<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>Die Burgen des Chaos</book-title><date>1978</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Amber-Zyklus" number="5"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>The Courts of Chaos</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><src-ocr/><id>F4EA7CF1-7FCA-478E-867E-AA1F12DF865F</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Roger Zelazny</p><p>Die Burgen des Chaos</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Amber: hellstrahlend auf dem Gipfel Kolvirs inmitten des Tages. Eine schwarze Stra�e: vom Chaos aus dem S�den durch Garnath herbeif�hrend, flach und finster. Ich: fluchend und hin und her schreitend, ein gelegentlicher Benutzer der Bibliothek des Palasts von Amber. Die T�r zu dieser Bibliothek: verschlossen und verriegelt.</p><p>Der verr�ckte Prinz von Amber setzte sich an den Tisch, richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf das ge�ffnete Buch. Es klopfte an die T�r.</p><p>�Verschwinde!� rief ich.</p><p>�Corwin. Ich bin es � Random. Mach auf, ja? Ich habe dir sogar etwas zu essen mitgebracht.�</p><p>�Einen Augenblick.�</p><p>Ich stand auf, ging um den Tisch, durchquerte den Raum. Als ich die T�r �ffnete, nickte Random. Er hielt ein Tablett in der Hand, das er auf einem kleinen Tisch neben dem Lesepult abstellte.</p><p>�Das ist ja reichlich�, stellte ich fest.</p><p>�Ich habe auch Hunger.�</p><p>�Also tu etwas dagegen.�</p><p>Dieser Aufforderung kam er nach. Er f�hrte das Messer. Er reichte mir Fleischst�cke auf einem Brotst�ck. Er schenkte Wein ein. Wir nahmen Platz und a�en.</p><p>�Ich wei�, du bist immer noch sehr zornig . . .�, sagte er nach l�ngerer Zeit.</p><p>�Und du bist das nicht mehr?�</p><p>�Nun ja, vielleicht habe ich mich schon mehr an das Gef�hl gew�hnt. Ich wei� es nicht. Trotzdem . . . Ja, es kam irgendwie pl�tzlich, nicht wahr?�</p><p>�Pl�tzlich?� Ich trank einen gro�en Schluck Wein. �Es ist im Grunde wie fr�her. Nein, schlimmer. Irgendwie hatte ich ihn sogar gemocht, solange er uns den Ganelon vorspielte. Wo er nun wieder das Sagen hat, gibt er sich so herrisch wie eh und je. Er hat uns Befehle zugebr�llt, die in allen Punkten unerkl�rt geblieben sind, und dann ist er von neuem verschwunden.�</p><p>�Er hat aber gesagt, er w�rde sich bald wieder melden.�</p><p>�Das hatte er das letzte Mal wohl auch vor.�</p><p>�Dessen bin ich nicht so sicher.�</p><p>�Und seine erste Abwesenheit hat er nicht erl�utert. Im Grunde hat er uns <emphasis>gar</emphasis> nichts erkl�rt.�</p><p>�Daf�r hat er sicher seine Gr�nde.�</p><p>�Daran beginne ich zu zweifeln, Random. Glaubst du, da� er allm�hlich den Verstand verliert?�</p><p>�Jedenfalls hat er bei ihm noch gereicht, dich zu t�uschen.�</p><p>�Das war eine Kombination aus primitiver animalischer Schl�ue und seiner F�higkeit zur Gestaltsver�nderung.�</p><p>�Aber das Ziel wurde erreicht, oder nicht?�</p><p>�Ja. Es hat funktioniert.�</p><p>�Corwin, besteht vielleicht die M�glichkeit, da� du es ihm nicht g�nnst, einen funktionierenden Plan zu schmieden, m�chtest du vielleicht gar nicht, da� er einmal recht hat?�</p><p>�L�cherlich! Mir liegt nicht weniger als jedem anderen von uns daran, das Durcheinander zu ordnen.�</p><p>�Ja, aber w�re dir nicht lieber, wenn die L�sung aus einer anderen Richtung k�me?�</p><p>�Worauf willst du hinaus?�</p><p>�Du willst ihm nicht trauen.�</p><p>�Das gebe ich zu. Ich habe ihn verdammt lange nicht gesehen � zumindest nicht in seiner wahren Gestalt �, und . . .�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das meine ich nicht. Du �rgerst dich, da� er wieder da ist, habe ich nicht recht? Du hattest gehofft, wir w�ren ihn ein f�r allemal los.�</p><p>Ich wandte den Blick ab.</p><p>�Darin liegt etwas Wahres�, antwortete ich schlie�lich. �Doch nicht wegen des leeren Throns oder <emphasis>ausschlie�lich</emphasis> deswegen. Es liegt an ihm, Random. Ihm. Das ist alles.�</p><p>�Ich wei߫, gab er zur�ck. �Aber du mu�t zugeben, da� er Brand hereingelegt hat, was nun wirklich keine Kleinigkeit ist. Seinen Trick begreife ich immer noch nicht: wie hat er nur dich dazu bringen k�nnen, den Arm von Tir-na Nog�th mitzubringen? Wie hat er mich veranla�t, den Arm an Benedict weiterzugeben, wie hat er Benedict im richtigen Moment an den richtigen Ort man�vriert, damit sich alles nach Plan entwickelte und er das Juwel zur�ckhielt? Im Umgang mit den Schatten ist er eben noch immer geschickter als wir. Er erreichte sein Ziel auf dem Kolvir, als er uns zum Ur-Muster brachte. Ich w�re dazu nicht in der Lage. Und du auch nicht. Und er vermochte G�rard zu schlagen. Ich glaube nicht, da� seine Kr�fte nachlassen. Meiner Meinung nach wei� er genau, was er tut, und ob es uns gef�llt oder nicht, ich finde, er ist der einzige, der mit der augenblicklichen Lage fertigwerden kann.�</p><p>�Willst du mir damit einreden, da� ich ihm vertrauen sollte?�</p><p>�Ich will dir nur sagen, da� du keine andere Wahl hast.�</p><p>Ich seufzte.</p><p>�Da hast du wahrscheinlich genau ins Schwarze getroffen�, gab ich zur�ck. �Es ist sinnlos, verbittert zu reagieren. Trotzdem . . .�</p><p>�Dich bek�mmert der Angriffsbefehl, nicht wahr?�</p><p>�Ja, unter anderem. Wenn wir noch warteten, k�nnten Benedict und ich eine noch gr��ere Streitmacht ins Feld f�hren. F�r eine solche Aktion reichen drei Tage Vorbereitung nicht aus. Nicht wenn man so wenig �ber den Gegner wei�.�</p><p>�Das mu� aber nicht sein. Er hat sich lange unter vier Augen mit Benedict unterhalten.�</p><p>�Und das ist das zweite. Die getrennten Befehle. Seine Geheimniskr�merei . . . Er traut uns nicht mehr, als er unbedingt mu�.�</p><p>Random lachte leise, und ich machte es ihm nach.</p><p>�Na sch�n�, r�umte ich ein. �Vielleicht w�rde ich an seiner Stelle nicht anders handeln. Aber drei Tage, um einen Krieg vorzubereiten!� Ich sch�ttelte den Kopf. �Da mu� er wahrhaft mehr wissen als wir, sonst bringt die Sache nichts.�</p><p>�Ich habe den Eindruck, da� es eher ein �berraschungsschlag als ein Krieg sein wird.�</p><p>�Nur hat er sich nicht die M�he gemacht, uns zu sagen, worum es dabei geht.�</p><p>Random zuckte die Achseln und schenkte Wein nach.</p><p>�Vielleicht verr�t er uns mehr, wenn er zur�ckkommt. Du hast keine Sonderbefehle erhalten, oder?�</p><p>�Ich soll mich nur bereithalten und warten, weiter nichts. Was ist mit dir?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Er hat mir gesagt, ich w��te schon Bescheid, wenn der richtige Augenblick gekommen w�re. Immerhin hat er Julian angewiesen, seine Truppen bereitzuhalten, um auf Befehl sofort losmarschieren zu k�nnen.�</p><p>�Oh? Stehen die denn nicht in Arden?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Wann hat er diesen Befehl gegeben?�</p><p>�Als du schon fort warst. Er rief Julian durch den Trumpf hier herauf und gab ihm seine Anordnungen; anschlie�end ritten beide fort. Ich h�rte Vater sagen, er w�rde ihn auf dem R�ckweg ein St�ck begleiten.�</p><p>�Haben sie den Ostpfad �ber den Kolvir genommen?�</p><p>�Ja. Ich habe den beiden nachgeschaut.�</p><p>�Interessant. Was habe ich sonst noch vers�umt?�</p><p>Er rutschte auf seinem Stuhl hin und her.</p><p>�Etwas, das mir zu schaffen macht�, antwortete er. �Als Vater in den Sattel stieg und mir zum Abschied zuwinkte, blickte er mich an und sagte: �Und pa� auf Martin auf!��</p><p>�Ist das alles?�</p><p>�Das ist alles. Aber er lachte dabei.�</p><p>�Das nat�rliche Mi�trauen gegen�ber einem Neuank�mmling, w�rde ich sagen.�</p><p>�Warum aber das Lachen?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>Ich schnitt mir ein St�ck K�se ab und a� es.</p><p>�Vielleicht liege ich doch nicht so falsch. Kann sein, da� er Martin nicht verd�chtigt, sondern nur meint, er m�sse vor etwas besch�tzt werden. Vielleicht ist es auch beides. Oder nichts von alledem. Du wei�t ja, wie er sein kann.�</p><p>Random stand auf. �Soweit hatte ich das noch nicht durchdacht. Jetzt kommst du aber mit, ja? Du hast dich den ganzen Vormittag hier verkrochen.�</p><p>�Na gut.� Ich erhob mich und legte Grayswandir um. �Wo ist Martin �berhaupt?�</p><p>�Ich habe ihn unten im Erdgescho� zur�ckgelassen. Er unterhielt sich mit G�rard.�</p><p>�Dann ist er ja in guten H�nden. Bleibt G�rard hier, oder kehrt er zur Flotte zur�ck?�</p><p>�Keine Ahnung. Er wollte sich �ber seine Befehle nicht auslassen.�</p><p>Wir verlie�en die Bibliothek und gingen zur Treppe.</p><p>Unterwegs h�rten wir L�rm von unten, und ich beschleunigte meine Schritte. �ber das Gel�nder blickend entdeckte ich am Eingang zum Thronsaal eine Gruppe W�chter, die von G�rards m�chtiger Gestalt �berragt wurden. Alle wandten uns den R�cken zu. Ich sprang die letzten Stufen hinab. Random war nicht weit hinter mir. Heftig dr�ngte ich mich in die Gruppe. �Was geht hier vor, G�rard?� fragte ich.</p><p>�Wenn ich das nur w��te!� antwortete er. �Schau doch selbst! Allerdings kann niemand hinein.�</p><p>Er wich zur Seite, und ich machte noch einen Schritt vorw�rts. Und einen zweiten. Und mehr nicht. Es war, als stemmte ich mich gegen eine geringf�gig nachgebende, aber v�llig unsichtbare Mauer. Jenseits des Hindernisses spielte sich eine Szene ab, die meine Erinnerungen und Gef�hle in Aufruhr brachte. Die Angst packte mich im Genick und lahmte meine H�nde � und das war keine Kleinigkeit.</p><p>L�chelnd hielt Martin einen Trumpf in der linken Hand, vor sich Benedict, der anscheinend eben erst gerufen worden war. Ganz in der N�he, auf dem Podest des Throns, stand ein M�dchen mit abgewandtem Gesicht. Die beiden M�nner schienen miteinander zu sprechen, aber ich konnte die Worte nicht h�ren.</p><p>Endlich wandte Benedict sich um und sprach offenbar zu dem M�dchen. Nach einiger Zeit schien sie ihm zu antworten. Martin begab sich auf ihre linke Seite. W�hrend sie etwas sagte, erstieg Benedict das Thronpodest. Nun konnte ich ihr Gesicht erkennen. Das Gespr�ch setzte sich fort.</p><p>�Das M�dchen kommt mir irgendwie bekannt vor�, sagte G�rard, der vorgetreten war und nun neben mir stand.</p><p>�Mag sein, da� du sie kurz gesehen hast, als sie an uns vorbeiritt�, sagte ich. �Es war an dem Tag, als Eric starb. Es ist Dara.�</p><p>Ich h�rte, wie ihm der Atem stockte.</p><p>�Dara!� rief er. �Dann hast du . . .� Seine Stimme erstarb.</p><p>�Ich habe nicht gelogen�, sagte ich. �Es gibt sie wirklich.�</p><p>�Martin!� rief Random, der rechts neben mir auftauchte. �Martin! Was geht da vor?�</p><p>Er erhielt keine Antwort.</p><p>�Ich glaube, er kann dich gar nicht h�ren�, meinte G�rard. �Diese Barriere scheint uns v�llig zu trennen.�</p><p>Randoms H�nde stie�en gegen etwas Unsichtbares. Er schob mit voller Kraft.</p><p>�Probieren wir es alle mal�, sagte er.</p><p>Ich versuchte es also noch einmal, und auch G�rard stemmte sich mit ganzem Gewicht gegen die unsichtbare Mauer.</p><p>Als wir uns eine halbe Minute lang vergeblich bem�ht hatten, trat ich zur�ck. �Es hat keinen Sinn�, sagte ich. �Wir bekommen das Ding nicht aus dem Weg.�</p><p>�Was ist das nur?� fragte Random aufgebracht. �Was h�lt uns auf . . .?�</p><p>Ich hatte sofort eine gewisse Vorstellung gehabt von dem, was da vorging � eine Ahnung, die sich von einem starken Gef�hl des <emphasis>d�j� vu</emphasis> herleitete. Jetzt allerdings . . . jetzt krampfte sich meine Hand um die Schwertscheide, um sicher zu sein, da� Grayswandir noch an meiner H�fte hing.</p><p>Die Waffe war noch vorhanden.</p><p>Wie lie� sich aber das Auftauchen meiner auff�lligen Klinge erkl�ren, deren kunstvolle Ornamente vor aller Augen schimmerten, eine Klinge, die urpl�tzlich in der Luft erschienen war und dort nun ohne St�tze verharrte, die Spitze auf Daras Hals gerichtet?</p><p>Eine Erkl�rung hatte ich nicht.</p><p>Die Szene hatte allerdings eine zu gro�e �hnlichkeit mit den n�chtlichen Ereignissen in Tir-na Nog�th, der Traumstadt am Himmel, als da� es sich um einen Zufall handeln konnte. Es fehlte das ganze Drumherum � die Dunkelheit, die Verwirrung, die dichten Schatten, die Gef�hlsst�rme, die mich gesch�ttelt hatten � und doch war die Szene ungef�hr so bereitet wie in jener Nacht. Es bestand eine gro�e �hnlichkeit, wenn auch keine hundertprozentige �bereinstimmung. Benedicts Haltung sah irgendwie anders aus � aus gr��erer Entfernung bildete sein K�rper einen anderen Winkel. Ich konnte Dara die Worte nicht von den Lippen ablesen, fragte mich aber, ob sie dieselben seltsamen Fragen stellte. Ich nahm es nicht an. Das Tableau � der erlebten Szene �hnlich, aber auch wieder nicht � war vermutlich am anderen Ende � wenn es �berhaupt eine Verbindung gab � durch die Einfl�sse gef�rbt worden, die Tir-na Nog�ths Kr�fte damals auf meinen Geist gehabt hatten.</p><p>�Corwin�, sagte Random, �was da vor ihr h�ngt, sieht mir sehr nach Grayswandir aus.�</p><p>�Kann man wohl sagen�, gab ich zur�ck. �Aber du siehst selbst, da� ich meine Klinge bei mir habe.�</p><p>�Es gibt doch keine zweite Waffe dieser Art . . . oder? Wei�t du, was da vor sich geht?�</p><p>�Ich habe allm�hlich das Gef�hl, als k�nnte ich es wissen�, antwortete ich. �Was es auch ist, ich kann es jedenfalls nicht aufhalten.�</p><p>Pl�tzlich zuckte Benedicts Klinge aus der Scheide und bek�mpfte die andere Waffe, die der meinen �hnelte. Im n�chsten Augenblick focht er gegen einen unsichtbaren Gegner.</p><p>�Zeig�s ihm, Benedict!� rief Random.</p><p>�Sinnlos�, meinte ich. �Gleich wird er entwaffnet.�</p><p>�Woher wei�t du das?� wollte G�rard wissen.</p><p>�Irgendwie bin ich das, der da drinnen gegen Benedict k�mpft�, entgegnete ich. �Vor uns sehen wir die andere Seite meines Traums in Tir-na Nog�th. Ich wei� nicht, wie er das geschafft hat, doch es ist der Preis daf�r, da� Vater das Juwel zur�ckbekommen hat.�</p><p>�Ich verstehe das nicht�, sagte er.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich habe auch keine Ahnung, wie so etwas m�glich ist�, sagte ich. �Auf jeden Fall k�nnen wir erst eintreten, wenn zwei Dinge aus dem Thronsaal verschwunden sind.�</p><p>�Welche beiden Dinge?�</p><p>�Pa� nur auf!�</p><p>Benedict hatte das Schwert in die rechte Hand bef�rdert, und seine schimmernde Prothese zuckte vor und suchte sich ein unsichtbares Ziel. Die Klingen parierten die Hiebe der anderen, gingen �berkreuz und pre�ten gegeneinander, wobei die Spitzen langsam zur Decke emporstiegen. Benedicts rechte Hand krampfte sich immer mehr zu.</p><p>Pl�tzlich kam die Grayswandir-Klinge frei und bewegte sich an der anderen vorbei. Sie richtete einen gewaltigen Hieb auf Benedicts rechten Arm, auf den �bergang zwischen Prothese und Armstumpf. Im n�chsten Augenblick drehte sich Benedict herum, und mehrere Sekunden lang konnten wir nicht erkennen, was da geschah.</p><p>Endlich hatten wir wieder freie Sicht: Benedict sank im Drehen auf die Knie. Er umklammerte seinen Armstumpf. Der mechanische Arm mit der Hand hing nahe Grayswandir in der Luft. Er entfernte sich von Benedict und verlor dabei an H�he, wie die Klinge. Als beide den Boden erreichten, prallten sie nicht auf, sondern glitten hindurch und waren gleich darauf nicht mehr zu sehen.</p><p>Ich fiel nach vorn, gewann mein Gleichgewicht wieder und eilte vor. Das Hindernis war verschwunden.</p><p>Martin und Dara waren vor uns bei Benedict. Als G�rard, Random und ich das Podest erstiegen, hatte Dara einen Streifen von ihrem Umhang abgerissen und verband damit Benedicts Armstumpf.</p><p>Random packte Martin an der Schulter und drehte ihn zu sich herum. �Was ist geschehen?� fragte er.</p><p>�Dara . . . Dara wollte Amber sehen�, antwortete er. �Da ich jetzt hier lebe, erkl�rte ich mich einverstanden, sie hindurchzuholen und herumzuf�hren. Dann . . .�</p><p>�Hindurchzuholen? Du meinst, durch einen Trumpf?�</p><p>�Nun . . . ja.�</p><p>�Deinen oder ihren?�</p><p>Martin bi� sich auf die Unterlippe.</p><p>�Also, wei�t du . . .�</p><p>�Gib mir die Karten�, forderte Random und ri� Martin das Beh�ltnis aus dem G�rtel. Er �ffnete es und begann die Karten durchzubl�ttern.</p><p>�Dann kam ich auf den Gedanken, Benedict zu verst�ndigen, da er sich f�r sie interessierte�, fuhr Martin fort. �Benedict wollte kommen und sehen . . .�</p><p>�Zum Teufel!� rief Random. �Hier haben wir einen Trumpf von dir, einen von ihr und einen von einem Kerl, den ich noch nie gesehen habe! Woher hast du die?�</p><p>�Zeig mal!� sagte ich.</p><p>Er reichte mir die drei Karten.</p><p>�Nun?� fragte er. �Hast du sie von Brand? Meines Wissens ist er heutzutage der einzige, der noch Tr�mpfe machen kann.�</p><p>�Ich will mit Brand nichts zu tun haben�, antwortete Martin, �au�er ihn umzubringen!�</p><p>Doch ich wu�te bereits, da� diese Karten nicht von Brand stammten. Sie entsprachen nicht seinem Stil. Die Art der Gestaltung war mir v�llig unbekannt. Doch noch mehr besch�ftigten mich die Gesichtsz�ge der dritten Person, des Mannes, von dem Random behauptete, er habe ihn nie zuvor gesehen. Ich aber kannte ihn. Vor mir sah ich das Gesicht des J�nglings, der sich mir vor den H�fen des Chaos mit einer Armbrust in den Weg gestellt hatte, der mich erkannt hatte und daraufhin nicht mehr schie�en wollte.</p><p>Ich streckte Martin die Karte hin.</p><p>�Martin, wer ist das?� wollte ich wissen.</p><p>�Der Mann, der die zus�tzlichen Tr�mpfe gefertigt hat�, gab er zur Antwort. �Da er schon einmal dabei war, zeichnete er gleich noch einen von sich selbst. Seinen Namen kenne ich nicht. Er ist ein Freund Daras.�</p><p>�Du l�gst!� behauptete Random.</p><p>�Dann soll Dara uns Antwort geben�, sagte ich und wandte mich an sie.</p><p>Sie kniete noch immer neben Benedict, obwohl sie mit dem Wundverband fertig war und er sich wieder aufgerichtet hatte.</p><p>�Ja, wie steht es?� fragte ich und fuchtelte ihr mit der Karte vor dem Gesicht herum. �Wer ist dieser Mann?�</p><p>Sie blickte auf die Karte und sah dann mich an. Sie l�chelte.</p><p>�Wei�t du es wirklich nicht?� fragte sie.</p><p>�W�rde ich fragen, wenn ich es t�te?�</p><p>�Dann schau dir das Bild noch einmal an und anschlie�end in einen Spiegel. Er ist so sehr dein Sohn wie der meine. Er hei�t Merlin.�</p><p>Ich bin nicht leicht zu verbl�ffen, doch hatte dieser Augenblick nichts von Leichtigkeit. Mir war schwindlig. Mein Verstand jedoch arbeitete schnell. Bei einem entsprechenden Zeitunterschied war so etwas m�glich.</p><p>�Dara�, sagte ich, �was willst du?�</p><p>�Ich habe dir schon gesagt, als ich das Muster beschritt�, antwortete sie, �da� Amber vernichtet werden mu�. Ich will nur meinen rechtm��igen Anteil daran.�</p><p>�Du sollst meine alte Zelle bekommen�, sagte ich. �Nein, die Zelle daneben. W�chter!�</p><p>�Corwin, es ist schon gut�, sagte Benedict und stand auf. �Es ist nicht so schlimm, wie es sich anh�rt. Sie kann alles erkl�ren.�</p><p>�Dann soll sie damit anfangen!�</p><p>�Nein. Unter uns, im Kreis der Familie.�</p><p>Ich winkte die W�chter zur�ck, die meinem Ruf gefolgt waren.</p><p>�Also gut. Ziehen wir uns in eines der Zimmer zur�ck, die an den Thronsaal sto�en.�</p><p>Er nickte, und Dara umfa�te seinen linken Arm. Random, G�rard, Martin und ich folgten den beiden. Einmal schaute ich auf die leere Stelle zur�ck, an der mein Traum Wirklichkeit geworden war. So ist der Stoff beschaffen.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Ich ritt �ber Kolvirs Gipfel und stieg an meinem Grabmal ab. Ich trat ein und �ffnete den Sarkophag. Er war leer. Gut. Ich begann mir so meine Gedanken zu machen und hatte schon halb damit gerechnet, mich selbst dort aufgebahrt liegen zu sehen, als Beweis f�r die Tatsache, da� ich trotz aller Vorzeichen und Intuitionen doch irgendwie in den falschen Schatten geraten war.</p><p>Nun kehrte ich nach drau�en zur�ck und rieb Star die Nase. Die Sonne strahlte, und der Windhauch war k�hl. Pl�tzlich versp�rte ich den Wunsch, eine Seefahrt zu machen. Doch ich setzte mich nur auf die Bank und besch�ftigte mich mit meiner Pfeife.</p><p>Wir hatten uns unterhalten. Dara hatte mit untergeschlagenen Beinen auf dem braunen Sofa gesessen, hatte gel�chelt und die Geschichte ihrer Abkunft von Benedict und Lintra, dem H�llenm�dchen, erz�hlt, von ihrer Jugend in und bei den Burgen des Chaos, eines extrem nichteuklidischen Reiches, in dem die Zeit seltsame Verteilungsprobleme machte.</p><p>�Was du mir bei unserem Kennenlernen erz�hlt hast, war alles gelogen�, sagte ich. �Warum sollte ich dir jetzt mehr glauben?�</p><p>Sie hatte gel�chelt und ihre Fingern�gel betrachtet.</p><p>�Damals mu�te ich dich anl�gen�, erkl�rte sie, �um von dir zu bekommen, was ich wollte.�</p><p>�Und das war . . .?�</p><p>�Kenntnisse zu erlangen �ber die Familie, das Muster, die Tr�mpfe, �ber Amber. Dein Vertrauen zu gewinnen. Dein Kind zu empfangen.�</p><p>�Und die Wahrheit h�tte dir dabei nichts gen�tzt?�</p><p>�Wohl kaum. Schlie�lich komme ich vom Feind. Meine Gr�nde, warum ich diese Dinge erstrebte, waren nicht von einer Art, die deine Zustimmung gefunden h�tte.�</p><p>�Dein Umgang mit dem Schwert . . .? Du sagtest mir, Benedict habe dich ausgebildet.�</p><p>Wieder l�chelte sie, und in ihren Augen loderte ein d�steres Feuer.</p><p>�Ich bin beim gro�en Herzog Borel pers�nlich in die Schule gegangen, einem Hohen Lord des Chaos.�</p><p>�. . . und dein Aussehen�, fuhr ich fort. �Es �nderte sich bei mehreren Gelegenheiten, als ich dich das Muster beschreiten sah. Wie? Und warum?�</p><p>�Jeder, dessen Herkunft sich irgendwie vom Chaos ableitet, ist zugleich Gestaltsver�nderer�, antwortete sie.</p><p>Ich dachte an den Abend, an dem Dworkin mich dargestellt hatte.</p><p>Benedict nickte. �Vater hat uns mit seiner Ganelon-Verkleidung get�uscht.�</p><p>�Oberon ist ein Sohn des Chaos�, gab Dara zur�ck, �ein Rebellensohn eines Rebellenvaters. Trotzdem ist die Kraft noch vorhanden.�</p><p>�Warum besitzen wir sie dann nicht?� wollte Random wissen.</p><p>Sie zuckte die Achseln.</p><p>�Habt ihr es jemals versucht? Vielleicht besitzt ihr ja die F�higkeit. Andererseits mag sie mit eurer Generation ausgestorben sein. Ich wei� es nicht. Was mich betrifft, so habe ich bestimmte Lieblingsformen, auf die ich im Notfall zur�ckgreife. Ich wuchs an einem Ort auf, an dem so etwas die Regel war, an dem die andere Gestalt zuweilen sogar �berwog. Diesen Reflex habe ich mir bis heute bewahrt. Und das hast du beobachtet � damals.�</p><p>�Dara�, sagte ich, �warum warst du auf diese Dinge aus, die du uns eben genannt hast � Kenntnisse �ber die Familie, das Muster, die Tr�mpfe, Amber? Und einen Sohn?�</p><p>�Also gut�, sagte sie seufzend. �Also gut. Ihr kennt inzwischen Brands Pl�ne � Vernichtung und Neuaufbau Ambers . . .�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dies setzte unser Einverst�ndnis und Mitwirken voraus.�</p><p>�Einschlie�lich des Mords an Martin?� fragte Random.</p><p>�Nein�, sagte sie. �Wir wu�ten nicht, wen er als � Mittelsperson benutzen wollte.�</p><p>�H�ttest du dich davon abbringen lassen, wenn du Bescheid gewu�t h�ttest?�</p><p>�Das ist eine hypothetische Frage�, gab sie zur�ck, �die du dir selbst beantworten kannst. Ich freue mich jedenfalls, da� Martin noch lebt. Mehr kann ich dazu nicht sagen.�</p><p>�Na sch�n�, sagte Random. �Was ist nun mit Brand?�</p><p>�Er vermochte sich mit unseren F�hrern durch Methoden in Verbindung zu setzen, die er von Dworkin gelernt hatte. Er hatte ehrgeizige Pl�ne. Er brauchte Wissen und Macht. Er machte uns ein Angebot.�</p><p>�Was f�r Wissen?�</p><p>�Zum einen wu�te er nicht, wie er das Muster vernichten konnte . . .�</p><p>�Dann warst <emphasis>du</emphasis> also f�r seine Untat verantwortlich�, sagte Random.</p><p>�Wenn du es so sehen willst.�</p><p>�Das will ich.�</p><p>Sie zuckte die Achseln und blickte mich an. �Wollt ihr seine Geschichte h�ren?�</p><p>�Sprich weiter!� Ich blickte zu Random hin�ber, und er nickte.</p><p>�Brand erhielt das Gew�nschte�, fuhr sie fort, �doch man traute ihm nicht. Man hatte Sorge, da� er sich nicht mit der Herrschaft �ber ein umgestaltetes Amber begn�gen w�rde, wenn er erst einmal die Macht besa�, die Welt nach seinem Willen zu formen. Er w�rde versuchen, seinen Einflu� auch �ber das Chaos auszudehnen. Unser Ziel war ein geschw�chtes Amber, neben dem das Chaos st�rker werden konnte, als es jetzt ist � die Schaffung eines neuen Gleichgewichts, durch das uns mehr von den Schattenl�ndern zufallen sollten, die zwischen unseren Reichen liegen. Man hatte schon vor langer Zeit erkannt, da� sich die beiden K�nigreiche niemals miteinander verschmelzen lassen k�nnen oder eines der beiden gar zerst�rt werden kann, ohne zugleich all jene Vorg�nge auseinanderzurei�en, die zwischen den beiden Polen st�ndig im Gange sind. Das Ergebnis w�re v�lliger Stillstand oder totales Chaos. Wenngleich unsere F�hrer erkannten, was Brand im Schilde f�hrte, trafen sie eine Vereinbarung mit ihm. Es war die beste Gelegenheit, die sich seit langem bot. Man durfte sie nicht verstreichen lassen. Man hatte das Gef�hl, da� man sich mit Brand zu gegebener Zeit auseinandersetzen und ihn dann sogar ersetzen konnte.�</p><p>�Ihr wolltet ihn also von vornherein betr�gen�, sagte Random.</p><p>�Nicht wenn er sich an sein Wort hielt. Aber wir wu�ten genau, da� er das nicht tun w�rde. Wir schufen also die Ausgangsbasis f�r unsere Aktion gegen ihn.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Wir wollten ihm gestatten, sein Ziel zu erreichen, und ihn dann vernichten. Sein Nachfolger sollte ein Mitglied der K�nigsfamilie von Amber sein, zugleich ein Angeh�riger der ersten Familie der H�fe, ein Mann, der bei uns erzogen und f�r die Position ausgebildet worden war. Merlins Verbindung zu Amber leitet sich sogar von beiden Seiten her, durch meinen Vorfahren Benedict und direkt von dir selbst � den beiden beg�nstigsten Kandidaten f�r euren Thron.�</p><p>�Du entstammst dem k�niglichen Haus des Chaos?�</p><p>Sie l�chelte.</p><p>Ich stand auf. Entfernte mich. Starrte in die Asche auf dem Kaminrost.</p><p>�Es st�rt mich irgendwie festzustellen, da� ich in ein n�chternes Fortpflanzungsprojekt verwickelt worden bin�, sagte ich schlie�lich. �Aber wenn das so ist und wenn man � f�r den Augenblick � deine �u�erungen als wahr hinnimmt � warum erz�hlst du uns das alles gerade jetzt?�</p><p>�Weil ich die Bef�rchtung habe�, antwortete sie, �da� die Lords meines Reiches f�r ihre Visionen so weit gehen w�rden wie Brand f�r die seinen. Und vielleicht noch weiter. Dabei geht es mir um das Gleichgewicht, von dem ich gesprochen habe. Nur wenigen scheint bewu�t zu sein, wie leicht diese Balance zu st�ren ist. Ich bin durch die Schattenl�nder nahe Amber gereist, ich bin durch das eigentliche Amber geschritten. Au�erdem kenne ich die Schatten, die auf Chaos� Seite liegen. Ich habe viele Leute kennengelernt und viele Dinge gesehen. Als ich schlie�lich Martin begegnete und mit ihm sprach, wuchs in mir die �berzeugung, da� die Ver�nderungen, die man mir als w�nschenswert hingestellt hatte, nicht einfach zu einer Umgestaltung Ambers im Sinne der Vorstellungen meiner Familienoberen f�hren w�rden. Vielleicht w�rde Amber durch sie zu einem blo�en Auswuchs der H�fe werden, die meisten Schatten w�rden davonsch�umen und sich dem Chaos anschlie�en. Auf diese Weise w�rde Amber als Insel dastehen. Etliche f�hrende Pers�nlichkeiten gesetzteren Alters, denen es mi�f�llt, da� Dworkin Amber �berhaupt erst entstehen lie�, erstreben eine R�ckkehr zu den Zeiten vor diesem Ereignis. Zum totalen Chaos, aus dem alle anderen Dinge erstehen. Ich sehe die augenblickliche Lage als erstrebenswerter an und m�chte sie erhalten. Mein Wunsch w�re, da� aus einem etwaigen Konflikt keine Seite als Sieger hervorgeht.�</p><p>Ich wandte mich um und bekam noch mit, da� Benedict den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Dann stehst du also auf keiner Seite�, bemerkte er.</p><p>�Ich sehe es gern so, da� ich auf beiden Seiten stehe�, gab sie zur�ck.</p><p>�Martin�, fragte ich, �bist du mit ihr in die Sache verwickelt?�</p><p>Er nickte.</p><p>Random lachte. �Ihr beide? Gegen Amber und die Burgen des Chaos? Was hofft ihr zu erreichen? Wie gedenkt ihr eure Vorstellung von einem Gleichgewicht durchzusetzen?�</p><p>�Wir sind nicht allein�, gab sie zur�ck, �und der Plan stammt auch nicht von uns.�</p><p>Daras Finger verschwanden in einer Tasche. Als sie sie wieder zum Vorschein brachte, schimmerte etwas darin. Sie hielt das Gebilde ins Licht. Es war der Siegelring unseres Vaters.</p><p>�Woher hast du ihn?� fragte Random.</p><p>�Woher sonst?�</p><p>Benedict ging auf sie zu und hielt ihr die Hand hin. Sie gab ihm den Ring. Er betrachtete das Schmuckst�ck.</p><p>�Es ist wirklich sein Ring�, meinte er. �Hier sind kleine Markierungen auf der R�ckseite, die ich schon einmal gesehen habe. Warum hast du den Ring?�</p><p>�Erstens will ich euch damit �berzeugen, da� ich autorisiert bin, seine Befehle zu �bermitteln�, sagte sie.</p><p>�Wie kommt es, da� du ihn �berhaupt kennst?� fragte ich.</p><p>�Ich lernte ihn vor einiger Zeit kennen, als er seine � Schwierigkeiten hatte�, erwiderte sie. �Im Grunde kann man sogar sagen, da� ich dabei geholfen habe, ihn davon zu befreien. Damals war ich Martin schon begegnet, und meine Sympathie galt in gr��erem Ma�e Amber. Abgesehen davon ist euer Vater ein charmanter Mann, der zu �berzeugen versteht. Ich kam zu dem Schlu�, da� ich nicht einfach zusehen durfte, wie er von meinesgleichen gefangengehalten wurde.�</p><p>�Wei�t du, wie er urspr�nglich festgesetzt wurde?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Mir ist nur bekannt, da� Brand f�r seine Anwesenheit in einem Schatten gesorgt hat, der so weit von Amber entfernt war, da� er dort �berw�ltigt werden konnte. Wenn ich mich nicht irre, ging es um die Suche nach einem erfundenen Zauberwerkzeug, mit dem sich das Muster h�tte instandsetzen lassen. Inzwischen wei� er, da� nur das Juwel dazu in der Lage ist.�</p><p>�Da� du ihm bei der Flucht geholfen hast . . . wie wirkte sich das auf die Beziehung zu deinen eigenen Leuten aus?�</p><p>�Nicht besonders gut�, sagte sie. �Ich bin vor�bergehend ohne Heimat.�</p><p>�Und die suchst du hier?�</p><p>Wieder l�chelte sie.</p><p>�Das h�ngt davon ab, wie sich die Dinge entwickeln. Wenn meine Leute sich durchsetzen, kann ich genauso gut zur�ckkehren � oder in den Schatten bleiben, die den Kampf �berstehen.�</p><p>Ich zog einen Trumpf und betrachtete ihn.</p><p>�Was ist mit Merlin? Wo befindet er sich im Augenblick?�</p><p>�Sie haben ihn�, antwortete sie. �Ich f�rchte, da� er inzwischen auf ihrer Seite steht. Er wei�, wer seine Eltern sind, aber man hat seine Erziehung lange unter Kontrolle gehabt, ich kann nicht sagen, ob man ihn dort irgendwie herausbekommt.�</p><p>Ich hob den Trumpf und starrte auf das Bild.</p><p>�Es n�tzt nichts�, meinte sie. �Zwischen hier und dort funktioniert das nicht.�</p><p>Mir fiel ein, wie schwer die Verst�ndigung durch die Tr�mpfe im Grenzbereich jener Welt gewesen war. Ich versuchte es trotzdem.</p><p>Die Karte in meiner Hand f�hlte sich pl�tzlich kalt an, und ich suchte die Verbindung. Denkbar schwach flackerte der Impuls einer Wesenheit. Ich verst�rkte meine Anstrengungen.</p><p>�Merlin, hier ist Corwin�, sagte ich. �H�rst du mich?�</p><p>Ich glaubte eine Antwort zu h�ren, die Worte klangen nach: �Ich kann nicht . . .� Und dann nichts. Die Karte verlor ihre K�hle.</p><p>�Hast du ihn erreicht?� fragte sie.</p><p>�Ich wei� es nicht genau�, sagte ich. �Aber ich nehme es an. F�r einen kurzen Augenblick.�</p><p>�Besser als ich gedacht h�tte�, meinte sie. �Entweder sind die Bedingungen gut, oder euer Verstand ist sehr �hnlich.�</p><p>�Als du mit Vaters Siegelring zu fuchteln begannest, sagtest du etwas von Befehlen�, sagte Random. �Was f�r Befehle? Und warum schickt er sie durch dich?�</p><p>�Es ist eine Frage der zeitlichen Abstimmung.�</p><p>�Zeitliche Abstimmung? Himmel! Er ist doch erst heute hier abgerauscht!�</p><p>�Ehe er mit etwas Neuem anfangen konnte, mu�te er eine andere Sache zu Ende bringen. Er hatte keine Ahnung, wie lange das dauern w�rde. Ich habe mit ihm gesprochen, unmittelbar bevor ich hierherkam � wenn ich auch nicht auf einen solchen Empfang gefa�t war. Er ist jedenfalls bereit, die n�chste Phase in Angriff zu nehmen.�</p><p>�Wo hast du mit ihm gesprochen?� fragte ich. �Wo ist er?�</p><p>�Keine Ahnung. Er setzte sich mit mir in Verbindung.�</p><p>�Und . . .?�</p><p>�Er m�chte, da� Benedict sofort angreift.�</p><p>Nun r�hrte sich G�rard in dem riesigen Ohrensessel, in dem er das bisherige Gespr�ch verfolgt hatte. Er stand auf, hakte die Daumen in den G�rtel und blickte auf Dara hinab.</p><p>�Ein solcher Befehl m��te schon direkt von Vater kommen.�</p><p>�Das tut er auch�, sagte sie.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Ich sehe keinen Sinn darin. Warum sollte er jemanden wie dich ansprechen � jemanden, dem zu trauen wir wenig Grund haben � und nicht einen von uns?�</p><p>�Ich nehme nicht an, da� er euch im Augenblick erreichen k�nnte. Mich aber vermochte er anzusprechen.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Er arbeitete ohne Trumpf. F�r mich hat er gar keinen. Er machte sich einen Zur�ckstrahl-Effekt der schwarzen Stra�e zunutze, �hnlich wie Brand einmal Corwin entkommen konnte.�</p><p>�Du wei�t ja viel von den Dingen, die sich hier abgespielt haben.�</p><p>�Ja. Ich habe noch meine Informationsquellen bei den H�fen, und Brand versetzte sich nach dem Kampf mit dir dorthin. Ich erfahre so manches.�</p><p>�Wei�t du, wo sich unser Vater im Augenblick aufh�lt?� fragte Random.</p><p>�Nein. Aber ich nehme an, er hat sich in das wahre Amber begeben; es aufgesucht, um sich mit Dworkin zu beraten und noch einmal den Schaden am Ur-Muster zu �berpr�fen.�</p><p>�Und was soll das n�tzen?�</p><p>�Keine Ahnung. Vermutlich will er sich dar�ber klarwerden, wie er nun weiter vorgehen soll. Die Tatsache, da� er mich erreicht und den Angriff befohlen hat, d�rfte bedeuten, da� er zu einem Entschlu� gekommen ist.�</p><p>�Wie lange liegt diese Mitteilung zur�ck?�</p><p>�Wenige Stunden � meiner Zeitrechnung. Aber ich befand mich fern von hier in den Schatten. Ich wei� nicht, wie die Zeitunterschiede aussehen. Daf�r ist mir das alles doch noch zu neu.�</p><p>�Es mag also erst kurze Zeit her sein�, sagte G�rard, �vielleicht nur Sekunden. Warum hat er aber mit dir gesprochen und nicht mit einem von uns? Ich glaube einfach nicht, da� er uns nicht erreichen k�nnte, wenn er das wirklich wollte.�</p><p>�Vielleicht wollte er euch klarmachen, da� ich in seiner Gunst stehe�, bemerkte sie.</p><p>�Das mag ja alles richtig sein�, warf Benedict ein. �Doch ich unternehme nichts, ehe ich nicht eine Best�tigung f�r den Befehl erhalte.�</p><p>�H�lt sich Fiona noch am Ur-Muster auf?� fragte Random.</p><p>�Nach der letzten Nachricht von ihr�, sagte ich, �hat sie dort ihr Lager aufgeschlagen. Ich begreife, was du sagen willst . . .�</p><p>Ich bl�tterte Fionas Karte auf.</p><p>�Zum Durchkommen brauchten wir mehr als einen von uns�, sagte er.</p><p>�Du hast recht. Hilf mir!�</p><p>Er stand auf und trat neben mich. Benedict und G�rard n�herten sich ebenfalls.</p><p>�Das ist eigentlich �berfl�ssig!� wandte Dara ein.</p><p>Ich beachtete sie nicht, sondern konzentrierte mich auf die zarten Gesichtsz�ge meiner rothaarigen Schwester. Gleich darauf hatten wir Kontakt.</p><p>�Fiona, ist Vater bei dir?� fragte ich. Der Hintergrund verriet mir, da� sie sich noch immer im Kern aller Dinge aufhielt.</p><p>�Ja�, antwortete sie mit gepre�tem L�cheln. �Er ist drinnen, bei Dworkin.�</p><p>�H�r zu, wir haben es sehr eilig. Ich wei� nicht, ob du Dara kennst oder nicht, aber sie ist hier . . .�</p><p>�Ich wei�, wer sie ist, bin ihr aber noch nicht begegnet.�</p><p>�Nun, sie behauptet, einen Angriffsbefehl f�r Benedict zu haben, von Vater. Als Beweis kann sie seinen Siegelring vorweisen, aber er hat uns davon vorher nichts gesagt. Wei�t du etwas dar�ber?�</p><p>�Nein�, antwortete sie. �Als er und Dworkin vorhin hier drau�en waren, um sich das Muster anzusehen, haben wir uns lediglich begr��t. Allerdings hatte ich gleich einen Verdacht, der nun best�tigt wird.�</p><p>�Einen Verdacht? Was meinst du?�</p><p>�Ich glaube, Vater will den Versuch machen, das Muster zu reparieren. Er hat das Juwel bei sich, und ich habe etwas von dem mitbekommen, was er zu Dworkin gesagt hat. Wenn er den Versuch wagt, wird man es in den Burgen des Chaos in dem Augenblick merken, da er das Muster betritt. Man wird versuchen, ihn daran zu hindern. Deshalb will er vielleicht zuerst losschlagen, um die Leute in Atem zu halten. Nur . . .�</p><p>�Was?�</p><p>�Er wird es nicht �berleben. Soviel wei� ich. Ob er nun Erfolg hat oder es nicht schafft, er wird dabei vernichtet werden.�</p><p>�Das kann ich kaum glauben!�</p><p>�Da� ein K�nig f�r das Reich sein Leben gibt?�</p><p>�Da� Vater es tun w�rde.�</p><p>�Dann hat er sich ver�ndert, oder du hast ihn nie richtig gekannt. Ich bin jedenfalls davon �berzeugt, da� er es versuchen wird.�</p><p>�Warum schickt er seinen neuesten Befehl dann aber durch jemanden, von dem er wei�, da� wir ihm nicht vertrauen?�</p><p>�Um zu zeigen, da� ihr ihr trauen sollt, w�rde ich sagen � sobald er den Befehl best�tigt hat.�</p><p>�Das scheint mir einigerma�en umst�ndlich zu sein, aber ich stimme dir zu, da� wir ohne diese Best�tigung nichts unternehmen sollten. Kannst du sie uns besorgen?�</p><p>�Ich werde es versuchen. Ich melde mich, sobald ich mit ihm gesprochen habe.�</p><p>Sie unterbrach den Kontakt.</p><p>Ich wandte mich Dara zu, die nur unsere Seite des Gespr�chs mitbekommen hatte.</p><p>�Wei�t du, was Vater vorhat?� fragte ich.</p><p>�Es hat irgendwie mit der schwarzen Stra�e zu tun�, antwortete sie. �Soweit hatte ich seine Hinweise verstanden. Was er aber im einzelnen plant oder wie er vorgehen will, hat er mir nicht gesagt.�</p><p>Ich wandte mich ab. Ich klopfte meine Karten glatt und steckte sie wieder ein. Die j�ngste Wende der Ereignisse gefiel mir nicht. Der Tag hatte einen schlechten Anfang genommen und war seither ausschlie�lich bergab gegangen. Dabei hatten wir erst fr�hen Nachmittag. Ich sch�ttelte den Kopf. Dworkin hatte mir einmal erkl�rt, welche Folgen ein Reparaturversuch am Muster haben mu�te, und das hatte sich ziemlich schrecklich angeh�rt. Was w�rde geschehen, wenn Vater das Wagnis nicht schaffte und dabei umkam? Wo standen wir dann? Wo wir auch jetzt standen, nur ohne Anf�hrer: vor dem Beginn einer gro�en Schlacht, und mit dem wiederauflebenden Nachfolgeproblem im Tornister. Die schreckliche Sache w�rde uns in einem Hinterst�bchen unseres Verstandes besch�ftigen, w�hrend wir in die Schlachten ritten, und wir alle w�rden unsere kleinen Vorbereitungen treffen f�r den Kampf gegen die Br�der und Schwestern, sobald der andere Feind geschlagen war. Es mu�te einen anderen Weg geben! Es war besser, Vater lebendig auf dem Thron zu wissen, als die Nachfolge-Intrigen wieder aufleben zu lassen.</p><p>�Worauf warten wir?� fragte Dara. �Auf die Best�tigung?�</p><p>�Ja�, antwortete ich.</p><p>Random begann hin und her zu schreiten. Benedict nahm Platz und �berpr�fte den Verband an seinem Arm. G�rard lehnte an der Kaminumrandung. Ich stand irgendwo im Zimmer und �berlegte. Soeben war mir ein Einfall gekommen. Ich schob den Gedanken sofort zur Seite, wurde ihn aber nicht los. Die Vorstellung gefiel mir nicht, was aber mit praktischen Erw�gungen wenig zu tun hatte. Allerdings w�rde ich schnell handeln m�ssen, ehe ich Gelegenheit fand, mich selbst eines Besseren zu belehren. Nein. Ich w�rde mich daran halten. Verdammt!</p><p>Es regte sich ein Kontakt. Ich wartete ab. Gleich darauf hatte ich erneut Fiona vor mir. Sie befand sich an einem mir bekannten Ort, den ich gleichwohl erst nach wenigen Sekunden erkannte: Dworkins Wohnzimmer hinter der dicken T�r hinten in der H�hle. Vater und Dworkin waren bei ihr. Vater hatte seine Ganelon-Rolle aufgegeben und zeigte wieder die alte Gestalt. Er trug das Juwel.</p><p>�Corwin�, meldete sich Fiona. �Es stimmt. Vater hat den Angriffsbefehl �ber Dara ausgeschickt und war auf unsere Bitte um Best�tigung gefa�t. Ich . . .�</p><p>�Fiona, hol mich durch!�</p><p>�Was?�</p><p>�Du hast mich verstanden. Mach schon!�</p><p>Ich streckte die rechte Hand aus. Sie hob den Arm, und wir ber�hrten uns.</p><p>�Corwin!� rief Random. �Was ist los?�</p><p>Benedict war aufgesprungen. G�rard kam bereits auf mich zu.</p><p>�Das werdet ihr bald erfahren�, antwortete ich und trat vor.</p><p>Ehe ich loslie�, dr�ckte ich ihr die Hand und l�chelte.</p><p>�Vielen Dank, Fiona. Hallo, Vater! Hallo, Dworkin! Wie geht�s denn so?�</p><p>Sofort blickte ich zu der dicken T�r hin�ber und sah, da� sie offenstand. Ich ging um Fiona herum und n�herte mich den beiden M�nnern. Vater hatte den Kopf gesenkt und die Augen zusammengekniffen. Diesen Ausdruck kannte ich.</p><p>�Was soll das, Corwin? Du bist ohne Erlaubnis hier. Ich habe den verdammten Befehl best�tigt, jetzt erwarte ich, da� er auch ausgef�hrt wird.�</p><p>�Das soll geschehen�, sagte ich und nickte. �Ich bin nicht gekommen, um mich dar�ber mit dir zu streiten.�</p><p>�Wor�ber dann?�</p><p>Ich r�ckte n�her und berechnete dabei meine Worte wie auch die Entfernung. Es freute mich, da� er sitzen geblieben war.</p><p>�Wir sind eine Zeitlang als Kameraden miteinander geritten�, sagte ich. �Verflucht will ich sein, wenn ich dich in dieser Zeit nicht liebgewonnen habe. Ich hatte nie Sympathie f�r dich, wei�t du. Auch nicht den Mut, so etwas bisher auszusprechen, aber du wei�t, da� ich die Wahrheit sage. Ich spiele gern mit dem Gedanken, da� die Dinge so zwischen uns h�tten stehen k�nnen, wenn wir nicht eben gewesen w�ren, was wir sind.� Einen Sekundenbruchteil lang schien sich sein Blick zu erweichen, w�hrend ich weiter in Position r�ckte. Dann fuhr ich fort: �Jedenfalls m�chte ich an dich auf diese Weise glauben und nicht auf die andere; denn es gibt etwas, das ich sonst nicht f�r dich getan h�tte.�</p><p>�Was?� fragte er.</p><p>�Dies.�</p><p>Ich packte das Juwel mit hochschnellender Hand und zerrte mit einem Ruck die Kette �ber den Kopf. Sofort machte ich auf dem Absatz kehrt und hastete durch den Raum und zur T�r hinaus. Ich zog sie hinter mir ins Schlo�. Sie lie� sich von au�en nicht verriegeln, und so eilte ich weiter, den umgekehrten Weg gehend, auf dem ich Dworkin damals durch die H�hle gefolgt war. Hinter mir ert�nte das erwartete Gebr�ll.</p><p>Ich folgte den Windungen. Dabei kam ich nur einmal ins Stolpern. Wixers Geruch machte sich in seinem H�hlennest noch stark bemerkbar. Ich hastete weiter und sah nach einer letzten Biegung Tageslicht vor mir.</p><p>Ich eilte darauf zu, wobei ich die Kette des Juwels �ber den Kopf gleiten lie�. Ich sp�rte, wie es mir vor die Brust fiel. Mit dem Verstand drang ich in das Gebilde ein. In der H�hle hinter mir hallten Echos auf.</p><p>Das Freie!</p><p>Ich sprintete auf das Muster zu. W�hrenddessen konzentrierten sich meine Gef�hle im Juwel, das zu einem zus�tzlichen Sinnesorgan wurde. Au�er Vater und Dworkin war ich die einzige Person, die voll auf das Juwel eingestimmt war. Dworkin hatte mir gesagt, das Muster lie�e sich reparieren, indem eine Person in einem solchen Stadium der Einstimmung das Gro�e Muster durchschreite und bei jeder �berquerung die Verf�rbung ausbrenne, sie ersetzend durch Urmasse aus dem Bild des Musters, das sie mit sich herumtr�ge, dabei die schwarze Stra�e ausl�schend. Es war besser, wenn ich diesen Versuch machte, und nicht Vater. Ich war immer noch der Meinung, da� die schwarze Stra�e ihre endg�ltige Form zum Teil auch der St�rke meines Fluches gegen Amber verdankte. Auch diese Schuld wollte ich jetzt ausl�schen. Ohnehin war Vater besser als ich dazu geeignet, nach dem Krieg wieder alles ins Lot zu bringen. In jenem Augenblick wurde mir klar, da� ich den Thron gar nicht mehr wollte. Selbst wenn er mir zugestanden h�tte � welch �berw�ltigende Aussicht, dem K�nigreich durch all die langweiligen Jahrhunderte zu dienen, die mir noch bevorstehen mochten! Vielleicht war es der problemlosere Ausweg, wenn ich bei diesem Versuch umk�me. Eric war tot, und ich ha�te ihn nicht mehr. Das andere, von dem ich befl�gelt worden war � das Streben nach dem Thron � schien mir aus heutiger Sicht nur vorhanden gewesen zu sein, weil ich gemeint hatte, er wolle es so. Nun l�ste ich mich von beidem. Was blieb �brig? Ich hatte Vialle ausgelacht, ehe ich nachdenklich wurde. Aber sie hatte recht gehabt. Der alte Soldat war in mir die gr��te Kraft. Es war eine Sache der Pflicht. Aber nicht nur der Pflicht. Es ging um mehr . . .</p><p>Ich erreichte den Rand des Musters und begab mich mit schnellen Schritten an seinen Anfang. Hastig blickte ich zur H�hlen�ffnung hin�ber. Vater, Dworkin, Fiona � von ihnen war noch niemand zu sehen. Gut. Sie w�rden mich nicht mehr aufhalten. Sobald ich einen Fu� auf das Muster stellte, blieb ihnen nichts anderes �brig, als abzuwarten und zuzusehen. Einen Sekundenbruchteil lang dachte ich an Iagos Aufl�sung, dann verdr�ngte ich den Gedanken und versuchte mich soweit zu beruhigen, wie es f�r mein Vorhaben erforderlich war. Gleich darauf mu�te ich an meinen Kampf gegen Brand an diesem Ort denken und an sein seltsames Verschwinden von hier � aber auch das schob ich zur Seite. Ich atmete langsamer, bereitete mich auf meine Aufgabe vor.</p><p>Eine gewisse Lethargie machte sich bemerkbar. Es war Zeit zu beginnen, doch ich z�gerte noch einen Augenblick lang in dem Versuch, meinen Geist auf die gewaltige Anstrengung einzustimmen, die vor mir lag. Einen Augenblick lang verschwamm das Muster vor meinen Augen. Jetzt! Verdammt! Jetzt! Keine weiteren Vorbereitungen! Fang an! redete ich mir zu. Geh los!</p><p>Aber noch immer stand ich da und betrachtete das Muster wie in einem Traum. Im Hinschauen verga� ich mich sekundenlang selbst � ich betrachtete das Muster mit der langen schwarzen Schmierstelle, die ich entfernen wollte . . .</p><p>Es erschien mir nicht mehr wichtig, da� ich dabei sterben konnte. Meine Gedanken gerieten ins Wandern, besch�ftigten sich mit der Sch�nheit des Gebildes . . .</p><p>Da h�rte ich ein Ger�usch. Sicher Vater, Dworkin, Fiona. Ich mu�te etwas unternehmen, ehe sie mich eingeholt hatten. Ich mu�te das Muster beschreiten, gleich w�rde ich . . .</p><p>Ich ri� den Blick von dem Muster los und blickte zur H�hle zur�ck. Die drei waren ins Freie getreten und ein St�ck den Hang herabgekommen, waren dann aber stehengeblieben. Warum? Warum r�hrten sie sich nicht mehr?</p><p>Was machte das noch? Ich hatte genug Zeit, um anzufangen. Ich begann den Fu� zu heben, begann voranzuschreiten.</p><p>Aber ich konnte mich kaum bewegen. Mit gro�er Willensanstrengung schob ich den Fu� zentimeterweise voran. Dieser erste Schritt erwies sich als schlimmer als der letzte Teil des Musters. Aber ich schien weniger gegen einen �u�eren Widerstand k�mpfen zu m�ssen als gegen eine Tr�gheit meines eigenen K�rpers. Es war beinahe, als w�rde ich . . .</p><p>Pl�tzlich sah ich die Vision Benedicts neben dem Muster in Tir-na Nog�th, w�hrend Brand sich sp�ttisch n�herte, das lodernde Juwel auf der Brust.</p><p>Ehe ich den Blick senkte, wu�te ich, was ich sehen w�rde.</p><p>Der rote Stein pulsierte im Takt meines Herzschlags.</p><p>Verdammt sollten sie sein!</p><p>In diesem Augenblick wirkten Vater oder Dworkin � oder beide � durch den Stein auf mich ein und lahmten mich. Ich bezweifelte nicht, da� die beiden jeweils auch allein �ber das Juwel gebieten konnten. Auf diese Entfernung wollte ich mich allerdings nicht ohne Gegenwehr in mein Schicksal ergeben.</p><p>Ich dr�ngte weiter mit dem Fu�, lie� ihn langsam auf den Rand des Musters zugleiten. Sobald ich es ber�hrte, hatten sie gewi� keine Gewalt mehr �ber mich . . .</p><p>D�sen . . . Ich sp�rte, wie ich zu fallen begann. Ich war eine Sekunde lang eingeschlafen. Und wieder verschwand meine Umwelt f�r kurze Zeit. Als ich die Augen �ffnete, sah ich ein St�ck des Musters vor mir. Als ich den Kopf drehte, erblickte ich F��e. Als ich aufblickte, entdeckte ich meinen Vater �ber mir, das Juwel in der Hand haltend.</p><p>�Geht jetzt!� sagte er zu Dworkin und Fiona, ohne den Kopf in ihre Richtung zu wenden.</p><p>Die beiden zogen sich zur�ck. Im gleichen Augenblick h�ngte er sich das Juwel wieder um. Anschlie�end beugte er sich vor und streckte mir die Hand hin. Ich ergriff sie, und er zog mich hoch.</p><p>�Das war sehr t�richt gehandelt�, sagte er.</p><p>�Beinahe h�tte ich�s geschafft.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Aber du w�rst dabei umgekommen, ohne etwas zu erreichen�, meinte er. �Trotzdem hast du es geschickt angestellt. Komm, machen wir einen Spaziergang!�</p><p>Er fa�te mich am Arm, und wir wanderten am Rand des Musters entlang.</p><p>Ich beobachtete das seltsame Himmelsmeer, das uns horizontlos umgab, und fragte mich, was geschehen w�re, wenn ich das Muster betreten h�tte, was sich in diesem Augenblick abspielen w�rde.</p><p>�Du hast dich ver�ndert�, sagte er schlie�lich. �Oder ich habe dich nie richtig gekannt.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Vielleicht spielen beide Elemente hinein. Etwas �hnliches wollte ich gerade �ber dich sagen. Verr�tst du mir etwas?�</p><p>�Was?�</p><p>�Wie schwer ist dir die Rolle als Ganelon gefallen?�</p><p>Er lachte leise. �Gar nicht schwer�, gab er zur�ck. �Durch ihn magst du einen Eindruck von meinem wirklichen Ich bekommen haben.�</p><p>�Er gefiel mir. Ich meine, du als er. Was ist nur mit dem echten Ganelon?�</p><p>�Der ist tot, Corwin. Ich traf ihn, nachdem du ihn aus Avalon verbannt hattest, das ist lange her. Kein �bler Kerl. Ich h�tte ihm nicht �ber den Weg getraut, aber das tue ich ja bei keinem, wenn ich nicht unbedingt mu�.�</p><p>�Liegt wohl in der Familie.�</p><p>�Es tat mir leid, ihn t�ten zu m�ssen. Er lie� mir auch kaum eine andere Wahl. Das ist alles lange her, doch ich erinnerte mich deutlich an ihn, also mu� er mich irgendwie beeindruckt haben.�</p><p>�Und Lorraine?�</p><p>�Das Land? Gute Arbeit, dachte ich. Gut gelungen, meinte ich. Ich bearbeitete den entsprechenden Schatten, der allein durch meine Gegenwart an St�rke gewann, wie es mit jedem Schatten geschieht, wenn einer von uns sich l�ngere Zeit darin aufh�lt � wie bei dir in Avalon und sp�ter der andere Ort. Und ich erkannte, da� ich dort viel Zeit gewinnen konnte, indem ich dem dortigen Zeitstrom meinen Willen aufzwang.�</p><p>�Ich wu�te nicht, da� so etwas m�glich ist.�</p><p>�Beginnend mit der ersten Einf�hrung in das Muster, w�chst in einem die Kraft. Viele Dinge mu�t du noch lernen. Ja, ich st�rkte Lorraine und machte es besonders empfindsam gegen�ber der wachsenden Macht der schwarzen Stra�e. Ich sorgte daf�r, da� es auf deinem Weg liegen w�rde, wohin du auch gehen wolltest. Nach deiner Flucht f�hren alle Stra�en nach Lorraine.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Es war eine Falle, die ich dir gestellt hatte, vielleicht auch eine Art Pr�fung f�r dich. Ich wollte bei dir sein, wenn du auf die M�chte des Chaos stie�est. Au�erdem wollte ich dich eine Zeitlang auf deinen Reisen begleiten.�</p><p>�Eine Pr�fung? In welcher Beziehung hast du mich gepr�ft? Und warum wolltest du mich begleiten?�</p><p>�Kannst du dir das nicht denken? Im Laufe der Jahre habe ich euch alle genau beobachtet. Ein Nachfolger wurde aber von mir nicht bestimmt � diese Frage lie� ich absichtlich offen. Ihr alle seid mir hinreichend �hnlich, um zu wissen, da� in dem Augenblick, da ich einen von euch zum Thronw�rter ernannte, sein oder ihr Todesurteil unterschrieben gewesen w�re. Nein. Ich habe die Dinge absichtlich bis zum Schlu� im unklaren gelassen. Inzwischen habe ich meine Entscheidung allerdings getroffen. Du sollst der Nachfolger sein.�</p><p>�In Lorraine hast du dich einmal kurz bei mir gemeldet, in deiner wahren Gestalt. Du fordertest mich dabei auf, den Thron zu �bernehmen. Wenn du dir damals schon dar�ber klar warst, warum hast du dann die Maskerade fortgesetzt?�</p><p>�Aber die Entscheidung war doch noch gar nicht gefallen! Es ging mir nur darum, dich weiter bei der Stange zu halten. Ich f�rchtete, deine Gef�hle f�r das M�dchen und das Land k�nnten zu stark werden. Als Held des Schwarzen Kreises h�ttest du es vorziehen k�nnen, dort se�haft zu werden. Ich pflanzte dir lediglich die Gedanken ein, die dazu f�hren mu�ten, da� du deine Reise fortsetztest.�</p><p>Ich schwieg eine lange Zeit. Wir hatten um das Muster bereits einen gro�en Bogen gemacht.</p><p>�Etwas mu� ich ganz genau wissen�, sagte ich schlie�lich. �Bevor ich zu dir kam, sprach ich mit Dara, die sich bem�ht, ihren Namen bei uns reinzuwaschen . . .�</p><p>�Das ist bereits geschehen�, sagte er. �Ich spreche ihr das Vertrauen aus.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich verzichtete darauf, ihr etwas vorzuwerfen, das mir seit einiger Zeit im Kopf herumgeht. Es gibt einen guten Grund f�r meine Annahme, da� man ihr nicht trauen darf � trotz ihrer Argumente und deiner F�rsprache. Eigentlich sogar zwei Gr�nde.�</p><p>�Ich wei�, Corwin. Aber sie hat Benedicts Dienstboten nicht umgebracht, um ihre Position in seinem Haus zu festigen. <emphasis>Ich</emphasis> habe das getan, um daf�r zu sorgen, da� sie dich � wie es dann geschah � im richtigen Moment erreichte.�</p><p>�Du? Du stecktest mit <emphasis>ihr</emphasis> unter einer Decke? Weshalb?�</p><p>�Sie wird dir eine gute K�nigin sein, mein Sohn. Ich vertraue auf die Kraft des Blutes aus dem Chaos. Es wurde Zeit, da� wir frisches Blut hinzubekamen. So wirst du den Thron �bernehmen und bereits einen Erben haben. Wenn er f�r sein Amt bereit ist, wird Merlin die Folgen seiner Erziehung l�ngst �berwunden haben.�</p><p>Wir hatten die schwarze Verf�rbung des Musters erreicht. Ich blieb stehen, hockte mich nieder und betrachtete die Erscheinung.</p><p>�Du meinst, dieses Ding wird dich umbringen?� fragte ich endlich.</p><p>�Ich wei�, da� es so kommen wird.�</p><p>�Dir macht es nichts aus, unschuldige Menschen zu ermorden, um mich zu manipulieren. Trotzdem w�rdest du f�r das K�nigreich dein Leben opfern.� Ich blickte ihn an. �Ich habe auch keine sauberen H�nde�, fuhr ich fort, �und ma�e mir kein Urteil �ber dich an. Doch als ich vorhin Anstalten machte, das Muster zu beschreiten, ging mir durch den Kopf, wie sehr sich doch meine Gef�hle ver�ndert hatten � gegen�ber Eric, gegen�ber dem Thron. Du handelst, glaube ich, auch aus einem Gef�hl der Pflicht heraus. Auch ich f�hle mich jetzt verpflichtet, gegen�ber Amber, gegen�ber dem Thron. Eigentlich sogar mehr, viel mehr, wie mir vorhin aufging. Aber mir ist auch etwas anderes klargeworden, etwas, worauf sich mein Pflichtgef�hl nicht erstreckt. Ich wei� nicht, wann oder wie mein Bestreben aufgeh�rt hat und ich mich ver�ndert habe � aber ich m�chte den Thron nicht mehr, Vater. Es tut mir leid, wenn das deine Pl�ne durcheinanderbringt, aber ich m�chte nicht K�nig von Amber werden. Bedaure.�</p><p>Ich wandte den Kopf und betrachtete wieder die unheilvolle Schw�rung des Musters. Ich h�rte ihn seufzen.</p><p>�Ich werde dich jetzt nach Hause schicken�, sagte er schlie�lich. �Sattle dein Pferd und nimm Vorr�te mit. Der Ritt ist weit. Begib dich an einen Ort au�erhalb Ambers � egal wohin, es mu� nur einigerma�en abgelegen sein.�</p><p>�Mein Grabmal?�</p><p>Er schnaubte durch die Nase und stimmte ein leises Lachen an. �Das m��te gen�gen. Reite dorthin und erwarte meine weiteren Anweisungen! Ich mu� nachdenken.�</p><p>Ich stand auf. Er streckte den Arm aus und legte mir die rechte Hand auf die Schulter. Das Juwel pulsierte. Er blickte mir in die Augen.</p><p>�Niemand bekommt alles, was er haben will, so wie er es haben will�, sagte er.</p><p>Es trat eine Art Distanzierungseffekt ein, wie die Kraft eines Trumpfs, aber in umgekehrter Richtung. Ich vernahm Stimmen und erblickte ringsum das Zimmer, das ich vor einiger Zeit verlassen hatte. Benedict, G�rard, Random und Dara waren bei mir. Ich sp�rte, wie Vater meine Schulter loslie�. Dann war er fort, und ich befand mich wieder bei den anderen.</p><p>�Was ist passiert?� fragte Random. �Wir haben gesehen, wie Vater dich zur�ckgeschickt hat. Wie hat er das �brigens gemacht?�</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete ich. �Jedenfalls best�tigt er Daras Angaben. Er gab ihr den Siegelring und die Botschaft.�</p><p>�Warum?� fragte G�rard.</p><p>�Wir sollten lernen, ihr zu vertrauen�, antwortete ich.</p><p>Benedict stand auf. �Dann will ich tun, was man mir aufgetragen hat.�</p><p>�Er m�chte, da� du angreifst und dann zur�ckweichst�, sagte Dara. �Danach brauchst du sie lediglich in Schach zu halten.�</p><p>�F�r wie lange?�</p><p>�Er sagte nur, das w�rde dir dann schon klar.�</p><p>Benedict l�chelte, was er selten tat, und nickte. Er bediente sein Kartenetui mit einer Hand, nahm die Karten heraus und zog den speziellen Trumpf f�r die H�fe des Chaos, den ich ihm gegeben hatte.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte Random.</p><p>�Ja�, betonte G�rard.</p><p>Ich �u�erte ebenfalls meine Gl�ckw�nsche und sah zu, wie er verbla�te. Als das regenbogenbunte Nachbild verschwunden war, wandte ich mich ab und bemerkte dabei, da� Dara lautlos weinte. Ich machte keine Bemerkung dar�ber.</p><p>�Auch ich habe jetzt meine Befehle � gewisserma�en�, sagte ich. �Ich mu� los.�</p><p>�Und ich kehre auf das Meer zur�ck�, verk�ndete G�rard.</p><p>�Nein�, h�rte ich Dara sagen, als ich mich bereits der T�r n�herte. Ich blieb stehen.</p><p>�Du sollst hierbleiben, G�rard, und dich um die Sicherheit Ambers k�mmern. Einen Angriff zur See wird es nicht geben.�</p><p>�Aber ich dachte, Random w�re hier f�r die Verteidigung zust�ndig.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Random soll zu Julian nach Arden reiten.�</p><p>�Bist du sicher?� fragte Random.</p><p>�Ganz sicher.�</p><p>�Gut�, sagte er. �H�bsch zu wissen, da� er wenigstens an mich gedacht hat. Tut mir leid, G�rard, so ist die Lage.�</p><p>G�rard schaute ihn verwirrt an. �Ich hoffe, er wei�, was er tut�, meinte er.</p><p>�Das haben wir doch schon durchgekaut�, sagte ich. �Leb wohl!�</p><p>Als ich das Zimmer verlie�, h�rte ich Schritte. Dara tauchte neben mir auf.</p><p>�Was noch?� fragte ich.</p><p>�Ich dachte, ich k�nnte dich begleiten.�</p><p>�Ich will nur den H�gel hinauf, um mir Vorr�te zu besorgen. Dann mu� ich zum Stall.�</p><p>�Ich komme mit.�</p><p>�Ich reite allein.�</p><p>�Ich k�nnte sowieso nicht mitreiten. Ich mu� noch mit deinen Schwestern sprechen.�</p><p>�Ah, sie geh�ren also auch dazu?�</p><p>�Ja.�</p><p>Wir gingen schweigend nebeneinander her. Dann sagte sie: �Die ganze Sache war nicht so n�chtern, wie sie dir vorkommen mu�, Corwin.�</p><p>Wir betraten den Proviantraum.</p><p>�Welche Sache?�</p><p>�Du wei�t, was ich meine.�</p><p>�Ach, das. Na sch�n.�</p><p>�Ich mag dich. Es k�nnte eines Tages mehr als das sein, wenn du �berhaupt etwas empfindest.�</p><p>Mein Stolz legte mir eine schnippische Antwort in den Mund, die ich aber nicht aussprach. Im Laufe der Jahrhunderte lernt man eben doch dazu. Sie hatte mich f�r ihre Ziele mi�braucht, doch wie es im Augenblick aussah, war sie damals nicht ganz Herr �ber ihre Entscheidungen gewesen. Schlimmstenfalls war zu sagen, da� Vater sich w�nschte, da� ich sie begehrte. Da� ich mich dar�ber �rgerte, sollte aber keinen Einflu� haben auf das, was ich wirklich f�hlte oder f�hlen w�rde.</p><p>�Ich mag dich auch�, sagte ich also und schaute sie an. Es sah so aus, als brauche sie dringend einen Ku�, und ich k��te sie. �Aber jetzt mu� ich mich fertigmachen.�</p><p>Sie l�chelte und dr�ckte mir den Arm. Dann war sie verschwunden. Ich nahm mir vor, meine Gef�hle erst sp�ter zu analysieren, und stellte meine Vorr�te zusammen.</p><p>Dann sattelte ich Star und ritt die H�nge Kolvirs hinauf, bis ich mein Grabmal erreichte. Neben dem Eingang sitzend, rauchte ich meine Pfeife und beobachtete die Wolken. Ich hatte das Gef�hl, einen sehr angef�llten Tag hinter mir zu haben, dabei war es noch fr�her Nachmittag. In den Grotten meines Verstandes �berschlugen sich die Vorahnungen � doch ich wagte es nicht, mich n�her damit zu befassen.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Ich d�ste gerade vor mich hin, als der Kontakt mich �berraschte. Ich sprang sofort auf. Es war Vater.</p><p>�Corwin, ich habe meine Entscheidungen getroffen. Die Zeit ist reif�, sagte er. �Mach deinen linken Arm frei!�</p><p>Ich gehorchte, w�hrend seine Gestalt sich noch weiter verdichtete und dabei immer k�niglicher aussah, eine seltsame Traurigkeit im Gesicht, wie ich sie bei ihm noch nie bemerkt hatte.</p><p>Er ergriff meinen Arm mit seiner linken Hand und zog mit der anderen seinen Dolch.</p><p>Ich sah zu, wie er mir in den Arm schnitt und die Klinge wieder fortsteckte. Blut quoll hervor, das er mit der linken Hand auffing. Er lie� meinen Arm los, bedeckte die linke Hand mit der rechten und entfernte sich einen Schritt. Die H�nde vor das Gesicht hebend, hauchte er seinen Atem dazwischen und �ffnete sie ruckartig.</p><p>Ein Vogel von der Gr��e eines Rabens, das Gefieder blutrot, b�umte auf seiner Hand, stieg auf seinen Unterarm und starrte mich an. Sogar die Augen waren rot, und irgendwie kam mir das Wesen vertraut vor, als es den Kopf auf die Seite legte und mich anblickte.</p><p>�Er ist Corwin, der Mann, dem du zu folgen hast�, sagte Vater zu dem Vogel. �Pr�ge ihn dir ein!�</p><p>Dann setzte er sich das Tier auf die linke Schulter, von wo es mich weiter unverwandt anstarrte, ohne Anstalten zu machen, fortzufliegen.</p><p>�Du mu�t dich auf den Weg machen, Corwin�, sagte er. �Und zwar sofort. Besteige dein Pferd und reite nach S�den! Verschwinde in den Schatten, so schnell es geht! Beginne einen H�llenritt! Entferne dich so weit wie m�glich von hier!�</p><p>�Wohin, Vater?� fragte ich.</p><p>�Zu den Burgen des Chaos. Du kennst den Weg?�</p><p>�In der Theorie. Ich habe ihn nie zur G�nze zur�ckgelegt.�</p><p>Er nickte langsam. �Dann mach zu!� sagte er. �Du mu�t ein m�glichst gro�es Zeitdifferential zwischen diesem Ort und dir schaffen.�</p><p>�Na sch�n�, sagte ich. �Aber ich begreife das alles nicht.�</p><p>�Du wirst es begreifen, wenn die Zeit reif ist.�</p><p>�Aber es gibt einen einfacheren Weg�, wandte ich ein. �Ich komme schneller und weitaus m�heloser ans Ziel, wenn ich mich mit Benedict und seinem Trumpf in Verbindung setze und mich von ihm hindurchholen lasse.�</p><p>�Das n�tzt nichts�, sagte Vater. �Du mu�t den l�ngeren Weg nehmen, weil du etwas bei dir tr�gst, das dir unterwegs �bermittelt wird.�</p><p>��bermittelt? Wie denn?�</p><p>Er hob den Arm und streichelte dem roten Vogel �ber das Gefieder.</p><p>�Durch deinen Freund hier. Er schafft den ganzen Weg zu den Burgen des Chaos nicht � zumindest nicht rechtzeitig.�</p><p>�Was wird er mir bringen?�</p><p>�Das Juwel. Ich glaube nicht, da� ich in der Lage bin, die �berbringung selbst zu veranlasen, wenn ich die Aufgabe erledigt habe, die ich dem Juwel und mir stellen mu�. An jenem Ort k�nnte seine Macht uns irgendwie von Nutzen sein.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. �Trotzdem brauche ich nicht die ganze Strecke zur�ckzulegen. Ich k�nnte durch den Trumpf ans Ziel springen, nachdem ich das Juwel erhalten habe.�</p><p>�Das geht wohl leider nicht. Sobald ich getan habe, was ich hier tun mu�, werden die Tr�mpfe f�r eine gewisse Zeit ihre Wirkung verlieren.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil die gesamte Struktur unserer Welt sich ver�ndern wird. Nun reite schon los, verdammt! Steig auf dein Pferd!�</p><p>Ich richtete mich auf und starrte ihn noch einen Moment lang an. �Vater, gibt es keine andere M�glichkeit?�</p><p>Er sch�ttelte nur den Kopf und hob die Hand. Gleichzeitig begann er zu verblassen.</p><p>�Leb wohl!�</p><p>Ich machte kehrt und stieg auf. Es h�tte noch mehr zu sagen gegeben, aber dazu war es zu sp�t. Ich zog Star zu dem Weg herum, der mich nach S�den f�hren w�rde. W�hrend Vater schon auf dem Gipfel Kolvirs mit den Schatten hatte spielen k�nnen, war mir das stets verwehrt geblieben. Ich mu�te ein gutes St�ck von Amber fort sein, ehe ich die ersten Verschiebungen bewirken konnte.</p><p>In dem Bewu�tsein, da� es m�glich war, wollte ich es heute aber einmal versuchen. W�hrend ich also, den Weg nach Garnath ansteuernd, in s�dlicher Richtung �ber kahles Gestein und durch Felsschluchten ritt, durch die der Wind pfiff, versuchte ich die Stofflichkeit meiner Umwelt zu verformen.</p><p>. . . Ein kleines B�schel blauer Blumen an einer steinigen Kante.</p><p>Diese Entdeckung erf�llte mich mit Erregung, denn sie waren ein bescheidener Bestandteil meiner Bem�hungen. Ich fuhr darin fort, der Welt meinen Willen aufzuerlegen.</p><p>Der Schatten eines dreieckigen Steines tauchte hinter der Wegbiegung auf . . . ein Umschlagen des Windes . . .</p><p>Einige kleinere Effekte funktionierten tats�chlich. Eine R�ckw�rtswendung des Weges . . . ein Spalt . . . ein uraltes Vogelnest hoch oben auf einem Felsvorsprung . . . Mehr blaue Blumen . . .</p><p>Warum nicht? Ein Baum . . . und ein zweiter . . .</p><p>Ich sp�rte, wie sich die Kraft in mir regte. Ich bewirkte neue Ver�nderungen.</p><p>Pl�tzlich kam mir hinsichtlich meiner neuentdeckten F�higkeiten ein Gedanke. Durchaus m�glich, da� ich aus rein psychologischen Gr�nden solche Manipulationen bisher nicht hatte durchf�hren k�nnen. Bis vor kurzem hatte ich Amber f�r die einzige unver�nderbare Realit�t gehalten, von der alle Schatten ihre Gestalt ableiteten. In diesem Moment erkannte ich, da� Amber nur der erste Schatten war und da� der Ort, an dem sich mein Vater aufhielt, die h�here Realit�t darstellte. So erschwerte die unmittelbare N�he zwar das Herbeif�hren von Ver�nderungen, doch waren sie nicht unm�glich. Unter anderen Umst�nden h�tte ich dennoch meine Kr�fte gespart, bis ich eine Stelle erreichte, da mir die Verschiebungen nicht mehr so viel M�he machten.</p><p>Heute aber war mir Eile aufgetragen worden. Ich w�rde mich anstrengen m�ssen, w�rde hetzen m�ssen, um den W�nschen meines Vaters nachzukommen.</p><p>Als ich den Pfad erreichte, der den S�dhang Kolvirs hinabf�hrte, hatte sich die Landschaft bereits ver�ndert. Vor mir lag nicht die steile Tiefe, sondern eine Folge flacher H�nge. Schon drang ich in die Schattenl�nder ein.</p><p>Als ich meinen Weg fortsetzte, lag die schwarze Stra�e wie eh und je als schwarze Narve zu meiner Linken; allerdings war das Garnath, durch das sie schnitt, in leicht besserer Verfassung als die Region, die ich bis in den letzten Winkel kannte. Die Konturen waren weicher, aufgelockert durch gr�nen Bewuchs, der n�her an den toten Streifen heranreichte. Es war, als sei mein Fluch auf dieses Land leicht abgemildert worden. Nat�rlich eine Illusion des Gef�hls, befand ich mich doch eigentlich nicht mehr in meinem Amber. <emphasis>Meine Rolle hierbei tut mir leid</emphasis>, sagte ich im Geiste auf wie ein Gebet. <emphasis>Ich bin unterwegs, um mein Tun vielleicht r�ckg�ngig zu machen. Verzeih mir, Geist dieses Ortes.</emphasis> Mein Blick wandte sich in die Richtung, in der sich der Hain des Einhorns befinden mu�te, doch er lag zu weit im Westen und wurde durch zu viele B�ume verstellt, als da� ich auch nur einen Zipfel jenes heiligen Ortes zu sehen bekam.</p><p>Im weiteren Verlauf meines Rittes flachte der Hang noch mehr ab und ging in eine Reihe sanfter Vorberge �ber. Hier lie� ich Star schneller gehen, zuerst in s�dwestlicher Richtung, dann nach S�den. Immer tiefer kam ich. Links funkelte und flirrte in gro�er Entfernung das Meer. Bald w�rde sich die schwarze Stra�e zwischen uns schieben, denn mein Weg nach Garnath brachte mich ihr n�her. Was immer ich mit den Schatten anstellte � jene unheildrohende Erscheinung w�rde ich nicht ausl�schen k�nnen. Im Grunde f�hrte der schnellste Weg zu meinem Ziel parallel zu ihr.</p><p>Endlich erreichten wir den Talgrund. Der Wald von Arden ragte in gro�er Entfernung rechts von mir auf, sich nach Westen erstreckend, immens und undurchdringlich. Ich ritt weiter und gab mir gro�e M�he, neue Ver�nderungen zu bewirken, die mich noch weiter von zu Hause fortf�hrten.</p><p>Ich hielt mich zwar in der N�he der schwarzen Stra�e, achtete aber auf Abstand. Es blieb mir nichts anderes �brig, war sie doch das einzige, das ich nicht zu �ndern vermochte. Ich achtete darauf, da� uns B�sche, B�ume und niedrige H�gel trennten.</p><p>Und wieder schickte ich meinen Geist auf die Reise, und die Beschaffenheit der Landschaft ver�nderte sich.</p><p>Achatadern . . . Haufen von Schiefergestein . . . ein Abdunkeln des Gr�ns . . .</p><p>Wolken schwammen durch den Himmel . . . Die Sonne schimmerte und tanzte . . .</p><p>Wir erh�hten das Tempo. Das Land fiel noch weiter ab. Die Schatten wurden l�nger und verschmolzen miteinander. Der Wald wich zur�ck. Rechts von mir wuchs eine Felswand empor, eine zweite erschien zu meiner Linken . . . Ein kalter Wind verfolgte mich durch den zerkl�fteten Canyon. Himmelsstreifen � rot, golden, gelb und braun � zuckten vor�ber. Der Canyongrund wurde sandig. Staubteufel umtanzten uns. Als der Weg anzusteigen begann, beugte ich mich noch weiter vor. Die einw�rts geneigten Felsmauern r�ckten dichter zusammen. Der Weg wurde schmaler, immer schmaler. Beinahe vermochte ich beide Felsw�nde zu ber�hren . . .</p><p>Oben stie�en sie zusammen. Ich ritt durch einen schattengef�llten Tunnel, das Pferd z�gelnd, als es immer dunkler wurde. Phosphoreszierende Wesen erstanden vor meinen Augen. Der Wind erzeugte ein klagendes Ger�usch.</p><p>Und wieder hinaus!</p><p>Das von den Felsmauern reflektierte Licht war blendend grell, und ringsum erhoben sich riesige Kristalle. Wir st�rmten daran vorbei auf einem ansteigenden Weg, der von dieser Zone fortf�hrte, durch eine Reihe moosbewachsener T�ler laufend, in denen sich kleine und v�llig runde Teiche still wie Glas erstreckten.</p><p>Riesige Farnwedel tauchten vor uns auf, und wir ritten hindurch. Ich h�rte einen fernen Trompetenton.</p><p>Drehen, im Schritt reiten . . . Die Farne nun breiter und k�rzer . . . Dahinter eine gro�e Ebene, sich in einen rosa Abend erstreckend . . .</p><p>Weiter �ber helles Gras . . . Der Geruch frischer Erde . . . Weiter vorn Berge oder dunkle Wolken . . . Von links ein ganzer Sturz von Sternen . . . Ein kurzer Hauch spr�hender Feuchtigkeit . . . Ein blauer Mond springt am Himmel empor . . . Es zuckt zwischen den dunklen Massen . . . Erinnerungen und ein Grollen . . . Geruch nach Unwetter und entfesselter Luft . . .</p><p>Ein kr�ftiger Wind . . . Wolken vor den Sternen . . . eine grelle Gabel spie�t rechts von mir einen zerschmetterten Baum auf, l��t ihn hoch auflodern . . . Ein Kribbeln . . . der Geruch nach Ozon . . . ich werde von Regen �bersch�ttet . . . links eine Reihe von Lichtern . . .</p><p>Klappernd �ber eine kopfsteingepflasterte Stra�e . . . Ein seltsames Fahrzeug n�hert sich . . . rund, prustend . . . Wir gehen uns aus dem Weg . . . Ein Ruf verfolgt mich . . . In einem hellen Fenster ein Kindergesicht . . .</p><p>Getrappel . . . Wasserspritzen . . . L�den und Wohnh�user . . . der Regen l��t nach, erstirbt, ist vorbei . . . Nebelschwaden werden vorbeigeweht, verharren, verdichten sich, leuchten perlig im Schein eines st�rker werdenden Lichts zu meiner Linken . . .</p><p>Das Terrain verschwimmt, wird rot . . . Das Licht im Nebel wird noch heller . . . Frischer Wind, von hinten, zunehmende W�rme . . . Die Luft bricht auseinander . . .</p><p>Hellgelber Himmel . . . eine orangerote Sonne, die der Mittagsstunde entgegeneilt . . .</p><p>Ein Beben. Etwas, das ich nicht bewirkt habe, v�llig �berraschend . . . Unter uns bewegt sich der Boden, aber das ist nicht alles. Der neue Himmel, die neue Sonne, die rostrote Ebene, auf die ich soeben geritten bin � dies alles bl�ht sich auf und zieht sich wieder zusammen, verbla�t und kehrt zur�ck. Ein Krachen ert�nt, und mit jedem Verblassen sehe ich Star und mich allein, inmitten eines wei�en Nichts � Figuren ohne Hintergrund. Wir treten ins Leere. Das Licht kommt von �berall und erhellt nur uns selbst. Ein gleichm��iges Knacken f�llt meine Ohren, wie von einem auftauenden arktischen Flu�, an dem ich einmal entlanggeritten bin. Star, der schon viele Schatten erlebt hat, st��t ein angstvolles Schnauben aus.</p><p>Ich sehe mich um. Verschwommene Umrisse erscheinen, festigen sich, werden klar. Meine Umwelt ist wiederhergestellt, wenn sie auch irgendwie verwaschener aussieht. Ein wenig Farbe ist der Welt genommen worden.</p><p>Wir wirbeln nach links und galoppieren auf einen niedrigen H�gel zu, ersteigen ihn, verhalten schlie�lich auf seiner h�chsten Stelle.</p><p>Die schwarze Stra�e. Sie scheint ebenfalls entartet zu sein � aber mehr noch als der Rest. Sie windet sich unter meinem Blick, scheint im Hinschauen beinahe zu flie�en. Das Knacken setzt sich fort, wird lauter . . .</p><p>Aus dem Norden pfeift ein Wind herbei, zuerst schwach, dann st�rker werdend. In diese Richtung schauend, sehe ich, wie sich eine dunkle Wolkenmasse aufbaut.</p><p>Ich wei�, ich mu� jetzt galoppieren wie nie zuvor in meinem Leben. Sternstunden der Vernichtung und Sch�pfung ereignen sich an dem Ort, den ich besucht habe � wann? Egal. Die Wellen bewegen sich von Amber ausw�rts, und selbst Amber mag untergehen � und ich mit ihm. Wenn Vater nicht wieder alles in den Griff bekommt.</p><p>Ich sch�ttle die Z�gel. Wir galoppieren nach S�den.</p><p>Eine Ebene . . . B�ume . . . etliche zerst�rte Geb�ude . . . Schneller . . .</p><p>Rauch �ber einem brennenden Wald . . . eine Flammenwand . . . vorbei . . .</p><p>Gelber Himmel, blaue Wolken . . . eine Armada von Segelschiffen, die vor mir vorbeikreuzen . . .</p><p>Schneller . . .</p><p>Die Sonne senkt sich wie ein St�ck gl�hendes Eisen in einen Eimer Wasser, die Sterne werden zu Funken . . . Helles Licht auf einem geraden Weg . . . Ger�usche im Dopplereffekt von dunklen Verschmierungen entstellt, ein Heulen . . . Heller das Licht, schw�cher die Aussicht . . . grau zu meiner Rechten, zu meiner Linken . . . Noch heller . . . vor meinen Augen nichts als der Weg, auf dem ich reiten mu� . . . Das Heulen steigert sich zu schrillem Kreischen . . . Umrisse laufen ineinander . . . Wir st�rmen durch einen Tunnel aus Schatten . . . Er beginnt sich zu drehen . . .</p><p>Drehen, sich winden . . . Nur die Stra�e ist real . . . Die Welten wirbeln vorbei . . . Ich habe meine Kontrolle �ber die Welten aufgegeben und reite nun im Schwung der eigentlichen Kraft, erf�llt von dem einzigen Ziel, von Amber loszukommen und in Richtung Chaos zu rasen . . . Wind �berf�llt mich, und in meinen Ohren gellt der Schrei . . . Nie zuvor habe ich meine Macht �ber die Schatten bis an ihre Grenzen ausgelotet . . . Der Tunnel wird so glatt und nahtlos wie Glas . . . ich glaube, durch einen Wirbel zu reiten, durch einen Mahlstrom, durch das Herz eines Tornados . . . Star und ich sind in Schwei� gebadet . . . Ein unbezwingbares Gef�hl des Fliehenm�ssens �berkommt mich, als w�rde ich verfolgt . . . Die Stra�e ist zu einer Abstraktion geworden . . . Meine Augen schmerzen, als ich den Schwei� fortzublinzeln versuche . . . diesen Ritt vermag ich nicht viel l�nger durchzuhalten . . . an der Sch�delbasis pulsiert ein Schmerz . . .</p><p>Sanft ziehe ich die Z�gel an, und Star verliert an Tempo . . .</p><p>Die Mauern meines Lichttunnels werden k�rnig . . . es herrscht keine Einheitlichkeit der F�rbung mehr, sondern ein Gewirr von Grau, Schwarz und Wei� . . . auch Braun . . . ein Hauch von Blau . . . Gr�n . . . Das Jaulen wird zu einem Summen, zu einem Grollen, verblassend. Der Wind kommt sanfter . . . Umrisse kommen und gehen . . .</p><p>Langsamer, immer langsamer . . .</p><p>Es gibt keinen Weg. Ich reite �ber moosbewachsenen Boden. Der Himmel ist blau, die Wolken wei�. Mir ist ganz leicht im Kopf. Ich z�gele das Tier. Ich . . .</p><p>Winzig.</p><p>Entsetzt senkte ich den Blick. Ich stand am Rand eines Spielzeugdorfes. H�user, die ich in der Hand halten k�nnte, winzige Stra�en, kleine Fahrzeuge, die sich darauf bewegten.</p><p>Ich schaute zur�ck. Etliche kleine Behausungen hatten wir bereits zertreten. Ich sah mich um. Zur Linken war die Bebauung nicht so dicht. Vorsichtig f�hrte ich Star in diese Richtung und machte erst wieder Halt, als wir den seltsamen Ort verlassen hatten. Ich hatte ein schlechtes Gewissen wegen dieser seltsamen Siedlung � was immer sie sein mochte, wer immer dort auch leben mochte. Aber ich konnte nicht das geringste f�r diese Lebewesen tun.</p><p>So setzte ich meinen Weg fort, durch die Schatten reitend, bis ich eine Art verlassenen Steinbruch unter einem gr�nen Himmel erreichte. Hier kam ich mir schwerer vor. Ich stieg ab, trank einen Schluck Wasser und wanderte ein wenig auf und ab.</p><p>In tiefen Z�gen geno� ich die feuchte Luft, die mich einh�llte. Ich war fern von Amber, so. weit entfernt, wie man es �berhaupt nur sein kann, und hatte damit schon ein gutes St�ck des Weges zum Chaos zur�ckgelegt. Selten war ich so weit von meinem Ausgangspunkt weg gewesen. Ich hatte mir diesen Ort zur Rast ausgesucht, weil er der Normalit�t so nahe kam, wie ich es nur irgend einrichten k�nnte; ich wu�te aber, da� die Ver�nderungen bald immer radikaler werden w�rden.</p><p>Eben streckte ich meine m�den Muskeln, als ich hoch �ber mir den Schrei h�rte.</p><p>Aufblickend sah ich das dunkle Gebilde herniederzucken und zog automatisch Grayswandir. Doch in seinem weiteren Flug brach es das Licht im richtigen Winkel, und die gefl�gelte Gestalt sah aus wie in Feuer getaucht.</p><p>Mein Wappenvogel umkreiste mich und nahm schlie�lich auf meinem ausgestreckten Arm Platz. Die angsteinfl��enden Augen musterten mich mit einer absonderlichen Intelligenz, doch schenkte ich ihnen nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen bei anderer Gelegenheit gegolten h�tte. Vielmehr steckte ich Grayswandir ein und griff nach dem Ding, das mir der Vogel gebracht hatte.</p><p>Das Juwel des Geschicks.</p><p>Da wu�te ich, da� Vaters Versuch, was immer sich dahinter verbergen mochte, beendet war. Das Muster war entweder repariert oder v�llig zerst�rt. Entweder lebte er, oder er war tot. Die Auswirkungen seiner Tat w�rden sich jetzt von Amber ausgehend durch die Schatten ausbreiten wie die sprichw�rtlichen Wellen auf dem Teich. In K�rze w�rde ich mehr �ber sie erfahren. Bis dahin hatte ich meine Befehle.</p><p>Ich zog die Kette �ber den Kopf und lie� mir das Juwel auf die Brust fallen. Dann stieg ich wieder auf Stars R�cken. Mein Blutvogel stie� einen kurzen Schrei aus und stieg in die Luft.</p><p>Wieder waren wir unterwegs.</p><p>. . . Durch eine Landschaft, �ber der sich der Himmel in dem Ma�e aufhellte, wie der Boden dunkler wurde. Schlie�lich flammte das Land, und der Himmel schw�rzte sich ein. Dann umgekehrt. Und noch einmal . . . Mit jedem Schritt kehrte sich der Effekt um, und als wir zu traben begannen, wurde die Erscheinung zu einer stroboskopischen Reihe von Schnappsch�ssen ringsum, die sich allm�hlich zu ruckartiger Animation aufbauten, dann zur �berdrehten Hektik eines Stummfilms. Schlie�lich war alles eine einzige verschwommene Masse.</p><p>Lichtpunkte zuckten vorbei wie Meteore oder Kometen. Ein pulsierender Schmerz machte sich bemerkbar, wie von einem allesdurchdringenden kosmischen Herzrhythmus. Ringsum begann alles zu kreisen, als w�re ich in einem Wirbelwind gefangen.</p><p>Etwas ging hier schief. Ich schien die Kontrolle zu verlieren. War es m�glich, da� Vaters Tat sich bereits in diesem Bereich der Schatten bemerkbar machte? Es kam mir unwahrscheinlich vor. Trotzdem . . . Star stolperte. Im Sturz klammerte ich mich krampfhaft fest, wollte ich doch nicht in den Schatten von meinem Tier getrennt werden. Ich prallte mit der Schulter auf eine harte Oberfl�che und lag einen Augenblick lang bet�ubt da.</p><p>Als die Welt sich wieder zusammensetzte, fuhr ich hoch und sah mich um.</p><p>Ein gleichf�rmiges D�mmerlicht h�llte mich ein, doch es gab keine Sterne. Statt dessen trieben gro�e Felsbrocken unterschiedlicher Formen und Gr��en durch die Luft oder verharrten �ber mir. Ich stand auf und sah mich um.</p><p>Soweit ich meine Umgebung wahrnahm, konnte die unregelm��ige Steinfl�che, auf der ich stand, ebenfalls ein berggro�er Felsbrocken sein, der zusammen mit den anderen dahintrieb. Star richtete sich auf und stand zitternd neben mir. Absolute Stille h�llte uns ein. Die reglose Luft war k�hl. Kein anderes Lebewesen war in Sicht. Mir gefiel dieser Ort nicht. Freiwillig h�tte ich hier nicht Rast gemacht. Ich kniete nieder, um mir Stars Bein anzusehen. Ich wollte so schnell wie m�glich weiter, und zwar im Sattel.</p><p>W�hrend ich damit besch�ftigt war, h�rte ich ein leises Lachen. War es einer menschlichen Kehle entsprungen?</p><p>Ich erstarrte, legte die Hand auf Grayswandirs Griff und suchte nach dem Ursprung der Laute.</p><p>Nichts war zu sehen.</p><p>Dabei hatten mich meine Ohren nicht get�uscht. Langsam drehte ich mich um und schaute in jede Richtung. Nein . . .</p><p>Dann war das Lachen erneut zu h�ren. Diesmal erkannte ich, da� es von oben kommen mu�te.</p><p>Ich suchte die schwebenden Felsen ab. Mit Schatten befrachtet, machten sie mir die Suche nicht leicht . . .</p><p>Dort!</p><p>Zehn Meter �ber dem Boden und etwa drei�ig Meter weiter links stand so etwas wie eine menschliche Gestalt auf einer kleinen Insel am Himmel und betrachtete mich. Ich starrte hinauf. Was immer das Wesen war, es schien zu weit entfernt zu sein, um mir gef�hrlich werden zu k�nnen. Ich war �berzeugt, da� ich hier verschwinden konnte, ehe der andere mich zu erreichen vermochte. Ich machte Anstalten, Star zu besteigen.</p><p>�Das n�tzt nichts mehr, Corwin!� rief die Stimme, die ich in diesem Augenblick am wenigsten h�ren wollte. �Du sitzt in der Falle. Ohne meine Erlaubnis kannst du hier nicht mehr fort.�</p><p>Im Aufsteigen l�chelte ich, dann zog ich Grayswandir.</p><p>�Das wollen wir doch mal sehen�, sagte ich. �Komm, verstell mir den Weg!�</p><p>�Sch�n�, sagte er, und aus dem nackten Gestein zuckten Flammen empor, die mich in einem l�ckenlosen Kreis umgaben, z�ngelnd, eine Wand bildend, lautlos.</p><p>Star drehte durch. Ich rammte Grayswandir wieder in die Scheide, hielt Star einen Zipfel meines Mantels vor die Augen und rief beruhigende Worte. Gleichzeitig vergr��erte sich der Kreis, das Feuer zog sich an den Rand des m�chtigen Felsbrockens zur�ck, auf dem wir standen.</p><p>�Na, bist du �berzeugt?� fragte die Stimme. �Dieser Ort ist zu klein. Gleichg�ltig, in welche Richtung zu reitest � dein Pferd ger�t in Panik, ehe du in den Schatten verschwinden kannst.�</p><p>�Leb wohl, Brand�, sagte ich und begann zu reiten.</p><p>Ich beschrieb im Gegenuhrzeigersinn einen gro�en Kreis auf dem Gestein, wobei ich Stars rechtes Auge vor den Flammen am Rand abschirmte. Ich h�rte Brand erneut auflachen; er hatte noch nicht gemerkt, was ich im Schilde f�hrte.</p><p>Zwei gro�e Felsen . . . gut. Ich ritt daran vorbei, auf Kurs bleibend. Zu meiner Linken jetzt eine zerkl�ftete Steinbarriere, eine Anh�he, eine Senke . . . Wirre Schatten warfen die Flammen �ber meinen Weg . . . Dorthin. Hinab . . . Hinauf. Ein Hauch von Gr�n in jenem Lichtfleck. Ich sp�rte die Verschiebung einsetzen.</p><p>Die Tatsache, da� es auf geradem Kurs leichter f�llt, besagt nicht, da� es im Kreis nicht ebenfalls geht. Wir reiten jedoch so oft geradeaus, da� wir die andere M�glichkeit oft vergessen.</p><p>Als ich mich den beiden gro�en Felsen von neuem n�herte, sp�rte ich die Verschiebung noch mehr. Nun begriff auch Brand, was hier vorging.</p><p>�Halt, Corwin!�</p><p>Ich winkte ihm gr��end zu und verschwand zwischen den Felsen, tauchte hinab in einen schmalen Canyon, in dem zahlreiche gelbe Lichtflecken flirrten. Wie bestellt.</p><p>Ich zog meinen Mantel von Stars Kopf und spornte das Tier an. Der Canyon beschrieb eine Biegung nach rechts. Wir folgten ihm in eine besser beleuchtete Zone, die sich verbreiterte und immer mehr aufhellte.</p><p>. . . Unter einen gro�en Felsvorsprung, dar�ber ein milchiger Himmel, der auf der anderen Seite perlgrau schimmerte.</p><p>Immer tiefer reitend, immer schneller, immer weiter . . . Eine gezackte Klippe kr�nte den Hang zu meiner Linken, begr�nt von gewundenen Buschpflanzen unter einem ros� angehauchten Himmel.</p><p>Ich ritt, bis aus dem Gr�n Blau geworden war unter einem gelben Himmel, bis die Schlucht einer fliederfarbenen Ebene entgegenstieg. Hier rollten orangerote Felsbrocken im Takt unserer Huftritte, die den Boden zum Erbeben zu bringen schienen. Ich ritt unter wirbelnden Kometen dahin und erreichte schlie�lich an einem Ort schwerer Parfumd�fte die K�ste eines blutroten Meeres. Am Strand reitend sah ich eine gro�e gr�ne und eine kleine bronzefarbene Sonne aus dem Himmel sinken, w�hrend skelettartige Flotten aufeinanderprallten und Tiefseeschlangen die orangeroten und blauen Segel umschwammen. Das Juwel pulsierte vor meiner Brust und schenkte mir Kraft. Ein heftiger Wind wehte und trieb uns durch einen kupferwolkigen Himmel �ber einem jaulenden Abgrund, der sich endlos zu erstrecken schien, schwarzgr�ndig, funkendurchstoben, gef�llt mit bet�ubenden Ger�chen . . .</p><p>Hinter mir ewiges Donnergrollen . . . Zarte Linien, wie die Bruchstellen eines alten Gem�ldes, sich �berall ausbreitend . . . Kalt, ein alle D�fte t�tender Wind verfolgt uns . . .</p><p>Linien . . . Die Risse erweitern sich, Schw�rze f�llt sie, flie�t heraus . . . Dunkle Streifen wischen vorbei, hinauf, herab, kreiseln in sich selbst . . . Die Umrisse eines Netzes, die Anstrengungen einer riesigen unsichtbaren Spinne, die die Welt in ihr Netz locken will . . .</p><p>Hinab und immer weiter hinab . . . Erneut der Boden, runzlig und ledrig wie der Nacken einer Mumie . . . Unser pulsierender Ritt: lautlos . . . Weicher der Donner, nachlassend der Wind . . . Vaters letzter Atemhauch? Jetzt Tempo und fort . . .</p><p>Ein Engerwerden der Linien, bis hinab zur Feinheit eines Kupferstichs, dann in der Hitze der drei Sonnen verblasend . . . Und noch schneller . . .</p><p>Ein Reiter, n�herkommend . . . die Hand auf den Schwertgriff legend, meinem Beispiel folgend . . . Ich. Ich, der ich zur�ckkehre? Gleichzeitig, unser Gru�. Irgendwie durch den anderen hindurch; die Luft ist in jenem trockenen Augenblick wie ein Wasservorhang . . . Was f�r ein Carroll�scher Spiegel, was f�r ein Rebma- und Tir-na-Nog�th-Effektl Doch weit entfernt zur Linken windet sich ein schwarzes Ding . . . Wir folgen der Stra�e . . . Sie f�hrt mich weiter . . .</p><p>Wei�er Himmel, wei�er Boden und kein Horizont . . . Sonnen- und wolkenlos das Panorama . . . Nur jener schwarze Streifen in der Ferne, und �berall schimmernde Pyramiden, m�chtig und beunruhigend . . .</p><p>Wir erm�den. Mir gef�llt dieser Ort nicht . . . Doch dem unbekannten Geschehnis, das uns verfolgt, sind wir zun�chst entkommen. Zieh die Z�gel an!</p><p>Ich war m�de, sp�rte jedoch eine seltsame Vitalit�t in mir. Sie schien von meiner Brust auszugehen . . . Das Juwel, nat�rlich! Ich versuchte erneut auf seine Kraft zur�ckzugreifen. Ich sp�rte die Energie ausw�rts in meine Glieder str�men, kaum haltmachend an den Spitzen. Es war beinahe, als w�rde ich . . .</p><p>Ja. Ich projizierte meinen Willen und legte ihn auf die kahle geometrische Umgebung. Sie begann sich zu ver�ndern.</p><p>Eine Bewegung. Die Pyramiden rutschten vorbei und wurden dabei dunkler. Sie schrumpften, verschmolzen, verwandelten sich in Kies. Die Welt stellte sich auf den Kopf, und ich stand wie auf der Unterseite einer Wolke und sah Landschaften unter und �ber mir vorbeizucken.</p><p>Licht str�mte aufw�rts, ausgehend von einer goldenen Sonne unter meinen F��en, h�llte mich ein. Aber auch diese Erscheinung ging vorbei, und der weiche Boden verdunkelte sich, und Wasser scho� empor, um das vorbeiziehende Land aufzul�sen. Blitze zuckten zur Welt �ber mir hinauf, wollten sie auseinanderbrechen lassen. Da und dort br�ckelte sie, und die Bruchst�cke fielen rings um mich nieder.</p><p>In einer vorbeihuschenden Woge der Dunkelheit begannen sie zu trudeln.</p><p>Als das Licht zur�ckkehrte, jetzt bl�ulich schimmernd, hatte es keinen Ausgangspunkt mehr und erhellte kein Land.</p><p>. . . Goldene Br�cken durchqueren die Leere in gewaltigen B�gen, von denen sich einer funkelnd auch unter uns erstreckt. Wir folgen seinem Lauf, dabei stehen wir still wie ein Denkmal . . . Dies dauert etwa ein Zeitalter. Ein Ph�nomen, das eine gewisse �hnlichkeit mit Schnellstra�enhypnose hat, macht sich durch meine Augen bemerkbar, l��t mich gef�hrlich tr�ge werden.</p><p>Ich tue, was ich kann, um unser Vorankommen zu beschleunigen. Ein weiteres Zeitalter vergeht.</p><p>Endlich erscheint weit vor uns als vager, vernebelter Fleck unser Ziel, das trotz unserer gro�en Geschwindigkeit nur langsam w�chst.</p><p>Als wir es endlich erreichen, ist es gigantisch � eine Insel in der Leere, mit metallischen goldenen B�umen bewaldet . . .</p><p>Ich stoppe die Bewegung, die uns bis jetzt mitgerissen hat, und wir traben aus eigener Kraft weiter, in den seltsamen Wald hinein. Unter den Hufen knirscht Gras wie Aluminiumfolie. Seltsame Fr�chte, bleich schimmernd, h�ngen von den B�umen ringsum. Von tierischem Leben ist nicht sofort etwas zu sp�ren. Weiter in den Wald vordringend, erreichen wir eine kleine Lichtung, die von einem quecksilbernen Bach geteilt wird. Dort steige ich ab.</p><p>�Bruder Corwin�, ert�nt da die Stimme von neuem. �Ich habe auf dich gewartet.�</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Ich drehte mich zum Wald um, sah ihn daraus hervortreten. Ich zog meine Waffe nicht, da auch er nicht danach gegriffen hatte. Allerdings stie� ich mit dem Verstand tief in das Juwel vor. Nach der eben beendeten �bung war mir klar, da� ich nun weitaus mehr damit erreichen konnte, als nur das Wetter zu steuern. Wie gro� Brands Macht auch sein mochte, ich sp�rte, da� ich nun eine Waffe besa�, mit der ich ihm widerstehen konnte. Das Pulsieren des Juwels verst�rkte sich, als ich mich darauf konzentrierte.</p><p>�Waffenstillstand�, sagte Brand. �Einverstanden? K�nnen wir reden?�</p><p>�Ich glaube nicht, da� wir einander irgend etwas zu sagen haben�, gab ich zur�ck.</p><p>�Wenn du mir keine Gelegenheit dazu gibst, wirst du es nie erfahren, oder?�</p><p>Etwa sieben Meter entfernt blieb er stehen, warf sich den gr�nen Mantel �ber die linke Schulter und l�chelte.</p><p>�Also gut. Sag, was du zu sagen hast�, knurrte ich.</p><p>�Ich wollte dich aufhalten�, begann er. �Vorhin, dort hinten. Dabei ging es mir um das Juwel. Offensichtlich wei�t du inzwischen, was es damit auf sich hat, wie wichtig es ist.�</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Vater hat es bereits gebraucht�, fuhr er fort, �und ich mu� dir leider sagen, da� er das selbstgesteckte Ziel damit nicht erreicht hat.�</p><p>�Was? Woher willst du das wissen?�</p><p>�Ich kann durch die Schatten blicken, Corwin. Eigentlich hatte ich angenommen, deine Schwester h�tte dich in diesen Dingen gr�ndlicher unterwiesen. Es kostet mich nur ein wenig geistige Anstrengung, und ich kann alles wahrnehmen, was ich sehen will. Nat�rlich interessierte mich das Ergebnis dieser Aff�re. Ich habe also zugesehen. Er ist tot, Corwin. Die Anstrengung war zuviel f�r ihn. Er verlor die Kontrolle �ber die Kr�fte, mit denen er umging, und wurde von ihnen zerst�rt � zu der Zeit hatte er das Muster gut zur H�lfte durchschritten.�</p><p>�Du l�gst ja!� rief ich und ber�hrte das Juwel.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich gebe zu, da� ich auch zum L�gen f�hig bin, wenn es meinen Zielen dient. Diesmal aber sage ich die Wahrheit. Vater ist tot. Ich habe ihn fallen sehen. Daraufhin brachte dir der Vogel das Juwel, so hatte er es bestimmt. Nun befinden wir uns in einem Universum ohne Muster.�</p><p>Ich wollte ihm nicht glauben. Aber es war m�glich, da� Vater es nicht geschafft hatte. Der einzige Experte in diesen Dingen, Dworkin, hatte mir best�tigt, wie schwierig die Aufgabe war, die Vater sich gestellt hatte.</p><p>�Nehmen wir einmal an, du hast recht � was geschieht dann?� fragte ich.</p><p>�Die Dinge fallen auseinander�, antwortete er. �Schon ist das Chaos dabei, das Vakuum um Amber zu f�llen. Ein gewaltiger Strudel hat sich gebildet, der immer weiter anw�chst. Er breitet sich unhaltbar aus, die Schattenwelten vernichtend, und wird erst innehalten, wenn er auf die Burgen des Chaos st��t, womit die Entwicklung der Sch�pfung dann einen vollen Kreis beschrieben hat und das Chaos wie zu Anfang �ber alles gebietet.�</p><p>Ich war wie bet�ubt. Hatte ich mich aus Greenwood befreit, hatte ich all die M�hen und Gefahren auf mich genommen, um jetzt dieses Ende zu erleben? Sollte alles ohne Bedeutung, Form, Inhalt und Leben sein, nur weil die Dinge einer Art Vollendung entgegengedr�ngt worden waren?</p><p>�Nein!� sagte ich. �Das kann nicht sein.�</p><p>�Es sei denn . . .�, sagte Brand leise.</p><p>�Es sei denn � was?�</p><p>�Es sei denn, ein neues Muster wird geschrieben, eine neue Ordnung wird geschaffen, um die Form zu bewahren.�</p><p>�Du meinst, einer von uns soll in die Wirrnis zur�ckkehren und den Versuch machen, die Sache zu vollenden? Du hast eben selbst gesagt, da� es den Ort gar nicht mehr gibt.�</p><p>�Nein. Nat�rlich nicht. Aber die eigentliche Lage ist unwichtig. Wo immer es ein Muster gibt, befindet sich der Mittelpunkt. Ich k�nnte es gleich hier tun.�</p><p>�Du meinst, du k�nntest schaffen, was Vater nicht gelungen ist?�</p><p>�Ich mu� es versuchen. Ich bin der einzige, der genug dar�ber wei� und ausreichend Zeit hat, ehe die Wogen des Chaos eintreffen. H�r zu, ich gebe alles zu, was Fiona dir zweifellos �ber mich berichtet hat. Ich habe �ble Pl�ne geschmiedet und auch danach gehandelt. Ich habe mich mit den Feinden Ambers eingelassen. Ich habe das Blut unserer Familie vergossen. Ich versuchte, dir das Ged�chtnis auszubrennen. Aber die Welt, wie wir sie kennen, wird in diesem Augenblick vernichtet � und ich lebe auch darin. Alle meine Pl�ne � alles! � wird vernichtet werden, wenn nicht ein gewisses Ma� an Ordnung bewahrt werden kann. Vielleicht haben die Lords des Chaos mich in diesem Punkt get�uscht. Es f�llt mir schwer, so etwas zuzugeben, doch ich mu� mit der M�glichkeit rechnen. Es ist allerdings nicht zu sp�t, sie von uns aus hereinzulegen. Wir k�nnen die neue Bastion der Ordnung hier an diesem Ort errichten.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Ich brauche das Juwel � und deine Hilfe. Hier soll das neue Amber entstehen.�</p><p>�Einmal angenommen � <emphasis>arguendo �</emphasis>, ich gebe dir das Juwel. W�rde das Muster mit dem alten identisch sein?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das w�re nicht m�glich, so wenig wie das Muster, das Vater erschaffen h�tte, Dworkins Muster �hnlich gewesen w�re. Es ist unm�glich, da� zwei Autoren dieselbe Geschichte genau gleich erz�hlen. Individuelle stilistische Unterschiede sind unvermeidlich. Sosehr ich mich auch bem�hte, das Original nachzumachen, meine Version w�rde geringf�gig anders aussehen.�</p><p>�Wie k�nntest du das neue Muster schaffen�, fragte ich, �solange du auf das Juwel nicht voll eingestimmt bist? Du brauchtest ein Muster, um den Vorgang der Einstimmung abzuschlie�en � wie du sagst, ist das Muster aber zerst�rt. Was nun?�</p><p>�Ich sagte ja, da� ich deine Hilfe brauche�, erwiderte er. �Es gibt eine zweite M�glichkeit, jemanden auf das Juwel einzustimmen � dazu ist die Mitwirkung einer Person erforderlich, die bereits eingestimmt ist. Du m��test dich noch einmal durch das Juwel projizieren und mich dabei mitnehmen � in und durch das Ur-Muster, das dahinter liegt.�</p><p>�Und dann?�</p><p>�Nun, wenn wir die M�hen hinter uns haben, bin ich eingestimmt, du gibst mir das Juwel, ich schreibe ein neues Muster, und dann sind wir wieder im Gesch�ft. Die Dinge halten zusammen. Das Leben geht weiter.�</p><p>�Und was ist mit dem Chaos?�</p><p>�Das neue Muster wird makellos sein. Unsere Gegner verf�gen dann nicht mehr �ber die schwarze Stra�e, die ihnen Zugang zu Amber verschafft.�</p><p>�Wie sollte das neue Amber gef�hrt werden, nachdem Vater nun tot ist?�</p><p>Er l�chelte schief. �F�r meine M�hen steht mir doch sicher etwas zu, meinst du nicht? Ich riskiere immerhin mein Leben, und die Chancen stehen nicht besonders gut.�</p><p>Ich erwiderte sein L�cheln.</p><p>�Wenn ich mir so ansehe, was dabei herauszuholen ist � warum gehe ich dann nicht das Risiko allein ein?� fragte ich.</p><p>�Weil du an dem scheitern w�rdest, was auch Vater zu Fall gebracht hat � an den Kr�ften des Chaos. Wenn eine solche Aktion beginnt, werden sie aus einer Art kosmischem Reflex heraus zusammengerufen. Meine Erfahrungen mit ihnen sind gr��er als die deinen � Du h�ttest keine Chance. Ich � vielleicht.�</p><p>�Nun wollen wir einmal annehmen, da� du mich bel�gst, Brand. Oder kleiden wir es in die freundlicheren Worte, da� du bei all dem Durcheinander keinen klaren Eindruck gewinnen konntest. Was ist, wenn Vater Erfolg gehabt h�tte? Wenn bereits ein neues Muster best�nde? Was w�rde geschehen, wenn du hier und jetzt ein neues sch�fest?�</p><p>�Ich . . . so etwas hat es noch nie gegeben. Woher soll ich das wissen?�</p><p>�Ich wei� nicht recht�, sagte ich. �K�nntest du auf diesem Wege trotzdem deine eigene Version der Realit�t erreichen? Handelte es sich um die Absplittung eines neuen Universums � Amber und Schatten � nur f�r dich? W�rde unser Universum dadurch ausgeschaltet? Oder w�re die neue Sch�pfung etwas Zus�tzliches? Vielleicht g�be es auch eine gewisse �berlagerung? Was meinst du angesichts unserer Situation?�</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�Ich habe dir bereits geantwortet. Niemand hat so etwas bisher getan. Woher sollte ich es wissen?�</p><p>�Aber ich glaube, da� du es wei�t oder es dir zumindest ausmalen kannst. Und ich glaube, genau das hast du im Sinn, genau das willst du versuchen � weil dir nichts anderes �brigbleibt. Dein Vorgehen ist f�r mich ein Anzeichen daf�r, da� Vater doch Erfolg gehabt hat und du nur noch einen Trumpf ausspielen kannst. Aber dazu brauchst du mich und das Juwel. Beides sollst du nicht bekommen.�</p><p>Er seufzte. �Ich hatte eigentlich mehr von dir erwartet. Aber sch�n. Du irrst dich zwar, aber lassen wir es darauf beruhen. H�r mir wenigstens gut zu. Anstatt alles untergehen zu lassen, will ich das Reich mit dir teilen.�</p><p>�Brand�, antwortete ich, �verzieh dich! Du bekommst das Juwel nicht, und helfen werde ich dir auch nicht. Ich habe mir deine Vorschl�ge angeh�rt, und ich glaube, du l�gst.�</p><p>�Du hast Angst�, sagte er, �Angst vor mir. Ich werfe dir nicht vor, da� du mir nicht vertrauen willst. Aber du machst einen gro�en Fehler. Du brauchst mich.�</p><p>�Jedenfalls habe ich meine Entscheidung getroffen.�</p><p>Er machte einen Schritt in meine Richtung. Und noch einen.</p><p>�Was immer du haben willst, Corwin. Ich kann dir alles geben, was du dir w�nschst.�</p><p>�Ich war mit Benedict in Tir-na Nog�th�, sagte ich, �als du ihm dasselbe Angebot machtest: ich schaute durch seine Augen und h�rte mit seinen Ohren zu. Ich will davon nichts wissen, Brand. Ich werde meine Mission fortsetzen. Wenn du glaubst, du k�nntest mich daran hindern, ist der jetzige Zeitpunkt ebenso g�nstig wie jeder andere.�</p><p>Ich ging auf ihn zu. Ich wu�te, ich w�rde ihn t�ten, wenn ich ihn erreichte. Ich ahnte auch, da� ich nicht an ihn herankommen w�rde.</p><p>Er erstarrte. Er wich einen Schritt zur�ck.</p><p>�Du machst einen gro�en Fehler!� warnte er mich.</p><p>�Das glaube ich nicht. Ich finde, ich tue genau das Richtige.�</p><p>�Ich werde nicht gegen dich k�mpfen�, sagte er hastig. �Nicht hier, nicht am Abgrund. Du hast deine Chance aber gehabt. Wenn wir uns das n�chstemal begegnen, nehme ich dir das Juwel ab.�</p><p>�Was soll es dir n�tzen, wo du doch nicht darauf eingestimmt bist?�</p><p>�Vielleicht gibt es noch einen Weg, damit umzugehen � schwieriger, aber immerhin denkbar. Du hast deine Chance vertan. Leb wohl!�</p><p>Er zog sich in den Wald zur�ck. Ich folgte ihm, doch er war verschwunden.</p><empty-line/><p>Ich verlie� jenen Ort und ritt auf der Stra�e im Nichts weiter. Die M�glichkeit, da� Brand vielleicht die Wahrheit gesagt hatte � oder zumindest zum Teil �, wies ich weit von mir. Trotzdem qu�lten mich seine Worte. Wenn es Vater nun wirklich nicht geschafft hatte? Dann war mein Ritt wahrhaft sinnlos, dann war alles vorbei, eine blo�e Frage der Zeit, bis sich das Chaos ringsum manifestierte. Ich verzichtete darauf, mich umzusehen, f�r den Fall, da� sich mir etwas n�herte. Ich begann einen nicht allzu schnellen H�llenritt. Ich wollte die anderen erreichen, ehe die Wogen des Chaos bis zu ihnen vordrangen, nur um sie wissen zu lassen, da� ich mir meinen Glauben bewahrt hatte, um ihnen zu zeigen, da� ich bis zuletzt mein Bestes gegeben hatte. Ich fragte mich, wie die gro�e Schlacht wohl stand. Oder hatte sie wom�glich noch gar nicht begonnen?</p><p>Ich trabte �ber die Br�cke, die sich unter dem heller werdenden Himmel zu verbreitern begann. Als sie sich wie eine goldene Ebene ringsum ausbreitete, begann ich mich mit Brands Drohung zu besch�ftigen. Wollte er mit seinen Worten lediglich Zweifel wecken, mein Unbehagen steigern und meine Entschlossenheit lahmen? M�glich war es. Doch wenn er das Juwel brauchte, mu�te er mir irgendwo einen Hinterhalt legen. Ich hatte Respekt vor der seltsamen Macht, die er sich �ber die Schatten erwerben konnte. Es erschien geradezu unm�glich, sich auf einen Angriff durch einen Mann vorzubereiten, der jeden meiner Schritte beobachten und sich ohne Verzug an die g�nstigste Stelle versetzen konnte. Wann w�rde er zuschlagen? Nicht sofort, nahm ich an. Zuerst wollte er mich bestimmt nerv�s machen � dabei war ich bereits ersch�pft und schon ziemlich gereizt. Fr�her oder sp�ter brauchte ich Ruhe und Schlaf. Unm�glich, da� ich die weite Strecke in einem Gewaltritt schaffte, sosehr ich mein Tempo auch beschleunigte.</p><p>Orangerote und gr�ne Nebelschwaden huschten vorbei, umwirbelten mich, begannen die Welt zu f�llen. Der Boden unter uns hallte wie Metall. Von Zeit zu Zeit war ein melodisches Klingeln zu h�ren wie von aneinanderschlagenden Kristallen. Meine Gedanken wirbelten durcheinander. Erinnerungen an zahlreiche Welten kamen und gingen, wie es ihnen beliebte. Ganelon, mein Freund-Feind, und mein Vater, Feind-Freund, verschmolzen und trennten sich wieder, trennten sich und verschmolzen miteinander. Irgendwo fragte mich einer der beiden, wer das Recht auf den Thron habe. Ich hatte angenommen, die Frage k�me von Ganelon, der unsere Motive wissen wollte. Jetzt war mir klar, da� Vater meine Gef�hle hatte ausloten wollen. Er hatte sich ein Urteil gebildet, seine Entscheidung getroffen. Und ich kniff nun den Schwanz ein. Ich wei� nicht, ob hier eine Entwicklungsst�rung vorlag, der Wunsch, einen solchen M�hlstein loszuwerden, oder eine pl�tzliche Erkenntnis auf der Grundlage meiner Erfahrungen der letzten Jahre � langsam in mir wachsend, mir eine reifere Einstellung zur beschwerlichen Rolle des Monarchen verschaffend, abseits der wenigen Augenblicke der Pracht und des Ruhms. Ich erinnerte mich an mein Leben auf der Schatten-Erde, Befehle ausf�hrend, Befehle gebend. Gesichter schwammen vor meinem inneren Auge vorbei, Menschen, die ich im Laufe der Jahrhunderte kennengelernt hatte � Freunde, Feinde, Ehefrauen, Geliebte, Verwandte. Lorraine schien mich weiterzulocken � Moire lachte, Deirdre weinte. Wieder k�mpfte ich gegen Eric. Ich dachte an das erste Durchschreiten des Musters, als ich noch ein Junge war, und die sp�tere Wiederholung, da ich Schritt um Schritt das Ged�chtnis zur�ckerhalten hatte. Morde, Diebereien, Schurkereien, Verf�hrungen � sie alle kehrten zur�ck, weil sie � wie Mallory sagt � vorhanden waren. Es gelang mir nicht einmal, sie alle in zeitlicher Reihenfolge richtig zu plazieren. Da es keine Schuldgef�hle gab, bereiteten sie mir auch kein gro�es Unbehagen. Zeit, Zeit und noch mehr Zeit hatte die Kanten der unangenehmeren Dinge abgeschliffen, hatte ver�ndernd auf mich gewirkt. Ich sah meine fr�heren Ichs als andere Menschen, Bekannte, denen ich entwachsen war. Ich fragte mich, wie ich je mit ihnen hatte identisch sein k�nnen. Im Voranst�rmen schienen sich Szenen aus meiner Vergangenheit im Nebel ringsum zu verfestigen. Dichterische Umschreibungen waren nicht mehr m�glich. K�mpfe, an denen ich teilgenommen hatte, nahmen greifbare Formen an, bis auf das v�llige Fehlen von Ger�uschen � das Aufzucken von Waffen, die Farben der Uniformen, der Banner und des Blutes. Und die Menschen � die meisten l�ngst tot. Sie traten aus meiner Erinnerung und gerieten auf allen Seiten in stumme Bewegung. Keine dieser Gestalten geh�rte der Familie an, doch hatten sie mir ausnahmslos etwas bedeutet. Dennoch erschienen sie nicht nach bestimmten Regeln. Es spielten sich edle Taten ab, wie auch unr�hmliche Ereignisse, es traten Feinde auf und Freunde � und keine dieser Personen beachtete mich in irgendeiner Weise. Sie alle waren in einer l�ngst vergangenen Abfolge von Ereignissen gefangen. Daraufhin begann ich mir Gedanken zu machen �ber die Beschaffenheit der Welt, durch die ich ritt. Handelte es sich um eine irgendwie verw�sserte Version von Tir-na Nog�th, belebt durch eine f�r den Geist empf�ngliche Substanz, die mir jenes �Dies-ist-Ihr-Leben�-Panorama entlockte und ringsum projizierte? Oder begann ich nur Halluzinationen zu erleben? Ich war m�de, beunruhigt, ver�ngstigt und bewegte mich auf einem Weg, der auf eine monotone, sanfte Weise die Sinne anregte, auf eine Weise, die zur Vertr�umtheit f�hrte . . . Ich erkannte nun sogar, da� ich schon vor l�ngerer Zeit die Kontrolle �ber die Schatten verloren hatte und mich inzwischen lediglich linear durch diese Landschaft bewegte, gefangen in einer Art ver�u�erlichtem Narzismus . . . Mir ging dabei auf, da� ich anhalten und ausruhen und vielleicht sogar ein wenig schlafen mu�te, obwohl so etwas an diesem Ort gef�hrlich werden konnte. Ich mu�te mich losrei�en und zu einem ruhigeren, verlasseneren Ort vorzudringen versuchen . . .</p><p>Ich zerrte an meiner Umgebung. Ich verdrehte die Dinge. Ich brach durch.</p><p>Wenig sp�ter ritt ich durch ein rauhes Berggebiet und erreichte nach kurzer Zeit die H�hle, die ich brauchte.</p><p>Wir ritten hinein, und ich versorgte Star. Ich a� und trank eben genug, um meinem Hunger die Sch�rfe zu nehmen. Ich verzichtete darauf, ein Feuer anzuz�nden. Ich wickelte mich in meinen Umhang und eine Decke. Grayswandir hielt ich in der Rechten. Ich legte mich mit dem Gesicht zur Dunkelheit vor dem H�hleneingang.</p><p>Mir war ein wenig �bel. Brand war ein L�gner, das wu�te ich; trotzdem machten mir seine Worte zu schaffen.</p><p>Aber ich hatte noch nie M�he gehabt, Schlaf zu finden. So schlo� ich die Augen und war schnell versunken.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Mich weckte das Gef�hl, nicht mehr allein zu sein. Vielleicht war es auch ein Ger�usch. Was auch immer, ich war pl�tzlich hellwach und wu�te, es befand sich jemand in der N�he. Ich verkrampfte die Finger um Grayswandirs Griff und �ffnete die Augen. Ansonsten bewegte ich mich nicht.</p><p>Ein weicher Schein wie von einem Mond drang durch den H�hleneingang. Einen Schritt innerhalb der H�hle stand eine Gestalt, m�glicherweise ein Mensch. Die Beleuchtung verriet mir nicht, ob er mir das Gesicht zugewandt hatte oder etwa nach drau�en blickte. Im n�chsten Augenblick machte die Erscheinung einen Schritt in meine Richtung.</p><p>Ich sprang auf und richtete dem Eindringling die Schwertspitze auf die Brust. Der Unbekannte blieb stehen.</p><p>�Frieden�, sagte eine M�nnerstimme auf Than. �Ich suche nur Schutz vor dem Unwetter. Darf ich diese H�hle mit dir teilen?�</p><p>�Was f�r ein Unwetter?� fragte ich.</p><p>Wie zur Antwort dr�hnte Donner, gefolgt von einer Windb�e, die den Regengeruch in die H�hle trug.</p><p>�Sch�n, soweit sprichst du die Wahrheit�, sagte ich. �Mach es dir bequem.�</p><p>Ein gutes St�ck vom H�hleneingang entfernt setzte er sich, den R�cken der rechten Felswand zugewandt. Ich faltete meine Decke zu einem Kissen zusammen und lie� mich ihm gegen�ber nieder. Etwa vier Meter lagen zwischen uns. Ich nahm meine Pfeife zur Hand, f�llte sie und probierte ein Streichholz aus, das ich von der Schatten-Erde mitgebracht hatte. Es brannte sofort und ersparte mir damit gro�e M�hen. Der Tabak roch angenehm in der feuchten Brise. Ich lauschte auf das Prasseln des Regens und betrachtete den dunklen Umri� meines namenlosen Gef�hrten. Ich versuchte, mir Gefahren vorzustellen, die aus der Situation erwachsen konnten, doch nicht Brands Stimme hatte zu mir gesprochen.</p><p>�Dies ist kein nat�rliches Unwetter�, sagte der andere.</p><p>�Ach? Wie denn das?�</p><p>�Zum einen kommt es aus dem Norden. Regen und Sturm kommen hier niemals aus dem Norden, jedenfalls nicht um diese Jahreszeit.�</p><p>�F�r alles gibt es ein erstes Mal.�</p><p>�Zweitens habe ich noch nie ein solches Unwetter erlebt. Den ganzen Tag habe ich es n�herkommen sehen � eine glatte Linie, langsam vorr�ckend, die Front wie eine Glasscheibe. Dabei ist das Blitzen so heftig, da� das Ganze wie ein ungeheures Insektenheer mit Hunderten von schimmernden Beinen aussieht. Absolut unnat�rlich. Und dahinter wirkt alles sehr verzerrt.�</p><p>�So ist das nun mal im Regen.�</p><p>�Aber nicht so. Alles scheint die Form zu ver�ndern. Scheint zu flie�en. Als w�rde die Welt eingeschmolzen oder v�llig neu gepr�gt.�</p><p>Ich erschauderte. Ich hatte angenommen, den dunklen Wogen so weit voraus zu sein, da� ich mir eine kurze Rast g�nnen konnte. Nat�rlich konnte er sich irren, vielleicht war es wirklich nur ein ungew�hnliches Tief. Aber das Risiko durfte ich nicht eingehen. Ich stand auf, wandte mich dem hinteren Teil der H�hle zu und pfiff durch die Z�hne.</p><p>Keine Antwort. Ich ging nach hinten und tastete herum.</p><p>�Ist etwas?�</p><p>�Mein Pferd ist fort.�</p><p>�Ist es vielleicht abgehauen?�</p><p>�Mu� wohl. Ich h�tte allerdings geglaubt, da� Star mehr Verstand besitzt, als sich in solches Wetter hinauszuwagen.�</p><p>Ich ging zum H�hleneingang, vermochte aber nichts zu erkennen. Sofort war ich durchn��t. Ich kehrte an mein Lager vor der linken Felswand zur�ck.</p><p>�Scheint mir ein ganz normales Unwetter zu sein�, bemerkte ich. �Die fallen in den Bergen doch manchmal sehr heftig aus.�</p><p>�Vielleicht kennst du dieses Land besser als ich?�</p><p>�Nein. Ich bin nur ein Durchreisender und m�chte meinen Ritt bald fortsetzen.�</p><p>Ich ber�hrte das Juwel. Ich versetzte mich hinein, stieg hindurch, hinaus und hinauf. Ich sp�rte das Unwetter ringsum und schickte es fort, mit roten Pulsschl�gen der Energie, die meinen Herzschl�gen entsprachen. Dann lehnte ich mich zur�ck, holte ein neues Streichholz heraus und z�ndete meine Pfeife an. Die Kr�fte, die ich in Gang gebracht hatte, w�rden eine Weile brauchen, um sich gegen eine Sturmfront dieser Gr��e durchzusetzen.</p><p>�Dauert nicht mehr lange�, stellte ich fest.</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Geheime Informationen.�</p><p>Er lachte leise.</p><p>�Manche behaupten, so w�rde es mit der Welt zu Ende gehen � beginnend mit einem seltsamen Unwetter aus dem Norden.�</p><p>�Stimmt genau�, sagte ich. �Es ist soweit. Allerdings brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Auf die eine oder andere Weise wird alles vor�ber sein.�</p><p>�Der Stein, den du tr�gst . . . Er leuchtet.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Was du da eben �ber das Ende der Welt gesagt hast, war doch nur ein Scherz, oder?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Du erinnerst mich an den Spruch aus dem Heiligen Buch � <emphasis>Der Erzengel Corwin wird vor dem Sturm einherschreiten, einen Blitzstrahl auf der Brust . . .</emphasis> Du hei�t nicht zuf�llig Corwin, wie?�</p><p>�Wie geht der Text weiter?�</p><p><emphasis>�. . . Auf die Frage hin, wohin er reise, wird er sagen: �</emphasis><emphasis>Ans Ende der Erde�, und er begibt sich dorthin, ohne zu wissen, welcher Feind ihm gegen einen anderen Feind beistehen wird, oder wen das Horn ber�hrt.�</emphasis></p><p>�Das ist alles?�</p><p>�Jedenfalls �ber den Erzengel Corwin.�</p><p>�Mit den alten Schriften habe ich schon fr�her meine Probleme gehabt. Man erf�hrt darin so allerlei, das sich ganz interessant anh�rt, doch nie genug, um die Information wirklich sofort nutzen zu k�nnen. Es ist beinahe, als h�tte der Autor Spa� daran, seine Leser zu qu�len. Ein Feind gegen einen anderen? Das Horn? Verstehe ich nicht.�</p><p>�Wohin ziehst du denn?�</p><p>�Nicht mehr sehr weit, wenn ich mein Pferd nicht wiederfinde.�</p><p>Ich kehrte an den H�hleneingang zur�ck. Der Regen begann nachzulassen; hinter einigen Wolken hing ein Schimmer wie von einem Mond, und ein zweiter im Osten. Ich blickte den Pfad hinauf und hinab ins Tal. Nirgendwo waren Pferde zu sehen. Ich wandte mich wieder zur H�hle um. Im gleichen Augenblick jedoch h�rte ich Stars Wiehern tief unter mir.</p><p>Ich rief dem Fremden in der H�hle zu: �Ich mu� fort. Du kannst die Decke behalten.�</p><p>Ich wei� nicht, ob er mir antwortete, denn ich lief sofort in den Nieselregen hinein und tastete mich den Hang hinab. Von neuem machte ich einen Vorsto� durch das Juwel, und der Regen h�rte ganz auf und wurde von Nebel abgel�st.</p><p>Die Felsen waren glatt, doch ich legte die H�lfte der Strecke zur�ck, ohne ins Stolpern zu kommen. Dann hielt ich inne, um wieder zu Atem zu kommen und mich zu orientieren. Von dieser Stelle vermochte ich nicht genau zu sagen, aus welcher Richtung Stars Wiehern gekommen war. Das Mondlicht war allerdings ein wenig kr�ftiger, man konnte weiter schauen, doch im Panorama vor mir tat sich nichts. Mehrere Minuten lang lauschte ich in die Nacht.</p><p>Dann h�rte ich das Wiehern erneut � von links unten, nahe einem dunklen Felsen � H�gelgrab oder aufragende Klippe. In den Schatten an seinem Fu� schien sich etwas zu bewegen. So schnell ich es wagte, begab ich mich in diese Richtung.</p><p>Ich erreichte ebenen Grund und eilte auf den Schauplatz der Ereignisse zu; dabei durchquerte ich Formationen von Bodennebel, die von einer Brise aus dem Westen bewegt wurden und silbrig meine Kn�chel umspielten. Ich h�rte ein Knirschen und Quietschen, als w�rde etwas Schweres �ber eine Steinfl�che geschoben oder gerollt. Dann bemerkte ich einen Lichtstrahl unten an der dunklen Masse, der ich mich n�herte.</p><p>Im N�herkommen erblickte ich kleine menschen�hnliche Gestalten als Umrisse in einem Lichtrechteck, damit besch�ftigt, eine gro�e Felsplatte zu bewegen. Aus ihrer Richtung t�nten die schwachen Echos von Hufschl�gen und neuerlichem Wiehern her�ber. Dann begann sich der Stein zu bewegen, begann zuzuschwingen wie eine T�r, die er vermutlich darstellte. Das beleuchtete Feld wurde kleiner, verengte sich zu einem Spalt und verschwand mit einem Dr�hnen. Die sich abm�henden Gestalten waren zuvor im Innern verschwunden.</p><p>Als ich die Felsmasse endlich erreichte, war alles wieder friedlich und still. Ich legte das Ohr an das Gestein, h�rte aber nichts. Wer immer diese Wesen waren � sie hatten mir mein Pferd weggenommen! F�r Pferdediebe hatte ich noch nie etwas �briggehabt und hatte in der Vergangenheit so manchen aus dem Leben bef�rdert. Au�erdem brauchte ich Star in diesem Augenblick wie selten zuvor ein Pferd. Ich begann also auf der Suche nach den Spalten des Felsentors herumzutasten.</p><p>Es war nicht sonderlich schwer, den Umri� mit den Fingerspitzen zu ertasten. Vermutlich fand ich es schneller als bei Tageslicht, wenn alles optisch verschmolzen w�re und sich das Auge eher get�uscht h�tte. Nachdem ich die Lage des Durchgangs erkundet hatte, suchte ich nach einer Art Griff, mit dem er ge�ffnet werden konnte. Da mir die Kerle ziemlich klein vorgekommen waren, suchte ich tief unten.</p><p>Schlie�lich machte ich etwas ausfindig, das der �ffnungsmechanismus sein mochte, und umfa�te ihn. Ich zerrte daran, aber das Ding setzte mir Widerstand entgegen. Entweder waren diese Leute ungew�hnlich kr�ftig, oder die Bedienung setzte einen Trick voraus, den ich noch nicht kannte.</p><p>Egal. Es gibt eine Zeit f�r Vorsicht und Zur�ckhaltung und eine Zeit f�r brutale Gewalt. Ich war zornig und hatte es eilig, und das erleichterte mir die Entscheidung.</p><p>Wieder zerrte ich an der Felsplatte, die Muskeln meiner Arme, meiner Schultern und meines R�ckens anspannend, und w�nschte mir, ich h�tte G�rard zu Hilfe rufen k�nnen. Die T�r �chzte. Ich zog weiter. Sie bewegte sich ein wenig � etwa einen Zoll breit � und sa� dann fest. Ich lie� in meiner Anstrengung nicht nach, sondern verst�rkte den Zug noch mehr. Wieder knirschte die T�r.</p><p>Ich lehnte mich zur�ck, verlagerte mein Gewicht und stemmte den linken Fu� neben dem Portal gegen die Felswand. Im Ziehen versuchte ich zugleich das Bein durchzudr�cken. Und wieder knirschte und mahlte es, und die T�r bewegte sich wieder einen Zoll heraus. Aber dann war es mit der Bewegung vorbei, und ich bekam sie nicht mehr von der Stelle. Ich lie� los und betrachtete den Durchgang, w�hrend ich zur Entspannung die Arme bewegte. Als n�chstes stemmte ich die Schulter dagegen und dr�ckte die T�r wieder ganz zu. Tief atmete ich ein und griff erneut danach.</p><p>Den linken Fu� stellte ich wieder an die alte Stelle. Diesmal kein allm�hliches Anziehen. Ich zerrte und stemmte gleichzeitig.</p><p>Ein Knacken und Klappern ert�nte aus dem Inneren, die T�r ruckte knirschend etwa f�nfzehn Zentimeter. Sie kam mir schon etwas gelockert vor. Ich stellte mich hin, drehte mich mit dem R�cken zur Wand und fand ausreichend Halt, um die Felsplatte ausw�rts zu stemmen.</p><p>Sie bewegte sich schon leichter, doch ich konnte nicht widerstehen, meinen Fu� dagegenzustemmen, als sie bereits aufschwang, und so kr�ftig wie m�glich dagegenzutreten. Sie klappte um hundertachtzig Grad, knallte mit gewaltigem Dr�hnen gegen das Gestein auf der anderen Seite und zersplitterte an mehreren Stellen. Sie schwang zur�ck, fiel nach vorn und prallte mit ohrenbet�ubendem Krachen zu Boden, der zu erbeben schien. Weitere St�cke platzten von der T�r ab.</p><p>Noch ehe die Platte zur Ruhe gekommen war, hatte ich Grayswandir gezogen und in Kampfstellung einen vorsichtigen Blick um die Ecke geworfen.</p><p>Lichter . . . Das Innere war beleuchtet . . . von kleinen Lampen, die an Wandhaken hingen . . . Neben der Treppe . . . Hinab . . . An einen Ort, der noch heller war und von dem Ger�usche herauft�nten . . . Und Musik.</p><p>Niemand war zu sehen. Ich hatte mir eigentlich vorgestellt, da� der ungeheure L�rm, den ich gemacht hatte, jemanden an den Schauplatz des Geschehens rufen w�rde, aber die Musik ging weiter. Entweder hatten sich die Ger�usche � aus irgendeinem Grund � nicht fortgepflanzt, oder es war den Leuten egal. Wie dem auch sein mochte . . .</p><p>Ich richtete mich auf und schritt �ber die Schwelle. Mein Fu� ber�hrte einen metallischen Gegenstand. Ich hob ihn auf und untersuchte ihn. Ein verdrehter Riegel. Sie hatten die T�r hinter sich verriegelt. Ich warf das Ding �ber die Schulter und ging die Treppe hinab.</p><p>Die Musik � Geigen und Fl�ten � wurde lauter. Der Einfall des Lichts verriet mir, da� rechts vom Fu� der Treppe ein Saal liegen mu�te. Es waren kleine Stufen, aber sehr zahlreich. Ich gab mir keine M�he, leise aufzutreten, sondern eilte zum Treppenabsatz hinab.</p><p>Als ich kehrtmachte und in den Saal blickte, sah ich mich einer Szene gegen�ber, wie sie ein betrunkener Ire nicht verr�ckter h�tte tr�umen k�nnen. In einem von Fackeln erleuchteten, verqualmten Saal hielt sich eine ganze Horde von Wesen auf, die nur etwa einen Meter gro� waren, rotgesichtig und gr�ngekleidet: sie tanzten zur Musik oder hoben gro�e Kr�ge � war Bier darin? � an die Lippen, w�hrend sie mit den F��en aufstampften, auf die Tische h�mmerten oder einander auf die Schultern klopften, w�hrend sie grinsten, lachten und br�llten. Riesige F�sser waren an einer Wand aufgereiht, und etliche Festteilnehmer standen Schlange vor dem gerade angezapften Panzen. Ein riesiges Feuer flackerte in einer Feuerstelle am anderen Ende des Raums; sein Rauch wurde durch einen Spalt im Gestein �ber zwei H�hlenm�ndungen abgezogen. Neben der Feuerstelle war Star an einem Ring im Fels festgemacht, und ein st�mmiger kleiner Mann mit Ledersch�rze sch�rfte einige verd�chtig aussehende Instrumente.</p><p>Mehrere Gesichter wandten sich in meine Richtung, es gab Geschrei, und pl�tzlich h�rte die Musik auf. Das Schweigen war absolut.</p><p>Ich hob die Klinge in eine Habacht-Stellung und deutete quer durch den Saal auf Star. Inzwischen starrten mich alle Anwesenden an.</p><p>�Ich bin gekommen, um mein Pferd zu holen!� rief ich. �Entweder bringt ihr es mir, oder ich hole es. Wenn ich es holen mu�, wird mehr Blut flie�en!�</p><p>Rechts von mir r�usperte sich einer der M�nner, der gr��er und grauhaariger war als die meisten anderen.</p><p>�Verzeih�, sagte er. �Aber wie bist du hier hereingekommen?�</p><p>�Ihr werdet euch eine neue T�r machen m�ssen�, sagte ich. �Geht hinauf und schaut es euch an, wenn es einen Unterschied macht � und das mag durchaus sein. Ich warte.�</p><p>Ich trat zur Seite, die Felswand im R�cken.</p><p>Er nickte.</p><p>�Das werde ich tun.�</p><p>Er dr�ckte sich an mir vorbei.</p><p>Ich sp�rte, wie meine aus dem Zorn geborene Kraft in das Juwel flutete und wieder zur�ck. Ein Teil von mir wollte sich quer durch den Saal hauen und stechen, ein anderer w�nschte sich eine humanere Regelung mit Leuten, die soviel kleiner waren als ich; und eine dritte und vielleicht kl�gere Stimme unterstellte, da� die kleinen Burschen vielleicht nicht ganz so leicht zu handhaben sein w�rden. Ich wartete also ab, um zu sehen, wie sehr sich ihr Sprecher von meiner �ffnung der T�r beeindrucken lie�.</p><p>Sekunden sp�ter kehrte er zur�ck, wobei er einen gro�en Bogen um mich machte.</p><p>�Gebt dem Mann sein Pferd!� sagte er.</p><p>Stimmengemurmel lief durch den Saal. Ich senkte die Klinge.</p><p>�Ich entschuldige mich�, sagte der Mann, der den Befehl gegeben hatte. �Wir m�chten mit deinesgleichen keinen �rger haben. Wir sehen uns anderweitig nach Fleisch um. Du bist uns hoffentlich nicht gram.�</p><p>Der Mann mit der Ledersch�rze hatte Star losgebunden und setzte sich in meine Richtung in Bewegung. Die Festteilnehmer machten ihm Platz.</p><p>Ich seufzte.</p><p>�Die Sache soll erledigt und vergessen sein�, sagte ich.</p><p>Der kleine Mann nahm von einem benachbarten Tisch einen Humpen und reichte ihn mir. Als er meinen Gesichtsausdruck bemerkte, trank er zun�chst selbst daraus.</p><p>�Trink noch einen mit uns.�</p><p>�Warum nicht?� fragte ich, ergriff den Humpen und setzte ihn an die Lippen, w�hrend er einen anderen leerte.</p><p>Er r�lpste leise und grinste mich an.</p><p>�Ein verflixt kleiner Schluck f�r einen Mann deiner Gr��e�, sagte er dann. �Ich hol dir noch einen Krug � f�r den Weg.�</p><p>Das Bier schmeckte recht gut, und meine Anstrengungen hatten mir Durst gemacht.</p><p>�Also gut�, sagte ich.</p><p>Er bestellte Nachschub; im gleichen Augenblick wurde Star mir �bergeben.</p><p>�Du kannst die Z�gel dort um den Haken winden�, sagte er und deutete auf einen niederen Vorsprung nahe der T�r. �Dann ist das Tier aus dem Weg.�</p><p>Ich nickte und kam seiner Aufforderung nach. Der Schlachter zog sich wieder zur�ck. Niemand zeigte noch gro�es Interesse an mir. Frisch gef�llte Humpen wurden gebracht. Einer der Geiger stimmte in ein neues Lied ein. Sekunden sp�ter fiel ein zweiter ein.</p><p>�Setz dich ein Weilchen her�, sagte mein Gastgeber und schob mir mit dem Fu� eine Bank zu. �Du kannst die Felswand weiter als Deckung benutzen. Es wird dir nichts geschehen.�</p><p>Ich tat, was er mir vorschlug, und er kam um den Tisch herum und setzte sich mir gegen�ber, und die Bierkr�ge standen zwischen uns. Es tat gut, ein paar Minuten zu sitzen, die Gedanken eine Weile von der vor mir liegenden Reise zu l�sen, das dunkle Bier zu trinken und der lebhaften Musik zuzuh�ren.</p><p>�Ich will mich nicht noch einmal entschuldigen�, sagte mein Gegen�ber, �und auch keine Erkl�rungen anbieten. Wir beide wissen, da� hier kein Mi�verst�ndnis vorliegt. Aber du hast das Recht auf deiner Seite, das liegt auf der Hand.� Er grinste und blinzelte mir zu. �Ich bin also auch daf�r, die Sache zu begraben. Wir werden nicht hungern. Es gibt eben heute abend keine Mahlzeit. Du tr�gst da einen h�bschen Edelstein. Erz�hlst du mir davon?�</p><p>�Ein Stein, weiter nichts�, sagte ich.</p><p>Das Tanzen ging weiter. Die Stimmen wurden lauter. Ich leerte meinen Krug, und er schenkte nach. Das Feuer zuckte. Die n�chtliche K�lte wich aus meinen Knochen.</p><p>�Gem�tliches Pl�tzchen habt ihr hier�, bemerkte ich.</p><p>�Das kann man wohl sagen. Dient uns seit undenklichen Zeiten. Sollen wir dich mal herumf�hren?�</p><p>�Vielen Dank, nein.�</p><p>�Das dachte ich mir, doch es war meine Pflicht als Gastgeber, dir das Angebot zu machen. Wenn du willst, kannst du auch gern mittanzen.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf und lachte. Der Gedanke, mich an diesem Ort zu vergn�gen, brachte mir Szenen aus Swift�schen Erz�hlungen in Erinnerung.</p><p>�Trotzdem vielen Dank.�</p><p>Er zog eine Tonpfeife aus der Tasche und begann sie zu stopfen. Ich s�uberte mein Rauchutensil und tat es ihm nach. Ich hatte das Gef�hl, da� die Gefahr vor�ber war. Er war ein freundlicher kleiner Bursche, und die anderen kamen mir mit ihrer Musik und ihrem Gehopse recht harmlos vor.</p><p>Und dort . . . ich kannte die Geschichten von einem anderen Ort, weit, weit von hier . . . das Erwachen am Morgen, nackt auf einem Feld, dieser Saal spurlos verschwunden . . . ich wu�te davon . . . Trotzdem . . .</p><p>Ein paar Schlucke Bier kamen mir ungef�hrlich vor. Der Alkohol begann mich zu w�rmen, und nach den l�hmenden Strapazen des H�llenritts klang das Fiepen der Fl�ten und das Klagen der Geigen sehr angenehm. Ich lehnte mich zur�ck und blies Rauch in die H�he. Ich beobachtete die Tanzenden.</p><p>Der kleine Mann redete unentwegt. Alle �brigen beachteten mich nicht. Gut. Ich h�rte phantastische Geschichten �ber Ritter und Kriege und Sch�tze. Obwohl ich nur mit halbem Ohr hinh�rte, zog mich die Geschichte in ihren Bann, entlockte mir sogar einige Lacher. In mir aber warnte mich mein kl�geres, unangenehmeres zweites Ich: Los, Corwin, du hast genug gehabt. Es wird Zeit, da� du verschwindest . . .</p><p>Doch auf wundersame Weise schien sich mein Krug wieder gef�llt zu haben, und ich ergriff ihn und trank daraus. Noch ein Krug � ein letzter � kann nicht schaden.</p><p>Nein, sagte mein anderes Ich, er �berzieht dich mit einem Zauber. Sp�rst du das nicht?</p><p>Ich nahm nicht an, da� irgendein hergelaufener Zwerg mich unter den Tisch trinken konnte, aber ich war m�de und hatte nicht viel gegessen. Vielleicht w�re es ratsam . . .</p><p>Ich sp�rte, wie mir der Kopf auf die Brust sank. Ich legte meine Pfeife auf den Tisch. Mit jedem Lidschlag schien es l�nger zu dauern, bis ich die Augen wieder �ffnen konnte. Es war mir angenehm warm, und in meinen ersch�pften Muskeln machte sich ein Hauch k�stlicher Bet�ubung breit.</p><p>Zweimal erwischte ich mich dabei, wie mir der Kopf herabsank. Ich versuchte, an meine Mission zu denken, an meine pers�nliche Sicherheit, an Star . . . Ich murmelte etwas, hinter geschlossenen Lidern noch vage bei Bewu�tsein. Es w�re so angenehm, noch eine halbe Minute l�nger in diesem Zustand zu verweilen . . .</p><p>Die melodische Stimme des kleinen Mannes bekam etwas Monotones, sank zu einem S�useln herab. Es kam gar nicht mehr darauf an, was er eigentlich sag. . . </p><p>Star wieherte.</p><p>Ich fuhr kerzengerade hoch und ri� die Augen auf: die Szene vor mir vertrieb meine M�digkeit sofort.</p><p>Die Musiker spielten weiter, doch inzwischen tanzte niemand mehr. Alle Festteilnehmer n�herten sich lautlos. Jeder hielt etwas in der Hand � Flasche, Kn�ppel oder Klinge. Der Mann mit der Ledersch�rze schwenkte seine Schl�chteraxt. Mein Gastgeber hatte soeben einen kr�ftigen Stab ergriffen, der unweit an der Wand gelehnt hatte. Mehrere der Burschen hielten kleine M�belst�cke in den H�nden. Aus den H�hlen nahe der Feuerstelle waren weitere Gestalten aufgetaucht, mit Steinen und Kn�ppeln bewaffnet. Die Atmosph�re der Fr�hlichkeit war verflogen, die Gesichter waren entweder ausdruckslos, voller Ha� oder zu einem unangenehmen L�cheln verzerrt.</p><p>Mein Zorn kehrte zur�ck, doch es war nicht das rotgl�hende Aufbrausen, das mich vorhin durchfahren hatte. Ein Blick auf die Horde gen�gte: mit den Burschen wollte ich mich nicht einlassen. Vorsicht d�mpfte meine Reaktion. Ich hatte eine Mission. Ich durfte mich hier nicht in Gefahr bringen, wenn mir ein anderer Ausweg einfiel. Auf keinen Fall kam ich hier aber nur mit Worten heraus.</p><p>Ich atmete tief ein. Offenbar machte man Anstalten, auf mich loszust�rmen, und ich dachte pl�tzlich an Brand und Benedict in Tir-ne Nog�th, und Brand war nicht einmal voll auf das Juwel eingestimmt. Wieder schenkte mir der feurige Stein neue Kr�fte, ich hielt mich bereit, um mich zu schlagen, sollte es dazu kommen. Doch zuerst wollte ich sehen, wie es um die Nerven dieser t�ckischen Burschen bestellt war.</p><p>Da ich nicht genau wu�te, wie Brand es gemacht hatte, griff ich lediglich durch das Juwel hindurch, wie ich es tat, wenn ich das Wetter manipulierte. Seltsamerweise spielte die Musik noch, als sei das Vorhaben der kleinen Leute lediglich eine grausige Fortsetzung ihres Tanzes.</p><p>�Steht still!� sagte ich laut und lie� diesem Befehl meinen Willen folgen. Gleichzeitig richtete ich mich auf. �Erstarrt! Werdet zu Statuen. Ihr alle!�</p><p>In und auf meiner Brust sp�rte ich ein heftiges Pulsieren. Ich f�hlte, wie die roten Kr�fte ausw�rts wogten, genau wie bei den fr�heren Gelegenheiten, da ich das Juwel einsetzte.</p><p>Meine kleinw�chsigen Angreifer verharrten. Die vordersten standen stocksteif, w�hrend es bei den Leuten weiter hinten noch geringf�gige Bewegungen gab. Dann stie�en die Fl�ten einen schrillen Mi�ton aus, und die Geigen schwiegen. Noch immer wu�te ich nicht, ob ich durchgekommen war oder ob sie aus eigener Entscheidung innehielten, weil ich aufgestanden war.</p><p>Dann sp�rte ich die m�chtigen Wogen der Kraft, die mir entstr�mten und die die gesamte Versammlung in eine enger werdende Matrix h�llten. Ich sp�rte, da� sie alle in diesem Ausdruck meines Willens gefangen waren, und hob die Hand und l�ste Stars Z�gel.</p><p>Ich hielt die M�nner mit einer Konzentration von einer Reinheit, wie ich sie auch bei meinen Reisen durch die Schatten anwandte, und f�hrte Star zur T�r. Einen letzten Blick warf ich auf die erstarrte Gruppe und stemmte dann Star vor mir her die Treppe hoch. Ihm folgend, lauschte ich, doch von unten war von aufflackernder Aktivit�t nichts zu h�ren.</p><p>Als wir ins Freie kamen, malte sich im Osten bereits die bleiche D�mmerung. In den Sattel steigend, h�rte ich zu meiner Verbl�ffung das ferne Fiedeln von Geigen. Sekunden sp�ter fielen die Fl�ten in das Lied ein. Anscheinend war es f�r diese Leute ohne Belang, ob sie ihren Plan gegen mich ausf�hren konnten oder nicht; auf jeden Fall ging das Fest weiter.</p><p>Ich zog Star nach S�den herum. In diesem Augenblick rief mich eine Gestalt aus dem Eingang an, den ich eben verlassen hatte. Es war der Anf�hrer, mit dem ich getrunken hatte. Ich zog die Z�gel an, um ihn besser zu verstehen.</p><p>�Und wohin reitest du?� rief er mir nach.</p><p>Warum nicht?</p><p>�Ans Ende der Erde!� rief ich zur�ck.</p><p>Er begann auf der zerschmetterten T�r zu tanzen.</p><p>�Leb wohl, Corwin!� rief er.</p><p>Ich winkte ihm zu. Warum auch nicht? Manchmal f�llt es verdammt schwer, den T�nzer vom Tanz zu unterscheiden.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Ich war noch keine tausend Meter in die Richtung geritten, die einmal S�den gewesen war, als pl�tzlich alles aufh�rte � Boden, Himmel, Berge. Ich sah mich einer Fl�che wei�en Lichts gegen�ber. Bei diesem Anblick fielen mir der Fremde in der H�hle und seine Worte wieder ein. Er war der Meinung gewesen, da� das seltsame Unwetter die Welt ausl�sche, da� die Erscheinung der Prophezeiung einer lokalen apokalyptischen Legende entspr�che. Vielleicht hatte er recht. Vielleicht hatte es sich um die Woge des Chaos gehandelt, von der Brand gesprochen hatte, in diese Richtung schwenkend, vorbeischwemmend, vernichtend, alles aufl�send. Dieses Ende des Tals war allerdings unber�hrt geblieben. Warum?</p><p>Dann erinnerte ich mich an mein Vorgehen beim Verlassen der H�hle. Ich hatte die Macht des Juwels eingesetzt, um das Unwetter aus diesem Gebiet fernzuhalten. Was war, wenn es sich tats�chlich um mehr als ein normales Unwetter gehandelt hatte? Nicht zum erstenmal h�tte sich das Muster gegen das Chaos durchgesetzt. War dieses Tal, in dem ich den Regen gestoppt hatte, inzwischen nur noch eine kleine Insel in einem ganzen Ozean des Chaos? Und wenn dem so war, wie sollte ich weiterkommen?</p><p>Ich blickte nach Osten, von wo sich der Tag aufhellte. Keine eben aufgegangene Sonne stand am Himmel, daf�r eine ziemlich gro�e, grellblanke Krone, ein schimmerndes Schwert in ihrer Mitte. Irgendwo sang ein Vogel, T�ne, die beinahe wie Gel�chter klangen. Ich beugte mich vor und barg das Gesicht in den H�nden. Wahnsinn . . .</p><p>Nein! Ich war schon oft in unheimlichen Schatten gewesen. Je weiter man kam, desto seltsamer wurden sie zuweilen. Bis . . . Was war mir an jenem Abend in Tir-na Nog�th durch den Kopf gegangen?</p><p>Zwei Zeilen aus einer Erz�hlung Isak Dinesens kamen mir in den Sinn, Zeilen, die mich soweit beunruhigt hatten, da� ich sie mir einpr�gen mu�te, trotz der Tatsache, da� ich damals als Carl Corey gereist war: �. . . Nur wenige Menschen k�nnen von sich behaupten, von dem Glauben frei zu sein, da� die Welt, die sie ringsum sehen, in Wirklichkeit das Produkt ihrer eigenen Phantasie ist. Sind wir folglich zufrieden damit und stolz darauf?� Eine Zusammenfassung des liebsten Zeitvertreibs unserer Familie in Sachen Philosophie. Erschaffen wir die Schattenwelten? Oder sind sie bereits vorhanden, unabh�ngig von uns, und erwarten unser Kommen? Oder gibt es da eine bisher �bersehene Mitte? Ist das Ganze eher eine Frage des Mehr oder Weniger als des Entweder-Oder? Ein trockenes Lachen stieg mir in der Kehle auf, als ich erkannte, da� ich die Antwort vielleicht nie finden w�rde. Und doch hatte ich mir schon in jener Nacht �berlegt, da� es einen Ort geben mu�te, einen Ort, da das Ich sein Ende findet, einen Ort, da Solipsismen keine plausible Erkl�rung mehr sind f�r die �rtlichkeiten, die wir aufsuchen, f�r die Dinge, die wir dort finden. Die Existenz dieses Ortes, dieser Dinge, sagt uns, da� zumindest hier ein Unterschied besteht; und wenn es diesen Unterschied hier gibt, dann wirkt er vielleicht auch zur�ck durch unsere Schatten, tr�nkt sie mit dem Nicht-Ich und dr�ngt unsere Egos damit auf eine kleinere B�hne zur�ck. Ich sp�rte, da� dies ein solcher Ort war, ein Ort, da das �Sind wir folglich zufrieden damit und stolz darauf?� nicht g�ltig war, so wie das zerst�rte Tal von Garnath und mein Fluch unweit der Heimat. Was immer ich auch letztlich annehmen mochte, ich sp�rte, da� ich im Begriff stand, das Land des totalen Nicht-Ichs zu betreten. Mein Einflu� �ber die Schatten mochte an diesem Punkt sein Ende finden.</p><p>Ich richtete mich wieder auf und starrte mit zusammengekniffenen Augen in die Helligkeit. Ich gab Star ein Kommando und sch�ttelte die Z�gel. Wir ritten weiter.</p><p>Einen Augenblick lang f�hlte es sich so an, als bewegten wir uns im Nebel. Nur war es erheblich heller, und ringsum war kein Laut zu h�ren. Dann begannen wir zu fallen.</p><p>Zu fallen oder zu treiben. Nach dem ersten Erschrecken war das kaum genauer zu sagen. Zuerst kam ein Gef�hl des H�henverlustes, vielleicht verst�rkt durch den Umstand, da� Star in Panik geriet. Doch seine auskeilenden Hufe fanden keinen Halt, und nach einiger Zeit bewegte sich Star �berhaupt nicht mehr, bis auf sein Zittern und die schweren Atemz�ge.</p><p>Ich hielt die Z�gel mit der rechten Hand und umklammerte das Juwel mit der linken. Ich wei� nicht, welche Befehle mein Wille ausstrahlte oder wie ich das Juwel zum Wirken brachte; mir war nur klar, da� ich diesen Ort grellen Nichts durchqueren wollte, um meinen Weg wiederzufinden und an das Ziel meiner Expedition zu gelangen.</p><p>Ich verlor jedes Zeitgef�hl. Ich hatte nicht mehr den Eindruck, da� wir st�rzten. Kam ich �berhaupt voran, oder schwebte ich nur auf der Stelle? Es gab keine M�glichkeit, diese Frage zu beantworten. War die Helligkeit noch immer nur Helligkeit? Und die t�dliche Stille . . . Ich erschauderte. Hier mu�ten meine Sinne sogar noch mehr entbehren als in der Zeit meiner Blindheit in der alten Zelle. Hier gab es nichts � nicht das Huschen einer Ratte oder das Scharren meines L�ffels gegen die T�r, keine Feuchtigkeit, keinen k�hlen Lufthauch, keine Oberfl�chen. Ich schickte meine Gedanken weiter aus . . .</p><p><emphasis>Ein Flackern.</emphasis></p><p>Ich hatte den Eindruck, als w�re das Blickfeld zu meiner Rechten kurz ver�ndert worden, doch so kurz, da� es beinahe nicht zu merken gewesen war. Ich schickte meine Empfindungen in diese Richtung, f�hlte aber nichts.</p><p>Die Erscheinung war von flackernder Abruptheit gewesen, und ich wu�te nicht, ob ich mich t�uschte. Es mochte sich um eine Halluzination handeln.</p><p>Aber da schien es schon wieder zu passieren, diesmal links. Wie lang die dazwischenliegende Zeit war, wu�te ich nicht zu sagen.</p><p>Dann h�rte ich auch etwas � eine Art richtungsloses St�hnen. Auch diese Wahrnehmung war nur sehr kurz.</p><p>Als n�chstes � und zum erstenmal war ich mir meiner Sache sicher � erschien eine grauwei�e Landschaft wie eine Mondoberfl�che. Sie tauchte auf und verschwand wieder, nach etwa einer Sekunde, in einem kleinen Bereich meines Sehbereichs zur Linken. Star schnaubte.</p><p>Rechts erschien jetzt ein Wald � grau und wei� � herabst�rzend, als passierten wir einander in unm�glichem Winkel. Ein sehr begrenztes Bild, weniger als zwei Sekunden lang zu sehen.</p><p>Dann Teile eines brennenden Geb�udes unter mir . . . farblos.</p><p>Fetzen von Heult�nen schallten aus dem Himmel herab . . .</p><p>Ein gespenstischer Berg, eine Fackelprozession auf einem Serpentinenweg am mir zugewandten Hang . . .</p><p>Eine Frau, die an einem Baum hing, ein straffes Seil um den Hals, den Kopf zur Seite gedreht, die H�nde auf dem R�cken gefesselt . . .</p><p>Auf dem Kopf stehende Berge, wei�; darunter schwarze Wolken . . .</p><p><emphasis>Klick!</emphasis> Eine winzige Vibration, als h�tten wir f�r kurze Zeit etwas Festes ber�hrt � vielleicht Stars Hufe auf felsigem Grund. Und wieder verschwunden . . .</p><p><emphasis>Ein Flackern.</emphasis></p><p>Rollende K�pfe, tropfendes schwarzes Blut . . . Ein leises Lachen aus dem Nichts . . . Ein an die Wand genagelter Mann, mit dem Kopf nach unten . . .</p><p>Und wieder das wei�e Licht, rollend und wogend.</p><p><emphasis>Klick! Ein Flackern.</emphasis></p><p>Einen Herzschlag lang bewegten wir uns auf einem Pfad unter fleckigem Himmel. In dem Augenblick, als die Erscheinung verschwand, griff ich durch das Juwel danach.</p><p><emphasis>Klick! Ein Flackern. Klick! Grollen.</emphasis></p><p>Ein felsiger Weg, der sich einem hohen Bergpa� entgegenwand . . . Noch immer monochrom, die Welt . . . Hinter mir ein Krachen wie Donner . . .</p><p>Ich drehte das Juwel wie einen Einstellknopf, als die Welt wieder zu verblassen begann. Sie kehrte zur�ck . . . Zwei, drei, vier . . . ich z�hlte die Hufschl�ge, Herzschl�ge gegen den knurrenden Hintergrund . . . sieben, acht, neun . . . die Welt wurde heller. Ich atmete tief ein und seufzte schwer. Die Luft war kalt.</p><p>Zwischen dem Donnern und seinen Echos h�rte ich das Rauschen von Regen. Allerdings blieb ich davon unber�hrt.</p><p>Ich schaute zur�ck. Etwa hundert Meter hinter mir erstreckte sich eine m�chtige Regenwand, hinter der ich nur sehr vage Bergkonturen wahrnehmen konnte. Ich schnalzte Star mit der Zunge zu, woraufhin er ein wenig schneller ausschritt, zu einem beinahe ebenen St�ck Land emporsteigend, das zwischen zwei Gipfeln hindurchf�hrte. Die Welt vor uns war noch unver�ndert, eine Studie in Wei� und Grau, der Himmel weiter vorn von dunklen und hellen Streifen verschmiert. Wir erreichten den Pa�.</p><p>Ich begann zu zittern. Ich wollte die Z�gel anziehen, rasten, essen, rauchen und herumgehen. Aber daf�r war ich der Front des Unwetters noch zu nahe.</p><p>Stars Hufschl�ge hallten durch den Pa�, der dem Zebrahimmel links und rechts mit steilen Felsw�nden entgegenragte. Ich hoffte, da� die Sturmfront an diesen Bergen zerbrechen w�rde, wenn ich auch zugleich das Gef�hl hatte, da� das gar nicht m�glich war. Es handelte sich nicht um ein normales Unwetter, und ich hatte das unangenehme Gef�hl, da� es sich bis nach Amber erstreckte und da� ich ohne das Juwel f�r immer darin festgesessen und meinen Tod gefunden h�tte.</p><p>W�hrend mein Blick auf den seltsamen Himmel gerichtet war, umwirbelte mich pl�tzlich ein Schneesturm aus hellen Blumen, die mir den Weg erhellten. Angenehme D�fte f�llten die Luft. Das Donnern hinter mir klang weicher. Die Felsw�nde zu beiden Seiten waren von silbernen Adern durchzogen. Der Beleuchtung entsprechend, war die ganze Welt von einer Zwielichtaura erf�llt, und als ich den Pa� verlie�, blickte ich in ein Tal hinab, in dem die Perspektive nicht mehr stimmte, in dem sich keine Entfernungen mehr berechnen lie�en: ein Tal, angef�llt mit nat�rlich aussehenden Spitzen und Minaretten, das mond�hnliche Licht der Himmelsstreifen reflektierend, mich an eine Nacht in Tir-na Nog�th erinnernd; dazwischen erhoben sich silbrige B�ume, leuchteten spiegel�hnliche Teiche, wehten gespenstische Nebelschwaden. Das Tal schien an manchen Stellen zu k�nstlichen Terrassen geformt, an anderen in nat�rlichen Wellen zu verlaufen, durchschnitten von einer Linie, die eine Fortsetzung des Weges zu sein schien, auf dem ich mich bewegte, ansteigend und sich wieder senkend, das Ganze von einer seltsam elegischen Atmosph�re erf�llt, belebt durch unerkl�rliche Glanzlichter und Reflexionspunkte, bar jeder Spur von Besiedlung.</p><p>Ich z�gerte nicht, den Abstieg zu beginnen. Der Boden ringsum war kreidewei� und glatt wie Knochen und � entdeckte ich dort zur fernen Linken die Linie einer schwarzen Stra�e? Ich vermochte sie nur vage auszumachen.</p><p>Ich ritt ohne Eile, da ich sp�rte, da� Star zu erm�den begann. Wenn das Unwetter nicht zu schnell nachr�ckte, konnten wir vielleicht an einem der Teiche im Tal rasten. Ich war ebenfalls ersch�pft und hungrig.</p><p>Auf dem Weg nach unten hielt ich die Augen offen, bekam aber keine Menschen oder Tiere zu Gesicht. Der Wind erzeugte ein leises Seufzen. Als ich die tiefere Zone des Tals erreichte, wo sich normales Blattwerk ausbreitete, entdeckte ich wei�e Blumen, die sich zwischen den Ranken am Wegrand bewegten. Zur�ckschauend erkannte ich, da� die Regenfront den Berggipfel noch nicht �berschritten hatte. Allerdings t�rmten sich die Wolken schon steil dahinter auf.</p><p>Ich drang tiefer in die seltsame Welt ein. Schon seit l�ngerer Zeit fielen keine Blumen mehr nieder, doch noch immer lag ein angenehmer Duft in der Luft. Au�er den Ger�uschen, die wir erzeugten, und dem S�useln des best�ndigen Windes war nichts zu h�ren. Absonderliche Felsformationen erhoben sich auf allen Seiten; in der Reinheit ihrer Linien hatten sie beinahe etwas K�nstliches. Unentwegt trieb Nebel durch das Tal. Das helle Gras schimmerte feucht.</p><p>W�hrend ich dem Weg zur bewaldeten Talmitte folgte, ver�nderte sich laufend die Perspektive, Entfernungen verschoben sich, Panoramen wirkten verzerrt. Ich bog schlie�lich vom Weg nach links ab, um zu einem scheinbar nahegelegenen See zu reiten, der sich dann jedoch vor mir zur�ckzuziehen schien. Als ich ihn erreichte, abstieg und einen Finger in das Na� tauchte, schmeckte das Wasser eiskalt und s��.</p><p>Nachdem ich getrunken hatte, verweilte ich eine Zeitlang ausgestreckt auf dem Boden und schaute Star beim Grasen zu, ehe ich mir aus meiner Tasche eine kalte Mahlzeit zusammenstellte. Das Unwetter m�hte sich noch immer �ber die Berge. Ich starrte lange darauf und besch�ftigte mich mit der Erscheinung. Wenn Vater sein Ziel wirklich nicht erreicht hatte, dann t�nte da hinten das Grollen von Armageddon, dann war mein ganzer Ritt sinnlos geworden. Solche Gedanken waren aber m��ig, denn ich mu�te ja unter allen Umst�nden weiter. Aber ich konnte nichts dagegen tun. Es konnte sein, da� ich mein Ziel erreichte, da� ich mitbekam, wie die gro�e Schlacht gewonnen wurde, nur um dann Zeuge zu werden, wie alles davongeschwemmt wurde. Sinnlos . . . Nein. Nicht sinnlos. Wenigstens hatte ich dann den Versuch gemacht, diese Entwicklung abzuwenden, und ich w�rde es bis zum Schlu� weiter versuchen. Das war genug, auch wenn alles andere verloren ging. Verdammter Brand! Da� er . . .</p><p>Ein Schritt.</p><p>Im n�chsten Augenblick hatte ich mich sprungbereit hingehockt und starrte mit gezogener Klinge in die Richtung, aus der mir m�glicherweise Gefahr drohte.</p><p>Eine Frau stand vor mir, klein, wei�gekleidet. Sie hatte langes, dunkles Haar und wilde, dunkle Augen und l�chelte mich an. �ber dem Arm trug sie einen Flechtkorb, den sie zwischen uns auf den Boden stellte.</p><p>�Du mu�t hungrig sein, Ritter�, sagte sie in einem seltsamen Thari-Dialekt. �Ich habe dich kommen sehen und dir dies gebracht.�</p><p>Ich l�chelte und entspannte mich.</p><p>�Vielen Dank�, antwortete ich. �Ich bin wirklich hungrig. Mein Name ist Corwin. Und wie hei�t du?�</p><p>�Lady�, entgegnete sie.</p><p>Ich hob eine Augenbraue. �Vielen Dank � Lady. Du lebst an diesem Ort?�</p><p>Sie nickte und kniete nieder, um den Korb zu �ffnen.</p><p>�Ja, mein Zelt steht da weiter hinten am See.� Sie machte eine Kopfbewegung in Richtung Osten � zur Schwarzen Stra�e hin�ber.</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>Die Speisen und der Wein im Korb sahen sehr real aus: frisch und appetitlich, auf jeden Fall besser als meine Wegzehrung. Nat�rlich war ich mi�trauisch. �Du i�t mit?� fragte ich.</p><p>�Wenn du willst.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Na sch�n.�</p><p>Sie breitete ein Tuch aus, nahm mir gegen�ber Platz, holte die Speisen aus dem Korb und deckte zwischen uns. Ohne zu z�gern, begann sie dann zu essen. Ich kam mir ein wenig sch�big vor � aber nur ein wenig. Immerhin war dies ein seltsamer Wohnort f�r eine Frau, die anscheinend allein lebte und offenbar nur darauf wartete, den ersten Fremden, der des Weges kam, zu bewirten. Auch Dara hatte uns bei unserer ersten Begegnung zu essen gegeben, und da ich vermutlich dem Ende meiner Reise nahe war, konnten die Machtzentren des Feindes nicht mehr weit sein. Die Schwarze Stra�e war ungem�tlich nahe, und ich erwischte Lady mehrmals dabei, wie sie das Juwel betrachtete.</p><p>Trotzdem verbrachten wir eine angenehme Zeit und lernten uns im Verlaufe der Mahlzeit auch besser kennen. Sie war das ideale Publikum, lachte und brachte mich dazu, �ber mich selbst zu sprechen. Dabei blickte sie mir oft tief in die Augen und irgendwie schaffte sie es, da� wir uns immer wieder an den Fingern ber�hrten, wenn wir uns etwas reichten. Wenn ich hier umgarnt wurde, dann auf sehr angenehme Weise.</p><p>W�hrend des Essens und Sprechens hatte ich die st�ndig n�herr�ckende Unwetterfront nicht aus dem Auge gelassen. Die finstere Linie hatte schlie�lich den Berggipfel �berwunden und bewegte sich nun langsam von den oberen H�ngen herab. Als Lady das Tuch zusammenfaltete, bemerkte sie meinen Blick und nickte.</p><p>�Ja, es kommt�, sagte sie, tat die letzten Utensilien wieder in den Korb und setzte sich mit Flasche und Trinkbechern neben mich. �Wollen wir darauf trinken?�</p><p>�Ich trinke gern mit dir � aber nicht darauf.�</p><p>Sie schenkte ein.</p><p>�Es kommt nicht darauf an�, sagte sie. �Nicht mehr.� Und sie legte mir die Hand auf den Arm und reichte mir den Becher.</p><p>Ich ergriff ihn und blickte auf sie hinab. Sie l�chelte. Sie stie� mit ihrem Becher gegen den meinen. Wir tranken.</p><p>�Komm in mein Zelt!� sagte sie und ergriff meine Hand. �Dort verbringen wir die Stunden, die uns noch bleiben, auf angenehme Weise.�</p><p>�Vielen Dank�, gab ich zur�ck. �Zu jeder anderen Zeit w�re das ein herrlicher Nachtisch f�r eine gro�artige Mahlzeit. Leider mu� ich weiter. Die Pflicht ruft, die Zeit eilt dahin, ich habe eine Mission.�</p><p>�Na sch�n�, sagte sie. �So wichtig ist es nicht. Und ich wei� alles �ber deine Mission. Inzwischen ist die auch nicht mehr so wichtig.�</p><p>�Oh? Ich mu� gestehen, da� ich durchaus damit gerechnet hatte, du w�rdest mich zu einer kleinen Privatfeier einladen, die dazu f�hren mu�te, da� ich irgendwo an einem einsamen H�gel allein herumirrte.� Sie lachte. �Und ich mu� gestehen, da� ich die Absicht hatte, so vorzugehen, Corwin. Aber das ist vorbei.�</p><p>�Warum?�</p><p>Sie deutete auf die vorr�ckende Linie der Zerst�rung.</p><p>�Es ist nicht mehr erforderlich, dich aufzuhalten. Ich schlie�e daraus, da� die M�chte des Chaos gesiegt haben. Niemand k�nnte das Vorr�cken des Chaos noch aufhalten.�</p><p>Ich erschauderte, und sie f�llte unsere Becher nach.</p><p>�Ich w�rde es aber trotzdem vorziehen, wenn du mich in einem solchen Augenblick nicht verlie�est�, fuhr sie fort. �In wenigen Stunden wird es hier sein. Wie k�nnte man diese Zeit besser zubringen als in der Gesellschaft des anderen? Wir brauchten ja nicht einmal in mein Zelt zu gehen.�</p><p>Ich neigte den Kopf, und sie r�ckte neben mich. Ach was! Eine Frau und eine Flasche � so hatte ich nach eigenem Bekunden mein Leben stets beenden wollen. Ich trank einen Schluck Wein. Wahrscheinlich hatte sie recht. Doch mu�te ich an das Frauenwesen denken, das mich beim Verlassen Avalons auf der schwarzen Stra�e umgarnt hatte. Zuerst hatte ich ihr helfen wollen und war dann ihrem unnat�rlichen Charme schnell erlegen � als dann ihre Maske fiel, mu�te ich erkennen, da� sich nicht das geringste dahinter befand. Das hatte mir damals einen gro�en Schreck eingejagt. Aber schlie�lich hat jeder ein ganzes Regal voller Masken f�r verschiedene Anl�sse � wenn man es mal nicht zu philosophisch betrachten will. Ich habe Psychologen oft dagegen wettern h�ren. Dennoch habe ich Menschen kennengelernt, die zun�chst einen guten Eindruck machten, die ich dann aber zu hassen begann, als ich erfuhr, wie innerlich wirklich waren. Und manchmal glichen sie jenem Frauenwesen � es gab innerlich kaum etwas. So habe ich festgestellt, da� die Maske oft weitaus akzeptabler ist als ihre Alternative. Und . . . das M�dchen, das ich hier an mich dr�ckte, mochte unter ihrem �u�eren ein Monstrum sein. Wahrscheinlich war sie das sogar. Trifft das nicht auf die meisten von uns zu? Wenn ich mich schon an diesem Punkt aufgeben wollte, gab es sicher unangenehmere Abg�nge. Sie gefiel mir.</p><p>Ich leerte meinen Becher. Sie machte Anstalten, mir nachzuschenken, doch ich hielt ihre Hand fest.</p><p>Sie blickte zu mir auf. Ich l�chelte.</p><p>�Beinahe h�ttest du mich herumbekommen�, sagte ich.</p><p>Dann schlo� ich ihr mit vier K�ssen die Augen, um den Zauber nicht zu zerst�ren, stand auf und bestieg Star.</p><p>�Leb wohl, Lady!�</p><p>W�hrend das Unwetter ins Tal hinunterbrodelte, ritt ich weiter nach S�den. Vor mir erhoben sich neue Berge, und der Weg f�hrte darauf zu. Der Himmel war noch immer schwarz und wei� gestreift, Linien, die sich jetzt aber ein wenig zu bewegen schienen. Alles in allem ergab sich daraus wie zuvor ein Zwielicht-Effekt, auch wenn in den schwarzen Zonen keine Sterne schimmerten. Noch immer der Wind, noch immer der s��e Duft ringsum � und die Stille, die verdrehten Monolithen und das silbrige Blattwerk, unver�ndert taufeucht und funkelnd. Nebelfetzen wehten vor mir dahin. Ich versuchte, mit dem Stoff der Schatten zu arbeiten, doch es war schwer, und ich war m�de. Nichts geschah. Ich holte mir Kraft aus dem Juwel und versuchte einen Teil davon an Star weiterzugeben. Wir kamen in gleichm��igem Tempo voran, bis sich das Land endlich vor uns emporwellte und wir einem neuen Pa� entgegenstiegen, zerkl�fteter als der, durch den wir das Tal betreten hatten. Ich hielt inne und schaute zur�ck. Etwa ein Drittel des Tals lag inzwischen hinter dem schimmernden Schirm des vorr�ckenden Sturm-Gebildes. Ich dachte an Lady und ihren Teich und ihr Zelt. Kopfsch�ttelnd ritt ich weiter.</p><p>Im weiteren Verlauf des Passes wurde der Weg steiler, und wir kamen nur noch langsam voran. Die wei�en Fl�sse am Himmel nahmen eine r�tliche F�rbung an, die sich immer mehr vertiefte. Als ich den Durchgang erreichte, schien die ganze Welt mit Blut �bergossen zu sein. In den breiten felsigen Boulevard einreitend, mu�te ich gegen einen heftigen Wind angehen. Der Boden flachte etwas ab, trotzdem gewannen wir weiter an H�he, und ich konnte noch nicht durch den Pa� schauen.</p><p>Pl�tzlich prasselte etwas in den Felsen zu meiner Linken. Ich schaute in die Richtung, sah aber nichts. Ich tat die Erscheinung als fallenden Stein ab. Eine halbe Minute sp�ter b�umte sich Star unter mir auf, stie� ein schreckliches Wiehern aus, wandte sich ruckartig nach links und begann in diese Richtung zu sinken.</p><p>Ich sprang aus dem Sattel, und als wir beide zu Boden gingen, sah ich, da� aus Stars rechter Schulter ein Pfeil ragte. Ich rollte am Boden ab und blickte in die Richtung, aus der der Schu� gekommen sein mu�te.</p><p>Eine Gestalt mit einer Armbrust stand auf einem Felsvorsprung rechts von mir, etwa zehn Meter �ber dem Pa�weg. Sie war bereite damit besch�ftigt, die Armbrust f�r einen zweiten Schu� zu spannen.</p><p>Ich wu�te, ich kam nicht mehr rechtzeitig an den Mann heran. Ich suchte also nach einem handlichen Stein, fand am Fu�e der Felswand hinter mir ein geeignetes Wurfgescho�, wog es in der Hand und versuchte, mich nicht von meinem Zorn beeinflussen zu lassen. Meine Zielgenauigkeit wurde nicht beeintr�chtigt, doch fiel der Wurf vielleicht etwas energischer aus als normal.</p><p>Der Stein traf ihn am linken Arm. Er stie� einen Schrei aus und lie� die Armbrust fallen. Die Waffe rutschte klappernd zwischen den Felsen herab und landete auf der anderen Seite des Weges, mir genau gegen�ber. .</p><p>�Du Schweinehund!� br�llte ich. �Du hast mein Pferd auf dem Gewissen. Das kostet dich den Kopf!�</p><p>Ich �berquerte den Pfad und suchte nach dem k�rzesten Weg zu ihm hinauf. Ein St�ck weiter links entdeckte ich eine M�glichkeit. Ich eilte hin�ber und begann den Aufstieg. Gleich darauf waren Licht und Blickwinkel besser, und ich konnte mir den Mann genauer ansehen, der zusammengekr�mmt dasa� und sich den Arm massierte. Es war Brand, dessen Haar im blutroten Licht noch flammender wirkte als normal. �Jetzt ist Schlu�, Brand�, sagte ich. �Ich w�nschte nur, jemand h�tte das schon vor langer Zeit erledigt.�</p><p>Er richtete sich auf und blickte mir einen Augenblick lang beim Klettern zu. Er griff nicht nach seiner Klinge. Als ich die Spitze erreichte und noch etwa sieben Meter von ihm entfernt war, verschr�nkte er die Arme vor der Brust und senkte den Kopf.</p><p>Ich zog Grayswandir und trat vor. Ich gebe zu, ich wollte ihn umbringen, welche K�rperhaltung er auch einnehmen mochte. Das rote Licht hatte sich noch verst�rkt, so da� wir nun in Blut getaucht zu sein schienen. Der Wind umtobte uns heulend, und aus dem Tal unter uns grollte Donner.</p><p>Pl�tzlich verbla�te Brand. Seine Umrisse verschwammen, und als ich die Stelle erreichte, an der er gestanden hatte, war er verschwunden.</p><p>Fluchend verharrte ich einen Augenblick lang und dachte an die Ger�chte, wonach er irgendwie in einen lebendigen Trumpf verwandelt worden war und sich innerhalb k�rzester Zeit �berall hinversetzen konnte.</p><p>Von unten war ein Ger�usch zu h�ren . . .</p><p>Ich eilte zum Rand und blickte hinab. Star strampelte noch immer mit den Hufen und prustete blutigen Schaum. Ein herzzerrei�ender Anblick. Aber nicht nur das bek�mmerte mich.</p><p>Brand stand unter mir. Er hatte die Armbrust wieder an sich gebracht und bereitete einen weiteren Schu� vor.</p><p>Ich sah mich nach einem Stein um, doch es war keiner in Reichweite. Dann entdeckte ich ein Wurfgescho� in der Richtung, aus der ich gekommen war. Ich hastete dorthin, steckte die Klinge fort und hievte den Stein hoch, der etwa so gro� war wie eine Wassermelone. Ich kehrte damit an den Rand zur�ck und suchte Brand.</p><p>Er war nicht zu sehen.</p><p>Pl�tzlich kam ich mir sehr ungesch�tzt vor. Er konnte sich an jede g�nstige Stelle versetzt haben und bereits auf mich zielen. Ich lie� mich zu Boden fallen, wobei ich �ber meinen Stein st�rzte. Gleich darauf h�rte ich den Pfeil rechts von mir auftreffen. Dem Laut folgte Brands am�siertes Lachen.</p><p>Da ich wu�te, da� es ihn ein Weilchen besch�ftigen w�rde, die Waffe wieder zu spannen, richtete ich mich auf. Ich schaute in die Richtung, aus der das Lachen gekommen war, und entdeckte ihn auf dem gegen�berliegenden Felsvorsprung, etwa f�nf Meter �ber mir, ungef�hr zwanzig Meter entfernt. Der Pa�weg lag zwischen uns.</p><p>�Wegen des Pferdes tut es mir leid�, sagte er. �Ich hatte auf dich gezielt. Aber dieser verdammte Wind . . .�</p><p>Doch schon hatte ich eine Vertiefung entdeckt und eilte darauf zu, wobei ich den Felsbrocken als Schild benutzte. Aus der keilf�rmigen Nische verfolgte ich, wie er einen neuen Pfeil auflegte.</p><p>�Ein schwieriger Schu�!� rief er und hob die Waffe. �Eine Herausforderung f�r jeden Sch�tzen, aber auf jeden Fall die M�he wert. Ich habe noch genug Pfeile.�</p><p>Er lachte, zielte und scho�.</p><p>Ich duckte mich und hielt mir den Stein vor den Torso, doch der Pfeil traf etwa zwei Fu� zu weit rechts auf.</p><p>�Das hatte ich schon geahnt�, sagte er und machte sich wieder an der Waffe zu schaffen. �Die Windkraft mu�te ich erst einmal ausprobieren.�</p><p>Ich schaute mich nach kleineren Steinen um, die ich nach ihm h�tte werfen k�nnen, doch in der N�he waren keine zu sehen. Daraufhin wandten sich meine Gedanken dem Juwel zu. Angeblich bot es Schutz vor unmittelbarer Gefahr. Aber ich hatte das seltsame Gef�hl, da� so etwas nur aus geringer N�he funktionierte und da� Brand dar�ber Bescheid wu�te und sich das Ph�nomen zunutze machte. Konnte ich nichts anderes mit dem Juwel unternehmen, um sein Vorhaben zu vereiteln? F�r den L�hmungstrick schien er mir zu weit entfernt zu sein, doch ich hatte ihn schon einmal �berw�ltigt, indem ich das Wetter zu meinen Gunsten steuerte. Ich fragte mich, wie weit das Unwetter entfernt war. Ich griff danach und erkannte, da� es Minuten dauern w�rde � Minuten, die ich nicht hatte �, um jene Bedingungen zu schaffen, aus denen heraus ich einen Blitzstrahl gegen ihn richten konnte. Die Winde aber standen auf einem anderen Blatt. Ich verband mich mit ihnen, sp�rte sie . . .</p><p>Brand war beinahe fertig. Der Wind begann durch den Pa� zu kreischen.</p><p>Ich habe keine Ahnung, wo sein n�chster Schu� landete. Jedenfalls nicht in meiner N�he. Wieder begann er die Waffe zu spannen, w�hrend ich die Faktoren f�r einen Blitzstrahl zusammenzuholen begann . . .</p><p>Als er fertig war, als er wieder die Waffe hob, lie� ich den Wind erneut heftiger wehen. Ich sah ihn zielen, sah ihn tief Luft holen und den Atem anhalten. Dann senkte er den Bogen und starrte mich an. �Eben geht mir auf�, rief er, �da� du den Wind in der Tasche hast, habe ich nicht recht? Das ist Betr�gerei, Corwin!� Er sah sich um. �Ich m��te eine Position finden, in der es nicht darauf ankommt. Aha!�</p><p>Ich arbeitete weiter an den Umst�nden, die zu seiner Vernichtung f�hren konnten, war aber noch nicht am Ziel. Ich blickte zum rot und schwarz gestreiften Himmel empor, an dem sich �ber uns etwas Wolken�hnliches bildete. Bald, aber noch war es nicht soweit . . .</p><p>Brand verbla�te und verschwand erneut. Verzweifelt suchte ich ihn �berall.</p><p>Dann stand er mir gegen�ber. Er war auf meine Seite des Passes her�bergekommen. Er stand etwa zehn Meter s�dlich von mir und hatte den Wind im R�cken. Ich wu�te, da� ich die Luftstr�mung nicht mehr rechtzeitig umlenken konnte, und �berlegte, ob ich meinen Felsbrocken werfen sollte. Wahrscheinlich w�rde er sich ducken, womit ich dann meinen Schild losw�rde. Andererseits . . .</p><p>Er hob die Waffe an die Schulter.</p><p>Aufschub! rief ich mir innerlich zu, w�hrend ich weiter den Himmel manipulierte.</p><p>�Ehe du schie�t, Brand, mu�t du mir eine Sache verraten. Einverstanden?�</p><p>Er z�gerte, dann senkte er die Waffe um einige Zentimeter.</p><p>�Was?�</p><p>�Hast du mir die Wahrheit gesagt �ber die Ereignisse � mit Vater, dem Muster, dem Anr�cken des Chaos?�</p><p>Er warf den Kopf in den Nacken und lachte. Es klang wie ein Bellen.</p><p>�Corwin�, sagte er schlie�lich, �es freut mich unbeschreiblich, dich sterben zu sehen, ohne da� du etwas wei�t, das dir soviel bedeutet.�</p><p>Wieder lachte er und hob die Waffe. Ich hatte eben den Stein gehoben, um ihn zu werfen und dann auf meinen Bruder loszust�rmen. Doch keiner von uns vermochte sein Vorhaben zu Ende zu bringen.</p><p>Von oben gellte ein lautes Kreischen herab, dann schien sich ein St�ck Himmel zu l�sen und Brand auf den Kopf zu fallen. Er schrie auf und lie� die Armbrust fallen. Er hob die H�nde, um an dem Ding zu zerren, das ihn bedr�ngte. Der rote Vogel, der Juwelentr�ger, von den H�nden meines Vaters aus meinem Blut geboren, war zur�ckgekehrt, um mich zu verteidigen.</p><p>Ich lie� den Felsbrocken los und ging auf Brand zu. Dabei zog ich meine Klinge. Brand schlug nach dem Vogel, der davonflatterte und an H�he gewann. Das Tier beschrieb einen Bogen und setzte zu einem neuen Sturzflug an. Brand hob beide Arme, um Gesicht und Kopf zu sch�tzen, doch vorher sah ich noch das Blut, das aus seinem linken Augenloch str�mte.</p><p>Als ich auf ihn zust�rmte, begann er wieder zu verblassen. Der Vogel aber st�rzte wie eine Bombe herab, und seine Krallen trafen Brand wieder am Kopf. Gleich darauf begann der Vogel ebenfalls zu verschwimmen. Brand griff nach seinem roten Angreifer, von dem er heftig attackiert wurde; im gleichen Augenblick verschwanden beide.</p><p>Als ich den Schauplatz des Geschehens erreichte, war als einziges die hingefallene Armbrust zu sehen, die ich mit dem Stiefel zermalmte.</p><p><emphasis>Noch nicht, noch nicht das Ende, verdammt! Wie lange wirst du mich plagen, Bruder? Wie weit mu� ich noch gehen, um die Sache zwischen uns zu Ende zu bringen?</emphasis></p><p>Ich kletterte zum Weg hinab. Star war noch nicht tot, und ich mu�te ihn erl�sen.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Eine Schale voller Zuckerwatte.</p><p>Nachdem ich den Pa� nun hinter mir hatte, betrachtete ich das vor mir liegende Tal. Wenigstens nahm ich an, da� es sich um ein Tal handelte. Unter der dichten Wolken-Nebel-Decke war nichts auszumachen.</p><p>Am Himmel f�rbte sich einer der roten Streifen gelb, ein anderer gr�n. Dies munterte mich etwas auf, da sich der Himmel irgendwie �hnlich benommen hatte, als ich zum erstenmal den Rand aller Dinge aufsuchte, den Abgrund vor den Burgen des Chaos.</p><p>Ich schulterte mein B�ndel und wanderte den Pfad hinab. Der Wind nahm allm�hlich ab. Vage h�rte ich das Donnern des Unwetters, vor dem ich auf der Flucht war. Ich fragte mich, wohin Brand verschwunden war. Ich hatte das Gef�hl, da� ich ihn so schnell nicht wiedersehen w�rde.</p><p>Auf halbem Weg, in der Gegend, da der Nebel mich einzuh�llen begann, entdeckte ich einen alten Baum und schnitt mir einen Wanderstab ab. Als der Baum mein Messer sp�rte, schien er aufzuschreien.</p><p>�Verdammt!� t�nte eine Art Stimme aus seinem Innern.</p><p>�Du bist intelligent?� fragte ich. �Tut mir leid . . .�</p><p>�Ich habe lange gebraucht, um den Ast wachsen zu lassen. Vermutlich willst du ihn jetzt verbrennen?�</p><p>�Nein�, gab ich zur�ck. �Ich brauchte einen Spazierstock. Ich habe eine lange Wanderung vor mir.�</p><p>�Durch dieses Tal?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Komm n�her, damit ich dich besser sp�ren kann. Irgend etwas an dir scheint zu gl�hen.�</p><p>Ich trat einen Schritt vor.</p><p>�Oberon!� rief der Baum. �Ich kenne dein Juwel.�</p><p>�Nicht Oberon�, erwiderte ich. �Ich bin sein Sohn. Allerdings bin ich in seinem Auftrag unterwegs.�</p><p>�Dann nimm meinen Ast und meinen Segen noch dazu. Ich habe deinem Vater an manchem seltsamen Tag Schutz geboten. Er hat mich gepflanzt, wei�t du.�</p><p>�Wirklich? Einen Baum pflanzen � das ist eines der wenigen Dinge, die ich Vater niemals habe tun sehen.�</p><p>�Ich bin kein normaler Baum. Er pflanzte mich hier ein als Zeichen f�r die Grenze.�</p><p>�Welche Grenze?�</p><p>�Ich bin das Ende des Chaos und der Ordnung � je nachdem, von welcher Seite man mich sieht. Ich kennzeichne eine Trennung. Hinter mir gelten andere Regeln.�</p><p>�Welche Regeln?�</p><p>�Wer vermag das zu sagen. Ich jedenfalls nicht. Ich bin nur ein wachsender Turm intelligenten Holzes. Mein Stock mag dir jedoch Trost spenden. Eingepflanzt vermag er in seltsamen Gegenden Wurzeln zu schlagen. Vielleicht aber auch nicht. Wer wei� das schon? Nimm ihn jedenfalls mit, Sohn Oberons, an jenen Ort, zu dem du unterwegs bist. Ich sp�re ein Unwetter nahen. Leb wohl!�</p><p>�Leb wohl�, sagte ich. �Und danke.�</p><p>Ich machte kehrt und folgte dem Weg in den dichter werdenden Nebel hinab. Allm�hlich lie� der rosa Schimmer nach. Ich sch�ttelte beim Gedanken an den Baum den Kopf, doch schon auf den n�chsten paar hundert Metern wurde der Weg so uneben, da� mir der Stock gute Dienste leistete.</p><p>Dann klarte es etwas auf. Felsen, ein stiller See, etliche traurige kleine B�ume, mit Moosstreifen bekr�nzt, ein F�ulnisgeruch . . . ich eilte vorbei. Von einem der B�ume aus beobachtete mich ein dunkelgefiederter Vogel.</p><p>W�hrend ich ihn noch anblickte, stieg das Tier auf und flatterte gem�chlich auf mich zu. Da die j�ngsten Ereignisse mich etwas vogelscheu gemacht hatten, duckte ich mich, als das Tier meinen Kopf umkreiste. Schlie�lich landete es aber vor mir auf dem Weg, legte den Kopf auf die Seite und betrachtete mich mit dem linken Auge.</p><p>�Ja�, verk�ndete der Vogel. �Du bist es.�</p><p>�Wer?� fragte ich.</p><p>�Der Mann, den ich begleiten werde. Du hast doch nichts dagegen, da� ein Vogel des b�sen Omens dir folgt, oder, Corwin?�</p><p>Ich lachte. �Im ersten Augenblick will mir nicht einfallen, wie ich dich daran hindern sollte. Wie kommt es, da� du meinen Namen kennst?�</p><p>�Ich habe seit dem Anbeginn der Zeit auf dich gewartet, Corwin.�</p><p>�Das mu� aber recht langweilig gewesen sein.�</p><p>�So langweilig ist das nicht gewesen. Zeit ist das, was man daraus macht.�</p><p>Ich setzte meinen Marsch fort. Ich ging an dem Vogel vorbei und blieb nicht wieder stehen. Sekunden sp�ter zuckte er an mir vor�ber und landete rechts von mir auf einem Felsen.</p><p>�Ich hei�e Hugi�, sagte er. �Wie ich sehe, tr�gst du ein St�ck des alten Ygg bei dir.�</p><p>�Des alten Ygg?�</p><p>�Der eingebildete alte Baum, der da am Eingang zu diesem Ort steht und es nicht zul��t, da� man sich auf seinen �sten ausruht. Bestimmt hat er ordentlich geschrien, als du das Ding da abgeschlagen hast.� Der Vogel lachte schrill.</p><p>�Er hat sich sehr zur�ckgehalten.�</p><p>�Und ob! Aber schlie�lich blieb ihm nicht viel �brig, nachdem es bereits geschehen war. Wirst schon nichts davon haben.�</p><p>�Das Ding ist mir sehr n�tzlich�, widersprach ich und schwang den Stock in seine Richtung.</p><p>Flatternd wich er zur�ck. �He! Das war nicht komisch!�</p><p>Ich lachte. �Ich dachte aber, es w�re komisch.�</p><p>Ich ging an ihm vorbei.</p><p>Endlos f�hrte der Weg durch eine Sumpfzone. Gelegentliche Windst��e lie�en den Nebel aufrei�en und zeigten mir den weiteren Weg. Von Zeit zu Zeit glaubte ich Musikfetzen zu h�ren � ich wu�te nicht, aus welcher Richtung �, eine langsame und irgendwie feierliche Melodie, die von Instrumenten mit Stahlsaiten gespielt wurde.</p><p>Pl�tzlich wurde ich von links angerufen: �Fremder! Bleib stehen und sieh mich an!�</p><p>Irritiert kam ich der Aufforderung nach. In dem verdammten Nebel sah ich aber kaum die Hand vor Augen.</p><p>�Hallo!� rief ich. �Wo bist du?�</p><p>In diesem Augenblick �ffneten sich die Nebelb�nke einen Augenblick lang, und ich erblickte einen riesigen Kopf, dessen Augen in gleicher H�he waren wie die meinen. Sie schienen zu einem Riesenk�rper zu geh�ren, der bis zu den Schultern im Morast versunken war. Der Kopf war kahl, die Haut hell wie Milch und von felsiger Struktur. Im Kontrast dazu wirkten die Augen vermutlich dunkler, als sie es wirklich waren.</p><p>�Jetzt sehe ich dich�, sagte ich. �Du scheinst in der Klemme zu stecken. Bekommst du die Arme frei?�</p><p>�Wenn ich mir gro�e M�he gebe.�</p><p>�Ich will mich mal umsehen, ob ich etwas finde, an dem du dich festhalten kannst. Dort, das m��te eigentlich gehen.�</p><p>�Nein. Nicht n�tig.�</p><p>�M�chtest du denn nicht raus? Ich dachte, du h�ttest deswegen gerufen.�</p><p>�O nein. Ich wollte nur, da� du mich ansiehst.�</p><p>Ich trat n�her und starrte das Wesen durch den dichter werdenden Nebel an.</p><p>�Na sch�n�, sagte ich dann. �Ich habe dich angesehen.�</p><p>�Sp�rst du meine Qual?�</p><p>�Nicht sonderlich, wenn du dir nicht selbst helfen willst oder die Hilfe anderer ablehnst.�</p><p>�Was w�rde es mir n�tzen, wenn ich mich befreite?�</p><p>�Das ist deine Frage. Beantworte sie selbst.�</p><p>Ich wandte mich zum Gehen.</p><p>�Warte! Wohin reist du?�</p><p>�In den S�den. Ich soll dort in einem Moralst�ck auftreten.�</p><p>In diesem Augenblick flog Hugi aus dem Nebel herbei und landete auf dem gro�en Kopf. Er pickte daran und lachte.</p><p>�Verschwende deine Zeit nicht, Corwin. Hier ist weniger, als uns das Auge vorgaukelt�, sagte er.</p><p>Die riesigen Lippen formten meinen Namen. �Ist er es wirklich?�</p><p>�Er ist es, sei beruhigt�, erwiderte Hugi.</p><p>�H�r zu, Corwin!� sagte der eingesunkene Riese. �Du willst versuchen, das Chaos aufzuhalten, nicht wahr?�</p><p>�Ja.�</p><p>�La� es sein. Es lohnt sich nicht. Ich m�chte, da� alles zu Ende geht. Ich w�nsche mir eine Befreiung aus diesem Zustand.�</p><p>�Ich habe dir bereits angeboten, dir herauszuhelfen. Du hast abgelehnt.�</p><p>�Um die Art Befreiung geht es mir nicht. Ich ersehne das absolute Ende.�</p><p>�Das ist kein Problem�, gab ich zur�ck. �Tauch den Kopf unter und atme tief ein.�</p><p>�Ich w�nsche mir nicht meinen pers�nlichen Tod, sondern das Ende des ganzen t�richten Spiels.�</p><p>�Es gibt sicher noch andere Leute auf der Welt, die in dieser Sache lieber selbst entscheiden m�chten.�</p><p>�F�r sie soll es auch vorbei sein. Es wird die Zeit kommen, da sie in meiner Lage sind und so f�hlen wie ich.�</p><p>�Dann haben sie dieselbe M�glichkeit. Guten Tag.�</p><p>Ich machte kehrt und ging weiter.</p><p>�Du auch!� rief er mir nach.</p><p>Nach einiger Zeit holte Hugi mich ein und setzte sich auf das Ende meines Wanderstabes.</p><p>�Ganz angenehm, auf Yggs Ast zu sitzen, wo er jetzt nicht mehr � <emphasis>hedal�</emphasis></p><p>Hugi sprang in die Luft und beschrieb einen Kreis.</p><p>�Hat mir den Fu� verbrannt! Wie war ihm das nur m�glich?� rief er.</p><p>Ich lachte. �Keine Ahnung.�</p><p>Er flatterte noch ein wenig und n�herte sich dann meiner rechten Schulter.</p><p>�Hast du etwas dagegen, wenn ich mich dort ausruhe?�</p><p>�Nur zu.�</p><p>�Vielen Dank.� Er machte es sich gem�tlich. �Der gro�e Kopf ist in Wahrheit ein geistiger Problemfall.�</p><p>Ich zuckte die Achseln, und er breitete die Fl�gel aus, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.</p><p>�Er versucht etwas zu greifen�, fuhr er fort, �geht dabei aber falsch vor. Er macht n�mlich f�r seine eigenen Schw�chen die Welt verantwortlich.�</p><p>�Stimmt nicht. Er wollte nicht einmal zugreifen, um aus dem Morast herauszukommen�, widersprach ich.</p><p>�Ich meinte das eher philosophisch.�</p><p>�Ach, die Art Morast. Das ist schade.�</p><p>�Das ganze Problem liegt im Ich, im Ego und seiner Verwicklung mit der Welt einerseits und dem Absoluten andererseits.�</p><p>�Ach, wirklich?�</p><p>�Ja. Wei�t du, wir schl�pfen aus und treiben an der Oberfl�che der Ereignisse dahin. Manchmal haben wir das Gef�hl, die Dinge tats�chlich zu beeinflussen, und das spornt zum Streben an. Das aber ist ein gro�er Fehler, weil es Sehns�chte weckt und ein falsches Ego erstehen l��t, w�hrend man sich damit begn�gen sollte, einfach nur zu existieren. Darauf bauen sich weitere Wunschvorstellungen und neues Streben auf, und schon sitzt man in der Falle.�</p><p>�Im Morast?�</p><p>�Gewisserma�en. Man mu� den Blick nur fest auf das Absolute richten und es lernen, die Halluzinationen, die Illusionen und das falsche Gef�hl der Identit�t zu ignorieren, die einen als falsche Insel der Bewu�theit von allem anderen trennen.�</p><p>�Ich hatte auch einmal eine falsche Identit�t. Sie half mir sehr dabei, zu dem Absoluten zu werden, das ich heute bin � ich.�</p><p>�Nein, das ist ebenfalls falsch.�</p><p>�Dann wird mir das Ich, das vielleicht morgen besteht, daf�r dankbar sein, so wie ich dem anderen Ich dankbar bin.�</p><p>�Du begreifst nicht, was ich sagen will. Jenes Du wird ebenfalls eine T�uschung sein.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Weil es ebenfalls motiviert sein wird von jenen Sehns�chten und Bestrebungen, die dich dem Absoluten entr�cken.�</p><p>�Was ist denn daran falsch?�</p><p>�Du bleibst allein in einer Welt der Fremden, in der Welt der Ph�nomene.�</p><p>�Es gef�llt mir aber allein. Ich bin mit mir ganz zufrieden. Auch mir gefallen Ph�nomene.�</p><p>�Und doch wird das Absolute immer gegenw�rtig sein, dich anlocken und Unruhe s�en.�</p><p>�Gut, dann habe ich ja keine Eile. Aber ja, ich verstehe, was du meinst. Es nimmt die Gestalt von Idealen an. Von denen hat ja jeder ein paar. Wenn du mich auffordern willst, ihnen nachzustreben, so bin ich deiner Meinung.�</p><p>�Nein, sie sind nur Verzerrungen des Absoluten, w�hrend du nur wieder das �bliche Streben meinst.�</p><p>�Genau.�</p><p>�Ich sehe, da� du noch viel lernen mu�t.�</p><p>�Wenn du damit meinen vulg�ren �berlebensinstinkt meinst, vergi� die Sache.�</p><p>Der Weg hatte in die H�he gef�hrt. Wir erreichten eine glatte, ebene Stelle, die d�nn mit Sand bestreut war. Die Musik war lauter geworden und nahm auch noch an Lautst�rke zu, je weiter ich vorankam. Im Nebel erkannte ich schlie�lich verschwommene Gestalten, die sich langsam und rhythmisch bewegten. Es dauerte einige Sekunden, bis ich erkannte, da� sie zur Musik tanzten.</p><p>Ich schritt weiter, bis ich die Gestalten genauer betrachten konnte � menschlich von Gestalt, h�bsch anzuschauen, in h�fische Gew�nder geh�llt. Sie bewegten sich zu den langsamen Takten unsichtbarer Musiker. Es war ein komplizierter, h�bscher Tanz, und ich blieb stehen, um ihn mir ein Weilchen anzusehen.</p><p>�Aus welchem Anla߫, wandte ich mich an Hugi, �wird hier im weiten Nichts ein Fest gefeiert?�</p><p>�Man tanzt�, antwortete er, �um dein Vorbeikommen zu feiern. Es handelt sich nicht um sterbliche Wesen, sondern um die Geister der Zeit. Diese t�richte Schau begann, als du das Tal betratest.�</p><p>�Geister?�</p><p>�Ja. Pa� auf!�</p><p>Der Vogel verlie� meine Schulter und flog durch mehrere Tanzende hindurch, als handele es sich um Hologramme, ohne eine der l�chelnden Gestalten aus dem Takt zu bringen. Hugi kr�chzte mehrmals und kehrte zu mir zur�ck.</p><p>�Die Schau gef�llt mir�, sagte ich.</p><p>�Dekadent�, meinte er. �Du solltest so etwas nicht gerade f�r ein Kompliment halten, denn man rechnet damit, da� du es nicht schaffst. Sie suchten nur einen Vorwand f�r eine letzte Feier, ehe der Vorhang endg�ltig f�llt.�</p><p>Trotzdem schaute ich ein Weilchen zu, wobei ich mich auf meinen Stab lehnte. Die Formationen der T�nzer bewegten sich langsam im Kreis, bis eine der Frauen � eine kastanienbraune Sch�nheit � in meiner N�he war. Die Blicke der T�nzer waren zu keiner Zeit auf mich gerichtet; es war, als w�re ich nicht anwesend. Diese Frau jedoch warf mir mit einer genau berechneten Geste der rechten Hand einen kleinen Gegenstand vor die F��e.</p><p>Ich b�ckte mich und stellte fest, da� ich das Ding greifen konnte. Es war eine silberne Rose � mein Emblem. Ich richtete mich auf und machte sie an meinem Mantelkragen fest. Hugi blickte in die andere Richtung und sagte nichts. Ich hatte keinen Hut, den ich ziehen konnte, daf�r verbeugte ich mich vor der Dame. Ich konnte mich irren, doch ihr linker Augenwinkel schien gezuckt zu haben. Ich wandte mich zum Gehen.</p><p>Der Boden verlor bald wieder seine Gl�tte, und schlie�lich verhallte die Musik. Der Pfad wurde unebener, und wo immer der Nebel aufklarte, sah ich nur Gestein oder �de Ebenen. Ich kr�ftigte mich mit Hilfe des Juwels, wenn ich nicht mehr weiterkonnte, und stellte dabei fest, da� die hinzugewonnenen Energien in immer k�rzer werdenden Abst�nden aufgefrischt werden mu�ten.</p><p>Nach einer Weile bekam ich Hunger und rastete, um meine verbleibenden Rationen aufzuessen.</p><p>Hugi hockte in der N�he auf dem Boden und sah mir zu.</p><p>�Ich gebe zu, da� ich deine Beharrlichkeit in gewisser Weise bewundere�, sagte er, �und auch deine Einstellung, die du mit deinen Worten �ber die Ideale angedeutet hast. Aber das ist auch schon alles. Wir haben uns vorhin �ber die Sinnlosigkeit von Sehns�chten und Streberei unterhalten . . .�</p><p>�Du hast davon gesprochen. F�r mich ist das nicht die Hauptsorge im Leben.�</p><p>�Das sollte sie aber sein.�</p><p>�Ich habe schon ein langes Leben hinter mir, Hugi, und du kr�nkst mich, wenn du unterstellst, ich h�tte mich noch nie mit diesen Fu�noten zur Schulphilosophie befa�t. Der Umstand, da� du die nach allgemeiner �bereinstimmung vorhandene Realit�t unfruchtbar findest, verr�t mir mehr �ber dich als �ber diese Zustandsform. Und mehr noch, wenn du wirklich glaubst, was du da vorhin gesagt hast, tust du mir leid, weil du aus einem unerkl�rlichen Grund hier sein mu�t, in dem Bestreben, mein falsches Ego zu beeinflussen, anstatt solchen Unsinns ledig auf dem Weg zu deinem Absoluten zu sein. Wenn du nicht daran glaubst, verr�t mir das, da� man dich geschickt hat, um mich zu behindern und zu entmutigen, in welchem Falle du deine Zeit verschwendest.�</p><p>Hugi stie� eine Art Gurgeln aus. Dann fragte er: �Du bist nicht so blind, da� du das Absolute leugnest, den Anfang und das Ende von allem?�</p><p>�Bei einer liberalen Bildung kommt man auch ohne aus.�</p><p>�Du gibst die M�glichkeit aber zu?�</p><p>�Vielleicht kenne ich das Absolute besser als du, Vogel. Das Ego, so wie ich es sehe, existiert in einem Zwischenstadium zwischen Rationalit�t und instinktiver Existenz. Es auszul�schen w�re allerdings ein Zur�ckweichen. Wenn du von jenem Absoluten kommst � einem sich selbst aufl�senden Ganzen �, warum m�chtest du dann nach Hause zur�ckkehren? Verachtest du dich selbst so sehr, da� du Spiegel f�rchtest? Warum soll die Reise sich nicht wirklich lohnen? Entwickle dich! Lerne! Lebe! Wenn man dich auf eine Reise geschickt hat, warum m�chtest du ausbrechen und an den Ausgangspunkt zur�ckkehren? Oder hat dein Absolutes einen Fehler gemacht, indem es ein Wesen deines Kalibers schickte? Wenn du diese M�glichkeit einr�umst, ist unser Gespr�ch zu Ende.�</p><p>Hugi starrte mich an, dann sprang er in die Luft und flog davon. Vermutlich mu�te er in seinem Handbuch nachsehen . . .</p><p>Als ich aufstand, h�rte ich einen Donnerschlag. Ich marschierte weiter. Ich mu�te meinen Vorsprung halten.</p><p>Der Pfad verbreiterte und verengte sich mehrmals, ehe er auf einer kiesbedeckten Ebene v�llig verschwand. Je weiter ich wanderte, desto deprimierter wurde ich in dem Bem�hen, meinen geistigen Kompa� in der richtigen Einstellung zu halten. Jetzt waren mir die Ger�usche des Unwetters beinahe willkommen, gaben sie mir doch einen ungef�hren Anhalt daf�r, wo Norden lag. Nat�rlich waren die Dinge im Nebel ohnehin verwirrend, so da� ich mir meiner Sache nicht absolut sicher sein konnte. Au�erdem wurde das Donnergrollen lauter . . . Verdammt!</p><p>. . . Und ich hatte Star nachgetrauert und mich �ber Hugis �u�erungen aufgeregt. Heute war kein guter Tag. Ich begann zu zweifeln, ob ich meine Reise �berhaupt beenden konnte. Wenn ich nicht von irgendeinem namenlosen Bewohner dieser dunklen Welt �berfallen wurde, bestand die M�glichkeit, da� ich durch das Nichts marschieren w�rde, bis die Kr�fte mich verlie�en oder das Unwetter mich einholte. Ich wu�te nicht, ob ich es noch einmal schaffen w�rde, den alles ausl�schenden Sturm zur�ckzuschlagen. Ich begann daran zu zweifeln.</p><p>Ich versuchte den Nebel mit Hilfe des Juwels auseinanderzutreiben, aber es wirkte seltsam abgestumpft. Vielleicht war ich zu ersch�pft. Ich vermochte eine kleine Zone freizur�umen, die ich schnell durchquert hatte.</p><p>Bedauerlich. Es w�re h�bsch gewesen, wie in der Oper draufzugehen � in einem gro�en wagnerianischen Finale unter malerischen Himmelskulissen, im Kampf gegen gro�e Gegner. Dieses sinnlose Herumhasten in einem nebligen �dland war dagegen l�cherlich.</p><p>Ich kam an einigen Felsvorspr�ngen vorbei, die mir bekannt schienen. Bewegte ich mich etwa im Kreis? Man neigt dazu, sobald man v�llig die Orientierung verloren hat. Ich lauschte dem Donnern, um mich wieder zu orientieren. Widersinnigerweise war es still. Ich begab mich zu den Felsen, setzte mich auf den Boden und lehnte den R�cken daran. Es war sinnlos, einfach herumzuwandern. Ich wollte ein Weilchen auf das Signal des Donners warten. Im Sitzen zog ich meine Tr�mpfe. Vater hatte gesagt, sie w�rden eine Zeitlang nicht funktionieren, aber ich hatte im Augenblick nichts Besseres zu tun.</p><p>Nacheinander ging ich die Karten durch, versuchte die Abgebildeten zu erreichen bis auf Brand und Caine. Nichts. Vater hatte recht gehabt. Den Karten fehlte die vertraute K�lte. Schlie�lich mischte ich das Spiel durch und legte die Karten im Sand aus. Aber die Deutung �ber meine Zukunft war unm�glich, also steckte ich alle wieder fort. Ich lehnte mich zur�ck und w�nschte, ich h�tte noch etwas Wasser. L�nge Zeit horchte ich. Es kamen einige grollende Laute, die mir aber kein Richtungsgef�hl gaben. Die Tr�mpfe lie�en mich an meine Familie denken. Meine Angeh�rigen waren irgendwo vor mir � wo immer das sein mochte � und warteten auf mich. Und auf was? Ich bef�rderte das Juwel. Mit welchem Ziel? Zuerst hatte ich angenommen, seine Kr�fte w�rden beim entscheidenden Konflikt ben�tigt. Wenn das der Fall war und wenn ich tats�chlich der einzige war, der sie einsetzen konnte, stand es schlecht um uns. Dann dachte ich an Amber und sp�rte tiefe Reue und eine Art Angst. Amber durfte niemals ein Ende finden, niemals. Es mu�te einen Weg geben, das Chaos zur�ckzudr�ngen . . .</p><p>Ich warf einen kleinen Stein fort, mit dem ich herumgespielt hatte. Als ich ihn losgelassen hatte, bewegte er sich nur sehr langsam.</p><p>Das Juwel. Wieder machte sich sein Verlangsamungseffekt bemerkbar . . .</p><p>Ich entzog ihm Energie, und der Stein wirbelte davon. Es wollte mir scheinen, als h�tte ich erst vor kurzem neue Kraft aus dem Juwel gesch�pft. Diese Behandlung befl�gelte zwar meinen K�rper, doch mein Geist blieb vernebelt. Ich brauchte Schlaf � und Tr�ume. Dieser Ort mochte mir weitaus weniger ungew�hnlich vorkommen, wenn ich erst ausgeruht war.</p><p>Wie weit noch bis zu meinem Ziel? Lag es schon hinter der n�chsten Bergkette, oder eine gewaltige Strecke entfernt? Und welche Chance hatte ich, meinen Vorsprung vor dem Unwetter zu halten? Und die anderen? Was war, wenn die gro�e Schlacht bereits geschlagen war und wir verloren hatten? Mich plagten Visionen, da� ich zu sp�t k�me, da� ich nur noch als Totengr�ber wirken k�nne . . . Knochen und Nachrufe, Chaos . . .</p><p>Und wo war die verdammte schwarze Stra�e, wo ich sie nun endlich gebrauchen konnte? Wenn ich sie ausfindig machte, konnte ich ihr folgen. Ich hatte das Gef�hl, da� sie sich irgendwo links befinden mu�te . . .</p><p>Wieder schickte ich meine Sinne aus, teilte die Nebelschwaden, lie� sie zur�ckwallen . . . Nichts . . .</p><p>Eine Gestalt? Eine Bewegung?</p><p>Es war ein Tier, vielleicht ein gro�er Hund, der den Versuch machte, in der Deckung des Nebels zu bleiben. Wollte er sich anschleichen?</p><p>Das Juwel begann zu pulsieren, als ich den Nebel noch weiter zur�ckdr�ngte. Freistehend schien das Tier sich zu sch�tteln. Dann kam es direkt auf mich zu.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Als das Wesen in meine N�he kam, stand ich auf. Es war ein Schakal, ein gro�es Tier, das mir starr in die Augen blickte.</p><p>�Du kommst ein wenig fr�h�, sagte ich. �Ich habe nur gerastet.�</p><p>Das Wesen lachte leise. �Ich wollte mir lediglich einen Prinzen von Amber ansehen�, sagte das wilde Tier. �Alles andere w�re nur ein Bonus.�</p><p>Wieder lachte es. Ich tat es ihm nach.</p><p>�Dann la� deine Augen Mahlzeit halten. Versuche etwas anderes � und du wirst feststellen, da� ich doch ausgeruht bin.�</p><p>�Nein, nein�, gab der Schakal zur�ck. �Ich bin ein Anh�nger des Hauses von Amber. Und des Hauses aus dem Chaos. K�nigliches Blut reizt mich, Prinz des Chaos. Und Konflikte.�</p><p>�Du hast mir da eben einen ungew�hnlichen Titel gegeben. Meine Verbindung zu den H�fen des Chaos ist lediglich eine Frage der Abstammung.�</p><p>�Ich denke an die Bilder Ambers, die sich durch die Schatten des Chaos bewegen. Ich denke an die Wogen des Chaos, die �ber die Bilder Ambers dahinschw�mmen. Doch im Kern der Ordnung, f�r die Amber steht, bewegt sich eine h�chst chaotische Familie, w�hrend das Haus des Chaos ruhig und ausgeglichen ist. Trotzdem habt ihr eure Bindungen wie auch Konflikte.�</p><p>�Im Augenblick interessiere ich mich nicht f�r das Aufsp�ren von Paradoxa und Begriffsspiele. Ich versuche, zu den H�fen des Chaos zu gelangen. Kennst du den Weg?�</p><p>�Ja�, sagte der Schakal. �Dein Ziel ist nicht mehr fern, in gerader Linie jedenfalls. Komm, ich zeig dir die Richtung.�</p><p>Das Tier machte kehrt und entfernte sich. Ich folgte ihm.</p><p>�Laufe ich zu schnell? Du scheinst m�de zu sein.�</p><p>�Nein. Geh weiter! Es liegt gewi� hinter diesem Tal, habe ich nicht recht?�</p><p>�Ja. Es gibt da einen Tunnel.�</p><p>Ich folgte dem Schakal �ber Sand und Kies und trockenen harten Boden. Nichts wuchs hier. Mit der Zeit wurde der Nebel d�nner und nahm eine gr�nliche F�rbung an � vermutlich ein neuer Trick des gemaserten Himmels.</p><p>Nach einer Weile fragte ich laut: �Wie weit noch?�</p><p>�Nicht mehr weit�, lautete die Antwort. �Wirst du m�de? M�chtest du rasten?�</p><p>Im Sprechen drehte sich der Schakal um. Das gr�nliche Licht lie� den h��lichen Kopf noch gespenstischer erscheinen. Aber ich brauchte einen F�hrer; au�erdem gingen wir bergauf, was ich f�r richtig hielt.</p><p>�Gibt es Wasser in der N�he?� wollte ich wissen.</p><p>�Nein. Wir m��ten ein gutes St�ck zur�ckgehen.�</p><p>�Vergi� es. Dazu fehlt mir die Zeit.�</p><p>Der Schakal zuckte die Achseln, lachte leise und schritt weiter. Der Nebel klarte noch ein wenig mehr auf, und ich sah, da� wir eine niedrige Bergkette erreichten. Ich st�tzte mich auf meinen Stock und hielt Schritt.</p><p>Etwa eine halbe Stunde lang kletterten wir, ohne innezuhalten, und der Boden wurde steiniger, der Hang immer steiler. Ich begann zu keuchen.</p><p>�Warte!� rief ich dem Tier nach. �Jetzt m�chte ich mich doch ausruhen. Ich dachte, du h�ttest gesagt, es w�re nicht weit.�</p><p>�Verzeih�, sagte das Tier, �die Schakalozentrik. Ich habe in Begriffen meiner nat�rlichen Geschwindigkeit gesprochen. Das war ein Fehler, doch inzwischen sind wir tats�chlich fast am Ziel. Warum willst du dich nicht dort ausruhen?�</p><p>�Na sch�n�, erwiderte ich und ging weiter.</p><p>Nach kurzer Zeit erreichten wir eine Steinmauer, die sich als Fu� eines Berges entpuppte. Wir suchten uns zwischen dem davor lagernden Felsschutt einen Weg und erreichten endlich eine �ffnung, die in Dunkelheit f�hrte.</p><p>�Da hast du es�, sagte der Schakal. �Der Weg f�hrt geradeaus, und es gibt keine st�renden Abzweigungen. Geh hindurch! Ich w�nsche dir schnelles Vorankommen.�</p><p>�Vielen Dank�, erwiderte ich und gab den Gedanken an eine Rast zun�chst auf. Dann betrat ich die H�hle. �Ich wei� deine Hilfe zu sch�tzen.�</p><p>�War mir eine Freude�, sagte der Schakal hinter mir.</p><p>Ich machte noch mehrere Schritte. Etwas knirschte unter meinen F��en und klapperte, als ich es zur Seite trat. Ein Ger�usch, das man nicht so schnell vergi�t. Der Boden war mit Knochen �bers�t.</p><p>Ein weiches, abruptes Ger�usch ert�nte hinter mir, und ich wu�te, da� mir nicht mehr die Zeit blieb, Grayswandir zu ziehen. Ich wirbelte herum, hob den Stab und stie� damit zu.</p><p>Diese Bewegung blockte den Sprung des Ungeheuers ab und traf es schmerzhaft an der Schulter. Doch zugleich wurde ich zur�ckgedr�ngt und st�rzte r�cklings zwischen die Knochen. Der Stab wurde mir beim Aufprall aus der Hand gewirbelt, und in den Sekundenbruchteilen, die mir der Sturz meines Gegners zur Entscheidung lie�, zog ich es vor, Grayswandir zu ziehen und nicht nach dem Holz zu tasten.</p><p>Es gelang mir, die Klinge blank zu ziehen, aber mehr auch nicht. Ich lag noch auf dem R�cken, und die Spitze der Waffe zeigte nach links, als der Schakal sich erholte und erneut ansprang. Mit voller Kraft lie� ich den Schwertknauf herumfahren und stie� ihn dem Angreifer ins Gesicht.</p><p>Die Ersch�tterung fuhr mir schmerzhaft durch den Arm und in die Schulter. Der Kopf des Schakals ruckte zur�ck, und sein K�rper drehte sich nach links. Sofort richtete ich die Klinge entsprechend aus, den Griff mit beiden H�nden umfassend, und vermochte mich auf das rechte Knie hochzustemmen, ehe das Tier fauchte und von neuem zum Angriff �berging. Als ich sah, da� ich das Tier gut erreichen konnte, z�gerte ich nicht, mein volles Gewicht hinter die Klinge zu legen, die ich tief in den K�rper des Schakals trieb. Ich lie� den Stahl sofort los und rollte zur Seite, um dem zuschnappenden Maul zu entgehen.</p><p>Der Schakal kreischte laut, versuchte sich aufzurichten und fiel wieder zu Boden. Keuchend lag auch ich zwischen den Knochen. Ich sp�rte den Holzstock unter mir und griff danach. Ich nahm ihn zur Hand und kroch zur H�hle zur�ck. Das Tier kam jedoch nicht wieder hoch, sondern lag zuckend am Boden. Im schwachen Licht konnte ich erkennen, da� es sich �bergab. Der Geruch war ekelerregend.</p><p>Dann wandte es den Blick in meine Richtung und r�hrte sich nicht mehr.</p><p>�Es w�re so sch�n gewesen�, sagte es leise, �einen Prinzen von Amber zu fressen. Ich habe mich immer gefragt, wie wohl k�nigliches Blut schmeckt.�</p><p>Dann brachen die Augen, und das Atmen h�rte auf, und ich war allein mit dem Gestank.</p><p>Mit dem R�cken zur Wand richtete ich mich auf, den Stab vor mir erhoben. Es dauerte eine Weile, ehe ich den Mut aufbrachte, mein Schwert zur�ckzuholen.</p><p>Ein kurzer Rundgang ergab, da� ich mich nicht in einem Tunnel befand, sondern in einer H�hle. Ich kehrte ins Freie zur�ck, wo der Nebel gelb geworden war und ab und zu von einer Brise aus der Tiefe des Tals bewegt wurde.</p><p>Ich lehnte mich mit dem R�cken an die Felswand und versuchte mir dar�ber klarzuwerden, welche Richtung ich einschlagen sollte. Einen Weg gab es nicht.</p><p>Schlie�lich wandte ich mich nach links. Dort kam mir der Hang irgendwie steiler vor, und ich wollte so schnell wie m�glich nach oben aus dem Nebel hinaus und in die Berge gelangen. Der Stab leistete mir weiter gute Dienste. Ich hoffte irgendwo auf Wasser zu sto�en, aber das schien es hier nicht zu geben.</p><p>So k�mpfte ich mich weiter, stets aufw�rts, und der Nebel wurde d�nner und ver�nderte die Farbe. Schlie�lich war auszumachen, da� ich einem breiten Plateau entgegenkletterte. Dar�ber konnte ich stellenweise schon den bunten und bewegten Himmel erkennen.</p><p>Hinter mir ert�nten mehrere heftige Donnerschl�ge, aber noch immer vermochte ich die Lage des Unwetters nicht zu bestimmen. Ich beschleunigte daraufhin meine Schritte, f�hlte mich jedoch nach wenigen Minuten schwindlig. Ich blieb stehen und setzte mich schweratmend auf den Boden. Niedergeschlagenheit �berw�ltigte mich. Selbst wenn ich es bis zur Hochebene schaffte, mochte mich das Unwetter dort �berholen und verschlingen. Ich rieb mir die Augen mit den Handwurzeln. Was n�tzte es, weiterzukommen, wenn ich im Grunde keine Chance hatte?</p><p>Ein Schatten bewegte sich durch den pistazienfarbenen Nebel, st�rzte auf mich zu. Ich hob den Stab, ehe ich sah, da� es sich um Hugi handelte. Der Vogel bremste ab und landete vor meinen F��en. �Corwin�, sagte er. �Du bist ja schon ziemlich weit vorangekommen.�</p><p>�Aber vielleicht nicht weit genug�, gab ich zur�ck. �Die Regenfront scheint immer n�herzukommen.�</p><p>�Da hast du wohl recht. Ich habe meditiert und m�chte dir gern �ber das Ergebnis einen kleinen Vortrag . . .�</p><p>�Wenn du mir einen Gefallen tun m�chtest�, warf ich ein, �h�tte ich eine kleine Aufgabe f�r dich.�</p><p>�Und die w�re?�</p><p>�Flieg zur�ck und schau, wie weit das Unwetter noch hinter mir steht und wie schnell es vorankommt. Dann kehrst du zur�ck und erz�hlst es mir.�</p><p>Hugi h�pfte von einem Fu� auf den anderen. �Na sch�n�, sagte er dann, sprang in die Luft und flatterte in einer Richtung davon, die ich f�r Nordwesten hielt.</p><p>Ich klemmte mich auf den Stock und stand auf. Am besten kletterte ich unterdessen weiter, so gut ich es vermochte. Wieder wandte ich mich hilfeheischend an das Juwel, und die Energie fuhr wie ein rotgl�hender Blitzstrahl durch meinen K�rper.</p><p>Nach einiger Zeit machte sich eine feuchte Brise aus der Richtung bemerkbar, in die Hugi verschwunden war. Wieder ert�nte ein Donnerschlag. Das Grollen hatte aufgeh�rt.</p><p>Ich nutzte den Energiesto� nach besten Kr�ften aus und kletterte schnell und umsichtig mehrere hundert Meter h�her. Wenn ich schon untergehen sollte, dann konnte ich vorher auch noch den Gipfel erreichen. Dort konnte ich wenigstens sehen, wo ich mich befand und ob es nicht doch noch einen letzten Ausweg gab.</p><p>Je h�her ich kam, desto klarer zeichnete sich der Himmel ab, der sich seit dem letzten Hinschauen erheblich ver�ndert hatte. Zur H�lfte zeigte er eine ungebrochene Schw�rze, zur anderen H�lfte ein Gewirr verschwimmender Farben. Die gesamte Himmelsschale schien um einen direkt �ber mir liegenden Punkt zu kreisen. Diese Entdeckung erf�llte mich mit Erregung. Genau diesen Himmel hatte ich gesucht, den Himmel, der sich schon damals �ber mir gespannt hatte, als ich meine erste Reise zum Chaos unternahm. Ich m�hte mich weiter. Am liebsten h�tte ich einen aufmunternden Schrei ausgesto�en, aber dazu war meine Kehle zu trocken.</p><p>Als ich mich dem Rand des Plateaus n�herte, h�rte ich ein Flattern. Pl�tzlich sa� mir Hugi auf der Schulter.</p><p>�Das Unwetter macht Anstalten, dir in den Hintern zu kriechen�, sagte er. �Kann jeden Augenblick hier sein.�</p><p>Ich setzte meinen Aufstieg fort, erreichte ebenen Boden und stemmte mich f�rmlich hinauf. Einen Augenblick lang verweilte ich schweratmend. Hier schien der Wind den Nebel zu vertreiben, denn vor mir sah ich eine glatte Hochebene und vermochte den Himmel auf gro�e Entfernung auszumachen. Ich wanderte los, um mir eine Stelle zu suchen, von der aus ich �ber den gegen�berliegenden Rand des Plateaus schauen konnte. Gleichzeitig wurde das Toben des Unwetters hinter mir wieder lauter.</p><p>�Ich glaube nicht, da� du es bis hin�ber schaffst�, sagte Hugi, �ohne na� zu werden.�</p><p>�Du wei�t, da� das kein normales Unwetter ist�, sagte ich gepre�t. �Wenn es das w�re, w�rde ich die Gelegenheit zu einem Trunk frischen Wassers nur begr��en.�</p><p>�Ich wei�. Ich habe ja auch nur im �bertragenen Sinne gesprochen.�</p><p>Ich brummte eine zotige Bemerkung und marschierte weiter.</p><p>Allm�hlich breitete sich das Panorama vor mir aus. Der Himmel f�hrte seinen verr�ckten Schleiertanz auf wie zuvor, aber inzwischen war das Licht mehr als ausreichend. Als ich eine Stelle erreichte, von der aus ich klar �berschauen konnte, was vor mir lag, blieb ich stehen und st�tzte mich schw�chlich auf meinen Stab.</p><p>�Was ist los?� fragte Hugi.</p><p>Aber ich brachte kein Wort heraus. Ich deutete lediglich auf das weite �dland, das irgendwo unterhalb des gegen�berliegenden Plateaurandes begann und sich mindestens vierzig Meilen weit erstreckte, ehe es an einer weiteren Bergkette endete. Und weit entfernt zur Linken erstreckte sich in gewohnter Klarheit die schwarze Stra�e.</p><p>�Die W�ste da?� fragte er. �Ich h�tte dir gleich sagen k�nnen, da� sie da ist. Warum hast du mich nicht gefragt?�</p><p>Ich stie� einen Laut aus, halb �chzen, halb Schluchzen, und lie� mich langsam zu Boden sinken.</p><p>Wie lange ich in dieser Stellung verharrte, wei� ich nicht genau. Ich hatte beinahe das Gef�hl, im Delirium zu sein. Irgendwann glaubte ich sogar eine L�sung auszumachen, wenn es in mir auch eine Stimme gab, die sich heftig dagegen aussprach. Endlich lie�en mich das Tosen des Sturms und Hugis Geplapper wieder zu mir kommen.</p><p>�Ich schaffe es nicht hin�ber�, fl�sterte ich. �Es geht nicht.�</p><p>�Du sagst, du kannst es nicht schaffen�, sagte Hugi. �Aber du hast nicht versagt. Wenn man sich bem�ht, gibt es kein Versagen und auch keinen Sieg. Das ist alles nur eine Illusion des Ego.�</p><p>Langsam richtete ich mich auf die Knie. �Ich habe nicht gesagt, ich h�tte versagt.�</p><p>�Du sagtest, du k�nntest dein Ziel nicht erreichen.�</p><p>Ich blickte zu dem n�herkriechenden Unwetter zur�ck, dessen Blitze nun deutlich zu erkennen waren.</p><p>�Richtig, so schaffe ich es nicht. Aber wenn Vater es nicht geschafft hat, mu� ich etwas versuchen, von dem Brand mich �berzeugen wollte, da� nur er es vermag. Ich mu� ein neues Muster schaffen, hier und jetzt.�</p><p>�Du? Ein neues Muster schaffen? Wenn Oberon das nicht gelungen ist, wie k�nnte es ein Mann schaffen, der sich kaum noch auf den F��en h�lt? Nein, Corwin! Ergib dich in dein Schicksal, das ist in dieser Lage die gr��te Tugend, der du dich verschreiben kannst.�</p><p>Ich hob den Kopf und senkte den Stab auf den Boden. Hugi flatterte herab und landete daneben. Ich sah ihn an.</p><p>�Du willst nichts von dem glauben, was ich dir gesagt habe, nicht wahr?� fragte ich. �Aber egal. Der Graben zwischen unseren Ansichten l��t sich nicht zusch�tten. F�r mich sind Sehns�chte eine verdeckte Identit�t und das Streben nach Wachstum. F�r dich nicht.� Ich hob die H�nde und legte sie auf die Knie. �Wenn f�r dich die Vereinigung mit dem Absoluten das Gr��te ist, warum fliegst du nicht los, um dich ihm anzuschlie�en, in der Form des allesdurchdringenden Chaos, das sich uns n�hert? Wenn ich hier versage, wird es das Absolute werden. Was mich betrifft, so mu� ich versuchen, solange sich noch ein Atem in mir regt, ein Muster dagegen zu errichten. Ich tue dies, weil ich bin, was ich bin, und ich bin der Mann, der K�nig von Amber h�tte werden k�nnen.�</p><p>Hugi senkte den Kopf.</p><p>�Eher sehe ich dich Dreck fressen�, sagte er und lachte.</p><p>Meine Hand zuckte vor, und ich drehte ihm den Hals um, wobei ich mir w�nschte, ich h�tte die Zeit gehabt, ein Feuer anzuz�nden. Obwohl es wie ein Opfer aussah, vermochte ich nicht zu sagen, wem moralisch der Sieg geb�hrte, da ich es auf jeden Fall hatte tun wollen.</p></section><section><title><p>9</p></title><p><emphasis>. . .</emphasis> Cassis, und der Geruch der Kastanienbl�ten. Auf der vollen L�nge der Champs-Elys�es sch�umten die Kastanienb�ume in wei�er Pracht . . .</p><p>Ich erinnerte mich an das Pl�tschern der Brunnen auf dem Place de la Concorde . . . Und dann die Rue de la Seine hinab und am Seineufer entlang, der Geruch der alten B�cher, der Geruch des Flusses . . . der Duft der Kastanienbl�ten . . .</p><p>Warum erinnerte ich mich pl�tzlich an das Jahr 1905 und das Paris dieses Jahres auf der Schatten-Erde � bis auf den Umstand, da� ich in jenem Jahr sehr gl�cklich gewesen war und mir automatisch einen Ausgleich f�r die Gegenwart gesucht hatte? Ja . . .</p><p>Wei�er Absinth, Amer Picon, Grenadinen . . . Wilde Erdbeeren mit Cr�me d�Isigny . . . Schach im Caf� de la R�gence mit Schauspielern der Com�die Fran�aise, die gleich gegen�ber lag . . . Die Pferderennen in Chantilly . . . Abende im Bo�te � Fursy an der Rue Pigalle . . .</p><p>Energisch stellte ich den linken Fu� vor den rechten, den rechten vor den linken. In der linken Hand hielt ich die Kette, an der das Juwel baumelte � und ich hielt es in die H�he, damit ich in die Tiefen des Steins starren konnte, damit ich dort das Hervortreten des neuen Musters sehen und f�hlen konnte, das ich mit jedem Schritt niederlegte. Ich hatte meinen Stock in den Boden gedreht und am Beginn des Musters zur�ckgelassen. Links . . .</p><p>Der Wind sang ringsum, und ganz in der N�he hallte Donner. Hier sp�rte ich keinen physischen Widerstand, wie ich ihn auf dem alten Muster hatte �berwinden m�ssen. Hier gab es �berhaupt keine Hemmnisse. Statt dessen � und das war in mancher Hinsicht schlimmer � waren alle meine Bewegungen von einer seltsamen Behutsamkeit bestimmt, die alles verlangsamte und ritualisierte. Ich schien mehr Energie auf die Vorbereitung jeden Schrittes zu vergeuden � ich stellte ihn mir vor, bedachte ihn, richtete meinen Geist auf die Ausf�hrung ein, auf die tats�chliche Durchf�hrung der Bewegung. Doch schien die Langsamkeit aus sich selbst heraus geboren, sie wurde mir von einem unbekannten Element abgefordert, die f�r alle meine Bewegungen Pr�zision und ein Adagio-Tempo voraussetzte. Rechts . . .</p><p>. . . Und so wie das Muster in Rebma meine verbla�ten Erinnerungen aufgefrischt hatte, so weckte dieses Muster, das ich hier zu schaffen versuchte, den Geruch der Kastanienb�ume, das Aroma der Wagen mit frischem Gem�se, die durch die Morgend�mmerung den Markthallen entgegenfuhren . . . Damals hatte ich keine gro�e Liebe, wenn es auch viele M�dchen gab � Yvettes und Mimis und Simones, ihre Gesichter flie�en ineinander �, und es war Fr�hling in Paris, mit Zigeunerkapellen und Cocktails bei Louis . . . Ich erinnerte mich, und mein Herz h�pfte in einer Art Proust�schen Freude, w�hrend die Zeit ringsum wie eine Glocke ert�nte . . . Und vielleicht war dies der Grund f�r die R�ckerinnerung, denn diese Freude schien sich meinen Bewegungen mitzuteilen, schien meine Wahrnehmungen anzureichern, meinen Willen zu st�rken . . .</p><p>Ich sah den n�chsten Schritt und machte ihn . . . Einen vollen Kreis hatte ich bereits beschrieben und den Perimeter meines Musters geschaffen. Hinter mir sp�rte ich das Unwetter. Es mu�te bereits den Rand des Plateaus erstiegen haben. Der Himmel verd�sterte sich, die Regenfront l�schte die schwingenden, schwimmenden bunten Lichter aus. Blitze zuckten, und ich konnte keine Energie oder Aufmerksamkeit mehr er�brigen f�r den Versuch, diese Dinge zu steuern.</p><p>Nach Abschlu� der ersten Runde sah ich nur den Teil des neuen Musters, den ich abgeschritten hatte, als hellblau leuchtende Markierung im Gestein. Dort gab es keine Funken, nichts kribbelte an meinen F��en, keine elektrisierenden Spannungen lie�en mir die Haare zu Berge stehen � nur das gleichf�rmige Gesetz der Behutsamkeit wirkte, lag mir wie ein M�hlstein um den Hals . . . Links . . .</p><p>. . . Mohnbl�ten, Mohn und Kornblumen und hohe Pappeln an Landstra�en, der Geschmack des Apfelweins aus der Normandie. Dann zur�ck in der Stadt, der Geruch der Kastanienbl�ten . . . die Seine voller Sterne . . . Der Geruch der alten Backsteinh�user am Place des Vosges nach einem morgendlichen Schauer . . . Die Bar unter dem Olympia-Musiktheater . . . Dort ein Kampf . . . Blutige Kn�chel, verbunden von einem M�dchen, das mich mit nach Hause nahm . . . Wie hie� sie doch gleich? Kastanienbl�ten . . . Eine wei�e Rose . . .</p><p>Ich bl�hte die Nasenfl�gel. Die Reste der Rose an meinem Kragen hatten beinahe jeden Geruch verloren. Es �berraschte mich, da� sich der Duft �berhaupt so lange gehalten hatte. Dies gab mir Auftrieb. Ich dr�ngte voran, wobei ich mich in sanfter Kurve nach rechts wandte. Aus dem Augenwinkel sah ich die vorr�ckende Sturmfront, glatt wie Glas, alles ausl�schend, das sie passierte. Das Brausen ihres Donners war ohrenbet�ubend.</p><p>Rechts, links . . .</p><p>Das Vorr�cken der Armeen der Nacht . . . W�rde mein Muster gegen sie standhalten? Ich w�nschte, ich k�nnte mich beeilen, statt dessen schien ich im weiteren Verlauf immer langsamer voranzukommen. Ein seltsames Gef�hl des Zwiespalts erf�llte mich, als bef�nde ich mich auch im Innern des Juwels und z�ge dort das Muster nach, w�hrend ich mich zugleich hier drau�en bewegte, es betrachtete, und seinen Fortschritt begutachtete. Links . . . eine Wendung . . . dann rechts . . . Das Unwetter r�ckte immer weiter vor. Bald w�rde es die Knochen des alten Hugi erreichen. Ich roch die Feuchtigkeit und das Ozon und machte mir meine Gedanken �ber den seltsamen dunklen Vogel, der mir gesagt hatte, er habe seit dem Anbeginn der Zeit auf mich gewartet. Gewartet, um mit mir zu diskutieren oder um an diesem geschichtslosen Ort von mir verzehrt zu werden? Wie auch immer, in Anbetracht der �bertreibung, zu der Moralisten neigen, war es nur passend, da� er unter dramatischem Donnern verspeist worden war, nachdem er es nicht geschafft hatte, mir das Herz wegen meines seelischen Zustands schwerzumachen . . . Donner tobte in der Ferne, in der N�he, lauter und immer lauter. Als ich mich noch einmal in diese Richtung wandte, waren die Blitze blendend grell. Ich umklammerte meine Kette und machte einen weiteren Schritt . . .</p><p>Das Unwetter schob sich bis an den Rand meines Musters vor und teilte sich dann. Es begann um mich herumzukriechen. Kein Tropfen fiel auf mich oder das Muster. Doch allm�hlich wurden wir von der Erscheinung v�llig eingeh�llt.</p><p>Ich hatte den Eindruck, als bef�nde ich mich in einer Luftblase auf dem Boden eines st�rmischen Meeres. Wassermauern schlossen mich ein, dunkle Gestalten huschten vorbei. Es wollte mir scheinen, als dr�nge das gesamte Universum heran in dem Bestreben, mich zu zermalmen. Ich konzentrierte mich auf die rote Welt des Juwels. Links . . .</p><p>Die Kastanienbl�ten . . . Eine Tasse hei�en Kakaos in einem Stra�en-Caf� . . . Ein Konzert in den G�rten der Tuilerien, die T�ne in der sonnenhellen Luft perlend aufsteigend . . . Berlin in den Zwanziger Jahren, der Pazifik in den Drei�igern � auch dort hatte es Freuden gegeben, doch von anderer Art. Es mochte sich nicht um die wahre Vergangenheit handeln, doch um Bilder der Vergangenheit, die herbeieilen, um uns, Mensch oder Nation, sp�ter zu tr�sten oder zu qu�len. Egal. �ber den Pont Neuf und die Rue de Rivoli hinab, Busse und Kutschen . . . Maler vor ihren Staffeleien in den Luxembourg-G�rten . . . Wenn alles gut wurde, mochte ich mir eines Tages einen Schatten dieser Art suchen . . . er stand auf gleicher H�he mit meinem Avalon. Ich hatte viel vergessen . . . Die Einzelheiten . . . Die Farbtupfer, die das Leben ausmachen . . . Der Geruch der Kastanien . . .</p><p>Ausschreiten . . . Ich vollendete eine neue Schleife. Der Wind heulte, und das Unwetter brauste weiter, doch ich blieb davon unber�hrt. Solange ich mich davon nicht ablenken lie�, solange ich in Bewegung blieb und mich auf das Juwel konzentrierte . . . Ich mu�te durchhalten, durfte nicht aufh�ren, meine langsamen, vorsichtigen Schritte zu machen, durfte nicht innehalten, langsamer und immer langsamer gehend, doch st�ndig in Bewegung . . . Gesichter . . . Es kam mir vor, als starrten Reihen von Gesichtern von au�erhalb auf das Muster . . . Gro� wie der Riesenkopf, doch verzerrt � grinsend, sp�ttelnd, mich verh�hnend, darauf wartend, da� ich innehielt oder einen falschen Schritt machte . . . Darauf wartend, da� sich meine kleine Welt aufl�ste . . . Hinter ihren Augen und in ihren M�ndern zuckten Blitze, ihr Lachen war das Donnern . . . Schatten krochen zwischen ihnen . . . Jetzt sprachen sie zu mir, in Worten wie ein Sturm, der �ber einen weiten dunklen Ozean herbeitobte . . . Ich w�rde es nicht schaffen, redeten sie mir ein, ich w�rde versagen und davongeschwemmt werden, dieses Bruchst�ck von Muster w�rde hinter mir zerschmettert und aufgezehrt werden . . . Sie verfluchten mich, sie spuckten und erbrachen sich in meine Richtung, wobei ich unbehelligt blieb . . . Vielleicht waren sie in Wirklichkeit gar nicht vorhanden . . . Vielleicht hatte die Anstrengung mich den Verstand gekostet . . . Was n�tzten dann meine M�hen? Ein neues Muster, von einem Wahnsinnigen geformt? Ich geriet ins Schwanken, und die Wesen br�llten im Chor, mit den Stimmen der Elemente im Chor: �Verr�ckt! Verr�ckt! Verr�ckt!�</p><p>Ich atmete tief ein, geno� den Rest des Rosendufts und dachte erneut an Kastanien und an Tage voller Lebensfreude und organischer Ordnung. Die Stimmen schienen leiser zu werden, als meine Gedanken �ber die Ereignisse jenes gl�cklichen Jahres dahinhuschten . . . Und ich machte einen weiteren Schritt . . . Und noch einen . . . Sie hatten meine Schw�chen ausgenutzt, sie sp�rten meine Zweifel, meine Angst, meine Ersch�pfung . . . Was immer sie waren, sie nahmen, was sie erblickten, und versuchten es gegen mich zu benutzen . . . Links . . . rechts . . . Nun aber sollten sie mein Selbstvertrauen sp�ren und dahinschwinden, redete ich mir ein. Ich habe es bis hierher geschafft. Jetzt mache ich auch weiter. Links . . .</p><p>Sie schwollen an und umwirbelten mich und setzten ihre entmutigenden �u�erungen fort. Ich aber brachte einen weiteren Abschnitt des Bogens hinter mich und sah das Muster vor meinem inneren Auge weiter anwachsen.</p><p>Ich dachte an meine Flucht aus dem Greenwood-Krankenhaus, an den Trick, mit dem ich Flora Informationen abgeluchst hatte, an meine Begegnung mit Random, meinen Kampf mit seinen Verfolgern, unsere R�ckkehr nach Amber . . . Ich dachte an unsere Flucht nach Rebma und meinen Marsch durch das umgekehrte Muster, der mir einen Gro�teil meines Ged�chtnisses zur�ckbrachte . . . An Randoms Heirat und meine R�ckkehr nach Amber, wo ich gegen Eric k�mpfte und zu Bleys floh . . . An die nachfolgenden K�mpfe, meine Blendung, meine Gesundung, meine Flucht, meine Reise nach Lorraine und dann nach Avalon . . .</p><p>Immer schneller werdend, klapperte mein Geist die Erinnerung an die nachfolgenden Ereignisse ab. Ganelon und Lorraine . . . Die Ungeheuer des Schwarzen Kreises . . . Benedicts Arm . . . Dara . . . Die R�ckkehr Brands und seine Dolchwunde . . . Meine Messerwunde . . . Bill Roth . . . Krankenhausunterlagen. Mein Unfall . . .</p><p>. . . Vom Anfang in Greenwood �ber all die dazwischenliegenden Ereignisse, bis hin zu diesem Kampf um jeden perfekt auszuf�hrenden Schritt, durch diesen gewaltigen Bogen der Zeit und Erlebnisse � unabh�ngig davon, ob meine Handlungen dem Thron, meiner Rache oder meinem Pflichtgef�hl galten � sp�rte ich das Anwachsen eines Gef�hls der Erwartung, einer Erwartung, die die ganze Zeit bestanden hatte, bis zu diesem Augenblick, da sich schlie�lich noch etwas anderes hinzugesellte . . . Ich sp�rte, da� das Warten endlich vorbei war, da� nun bald das eintreten w�rde, was ich vorausgesehen und dem ich entgegengestrebt hatte.</p><p>Links . . . Sehr, sehr langsam. Nichts anderes hatte im Augenblick Bedeutung. Ich legte meine ganze Willenskraft in die Bewegungen. Meine Konzentration wurde absolut. Was immer sich au�erhalb des Musters befinden mochte, ich nahm davon keine Notiz mehr. Blitze, Gesichter, Windst��e . . . Darauf kam es nicht an. Es gab nur das Juwel, das wachsende Muster und mich � und meiner selbst war ich mir dabei gar nicht bewu�t. Vielleicht kam ich in diesem Augenblick Hugis Ideal von der Verschmelzung mit dem Absoluten am n�chsten. Eine Drehung. Rechter Fu� . . . Wieder eine Wendung . . .</p><p>Die Zeit hatte keine Bedeutung mehr. Der Raum war auf das Muster beschr�nkt, das ich mit den F��en schuf. Ich bezog jetzt Energie aus dem Juwel, ohne sie bewu�t zu rufen, als Teil des Vorgangs, der hier ablief. Auf eine Weise war ich wohl ausgel�scht. Ich verwandelte mich in einen sich bewegenden Punkt, programmiert durch das Juwel, eine Aufgabe ausf�hrend, die mich derma�en absorbierte, da� ich f�r mein eigenes Ich-Bewu�tsein keine Aufmerksamkeit mehr �brig hatte. Auf einer anderen Ebene jedoch war mir klar, da� auch das zu dem hier ablaufenden Proze� geh�rte. Denn aus irgendeinem Grunde wu�te ich, da� sich ein g�nzlich anderes Muster ergeben w�rde, wenn ein anderer hier an meiner Stelle st�nde.</p><p>Ich bekam nur vage mit, da� ich die H�lfte meines Weges zur�ckgelegt hatte. Das Vorankommen war noch m�hsamer geworden, meine Bewegungen verlangsamten sich noch mehr. Trotz des Unterschieds der Geschwindigkeit f�hlte ich mich irgendwie an den Augenblick erinnert, da ich auf das Juwel eingestimmt wurde, an die seltsame vieldimensionale Matrix, in der der Quell des eigentlichen Musters zu liegen scheint.</p><p>Rechts . . . Links . . .</p><p>Ich sp�rte keine Behinderung. Eher kam ich mir leicht vor, trotz der Behutsamkeit, die mich bannte. Grenzenlose Energie schien mich zu durchstr�men. Die Ger�usche ringsum waren zu einem nichtssagenden L�rm verschmolzen und dann verschwunden.</p><p>Und pl�tzlich schien ich gar nicht mehr langsam voranzukommen. Ich hatte nicht den Eindruck, einen Schleier oder eine sonstige Barriere �berwunden zu haben, vielmehr war mir, als h�tte sich eine innere Umstellung vollzogen.</p><p>Es kam mir vor, als bewege ich mich pl�tzlich in einem normaleren Tempo durch immer enger werdenden Schleifen auf meinem Weg zu der Stelle, die der Endpunkt des Musters sein w�rde. Ich war gef�hlsm��ig noch weitgehend unbeteiligt, wenn ich auch mit dem Verstand wu�te, da� auf einer tieferliegenden Ebene ein Freudengef�hl wuchs und sich bald Bahn brechen w�rde. Noch ein Schritt . . . und ein weiterer . . . Vielleicht noch ein halbes Dutzend Schritte . . .</p><p>Pl�tzlich verdunkelte sich die Welt. Ich glaubte in einer gro�en Leere zu stehen, darin nur das schwache Leuchten des Juwels vor meinem Gesicht und das Schimmern des Musters, durch das ich schritt, einem Spiralnebel gleich. Ich z�gerte, doch nur eine Sekunde lang. Dies mu�te die letzte Anfechtung sein, der letzte Angriff. Ich mu�te der Ablenkung widerstehen.</p><p>Das Juwel zeigte mir, was ich tun mu�te, und das Muster zeigte mir, wo ich es zu tun hatte. Es fehlte nur eine Vision meiner selbst. Links . . .</p><p>Ich machte weiter und schenkte jeder Bewegung meine volle Aufmerksamkeit. Endlich begann sich auch eine Kraft gegen mich zu ergeben, wie ich es auf dem alten Muster oft bemerkt hatte. Aber Jahre der Erfahrung hatten mich darauf vorbereitet. Gegen die st�rker werdende Barriere k�mpfte ich zwei weitere Schritte heraus.</p><p>Dann sah ich im Innern des Juwels das Ende des Musters. Die pl�tzliche Erkenntnis seiner Sch�nheit h�tte mir beinahe den Atem verschlagen, doch in dieser Phase unterlag sogar mein Atem dem konzentrierten Willen meines Geistes. Ich legte meine ganze Kraft in den n�chsten Schritt, und die Leere ringsum schien zu beben. Ich vollendete die Bewegung, und das n�chste Vorr�cken war noch schwieriger. Ich hatte das Gef�hl, im Mittelpunkt des Universums zu stehen, auf Sterne tretend, im wesentlichen durch Willenskraft eine unerl��liche Bewegung vollf�hrend.</p><p>Langsam r�ckte mein Fu� vor, den ich allerdings nicht sehen konnte. Das Muster wurde pl�tzlich heller, bis es beinahe unertr�glich grell funkelte.</p><p>Nur noch ein kleines St�ck. Ich m�hte mich verzweifelter als je zuvor auf dem alten Muster, denn der Widerstand erschien mir nun absolut zu sein. Ich mu�te ihm mit einer Entschlossenheit und Best�ndigkeit des Willens gegen�bertreten, die alles andere ausschlossen, obwohl ich nun �berhaupt nicht mehr voranzukommen schien, obwohl alle meine Energien anscheinend darauf verschwendet wurden, das Muster heller scheinen zu lassen. Wenigstens w�rde ich vor einem prachtvollen Hintergrund untergehen . . .</p><p>Minuten, Tage, Jahre . . . Ich wei� nicht, wie lange das Ganze dauerte. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, als w�re ich in meiner Anstrengung schon seit Urbeginn gefangen.</p><p>Aber dann bewegte ich mich, und wie lange das dauerte, wei� ich nicht. Jedenfalls vollendete ich den Schritt und setzte zu einem neuen an. Und machte noch einen . . .</p><p>Das Universum schien rings um mich zu kreisen. Ich war durch.</p><p>Der Druck verschwand. Die Schw�rze war fort . . .</p><p>Einen Augenblick lang stand ich im Mittelpunkt meines Musters. Ohne es �berhaupt anzusehen, sank ich nach vorn auf die Knie und kr�mmte mich zusammen. Das Blut rauschte in meinen Ohren. Mir schwamm es vor den Augen, und ich atmete schwer. Am ganzen K�rper hatte ich zu zittern begonnen. Vage war mir bewu�t, da� ich mein Ziel erreicht hatte. Mein Muster w�rde Bestand haben . . .</p><p>Ich h�rte ein Ger�usch, das es eigentlich nicht h�tte geben d�rfen, doch meine ersch�pften Muskeln weigerten sich zu reagieren, nicht einmal im Reflex, und schon war es zu sp�t. Schon war mir das Juwel aus den schlaffen Fingern gerissen worden, und erst da hob ich den Kopf und lie� mich auf den Hintern plumpsen. Niemand war mir durch das Muster gefolgt � das h�tte ich sicher gemerkt. Deshalb . . .</p><p>Das Licht war beinahe normal. Dagegen anblinzelnd, schaute ich in Brands l�chelndes Gesicht empor. Er trug eine schwarze Augenklappe und hielt das Juwel in der Hand. Er mu�te sich durch Teleportation an diesen Ort versetzt haben.</p><p>Als ich den Kopf hob, schlug er nach mir, und ich st�rzte auf die linke Seite. Er trat mir brutal in den Bauch.</p><p>�Du hast es also geschafft�, sagte er. �Ich hatte nicht geglaubt, da� du dazu in der Lage w�rst. Jetzt mu� ich ein neues Muster vernichten, ehe ich die Dinge regeln kann. Doch zuerst brauche ich dies, um die Schlacht an den Burgen zu entscheiden.� Er schwenkte das Juwel. �Leb wohl!�</p><p>Und er verschwand.</p><p>Keuchend lag ich da und hielt mir den Bauch. Wogen der Dunkelheit stiegen auf, schwappten in mir wie eine Brandung und zogen sich wieder zur�ck, denn ich erlag der Ohnmacht nicht. Eine unvorstellbare Verzweiflung �berschwemmte mich, und ich schlo� die Augen und st�hnte. Jetzt hatte ich auch kein Juwel mehr, das mir mit seinen Energien zur Seite stand.</p><p>Die Kastanienb�ume . . .</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Ich lag schmerzerf�llt am Boden und gab mich meinen Visionen hin: Brand, der auf dem Schlachtfeld erschien, auf dem die Streitkr�fte Ambers und des Chaos gegeneinander anst�rmten, das pulsierende Juwel auf seiner Brust. Anscheinend gen�gte ihm seine Kontrolle dar�ber, um die Geschehnisse zu unseren Ungunsten zu beeinflussen. Ich sah, wie er Blitze gegen unsere Truppen schleuderte. Ich sah ihn m�chtige Windst��e und Hagelschauer heraufbeschw�ren, die uns vernichtend trafen. Am liebsten h�tte ich geweint. Dies alles zu einer Zeit, da er sich noch h�tte l�utern k�nnen, indem er sich auf unsere Seite stellte. Es gen�gte ihm wohl nicht mehr, einfach nur zu siegen. Er mu�te diesen Sieg f�r sich selbst erringen und nach seinen eigenen Vorstellungen. Und ich? Ich hatte versagt. Ich hatte ein Muster gegen das Chaos errichtet, was ich mir niemals zugetraut h�tte. Und doch w�rde meine Tat nichts bedeuten, wenn die Schlacht verloren war und Brand zur�ckkehrte, um das Muster auszul�schen. Meinem Ziel so nahe zu sein und dann doch einen Fehlschlag zu erleiden . . . Ich sp�rte den Drang, �Ungerechtigkeit� zu br�llen, obwohl ich wu�te, da� sich das Universum nicht nach meinen Vorstellungen von Fairne� richtete. Ich knirschte mit den Z�hnen und spuckte Dreck aus, der mir zwischen die Lippen geraten war. Mein Vater hatte mir den Auftrag gegeben, das Juwel zum Schlachtfeld zu bringen. Beinahe h�tte ich es geschafft.</p><p>Pl�tzlich kam mir etwas seltsam vor. Etwas erforderte meine Aufmerksamkeit. Was?</p><p>Die Stille.</p><p>Der Sturm tobte nicht mehr, der Donner war verstummt. Die Luft stand still, und sie f�hlte sich angenehm frisch an. Und ich wu�te, da� auf der anderen Seite meiner geschlossenen Lider Licht strahlte.</p><p>Ich �ffnete die Augen. Ich erblickte einen Himmel aus einem hellen, einheitlichen Wei�. Ich blinzelte und drehte den Kopf. Rechts von mir befand sich etwas . . .</p><p>Ein Baum. An der Stelle, an der ich den vom alten Ygg abgeschnittenen Stock stehengelassen hatte, befand sich ein Baum. Schon war er gr��er als der urspr�ngliche Stab. Ich glaubte f�rmlich zu sehen, wie er wuchs. Und er war gr�n von Bl�ttern und wei� von vereinzelten Knospen; einige Bl�ten hatten sich bereits ge�ffnet. Aus dieser Richtung trug die Brise einen schwachen, angenehmen Duft herbei, der mich irgendwie tr�stete.</p><p>Ich betastete meinen K�rper. Ich schien ohne Rippenbr�che davongekommen zu sein, w�hrend mein Unterleib h�llisch schmerzte von dem Tritt, den ich erhalten hatte. Ich rieb mir die Augen und fuhr mir mit den Fingern durchs Haar. Seufzend stemmte ich mich auf ein Knie hoch.</p><p>Den Kopf drehend, sah ich mich um. Das Plateau war das alte � aber auch wieder nicht. Es war noch immer kahl, doch nicht mehr abweisend und �de. Vermutlich eine Folge der Beleuchtung. Nein, es stand mehr dahinter . . .</p><p>Ich hatte meine Drehung fortgesetzt, bis ich schlie�lich den ganzen Horizont abgesucht hatte. Es war doch nicht derselbe Ort, an dem ich meine Wanderung durch das Muster begonnen hatte. Es gab feine wie auch grobe Unterschiede: ver�nderte Felsformationen, eine Senke, wo zuvor eine Erhebung gewesen war, eine andere Maserung des Gesteins unter mir und in meiner N�he, in der Ferne so etwas wie Mutterboden. Ich stand auf und glaubte pl�tzlich aus unbestimmter Richtung Meeresgeruch wahrzunehmen. Diese Welt f�hlte sich ganz anders an als die, in die ich geklettert war � es schien so lange her zu sein. Die Ver�nderungen waren zu tiefgreifend, als da� sie allein von dem Unwetter stammen konnten. Ich f�hlte mich an etwas anderes erinnert.</p><p>In der Mitte des Musters stehend, setzte ich die Inspektion meiner Umgebung fort. Beinahe gegen meinen Willen schien meine Verzweiflung zu verfliegen und einem Gef�hl der �Erfrischung� � ja, das schien mir irgendwie das richtige Wort zu sein � Platz zu machen. Die Luft war so sauber und s��, und die Szene wirkte irgendwie neu und unber�hrt auf mich. Ich . . .</p><p>Nat�rlich! Es war die Umgebung des Ur-Musters. Ich wandte mich dem Baum zu, der inzwischen weiter gewachsen war, und betrachtete ihn von neuem. �hnlich � und auch wieder nicht . . . Etwas Neues lag in der Luft, im Boden, im Himmel. Dies war eine neue Welt. Ein neues Ur-Muster. Dann war alles ringsum die Folge des Musters, in dem ich stand.</p><p>Pl�tzlich ging mir auf, da� ich mehr empfand als nur Belebung. Es war ein Gef�hl der Freude, ein Hochgef�hl, das mich durchstr�mte. Ich befand mich an einem sauberen, frischen Ort, der irgendwie auf mich zur�ckging.</p><p>Die Zeit verstrich. Ich stand einfach nur da und beobachtete den Baum, ich sah mich um und geno� die Euphorie, die von mir Besitz ergriffen hatte. Hier lag auf jeden Fall eine Art Sieg � bis Brand zur�ckkehrte und ihn mir nahm.</p><p>Pl�tzlich war ich wieder ganz n�chtern. Ich mu�te Brands Plan vereiteln, ich mu�te diesen Ort sch�tzen. Ich befand mich im Zentrum eines Musters. Wenn es dieselben Eigenschaften hatte wie das andere, konnte ich mich mit seiner Kraft an jeden gew�nschten Ort projizieren. Mit seiner Hilfe konnte ich mich den anderen anschlie�en.</p><p>Ich st�ubte meine Kleidung ab. Ich lockerte die Klinge in der Scheide. Die Lage war vielleicht nicht so hoffnungslos, wie sie mir eben noch erschienen war. Man hatte mir den Auftrag gegeben, das Juwel an den Schauplatz des Kampfes zu bringen. Das hatte Brand nun f�r mich �bernommen; es w�rde auf jeden Fall zur Stelle sein. Ich mu�te ihm nur folgen und es ihm irgendwie wieder abnehmen, um die Dinge so zu drehen, wie sie sich h�tten entwickeln sollen.</p><p>Ich sah mich um. Ich w�rde ein andermal hierher zur�ckkehren m�ssen, um diese neue Situation genau zu ergr�nden � aber nur, wenn ich die kommenden Ereignisse �berlebte. Irgendwo lag hier ein R�tsel. Es hing in der Luft, es bewegte sich mit der Brise. Es mochte viele Zeitalter dauern, das aufzukl�ren, was sich hier ereignet hatte, als ich das neue Muster zeichnete.</p><p>Ich gr��te den Baum. Wie zur Antwort schien er die �ste zu bewegen. Ich schob meine Rose zurecht und dr�ckte sie wieder in Form. Es wurde Zeit, den Weg fortzusetzen. Ich hatte etwas zu erledigen. Ich senkte den Kopf und schlo� die Augen. Ich versuchte mir die Beschaffenheit des Landes vor dem letzten Abgrund an den Burgen des Chaos vorzustellen. Ich betrachtete die Szene unter dem wirbelnden Himmel und bev�lkerte sie mit meinen Verwandten und mit Truppen. Ich glaubte dabei leise Kampfger�usche wahrzunehmen. Die Szene vertiefte sich, wurde klarer. Ich hielt die Vision noch einen Augenblick lang fest, gab dann dem Muster den Impuls, mich dorthin zu tragen.</p><p>. . . Gleich darauf schien ich auf einem H�gel �ber einer Ebene zu stehen. Ein kalter Wind wehte meinen Mantel zur Seite. Der Himmel zeigte sich als das verr�ckte, kreisende, punktierte Durcheinander, das ich noch von meinem ersten Besuch in Erinnerung hatte � halb schwarz, halb gef�llt mit psychedelisch zuckenden Regenbogenfarben. Unangenehme D�mpfe verpesteten die Luft. Die schwarze Stra�e erstreckte sich zur Linken; sie �berquerte die Ebene und f�hrte dar�ber hinaus und �ber den Abgrund zu der schwarzen Zitadelle, die von zuckenden Gl�hw�rmchenlichtern umgeben war. Durchscheinend wirkende Br�cken schwebten in der Luft, aus den Tiefen der Dunkelheit heranreichend, und absonderliche Gestalten bewegten sich darauf wie auch auf der schwarzen Stra�e. Auf dem Terrain unter mir schien sich die gr��te Zusammenballung von Truppen zu befinden, die es je gab. Hinter mir h�rte ich etwas. Ich wandte mich in die Richtung, die Norden sein mu�te � immerhin hatte ich seinen Kurs schon mehrfach berechnet � und gewahrte den bekannten Teufelssturm, der durch die fernen Berge n�herr�ckte, blitzend und grollend, sich herbeiw�lzend wie ein himmelshoher Gletscher.</p><p>Ich hatte diese Erscheinung mit der Schaffung eines neuen Musters also nicht zum Stillstand gebracht. Anscheinend hatte sie mein gesch�tztes Gebiet einfach umgangen und w�rde sich weiterw�lzen, bis sie ihr Ziel erreichte oder ins Leere stie�. Ihr auf dem Fu�e folgten hoffentlich recht starke konstruktive Impulse, die sich bereits von dem neuen Muster ausbreiten m��ten, mit der Wiedereinf�hrung der Ordnung in allen Schattenwelten. Ich fragte mich, wie lange das Unwetter noch brauchen w�rde, bis es uns erreichte.</p><p>Pl�tzlich h�rte ich Hufschlag, zog meine Klinge und drehte mich um . . .</p><p>Ein geh�rnter Reiter st�rmte auf einem gro�en schwarzen Pferd in meine Richtung. In seinen Augen schienen Flammen zu z�ngeln.</p><p>Ich korrigierte meine Haltung und wartete ab. Er schien von einer der durchsichtigen Stra�en herabgestiegen zu sein, die in meine Richtung trieben. Beide befanden wir uns abseits des allgemeinen Geschehens. Ich sah zu, wie er den H�gel heraufritt. Ein gutes Pferd. Eine sch�ne breite Brust. Wo, zum Teufel, steckte Brand? Ich war im Augenblick nicht auf einen Kampf scharf.</p><p>Ich beobachtete den Reiter und die gekr�mmte Klinge in seiner rechten Hand. Als er Anstalten machte, mich niederzureiten, sprang ich zur Seite. Als er ausholte, war ich mit einem Parierschlag zur Stelle, der seinen Arm in meine Reichweite brachte. Ich packte ihn und zerrte ihn von seinem Tier.</p><p>�Die Rose da . . .�, sagte er im Fallen. Ich wei� nicht, was er sonst noch sagen wollte, weil ich ihm die Kehle durchschnitt und seine Worte und alles andere an ihm mit dem heftigen Schnitt zu Ende gingen.</p><p>Ich fuhr herum, hielt Grayswandir zur Seite, rannte los und packte die Z�gel des schwarzen Tiers. Dann redete ich beruhigend auf den Hengst ein und f�hrte ihn von den Flammen fort. Nach einigen Minuten hatten wir uns kennengelernt, und ich stieg in den Sattel.</p><p>Er war sehr unruhig, doch ich lie� ihn zuerst nur ungezwungen auf dem H�gelkamm entlanggehen, w�hrend ich meine Beobachtungen fortsetzte. Die Streitkr�fte Ambers schienen in der Offensive zu sein. �berall auf dem Schlachtfeld lagen qualmende Leichen. Die Hauptstreitmacht des Gegners hatte sich auf eine Anh�he nahe dem gro�en Abgrund zur�ckgezogen. Ihre Reihen, bedr�ngt, aber noch nicht aufgel�st, bewegten sich in geordnetem R�ckzug langsam darauf zu. Von der anderen Seite kamen dagegen weitere K�mpfer �ber den Abgrund und schlossen sich den K�mpfenden an, die die Anh�he hielten. In Anbetracht der zunehmenden Kampfkraft und der g�nstigen Position ging ich davon aus, da� dort ein Gegenangriff vorbereitet wurde. Brand war nicht zu sehen.</p><p>Selbst wenn ich ausgeruht und in R�stung gewesen w�re, h�tte ich es mir zweimal �berlegt, ehe ich dort hinabgeritten w�re, um an dem Kampf teilzunehmen. Meine Aufgabe war es zun�chst, Brand ausfindig zu machen. Ich nahm nicht an, da� er direkt in den Kampf eingreifen w�rde. So suchte ich die Randzonen der eigentlichen Scharm�tzel ab, Ausschau haltend nach einer einsamen Gestalt. Nein . . . Vielleicht auf der anderen Seite des Schlachtfelds. Ich w�rde zum Norden hin�berreiten m�ssen. In Richtung Westen war mir der Blick von hier aus zu sehr verwehrt.</p><p>Ich zog das Tier herum und lenkte es den H�gel hinab. Dabei �berlegte ich mir, da� es sehr angenehm w�re, mich jetzt zum Schlafen niederzulegen. Einfach vom Pferd fallen und schlafen. Ich seufzte. Wo steckte Brand nur?</p><p>Ich erreichte den Fu� des H�gels und wechselte die Richtung, um durch einen Felsgraben zu reiten. Ich mu�te einen besseren Beobachtungsstandpunkt finden . . .</p><p>�Lord Corwin von Amber!�</p><p>Ich kam um eine Biegung der Senke und sah ihn vor mir, einen gro�en leichenblassen Burschen mit rotem Haar und einem fahlen Pferd. Er trug eine kupferschimmernde R�stung mit gr�nlichen Markierungen und sa� starr wie ein Denkmal im Sattel.</p><p>�Ich habe dich auf dem H�gel gesehen�, stellte er fest. �Du tr�gst keinen Panzer, oder?�</p><p>Ich schlug mir vor die Brust.</p><p>Er nickte energisch. Dann hob er die Hand, zuerst an die linke Schulter, dann an die rechte, dann nestelte er unter seinen Armen an den Halterungen des Brust- und R�ckenschildes. Als er sie gel�st hatte, nahm er die R�stung ab und senkte sie auf der linken Seite zu Boden. Auf gleiche Weise verfuhr er mit seinen Beinsch�tzern.</p><p>�Ich wollte dich schon lange einmal kennenlernen�, sagte er. �Ich bin Borel. Es soll von mir nicht gesagt werden, da� ich dich auf unfaire Weise �bervorteilt h�tte, wenn ich dich jetzt t�ten mu�.�</p><p>Borel . . . Der Name kam mir bekannt vor. Dann fiel es mir ein. Der Mann hatte Daras Respekt und Zuneigung genossen. Er war ihr Fechtlehrer gewesen, ein Meister der Klinge. Allerdings ein Dummkopf. Er verspielte meinen Respekt, als er sich seiner R�stung begab. K�mpfen ist kein Spiel, und ich hatte keine Lust, mich einem eingebildeten Dummkopf auszuliefern, der anderer Meinung war. Und erst recht keinem f�higen Dummkopf, wenn ich �berdies noch am Ende meiner Kr�fte war. Wenn schon nicht im Kampf, so mochte er mich auf jeden Fall mit seiner Ausdauer besiegen.</p><p>�Jetzt werden wir eine Sache kl�ren, die mich seit langer Zeit beunruhigt�, sagte er.</p><p>Ich erwiderte mit einem passenden unfeinen Wort, ri� meinen Schwarzen herum und galoppierte den Weg zur�ck, auf dem ich gekommen war. Er nahm sofort die Verfolgung auf.</p><p>Auf dem Ritt durch die Senke wurde mir klar, da� mein Vorsprung nicht ausreichte. In wenigen Sekunden w�rde er mich einholen und mich niederstrecken oder mir den Kampf aufzwingen. Meine M�glichkeiten waren zwar ziemlich beschr�nkt, doch ein wenig mehr wollte ich aus der Situation schon machen.</p><p>�Feigling!� br�llte er. �Du kneifst vor dem Kampf! Ist das der gro�e Krieger, von dem ich schon soviel geh�rt habe?�</p><p>Ich hob die Hand und �ffnete die Spange meines Mantels. Der obere Rand der Senke lag zu beiden Seiten auf H�he meiner Schultern, dann meiner H�fte.</p><p>Ich lie� mich nach links aus dem Sattel rollen, stolperte und fand das Gleichgewicht. Der Schwarze galoppierte weiter. Ich trat nach rechts und blickte dem anderen entgegen.</p><p>Meinen Mantel fa�te ich mit beiden H�nden und schwang ihn r�ckw�rts im Kreis herum, ehe Borels Kopf und Schultern vor mir auftauchten. Der Stoff h�llte ihn mitsamt der gezogenen Klinge ein, seinen Kopf verdeckend, seine Armbewegungen hemmend.</p><p>Ich trat energisch zu. Dabei zielte ich auf seinen Kopf, erwischte ihn aber nur an der linken Schulter. Er wurde aus dem Sattel gedr�ckt, und sein Pferd galoppierte ebenfalls weiter.</p><p>Ich zog Grayswandir und sprang hinter ihm her. Ich erwischte ihn, als er eben seinen Mantel zur Seite streifte und sich aufzurichten versuchte. Ich spie�te ihn an Ort und Stelle auf und sah den erstaunten Ausdruck auf seinem Gesicht, als die Wunde zu brennen begann.</p><p>�Oh, gemeines Tun!� rief er. �Ich hatte von dir Besseres erwartet!�</p><p>�Wir halten hier nicht die Olympischen Spiele ab�, sagte ich und wischte mir die Funken vom Mantel.</p><p>Dann fing ich mein Pferd wieder ein und stieg in den Sattel. Dies kostete mich mehrere Minuten. Meinen Ritt fortsetzend, erreichte ich h�heres Terrain. Von dort vermochte ich Benedict auszumachen, der die Schlacht lenkte, und in einer weit zur�ckliegenden Senke Julian an der Spitze seiner Truppen aus Arden, die von Benedict offenbar in Reserve gehalten wurden.</p><p>Ich ritt weiter dem vorr�ckenden Unwetter entgegen, �berragt von dem halb schwarzen, halb buntschillernden kreisenden Himmel. Nach kurzer Zeit erreichte ich mein Ziel, den h�chsten Berg in dieser Gegend, und begann ihn zu ersteigen. Unterwegs hielt ich mehrmals inne, um zur�ckzuschauen.</p><p>Ich sah Deirdre in schwarzer R�stung eine Axt schwingen; Llewella und Flora hielten sich bei den Bogensch�tzen auf. Fiona vermochte ich nicht auszumachen, ebensowenig G�rard. Dann sah ich Random auf dem R�cken eines Pferdes eine schwere Klinge schwingen; er f�hrte einen Angriff auf die hochgelegenen Stellungen des Feindes. In seiner N�he hielt sich ein gr�ngekleideter Ritter auf, den ich nicht erkannte. Der Mann setzte seinen Morgenstern mit t�dlicher Genauigkeit ein. Auf dem R�cken trug er einen Bogen und an der H�fte einen K�cher mit schimmernden Pfeilen.</p><p>Als ich den H�gelkamm erreichte, klang das Toben des Unwetters lauter her�ber. Die Blitze zuckten mit der Gleichm��igkeit von Neonr�hren, und der Regen prasselte herab, ein Fiberglasvorhang, der nun �ber die Berge vorger�ckt war.</p><p>Unter mir waren Tiere und Menschen � und nicht wenige Tiermenschen � in die Formationen des Kampfes verstrickt. Eine Staubwolke hing �ber dem Schlachtfeld. Als ich die Kr�fteverteilung absch�tzte, hatte ich nicht den Eindruck, da� sich die wachsenden feindlichen Streitkr�fte noch weiter zur�ckdr�ngen lassen w�rden. Ich hatte sogar das Gef�hl, da� der Gegenangriff unmittelbar bevorstand. Die M�nner in den zerkl�fteten Stellungen schienen sich bereitzuhalten und nur noch auf den Befehl zu warten.</p><p>Ich irrte mich nur um etwa anderthalb Minuten. Dann r�ckten die Horden vor, den Hang herabbrandend, die eigenen Reihen st�rkend, unsere K�mpfer zur�ckdr�ngend, nicht innehaltend. Und von der anderen Seite des dunklen Abgrundes kam weitere Verst�rkung. Unsere Soldaten begannen einen einigerma�en geordneten Abzug einzuleiten. Der Feind bedr�ngte sie noch energischer, und als es so aussah, als w�rde sich die Lage zum Chaos wenden, schien ein Befehl zu kommen.</p><p>Ich h�rte Julians Horn erklingen, und gleich darauf sah ich ihn auf dem R�cken Morgensterns an der Spitze der M�nner aus Arden in den Kampf eingreifen. Dieses Man�ver stellte das Gleichgewicht zwischen den beiden Seiten fast wieder her, und der L�rm nahm weiter zu, w�hrend der Himmel unger�hrt �ber uns kreiste.</p><p>Etwa eine Viertelstunde lang beobachtete ich die Auseinandersetzung, die dazu f�hrte, da� sich unsere Leute langsam zur�ckzogen. Dann sah ich pl�tzlich auf einem fernen H�gel eine einarmige Gestalt auf einem wilden gestreiften Pferd. In der Hand schwenkte der Mann eine Klinge; er blickte in die entgegengesetzte Richtung, nach Westen. Mehrere Sekunden lang r�hrte er sich nicht. Dann senkte er das Schwert.</p><p>Aus dem Westen t�nten Trompeten her�ber, doch zuerst sah ich nichts. Dann kam ein Schwadron Kavallerie in Sicht. Ich fuhr zusammen. Ich dachte einen Augenblick lang, Brand w�re dabei. Dann ging mir auf, da� dort Bleys vorst�rmte, um mit seiner Truppe die ungesch�tzte Flanke anzugreifen.</p><p>Und pl�tzlich zogen sich unsere K�mpfer nicht mehr zur�ck. Sie hielten die Stellung. Dann drangen sie wieder vor.</p><p>Bleys und seine Reiter st�rmten herbei, und ich erkannte, da� Benedict den Vorteil wieder auf seiner Seite hatte. Dem Feind drohte die totale Vernichtung.</p><p>Im n�chsten Augenblick wehte eine kalte B� aus dem Norden, und ich blickte in diese Richtung.</p><p>Das Unwetter war ein gutes St�ck vorangekommen; in letzter Zeit schien es sich noch schneller zu bewegen. Und es hatte sich in einem bisher ungeahnten Ma�e verd�stert, mit helleren Blitzen und lauteren Donnerschl�gen. Und der kalte, feuchte Wind nahm an St�rke noch weiter zu.</p><p>Ich fragte mich, ob die Erscheinung wie eine Vernichtungswoge �ber das Schlachtfeld schwappen w�rde � und dann weiter nichts? Wie stand es mit den Auswirkungen des neuen Musters? W�rden diese sich anschlie�end bemerkbar machen und eine Art Korrektur bilden? Irgendwie zweifelte ich daran. Wenn dieses Toben der Elemente uns vernichtete, dann blieb es wohl dabei � davon war ich �berzeugt. Die Kraft des Juwels war erforderlich, damit wir den Angriff �ber uns dahinrollen lassen konnten, bis die Ordnung wiederhergestellt war. Und was w�rde noch �brig sein, wenn wir �berlebten? Ich konnte es mir nicht vorstellen.</p><p>Was hatte Brand also vor? Worauf wartete er? Was wollte er unternehmen?</p><p>Wieder blickte ich �ber das Schlachtfeld . . .</p><p>Ein schattiger Winkel auf der Anh�he, wo der Feind sich neu gruppiert hatte und vor dem neuerlichen Angriff verst�rkt wurde � da war etwas.</p><p>Ein winziges rotes Blinken. Ich war �berzeugt, da� ich es wahrgenommen hatte. Ich starrte weiter hin�ber und wartete ab. Ich mu�te es noch einmal sehen, mu�te seine Position genau bestimmen . . .</p><p>Eine Minute verging. Vielleicht auch zwei . . .</p><p>Dort! Und noch einmal.</p><p>Ich zog das schwarze Pferd herum. Es schien nicht unm�glich zu sein, die nahegelegene Flanke des Feindes zu umgehen und jene angeblich leere H�he zu ersteigen. Ich galoppierte den H�gel hinab und suchte mir meinen Weg.</p><p>Es mu�te Brand sein mit dem Juwel. Er hatte sich ein gutes und sicheres Versteck ausgesucht, eine Stelle, von der er nicht nur das gesamte Schlachtfeld im Auge behalten konnte, sondern auch den anr�ckenden Sturm. Von dort oben konnte er seine Blitze gegen unsere vorr�ckenden Truppen schicken. Er konnte im richtigen Augenblick das R�ckzugsignal geben, mit der entarteten Wut des Unwetters zuschlagen und sie von den K�mpfern ablenken, die er unterst�tzte. Dies schien mir die einfachste und n�tzlichste Verwendung zu sein, die er unter diesen Umst�nden f�r das Juwel haben konnte.</p><p>Ich mu�te sofort m�glichst dicht an ihn heran. Immerhin hatte ich eine gr��ere Kontrolle �ber den Edelstein als er, doch meine Einwirkungsm�glichkeiten verringerten sich mit der Entfernung, und bestimmt hatte er das Juwel bei sich. Meine Chance lag allenfalls darin, auf ihn loszust�rmen, um jeden Preis in die Kontrolldistanz zu kommen und dann das Kommando �ber den Stein zu �bernehmen und ihn gegen Brand einzusetzen. Allerdings war es m�glich, da� er sich dort oben mit einer Leibwache umgeben hatte. Dieser Gedanke beunruhigte mich, denn ein solches Hindernis mochte mich mit katastrophalen Folgen an der Ausf�hrung meines Plans hindern. Und wenn er ungesch�tzt war � was hinderte ihn daran, mir mit Teleportation zu entwischen, wenn die Lage f�r ihn zu brenzlig wurde? Was sollte ich dann tun? Dann w�rde ich meine Jagd auf ihn von vorn beginnen m�ssen. Ich �berlegte, ob ich mit dem Juwel verhindern konnte, da� er sich an einen anderen Ort versetzte. Ich wu�te es nicht, nahm mir aber vor, es auf jeden Fall zu versuchen.</p><p>Es war sicher nicht der beste Plan, der jemals geschmiedet worden war, aber der einzige, der mir in den Sinn kam. Zeit f�r weitere �berlegungen blieb mir nicht mehr.</p><p>Im Reiten erkannte ich, da� auch andere auf die Anh�he zuhielten. Random, Deirdre und Fiona waren in Begleitung von acht Kavalleristen durch die feindlichen Reihen geritten, dichtauf gefolgt von einigen anderen Soldaten � ob Freund oder Feind, wu�te ich nicht. Der gr�ngekleidete Ritter schien dabei am schnellsten voranzukommen; er verringerte den Abstand zu der ersten Gruppe. Ich erkannte ihn � oder sie � nicht. Da Fiona zu der Expedition geh�rte, wu�te ich sofort, was der Vorsto� sollte. Sie hatte bestimmt Brands Gegenwart gesp�rt und f�hrte nun die anderen zu ihm. Eine kleine Flamme der Hoffnung regte sich in meinem Herzen. Durchaus m�glich, da� sie Brands Kr�fte neutralisieren oder zumindest d�mpfen konnte. Ich beugte mich vor und trieb mein Pferd heftig an; mein Weg f�hrte mich nach links um die K�mpfenden herum. Der Himmel drehte sich unentwegt. Der Wind tobte. Ein ohrenbet�ubender Donnerschlag hallte. Ich schaute nicht zur�ck.</p><p>Ich versuchte die anderen einzuholen. Ich wollte nicht, da� sie ihr Ziel vor mir erreichten, f�rchtete aber, da� ich es nicht verhindern konnte. Die Entfernung war zu gro�.</p><p>Wenn sie sich nur umdrehen und mich sehen w�rden! Bei meinem Anblick w�rden sie wahrscheinlich warten. Ich w�nschte, ich h�tte ihnen mein Eintreffen irgendwie signalisieren k�nnen. Zu dumm, da� die Tr�mpfe nicht mehr funktionierten!</p><p>Ich begann zu rufen. Ich schrie hinter ihnen her, doch der Wind ri� mir die Worte vom Mund, und der Donner rollte dar�ber hin.</p><p>�Wartet auf mich! Verdammt! Ich bin�s, Corwin!�</p><p>Niemand schaute in meine Richtung.</p><p>Ich passierte die ersten Gruppen von K�mpfern und ritt au�er Reichweite von Wurfgeschossen und Pfeilen an der Flanke des Feindes entlang. Die Gegner schienen sich inzwischen noch schneller zur�ckzuziehen, und unsere Truppen verteilten sich auf ein gr��eres Gebiet. Brand wollte sicher gleich zuschlagen. Ein Teil des rotierenden Himmels war von einer dunklen Wolke verdeckt, die vor wenigen Minuten noch nicht �ber dem Schlachtfeld geschwebt hatte.</p><p>Ich wandte mich hinter den zur�ckweichenden Streitkr�ften nach rechts und galoppierte auf die H�gel zu, die die anderen bereits erreicht hatten.</p><p>Unterwegs verd�sterte sich der Himmel immer mehr, und ich begann um meine Genossen zu bangen. Sie r�ckten Brand bereits zu dicht auf den Pelz. Er w�rde etwas gegen sie unternehmen m�ssen. Es sei denn, Fiona war stark genug, um ihn zu bremsen . . .</p><p>Vor mir zuckte ein greller Blitz auf. Mein Pferd stieg auf die Hinterbeine, und ich wurde zu Boden geschleudert. Der Donner br�llte, ehe ich den Boden ber�hrte.</p><p>Sekundenlang lag ich bet�ubt da. Das Pferd war davongaloppiert und kam erst nach etwa f�nfzig Metern unsicher zum Stehen. Ich rollte mich auf den Bauch und starrte den langen Hang empor. Die anderen Reiter lagen ebenfalls am Boden. Der Blitzstrahl war offenbar in die Gruppe gefahren. Mehrere bewegten sich, die �berzahl aber nicht. Noch hatte sich niemand aufgerichtet. �ber ihnen erblickte ich das rote Funkeln des Juwels unter einer Art Felsvorsprung, heller und gleichm��iger schimmernd, dahinter die schattenhaften Umrisse der Gestalt, die den Edelstein trug.</p><p>Ich begann den Hang emporzukriechen. Ehe ich mich aufrichtete, wollte ich aus dem Blickfeld jener Gestalt verschwinden. Sie kriechend zu erreichen, w�rde zu lange dauern; ich mu�te im Bogen um die anderen herum, da seine Aufmerksamkeit sicher nur ihnen galt.</p><p>Vorsichtig bewegte ich mich voran, jede Deckung ausnutzend, jeden Augenblick darauf gefa�t, da� der Blitz auch mich treffen w�rde, da� Brand die gro�e Katastrophe auf unsere K�mpfer herabbeschwor. Es konnte jederzeit soweit sein. Ein Blick �ber die Schulter zeigte mir unsere Truppen weit ausgebreitet am anderen Ende des Schlachtfeldes. Der Feind hatte sich davon gel�st und bewegte sich in unsere Richtung. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis ich auch diese K�mpfer noch in meine �berlegungen einbeziehen mu�te.</p><p>Ich verschwand in einem schmalen Graben und schl�ngelte mich etwa zehn Meter weit in s�dlicher Richtung. Dann auf der anderen Seite wieder hinaus, in Deckung einer Anh�he, in den Schutz einiger Felsen huschend.</p><p>Als ich vorsichtig den Kopf hob, um die Lage zu peilen, war das Gl�hen des Juwels nicht mehr auszumachen. Der Spalt, in dem es geleuchtet hatte, wurde nun durch einen Felsrand verdeckt.</p><p>Trotzdem kroch ich in unmittelbarer N�he des gro�en Abgrundes weiter und wandte mich erst dann wieder nach rechts. Schlie�lich erreichte ich eine Stelle, an der ich mich gefahrlos aufrichten konnte, und tat es. Ich war auf einen weiteren Blitz, einen zweiten Donnerschlag gefa�t � ganz in der N�he oder unten auf dem Schlachtfeld �, doch nichts geschah. Ich wunderte mich. Warum geschah nichts? Ich schickte meinen Geist aus und versuchte die Gegenwart des Juwels zu ersp�ren, stie� aber auf keine Resonanz. Ich hastete auf die Stelle zu, an der ich das Schimmern gesehen hatte.</p><p>Ich starrte �ber den gro�en Abgrund, um mich zu vergewissern, da� aus dieser Richtung keine neuen Gefahren anr�ckten, und zog meine Klinge. Als ich mein Ziel erreichte, hielt ich mich dicht an den Felsen und ging seitlich in n�rdlicher Richtung. Als der Spalt unmittelbar vor mir lag, duckte ich mich und starrte um die Ecke.</p><p>Kein roter Schimmer. Keine schattenhafte Gestalt. Die Nische war leer. Nichts Verd�chtiges war in der N�he zu sehen. Hatte er sich an einen anderen Ort versetzt? Und wenn ja, warum?</p><p>Ich stand auf, ging um die Felserhebung herum und schritt weiter in diese Richtung. Noch einmal versuchte ich Kontakt mit dem Juwel aufzunehmen und erhielt diesmal eine schwache Reaktion � es schien sich irgendwo rechts zu befinden und ein St�ck �ber mir.</p><p>Lautlos bewegte ich mich in diese Richtung. Warum hatte Brand sein Versteck verlassen? Seine Position war geradezu ideal gewesen f�r die Durchf�hrung seiner Pl�ne. Es sei denn . . .</p><p>Ich h�rte einen Schrei und einen Fluch. Von zwei verschiedenen Stimmen. Ich begann zu rennen.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Ich kam an der Nische vorbei und hastete weiter. Dahinter f�hrte ein nat�rlicher Pfad in zahlreichen Windungen bergauf. Ich folgte ihm.</p><p>Noch war niemand zu sehen, doch mit jedem Schritt wuchs das Gef�hl, da� das Juwel in der N�he war. Ich glaubte von rechts einen Schritt zu h�ren und fuhr in diese Richtung, doch es lie� sich niemand sehen. Da das Juwel sich andererseits auch nicht so nahe anf�hlte, setzte ich meinen Marsch fort.</p><p>Als ich mich dem Kamm der Anh�he n�herte, hinter der sich das schwarze Panorama des Chaos erstreckte, h�rte ich Stimmen. Noch war nicht zu verstehen, was diese Stimmen sagten, doch sie klangen erregt.</p><p>Ich ging langsamer, duckte mich und starrte um einen Felsvorsprung.</p><p>Dicht vor mir stand Random; in seiner Begleitung waren Fiona und die Lords Chantris und Feldane. Bis auf Fiona hielten alle Waffen in die H�he, als w�ren sie bereit, sie einzusetzen; allerdings machte niemand eine Bewegung. Sie starrten zum Abgrund aller Dinge hin�ber, einem Felsvorsprung, der ein wenig h�her lag und etwa f�nfzehn Meter entfernt war � der Rand des Abgrunds.</p><p>Brand stand an dieser Stelle, und er hielt Deirdre an sich gepre�t. Den Helm hatte sie verloren, und ihr Haar wehte heftig im Wind, und er hatte ihr den Dolch an die Kehle gesetzt. Anscheinend hatte er ihr schon die Haut geritzt. Ich zog den Kopf wieder zur�ck.</p><p>Ich h�rte Random leise fragen: �Kannst du wirklich nichts weiter tun, Fiona?�</p><p>�Ich kann ihn dort festhalten�, antwortete sie, �und auf diese Entfernung auch seine Kontrolle �ber das Wetter einschr�nken. Aber mehr nicht. Er ist in gewisser Weise auf das Juwel eingestimmt, ich aber nicht. Au�erdem wirkt sich die gr��ere N�he zu seinen Gunsten aus. Alles, was ich sonst noch versuchen k�nnte, w�rde er abschmettern.�</p><p>Random bi� sich auf die Unterlippe.</p><p>�Senkt eure Waffen!� rief Brand. �Sofort, oder Deirdre lebt nicht mehr.�</p><p>�T�te sie doch!� sagte Random. �Dann verlierst du das einzige Pfand, das dich noch am Leben erh�lt. Tu es, und ich zeige dir, was ich mit meiner Waffe mache!�</p><p>Brand murmelte etwas vor sich hin.</p><p>�In Ordnung�, sagte er schlie�lich. �Ich fange damit an, da� ich sie zerst�ckele.�</p><p>Random spuckte aus. �Dann tu�s doch!� forderte er. �Sie kann ihren K�rper erneuern wie jeder von uns. Denk dir eine Drohung aus, die wirklich etwas bedeutet, oder halt den Mund und steh deinen Mann!�</p><p>Brand schwieg. Ich hielt es f�r besser, meine Ankunft weiterhin zu verheimlichen. Sicher konnte ich etwas tun. Ich wagte einen zweiten Blick und pr�gte mir im Geiste das Terrain ein, ehe ich mich wieder zur�ckzog. Links befanden sich einige Felsen, aber sie reichten nicht weit genug heran. Ich sah keine M�glichkeit, Brand anzuschleichen.</p><p>�Ich glaube, wir m�ssen alles auf eine Karte setzen und ihn angreifen�, h�rte ich Random sagen. �Ich sehe keine andere M�glichkeit. Du vielleicht?�</p><p>Ehe jemand antworten konnte, geschah etwas Seltsames. Der Tag wurde heller.</p><p>Ich sah mich nach der Ursache der Helligkeit um, schaute schlie�lich zum Himmel empor.</p><p>Die Wolken waren unver�ndert vorhanden, und dahinter trieb der verr�ckte Himmel seine Kapriolen. Die Helligkeit lag jedoch in den Wolken. Sie waren bleicher geworden und begannen nun zu gl�hen, als verdeckten sie eine weitere Sonne. W�hrend ich noch hinschaute, verst�rkte sich der Beleuchtungseffekt noch mehr.</p><p>�Was f�hrt er jetzt im Schilde?� fragte Chantris.</p><p>�Keine Ahnung�, antwortete Fiona. �Aber ich glaube nicht, da� er dahintersteckt.�</p><p>�Wer dann?�</p><p>Eine Antwort bekam ich nicht mit.</p><p>Ich sah die Wolken heller werden. Die gr��te und hellste schien pl�tzlich zu wirbeln, als r�hre jemand darin. Formen zuckten darin herum, arrangierten sich. Ein Umri� begann Gestalt anzunehmen.</p><p>Die Kampfger�usche auf dem Schlachtfeld unter uns verstummten. In dem Ma�e, wie die Vision anwuchs, wurde das Unwetter ged�mpft. In dem grellen Lichtfeld �ber unseren K�pfen formierte sich etwas � es entstanden die Z�ge eines riesigen Gesichts.</p><p>�Ich wei� es nicht, das mu�t du mir glauben!� h�rte ich Fiona auf eine gemurmelte Frage antworten.</p><p>Noch ehe die Formbildung abgeschlossen war, erkannte ich das Gesicht meines Vaters am Himmel. Ein h�bscher Trick. Und ich hatte auch keine Ahnung, was das sollte.</p><p>Das Gesicht bewegte sich, als betrachte es uns alle. Spuren der Anspannung waren auszumachen, und auch ein Anflug von Sorge im Ausdruck. Die Helligkeit verst�rkte sich noch ein wenig. Die Lippen begannen sich zu bewegen.</p><p>Die Stimme ert�nte � seltsamerweise in ganz normalem Gespr�chston und nicht mit der hallenden Lautst�rke, die ich erwartet hatte.</p><p>�Ich schicke euch diese Botschaft�, sagte er, �ehe ich den Versuch beginne, das Muster instandzusetzen. Wenn ihr dies h�rt, habe ich bereits Erfolg gehabt oder bin gescheitert. Sie wird euch vor der Woge des Chaos erreichen, die mein Bem�hen begleiten mu�. Ich habe Gr�nde f�r die Annahme, da� der Versuch meinen Tod bedeutet.�</p><p>Sein Blick schien das Schlachtfeld abzusuchen.</p><p>�Triumphiert oder trauert, wie es euch gef�llt�, fuhr die Stimme fort, �denn dies ist entweder der Anfang oder das Ende. Sobald ich keine Verwendung mehr daf�r habe, werde ich das Juwel des Geschicks zu Corwin senden. Ich habe ihn beauftragt, es an den Ort der Auseinandersetzung zu bringen. Alle eure M�hen dort werden nichts fruchten, wenn die Woge des Chaos nicht aufgehalten werden kann. Mit dem Juwel an jenem Ort m��te Corwin in der Lage sein, euch zu erhalten, bis die Erscheinung vor�bergewogt ist.�</p><p>Ich h�rte Brands Lachen. Es h�rte sich an, als habe er v�llig den Verstand verloren.</p><p>�Mit meinem Tod�, sprach die Stimme weiter, �wird sich f�r euch von neuem die Frage der Nachfolge erheben. Ich hatte in dieser Beziehung meine Vorstellungen, aber ich wei� inzwischen, da� sie nicht zu realisieren sind. Deshalb bleibt mir nichts anderes �brig, als dies dem Horn des Einhorns zu �berlassen.</p><p>Meine Kinder, ich kann nicht behaupten, da� ich mit euch ganz zufrieden bin, aber das l��t sich vermutlich auch aus eurer Sicht mir gegen�ber sagen. Lassen wir das! Ich verlasse euch mit meinem Segen, und das ist mehr als eine Formalit�t. Ich werde jetzt das Muster beschreiten. Lebt wohl!�</p><p>Daraufhin begann das Gesicht zu verblassen, und die Helligkeit schwand aus den Wolken. Wenig sp�ter war sie verschwunden. Eine seltsame Stille lag �ber dem Schlachtfeld.</p><p>�. . . und wie ihr sehen k�nnt�, h�rte ich Brand verk�nden, �hat Corwin das Juwel nicht. Werft die Waffen fort und verschwindet von hier! Oder behaltet sie und verzieht euch! Es ist mir gleich. La�t mich allein! Ich habe zu tun.�</p><p>�Brand�, sagte Fiona, �kannst du erreichen, was er sich von Corwin vorgestellt hat? Kannst du das Juwel so einsetzen, da� die Erscheinung an uns vorbeigeht?�</p><p>�Wenn ich wollte, k�nnte ich das tun�, antwortete er. �Ja, ich k�nnte die Woge des Chaos umlenken.�</p><p>�Wenn du das tust, wirst du ein Held sein�, sagte sie leise. �Du h�ttest dir unsere Dankbarkeit verdient. Alle Fehler der Vergangenheit w�ren verziehen. Verziehen und vergessen. Wir . . .�</p><p>Er begann schallend zu lachen. �<emphasis>Ihr</emphasis> vergebt <emphasis>mir</emphasis>?� fragte er. �Ihr, die ihr mich in den Turm geworfen habt, die ihr mir die Messerwunde beibrachtet? Vielen Dank, Schwester. Sehr nett von dir, mir verzeihen zu wollen, aber du wirst Verst�ndnis haben, wenn ich das ablehne.�</p><p>�Also sch�n�, schaltete sich Random ein. �Was <emphasis>willst</emphasis> du denn? Sollen wir uns entschuldigen? Steht dir der Sinn nach Reichtum und Sch�tzen? Nach einem wichtigen Posten? Nach all diesen Dingen? Sie sollen dir geh�ren! Aber das Spiel, das du mit uns treibst, ist sinnlos. Machen wir Schlu� damit, gehen wir nach Hause und tun wir so, als w�re alles ein schlimmer Traum gewesen.�</p><p>�Ja, machen wir Schlu߫, erwiderte Brand. �Indem ihr eure Waffen hinwerft. Dann entl��t mich Fiona aus ihrem Bann, und ihr alle macht kehrt und marschiert nach Norden. Entweder das, oder ich bringe Deirdre um.�</p><p>�Darauf kann ich nur sagen, da� du sie lieber t�ten und dich bereithalten solltest, die Sache mit mir auszuk�mpfen�, gab er zur�ck, �denn in K�rze sind wir sowieso tot, wenn wir dich gew�hren lassen. Wir alle.�</p><p>Brand kicherte.</p><p>�Glaubst du wirklich, ich lasse euch sterben? Ich brauche euch � so viele wie ich nur retten kann. Hoffentlich auch Deirdre. Ihr seid immerhin die einzigen, die meinen Triumph wirklich zu sch�tzen w��ten. Ich werde euch vor dem Vernichtungssturm bewahren, der unmittelbar bevorsteht.�</p><p>�Das glaube ich dir nicht�, erwiderte Random.</p><p>�Dann solltest du dir die Zeit nehmen, einmal dar�ber nachzudenken. Du kennst mich gut genug, um zu wissen, da� ich es euch zeigen will. Ich will euch als Zeugen f�r meine Tat haben. In diesem Sinne brauche ich eure Anwesenheit in meiner neuen Welt. Und jetzt verschwindet von hier!�</p><p>�Du bekommst alles, was du willst � und unsere Dankbarkeit�, setzte Fiona an. �Wenn du nur . . .�</p><p><emphasis>�Geht</emphasis>!� schrie er.</p><p>Ich wu�te, ich durfte nicht l�nger z�gern. Ich mu�te meinen Zug machen. Zugleich war mir klar, da� ich nicht rechtzeitig an ihn herankommen konnte. Mir blieb nichts anderes �brig, als das Juwel als Waffe gegen ihn einzusetzen.</p><p>Ich schickte meinen Geist auf die Reise und sp�rte die Gegenwart des Steins. Ich schlo� die Augen und rief meine Kr�fte an.</p><p>Hei�. Hei�, dachte ich. Das Juwel verbrennt dich, Brand! Es f�hrt dazu, da� jedes Molek�l in deinem K�rper immer schneller vibriert. Du stehst im Begriff, zu einer menschlichen Fackel zu werden . . .</p><p>Ich h�rte ihn aufschreien.</p><p>�Corwin!� br�llte er. �H�r auf damit! Wo immer du bist! Ich bringe sie um! Schau!�</p><p>Ohne in meinem Auftrag an das Juwel nachzulassen, stand ich auf. Ich starrte ihn an. Seine Kleidung begann zu qualmen.</p><p>�H�r auf!� br�llte er, hob das Messer und fuhr Deirdre damit durch das Gesicht.</p><p>Ich schrie auf, und Tr�nen schossen mir in die Augen. Ich verlor die Kontrolle �ber das Juwel. Doch Deirdre, deren linke Wange zu bluten begann, bi� Brand in die Hand, die sich zu einem zweiten Stich senkte. Im n�chsten Augenblick hatte sie den Arm frei, stie� ihm den Ellbogen in die Rippen und versuchte, von ihm freizugekommen.</p><p>Kaum hatte sie sich bewegt, kaum hatte sich ihr Kopf gesenkt, sah man ein silbriges Aufblitzen. Brand keuchte und lie� den Dolch fallen. In seinem Hals steckte ein Pfeil. Gleich darauf folgte ein zweiter und ragte ihm dicht neben dem Juwel aus der Brust.</p><p>Er machte einen Schritt zur�ck und stie� ein Gurgeln aus. Nur hatte er hier am Rande des Abgrunds keinen Bewegungsraum mehr.</p><p>Er ri� die Augen auf und begann zur Seite zu sinken. Im n�chsten Augenblick zuckte seine rechte Hand vor und packte Deirdres Haar. Ich war bereits br�llend losgelaufen, wu�te aber, da� ich zu sp�t kommen mu�te.</p><p>Deirdre heulte auf, Entsetzen auf dem blutigen Gesicht. Sie streckte mir die Arme hin . . .</p><p>Im n�chsten Augenblick waren Brand, Deirdre und das Juwel �ber den Rand gekippt, st�rzten in die Tiefe, waren verschwunden . . .</p><p>Ich glaube, ich wollte mich hinter ihnen herst�rzen, doch Random hielt mich fest. Dann mu�te er mich sogar niederschlagen, und die Welt versank.</p><empty-line/><p>Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf steinigem Grund, ein gutes St�ck von der Stelle entfernt, an der ich umgesunken war. Jemand hatte mir meinen zusammengefalteten Mantel als Kissen unter den Kopf gelegt. Als erstes gewahrte ich den kreisenden Himmel, der mich irgendwie an den Traum mit dem Rad denken lie�, den ich am Tage meiner ersten Begegnung mit Dara gehabt hatte. Ich sp�rte die anderen ringsum und h�rte ihre Stimmen, bewegte den Kopf aber noch nicht. Ich lag nur reglos da und betrachtete das Mandala am Himmel und dachte an den Verlust, den ich erlitten hatte. Deirdre . . . sie hatte mir mehr bedeutet als alle anderen Verwandten zusammen. Ich kann nichts dagegen tun. So war es nun mal. Wie oft hatte ich gew�nscht, sie w�re nicht meine Schwester! Doch hatte ich mich mit der Realit�t unserer Situation abgefunden. Meine Gef�hle w�rden sich niemals ver�ndern, nur . . . gab es sie jetzt nicht mehr, und dieser Gedanke bedr�ckte mich mehr als die drohende Vernichtung der Welt.</p><p>Trotzdem mu�te ich sehen, was jetzt geschah. Nachdem das Juwel nun au�er Reichweite war, mu�te alles vorbei sein. Trotzdem . . . ich schickte meinen Geist aus, versuchte seine Gegenwart zu ersp�ren, wo immer es sich auch befinden mochte, doch es kam keine Reaktion. Daraufhin richtete ich mich auf, um zu sehen, wie weit die Woge vorger�ckt war, doch ein Arm dr�ckte mich zur�ck.</p><p>�Ruh dich aus, Corwin!� ert�nte Randoms Stimme. �Du bist am Ende. Du siehst aus, als w�rst du gerade durch die H�lle gekrochen. Du kannst nichts mehr tun. La� es gut sein!�</p><p>�Was f�r einen Unterschied macht mein Gesundheitszustand noch?� erwiderte ich. �Bald kommt es nicht mehr darauf an.�</p><p>Wieder wollte ich aufstehen, und diesmal st�tzte mich der Arm und half mir dabei.</p><p>�Na sch�n�, sagte er. �Es gibt aber nicht viel Lohnenswertes zu sehen.�</p><p>Damit hatte er wohl recht. Die Schlacht schien vorbei zu sein, bis auf einige vereinzelte Widerstandsnester des Gegners, die bereits umzingelt und niedergek�mpft wurden, wo bei sich alles allm�hlich in unsere Richtung bewegte, zur�ckweichend vor der herbeiwogenden Front, die bereits die andere Seite des Schlachtfeldes erreicht hatte. In K�rze w�rden sich auf unserer Anh�he die �berlebenden beider Seiten dr�ngen. Ich schaute hinter uns. Von der d�steren Zitadelle kam keine Verst�rkung mehr. Konnten wir uns an jenen Ort zur�ckziehen, wenn das Chaos uns schlie�lich erreichte? Und dann was? Der Abgrund schien der letzte Ausweg zu sein. �Bald�, murmelte ich und dachte an Deirdre. �Bald.� Warum auch nicht?</p><p>Ich beobachtete die Unwetterfront, die quirlte und kochte und Blitze aussandte. Ja, bald. Nachdem das Juwel mit Brand untergegangen war . . .</p><p>�Brand . . .�, sagte ich. �Wer hat ihn da vorhin erwischt?�</p><p>�Diese Ehre beanspruche ich�, sagte eine mir bekannte Stimme, die ich aber nicht unterbringen konnte.</p><p>Ich wandte den Kopf. Der Mann in Gr�n sa� auf einem Felsen, Pfeil und Bogen neben sich auf dem Boden. Er musterte mich mit einem b�sen L�cheln.</p><p>Es war Caine.</p><p>�Da soll mich doch . . .!� sagte ich und rieb mir das Kinn. �Ich hatte da ein seltsames Erlebnis auf dem Weg zu deiner Beerdigung.�</p><p>�Ja. Ich habe davon geh�rt.� Er lachte. �Hast du dich schon mal selbst umgebracht, Corwin?�</p><p>�Letzthin nicht. Wie hast du das fertiggebracht?�</p><p>�Ich bin in den entsprechenden Schatten eingedrungen�, sagte er, �und habe den dortigen Schatten meiner selbst in einen Hinterhalt gelockt. Der lieferte mir die Leiche.� Er erschauderte. �Ein unheimliches Gef�hl, das kann ich dir sagen! So etwas m�chte ich nicht noch einmal durchmachen.�</p><p>�Aber warum?� wollte ich wissen. �Warum hast du deinen Tod vorget�uscht und mir zur Last legen lassen?�</p><p>�Ich wollte an die Wurzeln der Probleme in Amber�, sagte er, �und damit ein f�r allemal aufr�umen. Der beste Weg dorthin schien mir die Arbeit aus dem Untergrund zu sein. Und wie h�tte ich euch nachhaltiger davon �berzeugen k�nnen, da� ich wirklich tot war? Wie ihr seht, habe ich mein Ziel nun doch noch erreicht.� Er hielt inne. �Die Sache mit Deirdre tut mir allerdings leid. Aber ich hatte keine andere Wahl. Es war unsere letzte Chance. Ich hatte nicht geglaubt, da� er sie mit sich in den Tod rei�en w�rde.�</p><p>Ich wandte den Blick ab.</p><p>�Ich hatte keine andere Wahl�, wiederholte er. �Ich hoffe, das siehst du ein.�</p><p>Ich nickte. �Aber warum hast du es so aussehen lassen, als h�tte ich dich umgebracht?� wollte ich wissen.</p><p>In diesem Augenblick traf Fiona in Bleys Begleitung ein. Ich begr��te beide und wandte mich dann wieder Caine zu, der mir noch eine Antwort schuldig war. Auch von Bleys wollte ich Ausk�nfte haben, die mir aber nicht so sehr unter den N�geln brannten.</p><p>�Also?� fragte ich.</p><p>�Ich wollte dich ausschalten�, entgegnete er. �Ich dachte noch immer, du k�nntest der Drahtzieher hinter allem sein. Du oder Brand. Auf diese beiden hatte ich die Sache schon eingeengt. Ich nahm sogar an, da� ihr beide vielleicht gemeinsame Sache machtet � besonders, wo er sich solche M�he gab, dich zur�ckzuholen.�</p><p>�Das hast du nicht richtig gesehen�, schaltete sich Bleys ein. �Brand versuchte ihn fernzuhalten. Er hatte erfahren, da� er die Erinnerung wiederfand, und . . .�</p><p>�Das wei� ich heute�, sagte Caine. �Aber damals stellte sich die Sache anders dar. Ich wollte Corwin also wieder in einem Verlies wissen, w�hrend ich nach Brand suchte. Anschlie�end behielt ich den Kopf unten und h�rte mir alles an, was durch die Tr�mpfe gesagt und getan wurde und hoffte auf einen Hinweis, der mir Brands Aufenthaltsort verraten h�tte.�</p><p>�<emphasis>Das</emphasis> meinte Vater also!� sagte ich.</p><p>�Was?� fragte Caine.</p><p>�Er deutete an, es gebe einen Lauscher in den Tr�mpfen.�</p><p>�Ich w��te nicht, wie er das gemerkt haben sollte. Ich hatte mir beigebracht, mich v�llig passiv zu verhalten. Ich habe alle Karten vor mich hingelegt, sie alle zugleich leicht ber�hrt und darauf gewartet, da� sich etwas r�hrte. Wenn es dazu kam, richtete ich meine Aufmerksamkeit auf den Sprechenden. Wenn ich mich einzeln mit euch besch�ftigte, konnte ich sogar manchmal eure Gedanken lesen, auch wenn ihr die Tr�mpfe nicht benutztet � dazu mu�tet ihr aber ausreichend abgelenkt sein.�</p><p>�Trotzdem wu�te er Bescheid�, sagte ich.</p><p>�Durchaus m�glich�, sagte Fiona. �Sogar wahrscheinlich.� Bleys nickte ihr zu.</p><p>Random r�ckte n�her. �Was sollte deine Frage nach Corwins Gesundung?� fragte er. �Woher wu�test du �berhaupt von der Wunde, wenn du nicht . . .�</p><p>Caine nickte nur. Ich sah Benedict und Julian in einiger Entfernung stehen; sie sprachen zu ihren Soldaten. Caines stumme Bewegung f�hrte aber dazu, da� ich sie verga�.</p><p>�Du?� fragte ich mit belegter Stimme. �Du hast mir den Stich beigebracht?�</p><p>�Trink einen Schluck�, sagte Random und reichte mir seine Flasche. Es war verd�nnter Wein. Ich trank gierig. Mein Durst war gro�, doch ich hielt nach mehreren Schlucken inne.</p><p>�Erz�hl mir dar�ber�, forderte ich.</p><p>�Na sch�n � das bin ich dir schuldig�, gab er zur�ck. �Als ich aus Julians Gedanken erfuhr, da� du Brand nach Amber zur�ckgebracht hattest, kam ich zu dem Schlu�, da� eine alte Vermutung von mir richtig gewesen war � da� du n�mlich mit Brand unter einer Decke stecktest. Das hie�, ihr mu�tet beide vernichtet werden. In jener Nacht projizierte ich mich mit Hilfe des Musters in deine R�ume. Dort versuchte ich dich umzubringen, aber du warst zu schnell und konntest dich durch den Trumpf retten, ehe ich es noch einmal versuchen konnte.�</p><p>�Die Verdammnis treffe dich!� sagte ich. �Wenn du unsere Gedanken lesen konntest, h�ttest du dann nicht erkennen k�nnen, da� ich nicht der Gesuchte war?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich konnte nur Oberfl�chengedanken und Reaktionen auf die jeweilige Umgebung auffangen. Und das nicht immer. Au�erdem hatte ich deinen Fluch geh�rt, Corwin, der sich zu bewahrheiten begann. Es war �berall zu sehen. Ich hatte das Gef�hl, da� wir alle viel sicherer sein w�rden, wenn es dich und Brand nicht mehr g�be. Seine Taten vor deiner R�ckkehr hatten mir gezeigt, wozu er f�hig war. Aber ich kam damals nicht an ihn heran, wegen G�rard. Dann begann er st�rker zu werden. Ich machte sp�ter noch einen Versuch, der aber fehlschlug.�</p><p>�Wann war das?� fragte Random.</p><p>�Es war der Angriff, an dem Corwin die Schuld erhielt. Ich maskierte mich � f�r den Fall, da� er entkommen konnte wie Corwin. Er sollte nicht wissen, da� ich noch mitspielte. Ich projizierte mich durch das Muster in seine Gem�cher und versuchte ihn umzubringen. Wir wurden beide verletzt � es flo� viel Blut �, doch auch er konnte sich durch den Trumpf retten. Vor kurzem setzte ich mich dann mit Julian in Verbindung und schlo� mich ihm f�r diese Schlacht an, denn hier mu�te Brand auftauchen. Ich hatte einige Pfeile mit silbernen Spitzen machen lassen, weil ich davon �berzeugt war, da� er nicht mehr der alte war, nicht mehr so wie wir �brigen. Ich wollte ihn schnell t�ten k�nnen, und zwar aus der Entfernung. Ich �bte Bogenschie�en und machte mich hier auf die Suche. Und schlie�lich hatte ich ihn gefunden. Und jetzt versichert mir jeder hier, da� ich mich in dir geirrt habe. Ich sch�tze, der f�r dich bestimmte Pfeil wird im K�cher bleiben.�</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>�Mag sein, da� ich dir sogar Abbitte leisten mu�.�</p><p>�Das w�rde mich zu Tr�nen r�hren.�</p><p>�Andererseits sage ich mir, da� ich recht hatte. Ich habe gehandelt, um die anderen zu retten . . .�</p><p>Ich bekam Caines Entschuldigung nicht zu h�ren, denn im gleichen Augenblick ert�nte ein Fanfarensto�, der die ganze Welt erzittern lie� � richtungslos, laut, langgedehnt. Wir drehten die K�pfe hin und her, suchten nach dem Bl�ser.</p><p>Caine stand auf und hob den Arm. �Dort!� sagte er.</p><p>Mein Blick folgte seiner Bewegung. Im Nordwesten hatte sich der Vorhang der Sturmfront ge�ffnet, an der Stelle, an der die schwarze Stra�e daraus hervorkam. Ein gespenstischer Reiter auf schwarzem Pferd war erschienen und stie� ins Horn. Es dauerte einen Augenblick, ehe neue T�ne uns erreichten. Sekunden sp�ter erschienen zwei weitere Trompeter � ebenfalls bleich von Gestalt und auf schwarzen Pferden sitzend. Sie hoben die Instrumente an die Lippen und fielen in die Fanfaren ein.</p><p>�Was mag das sein?� fragte Random.</p><p>�Ich glaube, ich wei� es�, meinte Bleys, und Fiona nickte.</p><p>�Was denn?� fragte ich.</p><p>Aber sie antworteten nicht. Die Reiter auf der schwarzen Stra�e kamen n�her, und weitere Berittene tauchten hinter ihnen auf.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Ich verfolgte die Szene. Auf den H�ngen ringsum war Stille eingekehrt. Die Truppen waren erstarrt und beobachteten die Prozession. Sogar die Gefangenen aus den Burgen des Chaos, in Ketten gelegt, wandten die K�pfe in diese Richtung.</p><p>Im Gefolge der bleichen Trompeter ritt eine Horde Soldaten auf wei�en Pferden. Sie trugen Banner, von denen ich einige nicht erkannte, und folgten einem Menschwesen, das die Einhorn-Standarte Ambers hochhielt. Dieser Gruppe folgten weitere Musiker, von denen einige auf Instrumenten spielten, wie ich sie nie zuvor gesehen hatte.</p><p>Hinter den Musikern marschierten geh�rnte Wesen von Menschengestalt in leichter R�stung, viele lange Kolonnen, und jeder zwanzigste trug eine riesige Fackel in der Hand, die hoch �ber die K�pfe aufragte. Ein dumpfes Grollen schlug uns an die Ohren � langsam, rhythmisch, eine Unterlegung der Fanfarenst��e und der anderen Musik �, und ich erkannte, da� die Fu�soldaten sangen. Endlos marschierte die Truppe aus dem Regenvorhang auf uns zu, der schwarzen Stra�e folgend, und obwohl viel Zeit zu vergehen schien, r�hrte sich keiner von uns oder sagte ein Wort. Die Gestalten kamen an uns vorbei, mit den Fackeln und den Bannern und der Musik und ihrem Gesang, und die ersten erreichten schlie�lich den Rand des Abgrunds und betraten die beinahe unsichtbare Verl�ngerung jenes d�steren Weges, und ihre Fackeln flackerten vor der Dunkelheit und erleuchteten ihnen den Weg. Trotz der Entfernung wurde die Musik lauter, denn immer neue Stimmen fielen in den d�steren Chor ein, immer neue Kolonnen von Marschierenden lie�en den blitzenden Sturmvorhang hinter sich. Von Zeit zu Zeit grollte ein Donnern auf, das den Gesang aber nicht zu �bert�nen vermochte, ebensowenig brachte es der Wind fertig, auch nur eine der Fackeln zu l�schen, die in meinem Blickfeld loderten. Die Bewegung hatte etwas Hypnotisches. Es war beinahe, als beobachtete ich diese Prozession schon seit unz�hligen Tagen, vielleicht Jahren und h�rte die Melodie, die ich nun wiedererkannte.</p><p>Pl�tzlich segelte ein Drache aus der Front des Unwetters, gefolgt von einem zweiten und dritten. Gr�n und golden und schwarz wie altes Eisen waren diese Gesch�pfe, die sich im Wind tummelten, die K�pfe drehten und Wimpel aus Feuer hinter sich herzogen. Hinter ihnen zuckten Blitze. Die Drachen boten ein pr�chtiges, ehrfurchterregendes Bild. Unter ihnen tauchte eine kleine Herde wei�er Rinder auf, die K�pfe hin und her werfend und schnaubend. Reiter bewegten sich dahinter und lie�en lange schwarze Peitschen knallen.</p><p>Es folgte eine Prozession wahrhaft monstr�ser Soldaten aus einem Schattenreich, mit dem Amber zuweilen Handel treibt � massig, schuppig und mit Krallen bewehrt. Diese Gesch�pfe spielten Instrumente wie Dudels�cke, deren perlende T�ne vibrierend und pathetisch klangen.</p><p>Und weiter ging der Marsch: neue Fackeltr�ger und Soldaten erschienen mit ihren Wappen und Wimpeln � aus Schattenreichen fern und nah. Wir sahen sie vorbeimarschieren und den Windungen der Stra�e in den fernen Himmel folgen, wie ein Wanderzug von Gl�hw�rmchen, ihr Ziel war die schwarze Zitadelle, die man auch die Burg des Chaos nennt.</p><p>Es schien kein Ende zu nehmen: Ich hatte jedes Zeitgef�hl verloren. Seltsamerweise r�ckte das Unwetter in dieser Zeit nicht weiter vor. Ich drohte mein Gef�hl f�r meine Identit�t zu verlieren, so sehr bannte mich die Prozession. Hier spielte sich ein Ereignis ab, das niemals zu wiederholen war. Pr�chtige Flugechsen schossen �ber den Kolonnen hin und her und noch h�her schwebten dunkle Umrisse.</p><p>Es kamen gespenstische Trommler, Wesen aus reinem Licht, und ein Schwarm schwebender Maschinen. Ich sah schwarzgekleidete Reiter auf einer Vielzahl verschiedener Ungeheuer. Einen Augenblick lang schien sich am Himmel ein riesiger Drache abzuzeichnen wie eine Feuerwerksfigur. Und die Ger�usche � Hufschlag und Schritte, Gesang und Trommelrassel, Paukendr�hnen und Trompetenschall � dies alles steigerte sich zu einer gewaltigen Woge, die �ber uns hinschwappte. Und immer weiter und weiter und �ber die Br�cke der Dunkelheit wand sich die Prozession, deren Lichter den m�chtigen Abgrund nun ein gutes St�ck �berspannten.</p><p>Als mein Blick wieder einmal an diesen Linien entlang zum Ausgangspunkt wanderte, erschien ein neuer Umri� aus dem schimmernden Vorhang. Es war ein ganz in Schwarz geh�llter Karren, gezogen von einem Gespann schwarzer Pferde. An den vier Ecken ragten St�be auf, die in blauem Feuer erstrahlten, und dazwischen ruhte ein Gebilde, bei dem es sich nur um einen Sarg handeln konnte, bedeckt von unserer Einhorn-Flagge. Der Fahrer war ein buckliger Mann in orangefarbener und purpurner Kleidung, und trotz der Entfernung wu�te ich sofort, da� Dworkin das Gespann f�hrte.</p><p><emphasis>So ist es also</emphasis>, dachte ich. <emphasis>Ich kenne den Grund nicht, aber irgendwie erscheint es mir passend, da� du jetzt in das Alte Land reist. Es gibt vieles, das ich dir h�tte sagen k�nnen, w�hrend du noch am Leben warst. Einiges habe ich gesagt, doch von den richtigen Worten sind nur wenige ausgesprochen worden. Jetzt ist es vorbei, denn du bist tot. So tot wie all jene, die vor dir zu jenem Ort eingegangen sind, an den wir �brigen dir vielleicht bald folgen. Es tut mir leid. Erst nach so vielen Jahren, als du ein anderes Gesicht und eine andere Gestalt zeigtest, lernte ich dich wirklich kennen und respektieren und konnte dich sogar gernhaben �</emphasis><emphasis>obwohl du auch in jener Person ein st�rrischer alter Kerl gewesen bist. War das Ganelon-Ich vielleicht von vornherein das echte Du, oder nur eine der vielen Gestalten, die du aus Bequemlichkeit angenommen hast, du alter Gestaltver�nderer? Ich werde es nie erfahren, doch m�chte ich mir gern einbilden, dich schlie�lich so gesehen zu haben, wie du wirklich warst, einem Menschen begegnet zu sein, der mir gefiel, jemandem, dem ich vertrauen konnte, und da� dieser Jemand du warst. Ich w�nschte, ich h�tte dich sogar noch besser kennenlernen k�nnen, bin aber dankbar f�r das wenige . . .</emphasis></p><p>�Vater . . .?� fragte Julian leise.</p><p>�Wenn es mit ihm zu Ende ging, wollte er �ber die Burgen des Chaos hinaus in die letzte Dunkelheit �berf�hrt werden�, sagte Bleys. �Das hat mir Dworkin einmal erz�hlt. �ber das Chaos und Amber hinaus, an einen Ort, wo niemand herrscht.�</p><p>�Und so geschieht es�, sagte Fiona. �Doch befindet sich Ordnung irgendwo hinter jener Mauer, durch die sie kommen? Oder erstreckt sich das Unwetter ins Unendliche? Wenn er Erfolg gehabt hat, kann diese Erscheinung nur vor�bergehend sein und bringt uns keine Gefahr. Aber wenn nicht . . .�</p><p>�Es kommt nicht mehr darauf an�, warf ich ein, �ob er Erfolg gehabt hat oder nicht, denn <emphasis>ich</emphasis> habe es geschafft.�</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>�Ich glaube, er hat sein Ziel nicht erreicht�, sagte ich. �Er wurde vernichtet, ehe er das alte Muster reparieren konnte. Als ich den Sturm kommen sah, ging mir auf, da� ich nicht mehr rechtzeitig mit dem Juwel hier eintreffen konnte, das er mir nach seinem Versuch hatte schicken lassen. Brand hatte mir den Stein unterwegs abnehmen wollen � um ein neues Muster zu schaffen, wie er sagte. Sp�ter brachte mich das auf den Gedanken. Als ich erkannte, da� nichts anderes mehr helfen konnte, gebrauchte ich das Juwel, um ein neues Muster zu schaffen. Es war die schwierigste Aufgabe, die ich je �bernommen habe, doch es gelang mir. Wenn diese Woge vorbei ist, m��te die Welt eigentlich zusammenhalten, ob wir diesen Ansturm nun �berleben oder nicht. Brand stahl mir das Juwel in dem Augenblick, als ich das Muster beendet hatte. Als ich mich von seinem Angriff erholt hatte, konnte ich mich mit Hilfe des neuen Musters hierher projizieren. Es gibt also nach wie vor ein Muster, egal, was passiert.�</p><p>�Aber was ist, wenn Vater doch erfolgreich gewesen ist?� fragte sie.</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�So wie ich die Dinge nach �u�erungen Dworkins verstehe�, sagte Bleys, �kann es im gleichen Universum nicht zwei verschiedene Muster geben. Dabei z�hlen die Ph�nomene in Rebma und Tir-na Nog�th nicht mit, da sie nur Spiegelungen unseres Ur-Musters waren . . .�</p><p>�Was w�rde geschehen?� fragte ich.</p><p>�Ich glaube, es g�be eine Abspaltung, es w�rde sich eine neue Existenz bilden � irgendwo.�</p><p>�Und was w�re die Auswirkung auf unsere Welt?�</p><p>�Entweder eine totale Katastrophe oder keinerlei Folgen�, antwortete Fiona. �F�r beide M�glichkeiten k�nnte ich Argumente vorbringen.�</p><p>�Dann sind wir genau dort, wo wir angefangen haben�, bemerkte ich. �Entweder geht unsere Welt in K�rze unter, oder sie bleibt erhalten.�</p><p>�So sieht es aus�, sagte Bleys.</p><p>�Es kommt sowieso nicht mehr darauf an, wenn wir den kommenden Ansturm nicht �berstehen�, sagte ich. �Und der kommt bestimmt.�</p><p>Ich wandte mich wieder der Totenprozession zu. Hinter dem Reiter waren weitere Reiterscharen aufgetaucht, gefolgt von marschierenden Trommlern. Dann Flaggen und Fackeln und lange Reihen marschierender Soldaten. Noch immer wehte Gesang her�ber, und weit, weit entfernt �ber dem Abgrund konnte man den Eindruck haben, als habe die Spitze der Prozession endlich die d�stere Zitadelle erreicht.</p><p>. . . <emphasis>Ich ha�te dich so lange, warf dir so viele Dinge vor. Jetzt ist es vorbei, und von diesen Gef�hlen ist nichts zur�ckgeblieben. Statt dessen hast du sogar den Wunsch ge�u�ert, mich zum K�nig zu machen, eine Stellung, f�r die ich � das erkenne ich jetzt � nicht geeignet bin. Ich sehe ein, da� ich dir letztlich doch etwas bedeutet haben mu�. Ich werde den anderen nichts davon sagen. Es gen�gt, wenn ich es wei�. Aber ich kann dich nie mehr so sehen wie fr�her. Dein Bild beginnt bereits zu verblassen. Ich sehe Ganelons Gesicht, wo sich eigentlich das deine befinden m��te. Er war mein Weggef�hrte. Er setzte f�r mich sein Leben ein. Er war du � aber ein anderes Du � ein Du, das ich vorher nicht gekannt hatte. Wie viele Ehefrauen und Feinde hast du �berlebt? Hattest du viele Freunde? Ich glaube nicht. Aber es gab so viele Dinge an dir, von denen wir nichts wu�ten. Ich h�tte es nie f�r m�glich gehalten, da� ich dein Hinscheiden erleben w�rde. Ganelon � Vater �</emphasis><emphasis>alter Freund und Feind, ich verabschtede mich von dir. Du schlie�t dich Deirdre an, die ich geliebt habe. Du hast dein Geheimnis bewahrt. Ruhe in Frieden, wenn das deinem Willen entspricht. Ich schenke dir diese verwelkte Rose, die ich durch die H�lle getragen habe, indem ich sie in den Abgrund werfe. Ich �berlasse dir die Rose und die verf�lschten Farben am Himmel. Du wirst mir fehlen . . .</emphasis></p><p>Endlich endete der lange Zug. Die letzten Marschierer kamen durch den Vorhang und entfernten sich. Die Blitze zuckten noch immer, der Regen str�mte herab, und der Donner dr�hnte. Trotzdem hatte kein Teilnehmer an der Prozession na� ausgesehen. Ich hatte am Rande des Abgrunds gestanden und das Schauspiel verfolgt. Eine Hand lag auf meinem Arm. Wie lange sie schon dort ruhte, wu�te ich nicht. Nachdem der Zug nun zu Ende war, ging mir auf, da� das Unwetter seinen Weg fortsetzte.</p><p>Die Rotation des Himmels schien mehr Dunkelheit �ber uns zu bringen. Links von mir ert�nten Stimmen. Es kam mir vor, als spr�chen sie schon lange, die Worte hatte ich allerdings nicht verstanden. Ich erkannte, da� ich am ganzen Leib zitterte, da� mir s�mtliche Muskeln wehtaten, da� ich kaum noch zu stehen vermochte.</p><p>�Komm, leg dich hin�, sagte Fiona. �Die Familie ist f�r heute genug geschrumpft.�</p><p>Ich lie� mich von ihr vom Abgrund fortf�hren.</p><p>�W�rde es wirklich noch einen Unterschied machen?� fragte ich. �Wie lange haben wir denn deiner Meinung nach noch?�</p><p>�Wir brauchen nicht hierzubleiben und darauf zu warten�, antwortete sie. �Wir werden die dunkle Br�cke zu den Burgen des Chaos �berqueren. Die Verteidigungslinien unserer Feinde sind bereits durchbrochen. Vielleicht dringt das Unwetter nicht so weit vor. Vielleicht wird es vom gro�en Abgrund aufgehalten. Es w�re sowieso angemessen, wenn wir Vater auf seinem letzten Weg begleiteten.�</p><p>Ich nickte. �Es sieht so aus, als bliebe uns kaum eine andere Wahl, als bis zum Schlu� unsere Pflicht zu tun.�</p><p>Ich setzte mich vorsichtig und seufzte. Wenn das �berhaupt m�glich war, f�hlte ich mich noch schw�cher.</p><p>�Deine Stiefel . . .�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>Sie zog sie mir von den F��en, die zu schmerzen begonnen hatten.</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>�Ich besorge dir etwas zu essen.�</p><p>Ich schlo� die Augen. Ich begann zu d�sen. Zu viele Bilder zuckten mir durch den Kopf, als da� sich ein zusammenh�ngender Traum ergab. Wie lange dies dauerte, wei� ich nicht, doch ein alter Reflex holte mich beim Klang n�herkommenden Hufschlags ins Bewu�tsein zur�ck. Ein Schatten glitt �ber meine Lider.</p><p>Ich hob den Blick und entdeckte einen verh�llten Reiter, reglos, stumm. Er musterte mich.</p><p>Ich erwiderte den Blick. Keine drohende Bewegung war gemacht worden, doch in dem kalten Blick lag Ablehnung.</p><p>�Dort liegt der Held�, sagte eine leise Stimme.</p><p>Ich schwieg.</p><p>�Ich k�nnte dich m�helos umbringen.�</p><p>Da erkannte ich die Stimme, wenn ich auch keine Vorstellung hatte von den Ursachen f�r die Ablehnung.</p><p>�Ich habe Borel gefunden, ehe er starb�, sagte sie. �Er erz�hlte mir, wie unehrenhaft du ihn besiegt hast.�</p><p>Ich konnte nicht anders, ich hatte keine Kontrolle dar�ber. Ein trockenes Lachen stieg in meiner Kehle auf. Was f�r eine l�cherliche Kleinigkeit, um sich dar�ber aufzuregen! Ich h�tte ihr sagen k�nnen, da� Borel viel besser ausger�stet und ausgeruhter gewesen war als ich und da� er mir den Kampf f�rmlich aufgezwungen hatte. Ich h�tte ihr klarmachen k�nnen, da� ich keine Regeln gelten lasse, wenn mein Leben in Gefahr ist, oder da� ich den Krieg nicht f�r ein Spiel halte. Ich h�tte vieles sagen k�nnen, doch wenn sie das nicht bereits wu�te oder nicht verstehen wollte, konnten meine �u�erungen auch nichts mehr �ndern. Au�erdem waren ihre Gef�hle klar.</p><p>So �u�erte ich nur eine schlichte, gro�e Wahrheit: �Im allgemeinen hat jede Geschichte mehr als eine Seite.�</p><p>�Ich begn�ge mich mit der, die ich kenne�, gab sie zur�ck.</p><p>Am liebsten h�tte ich die Achseln gezuckt, doch meine Schultern schmerzten zu sehr.</p><p>�Du hast mich zwei der wichtigsten Personen meines Lebens gekostet�, sagte sie nun.</p><p>�Ach?� gab ich zur�ck. �Das tut mir leid, deinetwegen.�</p><p>�Du bist nicht der, als der du mir dargestellt wurdest. Ich habe in dir eine wahrhaft edle Gestalt gesehen, stark, doch zugleich verst�ndnisvoll und zuweilen voller R�cksicht. Ehrenvoll . . .�</p><p>Das Unwetter, das immer n�her kam, tobte hinter ihr. Ich dachte an etwas Vulg�res und sprach es aus. Sie ging dar�ber hinweg, als h�tte sie meine Worte nicht geh�rt.</p><p>�Ich gehe jetzt�, sagte sie. �Ich kehre zu meinen Leuten zur�ck. Bisher habt ihr den Kampf gewonnen � aber in jener Richtung hat einmal Amber gelegen�. Sie deutete auf das Unwetter. Ich konnte sie nur anstarren. Nicht die tobenden Elemente. Sie. �Ich glaube nicht, da� von meinen neuen Bindungen noch viel �brig ist, das ich widerrufen m��te�, fuhr sie fort.</p><p>�Und was ist mit Benedict?� fragte ich.</p><p>�Nicht . . .�, sagte sie und wandte sich ab. Ein kurzes Schweigen trat ein. Dann fuhr sie fort: �Ich glaube nicht, da� wir uns noch einmal wiedersehen.� Ihr Pferd trug sie nach links davon, in die Richtung zur schwarzen Stra�e.</p><p>Ein Zyniker h�tte zu dem Schlu� gelangen k�nnen, da� sie sich nun auf die Seite derjenigen schlug, die in ihren Augen als die Sieger dastanden, da die Burgen des Chaos das Kommende wohl �berstehen w�rden. Aber ich wu�te es nicht. Ich konnte nur an das Bild denken, das ich wahrgenommen hatte, als sie ihre Armbewegung machte. Die Kapuze war zur Seite geglitten, und ich hatte einen Blick auf das werfen k�nnen, was sie geworden war. Das Gesicht in den Schatten war nicht mehr menschlich gewesen. Doch ich wandte den Kopf und folgte ihr mit den Blicken, bis sie verschwunden war. Nachdem Deirdre und Brand und Vater nicht mehr am Leben waren und nach der Trennung von Dara � in dieser Stimmung kam mir die Welt viel leerer vor, das wenige, das davon noch �brig war.</p><p>Ich lehnte mich seufzend zur�ck. Warum sollte ich nicht einfach hierbleiben, wenn die anderen weiterritten, und darauf warten, da� der Sturm �ber mich dahinfuhr, und mich aufl�ste, w�hrend ich noch schlief? Ich mu�te an Hugi denken. Hatte ich nicht nur sein Fleisch in mich aufgenommen, sondern auch seine Flucht vor dem Leben? Ich war so ersch�pft, da� mir dieser Ausweg als der leichteste vorkam . . .</p><p>�Hier, Corwin.�</p><p>Wieder war ich entschlummert, wenn auch nur f�r kurze Zeit. Fiona hockte neben mir, E�rationen und eine Flasche in der Hand. Jemand war bei ihr.</p><p>�Ich wollte deine Audienz nicht st�ren�, sagte sie, �und habe gewartet.�</p><p>�Du hast mitgeh�rt?� fragte ich.</p><p>�Nein, aber ich kann mir ausmalen, wie es gewesen ist, denn sie ist fort. Hier.�</p><p>Ich trank Wein und wandte meine Aufmerksamkeit dem Fleisch und Brot zu. Trotz meines seelischen Zustands schmeckte alles sehr gut.</p><p>�Wir m�ssen bald los�, sagte Fiona und warf einen Blick auf die tobende Unwetterfront. �Kannst du reiten?�</p><p>�Ich glaube schon�, antwortete ich.</p><p>Wieder trank ich von dem Wein.</p><p>�Aber es ist viel zuviel geschehen, Fiona�, fuhr ich fort. �Mein Gef�hl ist wie bet�ubt. Ich bin aus einem Sanatorium in einer Schattenwelt ausgebrochen. Ich habe Menschen �bert�lpelt und umgebracht. Ich habe mir Vorteile ausgerechnet und erk�mpft. Ich errang mein Ged�chtnis wieder und habe seither versucht, mein Leben wieder auf eine vern�nftige Grundlage zu stellen. Ich habe meine Familie gefunden und festgestellt, da� ich sie liebe. Ich habe mich mit Vater vers�hnt. Ich habe um das K�nigreich gek�mpft. Ich habe mich bis zum Letzten verausgabt, um die Dinge zusammenzuhalten. Und jetzt sieht es so aus, als habe das alles nichts gen�tzt, und meine Kraft reicht nicht mehr, um dar�ber traurig zu sein. Ich bin v�llig gef�hllos geworden. Verzeih mir.�</p><p>Sie k��te mich.</p><p>�Noch sind wir nicht besiegt. Du wirst zu dir selbst zur�ckfinden.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Es ist wie im letzten Kapitel von <emphasis>Alice im Wunderland�</emphasis>, sagte ich. �Wenn ich rufe: �Ihr seid doch nur ein Kartenspiel!�, dann wirbeln wir alle in die Luft, ein Packen gemalter Motive. Ich begleite euch nicht. La�t mich hier zur�ck. Ich bin sowieso nur der Joker.�</p><p>�In diesem Augenblick bin ich st�rker als du�, widersprach sie. �Du kommst mit!�</p><p>�Das ist nicht fair�, sagte ich leise.</p><p>�I� zu Ende�, sagte sie. �Wir haben noch ein wenig Zeit.�</p><p>Als ich ihrer Aufforderung nachkam, fuhr sie fort: �Dein Sohn Merlin m�chte dich gern sprechen. Ich w�rde ihn gern heraufrufen.�</p><p>�Als Gefangenen?�</p><p>�Eigentlich nicht. Er hat am Kampf nicht teilgenommen. Er traf lediglich vor kurzem ein und wollte dich sehen.�</p><p>Ich nickte, und sie entfernte sich. Ich legte die Nahrung fort und sprach noch einmal dem Wein zu. Pl�tzlich war ich nerv�s. Was sagt man einem erwachsenen Sohn, wenn man erst k�rzlich erfahren hat, da� es ihn �berhaupt gibt? Ich fragte mich, welche Gef�hle er mir entgegenbringen w�rde. Und ob er von Daras Entscheidung wu�te. Wie sollte ich mich ihm gegen�ber verhalten?</p><p>Ich sah ihn aus einer Gruppe meiner Verwandten treten, die sich ein gutes St�ck links von mir zusammengefunden hatte. Ich hatte mich schon gefragt, warum man derma�en auf Abstand von mir ging, doch je mehr Besucher zu mir kamen, desto mehr ahnte ich die L�sung. Ich fragte mich, ob der R�ckzug meinetwegen verz�gert wurde. Die feuchten B�en des Unwetters wurden st�rker. Merlin blickte mich im N�herkommen an, ohne einen besonderen Ausdruck auf dem Gesicht, das dem meinen so sehr �hnelte. Ich fragte mich, wie Dara zumute war, nachdem sich ihre Prophezeiung von der Vernichtung endlich zu bewahrheiten schien. Und ich fragte mich, wie sie wirklich zu dem Jungen stand. Ich stellte mir . . . viele Fragen.</p><p>Er beugte sich vor und ergriff meine Hand. �Vater . . .�</p><p>�Merlin.� Ich blickte ihn in die Augen. Ohne seine Hand loszulassen, stand ich auf.</p><p>�Bleib liegen.�</p><p>�Schon gut.� Ich dr�ckte ihn an mich und lie� ihn wieder los. �Ich bin froh�, fuhr ich fort. �Trink mit mir.� Ich hielt ihm den Wein hin, zum Teil auch um zu verbergen, da� ich pl�tzlich keine Worte fand.</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>Er nahm die Flasche, trank daraus und reichte sie zur�ck.</p><p>�Auf deine Gesundheit�, sagte ich und trank ebenfalls. �Tut mir leid, da� ich dir keinen Stuhl anbieten kann.�</p><p>Ich setzte mich wieder auf den Boden. Er folgte meinem Beispiel.</p><p>�Von den anderen scheint niemand genau zu wissen, was du eigentlich getan hast�, sagte er, �au�er Fiona, die mir sagte, es sei sehr schwierig gewesen.�</p><p>�Ach was�, gab ich zur�ck. �Ich freue mich, da� ich es bis hierher geschafft habe, und wenn es wegen dieses Gespr�ches w�re. Erz�hl mir von dir, mein Sohn. Was f�r ein Mensch bist du? Wie ist das Leben mit dir umgesprungen?�</p><p>Er wandte den Blick ab. �Ich habe noch nicht lang genug gelebt, um viel erreicht zu haben�, erwiderte er.</p><p>Es interessierte mich, ob er die F�higkeiten eines Gestaltver�nderers besa�, verzichtete aber zun�chst darauf, ihn zu fragen. Es hatte keinen Sinn, nach Unterschieden zwischen uns zu forschen, nachdem ich ihn eben erst kennengelernt hatte.</p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, wie es gewesen sein mu߫, sagte ich, �in den H�fen aufzuwachsen.�</p><p>Zum erstenmal l�chelte er.</p><p>�Und ich kann mir nicht vorstellen, wie es woanders h�tte sein k�nnen�, entgegnete er. �Es war insofern anders, als ich viel mir selbst �berlassen blieb. Man brachte mir die Dinge bei, die ein Edelmann wissen mu� � Magie, Waffen, Gifte, Reiten und Tanzen. Man sagte mir, ich w�rde eines Tages in Amber herrschen. Aber das gilt nicht mehr, oder?�</p><p>�F�r die absehbare Zukunft sieht es nicht danach aus�, sagte ich.</p><p>�Gut�, erwiderte er. �Dies war auch die einzige Sache, die ich nicht tun wollte.�</p><p>�Was m�chtest du denn tun?�</p><p>�Ich m�chte das Muster in Amber beschreiten, wie Mutter es getan hat, und Macht �ber die Schatten gewinnen, damit ich sie aufsuchen und dort unbekannte Dinge sehen und Abwechslung erleben kann. Meinst du, da� das m�glich ist?�</p><p>Ich trank einen Schluck und reichte ihm den Wein.</p><p>�Durchaus m�glich�, sagte ich, �da� Amber gar nicht mehr existiert. Es h�ngt alles davon ab, ob dein Gro�vater mit einem Versuch, den er begonnen hat, Erfolg gehabt hat � aber er kann uns nicht mehr sagen, was mit ihm in Amber geschah. Wie dem auch sei, auf jeden Fall gibt es ein Muster. Wenn wir dieses d�monische Unwetter �berstehen, dann sollst du ein Muster finden, das verspreche ich dir. Ich werde dich unterweisen und daf�r sorgen, da� du es durchschreitest.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte er. �Erz�hlst du mir jetzt von deinem Ritt hierher?�</p><p>�Sp�ter�, sagte ich. �Was hat man dir von mir erz�hlt?�</p><p>Er wandte den Blick ab. �Man lehrte mich, viele Aspekte Ambers abzulehnen�, antwortete er schlie�lich und fuhr nach kurzem Z�gern fort: �Vor dir als meinem Vater brachte man mir Respekt bei. Aber man lie� mich nicht dar�ber im unklaren, da� du der gegnerischen Seite angeh�rtest.� Wieder schwieg er. �Ich erinnere mich an den Patrouillenritt, als du an diesen Ort kamst und ich dich nach deinem Kampf gegen Kwan fand. Damals war ich schwankend in meinen Gef�hlen. Du hattest gerade jemanden umgebracht, den ich kannte � und doch mu�te ich deine Art bewundern. In deinem Gesicht sah ich das meine. Es war irgendwie seltsam. Ich wollte dich n�her kennenlernen.�</p><p>Der Himmel hatte sich einmal v�llig gedreht, bis nun die Dunkelheit �ber uns stand und die Farben �ber dem Chaos. Das gleichm��ige Vorr�cken der blitzenden Sturmfront wurde durch diesen Effekt betont. Ich beugte mich vor und griff nach meinen Stiefeln und begann sie anzuziehen. Bald war es Zeit f�r unseren R�ckzug. �Wir werden unser Gespr�ch in deiner Heimat fortsetzen m�ssen�, sagte ich. �Es ist Zeit, vor dem Unwetter zu fliehen.�</p><p>Er wandte sich um und betrachtete die Elemente, dann starrte er �ber den Abgrund.</p><p>�Ich kann einen Himmelssteg rufen, wenn du willst.�</p><p>�Eine der dahintreibenden Br�cken, wie du sie benutzt hast, als wir uns zum erstenmal begegneten?�</p><p>�Ja�, antwortete er. �Sie sind sehr angenehm. Ich . . .�</p><p>Aus der Gruppe meiner Verwandten stieg ein Schrei auf. Als ich hin�berblickte, schien sich nichts Bedrohliches zu tun. Also stand ich auf und machte einige Schritte auf die anderen zu, w�hrend Merlin sich hinter mir aufrichtete.</p><p>Dann sah ich es. Eine wei�e Gestalt, die aus dem Abgrund aufstieg, scheinbar in der freien Luft einhertrabend. Die Vorderhufe trafen auf den Felsrand, dann trat das Wesen vor und blieb stehen, uns alle betrachtend: unser Einhorn.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Einen Augenblick lang verga� ich Schmerzen und M�digkeit. Hoffnung flackerte in mir auf, w�hrend ich die zierliche wei�e Gestalt betrachtete, die vor uns verharrte. Eine innere Stimme forderte mich auf vorzust�rzen, doch eine st�rkere Kraft hielt mich in Bann, zwang mich, reglos abzuwarten.</p><p>Wie lange wir so verhielten, vermochte ich nicht zu sagen. An den H�ngen unter uns hatten sich die Soldaten auf das Abr�cken vorbereitet. Die Gefangenen waren gefesselt, Pferde beladen, Kriegsger�t verstaut worden. Diese gewaltige Armee hatte in ihren Marschvorbereitungen pl�tzlich innegehalten. Es war keine nat�rliche Erscheinung, da� sie die Vorg�nge bei unserer Gruppe so schnell bemerkt hatte � trotzdem war jeder Kopf, den ich sehen konnte, in unsere Richtung gedreht, das Einhorn am Abgrund betrachtend, dieses wundersch�ne Gesch�pf vor dem belebten Himmel.</p><p>Ich sp�rte pl�tzlich, da� der Wind hinter mir sich beruhigt hatte; der Donner allerdings grollte weiter und explodierte, und die Blitze lie�en huschende Schatten vor mir erscheinen.</p><p>Ich dachte an die andere Gelegenheit, da ich das Einhorn zu Gesicht bekommen hatte � beim Einholen der Leiche des Schatten-Caines, an dem Tag, da ich meinen Kampf gegen G�rard verloren hatte. Ich dachte an die Geschichte, die ich geh�rt hatte . . . Konnte dieses Wesen uns wirklich helfen?</p><p>Das Einhorn trat einen Schritt vor und blieb stehen.</p><p>Es war so lieblich anzuschauen, da� allein der Anblick aufmunternd auf mich wirkte. Es l�ste allerdings auch eine schmerzhafte �berreaktion aus, war doch seine Sch�nheit von einer Art, die man nur in kleinen Dosen genie�en sollte. Irgendwie sp�rte ich die unnat�rliche Intelligenz in dem schneewei�en Kopf. Ich sp�rte den Drang, das Tier zu ber�hren, wu�te aber, da� das nicht ging.</p><p>Das Gesch�pf lie� seinen Blick �ber uns wandern. Seine Augen richteten sich auf mich, und ich h�tte den Kopf abgewandt, wenn ich dazu in der Lage gewesen w�re. Ich schaffte es jedoch nicht, und so erwiderte ich den Blick, in dem ich ein Verst�ndnis fand, welches das meine weit �berstieg. Es war, als wisse das Einhorn alles �ber mich und habe in den letzten Sekunden auch all meine j�ngsten Qualen erfa�t. Einen Augenblick lang glaubte ich in jenen Augen so etwas wie Mitleid und einen starken Ausdruck der Liebe zu sehen � und vielleicht auch einen Anflug von Humor.</p><p>Dann wandte sich der Kopf, und der Blickkontakt bestand nicht mehr. Unwillk�rlich seufzte ich. Im gleichen Moment glaubte ich im Schein eines Blitzes etwas am Hals des Tiers schimmern zu sehen.</p><p>Das Einhorn trat noch einen Schritt vor und blickte nun zu der Gruppe der Verwandten hin�ber, der ich mich hatte anschlie�en wollen. Es senkte den Kopf und stie� ein leises Wiehern aus. Dann stie� es mit dem rechten Vorderhuf auf den Boden.</p><p>Ich sp�rte Merlin neben mir. Ich dachte an Dinge, die ich verlieren w�rde, wenn hier alles ein Ende finden sollte.</p><p>Das Einhorn t�nzelte mehrere Schritte weit. Es warf den Kopf hoch und senkte ihn wieder. Es sah so aus, als n�here es sich nur ungern einer so gro�en Gruppe von Menschen.</p><p>Beim n�chsten Schritt sah ich es wieder funkeln � und mehr! Weiter unten am Hals schimmerte ein winziger roter Funke. Das wei�e Gesch�pf trug das Juwel des Geschicks. Wie es daran gekommen war, wu�te ich nicht. Es war auch nicht wichtig. Wenn es uns den Stein ausliefern w�rde, mochte ich in der Lage sein, das Unwetter niederzuk�mpfen � oder uns zumindest an diesem Ort vor seinem vernichtenden Einflu� zu sch�tzen.</p><p>Aber der eine lange Blick hatte gen�gt. Das Einhorn beachtete mich nicht mehr. Langsam, vorsichtig, als sei es bereit, beim geringsten Anla� zu fliehen, n�herte es sich der Stelle, an der Julian, Random, Bleys, Fiona, Llewella, Benedict und mehrere Edelleute standen.</p><p>Ich h�tte erkennen m�ssen, was da vorging, doch ich ahnte nichts. Ich verfolgte lediglich die Bewegungen des schlanken Wesens, das vorsichtig die Gruppe umkreiste.</p><p>Wieder blieb es stehen und senkte den Kopf. Dann sch�ttelte es die M�hne und brach mit den Vorderhufen in die Knie. Pl�tzlich hing das Juwel des Geschicks an seinem verwundeten goldenen Horn. Die Spitze dieses Horns ber�hrte beinahe die Person, vor der das Einhorn kniete.</p><p>Pl�tzlich sah ich vor meinem inneren Auge das Gesicht meines Vaters am Himmel, und seine Worte hallten in meinem Kopf nach: �Mit meinem Tod wird sich f�r euch von neuem die Frage der Nachfolge erheben . . . Deshalb bleibt mir nichts anderes �brig, als dies dem Horn des Einhorns zu �berlassen.�</p><p>Ein Murmeln ging durch die Gruppe, weil allen wohl der gleiche Gedanke gekommen war. Das Einhorn lie� sich dadurch nicht st�ren, sondern verharrte als zarte wei�e Statue und schien nicht einmal zu atmen.</p><p>Langsam hob Random die H�nde und nahm das Juwel von dem goldenen Horn. Sein Fl�stern drang bis zu mir.</p><p>�Danke�, sagte er.</p><p>Julian zog seine Klinge, kniete nieder und legte sie Random zu F��en. Bleys, Benedict und Caine, Fiona und Llewella taten es ihm nach. Ich schlo� mich ihnen an. Ebenso mein Sohn.</p><p>Random schwieg lange Zeit. Dann sagte er: �Ich nehme euren Treueschwur an. Jetzt steht auf, ihr alle!�</p><p>Als wir das taten, fuhr das Einhorn herum und galoppierte davon. Es galoppierte den Hang hinab und war nach wenigen Sekunden verschwunden.</p><p>�Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet�, sagte Random, der das Juwel in Augenh�he vor sich hielt. �Corwin, kannst du dieses Ding nehmen und das Unwetter damit aufhalten?�</p><p>�Es geh�rt jetzt dir, und ich wei� nicht, wie weit sich die Erscheinung erstreckt. In meinem Zustand halte ich vielleicht nicht lange genug durch, um uns alle zu retten. Ich glaube, dies wird deine erste Tat als Herrscher sein m�ssen.�</p><p>�Dazu mu�t du mir aber zeigen, wie man damit umgeht. Ich dachte, wir brauchten ein Muster, um die Einstimmung vorzunehmen.�</p><p>�Ich glaube nicht. Brand hat unterstellt, da� eine Person, die bereits auf das Juwel eingestimmt war, eine zweite einweisen kann. Ich habe seither dar�ber nachgedacht und glaube einen Weg zu wissen. Komm, wir suchen uns ein abgelegenes Pl�tzchen!�</p><p>�In Ordnung.�</p><p>Schon lag in seiner Stimme und Haltung ein neues Element. Die ihm so unverhofft �bertragene Rolle schien sich sofort auszuwirken. Ich fragte mich, was f�r eine Art K�nig er mit seiner Partnerin Vialle sein w�rde. Aber es war zuviel. Meine Gedanken waren irgendwie losgel�st. In letzter Zeit war einfach zuviel geschehen. Ich vermochte die j�ngsten Ereignisse nicht mehr zu �berschauen. Mein Bestreben ging dahin, mich an einen ruhigen Ort zu verkriechen und einmal rund um die Uhr zu schlafen. Statt dessen folgte ich Random an eine Stelle, wo noch ein kleines Lagerfeuer glomm.</p><p>Er stocherte in der Asche herum und warf einige Holzst�cke hinein. Dann setzte er sich daran und nickte mir zu. Ich nahm neben ihm Platz.</p><p>�Diese K�nigsw�rde�, begann er. �Was soll ich tun, Corwin? Ich bin v�llig unvorbereitet.�</p><p>�Tun? Du wirst dich wahrscheinlich recht gut schlagen�, erwiderte ich.</p><p>�Meinst du, es gibt viele Ressentiments?�</p><p>�Wenn es sie gibt, so sind sie nicht an die Oberfl�che gekommen�, antwortete ich. �Du bist eine gute Wahl, Random. In letzter Zeit ist soviel geschehen . . . Vater hat uns im Grunde gut besch�tzt, vielleicht mehr, als f�r uns gut war. Der Thron ist bestimmt keine leichte Aufgabe. Du mu�t dich auf eine schwere Zeit gefa�t machen. Und das haben die anderen meiner Meinung nach erkannt.�</p><p>�Und du?�</p><p>�Ich strebte nur danach, weil auch Eric es tat. Damals war mir das nicht klar, aber es stimmt. Es war der Siegespreis in einem Spiel, das wir die Jahre �ber gespielt haben. Eigentlich das Ende einer Vendetta. Und ich h�tte ihn daf�r umgebracht. Heute bin ich froh, da� er einen anderen Tod gefunden hat. Wir waren uns �hnlicher, als wir verschieden waren, er und ich. Auch das erkannte ich erst viel sp�ter. Nach seinem Tod jedoch stie� ich immer wieder auf Gr�nde, die dagegen sprachen, den Thron zu �bernehmen. Endlich ging mir auf, da� ich das in Wirklichkeit auch gar nicht wollte. Nein. Du sollst die Macht haben. Herrsche gut, Bruder! Ich bin sicher, da� dir das gelingt.�</p><p>�Wenn Amber noch existiert�, sagte er nach kurzem Schweigen, �will ich es versuchen. Komm, erledigen wir die Sache mit dem Juwel. Das Unwetter r�ckt unangenehm nahe.�</p><p>Ich nickte und nahm ihm den Stein aus den Fingern. Ich hielt das Juwel an der Kette in die H�he, so da� sich das Feuer dahinter befand. Das Licht schimmerte hindurch, das Innere schien v�llig klar zu sein.</p><p>�Beug dich vor und blicke mit mir in das Juwel!� sagte ich.</p><p>Er kam der Aufforderung nach, und w�hrend wir beide den Stein anstarrten, fuhr ich fort: �Denk an das Muster!� Gleichzeitig begann ich ebenfalls daran zu denken und versuchte, mir seine Windungen und Wirbel, seine bleichschimmernden Linien vorzustellen.</p><p>Im Mittelpunkt des Steins glaubte ich einen schwachen Makel auszumachen. W�hrend ich mir das Hin und Her der Linien, die Drehungen und Biegungen vorstellte, besch�ftigte ich mich auch mit dieser feinen Verf�rbung . . . ich stellte mir die Energie vor, die mich durchstr�mte, sobald ich diesen komplizierten Weg in Angriff nahm.</p><p>Die Verf�rbung des Steins nahm immer mehr zu.</p><p>Ich richtete meinen Willen darauf, lie� die Erscheinung zur vollen Reife gedeihen. Dabei �berkam mich ein vertrautes Gef�hl � wie an jenem Tag, da ich mich auf das Juwel eingestimmt hatte. Ich konnte nur hoffen, da� ich kr�ftig genug war, um diese Erfahrung noch einmal durchzumachen.</p><p>Ich hob die Hand und packte Randoms Schulter.</p><p>�Was siehst du?� fragte ich ihn.</p><p>�Etwas, das dem Muster �hnlich ist�, antwortete er, �nur scheint es dreidimensional zu sein. Es befindet sich am Grunde eines roten Meeres . . .�</p><p>�Dann komm mit!� sagte ich. �Wir m�ssen dorthin.�</p><p>Wieder das Gef�hl der Bewegung, zuerst ein Dahintreiben, dann ein sich immer mehr beschleunigender Sturz in Richtung auf die nie ganz klar erschauten Windungen des Musters im Juwel. Ich trieb uns mit Willenskraft voran, die Gegenwart meines Bruders neben mir sp�rend, und der r�tliche Schein, der uns einh�llte, wurde dunkler, wurde zur Schw�rze eines Nachthimmels. Das Muster wuchs mit jedem dr�hnenden Herzschlag weiter an. Aus irgendeinem Grund lief dieser Vorgang m�heloser ab als fr�her � vielleicht, weil ich bereits eingestimmt war.</p><p>Random neben mir sp�rend, zog ich ihn mit, w�hrend der vertraute Umri� anwuchs und der Eintrittspunkt sich abzeichnete. W�hrend wir in diese Richtung gezogen wurden, versuchte ich noch einmal die Totalit�t dieses Musters zu erfassen und verlor mich von neuem in Erscheinungen, bei denen es sich um die mehrdimensionalen Verquickungen des Musters handeln mu�te. Gewaltige Kurven und Spiralen und verknotet wirkende Linien wanden sich vor uns durcheinander. Ein Gef�hl der Ehrfurcht, wie ich es schon von fr�her kannte, ergriff mich, und ganz in der N�he war auch Random davon gebannt, das sp�rte ich.</p><p>Wir erreichten die Zone des Beginns und wurden hineingezerrt. Schimmernde Helligkeit, durchzuckt von Funken, umgab uns, w�hrend wir in der Matrix aus Licht aufgingen. Diesmal wurde mein Verstand von dem Vorgang total absorbiert, und Paris schien weit entfernt zu sein . . .</p><p>Eine unterbewu�te Erinnerung machte mir die schwierigeren Abschnitte bewu�t, und hier brachte ich meinen Wunsch ins Spiel � meinen Willen, wenn Sie wollen �, der uns �ber den funkelnden Weg dr�ngte, wobei ich r�cksichtslos auf Randoms Energien zur�ckgriff, um unser Vorankommen zu beschleunigen.</p><p>Es war, als n�hmen wir das schimmernde Innere einer riesigen und kunstvoll verformten Muschel in Angriff. Nur war unser Ausschreiten lautlos und unsere K�rper unsichtbare Punkte der Intelligenz.</p><p>Unsere Geschwindigkeit schien immer mehr zuzunehmen, wie auch ein innerer Schmerz, der mir von meinen bisherigen Reisen durch das Muster nicht erinnerlich war. Vielleicht hatte die Erscheinung mit meiner M�digkeit zu tun oder mit meinem Bestreben, m�glichst schnell ans Ziel zu gelangen. Wir brachen durch die Barrieren, wir waren von gleichm��igen, flie�enden W�nden aus Licht umgeben. Allm�hlich lie�en meine Kr�fte nach, mir wurde schwindlig. Aber den Luxus einer Ohnmacht konnte ich mir nicht erlauben, ebensowenig durfte ich langsamer gehen, denn das Unwetter war schon sehr nahe heranger�ckt. Wieder griff ich voller Bedauern auf Randoms Energien zur�ck � diesmal aber, um uns �berhaupt in Gang zu halten. Wir schritten weiter voran.</p><p>Hier fehlte das kribbelnde, flammende Gef�hl, umgeformt zu werden � vermutlich eine Folge meiner Einstimmung. Meine erste Wanderung durch das Juwel mu�te mir in dieser Beziehung eine leichte Immunit�t verschafft haben.</p><p>Nach einer zeitlosen Periode hatte ich den Eindruck, da� Random neben mir erschlaffte. Vielleicht hatte ich seine Kr�fte zu sehr in Anspruch genommen. Ich begann mich zu fragen, ob seine Energien noch ausreichen w�rden, dem Unwetter zu begegnen, wenn ich mich noch mehr auf ihn st�tzte. Ich nahm mir vor, ihn nicht weiter in Anspruch zu nehmen. Wir hatten bereits ein gutes St�ck zur�ckgelegt. Nun mu�te er ohne mich weiterkommen, wenn es darauf ankam. Ich w�rde sehen m�ssen, da� ich irgendwie �ber die Runden kam. Ich war entbehrlich; <emphasis>er</emphasis> durfte auf diesem Weg nicht verlorengehen.</p><p>So st�rmten wir weiter, w�hrend meine Sinne sich auflehnten, w�hrend die Schwindelgef�hle zunahmen. Ich bot meine ganzen Willenskr�fte auf und zwang alles andere aus meinem Sch�del hinaus. Ich glaubte mich dem Abschlu� nahe, als eine Verdunkelung einsetzte. Und ich wu�te, da� sie fehl am Platze war und nicht zu den Vorg�ngen geh�rte. Ich bezwang meine Panik.</p><p>Es n�tzte nichts. Ich sp�rte, da� ich den Halt verlor. So dicht vor dem Ziel! Ich war sicher, da� wir es bald geschafft hatten. Es konnte doch kein Problem mehr . . .</p><p>Alles str�mte davon. Meine letzte Empfindung war die Erkenntnis, da� Random sich besorgt nach mir umwandte. Zwischen meinen F��en flackerte es orangefarben und rot. War ich in einer unbekannten astralen H�lle gefangen? W�hrend mein Verstand allm�hlich erwachte, starrte ich weiter auf die Erscheinung. Das Licht war von Dunkelheit umgeben, und . . .</p><p>Es waren Stimmen zu h�ren, bekannte Stimmen . . .</p><p>Die Bilder wurden klar. Ich lag auf dem R�cken, die F��e einem Lagerfeuer zugewendet.</p><p>�Alles in Ordnung, Corwin. Alles in Ordnung.�</p><p>Fiona hatte zu mir gesprochen. Ich wandte den Kopf. Sie sa� �ber mir auf dem Boden.</p><p>�Random . . .?� fragte ich.</p><p>�Ihm geht es auch gut � Vater.�</p><p>Merlin sa� weiter rechts.</p><p>�Was ist geschehen?�</p><p>�Random hat dich zur�ckgetragen�, antwortete Fiona.</p><p>�Hat die Einstimmung geklappt?�</p><p>�Er nimmt es an.�</p><p>Ich versuchte mich aufzurichten. Sie wollte mich zur�ckdr�cken, doch ich wehrte mich.</p><p>�Wo ist er?�</p><p>Sie machte eine Bewegung mit den Augen.</p><p>Ich hob den Blick und entdeckte Random. Er stand etwa drei�ig Meter entfernt auf einem Felsvorsprung, dem Unwetter zugewandt. Die Sturmfront war ganz nahe, und ein starker Wind zerrte an seiner Kleidung. Blitze zuckten kreuz und quer vor ihm auf. Der Donner schien unentwegt zu dr�hnen.</p><p>�Wie lange steht er schon dort?� wollte ich wissen.</p><p>�Erst wenige Minuten�, antwortete Fiona.</p><p>�Und so lange ist es her � seit unserer R�ckkehr?�</p><p>�Nein�, sagte sie. �Du bist lange ohnm�chtig gewesen. Random hat sich zuerst mit den anderen beraten und dann den R�ckzug der Truppen angeordnet. Benedict hat die Soldaten auf die schwarze Stra�e gef�hrt. Sie gehen hin�ber.�</p><p>Ich wandte den Kopf.</p><p>Auf der schwarzen Stra�e herrschte Bewegung; d�stere Kolonnen zogen der Zitadelle entgegen. Durchscheinende Bahnen wehten zwischen uns; am anderen Ende zuckten Funken rings um die d�stere Masse. Der Himmel hatte sich wieder einmal v�llig gedreht; wir befanden uns unter der dunklen H�lfte. Wieder hatte ich das seltsame Gef�hl, vor langer, langer Zeit schon einmal hier gewesen zu sein, um zu erkennen, da� nicht Amber, sondern dieser Punkt das wahre Zentrum der Sch�pfung war. Ich versuchte nach dem Hauch von Erinnerung zu greifen, die jedoch wieder verschwand.</p><p>Mit den Blicken suchte ich das blitzdurchzuckte Zwielicht ab.</p><p>�Sie alle � fort?� fragte ich. �Du, ich, Merlin, Random � wir sind auf dieser Seite die letzten?�</p><p>�Ja�, antwortete Fiona. �M�chtest du ihnen folgen?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Ich bleibe bei Random.�</p><p>�Ich wu�te, da� du das sagen w�rdest.�</p><p>Ich stand gleichzeitig mit ihr auf. Merlin kam unserem Beispiel nach. Fiona schlug die H�nde, und ein wei�es Pferd t�nzelte auf sie zu.</p><p>�Du brauchst meine Pflege nicht mehr�, sagte sie. �Ich werde mich also den anderen in den Burgen des Chaos anschlie�en. An den Felsen dort sind Pferde f�r euch angebunden.� Sie deutete mit dem Arm. �Kommst du mit, Merlin?�</p><p>�Ich bleibe bei meinem Vater und dem K�nig.�</p><p>�So sei es denn. Ich hoffe, ich sehe euch bald dr�ben.�</p><p>�Vielen Dank, Fiona�, sagte ich.</p><p>Ich half ihr in den Sattel und blickte ihr nach.</p><p>Dann kehrte ich zum Feuer zur�ck und setzte mich wieder. Ich beobachtete Random, der dem Unwetter starr entgegenblickte.</p><p>�Wir haben noch viel zu essen und genug Wein�, stellte Merlin fest. �Soll ich dir etwas besorgen?�</p><p>�Eine gute Idee.�</p><p>Das Unwetter war inzwischen so nahe, da� ich ihm h�tte entgegengehen und es in wenigen Minuten erreichen k�nnen. Ich vermochte nicht zu sagen, ob Randoms Anstrengungen etwas fruchteten. Ich seufzte schwer und lie� meine Gedanken wandern.</p><p>Vorbei. Auf die eine oder andere Weise hatten meine M�hen seit Greenwood nun ein Ende gefunden. Es brauchte kein Rachedurst mehr gestillt zu werden. Nein. Wir hatten ein intaktes Muster, vielleicht sogar zwei. Die Ursache f�r alle unsere Probleme, Brand, war tot. Etwaige �berreste meines Fluches mu�ten den gewaltigen Ersch�tterungen zum Opfer fallen, die durch die Schatten fuhren. Au�erdem hatte ich mich wirklich bem�ht, meine Tat wiedergutzumachen. Ich hatte in meinem Vater einen Freund gefunden und mich mit ihm in seiner eigentlichen Gestalt arrangiert, ehe er unsere Welt verlie�. Wir hatten einen neuen K�nig, mit dem Segen des Einhorns, unseres Wappentiers, und hatten ihm unsere Treue geschworen. Diese Geste schien mir ehrlich gemeint zu sein. Ich war mit meiner Familie wieder vers�hnt. Ich glaubte, meine Pflicht getan zu haben. Nichts trieb mich zu weiteren Taten. Ich hatte keine Motive zum Handeln mehr und war dem Frieden so nahe, wie ich es vielleicht jemals sein w�rde. Nach all meinen Erlebnissen meinte ich, sogar ruhig sterben zu k�nnen, sollte es wirklich soweit sein. Ich w�rde mich nicht ganz so heftig dagegen wehren, wie ich es zu jeder anderen Zeit getan h�tte.</p><p>�Du bist weit von hier, Vater.�</p><p>Ich nickte und l�chelte dann. Ich lie� mir etwas zu essen geben und bi� ab. Gleichzeitig beobachtete ich den Sturm. Noch war es f�r einen genauen Eindruck zu fr�h, doch es sah aus, als r�cke er nicht weiter vor.</p><p>Zum Schlafen war ich zu m�de. Oder etwas �hnliches. Meine Schmerzen hatten nachgelassen und einer herrlichen Bet�ubung Platz gemacht. Ich hatte das Gef�hl, in dicke Baumwolle geh�llt zu sein. Die Ereignisse und Erinnerungen lie�en das Uhrwerk meiner Gedanken weiterticken. In mancher Hinsicht war es ein gro�artiges Gef�hl.</p><p>Ich a� zu Ende und legte Holz ins Feuer. Ich trank Wein und beobachtete das Unwetter wie durch ein beschlagenes Fenster ein gro�es Feuerwerk. Das Leben war gro�artig! Wenn Random sein Problem l�ste, w�rde ich morgen in die H�fe des Chaos einreiten. Was mich dort erwarten mochte, wu�te ich nicht. Vielleicht eine Falle. Ein Hinterhalt. Ein Trick. Ich sch�ttelte den Gedanken ab. Irgendwie kam es in diesem Augenblick nicht darauf an.</p><p>�Du hattest mir von dir erz�hlt, Vater.�</p><p>�Hatte ich das? Ich wei� nicht mehr, was ich gesagt habe.�</p><p>�Ich w�rde dich gern besser kennenlernen. Erz�hl mir mehr.�</p><p>Ich machte mit den Lippen ein schnalzendes Ger�usch und zuckte die Achseln.</p><p>�Dann dies.� Er machte eine Handbewegung. �Dieser ganze Konflikt. Wie hat er begonnen? Wie sah deine Rolle darin aus? Fiona hat mir erz�hlt, du habest viele Jahre lang ohne Erinnerung in den Schatten gelebt, in einem Schattenreich namens Erde. Wie bist du zur�ckgekehrt, wie hast du deine Br�der und Schwestern gefunden � und Amber?�</p><p>Ich lachte leise. Noch einmal blickte ich zu Random und dem Unwetter hin�ber. Ich trank einen Schluck Wein und zog den Mantel enger um mich.</p><p>�Warum nicht?� sagte ich dann. �Wenn du dir gern lange Geschichten anh�rst . . . Am besten fange ich wohl mit der Greenwood-Privatklinik an, die sich auf der Schatten-Erde meines Exils befindet. Ja . . .�</p></section><section><title><p>14</p></title><p>W�hrend ich redete, drehte sich der Himmel � einmal, zweimal. Dem Sturm den Weg versperrend, hielt Random seine Position. Das Unwetter teilte sich vor uns, teilte sich wie von einer Riesenaxt gespalten. Zu beiden Seiten wallte es davon und verschwand schlie�lich, schw�cher werdend, im Norden und S�den. Die Landschaft, die die Erscheinung verdeckt hatte, blieb bestehen, doch die schwarze Stra�e war verschwunden. Merlin meint, das sei allerdings kein Problem, er k�nne jederzeit eine durchsichtige Bahn herbeirufen, wenn der Augenblick des Weitermarsches gekommen ist.</p><p>Random ist inzwischen fort. Er hat unglaubliche Anstrengungen hinter sich. Im Schlaf hatte er keine �hnlichkeit mehr mit seinem fr�heren Ich � mit dem forschen j�ngeren Bruder, den wir immer gern neckten. �ber sein Gesicht zogen sich Furchen, die neu f�r mich waren, Spuren einer seelischen Tiefe, auf die ich bisher nicht geachtet hatte. Vielleicht waren meine Eindr�cke von den j�ngsten Ereignissen beeinflu�t, doch er kam mir irgendwie edler und st�rker vor. Kann eine neue Rolle solche Auswirkungen haben? Vom Einhorn ernannt, vom Unwetter gesalbt, schien er mir in der Tat etwas K�nigliches an sich zu haben, sogar im Schlaf.</p><p>Auch ich habe geschlafen � so wie Merlin jetzt schl�ft �, und es ist ein angenehmes Gef�hl, in dieser kurzen Zeit vor seinem Erwachen der einzige wache Geist auf dieser Klippe am Rande des Chaos zu sein, zur�ckschauend auf eine �berlebende Welt, eine Welt, die schlimme Narben davongetragen hat, die aber dennoch weiterbestehen wird . . .</p><p>Es mag sein, da� wir Vaters Beerdigung verpa�t haben, sein Dahintreiben an einen namenlosen Ort jenseits der H�fe. Das w�re traurig, doch ich hatte einfach nicht die Kraft, mich zu r�hren. Immerhin habe ich seinen Leichenzug gesehen und trage viel von seinem Leben in mir. Ich habe meinen Abschied von ihm genommen. Er w�rde das verstehen. Und leb wohl, Eric! Nach so langer Zeit sage ich dies, auf diese Weise. H�ttest du so lange gelebt, w�re es zwischen uns aus gewesen. Vielleicht w�ren wir eines Tages sogar Freunde geworden, nachdem sich alle Ursachen f�r unsere Auseinandersetzungen gelegt haben. Wir beide waren uns �hnlicher als alle anderen Mitglieder unserer Familie. Bis auf Deirdre und mich, in anderer Hinsicht . . . Aber die Tr�nen dar�ber sind l�ngst getrocknet. Doch auch dir noch ein Lebewohl, liebste Schwester! Irgendwo in meinem Herzen wirst du immer weiterleben.</p><p>Und du, Brand . . . Mit Bitterkeit erf�llt mich die Erinnerung an dich, wahnsinniger Bruder. Du h�ttest uns in deinem Ehrgeiz beinahe vernichtet. Fast w�re es dir gelungen, Amber von seinem hohen Thron auf Kolvir zu st�rzen. Du h�ttest s�mtliche Schatten vernichtet. Beinahe h�ttest du das Muster zerst�rt und das Universum nach deinem Bilde umgeformt. Du warst verr�ckt und b�se, und du kamst der Verwirklichung deiner Ideen so nahe, da� ich selbst jetzt noch zittern m�chte. Ich bin froh, da� es dich nicht mehr gibt, da� die Pfeile und der Abgrund dich verschlungen haben, da� du die Welt der Menschen mit deiner Gegenwart nicht mehr beschmutzt und nicht mehr die s��e Luft Ambers mit deinem Atem verpestest. Ich w�nschte, du w�rest nie geboren worden oder w�rest, da dies ja nicht m�glich ist, fr�her gestorben. Genug! Es setzt mich herab, solchen Gedanken nachzuh�ngen. Sei tot und belaste mich nicht mehr!</p><p>Ich gebe euch aus wie ein Kartenspiel, meine Br�der und Schwestern. Es ist schmerzlich und ein wenig herablassend, in Verallgemeinerungen zu sprechen, doch ihr . . . ich . . . wir scheinen uns alle ver�ndert zu haben, und ehe ich mich wieder in das Hin und Her einreihe, mu� ich einen letzten Blick in die Runde werfen.</p><p>Caine, dich habe ich nie gemocht. Ich traue dir auch heute noch nicht. Du hast mich beleidigt und verraten und mir sogar eine beinahe t�dliche Wunde beigebracht. Vergessen wir das. Deine Methoden gefallen mir nicht, obgleich ich diesmal an deiner Loyalit�t nichts aussetzen kann. Also Frieden. M�ge die neue Herrschaft mit einem glatten Konto zwischen uns beginnen.</p><p>Llewella, du besitzt Charakterreserven, die von der eben �berstandenen Situation nicht angezapft worden sind. Daf�r bin ich dankbar. Es ist zuweilen sehr angenehm, aus einem Konflikt herauszukommen, ohne auf die Probe gestellt worden zu sein.</p><p>Bleys, f�r mich bist du nach wie vor eine in Licht geh�llte Gestalt � mutig, �bersch�umend, voreilig. F�r die erste Gabe meinen Respekt, f�r die zweite mein L�cheln. Und die letzte Eigenart scheint sich neuerdings ein wenig abgeschliffen zu haben. Gut. Halte dich k�nftig von Verschw�rungen fern. Sie stehen dir nicht.</p><p>Fiona, du hast dich am meisten ver�ndert. Ich mu� an die Stelle des alten Gef�hls ein neues stellen, Prinzessin, da wir zum erstenmal Freunde geworden sind. Nimm meine Zuneigung an, Zauberin. Ich bin dir einiges schuldig.</p><p>G�rard, bed�chtiger, treuer Bruder, wir beide haben uns wohl am wenigsten ver�ndert. Du hast fest dagestanden wie ein Felsen und bist dem treu geblieben, an was du geglaubt hast. M�ge es geschehen, da� du dich k�nftig nicht so leicht t�uschen l��t. M�ge ich nie wieder mit dir aneinandergeraten. Fahre in deinen Schiffen �ber die Meere und atme die klare Salzluft.</p><p>Julian, Julian, Julian . . . Kann es sein, da� ich dich nie richtig gekannt habe? Nein. Ardens gr�ner Zauber mu� deine alte Eitelkeit w�hrend meiner letzten langen Abwesenheit gem��igt haben, einen gerechteren Stolz zur�cklassend und etwas, das ich Fairne� nennen m�chte � etwas, das nicht gleich Gro�mut ist, doch immerhin eine Erg�nzung deiner Charakterz�ge, die ich nicht herabw�rdigen will.</p><p>Und Benedict, die G�tter wissen, da� du weiser wirst, w�hrend die Zeit der Entropie entgegenbrennt und sich verzehrt, doch �bersiehst du in deinem Wissen um die Menschen noch immer einzelne Exemplare der Spezies. Vielleicht sehe ich dich einmal l�cheln, nachdem diese Schlacht nun geschlagen ist. Komm zur Ruhe, Krieger!</p><p>Flora . . . die Freundlichkeit, so hei�t es, beginnt zu Hause . . . Du scheinst mir nicht schlimmer zu sein als vor langer Zeit, da ich dich kennenlernte. Es ist nichts anderes als ein sentimentaler Traum, dich und die anderen so abzuhaken, wie ich es tue, die Bilanzen zu erstellen und abzuschlie�en, mit dem Auge auf positive Posten gerichtet. Wir sind keine Feinde mehr, wir alle nicht, und das m��te gen�gen.</p><p>Und der schwarz und silbern gekleidete Mann mit der Silberrose? Er m�chte gern glauben, da� er seine Lektion des Vertrauens gelernt hat, da� er seinen Blick in einem klaren Quell gereinigt hat, da� er ein paar Ideale hat aufpolieren und sich bewahren k�nnen. Wie auch immer. Mag sein, da� er nach wie vor nur ein kaltschn�uziger St�renfried ist, haupts�chlich ge�bt in der unwichtigen Kunst des �berlebens, so blind, wie er es in den Verliesen war. Ach was! La� es dabei bewenden, la� es ruhen! Ich bin wohl nie mit ihm zufrieden.</p><p>Carmen, <emphasis>voulez-vous venir avec moi?</emphasis> Dann ein Lebewohl auch dir, Prinzessin des Chaos. Es h�tte h�bsch sein k�nnen.</p><p>Noch einmal dreht sich der Himmel, und wer vermag zu sagen, auf welche Taten sein Buntglas-Licht herabscheint? Die Patience ist ausgelegt und gespielt. Wo zuvor neun von uns gewesen waren, gibt es nur noch sieben und einen K�nig. Doch sind Merlin und Martin bei uns, neue Spieler des sich fortsetzenden Spiels.</p><p>Meine Kr�fte kehren zur�ck, w�hrend ich in die Asche starre und den Weg �berdenke, den ich zur�ckgelegt habe. Der vor mir liegende Pfad interessiert mich, von der H�lle zum Hallelujah. Ich habe meine Augen wieder, meine Erinnerungen und meine Familie. Und Corwin wird stets Corwin sein, selbst am Tage des J�ngsten Gerichts.</p><p>Merlin beginnt sich zu bewegen, und das ist gut. Es ist Zeit aufzubrechen. Es gibt zu tun.</p><p>Nachdem Random das Unwetter bezwungen hatte, kam er noch einmal zu mir, um mit mir gemeinsam durch seinen Trumpf an G�rard heranzutreten, gest�rkt durch das Juwel. Sie sind wieder kalt, die Karten, und die Schatten sind genau das, was sie fr�her waren. Amber hat Bestand. Jahre sind vergangen, seit wir es verlie�en, und weitere m�gen ins Land gehen, ehe ich dorthin zur�ckkehre. Die anderen sind vielleicht durch ihre Tr�mpfe schon wieder zur�ckgekehrt, wie Random es getan hat, um seine Aufgaben in Angriff zu nehmen. Ich aber mu� jetzt die H�fe des Chaos besuchen, die Trutzburgen und Zitadellen am Abgrund, denn ich habe versprochen, ich w�rde es tun, au�erdem braucht man mich dort vielleicht.</p><p>Wir machen unsere Sachen fertig, Merlin und ich, und bald wird er seine durchscheinende Stra�e herbeirufen.</p><p>Wenn an jenem Ort alles erledigt ist und wenn Merlin sein Muster durchschritten hat und losgezogen ist, um seine Welten zu erobern, mu� ich eine Reise machen. Ich mu� jenen Ort aufsuchen, an dem ich den Ast des alten Ygg einpflanzte. Ich mu� den Baum besuchen, zu dem er herangewachsen ist. Ich mu� nachschauen, was aus dem Muster geworden ist, das ich unter dem Gurren der Tauben der Champs-�lys�es schuf. Wenn dieses Muster mich in ein anderes Universum f�hrt, wovon ich inzwischen �berzeugt bin, dann mu� ich dorthin gehen, mu� ich sehen, was ich habe erstehen lassen, wie meine Sch�pfung geworden ist.</p><p>Die Stra�e schwebt vor uns, den fernen Burgen entgegensteigend. Die Zeit ist gekommen. Wir steigen in die S�ttel und reiten los.</p><p>Wir bewegen uns �ber die Schw�rze auf einer Stra�e, die mir sehr br�chig vorkommt. Feindliche Zitadelle, eroberte Nation, Falle, Heimat meiner Urv�ter . . . Wir werden sehen. Von Zinnen und Balkonen flackert es schwach her�ber. Vielleicht kommen wir sogar noch zu einer Beerdigung zurecht. Ich richte mich auf und lockere die Klinge in der Scheide. Es dauert nicht mehr lange, dann sind wir am Ziel.</p><p>Lebe wohl und hallo, wie immer!</p></section></body><binary id="cover" 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