<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>Corwin von Amber</book-title><date>1977</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Amber-Zyklus" number="1"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>Nine Princes in Amber</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><id>87B59580-76C2-47F9-9D41-43DF2640353F</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Roger Zelazny</p><p>Corwin von Amber</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Nach einer Zeit, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, zeichnete sich das Ende ab.</p><p>Ich versuchte die Zehen zu bewegen, erfolgreich. Ich lag in einem Krankenhausbett, und meine Beine waren von Gipsverb�nden umschlossen, doch sie geh�rten immer noch mir.</p><p>Ich kniff die Augen zusammen und �ffnete sie dreimal.</p><p>Das Zimmer h�rte auf zu schwanken.</p><p>Wo zum Teufel war ich?</p><p>Dann verzog sich der Nebel allm�hlich, und etwas von dem, was Ged�chtnis genannt wird, kehrte zur�ck. Ich erinnerte mich an N�chte, Nachtschwestern und Nadeln. Und jedesmal, wenn ich ein bi�chen klarer im Kopf wurde, erschien jemand auf der Bildfl�che und stach mich. So war es bisher gewesen. Doch jetzt f�hlte ich mich wieder einigerma�en. Jetzt mu�te Schlu� sein.</p><p>Oder w�rde man sich nicht darauf einlassen?</p><p>Blitzartig kam mir der Gedanke: <emphasis>Vielleicht nicht.</emphasis></p><p>Eine nat�rliche Skepsis hinsichtlich der Reinheit menschlicher Motive legte sich mir schwer auf die Brust. Pl�tzlich wurde mir klar, da� ich �berdosen von Beruhigungsmitteln erhalten hatte. So wie ich mich f�hlte, war das ohne guten Grund geschehen, und es gab nun eigentlich auch keinen Grund, damit aufzuh�ren, falls man daf�r bezahlt worden war. Also ruhig bleiben und sich schl�frig stellen, sagte eine Stimme, die mein schlimmstes, allerdings auch kl�geres Ich vertrat.</p><p>Und danach handelte ich denn auch.</p><p>Etwa zehn Minuten sp�ter steckte eine Schwester den Kopf durch den T�rspalt, w�hrend ich � nat�rlich � dicke B�ume zers�gte. Sie verschwand wieder.</p><p>Inzwischen hatte ich mir einige Bruchst�cke der Ereignisse zusammengesucht.</p><p>Ich erinnerte mich vage, in einen Unfall verwickelt gewesen zu sein. Was danach geschehen war, konnte ich noch nicht recht erfassen, und die Ereignisse davor waren mir v�llig entfallen. Aber ich war zuerst in einem Krankenhaus gewesen und dann in dieses Haus gebracht worden. Warum? Ich wu�te es nicht.</p><p>Meine Beine f�hlten sich allerdings ganz brauchbar an. Jedenfalls konnte ich wohl notfalls darauf stehen, wenn ich auch nicht wu�te, wie alt die Br�che waren � ich war sicher, da� sie gebrochen gewesen waren.</p><p>Ich richtete mich also auf. Da meine Muskeln erschlafft waren, kostete mich die Bewegung gro�e Anstrengung. Drau�en war es dunkel, und eine Handvoll Sterne schimmerte klar vor dem Fenster. Ich erwiderte ihr Blinzeln und schob die Beine �ber die Bettkante.</p><p>Zuerst war mir schwindlig, doch nach einer Weile beruhigte ich mich und stand auf, wobei ich mich am Kopfende des Bettes festhielt. Dann machte ich meine ersten Schritte.</p><p>Gut. Ich stand wieder.</p><p>Theoretisch war ich also fit, diesen Laden zu verlassen.</p><p>Ich tastete mich zum Bett zur�ck, legte mich nieder und �berlegte. Ich schwitzte und zitterte. Die Trauben hingen hoch . . .</p><p>Etwas war faul im Staate D�nemark . . .</p><p>Es war ein Autounfall gewesen, fiel mir pl�tzlich ein. Ein ziemlich schwerer Unfall . . .</p><p>Im n�chsten Augenblick �ffnete sich die T�r, Licht fiel herein. Durch die gesenkten Wimpern sah ich eine Schwester mit einer Injektionsspritze in der Hand.</p><p>Sie n�herte sich dem Bett, ein gut gebautes M�dchen mit dunklem Haar und kr�ftigen Armen.</p><p>Als sie heran war, richtete ich mich auf.</p><p>�Guten Abend�, sagte ich.</p><p>�Oh � guten Abend�, erwiderte sie.</p><p>�Wann komme ich hier raus?� wollte ich wissen.</p><p>�Da mu� ich den Arzt fragen.�</p><p>�Tun Sie das�, sagte ich.</p><p>�Bitte rollen Sie den �rmel hoch.�</p><p>�Nein danke.�</p><p>�Ich mu� Ihnen eine Injektion geben.�</p><p>�Nein. Brauche ich nicht.�</p><p>�Das mu� wohl leider der Arzt entscheiden.�</p><p>�Dann schicken Sie ihn her, damit er�s entscheiden kann. Aber bis dahin lasse ich es nicht zu.�</p><p>�Ich habe leider meine Anweisungen.�</p><p>�Die hatte Eichmann auch � und Sie wissen ja, was mit dem passiert ist.� Ich sch�ttelte langsam den Kopf.</p><p>�Also gut�, sagte sie. �Ich mu� nat�rlich Meldung machen . . .�</p><p>�Bitte tun Sie das�, sagte ich, �und melden Sie auch gleich, da� ich beschlossen habe, die Klinik morgen fr�h zu verlassen.�</p><p>�Unm�glich! Sie k�nnen ja nicht mal gehen � und Sie haben innere Verletzungen . . .�</p><p>�Das werden wir sehen�, sagte ich. �Gute Nacht.�</p><p>Sie verschwand wortlos.</p><p>Ich lag in meinem Bett und �berlegte. Offenbar befand ich mich in einer Art Privatklinik � es mu�te also jemanden geben, der f�r die Pflege aufkam. Wen kannte ich? Doch ich vermochte mich an keine Verwandten zu erinnern. Auch nicht an Freunde. Was blieb dann noch? Feinde?</p><p>Ich �berlegte eine Zeitlang.</p><p>Nichts.</p><p>Niemand, der mir so wohlgesonnen war.</p><p>Pl�tzlich fiel mir ein, da� ich mit dem Wagen �ber Klippen in einen See gerast war. Aber an mehr erinnerte ich mich nicht.</p><p>Ich war . . .</p><p>Ich versuchte mich zu erinnern und begann von neuem zu schwitzen.</p><p>Ich wu�te nicht mehr, <emphasis>wer</emphasis> ich war.</p><p>Um mich zu besch�ftigen, richtete ich mich auf und wickelte alle Bandagen ab. Darunter schien alles in Ordnung zu sein; offenbar machte ich nichts falsch. Den Gips an meinem rechten Bein zerbrach ich mit einer Metallstange, die ich vom Kopfteil des Bettes l�ste. Ich hatte das vage Gef�hl, da� ich mich beeilen mu�te, da� es dringend etwas zu erledigen gab.</p><p>Ich bewegte mein rechtes Bein. Keine Probleme.</p><p>Ich zerschlug den Gipsverband am anderen Bein, stand auf und ging zum Schrank.</p><p>Keine Kleidung.</p><p>Dann h�rte ich die Schritte. Ich kehrte zum Bett zur�ck und deckte die zerbrochenen Gipsst�cke und abgelegten Bandagen zu.</p><p>Wieder schwang die T�r auf.</p><p>Im n�chsten Augenblick war ich in Licht gebadet, und ein st�mmiger Bursche in einer wei�en Jacke stand vor mir, die Hand am Schalter.</p><p>�Was h�re ich da, Sie machen der Schwester das Leben sauer?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich. �Was haben Sie denn geh�rt?�</p><p>Das besch�ftigte ihn einen Augenblick lang, wie sein Stirnrunzeln andeutete. Dann: �Es ist Zeit f�r Ihre Spritze.�</p><p>�Sind Sie Arzt?� fragte ich.</p><p>�Nein, aber ich bin befugt, Ihnen eine Spritze zu geben.�</p><p>�Und ich lehne das ab�, sagte ich, �wie es mir dem Gesetz nach zusteht. Was nun?�</p><p>�Sie bekommen Ihre Spritze�, sagte er und ging zur linken Seite des Bettes hin�ber. In der Hand hielt er eine Spritze, die er bis zu diesem Augenblick hinter sich versteckt hatte.</p><p>Es war ein gemeiner Tritt, etwa zehn Zentimeter unter die G�rtelschnalle. Er ging sofort in die Knie.</p><p>�. . .!� sagte er nach einer Weile, ganz gr�n im Gesicht.</p><p>�Wenn Sie mir noch einmal zu nahe kommen�, sagte ich, �k�nnen Sie sich auf eine �berraschung gefa�t machen.�</p><p>�Wir wissen, wie man Patienten wie Sie zur R�son bringt�, keuchte er.</p><p>Da wu�te ich, da� die Zeit zum neuerlichen Handeln gekommen war.</p><p>�Wo ist meine Kleidung?� fragte ich.</p><p>�. . .!� wiederholte er.</p><p>�Dann mu� ich Ihre Sachen nehmen. Ziehen Sie sich aus.�</p><p>Da es beim drittenmal schon etwas langweilig wurde, warf ich ihm nur das Bettzeug �ber den Kopf und schlug ihn mit der Metallstrebe bewu�tlos.</p><p>Nach etwa zwei Minuten war ich von Kopf bis Fu� in Wei� gekleidet. Ich schob den Burschen in den Schrank und blickte durch das Fenstergitter. Ich sah den Neumond �ber einer Pappelreihe. Das Gras funkelte silbrig. Die Nacht k�mpfte ein R�ckzugsgefecht gegen die Sonne. Ich fand keinen Hinweis darauf, wo die Klinik lag. Ich schien mich im zweiten Obergescho� des Geb�udes aufzuhalten. Weiter unten zur Linken leuchtete ein helles Viereck im Erdgescho�, wo noch jemand wach zu sein schien.</p><p>Ich verlie� das Zimmer und sah mir den Flur an. Links endete der Gang an einer Wand mit einem Gitterfenster; in dieser Richtung waren vier weitere T�ren zu sehen, zwei auf jeder Seite. Wahrscheinlich Krankenzimmer.</p><p>Ich ging nach links, blickte aus dem Fenster und sah noch mehr Grasfl�chen und B�ume, noch mehr Nacht � nichts Neues. Schlie�lich machte ich kehrt und wanderte in die andere Richtung.</p><p>Zahlreiche T�ren, kein Licht darunter zu sehen; das einzige Ger�usch kam von meinen gro�en geborgten Schuhen.</p><p>Die Armbanduhr des Bulligen verriet mir, da� es Viertel vor sechs war. Die Metallstange, die ich unter dem wei�en Krankenpflegerjackett in den G�rtel gesteckt hatte, scheuerte mir beim Gehen gegen den H�ftknochen. Etwa alle f�nf Meter leuchtete eine schwache Deckenlampe.</p><p>Ich erreichte eine Treppe, die zur Rechten in die Tiefe f�hrte. Ich ging hinab. Die Stufen waren mit Teppichboden ausgelegt.</p><p>Die erste Etage sah identisch aus � reihenweise Zimmer. Ich marschierte weiter.</p><p>Als ich das Erdgescho� erreichte, wandte ich mich nach rechts und suchte nach der T�r mit dem Lichtstreifen.</p><p>Ich fand sie fast am Ende des Korridors und machte mir nicht die M�he anzuklopfen.</p><p>Der Bursche sa� in einem schreiend bunten Morgenmantel hinter einem gro�en polierten Tisch und sah eine Art Kontobuch durch. Dies war kein Stationszimmer. Er sah mich an; seine Lippen dehnten sich zu einem Schrei, der nicht kam � was wohl an meinem entschlossenen Gesichtsausdruck lag. Hastig stand er auf.</p><p>Ich schlo� die T�r hinter mir und trat vor.</p><p>�Guten Morgen�, sagte ich. �Machen Sie sich auf geh�rige Schwierigkeiten gefa�t.�</p><p>Wenn es um Schwierigkeiten geht, sind die Leute immer neugierig; nach den drei Sekunden, die ich ben�tigte, um das Zimmer zu durchqueren, wollte er wissen: �Was meinen Sie?�</p><p>�Ich meine�, fuhr ich fort, �da� Sie einen Proze� an den Hals bekommen, weil Sie mich hier meiner Freiheit beraubt haben, einen zweiten Proze� wegen unsachgem��er F�hrung der Klinik, insbesondere wegen des unverantwortlichen Einsatzes von Bet�ubungsmitteln. Ich habe bereits Entziehungserscheinungen und w�re durchaus f�hig, gewaltt�tig zu werden . . .�</p><p>Er stand auf. �Verschwinden Sie!� sagte er.</p><p>Ich entdeckte eine Packung Zigaretten auf seinem Tisch und griff zu. �Setzen Sie sich und halten Sie die Schnauze. Wir haben einiges zu besprechen.�</p><p>Er setzte sich, aber meinem guten Rat, die Schnauze zu halten, kam er nicht nach.</p><p>�Sie �bertreten hier mehrere Vorschriften�, maulte er.</p><p>�Dann sollten wir das Gericht entscheiden lassen, wer daf�r zu belangen ist�, erwiderte ich. �Ich m�chte meine Kleidung und meine pers�nlichen Wertsachen zur�ckhaben. Ich verlasse die Klinik.�</p><p>�Ihr Zustand erlaubt nicht . . .�</p><p>�Niemand hat Sie um Ihre unma�gebliche Meinung gebeten. Tun Sie, was ich Ihnen sage � oder verantworten Sie sich vor dem Gesetz!�</p><p>Er versuchte einen Knopf auf dem Tisch zu dr�cken, doch ich wischte seine Hand zur Seite.</p><p>�Also wirklich!� sagte ich. �Den h�tten Sie dr�cken sollen, als ich hereinkam. Jetzt ist es zu sp�t.�</p><p>�Mr. Corey, Sie stellen sich h�chst widerborstig an . . .�</p><p>Corey?</p><p>�Ich habe mich hier nicht eingeliefert�, sagte ich, �aber ich habe das verdammte Recht, von hier zu verschwinden. Und jetzt ist der richtige Moment daf�r gekommen. Also los!�</p><p>�Ihr Zustand erlaubt es nicht, diese Anstalt zu verlassen�, sagte er. �Ich kann es nicht zulassen. Ich werde jetzt jemanden rufen, der Sie in Ihr Zimmer zur�ckbegleitet und ins Bett bringt.�</p><p>�Versuchen Sie das lieber nicht�, sagte ich, �sonst bekommen Sie n�mlich zu sp�ren, in welchem Zustand ich bin! Zun�chst habe ich mehrere Fragen. Wer hat mich hier eingeliefert, wer zahlt f�r mich?�</p><p>�Also gut�, seufzte er, und sein winziger, sandfarbener Schnurrbart senkte sich bedr�ckt, so weit es ging.</p><p>Er �ffnete eine Schublade, steckte die Hand hinein, doch ich war auf der Hut.</p><p>Ich schlug ihm den Arm zur Seite, ehe er die Waffe entsichert hatte � eine .32 Automatic, sehr h�bsch; Colt. Als ich die Waffe zur Hand nahm, spannte ich den Hahn, zielte auf seine Nasenspitze und sagte: �Jetzt beantworten Sie mir gef�lligst meine Fragen. Offensichtlich halten Sie mich f�r gef�hrlich. Da k�nnten Sie durchaus recht haben.�</p><p>Er l�chelte schwach und z�ndete sich ebenfalls eine Zigarette an, was ein Fehler war, wenn er damit Gelassenheit demonstrieren wollte.</p><p>Seine H�nde zitterten n�mlich.</p><p>�Also gut, Mr. Corey � wenn Sie dann zufrieden sind�, sagte er. �Sie wurden von Ihrer Schwester hier angemeldet.�</p><p>In meinem Kopf zeichnete sich lediglich ein einziges gro�es Fragezeichen ab.</p><p>�Welche Schwester?� fragte ich.</p><p>�Evelyn.�</p><p>Nichts r�hrte sich. �Das ist l�cherlich. Ich habe Evelyn seit Jahren nicht mehr gesehen�, sagte.ich. �Sie wu�te nicht einmal, da� ich in der Gegend war.�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Trotzdem . . .�</p><p>�Wo ist sie jetzt? Ich will sie anrufen�, forderte ich.</p><p>�Ich habe ihre Anschrift nicht greifbar.�</p><p>�Holen Sie sie.�</p><p>Er stand auf, ging zu einem Aktenschrank, �ffnete ihn, bl�tterte Papiere durch, zog eine Karte heraus.</p><p>Ich sah mir die Eintragung an. Mrs. <emphasis>Evelyn Flaumel . . .</emphasis> Die New Yorker Adresse sagte mir ebenfalls nichts, doch ich merkte sie mir. Aus der Karte ging noch hervor, da� mein Vorname Carl lautete. Gut. Weitere Informationen.</p><p>Ich steckte die Waffe neben die Strebe in den G�rtel; zuvor hatte ich sie nat�rlich gesichert.</p><p>�Also gut�, sagte ich. �Wo ist meine Kleidung, und was werden Sie mir zahlen?�</p><p>�Ihre Kleidung wurde bei dem Unfall vernichtet�, sagte er, �und ich mu� Ihnen au�erdem sagen, da� beide Beine gebrochen waren � das linke sogar doppelt. Offen gesagt, es ist mir schleierhaft, wie Sie �berhaupt stehen k�nnen. Sie sind erst vor zwei Wochen . . .�</p><p>�Meine Wunden heilen eben schnell�, sagte ich. �Aber jetzt zum Geld . . .�</p><p>�Was f�r Geld?�</p><p>�Die au�ergerichtliche Erledigung der Mi�brauchsanklage und das andere.�</p><p>�Sie haben ja den Verstand verloren!�</p><p>�Wer hat hier den Verstand verloren? Ich bin mit tausend in bar zufrieden, zahlbar sofort.�</p><p>�Dar�ber brauchen wir gar nicht erst zu reden.�</p><p>�Nun, ich rate Ihnen, sich die Sache lieber noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen � �berlegen Sie nur, welchen Ruf sich Ihre Klinik erwirbt, wenn ich vor dem Proze� t�chtig die Trommel r�hren kann. Zumindest werde ich mich an die Amerikanische �rztevereinigung wenden, an die Zeitungen, die . . .�</p><p>�Das ist Erpressung�, sagte er. �Darauf lasse ich mich nicht ein.�</p><p>�Zahlen Sie jetzt � oder sp�ter, auf Gerichtsbeschlu߫, sagte ich. �Mir ist das egal. Aber auf kurzem Wege ist es billiger.�</p><p>Wenn er jetzt mitmachte, waren meine Vermutungen nicht ganz aus der Luft gegriffen � dann war hier tats�chlich etwas nicht in Ordnung.</p><p>D�ster starrte er mich an � ich wei� nicht, wie lange.</p><p>�Tausend habe ich nicht hier�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Schlagen Sie einen Kompromi� vor.�</p><p>�Raub ist das�, sagte er nach einer weiteren Pause.</p><p>�Nicht in bar, Charlie. Also raus damit.�</p><p>�Kann sein, da� ich f�nfhundert im Safe habe.�</p><p>�Holen Sie�s.�</p><p>Nachdem er den Inhalt eines kleinen Wandsafes durchgesehen hatte, verk�ndete er, er habe vierhundertundvierzig Dollar. Da ich keine Fingerabdr�cke auf dem Safe hinterlassen wollte, nur um mich von der Wahrheit zu �berzeugen, akzeptierte ich den Betrag und stopfte mir die Noten in die Jackentasche.</p><p>�Wie hei�t die Taxigesellschaft hier?�</p><p>Er nannte einen Namen, und ich sah im Telefonbuch nach. Diesem entnahm ich, da� wir uns im Norden des Staates New York befanden.</p><p>Ich lie� ihn das Taxi rufen, denn ich hatte keine Ahnung, wie die Klinik hie�, und wollte ihm nicht zeigen, wie wenig ich wu�te. Immerhin hatte eine der abgewickelten Bandagen meinen Kopf gesch�tzt.</p><p>W�hrend er den Wagen bestellte, nannte er den Namen der Klinik: Privatkrankenhaus Greenwood.</p><p>Ich dr�ckte meine Zigarette aus, nahm eine zweite und entlastete meine F��e von etwa zwei Zentnern, indem ich mich in einen braunen Sessel neben seinem B�cherregal sinken lie�.</p><p>�Wir warten hier. Sie bringen mich dann zur T�r�, sagte ich.</p><p>Er redete kein Wort mehr mit mir.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Es war etwa acht Uhr, als mich das Taxi an einer willk�rlich gew�hlten Stra�enecke der n�chsten Stadt absetzte. Ich bezahlte den Fahrer und wanderte zwanzig Minuten lang ziellos herum. Dann machte ich in einem Schnellrestaurant Station, bestellte Fruchtsaft, Eier, Toast, Speck und drei Tassen Kaffee. Der Speck war zu fett.</p><p>Nachdem ich meine Fr�hst�ckspause auf �ber eine Stunde ausgedehnt hatte, wanderte ich weiter, fand ein Kleidergesch�ft und wartete, bis um halb zehn Uhr aufgemacht wurde.</p><p>Dann kaufte ich ein paar Hosen, drei Sporthemden, einen G�rtel, etwas Unterkleidung und ein Paar bequeme Schuhe. Au�erdem suchte ich mir ein Taschentuch, eine Brieftasche und einen Taschenkamm aus.</p><p>Anschlie�end ging ich zur Greyhound-Station und stieg in einen Bus nach New York. Niemand versuchte mich aufzuhalten. Niemand schien nach mir zu suchen.</p><p>W�hrend ich die vorbeihuschende Landschaft betrachtete, die in bunten Herbstfarben leuchtete und unter einem hellen, kalten Himmel von frischen Windb�en bewegt wurde, lie� ich mir all die Dinge, die ich �ber mich und meine Lage wu�te, durch den Kopf gehen.</p><p>Ich war von meiner Schwester Evelyn Flaumel als Carl Corey in Greenwood eingeliefert worden. Dies war als Folge eines Autounfalls geschehen, der etwa vierzehn Tage zur�cklag � und bei dem ich mir angeblich Knochenbr�che zugezogen hatte, die mir aber keine Schwierigkeiten mehr machten. Ich hatte keinerlei Erinnerung an eine Schwester Evelyn. Die Leute in Greenwood waren angewiesen, mich ruhig zu halten, f�rchteten aber rechtliche Konsequenzen, als ich mich befreien konnte und sie bedrohte. Also gut. Irgend jemand hatte Angst vor mir � aus irgendeinem Grund. An diesem Punkt wollte ich einhaken.</p><p>Ich zwang mich, an den Unfall zu denken, konzentrierte mich darauf, bis ich Herzschmerzen bekam. Es war kein Unfall gewesen. Dieser Eindruck sch�lte sich heraus, obwohl ich den Grund daf�r nicht wu�te. Aber ich w�rde die Wahrheit schon feststellen, und jemand w�rde daf�r b��en m�ssen! Und zwar geh�rig! Ein ungeheurer Zorn flammte pl�tzlich in mir auf. Wer mir weh zu tun versuchte, wer mich f�r seine Zwecke einspannen wollte, handelte auf eigene Gefahr und w�rde nun seine gerechte Strafe erhalten, wer immer dahinterstecken mochte. Mordgedanken bewegten mich, und ich wu�te, da� ich solche Gef�hle nicht zum erstenmal hatte, da� ich diesem Impuls in der Vergangenheit schon stattgegeben hatte. Und zwar mehr als einmal.</p><p>Ich starrte aus dem Fenster und sah zu, wie die toten Bl�tter von den B�umen fielen.</p><p>Als ich die gro�e Stadt erreichte, suchte ich den n�chsten Frisiersalon auf und bestellte Rasur und Haarschnitt; anschlie�end wechselte ich auf der Toilette Hemd und Unterhemd, denn ich mag es nicht, wenn mir Haarschnipsel �ber den R�cken rieseln. Die .32 Automatic, die dem namenlosen Individuum in Greenwood geh�rte, ruhte in meiner rechten Jackentasche. Wenn Greenwood oder meine Schwester mich schleunigst wieder festsetzen wollten, mochte ihnen eine �bertretung des Waffengesetzes gerade recht kommen. Dennoch beschlo� ich die Waffe zu behalten, denn auf jeden Fall mu�ten sie mich zuerst mal finden, und ich wollte gewappnet sein. Ich a� kurz zu Mittag, fuhr eine Stunde lang mit U-Bahn und Bussen herum, bestieg schlie�lich ein Taxi, das mich zu Evelyns Adresse in Westchester brachte, zu Evelyn, meiner angeblichen Schwester, die hoffentlich mein Ged�chtnis etwas auftauen w�rde.</p><p>Schon vor meiner Ankunft hatte ich mir eine Taktik zurechtgelegt.</p><p>Als dann schlie�lich die T�r des gro�en Hauses drei�ig Sekunden nach meinem Klopfen aufschwang, wu�te ich, was ich sagen wollte. Ich hatte dar�ber nachgedacht, w�hrend ich die gewundene wei�e Kiesauffahrt entlangging, zwischen dunklen Eichen und hellschimmernden Ahornb�umen, w�hrend unter meinen F��en das Laub raschelte und mir der Wind k�hl um den frischgeschorenen Hals im hochgeschlagenen Jackenkragen strich.</p><p>Der Duft meines Haarwassers vermengte sich mit dem dumpfen Geruch der Efeuranken, die sich an den Mauern des alten Geb�udes hochzogen. Nichts kam mir aus meiner Erinnerung vertraut vor. Ich hatte den Eindruck, noch nie hier gewesen zu sein.</p><p>Ich hatte geklopft; das Ger�usch hatte ein Echo gefunden.</p><p>Dann hatte ich die H�nde in die Taschen gesteckt und gewartet.</p><p>Als die T�r aufging, l�chelte und nickte ich dem Hausm�dchen entgegen; sie hatte zahlreiche Leberflecken, eine dunkle Haut und einen puertoricanischen Akzent.</p><p>�Ja?� fragte sie.</p><p>�Ich m�chte bitte Mrs. Evelyn Flaumel sprechen.�</p><p>�Wen darf ich anmelden?�</p><p>�Ihren Bruder Carl.�</p><p>�Oh, kommen Sie doch bitte herein�, forderte sie mich auf.</p><p>Ich betrat den Flur. Der Boden war ein Mosaik aus winzigen lachs- und t�rkisfarbenen Kacheln, die W�nde waren mahagoniverkleidet, in einem Raumteiler zu meiner Linken stand eine Wanne voller gro�bl�ttriger Gew�chse. Von oben spendete ein W�rfel aus Glas und Emaille ein gelbliches Licht.</p><p>Das M�dchen verschwand, und ich suchte meine Umgebung nach vertrauten Dingen ab.</p><p>Nichts.</p><p>Also wartete ich.</p><p>Schlie�lich kehrte das Hausm�dchen zur�ck, nickte l�chelnd und sagte: �Bitte folgen Sie mir. Man wird Sie in der Bibliothek empfangen.�</p><p>Ich folgte ihr drei Stufen hinauf und an zwei geschlossenen T�ren vorbei durch einen Korridor. Die dritte T�r zur Linken war offen, und das M�dchen bedeutete mir einzutreten. Ich gehorchte und blieb auf der Schwelle stehen.</p><p>Wie alle Bibliotheken war der Raum voller B�cher. Drei Gem�lde hingen an den W�nden, zwei ruhige Landschaften und ein friedlicher Meerblick.</p><p>Der Boden war mit dickem, gr�nem Material ausgelegt. Neben dem Tisch stand ein riesiger alter Globus, Afrika war mir zugewendet; dahinter erstreckte sich ein zimmerbreites Fenster, in kleine Glasfelder unterteilt. Doch nicht deswegen hielt ich auf der Schwelle inne.</p><p>Die Frau hinter dem Tisch trug ein blaugr�nes Kleid mit breitem Kragen und V-Ausschnitt, hatte langes Haar und herabh�ngende Locken, in der Farbe etwa zwischen Sonnenuntergangswolken und der Au�enkante einer Kerzenflamme in einem abgedunkelten Raum. Naturfarben, wie ich instinktiv wu�te. Die Augen hinter einer Brille, die sie meinem Gef�hl nach nicht brauchte, waren so blau wie der Erie-See um drei Uhr an einem wolkenlosen Sommernachmittag; und die T�nung ihres gezwungenen L�chelns pa�te zu ihrem Haar. Doch auch das brachte mich nicht ins Stocken.</p><p>Ich kannte sie von irgendwoher � wenn ich den Ort auch nicht zu nennen vermochte.</p><p>Ich trat vor, ohne mein L�cheln zu ver�ndern.</p><p>�Hallo�, sagte ich.</p><p>�Setz dich, bitte�, sagte sie und deutete auf einen Sessel mit hoher Lehne und breiten Armst�tzen, der weich und orangefarben gepolstert und genau in dem Winkel zur�ckgeklappt war, wie ich es zum Heruml�mmeln gern hatte.</p><p>Ich kam der Aufforderung nach, und sie sah mich an.</p><p>�Freut mich, da� du wieder auf den Beinen bist.�</p><p>�Ich auch. Wie ist es dir ergangen?�</p><p>�Gut, danke der Nachfrage. Ich mu� zugeben, da� ich dich hier nicht zu sehen erwartet h�tte.�</p><p>�Ich wei߫, hakte ich nach. �Aber hier bin ich nun, um dir f�r deine schwesterliche F�rsorge zu danken.� Ich legte einen leicht ironischen Ton in meine Worte, weil mich ihre Reaktion interessierte.</p><p>In diesem Augenblick kam ein riesiger Hund ins Zimmer � ein irischer Wolfshund � und rollte sich vor dem Tisch zusammen. Ein zweiter folgte und wanderte zweimal um den Globus, ehe er sich ebenfalls hinlegte.</p><p>�Nun�, sagte sie ebenso ironisch, �das war das mindeste, was ich f�r dich tun konnte. Du m��test eben vorsichtiger fahren.�</p><p>�Ab jetzt�, sagte ich, �werde ich vorsichtiger sein, das verspreche ich dir.� Ich wu�te nicht, welche Rolle ich hier eigentlich spielte, aber da sie nicht wu�te, da� ich nichts wu�te, beschlo� ich, sie gr�ndlich auszuhorchen. �Ich hatte mir gedacht, es w�rde dich interessieren, wie es mir geht, und bin gekommen, damit du mich anschauen kannst.�</p><p>�Neugierig war ich tats�chlich � und bin es immer noch�, erwiderte sie. �Hast du schon gegessen?�</p><p>�Etwas Schnelles, vor mehreren Stunden.�</p><p>Sie klingelte nach dem M�dchen und bestellte etwas zu essen. Dann sagte sie: �Ich hatte mir schon gedacht, da� du Greenwood verlassen w�rdest, sobald du dazu in der Lage warst. Allerdings hatte ich nicht angenommen, da� es so schnell geschehen w�rde � und da� du dann hierherkommen w�rdest!�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich, �deshalb bin ich ja hier.�</p><p>Sie bot mir eine Zigarette an, ich nahm sie, gab uns beiden Feuer. �Du hattest schon immer was �brig f�r �berraschungen�, vertraute sie mir schlie�lich an. �Wenn dir das auch bisher oft geholfen hat, w�rde ich mich an deiner Stelle lieber nicht mehr darauf verlassen.�</p><p>�Wie meinst du das?� fragte ich.</p><p>�Das Wagnis ist f�r einen Bluff viel zu gro�, und f�r genau das halte ich deinen Auftritt hier; ich habe deinen Mut stets bewundert, Corwin, aber sei kein Dummkopf. Du wei�t doch, worum es geht.�</p><p><emphasis>Corwin?</emphasis> Speichern unter �Corey.�</p><p>�Vielleicht wei� ich nicht mehr Bescheid�, sagte ich. �Vergi� nicht, da� ich eine Weile geschlafen habe.�</p><p>�Soll das hei�en, du hast keinen Kontakt mehr gehabt?�</p><p>�Seit meinem Erwachen hatte ich keine Gelegenheit dazu.�</p><p>Sie legte den Kopf auf die Seite und kniff die herrlichen Augen zusammen.</p><p>�Unbesonnen�, sagte sie, �aber m�glich. Immerhin m�glich. Vielleicht sagst du die Wahrheit. Bei <emphasis>dir</emphasis> w�re das denkbar. Ich will im Augenblick mal darauf eingehen. Vielleicht hast du sogar besonders klug und vorsichtig gehandelt. Ich werde dar�ber nachdenken.�</p><p>Ich zog an meiner Zigarette und hoffte, da� sie noch mehr sagen w�rde. Aber da sie schwieg, wollte ich den m�glichen Vorteil nutzen, den ich in diesem unverst�ndlichen Spiel herausgeholt hatte � ein Spiel mit Spielern, die ich nicht kannte, und um Eins�tze, von denen ich keine Ahnung hatte.</p><p>�Die Tatsache, da� ich hier bin, besagt etwas�, meinte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte sie. �Ich wei�. Aber du bist schlau, also k�nnte dein Hiersein auf mehr als eine M�glichkeit hindeuten. Warten wir�s ab, dann sehen wir klarer.�</p><p>Warten worauf? Um was zu sehen? Welche M�glichkeiten?</p><p>In diesem Augenblick wurden Steaks und ein gro�er Krug Bier aufgetragen. Dadurch war ich vor�bergehend der Notwendigkeit enthoben, geheimnisvolle und allgemeing�ltige �u�erungen zu machen, die sie f�r raffiniert oder verschl�sselt halten konnte. Mein Steak war sehr gut, innen saftig-rosa, und ich zerrte mit den Z�hnen an dem hartger�steten frischen Brot und schluckte durstig das Bier. Sie lachte, w�hrend sie kleine Bissen von ihrem Steak abschnitt.</p><p>�Mir gef�llt der Schwung, mit dem du das Leben anpackst, Corwin. Das ist einer der Gr�nde, warum es mir zuwider w�re, wenn du es verlieren w�rdest.�</p><p>�Mir auch�, brummte ich.</p><p>W�hrend des Essens besch�ftigte ich mich ein wenig mit ihr. Sie sa� da in einem tief ausgeschnittenen Kleid, das gr�n war wie das Gr�n des Meeres und unten schwungvoll weit geschnitten.</p><p>Musik ert�nte, es wurde getanzt, Stimmen murmelten hinter uns. Ich trug Schwarz und Silber, und . . . Die Vision verschwand. Aber es war ein echtes St�ck aus meiner Erinnerung, davon war ich �berzeugt; ich fluchte innerlich, da� mir das Gesamtbild fehlte. Was hatte sie mir damals gesagt, sie in ihrem gr�nen Kleid, ich in meinem schwarzsilbernen Gewand, in jener Nacht, beim Klang der Musik und der Stimmen � was hatte sie mir da gesagt?</p><p>Ich schenkte Bier aus dem Krug nach und beschlo� die Vision auf die Probe zu stellen.</p><p>�Ich erinnere mich da an einen Abend�, sagte ich, �du warst von Kopf bis Fu� in Gr�n gekleidet, und ich trug meine Farben. Wie sch�n mir damals alles vorkam � und die Musik . . .!�</p><p>Ihr Gesicht nahm einen sehns�chtigen Ausdruck an, die Wangenmuskeln entspannten sich.</p><p>�Ja�, sagte sie. �War das nicht eine gro�artige Zeit? . . . Du hast wirklich keine Verbindung mehr?�</p><p>�Ehrenwort�, sagte ich, was immer mein Wort wert sein mochte.</p><p>�Die Dinge sind im Grunde viel schlimmer geworden�, sagte sie, �und die Schatten enthalten mehr Schrecknisse, als man sich hat tr�umen lassen . . .�</p><p>�Und . . .?� fragte ich.</p><p>�Er hat noch immer seine Sorgen�, endete sie.</p><p>�Oh.�</p><p>�Ja�, fuhr sie fort, �und er wird nat�rlich wissen wollen, wo du stehst.�</p><p>�Hier�, sagte ich.</p><p>�Soll das hei�en . . .?�</p><p>�Wenigstens im Augenblick�, sagte ich � vielleicht ein wenig zu hastig, denn sie hatte die Augen zu sehr aufgerissen. �Schlie�lich habe ich noch keinen rechten �berblick.� Was immer das bedeuten mochte.</p><p>�Oh.�</p><p>Und wir a�en unser Steak und leerten die Biergl�ser und warfen den Hunden die Reste vor.</p><p>Hinterher tranken wir Kaffee, und ich erlebte einen Anfall br�derlicher Gef�hle, die ich aber unterdr�ckte. �Was ist mit den anderen?� fragte ich � und das konnte alles bedeuten, klang aber ungef�hrlich.</p><p>Einen Augenblick lang war ich besorgt, sie k�nnte mich fragen, was ich denn meinte. Statt dessen lehnte sie sich in ihrem Sessel zur�ck, blickte zur Decke empor und sagte: �Wie immer, hat man von keinem der Verschollenen geh�rt. Vielleicht war deine Methode die beste. Ich habe ja selbst Spa� daran. Aber wie k�nnte man je � die Pracht vergessen?�</p><p>Ich senkte den Blick, weil ich nicht sicher war, was ich h�tte hineinlegen m�ssen. �Das kann man auch nicht�, sagte ich. �Niemals.�</p><p>Es folgte ein langes unbehagliches Schweigen. �Ha�t du mich?� fragte sie schlie�lich.</p><p>�Nat�rlich nicht�, erwiderte ich. �Wie k�nnte ich das denn � wenn man es genau bedenkt?�</p><p>Diese Antwort schien sie zu freuen, und sie lie� ihre wei�en Z�hne blitzen.</p><p>�Gut, und vielen Dank�, sagte sie. �Was du auch sein magst, du bist auf jeden Fall ein Gentleman.�</p><p>Ich grinste und verbeugte mich.</p><p>�Du verdrehst mir noch den Kopf.�</p><p>�Sicher nicht�, meinte sie, �wenn man es genau bedenkt.�</p><p>Und mir war unbehaglich zumute.</p><p>Der Zorn loderte nach wie vor in mir, und ich fragte mich, ob sie wisse, gegen wen er sich richten m��te. Ich hatte das Gef�hl, da� sie Bescheid wu�te. Ich k�mpfte mit dem Wunsch, sie geradeheraus danach zu fragen, unterdr�ckte die Anwandlung aber.</p><p>�Na, was gedenkst du zu tun?� fragte sie schlie�lich, und damit steckte ich in der Klemme.</p><p>�Nat�rlich vertraust du mir nicht . . .�, erwiderte ich.</p><p>�Wie k�nnten wir das?�</p><p>Das <emphasis>wir</emphasis> mu�te ich mir merken.</p><p>�Nun denn. Zun�chst bin ich bereit, mich deiner �berwachung zu stellen. Ich w�rde gern hierbleiben, wo du mich im Auge behalten kannst.�</p><p>�Und hinterher?�</p><p>�Hinterher? Wir werden sehen.�</p><p>�Geschickt�, sagte sie, �sehr geschickt. Damit bringst du mich in eine unangenehme Lage.� (Ich hatte mich so entschlossen, weil ich nicht wu�te, wo ich sonst unterkriechen sollte und das erpre�te Geld mich nicht lange �ber Wasser halten konnte.) �Nat�rlich darfst du bleiben. Aber ich m�chte dich warnen . . .�, bei diesen Worten betastete sie ein Gebilde an einer Halskette, das ich f�r eine Art Schmuckst�ck hielt ��dies ist eine Ultraschallpfeife. Blitz und Donner haben vier Br�der, die darauf getrimmt sind, St�renfriede anzugreifen, und sie reagieren auf meine Pfeife. Versuch also nicht irgendwohin zu gehen, wo du nicht erw�nscht bist. Ein kleiner Pfiff, und auch du bist ihr Opfer. Diese Hunderasse ist der Grund, warum es in Irland keine W�lfe mehr gibt.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich und erkannte dabei, da� ich es tats�chlich wu�te.</p><p>�Ja�, fuhr sie fort. �Es wird Eric gefallen, da� du mein Gast bist. Diese Tatsache m��te ihn dazu bringen, dich in Ruhe zu lassen � und darum geht es dir doch, <emphasis>n�est-ce pas?</emphasis>�</p><p><emphasis>�Oui�,</emphasis> erwiderte ich.</p><p><emphasis>Eric!</emphasis> Der Name sagte mir etwas! Ich hatte tats�chlich einen Eric gekannt, und diese Tatsache war einmal sehr wichtig gewesen. Allerdings nicht in letzter Zeit. Aber der Eric, den ich kannte, war noch immer da, und das war wichtig.</p><p>Warum?</p><p>Ich ha�te ihn � das war einer der Gr�nde. Ich ha�te ihn so sehr, da� ich mit dem Gedanken gespielt hatte, ihn umzubringen. Vielleicht hatte ich es sogar schon versucht.</p><p>Auch gab es eine Bindung zwischen uns, das wu�te ich.</p><p>Waren wir verwandt?</p><p>Ja, das war�s! Keinem von uns gefiel es, da� wir � Br�der waren . . . ich erinnerte mich, <emphasis>erinnerte mich . . .</emphasis>!</p><p>Der gro�e, starke Eric mit dem nassen Kr�uselbart und seinen Augen � die Evelyns Augen �hnlich sahen!</p><p>Eine neue Woge der Erinnerung durchfuhr mich, w�hrend meine Schl�fen zu schmerzen begannen und sich mein Nacken pl�tzlich hei� anf�hlte.</p><p>Ich lie� mir im Gesicht nichts anmerken und zwang mich, an meiner Zigarette zu ziehen und nach meinem Bier zu greifen. Im n�chsten Moment wurde mir bewu�t, da� Evelyn wirklich meine Schwester war! Nur hie� sie nicht Evelyn. Ihr richtiger Name wollte mir nicht einfallen, sie hie� jedenfalls nicht Evelyn. Ich beschlo� vorsichtig zu sein. Wenn ich sie anredete, wollte ich lieber gar keinen Namen benutzen, bis mir der richtige einfiel.</p><p>Und was war mit mir? Was ging hier eigentlich vor?</p><p>Ich hatte pl�tzlich das Gef�hl, da� Eric irgendwie mit meinem Unfall zu tun hatte.</p><p>Der Sturz h�tte eigentlich t�dlich sein m�ssen, doch ich war durchgekommen. <emphasis>Er</emphasis> war der Gesuchte, nicht wahr? Ja, sagte mir mein Gef�hl. Eric mu�te es sein. Und Evelyn arbeitete mit ihm zusammen, bezahlte Greenwood, um mich im Koma zu halten. Besser das als tot, aber . . .</p><p>Ich erkannte, da� ich mich irgendwie in Erics Gewalt begeben hatte, indem ich zu Evelyn kam, und da� ich, wenn ich blieb, sein Gefangener sein w�rde, einem neuen Angriff schutzlos ausgesetzt.</p><p>Aber sie hatte angedeutet, da� mein Aufenthalt hier Eric veranlassen w�rde, mich in Ruhe zu lassen. War das m�glich? Im Grunde durfte ich keiner �u�erung glauben. Ich mu�te st�ndig auf der Hut sein. Vielleicht war es besser, wenn ich einfach verschwand und meine Erinnerungen langsam zur�ckkehren lie�.</p><p>Aber ich hatte ein beunruhigendes Gef�hl der Dringlichkeit. Ich mu�te schnellstm�glich Klarheit gewinnen und dann sofort handeln. Dieser Gedanke beherrschte mich wie ein Zwang. Wenn ich meine Erinnerungen nur unter Gefahr auffrischen konnte, wenn ich die richtige Gelegenheit nur im Risiko finden konnte, dann mu�te ich so handeln. Ich wollte bleiben.</p><p>�Und ich erinnere mich�, sagte Evelyn, und mir wurde bewu�t, da� sie schon eine Weile gesprochen hatte, ohne da� ich �berhaupt zugeh�rt hatte. Vielleicht lag es an der Nachdenklichkeit in ihrer Stimme, die keine Reaktion erforderte � und am Zwang meiner Gedanken.</p><p>�Und ich erinnere mich an den Tag, als du Julian bei seinem Lieblingsspiel besiegtest und er ein Glas Wein nach dir schleuderte und dich verw�nschte. Aber du nahmst den Preis entgegen. Und er hatte pl�tzlich Angst, zu weit gegangen zu sein. Aber du hast nur gelacht und ein Glas mit ihm getrunken. Ich glaube, ihm tat sein Temperamentsausbruch hinterher leid, wo er doch sonst so beherrscht ist, und ich glaube, er war an jenem Tag neidisch auf dich. Wei�t du noch? Ich glaube, er hat seither vieles von dir kopiert. Aber ich hasse ihn noch immer und hoffe, da� es ihn bald erwischt. Ich habe so ein Gef�hl, als ob es bald soweit w�re . . .�</p><p>Julian, Julian, Julian. Ja und nein.</p><p>Die vage Erinnerung an ein Spiel, an das Qu�len eines Mannes, dessen geradezu legend�re Selbstbeherrschung ich zerst�rt hatte. Ja, das alles war mir irgendwie vertraut; nein, ich vermochte nicht zu sagen, worum es dabei im einzelnen gegangen war.</p><p>�Und Caine, den hast du erst richtig �bert�lpelt. Er ha�t dich sehr, das wei�t du . . .�</p><p>Ich erkannte, da� ich nicht besonders beliebt war. Irgendwie gefiel mir diese Vorstellung.</p><p>Der Name Caine h�rte sich ebenfalls vertraut an. Sehr sogar.</p><p>Eric, Julian, Caine, Corwin. Die Namen wirbelten mir im Kopf herum, und irgendwie konnte ich nicht mehr an mich halten.</p><p>�Es ist lange her . . .�, sagte ich fast gegen meinen Willen � eine �u�erung, die aber zu stimmen schien.</p><p>�Corwin�, sagte sie. �Reden wir nicht um den hei�en Brei herum. Du willst mehr als Sicherheit, das wei� ich. Und du bist noch stark genug, etwas herauszuholen, wenn du deine Tr�mpfe nur richtig ausspielst. Ich habe keine Ahnung, was du im Schilde f�hrst, aber vielleicht k�nnen wir mit Eric zu einem Arrangement kommen.� Die Bedeutung des <emphasis>wir</emphasis> hatte sich offenbar ver�ndert. Sie war zu einem Urteil �ber meinen Wert in den unbekannten Dingen gelangt, die hier vorgingen. Sie sah eine Chance, etwas f�r sich selbst herauszuholen, das sp�rte ich. Ich l�chelte, aber nicht zu sehr. �Bist du deshalb hergekommen?� fuhr sie fort. �Hast du einen Vorschlag f�r Eric, etwas, das einen Zwischentr�ger erfordert?�</p><p>�Kann durchaus sein�, erwiderte ich, �wenn ich noch ein bi�chen gr�ndlicher dar�ber nachgedacht habe. Ich bin erst seit so kurzer Zeit wieder auf den Beinen, da� ich mir noch so manches durch den Kopf gehen lassen mu�. Jedenfalls m�chte ich an dem Ort sein, wo ich am schnellsten handeln k�nnte, wenn ich zu dem Schlu� k�me, da� mir auf Erics Seite am besten gedient w�re.�</p><p>�Sieh dich vor�, sagte sie. �Du wei�t, da� ich ihm jedes Wort weitererz�hle.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich, ohne es wirklich zu wissen; ich mu�te nur schnell parieren, �es sei denn, deine Interessen gingen mit den meinen konform.�</p><p>Ihre Augenbrauen r�ckten enger zusammen, und dazwischen erschienen einige winzige Falten.</p><p>�Ich verstehe nicht so recht, was du mir da eigentlich vorschl�gst.�</p><p>�Ich schlage dir gar nichts vor, noch nicht. Ich bin nur ganz ehrlich mit dir und sage, da� ich es nicht wei�. Ich bin noch gar nicht �berzeugt, da� ich mich mit Eric arrangieren m�chte. Schlie�lich . . .� Ich lie� das Wort bewu�t in der Luft h�ngen, denn ich hatte nichts nachzusetzen, obwohl ich eigentlich das Gef�hl hatte, ich m��te weitersprechen.</p><p>�Man hat dir eine Alternative geboten?�</p><p>Pl�tzlich stand sie auf und ergriff ihre Pfeife. �Nat�rlich steckt Bleys dahinter!�</p><p>�Setz dich�, sagte ich, �und stell dich nicht l�cherlich an. W�rde ich mich so bereitwillig in deine Hand begeben, nur um mich zu Hundefutter verarbeiten zu lassen, wenn du zuf�llig an Bleys denkst?�</p><p>Sie entspannte sich, sank vielleicht sogar etwas in sich zusammen, und nahm wieder Platz.</p><p>�Vielleicht nicht�, sagte sie schlie�lich. �Aber ich wei�, da� du ein Spieler bist und hinterlistig sein kannst. Wenn du gekommen bist, um mich als Gegner zu beseitigen, solltest du den Versuch lieber bleibenlassen. So wichtig bin ich nicht, was du inzwischen selbst wissen m��test. Au�erdem hatte ich bisher immer angenommen, da� du mich ganz gern hast.�</p><p>�Das war und ist durchaus richtig�, sagte ich, �und du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Aber es ist interessant, da� du Bleys erw�hnst.� Ich mu�te K�der legen, immer wieder K�der! Es gab noch so viel zu erfahren!</p><p>�Warum? Hat er sich denn wirklich mit dir in Verbindung gesetzt?�</p><p>�Die Frage m�chte ich lieber nicht beantworten�, sagte ich in der Hoffnung, mir damit einen Vorteil zu verschaffen. Jedenfalls wu�te ich nun Bleys� Geschlecht. �Wenn er zu mir gekommen w�re, h�tte ich ihm dieselbe Antwort gegeben wie Eric � �Ich werde dar�ber nachdenken.��</p><p>�Bleys�, sagte sie noch einmal, und ich wiederholte im Geiste den Namen, <emphasis>Bleys. Bleys, ich mag dich. Ich habe den Grund vergessen, und ich wei�, da� es Gr�nde gibt, warum ich dich nicht gernhaben sollte � aber ich mag dich, soviel ist klar.</emphasis></p><p>Wir sa�en uns eine Zeitlang stumm gegen�ber, und ich f�hlte eine M�digkeit in mir aufsteigen, die ich aber nicht zeigen wollte. Ich konnte stark sein. Und ich wu�te, da� ich stark sein mu�te.</p><p>Ich sa� da und l�chelte und sagte: �H�bsche Bibliothek hast du hier�, und sie erwiderte: �Vielen Dank.�</p><p>�Bleys�, wiederholte sie nach einer Weile. �Glaubst du wirklich, er hat eine Chance?�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Wer wei�? Ich jedenfalls nicht. Vielleicht hat er eine. Mag sein.�</p><p>Dann starrte sie mich mit leicht aufgerissenen Augen an, und ihr Mund �ffnete sich. �Du hast keine Chance?� fragte sie. �Du willst es doch nicht selbst versuchen, oder?�</p><p>Da lachte ich � doch nur um auf ihre Stimmung einzugehen.</p><p>�Sei doch kein Dummkopf�, sagte ich, als ich fertig war. �Ich?�</p><p>Aber schon als ihr die Worte �ber die Lippen kamen, wu�te ich, da� sie eine besondere Saite ber�hrt hatte, etwas in mir Vergrabenes, das mit einem kr�ftigen �Warum nicht?� antwortete.</p><p>Pl�tzlich hatte ich Angst.</p><p>Sie schien allerdings erleichtert zu sein �ber meine Ablehnung der Sache, �ber die ich nichts N�heres wu�te. Sie l�chelte pl�tzlich und deutete auf eine eingebaute Bar zu meiner Linken.</p><p>�Ich m�chte gern einen Irischen Nebel�, sagte sie.</p><p>�Ich eigentlich auch�, erwiderte ich, stand auf und machte zwei Drinks.</p><p>�Wei�t du�, fuhr ich fort, als ich mich wieder gesetzt hatte, �es ist angenehm, so mit dir zusammen zu sein, auch wenn es nur f�r eine kurze Zeit ist. Es weckt Erinnerungen.�</p><p>Und sie l�chelte und bot einen lieblichen Anblick.</p><p>�Du hast recht�, sagte sie und trank aus ihrem Glas. �In deiner Gesellschaft habe ich fast das Gef�hl, in Amber zu sein.� Ich lie� fast mein Getr�nk fallen.</p><p><emphasis>Amber!</emphasis> Das Wort lie� einen kribbelnden Schauder �ber meinen R�cken laufen.</p><p>Im n�chsten Augenblick begann sie zu weinen, und ich stand auf und legte ihr tr�stend den Arm um die Schultern.</p><p>�Du darfst nicht weinen, M�dchen. Bitte nicht. Das macht mich auch traurig.� <emphasis>Amber!</emphasis> Dieser Ort hatte etwas Besonderes, er war elektrisierend, machtvoll. �Es wird wieder gute Zeiten geben wie fr�her�, sagte ich leise.</p><p>�Glaubst du wirklich?� fragte sie.</p><p>�Ja!� sagte ich laut. �Ja, das glaube ich.�</p><p>�Du bist ja verr�ckt. Ich glaube dir fast alles, auch wenn ich wei�, da� du verr�ckt bist.�</p><p>Dann weinte sie noch ein Weilchen und beruhigte sich schlie�lich.</p><p>�Corwin�, sagte sie, �wenn du es schaffst � wenn dir eine unglaubliche, unvorstellbare Chance aus den Schatten den Weg ebnet � wirst du dich dann deiner kleinen Schwester Florimel erinnern?�</p><p>�Ja�, sagte ich und erkannte zugleich, da� sie so hie�. �Ja, ich werde an dich denken.�</p><p>�Danke. Ich werde Eric nur das Wesentliche mitteilen und Bleys �berhaupt nicht erw�hnen � und auch nicht meine neuesten Vermutungen.�</p><p>�Vielen Dank, Flora.�</p><p>�Aber ich traue dir kein bi�chen�, f�gte sie hinzu. �Daran solltest du auch denken.�</p><p>�Das ist selbstverst�ndlich.�</p><p>Dann rief sie das M�dchen, das mir ein Zimmer zeigen sollte, und ich zog mich m�hsam aus, sank ins Bett und schlief elf Stunden lang.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Am n�chsten Morgen war sie fort, ohne eine Nachricht hinterlassen zu haben. Das M�dchen setzte mir das Fr�hst�ck in der K�che vor und zog sich zur�ck, um ihren Hausm�dchenpflichten nachzukommen. Ich hatte den Impuls unterdr�ckt, die Frau auszuhorchen, da sie die Dinge, die ich wissen wollte, entweder nicht verraten w�rde oder vielleicht gar nicht �ber sie informiert war. Au�erdem h�tte sie den Versuch sicher Flora gemeldet. Da ich mich anscheinend im Haus frei bewegen konnte, beschlo� ich statt dessen in die Bibliothek zur�ckzukehren. Vielleicht konnte ich dort etwas in Erfahrung bringen. Au�erdem mag ich Bibliotheken. W�nde aus sch�nen und weisen Worten ringsum geben mir ein Gef�hl der Behaglichkeit und Sicherheit. Mir ist immer viel wohler, wenn ich sehe, da� es etwas gibt, mit dem sich die Schatten zur�ckdr�ngen lassen.</p><p>Donner und Blitz � oder einer ihrer Verwandten � erschien von irgendwoher und folgte mir mit steifen Beinen durch den Flur und beschn�ffelte meine F�hrte. Ich versuchte mich mit ihm anzufreunden, aber dabei war mir, als spr�che ich mit einem Motorradpolizisten, der mich eben angehalten hatte. Unterwegs warf ich einen Blick in einige andere Zimmer, die einfach nur Zimmer waren, ganz normal.</p><p>Ich betrat also die Bibliothek, wo mir noch immer Afrika entgegenblickte. Ich schlo� hinter mir die T�r, um die Hunde drau�enzuhalten, und schlenderte durch den Raum, w�hrend ich die Titel auf den Regalen las.</p><p>Geschichtsb�cher waren besonders zahlreich vertreten. Sie schienen in ihrer Sammlung zu �berwiegen. Daneben entdeckte ich zahlreiche Kunstb�cher der gro�formatigen, teuren Sorte und bl�tterte einige durch. Ich kann am besten nachdenken, wenn ich mich mit etwas anderem besch�ftige.</p><p>Ich fragte mich, woher Floras Reichtum stammte. Wenn wir verwandt waren, bedeutete das, da� ich irgendwo auch �ber ausreichende Mittel verf�gte? Ich dachte �ber meinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Status, �ber meinen Beruf und meine Herkunft nach. Ich hatte das Gef�hl, da� ich mir um Geld keine Sorgen machte und da� es immer genug Verm�gen oder Verdienstm�glichkeiten gegeben hatte, um mich zufriedenzustellen. Besa� ich ein gro�es Haus wie dieses? Ich wu�te es nicht mehr.</p><p>Welchen Beruf �bte ich aus?</p><p>Ich sa� hinter ihrem Tisch und durchforschte mein Gehirn nach besonderen Kenntnissen. Es ist schwierig, sich selbst auf diese Weise zu erkunden, als Fremden. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nichts zu finden vermochte. Was zu einem Menschen geh�rt, geh�rt eben ihm, ist ein Teil von ihm und scheint einfach dorthin zu geh�ren, ins Innere. Das ist alles.</p><p>Arzt? Der Gedanke kam mir, w�hrend ich einige anatomische Zeichnungen Leonardos betrachtete. Fast automatisch war ich im Geiste die Etappen verschiedener chirurgischer Operationen durchgegangen. Ich erkannte, da� ich schon Operationen an Menschen durchgef�hrt hatte.</p><p>Aber das Bild stimmte noch nicht ganz. Mir war klar, da� ich eine medizinische Ausbildung hatte, die aber zu etwas anderem geh�rte. Irgendwie war mir bewu�t, da� ich kein praktizierender Chirurg war. Aber was dann? Was spielte da noch hinein?</p><p>Etwas lenkte meinen Blick auf sich.</p><p>Vom Tisch aus vermochte ich die gegen�berliegende Wand zu �berschauen, an der unter anderem ein antiker Kavalleries�bel hing, den ich bei meinem ersten Rundgang durch den Raum �bersehen hatte. Ich stand auf, ging hin�ber und nahm die Waffe von den Haken.</p><p>Im Geiste sch�ttelte ich den Kopf �ber den Zustand des S�bels. Ich w�nschte mir �llappen und Wetzstein, um die Waffe so aufzubereiten, wie es sich geh�rte. Ich kannte mich mit antiken Waffen aus, besonders mit Hiebwaffen.</p><p>Der S�bel f�hlte sich leicht und n�tzlich an, ich hatte das Gef�hl, da� ich damit einiges anstellen konnte. Ich schlug <emphasis>en garde,</emphasis> parierte und hieb ein paarmal zu. Ja, ich konnte mit dem Ding umgehen.</p><p>Was f�r eine Basis war das? Ich sah mich nach weiteren Ged�chtnishilfen um.</p><p>Da mir jedoch nichts anderes auffiel, h�ngte ich die Klinge wieder an die Wand und kehrte zum Tisch zur�ck. Als ich mich gesetzt hatte, beschlo� ich, die Schubladen durchzusehen.</p><p>Ich begann in der Mitte, arbeitete mich auf der linken Seite schubladenweise hoch und auf der anderen wieder hinab.</p><p>Briefpapier, Umschl�ge, Briefmarken, B�roklammern, Bleistiftst�mpfe, Gummib�nder � die �blichen Sachen.</p><p>Allerdings zog ich jede Schublade ganz heraus und nahm sie auf den Scho�, w�hrend ich den Inhalt untersuchte. Dahinter stand keine bewu�te Absicht.</p><p>Dieses Vorgehen geh�rte vielmehr zu einer Ausbildung, die ich fr�her einmal erhalten hatte, eine Ausbildung, die mich veranla�te, auch die Au�enkanten und Unterseiten der Schubladen zu untersuchen.</p><p>Eine Kleinigkeit entging mir fast, fiel mir dann aber doch noch im letzten Augenblick auf. Die R�ckwand der rechten unteren Schublade war nicht so hoch wie die der anderen.</p><p>Dies deutete auf etwas hin, und als ich mich niederkniete und in den Schreibtisch blickte, entdeckte ich ein kleines kasten�hnliches Gebilde, das an der Oberseite festgemacht war.</p><p>Es war eine weitere kleine Lade, ganz hinten befestigt, und sie war verschlossen.</p><p>Ich mu�te etwa eine Minute lang mit B�roklammern, Stecknadeln und einem Schuhanzieher aus Metall herumfummeln, den ich in einer anderen Schublade entdeckt hatte. Der Schuhanzieher brachte mich schlie�lich zum Ziel.</p><p>Die kleine Schublade enthielt einen Packen Spielkarten.</p><p>Der Karton trug eine Zeichnung, die mich auf den Knien erstarren und meinen Atem schneller gehen lie�, w�hrend mir der Schwei� auf die Stirn trat.</p><p>Ein wei�es Einhorn auf gr�nem Feld � auf den Hinterbeinen stehend, nach rechts gewandt.</p><p>Ich kannte diese Zeichnung, und es schmerzte mich, da� ich keinen Namen daf�r wu�te.</p><p>Ich �ffnete die Schachtel und zog die Karten heraus. Sie bauten auf dem Tarock auf mit Zauberst�ben, Drudenf��en, Kelchen und Schwertern, doch die Gro�en Tr�mpfe sahen ganz anders aus.</p><p>Ich schob beide Schubladen wieder zu, wobei ich die kleinere nicht verschlo�. Dann erst setzte ich meine Untersuchung fort.</p><p>Sie wirkten fast lebensecht, die Gro�en Tr�mpfe, bereit, durch die schimmernde Oberfl�che zu treten. Die Karten f�hlten sich ziemlich alt an, und es machte mir Freude, sie in der Hand zu halten.</p><p>Pl�tzlich wu�te ich, da� auch ich einmal ein solches Spiel besessen hatte.</p><p>Ich begann die Karten auf der Schreibunterlage vor mir auszubreiten.</p><p>Eine zeigte einen listig aussehenden kleinen Mann mit schmaler Nase, lachendem Mund und struppigem, strohfarbenem Haar. Er war in eine Art Renaissance-Kost�m der Farben Orange, Rot und Braun gekleidet. Er trug eine lange weite Hose und ein enggeschnittenes besticktes Wams. Und ich kannte ihn. Er hie� Random.</p><p>Als n�chstes die ruhigen Gesichtsz�ge Julians, dem das dunkelbraune Haar lang herabhing, dessen blaue Augen weder Leidenschaft noch Gef�hl zeigten. Er war in eine schuppige wei�e R�stung gekleidet � nicht silbern oder metallisch gestrichen, sondern in einem Ton, der mich an Emaille erinnerte. Ich wu�te allerdings, da� der Stoff sehr hart war und jedem Aufprall widerstand, trotz des dekorativen und herausgeputzten Aussehens. Er war der Mann, den ich bei seinem Lieblingsspiel besiegt hatte, woraufhin er mir ein Glas Wein ins Gesicht gesch�ttet hatte. Ich kannte ihn und ha�te ihn.</p><p>Dann kam das dunkelh�utige, dunkel�ugige Gesicht Caines, von Kopf bis Fu� in schwarzen und gr�nen Samt geh�llt, dar�ber ein keck aufgesetzter Dreispitz, von dem ein gr�ner Federbusch zum R�cken herabhing. Er stand im Profil, einen Arm angewinkelt, und die Spitzen seiner Schnabelschuhe waren �bertrieben aufgebogen. An seinem G�rtel blitzte ein smaragdbesetzter Dolch. Mein Herz war von zwiesp�ltigen Gef�hlen erf�llt.</p><p>Und dann Eric. Auf jeden Fall gutaussehend, das Haar so dunkel, da� es fast blau wirkte. Der Bart kr�uselte sich um den Mund, der immer l�chelte, und er war schlicht in Lederjacke, enge Hosen und hohe schwarze Stiefel gekleidet, dar�ber ein einfacher Umhang. Er trug einen roten Schwertgurt mit einem langen silbernen S�bel, ein Rubin diente als G�rtelschnalle, und der Capekragen, der sich um seinen Kopf erhob, war rot eingefa�t, ebenso die �rmel. Die H�nde, deren Daumen in den G�rtel gehakt waren, sahen ausgesprochen kr�ftig und gro� aus. Schwarze Handschuhe steckten im G�rtel an der H�fte. Ich war sicher, da� er es war, der mich an jenem schicksalhaften Tag zu t�ten versucht hatte. Ich musterte ihn und f�rchtete ihn auch etwas.</p><p>Dann kam Benedict, m�rrisch, gro� und hager: d�nn im Gesicht, doch offen an Geist. Er trug die Farben Orange, Gelb und Braun und lie� mich an Heuhaufen, K�rbisk�pfe und Vogelscheuchen denken. Er hatte ein langes, kr�ftiges Kinn, haselnu�braune Augen und braunes Haar, das sich niemals kr�uselte. Er stand neben einem braunen Pferd und st�tzte sich auf eine Lanze, um die eine Blumengirlande gewunden war. Er lachte nur selten. Er gefiel mir.</p><p>Ich z�gerte, bevor ich die n�chste Karte aufdeckte, und mein Herz machte einen Sprung und prallte gegen meinen Brustkasten und w�re am liebsten ins Freie geh�pft.</p><p>Ich sah mich selbst.</p><p>Ich kannte das Ich, das ich rasiert hatte � dies war der Bursche hinter dem Spiegel. Gr�ne Augen, schwarzes Haar, in Schwarz und Silber gewandet, jawohl! Mein Mantel bewegte sich leicht im Wind. Wie Eric trug ich schwarze Stiefel und auch eine Klinge, nur war meine schwerer, allerdings nicht ganz so lang. Die Handschuhe hatte ich angezogen, und sie waren silberfarben und schuppig. Die Spange an meinem Hals hatte die Form einer Silberrose.</p><p>Ich, Corwin.</p><p>Und von der n�chsten Karte sah mich ein gro�er, kr�ftiger Mann an. Er hatte �hnlichkeit mit mir, nur war sein Kinn st�rker ausgepr�gt, und ich wu�te, da� er gr��er war als ich, allerdings auch langsamer. Seine K�rperkr�fte waren gewaltig. Er trug ein weites Gewand aus blaugrauem Stoff, das in der Mitte von einem breiten schwarzen G�rtel zusammengehalten wurde, und er lachte. Um seinen Hals hing an einer dicken Schnur ein silbernes Jagdhorn. Er trug ein keckes Schnurrb�rtchen, und ein Bartkranz rahmte sein Gesicht. In der rechten Hand hielt er einen Krug mit Wein. Meine Zuneigung flog ihm entgegen, und schon fiel mir sein Name ein. Er hie� G�rard.</p><p>Dann kam ein wildaussehender Mann mit m�chtigem Bart und flammendem Haarschopf, ganz in Rot und Orange gekleidet, zumeist Seide, und er hielt ein Schwert in der Rechten und ein Glas Wein in der Linken, und aus seinen Augen, die so blau waren wie Floras Augen, schien der Teufel zu funkeln. Er hatte ein leicht fliehendes Kinn, was jedoch vom Bart verdeckt wurde. Sein Schwert war herrlich ziseliert mit einem goldfarbenen Metall, das Filigranmuster von ausgepr�gter Sch�nheit bildete. Zwei gro�e Ringe trug er an der rechten Hand und einen an der linken: einen Smaragd, einen Rubin und einen Saphir. Dieser Mann war Bleys, das wu�te ich sofort.</p><p>Dann kam eine Gestalt, die mir und Bleys �hnlich sah. Meine Gesichtsz�ge, wenn auch zarter, und meine Augen; Bleys� Haar, bartlos. Der junge Mann trug einen gr�nen Reitanzug und sa� auf einem Schimmel, der rechten Seite der Karte zugewandt. Das Bild strahlte St�rke und Schw�che zugleich aus, Konzentration und Unbeherrschtheit. Ich fand den Burschen sympathisch, zugleich aber auch nicht; ich mochte ihn und f�hlte mich doch abgesto�en. Ich wu�te, da� er Brand hie�. Ich wu�te es, als mein Blick auf ihn fiel.</p><p>Mir wurde auch klar, da� ich all diese M�nner gut kannte, da� ich mich ausnahmslos an sie erinnerte, an ihre St�rken und Schw�chen, ihre Siege und Niederlagen.</p><p>Denn sie waren meine Br�der.</p><p>Ich z�ndete mir eine Zigarette aus Floras Schreibtischvorrat an, lehnte mich zur�ck und �berdachte die Dinge, an die ich mich erinnert hatte.</p><p>Sie waren meine Br�der, diese acht seltsamen M�nner in den seltsamen Kost�men. Und ich wu�te, da� es nur recht und billig war, wenn sie sich nach Belieben kleideten, so wie es f�r mich richtig war, da� ich Schwarz und Silber anlegte. Dann lachte ich leise vor mich hin; mir war bewu�t geworden, was ich am Leibe trug, was ich in dem Kleiderladen, in der kleinen Stadt gekauft hatte, den ich nach meiner Abreise aus Greenwood aufgesucht hatte.</p><p>Ich trug schwarze Hosen, und die drei Hemden, die ich gekauft hatte, wiesen eine ann�hernd graue, silbrige F�rbung auf. Mein Jackett war ebenfalls schwarz.</p><p>Wieder wandte ich mich den Karten zu, und da war Flora in einem Gewand, das so gr�n war wie das Meer � so wie ich sie gestern abend im Geiste gesehen hatte; dann ein schwarzhaariges M�dchen mit denselben blauen Augen. Das Haar hing ihr lang herab, und sie war ganz in Schwarz gekleidet, mit einem Silberg�rtel um die H�ften. Sie hie� Deirdre. Dann kam Fiona, deren Haar mich an Bleys oder Brand denken lie� und die meine Augen und einen Teint wie Perlmutter hatte. Ich ha�te sie, sobald ich die Karte umgedreht hatte. Die n�chste war Llewella, das Haar zu den jadegr�nen Augen passend; sie trug ein schimmerndes graugr�nes Gewand mit einem lavendelfarbenen G�rtel und sah traurig aus. Irgendwoher wu�te ich, da� sie nicht so war wie die anderen. Aber auch sie war meine Schwester.</p><p>Eine riesige Entfernung, ganze Welten schienen mich von all diesen Menschen zu trennen. Trotzdem schienen sie mir k�rperlich sehr nahe zu sein.</p><p>Die Karten f�hlten sich derma�en kalt an, da� ich sie schnell wieder hinlegte, wenn auch mit gewissem Widerwillen, den Kontakt mit ihnen zu verlieren.</p><p>Aber es gab keine weiteren Karten. Die anderen waren unbedeutende Symbole. Und ich wu�te irgendwie � wieder dieses <emphasis>Irgendwie,</emphasis> ah, irgendwie! �, da� mehrere Karten fehlten.</p><p>Doch ich h�tte um alles in der Welt nicht sagen k�nnen, was auf den fehlenden Tr�mpfen dargestellt war.</p><p>Diese Erkenntnis bedr�ckte mich seltsam, und ich nahm meine Zigarette zwischen die Finger und �berlegte.</p><p>Warum kamen all diese Erinnerungen so schnell zur�ck, wenn ich die Karten betrachtete � warum fluteten sie mir in den Kopf, ohne ihren Hintergrund oder den gr��eren Zusammenhang gleich mitzubringen? Nat�rlich wu�te ich jetzt mehr als zu Anfang, jedenfalls im Hinblick auf Namen und Gesichter. Aber das war so ziemlich alles.</p><p>Ich vermochte die Bedeutung der Tatsache nicht zu ergr�nden, da� wir alle auf diesen Karten festgehalten worden waren. Dabei versp�rte ich den starken Wunsch, ein solches Spiel zu besitzen. Doch wenn ich Floras Karten an mich nahm, merkte sie sofort, da� sie fehlten, und das konnte �rger bringen. Ich legte sie also wieder in die kleine Schublade hinter der gro�en Lade und schlo� sie ein. Und dann zermartete ich mir das Gehirn � und wie, bei Gott! Aber ich kam nicht weiter.</p><p>Bis ich auf ein Zauberwort stie�.</p><p><emphasis>Amber.</emphasis></p><p>Gestern abend hatte mich dieses Wort ziemlich ersch�ttert � und zwar so sehr, da� ich der Erinnerung bisher bewu�t aus dem Weg gegangen war. Doch jetzt schlich ich n�her heran. Jetzt bewegte ich das Wort im Geiste hin und her und untersuchte alle Gedanken, die mir dabei kamen.</p><p>In dem Wort knisterte eine starke Sehnsucht und eine gewaltige Nostalgie. Ganz im Innern umschlo� es Begriffe wie verlorene Sch�nheit und gro�e Taten und ein Machtbewu�tsein, das geradezu allumfassend war. Irgendwie geh�rte dieses Wort zu meinem Sprachschatz. Irgendwie war ich ein Teil davon, und es war ein Teil von mir. Es war der Name eines Ortes, das erkannte ich nun. Es war der Name eines Ortes, der mir einmal sehr vertraut gewesen war. Doch das Wort beschwor keine Bilder herauf, nur Gef�hle.</p><p>Wie lange ich so dasa�, wei� ich nicht. Meine Tr�umereien hatten mich irgendwie von der Zeit gel�st.</p><p>Aus dem innersten Kern meiner Gedanken stieg die Erkenntnis auf, da� es leise geklopft hatte. Dann drehte sich langsam der T�rknauf, und das M�dchen � Carmella � trat ein und erkundigte sich, ob ich zu Mittag etwas essen wollte.</p><p>Die Vorstellung behagte mir, und ich folgte ihr in die K�che und a� ein halbes H�hnchen und trank ein gro�es Glas Milch.</p><p>Schlie�lich nahm ich einen Topf Kaffee mit in die Bibliothek, wobei ich den Hunden aus dem Weg ging. Ich war gerade bei meiner zweiten Tasse, als das Telefon klingelte.</p><p>Es kribbelte mir in den Fingern, den H�rer abzunehmen, doch ich vermutete, da� es �berall im Haus Nebenapparate gab und Carmella sich bestimmt melden w�rde.</p><p>Aber das war ein Irrtum. Der Apparat klingelte weiter.</p><p>Schlie�lich konnte ich nicht mehr widerstehen.</p><p>�Hallo�, sagte ich. �Hier bei Flaumel.�</p><p>�K�nnte ich bitte Mrs. Flaumel sprechen?�</p><p>Es war die Stimme eines Mannes; er sprach hastig und etwas nerv�s. Er schien au�er Atem zu sein, und seine Worte kamen ged�mpft und durch das schwache Surren und die Gespensterstimmen, die auf ein Ferngespr�ch hindeuten.</p><p>�Tut mir leid�, sagte ich. �Sie ist im Augenblick nicht hier. Kann ich ihr etwas ausrichten, oder soll sie Sie anrufen?�</p><p>�Mit wem spreche ich denn?� wollte er wissen.</p><p>Ich z�gerte. �Corwin�, sagte ich schlie�lich.</p><p>�Mein Gott!� rief er, und ein langes Schweigen trat ein.</p><p>Ich dachte schon, er h�tte aufgelegt. �Hallo?� fragte ich noch einmal, als er wieder zu sprechen begann.</p><p>�Lebt sie noch?� wollte er wissen.</p><p>�Nat�rlich! Mit wem spreche ich denn �berhaupt?�</p><p>�Erkennst du meine Stimme nicht, Corwin? Hier ist Random. H�r zu, ich bin in Kalifornien und habe �rger. Ich wollte Flora eigentlich nur bitten, mir Zuflucht zu gew�hren. Hast du dich mit ihr zusammengetan?�</p><p>�Vor�bergehend�, sagte ich.</p><p>�Ich verstehe. Gew�hrst du mir deinen Schutz, Corwin?� Pause. Dann: �Bitte!�</p><p>�Soweit ich kann�, erwiderte ich. �Aber ich kann Flora zu nichts verpflichten, ohne mit ihr abzustimmen.�</p><p>�Wirst du mich vor ihr besch�tzen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann gen�gt mir das v�llig, Mann. Ich will sehen, da� ich es nach New York schaffe. Dabei mu� ich etliche Umwege in Kauf nehmen, ich wei� also nicht, wie lange es dauert. Wenn ich den falschen Schatten aus dem Weg gehen kann, sehen wir uns dann. W�nsch mir Gl�ck.�</p><p>�Gl�ck�, sagte ich.</p><p>Dann ert�nte ein Klicken, und ich lauschte noch eine Zeitlang dem fernen Summen und den Gespensterstimmen.</p><p>Der kecke kleine Random war also in Schwierigkeiten! Ich hatte das Gef�hl, da� mir das eigentlich kein Kopfzerbrechen bereiten d�rfte. Aber in meiner jetzigen Lage war er einer der Schl�ssel zu meiner Vergangenheit und wahrscheinlich auch zu meiner Zukunft. Ich w�rde also versuchen, ihm nach besten Kr�ften zu helfen, bis ich erfahren hatte, was ich von ihm wissen wollte. Ich wu�te, da� zwischen uns nicht gerade die st�rkste Bruderliebe herrschte. Aber ich wu�te auch, da� er kein Dummkopf war; er hatte Ideen und K�pfchen und reagierte auf die verr�cktesten Dinge seltsam sentimental; andererseits war sein Wort nicht die Spucke wert, die er dabei verbrauchte, und er h�tte meine Leiche vermutlich an die n�chste Universit�t verkauft, wenn er genug daf�r bekommen konnte. Ich erinnerte mich gut an den kleinen Schwindler � mit einem schwachen Hauch von Zuneigung, vielleicht wegen ein paar h�bscher Stunden, die wir zusammen verbracht hatten. Aber ihm vertrauen? Niemals! Ich beschlo�, Flora erst im letzten Augenblick zu sagen, da� er im Anmarsch war. Er mochte mir als As im �rmel n�tzlich sein.</p><p>Also sch�ttete ich noch etwas hei�en Kaffee zu den Resten in meiner Tasse und trank langsam.</p><p>Vor wem r�ckte er aus?</p><p>Jedenfalls nicht vor Eric, denn sonst h�tte er nicht hier angerufen. Sp�ter besch�ftigte mich Randoms Frage, ob Flora etwa tot war, nur weil ich zuf�llig hier war. War sie wirklich so sehr mit dem von mir geha�ten Bruder verb�ndet, da� in der Familie das Ger�cht umging, ich w�rde sie ebenfalls umbringen, wenn ich die Chance dazu erhielt? Die Vorstellung erschien mir seltsam, aber schlie�lich kam die Frage von ihm.</p><p>Und was war das eigentlich, weswegen sie sich verb�ndet hatten? Was war die Ursache dieser Spannung, dieser Opposition? Wie kam es, da� Random auf der Flucht war?</p><p><emphasis>Amber.</emphasis></p><p>Das war die Antwort.</p><p>Amber. Irgendwie lag der Schl�ssel zu allem in Amber. Das Geheimnis des Durcheinanders war in Amber zu finden, lag in einem Ereignis, das sich dort abgespielt hatte � vor gar nicht so langer Zeit, w�rde ich meinen. Ich mu�te mich in acht nehmen. Ich mu�te ein Wissen vort�uschen, das ich nicht besa�, w�hrend ich mir die Kenntnisse St�ck um St�ck von jenen holte, die Bescheid wu�ten. Ich war zuversichtlich, da� ich es schaffen konnte. Es gab soviel Mi�trauen ringsum, da� sich jeder vorsichtig gab. Und das wollte ich mir zunutze machen. Ich w�rde mir holen, was ich brauchte, und nehmen, was ich wollte; ich w�rde mir jene merken, die mir halfen, und die �brigen verdr�ngen. Denn dies, das wu�te ich, war das Gesetz, nach dem unsere Familie lebte, und ich war ein echter Sohn meines Vaters . . .</p><p>Pl�tzlich machten sich wieder meine Kopfschmerzen bemerkbar, bohrend, pulsierend, als wollte mir die Sch�deldecke zerplatzen.</p><p>Der Gedanke an meinen Vater mu�te diesen Anfall ausgel�st haben, dachte ich, vermutete ich, f�hlte ich . . . Aber ich wu�te nicht, warum oder wie es dazu gekommen war.</p><p>Nach einer gewissen Zeit lie�en die Schmerzen nach, und ich schlief im Stuhl ein. Nach einer viel l�ngeren Zeit ging die T�r auf, und Flora trat ein. Wieder war <emphasis>es</emphasis> drau�en Nacht.</p><p>Sie trug eine gr�ne Seidenbluse und einen langen grauen Wollrock. Ihre F��e steckten in Ausgehschuhen und dicken Str�mpfen. Das Haar hatte sie hinter dem Kopf zusammengesteckt, und sie wirkte ein wenig bleich. Wie zuvor hatte sie ihre Hundepfeife bei sich.</p><p>�Guten Abend�, sagte ich und stand auf.</p><p>Aber sie antwortete nicht. Statt dessen ging sie durch den Raum zur Bar, schenkte sich einen Schu� Jack Daniels ein und kippte den Alkohol wie ein Mann hinunter. Dann machte sie sich einen zweiten Drink, den sie mit zu dem gro�en Sessel nahm.</p><p>Ich z�ndete eine Zigarette an und reichte sie ihr.</p><p>Sie nickte und sagte: �Die Stra�e nach Amber � ist schwierig.�</p><p>�Warum?�</p><p>Sie warf mir einen verwirrten Blick zu.</p><p>�Wann hast du sie das letztemal zu begehen versucht?�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Wei� ich nicht mehr.�</p><p>�Bitte sehr, wenn du dich anstellen willst�, sagte sie. �Ich hatte mich nur gefragt, wieviel davon dein Werk war.�</p><p>Ich antwortete nicht, denn ich hatte keine Ahnung, wovon sie sprach. Aber im n�chsten Augenblick fiel mir ein, da� es eine einfachere Methode gab als die Stra�e, um nach Amber zu kommen. Offensichtlich wu�te sie nichts davon.</p><p>�Dir fehlen ein paar Tr�mpfe�, sagte ich pl�tzlich mit einer Stimme, die der meinen fast nicht mehr �hnlich klang.</p><p>Da sprang sie auf, versch�ttete den Drink �ber ihre Hand.</p><p>�Gib sie mir zur�ck!� rief sie und griff nach der Pfeife.</p><p>Ich trat vor und packte sie an den Schultern.</p><p>�Ich habe sie nicht�, sagte ich. �Ich habe nur eine Feststellung getroffen.�</p><p>Sie entspannte sich ein wenig und begann zu weinen; ich dr�ckte sie sanft wieder in den Sessel.</p><p>�Ich dachte, du wolltest mir sagen, du h�ttest mir meine restlichen genommen�, sagte sie. �Und nicht nur eine b�se und �berfl�ssige Bemerkung machen.�</p><p>Ich entschuldigte mich nicht. Es kam mir nicht recht vor, so etwas zu tun.</p><p>�Wie weit bist du denn gekommen?�</p><p>�Nicht weit.� Dann lachte sie und betrachtete mich mit einem frischen Funkeln in den Augen.</p><p>�Ich begreife jetzt, was du getan hast, Corwin�, sagte sie, und ich z�ndete mir eine Zigarette an, um einer Antwort aus dem Weg zu gehen.</p><p>�Ein paar von den Dingen kamen von dir, nicht wahr? Du hast mir den Weg nach Amber versperrt, ehe du hierherkamst, ja? Du wu�test, da� ich zu Eric gehen w�rde. Aber das kann ich jetzt nicht mehr. Jetzt mu� ich warten, bis er zu mir kommt. Schlau von dir! Du willst ihn zu mir locken, nicht wahr? Aber er wird einen Boten schicken. Er kommt bestimmt nicht selbst.�</p><p>Diese Frau, die mir offen eingestand, sie habe gerade versucht, mich an meinen Feind zu verraten � was sie auch jetzt noch tun w�rde, wenn sie Gelegenheit dazu erhielt � sprach in seltsam bewunderndem Tonfall von etwas, das ich ihrer Meinung nach getan und das ihre Pl�ne durcheinandergebracht hatte. Wie konnte jemand in Gegenwart eines erkl�rten Gegners so offen machiavellisch sein? Aus tiefstem Innern stieg die Antwort in mir auf: So sind wir eben. Im Umgang mit unseresgleichen brauchen wir kein Versteck zu spielen. Allerdings meinte ich, da� ihr doch etwas die Raffinesse eines echten Profis fehlte.</p><p>�H�ltst du mich f�r dumm, Flora?� fragte ich. �Glaubst du, ich bin hierhergekommen, nur um in aller Ruhe abzuwarten, bis du mich an Eric verr�tst? Worauf du auch gesto�en sein magst, es ist dir recht geschehen!�</p><p>�Schon gut. Wir spielen eben nicht in derselben Klasse. Aber du bist im Exil, wie ich! Und das beweist, da� du so �berm��ig schlau auch wieder nicht bist!�</p><p>Irgendwie schmerzten mich ihre Worte, und ich wu�te, da� sie nicht stimmten.</p><p>�Exil � o nein!� sagte ich.</p><p>Wieder lachte sie.</p><p>�Ich wu�te doch, da� ich dich irgendwie auf die Palme bringen w�rde�, sagte sie. �Also gut, du treibst dich mit bestimmten Absichten in den Schatten herum. Du bist ja verr�ckt!�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Was willst du �berhaupt?� fragte sie. �Warum bist du wirklich hier?�</p><p>�Ich wollte wissen, was du im Schilde f�hrtest�, erwiderte ich. �Das ist alles. Wenn ich nicht bleiben will, kannst du mich nicht halten. Nicht einmal Eric hat das fertiggebracht. Vielleicht wollte ich dich wirklich nur besuchen. Vielleicht werde ich auf meine alten Tage sentimental. Wie dem auch sei; ich werde noch ein Weilchen bleiben und dann wahrscheinlich f�r immer verschwinden. Wenn du nicht so begierig gewesen w�rest, Kapital aus mir zu schlagen, h�ttest du wahrscheinlich mehr von der Sache gehabt, liebe Schwester. Du hast mich gebeten, dich nicht zu vergessen, wenn ein bestimmter Umstand eintr�te . . .�</p><p>Es dauerte mehrere Sekunden, bis sie begriff, was ich glaubte anzudeuten.</p><p>�Du willst es versuchen!� sagte sie. �Du willst es tats�chlich versuchen!�</p><p>�Und ob!� sagte ich in dem Bewu�tsein, da� ich es wirklich versuchen w�rde, worum es sich auch handeln mochte. �Und meinetwegen kannst du das Eric ausrichten � aber denk daran, da� ich es vielleicht sogar schaffe. Und <emphasis>wenn</emphasis> ich es schaffe, k�nnte es vorteilhaft sein, mein Freund zu sein, vergi� das nicht.�</p><p>Ich h�tte zu gern gewu�t, wor�ber ich hier eigentlich redete; immerhin hatte ich schon einige Schl�sselworte aufgeschnappt und ersp�rte ihren Stellenwert, so da� ich sie richtig benutzen konnte, ohne wirklich zu wissen, was sie bedeuteten. Jedenfalls kamen sie mir passend vor, hundertprozentig passend . . .</p><p>Pl�tzlich warf sie sich in meine Arme und k��te mich.</p><p>�Ich sag�s ihm nicht! Auf mein Wort, Corwin! Ich glaube, du kannst es schaffen. Bleys wird Schwierigkeiten machen, aber G�rard hilft dir vielleicht, und vielleicht auch Benedict. Und wenn er das sieht, w�rde auch Caine zu dir umschwenken . . .�</p><p>�Ich kann meine Pl�ne allein schmieden�, sagte ich.</p><p>Sie l�ste sich von mir, schenkte Wein ein und reichte mir ein Glas.</p><p>�Auf die Zukunft�, sagte sie.</p><p>�Darauf trinke ich immer.�</p><p>Und das taten wir.</p><p>Dann f�llte sie mein Glas wieder und blickte mir ins Gesicht.</p><p>�Eric, Bleys oder du � einer von euch mu�te dahinterstecken�, sagte sie. �Ihr seid die einzigen, die �berhaupt Mut oder K�pfchen haben. Aber du hattest dich so lange vom Schauplatz empfohlen, da� ich dich schon gar nicht mehr mitgez�hlt hatte.�</p><p>�Da zeigt sich mal wieder, da� man einer Sache niemals gewi� ist.�</p><p>Ich trank aus meinem Glas und hoffte, da� sie mal ein Weilchen den Mund halten w�rde. F�r meinen Geschmack war sie ein wenig zu offenkundig bem�ht, auf allen Hochzeiten mitzutanzen. Irgend etwas machte mir zu schaffen, und ich wollte dar�ber nachdenken.</p><p>Wie alt war ich eigentlich?</p><p>Diese Frage, das sp�rte ich, geh�rte zu der Erkl�rung f�r die schreckliche Losgel�stheit, die ich gegen�ber den Personen auf den Spielkarten empfand. Ich war �lter, als es den Anschein hatte. (Mitte Drei�ig, hatte ich gesch�tzt, als ich mich im Spiegel betrachtete � aber jetzt wu�te ich, da� die Schatten hier ein L�genwort f�r mich einlegten.) Ich war erheblich �lter und hatte meine Br�der und Schwestern schon seit langer Zeit nicht mehr zusammen gesehen, in friedlicher Koexistenz wie auf den Karten, ohne Spannungen und Reibereien.</p><p>Pl�tzlich schlug eine Glocke an. Wir h�rten Carmella zur T�r gehen.</p><p>�Das ist sicher Bruder Random�, sagte ich und wu�te, da� ich recht hatte. �Er steht unter meinem Schutz.�</p><p>Ihre Augen weiteten sich. Dann l�chelte sie, als wisse sie zu sch�tzen, was f�r einen raffinierten Schachzug ich da wieder gemacht hatte.</p><p>Nat�rlich hatte ich nichts dergleichen getan, aber ich war zufrieden, sie in dem Glauben zu lassen.</p><p>Ich f�hlte mich sicherer so.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Dieses Gef�hl der Sicherheit hielt nur etwa drei Minuten lang an.</p><p>Ich war dicht vor Carmella an der T�r und ri� sie auf.</p><p>Er taumelte herein, knallte die T�r sofort wieder hinter sich zu und schob den Riegel vor. Er hatte sich lange nicht rasiert. Schatten lagen unter seinen hellen Augen, und er trug kein schimmerndes Wams und keine enge Hose, sondern einen braunen Wollanzug und dunkle Wildlederschuhe. Aber er war Random � der Random, den ich auf der Karte gesehen hatte � nur wirkte der lachende Mund ersch�pft, und seine Fingern�gel waren schmutzig.</p><p>�Corwin!� sagte er und umarmte mich.</p><p>Ich dr�ckte ihm die Schultern. �Du siehst aus, als k�nntest du einen Drink gebrauchen.�</p><p>�Ja. Ja. Ja . . .� sagte er, und ich f�hrte ihn zur Bibliothek.</p><p>Etwa drei Minuten sp�ter hatte er Platz genommen, in einer Hand einen Drink und in der anderen eine Zigarette. �Sie sind hinter mir her�, sagte er. �Bald m�ssen sie hier sein.�</p><p>Flora stie� einen leisen Schrei aus, den wir ignorierten.</p><p>�Wer?�</p><p>�Leute aus den Schatten�, erwiderte er. �Ich kenne sie nicht und wei� nicht, wer sie geschickt hat. Es sind vier oder f�nf, vielleicht sogar sechs. Sie waren mit mir im gleichen Flugzeug. Ich hatte einen Jet genommen. Sie tauchten ungef�hr bei Denver auf. Ich habe das Flugzeug mehrfach versetzt, um sie zu subtrahieren, aber es klappte nicht � und ich wollte nicht zu weit vom Weg abkommen. In Manhattan konnte ich sie endlich absch�tteln, aber das ist sicher nur ein kurzer Aufschub. Ich nehme an, sie werden bald hier sein.�</p><p>�Und du hast keine Ahnung, wer sie geschickt hat?�</p><p>Er l�chelte kurz.</p><p>�Nun, man liegt wohl richtig, wenn man den Kreis der in Frage Kommenden auf die Familie beschr�nkt. Vielleicht sogar du, um mich hierherzulocken. Aber das hoffe ich eigentlich nicht. Du steckst doch nicht dahinter, oder?�</p><p>�Leider nicht�, erwiderte ich. �Wie unangenehm haben sie ausgesehen?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Wenn sie nur zu zweit oder dritt gewesen w�ren, h�tte ich es mit einem Hinterhalt versucht. Aber doch nicht bei der Menge.�</p><p>Er war ein kleiner Mann, etwa einen Meter f�nfundsechzig gro� und vielleicht hundertzwanzig Pfund schwer. Aber seine Worte klangen todernst. Ich war ziemlich sicher, da� er es tats�chlich mit zwei oder drei Schl�gern allein aufnehmen w�rde. Dabei kam ich auf meine eigenen K�rperkr�fte, wo ich doch sein Bruder war. Ich f�hlte mich angenehm stark. Ich wu�te, da� ich mich unbesorgt jedem Gegner im fairen Kampf stellen konnte.</p><p>Wie kr�ftig war ich?</p><p>Pl�tzlich erkannte ich, da� ich gleich eine Chance bekommen sollte, die Antwort auf diese Frage festzustellen.</p><p>Es klopfte an der Haust�r.</p><p>�Was tun wir?� fragte Flora.</p><p>Random lachte, l�ste seine Krawatte, warf sie �ber seinen Gabardinemantel, der auf dem Tisch lag. Dann zog er sein Anzugsjackett aus und sah sich im Zimmer um. Sein Blick fiel auf den S�bel, und im Nu hatte er den Raum durchquert und die Waffe von der Wand genommen. Ich sp�rte das Gewicht der .32er in meiner Jackentasche und zog den Sicherungshebel zur�ck.</p><p>�Was wir tun?� fragte Random. �Es besteht die Wahrscheinlichkeit, da� sie sich Zutritt verschaffen�, sagte er. �Also <emphasis>werden</emphasis> sie hier eindringen. Wann hast du zum letztenmal richtig gek�mpft, Schwester?�</p><p>�Es ist schon zu lange her�, erwiderte sie.</p><p>�Dann solltest du deine Erinnerungen schleunigst auffrischen�, fuhr er fort, �denn es dauert nicht mehr lange. Die Burschen werden gelenkt, das kann ich euch verraten. Aber wir sind zu dritt, und die Gegenseite ist h�chstens doppelt so stark. Warum sich also Sorgen machen?�</p><p>�Wir wissen nicht, wer sie sind�, gab sie zu bedenken.</p><p>Wieder ert�nte das Klopfen.</p><p>�Kommt es darauf an?�</p><p>��berhaupt nicht�, sagte ich. �Soll ich sie reinlassen?�</p><p>Beide wurden bleich.</p><p>�Wir k�nnen ebensogut abwarten . . .�</p><p>�Ich k�nnte die Polizei anrufen�, sagte ich.</p><p>Beide brachen in ein fast hysterisches Lachen aus.</p><p>�Oder Eric�, fuhr ich fort und sah Flora abrupt an.</p><p>Aber sie sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Dazu haben wir keine Zeit mehr. Wir haben zwar den Trumpf, aber ehe Eric auf uns eingehen k�nnte � wenn er �berhaupt dazu bereit ist �, w�re es zu sp�t.�</p><p>�Und vielleicht steckt er ja hinter der ganzen Sache, was?� fragte Random.</p><p>�Das m�chte ich doch bezweifeln�, meinte sie. �So etwas pa�t nicht zu seinem Stil.�</p><p>�Richtig�, erwiderte ich, nur um etwas zu sagen und anzuzeigen, da� ich im Bilde war.</p><p>Und wieder das Klopfen, diesmal lauter.</p><p>Mir fiel pl�tzlich etwas ein. �Was ist mit Carmella?� fragte ich.</p><p>Flora sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich halte es f�r unwahrscheinlich, da� sie zur T�r geht.�</p><p>�Aber du wei�t nicht, womit du es hier zu tun hast!� rief Random. Im n�chsten Moment hatte er das Zimmer verlassen.</p><p>Ich folgte ihm durch den Flur ins Foyer und kam gerade noch zurecht, Carmella vom �ffnen der Haust�r abzuhalten.</p><p>Wir schickten sie in ihr Zimmer zur�ck und gaben ihr die Anweisung, sich einzuschlie�en. �Ein Beweis f�r die St�rke der Opposition�, bemerkte Random. �Wo sind wir �berhaupt, Corwin?�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Ich w�rd�s dir sagen, wenn ich es w��te. Im Augenblick sitzen wir jedenfalls im selben Boot. Zur�ck!�</p><p>Und ich �ffnete die T�r.</p><p>Der erste Mann versuchte mich zur Seite zu dr�ngen, doch ich schob ihn mit ausgestrecktem Arm zur�ck.</p><p>Es waren sechs, das konnte ich deutlich erkennen.</p><p>�Was wollen Sie?� fragte ich.</p><p>Aber es fiel kein einziges Wort. Waffen blinkten.</p><p>Ich trat gegen die T�r, lie� sie zuknallen und schob den Riegel vor.</p><p>�Okay, sie sind wirklich vorhanden�, sagte ich. �Aber woher soll ich wissen, da� du mich nicht reinzulegen versuchst?�</p><p>�Wissen kannst du das nicht�, sagte er. �Aber ich w�nschte, ich t�te es wirklich. Die Kerle sehen wirklich zum F�rchten aus.�</p><p>Ich mu�te ihm recht geben. Die Burschen auf der Veranda waren breit gebaut und hatten sich die H�te tief �ber die Augen gezogen. Ihre Gesichter waren von Schatten bedeckt.</p><p>�Ich w��te gern, wo wir sind�, sagte Random.</p><p>Ich sp�rte eine durch und durch gehende Vibration in der N�he meines Trommelfells und wu�te sofort, da� Flora ihre Pfeife benutzt hatte.</p><p>Als ich rechts ein Fenster klirren h�rte, �berraschte es mich nicht, von links ein grollendes Knurren und ein tiefes Bellen zu vernehmen.</p><p>�Sie hat ihre Hunde gerufen�, sagte ich. �Sechs b�sartige Bestien, die unter anderen Umst�nden auf unserer F�hrte sitzen k�nnten.�</p><p>Random nickte, und wir eilten in die Richtung, in der es geklirrt hatte.</p><p>Als wir das Wohnzimmer erreichten, waren zwei M�nner bereits im Haus. Beide trugen Waffen.</p><p>Ich scho� den ersten nieder und lie� mich zu Boden fallen, w�hrend ich auf den zweiten feuerte. Random sprang s�belschwingend hin und her, und ich sah, wie er dem zweiten Mann den Kopf von den Schultern trennte.</p><p>Schon waren zwei weitere Gestalten durch das Fenster geklettert. Ich leerte die Automatic auf sie und h�rte, wie sich das Grollen von Floras Hunden mit Sch�ssen vermengte, die nicht aus meiner Waffe kamen.</p><p>Ich sah drei M�nner und ebenso viele Hunde am Boden. Es war ein ganz angenehmer Gedanke, zu wissen, da� wir die H�lfte der Gegenseite schon ausgeschaltet hatten, und als die �brigen durch das Fenster kamen, t�tete ich einen weiteren auf eine sogar f�r mich �berraschende Weise.</p><p>Pl�tzlich und ohne nachzudenken ergriff ich einen riesigen Sessel und schleuderte ihn etwa f�nf Meter weit durch das Zimmer. Das M�belst�ck traf einen Mann und brach ihm das R�ckgrat.</p><p>Dann sprang ich auf die beiden letzten M�nner los, doch ehe ich das Zimmer durchqueren konnte, hatte Random einen von ihnen mit dem S�bel aufgespie�t und �berlie� ihn den Hunden, w�hrend er sich dem letzten zuwandte.</p><p>Dieser wurde jedoch niedergeworfen, ehe er in Aktion treten konnte. Ehe wir es verhindern konnten, t�tete er einen zweiten Hund, der aber sein letztes Opfer sein sollte. Random erw�rgte ihn.</p><p>Es stellte sich heraus, da� zwei Hunde tot und einer schwer verletzt war. Random erl�ste das verletzte Tier mit einem schnellen Sto� der Klinge in den Hals, und wir wandten uns den M�nnern zu.</p><p>Ihr Aussehen war irgendwie ungew�hnlich.</p><p>Gemeinsam mit Flora versuchten wir uns dar�ber klar zu werden.</p><p>Zum einen hatten alle blutunterlaufene Augen. Sehr blutunterlaufene Augen.</p><p>Bei den M�nnern schien der Zustand allerdings normal zu sein.</p><p>Au�erdem besa�en alle sechs ein zus�tzliches Gelenk an Fingern und Daumen, sowie scharfe, nach vorn gekr�mmte Spitzen auf den Handr�cken.</p><p>Das Kinn der Fremden war sehr ausgepr�gt, und als ich einem den Mund �ffnete, z�hlte ich vierundvierzig Z�hne, zumeist l�nger als beim Menschen, und mehrere sahen auch sehr viel sch�rfer aus. Die Haut der Kerle war hart und gl�nzendgrau.</p><p>Es gab zweifellos noch andere Unterscheidungsmerkmale, doch diese Feststellungen reichten f�r gewisse R�ckschl�sse zun�chst aus.</p><p>Wir sammelten die Waffen der Toten ein, dabei nahm ich drei kleine flache Pistolen an mich.</p><p>�Wir hatten recht � die Burschen sind aus den Schatten gekrochen�, sagte Random, und ich nickte. �Ich hatte Gl�ck. Offenbar hatten sie nicht angenommen, ich w�rde mir Verst�rkung holen � einen kampfstarken Bruder und eine ganze Hundemeute!� Er �ugte aus dem zerbrochenen Fenster, und ich lie� ihn gew�hren. �Nichts�, meldete er nach einer Weile. �Ich bin sicher, da� keiner �brig ist.� Und er zog die schweren orangefarbenen Vorh�nge zu und schob etliche hochlehnige M�belst�cke davor zurecht. W�hrend er noch damit besch�ftigt war, durchsuchte ich die Taschen der Toten.</p><p>Es �berraschte mich nicht, da� sie keine Ausweise bei sich trugen.</p><p>�Gehen wir wieder in die Bibliothek�, sagte ich, �damit ich mein Glas austrinken kann.�</p><p>Doch ehe sich Random setzte, reinigte er vorsichtig die Klinge und h�ngte sie wieder an die Wand. In dieser Zeit holte ich Flora einen Drink.</p><p>�Offenbar bin ich vor�bergehend in Sicherheit�, sagte Random, �nachdem wir nun diese B�hne zu dritt besetzt halten.�</p><p>�Sieht so aus�, meinte Flora.</p><p>�Himmel, ich habe seit gestern nichts mehr gegessen!� verk�ndete er.</p><p>Flora verlie� das Zimmer, um Carmella zu sagen, da� sie wieder herauskommen k�nne und nur nicht ins Wohnzimmer gehen solle. Au�erdem wollte sie eine umfangreiche Mahlzeit bestellen.</p><p>Sie war kaum aus dem Zimmer, als sich Random zu mir umwandte. �He, wie steht es zwischen euch?� fragte er.</p><p>�Du darfst ihr nicht den R�cken zudrehen.�</p><p>�Sie geh�rt immer noch zu Eric?�</p><p>�Soweit ich wei�.�</p><p>�Was machst du dann hier?�</p><p>�Ich wollte Eric dazu verleiten, selbst zu kommen. Er wei�, es ist die einzige M�glichkeit, wirklich an mich heranzukommen, und ich wollte wissen, wie sehr ihm daran liegt.�</p><p>Random sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich glaube nicht, da� er darauf eingeht. Sicher nicht. Solange du hier bist und er dort steckt � warum sollte er da seinen Hals riskieren? Er hat noch immer die bessere Ausgangsposition. Wenn du ihn st�rzen willst, mu�t du schon zu ihm kommen.�</p><p>�Das habe ich mir auch gerade �berlegt.�</p><p>Da begannen seine Augen zu funkeln, und sein altbekanntes L�cheln flammte wieder auf. Er fuhr sich mit der Hand durch das strohfarbene Haar und lie� meinen Blick nicht mehr los.</p><p>�Willst du�s denn tun?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Komm mir nicht mit �vielleicht�, alter Knabe! Dir steht�s doch ins Gesicht geschrieben! Ich bin fast geneigt mitzukommen, wei�t du. Wenn es um das Verh�ltnis zu meinen Mitmenschen geht, steht der Sex ganz oben und Eric ganz unten auf der Liste.�</p><p>Ich z�ndete mir eine Zigarette an und dachte dar�ber nach.</p><p>�Du fragst dich jetzt: �Wie sehr kann ich Random diesmal vertrauen? Er ist hinterlistig und gemein und wankelm�tig wie sein Name, und er wird mich zweifellos verraten, sobald ihm jemand einen besseren Vorschlag macht.� Stimmt�s?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Bruder Corwin, du solltest andererseits bedenken, da� ich dir zwar noch nie sehr gen�tzt habe, da� ich dir aber auch keinen besonderen Schaden zugef�gt habe. Gewi�, da waren ein paar Streiche, das gebe ich zu. Aber alles in allem k�nnte man wohl sagen, da� wir beide in der Familie noch am besten miteinander ausgekommen sind � das hei�t, wir sind uns nicht in die Quere gekommen. Denk mal dar�ber nach. Ich glaube, ich h�re Flora oder ihr Hausm�dchen kommen, da sollten wir lieber das Thema wechseln . . . Aber noch etwas! Du hast nicht zuf�llig einen Satz des Lieblingsspiels der Familie dabei?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>Flora betrat das Zimmer. �Carmella bringt uns gleich etwas zu essen�, sagte sie.</p><p>Das war ein Anla� zum Trinken, und Random blinzelte mir heimlich zu.</p><p>Am n�chsten Morgen waren die Leichen aus dem Wohnzimmer verschwunden, es gab keine Flecke auf dem Teppich mehr, und das Fenster war anscheinend repariert worden. Random erkl�rte mir, er habe sich um die Dinge �gek�mmert�. Ich hielt es nicht f�r angebracht, weitere Fragen zu stellen.</p><p>Wir liehen uns Floras Mercedes und unternahmen einen Ausflug. Die Landschaft kam mir seltsam ver�ndert vor. Ich vermochte nicht genau zu sagen, was hier fehlte oder neu hinzugekommen war, doch irgendwie f�hlte sich die Welt anders an. Auch dies verursachte mir Kopfschmerzen, als ich mich damit zu besch�ftigen versuchte, und so beschlo� ich solche �berlegungen zun�chst aufzuschieben.</p><p>Ich fuhr den Wagen, Random sa� neben mir. Ich sagte, da� ich gern wieder in Amber gewesen w�re � nur um zu sehen, wie er darauf reagierte.</p><p>�Ich hatte mich schon gefragt�, erwiderte er, �ob es dir nur um die Rache oder um mehr gegangen ist.� Damit spielte er den Ball zur�ck; die Entscheidung �ber Antwort oder nicht Antwort lag wieder bei mir.</p><p>Ich entschlo� mich zu einer Antwort und versuchte mein Heil mit einem Gemeinplatz:</p><p>�Auch ich habe dar�ber nachgedacht und mir meine Chancen auszurechnen versucht. Wei�t du, vielleicht �versuche� ich�s tats�chlich.�</p><p>Daraufhin wandte er sich in meine Richtung (er hatte aus dem Seitenfenster gestarrt) und sagte: �Vermutlich haben wir alle mal diesen Ehrgeiz gehabt oder zumindest mit dem Gedanken gespielt � jedenfalls trifft das in meinem Fall zu, obwohl ich mich ziemlich fr�hzeitig aus dem Spiel zur�ckgezogen habe � und meinem Gef�hl nach w�re es einen Versuch wert. Ich wei�, du willst in Wirklichkeit von mir wissen, ob ich dir helfen will. Die Antwort ist �ja�. Ich tu�s, schon um die anderen zu �rgern.� Dann: �Was h�ltst du von Flora? K�nnte sie uns irgendwie helfen?�</p><p>�Das bezweifle ich sehr�, erwiderte ich. �Sie w�rde mitmachen, wenn das Ergebnis festst�nde. Aber was ist in diesem Augenblick schon gewi�?�</p><p>�Oder jemals?�</p><p>�Oder jemals�, wiederholte ich, damit er annahm, ich wisse die Antwort auf meine rhetorische Frage.</p><p>Ich scheute davor zur�ck, ihn �ber den Zustand meines Ged�chtnisses aufzukl�ren. Ich wollte ihm nicht vertrauen, und ich tat es auch nicht. Es gab so viel zu erfahren. Ich wollte ihm nicht vertrauen, und ich tat es auch nicht. Es gab so viel Unbekanntes, aber ich hatte niemanden, an den ich mich wenden konnte. Ich dachte w�hrend der Fahrt ein wenig dar�ber nach.</p><p>�Nun, wann willst du anfangen?� fragte ich.</p><p>�Wenn du bereit bist.�</p><p>Wieder hatte er mir den Ball zugespielt, und ich wu�te nicht, was ich damit anfangen sollte.</p><p>�Wie w�r�s mit sofort?� fragte ich.</p><p>Er schwieg und z�ndete sich eine Zigarette an. Wahrscheinlich wollte er Zeit gewinnen.</p><p>�Also gut�, sagte er schlie�lich. �Wann warst du zum letztenmal dort?�</p><p>�Das ist so verdammt lange her�, sagte ich, �da� ich mir nicht mal sicher bin, ob ich den Weg noch wei�.�</p><p>�Na gut�, erwiderte er, �dann m�ssen wir eben ein St�ck fahren, ehe wir zur�ckkehren k�nnen. Wieviel Benzin hast du?�</p><p>�Der Tank ist dreiviertel voll.�</p><p>�Bieg an der n�chsten Ecke links ab, dann sehen wir schon, was passiert.�</p><p>Ich tat, was er gesagt hatte, und pl�tzlich begannen die B�rgersteige zu funkeln.</p><p>�Verdammt!� sagte er. �Es ist jetzt etwa zwanzig Jahre her, seit ich zum letztenmal durch bin. Ich erinnere mich zu schnell an die richtigen Dinge.�</p><p>Wir setzten unsere Fahrt fort, und ich wunderte mich, was hier eigentlich passierte.</p><p>Der Himmel war hellgr�n geworden, schimmerte sogar leicht ins Rosa hin�ber.</p><p>Ich bi� mir auf die Lippen, um die Fragen zur�ckzuhalten.</p><p>Wir fuhren unter einer Br�cke hindurch, und als wir auf der anderen Seite herauskamen, hatte der Himmel wieder eine normale Farbe, doch �berall in der Gegend standen Windm�hlen, gro�e gelbe Gebilde.</p><p>�Keine Sorge�, sagte er hastig. �Es k�nnte schlimmer sein.�</p><p>Ich bemerkte, da� die Menschen, die an uns vorbeikamen, ziemlich seltsame Kleidung trugen, und da� die Stra�e holprig gepflastert war.</p><p>�Jetzt rechts.�</p><p>Ich bog ab.</p><p>Purpurne Wolken verdeckten die Sonne, und es begann zu regnen. Blitze jagten durch das Firmament, und der Himmel grollte �ber uns. Ich stellte die Scheibenwischer auf volle Geschwindigkeit, aber sie richteten nicht viel aus. Ich schaltete die Scheinwerfer ein und ging noch mehr mit dem Tempo herunter.</p><p>Ich h�tte schw�ren k�nnen, da� ich an einem Reiter vorbeikam, der in die andere Richtung galoppierte, ganz in Grau gekleidet, den Kragen hochgeschlagen, den Kopf vor dem Regen geduckt.</p><p>Dann brach die Wolkendecke wieder auf, und wir fuhren an einer K�ste entlang. Die Wogen sch�umten hoch, und riesige M�wen schwebten im Tiefflug dar�ber hin. Der Regen hatte aufgeh�rt, und ich schaltete Licht und Scheibenwischer aus. Die Stra�e bestand jetzt aus Asphalt, doch ich erkannte die Gegend nicht. Im Au�enspiegel entdeckte ich keine Spur von der Stadt, die wir eben verlassen hatten. Meine H�nde krampften sich um das Steuerrad, als wir an einem unerwartet aufragenden Galgen vorbeikamen, an dem ein fast zum Skelett verwester Mensch vom Wind hin und her bewegt wurde.</p><p>Random rauchte und starrte aus dem Fenster, w�hrend unsere Stra�e die K�ste verlie� und sich um einen H�gel zog. Eine grasbestandene baumlose Ebene �ffnete sich zu unserer Rechten, und links stieg eine Bergkette immer h�her empor. Der Himmel leuchtete in einem dunklen, aber strahlenden Blau, wie ein tiefer klarer See inmitten von B�umen. Einen solchen Himmel hatte ich meiner Erinnerung nach noch nie gesehen.</p><p>Random �ffnete das Fenster, um die Kippe fortzuwerfen. Ein eisiger Windhauch wirbelte durch das Innere des Wagens, bis er die Scheibe wieder hochgedreht hatte. Die B�e trug einen salzig-scharfen Meeresgeruch herbei.</p><p>�Alle Stra�en f�hren nach Amber�, sagte er, als handle es sich um einen Lehrsatz.</p><p>Dabei fiel mir ein, was Flora gestern noch gesagt hatte. Ich wollte ja nicht als Dummkopf dastehen oder als jemand, der lebenswichtige Informationen f�r sich beh�lt, doch als mir klar wurde, was ihre �u�erungen bedeuteten, mu�te ich ihm davon berichten � zu meiner wie zu seiner Sicherheit.</p><p>�Wei�t du�, begann ich, �als du neulich anriefst und ich ans Telefon kam, weil Flora nicht da war � ich glaube, da versuchte sie gerade nach Amber durchzukommen und fand die Stra�e blockiert.�</p><p>Darauf lachte er nur.</p><p>�Die Frau hat kaum Fantasie�, erwiderte er. �Nat�rlich ist die Stra�e in solchen Zeiten blockiert. In der letzten Phase, davon bin ich �berzeugt, werden auch wir zu Fu� gehen m�ssen, und wir brauchen zweifellos s�mtliche Kr�fte und unseren ganzen Erfindungsreichtum, um ans Ziel zu gelangen, falls wir es �berhaupt schaffen. Hat sie geglaubt, sie k�nne wie eine vornehme Prinzessin auf einem Blumenteppich zur�ckschreiten? Dumme Pute! Sie verdient es eigentlich nicht, zu leben, aber dar�ber habe ich nicht zu befinden, noch nicht.</p><p>An der Kreuzung nach rechts�, verk�ndete er.</p><p>Was ging hier vor? Ich wu�te, da� er irgendwie verantwortlich war f�r die exotischen Ver�nderungen, die ringsum eintraten, doch ich vermochte nicht zu bestimmen, wie er das anstellte und wohin er uns brachte. Ich wu�te, da� ich hinter sein Geheimnis kommen mu�te, aber ich konnte ihn nicht einfach danach fragen, wenn er nicht erfahren sollte, da� ich keine Ahnung hatte. Damit h�tte ich mich ihm ausgeliefert. Seine T�tigkeit schien sich auf das Rauchen und das Hinausstarren zu beschr�nken � doch als wir nun aus einer Senke kamen, erreichten wir eine blaue W�ste, und die Sonne schimmerte pl�tzlich rosa am strahlenden Himmel. Im R�ckspiegel erstreckte sich die W�ste endlose Meilen hinter uns, so weit ich sehen konnte. Ein toller Trick, alle Achtung.</p><p>Dann begann der Motor auszusetzen, fing sich wieder, stotterte erneut.</p><p>Das Steuerrad verformte sich unter meinen H�nden.</p><p>Es verwandelte sich in einen Halbkreis; der Sitz schien sich pl�tzlich weiter hinten zu befinden, der Wagen hing offenbar tiefer �ber der Stra�e, und die Windschutzscheibe war viel schr�ger.</p><p>Doch ich sagte nichts, auch nicht, als der lavendelfarbene Sandsturm einsetzte.</p><p>Doch als sich das Unwetter verzog, hielt ich den Atem an.</p><p>Etwa eine halbe Meile vor uns staute sich eine ungeheure Wagenreihe. Die Fahrzeuge standen still, und ich h�rte sie hupen. �Langsamer�, sagte Random. �Jetzt kommt das erste �Hindernis.�</p><p>Ich gehorchte, und neue Sandwolken h�llten uns ein.</p><p>Ehe ich das Licht einschalten konnte, war die Erscheinung vorbei, und ich blinzelte mehrmals.</p><p>Die Wagen waren fort, ihre Hupen schwiegen. Aber die Stra�e funkelte nun ebenso wie vorhin die B�rgersteige, und ich h�rte Random leise fluchen.</p><p>�Ich wei�, ich habe genauso reagiert, wie er es vorhatte, wer immer den Block errichtet hat�, sagte er. �Es �rgert mich, da� ich so gehorsam gewesen bin!�</p><p>�Eric?� fragte ich.</p><p>�Wahrscheinlich. Was meinst du? Sollen wir anhalten und es eine Zeitlang auf die harte Tour versuchen oder weiterfahren und sehen, ob noch weitere Sperren auftauchen?�</p><p>�Fahren wir ruhig ein St�ck weiter. Schlie�lich war das erst der erste Block.�</p><p>�Gut�, sagte er, �f�gte aber hinzu: �Wer wei�, wie der zweite aussieht?�</p><p>Der zweite war ein Etwas � ich wei� nicht, wie ich die Erscheinung beschreiben soll.</p><p>Das Ding sah wie ein Brennofen mit Armen aus. Es hockte mitten auf der Stra�e, griff sich ein Auto nach dem anderen und verschlang sie.</p><p>Ich trat auf die Bremse.</p><p>�Was ist los?� wollte Random wissen. �Fahr doch weiter! Wie kommen wir sonst daran vorbei?�</p><p>�Ich war im ersten Augenblick erschrocken�, sagte ich, und er warf mir einen seltsamen Blick zu, w�hrend zugleich der n�chste Sandsturm begann.</p><p>Jetzt hatte ich etwas Falsches gesagt, das erkannte ich deutlich.</p><p>Als sich der Staub legte, rasten wir wieder auf einer leeren Stra�e dahin. Und in der Ferne ragten T�rme auf.</p><p>�Ich glaube, jetzt habe ich ihn reingelegt�, sagte Random. �Ich habe mehrere miteinander verbunden, und jetzt haben wir wohl eine gefunden, mit der er nicht gerechnet hat. Schlie�lich kann niemand alle Stra�en nach Amber im Auge behalten.�</p><p>�Das ist wahr�, sagte ich und hoffte den <emphasis>Faux Pas</emphasis> wiedergutmachen zu k�nnen, der seinen seltsamen Blick ausgel�st hatte.</p><p>Ich besch�ftigte mich in Gedanken mit Random. Ein kleiner, schw�chlich wirkender Bursche, der gestern abend in ebenso gro�er Gefahr gewesen war wie ich. Worin bestand seine St�rke? Und was bedeutete all das Gerede von den Schatten? Ich hatte das Gef�hl, da� wir uns sogar in diesem Augenblick inmitten der Schatten bewegten, was immer sich dahinter verbergen mochte. Aber wie? Es lag an etwas, das Random tat, und da er physisch im Ruhezustand zu sein schien, da er die H�nde ruhig im Scho�e hatte, mu�te es sich wohl um eine geistige T�tigkeit handeln. Und dabei ergab sich dieselbe Frage: <emphasis>Wie?</emphasis></p><p>Nun, ich hatte ihn von �Additionen� und �Subtraktionen� sprechen h�ren, als sei das Universum, in dem wir uns bewegten, eine gewaltige Gleichung.</p><p>Mit pl�tzlicher Gewi�heit erkannte ich, da� er auf irgendeine Weise Objekte zur ringsum sichtbaren Welt addierte oder davon abzog, um uns in eine immer genauere Ausrichtung zu jenem seltsamen Amber zu bringen, dem die L�sung dieser Gleichung galt.</p><p>Diesen Vorgang hatte auch ich einmal beherrscht. Und der Schl�ssel dazu, das erkannte ich nun, lag in meiner Erinnerung an Amber.</p><p>Aber ich konnte mich nicht daran erinnern.</p><p>Die Stra�e beschrieb �berraschend eine Kurve, die W�ste ging zu Ende und machte Feldern eines blauen Grases Platz, dessen lange Halme ziemlich scharf aussahen. Nach einiger Zeit wurde das Terrain h�gelig, und am Fu� der dritten Erhebung endete das Pflaster; wir fuhren auf festgefahrener Erde weiter. Der schmale Weg wand sich zwischen gr��eren Erhebungen hindurch, auf denen jetzt kleinere Str�ucher und B�sche mit bajonett�hnlichen Dornen auftauchten.</p><p>Nachdem das etwa eine halbe Stunde lang so gegangen war, lagen die H�gel hinter uns, und wir erreichten einen Wald voller m�chtiger B�ume mit rautenf�rmigen Bl�ttern in herbstlicher Orange- und Purpurf�rbung.</p><p>Es begann leicht zu regnen; Schatten h�llten uns ein. Aus dem feuchten Laub erhoben sich bleiche Nebelschwaden. Irgendwo zur Rechten h�rte ich ein Heulen.</p><p>Noch dreimal ver�nderte das Steuerrad seine Form � die letzte Version war ein achteckiges Holzgebilde. Der Wagen war ziemlich hoch geworden, und wir hatten uns irgendwo eine Flamingoskulptur als K�hlerhaubenverzierung zugelegt. Ich enthielt mich jedes Kommentars �ber diese Details, sondern pa�te mich den verschiedenen Stellungen an, die der Sitz einnahm, wie auch den ver�nderten Bedienungserfordernissen. Random jedoch warf einen Blick auf das Steuerrad � im gleichen Augenblick ert�nte neues Geheul �, sch�ttelte den Kopf. Pl�tzlich waren die B�ume viel gr��er, wenn auch mit Ranken und bl�ulich schimmernden Flechten bekr�nzt, und der Wagen war fast wieder normal. Ich schaute auf die Benzinuhr und sah, da� der Tank noch halb voll war.</p><p>�Wir kommen voran�, bemerkte mein Bruder, und ich nickte.</p><p>Der Fahrweg erweiterte sich pl�tzlich und erhielt eine Betonoberfl�che. Auf beiden Seiten erstreckten sich Kan�le mit schlammigem Wasser. Bl�tter, kleine �ste und bunte Federn trieben darauf.</p><p>Pl�tzlich war mir ein wenig schwindlig. �Langsam und tief atmen�, sagte Random, ehe ich eine Bemerkung dar�ber machen konnte. �Wir nehmen eine Abk�rzung, und Luft und Schwerkraft sind eine Zeitlang ver�ndert. Ich glaube, wir haben bisher ziemlich gro�es Gl�ck gehabt, und ich m�chte das nat�rlich ausnutzen � ich will in k�rzester Zeit so dicht wie m�glich ans Ziel heran.�</p><p>�Gute Idee�, sagte ich.</p><p>�Vielleicht � vielleicht aber auch nicht�, erwiderte er. �Aber ich glaube, es ist das Risiko wer . . . <emphasis>Pa� auf!�</emphasis></p><p>Wir fuhren gerade einen H�gel hinauf. Ein Lkw kam �ber den Kamm und raste auf uns zu � auf der falschen Stra�enseite! Ich versuchte auszuweichen, aber der andere Wagen vollzog dasselbe Man�ver. Um einen Zusammensto� zu vermeiden, mu�te ich den Wagen auf den weichen Seitenstreifen zu meiner Linken steuern und am Kanalufer entlangfahren.</p><p>Rechts von mir stoppte der Laster mit quietschenden Bremsen. Ich versuchte vom Seitenstreifen wieder auf die Stra�e zu kommen, doch wir steckten im Boden fest.</p><p>Im n�chsten Moment h�rte ich eine T�r zuknallen und sah, da� der Fahrer auf der rechten Seite des F�hrerhauses ausgestiegen war � was bedeuten mochte, da� er doch auf der richtigen Stra�enseite gefahren war und wir uns im Unrecht befanden. Ich war sicher, da� in den Vereinigten Staaten nirgendwo britische Verkehrsvorschriften galten, aber ich war auch l�ngst davon �berzeugt, da� wir die mir bekannte Erde l�ngst verlassen hatten.</p><p>Der Lkw war ein Tanklaster. In gro�en blutroten Buchstaben stand ZU�OCO an der Seite und darunter das Motto �Wier beliewern die Weeld.� Der Fahrer belieferte mich mit Schimpfworten, als ich ausstieg, um den Wagen ging und mich zu entschuldigen begann. Er war so gro� wie ich und hatte die Gestalt eines Bierfasses. In der Hand hielt er einen Schraubenschl�ssel.</p><p>�H�ren Sie, ich habe mich ja schon entschuldigt�, sagte ich. �Was wollen Sie denn noch? Niemand ist verletzt, und es hat keinen Schaden gegeben.�</p><p>�Sonntagsfahrer wie Sie sollte man nicht auf die Stra�e lassen!� br�llte er. �Ihr verfluchten Kerle seid eine Gefahr f�r Leib und Leben!�</p><p>In diesem Augenblick stieg Random aus dem Wagen. �Mister, Sie sollten lieber weiterfahren�, sagte er. Er hielt eine Waffe in der Hand.</p><p>�Tu das Ding weg�, sagte ich zu ihm, doch er zog den Sicherungshebel zur�ck.</p><p>Der Bursche ri� angstvoll Augen und Mund auf, machte kehrt und wetzte davon.</p><p>Random hob die Waffe und zielte sorgf�ltig auf den R�cken des Mannes.</p><p>Erst im letzten Augenblick vor dem Schu� vermochte ich seinen Arm zur Seite zu schlagen.</p><p>Das Gescho� traf die Stra�e und surrte als Querschl�ger davon.</p><p>Random drehte sich zu mir um. Sein Gesicht war leichenbla�.</p><p>�Du verdammter Narr!� sagte er. �Der Schu� h�tte in den Tank gehen k�nnen!�</p><p>�Er h�tte auch den Burschen treffen k�nnen, auf den du gezielt hast!�</p><p>�Na und? Wir kommen hier nicht mehr durch, jedenfalls nicht in dieser Generation. Der Schweinehund hat es gewagt, einen Prinzen von Amber zu beleidigen! Ich habe dabei an <emphasis>deine</emphasis> Ehre gedacht!�</p><p>�Ich kann meine Ehre selbst sch�tzen�, entgegnete ich schroff. Pl�tzlich ergriff etwas Kaltes und Unwiderstehliches von mir Besitz und lie� mich fortfahren: �Die Entscheidung �ber sein Leben lag bei mir und nicht bei dir.� Ein Gef�hl der Entr�stung erf�llte mich.</p><p>Da neigte er den Kopf, w�hrend die Lkw-T�r zuknallte und der schwere Wagen sich entfernte.</p><p>�Tut mir leid, Bruder�, sagte er. �Ich wollte nicht anma�end sein. Aber es hat mich gekr�nkt, da� einer von denen so mit dir geredet hat. Ich wei�, ich h�tte warten m�ssen, da� du dich des Burschen annimmst, wie du es f�r richtig hieltest � zumindest h�tte ich dich fragen m�ssen.�</p><p>�Nun, wie dem auch sei�, sagte ich. �Wenn wir k�nnen, sollten wir auf die Stra�e zur�ckkehren und weiterfahren.�</p><p>Die Hinterr�der waren bis zu den Radkappen eingesunken, und w�hrend ich sie noch anstarrte und mir �berlegte, wie man die Dinge am besten in Angriff nahm, rief Random: �Okay, ich nehme die vordere Sto�stange. Du packst hinten an � wir tragen das Ding zur Stra�e � und zwar auf die linke Seite.�</p><p>Er meinte es ernst!</p><p>Er hatte zwar von einer geringeren Schwerkraft gesprochen, doch ich f�r mein Teil f�hlte mich gar nicht leicht. Gewi�, ich war kr�ftig, doch ich hatte meine Zweifel, ob ich das hintere Ende des Mercedes anheben konnte.</p><p>Andererseits wurde so etwas offensichtlich von mir erwartet; also mu�te ich es versuchen. Ich durfte mir die L�cken in meinem Ged�chtnis nicht anmerken lassen.</p><p>Ich beugte mich also vor, stellte die Beine auseinander, packte zu und begann die Knie durchzudr�cken. Mit saugendem Ger�usch l�sten sich die Hinterr�der aus der feuchten Erde. Ich stemmte mein Ende des Wagens etwa zwei Fu� hoch �ber den Boden!</p><p>Das Auto war schwer � verdammt, und wie schwer! �, aber ich konnte es halten.</p><p>Mit jedem Schritt sank ich etwa f�nfzehn Zentimeter tief in den Boden. Aber ich trug den Wagen! Und Random leistete an seinem Ende dasselbe.</p><p>Wir setzten das Fahrzeug auf der Stra�e ab; die Federung wippte etwas. Dann zog ich mir die Schuhe aus, leerte sie und reinigte sie mit Grasb�scheln; ich wrang meine Socken aus, b�rstete die Hosens�ume ab, warf meine Fu�bekleidung auf den R�cksitz und stieg barfu� hinter das Steuer.</p><p>Random sprang auf den Beifahrersitz. �H�r mal. Ich m�chte mich noch einmal entschuldigen . . .�</p><p>�Schon gut�, sagte ich. �Die Sache ist ausgestanden und vorbei.�</p><p>�Ja, aber ich m�chte nicht, da� du mir etwas nachtr�gst.�</p><p>�Das tue ich nicht�, entgegnete ich. �Du solltest dich k�nftig nur etwas besser beherrschen, wenn es um das T�ten in meiner Gegenwart geht.�</p><p>�Das will ich gern tun�, versprach er.</p><p>�Dann wollen wir jetzt weiterfahren.� Und das taten wir.</p><p>Wir bewegten uns durch eine Felsschlucht und erreichten schlie�lich eine Stadt, die v�llig aus Glas oder glas�hnlichen Substanzen zu bestehen schien � von hohen Geb�uden flankiert, die d�nn und zerbrechlich wirkten, und mit Menschen, durch die die rosa Sonne hindurchschien und dabei ihre Organe und die �berreste der letzten Mahlzeit sichtbar machte. Die seltsamen Gestalten starrten uns nach. An den Stra�enecken liefen sie zusammen, doch niemand versuchte uns den Weg zu versperren.</p><p>�Die von D�nikens dieser Welt werden von unserem Besuch sicher noch in vielen Jahren berichten�, sagte mein Bruder.</p><p>Ich nickte.</p><p>Schlie�lich war vor uns �berhaupt keine Stra�e mehr, und wir fuhren �ber eine endlose Fl�che, die aus Silikon zu bestehen schien. Nach einer Weile engte sich die Erscheinung ein und wurde zu unserer Stra�e, und ein paar Minuten sp�ter erstreckten sich S�mpfe zu beiden Seiten � flach, braun, �belriechend. Und ich entdeckte ein Tier, das garantiert ein Diplodocus war und das den Kopf hob und auf uns herabstarrte. Gleich darauf flog ein riesiger fledermausartiger Schatten �ber uns dahin. Der Himmel erstrahlte k�nigsblau, die Sonne schimmerte hellgolden.</p><p>�Wir haben nur noch einen Vierteltank�, bemerkte ich.</p><p>�Gut�, sagte Random. �Halt an.�</p><p>Ich gehorchte und wartete ab.</p><p>Eine lange Zeit � vielleicht sechs Minuten lang � schwieg er. �Fahr weiter�, sagte er dann.</p><p>Nach etwa drei Meilen erreichten wir eine Barrikade aus Baumst�mmen, und ich begann darum herumzufahren. Auf einer Seite tauchte eine T�r auf, und Random sagte zu mir: �Halt an und dr�ck auf die Hupe.�</p><p>Das tat ich, und kurz darauf �ffnete sich das Holztor mit quietschenden Angeln.</p><p>�Fahr hinein�, sagte er. �Hier sind wir sicher.�</p><p>Ich fuhr hinein, und zu meiner Linken erhoben sich drei Esso-Zapfs�ulen mit Ballonk�pfen. Das kleine Geb�ude dahinter geh�rte zu der Art, wie ich sie unter normaleren Umst�nden schon unz�hlige Male gesehen hatte. Ich hielt an einer Zapfs�ule und wartete.</p><p>Der Mann, der aus dem H�uschen kam, war etwa einen Meter f�nfzig gro�, hatte einen ungeheuren Leibesumfang und eine erdbeerrote Nase. Seine Schultern mochten einen Meter breit sein.</p><p>�Was soll�s denn sein?� fragte er. �Volltanken?�</p><p>�Normalbenzin�, sagte ich nickend.</p><p>�Fahren Sie noch ein St�ck vor�, wies er mich an.</p><p>Ich gehorchte und sagte zu Random: �Ob mein Geld hier gilt?�</p><p>�Schau�s dir doch mal an�, sagte er, und das tat ich.</p><p>Meine B�rse war voller orangefarbener und gelber Banknoten.</p><p>In den Ecken standen r�mische Ziffern, gefolgt von den Buchstaben �D. R.�</p><p>Er grinste mich an, als ich den Packen durchsah.</p><p>�Siehst du, ich habe f�r alles gesorgt�, sagte er.</p><p>�Gro�artig. �brigens bekomme ich langsam Hunger.�</p><p>Wir sahen uns um und entdeckten das riesige Reklamebild eines Mannes, der in einer anderen Welt Kentucky-Brath�hnchen verkaufte.</p><p>Der Erdbeernasige lie� etwas Benzin auf den Boden rinnen, um auf eine gerade Summe zu kommen, h�ngte den Zapfhahn ein, kam herbei und sagte: �Acht Drachae Regum.�</p><p>Ich nahm einen orangefarbenen Geldschein mit �V D. R.� darauf und drei weitere mit �I D. R.� und reichte sie ihm.</p><p>�Danke�, sagte er und stopfte sich das Geld in die Tasche. �Soll ich �l und Wasser nachsehen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Er f�llte etwas Wasser nach, sagte, der �lstand sei in Ordnung, und schmierte mit einem Schmutzlappen �ber die Windschutzscheibe.</p><p>Dann winkte er uns zu und verschwand wieder in seinem Schuppen.</p><p>Wir fuhren zu Kenni Rois hin�ber und bestellten uns einen Eimer voll gebratene Kentucky-Echsenst�cke und einen Eimer mit d�nnem, salzigem Bier.</p><p>Dann wuschen wir uns im Nebengeb�ude die H�nde, dr�ckten am Tor auf die Hupe und warteten, bis ein Mann mit einer Hellebarde aufmachte.</p><p>Und dann fuhren wir weiter.</p><p>Vor uns sprang ein Tyrannosaurus empor, z�gerte einen Augenblick lang und ging dann irgendwo links seines Weges. Drei weitere Pterodaytylen zogen am Himmel vorbei.</p><p>�Ich gebe Ambers Himmel nur ungern frei�, sagte Random, was immer er damit meinen mochte. Ich knurrte etwas zur Erwiderung.</p><p>�Ich habe allerdings ein wenig Angst, alles auf einmal zu versuchen�, fuhr er fort. �Vielleicht werden wir in St�cke gerissen.�</p><p>�Der Meinung bin ich auch.�</p><p>�Andererseits gef�llt mir diese Gegend nicht.�</p><p>Ich nickte, und wir fuhren weiter, bis die Silikonebene endete und uns auf allen Seiten nacktes Gestein umgab.</p><p>�Was willst du jetzt tun?� wagte ich mich vor.</p><p>�Nachdem ich den Himmel habe, will ich mich am Terrain versuchen�, sagte er.</p><p>Und als wir langsam weiterfuhren, wurde die Felsebene von Felsbrocken abgel�st. Nackter schwarzer Erdboden erstreckte sich dazwischen. Nach einiger Zeit verminderte sich der Anteil des Gesteins. Dann entdeckte ich erste gr�ne Stellen � da und dort ein Fleckchen Gras. Aber es hatte eine sehr helle T�nung, wie sie mir von der Erde, die ich kannte, vertraut war � doch zugleich auch wieder nicht.</p><p>Bald umgaben uns endlose Gr�nfl�chen.</p><p>Sp�ter tauchten ab und zu B�ume am Wegesrand auf.</p><p>Dann ein Wald.</p><p>Und was f�r ein Wald!</p><p>Solche B�ume hatte ich noch nie gesehen � riesig, majest�tisch, von einem dunklen, saftigen Gr�n, mit einem leichten goldenen Schimmer. Sie ragten hoch �ber uns auf, sie strebten zum Himmel. Es handelte sich um riesige Kiefern, Eichen, Ahornb�ume und andere Arten, die ich nicht zu erkennen vermochte. Zwischen den St�mmen wogte ein lieblicher Duft. Nachdem ich mehrmals tief eingeatmet hatte, beschlo� ich das Fenster ganz herunterzudrehen und es so zu lassen.</p><p>�Der Wald von Arden�, sagte der Mann, der mein Bruder war. Ich wu�te, da� er recht hatte, und irgendwie liebte und beneidete ich ihn zugleich wegen seiner Weisheit, wegen seines Wissens.</p><p>�Bruder�, sagte ich. �Du machst es richtig! Besser als erwartet. Vielen Dank.�</p><p>Dies schien ihn ziemlich zu �berraschen.</p><p>Es war, als h�tte ihm noch nie ein Verwandter ein gutes Wort gesagt.</p><p>�Ich gebe mir M�he�, sagte er, �und das werde ich bis zum Schlu� tun, das verspreche ich dir. Sieh dich doch um! Wir haben den Himmel, den Wald! Es ist fast zu sch�n, um wahr zu sein! Wir haben die H�lfte des Weges bereits hinter uns, ohne da� es besondere Probleme gegeben hat. Ich glaube, wir hatten bisher gro�es Gl�ck. Gibst du mir eine Grafschaft?�</p><p>�Ja�, sagte ich, ohne zu wissen, was das bedeutete, doch bereit, ihm den Wunsch zu gew�hren, wenn es in meiner Macht lag.</p><p>Er nickte und sagte: �Du bist in Ordnung.�</p><p>Er war ein kampflustiger kleiner Schurke, der meiner wiederauflebenden Erinnerung nach stets eine Art Rebell gewesen war. Unsere Eltern hatten ihn zu erziehen versucht, aber ohne rechten Erfolg. Mir wurde zugleich klar, da� wir gemeinsame Eltern gehabt hatten, was auch auf mich und Eric und Flora, wie auch auf Caine, Bleys und Fiona zutraf. Und wahrscheinlich auch auf andere � doch an diese Namen erinnerte ich mich, diese Geschwister kannte ich bereits.</p><p>Wir fuhren auf einem harten Feldweg durch eine Kathedrale riesiger B�ume. Der Wald schien kein Ende zu nehmen. Ich f�hlte mich sicher. Von Zeit zu Zeit scheuchten wir Rehwild auf oder �berraschten einen Fuchs, der den Weg �berquerte oder in der N�he verharrte. Da und dort zeigten sich Hufabdr�cke im Lehm. Das Sonnenlicht sickerte zuweilen durch die Bl�tter, fiel schr�g herab wie straff gespannte goldene Saiten auf einem exotischen Musikinstrument. Der Wind war feucht und satt von Leben. Mir ging auf, da� ich diesen Ort kannte, da� ich fr�her oft auf dieser Stra�e geritten war. Ich war auf dem Pferder�cken durch den Wald von Arden galoppiert, war zu Fu� hindurchgewandert, hatte darin gejagt, hatte lange unter riesigen St�mmen gelegen, die Arme hinter dem Kopf verschr�nkt, w�hrend mein Blick emporwanderte. Ich war zwischen den �sten solcher Riesen herumgeklettert und hatte auf eine gr�ne Welt hinabgeblickt, die sich st�ndig ver�nderte.</p><p>�Ich liebe diesen Ort�, sagte ich � und mir war im ersten Augenblick nicht recht klar, da� ich laut gesprochen hatte.</p><p>�Das hast du immer getan�, erwiderte Random, und ein Hauch von Belustigung schien in seiner Stimme mitzuschwingen � ich war mir meiner Sache nicht sicher.</p><p>Aus der Ferne t�nte pl�tzlich ein Laut her�ber, von dem ich wu�te, da� es sich um das Signal eines Jagdhorns handelte.</p><p>�Fahr schneller!� sagte Random pl�tzlich. �Das klingt nach Julians Horn.�</p><p>Ich gehorchte.</p><p>Wieder der Hornsto�, diesmal n�her.</p><p>�Seine verdammten Hunde rei�en den Wagen in St�cke, und seine Jagdv�gel picken uns die Augen aus!� sagte er. �Ich w�rde ihm ungern �ber den Weg laufen, wenn er so gut ger�stet ist. Was immer er gerade jagt, er w�rde seine Beute bestimmt aufgeben, wenn er daf�r Jagd auf zwei Br�der machen k�nnte.�</p><p>��Leben und Leben lassen� � das ist heutzutage meine Devise�, bemerkte ich.</p><p>Random lachte leise vor sich hin.</p><p>�Was f�r eine drollige Vorstellung! Ich wette, die h�lt sich im Ernstfall h�chstens f�nf Minuten.�</p><p>Und wieder ert�nte das Jagdhorn, diesmal noch n�her, und er sagte: �Verdammt!�</p><p>Der Tachometer zeigte in altmodischen Runenziffern die Zahl f�nfundsiebzig an. Ich wagte auf diesem Weg nicht schneller zu fahren.</p><p>Wieder ert�nte das Horn, dreimal lang aufjaulend, ganz in der N�he. Dann h�rte ich Hundegebell links von uns.</p><p>�Wir sind der wirklichen Erde schon sehr nahe, wenn auch noch weit von Amber�, sagte mein Bruder. �Es w�re sinnlos, durch die benachbarten Schatten zu fliehen, denn wenn er es wirklich auf uns abgesehen hat, w�rde er uns verfolgen. Oder zumindest sein Schatten.�</p><p>�Was sollen wir tun?�</p><p>�Wir k�nnen nur aufdrehen und hoffen, da� er nicht hinter uns her ist.�</p><p>Und wieder gellte das H�rn auf, diesmal fast neben uns.</p><p>�Verdammt, worauf reitet er denn � auf einer Lokomotive?� fragte ich.</p><p>�Ich glaube, er reitet seinen m�chtigen Morgenstern, das schnellste Pferd, das er je geschaffen hat.�</p><p>Ich lie� mir das vorletzte Wort eine Weile durch den Kopf gehen. Ja, es stimmt, sagte mir eine innere Stimme. Julian hatte Morgenstern aus den Schatten <emphasis>geschaffen,</emphasis> hatte in diesem Wesen die Wucht einer Dampframme mit der Geschwindigkeit eines Hurrikans verbunden.</p><p>Pl�tzlich fiel mir ein, da� ich guten Grund hatte, dieses Tier zu f�rchten � und da sah ich es auch schon.</p><p>Morgenstern war sechs H�nde gr��er als jedes andere Pferd, das ich je gesehen hatte, seine Augen wirkten seltsam tot, sein Fell war grau, und seine Hufe erinnerten an schimmernden Stahl. Er flog schnell wie der Wind dahin und hielt mit dem Wagen Schritt.</p><p>Julian duckte sich im Sattel � der Julian von der Spielkarte, mit langem schwarzen Haar und hellblauen Augen, und er trug seine schuppige wei�e R�stung.</p><p>Julian l�chelte uns zu und winkte. Morgenstern warf den Kopf hoch, und seine herrliche M�hne wogte im Wind wie eine Flagge. Seine Beine waren ein einziger verwischter Schatten.</p><p>Mir fiel ein, da� Julian vor l�ngerer Zeit einen Mann in abgelegte Kleidung von mir gesteckt und ihn veranla�t hatte, das Tier zu qu�len. Dies hatte dazu gef�hrt, da� mich Morgenstern bei der n�chsten Jagd niederzutrampeln versuchte, als ich abstieg, um einen Rehbock aufzubrechen.</p><p>Ich hatte das Fenster wieder zugemacht und nahm nicht an, da� Morgenstern am Geruch feststellen konnte, wer im Wagen sa�. Doch Julian hatte mich entdeckt, und ich glaubte zu wissen, was das bedeutete. Er war von seinen Sturmhunden umgeben, robusten Tieren mit stahlharten Z�hnen. Auch sie kamen aus den Schatten, denn kein normaler Hund vermochte so schnell zu rennen. Allerdings f�hlte ich, da� das Wort �normal� in dieser Welt im Grunde auf nichts zutraf.</p><p>Julian signalisierte uns anzuhalten, und ich sah zu Random hin�ber, der mir zunickte. �Wenn wir nicht gehorchen, reitet er uns nieder�, sagte er. Ich trat also auf die Bremse, fuhr langsamer, hielt an.</p><p>Morgenstern stieg auf die Hinterhand empor, lie� die Vorderhufe durch die Luft wirbeln, sprang mit allen vier Hufen auf und trabte n�her. Die Hunde wimmelten hechelnd herum. Das Fell des Pferdes wies einen Schimmer auf, der vom Schwei� herr�hren mu�te.</p><p>Ich kurbelte das Fenster herunter.</p><p>�Was f�r eine �berraschung!� sagte Julian langsam, fast stockend, wie es seine Art war. Ein gro�er schwarzund gr�ngefiederter Falke kreiste herab und setzte sich auf seine linke Schulter.</p><p>�Kann man wohl sagen�, erwiderte ich. �Wie ist es dir ergangen?�</p><p>�Ach, gro�artig�, beschied er mich, �wie immer. Und wie geht es dir und Bruder Random?�</p><p>�Ich bin ganz gut in Form�, antwortete ich.</p><p>Random nickte.</p><p>�Ich h�tte angenommen, da� du dich in solchen Zeiten mit anderen Spielen besch�ftigst.�</p><p>Julian neigte den Kopf und musterte ihn schr�g durch die Windschutzscheibe.</p><p>�Es macht mir Spa�, Tiere abzuschlachten�, sagte er, �und ich denke st�ndig an meine Verwandten.�</p><p>Ein K�lteschauer rieselte mir �ber den R�cken.</p><p>�Der L�rm eures Motorwagens hat mich von der Jagd abgelenkt�, sagte er. �Dabei wu�te ich zun�chst gar nicht, da� ich zwei Burschen wie euch darin finden w�rde. Ich m�chte fast annehmen, da� ihr hier nicht zu eurem Vergn�gen herumfahrt, sondern ein Ziel habt � Amber zum Beispiel. Stimmt�s?�</p><p>�Stimmt�, sagte ich. �Darf ich fragen, warum du hier bist � und nicht dort?�</p><p>�Eric hatmich hierhergeschickt, damit ich die Stra�e bewache�, erwiderte er. Unwillk�rlich legte ich die Hand auf eine der Pistolen in meinem G�rtel. Ich hatte allerdings den Eindruck, da� sein Panzer sogar einer Kugel standgehalten h�tte. Ich �berlegte, ob ich auf Morgenstern schie�en sollte.</p><p>�Nun, meine Br�der�, sagte er l�chelnd. �Ich hei�e euch im Scho�e der Familie willkommen und w�nsche euch eine gute Reise. Bestimmt sehe ich euch bald in Amber. Guten Tag.� Mit diesen Worten zog er sein Tier herum und ritt auf den Wald zu.</p><p>�Komm, wir wollen schleunigst hier verschwinden�, fl�sterte Random. �Wahrscheinlich plant er einen Hinterhalt oder will uns jagen.� Er zog eine Waffe aus dem G�rtel und legte sie im Scho� bereit.</p><p>Ich fuhr in vern�nftigem Tempo weiter.</p><p>Als ich nach f�nf Minuten aufzuatmen begann, vernahm ich wieder das Horn. Obwohl ich wu�te, da� er uns einholen w�rde, trat ich das Gaspedal nieder, denn ich wollte m�glichst viel Zeit und Abstand gewinnen. Wir rutschten durch die Kurven, dr�hnten H�nge hinauf und rasten durch Senken. Einmal h�tte ich fast ein Reh gerammt, aber wir konnten dem Tier ausweichen, ohne die Fahrt zu verlangsamen oder gegen einen Baum zu krachen.</p><p>Die Hornst��e klangen schon wieder n�her, und Random murmelte �ble Verw�nschungen.</p><p>Ich hatte das Gef�hl, da� der Wald noch lange nicht zu Ende war � was mich nicht gerade aufmunterte.</p><p>Wir erreichten eine ziemlich lange gerade Strecke, auf der ich fast eine Minute lang h�chstes Tempo fahren konnte. In dieser Zeit wurde Julians Jagdhorn wieder leiser. Aber dann erreichten wir ein Waldst�ck, in dem der Weg zahlreiche Kurven beschrieb, und hier mu�te ich wieder langsamer fahren; hier begann er aufzuholen.</p><p>Etwa sechs Minuten sp�ter tauchte er im R�ckspiegel auf, eine dahingaloppierende Masse auf dem Weg, von seiner hechelnden, bellenden, sabbernden Meute umgeben.</p><p>Random kurbelte sein Fenster runter, lehnte sich hinaus und begann zu feuern.</p><p>�Die verdammte R�stung!� sagte er. �Ich bin sicher, da� ich ihn zweimal getroffen habe, aber es ist ihm nichts passiert.�</p><p>�Es gef�llt mir zwar nicht, das Tier umzubringen�, sagte ich, �aber ziel auf das Pferd.�</p><p>�Habe ich schon mehrmals gedacht�, erwiderte er, warf seine leere Waffe w�tend auf den Wagenboden und zog die andere. �Entweder bin ich ein schlechterer Sch�tze, als ich dachte, oder das Ger�cht stimmt, wonach man ein Gescho� aus Silber braucht, wenn man Morgenstern t�ten will.�</p><p>Mit den restlichen Patronen erscho� er sechs Hunde, doch die Meute bestand noch mindestens aus zwei Dutzend Tieren.</p><p>Ich reichte ihm eine meiner Pistolen, und er erledigte f�nf weitere Hunde.</p><p>�Die letzte Patrone hebe ich mir auf�, sagte er, �f�r Julians Kopf, wenn er nahe genug herankommt!�</p><p>Die Verfolger waren in diesem Augenblick noch etwa f�nfzig Fu� hinter uns und holten immer mehr auf. Ich trat heftig auf die Bremse.</p><p>Einige Hunde vermochten nicht mehr rechtzeitig anzuhalten, aber Julian war pl�tzlich verschwunden, und ein dunkler Schatten segelte �ber uns dahin.</p><p>Morgenstern war �ber den Wagen gesprungen! Er wirbelte auf der Stelle herum, und als Pferd und Reiter sich in unsere Richtung wandten, gab ich wieder Gas. Der Wagen schleuderte los.</p><p>Mit einem gro�artigen Sprung brachte sich Morgenstern aus der Gefahrenzone. Im R�ckspiegel sah ich, wie zwei Hunde ein Schutzblech fallenlie�en, das sie abgerissen hatten, und die Verfolgung wieder aufnahmen. Einige Tiere lagen auf der Stra�e, und nur noch f�nfzehn oder sechzehn beteiligten sich an der Jagd.</p><p>�Gut gemacht�, sagte Random. �Aber du hattest Gl�ck, da� sie nicht in die Reifen gebissen haben. Ist wahrscheinlich ihr erstes Auto.�</p><p>Ich gab ihm meine letzte Waffe. �Auf die Hunde�, sagte ich.</p><p>Er feuerte in aller Ruhe und sehr pr�zise und erledigte nacheinander sechs Hunde.</p><p>Julian galoppierte jetzt neben dem Wagen her und schwang ein Schwert in der rechten Hand.</p><p>Ich bet�tigte die Hupe in der Hoffnung, Morgenstern zu erschrecken � doch der Trick funktionierte nicht. Ich fuhr seitlich auf die beiden zu, doch das Pferd t�nzelte leichtf��ig davon. Random duckte sich in seinem Sitz zusammen und zielte an mir vorbei. Er hielt die Pistole mit der rechten Hand, die er auf seinen linken Unterarm st�tzte.</p><p>�Noch nicht schie�en�, sagte ich. �Ich will sehen, ob ich ihn so erwische.�</p><p>�Du bist ja verr�ckt�, sagte er, als ich wieder auf die Bremse stieg.</p><p>Aber er senkte die Waffe.</p><p>Kaum hatten wir gestoppt, als ich auch schon meine T�r aufri� und ins Freie sprang � und ich war barfu�! Verdammt!</p><p>Ich duckte einen Schwerthieb ab, packte Julian am Arm und ri� ihn aus dem Sattel.</p><p>Mit der gepanzerten Faust versetzte er mir einen Schlag auf den Kopf, und ich sah zahlreiche Sterne aufblitzen und hatte stechende Schmerzen.</p><p>Er lag ersch�pft am Boden, wohin er gefallen war, und ich war von Hunden umgeben, die nach mir schnappten, w�hrend Random Fu�tritte austeilte. Ich nahm Julians Klinge vom Boden auf und hielt ihm die Spitze an die Kehle.</p><p>�Ruf sie zur�ck!� rief ich. �Oder ich nagle dich am Boden fest!�</p><p>Er schrie den Hunden einen Befehl zu, und sie zogen sich winselnd zur�ck. Random hielt Morgensterns Z�gel und m�hte sich mit dem Pferd ab.</p><p>�Und jetzt, mein lieber Bruder, frage ich dich, was du vorzubringen hast�, sagte ich.</p><p>Ein kaltblaues Feuer loderte in seinen Augen, und sein Gesicht war ausdruckslos.</p><p>�Wenn du mich t�ten willst, tu�s doch endlich!� sagte er.</p><p>�Nun mal langsam�, erwiderte ich. Irgendwie machte es mir Spa�, seine gepflegte R�stung voller Schmutz zu sehen. �Doch zun�chst die Frage, was dir dein Leben wert ist?�</p><p>�Nat�rlich alles, was ich habe.�</p><p>Ich trat zur�ck.</p><p>�Steh auf und setz dich hinten in den Wagen�, befahl ich.</p><p>Er gehorchte. Ehe er einstieg, nahm ich ihm noch den Dolch weg. Random stieg ebenfalls wieder ein; erhielt die Pistole mit der letzten verbleibenden Patrone unverwandt auf Julians Kopf gerichtet.</p><p>�Warum bringen wir ihn nicht einfach um?� fragte er.</p><p>�Ich glaube, er kann uns noch n�tzlich sein�, erwiderte ich. �Es sind noch zu viele Fragen offen. Und wir haben einen weiten Weg vor uns.�</p><p>Ich fuhr los. Ich sah die Hunde herum wimmeln. Morgenstern begann folgsam hinter dem Wagen herzutraben.</p><p>�Ich bef�rchte, ich kann euch als Gefangener nicht viel n�tzen�, sagte Julian. �Auch wenn ihr mich foltert, kann ich euch nur das verraten, was ich selbst wei� � und das ist nicht viel.�</p><p>�Na, dann fang doch damit an�, sagte ich.</p><p>�Eric scheint die st�rkste Position zu haben�, berichtete er, �da er sich direkt in Amber aufhielt, als die ganze Sache losging. Jedenfalls habe ich die Lage so gesehen und ihm meine Unterst�tzung angeboten. W�re es einer von euch gewesen, h�tte ich wahrscheinlich genauso gehandelt. Eric beauftragte mich, in Arden aufzupassen, da es sich um einen der Hauptzug�nge handelt. G�rard kontrolliert die Seewege im S�den, und Caine treibt sich in den n�rdlichen Gew�ssern herum.�</p><p>�Und was ist mit Benedict?� fragte Random.</p><p>�Keine Ahnung. Ich habe nichts von ihm geh�rt. Vielleicht ist er bei Bleys. Oder er treibt sich sonstwo in den Schatten herum und wei� von der ganzen Sache wom�glich noch gar nichts. Vielleicht ist er sogar tot. Wir haben seit Jahren nicht mehr von ihm geh�rt.�</p><p>�Wie viele M�nner hast du in Arden?� wollte Random wissen.</p><p>�Mehr als tausend�, erwiderte er. �Einige beobachten euch wahrscheinlich sogar in diesem Augenblick.�</p><p>�Und wenn sie wollen, da� du weiterlebst, sollten sie es dabei belassen�, sagte Random.</p><p>�Damit hast du sicher recht�, erwiderte Julian. �Ich mu� zugeben, da� Corwin sehr klug gehandelt hat, als er mich gefangennahm, anstatt mich zu t�ten. Auf diese Weise schafft ihr es vielleicht durch den Wald.�</p><p>�Du sagst das ja nur, weil du weiterleben willst�, meinte Random.</p><p>�Nat�rlich m�chte ich weiterleben. Darf ich?�</p><p>�Warum?�</p><p>�Als Gegenleistung f�r die Informationen, die ich euch gegeben habe.�</p><p>Random lachte.</p><p>�Du hast uns sehr wenig gegeben, und ich bin sicher, wir k�nnen dir noch mehr entrei�en. Das werden wir sehen, sobald wir Gelegenheit zum Anhalten haben. Was, Corwin?�</p><p>�Wir werden�s sehen�, sagte ich. �Wo ist Fiona?�</p><p>�Irgendwo im S�den, glaube ich�, entgegnete Julian.</p><p>�Und Deirdre?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Llewella?�</p><p>�In Rebma.�</p><p>�Gut�, sagte ich. �Ich glaube, du hast mir alles verraten, was du wei�t.�</p><p>�Ja.�</p><p>Wir fuhren schweigend weiter. Nach einiger Zeit begann sich der Wald zu lichten. Ich hatte Morgenstern l�ngst aus den Augen verloren, obwohl ich zuweilen noch Julians Falke erblickte, der mit uns auf gleicher H�he blieb. Die Stra�e f�hrte �ber einen Hang auf einen Pa� zwischen zwei purpurnen Bergen zu. Der Tank war noch zu gut einem Viertel gef�llt. Nach einer Stunde fuhren wir zwischen hochaufragenden Felsh�ngen dahin.</p><p>�Hier w�re eine g�nstige Stelle f�r eine Stra�ensperre�, sagte Random.</p><p>�M�glich�, sagte ich. �Wie steht es damit, Julian?�</p><p>Er seufzte.</p><p>�Ja�, sagte er schlie�lich. �Ihr m��tet bald auf eine sto�en. Ihr wi�t ja, wie ihr dann handeln m��t.�</p><p>Wir wu�ten es. Als wir die Absperrung erreichten und der in gr�nes und braunes Leder gekleidete W�chter mit gezogenem Schwert auf uns zukam, deutete ich mit dem Daumen auf den R�cksitz. �Kapiert?� fragte ich.</p><p>Und er kapierte schnell; au�erdem erkannte er uns.</p><p>Hastig hob er die Barriere und gr��te, als wir vorbeifuhren.</p><p>Wir mu�ten zwei weitere Sperren �berwinden, ehe wir den Pa� hinter uns hatten � und irgendwo unterwegs hatten wir offenbar auch den Falken abgeh�ngt. Wir waren nun mehrere tausend Fu� hoch, und ich bremste den Wagen auf einer Stra�e, die sich an einer Felswand entlangzog. Zu unserer Rechten ging es steil in die Tiefe.</p><p>�Raus!� sagte ich. �Du machst jetzt einen Spaziergang.�</p><p>Julian erbleichte.</p><p>�Ich werde nicht vor dir kriechen�, sagte er. �Ich werde dich auch nicht um mein Leben anflehen.� Und er stieg aus.</p><p>�Himmel!� sagte ich. �Ich habe seit Wochen keine sch�ne Kriecherei mehr gehabt! Nun ja . . . stell dich mal hier an die Kante. Bitte noch etwas n�her heran.� Random zielte mit der Waffe auf seinen Kopf. �Vor kurzem�, sagte ich zu ihm, �erz�hltest du uns, du h�ttest wahrscheinlich jeden unterst�tzt, der sich Erics Position sichern konnte.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Schau hinab.�</p><p>Er gehorchte. Die Schlucht war unvorstellbar tief.</p><p>�Gut�, sagte ich, �daran solltest du denken, falls sich pl�tzliche Ver�nderungen ergeben. Und vergi� sp�ter auch nicht, wer dir das Leben geschenkt hat, das dir andere bestimmt genommen h�tten.</p><p>Komm Random, wir fahren weiter.�</p><p>Wir lie�en ihn stehen. Er atmete heftig und hatte die Stirn gerunzelt.</p><p>Als wir die Pa�h�he erreichten, hatten wir fast kein Benzin mehr. Ich ging auf Leerlauf, stellte den Motor ab und lie� den Wagen anrollen.</p><p>�Ich habe mir so meine Gedanken �ber dich gemacht�, sagte Random. �Du hast nichts von deiner alten Arglist verloren. Ich h�tte ihn f�r seine Gemeinheit wahrscheinlich umgebracht. Aber ich glaube, du hast richtig gehandelt. Er wird uns sicher unterst�tzen, wenn wir Eric in die Zange nehmen k�nnen. Aber zun�chst meldet er Eric nat�rlich, was hier geschehen ist.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte ich.</p><p>�Dabei hast du von uns allen eigentlich den besten Grund, dir seinen Tod zu w�nschen.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Pers�nliche Gef�hle sind in der Politik, bei rechtlichen Entscheidungen oder bei Gesch�ftsabschl�ssen nicht vom besten.�</p><p>Random z�ndete zwei Zigaretten an und reichte mir eine.</p><p>W�hrend ich durch den Rauch nach vorn starrte, erhaschte ich einen ersten Blick auf das Meer. Unter dem tiefblauen, fast n�chtlichen Himmel mit der goldenen Sonne wirkte das Meer derma�en pr�chtig � dick wie Farbe, strukturiert wie ein k�nigsblaues, fast purpurnes St�ck Stoff �, da� ich gar nicht darauf schauen konnte. Ehe ich mich versah, sprach ich Worte in einer Sprache, die zu beherrschen ich keine Ahnung gehabt hatte. Ich zitierte aus der �Ballade der Wassergeher�, und Random h�rte mir zu, bis ich fertig war, und fragte dann: �Es wird gemunkelt, da� du das St�ck gedichtet hast. Ist das wahr?�</p><p>�Es ist so lange her�, erwiderte ich, �da� ich mich nicht mehr so recht erinnere.�</p><p>Und als sich die Klippe immer mehr nach links kr�mmte und wir uns an dem gewaltigen Steilhang abw�rts bewegten, auf ein bewaldetes Tal zu � da wurde zugleich ein immer gr��er werdendes St�ck des Meeres sichtbar.</p><p>�Der Leuchtturm von Carba�, sagte Random und deutete auf einen riesigen grauen Turm, der sich meilenweit vom Ufer entfernt aus dem Wasser erhob. �Ich hatte ihn fast vergessen.�</p><p>�Ich auch�, erwiderte ich. �Es ist ein seltsames Gef�hl � zur�ckzukehren.� Und ich erkannte pl�tzlich, da� wir uns gar nicht mehr auf Englisch unterhielten, sondern in einer Sprache, die Than genannt wird.</p><p>Nach etwa einer halben Stunde waren wir unten. Ich lie� den Wagen ausrollen, ehe ich den Motor wieder anlie�. Das Ger�usch scheuchte im Geb�sch links von uns einen Schw�rm dunkler V�gel auf. Ein graues, wolfsartiges Tier brach aus seiner Deckung und raste auf ein nahegelegenes Dickicht zu; das Reh, das es beschlichen hatte und das bis jetzt unsichtbar gewesen war, sprang davon. Wir befanden uns in einem fruchtbaren Tal, das allerdings nicht so dicht mit B�umen bestanden war wie der Wald von Arden und das sich sanft dem fernen Meer zuneigte.</p><p>Zur Linken erhoben sich die Berge zu ungeahnten H�hen. Je tiefer wir in das Tal vorstie�en, um so besser vermochten wir die Art und Ausdehnung des gewaltigen Felsmassivs zu erkennen, von dem wir einen der kleineren H�nge bew�ltigt hatten. Die Berge setzten ihren Marsch zum Meer fort und wurden dabei immer gr��er; zugleich legte sich an ihre H�nge ein schwankender Schimmer von gr�ner, malvenfarbener, purpurner und indigoblauer T�nung. Das Gesicht, das sie dem Meer zuwandten, war f�r uns aus dem Tal nicht zu erkennen, doch um den R�cken des letzten und h�chsten Gipfels wirbelte ein Hauch gespenstischer Wolken, die die goldene Sonne von Zeit zu Zeit mit ihrem Feuer f�llte. Ich sch�tzte, da� wir noch etwa f�nfunddrei�ig Meilen von diesem Ort des Lichts entfernt waren, und die Tankanzeige stand fast auf Null. Dieser letzte Gipfel war unser Ziel, das wu�te ich. Ungeduld packte mich. Random starrte in dieselbe Richtung.</p><p>�Sie ist noch immer da�, bemerkte ich.</p><p>�Ich hatte sie fast vergessen . . .�, sagte er.</p><p>Und als ich die Gangschaltung bediente, bemerkte ich, da� meine Hosen einen ungewohnten Glanz angenommen hatten, da� sie nun zu den Kn�cheln ziemlich eng zuliefen. Au�erdem stellte ich fest, da� meine Manschetten verschwunden waren. Dann fiel mein Blick auf das Hemd, das ich trug.</p><p>Es war eher ein Jackett, und es war schwarz und mit Silber besetzt; und mein G�rtel hatte sich erheblich verbreitert.</p><p>Als ich genauer hinschaute, sah ich, da� sich ein Silberstreifen um die S�ume meiner Hosenbeine zog.</p><p>�Ich bin recht eindrucksvoll gekleidet�, sagte ich, um festzustellen, welche Reaktion ich damit ausl�ste.</p><p>Random lachte, und jetzt erst sah ich, da� auch er sich rotgestreifte braune Hosen und ein braunorangenfarbenes Hemd zugelegt hatte. Eine braune M�tze mit gelber Kapuze lag auf dem Sitz neben ihm.</p><p>�Ich hatte mich schon gefragt, wann es dir endlich auffallen w�rde�, sagte er. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>�Ziemlich gut�, entgegnete ich. ��brigens haben wir fast kein Benzin mehr.�</p><p>�Daran k�nnen wir kaum noch etwas �ndern�, sagte er. �Wir sind jetzt in der realen Welt, und es w�rde schreckliche M�he bereiten, mit den Schatten herumzuspielen. Au�erdem w�re das nicht m�glich, ohne bemerkt zu werden. Ich f�rchte, wir m�ssen tippeln, wenn der Wagen nicht mehr will.�</p><p>Zweieinhalb Meilen weiter war es soweit. Ich fuhr an den Stra�enrand und bremste. Die Sonne verabschiedete sich bereits im Westen, die Schatten waren lang geworden.</p><p>Ich griff auf den R�cksitz � meine Schuhe waren zu schwarzen Stiefeln geworden, und als ich danach tastete, klapperte etwas.</p><p>Ich zog ein mittelschweres Schwert mit Scheide und silbernem Griff nach vorn. Die Scheide lie� sich wunderbar an meinem G�rtel befestigen. Au�erdem lag hinten ein schwarzer Mantel mit einer Schnalle in der Form einer Silberrose.</p><p>�Hattest du die Sachen f�r immer verloren geglaubt?� fragte Random.</p><p>�So ziemlich�, sagte ich.</p><p>Wir stiegen aus dem Wagen und setzten unseren Weg zu Fu� fort. Die Abendluft war k�hl und hatte einen angenehmen frischen Duft. Im Osten zeigten sich bereits die ersten Sterne, w�hrend die Sonne tiefer in ihr Bett tauchte.</p><p>Wir wanderten die Stra�e entlang.</p><p>�Mir will das nicht schmecken�, sagte Random pl�tzlich.</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Bis jetzt ist alles zu leicht gegangen�, erkl�rte er. �Das gef�llt mir nicht. Wir haben den Wald von Arden fast m�helos �berwunden. Sicher, Julian versuchte uns zu erledigen � aber ich wei� nicht recht . . . Wir sind so problemlos vorw�rtsgekommen, da� ich fast das Gef�hl habe, man hat geplant, uns so weit vorsto�en zu lassen.�</p><p>�Dieser Gedanke ist mir auch schon gekommen�, log ich. �Was schlie�t du daraus?�</p><p>�Ich f�rchte�, sagte er, �wir tappen geradewegs in einen Hinterhalt.�</p><p>Mehrere Minuten lang gingen wir schweigend nebeneinander her.</p><p>�Hinterhalt?� fragte ich dann. �Der Wald hier scheint aber seltsam still zu sein.�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>Wir legten etwa zwei Meilen zur�ck, dann war die Abendd�mmerung erloschen. Die Nacht war schwarz und von funkelnden Sternen durchsetzt.</p><p>�F�r zwei Burschen wie uns ist das keine gute Fortbewegungsart�, meinte Random.</p><p>�Wie wahr!�</p><p>�Und doch habe ich Angst, uns Reittiere zu besorgen.�</p><p>�Ich auch.�</p><p>�Was h�ltst du von der Situation?� fragte Random.</p><p>�Tod und Tollk�hnheit�, erwiderte ich. �Ich ahne, da� wir bald damit zu tun bekommen.�</p><p>�Meinst du, wir sollten den Weg verlassen?�</p><p>�Ich habe dar�ber nachgedacht�, log ich erneut. �Und ich glaube nicht, da� es uns schaden k�nnte, wenn wir ein bi�chen seitlich davon gehen!�</p><p>Und das taten wir.</p><p>Wir gingen zwischen B�umen hindurch, wir passierten die dunklen Umrisse von Felsbrocken und B�schen. Und langsam stieg auch der Mond auf, riesig, silbrig, die Nacht erhellend.</p><p>�Mich plagt das Gef�hl, da� wir es nicht schaffen�, sagte Random.</p><p>�Und wie verl��lich ist dieses Gef�hl?�</p><p>�Sehr.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Wir sind zu schnell vorangekommen�, entgegnete er. �Das gef�llt mir ganz und gar nicht. Wir sind jetzt in der realen Welt, und zur Umkehr ist es zu sp�t. Wir k�nnen nicht auf die Schatten zur�ckgreifen, sondern m�ssen uns auf unsere Klingen verlassen.� (Er trug ein kurzes br�niertes Schwert.) �Ich bin fast der Meinung, da� unser Vordringen ganz Erics Pl�nen entspricht. Nat�rlich k�nnen wir nicht mehr viel an der Situation �ndern, aber wo wir nun einmal hier sind, w�nschte ich, wir h�tten uns jeden Zentimeter des Weges m�hsam erk�mpfen m�ssen.�</p><p>Wir legten eine weitere Meile zur�ck und z�ndeten uns dann eine Zigarette an, die wir mit den H�nden abschirmten.</p><p>�Eine sch�ne Nacht�, sagte ich zu Random und in den k�hlen Wind.</p><p>�Mag sein . . . Was war das?�</p><p>Ein St�ck hinter uns raschelte es im Geb�sch.</p><p>�Vielleicht ein Tier.�</p><p>Er hatte seine Klinge gezogen.</p><p>Wir warteten mehrere Minuten lang, doch es war nichts mehr zu h�ren.</p><p>Random stie� die Waffe wieder zur�ck in die Scheide, und wir gingen weiter.</p><p>Hinter uns blieb nun alles ruhig, doch nach einer Weile vernahm ich vor uns ein Ger�usch.</p><p>Als ich zu ihm hin�bersah, nickte er; und wir begannen uns anzuschleichen.</p><p>In der Ferne tauchte ein schwacher Lichtschimmer wie von einem Lagerfeuer auf.</p><p>Wir vernahmen keine weiteren Ger�usche, doch er stimmte achselzuckend zu, als ich mich nach rechts wandte, um durch den Wald darauf zuzuhalten.</p><p>Es dauerte fast eine Stunde, bis wir das Lager erreichten. Vier M�nner sa�en um das Feuer, vier weitere schliefen in den Schatten.</p><p>Das M�dchen, das an einem Pfahl festgebunden war, hatte den Kopf zur anderen Seite gedreht, doch als ich ihre Gestalt erblickte, begann mein Herz schneller zu schlagen.</p><p>�Ist das vielleicht . . .?� fl�sterte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte er. �Ich glaube, du hast recht.�</p><p>Dann drehte sie den Kopf, und ich wu�te, da� sie es war.</p><p>�Deirdre!�</p><p>�Ich m�chte wissen, was sie angestellt hat�, sagte Random. �Nach den Farben der Kerle zu urteilen, bringen sie sie nach Amber zur�ck.�</p><p>Ich sah, da� die M�nner Schwarz, Rot und Silber trugen � die Farben Erics, wie ich von den Tr�mpfen und sonstwoher wu�te.</p><p>�Da Eric sie haben will, darf er sie nicht bekommen�, sagte ich.</p><p>�Ich habe nie besonders viel f�r Deirdre �brig gehabt�, sagte Random. �Ganz im Gegensatz zu dir, also . . .� Und er zog seine Waffe.</p><p>Ich tat es ihm nach.</p><p>�Mach dich bereit�, sagte ich und richtete mich in eine geduckte Stellung auf.</p><p>Dann griffen wir an.</p><p>Etwa zwei Minuten, so lange mochte es gedauert haben.</p><p>Sie beobachtete uns, und der Feuerschein verwandelte ihr Gesicht in eine schiefe Maske. Sie schrie und lachte und rief mit lauterund �ngstlicher Stimme unsere Namen, und ich zerschnitt ihre Fesseln und half ihr auf die F��e.</p><p>�Sei gegr��t, Schwester. Begleitest du uns auf der Stra�e nach Amber?�</p><p>�Nein�, sagte sie. �Ich danke euch f�r mein Leben, aber ich m�chte es behalten. Warum wandert ihr nach Amber � eigentlich m��te ich�s mir ja denken k�nnen.�</p><p>�Es gibt dort einen Thron zu erringen�, sagte Random, was neu f�r mich war, �und wir w�ren immerhin daran interessiert.�</p><p>�Wenn ihr schlau seid, haltet ihr euch fern und lebt ein wenig l�nger�, sagte sie. Bei Gott! Sie war h�bsch, wenn auch ein wenig mitgenommen und verdreckt.</p><p>Ich nahm sie in die Arme, weil ich den Wunsch dazu versp�rte, und dr�ckte sie an mich. Random fand eine Weinhaut, und wir alle tranken daraus.</p><p>�Eric ist der einzige Prinz in Amber�, sagte sie, �und die Truppen sind ihm treu ergeben.�</p><p>�Ich habe keine Angst vor Eric�, erwiderte ich und wu�te, da� ich mir dieser �u�erung nicht hundertprozentig sicher war.</p><p>�Er l��t euch nie nach Amber hinein�, sagte sie. �Ich war dort gefangen, bis ich vor zwei Tagen auf einem der geheimen Wege fliehen konnte. Ich dachte, ich k�nnte in den Schatten wandeln, bis alles vorbei war, doch es ist nicht leicht, in unmittelbarer N�he der Wirklichkeit zu beginnen. Seine Truppen haben mich heute fr�h gefunden . . . Die M�nner wollten mich zur�ckbringen. Vielleicht h�tte er mich get�tet � aber da bin ich mir nicht sicher. Jedenfalls bin ich in der Stadt eine reine Marionette gewesen. Ich glaube, Eric ist verr�ckt � aber auch dazu mu� ich sagen, da� ich es nicht genau wei�.�</p><p>�Was ist mit Bleys?� wollte Random wissen.</p><p>�Er schickt Dinge aus den Schatten zu uns, und Eric ist beunruhigt. Aber er hat uns niemals mit seiner realen Kraft angegriffen, und so ist Eric nerv�s, und die Macht �ber Krone und Szepter bleibt ungewi�, auch wenn Eric beides in den H�nden h�lt.�</p><p>�Ich verstehe. Hat er jemals von uns gesprochen?�</p><p>�Nicht von dir, Random. Aber von Corwin. Die R�ckkehr Corwins nach Amber f�rchtet er immer noch. Auf den n�chsten f�nf Meilen ist es noch relativ sicher, aber danach bringt jeder Schritt Gefahren. Jeder Baum, jeder Felsbrocken birgt Fallstricke und Hinterhalte. Und das alles nur wegen Bleys und Corwin. Es lag in Erics Absicht, euch zun�chst bis hierhin kommen zu lassen, damit ihr nicht mehr mit den Schatten arbeiten oder euch m�helos seiner Macht entziehen k�nnt. Es ist einfach unm�glich, da� einer von euch Amber betritt, ohne einem seiner Tricks zum Opfer zu fallen.�</p><p>�Trotzdem bist du entkommen . . .�</p><p>�Das war ja auch etwas anderes. Ich wollte hinaus, nicht hinein. Vielleicht hat er mich nicht so gut bewacht, wie er es bei einem von euch veranla�t h�tte � das mag an meinem Geschlecht und an meinem mangelnden Ehrgeiz liegen. Wie dem auch sei � ihr seht ja, da� mir die Flucht nicht gegl�ckt ist.�</p><p>�Aber zu guter Letzt doch noch, Schwester�, sagte ich, �und dabei soll es bleiben, solange meine Klinge sich f�r dich schlagen kann.� Und sie k��te mich auf die Stirn und dr�ckte mir die Hand. So etwas hatte mich schon immer weich gestimmt.</p><p>�Ich bin sicher, da� wir verfolgt werden�, sagte Random, und auf seine Handbewegung hin verschwanden wir in der Dunkelheit.</p><p>Reglos lagen wir unter einem Busch und beobachteten den Weg, auf dem wir gekommen waren.</p><p>Nach einer Weile lief unser Gefl�ster darauf hinaus, da� ich eine Entscheidung treffen mu�te. Die Frage war im Grunde ganz einfach: Was nun?</p><p>Das Problem war zu grundlegend, und ich konnte nicht mehr so weitermachen. Ich wu�te, da� ich den beiden nicht vertrauen konnte, nicht einmal der lieben Deirdre, aber wenn ich schon mit offenen Karten spielen mu�te, dann steckte Random zumindest bis zum Hals mit in der Sache drin, und Deirdre war meine Lieblingsschwester.</p><p>�Geliebte Blutsverwandte�, setzte ich an. �Ich mu� euch ein Gest�ndnis machen.� Randoms Hand lag bereits auf seinem Schwertgriff. Damit zeigte sich das Ausma� unseres gegenseitigen Vertrauens. Ich h�rte es f�rmlich in seinem Kopf klicken: <emphasis>Corwin hat mich hierhergef�hrt, um mich zu verraten,</emphasis> das redete er sich ein.</p><p>�Wenn du mich hierhergef�hrt hast, um mich zu verraten�, sagte er, �bringst du mich nicht lebendig in die Stadt.�</p><p>�Machst du Witze?� fragte ich. �Ich w�nsche mir deine Unterst�tzung, nicht deinen Kopf. Ich habe nur eins zu sagen: Ich habe nicht den blassesten Schimmer, was hier eigentlich vorgeht. Ich habe so meine Vermutungen, aber im Grunde wei� ich nicht, wo wir sind, was Amber ist, was Eric tut, wer Eric ist oder warum wir hier in den B�schen hocken und uns vor seinen Soldaten verstecken. Und wo wir schon mal dabei sind � wer ich eigentlich bin, wei� ich auch nicht so recht.�</p><p>Das Schweigen dehnte sich unangenehm in die L�nge, dann fl�sterte Random: �Was soll das hei�en?�</p><p>�Ja�, sagte Deirdre.</p><p>�Das soll hei�en�, sagte ich, �da� es mir gelungen ist, dich zum Narren zu halten, Random. Hast du es nicht seltsam gefunden, da� ich mich auf dieser Reise ganz auf das Fahren des Wagens beschr�nkt habe?�</p><p>�Du warst der Bo߫, sagte er, �und ich bildete mir ein, da� du alles geplant hattest. Du hast unterwegs ein paarmal ziemlich scharfsinnig reagiert. Ich wei�, da� du Corwin bist.�</p><p>�Und das ist ein Umstand, den auch ich erst vor ein paar Tagen herausgefunden habe�, sagte ich. �Mir ist bekannt, da� ich ein Mann bin, den ihr Corwin nennt, aber ich war vor einiger Zeit in einen Unfall verwickelt. Dabei habe ich Kopfverletzungen davongetragen und leide an Amnesie. Ich begreife euer Gerede von den Schatten nicht. Ich habe au�erdem kaum Erinnerungen an Amber. Ich erinnere mich nur an meine Verwandten und an die Tatsache, da� ich ihnen nicht besonders vertrauen kann. Das ist meine Geschichte. Was kann man da unternehmen?�</p><p>�Himmel!� sagte Random. �Ja, jetzt begreife ich! Ich begreife all die Kleinigkeiten, die mir unterwegs zu schaffen gemacht haben . . . Wie hast du Flora so r�ckhaltlos �berzeugen k�nnen?�</p><p>�Mit Gl�ck�, erwiderte ich, �und mit instinktiver Arglist, vermute ich. Aber nein! Das stimmt gar nicht! Sie war dumm. Doch jetzt brauche ich euch wirklich.�</p><p>�Glaubst du, da� wir es in die Schatten schaffen?� fragte Deirdre, aber sie wandte sich nicht an mich.</p><p>�Ja�, sagte Random, �aber ich w�re nicht daf�r. Ich m�chte gern Corwin in Amber haben und Erics Kopf auf einen Pfahl gespie�t sehen. Und um diese Ziele zu erreichen, nehme ich auch einige Risiken auf mich. In die Schatten gehe ich nicht zur�ck. Das kannst du gern machen, wenn du willst. Ihr alle haltet mich f�r einen Schw�chling und aufgeblasenen T�uscher. Jetzt sollt ihr die Wahrheit kennenlernen. Ich bringe die Sache zu Ende.�</p><p>�Vielen Dank, Bruder�, sagte ich.</p><p>�Schicksalshafte Begegnung im Mondlicht�, bemerkte Deirdre.</p><p>�Du k�nntest jetzt noch gefesselt sein�, gab Random zu bedenken, und sie schwieg.</p><p>Wir lagen noch eine Zeitlang im Geb�sch, und schlie�lich betraten drei M�nner das Lager und sahen sich um. Dann b�ckten sich zwei von ihnen und beschn�ffelten den Boden.</p><p>Schlie�lich blickten sie in unsere Richtung.</p><p>�<emphasis>Werwesen�,</emphasis> fl�sterte Random, als sie auf uns zukamen.</p><p>Ich sah alles ganz deutlich � allerdings nur schattenhaft. Die Gestalten gingen auf alle viere nieder, und das Mondlicht spielte mit ihrer grauen Kleidung. Dann waren nur noch die sechs schimmernden Augen unserer J�ger zu sehen.</p><p>Ich spie�te den ersten Wolf mit meiner Silberklinge auf, und ein menschlicher Schrei ert�nte. Random k�pfte ein Wesen mit einem einzigen Hieb, und zu meiner Verbl�ffung sah ich, wie Deirdre einen Angreifer durch die Luft wirbelte und ihm mit kurzem, trockenem Ger�usch �ber dem Knie das R�ckgrat brach.</p><p>�Schnell, dein Schwert!� sagte Random. Ich stie� seinem und Deirdres Opfer die Klinge ins Herz.</p><p>�Wir sollten schleunigst hier verschwinden�, sagte Random. �Kommt!� Wir folgten ihm.</p><p>�Wohin gehen wir?� fragte Deirdre, nachdem wir uns etwa eine Stunde lang verstohlen durchs Unterholz bewegt hatten.</p><p>�Zum Meer�, erwiderte er.</p><p>�Warum?�</p><p>�Dort finden wir Corwins Erinnerungen.�</p><p>�Wo denn? Und wie?�</p><p>�Nat�rlich in Rebma.�</p><p>�Man w�rde dich dort umbringen und dein Fleisch an die Fische verf�ttern.�</p><p>�Ich komme nicht bis Rebma mit. Du wirst an der K�ste �bernehmen und mit der Schwester deiner Schwester reden m�ssen.�</p><p>�Meinst du, er soll das Muster noch einmal durchmachen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Das ist riskant.�</p><p>�Ich wei� . . . H�r zu, Corwin�, sagte er. �Du hast mich in letzter Zeit sehr anst�ndig behandelt. Wenn du zuf�llig doch nicht der echte Corwin bist, ist dein Leben verwirkt. Aber du mu�t der Richtige sein. Etwas anderes ist gar nicht m�glich � nicht nach dem, was du getan hast, und zwar ohne Erinnerungen. Nein, ich setze dein Leben darauf. Versuch dein Gl�ck mit dem Gebilde, das wir Muster nennen. Du hast die Chance, da� es dir die Erinnerungen zur�ckgibt. Machst du mit?�</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte ich. �Aber was ist das Muster?�</p><p>�Rebma ist die Gespensterstadt�, erkl�rte er. �Sie ist die Reflexion Ambers im Meer. Darin findet sich alles dupliziert, was es in Amber gibt, wie in einem Spiegel. Llewellas Leute leben dort unten, als bef�nden sie sich in Amber. Sie hassen mich wegen ein paar alter S�nden, deshalb kann ich dich nicht dorthin begleiten, aber wenn du offen mit den Leuten redest und vielleicht eine Andeutung �ber deine Mission machst, glaube ich, da� man dich das Muster von Rebma abschreiten l��t, das zwar spiegelverkehrt ist zu dem Muster Ambers, das aber dieselbe Wirkung haben m��te. Das hei�t, es verleiht einem Sohn unseres Vaters die F�higkeit, sich in den Schatten zu bewegen.�</p><p>�Wie kann mir diese F�higkeit weiterhelfen?�</p><p>�Sie m��te dir verraten, wer du bist.�</p><p>�Dann tu ich�s�, sagte ich.</p><p>�So ist es richtig. Also ziehen wir weiter nach S�den. Es sind noch mehrere Tage bis zur Treppe . . . Gehst du mit ihm, Deirdre?�</p><p>�Ich begleite meinen Bruder Corwin.�</p><p>Ich wu�te, da� sie das sagen w�rde und freute mich. Ich hatte Angst, doch zugleich war ich froh.</p><p>Wir marschierten die ganze Nacht hindurch. Dabei gingen wir drei bewaffneten Suchtrupps aus dem Weg und legten uns fr�h am Morgen in einer H�hle schlafen.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Zwei N�chte vergingen auf unserem Weg zum rosa und schwarzen Sandstrand des gro�en Meeres. Erst am Morgen des dritten Tages erreichten wir die K�ste, nachdem wir gegen Sonnenuntergang einer kleinen Reitertruppe ausgewichen waren. Wir scheuten uns, ins Freie zu treten, ehe wir die richtige Stelle gefunden hatten und Faiellabionin, die Treppe nach Rebma, in k�rzester Zeit erreichen konnten.</p><p>Die aufgehende Sonne legte Milliarden glitzernder Funken auf die sch�umende Brandung, und unsere Augen waren von den hin und her tanzenden Reflexen derma�en geblendet, da� wir nicht unter die Oberfl�che zu schauen vermochten. Wir hatten seit zwei Tagen von Fr�chten und Wasser gelebt, und ich war sehr hungrig � doch ich verga� dieses Gef�hl, als ich den breiten geneigten Strand betrachtete mit seinen �berraschenden Korallenskulpturen in Orange, Rosa und Rot, mit den H�ufchen aus Muscheln, Treibgut und kleinen, vom Wasser polierten Steinen; dahinter das Meer: aufsteigend, zur�cksinkend, leise pl�tschernd, ganz Gold und Blau und Purpur, ein Wesen, das seine belebende Brise unter dem violetten Himmel der Morgend�mmerung wie eine Labsal verschenkte.</p><p>Der Berg Kolvir, der der Morgend�mmerung zugewendet ist und der seit Urzeiten Amber sch�tzt wie eine Mutter ihr Kind, erhob sich etwa zwanzig Meilen zu unserer Linken, in n�rdlicher Richtung, und die Sonne h�llte ihn in einen goldenen Schimmer und lie� den Dunst �ber der Stadt in allen Regenbogenfarben ergl�hen.</p><p>Random blickte hin�ber und knirschte mit den Z�hnen; dann wandte er den Kopf ab.</p><p>Deirdre ber�hrte meine Hand, deutete mit dem Kopf und begann parallel zum Strand nach Norden zu gehen. Random und ich folgten ihr. Sie hatte offenbar ein Erkennungszeichen ausgemacht.</p><p>Etwa eine Viertelmeile weiter hatten wir pl�tzlich das Gef�hl, als erzittere die Erde unter unseren F��en.</p><p>�Hufschlag!� fl�sterte Random.</p><p>�Schaut!� sagte Deirdre. Ihr Kopf war nach hinten geneigt, sie deutete nach oben.</p><p>Ich folgte ihrer Geste mit den Blicken.</p><p>�ber uns kreiste ein Falke.</p><p>�Wie weit ist es noch?� wollte ich wissen.</p><p>�Der Steinh�gel dort�, sagte sie, und ich entdeckte etwa hundert Meter entfernt das Zeichen � acht Fu� hoch, auf kopfgro�en grauen Steinen, von Wind, Sand und Wasser zernagt, in der Form eines Pyramidenstumpfes.</p><p>Der Hufschlag wurde lauter, und im n�chsten Augenblick ert�nte ein Horn � diesmal nicht Julians Signal.</p><p>�Lauft!� schrie Random � und wir rannten.</p><p>Nach etwa f�nfundzwanzig Schritten stie� der Falke herab. Er st�rzte sich auf Random, doch der hatte bereits seine Klinge gezogen und hieb nach dem Tier. Daraufhin wandte sich der Falke Deirdre zu.</p><p>Ich ri� mein Schwert aus der Scheide und probierte es mit einem Hieb.</p><p>Federn wirbelten durch die Luft. Der Falke stieg auf und griff erneut an, und diesmal traf meine Klinge auf etwas Hartes � und ich glaubte, der Falke st�rzte vom Himmel, aber dessen war ich mir nicht sicher, denn ich hatte keine Lust, stehenzubleiben und zur�ckzuschauen. Der Hufschlag war nun schon ziemlich regelm��ig und laut zu h�ren, der Hornist mu�te ganz in der N�he sein.</p><p>Wir erreichten den Steinh�gel; Deirdre wandte sich im rechten Winkel nach links und hielt direkt auf das Wasser zu.</p><p>Ich wollte mich nicht mit jemandem streiten, der offenbar wu�te, was er tat. Ich folgte ihr. Im n�chsten Augenblick bemerkte ich aus den Augenwinkeln die Reiter.</p><p>Sie waren noch ziemlich weit entfernt, doch sie galoppierten �ber den Strand herbei, mit gellenden Jagdh�rnern und geifernden Hunden, und Random und ich rannten mit voller Kraft und wateten hinter unserer Schwester in die Brandung hinaus.</p><p>Wir standen bis zu den H�ften im Wasser, als Random sagte: �Ich bin tot, wenn ich zur�ckbleibe, und tot, wenn ich weitergehe.�</p><p>�Das eine geschieht auf der Stelle�, erwiderte ich, �und �ber das andere l��t sich vielleicht reden. Komm weiter!�</p><p>Und wir wateten tiefer ins Wasser. Wir befanden uns auf einer Art flachem Felsplateau, das sich ins Meer senkte. Ich wu�te nicht, wie wir auf unserem weiteren Weg atmen sollten, aber wenn sich schon Deirdre keine Gedanken dar�ber machte, wollte ich versuchen, ebenfalls ruhig zu bleiben. Aber ich machte mir Sorgen.</p><p>Als das Wasser uns bis zum Kinn reichte, war ich sogar ziemlich besorgt, Deirdre ging unger�hrt weiter, stieg in die Tiefe. Ich folgte ihr, Random folgte ihr.</p><p>Alle paar Schritte gab es eine Vertiefung. Wir waren auf einer gewaltigen Treppe, die Faiella-bionin hie�, das wu�te ich nun.</p><p>Der n�chste Schritt mu�te das Wasser �ber meinem Kopf zusammenschwappen lassen, doch Deirdre war bereits unter der Oberfl�che.</p><p>Ich machte also einen tiefen Atemzug und wagte mich weiter.</p><p>Weitere Stufen senkten sich vor mir, und ich stieg hinab. Ich wunderte mich, da� mein K�rper gar keinen Auftrieb hatte; ich blieb aufrecht und kam mit jedem Schritt tiefer, als bef�nde ich mich auf einer ganz normalen Treppe, wenn meine Bewegungen auch etwas verlangsamt waren. Ich begann mich zu fragen, was ich tun sollte, wenn ich den Atem nicht l�nger anhalten konnte.</p><p>Um die K�pfe von Random und Deirdre stiegen Bl�schen auf. Ich versuchte festzustellen, was sie machten, doch ich konnte nichts erkennen. Sie schienen ganz normal zu atmen.</p><p>Als wir etwa zehn Fu� unter der Oberfl�che waren, blickte mich Random von der Seite an, und ich h�rte seine Stimme. Es klang, als h�tte ich das Ohr an die Unterseite einer Badewanne gelegt, und mit jedem seiner Worte schien jemand gegen den Wannenboden zu treten.</p><p>Doch ich konnte ihn gut verstehen.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie die Hunde dazu bringen, uns ins Wasser zu folgen, die Pferde schon eher�, sagte er.</p><p>�Wie kannst du denn hier atmen?� versuchte ich zu fragen und h�rte meine eigenen Worte aus der Ferne.</p><p>�Entspann dich�, sagte er hastig. �Wenn du noch den Atem anh�ltst, la� ihn langsam raus und mach dir keine Sorgen. Du kannst atmen, solange du die Treppe nicht verl��t.�</p><p>�Wie ist das m�glich?� wollte ich wissen.</p><p>�Wenn wir es schaffen, wirst du eine Antwort auf diese Frage bekommen�, sagte er, und seine Stimme klang seltsam hohl im kalten Gr�n.</p><p>Inzwischen waren wir fast zwanzig Fu� tief, und ich dr�ckte etwas Luft aus den Lungen und versuchte eine Sekunde lang einzuatmen.</p><p>Da das Ergebnis nicht weiter beunruhigend war, setzte ich den Versuch fort.</p><p>Es gab neue Bl�schen, doch abgesehen davon bereitete mir der �bergang kein Unbehagen.</p><p>W�hrend wir die n�chsten zehn Fu� zur�cklegten, hatte ich nicht das Gef�hl, da� sich der Druck ringsum erh�hte. Wie durch einen gr�nlichen Nebel sah ich die Treppe, auf der wir uns bewegten. Sie f�hrte scheinbar endlos in die Tiefe, schnurgerade. Und von unten schimmerte ein Lichtschein herauf.</p><p>�Wenn wir es durch das Tor schaffen, sind wir gerettet�, sagte meine Schwester.</p><p>�Dann bist <emphasis>du</emphasis> gerettet�, korrigierte sie Random, und ich fragte mich, was er wohl angestellt hatte, da� er in Rebma so geha�t wurde.</p><p>�Wenn sie Pferde haben, die den Abstieg noch nie gemacht haben, m�ssen sie uns zu Fu� folgen�, bemerkte Random. �Dann schaffen wir es.�</p><p>�Wenn das stimmt, folgen sie uns vielleicht �berhaupt nicht�, bemerkte Deirdre.</p><p>Wir beeilten uns.</p><p>Als wir etwa f�nfzig Fu� tief waren, war das Wasser ringsum kalt und d�ster, doch der Lichtschimmer schr�g unter uns nahm zu, und nach weiteren zehn Schritten vermochte ich die Lichtquelle auszumachen.</p><p>Zur Rechten erhob sich eine S�ule. Auf ihrer Spitze befand sich eine Art schimmernde Kugel. Etwa f�nfzehn Schritte darunter zeichnete sich links ein zweites Gebilde dieser Art ab. Und dahinter offenbar ein weiterer Beleuchtungsk�rper, wieder rechts � und so weiter.</p><p>Als wir in die N�he der Erscheinung kamen, erw�rmte sich das Wasser wieder, und die Treppe selbst wurde deutlich sichtbar; sie war wei�, durchsetzt mit Rosa und Gr�n, und erinnerte an Marmor, war aber trotz des Wassers �berhaupt nicht glatt. Die Stufen waren etwa f�nfzig Fu� breit, und zu beiden Seiten erhob sich ein Gel�nder aus demselben Material.</p><p>Fische umschwammen uns w�hrend des Abstiegs. Als ich einen Blick �ber die Schulter warf, war von unseren Verfolgern keine Spur auszumachen.</p><p>Es wurde heller. Wir erreichten das erste Licht � bei dem es sich nicht um eine Kugel auf einer S�ule handelte. Meine Fantasie mu�te der Erscheinung diese Details hinzugedichtet haben, um zumindest den Ansatz einer logischen Erkl�rung zu finden. Es schien sich um eine etwa zwei Fu� lange Flamme zu handeln, die oben wie aus einer riesigen D�se hervorscho�. Ich nahm mir vor, sp�ter danach zu fragen, und sparte meinen Atem � wenn der Ausdruck gestattet ist � f�r den schnellen Abstieg.</p><p>Als wir die beleuchtete Gasse erreicht und sechs weitere Fackeln passiert hatten, sagte Random: �Sie sind hinter uns!�</p><p>Wieder blickte ich zur�ck und sah in der Ferne einige Gestalten auf der Treppe, vier davon auf Pferder�cken.</p><p>Es ist ein seltsames Gef�hl, sich unter Wasser lachen zu h�ren.</p><p>�Na, meinetwegen!� sagte ich und ber�hrte meinen Schwertgriff. �Wo wir es nun schon so weit geschafft haben, sp�re ich neue Kr�fte in mir!�</p><p>Trotzdem beeilten wir uns. Das Wasser links und rechts wurde nun tintenschwarz. Nur die Treppe, auf der wir wie von Sinnen nach unten hasteten, war erleuchtet, und in der Ferne begann ich die vagen Umrisse eines riesigen Torbogens auszumachen.</p><p>Deirdre begann zwei Stufen auf einmal zu nehmen und h�pfte uns voraus, und die trommelnden Hufe der verfolgenden Pferde hinter uns lie�en die Treppe erbeben.</p><p>Die Horde der Bewaffneten, die die Treppe in ganzer Breite ausf�llte, lag weit zur�ck. Aber die vier Reiter hatten aufgeholt.</p><p>Wir folgten Deirdre in ihrem schnellen Lauf, und meine Hand lie� den Schwertgriff nicht mehr los.</p><p>Drei, vier, f�nf � so viele Lichter passierten wir, ehe ich wieder zur�ckblickte und feststellte, da� die Reiter noch etwa f�nfzig Fu� �ber uns waren, w�hrend wir die Fu�soldaten kaum noch sehen konnten. Vor uns ragte das Tor auf, bis dorthin waren es noch etwa zweihundert Fu�. Riesig, schimmernd wie Alabaster, verziert mit Tritonen, Meeresjungfrauen und Delphinen. Und dahinter schienen sich Leute aufzuhalten.</p><p>�Die fragen sich bestimmt, warum wir kommen�, bemerkte Random.</p><p>�Die Frage d�rfte ziemlich akademisch bleiben, wenn wir es nicht schaffen�, erwiderte ich und lief noch schneller, als ich bemerkte, da� die Reiter zehn Fu� aufgeholt hatten.</p><p>Im n�chsten Augenblick zog ich mein Schwert, und die Klinge funkelte im Fackelschein. Random folgte meinem Beispiel.</p><p>Nach weiteren zwanzig Schritten machten sich die Vibrationen der Hufe auf der gr�nen Treppe deutlich bemerkbar, und wir fuhren herum, um nicht im Laufen von hinten niedergestreckt zu werden.</p><p>Sie waren fast heran. Das Tor erhob sich nur etwa hundert Fu� hinter uns � doch wenn wir die vier Reiter nicht besiegen konnten, h�tten es auch hundert Meilen sein k�nnen.</p><p>Als der Mann, der direkt auf mich zuritt, seine Klinge schwang, zog ich den Kopf ein. Da rechts von ihm und ein St�ck dahinter ein zweiter Reiter anr�ckte, wich ich nat�rlich auf seine linke Seite aus, in die N�he des Gel�nders. Diese Bewegung f�hrte dazu, da� er vor seinem K�rper vorbeischlagen mu�te, da er die Waffe mit der rechten Hand f�hrte.</p><p>Als sein Hieb kam, parierte ich in <emphasis>quarte</emphasis> und stach zu.</p><p>Er hatte sich im Sattel vorgebeugt, und meine Schwertspitze drang ihm auf der rechten Seite in den Hals.</p><p>Eine riesige Blutwolke wallte wie roter Rauch und wirbelte im gr�nlichen Licht. Widersinnigerweise regte sich in mir der Wunsch, Van Gogh h�tte das sehen k�nnen.</p><p>Das Pferd galoppierte an mir vorbei, und ich ging von hinten auf den zweiten Reiter los.</p><p>Er machte kehrt, um den Hieb zu parieren, mit Erfolg. Aber der Schwung seines Unterwasserritts und die St�rke meines Hiebes rissen ihn aus dem Sattel. W�hrend er noch st�rzte, trat ich zu, und er trieb davon. Wieder schlug ich nach ihm, w�hrend er �ber mir schwebte, und er parierte erneut � doch von dieser Bewegung wurde er �ber das Treppengel�nder getragen. Ich h�rte ihn schreien, als der Wasserdruck ihn zerquetschte. Dann war er still.</p><p>Ich wandte meine Aufmerksamkeit nun Random zu, der ein Pferd und einen Mann get�tet hatte und sich mit einem zweiten Soldaten zu Fu� duellierte. Als ich die beiden erreichte, hatte er seinen Gegner schon get�tet und lachte mich an. Ringsum wallte Blut, und mir wurde pl�tzlich klar, da� ich den irrsinnigen und traurigen Vincent Van Gogh tats�chlich gekannt hatte. Es war wirklich schade, da� er diese Szene nicht malen konnte.</p><p>Die unberittenen Verfolger waren noch etwa hundert Fu� entfernt, und wir machten kehrt und eilten auf den Torbogen zu. Deirdre hatte sich bereits in Sicherheit gebracht.</p><p>Wir schafften es. Neben uns erhoben sich zahlreiche Schwerter, und die Verfolger kehrten um. Dann steckten wir die Waffen fort, und Random sagte: �Jetzt ist es aus mit mir�, und wir traten zu der Gruppe, die sich zu unserer Verteidigung formiert hatte.</p><p>Random wurde aufgefordert, sein Schwert abzuliefern, und er gehorchte achselzuckend.</p><p>Zwei M�nner nahmen links und rechts von ihm Aufstellung, ein dritter nahm hinter ihm Aufstellung, und so setzten wir unseren Weg auf der Treppe fort.</p><p>In dieser Wasserwelt war mir jedes Zeitgef�hl verlorengegangen. Ich glaube allerdings, da� wir gut eine Viertelstunde unterwegs gewesen waren, bis wir endlich unser Ziel erreichten.</p><p>Vor uns ragten die goldenen Tore Rebmas auf. Wir gingen hindurch. Wir betraten die Stadt.</p><p>Alles schien hinter gr�nen Schleiern zu liegen. Durchsichtige Geb�ude ragten auf; sie wirkten zerbrechlich und waren meistens sehr hoch, sie standen in bestimmten Gruppierungen zusammen und wiesen Farben auf, die durch meine Augen in meinen Geist wehten und Erinnerungen zu wecken suchten. Aber sie hatten keinen Erfolg; das einzige Ergebnis ihrer Bem�hungen war der l�ngst vertraute Schmerz des Halb-Erinnerten, des Nicht-Erinnerten. Doch eins wu�te ich: Ich war schon einmal durch diese Stra�en geschritten � oder durch sehr �hnliche Stra�en.</p><p>Random hatte seit seiner Festnahme kein einziges Wort gesprochen. Deirdres Konversation hatte sich mit der Frage nach unserer Schwester Llewella ersch�pft. Man informierte sie, da� sich Llewella in Rebma aufhielt.</p><p>Ich musterte unsere Begleiter. Es waren M�nner mit gr�nem, purpurnem oder schwarzem Haar; sie alle hatten gr�ne Augen, mit Ausnahme eines Mannes, dessen Augen haselnu�braun schimmerten. Die M�nner trugen schuppige knielange Badehosen und Umh�nge, �berkreuz gelegte Gurte vor der Brust und kurze Schwerter, die an muschelbesetzten G�rteln hingen. Sie besa�en kaum K�rperhaare. Niemand sagte etwas zu mir, obwohl uns einige Typen finster anstarrten. Ich durfte meine Waffe behalten.</p><p>Wir wurden durch eine breite Stra�e gef�hrt. F�r die Beleuchtung sorgten Laternenflammen, die hier noch dichter standen als auf Faiella-bionin. Man starrte uns aus get�nten achteckigen Fenstern nach. Fische mit hellen B�uchen schwammen an uns vorbei.</p><p>Eine k�hle Str�mung traf uns wie ein Windhauch, als wir um eine Ecke kamen; nach ein paar Schritten folgte eine warme Str�mung wie ein Atemzug.</p><p>Wir wurden in den Palast gef�hrt, der das Zentrum der Stadt bildete. Ich kannte diesen Palast wie meine Westentasche! Das Geb�ude war ein Spiegelbild des Palasts in Amber, ged�mpft nur durch den gr�nen Schimmer, verwirrend ver�ndert durch die zahlreichen Spiegel an den W�nden drinnen und drau�en. In dem durchsichtigen Raum, an den ich mich fast erinnerte, sa� eine Frau auf einem Thron, und ihre Augen waren rund wie Monde aus Jade, und ihre Augenbrauen schwangen sich empor wie die Fl�gel olivenfarbener M�wen. Ihr Mund und Kinn waren klein, ihre Wangenknochen hoch und breit und rund. Ein Wei�goldband lag um ihre Stirn, und ihren Hals zierte ein kristallenes Band; daran funkelte ein Saphir, zwischen ihren sch�nen nackten Br�sten, deren Warzen hellgr�n geschminkt waren. Sie trug schuppige blaue Hosen und einen Silberg�rtel, und in der rechten Hand hielt sie ein Szepter aus rosa Korallen. Sie trug an jedem Finger einen Ring, und jeder Ring enthielt einen Stein, der in einem anderen Blau funkelte. Sie l�chelte nicht, als sie das Wort an uns richtete.</p><p>�Was sucht Ihr hier, Ausgesto�ene von Amber?� fragte sie, und ihre Stimme war ein lispelndes, sanftes Etwas.</p><p>Deirdre antwortete f�r uns: �Wir fl�chten vor dem Zorn des Prinzen, der in der wahren Stadt herrscht � Eric! Um ehrlich zu sein � wir streben seinen Sturz an. Wenn er hier wohlgelitten ist, sind wir verloren und befinden uns in der Gewalt unserer Feinde. Aber ich sp�re, da� er hier nicht geliebt wird. Also kommen wir, um Hilfe zu erbitten, gn�dige Moire . . .�</p><p>�Truppen f�r einen Angriff auf Amber d�rft Ihr von mir nicht erwarten�, erwiderte sie. �Wie Ihr wi�t, w�rde sich das Chaos in meinem Reich widerspiegeln.�</p><p>�Nicht das w�nschen wir uns von Euch, liebe Moire�, fuhr Deirdre fort, �sondern nur eine Kleinigkeit, die ohne M�he oder Kosten f�r Euch und Eure Untergebenen zu verwirklichen ist.�</p><p>�Nenn sie! Denn wie du wei�t, ist Eric hier fast ebenso unbeliebt wie der �belt�ter, der dort zu deiner Linken steht.� Mit diesen Worten deutete sie auf meinen Bruder, der sie offen und herausfordernd anstarrte, w�hrend ein L�cheln um seine Lippen spielte.</p><p>Wenn er f�r seine mir unbekannte Tat b��en mu�te, w�rde er sich der Strafe wie ein wahrer Prinz von Amber unterwerfen � wie sie auch aussehen mochte. Mir fiel pl�tzlich ein, da� unsere drei toten Br�der vor langer Zeit ebenso gehandelt hatten. Random w�rde die Strafe auf sich nehmen und die Menschen hier dennoch verspotten; w�rde noch lachen, wenn das Blut ihm schon im Mund zusammenlief und ihn erstickte, und im Sterben noch w�rde er einen unwiderruflichen Fluch aussto�en, der sich erf�llen w�rde. Auch ich besa� diese Kraft, das erkannte ich pl�tzlich, und w�rde sie einsetzen, wenn die Umst�nde es erforderten.</p><p>�Was ich von Euch erbitte�, fuhr Deirdre fort, �soll meinem Bruder Corwin zugutekommen, der zugleich Bruder der Lady Llewella ist, die hier bei Euch lebt. Ich glaube, sie hat Euch nie ein �rgernis bereitet . . .�</p><p>�Das stimmt. Aber warum tr�gt er seinen Wunsch nicht selbst vor?�</p><p>�Eben das geh�rt zu dem Problem, Lady. Er kann nicht selbst sprechen, denn er wei� nicht, worum er bitten mu�. Ein gro�er Teil seiner Erinnerung ist untergegangen, als Folge eines Unfalls, in den er verwickelt wurde, w�hrend er in den Schatten lebte. Wir sind gekommen, um sein Ged�chtnis aufzufrischen, um die Erinnerung an die alten Zeiten zu wecken, damit er Eric in Amber entgegentreten kann.�</p><p>�Sprich weiter�, sagte die Frau auf dem Thron und musterte mich durch die Schatten ihrer Wimpern.</p><p>�In einem bestimmten Teil dieses Geb�udes�, sagte sie, �befindet sich ein Raum, den nur wenige aufzusuchen wagen. In diesem Raum�, fuhr sie fort, �liegt auf dem Boden in feurigen Linien ein Duplikat jener Erscheinung, die wir �das Muster� nennen. Nur ein Kind des letzten Herrn von Amber kann dieses Muster abschreiten, ohne zu sterben; und dieser Gang schenkt dem Betreffenden die Macht �ber die Schatten.� Bei diesen Worten blinzelte Moire mehrmals, und ich fragte mich, wie viele Untergebene sie wohl auf diesen Weg geschickt hatte, um f�r Rebma ein wenig Einflu� auf diese Gabe zu gewinnen. Nat�rlich waren die Versuche vergeblich gewesen. �Indem er das Muster abschreitet�, fuhr Deirdre fort, �m��te Corwin unserer Meinung nach die Erinnerung an sich selbst als Prinz von Amber zur�ckerhalten. Er kann nicht Amber aufsuchen, um den Gang dort zu tun; dies ist der einzige Ort, an dem sich meines Wissens ein Duplikat befindet, abgesehen von Tirna Nog�th, wohin wir nat�rlich im Augenblick nicht gehen k�nnen.�</p><p>Moire schaute wieder zu meiner Schwester, streifte Random mit einem Blick und sah schlie�lich mich an.</p><p>�Ist Corwin bereit, den Versuch zu wagen?� fragte sie.</p><p>Ich verbeugte mich.</p><p>�Bereit, M�lady�, sagte ich, und sie l�chelte.</p><p>�Also gut � Ihr habt meine Erlaubnis. Allerdings kann ich Euch au�erhalb meines Reiches keine Sicherheitsgarantien geben.�</p><p>�Was das angeht, Euer Majest�t�, sagte Deirdre, �erwarten wir keine Hilfe, sondern werden uns bei unserer Abreise selbst darum k�mmern.�</p><p>�Bis auf Random�, sagte Moire, �der hier in Sicherheit sein wird.�</p><p>�Was meint Ihr?� fragte Deirdre, da sich Random unter den gegebenen Umst�nden nat�rlich nicht selbst �u�ern konnte.</p><p>�Gewi� erinnert Ihr Euch�, erwiderte die Herrscherin, �da� Prinz Random vor einiger Zeit als Freund in mein Reich kam � und anschlie�end in aller Heimlichkeit mit meiner Tochter Morganthe wieder verschwand.�</p><p>�Ich habe davon berichten h�ren, Lady Moire, doch ich wei� nichts �ber die Wahrheit oder Verlogenheit dieser Geschichte.�</p><p>�Sie ist wahr�, fuhr Moire fort. �Einen Monat sp�ter wurde sie mir zur�ckgebracht. Ihr Selbstmord erfolgte einige Monate nach der Geburt ihres Sohnes Martin. Was habt Ihr dazu zu sagen, Prinz Random?�</p><p>�Nichts�, sagte Random.</p><p>�Als Martin vollj�hrig wurde�, fuhr Moire fort, �beschlo� er das Muster zu beschreiten, denn er war immerhin vom Blute Ambers. Er ist der einzige Angeh�rige meines Volkes, dem dieses Wagnis gelungen ist. Danach ist er in die Schatten gegangen, und ich habe ihn seither nicht mehr gesehen. Was habt Ihr dazu zu sagen, Lord Random?�</p><p>�Nichts�, erwiderte Random.</p><p>�Deshalb werde ich Euch bestrafen�, fuhr Moire fort. �Ihr werdet eine Frau meiner Wahl heiraten und mit ihr ein Jahr lang in meinem Reiche wohnen � sonst ist Euer Leben verwirkt. Was sagt Ihr dazu, Random?�</p><p>Random sagte nichts � doch er nickte knapp.</p><p>Sie schlug mit dem Szepter auf die Armlehne ihres t�rkisfarbenen Throns.</p><p>�Gut�, sagte sie. �So soll es denn sein.�</p><p>Und so geschah es.</p><p>Wir zogen uns in die R�ume zur�ck, die sie uns zugewiesen hatte, um uns frisch zu machen. Ein wenig sp�ter erschien sie an meiner T�r.</p><p>�Heil, Moire�, sagte ich.</p><p>�Lord Corwin von Amber�, gestand sie, �ich habe mir oft gew�nscht, Euch kennenzulernen.�</p><p>�Und ich Euch�, log ich.</p><p>�Eure Taten sind Legende.�</p><p>�Vielen Dank � aber ich erinnere mich kaum noch daran.�</p><p>�Darf ich eintreten?�</p><p>�Gewi�.� Und ich gab ihr den Weg frei.</p><p>Sie betrat die herrlich ausgestattete Zimmerflucht, die sie mir zugewiesen hatte, und setzte sich auf die Kante des orangefarbenen Sofas.</p><p>�Wann m�chtet Ihr den Versuch mit dem Muster machen?�</p><p>�So schnell wie m�glich�, erwiderte ich.</p><p>Sie �berlegte einen Augenblick. �Wo seid Ihr gewesen, in den Schatten?� fragte sie schlie�lich.</p><p>�Sehr weit von hier�, entgegnete ich, �an einem Ort, den ich zu lieben gelernt habe.�</p><p>�Seltsam, da� ein Lord von Amber diese F�higkeit besitzt.�</p><p>�Welche F�higkeit?�</p><p>�Zu lieben�, erwiderte sie.</p><p>�Vielleicht habe ich mich falsch ausgedr�ckt.�</p><p>�Das bezweifle ich�, sagte sie. �Immerhin r�hren die Balladen Corwins ans Herz.�</p><p>�Majest�t ist zu g�tig.�</p><p>�Aber irrt sich nicht�, erwiderte sie.</p><p>�Ich werde Euch eines Tages eine Ballade widmen.�</p><p>�Was habt Ihr in den Schatten getan?�</p><p>�Ich wei� nur noch, da� ich Berufssoldat war, Madam. Ich k�mpfte f�r jeden, der mich bezahlte. Au�erdem schuf ich Melodien und Worte zu vielen bekannten Liedern.�</p><p>�Beides erscheint mir logisch und nat�rlich.�</p><p>�Bitte sagt mir, was aus meinem Bruder Random wird.�</p><p>�Er mu� ein M�dchen aus meinem Volk heiraten. Sie hei�t Vialle. Sie ist blind und hat keine Freier in unseren Reihen.�</p><p>�Seid Ihr sicher�, sagte ich, �ob Ihr auch zu ihrem Vorteil handelt?�</p><p>�Auf diese Weise erringt sie gro�es Ansehen�, sagte Moire, �selbst wenn er nach einem Jahr verschwindet und niemals zur�ckkehrt. Was man auch sonst gegen ihn vorbringen kann � da� er ein Prinz von Amber ist, bleibt unbestreitbar.�</p><p>�Wenn sie ihn nun zu lieben beginnt?�</p><p>�Ist so etwas bei ihm wirklich m�glich?�</p><p>�Auf meine Art liebe ich ihn auch � als Bruder.�</p><p>�Dann ist dies das erste Mal, da� ein Sohn Ambers so etwas sagt � ich schreibe die Worte Eurem poetischen Temperament zu.�</p><p>�Wie dem auch sei�, sagte ich. �Versichert Euch, da� Ihr im besten Interesse des M�dchens handelt.�</p><p>�Ich habe dar�ber nachgedacht�, verk�ndete sie, �und bin mir meiner Sache sicher. Sie wird sich wieder erholen, falls er ihr Kr�nkungen zuf�gt, und nach seiner Abreise wird sie an meinem Hof eine gro�e Dame sein.�</p><p>�Gut�, sagte ich und wandte den Blick ab, denn Trauer �berkam mich � nat�rlich f�r das M�dchen. �Was kann ich sagen?� fuhr ich fort. �Vielleicht tut Ihr etwas Gutes. Ich hoffe es jedenfalls.�</p><p>Und ich ergriff ihre Hand und k��te sie.</p><p>�Ihr, Lord Corwin, seid der einzige Prinz von Amber, dem ich meine Unterst�tzung geben k�nnte�, erwiderte sie, �Benedict vielleicht ausgenommen. Er ist schon zweiundzwanzig Jahre fort, und Lir allein wei�, wo seine Knochen ruhen. Es ist ein Jammer.�</p><p>�Das wu�te ich nicht�, erwiderte ich. �Mein Ged�chtnis ist ganz durcheinander. Habt Geduld mit mir. Benedict wird mir fehlen. Aber ob er wirklich tot ist? Er war mein Lehrmeister und unterrichtete mich an allen Waffen. Zugleich war er sehr sanftm�tig.�</p><p>�Wie du, Corwin�, sagte sie, nahm meine Hand und zog mich heran.</p><p>�Nein, im Grunde nicht�, erwiderte ich und nahm auf dem Sofa neben ihr Platz.</p><p>�Wir haben vor dem Essen noch viel Zeit�, sagte sie und lehnte sich mit der Schulter an mich.</p><p>�Wann essen wir denn?� fragte ich.</p><p>�Wann immer ich es anordne�, sagte sie und drehte sich zu mir herum. Ich zog sie an mich und ertastete den Haken des G�rtels, der ihren zarten Leib umschlang. Darunter war es noch zarter, ihr Schamhaar war gr�n und weich wie junges Moos im Fr�hling.</p><p>Ich bettete sie auf die Couch und widmete ihr eine Ballade ohne Worte, und ihre Lippen antworteten mir, ihr ganzer K�rper.</p><empty-line/><p>Nachdem wir gegessen hatten � und nachdem ich den Trick des Unterwasseressens gelernt hatte, von dem ich vielleicht sp�ter mehr berichten werde, wenn es die Umst�nde erfordern � erhoben wir uns von unseren Pl�tzen in dem riesigen Marmorsaal, der mit Netzen und roten und braunen Tauen verziert war, gingen durch einen schmalen Korridor und stiegen unter den Meeresboden hinab � zuerst �ber eine Wendeltreppe, die sich schimmernd durch absolute Dunkelheit zog. Nach den ersten zwanzig Schritten sagte mein Bruder: �Ach, was soll�s!�, verlie� die Treppe und begann daneben in die Tiefe zu schwimmen.</p><p>�So geht es tats�chlich schneller�, verk�ndete Moire.</p><p>�Und es ist ein langer Weg�, sagte Deirdre, die die entsprechende Entfernung in Amber kannte.</p><p>Und so verlie�en wir alle die Treppe und schwammen neben dem schimmernden gewundenen Gebilde durch die Dunkelheit.</p><p>Es dauerte etwa zehn Minuten bis hinab, doch als unsere F��e den Boden ber�hrten, standen wir fest und sicher auf den Beinen. Licht schimmerte ringsum aus einigen Wandnischen, in denen Flammen flackerten.</p><p>�Warum ist dieser Teil des Ozeans im Duplikat Ambers so anders als die sonstigen Gew�sser?� wollte ich wissen. �Hier scheinen ganz andere Gesetzm��igkeiten zu herrschen.�</p><p>�Weil es eben so ist�, erwiderte Deirdre, und das �rgerte mich.</p><p>Wir befanden uns in einer riesigen H�hle, von der Tunnel in alle Richtungen abgingen. Wir n�herten uns einem Tunneleingang.</p><p>Nachdem wir ziemlich lange ausgeschritten waren, stie�en wir auf Nebeng�nge, von denen einige durch T�ren oder Gitter verschlossen waren, andere nicht.</p><p>An der siebenten �ffnung blieben wir stehen. Hier versperrte uns eine riesige graue T�r aus einem schiefer�hnlichen Material den Weg, in Metall gefa�t, von doppelter Mannesgr��e. Beim Anblick dieser T�r kam mir eine vage Erinnerung an die Gr��e von Tritonen. Im n�chsten Moment l�chelte Moire � ein L�cheln, das nur f�r mich bestimmt war �, nahm einen gro�en Schl�ssel von einem Ring an ihrem G�rtel und schob ihn ins Schlo�.</p><p>Allerdings vermochte sie ihn nicht umzudrehen. Vielleicht war das Schlo� seit langer Zeit nicht mehr benutzt worden.</p><p>Random stie� einen Knurrlaut aus, und seine Hand scho� vor, schlug die ihre zur Seite.</p><p>Er packte den Schl�ssel mit der rechten Hand und drehte ihn herum.</p><p>Ein Klicken ert�nte.</p><p>Dann schob er die T�r mit dem Fu� auf, und wir alle starrten hinein.</p><p>In einem Raum, der die Gr��e eines Ballsaales hatte, war das Muster angelegt.</p><p>Der Fu�boden war schwarz und wirkte glatt wie Glas. Auf dem Boden zeichnete sich das Muster ab.</p><p>Es schimmerte in kaltem Licht, es bestand aus kaltem Licht und lie� den Raum irgendwie durchsichtig erscheinen. Es handelte sich um ein kompliziertes Filigranwerk schimmernder Energie, haupts�chlich aus Kurven bestehend, wenn es auch zur Mitte hin einige gerade Linien hatte. Die Erscheinung erinnerte mich an eine besonders komplizierte Version eines jener Labyrinthr�tsel, die man mit einem Bleistift l�sen mu�, um sich aus einem Gewirr von G�ngen und Sackgassen zu befreien oder ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Irgendwo im Hintergrund glaubte ich die Worte �Anfang� zu sehen. Die ganze Anlage war in der Mitte etwa hundert Meter breit und ungef�hr hundertundf�nfzig lang.</p><p>Der Anblick lie� in meinem Kopf eine Erinnerung anschlagen, und dann kam der Schmerz. Ich zuckte innerlich vor dem Ansturm zur�ck. Aber wenn ich ein Prinz von Amber war, dann mu�te dieses Muster in meinem Blut, in meinem Nervensystem oder meinen Genen irgendwie aufgezeichnet sein, dann mu�te ich richtig darauf reagieren und das verdammte Ding abschreiten k�nnen.</p><p>Random fa�te mich am Arm. �Es ist eine schwere Pr�fung�, sagte er. �Aber unm�glich ist es nicht, sonst w�ren wir jetzt nicht hier. Geh die Sache langsam an und la� dich nicht beirren. Mach dir keine Sorgen wegen der Funkenschauer, die du bei jedem Schritte erzeugst. Sie k�nnen dir nicht schaden. Du wirst die ganze Zeit das Gef�hl haben, unter Schwachstrom zu stehen, und nach einer Weile wirst du geradezu berauscht sein. Aber das mu�t du mit Konzentration �berwinden, und vergi� eins nicht � du mu�t in Bewegung bleiben! Was immer geschieht, bleib nicht stehen und verla� den Weg nicht, sonst ist es wahrscheinlich um dich geschehen.� W�hrend er sprach, waren wir weitergegangen. Wir schritten dicht an der rechten Wand entlang um das Muster herum, gingen auf das andere Ende zu.</p><p>Die Frauen folgten uns.</p><p>Ich fl�sterte Random zu: �Ich habe versucht, ihr die Sache auszureden, die sie f�r dich geplant hat. Sinnlos.�</p><p>�Ich hatte schon angenommen, da� du es versuchen w�rdest�, erwiderte er. �Mach dir keine Sorgen. Ich kann notfalls auch ein Jahr lang auf dem Kopf stehen, und vielleicht l��t man mich schon fr�her wieder gehen � wenn ich mich �bel genug anstelle.�</p><p>�Das M�dchen, das sie f�r dich ausgesucht hat, hei�t Vialle. Sie ist blind.�</p><p>�Gro�artig�, sagte er. �Gro�artiger Witz!�</p><p>�Erinnerst du dich an die Grafschaft, von der wir gesprochen haben?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann solltest du das M�dchen freundlich behandeln und das ganze Jahr bleiben � das wird mich gro�z�gig stimmen.�</p><p>Keine Reaktion.</p><p>Dann dr�ckte er mir den Arm.</p><p>�Eine Freundin von dir?� fragte er und l�chelte leise. �Wie ist sie denn?�</p><p>�Abgemacht?� fragte ich lauernd.</p><p>�Abgemacht.�</p><p>Dann hatten wir die Stelle erreicht, an der das Muster begann, fast in einer Ecke des Raums.</p><p>Ich trat vor und betrachtete die eingelegte Feuerlinie, die nahe der Stelle begann, an der mein linker Fu� stand. Das Muster war die einzige Lichtquelle, im Raum. Das Wasser ringsum war k�hl.</p><p>Ich trat vor und setzte den linken Fu� auf den Weg. Der Schuh war sofort von blauwei�en Funken umgeben. Dann zog ich den rechten Fu� nach und sp�rte sofort die Elektrizit�t, von der Random gesprochen hatte. Ich machte einen zweiten Schritt.</p><p>Ein Knistern ert�nte, und ich sp�rte, wie sich meine Haare aufrichteten. Der n�chste Schritt.</p><p>Dann begann sich das Ding zu kr�mmen, fast in die Gegenrichtung. Ich machte zehn weitere Schritte, wobei sich ein gewisser Widerstand aufzubauen begann. Es war, als w�re vor mir eine Barriere aus einer schwarzen Substanz erwachsen, die mich mit jedem Schritt st�rker zur�ckzudr�ngen versuchte.</p><p>Ich k�mpfte dagegen an. Pl�tzlich wu�te ich, da� es sich um den Ersten Schleier handelte.</p><p>Ihn zu �berwinden war eine besondere Leistung, ein gutes Zeichen, ein Signal, da� ich tats�chlich Teil des Musters war. Jedes Heben und Senken des Fu�es kostete pl�tzlich sehr viel Kraft, und Funken spr�hten aus meinem Haar.</p><p>Ich konzentrierte mich auf die gl�hende Linie. Schweratmend schritt ich darauf entlang.</p><p>Pl�tzlich lie� der Druck nach. Der Schleier hatte sich vor mir ge�ffnet � ebenso pl�tzlich, wie er aufgetreten war. Ich hatte ihn �berwunden und damit etwas gewonnen.</p><p>Ich hatte ein St�ck meiner selbst hinzugewonnen.</p><p>Ich sah die papierd�nne Haut und die d�rren Knochen der Toten in Auschwitz. Ich war in N�rnberg dabei gewesen, das wu�te ich. Ich h�rte die Stimme Stephen Spenders, der �Wien� aufsagte, und ich sah Mutter Courage �ber die B�hne schreiten. Ich sah die Raketen von den fleckigen Betonrampen aufsteigen, Peenem�nde, Vandenberg, Kennedy, Kyzyl Kum in Kasachstan, und ich ber�hrte mit eigener Hand die gro�e Chinesische Mauer. Wir tranken Bier und Wein, und Shaxpur sagte, er sei voll, und zog ab, um sich zu �bergeben. Ich drang in den gr�nen Wald der westlichen Reservation ein und erbeutete an einem Tage drei Skalps. Im Marschieren begann ich ein Lied zu singen, in das die anderen bald einfielen. Es wurde zu <emphasis>�Aupr�s de ma Blonde.�</emphasis> Ich erinnerte mich, ich erinnerte mich . . . an mein Leben an dem Ort der Schatten, den seine Bewohner die Erde genannt haben, die gro�e Schattenwelt. Nach drei weiteren Schritten hielt ich eine blutige Klinge in der Hand und sah drei Tote und mein Pferd, auf dem ich dem aufgebrachten Mob der Franz�sischen Revolution entkommen war. Und mehr, unendlich mehr, bis zur�ck . . .</p><p>Ich machte einen weiteren Schritt.</p><p>Bis zur�ck . . .</p><p>Die Toten. Sie waren �berall. Ein schrecklicher Gestank lag in der Luft, der Geruch von Tod und Verwesung � und ich h�rte das Geheul eines Hundes, der totgeschlagen wurde. Schwarze Rauchschwaden f�llten den Himmel, und ein eiskalter Wind umtoste mich und trug kleine Regentropfen herbei. Meine Kehle war trocken, meine H�nde zitterten, mein Kopf schien zu gl�hen. Allein taumelte ich dahin, sah meine Umwelt durch den Schleier des Fiebers, das mich verzehrte. In den Gossen lagen Unrat und tote Katzen und der Kot aus Nachtt�pfen. Mit klingender Glocke ratterte der Todeswagen vorbei, bespritzte mich mit Schlamm und kaltem Wasser.</p><p>Wie lange ich herumwanderte, wei� ich nicht mehr; jedenfalls ergriff eine Frau meinen Arm, und ich sah einen Totenkopfring an ihrem Finger. Sie f�hrte mich in ihre Wohnung, stellte dort aber fest, da� ich kein Geld hatte und kein zusammenh�ngendes Wort mehr herausbekam. Angst verzerrte ihr bemaltes Gesicht, l�schte das L�cheln auf ihren schimmernden Lippen, und sie floh von mir und lie� sich auf ihr Bett fallen. Ich warf mich auf sie und klammerte mich schutzsuchend an ihrem Fleisch fest.</p><p>Sp�ter � wieder wei� ich nicht, wieviel Zeit vergangen war � kam ein gro�er Mann, der Besch�tzer des M�dchens, versetzte mir einen Schlag ins Gesicht und zerrte mich hoch. Ich packte seinen rechten Bizeps und krallte mich in seinen Arm. Er trug und zerrte mich zur T�r.</p><p>Als mir klar wurde, da� er mich in die K�lte hinauswerfen wollte, griff ich noch fester zu, um dagegen zu protestieren. Ich dr�ckte mit aller Kraft, die mir noch verblieben war, und stammelte, flehte ihn an.</p><p>Durch Schwei� und tr�nengeblendete Augen sah ich pl�tzlich, wie sein Gesicht erschlaffte, und h�rte, wie ein Schrei zwischen seinen fleckigen Z�hnen hervorbrach.</p><p>Ich hatte ihm mit meinem Griff den Oberarm gebrochen.</p><p>Er stie� mich mit der linken Hand fort und sank weinend auf die Knie. Ich hockte am Boden, und war einen Augenblick lang klar im Kopf.</p><p>�Ich . . . bleibe . . . hier�, sagte ich, �bis ich mich besser f�hle. Raus mit dir! Wenn du zur�ckkommst, t�te ich dich!�</p><p>�Du hast ja die Pest!� br�llte er. �Morgen holen sie deine Knochen!� Und er spuckte aus, rappelte sich hoch und taumelte ins Freie. Die Frau floh mit ihm.</p><p>Ich schleppte mich zur T�r und verriegelte sie. Dann kroch ich ins Bett zur�ck und schlief ein.</p><p>Wenn die Totengr�ber am n�chsten Morgen tats�chlich meine Leiche abholen wollten, wurden sie entt�uscht. Denn etwa zehn Stunden sp�ter erwachte ich mitten in der Nacht, in kalten Schwei� gebadet. Mein Fieber war �berwunden. Ich war schwach, aber bei Sinnen.</p><p>Ich erkannte, da� ich die Pest �berlebt hatte.</p><p>Ich nahm einen M�nnermantel, den ich im Schrank fand, und auch etwas Geld aus einer Schublade.</p><p>Dann trat ich in die Londoner Nacht hinaus, im Jahre der Pest, auf der Suche nach etwas . . .</p><p>Ich hatte keine Ahnung, wer ich war oder was ich dort machte.</p><p>So hatte es begonnen.</p><p>Ich war nun ein gutes St�ck in das Muster vorgedrungen, und die Funken spr�hten mir st�ndig um die F��e, reichten mir fast bis zu den Knien. Ich wu�te nicht mehr, in welche Richtung ich ging oder wo Random und Deirdre und Moire standen. Str�me durchzuckten mich, und ich hatte das Empfinden, da� meine Aug�pfel vibrierten. Pl�tzlich sp�rte ich ein Prickeln wie von Nadeln in den Wangen und einen k�hlen Hauch im Nacken. Ich bi� die Z�hne zusammen, damit sie nicht zu klappern begannen.</p><p>Nicht der Autounfall hatte die Amnesie ausgel�st. Ich hatte seit der Herrschaft Elizabeths I. kein volles Erinnerungsverm�gen mehr gehabt! Flora mu�te angenommen haben, der k�rzliche Unfall habe mich v�llig wiederhergestellt. Sie hatte meinen Zustand gekannt. Pl�tzlich kam mir der Gedanke, da� sie sich vermutlich nur deswegen auf der Schatten-Erde aufhielt, um mich im Auge zu behalten.</p><p>Also seit dem sechzehnten Jahrhundert?</p><p>Das vermochte ich nicht zu sagen. Doch ich w�rde es herausfinden.</p><p>Ich machte sechs weitere schnelle Schritte, erreichte das Ende einer Biegung und stand am Ausgangspunkt einer geraden Linie.</p><p>Ich setzte den Fu� darauf, und mit jedem Schritt begann sich eine weitere Barriere unangenehm bemerkbar zu machen. Es handelte sich um den Zweiten Schleier.</p><p>Es folgte eine rechtwinklige Biegung, eine zweite, eine dritte.</p><p>Ich war ein Prinz von Amber. Das war die Wahrheit. Urspr�nglich waren es f�nfzehn Br�der gewesen, von denen sechs nicht mehr lebten. Es hatte acht Schwestern gegeben, von denen zwei, vielleicht sogar vier tot waren. Wir hatten einen Gro�teil unseres Lebens mit Wanderungen durch die Schatten oder unsere eigenen Universen verbracht. Es ist eine philosophische Frage, ob ein Wesen mit Macht �ber die Schatten sein eigenes Universum schaffen kann. Wie immer die Antwort darauf letztlich aussehen mochte � in der Praxis war es m�glich.</p><p>Eine weitere Biegung begann, und es war, als bewegte ich mich auf Leim.</p><p>Eins, zwei, drei, vier . . . Ich hob meine gl�henden Stiefel und senkte sie wieder.</p><p>Der Kopf dr�hnte mir wie eine Glocke, und mein Herz f�hlte sich an, als h�mmere es sich selbst in St�cke.</p><p>Amber.</p><p>Als ich mich an Amber erinnerte, kam ich pl�tzlich wieder ganz leicht voran.</p><p>Amber war die gro�artigste Stadt, die es je gegeben hatte oder geben w�rde. Amber hatte seit Ewigkeiten bestanden und w�rde ewig bestehen � und jede andere Stadt, wo immer sie auch stehen mochte, war nur der Schatten einer Phase Ambers, Amber, Amber, Amber . . . Ich erinnere mich an dich. Ich werde dich nie wieder vergessen. Tief im Innern habe ich dich wohl nie wirklich vergessen, in all jenen Jahrhunderten, die ich auf der Schatten-Erde verbrachte, denn meine n�chtlichen Tr�ume wurden oft von Visionen deiner gr�nen und goldenen T�rme und deiner weiten Terrassen heimgesucht. Ich erinnere mich an deine breiten Promenaden und die Meere aus goldenen und roten Blumen. Ich erinnere mich an die S��e deiner Luft und an die Tempel, Pal�ste und Freuden, die du zu bieten hast, zu bieten hattest und immer bieten wirst. Amber, die unsterbliche Stadt, von der jede andere Stadt nur ein Abklatsch ist, ich kann dich nicht vergessen, selbst jetzt nicht; auch vermag ich jenen Tag auf dem Muster von Rebma nicht zu vergessen, da ich dich innerhalb deiner reflektierten Mauern wiedererkannte, erfrischt von einer Mahlzeit nach langem Hunger und von der Liebesstunde mit Moire, doch nichts lie� sich mit der Freude und Wonne der Erinnerung an dich vergleichen; und selbst jetzt, da ich vor dem Gericht des Chaos stehe und diese Geschichte dem einzigen Anwesenden vortrage, damit er sie vielleicht weitererz�hle, damit sie nicht untergehe, wenn ich gestorben bin � selbst jetzt erinnere ich mich in Liebe an dich, an die Stadt, in der zu herrschen ich geboren wurde . . .</p><p>Nach zehn weiteren Schritten erhob sich vor mir ein spr�hendes Filigrannetz aus Feuer. Ich stellte meine Kr�fte dagegen, w�hrend mein Schwei� vom Wasser aufgesaugt wurde, so schnell er sich bildete.</p><p>Es war gef�hrlich, teuflisch gef�hrlich, und ich hatte pl�tzlich den Eindruck, als bewegte sich das Wasser im Saal mit starken Str�mungen, die mich aus dem Muster zu rei�en drohten. Ich widersetzte mich diesen Kr�ften und strebte weiter. Instinktiv wu�te ich, da� ich sterben mu�te, wenn ich das Muster vorzeitig verlie�. Ich wagte es nicht, meinen Blick von den hellen Stellen zu nehmen, die vor mir lagen � etwa um zu sehen, wie weit ich schon vorgedrungen war, wie weit ich noch zu gehen hatte.</p><p>Die Str�mungen lie�en nach, und weitere Erinnerungen kehrten zur�ck . . . Erinnerungen an mein Leben als Prinz von Amber . . . Nein, Sie haben keinen Anspruch darauf; es sind meine Erinnerungen, zum Teil b�se und grausam, zum Teil vielleicht angenehm. Erinnerungen, die bis in meine Kindheit im riesigen Palast von Amber zur�ckreichen, unter dem gr�nen Banner meines Vaters Oberon, das springende wei�e Einhorn, nach rechts gewandt.</p><p>Random hatte das Muster bew�ltigt. Sogar Deirdre war ans Ziel gekommen. Also mu�te ich, Corwin, es ebenfalls schaffen, ungeachtet des Widerstandes.</p><p>Ich tauchte aus dem Filigranvorhang auf und marschierte durch die Gro�e Kurve. Die Kr�fte, die das Universum bilden, fielen mich an und formten mich gewaltsam nach ihrem Bilde.</p><p>Doch ich hatte einen Vorteil gegen�ber anderen Personen, die sich auf das Muster wagten. Ich wu�te, da� ich diesen Weg schon einmal gegangen war, da� ich also stark genug war. Dies half mir in meinem Kampf gegen die unnat�rlichen �ngste, die wie schwarze Wolken aufstiegen und pl�tzlich wieder verschwunden waren, nur um dann mit doppelter St�rke zur�ckzukehren. Ich schritt das Muster ab und erinnerte mich an alles, erinnerte mich an all die Tage vor meiner langen Zeit auf der Schatten-Erde, erinnerte mich an andere Orte in den Schatten, von denen mir viele sehr am Herzen lagen, und einer besonders, den ich �ber alles liebte, �ber alles � au�er Amber.</p><p>Ich brachte drei weitere Kurven, eine gerade Linie und eine Reihe scharfer B�gen hinter mich, und wie schon einmal vor l�ngerer Zeit erf�llte mich die Erkenntnis einer F�higkeit, die mir nie wirklich verloren war: ich hatte Macht �ber die Schatten.</p><p>Zehn Wendungen, die mich schwindeln machten, ein weiterer kurzer Bogen, eine gerade Linie und der Letzte Schleier.</p><p>Jede Bewegung war eine Qual. Alles versuchte mich zur Seite zu stemmen. Das Wasser war zuerst kalt, dann kochendhei�. Ich hatte den Eindruck, als bedr�ngte es mich st�ndig. Ich m�hte mich ab, stellte einen Fu� vor den anderen. Die Funken sprangen an dieser Stelle bis zur H�fte hoch, dann bis zur Brust und zu den Schultern. Sie stachen mir in die Augen, h�llten mich v�llig ein. Ich vermochte das Muster kaum noch zu erkennen.</p><p>Dann ein kurzer Bogen, der in Schw�rze endete.</p><p>Eins, zwei . . . und beim letzten Schritt hatte ich das Gef�hl, durch eine Betonmauer steigen zu wollen.</p><p>Aber ich schaffte es.</p><p>Dann drehte ich mich langsam um und betrachtete den Weg, den ich zur�ckgelegt hatte. Den Luxus, in die Knie zu sinken, durfte ich mir nicht g�nnen. Ich war ein Prinz von Amber, und nichts sollte mich in der Gegenwart von meinesgleichen besiegen, bei Gott! Nicht einmal das Muster!</p><p>Mit federnden Schritten bewegte ich mich in eine Richtung, die ich f�r die richtige hielt. Dann verweilte ich einen Augenblick lang und �berlegte.</p><p>Ich kannte nun die Macht des Musters. Es w�rde kein Problem sein, darauf zur�ckzugehen. Aber warum sollte ich mir die M�he machen?</p><p>Ich hatte zwar kein Kartenspiel, aber die Kraft des Musters mochte mir den gleichen Dienst tun . . .</p><p>Sie warteten auf mich, mein Bruder und meine Schwester und Moire mit ihren Schenkeln wie Marmors�ulen.</p><p>Deirdre konnte nun wieder auf sich selbst aufpassen � schlie�lich hatten wir ihr das Leben gerettet. Ich f�hlte mich nicht verpflichtet, sie Tag um Tag zu besch�tzen. Random sa� ohnehin ein Jahr lang in Rebma fest, es sei denn, er hatte den Mut, vorzuspringen, das Muster bis zu seinem stillen Machtkern abzuschreiten und zu fliehen. Und was Moire anging, die Bekanntschaft mit ihr war angenehm gewesen; vielleicht w�rde ich sie eines Tages wiedersehen � und zwar gern. Ich schlo� die Augen und senkte den Kopf.</p><p>Doch kurz vorher sah ich noch einen vorbeihuschenden Schatten.</p><p>Random? Versuchte er es tats�chlich? Wie auch immer, er wu�te bestimmt nicht, wohin ich wollte. Niemand konnte das wissen.</p><p>Ich �ffnete die Augen und stand in der Mitte desselben Musters, umgekehrt.</p><p>Frierend und ersch�pft sah ich mich um � ich war in Amber, im wirklichen Saal, von dem derjenige, aus dem ich kam, nur ein Abbild war. Vom Muster konnte ich innerhalb Ambers zu jedem gew�nschten Punkt springen.</p><p>Die R�ckkehr w�rde allerdings ein Problem aufwerfen.</p><p>Ich stand tropfna� da und �berlegte.</p><p>Wenn Eric eine der k�niglichen Zimmerfluchten bezogen hatte, mochte ich ihn dort finden. Vielleicht auch im Thronsaal. Aber dann mu�te ich mit eigener Kraft zum Ort der Macht zur�ckfinden, mu�te ich wieder durch das Muster schreiten, um den Fluchtpunkt zu erreichen.</p><p>Ich versetzte mich in ein mir bekanntes Versteck im Palast. Es handelte sich um einen fensterlosen Raum, der nur durch, einige Beobachtungsschlitze weiter oben erleuchtet wurde. Ich verriegelte den einzigen Zugang von innen, staubte mir eine Holzbank ab, breitete meinen Mantel darauf aus und legte mich zu einem Schl�fchen nieder. Wenn von oben jemand herabstieg, w�rde ich ihn rechtzeitig h�ren.</p><p>Und ich schlief ein.</p><empty-line/><p>Nach einer Weile erwachte ich, stand auf, staubte meinen Mantel ab und legte ihn wieder um. Dann begann ich die Serie der Pfl�cke zu erklimmen, die leiterartig in den Palast hinauff�hrte.</p><p>Anhand der Markierungen an den W�nden erkannte ich, wo die dritte Etage lag.</p><p>Ich schwang mich auf einen kleinen Vorsprung hin�ber und suchte nach dem Guckloch. Ich fand es und starrte hindurch. Kein Mensch zu sehen. Die Bibliothek war leer. Ich �ffnete die Geheimt�r und trat ein.</p><p>Wie immer beeindruckte mich die Vielzahl der B�cher. Ich betrachtete alles, einschlie�lich der Glasvitrinen, und ging schlie�lich auf eine Stelle zu, wo ein Kristallkasten all das enthielt, was zu einem Familienbankett f�hrt. Er enthielt vier S�tze der Familienkarten, und ich suchte nach einer M�glichkeit, mir ein Spiel zu besorgen, ohne einen Alarm auszul�sen, der verhindern konnte, da� ich es benutzte.</p><p>Nach etwa zehn Minuten gelang es mir, den richtigen Kasten mit einem Trick zu �ffnen. Dann suchte ich mir mit den Karten einen bequemen Sitz, um mich n�her mit meiner Beute zu befassen.</p><p>Die Karten sahen genauso aus wie Floras Spiel; sie hielten uns alle unter Glas fest und f�hlten sich kalt an zwischen den Fingern. Inzwischen war mir auch der Grund wieder bekannt.</p><p>Ich mischte die Karten und breitete sie in der richtigen Reihenfolge vor mir aus. Dann deutete ich ihre Position und sah, da� auf die ganze Familie schlimme Dinge zukamen; schlie�lich raffte ich die Karten wieder zusammen.</p><p>Bis auf eine.</p><p>Bis auf die Karte, die meinen Bruder Bleys zeigte.</p><p>Ich schob die anderen wieder in ihre Schachtel und steckte diese in den G�rtel. Dann befa�te ich mich in Gedanken mit Bleys.</p><p>Etwa zu dieser Zeit kratzte es im Schlo� der gro�en Bibliothekst�r. Was tun? Ich lockerte mein Schwert in der Scheide und wartete. Allerdings duckte ich mich dazu hinter den Tisch.</p><p>Um die Ecke blickend, sah ich, da� es sich um einen Mann namens Dik handelte, der offensichtlich saubermachen wollte; er begann die Aschenbecher und Papierk�rbe zu leeren und die Regale abzustauben.</p><p>Da es unpassend gewesen w�re, entdeckt zu werden, richtete ich mich auf. �Hallo, Dik�, sagte ich. �Erinnerst du dich noch an mich?�</p><p>Er zuckte heftig zusammen und wurde totenbla�.</p><p>�Nat�rlich, Lord�, sagte er. �Wie k�nnte ich Euch je vergessen?�</p><p>�Na ja, nach so langer Zeit w�re das immerhin m�glich.�</p><p>�Niemals, Lord Corwin�, erwiderte er.</p><p>�Ich nehme an, ich bin ohne offizielle Genehmigung hier und im Begriff, verbotene Nachforschungen anzustellen�, sagte ich, �aber wenn Eric einen Wutanfall bekommt, sobald du ihm von mir berichtest, erkl�re ihm bitte auch, da� ich lediglich meine Rechte ausgesch�pft habe und da� er mich von Angesicht wiedersehen wird � bald.�</p><p>�Das werde ich tun, M�lord�, sagte er und verbeugte sich.</p><p>�Komm, setz dich einen Augenblick zu mir, guter Dik, dann erz�hle ich dir mehr.�</p><p>Er gehorchte, und ich machte mein Versprechen wahr.</p><p>�Es gab eine Zeit�, sagte ich in sein uraltes Gesicht, �da man mich f�r immer verloren w�hnte und aufgegeben hatte. Aber da ich noch lebe und noch bei vollen Kr�ften bin, mu� ich Erics Anspruch auf den Thron von Amber wohl leider anfechten. Allerdings ist das keine leichthin zu kl�rende Sache, da er nicht der Erstgeborene ist und ich au�erdem nicht der Meinung bin, da� er breite Unterst�tzung f�nde, wenn ein anderer Thronanw�rter auf der Bildfl�che erschiene. Aus diesen Gr�nden � zu denen noch viele andere kommen, von denen die meisten pers�nlicher Natur sind � werde ich ihn bek�mpfen. Ich habe noch nicht entschieden, auf welche Grundlage ich meine Opposition stellen will � jedenfalls hat er eine verdient, bei Gott! Sag ihm das! Wenn er mich sprechen m�chte, sag ihm, ich wohne in den Schatten, doch in anderen als zuvor. Vielleicht wei� er, was ich damit meine. Ich bin nicht leicht zu vernichten, denn ich werde mich mindestens ebensogut sch�tzen, wie er sich hier einkapselt. Ich werde ihm von jetzt bis in alle Ewigkeit die H�lle hei� machen und werde erst aufh�ren, bis einer von uns tot ist. Was sagst du dazu, alter Gefolgsmann?�</p><p>Und er ergriff meine Hand und k��te sie.</p><p>�Heil sei Euch, Corwin, Lord von Amber�, sagte er, und eine Tr�ne funkelte in seinem Auge.</p><p>Im n�chsten Augenblick knirschte die T�r hinter ihm und schwang auf. Eric trat ein.</p><p>�Hallo�, sagte ich im Aufstehen und lie� meine Stimme denkbar herablassend klingen. �Ich hatte nicht erwartet, in dieser Partie so fr�h auf dich zu treffen. Wie stehen die Dinge in Amber?� Seine Augen waren geweitet vor Erstaunen.</p><p>�Nun, wenn es um die <emphasis>Dinge</emphasis> geht, Corwin, steht es gut. In anderer Beziehung allerdings nicht so gut.�</p><p>�Das ist bedauerlich�, sagte ich, �und wie stellen wir die Dinge richtig?�</p><p>�Ich w��te eine Methode�, erwiderte er und sah zu Dik hin�ber, der sich schleunigst empfahl und die T�r hinter sich zumachte. Ich h�rte sie ins Schlo� klicken.</p><p>Eric lockerte sein Schwert in der Scheide.</p><p>�Du willst auf den Thron�, sagte er.</p><p>�Wollen wir das nicht alle?� gab ich zur�ck.</p><p>�Schon m�glich�, meinte er seufzend. �Es stimmt v�llig � das Gerede vom unruhigen Schlaf, wenn man Herrscher ist. Ich habe keine Ahnung, warum wir derma�en nach diesem l�cherlichen Posten streben. Aber du darfst nicht vergessen, da� ich dich schon zweimal besiegt habe, wobei ich dir beim letztenmal in einer Schattenwelt gro�z�gig das Leben geschenkt habe.�</p><p>�So gro�z�gig war das gar nicht�, widersprach ich. �Du wei�t selbst, wo du mich zur�ckgelassen hast � ich sollte an der Pest sterben. Wenn ich mich recht erinnere, war der Kampf beim erstenmal ziemlich ausgeglichen.�</p><p>�Dann k�mpfen wir es jetzt aus, Corwin�, sagte er. �Ich bin �lter und besser als du. Wenn du mit Waffen gegen mich antreten willst, bin ich ger�stet. T�test du mich, geh�rt der Thron wahrscheinlich dir. Versuch�s ruhig! Doch ich glaube nicht, da� du es schaffst. Und ich m�chte, da� du deinen Anspruch hier und jetzt erhebst. Also los. Wollen mal sehen, was du auf der Schatten-Erde gelernt hast.�</p><p>Und er hatte die Klinge in der Hand, und ich schwang die meine.</p><p>Ich eilte um den Tisch herum.</p><p>�Was du doch f�r eine Chuzpe hast!� sagte ich. �Was erhebt dich so sehr �ber uns andere, was macht dich eher zum Herrscher als uns?�</p><p>�Die Tatsache, da� ich f�hig war, den Thron zu besetzen�, erwiderte er. �Versuch�s doch, ihn mir zu nehmen!�</p><p>Und das tat ich.</p><p>Ich versuchte es mit einem Kopfhieb, den er abwehrte, woraufhin ich seinen Stich auf mein Herz parierte und nach seinem Handgelenk hieb.</p><p>Diesen Vorsto� blockte er ab und schob mit dem Fu� einen Schemel zwischen uns.</p><p>Ich schickte das kleine M�belst�ck mit den Zehen auf den Weg und hoffte, da� es sein Gesicht treffen w�rde, aber es flog vorbei, und er fiel erneut �ber mich her.</p><p>Ich parierte seinen Angriff, er den meinen. Dann stie� ich vor, wurde abgewehrt und angegriffen und fiel ihm erneut in die Parade.</p><p>Nun versuchte ich es mit einem sehr komplizierten Angriff, den ich in Frankreich gelernt hatte � ein Hieb, eine Finte <emphasis>in quarte,</emphasis> eine Finte <emphasis>in sixte,</emphasis> und einen Vorsto�, der zu einem Angriff auf sein Handgelenk abgef�lscht wurde.</p><p>Ich ritzte ihn, Blut begann zu flie�en.</p><p>�Oh, niedertr�chtiger Bruder!� sagte er und wich zur�ck. �Den Meldungen zufolge ist Random in deiner Begleitung.�</p><p>�Richtig�, sagte ich. �Im Kampf gegen dich stehe ich nicht allein.�</p><p>Er griff an und schlug mich zur�ck, und ich hatte pl�tzlich das Gef�hl, da� er mir trotz all meiner Bem�hungen noch immer �berlegen war. Er geh�rte zu den gro�artigsten Schwertk�mpfern, denen ich je gegen�bergestanden hatte. Ich hatte pl�tzlich das Gef�hl, als k�nnte ich ihn niemals besiegen, und parierte heftig und zog mich zur�ck, w�hrend er unbarmherzig nachsetzte, Schritt um Schritt. Beide hatten wir jahrhundertelang mit den gr��ten Meistern der Klingen gearbeitet. Der beste Schwertk�mpfer von uns war Bruder Benedict, aber der konnte keine Hilfe leisten, weder mir noch Eric. Ich begann mit der linken Hand Gegenst�nde vom Tisch zu rei�en und sie durch den Raum zu schleudern. Aber Eric wich den Geschossen aus und stie� mit unverminderter Kraft vor. Ich brach nach links aus, doch ich vermochte seine Schwertspitze nicht von mir abzuwenden.</p><p>Und ich hatte Angst. Der Mann k�mpfte gro�artig. W�re er mir nicht so verha�t gewesen, h�tte ich ihm f�r seine Leistung applaudiert.</p><p>Immer weiter wich ich zur�ck, ergriffen von Angst und der Erkenntnis, da� ich ihn nicht zu besiegen vermochte. Mit dem Schwert war er ein besserer K�mpfer als ich. Ich verw�nschte diese Tatsache, kam aber nicht darum herum. Ich probierte drei weitere komplizierte Attacken und wurde jedesmal abgeschlagen. Er parierte m�helos und trieb mich seinerseits in die Defensive.</p><p>Dann gab es L�rm und Gerenne im Flur vor der Bibliothek. Erics Gefolgschaft kreuzte auf, und wenn er mich nicht umbrachte, ehe die anderen auf dem Schauplatz eintrafen, nahmen sie ihm diese Arbeit bestimmt ab � wahrscheinlich mit einem Armbrustpfeil.</p><p>Blut tropfte von seinem rechten Arm, aber die Hand wurde noch immer ruhig gef�hrt. In mir regte sich die Hoffnung, da� ich im Hinblick auf seine Verletzung bei defensivem Vorgehen vielleicht in der Lage war, ihn zu erm�den und seine Abwehr wom�glich im richtigen Augenblick zu durchbrechen, wenn er langsamer wurde.</p><p>Ich fluchte leise vor mich hin, und er lachte.</p><p>�Dumm von dir, da� du hierhergekommen bist�, sagte er.</p><p>Erst als es zu sp�t war, merkte er, was ich im Schilde f�hrte. Ich hatte mich langsam zur�ckdr�ngen lassen, bis ich die T�r im R�cken hatte. Das Man�ver war riskant, beraubte es mich doch der Bewegungsfreiheit f�r einen weiteren R�ckzug � aber es war besser als der sichere Tod.</p><p>Mit der linken Hand gelang es mir, den Sperrbalken vorzulegen. Die T�r war gro� und dick und lie� sich bestimmt nicht so einfach einschlagen. Auf diese Weise hatte ich einige Minuten gewonnen. Zugleich holte ich mir eine Schulterwunde von einer Attacke, die ich nur zum Teil abwehren konnte, als der Balken in die Halterungen fiel. Aber es hatte meine linke Schulter getroffen. Mein Schwertarm war nach wie vor intakt.</p><p>Ich l�chelte, um mich mutig zu geben.</p><p>�Vielleicht war es dumm von <emphasis>dir,</emphasis> hierherzukommen�, konterte ich. �Du wirst n�mlich langsamer.� Und ich versuchte es mit einem heimt�ckischen, dr�ngenden Angriff.</p><p>Er wehrte mich ab, mu�te aber dabei zwei Schritte zur�ckweichen.</p><p>�Die Wunde macht dir zu schaffen�, f�gte ich hinzu. �Dein Arm wird schw�cher. Du sp�rst, wie dich die Kraft verl��t . . .�</p><p>�Halt�s Maul!� sagte er, und und ich erkannte, da� ich im tiefsten Innern eine empfindliche Stelle getroffen hatte. Dies erh�hte meine Chancen um mehrere Prozent, sagte ich mir und bedr�ngte ihn so gut ich konnte, auch wenn ich wu�te, da� ich das nicht lange durchhalten w�rde.</p><p>Aber Eric wu�te es nicht.</p><p>Ich hatte die Saat der Angst ausgestreut, und er wich vor meinem pl�tzlichen Angriff zur�ck.</p><p>Jemand h�mmerte an die T�r, doch darum brauchte ich mir noch keine Gedanken zu machen.</p><p>�Ich mach dich fertig, Eric�, sagte ich. �Ich bin widerstandsf�higer als fr�her, und du bist erledigt, Bruder.�</p><p>Ich sah die Angst in seinen Augen, die sich �ber sein Gesicht ausbreitete, und sofort �nderte sich sein Kampfstil. Er ging v�llig in die Defensive, wich immer mehr vor meinen Attacken zur�ck. Ich war sicher, da� das keine Verstellung war. Ich hatte das Gef�hl, ihn geblufft zu haben, denn er war immer besser gewesen als ich. Aber wenn das nun auf meiner Seite auch psychologische Gr�nde gehabt h�tte? Wenn ich mich mit dieser Einstellung geradezu selbst besiegt h�tte � eine Einstellung, die Eric nat�rlich gef�rdert hatte! Was war, wenn ich mich die ganze Zeit selbst geblufft hatte? Vielleicht war ich ja genauso gut wie er. Mit einem seltsamen neuen Selbstvertrauen probierte ich denselben Angriff, den ich schon einmal durchgebracht hatte, und zog eine neue rote Spur �ber seinen Unterarm.</p><p>�Zweimal auf denselben Trick hereinzufallen, das war aber ziemlich dumm, Eric�, sagte ich, und er wich hinter einen breiten Stuhl zur�ck. Wir k�mpften eine Zeitlang �ber der Lehne.</p><p>Die Schl�ge an der T�r h�rten auf, und die Stimmen, die fragend gerufen hatten, schwiegen.</p><p>�Sie holen �xte�, keuchte Eric. �Sie sind gleich hier.�</p><p>Ich gab mein L�cheln nicht auf. Ich hielt krampfhaft daran fest und sagte: �Ein paar Minuten dauert es schon � und das ist mehr, als ich brauche, um dich fertigzumachen. Du kannst dich ja kaum noch wehren, und das Blut flie�t immer st�rker, sieh dir�s doch an!�</p><p>�Halt den Mund!�</p><p>�Wenn sie zur Stelle sind, gibt es hier nur noch einen Herrscher von Amber � und du bist das nicht!�</p><p>Mit dem linken Arm fegte er einige B�cher von einem Regal, die mich trafen und polternd vor mir zu Boden fielen.</p><p>Doch er nahm seine Chance nicht wahr, er griff nicht an. Er hastete quer durch den Raum, packte einen Schemel, den er in der linken Hand hielt.</p><p>Dann stellte er sich mit dem R�cken in eine Ecke und hielt Schemel und Klinge vor sich.</p><p>Hastige Schritte t�nten aus dem Flur herein, und schon begannen �xte gegen die T�r zu schmettern.</p><p>�Komm schon!� rief er. �Versuch mich doch zu erledigen!�</p><p>�Du hast Angst�, sagte ich.</p><p>Er lachte.</p><p>�Eine akademische Frage�, erwiderte er. �Du kannst mich nicht umbringen, ehe die T�r nachgibt � und dann ist es aus mit dir.�</p><p>Da hatte er recht. In seiner Position konnte er jede Klinge abwehren � zumindest einige Minuten lang.</p><p>Hastig zog ich mich zur gegen�berliegenden Wand zur�ck.</p><p>Mit der linken Hand �ffnete ich das Wandpaneel, durch das ich eingetreten war.</p><p>�Also gut�, meinte ich. �Es sieht so aus, als k�mst du mit dem Leben davon � diesmal wenigstens. Wenn wir uns das n�chste Mal sehen, kann dir niemand mehr helfen.�</p><p>Er spuckte aus und belegte mich mit Schimpfw�rtern und setzte sogar den Schemel ab, um noch eine obsz�ne Geste zu machen; doch ich schob mich bereits durch die Wand�ffnung und schlo� das Paneel hinter mir.</p><p>Ein dumpfer Laut ert�nte, und eine zwanzig Zentimeter lange Stahlspitze schimmerte auf meiner Seite des Holzpaneels, das ich eben festhakte. Er hatte sein Schwert geschleudert. Eine riskante Sache, falls ich zu ihm zur�ckkehrte. Aber er wu�te, da� ich so nicht handeln w�rde, denn es h�rte sich an, als konnte die gro�e T�r nicht mehr lange standhalten.</p><p>Ich kletterte so schnell ich konnte an den Pfl�cken hinab in den Raum, in dem ich geschlafen hatte. Dabei besch�ftigte ich mich in Gedanken mit meinem verbesserten Kampfstil. Zuerst war ich eingesch�chtert gewesen von dem Mann, der mich schon einmal besiegt hatte. Aber das mu�te ich mir noch genau �berlegen. Vielleicht waren die Jahrhunderte auf der Schatten-Erde gar nicht verschwendet gewesen. Vielleicht hatte ich mich in dieser Zeit tats�chlich verbessert. Ich sp�rte pl�tzlich, da� ich Eric mit dem Schwert wom�glich ebenb�rtig war. Und das erf�llte mich mit einem angenehmen Gef�hl. Wenn wir uns wiederbegegneten � und dazu kam es bestimmt � und wenn es dann keine Einfl�sse von au�en gab � wer wei�? Die Chance mu�te ich nutzen. Unsere heutige Begegnung hatte ihm einen geh�rigen Schrecken eingejagt, das wu�te ich. Die Angst mochte ihn langsamer machen, mochte bei der n�chsten Gelegenheit dazu f�hren, da� er z�gerte.</p><p>Ich lie� los, sprang die letzten vier Meter hinab und fing den Fall mit federnden Knien ab. Ich hatte die sprichw�rtlichen f�nf Minuten Vorsprung vor meinen Verfolgern, aber ich war sicher, da� ich die Zeit nutzen und entwischen konnte.</p><p>Denn ich hatte die Karten im G�rtel.</p><p>Ich zog die Karte mit Bleys� Abbild und starrte darauf. Meine Schulter tat weh, doch ich verga� den Schmerz, als mich die K�lte packte.</p><p>Es gab zwei M�glichkeiten, von Amber direkt in die Schatten zu entfliehen . . .</p><p>Die eine war das Muster, das selten zu diesem Zwecke benutzt wurde.</p><p>Eine andere waren die Tr�mpfe, wenn man sich auf einen Bruder verlassen konnte.</p><p>Ich richtete meine Gedanken auf Bleys. Ich konnte ihm ziemlich vertrauen. Er war zwar mein Bruder, aber er steckte in Schwierigkeiten und brauchte meine Hilfe.</p><p>Ich starrte ihn an, den Mann mit seiner Flammenkrone, in seinem orangeroten Gewand, mit einem Schwert in der rechten Hand und einem Glas Wein in der linken. In seinen Augen tanzte ein teuflischer Ausdruck, sein Bart war flammendrot, und die Linien auf seiner Klinge bildeten ein flammendes Filigran, das � so erkannte ich pl�tzlich � ein St�ck des Musters nachvollzog. Seine Ringe funkelten. Er schien sich zu bewegen.</p><p>Der Kontakt ber�hrte mich wie ein eisiger Wind.</p><p>Die Gestalt auf der Karte schien pl�tzlich lebensgro� zu sein und ver�nderte die Position, pa�te sie der Wirklichkeit an. Die Augen richteten sich nicht genau auf mich, die Lippen bewegten sich.</p><p>�Wer ist das?� fragten sie, und ich h�rte die Worte.</p><p>�Corwin�, sagte ich, und er streckte die linke Hand aus, die nun keinen Weinkelch mehr hielt.</p><p>�Dann komm zu mir, wenn du willst.�</p><p>Ich streckte die Hand aus, und unsere Finger ber�hrten sich. Ich machte einen Schritt.</p><p>Nach wie vor hielt ich die Karte in der linken Hand, doch nun standen Bleys und ich zusammen auf einer Klippe. Auf einer Seite g�hnte ein Abgrund, auf der anderen ragte eine gewaltige Festung auf. Der Himmel �ber uns war flammenfarben.</p><p>�Sei gegr��t, Bleys�, sagte ich und steckte die Karte zu den anderen in meinen G�rtel. �Vielen Dank f�r die Hilfe.�</p><p>Mir war pl�tzlich schwach, und ich sp�rte, da� die Wunde an meiner linken Schulter noch immer blutete.</p><p>�Du bist ja verwundet!� sagte er und legte mir einen Arm um die Schultern. Ich wollte nicken, verlor aber statt dessen das Bewu�tsein.</p><empty-line/><p>Sp�ter am Abend lag ich ausgestreckt in einem bequemen Stuhl in der Festung und trank Whisky. Wir rauchten, reichten die Flasche hin und her und unterhielten uns.</p><p>�Du warst also wirklich in Amber?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Und du hast Eric bei eurem Duell verwundet?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Verdammt! Ich w�nschte, du h�ttest ihn umgebracht!� Dann wurde er nachdenklich. �Na ja, vielleicht ist es doch besser so. Damit w�rst du n�mlich auf den Thron gekommen. Gegen Eric stehen meine Chancen vielleicht besser als gegen dich. Ich wei� es nicht. Was hast du f�r Pl�ne?�</p><p>�Jeder von uns erstrebt den Thron�, sagte ich, �es besteht also kein Grund, da� wir uns anl�gen. Ich habe nicht die Absicht, dich deswegen umzubringen � das w�re t�richt �, doch andererseits gedenke ich meinen Anspruch nicht aufzugeben, nur weil ich hier deine Gastfreundschaft genie�e. Random h�tte Freude daran, aber er ist derzeit so ziemlich aus dem aktiven Geschehen ausgeschlossen. Von Benedict hat seit l�ngerer Zeit niemand etwas geh�rt. G�rard und Caine scheinen Eric zu unterst�tzen und keine eigenen Anspr�che anmelden zu wollen. Das gleiche gilt f�r Julian. Damit bleiben Brand und unsere Schwestern. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, was Brand gerade treibt, aber ich wei�, da� Deirdre machtlos ist, es sei denn, sie und Llewella k�nnten in Rebma etwas auf die Beine stellen, und Flora ist Erics Anh�ngerin. Was Fiona im Schilde f�hrt, wei� ich nicht.�</p><p>�Damit w�ren wir beide �brig�, sagte Bleys und schenkte noch einmal die Gl�ser voll. �Ja, du hast recht. Ich wei� nicht, was in den K�pfen der anderen vorgeht, aber ich vermag unsere St�rken und Schw�chen abzuw�gen und glaube, ich bin in der besten Position. Du hast klug gehandelt, als du zu mir kamst. Unterst�tze mich, dann gebe ich dir eine Grafschaft.�</p><p>�Du bist zu g�tig�, sagte ich. �Wir werden sehen.�</p><p>�Was k�nntest du sonst tun?� fragte er, und ich merkte, da� die Frage einen sehr wichtigen Punkt ber�hrte.</p><p>�Ich k�nnte eine eigene Armee auf die Beine stellen und Amber belagern�, erwiderte ich.</p><p>�Wo in den Schatten liegt denn deine Armee?� wollte er wissen.</p><p>�Das ist nat�rlich meine Sache�, erwiderte ich. �Ich glaube nicht, da� ich mich gegen dich stellen w�rde. Wenn es um die Herrschaft geht, m�chte ich dich, mich, G�rard oder Benedict � wenn er noch lebt � auf dem Thron sehen.�</p><p>�Aber am liebsten nat�rlich dich.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Dann verstehen wir uns. Ich glaube, wir k�nnen zusammenarbeiten, im Augenblick jedenfalls.�</p><p>�Ich bin derselben Meinung�, stimmte ich zu, �sonst h�tte ich mich auch nicht in deine Hand begeben.�</p><p>Er l�chelte in seinen Bart. �Du brauchst jemanden�, sagte er. �Und ich war das kleinere �bel.�</p><p>�Stimmt.�</p><p>�Ich w�nschte, Benedict w�re hier. Ich w�nschte, G�rard h�tte sich nicht kaufen lassen.�</p><p>�W�nsche, W�nsche!� sagte ich. �Nimm deine W�nsche in die eine Hand und in die andere etwas anderes, dr�cke beide zu, dann siehst du, was sich als reell erweist.�</p><p>�Gut gesprochen�, meinte er.</p><p>Eine Zeitlang rauchten wir schweigend vor uns hin.</p><p>�Wie sehr kann ich dir vertrauen?� fragte er.</p><p>�Soweit ich dir vertrauen kann.�</p><p>�Dann wollen wir ein Abkommen treffen. Offen gestanden hatte ich dich seit vielen Jahren tot geglaubt. Ich hatte nicht damit gerechnet, da� du im entscheidenden Augenblick auftauchen und einen eigenen Anspruch anmelden w�rdest. Aber jetzt bist du da, und damit basta. Verb�nden wir uns � werfen wir unsere Streitkr�fte zusammen, belagern wir Amber. Wer immer von uns den Kampf �berlebt, bekommt die Beute. Wenn wir beide �berleben, ach, Himmel! � dann k�nnen wir uns immer noch duellieren!�</p><p>Ich lie� mir den Vorschlag durch den Kopf gehen. Etwas Besseres konnte ich eigentlich nicht erwarten.</p><p>�Ich m�chte mal dr�ber schlafen�, sagte ich. �Meine Antwort bekommst du morgen, einverstanden?�</p><p>�Einverstanden.�</p><p>Wir leerten unsere Gl�ser und wandten uns gemeinsamen Erinnerungen zu. Meine Schulter schmerzte etwas, aber der Whisky half mir dar�ber hinweg, ebenso wie die Salbe, die Bleys darauf gestrichen hatte. Nach einer Weile war die Stimmung schon ziemlich gelockert.</p><p>Es ist wohl seltsam, Verwandte zu haben und doch ohne Familie zu sein � denn unser ganzes Leben hindurch waren wir getrennte Wege gegangen. Himmel! Wir redeten den Mond vom Himmel! Zuletzt schlug mir Bleys auf die gesunde Schulter und verk�ndete, er beginne den Alkohol zu sp�ren, und ein Bediensteter w�rde mir am n�chsten Morgen das Fr�hst�ck bringen. Ich nickte, wir umarmten uns, und er zog sich zur�ck. Dann trat ich ans Fenster. Von hier oben vermochte ich weit in den Abgrund zu blicken.</p><p>Die Lagerfeuer in der Tiefe funkelten wie Sterne. Es waren viele tausend. Hier wurde deutlich, da� Bleys eine gewaltige Streitmacht zusammengezogen hatte, und ich war neidisch auf ihn. Andererseits hatte diese Situation ihr Gutes. Wenn es �berhaupt jemand mit Eric aufnehmen konnte, dann wahrscheinlich Bleys. Bleys auf dem Thron von Amber � das w�re keine �ble Sache; nur h�tte ich mich selbst dort oben lieber gesehen.</p><p>Ich schaute noch eine Zeitlang hinab und sah, da� sich seltsame Gestalten zwischen den Lichtern bewegten. Da begann ich mich zu fragen, woraus seine Armee bestehen mochte.</p><p>Wie auch immer, es war mehr, als ich besa�.</p><p>Ich tastete mich zum Tisch zur�ck und schenkte mir ein letztes Glas ein.</p><p>Doch ehe ich den Alkohol hinabst�rzte, z�ndete ich eine Kerze an.</p><p>In ihrem Licht nahm ich das Kartenspiel zur Hand, das ich gestohlen hatte.</p><p>Ich breitete die Karten vor mir aus, bis ich die Abbildung Erics erreichte. Ich legte sie in die Mitte des Tisches und steckte die �brigen wieder fort.</p><p>Nach einer Weile belebte sich das Bild; und ich sah Eric in Schlafkleidung und h�rte die Worte: �Wer ist da?� Sein Arm war verbunden.</p><p>�Ich�, sagte ich, �Corwin. Wie geht es dir?�</p><p>Da begann er zu fluchen, und ich lachte. Ich trieb ein gef�hrliches Spiel, zu dem mich der Whisky verleitet haben mochte, doch ich fuhr fort: �Mir war gerade danach, dir zu sagen, da� bei mir alles zum Besten steht. Ich wollte dir auch sagen, da� du recht hattest, als du vom unruhigen Schlaf des Herrschenden sprachst. Du wirst nicht mehr lange schlafen k�nnen. Leb wohl, Bruder! Der Tag, an dem ich nach Amber zur�ckkehre, ist zugleich dein letzter! Das wollte ich dir nur sagen � da dieser Tag nicht mehr allzu fern ist.�</p><p>�Komm ruhig�, erwiderte er, �und ich werde mich hinsichtlich deiner Todesart nicht lumpen lassen.�</p><p>Da richtete sich sein Blick auf mich, und wir waren uns ganz nahe.</p><p>Ich machte ihm eine lange Nase und fuhr mit der Handfl�che �ber die Karte.</p><p>Es war, als h�tte ich einen Telefonh�rer aufgelegt. Ich schob Eric zwischen die �brigen Karten.</p><p>Als sich der Schlaf herabsenkte, begann ich mir dennoch Gedanken �ber Bleys� Truppen zu machen, die in der Schlucht unter uns lagerten, und ich dachte an Erics Abwehr.</p><p>Es w�rde nicht einfach werden.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Das Land hie� Avernus, und die versammelten Truppen waren nicht ganz menschlich. Ich besichtigte sie am folgenden Morgen, wenige Schritte hinter Bleys gehend. Die Soldaten waren etwa sieben Fu� gro�, hatten eine sehr rote Haut und wenig Haar, katzen�hnliche Augen, sechsgliedrige H�nde und F��e. Ihre Ohren liefen spitz zu, und die Finger besa�en Klauenn�gel.</p><p>Die K�mpfer trugen Kleidungsst�cke, die leicht wie Seide aussahen, aber aus einem ganz anderen Stoff bestanden und vorwiegend grau oder blau waren, und jeder war mit zwei kurzen Klingen bewaffnet, die am Ende Haken aufwiesen.</p><p>Das Klima war mild, die Vielfalt der Farben war verwirrend, und alle hielten uns f�r G�tter.</p><p>Bleys hatte Wesen gefunden, deren Religion sich um Bruderg�tter drehte, die wie wir aussahen und die ihre speziellen Sorgen hatten. Nach den Erwartungen dieses Mythos sollte ein b�ser Bruder die Macht �bernehmen und die guten Br�der zu unterdr�cken versuchen.</p><p>Und nat�rlich gab es die Sage von der Apokalypse, bei der alle aufgerufen waren, f�r die �berlebenden guten Br�der Partei zu ergreifen.</p><p>Ich trug den linken Arm in einer schwarzen Schlinge und betrachtete die Wesen, die nicht mehr lange zu leben hatten.</p><p>Ich stand vor einem Soldaten und starrte ihn an. �Wei�t du, wer Eric ist?� fragte ich.</p><p>�Der Herr des B�sen�, erwiderte er.</p><p>�Sehr gut�, sagte ich, nickte und ging weiter.</p><p>Bleys hatte sein Kanonenfutter gefunden.</p><p>�Wie gro� ist deine Armee?� fragte ich ihn.</p><p>�Etwa f�nfzigtausend Mann stark�, entgegnete er.</p><p>�Ich gr��e jene, die ihr Leben hingeben werden�, sagte ich. �Mit f�nfzigtausend Mann kannst du Amber nicht erobern, selbst wenn du sie heil und gesund zum Fu�e Kolvirs schaffen k�nntest � was unm�glich ist. Schon der Gedanke ist eine Torheit, diese armen Schlucker mit ihren Spielzeugschwertern gegen die unsterbliche Stadt einsetzen zu wollen.�</p><p>�Ich wei߫, sagte er. �Aber sie sind nicht meine einzige Waffe.�</p><p>�Da brauchst du aber noch einiges mehr.�</p><p>�Was sagst du zu drei Flotten � anderthalbmal so gro� wie Caines und G�rards Einheiten zusammen?�</p><p>�Reicht noch nicht�, sagte ich. �Das ist kaum ein Anfang.�</p><p>�Ich wei�. Aber ich bin noch bei den Vorbereitungen.�</p><p>�Nun, dann sollten wir das beschleunigen. Eric wird in Amber sitzen und uns umbringen, w�hrend wir durch die Schatten marschieren. Wenn die verbleibenden Streitkr�fte endlich Kolvir erreichen, wird er sie dort kurz und klein schlagen. Dann kommt erst der Aufstieg nach Amber. Wie viele hundert sind deiner Meinung nach �brig, wenn wir die Stadt erreichen? Genug f�r einen f�nfmin�tigen Kampf, ohne Verluste f�r Eric. Wenn du nicht mehr zu bieten hast, Bruder Bleys, sehe ich schwarz f�r unser Vorhaben.�</p><p>�Eric hat seine Kr�nung f�r einen Tag in drei Monaten anberaumt�, sagte er. �Bis dahin kann ich meine Armeen verdreifachen � mindestens. Vielleicht bringe ich eine Viertelmillion Soldaten aus den Schatten zusammen, die auf Amber vorr�cken k�nnen. Es d�rfte andere Welten geben wie diese, und ich werde in sie eindringen. Ich werde eine Streitmacht von Kreuzrittern zusammenrufen, wie sie nie zuvor gegen Amber geschickt wurde!�</p><p>�Und Eric bekommt Zeit, seine Abwehr zu st�rken. Ich wei� nicht recht, Bleys . . . die Sache hat fast etwas Selbstm�rderisches. Ich hatte keinen richtigen �berblick, als ich hier eintraf . . .�</p><p>�Und was hast du denn mitgebracht?� wollte er wissen. �Nichts! Es wird gemunkelt, da� du fr�her einmal Truppen befehligt hast. Wo sind sie?�</p><p>Ich wandte ihm den R�cken zu.</p><p>�Es gibt sie nicht mehr�, erwiderte ich. �Da bin ich sicher.�</p><p>�K�nntest du nicht einen Schatten deines Schattens finden?�</p><p>�Das will ich gar nicht erst versuchen�, sagte ich. �Tut mir leid.�</p><p>�Was kannst du mir denn �berhaupt n�tzen?�</p><p>�Ich werde wieder verschwinden�, sagte ich. �Wenn das alles ist, was du wolltest, wenn du mich nur deswegen bei dir haben wolltest � um noch mehr Leichen zu bekommen.�</p><p>�Warte doch!� rief er. �Ich habe unbedacht gesprochen. Wenn es schon nicht mehr wird, m�chte ich doch wenigstens deinen Rat h�ren. Bleib bei mir, bitte. Ich kann mich sogar entschuldigen.�</p><p>�Das ist nicht n�tig�, sagte ich, wu�te ich doch, was dieses Angebot f�r einen Prinzen von Amber bedeutet. �Ich bleibe. Ich glaube, ich kann dir helfen.�</p><p>�Gut!� Und er schlug mir auf die gesunde Schulter.</p><p>�Und ich verschaffe dir weitere Truppen�, fuhr ich fort. �Keine Sorge.�</p><p>Und das tat ich.</p><p>Ich wanderte durch die Schatten und fand eine Rasse pelziger Wesen, dunkel und mit Klauen und Rei�z�hnen bewehrt, ziemlich menschen�hnlich und nicht besonders intelligent. Etwa hunderttausend verehrten uns derma�en, da� sie zu den Waffen griffen.</p><p>Bleys war beeindruckt und hielt den Mund. Eine Woche sp�ter war meine Schulter wieder verheilt. Nach zwei Monaten hatten wir unsere Viertelmillion und mehr zusammen.</p><p>Allerdings war mir irgendwie seltsam zumute. Der gr��te Teil der Truppen ging in den sicheren Tod. Ich war das Werkzeug, das f�r diesen Umstand weitgehend verantwortlich war. Ich hatte Anwandlungen von Reue, obwohl ich den Unterschied zwischen Schatten und Substanz durchaus kannte. Jeder Tod w�rde ein wirklicher Tod sein; doch das wu�te ich auch.</p><p>Und in manchen N�chten besch�ftigte ich mich mit den Spielkarten. Die fehlenden Tr�mpfe befanden sich in dem Spiel, das ich bei mir f�hrte. Einer war ein Bild des eigentlichen Amber, und ich wu�te, da� mich die Karte in die Stadt zur�cktragen konnte. Die anderen zeigten unsere toten oder vermi�ten Geschwister. Und eine Karte trug ein Bild von Vater, und ich bl�tterte hastig weiter. Er war fort.</p><p>Ich starrte lange auf jedes Gesicht, um mir dar�ber klar zu werden, was von jedem zu erwarten war. Ich legte mehrmals die Karten aus, und jedesmal kam derselbe heraus.</p><p>Er hie� Caine.</p><p>Er trug gr�nen und schwarzen Satin und einen dunklen Dreispitz mit einem silbernen Federbusch. An seinem G�rtel hing ein smaragdbesetzter Dolch. Er war dunkelh�utig.</p><p>�Caine�, sagte ich.</p><p>Nach einer Weile kam die Antwort.</p><p>�Wer?�</p><p>�Corwin�, sagte ich.</p><p>�Corwin? Soll das ein Witz sein?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Was willst du?�</p><p>�Was hast du?�</p><p>�Das wei�t du doch�, und seine Augen zuckten herum, sahen mich an, doch ich beobachtete seine Hand, die am Dolch lag.</p><p>�Wo bist du?�</p><p>�Bei Bleys.�</p><p>�Es gibt Ger�chte, du seist k�rzlich in Amber aufgetaucht. Ich habe mich schon �ber die Bandagen an Erics Arm gewundert.�</p><p>�Den Grund daf�r siehst du vor dir�, sagte ich. �Wie hoch ist dein Preis?�</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>�Wir wollen klar und offen reden. Glaubst du, da� Bleys und ich Eric besiegen k�nnen?�</p><p>�Nein � deshalb bin ich ja auch auf Erics Seite. Und ich werde meine Armada nicht verkaufen, wenn du das im Sinn haben solltest � und so etwas k�nnte ich mir denken.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Schlaues Br�derchen�, erwiderte ich. �Na ja, hat mich gefreut, mal wieder mit dir zu reden. Auf Wiedersehen in Amber � vielleicht.�</p><p>Ich hob die Hand.</p><p>�Warte!� rief er.</p><p>�Warum?�</p><p>�Ich kenne ja nicht mal dein Angebot!�</p><p>�O doch�, sagte ich. �Du hast es erraten und hast kein Interesse daran.�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt. Ich wei� eben nur, wo die Werte liegen.�</p><p>�Du meinst die Macht.�</p><p>�Gut also, die Macht. Was hast du zu bieten?�</p><p>Wir verhandelten etwa eine Stunde lang, danach standen den drei Phantomflotten Bleys� die n�rdlichen Gew�sser offen, wohin sie sich zur�ckziehen mochten, um Verst�rkung abzuwarten.</p><p>�Wenn es mi�lingt, gibt es drei Hinrichtungen in Amber�, sagte er.</p><p>�Aber damit rechnest du doch nicht wirklich, oder?� wollte ich wissen.</p><p>�Nein, ich glaube, da� in absehbarer Zeit einer von euch, du oder Bleys, auf den Thron kommt. Ich bin es zufrieden, dem Sieger zu dienen. Die Grafschaft ist mir dann recht. Allerdings m�chte ich noch immer Randoms Kopf in unseren Handel einbeziehen.�</p><p>�Auf keinen Fall�, sagte ich. �Du hast meine Bedingungen geh�rt � greif zu oder la� es.�</p><p>�Ich greife zu.�</p><p>Ich l�chelte, legte die Handfl�che auf die Karte, und er war fort.</p><p>G�rard wollte ich mir f�r den n�chsten Tag aufheben. Caine hatte mich angestrengt. Ich lie� mich ins Bett fallen und schlief ein.</p><empty-line/><p>Als G�rard erfuhr, wie die Dinge standen, erkl�rte er sich einverstanden, uns in Ruhe zu lassen. Das lag in erster Linie daran, da� ich der Fragesteller war, da er Eric f�r das kleinere der m�glichen �bel gehalten hatte.</p><p>Ich traf mein Arrangement sehr schnell, indem ich ihm alles versprach, was er verlangte, da f�r ihn keine K�pfe zu rollen brauchten.</p><p>Sp�ter besichtigte ich noch einmal die Truppen und erz�hlte ihnen mehr von Amber. Seltsamerweise kamen sie wie Br�der miteinander aus, die gro�en roten und die kleinen pelzigen Burschen.</p><p>Es war traurig � aber wahr.</p><p>Wir waren ihre G�tter � und daran f�hrte kein Weg vorbei.</p><empty-line/><p>Ich sah die Flotte, die auf einem blutroten Ozean dahinsegelte. Ich �berlegte.</p><p>In den Schatten-Welten, durch die sich die Schiffe bewegten, w�rden viele untergehen.</p><p>Ich dachte �ber die Truppen von Avernus nach, und �ber meine Rekruten aus dem Land, das Ri�ik genannt wurde. Sie hatten die Aufgabe, zur Erde und nach Amber zu marschieren.</p><p>Ich mischte die Karten und legte sie auf. Schlie�lich nahm ich Benedicts Bildnis zur Hand. Ich suchte lange, doch ich fand nichts anderes als K�lte.</p><p>Dann ergriff ich Brands Karte. Wieder sp�rte ich zuerst nur die K�lte.</p><p>Dann ert�nte ein Schrei. Es war ein schrecklicher, gequ�lter Laut.</p><p>�Hilf mir!� t�nte es.</p><p>�Wie kann ich das?� fragte ich.</p><p>�Wer ist da?� wollte er wissen, und ich sah, wie sich sein K�rper wand.</p><p>�Corwin.�</p><p>�Hol mich fort von diesem Ort, Bruder Corwin! Was immer du dir daf�r w�nschst, es soll dein sein!�</p><p>�Wo bist du?�</p><p>�Ich . . .�</p><p>Es folgte ein Wirbel von Dingen, die vorzustellen mein Gehirn nicht in der Lage war, dann ein weiterer Schrei, wie aus Todesqualen geboren, ein Laut, der in Stille endete.</p><p>Dann kehrte schnell die K�lte zur�ck.</p><p>Ich stellte fest, da� ich am ganzen K�rper zitterte.</p><p>Ich z�ndete mir eine Zigarette an und trat ans Fenster, um in die Nacht hinauszuschauen. Die Karten lagen auf dem Tisch in meinem Raum in der Garnison � so wie sie gefallen waren.</p><p>Die Sterne waren winzig und vom Nebel verwischt. Keines der Sternenbilder war mir bekannt. Ein kleiner blauer Mond schimmerte durch die Dunkelheit. Die Nacht war mit einem pl�tzlichen eiskalten Wind eingefallen, und ich zog den Mantel eng um mich. Unwillk�rlich dachte ich an den Winter unseres katastrophalen Feldzugs in Ru�land. Himmel! Ich war fast erfroren!</p><p>Und wohin f�hrte das alles?</p><p>Nat�rlich auf den Thron von Amber.</p><p>Denn der war ein ausreichender Grund f�r alles.</p><p>Aber was war mit Brand?</p><p>Wo steckte er? Was geschah mit ihm, und wer tat ihm dies an?</p><p>Antworten? � Keine.</p><p>Doch w�hrend ich in die Nacht hinausstarrte und dem Weg der blauen Scheibe mit den Blicken folgte, kamen mir Zweifel. Gab es etwas, das mir im gro�en Bild entging, ein Faktor, den ich nicht richtig begriff?</p><p>Keine Antwort.</p><p>Ich setzte mich wieder an den Tisch, ein kleines Glas in Reichweite.</p><p>Ich bl�tterte durch den Stapel und fand Vaters Karte.</p><p>Oberon, Lord von Amber, stand in seinem gr�ngoldenen Gewand vor mir. Gro�, breit, rundlich, der schwarze Bart von Silberstreifen durchzogen wie das Haar. Gr�ne Ringe in Goldfassungen und eine goldfarbene Klinge. Ich hatte fr�her einmal angenommen, da� nichts den unsterblichen Herrscher Ambers von seinem Thron st�rzen k�nne. Was war geschehen? Ich wu�te es noch immer nicht. Aber er war fort. Wie hatte mein Vater geendet?</p><p>Ich starrte auf die Karte und konzentrierte mich.</p><p>Nichts, nichts . . .</p><p>Etwas?</p><p>Etwas!</p><p>Ich sp�rte die Reaktion einer Bewegung, wenn auch sehr schwach, und die Gestalt auf der Karte wandelte sich, schrumpfte zu einem Schatten des Mannes, der Vater einmal gewesen war.</p><p>�Vater?� fragte ich.</p><p>Nichts.</p><p>�Vater?�</p><p>�Ja . . .� Sehr schwach und weit entfernt, wie durch das Rauschen einer Muschel, eingebettet in das ewige Summen.</p><p>�Wo bist du? Was ist geschehen?�</p><p>�Ich . . .� Eine lange Pause.</p><p>�Ja? Hier spricht Corwin, dein Sohn. Was ist in Amber geschehen, da� du jetzt fort bist?�</p><p>�Meine Zeit war gekommen�, erwiderte er � und seine Stimme schien sich noch weiter entfernt zu haben.</p><p>�Soll das hei�en, da� du abgedankt hast? Keiner meiner Br�der hat mir bisher davon erz�hlt, und ich traue ihnen nicht so sehr, da� ich sie fragen m�chte. Ich wei� nur, da� der Thron anscheinend jedem offensteht, der danach greifen will. Eric h�lt die Stadt, und Julian bewacht den Wald von Arden. Caine und G�rard herrschen �ber die Meere. Bleys m�chte gegen alle k�mpfen, und ich habe mich mit ihm verb�ndet. Wie sehen deine W�nsche in dieser Angelegenheit aus?�</p><p>�Du bist der einzige, der � danach � gefragt � hat�, keuchte er. �Ja . . .�</p><p>��Ja� was?�</p><p>�Ja � k�mpfe gegen � sie . . .�</p><p>�Was ist mit dir? Wie kann ich dir helfen?�</p><p>�Mir kann niemand mehr helfen. Ersteige den Thron . . .�</p><p>�Ich? Oder Bleys und ich?�</p><p>�Du!� sagte er.</p><p>�Ja?�</p><p>�Du hast meinen Segen . . . Ersteige den Thron � und beeil � dich � damit.�</p><p>�Warum, Vater?�</p><p>�Ich habe den Atem nicht mehr � ersteige ihn!�</p><p>Dann war auch er fort.</p><p>Vater lebte also.</p><p>Das war interessant. Was sollte ich tun?</p><p>Ich trank aus meinem Glas und �berlegte.</p><p>Er lebte noch immer, irgendwo, und er war K�nig in Amber. Warum war er nicht mehr hier? Wohin war er gegangen? Welcher Art . . . was . . . wie viele . . .?</p><p>Diese Art Fragen stellte ich mir.</p><p>Wer wu�te Bescheid? Ich jedenfalls nicht. Im Augenblick gab es dazu nicht mehr zu sagen.</p><p>Aber . . .</p><p>Ich konnte die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Sie m�ssen wissen, da� Vater und ich nie so richtig miteinander ausgekommen sind. Ich habe ihn nicht geha�t, wie etwa Random oder einige andere seiner S�hne, aber ich hatte andererseits auch keinen Grund, ihn besonders zu m�gen. Er war gro� und m�chtig gewesen � er war <emphasis>da</emphasis> gewesen. Das war so etwa alles. Er war zugleich identisch mit dem gr��ten Teil der Geschichte von Amber, wie wir sie kannten � und die Geschichte Ambers geht so viele Jahrtausende zur�ck, da� man sie gar nicht erst zu z�hlen braucht. Was also war zu tun?</p><empty-line/><p>Am n�chsten Morgen nahm ich an einer Besprechung von Bleys� Generalstab teil. Er hatte vier Admir�le, die jeweils etwa ein Viertel seiner Flotte kommandierten, und eine ganze Messe voller Armeeoffiziere. Insgesamt waren etwa drei�ig hochstehende Chargen versammelt � gro� und roth�utig oder klein und pelzig, je nach dem.</p><p>Die Besprechung dauerte etwa vier Stunden, ehe wir alle eine Mittagspause machten. Man kam �berein, da� wir in drei Tagen angreifen w�rden. Da ein Mann des Blutes von Amber erforderlich war, um den Weg zur Stadt zu �ffnen, sollte ich von Bord des Flaggschiffs aus die Flotte leiten, w�hrend Bleys die Infanterie durch die L�nder des Schattens f�hren wollte.</p><p>Dieser Plan beunruhigte mich, und ich fragte ihn, was er tun w�rde, wenn ich nicht gekommen w�re, um ihm diese Hilfe zu gew�hren. Darauf erhielt ich zwei Antworten: Erstens h�tte er allein vorgehen m�ssen; er w�re mit der Flotte durchgebrochen und h�tte sie weit vor der K�ste verlassen, um in einem einzelnen Schiff nach Avernus zur�ckzukehren und seine Fu�soldaten zu einem geplanten Treffpunkt zu f�hren; und zweitens hatte er gezielt einen Schatten gesucht, in dem ein Bruder auftauchen w�rde, um ihm zu helfen.</p><p>Als ich dies vernahm, kamen mir erste d�stere Vorahnungen, auch wenn ich wu�te, da� ich hier wirklich vorhanden war. Die erste Antwort kam mir ziemlich unpraktisch vor, da die Flotte zu weit drau�en auf dem Meer lag, um Signale von Land zu erkennen. Das Risiko, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen � bei einer so gro�en Einheit gab es immer unvorhergesehene Zwischenf�lle �, war in meinen Augen zu gro�, um den Plan wirklich realisierbar erscheinen zu lassen.</p><p>Aber als Taktiker hatte ich Bleys stets f�r brillant gehalten; md als er nun die selbstgezeichneten Karten Ambers und des inliegenden Gebietes ausrollte und uns die Taktik erkl�rte, die er dort anzuwenden gedachte, wu�te ich, da� er ein Prinz von Amber war, dessen Arglist nicht seinesgleichen fand.</p><p>Das Problem war nur, da� wir gegen einen anderen Prinzen von Amber vorr�ckten, einen Mann, der entschieden die bessere Ausgangsposition hatte. Ich machte mir Sorgen, doch angesichts der bevorstehenden Kr�nung schien uns kein anderer Weg offen zu stehen, und ich beschlo�, Bleys bis zum bitteren Ende zu unterst�tzen. Wenn wir unterlagen, waren wir verloren, aber er vermochte die gr��te Angriffsmacht auf die Beine zu stellen und hatte einen praktikablen Zeitplan, den ich nicht aufweisen konnte.</p><p>So wanderte ich denn durch das Land, das Avernus hie�, und besch�ftigte mich mit seinen nebelverhangenen T�lern und Schluchten, mit den qualmenden Kratern und der grellen Sonne am verr�ckten Himmel, mit den eiskalten N�chten und viel zu hei�en Tagen, mit den zahlreichen Felsbrocken und Unmengen dunklen Sandes, mit den winzigen, doch b�sartigen und giftigen Tieren und den riesigen purpurnen Pflanzen, die an schlaffe Kakteen erinnerten; und am Nachmittag des zweiten Tages stand ich auf einer Klippe und schaute unter einem gewaltigen zinnoberroten Wolkenmassiv auf das Meer hinaus � und da kam ich zu dem Schlu�, da� mir die Gegend recht gut gefiel und da� ich ihre S�hne eines Tages, wenn ich dazu in der Lage war, mit einem Lied unsterblich machen w�rde, sollten sie im Krieg der G�tter untergehen.</p><p>Nachdem ich meine �ngste vor dem Kommenden auf diese Weise bes�nftigt hatte, stie� ich zu der Flotte und �bernahm das Kommando. Wenn wir es schafften, sollten diese K�mpfer f�r alle Ewigkeit in den Hallen der Unsterblichen gefeiert werden.</p><p>Ich war Anf�hrer und Wegbereiter. Ich freute mich.</p><p>Am folgenden Tag setzten wir Segel, und ich befehligte die Flotte vom ersten Schiff aus. Ich f�hrte uns in einen Sturm, und als wir die unruhige Zone verlie�en, waren wir unserem Ziel um ein Betr�chtliches n�herger�ckt. Ich f�hrte die Schiffe an einem gewaltigen Strudel vorbei, der uns ebenfalls weiterhalf. Ich steuerte durch felsige Untiefen, aber der Schatten des Wassers verdunkelte sich bald wieder. Seine Farbe begann der T�nung Ambers zu �hneln. Ich besa� die F�higkeit also noch immer. Ich vermochte unser Schicksal in Zeit und Raum zu beeinflussen. Ich konnte uns nach Hause f�hren. In mein Zuhause, genauer gesagt.</p><p>Ich f�hrte uns an unbekannten Inseln vor�ber, auf denen gr�ne V�gel kr�chzten und gr�ne Affen wie Fr�chte pendelnd in den B�umen hingen.</p><p>Ich f�hrte uns aufs offene Meer hinaus und steuerte die Flotte dann wieder auf die K�ste zu.</p><p>Inzwischen marschierte Bleys �ber die Ebenen der Welten. Irgendwoher wu�te ich, da� er es schaffen w�rde, da� er die Barrieren �berwinden w�rde, die Eric errichtet hatte. Durch die Karten blieb ich mit ihm in Verbindung und erfuhr von den K�mpfen, die er durchstehen mu�te. So gab es zehntausend Tote bei einer Zentaurenschlacht in offenem Gel�nde, f�nftausend Mann Verlust durch ein Erdbeben von erschreckendem Ausma�, f�nfzehnhundert Tote in einer Sturmb�, die das Lager durchtoste, neunzehntausend Tote oder Vermi�te nach K�mpfen in den Dschungeln eines Gebiets, das ich nicht kannte, da von seltsamen Flugmaschinen, die am Himmel vorbeibrummten, Napalm herabregnete; weiterhin sechstausend Deserteure in einer Gegend wie der Himmel auf Erden, den man den Soldaten versprochen hatte, f�nfhundert Vermi�te beim Durchqueren einer Sandw�ste, �ber der eine riesige Pilzwolke dr�ute, achttausendsechshundert Verschwundene in einem Tal voller unerwartet militanter Maschinen, die auf Ketten rollten und Feuer spien. Achthundert Kranke und Zur�ckgelassene, zweihundert Mann, die in einer Flutwelle untergingen, vierhundertf�nfzig Opfer durch Duelle in den eigenen Reihen, dreihundert Tote von einer vergifteten Frucht, tausend Mann Verlust durch einen panischen Ausbruch b�ffel�hnlicher Kreaturen, der Tod von dreiundsiebzig Mann, deren Zelte Feuer fingen, f�nfzehnhundert bei Flu��berquerungen Davongeschwemmte, zweitausend, die von St�rmen aus den blauen Bergen get�tet wurden.</p><p>Ich war froh, da� ich in der gleichen Zeit nur hundertundsechsundachtzig Schiffe verloren hatte.</p><p>Schlaf, vielleicht ein Traum . . . Ja, das pa�t. Eric bek�mpfte uns in Zentimetern und Stunden. Die vorgesehene Kr�nung sollte in wenigen Wochen stattfinden, denn wir starben und starben.</p><p>Nun steht geschrieben, da� nur ein Prinz von Amber durch die Schatten vordringen kann, allerdings vermag er jede Anzahl von Gefolgsleuten �ber denselben Weg hinter sich herzuziehen. Wir f�hrten unsere Truppen und sahen sie sterben, doch �ber Schatten mu� ich folgendes sagen: es gibt Schatten, und es gibt Substanz, und dies ist die Wurzel aller Dinge. An Substanz gibt es nur Amber, die reale Stadt auf der realen Erde, die alles umfa�t. An Schatten gibt es eine endlose Vielfalt. Irgendwo besteht jede M�glichkeit als Schatten des Realen. Durch die Tatsache seiner Existenz hat Amber solche Schatten in alle Richtungen geworfen. Und was l��t sich �ber die Dinge sagen, die au�erhalb liegen? Die Schatten erstrecken sich von Amber bis zum Chaos, und in diesem weiten Bereich sind alle Dinge m�glich. Es gibt nur drei M�glichkeiten, sie zu durchqueren, und jede ist mit Schwierigkeiten verbunden.</p><p>Ist man ein Prinz oder eine Prinzessin vom Blute, dann kann man zu Fu� gehen, dann kann man die Schatten durchqueren und die Umgebung im Vorbeigehen zwingen, sich zu ver�ndern, bis sie schlie�lich genau die gew�nschte Form hat, und dann aufh�ren. Diese Schattenwelt wird dadurch zur eigenen, und man kann damit machen, was man will � bis auf die Einwirkungen anderer Familienmitglieder. An einem solchen Ort hatte ich mich jahrhundertelang aufgehalten.</p><p>Die zweite M�glichkeit sind die Karten, die von Dworkin dem Meister nach unserem Ebenbild gezeichnet worden waren, um die Kommunikation zwischen den Mitgliedern der K�nigsfamilie zu erleichtern. Er war der urzeitliche K�nstler, dem Raum und Perspektive nichts bedeuteten. Er hatte die Familientr�mpfe geschaffen, die es dem Suchenden erlaubten, seine Verwandten anzusprechen, wo immer sie sich befinden mochten.</p><p>Ich hatte das Gef�hl, da� die Karten nicht in voller �bereinstimmung mit den Absichten des Sch�pfers eingesetzt worden waren.</p><p>Die dritte M�glichkeit war das Muster, das ebenfalls von Dworkin gezeichnet worden war und das nur von einem Mitglied unserer Familie abgeschritten werden konnte. Es f�hrte den Gehenden in das System der Karten ein und gab ihm zum Schlu� die Macht, die Schatten zu �berspringen.</p><p>Die Karten und das Muster sorgten f�r einen sofortigen Sprung von der Substanz durch die Schatten. Die andere M�glichkeit, der Weg zu Fu�, war m�hsamer.</p><p>Ich wu�te, was Random geleistet hatte, als er mich in die wahre Welt f�hrte. Im Verlauf unserer Fahrt hatte er aus dem Ged�chtnis immer wieder Dinge addiert, an die er sich aus Amber erinnerte, und andere Details subtrahiert, die nicht dazugeh�rten. Als schlie�lich alles stimmte, wu�te er, da� wir am Ziel waren. Im Grunde war das kein Trick, denn mit dem erforderlichen Wissen vermochte jeder von uns sein eigenes Amber zu erreichen. Auch jetzt noch h�tten Bleys und ich ein Schatten-Amber finden k�nnen, in dem jeder von uns auf dem Thron sa�; wir h�tten bis in alle Ewigkeit dort herrschen k�nnen. Aber das w�re eben nicht das Wahre gewesen, denn keiner von uns h�tte sich im wirklichen Amber befunden, in der Stadt unserer Geburt, in der Stadt, die Vorbild ist f�r alle anderen.</p><p>F�r unseren Angriff auf Amber w�hlten wir also den anstrengendsten Weg, den Marsch durch die Schatten. Wer immer davon wu�te und die F�higkeit besa�, konnte uns Hindernisse in den Weg stellen. Das hatte Eric getan, und viele starben im Kampf dagegen. Wie w�rde das Ergebnis aussehen? Das wu�te niemand.</p><p>Aber wenn Eric zum K�nig gekr�nt wurde, mu�te sich das widerspiegeln und �berall seine Schatten werfen.</p><p>Alle �berlebenden Br�der, wir Prinzen von Amber, dessen bin ich sicher, hielten es jeder auf seine eigene simple Art f�r weitaus besser, diesen Status pers�nlich zu erlangen und die Schatten anschlie�end nach Belieben fallen zu lassen.</p><p>Wir passierten Gespensterflotten, die Schiffe von G�rard � die Fliegenden Holl�nder dieser Welt und jener Welt �, und wir wu�ten, da� wir uns dem Ziel n�herten. Ich benutzte die anderen Flotten als Orientierungspunkte.</p><p>Am achten Tag unserer Reise standen wir dicht vor Amber. Und da brach das Unwetter los.</p><p>Das Meer wurde dunkel, die Wolken zogen sich �ber uns zusammen, und die Segel erschlafften in der beginnenden Flaute. Die Sonne verh�llte ihr Gesicht � ein riesiges blaues Gesicht �, und ich hatte das Gef�hl, da� Eric uns endlich aufgesp�rt hatte.</p><p>Dann brach der Sturm los und fiel �ber mein Schiff her.</p><p>Wir wurden vom Unwetter angesprungen, vom Sturm zerfetzt. Ich f�hlte mich innerlich ganz weich und haltlos, als die ersten B�en kamen. Wie W�rfel in der Hand eines Riesen wurden wir hin und her geschleudert. Wir rasten �ber das Wasser und durch das Wasser, das vom Himmel rauschte. Der Himmel wurde schwarz, und Hagel mischte sich mit den glasiggrellen Glockenstr�ngen, die den Donner einl�uteten. Ich bin sicher, da� niemand stumm blieb in diesem Tosen � ich jedenfalls habe geschrien. Ich tastete mich �ber das schwankende Deck, um das verlassene Steuerruder zu �bernehmen. Ich band mich fest und hielt das Ruder in den H�nden. Eric hatte aus Amber losgeschlagen, soviel war sicher.</p><p>Eins, zwei, drei, vier Stunden � und der Sturm lie� nicht nach. Schlie�lich f�nf Stunden. Wie viele M�nner hatten wir verloren? Ich wu�te es nicht.</p><p>Dann sp�rte und h�rte ich ein Kribbeln und Klimpern und sah Bleys wie durch einen langen grauen Tunnel.</p><p>�Was ist los?� fragte er. �Ich habe andauernd versucht, dich zu erreichen.�</p><p>�Das Leben ist voller Unannehmlichkeiten�, erwiderte ich. �Wir plagen uns gerade mit einer herum.�</p><p>�Sturm?�</p><p>�Darauf kannst du jede Wette eingehen. Der Urvater aller Orkane. An Backbord scheint sich gerade ein Ungeheuer herumzutreiben. Wenn es �berhaupt Verstand hat, wird es sich auf den Meeresboden zur�ckziehen . . . ja, das tut es jetzt.�</p><p>�Wir haben auch gerade eins gehabt�, meldete Bleys.</p><p>�Ein Unwetter oder Ungeheuer?�</p><p>�Unwetter�, entgegnete er. �Zweihundert Tote.�</p><p>�Bei� die Z�hne zusammen�, sagte ich, �halte die Stellung und melde dich sp�ter wieder. In Ordnung?�</p><p>Er nickte, und ich sah hinter ihm die Blitze zucken.</p><p>�Eric hat uns aufgesp�rt�, f�gte er hinzu, ehe er die Verbindung unterbrach.</p><p>Da mu�te ich ihm recht geben.</p><p>Es dauerte drei Stunden, bis ich erfuhr, da� wir die H�lfte der Flotte verloren hatten (auf meinem Schiff � dem Flaggschiff � betrugen die Verluste ein Drittel von hundertundzwanzig Mann). Es war ein schweres Los.</p><p>Irgendwie schafften wir es in das Meeresgebiet �ber Rebma.</p><p>Ich nahm meine Karte zur Hand und hielt mir Randoms Bild vor Augen.</p><p>Als ihm klar wurde, wer sich meldete, sagte er sofort: �Kehrt um�, und ich fragte ihn nach dem Grund.</p><p>�Weil mir Llewella gesagt hat, Eric k�nnte euch m�helos in die Tasche stecken. Sie meint, ihr solltet eine Zeitlang warten, bis seine Wachsamkeit nachl��t, und dann zuschlagen � etwa in einem Jahr.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Tut mir leid�, sagte ich. �Das geht nicht. Um �berhaupt bis hierher zu kommen, haben wir schon zu viele Verluste erleiden m�ssen. Jetzt oder nie.�</p><p>Er zuckte die Achseln und sagte: �Ich habe dich gewarnt.�</p><p>�Warum ist Eric so stark?� erkundigte ich mich.</p><p>�Vor allem weil er hier in der Gegend das Wetter kontrollieren kann, wie ich gerade erfahren habe.�</p><p>�Trotzdem m�ssen wir es riskieren.�</p><p>Wieder zuckte er die Achseln.</p><p>�Wei� er bestimmt, da� wir im Anmarsch sind?�</p><p>�Was glaubst du denn? Ist er ein Dummkopf?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann wei� er Bescheid. Wenn ich es in Rebma schon erraten konnte, dann hat er in Amber Gewi�heit dar�ber � und ich habe es tats�chlich erraten, anhand eines Schwankens in den Schatten.�</p><p>�Leider�, meinte ich, �habe ich hinsichtlich unserer Expedition ein dummes Gef�hl, aber es ist Bleys� Feldzug.�</p><p>�Steig doch aus und la� ihn allein zur Schlachtbank gehen.�</p><p>�Tut mir leid, das Risiko kann ich nicht eingehen. Er k�nnte siegen. Ich f�hre die Flotte heran.�</p><p>�Du hast mit Caine und G�rard gesprochen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann rechnest du dir auf dem Meer sicher eine Chance aus. Aber h�r mir mal genau zu, Eric hat eine M�glichkeit gefunden, das Juwel des Geschicks zu kontrollieren � diese Tatsache geht aus Ger�chten �ber sein Doppel hervor. Zumindest kann er es einsetzen, um hier das Wetter zu beherrschen � soviel steht fest. Gott allein wei�, was er sonst noch damit anrichten kann.�</p><p>�Schade�, sagte ich. �Wir m�ssen�s �ber uns ergehen lassen. Wir k�nnen uns nicht von ein paar St�rmen entmutigen lassen!�</p><p>�Corwin, ich will ehrlich sein. Ich habe vor drei Tagen mit Eric gesprochen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Er hat sich mit mir in Verbindung gesetzt. Dabei hat er detailliert �ber seine Abwehr gesprochen.�</p><p>�Der Grund daf�r ist Julian, von dem er erfahren hat, da� wir zusammen gekommen sind. So kann er sicher sein, da� mir seine Bemerkungen zu Ohren kommen.�</p><p>�M�glich�, sagte er. �Aber das �ndert nichts an dem, was er gesagt hat.�</p><p>�Nein�, mu�te ich zugeben.</p><p>�Dann la� Bleys seinen Kampf allein ausfechten�, sagte er. �Du kannst auch sp�ter noch gegen Eric vorgehen.�</p><p>�Er will sich in Amber kr�nen lassen.�</p><p>�Ich wei�, ich wei�. Aber der Angriff auf einen K�nig ist doch ebenso leicht wie der auf einen Prinzen, oder? Was macht es schon aus, wie er sich im Augenblick der Entscheidung nennt, solange du ihn nur besiegst? Er ist und bleibt Eric.�</p><p>�Sicher�, sagte ich, �aber ich habe mein Wort gegeben.�</p><p>�Dann nimm es wieder zur�ck.�</p><p>�Das geht leider nicht.�</p><p>�Dann bist du verr�ckt, Charlie.�</p><p>�Wahrscheinlich hast du recht.�</p><p>�Jedenfalls w�nsche ich dir viel Gl�ck.�</p><p>�Danke.�</p><p>�Bis demn�chst.�</p><p>Und das war�s, und es beunruhigte mich.</p><p>Lief ich in eine Falle?</p><p>Eric war kein Dummkopf. Vielleicht hatte er eine richtige Todesfalle aufgebaut. Aber dann zuckte ich die Achseln und beugte mich �ber die Reling; die Karten waren wieder in meinem G�rtel verstaut.</p><p>Es ist ein stolzes und einsames Geschick, Prinz von Amber zu sein, ein Mann der unf�hig ist, Vertrauen zu haben. In diesem Augenblick hatte ich nicht gerade viel �brig f�r dieses Dasein, aber was sollte ich tun?</p><p>Nat�rlich hatte Eric das Unwetter gelenkt, das wir gerade hinter uns hatten, und das schien zu dem zu passen, was mir Random �ber seine Wetterherrschaft in Amber erz�hlt hatte.</p><p>Und ich versuchte es selbst mit einem solchen Trick.</p><p>Ich f�hrte uns inmitten eines dichten Schneegest�bers auf Amber zu.</p><p>Es war der schlimmste Schneesturm, den ich heraufbeschw�ren konnte.</p><p>Riesige Flocken begannen drau�en �ber dem Ozean zu fallen.</p><p>Sollte er doch diese ganz normale Schattenerscheinung unterbinden, wenn er konnte!</p><p>Und das tat er.</p><p>Nach einer halben Stunde hatte der Schneesturm aufgeh�rt. Amber war praktisch uneinnehmbar � und es war im Grunde die einzige existierende Stadt. Da ich nicht vom Kurs abweichen wollte, lie� ich den Dingen ihren Lauf.</p><p>Wir segelten weiter. In die F�nge des Todes.</p><p>Der zweite Sturm war schlimmer als der erste, aber ich lie� das Steuerrad nicht los. Das Unwetter brachte zahlreiche elektrische Entladungen und war allein gegen die Flotte gerichtet. Es trieb sie auseinander und kostete uns vierzig weitere Schiffe.</p><p>Ich hatte Angst, Bleys anzurufen, um zu erfahren, wie es ihm ergangen war.</p><p>�Etwa zweihunderttausend Soldaten sind noch �brig�, sagte er. �Eine Flutwelle�, und ich berichtete ihm, was Random mir mitgeteilt hatte.</p><p>�K�nnte stimmen�, sagte er. �Aber wir wollen die Sache nicht zerreden. Wetter oder nicht � wir werden ihn besiegen.�</p><p>Ich st�tzte mich auf die Reling und hielt Ausschau.</p><p>Bald m��te Amber in Sicht kommen. Ich kannte mich mit den Tricks der Schatten aus und wu�te, wie ich zu Fu� ans Ziel gelangen konnte.</p><p>Aber jedermann hatte d�stere Vorahnungen.</p><p>Doch den idealen Tag w�rde es niemals geben . . .</p><p>Also segelten wir weiter, und die Dunkelheit h�llte uns ein wie eine riesige Welle, und der schlimmste Orkan von allen brach los.</p><p>Es gelang uns, die Wucht seiner Schl�ge abzureiten, aber ich hatte Angst. Alles war Realit�t, und wir befanden uns in n�rdlichen Gew�ssern. Die Sache konnte gutgehen, wenn Caine sein Wort hielt. Wenn er mit uns k�mpfen wollte, hatte er nun eine vorz�gliche Ausgangsposition.</p><p>Ich nahm daher an, da� er uns verraten hatte. Warum auch nicht? Als ich ihn n�herman�vrieren sah, bereitete ich die Flotte � dreiundsiebzig Schiffe waren noch �brig � zum Kampf vor. Indem ihn die Karten als Schl�sselfigur auswiesen, hatten sie entweder gelogen � oder waren �beraus zutreffend gewesen.</p><p>Das f�hrende Schiff hielt auf mich zu, und ich zog mein Boot herum und fuhr ihm entgegen. Wir drehten bei und musterten uns Seite an Seite. Wir h�tten uns durch die Tr�mpfe verst�ndigen k�nnen, doch Caine w�hlte diesen Weg nicht; dabei war er in dieser Situation der St�rkere. In solchen F�llen schrieb die Familienetikette vor, da� er die Verst�ndigungsmethode w�hlte.</p><p>Er wollte seine Vormachtstellung offenbar f�r alle h�rbar machen, denn er benutzte einen Lautsprecher.</p><p>�Corwin! Liefere deine Flotte aus. Ich bin dir zahlenm��ig �berlegen! Du schaffst es nicht!�</p><p>Ich betrachtete ihn �ber die hochgehenden Wogen hinweg und hob meine Fl�stert�te an die Lippen.</p><p>�Was ist mit unserer Vereinbarung?� fragte ich.</p><p>�Null und nichtig�, entgegnete er. �Du bist viel zu schwach, um gegen Amber etwas auszurichten, also rette Menschenleben und ergib dich sofort.�</p><p>Ich warf einen Blick �ber die linke Schulter auf die Sonne.</p><p>�Bitte h�r mich an, Bruder Caine�, sagte ich, �und gew�hre nir eine Bitte: La� mir Zeit, mich mit meinen Kapit�nen zu besprechen � bis die Sonne im Zenit steht.�</p><p>�Einverstanden�, erwiderte er sofort. �Ich bin sicher, sie werden ihre Lage richtig einsch�tzen.�</p><p>Ich wandte mich ab und gab Befehl, das Schiff zu wenden und zur Hauptflotte zur�ckzusteuern.</p><p>Versuchte ich zu fliehen, w�rde mich Caine durch die Schatten verfolgen und meine Schiffe eins nach dem anderen vernichten. Auf der realen Erde explodierte Schie�pulver nicht, aber wenn wir uns sehr weit davon entfernten, konnte es zu unserer Vernichtung mit eingesetzt werden. Caine w�rde welches beschaffen, denn es war anzunehmen, da� die Flotte, wenn ich sie verlie�, die Schatten-Meere nicht allein bew�ltigen konnte. Die Schiffe s��en dann wie lahme Enten in den realen Gew�ssern hier fest.</p><p>Die Mannschaften waren also tot oder gefangen � was immer ich tat.</p><p>Random hatte recht gehabt.</p><p>Ich nahm Bleys� Trumpf zur Hand und konzentrierte mich darauf, bis er sich bewegte.</p><p>�Ja?� fragte er, und seine Stimme klang erregt. Ich h�rte f�rmlich den Kampfl�rm rings um ihn.</p><p>�Wir haben �rger�, sagte ich. �Dreiundsiebzig Schiffe haben es geschafft, und Caine hat uns aufgefordert, bis Mittag zu kapitulieren.�</p><p>�Verdammt soll er sein!� sagte Bleys. �So weit wie du bin ich noch gar nicht. Wir stehen mitten im Kampf. Eine riesige Kavalleriestreitmacht haut uns in St�cke. Ich kann dir also keinen wohl�berlegten Ratschlag geben, denn ich habe meine eigenen Sorgen. Tu, was du f�r richtig h�ltst. Sie greifen wieder an!� Und der Kontakt war unterbrochen.</p><p>Ich nahm G�rards Karte und suchte die Verbindung.</p><p>Als unser Gespr�ch begann, glaubte ich eine K�stenlinie hinter ihm zu erkennen, die mir bekannt vorkam. Wenn ich recht hatte, befand er sich in s�dlichen Gew�ssern. Ich erinnerte mich nur ungern an unsere Unterhaltung. Ich fragte ihn, ob er mir gegen Caine helfen k�nnte und wollte.</p><p>�Ich habe nur gesagt, ich w�rde dich vorbeilassen. Deshalb habe ich mich in den S�den zur�ckgezogen. Selbst wenn ich wollte, k�nnte ich gar nicht rechtzeitig zur Stelle sein. Ich habe dir keine Hilfe versprochen.�</p><p>Und ehe ich etwas erwidern konnte, war er verschwunden. Er hatte nat�rlich recht. Er hatte sich bereit erkl�rt, mir eine Chance zu geben, nicht meinen Kampf mitzuk�mpfen.</p><p>Welche M�glichkeiten blieben mir noch?</p><p>Ich schritt auf Deck hin und her. Der fr�he Morgen war vorbei. Der Nebel hatte sich l�ngst aufgel�st, und die Sonne w�rmte mir die Schultern. Bald war es Mittag. Vielleicht noch zwei Stunden . . .</p><p>Ich betastete meine Karten, wog das Spiel in der Hand. Ich konnte mich durch die Tr�mpfe auf einen Kampf der Willenskr�fte einlassen � mit Eric oder mit Caine. Diese F�higkeit steckte in den Karten � und vielleicht noch andere, von denen ich im Augenblick keine Ahnung hatte. Sie waren auf Befehl Oberons gestaltet worden, von der Hand des verr�ckten K�nstlers Dworkin Barimen, jenes glut�ugigen Buckligen, der Zauberer, Priester oder Psychiater gewesen war � in diesem Detail widersprachen sich die �berlieferungen � und der aus irgendeinem fernen Schatten stammte, wo Vater ihn vor einem selbstverschuldeten schlimmen Schicksal bewahrt hatte. Die Einzelheiten waren unbekannt, doch hatte er seit jener Zeit nicht mehr alle Tassen im Schrank. Trotzdem war er ein gro�artiger K�nstler, und es war eine unbestreitbare Tatsache, da� er �ber seltsame F�higkeiten verf�gte. Er war vor langer Zeit verschwunden, nachdem er die Karten geschaffen und das Muster in Amber niedergelegt hatte. Wir hatten uns oft �ber ihn Gedanken gemacht, doch niemand schien seinen Aufenthaltsort zu kennen.</p><p>Vielleicht hatte Vater ihn umgebracht, damit seine Geheimnisse nicht bekannt wurden.</p><p>Caine war sicher auf einen Angriff durch die Karten gefa�t, und wahrscheinlich vermochte ich ihn nicht niederzuringen, wenn ich ihn auch vielleicht in meinen Bann schlagen konnte. Aber das gen�gte nicht, da seine Kapit�ne l�ngst Order zum Angriff erhalten hatten.</p><p>Und Eric rechnete bestimmt mit allem � aber wenn es sonst keine andere M�glichkeit gab, konnte ich es genausogut versuchen. Ich hatte au�er meiner Seele nichts zu verlieren.</p><p>Schlie�lich die Karte von Amber selbst. Mit dieser Karte konnte ich mich dorthin versetzen und es mit einem Attentat versuchen, aber ich sch�tzte das Risiko auf eins zu eine Million gegen mich.</p><p>Ich war zum Kampf bereit, doch es war sinnlos, all diese M�nner mit mir in den Tod zu rei�en. Vielleicht war mein Blut trotz meiner Macht �ber das Muster d�nn geworden. Ein echter Prinz von Amber h�tte Skrupel dieser Art nicht haben d�rfen.</p><p>Ich begann zu ahnen, da� mich die Jahrhunderte auf der Schatten-Erde sehr ver�ndert und vielleicht weicher gemacht hatten; da� sie in mir etwas bewirkt hatten, das mich nun von meinen Br�dern unterschied.</p><p>Ich beschlo�, die Flotte auszuliefern und mich dann nach Amber zu versetzen, wo ich Eric zu einem entscheidenden Duell herausfordern wollte. Darauf einzugehen w�re dumm von ihm. Aber was machte das f�r einen Unterschied � ich hatte keine andere Wahl.</p><p>Ich drehte mich um und machte meine Offiziere mit meinen W�nschen bekannt und sp�rte pl�tzlich, wie mich die Macht befiel, und ich war sprachlos.</p><p>Ich sp�rte den Kontakt und brachte schlie�lich zwischen zusammengebissenen Z�hnen hervor: �Wer?� Es kam keine Antwort, doch etwas drehte und bohrte sich langsam in meinen Geist, und ich rang damit.</p><p>Als er nach einer Weile erkannte, da� ich mich nicht ohne langen Kampf besiegen lie�, h�rte ich Erics Stimme im Wind.</p><p>�Wie stehen die Dinge bei dir, Bruder?� erkundigte er sich.</p><p>�Nicht gut�, erwiderte oder dachte ich, und er lachte leise, wenngleich sich in seiner Stimme die Anstrengung unseres Kampfes widerzuspiegeln schien.</p><p>�Das ist schade�, sagte er. �W�rst du zur�ckgekommen, um mich zu unterst�tzen, h�tte ich dich f�rstlich belohnt. Aber dazu ist es nat�rlich zu sp�t. Jetzt werde ich jubilieren, sobald ich dich und Bleys geschlagen habe.�</p><p>Ich antwortete nicht sofort, sondern k�mpfte mit allen Kr�ften.</p><p>Vor diesem Angriff zog er sich ein St�ck zur�ck, doch er vermochte mich an Ort und Stelle festzuhalten.</p><p>Wurde einer von uns auch nur einen Sekundenbruchteil lang abgelenkt, konnten wir in physischen Kontakt miteinander treten, oder einer von uns konnte auf der geistigen Ebene die Oberhand gewinnen. Ich vermochte ihn jetzt deutlich in seinen Palastr�umen zu erkennen. Doch wer immer einen Angriff wagte, er w�rde sich der Kontrolle des anderen ausliefern.</p><p>Also starrten wir uns d�ster an und k�mpften im Geiste. Mit seinem Angriff hatte sich eines meiner Probleme erledigt. Er hielt meinen Trumpf in der Linken, und seine Stirn war gerunzelt. Ich suchte nach einem Ansatzpunkt, konnte aber keinen finden.</p><p>Leute redeten mit mir, doch ich verstand ihre Worte nicht, w�hrend ich mit dem R�cken an der Reling stand.</p><p>Wie sp�t war es?</p><p>Mit dem Beginn des Kampfes hatte mich jegliches Zeitgef�hl verlassen. Konnte es sein, da� zwei Stunden verstrichen waren? War es das? Ich war mir meiner Sache nicht sicher.</p><p>�Ich sp�re deine Beunruhigung�, sagte Eric. �Jawohl, ich habe mich mit Caine abgesprochen. Er hat sich nach eurer Unterhaltung mit mir in Verbindung gesetzt. Ich kann dich m�helos weiter festhalten, w�hrend deine Flotte ringsum zerschossen und zum Verrotten nach Rebma geschickt wird. Die Fische werden sich an deinen M�nnern g�tlich tun.�</p><p>�Warte!� sagte ich. �Sie sind schuldlos. Bleys und ich haben sie get�uscht, und sie glauben f�r eine gerechte Sache zu k�mpfen. Ihr Tod h�tte keinen Sinn mehr. Ich hatte mir schon vorgenommen, die Flotte kapitulieren zu lassen.�</p><p>�Dann h�ttest du nicht so lange z�gern sollen�, erwiderte er. �Jetzt ist es zu sp�t. Ich kann Caine nicht anrufen und meine Befehle widerrufen, ohne dich freizugeben, und sobald ich dich loslasse, falle ich unter deine geistige Herrschaft oder bin einem physischen Angriff ausgesetzt. Unsere Gehirne sind zu sehr verwandt.�</p><p>�Wenn ich dir nun mein Wort gebe, da� ich meinen Vorteil nicht nutze?�</p><p>�Jeder Mensch schw�rt Meineide, um ein K�nigreich zu erringen�, sagte Eric.</p><p>�Kannst du meine Gedanken nicht lesen? Ersp�rst du ihn nicht in meinem Geist? Ich halte mein Wort!�</p><p>�Ich sp�re ein seltsames Mitleid mit diesen Lebewesen, die du get�uscht hast, und wei� nicht, worauf eine solche Bindung beruhen k�nnte � trotzdem nein! Du wei�t zu gut Bescheid. Selbst wenn du es in diesem Augenblick ehrlich meintest � was ja durchaus der Fall sein mag �, w�re die Versuchung zu gro�, sobald sich die Gelegenheit bietet. Du wei�t das so gut wie ich. Ich darf das Risiko nicht eingehen.�</p><p>Und ich wu�te Bescheid. Zu sehr brannte Amber in unserem Blut.</p><p>�Du bist mit dem Schwert wesentlich besser als fr�her�, fuhr er fort. �Wie ich sehe, hat dir dein Exil in dieser Hinsicht durchaus gen�tzt. Du bist von allen derjenige, der sich am ehesten auf meine Stufe stellen k�nnte � ausgenommen Benedict, der vielleicht tot ist.�</p><p>�Bilde dir nichts ein�, sagte ich. �Ich wei�, da� ich schon jetzt mit dir fertigwerde. Im Grunde . . .�</p><p>�Spar dir die M�he. In diesem sp�ten Stadium lasse ich mich mit dir nicht auf ein Duell ein.� Und er l�chelte in der Erkenntnis meines Gedankens, der allzu offenkundig geworden war.</p><p>�Ich w�nschte mir wirklich fast, du h�ttest dich auf meine Seite gestellt�, sagte er. �Ich h�tte dich besser gebrauchen k�nnen als die anderen. Julian kann ich nicht ausstehen. Caine ist ein Feigling. G�rard ist stark, aber dumm.�</p><p>Ich beschlo�, ein gutes Wort einzulegen � das einzige, mit dem ich vielleicht Erfolg hatte.</p><p>�H�r zu�, sagte ich. �Ich habe Random durch einen Trick dazu gebracht, mich hierher zu begleiten. Ihm hat der Gedanke von Anfang an nicht gefallen. Ich glaube, er h�tte dich unterst�tzt, wenn du ihn darum gebeten h�ttest.�</p><p>�Der Schweinehund!� sagte er. �Den lie�e ich nicht mal die Nachtt�pfe im Palast leeren. In meinem f�nde ich bestimmt einen Piranha-Fisch. Nein danke. Ich h�tte ihn vielleicht begnadigt � aber damit ist es aus, nachdem du dich f�r ihn verwendet hast. M�chtest du, da� ich ihn an meine Brust dr�cke und ihn Bruder hei�e, nicht wahr? O nein! Du bist ihm zu hastig zu Hilfe gekommen. Das offenbart mir seine wahre Einstellung, die er dir zweifellos enth�llt hat. Vergessen wir Random in den H�fen der Gnade.�</p><p>In diesem Augenblick bemerkte ich Rauchgeruch und vernahm metallisches Klirren. Das konnte nur bedeuten, da� Caine �ber uns hergefallen war und seine Arbeit tat.</p><p>�Gut�, sagte Eric, der die Eindr�cke aus meinem Geist mitbekam.</p><p>�Halte sie auf! Bitte! Meine M�nner haben keine Chance gegen eine solche �bermacht!�</p><p>�Selbst wenn du dich ergeben w�rdest . . .�Und er unterbrach mit einem Fluch. Da fing ich seinen Gedanken auf. Er h�tte verlangen k�nnen, da� ich als Gegenleistung f�r die Schonung meiner M�nner kapitulierte � ohne dann Caine in seiner Schl�chterei Einhalt zu gebieten. Ein solcher Schachzug h�tte ihm gepa�t, aber er hatte im Eifer des Gefechts die falschen Worte �ber die <emphasis>Zunge</emphasis> rutschen lassen.</p><p>Ich lachte �ber seinen Zorn.</p><p>�Ich erwische dich sowieso bald�, sagte er. �Sobald das Flaggschiff erobert wird.�</p><p>�Aber zuvor�, sagte ich, �solltest du dies mal versuchen!� Und ich griff ihn an, mit allem, was ich hatte. Ich drang in seinen Geist ein, peinigte ihn mit meinem Ha�. Ich sp�rte seinen Schmerz, der mich zu weiteren Anstrengungen anspornte. Zum Ausgleich f�r all die Jahre meines Exils hieb ich nach ihm, suchte ich wenigstens diesen Lohn. Daf�r, da� er mich grausam der Pest ausgeliefert hatte, h�mmerte ich auf die Barrieren seiner geistigen Normalit�t ein, suchte ich meine Rache. In der Erinnerung an den Autounfall, f�r den er verantwortlich gewesen war, das wu�te ich, drang ich auf ihn ein, suchte seine Qual zum Ausgleich f�r meinen Schmerz.</p><p>Er begann nachzulassen, und mein Angriff steigerte sich weiter.</p><p>Ich fiel �ber ihn her, und er begann die Herrschaft �ber mich zu verlieren.</p><p>�Du Teufel!� rief er schlie�lich und schob die Hand �ber die Karte, die er umklammerte.</p><p>Der Kontakt war unterbrochen, und ich stand zitternd an Deck.</p><p>Ich hatte es geschafft! Ich hatte ihn in einem Willenskampf besiegt. Im Einzelkampf brauchte ich meinen tyrannischen Bruder nie wieder zu f�rchten.</p><p>Ich war st�rker als er.</p><p>Ich machte mehrere tiefe Atemz�ge und richtete mich auf, bereit f�r den Augenblick, da sich die innere K�lte eines neuen geistigen Angriffs anmeldete. Aber ich wu�te auch, da� es nicht mehr dazu kommen w�rde, jedenfalls nicht von Eric. Ich sp�rte, da� er Angst hatte vor meinem Zorn.</p><p>Ich sah mich um. Ringsum wurde gek�mpft. Schon str�mte Blut �ber die Decksplanken. Ein Schiff lag l�ngsseits, und seine Mannschaft enterte uns. Ein zweites Schiff versuchte auf der anderen Seite dasselbe Man�ver einzuleiten. Ein Pfeil sirrte mir am Kopf vorbei.</p><p>Ich zog mein Schwert und st�rzte mich in den Kampf.</p><p>Ich wei� nicht mehr, wie viele M�nner ich an jenem Tag t�tete. Nach dem zw�lften oder dreizehnten Gegner verlor ich die �bersicht. In diesem ersten Zusammensto� war es jedenfalls mehr als die doppelte Anzahl. Die K�rperkr�fte, die ein Prinz von Amber von Natur aus besitzt, leisteten mir heute gute Dienste; immerhin konnte ich einen Mann mit der Hand in die Luft rei�en und �ber die Reling schleudern.</p><p>Wir t�teten jeden Mann an Bord der angreifenden Schiffe, �ffneten ihre Luken und schickten sie nach Rebma hinab. Meine Mannschaft war auf die H�lfte reduziert worden, und ich hatte unz�hlige Stiche und Schnitte abbekommen, allerdings nichts Ernstes. Anschlie�end kamen wir einem Schwesterschiff zu Hilfe und erledigten ein weiteres Piratenschiff Caines.</p><p>Die �berlebenden des geretteten Boots kamen an Bord des Flaggschiffes. Auf diese Weise verf�gte ich wieder �ber eine komplette Mannschaft.</p><p>�Blut!� br�llte ich. �Blut und Rache schenkt mir an diesem Tag, meine Krieger, dann soll man sich eurer in Amber auf ewig erinnern!�</p><p>Und wie ein Mann hoben sie die Waffen und br�llten: �Blut!� Wir vernichteten zwei weitere Angreiferschiffe und erg�nzten unsere Mannschaft mit �berlebenden von anderen Einheiten unserer Flotte. W�hrend wir auf einen sechsten Gegner zuhielten, erklomm ich den Hauptmast und versuchte mir einen ungef�hren �berblick zu verschaffen.</p><p>Caine schien drei zu eins in der �berzahl zu sein. Meine Flotte bestand noch aus f�nfundvierzig bis f�nfundf�nfzig Einheiten.</p><p>Wir besiegten den sechsten Gegner und brauchten nicht lange nach dem siebenten und achten zu suchen � sie griffen uns an. Auch diese Schiffe k�mpften wir nieder, doch ich zog mir mehrere Wunden zu in den Auseinandersetzungen, die meine Mannschaft erneut halbierten. An der linken Schulter und am rechten Schenkel klafften tiefe Schnitte, und ein Ri� an der rechten H�fte tat h�llisch weh.</p><p>W�hrend wir die beiden Schiffe auf den Meeresgrund schickten, r�ckten zwei weitere heran.</p><p>Wir flohen und taten uns mit einem meiner Schiffe zusammen, das siegreich aus einem Kampf hervorgegangen war. Wieder legten wir die Mannschaften zusammen, wobei wir diesmal die Standarte auf das andere Schiff hin�bernahmen, das weniger besch�digt war, w�hrend mein bisheriges Flaggschiff bereits zu lecken begann und Schlagseite nach Steuerbord bekam.</p><p>Man lie� uns nicht die Zeit, zu Atem zu kommen; schon n�herte sich ein weiteres Schiff.</p><p>Meine M�nner waren ersch�pft, und ich begann die Anstrengungen des Kampfes ebenfalls zu sp�ren. Zum Gl�ck war die gegnerische Mannschaft auch nicht mehr sonderlich in Form.</p><p>Ehe ein zweites Schiff Caines eingreifen konnte, hatten wir es geentert und die Standarte erneut mitgenommen. Der Zustand dieses Schiffes war sogar noch besser.</p><p>Wir besiegten auch den n�chsten Angreifer, und ich besa� nun ein gutes Schiff und vierzig Mann � und konnte bald nicht mehr.</p><p>Nun war niemand mehr in Sicht, der uns h�tte helfen k�nnen.</p><p>Soweit meine Schiffe noch schwimmf�hig waren, k�mpften sie gegen mindestens einen Gegner. Als ein Angreifer auf uns zuhielt, ergriffen wir die Flucht.</p><p>Auf diese Weise holten wir etwa zwanzig Minuten heraus. Ich versuchte in die Schatten zu segeln, aber in solcher N�he zu Amber ist das eine anstrengende, langwierige Sache. Es ist viel einfacher, nach Amber vorzudringen, als sich wieder davon zu entfernen, denn Amber ist das Zentrum, der Nexus. H�tte ich zehn Minuten l�nger Zeit gehabt, w�re es mir vielleicht trotzdem gelungen.</p><p>Doch ich schaffte es nicht.</p><p>Als der Verfolger n�her kam, machte ich in der Ferne ein weiteres Schiff aus, das sich in unsere Richtung wandte. Es trug die schwarzgr�ne Standarte unter Erics Farben und dem wei�en Einhorn. Caines Schiff. Er wollte den letzten Akt pers�nlich miterleben.</p><p>Wir griffen den ersten Verfolger an, hatten aber kaum Gelegenheit, ihn zu versenken; schon fiel Caine �ber uns her. Schlie�lich stand ich auf dem blutigen Deck, von einem Dutzend M�nnern umgeben, und Caine ging zum Bug seines Schiffs und forderte mich auf, die Waffen zu strecken.</p><p>�Schenkst du meinen M�nnern das Leben, wenn ich es tue?� fragte ich.</p><p>�Ja�, erwiderte er. �T�te ich es nicht, w�rde ich noch ein paar Leute mehr verlieren � und das mu� nun wirklich nicht sein.�</p><p>�Gibst du mir dein Wort als Prinz?� fragte ich.</p><p>Er �berlegte einen Augenblick lang und nickte schlie�lich.</p><p>�Also gut�, sagte er. �La� deine M�nner die Waffen niederlegen und zu mir an Bord steigen, sobald ich l�ngsseits komme.�</p><p>Ich steckte meine Klinge fort und schaute nickend in die Runde.</p><p>�Ihr habt einen guten Kampf geliefert, und ich liebe euch daf�r�, sagte ich. �Doch in diesem Augenblick sind wir unterlegen.� W�hrend des Sprechens trocknete ich mir die H�nde an meinem Mantel ab und wischte sie sauber, da ich ungern ein Kunstwerk beflecke. �Streckt die Waffen in dem Bewu�tsein, da� eure M�hen nicht vergessen werden. Eines Tages werde ich euch am Hofe Ambers besingen!�</p><p>Die M�nner � neun gro�e roth�utige Gestalten und drei Pelzwesen � weinten, als sie die Waffen niederlegten.</p><p>�Habt keine Sorge, da� etwa der Kampf um die Stadt verloren sei�, fuhr ich fort. �Wir sind lediglich in einer Schlacht unterlegen, der Krieg geht anderswo weiter. Mein Bruder Bleys k�mpft sich in diesem Augenblick auf Amber zu. Caine wird sein Versprechen halten und euch verschonen, wenn er sieht, da� ich zu Bleys an Land gegangen bin. Es tut mir nur leid, da� ich euch nicht mitnehmen kann.�</p><p>Mit diesen Worten zog ich Bleys� Trumpf aus dem Kartenspiel und hielt ihn vor mich, im Schutz der Reling, wo die Karte vom anderen Schiff aus nicht gesehen werden konnte.</p><p>Als Caine anlegte, r�hrte sich etwas unter der kalten, kalten Oberfl�che.</p><p>�Wer?� fragte Bleys.</p><p>�Corwin�, sagte ich. �Wie geht es dir?�</p><p>�Wir haben die Schlacht gewonnen, dabei aber viele M�nner verloren. Wir ruhen uns gerade aus, ehe wir weitermarschieren. Wie stehen die Dinge bei dir?�</p><p>�Ich glaube, wir haben fast die H�lfte von Caines Flotte vernichtet, doch er hat den Tagessieg errungen. Er ist im Begriff, uns zu entern. Hilf mir fliehen!�</p><p>Er streckte die Hand aus, und ich ber�hrte sie und sank ihm in die Arme.</p><p>�Das wird nun schon langsam zur Gewohnheit�, brummte ich und bemerkte jetzt, da� er ebenfalls verwundet war � am Kopf � und da� sich eine Bandage um seine linke Hand zog. �Mu�te das falsche Ende eines S�bels anfassen�, erkl�rte er, als er meinen Blick bemerkte. �Tut ganz sch�n weh.�</p><p>Als ich langsam wieder zu Atem kam, gingen wir zu seinem Zelt, wo er eine Flasche Wein aufmachte und mir Brot, K�se und etwas getrocknetes Fleisch vorsetzte. Er hatte noch reichlich Zigaretten, und ich qualmte vor mich hin, w�hrend ein Sanit�tsoffizier meine Wunden versorgte.</p><p>Er hatte noch immer etwa hundertundachtzigtausend Mann hinter sich. W�hrend ich auf einer H�gelkuppe den Beginn des Abends erlebte, hatte ich das Gef�hl, �ber jedes Lager zu schauen, das ich je in meinem Leben gesehen hatte, ein Lager, das sich �ber endlose Meilen und Jahrhunderte erstreckte. Pl�tzlich sp�rte ich Tr�nen in den Augen, vergossen f�r die armen Kreaturen, die nicht wie die Herren von Amber sind, die nur eine kurze Lebensspanne haben und dann zu Staub werden; ich beweinte den Umstand, da� so viele dieser Wesen wegen unserer Launen auf den Schlachtfeldern der Welt den Tod finden mu�ten.</p><p>Schlie�lich kehrte ich in Bleys� Zelt zur�ck, und wir leerten eine Flasche Wein um die andere.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>In dieser Nacht erhob sich ein heftiger Sturm. Das Toben des Windes lie� auch nicht nach, als sich die Morgend�mmerung bem�hte, die Handfl�che der Welt in Silber zu tauchen, und dauerte w�hrend unseres ganzen Tagesmarsches an.</p><p>Es ist sehr entmutigend, im Regen zu marschieren, noch dazu in einem kalten Regen. Oh, wie habe ich den Schlamm geha�t, durch den ich immer wieder gewandert bin � jahrhundertelang, wie mir scheinen will!</p><p>Wir suchten einen Schatten-Weg, auf dem es nicht regnete, doch was wir auch anstellten, wir kamen nicht weiter.</p><p>Wir konnten nach Amber marschieren, doch wir kamen nicht darum herum, da� uns dabei die Kleidung am Leibe klebte, da� uns der Trommelwirbel des Donners begleitete, da� hinter unserem R�cken die Blitze zuckten.</p><p>Am n�chsten Abend fiel die Temperatur in ungeahnte Tiefen, und am Morgen starrte ich an den steif gefrorenen Flaggen vorbei auf eine nun wei�e Welt unter dem grauen Himmel, vor dem zahlreiche helle Punkte flirrten. Der Atem wehte mir in riesigen Wolken um den Kopf.</p><p>Unsere Truppen waren auf ein solches Wetter nicht eingerichtet, mit Ausnahme der Pelzwesen � und wir trieben die M�nner zur Eile an, um Erfrierungen zu verhindern. Die gro�en roth�utigen Burschen litten entsetzlich. Sie kamen aus einer sehr warmen Welt.</p><p>An diesem Tag wurden wir von Tigern, Polarb�ren und W�lfen angegriffen. Der Tiger, den Bleys erlegte, war von der Schnauze bis zur Schwanzspitze gut vierzehn Fu� lang.</p><p>Wir marschierten bis tief in die Nacht hinein; dann begann es zu tauen. Bleys trieb die Soldaten an, um sie aus den kalten Schatten zu holen. Der Trumpf f�r Amber hatte uns verraten, da� dort ein warmer, trockener Herbst herrschte; wir begannen uns der wirklichen Erde zu n�hern.</p><p>Gegen Mitternacht der zweiten Nacht lagen Hagel und Schneematsch und kalte und warme Regenf�lle hinter uns � wir waren in einer trockenen Welt.</p><p>Nun wurde der Befehl zum Lageraufschlagen gegeben � mit einem dreifachen Sicherheitskordon. In Anbetracht der M�digkeit der M�nner waren wir reif f�r einen Angriff. Doch die M�nner taumelten bereits vor Ersch�pfung und lie�en sich nicht weiter antreiben.</p><p>Der Angriff erfolgte mehrere Stunden sp�ter, und Julian war der Anf�hrer, wie ich sp�ter den Schilderungen �berlebender entnahm.</p><p>Er f�hrte Kommandounternehmen gegen unsere empfindlichsten Lagerteile am Rand der Haupttruppe. H�tte ich gewu�t, da� Julian am Werke war, h�tte ich seinen Trumpf benutzt, um ihn vielleicht im Schach zu halten � doch ich erfuhr erst davon, als es schon zu sp�t war.</p><p>Wir hatten in dem �berraschenden Winter etwa zweitausend Mann verloren, und mir war noch nicht bekannt, wie viele Opfer Julian gefunden hatte.</p><p>Offenbar verloren die M�nner langsam den Mut, doch sie gehorchten, als der Weitermarsch befohlen wurde.</p><p>Der n�chste Tag verging unter st�ndigen Angriffen. Eine Armee unserer Gr��e konnte sich nicht ausreichend flexibel bewegen, um den st�ndigen Attacken zu entgehen, die Julian gegen unsere Flanken f�hrte. Einige seiner M�nner erwischten wir, aber nicht genug � das Verh�ltnis war etwa eins zu zehn.</p><p>Gegen Mittag durchquerten wir das Tal, das parallel zur Meeresk�ste verlief. Der Wald von Arden lag links von uns im Norden. Amber erhob sich direkt vor uns. Der Wind war k�hl und trug die Ger�che der Erde und ihrer s��en Fr�chte herbei. Bl�tter fielen herab. Amber war noch achtzig Meilen entfernt, ein blo�er Schimmer am Horizont.</p><p>Als sich an diesem Nachmittag Wolken zusammenzogen und ein leichter Schauer begann, regneten pl�tzlich Pfeile vom Himmel. Das Unwetter h�rte wieder auf, und die Sonne kam hervor, um alles zu trocknen.</p><p>Nach einer Weile bemerkten wir den Rauchgeruch.</p><p>Und etwas sp�ter sahen wir den Rauch, der ringsum zum Himmel aufstieg.</p><p>Schlie�lich begannen die Flammenw�nde aufzusteigen und wieder zusammenzusinken. Sie bewegten sich mit knirschenden, unaufhaltsamen Schritten auf uns zu; und im N�herkommen begannen wir die Hitze zu sp�ren, und irgendwo weiter hinten in der Truppe entstand Panik. Geschrei ert�nte, und die Kolonne wogte nach vorn.</p><p>Wir begannen zu laufen.</p><p>Ringsum fielen Ascheflocken zu Boden, und der Rauch wurde dichter. Wir rannten so schnell wir konnten, und die Flammen dr�ngten noch n�her heran. Die Licht- und Hitzevorh�nge flatterten mit gleichm��igem, wogendem Brausen, und die Wogen der Hitze h�mmerten auf uns ein, rasten �ber uns dahin. Nach kurzer Zeit waren sie unmittelbar neben uns, und die B�ume verkohlten, die Bl�tter wehten glosend herab, und einige der kleineren St�mme begannen zu schwanken. Unser Weg war eine einzige Allee aus Br�nden, so weit wir blickten.</p><p>Wir rannten noch schneller, denn die Lage mu�te sich noch verschlimmern.</p><p>Und darin irrten wir uns nicht.</p><p>Gewaltige B�ume begannen sich vor uns �ber den Weg zu legen.</p><p>Wir sprangen �ber die St�mme oder liefen darum herum. Wenigstens waren wir auf einem Weg . . .</p><p>Die Hitze wurde erdr�ckend, und der Atem rasselte in unseren Lungen. Rehwild und W�lfe und F�chse und Kaninchen huschten an uns vorbei, fl�chteten mit uns, ignorierten uns und ihre nat�rlichen Feinde. Die Luft �ber dem Rauch schien mit Wolken kreischender V�gel angef�llt. Ihre Ausscheidungen fielen auf uns herab.</p><p>Das Anstecken dieses alten Waldes, der so ehrw�rdig war wie der Wald von Arden, wollte mir fast wie ein Sakrileg erscheinen. Aber Eric war Prinz von Amber � und bald auch K�nig. Ich h�tte vielleicht ebenso gehandelt . . .</p><p>Augenbrauen und Haar wurden mir angesengt. Meine Kehle f�hlte sich wie ein Kamin an. Ich fragte mich, wie viele M�nner uns dieser Angriff kosten mochte.</p><p>Siebzig Meilen Waldwege lagen zwischen uns und Amber, und �ber drei�ig Meilen hinter uns, bis zum Rand des Baumbestandes.</p><p>�Bleys!� keuchte ich. �Zwei oder drei Meilen vor uns gabelt sich der Weg! Rechts kommt man schneller zum Oisen-Flu�, der zum Meer f�hrt! Ich glaube, das ist unsere Chance! Das ganze Garnath-Tal wird verbrennen! Unsere einzige Hoffnung liegt am Wasser!�</p><p>Er nickte.</p><p>Wir hasteten weiter, doch die Br�nde �berholten uns.</p><p>Wir schafften es bis zur Abzweigung, w�hrend wir die Flammen auf unserer glimmenden Kleidung mit den H�nden l�schten, uns die Asche aus den Augen rieben, schwarze Flocken ausspuckten und mit den Fingern durch das Haar fuhren, sobald sich dort Fl�mmchen anzunisten begannen.</p><p>�Nur noch etwa eine Viertelmeile�, sagte ich.</p><p>Schon mehrfach war ich von fallenden �sten getroffen worden. Die blo�liegenden Stellen meiner Haut pulsierten mit einem fiebrigen Schmerz. Wir eilten durch brennendes Gras, hasteten einen langen Hang hinab und sahen unter das Wasser, und unser Tempo nahm weiter zu, obwohl wir es nicht f�r m�glich gehalten hatten. Wir st�rzten uns in den Flu� und lie�en uns von der kalten N�sse einh�llen.</p><p>Bleys und ich bem�hten uns, beieinander zu bleiben, als die Str�mung uns packte und wir durch das gewundene Bett des Oisen gerissen wurden. Die verfilzten �ste der B�ume �ber uns waren zu den St�tzpfeilern einer Kathedrale aus Feuer geworden. Wo sie auseinanderbrachen und einst�rzten, mu�ten wir uns auf den Bauch drehen und untertauchen oder uns anders in Sicherheit bringen, je nachdem, wie nahe wir waren.</p><p>Das Wasser ringsum war angef�llt mit zischenden schwarzen Brocken, und hinter uns wirkten die K�pfe unserer �berlebenden Soldaten wie eine Ladung dahintreibender Kokosn�sse.</p><p>Das Wasser war dunkel und kalt, und unsere Wunden begannen zu schmerzen, und wir zitterten und klapperten mit den Z�hnen.</p><p>Wir mu�ten mehrere Meilen zur�cklegen, ehe der brennende Wald zur�ckblieb und der flachen baumlosen Ebene Platz machte, die sich bis zum Meer erstreckte. Sie bot Julian eine perfekte M�glichkeit, sich mit seinen Bogensch�tzen auf die Lauer zu legen. Ich rnachte eine entsprechende Bemerkung gegen�ber Bleys, und er war meiner Meinung, sah aber keine M�glichkeit, etwas dagegen zu tun. Und da mu�te ich ihm recht geben.</p><p>Ringsum brannte der Wald, und wir schwammen und lie�en uns treiben.</p><p>Meine �ngste bewahrheiteten sich, und der erste Pfeilschauer regnete auf uns herab.</p><p>Ich tauchte und schwamm eine lange Strecke unter Wasser. Da ich mich mit der Str�mung bewegte, schaffte ich auf diese Weise ein gutes St�ck, ehe ich wieder an die Oberfl�che mu�te.</p><p>Und schon tauchten weitere Pfeile um mich ins Wasser.</p><p>Die G�tter allein mochten wissen, wie lange sich dieser Todeskampf noch hinziehen mochte � doch ich wollte nach M�glichkeit sein Ende erleben.</p><p>Also atmete ich tief ein und ging wieder unter Wasser.</p><p>Ich ber�hrte den Flu�grund, tastete mich �ber Felsen weiter.</p><p>Ich schwamm so weit ich konnte und hielt dann auf das rechte Ufer zu; beim Auftauchen lie� ich die Luft ab.</p><p>Ich brach durch die Oberfl�che, atmete tief ein und tauchte wieder unter, ohne mich umzusehen.</p><p>Und ich schwamm, bis mir die Lungen zu platzen drohten; dann kam ich wieder hoch.</p><p>Diesmal hatte ich nicht soviel Gl�ck. Ein Pfeil bohrte sich durch meinen linken Bizeps. Ich schaffte es wieder unter Wasser und brach den Schaft ab, als ich den Grund erreichte. Beim n�chsten Auftauchen bot ich ein sicheres Ziel, das wu�te ich.</p><p>Daher zwang ich mich weiter, bis mir rote Blitze vor den Augen zuckten und sich Schw�rze in meinem Kopf auszubreiten drohte. Gut drei Minuten mu� ich unten gewesen sein.</p><p>Als ich wieder hochkam, geschah nichts, und ich trat Wasser und versuchte hustend und keuchend wieder zu Atem zu kommen.</p><p>Ich schwamm zum linken Ufer und hielt mich an den herabh�ngenden Ranken fest.</p><p>Dann sah ich mich um. In dieser Gegend gab <emphasis>es</emphasis> kaum noch B�ume, und das Feuer war noch nicht bis hierher vorgedrungen. Beide Ufer schienen leer zu sein � ebenso der Flu�. War ich etwa der einzige �berlebende? Das wollte mir unm�glich erscheinen. Immerhin war unsere Armee zu Beginn des Marsches riesig gewesen.</p><p>Ich war halbtot vor Ersch�pfung, und mein ganzer K�rper schmerzte. Jeder Quadratzentimeter meiner Haut schien versengt zu sein, aber das Wasser war so kalt, da� ich zugleich zitterte und wahrscheinlich blaugefroren war. Wenn ich weiterleben wollte, mu�te ich den Flu� schleunigst verlassen. Allerdings hatte ich das Gef�hl, da� ich noch einige Etappen unter Wasser durchstehen konnte, und beschlo� meine Flucht auf diesem Wege noch ein St�ck fortzusetzen, ehe ich mich endg�ltig von den sch�tzenden Tiefen abwandte.</p><p>Mit M�he und Not schaffte ich vier weitere Tauchstrecken und hatte schlie�lich das Gef�hl, da� ich eine f�nfte Etappe nicht mehr schaffen w�rde. Ich klammerte mich an einem Felsen fest, bis ich wieder ruhiger atmen konnte, und kletterte schlie�lich an Land.</p><p>Dort lie� ich mich auf den R�cken rollen und sah mich um. Die Gegend war mir unbekannt. Das Feuer schien noch weit entfernt zu sein. Ein dickes Geb�sch erstreckte sich zu meiner Rechten, und ich kroch darauf zu, zw�ngte mich hinein, fiel flach aufs Gesicht und schlief ein.</p><empty-line/><p>Als ich erwachte, w�re ich am liebsten gestorben. Mein ganzer K�rper war ein einziger Schmerz, und mir war �bel. Halb im Delirium lag ich im Geb�sch und taumelte schlie�lich nach Stunden zum Flu� zur�ck, wo ich durstig trank. Dann torkelte ich wieder auf das Dickicht zu und legte mich erneut schlafen.</p><p>Als ich das Bewu�tsein wiedererlangte, f�hlte ich mich noch immer sehr mitgenommen, wenn auch ein wenig kr�ftiger. Ich ging zum Flu� zur�ck und stellte mit Hilfe meines eiskalten Trumpfes fest, da� Bleys noch am Leben war.</p><p>�Wo bist du?� fragte er, als ich Kontakt aufgenommen hatte.</p><p>�Wenn ich das nur w��te!� erwiderte ich. �Ich habe Gl�ck, da� ich �berhaupt irgendwo bin. Allerdings mu� das Meer in der N�he sein. Ich h�re die Wellen und kenne den Geruch.�</p><p>�Du bist in der N�he des Flusses?�</p><p>�Ja.�</p><p>�An welchem Ufer?�</p><p>�Am linken, am Nordufer.�</p><p>�Dann bleibe, wo du bist�, wies er mich an. �Ich schicke jemanden zu dir. Ich sammele gerade unsere Streitkr�fte. Ich habe schon �ber zweitausend zusammen; Julian traut sich bestimmt nicht in unsere N�he. Es werden mit jeder Minute mehr.�</p><p>�Gut�, sagte ich.</p><p>Ich blieb, wo ich war. Und dabei schlief ich ein.</p><empty-line/><p>Ich h�rte sie durch die B�sche brechen und duckte mich. Vorsichtig schob ich einige �ste zur Seite und starrte hindurch.</p><p>Es waren Roth�ute.</p><p>Ich klopfte meine Kleidung ab, fuhr mir mit den Fingern durchs Haar, richtete mich schwankend auf, machte einige tiefe Atemz�ge und trat vor.</p><p>�Hier�, verk�ndete ich.</p><p>Zwei von den Wesen fuhren mit gezogenen Klingen herum. Aber sie erholten sich schnell wieder, l�chelten, bezeugten mir ihren Respekt und f�hrten mich zum Lager, das etwa zwei Meilen entfernt war. Ich schaffte die Strecke, ohne mich aufst�tzen zu m�ssen.</p><p>Bleys tauchte auf. �Wir haben schon gut dreitausend beisammen�, sagte er und rief einen Sanit�tsoffizier herbei, der sich meiner annehmen mu�te.</p><p>In der Nacht bel�stigte uns niemand. In dieser Zeit stie�en gro�e Teile unserer Truppen wieder zu uns, und auch am folgenden Tag verst�rkten sich unsere Reihen weiter.</p><p>Schlie�lich hatten wir etwa f�nftausend Mann. In der Ferne war Amber zu erkennen.</p><p>Wir lagerten eine weitere Nacht und setzten uns am n�chsten Morgen in Marsch.</p><p>Am Nachmittag hatten wir etwa f�nfzehn Meilen zur�ckgelegt. Wir marschierten am Strand entlang. Von Julian keine Spur.</p><p>Der Schmerz in meinen Brandwunden begann nachzulassen.</p><p>Mein Oberschenkel schien zu heilen, doch Schulter und Arm taten noch scheu�lich weh.</p><p>Wir marschierten weiter und befanden uns bald vierzig Meilen vor Amber. Das Wetter blieb friedlich, und der Wald zu unserer Linken war eine einzige trostlose Aschew�ste. Das Feuer hatte den gr��ten Teil des Holzbestandes im Tal vernichtet, was sich zur Abwechslung einmal zu unserem Vorteil auswirkte. Weder Julian noch sonst jemand konnte uns hier in einen Hinterhalt locken. Jede Ann�herung bemerkten wir auf weite Entfernung. Vor Sonnenuntergang schafften wir weitere zehn Meilen und schlugen unser Lager am Meer auf.</p><p>Am n�chsten Tag mu�te ich daran denken, da� Erics Kr�nung unmittelbar bevorstand, und machte Bleys auf diese Tatsache aufmerksam. Wir wu�ten nicht mehr so recht, welchen Tag wir eigentlich schrieben, doch mir war klar, da� wir noch eine kurze Gnadenfrist hatten.</p><p>Wir drangen im Eilmarsch weiter vor, und gegen Mittag legten wir eine Pause ein. Unsere Entfernung zum Fu�e des Kolvir betrug nur noch f�nfundzwanzig Meilen, bei Einbruch der D�mmerung noch zehn.</p><p>Und wir ruhten nicht. Wir marschierten bis Mitternacht und lagerten erneut. Inzwischen hatte ich wieder einigerma�en zu mir selbst gefunden.</p><p>Ich hieb versuchsweise mit meiner Klinge durch die Luft und stellte fest, da� ich fast wieder in Form war. Am n�chsten Tag ging es mir sogar noch besser.</p><p>Wir marschierten, bis wir den ersten Hang des Kolvir erreichten, wo uns Julians gesamte Streitmacht erwartete, verst�rkt durch zahlreiche K�mpfer aus Caines Flotte, die sich hier als Fu�soldaten bet�tigten.</p><p>Bleys stellte sich hin und br�llte einiges in den Wind, dann griffen wir an.</p><p>Wir hatten noch knapp dreitausend Mann, als wir mit Julians Soldaten fertig waren. Julian selbst entkam nat�rlich.</p><p>Aber wir hatten gesiegt. An diesem Abend fand eine Feier statt. Wir hatten gesiegt!</p><p>Inzwischen hatten meine �ngste weiter zugenommen, die ich Bleys anvertraute. Dreitausend Mann gegen Kolvir.</p><p>Ich hatte die Flotte verloren, und Bleys hatte �ber acht-Bilanz war schrecklich.</p><empty-line/><p>Trotzdem begannen wir am n�chsten Tag mit dem Aufstieg. Es gab eine Treppe, die es den M�nnern erm�glichte, die Stufen zu zweit nebeneinander zu erklimmen; doch bald verengte sich der Weg derma�en, da� wir hintereinander gehen mu�ten.</p><p>Wir stiegen hundert Meter empor, zweihundert, dreihundert.</p><p>Dann wehte der Sturm vom Meer herein, und wir klammerten uns fest und lie�en uns durchsch�tteln.</p><p>Hinterher fehlten einige hundert Mann.</p><p>Wir m�hten uns weiter, und der Regen trommelte herab. Die Stufen wurden h�her und glitschiger. Als wir ein Viertel der H�he Kolvirs erstiegen hatten, stie�en wir auf eine Gruppe von Bewaffneten, die auf dem Wege nach unten war. Der erste dieser M�nner schlug sich mit dem Anf�hrer unserer Streitmacht herum, und zwei M�nner st�rzten in die Tiefe. Zwei Stufen waren gewonnen, ein weiterer Mann wirbelte in die Tiefe.</p><p>So ging es �ber eine Stunde lang, dann hatten wir etwa ein Drittel des Weges zur�ckgelegt, und die Schlange der M�nner vor Bleys und mir wurde langsam k�rzer. Nur gut, da� unsere gro�en roten Krieger st�rker waren als Erics Soldaten. Waffen klirrten, ein Schrei ert�nte, und ein Mann st�rzte an uns vorbei. Manchmal war er roth�utig, zuweilen auch pelzig, doch in den meisten F�llen trugen die Fallenden Erics Farben.</p><p>Wir schafften es bis zur H�lfte des Weges, wobei wir um jede Stufe k�mpfen mu�ten. An der Spitze verbreiteten sich die Stufen zu der Treppe, deren Spiegelbild sich in Rebma befand. Sie f�hrte zum gro�en Tor, zum �stlichen Zugang nach Amber.</p><p>Noch waren etwa f�nfzig K�mpfer vor uns. Dann vierzig, drei�ig, zwanzig, ein Dutzend . . .</p><p>Wir hatten ungef�hr zwei Drittel des Weges zur�ckgelegt, und die Treppe f�hrte im Zickzack am Steilhang Kolvirs empor. Die Osttreppe wird selten benutzt, sie ist fast eine Art Verzierung. Urspr�nglich hatten wir vorgehabt, durch das jetzt verbrannte Tal vorzusto�en, im Klettern einen Bogen zu schlagen nach Westen �ber die Berge; schlie�lich wollten wir von hinten in Amber einfallen. Das Feuer und Julian hatten diesen Plan zunichte gemacht. Den langen Weg h�tten wir nie geschafft. Frontalangriff oder Kapitulation, das war jetzt die Alternative. Und Kapitulation kam nicht in Frage.</p><p>Drei weitere Krieger Erics st�rzten in die Tiefe, und wir r�ckten um vier Stufen vor. Dann trat unser f�hrender Mann die Reise in die Tiefe an, und wir mu�ten einen Schritt zur�ckweichen.</p><p>Der. Meereswind war scharf und k�hl, und am Fu�e des Berges versammelten sich die Aasv�gel in Scharen. Die Sonne brach durch die Wolken, als Eric seine Wetterpfuscherei aufgab, nachdem wir uns nun mit seinen Leuten herumschlugen.</p><p>Wir kletterten sechs Stufen weiter und verloren einen Mann.</p><p>Es war seltsam und traurig und verr�ckt . . .</p><p>Bleys stand vor mir; bald kam die Reihe an ihn. Und wenn er unterging, mu�te ich k�mpfen.</p><p>Noch sechs M�nner vor uns.</p><p>Zehn Stufen . . .</p><p>F�nf M�nner waren noch �brig.</p><p>Langsam r�ckten wir vor, und so weit ich zur�ckschauen konnte, war auf jeder Stufe Blut geflossen.</p><p>Der f�nfte Mann t�tete vier Gegner, ehe er selbst fiel und uns zu einer weiteren Biegung der Treppe brachte.</p><p>Immer weiter ging es empor, unser dritter Mann schwenkte in jeder Hand eine Klinge. Nur gut, da� er hier einen heiligen Krieg ausfocht, so f�hrte er jeden Hieb mit echtem Einsatz. Er f�llte drei Mann, ehe er selbst starb.</p><p>Der n�chste war nicht ganz so energisch oder nicht ganz so gut. Er st�rzte sofort von der Treppe � da waren es nur noch zwei.</p><p>Bleys zog seine lange verzierte Klinge, und die Schneide funkelte in der Sonne.</p><p>�Bald, Bruder�, sagte er, �werden wir sehen, was sie gegen einen Prinzen ausrichten.�</p><p>�Hoffentlich nur gegen einen�, erwiderte ich, und er lachte leise.</p><p>Ich meine, da� wir noch etwa ein Viertel des Weges vor uns hatten, als Bleys schlie�lich doch an der Reihe war.</p><p>Er sprang vor und brachte den ersten Gegner sofort aus dem Gleichgewicht. Seine Schwertspitze bohrte sich in den Hals des zweiten, und die flache Klinge prallte gegen den Kopf des dritten, der ebenfalls abst�rzte. Mit dem vierten duellierte er sich einen Augenblick lang und erledigte ihn ebenfalls.</p><p>Ich hatte die Klinge kampfbereit in der Hand, w�hrend ich die Auseinandersetzung verfolgte und langsam nachr�ckte.</p><p>Er war gut, sogar noch besser, als ich ihn in Erinnerung hatte. Er st�rmte wie ein Wirbelwind vor, und seine Klinge blitzte f�rmlich vor Leben � und s�te Tod. Die Gegner fielen reihenweise vor ihm. An diesem Tag behauptete er sich, wie es seinem Stande zukam. Ich fragte mich, wie lange er das durchhalten konnte.</p><p>Er hielt einen Dolch in der Linken und benutzte ihn mit brutaler Geschicklichkeit, sobald er eine M�glichkeit im Nahkampf sah. Er lie� die Klinge schlie�lich im Hals des elften Opfers stecken.</p><p>Die Schlange der Gegner schien kein Ende zu nehmen. Offenbar erstreckte sie sich bis zum Absatz am oberen Ende. Ich w�nschte, da� ich nicht in den Kampf eingreifen m��te � und h�tte fast schon zu hoffen gewagt.</p><p>Drei weitere M�nner st�rzten an mir vorbei, und wir erreichten einen kleinen Absatz und eine Biegung. Bleys r�umte den Treppenabsatz und begann weiter emporzusteigen. Eine halbe Stunde lang beobachtete ich ihn, und die Gegner starben einer nach dem anderen. Ich h�rte das ehrf�rchtige Gemurmel der M�nner hinter mir. Ich begann fast zu glauben, er k�nne es schaffen.</p><p>Er arbeitete mit allen Tricks. Er f�hrte die gegnerischen Waffen und Augen mit seinem Mantel in die Irre. Er stellte den Kriegern manches Bein. Er umklammerte Handgelenke und zerrte mit voller Kraft daran.</p><p>Wieder erreichten wir einen Treppenabsatz. An seinem �rmel schimmerte nun etwas Blut, doch er l�chelte st�ndig, und die Krieger hinter den M�nnern, die er t�tete, hatten totenbleiche Gesichter, als die Reihe an ihnen war, sich ihm zu stellen. Dies steigerte seinen Schwung. Und vielleicht trug die Tatsache, da� ich hinter Bleys bereitstand, noch mehr zu ihren �ngsten bei, machte sie langsamer, belastete ihre Nerven. Wie ich sp�ter erfuhr, wu�ten diese M�nner von der Schlacht auf See.</p><p>Bleys k�mpfte sich zum n�chsten Treppenabsatz vor und stieg weiter. Ich hatte nicht geglaubt, da� er es so weit schaffen konnte. Ich glaubte auch nicht, da� ich �hnliches vollbringen konnte.</p><p>Es war das ph�nomenalste Beispiel von Waffengeschick und Ausdauer, das ich gesehen hatte, seit Benedict in einer gro�artigen Leistung den Pa� �ber Arden gegen die Mondreiter von Ghenesh verteidigt hatte.</p><p>Doch Bleys erm�dete langsam, das war zu erkennen. Wenn es nur eine M�glichkeit gegeben h�tte, mich an ihm vorbeizuschieben . . .!</p><p>Aber die gab es nicht. Also folgte ich ihm und f�rchtete jeden Streich, der sein letzter sein k�nnte.</p><p>Ich sp�rte, da� seine Kr�fte erlahmten. Wir befanden uns noch hundert Fu� vom Ende der Treppe entfernt.</p><p>Mein Mitgef�hl galt ihm. Er war mein Bruder, und er hatte mich gut behandelt. Ich glaube, er selbst bezweifelte in diesen Sekunden, da� er es schaffen w�rde � dennoch k�mpfte er weiter wie ein L�we � womit er mir die Chance auf den Thron er�ffnete.</p><p>Er t�tete drei weitere M�nner, und bei jedem Gegner bewegte sich seine Klinge langsamer. Mit dem vierten duellierte er sich etwa f�nf Minuten lang, ehe er ihn ausschalten konnte. Ich war sicher, da� der n�chste sein letzter sein w�rde.</p><p>Aber das war nicht der Fall.</p><p>Als er den Mann umbrachte, wechselte ich meine Klinge in die linke Hand, zog mit der rechten meinen Dolch und schleuderte ihn.</p><p>Die Waffe bohrte sich bis zum Heft in den Hals des n�chsten Gegners.</p><p>Bleys sprang zwei Stufen empor und zertrennte dem Mann vor sich die Achillessehne und kippte ihn in die Tiefe.</p><p>Dann hieb er aufw�rts, ri� dem nachfolgenden K�mpfer den Unterleib auf.</p><p>Ich st�rmte vor, um die L�cke aufzuf�llen, um mich unmittelbar hinter ihm aufzuhalten, kampfbereit. Doch er brauchte mich noch nicht.</p><p>Mit neu aufflackernder Energie t�tete er die beiden n�chsten M�nner. Ich rief nach einem weiteren Dolch, der mir von hinten gereicht wurde.</p><p>Ich hielt die Klinge bereit, bis Bleys wieder langsamer wurde, und t�tete damit den Mann, gegen den er k�mpfte.</p><p>Als die Waffe durch die Luft zischte, st�rmte der Mann gerade vor und wurde mehr vom Griff als von der Klinge getroffen. Doch die Wucht des Aufpralls am Kopf gen�gte, Bleys dr�ckte gegen seine Schulter, und der Mann st�rzte ab. Aber schon griff der n�chste Soldat an. Obwohl er sich selbst aufspie�te, traf er Bleys an der Schulter, und beide taumelten gemeinsam �ber die Kante.</p><p>Wie durch Reflex, in einer jener mikrosekundenschnellen Entscheidungen, deren Rechtfertigung man erst findet, nachdem sie l�ngst gefallen sind, zuckte meine linke Hand zum G�rtel, ri� die Schachtel mit den Tr�mpfen heraus und warf sie Bleys zu, der einen Augenblick lang zu verharren schien � so schnell waren meine Wahrnehmungen und Muskeln. �Fang sie, du Dummkopf!� br�llte ich.</p><p>Und er fing das P�ckchen auf.</p><p>Ich hatte keine Zeit mehr, mich um die weiteren Geschehnisse zu k�mmern, da ich schon parieren und zusto�en mu�te. Dann begann die letzte Etappe unseres Anstiegs auf den Kolvir-Berg.</p><p>Beschr�nken wir uns auf den Hinweis, da� ich es schaffte und keuchend dastand, als meine Truppen �ber den Rand kletterten, um mir auf dem letzten Treppenabsatz zur Seite zu stehen.</p><p>Wir konsolidierten unsere Streitkr�fte und drangen weiter vor.</p><p>Es dauerte eine Stunde, bis wir das Gro�e Tor erreichten.</p><p>Wir st�rmten hindurch. Wir betraten Amber.</p><p>Wo immer Eric auch sein mochte, er hatte sicher nicht damit gerechnet, wir w�rden es bis hierhin schaffen.</p><p>Und ich fragte mich, wo Bleys wohl steckte. Hatte er Gelegenheit gefunden, einen Trumpf zu ziehen und zu benutzen, ehe er unten aufprallte? Eine Antwort auf diese Frage w�rde ich wohl nie erhalten.</p><p>Wir hatten die Lage untersch�tzt, in vollem Ausma�. Wir waren hoffnungslos unterlegen, und es blieb uns nichts anderes �brig, als bis zum �u�ersten zu k�mpfen. Warum hatte ich Bleys t�richterweise meine Tr�mpfe zugeworfen? Ich wu�te, da� er kein Spiel besa�, und diese Tatsache hatte wohl meine Reaktion bestimmt, die zudem noch von meinem Aufenthalt auf der Schatten-Erde gepr�gt worden war. Aber wenn es jetzt zum Schlimmsten kam, h�tte ich die Karten zur Flucht benutzen k�nnen.</p><p>Und es kam zum Schlimmsten.</p><p>Wir k�mpften bis zum Einbruch der D�mmerung, und zu dieser Zeit war nur noch eine kleine Gruppe von uns am Leben.</p><p>Wir waren an einem Punkt etwa tausend Meter innerhalb der Mauern Ambers umzingelt � noch immer weit vom Palast. Wir k�mpften in der Defensive � und einer nach dem anderen starben wir. Wir wurden �berw�ltigt.</p><p>Llewella oder Deirdre h�tten mir Schutz geboten. Warum hatte ich es getan? Ich t�tete einen Mann und schlug mir die Frage aus dem Kopf.</p><p>Die Sonne ging unter, und Dunkelheit f�llte den Himmel. Wir waren nur noch hundert Mann und hatten auf dem Weg zum Palast kaum Fortschritte gemacht.</p><p>Dann entdeckte ich Eric und h�rte ihn Befehle br�llen. Wenn ich ihn doch nur erreichen k�nnte!</p><p>Aber das konnte ich nicht.</p><p>Vermutlich h�tte ich in diesem Augenblick kapituliert, um die restlichen Soldaten zu retten, die mir viel zu gute Dienste geleistet hatten.</p><p>Aber es gab niemanden, dem ich mich h�tte ergeben k�nnen, niemanden, der eine Kapitulation verlangte. Eric h�tte mich nicht h�ren k�nnen, wenn ich losgebr�llt h�tte. Er war weit hinten und befehligte seine Leute.</p><p>Und so k�mpften wir weiter, und bis auf hundert Mann existierte meine Streitmacht nicht mehr.</p><p>Machen wir es kurz.</p><p>Man t�tete jeden einzelnen unserer Leute.</p><p>Mich bedachte man mit stumpfen Pfeilen und einem gro�en Netz.</p><p>Schlie�lich sank ich zu Boden, wurde niedergekn�ppelt und gefesselt, und dann ging alles andere unter bis auf einen Alptraum, der sich an mich klammerte und unter keinen Umst�nden loslassen wollte.</p><p><emphasis>Wir waren besiegt.</emphasis></p><empty-line/><p>Ich erwachte in einem Verlies unter Amber, und es tat mir leid, da� ich es bis hierhin geschafft hatte.</p><p>Die Tatsache, da� ich noch lebte, deutete daraufhin, da� Eric Pl�ne mit mir hatte. Ich stellte mir Streckb�nke und Kammern, Flammen und Zangen vor. Auf feuchtem Stroh liegend, besch�ftigte ich mich mit den kommenden Erniedrigungen.</p><p>Wie lange war ich bewu�tlos gewesen? Ich wu�te es nicht.</p><p>Ich durchsuchte meine Zelle nach einem Werkzeug, mit dem ich Selbstmord begehen konnte. Aber ich fand nichts Geeignetes.</p><p>Meine Wunden brannten wie Sonnen, und ich war ungeheuer m�de.</p><p>Ich legte mich nieder und schlief erneut ein.</p><empty-line/><p>Ich erwachte, und noch immer k�mmerte sich niemand um mich. Es gab niemanden zu �berzeugen, niemanden zu foltern.</p><p>Auch hatte ich nichts zu essen.</p><p>Ich lag in der Zelle auf dem Boden, in meinen Mantel geh�llt, und lie� mir alles durch den Kopf gehen, was geschehen war, seitdem ich in Greenwood mein Bewu�tsein erlangt und mich einer Spritze widersetzt hatte. Vielleicht h�tte ich das lieber nicht tun sollen.</p><p>Ich erfuhr, was Verzweiflung bedeutet.</p><p>Bald w�rde sich Eric zum K�nig von Amber kr�nen. Vielleicht war es schon geschehen.</p><p>Aber der Schlaf war etwas Herrliches, und ich war so ungeheuer m�de!</p><p>Zum erstenmal hatte ich Gelegenheit, mich auszuruhen und meine Wunden zu vergessen.</p><p>Die Zelle war dunkel; sie stank und war feucht.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Wie oft ich erwachte und wieder einschlief, wei� ich nicht. Zweimal fand ich Brot und Wasser auf einem Tablett an der T�r. Beide Male leerte ich das Tablett. Meine Zelle war nahezu pechschwarz und sehr k�hl. Ich wartete und wartete.</p><p>Dann holte man mich.</p><p>Die T�r wurde aufgerissen, und schwaches Licht fiel herein. Ich blinzelte in die Helligkeit, als mein Name gerufen wurde.</p><p>Der Korridor vor der Zelle quoll vor Bewaffneten f�rmlich �ber, und so wagte ich keine Risiken.</p><p>Ich rieb mir �ber die Bartstoppeln und lie� mich f�hren.</p><p>Nach einer langen Wanderung erreichten wir den Saal der Wendeltreppe und begannen emporzusteigen. Ich stellte unterwegs keine Fragen, und niemand stillte meinen Wissensdurst.</p><p>Als wir oben ankamen, f�hrte man mich tiefer in den eigentlichen Palast. Man brachte mich in ein warmes sauberes Zimmer und befahl mir, mich auszuziehen. Ich gehorchte. Dann stieg ich in ein dampfendes Bad, und ein Bediensteter eilte herbei und schrubbte mich ab, rasierte mich und schnitt mir das Haar.</p><p>Als ich wieder trocken war, erhielt ich frische Kleidung in Schwarz und Silber.</p><p>Als ich die Sachen angelegt hatte, wurde mir ein schwarzer Umhang um die Schultern gelegt, dessen Schnalle eine Silberrose darstellte.</p><p>�Ihr seid bereit�, sagte der Sergeant der Wache. �Hier entlang.�</p><p>Ich folgte ihm, und der W�chter folgte mir.</p><p>Ich wurde in den hinteren Teil des Palasts gef�hrt, wo mir ein Schmied Eisenb�nder um die Hand- und Fu�gelenke legte. Die Ketten daran waren zu schwer, als da� ich sie h�tte brechen k�nnen. H�tte ich mich widersetzt, w�re ich garantiert bewu�tlos geschlagen worden, und das Ergebnis w�re dasselbe gewesen. Da ich keine Lust hatte, erneut bewu�tlos geschlagen zu werden, lie� ich alles mit mir geschehen.</p><p>Dann wurden die Ketten von mehreren W�chtern hochgehoben, und ich wurde wieder in den vorderen Teil des Palasts gef�hrt. Ich verschwendete keinen Blick auf die herrliche Ausstattung ringsum. Ich war ein Gefangener. Wahrscheinlich w�rde ich bald tot sein oder auf einer Streckbank liegen. Was immer ich auch anstellte � ich konnte nichts richtig machen. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, da� wir Sp�tnachmittag hatten, und es gab keinen Anla� zur Nostalgie, als wir Zimmer durchschritten, in denen wir als Kinder gespielt hatten.</p><p>Ich wurde durch einen langen Korridor in den gro�en Bankettsaal gef�hrt.</p><p>�berall standen Tische. Menschen sa�en daran; viele von ihnen waren mir bekannt.</p><p>Die herrlichen Gew�nder der Edelleute Ambers schimmerten, und Musik schwebte durch den Fackelschein und �ber das Essen auf dem Tisch � das allerdings noch niemand anger�hrt hatte.</p><p>Ich entdeckte bekannte Gesichter � zum Beispiel Flora � und auch etliche Fremde. Den S�nger Lord Rein � ja, ich selbst hatte ihn in den Ritterstand erhoben � hatte ich seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen. Er wich meinem Blick aus.</p><p>Ich wurde an das untere Ende des riesigen Mitteltisches gef�hrt und durfte mich dort setzen.</p><p>Die W�chter bauten sich hinter mir auf. Sie befestigten die Enden meiner Ketten in Ringen, die in den Boden eingelassen waren. Der Sitz am Kopfende meines Tisches war noch leer.</p><p>Die Frau zu meiner Rechten erkannte ich nicht, doch links von mir sa� Julian. Ich ignorierte ihn und starrte auf die Dame, eine hagere Blondine.</p><p>�Guten Abend�, sagte ich. �Wir sind uns, glaube ich, noch nicht vorgestellt worden. Mein Name ist Corwin, Corwin von Amber.�</p><p>Sie sah den Mann zu ihrer Rechten hilfesuchend an, einen massigen rothaarigen Burschen mit zahlreichen Sommersprossen. Er wandte den Blick ab und begann ein lebhaftes Gespr�ch mit der Frau zu seiner Rechten.</p><p>�Ihr k�nnt ruhig mit mir sprechen, wirklich�, sagte ich. �Es steckt nicht an.�</p><p>Sie brachte ein schwaches L�cheln zustande. �Ich bin Carmel�, sagte sie. �Wie geht es Euch, Prinz Corwin?�</p><p>�Ein h�bscher Name�, erwiderte ich. �Und mir geht es gut. Was hat ein nettes M�dchen wie Ihr an einem solchen Ort zu suchen?�</p><p>Hastig trank sie einen Schluck Wasser.</p><p>�Corwin�, sagte Julian lauter als notwendig. �Ich glaube, die Lady findet dich aufdringlich und absto�end.�</p><p>�Was hat sie denn mit dir heute abend schon geredet?� Er err�tete nicht. Er wurde bleich.</p><p>�Das reicht jetzt aber!�</p><p>Ich reckte mich und rasselte absichtlich laut mit den Ketten. Abgesehen von dem dramatischen Effekt erfuhr ich auf diese Weise, wieviel Bewegungsraum ich hatte. Nat�rlich nicht genug. Eric war vorsichtig.</p><p>�Komm n�her heran und fl�stere mir deine Einw�nde zu, Bruder�, sagte ich.</p><p>Aber das tat er nicht.</p><p>Da ich der letzte gewesen war, der an den Tischen Platz nahm, dauerte es wahrscheinlich nicht mehr lange. Und darin irrte ich mich nicht.</p><p>F�nf Fanfarenst��e ert�nten, und Eric trat in den Saal.</p><p>Alle standen auf.</p><p>Nur ich nicht.</p><p>Die W�chter mu�ten mich an den Ketten hochziehen und festhalten.</p><p>Eric l�chelte und kam rechts von mir die Stufen herab. Unter dem dicken Hermelinmantel waren seine Farben kaum noch zu erkennen.</p><p>Er ging zum Kopfende des Tisches und stellte sich vor seinen Stuhl. Ein Bediensteter baute sich hinter ihm auf, und die Mundschenke machten ihre Runde und f�llten die Pokale.</p><p>Als alle gef�llt waren, hob er sein Gef��.</p><p>�M�gt Ihr ewig in Amber leben�, sagte er, �das alle Ewigkeit �berdauern wird.� Und die G�ste hoben ihre Gl�ser.</p><p>Nur ich r�hrte mich nicht.</p><p>�Heb das Glas!� sagte Julian.</p><p>�Heb�s dir sonstwohin�, sagte ich.</p><p>Das tat er nicht, sondern starrte mich nur w�tend an. Aber im n�chsten Augenblick beugte ich mich vor und nahm mein Glas.</p><p>Einige hundert Leute sa�en zwischen uns, doch meine Stimme war deutlich zu h�ren. Erics Blick war starr auf mich gerichtet, w�hrend ich sagte: �Auf Eric, der am unteren Ende des Tisches sitzt!�</p><p>Julian sch�ttete sein Glas auf dem Boden aus. Die anderen kamen seinem Beispiel nach, doch ich vermochte den gr��ten Teil meines Weins zu trinken, ehe mir das Glas aus der Hand geschlagen wurde.</p><p>Eric setzte sich, und die Edelleute taten es ihm nach, und man lie� mich los, lie� mich wieder in meinen Sitz fallen.</p><p>Nun wurden die Gerichte aufgetragen, und da ich hungrig war, a� ich so freudig wie alle anderen, und mehr als die meisten.</p><p>Das Essen dauerte gut zwei Stunden lang.</p><p>W�hrend der ganzen Zeit sagte niemand ein Wort zu mir, und auch ich enthielt mich jeder Bemerkung. Aber meine Gegenwart machte sich bemerkbar; unser Tisch war stiller als die anderen.</p><p>Caine sa� ein St�ck weiter oben an unserem Tisch. Rechts von Eric. Ich vermutete, da� Julian in Ungnade gefallen war. Weder Random noch Deirdre waren anwesend. Ich erkannte zahlreiche andere Edelleute, die ich fr�her zu meinen Freunden gez�hlt hatte, doch kein einziger erwiderte meinen Blick.</p><p>Daraus schlo� ich, da� es nur noch einer reinen Formalit�t bedurfte, Eric zum K�nig von Amber zu machen.</p><p>Und ich brauchte nicht lange darauf zu warten.</p><p>Nach dem Essen gab es keine gro�artigen Reden. Eric stand einfach auf.</p><p>Neue Fanfarent�ne, und ein heiseres Murmeln in der Luft.</p><p>Dann bildete sich eine Prozession, die langsam in den Thronsaal Ambers marschierte.</p><p>Ich wu�te, was nun kam.</p><p>Eric stand vor dem Thron, und alle verbeugten sich.</p><p>Nat�rlich bildete ich die Ausnahme, doch ich wurde energisch in die Knie gezwungen.</p><p>Heute war der Kr�nungstag.</p><empty-line/><p>Stille trat ein. Gleich darauf trug Caine das Kissen mit der Krone herein, mit der Krone Ambers. Er kniete nieder und erstarrte in dieser Stellung, die Krone darreichend.</p><p>Dann wurde ich hochgerissen und nach vorn gezerrt. Ich wu�te, was mich erwartete. Blitzartig wurde mir die Wahrheit bewu�t, und ich begann mich zu wehren. Doch ich wurde niedergeschlagen und vor der Throntreppe auf die Knie angehoben. Die angenehme Musik steigerte sich � es war �Greensleeves� �, und hinter mir sagte Julian: �Seht die Kr�nung eines neuen K�nigs in Amber!� Dann fl�sterte er mir zu: �Nimm die Krone und reiche sie Eric. Er wird sich selbst kr�nen.�</p><p>Ich starrte auf die Krone von Amber, die auf dem von Caine dargereichten Kissen lag.</p><p>Sie war aus Silber geschmiedet und hatte sieben Spitzen, die jeweils von einem Edelstein abgeschlossen wurden. Sie war mit Smaragden besetzt, und links und rechts schimmerte je ein riesiger Rubin.</p><p>Ich regte mich nicht, dachte an die vielen Male, da ich das Gesicht meines Vaters unter dieser Krone gesehen hatte.</p><p>�Nein�, sagte ich einfach und sp�rte einen Hieb an der linken Wange.</p><p>�Nimm sie und gib sie Eric!� wiederholte er.</p><p>Ich versuchte nach ihm zu schlagen, doch man hatte die Ketten eng angezogen.</p><p>Wieder wurde ich gepr�gelt.</p><p>Ich starrte auf die hohen Spitzen der Krone.</p><p>�Also gut�, sagte ich schlie�lich und griff danach.</p><p>Ich hielt sie eine Sekunde lang in beiden H�nden, setzte sie mir mit schneller Bewegung auf den Kopf und erkl�rte: �Hierdurch kr�ne ich mich, Corwin, zum K�nig von Amber!�</p><p>Die Krone wurde mir sofort wieder abgenommen und auf das Kissen zur�ckgestellt. Mehrere Schl�ge trafen mich auf den R�cken. Die Menschen im Saal begannen zu murmeln.</p><p>�Und jetzt versuch es noch mal�, sagte Julian. �Nimm die Krone und reiche sie Eric.�</p><p>Wieder ein Schlag.</p><p>�Gut�, sagte ich, als ich sp�rte, da� mein Hemd feucht wurde.</p><p>Diesmal schleuderte ich das Staatssymbol, in der Hoffnung, Eric ein Auge damit auszustechen.</p><p>Doch er fing die Krone mit der rechten Hand auf und l�chelte auf mich herab, w�hrend ich brutal zusammengeschlagen wurde.</p><p>�Vielen Dank�, sagte er. �Nun h�rt mich an, Ihr Anwesenden und auch Ihr, die Ihr aus den Schatten lauscht � ich �bernehme von diesem Tage an Krone und Thron. Ich ergreife das Szepter des K�nigreichs von Amber. Ich habe mir den Thron in fairem Kampf errungen und besteige ihn mit dem Rechte meines Blutes.�</p><p>�L�gner!� br�llte ich, und eine Hand wurde mir �ber den Mund gelegt.</p><p>�Hiermit kr�ne ich mich � Eric der Erste, K�nig von Amber.�</p><p>�Lang lebe der K�nig!� riefen die Edelleute dreimal hintereinander.</p><p>Dann beugte er sich vor und fl�sterte mir zu: �Deine Augen haben den sch�nsten Anblick genossen, den sie jemals sehen werden . . . Wachen! Bringt Corwin in die Schmiede und brennt ihm die Augen aus! Er soll sich an die herrlichen Szenen dieses Tages als die letzten erinnern, die er jemals vor Augen hatte! Dann werft ihn in die Schw�rze des tiefsten Verlieses unter Amber, auf da� sein Name vergessen sei!�</p><p>Ich spuckte aus und wurde erneut niedergepr�gelt.</p><p>Ich wehrte mich jeden Meter, wurde aber aus dem Saal geschleift. Niemand sah mich dabei an, und meine letzte Erinnerung ist der Anblick Erics auf seinem Thron, wie er den Edelleuten Ambers l�chelnd sein Wohlwollen aussprach.</p><p>Mir wurde angetan, was er befohlen hatte, und gn�digerweise wurde ich ohnm�chtig, ehe das Werk vollendet war.</p><empty-line/><p>Ich habe keine Vorstellung, wieviel Zeit verstrichen war, als ich in absoluter Dunkelheit erwachte und den f�rchterlichen Schmerz in meinem Kopf bewu�t erlebte. Vielleicht geschah es in diesem Augenblick, da� ich den Fluch ausstie�, vielleicht hatte ich ihn aber schon vorher ge�u�ert, als sich die wei�gl�henden Eisen n�herten. Ich wei� es nicht mehr. Doch ich wu�te, da� Eric auf dem Thron keine Ruhe finden w�rde, denn der Fluch eines Prinzen von Amber, in �u�erstem Zorn ausgesprochen, hat stets seine Wirkung.</p><p>In der absoluten Dunkelheit meiner Zelle tastete ich im Stroh herum, und keine Tr�nen kamen. Das war das Schreckliche daran. Nach einer Weile � O G�tter! Nur Ihr und ich wi�t, wie lange es dauerte � kehrte der Schlaf zur�ck.</p><p>Als ich erwachte, war der Schmerz noch immer da. Ich richtete mich auf. Ich schritt meine Zelle ab. Vier Schritte breit, f�nf Schritte lang. Ein stinkendes Toilettenloch im Fu�boden und eine halb verfaulte Strohmatratze in einer Ecke. Die T�r wies im unteren Teil einen kleinen Schlitz auf, und dahinter befand sich ein Tablett mit einem harten St�ck Brot und einer Flasche Wasser. Ich a� und trank, ohne mich erfrischt zu f�hlen.</p><p>Mein Kopf schmerzte derart, da� ich keine Ruhe fand.</p><p>Ich schlief soviel ich konnte, doch niemand kam mich besuchen. Ich erwachte und kroch durch meine Zelle, tastete nach meinem Essen und verzehrte es, wenn ich etwas fand.</p><p>Nach sieben Schlafperioden waren meine Augenh�hlen frei von Schmerz. Ich ha�te meinen Bruder, der nun K�nig von Amber war.</p><p>Er h�tte mich lieber umbringen sollen.</p><p>Ich fragte mich, was das Volk davon hielt, konnte mir die Reaktion aber nicht vorstellen.</p><p>Wenn die Dunkelheit schlie�lich auch Amber erreichte, w�rde Eric sein Handeln bedauern, das wu�te ich � und der Gedanke tr�stete mich.</p><empty-line/><p>Und so begannen meine Tage in der Dunkelheit, und ich hatte keine M�glichkeit, ihr Verstreichen zu messen. Selbst wenn ich noch Augen besessen h�tte, w�re mir an diesem Ort der Unterschied zwischen Tag und Nacht nicht bewu�t geworden.</p><p>Die Zeit verging und ignorierte mich. Es gab Augenblicke, da mir am ganzen K�rper der kalte Schwei� ausbrach und ich zu zittern begann. War ich nun schon Monate hier? Oder nur Stunden? Oder Wochen? Oder etwa Jahre?</p><p>Ich verga� die Zeit. Ich schlief, schritt auf und ab (ich wu�te genau, wohin ich die F��e setzen und wann ich mich umdrehen mu�te) und dachte �ber die Dinge nach, die ich getan und nicht getan hatte. Manchmal sa� ich mit untergeschlagenen Beinen da und atmete langsam und tief, leerte meinen Geist von allen Gedanken und verharrte in diesem Zustand so lange es ging. An nichts zu denken, das half mir sehr.</p><p>Eric hatte sehr schlau gehandelt. Obwohl die F�higkeit in mir pulsierte, war sie jetzt v�llig nutzlos. Ein Blinder vermag sich nicht zwischen den Schatten zu bewegen.</p><p>Mein Bart war mir inzwischen bis auf die Brust gewachsen, und mein Haar war lang.</p><p>Zuerst hatte ich ein st�ndiges Hungergef�hl, doch nach einer Weile lie� mein Appetit nach. Manchmal war mir schwindlig, wenn ich zu schnell aufstand.</p><p>Ich konnte noch immer sehen � in meinen Alptr�umen �, doch das schmerzte mich noch mehr, als wenn ich wach war.</p><p>Nach einiger Zeit schienen die Ereignisse, die zu diesem Dasein gef�hrt hatten, sich immer mehr zu entfernen. Es war fast, als w�ren sie einer anderen Person zugesto�en. Und auch das stimmte.</p><p>Ich hatte erheblich an Gewicht verloren. Ich konnte mir mein Aussehen vorstellen � bleich und ausgemergelt. Ich konnte nicht einmal mehr weinen, obwohl mir einige Male danach zumute war. Mit meinen Tr�nendr�sen stimmte etwas nicht. Es war schlimm genug, da� ein Mensch �berhaupt in diese Lage gebracht werden konnte.</p><p>Eines Tages vernahm ich ein leises Kratzen an der T�r. Ich k�mmerte mich nicht darum.</p><p>Das Ger�usch wiederholte sich, und ich reagierte noch immer nicht.</p><p>Dann h�rte ich, wie jemand fragend meinen Namen fl�sterte. Ich durchquerte die Zelle.</p><p>�Ja?� erwiderte ich.</p><p>�Ich bin�s, Rein�, sagte er. �Wie geht es dir?�</p><p>Da mu�te ich lachen.</p><p>�Gro�artig! Einfach gro�artig!� sagte ich. �Jeden Abend gibt�s Steak und Champagner, und dazu Tanzm�dchen. Himmel! Du m��test mich mal besuchen!�</p><p>�Tut mir leid�, erwiderte er, �da� ich nichts f�r dich tun kann�, und ich sp�rte die Qual in seiner Stimme.</p><p>�Ich wei߫, sagte ich.</p><p>�Ich w�rde dir helfen, wenn ich k�nnte.�</p><p>�Auch das wei� ich.�</p><p>�Ich habe dir etwas mitgebracht. Hier.�</p><p>Das T�rchen unten an der Zellent�r knirschte leise, als es mehrmals nach innen geschoben wurde.</p><p>�Was ist das?� fragte ich.</p><p>�Ein paar saubere Kleidungsst�cke�, sagte er, �und drei Laib frisches Brot und ein St�ck K�se, etwas Fleisch, zwei Flaschen Wein, ein Karton Zigaretten und ein Stapel Streichh�lzer.�</p><p>Die Stimme versagte mir.</p><p>�Vielen Dank, Rein. Du bist gro�artig. Wie hast du das nur alles geschafft?�</p><p>�Ich kenne den W�chter, der in dieser Schicht Dienst hat. Er wird mich nicht verraten. Dazu verdankt er mir zuviel.�</p><p>�Er k�nnte seine Schuld durch einen Alarmschrei abtragen wollen�, sagte ich. �Also la� es bei diesem einen Mal bewenden � ich wei� es zu sch�tzen, glaube mir. Und ich brauche dir nicht erst zu sagen, da� ich die Spuren restlos tilgen werde.�</p><p>�Ich w�nschte, die Dinge h�tten sich anders entwickelt, Corwin.�</p><p>�Da sind wir uns ja einig. Vielen Dank, da� du an mich gedacht hast, obwohl man dir befohlen hatte, mich zu vergessen.�</p><p>�Das war leicht�, meinte er.</p><p>�Wie lange stecke ich schon in diesem Loch?�</p><p>�Vier Monate und zehn Tage�, erwiderte er.</p><p>�Was gibt es Neues in Amber?�</p><p>�Eric regiert. Das ist alles.�</p><p>�Wo ist Julian?�</p><p>�Wieder im Wald von Amber mit seiner Wache.�</p><p>�Warum?�</p><p>�In letzter Zeit sind ein paar seltsame Sachen durch die Schatten anger�ckt.�</p><p>�Ich verstehe. Und Caine?�</p><p>�Der ist immer noch in Amber und vergn�gt sich hier. Alkohol und M�dchen.�</p><p>�Und G�rard?�</p><p>�Admiral der gesamten Flotte.�</p><p>Ich seufzte erleichtert. Ich hatte bef�rchtet, da� seine Zur�ckhaltung w�hrend der Meeresschlacht ihn bei Eric in Ungnaden gebracht haben k�nnte.</p><p>�Und was ist mit Random?�</p><p>�Der ist irgendwo hier im Gef�ngnis.�</p><p>�Was? Er wurde gefangen?�</p><p>�Ja. Er hat in Rebma das Muster abgeschritten und ist gleich darauf mit einer Armbrust hier aufgetaucht. Er hat Eric verwundet, ehe man ihn gefangennahm.�</p><p>�O wirklich? Warum hat man ihn nicht umgebracht?�</p><p>�Na ja, den Ger�chten zufolge hat er in Rebma eine Edelfrau geheiratet. Eric will zur Zeit wohl keinen �rger mit Rebma heraufbeschw�ren. Moire herrscht �ber ein ziemlich gro�es K�nigreich, und es wird gemunkelt, da� sich Eric mit dem Gedanken tr�gt, ihr die Ehe anzutragen. Nat�rlich nur Geschw�tz. Aber interessant.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Dich hat sie gemocht, nicht wahr?�</p><p>�Gewisserma�en. Woher wei�t du das alles?�</p><p>�Ich war dabei, als Random verurteilt wurde. Hinterher konnte ich einen Augenblick mit ihm sprechen. Lady Vialle, die sich als seine Frau ausgibt, hat gebeten, zu ihrem Mann ins Gef�ngnis ziehen zu d�rfen. Eric wei� noch nicht recht, wie er darauf antworten soll.�</p><p>Ich dachte an das blinde M�dchen, das ich nicht kannte, und war verwundert �ber ihre Reaktion.</p><p>�Wie lange ist das alles her?� wollte ich wissen.</p><p>�Hm. Vierunddrei�ig Tage�, erwiderte er. �Ich meine, an dem Tag tauchte Random auf. Eine Woche sp�ter �u�erte Vialle ihre Bitte.�</p><p>�Sie mu� eine seltsame Frau sein, wenn sie Random wirklich liebt.�</p><p>�Derselbe Gedanke ist mir auch gekommen�, erwiderte er. �Ein ungew�hnlicheres Paar kann ich mir gar nicht vorstellen.�</p><p>�Wenn du ihn wiedersiehst, richte ihm doch bitte meine Gr��e und mein Bedauern aus.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie geht es meinen Schwestern?�</p><p>�Deirdre und Llewella wohnen weiterhin in Rebma. Lady Florimel steht bei Eric in hoher Gunst und nimmt bei Hof eine hohe Stellung ein. Wo Fiona im Augenblick ist, wei� ich nicht.�</p><p>�Hat man mal wieder von Bleys geh�rt? Ich bin sicher, da� er tot ist.�</p><p>�Er mu� tot sein�, sagte Rein. �Allerdings wurde seine Leiche nicht gefunden.�</p><p>�Und was ist mit Benedict?�</p><p>�Verschollen wie eh und je.�</p><p>�Und Brand?�</p><p>�Kein Wort von ihm.�</p><p>�Damit h�tten wir wohl den ganzen Stammbaum abgegrast, wie er sich im Augenblick darstellt. Hast du in letzter Zeit neue Balladen geschrieben?�</p><p>�Nein�, sagte er. �Ich arbeite noch an der �Belagerung von Amber�, aber wenn �berhaupt etwas daraus wird, dann wohl ein Untergrunderfolg.�</p><p>Ich streckte die Hand durch die winzige �ffnung in der T�r.</p><p>�Ich m�chte dir gern die Hand dr�cken�, sagte ich und sp�rte seine Hand an der meinen. �Es war lieb von dir, da� du mir diese Freude gemacht hast. Aber la� es dabei bewenden. Es w�re t�richt, Erics Zorn zu wecken.�</p><p>Er dr�ckte mir die Hand, murmelte etwas und war verschwunden.</p><p>Ich ertastete sein Paket und stopfte mich mit dem Fleisch voll, bei dem es sich um den verderblichsten Teil der Nahrungsmittel handelte. Dazu verzehrte ich einen gro�en Teil des Brots und erkannte dabei, da� ich fast vergessen hatte, wie gut es einem schmecken kann. Darauf wurde ich m�de und schlief ein. Ich glaube nicht, da� ich sehr lange geschlummert habe; als ich wieder erwachte, �ffnete ich eine der Weinflaschen.</p><p>In meinem geschw�chten Zustand brauchte ich gar nicht viel zu trinken, um angeheitert zu sein. Ich nahm eine Zigarette, setzte mich auf meine Matratze, lehnte mich an die Wand und �berlegte.</p><p>Ich erinnerte mich an Rein als Kind. Ich war damals schon erwachsen, und er war Anw�rter f�r den Posten des Hofnarren. Ein hagerer, intelligenter J�ngling. Seine Mitmenschen hatten ihn zu oft verspottet, ich eingeschlossen. Aber ich komponierte Musik und schrieb Balladen, und er hatte sich irgendwo eine Gitarre besorgt und sich das Spielen beigebracht. Bald sangen wir zusammen. Mit der Zeit wuchs meine Zuneigung zu ihm, und wir �bten zusammen an den Waffen. Er stellte sich dabei ziemlich ungeschickt an, doch es tat mir irgendwie leid, wie ich ihn fr�her behandelt hatte, wo er doch so positiv auf meine lyrischen Werke eingegangen war, und so lehrte ich ihn die Finten und machte ihn zu einem passablen S�belfechter. Ich hatte diese Handlungsweise nie bedauern m�ssen, und er wohl auch nicht. Nach einiger Zeit wurde er S�nger am Hofe Ambers. Die ganze Zeit hindurch hatte ich ihn meinen Pagen genannt, und als die Kriege gegen die d�steren Dinge aus den Weirmonken genannten Schatten auszubrechen drohten, machte ich ihn zu meinem Waffengef�hrten. Wir waren gemeinsam in den Kampf geritten. Ich schlug ihn noch auf dem Schlachtfeld bei den Jones-F�llen zum Ritter, eine Auszeichnung, die er sich verdient hatte. Danach hatte er sich fortentwickelt und mich in Dichtkunst und Musik sogar �berrundet. Seine Farbe war das Scharlachrot, seine Worte waren golden. Ich liebte ihn, z�hlte ihn zu meinen zwei oder drei Freunden in Amber. Ich hatte allerdings nicht angenommen, da� er das Risiko eingehen w�rde, mir eine anst�ndige Mahlzeit zu bringen. Das hatte ich von niemandem erwartet. Ich nahm noch einen Schluck aus der Flasche und rauchte eine weitere Zigarette, auf ihn, zu seinen Ehren. Er war ein guter Kamerad. Ich fragte mich, wie lange er dies alles �berleben w�rde.</p><p>Ich warf die Zigarettenstummel in die Toilette und � nach einiger Zeit � auch die leere Flasche. Ich wollte nichts in der Zelle behalten, was auf ein Gelage schlie�en lie�, falls eine pl�tzliche Inspektion stattfand. Ich verzehrte all die guten Sachen, die er mir gebracht hatte, und f�hlte mich zum erstenmal in dieser Zelle voll ges�ttigt. Ich hob mir die letzte Flasche f�r einen h�bschen Vollrausch und eine angenehme Zeit des Vergessens auf. Und als das vorbei war, kehrte ich in meinen Teufelskreis der Vorw�rfe zur�ck.</p><p>In erster Linie hoffte ich, da� Eric keine Ahnung von unserer umfassenden Macht hatte. Gewi�, er war K�nig in Amber, aber er wu�te nicht alles. Noch nicht. Nicht in dem Umfang, wie Vater Bescheid gewu�t hatte. Es gab eine Chance von eins zu einer Million, die sich vielleicht trotz allem zu meinen Gunsten auswirken konnte. Derma�en umfassend und derma�en �berraschend, da� mir diese Chance zumindest half, einen letzten Rest von Verstand zu bewahren, obwohl ich von Verzweiflung gesch�ttelt wurde.</p><p>Vielleicht war ich dennoch eine Zeitlang verr�ckt, ich wei� es nicht. Es gibt Tage, die f�r mich eine einzige gro�e Leere darstellen, jetzt da ich hier am Rande des Chaos stehe. Gott allein wei�, was in dieser Zeit vorging, und ich werde niemals einen Seelenarzt aufsuchen, um mehr dar�ber zu erfahren.</p><p>Ihr lieben �rzte, unter euch ist ohnehin niemand, der mit meiner Familie fertig w�rde!</p><empty-line/><p>Ich lag in meiner Zelle oder wanderte in der l�hmenden Dunkelheit hin und her. Meine Empfindlichkeit gegen�ber Ger�uschen nahm zu. Ich erlauschte das Rascheln von Rattenf��chen im Stroh, das ferne St�hnen anderer Gefangener, die widerhallenden Schritte eines W�chters, der sich mit einem Essenstablett n�herte. Aus solchen Details begann ich Entfernungen und Richtungen abzuleiten.</p><p>Vermutlich wurde ich auch empf�nglicher f�r D�fte, doch �ber diesen Aspekt versuchte ich nicht allzu gr�ndlich nachzudenken. Neben den denkbar unangenehmen D�ften machte sich lange Zeit etwas bemerkbar, das ich f�r den Geruch verwesenden Fleisches hielt. Ich �berlegte. Wenn ich hier starb, wieviel Zeit w�rde vergehen, ehe jemand etwas merkte? Wie viele St�cke Brot und Schalen mit undefinierbarer Suppe mu�ten ungegessen bleiben, ehe der W�chter darauf kam, die Fortdauer meiner Existenz zu �berpr�fen?</p><p>Die Antwort auf diese Frage konnte noch sehr wichtig sein.</p><p>Der Todesgestank hielt sich eine ganze Weile. Ich versuchte, mir wieder einen Begriff von der Zeit zu machen und gewann den Eindruck, da� der Geruch �ber eine Woche lang bemerkbar war.</p><p>Obwohl ich mir den Vorrat vorsichtig einteilte und den Versuchungen so lange wie m�glich widerstand, kam schlie�lich doch der Augenblick, da ich nur noch eine Packung Zigaretten hatte.</p><p>Ich ri� sie auf und z�ndete mir eine an. Ich hatte einen ganzen Karton besessen und hatte nun elf Packungen aufgebraucht. Das waren zweihundertundzwanzig Zigaretten. Ich hatte einmal die Zeit ausgerechnet, die ich f�r eine Zigarette brauchte � sieben Minuten. Das ergab eine Gesamtzeit von eintausendf�nfhundertundvierzig Rauchminuten � f�nfundzwanzig Stunden und vierzig Minuten. Ich war sicher, da� zwischen jeder Zigarette und der n�chsten mindestens eine Stunde gelegen hatte, eher anderthalb Stunden. Nehmen wir anderthalb. Au�erdem mu�te ber�cksichtigt werden, da� ich t�glich sechs bis acht Stunden schlief. Damit blieben sechzehn bis achtzehn Stunden. Ich vermutete, da� ich zehn bis zw�lf Zigaretten am Tag geraucht hatte. Seit Reins Besuch mochten also etwa drei Wochen vergangen sein. Er hatte mir damals erz�hlt, die Kr�nung liege vier Monate und zehn Tage zur�ck, was den Schlu� nahelegte, da� ich nun etwa f�nf Monate hier im Kerker war.</p><p>Ich streckte die letzte Packung, geno� jede einzelne Zigarette wie das Zusammensein mit einer Frau. Als ich die letzte Zigarette aufgeraucht hatte, war ich deprimiert.</p><p>Inzwischen mu�te ziemlich viel Zeit vergangen sein.</p><p>Ich begann mir Gedanken �ber Eric zu machen. Wie stellte er sich als Herrscher an? Mit welchen Problemen schlug er sich herum? Was f�hrte er im Schilde? Warum war er nicht gekommen, um mich zu qu�len? War es m�glich, da� man mich in Amber wirklich verga� � auch wenn es vom Herrscher so angeordnet wurde?</p><p>Nein, sagte ich mir.</p><p>Und was war mit meinen Br�dern? Warum hatte sich keiner von ihnen mit mir in Verbindung gesetzt? Es w�re ganz einfach gewesen, meinen Trumpf zu ziehen und Erics Verbot zu brechen.</p><p>Doch niemand tat diesen Schritt.</p><p>Ich dachte lange an Moire, die letzte Frau, die ich geliebt hatte. Was tat sie in diesem Augenblick? Dachte sie �berhaupt noch an mich? Wahrscheinlich nicht. Vielleicht war sie l�ngst Erics Geliebte oder gar seine K�nigin. Hatte sie mich ihm gegen�ber erw�hnt? Wahrscheinlich nicht.</p><p>Und meine Schwestern? Vergi� sie. Hexen, sie alle.</p><p>Ich war schon einmal geblendet worden, von einem Kanonenblitz im achtzehnten Jahrhundert auf der Schatten-Erde. Der Zustand hatte aber nur etwa einen Monat gedauert, danach hatte ich wieder sehen k�nnen. Mit seinem Befehl hatte Eric allerdings eine dauerhaftere Regelung im Sinne gehabt. Noch immer hatte ich Schwei�ausbr�che und zitterte, erwachte zuweilen von meinem eigenen Geschrei, sobald mich die Erinnerung heimsuchte an die wei�gl�henden Eisen vor meinen Augen � und dann die Ber�hrung, als sie mir die sonnenhellen Spitzen in die Augenh�hlen stie�en.</p><p>Ich st�hnte leise auf und setzte meinen Weg fort.</p><p>Ich konnte �berhaupt nichts unternehmen. Das war das Schlimmste an der ganzen Sache. Ich war so hilflos wie ein Embryo. Wiedergeboren zu werden in Licht und Zorn � daf�r h�tte ich meine Seele verschenkt. Und wenn es nur f�r eine Stunde gewesen w�re, mit der Klinge in der Hand, um mich noch einmal gegen meinen Bruder zu stellen.</p><p>Ich legte mich auf die Matratze und schlief. Als ich wieder erwachte, standen Lebensmittel vor mir, und ich a� und schritt wieder auf und ab. Finger- und Zehenn�gel hatte ich wachsen lassen. Mein Bart war inzwischen sehr lang, und das Haar fiel mir st�ndig ins Gesicht. Ich f�hlte mich unbeschreiblich schmutzig und mu�te mich andauernd kratzen. Ich fragte mich, ob ich Fl�he hatte.</p><p>Da� ein Prinz von Amber in diesen Zustand versetzt werden konnte, erweckte eine schreckliche Emotion im Kern meines Wesens, wo immer der liegen mag. Ich war in dem Glauben aufgezogen worden, wir seien unbesiegbar � sauber, n�chtern und diamanthart wie unsere Bilder auf den Tr�mpfen. Offensichtlich war dies nicht der Fall.</p><p>Wenigstens waren wir soweit menschen�hnlich, da� wir eine gewisse Findigkeit unser eigen nannten.</p><p>Ich erdachte Spiele, erz�hlte mir Geschichten, lie� mir angenehme Erinnerungen durch den Kopf gehen � von denen ich viele besa�. Ich erinnerte mich an die Elemente, Wind, Regen, Schnee, die W�rme des Sommers und die k�hlen B�en des Fr�hlings. Auf der Schatten-Erde hatte ich ein kleines Flugzeug besessen, und das Gef�hl des Fliegens war herrlich gewesen. Ich dachte an die schimmernden Panoramen aus Farbe und Tiefe, die Miniaturisierung der St�dte, die blaue Unendlichkeit des Himmels, die Herden von Wolken (wo waren sie jetzt?) und an die saubere Weite des Ozeans unter den Tragfl�chen. Ich erinnerte mich an Frauen, die ich geliebt hatte, an Parties und milit�rische Aktionen. Und wenn ich mit allem durch war und nicht mehr anders konnte, dachte ich an Amber.</p><p>Und w�hrend ich einmal daran dachte, begannen meine Tr�nendr�sen wieder zu funktionieren. Ich weinte.</p><p>Nach einer unendlichen Zeit, einer Zeit voller Dunkelheit und unbestimmbaren Schlafperioden, vernahm ich Schritte, die vor meiner Zellent�r verhielten, und ich h�rte, wie ein Schl�ssel ins Schlo� gesteckt wurde.</p><p>Reins Besuch lag so weit zur�ck, da� ich den Geschmack des Weins und der Zigaretten vergessen hatte. Ich vermochte die Zeitspanne nicht abzusch�tzen � jedenfalls war eine lange Zeit vergangen.</p><p>Zwei M�nner befanden sich auf dem Korridor, das vermochte ich den Schritten zu entnehmen, ehe sie etwas sagten.</p><p>Eine der Stimmen kannte ich.</p><p>Die T�r ging auf, und Julian nannte meinen Namen.</p><p>Ich antwortete nicht sofort, und er wiederholte seinen Ruf.</p><p>�Corwin? Komm her!�</p><p>Da ich kaum eine andere Wahl hatte, stemmte ich mich hoch und trat vor. Ich blieb stehen, als ich sp�rte, da� ich dicht vor ihm stand.</p><p>�Was willst du?�</p><p>�Komm mit!� Und er packte mich am Arm.</p><p>Wir gingen durch den Korridor, und er sagte nichts, und ich h�tte mir eher die Zunge abgebissen, als ihm eine Frage zu stellen.</p><p>Die Echos verrieten mir den Augenblick, da wir den gro�en Saal betraten. Gleich darauf f�hrte er mich die Treppe hinauf.</p><p>Wir stiegen empor und erreichten den eigentlichen Palast.</p><p>Ich wurde in ein Zimmer gef�hrt und in einen Sessel gedr�ckt. Ein Friseur machte sich an meinem Haar und Bart zu schaffen. Ich erkannte seine Stimme nicht, als er mich fragte, ob er den Bart stutzen oder ganz abschneiden sollte.</p><p>�Abschneiden�, sagte ich, w�hrend sich jemand daran machte, meine Finger- und Fu�n�gel zu manik�ren.</p><p>Dann wurde ich gebadet, und jemand half mir in saubere Sachen, die lose an mir herabhingen. Au�erdem wurde ich entlaust, aber das sollten Sie lieber vergessen.</p><p>Dann wurde ich an einen anderen d�steren Ort gef�hrt, wo es Musik, herrliche Essensger�che, Stimmengemurmel und Gel�chter gab. Ich erkannte den Speisesaal.</p><p>Die Stimmen wurden etwas leiser, als Julian mich hereinf�hrte und Platz nehmen lie�.</p><p>Ich blieb sitzen, bis die Fanfarenst��e erklangen, woraufhin ich aufstehen mu�te.</p><p>Ich h�rte den Trinkspruch.</p><p>�Auf Eric den Ersten. K�nig von Amber! Lang lebe der K�nig!�</p><p>Ich trank nicht, was aber niemand zu bemerken schien. Caines Stimme hatte den Spruch ausgebracht, ein gutes St�ck weiter oben am Tisch.</p><p>Ich a� soviel ich konnte, denn es war das beste Essen, das mir seit der Kr�nung vorgesetzt worden war. Aus Gespr�chen, die ich mitbekam, ging hervor, da� heute der Jahrestag von Erics Kr�nung war � ich hatte also ein ganzes Jahr in meinem Verlies zugebracht!</p><p>Niemand richtete das Wort an mich, und ich bem�hte mich auch nicht um ein Gespr�ch. Ich war lediglich als Gespenst zugegen. Sicher um mich zu erniedrigen, aber auch als lebendes Mahnmal f�r meine Br�der � das Opfer einer Auflehnung gegen den Herrscher. Und allen war befohlen worden, mich zu vergessen.</p><p>Das Fest w�hrte bis tief in die Nacht. Irgend jemand versorgte mich st�ndig mit Wein, immerhin, und ich sa� da und lauschte auf die Musik und die T�nze.</p><p>Inzwischen waren die Tische fortger�umt worden, und ich sa� irgendwo in einer Ecke.</p><p>Ich betrank mich sinnlos und wurde schlie�lich am Morgen in meine Zelle zur�ckgeschleift. Ich bedauerte nur, da� mir nicht richtig �bel geworden war. Zu gern h�tte ich jemandem auf den sauberen Boden oder �ber das Hemd gekotzt.</p><p>So ging mein erstes Jahr der Dunkelheit zu Ende.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Ich m�chte Sie nicht mit Wiederholungen langweilen. Das zweite Jahr verlief mehr oder weniger wie das erste und hatte dasselbe Finale. Das dritte ebenso. Im zweiten Jahr besuchte mich Rein zweimal mit einem Korb voller sch�ner Sachen und einem Mund voller Klatsch. Beide Male verbat ich ihm, mich jemals wieder aufzusuchen. Im dritten Jahr lie� er sich sechsmal sehen, jeden zweiten Monat, und jedesmal wiederholte ich mein Verbot und a� seine Gaben und h�rte mir an, was er zu sagen hatte.</p><p>Irgend etwas stimmte nicht in Amber. Seltsame <emphasis>Dinge</emphasis> bewegten sich durch die Schatten und machten sich �berall gewaltt�tig bemerkbar. Nat�rlich wurden sie vernichtet. Eric versuchte sich noch dar�ber klar zu werden, wie sie sich hatten bilden k�nnen. Ich sagte nichts von meinem Fluch, wenn ich mich auch innerlich freute, da� er solche Wirkungen gezeitigt hatte.</p><p>Random war ebenso wie ich noch gefangen. Inzwischen hatte er jedoch seine Frau bei sich. Die Stellung meiner anderen Br�der und Schwestern war unver�ndert. Dies half mir durch den dritten Jahrestag der Kr�nung, verlieh mir das Gef�hl, fast wieder am Leben zu sein.</p><p>Es.</p><p><emphasis>Es!</emphasis> Eines Tages war es da, und es erf�llte mich mit einem solchen Wohlgef�hl, da� ich sofort die letzte Flasche Wein aufmachte und die letzte Schachtel Zigaretten anbrach, die ich mir aufgehoben hatte.</p><p>Ich rauchte und trank und geno� das Gef�hl, Eric irgendwie besiegt zu haben. Wenn er die Wahrheit erfuhr, mochten die Folgen f�r mich t�dlich sein. Aber ich wu�te, da� er keine Ahnung hatte.</p><p>Also freute ich mich, rauchte und trank und streckte mich im Lichte dessen, was geschehen war.</p><p>Ja, im <emphasis>Licht.</emphasis></p><p>Ich hatte einen winzigen Streifen Helligkeit entdeckt, irgendwo rechts von mir.</p><p>K�nnen Sie sich vorstellen, was mir das bedeutete?</p><p>Sehen wir es mal so: Ich war in einem Krankenhausbett erwacht und erfuhr, da� ich mich viel zu schnell erholt hatte. Wissen Sie, was ich damit sagen will?</p><p>Meine Wunden heilen schneller als die Verletzungen anderer. Alle Lords und Ladies von Amber besitzen diese F�higkeit.</p><p>Ich hatte die Pest �berlebt, ich hatte den Marsch auf Moskau �berstanden . . .</p><p>Mein K�rper regeneriert sich schneller und besser, als ich es jemals bei anderen erlebt habe. Bei Nervengewebe dauert es nur etwas l�nger, das ist alles. Mein Sehverm�gen kehrte zur�ck � das hatte diese Entdeckung zu bedeuten, dieser herrliche Streifen Helligkeit, irgendwo rechts von mir.</p><p>Nach einer Weile wu�te ich, da� es sich um das kleine vergitterte Fenster in meiner Zellent�r handelte.</p><p>Meine Finger ertasteten die Tatsache, da� mir neue Augen gewachsen waren. Dieser Vorgang hatte drei Jahre gedauert, aber ich hatte es geschafft. Dies war die winzige Chance, die ich schon erw�hnt habe � jener Vorgang, den nicht einmal Eric richtig abzusch�tzen wu�te, weil die Familienmitglieder in mancher Hinsicht doch sehr verschieden sind. Insoweit hatte ich ihn besiegt; ich wu�te, da� mir neue Aug�pfel wachsen konnten. Mir war bald klar geworden, da� das Nervengewebe meines K�rpers nachwachsen konnte, wenn man ihm genug Zeit lie�. In den preu�isch-franz�sischen Kriegen hatte ich eine schwere R�ckgratverletzung davongetragen. Nach zwei Jahren war die L�hmung verschwunden gewesen. Ich hatte von Anfang an die Hoffnung gen�hrt � eine vage Hoffnung, das will ich gern eingestehen �, da� ich dasselbe mit meinen ausgebrannten Aug�pfeln vollbringen k�nnte. Und ich hatte recht behalten. Das Sehverm�gen kehrte langsam zur�ck.</p><p>Wie lange noch bis zum Jahrestag von Erics Kr�nung? Ich blieb stehen, und mein Herz begann schneller zu klopfen. Sobald man bemerkte, da� ich das Augenlicht zur�ckgewonnen hatte, w�rde ich es wieder verlieren.</p><p>Deshalb mu�te ich fliehen, ehe die vier Jahre vor�ber waren.</p><p>Aber wie?</p><p>Bis jetzt hatte ich mir kaum Gedanken dar�ber gemacht, denn selbst wenn ich eine M�glichkeit fand, aus der Zelle auszubrechen, war mir doch der Weg aus der Stadt � oder auch nur aus dem Palast � ganz gewi� versperrt; immerhin war ich blind und allein.</p><p>Doch jetzt . . .</p><p>Die T�r zu meiner Zelle war ein gro�es, schweres, metallgefa�tes Ding, in etwa f�nf Fu� H�he von einem winzigen Gitter durchbrochen, durch das man sehen konnte, ob ich noch lebte � falls sich jemand daf�r interessierte. Selbst wenn ich das Gitter herausnehmen konnte, vermochte ich durch die �ffnung nicht an das Schlo� heranzukommen. Unten gab es eine kleine Klappe � gro� genug f�r das Essen, und das war schon alles. Die Scharniere befanden sich entweder drau�en oder zwischen T�r und T�rpfosten; ich konnte ihre Stellung nicht genau bestimmen. Jedenfalls kam ich nicht heran. Es gab keine Fenster und keine anderen T�ren.</p><p>Es war fast, als w�re ich blind � nur war da eben das schwache und beruhigende Licht hinter dem Gitter. Ich wu�te, da� meine Sehkraft noch nicht v�llig wiederhergestellt war. Bis dahin war es noch ein weiter Weg. Aber selbst wenn ich wieder richtig h�tte sehen k�nnen � in der Zelle war es pechschwarz. Dies war mir bekannt � weil ich die Verliese unter Amber eben kannte.</p><p>Ich wanderte erneut hin und her und �berdachte meine Lage, besch�ftigte mich mit allem, was mir vielleicht helfen konnte. Da war meine Kleidung, meine Matratze und genug feuchtes Stroh. Ich hatte auch Streichh�lzer � gab aber den Gedanken, das Stroh anzuz�nden, schnell wieder auf. Ich glaubte nicht, da� jemand herbeieilen und die T�r �ffnen w�rde. Eher w�rde mich der W�chter auslachen, wenn er �berhaupt etwas bemerkte. Beim letzten Bankett hatte ich einen L�ffel mitgehen lassen. Eigentlich wollte ich ja ein Messer stibitzen, doch Julian hatte mich dabei erwischt, wie ich eins zur Hand nahm, und hatte es mir entrissen. Er wu�te allerdings nicht, da� dies mein zweiter Versuch war. Der L�ffel steckte bereits in meinem Stiefel.</p><p>Aber was konnte mir das gute St�ck jetzt n�tzen?</p><p>Ich hatte Geschichten von Gefangenen geh�rt, die sich mit den seltsamsten Gegenst�nden einen Weg in die Freiheit graben konnten � G�rtelschnallen (so etwas besa� ich nicht) und so weiter. Aber ich hatte nicht die Zeit, den Grafen von Monte Christo zu spielen. Ich mu�te innerhalb weniger Monate entkommen, sonst konnte mir auch das neue Augenlicht nicht weiterhelfen.</p><p>Die T�r bestand haupts�chlich aus Holz. Eichenholz. Vier Metallstreifen hielten sie zusammen. Ein Band f�hrte im oberen Teil ganz herum, ein zweites weiter unten, unmittelbar �ber dem T�rchen, und zwei verliefen von oben nach unten, links und rechts an dem fu�breiten Gitter vorbei. Die T�r �ffnete sich nach au�en, das wu�te ich noch, und das Schlo� befand sich zu meiner Linken. Wenn ich mich recht erinnerte, war die T�r etwa f�nf Zentimeter dick, und ich wu�te auch noch die ungef�hre Position des Schlosses � einen Eindruck, den ich best�tigte, indem ich mich gegen die T�r lehnte und an der Stelle die Spannung �berpr�fte. Ich wu�te auch, da� die T�r zus�tzlich verriegelt war, aber dar�ber konnte ich mir sp�ter noch Gedanken machen. Vielleicht konnte ich den Griff des L�ffels zwischen T�rkante und T�r�ffnung nach oben gleiten lassen.</p><p>Ich kniete mich auf meine Matratze und kratzte mit dem L�ffel ein Viereck in die T�r, in dessen Mitte das Schlo� liegen mu�te. Ich arbeitete, bis mir die Hand schmerzte � ein paar Stunden lang. Dann fuhr ich mit dem Fingernagel �ber die Oberfl�che. Ich hatte noch keine gro�e Kerbe ins Holz gegraben, aber es war wenigstens ein Anfang. Ich nahm den L�ffel in die linke Hand und machte weiter, bis auch sie schmerzte.</p><p>Ich hoffte, da� Rein wieder einmal auftauchen w�rde. Ich glaubte, ihn mit dem n�tigen Nachdruck �berreden zu k�nnen, mir seinen Dolch anzuvertrauen. Da er sich aber nicht blicken lie�, schabte ich weiter.</p><p>Tag um Tag arbeitete ich, bis ich etwa einen Zentimeter tief in das Holz eingedrungen war. Sobald ich die Schritte eines W�chters h�rte, schob ich das Bettgestell wieder an die gegen�berliegende Mauer und legte mich mit dem R�cken zur T�r darauf. Wenn der Mann vorbei war, setzte ich meine Arbeit fort. Obwohl ich meine H�nde zum Schutz in ein Tuch einwickelte, das ich mir von meiner Kleidung abgerissen hatte, holte ich mir zahlreiche Blasen, die aufplatzten, und das rohe Fleisch darunter begann zu bluten. Ich legte also eine Pause ein, um die Wunden heilen zu lassen. In dieser Zeit wollte ich planen, was nach dem Ausbruch zu tun war.</p><p>Wenn ich tief genug in der T�r war, wollte ich den Riegelbalken anheben. Das Ger�usch des fallenden Holzes w�rde vermutlich einen W�chter alarmieren. Aber bis dahin war ich l�ngst drau�en. Mit einigen festen Tritten konnte ich das St�ck herausfallen lassen, an dem ich gerade arbeitete. Sobald die T�r aufschwang, sah ich mich dem W�chter gegen�ber. Der Mann w�rde bewaffnet sein, ich nicht. Ich mu�te es mit ihm aufnehmen.</p><p>Vielleicht f�hlte sich der Mann zu sicher � wahrscheinlich nahm er an, ich k�nnte nichts sehen. Andererseits mochte er Angst empfinden bei der Erinnerung daran, wie ich nach Amber gekommen war. Wie auch immer � er mu�te sterben, und ich wollte seine Waffen an mich nehmen. Ich umspannte mit der linken Hand meinen rechten Bizeps und sp�rte, wie sich die Fingerspitzen ber�hrten. Himmel! Ich war ja ausgemergelt! Egal, ich war vom Blute Ambers und sp�rte, da� ich einen gew�hnlichen Gegner sogar in dieser Situation �berw�ltigen konnte. Vielleicht machte ich mir damit etwas vor, aber ich mu�te es versuchen.</p><p>Wenn ich durchkam, wenn ich dann eine Klinge in der Hand hielt, konnte mich nichts davon abhalten, zum Muster vorzudringen. Ich wollte es beschreiten und mich dann von der Mitte aus in einen Schatten meiner Wahl versetzen lassen. Dort wollte ich mich erholen, ohne die Dinge zu �berst�rzen. Und wenn es mich ein Jahrhundert kostete � ich wollte alles perfekt vorbereiten, ehe ich wieder gegen Amber vorging. War nicht ich der Herrscher hier? Hatte ich mich nicht vor den Augen aller gekr�nt, ehe Eric dasselbe getan hatte? Ich w�rde meinen Anspruch auf den Thron schon durchsetzen!</p><empty-line/><p>Nach etwa einem Monat waren meine H�nde verheilt, und von der Schaberei bildeten sich gewaltige Schwielen. Ich h�rte die Schritte eines W�chters und zog mich auf die andere Seite der Zelle zur�ck. Ein leises Quietschen ert�nte, und mein Essen wurde unter der T�r hindurchgeschoben. Und wieder erklangen Schritte, verloren sich in der Ferne.</p><p>Ich kehrte zur T�r zur�ck. Ich brauchte gar nicht erst hinzuschauen � ich wu�te, was sich auf dem Tablett befand; ein trockenes St�ck Brot, ein Krug mit Wasser, und wenn ich Gl�ck hatte, auch ein St�ck schimmeliger K�se. Ich zog die Matratze zurecht, kniete mich darauf und betastete die Rille. Ich war etwa halb durch.</p><p>Dann h�rte ich das leise Lachen.</p><p>Es ert�nte hinter mir.</p><p>Ich wandte mich um und brauchte gar nicht erst meine Augen zu bem�hen, um zu wissen, da� noch jemand in der Zelle war.</p><p>Unmittelbar vor der linken Wand stand ein Mann und kicherte vor sich hin.</p><p>�Wer seid Ihr?� fragte ich, und meine Stimme h�rte sich seltsam an. Da wurde mir bewu�t, da� ich seit langer Zeit nicht mehr gesprochen hatte.</p><p>�Fliehen�, sagte er. �Er versucht zu fliehen.� Und wieder lachte er.</p><p>�Wie seid Ihr hier hereingekommen?�</p><p>�Zu Fu߫, entgegnete er.</p><p>�Von wo? Wie?�</p><p>Ich ri� ein Streichholz an. Das Licht schmerzte meinen noch sehr empfindlichen Augen, doch ich hielt es in die H�he.</p><p>Ein kleiner Mann. Winzig, k�nnte man sagen. Etwa f�nf Fu� gro� und bucklig. Haar und Bart waren so lang und dicht wie bei mir. Das einzige hervorstechende Merkmal in der Pelzpracht waren die lange Hakennase und die nahezu pechschwarzen Augen, die sich im Lichtschein zusammengezogen hatten.</p><p>�Dworkin!� rief ich �berrascht.</p><p>Und er lachte.</p><p>�So hei�e ich. Und wie hei�t Ihr?�</p><p>�Kennt Ihr mich nicht wieder, Dworkin?� Ich z�ndete ein zweites Streichholz an und hielt es mir vors Gesicht. �Schaut einmal genau hin. Verge�t den Bart und das Haar. Stellt Euch vor, ich w�re etliche Pfund schwerer. Ihr habt mich in exquisitem Detail auf mehreren Kartenspielen festgehalten.�</p><p>�Corwin�, sagte er schlie�lich. �Ich erinnere mich an Euch. Jawohl.�</p><p>�Ich hatte Euch f�r tot gehalten.�</p><p>�Das bin ich aber nicht. Seht Ihr?� Und er drehte sich im Kreise. �Wie geht es Eurem Vater? Habt Ihr ihn k�rzlich gesehen? Hat er Euch hierhergesteckt?�</p><p>�Oberon ist nicht mehr in Amber�, erwiderte ich. �Mein Bruder Eric herrscht in der Stadt, und ich bin sein Gefangener.�</p><p>�Dann habe ich gewisse Vorrechte�, sagte er, �denn ich bin Oberons Gefangener.�</p><p>�Oh? Niemand von uns wu�te, da� Vater Euch eingesperrt hatte.�</p><p>Ich h�rte ihn weinen.</p><p>�Ja�, sagte er nach einer Weile. �Er hat mir nicht getraut.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Ich sagte ihm, ich h�tte eine M�glichkeit gefunden, Amber zu vernichten. Ich habe ihm die Methode beschrieben, und da hat er mich eingesperrt.�</p><p>�Das war ungerecht von ihm�, sagte ich.</p><p>�Ich wei߫, stimmte er zu, �aber er gab mir eine sch�ne Wohnung und viele Dinge, die ich erforschen konnte. Nur besuchte er mich nach einer gewissen Zeit nicht mehr. Er brachte immer M�nner mit, die mir Tintenkleckse zeigten und mich aufforderten, Geschichten dar�ber zu erz�hlen. Das war ganz lustig, bis ich eine Geschichte erz�hlte, die mir selbst nicht gefiel, und einen seiner Begleiter in einen Frosch verwandelte. Der K�nig war zornig, als ich ihn nicht zur�ckverwandeln wollte. Ich habe inzwischen so lange niemanden mehr gesehen, da� ich den Kerl sogar jetzt noch zur�ckverwandeln w�rde, wenn er darauf best�nde. Einmal . . .�</p><p>�Wie seid Ihr hierher gekommen, in meine Zelle?� fragte ich noch einmal.</p><p>�Ich hab�s Euch doch gesagt. Zu Fu�.�</p><p>�Durch die Mauer?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Durch die Schatten-Mauer.�</p><p>�Niemand kann in Amber durch die Schatten schreiten. In Amber gibt es keine Schatten.�</p><p>�Hihi, man mu� sich nur auskennen und ein bi�chen schummeln�, sagte er.</p><p>�Wie?�</p><p>�Ich entwarf einen neuen Trumpf und bin hindurchgeschritten, um mal zu sehen, was sich auf dieser Seite der Mauer tut. Ach je � da f�llt mir ein . . . ich kann ja ohne den Trumpf nicht zur�ck! Ich mu� einen neuen zeichnen. Habt Ihr irgend etwas zu essen?�</p><p>�Nehmt ein St�ck Brot�, sagte ich und reichte ihm den Laib. �Und hier ist ein St�ck K�se dazu.�</p><p>�Dank sei Euch, Corwin�, und er verschlang die Brocken und trank anschlie�end meinen Wasserkrug leer. �Wenn Ihr mir jetzt einen Stift und ein St�ck Pergament geben k�nntet, kann ich in meine R�ume zur�ckkehren. Ich m�chte gern noch ein Buch zu Ende lesen. Unser Gespr�ch hat mich gefreut. Die Sache mit Eric ist bedauerlich. Ich komme ein andermal wieder, dann k�nnen wir uns ausf�hrlicher unterhalten. Wenn Ihr Euren Vater seht, sagt ihm bitte, er soll nicht zornig sein, weil ich . . .�</p><p>�Ich habe weder Schreibstift noch Pergament�, stellte ich fest.</p><p>�Meine G�te!� rief er aus. �Wie unzivilisiert.�</p><p>�Ich wei�. Eric ist eben nicht besonders zivilisiert.�</p><p>�Nun denn, was habt Ihr statt dessen? Meine R�ume gefallen mir doch besser als dieser Ort. Zumindest sind sie besser beleuchtet.�</p><p>�Ihr habt mit mir gegessen�, sagte ich, �und jetzt m�chte ich Euch um einen Gefallen bitten. Wenn Ihr mir die Bitte erf�llt, dann will ich alles in meiner Macht Stehende tun, um die Angelegenheit zwischen Euch und Vater zu bereinigen, das verspreche ich Euch.�</p><p>�Was wollt Ihr?� fragte er.</p><p>�Ich bin seit langer Zeit ein gro�er Bewunderer Eurer Arbeit�, sagte ich. �Und es gibt ein Motiv, das ich mir stets von Eurer Hand gew�nscht habe. Kennt Ihr den Leuchtturm von Cabra?�</p><p>�Nat�rlich. Ich bin oft dort gewesen. Ich kenne den W�chter Jopin. Fr�her habe ich �fter mit ihm Schach gespielt.�</p><p>�Vor allen Dingen habe ich mir eins ersehnt � eine Eurer magischen Skizzen des gro�en grauen Turms � das ist mein Herzenswunsch.�</p><p>�Ein einfaches Thema�, sagte er, �und auch ganz reizvoll. Ich habe fr�her einmal ein paar Grundskizzen davon gemacht, doch weiter bin ich nicht gekommen. Es kam mir immer andere Arbeit dazwischen. Wenn Ihr m�chtet, hole ich Euch eine der Zeichnungen.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Ich w�nsche mir etwas Dauerhafteres, das mir hier in der Zelle Gesellschaft leisten soll � um mich zu tr�sten, und andere, die vielleicht nach mir hier leben m�ssen.�</p><p>�L�blich�, sagte er. �Was habt Ihr Euch als Material gedacht?�</p><p>�Ich habe hier einen Stift�, erwiderte ich (der L�ffel war inzwischen ziemlich scharf) �und h�tte das Bild gern an der gegen�berliegenden Wand, damit ich es anschauen kann, wenn ich mich ausruhe.�</p><p>Er schwieg einen Augenblick lang und sagte dann: �Die Beleuchtung ist aber ziemlich schlecht.�</p><p>�Ich habe mehrere Streichholzheftchen�, erwiderte ich. �Ich werde die H�lzer aneinander anz�nden und hochhalten. Wenn der Vorrat knapp wird, k�nnen wir auch etwas von dem Stroh verbrennen.�</p><p>�Die Arbeitsbedingungen sind nicht gerade ideal . . .�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich, �und ich entschuldige mich daf�r, gro�er Dworkin, aber etwas Besseres kann ich Euch leider nicht bieten. Ein Kunstwerk von Eurer Hand w�rde mein bescheidenes Dasein unvorstellbar bereichern.�</p><p>Er kicherte vor sich hin.</p><p>�Also gut. Aber Ihr m��t mir versprechen, da� Ihr mir hinterher Licht zur Verf�gung stellt, damit ich mir einen R�ckweg in meine Gem�cher aufzeichnen kann.�</p><p>�Einverstanden�, sagte ich und griff in die Tasche.</p><p>Ich hatte drei volle Streichholzhefte und ein angebrochenes.</p><p>Ich dr�ckte ihm den L�ffel in die Hand und f�hrte ihn zur Wand.</p><p>�Habt Ihr Euch mit dem Stift vertraut gemacht?� fragte ich.</p><p>�Ja � ein angespitzter L�ffel, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Ich mache Licht, sobald Ihr bereit seid. Ihr m��t schnell zeichnen, da mein Vorrat an Streichh�lzern beschr�nkt ist. Ich sehe die H�lfte f�r den Leuchtturm vor, und die andere H�lfte f�r Eure Sache.�</p><p>�Gut�, sagte er. Ich z�ndete ein Streichholz an, und er begann die feuchte graue Wand mit Linien zu �berziehen.</p><p>Zuerst zeichnete er ein hohes Rechteck als eine Art Rahmen. Dann begann er mit energischen Strichen den Leuchtturm zu umrei�en.</p><p>So unzurechnungsf�hig er sonst war � seine Zeichenkunst war ungeschm�lert. Ich hielt jedes Streichholz mit den Fingerspitzen, spuckte mir auf Daumen und Zeigefinger der anderen Hand und ergriff das bereits abgebrannte Ende, drehte das ganze Gebilde herum und lie� das Streichholz v�llig abbrennen, ehe ich das n�chste anz�ndete.</p><p>Als das erste Heft mit Streichh�lzern aufgebraucht war, hatte er den Turm abgeschlossen und besch�ftigte sich mit Meer und Himmel. Ich ermutigte ihn, indem ich mit jedem Strich anerkennend vor mich hin murmelte.</p><p>�Gro�artig, wirklich gro�artig�, sagte ich, als das Werk fast vollendet war. Zuletzt lie� er mich ein weiteres Streichholz verschwenden, damit er seine Signatur anbringen konnte. Ich war nun fast mit der zweiten Packung am Ende.</p><p>�Jetzt wollen wir es bewundern�, meinte er.</p><p>�Wenn Ihr in Eure R�umlichkeiten zur�ck wollt, m��t Ihrmir das Bewundern �berlassen�, sagte ich. �Wir haben zu wenige Streichh�lzer, um uns noch als Kunstkritiker zu bet�tigen.�</p><p>Er schmollte ein wenig, ging dann aber an die andere Wand und begann zu zeichnen, sobald das erste Streichholz entflammt war.</p><p>Er zeichnete einen Arbeitsraum mit einem Sch�del auf dem Tisch, daneben einen Globus, reihenweise B�cher an allen W�nden.</p><p>�Das ist gut�, sagte er, als ich mit dem dritten Heftchen durch war und den angebrochenen Streichholzvorrat in Angriff nahm.</p><p>Es kostete sechs weitere Streichh�lzer, bis er fertig war und das Werk signiert hatte.</p><p>Er starrte darauf, w�hrend das achte Streichholz brannte � ich hatte nur noch zwei �, dann machte er einen Schritt darauf zu � und war verschwunden.</p><p>Schon versengte mir die Flamme den Finger, und ich lie� das H�lzchen fallen, das zischend im Stroh verl�schte.</p><p>Zitternd stand ich da, von seltsamen Gef�hlen bewegt, und im n�chsten Augenblick h�rte ich seine Worte und sp�rte seine Gegenwart neben mir. Er war zur�ckgekommen!</p><p>�Mir ist da noch etwas eingefallen�, sagte er. �Wie k�nnt Ihr �berhaupt das Bild sehen, wo es hier doch so dunkel ist?�</p><p>�Oh, ich kann im Dunkeln sehen�, erwiderte ich. �Ich habe so lange darin gelebt, da� ich mich geradezu damit angefreundet habe.�</p><p>�Ich verstehe. Ich wollte es nur wissen. Streicht noch ein H�lzchen an, damit ich wieder verschwinden kann.�</p><p>�Aber gern�, sagte ich und nahm mein vorletztes Z�ndholz. �Beim n�chsten Mal solltet Ihr aber Euer eigenes Licht mitbringen � ich habe jetzt keine Streichh�lzer mehr.�</p><p>�Gut.� Ich machte Licht, und er betrachtete seine Zeichnung, ging darauf zu und verschwand von neuem.</p><p>Ich wandte mich hastig um und betrachtete den Leuchtturm von Cabra, ehe die Flamme verl�schte. Ja, die F�higkeit regte sich. Ich sp�rte sie.</p><p>Doch gen�gte das letzte Streichholz?</p><p>Nein, vermutlich nicht.</p><p>Es erforderte eine l�ngere Periode der intensiven Konzentration, ehe ich einen Trumpf zur Flucht verwenden konnte.</p><p>Was lie� sich verbrennen? Das Stroh war zu feucht und mochte nicht brennen. Es w�re schlimm, den Fluchtweg vor Augen zu haben � den Weg in die Freiheit �, ohne ihn benutzen zu k�nnen.</p><p>Ich brauchte eine Flamme, die eine Zeitlang brannte.</p><p>Meine Matratze! Es handelte sich um einen mit Stroh gef�llten Stoffsack. Das Stroh war bestimmt trockener als das andere, und der Stoff mochte ebenfalls brennen.</p><p>Ich fegte die H�lfte des Steinbodens frei. Dann suchte ich den angespitzten L�ffel, um damit den Strohsack zu �ffnen. Und ich fluchte. Dworkin hatte mein Handwerkszeug mitgenommen!</p><p>Ich zerrte und ri� an dem Ding.</p><p>Schlie�lich ging der Stoff auf, und ich zog das trockene Stroh aus der Mitte, h�ufte es auf und legte den Bezug daneben, als weitere Nahrung f�r das Feuer, falls ich es brauchte. Je weniger Rauch, desto besser. Wenn zuf�llig ein W�chter vorbeikam, mochte er aufmerksam werden. Aber die Wahrscheinlichkeit war nicht besonders gro�, da man mich erst vor kurzem versorgt hatte und ich nur eine Mahlzeit am Tag erhielt.</p><p>Ich z�ndete mein letztes Streichholz an, benutzte es dazu, die Papierh�lle der Streichh�lzer anzuz�nden. Als die Flamme brannte, hielt ich sie an das Stroh.</p><p>Fast h�tte es nicht geklappt. Obwohl das Stroh aus dem Kern meiner Matratze kam, war es feuchter, als ich angenommen hatte. Doch endlich begann es zu gl�hen, dann zu flackern. Ich mu�te zwei weitere leere Z�ndholzheftchen anz�nden, bis es soweit war � und ich war froh, da� ich sie nicht in das Toilettenloch geworfen hatte.</p><p>Ich legte das dritte auf das Stroh, nahm den Stoffbezug in die linke Hand, richtete mich auf und betrachtete die Zeichnung.</p><p>Als die Flammen h�her wurden, kroch der Feuerschein an der Wand empor, und ich konzentrierte mich auf den Turm und erinnerte mich daran. Ich glaubte den Schrei einer M�we zu h�ren, sp�rte so etwas wie eine salzige Brise und hatte das Empfinden, da� das Bild immer realer wurde.</p><p>Schlie�lich warf ich den Bezug auf das Feuer, und die Flammen verl�schten einen Augenblick lang, ehe sie noch h�her flackerten. Ich nahm den Blick nicht von der Zeichnung.</p><p>Dworkins Hand besa� noch immer den alten Zauber, denn bald kam mir der Leuchtturm so real vor wie die Zelle. Dann war er die einzige Wirklichkeit, w�hrend die Zelle zu einem Schatten hinter mir verbla�te. Ich h�rte das Pl�tschern der Wellen und sp�rte so etwas wie die Nachmittagssonne auf den Schultern.</p><p>Ich trat vor, doch mein Fu� ber�hrte das Feuer nicht.</p><p>Ich stand auf dem sandigen, mit Felsbrocken �bers�ten Ufer der kleinen Insel Cabra mit dem gro�en grauen Leuchtturm, der den Schiffen Ambers in der Nacht den Weg wies. Eine Horde erschrockener M�wen umflog mich kreischend, und mein Lachen verschmolz mit der Brandung und dem Freiheitslied des Windes. Amber lag dreiundvierzig Meilen links hinter mir.</p><p>Ich hatte es geschafft.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Ich ging zum Leuchtturm hin�ber und erstieg die Steintreppe, die zur T�r auf der Westseite f�hrte. Sie war gro�, schwer und wasserdicht. Und sie war verschlossen. Etwa dreihundert Meter hinter mir befand sich ein kleines Pier. Zwei Boote waren dort vert�ut � ein Ruderboot und ein geschlossenes Segelboot. Die beiden Boote schwankten leicht auf den Wellen, und das Wasser hinter ihnen schimmerte grau in der Sonne. Ich verharrte einen Augenblick, um den Anblick zu genie�en. Es war so lange her, da� ich �berhaupt etwas gesehen hatte, und so kamen mir die beiden Boote eine Sekunde lang fast �berwirklich vor. Ich mu�te ein Schluchzen unterdr�cken, machte kehrt und klopfte an die T�r.</p><p>Nach l�ngerer Zeit wiederholte ich das Klopfen.</p><p>Endlich h�rte ich ein Ger�usch von innen, und die T�r schwang auf; die Scharniere quietschten.</p><p>Leuchtturmw�chter Jopin musterte mich mit blutunterlaufenen Augen. Sein Atem stank nach Whisky. Er war etwa f�nfeinhalb Fu� gro� und ging derma�en geb�ckt, da� er mich an Dworkin erinnerte. Sein Bart war so lang wie der meine und rauchfarben, bis auf einige gelbe Flecke in der N�he seiner ausgetrocknet wirkenden Lippen. Seine Haut hatte Poren wie eine Apfelsinenschale; Wind und Wetter hatten sie gegerbt, da� sie wie das Furnier eines wertvollen alten M�belst�cks aussah. Die dunklen Augen waren zusammengekniffen, konzentrierten sich auf mich. Wie so mancher Schwerh�rige sprach er �berm��ig laut.</p><p>�Wer seid Ihr? Was wollt Ihr?� fragte er.</p><p>Wenn ich in meinem Zustand schon unkenntlich war, wollte ich meine Anonymit�t auch wahren.</p><p>�Ich bin ein Reisender aus dem S�den, k�rzlich mit meinem Schiff verungl�ckt�, erwiderte ich. �Ich konnte mich viele Tage lang an einem Holzst�ck festhalten und wurde schlie�lich hier an Land geschwemmt. Ich habe den ganzen Vormittag am Strand geschlafen. Erst vor wenigen Minuten konnte ich mich dazu aufraffen, zum Leuchtturm zu kommen.�</p><p>Er trat vor und packte mich am Arm. Den anderen legte er mir um die Schultern.</p><p>�Dann kommt rein, kommt rein�, sagte er. �St�tzt Euch auf mich. Vorsichtig! Hier entlang.�</p><p>Er f�hrte mich in sein Quartier, das ziemlich unaufger�umt war � voller alter B�cher, Seekarten, Landkarten und nautischer Ger�te.</p><p>Da er selbst nicht allzu sicher auf den Beinen war, st�tzte ich mich kaum auf ihn � nur soviel, da� der Eindruck von Schw�che best�tigt wurde, den ich an der T�r zu erwecken versucht hatte.</p><p>Er f�hrte mich zu einer Liege, sagte, ich solle mich niederlegen, machte die T�r zu und ging, um mir etwas zu essen zu holen.</p><p>Ich zog die Stiefel aus, doch meine F��e waren so schmutzig, da� ich sie sofort wieder �berstreifte. Wenn ich wirklich lange im Wasser gewesen war, wie ich behauptet hatte, konnte ich nicht so schmutzig sein. Da ich mich nicht unn�tig verraten wollte, zog ich eine Decke �ber mich und streckte mich lang aus.</p><p>Kurz darauf brachte mir Jopin einen Krug Wasser, einen Krug Bier, ein gro�es St�ck Fleisch und einen Brocken Brot auf einem viereckigen Holztablett. Er fegte die Platte eines kleinen Tisches leer, den er dann mit dem Fu� neben die Couch schob, stellte das Tablett darauf ab und forderte mich auf, zu essen und zu trinken.</p><p>Und das tat ich. Ich stopfte mich voll mit den herrlichen Sachen � bis zum Platzen. Ich a� alles, was er mir vorsetzte. Ich leerte beide Kr�ge.</p><p>Dann war ich unendlich m�de, Jopin nickte, als er meinen Zustand bemerkte, und forderte mich auf zu schlafen. Ehe ich wu�te, was mir geschah, schlief ich bereits.</p><p>Als ich erwachte, war es Nacht, und ich f�hlte mich besser als seit vielen Wochen. Ich stand auf und verlie� das Geb�ude. Drau�en war es kalt, doch der Himmel war kristallklar und schien von einer Million Sterne erf�llt zu sein. Die Linse an der Spitze des Turms blitzte hinter mir auf, wurde dunkel, blitzte wieder auf, verdunkelte sich erneut. Das Wasser war kalt, doch ich mu�te mich dringend waschen. Ich badete und wusch meine Sachen und wrang sie aus. Dar�ber mu�te eine ganze Stunde vergangen sein. Schlie�lich kehrte ich in den Leuchtturm zur�ck, h�ngte meine Sachen zum Trocknen �ber die Lehne eines alten Stuhls, kroch wieder unter die Decke und schlief weiter.</p><empty-line/><p>Als ich am n�chsten Morgen erwachte, war Jopin bereits auf den Beinen. Er bereitete ein herzhaftes Fr�hst�ck zu, dem ich ebenso gr�ndlich zusprach wie dem Abendessen tags zuvor. Dann lieh ich mir Rasiermesser, Spiegel und Schere und rasierte mich und verpa�te mir eine Art Haarschnitt. Anschlie�end badete ich noch einmal, und als ich schlie�lich meine salzig-steife, aber saubere Kleidung anzog, kam ich mir fast wieder wie ein Mensch vor.</p><p>Als ich vom Meer zur�ckkehrte, starrte mich Jopin an. �Ihr kommt mir irgendwie bekannt vor, Mann�, sagte er, und ich zuckte die Achseln.</p><p>�Jetzt erz�hlt mir aber von Eurem Unfall.�</p><p>Und das tat ich. Aus dem Stegreif beschwor ich die Katastrophe herauf � und was f�r eine Katastrophe, bis hin zum Brechen des Hauptmasts!</p><p>Er klopfte mir auf die Schulter und schenkte mir zu trinken ein. Dann z�ndete er die Zigarre an, die er mir angeboten hatte.</p><p>�Ruht Euch nur aus�, sagte er. �Ich bringe Euch an Land, sobald Ihr wollt, oder rufe ein vorbeifahrendes Schiff an, wenn Ihr eins erkennt.�</p><p>Ich nahm seine Gastfreundschaft weiter in Anspruch. Ich a� von seinen Lebensmitteln, trank von seinen Vorr�ten und lie� mir ein sauberes Hemd schenken, das ihm zu gro� war. Es hatte einem Freund von ihm geh�rt, der auf See umgekommen war.</p><p>Drei Monate blieb ich bei ihm, und in dieser Zeit gewann ich meine fr�here Form zur�ck. Ich half ihm auch bei der Arbeit � k�mmerte mich nachts um das Licht, wenn er sich mal betrinken wollte, und s�uberte alle Zimmer im Haus, wobei ich zwei sogar neu anstrich und f�nf neue Fensterscheiben einsetzte. Und in st�rmischen N�chten beobachtete ich mit ihm das Meer.</p><p>Wie ich erfuhr, war er v�llig unpolitisch. Ihm war es gleichg�ltig, wer in Amber herrschte. Soweit es ihn betraf, war unsere Familie durch und durch verderbt. Solange er sich um seinen Leuchtturm k�mmern konnte und gute Sachen zu essen und zu trinken hatte, solange er in aller Ruhe seine Seekarten studieren durfte, hatte er keine Meinung zu den Geschehnissen an Land und bei Hof. Mit der Zeit wuchs er mir ziemlich ans Herz, und da ich gewisse Kenntnisse �ber alte Karten habe, verbrachten wir manchen angenehmen Abend damit, falsche Eintragungen richtigzustellen. Ich war vor vielen Jahren im Hohen Norden gewesen und lieferte ihm nun eine neue Seekarte, die ich aus dem Ged�chtnis zeichnete. Dies schien ihm sehr zu gefallen, wie auch meine Beschreibung dieser Gew�sser.</p><p>�Corey�, (so hatte ich mich genannt), �ich m�chte eines Tages mal mit Euch lossegeln. Ich wu�te gar nicht, da� Ihr fr�her Euer eigener Kapit�n gewesen seid.�</p><p>�Wer wei߫, erwiderte ich. �Ihr seid ja fr�her auch Kapit�n gewesen, nicht wahr?�</p><p>�Woher wi�t Ihr?� fragte er.</p><p>Tats�chlich hatte ich mich an die Angelegenheit erinnert, doch ich machte eine umfassende Handbewegung.</p><p>�All die Dinge, die Ihr hier gesammelt habt�, sagte ich, �und Eure Vorliebe f�r Seekarten. Au�erdem erinnert Eure Haltung an einen Mann, der fr�her das Kommando gef�hrt hat.�</p><p>Er l�chelte.</p><p>�Ja�, meinte er, �es stimmt. Ich habe �ber hundert Jahre lang ein Kommando gef�hrt. Aber das ist lange her . . . Trinken wir noch einen.�</p><p>Ich nahm einen Schluck aus meinem Glas und stellte es zur Seite. W�hrend meines Aufenthalts im Leuchtturm mu�te ich gut vierzig Pfund zugenommen haben. Ich rechnete jeden Tag damit, da� er mich als Mitglied der K�nigsfamilie erkannte. Vielleicht w�rde er mich dann an Eric ausliefern � vielleicht aber auch nicht. Ich hatte das Gef�hl, da� er es nicht tun w�rde. Allerdings wollte ich nicht das Risiko eingehen und diese Entscheidung in aller Ruhe abwarten.</p><p>Wenn ich zuweilen die gro�e Lampe versorgte, fragte ich mich, wie lange ich noch bleiben sollte.</p><p>Nicht mehr lange, sagte ich mir und �lte die Drehlager. Gar nicht mehr lange. Die Zeit r�ckte heran, da ich mich auf den Weg machen und wieder zwischen den Schatten verschwinden mu�te.</p><p>Eines Tages sp�rte ich pl�tzlich den Druck, zuerst sanft und fragend. Ich war nicht sicher, wer sich da meldete.</p><p>Ich erstarrte sofort, schlo� die Augen und l�schte alles Denken. Es dauerte etwa f�nf Minuten, bis sich die forschende Erscheinung zur�ckzog.</p><p>Nachdenklich wanderte ich hin und her und l�chelte, als ich erkannte, wie wenige Schritte ich in jeder Richtung machte. Unbewu�t hatte ich mich den Dimensionen meiner Zelle in Amber angepa�t.</p><p>Soeben hatte sich jemand mit mir in Verbindung setzen wollen, �ber meinen Trumpf. Eric? Hatte er endlich gemerkt, da� ich nicht mehr in der Zelle war, wollte er mich auf diesem Wege finden? Ich wu�te es nicht. Ich glaubte, da� er sich vor einem weiteren geistigen Kontakt mit mir f�rchtete. Also Julian? Oder G�rard? Wer immer es gewesen war � ich hatte ihn v�llig abgeblockt, das wu�te ich. Und ich wollte jedem weiteren Kontakt mit Familienangeh�rigen aus dem Wege gehen.</p><p>Dabei mochten mir wichtige Neuigkeiten oder Hilfsangebote entgehen, doch ich konnte mir das Risiko nicht leisten. Der versuchte Kontakt und mein Abblocken erf�llten mich mit einer ungewohnten K�lte. Ich erschauderte. Den ganzen Tag hindurch besch�ftigte ich mich mit dem Ereignis und kam zu dem Schlu�, da� die Zeit zum Abschied gekommen sei. Sinnlos, in der N�he Ambers zu bleiben, solange meine Position noch so schwach war. Ich hatte mich soweit erholt, da� ich wieder in den Schattenwelten untertauchen konnte. Die F�rsorge des alten Jopin hatte meine gewohnte Vorsicht etwas eingeschl�fert. Es w�rde weh tun, ihn zu verlassen, denn in den Monaten unseres Zusammenseins war mir der alte Knabe ans Herz gewachsen. Nach einer Partie Schach am gleichen Abend vertraute ich ihm meine Pl�ne an.</p><p>Er schenkte zwei Gl�ser voll, hob das seine und sagte: �Das Gl�ck sei mit Euch, Corwin. Ich hoffe, ich sehe Euch eines Tages wieder.�</p><p>Ich sagte nichts zu der Tatsache, da� er mich mit meinem richtigen Namen angeredet hatte, und er l�chelte, als er erkannte, da� mir der Umstand nicht entgangen war.</p><p>�Ihr seid ein guter Mann, Jopin�, sagte ich. �Wenn ich Erfolg habe mit dem, was ich jetzt in Angriff nehmen mu�, werde ich nicht vergessen, was Ihr f�r mich getan habt.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich w�nsche mir nichts�, sagte er. �Ich bin hier vollauf zufrieden, ich habe Spa� an der Arbeit. Es gef�llt mir, mich um diesen Turm zu k�mmern. Er ist mein ganzes Leben. Wenn Ihr Erfolg habt in Eurem Bem�hen � nein, verratet mir nichts davon, bitte! Ich will es nicht wissen! �, dann kommt Ihr hoffentlich manchmal auf eine Partie Schach vorbei.�</p><p>�Gewi߫, versprach ich ihm.</p><p>�Ihr k�nnt morgen fr�h die <emphasis>Schmetterling</emphasis> nehmen, wenn Ihr wollt.�</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>Die <emphasis>Schmetterling</emphasis> war sein Segelboot.</p><p>�Ehe Ihr geht�, sagte er, �m�chte ich Euch bitten, mein Sehglas zu nehmen, den Turm zu ersteigen, und einmal ins Tal Garnath zu schauen.�</p><p>�Was gibt es dort zu sehen?�</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�Das m��t Ihr Euch schon selbst zusammenreimen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Also gut, ich tu�s!�</p><p>Dann begannen wir uns angenehm zu betrinken und legten uns schlie�lich zu Bett. Der alte Jopin w�rde mir fehlen. Abgesehen von Rein war er der einzige Freund, den ich seit meiner R�ckkehr von der Schattenerde gefunden hatte. Ich dachte an das Tal, das eine Flammenh�lle gewesen war, als wir es durchquerten. Was mochte daran so ungew�hnlich sein � jetzt, vier Jahre sp�ter?</p><p>Heimgesucht von Tr�umen �ber Werw�lfe und Sabbate schlief ich tief die ganze Nacht, und der Vollmond stieg �ber der Welt auf.</p><empty-line/><p>Beim Einsetzen der D�mmerung stand ich auf. Jopin schlief noch. Dar�ber war ich froh, denn ich h�tte mich nur ungern von ihm verabschiedet; au�erdem hatte ich das seltsame Gef�hl, da� ich ihn nie wiedersehen w�rde.</p><p>Ich erstieg den Turm und betrat den Raum mit dem gro�en Licht, das Fernglas in der Hand. Ich ging zum Fenster, das zur K�ste hin�berschaute, und richtete das Fernglas auf das Tal.</p><p>Nebel hing �ber dem Geh�lz, ein kaltes, feucht aussehendes graues Gewebe, das sich an die Spitzen der kleinen, verkr�ppelten B�ume klammerte. Die B�ume waren d�ster, und ihre �ste verhakten sich ineinander wie die Finger ringender H�nde. Dunkle Gebilde huschten dazwischen umher, und aus ihren Bewegungen schlo� ich, da� <emphasis>es</emphasis> sich nicht um V�gel handelte. Wahrscheinlich waren es Flederm�use. In dem Riesenwald machte sich etwas Unheimliches und B�ses bemerkbar, das erkannte ich nun � und pl�tzlich erkannte ich die Empfindung. <emphasis>Ich selbst</emphasis> lauerte dort. Meine Rache begann Gestalt anzunehmen!</p><p>Mein Fluch hatte diese Ver�nderung bewirkt. Ich hatte das friedliche Garnath-Tal in seine heutige Form gebracht: ein Symbol meines Hasses auf Eric und all die anderen, die es zugelassen hatten, da� sein Machthunger gestillt wurde, die es zugelassen hatten, da� ich das Augenlicht verlor. Dieser Wald gefiel mir ganz und gar nicht, und w�hrend ich hin�berstarrte, erkannte ich, wie sehr mein Ha� dort schon Gestalt gewonnen hatte. Ich wu�te es, weil die Erscheinungen dort ein Teil meiner selbst waren.</p><p>Ich hatte einen neuen Eingang zur wirklichen Welt geschaffen. Garnath war ein neuer Weg durch die Schatten. Durch d�stere, b�se Schatten. Nur die Gef�hrlichen, die b�se Denkenden mochten diesen Weg beschreiten. Hier lag der Ausgangspunkt der <emphasis>Dinge,</emphasis> von denen Rein gesprochen hatte, jener Dinge, die Eric zu schaffen machten. Das war auf eine Weise gut, wenn sie ihn in Atem hielten. Aber w�hrend ich durch das Glas starrte, kam mir der Gedanke, da� ich hier etwas sehr Schlimmes getan hatte. Damals konnte ich nicht ahnen, da� ich jemals wieder das helle Tageslicht schauen w�rde. Nachdem ich nun wieder sehen konnte, wurde mir klar, da� ich hier etwas entfesselt hatte, dessen B�ndigung geh�rige Anstrengungen erforderte. Schon jetzt schienen sich dort dr�ben seltsame Gestalten zu bewegen. Ich hatte etwas getan, das niemals zuvor getan worden war, auch nicht w�hrend Oberons langer Herrschaft: ich hatte einen neuen Weg nach Amber er�ffnet. Und ich hatte ihn nur den schlimmsten Kr�ften aufgetan. Der Tag w�rde kommen, da sich der Herrscher von Amber � wer immer es sein mochte � dem Problem gegen�bersah, diesen schrecklichen Weg zu schlie�en. All dies ging mir durch den Kopf, w�hrend ich hin�berstarrte, w�hrend ich erkannte, da� die Erscheinung ein Produkt meines Schmerzes, meines Zorns und meines Hasses war. Wenn ich Amber eines Tages mein eigen nannte, mochte ich es mit meinem eigenen �blen Werk aufnehmen m�ssen � was stets ein teuflisch schwieriges Bem�hen ist. Ich senkte das Glas und seufzte.</p><p>Na, und wenn schon, sagte ich mir. Bis es soweit war, sollte Eric noch viele schlaflose N�chte davon erleiden!</p><p>Ich nahm ein kleines Fr�hst�ck zu mir, r�stete die <emphasis>Schmetterling</emphasis> aus, so schnell es ging, legte ab und setzte Segel. Jopin war sonst um diese Zeit schon auf den Beinen, aber vielleicht sagte er ebenso ungern Lebewohl wie ich.</p><p>Ich steuerte das Boot aufs Meer hinaus. Ich wu�te, wohin ich fuhr, ohne genau zu wissen, wie ich an dieses Ziel gelangen sollte. Ich wollte durch die Schatten segeln, durch seltsame Gew�sser, aber dieser Weg war besser als jede Route an Land � vor allem, solange sich dort mein Fluch bemerkbar machte.</p><p>Ich nahm Kurs auf ein Land, das fast ebenso pr�chtig war wie Amber, auf einen nahezu unsterblichen Ort, eine Welt, die es eigentlich gar nicht gab, nicht mehr. Es war ein Ort, der vor Urzeiten im Chaos versunken war, von dem es aber irgendwo noch einen Schatten geben mu�te. Ich mu�te diesen Ort nur finden, erkennen und mir wieder aneignen, wie ich es vor langer Zeit schon einmal getan hatte. Mit den eigenen Streitkr�ften im R�cken, wollte ich dann etwas unternehmen, das Amber nie zuvor erlebt hatte. Ich wu�te noch nicht, wie ich meine Pl�ne verwirklichen wollte, doch ich gab mir das Versprechen, da� am Tage meiner R�ckkehr in der unsterblichen Stadt die Waffen sprechen w�rden.</p><p>W�hrend ich in die Schatten segelte, flog ein wei�er Vogel meiner Sch�pfung herbei und lie� sich auf meiner rechten Schulter nieder, und ich schrieb einen Zettel, band ihn an seinem Bein fest und schickte ihn fort. Der Zettel verk�ndete: �Ich komme�, und trug meine Unterschrift.</p><p>Ich wollte nicht ruhen, bis meine Rache erf�llt war, bis ich den Thron erstiegen hatte; und <emphasis>Adieu</emphasis> allen, die sich zwischen mich und dieses Ziel stellten.</p><p>Die Sonne stand tief zu meiner Linken, und der Wind bl�hte das Segel und trieb mich voran.</p><p>Ich war frei und in Bewegung; ich hatte es bis hierher geschafft. Jetzt hatte ich die Chance, die ich mir von Anfang an gew�nscht hatte.</p><p>Ein schwarzer Vogel meiner Sch�pfung flog herbei und lie� sich auf meiner linken Schulter nieder, und ich schrieb einen Zettel, band ihn an seinem Bein fest und schickte ihn damit nach Westen.</p><p>Darauf stand: �Eric � ich komme zur�ck�, und die Unterschrift lautete: �Corwin, Lord von Amber.�</p><p>Ein D�monenwind trieb mich an der Sonne vorbei.</p></section></body><binary id="cover" 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