<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>Die Hand Oberons</book-title><date>1978</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Amber-Zyklus" number="4"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>The Hand of Oberon</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><id>6C846DA6-B3D6-46AF-91FE-D2C88D964031</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Roger Zelazny</p><p>Die Hand Oberons</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Ein hell lodernder Blitz der Erkenntnis, der zu jener absonderlichen Sonne pa�te . . .</p><p>Dort lag es . . . ausgebreitet in diesem Licht, ein Gebilde, das ich bis jetzt nur selbstleuchtend in abgedunkelter Umgebung gesehen hatte: das Muster, das gro�e Muster von Amber hingestreckt auf einem ovalen Felsabsatz unter/�ber einem seltsamen Himmel-Meer.</p><p>. . . Vielleicht lie� mich das Element, das uns alle zusammenkettete, die Wahrheit erkennen � jedenfalls wu�te ich, da� es sich um das einzig wirkliche Muster handelte. Woraus sich ergab, da� das Muster in Amber lediglich der erste Schatten dieses Musters war. Woraus sich ergab . . .</p><p>Woraus sich ergab, da� ganz Amber nur ein Schatten war, allerdings ein besonderer Schatten, denn das Muster wurde nicht an Orte versetzt, die au�erhalb von Amber, Rebma und Tir-na Nog�th lagen. Mit anderen Worten: Der Ort, den wir hier erreicht hatten, war nach Priorit�t und Struktur das wirkliche Amber.</p><p>Ich wandte mich zu einem l�chelnden Ganelon um, dessen Bart und verfilztes Haar in der gnadenlosen Helligkeit verschmolzen wirkten.</p><p>�Woher wu�test du das?� fragte ich.</p><p>�Du wei�t, da� ich zu mutma�en verstehe, Corwin�, erwiderte er. �Ich erinnere mich an alles, was du mir �ber die Zusammenh�nge in Amber verraten hast: wie seine Schatten und die eurer M�hen �ber die Welten geworfen werden. Bei meinen �berlegungen wegen der schwarzen Stra�e habe ich mich oft gefragt, ob nicht irgend etwas in der Lage war, einen solchen Schatten auch nach Amber selbst hineinzuwerfen. Dabei kam ich zu dem Ergebnis, da� ein solches Etwas eine denkbar grundlegende Kraft sein mu�te, sehr stark und geheim.� Er deutete auf die Szene vor uns. �Etwa wie das hier.�</p><p>�Sprich weiter�, forderte ich ihn auf.</p><p>Sein Gesichtsausdruck ver�nderte sich, und er zuckte die Achseln.</p><p>�Es mu�te also eine Stufe der Realit�t geben, die tiefer ging als euer Amber�, erkl�rte er, �eine Ebene, auf der die wirkliche Schmutzarbeit getan wurde. Euer Wappentier hat uns nun an einen Ort gef�hrt, der diesen Vorstellungen zu entsprechen scheint, und der Fleck dort auf dem Muster sieht aus wie die Schmutzarbeit. Du hast mir zugestimmt.�</p><p>Ich nickte. �Mich hat mehr deine Hellsichtigkeit verbl�fft als die eigentliche Schlu�folgerung�, sagte ich.</p><p>�Ihr seid mir zuvorgekommen�, sagte Random von rechts, �doch auch bei mir hat sich tief drinnen eine Ahnung gemeldet. Ich glaube, das Gebilde dort unten ist irgendwie die Grundlage unserer Welt.�</p><p>�Ein Au�enseiter hat manchmal einen klareren Durchblick als jemand, der dazugeh�rt�, kommentierte Ganelon.</p><p>Random warf mir einen Blick zu und konzentrierte sich wieder auf die Szene.</p><p>�Glaubst du, da� sich die Umgebung noch weiter ver�ndert�, fragte er, �wenn wir hinabreiten und uns das Ding aus der N�he ansehen?�</p><p>�Es gibt nur eine M�glichkeit, die Antwort festzustellen�, sagte ich.</p><p>�Hintereinander�, stimmte Random zu. �Ich voran.�</p><p>�Einverstanden.�</p><p>Random lenkte sein Pferd nach rechts, nach links und wieder nach rechts, in einer langen Folge von Kehren, die uns im Zickzack den gr��ten Teil des Hanges hinabf�hrten. Die Reihenfolge beibehaltend, die wir den ganzen Tag gewahrt hatten, folgte ich ihm, und Ganelon bildete den Abschlu�.</p><p>�Scheint jetzt alles ziemlich stabil zu sein�, stellte Random fest.</p><p>�Bis jetzt!� sagte ich.</p><p>�Da unten gibt�s eine Art �ffnung im Gestein.�</p><p>Ich beugte mich vor. Weiter rechts g�hnte eine H�hlen�ffnung in H�he der ovalen Ebene. Sie war so gelegen, da� wir sie von oben nicht hatten sehen k�nnen.</p><p>�Wir kommen ziemlich dicht daran vorbei�, stellte ich fest.</p><p>�. . . schnell, vorsichtig und leise�, f�gte Random hinzu und entbl��te sein Schwert.</p><p>Ich zog Grayswandir blank, und eine Kurve �ber mir griff Ganelon ebenfalls zur Waffe.</p><p>Wir kamen dann doch nicht an der H�hle vorbei, sondern bogen vorher wieder nach links ab. Dabei kamen wir jedoch auf zehn oder f�nfzehn Fu� heran, und mir fiel ein unangenehmer Geruch auf, den ich nicht zu identifizieren vermochte. Die Pferde dagegen schienen eine genauere Vorstellung davon zu haben � vielleicht waren sie auch von Natur aus pessimistisch veranlagt �, jedenfalls legten sie die Ohren an, bewegten die N�stern und stie�en ein nerv�ses Schnauben aus, w�hrend sie sich unruhig gegen die Z�gel str�ubten. Sie beruhigten sich wieder, als wir den Bogen beschrieben hatten und uns wieder von der H�hle entfernten, und wurden wieder nerv�s, als wir unseren Abstieg beendeten und auf das besch�digte Muster zuzureiten versuchten. Sie weigerten sich, in die N�he der Erscheinung zu gehen.</p><p>Random stieg ab. Er ging zum Rand des Linienlabyrinths, blieb stehen und starrte darauf. Nach einer Weile ergriff er das Wort, ohne sich umzudrehen.</p><p>�Nach allem, was wir so wissen�, sagte er, �ist zu schlie�en, da� der Schaden absichtlich herbeigef�hrt wurde.�</p><p>�Sieht jedenfalls so aus�, sagte ich.</p><p>�Ebenso klar ist, da� wir aus einem bestimmten Grund hierhergebracht wurden.�</p><p>�Das w�rde ich auch sagen.�</p><p>�Dann braucht man nicht allzuviel Fantasie, um auf den Gedanken zu kommen, da� wir hier feststellen sollen, wie das Muster besch�digt wurde und was man tun kann, um es zu reparieren.�</p><p>�M�glich. Wie lautet deine Diagnose?�</p><p>�Noch habe ich mir keine Meinung gebildet.�</p><p>Er bewegte sich am Rand der Erscheinung entlang, nach rechts zu, wo der verwischte Fleck begann. Ich stie� meine Klinge zur�ck in die Scheide und wollte absteigen. Ganelon hielt mich an der Schulter zur�ck.</p><p>�Ich schaffe es auch allein . . .�, begann ich.</p><p>�Corwin�, sagte er jedoch, meine Worte ignorierend, �dort drau�en, zur Mitte hin, scheint es eine Unregelm��igkeit zu geben. Sieht nicht so aus, als geh�rt das Ding dorthin . . .�</p><p>�Wo?�</p><p>Er hob die Hand, und ich schaute in die angegebene Richtung.</p><p>Etwa in der Mitte lag ein nicht zum Muster geh�riges Gebilde. Ein Stock? Ein Stein? Ein zusammengekn�lltes St�ck Papier . . .? Aus dieser Entfernung war es nicht deutlich zu erkennen.</p><p>�Ich seh�s�, sagte ich.</p><p>Wir stiegen ab und n�herten uns Random, der inzwischen weiter rechts �ber die Maserung gebeugt kniete und die Verf�rbung untersuchte.</p><p>�Ganelon hat in der Mitte etwas entdeckt�, sagte ich.</p><p>Random nickte.</p><p>�Schon bemerkt�, erwiderte er. �Ich versuche gerade, mir dar�ber schl�ssig zu werden, wie man am besten hinauskommt, um sich das Ding mal n�her anzusehen. Mir mi�f�llt die Vorstellung, ein zerst�rtes Muster zu beschreiten. Andererseits frage ich mich, welchem Einflu� ich T�r und Tor �ffne, wenn ich versuche, �ber die geschw�rzte Fl�che zur Mitte zu laufen. Was meint ihr?�</p><p>�Die vorhandenen Teile des Musters abzuschreiten w�rde Zeit kosten�, sagte ich, �wenn der Widerstand dem entspricht, was wir von zu Hause kennen. Au�erdem hat man uns eingesch�rft, da� wir sterben m�ssen, wenn wir vom Muster abweichen � und wie die Dinge hier liegen, m��te ich das Muster verlassen, sobald ich den Fleck erreiche. Andererseits k�nnte ich, wie du sagst, unsere Feinde herbeirufen, die sich des schwarzen Weges bedienen. Folglich . . .�</p><p>�Folglich wird es keiner von euch tun�, warf Ganelon ein. �Ich gehe!�</p><p>Ohne unsere Antwort abzuwarten, nahm er einen Anlauf, sprang auf den schwarzen Streifen und rannte darauf zur Mitte hin; hastig hob er den kleinen Gegenstand auf, drehte sich um und lief zur�ck.</p><p>Sekunden sp�ter stand er wieder vor uns.</p><p>�Das war aber ziemlich riskant�, bemerkte Random.</p><p>Er nickte.</p><p>�H�tte ich es nicht getan, w�rdet ihr immer noch diskutieren.� Er hob die Hand und hielt sie uns entgegen. �Was sagt ihr dazu?�</p><p>Er hielt einen Dolch in der Hand. Die Klinge hatte sich durch ein fleckiges St�ck Pappe gebohrt. Ich nahm ihm den Fund ab.</p><p>�Sieht wie ein Trumpf aus�, stellte Random fest.</p><p>�Ja.�</p><p>Ich l�ste die Karte, gl�ttete die eingerissenen Teile. Der Mann, den ich betrachtete, war mir halb vertraut � was zugleich bedeutete, da� er mir halb fremd war. Blondes, glattes Haar, ein wenig spitz im Gesicht, ziemlich schmal gebaut, ein halbes L�cheln.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Den kenne ich nicht�, stellte ich fest.</p><p>�La� mal sehen.�</p><p>Random nahm mir die Karte ab und blickte stirnrunzelnd darauf.</p><p>�Nein�, sagte er nach einer Weile. �Ist mir auch unbekannt. Ich habe fast das Gef�hl, als m��te ich ihn kennen, aber . . . Nein.�</p><p>In diesem Augenblick setzten die Pferde ihre Proteste mit verst�rkter Lautst�rke fort. Wir brauchten uns nur ein kleines St�ck umzudrehen, um die Ursache ihres Unbehagens zu erkennen, hatte sich das Wesen doch diesen Augenblick ausgesucht, um aus der H�hle zu kommen.</p><p>�Verdammt!� sagte Random.</p><p>Ich stimmte ihm zu.</p><p>Ganelon r�usperte sich und zog sein Schwert.</p><p>�Wei� einer von euch, was das ist?� fragte er gelassen.</p><p>Als ich das Ungeheuer erblickte, kam mir sofort eine Schlange in den Sinn. Auf diesen Gedanken brachten mich sowohl seine Bewegungen als auch die Tatsache, da� der lange dicke Schwanz eher eine Fortsetzung des langgestreckten d�nnen K�rpers war als ein Anh�ngsel. Allerdings besa� das Wesen vier doppelt untergliederte Beine mit riesigen Tatzen und b�sartig schimmernden Klauen. Der schmale Kopf endete in einem Schnabel und bewegte sich beim N�herkommen von einer Seite auf die andere, so da� von den hellblauen Augen zuerst das eine und dann das andere zu sehen war. Gro�e purpurfarbene Fl�gel aus einem lederartigen Material waren an den Flanken untergefaltet. Das Wesen besa� weder Haare noch Federn; allerdings hatte es Schuppenfl�chen auf Brust, Schultern, R�cken und Schwanz. Vom Schnabelbajonett zur hin und her zuckenden Schwanzspitze ma� es gut drei Meter. Das Wesen n�herte sich mit leisem Klirren, und ich sah an seinem Hals etwas Helles aufblitzen.</p><p>�Mir f�llt im Augenblick nur ein Vergleich ein�, sagte Random. �Das Ding sieht aus wie ein Wappentier � ein Greifvogel. Nur ist der Bursche hier kahl und purpurfarben.�</p><p>�Jedenfalls handelt es sich nicht um unser Wappentier�, stellte ich fest, zog Grayswandir und richtete seine Spitze auf den Kopf des Tiers.</p><p>Das Gesch�pf lie� eine gespaltene rote Zunge blicken. Es hob die Fl�gel um einige Zoll und lie� sie wieder sinken. Wenn der Kopf nach rechts schwang, bewegte sich der Schwanz nach links, dann nach links und rechts, nach rechts und links � das Ganze hatte fast etwas Hypnotisches.</p><p>Der Greif schien sich mehr f�r die Pferde als f�r uns zu interessieren; offenbar war er zu der Stelle unterwegs, wo unsere Tiere bebend und stampfend standen. Ich machte Anstalten, mich dazwischenzustellen.</p><p>In diesem Augenblick richtete sich das Monstrum auf.</p><p>Die Fl�gel fuhren hoch und zur Seite. Sie breiteten sich aus wie zwei schlaffe Segel, in denen sich ein pl�tzlicher Windhauch verfangen hat. Es stand auf den Hinterbeinen hoch �ber uns und schien im Handumdrehen viermal so gro� zu sein wie zuvor. Und dann kreischte es: ein f�rchterlicher Jagdschrei oder eine Herausforderung, die mir scheu�lich in den Ohren gellte. Gleichzeitig klappte es die Fl�gel nach unten und sprang hoch, woraufhin es sich in die Luft erhob.</p><p>Die Pferde gingen durch. Das Ungeheuer war au�er Reichweite. Erst jetzt ging mir auf, was das Klirren und Blitzen bedeutete. Das Gesch�pf war an einer langen Kette festgemacht, die in die H�hle f�hrte. Die genaue L�nge dieser Kette war nun eine Frage von mehr als akademischem Interesse.</p><p>Als der Greif zischend und flatternd �ber uns dahinsegelte, drehte ich mich um. Zu einem richtigen Flug hatte der Absprung nicht gereicht. Ich sah, da� Star und Feuerdrache zum entgegengesetzten Ende des Ovals flohen. Randoms Pferd Iago war dagegen zum Muster hin ausger�ckt.</p><p>Das Gesch�pf kehrte auf den Boden zur�ck, drehte sich um, als wolle es Iago verfolgen, schien uns noch einmal zu mustern und erstarrte. Es war uns jetzt viel n�her als zuvor � knapp vier Meter �, legte den Kopf auf die Seite, zeigte uns sein rechtes Auge, �ffnete den Schnabel und stie� ein leises Kr�chzen aus.</p><p>�Was meint ihr, wollen wir es angreifen?� fragte Random.</p><p>�Nein. Warte. Das Ding verh�lt sich irgendwie seltsam.�</p><p>W�hrend meiner Worte hatte es den Kopf sinken lassen und die Fl�gel nach unten gerichtet. Es ber�hrte den Boden dreimal mit dem Schnabel und blickte wieder hoch. Dann faltete es die Fl�gel halb an den K�rper zur�ck. Der Schwanz zuckte einmal und begann dann kr�ftiger hin und her zu schwingen. Das Ungeheuer �ffnete den Schnabel und wiederholte das Kr�chzen.</p><p>In diesem Augenblick wurden wir abgelenkt.</p><p>Ein gutes St�ck neben der geschw�rzten Fl�che hatte Iago das Muster betreten. F�nf oder sechs Meter vom Rand entfernt, quer �ber den Linien der Macht stehend, wurde das Pferd in der N�he eines der Schleier wie ein Insekt an einem Fliegenf�nger festgehalten. Es wieherte schrill, als die Funken ringsum aufstiegen und sich seine M�hne senkrecht emporstellte.</p><p>Augenblicklich begann sich der Himmel �ber dem Muster zu verdunkeln. Doch keine Wasserdampfwolke bildete sich dort. Vielmehr handelte es sich um eine vollkommen kreisrunde Formation, rot in der Mitte, zum Rand hin gelb werdend, die sich im Uhrzeigersinn drehte. T�ne klangen auf � etwas, das sich wie ein einzelner Glockenschlag anh�rte, gefolgt von einem seltsamen Brausen.</p><p>Iago wehrte sich; zuerst befreite er den rechten Vorderhuf, mu�te ihn aber wieder senken, als er den linken hochzerrte. Dabei wieherte er verzweifelt. Die Funken h�llten den K�rper des Pferdes fast v�llig ein; es sch�ttelte sie wie Regentropfen von Flanken und Hals und begann dabei weich und golden zu schimmern.</p><p>Das Dr�hnen nahm an Lautst�rke zu, und kleine Blitze begannen in der Mitte des roten Gebildes �ber uns aufzuzucken. Im gleichen Augenblick erregte ein Klappern meine Aufmerksamkeit, und als ich nach unten blickte, bemerkte ich, da� der purpurne Greif an uns vorbeigeglitten war und zwischen uns und der l�rmenden roten Erscheinung Stellung bezogen hatte. Er hockte dort wie ein h��licher Wasserspeier, von uns abgewandt, und beobachtete das Schauspiel.</p><p>Jetzt bekam Iago beide Vorderhufe frei und stieg auf die Hinterhand. L�ngst wirkte er irgendwie substanzlos; er schimmerte hell, und der Funkenschauer verwischte seine Konturen. Vielleicht wieherte er noch immer, doch das anschwellende Brausen von oben �berdeckte nun alle anderen Ger�usche.</p><p>Ein Trichter ging von der l�rmenden Formation aus � hell blitzend, aufheulend und ungeheuer schnell. Die Spitze ber�hrte das sich aufb�umende Pferd, und einen Augenblick lang erweiterten sich seine Konturen ins Ungeheure; gleichzeitig verbla�ten sie. Im n�chsten Augenblick war das Tier verschwunden. Eine Sekunde lang verharrte der Kegel an Ort und Stelle wie ein perfekt ausbalancierter Kreisel. Dann begann der L�rm nachzulassen.</p><p>Das Gebilde stieg langsam empor bis zu einem Punkt, der nicht sehr hoch � vielleicht eine Mannsh�he � �ber dem Muster lag. Dann zuckte es so schnell empor, wie es herabgestiegen war.</p><p>Das Heulen lie� nach. Das Brausen erstarb. Das Miniaturgewitter innerhalb des Kreises verging. Die ganze Formation begann zu verblassen und zu stocken. Gleich darauf war sie nur noch ein St�ck Dunkelheit; eine Sekunde sp�ter war sie verschwunden.</p><p>Von Iago war nichts mehr zu sehen.</p><p>�Du brauchst mich gar nicht erst zu fragen�, sagte ich, als sich Random in meine Richtung wandte. �Ich wei� es auch nicht.�</p><p>Er nickte und richtete seine Aufmerksamkeit auf unseren purpurnen Freund, der in diesem Moment mit seiner Kette rasselte.</p><p>�Was machen wir mit Charlie?� fragte er und betastete seine Klinge.</p><p>�Ich hatte den Eindruck, da� er uns sch�tzen wollte�, sagte ich und trat vor. �Gib mir Deckung. Ich m�chte mal etwas ausprobieren.�</p><p>�Bist du sicher, da� du schnell genug reagieren kannst?� fragte er. �Mit deiner Wunde . . .�</p><p>�Keine Sorge�, sagte ich ein wenig energischer als n�tig und ging weiter.</p><p>Seine Bemerkung �ber meine Verletzung an der linken Seite war richtig; die verheilende Messerwunde verbreitete dort noch immer einen dumpfen Schmerz, der jede meiner Bewegungen begleitete. Grayswandir ruhte in meiner rechten Hand, und ich erlebte einen jener Augenblicke, da ich gro�es Vertrauen in meine Instinkte hatte. Schon fr�her hatte ich mich mit gutem Ergebnis auf dieses Gef�hl verlassen. Es gibt Tage, da solche Risiken problemlos erscheinen.</p><p>Random trat vor und bewegte sich nach rechts. Ich wandte mich zur Seite und streckte die linke Hand aus, als wollte ich mich mit einem fremden Hund bekannt machen: sehr langsam. Unser Wappentier hatte sich aus seiner geduckten Stellung aufgerichtet und drehte sich um.</p><p>Nun musterte es Ganelon, der links von mir stand. Dann betrachtete es meine Hand. Es senkte den Kopf und wiederholte das Klopfen auf den Boden, wobei es sehr leise kr�chzte � ein kaum h�rbarer gurgelnder Laut. Schlie�lich hob es den Kopf und streckte ihn langsam in meine Richtung. Es wackelte mit dem gro�en Schwanz, ber�hrte mit dem Schnabel meine Finger und wiederholte die Bewegung. Vorsichtig legte ich die Hand auf seinen Kopf. Das Wackeln beschleunigte sich; der Kopf blieb bewegungslos. Ich kraulte das Wesen sanft am Hals, und es drehte langsam den Kopf zur Seite, als h�tte es Spa� an der Liebkosung. Ich lie� die Hand sinken und trat einen Schritt zur�ck.</p><p>�Ich glaube, wir sind jetzt Freunde�, sagte ich leise. �Versuch du es mal, Random.�</p><p>�Du machst Witze!�</p><p>�Nein, ich bin sicher, da� du nichts zu bef�rchten hast. Versuch es!�</p><p>�Was tust du, wenn du dich irrst?�</p><p>�Ich entschuldige mich.�</p><p>�Gro�artig!�</p><p>Er n�herte sich dem Wesen und hob die Hand. Das Ungeheuer blieb freundlich.</p><p>�Also gut�, sagte er etwa eine halbe Minute sp�ter, w�hrend seine Hand noch den schuppigen Hals t�tschelte. �Was haben wir nun bewiesen?�</p><p>�Da� es ein Wachhund ist.�</p><p>�Aber was bewacht er?�</p><p>�Offenbar doch das Muster.�</p><p>Random wich zur�ck. �Ohne die n�heren Umst�nde zu kennen�, sagte er, �m�chte ich dazu bemerken, da� er seine Arbeit wohl nicht besonders gut tut.� Random deutete auf die dunkle Fl�che. �Was begreiflich w�re, wenn er jeden, der nicht Hafer fri�t und wiehert, freundlich begr��t.�</p><p>�Ich w�rde sagen, da� er ziemlich selektiv veranlagt ist. M�glich w�re auch, da� er hier erst postiert wurde, als der Schaden schon geschehen war, um weitere unerw�nschte Anschl�ge zu verhindern.�</p><p>�Wer soll ihn denn postiert haben?�</p><p>�Das w��te ich selbst gern. Anscheinend jemand aus unserem Lager.�</p><p>�Du kannst deine Theorie noch weiter auf die Probe stellen, indem du Ganelon zu ihm schickst.�</p><p>Ganelon r�hrte sich nicht. �Kann ja sein, da� ihr einen Familiengeruch an euch habt�, sagte er schlie�lich, �und er nur Amberianer mag. Ich verzichte dankend auf den Versuch.�</p><p>�Na sch�n. So wichtig ist es auch nicht. Mit deinen Vermutungen hast du jedenfalls bisher sehr gut gelegen. Wie interpretierst du die Ereignisse?�</p><p>�Von den beiden Gruppen, die es auf den Thron abgesehen haben�, begann er, �war die Gruppe, die aus Brand, Fiona und Bleys bestand, nach euren Worten weitgehender �ber die Kr�fte informiert, die Amber umgeben. Brand hat euch keine Einzelheiten mitgeteilt � es sei denn, ihr habt mir Dinge verschwiegen, von denen er sprach �, doch ich w�rde vermuten, da� der Schaden, den das Muster hier erlitten hat, die Pforte darstellt, durch die die Verb�ndeten der drei Zutritt zu eurem Reich erlangt haben. Ein oder mehrere Mitglieder dieses Kreises f�hrten den Schaden herbei, der die schwarze Stra�e m�glich machte. Wenn dieser Wachhund auf einen Familiengeruch oder andere Identifikationsmerkmale reagiert, die ihr alle besitzt, kann er durchaus schon seit Urzeiten hier sein und keinen Anla� gesehen haben, gegen die �belt�ter vorzugehen.�</p><p>�M�glich�, stellte Random fest. �Und wie wurde der Schaden herbeigef�hrt?�</p><p>�Vielleicht lasse ich dich das demonstrieren, wenn du einverstanden bist.�</p><p>�Worum geht es?�</p><p>�Komm mal hierher�, sagte Ganelon, machte kehrt und n�herte sich dem Rand des Musters. Ich folgte ihm. Random setzte sich ebenfalls in Bewegung. Der Greif schw�nzelte neben mir her. Ganelon drehte sich um und streckte die Hand aus.</p><p>�Corwin, w�rdest du mir bitte mal den Dolch geben, den ich eben geholt habe?�</p><p>�Hier�, sagte ich, zog den Gegenstand aus meinem G�rtel und �bergab ihn.</p><p>�Ich frage noch einmal: Worum geht es?� wollte Random wissen.</p><p>�Um das Blut von Amber�, erwiderte Ganelon.</p><p>�Ich kann nicht sagen, da� mir der Gedanke gef�llt.�</p><p>�Wollen doch mal sehen.�</p><p>Random sah mich an.</p><p>�Was meinst du dazu?� fragte er.</p><p>�Tu es ruhig. Wir wollen es ausprobieren, die Sache interessiert mich.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Also gut.�</p><p>Er nahm Ganelon das Messer ab und schnitt sich in die Kuppe seines linken kleinen Fingers. Er dr�ckte zu und hielt den Finger �ber das Muster. Ein winziger Blutstropfen erschien, wurde gr��er, zitterte und fiel.</p><p>Sofort stieg an der Stelle, wo das Blut auftraf, eine Rauchwolke empor, und ein leises Knistern war zu h�ren.</p><p>�Da soll doch . . .� Random war fasziniert.</p><p>Ein winziger Fleck hatte sich gebildet, ein Fleck, der allm�hlich zur Gr��e einer Hand anwuchs.</p><p>�Da habt ihr es�, sagte Ganelon. �So wurde das Muster besch�digt.�</p><p>Bei dem Fleck handelte es sich in der Tat um ein winziges Gegenst�ck zu der umfangreichen Verf�rbung, die sich weiter rechts erstreckte. Der Greif stie� einen leisen Schrei aus und wich vor uns zur�ck, wobei er in schneller Folge von einem zum anderen blickte.</p><p>�Ruhig, alter Knabe, ganz ruhig�, sagte ich, streckte die Hand aus und tr�stete das Wesen.</p><p>�Aber was kann einen so gro�en Fleck . . .� Random unterbrach sich und nickte langsam.</p><p>�Ja, was?� fragte Ganelon. �An der Stelle, wo dein Pferd vernichtet wurde, sehe ich keine Verf�rbungen.�</p><p>�Das Blut von Amber�, sagte Random. �Du steckst heute voller gro�artiger Erkenntnisse, wie?�</p><p>�Sag Corwin, er soll dir von Lorraine erz�hlen, dem Land, in dem ich lange gelebt habe�, erwiderte er, �und in dem der schwarze Kreis wucherte. Ich bin allergisch gegen die Spuren dieser Kr�fte, obwohl ich sie damals nur aus der Distanz kennenlernte. Mit jedem neuen Aspekt, den ich von euch erfuhr, sind mir diese Dinge klarer geworden. Ja, nachdem ich nun mehr dar�ber wei�, habe ich auch neue Erkenntnisse gewonnen. Erkundige dich bei Corwin nach dem Denken seines Generals.�</p><p>�Corwin�, sagte Random, �gib mir mal den durchstochenen Trumpf.�</p><p>Ich zog die Karte aus der Tasche und gl�ttete sie. Die Blutflecken daran kamen mir pl�tzlich viel unheildrohender vor. Und noch etwas fiel mir auf. Ich nahm nicht an, da� die Karte von Dworkin gezeichnet worden war, dem Weisen, Lehrer, Magier, K�nstler und ehemaligen Mentor der Kinder Oberons. Bis zu diesem Augenblick war mir gar nicht der Gedanke gekommen, da� vielleicht jemand anders die F�higkeit besa�, einen Trumpf herzustellen. Der Stil der Zeichnung war mir zwar irgendwie vertraut, doch handelte es sich eindeutig nicht um seine Arbeit. Wo hatte ich diese selbstbewu�ten Linien schon einmal gesehen, nicht so spontan wie die des Meisters, als w�re jede Bewegung durch und durch intellektualisiert worden, ehe der Stift das Papier ber�hrte. Und noch etwas stimmte daran nicht � die Darstellung war anders als auf unseren eigenen Tr�mpfen, als habe der K�nstler nicht nach dem lebendigen Objekt arbeiten k�nnen, sondern nur nach alten Erinnerungen, kurzen Blicken auf die Person oder sogar nur Beschreibungen.</p><p>�Corwin, bitte! Der Trumpf!� sagte Random.</p><p>Der Tonfall seiner Worte lie� mich z�gern. Irgendwie hatte ich das Gef�hl, da� er mir in einer wichtigen Sache wom�glich einen Schritt voraus war � ein Gef�hl, das ich ganz und gar nicht mochte.</p><p>�Ich habe unseren h��lichen Freund f�r dich gestreichelt und f�r unsere Sache einen Blutstropfen geopfert, Corwin. Jetzt gib mir die Karte!�</p><p>Ich reichte sie ihm, und mein Unbehagen wuchs, als er das Bild in der Hand hielt und stirnrunzelnd betrachtete. Warum kam ich mir pl�tzlich wie ein Dummkopf vor? L�hmte eine Nacht in Tir-na Nog�th das Denken? Warum . . .</p><p>In diesem Augenblick begann Random zu fluchen. Er �u�erte eine Reihe von Kraftausdr�cken, wie ich sie in meiner langen milit�rischen Laufbahn noch nicht geh�rt hatte.</p><p>�Was ist denn?� fragte ich schlie�lich. �Ich verstehe dich nicht.�</p><p>�Das Blut von Amber�, sagte er schlie�lich. �Wer immer das getan hat, ist zuerst durch das Muster geschritten, verstehst du? Dann stand er hier in der Mitte und setzte sich durch seinen Trumpf mit ihm in Verbindung. Als er antwortete und den festen Kontakt einging, wurde er erdolcht. Sein Blut str�mte auf das Muster und l�schte einen Teil der Linien aus, so wie hier mein Blut.�</p><p>Er schwieg und atmete mehrmals tief ein.</p><p>�H�rt sich nach einem Ritual an�, bemerkte ich.</p><p>�Zur H�lle mit Ritualen!� rief er. �Zur H�lle mit ihnen allen. Einer von ihnen wird sterben, Corwin. Ich werde ihn � oder sie � t�ten.�</p><p>�Ich begreife immer noch . . .�</p><p>�Wie dumm von mir, es nicht gleich zu merken! Schau doch! Sieh dir das Bild einmal genau an!�</p><p>Ruckhaft hielt er mir den durchstochenen Trumpf hin. Ich ri� die Augen auf. Noch immer begriff ich nichts.</p><p>�Jetzt schau mich an!� forderte er. �Sieh mir ins Gesicht!�</p><p>Ich gehorchte. Dann starrte ich wieder auf die Karte.</p><p>Endlich wurde mir klar, was er meinte.</p><p>�F�r ihn war ich nie mehr als ein Hauch des Lebens in der Dunkelheit. Aber sie haben meinen Sohn daf�r mi�braucht�, fuhr er fort. �Das mu� ein Bild von Martin sein.�</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Neben dem defekten Muster stehend, ein Bild des Mannes betrachtend, der vielleicht Randoms Sohn war, der vielleicht an einer Messerwunde gestorben war, die er an einem Punkt innerhalb des Musters erhalten hatte, drehte ich mich um und machte einen gedanklichen Riesenschritt in die Vergangenheit.<a l:href="#fn1" type="note">[1]</a> Noch einmal �berdachte ich die Ereignisse, die mich an diesen Ort unheimlicher Enth�llungen gef�hrt hatten. Ich hatte in der letzten Zeit soviel Neues erfahren, da� es mir beinahe so vorkam, als erg�ben die Vorg�nge der letzten Jahre eine Geschichte, die anders war als jene im Augenblick des Erlebens. Die eben entdeckte, neue M�glichkeit und die sich daraus ergebenden Weiterungen hatten wieder einmal zu einer Verschiebung meiner Perspektiven gef�hrt.</p><p>Ich hatte nicht einmal meinen Namen gekannt, als ich in Greenwood erwachte, einem Privatkrankenhaus im Norden des Staates New York, wo ich nach meinem Unfall zwei ereignislose Wochen ohne Erinnerungen verbracht hatte. Erst k�rzlich hatte man mir erz�hlt, da� der Unfall von meinem Bruder Bleys arrangiert worden war, unmittelbar nach meiner Flucht aus dem Porter-Sanatorium in Albany. Diese Einzelheiten erfuhr ich von meinem Bruder Brand, der mich auf der Basis gef�lschter psychiatrischer Unterlagen �berhaupt erst in die Porter-Klinik eingeliefert hatte. Dort hatte man mich mehrere Tage lang einer Elektroschocktherapie unterworfen, die keine klaren Ergebnisse brachte, vermutlich aber ein paar Erinnerungen zur�ckholte. Offenbar hatte dies Bleys veranla�t, nach meiner Flucht den �berhasteten Mordversuch zu unternehmen; in einer Kurve �ber einem See hatte er mir zwei Reifen zerschossen. Der Unfall h�tte mich zweifellos das Leben gekostet, w�re Brand nicht unmittelbar hinter Bleys aufgetaucht, bestrebt, seine R�ckversicherung � mich � zu sch�tzen. Er hatte mir erz�hlt, er habe die Polizei verst�ndigt, mich aus dem See gezogen und mir Erste Hilfe geleistet, bis die Helfer eintrafen. Kurze Zeit sp�ter wurde er von seinen fr�heren Partnern � Bleys und unsere Schwester Fiona � gefangengenommen, die ihn an einem fernen Schatten-Ort in einen gut bewachten Turm verbannten.</p><p>Es hatte zwei Interessengruppen gegeben, die auf den Thron aus waren und die in erbittertem Wettbewerb miteinander standen, die sich bedr�ngt, bek�mpft und sich gegenseitig behindert hatten, wo und wie es nach der jeweiligen Lage m�glich war. Unser Bruder Eric, unterst�tzt durch Br�der Julian und Caine, hatte Anstalten gemacht, den Thron zu besteigen, der seit dem r�tselhaften Verschwinden unseres Vaters Oberon lange Zeit verwaist gewesen war. Das Verschwinden Oberons war aber nur f�r Eric, Julian und Caine r�tselhaft gewesen. Die andere Gruppe, die aus Bleys, Fiona und � im Anfang � Brand bestand, wu�te durchaus �ber die Abwesenheit Bescheid, war sie doch daf�r verantwortlich. Die drei hatten f�r diesen Stand der Dinge gesorgt, um Bleys den Weg zum Thron zu ebnen. Dabei hatte Brand aber einen taktischen Fehler begangen und versucht, Caines Unterst�tzung zu gewinnen; Caine aber �berlegte, da� er sich besser st�nde, wenn er f�r Eric eintrat. Dies f�hrte dazu, da� Brand genau beobachtet wurde, der sich aber M�he gab, die Identit�t seiner Partner geheimzuhalten. Etwa um diese Zeit beschlossen Bleys und Fiona, ihre geheimen Verb�ndeten gegen Eric einzusetzen. Brand war damit nicht einverstanden, denn er f�rchtete die Macht dieser Wesen; in der Folge wurde er von Bleys und Fiona versto�en. Nachdem auf diese Weise jedermann hinter ihm her war, hatte er das Gleichgewicht der Kr�fte v�llig durcheinanderzubringen versucht, indem er jene Schatten-Erde aufsuchte, auf der Eric mich vor einigen Jahrhunderten als Todkranken ausgesetzt hatte. Erst sp�ter hatte Eric erfahren, da� ich nicht gestorben war, sondern an einer totalen Amnesie litt, die f�r ihn ebenso vorteilhaft war. Er hatte Schwester Flora beauftragt, �ber mein Exil zu wachen, und gehofft, mich auf diese Weise endg�ltig los zu sein. Brand erz�hlte mir sp�ter, er habe mich in das Porter-Sanatorium eingeliefert in dem verzweifelten Versuch, mein Ged�chtnis zur�ckzuholen, damit ich anschlie�end nach Amber zur�ckkehren konnte.</p><p>W�hrend sich Fiona und Bleys mit Brand besch�ftigten, hatte Eric mit Flora in Verbindung gestanden. Sie hatte daf�r gesorgt, da� ich aus der Klinik, in die mich die Polizei gebracht hatte, nach Greenwood verlegt wurde, wo ich im Bet�ubungsschlaf gehalten werden sollte, w�hrend Eric in Amber seine Kr�nung vorzubereiten begann. Kurz darauf wurde das idyllische Leben unseres Bruders Random in Texorami gest�rt, als es Brand gelang, ihm eine Botschaft au�erhalb der �blichen Familienkan�le � damit meine ich die Tr�mpfe � zuzuleiten und seine Befreiung zu erflehen. W�hrend Random, der ansonsten an dem Machtkampf denkbar desinteressiert war, sich dieses Problems annahm, gelang mir die Flucht aus Greenwood; allerdings stand es mit meinen Erinnerungen noch immer nicht zum besten. Nachdem ich mir von dem erschrockenen Direktor der Klinik Floras Anschrift verschafft hatte, begab ich mich in ihr Haus in Westchester, tischte ihr eine komplizierte Geschichte auf. Sie lie� sich bluffen, und ich quartierte mich als Hausgast ein. Random hatte unterdessen mit seinem Rettungsversuch f�r Brand keinen Erfolg gehabt. Es war ihm zwar gelungen, den Schlangenw�chter des Turms zu t�ten, anschlie�end mu�te er jedoch vor den inneren W�chtern fliehen, wobei er sich einen der seltsamen kreisenden Felsen jener Gegend zunutze machte. Die W�chter, eine ausdauernde Truppe ann�hernd menschlicher Gestalten, hatten ihn jedoch durch die Schatten verfolgen k�nnen, eine Leistung, die Nicht-Amberianern normalerweise nicht m�glich ist. Daraufhin war Random auf die Schatten-Erde geflohen, auf der ich damit besch�ftigt war, Flora in ein Labyrinth der Mi�verst�ndnisse zu f�hren, w�hrend ich gleichzeitig den richtigen Weg zur Erkenntnis �ber mein wahres Ich suchte. Random glaubte meiner Zusicherung, da� ich ihn sch�tzen w�rde, und �berquerte den Kontinent in der irrigen Annahme, seine Verfolger w�ren meine Gesch�pfe. Als ich dann bei ihrer Vernichtung mitwirkte, war er verwirrt, wollte die Angelegenheit aber nicht zur Sprache bringen, solange ich offenbar private Pl�ne in Sachen Thronanwartschaft verfolgte. In der Tat lie� er sich schnell dazu verleiten, mich durch die Schatten nach Amber zur�ckzuf�hren.</p><p>Dieses Unternehmen erwies sich in mancher Hinsicht als vorteilhaft, w�hrend es in anderer Beziehung weniger zufriedenstellend verlief. Als ich schlie�lich den wahren Zustand meines Ged�chtnisses offenbarte, f�hrten mich Random und unsere Schwester Deirdre, die wir unterwegs getroffen hatten, in Ambers Spiegelstadt unter dem Meer � Rebma. Dort hatte ich das Muster durchschritten und daraufhin den gr��ten Teil meiner Erinnerungen zur�ckerhalten � womit ich zugleich die Frage kl�rte, ob ich nun der wirkliche Corwin war oder lediglich einer seiner Schatten. Aus Rebma war ich direkt nach Amber zur�ckgekehrt, wobei ich mir die Macht des Musters zunutze machte, eine sofortige Versetzung zu bewirken. Nach einem ergebnislosen Duell mit Eric war ich durch die Tr�mpfe zu meinem geliebten Bruder und M�chtegern-M�rder Bleys geflohen.</p><p>Ich half Bleys bei einem Angriff auf Amber, einer schlecht organisierten Angelegenheit, mit der wir einen Fehlschlag erlitten. W�hrend der letzten Auseinandersetzung verschwand Bleys, unter Umst�nden, die seinen Tod vermuten lie�en, die aber � je mehr ich sp�ter erfuhr und dar�ber nachdachte � vielleicht doch nicht dazu gef�hrt hatten. Jedenfalls wurde ich nun Erics Gefangener und unfreiwilliger Zeuge seiner Kr�nung, wonach er mich blenden und einkerkern lie�. Nach einigen Jahren in den amberianischen Verliesen hatten sich meine Augen regeneriert, doch ich war hilflos dem seelischen Verfall ausgeliefert. Erst das zuf�llige Auftauchen von Dworkin, Vaters altem Berater, der geistig noch schlechter dran war als ich, bot mir eine Chance zur Flucht.</p><p>Dann erholte ich mich gr�ndlich und nahm mir vor, das n�chstemal umsichtiger gegen Eric vorzugehen. Ich reiste durch die Schatten einem alten Land entgegen, in dem ich einmal geherrscht hatte � Avalon � und wollte mich dort in den Besitz einer Substanz setzen, von deren Existenz ich als einziger Amberianer wu�te � die einzige Chemikalie, die in Amber explosive Eigenschaften entwickelt. Unterwegs war ich durch das Land Lorraine gekommen und dort auf meinen alten exilierten avalonischen General Ganelon gesto�en � oder jemanden, der ihm sehr �hnlich war. Ich verweilte hier � wegen eines verwundeten Ritters, eines M�dchens und einer dort auftretenden Gefahr, die eine erstaunliche �hnlichkeit mit einem Ph�nomen aufwies, das sich auch in der N�he Ambers bemerkbar machte � ein wachsender schwarzer Kreis, der irgendwie mit jener schwarzen Stra�e zu tun hatte, auf der sich unsere Feinde bewegten, eine Erscheinung, an der ich mir selbst einen Teil der Schuld gab, hatte ich doch nach meiner Blendung einen Fluch gegen Amber ausgesprochen. Ich siegte in der Schlacht, verlor das M�dchen und reiste in Begleitung Ganelons nach Avalon.</p><p>Das Avalon, das wir schlie�lich erreichten, so erfuhren wir bald, stand unter dem Schutz meines Bruders Benedict, der hier eigene Probleme mit Erscheinungen hatte, welche m�glicherweise mit den Gefahren des schwarzen Kreises und der schwarzen Stra�e urs�chlich zusammenhingen. Im Entscheidungskampf gegen die H�llenm�dchen hatte Benedict den linken Arm verloren, die Schlacht aber gewonnen. Er forderte mich auf, im Hinblick auf Amber und Eric Zur�ckhaltung zu �ben, und gew�hrte mir schlie�lich die Gastfreundschaft seines Hauses, w�hrend er noch einige Tage im Felde blieb. In seinem Hause lernte ich Dara kennen.</p><p>Dara erz�hlte mir, sie sei Benedicts Ur-Enkelin, deren Existenz vor Amber geheimgehalten worden sei. Sie war bem�ht, mich �ber Amber, das Muster, die Tr�mpfe und unsere F�higkeit des Schattenwanderns auszuhorchen. Sie war �brigens eine sehr geschickte Fechterin. Nachdem ich von einem H�llenritt an einen Ort zur�ckgekehrt war, der mir ausreichend Rohdiamanten geliefert hatte, um die Dinge zu bezahlen, die ich f�r meinen Angriff auf Amber brauchte, zeigte sich Dara nicht abgeneigt, und wir schliefen miteinander. Am folgenden Tag luden Ganelon und ich die erforderlichen Mengen der Chemikalie auf einen Wagen und fuhren zur Schatten-Erde ab, auf der ich mein Exil verbracht hatte. Hier wollten wir automatische Waffen und speziell nach meinen W�nschen gefertigte Munition abholen.</p><p>Unterwegs hatten wir Schwierigkeiten an der schwarzen Stra�e, die ihren Einflu� inzwischen offenbar auch auf die Schattenwelten ausgedehnt hatte. Mit dem �rgernis der Stra�e wurden wir fertig, doch dann w�re ich bei einem Duell mit Benedict fast umgekommen, der uns erbittert und voll Ha� verfolgt hatte. Zu aufgebracht, um mit mir zu diskutieren, hatte er mich mit dem Schwert durch ein kleines W�ldchen gejagt � ein besserer K�mpfer als ich, obwohl er die Klinge jetzt mit der Linken f�hren mu�te. Besiegt hatte ich ihn schlie�lich mit einem Trick, der die besondere Eigenart der schwarzen Stra�e ausnutzte, die er nicht kannte. Ich war �berzeugt, da� er wegen der Aff�re mit Dara hinter mir her war. Aber das war ein Irrtum. In dem kurzen Gespr�ch, das wir f�hrten, stritt er jedes Wissen um die Existenz einer solchen Person ab. Vielmehr habe er uns in der �berzeugung verfolgt, da� ich seine Dienstboten ermordet h�tte. Ganelon hatte hinter dem Wald bei Benedicts Haus tats�chlich einige frische Leichen gefunden, aber wir waren �bereingekommen, der Sache nicht nachzugehen, denn wir wu�ten nicht, wer die Ermordeten waren, und wollten unsere Mission nicht noch mehr verz�gern.</p><p>Benedict in der Obhut meines Bruders G�rard zur�cklassend, den ich durch seinen Trumpf aus Amber hatte kommen lassen, setzten Ganelon und ich die Reise zur Schatten-Erde fort. Hier bewaffneten wir uns, warben in den Schatten eine Armee an und kehrten zur�ck, um Amber anzugreifen. Bei unserer Ankunft stellten wir allerdings fest, da� Amber bereits von Wesen belagert wurde, die �ber die schwarze Stra�e gekommen waren. Meine neuen Waffen entschieden den Kampf sehr schnell zu Gunsten Ambers, doch mein Bruder Eric fiel in der Schlacht und hinterlie� mir seine Probleme, seine Abneigung und das Juwel des Geschicks � eine Waffe zur Wetterbeeinflussung, die er gegen mich eingesetzt hatte, als Bleys und ich Amber angriffen.</p><p>Zu diesem Zeitpunkt tauchte pl�tzlich Dara auf, ritt im Galopp an uns vorbei nach Amber, stie� bis zum Muster vor und beschritt es � ein �u�erer Beweis, da� sie tats�chlich irgendwie mit uns verwandt war. W�hrend des anstrengenden Durchschreitens des Musters machte sie jedoch, so sah es jedenfalls aus, einige seltsame physische Ver�nderungen durch. Als sie das Muster hinter sich lie�, verk�ndete sie, Amber werde vernichtet werden. Dann verschwand sie.</p><p>Etwa eine Woche sp�ter wurde mein Bruder Caine ermordet. Die Tat war so arrangiert worden, da� ich als T�ter dastehen mu�te. Die Tatsache, da� ich seinen M�rder get�tet hatte, brachte leider keinen Unschuldsbeweis f�r mich, denn der Kerl war leider nicht mehr in der Lage, eine Aussage zu machen. Allerdings erkannte ich, da� ich ein Wesen dieser Art schon einmal gesehen hatte � die Wesen, die Random bis in Floras Haus verfolgt hatten! Ich nahm mir endlich die Zeit, mich mit Random zusammenzusetzen und mir die Geschichte seines erfolglosen Versuchs anzuh�ren, Brand aus seinem Turm zu befreien.</p><p>Random war vor Jahren, als ich nach Amber weitersprang, um im Duell gegen Eric anzutreten, in Rebma zur�ckgeblieben und hatte dort auf K�nigin Moires Veranlassung eine Frau ihres Hofes heiraten m�ssen, Vialle, ein h�bsches blindes M�dchen. Dieses Urteil war teils als Strafe gedacht, denn vor Jahren hatte Random Moires inzwischen verstorbene Tochter Morganthe in anderen Umst�nden verlassen: Martin, das mutma�liche Objekt des besch�digten Trumpfes, den Random jetzt in der Hand hielt. Doch Random � und das war bei ihm verwunderlich � hatte sich offenbar in Vialle verliebt und lebte jetzt mit ihr in Amber.</p><p>Nachdem ich Random verlassen hatte, brachte ich das Juwel des Geschicks an mich und trug es in den Saal des Musters. Dort folgte ich den bruchst�ckhaften Anweisungen, die ich mitbekommen hatte und die dazu f�hren sollten, da� sich das Juwel auf mich einstimmte. W�hrend dieses Vorgangs erlebte ich einige ungew�hnliche Empfindungen und bekam schlie�lich die offensichtlichste Funktion des Juwels in den Griff: die F�higkeit, meteorologische Ph�nomene auszul�sen. Anschlie�end befragte ich Fiona �ber mein Exil. Ihre Geschichte h�rte sich logisch an und pa�te zu den mir bekannten Tatsachen, wenn ich auch das Gef�hl hatte, da� sie sich im Hinblick auf meinen Unfall nicht ganz offen aussprach. Sie gab mir allerdings das Versprechen, Caines M�rder als ein Wesen jener Art zu identifizieren, mit der Random und ich damals in ihrem Haus in Westchester gek�mpft hatten; au�erdem versicherte sie mich ihrer Unterst�tzung in allen Pl�nen, die ich im Augenblick haben mochte.</p><p>Als ich Randoms Bericht h�rte, hatte ich noch keine Ahnung von den beiden konkurrierenden Gruppen und ihren Machenschaften. Ich kam zu dem Schlu�, da�, wenn Brand noch lebte, seine Rettung von gr��ter Wichtigkeit war, allein schon wegen der Tatsache, da� er offenbar Informationen besa�, die irgend jemand nicht weiter verbreitet wissen wollte. Ich entwickelte einen Plan, dieses Ziel zu erreichen, einen Plan, dessen Verwirklichung nur so lange zur�ckgestellt wurde, wie G�rard und ich brauchten, um Caines Leiche nach Amber zur�ckzubringen. Ein Teil dieser Zeit wurde von G�rard dazu benutzt, mich bewu�tlos zu schlagen, f�r den Fall, da� ich seine Kr�fte vergessen haben sollte; auf diese Weise wollte er seine Worte unterstreichen, wonach er mich pers�nlich zu t�ten gedachte, wenn es sich herausstellte, da� ich hinter Ambers augenblicklichen Schwierigkeiten steckte. Dieser Kampf war zugleich die exklusivste Fernseh�bertragung, von der ich wei�: Durch G�rards Trumpf nahm die ganze Familie daran teil � zur Sicherheit, sollte ich tats�chlich der �belt�ter sein und mit dem Gedanken spielen, G�rards Namen wegen seiner Drohung von der Liste der Lebenden zu tilgen. Anschlie�end suchten wir das Einhornw�ldchen auf und luden Caines Leiche aufs Pferd. Dabei erhaschten wir einen kurzen Blick auf das legend�re Einhorn von Amber.</p><p>Am Abend kamen wir in der Bibliothek des Palasts von Amber zusammen � Random, G�rard, Benedict, Julian, Deirdre, Fiona, Flora, Llewella und ich. In diesem Kreise probierte ich meinen Plan aus, der uns zu Brand f�hren sollte: Zu neunt wollten wir versuchen, ihn �ber seinen Trumpf zu erreichen. Das Experiment hatte Erfolg.</p><p>Wir setzten uns mit ihm in Verbindung und konnten ihn tats�chlich nach Amber zur�ckholen. Mitten im gr��ten Gedr�nge, als G�rard ihn gerade durch den Trumpf zu uns brachte, stie� jemand Brand einen Dolch in die Seite. G�rard ernannte sich sofort zum verantwortlichen Arzt und r�umte das Zimmer.</p><p>Wir �brigen zogen uns in ein Wohnzimmer im Erdgescho� zur�ck, um dort die Ereignisse weiter durchzusprechen. Dabei teilte mir Fiona mit, da� das Juwel des Geschicks bei l�ngerem Tragen eine Gefahr darstellen konnte; sie deutete sogar an, da� vielleicht weniger die Wunden f�r Erics Tod verantwortlich gewesen waren als das Juwel. Einer der ersten Vorboten der Gefahr war nach ihrer Auffassung eine Verzerrung des Zeitgef�hls � eine scheinbare Verlangsamung des zeitlichen Ablaufs, welche in Wirklichkeit eine Beschleunigung der physiologischen Vorg�nge des Tr�gers des Juwels darstellte. Ich fa�te den Entschlu�, mit dem Juwel k�nftig vorsichtiger umzugehen, da Fiona in solchen Dingen beschlagener war als wir �brigen, war sie doch einmal Dworkins gelehrigste Sch�lerin gewesen.</p><p>Vielleicht hatte sie sogar recht. Vielleicht stellte sich dieser Effekt tats�chlich kurze Zeit darauf ein, als ich in mein Quartier zur�ckkehrte. Jedenfalls hatte ich den Eindruck, da� sich die Person, die mich umzubringen versuchte, ein wenig langsamer bewegte, als ich es in einer �hnlichen Lage getan h�tte. Die Klinge traf mich an der Seite, und die Welt versank.</p><p>Schlimm blutend erwachte ich im Bett meines alten Hauses auf der Schatten-Erde, wo ich lange Zeit als Carl Corey gelebt hatte. Wie ich dorthin gekommen war, wu�te ich nicht. Ich kroch ins Freie und geriet in einen Schneesturm. Ich klammerte mich verzweifelt an das Bewu�tsein und versteckte das Juwel des Geschicks in meinem alten Komposthaufen, denn die Welt ringsum schien sich tats�chlich zu verlangsamen. Dann schaffte ich es bis zur Stra�e und versuchte einen vorbeifahrenden Autofahrer anzuhalten.</p><p>Schlie�lich wurde ich von meinem Freund und ehemaligen Nachbarn Bill Roth gefunden und in das n�chste Krankenhaus gebracht. Dort behandelte mich derselbe Arzt, der unmittelbar nach dem Unfall vor vielen Jahren meine Wunden versorgt hatte. Er hielt mich f�r einen psychiatrischen Fall, da die alten Unterlagen noch immer den damals vorget�uschten Stand der Dinge wiedergaben.</p><p>Doch sp�ter kam Bill und stellte alles richtig. Als Rechtsanwalt hatte er sich damals f�r mein seltsames Verschwinden interessiert und umfangreiche Nachforschungen angestellt. Dabei hatte er von dem falschen psychiatrischen Gutachten und meiner Flucht erfahren. Er besa� sogar Unterlagen �ber diese Dinge und den Unfall. Noch immer hatte er das Gef�hl, da� irgend etwas nicht mit mir stimmte, da� ich irgendwie seltsam war, doch im Grunde st�rte ihn das nicht besonders.</p><p>Sp�ter setzte sich Random �ber meinen Trumpf mit mir in Verbindung und teilte mit, Brand sei zu Bewu�tsein gekommen und wolle mich sprechen. Mit Randoms Hilfe kehrte ich nach Amber zur�ck. Ich suchte Brand auf. In diesem Gespr�ch erfuhr ich Details �ber den Machtkampf, der rings um mich getobt hatte, und �ber die Identit�t der Beteiligten. Sein Bericht zusammen mit den Dingen, die Bill mir auf der Schatten-Erde er�ffnet hatte, brachte endlich ein wenig Sinn und Klarheit in die Ereignisse der letzten Jahre. Zugleich gab mir Brand n�heren Aufschlu� �ber die Beschaffenheit der Gefahren, denen wir uns im Augenblick gegen�bersahen.</p><p>Am n�chsten Tag unternahm ich gar nichts, sondern gab vor, mich auf einen Besuch in Tir-na Nog�th vorzubereiten; in Wirklichkeit wollte ich nur Zeit gewinnen, um mich noch von meiner Verletzung zu erholen. Dem Vorwand mu�te allerdings Glaubw�rdigkeit verschafft werden. So reiste ich dann tats�chlich an jenem Abend in die Stadt am Himmel und stie� dort auf eine verwirrende Sammlung von Zeichen und Symbolen, die wahrscheinlich nichts bedeuteten, und nahm dabei dem Gespenst meines Bruders Benedict einen seltsamen k�nstlichen Arm ab.</p><p>Von diesem Ausflug in himmlische H�hen zur�ckgekehrt, fr�hst�ckte ich mit Random und Ganelon, ehe wir �ber den Kolvir nach Hause zur�ckreiten wollten. Langsam und r�tselhaft begann sich der Weg rings um uns zu ver�ndern. Es war, als schritten wir durch die Schatten, was in solcher N�he zu Amber geradezu unm�glich war. Als wir zu diesem Schlu� gelangt waren, versuchten wir unseren Kurs zu �ndern, doch Random und ich waren nicht in der Lage, einen Szenenwechsel vorzunehmen. Etwa um diese Zeit tauchte das Einhorn auf. Es schien uns aufzufordern, ihm zu folgen � und wir gehorchten.</p><p>Es hatte uns durch eine kaleidoskopartige F�lle von Ver�nderungen gef�hrt, bis wir schlie�lich diesen Ort erreichten, an dem es uns wieder allein lie�. W�hrend mir dieser gewaltige Reigen der Ereignisse durch den Kopf ging, arbeitete mein Verstand an der Schwelle zum Unterbewu�tsein weiter und kehrte nun zu den Worten zur�ck, die Random soeben gesagt hatte. Ich hatte das Gef�hl, ihm wieder ein St�ck voraus zu sein. Wie lange dieser Zustand andauern mochte, wu�te ich nicht, doch war mir nun klar, wo ich schon einmal Darstellungen von der Hand gesehen hatte, die den durchstochenen Trumpf geschaffen hatte.</p><p>Wenn er eine seiner melancholischen Perioden durchmachte, hatte Brand oft zum Pinsel gegriffen; und als ich mir die vielen Leinw�nde vorstellte, die er bepinselt hatte, erinnerte ich mich an seine Lieblingstechniken. Dazu seine Jahre zur�ckliegende Kampagne, Erinnerungen und Beschreibungen aller Leute zu sammeln, die Martin gekannt hatten. Random hatte seinen Stil noch nicht erkannt, doch ich fragte mich, wie lange es dauern mochte, bis er wie ich �ber die m�glichen Ziele von Brands Informationssuche nachzudenken begann. Selbst wenn seine Hand die Klinge nicht selbst gef�hrt hatte, war Brand doch in die Angelegenheit verstrickt, denn von ihm kam das Werkzeug zu dieser Tat. Ich kannte Random gut genug, um zu wissen, da� die eben ge�u�erten Worte ernst gemeint waren. Er w�rde versuchen, Brand zu t�ten, sobald ihm die Verbindung aufging. Eine mehr als unangenehme Sache.</p><p>Dabei ging es mir nicht darum, da� Brand mir wahrscheinlich das Leben gerettet hatte. Ich bildete mir ein, meine Schuld bei ihm beglichen zu haben, als ich ihn aus dem Turm rettete. Nein. Nicht Schuld oder Gef�hl veranla�te mich, nach einer M�glichkeit zu suchen, Random in die Irre zu f�hren oder von voreiligen Schritten abzuhalten. Es war vielmehr die n�chterne �berlegung, da� ich Brand brauchte. Daf�r hatte er gesorgt. Da� ich ihn jetzt rettete, hatte einen Grund, der nicht weniger altruistisch war als die Motive, die ihn bewegt hatten, als er mich aus dem See zog. Er besa� etwas, dessen ich jetzt bedurfte: Informationen. Er hatte dies sofort erkannt und setzte mich geschickt auf kleine Rationen: sein Beitrag zur Gewerkschaft des Lebens.</p><p>�Ich sehe die �hnlichkeit�, sagte ich zu Random. �Du k�nntest recht haben mit deiner Vermutung.�</p><p>�Nat�rlich habe ich recht.�</p><p>�Die Karte wurde durchsto�en�, sagte ich.</p><p>�Kein Zweifel. Ich wei� nicht . . .�</p><p>�Er wurde also nicht durch den Trumpf geholt. Der T�ter hat Verbindung aufgenommen, hat ihn aber nicht �berreden k�nnen, durchzukommen.�</p><p>�So? Der Kontakt mu� sich aber bis zu einer ausreichenden Festigkeit und N�he entwickelt haben, da� er zustechen konnte. Vielleicht hat er ihn sogar geistig blockiert und festgehalten, w�hrend er blutete. Der Junge hatte vermutlich keine gro�e Erfahrung mit den Tr�mpfen.�</p><p>�Vielleicht, vielleicht aber auch nicht�, sagte ich. �Llewella oder Moire k�nnen uns sicher sagen, wieviel er �ber die Tr�mpfe wu�te. Ich wollte mehr auf die M�glichkeit hinaus, da� der Kontakt vielleicht vor dem Tod unterbrochen wurde. Wenn er deine regenerativen F�higkeiten geerbt hat, lebt er vielleicht noch.�</p><p>�Vielleicht? Ich m�chte keine Mutma�ungen h�ren, sondern klare Antworten!�</p><p>Damit begann ein schwieriger geistiger Balanceakt. Ich glaubte etwas zu wissen, das ihm unbekannt war, doch meine Informationsquelle war nicht die beste. Au�erdem wollte ich mich �ber die M�glichkeit zun�chst ausschweigen, weil ich noch keine Gelegenheit gehabt hatte, mit Benedict dar�ber zu sprechen. Andererseits war Martin Randoms Sohn, und ich wollte seine Aufmerksamkeit von Brand ablenken.</p><p>�Random, vielleicht habe ich etwas�, sagte ich.</p><p>�Was?�</p><p>�Unmittelbar nachdem Brand verwundet wurde�, sagte ich, �als wir uns im Wohnzimmer unterhielten, da kam die Sprache auch auf Martin � erinnerst du dich?�</p><p>�Ja. Aber dabei wurde nichts Neues diskutiert.�</p><p>�Ich h�tte damals etwas dazu sagen k�nnen, doch ich habe mich zur�ckgehalten, weil eben alle da waren. Au�erdem wollte ich die Sache mit der betreffenden Person unter vier Augen weiter verfolgen.�</p><p>�Wer ist der Mann?�</p><p>�Benedict.�</p><p>�Benedict? Was hat der mit Martin zu schaffen?�</p><p>�Keine Ahnung. Deshalb wollte ich ja den Mund halten, bis ich mehr wu�te. Au�erdem war meine Informationsquelle problematisch.�</p><p>�Sprich weiter.�</p><p>�Dara. Benedict f�hrt aus der Haut, wenn ich ihren Namen nur ausspreche, trotzdem haben sich bisher etliche Dinge, die sie mir erz�hlte, als richtig herausgestellt � zum Beispiel die Reise Julians und G�rards �ber die schwarze Stra�e, ihre Verwundung, ihr Aufenthalt in Avalon. Benedict r�umte ein, da� diese Dinge in der Tat geschehen seien.�</p><p>�Was sagte sie �ber Martin?�</p><p>Ja, was? Wie konnte ich es formulieren, ohne Brand blo�zustellen �? Dara hatte gesagt, Brand habe Benedict �ber Jahre hinweg mehrfach in Avalon aufgesucht. Der Zeitunterschied zwischen Amber und Avalon ist ziemlich extrem; nachdem ich nun dar�ber nachdachte, erschien es mir durchaus m�glich, da� diese Besuche in die Zeit fielen, da Brand aktiv Informationen �ber Martin suchte. Ich hatte mich bereits gefragt, was ihn immer wieder dorthin zog, waren er und Benedict doch nie besonders gut miteinander ausgekommen.</p><p>�Nur da� Benedict einen Besucher namens Martin gehabt h�tte, von dem sie annahm, er k�me aus Amber�, log ich.</p><p>�Wann?�</p><p>�Einige Zeit ist das jetzt her. Ich wei� es nicht genau.�</p><p>�Warum hast du mir das nicht fr�her gesagt?�</p><p>�Ist ja eigentlich keine gro�e Sache � au�erdem hast du dich bisher nie erkennbar f�r Martin interessiert.�</p><p>Random blickte auf den Greif, der nun rechts von mir hockte und vor sich hin gurgelte. Dann nickte er.</p><p>�Jetzt interessiere ich mich aber f�r ihn�, erwiderte er. �Man �ndert sich eben. Wenn er noch lebt, w�rde ich ihn gern n�her kennenlernen. Wenn nicht . . .�</p><p>�Sch�n�, sagte ich. �Die beste Methode zu beidem ist, zun�chst einmal den Heimweg zu suchen. Wir d�rften gesehen haben, was wir sehen sollten. Ich m�chte jetzt lieber hier fort.�</p><p>�Dar�ber habe ich mir schon meine Gedanken gemacht�, sagte er. �Und ich bin darauf gekommen, da� wir wahrscheinlich das Muster benutzen k�nnen. Wir brauchen nur zur Mitte zu gehen und uns nach Hause versetzen zu lassen.�</p><p>��ber die dunkle Fl�che?� fragte ich.</p><p>�Warum nicht? Ganelon hat es doch versucht und ist wohlauf.�</p><p>�Moment�, warf Ganelon ein. �Ich habe nicht gesagt, da� es leicht war. Au�erdem meine ich, da� ihr die Pferde nicht aufs Muster bekommt.�</p><p>�Was dann?� wollte ich wissen.</p><p>�Erinnerst du dich an die Stelle, an der wir die schwarze Stra�e �berquert haben � damals, als wir aus Avalon flohen?�</p><p>�Nat�rlich!�</p><p>�Nun, die Gef�hle, die ich hatte, als ich die Karte und den Dolch zur�ckholte, hatten eine gewisse �hnlichkeit mit der Erregung, die wir damals versp�rten. Das ist einer der Gr�nde, warum ich so gelaufen bin. Ich w�re daf�r, es zun�chst noch einmal mit den Tr�mpfen zu versuchen, in der Annahme, da� dieser Ort mit Amber kongruent ist.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Na sch�n. Wir k�nnen genausogut versuchen, es uns so einfach wie m�glich zu machen. Treiben wir zuerst die Pferde zusammen.�</p><p>Das taten wir, wobei wir die L�nge der Kette des Greifs herausbekamen. Seine Grenze lag bei etwa drei�ig Metern vor der H�hlen�ffnung. Als sich die Kette spannte, begann er sofort durchdringend zu klagen. Dies erleichterte es nicht gerade, die Pferde zu beruhigen, brachte mich aber auf einen Gedanken, den ich zun�chst f�r mich behielt.</p><p>Sobald wir alles unter Kontrolle hatten, griff Random nach seinen Tr�mpfen, und ich zog mein Spiel ebenfalls aus der Tasche. �Versuchen wir Benedict�, sagte er.</p><p>�Gut. Bist du bereit?�</p><p>Ich stellte sofort fest, da� sich die Karten wieder kalt anf�hlten, was ein gutes Zeichen war. Ich zog Benedicts Karte aus dem Stapel und begann mich an die Kontaktaufnahme heranzutasten. Random neben mir tat dasselbe.</p><p>Der Kontakt ergab sich fast sofort.</p><p>�Was liegt an?� fragte Benedict, und sein Blick wanderte �ber Random, Ganelon und die Pferde und richtete sich schlie�lich auf mich.</p><p>�Holst du uns zu dir?� fragte ich.</p><p>�Die Pferde auch?�</p><p>�Alles.�</p><p>�Kommt.�</p><p>Er streckte die Hand aus, und ich ber�hrte sie. Wir alle n�herten uns ihm. Sekunden sp�ter standen wir neben ihm an einem hohen felsigen Ort; ein k�hler Wind bewegte unsere Kleidung, die Nachmittagssonne Ambers stand an einem wolkigen Himmel. Benedict trug eine dicke Lederjacke und Wildlederstiefel. Sein Hemd schimmerte in einem verwaschenen Gelb. Ein orangeroter Mantel verh�llte den Stumpf des rechten Arms. Er reckte das lange Kinn und blickte auf mich herab.</p><p>�Interessanter Ort, von dem ihr da kommt�, bemerkte er. �Ich habe ein St�ck vom Hintergrund gesehen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Interessanter Ausblick aus dieser H�he�, sagte ich und blickte auf das Spionglas an seinem G�rtel; im gleichen Augenblick erkannte ich, da� wir auf dem breiten Felsvorsprung standen, von dem aus Eric am Tage seines Todes und meiner R�ckkehr die Schlacht geleitet hatte. Ich trat vor und betrachtete den schwarzen Pfad durch Garnath, der tief unter uns lag und sich bis zum fernen Horizont erstreckte.</p><p>�Ja�, sagteer. �Die schwarze Stra�e scheint ihre Grenzen fast �berall stabilisiert zu haben. An einigen Stellen jedoch erweitert sie sich noch immer. Es sieht fast so aus, als n�herte sie sich einer h�chsten �bereinstimmung mit irgendeinem . . . Muster. Jetzt erz�hlt schon, woher kommt ihr?�</p><p>�Ich habe die letzte Nacht in Tir-na Nog�th verbracht�, sagte ich. �Und heute fr�h sind wir beim �berqueren des Kolvir vom Weg abgekommen.�</p><p>�Was nun wirklich eine Leistung ist�, stellte er fest. �Sich auf dem eigenen Berg zu verirren! Man kommt immer wieder nach Osten, wei�t du. Das ist die Richtung, aus der, wie zu h�ren ist, die Sonne aufsteigt.�</p><p>Ich sp�rte, wie mir die R�te ins Gesicht scho�.</p><p>�Es hat einen Unfall gegeben�, sagte ich und blickte zur Seite. �Dabei ist uns ein Pferd verlorengegangen.�</p><p>�Was f�r ein Unfall?�</p><p>�Ein schlimmer Unfall � schlimm f�r das Pferd.�</p><p>�Benedict�, sagte Random und hob den Kopf. Erst jetzt bemerkte ich, da� er die ganze Zeit den durchstochenen Trumpf angeschaut hatte. �Was kannst du mir �ber meinen Sohn Martin sagen?�</p><p>Benedict musterte ihn einige Sekunden lang, ehe er reagierte. �Woher das pl�tzliche Interesse?� fragte er dann.</p><p>�Weil ich Grund zu der Vermutung habe, da� er tot ist�, erwiderte Random. �Wenn das stimmt, m�chte ich ihn r�chen. Wenn nicht- nun, der Gedanke, da� er tot sein k�nnte, hat mich ziemlich aufgew�hlt. Lebt er aber noch, m�chte ich ihn gern sehen und mit ihm sprechen.�</p><p>�Wie kommst du darauf, da� er vielleicht nicht mehr lebt?�</p><p>Random sah mich an. Ich nickte.</p><p>�Fang beim Fr�hst�ck an�, sagte ich.</p><p>�W�hrend er erz�hlt, besorge ich uns etwas zu essen�, sagte Ganelon und w�hlte in einem seiner Tragebeutel herum.</p><p>�Das Einhorn wies uns den Weg . . .�, begann Random.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Wir a�en schweigend. Random hatte zu sprechen aufgeh�rt, und Benedict starrte �ber Garnath in den Himmel. Sein Gesicht war unbewegt. Ich hatte es vor langer Zeit gelernt, sein Schweigen zu respektieren.</p><p>Schlie�lich nickte er und wandte sich an Random.</p><p>�Seit langem habe ich etwas �hnliches vermutet�, stellte er fest, �aus Bemerkungen, die Vater und Dworkin im Laufe der Jahre gemacht haben. Ich hatte den Eindruck, da� es ein Ur-Muster geben m�sse, das sie entweder ausfindig gemacht oder selbst geschaffen hatten, wobei sie unser Amber nur einen Schatten entfernt davon ansiedelten, damit sie auf die Kr�fte des Ur-Musters zur�ckgreifen konnten. Ich hatte allerdings keinen Hinweis darauf mitbekommen, wie man an diesen Ort gelangt.�</p><p>Sein Blick richtete sich auf Garnath, und er machte eine typische Bewegung mit dem Kinn. �Und das hier, so meint ihr, entspricht dem, was dort geschah?�</p><p>�Sieht so aus�, erwiderte Random.</p><p>�. . . und wurde hervorgerufen durch Martins Blut?�</p><p>�Ich nehme es an.�</p><p>Benedict hob den Trumpf, den Random ihm w�hrend seines Berichts �bergeben hatte. Zuerst hatte Benedict nichts dazu bemerkt.</p><p>�Ja�, sagte er jetzt. �Dies ist Martin. Er besuchte mich, als er Rebma verlassen hatte. Er blieb lange bei mir.�</p><p>�Warum ist er zu dir gekommen?� wollte Random wissen.</p><p>Benedict l�chelte.</p><p>�Irgendwohin mu�te er doch�, gab er zur�ck. �Er war seiner Stellung in Rebma �berdr�ssig, seine Haltung gegen�ber Amber war unausgepr�gt, er war jung und frei und hatte gerade erst die Kr�fte entdeckt, die das Muster ihm verlieh. Er wollte fort, wollte neue Dinge sehen, wollte durch die Schatten reisen � wie wir alle. Als kleinen Jungen hatte ich ihn einmal nach Avalon mitgenommen, damit er im Sommer mal �ber das trockene Land wandern konnte, damit er reiten lernte und sah, wie Korn geerntet wurde. Als er dann pl�tzlich in der Lage war, sich im Nu �berallhin zu versetzen, waren seine M�glichkeiten dennoch nur auf die wenigen Orte beschr�nkt, die er kannte. Gewi�, er h�tte sich auf der Stelle etwas ertr�umen und dorthin ziehen k�nnen � sich also eine Welt schaffen. Aber er wu�te auch, da� er noch viel zu lernen hatte, ehe er sich sicher in den Schatten bewegen konnte. Er beschlo�, zu mir zu kommen und mich zu bitten, ihn zu unterrichten. Das habe ich getan. Er hat bei mir fast ein Jahr zugebracht. Ich lehrte ihn k�mpfen, machte ihn mit den Tr�mpfen und den Schatten bekannt und unterrichtete ihn in jenen Dingen, die ein Amberianer wissen mu�, wenn er am Leben bleiben will.�</p><p>�Warum hast du das alles getan?� wollte Random wissen.</p><p>�Irgend jemand mu�te es tun. Er kam zu mir, also oblag diese Pflicht mir�, erwiderte Benedict. �Nicht, da� ich den Jungen nicht gern hatte�, f�gte er hinzu.</p><p>Random nickte.</p><p>�Du hast gesagt, er h�tte fast ein Jahr bei dir gelebt. Was war hinterher?�</p><p>�Den Wandertrieb kennst du so gut wie ich. Kaum hatte er ein gewisses Vertrauen in seine eigenen F�higkeiten gewonnen, da wollte er sie auch ausprobieren. Im Verlauf meines Unterrichts hatte ich ihn nat�rlich auf Reisen durch die Schatten mitgenommen, hatte ihn da und dort Bekannten vorgestellt. Dann aber kam die Zeit, da er seinen Weg allein gehen wollte. Eines Tages verabschiedete er sich und zog los.�</p><p>�Hast du ihn seither wiedergesehen?� fragte Random.</p><p>�Ja. Er ist immer mal wieder zur�ckgekehrt; er blieb eine Zeitlang und erz�hlte mir von seinen Abenteuern und seinen Entdeckungen. Dabei war stets von vornherein klar, da� er nur zu Besuch da war. Nach einer Weile wurde er unruhig und zog weiter.�</p><p>�Wann hast du ihn zum letztenmal gesehen?�</p><p>�Das ist nach Avalon-Zeit jetzt mehrere Jahre her und geschah unter den �blichen Umst�nden. Er tauchte eines Morgens auf, blieb etwa zwei Wochen lang, erz�hlte mir von den Dingen, die er gesehen und getan hatte, und von den vielen Dingen, die er noch tun wollte. Sp�ter reiste er ab.�</p><p>�Und seitdem hast du nicht wieder von ihm geh�rt?�</p><p>�Im Gegenteil. Wenn er gemeinsame Freunde besuchte, hinterlie� er Nachrichten f�r mich. Von Zeit zu Zeit setzte er sich sogar durch meinen Trumpf mit mir in Verbindung . . .�</p><p>�Er hatte einen Satz Tr�mpfe?� fragte ich dazwischen.</p><p>�Ja, ich hatte ihm eines meiner Extraspiele zum Geschenk gemacht.�</p><p>�Hattest du einen Trumpf f�r ihn?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Bis zu diesem Augenblick hatte ich keine Ahnung, da� es einen solchen Trumpf �berhaupt gibt.� Er hob die durchl�cherte Karte, blickte darauf und gab sie Random zur�ck. �Mir fehlt die Kunstfertigkeit, so etwas zu zeichnen. Random, hast du versucht, ihn durch diesen Trumpf zu erreichen?�</p><p>�Ja, sehr oft, seit die Karte in unserem Besitz ist. Zuletzt erst vor wenigen Minuten. Keine Reaktion.�</p><p>�Nat�rlich ist damit nichts bewiesen. Wenn die Ereignisse so abgelaufen sind, wie du vermutest, und er den Anschlag �berlebt hat, ist er jetzt vielleicht entschlossen, alle k�nftigen Kontaktversuche abzublocken. Wie das geht, wei� er.�</p><p>�Sind denn die Ereignisse so gewesen, wie ich vermute? Wei�t du mehr dar�ber?�</p><p>�Ich habe da so eine Ahnung�, sagte Benedict. �Wei�t du, er ist vor einigen Jahren verwundet bei einem Freund in den Schatten aufgetaucht. Es handelte sich um eine Wunde, die auf einen Messerstich zur�ckzuf�hren war. Mir wurde berichtet, er sei in ziemlich schlechtem Zustand gewesen und habe nicht im einzelnen berichtet, woher er die Wunde hatte. Er blieb ein paar Tage lang, bis er wieder mobil war, und verschwand, bevor er sich richtig erholt hatte. Das war das letzte, was die Freunde von ihm geh�rt haben. Und ich auch.�</p><p>�Warst du denn nicht neugierig?� fragte Random. �Hast du nicht nach ihm gesucht?�</p><p>�Nat�rlich war ich neugierig. Das bin ich auch immer noch. Aber ein Mann hat das Recht, sein eigenes Leben zu leben, ohne da� sich Verwandte einmischen, so gut ihre Absichten auch sein m�gen. Er hatte die Krise �berwunden und machte nicht den Versuch, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Anscheinend wu�te er, was er wollte. Er lie� mir durch die Tecys ausrichten, ich solle mir keine Sorgen machen, wenn ich von dem Ereignis h�rte, er wisse schon, was er tue.�</p><p>�Die Tecys?� fragte ich.</p><p>�Richtig. Das sind Freunde von mir in den Schatten.�</p><p>Ich verschluckte die Worte, die mir in den Sinn kamen. Ich hatte diese Familie f�r einen Teil von Daras Geschichte gehalten, in der sie die Wahrheit in anderer Hinsicht oft genug v�llig verdreht hatte. Sie hatte zu mir von den Tecys gesprochen, als w�ren sie ihr bekannt, als h�tte sie bei ihnen gewohnt � mit Benedicts Wissen. Es schien mir jedoch nicht der richtige Augenblick zu sein, ihm von meiner Vision tags zuvor in Tir-na Nog�th zu erz�hlen und von den Dingen, die dabei �ber seine Beziehung zu dem M�dchen angedeutet worden waren. Ich hatte noch nicht die Zeit gehabt, mich mit dieser Frage und den sich daraus ergebenden Folgerungen auseinanderzusetzen.</p><p>Random stand auf, wanderte hin und her, blieb in der N�he des Abgrunds stehen. Er hatte sich abgewandt, seine H�nde waren auf dem R�cken krampfartig verschr�nkt. Nach kurzem Z�gern drehte er sich um und kehrte zur�ck.</p><p>�Wie k�nnen wir uns mit den Tecys in Verbindung setzen?� fragte er Benedict.</p><p>��berhaupt nicht�, erwiderte dieser. �Es sei denn, du besuchst sie.�</p><p>Random wandte sich an mich.</p><p>�Corwin, ich brauche ein Pferd. Du sagst, Star h�tte schon einige H�llenritte hinter sich . . .�</p><p>�Er hat einen anstrengenden Vormittag gehabt . . .�</p><p>�Na, so anstrengend nun auch wieder nicht. Das meiste war doch Angst. Er scheint sich wieder beruhigt zu haben. Leihst du ihn mir?�</p><p>Ehe ich antworten konnte, drehte er sich zu Benedict um.</p><p>�Du f�hrst mich doch hin, ja?�</p><p>Benedict z�gerte. �Ich wei� nicht, was es da noch mehr zu erfahren g�be . . .�, meinte er.</p><p>�Mir ist alles wichtig! Alles, woran sie sich erinnern � vielleicht an etwas, das sie damals nicht f�r wichtig hielten, das im Rahmen unseres heutigen Wissens aber sehr wichtig ist.�</p><p>Benedict sah mich an. Ich nickte.</p><p>�Er kann Star nehmen, wenn du bereit bist, ihn zu f�hren.�</p><p>�Na sch�n�, sagte Benedict und stand auf. �Ich hole mein Reittier.�</p><p>Er drehte sich um und n�herte sich einem gro�en Schecken, der hinter uns angebunden war.</p><p>�Vielen Dank, Corwin�, sagte Random.</p><p>�Du kannst mir deinerseits einen Gefallen erweisen.�</p><p>�Welchen?�</p><p>�Leih mir Martins Trumpf.�</p><p>�Wozu denn?�</p><p>�Mir ist da eben ein Gedanke gekommen � zu kompliziert, um ihn jetzt zu erkl�ren; du willst ja gleich aufbrechen. Schaden kann er jedenfalls nicht.� Er bi� sich auf die Unterlippe.</p><p>�Na sch�n. Wenn du damit fertig bist, will ich ihn aber zur�ck.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Hilft uns das bei der Suche nach ihm?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Er reichte mir die Karte.</p><p>�Kehrst du jetzt in den Palast zur�ck?� wollte er wissen.</p><p>�Ja.�</p><p>�Kannst du dann Vialle sagen, was geschehen ist und wohin ich geritten bin? Sie macht sich sonst Sorgen.�</p><p>�Klar.�</p><p>�Ich passe gut auf Star auf.�</p><p>�Das wei� ich. Viel Gl�ck.�</p><p>�Danke.�</p><empty-line/><p>Ich ritt auf Feuerdrache. Ganelon ging neben mir zu Fu�; er hatte darauf bestanden. Wir folgten dem Weg, auf dem ich am Tage der Schlacht Dara in die Stadt verfolgt hatte. Abgesehen von den k�rzlichen Entwicklungen war es vermutlich dieser Umstand, der mich erneut an sie denken lie�. Ich entstaubte meine Gef�hle, betrachtete sie gr�ndlich und erkannte, da� mich mehr als reine Neugier zu ihr hinzog � trotz der Spielchen, die sie mit mir getrieben hatte, trotz der Morde, an denen sie zweifellos beteiligt war, trotz ihrer klar ausgesprochenen Pl�ne mit unserer Welt. Im Grunde �berraschten mich diese Empfindungen nicht. Als ich das letztemal in der Kaserne meiner Emotionen �berraschungsvisite hielt, hatten die Dinge schon �hnlich gestanden. Nun stellte ich mir die Frage, wie wahrheitsgem�� denn meine Vision der letzten Nacht gewesen sein mochte, in der ihre m�gliche Abkunft von Benedict behauptet worden war. Es gab tats�chlich eine gewisse �u�erliche �hnlichkeit, und ich war mehr als halb �berzeugt, da� da eine Verbindung bestand. In der Gespensterstadt hatte Benedict dem auch gewisserma�en zugestimmt, den seltsamen neuen Arm erhebend, um sie zu verteidigen . . .</p><p>�Was findest du denn so komisch?� fragte Ganelon links neben mir.</p><p>�Der Arm�, sagte ich, �der mir in Tir-na Nog�th zugeflogen ist � ich habe mir Gedanken gemacht �ber eine verborgene Bedeutung, eine ungeahnte Schicksalskraft dieses Gebildes, das immerhin aus einer Welt des R�tsels und der Tr�umerei zu uns gekommen ist. Dabei hat es nicht einmal diesen Tag �berstanden. Als Iago vom Muster vernichtet wurde, blieb nichts zur�ck. Die Visionen des ganzen Abends sind im Nichts versunken.�</p><p>Ganelon r�usperte sich.</p><p>�Nun, ganz so, wie du offenbar annimmst, war es doch nicht�, sagte er.</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Der Metallarm befand sich nicht in Iagos Satteltasche. Random hat ihn bei dir verstaut. Dort waren vorher die Rationen; nachdem wir gegessen hatten, tat er die Utensilien in seine eigene Tasche, nicht aber den Arm. Dazu reichte der Platz nicht.�</p><p>�Oh�, sagte ich. �Dann ist also . . .�</p><p>Ganelon nickte.</p><p>�. . . Er hat das Ding jetzt bei sich�, schlo� er.</p><p>�Den Arm und Benedict. Verdammt! Dem Ding kann ich wirklich keine Liebe entgegenbringen. Es wollte mich t�ten. Bis jetzt ist in Tir-na Nog�th noch niemand angegriffen worden.�</p><p>�Aber Benedict, Benedict ist doch in Ordnung. Er steht auf unserer Seite, auch wenn ihr im Augenblick leichte Differenzen habt, stimmt�s?�</p><p>Ich antwortete nicht.</p><p>Er hob die Hand, packte Feuerdrache am Z�gel und lie� ihn anhalten. Dann starrte er zu mir empor.</p><p>�Corwin, was war da oben eigentlich los? Was hast du erfahren?�</p><p>Ich z�gerte. Ja, was hatte ich in der Stadt am Himmel erfahren? Niemand wu�te, was eigentlich hinter den Visionen von Tir-na Nog�th steckte. Durchaus m�glich, da� dieser Ort, wie wir manchmal vermuteten, den Zweck hatte, den unausgesprochenen W�nschen und �ngsten des einzelnen Gestalt zu verleihen und sie vielleicht mit unterbewu�ten Mutma�ungen zu vermengen. Schlu�folgerungen und einigerma�en gr�ndlich durchdachte Vermutungen zu �u�ern, das ging noch an. Verdachtsmomente aber, die aus dem Unbekannten erwuchsen, sollte man lieber f�r sich behalten. Allerdings war der Arm denkbar solide . . .</p><p>�Ich habe dir doch schon erz�hlt�, sagte ich, �da� ich den Arm einem Gespenst Benedicts abgenommen habe. Du kannst dir denken, da� wir miteinander gek�mpft haben.�</p><p>�Siehst du das als Omen, da� du und Benedict irgendwann in Konflikt geratet?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Dir wurde doch ein Grund daf�r gezeigt, oder?�</p><p>�Na sch�n�, sagte ich und seufzte, ohne da� ich es gewollt h�tte. �Ja. Es kam der Hinweis, da� Dara tats�chlich mit Benedict verwandt ist � was ja durchaus stimmen kann. Und wenn es stimmt, w�re es auch denkbar, da� er es gar nicht wei�. Deshalb halten wir in dieser Sache den Mund, bis wir eine Best�tigung haben � so oder so. Verstanden?�</p><p>�Nat�rlich. Aber wie w�re so etwas m�glich?�</p><p>�Na, wie sie gesagt hat.�</p><p>�Urenkelin?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Durch wen?�</p><p>�Das H�llenm�dchen, das wir nur vom H�rensagen kennen � Lintra, die Dame, die ihn den Arm gekostet hat.�</p><p>�Aber der Kampf hat doch erst k�rzlich stattgefunden!�</p><p>�In den verschiedenen Reichen der Schatten str�mt die Zeit unterschiedlich schnell dahin, Ganelon. In den ferneren Zonen . . . Unm�glich w�re es nicht.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und lie� die Z�gel los.</p><p>�Corwin, ich bin der Meinung, Benedict sollte informiert werden�, fuhr er fort. �Wenn es stimmt, solltest du ihm eine Chance geben, sich darauf vorzubereiten, anstatt ihn die Wahrheit �berraschend entdecken zu lassen. Eure Familie ist manchmal derma�en unfruchtbar, da� Vaterschaft euch offenbar mehr zu schaffen macht als anderen. Sieh dir Random an. Jahrelang hat er sich nicht um seinen Sohn gek�mmert, und jetzt . . . Ich habe so ein Gef�hl, als w�rde er sein Leben f�r ihn riskieren.�</p><p>�Ich auch�, sagte ich. �Jetzt vergi� aber mal die erste H�lfte deines Satzes und denk dir die zweite noch einen Schritt weiter - bei Benedict.�</p><p>�Meinst du, er w�rde sich auf Daras Seite gegen Amber stellen?�</p><p>�Ich vermeide es lieber, ihn vor diese Alternative zu stellen, indem ich ihn gar nicht erst wissen lasse, da� es sie gibt � <emphasis>wenn</emphasis> es sie gibt.�</p><p>�Damit tust du ihm meiner Meinung nach keinen Gefallen. Er ist doch wohl kaum ein emotionaler Kr�ppel. Melde dich bei ihm durch den Trumpf und teile ihm deinen Verdacht mit. Auf diese Weise kann er wenigstens dar�ber nachdenken und w�re bei einer pl�tzlichen Konfrontation nicht unvorbereitet.�</p><p>�Er w�rde mir doch nicht glauben. Du hast selbst gesehen, wie er sich anstellt, wenn ich Dara nur erw�hne.�</p><p>�Das allein mag schon bedeutsam sein. M�glicherweise ahnt er, was geschehen ist, und weist es so vehement von sich, weil er die Dinge lieber anders h�tte.�</p><p>�Im Augenblick w�rde ich damit nur einen Ri� erweitern, den ich gerade �bert�nchen will.�</p><p>�Dein Schweigen kann sp�ter aber zu einem v�lligen Bruch f�hren, sobald er die Wahrheit herausfindet.�</p><p>�Nein. Ich glaube, ich kenne meinen Bruder besser als du.�</p><p>Er lie� die Z�gel los.</p><p>�Na sch�n�, sagte er. �Ich hoffe, da� du recht hast.�</p><p>Ich antwortete nicht, sondern gab Feuerdrache von neuem die Sporen. Zwischen uns bestand das unausgesprochene Einverst�ndnis, da� Ganelon mich alles fragen konnte, was er wollte; ebenso selbstverst�ndlich war es, da� ich mir die Ratschl�ge anh�rte, die er zu geben hatte. Dies lag zum Teil daran, da� seine Stellung wohl einzigartig war. Wir beide waren nicht miteinander verwandt. Er war kein Amberianer. In die Machtk�mpfe und Probleme Ambers war er durch eigene Entscheidung verwickelt. Vor langer Zeit waren wir Freunde und dann Feinde gewesen, und seit kurzem wieder Freunde und Verb�ndete in seiner Wahlheimat. Als diese Angelegenheit gekl�rt war, hatte er mich gebeten, mich begleiten zu d�rfen; er wolle mir in meinen und den Angelegenheiten Ambers helfen. Meiner Auffassung nach schuldete er mir nichts, und dasselbe galt umgekehrt � wenn man solche Dinge �berhaupt derma�en aufrechnen will. So kettete uns allein die Freundschaft aneinander � eine kr�ftigere Bindung als alle Schulden und Ehrenerkl�rungen: mit anderen Worten, eine Basis, die ihm das Recht gab, mir in solchen Dingen auch einmal auf die Nerven zu gehen, in Dingen, da ich, nachdem meine Meinung feststand, vielleicht sogar Random zum Teufel geschickt h�tte. Ich machte mir klar, da� ich mich eigentlich nicht aufregen durfte, solange er seine Bemerkungen in gutem Glauben machte. Wahrscheinlich handelte es sich um ein altes milit�risches Gef�hl, das mit unserer ersten Zusammenarbeit wie auch mit dem augenblicklichen Stand der Dinge zusammenhing: Ich mag es nicht, wenn man meine Entscheidungen und Befehle in Zweifel zieht. Noch mehr, so schlo� ich, �rgerte mich wahrscheinlich die Tatsache, da� er in letzter Zeit etliche vern�nftige Mutma�ungen angestellt und darauf logische Vorschl�ge aufgebaut hatte � Dinge, von denen ich meinte, da� ich darauf h�tte selbst sto�en m�ssen. Niemand gesteht gern eine Ablehnung ein, die auf solchen Dingen beruht. Trotzdem . . . war das wirklich alles? Eine einfache Projektion der Unzufriedenheit wegen einigen Momenten pers�nlicher Unzul�nglichkeit? Ein alter soldatischer Reflex hinsichtlich der Heiligkeit meiner Entscheidungen? Oder plagte mich etwas, das viel tiefer sa� und das jetzt erst an die Oberfl�che dr�ngte?</p><p>�Corwin�, sagte Ganelon, �ich habe nachgedacht . . .�</p><p>Ich seufzte.</p><p>�Ja.�</p><p>�. . . �ber Randoms Sohn. So wie eure Familie gesundet, w�rde ich es f�r m�glich halten, da� er den Anschlag �berlebt hat und sich irgendwo aufh�lt.�</p><p>�Das m�chte ich auch gern glauben.�</p><p>�Sei nicht zu voreilig.�</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>�Soweit ich mitbekommen habe, hatte er keinen gro�en Kontakt zu Amber und zum Rest der Familie; schlie�lich ist er in Rebma ziemlich f�r sich aufgewachsen.�</p><p>�Ja, so hat man es mir auch berichtet.�</p><p>�Ich m�chte sogar meinen, da� er au�er mit Benedict � und Llewella aus Rebma � anscheinend nur mit einer anderen Person Kontakt hatte, der Person, die ihn zu erstechen versuchte � Bleys, Brand oder Fiona. Nun habe ich mir �berlegt, da� er vermutlich eine ziemlich verzerrte Einstellung zur Familie hat.�</p><p>�Verzerrt mag sein Bild von uns sein�, sagte ich, �aber doch nicht ohne Grund, wenn ich verstehe, worauf du hinauswillst.�</p><p>�Ich glaube schon, da� du mich verstehst. Immerhin denkbar, da� er nicht nur Angst vor der Familie hat, sondern sich vielleicht auch an euch allen r�chen will.�</p><p>�Denkbar w�r�s�, sagte ich.</p><p>�Glaubst du, er k�nnte sich mit dem Gegner zusammengetan haben?� Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nicht wenn er wei�, da� diese Wesen Handlanger der Gruppe sind, die ihn hat t�ten wollen.�</p><p>�Aber sind sie das wirklich? Ich mache mir so meine Gedanken . . . Du sagst, Brand h�tte Angst bekommen und wollte raus aus dem Arrangement, das mit der Bande von der schwarzen Stra�e bestand. Wenn diese Wesen so m�chtig sind, mu� ich mich fragen, ob Fiona und Bleys nicht vielleicht <emphasis>deren</emphasis> Werkzeuge geworden sind. Wenn das so w�re, k�nnte ich mir vorstellen, da� Martin auf etwas aus ist, das ihm Macht �ber sie verleiht.�</p><p>�Das ist zu raffiniert gedacht�, stellte ich fest.</p><p>�Der Gegner scheint sehr viel �ber dich zu wissen.�</p><p>�Gewi�, aber er hatte auch eine Gruppe von Verr�tern an der Hand, die ihm Informationen zugespielt hat.�</p><p>�K�nnen diese Leute all das verraten haben, was Dara deinen Worten nach wu�te?�</p><p>�Eine gute Frage�, sagte ich. �Aber auf eine Antwort kann ich mich nicht festlegen.� Dabei war die Sache mit den Tecys ganz klar; trotzdem beschlo� ich, die Information zun�chst zu verschweigen, um festzustellen, worauf er hinauswollte; es hatte keinen Sinn, das Gespr�ch jetzt in eine neue Richtung zu lenken. Also sagte ich: �Martin war doch wohl kaum in der Lage, dem Gegner viel �ber Amber zu verraten.�</p><p>Ganelon schwieg einen Augenblick lang und fragte: �Hattest du Gelegenheit, dich um die Frage zu k�mmern, die ich dir neulich abend vor deinem Grabmal gestellt habe?� fragte er schlie�lich.</p><p>�Welche Frage?�</p><p>�Ob man die Tr�mpfe abhorchen kann�, sagte er. �Nachdem wir nun wissen, da� Martin ein Spiel hatte . . .�</p><p>Nun lag es an mir, den Mund zu halten, w�hrend eine kleine Familie von Erlebnismomenten meinen Pfad kreuzte, im G�nsemarsch, von links kommend, mir die Zunge herausstreckend.</p><p>�Nein�, sagte ich dann. �Darum habe ich mich noch nicht k�mmern k�nnen.�</p><p>Wir legten eine ziemlich weite Strecke zur�ck, ehe er sagte: �Corwin, die Nacht, in der du Brand zur�ckholtest . . .�</p><p>�Ja?�</p><p>�Du hast gesagt, du h�ttest dich um jeden einzelnen gek�mmert bei dem Versuch, festzustellen, wer dich erdolchen wollte, und da� eigentlich keines deiner Geschwister die Tat in der zur Verf�gung stehenden Zeit h�tte bewerkstelligen k�nnen.�</p><p>�Oh�, sagte ich. �Oh.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Jetzt mu�t du einen weiteren Verwandten in deine �berlegungen einbeziehen. Vielleicht fehlt ihm die Finesse der Familie nur, weil er noch jung und unerfahren ist.�</p><p>Vor meinem inneren Auge sa� ich und winkte der stummen Parade von Momenten zu, die zwischen Amber und sp�ter hindurchmarschierte.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Als ich geklopft hatte, fragte sie, wer da sei, und ich gab ihr Antwort.</p><p>�Einen Augenblick.�</p><p>Ich h�rte ihre Schritte, und dann ging die T�r auf. Vialle ist kaum gr��er als f�nf Fu� und sehr schlank. Br�nett, schmalgesichtig, eine sehr leise Stimme. Sie trug Rot. Ihre blicklosen Augen schauten durch mich hindurch, erinnerten mich an die D�sternis der Vergangenheit, an Schmerz.</p><p>�Random�, sagte ich, �hat mich gebeten, Euch zu sagen, da� er noch aufgehalten wurde, da� Ihr Euch aber keine Sorgen machen sollt.�</p><p>�Bitte kommt herein�, sagte sie, trat zur Seite und machte dabei die T�r ganz auf.</p><p>Ich kam ihrer Aufforderung nach. Ich wollte eigentlich nicht eintreten, doch ich tat es. Ich hatte Randoms Bitte nicht w�rtlich nehmen wollen � ihr zu erz�hlen, was geschehen und wohin er geritten war. Im Grunde wollte ich ihr nur mitteilen, was ich eben gesagt hatte � nicht mehr. Erst als wir unserer separaten Wege gegangen waren, wurde mir klar, was Randoms Ersuchen eigentlich umfa�te: Er hatte mich um nichts weiter gebeten, als seine Frau aufzusuchen, mit der ich bisher kaum ein halbes Dutzend Worte gewechselt hatte, und ihr zu sagen, da� er losgeritten sei, um nach seinem illegetimen Sohn zu suchen, dem Kind, dessen Mutter Morganthe Selbstmord begangen hatte, wof�r Random bestraft worden war, indem er Vialle heiraten mu�te. Die Tatsache, da� diese Ehe sehr harmonisch war, verbl�ffte mich noch immer. Ich hatte nicht den Wunsch, der �berbringer unangenehmer Nachrichten zu sein; als ich in das Zimmer trat, versuchte ich einen Ausweg zu finden.</p><p>Ich kam an einer B�ste Randoms vorbei, die links an der Wand auf einem hohen Regal stand. Ich war schon daran vorbei, ehe mir auffiel, da� hier mein Bruder dargestellt war. Auf der anderen Seite des Zimmers entdeckte ich Vialles Arbeitstisch. Ich drehte mich um und betrachtete die B�ste.</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� Ihr Skulpturen macht�, sagte ich.</p><p>�Ja.�</p><p>Ich sah mich in der Wohnung um und entdeckte dabei andere Arbeiten, die von ihr sein mu�ten.</p><p>�Recht gut�, sagte ich.</p><p>�Vielen Dank. M�chtet Ihr Euch nicht setzen?�</p><p>Ich lie� mich in einen gro�en Stuhl mit hohen Armlehnen sinken, der bequemer war, als er aussah. Sie nahm auf einem niedrigen Diwan zu meiner Rechten Platz und zog die Beine hoch.</p><p>�Kann ich Euch etwas zu essen oder zu trinken anbieten?�</p><p>�Nein danke. Ich kann nicht lange bleiben. Die Sache ist die: Random, Ganelon und ich sind auf dem-R�ckweg ein bi�chen vom Wege abgekommen, anschlie�end haben wir uns noch eine Zeitlang mit Benedict besprochen. Daraus hat sich ergeben, da� Random und Benedict eine weitere kurze Reise machen mu�ten.�</p><p>�Wie lange wird er fort sein?�</p><p>�Wahrscheinlich nur �ber Nacht. Vielleicht ein bi�chen l�nger. Sollte es erheblich l�nger werden, wird er sich wahrscheinlich �ber irgendeinen Trumpf melden, und dann geben wir Euch Bescheid.�</p><p>Meine Wunde begann zu schmerzen, und ich legte die Hand darauf und massierte vorsichtig die Stelle.</p><p>�Random hat mir viel von Euch erz�hlt�, sagte sie.</p><p>Ich lachte leise.</p><p>�Seid Ihr sicher, da� Ihr nicht doch etwas essen m�chtet? Es macht keine Schwierigkeiten . . .�</p><p>�Hat er Euch etwa gesagt, da� ich immer Hunger habe?�</p><p>Sie lachte.</p><p>�Nein. Aber wenn Ihr wirklich so aktiv gewesen seid, wie Ihr eben angedeutet habt, ist Euch sicher nicht viel Zeit zum Essen geblieben.�</p><p>�Na, das stimmt nicht ganz. Aber gut. Wenn Ihr noch irgendwo ein St�ck Brot herumliegen habt, w�rd� ich schon gern daran herumknabbern.�</p><p>�Gut. Einen Augenblick.�</p><p>Sie stand auf und verschwand im Nachbarzimmer. Ich ergriff die Gelegenheit, mir energisch die Wunde zu kratzen, die pl�tzlich unangenehm zu jucken begann. Erst danach fiel mir auf, da� sie ja gar nicht h�tte sehen k�nnen, wie ich meine H�fte bearbeitete. Ihre sicheren Bewegungen, ihr selbstbewu�tes Benehmen hatten mich vergessen lassen, da� sie blind war. Es freute mich, da� sie so gut damit fertigwurde.</p><p>Ich h�rte sie ein Lied singen: �Die Ballade der Wassergeher�, das Lied von Ambers gro�er Handelsflotte. Amber ist nicht wegen seiner Industrie bekannt, und Landwirtschaft ist auch nicht unsere St�rke. Doch unsere Schiffe segeln durch die Schatten, zwischen irgendwo und �berall, und nehmen jede Ladung. So ziemlich jeder m�nnliche Amberianer, von hohem Blute oder auch nicht, verbringt eine gewisse Zeit in der Flotte. Die vom Blute haben die Handelsrouten vor langer Zeit festgelegt, auf da� andere Schiffe ihnen folgen konnten; im Kopf jedes Kapit�ns befinden sich die Meere von etwa zwei Dutzend Welten. Ich hatte fr�her bei dieser Arbeit mitgeholfen, und obwohl ich mich nie so sehr damit besch�ftigt hatte wie G�rard oder Caine, hatten mich die Kr�fte der Tiefe und der Geist der M�nner, die sie �berquerten, sehr beeindruckt.</p><p>Nach einer Weile kehrte Vialle zur�ck. Sie brachte ein Tablett mit Brot, Fleisch, K�se, Fr�chten und einer Flasche Wein und stellte es auf einen Tisch in meiner N�he.</p><p>�Wollt Ihr ein ganzes Regiment abf�ttern?� fragte ich.</p><p>�Ich gehe lieber sicher.�</p><p>�Vielen Dank. Wollt Ihr nicht mitessen?�</p><p>�Vielleicht etwas Obst�, erwiderte sie.</p><p>Ihre Finger suchten einen Augenblick lang herum, fanden einen Apfel. Sie kehrte zum Diwan zur�ck.</p><p>�Random hat mir gesagt, Ihr h�ttet dieses Lied geschrieben�, sagte sie.</p><p>�Das ist jetzt schon lange her, Vialle.�</p><p>�Habt Ihr in letzter Zeit noch komponiert?�</p><p>Ich wollte den Kopf sch�tteln, fa�te mich aber rechtzeitig und sagte: �Nein. Dieser Teil von mir . . . schlummert.�</p><p>�Schade. Das Lied ist sch�n.�</p><p>�Random ist der eigentliche Musiker in der Familie.�</p><p>�Ja, er ist sehr gut. Aber Musizieren und Komponieren sind etwas v�llig anderes.�</p><p>�Gewi�. Wenn sich die Dinge etwas beruhigt haben, werde ich vielleicht . . . Sagt, seid Ihr gl�cklich hier in Amber? Ist alles so, wie Ihr es Euch w�nscht? Braucht Ihr irgend etwas?�</p><p>Sie l�chelte.</p><p>�Ich brauche nur Random. Er ist ein guter Mann.�</p><p>Es bewegte mich seltsam, so von ihm sprechen zu h�ren.</p><p>�Dann freue ich mich f�r Euch�, erwiderte ich. �Er ist j�nger und kleiner als wir �brigen . . . vielleicht hat er es etwas schwerer gehabt als die anderen in unserer Familie. Es gibt nichts Nutzloseres als einen weiteren Prinzen, wenn bereits eine ganze Horde davon herumtobt. Ich war in dieser Beziehung ebenso gemein wie die anderen. Bleys und ich haben ihn einmal zwei Tage lang auf einer Insel s�dlich von hier ausgesetzt . . .�</p><p>�. . . und G�rard zog los und befreite ihn, als er davon h�rte�, fiel sie ein. �Ja, er hat mir davon erz�hlt. Es mu� Euch aber zu schaffen machen, wenn Ihr nach so langer Zeit noch daran denkt.�</p><p>�Auf ihn scheint der Vorfall aber auch Eindruck gemacht zu haben.�</p><p>�Nein, er hat Euch schon vor langer Zeit verziehen. Mir hat er die Sache als Witz erz�hlt. Au�erdem hat er Euch sp�ter einen Dorn durch den Stiefelabsatz gebohrt; das Ding stach Euch in den Fu�.�</p><p>�Random war das also! Da soll doch . . .! Ich hatte immer Julian in Verdacht.�</p><p>�Die Sache macht Random zu schaffen.�</p><p>�Wie lange das jetzt alles her ist . . .� Ich sch�ttelte den Kopf und a� weiter. Mehrere Minuten lang herrschte Schweigen, dann sagte ich: �So ist�s besser. Viel besser. Ich habe eine seltsame und anstrengende Nacht in der Himmelsstadt hinter mir.�</p><p>�Habt Ihr n�tzliche Omen erfahren?�</p><p>�Ich wei� nicht, als wie n�tzlich sie sich erweisen werden. Andererseits bin ich wohl froh, sie gesehen zu haben. Ist hier irgend etwas Interessantes passiert?�</p><p>�Ein Dienstbote hat mir gesagt, Euer Bruder Brand habe sich weiter gut erholt. Er hat heute fr�h mit Appetit gegessen, was immer ein ermutigendes Zeichen ist.�</p><p>�Das ist wahr�, sagte ich. �Es sieht aus, als w�re er au�er Gefahr.�</p><p>�Anzunehmen. Es � es ist wirklich schrecklich, was Ihr alle habt durchmachen m�ssen. Es tut mir leid. Ich hatte gehofft, Ihr h�ttet in Tir-na Nog�th Hinweise auf eine positive Wende Eurer Angelegenheiten gefunden.�</p><p>�Ist nicht weiter wichtig�, sagte ich. �Ich bin mir nicht mal sicher, welchen Wert die Sache �berhaupt hat.�</p><p>�Warum aber . . . Oh!�</p><p>Ich betrachtete sie mit neu erwachtem Interesse. Auf ihrem Gesicht zeigte sich noch immer keine Regung, doch ihre rechte Hand ruckte vor und zupfte an dem Stoff des Diwans.</p><p>Pl�tzlich hielt sie die Finger still, als sei ihr bewu�t geworden, wie vielsagend die Bewegung sein konnte. Sie war offensichtlich eine Frau, die bereits eine Antwort auf ihre Frage gefunden hatte und sich jetzt w�nschte, sie h�tte sie lieber gar nicht gestellt.</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ich habe Zeit zu gewinnen versucht. Ihr wi�t nat�rlich von meiner Wunde.�</p><p>Sie nickte.</p><p>�Ich nehme es Random nicht �bel, da� er Euch davon erz�hlt hat�, sagte ich. �Auf sein Urteil konnte man sich schon immer verlassen. Ich sehe keinen Grund, warum sich das jetzt �ndern sollte. Dennoch mu� ich mich erkundigen, wieviel er Euch verraten hat � zu Eurer eigenen Sicherheit und damit ich weiter ruhig schlafen kann. Denn es gibt Dinge, die ich vermute, von denen ich aber noch nicht gesprochen habe.�</p><p>�Ich verstehe das durchaus. Es ist schwierig, etwas Negatives zu beurteilen � die Dinge, die er vielleicht ausgelassen hat, meine ich �, aber er erz�hlt mir das meiste. Ich kenne Eure Geschichte und die der anderen in den wesentlichen Z�gen. Er h�lt mich auf dem laufenden �ber Ereignisse, Verd�chtigungen, Vermutungen, Schlu�folgerungen.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich und trank einen Schluck Wein. �Das erleichtert mir das Sprechen doch sehr. Ich werde Euch alles erz�hlen, was seit dem Fr�hst�ck geschehen ist . . .�</p><p>Und das tat ich.</p><p>W�hrend ich sprach, l�chelte sie von Zeit zu Zeit, ohne mich zu unterbrechen. Als ich fertig war, fragte sie: �Ihr dachtet, es w�rde mich aufregen, von Martin zu sprechen?�</p><p>�M�glich erschien es mir�, antwortete ich.</p><p>�Nein�, sagte sie. �Wi�t Ihr, ich kannte Martin aus Rebma, als er noch ein kleiner Junge war. W�hrend er aufwuchs, lebte ich dort. Ich mochte ihn. Selbst wenn er nicht Randoms Sohn w�re, w�rde er mir noch heute etwas bedeuten. Ich kann mich �ber Randoms Sorge nur freuen und hoffe, da� sie ihn noch rechtzeitig �berkommen hat, um beiden zu n�tzen.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Mit Menschen wie Euch habe ich nicht oft zu tun�, sagte ich. �Es freut mich, da� ich endlich einmal mit Euch sprechen konnte.�</p><p>Sie lachte. �Ihr habt auch lange ohne Augen leben m�ssen�, sagte sie.</p><p>�Ja.�</p><p>�Das kann einen Menschen verbittern � oder ihm eine gr��ere Freude an den Dingen schenken, die ihm noch geblieben sind.�</p><p>Ich brauchte gar nicht erst an meine Gef�hle aus den Tagen der Blindheit zur�ckzudenken, um zu wissen, da� ich zur ersten Kategorie geh�rte, selbst wenn man die Umst�nde ber�cksichtigte, unter denen ich meine Blindheit erdulden mu�te. Es tut mir leid, aber so bin ich nun mal.</p><p>�Wie wahr�, sagte ich. �Ihr seid ein gl�cklicher Mensch.�</p><p>�In Wirklichkeit ist es lediglich ein Gem�tszustand � etwas, das ein Herr der Schatten nat�rlich sofort versteht.�</p><p>Sie stand auf.</p><p>�Ich habe mich immer gefragt, wie Ihr wohl ausseht�, sagte sie. �Random hat Euch beschrieben, aber das ist etwas anderes. Darf ich?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Sie kam n�her und legte mir die Fingerspitzen auf das Gesicht. Vorsichtig ertastete sie meine Z�ge.</p><p>�Ja�, sagte sie schlie�lich, �Ihr seht etwa so aus, wie ich mir vorgestellt habe. Und ich sp�re eine Spannung in Euch. Die gibt es schon seit langer Zeit, nicht wahr?�</p><p>�In der einen oder anderen Form wohl schon seit meiner R�ckkehr nach Amber.�</p><p>�Ich m�chte wissen�, sagte sie, �ob Ihr nicht gl�cklicher wart, als ihr das Ged�chtnis noch nicht wiederhattet.�</p><p>�Das ist eine unm�gliche Frage�, sagte ich. �H�tte ich meine Erinnerungen nicht zur�ckgewonnen, w�re ich jetzt vielleicht tot. Aber davon einmal abgesehen � selbst damals gab es etwas, das mich antrieb, das mich t�glich beunruhigte. Ich suchte st�ndig nach Wegen, festzustellen, wer und was ich wirklich war.�</p><p>�Aber wart Ihr gl�cklicher oder weniger gl�cklich als jetzt?�</p><p>�Weder noch�, erwiderte ich. �Es gleicht sich alles aus. Wie Ihr schon sagtet, es ist ein Gem�tszustand. Und selbst wenn es nicht so w�re, k�nnte ich doch nie in das andere Leben zur�ckkehren, nachdem ich nun wei�, wer ich bin, nachdem ich Amber gefunden habe.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Warum stellt Ihr mir diese Fragen?�</p><p>�Ich m�chte Euch verstehen. Seitdem ich in Rebma zum erstenmal von Euch h�rte, noch bevor Random mir Geschichten �ber Euch erz�hlte, bewegte mich die Frage, was Euch im Nacken sa�. Jetzt habe ich die Gelegenheit � nat�rlich nicht das Recht, sondern nur die Gelegenheit �, meine Grenzen zu �berschreiten und Euch zu fragen, und ich finde, es lohnt sich.�</p><p>Ein leises Lachen brandete in mir empor.</p><p>�Gut ausgedr�ckt�, sagte ich. �Mal sehen, ob ich ehrlich sein kann. Zuerst befl�gelte mich der Ha� � Ha� auf meinen Bruder Eric � und mein Ehrgeiz auf den Thron. H�ttet Ihr mich bei meiner R�ckkehr gefragt, welches das st�rkere Gef�hl war, so h�tte ich geantwortet, es sei der Thron. Jetzt aber . . . jetzt m��te ich zugeben, da� die Verh�ltnisse in Wirklichkeit umgekehrt waren. Ich habe es<emphasis/> mir bis jetzt nie richtig �berlegt, aber es<emphasis/> stimmt. Eric ist allerdings tot, von meinen damaligen Gef�hlen ist nichts mehr �brig. Der Thron bleibt, doch heute mu� ich feststellen, da� meine Gef�hle in diesem Punkt gemischt sind. Es besteht die M�glichkeit, da� bei der augenblicklichen Sachlage keiner von uns einen Anspruch darauf hat, und selbst wenn alle Einw�nde seitens der Familie aufgehoben w�rden, w�re ich nicht bereit, den Thron zu besteigen. Zuerst m��te im Lande die Ruhe wiederhergestellt und eine Reihe von Fragen beantwortet sein.�</p><p>�Selbst wenn diese Dinge erg�ben, da� Ihr den Thron nicht besteigen d�rftet?�</p><p>�Selbst dann.�</p><p>�Langsam beginne ich zu verstehen.�</p><p>�Was? Was gibt es da zu verstehen?�</p><p>�Lord Corwin, mein Wissen �ber die philosophischen Grundlagen solcher Dinge ist beschr�nkt, doch habe ich mir eingebildet, da� Ihr in der Lage seid, im Bereich der Schatten alles zu erlangen, das Ihr Euch w�nscht. Dies hat mich seit l�ngerem beunruhigt; Randoms Erkl�rungen habe ich n�mlich nie ganz verstanden. Wenn Ihr wolltet, k�nnte da nicht jeder aus der Familie in die Schatten wandern und sich ein anderes Amber suchen � in jeder Hinsicht identisch mit diesem Amber, mit der einzigen Ausnahme, da� Ihr dort herrschtet oder jeden anderen Status inneh�ttet, der Euch am Herzen liegt?�</p><p>�Ja, solche Orte verm�gen wir zu finden�, sagte ich.</p><p>�Warum wird das dann nicht getan und all der Streit damit beendet?�</p><p>�Es liegt daran, da� ein solcher Ort gefunden werden k�nnte, der derselbe zu sein <emphasis>schiene</emphasis> �<emphasis/> aber das w�re auch alles. Wir alle sind ebenso gewi� ein Teil dieses Amber, wie es ein Teil von uns ist. Jeder Schatten Ambers m��te mit Schatten unserer selbst bev�lkert sein, damit die �bung �berhaupt einen Nutzen hat. Wir k�nnten sogar den Schatten unseres eigenen Ich aussparen, wollten wir pers�nlich in ein wartendes Reich umziehen. Die Leute des Schattens w�ren jedoch nicht genau wie die Menschen hier. Ein Schatten entspricht niemals dem Gegenstand, der ihn wirft. Und die kleinen Unterschiede summieren sich; im Grunde sind sie sogar schlimmer als die gro�en Differenzen. Im Gesamteffekt liefe es darauf hinaus, da� man ein Land voller Fremder betr�te. Der beste Vergleich, der mir in den Sinn kommt, ist die Begegnung mit einer Person, die gro�e �hnlichkeit mit einem anderen Menschen hat, den Ihr gut kennt. Immer wieder erwartet man, da� der Betreffende wie der Bekannte reagiert; und noch schlimmer, man neigt dazu, sich ihm gegen�ber so zu benehmen wie vor dem anderen. Man tritt ihm mit einer bestimmten Maske gegen�ber, und seine Reaktionen stimmen nicht. Ein unbehagliches Gef�hl. Ich habe nie Freude daran, mit Menschen zu sprechen, die mich an andere erinnern. Die Pers�nlichkeit ist das einzige Element, das wir in unserer Manipulation der Schatten nicht zu steuern verm�gen. Tats�chlich liegt hier sogar der Aspekt, durch den wir erkennen, ob einer von uns nur ein Schatten oder er selbst ist. Deshalb war Flora auf der Schatten-Erde so lange im Ungewissen: Meine Pers�nlichkeit hatte sich sehr ver�ndert.�</p><p>�Ich beginne zu verstehen�, sagte sie. �Euch geht es nicht nur um Amber, sondern um diesen Ort und alles andere.�</p><p>�Dieser Ort und alles andere . . . <emphasis>Das ist</emphasis> Amber.�</p><p>�Ihr sagt, Euer Ha� sei mit Eric gestorben, und Euer Streben nach dem Thron sei durch neue Kenntnisse abgek�hlt worden, die Ihr inzwischen erlangt habt.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Dann glaube ich zu verstehen, was Euch motiviert.�</p><p>�Mich treibt der Wunsch nach Stabilit�t�, sagte ich, �und eine Art Neugier � und Rachegef�hle gegen�ber unseren Feinden . . .�</p><p>�Die Pflicht�, sagte sie. �Nat�rlich.�</p><p>Ich schnaubte durch die Nase.</p><p>�Es w�re tr�stend, k�nnte man der Sache dieses M�ntelchen umh�ngen�, sagte ich. �Doch wie die Dinge nun mal liegen, m�chte ich nicht als Heuchler dastehen. Ich bin wahrlich kein pflichtbewu�ter Sohn Ambers oder Oberons.�</p><p>�Eure Stimme macht klar, da� Ihr nicht als solcher gelten wollt.�</p><p>Ich schlo� die Augen, schlo� sie, um zu ihr in die Dunkelheit zu treten, um mich vor�bergehend an die Welt zu erinnern, wo andere Eindr�cke als Lichtwellen den ersten Rang einnahmen. Ich wu�te, da� sie mit meiner Stimme recht hatte. Warum hatte ich das Wort Pflicht so energisch abgetan, kaum da� es ge�u�ert worden war? Ich m�chte gelobt werden, wenn ich tats�chlich anst�ndig, edel und mutig gewesen bin, und manchmal auch dann, wenn ich es nicht verdient habe � darin unterscheide ich mich nicht von meinen Mitmenschen. Was st�rte mich aber an dem Gedanken an eine Pflicht in Amber? Nichts. Was dann?</p><p>Vater.</p><p>Ich schuldete ihm nichts mehr, und schon gar kein Pflichtbewu�tsein. In letzter Konsequenz war er f�r den jetzigen Status Quo verantwortlich. Er hatte eine gro�e Nachkommenschaft in die Welt gesetzt, ohne eine konkrete Thronfolge festzulegen. Er hatte unsere diversen M�tter ziemlich unfreundlich behandelt und anschlie�end unsere Ergebenheit und Unterst�tzung erwartet. Er hatte einige seiner Kinder bevorzugt und m�glicherweise sogar gegeneinander ausgespielt. Schlie�lich geriet er in eine Sache, mit der er nicht fertig wurde, und hinterlie� das K�nigreich in schlimmem Zustand. Sigmund Freud hatte schon vor langer Zeit meinem normalen, allgemeinen Groll auf die Familie den Stachel genommen. In dieser Beziehung habe ich mit niemandem ein H�hnchen mehr zu rupfen. Tatsachen sind aber etwas anderes. Ich lehnte meinen Vater nicht nur deswegen ab, weil er mir keinen Grund gegeben hatte, ihn zu m�gen; eher kam es mir vor, als habe er auf das Gegenteil hingewirkt. Genug. Ich erkannte, was mir an der Pflicht mi�fiel: der, dem gegen�ber sie erf�llt wurde.</p><p>�Ihr habt recht�, sagte ich, �ffnete die Augen und sah sie an. �Ich bin froh, da� Ihr mir davon erz�hlt habt.� Ich stand auf. �Gebt mir die Hand�, sagte ich.</p><p>Sie streckte die rechte Hand aus, und ich hob sie an die Lippen. �Vielen Dank�, sagte ich. �Es war ein k�stliches Mahl.�</p><p>Ich drehte mich um und ging zur T�r. Als ich zur�ckblickte, sah ich, da� sie rot geworden war und l�chelte, die Hand noch immer ein St�ck erhoben. Da begann ich die Ver�nderung zu verstehen, die mit Random vor sich gegangen war. Sie war eine fabelhafte Frau.</p><p>�Viel Gl�ck f�r Euch�, sagte sie, als meine Schritte verstummten.</p><p>�. . . Und f�r Euch�, sagte ich und verlie� hastig das Zimmer.</p><empty-line/><p>Eigentlich hatte ich nun vorgehabt, Brand aufzusuchen, doch ich brachte es nicht �ber mich. Zum einen wollte ich nicht mit ihm zusammenkommen, solange mein Gehirn vor M�digkeit vernebelt war. Zum anderen war mein Gespr�ch mit Vialle das erste angenehme Ereignis seit langer Zeit gewesen, und zur Abwechslung wollte ich einmal aufh�ren, solange ich die Nase vorn hatte.</p><p>Ich erstieg die Treppe und ging durch den Korridor zu meinem Zimmer, wobei ich an die Nacht der Messer dachte, w�hrend ich den neuen Schl�ssel in das neue Schlo� steckte. In meiner Schlafkammer zog ich die Gardinen zu, sperrte das Licht des Nachmittags aus, zog mich aus und ging zu Bett. Wie es oft passiert, wenn man sich nach gro�er Anspannung ausruht und weitere M�hen vor sich wei�, konnte ich nicht sofort einschlafen. Lange Zeit warf ich mich auf dem Lager hin und her und durchlebte noch einmal die Ereignisse der letzten Tage und weiter zur�ckliegender Perioden. Als ich endlich einschlummerte, waren meine Tr�ume eine Mischung aus demselben Stoff, einschlie�lich einer kurzen Zeit in meiner alten Zelle, die ich damit verbrachte, an der T�r herumzukratzen.</p><p>Es war dunkel, als ich erwachte. Ich f�hlte mich tats�chlich erfrischt. Die Spannung hatte meinen K�rper verlassen, meine Gedanken str�mten viel gelassener. Tats�chlich zuckte sogar ein winziger Funke freudiger Erregung durch einen Winkel meines Gehirns. Es war ein Vorhaben, das ich unter der Schwelle des Bewu�tseins wu�te, ein vergrabener Plan, der . . .</p><p>Ja!</p><p>Ich setzte mich auf, griff nach meiner Kleidung, begann mich anzuziehen. Ich g�rtete Grayswandir um, faltete eine Decke zusammen und klemmte sie mir unter den Arm. Nat�rlich . . .</p><p>Meine Gedanken waren klar, und die Wunde hatte aufgeh�rt zu schmerzen. Ich wu�te nicht, wie lange ich geschlafen hatte, und hielt es auch nicht f�r erforderlich, die Zeit in Erfahrung zu bringen. Ich mu�te einer Sache nachgehen, die weitaus wichtiger war, etwas, das mir schon l�ngst h�tte einfallen m�ssen � und das mir sogar schon durch den Kopf gegangen war. Ich hatte einmal sogar direkt darauf gestarrt, doch der Ansturm der Zeit und der Ereignisse hatte das Detail aus meinem Gehirn vertrieben. Bis jetzt.</p><p>Ich verschlo� das Zimmer hinter mir und ging zur Treppe. Kerzen flackerten, und der verbla�te Hirsch, der seit Jahrhunderten auf dem Wandteppich zu meiner Rechten im Sterben lag, starrte auf die verbla�ten Hunde, die ihn ungef�hr ebenso lange verfolgt hatten. Manchmal gelten meine Sympathien dem Hirsch; doch meistens bin ich ganz Hund. Irgendwann mu� ich das Ding mal restaurieren lassen.</p><p>Die Treppe hinab. Kein Ger�usch von unten. Mu� also ziemlich sp�t sein. Gut. Ein neuer Tag, und wir sind immer noch am Leben. Vielleicht sogar ein bi�chen kl�ger. Klug genug, um zu erkennen, da� es noch viele Dinge gibt, die wir in Erfahrung bringen m�ssen. Und die Hoffnung, jawohl. Etwas, das mir fehlte, als ich in der verdammten Zelle hockte, die H�nde vor die zerst�rten Augen gepre�t, weinend. Vialle . . . Ich w�nschte, ich h�tte mich damals ein paar Minuten lang mit Euch unterhalten k�nnen. Doch ich mu�te durch eine harte Schule gehen, und selbst ein r�cksichtsvollerer Lehrplan h�tte mir wahrscheinlich niemals Eure Anmut verliehen. Trotzdem . . . man wei� nie. Ich hatte immer das Gef�hl, mehr Hund als Hirsch zu sein, mehr J�ger als Opfer. Ihr h�ttet mir vielleicht etwas beigebracht, das die Bitterkeit abgeschw�cht, den Ha� gem��igt h�tte. Aber w�re das wirklich besser gewesen? Der Ha� erstarb mit seinem Ziel, und auf �hnliche Weise ist die Bitterkeit vergangen � aber r�ckblickend mu� ich mich doch fragen, ob ich es ohne die Hilfe dieser Gef�hle geschafft h�tte. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich meine Gefangenschaft ohne diese h��lichen Begleiter �berstanden h�tte, die mich immer wieder ins Leben zur�ckholten und wieder zur Vernunft brachten. Heute kann ich mir den Luxus eines gelegentlichen Gedankens an den Hirsch leisten, aber damals h�tte so etwas t�dlich sein k�nnen. Ich wei� ehrlich keine Antwort darauf, freundliche Dame, und m�chte bezweifeln, ob ich sie jemals finde.</p><p>Stille auch im ersten Stockwerk. Einige Laute von unten. Schlaf gut, Dame. Herum und weiter nach unten. Ich fragte mich, ob Random Dinge von gro�er Wichtigkeit herausgefunden hatte. Wahrscheinlich nicht, sonst h�tten er oder Benedict sich l�ngst mit mir in Verbindung gesetzt. Es sei denn, es gab �rger. Aber nein. Es ist l�cherlich, sich die Sorgen aus den Ecken herzusuchen. Die Realit�t macht sich zu gegebener Zeit von allein bemerkbar, und ich hatte mehr als gen�gend andere Sorgen.</p><p>Erdgescho�.</p><p>�Will�, sagte ich, und: �Rolf.�</p><p>Die beiden W�chter hatten Haltung angenommen, als sie meine Schritte vernahmen. Ihre Gesichter verrieten mir, da� alles in Ordnung war; der guten Ordnung halber fragte ich trotzdem.</p><p>�Ruhig, Lord, ruhig ist es�, erwiderte der Dienst�ltere.</p><p>�Sehr gut�, sagte ich und setzte meinen Weg fort. Ich betrat und durchquerte den mit Marmor ausgekleideten Speisesaal.</p><p>Es w�rde klappen, davon war ich �berzeugt, wenn Zeit und Feuchtigkeit nicht s�mtliche Spuren getilgt hatten. Und dann . . .</p><p>Ich betrat den langen Korridor, der bedr�ngt wurde von staubigen W�nden. Dunkelheit, Schatten, meine Schritte . . .</p><p>Ich erreichte die T�r am anderen Ende, �ffnete sie, trat auf die Plattform hinaus. Dann von neuem in die Tiefe, die Wendeltreppe hinab, hier ein Licht, dort ein Licht, hinab in die H�hlen des Kolvir. Mir ging der Gedanke durch den Kopf, da� Random recht hatte: Wenn man den Berg bis hinab zur Ebene jenes fernen Bodens abtrug, bestand eine weitgehende �bereinstimmung zwischen dem, was �brig war, und der Umgebung des Ur-Musters, das wir heute fr�h besucht hatten.</p><p>. . . Weiter hinab. In engen Kehren durch die D�sternis. Die durch Fackeln und Laternen erhellte Wachstation wirkte wie ein B�hnenbild. Ich erreiche den Boden und n�herte mich dem Posten.</p><p>�Guten Abend, Lord Corwin�, sagte die ausgemergelt wirkende Gestalt, die an einem Lagerregal lehnte und mich angrinste, ohne die Pfeife aus dem Mund zu nehmen.</p><p>�Guten Abend, Roger. Wie stehen die Dinge in der Unterwelt?�</p><p>�Eine Ratte, eine Fledermaus, eine Spinne. Sonst r�hrt sich hier nicht viel. Friedlich ist es.�</p><p>�Gef�llt Euch diese Aufgabe?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Ich schreibe gerade eine philosophische Liebesgeschichte, durchdrungen von Elementen des Horrors und der Morbidit�t. An diesen Aspekten arbeite ich hier unten.�</p><p>�Das pa�t ja nun wirklich�, sagte ich. �Ich brauche eine Laterne.�</p><p>Er nahm eine aus dem Regal und z�ndete sie an seiner Kerze an.</p><p>�Wird Eure Geschichte ein gl�ckliches Ende haben?� wollte ich wissen.</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�Jedenfalls werde ich gl�cklich sein.�</p><p>�Ich meine, siegt das Gute, und geht der Held mit der weiblichen Hauptperson ins Bett? Oder la�t Ihr sie zum Schlu� beide umkommen?�</p><p>�Das w�re kaum fair.�</p><p>�Na, egal. Vielleicht darf ich die Geschichte eines Tages mal lesen.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Ich ergriff die Laterne, wandte mich ab und schritt in die Richtung, die ich seit langer Zeit nicht mehr eingeschlagen hatte. Ich stellte fest, da� ich die Echos noch immer auszumessen verstand.</p><p>Nach kurzer Zeit n�herte ich mich der Wand, machte den richtigen Korridor aus und betrat ihn. Nun ging es nur noch darum, die Schritte zu z�hlen. Meine F��e kannten den Weg.</p><p>Die T�r zu meiner alten Zelle stand halb offen. Ich stellte die Laterne ab und gebrauchte beide H�nde, um sie ganz zu �ffnen. Sie ruckte widerstrebend auf und stie� dabei ein �chzen aus. Dann hob ich die Laterne und trat ein.</p><p>Schauder �berliefen mich, und mein Magen zuckte krampfartig. Ich begann zu zittern. Ich mu�te gegen den starken Wunsch ank�mpfen, die Flucht zu ergreifen. Auf diese Reaktion war ich nicht gefa�t gewesen. Am liebsten h�tte ich mich gar nicht von der schweren, eisenbeschlagenen T�r entfernt, aus Angst, da� irgend jemand sie hinter mir zuschlagen und verriegeln k�nnte. Die kleine schmutzige Zelle l�ste in mir etwas aus, das nacktem Entsetzen sehr nahe kam. Ich zwang mich dazu, Einzelheiten zu betrachten � das Loch, das meine Toilette gewesen war, die geschw�rzte Stelle, wo ich am letzten Tag das Feuer entz�ndet hatte. Mit der linken Hand betastete ich das Innere der T�r und erkundete die Rillen, die ich in meiner Verzweiflung mit dem L�ffel geschabt hatte. Ich dachte daran, was diese Arbeit f�r meine H�nde bedeutet hatte. Ich b�ckte mich und betrachtete die Spuren. Nicht ann�hernd so tief, wie es mir damals vorgekommen war, nicht wenn man die Gesamtdicke der T�r bedachte. Ich erkannte, wie sehr ich meine schwachen Befreiungsbem�hungen damals �berbewertet hatte. Ich ging weiter und betrachtete die Mauer.</p><p>Undeutlich zu erkennen. Staub und Feuchtigkeit hatten sich bem�ht, die Zeichnung auszul�schen. Doch noch immer vermochte ich die Umrisse des Leuchtturms von Cabra auszumachen, umrahmt von vier Strichen meines alten L�ffelgriffs. Der Zauber war noch vorhanden, die Kraft, die mich schlie�lich in die Freiheit versetzt hatte. Ich sp�rte sie, ohne sie gerufen zu haben.</p><p>Ich machte kehrt und sah mir die gegen�berliegende Wand an.</p><p>Die Zeichnung, die hier zu finden war, hatte die Zeit nicht so gut �berstanden wie der Leuchtturm, doch schlie�lich war sie in �u�erster Hast im Lichte meiner letzten Streichh�lzer entstanden. Ich vermochte nicht einmal mehr alle Einzelheiten zu erkennen, wenn auch meine Erinnerung ein paar dazutat, die jetzt verborgen waren: der Blick in ein Arbeitszimmer oder eine Bibliothek, B�cherregale an den W�nden, ein Tisch im Vordergrund, ein Globus neben dem Tisch. Ich �berlegte, ob ich es riskieren durfte, die Zeichnung abzuwischen.</p><p>Ich stellte die Laterne auf den Boden und kehrte zu der Zeichnung an der anderen Wand zur�ck. Mit einer Kante meiner Decke wischte ich vorsichtig etwas Staub von einer Stelle am Fu� des Leuchtturms. Die Linie wurde deutlicher. Ich wischte weiter und dr�ckte diesmal ein wenig fester zu. Dabei l�schte ich einen Zoll der Linie v�llig aus.</p><p>Ich trat zur�ck und ri� einen breiten Streifen von der Seite der Decke ab. Den Rest faltete ich zu einem Kissen zusammen und setzte mich darauf. Langsam und vorsichtig begann ich am Leuchtturm zu arbeiten. Ich mu�te mich mit der Arbeit vertraut machen, ehe ich die andere Darstellung zu s�ubern versuchte.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter stand ich auf und streckte mich; dann b�ckte ich mich und massierte meine Beine, die eingeschlafen waren. Die Zeichnung des Leuchtturms war wieder sauber. Leider hatte ich etwa zwanzig Prozent des Bildes zerst�rt, ehe ich mich an die Struktur der Wand gew�hnt und die richtige Wischbewegung gefunden hatte. Ich nahm nicht an, da� ich meine Technik noch verbessern konnte.</p><p>Die Laterne begann zu flackern, als ich sie umsetzte. Ich entfaltete die Decke, sch�ttelte sie aus, und ri� einen frischen Streifen ab. Dann machte ich mir ein neues Kissen, kniete mich vor der anderen Zeichnung hin und ging an die Arbeit.</p><p>Kurz darauf hatte ich die Reste des Bildes freigelegt. Den Sch�del auf dem Tisch hatte ich vergessen, bis eine vorsichtige Bewegung ihn wieder zutage f�rderte � ebenso den Winkel der gegen�berliegenden Wand und einen hohen Kerzenhalter . . . ich beugte mich zur�ck. Weiterzureiben konnte riskant sein. Wahrscheinlich war es auch �berfl�ssig. Die Zeichnung kam mir so komplett vor, wie sie gewesen war.</p><p>Wieder flackerte die Lampe. Ich fluchte auf Roger, der es vers�umt hatte, den Petroleumstand zu pr�fen, stand auf und hielt das Licht in Schulterh�he nach links. Dann konzentrierte ich mich so fest ich konnte auf die vor mir liegende Szene.</p><p>W�hrend ich hinschaute, gewann das Bild bereits an Tiefe. Gleich darauf war es v�llig dreidimensional und hatte sich �ber mein ganzes Blickfeld ausgebreitet. Da endlich trat ich vor und stellte die Laterne auf dem Tisch ab.</p><p>Ich sah mich um. An allen vier W�nden ragten B�cherregale empor. Fenster gab es nicht. Zwei T�ren am entgegengesetzten Ende des Zimmers, sich links und rechts gegen�berliegend, die eine T�r zu, die andere halb ge�ffnet. Ich sah neben der ge�ffneten T�r einen langen niedrigen Tisch voller B�cher und Papiere. Bizarre Objekte standen an leeren Stellen in den Regalen und in seltsamen Wandnischen � Knochen, Steine, T�pfereiwaren, Schrifttafeln, Linsen, St�be, Instrumente, deren Zweck mir unbekannt war. Der riesige Teppich erinnerte mich an einen Ardebil. Ich machte einen Schritt in das Zimmer, und die Laterne flackerte ein drittesmal. Ich drehte mich um und griff danach. Im gleichen Augenblick verl�schte das Licht.</p><p>Ich brummte einen Fluch und senkte die Hand. Dann drehte ich mich langsam um und suchte nach m�glichen Lichtquellen. Auf einem gegen�berliegenden Regal schimmerte etwas, das an einen Korallenzweig erinnerte; au�erdem war am Fu�e der geschlossenen T�r ein bleicher Lichtstreifen zu sehen. Ich lie� die Laterne stehen und durchquerte das Zimmer.</p><p>Ich �ffnete die T�r, so leise es ging. Der benachbarte Raum war leer, ein kleiner fensterloser Wohnraum im schwachen Licht eines noch glimmenden Herdfeuers. Die W�nde bestanden aus Stein und ragten hoch �ber mir auf. Die Feuerstelle sah aus wie eine nat�rliche Vertiefung in der Wand zu meiner Linken. In der Wand gegen�ber entdeckte ich eine breite Metallt�r; ein gro�er Schl�ssel war halb herumgedreht.</p><p>Ich trat ein, nahm von einem Tisch in der N�he eine Kerze und ging zur Feuerstelle, um sie anzuz�nden. Als ich niederkniete und in die Glut blies, um eine Flamme zu entfachen, h�rte ich leise Schritte von der T�r her. Ich drehte mich um und entdeckte ihn auf der Schwelle. Etwa f�nf Fu� gro�, bucklig. Haar und Bart waren noch l�nger, als ich sie in Erinnerung hatte. Dworkin trug ein Nachthemd, das bis zu den Kn�cheln herabhing. In der Hand hielt er eine �llampe, seine dunklen Augen starrten an ihrem ru�igen Aufsatz vorbei.</p><p>�Oberon�, fragte er, �ist es endlich Zeit?�</p><p>�Welche Zeit meinst du?� fragte ich leise.</p><p>Er kicherte.</p><p>�Na, welche schon? Zeit, die Welt zu vernichten!�</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Ich hielt das Licht m�glichst weit von meinem Gesicht ab und sprach sehr leise.</p><p>�Noch nicht ganz�, sagte ich. �Noch nicht ganz.�</p><p>Er seufzte.</p><p>�Du bist noch immer nicht �berzeugt.�</p><p>Er legte den Kopf auf die Seite und blickte auf mich herab.</p><p>�Warum mu�t du immer alles verderben?� wollte er wissen.</p><p>�Ich habe nichts verdorben.�</p><p>Er senkte die Lampe. Ich drehte wieder den Kopf, doch er konnte schlie�lich mein Gesicht deutlich erkennen. Er lachte.</p><p>�Lustig, lustig, lustig, lustig�, sagte er. �Du kommst als der junge Lord Corwin und glaubst mich mit Familiengef�hlen r�hren zu k�nnen. Warum hast du nicht Brand oder Bleys genommen? Clarissas Kinder haben uns am besten gedient.�</p><p>Ich zuckte die Achseln und stand auf.</p><p>�Ja und nein�, sagte ich, entschlossen, ihn solange mit doppeldeutigen Antworten zu versorgen, wie er sie glaubte und darauf reagierte. Vielleicht ergab sich dabei etwas Interessantes � au�erdem schien es mir die einfachste Methode zu sein, ihn bei Laune zu halten. �Und du?� fuhr ich fort. �Welches Aussehen w�rdest du den Dingen geben?�</p><p>�Nun, um dich mir gewogen zu machen, werde ich mithalten�, sagte er und begann zu lachen.</p><p>Er warf den Kopf zur�ck, und w�hrend sein Gel�chter erklang, �berkam ihn die Ver�nderung. Sein K�rper schien l�nger zu werden, sein Gesicht flatterte wie ein Segel, das zu dicht vor den Wind geholt wurde. Der H�cker auf seinem R�cken nahm ab, er richtete sich auf, gewann an Gr��e. Seine Z�ge formten sich um, der Bart wurde dunkler. Nun gab es keinen Zweifel mehr daran, da� er die Masse seines K�rpers irgendwie neu verteilte, denn das Nachthemd, das eben noch seine Kn�chel bedeckt hatte, reichte pl�tzlich nur noch bis zur Mitte der Schienbeine. Er atmete tief, und seine Schultern w�lbten sich. Die Arme wurden l�nger, der massige Unterleib schmaler, enger. Er wuchs mir bis zur Schulter, dann weiter. Er sah mich offen an. Seine Kleidung reichte nur noch bis zu den Knien. Der Buckel war v�llig verschwunden. �ber das Gesicht lief ein letztes Zucken, seine Z�ge beruhigten sich, erhielten ein neues Aussehen. Sein Lachen wurde zu einem leisen Kichern und verhallte.</p><p>Ich betrachtete eine etwas schlankere Version meiner selbst.</p><p>�Na, reicht das?� fragte er.</p><p>�Gar nicht �bel�, sagte ich. �Warte, bis ich ein paar Scheite ins Feuer geworfen habe.�</p><p>�Ich helfe dir.�</p><p>�Schon gut.�</p><p>Ich nahm Holz von einem Gestell zur Rechten. Jede weitere Verz�gerung war mir n�tzlich, brachte mir Erkenntnisse f�r meine Rolle. W�hrend ich an der Arbeit war, n�herte er sich einem Stuhl und setzte sich. Ich bemerkte, da� er mich nicht ansah, sondern in die Schatten starrte. Ich zog das Feuermachen in die L�nge, in der Hoffnung, er w�rde etwas sagen, irgend etwas. Schlie�lich tat er mir den Gefallen.</p><p>�Was ist nur aus dem gro�en Plan geworden?� wollte er wissen.</p><p>Ich wu�te nicht, ob er das Muster oder einen alles umfassenden Plan meines Vaters meinte, an dem er beteiligt gewesen war. �Sag du�s mir�, forderte ich ihn auf.</p><p>Wieder lachte er.</p><p>�Warum nicht? Du hast es dir anders �berlegt, <emphasis>das</emphasis> ist daraus geworden!�</p><p>�Und wie stellt er sich jetzt f�r dich dar?�</p><p>�Mach dich nicht �ber mich lustig! Selbst du hast nicht das Recht, dich �ber mich lustig zu machen. Ja, du am allerwenigsten.�</p><p>Ich stand auf.</p><p>�Ich habe mich nicht �ber dich lustig gemacht�, sagte ich.</p><p>Ich ging quer durch das Zimmer zu einem anderen Stuhl, brachte ihn in die N�he des Feuers, stellte ihn gegen�ber Dworkin hin. Dann nahm ich Platz.</p><p>�Wie hast du mich erkannt?� fragte ich.</p><p>�Mein Aufenthaltsort d�rfte nicht �berall bekannt sein.�</p><p>�Das stimmt.�</p><p>�Halten viele in Amber mich f�r tot?�</p><p>�Ja, und andere vermuten, da� du in den Schatten unterwegs bist.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Wie � f�hlst du dich so?�</p><p>�Du meinst, ob ich noch immer wahnsinnig bin?�</p><p>�So krass wollte ich es nicht ausdr�cken.�</p><p>�Es verbla�t und verst�rkt sich wieder�, sagte er. �Es �berkommt mich und verfliegt wieder. Im Augenblick bin ich fast der alte � fast, sage ich. Vielleicht liegt es am Erschrecken �ber deinen Besuch . . . In meinem Gehirn ist irgend etwas zerbrochen. Das wei�t du. Anders kann es nicht sein. Auch das ist dir bekannt.�</p><p>�Mag schon sein�, erwiderte ich. �Warum erz�hlst du mir nicht noch einmal alles im Zusammenhang? Vielleicht f�hrt das blo�e Reden dazu, da� du dich besser f�hlst, und gib mir die Chance, etwas auszumachen, was ich bisher �bersehen habe. Erz�hl mir eine Geschichte.�</p><p>Wieder lachte er.</p><p>�Wie du willst. Irgendwelche W�nsche � was m�chtest du h�ren? Meine Flucht aus dem Chaos auf diese kleine seltsame Insel im Meer der Nacht? Meine Meditationen �ber den Abgrund? Die Enth�llung des Musters in einem Juwel, das um den Hals eines Einhorns hing? Meine �bertragung dieses Musters durch Blitz, Blut und Lyra, w�hrend unsere V�ter verwirrt tobten, zu sp�t, um mich zur�ckzurufen, w�hrend das Gedicht des Feuers jene erste Route in meinem Gehirn durchlief und mich mit seinem Formwillen ansteckte. Zu sp�t! Zu sp�t . . . Besessen von den Scheu�lichkeiten, die sich aus der Krankheit ergaben, au�erhalb ihrer Hilfsm�glichkeiten und ihrer Macht plante und baute ich, Gefangener meines neuen Ich. Ist das die Geschichte, die du noch einmal h�ren m�chtest? Oder soll ich dir lieber von ihrer Ausheilung erz�hlen?�</p><p>Meine Gedanken wirbelten um all die Brocken, die er mir eben mit vollen H�nden hingestreut hatte. Ich vermochte nicht zu erkennen, ob ich ihn w�rtlich nehmen mu�te oder ob er sich im �bertragenen Sinne �u�erte oder wom�glich nur paranoide Wahnvorstellungen mitteilte; jedenfalls interessierte ich mich f�r Dinge, die der Gegenwart n�her waren. Ich blickte also auf das umschattete Abbild meiner selbst, von dem die alte Stimme ausging, und sagte: �Berichte mir von deiner Heilung.�</p><p>Daraufhin legte er die Fingerspitzen zusammen und sprach darunter hindurch.</p><p>�In einem sehr realen Sinne bin ich das Muster�, sagte er. �Als es durch meinen Geist wanderte, um die Form anzunehmen, die es jetzt aufweist, das Fundament Ambers, zeichnete es mich so gewi�, wie ich Einflu� darauf hatte. Ich erkannte eines Tages, da� ich sowohl das Muster als auch ich selbst bin und da� das Muster im Zuge seiner Entstehung gezwungen war, zugleich Dworkin zu werden. Bei Geburt dieses Ortes und dieser Zeit gab es gegenseitige Anpassungen, und hierin lag unsere Schw�che wie auch unsere St�rke. Mir ging n�mlich auf, da� ein Defekt am Muster automatisch auch mir schaden w�rde, w�hrend sich eine Beeintr�chtigung meiner selbst umgekehrt dem Muster mitteilen w�rde. Dennoch konnte mir nichts Ernsthaftes zusto�en, denn das Muster sch�tzt mich, und wer au�er mir k�nnte dem Muster schaden? Ein wunderh�bsches, in sich geschlossenes System, so sah es aus, die Schw�chen von den St�rken v�llig abgeschirmt.�</p><p>Er schwieg. Ich lauschte dem Knacken des Feuers. Was seine Ohren zu h�ren versuchten, wei� ich nicht.</p><p>�Ich irrte mich�, fuhr er fort. �Es war nur eine Kleinigkeit . . . Mein Blut, mit dem ich das Muster zeichnete, konnte es auch wieder ausl�schen. Aber es dauerte Ewigkeiten, bis ich erkannte, da� das Blut meines Blutes dieselbe Eigenschaft hatte. Man konnte es benutzen, konnte es auch ver�ndern � ja, bis in die dritte Generation.�</p><p>Es �berraschte mich nicht, zu erfahren, da� er der Ur-Vater von uns allen war. Irgendwie hatte ich das Gef�hl, von Anfang an dar�ber Bescheid gewu�t zu haben, ohne es mir jemals deutlich zu machen. Und doch . . . wom�glich ergaben sich aus dieser Entdeckung mehr Fragen, als beantwortet wurden. <emphasis>Nimm eine Generation deiner Vorfahren. R�cke auf das Feld der Verwirrung vor.</emphasis> Ich wu�te nun weniger denn je, was Dworkin eigentlich war. Und zu allem anderen die Tatsache, die er selbst anerkannte: Es war die Geschichte eines Wahnsinnigen.</p><p>�Aber um es zu reparieren . . .?� begann ich.</p><p>Er l�chelte; mein eigenes Gesicht verzog sich vor mir.</p><p>�Hast du die Lust daran verloren, ein Herr der lebendigen Leere zu sein, ein K�nig des Chaos?� fragte er.</p><p>�Mag sein�, erwiderte ich.</p><p>�Beim Einhorn, deiner Mutter � wu�te ich doch, da� es so weit kommen w�rde! Das Muster ist so stark in dir ausgepr�gt wie das Reich. Was ersehnst du dir dann?�</p><p>�Ich m�chte das Land erhalten.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Es w�re einfacher, alles zu vernichten und einen Neuanfang zu versuchen � das habe ich dir schon so oft gepredigt.�</p><p>�Ich bin stur. Predige es mir noch einmal�, sagte ich und versuchte Vaters barschen Ton nachzuahmen.</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�Wird das Muster vernichtet, geht Amber unter � und alle Schatten, die sich in polarem Arrangement darum erstrecken. Gestatte mir, mich selbst in der Mitte des Musters zu vernichten; damit w�rden wir es ausl�schen. Er�ffne mir diesen Weg, indem du mir versprichst, da� du dann das Juwel nimmst, welches die Essenz der Ordnung in sich birgt, um ein neues Muster zu schaffen, hell und rein und unbefleckt, mit einer Kraft, die du aus dem Stoff deines eigenen Seins sch�pfst, w�hrend die Legionen des Chaos dich von allen Seiten best�rmen. Versprich mir das und la� mich Schlu� machen, denn so heruntergekommen wie ich bin, m�chte ich lieber f�r die Ordnung sterben als daf�r leben. Was sagst du jetzt?�</p><p>�W�re es nicht besser, zu versuchen, das vorhandene Muster zu reparieren, anstatt die Arbeit von �onen zunichtezumachen?�</p><p>�Feigling!� rief er und sprang auf. �Wu�te ich doch, da� du wieder so reden w�rdest!�</p><p>�Nun, w�re es nicht so?�</p><p>Er begann hin und her zu wandern.</p><p>�Wie oft haben wir dieses Gespr�ch nun schon gef�hrt?� fragte er. �Nichts hat sich ver�ndert. Du hast Angst, es zu versuchen.�</p><p>�Kann sein�, sagte ich. �Aber sp�rst du nicht auch, da� etwas, f�r das man soviel gegeben hat, einige M�he, einige zus�tzliche Opfer wert ist, solange nur die M�glichkeit der Rettung besteht?�</p><p>�Du verstehst mich noch immer nicht�, behauptete er. �Ich kann nur immer daran denken, da� etwas Besch�digtes vernichtet � und voller Hoffnung erneuert werden sollte. Die Wunde in mir ist so beschaffen, da� ich mir eine Wiederherstellung einfach nicht vorstellen kann. Ich bin nun mal auf diese Art besch�digt worden. Meine Gef�hle sind vorherbestimmt.�</p><p>�Wenn das Juwel ein neues Muster schaffen kann, warum gibt es sich dann nicht dazu her, das alte zu reparieren, unseren �rger zu beenden, unsere Moral zu heben?�</p><p>Er kam n�her und baute sich vor mir auf.</p><p>�Wo sind deine Erinnerungen?� fragte er. �Du wei�t genau, da� es ungeheuer viel schwieriger sein w�rde, den Schaden auszumerzen, als ganz von vorn zu beginnen. Selbst das Juwel k�nnte das Muster eher vernichten als reparieren. Hast du vergessen, wie es da drau�en aussieht?� Er deutete auf die Wand hinter sich. �M�chtest du�s dir noch einmal anschauen?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ja, gern. Gehen wir.�</p><p>Ich stand auf und blickte auf ihn hinab. Als er sich aufzuregen begann, hatte er etwas die Kontrolle �ber sein �u�eres verloren. Schon hatte er drei oder vier Zoll an Gr��e verloren, sein/mein Gesicht zerschmolz zu den eigenen zwergenhaften Z�gen, und der Buckel begann zwischen seinen Schulterbl�ttern sichtbar zu werden, war bereits erkennbar gewesen, als er seine gro�e Armbewegung machte.</p><p>Er ri� die Augen auf, als er in mein Gesicht blickte.</p><p>�Du meinst es ja ernst!� sagte er nach kurzem Schweigen. �Na sch�n! Gehen wir.�</p><p>Er machte kehrt und n�herte sich der gro�en Metallt�r. Ich folgte ihm. Mit beiden H�nden drehte er den Schl�ssel. Dann warf er sich mit voller Kraft dagegen. Ich machte Anstalten, ihm zu helfen, doch er schob mich mit au�erordentlicher Kraft zur Seite, ehe er der T�r den letzten Sto� gab. Ein knirschendes Ger�usch ert�nte, dann schwang die T�r nach au�en und war schlie�lich v�llig offen. Sofort fiel mir ein seltsamer, irgendwie vertrauter Geruch auf.</p><p>Dworkin trat �ber die Schwelle und hielt inne. Er nahm einen Gegenstand an sich, der zu seiner Rechten an der Wand lehnte � einen langen Stab. Mehrmals schlug er damit auf den Boden, woraufhin das obere Ende zu gl�hen begann. Das Licht erhellte die Umgebung und offenbarte uns einen schmalen Tunnel, in den er hineinging. Ich folgte ihm. Die Passage erweiterte sich nach kurzer Zeit, so da� ich schlie�lich neben ihm gehen konnte. Der Geruch wurde st�rker, und ich wu�te beinahe, worum es sich handelte. Erst vor kurzem hatte ich so etwas gerochen . . .</p><p>Nach knapp achtzig Schritten f�hrte der Weg nach links und dann nach oben. Dabei kamen wir durch eine kleine Erweiterung der H�hle. Hier lagen Knochen herum, und ein paar Fu� �ber dem Boden war ein Metallring in das Gestein eingelassen. Eine schimmernde Kette nahm hier ihren Anfang; sie lag am Boden und zog sich vor uns her wie eine Reihe zerschmolzener Tropfen, die im D�mmerlicht abk�hlten.</p><p>Nun wurde der Tunnel wieder enger, und Dworkin �bernahm wie zuvor die F�hrung. Gleich darauf erreichte er �berraschend eine Ecke, und ich h�rte ihn etwas murmeln. Als ich an die Biegung kam, w�re ich ihm fast auf die Hacken getreten. Er hatte sich geduckt und tastete mit der linken Hand in einer dunklen Felsspalte herum. Als ich das leise Kr�chzen h�rte und erkannte, da� die Kette in der �ffnung verschwand, wu�te ich, worum es sich handelte und wo wir waren.</p><p>�Braver Bursche�, h�rte ich ihn sagen. �Ich gehe ja nicht weit. Schon gut, mein Alter! Hier hast du etwas zu knabbern.�</p><p>Woher er das Ding hatte, das er dem Ungeheuer zuwarf, wei� ich nicht. Jedenfalls fing der purpurne Greif, den ich jetzt auf seiner Schlafst�tte erblickte, den fliegenden Brocken mit einer ruckhaften Kopfbewegung auf und verzehrte ihn mit mahlenden Kiefern.</p><p>Dworkin grinste zu mir empor.</p><p>��berrascht?� fragte er.</p><p>�Wor�ber?�</p><p>�Du dachtest, ich h�tte Angst vor ihm. Du dachtest, ich w�rde mich nie mit ihm anfreunden. Du hast ihn hier drau�en postiert, um mich einzusperren � damit ich nicht an das Muster herankomme.�</p><p>�Habe ich das jemals behauptet?�</p><p>�Das brauchtest du gar nicht. Ich bin kein Dummkopf.�</p><p>�Wie du willst.�</p><p>Er lachte leise, stand auf und setzte seinen Weg durch den Tunnel fort.</p><p>Ich folgte ihm; der Weg wurde nun wieder eben. Die Decke wich zur�ck, der Gang verbreiterte sich. Endlich erreichten wir die H�hlen�ffnung. Dworkin stand einen Augenblick lang als Silhouette vor mir; er hatte den Stab angehoben. Drau�en herrschte tiefe Nacht, eine saubere salzige Brise vertrieb den muffigen H�hlengeruch aus meiner Nase.</p><p>Nach kurzem Z�gern ging er weiter; er trat in eine Welt aus Himmelskerzen und blauem Velours hinaus. Ich folgte ihm. Mir stockte der Atem bei der erstaunlichen Szene. Meine Reaktion galt nicht nur den Sternen, die in �bernat�rlichem Glanz schimmerten, und auch nicht der Tatsache, da� die Grenze zwischen Himmel und Meer wieder einmal v�llig ausgel�scht war. Vielmehr gl�hte das Muster mit der azetylen-blauen Helligkeit eines Schwei�bogens vor dem Himmel-Meer, und all die Sterne �ber, neben und unter uns waren mit geometrischer Pr�zision arrangiert und bildeten ein fantastisches undurchdringliches Ger�st, das vor allem den Eindruck erzeugte, als hingen wir in einem kosmischen Netz, dessen eigentliche Mitte das Muster war � der Rest des strahlenden Gewirrs, eine genaue Konsequenz seiner Existenz, Konfiguration und Position.</p><p>Dworkin wanderte zum Rand des Musters hinab, wo die abgedunkelte Stelle begann. Er schwenkte den Stab dar�ber und wandte sich zu mir um.</p><p>�Dort hast du es�, verk�ndete er, �das Loch in meinem Geist. Durch diese L�cke kann ich nicht mehr denken, ich mu� mich irgendwie herumpirschen. Ich wei� nicht mehr, was zu geschehen hat, um etwas zu reparieren, das mir l�ngst abgeht. Wenn du meinst, da� du es schaffst, mu�t du auf die sofortige Vernichtung gefa�t sein, sobald du das Muster verl��t, um diese Bruchstelle zu beschreiten. Die Vernichtung w�rde nicht von der dunklen Stelle ausgehen, sondern vom Muster selbst, sobald du die Verbindung unterbrichst. Dabei mag dir das Juwel helfen � vielleicht aber auch nicht. Ich wei� es nicht. Jedenfalls wird der Gang durch das Muster nicht leichter, sondern mit jeder Wende schwieriger, und deine Kr�fte werden st�ndig nachlassen. Als wir das letztemal dar�ber sprachen, hattest du Angst. Willst du etwa behaupten, du h�ttest seither einen Born der K�hnheit gefunden?�</p><p>�Mag sein�, sagte ich. �Eine andere M�glichkeit siehst du nicht?�</p><p>�Ich wei�, da� es zu schaffen ist, indem man ganz von vorn anf�ngt; so habe ich es n�mlich gemacht. Abgesehen davon sehe ich keine Alternative. Je l�nger du wartest, desto schlimmer wird die Situation. Warum holst du nicht das Juwel und leihst mir deine Klinge, Sohn? Ich w��te keinen anderen Weg.�</p><p>�Nein�, antwortete ich. �Ich mu� mehr wissen. Erz�hl mir noch einmal, wie der Schaden entstanden ist.�</p><p>�Bis heute wei� ich nicht, welches deiner Kinder unser Blut an dieser Stelle vergossen hat � wenn du das meinst. Jedenfalls ist es geschehen. La� es dabei bewenden. In den Kindern ist die dunkle Seite unserer Natur l�ngst ausgepr�gt. Wahrscheinlich leben sie zu nahe an jedem Chaos, aus dem wir hervorgegangen sind; sie sind aufgewachsen ohne die Willenanstrengungen, die von uns gefordert wurden, damit wir es abstreifen konnten. Ich hatte angenommen, da� das Ritual des Muster-Durchschreitens f�r sie gen�gen m��te. Etwas Schwierigeres ist mir nicht eingefallen. Aber es hat nicht gen�gt. Und jetzt schlagen sie wild um sich. Sie sind bestrebt, das Muster selbst zu vernichten.�</p><p>�Wenn es uns gelingt, einen Neuanfang zu machen � k�nnten sich all diese Ereignisse nicht einfach wiederholen?�</p><p>�Keine Ahnung. Aber welche andere M�glichkeit gibt es als den Fehlschlag und die R�ckkehr ins Chaos?�</p><p>�Was wird aus ihnen, wenn wir einen Neuanfang versuchen?�</p><p>Er schwieg eine lange Zeit. Dann zuckte er die Achseln.</p><p>�Ich vermag es nicht zu sagen.�</p><p>�Wie h�tte eine andere Generation ausgesehen?�</p><p>Er lachte leise.</p><p>�Was soll man auf eine solche Frage antworten? Ich habe keine Ahnung.�</p><p>Ich nahm den besch�digten Trumpf heraus und reichte ihm die Karte. Er betrachtete sie im Licht seines Stabes.</p><p>�Ich glaube, es ist das Blut von Randoms Sohn Martin, das hier vergossen wurde�, sagte ich. �Ich wei� nicht, ob er noch lebt. Was meinst du, welche Rolle mag er gespielt haben?�</p><p>Er blickte auf das Muster hinaus.</p><p>�Dies ist also das Objekt, das dort drau�en lag�, sagte er. �Wie hast du es geholt?�</p><p>�Es wurde geholt�, erwiderte ich. �Die Karte ist doch nicht etwa deine Arbeit, oder?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich habe den Jungen noch nie gesehen. Aber dies beantwortet doch deine Frage, oder? Gibt es eine andere Generation, werden deine Kinder sie vernichten.�</p><p>�So wie wir sie vernichten wollen?�</p><p>Er starrte mir konzentriert in die Augen.</p><p>�Solltest du dich pl�tzlich zum f�rsorglichen Vater wandeln?� fragte er.</p><p>�Wenn du den Trumpf nicht gezeichnet hast, wer dann?�</p><p>Er senkte den Blick und schnipste mit dem Fingernagel auf das Bild.</p><p>�Mein bester Sch�ler. Dein Sohn Brand. Das ist sein Stil. Begreifst du, was sie tun, sobald sie ein wenig Macht erringen? W�rde einer von ihnen sein Leben riskieren, um das Reich zu erhalten, um das Muster wiederherzustellen?�</p><p>�Wahrscheinlich doch�, sagte ich. �Benedict, G�rard, Random, Corwin . . .�</p><p>�Benedict l�uft mit dem Zeichen des Untergangs durch das Leben, G�rard hat den Willen, aber nicht den Verstand, Random fehlt es an Mut und Entschlossenheit. Corwin . . . steht er nicht in Ungnade und ist ohnehin verschwunden?�</p><p>Meine Gedanken kehrten zu unserem letzten Zusammentreffen zur�ck, in dessen Verlauf er mir geholfen hatte, aus meiner Zelle nach Cabra zu fliehen. Vielleicht hatte er sich deswegen inzwischen Gedanken gemacht, wu�te er doch nicht, welche Umst�nde mich dorthin gef�hrt hatten.</p><p>�Ist das der Grund, warum du seine Gestalt angenommen hast?� fuhr er fort. �Soll das eine Art Tadel sein? Stellst du mich wieder einmal auf die Probe?�</p><p>�Er steht weder in Ungnade, noch ist er verschwunden�, sagte ich, �obwohl er in und au�erhalb der Familie Feinde hat. Er w�rde alles tun, um das Reich zu retten. Wie beurteilst du seine Chancen?�</p><p>�Ist er nicht lange Zeit fort gewesen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann hat er sich vielleicht ver�ndert. Ich wei� es nicht.�</p><p>�Ich glaube, er ist anders geworden. Ich wei� genau, da� er gewillt ist, es zu versuchen.�</p><p>Wieder starrte er mich an, er wandte den Blick nicht mehr von meinem Gesicht.</p><p>�Du bist nicht Oberon�, stellte er schlie�lich fest.</p><p>�Nein.�</p><p>�Du bist der, den ich vor mir sehe.�</p><p>�Nicht mehr und nicht weniger.�</p><p>�Ich verstehe . . . Ich hatte keine Ahnung, da� du von diesem Ort wu�test.�</p><p>�Ich wu�te auch nichts davon � bis neulich. Beim erstenmal wurde ich vom Einhorn hierhergef�hrt.�</p><p>Er ri� die Augen auf.</p><p>�Das ist � sehr � interessant . . . sehr . . . interessant�, sagte er. �Es ist lange her . . .�</p><p>�Was ist mit meiner Frage?�</p><p>�Wie? Frage? Welche Frage?�</p><p>�Meine Chancen. Glaubt Ihr . . . glaubst du, ich k�nnte das Muster wieder instandsetzen?�</p><p>Er n�herte sich langsam, hob den Arm und legte mir die rechte Hand auf die Schulter. Gleichzeitig wurde der Stab in seiner anderen Hand zur Seite geneigt, so da� das blaue Gesicht einen Fu� vor meinem Gesicht schimmerte; trotzdem sp�rte ich keine Hitze. Er starrte mir in die Augen.</p><p>�Du hast dich ver�ndert�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Ausreichend, um es zu tun?�</p><p>Er wandte den Blick ab.</p><p>�Vielleicht genug, um den Versuch zu rechtfertigen�, sagte er, �selbst wenn uns der Fehlschlag vorbestimmt ist.�</p><p>�Hilfst du mir?�</p><p>�Ich wei� nicht, ob ich das vermag�, antwortete er. �Das Problem mit meinen Stimmungen, meinen Gedanken � es kommt und geht. In diesem Augenblick sp�re ich, da� mir die Beherrschung irgendwie entgleitet. Vielleicht die Aufregung . . . Wir wollen lieber wieder hineingehen.�</p><p>Ich h�rte ein Klirren hinter mir. Als ich mich umdrehte, entdeckte ich den Greif, dessen Kopf mit hervorzuckender Zunge langsam von links nach rechts schwang, w�hrend der Schwanz entgegengesetzt pendelte. Das Wesen begann uns zu umkreisen und blieb stehen, als es sich zwischen Dworkin und dem Muster befand.</p><p>�Er wei� Bescheid�, sagte Dworkin. �Er sp�rt es, wenn ich mich zu ver�ndern beginne. Dann l��t er mich nicht mehr in die N�he des Musters. Braver Kerl. Wir gehen wieder hinein. Es ist alles in Ordnung. Komm, Corwin.�</p><p>Wir n�herten uns der H�hlen�ffnung, und der Greif folgte uns � ein Klirren bei jedem Schritt.</p><p>�Das Juwel�, sagte ich, �das Juwel des Geschicks . . . du meinst, wir brauchen es f�r die Wiederherstellung des Musters?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Es mu� den ganzen Weg durch das Muster getragen werden und mu� an den Stellen, wo sie unterbrochen sind, die urspr�nglichen Linien nachzeichnen. Das l��t sich nur durch jemanden bewerkstelligen, der auf das Juwel eingestimmt ist.�</p><p>�Ich bin auf das Juwel eingestimmt�, sagte ich.</p><p>�Wie?� wollte er wissen und blieb stehen.</p><p>Hinter uns stie� der Greif ein Kr�chzen aus, und wir gingen weiter.</p><p>�Ich bin deinen schriftlichen Anweisungen gefolgt � und Erics m�ndlichen Hinweisen�, erwiderte ich. �Ich nahm das Juwel mit in die Mitte des Musters und projizierte mich hindurch.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte er. �Wie bist du an das Juwel gekommen?�</p><p>�Eric hat es mir auf seinem Sterbebett �berlassen.�</p><p>Wir betraten die H�hle. �Du hast es noch?�</p><p>�Ich war gezwungen, es an einem Ort in den Schatten zu verstecken.�</p><p>�Ich w�rde vorschlagen, da� du es schleunigst holst und hierherbringst oder in den Palast schaffst. Es sollte in der N�he des Zentrums aller Dinge aufbewahrt werden.�</p><p>�Warum das?�</p><p>�Es neigt dazu, einen verzerrenden Einflu� auf Schatten auszu�ben, wenn es sich zu lange dort befindet.�</p><p>�Verzerrend? In welcher Hinsicht?�</p><p>�Das kann man vorher nie sagen. H�ngt v�llig von der Umgebung ab.�</p><p>Wir kamen um eine Ecke und setzten unseren Weg durch die Dunkelheit fort.</p><p>�Was hat das zu besagen�, fuhr ich fort, �wenn man das Juwel tr�gt und sich ringsum alles zu verlangsamen beginnt? Fiona sagte mir, dies sei gef�hrlich, aber sie wu�te nicht genau, wieso.�</p><p>�Die Erscheinung bedeutet, da� du die Grenzen deiner Existenz erreicht hast, da� deine Energien in K�rze ersch�pft sein werden, da� du stirbst, wenn du nicht schleunigst etwas unternimmst.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Gewinne Energie aus dem Muster selbst � aus dem Ur-Muster im Innern des Juwels.�</p><p>�Wie macht man das?�</p><p>�Du mu�t dich ihm ergeben, dich entspannen, deine Identit�t ausl�schen, die Fesseln l�sen, die dich von allem anderen trennen.�</p><p>�H�rt sich an, als w�re so etwas leichter gesagt als getan.�</p><p>�Aber man kann es schaffen � und es ist der einzige Ausweg.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Wir gingen weiter und erreichten endlich die gro�e T�r. Dworkin l�schte den Stab und lehnte ihn an die Wand. Wir traten ein, und er verschlo� den Durchgang hinter uns. Der Greif hatte sich unmittelbar davor aufgebaut.</p><p>�Du mu�t jetzt gehen�, sagte Dworkin.</p><p>�Aber ich habe noch viele Fragen, ich m�chte dir noch so viel erz�hlen!�</p><p>�Meine Gedanken verlieren ihre Bedeutung, deine Worte w�ren nur verschwendet. Morgen abend oder der Tag danach oder der n�chste. Beeil dich jetzt! Geh!�</p><p>�Warum die pl�tzliche Hast?�</p><p>�Vielleicht tue ich dir etwas an, wenn mich der Wechsel �berkommt. Ich stemme mich im Augenblick mit voller Willenskraft dagegen. Geh!�</p><p>�Ich wei� nicht, wie. Ich wei�, wie ich hierherkomme, aber . . .�</p><p>�Im Tisch nebenan liegen alle m�glichen besonderen Tr�mpfe. Nimm das Licht mit! Versetz dich irgendwohin! Verschwinde rasch von hier!�</p><p>Ich wollte schon einwenden, da� ich mich nicht vor Gewaltt�tigkeiten seinerseits f�rchtete, als seine Z�ge wie Wachs zu zerflie�en begannen und er pl�tzlich viel gr��er und schmalgliedriger wirkte. Ich packte die Lampe und floh aus dem Zimmer, von einem Gef�hl der K�lte verfolgt.</p><p>. . . Zum Tisch. Ich zerrte die Schublade auf und nahm einige Tr�mpfe heraus, die in wirrem Durcheinander darin lagen. Nun h�rte ich Schritte. Etwas betrat das Zimmer hinter mir, aus dem Raum kommend, den ich eben verlassen hatte. Die Schritte h�rten sich nicht an, als w�rden sie von einem Menschen verursacht. Ich sah mich nicht um. Statt dessen hob ich die Karten vor meine Augen und betrachtete das Bild des obersten Trumpfes. Es war eine unbekannte Szene, doch ich �ffnete sofort meine Gedanken in diese Richtung und griff danach. Eine Bergspitze, etwas Unbestimmtes dahinter, ein seltsam gefleckter Himmel, ein offener Sternhaufen links . . . Die Karte f�hlte sich in meiner Hand abwechselnd hei� und kalt an, und ein heftiger Wind schien mir aus dem Bild entgegenzuwehen, als ich mich darauf konzentrierte und den Ausblick irgendwie umarrangierte.</p><p>Dicht hinter mir ert�nte pl�tzlich die unheimlich ver�nderte, doch immer noch erkennbare Stimme Dworkins. �Dummkopf! Du hast dir das Land deines Verderbens ausgesucht!�</p><p>Eine riesige klauen�hnliche Hand � schwarz, ledrig, verkn�chert � griff mir �ber die Schulter, als wollte sie mir die Karte entrei�en. Aber die Vision schien komplett zu sein, und ich st�rzte mich hinein, drehte die Karte von mir fort, als ich erkannte, da� die Flucht gelungen war. Dann blieb ich stocksteif stehen, damit sich meine Sinne an die neue Umgebung gew�hnen konnten.</p><p>Und dann wu�te ich Bescheid. Bruchst�cke von Legenden, Teile des Familienklatsches kamen mir in den Sinn, au�erdem wies mir mein Gef�hl den Weg: Ich wu�te, welchen Ort ich hier aufgesucht hatte. Gewi�heit �ber meinen Aufenthaltsort erf�llte mich, als ich den Blick hob und auf die H�fe des Chaos blickte.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Wo? Die Sinne sind unzuverl�ssige Helfer, und die meinen waren jetzt �ber ihr Leistungsverm�gen hinaus beansprucht. Der Felsen, auf dem ich stand . . . Wenn ich den Versuch machte, den Blick darauf zu richten, sah er pl�tzlich aus wie ein Stra�enpflaster an einem hei�en Nachmittag. Das Gestein schien hin und her zu r�cken und zu flimmern, obwohl ich meine F��e auf v�llig ruhigem Boden w�hnte. Au�erdem wu�te es nicht recht, in welchem Teil des Spektrums es zu Hause war. Es pulsierte und blitzte wie die Haut eines Leguans. Den Kopf hebend, erblickte ich einen Himmel, wie ihn meine Augen noch nie geschaut hatten. Im Augenblick war er in der Mitte geteilt � eine H�lfte im tiefsten Nachtschwarz liegend, worin die Sterne tanzten. Wenn ich von tanzen spreche, meine ich nicht, da� sie funkelten; sie sprangen herum und ver�nderten ihre Position und ihre Gr��e; sie zuckten hierhin und dorthin und umkreisten einander; sie flammten zur Helligkeit einer Nova auf und verbla�ten ins Nichts. Es war ein erschreckendes Schauspiel, und mein Magen verkrampfte sich, w�hrend ich eine intensive H�henangst erlebte. Als ich jedoch den Blick abwandte, verbesserte sich meine Lage nicht. Die andere H�lfte des Himmels erinnerte an eine Flasche mit farbigem Sand, der best�ndig gesch�ttelt wurde; orangerote, gelbe, rote, blaue, braune und purpurne Streifen drehten und dehnten sich; gr�ne, malvenfarbene, graue und grellwei�e Punkte entstanden und verschwanden wieder, erlangten vor�bergehend ebenfalls Streifenform, ersetzten oder verl�ngerten die anderen sich windenden Gebilde. Und auch diese Ph�nomene schimmerten und schwankten und erweckten unm�gliche Empfindungen von Ferne und N�he. Zuweilen schienen alle oder einige im wahrsten Sinne des Wortes himmelhoch �ber mir zu stehen, aber dann r�ckten sie heran und f�llten die Luft vor mir, gazehafte, transparente Nebelwolken, durchschimmernde Schwaden oder feste Tentakel aus Farbe. Erst sp�ter ging mir auf, da� die Linie, die das Schwarz von der Farbe trennte, langsam von rechts her�berr�ckte, w�hrend sie auf meiner linken Seite nach hinten zur�ckwich. Es war, als rotierte das ganze Himmels-Mandala um einen Punkt, der sich direkt �ber mir befand. Was die Lichtquelle der helleren H�lfte anging, so war sie einfach nicht zu bestimmen. Ich r�hrte mich nicht vom Fleck und starrte nun auf eine Szene hinab, die mir zuerst wie ein Tal vorgekommen war, das mit unz�hligen Explosionen von Farbe angef�llt zu sein schien; als jedoch die vorr�ckende Dunkelheit diese Erscheinung hinwegr�ckte, tanzten die Sterne nicht nur �ber mir, sondern auch in der Tiefe dieses Tals und erzeugten in mir den Eindruck eines bodenlosen Abgrunds. Es war, als st�nde ich am Ende der Welt, am Ende des Universums, am Ende aller Dinge. Doch weit, weit von meinem Standort entfernt lauerte etwas auf einem Gebilde aus tiefstem Schwarz � selbst eine Schw�rze, doch mit kaum wahrnehmbaren Lichtflecken eingefa�t und abgemildert. Ich vermochte seine Gr��e nicht abzusch�tzen, denn Entfernung, Tiefe, Perspektive gab es hier nicht. Ein einzelnes Geb�ude? Eine Gruppe? Eine Stadt? Oder nur ein Ort? Jedesmal wenn der Umri� neu von meiner Netzhaut wahrgenommen wurde, hatte er sich ver�ndert. Nun trieben auch vage Nebelschwaden dazwischen und wanden sich wie in erhitzter Luft. Das Mandala stellte seine Drehung ein, sobald es sich umgekehrt hatte. Die Farben waren jetzt hinter mir, nur noch sichtbar, wenn ich den Kopf drehte, eine Bewegung, die ich nicht w�nschte. Es war angenehm, einfach reglos hier zu stehen und zu der Formlosigkeit hin�berzustarren, aus der alle Dinge letztlich hervorgingen . . . Dieses Ding existierte sogar vor dem Muster. Das war mir im Kern meines Denkens bewu�t, vage, aber mit Gewi�heit. Ich wu�te es, denn ich war �berzeugt, da� ich schon einmal hier gewesen war. Als Kind des Mannes, der ich geworden war, so wollte mir scheinen, war ich eines fernen Tages schon einmal hierhergebracht worden � ich erinnerte mich nicht, ob von Vater oder Dworkin � und hatte an diesem Ort oder einem sehr �hnlichen Ort gestanden oder war hier festgehalten worden und hatte mir dieselbe Szene angeschaut, sicher mit einem �hnlichen Mangel an Verst�ndnis und einem �hnlichen Gef�hl der Angst. Meine Freude wurde durch nerv�se Erregung beeintr�chtigt, durch ein Gef�hl des Verbotenen, einen Hauch dubioser Erwartung. Seltsamerweise stieg jetzt zugleich eine Sehnsucht nach dem Juwel in mir auf, das ich auf der Schatten-Erde hatte zur�cklassen m�ssen, das Ding, dem Dworkin soviel Macht zugesprochen hatte. War es m�glich, da� ein Teil von mir eine Gegenwehr oder zumindest ein Symbol des Widerstandes gegen den unbekannten Einflu� suchte, der sich dort drau�en befand? M�glich immerhin.</p><p>W�hrend ich immer noch fasziniert �ber den Abgrund starrte, hatte ich pl�tzlich das Gef�hl, da� sich meine Augen an etwas anpa�ten oder das Bild sich erneut unmerklich ver�nderte. Denn jetzt machte ich winzige gespenstische Umrisse aus, die sich dr�ben an jenem Ort bewegten, wie Meteore, die im Zeitlupentempo �ber die Gazestreifen vorr�ckten. Ich wartete; dabei betrachtete ich die Erscheinung genau, spielte mit einem ersten Begreifen der Dinge, die dort geschahen. Schlie�lich wehte einer der Streifen ganz in meine N�he. Kurz darauf hatte ich die Antwort.</p><p>Bewegung entstand. Eine der dahinhuschenden Gestalten wurde gr��er, und ich erkannte, da� sie dem gewundenen Weg folgte, der in meine Richtung f�hrte. Nach wenigen Augenblicken hatte sie die Form eines Reiters angenommen. In der Ann�herung gewann sie den Anschein von Festigkeit, ohne jedoch das Gespenstische zu verlieren, welches an allem zu haften schien, das sich vor mir befand. Eine Sekunde sp�ter sah ich einen nackten Reiter auf einem haarlosen Pferd heranst�rmen, beide leichenhaft bla�. Der Reiter schwenkte eine knochenwei�e Klinge; seine Augen und die Augen des Pferdes funkelten blutrot. Ich vermochte nicht zu sagen, ob er mich wahrnahm, ob wir �berhaupt auf derselben Ebene der Realit�t existierten, so unnat�rlich war sein Aussehen. Dennoch zog ich Grayswandir und trat einen Schritt zur�ck.</p><p>Sein langes wei�es Haar verspr�hte winzige Funken, und als er den Kopf drehte, erkannte ich, da� er es auf mich abgesehen hatte, denn schon sp�rte ich seinen Blick wie einen kalten Druck vorn auf der Brust. Ich drehte mich zur Seite und hob die Klinge <emphasis>en garde.</emphasis></p><p>Er ritt weiter, und ich erkannte, da� er und das Pferd sehr gro� waren, gr��er, als ich zuerst angenommen hatte. Sie kamen immer n�her. Als sie die Stelle erreicht hatten, die mir am n�chsten war � etwa zehn Meter �, zog der Reiter die Z�gel an, und das Pferd stieg auf die Hinterhand. Beide musterten mich, wobei sie schwankten und sich auf und nieder bewegten, als bef�nden sie sich auf einem Flo� in einer sanft bewegten See.</p><p>�Dein Name!� forderte der Reiter. �Nenn mir deinen Namen, du, der du an diesen Ort kommst!�</p><p>Seine Stimme rief in meinen Ohren ein knisterndes Gef�hl hervor. Sie schwang auf einer einzigen Klangebene, laut und ohne Modulation.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich nenne meinen Namen, wenn ich es will, nicht wenn es mir befohlen wird�, antwortete ich. �Wer bist du?�</p><p>Er stie� drei kurze bellende Laute aus, die ein Lachen sein mochten.</p><p>�Ich zerre dich hinab an einen Ort, da du ihn bis in alle Ewigkeit hinausbr�llst.�</p><p>Ich richtete Grayswandir auf seine Augen.</p><p>�Reden kostet nichts�, sagte ich. �F�r Whisky braucht man Geld.�</p><p>In diesem Augenblick empfand ich eine seltsame K�hle, als hantierte jemand mit meinem Trumpf und d�chte an mich. Aber es war eine vage und schwache Wahrnehmung, auf die ich nicht weiter achten konnte, denn der Reiter hatte seinem Pferd irgendein Zeichen gegeben; wieder stieg es empor. Ich kam zu dem Schlu�, da� die Entfernung zu gro� war. Aber dieser Gedanke geh�rte in einen anderen Schatten. Das Untier st�rzte sich auf mich � dabei verlie� es die vage sichtbare Stra�e, an die es sich bisher gehalten hatte.</p><p>Der Sprung f�hrte es an eine Stelle dicht vor mir. Dabei st�rzte es nicht in den Abgrund und verschwand nicht, wie ich gehofft hatte. Vielmehr vollf�hrte es die Bewegungen des Galopps, und obwohl sein Vorankommen in keinem Verh�ltnis zur sichtbaren Anstrengung stand, r�ckte es doch langsam �ber dem Abgrund n�her.</p><p>W�hrend dies geschah, entdeckte ich in der Ferne, aus welcher der Reiter gekommen war, eine zweite Gestalt, die anscheinend ebenfalls zu mir wollte. Es blieb mir nichts anderes �brig, als standhaft zu bleiben, zu k�mpfen und zu hoffen, da� ich den ersten Angreifer ausschalten konnte, ehe der zweite heran war.</p><p>W�hrend des Sprungs glitt der rote Blick des Reiters �ber mich hin, blieb jedoch an Grayswandir haften. Was immer die verr�ckte Lichterscheinung hinter mir sein mochte, sie hatte dazu gef�hrt, da� das komplizierte Muster auf der Klinge wieder zum Leben erwachte; der Teil des Musters, der darauf eingeritzt war, funkelte und schimmerte auf ganzer L�nge. Der Reiter war inzwischen ganz nahe heran, zog aber nun die Z�gel an, und seine Augen richteten sich ruckhaft auf mein Gesicht. Das gespenstische Grinsen verschwand.</p><p>�Ich kenne dich!� sagte er. �Du wirst Corwin genannt!�</p><p>Aber wir hatten ihn, ich und mein Verb�ndeter, das Bewegungsmoment.</p><p>Die Vorderhufe des Pferdes ber�hrten die Felskante, und ich st�rmte vor. Die Reflexe des riesigen Tiers f�hrten dazu, da� es trotz der angezogenen Z�gel f�r seine Hinterhufe einen �hnlichen sicheren Halt suchte. Als ich angriff, lie� der Reiter seine Klinge in eine Gardeposition schwingen, doch ich trat zur Seite und griff von seiner Linken an. Als er die Klinge vor seinem K�rper herumf�hrte, stach ich bereits zu. Grayswandir bohrte sich in seine bleiche Haut, drang unter dem Brustbein ein.</p><p>Ich zog die Klinge zur�ck, und Str�me von Feuer ergossen sich wie Blut aus der Wunde. Der Schwertarm des Mannes sank herab. Als der lodernde Strom den Hals des Pferdes ber�hrte, stie� es ein Wiehern aus, das einem schrillen Schrei glich. Ich t�nzelte zur�ck, als der Reiter nach vorn kippte und das Tier, das inzwischen alle vier Hufe auf sicherem Grund hatte, weiter auf mich zust�rmte. Wieder hieb ich zu, defensiv, im Reflex. Meine Klinge ber�hrte das linke Vorderbein, das ebenfalls zu brennen begann.</p><p>Wieder wich ich zur Seite aus, als sich das Tier umdrehte und zum zweitenmal auf mich zukam. Im gleichen Augenblick verwandelte sich der Reiter in eine Lichts�ule. Das Tier stieg hoch, fuhr herum und galoppierte davon. Ohne innezuhalten, st�rzte es sich �ber die Felskante, verschwand im Abgrund und hinterlie� mir die Erinnerung an den gl�henden Kopf einer Katze, die mich vor langer Zeit einmal angesprochen hatte, und den unangenehmen Schauder, von dem dieser R�ckblick stets begleitet war.</p><p>Keuchend lehnte ich an einem Felsen. Die nebelhafte Stra�e war inzwischen noch n�her herangetrieben und bewegte sich etwa zehn Fu� von meinem Felsvorsprung entfernt. In meiner linken Seite sp�rte ich einen Krampf. Der zweite Reiter kam schnell n�her. Er war nicht bleich wie der erste. Sein Haar war dunkel, sein Gesicht war von nat�rlicher Farbe. Sein Tier war ein Fuchs mit einer richtigen M�hne. Er schwang eine gespannte Armbrust. Ich blickte hinter mich, doch es gab dort keinen Schutz, keine �ffnung, in der ich mich verstecken konnte.</p><p>Ich wischte mir die H�nde an der Hose ab und packte Grayswandir am Steg. Dann wandte ich mich zur Seite, um ein m�glichst schmales Ziel zu bieten. Ich hob die Klinge zwischen uns, in Kopfh�he, mit der Spitze zum Boden � der einzige Schild, den ich besa�.</p><p>Der Reiter kam auf gleiche H�he mit mir und z�gelte sein Pferd auf dem Gazestreifen. Langsam hob er die Armbrust, in dem Bewu�tsein, da� ich meine Klinge wie einen Speer schleudern konnte, wenn er mich nicht mit dem ersten Schu� traf.</p><p>Er war bartlos und hager. M�glicherweise hell�ugig; doch er hatte die Augen zusammengekniffen, um besser zielen zu k�nnen. Er beherrschte sein Tier vorz�glich und lenkte es mit dem Druck seiner Schenkel. Seine H�nde waren gro� und ruhig. F�hig. Ein seltsames Gef�hl �berkam mich, w�hrend ich ihn betrachtete.</p><p>Die Zeit dehnte sich �ber den Augenblick des Angriffs hinaus. Er lie� sich zur�ckfallen und senkte die Waffe ein St�ck, obwohl sein K�rper noch immer angespannt war.</p><p>�Du!� rief er. �Ist das die Klinge Grayswandir?�</p><p>�Ja�, gab ich zur�ck.</p><p>Er setzte seine Musterung fort, und irgend etwas in mir suchte nach Worten der Erkl�rung, fand aber nichts und rannte hilflos durch die Nacht davon.</p><p>�Was willst du hier?� fragte er.</p><p>�Zur�ck nach Hause.�</p><p>Ein leises Zischen ert�nte, als sein Bolzen ein gutes St�ck links von mir auf die Felsen traf.</p><p>�Dann geh�, sagte er. �Dies ist ein gef�hrlicher Ort f�r dich.�</p><p>Er wendete sein Pferd in die Richtung, aus der er gekommen war. � Ich senkte Grayswandir.</p><p>�Ich werde dich nicht vergessen�, sagte ich.</p><p>�Nein, vergi� mich nicht�, erwiderte er, ohne sich umzuwenden.</p><p>Dann galoppierte er davon, und Sekunden sp�ter trieb der vage Nebelstreifen ebenfalls weiter.</p><p>Ich stie� Grayswandir in die Scheide und trat einen Schritt vor. Die Welt begann sich wieder um mich zu drehen; von links r�ckte das Licht vor, rechts wich die Dunkelheit zur�ck. Ich suchte nach einer M�glichkeit, den Felshang hinter mir zu erklimmen. Er schien nur drei�ig oder vierzig Fu� hoch zu sein, und ich hoffte, da� ich von weiter oben einen besseren Ausblick h�tte. Der Felsvorsprung, auf dem ich stand, erstreckte sich nach rechts und links. Doch als ich mich ernsthaft damit befa�te, stellte ich fest, da� der Weg nach rechts schmaler wurde, ohne mir eine Aufstiegsm�glichkeit zu bieten. Ich drehte um und wanderte nach links.</p><p>Dort, hinter einem Felsvorsprung, wo der Weg ebenfalls ziemlich schmal wurde, erreichte ich einen zerkl�fteten Teil der Wand. Ich suchte das Gestein mit den Blicken ab: Ein Aufstieg schien m�glich. Ich warf einen vorsichtigen Blick nach hinten, um weitere Gefahren auszusp�hen. Die gespenstische Stra�e war noch weiter fortgetrieben; da sich keine weiteren Reiter n�herten, begann ich zu klettern.</p><p>Der Aufstieg war nicht schwierig, obwohl der Hang h�her war, als er von unten ausgesehen hatte. Wahrscheinlich ein Symptom der r�umlichen Verzerrungen, die meine Augen hier verschiedentlich wahrgenommen hatten. Nach einer gewissen Zeit richtete ich mich an einer Stelle auf, die mir einen besseren Blick �ber den Abgrund erm�glichte.</p><p>Wieder einmal nahm ich die chaotischen Farben wahr, die rechts von der Dunkelheit bedr�ngt wurden. Das Land, �ber dem sie tanzten, war mit Felsen �bers�t und voller Krater, keine Spur von Leben erkennbar. Mitten hindurch f�hrte jedoch schwarz und gewunden ein Streifen, der sich vom fernen Horizont bis zu einem Punkt irgendwo rechts von mir erstreckte: Dies konnte nur die schwarze Stra�e sein.</p><p>Nach weiteren zehn Minuten Kletterei hatte ich eine Stelle gefunden, von der aus ich den Endpunkt der Stra�e sehen konnte. Sie f�hrte durch einen breiten Pa� in den Bergen geradewegs zum Rand des Abgrunds. Dort verschmolz ihre Schw�rze mit der, die diesen Ort f�llte, jetzt nur noch an der Tatsache erkennbar, da� keine Sterne hindurchschimmerten. Ich orientierte mich an dieser Verdeckung und gewann den Eindruck, da� sie sich bis zu dem schwarzen Gebilde fortsetzte, um das die Nebelstreifen wallten.</p><p>Ich legte mich flach hin, um auf den Konturen des niedrigen H�gels keinen Anhaltspunkt zu bieten f�r unsichtbare Augen, die diesen Teil der Berge beobachten mochten. In dieser Position dachte ich dar�ber nach, wie der schwarze Weg ge�ffnet worden war. Der Schaden, den das Muster erlitten hatte, war f�r diesen Einflu� zur Pforte nach Amber geworden, wof�r � das nahm ich an � mein Fluch das ausl�sende Element gewesen war. Zwar sp�rte ich inzwischen, da� die Katastrophe wohl auch ohne mich geschehen w�re, doch ich war �berzeugt, meinen Beitrag dazu geleistet zu haben. Die Schuld lastete noch immer auf mir, wenn auch nicht mehr mit ganzer Schwere, wie ich zun�chst angenommen hatte. In diesem Augenblick mu�te ich an Eric denken, der sterbend auf dem Kolvirberg gelegen hatte. Obwohl er mich ha�te, hatte er gesagt, er wolle seinen Sterbefluch den Gegnern Ambers entgegenschleudern. Mit anderen Worten: diesem Einflu�, diesen Gestalten. Ironisch. Mein Tun galt heute im wesentlichen dem Bem�hen, den Todeswunsch des von mir am wenigsten geliebten Bruders zu erf�llen. Sein Fluch sollte meinen Fluch aufheben, durch mein Einwirken. Irgendwie war das sogar richtig so.</p><p>Ich hielt Ausschau nach Reihen schimmernder Reiter, die sich auf der Stra�e bewegten oder sammelten � doch zu meiner Freude war nichts festzustellen. Wenn eine neue Armee der Angreifer nicht bereits unterwegs war, schwebte Amber nicht in unmittelbarer Gefahr. Trotzdem machte mir eine Reihe von Dingen zu schaffen. In erster Linie fragte ich mich, warum nicht tats�chlich l�ngst ein neuer Angriff stattgefunden hatte, wenn sich die Zeit an diesem Ort wirklich so seltsam verhielt, wie es Daras m�gliche Herkunft andeutete. Jedenfalls reichte die inzwischen verstrichene Zeit mehr als aus, um sich zu erholen und eine neue Attacke vorzubereiten. War k�rzlich, nach amberianischer Zeit, etwas geschehen, das die gegnerische Strategie ver�ndert hatte? Wenn ja, was? Meine Waffen? Brands R�ckkehr? Oder etwas anderes? Ich fragte mich au�erdem, wie weit Benedict seine Posten vorgeschoben hatte. Jedenfalls nicht bis hierher, sonst w�re ich informiert worden. War er �berhaupt jemals hier gewesen? Hatte irgend einer der anderen in der j�ngeren Vergangenheit hier gestanden, �ber den H�fen des Chaos, etwas wissend, das mir nicht bekannt war? Ich beschlo�, Brand und Benedict danach zu fragen, sobald ich zur�ck war.</p><p>Dies alles brachte mich auf die �berlegung, wie sich wohl die Zeit in bezug auf mich verhalten w�rde, in diesem Augenblick. Am besten blieb ich nicht l�nger als unbedingt n�tig an diesem Ort. Ich bl�tterte die anderen Tr�mpfe durch, die ich aus Dworkins Schublade mitgenommen hatte. Sie waren zwar alle interessant, zeigten aber keine bekannten Szenen. Daraufhin nahm ich mein eigenes Spiel zur Hand und zog Randoms Trumpf. Vielleicht war er derjenige, der mich vorhin hatte sprechen wollen. Ich hob seine Karte und betrachtete sie.</p><p>Nach kurzer Zeit begann sie vor meinen Augen zu verschwimmen, und ich blickte auf ein undeutliches Kaleidoskop von Bildern mit einem vagen Eindruck von Random in der Mitte. Bewegung, sich verzerrende Perspektiven . . .</p><p>�Random�, sagte ich. �Hier Corwin.�</p><p>Ich sp�rte seinen Verstand, doch er antwortete nicht. Mir ging auf, da� er mitten in einem H�llenritt steckte und sich voll darauf konzentrierte, den Stoff der Schatten ringsum zu beherrschen. Er konnte nicht antworten, ohne die Kontrolle zu verlieren. Ich bedeckte den Trumpf mit der Hand und brach auf diese Weise den Kontakt.</p><p>Darauf zog ich G�rards Karte heraus. Sekunden sp�ter hatte ich Verbindung. Ich richtete mich auf.</p><p>�Wo bist du, Corwin?� fragte er.</p><p>�Am Ende der Welt�, sagte ich. �Ich m�chte nach Hause.�</p><p>�Komm.�</p><p>Er streckte mir die Hand entgegen. Ich ergriff sie und trat hindurch.</p><p>Wir befanden uns im Erdgescho� des Palastes von Amber, in dem Wohnzimmer, in das wir uns am Abend von Brands R�ckkehr zur�ckgezogen hatten. Es schien fr�h am Morgen zu sein. Im Kamin brannte ein Feuer. Wir waren allein.</p><p>�Ich habe dich vorhin zu erreichen versucht�, sagte er. �Dasselbe vermute ich von Brand, aber ich wei� es nicht genau.�</p><p>�Wie lange bin ich �berhaupt fort gewesen?�</p><p>�Acht Tage.�</p><p>�Da bin ich nur froh, da� ich mich beeilt habe. Was gibt�s�</p><p>�Nichts Besonderes�, erwiderte er. �Ich wei� nicht, was Brand will. Er fragte immer wieder nach dir, und ich konnte dich nicht erreichen. Daraufhin habe ich ihm einen Satz Karten gegeben und ihm anheimgestellt, es selbst zu versuchen. Offenbar ist es ihm nicht besser gegangen.�</p><p>�Ich war abgelenkt�, sagte ich. �Au�erdem war der Unterschied im Zeitflu� enorm.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Seitdem er au�er Gefahr ist, gehe ich ihm aus dem Weg. Er steckt mal wieder in einer seiner finsteren Stimmungen und ist �berzeugt, da� er sich allein versorgen kann. Damit hat er nat�rlich recht; mir ist es ja auch egal.�</p><p>�Wo ist er jetzt?�</p><p>�In seinen R�umen, dort war er wenigstens vor einer Stunde � in finstere Gedanken versunken.�</p><p>�Ist er �berhaupt mal drau�en gewesen?�</p><p>�Ein paar kurze Spazierg�nge. Aber das war schon vor Tagen.�</p><p>�Dann sollte ich ihn jetzt aufsuchen. Ist irgend etwas �ber Random bekannt?�</p><p>�Ja�, gab er zur�ck. �Benedict kehrte vor einigen Tagen zur�ck. Er sagte, sie h�tten etliche Spuren gefunden, die auf Randoms Sohn hindeuteten. Ein paar hat er mit �berpr�ft. Eine Spur jedoch f�hrte weiter, doch Benedict war der Meinung, er sollte sich bei der unsicheren Lage nicht allzu lange von Amber entfernen. So lie� er Random die Suche allein fortsetzen. Die Sache hat ihm allerdings etwas eingebracht. Als er zur�ckkam, hatte er einen k�nstlichen Arm an der Schulter, ein sch�nes St�ck. Er kann damit praktisch alles machen � fast wie fr�her.�</p><p>�Wirklich?� fragte ich. �H�rt sich seltsam bekannt an.�</p><p>Er l�chelte und nickte.</p><p>�Er sagte mir, du h�ttest ihm das Ding aus Tir-na Nog�th mitgebracht. Er m�chte so bald wie m�glich mit dir dar�ber sprechen.�</p><p>�Kann ich mir denken. Wo ist er jetzt?�</p><p>�Bei einem der Vorposten, die er an der schwarzen Stra�e stehen hat. Du m��test dich �ber Trumpf mit ihm in Verbindung setzen.�</p><p>�Vielen Dank. Irgendwelche Neuigkeiten �ber Julian oder Fiona?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Na sch�n�, sagte ich und wandte mich zur T�r. �Dann will ich mal Brand besuchen.�</p><p>�W�rde mich interessieren zu erfahren, was er im Schilde f�hrt�, bemerkte G�rard.</p><p>�Ich werde dran denken.�</p><p>Ich verlie� den Raum und ging zur Treppe.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Ich klopfte an Brands T�r.</p><p>�Herein, Corwin�, sagte er.</p><p>Ich gehorchte. W�hrend ich �ber die Schwelle trat, nahm ich mir vor, nicht zu fragen, woher er gewu�t hatte, wer vor der T�r stand. Sein Zimmer war ziemlich d�ster; obwohl es heller Tag war und es vier Fenster gab, brannten zahlreiche Kerzen. Drei Fensterl�den waren geschlossen, nur der vierte war einen Spalt breit ge�ffnet. Brand stand dicht davor und starrte auf das Meer hinaus. Er war von Kopf bis Fu� in schwarzen Samt gekleidet und trug eine Silberkette um den Hals. Sein G�rtel bestand ebenfalls aus Silber � ein sch�nes St�ck aus zahlreichen Gliedern. Er spielte mit einem kleinen Dolch herum und sah mich nicht an. Er war noch immer ziemlich bleich, doch sein Bart war inzwischen s�uberlich getrimmt, und er wirkte frischer und ein wenig rundlicher als bei unserer letzten Begegnung.</p><p>�Du siehst besser aus�, stellte ich fest. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>Er wandte sich um und sah mich mit halb geschlossenen Augen ausdruckslos an.</p><p>�Wo bist du gewesen, zum Teufel?� fragte er.</p><p>�Da und dort. Weshalb wolltest du mich sprechen?�</p><p>�Ich habe gefragt, wo du warst!�</p><p>�Und ich habe dich verstanden�, gab ich zur�ck und machte die T�r hinter mir wieder auf. �Ich werde jetzt noch mal rausgehen und wieder hereinkommen. Ich w�rde vorschlagen, wir fangen unser Gespr�ch von vorn an.�</p><p>Er seufzte.</p><p>�Moment doch! Es tut mir leid. Warum sind wir denn alle so empfindlich? Ich wei� nicht . . . Na sch�n, vielleicht ist es besser, wenn wir einen Neuanfang machen.�</p><p>Er steckte den Dolch ein, ging durch das Zimmer und setzte sich in einen breiten Stuhl aus dunklem Holz und schwarzem Leder.</p><p>�Ich begann mir Gedanken zu machen �ber all die Dinge, die wir besprochen hatten�, sagte er, �und �ber einige, die wir noch nicht diskutieren konnten. Ich wartete eine mir angemessen erscheinende Zeit auf den Abschlu� deines Anliegens in Tir-na Nog�th und auf deine R�ckkehr. Anschlie�end erkundigte ich mich nach dir und bekam zur Antwort, du seist noch nicht zur�ck. Ich wartete noch l�nger. Zuerst war ich ungeduldig, dann begann ich mir Sorgen zu machen, da� dich unsere Feinde vielleicht in einen Hinterhalt gelockt h�tten. Als ich sp�ter wieder nach dir fragte, erfuhr ich, da� du nur eben lange genug in der Stadt gewesen warst, um mit Randoms Frau zu sprechen � es mu� ein wichtiges Gespr�ch gewesen sein � und um zu schlafen. Anschlie�end seist du sofort wieder abgereist. Ich war �rgerlich, da� du es nicht f�r n�tig befunden hattest, mich �ber die Ereignisse zu informieren, doch ich beschlo�, noch ein wenig l�nger zu warten. Schlie�lich bat ich G�rard, dich �ber deinen Trumpf anzusprechen. Als er keinen Erfolg hatte, machte ich mir ernsthafte Sorgen. Ich versuchte es selbst; dabei hatte ich zwar mehrfach das Gef�hl, dich zu ber�hren, drang aber nicht ganz zu dir durch. Ich hatte Angst um dich; dabei sehe ich jetzt, da� ich mir �berhaupt keine Sorgen h�tte machen m�ssen. Deshalb war ich so aufgebracht.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich und nahm zu seiner Rechten Platz. �Genau genommen ist die Zeit f�r mich schneller verstrichen als f�r dich; ich habe gar nicht das Gef�hl, �berhaupt fort gewesen zu sein. Wahrscheinlich ist deine Stichwunde inzwischen besser verheilt als meine.�</p><p>Er l�chelte vorsichtig und nickte.</p><p>�W�re ja wenigstens etwas�, sagte er, �als Gegenleistung f�r meinen Schmerz.�</p><p>�Ich habe ein paar Sorgen hinzugewonnen�, sagte ich. �Bitte verpa� mir keine neuen. Du wolltest mich sprechen. Raus damit.�</p><p>�Irgend etwas bek�mmert dich�, sagte er. �Vielleicht sollten wir zun�chst dar�ber sprechen.�</p><p>�Na sch�n�, sagte ich.</p><p>Ich wandte mich um und blickte auf das Bild neben der T�r. Ein �lgem�lde, eine ziemlich d�stere Darstellung des Brunnens bei Mirata, in der N�he zwei M�nner im Gespr�ch, neben ihren Pferden.</p><p>�Du hast einen unverwechselbaren Stil�, sagte ich.</p><p>�In allem.�</p><p>�Damit hast du mir den n�chsten Satz aus dem Mund genommen�, sagte ich, nahm Martins Trumpf zur Hand und gab ihn Brand.</p><p>Sein Gesicht zeigte keine Regung, w�hrend er die Zeichnung betrachtete, mir einen kurzen Seitenblick zuwarf und nickte.</p><p>�Ich kann meinen Stil nicht ableugnen�, sagte er.</p><p>�Deine Hand hat mehr als eine Karte gefertigt. Oder nicht?�</p><p>Er fuhr sich mit der Zungenspitze �ber die Oberlippe.</p><p>�Wo hast du sie gefunden?� fragte er.</p><p>�Dort wo du sie zur�ckgelassen hast, im Zentrum der Dinge � im wirklichen Amber.�</p><p>�Also . . .�, sagte er, stand auf und kehrte zum Fenster zur�ck, wobei er die Karte hielt, als wollte er sie sich im hellen Licht genauer ansehen. �Du wei�t also mehr, als ich dachte. Wie hast du vom Ur-Muster erfahren?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du antwortest als erster: Hast du Martin �berfallen?�</p><p>Daraufhin wandte er sich wieder in meine Richtung, sah mich einen Augenblick lang an und nickte kurz. Seine Augen erforschten mein Gesicht.</p><p>�Warum?�</p><p>�Jemand mu�te es tun�, erkl�rte er, �um den M�chten, die wir brauchten, den Weg zu bereiten. Wir haben Strohhalme gezogen.�</p><p>�Und du hast gewonnen?�</p><p>�Gewonnen? Verloren?� Er zuckte die Achseln. �Was kommt es noch darauf an? Die Dinge entwickelten sich nicht so, wie wir beabsichtigt hatten. Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich damals war.�</p><p>�Hast du ihn umgebracht?�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Martin, Randoms Sohn. Ist er an der von dir beigebrachten Wunde gestorben?�</p><p>Er drehte die Handfl�chen nach au�en.</p><p>�Ich wei� es nicht�, antwortete er. �Wenn er nicht gestorben ist, dann nicht deswegen, weil ich�s nicht versucht h�tte. Du kannst deine Suche einstellen. Du hast den Schuldigen gefunden. Was f�ngst du jetzt mit diesem Wissen an?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Ich? Nichts. Vielleicht lebt er noch.�</p><p>�Dann sollten wir uns Dingen zuwenden, die von gr��erer Bedeutung sind. Wie lange wei�t du schon von dem echten Muster?�</p><p>�Lange genug�, antwortete ich, �Herkunft, Funktionen, die Wirkung des Blutes von Amber auf das Muster � lange genug. Ich habe mehr auf Dworkin geh�rt, als du vielleicht angenommen hast. Doch sah ich keinen Vorteil darin, die Grundlage des Seins zu besch�digen. Ich lie� die schlafenden Hunde also in Ruhe. Erst nach unserem k�rzlichen Gespr�ch bin ich auf den Gedanken gekommen, da� die schwarze Stra�e mit einer solchen Torheit zusammenh�ngen k�nnte. Als ich mir das Muster dann anschaute, fand ich Martins Trumpf und das �brige.�</p><p>�Ich wu�te gar nicht, da� du Martin kanntest.�</p><p>�Ich habe ihn nie von Angesicht gesehen.�</p><p>�Woher wu�test du dann, da� er auf dem Trumpf dargestellt war?�</p><p>�Ich war nicht allein an jenem Ort.�</p><p>�Wer war bei dir?�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Nein, Brand. Noch bist du an der Reihe. Bei unserem letzten Zusammensein hast du mir erz�hlt, die Feinde Ambers k�men aus den H�fen des Chaos, sie h�tten Zugang zu unserer Welt �ber die schwarze Stra�e, und zwar aufgrund einer Sache, die du und Bleys und Fiona vor langer Zeit getan h�ttet, als ihr euch noch �ber den besten Weg zum Thron einig wart. Inzwischen wei� ich, was ihr getan habt. Aber: Benedict bewacht die schwarze Stra�e, und ich habe gerade einen Blick auf die H�fe des Chaos werfen k�nnen. Keine neuen Streitkr�fte sammeln sich dort, nichts bewegt sich auf der Stra�e in unsere Richtung. Ich wei�, da� die Zeit an jenem Ort anders verl�uft. Unsere Gegner h�tten Zeit genug haben m�ssen, einen neuen Vorsto� einzuleiten. Ich m�chte wissen, was sie zur�ckh�lt. Warum sind sie nicht in Aktion getreten? Worauf warten sie, Brand?�</p><p>�Du traust mir mehr Wissen zu, als ich besitze.�</p><p>�Ich glaube nicht. Du bist hier der Experte f�r diese Fragen. Du hast dich damit besch�ftigt. Der Trumpf ist der Beweis, da� du mit anderen Dingen hinter dem Berg gehalten hast. H�r auf, dich zu winden � rede!�</p><p>�Die H�fe . . .�, sagte er. �Du hast dich wirklich umgetan. Eric war ein Dummkopf, da� er dich nicht gleich umbringen lie� � wenn er wu�te, da� du dich mit diesen Dingen auskanntest.�</p><p>�Eric war ein Dummkopf�, sagte ich. �Du bist keiner. Jetzt rede.�</p><p>�Aber ich <emphasis>bin</emphasis> ein Dummkopf�, beharrte er, �noch dazu ein sentimentaler. Erinnerst du dich an den Tag unserer letzten Auseinandersetzung hier in Amber? Lange ist es her.�</p><p>�Vage.�</p><p>�Ich sa� auf meiner Bettkante. Du standest neben meinem Schreibtisch. Als du dich abwandtest und zur T�r gingst, nahm ich mir vor, dich zu t�ten. Ich griff unter das Bett, wo ich eine schu�bereite Armbrust aufbew�hrte. Ich hatte die Waffe schon ber�hrt und wollte sie anheben, als mir ein Gedanke kam, der mich innehalten lie�.�</p><p>Er schwieg.</p><p>�Und?�</p><p>�Schau mal, dort dr�ben an der T�r.�</p><p>Ich blickte hin�ber, sah aber nichts Besonderes. Ich sch�ttelte den Kopf, als er sagte: �Auf dem Boden.�</p><p>Dann sah ich, was er meinte � rotbraun, olivengr�n, braun und gr�n, mit kleinen geometrischen Mustern.</p><p>Er nickte.</p><p>�Du standest auf meinem Lieblingsteppich. Ich wollte kein Blut darauf vergie�en. Sp�ter war meine Wut verraucht. Auch ich bin also ein Opfer von Emotionen und �u�eren Einfl�ssen.�</p><p>�Eine sch�ne Geschichte . . .�, begann ich.</p><p>�. . . aber jetzt m�chtest du, da� ich nicht l�nger um den hei�en Brei herumrede. Doch ich habe um nichts herumgeredet. Ich wollte dir etwas mitteilen. Wir alle leben, indem wir uns gegenseitig dulden und indem von Zeit zu Zeit ein gl�cklicher Zufall zu unseren Gunsten spricht. Ich m�chte vorschlagen, diese gegenseitige Duldung und die M�glichkeit eines Zufalls in einigen sehr wichtigen Punkten aufzugeben. Zuerst aber zu deiner Frage. Ich wei� zwar nicht genau, was unsere Gegner zur�ckh�lt, doch ich k�nnte es mir denken. Bleys hat eine gro�e Armee um sich versammelt, die Amber angreifen soll. Sie wird nat�rlich nicht ann�hernd so gro� sein wie die, die du mit ihm gegen Amber gef�hrt hast. Wei�t du, er verl��t sich auf die Erinnerung an den letzten Angriff und berechnet danach die Reaktion auf den neuen. Wahrscheinlich wird dem Angriff der Versuch vorausgehen, Benedict und dich zu t�ten. Das alles wird aber nur eine Finte sein. Ich w�rde vermuten, da� Fiona sich mit den H�fen des Chaos in Verbindung gesetzt hat � und sich im Augenblick vielleicht sogar dort aufh�lt �, um die dortigen Kr�fte auf den richtigen Angriff vorzubereiten, der jederzeit nach Bleys Ablenkungsvorsto� beginnen kann. Aus diesem Grund . . .�</p><p>�Du sagst, du k�nntest dir das alles denken�, unterbrach ich ihn. �Dabei wissen wir nicht einmal genau, ob Bleys �berhaupt noch lebt.�</p><p>�Bleys lebt�, sagte er. ��ber einen Trumpf konnte ich mir Gewi�heit �ber seine Existenz und sogar einen gewissen Eindruck von seinen augenblicklichen Aktivit�ten verschaffen, ehe er meine Gegenwart sp�rte und mich abblockte. Er reagiert sehr feinf�hlig auf solche �berwachung. Ich fand ihn im Felde mit Truppen, die er gegen Amber einzusetzen gedenkt.�</p><p>�Und Fiona?�</p><p>�Nein�, entgegnete er, �mit ihrem Trumpf habe ich nicht herumgespielt, und dir w�rde ich ebenfalls davon abraten. Sie ist sehr gef�hrlich; ich w�rde mich nur ungern ihrem Einflu� aussetzen. Meine �u�erung �ber ihren Aufenthaltsort basiert mehr auf Schlu�folgerungen als konkreten Erkenntnissen. Trotzdem glaube ich mich darauf verlassen zu k�nnen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich.</p><p>�Ich habe einen Plan.�</p><p>�Sprich weiter.�</p><p>�Die Art und Weise, wie du mich aus meinem Kerker befreit hast, war sehr raffiniert; du hast die Konzentrationskr�fte aller Beteiligten vereint. Dasselbe Prinzip lie�e sich wieder nutzbar machen, doch mit einem anderen Ziel. Eine solche Kraft k�nnte den Verteidigungswall einer Person durchbrechen � selbst wenn es sich um jemanden wie Fiona handelt �, solange die Aktion richtig gelenkt wird.�</p><p>�Soll hei�en � durch dich gelenkt?�</p><p>�Nat�rlich. Ich m�chte vorschlagen, da� wir die Familie zusammenrufen und zu Bleys und Fiona durchsto�en, wo immer sie sich aufhalten m�gen. Wir halten ihre K�rper fest, nur einen Augenblick lang, eben lange genug, da� ich zustechen kann.�</p><p>�So wie du es bei Martin getan hast?�</p><p>�Besser, so hoffe ich. Martin konnte sich im letzten Augenblick losrei�en. Das d�rfte diesmal nicht passieren, wenn ihr mir alle helft. Drei oder vier w�rden vermutlich gen�gen.�</p><p>�Glaubst du wirklich, da� du das so leicht schaffst?�</p><p>�Ich wei� jedenfalls, da� wir es versuchen m�ssen. Die Zeit geht weiter. Du wirst zu denen geh�ren, die ihr Leben verlieren, wenn sie Amber erobern. Und ich auch. Was meinst du?�</p><p>�Wenn ich mich �berzeugen lasse, ist dein Vorgehen notwendig. Dann h�tte ich keine andere Wahl, als mitzumachen.�</p><p>�Die Aktion ist unumg�nglich, glaube mir. Als n�chstes brauche ich das Juwel des Geschicks.�</p><p>�Wozu denn das?�</p><p>�Wenn sich Fiona wirklich in den H�fen des Chaos aufh�lt, gen�gt der Trumpf allein wahrscheinlich nicht, um sie zu finden und festzuhalten, selbst wenn wir alle dahinterstehen. In ihrem Falle brauche ich das Juwel, um unsere Energien zu konzentrieren.�</p><p>�Das lie�e sich vielleicht machen.�</p><p>�Je eher, desto besser. Kannst du f�r heute abend alles arrangieren? Ich bin wieder soweit auf dem Damm, da� ich meinen Teil an der Aktion �bernehmen kann.�</p><p>�Himmel, nein!� sagte ich und stand auf.</p><p>�Was soll das hei�en?� Seine H�nde krampften sich um die Armlehne des Sessels und stemmten ihn halb empor. �Warum nicht?�</p><p>�Ich habe gesagt, ich w�rde mitmachen, wenn ich �berzeugt w�re, da� es keinen anderen Weg gibt. Du hast selbst gesagt, da� dein Plan weitgehend auf Schlu�folgerungen beruht. Das allein gen�gt, um mich noch l�ngst nicht zu �berzeugen.�</p><p>�Dann vergi� das �berzeugtsein! Kannst du dir das Risiko leisten? Der n�chste Angriff wird weitaus heftiger ausfallen als der letzte, Corwin. Der Gegner kennt unsere neuen Waffen. Er wird sich bei seinen Pl�nen darauf einstellen!�</p><p>�Selbst wenn ich deiner Meinung w�re, Brand, k�nnte ich die anderen wohl kaum �berzeugen, da� diese Hinrichtungen notwendig sind.�</p><p>�Sie �berzeugen? Du mu�t es ihnen sagen! Du hast sie doch alle im Griff, Corwin! Du bist im Augenblick ganz oben. Und dort m�chtest du doch bleiben, oder?�</p><p>Ich l�chelte und ging zur T�r. �Das werde ich schaffen�, sagte ich, �indem ich tue, was ich f�r richtig halte. Deine Vorschl�ge werde ich mir auf jeden Fall zu Herzen nehmen.�</p><p>�Das, was du f�r richtig h�ltst, wird dich aber das Leben kosten. Eher, als du glaubst.�</p><p>�Ich stehe schon wieder auf deinem Teppich.�</p><p>Er lachte.</p><p>�Sehr gut! Aber das war eben keine Drohung. Du wei�t, was ich gemeint habe. Du bist jetzt f�r ganz Amber verantwortlich. Du mu�t das Richtige tun.�</p><p>�Und du wei�t, was <emphasis>ich</emphasis> gemeint habe. Kommt nicht in Frage, da� wir auf der Grundlage deiner Verd�chtigungen einfach noch ein paar von unseren Geschwistern umbringen! Da m��te ich schon viel mehr in der Hand haben.�</p><p>�Wenn du die Beweise endlich hast, ist es vielleicht zu sp�t.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Das werden wir ja sehen.�</p><p>Ich griff nach dem T�rknopf.</p><p>�Was hast du jetzt vor?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich sage nicht jedem, was ich wei�, Brand. Eine Art Versicherung.�</p><p>�Das wei� ich zu sch�tzen. Ich will nur hoffen, da� du genug wei�t.�</p><p>�Vielleicht f�rchtest du ja auch, da� ich zuviel wei߫, gab ich zur�ck.</p><p>Einen Augenblick lang spannten sich die Muskeln um seine Augen. Dann l�chelte er.</p><p>�Vor dir habe ich keine Angst, Bruder.�</p><p>�Es ist gut, wenn man nichts zu f�rchten hat�, sagte ich.</p><p>Dann �ffnete ich die T�r.</p><p>�Moment noch.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du hast mir noch nicht gesagt, wer bei dir war, als du Martins Trumpf entdecktest, an dem Ort, wo ich ihn zur�cklie�.�</p><p>�Nun, es war Random.�</p><p>�Oh. Kennt er die Einzelheiten?�</p><p>�Wenn du mich fragst, ob er wei�, da� du seinen Sohn �berfallen hast, lautet die Antwort nein. Er wei� es noch nicht.�</p><p>�Ich verstehe. Und Benedicts neuer Arm? Ich h�rte, da� du ihm das Ding in Tir-na Nog�th besorgt hast. Dar�ber w�rde ich gern mehr erfahren.�</p><p>�Jetzt nicht�, sagte ich. �Heben wir uns ein bi�chen f�r unsere n�chste Zusammenkunft auf. Sie ist bestimmt schon bald.�</p><p>Ich verlie� das Zimmer und schlo� die T�r, mit stummem Gru� an den Teppich.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Nachdem ich die K�che besucht und dort eine opulente Mahlzeit zusammengestellt und verzehrt hatte, ging ich in die St�lle, wo ich einen h�bschen jungen Fuchs ausfindig machte, der fr�her einmal Eric geh�rt hatte. Das war aber kein Hindernis f�r unsere Freundschaft, und kurze Zeit sp�ter n�herten wir uns dem Pfad am Kolvirhang, der uns zum Lager meiner Streitkr�fte aus den Schatten f�hren mu�te. W�hrend ich dahinritt, versuchte ich mir �ber die Ereignisse und Enth�llungen jener Zeit klar zu werden, die f�r mich in wenigen Stunden verstrichen war. Wenn Amber in der Tat als Folge von Dworkins Rebellion in den H�fen des Chaos erstanden war, folgte daraus, da� wir alle mit den Kr�ften verwandt waren, die uns bedrohten. Nat�rlich wu�te man nie genau, inwieweit Dworkins �u�erungen zuverl�ssig waren. Doch immerhin f�hrte die schwarze Stra�e zu den H�fen des Chaos, offenbar als direktes Ergebnis von Brands Ritual, etwas, das er auf Prinzipien abgestellt hatte, die ihm von Dworkin beigebracht worden waren. Zum Gl�ck hatten jene Teile von Dworkins Bericht, die am wenigsten glaubhaft waren, keine so gro�e Bedeutung, soweit es die augenblickliche Lage anging. Dennoch erf�llte mich der Gedanke, von einem Einhorn abzustammen, mit gemischten Gef�hlen . . .</p><p>�Corwin!�</p><p>Ich z�gelte das Pferd. Ich �ffnete den ankommenden Impulsen meinen Geist, und Ganelons Bild erschien.</p><p>�Hier bin ich�, sagte ich. �Wie bist du an einen Satz Karten gekommen? Und wo hast du gelernt, sie zu gebrauchen?�</p><p>�Ich habe mir vor einiger Zeit einen Packen aus der Vitrine in der Bibliothek genommen. Hielt es f�r ganz gut, mich im Notfall schnell bei dir melden zu k�nnen. Und was die Anwendung angeht � ich habe einfach getan, was du und die anderen machen � auf den Trumpf blicken, daran denken, sich auf den Gedanken konzentrieren, mit der Person in Verbindung zu treten.�</p><p>�Ich h�tte dir l�ngst ein Spiel geben sollen�, sagte ich. �Das war eine Gedankenlosigkeit von mir. Ich bin froh, da� du selbst daf�r gesorgt hast. Probierst du die Karten nur aus, oder hat sich etwas ergeben?�</p><p>�Das letztere�, sagte er. �Wo bist du?�</p><p>�Zuf�llig bin ich auf dem Weg zu dir.�</p><p>�Alles in Ordnung?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sch�n. Dann komm. Ich m�chte dich lieber nicht durch dieses Ding zu mir holen, wie ihr es immer macht. So dringend ist die Sache nicht. Ich sehe dich dann.�</p><p>�Ja.�</p><p>Er unterbrach den Kontakt, und ich sch�ttelte die Z�gel und setzte meinen Ritt fort. Eine Sekunde lang hatte es mich ge�rgert, da� er mich nicht einfach um einen Satz Karten gebeten hatte. Aber dann fiel mir ein, da� ich ja nach amberianischer Zeit eine gute Woche fort gewesen war. Wahrscheinlich hatte er sich Sorgen gemacht und den anderen nicht zugetraut, da� sie ihm die Karten �berlassen w�rden. Damit hatte er vielleicht sogar recht.</p><p>Der Abstieg ging schnell vonstatten, und ich erreichte nach kurzer Zeit das Lager. Das Pferd � das �brigens Drum hie� � schien froh zu sein, endlich einmal wieder geritten zu werden, und hatte die Neigung, bei der erstbesten Gelegenheit das Tempo zu erh�hen. Zwischendurch gab ich ihm einmal die Z�gel frei, um es ein wenig zu erm�den, und dann dauerte es nicht mehr lange, bis ich das Lager sichtete. Etwa um diese Zeit wurde mir klar, da� ich Star vermi�te.</p><p>Im Lager wurde ich begr��t und angestarrt. Eine seltsame Stille folgte mir; das Leben im Lager schien zu erstarren. Ich �berlegte, ob man etwa annahm, da� ich den Kampfbefehl brachte.</p><p>Ganelon kam aus einem Zelt, ehe ich abgestiegen war.</p><p>�Schnell bist du�, stellte er fest und ergriff meine Hand. �Ein herrliches Pferd.�</p><p>�Ja�, sagte ich und gab seiner Ordonnanz die Z�gel. �Was hast du f�r Neuigkeiten?�</p><p>�Nun . . .�, sagte er. �Ich habe mit Benedict gesprochen . . .�</p><p>�R�hrt sich etwas auf der schwarzen Stra�e?�</p><p>�Nein, nein. Darum geht es nicht. Nachdem er seine Freunde � die Tecys � besucht hatte, suchte er mich auf, um mir mitzuteilen, da� es Random gutgehe und da� er einer Spur folge, die ihn vielleicht zu Martin f�hrt. Dann kamen wir auf andere Themen zu sprechen, und er bat mich, ihm zu erz�hlen, was ich �ber Dara wisse. Random hatte ihm gesagt, sie habe das Muster beschritten, und er war zu dem Schlu� gekommen, da� au�er dir inzwischen zu viele Leute von ihrer Existenz w��ten.�</p><p>�Und was hast du ihm gesagt?�</p><p>�Alles.�</p><p>�Einschlie�lich der Spekulationen � nach Tir-na Nog�th?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich verstehe. Und wie hat er darauf reagiert?�</p><p>�Es schien ihn aufzuregen und irgendwie sogar gl�cklich zu machen. Komm, du kannst selbst mit ihm sprechen.�</p><p>Ich nickte, und er wandte sich zum Zelt. Er schob die Plane zur Seite und lie� mir den Vortritt. Ich ging hinein.</p><p>Benedict sa� auf einem niedrigen Stuhl neben einer Truhe, auf der eine Landkarte ausgebreitet war. Auf dieser Karte suchte er etwas mit dem langen Metallfinger der schimmernden Skeletthand, die an dem mit Silberkabeln versehenen mechanischen Arm hing, den ich ihm aus der Stadt am Himmel mitgebracht hatte; das Ger�t war nun am Stumpf seines rechten Arms befestigt, ein kleines St�ck unter dem abgeschnittenen �rmel seines braunen Hemdes � eine Verwandlung, die mich mit Schaudern erf�llte, so sehr �hnelte er nun dem Gespenst, mit dem ich zu tun gehabt hatte. Sein Blick hob sich, fiel auf mich, und er hob gr��end die Hand, eine elegant ausgef�hrte, l�ssige Geste, und setzte das breiteste L�cheln auf, das ich je auf seinem Gesicht gesehen hatte.</p><p>�Corwin!� sagte er, stand auf und hielt mir die Hand hin.</p><p>Ich mu�te mich dazu zwingen, das Gebilde zu ergreifen, das mich fast get�tet h�tte. Benedict selbst schien mir jedoch gewogener zu sein als je zuvor. Ich sch�ttelte die neue Hand, die mir in absolut nat�rlichem Druck begegnete. Ich versuchte die K�lte und Eckigkeit des Gebildes zu �bersehen und hatte beinahe Erfolg damit, so sehr verbl�ffte mich die Perfektion der Kontrolle, die er in dieser kurzen Zeit erlangt hatte.</p><p>�Ich mu� mich bei dir entschuldigen�, sagte er. �Ich habe mich in dir get�uscht. Es tut mir wirklich leid.�</p><p>�Schon gut�, sagte ich. �Ich verstehe dich schon.�</p><p>Er umarmte mich einen Augenblick lang, und auf meine �berzeugung, da� zwischen uns alles in Ordnung war, fiel lediglich der Schatten des Griffes jener kalten und t�dlichen Finger an meiner Schultern.</p><p>Ganelon lachte und zog sich einen Stuhl herbei, den er auf der anderen Seite der Truhe aufstellte. Mein Zorn, da� er ein Thema angeschnitten hatte, das ich unter keinen Umst�nden hatte besprechen wollen, verrauchte beim Betrachten der Auswirkungen; ich konnte mich nicht erinnern, Benedict je bei besserer Laune gesehen zu haben. Ganelon freute sich offenbar, unsere Differenzen beigelegt zu haben.</p><p>Ich l�chelte meinerseits und nahm Platz, wobei ich den Schwertg�rtel �ffnete und Grayswandir am Zeltmast aufh�ngte. Ganelon holte drei Gl�ser und eine Flasche Wein. W�hrend er die Gl�ser vollschenkte, bemerkte er: �Um die Gastfreundschaft deines Zeltes zu erwidern, damals sp�tnachts in Avalon.�</p><p>Benedict nahm sein Glas zur Hand; es war kaum ein Klicken zu h�ren.</p><p>�Aber die Stimmung in diesem Zelt ist entspannter�, sagte er. �Nicht wahr, Corwin?�</p><p>Ich nickte und hob meinen Wein.</p><p>�Auf diese Entspannung. M�ge sie ewig anhalten.�</p><p>�Zum erstenmal seit langer Zeit habe ich ausf�hrlich mit Random sprechen k�nnen�, sagte Benedict. �Er hat sich ziemlich ver�ndert.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Ich bin jetzt eher geneigt, ihm zu trauen. Wir hatten Zeit f�r unser Gespr�ch, nachdem wir die Tecys verlassen hatten.�</p><p>�Wohin wart ihr unterwegs?�</p><p>�Martin hatte gegen�ber seinen Gastgebern einige Bemerkungen fallen lassen, die darauf hindeuteten, da� er zu einem Ort tiefer in den Schatten unterwegs war, den ich kannte � die Blockstadt Heerat. Wir reisten dorthin und stie�en in der Tat auf seine Spur.�</p><p>�Ich kenne Heerat nicht�, warf ich ein.</p><p>�Eine Stadt aus Adobe und Stein � ein Zentrum an der Kreuzung mehrerer Handelsstra�en. Random erhielt dort Nachrichten, die ihn nach Osten und vermutlich noch tiefer in die Schatten gef�hrt haben. Wir trennten uns in Heerat, denn ich wollte nicht zu lange von Amber fort sein. Au�erdem gab es da eine pers�nliche Angelegenheit, die ich weiterverfolgen mu�te. Er hatte mir erz�hlt, er habe gesehen, wie Dara am Tag des gro�en Kampfes das Muster beschritt.�</p><p>�Das ist richtig�, sagte ich. �Sie hat es getan. Ich war auch dabei.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Wie ich schon sagte, Random hatte mich beeindruckt. Ich war geneigt zu glauben, er habe die Wahrheit gesagt. Wenn das so war, bestand die M�glichkeit, da� du ebenfalls nicht gelogen hattest. Hiervon ausgehend, mu�te ich den Behauptungen des M�dchens nachgehen. Da du nicht hier warst, habe ich Ganelon aufgesucht � vor mehreren Tagen schon � und mir von ihm alles erz�hlen lassen, was er �ber Dara wei�.�</p><p>Ich blickte Ganelon an, der leicht den Kopf neigte.</p><p>�Jetzt glaubst du also eine neue Verwandte entdeckt zu haben�, sagte ich. �Eine L�gnerin, gewi�, und m�glicherweise ein Gegner � aber trotzdem eine Verwandte. Was hast du als n�chstes vor?�</p><p>Er trank einen Schluck Wein.</p><p>�Ich w�rde ja gern glauben, da� sie mit mir verwandt ist�, sagte er. �Der Gedanke gef�llt mir irgendwie. Mir geht es also darum, diesen Tatbestand zu best�tigen oder eben den Beweis f�r das Gegenteil zu finden. Wenn es sich erweist, da� wir wirklich verwandt sind, m�chte ich gern die Motive ihres Tuns kennenlernen. Und ich m�chte erfahren, warum sie sich mir nie direkt offenbart hat.� Er setzte das Glas ab, hob die k�nstliche Hand und bewegte die Finger. �Zun�chst m�chte ich aber von deinen Erlebnissen in Tirna Nog�th h�ren, soweit sie mich und Dara betreffen. Au�erdem erf�llt mich brennende Neugier wegen dieser Hand, die mir das Gef�hl verleiht, als sei sie f�r mich gemacht. Es ist meines Wissens zum erstenmal geschehen, da� jemand aus der Stadt am Himmel ein greifbares Objekt mitgebracht hat.� Er ballte die Faust, �ffnete sie wieder, drehte das Handgelenk, streckte den Arm aus, hob ihn, legte ihn sanft auf das Knie. �Random hat mir das Ding gut anoperiert, meinst du nicht auch?� schlo� er.</p><p>�O ja�, sagte ich.</p><p>�Erz�hlst du mir deine Geschichte?�</p><p>Ich nickte und trank aus meinem Weinglas.</p><p>�Es geschah im Palast des Himmels�, sagte ich. �Der Ort war voller tintenschwarzer, zuckender Schatten. Ich versp�rte den Drang, den Thronsaal aufzusuchen. Das tat ich auch, und als die Schatten zur Seite wichen, sah ich dich rechts vom Thron stehen und diesen Arm tragen. Als sich das Bild weiter aufhellte, erblickte ich Dara auf dem Thron. Ich trat vor und ber�hrte sie mit Grayswandir, was mich f�r sie sichtbar machte. Sie erkl�rte, ich sei doch schon seit Jahrhunderten tot, und forderte mich auf, in mein Grab zur�ckzukehren. Als ich nach ihrer Herkunft fragte, erwiderte sie, sie stamme von dir und dem H�llenm�dchen Lintra ab.�</p><p>Benedict atmete tief, sagte aber nichts. Ich sprach weiter.</p><p>�Die Zeit, sagte sie, bewegte sich an ihrem Geburtsort derma�en schnell, da� dort inzwischen mehrere Generationen vergangen w�ren. Sie sei die erste gewesen, die dort wie ein Mensch ausgesehen h�tte. Wieder forderte sie mich auf, zu gehen. W�hrend dieses Gespr�chs hattest du dir Grayswandir angesehen. Du gingst auf mich los, um die Gefahr von ihr abzuwenden, und wir k�mpften miteinander. Meine Klinge konnte dich ber�hren und deine Hand mich. Das war alles. Ansonsten handelte es sich um eine Auseinandersetzung zwischen Gespenstern. Als der Himmel zu verblassen und die Sonne aufzugehen begann, hattest du mich mit der Hand da gepackt. Ich schlug mit Grayswandir den Arm los und floh. Das Ding kehrte mit mir zur�ck, weil es sich noch in meine Schulter verkrampft hatte.�</p><p>�Seltsam�, sagte Benedict. �Bisher wu�te ich nur, da� der Ort da oben falsche Prophezeiungen liefert � eher ein Bild der �ngste und verborgenen Sehns�chte des Besuchers als eine klare Darstellung der Dinge, die da kommen werden. Doch zugleich macht Tir-na Nog�th oft unbekannte Wahrheiten sichtbar. Und wie bei den meisten Dingen ist es schwierig, das Wahre vom �berfl�ssigen zu trennen. Wie hast du die Ereignisse gedeutet?�</p><p>�Benedict�, sagte ich, �ich neige dazu, Dara die Geschichte ihrer Herkunft abzunehmen. Im Gegensatz zu mir hast du sie nie gesehen. Sie �hnelt dir irgendwie. Was das �brige angeht . . . so ist es zweifellos so, wie du sagst: Man mu� es mit Vorsicht genie�en.�</p><p>Er nickte langsam, und ich erkannte, da� er nicht �berzeugt war, da� er mich aber nicht weiter bedr�ngen wollte. Er wu�te so gut wie ich, was der Rest bedeutete. Wenn er seinen Anspruch auf den Thron weiter verfolgte und vielleicht sogar durchsetzte, mochte es sein, da� er eines Tages zu Gunsten seines einzigen Nachkommen abdankte.</p><p>�Was willst du tun?�</p><p>�Tun?� fragte er. �Was tut Random auf seiner Suche nach Martin? Ich werde sie suchen, sie finden, mir die Geschichte aus ihrem Munde anh�ren und dann eine eigene Entscheidung f�llen. Aber das alles kommt erst, wenn die Sache mit der schwarzen Stra�e gekl�rt ist. Das ist ein anderes Thema, das ich mit dir besprechen m�chte.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Wenn die Zeit sich in der gegnerischen Festung so v�llig anders verh�lt, hat man dort ausreichend Zeit gehabt, einen neuen Angriff vorzubereiten. Ich m�chte nicht warten und mich dem Feind in Schlachten entgegenstellen, die letztlich zu nichts f�hren. Ich spiele mit dem Gedanken, der schwarzen Stra�e an ihren Ausgangspunkt zu folgen und unsere Gegner auf eigenem Gebiet anzugreifen. Das t�te ich gern mit deinem Einverst�ndnis.�</p><p>�Benedict�, sagte ich, �hast du die H�fe des Chaos gesehen?�</p><p>Er hob den Kopf und starrte an das Zeltdach.</p><p>�Vor langer, langer Zeit, als ich jung war�, sagte er, �unternahm ich einen H�llenritt so weit es ging, bis zum Ende des Seins. Dort, unter einem geteilten Himmel, starrte ich in einen furchterregenden Abgrund. Ich wei� nicht, ob der gesuchte Ort dort liegt oder die Stra�e �berhaupt so weit geht, doch wenn das so ist, bin ich bereit, diesen Weg erneut zu beschreiten.�</p><p>�Es ist so�, sagte ich.</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Ich bin gerade zur�ckgekehrt aus diesem Land. Eine finstere Zitadelle schwebt darin. Die Stra�e f�hrt dorthin.�</p><p>�Wie schwer ist dir die Ann�herung gefallen?�</p><p>�Hier�, sagte ich, nahm den Trumpf zur Hand und reichte ihn ihm. �Der hat Dworkin geh�rt. Ich fand ihn unter seinen Sachen. Erst jetzt habe ich ihn ausprobiert. Er versetzte mich dorthin. An jenem Ort verl�uft die Zeit bereits ziemlich schnell. Ich wurde von einem Reiter auf einer dahin treibenden Stra�e angegriffen, wie sie auf der Karte nicht zu sehen ist. Kontakte �ber den Trumpf sind dort drau�en sehr schwierig, vielleicht wegen der Zeitunterschiede. G�rard hat mich zur�ckgeholt.�</p><p>Er betrachtete die Karte.</p><p>�Sieht aus wie der Ort, den ich damals besucht habe�, sagte er schlie�lich. �Mit dieser Karte sind unsere logistischen Probleme gel�st. Mit uns als Endpunkten einer Trumpfverbindung k�nnen wir die Truppen geradewegs hindurchtransportieren, wie wir es damals zwischen Kolvir und Garnath gemacht haben.� � Ich nickte.</p><p>�Das ist einer der Gr�nde, warum ich dir den Trumpf gezeigt habe; ich wollte dir meinen guten Willen beweisen. Vielleicht gibt es aber eine andere Methode, die weniger riskant ist, als unsere Truppen ins Unbekannte zu schicken. Ich m�chte, da� du dein Unternehmen zur�ckstellst, bis ich diese Methode n�her erkundet habe.�</p><p>�Ich mu� mich ohnehin zur�ckhalten, um zun�chst Informationen �ber jenen Ort zu erlangen. Wir wissen ja nicht einmal, ob deine automatischen Waffen dort funktionieren, oder?�</p><p>�Nein � ich hatte keine zum Ausprobieren dabei.�</p><p>Er sch�rzte die Lippen.</p><p>�Du h�ttest daran denken sollen.�</p><p>�Die Umst�nde meiner Abreise haben das unm�glich gemacht.�</p><p>�Umst�nde?�</p><p>�Ein andermal. Das ist im Augenblick nicht wichtig. Du hast gesagt, du wolltest der schwarzen Stra�e bis zu ihrem Ausgangspunkt folgen . . .�</p><p>�Ja?�</p><p>�Dort liegt aber nicht ihr wahrer Ausgangspunkt. Der eigentliche Ausgangspunkt, die Ursache, liegt im echten Amber, im Schaden am Ur-Muster.�</p><p>�Ja, das ist mir schon klar. Random und Ganelon haben mir eure Reise zum Ur-Muster beschrieben und den Schaden, den ihr dort entdeckt habt. Ich sehe die Analogie, die m�gliche Verbindung . . .�</p><p>�Erinnerst du dich an meine Flucht aus Avalon und deine Verfolgung?�</p><p>Anstelle einer Antwort l�chelte er.</p><p>�An einem Punkt haben wir die schwarze Stra�e �berquert�, fuhr ich fort. �Erinnerst du dich?�</p><p>Er kniff die Augen zusammen.</p><p>�Ja�, sagte er. �Du schnittest einen Weg hindurch. An dieser Stelle war die Welt in ihren Normalzustand zur�ckgekehrt. Das hatte ich vergessen.�</p><p>�Bewirkt durch das Muster�, erkl�rte ich, �ein Einflu�, den man meiner �berzeugung nach in viel gr��erem Umfang aus�ben kann.�</p><p>�Wieviel gr��er?�</p><p>�Na, um die ganze Erscheinung auszul�schen.�</p><p>Er lehnte sich zur�ck und erforschte mein Gesicht.</p><p>�Warum bist du dann nicht schon am Werk?�</p><p>�Ich mu� zun�chst ein paar Vorarbeiten erledigen.�</p><p>�Wieviel Zeit werden die kosten?�</p><p>�Nicht allzuviel. Wahrscheinlich nicht mehr als ein paar Tage. Vielleicht ein paar Wochen.�</p><p>�Warum hast du nicht eher davon gesprochen?�</p><p>�Ich habe erst vor kurzem davon erfahren, wie man so etwas anpackt.�</p><p>�Wie <emphasis>packst</emphasis> du so etwas an?�</p><p>�Letztlich l�uft es auf eine Reparatur des Musters hinaus.�</p><p>�Also sch�n�, sagte er. �Nehmen wir einmal an, du hast Erfolg. Dann treibt sich der Feind doch noch immer da drau�en herum.� Er deutete auf Garnath und die schwarze Stra�e. �Irgend jemand hat diese Wesen einmal durchgelassen.�</p><p>�Der Feind war immer da drau�en�, sagte ich. �Und es liegt an uns, daf�r zu sorgen, da� ihm keine Pforte mehr ge�ffnet wird � indem wir ein f�r allemal mit jenen abrechnen, die das Tor �berhaupt aufgesto�en haben.�</p><p>�In diesem Punkt bin ich v�llig deiner Meinung�, sagte er, �aber das meinte ich im Augenblick nicht. Auch die M�chte da drau�en haben eine Lektion verdient, Corwin. Ich m�chte ihnen Respekt vor Amber einbl�uen, einen solchen Respekt, da� sie bis in alle Ewigkeit von Angst erf�llt sind, da� sie, wenn die Chance noch einmal kommen sollte, sich nicht mehr trauen, gegen uns vorzur�cken. Das habe ich eben gemeint. Anders geht es nicht.�</p><p>�Du wei�t nicht, wie schwer es ist, an jenem Ort zu k�mpfen, Benedict. Es ist wahrhaft unbeschreiblich!�</p><p>Er l�chelte und stand auf.</p><p>�Dann mu� ich mir das wohl selbst mal ansehen�, sagte er. �Ich behalte die Karte zun�chst, wenn du nichts dagegen hast.�</p><p>�Ich habe nichts dagegen.�</p><p>�Gut. Dann k�mmere dich inzwischen weiter um das Muster, Corwin, w�hrend ich diese Sache erledige. Ein bi�chen Zeit wird es kosten. Ich mu� meine Kommandeure f�r die Zeit meiner Abwesenheit mit Befehlen versorgen. Wir wollen vereinbaren, da� keiner von uns entscheidende Schritte einleitet, ohne sich zun�chst mit dem anderen abzustimmen.�</p><p>�Einverstanden�, sagte ich.</p><p>Wir leerten unsere Gl�ser.</p><p>�Ich werde auch bald wieder aufbrechen�, sagte ich. �Also viel Gl�ck.�</p><p>�Dir auch.� Wieder l�chelte er. �Die Dinge stehen besser�, sagte er und ergriff auf dem Weg zum Eingang meine Schulter.</p><p>Wir folgten ihm ins Freie.</p><p>�Bring Benedicts Pferd�, wandte sich Ganelon an die Ordonnanz, die in der N�he unter einem Baum wartete; dann drehte er sich um und reichte Benedict die Hand. �Ich m�chte dir ebenfalls Gl�ck w�nschen�, sagte er.</p><p>Benedict nickte und ergriff die Hand.</p><p>�Vielen Dank, Ganelon. F�r vieles.�</p><p>Benedict zog seine Tr�mpfe.</p><p>�Bis mein Pferd eintrifft, kann ich noch schnell G�rard informieren�, sagte er.</p><p>Er bl�tterte die Tr�mpfe durch, zog einen heraus, betrachtete ihn.</p><p>�Wie willst du es anstellen, das Muster zu reparieren?� fragte mich Ganelon.</p><p>�Dazu mu� ich das Juwel des Geschicks wieder an mich bringen�, sagte ich. �Mit diesem guten St�ck kann ich den besch�digten Teil nachzeichnen.�</p><p>�Ist das gef�hrlich?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wo ist das Juwel?�</p><p>�Auf der Schatten-Erde. Dort habe ich es zur�ckgelassen.�</p><p>�Warum denn das?�</p><p>�Ich hatte Angst, da� es mich umbr�chte.�</p><p>Daraufhin verzog sich sein Gesicht zu einer fast unm�glichen Grimasse.</p><p>�Das gef�llt mir alles nicht, Corwin. Es mu� eine andere M�glichkeit geben.�</p><p>�Wenn ich eine w��te, w�rde ich sie wahrnehmen.�</p><p>�Einmal angenommen, du folgst Benedicts Plan und k�mpfst gegen alle. Du hast selbst gesagt, ihm st�nden in den Schatten unz�hlige Legionen zur Verf�gung. Und du hast gesagt, er w�re der beste K�mpfer �berhaupt.�</p><p>�Trotzdem bliebe aber der Schaden am Muster bestehen, und eines Tages w�rde etwas anderes kommen und ihn zu Hilfe nehmen. Der Feind des Augenblicks ist nicht so wichtig wie unsere innere Schw�che. Wenn die nicht behoben wird, sind wir bereits geschlagen, auch wenn kein fremder Eroberer in unseren Mauern weilt.�</p><p>Er wandte sich ab.</p><p>�Ich kann mich nicht mit dir streiten. Du kennst dein Land am besten�, sagte er. �Trotzdem meine ich, da� du vielleicht einen gro�en Fehler machst, wenn du dich � wom�glich �berfl�ssigerweise � in Gefahr begibst, wo du hier sehr gebraucht wirst.�</p><p>Ich lachte leise, war es doch Vialles Wort, das ich nicht hatte gelten lassen wollen, als sie es aussprach.</p><p>�Es ist meine Pflicht�, sagte ich.</p><p>Er antwortete nicht.</p><p>Benedict, der ein Dutzend Schritte entfernt stand, hatte G�rard offenbar erreicht, denn er murmelte etwas vor sich hin, hielt inne und lauschte. Wir standen in einiger Entfernung und warteten darauf, da� er sein Gespr�ch beendete und wir ihn verabschieden konnten.</p><p>�. . . Ja, er ist hier�, h�rte ich ihn sagen. �Nein, das m�chte ich doch sehr bezweifeln. Aber . . .�</p><p>Benedict sah mich mehrmals an und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein, ich glaube es nicht�, sagte er. Dann: �Na sch�n, komm durch.�</p><p>Er streckte seine neue Hand aus, und G�rard trat ins Bild, sich an der Hand festhaltend. G�rard wandte den Kopf, erblickte mich und n�herte sich sofort. Er musterte mich eingehend von Kopf bis Fu�, als suche er nach etwas.</p><p>�Was ist denn los?� fragte ich.</p><p>�Brand�, erwiderte er. �Er befindet sich nicht mehr in seinen R�umen. Jedenfalls zum gr��ten Teil nicht mehr � er hat etwas Blut zur�ckgelassen. Das Mobiliar ist au�erdem so sehr mitgenommen, da� ein Kampf stattgefunden haben mu�.�</p><p>Ich blickte an meiner Hemdbrust und meinen Hosen hinab.</p><p>�Und jetzt suchst du nach Blutflecken? Wie du selbst siehst, sind das dieselben Sachen, die ich vorhin getragen habe. Schmutzig und zerknittert, gewi� � aber mehr nicht.�</p><p>�Damit ist noch nichts bewiesen�, sagte er.</p><p>�Es war dein Einfall, zu schauen, nicht meiner. Wie kommst du auf den Gedanken, ich . . .�</p><p>�Du warst der letzte, der mit ihm gesprochen hat�, stellte er fest.</p><p>�Mit Ausnahme der Person, mit der er gek�mpft hat � <emphasis>wenn</emphasis> so etwas stattgefunden hat.�</p><p>�Was soll denn das hei�en?�</p><p>�Du kennst doch seine Anf�lle, seine Stimmungen. Wir hatten eine kleine Auseinandersetzung, gewi�. Vielleicht hat er sich nach meinem Verschwinden daran gemacht, die Einrichtung zu zertr�mmern, vielleicht hat er sich dabei geschnitten und ist angewidert durch seinen Trumpf verschwunden, um einmal etwas anderes zu sehen . . . Moment! Sein Teppich! War Blut auf dem h�bschen kleinen Teppich vor seiner T�r?�</p><p>�Ich wei� nicht genau � nein, ich glaube nicht. Warum?�</p><p>�Ein Indizienbeweis, da� er die Szene selbst arrangiert hat. Der Teppich liegt ihm n�mlich sehr am Herzen. Er hat es vermieden, ihn zu beflecken.�</p><p>�Das kaufe ich dir nicht ab�, sagte G�rard. �Au�erdem kommt mir Caines Tod noch immer seltsam vor � dazu Benedicts Dienstboten, die vielleicht herausgefunden haben, da� du Schie�pulver holen wolltest. Brand aber . . .�</p><p>�Das Ganze mag ein neuer Versuch sein, mich als Schuldigen zu brandmarken�, sagte ich. �Benedict und ich sind uns inzwischen einigerma�en n�hergekommen.�</p><p>Er wandte sich zu Benedict um, der ein Dutzend Schritte entfernt stehengeblieben war und ausdruckslos lauschend zu uns her�berblickte.</p><p>�Hat er die Todesf�lle erkl�ren k�nnen?� fragte G�rard.</p><p>�Nicht direkt�, erwiderte Benedict, �aber der Rest seiner Geschichte sieht jetzt zum gro�en Teil besser aus. Und zwar so sehr, da� ich geneigt bin, ihm alles zu glauben.�</p><p>G�rard sch�ttelte den Kopf und starrte mich finster an.</p><p>�Da ist noch einiges ungekl�rt�, sagte er. �Wor�ber hast du dich mit Brand gestritten?�</p><p>�G�rard�, sagte ich, �das ist unsere Sache, bis Brand und ich beschlie�en, es weiterzuerz�hlen.�</p><p>�Ich habe ihn ins Leben zur�ckgeholt und bewacht, Corwin. Das ist nicht geschehen, damit er sp�ter bei einem Streit get�tet wird.�</p><p>�Gebrauche deinen Verstand�, forderte ich ihn auf. �Wer hat denn den Einfall gehabt, �berhaupt auf diese Weise nach ihm zu suchen? Ihn zur�ckzuholen?�</p><p>�Du wolltest etwas von ihm�, sagte er. �Und jetzt hast du es bekommen. Danach stand er dir nur noch im Wege.�</p><p>�Nein. Aber selbst wenn es so w�re, glaubst du ernsthaft, ich w�rde meine Spuren so wenig verwischen? Wenn er umgebracht worden ist, liegt der Fall auf derselben Ebene wie Caines Tod � ein Versuch, mich zu belasten.�</p><p>�Das Argument mit der Offensichtlichkeit hast du schon bei Caine benutzt. Vielleicht ist das gerade dein besonderer Trick � etwas, auf das du dich verstehst.�</p><p>�Das haben wir doch alles schon durchgekaut, G�rard . . .�</p><p>�. . . Und du wei�t, was ich dir damals gesagt habe.�</p><p>�Es w�re schwierig, deine Worte zu vergessen.�</p><p>Er hob die Hand und packte meine rechte Schulter. Ich konterte, stie� ihm die linke Faust in den Magen und ri� mich los. Dabei zuckte mir der Gedanke durch den Kopf, da� ich ihm vielleicht h�tte berichten sollen, wor�ber ich mit Brand gesprochen hatte. Aber ich mochte die Art und Weise nicht, wie er mich gefragt hatte.</p><p>Er griff erneut an. Ich trat zur Seite und erwischte ihn mit einer leichten Linken in der N�he des rechten Auges. Mit kurzen Haken hielt ich ihn dann auf Abstand. Ich war eigentlich noch gar nicht wieder in Form, und Grayswandir hing hinter mir im Zelt. Eine andere Waffe hatte ich nicht bei mir.</p><p>Ich umkreiste ihn. Meine Flanke schmerzte, wenn ich mit dem linken Bein auftrat. Einmal erwischte ich ihn am Schenkel mit dem rechten Fu�, doch ich war zu langsam und stand nicht richtig und hatte nichts nachzusetzen. So verlie� ich mich weiter auf die kurzen Haken.</p><p>Schlie�lich blockierte er meine Linke und vermochte die Hand auf meinen Bizeps zu legen. Daraufhin h�tte ich mich sofort von ihm l�sen m�ssen, doch er bot mir eine Chance. Ich ging mit einer kr�ftigen Rechten auf seinen Magen los und legte meine volle Kraft in den Schlag. Keuchend klappte er nach vorn, dabei festigte sich jedoch sein Griff um meinen Arm. Er wehrte meinen Uppercut mit der Linken ab, ri� mich aber weiter nach vorn, bis sein Handr�cken mir gegen die Brust knallte; gleichzeitig zerrte er meinen linken Arm mit solcher Kraft nach hinten und zur Seite, da� ich zu Boden gerissen wurde. Wenn er sich jetzt auf mich st�rzte, war es aus mit mir.</p><p>Er lie� sich auf ein Knie nieder und griff nach meinem Hals.</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Ich machte Anstalten, seine Hand zu stoppen, doch sie erstarrte auf halbem Wege. Als ich den Kopf wendete, sah ich, da� eine andere Hand sich um G�rards Arm geschlossen hatte und ihn zur�ckhielt.</p><p>Ich lie� mich zur Seite rollen, blickte auf und sah, da� Ganelon meinen Bruder festhielt. G�rard ri� seinen Arm nach vorn, kam aber nicht los.</p><p>�Haltet Euch hier heraus, Ganelon�, sagte er.</p><p>�Verschwinde, Corwin!� rief Ganelon. �Hol das Juwel.�</p><p>G�rard richtete sich auf. Ganelon lie� die Linke herumzucken und landete einen Kinnhaken. G�rard sackte vor ihm zu Boden. Ganelon griff an und zielte einen Tritt auf die Nieren, doch G�rard packte seinen Fu� und hebelte ihn r�cklings zu Boden. Ich rappelte mich in eine geduckte Stellung hoch und st�tzte mich mit einer Hand ab.</p><p>G�rard h�pfte vom Boden hoch und best�rmte Ganelon, der eben das Gleichgewicht zur�ckgewonnen hatte. Als er ihn fast erreicht hatte, zielt Ganelon einen Schlag auf G�rards Genitalien, der ihn abrupt stoppte. Ganelons F�uste h�mmerten wie Kolben gegen G�rards Unterleib. Mehrere Sekunden lang schien G�rard zu bet�ubt zu sein, um sich zu sch�tzen, und als er sich schlie�lich vorbeugte und die Arme abwehrend senkte, erwischte ihn Ganelon mit einer Rechten gegen das Kinn, die ihn zur�cktaumeln lie�. Ganelon setzte nach, warf die Arme um G�rard, hakte das rechte Bein in G�rards Kniekehle. G�rard kippte um, und Ganelon st�rzte auf ihn. Er setzte sich auf G�rard und versetzte ihm einen kr�ftigen Kinnhaken. Als G�rards Kopf zur Seite rollte, hielt Ganelon mit einem linken Schwinger dagegen.</p><p>Pl�tzlich trat Benedict vor, als wolle er eingreifen, doch Ganelon war bereits aufgestanden. G�rard lag bewu�tlos am Boden; er blutete aus Mund und Nase.</p><p>Unsicher stand ich auf und klopfte mich ab.</p><p>Ganelon grinste mich an.</p><p>�Du solltest lieber nicht in der N�he bleiben�, sagte er. �Ich wei� nicht, wie ich bei einer Revanche abschneiden w�rde. Geh das Schmuckst�ck suchen.�</p><p>Ich blickte zu Benedict hin�ber, der mir zunickte. Daraufhin ging ich ins Zelt, um Grayswandir zu holen. Als ich wieder ins Freie trat, hatte sich G�rard noch nicht ger�hrt; daf�r stand Benedict vor mir.</p><p>�Denk daran�, sagte er. �Du hast meinen Trumpf, und ich habe deinen. Keine entscheidenden Schritte ohne vorherige Absprache.�</p><p>Ich nickte. Schon wollte ich ihn fragen, warum er G�rard und nicht mir hatte helfen wollen. Doch dann �berlegte ich es mir anders; unsere frisch geschmiedeten Bande der Einigkeit wollte ich nicht so schnell aufs Spiel setzen.</p><p>�Gut.�</p><p>Ich ging zu den Pferden. Im Vorbeigehen schlug mir Ganelon auf die Schulter.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte er. �Ich w�rde dich ja begleiten, aber ich werde hier gebraucht, zumal Benedict das Chaos aufsuchen will.�</p><p>�Gut gemacht�, sagte ich. �Ich d�rfte eigentlich keine Schwierigkeiten haben. Mach dir keine Sorgen.�</p><p>Ich ging zur Einfriedung, in der die Pferde standen. Kurze Zeit sp�ter ritt ich los. Ganelon gr��te mich mit einer Handbewegung, die ich erwiderte. Benedict kniete neben G�rard.</p><p>Ich ritt zum n�chsten Weg, der nach Arden f�hrte. Das Meer lag hinter mir. Garnath und die schwarze Stra�e links, Kolvir rechts. Ich mu�te ein gutes St�ck zur�cklegen, ehe ich mit dem Stoff der Schatten arbeiten konnte. Der Tag erstreckte sich hell und klar vor mir, sobald ich nach mehreren Erhebungen und Senken Garnath nicht mehr sehen konnte. Ich erreichte den Weg und folgte seiner weiten Biegung in den Wald, wo feuchte Schatten und leiser Vogelgesang mich an die langen Zeiten des Friedens erinnerten, die wir einst hier erlebt hatten, und an die seidigschimmernde Gegenwart des m�tterlichen Einhorns. Wie lange war das her.</p><p>Der pulsierende Schmerz ging im Rhythmus des Rittes unter, und ich besch�ftigte mich noch einmal mit der Auseinandersetzung. G�rard zu verstehen war nicht schwierig, hatte er mir seinen Verdacht doch offen dargelegt und mir eine Warnung zukommen lassen. Doch st�rte mich sein Eingreifen in einem derma�en ung�nstigen Augenblick nach Brands Verschwinden, da� ich hierin nur einen weiteren Versuch sehen konnte, mich entweder aufzuhalten oder v�llig aus dem Verkehr zu ziehen. Mein Gl�ck, da� Ganelon zur Stelle, bei Kr�ften und in der Lage gewesen war, seine F�uste im richtigen Augenblick an die richtige Stelle zu setzen. Ich fragte mich, wie sich Benedict verhalten h�tte, wenn wir nur zu dritt gewesen w�ren. Ich ahnte, da� er gewartet und vielleicht erst im letzten Augenblick eingegriffen h�tte, um zu verhindern, da� G�rard mich umbrachte. Unser Verh�ltnis stimmte mich noch nicht gl�cklich, wenn es auch gegen�ber dem fr�heren Zustand eine klare Verbesserung darstellte.</p><p>Meine Gedanken f�hrten mich schlie�lich zu der Frage, was aus Brand geworden war. Waren Fiona oder Bleys endlich zu ihm vorgesto�en? Hatte er die vorgeschlagenen Morde allein durchf�hren wollen und war auf Gegenwehr gesto�en, war er wom�glich durch den Trumpf eines seiner Opfer gezogen worden? Hatten sich seine alten Verb�ndeten aus den H�fen des Chaos irgendwie zu ihm durchgek�mpft? Oder war schlie�lich einer seiner hornh�ndigen Turmw�chter zu ihm vorgedrungen? Oder war es so gewesen, wie ich G�rard hatte einreden wollen � eine versehentliche Selbstverletzung w�hrend eines Wutanfalls, gefolgt von einer Flucht im Zorn, in der Absicht, seinen finsteren Gedanken und Pl�nen an einem anderen Ort nachzuh�ngen?</p><p>Wenn ein einzelnes Ereignis so viele Fragen ausl�st, l��t es sich selten mit reiner Logik kl�ren. Trotzdem mu�te ich mir alle M�glichkeiten vor Augen halten, damit ich etwas Konkretes hatte, sobald weitere Tatsachen hervortraten. Zun�chst �berdachte ich noch einmal gr�ndlich die Dinge, die er mir gesagt hatte, und pr�fte seine Behauptungen im Licht jener Informationen, die ich inzwischen erlangt hatte. Mit einer Ausnahme zweifelte ich die Tatsachen im wesentlichen nicht an. Er hatte ein zu raffiniertes Bauwerk errichtet, als da� man es nun einfach umst�rzen konnte � immerhin hatte er viel Zeit gehabt, sich all diese Dinge zu �berlegen. Nein, es war die Art seiner Darstellung der Ereignisse, die etwas verbarg. Sein neuester Vorschlag gab mir praktisch die Gew�hr daf�r.</p><p>Der alte Weg wand sich, wurde breiter, dann wieder schmaler, schwang sich nach Nordwesten und bergab in den dichter werdenden Wald hinein. Der Wald selbst hatte sich kaum ver�ndert. Es schien sich um denselben Pfad zu handeln, auf dem ein junger Mann vor Jahrhunderten geritten war, nur so zum Spa�, fasziniert das gewaltige gr�ne Reich erkundend, das sich �ber den gr��ten Teil des Kontinents erstreckte. Es w�re sch�n, mal wieder einen solchen Ritt zu unternehmen, aus keinem anderen Grund, als sich zu vergn�gen.</p><p>Nach etwa einer Stunde hatte ich mich ziemlich weit in den Wald vorgearbeitet. Die B�ume waren riesige schwarze T�rme; das bi�chen Sonnenlicht, das noch zu sehen war, verfing sich wie Phoenixnester in den h�heren �sten, eine ewig feuchte, d�mmrige Weichheit lie� die Umrisse von St�mmen, St�mpfen, �sten und moosbewachsenen Felsen verschwimmen. Ein Hirsch verlie� sich nicht auf die Deckung des Dickichts zu meiner Rechten und sprang vor mir �ber den Weg. Vogelstimmen erschallten ringsum, doch niemals in der N�he. Von Zeit zu Zeit kreuzte ich die Spuren anderer Reiter. Einige waren noch ziemlich frisch, doch sie blieben nicht lange auf dem Weg. Kolvir war seit l�ngerer Zeit au�er Sicht.</p><p>Der Weg stieg wieder an, und ich wu�te, da� ich in K�rze eine kleine Erhebung erreichen und zwischen einigen Felsen hindurchkommen w�rde, woraufhin es dann wieder bergab ging. Der Baumbestand wurde zum Kamm hin d�nner, bis ich schlie�lich sogar den Himmel zu Gesicht bekam. Die Himmelsfl�che nahm weiter zu, und als ich die Anh�he erreichte, h�rte ich den fernen Ruf eines Raubvogels.</p><p>Ich hob den Kopf und erblickte einen gro�en dunklen Umri�, der sich in weiten Kreisen am Himmel bewegte. Ich erreichte die Felsbrocken und trieb Drum zu schnellerer Gangart an, als der Weg klar vor mir lag. Wir st�rmten den Hang hinab, bestrebt, in die Deckung der gro�en B�ume zur�ckzukehren.</p><p>Wieder schrie der Vogel, doch wir erreichten unbehindert den Schatten, die D�mmerung. Ich lie� das Pferd allm�hlich wieder langsamer gehen und hielt die Ohren offen, doch es waren keine beunruhigenden Laute zu h�ren. Die Umgebung hatte gro�e �hnlichkeit mit dem Wald auf der anderen Seite der Erhebung, bis auf einen kleinen Wasserlauf, dem wir eine Zeitlang folgten, ehe wir ihn an einer flachen Furt �berquerten. Dahinter erweiterte sich der Weg, und ein wenig mehr Licht drang durch das Bl�tterdach und umschwebte uns etwa eine halbe Meile weit. Unsere Entfernung von Amber reichte fast aus, da� ich mit jenen kleinen Manipulationen der Schatten beginnen konnte, die mich auf den Weg zu meinem fr�heren Exil f�hren konnten, der Schatten-Erde. Allerdings war so etwas hier noch ziemlich schwierig, weiter entfernt w�rde es mir leichter fallen. Ich beschlo�, mir und meinem Tier die M�he zu ersparen, indem ich einen besseren Ausgangspunkt suchte. Bisher war im Grunde noch nichts Bedrohliches passiert. Der Vogel mochte ein Raubtier sein, weiter nichts.</p><p>Nur ein Gedanke machte mir zu schaffen.</p><p>Julian . . .</p><p>Arden war Julians Reich, von seinen Reitern bewacht, Heimat mehrerer seiner Truppenabteilungen � Ambers innere Grenzwache, sowohl gegen nat�rliche Feinde als auch gegen jene Dinge, die an den Grenzen zu den Schatten auftauchen mochten.</p><p>Wohin war Julian verschwunden, als er in der Nacht des �berfalls auf Brand den Palast so pl�tzlich verlie�? Wenn er sich nur verstecken wollte, h�tte er nicht weiter zu fliehen brauchen als bis hierher. Hier war er stark, unterst�tzt von seinen M�nnern, in einem Bezirk, den er besser kannte als wir alle zusammen. Durchaus m�glich, da� er sich im Augenblick gar nicht weit entfernt aufhielt. Au�erdem liebte er die Jagd. Er hatte seine H�llenhunde, seine V�gel . . .</p><p>Eine halbe Meile, eine Meile . . .</p><p>Und pl�tzlich h�rte ich den Laut, vor dem ich mich am meisten gef�rchtet hatte. Der weittragende Ton eines Jagdhorns durchstie� das Gr�n und das Schattendunkel. Noch weit entfernt . . . meinem Gef�hl nach links hinter mir.</p><p>Ich trieb mein Pferd in den Galopp, und die B�ume links und rechts wurden zu verwischten Streifen. Der Weg lag gerade und eben vor mir, das machten wir uns zunutze.</p><p>Pl�tzlich h�rte ich ein Br�llen � eine Art dr�hnenden, widerhallenden, knurrenden Laut, der aus einer resonanzstarken Brust zu kommen schien. Ich wu�te nicht, wer einen solchen Ton aussto�en konnte, jedenfalls handelte es sich nicht um einen Hund. Nicht einmal ein H�llenhund vermochte so zu bellen. Ich warf einen Blick �ber die Schulter, doch Verfolger waren nicht in Sicht. Ich beugte mich vor und redete Drum gut zu.</p><p>Nach einer Weile h�rte ich ein Krachen im Wald zu meiner Rechten, doch das Br�llen wiederholte sich nicht. Mehrmals sah ich mich um, doch ich vermochte nicht zu erkennen, was den L�rm erzeugte. Gleich darauf h�rte ich wieder das Horn, schon viel n�her, und diesmal wurde es von dem Bellen und Knurren beantwortet, das ich nur zu gut kannte. Die H�llenhunde kamen � schnelle, kampfstarke, b�sartige Monstren, die Julian in irgendeinem Schatten gefunden und zur Jagd abgerichtet hatte.</p><p>Es war Zeit, mit der Verschiebung zu beginnen. Noch umgab mich Amber mit seiner Kraft, doch ich hakte mich in den Schatten fest, so gut es ging, und leitete die Bewegung ein.</p><p>Der Weg begann sich nach links zu kr�mmen, und als wir dar�ber galoppierten, b��ten die B�ume zu beiden Seiten ihre Gr��e ein und blieben zur�ck. Eine neue Kurve, und der Weg f�hrte uns �ber eine Lichtung, die etwa zweihundert Meter gro� war. Ich blickte auf und sah, da� der verdammte Vogel noch immer �ber mir kreiste, inzwischen aber viel n�her, nahe genug, um mit mir durch die Schatten gezogen zu werden.</p><p>Die Sache war komplizierter, als mir recht sein konnte. Ich brauchte eine offene Fl�che, auf der ich mein Pferd herumziehen und notfalls das Schwert frei bewegen konnte. Eine solche Stelle aber zeigte dem Vogel, der sich offenbar nicht so leicht absch�tteln lie�, wo ich zu finden war.</p><p>Na sch�n. Wir erreichten eine leichte Anh�he, �berquerten sie, ritten auf der anderen Seite hinab und kamen dabei an einem einsamen, vom Blitz zerst�rten Baum vorbei. Auf dem ersten Ast sa� ein grausilbern und schwarz gefiederter Falke. Im Vorbeireiten pfiff ich ihm zu, und er sprang in die Luft und stie� dabei einen lauten Kampfschrei aus.</p><p>Im Weitergaloppieren h�rte ich das Gekl�ff der Hunde und das Donnern der Pferdehufe hinter mir. In diese Laute mischte sich aber noch etwas anderes, mehr eine Vibration, ein Erbeben des Bodens.</p><p>Wieder blickte ich zur�ck, doch noch war keiner meiner Verfolger �ber den H�gel. Von neuem richtete ich meine Geisteskr�fte auf den Weg, woraufhin Wolken die Sonne verfinsterten. Seltsame Blumen erschienen am Pfad � gr�n, gelb und purpurn �, und in der Ferne grollte Donner. Die Lichtung erweiterte sich, wurde l�nger, der Boden verflachte.</p><p>Und wieder ert�nte das Horn. Ich drehte mich im Sattel um.</p><p>Da kam es in Sicht, und ich erkannte, da� ich gar nicht das Ziel der Jagd war, da� die Reiter, die Hunde, der Vogel einzig und allein das Wesen verfolgten, das hinter mir lief. Nat�rlich war dies ein sehr theoretischer Unterschied, galoppierte ich doch vor der ganzen Korona dahin und wurde mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit von dem Gesch�pf gejagt. Ich beugte mich �ber Drums Hals, schrie dem Pferd etwas zu und pre�te die Knie zusammen, wobei ich durchaus wu�te, da� das Scheusal schneller war als wir. Es war eine reine Panikreaktion.</p><p>Ich wurde von einem Manticora verfolgt!</p><p>Zum letztenmal hatte ich ein solches Tier am Tag vor der Schlacht gesehen, bei der Eric sein Leben verlor. Als ich meine Soldaten die hinteren H�nge des Kolvir hinauff�hrte, hatte so ein Wesen einen Mann namens Rail in St�cke gerissen. Wir hatten es mit automatischen Waffen erledigt. Das Gesch�pf war zw�lf Fu� lang gewesen und hatte wie dieses Monstrum ein Menschengesicht auf Kopf und Schultern eines L�wen getragen; zugleich besa� es ein Paar adlergleiche Schwingen und den langen spitzen Schwanz eines Skorpions, der sich hoch in den Himmel kr�mmte. Einige dieser Wesen waren irgendwie aus den Schatten zu uns vorgedrungen und hatten uns auf dem Weg in die Schlacht behindert. Es gab keinen Grund zu der Annahme, da� sie alle vernichtet worden waren, au�er der Tatsache, da� seit damals kein Manticora gesehen worden und kein Hinweis auf ihren weiteren Aufenthalt in der N�he Ambers ans Tageslicht gekommen war. Anscheinend hatte sich dieses Exemplar nach Arden gerettet und seither hier in den W�ldern gelebt.</p><p>Ein letzter Blick zeigte mir, da� ich jeden Augenblick aus dem Sattel gezerrt werden konnte, wenn ich nicht etwas unternahm. Gleichzeitig erblickte ich eine dunkle Lawine von Hunden, die sich den Hang hinab ergo�.</p><p>Intelligenz und Psychologie des Manticora waren mir nicht bekannt. Die meisten fl�chtigen Gesch�pfe nehmen sich nicht die Zeit, etwas anzugreifen, das sie nicht ihrerseits attackiert. Der Selbsterhaltungstrieb steht im allgemeinen an erster Stelle. Andererseits war ich nicht sicher, ob der Manticora �berhaupt wu�te, da� er verfolgt wurde. Vielleicht war er meiner Spur gefolgt und hatte dabei seine Verfolger aufmerksam gemacht. Vielleicht war das Wesen voll auf mich fixiert. Dies war kaum der richtige Augenblick, innezuhalten und alle M�glichkeiten zu �berdenken.</p><p>Ich zog Grayswandir und lenkte das Pferd nach links, wobei ich die Z�gel anzog.</p><p>Drum wieherte und stieg auf die Hinterhand. Ich glitt nach hinten und sprang zu Boden.</p><p>Doch ich hatte das Tempo der Sturmhunde vergessen; sie hatten vor langer Zeit Random und mich, als wir in Floras Mercedes fuhren, m�helos �berholt; und ich hatte vergessen, da� sie im Gegensatz zu normalen Hunden, die hinter Wagen herjagen, damit begonnen hatten, das Fahrzeug auseinanderzurei�en.</p><p>Pl�tzlich war der Manticora von Hunden bedeckt; ein Dutzend oder mehr sprang an ihm empor, bi� sich an ihm fest. Das Ungeheuer warf den Kopf zur�ck und stie� einen Schrei aus. Es peitschte mit dem gef�hrlichen Schwanz auf die Horde ein, wirbelte ein Tier durch die Luft, l�hmte oder t�tete zwei weitere. Dann erhob es sich auf die Hinterpfoten, machte kehrt und schlug mit den Vorderbeinen um sich.</p><p>Doch schon verbi� sich ein Hund in das rechte Vorderbein, zwei weitere machten sich an seinen Keulen zu schaffen, und einer hatte sich gar auf den R�cken vorgek�mpft und schlug seine Z�hne in Schultern und Hals. Die anderen umkreisten das gef�hrliche Wesen. Sobald es sich auf einen Angreifer st�rzte, w�rden die anderen vorspringen und zubei�en.</p><p>Schlie�lich erwischte der Manticora den Hund auf seinem R�cken mit dem Skorpionstachel und schlitzte einen anderen auf, der sich an seinem Bein zu schaffen machte. Doch l�ngst blutete der Manticora aus zwei Dutzend Wunden oder mehr, und es wurde deutlich, da� das Bein verletzt war � es konnte nicht mehr richtig ausschlagen und trug auch das Gewicht des K�rpers nicht mehr. Schon hatte ein anderer Hund seinen R�cken erklommen und bohrte ihm die Z�hne in den Hals. Diesen Angreifer schien der Manticora nicht mehr so leicht absch�tteln zu k�nnen. Ein Hund sprang von rechts hoch und zerfetzte ihm das Ohr. Zwei weitere griffen von hinten an, und als er sich aufrichtete, st�rmte einer vor und schnappte nach seinem Geschlecht. Das Bellen und Knurren schien den Manticora immer mehr zu verwirren; er begann blindlings nach den stets in Bewegung befindlichen grauen Gestalten zu schlagen.</p><p>Ich hatte Drums Z�gel gepackt und versuchte ihn soweit zu beruhigen, da� ich wieder in den Sattel steigen und mich schleunigst absetzen konnte. Doch er wich immer wieder zur�ck und stieg auf die Hinterhand, und ich mu�te mich anstrengen, ihn �berhaupt festzuhalten.</p><p>Der Manticora stie� einen lauten Klageschrei aus. Er hatte nach dem Hund auf seinem R�cken geschlagen und sich dabei den Stachel in die eigene Schulter getrieben. Die Hunde nutzten die Ablenkung und griffen geifernd und zuschnappend an.</p><p>Ich bin sicher, da� die Hunde den Manticora erledigt h�tten, doch in diesem Augenblick kamen die Reiter �ber den H�gel und galoppierten den Hang herab. Es waren f�nf, angef�hrt von Julian. Er trug seine schuppige wei�e R�stung, und das Jagdhorn hing ihm um den Hals. Er ritt sein Riesenpferd Morgenstern, ein Ungeheuer, das mich seit jeher ha�t. Er hob die lange Lanze, die er bei sich hatte, und gr��te damit in meine Richtung. Dann senkte er die Spitze und rief den Hunden einen Befehl zu. Widerstrebend lie�en sie von ihrer Beute ab. Sogar der Hund auf dem R�cken des Manticoras lie� los und sprang zu Boden. Sie alle wichen zur�ck, als Julian Morgenstern die Sporen gab.</p><p>Das Ungeheuer wandte sich in seine Richtung, stie� einen letzten trotzigen Schrei aus und sprang mit hochgezogenen Lefzen los. Die beiden stie�en zusammen, und einen Augenblick lang versperrte mir Morgensterns Schulter die Sicht. Doch schon lie� mich das Verhalten des Pferdes erkennen, da� der Stich gesessen hatte.</p><p>Eine Wende, und ich sah das Ungeheuer am Boden liegen; auf seiner Brust und am dunklen Stiel der Lanze war viel Blut zu sehen.</p><p>Julian stieg ab. Er sagte etwas zu den anderen Reitern; ich verstand die Worte nicht. Sie blieben in den S�tteln sitzen. Er betrachtete den noch zuckenden Manticora, blickte schlie�lich mich an und l�chelte. Er n�herte sich dem Ungeheuer, stellte ihm den Fu� in die Flanke, packte die Lanze mit einer Hand und ri� sie aus dem Leib. Blut scho� aus der Wunde. Dann stie� er die Lanze in den Boden und band Morgenstern am Schaft fest. Er hob die Hand und t�tschelte dem Pferd die Flanke, blickte wieder zu mir, machte kehrt und kam her�ber.</p><p>Als er vor mir stand, sagte er: �Ich w�nschte, du h�ttest Bela nicht umgebracht.�</p><p>�Bela?� fragte ich.</p><p>Er blickte zum Himmel. Ich folgte seinem Blick. Keiner der V�gel war zu sehen.</p><p>�Er war einer meiner Lieblinge.�</p><p>�Das tut mir leid�, sagte ich. �Ich wu�te nicht, was hier los war.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Na sch�n. Ich habe etwas f�r dich getan. Daf�r kannst du mir erz�hlen, was passiert ist, seit ich den Palast verlie�. Hat Brand es geschafft?�</p><p>�Ja�, erwiderte ich. �Doch in dieser Angelegenheit bist du aus dem Schneider. Er behauptet, der Messerstich w�re von Fiona gekommen. Und sie steht ebenfalls nicht f�r ein Verh�r zur Verf�gung. Wie du verschwand sie w�hrend der Nacht. Ein Wunder, da� ihr euch nicht �ber den Weg gelaufen seid.�</p><p>Er l�chelte. �Etwas �hnliches habe ich mir gedacht�, sagte er.</p><p>�Warum bist du unter so verd�chtigen Umst�nden geflohen?� wollte ich wissen. �Das hat dich in einem wirklich schlechten Licht dastehen lassen.�</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�W�re nicht das erstemal gewesen, da� man mich zu unrecht verd�chtigt. Genau genommen bin ich so schuldig wie unsere kleine Schwester, wenn man die Absicht mitz�hlt. Ich h�tt�s selbst getan, wenn ich rangekommen w�re. Ich hatte sogar das Messer parat an jenem Abend. Nur wurde ich zur Seite gedr�ngt, als er durchkam.�</p><p>�Aber warum?� fragte ich.</p><p>Er lachte.</p><p>�Warum? Ich habe Angst vor dem Schweinehund, das ist der Grund! Lange Zeit hatte ich angenommen, er w�re tot � jedenfalls hatte ich gehofft, da� er endlich von den finsteren Kr�ften verschlungen worden w�re, mit denen er sich einlie�. Wieviel wei�t du eigentlich �ber ihn, Corwin?�</p><p>�Wir haben uns lange unterhalten.�</p><p>�Und . . .?�</p><p>�Er gab zu, da� er und Bleys und Fiona Absichten auf den Thron hatten. Sie wollten Bleys kr�nen lassen, doch die eigentliche Macht sollte von den beiden ausgehen. Die drei spannten die Kr�fte ein, die du eben erw�hntest, um f�r Vaters Verschwinden zu sorgen. Brand sagte, er habe versucht, Caine f�r die Gruppe zu gewinnen, doch Caine habe sich f�r dich und Eric entschieden. Ihr drei h�ttet dann eine �hnliche Gruppe geformt mit dem Ziel, Eric auf den Thron zu bringen, ehe ihr soweit wart.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Die Ereignisse stimmen, aber die Gr�nde nicht. Wir wollten den Thron gar nicht, zumindest nicht so pl�tzlich, jedenfalls damals nicht. Unsere Gruppe formierte sich als Gegenst�ck zur ihren; sie <emphasis>mu�te</emphasis> sich konstituieren, um den Thron zu sch�tzen. Zuerst konnten wir Eric nur dazu bringen, eine Art Protektorat zu �bernehmen. Er hatte Angst, da� er nicht mehr lange zu leben h�tte, wenn er in der damaligen Situation sich zum Herrscher kr�nen lie�. Pl�tzlich tauchtest du wieder auf, mit deinem durchaus rechtm��igen Anspruch. Wir konnten es uns damals nicht leisten, dich im Nacken zu haben, denn Brands Truppe drohte gerade mit einem umfassenden Krieg. Wir waren der Meinung, da� die Gegenseite vielleicht weniger Lust zu diesem Schritt h�tte, wenn der Thron bereits besetzt war. Dich h�tten wir nicht kr�nen k�nnen, denn du h�ttest dich geweigert, die Marionette zu spielen, eine Rolle, die du h�ttest �bernehmen m�ssen, da das St�ck bereits im Gange war und du in zu vielen Punkten keine Ahnung hattest. Wir �berredeten also Eric, das Risiko einzugehen und sich kr�nen zu lassen. Und so geschah es dann auch.�</p><p>�Und als ich auftauchte, lie� er mich blenden und warf mich rein zum Spa� ins Verlies?�</p><p>Julian wandte sich ab und blickte auf den toten Manticora.</p><p>�Du bist ein Dummkopf�, sagte er schlie�lich. �Du warst von Anfang an ein Werkzeug. Sie benutzten dich, um uns zum Handeln zu zwingen � und wie immer wir uns entschieden h�tten, du standest in jedem Fall auf der Verliererseite. Wenn Bleys� verr�ckter Angriff auf Amber Erfolg gehabt h�tte, w�rst du nicht lange am Leben geblieben. Und als der Angriff tats�chlich schiefging, verschwand Bleys und lie� dich allein zur�ck, als Verantwortlichen f�r den Umsturzversuch. Du hattest deinen Zweck erf�llt und mu�test sterben. In diesem Punkt lie� man uns keine gro�e Wahl. Vom Gesetz her h�tten wir dich t�ten m�ssen � und das wei�t du auch.�</p><p>Ich bi� mir auf die Unterlippe, h�tte ich doch in diesem Augenblick so manches sagen k�nnen. Doch wenn seine Worte nur ungef�hr der Wahrheit entsprachen, gab es eigentlich kein Gegenargument. Zun�chst wollte ich mehr h�ren.</p><p>�Eric�, fuhr er fort, �rechnete sich aus, da� du nach einer gewissen Zeit dein Augenlicht wiedererlangen w�rdest, kannte er doch die regenerativen Kr�fte unserer Familie. Er war in einer schwierigen Lage. Sollte Vater eines Tages zur�ckkehren, konnte Eric den Thron r�umen und all seine Handlungen zur allgemeinen Zufriedenheit belegen � nur deinen Tod h�tte er nicht rechtfertigen k�nnen. Das w�re ein zu klarer Schritt gewesen zur Absicherung seiner Position �ber die derzeitigen Unruhen hinaus. Und ich sage dir ganz offen, da� er dich eigentlich nur einschlie�en und vergessen wollte.�</p><p>�Von wem kam dann der Einfall mit der Blendung?�</p><p>Er schwieg lange. Dann sprach er leise weiter; seine Stimme war fast ein Fl�stern. �H�r mich bitte bis zu Ende an. <emphasis>Ich</emphasis> hatte den Einfall, und vielleicht verdankst du dieser Idee dein Leben. Unser Vorgehen gegen dich mu�te dem Tod gleichzusetzen sein, sonst h�tte der Gegner bestimmt nachgehakt. Du konntest den dreien nicht mehr n�tzen, doch w�rst du frei und am Leben gewesen, h�tte die M�glichkeit bestanden, da� du sp�ter wieder zur Gefahr wurdest. Sie h�tten deinen Trumpf verwenden k�nnen, um sich mit dir in Verbindung zu setzen und dich zu t�ten; sie h�tten die Karte auch einsetzen k�nnen, um dich zu befreien und dich in einem neuen Schachzug gegen Eric zu opfern. Da du nun aber blind warst, bestand keine Veranlassung, dich zu t�ten. Die Blendung war also deine Rettung, weil du dadurch lange Zeit aus dem Verkehr gezogen wurdest; sie ersparte uns au�erdem eine durchgreifendere Ma�nahme, die man uns eines Tages vorwerfen konnte. So wie wir die Dinge sahen, hatten wir keine Wahl: Wir mu�ten es tun. Auch konnten wir dich nicht offiziell begnadigen, um uns nicht dem Verdacht auszusetzen, wir h�tten etwas mit dir vor. Sobald es so ausgesehen h�tte, w�rst du ein toter Mann gewesen. Wir konnten h�chstens beide Augen schlie�en, sobald Lord Rein deine Lage zu verbessern versuchte. Das war alles.�</p><p>�Ich sehe nun klarer�, sagte ich.</p><p>�Ja�, stimmte er mir zu, �du hast viel zu fr�h wieder sehen k�nnen. Niemand ahnte, da� deine Augen so schnell gesunden w�rden und du fliehen k�nntest. Wie hast du das nur gemacht?�</p><p>�Das werde ich dir nicht auf die Nase binden. Was wei�t du �ber Brands Gefangenschaft?�</p><p>Er sah mich offen an.</p><p>�Mir ist nur bekannt, da� es in der Gruppe Streit gab. Die Einzelheiten kenne ich nat�rlich nicht. Aus irgendeinem Grunde hatten Bleys und Fiona Angst, ihn zu t�ten; andererseits wollten sie ihn nicht frei herumlaufen lassen. Als wir ihn aus dem Kompromi� � seiner Gefangenschaft � befreiten, hatte Fiona anscheinend mehr Angst davor, ihn in Freiheit zu wissen.�</p><p>�Und du hattest genug Angst vor ihm, um Anstalten zu machen, ihn umzubringen. Warum das, nach all der Zeit, wo doch die Ereignisse l�ngst Geschichte sind und die Machtverh�ltnisse sich erneut ver�ndert haben? Er war schwach und geradezu hilflos. Welchen Schaden kann er heute noch anrichten?�</p><p>Er seufzte.</p><p>�Ich verstehe die Kr�fte nicht, die er besitzt�, sagte er, �aber sie sind betr�chtlich. So wei� ich, da� er mit dem Verstand durch die Schatten wandern kann; da� er ein Objekt in den Schatten ausfindig machen und es dann durch reine Willenskraft zu sich holen kann, ohne sich aus seinem Stuhl zu erheben; au�erdem vermag er sich auf �hnliche Weise physisch durch die Schatten zu bewegen. Er richtet seinen Geist auf den Ort, den er besuchen m�chte, bildet eine Art gedankliche T�r und tritt einfach hindurch. Analog dazu nehme ich an, da� er manchmal deuten kann, was ein anderer denkt. Es ist fast, als w�re er selbst eine Art lebendiger Trumpf. Ich wei� von diesen Dingen, weil ich selbst beobachtet habe, wie er so etwas tut. W�hrend wir ihn im Palast unter Beobachtung hielten, entwischte er uns auf diese Weise � etwa zu der Zeit, da er auf die Schatten-Erde reiste und dich in ein Institut einliefern lie�. Als wir ihn wieder eingefangen hatten, blieb einer von uns stets bei ihm. Damals wu�ten wir allerdings noch nicht, da� er Wesen durch die Schatten holen konnte. Als er erfuhr, da� du entkommen warst, beschwor er ein entsetzliches Ungeheuer herauf, das Caine angriff, der gerade sein Leibw�chter war. Dann setzte er sich wieder auf deine F�hrte. Offenbar haben ihn Bleys und Fiona kurz darauf in ihre Gewalt gebracht, ehe wir an ihn herankamen; ich bekam ihn erst wieder an jenem Abend in der Bibliothek zu Gesicht, als wir ihn zur�ckholten. Ich habe Angst vor ihm, da er �ber gef�hrliche Kr�fte verf�gt, die ich nicht begreife.�</p><p>�Wenn das so ist, w�rde ich gern wissen, wie ihn die beiden �berhaupt festsetzen konnten.�</p><p>�Fiona besitzt �hnliche F�higkeiten, was ich auch von Bleys annehme. Gemeinsam vermochten die beiden Brands Attacken offenbar abzublocken, w�hrend sie einen Ort schufen, an dem er machtlos war.�</p><p>�Aber nicht v�llig�, wandte ich ein. �Er vermochte eine Nachricht an Random abzusetzen. Einmal hat er sogar mich erreicht, wenn auch nur schwach.�</p><p>�Also nicht v�llig machtlos�, sagte er. �Aber ausreichend. Bis wir alle Barrieren niederrissen.�</p><p>�Was wei�t du von den Aktionen der anderen Gruppe gegen mich � das Einsperren, der Mordversuch, dann meine Rettung?�</p><p>�Das verstehe ich nun wieder nicht�, sagte er. �Es mu� mit einem Machtkampf innerhalb der Gruppe zusammenh�ngen. Offenbar hat man sich gestritten: Die eine oder andere Seite hielt dich wohl f�r ganz n�tzlich. Folglich versuchte die eine Gruppe dich zu beseitigen, w�hrend die andere sich f�r deine Rettung einsetzte. In letzter Konsequenz holte nat�rlich Bleys das meiste aus dir heraus � bei dem Angriff, den er gegen Amber einleitete.�</p><p>�Aber er war es doch, der mich auf der Schatten-Erde umzubringen versuchte�, sagte ich. �Er hat mir in die Reifen geschossen.�</p><p>�Ach?�</p><p>�Nun, jedenfalls hat Brand mir das erz�hlt, doch es pa�t zu allen m�glichen anderen Details.�</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�In diesem Punkt kann ich dir nicht weiterhelfen�, sagte er. �Ich wei� eben nicht im einzelnen, was sich damals in der Gruppe abspielte.�</p><p>�Dennoch umschw�rmst du Fiona�, sagte ich. �Genau genommen bist du mehr als freundlich zu ihr, wenn sie in deiner N�he ist.�</p><p>�Nat�rlich�, sagte er l�chelnd. �Ich habe Fiona immer sehr gemocht. Sie ist jedenfalls die H�bscheste und Zivilisierteste von uns allen. Schade, da� Vater immer so sehr gegen Ehen zwischen Geschwistern war. Es machte mir ehrlich zu schaffen, da� wir so lange Gegner sein mu�ten. Nach Bleys� Tod, nach deiner Gefangenschaft und Erics Kr�nung normalisierten sich die Dinge aber wieder einigerma�en. Sie nahm ihre Niederlage gelassen hin, und das war�s dann. Offensichtlich hatte sie vor Brands R�ckkehr ebenso gro�e Angst wie ich.�</p><p>�Brand hat das alles aber ganz anders dargestellt�, erwiderte ich, �was nat�rlich kein Wunder ist. Zum einen behauptet er, Bleys lebe noch, er h�tte ihn mit seinem Trumpf aufgesp�rt und wisse, da� er sich in den Schatten aufhalte und eine neue Streitmacht f�r den n�chsten Angriff auf Amber zusammenstelle.�</p><p>�Das mag durchaus richtig sein�, erwiderte Julian. �Aber wir sind doch mehr als ausreichend ger�stet, oder nicht?�</p><p>�Er behauptet weiterhin, dieser Angriff werde eine Finte sein�, fuhr ich fort. �Der wirkliche Angriff soll angeblich direkt aus den H�fen des Chaos erfolgen, �ber die schwarze Stra�e. Er sagt, Fiona sei gerade damit besch�ftigt, diese Aktion vorzubereiten.�</p><p>Er runzelte die Stirn.</p><p>�Ich hoffe, da� das alles erlogen ist�, sagte er. �Es w�rde mir ganz und gar nicht gefallen, wenn sich die andere Gruppe neu formiert und uns wieder an den Kragen will, diesmal mit Hilfe aus dem finsteren Lager. Und es w�rde mich schmerzen, wenn Fiona darin verwickelt w�re.�</p><p>�Brand sagt, er selbst habe nichts mehr damit zu tun, er habe eingesehen, wie falsch er gehandelt hatte � und dergleichen reuige T�ne mehr.�</p><p>�Ja! Ich w�rde eher dem Monstrum trauen, das ich da eben get�tet habe, als mich auf Brands Wort zu verlassen. Ich hoffe, du warst so vern�nftig, ihn gut bewacht zur�ckzulassen, obwohl das nicht viel n�tzen d�rfte, wenn er wieder im Vollbesitz seiner Kr�fte ist.�</p><p>�Aber welches Spielchen mag er jetzt im Sinn haben?�</p><p>�Entweder hat er das alte Triumvirat wieder zusammengekittet, ein Gedanke, der mir gar nicht behagt, oder er hat einen neuen Plan. Irgend etwas f�hrt er auf jeden Fall im Schilde, das ist klar. Mit einer reinen Zuschauerrolle war er nie zufrieden. Er mu� immer irgendwelche Ziele verfolgen. Ich w�rde schw�ren, da� er sogar im Schlafe Verschw�rungen anzettelt.�</p><p>�Vielleicht hast du recht�, sagte ich. �Es hat da n�mlich eine neue Entwicklung gegeben, ob zum Guten oder Schlechten, wei� ich noch nicht. Ich habe mich eben mit G�rard geschlagen. Er meint, ich h�tte Brand etwas angetan. Das stimmt nat�rlich nicht, aber ich war nicht in der Lage, meine Unschuld zu beweisen. Ich war heute die letzte Person, die Brand gesehen hat. G�rard hat vor kurzem seine R�ume aufgesucht. Er behauptet, man h�tte dort eingebrochen, Blutspuren bef�nden sich im Raum, und Brand sei verschwunden. Ich wei� nicht, was ich davon halten soll.�</p><p>�Ich auch nicht. Aber ich hoffe, es bedeutet, da� irgend jemand diesmal richtig zugeschlagen hat.�</p><p>�Himmel!� sagte ich. �Wie verworren das alles ist! Ich w�nschte, ich h�tte fr�her davon gewu�t.�</p><p>�Bis jetzt ergab sich einfach keine Gelegenheit, dir davon zu erz�hlen�, sagte er. �Unm�glich war es, als du noch Gefangenen warst und noch �ber Trumpf angesprochen werden konntest, und hinterher warst du lange Zeit fort. Als du mit deinen Truppen und den neuen Waffen zur�ckkehrtest, wu�te ich zuerst nicht recht, was du eigentlich wolltest. Dann �berst�rzten sich die Ereignisse, und pl�tzlich war Brand wieder im Lande. Da war es zu sp�t. Ich mu�te verschwinden, um meine Haut zu retten. Hier in Arden bin ich stark. Hier vermag ich alles abzuwehren, was er gegen mich aufbietet. Ich habe die Patrouillen in voller Kampfst�rke reiten lassen und auf eine Nachricht �ber Brands Tod gewartet. Ich wollte einen von euch fragen, ob er noch in Amber sei. Aber ich konnte mich nicht entschlie�en, wen ich fragen sollte, w�hnte ich mich doch unter Verdacht, sollte er tats�chlich gestorben sein . . . War er allerdings noch am Leben, so wollte ich, sobald ich davon h�rte, selbst einen Anschlag auf ihn ver�ben. Nun diese Lage . . . Was hast du jetzt vor, Corwin?�</p><p>�Ich bin auf dem Wege, das Juwel des Geschicks von einem Ort in den Schatten zu holen, an dem ich es versteckt habe. Es gibt eine M�glichkeit, mit dem Juwel die schwarze Stra�e zu vernichten. Ich will den Versuch wagen.�</p><p>�Wie willst du das schaffen?�</p><p>�Das ist eine zu lange Geschichte � denn eben ist mir ein schrecklicher Gedanke gekommen.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Brand hat es auf das Juwel abgesehen. Er hat sich danach erkundigt, und jetzt . . . Seine F�higkeit, Objekte in den Schatten zu finden und zur�ckzuholen, wie weit ist die ausgepr�gt?�</p><p>Julian sah mich nachdenklich an.</p><p>�Er ist jedenfalls nicht allm�chtig, wenn du das meinst. Man kann in den Schatten alles finden, auf dem �blichen Wege � indem man sich dorthin begibt. Nach Fionas Worten verzichtet er lediglich auf die physische Komponente. Deshalb kann er im Grunde nur <emphasis>irgendein</emphasis> Objekt zu sich holen und keinen bestimmten Gegenstand. Au�erdem ist das Juwel nach allem, was Eric mir dar�ber erz�hlt hat, ein sehr seltsames Gebilde. Ich glaube, Brand m��te sich pers�nlich darum k�mmern, sobald er festgestellt hat, wo es sich befindet.�</p><p>�Dann mu� ich meinen H�llenritt fortsetzen. Irgendwie mu� ich ihm zuvorkommen.�</p><p>�Ich sehe, da� du Drum reitest�, stellte Julian fest. �Ein gutes Tier, ein leistungsf�higer Bursche. Hat so manchen H�llenritt mitgemacht.�</p><p>�Das freut mich zu h�ren�, sagte ich. �Was hast <emphasis>du</emphasis> jetzt vor?�</p><p>�Ich werde mich mit jemandem in Amber in Verbindung setzen und mich �ber die Dinge aufkl�ren lassen, die wir hier nicht besprechen konnten � wahrscheinlich Benedict.�</p><p>�Sinnlos�, sagte ich. �Du wirst ihn nicht erreichen. Er ist zu den H�fen des Chaos aufgebrochen. Versuch es mit G�rard. Sag ihm, da� ich es ehrlich meine.�</p><p>�Die Rotsch�pfe sind die einzigen Zauberer in unserer Familie � trotzdem will ich es versuchen . . . Hast du H�fe des Chaos gesagt?�</p><p>�Ja � aber ich habe jetzt keine Zeit mehr.�</p><p>�Nat�rlich. Zieh los. Wir haben sp�ter noch Zeit � hoffe ich wenigstens.�</p><p>Er hob die Hand und umfa�te meinen Arm. Ich blickte auf den Manticora, auf die Hunde, die ringsum Platz genommen hatten.</p><p>�Vielen Dank, Julian. Ich � du bist manchmal so schwer zu begreifen.�</p><p>�O nein. Ich glaube, der Corwin, den ich geha�t habe, ist vor Jahrhunderten schon gestorben. Nun reite schon los. Wenn Brand sich hier sehen l��t, nagele ich sein Fell an einen Baum!�</p><p>Als ich aufstieg, rief er seinen Hunden einen Befehl zu, woraufhin sie sich �ber den toten Manticora hermachten und ihn knurrend zu zerfleischen begannen. Ich ritt an dem seltsamen breiten, menschen�hnlichen Gesicht vorbei und sah, da� die Augen offenstanden, Augen, die inzwischen jedoch glasig geworden waren. Sie schimmerten blau, und der Tod hatte ihnen eine gewisse �bernat�rliche Unschuld nicht nehmen k�nnen. Entweder das oder der Blick war das letzte Geschenk des Todes; wenn es so war, eine sinnlose Ironie.</p><p>Ich lenkte Drum auf den Weg zur�ck und begann meinen H�llenritt.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Auf dem Weg reitend, in m��igem Tempo, Wolken verd�sterten den Himmel, und Drums Wiehern der Erinnerung oder Vorfreude . . . Eine Wende nach links und bergauf . . . Der Boden braun, gelb, zur�ck zum Braun . . . Die B�ume ducken sich, wandern auseinander . . . Grasfl�chen wogen dazwischen im aufkommenden k�hlen Wind . . . Ein schnell aufzuckendes Feuer am Himmel . . . Ein Donnergrollen sch�ttelt Regentropfen los . . .</p><p>Jetzt steil und felsig . . . Der Wind zupft an meinem Mantel . . . Hinauf . . . Hinauf an einen Ort, da die Felsen mit Silber durchzogen sind und die B�ume ihre Grenze gefunden haben . . . Die Grasfl�chen, gr�ne Br�nde, ersterben im Regen . . . Hinauf in die schroffen, funkelnden, regensauberen H�hen, wo die Wolken wie ein schlammiger Flu� bei Hochwasser dahinwallen . . . Der Regen schmerzt wie Schrotk�rner, der Wind r�uspert sich, will lossingen . . . Immer weiter steigen wir empor, und die Anh�he kommt in Sicht wie der Kopf eines aufgeschreckten Bullen, mit H�rnern, die den Weg bewachen . . . Blitze zucken um die Spitzen, tanzen dazwischen . . . Der Ozongeruch, als wir diesen Ort erreichen und weiterst�rmen, der Regen pl�tzlich gestoppt, der Wind abgelenkt . . .</p><p>Hinaus auf die andere Seite . . . Dort gibt es keinen Regen, die Luft steht still, der Himmel ist glatt und von einem sternen�bers�ten Schwarz . . . Meteore schneiden brennend ihre Bahn, verblassen zu vagen Narben, die immer mehr ausbleichen . . . Monde, wie eine Handvoll M�nzen hingeworfen . . . Drei helle Zehner, ein matter F�nfziger, einige Pfennige, davon einer dunkel und zerkratzt . . . Nun hinab auf dem langen gewundenen Weg . . . Klare, metallisch klingende Hufschl�ge in der n�chtlichen Luft . . . Irgendwo ein katzenhaftes Fauchen . . . Ein dunkler Umri� vor einem kleinen Mond, zerrissen, schnell . . .</p><p>Abw�rts . . . Zu beiden Seiten senkt sich das Land . . . Tief unten Dunkelheit . . . Ritt auf einer unendlich hohen gekr�mmten Mauer, der Weg hell im Mondlicht . . . Der Weg kr�mmt sich, faltet sich, wird durchsichtig . . . Gleich darauf treibt er gazehaft, durchsichtig dahin, Sterne darunter wie dar�ber . . . Sterne zu beiden Seiten . . . Land ist nicht mehr zu sehen. Nur die Nacht ist noch vorhanden, die Nacht und der d�nne, durchscheinende Weg, auf dem ich zu reiten versucht hatte, um zu wissen, wie es sich anf�hlte � so etwas konnte sp�ter einmal n�tzlich sein . . .</p><p>Es ist jetzt absolut still, und jeder Bewegung haftet die Illusion der Langsamkeit an . . . Allm�hlich f�llt der Weg unter mir fort, und wir bewegen uns dahin, als schw�mmen wir in unvorstellbarer Tiefe unter Wasser, als w�ren die Sterne helle Fische . . . Die Freiheit, die Macht des H�llenritts vermittelt mir ein Hochgef�hl, das nichts und doch alles mit der Tollk�hnheit zu tun hat, wie sie einen manchmal im Kampf �berkommt, die K�hnheit des Risikos, das Gef�hl des Rechthabens, das sich einstellt, sobald man f�r einen Vers das richtige Wort gefunden hat . . . Diese Empfindungen erf�llen mich, und der Anblick der Umgebung � reitend, reitend, reitend � vielleicht aus dem Nichts in das Nichts, �ber und zwischen den Mineralien und Feuern der Leere, frei von Erde und Luft und Wasser . . .</p><p>Wir rasen mit einem gro�en Meteor um die Wette, wie ber�hren seine Masse . . . Wir hasten �ber seine narbige Oberfl�che, herum und wieder hoch . . . Er dehnt sich zu einer gro�en Ebene, wird heller, gelber . . .</p><p>Sand ist es, Sand unter unserer Bewegung . . . Die Sterne verblassen, als sich die Dunkelheit in einem Morgen voller Sonnenaufgang aufl�st . . . Schattenbahnen vor uns, darin W�stenb�ume . . . Auf die Dunkelheit zureiten . . . hindurchbrechen . . . Helle V�gel schwingen sich empor, kehren klagend zur�ck . . .</p><p>Zwischen den dichter stehenden B�umen hindurch . . . Dunkler nun der Boden, enger der Weg . . . Palmenwedel schrumpfen auf Handgr��e, Baumrinde wird dunkler . . . Eine Wende nach rechts, wo der Weg breiter wird . . . Unsere Hufe locken Funken aus Basaltsteinen . . . Der Weg vergr��ert sich weiter, wird zu einer baumges�umten Stra�e . . . winzige Reihenh�user zucken vorbei . . . Helle Fensterl�den, marmorne Treppen, bunte T�ren und farbige Sonnenblenden zwischen Plattenwegen . . . Wir �berholen einen Pferdewagen mit frischem Gem�se . . . zu Fu� gehende Menschen drehen sich um, starren uns nach . . . Leises Stimmengemurmel . . .</p><p>Weiter . . . Unter einer Br�cke hindurch . . . Am Bach entlang, bis er sich zu einem Flu� verbreitert, der zum Meer f�hrt . . .</p><p>Mit pochenden Hufen �ber den Strand unter einem zitronenfarbenen Himmel mit blauen Wolken . . . Das Salz, das Wrack, die Muscheln, die glatte Anatomie des angeschwemmten Holzes . . . Wei�e Fische auf dem limonengr�nen Meer . . .</p><p>Im Galopp zu der Stelle, da die Welt des Wassers an einer Erhebung endet . . . Hinauf, jede Stufe hinter uns abbr�ckelnd und in die Tiefe dr�hnend, ihre Identit�t verlierend, im Brausen der Brandung untergehend . . . Hinauf, hinauf, auf die flache, baumbestandene Ebene, auf der eine goldene Stadt wie eine Vision schimmert . . .</p><p>Die Stadt w�chst, wird dunkler unter einem schattenhaften Regenschirm, die grauen T�rme recken sich empor, Glas und Metall blitzen hell durch das Zwielicht . . . Die T�rme beginnen zu schwanken . . .</p><p>Als wir vorbeireiten, sinkt die Stadt lautlos in sich zusammen . . . T�rme st�rzen ein, Staub wallt auf, wird durch eine tiefstehende Lichtquelle rosa angestrahlt . . . Ein leises Ger�usch wie von einer ausgel�schten Kerze . . .</p><p>Ein Staubsturm, schnell aufgekommen, wird von Nebel abgel�st . . . Durch das Nichts der L�rm von Autohupen . . . Ein Dahintreiben, ein Anheben, ein Bruch in den grauwei�en perligen Wolken . . . Unsere Hufabdr�cke auf dem Bankett einer Autobahn . . . Nach rechts endlose Reihen von Fahrzeugen . . . Perlwei�, grauwei�, von neuem treibend . . .</p><p>Richtungslose Schreie und Klagelaute . . . Wirre Lichtreflexe . . .</p><p>Wieder emporsteigend . . . Der Nebel senkt sich, wogt fort . . . Gras, Gras, Gras . . . Klar ist jetzt der Himmel und angenehm blau . . . Eine Sonne, die ihrem Untergang entgegenst�rmt . . . V�gel . . . Eine Kuh auf der Weide, starrend und kauend . . .</p><p>Einen Holzzaun �berspringen, dann auf einer Landstra�e dahinreiten . . . Ein pl�tzlicher K�ltehauch hinter dem H�gel . . . Die Gr�ser sind trocken, und Schnee liegt auf dem Boden . . . Ein Bauernhaus mit Blechdach auf einer Anh�he, dar�ber ein Rauchkringel . . .</p><p>Weiter . . . Die H�gel wachsen empor, die Sonne rollt hinab, zieht Dunkelheit hinter sich her . . . Ein Spritzer Sterne . . . Hier ein Haus, weit zur�ckgesetzt . . . Dort ein anderes, die lange Auffahrt zieht sich zwischen alten B�umen dahin . . . Scheinwerfer . . .</p><p>An den Stra�enrand . . . Z�gel anziehen und den Wagen vorbeilassen . . .</p><p>Ich wischte mir die Stirn, klopfte �rmel und Hemdbrust ab. Dann t�tschelte ich Drum den Hals. Das entgegenkommende Fahrzeug fuhr langsamer, und ich sah den Fahrer, der mich anstarrte. Ich bewegte vorsichtig die Z�gel, und Drum setzte sich langsam in Bewegung. Der Wagen wurde gestoppt, und der Fahrer rief mir etwas nach, doch ich lie� das Tier weitergehen. Sekunden sp�ter h�rte ich ihn anfahren.</p><p>Ab hier war es eine Landstra�e. Ich lie� Drum in gem��igtem Schritt gehen, wobei wir immer wieder an vertrauten Kennzeichen vorbeikamen, die mich an fr�her erinnerten. Einige Meilen weiter erreichte ich eine breitere, bessere Stra�e. Ich bog ab, hielt mich rechts. Die Temperatur nahm weiter ab, doch die kalte Luft f�hlte sich angenehm und frisch an. Ein schmaler Mond zeigte sich �ber den Bergen zu meiner Linken. Einige kleine Wolken zogen am Himmel dahin, vom Mondlicht sanft angestrahlt. Wind gab es kaum, ab und zu r�hrten sich die �ste, das war alles. Nach einer Weile erreichte ich eine Reihe von Dellen in der Stra�e, die mir verrieten, da� ich fast am Ziel war.</p><p>Eine Kurve und noch ein paar Vertiefungen . . . Ich erblickte den Felsbrocken neben der Einfahrt. Ich las meine Anschrift darauf.</p><p>Nun zog ich die Z�gel an und blickte den Hang hinauf. In der Einfahrt stand ein Lieferwagen, im Haus brannte Licht. Ich f�hrte Drum �ber ein Feld zu einer Baumgruppe. Ich band ihn hinter einigen Tannen an und rieb ihm den Hals und sagte, es w�rde nicht lange dauern.</p><p>Dann kehrte ich zur Stra�e zur�ck. Keine Wagen in Sicht. Ich �berquerte die Fahrbahn und ging auf der anderen Seite die Auffahrt hinauf, wobei ich hinter dem geparkten Auto vorbeikam. Das Licht brannte im Wohnzimmer weiter rechts. Ich ging links ums Haus herum.</p><p>Als ich die Veranda erreichte, blieb ich stehen und sah mich um. Irgend etwas stimmte nicht.</p><p>Der Hof hatte sich ver�ndert. Zwei altersschwache Gartenst�hle waren fort � ebenso das uralte H�hnerhaus, an dem diese St�hle gelehnt hatten und das ich aus Zeitmangel hatte stehen lassen. Als ich das letztemal hier durchkam, war beides noch vorhanden gewesen. Au�erdem waren drei alte �ste verschwunden, die hier herumgelegen hatten, und ein Haufen altes Feuerholz, das ich mir vor langer Zeit zurechtgehackt hatte.</p><p>Der Komposthaufen fehlte ebenfalls.</p><p>Ich n�herte mich der Stelle, wo er gewesen war. Vor mir sah ich einen unregelm��igen Flecken nackter Erde, der etwa die Form des Haufens hatte.</p><p>W�hrend ich mich auf das Juwel einstimmte, hatte ich festgestellt, da� ich seine Gegenwart ersp�ren konnte. Nun schlo� ich die Augen und versuchte mich darauf zu konzentrieren.</p><p>Nichts.</p><p>Ich sah mich noch einmal gr�ndlich um, doch nirgendwo blitzte es verr�terisch auf. Nicht da� ich etwas zu finden erwartet h�tte, nachdem ich schon vorher nichts gesp�rt hatte . . .</p><p>Der erleuchtete Raum hatte keine Gardinen. Als ich mir das Haus genauer ansah, fiel mir auf, da� �berall die L�den oder Rouleaus fehlten. Folglich . . .</p><p>Ich ging um die Ecke. Vorsichtig n�herte ich mich dem hellen Fenster und warf einen schnellen Blick hinein. Planen deckten den gr��ten Teil des Bodens ab. Ein Mann mit M�tze und Overall strich die gegen�berliegende Wand.</p><p>Kein Wunder.</p><p>Ich hatte Bill gebeten, das Haus zu verkaufen. Die erforderlichen Papiere hatte ich unterzeichnet, w�hrend ich in der hiesigen Klinik lag, nachdem ich im Anschlu� an den Mordversuch in mein altes Zuhause versetzt worden war � m�glicherweise durch Einwirken des Juwels. Das alles mu�te nach hiesiger Zeit Monate zur�ckliegen, wenn ich den Zeitumrechnungsfaktor von etwa zweieinhalb zu eins zugrundelegte, wie er zwischen Erde und Amber anzuwenden war, einschlie�lich der acht Tage, die mich die H�fe des Chaos gekostet hatten. Nat�rlich hatte Bill meiner Bitte entsprochen. Allerdings war das Haus in schlechtem Zustand, nachdem es mehrere Jahre lang leer gestanden hatte. Einbrecher hatten sich Zugang verschafft . . . Neue Scheiben waren erforderlich, das Dach mu�te teilweise erneuert werden, ebenso die Regenrinnen und der Au�enanstrich. Und es gab viel Unrat wegzuschaffen, drau�en ebenso wie aus dem Inneren . . .</p><p>Ich wandte mich ab und ging �ber den vorderen Hang zur Stra�e hinab. Dabei dachte ich daran, wie ich diesen Weg beim letztenmal zur�ckgelegt hatte, halb im Delirium, auf H�nden und Knien, mit einer blutenden Wunde in der Seite. Damals war es viel k�lter gewesen; es schneite auf eine dichte Schneedecke. Ich ging an der Stelle vorbei, wo ich gesessen und mit dem Kissenbezug einen Wagen anzuhalten versucht hatte. Noch deutlich hatte ich jene Fahrzeuge in Erinnerung, die vorbeigefahren waren.</p><p>Ich �berquerte die Stra�e und ging �ber das Feld zu den B�umen. Dort machte ich Drum los und stieg auf.</p><p>�Wir m�ssen noch ein St�ck weiter�, sagte ich zu ihm. �Allerdings nicht sehr weit.�</p><p>Wir kehrten zur Stra�e zur�ck, bogen darauf ein und passierten mein Grundst�ck. H�tte ich Bill nicht gesagt, er k�nnte das Haus verkaufen, w�re der Komposthaufen noch an Ort und Stelle, und das Juwel w�re auch noch hier. Schon h�tte ich auf dem R�ckweg nach Amber sein k�nnen, den r�tlichen Stein um den Hals, bereit, die Schritte einzuleiten, die nun getan werden mu�ten. Statt dessen mu�te ich mich auf die Suche danach machen, in einem Augenblick, da ich das Gef�hl hatte, da� die Zeit wieder einmal knapp wurde. Wenigstens hatte ich hier einen g�nstigen Zeitlauf-Faktor in Relation zu Amber. Ich schnalzte mit der Zunge und sch�ttelte die Z�gel. Trotzdem durfte ich keine Minute verschwenden.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter war ich in der Stadt und ritt durch eine ruhige Wohnstra�e. Bei Bill brannte Licht. Ich bog in seine Auffahrt ein und stellte Drum auf dem Hinterhof ab.</p><p>Alice antwortete auf mein Klopfen, starrte mich einen Augenblick lang an und sagte dann: �Mein Gott! Carl!�</p><p>Minuten sp�ter sa� ich mit Bill im Wohnzimmer, einen Drink in Reichweite. Alice war in der K�che, nachdem sie den Fehler begangen hatte, mich zu fragen, ob ich etwas essen wollte.</p><p>Bill z�ndete sich eine Pfeife an und musterte mich.</p><p>�Dein Kommen und Gehen sind nach wie vor sehr interessant�, stellte er fest.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Zweckm��igkeit ist alles.�</p><p>�Die Schwester in der Klinik . . . kaum jemand hat ihre Geschichte geglaubt.�</p><p><emphasis>�Kaum</emphasis> jemand?�</p><p>�Die Minderheit, die ich damit meine � das bin ich nat�rlich.�</p><p>�Was hat sie denn erz�hlt?�</p><p>�Sie behauptete, du seist in die Mitte des Zimmers gegangen und w�rst pl�tzlich zweidimensional geworden und verbla�t, wobei sie alle Farben des Regenbogens gesehen h�tte.�</p><p>�Eine solche Beobachtung kann auch auf Gr�nen Star hindeuten. Sie sollte sich ihre Augen untersuchen lassen.�</p><p>�Ich bitte dich, Carl. Sie ist v�llig in Ordnung. Das wei�t du auch.�</p><p>Ich l�chelte und hob mein Glas.</p><p>�Und du�, sagte er, �siehst aus wie eine gewisse Spielkarte, von der ich einmal sprach. Komplett mit Schwert. Was ist los, Carl?�</p><p>�Die Sache ist noch immer kompliziert. Sogar noch komplizierter als bei unserem letzten Gespr�ch.�</p><p>�Womit du sagen willst, da� du mir die gro�e Erkl�rung noch immer nicht geben kannst?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du hast dir eine kostenlose Rundreise durch meine Heimat verdient, wenn alles vorbei ist�, sagte ich. �Das hei�t, wenn ich dann noch eine Heimat habe. Im Augenblick stellt die Zeit f�rchterliche Dinge an.�</p><p>�Wie kann ich dir helfen?�</p><p>�Gib mir bitte Informationen. Mein altes Haus. Wer ist der Bursche, durch den du es instandsetzen l��t?�</p><p>�Ed Wellen. Bauunternehmer aus dem Ort. Ich glaube, du kennst ihn sogar. Hat er dir nicht mal eine Dusche eingebaut oder so?�</p><p>�Ja, ja richtig . . . Ich erinnere mich.�</p><p>�Er hat sich inzwischen ziemlich vergr��ert. Hat gro�e Maschinen gekauft und besch�ftigt mehrere Arbeiter. Ich habe die Firmengr�ndung f�r ihn durchgezogen.�</p><p>�Wei�t du, wen er drau�en bei mir eingesetzt hat � jetzt gerade?�</p><p>�Nein. Aber ich kann es schnell herausfinden.� Er legte die Hand auf das Telefon neben sich. �Soll ich ihn anrufen?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Aber an der Sache h�ngt ein bi�chen mehr. Im Grunde bin ich nur an einem Detail interessiert. Hinter dem Haus war ein Komposthaufen. Bei meinem letzten Besuch habe ich ihn noch gesehen. Jetzt ist das Ding fort. Ich mu� wissen, was daraus geworden ist.�</p><p>Er legte den Kopf schief und grinste um seine Pfeife herum. �Machst du Witze?� fragte er schlie�lich.</p><p>�Keinesfalls�, gab ich zur�ck. �Als ich damals an dem Komposthaufen vorbeikroch und den Schnee mit meinem kostbaren Lebenssaft zierte, habe ich etwas darin versteckt. Das mu� ich jetzt zur�ckhaben.�</p><p>�Und worum handelt es sich?�</p><p>�Um einen Rubinanh�nger.�</p><p>�Von unsch�tzbarem Wert?�</p><p>�Richtig.�</p><p>Er nickte langsam.</p><p>�Wenn nicht gerade du dort s��est, w�rde ich sagen, jemand will mich auf den Arm nehmen�, sagte er. �Ein Schatz in einem Komposthaufen . . . Ein Familienerbst�ck?�</p><p>�Ja. Vierzig oder f�nfzig Karat. Einfache Fassung. Schwere Kette.�</p><p>Er nahm die Pfeife aus dem Mund und stie� einen leisen Pfiff aus.</p><p>�D�rfte ich fragen, warum du das Ding dort versteckt hast?�</p><p>�H�tte ich es nicht getan, w�re ich jetzt tot.�</p><p>�Das ist ein guter Grund.�</p><p>Wieder griff er nach dem Telefon.</p><p>�Wir haben bereits einen Interessenten f�r das Haus�, bemerkte er dabei. �Das ist sehr gut, da ich noch gar nicht annonciert hatte. Ein Bursche, der irgendwoher Wind von dem Verkauf bekommen hatte. Ich habe ihn heute morgen herumgef�hrt. Er will sich�s �berlegen. Vielleicht finden wir ziemlich schnell einen K�ufer.�</p><p>Er begann zu w�hlen.</p><p>�Moment!� sagte ich. �Erz�hl mir von ihm!�</p><p>Er legte den H�rer wieder auf und sah mich an.</p><p>�Hagerer Bursche�, sagte er. �Rothaarig, mit Bart. Sagte, er sei K�nstler. Sucht ein Haus auf dem Lande.�</p><p>�Dieser Schweinehund!� sagte ich im gleichen Augenblick, als Alice mit einem Tablett ins Zimmer kam.</p><p>Sie schnalzte tadelnd mit der Zunge und stellte mir l�chelnd das Essen hin.</p><p>�Hamburger und ein paar Salatreste�, sagte sie. �Nur eine Kleinigkeit.�</p><p>�Vielen Dank. Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, mir mein Pferd zu braten. W�re mir wohl �bel bekommen.�</p><p>�Ich kann mir au�erdem nicht vorstellen, da� das Tier. gl�cklich dar�ber gewesen w�re. Guten Appetit!� Mit Worten kehrte sie in die K�che zur�ck.</p><p>�War der Komposthaufen noch dort, als du dem Mann das Haus gezeigt hast?� fragte ich.</p><p>Bill schlo� die Augen und runzelte die Stirn.</p><p>�Nein�, sagte er gleich darauf. �Der Hof war schon freiger�umt worden.�</p><p>�Das ist ja wenigstens etwas�, erwiderte ich und begann zu essen.</p><p>Nun erledigte er den Anruf, was mehrere Minuten dauerte. Ich bekam das Wesentliche mit, indem ich seinen Worten lauschte; trotzdem h�rte ich mir anschlie�end die ganze Geschichte noch einmal ruhig an, w�hrend ich den Teller abr�umte und mein Glas leerte.</p><p>�Es gefiel ihm nicht, guten Kompost zu verschwenden�, berichtete Bill. �Erst vor ein paar Tagen hat er den Haufen in seinen Kleinlaster umgeladen und auf seinen Hof gebracht. Dort hat er das Zeug auf einem Areal abgeladen, das er kultivieren m�chte. Er hatte noch nicht mal Zeit, das Zeug zu verteilen. Er sagt, ihm w�re kein Schmuckst�ck aufgefallen, aber nat�rlich hat er�s auch �bersehen k�nnen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wenn ich mir mal eine Taschenlampe ausborgen k�nnte, schaue ich gleich nach.�</p><p>�Aber selbstverst�ndlich. Ich fahre dich hin.�</p><p>�Ich m�chte jetzt nicht von meinem Pferd weg.�</p><p>�Nun, du kannst sicher eine Harke und eine Schaufel oder Spitzhacke gebrauchen. Ich fahre das Zeug r�ber und sehe dich dort, wenn du wei�t, wo das ist.�</p><p>�Ich kenne Eds Hof. Er hat doch sicher auch Werkzeug.�</p><p>Bill zuckte die Achseln und l�chelte.</p><p>�Na sch�n. Ich gehe noch mal eben ins Badezimmer, dann machen wir uns auf den Weg.�</p><p>�Ich hatte den Eindruck, als kennst du den Interessenten.�</p><p>�Du hast zuletzt unter dem Namen Brandon Corey von ihm geh�rt.�</p><p>�Der Bursche, der sich als dein Bruder ausgab und dich zum Geisteskranken gestempelt hatte?�</p><p>��Ausgab�? Himmel, er <emphasis>ist</emphasis> mein Bruder. Woran ich allerdings keine Schuld habe. Entschuldige mich mal einen Augenblick.�</p><p>�Er war dort.�</p><p>�Wo?�</p><p>�Bei Ed, heute nachmittag. Jedenfalls hat sich dort ein b�rtiger Rothaariger blicken lassen.�</p><p>�Was hat er gemacht?�</p><p>�Er hat sich als K�nstler ausgegeben. Er fragte, ob er seine Staffelei aufstellen und eines der Felder malen d�rfte.�</p><p>�Und Ed hat zugestimmt?�</p><p>�Nat�rlich. Er hielt das Ganze f�r eine gro�artige Idee. Deshalb hat er mir ja auch davon erz�hlt. Er wollte damit angeben.�</p><p>�Hol die Werkzeuge. Wir treffen uns dort.�</p><p>�In Ordnung.�</p><p>Das zweite, was ich im Badezimmer hervorholte, waren meine Tr�mpfe. Ich mu�te schleunigst mit jemandem in Amber sprechen, mit jemandem, der stark genug war, um Brand aufzuhalten. Aber wer? Benedict war auf dem Weg zu den H�fen des Chaos. Random suchte nach seinem Sohn; von G�rard hatte ich mich nicht gerade freundschaftlich getrennt. Ich w�nschte, ich h�tte einen Trumpf f�r Ganelon.</p><p>Ich kam zu dem Schlu�, da� ich es mit G�rard versuchen m��te.</p><p>Ich nahm seine Karte zur Hand und machte die erforderlichen geistigen Schritte. Sekunden sp�ter hatte ich Kontakt.</p><p>�Corwin!�</p><p>�H�r bitte zu, G�rard! Brand lebt noch, wenn dich das irgendwie tr�stet. Ich bin fest davon �berzeugt. Meine Bitte ist wichtig. Es geht um Leben und Tod. Du mu�t etwas f�r mich tun � auf der Stelle!�</p><p>Sein Gesichtsausdruck hatte sich w�hrend meiner Worte schnell ver�ndert � Zorn, �berraschung, Interesse . . .</p><p>�Sprich weiter�, sagte er.</p><p>�Brand kann jederzeit zur�ckkommen. Vielleicht h�lt er sich bereits in Amber auf. Du hast ihn nicht zuf�llig schon gesehen, oder?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Du mu�t verhindern, da� er das Muster beschreitet.�</p><p>�Das verstehe ich nicht. Aber ich kann vor dem Saal mit dem Muster einen Posten aufstellen.�</p><p>�Stell den W�chter direkt neben das Muster. Brand kennt seltsame Bef�rderungsmethoden. Schreckliches kann geschehen, wenn er das Muster beschreitet.�</p><p>�Gut, ich bewache es pers�nlich. Was ist los?�</p><p>�Im Augenblick habe ich f�r Erkl�rungen keine Zeit. Nun zum n�chsten Punkt: Ist Llewella wieder in Rebma?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Setz dich �ber Trumpf mit ihr in Verbindung. Sie mu� Moire bitten, das Muster in Rebma ebenfalls zu bewachen.�</p><p>�Wie schlimm ist das alles, Corwin?�</p><p>�Es k�nnte zum Ende aller Dinge f�hren�, sagte ich. �Ich mu� jetzt fort.�</p><p>Daraufhin unterbrach ich den Kontakt und ging durch die K�che zur Hintert�r; unterwegs nahm ich mir allerdings die Zeit, Alice zu danken und ihr eine gute Nacht zu w�nschen. Ich wu�te nicht genau, was Brand tun w�rde, falls er das Juwel in seinen Besitz gebracht und sich darauf eingestimmt hatte; allerdings hatte ich eine ziemlich genaue Vorstellung.</p><p>Ich bestieg Drum und lenkte ihn auf die Stra�e. Bill fuhr bereits den Wagen aus der Garage.</p></section><section><title><p>11</p></title><p>Ich konnte manche Abk�rzung �ber die Felder machen, wo sich Bill an die Stra�en halten mu�te; folglich kam ich dicht hinter ihm ans Ziel. Als ich Drum z�gelte, unterhielt er sich gerade mit Ed, der nach S�dwesten deutete.</p><p>Ich stieg ab, und Ed musterte mein Pferd.</p><p>�Sch�nes Tier�, sagte er.</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>�Sie sind fort gewesen?�</p><p>�Ja.�</p><p>Wir gaben uns die Hand.</p><p>�Sch�n, Sie wieder mal zu sehen. Ich habe Bill eben gesagt, da� ich gar nicht wei�, wie lange der K�nstler eigentlich hier war. Ich dachte mir nur, da� er schon verschwinden w�rde, sobald es dunkel wird, und habe mich gar nicht mehr um ihn gek�mmert. Wenn der Bursche nun wirklich etwas gesucht hat, das Ihnen geh�rt, und �ber den Komposthaufen Bescheid wu�te, k�nnte er sich noch immer da drau�en herumtreiben. Wenn Sie wollen, hole ich meine Schrotflinte und komme mit.�</p><p>�Nein, vielen Dank�, sagte ich. �Ich glaube, ich wei� schon, wer der Kerl war. Auf die Flinte k�nnen wir verzichten. Wir gehen nur mal eben hin�ber und sehen uns die Stelle an.�</p><p>�Na sch�n�, sagte er. �Ich komme mit und helfe Ihnen.�</p><p>�Das ist aber nicht notwendig�, gab ich zur�ck.</p><p>�Was ist mit Ihrem Pferd? Soll ich es tr�nken und ihm zu fressen geben und es etwas abreiben?�</p><p>�Daf�r w�re es Ihnen sehr dankbar � und ich auch.�</p><p>�Wie hei�t es denn?�</p><p>�Drum.�</p><p>Er n�herte sich dem Pferd und begann sich mit ihm anzufreunden.</p><p>�Gut�, sagte er. �Dann bin ich dr�ben in der Scheune. Wenn Sie mich brauchen � ein Ruf gen�gt!�</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>Ich holte die Werkzeuge aus Bills Wagen, und er f�hrte mich im Schein einer Taschenlampe nach S�dwesten, in die Richtung, in die Ed vorhin gedeutet hatte.</p><p>Ich folgte Bills Licht �ber das Feld und suchte nach dem Komposthaufen. Als wir eine Stelle erreichten, an der etwas lag, das wie die �berreste eines solchen Haufens aussah, atmete ich unwillk�rlich tief. Irgend jemand mu�te hier am Werk gewesen sein; die herumgestreuten Brocken sprachen eine deutliche Sprache. Vom blo�en Abladen w�re die Masse nicht so verstreut worden.</p><p>Trotzdem . . . Die Tatsache, da� hier jemand gew�hlt hatte, bedeutete nicht, da� das Gesuchte auch gefunden worden war.</p><p>�Was meinst du?� erkundigte sich Bill.</p><p>�Keine Ahnung�, gab ich zur�ck, legte die Werkzeuge fort und n�herte mich dem gr��ten Haufen. �Leuchte mal hierher.�</p><p>Ich sah mir die �berreste an, griff schlie�lich nach einer Harke und begann alles zu zerstreuen. Ich zerbrach jeden Brocken, breitete ihn �ber den Boden aus und fuhr mit den Zacken hindurch. Nach einer Weile stellte Bill die Lampe auf einer kleinen Anh�he ab und begann mir zu helfen.</p><p>�Ich habe ein seltsames Gef�hl . . .�, brummte er.</p><p>�Ich auch.�</p><p>�. . . als w�ren wir zu sp�t gekommen.�</p><p>Wir setzten unsere Arbeit fort: zerkleinern und ausbreiten, zerkleinern und ausbreiten . . .</p><p>Da sp�rte ich das vertraute Kribbeln. Ich richtete mich auf und wartete.</p><p>Sekunden sp�ter kam der Kontakt.</p><p>�Corwin!�</p><p>�Hier G�rard.�</p><p>�Was hast du gesagt?� wollte Bill wissen.</p><p>Ich hob die Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen, und konzentrierte mich auf G�rard. Er stand im Schatten vor dem hellen Anfang des Musters und st�tzte sich auf seine riesige Klinge.</p><p>�Du hattest recht�, sagte er. �Brand hat sich eben hier blicken lassen. Ich wei� nicht genau, wie er �berhaupt hergekommen ist. Er kam dort dr�ben links aus den Schatten.� Er machte eine Handbewegung. �Er sah mich einen Augenblick lang an, machte kehrt und marschierte zur�ck. Auf meine Rufe hat er nicht reagiert. Daraufhin habe ich die Laterne gro�gestellt, doch er war nirgends zu sehen. Er ist einfach verschwunden! Was soll ich jetzt tun?�</p><p>�Trug er das Juwel des Geschicks?�</p><p>�Das konnte ich nicht erkennen. Ich habe ihn nur eine Sekunde lang gesehen, bei diesem ganz schlechten Licht.�</p><p>�Wird das Muster in Rebma auch bewacht?�</p><p>�Ja. Llewella hat die Leute dort alarmiert.�</p><p>�Gut. Bleib auf Wache. Ich melde mich wieder.�</p><p>�Gut, Corwin � und was die Sache von vorhin angeht . . .�</p><p>�L�ngst vergessen.�</p><p>�Vielen Dank. Dieser Ganelon ist ein harter Bursche.�</p><p>�Kann man wohl sagen! Schlaf nicht ein!�</p><p>Sein Bild verbla�te, als ich den Kontakt fahren lie�; doch im gleichen Augenblick passierte etwas Seltsames. Das Gef�hl der Verbindung, der Pfad blieb, objektlos, offen, wie ein eingeschaltetes Radio, das auf keine bestimmten Sender eingestellt ist.</p><p>Bill musterte mich mi�trauisch.</p><p>�Carl, was geht hier eigentlich vor?�</p><p>�Keine Ahnung. Moment noch!�</p><p>Pl�tzlich hatte ich wieder Kontakt, allerdings nicht mit G�rard. Sie mu�te versucht haben, mich zu erreichen, w�hrend meine Aufmerksamkeit G�rard galt.</p><p>�Corwin, es ist wichtig . . .�</p><p>�Sprich weiter, Fiona.�</p><p>�Was du suchst, wirst du dort nicht finden. Brand hat es.�</p><p>�Das ahnte ich schon.�</p><p>�Wir m�ssen ihn aufhalten. Ich wei� nicht, wieviel du wei�t . . .�</p><p>�Ich auch nicht mehr�, gab ich zur�ck, �doch ich habe die Muster in Amber und Rebma unter Aufsicht gestellt. G�rard hat mir eben mitgeteilt, da� Brand am Muster von Amber erschienen ist, sich aber hat abschrecken lassen.�</p><p>Ihr h�bsches kleines Gesicht nickte. Ihre roten Z�pfe waren ungew�hnlich zerzaust. Sie wirkte m�de.</p><p>�Das ist mir bekannt�, sagte sie. �Ich beobachte ihn n�mlich. Eine dritte M�glichkeit hast du allerdings vergessen.�</p><p>�Nein�, sagte ich. �Nach meinen Berechnungen d�rfte an Tir-na Nog�th noch niemand herankommen . . .�</p><p>�Das meinte ich nicht. Er ist unterwegs zum Ur-Muster!�</p><p>�Um das Juwel einzustimmen?�</p><p>�Richtig!�</p><p>�Wollte er dieses Muster beschreiten, m��te er die besch�digten Stellen betreten. Soweit ich wei�, ist das kein geringes Problem.�</p><p>�Du wei�t also davon�, sagte sie. �Gut, das spart uns Zeit. Die dunklen Stellen w�rden ihm nicht so sehr zu schaffen machen wie uns anderen. Er hat sich nicht mit der Dunkelheit arrangiert. Wir m�ssen ihn aufhalten!�</p><p>�Kennst du irgendwelche Abk�rzungen dorthin?�</p><p>�Ja. Komm zu mir. Ich bringe dich hin.�</p><p>�Moment noch. Ich m�chte Drum bei mir haben.�</p><p>�Weshalb denn das?�</p><p>�Man wei� nie � sicher ist sicher.�</p><p>�Na sch�n. Dann hol mich zu dir. Wir k�nnen genausogut von dort aufbrechen.�</p><p>Ich streckte die Hand aus. Gleich darauf hielt ich die ihre umklammert. Sie trat vor. �Himmelherrgott!� sagte Bill und wich zur�ck. �Ich hatte schon begonnen, an deinem Verstand zu zweifeln, Carl. Jetzt bin <emphasis>ich</emphasis> wohl reif f�r die Klapsm�hle. Sie � sie steht auf einer der Karten, nicht wahr?�</p><p>�Ja, Bill, ich m�chte dir meine Schwester Fiona vorstellen. Fiona, dies ist Bill Roth, ein guter Freund von mir.�</p><p>Fiona hielt ihm die Hand hin und l�chelte, und ich lie� die beiden stehen und ging Drum holen. Wenige Minuten sp�ter f�hrte ich ihn ins Freie.</p><p>�Bill�, sagte ich. �Es tut mir leid, dich gest�rt zu haben. Mein Bruder hat tats�chlich das Schmuckst�ck. Wir werden ihn jetzt verfolgen. Vielen Dank f�r deine Hilfe.�</p><p>Ich sch�ttelte ihm die Hand.</p><p>�Corwin�, sagte er, und ich l�chelte.</p><p>�Ja, so hei�e ich.�</p><p>�Wir haben uns unterhalten, deine Schwester und ich. In den wenigen Minuten konnte ich nicht viel erfahren, aber ich wei�, da� die Sache gef�hrlich ist. Viel Gl�ck also: Und eines Tages m�chte ich die ganze Geschichte h�ren.�</p><p>�Danke�, erwiderte ich. �Ich sorge daf�r, da� du sp�ter alles erf�hrst.�</p><p>Ich stieg auf, beugte mich hinab und zog Fiona vor mich in den Sattel.</p><p>�Gute Nacht, Mr. Roth�, sagte sie. Dann zu mir: �Reite langsam an, �ber das Feld.�</p><p>Ich gehorchte.</p><p>�Brand behauptet, du h�ttest ihm die Messerwunde beigebracht�, bemerkte ich, als wir weit genug entfernt waren, um uns allein zu f�hlen.</p><p>�Richtig.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Um dies alles zu verhindern.�</p><p>�Ich habe mich lange mit ihm unterhalten. Er sagt, urspr�nglich h�ttest du zusammen mit Bleys und ihm versucht, die Macht zu �bernehmen.�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Er erz�hlte mir, er habe Caine angesprochen, um ihn f�r eure Seite zu gewinnen, doch Caine wollte davon nichts h�ren; vielmehr habe er Eric und Julian Bescheid gegeben, was dazu f�hrte, da� die drei eine eigene Gruppe bildeten, um euch den Weg zum Thron zu verstellen.�</p><p>�In groben Z�gen ist das richtig. Caine hatte eigene ehrgeizige Pl�ne � langfristige Hoffnungen, doch immerhin Hoffnungen. Allerdings war er nicht in der Lage, sie zu realisieren, und wenn er schon die zweite Geige spielen mu�te, wollte er lieber unter Eric als unter Bleys dienen. Das kann ich ihm sogar nachf�hlen.�</p><p>�Brand behauptet weiterhin, ihr drei h�ttet ein Arrangement mit den M�chten am Ende der schwarzen Stra�e, mit den H�fen des Chaos getroffen.�</p><p>�Ja, das war richtig.�</p><p>�Du sprichst in der Vergangenheit?�</p><p>�F�r mich und Bleys � jawohl.�</p><p>�Aber so hat Brand es nicht dargestellt.�</p><p>�Kein Wunder!�</p><p>�Er sagte, du und Bleys wolltet dieses B�ndnis weiter ausbauen, er aber h�tte es sich anders �berlegt. Und deswegen, so sagt er, h�ttet ihr euch seiner entledigt und ihn in jenem Turm eingeschlossen.�</p><p>�Warum h�tten wir ihn nicht einfach umbringen sollen?�</p><p>�Keine Ahnung. Verrat�s mir.�</p><p>�Er war zu gef�hrlich, als da� er frei herumlaufen durfte; andererseits konnten wir ihn nicht umbringen, weil er �ber etwas Entscheidendes verf�gte.�</p><p>�Was?�</p><p>�Nach Dworkins Verschwinden war Brand der einzige, der wu�te, wie der Schaden, den er dem Ur-Muster zugef�gt hatte, getilgt werden konnte.�</p><p>�Ihr hattet genug Zeit, um diese Information aus ihm herauszubekommen.�</p><p>�Er verf�gte �ber unglaubliche Kr�fte.�</p><p>�Warum bist du dann trotzdem mit dem Dolch auf ihn losgegangen?�</p><p>�Um dies alles zu verhindern, wie ich eben schon sagte. Wenn ich zwischen seiner Freiheit oder seinem Tod zu w�hlen hatte, war es besser, ihn zu t�ten. Dann h�tten wir eben selbst eine M�glichkeit finden m�ssen, das Muster wiederherzustellen, so riskant das auch sein mag.�</p><p>�Wenn das alles so ist, warum hast du dich dann bereit erkl�rt, an seiner Zur�ckholung mitzuwirken?�</p><p>�Zun�chst habe ich nicht daran mitgewirkt, vielmehr habe ich den Versuch sabotieren wollen. Aber zu viele haben sich wirklich M�he gegeben. Ihr kamt zu ihm durch. Zweitens mu�te ich zur Stelle sein und ihn zu t�ten versuchen, sobald ihr Erfolg hattet. Schade, da� die Dinge sich dann doch ganz anders entwickelt haben.�</p><p>�Du behauptest also, du und Bleys h�ttet Bedenken gehabt wegen eures B�ndnisses mit den Kr�ften der Finsternis � Brand aber nicht?�</p><p>�Genau.�</p><p>�Wie wirkten sich diese Bedenken auf eure Bestrebungen aus, den Thron zu erlangen?�</p><p>�Wir glaubten, wir k�nnten es ohne weitere Hilfe von au�erhalb schaffen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Glaubst du mir?�</p><p>�Ich f�rchte, da� ich mich allm�hlich �berzeugen lasse.�</p><p>�Hier abbiegen.�</p><p>Ich ritt in einen Einschnitt zwischen H�geln. Der Weg war eng und sehr dunkel; �ber uns schimmerte lediglich ein schmales Sternenband. Fiona hatte w�hrend unseres Gespr�chs die Schatten manipuliert; sie hatte uns von Eds Feld aus in die Tiefe gef�hrt, in ein nebliges, moor�hnliches Gebiet, dann wieder in die H�he, auf einen Felspfad zwischen hohen Bergen. W�hrend wir uns durch den d�steren Engpa� bewegten, sp�rte ich, wie sie erneut mit den Schatten arbeitete. Die Luft war k�hl, aber nicht kalt. Die Schw�rze links und rechts war absolut und lie� nicht etwa an schattenumh�llte nahe Felsen denken, sondern erzeugte die Illusion gewaltiger Tiefe. Ich erkannte pl�tzlich, da� dieser Eindruck durch die Tatsache verst�rkt wurde, da� Drums Hufschlag kein Echo fand und auch keinen Nachhall, keine Obert�ne hatte.</p><p>�Was kann ich tun, um dein Vertrauen zu erringen?� fragte sie.</p><p>�Das ist eine kitzlige Frage.�</p><p>Sie lachte. �Ich will sie neu formulieren. Was kann ich tun, um dich zu �berzeugen, da� ich die Wahrheit sage?�</p><p>�Beantworte mir bitte eine Frage.�</p><p>�Welche?�</p><p>�Wer hat auf meine Reifen geschossen?�</p><p>Wieder lachte sie.</p><p>�Du hast es herausgefunden, nicht wahr?�</p><p>�Vielleicht. Aber sag�s mir.�</p><p>�Brand�, sagte sie. �Er hatte es nicht geschafft, dein Erinnerungsverm�gen zu vernichten, also beschlo� er, dich ein f�r allemal auszuschalten.�</p><p>�Die Version, die ich bisher kannte, ging davon aus, da� Bleys scho� und mich im See ertrinken lie�, da� Brand aber noch rechtzeitig eintraf, um mich an Land zu ziehen und mir das Leben zu retten. Darauf schien mir auch der Polizeibericht hinzudeuten.�</p><p>�Wer aber rief die Polizei?� wollte sie wissen.</p><p>�Es war von einem anonymen Anruf die Rede, aber . . .�</p><p>�Bleys war der Anrufer. Als ihm klar wurde, was da eigentlich passierte, kam er nicht rechtzeitig an dich heran, um dich zu retten. Er hoffte, da� es die Beamten schaffen w�rden, was zum Gl�ck der Fall war.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Brand hat dich nicht aus dem Autowrack gezerrt. Das hast du selbst geschafft. Er hielt sich in der N�he auf, um sicher zu gehen, da� du auch tot warst. Statt dessen kamst du an die Wasseroberfl�che und schwammst an Land. Er ging zu dir und besch�ftigte sich gerade mit dir, um zu sehen, ob du von allein sterben w�rdest oder er dich wieder ins Wasser schubsen mu�te. Etwa um diese Zeit traf die Polizei ein, und er mu�te verschwinden. Wir erwischten ihn kurz darauf und vermochten ihn festzuhalten und in den Turm zu sperren. Das war keine Kleinigkeit. Sp�ter setzte ich mich mit Eric in Verbindung und teilte ihm mit, was geschehen war. Daraufhin befahl er Flora, dich in das andere Krankenhaus zu bringen und daf�r zu sorgen, da� du bis nach seiner Kr�nung dort bliebst.�</p><p>�Es pa�t alles�, sagte ich. �Vielen Dank.�</p><p>�Was pa�t?�</p><p>�Ich war nur ein kleiner Landarzt in einer weniger komplizierten Zeit, und mit psychiatrischen F�llen hatte ich nie viel zu tun. Aber ich wei�, da� man niemandem eine Elektroschocktherapie verschreibt, wenn man sein Ged�chtnis wiederherstellen will. EST bewirkt im allgemeinen genau das Gegenteil � es zerst�rt Kurzzeiterinnerungen. Mein Verdacht begann sich zu regen, als ich erfuhr, da� Brand mir eine solche Behandlung verschafft hatte. Darauf baute ich meine Hypothese auf. Das Autowrack l�ste keine Erinnerungen aus, ebensowenig das EST. Ich hatte schlie�lich begonnen, mein Ged�chtnis auf nat�rlichem Wege zur�ckzugewinnen und nicht als Folge eines bestimmten Traumas. Ich mu� irgend etwas getan oder gesagt haben, das auf diese Entwicklung hindeutete. Irgendwie erfuhr Brand davon und kam zu dem Schlu�, da� dies keine gute Sache w�re. Also suchte er meinen Schatten auf, brachte mich in psychiatrischen Gewahrsam und unterwarf mich einer Behandlung, von der er hoffte, da� sie jene Dinge wieder ausl�schen w�rde, an die ich mich seit kurzem erinnern konnte. Damit hatte er nur zum Teil Erfolg: Ich war nur in den Tagen unmittelbar nach der Behandlung verwirrt. Vielleicht hat auch der Unfall dazu beigetragen. Als ich jedoch aus dem Porter-Sanatorium floh und seinen Mordversuch �berlebte, setzte sich der Proze� der Erholung fort, und erst recht, als ich in Greenwood wieder zu mir kam und auch dieses Krankenhaus verlie�. Schon bei Flora kehrten meine Erinnerungen schneller zur�ck. Der Vorgang wurde weiterhin beschleunigt, als Random mich nach Rebma mitnahm, wo ich das Muster beschritt. W�re das nicht geschehen, davon bin ich jetzt �berzeugt, w�re mir trotzdem alles wieder eingefallen. Es h�tte bestimmt l�nger gedauert, aber der Damm war gebrochen, die Erneuerung des Ged�chtnisses war ein fortlaufender Proze�, der sich mit der Zeit immer mehr beschleunigte. Ich schlo� also, da� Brand mich hatte behindern wollen, und das pa�t nun zu den Dingen, die du eben erz�hlt hast.�</p><p>Das Band der Sterne war noch schmaler geworden und verschwand schlie�lich v�llig. Wir bewegten uns scheinbar durch einen v�llig schwarzen Tunnel, an dessen anderem Ende ein sehr vager Lichtschimmer zu erkennen war.</p><p>�Ja�, sagte sie in der Dunkelheit vor mir, �du hast richtig vermutet. Brand hatte Angst vor dir. Er behauptete, er h�tte eines Nachts in Tir-na Nog�th deine R�ckkehr erschaut, zum Nachteil f�r unsere Pl�ne. Damals achtete ich nicht weiter auf ihn, wu�te ich doch gar nicht, da� du noch am Leben warst. Kurz darauf mu� er sich auf die Suche nach dir gemacht haben. Ob er deinen Aufenthaltsort auf �bernat�rlichem Wege herausfand oder ihn nur in Erics Verstand las, wei� ich nicht. Vermutlich das letztere. Gelegentlich vollbringt er solche Taten. Jedenfalls fand er dich � und den Rest wei�t du selbst.�</p><p>�Es waren Floras Anwesenheit an jenem Ort und ihre seltsame Beziehung zu Eric, die sein Mi�trauen weckten. Jedenfalls behauptet er das. Aber darauf kommt es nicht mehr an. Was gedenkst du mit ihm zu tun, wenn wir ihn erwischen?�</p><p>Sie lachte leise.</p><p>�Du hast deine Klinge bei dir�, sagte sie.</p><p>�Brand sagte mir k�rzlich, Bleys sei noch am Leben. Ist das richtig?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum bin ich dann hier und nicht Bleys?�</p><p>�Bleys ist nicht auf das Juwel eingestimmt � im Gegensatz zu dir. Du hast aus geringer Entfernung Einflu� darauf, und es wird versuchen, dich zu sch�tzen, solltest du in Lebensgefahr sein. Das Risiko ist deshalb nicht besonders gro߫, sagte sie und fuhr fort: �Aber du solltest dich nicht zu sehr darauf verlassen. Ein schneller Hieb kann der Reaktion des Juwels zuvorkommen. Du k�nntest trotz allem in seiner Gegenwart sterben.�</p><p>Das Licht vor uns wurde gr��er und heller, doch es kamen kein Windhauch, kein Laut und auch kein Geruch aus dieser Richtung. Im Weiterreiten dachte ich an die verschiedenen Konstellationen von Erkl�rungen, die ich seit meiner R�ckkehr geh�rt hatte, jede Version mit einem eigenen Komplex an Motiven und Rechtfertigungen f�r die Geschehnisse w�hrend meiner Abwesenheit, f�r die Ereignisse seither und die bevorstehenden Dinge. An all die Emotionen, die Pl�ne, die Gef�hle, die Ziele, die ich wie eine Sturzflut durch das Geb�ude der Tatsachen hatte str�men sehen, das ich auf dem Grab meines anderen Ich errichtete � und obwohl in der besten Steinschen Tradition eine Tat eine Tat ist, verschob jede Woge der Interpretation, die mich untertauchen lie�, dieses oder jenes Detail, das ich fest verankert geglaubt hatte, und f�hrte dadurch eine Ver�nderung des Ganzen herbei, mit der Folge, da� das Leben mir fast wie ein bewegtes Spiel der Schatten um das Amber einer nie zu erlangenden Wahrhaftigkeit anmutete. Trotzdem, ich konnte nicht leugnen, da� ich inzwischen mehr wu�te als noch vor mehreren Jahren, da� ich dem Kern der Dinge n�her stand als fr�her, da� der ganze Strom der Ereignisse, der mich bei meiner R�ckkehr ergriffen hatte, nun der letzten L�sung entgegenzust�rzen schien. Und was wollte ich dabei? Ich w�nschte mir eine Chance, zu erfahren, was richtig war, eine Chance, danach zu handeln! Ich lachte. Wem gelingt es jemals, die erste Chance zu erringen, geschweige denn die zweite? Also eine vern�nftige Ann�herung an die Wahrheit. Das w�rde gen�gen . . . Und die Gelegenheit, meine Klinge ein paarmal in die richtige Richtung zu schwingen: Ich lachte wieder und vergewisserte mich, da� mein Schwert locker in der Scheide sa�.</p><p>�Brand sagt, Bleys h�tte eine neue Armee aufgestellt . . .�, begann ich.</p><p>�Sp�ter�, sagte sie, �sp�ter. Dazu ist keine Zeit mehr.�</p><p>Sie hatte recht. Das Licht war gr��er geworden, hatte sich zu einer kreisf�rmigen �ffnung erweitert. Die Erscheinung hatte sich mit einem Tempo gen�hert, das nichts mit dem Schritt des Pferdes zu tun haben konnte; als z�ge sich der Tunnel selbst zusammen. Tageslicht schien durch die �ffnung hereinzudringen, die ich mir als Tunnelausgang vorstellte.</p><p>�Also sch�n�, sagte ich, und gleich darauf erreichten wir die �ffnung und st�rmten hindurch.</p><p>Ich kniff die Augen zusammen und blinzelte. Links befand sich das glitzernde Meer, das mit einem hellen Himmel zu verschmelzen schien. Die goldene Sonne, die darin schwebte, schien aus allen Richtungen gleichzeitig mit grellen Strahlen einzufallen. Hinter mir war nur noch Felsgestein; der Tunnel verschwunden. Ziemlich dicht unter uns, etwa hundert Fu� entfernt � lag das Ur-Muster. Eine Gestalt durchschritt den zweiten seiner �u�eren B�gen; sie war derma�en konzentriert, da� sie unsere Gegenwart offenbar noch nicht wahrgenommen hatte. Als sie um eine Biegung kam, ein rotes Aufblitzen: das Juwel, das um ihren Hals hing wie zuvor um meinen, um Erics und Vaters Hals. Die Gestalt war nat�rlich Brand.</p><p>Ich stieg ab, blickte zu Fiona empor, eine nerv�se zierliche Person. Ich reichte ihr Drums Z�gel.</p><p>�Hast du irgendeinen Vorschlag � au�er ihn zu verfolgen?� fl�sterte ich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>Da wandte ich mich um, zog Grayswandir und machte mich an den Abstieg.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte sie leise.</p><p>Als ich mich dem Muster n�herte, erblickte ich die lange Kette, die von der H�hlen�ffnung zur unbeweglichen Gestalt des Greifen f�hrte. Der Kopf des Tieres lag auf dem Boden, mehrere Schritte vom Rest seines K�rpers entfernt. K�rper und Kopf hatten den Felsboden mit Blut besudelt.</p><p>Als ich mich dem Ausgangspunkt des Musters n�herte, stellte ich eine hastige Berechnung an. Brand hatte bereits mehrere Kurven der gewaltigen Spirale des Musters hinter sich. Er war ann�hernd zweieinhalb Biegungen vom Anfang entfernt. Sobald wir nur noch durch eine Windung voneinander getrennt waren, vermochte ich ihn mit meiner Klinge zu erreichen, sobald ich einen Standpunkt parallel zu seinem erreicht hatte. Allerdings war das Vorankommen schwerer, je tiefer man in das Muster eindrang. Folglich bewegte sich Brand mit st�ndig abnehmendem Tempo. Es wurde also knapp. Ich brauchte ihn gar nicht zu fangen. Ich brauchte nur anderthalb Windungen aufzuholen, um ihn �ber den Streifen zwischen den Linien hinweg ber�hren zu k�nnen.</p><p>Ich stellte den Fu� auf das Muster und machte mich auf den Weg, schritt aus, so schnell ich konnte. Als ich mich in der ersten Kurve gegen den wachsenden Widerstand bewegte, begannen die blauen Funken um meine F��e emporzustieben. Das Feuerwerk nahm schnell an Gr��e zu. Ich erreichte den Ersten Schleier, und meine Haare begannen sich aufzurichten. Das Knistern der Funken war nun deutlich vernehmbar. Ich stemmte mich gegen den Druck des Schleiers, wobei ich �berlegte, ob Brand mich bereits entdeckt hatte: Jedenfalls konnte ich es mir in diesem Augenblick nicht leisten, zu ihm hin�berzublicken und mich wom�glich ablenken zu lassen. Ich ging verst�rkt gegen den Widerstand vor, und einige Schritte sp�ter war ich durch den Schleier und kam wieder etwas leichter voran.</p><p>Nun blickte ich auf. Brand verlie� soeben den schrecklichen Zweiten Schleier; die blauen Funken sprangen h�fthoch. Er hatte ein L�cheln der Entschlossenheit und des Triumphes auf dem Gesicht, als er freikam und den n�chsten Schritt machte. In dem Moment sah er mich.</p><p>Sein L�cheln erlosch, und er z�gerte � ein Punkt zu meinen Gunsten. Wenn es nicht unbedingt sein mu�, bleibt man auf dem Muster nicht stehen. H�lt man an, kostet es erhebliche zus�tzliche Energien, um wieder in Gang zu kommen.</p><p>�Du kommst zu sp�t!� rief er.</p><p>Ich antwortete nicht, sondern schritt eilig weiter aus. Blaues Feuer spr�hte von den Linien des Musters auf Grayswandirs Klinge.</p><p>�Du schaffst es nicht �ber die schwarze Stelle�, rief er.</p><p>Ich ging weiter. Der schwarze Fleck lag vor mir. Ich war froh, da� sich der Schaden nicht �ber einen der schwierigeren Teile des Musters erstreckte. Brand setzte sich wieder in Bewegung und ging langsam auf die Gro�e Kurve zu. Wenn ich ihn dort erwischte, hatte er keine Chance. In der Kurve hatte er weder die Kraft noch das Reaktionsverm�gen, um sich erfolgreich zu verteidigen.</p><p>Als ich mich dem besch�digten Teil des Musters n�herte, dachte ich an die Art und Weise, wie Ganelon und ich w�hrend unserer Flucht aus Avalon die schwarze Stra�e durchschnitten hatten. Es war mir gelungen, die Macht der Stra�e zu brechen, indem ich mir w�hrend der �berquerung das Bild des Musters vor Augen gehalten hatte. Hier war ich zwar ringsum von dem Muster selbst umgeben, doch die Strecke war nicht ann�hernd so gro�. Ich hatte im ersten Augenblick angenommen, da� Brand mich mit seiner Drohung lediglich unsicher machen wollte, aber jetzt sagte ich mir, da� die Kraft des Schwarzen hier an ihrer Quelle wom�glich viel st�rker war. Als ich vor der verwischten Stelle stand, flammte Grayswandir in pl�tzlicher Intensit�t auf. Einer Eingebung folgend, setzte ich die Spitze der Klinge an den Rand des schwarzen Flecks � dort, wo die Linie des Musters endete.</p><p>Grayswandir klammerte sich an die Schw�rze und konnte nicht mehr davon gel�st werden. Ich setzte meinen Marsch fort: Die Klinge schlitzte die Schw�rze vor mir auf und verfolgte dabei einen Weg, der ungef�hr der urspr�nglichen Linie entsprach. Ich folgte. Die Sonne schien sich zu verd�stern, als ich die dunkle Fl�che betrat. Urpl�tzlich sp�rte ich meinen Herzschlag, der Schwei� brach mir aus. Die Umgebung war pl�tzlich wie in ein graues Licht getaucht. Die Welt schien mir zu entr�cken, das Muster zu verblassen. Sicher war es sehr leicht, an diesem Ort einen Fehltritt zu tun, und ich war mir ganz und gar nicht sicher, ob das Ergebnis genauso sein w�rde wie ein Verlassen der intakten Teile des Musters. Andererseits wollte ich es gar nicht wissen.</p><p>Ich hielt den Blick gesenkt und folgte der Linie, die Grayswandir vor mir zeichnete; die blaue Strahlung der Klinge war die einzige Farbe, die in der Welt noch verblieben war. Rechter Fu�, linker Fu� . . .</p><p>Pl�tzlich lag der schwarze Fleck hinter mir, und Grayswandir bewegte sich wieder unbehindert in meiner Hand; das Feuer auf der Klinge war zum Teil erloschen.</p><p>Ich sah mich um und erkannte, da� sich Brand der Gro�en Kurve n�herte. Was mich betraf, so arbeitete ich mich an den Zweiten Schleier heran. In wenigen Minuten w�rden wir beide uns angestrengt mit diesen Hindernissen auseinandersetzen m�ssen. Die Gro�e Kurve ist allerdings schwieriger und zieht sich l�nger hin als der Zweite Schleier. So war ich vermutlich wieder frei unterwegs, ehe er seine Barriere �berwunden hatte. Doch dann mu�te ich das besch�digte Areal ein zweitesmal �berqueren. Anschlie�end mochte auch er wieder frei sein, doch er kam dann langsamer voran als ich, befand er sich doch in einem Gebiet, in dem die Beine noch mehr behindert werden.</p><p>Jeder Schritt war von einem gleichm��igen Knistern begleitet, ein Kribbeln durchzog meinen ganzen K�rper. Die Funken stiegen bis zur Mitte der Waden empor. Es war, als schritte ich durch ein Feld mit elektrisch geladenem Getreide. Mein Haar stand empor, ich sp�rte, wie es sich regte. Einmal blickte ich zur�ck und sah Fiona auf dem Pferd sitzen, reglos, beobachtend.</p><p>Ich k�mpfte mich zum Zweiten Schleier vor.</p><p>Windungen . . . kurze, enge Kurven . . . Die Gegenwehr nahm zu und brandete gegen mich, so da� schlie�lich all meine Aufmerksamkeit, all meine Kraft dem Bem�hen galten, dagegen anzukommen. Wieder einmal stellte sich das vertraute Gef�hl der Zeitlosigkeit ein, als w�re dies alles, was ich jemals getan h�tte, alles, was ich jemals tun w�rde. Und der Wille . . . ein Sammeln von Antrieben und W�nschen in einer solchen Intensit�t, da� alles andere ausgeschlossen wurde . . . Brand, Fiona, Amber, meine eigene Identit�t . . . Die Funken stiegen h�her empor, w�hrend ich k�mpfte, mich drehte, mich vordr�ngte: Jeder Schritt erforderte mehr Einsatz als der vorherige.</p><p>Ich stie� hindurch. Und wieder auf die schwarze Fl�che.</p><p>Im Reflex bewegte ich Grayswandir vor mich nach unten. Wieder das Grau, der farblose Nebel, durchschnitten vom Blau der Klinge, die wie ein chirurgisches Skalpell den Weg aufbrach.</p><p>Als ich ins normale Licht zur�ckkehrte, suchten meine Augen nach Brand. Er befand sich noch im westlichen Quadranten, k�mpfte noch mit der Gro�en Kurve � er hatte dieses Hindernis zu etwa zwei Dritteln �berwunden. Wenn ich mich anstrengte, erwischte ich ihn vielleicht in dem Augenblick, da er wieder los kam. Ich konzentrierte mich mit aller Kraft darauf, die Linie so schnell wie m�glich zu durchschreiten.</p><p>Als ich das Nordende des Musters und die Kurve erreichte, die zur�ckf�hrte, ging mir pl�tzlich auf, was ich da plante.</p><p>Ich wollte neues Blut auf dem Muster vergie�en!</p><p>Wenn ich zwischen einem weiteren Schaden f�r das Muster und der v�lligen Vernichtung des Musters durch Brand zu w�hlen hatte, dann wu�te ich, was zu tun war. Doch sp�rte ich, da� es eigentlich eine andere M�glichkeit geben m��te. Ja . . .</p><p>Ich ging etwas langsamer. Es kam auf den richtigen Zeitpunkt an. Brand hatte es im Augenblick viel schwerer als ich, so da� ich ihm in dieser Beziehung �berlegen war. Meine neue Strategie zielte darauf ab, unsere Begegnung am richtigen Ort herbeizuf�hren. Ironischerweise fiel mir in diesem Augenblick Brands Sorge um seinen Teppich ein. <emphasis>Diesen</emphasis> Ort sauberzuhalten, war viel problematischer.</p><p>Er n�herte sich dem Ende der Gro�en Kurve, und ich verfolgte ihn, w�hrend ich die Entfernung zur Schw�rze absch�tzte. Ich hatte beschlossen, ihn sein Blut auf dem Gebiet vergie�en zu lassen, das bereits besch�digt war. Der einzige erkennbare Nachteil bestand darin, da� ich zur Rechten von Brand stehen w�rde. Um diesen Vorteil beim Kampf f�r ihn so klein wie m�glich zu halten, mu�te ich ein St�ck hinter ihm bleiben.</p><p>Brand r�ckte m�hsam weiter vor, seine Bewegungen liefen wie in Zeitlupe ab. Auch ich mu�te mich anstrengen, doch nicht im gleichem Ma�e. Ich hielt mit ihm Schritt. Dabei besch�ftigten sich meine Gedanken mit dem Juwel, mit der Affinit�t, die wir seit der Einstimmung gesp�rt hatten. Ich empfand seine Gegenwart links vor mir, obwohl ich es auf Brands Brust nicht zu sehen vermochte. W�rde es mich wirklich auf diese Entfernung zu sch�tzen versuchen, falls Brand in der bevorstehenden Auseinandersetzung die Oberhand gewann? Seine Gegenwart sp�rend, war ich fast davon �berzeugt. Es hatte mich einem Angreifer entrissen, in meinem Ged�chtnis irgendwie einen traditionellen Platz der Geborgenheit gefunden � mein Bett auf der Erde � und mich dorthin bef�rdert. Wie ich es nun sp�rte, wie ich durch Brands K�rper hindurch f�rmlich den Weg vor seinen F��en erblickte, durchstr�mte mich die beruhigende Erwartung, da� es sich von neuem zu meinem Schutz einsetzen w�rde. Andererseits dachte ich an Fionas Worte und war entschlossen, mich nicht darauf zu verlassen. Dennoch bedachte ich die anderen Funktionen des Juwels und spekulierte �ber meine F�higkeit, es mir ohne Ber�hrung n�tzlich zu machen . . .</p><p>Brand hatte die Gro�e Kurve fast hinter sich gebracht. Aus der Tiefe meines Seins heraus streckte ich mich und setzte mich mit dem Juwel in Verbindung. Ich erlegte ihm meinen Willen auf und forderte einen Sturm nach Art des roten Tornados, der Iago vernichtet hatte. Ich wu�te nicht, ob ich dieses Ph�nomen hier zu lenken vermochte; dennoch rief ich danach und schickte es gegen Brand. Im ersten Augenblick passierte nichts, obwohl ich sp�rte, da� das Juwel in Aktion trat. Brand erreichte den Abschlu� der Biegung und verlie� nach einer letzten Anstrengung die Gro�e Kurve.</p><p>Ich war unmittelbar hinter ihm.</p><p>Er wu�te es � irgendwie. Kaum war der Druck von ihm gewichen, da hatte er auch schon die Klinge in der Hand; etliche Schritte legte er schneller zur�ck, als ich es f�r m�glich gehalten h�tte, dann stellte er den linken Fu� nach vorn, drehte den K�rper zur Seite und begegnete meinem Blick �ber den Linien unserer Klingen.</p><p>�Du hast es tats�chlich geschafft�, sagte er und ber�hrte meine Klingenspitze mit der seinen. �Du w�rst nie so schnell hier gewesen, wenn sich nicht die Hexe auf dem Pferd da eingeschaltet h�tte.�</p><p>�Eine h�bsche Art hast du, von deiner Schwester zu sprechen�, sagte ich, fintete und beobachtete, wie er parierte.</p><p>Wir waren dadurch behindert, da� keiner von uns energisch angreifen konnte, ohne das Muster zu verlassen. Ein weiteres Problem bestand f�r mich darin, da� ich ihn noch nicht ernsthaft bluten lassen wollte. Ich t�uschte einen Sto� vor, und er zuckte zur�ck, wobei er mit dem linken Fu� r�ckw�rts �ber das Muster glitt. Dann hob er den rechten an, stampfte ihn nieder und hieb blitzschnell nach meinem Kopf. Verdammt! Ich parierte und ripostierte instinktiv. Der Brusthieb, mit dem ich antwortete, sollte ihn eigentlich gar nicht treffen, doch Grayswandirs Spitze zog eine Linie unter sein Brustbein. Pl�tzlich h�rte ich ein Summen in der Luft �ber uns. Ich konnte es mir aber nicht leisten, den Blick von Brand zu l�sen. Er blickte nach unten und wich weiter zur�ck. Gut. Eine rote Linie zierte sein Hemd; mein Schnitt hatte seine Spur hinterlassen. Bis jetzt schien der Stoff das Blut aufzusaugen. Ich stampfte vor, t�uschte, stie� zu, parierte, griff erneut an, aber nicht zu heftig � ich tat alles, was mir in den Sinn kam, um ihn weiter zur�ckzutreiben. Dabei war ich psychologisch im Vorteil, wu�ten wir doch beide, da� ich die gr��ere Reichweite hatte und mehr damit anfangen und mich schneller bewegen konnte. Brand n�herte sich der dunklen Fl�che. Noch ein paar Schritte . . . Da h�rte ich etwas, das sich nach einem Glockenschlag anh�rte, gefolgt von lautem Brausen. Ein Schatten h�llte uns pl�tzlich ein, als habe sich eine Wolke vor die Sonne geschoben.</p><p>Brand hob den Kopf. Vermutlich h�tte ich ihn in diesem Augenblick t�ten k�nnen, doch er war vom Zielgebiet noch einige Schritte entfernt.</p><p>Er fa�te sich schnell Und starrte mich finster an.</p><p>�Verdammt, Corwin! Das Ding kommt von dir, nicht wahr?� rief er und griff an, wobei er den letzten Rest von Vorsicht �ber Bord warf.</p><p>Leider war ich jetzt in einer schlechten Ausgangslage, aufgrund meines Bem�hens, ihn auch den Rest des Weges vor mir her zu treiben. Ich war ohne Deckung und nicht sehr standfest. Noch w�hrend ich parierte, wurde mir klar, da� ich so nicht durchkam. Ich drehte mich zur Seite und st�rzte r�ckw�rts.</p><p>Dabei versuchte ich die F��e auf der Linie des Musters zu halten. Ich fing mich mit dem rechten Ellbogen und der linken Hand ab und fluchte. Der Schmerz war zu gro�; mein Ellbogen glitt ab, und ich fiel auf die rechte Schulter.</p><p>Brands Stich aber hatte mich verfehlt, und in blauen Kaskaden ber�hrten meine F��e noch immer die Linie. Brand vermochte nun keinen Todessto� mehr anzubringen; dazu war ich zu weit entfernt; er konnte mir h�chstens die Achillessehnen durchschneiden.</p><p>Grayswandir haltend, hob ich den rechten Arm. Ich versuchte mich aufzurichten. Dabei erkannte ich, da� die rote Formation, die am Rande gelblich schimmerte, nun direkt �ber Brand kreiselte, knisternd vor Funken und kleinen Blitzen, w�hrend das Brausen zu einem schrillen Heulton anschwoll.</p><p>Brand packte seine Klinge unter dem Griffschutz und hob sie �ber die Schulter wie einen Speer, der in meine Richtung wies. Ich wu�te, da� ich diese Attacke nicht parieren, ihr nicht ausweichen konnte.</p><p>Dieser Erkenntnis folgend, griff ich im Geiste nach dem Juwel und zu dem Gebilde am Himmel . . .</p><p>Helles Licht zuckte auf, als ein kleiner Blitzfinger herablangte und seine Waffe ber�hrte.</p><p>Die Klinge fiel ihm aus der Hand, die Hand hob sich ruckartig an seinen Mund. Mit der Linken zerrte er am Juwel des Geschicks, als w�rde ihm pl�tzlich klar, was ich tat, als wollte er meinen Angriff zunichtemachen, indem er den Stein bedeckte. An seinen Fingern saugend, blickte er empor; der Ausdruck des Zorns wich aus seinem Gesicht und wurde von einem der Angst, ja des Entsetzens abgel�st. Der Kegel begann sich herabzusenken.</p><p>Er machte kehrt, betrat das schwarze Gebiet und wandte sich nach S�den. Ruckhaft hob er beide Arme und schrie etwas, das ich �ber dem Heulen nicht verstehen konnte.</p><p>Der Kegel st�rzte auf ihn zu, doch noch w�hrend der Ann�herung schien er pl�tzlich zweidimensional zu werden. Sein Umri� schwankte. Er begann zu schrumpfen � was aber nicht eine Funktion tats�chlicher Gr��e zu sein schien, sondern eher die Auswirkung eines Davonr�ckens. Er wurde kleiner, immer kleiner und war verschwunden, einen Sekundenbruchteil bevor der Kegel die Stelle bedeckte, an der er eben noch gestanden hatte.</p><p>Mit ihm verschwand das Juwel, so da� ich nun keine M�glichkeit mehr hatte, das Gebilde �ber mir zu kontrollieren. Ich wu�te nicht, ob es besser war, am Boden sitzenzubleiben oder aufzustehen. Ich entschied mich f�r das letztere, denn der Wirbelwind schien es auf Dinge abgesehen zu haben, die den normalen Flu� des Musters st�rten. Ich rutschte vorsichtig zur Linie. Dann beugte ich mich vor, bis ich hockte; gleichzeitig hatte der Kegel wieder zu steigen begonnen. Das Heulen glitt dabei in eine tiefere Tonlage ab. Das blaue Feuer um meine Stiefel war erloschen. Ich drehte mich um und sah zu Fiona hin�ber. Sie bedeutete mir aufzustehen und weiterzugehen.</p><p>Ich richtete mich langsam auf, wobei ich sah, da� sich der Wirbel �ber mir weiter aufl�ste. Ich n�herte mich der Stelle, auf der Brand eben noch gestanden hatte, und lie� mir von Grayswandir den Weg �ffnen. Die verbogenen �berreste von Brands Klinge lagen auf der anderen Seite des dunklen Flecks.</p><p>In diesem Augenblick w�nschte ich mir, es g�be einen schnellen Weg aus dem Muster. Es kam mir sinnlos vor, den Weg zu vollenden. Doch es gibt keine Umkehr, sobald man es einmal betreten hat, und ich wagte es nicht, �ber den schwarzen Fleck zu entfliehen. So n�herte ich mich der Gro�en Kurve. Ich fragte mich, wohin Brand geflohen sein mochte. Ich h�tte dem Muster befehlen k�nnen, mich ebenfalls dorthin zu versetzen. Vielleicht hatte Fiona eine Idee. Wahrscheinlich w�rde er sich aber ein Versteck suchen, in dem er Verb�ndete hatte. Sinnlos also, ihn allein zu verfolgen.</p><p>Ich tr�stete mich mit dem Gedanken, da� ich zumindest seine Einstimmung auf das Juwel verhindert hatte.</p><p>Dann erreichte ich die Gro�e Kurve. Ringsum z�ngelten die Funken empor.</p></section><section><title><p>12</p></title><p>Sp�tnachmittag auf einem Berg: Die im Westen stehende Sonne schien grell auf die Felsen zu meiner Linken, schnitt lange Schatten in die Felsbrocken rechts von mir; ihr Licht sickerte durch das Laub rings um mein Grabmal und wirkte in gewissem Ma�e gegen die kalten Winde des Kolvir. Ich lie� Randoms Hand los und wandte mich zu dem Mann um, der auf der Bank vor dem Mausoleum sa�.</p><p>Es war das Gesicht des J�nglings auf dem durchstochenen Trumpf. Linien zogen sich um seinen Mund, die Stirn wirkte betonter, und in der Bewegung der Augen, in der ganzen Gesichtshaltung lag eine Wachsamkeit, die auf der Karte nicht erkennbar gewesen war.</p><p>Ich wu�te Bescheid, noch ehe Random sagte: �Dies ist mein Sohn Martin.�</p><p>Martin stand auf, als ich n�herkam, ergriff meine Hand und sagte: �Onkel Corwin.� Dabei ver�nderte sich sein Gesichtsausdruck kaum. Er musterte mich aufmerksam.</p><p>Er war mehrere Zoll gr��er als Random, hatte aber dieselbe schlanke Statur. Kinn und Wangenknochen waren gleich geschnitten, das Haar �hnlich beschaffen.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Du bist lange fort gewesen�, sagte ich. �Dasselbe gilt f�r mich.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Aber ich bin nie im eigentlichen Amber gewesen�, sagte er. �Aufgewachsen bin ich in Rebma � und an anderen Orten.�</p><p>�Dann m�chte ich dich willkommen hei�en, Neffe. Du st��t in einem interessanten Augenblick zu uns. Random hat dir sicher davon erz�hlt.�</p><p>�Ja�, sagte er. �Deshalb habe ich darum gebeten, dich hier zu sprechen � und nicht etwa in der Stadt.�</p><p>Ich blickte zu Random.</p><p>�Der letzte Onkel, den er kennenlernte, war Brand�, erkl�rte dieser. �Die Begegnung verlief sehr unangenehm. Nimmst du ihm das �bel?�</p><p>�Aber nein. Ich bin ihm vorhin selbst �ber den Weg gelaufen. Ich kann nicht gerade behaupten, da� es die angenehmste Begegnung gewesen ist.�</p><p>��ber den Weg gelaufen?� fragte Random. �Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.�</p><p>�Er hat Amber verlassen und verf�gt �ber das Juwel des Geschicks . H�tte ich fr�her gewu�t, was ich jetzt wei�, s��e er nach wie vor in seinem Turm. Er ist der Gesuchte, und er ist sehr gef�hrlich.�</p><p>Random nickte.</p><p>�Ich wei߫, sagte er. �Martin hat alle unsere Vermutungen hinsichtlich des �berfalls best�tigt � es war Brand, der den Dolch f�hrte. Aber was war das eben mit dem Juwel?�</p><p>�Er war als erster an dem Ort auf der Schatten-Erde, wo ich das Juwel zur�ckgelassen hatte. Nun mu� er allerdings damit das Muster beschreiten und sich durch den Stein projizieren, um es auf sich einzustimmen und es einsetzen zu k�nnen. Er hat es auf dem Ur-Muster des echten Ambers versucht � ich konnte das verhindern. Dabei ist er mir allerdings entkommen. Ich komme gerade von G�rard; wir haben eine Abteilung W�chter dorthin geschickt, zu Fiona, damit er nicht zur�ckkehrt und es noch einmal versucht. Unser eigenes Muster und das in Rebma werden ebenfalls bewacht.�</p><p>�Warum ist er denn so scharf darauf, sich auf das Juwel einzustimmen? Damit er ein paar Unwetter heraufbeschw�ren kann? Himmel, dazu braucht er doch nur durch die Schatten zu wandern; dort kann er das Wetter bestimmen, wie es ihm gef�llt.�</p><p>�Eine Person, die auf das Juwel eingestimmt ist, k�nnte es benutzen, um das Muster auszul�schen.�</p><p>�Oh? Und was passiert dann?�</p><p>�Die Welt, die wir kennen, geht unter.�</p><p>�Oh�, wiederholte Random und fuhr fort: �Woher wei�t du das, zum Teufel?�</p><p>�Es ist eine lange Geschichte, und ich habe keine Zeit, sie dir zu erz�hlen. Jedenfalls stammt sie von Dworkin, und ich glaube das meiste, was er mir erz�hlt hat.�</p><p>�Den gibt es noch?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Aber davon sp�ter.�</p><p>�Na sch�n. Aber Brand mu� verr�ckt sein, wenn er so etwas vorhat.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Ich glaube, er nimmt an, er k�nnte anschlie�end ein neues Muster schaffen und ein neues Universum, in dem er der f�hrende Mann ist.�</p><p>�W�re das denn m�glich?�</p><p>�Theoretisch vielleicht. Aber selbst Dworkin hat gewisse Zweifel, da� sich diese Tat jemals wirksam wiederholen lie�e. Die Kombination der Faktoren war irgendwie einzigartig . . . Ja, ich glaube wirklich, da� Brand geistesgest�rt ist. Wenn ich so in die Vergangenheit schaue, wenn ich an die Schwankungen in seiner Stimmung denke, an seine immer wiederkehrenden Depressionen, so scheint mir hier doch eine Art schizoides Verhalten vorzuliegen. Ich wei� nicht, ob ihn das B�ndnis mit dem Feind jenseits der Grenze wirklich hat durchdrehen lassen oder nicht. Das ist im Grunde auch egal. Ich w�nschte nur, er s��e wieder in seinem Turm. Ich w�nschte, G�rard w�re kein so guter Arzt.�</p><p>�Wei�t du, wer mit dem Messer auf ihn losgegangen ist?�</p><p>�Fiona. Du kannst dir die Geschichte von ihr erz�hlen lassen.�</p><p>Er lehnte sich an meinen Grabspruch und sch�ttelte den Kopf. �Brand�, sagte er. �Verdammt! Jeder von uns h�tte mehrfach nicht �bel Lust gehabt, ihn umzubringen � in der alten Zeit. Doch sobald er uns genug gepiesackt hatte, �nderte er sich. Nach einer Weile sagte man sich dann, da� er ja gar kein so �bler Bursche war. Nur schade, da� er nicht einen von uns im falschen Augenblick ein wenig zu sehr gereizt hat . . .�</p><p>�Dann darf ich doch annehmen, da� jetzt keine R�cksicht mehr genommen wird�, sagte Martin.</p><p>Ich blickte ihn an. Die Muskeln um seinen Mund waren angespannt, seine Augen waren zusammengekniffen. Eine Sekunde lang huschten all unsere Gesichter �ber seine Z�ge, als w�rde ein Spiel unserer Familienkarten aufgebl�ttert. All unser Egoismus, Ha�, Neid und Stolz schienen in jenem Augenblick vor�berzustr�men � dabei war er noch nicht einmal in Amber gewesen. Irgend etwas zerri� in mir, und ich packte ihn an den Schultern.</p><p>�Du hast guten Grund, ihn zu hassen�, sagte ich, �und die Antwort auf deine Frage lautet �ja�. Die Jagdsaison ist er�ffnet. Die einzige M�glichkeit, mit ihm fertigzuwerden, scheint mir die totale Vernichtung zu sein. Ich habe ihn selbst geha�t, solange er nur eine Abstraktion war. Doch jetzt ist das etwas anderes. Ja, wir m�ssen ihn t�ten. Aber dieser Ha� soll nicht bestimmend sein f�r deine Aufnahme in unsere Gruppe. Es hat schon zuviel Ha� zwischen uns gegeben. Ich sehe dein Gesicht � ich wei� nicht . . . Es tut mir leid, Martin. Im Augenblick passiert einfach zuviel. Du bist jung. Ich habe schon mehr gesehen. Einiges macht mir eben . . . anders zu schaffen. Das ist alles.�</p><p>Ich lie� ihn los und trat zur�ck.</p><p>�Erz�hl mir von dir�, forderte ich ihn auf.</p><p>�Lange Zeit hatte ich Angst vor Amber�, begann er, �und ich w�rde sagen, da� das noch immer so ist. Seit Brands Angriff auf mich habe ich in der Furcht gelebt, da� er mich noch irgendwo erwischen w�rde. Seit Jahren f�hle ich mich verfolgt, habe ich wohl Angst vor euch allen. Die meisten von euch kannte ich nur als Bilder auf Karten � Bilder mit einem schlechten Ruf. Ich sagte Random -Vater �, da� ich euch nicht alle auf einmal kennenlernen wollte, und er schlug vor, zuerst mit dir zu sprechen. Keiner von uns wu�te zu der Zeit, da� du dich besonders f�r gewisse Dinge interessieren w�rdest, die ich wei�. Nachdem ich dann davon gesprochen hatte, sagte Vater, ich m��te dich so schnell wie m�glich sprechen. Er hat mir die Dinge geschildert, die hier im Gange sind und � ja, ich wei� etwas dar�ber.�</p><p>�Das ahnte ich schon � als n�mlich vor nicht allzu langer Zeit ein bestimmter Name erw�hnt wurde.�</p><p>�Die Tecys?� warf Random ein.</p><p>�Richtig.�</p><p>�Es ist schwierig, einen Anfang zu finden . . .�, sagte Martin.</p><p>�Ich wei�, da� du in Rebma aufgewachsen bist, das Muster beschritten hast und deine Macht �ber die Schatten benutzt hast, um Benedict in Avalon zu besuchen�, sagte ich. �Benedict erz�hlte dir mehr �ber Amber und die Schatten, lehrte dich den Gebrauch der Tr�mpfe, bildete dich an den Waffen aus. Sp�ter bist du aufgebrochen, um allein durch die Schatten zu ziehen. Und ich wei�, was Brand dir angetan hat. Das w�r� auch schon alles.�</p><p>Er nickte und starrte nach Westen.</p><p>�Nachdem ich Benedict verlassen hatte, bin ich jahrelang durch die Schatten gereist�, sagte er. �Es waren die gl�cklichsten Jahre, an die ich mich erinnern kann. Abenteuer, Spannung, neue Erkenntnisse, neue Bekanntschaften. In einem Winkel meines Gehirns nistete immer der Gedanke, da� ich eines Tages, wenn ich schlauer und h�rter � und erfahrener � sein w�rde, nach Amber reisen und meine anderen Verwandten kennenlernen wollte. Dann erwischte mich Brand. Ich lagerte an einem kleinen Hang, ruhte mich aus von einem langen Ritt und a� etwas zu Mittag. Ich war unterwegs zu den Tecys, die meine Freunde sind. Brand setzte sich mit mir in Verbindung. Ich hatte Benedict �ber seinen Trumpf erreicht, als er mich mit den Karten bekanntmachte. Er hatte mich sogar manchmal hindurchgeholt, so da� ich wu�te, worum es sich handelte. Dieser Kontakt nun f�hlte sich genauso an, und im ersten Augenblick dachte ich, es m�sse Benedict sein. Aber nein. Brand rief mich an � ich erkannte ihn von seiner Karte. Er stand in der Mitte eines Gebildes, bei dem es sich offenbar um das Muster handelte. Ich war neugierig. Ich wu�te nicht, wie er mich erreicht hatte, denn meines Wissens gab es f�r mich keinen Trumpf. Er redete eine Minute lang � ich habe seine Worte vergessen �, und als alles fest und klar war, da . . . stach er nach mir. Ich stie� ihn fort und ri� mich los. Doch irgendwie hielt er den Kontakt. Ich hatte gro�e M�he, die Verbindung zu unterbrechen, und als es mir gelungen war, versuchte er mich wiederzufinden. Doch ich vermochte ihn abzublocken; Benedict hatte mir das beigebracht. Er versuchte es noch mehrmals, doch ich sperrte mich. Schlie�lich gab er es auf. Ich befand mich in der N�he der Tecys. Irgendwie kam ich auf mein Pferd und schaffte es zu ihnen. Ich glaubte schon, ich m�sse sterben, war ich doch noch nie so schwer verletzt gewesen. Nach einer gewissen Zeit aber begann ich mich zu erholen. Dann wuchs die Angst, Angst, da� Brand mich finden und � vollenden w�rde, was er begonnen hatte.�</p><p>�Warum hast du dich nicht bei Benedict gemeldet�, fragte ich, �und ihm alles berichtet � die Ereignisse und deine Bef�rchtungen?�</p><p>�Ich habe mich mit dem Gedanken besch�ftigt�, sagte er, �und auch mit der M�glichkeit, da� Brand annahm, er habe Erfolg gehabt, und ich sei wirklich tot. Ich wu�te zwar nicht, was f�r ein Machtkampf in Amber im Gange war, doch ich kam zu dem Schlu�, da� der Mordversuch irgendwie damit zu tun hatte. Benedict hatte mir soviel von der Familie erz�hlt, da� ich als erstes auf diese M�glichkeit stie�. Und da �berlegte ich mir, da� es vielleicht besser w�re, tot zu bleiben. Ich verlie� die Tecys, ehe ich ganz wiederhergestellt war, und verlor mich in den Schatten.</p><p>Dabei stie� ich auf eine seltsame Erscheinung�, fuhr er fort, �etwas, das v�llig neu f�r mich war, das aber praktisch allgegenw�rtig zu sein schien: In fast allen Schatten, durch die ich kam, befand sich eine seltsame schwarze Stra�e. Ich begriff dieses Ph�nomen nicht, da es sich aber um das einzige mir bekannte Ding handelte, das die Schatten selbst zu durchqueren schien, war meine Neugier geweckt. Ich beschlo� ihr zu folgen und mehr dar�ber zu erfahren. Die Stra�e war gef�hrlich. Ich lernte bald, da� ich sie nicht betreten durfte. Seltsame Gestalten schienen sich des Nachts darauf zu bewegen. Normale Lebewesen, die sich darauf verirrten, wurden krank und verendeten. Ich war also vorsichtig und ging nicht n�her heran, als erforderlich war, um sie im Auge zubehalten. So folgte ich ihr durch viele Welten. Dabei wurde mir bald bewu�t, da� sie �berall Tod, Elend oder Unruhe verbreitete. Ich wu�te nicht, was ich davon halten sollte.</p><p>Ich war noch immer geschw�cht von meiner Wunde�, setzte er seinen Bericht fort, �und beging den Fehler, mich zu �bernehmen: Es kam der Tag, da ich zu weit und zu schnell ritt. An jenem Abend erkrankte ich und lag zitternd in meiner Decke � w�hrend der Nacht und fast den ganzen n�chsten Tag. In dieser Zeit rutschte ich immer wieder ins Delirium und wei� daher nicht genau, wann sie auftauchte. Sie schien mir damals irgendwie zu meinem Traum zu geh�ren. Ein junges M�dchen. H�bsch. Sie k�mmerte sich um mich, w�hrend ich langsam wieder zu Kr�ften kam. Sie hie� Dara. Wir unterhielten uns lange. Es war alles sehr angenehm. Jemanden zu haben, mit dem man so sprechen konnte . . . Ich mu� ihr meine ganze Lebensgeschichte erz�hlt haben. Anschlie�end berichtete sie mir von sich. Sie stammte nicht aus der Gegend, in der ich krank geworden war. Sie sagte, sie sei durch die Schatten angereist. Sie vermochte sie noch nicht zu durchschreiten, wie wir es tun, wenn sie auch der Meinung war, sie k�nne es eines Tages lernen, denn sie behauptete, sie sei durch Benedict mit dem Haus von Amber verwandt. Sie war besonders interessiert, das Schattenwandern zu lernen. Damals reiste sie �ber die schwarze Stra�e durch die Schatten. Ihren �blen Einfl�ssen gegen�ber sei sie immun, sagte sie, denn sie sei zugleich mit den Bewohnern am anderen Ende verwandt, mit den Wesen der H�fe des Chaos. Sie wollte jedoch unsere Methoden kennenlernen, und ich gab mir gro�e M�he, sie so weit zu unterrichten, wie ich selbst Bescheid wu�te. Ich erz�hlte ihr vom Muster und zeichnete es ihr sogar auf. Ich zeigte ihr meine Tr�mpfe � Benedict hatte mir ein Spiel gegeben �, damit sie wu�te, wie ihre anderen Verwandten aussahen. Dabei interessierte sie sich besonders f�r dein Bild.�</p><p>�Ich beginne langsam zu verstehen�, sagte ich. �Sprich weiter.�</p><p>�Sie erz�hlte mir, Amber habe durch das Ausma� seiner Korruption und durch seine Anma�ung das metaphysische Gleichgewicht zwischen sich selbst und den H�fen des Chaos gest�rt. Ihre Leute h�tten nun die Aufgabe, dies zu korrigieren, indem sie Amber vernichteten. Ihre Heimat ist kein Schatten Ambers, sondern eine eigenst�ndige solide Welt. Unterdessen haben all die dazwischenliegenden Schatten infolge der schwarzen Stra�e einiges zu erleiden. Da meine Kenntnisse �ber Amber denkbar beschr�nkt waren, konnte ich ihr nur zuh�ren. Zuerst akzeptierte ich alles, was sie sagte. Brand jedenfalls schien mir ihrer Beschreibung b�ser M�chte in Amber durchaus zu entsprechen. Aber als ich ihn erw�hnte, widersprach sie mir. In ihrer Heimat war er offenbar eine Art Held. Sie kannte die Einzelheiten nicht, machte sich aber auch keine gro�en Sorgen darum. Erst jetzt ging mir auf, wie selbstbewu�t sie in jeder Hinsicht war � wenn sie sprach, hatte ihre Stimme einen geradezu fanatischen Klang. Fast gegen meinen Willen versuchte ich Amber zu verteidigen. Ich dachte an Llewella und Benedict � und an G�rard, den ich einige Male gesehen hatte. Dabei stellte ich fest, da� sie sich sehr f�r Benedict interessierte � er war gewisserma�en ihre schwache Stelle. �ber ihn hatte ich nun einige Kenntnisse zu vermitteln, und in seinem Falle war sie bereit, die guten Dinge zu glauben, die ich �u�erte. Ich wei� nat�rlich nicht, was all das Gerede letztlich bewirkt hat, au�er da� sie zum Schlu� nicht mehr ganz so selbstsicher zu sein schien . . .�</p><p>�Zum Schlu�?� fragte ich. �Was soll das hei�en? Wie lange war sie denn bei dir?�</p><p>�Fast eine Woche�, antwortete er. �Sie sagte, sie wolle sich um mich k�mmern, bis ich wieder gesund sei � und das tat sie auch. Sie blieb sogar einige Tage l�nger. Sie sagte, sie wolle nur ganz sicher gehen, doch in Wirklichkeit wollte sie wohl unser Gespr�ch fortsetzen. Dann verk�ndete sie aber doch, sie m�sse weiter. Ich bat sie, bei mir zu bleiben, doch sie lehnte ab. Ich bot ihr an, sie zu begleiten, aber auch das war ihr nicht recht. Dann mu� sie erkannt haben, da� ich ihr folgen wollte, denn sie schlich sich w�hrend der Nacht davon. Ich konnte nicht auf der schwarzen Stra�e reiten und hatte keine Ahnung, welchen Schatten sie auf ihrem Wege nach Amber als n�chsten aufsuchen w�rde. Als ich am n�chsten Morgen erwachte und erkannte, da� sie fort war, spielte ich eine Zeitlang mit dem Gedanken, selbst nach Amber zu gehen. Aber ich hatte noch immer Angst. M�glicherweise hatten einige der Dinge, die sie mir erz�hlt hatte, meine Bef�rchtungen wieder aufleben lassen. Wie dem auch sein mag � jedenfalls beschlo� ich, in den Schatten zu bleiben. Ich ritt weiter, sah mich um, versuchte zu lernen � bis Random mich fand und mir sagte, ich solle nach Hause kommen. Doch zuerst brachte er mich hierher, damit ich dich kennenlernte; er wollte, da� du vor allen anderen meine Geschichte h�rtest. Ich hoffe, ich habe dir helfen k�nnen.�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Vielen Dank.�</p><p>�Wie ich geh�rt habe, hat sie das Muster dann doch beschritten.�</p><p>�Ja, das hat sie geschafft.�</p><p>�Und hinterher hat sie sich als Feindin Ambers zu erkennen gegeben.�</p><p>�Auch das.�</p><p>�Ich hoffe�, sagte er, �da� sie das alles ohne Schaden �bersteht. Sie war nett zu mir.�</p><p>�Sie scheint durchaus in der Lage zu sein, auf sich aufzupassen�, sagte ich. �Aber . . . ja, sie ist ein liebenswertes M�dchen. Ich kann dir keine Versprechungen hinsichtlich ihrer Sicherheit machen, da ich im Grunde noch zu wenig �ber sie wei�, auch �ber ihre Rolle bei den Ereignissen. Dein Bericht hat mir jedenfalls geholfen . . . Er l��t sie als ein Mensch erscheinen, dem ich noch immer so weit wie m�glich entgegenkommen w�rde.�</p><p>Er l�chelte.</p><p>�Das freut mich zu h�ren.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Was hast du jetzt vor?� fragte ich.</p><p>�Ich bringe ihn zu Vialle�, sagte Random. �Sp�ter will ich ihn den anderen vorstellen, je nach Zeit und Gelegenheit. Es sei denn, es hat sich etwas ergeben und du brauchst mich sofort.�</p><p>�Es hat sich in der Tat etwas ergeben�, sagte ich, �aber ich brauche dich trotzdem nicht. Allerdings sollte ich dich informieren. Ich habe noch ein bi�chen Zeit.�</p><p>W�hrend ich Random die Ereignisse seit seiner Abreise schilderte, dachte ich �ber Martin nach. Soweit es mich betraf, war er noch immer eine unbekannte Gr��e. Seine Geschichte mochte stimmen � ich hatte sogar das Gef�hl, da� sie der Wahrheit entsprach. Andererseits ahnte ich, da� sie nicht vollst�ndig war, da� er absichtlich etwas ausgelassen hatte. Vielleicht etwas Harmloses. Vielleicht aber auch nicht. Eigentlich hatte er keinen Grund, uns zu lieben. Ganz im Gegenteil. Mit ihm mochte Random ein Trojanisches Pferd nach Amber bringen. Wahrscheinlich sah ich nur Gespenster. Es ist nur leider so, da� ich niemandem traue, solange es noch eine Alternative gibt.</p><p>Jedenfalls konnte nichts von den Dingen, die ich Random erz�hlte, gegen uns verwendet werden, und ich bezweifelte doch sehr, da� Martin uns gro�en Schaden zuf�gen konnte, wenn er es darauf anlegte. Nein, wahrscheinlich war er nur ebenso vorsichtig wie wir alle, und aus etwa denselben Gr�nden: Angst und .Selbsterhaltungstrieb bestimmten sein Handeln. Einer pl�tzlichen Eingebung folgend, fragte ich ihn: �Bist du hinterher noch einmal mit Dara zusammengekommen?�</p><p>Er err�tete. �Nein�, sagte er etwas zu hastig. �Nur das einemal.�</p><p>�Ich verstehe�, erwiderte ich. Random war ein zu guter Pokerspieler, um dieses Signal zu �bersehen; so hatte ich uns eine schnelle Best�tigung verschafft um den geringen Preis, da� ein Vater gegen�ber seinem lang verlorenen Sohn mi�trauisch wurde.</p><p>Ich brachte die Sprache wieder auf Brand. Als wir gerade dabei waren, unsere psychopathologischen Beobachtungen zu vergleichen, sp�rte ich pl�tzlich das leise Kribbeln und das Gef�hl der Anwesenheit, die einen Trumpfkontakt ank�ndigten. Ich hob die Hand und wandte mich zur Seite.</p><p>Gleich darauf bestand der Kontakt, und Ganelon und ich sahen uns an.</p><p>�Corwin�, sagte er. �Ich hielt die Zeit f�r gekommen, mich nach dir zu erkundigen. Hast du das Juwel, oder hat Brand das Juwel, oder sucht ihr beide danach? Wie lautet die Antwort?�</p><p>�Brand hat das Juwel�, sagte ich.</p><p>�Um so schlimmer�, sagte er. �Erz�hl mir davon.�</p><p>Das tat ich.</p><p>�Dann hat G�rard also alles richtig mitbekommen�, sagte er.</p><p>�Er hat dir das alles schon mitgeteilt?�</p><p>�Nicht so detailliert�, erwiderte Ganelon, �au�erdem wollte ich mich vergewissern, da� ich alles richtig verstanden hatte. Ich habe bis eben mit ihm gesprochen.� Er blickte nach oben. �Ich w�rde sagen, da� ihr euch langsam in Bewegung setzen solltet, wenn mich meine Erinnerungen an den Zeitpunkt des Mondaufgangs nicht t�uschen.�</p><p>Ich nickte. �Ja, ich breche bald zur Treppe auf. Sie ist nicht allzuweit entfernt.�</p><p>�Gut. Du mu�t dich auf folgendes vorbereiten . . .�</p><p>�Ich wei�, was ich tun mu߫, sagte ich. �Ich mu� vor Brand nach Tir-na Nog�th hinaufsteigen und ihm den Weg zum Muster verstellen. Wenn mir das nicht gelingt, mu� ich ihn noch einmal durch das Muster verfolgen.�</p><p>�Das ist nicht die richtige Methode�, sagte er.</p><p>�Hast du einen besseren Plan?�</p><p>�Ja. Du hast deine Tr�mpfe bei dir?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Erstens bist du auf keinen Fall in der Lage, schnell genug dort hinaufzusteigen, um ihm den Weg zum Muster zu verstellen . . .�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Du mu�t den Aufstieg machen, dann zum Palast marschieren und dort zum Muster vordringen. Das kostet Zeit, sogar in Tir-na Nog�th � und besonders in Tir-na Nog�th, wo die Zeit ohnehin ihre T�cken hat. Vielleicht steckt in dir ja ein unbewu�ter Zerst�rungsdrang, der dich langsamer gehen l��t. Wie auch immer, wenn du eintriffst, ist er bestimmt schon auf dem Muster. Durchaus m�glich, da� er diesmal schon zu weit vorgesto�en w�re und du ihn nicht mehr einholen k�nntest.�</p><p>�Er wird m�de sein. Das macht ihn bestimmt langsamer.�</p><p>�Nein. Versetz dich mal an seine Stelle. Wenn du Brand w�rst, w�rdest du dich nicht in einen Schatten zur�ckziehen, in dem die Zeit anders l�uft? Anstelle eines Nachmittags kann er sich durchaus mehrere Tage Ruhe verschafft haben, um f�r die Anstrengungen dieses Abends ger�stet zu sein. Sicherheitshalber solltest du annehmen, da� er gut bei Kr�ften ist.�</p><p>�Du hast recht�, entgegnete ich. �Darauf verlassen darf ich mich nicht. Also gut. Eine andere M�glichkeit, die ich mir �berlegt hatte, die ich aber nur im �u�ersten Notfall in Betracht ziehen wollte, liefe darauf hinaus, ihn aus der Ferne zu t�ten. Ich nehme eine Armbrust oder eines unserer Gewehre mit und erschie�e ihn einfach mitten auf dem Muster. Problematisch ist dabei die Wirkung unseres Blutes auf das Muster. Kann sein, da� nur das Ur-Muster darunter leidet, aber ich wei� es nicht.�</p><p>�Richtig. Du wei�t es nicht�, sagte er. �Au�erdem w�rde ich nicht empfehlen, da� du dich dort oben auf normale Waffen verl��t. Die Stadt am Himmel ist ein seltsamer Ort. Du hast selbst gesagt, sie w�re wie ein seltsames St�ck Schatten, das am Himmel dahintreibt. Du wei�t zwar, wie man in Amber ein Gewehr zum Funktionieren bringt � aber vielleicht gelten diese Regeln da oben nicht mehr.�</p><p>�Ein Risiko ist es�, gab ich zu.</p><p>�Und die Armbrust � was ist, wenn ein pl�tzlicher Windsto� den Pfeil ablenkt, so oft du auf Brand schie�t?�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Das Juwel. Er ist damit durch einen Teil des Ur-Musters gegangen und hat seither ein bi�chen Zeit gehabt, damit herumzuexperimentieren. H�ltst du es f�r m�glich, da� er schon etwas darauf eingestimmt ist?�</p><p>�Keine Ahnung. Soviel wei� ich gar nicht �ber seine Funktion.�</p><p>�Ich wollte dich nur darauf hinweisen, da� er das Juwel, wenn es wirklich so arbeitet, vielleicht zu seiner Verteidigung einsetzen kann. Der Stein mag sogar noch andere Eigenschaften besitzen, von denen du noch keine Ahnung hast. Damit will ich sagen, du solltest dich nicht zu sehr darauf verlassen, da� du in der Lage bist, ihn auf Distanz zu t�ten. Und bau bitte auch nicht darauf, noch einmal mit demselben Trick durchzukommen � nicht wenn er sich inzwischen eine gewisse Kontrolle �ber das Juwel angeeignet hat.�</p><p>�Du stellst die Verh�ltnisse ein wenig problematischer dar, als ich sie mir zurechtgelegt hatte.�</p><p>�Wahrscheinlich aber auch realistischer�, sagte er.</p><p>�Zugegeben. Sprich weiter. Du hast etwas von einem Plan gesagt.�</p><p>�Richtig. Ich meine, wir d�rfen es �berhaupt nicht zulassen, da� Brand das Muster erreicht; meines Erachtens erh�ht sich die Gefahr einer Katastrophe betr�chtlich, wenn er auch nur einen Fu� darauf stellt.�</p><p>�Und du glaubst nicht, da� ich rechtzeitig zur Stelle sein k�nnte?�</p><p>�Nicht, wenn er fast ohne Zeitverlust herumspringen kann, w�hrend du erst lange zu Fu� unterwegs sein mu�t. Ich w�rde sagen, er wartet nur auf den Mondaufgang, und sobald die Stadt Gestalt annimmt, wird er direkt am Muster auftauchen.�</p><p>�Ich verstehe deine Einw�nde, wei� aber keine Antwort darauf.�</p><p>�Die Antwort ist, da� du Tir-na Nog�th heute nacht gar nicht betreten wirst.�</p><p>�Moment mal!�</p><p>�Luft anhalten! Du hast einen Meisterstrategen ins Spiel geholt, da solltest du dir anh�ren, was er zu sagen hat.�</p><p>�Na sch�n, ich h�re.�</p><p>�Du hast mir zugestimmt, da� du wahrscheinlich nicht rechtzeitig an das Muster herankommst. Aber jemand anders k�nnte das schaffen.�</p><p>�Wer und wie?�</p><p>�H�r zu. Ich habe mit Benedict gesprochen. Er ist zur�ck. Im Augenblick befindet er sich in Amber unten im Saal mit dem Muster. Er d�rfte das Muster inzwischen beschriften haben und in der Mitte warten. Du begibst dich unten an die Treppe zur Himmelsstadt. Dort erwartest du das Aufgehen des Mondes. Sobald Tir-na Nog�th Gestalt annimmt, setzt du dich �ber Trumpf mit Benedict in Verbindung. Du sagst ihm, da� alles bereit ist, dann nutzt er die Macht des Musters von Amber, um sich zum Muster von Tir-na Nog�th versetzen zu lassen. Wie schnell Brand auch reist � dem kann er nicht zuvorkommen.�</p><p>�Ich sehe den Vorteil�, sagte ich. �Das ist die schnellste Methode, einen Mann dort hinaufzuschaffen � und Benedict ist zweifellos ein guter K�mpfer. Er d�rfte mit Brand keine Schwierigkeiten haben.�</p><p>�Glaubst du wirklich, Brand trifft keine anderen Vorbereitungen?� fragte Ganelon. �Nach allem, was ich �ber ihn geh�rt habe, ist er trotz seiner Verbohrtheit sehr schlau. Vielleicht hat er sich auf etwas �hnliches vorbereitet.�</p><p>�M�glich. Hast du eine Ahnung, was er tun wird?�</p><p>Ganelon holte aus und klatschte sich mit der Hand gegen den Hals.</p><p>�Eine Wanze�, sagte er l�chelnd. �Verzeih mir. L�stiges kleines Ding.�</p><p>�Du glaubst immer noch . . .�</p><p>�Ich glaube, du solltest den Kontakt mit Benedict aufrechterhalten, solange er dort oben ist, jawohl. Wenn Brand die Oberhand gewinnt, mu�t du Benedict vielleicht herausholen, um sein Leben zu retten.�</p><p>�Selbstverst�ndlich. Aber dann . . .�</p><p>�Damit h�tten wir eine Schlacht verloren. Zugegeben. Aber nicht den Kampf um Amber. Selbst wenn er das Juwel voll auf sich eingestimmt h�tte, m��te er an das Ur-Muster heran, um wirklichen Schaden anzurichten � und das wird streng bewacht.�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Du scheinst dir alles genau �berlegt zu haben. Und so schnell. Ich bin �berrascht.�</p><p>�Ich habe letzthin viel Zeit gehabt � keine gute Sache, es sei denn, man nutzt sie zum Nachdenken. Und das habe ich getan. Und jetzt meine ich, da� du dich in Marsch setzen solltest. Der Tag geht zu Ende.�</p><p>�Einverstanden�, sagte ich. �Vielen Dank f�r die gute Beratung.�</p><p>�Spar dir deinen Dank, bis wir wissen, was dabei herauskommt�, sagte er und unterbrach die Verbindung.</p><p>�Das h�rte sich nach einem wichtigen Gespr�ch an�, bemerkte Random. �Was ist los?�</p><p>�Eine berechtigte Frage�, erwiderte ich, �aber ich habe absolut keine Zeit mehr. Du wirst auf die Einzelheiten bis morgen warten m�ssen.�</p><p>�Kann ich irgendwie helfen?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �W�rdet ihr bitte auf einem Pferd nach Amber reiten oder euch mit dem Trumpf dorthin begeben? Ich brauche Star.�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, sagte Random. �Kein Problem, Sonst noch etwas?�</p><p>�Nein. Aber Eile tut not.�</p><p>Wir gingen zu den Pferden. Ich t�tschelte Star und stieg auf.</p><p>�Wir sehen dich in Amber�, sagte Random. �Viel Gl�ck.�</p><p>�In Amber�, sagte ich. �Vielen Dank.�</p><p>Ich machte kehrt und begann meinen Ritt zum Ausgangspunkt der Treppe; dazu folgte ich den sich dehnenden Schatten meines Grabmals nach Osten.</p></section><section><title><p>13</p></title><p>Auf Kolvirs h�chstem Kamm gibt es eine Formation, die an drei Stufen erinnert. Ich setzte mich auf den untersten Vorsprung und wartete darauf, da� etwas geschah. Es mu� Nacht sein, und der Mond mu� am Himmel stehen, damit �berhaupt etwas geschieht; zur H�lfte waren diese Bedingungen bereits erf�llt.</p><p>Im Westen und Nordosten zogen Wolken auf, die mich mit Sorge erf�llten. Wenn sie sich ausreichend zusammenballten und den Mond verdeckten, verging Tir-na Nog�th im Nichts. Dies war einer der Gr�nde, warum es ratsam war, stets einen Mann auf dem Boden zu haben, der einen Besucher Tir-na Nog�ths durch seinen Trumpf zur�ckholte, sollte die Stadt pl�tzlich verschwinden.</p><p>Direkt �ber mir war der Himmel allerdings klar, angef�llt mit bekannten Konstellationen. Sobald der Mond aufging und sein Licht auf den Stein fiel, auf dem ich sa�, w�rde die Treppe am Himmel entstehen, die sich in eine unglaubliche H�he emporschwang und den Weg nach Tir-na Nog�th erm�glichte, dem Spiegelbild Ambers, das den Himmel �ber der Stadt f�llt.</p><p>Ich war m�de. In zu kurzer Zeit war zuviel geschehen. Sich pl�tzlich ausruhen zu k�nnen, die Stiefel auszuziehen und die F��e abreiben zu d�rfen, sich zur�ckzulehnen und den Kopf abzust�tzen, und wenn es nur eine steinerne Lehne war, kam mir wie ein Luxus vor und bereitete mir eine geradezu animalische Freude. Ich zog meinen Mantel enger, um die zunehmende K�hle abzuwehren. Ein hei�es Bad, eine gute Mahlzeit, ein Bett w�ren mir jetzt sehr willkommen gewesen. Doch diese Dinge hatten hier oben fast etwas Mythisches. Es gen�gte mir im Augenblick, mich auszuruhen, meine Gedanken langsamer kreisen, sie wie Zuschauer �ber die Ereignisse des Tages gleiten zu lassen.</p><p>So viel war geschehen . . . doch wenigstens hatte ich jetzt Antworten auf ein paar Fragen. Noch waren nicht alle beantwortet, doch mein Wissensdurst war zun�chst gestillt . . . Ich hatte jetzt eine Vorstellung davon, was w�hrend meiner Abwesenheit geschehen war, ein gr��eres Verst�ndnis auch der Dinge, die im Augenblick geschahen, und eine Ahnung von einigen Dingen, die geschehen mu�ten, die ich tun mu�te . . . Ich sp�rte irgendwie auch, da� ich mehr wu�te, als mir klar war, da� ich schon Puzzleteile besa�, die zu dem vor mir sich abzeichnenden Bild pa�ten, wenn ich sie nur gen�gend herumschob, umdrehte oder kreisen lie�. Das Tempo der neuesten Ereignisse, besonders des heutigen Tages, hatte mich keinen Augenblick lang zur Ruhe kommen lassen, so da� ich meine Gedanken nicht hatte sammeln k�nnen. Doch schon schienen sich einige dieser St�cke in seltsamem Winkel aneinanderzuneigen . . .</p><p>Irgend etwas r�hrte sich �ber mir, ein seltsames Hellerwerden der Nachtluft lenkte mich ab. Ich wandte mich um, stand schlie�lich auf und betrachtete den Horizont. Ein erstes Schimmern machte sich �ber dem Meer bemerkbar, an dem Punkt, wo der Mond aufgehen w�rde. W�hrend ich noch hinschaute, erschien ein winziger Lichtbogen. Zugleich hatten die Wolken ihre Position gewechselt, doch nicht so sehr, da� ich mir ernsthaft Sorgen machen mu�te. Ich blickte nach oben, doch das gro�e Himmelsph�nomen hatte noch nicht begonnen. Trotzdem nahm ich meine Tr�mpfe zur Hand, bl�tterte sie durch und legte Benedicts Karte oben auf.</p><p>Die Lethargie war von mir gewichen, und ich verfolgte, wie sich der Mond �ber dem Wasser ausbreitete und pl�tzlich eine Lichtbahn �ber die Wellen warf. Hoch �ber mir, am Rande meines Blickfelds, schwebte pl�tzlich ein vager Umri�. Als das Licht zunahm, betonte da und dort ein Funken die Konturen. Die ersten Linien, schwach wie Spinnweben, erschienen �ber dem Gestein. Ich betrachtete Benedicts Karte, strebte nach Kontakt . . .</p><p>Das Bild belebte sich. Ich sah ihn im Saal des Musters stehen, in der Mitte der Linien. Eine helle Lampe schimmerte neben seinem linken Fu�. Er sp�rte meine Gegenwart.</p><p>�Corwin�, sagte er. �Ist es soweit?�</p><p>�Noch nicht ganz�, sagte ich. �Der Mond geht auf. Die Stadt nimmt allm�hlich Form an. Es dauert also noch ein bi�chen. Ich wollte mich nur vergewissern, ob du bereit bist.�</p><p>�Ich bin bereit�, sagte er.</p><p>�Nur gut, da� du gerade jetzt zur�ckgekommen bist. Hast du etwas Interessantes erfahren?�</p><p>�Ganelon hat mich zur�ckgerufen�, sagte er, �sobald er erfuhr, was geschehen war. Da mir sein Plan gut vorkam, bin ich nun hier. Was die H�fe des Chaos angeht, so meine ich tats�chlich, da� ich das eine oder andere festgestellt habe . . .�</p><p>�Moment�, sagte ich.</p><p>Die Strahlen des Mondlichts hatten nun ein greifbares Aussehen. Die Stadt �ber mir war deutlich umrissen. Die Treppe war von Anfang bis Ende sichtbar, wenn auch stellenweise noch ziemlich schwach. Ich streckte die Hand aus, ber�hrte die zweite Stufe, die dritte . . .</p><p>K�hl, weich, so f�hlte sich die vierte Stufe an. Doch schien sie dem Druck meiner Hand noch nachzugeben.</p><p>�Fast ist es soweit�, sagte ich zu Benedict. �Ich werde die Treppe ausprobieren. Halte dich bereit.�</p><p>Er nickte.</p><p>Ich betrat die Stufen, eins, zwei, drei. Dann hob ich den Fu� und stellte ihn auf die gespenstische vierte Stufe. Sie gab unter meinem Gewicht allm�hlich nach. Ich hatte Angst, den anderen Fu� zu heben und wartete, w�hrend ich den Mond beobachtete. Ich atmete die k�hle Nachtluft, w�hrend die Helligkeit zunahm, w�hrend der Lichtstreifen auf dem Wasser breiter wurde. Hoch �ber mir verlor Tir-na Nog�th etwas von seiner Durchsichtigkeit. Die Sterne dahinter schimmerten schw�cher. W�hrend dies geschah, wurde die Stufe unter meinem Fu� fester; sie verlor ihre Elastizit�t. Ich hatte das Gef�hl, da� sie mein Gewicht nun tragen w�rde. Ich suchte die Treppe mit den Blicken ab und �berschaute sie von Anfang bis Ende, hier matt-glasig, dort durchsichtig und funkelnd, doch komplett bis zur stillen Stadt, die �ber dem Meer schwebte. Ich hob den anderen Fu� und stellte mich auf die vierte Stufe. H�tte ich gewollt, w�rden mich weitere Schritte auf dieser himmlischen Treppe an einen Ort Wirklichkeit gewordener Tr�ume, wandelnder Neurosen und zweifelhafter Prophezeiungen getragen haben, in eine mondhelle Stadt, in der mancher zwiesp�ltige Wunsch erf�llt wurde, in der sich die Zeit verdreht und bleiche Sch�nheit herrschte. Ich blieb stehen und blickte zum Mond empor, der nun auf dem feuchten Rand der Welt schwebte. Im silbrigen Licht wandte ich mich wieder Benedict zu.</p><p>�Die Treppe ist fest, der Mond steht am Himmel�, sagte ich.</p><p>�Na sch�n. Ich gehe.�</p><p>Ich beobachtete ihn, wie er da in der Mitte des Musters stand. Er hob mit der linken Hand die Laterne und stand einen Augenblick lang reglos da. Gleich darauf war er verschwunden � und mit ihm das Muster. Eine Sekunde sp�ter stand er in einem �hnlichen Saal, jetzt au�erhalb des Musters, dicht neben dem Punkt, wo die Linien begannen. Er hob die Laterne �ber den Kopf und sah sich um. Er war allein.</p><p>Er machte kehrt, ging zur Wand, stellte die Laterne ab. Sein Schatten reckte sich dem Muster entgegen und ver�nderte die Form, als Benedict auf dem Absatz kehrtmachte und die urspr�ngliche Position wieder einnahm.</p><p>Ich stellte fest, da� das Muster hier in einem helleren Licht gl�hte als die Zeichnung in Amber � hier war das Licht silbrigwei� und lie� den vertrauten bl�ulichen Schimmer vermissen. Die eigentliche Linienf�hrung war identisch, doch spielte die Geisterstadt ihre Tricks mit der Perspektive. Ich sah Verzerrungen, Verengungen und Erweiterungen, die �ber die Oberfl�che des Musters zu wogen schienen, als s�he ich das ganze Gebilde nicht durch Benedicts Trumpf, sondern durch eine unregelm��ig geschliffene Brille.</p><p>Ich stieg die Steinstufen herab und setzte mich wieder auf den untersten Vorsprung. Von hier beobachtete ich weiter.</p><p>Benedict lockerte seine Klinge in der Scheide.</p><p>�Du kennst die m�gliche Auswirkung von Blut auf das Muster?� fragte ich.</p><p>�Ja. Ganelon hat mir davon erz�hlt.�</p><p>�Hast du all diese Dinge vermutet?�</p><p>�Ich habe Brand nie getraut�, sagte er.</p><p>�Was war mit deiner Reise zu den H�fen des Chaos? Was hast du erfahren?�</p><p>�Sp�ter, Corwin. Er kann jetzt jeden Augenblick kommen.�</p><p>�Ich hoffe, da� sich keine st�renden Visionen einstellen�, sagte ich und dachte an meine eigene Reise nach Tirna Nog�th und an seine Rolle dabei.</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�Wenn man zu sehr darauf achtet, verst�rkt man sie nur noch. Meine Aufmerksamkeit gilt heute abend nur einer Sache.�</p><p>Er drehte sich einmal um sich selbst und betrachtete jeden Teil des Raums, verharrte schlie�lich wieder reglos.</p><p>�Ob er wohl wei�, da� du hier bist?� fragte ich.</p><p>�Mag sein. Das ist auch unerheblich.�</p><p>Ich nickte. Wenn sich Brand nicht sehen lie�, hatten wir einen Tag gewonnen. Die W�chter k�mmerten sich um die anderen Muster, und Fiona hatte Gelegenheit, ihre eigene magische Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen, indem sie Brand f�r uns aufsp�rte. Dann konnten wir ihn verfolgen. Sie und Bleys hatten ihn schon einmal bezwingen k�nnen. Schaffte sie es jetzt allein? Oder mu�ten wir Bleys finden und ihn �berreden, uns zu helfen? Oder hatte Brand Bleys gefunden? Wozu w�nschte sich Brand �berhaupt diese Art von Macht? Ein Streben nach dem Thron, das konnte ich noch verstehen . . . Aber das hier? Der Mann war verr�ckt, dabei sollte man es belassen. Schade, aber so war es nun mal. Vererbung oder Umwelt? Ich stellte mir ganz n�chtern diese Fragen. Wir alle waren auf unsere Art mehr oder weniger verr�ckt. Um ganz ehrlich zu sein, mu�te schon eine Art Wahnsinn dahinterstecken, wenn man soviel besa� und trotzdem verbittert nach mehr strebte, nach einem winzigen Vorteil �ber die anderen. Brand projizierte diese Neigung ins Extrem, das ist alles. In ihm fand sich eine �berzeichnung der Manie, die uns alle gepackt hielt. Kam es so gesehen �berhaupt darauf an, wer von uns der Verr�ter war?</p><p>O ja. Er war schlie�lich derjenige, der gehandelt hatte. Wahnsinnig oder nicht, er war zu weit gegangen. Er hatte Dinge getan, die Eric, Julian und ich nicht getan h�tten. Bleys und Fiona hatten sich im letzten Moment von seinem Gestalt annehmenden Plan zur�ckgezogen. G�rard und Benedict standen eine Stufe �ber den anderen � sie waren moralischer oder reifer, irgend etwas �, denn sie hatten an dem umfassenden Machtspiel nicht teilgenommen. Random hatte sich in den letzten Jahren sehr ver�ndert. War es m�glich, da� die Kinder des Einhorns eine lange Reifezeit brauchten, da� wir alle langsam unsere Entwicklung durchmachten, eine Entwicklung, die an Brand irgendwie vorbeigegangen war? Oder war denkbar, da� Brand durch seine Taten die Entwicklung in uns anderen erst ausl�ste? Wie es bei solchen Fragen meistens ist, war es gut, sie zu stellen; die Antwort war weniger wichtig. Wir waren Brand so �hnlich, da� ich in diesem Augenblick eine ganz besondere Angst empfand, die niemand sonst in mir h�tte wecken k�nnen. Nein, es kam mir trotzdem auf eine Antwort an. Wie immer seine Gr�nde aussehen mochten, er war derjenige, der gehandelt hatte.</p><p>Der Mond war inzwischen h�her gestiegen, sein Schein �berstrahlte fast mein inneres Bild vom Saal des Musters. Die Wolken setzten ihre Bewegungen fort, wogten immer n�her an den Mond heran. Ich wollte Benedict schon darauf aufmerksam machen, aber das h�tte ihn nur abgelenkt. �ber mir schwamm Tir-na Nog�th wie eine �bernat�rliche Arche auf dem Meer der Nacht.</p><p>. . . Und pl�tzlich war Brand zur Stelle.</p><p>Instinktiv fuhr meine Hand an Grayswandirs Griff, obwohl ein Teil von mir sofort erkannte, da� er auf der anderen Seite des Musters stand, weit von Benedict entfernt, in einem dunklen Saal hoch am Himmel.</p><p>Ich lie� die Hand sinken. Benedict war sofort auf den Eindringling aufmerksam geworden und wandte sich in seine Richtung. Er machte keine Anstalten, die Waffe zu ergreifen, sondern starrte �ber das Muster auf unseren Bruder.</p><p>Zuerst hatte ich gef�rchtet, Brand w�rde versuchen, direkt hinter Benedict zu landen und ihn von hinten zu erstechen. Ich selbst h�tte so etwas allerdings nicht versucht, denn selbst im Tode h�tten Benedicts Reflexe ausreichen k�nnen, seinen Angreifer auszuschalten. Offenbar war auch Brand nicht ganz so verr�ckt.</p><p>Brand l�chelte.</p><p>�Benedict�, sagte er. �Da� . . . du . . . hier . . . bist!�</p><p>Das Juwel des Geschicks hing feurig lodernd auf seiner Brust.</p><p>�Brand�, sagte Benedict. �Versuch es nicht.�</p><p>L�chelnd �ffnete Brand seinen Schwertg�rtel und lie� die Waffe zu Boden fallen. Als das Echo des Polterns erstorben war, sagte er: �Ich bin kein Narr, Benedict. Der Mann, der mit einer Klinge gegen dich ankommt, ist noch nicht geboren worden.�</p><p>�Ich brauche die Klinge nicht, Brand.�</p><p>Brand begann langsam am Rand des Musters entlangzugehen.</p><p>�Und doch tr�gst du sie als Diener des Thron, auf dem du h�ttest sitzen k�nnen.�</p><p>�Das hat auf der Liste meiner Ziele noch nie einen hohen Rang eingenommen.�</p><p>�Richtig.� Er hielt inne. �Loyal und sich selbst verleugnend. Du hast dich �berhaupt nicht ge�ndert. Nur schade, da� Vater dich so gut trainiert hat. Du h�ttest viel weiter kommen k�nnen.�</p><p>�Ich habe alles, was ich wollte�, stellte Benedict fest.</p><p>�. . . Da� du so unterdr�ckt worden bist, so fr�h gebrochen wurdest.�</p><p>�Und mit Worten schaffst du mich auch nicht, Brand. Zwing mich nicht, dir wehzutun.�</p><p>Das L�cheln blieb, und Brand setzte sich langsam wieder in Bewegung. Was hatte er nur vor? Ich konnte mir seine Strategie nicht erkl�ren.</p><p>�Du wei�t, da� ich gewisse F�higkeiten habe, die die anderen nicht besitzen�, sagte Brand. �Wenn es irgend etwas gibt, das du dir w�nschst, hast du jetzt die Gelegenheit, es mir zu nennen und zu erfahren, wie sehr du dich geirrt hast. Ich habe Dinge gelernt, die du kaum f�r m�glich halten w�rdest.�</p><p>Benedict tat etwas, das ich selten bei ihm gesehen habe � er l�chelte.</p><p>�Du f�ngst es falsch an�, versicherte er. �Ich kann alles aufsuchen, das ich mir w�nsche.�</p><p>�Schatten!� sagte Brand ver�chtlich und blieb wieder stehen. �Jeder aus der Familie kann sich ein Phantom verschaffen! Ich spreche von der <emphasis>Wirklichkeit!</emphasis> Amber! Macht! Chaos! Nicht von Substanz gewordenen Tagtr�umen! Nicht von Illusionen aus zweiter Hand!�</p><p>�Wenn ich mehr wollte, als ich habe, w��te ich den Weg dorthin. Ich habe ihn nicht eingeschlagen.�</p><p>Brand lachte und ging weiter. Inzwischen hatte er etwa ein Viertel des Weges um das Muster zur�ckgelegt. Das Juwel schimmerte heller. Seine Stimme hatte einen durchdringenden Klang.</p><p>�Du bist ein Dummkopf, tr�gst du doch freiwillig deine Ketten! Aber wenn Dinge nicht den Reiz auf dich aus�ben, sie zu besitzen, wenn Macht dich nicht locken kann � was ist dann mit Wissen? Ich habe Dworkins F�higkeiten voll ausgelotet. Und ich habe sie weiterentwickelt und einen unvorstellbaren Preis bezahlt f�r einen Einblick in die Funktionen des Universums. Du k�nntest diese Kenntnisse ohne Gegenleistung erlangen.�</p><p>�Trotzdem w�rde es mich etwas kosten�, sagte Benedict, �ein Preis, den ich nicht zahlen will.�</p><p>Brand sch�ttelte den Kopf und lie� sein Haar fliegen. Im gleichen Augenblick zog eine d�nne Wolke vor dem Mond vorbei, und das Bild des Musters schwankte. Tir-na Nog�th verbla�te etwas, gewann dann seine normale Helligkeit zur�ck.</p><p>�Du meinst es ja wirklich ernst!� sagte Brand, der die St�rung offenbar nicht bemerkt hatte. �Dann will ich dich nicht weiter in Versuchung f�hren. Probieren mu�te ich es jedenfalls.� Wieder blieb er stehen und sah seinen Bruder an. �Du bist ein zu guter Mann, um dich f�r das Durcheinander in Amber zu verschwenden, um etwas zu verteidigen, das offensichtlich im Zerfall begriffen ist. Ich werde n�mlich siegen, Benedict. Ich werde Amber ausl�schen und es neu erbauen. Ich werde das alte Muster ausradieren und ein eigenes zeichnen. Dabei kannst du mich begleiten. Ich m�chte dich auf meiner Seite haben. Ich werde eine vollkommene Welt schaffen, eine, die einen leichteren Zugang von und zu den Schatten m�glich macht. Ich werde Amber mit den H�fen des Chaos verschmelzen. Ich werde dieses Reich durch s�mtliche Schatten ausdehnen. Du wirst Legionen befehligen, die m�chtigsten Streitkr�fte, die es je gegeben hat. Du . . .�</p><p>�Wenn deine neue Welt so vollkommen w�re, wie du sagst, Brand, best�nde kein Bedarf mehr an Legionen. Wenn sie andererseits den Geist ihres Sch�pfers widerspiegeln w�rde, w�re sie f�r mich keinesfalls eine Verbesserung der jetzigen Zust�nde. Vielen Dank f�r dein Angebot, doch ich halte mich an das Amber, das bereits besteht.�</p><p>�Du bist ein Dummkopf, Benedict. Ein wohlmeinender Dummkopf, aber doch nur ein Dummkopf . . .�</p><p>L�ssig setzte er sich wieder in Bewegung. Noch war er vierzig Fu� von Benedict entfernt, dann drei�ig . . . Er ging weiter. Schlie�lich blieb er zwanzig Fu� entfernt stehen, hakte die Daumen in den G�rtel und starrte Benedict an, der den Blick erwiderte. Ich schaute nach den Wolken. Ein langer dunkler Streifen r�ckte zum Mond vor. Doch ich konnte Benedict jederzeit herausholen. Es war kaum gerechtfertigt, ihn in diesem Augenblick zu st�ren.</p><p>�Na, warum kommst du nicht und stichst mich nieder?� fragte Brand jetzt. �Schlie�lich bin ich unbewaffnet, da sollte das doch kein Problem sein. Die Tatsache, da� in unseren Adern dasselbe Blut flie�t, macht doch keinen Unterschied, oder? Worauf wartest du noch?�</p><p>�Ich habe dir schon gesagt, da� ich dir nicht wehtun m�chte�, sagte Benedict.</p><p>�Und doch bist du dazu bereit, sollte ich versuchen, an dir vorbeizukommen?�</p><p>Benedict nickte.</p><p>�Gib zu, da� du Angst vor mir hast, Benedict! Ihr alle habt Angst vor mir. Selbst wenn ich waffenlos vorr�cke wie jetzt, r�hrt sich die Furcht in deinen Eingeweiden. Du siehst mein Selbstbewu�tsein und verstehst es nicht. Du mu�t einfach Angst haben!�</p><p>Benedict antwortete nicht.</p><p>�. . . Und du f�rchtest mein Blut an deinen H�nden�, fuhr Brand fort, �du f�rchtest meinen Todesfluch.�</p><p>�Hast du Martins Blut an deinen H�nden gef�rchtet?� fragte Benedict.</p><p>�Dieser unreife Bastard?� rief Brand. �Der geh�rte doch nicht wirklich zu uns. Er war lediglich ein Werkzeug.�</p><p>�Brand, ich habe nicht den Wunsch, einen Bruder zu t�ten. Gib mir das Schmuckst�ck, das du da um den Hals tr�gst, und kehre mit mir nach Amber zur�ck. Es ist nicht zu sp�t, alles zu regeln.�</p><p>Brand warf den Kopf in den Nacken und lachte.</p><p>�Edel gesprochen, Benedict! Wie ein wahrer Herr des Reiches! Du besch�mst mich mit deiner �bertriebenen Rechthaberei! Und was ist der entscheidendste Punkt von allen?� Er streichelte das Juwel des Geschicks. �Das Ding hier?� Wieder lachte er und trat vor. �Dieses Steinchen? W�rde seine �bergabe uns Frieden, Freundschaft, Ordnung schenken? W�rde er mein Leben sichern?�</p><p>Er blieb zum wiederholten Male stehen, jetzt nur noch zehn Fu� von Benedict entfernt. Er hob das Juwel mit zwei Fingern und blickte darauf hinab.</p><p>�Bist du dir �ber die Kr�fte im klaren, die in diesem Stein schlummern?� fragte er.</p><p>�Jedenfalls soweit, da� . . .�, begann Benedict, und seine Stimme brach.</p><p>Hastig machte Brand einen weiteren Schritt. Das Juwel schimmerte hell vor ihm. Benedicts Hand hatte sich zur Klinge bewegen wollen, sie aber nicht erreicht. Er stand starr da, als sei er pl�tzlich in ein Denkmal verwandelt worden. Endlich begriff ich, doch es war l�ngst zu sp�t.</p><p>Auf Brands Worte war es gar nicht angekommen � sie waren im Grunde nur Ablenkung gewesen, w�hrend er sich vorsichtig in die richtige Entfernung man�vrierte. Er war in der Tat teilweise auf das Juwel eingestimmt, und die beschr�nkte Kontrolle, die er dar�ber hatte, reichte aus, um etwas damit zu tun, das ich nicht f�r m�glich gehalten h�tte. Er aber mu�te es von Anfang an gewu�t haben. Brand war absichtlich ein St�ck von Benedict entfernt gelandet, hatte das Juwel ausprobiert, war ein St�ck n�hergekommen, hatte es erneut versucht, war immer weitergegangen und hatte es immer wieder versucht, bis er den Punkt gefunden hatte, von dem aus er auf Benedicts Nervensystem einwirken konnte.</p><p>�Benedict�, sagte ich, �du solltest jetzt lieber zu mir kommen.� Ich brachte meine ganze Willenskraft zum Tragen, doch er r�hrte sich nicht, er reagierte nicht. Sein Trumpf funktionierte, ich sp�rte seine Gegenwart, ich verfolgte die Ereignisse durch die Karte, doch ich kam nicht mehr an Benedict heran. Das Juwel beeinflu�te offenbar mehr als nur seine motorischen F�higkeiten.</p><p>Wieder blickte ich zu den Wolken empor. Sie breiteten sich immer mehr aus, begannen langsam nach dem Mond zu greifen. Es sah so aus, als w�rden sie ihn bald verdecken. Wenn ich Benedict dann nicht zur�ckholen konnte, w�rde er ins Meer st�rzen, sobald das Licht ganz verdeckt war, sobald die Stadt verschwand. Brand! Wenn er die Entwicklung mitbekam, konnte er das Juwel benutzen, um die Wolken zu vertreiben. Aber um das zu tun, mu�te er Benedict wahrscheinlich freigeben. Ich nahm nicht an, da� er dazu bereit war. Die Wolken schienen sich nur langsam zu bewegen. Vielleicht machte ich mir unn�tige Sorgen. Trotzdem suchte ich Brands Trumpf heraus und hielt ihn griffbereit.</p><p>�Benedict, Benedict�, sagte Brand l�chelnd, �was n�tzt einem der beste Schwertk�mpfer der Welt, wenn er nicht in der Lage ist, seine Klinge zu heben? Ich hab� dir doch gesagt, da� du ein Dummkopf bist! Hast du wirklich angenommen, ich w�rde freiwillig zur Schlachtbank schreiten? Du h�ttest auf die Angst vertrauen sollen, die du sicher gesp�rt hast. Du h�ttest wissen m�ssen, da� ich nicht hilflos hierherkommen w�rde. Ich sprach im Ernst, als ich sagte, da� ich siegen w�rde. Als Gegner warst du allerdings eine gute Wahl, denn du bist der beste. Ich w�nschte ehrlich, du h�ttest mein Angebot angenommen. Aber so wichtig ist das nun nicht mehr. Nichts kann mich noch aufhalten. Keiner der anderen hat eine Chance, und sobald du aus dem Weg bist, wird es f�r mich noch leichter sein.�</p><p>Er griff unter den Mantel und zog einen Dolch.</p><p>�Hol mich zu dir, Benedict!� rief ich, doch es hatte keinen Sinn. Es kam keine Antwort, keine Kraft r�hrte sich, um mich an den Ort des Geschehens zu versetzen.</p><p>Ich ergriff Brands Trumpf. Dabei erinnerte ich mich meines Trumpfkampfes mit Eric. Wenn ich durch den Trumpf gegen Brand vorgehen konnte, st�rte ich damit vielleicht seine Konzentration soweit, da� Benedict freikam. Ich richtete all meine Sinne auf die Karte, r�stete mich f�r eine umfassende geistige Attacke. Aber nichts geschah. Der Weg war blockiert � K�lte und Dunkelheit schlugen mir entgegen.</p><p>Wahrscheinlich war seine Konzentration auf das Ziel, seine geistige Verwicklung mit dem Juwel so komplett, da� ich gar nicht an ihn herankam.</p><p>Pl�tzlich wurde die Treppe heller. Hastig blickte ich auf den Mond. Ein Streifen Kumuluswolken verdeckte einen Teil der Mondscheibe. Verdammt!</p><p>Ich wandte mich wieder Benedicts Trumpf zu. Es passierte langsam, doch ich gewann den Kontakt zur�ck, was doch darauf hindeutete, da� irgendwo tief im Innern Benedict bei vollem Bewu�tsein war. Brand war noch einen Schritt n�hergekommen und verspottete seinen Gegner weiter. Das Juwel an der dicken Kette schimmerte im Licht seiner Aktivit�t. Die beiden waren noch etwa drei Schritte voneinander entfernt. Brand spielte an seinem Dolch herum.</p><p>�. . . Ja, Benedict�, sagte er. �Du w�rst wahrscheinlich lieber im Kampf gestorben. Andererseits kannst du dies als eine Art Ehre ansehen � als eine ganz besondere Ehre. In gewisser Weise ebnet dein Tod den Weg zur Geburt einer neuen Ordnung . . .�</p><p>Eine Sekunde lang verbla�te das Muster hinter den beiden Gestalten. Doch ich vermochte den Blick nicht von der Szene zu l�sen, um den Mond anzuschauen. Brand stand im Schatten und im flackernden Lichtschein mit dem R�cken zum Muster und schien nichts zu bemerken. Er machte einen weiteren Schritt.</p><p>�Aber davon jetzt genug�, sagte er. �Es gilt einiges zu erledigen, und die Nacht wird nicht j�nger.�</p><p>Er trat vor und senkte die Klinge. �Gute Nacht, lieber Prinz�, sagte er und setzte zum t�dlichen Stich an.</p><p>In diesem Augenblick bewegte sich Benedicts unheimlicher mechanischer rechter Arm, der aus dieser Welt des Silbers, der Schatten und des Mondlichts stammte, bewegte sich mit der Geschwindigkeit einer zusto�enden Schlange. Ein Ding voller schimmernder metallischer Fl�chen, die an die Facetten eines Juwels erinnerten, das Handgelenk ein wundersames Gewirr von Silberkabeln, benietet mit Punkten aus Feuer, stilisiert, skeletthaft, ein Werkzeug von Schweizer Pr�zision, ein mechanisches Insekt, funktionell, auf seine Weise t�dlich � so scho� der Arm vor, mit einer Geschwindigkeit, der ich mit den Augen nicht zu folgen vermochte, w�hrend der Rest des K�rpers ruhig blieb, eine Statue.</p><p>Die k�nstlichen Finger packten die Kette des Juwels, die um Brands Hals f�hrte. Gleichzeitig ruckte der Arm nach oben und hob Brand in die H�he. Brand lie� erschreckt den Dolch fallen und fa�te sich mit beiden H�nden an den Hals.</p><p>Hinter ihm verbla�te das Muster von neuem. Dann kehrte es zur�ck, doch es leuchtete bei weitem nicht mehr so hell. Brands Gesicht war ein gespenstisches, verzerrtes Etwas im Lampenschein. Benedict r�hrte sich noch immer nicht, hielt ihn lediglich empor, reglos, ein menschlicher Galgen.</p><p>Das Muster wurde schw�cher. Die Stufen �ber mir begannen zu verschwinden. Der Mond war nur noch halb sichtbar.</p><p>Strampelnd hob Brand die Arme �ber den Kopf und umfa�te die Kette zu beiden Seiten der Metallhand, die sie hielt. Er war kr�ftig, wie wir alle. Ich sah, wie sich seine Muskeln w�lbten und h�rter wurden. Sein Gesicht war dunkel, sein Hals eine Masse hervortretender Str�nge. Er bi� sich auf die Lippe. Blut rann ihm in den Bart, w�hrend er an der Kette zerrte.</p><p>Mit lautem Knall ri� die Kette, und Brand st�rzte schweratmend zu Boden. Er rollte einmal um die eigene Achse, wobei sich beide H�nde an seinem Hals zu schaffen machten.</p><p>Langsam, sehr langsam, senkte Benedict den seltsamen Arm. Die Hand hielt noch immer Kette und Juwel. Er zog den anderen Arm an. Ein leises Seufzen kam aus seinem Mund.</p><p>Das Muster verbla�te noch mehr. Tir-na Nog�th wurde durchsichtig �ber mir. Der Mond war fast nicht mehr zu sehen.</p><p>�Benedict!� rief ich. �Kannst du mich h�ren?�</p><p>�Ja�, sagte er leise und begann durch den Boden zu sinken.</p><p>�Die Stadt verbla�t! Du mu�t sofort zu mir kommen!�</p><p>Ich streckte die Hand aus.</p><p>�Brand . . .�, sagte er und drehte sich um.</p><p>Aber Brand sank ebenfalls ein, und ich erkannte, da� Benedict ihn nicht mehr erreichen konnte. Ich packte Benedicts linke Hand und zerrte ihn zu mir. Neben den Stufen st�rzten wir zu Boden.</p><p>Ich half ihm auf. Dann setzten wir uns nebeneinander auf den Steinvorsprung. Lange sagten wir nichts. Ich blickte empor: Tir-na Nog�th war verschwunden.</p><p>Ich �berdachte die Ereignisse, die an diesem Tag so schnell, so �berraschend �ber uns hereingebrochen waren. M�digkeit �berschattete mich wie eine ungeheure Last, und ich hatte das Gef�hl, da� meine Energien ersch�pft waren, da� ich so schnell wie m�glich schlafen mu�te. Ich vermochte kaum noch klar zu denken. Das Leben war in letzter Zeit einfach zu hektisch gewesen. Ich lehnte den Kopf wieder gegen das Gestein und betrachtete Wolken und Sterne. Die Puzzleteile . . . die Teile, die zusammenpassen mu�ten, wenn man sie nur richtig drehte und wendete . . . Sie drehten und wendeten sich fast wie aus eigenem Antrieb, schienen sich von selbst an die richtigen Stellen zu legen.</p><p>�Was meinst du, ist er tot?� fragte Benedict und ri� mich aus meinem Wachtraum sich formierender Gestalten.</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte ich. �Er war ziemlich �bel dran, als alles auseinanderfiel.�</p><p>�Es ist ein langer Sturz. Vielleicht hatte er unterwegs Gelegenheit, einen Ausweg zu finden, etwa so, wie er gekommen war.�</p><p>�Im Augenblick ist das nun wirklich egal�, sagte ich. �Du hast ihm die Rei�z�hne gezogen.�</p><p>Benedict knurrte etwas vor sich hin. Er hielt noch immer das Juwel umklammert, das nun in einem viel dunkleren Rot schimmerte als noch kurz zuvor.</p><p>�Das ist richtig�, sagte er schlie�lich. �Das Muster ist nun au�er Gefahr. Ich w�nschte . . . w�nschte, da� vor langer Zeit, irgendwann einmal irgend etwas ungesagt geblieben w�re, was ausgesprochen wurde, oder etwas geschehen w�re, das unterblieben ist. Irgend etwas, das � h�tten wir es gewu�t � ihm eine andere Entwicklung beschert h�tte, etwas, das ihn zu einem anderen Menschen h�tte werden lassen, nicht zu dem verbitterten, entstellten Wesen, das mir da oben gegen�berstand. Sein Tod w�re wirklich das beste � zugleich aber die Verschwendung einer gro�en Chance.�</p><p>Ich antwortete nicht. Seine Worte mochten richtig sein, vielleicht aber auch nicht. Es kam nicht darauf an. Brand mochte die Grenze zum Wahnsinn �berschritten haben, was immer das bedeutet � vielleicht aber auch nicht. Es gibt immer einen Grund. Wo immer etwas versaut wird, wo immer etwas Abscheuliches passiert, gibt es irgendwo einen Grund daf�r. Doch in jedem Fall hat man eine versaute, abscheuliche Situation, und alles Wegerkl�ren �ndert nicht das geringste daran. Tut jemand etwas wirklich Gemeines, hat er einen Grund. Man kann diesem Grund nachgehen, wenn man will, und dann erfahren, warum der Betreffende ein solcher Schweinehund geworden ist. Doch es ist allein die Tat, die bleibt. Brand hatte gehandelt. Daran �nderte auch eine posthume Psychoanalyse nichts. Taten und ihre Folgen � danach werden wir von unseren Mitmenschen beurteilt. Bei allem anderen verschafft man sich nichts weiter als ein Gef�hl moralischer �berlegenheit, indem man sich vorstellt, man selbst h�tte doch an seiner Stelle etwas Netteres getan. Diese Dinge konnten ruhig dem Himmel �berlassen werden. Ich f�hlte mich nicht angesprochen.</p><p>�Wir sollten nach Amber zur�ckkehren�, sagte Benedict. �Es gibt viel zu tun.�</p><p>�Moment�, sagte ich.</p><p>�Wieso?�</p><p>�Ich habe mir so meine Gedanken gemacht.�</p><p>Als ich ihm keine weitere Aufkl�rung gab, fragte er: �Und . . .?�</p><p>Langsam bl�tterte ich meine Tr�mpfe durch, schob seinen wieder hinein, lie� auch Brands Karte wieder verschwinden.</p><p>�Hast du dir noch keine Gedanken �ber den neuen Arm gemacht, den du da tr�gst?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich. Du hast das Ding aus Tir-na Nog�th mitgebracht, unter ungew�hnlichen Begleitumst�nden. Der Arm pa�t. Er funktioniert. Er hat sich heute abend bew�hrt.�</p><p>�Genau. Ist das nicht ein bi�chen viel f�r einen blo�en Zufall? Die einzige Waffe, die dir da oben eine Chance gegen das Juwel gegeben hat. Und zuf�llig war sie ein Teil von dir � und zuf�llig warst du die Person, die da oben stand und die Waffe einsetzen konnte. Verfolge die Dinge einmal r�ckw�rts und dann wieder vorw�rts. Mu� da nicht eine au�erordentliche � nein, unm�gliche Zufallskette am Werk gewesen sein?�</p><p>�Wenn du es so formulierst . . .�, sagte er.</p><p>�Ich formuliere es so. Du mu�t doch ebenso erkennen wie ich, da� an der Sache mehr dran ist.�</p><p>�Na sch�n. Nehmen wir das einmal an. Aber wie? Wie wurde es bewerkstelligt?�</p><p>�Keine Ahnung�, sagte ich und nahm eine Karte zur Hand, die ich lange, lange nicht mehr angeschaut hatte. Ich sp�rte ihre K�lte unter meinen Fingerspitzen. �Die Methode ist allerdings gar nicht wichtig. Du hast eben die falsche Frage gestellt.�</p><p>�Was h�tte ich denn fragen sollen?�</p><p>�Nicht �wie�, sondern �wer�.�</p><p>�Du meinst, ein Mensch h�tte die gesamte Kette der Ereignisse gekn�pft, bis hin zur R�ckholung des Juwels?�</p><p>�Das wei� ich eben nicht genau. Was hei�t das schon: Mensch? Aber ich glaube, da� jemand zur�ckgekehrt ist, den wir beide kennen, und da� dieser Jemand hinter allem steckt.�</p><p>�Na sch�n. Wer?�</p><p>Ich zeigte ihm den Trumpf in meiner Hand.</p><p>�Vater? Das ist nun wirklich l�cherlich. Er mu� tot sein. Wir haben unendlich lange nichts von ihm geh�rt.�</p><p>�Er k�nnte das alles tats�chlich arrangiert haben. Raffiniert genug ist er. Wir haben seine F�higkeiten nie ganz begriffen.�</p><p>Benedict stand auf und reckte sich. Dann sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Ich glaube, du hast zu lange im kalten Wind gestanden, Corwin. Wir wollen nach Hause zur�ckkehren.�</p><p>�Ohne meine Vermutung auf die Probe zu stellen? Komm schon! Das w�re nun wirklich sehr unsportlich! Setz dich und gib mir eine Minute Zeit. Ich m�chte diesen Trumpf ausprobieren.�</p><p>�Er h�tte sich doch l�ngst mit irgend jemand in Verbindung gesetzt!�</p><p>�Ich glaube nicht. Eher . . . Komm. La� mir meinen Spa�. Was haben wir zu verlieren?�</p><p>�Na sch�n. Warum auch nicht?�</p><p>Er setzte sich wieder neben mich. Ich hielt den Trumpf zwischen uns, so da� wir beide das Bild sehen konnten. Wir starrten darauf. Ich entspannte mich innerlich, strebte nach Kontakt. Die Verbindung war augenblicklich da.</p><p>Er l�chelte, als er uns sah.</p><p>�Das war gute Arbeit�, sagte Ganelon. �Freut mich, da� ihr mir mein Schmuckst�ck zur�ckgebracht habt. Ich brauche es bald.�</p></section></body><body name="notes"><section id="fn1"><p>Auf den n�chsten Seiten gibt der Autor eine kurze Zusammenfassung der bunten Abenteuer und verwirrenden Intrigen, die er in den fr�hen B�nden des Amber-Zyklus geschildert hat. Leser, die die Romane <emphasis>Corwin von Amber</emphasis>, <emphasis>Die Gewehre von Avalon</emphasis> und <emphasis>Im Zeichen des Einhorns</emphasis> gelesen haben, k�nnen diese geraffte Darstellung �berbl�ttern; sie ist f�r jene gedacht, die diese B�nde (noch) nicht kennen!</p></section></body><binary id="cover" 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