qCxVOw5Xm6j1VK5eFXbtFWsAcntxW624HGlko7FihE1SkrJSrqnso66PUVtw8MD2UIeYLZXHcwoo5g0Jw1TGoQUtqaWW19iuYrxDrjRLJ5DuNO5gS80N6gHEchimDmXE4zlTfOk5N05GMwSbyU7tyCc1xlVKBfPlzrrJ+bQkRGLS2tSHcdm0U9uKNlnJUOfEFJw3kxk7QOahXl0lB2ApvGOsDVx9S6rb/rUGZPxg5U9CwO6mCOSwadl8JRzRmoMKM9t12t5IAHPlTi1ySHlJ3cinsoes7lDuGK+aUUyk7RgdhNdupMZZSpL7a4bQ3eiOdN3zvlrKSSODyFMVlaEYTnbikYU1xM5WSCkNYqDtUw3RXZ5Jw2dLknmo7rUSR+cK0Zq68uW2FclIZQoMRlrBPbnYazn5JC1u9K89YAGLYcfpCr06RlKNvvXLmYa8/oV8e4xkDcSAPWy12DjPBceazinpg1rNAUzAt7YV2HrV7H6X9bsrcS7b4Dob/KqLaddzZo/UTnZ2ke2vlOuC78LCFIcQNxKsBNfQIeF8KZtCFTOxKq+2rMs3TvCW0pGpNNy1NlJHDYO/efm7VdiarKGTJDkkhCQtwkIT6gPPH66XkR2ArfxGF+6mr6GEjfxNnup7D8GpaBxdC210rVVj57ZuiVkbAnKSFkCtC+R26odHd5SR23Vf9W3Wa5UuMmKspXlWOWK0X5FjinejK7KVyJuq8f7tuqvi9zf9Nd6o+Fa1CT8orH+D47uWJbX31SDS0JTjbuAHjV0eUe4lno4W6QpQTMaGB76zw3e3CyVJilI8V1V/o9dkwm1vrH4o+PttVN9FJUOoVncgBOOw1IbdJSYgBWlKRyGeWKqmRdJzylcwhGe1NJRJr8hW1c17Yk805xW255zbKpdqFZl8fZNukITJQdyDy3VYHkfOpVqa+oRz2xGs4P0jWeXXd+5KSrHtq9PImQpeoNTHecpjtD+kao+JZS6gksEXDI2mqaru6StVSrDpW8SWIrLjkRlbiAvxHtrOi+ljWrnXEKA2h3sGxX99XV01qzoLVJ8IrnP66y9aNQOswo7XBjOLCe0+lWT4Nw2ir4ZJatmc37OmyuMdqaikLWU5tcaqS/4bNXwZWJltgvfWpNSGH0+WaZaZjF9sckuusLCWkupWhSwMDKjzqmJP4ZIdeeDnrfpUiGWGxywXK1MnDeH6lseWx3aq9mMVNrPN7ofdCXXNw5DmcVPfJhSpPTtpwp7dzn9WahM9lPUWk8sc6nHkxknp10+U9ynMf7s07igtTyeh+CXw8EyNW3LpcHGHFHgtOFTZ9Osh6p6eNVxbzMix4EFKGn1tpwlSuw48a1Zqc7X1f6s1gW/89S3U/6Y7+2a+dcHUlJWyStnbctt81o8TqJKZjXRnQqfRunzWW7iPQIRA7MpUn99SzTPlBNKkNfwlsbqGvnsObs/UaoQuU5Za4rLdbp/DtE8WLLeioxjNQ3qplfbpHvepLvdIMDzSHOcU5Hb+Z7/AG9XNCmnG+A45xNjlO7GvdFU38xJqM3KRscU385Rq9YwRNEY2AVK4c0k+C2d5Mx/6i4Cu0bpH9YarLyvc/wftJT/AJ4f2KsnyXcjoGtye3PH/rDVfeVOgO2WzoWO2Wf2K+RAf/oo3D7Z+BW5ccmHP/lCz9pycqK6c8xUhu6jPtQUk4Urc4D6WNvdmoo9Gciu86fxJRxg9lfXm9orEF9lsXoSuaelLogtyZj/APGNu/AbgD64T2K+sbalE0So6fg57k03gI9w7Kzp5Fmp1WjpUl6dWvEO8tkIT/Oo6w+0AitTdILOHY7o5czXxvi2gNK52U6ake9bXCarmAByyH5QCEL6VJCcdYQWdnv51HLXEwpLk0c0IKkJzUl6f1Mp6TllZ5+ZNHI8edQX4RedDbQJBTnKvZX1Hhr/AGqH+VvwWOxkfT3FGn2GFpLiGwCg8qB3uNlsFI62ciiDSlssI4jmd/PNdtuNrcJcAKMcjV3J2lVx9lRmNMUWsKClKR2UncZKXWQUgpd9anNzjcF1UhlQCSc4oW+riLDpIyrtFLPNgnGalMOIpL4XzUO+uVuBT29PVCu2u5DRQVKB6ppAYBCSOVKuOl083ZduY3dU15u9tJqcIONor7erwri7ZWYx0f6teWEIsc0qzj/FzT9XRDrmU0tLWn5qlp544ZANaG0pqu5RX0KeuLhA5AEg5q0LdrkoaSnzxCiR62BT9S98I0F0rTwteblyxjK6CukSMIqnbCs8YdiVc00Uh+T1rt3aXWI8RPfxF862jbtSNyCAUMKBPpbuynUmWy4FL2oX9VVRrpAdrKy9laR3ljlnycruo4cvkQH/AFK6fM+TTc1AFy+w8f6ldapXKCj6I+ym0p1JT2gfXUZK2RTbCwLMV26DLhAj7mpEeSMc8BVVhdtAXG33JTrhjAE4wVYrXmpr5EgwnMSkBY7BxBVKajvSJMxS1FtwE9yv+VN0xkf31x7Y038lGC9C6UbkHU4T8HK2kdh66aurpASTAvaSckxXP2DVa+T4ppfSbcSyOSbceX56aszXpCo94SoYUuMvs/Ir5Xxhyxi7CftBaPCBanNvNZV03AjsWiOVvFSuZUnHIV49bWXZS3UukKIwBjkBXlhdbXb2wlW4nnjNOLhKERgvraBBO0AHmK+xMDWgEuWOkkN7KL3RRtkshMgLKjzBHZQmbPfcQjmCUk7eVd31QekpOCrIzyPZQ1MZ90dRJwD40rJI5xIOy60ZdUvP43m9ap8idJPRVcs/+Ku/sIrL0aGptAU844rPdmtVeRqkM9Flyx/4s9+wistxV/tx9QrbBzeoTDykkj/BhJ9kxo/0qzjO4DpbbAylPh+T6VaO8pNCj0YTvY+0f6dZvgyIcNtxuXzWByJ/J9Gq/gM/s0/zFM48z6QPRC50hLbWwZVmvbQkYy/hST6tMnspWNiwvNP7Qwp2enY2Vq8O6t0qAo06hbmxTMIIbHpDtz9tXf5FxQm76q4bX4tn9o1Ui1tuJbaeUULHojtz9lXL5G7Labtqotu4+LZ/aNUfFDrYc9OYSfpIU36Zs/wC1OVY2mK4SKyExMaKUbWUICRgEdprYHTMjfoTUyCR1oLhx7hWMYiASgZ6oFZ3gBmWllA8QrPiM3kj9EZcw/8AEpQTxHAoezlQ+VHVHQtGDlQ5UWixX2ZLqglZ37dnspOfHUt5TJ38Q8vdzr6EVmQEHuDjZhM7h1tmKm3kvhKunSwADkC6T/uzUOvcJTdvaz6SVYNTjyWoy09N1meONux7+rNVmLH6G/0KsKE5Z2ha+1QQJ5A5p2VgrUBH8Irokjn567+2a3rqQEzMY7WwR9tYM1GD/CW8qxzROc/bNfPf0enNNN/f1itBxCbQxoO4CMg91PoboU0llI5jnmmKxlZOe3ur5p0x3AoD6q+qZsqyLhdGjJfERbra9vPmKGEBxZcxxFkc6UkSwkch8Ws9lctJQdykKxioZ83ZXAzItn+TGCOgS1Kzjd5z/WLqvvKeKxabK5nKUzlDH1VYvk3Ao6BLQCOQbkEf7xdV75UISNP2kjltmE5/Nr5BCb8Sxt/jPwW3mH7Nf6Kj7lFbmtJUFbVD+lQJ5t6OOErnnsHhUgjI4jTfrbfQxSVxjcUAnHE78d1fZrDLZfPWzHdNdI3d2waus94YOHY01pSf0hn9Wa/QXWslufaoklv1iD/Rr86ljhT2R/PI+8V+gl4KU6egpT9H9mvm3HrstP7itfgTc7rrI3lJr4fSWv2wm/31A2ZIcbQVctvyntqe+U0jd0lo9sJv99Vu6gpZVt9UfbWu4aNsNi9yp8YZ9Md6p1KuC1OONBWWx6NLszmkMNo2kfOoM0ne4FHIxSjq8EgDlV452iq3Rap5KuLrwLWOVCHCEqKVjFOo+dm49tITmyvCqBJqix9nRNlr3jb3Cm55H2UqQU9Xvrjqg7VGlimhokXeXOkd58aVd50jtriO3ZfoHp3QSJjaHRIbKz6GznUstfRztWQ7ICQOZKhmozo2RPiQ2W0cTbu9IDsNTt25SotulzFvhfBb3KSo4OaJiEsrRrohUkMZOgRG32C1W0jASskctw5ZpSZIix2sp4ST9HFZk1RrPVFwnvSPPX2W1KIQhKsACq61HrrUUIkN3aUefYV1UMEsmu6tDGxg2WmtZapdYUstOobQPbVWX3XK2gpxcsLTnuNZ/ufSDqGWtbb8pa0++krbc3ZsNfnLqsZ8auqdjG99Vk0vgrHvOt2Zbygle4Y78VGnNSLkPcNpttBHapRqKTQuO8Mk4PMGvmpRIOEg/m86YJypPmXKvLySpT0zpGvZdcysQMez0xV06zQVKuCO34hQP+7qjvJAbkRNVXq5y46mozkUJQsjt6wq8NRvtPzZCkK3IWkj35QBXxfjFzDiTT/EFvMGYfZ/vWJTqFxFvFsjoJCeWUnHf20yYvjqkcKal1aGwRtJz9dPptm+DblKizIi25DbqgQc+PZSMqO0IKiwzseJA5JJ+qvqrZYrZv5Vk8hb+rSdoivzHVCN1n1kIab8VGrP6XOj9rSOlrNPhDLqRw7gsdiln16IeT70ez0T2tU3yMWmm+cRtzvPzsVaXSzbUXTo9vSXOxqMp0fm8/3VjcW4lEOJR0zDfXX32V7S4aDTOlcLErJkp1AaVuVu2+Cq1Z5G/PojdWfXuj6v1IrJLjkcoQlvKy5yxtrX/k1RZFi6KYsOZHXHfW848UrGOqo8vup/jCVvsPL8Xf1SmCRO5rnlCPKN/wC6y44/l2f2xWXlDzlaQttbry+3PMD2Vqjp8jybl0ZXSLCjrfdyle1AycA86y3HlKSnzdhtUYAYwEEk+3NL8BFraB4P2ii8QXE7fRKyY0NhpLbKUJfHatfMD2VINE2hzVWqIdkhObASePjvb9ao4iG5KV5uw2+++4fQSg5PtrR3QR0f/wAFbYu6zci5TR1kH8W33Jq44kxqLDaF0jT2/q+qQwuifPP5BVT0y2NvS2qmm4TZbt0hveyk+qodVSfqwKsnyK3fPHdWuu+Ef99I+VPZUnR8C4ryHG5WEe5QpbyLUKtsLUbzySG5S2ggkd6aoJq19Xw2ZZO8W2Vp7M2HELN2Vj9LKVK0pqFpAyVQnwB+bWOrXapy4zTu1KM47T7a2Z0hESLLeUNjcXI72Me1BrI0CeWWEsqQd7ZUCFewmvfo9faKZp8R8EPiNt3xorc1yW3EOMjIWAQPDnTV19wyVKcQQ4eeaWXLLrYKUq7NoHtppIccU42FJIUAd32V9Ecs01JaobQ5bkbD2KqXeSwkK6Y7O3n0WpH9UqoddUKXblbT2Kqb+S0zIPS3b7kqE+IEdl7iP7OruLagOfvqpxgtbh8uY20TlCC6oatXaox503j+SH76wfrJrGtb6yP8+c++tx6qltuym3I5ygIrGXSRDdtHSJdlS2VoDshT7eEk+lzSqsFwJOwV8zD4LRY613s7bdVEvNnB6dcSWHFNgIHMnl/dT8rce+Nx/QNWJ0MdHlw1De2brcGFM2iMeJlQwXlDsx7K+h4hWx0sDpXOBss1R0755g1oS2peiwWrocj3rgn4bR+FyPyFK9H6htNVQ0vejPjW4b/bG7pZZcNwfFuR1IOPdWHnkFp96OgElt1aAB+VWb4VxaavMzJTc3v6A9PwVxjdI2IMLVtnycUbegmypKuXCeB+txdV15UiAvSFvOeSbiBn3g1Yfk/LTH6ErNGfyiQllwqSeXatdQTykGFv6DC20FSGJra1Y7u2sfC63EEcn8Z+CuJG/s548lQjKxHS20lzafWpSU8hpaXW8qz25poJbKgkcMqUO0145IU51UIz4Cvs+Zq+cZU2lIS3eYzauahJRy+ut/3UJ/g9HwPUb+6sBRWnJV+gNNguOLkIJSBk9tb1vcxp3T7CWuRCED9VfNOPTo33/JbXh0Xask+VAcdJUY57YKfvNVyzIVswvaatLyo4S1aqts4IJZ80DZcA5bs9lVHw0hXVya1PDT74ZEfJVOMNtVuT0LSlJITkmk20lx3mOXfXKfRFPA80y0NoCnO+r87KnJK4IQ2kih8p7OcUu46XFZxyprJweyhOKmxpumq1jtpuohSs5pR9KhzxSYwU576AnWiwXCq5xXZxXNRRVuGy63bSwjzNS2xjrKz20P1TryMmMpCJTiT6yd3bWfXtXOMxuE0VIx3ZqM3G9y5bqlqkqx76VdRSSyOe4qLKmOIWY1Wpc9SxJj5a878yb+evrJ+wdtVperlxlH47PPqer9dDUySps5Jpk67ldPMhYzuoT5pJNwuXuuvrAjnRC2sPGOtW3c2Dkq8KYk7xhKhmlo8pyKCguEoV6SaM021QX9rREZL63kobWeIE+jSLjjrB3hAOCCUDvr5brJG5B5Y7K4juhSyAkkY7akRn7KEwZTdXzaun6wx4DTC9LXGMhtISlLISUgCvT0+aY4u74KunuKU/31T9wuyHoLcZSGwEo2nA7aj5dZ+VrLVHB+Gvd22n8VfRY9Ut7hWiWPKR0+1yNjfPtUy2s/rro+Unp4/+4Xf/AOI1/dWaCGyewU5Y4eK6zhmi8/xUn4vK36o+5aFk+ULpp30bXc0jwGz++hGven63XXQly05abNLTIuCQ2p95YTw0d+AM5z7xVFuqDjlNHUbXq5Bw3h9O/PGyy8/F5ZWhrlJujXVELSmqWbpNtSLikIxw3OezPrD2irv/AP1A2BwY+DbmB4DZWc0spVzc9KlEgo5EU1iGBUeIycya5PqhU2JyUrcrAtCI8oLTSHP+yLoD7kH99E2PKOsakhDdhfXjvVDaP76zazFKeu+2lKfE0/YkwI6MIDaj+TSsXB1AwWbdo8i7812fH6l51bcrQj/lCWdwZXZJCPyIjSf30yd6erCDvVarkr6kD99Z8l3HCjw0t491MHX3HjhKAfdQZODcKd3w53qXfmixYzWAatACu7pU6WYmuY9mgt2RwW6A+l+ZvcTuf2+ry5DlU0i9OOh7dakNxIU1vYkJSwhjAHsz2Vm22SvMo7xU16Qpe3TI5RtW12mnX8L0E0UUTgbDzKBHjE0TnO8Vf0Dp70uqQfPGp0IH57AX91Vp0p6j07qvV0afpaJIYaDA85U6hKeI784Y9mKhUt6O671xXcKWww5hsUbDuG6TDphLGXEjxKjVYvJVMyPCLBwoca3KHKnEt9CXgsnK1dtRydJ3ujao8q7dkLDYSTlQ7VVoN1T91Eru5iEptv5RXMCrQ0T012uzaYh2dVinMmMhKCphOUrx2nOKpyZLy2jd2+NciZhnB9T0frqrxLCocQYI5tk/R1j6V2Zm6v1XT1p8IJNsuufalNKMeUbp1hGDZZCyO9cdsn9dUOVtvxur3+6gM0Bpwgg/ZVIeD8MiN2XHoT+asW49UzDt6rTjnlL6fW3g2F4DHamK2KYr8ojTriFD4OuSPYlCQP1VnRktrjnlg+6mzrKh2ZxUJeE8PkHaLj73IkWLysPZsFph/wAou2NWWTFs9jnPyXmylK5G3YgkY3VUPRbfrLpjWRumpIvnzCkZbGN/DX+dUJhSeA7hANPFYeY4pxVnT4NT08bo4hbNb8PVKy10r3tcTstKXfygtIAAR2Zz6VdyGAjH2mubd056LV8ZIEtAPa2Y+/PsPdWa2S00jLmHKQW82tZDXxdUr+CsOcczi6/8ydbj1QdBsprr++2G8azn3DTkBcO2ubS2hwpBJ55OB6PdyqNyLiTyHxaKaos11NseurER16EysIefQMpQo9xNJXO33C3NRnJ0CRHRJbDjKnUbQ4k96fEVqIWtijEbeipnx5zdWl0Fa/0rpGNKF1t7irg47yllvf1Nvo+znVhXfygdJqX5vHh3F1v+U2AfqzWX0bFuUqnYlfdVHW8MUVbUOnmLiXeatYcTkpomsYFp+49NfRzLsbsCbHmSUuoKVtqjDP1Hnis75ZUp59hrhtOOEto+Z1uQ+yhicDnTuM9tp7C8Gp8MDhATrbr4JOurX1QaHpRxSUDmaTZeQVczTWQviZIPKmgeIVjNWrn2Ve2G6NqdTt8KaqWCcgZpmZasdma8ErA7MGoF4U2xOCcOLGOtypDAJ6gzTZx9ajz7KVjvYPhQi4I2RwXykq8K82nwpySk99c7R415ezKUzou9lRWUe/POg/msUPo4z+wZxkUzeckKWN7i1HxzSYS6s5OeR7TTRclYIeWFP9caEjaVFtbueqWPw+MJDXDiOcknxoRC0JJvTLy9L3OJeHWE73YyCUPBPiEqxu+qpf5S3I6Mz/4C191QLo1nO2zWlnnME7kymwr2pKsEfZQfrWRYTeLmJrYoqJF0ZhSXTGDjqWy4pJOwk450e6TtGvaQ1N8ES7szNkJaS45wkEJTnsGT20d6a7e1aunyQzHACHJDTxx85WCf14pTyqc/4Xpn+zMfsCp2svA3APiEMt+gRI6P/wCGSr4wzCD/AJu4ksKUtLnhScHT1vNmmT4+oWXnYyN/ALCkFYzjkTyqZ6UY868mWY0ZLEcfDHpvHCfRFQdVnba01OuK7tAkFhaUJZZd3K59+PCisNku43NlGLo+UO15aLXcL9dERLZGcfkuHCW0jl7ye4U1mvhxzFXD0bpTZOgDVmo4yR8IS3fMg53to6vZ+kqgP1KYaOWwKuplrstukiNOvgceBw55k1xkIPhuyM/Vmi07TdsZ0e5qe1aijzW2H0suxnGlNvJ3dhxz5VXxySTzJNLsPzGYzrDZdS28UlxOOSsHlQxKUZ0IPVTnR+hRqXTd41GL6zEZtbfEktuMLJx3bcdvZQyFY7LM4gY1UzxEsqcSlcVxO8gZ258TU66FGlP9FvSI0XUNbojPXcOEj0+2oTb9KJchXKUb5a8Q4qnw02/lxwjuAxU1BuqddHWlv4XX5NnZuTUWQtJLXFQVBZAJI5dnZXMq0WuFenbc/qmI06zJ4a1mI5gEKwefhRrycjnpfswz28T9g0N1TpTzzpBuLHw/ZmeNcVpy4+obNyz29XuzUiUNovumVpsQv2vE6bF3Zbcekebx39ii25808uwGlNQ6UtVj1BJssrUwMqO9wnAiG4RupToyYMLpss8LcFeb3dDe4d+1fbRTpWs4k9L13cN7tLK3ZxyFvkbOffyrmYnVTvaTJ5KI37T6rdeU29iY3MS5w+G4jlu3jIo5eNFxdLT2rbqS/eZ3BwIU4xGY4/BCu5RyOt7BmheoW/4Oa3XHaeTMEGShSXB6Lm3Cvsq3NX6csnS+hOqdK3IMX7gjzq3O95HgqvXK451t1UuvrLEs06C3bbs1do0yIiQ2+2kp5kkFJB7wRT6bpQWOPD/hPePg6VJb4ojNs8VbaD6JVzGM0FuVtn2e5iDcoz0aVDXjhOpIUk7t3ZV13yyWXpotUa7Wqe1bNUx4+16I6cB/aPVrwBK46RrACdiqi1lYo1lbtkm3X1m6xLg0paXENlBQUnBBB76kUrQrFr0fbdUP6kY81ueUsARF7gR6QNRG/wBlvFknmzXhLkZ9gHa26PHvFWtqqAZHk+6KKp0WMOK7zfXjnuXyqbfNQldlALDoVW92tcSPZnLhCvjEtxt1KFscNSFYOesM9o5Uf0Xoc6pstxubV1ajItjHnEoONE4b2k5G0c+z9dR262BFv0wm7C7wZanJPA4UdzeU9XOT4VYHQUT/AIPekDn/AO6v3LqQeoytytuqukqQ9KSylQwTgGpRL0Xb0X5qwu6tiLmLWlonzdzYkq5Y3fnVFocNS2xIz3090m+8ekK1uklwm4tdp+mK84og1UluWiIWnNTu6cueq4bMppaUqBjubBuAIOfrpladEi+dIzukRdmGpPnCmGncbkLUN3fn6P66IeUyD/hqve0dzP8AVJpPoGLh6XtPl4/Gcc5z+SaHe66TbVDLzpiyWm9S7VJ1Ph2K6W1kQ3MZFCr7a27dd5ELzxua00U7X2+SXAUhWR9tS3Wtmbm9JV4Qb3Z2ePcVJy5JxsyrHPlyqEatY8w1DMghziiM8priDsXg4yK8vNGZIOKjl74pNHF6WlNWiPdr0+3a4cj/ABYLJU697Qgd3tpXods8a+9I9kts0EsPyBxAPAAn91GvKAu/nXSRdI+OpFIYaHg2lKQK8DdSJs7KgenNO2G+XRFtRqgwXXeTapcIpQpXcNwWcVHL3ActV7l2txYcdjPFpRSO0g45UzStwrDiAokc+XdU46HLc1qfpXs8a4jeiRIK3Qr1tiCv9e2gO1dZHvkaSuzBvth0r8F3S+JtcC44fVCxucdHaCU8vHxpTUUHUl90axc03b4etVpTwCn0XoSOwAp8Of0qZ9Ok9y4dKt+WvklmUphseCUdUfdUo8lY+c65n2J/rQrnbXkSEeO3BH666NUJxytLveoVZNOW6Tphy+XO+s25CZPm6GOEpx1fLO4Ad1GZfR7Di6NhasVqdgW6Y+phkmK5uKhnu7uyobe+MxNkwQfiY0laB9v/AONWnqg//tZ0v7Lw79y6k25XZXZbeajDWi48h6yiJqGE8zdFupK9qhwOH6RUMU70j0eQdVX56zWfVMZchth14qWw4lJSj2476r9ma8zgNKKcbsc/nJ2n9VWr5LOf8JLp/wDhkj7hXQbmyjLmijL2nZRq26Rt09UmPC1ZB47DS3OE5GcTv2pyQPbyrzo70H/DBm5Ot3ZqH8HMF98LaUrCfqqKTnXW7g8tslOXFffVseTlnzPXH/yVf768NTZdlORheqoREaXdmoiX8tKdCeKB3Z7cUb6RNH3HRl7NunDiIWney+lJCXU9xGaDWTndYmf5ZP31fzN7tnSLLvPR1qTDE9mY/wDAtwP0XFdSh20UpH5Xa7DdUjovTzOopr8VdybhLbYW8negq37ElRHL2Cgr7SUPFKDnBqd6esM/TGvZtouTRZksQZIIPeOCrB+uoAgni9bxrllIG6eIB8K7x7K9ax40tgfOqSAU8eW2pYKuYApMoKjhpClBXcBXKyXXElKNpJ7KUaakofIQXElJ7qbclm9lWr5RVoucxek+Bb5T/DszSDw2irGPHHZUf6NtLiz3djUmqli22yE4HA06fjJCxzCEt+keffUYTNuA5KnyfDm4aZy3nHHuspS1eJOajywDopMfpZHrzd5mselBF4LR3zZyNrOeaEBQCU/ZUl8qlmUrpXkPBpaGnIrIztyOQx21WDT0mPI3tuuNq8UnBpaXMlvoBekuunu3qziudETZwKt6ww5avJllIZiOuKN23YCD2dXnUB05pa7XB6afg+YGWmVOuOcIhCAkE8yaj7N1uDDfDbmyUJ7gHDikJN4nqzumylZ7fjTUQuMZumLgwpK++rY6EtS2WRpi/dH+oZIhsXgZiSHOaG3uWPyewVUT6lLXmuQSDUDonC0FSHVGkr5p65mFOhOYJ6jyBltweKSO2rTkvTo/kv4kAsyTdeH8YBxVs4T489u6qaYu91ZbDTVxlMoHc26ofvpGRJlSVFT0h1xR7SpZJNRbooPZmtqrl6HmJr/RJ0gcOO64pUVtCMIPPGarnT+kdR3i7sW+Da5/EeJQpfBUEgEc+dMbTPuMQFDE+UhJ7QlZxRt6ReBlQucsJ7sPK5/ro+4QCcjifFSfyfLc9F6Zbc0lCnOA46FFI7glQqLdINveZ1xdmnGnG8zHSCoeruNcNecQDlEqQ2pfMlCyk01mSH3iVvyHnHDyBWsqr1tEIO7WZGuiCNv6U9OqTxl/h6M45130uWa5O9KeoVNWqa6DOXgpYWR+oVFi7NjrCo75QfFJA+6l7fOu7j5K7lMHufUP31DcWR8tnZvJSEaIuab7ZbPP+ImXVre2lwehlSkpB59+2k7fZdUWfU7UKPBmx7o0+EoQgEKCgaGqclKfS8uS+4tHorWslQ+uiPw5ftuxdzmAHs+PXnH20bIlDIrH6ejFvms9NwA/HN2LCGrgprxUpPb9IdaqyuFg1LYtRiEmBNZntPANbE43/NIPtpHhrVK3lSir52edOHbnfmMtfDFwCe78IX2fbU3NUI3ZVNvKRuLcuHpaJLfD+oo0RXnxHqZ27U/Vg13rG2XJ/wAnfRbLMOQ6oSHVqw2SRlS8VWiIq5qlLWolSe8nnTrzm7BIS1cJm0dgQ7yHv50MMujF+y5j6RvrkCbNdt0qNChs8VbrzRQCcgADPLJJqwOgyJLc6P8ApADTbiy5atjeUEb+R6qfGq6fkXCUeEXpEgHtPFpN52da28plPoz6gdrzY9UR3abZFNHaY1DeHVW1q1yQykEuPlg9TxVk0y0LH3a1tIa+NcTObzs/KFDFT746gpVPm7T2pS8cffTZkS2XN7S3GlfOS6c/fXCeiIWal191Y3lJKkNdL15LjW0LDa0Ht3J4aaG+T2iVK6YbCptvcESCpZz6Kdiqii1SJJ+PdcdV4rWTXkbjwXuIy840T3trINQsb3XA1gZlt0R7pPsl5PSHfSi1zzma6QQwvvV7qEansU/T0mJFuiC1KfiokraV6TYUTgH24AP110q6XMnKbnKz7X103kIVNVuffU6789ZKj+uu5CdlJktktoy8SNP6ptt5jDrRX0r+qrG6ZNPp1XKGvNHrTNhzGsy2GyOPHWnqnckc9tV2zF4dJramxn+PGkOsqHYpCiD9oqXKPVQEuYqa+TtFuSOlG0/gyxDG7zje1uRt4avSzyoY9qOVYOmh3USwHERbq56PZs3EbfsqLuXe6Op2SLjMfT81chZH30gSXzknnUGsRL9onxU66aLb57qV7WFlIm2W5/Goca7Wl+s2oeqrdT/oddToOBdtZ3fDLqoi41saJ67rivXA8B41AYsmZb9wjTJDIUOfCWUn7a+lJcmOh2S+68vxcWSall1uo5uxkOyYOLMqYpw9qlFRq4dXW2UPJh06kNLJF1W5gD1Tv51WAt4HMHZTzh3RxAT568UDuLysYqfK0Qnva5zSOijzLBcPMVcXkwQpDfSFKdbbWpv4KkIXtOO0DFVqY4ZNIO3KYgFEV55kDt4bmKiY8q9zOYUjfEux57zLzSkOJcUCk9o51a3k0xJbsHW3CaWvNoWjmcZ7erVNyFvyHC4txxxfeVqpaPInxWyliS80lXpJSsjNAO6Ze3O2yXsEOW7qSJEajuOPecJRtSnJGTRfpMbnWjpEu5W27EeE5xbZB7OvkKTUeaclB3iNOvNr7d3Fr6Q8/LOX5BePiTUNkVX9pzUtq19o1+TeVJb1XYre98cf8sZ4Sk4P0utms9JQCo++lmXX4pPBfLWe3FJIQe3NSzITG5bpZDKselXvCX86vGwrHNVdc/nV1cupXHgKWyXVI2KV1Qnx9tOY9uWuOVKVtCTjPjX1fVYvVXZMbgyA+2yz/wDlupvPjho7j1F/Nr6vqGut0umU6SlzaEMoQR4d9JlD2BhtKge32V9X1BKbZqkVNOdpJR83NIrSknB6x76+r6oorF8pKM8hXzMcOOdlfV9UWqTiU9FtQWd1dsREFO2vq+ooCUlkciVsjNpcIIG9XJOaKQkuMLJfzsSdp3dlfV9XGqKcT/M5f85w/wA1PupJTFuUy6rzYPKOMBK+X219X1dUiunrYthDf4IjbSjMeKlRzFRmvq+opUilHIDLgyEBI7gK+jWl1xWA1tPca+r6vMQiiDUGO03wkJy54IRn+zXNwt/FcylwMuJ5KQodlfV9RwhOQXzTgtfhPD+d4qpvNd4XINcOvq+oiWb1XUa7JbZCAkcUd9Cr7MMx4LeHWFfV9QnpqLeyFjcQrwpzBaQpaN1fV9QGpl6I3dpLagtA6vjQp34z2V9X1dchsSK0KT210y4E9tfV9QmoyW85KiAkZHjTh4hUcbVbj3ivq+ojEF+iGLZrtpmvq+oYTAXzilk4NO4aUkDNfV9Xeqg/92ifDbHNyvfOj2YQhFfV9To7oVf1QuY6pw49UUzUpSvcK+r6kZE+xcDtpd0IXt2p24GD7T419X1CappJ74wYpFLW019X1RCIupHB/FcT8+ueFX1fVxdTm2xUyJaG1HGe+jXwNE/lF19X1HjAsoOX/9k=</binary>
</FictionBook>