<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>Im Zeichen des Einhorns</book-title><date>1977</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Thomas</first-name><last-name>Schl�ck</last-name></translator><sequence name="Amber-Zyklus" number="3"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Roger</first-name><last-name>Zelazny</last-name></author><book-title>Sign of the Unicorn</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><id>521B547A-895F-4A62-A9DE-77A7026772EC</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Roger Zelazny</p><p>Im Zeichen des Einhorns</p></title><section><title><p>1</p></title><p>Ich ignorierte den fragenden Blick des Pferdeknechts, als ich das unheimliche B�ndel zu Boden senkte und das Tier in seine Obhut gab. Mein Umhang vermochte die Beschaffenheit des Gebildes nicht zu verh�llen, als ich es mir �ber die Schulter warf und auf den Hintereingang des Palasts zustapfte. Die H�lle w�rde bald ihren Tribut fordern.</p><p>Ich ging um das �bungsfeld herum und schlug mich zu dem Pfad durch, der zum S�dteil des Palastgartens f�hrte. Weniger Zeugen. Nat�rlich w�rde man mich entdecken, was hier aber nicht so unangenehm war wie auf der Vorderseite, wo immer Betrieb herrschte. Verdammt!</p><p>Und noch einmal: verdammt! Sorgen hatte ich meiner Ansicht nach wirklich genug. Doch wer viel hat, bekommt noch immer mehr hinzu. Eine geistige Form von Zins und Zinseszins, nehme ich an.</p><p>Am anderen Ende des Gartens, bei den Brunnen, lungerten ein paar Nichtstuer herum. W�chter bewegten sich durch die B�sche, die den Weg s�umten. Die M�nner sahen mich kommen, steckten kurz die K�pfe zusammen und wandten dann beflissen den Blick ab. Klug gehandelt.</p><p>Ich war noch keine ganze Woche wieder hier. Die meisten Probleme noch ungel�st. Der Hof von Amber voller Unruhe und Mi�trauen. Und jetzt das: ein Todesfall, der den kurzen, ungl�cklichen Anlauf Corwins I. � das bin ich � zur Herrschaft noch mehr gef�hrden konnte.</p><p>Ich mu�te etwas in Gang bringen, das ich gleich h�tte einleiten sollen. Aber schlie�lich war von Anfang an so unheimlich viel zu tun gewesen. Immerhin hatte ich nicht dagesessen und D�umchen gedreht. Ich hatte mir Priorit�ten gesetzt und entsprechend gehandelt. Jetzt aber . . .</p><p>Ich durchquerte den Garten und trat aus dem Schatten in das schr�g einfallende Sonnenlicht hinaus, schritt auf die breite, geschwungene Treppe zu. Als ich den Palast betrat, salutierte ein W�chter. Ich nahm den hinteren Aufgang, stieg in die erste Etage hinauf, dann in die zweite.</p><p>Von rechts trat mein Bruder Random aus seinen R�umen.</p><p>�Corwin!� sagte er mit pr�fendem Blick in mein Gesicht. �Was ist los? Ich habe dich vom Balkon aus gesehen, und . . .�</p><p>�Hinein�, sagte ich und machte eine Bewegung mit den Augen. �Wir m�ssen uns unter vier Augen unterhalten, und zwar sofort.�</p><p>Er z�gerte und starrte auf meine Last.</p><p>�Gehen wir zwei T�ren weiter, ja?� sagte er. �Ich habe Vialle hier.�</p><p>�Gut.�</p><p>Er ging voraus und �ffnete die T�r. Ich betrat das kleine Wohnzimmer, w�hlte eine passend erscheinende Stelle und lie� den K�rper fallen.</p><p>Random starrte auf das B�ndel.</p><p>�Was erwartest du von mir?� fragte er.</p><p>�Pack das gute St�ck nur aus�, sagte ich. �Schau�s dir an.�</p><p>Er kniete nieder, �ffnete den Mantel und schlug den Stoff zur�ck.</p><p>�Tot�, bemerkte er. �Wo liegt das Problem?�</p><p>�Du hast dir das Ding nicht richtig angeschaut�, sagte ich. �Zieh mal ein Augenlid hoch, �ffne den Mund und sieh dir die Z�hne an. Betaste die Spitzen auf den Handr�cken. Z�hle die Gelenke in den Fingern. Und dann berichte mir von dem Problem.�</p><p>Er kam meinen W�nschen nach. Als er die H�nde erreichte, hielt er inne und nickte.</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich erinnere mich.�</p><p>�Erinnere dich laut.�</p><p>�Vor langer Zeit, in Floras Haus . . .�</p><p>�Ja, dort habe <emphasis>ich</emphasis> so<emphasis/> ein Wesen zum erstenmal gesehen�, sagte ich. �Aber die Kerle waren hinter <emphasis>dir</emphasis> her. Bis heute wei� ich nicht, warum.�</p><p>�Das ist richtig�, bemerkte er. �Ich hatte nie Gelegenheit, dir davon zu erz�hlen. So lange sind wir seither nicht zusammen gewesen. Seltsam . . . Woher kommt der Bursche?�</p><p>Ich z�gerte, hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, ihm seine Geschichte abzuringen und ihm meine zu erz�hlen. Schlie�lich gewann meine Geschichte, weil sie mir noch sehr frisch im Ged�chtnis war.</p><p>Ich seufzte und lie� mich in einen Sessel fallen.</p><p>�Wir haben gerade einen weiteren Bruder verloren�, begann ich. �Caine ist tot. Ich bin leider ein bi�chen zu sp�t gekommen. Dieses Ding � dieses Wesen � hat es getan. Ich wollte es lebend fangen, du wei�t, warum. Aber es wehrte sich erstaunlich heftig, und da hatte ich keine andere Wahl.�</p><p>Er pfiff leise durch die Z�hne und setzte sich mir gegen�ber auf einen Stuhl.</p><p>�Ich verstehe�, sagte er leise.</p><p>Ich musterte ihn eingehend. Lauerte da nicht ein schwaches L�cheln in den Kulissen, bereit, sich dem meinen anzuschlie�en? Durchaus m�glich.</p><p>�Nein�, sagte ich entschieden. �Wenn es anders w�re, h�tte ich daf�r gesorgt, da� meine Unschuld weit weniger in Zweifel gezogen werden k�nnte. Ich sage dir, was wirklich geschehen ist.�</p><p>�Also sch�n�, sagte er. �Wo ist Caine jetzt?�</p><p>�Er liegt unter einer Erdschicht in der N�he des Einhornw�ldchens.�</p><p>�Das allein sieht ziemlich verd�chtig aus�, sagte er. �Oder wird so aussehen � f�r die anderen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Ich wei�. Doch ich mu�te die Leiche verstecken und sie irgendwie bedecken. Ich konnte ihn nicht einfach herbringen und all die neugierigen Fragen auf mich einprasseln lassen. Nicht, solange da noch wichtige Tatsachen auf mich warten � in deinem Kopf.�</p><p>�Gut�, sagte Random. �Ich wei� nicht, wie wichtig sie sind, aber sie stehen dir nat�rlich zur Verf�gung. Doch la� mich nicht in der Luft h�ngen, ja? Wie ist das alles passiert?�</p><p>�Es war unmittelbar nach dem Mittagessen�, sagte ich. �Ich hatte mit G�rard unten am Hafen gesessen. Anschlie�end holte mich Benedict durch einen Ruf mit seiner Trumpfkarte nach oben. In meinem Zimmer fand ich einen Zettel vor, den man offenbar unter der T�r hindurchgeschoben hatte. Darin wurde ich f�r sp�ter am Nachmittag zu einer privaten Zusammenkunft in das Einhornw�ldchen gebeten. Die Unterschrift lautete: �Caine�.�</p><p>�Hast du den Zettel noch?�</p><p>�Ja.� Ich holte das Papier aus der Tasche und reichte es ihm. �Hier.�</p><p>Er studierte den Text und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte er. <emphasis>�K�nnte</emphasis> seine Handschrift sein � wenn er es sehr eilig hatte. Aber ich glaube nicht, da� sie es ist.�</p><p>Ich zuckte die Achseln, nahm den Zettel wieder an mich, faltete ihn zusammen und steckte ihn ein.</p><p>�Wie auch immer � ich versuchte, ihn durch seinen Trumpf zu erreichen, um mir den Ritt zu ersparen. Doch er war nicht empfangsbereit. Ich vermutete, er wollte seinen Aufenthaltsort geheimhalten, wenn die ganze Sache so wichtig war. Ich holte mir also ein Pferd und ritt los.�</p><p>�Hast du jemandem gesagt, wohin du wolltest?�</p><p>�Keiner Menschenseele. Allerdings beschlo� ich, das Pferd ein bi�chen auszureiten, und hatte ein ganz sch�nes Tempo drauf. Den Mord selbst habe ich nicht gesehen; aber als ich das W�ldchen erreichte, sah ich ihn schon am Boden liegen. Man hatte ihm die Kehle durchgeschnitten, und in einiger Entfernung bewegte sich etwas in den B�schen. Ich ritt den Kerl nieder, sprang ihm in den Nacken, k�mpfte mit ihm und mu�te ihn schlie�lich t�ten, weil er sich wehrte wie der Teufel. Dabei ist kein Wort gefallen.�</p><p>�Bist du sicher, da� du den Richtigen erwischt hast?�</p><p>�So sicher, wie man in einer solchen Situation sein kann. Seine Spur f�hrte zu Caine. Er hatte frisches Blut an der Kleidung.�</p><p>�Vielleicht sein eigenes.�</p><p>�Schau ihn dir genauer an � er hat �berhaupt keine Wunden. Ich habe ihm das Genick gebrochen. Nat�rlich fiel mir ein, wo ich seinesgleichen schon mal gesehen hatte. Deshalb habe ich ihn direkt zu dir gebracht. Doch ehe du mir mehr dar�ber erz�hlst, noch eine Kleinigkeit, gewisserma�en die Kr�nung der Sache.� Ich zog die zweite Nachricht aus der Tasche und �bergab sie ihm. �Das Gesch�pf hatte das hier bei sich. Ich vermute, es hatte den Zettel Caine abgenommen.�</p><p>Random las und gab mir das Blatt mit einem Nicken zur�ck.</p><p>�Von dir an Caine, mit der Bitte um ein Treffen. Ja, ich verstehe. �berfl�ssig anzumerken . . .�</p><p>�Ja, �berfl�ssig anzumerken�, fiel ich ihm ins Wort, �da� die Schrift tats�chlich ein bi�chen wie die meine aussieht � jedenfalls auf den ersten Blick.�</p><p>�Ich frage mich, was geschehen w�re, wenn du als erster im W�ldchen eingetroffen w�rst.�</p><p>�Wahrscheinlich gar nichts�, sagte ich. �Lebendig und unter Verdacht � so will man mich offenbar haben. Das Problem bestand darin, uns in der richtigen Reihenfolge dorthin zu holen � und ich habe mich doch nicht ausreichend beeilt, um zu verpassen, was auf mich warten sollte.�</p><p>Er nickte.</p><p>�In Anbetracht des knappen Zeitplans�, sagte er, �mu� es sich um jemanden handeln, der an Ort und Stelle ist, hier im Palast. Hast du zu diesem Punkt irgendwelche Vorstellungen?�</p><p>Ich lachte leise und griff nach meiner Zigarette. Ich z�ndete sie an und setzte mein Lachen fort.</p><p>�Ich bin gerade erst nach Amber zur�ckgekommen. Du bist die ganze Zeit hier gewesen�, sagte ich. �Wer ha�t mich hier zur Zeit am meisten?�</p><p>�Corwin, das ist eine unangenehme Frage�, stellte er fest. �Jeder hat irgend etwas gegen dich. Auf den ersten Blick w�rde ich Julian oben auf die Liste setzen. Doch scheint das hier nicht zu funktionieren.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Er und Caine sind gut miteinander ausgekommen. Das geht schon seit Jahren so. Sie sind f�reinander eingestanden, sind oft zusammen gewesen. Eine ziemlich dicke Freundschaft. Julian ist verschlossen und kleinkr�merisch und so unangenehm wie eh und je. Doch wenn er �berhaupt jemanden mochte, dann Caine. Ich glaube nicht, da� er ihm so etwas angetan h�tte, auch wenn es darum ging, dich zu treffen. Sicher w�ren ihm andere M�glichkeiten eingefallen, wenn es ihm nur darauf angekommen w�re.�</p><p>Ich seufzte. �Wer steht als n�chster auf der Liste?�</p><p>�Keine Ahnung. Ich wei� es wirklich nicht.�</p><p>�Also gut. Was meinst du, wie wird man auf die Sache reagieren?�</p><p>�Du sitzt in der Klemme, Corwin. Alle werden glauben, du h�ttest ihn get�tet, gleichg�ltig, was du sagt.�</p><p>Ich deutete mit einer Kopfbewegung auf den Toten. Random sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das kann genausogut ein armer Bursche sein, den du als S�ndenbock aus den Schatten geholt hast.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Seltsam, meine R�ckkehr nach Amber. Ich traf zum genau richtigen Augenblick ein, um eine g�nstige Ausgangsposition zu erringen.�</p><p>�Einen g�nstigeren Augenblick kann man sich nicht vorstellen�, stimmte mir Random zu. �Um dein Ziel zu erreichen, brauchtest du nicht einmal Eric zu t�ten. Das war ein gro�es Gl�ck f�r dich.�</p><p>�Ja. Dennoch ist es kein gro�es Geheimnis, da� dies genau in meiner Absicht gelegen hat, und es dauert bestimmt nicht lange, bis meine Truppen � schwerbewaffnete Ausl�nder, die hier einquartiert sind � Ressentiments ausl�sen. Nur die drohende Gefahr von au�en hat mich bisher davor bewahrt. Und dann die Dinge, die ich vor meiner R�ckkehr getan haben soll � beispielsweise der Mord an Benedicts Dienstboten. Und jetzt dies . . .�</p><p>�Ja�, sagte Random. �Das habe ich kommen sehen, als du mir davon erz�hltest. Als du und Bleys vor Jahren euren Angriff gegen die Stadt vortrugt, hat G�rard einen Teil der Flotte abkommandiert und euch damit den Weg geebnet. Caine dagegen griff mit seinen Schiffen an und zersprengte eure Streitmacht. Nachdem er nun nicht mehr ist, wirst du vermutlich G�rard zum Befehlshaber der ganzen Flotte machen.�</p><p>�Wen sonst? Er kommt als einziger f�r den Posten in Frage.�</p><p>�Trotzdem . . .�</p><p>�Trotzdem. Zugegeben. Wenn ich jemanden umbringen m��te, um meine Position zu festigen, w�re Caine das logische Opfer. Das ist die einfache und niederschmetternde Wahrheit.�</p><p>�Wie gedenkst du zu handeln?� fragte Random.</p><p>�Ich werde �berall herumerz�hlen, was geschehen ist, und festzustellen versuchen, wer dahintersteckt. Hast du einen besseren Vorschlag?�</p><p>�Ich habe �berlegt, ob es nicht eine M�glichkeit gibt, dir ein Alibi zu verschaffen. Aber das w�re nicht sehr vielversprechend.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. �Dazu stehst du mir zu nahe. Wie gut sich unsere Geschichte auch anh�rt � sie h�tte vermutlich genau die entgegengesetzte Wirkung.�</p><p>�Hast du die M�glichkeit in Betracht gezogen, die Tat zuzugeben?�</p><p>�Ja. Aber Notwehr k�me dabei nicht in Frage. Es mu� ein �berraschungsangriff gewesen sein � die durchgeschnittene Kehle. Und f�r die Alternative fehlt mir der Nerv: irgendwelche Beweise zurechtzuflicken, wonach er etwas �bles im Schilde f�hrte, und zu behaupten, ich h�tte zum Wohle Ambers gehandelt. Ich bin klipp und klar dagegen, unter diesem Aspekt ein falsches Schuldbekenntnis abzulegen. Au�erdem w�rde mir das einen ziemlich �blen Geruch anh�ngen.�</p><p>�Aber auch den Ruf der H�rte.�</p><p>�Doch die falsche H�rte f�r die Art Herrschaft, die ich aus�ben m�chte. Nein, das kommt nicht in Frage.�</p><p>�Damit h�tten wir alle M�glichkeiten durch � so gut wie alle.�</p><p>�Was soll das hei�en � so gut wie alle?�</p><p>Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete Random seinen linken Daumennagel.</p><p>�Nun, ich mu� daran denken, wenn es eine Person gibt, die du gern aus dem Rennen geworfen h�ttest, w�re jetzt der richtige Augenblick f�r die Erkenntnis, da� sich belastendes Material auch weiterreichen l��t.�</p><p>Ich dachte �ber seine Worte nach und dr�ckte meine Zigarette aus.</p><p>�Nicht schlecht�, sagte ich. �Doch im Augenblick kann ich von meinen Br�dern keinen mehr er�brigen � nicht einmal Julian. Au�erdem ist er derjenige, dem so ein Kuckucksei am schwierigsten ins Nest zu legen w�re.�</p><p>�Es braucht ja kein Familienmitglied zu sein�, meinte er. �Es gibt zahlreiche ehrenwerte Amberianer, die ein Motiv haben. Beispielsweise Sir Reginald . . .�</p><p>�Vergi� die Sache, Random! Wir belasten keinen anderen!�</p><p>�Also gut. Damit sind meine kleinen grauen Zellen ersch�pft.�</p><p>�Hoffentlich nicht die, die deine Erinnerung enthalten.�</p><p>�Also sch�n.�</p><p>Er seufzte, reckte sich, stand auf, stieg �ber den dritten Anwesenden und ging zum Fenster. Er zog die Vorh�nge auf und starrte eine Zeitlang hinaus.</p><p>�Also sch�n�, widerholte er. �Es gibt viel zu erz�hlen . . .�</p><p>Und er begann sich laut zu erinnern.</p></section><section><title><p>2</p></title><p>Der Sex steht zwar bei vielen Menschen obenan, doch gibt es so manche anderen Dinge, mit denen man sich zwischendurch auch gern besch�ftigt, Corwin. Bei mir ist es das Schlagzeug, die Fliegerei und das Spielen, wobei die Reihenfolge nicht weiter wichtig ist. Na ja, vielleicht steht das Fliegen � in Gleitern, Ballonen und gewissen anderen Maschinen � ein wenig �ber den anderen T�tigkeiten, doch auch in diesen Bereichen spielt die jeweilige Stimmung eine gro�e Rolle, wie du wei�t. Ich meine, fragtest du mich ein andermal, w�rde ich vielleicht eins der beiden anderen Steckenpferde obenan stellen. Es h�ngt immer davon ab, was man sich im Augenblick am meisten w�nscht.</p><p>Jedenfalls war ich vor einigen Jahren hier in Amber. Ich tat nichts Besonderes, sondern war nur zu Besuch und ging den Leuten auf die Nerven. Zu der Zeit war Vater noch in der Stadt, und als ich eines Tages bemerkte, da� er sich mal wieder in eine seiner miesen Stimmungen hineinsteigerte, kam ich zu dem Schlu�, da� ein Spaziergang angebracht sei. Ein langer Spaziergang. Ich hatte schon oft bemerkt, da� seine Zuneigung mir gegen�ber im umgekehrten Verh�ltnis zu meiner N�he zunahm. Zum Abschied schenkte er mit jedenfalls eine h�bsche Reitgerte � vermutlich um den Proze� der Zuneigung zu beschleunigen. Es war eine wirklich sch�ne Gerte � versilbert und herrlich gestaltet �, und ich gebrauchte sie oft. Ich hatte beschlossen, mir einen kleinen Winkel in den Schatten zu suchen, wo ich ungest�rt meinen schlichten Freuden nachgehen konnte.</p><p>Es war ein langer Ritt � ich m�chte dich nicht mit den Einzelheiten langweilen �, der mich ziemlich weit von Amber fortf�hrte. Diesmal suchte ich nicht nach einem Ort, wo ich eine besondere Stellung besa�. Das wird entweder bald langweilig oder problematisch, je nachdem, wie wichtig man sein m�chte. In diesem Falle wollte ich ein unverantwortlicher Niemand sein und meinen Spa� am Leben haben.</p><p>Texorami ist eine Hafenstadt mit schw�len und langen N�chten, mit viel guter Musik, einem Spielbetrieb, der rund um die Uhr geht, mit Duellen zu jedem Sonnenanfang und auch zwischenzeitlichen Auseinandersetzungen f�r alle, die nicht warten k�nnen. Und die Aufwinde dort sind einfach gro�artig. Ich besa� ein kleines rotes Segelflugzeug, mit dem ich alle paar Tage in den Himmel aufstieg. Ein herrliches Leben! Wenn ich Lust hatte, spielte ich Schlagzeug in einem Kellerlokal am Flu�, wo die W�nde fast ebenso schwitzten wie die G�ste und der Qualm wie milchige Streifen um die Lampen strich. Wenn ich nicht mehr spielen wollte, suchte ich mir andere Unterhaltung � im Bett oder am Kartentisch. Und damit war dann der Rest der Nacht gelaufen. Verdammter Eric! � Ich mu� eben daran denken . . . Er hat mich einmal beschuldigt, falsch zu spielen, wu�test du das? Dabei ist das so etwa die einzige T�tigkeit, bei der ich ehrlich bin. Ich nehme das Kartenspiel ernst. Ich bin ein guter Spieler und habe Gl�ck � und beides traf auf Eric nicht zu. Sein Problem war, da� er zu viele Dinge beherrschte; er wollte nicht einmal vor sich selbst eingestehen, da� es etwas gab, von dem andere mehr verstanden. Wenn man ihn immer wieder besiegte, mu�te man eben betr�gen. Eines Abends fing er deshalb eine laute Auseinandersetzung mit mir an, die ernst h�tte werden k�nnen, wenn G�rard und Caine nicht dazwischengetreten w�ren. Das mu� ich Caine zugestehen � an jenem Abend hat er f�r mich Partei ergriffen. Armer Bursche . . . Ein verdammt unsch�ner Tod . . . Die Kehle . . . Na ja, jedenfalls hielt ich mich in Texorami auf, gab mich mit Musik und Frauen ab, spielte Karten und sauste am Himmel herum. Palmenb�ume und aufgehende Nachtbl�ten. Herrliche Hafenger�che � Gew�rze, Kaffee, Teer, Salz . . . du wei�t schon. Adlige, Kaufleute und Bauern � dieselben Figuren wie an den meisten anderen Orten. Ein Kommen und Gehen von Seeleuten und Reisenden verschiedener Herkunft. Burschen wie ich, die am Rande der Szene lebten. Ich verbrachte zwei gl�ckliche Jahre in Texorami. Eine wirklich gl�ckliche Zeit. Kaum Kontakt mit den anderen. Ab und zu ein gru�karten�hnliches Hallo durch die Tr�mpfe, aber das war so ziemlich alles. In dieser Zeit mu�te ich kaum an Amber denken. Aber das alles �nderte sich eines Abends. Ich sa� gerade mit einem Full House auf der Hand da, und der Bursche auf der anderen Seite des Tisches versuchte sich dar�ber klar zu werden, ob ich bluffte oder nicht.</p><p>Da begann der Karo-Bube pl�tzlich zu mir zu sprechen.</p><p>Ja, so hat es begonnen. Ich war ohnehin in einer ziemlich verr�ckten Stimmung. Ich hatte gerade ein paar gute Spiele durchgebracht und war noch irgendwie in Fahrt. Au�erdem war ich ersch�pft von einem langen Flug w�hrend des Tages und hatte in der Nacht davor nicht besonders viel geschlafen. Ich habe mir sp�ter �berlegt, da� es wohl unser geistiger Appell in Verbindung mit den Tr�mpfen gewesen sein mu�, der mich etwas sehen lie�, sobald mich jemand zu erreichen versuchte, w�hrend ich Spielkarten in der Hand hielt � <emphasis>irgendwelche</emphasis> Spielkarten. Normalerweise empfangen wir solche Nachricht mit leeren H�nden � es sei denn, der Anruf geht von uns aus. Vielleicht lag es an meinem Unterbewu�tsein, das damals irgendwie ersch�pft war und das sich in jenem Augenblick rein gewohnheitsm��ig der vorhandenen Requisiten bediente. Sp�ter jedoch hatte ich Grund, mir das alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.</p><p>Der Bube sagte: �Random.� Dann verschwamm sein Gesicht, und er sagte: �Hilf mir!� Allm�hlich begann ich zu sp�ren, welche Pers�nlichkeit dahintersteckte, doch der Eindruck war nur vage. Der ganze Impuls war sehr schwach. Schlie�lich formte sich das Gesicht von neuem, und ich erkannte, da� ich recht gehabt hatte. Es war Brand. Er sah ziemlich �bel aus und schien irgendwo festgebunden oder angekettet zu sein. �Hilf mir!� sagte er noch einmal.</p><p>�Ich bin hier�, sagte ich. �Was ist los?�</p><p>�. . . Gefangener . . .�, sagte er, und dann noch etwas, das ich nicht verstehen konnte.</p><p>�Wo?� wollte ich wissen.</p><p>Daraufhin sch�ttelte er den Kopf. �Kann dich nicht holen�, sagte er. �Ich habe keine Tr�mpfe und bin zu schwach. Du mu�t auf dem langen Wege kommen . . .�</p><p>Ich fragte ihn nicht, wie er die Verbindung ohne meinen Trumpf hergestellt hatte. Es schien mir wichtiger, seinen Aufenthaltsort zu erfahren. Ich fragte ihn, wie ich ihn ausfindig machen k�nnte.</p><p>�Schau genau her�, sagte er. �Erinnere dich an jede Einzelheit. Vielleicht kann ich dir das Bild nur einmal durchgeben. Und bring deine Waffen mit . . .�</p><p>Dann sah ich die Landschaft � �ber seine Schulter, eingerahmt von einem Fenster, �ber einer Befestigung � ich wei� es nicht genau. Es war ein Ort, weit von Amber entfernt, in einer Gegend, wo die Schatten verr�ckt zu spielen beginnen. Weiter entfernt, als mir lieb ist. Eine �de Welt, mit unruhig wechselnden Farben. Flammenzuckend. Ein sonnenloser Tag. Felsen, die wie Segelschiffe �ber das Land glitten. Brand in einer Art Turm � ein winziger Punkt der Stabilit�t in einer flie�enden Szene. Ich erinnerte mich hinterher ganz deutlich daran, wie er es von mir verlangt hatte. Und ich erinnerte mich an das Gesch�pf, das sich um den Fu� des Turms geringelt hatte. Ein prismatisch schimmerndes Gebilde. Offenbar eine Art Wachwesen � zu hell, um die Umrisse zu erkennen, um die wahre Gr��e zu erraten. Dann verging alles, wie ausgeknipst. Und ich sa� da und starrte auf den Karo-Buben, und die Burschen auf der anderen Seite des Tisches wu�ten nicht, ob sie sich �ber mein langes Schweigen aufregen oder sich Sorgen machen sollten, da� ich wom�glich einen Anfall erlitten hatte.</p><p>Ich brachte mein Spiel durch und ging nach Hause. Sp�ter lag ich ausgestreckt auf meinem Bett, rauchte eine Zigarette und �berlegte. Als ich Amber verlassen hatte, war Brand noch dort gewesen. Als ich mich jedoch sp�ter nach ihm erkundigte, wu�te niemand so recht, wo er steckte. Er hatte eine seiner melancholischen Phasen gehabt, hatte sich eines Tages daraus gel�st und war fortgeritten. Und das war alles. Keine Nachrichten � gut oder schlecht. Er reagierte einfach nicht, er teilte nichts �ber sich mit.</p><p>Ich versuchte das Problem von allen Seiten zu beleuchten. Brand war schlau, verdammt schlau. Vermutlich der intelligenteste in der Familie. Er steckte in der Klemme und hatte mich gerufen. Eric und G�rard waren k�mpferischer veranlagt als ich und h�tten sich �ber das Abenteuer bestimmt gefreut. Caine w�re vermutlich aus Neugier losgezogen; Julian, um sich �ber uns andere zu erheben und bei Vater Pluspunkte zu sammeln. Brand h�tte sich auch � und das w�re das einfachste gewesen � direkt an Vater wenden k�nnen. Vater h�tte dann schon die n�tigen Schritte unternommen. Doch er hatte sich mit mir in Verbindung gesetzt. Warum?</p><p>Mir kam der Gedanke, da� vielleicht einer oder mehrere Br�der f�r seine Lage verantwortlich waren. Wenn Vater ihn beispielsweise offen beg�nstigt hatte . . . Nun ja. Du wei�t, wie so etwas geht. Eliminiere das Eindeutige. Wenn er zu Vater gekrochen w�re, h�tte er wie ein Schw�chling ausgesehen.</p><p>Ich unterdr�ckte also meinen Impuls, Verst�rkung zu holen. Er hatte <emphasis>mich</emphasis> gerufen, und es war durchaus m�glich, da� ich seinen Tod besiegelte, wenn ich in Amber bekanntwerden lie�, da� er seinen Notruf durchbekommen hatte. Also gut. Was war f�r mich dabei zu gewinnen?</p><p>Wenn es um die Nachfolge ging und er wirklich der erste Anw�rter war, konnte es mir nur n�tzen, bei ihm in Gunst zu stehen. Und wenn nicht . . . Dann gab es alle m�glichen anderen M�glichkeiten. Vielleicht war er auf dem R�ckweg auf etwas gesto�en, etwas, das zu wissen sich lohnen mochte. Neugierig stimmte mich auch die Methode, mit der er die Tr�mpfe umgangen hatte. Gewisserma�en war es also die Neugier, die mich dazu trieb, den Versuch der Rettung allein zu unternehmen.</p><p>Ich staubte meine Tr�mpfe ab und versuchte mich mit ihm in Verbindung zu setzen. Doch ich erhielt keine Antwort. Ich schlief mich erst einmal aus und versuchte es am n�chsten Tag noch einmal. Wieder nichts. Also gut � l�ngeres Warten hatte keinen Sinn mehr.</p><p>Ich sch�rfte mein Schwert, g�nnte mir ein gutes Fr�hst�ck und zog widerstandsf�hige Kleidung an. Au�erdem nahm ich eine dunkle Polaroidbrille mit. Nat�rlich wu�te ich nicht, wie sich die Gl�ser dort auswirken w�rden, aber das Wachwesen war mir �beraus hell vorgekommen, und es schadet nie, zus�tzliche Schutzmittel auszuprobieren, wenn man rechtzeitig daran denkt. �brigens nahm ich auch eine Feuerwaffe mit. Ich hatte das Gef�hl, als w�rde mir das Ding dort nicht viel n�tzen, und damit behielt ich recht. Aber wie gesagt, so etwas wei� man erst, wenn man es ausprobiert.</p><p>Die einzige Person, von der ich mich verabschiedete, war ein Schlagzeuger, dem ich vor dem Abflug mein Instrument �bergab. Ich wu�te, da� er gut darauf achtgeben w�rde.</p><p>Dann marschierte ich zum Hangar hinaus, machte das Segelflugzeug startbereit, stieg auf und suchte mir den richtigen Wind. Dies schien mir die beste Methode zu sein.</p><p>Ich wei� nicht, ob du schon einmal durch die Schatten geflogen bist, aber . . . Nein?</p><p>Nun, ich steuerte aufs Meer hinaus, bis das Land nur noch eine vage Linie im Norden war. Dann lie� ich das Wasser unter mir kobaltblau werden, lie� es emporsteigen und die gischtspr�henden B�rte seiner Wogen sch�tteln. Der Wind schlug um. Ich machte kehrt. Unter einem dunkler werdenden Himmel flog ich mit den Wogen um die Wette in Richtung K�ste. Texorami war verschwunden, als ich an die Flu�m�ndung zur�ckkehrte; statt dessen breitete sich dort ein endloser Sumpf aus. Ich lie� mich von den Luftstr�mungen landeinw�rts treiben und �berquerte immer wieder den Flu� an neuen Windungen und Kurven, die er sich zugelegt hatte. Verschwunden waren die Hafenanlagen, die Stra�en, der Verkehr. Die B�ume ragten hoch auf.</p><p>Wolken ballten sich im Westen zusammen, rosarot, perlmutterfarben, gelb. Die Sonne wechselte von orange zu rot zu gelb. Du sch�ttelst den Kopf? Die Sonne war der Preis der St�dte, wei�t du. Hastig entv�lkere ich . . . oder besser gesagt, ich gehe die Route der Elemente. Aus dieser H�he h�tten Dinge von Menschenhand mich nur abgelenkt. Schraffur und Beschaffenheit werden von entscheidender Bedeutung. Das meinte ich, als ich sagte, da� der Schattenflug doch etwas anders sei als die normale Expedition in die Schatten.</p><p>Also, ich hielt nach Westen, bis die W�lder von gr�nen Fl�chen abgel�st wurden, die schnell blasser wurden, ausliefen, in braune und gelbe Gebiete aufbrachen. Hell und kr�melig, dann fleckig. Der Preis hierf�r war ein Sturm. Ich ritt ihn ab, so lange ich konnte, bis die Blitze in der N�he niederzuckten und ich Angst bekam, die Windst��e k�nnten zuviel werden f�r das kleine Segelflugzeug. Nun spielte ich den Sturm schnell herab, doch die Folge war mehr Gr�n unter mir. Trotzdem lie� ich das Unwetter schlie�lich hinter mir, eine gelbe Sonne sicher in meinem R�cken. Nach einer Weile holte ich die W�ste unten zur�ck, kahl und von D�nen geriffelt.</p><p>Dann schrumpfte die Sonne, und Wolkenfetzen zogen rasch vor ihrem Gesicht vorbei, l�schten es St�ck f�r St�ck aus. Dies war die Abk�rzung, die mich weiter von Amber fortf�hrte denn je.</p><p>Nun gab es keine Sonne mehr, doch das Licht blieb, nicht minder hell, doch irgendwie unheimlich, diffus. Es t�uschte das Auge, es verwirrte den Blick f�r die Perspektive. Ich ging tiefer hinab, beschr�nkte mein Sehfeld. Nach kurzer Zeit kamen riesige Felsbrocken in Sicht, und ich bem�hte mich um die Umrisse, an die ich mich erinnerte. Allm�hlich kam es dazu.</p><p>In diesen Verh�ltnissen war der lebhafte, flie�ende Effekt leichter zu erzeugen, doch die Aufrechterhaltung war physisch belastend. Sie erschwerte die Beurteilung der Flugzeugbewegungen. Ich kam tiefer, als ich es f�r m�glich gehalten hatte, und w�re fast mit einem Felsen zusammengesto�en. Doch endlich hob sich der Qualm, und Flammen tanzten empor, so wie ich es in Erinnerung hatte; dabei wurde kein bestimmtes Schema eingehalten, sondern sie kamen da und dort aus Rissen, L�chern, H�hlen�ffnungen. Die Farben begannen ihr wirres Spiel, wie ich es w�hrend des kurzen Kontakts erlebt hatte. Dann begann die eigentliche Bewegung der Felsen � dahintreibend, segelnd, wie ruderlose Boote an einem Ort, da Regenbogen ausgewrungen werden.</p><p>Inzwischen waren die Luftstr�mungen v�llig aus dem H�uschen geraten. Ein Aufwind nach dem anderen, wie Kamine. Ich k�mpfte mit ihnen nach besten Kr�ften, wu�te aber, da� ich in dieser H�he nicht lange die Oberhand behalten konnte. Ich stieg ein gutes St�ck empor und verga� eine Zeitlang alles andere, w�hrend ich mein Flugger�t im Gleichgewicht zu halten suchte. Als ich wieder nach unten blickte, hatte ich den Eindruck, eine Regatta schwarzer Eisberge zu beobachten. Die Felsen zogen einher, stie�en zusammen, wichen voreinander zur�ck, kollidierten erneut, gerieten ins Kreiseln, scherten aus �ber freie Fl�chen, passierten sich gegenseitig. Dann wurde ich herumgebeutelt, in die Tiefe gedr�ckt, wieder hochgesaugt � und ich sah, wie eine Strebe brach. Ich nahm eine letzte Korrektur an den Schatten vor und schaute noch einmal hinab. In der Ferne war der Turm aufgetaucht, ein Gebilde heller als Eis oder Aluminium lag um den Fu� des Bauwerks.</p><p>Die letzte Korrektur besiegelte mein Schicksal. Das erkannte ich, als sich der Wind besonders unangenehm bemerkbar zu machen begann. Mehrere Seile rissen, und ich war auf dem Weg nach unten � als w�rde ich von einem Wasserfall mitgerissen. Ich zog die Nase des Flugzeugs hoch, versuchte einen langen Anflug, sah die Stelle, an der ich aufkommen w�rde, und sprang im letzten Augenblick ab. Der Segler wurde von einem der herumsausenden Felsen zermalmt � und das machte mir im ersten Augenblick mehr zu schaffen als die Schnitte, Absch�rfungen und Prellungen, die ich mir bei meinem Sturz holte.</p><p>Schon im n�chsten Augenblick mu�te ich sehr schnell reagieren, denn ein Berg kurvte auf mich zu. Wir wichen beide zur Seite aus � zum Gl�ck in unterschiedliche Richtungen. Ich hatte keine Ahnung, was diese Gebilde in Gang hielt, und vermochte zuerst auch kein System hinter ihren Bewegungen zu erkennen. Der Boden unter meinen F��en schwankte zwischen warm und ausgesprochen hei�, und mit dem Rauch und den gelegentlichen Flammenzungen wallten aus zahlreichen Boden�ffnungen stinkende Gase empor. Ich hastete auf den Turm zu, wobei ich notgedrungen einen ziemlich gewundenen Weg w�hlte.</p><p>Es dauerte lange, bis ich die Strecke zur�ckgelegt hatte. Wie lange ich genau brauchte, wei� ich nicht, da ich keine M�glichkeit hatte, die Zeit zu messen. Doch begannen mir einige interessante Wiederholungen aufzufallen. Erstens bewegten sich die gro�en Felsen schneller als die kleinen. Zweitens schienen sich die Gebilde zu umkreisen � Kreise in Kreisen in Kreisen �, die gr��eren um die kleineren, wobei kein Stein jemals stillstand. Vielleicht ging die Ur-Bewegung von einem Staubkorn oder einem einzigen Molek�l aus � irgendwo. Ich hatte weder Zeit noch Lust f�r den Versuch, das Zentrum dieser Maschinerie zu bestimmen. Dennoch setzte ich meine Beobachtungen unterwegs fort und vermochte sogar etliche Kollisionen ein gutes St�ck im voraus zu bestimmen.</p><p>So erreichte denn Jung-Random das d�stere Gem�uer, die Pistole in der einen, das Schwert in der anderen Hand. Die Brille hing mir um den Hals. Bei all dem Rauch und der verwirrenden Beleuchtung gedachte ich sie erst aufzusetzen, wenn es absolut erforderlich war.</p><p>Wo immer der Grund liegen mochte � jedenfalls wichen die Felsen dem Turm aus. Zuerst schien er mir auf einer Anh�he zu stehen, doch ich erkannte beim N�herkommen, da� man wohl eher sagen mu�te, die Felsen h�tten unmittelbar davor eine enorme Senke ausgeschabt. Von meiner Seite vermochte ich nicht zu entscheiden, ob das Ergebnis einer Insel oder Halbinsel gleichkam.</p><p>Ich rannte durch Rauch und Ger�ll und wich den Flammenzungen aus, die aus Rissen und L�chern emporz�ngelten. Schlie�lich krabbelte ich den Hang hinauf und l�ste mich damit aus dem Gewirr der wandernden Felsen. Mehrere Minuten lang verweilte ich unten am Hang an einer Stelle, die vom Turm aus nicht eingesehen werden konnte. Ich �berpr�fte meine Waffen, brachte meinen Atem wieder unter Kontrolle und setzte die Brille auf. Dann schwang ich mich �ber die Kante und duckte mich nieder.</p><p>Ja, die Brille funktionierte. Und � ja, das Ungeheuer wartete bereits auf mich.</p><p>Es bot einen f�rchterlichen Anblick, obwohl es in gewisser Weise sogar sch�n zu nennen war. Es hatte einen gewaltigen Echsenleib und einen Kopf, breit wie ein m�chtiger Vorschlaghammer, der zur Schnauze hin spitz zulief. Augen von einem besonders hellen Gr�n. Das Gesch�pf war durchsichtig wie Glas, auf dem schwache Linien einen Schuppenpanzer anzudeuten schienen. Die Fl�ssigkeit, die durch seine Adern flo�, war ebenfalls ziemlich klar. Man konnte geradewegs in das Gesch�pf hineinblicken und seine Organe ausmachen, die milchig-wolkig wirkten. Man war fast in Versuchung, hinzustarren, wie dieser ungeheure Organismus funktionierte, und sich dadurch vom Eigentlichen ablenken zu lassen. Das Gesch�pf besa� an Kopf und Hals eine dichte M�hne, die an Glasfaserb�schel erinnerte. Als es mich erblickte, hob es den Kopf und glitt auf mich zu � auf den ersten Blick wirkte es wie ein Strom, wie dahinflie�endes Wasser, wie ein Flu� ohne Ufer. Was mich jedoch fast erstarren lie�, war die Tatsache, da� ich dem Ding in den Magen sehen konnte. Darin lag ein teilweise verdauter Mensch!</p><p>Ich hob die Pistole, zielte auf eins der Augen und dr�ckte ab. Doch das Ding funktionierte nicht. Ich warf die Pistole fort, sprang nach links, n�herte mich dem Wesen von seiner rechten Seite und hieb mit der Klinge nach seinem Auge.</p><p>Du wei�t selbst, wie schwierig der Kampf gegen reptilienhafte Wesen ist. Ich hatte mich blitzschnell f�r den Versuch entschieden, das Ungeheuer zun�chst zu blenden und ihm die Zunge abzuschneiden. Da ich nicht unbedingt langsam auf den F��en war, hatte ich anschlie�end vielleicht Gelegenheit, ein paar Schl�ge am Kopf anzubringen, bis sich der Hals durchtrennen lie�. Dann konnte sich das Ding meinetwegen ineinander verknoten, bis alles vorbei war. Ich hegte die Hoffnung, da� es sich nach seiner letzten Mahlzeit noch einigerma�en schwerf�llig bewegen w�rde.</p><p>Doch wenn das Wesen jetzt schwerf�llig reagierte, war ich froh, da� ich nicht vor seiner Mahlzeit gekommen war. Es wich meiner Klinge geschickt aus und zuckte mit dem Kopf vor, noch w�hrend ich aus dem Gleichgewicht war. Die m�chtige Schnauze streifte meine Brust, und ich hatte das Gef�hl, von einem riesigen Hammer getroffen zu werden. R�cklings ging ich zu Boden.</p><p>Ich rollte mich seitlich ab, um au�er Reichweite zu kommen, und rappelte mich am Rande der Anh�he wieder auf. Das Gesch�pf entspannte sich wieder, zerrte einen Gutteil seines K�rpers in meine Richtung, richtete sich auf und neigte von neuem den Kopf in meine Richtung, etwa f�nfzehn Fu� �ber mir.</p><p>Ich wei� durchaus, da� G�rard diesen Augenblick f�r einen Angriff gew�hlt h�tte. Der gro�gewachsene Kerl w�re mit seiner Riesenklinge losgest�rmt und h�tte das Wesen in zwei H�lften zerhauen. Die Teile w�ren wahrscheinlich �ber ihn gefallen und h�tten sich auf ihm herumgewunden, was ihm ein paar Prellungen und vielleicht eine blutige Nase eingebracht h�tte. Benedict dagegen h�tte das Auge nicht verfehlt. Er h�tte wahrscheinlich l�ngst beide Augen in der Tasche gehabt und mit dem Kopf Fu�ball gespielt. Aber diese beiden sind eben echte Helden. Ich � ich stand einfach da mit erhobener Klingenspitze, beide H�nde um den Griff gelegt, die Ellenbogen in die H�ften gestemmt, den Kopf zur�ckgeneigt so weit es ging. Ich w�re viel lieber geflohen und h�tte die ganze Sache sausen lassen. Nur wu�te ich, da� der Kopf gleich niederzucken und mich zermahnen w�rde, wenn ich das versuchte.</p><p>Schreie aus dem Turm lie�en erkennen, da� man mich entdeckt hatte, doch ich war nicht willens, den Kopf zu drehen, um nachzuschauen, was dort geschah. Dann begann ich das Gesch�pf zu verfluchen. Ich wollte, da� es endlich zuschlug, da� es die Sache zu Ende brachte, so oder so.</p><p>Als es schlie�lich handelte, zog ich die Beine an, drehte den K�rper herum und richtete die Schwertspitze voll auf mein Ziel.</p><p>Der Schlag lahmte einen Teil meiner linken Flanke, und ich hatte das Gef�hl, ein gutes St�ck unangespitzt in den Boden getrieben worden zu sein. Irgendwie gelang es mir, auf den F��en zu bleiben. Ja, ich hatte alles richtig hinbekommen. Das Man�ver war genauso abgelaufen, wie ich gehofft und geplant hatte.</p><p>Bis auf das Ungeheuer; es machte leider nicht mit. Die erwarteten Todeszuckungen blieben aus.</p><p>Im Gegenteil, es machte Anstalten, sich zu erheben!</p><p>Und dabei nahm es noch mein Schwert mit! Der Griff steckte in der linken Augenh�hle, die Spitze ragte als weiterer Stachel aus der M�hne am Hinterkopf. Ich hatte das Gef�hl, da� die angreifende Mannschaft geliefert war.</p><p>In diesem Augenblick erschienen Gestalten in einer �ffnung am Fu�e des Turms. Sie sahen h��lich aus und waren bewaffnet, und ich hatte das Gef�hl, da� sie nicht gerade auf meiner Seite standen.</p><p>Also gut � ich wei�, wenn es Zeit wird, die Zelte abzubrechen und auf ein anderes und besseres Spielchen zu hoffen.</p><p>�Brand!� br�llte ich. �Hier Random! Ich komme nicht durch! Tut mir leid!�</p><p>Dann machte ich kehrt, lief los und sprang �ber den Rand in jene Welt hinab, da die Felsen ihre verwirrenden Bahnen zogen. Ich �berlegte noch, ob ich mir f�r meinen Abstieg wirklich die beste Zeit ausgesucht hatte.</p><p>Wie es oft der Fall ist, lautete die Antwort ja und nein.</p><p>Es war ein Sprung, wie ich ihn nur aus Gr�nden tun m�chte, die in jenem Augenblick mich dazu zwangen. Als ich unten auftraf, war ich noch am Leben � doch das war auch schon alles, was sich �ber meinen Zustand sagen lie�. Ich war bet�ubt, und eine Zeitlang hatte ich das Gef�hl, mir beide Kn�chel gebrochen zu haben.</p><p>Was mich wieder zu mir brachte, war ein Schurren von oben; es folgte ein Prasseln von Steinen ringsum. Als ich meine Brille wieder auf die Nase geschoben hatte und den Kopf hob, erkannte ich, da� sich das Ungeheuer entschlossen hatte, mir den Garaus zu machen. Es wand sich wie ein Phantom die Schr�ge herab. Das Gebiet um seine Kopfwunde war inzwischen erheblich undurchsichtig geworden.</p><p>Ich richtete mich auf und kniete mich hin. Ich belastete pr�fend mein Fu�gelenk, hielt aber den Schmerz nicht aus. Ich entdeckte nichts, das sich als Kr�cke verwenden lie�. Na gut. Also kriechen. Ich begann zu kriechen. Ich floh. Was konnte ich anderes tun? Ich mu�te einen m�glichst gro�en Vorsprung herausholen und dabei angestrengt nachdenken.</p><p>Meine Rettung war ein Felsen � einer der kleineren, langsameren Brocken, etwa so gro� wie ein Kombiwagen. Als ich das Ding n�herkommen sah, wurde mir klar, da� ich hier ein ideales Bef�rderungsmittel hatte, wenn ich den Stein nur irgendwie besteigen konnte. Vielleicht war ich dort oben sogar einigerma�en sicher. Die wirklich gro�en und schnellen Felsen schienen am meisten herumgesto�en zu werden.</p><p>Unter diesem Aspekt beobachtete ich die gro�en Brocken, die meinen Stein begleiteten, sch�tzte ihre Kurse und Geschwindigkeiten ab, versuchte die Bewegung des ganzen Systems vorauszuberechnen und bereitete mich auf den entscheidenden Augenblick, die entscheidende Anstrengung vor. Ich achtete auf das Ungeheuer, h�rte die Schreie der M�nner vom H�gel und fragte mich, ob wohl eine der Gestalten dort oben auf mich setzte, und wenn ja, welche Chancen er mir einr�umte.</p><p>Als der richtige Augenblick da war, setzte ich mich in Bewegung. An dem ersten gro�en Brocken kam ich problemlos vorbei, mu�te dann aber auf das Vorbeirutschen des zweiten warten. Beim dritten und letzten gro�en Stein ging ich das Risiko ein, vor ihm vorbeizukriechen; es blieb mir auch gar nichts anderes �brig, wenn ich mein Ziel erreichen wollte.</p><p>Ich schaffte es im rechten Augenblick bis zur richtigen Stelle, hielt mich an Kanten fest, die ich mir vorher ausgesucht hatte, und wurde etwa zwanzig Fu� weit mitgeschleift, ehe ich mich vom Boden hochziehen konnte. Dann zog ich mich auf den harten R�cken des Brockens hinauf, blieb dort ausgestreckt liegen und schaute zur�ck.</p><p>Es war knapp gewesen � und noch immer war ich nicht au�er Gefahr, denn das Ungeheuer hielt Schritt, wobei sein gesundes Auge den kreiselnden Bewegungen der gro�en Steine aufmerksam folgte.</p><p>Von oben h�rte ich einen Aufschrei der Entt�uschung. Dann begannen die Kerle den Hang herabzurutschen, wobei sie Rufe ausstie�en, mit denen sie wohl das Ungeheuer anfeuern wollten. Ich massierte mein Fu�gelenk und versuchte mich zu entspannen. Das Ungeheuer wagte den entscheidenden Schritt hinter dem ersten gro�en Felsen, der eine weitere Umlaufbahn vollendete.</p><p>Wie weit konnte ich mich durch die Schatten schieben, ehe es mich erreichte? Ich wu�te es nicht genau. Gewi�, hier gab es st�ndig Bewegung, eine dauernde Ver�nderung der Umgebung . . .</p><p>Das Ungeheuer wartete auf den zweiten Felsen, glitt dahinter vorbei, verfolgte mich erneut, kam n�her.</p><p><emphasis>Schatten, Schatten, flugs herbei . . .</emphasis></p><p>Die M�nner hatten inzwischen fast den Fu� des Hangs erreicht. Das Monstrum wartete auf die passende L�cke, auf die Chance, den inneren und letzten Satelliten zu �berwinden � gleich mu�te es soweit sein. Ich wu�te, es vermochte sich weit genug aufzurichten, um mich von meiner hohen Warte zu zerren.</p><p><emphasis>Zerdr�ck das wilde Biest zu Brei!</emphasis></p><p>W�hrend ich so dahingewirbelt wurde, bekam ich pl�tzlich den Stoff, aus dem die Schatten sind, in den Griff, lie� mich darin versinken, arbeitete mit den Geweben, von m�glich zu wahrscheinlich zu tats�chlich, sp�rte sie mit leiser Drehung lebendig werden, gab ihnen im richtigen Augenblick den notwendigen Sto� . . .</p><p>Nat�rlich kam das Ding von der Seite, auf der das Ungeheuer nicht sehen konnte. Ein gewaltiger Felsen, der wie au�er Kontrolle dahinwirbelte . . .</p><p>Es w�re eleganter gewesen, das Gesch�pf zwischen zwei Brocken zu zerdr�cken. Doch f�r solche Feinheiten hatte ich keine Zeit. Ich �berfuhr das Gesch�pf einfach und lie� es zappelnd im Granitverkehr liegen.</p><p>Doch wenige Sekunden sp�ter erhob sich der zermalmte K�rper und stieg in die Luft empor. Immer weiter entfernte er sich, durchgesch�ttelt von Winden, wurde immer kleiner und war schlie�lich verschwunden.</p><p>Mein Felsen trug mich langsam und gleichm��ig davon. Das ganze Umweltmuster trieb dahin. Die Burschen aus dem Turm steckten die K�pfe zusammen und fa�ten den Entschlu�, mich zu verfolgen. Sie entfernten sich vom Hang und begannen sich �ber die Ebene zu bewegen. Aber das war eigentlich kein Problem. Ich gedachte mein steinernes Reittier durch die Schatten zu f�hren, gedachte ganze Welten zwischen sie und mich zu legen. Dies war entschieden die leichteste Methode f�r mich. Zweifellos w�ren sie viel schwieriger zu �berraschen gewesen als das Ungeheuer. Schlie�lich war dies ihr Land; sie waren auf der Hut und gesund.</p><p>Ich nahm die Brille ab und �berpr�fte noch einmal mein Fu�gelenk. Ich richtete mich sogar einen Augenblick lang auf. Der Fu� schmerzte, trug aber mein Gewicht. Wieder legte ich mich hin und besch�ftigte mich in Gedanken mit den Ereignissen der letzten Minuten. Ich hatte mein Schwert verloren und war wirklich nicht mehr in Hochform. Anstatt das Unternehmen mit diesem Handicap fortzusetzen, war es das kl�gste und sicherste, schleunigst zu verschwinden. Ich hatte ausreichend Kenntnisse �ber �rtlichkeit und Verh�ltnisse gesammelt, da� meine Chancen beim n�chstenmal wesentlich besser standen. Nun denn . . .</p><p>Der Himmel �ber mir wurde heller; die Farben und Schatten verloren etwas von ihrer willk�rlichen, wechselhaften Art. Die Flammen ringsum begannen schw�cher zu werden. Gut. Wolken begannen sich �ber den Himmel zu tasten. Ausgezeichnet. Nach kurzer Zeit machte sich ein begrenzter Schimmer hinter einer Wolkenbank bemerkbar. Hervorragend. Wenn sich die Wolken verzogen, w�rde endlich wieder eine Sonne am Himmel stehen.</p><p>Ich schaute zur�ck und stellte zu meiner �berraschung fest, da� ich noch immer verfolgt wurde. Doch es konnte durchaus sein, da� ich nicht richtig mit der hiesigen Entsprechung f�r dieses St�ck Schatten umgegangen war. Bei aller Eile ist es niemals ratsam, davon auszugehen, man habe an alles gedacht. Also . . .</p><p>Ich leitete eine neue Verschiebung ein. Der Felsbrocken �nderte langsam seinen Kurs, ver�nderte seine Form, verlor seine Satelliten, bewegte sich nun geradeaus in einer Richtung, die sich mit der Zeit als Westen herauskristallisierte. �ber mir l�sten sich die Wolken auf, und eine helle Sonne schien herab. Wir nahmen an Geschwindigkeit zu. Und damit h�tte alles erledigt sein sollen. Ich war nun wirklich an einem anderen Ort.</p><p>Aber die Sache war beileibe nicht in Ordnung. Als ich wieder zur�ckschaute, sa�en sie noch immer auf meiner Spur! Zwar hatte ich einen Vorsprung herausgeholt, doch die Gruppe marschierte zielstrebig hinter mir her.</p><p>Na sch�n. So etwas passiert eben manchmal. Es gab zwei M�glichkeiten. Da mein Verstand von den Ereignissen noch ziemlich mitgenommen war, hatte ich nicht gut gearbeitet und sie mitgezogen. Oder ich hatte eine Konstante aufrechterhalten, wo ich eine Variable h�tte unterdr�cken m�ssen � das hei�t, ich hatte mich an einen Ort versetzen lassen und im Unterbewu�tsein verlangt, da� das Verfolgungselement bleiben sollte. Also andere Burschen, die aber dennoch auf mich Jagd machten.</p><p>Wieder rieb ich mir das Fu�gelenk. Die Sonne nahm langsam einen orangeroten Schimmer an. Ein Nordwind errichtete einen Schirm aus Staub und Sand hinter mir und lie� die Bande meinen Blicken entschwinden. Ich zog weiter gen Westen, wo inzwischen eine Bergkette emporgewachsen war. Die Zeit war in einer verzerrten Phase. Mein Fu� f�hlte sich schon etwas besser an.</p><p>Ich ruhte mich eine Zeitlang aus. Mein Felsen war einigerma�en bequem, soweit man das �berhaupt von einem Felsen behaupten kann. Sinnlos, einen H�llenritt zu beginnen, wenn alles einwandfrei zu klappen scheint. Ich streckte mich aus, verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf und sah die Berge n�herkommen. Ich dachte an Brand und den Turm. Ich war am richtigen Ort gewesen. Es hatte alles so ausgesehen, wie er es mir w�hrend unseres kurzen Kontakts gezeigt hatte. Bis auf die W�chter nat�rlich. Ich kam zu dem Schlu�, da� ich durch den richtigen Schatten abk�rzen, mir eine Kohorte meiner Leute zusammenstellen und zur�ckkehren mu�te, um es diesen Burschen zu zeigen. Ja, dann w�rde alles in Ordnung sein . . .</p><p>Nach einer Weile streckte ich mich aus, rollte auf den Bauch und blickte zur�ck. Verdammt! Sie folgten mir ja noch immer! Sie hatten sogar aufgeholt!</p><p>Nat�rlich begann ich mich aufzuregen. Zum Teufel mit der Flucht! Sie forderten mich ja geradezu heraus � es wurde Zeit, da� ihnen der Wunsch gew�hrt wurde!</p><p>Langsam schwang der Felsen aus der geraden Bahn, begann eine Kurve nach rechts zu beschreiben. Die Biegung wurde immer enger, bis der Stein schlie�lich direkt auf meine Verfolger zuraste, wobei sich meine Geschwindigkeit allm�hlich erh�hte. Ich hatte keine Zeit, hinter mir ein Unwetter zu entfesseln, obwohl das sicher eine h�bsche kleine Zutat gewesen w�re.</p><p>Als ich mich auf sie st�rzte � es waren etwa zwei Dutzend �, liefen sie klugerweise auseinander. Einige von ihnen schafften es dennoch nicht und wurden zermalmt. Ich lie� den Stein durch eine zweite Kurve schwingen und kehrte so schnell wie m�glich zur�ck.</p><p>Dabei schockierte mich der Anblick mehrerer Leichen, die sich bluttriefend in die Luft erhoben; zwei schwebten schon ziemlich hoch �ber mir.</p><p>Beim zweiten Anflug hatte ich die Gruppe schon fast erreicht, als ich bemerkte, da� einige M�nner w�hrend der ersten Attacke an Bord gesprungen waren. Der erste, der sich �ber die Kante schwingen konnte, zog prompt seine Klinge und bedr�ngte mich. Ich blockte ihn ab, schlug ihm die Waffe aus der Faust und schleuderte ihn in die Tiefe. Dabei bemerkte ich zum erstenmal den Dorn auf den Handr�cken dieser Wesen, denn mit dieser Spitze hatte es mir eine Verletzung beigebracht.</p><p>Inzwischen war ich zum Ziel mehrerer seltsam geformter Wurfgeschosse von unten geworden, und zwei weitere Gegner schwangen sich �ber den Rand; es sah so aus, als h�tten sich noch mehr an den Felsen h�ngen k�nnen.</p><p>Nun, selbst Benedict weicht zuweilen zur�ck. Ich hatte den �berlebenden wenigstens eine Lektion erteilt.</p><p>Ich lie� die Schatten fahren, zog mir ein Stachelrad aus der Flanke, ein zweites aus dem Schenkel, hackte einem Burschen den Schwertarm ab und trat ihn in den Bauch, ging in die Knie, um einem wilden Hieb des n�chsten Angreifers auszuweichen und schlug ihm meine Riposte quer vor die Beine. Auch er st�rzte ab.</p><p>Aber f�nf weitere waren auf dem Weg nach oben. Wir segelten wieder einmal nach Westen und lie�en vielleicht ein Dutzend �berlebende zur�ck, die sich im Sand hinter mir neu formieren konnten, dar�ber ein Himmel voller tropfender treibender Gebilde.</p><p>Beim n�chsten Gegner war ich im Vorteil, weil ich ihn angreifen konnte, ehe er voll herauf geklettert war. Soviel zu ihm, da waren�s nur noch vier.</p><p>Doch w�hrend ich ihn erledigte, hatten sich drei weitere gleichzeitig an verschiedenen Stellen aufgerichtet.</p><p>Ich st�rmte dem n�chsten entgegen und t�tete ihn, doch die beiden anderen �berbr�ckten die Entfernung und fielen �ber mich her, als ich noch am Werk war. W�hrend ich mich ihres Angriffs erwehrte, kam der letzte auf den Felsen geklettert und fiel ebenfalls �ber mich her.</p><p>Sie waren nicht gerade Meisterk�mpfer, doch es wurde knapp: ich sah mich von ziemlich vielen Spitzen und Schneiden bedr�ngt. Ich blieb in Bewegung, parierte immer wieder und versuchte zu erreichen, da� sie sich gegenseitig behinderten. Darin hatte ich zum Teil Erfolg, und als ich sie in der g�nstigsten Position hatte, die ich f�r m�glich hielt, attackierte ich, wobei ich einige Blessuren riskierte � ich mu�te mir eine kleine Bl��e geben, um das Man�ver �berhaupt m�glich zu machen �, doch vermochte ich daf�r einem der Kerle den Sch�del einzuschlagen. Er taumelte �ber den Rand und nahm in einem Gewirr von Gliedma�en und Waffen den hinter ihm Stehenden mit.</p><p>Leider hatte der r�cksichtslose Bursche auch mein Schwert mitgehen lassen, das in einem zerspellten Knochen steckengeblieben war. Ich mu�te mich sehr schnell bewegen, um dem Hieb des letzten Gegners auszuweichen. Dabei glitt ich in einer Blutlache aus und schlidderte auf den vorderen Teil des Felsens zu. Wenn ich dort hinabst�rzte, w�rde mich der Stein glatt �berfahren und einen sehr flachen Random zur�cklassen � wie einen exotischen Teppich, an dem k�nftige Wanderer herumr�tseln oder ihren Spa� haben konnten.</p><p>Im Hinfallen suchte ich mit gekr�mmten Fingern nach einem Halt. Mein Gegner machte einige hastige Schritte und hob sein Schwert, um mich zu erledigen, wie ich seinen Kumpel erledigt hatte.</p><p>Doch ich packte sein Fu�gelenk � und ausgerechnet diesen Augenblick suchte sich jemand aus, um sich durch meinen Trumpf mit mir in Verbindung zu setzen.</p><p>�Ich habe zu tun!� br�llte ich. �Ruf sp�ter nochmal an!� Und meine Bewegung wurde gestoppt, als der Kerl zu taumeln begann, klappernd auf dem Felsen landete und an mir vorbeirutschte.</p><p>Ich versuchte ihn zu halten, ehe er in das Reich der Teppiche einging, war aber nicht schnell genug. Eigentlich hatte ich ihn noch anders ausquetschen wollen. Trotzdem, mein inneres Ich war mehr als befriedigt. Ich kehrte in die Mitte des Steins zur�ck, um zu �berlegen und mich zu orientieren.</p><p>Die �berlebenden folgten mir noch immer, doch mein Vorsprung reichte aus. Im Augenblick brauchte ich mir wegen einer neuerlichen Besteigung keine Sorgen zu machen. Nur gut. Wieder rutschte ich auf die Berge zu. Die Sonne, die ich heraufbeschworen hatte, begann mich zu erhitzen. Ich war durchtr�nkt von Schwei� und Blut. Meine Wunden machten mir zu schaffen. Ich hatte Durst. Bald, bald, so �berlegte ich, mu�te es regnen. Das war jetzt das dringlichste Gebot.</p><p>Folglich begann ich mit den Vorbereitungen einer Verschiebung in diese Richtung � sich auft�rmende Wolken, dunkler werdende Formationen am Himmel . . .</p><p>Irgendwann zwischendurch mu� ich eingeschlummert sein und hatte einen wirren Traum, in dem mich wieder mal jemand zu erreichen versuchte, aber vergeblich. Angenehme Dunkelheit.</p><p>Der pl�tzliche schwere Regengu� weckte mich. Ich wu�te nicht zu sagen, ob die Dunkelheit des Himmels von dem Unwetter, vom Abend oder von beiden herr�hrte. Jedenfalls war es k�hler geworden, und ich breitete meinen Mantel aus, legte mich hin und �ffnete einfach den Mund. In regelm��igen Abst�nden wrang ich die Fl�ssigkeit aus dem Mantel. Nach einiger Zeit hatte ich meinen Durst gestillt und begann mich wieder sauber zu f�hlen. Der Felsen sah inzwischen so glatt aus, da� ich mich nur ungern darauf bewegte. Die Berge waren viel n�her gekommen, ihre Gipfel wurden von Blitzen aus der Dunkelheit gesch�lt. In der entgegengesetzten Richtung war es zu dunkel, um zu erkennen, ob noch immer Verfolger in der N�he waren. Es w�re sicher eine ziemliche Plackerei gewesen, mit mir Schritt zu halten � doch andererseits ist es in fremden Schatten nicht ratsam, sich auf Vermutungen zu verlassen. Ich �rgerte mich ein wenig �ber mich selbst, da� ich eingeschlafen war, aber da mir das nicht weiter geschadet hatte, zog ich meinen durchn��ten Mantel enger um mich und beschlo�, mir gro�m�tig zu verzeihen. Ich tastete nach den Zigaretten, die ich mitgebracht hatte, und stellte fest, da� etwa die H�lfte das bisherige Abenteuer �berlebt hatte. Nach dem achten Versuch hatte ich ausreichend mit den Schatten herumjongliert, um Feuer zu erhalten. Anschlie�end sa� ich einfach da, rauchte vor mich hin und lie� mich beregnen. Es war ein angenehmes Gef�hl, und ich verzichtete auf den Versuch, weitere �nderungen vorzunehmen; jedenfalls nicht in den n�chsten Stunden.</p><p>Als das Unwetter endlich nachlie� und der Himmel aufklarte, befand ich mich unter einem Nachthimmel voller fremder Konstellationen. Doch ein herrlicher Anblick, so k�nnen nur N�chte in der W�ste sein. Viel sp�ter versp�rte ich ein leichtes Ansteigen des Bodens, und die Bewegung meines Felsens begann sich zu verlangsamen. Irgend etwas passierte mit den physikalischen Gesetzen, die meine Situation beherrschten. Dabei kam mir der Hang eigentlich nicht so steil vor, da� er mein Tempo so entscheidend beeinflussen konnte, wie er es tat. Ich wollte nicht in der Weise auf die Schatten Einflu� nehmen, da� ich aus der Bahn geworfen wurde. Ich wollte so schnell wie m�glich auf vertrauteres Terrain �berwechseln, wollte mir einen Ort suchen, da meine seelische Vorwegnahme �u�erer Ereignisse eher der Wirklichkeit entsprechen konnte.</p><p>Ich lie� den Felsbrocken also zum Stillstand kommen, kletterte hinab und setzte den Weg hangaufw�rts zu Fu� fort. Dabei spielte ich das Schattenspiel, das wir alle schon als Kinder gelernt hatten. Komm an einem Hindernis vorbei � einem vertrockneten Baum, einer Felsformation � und la� den Himmel dahinter anders aussehen als noch eben. Allm�hlich stellte ich die vertrauten Konstellationen wieder her. Ich wu�te, da� der Berg, von dem ich herabsteigen w�rde, nicht derselbe war, den ich erklettert hatte. Meine Wunden schmerzten noch immer unangenehm, doch mein Fu�gelenk machte bis auf ein Gef�hl der Steifheit keine Probleme mehr. Ich war ausgeruht.</p><p>Ich wu�te, da� ich eine Zeitlang durchhalten konnte. Alles schien wieder in Ordnung zu sein.</p><p>Es war ein langer Marsch in einem Gel�nde, das allm�hlich immer steiler wurde. Doch schlie�lich stie� ich auf einen Weg, und von da an war es wieder leichter. Mit gleichm��igen Schritten ging ich unter dem inzwischen vertrauten Himmel bergan, entschlossen, nicht zu rasten und bis zum Morgen �ber den Gipfel zu sein. Beim Marschieren ver�nderte sich meine Kleidung, um sich diesem Schatten anzupassen � Jeanshosen, Jeansjacke, der nasse Mantel ein trockener Umhang. In der N�he h�rte ich eine Eule schreien, und aus gro�er Ferne unter und hinter mir ert�nte ein Jaulen, das von einem Kojoten stammen mochte. Diese h�rbaren Hinweise auf eine doch bekannte Welt steigerten mein Gef�hl der Sicherheit und lie�en den letzten Anflug von Verzweiflung schwinden, der sich mit meiner Flucht verband.</p><p>Etwa eine Stunde sp�ter gab ich der Versuchung nach, ein bi�chen mit den Schatten herumzuspielen. Es war gar nicht so ungew�hnlich, da� sich ein Pferd in diese Berge verlief � und nat�rlich fand ich das Tier. Nachdem ich mich zehn Minuten lang mit ihm angefreundet hatte, setzte ich mich auf seinen ungesattelten R�cken und n�herte mich nun auf eine etwas angenehmere Art dem Gipfel. Der Wind s�te Frost auf unseren Weg. Der Mond stieg auf und lie� ihn zu funkelndem Leben erwachen.</p><p>Kurz, ich ritt die ganze Nacht hindurch, erreichte lange vor der D�mmerung den h�chsten Punkt und begann den Abstieg. Dabei wurden die Berge hinter mir noch gewaltiger, was nat�rlich der beste Augenblick war. Auf dieser Seite der Bergkette herrschte gr�ner Bewuchs vor, durchteilt von sauberen Schnellstra�en, da und dort ges�umt von Siedlungen. Alles entwickelte sich nach Wunsch.</p><p>Am fr�hen Vormittag war ich bereits in den Vorbergen, und meine Jeanskleidung war zu Khaki geworden, dazu ein buntes Hemd. Vor mir im Sattel lag ein leichtes Sportjackett. In gro�er H�he zog ein D�senflugzeug auf seinem Weg von Horizont zu Horizont zwei Streifen in die Luft. Vogelgesang umgab mich, der Tag war sonnig-mild.</p><p>Etwa um diese Zeit h�rte ich, wie jemand meinen Namen sagte, und sp�rte wieder die Ber�hrung des Trumpfs. Ich z�gelte das Pferd und antwortete.</p><p>�Ja?�</p><p>Es war Julian.</p><p>�Random, wo bist du?� fragte er.</p><p>�Ziemlich weit von Amber entfernt�, erwiderte ich. �Warum?�</p><p>�Hat sich von den anderen jemand mit dir in Verbindung gesetzt?�</p><p>�In letzter Zeit nicht�, sagte ich. �Allerdings wollte mich gestern jemand sprechen. Ich hatte aber zu tun und konnte nicht<emphasis/> antworten.�</p><p>�Das war ich�, sagte er. �Wir haben hier eine besondere Lage, von der du wissen solltest.�</p><p>�Wo bist du?� wollte ich wissen.</p><p>�In Amber. In letzter Zeit sind hier einige Dinge passiert.�</p><p>�Zum Beispiel?�</p><p>�Vater ist seit ungew�hnlich langer Zeit fort. Niemand wei�, wo er steckt.�</p><p>�Das w�re nicht das erstemal.�</p><p>�Doch nicht, ohne Anweisungen zu hinterlassen und Aufgaben zu delegieren. So hat er jedenfalls bisher immer gehandelt.�</p><p>�Das ist wahr�, sagte ich. �Aber wie lange ist �lange�?�</p><p>�Gut ein Jahr. Du wu�test gar nichts davon?�</p><p>�Ich wu�te, da� er fort war. G�rard hat vor einiger Zeit davon gesprochen.�</p><p>�Seither hat er sich nicht blicken lassen.�</p><p>�Ich verstehe. Wie habt ihr euch denn inzwischen beholfen?�</p><p>�Das ist es ja. Wir haben uns mit den Problemen besch�ftigt, wie sie auf uns zugekommen sind. G�rard und Caine hatten auf Vaters Befehl sowieso die Marine unter sich. Ohne ihn haben sie die Entscheidungen einfach selbst�ndig getroffen. Ich habe mich wieder um die Patrouillen in Arden gek�mmert. Doch es gibt keine zentrale Macht, keinen Mann, der Streitf�lle schlichtet, die allgemeine Politik festlegt und f�r ganz Amber spricht.�</p><p>�Wir brauchen also einen Regenten. Das k�nnen wir ja auslosen.�</p><p>�So einfach ist das nicht. Wir glauben, da� Vater tot ist.�</p><p>�Tot? Wieso? Wie?�</p><p>�Wir haben versucht, ihn durch seinen Trumpf anzusprechen. Seit einem halben Jahr haben wir es jeden Tag versucht. � Nichts. Was meinst du?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Vielleicht ist er wirklich tot�, sagte ich. �Man m��te doch annehmen, da� sich irgendein Hinweis auf ihn findet. Trotzdem l��t sich die M�glichkeit nicht ausschlie�en, da� er irgendwo in der Klemme steckt � vielleicht wird er irgendwo gefangengehalten.�</p><p>�Zellenw�nde halten die Tr�mpfe nicht auf. Nichts kann den Kartenzauber aufhalten. Er w�rde uns um Hilfe bitten, sobald der Kontakt best�nde.�</p><p>�Dagegen ist nichts zu sagen�, erwiderte ich. Doch gleichzeitig mu�te ich an Brand denken. �Aber vielleicht widersetzt er sich der Kontaktaufnahme absichtlich?�</p><p>�Weshalb sollte er das?�</p><p>�Keine Ahnung, aber m�glich w�re es. Du wei�t doch, wie verschlossen er in gewissen Dingen ist.�</p><p>�Nein�, sagte Julian. �Das ergibt keinen Sinn. Er h�tte f�r die Zeit seiner Abwesenheit Anweisungen hinterlassen.�</p><p>�Nun, welche Gr�nde auch dahinterstecken, wie immer die Wahrheit auch aussehen mag � was schl�gst du vor?�</p><p>�Jemand mu� auf den Thron�, sagte er.</p><p>Das hatte ich w�hrend des Gespr�chs nat�rlich kommen sehen � die Gelegenheit, die sich niemals ergeben w�rde, so hatte es jedenfalls lange Zeit ausgesehen.</p><p>�Wer?� fragte ich.</p><p>�Eric scheint mir der beste Kandidat zu sein�, erwiderte er. �Eigentlich hat er schon seit Monaten eine entsprechende Funktion ausge�bt. Jetzt geht es nur noch darum, seine Stellung formell festzulegen.�</p><p>�Nicht nur als Regent?�</p><p>�Nicht nur als Regent.�</p><p>�Ich verstehe . . . Ja, du hast recht, w�hrend meiner Abwesenheit ist wirklich einiges vorgefallen. Wie steht es mit Benedict als Thronanw�rter?�</p><p>�Er scheint zufrieden zu sein, wo er ist � irgendwo in den Schatten.�</p><p>�Was h�lt er von der ganzen Sache?�</p><p>�Er ist nicht uneingeschr�nkt daf�r. Doch wir nehmen nicht an, da� er aktiven Widerstand leistet. Das w�rde die Dinge zu sehr aus dem Lot bringen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. �Und Bleys?�</p><p>�Er und Eric haben sich einige Male ziemlich hitzig um die Frage gestritten, doch die Soldaten h�ren nicht auf Bleys. Er hat Amber vor etwa drei Monaten verlassen. K�nnte sein, da� er sp�ter �rger macht. Aber immerhin sind wir gewarnt.�</p><p>�G�rard? Caine?�</p><p>�Sie unterst�tzen Eric. Ich wollte wissen, wo du stehst.�</p><p>�Was ist mit den M�dchen?�</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�Die lassen doch alles auf sich zukommen. Kein Problem.�</p><p>�Und vermutlich wird Corwin . . .�</p><p>�Da gibt�s keine neuen Nachrichten. Er ist tot, das wissen wir doch alle. Auf seinem Denkmal sammelt sich seit Jahrhunderten der Staub. Wenn nicht, hat er sich auf ewig losgesagt von Amber. Von dieser Seite ist nichts zu erwarten. Doch ich frage mich, woi du stehst.�</p><p>Ich lachte leise. �Ich bin kaum in der Lage, eine starke Position zu vertreten�, sagte ich.</p><p>�Aber wir m�ssen es jetzt wissen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Ich habe bisher noch immer erkennen k�nnen, aus welcher Richtung der Wind weht�, sagte ich. �Ich gedenke nicht dagegen anzusegeln.�</p><p>Er l�chelte und erwiderte mein Kopfnicken.</p><p>�Sehr gut�, sagte er.</p><p>�Wann ist die Kr�nung? Ich nehme doch an, da� ich eingeladen bin?�</p><p>�Nat�rlich, nat�rlich. Aber der Termin ist noch nicht festgesetzt. Vorher m�ssen noch ein paar Kleinigkeiten erledigt werden. Sobald die Angelegenheit feststeht, wird sich einer von uns wieder mit dir in Verbindung setzen.�</p><p>�Vielen Dank, Julian.�</p><p>�Auf Wiedersehen, Random.�</p><p>Und ich sa� da und starrte eine Zeitlang beunruhigt vor mich hin, ehe ich meinen Marsch ins Tal fortsetzte. Wieviel Zeit hatte es Eric gekostet, auf diese Entwicklung hinzuarbeiten? fragte ich mich. Ein gewisser Teil des Dr�hteziehens in Amber lie� sich ziemlich schnell bewerkstelligen, doch die Grundsituation schien das Ergebnis langfristiger �berlegungen und Planungen zu sein. Ich konnte nat�rlich nicht ausschlie�en, da� er hinter Brands �bler Lage steckte. Zugleich mu�te ich an die M�glichkeit denken, da� er auch irgendwie mit Vaters Verschwinden zu tun hatte. Das w�re nat�rlich keine Kleinigkeit. Dazu m��te er sich eine wirklich narrensichere Falle ausgedacht haben. Doch je mehr ich dar�ber nachdachte, desto weniger war ich willens, ihm eine solche Tat <emphasis>nicht</emphasis> zuzutrauen.<emphasis/> Ich staubte sogar ein paar ganz alte Vermutungen ab hinsichtlich seiner Rolle bei deinem Tod, Corwin. Doch im ersten Augenblick fiel mir �berhaupt nichts ein, was ich dagegen tun k�nnte. Mach mit, sagte ich mir, wenn dort die wahre Macht liegt. Versuch auf der Sonnenseite zu bleiben.</p><p>Dennoch . . . Man sollte es immer darauf anlegen, sich einen Tatbestand von mehr als einer Seite schildern zu lassen. Ich versuchte zu einem Entschlu� zu kommen, wer mir wohl Aufkl�rung geben k�nnte. W�hrend ich diese �berlegungen anstellte, schaute ich �ber die Schulter zur�ck, um noch einmal die ungeheuren Bergh�hen zu bewundern, die ich nicht ganz bew�ltigt hatte. Dabei fiel mir etwas auf.</p><p>In den oberen Regionen machte ich eine Gruppe von Reitern aus. Sie hatten das Gebirge offenbar auf demselben Wege �berquert wie ich. Ich vermochte sie nicht genau zu z�hlen, doch ihre Zahl schien dem Dutzend verd�chtig nahe zu sein � eine ziemlich gro�e Gruppe f�r gerade jenen Ort und jenen Augenblick. Als ich feststellte, da� die Leute den Weg einschlugen, den auch ich genommen hatte, versp�rte ich ein seltsames Kribbeln im Nacken. Wenn nun . . .? Wenn es sich nun um dieselben Burschen handelte? Ich hatte das Gef�hl, da� sie es waren.</p><p>Einzeln kamen sie nicht gegen mich an. Und selbst zu mehreren hatten sie nichts Berauschendes auf die Beine gestellt. Darum ging es nicht. Niederschmetternd war vielmehr die Erkenntnis, da� wir, wenn ich mit meiner Vermutung �ber diese Leute richtig lag, nicht die einzigen waren, die die Schatten auf durchgreifende Weise zu manipulieren vermochten. Es bedeutete, da� auch jemand anders eine F�higkeit beherrschte, von der ich seit fr�her Jugend angenommen hatte, da� sie allein unseren Familienmitgliedern zustand. Wenn man au�erdem die Tatsache in Betracht zog, da� sie Brands W�chter waren, schienen ihre Absichten gegen�ber unserer Familie � zumindest einem Teil der Familie � nicht allzu wohlwollend zu sein.</p><p>Nat�rlich waren sie zu weit entfernt, als da� ich eindeutig feststellen konnte, ob es sich wirklich um meine Verfolger handelte. Doch wenn man beim �berlebensspiel die Oberhand behalten will, mu� man jede M�glichkeit in Betracht ziehen. War es m�glich, da� Eric besondere Wesen gefunden, ausgebildet oder geschaffen hatte, Gesch�pfe, die ihm in dieser Hinsicht aushalfen? Neben dir und Eric hatte Brand einen der g�ltigsten Anspr�che auf die Nachfolge gehabt . . . damit will ich nichts gegen deinen Fall sagen, verdammt! Du wei�t schon, was ich meine. Ich mu� dir davon erz�hlen, um dir zu verdeutlichen, was ich damals dachte. Das ist alles. Brand hatte also einen ziemlich guten Anspruch, w�re er nur in der Lage gewesen, ihn anzumelden. Da du verschwunden warst, mu�te er als Erics Hauptrivale gelten, wenn es darum ging, die bestehende Situation zu legalisieren. Wenn ich diesen Umstand zusammen mit Brands schlimmem Schicksal und der F�higkeit dieser Kerle sah, die Schatten zu durchqueren, stand Eric f�r mich pl�tzlich in einem viel ung�nstigeren Licht da. Dieser Gedanke �ngstigte mich mehr als die Reiter selbst, die mich allerdings auch nicht gerade mit Entz�cken erf�llten. Ich �berlegte mir, da� ich nun sofort handeln mu�te: ich wollte mit jemandem in Amber sprechen, der mich dann durch seinen Trumpf zu sich holen konnte.</p><p>Gut. Ich traf eine schnelle Entscheidung. G�rard schien mir der beste Kandidat zu sein. Er ist Vernunftgr�nden zug�nglich und neutral. In den meisten Dingen ehrlich. Und nach Julians Worten schien G�rards Rolle in der ganzen Angelegenheit doch etwas passiv zu sein. Ihm lag bestimmt nicht daran, �rger zu machen. Was nicht bedeutete, da� er einverstanden war. Wahrscheinlich gab er sich wie immer: als der vorsichtige, konservative G�rard. Nachdem diese Entscheidung gefallen war, griff ich nach meinen Karten und h�tte fast aufgeheult. Sie waren fort!</p><p>Ich durchsuchte jede Tasche in jedem Kleidungsst�ck, das ich am Leibe trug. Ich hatte die Karten mitgenommen, als ich Texorami verlie�. Allerdings h�tte ich sie w�hrend der Aktionen des gestrigen Tages jederzeit verlieren k�nnen; ich war gen�gend herumgesprungen und durchgebeutelt worden. Und ich hatte schon ganz andere Dinge verloren. In meinem Zorn stellte ich mir eine komplizierte Litanei aus Fl�chen zusammen und grub meinem Pferd die Hacken in die Flanken. Jetzt mu�te ich schnell vorankommen und noch schneller denken. Zun�chst kam es darauf an, einen netten, belebten, zivilisierten Ort zu erreichen, wo ein Attent�ter der primitiven Sorte im Nachteil war.</p><p>W�hrend ich talw�rts galoppierte und dabei auf eine der Stra�en zuhielt, arbeitete ich mit dem Stoff, aus dem die Schatten sind � diesmal ganz vorsichtig, wobei ich meine volle Geschicklichkeit einsetzte. Es gab im Augenblick nur zwei Dinge, die ich mir w�nschte: einen letzten Angriff auf meine m�glichen Verfolger und Zugang zu einem Zufluchtsort.</p><p>Die Welt schimmerte und beschrieb eine letzte Wende, wurde zu dem Kalifornien, das ich gesucht hatte. Ein scharrendes, grollendes Ger�usch schlug mir an die Ohren � das letzte i-T�pfelchen, auf das es mir ankam. Als ich zur�ckblickte, sah ich, wie sich ein Teil der Felswand l�ste und wie in Zeitlupe auf die Reiter st�rzte. Kurz darauf war ich abgestiegen und ging auf die Stra�e zu. Ich wu�te die Jahreszeit nicht und fragte mich, wie das Wetter wohl in New York war.</p><p>Nach kurzer Zeit tauchte der Bus auf, den ich erwartet hatte, und stoppte auf mein Zeichen. Ich setzte mich an einen Fensterplatz, rauchte und beobachtete die Landschaft. Bald darauf schlief ich ein.</p><p>Ich erwachte erst am fr�hen Nachmittag, als wir eine Busstation erreichten. In der Zwischenzeit war ich sehr hungrig geworden und beschlo�, etwas zu essen, ehe ich mit dem Taxi zum Flughafen fuhr. Mit meinen Texorami-Dollar erstand ich drei K�sesandwiches und ein Malzbier. Die Mahlzeit dauerte etwa zwanzig Minuten. Als ich die Snackbar verlie�, sah ich eine Anzahl von Taxis vor dem Haus stehen. Doch ehe ich mir einen Wagen aussuchte, beschlo� ich, auf der M�nnertoilette noch etwas Wichtiges zu erledigen.</p><p>Im ung�nstigsten Augenblick, den du dir vorstellen kannst, flogen pl�tzlich hinter mir sechs Toilettent�ren auf, und die Insassen der Kabinen st�rzten sich auf mich. Die Spitzen auf ihren Handr�cken, die �bergro�en Kinnladen, die gl�henden Augen � kein Zweifel! Sie hatten mich nicht nur eingeholt, sondern waren inzwischen ebenso unauff�llig gekleidet wie ich. Zerstoben waren meine letzten Zweifel hinsichtlich ihrer Macht �ber die Schatten.</p><p>Zum Gl�ck war einer der Angreifer schneller als die anderen. Au�erdem wu�ten die Burschen angesichts meiner Gr��e wohl nicht, wie kr�ftig ich wirklich bin. Ich packte den ersten oben am Arm, wobei ich seinen Kn�chelbajonetten auswich, zerrte ihn herum, zog ihn hoch und warf ihn den anderen entgegen. Dann machte ich kehrt und lief los. Auf dem Weg nach drau�en machte ich die T�r kaputt. Den Hosenschlitz bekam ich erst zu, als ich in einem Taxi sa� und der Fahrer mit durchdrehenden Reifen angefahren war.</p><p>Genug. Jetzt ging es mir nicht mehr um ein einfaches Versteck. Ich wollte mir ein Spiel Tr�mpfe besorgen und ein anderes Familienmitglied informieren. Wenn es sich um Erics Gesch�pfe handelte, mu�ten die anderen davon erfahren. Wenn nicht, mu�te auch Eric Bescheid wissen. Wenn sich diese Wesen so m�helos durch die Schatten bewegen konnten, war diese Gabe vielleicht auch anderen zug�nglich. Was immer sie darstellten, mochte eines Tages zur Gefahr f�r das eigentliche Amber werden. Einmal angenommen, da� aus dem trauten Kreis meiner Familie niemand mit dieser Sache zu tun hatte, da� Vater und Brand die Opfer eines bisher v�llig unbekannten Gegners waren. Dann existierte wirklich eine gro�e Gefahr, der ich direkt in die Arme gelaufen war. Zugleich ein ausgezeichneter Grund f�r diese verbissene Jagd auf mich � der Gegenseite lag sicher sehr daran, mich zu erwischen. Meine Gedanken �berst�rzten sich. Vielleicht trieb man mich in eine Falle. Vielleicht waren die sichtbaren Gegner nicht die einzigen, die an der Treibjagd beteiligt waren.</p><p>Ich brachte meine Gef�hle unter Kontrolle. Man mu� sich dieser Dinge nacheinander erwehren, so wie sie auf einen zukommen, redete ich mir ein. Trenne Gef�hle von Vermutungen! Dies ist der Schatten von Schwester Flora. Sie lebt am anderen Rande des Kontinents in einem Ort, der Westchester hei�t. Geh an ein Telefon, la� dich mit der Auskunft verbinden, ruf sie an. Sag ihr, es w�re dringend, bitte um ihren Schutz. Das kann sie dir nicht verweigern, selbst wenn sie dich ha�t. Dann setz dich in eine D�senmaschine und flieg zu ihr. La� deinen Vermutungen unterwegs freien Raum, wenn du unbedingt mu�t � doch im Augenblick bewahre einen k�hlen Kopf!</p><p>Ich rief also vom Flughafen aus an, und du warst dran, Corwin. Das war die unbekannte Gr��e, die alle Gleichungen durchbrach, welche ich in meinem Geist bewegt hatte � da� du pl�tzlich auftauchen w�rdest, in diesem Augenblick, an jenem Ort, in jenem Stadium der Ereignisse! Als du mir deinen Schutz anbotest, packte ich die Gelegenheit beim Schopfe � und das nicht nur, weil ich Schutz brauchte. Ich h�tte die sechs Burschen vermutlich auch allein erledigen k�nnen. Aber darum ging es nicht mehr. <emphasis>Ich dachte nun, es w�ren deine Kreaturen!.</emphasis> Ich stellte mir vor, da� du dich die ganze Zeit zur�ckgehalten und auf den richtigen Augenblick des Handelns gewartet h�ttest. Und jetzt, so sagte ich mir, warst du bereit. Hier hatte ich die Erkl�rung f�r alles. Du hattest Brand aus dem Verkehr gezogen und wolltest deine schattenwandernden Zombies nun dazu verwenden, Eric zu �berrumpeln. Dabei wollte ich auf deiner Seite sein, denn ich ha�te Eric und wu�te, da� du zu planen verstehst und gew�hnlich auch bekommst, was du haben willst. Ich erw�hnte die Verfolgung durch M�nner aus den Schatten, um zu sehen, was du sagen w�rdest. Die Tatsache, da� du gar nichts sagtest, bewies allerdings wenig. Entweder warst du �beraus vorsichtig, �berlegte ich, oder du konntest nicht wissen, wo ich gewesen war. Zugleich ging mir die M�glichkeit durch den Kopf, da� ich hier vielleicht in eine deiner Fallen tappte � doch ich steckte bereits in der Klemme und konnte mir nicht vorstellen, da� ich f�r das Machtgleichgewicht so wichtig war, da� du mich wirklich beseitigen wolltest. Besonders wenn ich dir meine Unterst�tzung zusagte, wozu ich durchaus bereit war. Ich flog also los. Und was soll ich dir sagen? � die sechs kamen tats�chlich sp�ter an Bord und verfolgten mich. Gibt er mir eine Eskorte mit? fragte ich mich. Doch weitere Mutma�ungen hatten keinen Sinn. Ich sch�ttelte sie nach der Landung ab und fuhr zu Floras Haus. Dann tat ich, als h�tte ich �berhaupt noch keine Vermutungen angestellt, und wartete ab, was du tun w�rdest. Als du mir halfst, die Kerle zu beseitigen, war ich �u�erst verwirrt. Warst du wirklich �berrascht, oder spieltest du mir das nur vor, wobei du ein paar von deinen Gefolgsleuten opfertest, um mich �ber etwas im unklaren zu lassen? Also gut, sagte ich mir, stell dich unwissend, mach mit, sieh zu, was er vorhat. Ich war der perfekte Partner f�r die Rolle, die du spielen mu�test, um deinen Ged�chtnisverlust zu vertuschen. Als ich die Wahrheit erfuhr, war es zu sp�t. Da waren wir bereits unterwegs nach Rebma, und kein Detail meiner Erlebnisse h�tte dir etwas bedeutet. Sp�ter, nach der Kr�nung, habe ich auch Eric nichts von der Sache erz�hlt. Ich war sein Gefangener und ihm nicht gerade wohlgesonnen. Dabei spielte auch der Gedanke eine Rolle, da� meine Informationen eines Tages etwas wert sein mochten � zumindest meine Freiheit �, wenn die Gefahr jemals reale Formen annehmen sollte. Was Brand angeht, so m�chte ich bezweifeln, ob mir irgend jemand geglaubt h�tte, und selbst wenn, war ich der einzige, der genau wu�te, wie jener Schatten zu erreichen ist. Kannst du dir vorstellen, da� Eric dies als Grund f�r meine Freilassung h�tte gelten lassen? Er h�tte nur gelacht und mich aufgefordert, mir eine bessere Geschichte auszudenken. Au�erdem habe ich nie wieder von Brand geh�rt. Auch keiner der anderen scheint seither mit ihm in Verbindung gewesen zu sein. Vermutlich ist er inzwischen tot. Und das ist die Geschichte, die ich dir immer schon mal erz�hlen wollte, Corwin. Versuch du festzustellen, was das alles bedeutet.</p></section><section><title><p>3</p></title><p>Ich musterte Random und dachte daran, was f�r ein hervorragender Kartenspieler er doch war. Doch sein Gesicht verriet mir nicht mehr als beispielsweise ein beliebiger Karo-Bube, ob er nun log oder nicht � im Gro�en oder im Detail. Die Sache mit dem Buben war �brigens eine h�bsche Ausschm�ckung. Und seine Geschichte enthielt gen�gend Dinge dieser Art, um sie irgendwie wahrheitsgem�� erscheinen zu lassen.</p><p>�Um mit �dipus, Hamlet, Lear und all den Burschen zu sprechen�, sagte ich. �Ich w�nschte, ich h�tte das alles schon fr�her gewu�t.�</p><p>�Dies war die erste Gelegenheit, dir die Geschichte zusammenh�ngend zu erz�hlen�, erwiderte er.</p><p>�Sicher�, stimmte ich zu. �Leider macht sie die Dinge nicht klarer, sondern tr�gt eher dazu bei, das R�tsel noch r�tselhafter erscheinen zu lassen. Was keine Kleinigkeit ist. Hier stehen wir nun am Ende einer schwarzen Stra�e, die bis zum Fu�e des Kolvir reicht. Sie durchschneidet alle Schatten, und Wesen sind auf ihr heranmarschiert, um Amber zu belagern. Die Beschaffenheit der Kr�fte, die dahinterstehen, kennen wir nicht, doch sind sie offenbar b�sartig und scheinen an St�rke zuzunehmen. Ich habe ihretwegen seit einiger Zeit Schuldgef�hle, weil diese Ph�nomene meiner Auffassung nach mit meinem Fluch zu tun haben. Ja, ich habe uns mit einem Fluch belegt. Doch ob das Problem nun damit zu tun hat oder nicht � letztlich l�st sich alles zu einer Art greifbarer Erscheinung auf, die man bek�mpfen kann. Und genau das werden wir tun. Doch habe ich mir die ganze Woche dar�ber klar zu werden versucht, welche Rolle Dara spielt. Wer ist sie wirklich? Was ist sie? Warum war sie so daran interessiert, das Muster zu erobern? Wieso ist es ihr gelungen? Und dann ihre letzte Drohung! �Amber wird vernichtet werden�, hat sie gesagt. Es scheint mir kein Zufall zu sein, da� dies zur gleichen Zeit passierte wie der Angriff �ber die schwarze Stra�e. Ich sehe es nicht als etwas Eigenst�ndiges, sondern als Teil desselben Grundmusters. Und alles scheint irgendwie auf die Tatsache hinauszulaufen, da� es hier in Amber einen Verr�ter gibt � Caines Tod, die Notizen . . . Irgend jemand bei uns beg�nstigt entweder einen Feind von au�en oder steckt selbst hinter der ganzen Sache. Und jetzt bring das mal alles mit Brands Verschwinden zusammen � durch diesen Burschen.� Ich stie� die Leiche mit dem Fu� an. �Damit sieht es doch so aus, als geh�rte Vaters Tod oder Abwesenheit ebenfalls dazu. Doch wenn das der Fall ist, m�ssen wir daraus auf eine umfassende Verschw�rung schlie�en, bei der �ber eine Reihe von Jahren ein sorgf�ltig geplantes Detail auf das andere gesetzt worden ist.�</p><p>Random untersuchte einen Schrank in der Ecke und holte eine Flasche und zwei Kelche. Er f�llte sie, brachte mir einen und kehrte zu seinem Stuhl zur�ck. Stumm tranken wir auf die Nutzlosigkeit.</p><p>�Nun�, sagte er, �R�nke zu schmieden ist immerhin die Lieblingsbesch�ftigung hier, und jedermann hat viel Zeit, wei�t du. Wir sind beide zu jung, um uns an unsere Br�der Osric und Finndo zu erinnern, die im Dienste an Amber gestorben sind. Doch der Eindruck, den ich aus meinem Gespr�ch mit Benedict gewonnen habe . . .�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Danach haben sie hinsichtlich des Throns mehr als nur Hoffnungen ge�u�ert. Folglich war es unumg�nglich, da� sie f�r Amber tapfer starben. Davon habe ich auch schon l�uten h�ren. Vielleicht ist das so, vielleicht aber auch nicht. Genau erfahren werden wir das nie. Dennoch . . . Ja, ich verstehe, was du meinst, aber das ist doch ohnehin klar. Ich bezweifle nicht, da� man es schon fr�her versucht hat. Einigen aus unserem Kreise ist das durchaus zuzutrauen. Doch wem? Bis wir das wissen, stehen wir unter einem l�hmenden Handicap. Jeder offene Zug wird vermutlich bemerkt und verraten werden. La� dir mal etwas einfallen.�</p><p>�Corwin�, sagte er, �ich will ganz ehrlich sein: ich glaube, ich k�nnte Argumente f�r fast jeden von uns vortragen, sogar f�r mich, der ich immerhin in Amber gefangen war. Im Grunde w�re das sogar der beste Schutz f�r mich. Es h�tte mich wirklich entz�ckt, �u�erlich v�llig hilflos dazustehen, w�hrend ich in Wirklichkeit an den F�den zog, nach denen die anderen tanzen mu�ten. Das trifft nat�rlich auf uns alle zu. Wir alle haben unsere Motive, unsere Wunschvorstellungen. Und mit den Jahren haben wir alle Zeit und Gelegenheit gehabt, gewisse Vorbereitungen zu treffen. Nein, die Suche nach Verd�chtigen ist der falsche Weg. Da k�me jedermann in Frage. Wir sollten lieber zu bestimmen versuchen, was ein solches Individuum auszeichnen w�rde � <emphasis>neben</emphasis> den Motiven, <emphasis>neben</emphasis> der Gelegenheit zur Tat. Ich w�rde sagen, schauen wir uns die angewandten Methoden an.�</p><p>�Also gut. Fang an.�</p><p>�Einige von uns wissen mehr als andere �ber die Funktion der Schatten � �ber die kleinen Tricks, die Grundlagen f�r das Warum und Wie. Der Unbekannte verf�gt au�erdem �ber Verb�ndete, die er sich irgendwie von weither geholt hat. Dies ist die Kombination, mit der er gegen Amber vorgegangen ist. Leider haben wir keine M�glichkeit, uns eine Person anzuschauen und zu erkennen, ob sie solche besonderen Kenntnisse und F�higkeiten besitzt. Doch �berlegen wir einmal, wo der Betreffende sie sich h�tte aneignen k�nnen. M�glich, da� er ganz auf sich gestellt in den Schatten etwas erfahren, etwas dazugelernt hat. Oder er hat diese Dinge von Anfang an hier studiert, als Dworkin noch lebte und bereit war, Unterricht zu geben.�</p><p>Ich starrte in mein Glas. Es war nicht ausgeschlossen, da� Dworkin auch heute noch am Leben war. Er hatte mir zur Flucht aus den Verliesen von Amber verholfen � wie lange war das jetzt her? Ich hatte bisher niemandem davon erz�hlt und gedachte es auch jetzt nicht zu tun. Zum einen war Dworkin ziemlich verr�ckt � offenbar einer der Gr�nde, warum Vater ihn eingesperrt hatte. Zum anderen hatte er Kr�fte zur Schau gestellt, die ich nicht verstand � und das hatte mich zu der �berzeugung gebracht, da� er ziemlich gef�hrlich sein konnte. Allerdings war er mir durchaus freundlich gesonnen gewesen, obwohl ich mir keine gro�e M�he gegeben hatte, mich bei ihm einzuschmeicheln. Wenn er noch irgendwo existierte, mochte ich bei einiger Geduld ganz gut mit ihm auskommen.</p><p>Aus diesem Grunde hatte ich die ganze Episode als m�gliche Geheimwaffe f�r mich behalten. Und jetzt sah ich keinen Grund, diesen Entschlu� zu �ndern.</p><p>�Brand ist ziemlich oft mit Dworkin zusammen gewesen�, best�tigte ich, als mir klar wurde, worauf er hinauswollte. �Er interessierte sich f�r diese Dinge.�</p><p>�Genau�, erwiderte Random. �Und er wu�te offensichtlich mehr dar�ber als wir �brigen � sonst h�tte er die Kontaktaufnahme ohne Trumpf nicht geschafft.�</p><p>�Du meinst, er hat sich mit Au�enseitern verb�ndet, ihnen den Weg bereitet und dann feststellen m�ssen, da� sie ihn nicht mehr brauchten � und in die Gefangenschaft schickten?�</p><p>�Nicht unbedingt. Allerdings w�re das eine M�glichkeit. Ich will aber auf eine andere Variante hinaus � wobei ich nicht abstreite, da� ich f�r ihn eingenommen bin: ich glaube, er kannte sich mit dem Thema ausreichend aus, um zu erkennen, sobald jemand mit den Tr�mpfen, dem Muster oder den Schatten unmittelbar um Amber etwas Ungew�hnliches anstellte. Doch dabei beging er einen Fehler. Vielleicht untersch�tzte er den B�sewicht und forderte ihn direkt heraus, anstatt sich mit Vater oder Dworkin in Verbindung zu setzen. Was dann? Der ehemalige Verb�ndete �berw�ltigte ihn und setzte ihn in den Turm gefangen. Entweder hatte er eine so hohe Meinung von Brand, da� er ihn nicht t�ten wollte, wenn es nicht unbedingt erforderlich war, oder er glaubte ihn eines Tages noch brauchen zu k�nnen.�</p><p>�Aus deinem Munde h�rt sich auch diese Version glaubhaft an�, sagte ich und h�tte am liebsten hinzugef�gt: �Und pa�t nat�rlich h�bsch zu deiner Geschichte�, um sodann sein Pokergesicht im Auge zu behalten � doch etwas hielt mich zur�ck. Vor l�ngerer Zeit, als ich mit Bleys zusammen war, hatte ich beim Herumspielen mit den Tr�mpfen kurz Kontakt mit Brand gehabt. Dabei hatte ich seine Notlage gesp�rt, seine Gefangenschaft, aber dann war die Verbindung wieder abgebrochen. Insoweit konnte Randoms Geschichte stimmen. Ich sagte also: �Wenn er uns den Schuldigen zeigen kann, m�ssen wir ihn schon allein deswegen zur�ckholen.�</p><p>�Ich hatte gehofft, da� du das sagen w�rdest�, erwiderte Random. �Es geht mir gegen den Strich, eine solche Sache unerledigt zu lassen.�</p><p>Ich holte die Flasche und schenkte uns nach.</p><p>�Doch ehe wir uns n�her damit befassen�, sagte ich, �mu� ich einen geeigneten Weg finden, die schlimme Nachricht �ber Caine an den Mann zu bringen. Wo steckt Flora?�</p><p>�Ich glaube, unten in der Stadt. Heute fr�h war sie noch hier. Ich bin sicher, ich kann sie f�r dich auftreiben.�</p><p>�Ja, bitte tu das. Sie ist meines Wissens die einzige, die diese Kerle gesehen hat, als sie damals in ihr Haus in Westchester st�rmten. Es w�re gut, wenn sie unsere Geschichte �ber den unangenehmen Charakter dieser Typen insoweit unterst�tzen kann. Au�erdem m�chte ich ihr noch einige andere Fragen stellen.�</p><p>Random leerte sein Glas und stand auf.</p><p>�Also gut. Ich erledige das sofort. Wohin soll ich sie bringen?�</p><p>�Zu mir. Wenn ich nicht dort bin, wartet bitte.�</p><p>Er nickte.</p><p>Ich stand auf und begleitete ihn in den Flur.</p><p>�Hast du den Schl�ssel zu diesem Zimmer?� fragte ich.</p><p>�An einem Haken drinnen.�</p><p>�Dann schlie� lieber ab. Wir wollen doch nicht, da� die Sache vorzeitig ans Licht kommt.�</p><p>Er schlo� ab und gab mir den Schl�ssel. Ich begleitete ihn zum ersten Treppenabsatz und verabschiedete mich von ihm. Dann suchte ich meine R�ume auf.</p><p>Aus dem Safe nahm ich das Juwel des Geschicks, ein Rubinschmuckst�ck, das Vater und Eric die Wetterkontrolle rings um Amber erm�glicht hatte. Vor seinem Tode hatte mir Eric gesagt, was ich tun mu�te, um das Juwel auf mich einzustimmen. Bis jetzt hatte ich noch keine Zeit gehabt, diesen Anweisungen zu folgen, und eigentlich fehlte mir die Zeit immer noch. Doch w�hrend meines Gespr�chs mit Random war ich zu dem Schlu� gekommen, da� ich mir die Zeit einfach nehmen mu�te. Ich hatte Dworkins Notizen in der N�he von Erics Kamin unter einem Stein gefunden. Auch das hatte er mir in seinen letzten Minuten verraten. Ich h�tte gern gewu�t, wie diese Notizen �berhaupt in seinen Besitz gekommen waren, denn sie waren unvollst�ndig. Ich nahm sie aus dem hinteren Teil des Safes und bl�tterte sie noch einmal durch. Sie entsprachen Erics Anweisungen hinsichtlich der Einstimmung auf das Juwel.</p><p>Doch sie lie�en erkennen, da� der Edelstein auch noch anders genutzt werden konnte, da� die Kontrolle meteorologischer Erscheinungen eine fast nebens�chliche, wenn auch spektakul�re Auswirkung eines Komplexes von Prinzipien war, der dem Muster, den Tr�mpfen und der physikalischen Integrit�t des eigentlichen Amber abseits der Schatten zugrunde lag. Leider wurden keine Details aufgef�hrt. Doch je mehr ich mein Ged�chtnis durchforschte, desto realer erschien mir die Grundlage f�r eine solche Vermutung. Vater hatte das Juwel nur selten getragen; und obwohl er es als Wetterver�nderer bezeichnet hatte, war bei den Gelegenheiten, da er das Schmuckst�ck vorgef�hrt hatte, das Wetter nicht immer sp�rbar anders geworden. Und er hatte den Stein oft auf seinen kleinen Reisen mitgenommen. Ich war also gewillt zu glauben, da� tats�chlich mehr dahinter steckte. Eric hatte wahrscheinlich �hnliche Vermutungen gehegt, doch auch er war nicht in der Lage gewesen, die anderen Anwendungsarten herauszufinden. Er hatte lediglich die offensichtlichen F�higkeiten des Juwels ausgenutzt, als Bleys und ich Amber angriffen; und er hatte es letzte Woche auf gleiche Weise eingesetzt, als die Wesen der schwarzen Stra�e ihren Angriff wagten. Beidemale hatte ihm das Juwel gut gedient, wenn es ihm auch nicht das Leben hatte retten k�nnen. Nun war es ratsam, sich die volle Gewalt �ber das Juwel zu verschaffen, sagte ich mir. Jeder kleine zus�tzliche Vorteil war wichtig. Und es war gut, wenn man sich das Ding tragen sah. Besonders jetzt.</p><p>Ich legte die Notizen in den Safe zur�ck und steckte das Juwel in die Tasche. Dann begab ich mich in die untere Etage des Palastes. Wieder verlieh mir die Umgebung der riesigen S�le das Gef�hl, als w�re ich niemals fort gewesen. Dies war mein Zuhause, hier wollte ich leben. Von nun an war ich der Beh�ter der Stadt. Ich trug nicht die Krone, doch waren die Probleme des Herrschers die meinen geworden. Das war wirklich ironisch. Ich war zur�ckgekehrt, um den Thron zu beanspruchen, um Eric die Krone zu entrei�en, ich wollte den Ruhm, ich wollte herrschen. Doch pl�tzlich wankte der Boden unter unseren F��en. Wir hatten ziemlich schnell erkannt, da� sich Eric nicht richtig verhalten hatte. Wenn er Vater wirklich umgebracht hatte, besa� er keinen Anspruch auf die Krone. Wenn nicht, hatte er voreilig gehandelt. Wie dem auch sei � die Kr�nung hatte nur dazu gedient, sein bereits aufgeblasenes Selbstgef�hl weiter zu st�rken. Ich selbst, ich strebte nach der Krone und wu�te, da� ich ihre Last tragen konnte. Doch es w�re nun ebenso unsinnig gewesen, den Thron zu besteigen, w�hrend meine Truppen noch in Amber lagerten, w�hrend der Verdacht, Caine ermordet zu haben, in K�rze auf mich fallen w�rde, w�hrend sich mir zugleich die ersten Anzeichen f�r eine fantastische Verschw�rung offenbarten und im �brigen nach wie vor die M�glichkeit bestand, da� Vater noch lebte. Wir hatten seit seinem Verschwinden wohl mehrfach in Verbindung gestanden, und bei einer dieser Gelegenheiten, vor Jahren, hatte er sich mit meiner Thronbesteigung einverstanden erkl�rt. Doch in der Stadt gab es soviel Lug und Trug, da� ich nicht mehr wu�te, was ich glauben sollte. Vater hatte nicht abgedankt. Au�erdem hatte ich eine Kopfverletzung erlitten und war mir meiner eigenen W�nsche nur zu klar bewu�t. Der Verstand ist ein seltsames Ding. Ich traute nicht mal mir selbst. War es denkbar, da� ich die ganze Sache selbst eingef�delt hatte? Seither war viel geschehen. Der Preis f�r das Leben als Amberianer ist vermutlich der perverse Umstand, da� man sich selbst nicht mehr trauen kann. Ich �berlegte, was Freud wohl dar�ber gesagt h�tte. Es war ihm zwar nicht gelungen, meine Amnesie zu durchbrechen, doch er hatte einige erstaunlich pr�zise Vermutungen �ber meinen Vater angestellt � wie er gewesen war, wie unsere Beziehung ausgesehen hatte. Das war mir damals gar nicht so bewu�t geworden. Ich w�nschte, ich k�nnte noch ein Gespr�ch mit dem genialen Gelehrten der Schattenwelt f�hren.</p><p>Ich wanderte durch den marmornen E�saal und trat in den darunterliegenden dunklen und engen Korridor. Ich nickte dem W�chter zu und marschierte bis zum Ende, durch die T�r, hinaus auf die Plattform, dann hinab. Die endlose Wendeltreppe, die ins Innere Kolvirs f�hrt. Hinabsteigen. Ab und zu Lichter. Dahinter Schw�rze.</p><p>Es wollte mir scheinen, als habe sich irgendwann in der nahen Vergangenheit ein Gleichgewicht verschoben, so da� ich nicht mehr selbst handelte, sondern zum Handeln gebracht wurde � da� irgend etwas mich in Trab hielt, mich zum Reagieren zwang. Mich bedr�ngte. Und jeder Zug f�hrte zum n�chsten. Wo hatte das alles begonnen? Vielleicht ging es schon seit Jahren so, und ich begann es gerade erst zu merken. Vielleicht waren wir alle irgendwie Opfer � in einem Ausma�, und auf eine Weise, die sich keiner von uns klar gemacht hatte. Ein gro�artiger Stoff f�r morbide Gedanken! Mehr als alles auf der Welt hatte ich K�nig sein wollen � und wollte es noch immer. Doch je mehr ich erfuhr und je mehr ich �ber das Erfahrene nachdachte, um so st�rker wurde mein Eindruck, da� ich lediglich Figur auf einem riesigen Spielbrett gewesen war. Dabei machte ich mir pl�tzlich klar, da� ich dieses Gef�hl schon seit geraumer Zeit hatte, da� es sich immer st�rker bemerkbar machte und mir ganz und gar nicht gefiel. Doch, so tr�stete ich mich, es gibt kein irgendwie geartetes Lebewesen, das nicht irgendwelche Fehler macht. Wenn mein Gef�hl eine reale Basis hatte, r�ckte mein ureigenster Pawlow mit jedem Glockenschlag mehr in die Reichweite meiner F�nge. Bald, bald, ich sp�rte, es mu�te bald sein, w�rde ich daf�r sorgen m�ssen, da� er mir zu nahe kam. Und dann lag es an mir, daf�r zu sorgen, da� er weder entwischte noch jemals zur�ckkehrte.</p><p>Herum, herum, immer im Kreis, hinab, hier ein Licht, dort ein Licht, dies meine Gedanken wie ein Faden auf einer Spule, aufrollend oder abrollend, das war nicht genau zu bestimmen. Unter mir der Klang von Metall auf Stein. Die Schwertscheide eines W�chters, der sich erhob. Schwankendes Licht von einer emporgehobenen Laterne.</p><p>�Lord Corwin . . .�</p><p>�Jamie.�</p><p>Unten nahm ich eine Laterne vom Regal. Ich stellte ein Licht hinein, machte kehrt und ging auf den Tunnel zu, wobei ich die Dunkelheit Schritt um Schritt vor mir herschob.</p><p>Endlich der Gang, und hinein, dabei die Abzweigungen z�hlend. Ich mu�te den siebenten Seitentunnel nehmen. Echos und Schatten. Dumpfheit und Staub.</p><p>Dann am Ziel. Abbiegen. Nicht mehr weit.</p><p>Endlich die gro�e, dunkle metallgefa�te T�r. Ich schlo� auf und schob sie m�hsam auf. Sie quietschte, leistete Widerstand, bewegte sich schlie�lich einw�rts.</p><p>Ich stellte die Laterne rechts hinter der T�r ab. Ich brauchte sie nicht mehr, da das Muster ausreichend Licht ausstrahlte f�r das, was ich im Sinn hatte.</p><p>Einen Augenblick lang betrachtete ich das Muster � eine riesige schimmernde Masse gekr�mmter Linien, die dem Auge Fallstricke stellten, wenn es versuchte, den Spuren zu folgen; eingebettet in die schimmernde Schw�rze des Bodens. Dieses Muster hatte mir Macht �ber die Schatten geschenkt, es hatte den gr��ten Teil meiner Erinnerungen zur�ckgeholt. Es w�rde mich augenblicklich vernichten, wenn ich nicht richtig damit umging. Wie immer meine Dankbarkeit gegen�ber dem Muster aussah, sie war nicht ohne Furcht. Das Muster war ein herrlich r�tselhaftes Familienerbst�ck, das sich genau dort befand, wohin es geh�rte � im Keller.</p><p>Ich bewegte mich in die Ecke, wo das Labyrinth seinen Anfang hatte. Dann sammelte ich meine Gedanken, entspannte die Muskeln und stellte den linken Fu� auf das Muster. Ohne zu z�gern, marschierte ich voran und sp�rte sofort die elektrische Spannung. Blaue Funken zeichneten die Umrisse meiner Stiefel nach. Noch ein Schritt. Diesmal ert�nte ein Knistern, und der Widerstand setzte ein. Ich ging durch die erste Kurve und bem�hte mich um Eile, wollte ich doch den Ersten Schleier m�glichst schnell erreichen. Als es soweit war, bewegte sich mein Haar, und die Funken waren heller und l�nger geworden.</p><p>Ich mu�te meine Anstrengungen verst�rken. Jeder Schritt erforderte gr��ere M�he als der letzte. Das Knistern wurde lauter, die Spannung erh�hte sich. Meine Haare stellten sich auf, und ich sch�ttelte die Funken ab. Ich blickte starr auf die flackernde Feuerlinie und stemmte mich vorw�rts.</p><p>Pl�tzlich lie� der Druck nach. Ich taumelte, blieb aber in Bewegung. Ich hatte den Ersten Schleier �berwunden, was automatisch ein angenehmes Erfolgsgef�hl ausl�ste. Ich erinnerte mich an das letztemal, als ich diesen Weg zur�ckgelegt hatte, in Rebma, der Stadt unter dem Meer. Das gerade abgeschlossene Man�ver hatte die R�ckkehr meiner Erinnerungen eingeleitet. Ja. Ich dr�ngte weiter, und die Funken wurden l�nger, und die Elektrizit�t begann zuzunehmen, lie� mein Fleisch kribbeln.</p><p>Der Zweite Schleier . . . Die Kurven . . . Der Marsch durch das Muster schien einem stets die letzten Kr�fte abzufordern und erzeugte das Gef�hl, da� das gesamte Ego in reine Willenskraft umgesetzt wurde. Es war ein Gef�hl des unbarmherzigen Vorw�rtsstrebens. Im Augenblick war die Bew�ltigung des Musters das einzige auf der Welt, was mir etwas bedeutete. Ich war immer hier gewesen, hatte immer so gek�mpft; ich war niemals fort gewesen, ich w�rde stets hier sein und meinen Willen gegen das Labyrinth der Macht setzen. Die dazwischenliegende Zeit war verschwunden. Nur die Elektrizit�t blieb.</p><p>Die Funken z�ngelten mir nun bis zu den H�ften empor. Ich erreichte die Gro�e Kurve und k�mpfte mich durch. Mit jedem Schritt wurde ich vernichtet und neugeboren, umh�llt von den Flammen der Sch�pfung, verschreckt durch die K�lte am Ende der Entropie.</p><p>Hinaus und weiter, kehrtmachend. Drei weitere Biegungen, eine gerade Linie, eine Reihe von Arabesken. Schwindelgef�hl, ein vages An- und Abschwellen der Empfindungen, als oszillierte ich aus dem Sein und wieder zur�ck. Biegung um Biegung um Biegung um Biegung . . . Ein kurzer, scharfer Knick . . . Die Linie, die zum Letzten Schleier f�hrte . . . Vermutlich atmete ich schwer und war in Schwei� gebadet; ich kann mich hinterher nie richtig daran erinnern. Kaum vermochte ich die F��e zu bewegen. Die Funken erreichten meine Schultern. Sie stachen mir in die Augen, und im Blinzeln vermochte ich das Muster kaum noch zu erkennen. An, aus, an, aus . . . Da war es. Ich setzte den rechten Fu� vor und wu�te im gleichen Augenblick, wie Benedict gef�hlt haben mu�te, dessen Beine vom schwarzen Gras festgehalten wurden. Unmittelbar bevor ich ihm den entscheidenden Schlag versetzte. Ich f�hlte mich selbst v�llig zerschlagen � �berall am Leibe. Linker Fu� vorw�rts . . . So langsam, da� ich nicht genau wu�te, ob sich das Bein �berhaupt bewegte. Meine H�nde waren blaue Flammen, meine Beine Feuers�ulen. Noch ein Schritt. Noch einer. Und noch einer.</p><p>Ich kam mir vor wie eine zum Leben erwachte Statue, wie ein auftauender Schneemann, wie ein nachgebender Eisentr�ger . . . Zwei weitere Schritte . . . Drei . . . Gletscherhaft waren meine Bewegungen, doch ich, der sie steuerte, hatte die ganze Ewigkeit zur Verf�gung und eine Best�ndigkeit des Willens, die seine Anerkennung finden w�rde . . .</p><p>Ich trat durch den Letzten Schleier. Ein enger Bogen folgte. Drei Schritte f�hrten in Dunkelheit und Frieden. Sie waren die schlimmsten von allen.</p><p><emphasis>Sisyphus!</emphasis> war mein erster Gedanke, als ich das Muster verlie�. <emphasis>Geschafft!</emphasis> war mein zweiter. Und der dritte: <emphasis>Nie wieder!</emphasis></p><p>Ich g�nnte mir den Luxus einiger tiefer Atemz�ge und eines kurzen Durchsch�tteins. Dann nahm ich das Juwel aus der Tasche und hob es in die H�he. Ich hielt es mir vor die Augen.</p><p>Im Inneren rot � ein tiefes Kirschrot, irgendwie rauchig schimmernd. Der Edelstein schien auf dem Wege durch das Muster an Licht, an Glanz gewonnen zu haben. Ich starrte hinein, dachte an Erics Instruktionen, verglich sie mit Dingen, die mir bereits bekannt waren.</p><p>Wenn man das Muster durchschritten und diesen Punkt erreicht hat, kann man sich davon an jeden Ort versetzen lassen, den man sich vorzustellen vermag. Es gen�gt der Wunsch und eine Willensanstrengung. Dementsprechend dachte ich nicht ohne leise Furcht an den n�chsten Schritt. Wenn die Wirkung so war wie gew�hnlich, mochte ich mich in eine ungew�hnliche Falle begeben. Doch Eric hatte den Schritt erfolgreich getan. Er war nicht in den Kern eines Juwels irgendwo in den Schatten eingeschlossen worden. Dworkin, der jene Notizen niedergelegt hatte, war ein gro�er Mann gewesen, und ich hatte ihm vertraut.</p><p>Ich sammelte meine Gedanken und steigerte meine Konzentration auf das Innere des Steins.</p><p>Im Kern befand sich eine verzerrte Darstellung des Musters, umgeben von flimmernden Lichtpunkten, winzigen Fackeln und Blitzen, verschiedenen Kurven und Str�ngen. Ich traf meine Entscheidung. Ich richtete meinen Willen aus . . .</p><p>R�te und langsame Bewegung. Als vers�nke ich in einem riesigen z�hfl�ssigen Ozean. Zuerst sehr langsam. Ein Dahintreiben und Verdunkeln. All die h�bschen Lichter noch weit, weit vor mir. Allm�hlich verst�rkte sich meine sp�rbare Bewegung. Lichtflocken, fern, durchbrochen, immer wiederkehrend. Nun offenbar ein wenig schneller. Kein Gr��envergleich m�glich. Ich war ein Bewu�tseinspunkt von unbestimmter Gr��e. Ich sp�rte Bewegung, ich nahm die Erscheinung wahr, der ich mich � nun fast beschleunigt � n�herte. Die R�te war nahezu vergangen, wie auch der bewu�te Gedanke an ein Medium. Der Widerstand lie� nach. Ich raste dahin. All dies schien nur einen winzigen Augenblick gedauert zu haben, schien noch immer den gleichen Augenblick zu beanspruchen. Das Ganze hatte etwas seltsam Zeitloses. Meine Geschwindigkeit in Bezug auf das, was nun mein Ziel zu sein schien, war enorm. Das kleine verdrehte Labyrinth wuchs an, l�ste sich zu etwas auf, das eine dreidimensionale Variation des Musters selbst zu sein schien. Durchsetzt von Funken aus farbigem Licht, wuchs es vor mir an, entfernt an eine bizarre Galaxis erinnernd, hingeworfen in die Mitte der ewigen Nacht, umgeben von einem schwachen Staubschimmer, dessen Bahnen aus zahlreichen funkelnden Punkten bestanden. Und das Gebilde wuchs an, oder ich schrumpfte ein, oder es r�ckte vor, oder ich r�ckte vor, und wir waren nahe, dicht beieinander, und dann f�llte es den gesamten Raum aus, von oben bis unten, von hier bis dort, und meine Eigengeschwindigkeit schien noch mehr zuzunehmen, wenn das �berhaupt m�glich war. Ich wurde gepackt, �berw�ltigt von dem grellen Glanz, und da war eine Lichtbahn, von der ich wu�te, da� sie den Anfang bedeutete. Ich war zu nahe � hatte mich tats�chlich schon verirrt �, um die Erscheinung in ihrer G�nze noch zu begreifen, doch das Aufb�umen, das Flackern, das wilde Hin und Her jener Dinge, die ich ringsum davon sehen konnte, brachte mich auf die Frage, ob drei Dimensionen ausreichten, um die sinnverwirrenden Dinge zu erkl�ren, denen ich mich gegen�bersah. Fort von meiner galaktischen Analogie trug mich ein Winkel meines Geistes nun in das andere Extrem und lie� mich an den unendlich dimensionierten Gilbert-Raum des Subatomaren denken. Doch letztlich war dies eine Metapher der Verzweiflung. In aller Offenheit � ich verstand �berhaupt nichts von alledem. Ich hatte nur das immer st�rker werdende Gef�hl � ausgel�st durch das Muster? Instinktiv? �, da� ich auch dieses Gewirr �berwinden mu�te, um jenen neuen Grad der Macht zu erringen, auf den es mir ankam.</p><p>Und darin irrte ich nicht. Meine offenkundige Geschwindigkeit ver�nderte sich nicht, als ich in die Erscheinung hineingewirbelt wurde. Ich wurde herumgezerrt und auf lichtblitzenden Wegen dahingeschleudert, ich flog durch substanzlose Wolken aus Glimmer und Schein. Es gab keine Zonen des Widerstands wie im echten Muster; mein Bewegungsmoment schien auszureichen, um mich hindurchzutragen. Eine blitzschnelle Tour durch die Milchstra�e? Ein Ertrinkender, der durch Korallenschluchten gewirbelt wird? Ein schl�friger Spatz, der am Abend des vierten Juli �ber einen Jahrmarkt flattert? Dies waren meine Gedanken, als ich mir meine Passage in dieser ver�nderten Weise noch einmal vor Augen f�hrte.</p><p>. . . Und hinaus, durch, �ber und vorbei, in einem r�tlichen Licht, das mich beleuchtete, wie ich mich selbst beobachtete, w�hrend ich neben dem Muster stehend das Juwel betrachtete. Das Muster darin, in mir, alles in mir, ich darin, die R�te nachlassend, schw�cher werdend, erl�schend. Dann nur noch ich, das Schmuckst�ck, das Muster, allein, die Verbindung zwischen Subjekt und Objekt wiederhergestellt � nur eine Oktave h�her, was meines Erachtens der beste Weg ist, die Ver�nderung zu beschreiben. Eine gewisse Empathie gab es nun tats�chlich. Es war, als h�tte ich einen neuen Sinn hinzugewonnen, eine zus�tzliche Ausdrucksm�glichkeit. Es war eine seltsame Empfindung, irgendwie befriedigend.</p><p>Begierig, diese F�higkeit auf die Probe zu stellen, sammelte ich meine Willenskr�fte und befahl dem Muster, mich an einen anderen Ort zu transportieren.</p><p>Und schon stand ich in dem runden Zimmer auf dem h�chsten Turm in Amber. Ich durchquerte das Zimmer und trat auf einen schmalen Balkon hinaus. Der Gegensatz machte sich stark bemerkbar, so dicht nach der �bersinnlichen Reise, die hinter mir lag. Einige Sekunden lang stand ich einfach nur da und schaute hinaus.</p><p>Das Meer wies eine Vielfalt von Schraffuren auf, der Himmel war zum Teil bew�lkt, es n�herte sich der Abend. Die Wolken selbst waren ein Muster aus weicher Helligkeit und krassen Schatten. Der Wind wehte zur See hin, so da� ich auf den Salzgeruch vor�bergehend verzichten mu�te. Dunkle V�gel bildeten Punkte am Himmel, die in gro�er Entfernung �ber dem Wasser hin und her schwankten oder verharrten. Unter mir erstreckten sich die Palasth�fe und die Terrassen der Stadt bis zum Rand des Kolvir. Die Menschen auf den Stra�en waren winzig, ihre Bewegungen �berfl�ssig. Ich f�hlte mich ausgesprochen allein.</p><p>Dann ber�hrte ich das Schmuckst�ck und lie� ein Unwetter aufziehen.</p></section><section><title><p>4</p></title><p>Als ich zur�ckkehrte, warteten Random und Flora bereits in meiner Unterkunft. Randoms Blick richtete sich zuerst auf das Juwel, dann auf mein Gesicht. Ich nickte.</p><p>Dann wandte ich mich mit einer leichten Verbeugung an Flora. �Schwester�, sagte ich. �Es ist lange her, sehr lange.� Sie sah mich ein wenig ver�ngstigt an, was mir nur recht war. Dann l�chelte sie aber und ergriff meine Hand.</p><p>�Bruder�, sagte sie. �Wie ich sehe, hast du dein Wort gehalten.�</p><p>Hellgolden war ihr Haar. Sie trug es kurzgeschnitten, und in L�ckchen gedreht. Ich wu�te immer noch nicht, ob ich die Frisur mochte oder nicht. Sie hatte herrliches Haar, blaue Augen und ausreichend Eitelkeit, um alles aus der ihr genehmen Perspektive zu sehen. Zuweilen schien sie ausgesprochen dumm zu handeln, doch dann gab es wieder Augenblicke, da ich �ber ihre Entschl�sse staunte.</p><p>�Entschuldige, da� ich dich so anstarre�, sagte ich. �Doch als wir das letztemal zusammen waren, konnte ich dich nicht sehen.�</p><p>�Ich bin sehr gl�cklich, da� du wieder sehen kannst. Blindheit mu� schrecklich sein�, erwiderte sie. �Es war ziemlich . . . Jedenfalls konnte ich es nicht verhindern.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich und dachte an ihr Lachen von der anderen Seite der Dunkelheit bei einem der Jahrestage des gro�en Ereignisses. �Ich wei�.�</p><p>Ich trat ans Fenster und �ffnete es in dem sicheren Wissen, da� der Regen nicht zu uns hereindringen w�rde. Ich liebe den Geruch von Unwettern.</p><p>�Random, hast du etwas Interessantes erfahren �ber den mutma�lichen Briefeschreiber?� erkundigte ich mich.</p><p>�Eigentlich nicht�, sagte er. �Ich habe Erkundigungen eingezogen. Niemand scheint an besagtem Ort zu besagter Zeit jemanden gesehen zu haben.�</p><p>�Ich verstehe. Vielen Dank. Vielleicht sprechen wir uns sp�ter noch.�</p><p>�Sch�n�, sagte er. �Ich werde ohnehin den Abend in meinem Zimmer verbringen.�</p><p>Ich nickte, wandte mich um, lehnte mich mit dem R�cken gegen die Fensterbank und beobachtete Flora. Random schlo� die T�r leise hinter sich. Eine halbe Minute lang lauschte ich auf den Regen.</p><p>�Was willst du mit mir anstellen?� wollte Flora schlie�lich wissen.</p><p>�Anstellen?�</p><p>�Du bist neuerdings in der Lage, alte Schulden einzutreiben. Vermutlich soll es damit jetzt losgehen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich. �Doch die meisten Dinge h�ngen von anderen Dingen ab � das ist hier und jetzt nicht anders.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Gib mir, was ich will � dann werden wir sehen. Ab und zu kann ich sogar nett sein.�</p><p>�Was willst du von mir?�</p><p>�Die Geschichte, Flora. Fangen wir einmal damit an. Wie du in jenem Schatten auf der Erde meine W�chterin wurdest. Alle wichtigen Einzelheiten. Wie lautete die Vereinbarung? Was hattet ihr abgesprochen? Das ist alles.�</p><p>Sie seufzte.</p><p>�Es begann . . .�, sagte sie. �Ja . . . es war in Paris, bei der Party eines gewissen Monsieur Focault. Etwa drei Jahre vor den Schrecknissen . . .�</p><p>�Moment!� sagte ich. �Was tatest du dort?�</p><p>�Ich hatte mich etwa f�nf Jahre Ortszeit in jener Schattengegend aufgehalten�, sagte sie. �Ich war auf der Suche nach etwas Neuem herumgewandert, nach etwas, das meine Unruhe stillen konnte. Und jenen Ort fand ich damals ohne besondere Umst�nde. Ich lie� mich von meinen W�nschen lenken und folgte meinen Instinkten.�</p><p>�Ein seltsamer Zufall.�</p><p>�Nicht wenn man die darauf verwendete Zeit bedenkt � und die vielen Reisen, die wir im allgemeinen machen. Dieser Schatten war, wenn du so willst, mein Avalon, mein Amber-Ersatz, meine zweite Heimat. Nenn ihn, wie du willst, jedenfalls bist du damals an jenem Oktoberabend mit der kleinen Rothaarigen bei der Party aufgekreuzt � ich glaube, sie hie� Jacqueline.�</p><p>Ja, das brachte Erinnerungen aus der Tiefe hoch, Erinnerungen, auf die ich sehr lange nicht mehr zur�ckgegriffen hatte. Dabei erinnerte ich mich an Jacqueline viel klarer als an Focaults Party.</p><p>�Sprich weiter.�</p><p>�Wie gesagt�, fuhr sie fort. �Ich war dort. Du kamst sp�ter. Nat�rlich wurde ich sofort auf dich aufmerksam. Wenn man lange genug lebt und ziemlich viel reist, trifft man gelegentlich auf eine Person, die gro�e �hnlichkeit mit einem Bekannten hat. Das war mein Gedanke nach der ersten Aufregung. Bestimmt war das nur ein Doppelg�nger! Es war sehr viel Zeit vergangen. Ich war lange ohne ein Wort von dir gewesen. Doch wir alle haben unsere Geheimnisse und gute Gr�nde f�r diese Geheimnisse. Hier war vielleicht eines deiner Geheimnisse. Ich sorgte daf�r, da� wir einander vorgestellt wurden, und hatte anschlie�end gro�e M�he, dich f�r ein paar Minuten von dem rothaarigen Teufel zu trennen. Und du bestandest darauf, Fenneval zu hei�en � Cordell Fenneval. Ich war unsicher. Ich konnte mir nicht schl�ssig werden, ob du ein Doppelg�nger warst oder du selbst in einer deiner Rollen. Allerdings ging mir auch die dritte M�glichkeit durch den Kopf � da� du n�mlich eine ausreichend lange Zeit in benachbarten Schatten gelebt hattest, um eigene Schatten auszuwerfen. Vielleicht h�tte ich die Party im Ungewissen verlassen, wenn Jacqueline nicht mir gegen�ber deine Kr�fte herausgekehrt h�tte. Dies ist nun nicht gerade ein allt�gliches Gespr�chsthema zwischen Frauen, und ihr Ton �berzeugte mich, da� sie von einigen Dingen, die du getan hattest, wirklich beeindruckt gewesen war. Ich horchte sie noch ein wenig aus und erkannte, da� es sich um Taten handelte, die durchaus im Rahmen deiner F�higkeiten lagen. Das schlo� die M�glichkeit eines Doppelg�ngers aus. Also entweder du selbst oder ein Schatten. Und selbst wenn Cordell nicht Corwin war � hier hatte ich nun zumindest einen Hinweis darauf, da� du in dieser Schattengegend warst oder gewesen warst � der erste echte Anhaltspunkt f�r deinen Verbleib. Ich mu�te der Sache nachgehen. Ich beschlo�, dir auf der Spur zu bleiben, ich lie� Nachforschungen �ber deine Vergangenheit anstellen. Je mehr Leute ich befragte, um so r�tselhafter wurde die Sache. Nach mehreren Monaten war ich nicht weiter als am Anfang. Es gab gen�gend unklare Momente, um beide Varianten m�glich zu machen. Die Frage kl�rte sich endg�ltig im folgenden Sommer, als ich mich eine Zeitlang in Amber aufhielt. Ich sprach mit Eric �ber die seltsame Angelegenheit . . .�</p><p>�Ja?�</p><p>�Nun . . . er . . . verschlo� sich dieser M�glichkeit nicht.�</p><p>Sie schwieg und legte die Handschuhe auf dem Stuhl neben sich zurecht.</p><p>�Aha�, sagte ich. �Was hat er gesagt?�</p><p>�Da� du es vielleicht wirklich w�rst�, sagte sie. �Er teilte mir mit, es habe � einen Unfall gegeben.�</p><p>�Wirklich?�</p><p>�Also � nein�, r�umte sie ein. �Er sprach nicht von einem Unfall. Er sagte, es w�re zu einem Kampf gekommen, und er h�tte dich verletzt. Er w�re der Ansicht gewesen, du w�rdest sterben, und wollte nicht damit belastet werden. Folglich brachte er dich in die Schatten und lie� dich an jenem Ort zur�ck. Und nach langer Zeit kam er zu dem Schlu�, da� du tot sein m��test, da� der Streit zwischen euch endg�ltig ausgetragen sei. Meine Mitteilung beunruhigte ihn nat�rlich sehr. Er verpflichtete mich zur Verschwiegenheit und schickte mich zur�ck, damit ich dich im Auge behalte. Schlie�lich hatte ich einen guten Grund f�r meine Anwesenheit dort, da ich bereits �berall herumerz�hlt hatte, wie gut mir diese Schattenwelt gefiel.�</p><p>�Du hast ihm dein Schweigen sicher nicht umsonst versprochen, Flora. Was hat er dir gegeben?�</p><p>�Er gab mir sein Wort, da� er mich nicht vergessen w�rde, wenn er jemals hier in Amber etwas zu sagen h�tte.�</p><p>�Das war ein wenig leichtsinnig von dir�, sagte ich. �Schlie�lich hattest du trotz allem eine Handhabe gegen ihn � das Wissen um den Aufenthaltsort eines anderen Thronanw�rters und um Erics Rolle bei der Versetzung des Rivalen dorthin.�</p><p>�Das ist richtig. Doch das glich sich irgendwie aus � und ich h�tte meine Komplicenschaft zugeben m�ssen, sobald ich dar�ber sprechen wollte.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Mager, aber nicht unm�glich�, sagte ich. �Aber hast du angenommen, er w�rde mich weiterleben lassen, wenn er wirklich eine Chance auf den Thron erhielt?�</p><p>�Dar�ber haben wir nie gesprochen. Niemals!�</p><p>�Aber du hast dir doch bestimmt Gedanken dar�ber gemacht.�</p><p>�Ja, sp�ter�, sagte sie. �Und ich kam zu dem Schlu�, da� er vermutlich gar nichts tun w�rde. Schlie�lich sah es inzwischen so aus, als h�ttest du das Ged�chtnis verloren. Es gab nicht den geringsten Grund, dir etwas anzutun, solange du harmlos warst.�</p><p>�Du bist also geblieben, um mich zu bewachen, um daf�r zu sorgen, da� ich harmlos blieb?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Was h�ttest du getan, wenn erkennbar geworden w�re, da� ich mein Ged�chtnis zur�ckerhielt?�</p><p>Nun sah sie mich an und wandte den Kopf ab.</p><p>�Ich h�tte es Eric gemeldet.�</p><p>�Und was h�tte er getan?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>Ich lachte auf, und sie err�tete. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich Flora das letztemal in Verlegenheit gebracht hatte.</p><p>�Ich will hier nicht auf dem Offensichtlichen herumreiten�, sagte ich. �Sch�n, du bist also geblieben, du hast mich beobachtet. Was dann? Was passierte dann?�</p><p>�Nichts Besonderes. Du hast dein flottes Leben genossen, und ich habe dich im Auge behalten.�</p><p>�Und alle anderen wu�ten, wo du warst?�</p><p>�Ja. Ich hatte kein Geheimnis um meinen Verbleib gemacht. Die anderen haben mich sogar alle mal besucht, allerdings einzeln.�</p><p>�Auch Random?�</p><p>Ihre Lippen kr�uselten sich.</p><p>�Ja, mehrmals�, sagte sie.</p><p>�Warum das sp�ttische L�cheln?�</p><p>�Ich kann nicht gerade behaupten, da� ich ihn mag�, sagte sie. �Wei�t du, mir gefallen die Leute nicht, mit denen er sich abgibt � Verbrecher, Jazzmusiker . . . Ich mu�te ihm das �bliche verwandtschaftliche Entgegenkommen erweisen, als er meinen Schatten besuchte, doch ging er mir ziemlich auf die Nerven. Immer wieder schleppte er komische Leute an � zu Jam Sessions und Pokerpartien. Nach seinem Besuch stank das Haus noch wochenlang nach Alkohol und Zigarettenqualm, und ich war immer froh, wenn er wieder fort war. Tut mir leid. Ich wei�, da� du ihn magst, aber du wolltest die Wahrheit h�ren.�</p><p>�Er hat dich in deiner Empfindlichkeit verletzt. Also gut. Jetzt m�chte ich deine Aufmerksamkeit auf die kurze Zeit lenken, da ich dein Gast war. Dabei stie� Random ziemlich pl�tzlich zu uns. Ihm dicht auf den Fersen war ein halbes Dutzend unangenehmer Burschen, die wir in deinem Wohnzimmer erledigten.�</p><p>�Ich erinnere mich sogar ziemlich deutlich daran.�</p><p>�Erinnerst du dich auch an diese Kerle � die Wesen, gegen die wir k�mpfen mu�ten?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Noch so gut, da� du einen wiedererkennen w�rdest?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>�Gut. Hattest du diese Gesch�pfe vorher schon einmal gesehen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Und seither?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Hast du irgendwo eine Beschreibung von ihnen geh�rt oder gelesen?�</p><p>�Soweit ich mich erinnere, nicht. Wieso?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Moment. Dies ist mein Verh�r, denk dran. Jetzt erinnere dich bitte an die Zeit vor jenem Abend. An das Ereignis, das mich nach Greenwood brachte. Vielleicht sogar ein bi�chen fr�her. Was passierte damals, und wie hast du davon erfahren? Wie waren die Umst�nde? Was war deine Rolle?�</p><p>�Ja�, sagte sie. �Ich wu�te, da� du mich fr�her oder sp�ter danach fragen w�rdest. Eric setzte sich am Tag nach dem Ereignis mit mir in Verbindung � �ber den Trumpf, von Amber aus.� Wieder sah sie mich an, wohl um meine Reaktion zu beobachten. Mein Gesicht blieb ausdruckslos. �Er sagte mir, du seist am Abend zuvor in einen schlimmen Unfall verwickelt worden und im Krankenhaus. Er bat mich, dich in eine Privatklinik verlegen zu lassen, wo ich mehr Einflu� auf deine Behandlung nehmen k�nnte.�</p><p>�Mit anderen Worten � er wollte, da� ich ein Wrack blieb.�</p><p>�Er wollte, da� du immer unter dem Einflu� von Bet�ubungsmitteln standest.�</p><p>�Hat er zugegeben, f�r den Unfall verantwortlich zu sein � oder nicht?�</p><p>�Er hat nicht gesagt, dein Reifen sei auf seinen Befehl hin kaputtgeschossen worden, doch er wu�te genau �ber den Hergang des Unfalls Bescheid. Woher h�tte er es sonst erfahren sollen? Als man mir sp�ter mitteilte, da� er den Thron besteigen wollte, nahm ich einfach an, er habe es schlie�lich f�r das beste gehalten, dich v�llig zu beseitigen. Als der Versuch fehlschlug, kam es mir logisch vor, da� er die n�chstbeste Ma�nahme ergriff � daf�r zu sorgen, da� du aus dem Wege bliebst, bis die Kr�nung vor�ber war.�</p><p>�Ich hatte keine Ahnung, da� jemand auf meine Reifen geschossen hat�, sagte ich.</p><p>Ihr Gesichtsausdruck ver�nderte sich. Dann erholte sie sich wieder.</p><p>�Du hast mir gesagt, du w��test, da� es kein Unfall war � da� jemand dich hatte umbringen wollen. Da dachte ich, du w��test die Einzelheiten.�</p><p>Zum erstenmal seit langer Zeit bewegte ich mich wieder auf schwankendem Boden. Meine Amnesie war noch immer nicht v�llig geheilt � ein Zustand, bei dem es vermutlich bleiben w�rde. Meine Erinnerungen an die letzten Tage unmittelbar vor dem Unfall waren noch immer l�ckenhaft. Das Muster hatte die verlorenen Erinnerungen an mein gesamtes Leben bis zu dieser Zeit wiederhergestellt, doch das Trauma schien den R�ckgriff auf einige Ereignisse unmittelbar davor zu verhindern. So etwas kommt vor. Vermutlich organischer Schaden, nicht blo� eine einfache Funktionsst�rung. Ich war so gl�cklich, das gro�e Ganze wieder im Griff zu haben, da� die wenigen L�cken mir nicht besonders ins Gewicht zu fallen schienen. Was den Unfall und mein Gef�hl anging, da� es mehr gewesen war als nur ein Unfall . . . Nun, ich erinnerte mich pl�tzlich an Sch�sse. Es war zweimal geschossen worden. Vielleicht hatte ich sogar einen Blick auf die Gestalt mit dem Gewehr werfen k�nnen � blitzschnell, zu sp�t. Vielleicht war das aber auch nur Einbildung. Doch es wollte mir scheinen, als h�tte ich den Kerl gesehen. Ein entsprechender Eindruck hatte mich geplagt, als ich nach Westchester fuhr. Doch selbst jetzt noch, da ich in Amber die Macht hatte, mochte ich diesen Mangel nicht eingestehen. Schon einmal hatte ich mich bei Flora durchgesetzt, und damals hatte ich viel weniger gewu�t. Ich beschlo�, bei dem erprobten Rezept zu bleiben.</p><p>�Ich war nicht in der Lage auszusteigen und mir anzusehen, was getroffen worden war�, sagte ich. �Ich h�rte die Sch�sse. Ich verlor die Kontrolle �ber den Wagen. Ich nahm an, da� es ein Reifen war, doch ich war meiner Sache nicht sicher. Ich habe die Frage auch nur aufgebracht, weil ich erfahren wollte, woher du wu�test, da� es ein Reifen war.�</p><p>�Ich sagte dir schon, da� Eric mir davon erz�hlt hat.�</p><p>�Nein, aber mir war viel wichtiger, <emphasis>wie</emphasis> du das gesagt hast. Deinem Tonfall nach zu urteilen, wu�test du die Einzelheiten schon vor seinem Anruf.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Verzeih mir wegen der Ausdrucksweise�, sagte sie. �Dazu kommt es manchmal, wenn man die Dinge im R�ckblick �berdenkt, wenn man l�ngst alles wei�. Ich mu� leider abstreiten, was du hier andeutest. Ich hatte nichts damit zu tun und hatte vor dem Ereignis keine Ahnung davon.�</p><p>�Da Eric nicht mehr in der Lage ist, irgend etwas zu best�tigen oder abzustreiten, m�ssen wir es wohl dabei bewenden lassen�, sagte ich. �Im Augenblick jedenfalls.� Die letzten Worte setzte ich hinzu, damit sie sich noch mehr als bisher auf ihre Verteidigung konzentrierte, damit sie abgelenkt wurde von jedem m�glichen Hinweis in Wort oder Ausdruck, aus dem sie wom�glich auf die noch vorherrschenden kleinen L�cken in meinem Ged�chtnis schlie�en konnte. �Hast du sp�ter noch erfahren, wer die Person mit dem Gewehr gewesen ist?� fragte ich.</p><p>�Niemals�, erwiderte sie. �Vermutlich ein gemieteter Gangster. Ich wei� es nicht.�</p><p>�Hast du eine Vorstellung, wie lange ich bewu�tlos war, ehe ich gefunden und in ein Krankenhaus gebracht wurde?�</p><p>Wieder sch�ttelte sie den Kopf.</p><p>Irgend etwas st�rte mich, doch ich vermochte nicht genau zu bestimmen, was es war.</p><p>�Hat Eric dir gesagt, zu welcher Zeit ich ins Krankenhaus gebracht wurde?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Als ich bei dir war, warum hast du versucht, zu Fu� nach Amber zur�ckzukehren? Warum hast du nicht Erics Trumpf verwendet?�</p><p>�Ich bekam keinen Kontakt mit ihm.�</p><p>�Du h�ttest einen anderen von uns ansprechen k�nnen, der dich geholt h�tte�, sagte ich. �Flora � ich glaube, du l�gst mich an.�</p><p>Eigentlich waren die Worte nur ein Schu� ins Dunkle, um zu sehen, wie sie reagierte. Warum auch nicht?</p><p>�Inwiefern?� fragte sie. �Ich bekam mit niemandem Kontakt. Sie waren alle irgendwie besch�ftigt. Meinst du das?�</p><p>Sie sah mich lauernd an.</p><p>Ich hob den Arm und deutete auf sie, und hinter mir, unmittelbar vor dem Geb�ude, zuckte ein Blitz auf. Der Donnerschlag war ebenfalls sehr eindrucksvoll.</p><p>�Du vers�ndigst dich durch Auslassung�, sagte ich probehalber.</p><p>Sie bedeckte das Gesicht mit den H�nden und begann zu weinen.</p><p>�Ich wei� nicht, was du meinst!� s�gte sie. �Ich habe alle deine Fragen beantwortet! Was willst du von mir? Ich wei� nicht, wohin du wolltest oder wer auf dich geschossen hat oder wann es geschah! Ich wei� nur die Tatsachen, die ich dir eben aufgez�hlt habe, verdammt nochmal!�</p><p>Entweder war sie ehrlich oder mit diesen Mitteln nicht zu �berf�hren, �berlegte ich. Wie dem auch immer � ich verschwendete meine Zeit. So kam ich nicht weiter. Au�erdem sollte ich den Unfall lieber auf sich beruhen lassen, ehe sie sich Gedanken zu machen begann �ber seine Bedeutung f�r mich. Wenn mir noch etwas entgangen war, wollte ich es als erster finden.</p><p>�Komm mit�, sagte ich.</p><p>�Wohin?�</p><p>�Ich m�chte, da� du etwas f�r mich identifizierst. Den Grund sage ich dir hinterher.�</p><p>Sie erhob sich und folgte mir. Ich f�hrte sie durch den Flur zu der Leiche, ehe ich ihr die Geschichte mit Caine vortrug. Sie betrachtete ziemlich unger�hrt den Toten. Dann nickte sie.</p><p>�Ja�, sagte sie und setzte hinzu: �Selbst wenn ich das Wesen nicht kenne, w�rde ich es gern behaupten � f�r dich.�</p><p>Ich knurrte etwas Unverbindliches. Familientreue r�hrt mich immer an. Ich war mir nicht schl�ssig, ob sie mir glaubte, was ich �ber Caines Tod erz�hlt hatte, doch letztlich war mir das nicht wichtig. Ich erz�hlte ihr nichts �ber Brand, �ber den sie offenbar auch nichts Neues wu�te. Als alles gesagt war, war ihr einziger Kommentar: �Das Juwel steht dir gut. Was ist mit dem Kopfschmuck?�</p><p>�Reden wir nicht davon � dazu ist es zu fr�h�, erwiderte ich.</p><p>�Was immer dir meine Unterst�tzung n�tzen kann . . .�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Ich wei�.�</p><empty-line/><p>Mein Mausoleum ist ein ruhiger Ort. Es steht allein in einer Felsnische, auf drei Seiten vor den Elementen gesch�tzt, umgeben von aufgeh�ufter Muttererde, in der zwei knorrige B�ume, verschiedene B�sche, Unkr�uter und Bergefeupflanzen wurzeln. Die Stelle liegt auf der anderen Seite des Kolvir, etwa zwei Meilen unterhalb des Gipfels. Das eigentliche Mausoleum ist ein langes, niedriges Geb�ude mit zwei B�nken an der Vorderfront; der Efeu hat einen gro�en Teil des Bauwerks eingeh�llt und verdeckt gn�dig die bombastischen �u�erungen, die unter meinem Namen in die Steinfl�chen eingemei�elt sind. Verst�ndlicherweise ist das Bauwerk die meiste Zeit verlassen.</p><p>An jenem Abend jedoch begaben sich Ganelon und ich dorthin, begleitet von einem guten Vorrat an Wein und Brot und kaltem Fleisch.</p><p>�Du hast ja gar nicht gescherzt!� sagte er, nachdem er abgestiegen war, den Efeu zur Seite gestreift und im Mondlicht die Worte gelesen hatte, die dort angebracht waren.</p><p>�Nat�rlich nicht�, gab ich zur�ck, stieg ebenfalls ab und k�mmerte mich um die Pferde. �Dies ist mein Haus.�</p><p>Ich band die Tiere an einen Busch in der N�he, nahm die Beutel mit Vorr�ten ab und trug sie zur n�chsten Bank. Ganelon setzte sich zu mir, als ich die erste Flasche �ffnete und zwei Gl�ser f�llte.</p><p>�Ich verstehe das noch immer nicht�, sagte er und nahm sein Getr�nk entgegen.</p><p>�Was gibt es da zu verstehen? Ich bin tot und liege hier begraben. Dies ist mein Zenotaph � das Monument, das errichtet wird, wenn eine Leiche nicht zu finden ist. Ich habe erst k�rzlich von dem Bauwerk erfahren. Es wurde vor mehreren Jahrhunderten gebaut, als man zu dem Schlu� kam, da� ich nicht zur�ckkehren w�rde.�</p><p>�Irgendwie unheimlich�, bemerkte er. �Was ist denn da drin?�</p><p>�Nichts. Allerdings hat man r�cksichtsvollerweise eine Nische gebaut und einen Sarg hineingestellt, f�r den Fall, da� meine �berreste doch noch auftauchten. So war man auf alles vorbereitet.�</p><p>Ganelon machte sich ein belegtes Brot.</p><p>�Wessen Einfall war denn das?�</p><p>�Random meint, Brand oder Eric h�tten die Sprache darauf gebracht. Niemand erinnert sich genau daran. Damals hielten wohl alle den Vorschlag f�r gut.�</p><p>Er lachte leise � ein unheimlicher Laut, der ausgezeichnet zu seinem faltigen, vernarbten, rotb�rtigen Wesen pa�te.</p><p>�Was wird denn jetzt daraus?�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Vermutlich sind einige der Ansicht, es sei schade, das Bauwerk verkommen zu lassen; sie h�tten es am liebsten, wenn ich es f�llte. Doch bis es soweit ist, haben wir hier ein h�bsches Fleckchen zum Besaufen. Jedenfalls hatte ich meinen Antrittsbesuch hier noch nicht gemacht.�</p><p>Auch ich richtete mir zwei Brote und verzehrte sie. Dies war die erste wirkliche Atempause, die ich seit meiner R�ckkehr hatte � und vielleicht auf absehbare Zeit die letzte. Ich wu�te es nicht. In der letzten Woche hatte ich jedenfalls keine Gelegenheit gehabt, mich mit Ganelon in Ruhe zu unterhalten, obwohl er einer der wenigen Menschen war, denen ich wirklich vertraute. Ich wollte ihm alles erz�hlen. Ich konnte nicht anders. Ich mu�te mit jemandem sprechen, der nicht damit zu tun hatte, wie alle �brigen. Und ich trug ihm meine Sorgen vor.</p><p>Der Mond bewegte sich ein gutes St�ck, und die Glasscherben in meiner Krypta vermehrten sich.</p><p>�Wie haben die anderen darauf reagiert?� fragte er schlie�lich.</p><p>�Wie nicht anders zu erwarten�, gab ich zur�ck. �Ich wu�te genau, da� mir Julian kein Wort geglaubt hat � obwohl er das behauptete. Er wei�, wie ich zu ihm stehe, und ist nicht in der Lage, mich herauszufordern. Ich glaube auch nicht, da� Benedict mir glaubt, doch aus ihm wird man nicht so recht schlau. Er wartet seine Zeit ab, doch ich hoffe, da� er sich wenigstens die M�he gibt, meine Argumente abzuw�gen. Was G�rard angeht, so habe ich das Gef�hl, da� jetzt der entscheidende Ansto� gegeben worden ist � wenn er mir bisher noch vertraut hat, ist es damit nun endg�ltig vorbei. Dennoch wird er morgen fr�h nach Amber zur�ckkehren, um mich zu dem W�ldchen zu begleiten. Wir wollen Caines Leiche heimholen. Ich wollte das Ganze zwar nicht zu einer Safari werden lassen, doch ein Familienmitglied sollte wenigstens dabei sein. Deirdre nun � sie schien ganz zufrieden zu sein. Ich bin sicher, da� sie mir kein Wort geglaubt hat. Aber das ist auch nicht erforderlich. Sie hat immer auf meiner Seite gestanden und Caine nie gemocht. Ich w�rde sagen, sie ist froh, da� ich offenbar meine Position konsolidiere. Ob Llewella mir geglaubt hat oder nicht, wei� ich nicht. Soweit ich ausmachen kann, ist es ihr ziemlich gleichg�ltig, was wir anderen miteinander anstellen. Und was Fiona betrifft, so schien sie lediglich am�siert zu sein. Doch sie steht seit jeher irgendwie �ber den Dingen. Man wei� nie genau, was sie wirklich denkt.�</p><p>�Hast du den anderen schon von der Sache mit Brand erz�hlt?�</p><p>�Nein. Ich habe mich auf Caine beschr�nkt und ihnen gesagt, sie sollten morgen abend alle nach Amber kommen. Bei dieser Gelegenheit werden wir dann auf Brand zu sprechen kommen. Ich habe da eine Idee, die ich ausprobieren m�chte.�</p><p>�Du hast dich mit allen durch die Tr�mpfe in Verbindung gesetzt?�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Deswegen wollte ich dich schon immer mal fragen. In der Schattenwelt, in der wir vor einiger Zeit Waffen kauften, gibt es Telefone . . .�</p><p>�Ja?�</p><p>�W�hrend unseres Aufenthalts dort erfuhr ich von Abh�rm�glichkeiten und so weiter. Was meinst du � ist es vielleicht m�glich, die Tr�mpfe anzuzapfen?�</p><p>Ich begann zu lachen, h�rte aber schleunigst auf, als mir einige Folgerungen seines Gedankens bewu�t wurden. �Keine Ahnung�, sagte ich. �Ein Gro�teil von Dworkins Arbeit liegt noch im Dunkeln. Bisher bin ich gar nicht auf den Gedanken gekommen. Ich jedenfalls habe es noch nicht versucht. Aber ich frage mich . . .�</p><p>�Wei�t du, wie viele Kartenspiele es gibt?�</p><p>�Nun, jeder in der Familie hat ein oder zwei Kartens�tze, und in der Bibliothek befand sich etwa ein Dutzend Ersatzspiele. Ich wei� nicht, ob es woanders noch Karten gibt.�</p><p>�Ich habe den Eindruck, als lie�e sich eine Menge erfahren, wenn man einfach nur zuh�rt.�</p><p>�Ja. Vaters Spiel, Brands Spiel, mein erstes Spiel, das Spiel, das Random verloren hat . . . H�lle! Wir wissen heute wirklich nicht, wo eine Reihe von Kartens�tzen geblieben sind. Aber ich habe keine Ahnung, was ich nun tun soll. Vermutlich sind eine Inventur und ein paar Versuche angebracht. Vielen Dank f�r deinen Hinweis.�</p><p>Er nickte, und wir tranken eine Zeitlang stumm vor uns hin.</p><p>�Was willst du tun, Corwin?� fragte er schlie�lich.</p><p>�In welcher Beziehung?�</p><p>�Na, wegen allem. Was greifen wir jetzt an? In welcher Reihenfolge?�</p><p>�Urspr�nglich hatte ich die Absicht, die schwarze Stra�e zu ihrem Ursprung zur�ckzuverfolgen, sobald sich die Lage hier in Amber etwas beruhigt h�tte�, antwortete ich. �Doch meine Priorit�ten sehen inzwischen anders aus. Wenn Brand noch lebt, m�chte ich ihn schleunigst zur�ckholen. Ist er aber tot, will ich wissen, was ihm zugesto�en ist.�</p><p>�Aber wird dir der Gegner soviel Bewegungsspielraum lassen? Vielleicht ist l�ngst eine neue Offensive in Vorbereitung?�</p><p>�Ja, nat�rlich. Das ist ber�cksichtigt. Ich glaube aber, da� wir noch ein wenig Zeit haben, da unser letzter Sieg ja gerade erst letzte Woche stattgefunden hat. Die Wesen m�ssen sich erst wieder sammeln; sie m�ssen ihre Streitkr�fte aufmuntern und die Situation im Hinblick auf unsere neuen Waffen �berdenken. Ich trage mich mit dem Gedanken, an der schwarzen Stra�e eine Reihe von Wachstationen einzurichten, damit wir von jeder neuen Bewegung des Gegners sofort erfahren. Benedict hat sich bereit erkl�rt, diese Aktion zu leiten.�</p><p>�Ich frage mich, wieviel Zeit wir haben.�</p><p>Ich schenkte ihm frischen Wein nach � die einzige Antwort, die mir im Augenblick einfiel.</p><p>�In Avalon � in <emphasis>unserem</emphasis> Avalon, meine ich � waren die Dinge nie so kompliziert.�</p><p>�Das ist wahr�, gab ich zur�ck. �Du bist nicht der einzige, der sich in jene Zeit zur�cksehnt. Wenigstens scheint sie einem im R�ckblick einfacher und �berschaubarer gewesen zu sein.�</p><p>Er nickte. Ich bot ihm eine Zigarette an, doch er lehnte ab, da er lieber eine Pfeife rauchen wollte. Im Flammenschein studierte er das Juwel des Geschicks, das noch immer auf meiner Brust hing.</p><p>�Kannst du mit dem Ding wirklich das Wetter kontrollieren?� fragte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Woher wei�t du das?�</p><p>�Ich habe es ausprobiert. Es funktioniert.�</p><p>�Was hast du gemacht?�</p><p>�Das Unwetter heute nachmittag. Daf�r war ich verantwortlich.�</p><p>�Ich wei� nicht recht . . .�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich frage mich, was ich mit dieser Art von Macht angefangen h�tte. Was ich damit tun w�rde.�</p><p>�Mein erster Gedanke�, sagte ich und schlug mit der Handfl�che gegen die Mauer meines Mausoleums, �lief darauf hinaus, dieses Ding durch Blitze zu zerschmettern. Damit jeder genau wu�te, was ich f�hlte und wozu ich imstande war.�</p><p>�Warum hast du�s nicht getan?�</p><p>�Ich dachte ein bi�chen dar�ber nach. Und beschlo� . . . H�lle! Vielleicht kommt das Geb�ude in naher Zukunft doch noch zu Ehren, wenn ich nicht schlau genug oder r�cksichtslos genug oder Gl�ckspilz bin. Da die Lage nun mal so war, versuchte ich mir dar�ber klar zu werden, wo ich am liebsten meine Knochen liegen haben wollte. Und ich kam darauf, da� dies wirklich ein ziemlich gutes Fleckchen ist � hochgelegen, sauber, eine Stelle, da die Elemente sich noch unmittelbar bemerkbar machen. Ringsum nur Gestein und Himmel. Sterne, Wolken, Sonne, Mond, Wind, Regen . . . eine bessere Gesellschaft, als es die meisten anderen Leichen f�r sich beanspruchen k�nnen. Warum sollte ich neben jemandem zu liegen kommen, den ich nicht einmal jetzt neben mir dulden w�rde � und von der anderen Sorte gibt es nicht viele.�</p><p>�Du steigerst dich in eine morbide Stimmung hinein, Corwin. Oder du bist betrunken. Jedenfalls verbittert. Das hast du nicht n�tig.�</p><p>�Warum ma�t du dir an zu wissen, was ich n�tig habe?�</p><p>Ich sp�rte, wie er neben mir erstarrte und sich dann wieder entspannte.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte er schlie�lich. �Ich sage nur, was ich sehe.�</p><p>�Wie halten sich die Truppen?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich glaube, die M�nner sind noch immer verwirrt, Corwin. Sie sind urspr�nglich angetreten, um an den H�ngen des Himmels einen heiligen Krieg auszufechten. Sie meinen, darum sei es bei der Schie�erei letzte Woche gegangen. In dieser Beziehung sind sie also gl�cklich, sehen sie doch, da� sie gewonnen haben. Doch das Warten in der Stadt . . . Sie verstehen diesen Ort nicht. Etliche Wesen, die sie f�r Feinde gehalten haben, sind nun pl�tzlich Freunde. Sie sind verwirrt. Sie wissen, da� sie kampfbereit sein m�ssen, doch sie haben keine Vorstellung, wann eine neue Aktion beginnen und gegen wen sie sich richten w�rde. Da sie die ganze Zeit in der Kaserne bleiben m�ssen, ist ihnen auch noch nicht klar, wie sehr ihre Gegenwart den Einwohnern und Beh�rden gegen den Strich geht. Vermutlich kommen sie ziemlich schnell auf die Wahrheit. Ich hatte schon mit dir dar�ber sprechen wollen, aber du bist in letzter Zeit so besch�ftigt gewesen . . .�</p><p>Ich rauchte schweigend.</p><p>Dann sagte ich: �Am besten rede ich mal mit den Leuten. Doch morgen komme ich noch nicht dazu, obwohl bald etwas passieren sollte. Vielleicht k�nnen wir sie verlegen � etwa in ein Zeltlager im Wald von Arden. Morgen, ja, wenn wir zur�ckkehren, lege ich auf der Karte eine gute Stelle fest. Sag den M�nnern, es geht darum, die schwarze Stra�e im Auge zu behalten. Sag ihnen, da� aus dieser Richtung t�glich ein neuer Angriff kommen kann � und das entspricht ja auch der Wahrheit. La�t die Leute st�ndig �ben, damit sie in Kampfbereitschaft bleiben. Ich komme so schnell wie m�glich und rede mit ihnen.�</p><p>�Aber dann hast du keine direkte Unterst�tzung mehr in Amber.�</p><p>�Das ist wahr. Aber das Risiko mag ganz n�tzlich sein � als Demonstration des Selbstvertrauens wie auch als Geste des Entgegenkommens. Ja. Ich glaube, dieser Schritt ist empfehlenswert. Wenn nicht . . .�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>Dann schenkte ich ein und warf eine weitere leere Flasche in mein Mausoleum.</p><p>��brigens�, sagte ich, �m�chte ich mich entschuldigen.�</p><p>�Wof�r?�</p><p>�Ich habe gerade gemerkt, da� ich morbid und betrunken und verbittert bin. Das habe ich nicht n�tig.�</p><p>Er lachte leise und stie� mit mir an.</p><p>�Ich wei߫, sagte er. �Ich wei�.�</p><p>Und so sa�en wir da, w�hrend der Mond herabsank, bis die letzte Flasche bei ihresgleichen endete. Wir sprachen noch eine Zeitlang von vergangenen Zeiten. Schlie�lich schwiegen wir, und meine Augen wandten sich den Sternen �ber Amber zu. Es war gut, da� wir diesen Ort aufgesucht hatten, doch jetzt rief mich die Stadt zur�ck. Ganelon erahnte meine Gedanken, stand auf, streckte sich und ging zu den Pferden. Ich verschaffte mir neben meinem Grab Erleichterung und folgte ihm.</p></section><section><title><p>5</p></title><p>Das Einhornw�ldchen liegt in Arden, s�dwestlich des Kolvir in der H�he des Felsvorsprungs, an dem das Land seinen Abstieg in das Garnath-Tal beginnt. Garnath selbst war in den letzten Jahren verflucht, verbrannt und erobert worden und hatte als Schauplatz schwerer K�mpfe herhalten m�ssen, doch die angrenzenden H�nge und T�ler hatten sich ihre Sch�nheit bewahrt. Das W�ldchen, in dem Vater vor langer Zeit angeblich das Einhorn gesehen und jene seltsamen Erlebnisse gehabt hatte, die dazu f�hrten, da� das Tier zum Schutzpatron Ambers und zum Wappentier wurde, lag unseres Wissens an einer Stelle, wo es sich nur gerade dem Panoramablick �ber das Garnath-Tal zur See entzog � zwanzig oder drei�ig Schritte unter der Sichtlinie: ein asymmetrischer Hain, in dem aus einer Felsformation eine kleine Quelle entsprang, einen klaren Teich bildete und einen winzigen Bach speiste, der in Richtung Garnath talabw�rts pl�tscherte.</p><p>Zu dieser Stelle ritten G�rard und ich am folgenden Tag. Wir brachen so fr�h auf, da� wir den Kolvir bereits halb hinabgeritten waren, als die Sonne die ersten Lichtstreifen �ber das Wasser schickte und schlie�lich mit voller Kraft den Himmel erhellte. In diesem Augenblick z�gelte G�rard sein Pferd. Er stieg ab und bedeutete mir, ebenfalls abzusteigen.</p><p>Ich entsprach seinem Wunsch, lie� Star und das Packpferd neben seinem riesigen Schecken stehen und folgte ihm etwa ein Dutzend Schritte weit in eine kleine Senke, die zur H�lfte mit Kies gef�llt war. Er blieb stehen, und ich erreichte ihn.</p><p>�Was ist los?� fragte ich.</p><p>Er drehte sich um und sah mich an, und seine Augen waren zusammengekniffen, seine Wangenmuskeln verkrampft. Er �ffnete seinen Mantel, faltete ihn zusammen und legte ihn auf den Boden. Dann legte er seinen Schwertg�rtel oben auf den Mantel.</p><p>�Lege Mantel und Schwert ab�, sagte er. �Die sind uns nur im Weg.�</p><p>Ich begann zu ahnen, was mir bevorstand, und sagte mir, da� ich wohl oder �bel mitmachen mu�te. Ich faltete meinen Mantel zusammen, legte das Juwel des Geschicks neben Grayswandir und baute mich vor ihm auf. Ich sagte nur ein Wort.</p><p>�Warum?�</p><p>�Es ist lange her�, sagte er. �Vielleicht hast du�s vergessen.�</p><p>Langsam kam er auf mich zu, und ich streckte die Arme vor mir aus und wich zur�ck. Er hieb nicht nach mir. Fr�her war ich schneller gewesen als er. Wir hatten uns beide geduckt, und er machte ausholende Tatzenbewegungen mit der linken Hand, w�hrend er die rechte Hand n�her am K�rper behielt; seine Finger zuckten leicht.</p><p>Wenn ich mir f�r den Kampf gegen G�rard einen Ort h�tte aussuchen d�rfen, w�re meine Wahl nicht auf diese Stelle gefallen. Das wu�te er nat�rlich genau. Und wenn ich schon mit G�rard k�mpfen mu�te, h�tte ich keinen Ringkampf gew�hlt. Mit Klinge oder Stock bin ich besser als er. Jede Waffe, bei der es um Geschwindigkeit oder Strategie geht, jede Waffe, die es mir gestattete, ihn von Zeit zu Zeit zu treffen, w�hrend ich ihn mir ansonsten vom Leibe hielt, brachte mir die M�glichkeit, ihn zu erm�den, und die Chance immer energischerer Angriffe. Auch das war ihm nat�rlich bekannt. Deshalb hatte er mir ja diese Falle gestellt. Doch ich verstand G�rard und mu�te mich nun auf seine Spielregeln einstellen.</p><p>Ich fegte ein paarmal seine Hand zur Seite, als er seine Bewegungen beschleunigte und mit jedem Schritt n�herkam. Schlie�lich ging ich das Risiko ein, duckte mich und schlug zu. Ich landete eine schnelle, harte Linke unmittelbar �ber seiner G�rtellinie. Mit einem solchen Hieb h�tte ich ein dickes Brett durchschlagen oder einem weniger gut trainierten Gegner innere Verletzungen beibringen k�nnen. Leider war G�rard mit der Zeit nicht schlapper geworden. Ich h�rte ihn �chzen, doch er blockte meine Rechte ab, schob seine rechte Hand unter meinen linken Arm und traf mich von hinten an der Schulter.</p><p>Daraufhin, in der Vorahnung eines Schulterhebels, ging ich sofort in den Clinch, den ich vielleicht nicht mehr zu brechen vermochte; ich dr�ckte nach vorn, packte seine linke Schulter auf �hnliche Weise, hakte mein rechtes Bein hinter sein Knie und vermochte ihn r�cklings zu Boden zu schleudern.</p><p>Doch er lie� nicht los, und ich landete auf ihm. Ich l�ste meinen Griff und vermochte ihm im Auftreffen den rechten Ellbogen in die linke Flanke zu treiben. Der Winkel war jedoch nicht g�nstig, und seine Linke kam hoch und machte Anstalten, irgendwo hinter meinem Kopf seine Rechte zu ergreifen.</p><p>Ich konnte dem Griff entwischen, doch er hielt noch meinen Arm fest. Eine Sekunde lang hatte ich mit der Rechten freie Bahn auf seinen Unterleib, doch ich hielt mich zur�ck. Nicht da� es mir etwas ausmacht, einen Gegner unter die G�rtellinie zu schlagen. Doch ich wu�te, wenn ich jetzt so handelte, w�rde G�rards Reflexbewegung vermutlich dazu f�hren, da� er mir die Schulter brach. Statt dessen zerkratzte ich mir den Unterarm im Kies bei dem Versuch, den linken Arm hinter seinen Kopf zu schieben, w�hrend ich gleichzeitig den rechten Arm zwischen seine Beine schob und ihn am linken Oberschenkel packte. Ich lie� mich zur�ckrollen und versuchte meine Beine auszustrecken, sobald ich meine F��e unter mir hatte. Ich wollte ihn vom Boden hochheben und wieder niederknallen lassen und ihm dabei zum besseren Nachdruck noch meine Schulter in den Bauch rammen.</p><p>Doch G�rard spreizte die Beine und rollte nach links, womit er mich zwang, �ber seinen K�rper zu hechten. Dabei lie� ich seinen Kopf los und bekam meinen linken Arm frei. Im gleichen Augenblick drehte ich mich nach rechts, zog meinen rechten Arm fort und versuchte eine neue Ausgangsbasis zu finden.</p><p>Doch G�rard wollte das nicht zulassen. Inzwischen hatte er die Arme unter sich gestemmt. Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung ri� er sich los und kam taumelnd wieder auf die F��e. Ich richtete mich ebenfalls auf und sprang zur�ck. Er st�rmte augenblicklich auf mich zu, und ich sah ein, da� er mich f�rchterlich zurichten w�rde, wenn ich mich auf weitere solche Aktionen mit ihm einlie�. Ich mu�te ein paar Risiken eingehen.</p><p>Ich beobachtete seine F��e, und als ich den besten Augenblick gekommen w�hnte � er verlagerte gerade das Gewicht nach vorn auf den linken Fu� und hob den rechten �, tauchte ich unter seinen ausgestreckten Armen hindurch. Ich vermochte sein rechtes Fu�gelenk zu packen und es etwa vier Fu� hochzuheben. Er wurde herumgerissen und ging zu Boden, versuchte aber sofort wieder auf die F��e zu kommen, doch ich erwischte ihn mit einem linken Haken am Kinn, der ihn zu Boden warf. Er sch�ttelte benommen den Kopf und sch�tzte sich mit den Armen, w�hrend er erneut hochkam. Ich versuchte es mit einem Tritt in den Magen, verfehlte aber mein Ziel, da er sich drehte, und traf ihn nur an der H�fte. Er blieb im Gleichgewicht und r�ckte erneut vor.</p><p>Nun zielte ich kurze Haken auf sein Gesicht und umkreiste ihn. Noch zweimal traf ich ihn in den Magen und t�nzelte zur�ck. Er l�chelte. Er wu�te, da� ich Angst vor dem Nahkampf hatte. Ich zielte mit dem Fu� auf seinen Bauch und trat zu. Seine Arme sanken so tief herab, da� ich ihm unmittelbar �ber dem Schl�sselbein einen Hieb gegen den Hals versetzen konnte. Im gleichen Augenblick jedoch schossen seine Arme vor und legten sich um meine H�fte. Ich knallte ihm die Handkante gegen das Kinn, was ihn jedoch nicht davon abhielt, seinen Griff zu verst�rken und mich hochzustemmen. Ich versuchte einen Schlag anzubringen. Zu sp�t. Seine m�chtigen H�nde waren bereits im Begriff, meine Nieren zu zerquetschen. Ich ertastete mit den Daumen seine Halsschlagadern und dr�ckte zu.</p><p>Doch er hob mich immer weiter in die H�he, �ber seinen Kopf. Meine H�nde rutschten ab. Dann knallte er mich r�cklings in den Kies, wie es die Bauersfrauen mit ihrer W�sche tun.</p><p>Lichtpunkte explodierten um mich her, und die Welt wurde zu einem zuckenden, unwirklichen Ort, w�hrend G�rard mich von neuem hochzerrte. Ich sah seine Faust.</p><empty-line/><p>Der Sonnenaufgang war wirklich h�bsch, doch der Winkel stimmte nicht. Um etwa neunzig Grad . . .</p><p>Pl�tzlich durchstr�mte mich ein f�rchterliches Schwindelgef�hl � es �berlagerte sogar die Bewu�twerdung eines ganzen Stra�ennetzes von Schmerzen, das sich auf meinem R�cken erstreckte und zu einer gro�en Stadt f�hrte, die irgendwo in der N�he meines Kinns liegen mu�te.</p><p>Ich hing frei in der Luft. Wenn ich etwas den Kopf drehte, vermochte ich eine weite Strecke zu �berschauen � in die Tiefe.</p><p>Kr�ftige Klammern hielten meinen K�rper an Schultern und Oberschenkel fest. Als ich mir die Gebilde ansah, stellte ich fest, da� es sich um H�nde handelte. Daraufhin verdrehte ich den Hals noch mehr und machte mir klar, da� es G�rards H�nde waren. Er hielt mich mit ausgestreckten Armen �ber seinen Kopf. Er stand am Rand des Weges, und ich vermochte tief unter mir Garnath und das Ende der schwarzen Stra�e zu erkennen. Wenn er loslie�, mochte sich ein Teil von mir mit dem Vogelmist vermischen, mit dem die Felswand reichlich bekleckert war, und der Rest w�rde den angeschwemmten Quallen �hneln, die ich schon an einigen Str�nden gesehen hatte.</p><p>�Ja. Schau hinab, Corwin�, sagte er, als er meine Bewegung sp�rte. Er sah hoch und begegnete meinem Blick. �Ich brauche nur die Finger zu lockern.�</p><p>�Ich h�re dich�, sagte ich leise und versuchte fieberhaft eine M�glichkeit zu finden, ihn mitzunehmen, wenn er wirklich ernst machte.</p><p>�Ich bin kein kluger Mensch�, sagte er. �Aber mir ist da ein Gedanke gekommen � ein schrecklicher Gedanke. Und dies ist die einzige Methode, die mir dagegen eingefallen ist. Mein Gedanke beruht darauf, da� du arg lange von Amber fort gewesen bist. Ich habe keine M�glichkeit, festzustellen, ob deine Geschichte vom Ged�chtnisverlust der Wahrheit entspricht oder nicht. Du bist zur�ckgekehrt und hast hier die F�hrung an dich gerissen, doch herrschen tust du noch nicht richtig. Mich beunruhigte der Tod von Benedicts Dienstboten, so wie mir heute der Tod Caines zu schaffen macht. Aber auch Eric ist k�rzlich gestorben, und Benedict hat eine schwere Entstellung hinnehmen m�ssen. Es ist nicht einfach, dir diesen Teil der Ereignisse zur Last zu legen, doch mir ist der Gedanke gekommen, da� es vielleicht doch nicht so abwegig ist � wenn du n�mlich derjenige bist, der insgeheim mit unseren Feinden von der Schwarzen Stra�e verb�ndet ist.�</p><p>�Das bin ich nicht�, versicherte ich.</p><p>�Egal � du h�rst dir an, was ich zu sagen habe�, sagte er. �Es wird kommen, wie es kommen mu�. Wenn du w�hrend deiner langen Abwesenheit f�r diesen Stand der Dinge gesorgt und dabei vielleicht sogar Vater und Brand zum eigenen Vorteil von der B�hne geschafft hast, dann setze ich das mit dem Versuch gleich, jeglichen Widerstand in der Familie gegen deine Machtergreifung auszuschalten.�</p><p>�Wenn das so w�re � h�tte ich mich dann Eric ausgeliefert, um mich blenden und gefangennehmen zu lassen?�</p><p>�H�r mich zu Ende an!� sagte er. �Vielleicht hast du ja Fehler gemacht, die zu diesen Ereignissen f�hrten. Das ist inzwischen egal. Du magst so unschuldig sein, wie du sagst, oder denkbar schuldig. Sieh in die Schlucht hinab, Corwin. Das ist alles. Schau hinab auf die schwarze Stra�e. Der Tod steht am Ende deines Weges, wenn diese Stra�e dein Werk ist. Ich habe dir wieder einmal meine Kr�fte bewiesen, die du vielleicht vergessen hattest. Ich kann dich t�ten, Corwin. Und sei dir nicht zu sicher, da� dich deine Klinge sch�tzen w�rde, wenn ich noch einmal Hand an dich legen kann. Ich werde r�cksichtslos sein, um mein Versprechen einzul�sen. Und dieses Versprechen lautet, da� ich dich t�te, sobald ich erfahre, da� du wirklich schuldig bist. Du solltest dir au�erdem klarmachen, da� mein Leben gesch�tzt ist, Corwin, denn es ist jetzt mit dem deinen verbunden!�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�In diesem Augenblick sind alle anderen durch meinen Trumpf bei uns � sie beobachten uns und h�ren jedes Wort. Du kannst jetzt nicht mehr f�r meine Beseitigung sorgen, ohne der gesamten Familie deine Absichten zu offenbaren. Wenn ich meineidig sterbe, kann mein Versprechen dennoch gehalten werden.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich. �Und wenn jemand anders dich umbringt? Damit beseitigt er zugleich mich. Dann bleiben noch Julian, Benedict, Random und die M�dchen f�r die Barrikaden. Auf diese Weise steht der gro�e Unbekannte, wer immer er ist, noch besser da. Wer ist �berhaupt auf diese Sache gekommen?�</p><p>�Ich! Ich allein!� sagte er, und ich sp�rte, wie sich seine H�nde verkrampften, wie seine Arme zitterten. �Du versuchst nur wieder alles durcheinanderzubringen � wie immer!� st�hnte er. �Es ist alles erst schlimm geworden, als du zur�ckkamst! Verdammt, Corwin! Ich glaube, es ist alles deine Schuld!�</p><p>Dann schleuderte er mich in die Luft.</p><p>�<emphasis>Unschuldig</emphasis>, G�rard!� Mehr brachte ich in diesem Augenblick nicht heraus.</p><p>Im n�chsten Augenblick fing er mich auf � ein gewaltiger Griff, der seine Schultern erbeben lie� � und zog mich vom Abgrund zur�ck. Er schwang mich landeinw�rts um sich herum und stellte mich auf die F��e. Dann entfernte er sich in Richtung der Kiesgrube, in der wir gek�mpft hatten. Ich folgte ihm, und wir suchten unsere Sachen zusammen.</p><p>Als er seinen gro�en G�rtel festmachte, sah er mich an und blickte wieder fort.</p><p>�Wir reden nicht mehr dar�ber�, sagte er.</p><p>�Sch�n.�</p><p>Ich machte kehrt und ging zu den Pferden. Wir stiegen auf und setzten unseren Weg fort.</p><empty-line/><p>Die Quelle pl�tscherte ihre leise Musik in dem W�ldchen. Die Sonne flocht Lichtlinien zwischen den B�umen. Auf dem Boden schimmerte noch etwas Tau. Die Grasst�cke, die ich f�r Caines Grab ausgestochen hatte, f�hlten sich feucht an.</p><p>Ich holte den Spaten, den ich im Gep�ck hatte, und �ffnete das Grab. Wortlos half mir Eric, den Toten auf das St�ck Segeltuch zu legen, das wir zu diesem Zweck mitgebracht hatten. Wir falteten das Tuch �ber dem Toten zusammen und n�hten es mit gro�en Stichen zu.</p><p>�Corwin! Schau!� G�rards Stimme war ein Fl�stern; seine Hand schlo� sich um meinen Ellbogen.</p><p>Ich folgte seinem Blick und erstarrte. Keiner von uns beiden bewegte sich, w�hrend wir die Erscheinung beobachteten � ein sanftes wei�es Licht h�llte sie ein, als w�re sie mit Federn bedeckt, nicht mit Fell � die winzigen Hufe schimmerten golden, ebenso das d�nne, gedrechselt wirkende Horn, das dem schmalen Kopf entragte. Das Gesch�pf stand auf einem Felsbrocken und fra� von den Flechten, die dort wuchsen. Die Augen, die sich hoben und in unsere Richtung blickten, waren hellgr�n. Einige Sekunden lang schlo� es sich unserer Reglosigkeit an. Dann machte es eine schnelle, nerv�se Bewegung mit den Vorderhufen, lie� sie durch die Luft wirbeln und dreimal auf das Gestein schlagen, dann verschwamm es vor unseren Augen und verschwand wie eine Schneeflocke, lautlos, im Wald zu unserer Rechten.</p><p>Ich richtete mich auf und ging zu dem Stein. G�rard folgte mir. Im Moos machte ich die winzigen Hufspuren aus.</p><p>�Wir haben es also wirklich gesehen�, bemerkte G�rard.</p><p>Ich nickte.</p><p>�Wir haben etwas gesehen. Hast du die Erscheinung schon einmal beobachtet?�</p><p>�Nein. Du?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Julian behauptet, er h�tte das Gesch�pf einmal beobachtet�, sagte ich. �Aus der Ferne. Seinen Worten zufolge haben sich die Hunde geweigert, die Verfolgung aufzunehmen.�</p><p>�Es war wundersch�n! Der lange seidenweiche Schwanz, die schimmernden Hufe . . .�</p><p>�Ja. Vater hat es stets als gutes Omen genommen.�</p><p>�Das w�rde ich auch gern tun.�</p><p>�Ein seltsamer Augenblick f�r so einen Auftritt . . . Nach all den Jahren . . .�</p><p>Wieder nickte ich.</p><p>�Gibt es jetzt besondere Vorschriften? Immerhin ist es ja unser Schutzgeist und so weiter . . . M�ssen wir jetzt etwas tun?�</p><p>�Wenn, dann hat mir Vater nie davon erz�hlt�, sagte ich und t�tschelte den Stein, auf dem es erschienen war. �Wenn du eine Wende unseres Gl�ck anzeigst, wenn du uns Gutes verhei�est, dann danken wir dir, Einhorn�, fuhr ich fort. �Und selbst wenn nicht, m�chten wir dir f�r den Glanz deiner Gesellschaft in einem d�steren Augenblick danken.�</p><p>Wir tranken aus dem Teich, machten das traurige B�ndel auf dem R�cken des dritten Pferdes fest und f�hrten unsere Tiere am Z�gel, bis wir den Ort verlassen hatten, wo es bis auf das Wasser sehr ruhig geworden war.</p></section><section><title><p>6</p></title><p>Die Feiern des Lebens gehen ihre ewige Runde, der Mensch schmiegt sich immer wieder an den Busen der Hoffnung, und zwischen Regen und Traufe gibt es oft nur wenige trockene Pl�tzchen - das war an jenem Abend die Summe der Weisheit meines langen Lebens, gef�rdert von einer Stimmung kreativer Nervosit�t, kommentiert von Random mit einem Nicken und einem l�chelnd vorgebrachten Kraftausdruck.</p><p>Wir sa�en in der Bibliothek, und ich hockte auf der Kante des gro�en Tisches. Random nahm den Stuhl zu meiner Rechten ein. G�rard stand am anderen Ende des Raumes und betrachtete einige Waffen, die dort an der Wand hingen. Vielleicht interessierte er sich auch f�r Reins Stich des Einhorns. Wie auch immer - �hnlich wie wir ignorierte er Julian, der in einem Sessel neben den Vetrinen sa�, mit ausgestreckten Beinen, die er an den Fu�gelenken �bereinandergeschlagen hatte, mit verschr�nkten Armen, den Blick auf seine schuppigen Stiefel konzentriert. Fiona � etwa f�nf Fu� und zwei Zoll gro� � starrte mit gr�nen Augen in Floras blaue Augen, w�hrend sich die beiden neben dem Kamin unterhielten; ihr Haar war ein mehr als ausreichender Ersatz f�r den leeren Kamin, loderte es doch f�rmlich und erinnerte mich wie stets an etwas, von dem der Maler soeben zur�ckgetreten war, Pinsel und Farbe beiseitelegend, hinter seinem L�cheln die ersten Fragen formulierend. Die Stelle an ihrem Hals, wo sein Daumen das Schl�sselbein angedeutet hatte, schien mir wie immer das Werk eines Meisters zu sein, besonders wenn sie fragend oder herablassend den Kopf hob, um uns Gr��ere anzuschauen. In diesem Augenblick l�chelte sie schwach; zweifellos sp�rte sie meinen Blick mit ihrem fast hellsichtig zu nennenden Wahrnehmungsverm�gen, dessen Erkenntnis doch nicht verhindern kann, da� man immer wieder davon aufgest�rt wird. Llewella sa� in einer Ecke und tat, als lese sie ein Buch; sie hatte uns den R�cken zugewandt; ihre gr�nen Locken bewegten sich etliche Zoll �ber dem dunklen Kragen. Ob ihre Zur�ckhaltung auf Feindseligkeit, Nervosit�t wegen Entfremdung oder nur Vorsicht zur�ckzuf�hren war, wu�te ich nie genau zu sagen. Wahrscheinlich spielten alle Elemente mit hinein. Sie war nicht allzu oft in Amber anzutreffen.</p><p>. . . Und die Tatsache, da� wir eine Ansammlung von Individuen und keine Gruppe, keine Familie waren, zu einer Zeit, da ich eine Art gemeinsamer Identit�t zu schaffen w�nschte, einen Willen zur Zusammenarbeit � dies f�hrte zu meinen Feststellungen und zu Randoms Zustimmung.</p><p>Ich sp�rte ein vertrautes Wesen, h�rte ein �Hallo, Corwin�, und da war Deirdre, die sich mir zuwandte. Ich streckte die Hand aus, ergriff die ihre, hob sie an die Lippen. Sie machte einen Schritt vorw�rts, wie die erste Figur eines formellen Tanzes, und stand dann dicht vor mir, sah mich an. Einen Augenblick lang hatte ein vergittertes Fenster ihren Kopf und ihre Schultern eingerahmt und ein kostbarer Teppich hatte die Wand zu ihrer Linken geschm�ckt. Nat�rlich war dieser Effekt sorgf�ltig geplant gewesen. Trotzdem wirksam. Sie hielt meinen Trumpf in der linken Hand und l�chelte. Als sie erschien, blickten die anderen in unsere Richtung, und sie schlug, sich langsam drehend, mit ihrem L�cheln zur�ck, wie eine Mona Lisa mit Maschinenpistole.</p><p>�Corwin�, sagte sie, gab mir einen Ku� und trat zur�ck. �Ich f�rchte, ich bin fr�h dran.�</p><p>�Niemals�, sagte ich und wandte mich an Random, der schon aufgestanden war.</p><p>�Darf ich dir etwas zu trinken holen, Schwester?� fragte er, nahm sie an der Hand und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Anrichte.</p><p>�Aber ja. Vielen Dank.� Und er f�hrte sie fort und schenkte ihr Wein ein und vermied � oder verz�gerte � auf diese Weise ihren �blichen Zusammensto� mit Flora. Zumindest nahm ich an, da� die alte Animosit�t noch bestand, so wie ich sie in Erinnerung hatte. Das Man�ver beraubte mich zwar f�r den Augenblick ihrer Gesellschaft, doch es trug dazu bei, den h�uslichen Frieden zu wahren, der mir gerade jetzt ziemlich wichtig war. Wenn er will, ist Random in solchen Dingen ziemlich geschickt.</p><p>Ich trommelte mit den Fingern auf der Tischkante herum, rieb mir die schmerzende Schulter, schlug die Beine �bereinander und stellte sie wieder nebeneinander. Ich �berlegte, ob ich mir eine Zigarette anz�nden sollte . . .</p><p>Pl�tzlich war er da. Am entgegengesetzten Ende des Zimmers hatte sich G�rard nach links gewandt, hatte etwas gesagt und die Hand ausgestreckt. Einen Sekundenbruchteil sp�ter hielt er die linke und einzige Hand Benedicts, des letzten Mitglied unserer Gruppe.</p><p>Also sch�n. Mit der Tatsache, da� Benedict durch G�rards und nicht durch meinen Trumpf gekommen war, brachte er seine Gef�hle mir gegen�ber zum Ausdruck. War dies zugleich ein Hinweis auf eine Allianz, die den Zweck hatte, mich zu kontrollieren? Zumindest sollte sein Schritt entsprechende Zweifel in mir wecken. War es vielleicht Benedict gewesen, der G�rards kleine Kampf�bung mit mir angeregt hatte? Wahrscheinlich.</p><p>In diesem Augenblick stand Julian auf, durchquerte das Zimmer, sagte etwas zu Benedict und sch�ttelte ihm die Hand. Der Vorgang erweckte Llewellas Aufmerksamkeit. Sie wandte sich um, schlo� ihr Buch und legte es zur Seite. L�chelnd trat sie vor, begr��te Benedict, nickte Julian zu, sagte etwas zu G�rard. Die kleine Runde trat enger zusammen, begann sich angeregt zu unterhalten. Also sch�n, also sch�n.</p><p>Vier und drei. Und zwei in der Mitte . . .</p><p>Ich musterte die Gruppe auf der anderen Seite und wartete. Wir waren nun alle beisammen, und ich h�tte um Aufmerksamkeit bitten und mit der Tagesordnung beginnen k�nnen. Aber . . .</p><p>Die Versuchung war zu gro�. Wir alle sp�rten die Spannung, das wu�te ich. Es war, als w�ren im Zimmer pl�tzlich zwei magnetische Pole aktiviert worden. Ich war neugierig, wie sich die Metallsplitter formieren w�rden.</p><p>Flora warf mir einen kurzen Blick zu. Ich nahm nicht an, da� sie es sich �ber Nacht anders �berlegt hatte � es sei denn, es hatte neue Entwicklungen gegeben. Nein, ich war zuversichtlich, da� ich den n�chsten Zug richtig vorausgesehen hatte.</p><p>Und damit irrte ich mich nicht. Ich h�rte sie etwas von Durst und einem Glas Wein sagen. Sie wandte sich halb um und machte eine Bewegung in meine Richtung, als erwarte sie, da� Fiona sie begleiten w�rde. Als dies nicht geschah, z�gerte sie einen Augenblick lang. Damit stand sie pl�tzlich im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Sie erkannte diese Tatsache, traf eine schnelle Entscheidung und kam l�chelnd zu mir.</p><p>�Corwin�, sagte sie. �Ich glaube, ich m�chte ein Glas Wein haben.�</p><p>Ohne den Kopf zu wenden, ohne den Blick von dem Tableau vor mir zu nehmen, rief ich: �Random, schenk doch bitte Flora ein Glas Wein ein, ja?�</p><p>�Aber nat�rlich�, erwiderte er, und ich vernahm die dazugeh�rigen Ger�usche.</p><p>Flora nickte, gab ihr L�cheln auf und ging an mir vorbei nach rechts.</p><p>Vier und vier, womit Fiona hell lodernd in der Mitte des Zimmers verblieb. Sie wu�te genau, was los war, und geno� die Situation; sie trat vor den ovalen Spiegel mit dem kostbar geschnitzten dunklen Rahmen, der zwischen den beiden n�chsten Regalgruppen hing, und machte Anstalten, ein paar lockere Str�hnen an ihrer linken Schl�fe zu befestigen.</p><p>Ihre Bewegung erzeugte ein gr�nsilbernes Aufzucken zwischen den roten und goldenen Mustern des Teppichs in der N�he der Stelle, wo ihr linker Fu� gestanden hatte.</p><p>Ich wu�te nicht, ob ich fluchen oder l�cheln sollte. Das durchtriebene Luder konnte ihre Spielchen nicht lassen! Doch immer gro�artig . . . Nichts hatte sich ver�ndert. Weder fluchend noch l�chelnd trat ich vor, wie sie es auch nicht anders erwartet hatte.</p><p>Doch auch Julian n�herte sich, und sogar ein wenig schneller als ich. Er war ihr n�her gewesen und hatte es vielleicht einen Sekundenbruchteil eher gesehen.</p><p>Er hob das Gebilde auf und lie� es langsam hin und her pendeln.</p><p>�Dein Armband, Schwester�, sagte er freundlich. �Es scheint deinem Arm entsagt zu haben, das dumme Ding. Hier � gestatte bitte.�</p><p>Sie streckte ihm die Hand entgegen und bedachte ihn zugleich mit einem Blick unter gesenkten Lidern und einem entsprechenden L�cheln, w�hrend er die Smaragdkette wieder schlo�. Als er fertig war, lie� er ihre Hand zwischen seinen beiden H�nden verschwinden und wandte sich seiner Ecke zu.</p><p>�Ich glaube, du h�ttest Spa� an dem netten Witz, den wir gerade erz�hlen wollten�, begann er.</p><p>Ihr L�cheln wurde wom�glich noch breiter, als sie ihre Hand l�ste. �Danke, Julian�, erwiderte sie, machte kehrt und nahm meinen Arm. �Ich glaube, mir steht der Sinn im Augenblick mehr nach einem Glas Wein.�</p><p>Ich nahm sie mit und sorgte daf�r, da� sie die gew�nschte Erfrischung bekam. F�nf gegen vier.</p><p>Julian, der etwas dagegen hat, starke Gef�hle an den Tag zu legen, kam gleich darauf zu einem Entschlu� und folgte uns in unsere Ecke. Er schenkte sich ein Glas Wein ein, trank, musterte mich einige Sekunden lang und sagte schlie�lich: �Ich glaube, wir sind jetzt alle da. Wann gedenkst du anzufangen mit dem, weswegen du uns hergeholt hast?�</p><p>�Ich sehe keinen Grund f�r eine weitere Verz�gerung�, sagte ich, �nachdem nun jeder hier seinen Auftritt gehabt hat.� Ich hob meine Stimme und sprach die Gruppe auf der anderen Seite an. �Es ist soweit. Machen wir es uns bequem.�</p><p>Die anderen wanderten her�ber. St�hle wurden herangezogen; man setzte sich. Frischer Wein wurde eingeschenkt. Gleich darauf hatten wir ein Publikum.</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich, als man ganz zur Ruhe gekommen war. �Mir liegen heute abend etliche Dinge am Herzen, von denen einige vielleicht sogar tats�chlich zur Sprache kommen. Der Verlauf des Abends wird nat�rlich vom ersten Schritt abh�ngen, und den werden wir sofort tun. Random, berichte, was du mir gestern erz�hlt hast.�</p><p>�Sch�n.�</p><p>Ich zog mich auf den Stuhl hinter dem Tisch zur�ck, und Random setzte sich auf die Kante des seinen. Ich machte es mir bequem und h�rte noch einmal die Geschichte seiner Kontaktaufnahme mit Brand und seines Rettungsversuchs. Es war eine gek�rzte Version ohne Mutma�ungen, die mich eigentlich seit dem Augenblick nicht wieder losgelassen hatten, seit Random sie mir eingepflanzt hatte. Doch trotz der Auslassung bekamen die anderen die m�glichen Weiterungen durchaus mit, das wu�te ich. Dies war der Hauptgrund, weshalb ich Random sofort das Wort ergreifen lie�. H�tte ich nur den Versuch unternommen, meinen Verdacht vorzutragen und zu untermauern, w�re man zweifellos der Ansicht gewesen, ich huldigte dem �berlieferten Brauch, die Aufmerksamkeit von mir selbst abzulenken � eine �berlegung, die sofort dazu f�hren mu�te, da� sich die Aufnahmebereitschaft mir gegen�ber auf Null senkte. Auf diese Weise jedoch mochten die anderen zwar der Meinung sein, Random w�rde nur die Dinge sagen, die ich ihn sagen lassen wollte, aber sie w�rden ihn bis zum Ende anh�ren und sich die ganze Zeit fragen, was das alles sollte. Sie w�rden sich mit den vorgetragenen Ideen befassen und zu erkennen versuchen, weshalb ich die Konferenz einberufen hatte. Sie w�rden sich soviel Zeit nehmen, da� die Theorien Wurzeln schlagen konnten, vorbehaltlich eines sp�teren Beweises. Und sie w�rde sich fragen, ob wir diese Beweise vorlegen konnten. Dieselbe Frage stellte ich mir auch.</p><p>W�hrend ich wartete und mir Gedanken machte, beobachtete ich die anderen. Mehr noch als mein Mi�trauen erforderte es die schlichte Neugier, da� ich diese Gesichter nach Reaktionen und Hinweisen absuchte, soweit ich das vermochte � Gesichter, die ich besser kannte als alle anderen. Nat�rlich verrieten sie mir nichts. Vielleicht stimmte es tats�chlich, da� man sich einen Menschen nur beim ersten Zusammentreffen richtig ansieht und danach beim Wiedererkennen jeweils nur ein paar geistige K�rzel absolviert. Mein Gehirn ist faul genug, um dieser These ihren Wahrscheinlichkeitsgehalt zuzubilligen; es nutzt seine F�higkeit der Abstraktion, um, wo immer m�glich, Arbeit zu vermeiden. Diesmal zwang ich mich zum richtigen Hinschauen � aber es n�tzte trotzdem nichts. Julian behielt seine etwas gelangweilte, leicht am�sierte Maske auf. G�rard wirkte abwechselnd �berrascht, w�tend und bedr�ckt. Benedict sah einfach nur d�ster und mi�trauisch aus. Llewella so trauig und unw�gbar wie eh und je. Deirdre machte einen abwesenden Eindruck, Flora einen ergebenen, und Fiona sah sich in der Runde um und stellte ihren eigenen Katalog an Reaktionen zusammen.</p><p>Die einzige Schlu�folgerung, die ich nach einiger Zeit zu ziehen vermochte, war die, da� Random Eindruck machte. Zwar verriet sich niemand, doch ich sah, wie die Langeweile verschwand, wie das alte Mi�trauen wich,, wie neues Mi�trauen erwachte. Das Interesse meiner Geschwister war geweckt, fast eine Art Faszination. Schlie�lich hatte jeder seine Fragen auf der Zunge. Zuerst nur wenige, dann ein ganzer Schwall.</p><p>�Halt!� ging ich schlie�lich dazwischen. �La�t ihn zu Ende erz�hlen. Die ganze Geschichte. Damit werden einige Fragen gleich beantwortet. Die anderen k�nnt ihr hinterher noch loswerden.�</p><p>Es wurde genickt und geknurrt, und Random sprach weiter. Er schilderte schlie�lich unseren Kampf gegen die Fremden bei Flora und deutete an, da� sie aus derselben Ecke kamen wie der Bursche, der Caine umgebracht hatte. Flora best�tigte dieses Detail.</p><p>Als dann Fragen gestellt wurden, beobachtete ich die Anwesenden intensiv. Solange es ihnen nur um Randoms Geschichte ging, war alles in Ordnung. Doch ich wollte die Dinge nicht so weit kommen lassen, da� man spekulierte, ob etwa einer von uns hinter der Sache steckte. Sobald es dazu kam, wurde bestimmt auch von mir gesprochen und der M�glichkeit, da� ich meine Spuren zu verwischen trachtete. Dies konnte zu b�sen Worten und zu einer Stimmung f�hren, die ich nun wirklich nicht heraufbeschw�ren wollte. Da war es schon besser, zun�chst die Beweisgrundlage zu schaffen, um sp�teren Vorhaltungen aus dem Weg zu gehen, den Misset�ter nach M�glichkeit sofort einzukreisen und meine Position auf der Stelle zu festigen.</p><p>Ich pa�te also auf und wartete meine Zeit ab. Als ich das Gef�hl hatte, da� der entscheidende Augenblick nahe herangetickt war, hielt ich die Uhr an.</p><p>�All unser Reden, all unsere Vermutungen w�ren nicht erforderlich�, sagte ich, �wenn wir hinsichtlich der Tatsachen ein klares Bild h�tten. Es gibt vielleicht eine M�glichkeit, sich diese Klarheit zu verschaffen � und zwar auf der Stelle. Deshalb seid ihr alle hier.�</p><p>Das hatte die gew�nschte Wirkung. Ich hatte sie gepackt. Sie waren voll da. Aufmerksam. Bereit. Vielleicht sogar willens.</p><p>�Ich schlage vor, wir versuchen Brand zu erreichen und nach Hause zu holen�, sagte ich. �Jetzt.�</p><p>�Wie?� fragte mich Benedict.</p><p>�Durch die Tr�mpfe.�</p><p>�Das hat man schon versucht�, meinte Julian. �Auf diese Weise ist er nicht ansprechbar. Keine Antwort.�</p><p>�Ich meine nicht den gew�hnlichen Gebrauch der Tr�mpfe�, erkl�rte ich. �Ich habe euch gebeten, heute abend einen vollen Satz des Spiels mitzubringen. Ihr habt die Karten mit?�</p><p>Sie nickten.</p><p>�Gut�, sagte ich. �Holen wir Brands Trumpf heraus. Ich schlage vor, da� wir ihn zu neunt gleichzeitig anzusprechen versuchen.�</p><p>�Ein interessanter Gedanke�, bemerkte Benedict.</p><p>�Ja�, stimmte Julian zu, nahm seine Karten heraus und bl�tterte sie durch. �Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert. Vielleicht gewinnen wir dadurch zus�tzliche Kraft. Man kann nie wissen.�</p><p>Ich fand Brands Trumpf. Ich wartete, bis auch die anderen das entsprechende Bild vor sich hatten. Dann sagte ich: �Wir wollen uns koordinieren. Sind alle bereit?�</p><p>Achtmal Zustimmung.</p><p>�Dann los. Versucht es. � <emphasis>Jetzt!�</emphasis></p><p>Ich betrachtete meine Karte. Brands Gesichtsz�ge �hnelten den meinen, doch er war kleiner und schmaler gebaut. Sein Haar erinnerte eher an Fiona. Er trug einen gr�nen Reitanzug und sa� auf einem wei�en Pferd. Wie lange war das jetzt her? Ich �berlegte. Brand war stets ein Tr�umer gewesen, ein Mystiker, ein Poet � stets desillisioniert oder aufgekratzt, zynisch oder vertrauensselig. Im breiten Mittelfeld schien f�r seine Gef�hle kein Raum zu sein. Manisch-depressiv � das ist eine zu vage Bezeichnung f�r seinen vielschichtigen Charakter, doch mag das Wort eine gewisse Zielrichtung andeuten, die Vielzahl von F�higkeiten, mit denen sein Lebensweg bestimmt war. Aus diesem Zustand heraus gab es Augenblicke, da ich ihn, ich mu� es zugeben, so charmant, r�cksichtsvoll und loyal fand, da� ich ihn �ber all meine anderen Geschwister stellte. In anderen Momenten jedoch konnte er derma�en bitter, sarkastisch und rundheraus brutal sein, da� ich seine Gesellschaft mied aus Angst, ich k�nnte ihm etwas antun. Unser letztes Zusammensein war negativer Art gewesen, kurze Zeit bevor Eric und ich jene Auseinandersetzung hatten, die zu meinem Exil f�hrte.</p><p>. . . Und das waren meine Gedanken und Gef�hle, w�hrend ich seinen Trumpf betrachtete und ihn mit dem Verstand, mit dem Willen zu erreichen versuchte, w�hrend ich die Leere entstehen lie�, die er ausf�llen sollte. Ringsum gingen die anderen eigene Erinnerungen durch und taten dasselbe.</p><p>Langsam ver�nderte sich die Karte wie in einem Traum; sie schien an Tiefe zu gewinnen. Es folgte das vertraute Verschwimmen und das Gef�hl von Bewegung, das den Kontakt mit dem Gesuchten ank�ndigt. Der Trumpf f�hlte sich unter meinen Fingerspitzen k�lter an, dann str�mten Dinge herbei und formierten sich, errangen eine pl�tzliche Wahrhaftigkeit des Ausdrucks, nachhaltig, dramatisch, komplett.</p><p>Er schien sich in einer Zelle zu befinden. Hinter ihm ragte eine Steinmauer auf. Auf dem Boden lag Stroh. Er war angekettet, und seine Kette f�hrte durch einen riesigen Ring, der in die Wand �ber ihm eingelassen war. Es war eine ziemlich lange Kette, die ihm ausreichend Bewegung gestattete. Im Augenblick nutzte er diese Tatsache aus; er lag ausgebreitet auf einem Haufen aus Stroh und Lumpen in einer Ecke. Kopfhaare und Bart waren ziemlich lang, sein Gesicht wirkte d�nner, als ich es je zuvor gesehen hatte. Seine Kleidung war zerrissen und verdreckt. Er schien zu schlafen. Unwillk�rlich mu�te ich an meine eigene Gefangenschaft denken � an die Ger�che, die K�lte, die �belriechende Nahrung, die Feuchtigkeit, die Einsamkeit � an den Wahnsinn, der kam und ging. Wenigstens hatte Brand seine Augen noch. Pl�tzlich begannen seine Augenlider zu zucken, als mehrere von uns seinen Namen riefen. Er �ffnete seine gr�nen Augen; sie hatten einen matten, leeren Ausdruck.</p><p>War er bet�ubt worden? Oder glaubte er eine Halluzination zu erleben?</p><p>Doch pl�tzlich kehrte der alte Geist zur�ck. Er richtete sich auf, streckte die H�nde aus.</p><p>�Br�der!� sagte er. �Schwestern . . .�</p><p>�Ich komme!� ert�nte ein Schrei, der das Zimmer erzittern lie�.</p><p>G�rard war aufgesprungen und hatte dabei seinen Stuhl umgeworfen. Er st�rmte durch die Bibliothek und ri� eine riesige Streitaxt von den Wandpfl�cken. Er band sie sich um das Gelenk der Hand, in der er den Trumpf hielt. Eine Sekunde lang erstarrte er, intensiv auf die Karte starrend. Dann streckte er die leere Hand aus und war pl�tzlich dr�ben, Brand umfassend, der sich diesen Augenblick aussuchte, um wieder ohnm�chtig zu werden. Das Bild begann zu flackern. Der Kontakt war unterbrochen.</p><p>Fluchend suchte ich in meinem Spiel nach G�rards Trumpf. Mehrere andere schienen dasselbe zu tun. Als ich das Bild fand, suchte ich den Kontakt. Langsam das Verschmelzen, das Herumdrehen, das Neuformen. Da!</p><p>G�rard hatte die Kette straff �ber die Mauersteine gezogen und hieb mit der Axt darauf ein. Doch das Ding war stark und widerstand den m�chtigen Hieben. Nach l�ngerer Zeit sahen mehrere Kettenglieder zerdr�ckt und verkratzt aus, doch inzwischen hatten die widerhallenden Axtschl�ge die W�chter alarmiert.</p><p>Ger�usche ert�nten von links � ein Rasseln, das Scharren von Riegeln, das Knirschen von T�rangeln. Mein Wahrnehmungsfeld reichte nicht so weit, doch offensichtlich wurde die Zellent�r ge�ffnet. Brand richtete sich erneut auf. G�rard setzte seine Attacken auf die Kette fort.</p><p>�G�rard! Die T�r!� rief ich.</p><p>�Ich wei�!� knurrte er, wickelte sich die Kette um den Arm und zerrte daran. Sie gab nicht nach.</p><p>Im n�chsten Augenblick lie� er die Kette los und schwang die Axt herum, als einer der dornenh�ndigen Krieger ihn mit erhobener Klinge angriff. Der Schwertk�mpfer ging zu Boden und wurde im n�chsten Augenblick von einem zweiten Mann ersetzt. Dann dr�ngten sich ein dritter und ein vierter herbei, dichtauf gefolgt von weiteren W�chtern.</p><p>In diesem Augenblick war eine verschwommene Bewegung zu sp�ren, und pl�tzlich kniete Random im Bild. Seine rechte Hand ruhte in Brands Hand, seine Linke hielt einen Stuhl vor sich wie einen Schild. Er sprang auf und best�rmte die Angreifer, trieb den Stuhl wie einen Rammbock zwischen sie. Die Fremden wichen zur�ck. Er hob den Stuhl und lie� ihn herumschwingen. Eine Gestalt lag auf dem Boden, gef�llt von G�rards Axt. Eine zweite hatte sich seitlich zur�ckgezogen und umklammerte den Stumpf ihres rechten Arms. Random zog nun einen Dolch, stie� blitzschnell zu, erledigte zwei weitere Gegner mit dem Stuhl und trieb den letzten zur�ck. Noch w�hrend dies im Gange war, schwebte der erste Tote pl�tzlich wie ein Gespenst vom Boden empor und trieb langsam in die H�he. Blut tropfte herab. Der Mann mit der Stichwunde im Leib sank in die Knie; seine H�nde waren um die Klinge gepre�t, die in seinem Bauch steckte.</p><p>Inzwischen hatte sich G�rard der Kette mit beiden H�nden bem�chtigt. Einen Fu� stellte er gegen die Wand und begann zu zerren. Seine Schultern w�lbten sich, als sich die m�chtigen R�ckenmuskeln strafften. Die Kette hielt. Etwa zehn Sekunden. F�nfzehn . . .</p><p>Mit lautem Knacken und Rasseln gab das Metall schlie�lich nach. G�rard stolperte zur�ck und st�tzte sich mit ausgestreckter Hand ab. Er blickte zur Seite, anscheinend auf Random, der im Augenblick au�erhalb meines Blickfelds war. Offenbar befriedigt wandte er sich ab, beugte sich vor und hob Brand empor, der wieder bewu�tlos zu Boden gesunken war. Ihn auf den Armen haltend, drehte er sich herum und streckte unter der schlaffen Gestalt hervor eine Hand in unsere Richtung. Neben den beiden erschien Random auf meinem Bild, jetzt ohne Stuhl, und gab uns ebenfalls ein Zeichen.</p><p>Wir alle streckten die H�nde aus, und gleich darauf standen sie zwischen uns, und wir dr�ngten uns um sie.</p><p>Jubelschrei erklang, als wir loseilten, um ihn zu ber�hren, zu sehen � unseren Bruder, der so viele Jahre fort gewesen und seinen geheimnisvollen H�schern endlich entrissen worden war. Vielleicht waren mit ihm auch einige Antworten befreit worden. Nur sah er so schwach, so d�nn, so bleich aus . . .</p><p>�Zur�ck!� rief G�rard. �Ich trage ihn zur Couch! Dann k�nnt ihr ihn euch in Ruhe . . .�</p><p>Totenstille. Alle waren zur�ckgewichen, zu Stein erstarrt. Der Grund war die Tatsache, da� Brand pl�tzlich blutete, da� Blut zu Boden tropfte. In seiner linken Flanke, auf dem R�cken, steckte ein Dolch. Sekunden zuvor war die Waffe nicht dort gewesen. Einer von uns hatte eben versucht, ihm einen Stich in die Nieren zu versetzen, und hatte offenbar Erfolg damit gehabt.</p><p>Ich hatte einen kurzen Augenblick Zeit, meine Sinne auf den Versuch zu konzentrieren, die Position jedes einzelnen in einer Art geistiger Fotographie festzuhalten. Dann war der Bann gebrochen. G�rard trug Brand zur Couch, und wir wichen zur�ck, wu�ten wir doch, da� uns allen nicht nur klar war, was hier geschehen sein mu�te, sondern auch, was es bedeutete.</p><p>G�rard legte Brand auf das Sofa und ri� das schmutzige Hemd auf.</p><p>�Besorgt mir sauberes Wasser, damit ich ihn waschen kann�, sagte er. �Und Handt�cher. Holt Salzl�sung und Glukose und etwas zum Aufh�ngen der Flaschen. Besorgt mir einen Arzneikasten.�</p><p>Deirdre und Flora n�herten sich der T�r.</p><p>�Meine R�ume liegen am n�chsten�, sagte Random. �Einer von euch findet dort einen Arzneikasten. Aber das IV-Zeug befindet sich im Labor in der dritten Etage. Ich komme lieber mit und helfe.�</p><p>Wir alle hatten irgendwann eine �rztliche Ausbildung erhalten, hier wie im Ausland. Was wir in den Schatten lernten, mu�te allerdings f�r Amber abgewandelt werden. Die meisten Antibiotika aus den Schattenwelten wirkten hier beispielsweise nicht. Andererseits scheinen sich unsere immunologischen Prozesse von denen aller anderen Lebewesen zu unterscheiden, die wir bisher studieren konnten, so da� wir uns viel seltener infizieren. Und wenn es doch einmal dazu kommt, sind wir das Problem auch schneller wieder los. Au�erdem besitzen wir erhebliche regenerative F�higkeiten.</p><p>H�tte aus unserer Runde jemand diese Wunde erlitten, w�hrend er ansonsten bei Kr�ften war, h�tte ich prophezeit, da� er �berleben w�rde, wenn er die erste halbe Stunde �berstand. Brand jedoch . . . Der Zustand, in dem er sich befand . . . Niemand konnte eine Prognose stellen.</p><p>Als die anderen mit den Mitteln und Ger�ten zur�ckkehrten, s�uberte G�rard den Bewu�tlosen, n�hte die Wunde und verband sie. Er h�ngte den Tropfer auf, l�ste Brands Armschellen mit Hammer und Mei�el, die Random mitgebracht hatte, bedeckte Brand mit Laken und Decke und ma� noch einmal seinen Puls.</p><p>�Wie ist er?� fragte ich.</p><p>�Schwach�, erwiderte G�rard, zog sich einen Stuhl heran und lie� sich neben der Couch nieder. �Jemand soll mir meine Klinge holen � und ein Glas Wein.�</p><p>Llewella ging zur Anrichte, und Random holte ihm von dem Gestell hinter der T�r sein Schwert.</p><p>�Willst du dort dein Lager aufschlagen?� fragte Random und reichte ihm die Waffe.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie w�r�s, wenn wir Brand in ein besseres Bett legten?�</p><p>�Er ist hier ganz gut aufgehoben. Ich werde entscheiden, wenn er verlegt werden kann. Zun�chst soll mal jemand ein Feuer anz�nden. Dann macht ein paar von den Kerzen aus.�</p><p>Random nickte.</p><p>�Wird gemacht�, sagte er und nahm das Messer zur Hand, das G�rard aus Brands K�rper gezogen hatte, ein d�nnes Stilett, dessen Klinge etwa sieben Zoll lang war. Er legte es auf seine Handfl�che.</p><p>�Erkennt es jemand wieder?� fragte er.</p><p>�Ich nicht�, sagte Benedict.</p><p>�Ich auch nicht�, meinte Julian.</p><p>�Nein�, sagte ich.</p><p>Jedes der M�dchen sch�ttelten den Kopf.</p><p>Random betrachtete die Waffe.</p><p>�Leicht zu verstecken � in einem �rmel, Stiefel oder Korsett. Ganz sch�n mutig, das Ding so zu benutzen . . .�</p><p>�Eine Verzweiflungstat�, sagte ich.</p><p>�W�re es m�glich, da� einer der W�chter daf�r verantwortlich ist?� fragte Julian. �Dr�ben in der Zelle?�</p><p>�Nein�, sagte G�rard. �Von denen ist keiner nahe genug herangekommen.�</p><p>�Das Messer sieht aus, als k�nnte man es auch zum Werfen verwenden�, bemerkte Deirdre.</p><p>�O ja, die Balance stimmt�, stellte Random fest und schob die Waffe auf den Fingerspitzen hin und her. �Doch keiner von ihnen hatte freie Bahn oder eine Gelegenheit zum Werfen. Das wei� ich genau.�</p><p>In diesem Augenblick kehrte Llewella zur�ck. Sie brachte ein Tablett mit Fleischst�cken, einem halben Brotlaib, einer Flasche Wein und einem Kelch. Ich r�umte einen kleinen Tisch frei und stellte ihn neben G�rards Stuhl. Als Llewella das Tablett absetzte, fragte sie: �Aber warum? Damit bleiben wir �brig. Warum sollte einer von uns so etwas tun wollen?�</p><p>Ich seufzte.</p><p>�Wessen Gefangener ist er wohl gewesen?� fragte ich.</p><p>�Einer von uns steckt dahinter?�</p><p>�Was meinst du wohl? Beispielsweise konnte Brand etwas wissen, das dem T�ter das Risiko wert war, zu verhindern, da� es nicht ans Tageslicht kam. Der gleiche Grund hat ihn zuvor in die Zelle und in Gefangenschaft gebracht.�</p><p>Sie runzelte die Stirn.</p><p>�Das ergibt auch keinen Sinn. Warum hat man ihn nicht einfach umgebracht und die Sache damit erledigt?�</p><p>Ich zuckte die Achseln. �Vielleicht hatte man noch Verwendung f�r ihn. Aber es gibt eigentlich nur einen Mann, der uns diese Frage genau beantworten kann. Wenn ihr ihn findet, m��t ihr ihn fragen.�</p><p>�Oder sie�, sagte Julian. �Schwester, du scheinst pl�tzlich von einem �berma� an Naivit�t befallen!�</p><p>Ihre Augen begegneten Julians Blick � zwei Eisberge, die sich in eisiger Unw�gbarkeit anfunkelten.</p><p>�Wenn ich mich richtig erinnere�, sagte sie, �bist du von deinem Stuhl aufgestanden, als sie durchkamen, hast dich nach links gewandt, bist um den Tisch herumgegangen und hast etwas zur Rechten G�rards gestanden. Dabei hast du dich ziemlich weit vorgebeugt. Ich glaube, deine H�nde waren nicht sichtbar.�</p><p>�Und wenn ich mich richtig erinnere�, sagte er, �warst du auch in Stichweite, links von G�rard, und hast dich ebenfalls vorgebeugt.�</p><p>�Ich h�tte die Tat aber mit der linken Hand begehen m�ssen � und ich bin Rechtsh�nderin.�</p><p>�Vielleicht verdankt er das bi�chen Leben, das er noch hat, eben dieser Tatsache.�</p><p>�Du bist auffallend bem�ht, festzustellen, da� es jemand anders war, Julian.�</p><p>�Schon gut!� sagte ich. �Schon gut! Ihr wi�t, da� so etwas zu nichts f�hrt. Nur einer ist der T�ter, und das ist kein Weg, ihn aus der Reserve zu locken.�</p><p>�Oder sie�, f�gte Julian zornig hinzu.</p><p>G�rard stand auf, starrte d�ster in die Runde.</p><p>�Ich kann es nicht zulassen, da� mein Patient gest�rt wird�, sagte er. �Au�erdem wolltest du dich um das Feuer k�mmern, Random.�</p><p>�Sofort�, sagte Random und machte sich an die Arbeit.</p><p>�Verlegen wir die Konferenz ins Wohnzimmer�, sagte ich. �G�rard, hier vor der T�r stelle ich einige W�chter auf.�</p><p>�Nein�, sagte G�rard. �Mir ist lieber, wenn derjenige, der es versuchen m�chte, bis zu mir durchkommt. Ich �bergebe dir dann morgen fr�h seinen Kopf.�</p><p>Ich nickte. �Jedenfalls kannst du klingeln, wenn du etwas brauchst � oder ruf einen von uns durch die Tr�mpfe. Wir informieren dich morgen, falls wir noch etwas erfahren.�</p><p>G�rard setzte sich wieder, knurrte etwas vor sich hin und begann zu essen. Random brachte das Feuer in Gang und l�schte einige Lichter. Brands Decke hob und senkte sich, langsam, aber regelm��ig. Stumm verlie�en wir nacheinander das Zimmer und gingen zur Treppe und lie�en die beiden allein.</p></section><section><title><p>7</p></title><p>Wie oft ist es geschehen, da� ich, zuweilen zitternd, doch immer erschrocken aus dem Traum erwacht bin, da� ich wieder in den Verliesen unter Amber l�ge, von neuem blind. Mir ist der Zustand des Gefangenseins also wahrlich nicht fremd. Man hat mich mehrfach eingesperrt. Einzelhaft und Blindheit ohne gro�e Hoffnung auf Rettung sind am Entbehrungstresen im Warenhaus des Geistes allerdings etwas Besonderes. Das alles, verbunden mit dem Gef�hl der Endg�ltigkeit, hatte seine Spuren hinterlassen. In den Stunden des Wachseins unterdr�cke ich diese Erinnerungen normalerweise, doch nachts machen sie sich zuweilen frei, huschen durch die G�nge und tanzen um den Gedankentresen, eins, zwei, drei. Brands Anblick in seiner Zelle hatte sie wieder von der Kette gelassen, verbunden mit einem unpassenden Gef�hl der K�lte; der anschlie�ende Dolchsto� sorgte daf�r, da� sie ein mehr oder weniger dauerhaftes Heim fanden. W�hrend ich jetzt im Kreise meiner Br�der und Schwestern in dem schildbehangenen Wohnzimmer sa�, kam mir der Gedanke, da� einer oder mehrere von ihnen mit Brand dasselbe getan hatten, was Eric zuvor mit mir angestellt hatte. W�hrend ich es nicht sonderlich �berraschend fand, da� ein Familienangeh�riger dazu in der Lage sein sollte, war die Tatsache, da� ich mit dem �belt�ter im gleichen Zimmer sa� und keine Ahnung hatte, wer es war, doch einigerma�en beunruhigend. Mein einziger Trost war, da� die anderen je nach Nervenkost�m ebenfalls beunruhigt sein mu�ten. Einschlie�lich des Schuldigen, nachdem nun eindeutig feststand, da� er unter uns zu suchen war. Inzwischen war mir klar, da� ich gehofft hatte, die Sache w�re einzig und allein auf Fremde zur�ckzuf�hren. Jetzt aber . . . Einerseits f�hlte ich mich noch mehr beengt als sonst in dem, was ich sagen durfte. Andererseits schien der richtige Augenblick gekommen, Informationen zu sammeln, solange noch jeder in aufgescheuchter Stimmung war. Der Wunsch, bei der Beseitigung der Gefahr zu helfen, konnte sich hier sehr positiv auswirken. Und sogar der �belt�ter hatte sicher den Wunsch, sich zu verhalten wie alle anderen. Wer konnte wissen, ob er sich nicht eine Bl��e gab, w�hrend er diesen Effekt zu erzielen versuchte?</p><p>�Nun, hast du noch andere interessante Experimente in petto?� fragte Julian, verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf und lehnte sich in meinem Lieblingsstuhl zur�ck.</p><p>�Im Augenblick nicht�, erwiderte ich.</p><p>�Schade�, sagte er. �Ich hatte gehofft, du w�rdest vorschlagen, wir sollten Vater auf �hnliche Weise zur�ckholen. Wenn wir Gl�ck haben, finden wir ihn, und jemand beseitigt ihn anschlie�end mit gr��erem Nachdruck. Hinterher k�nnten wir alle Russisch Roulett spielen mit den sch�nen neuen Waffen, die du uns mitgebracht hast � dem Sieger die Beute!�</p><p>�Du sprichst un�berlegt�, sagte ich.</p><p>�O nein. Jedes einzelne Wort ist sorgf�ltig �berlegt�, erwiderte er. �Wir verwenden soviel Zeit darauf, uns gegenseitig anzul�gen, da� ich es f�r am�sant hielt, endlich einmal zu sagen, was ich wirklich denke. Nur um zu sehen, ob es jemandem auff�llt.�</p><p>�Du siehst, es ist aufgefallen. Wir haben auch bemerkt, da� dein wahres Ich nicht besser ist als das alte.�</p><p>�Welches Ich du auch vorziehst � beide fragen sich, ob du eine Ahnung hast, was du nun tun willst.�</p><p>�O ja�, sagte ich. �Zun�chst gedenke ich Antwort zu erhalten auf eine Reihe von Fragen � �ber all die Dinge, die uns zu schaffen machen. Wir k�nnen gleich mit Brand und seinen Sorgen beginnen.� Ich wandte mich an Benedict, der vor dem Kamin sa� und ins Feuer starrte, und sagte: �Vor einiger Zeit hast du mir in Avalon gesagt, Brand h�tte zu denjenigen geh�rt, die nach meinem Verschwinden nach mir gesucht h�tten.�</p><p>�Richtig�, best�tigte Benedict.</p><p>�Wir alle haben dich gesucht�, sagte Julian.</p><p>�Zuerst nicht�, gab ich zur�ck. �Urspr�nglich waren es Brand, G�rard und du, Benedict. Ist das die Auskunft, die du mir gegeben hast?�</p><p>�Ja�, sagte er. �Die anderen haben es sp�ter versucht. Auch das habe ich dir gesagt.�</p><p>Ich nickte. �Hat Brand damals etwas Ungew�hnliches mitgeteilt?� fragte ich.</p><p>�Ungew�hnlich? In welcher Beziehung?� wollte Benedict wissen.</p><p>�Keine Ahnung. Ich suche nach einer Verbindung zwischen dem, was ihm widerfahren ist, und meinen Erlebnissen.�</p><p>�Dann suchst du am falschen Ort�, meinte Benedict. �Er kehrte von der Suche zur�ck und meldete einen Fehlschlag. Und anschlie�end war er noch verdammt lange in der Stadt, und zwar unbel�stigt.�</p><p>�Das hatte ich schon richtig mitbekommen�, sagte ich. �Doch aus Randoms Worten schlie�e ich, da� er endg�ltig etwa einen Monat vor dem Augenblick verschwand, da ich gesundete und zur�ckkehrte. Das kommt mir irgendwie seltsam vor. Wenn er nach der Suche keine besonderen Vorkommnisse melden konnte � hat er dann vielleicht unmittelbar vor seinem Verschwinden noch etwas gefunden? Oder in der Zwischenzeit? Wei� irgend jemand etwas? Sagt es mir, wenn ihr etwas wi�t!�</p><p>K�pfe wurden hin und her gewendet, man sah sich an. Die Blicke schienen mir allerdings eher von Neugier als von Mi�trauen oder Nervosit�t zu zeugen.</p><p>�Also�, sagte Llewella schlie�lich. �Ich wei� nicht recht. Ich wei� nicht, ob es wichtig ist, meine ich.�</p><p>Alle Blicke richteten sich auf sie. W�hrend sie sprach, flocht sie unabl�ssig die Enden ihrer G�rtelschnur.</p><p>�Es war in der Zeit dazwischen � und vielleicht hat es ja auch keine Bedeutung�, fuhr sie fort. �Die Sache kam mir jedenfalls seltsam vor. Brand kam damals nach Rebma . . .�</p><p>�Wie lange ist das her?� fragte ich.</p><p>Sie runzelte die Stirn.</p><p>�F�nfzig, sechzig, siebzig Jahre . . . ich wei� es nicht genau.�</p><p>Ich versuchte, mich an den Umrechnungsfaktor zu erinnern, den ich w�hrend meiner langen Einkerkerung gefunden hatte. Danach entsprach ein Tag in Amber gut zweieinhalb Tagen auf der Schatten-Erde, auf der ich mein Exil verbracht hatte. Wann immer m�glich, wollte ich die Ereignisse in Amber in meine Exilzeit umrechnen, f�r den Fall, da� sich seltsame Gemeinsamkeiten ergaben. Brand war also in einer Zeit nach Rebma gereist, die f�r mich irgendwann im neunzehnten Jahrhundert lag.</p><p>�Wie immer das Datum gewesen sein mag�, sagte sie, �er kam und besuchte mich. Er blieb mehrere Wochen.� Sie sah Random an. �Er erkundigte sich nach Martin.�</p><p>Random kniff die Augen zusammen und legte den Kopf auf die Seite.</p><p>�Hat er dir den Grund genannt?� fragte er.</p><p>�Eigentlich nicht�, sagte sie. �Er deutete an, er habe Martin irgendwann auf seinen Reisen kennengelernt, und erweckte den Eindruck, als w�rde er sich gern mit ihm in Verbindung setzen. Erst nach seiner Abreise wurde mir bewu�t, da� er wahrscheinlich nur deswegen zu uns gekommen war, um m�glichst viel �ber Martin herauszufinden. Ihr wi�t ja, wie raffiniert Brand sein kann, wie er Dinge in Erfahrung bringt, ohne sp�rbar darauf scharf zu sein. Erst als ich mit einigen anderen gesprochen hatte, bei denen er ebenfalls zu Besuch gewesen war, ging mir auf, was geschehen war. Den Grund habe ich allerdings nie erfahren.�</p><p>�Das ist � h�chst seltsam�, bemerkte Random. �Es bringt mir etwas in Erinnerung, dem ich bisher keine Bedeutung beigemessen habe. Einmal fragte er mich gr�ndlich nach meinem Sohn aus � das kann durchaus zur gleichen Zeit gewesen sein. Er machte allerdings keine Andeutung, da� er ihn kennengelernt habe � oder ihn kennenlernen wollte. Das Gespr�ch begann mit einer kleinen Stichelei �ber uneheliche S�hne. Als ich mich gekr�nkt zeigte, entschuldigte er sich und stellte mir ein paar vern�nftigere Fragen �ber den Jungen, Fragen, die ich damals seinem Bem�hen um H�flichkeit zuschrieb � damit ich mich sp�ter nicht im Zorn an das Gespr�ch erinnerte. Doch wie du schon sagst � er hatte eine besondere Art, seinen Gespr�chspartnern Vertraulichkeiten abzuringen. Warum hast du mir nie davon erz�hlt?�</p><p>Sie l�chelte ihn s��lich an. �Warum h�tte ich das tun sollen?� fragte sie.</p><p>Random nickte langsam; sein Gesicht war ausdruckslos.</p><p>�Nun, was hast du ihm gesagt?� fragte er. �Was hat er erfahren? Was wei�t du �ber Martin, das mir nicht bekannt w�re?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, und ihr L�cheln verbla�te.</p><p>�Eigentlich � nichts�, erwiderte sie. �Meines Wissens hat man in Rebma nicht wieder von Martin geh�rt, seitdem er durch das Muster geschritten und verschwunden ist. Ich glaube nicht, da� Brand bei seiner Abreise aus Rebma kl�ger war als bei seiner Ankunft.�</p><p>�Seltsam . . .�, sagte ich. �Hat er sich mit seinen Fragen auch an andere gewandt?�</p><p>�Ich erinnere mich nicht�, sagte Julian.</p><p>�Ich auch nicht�, stellte Benedict fest.</p><p>Die anderen sch�ttelten die K�pfe.</p><p>�Dann merken wir uns das und lassen die Sache f�r den Augenblick ruhen�, sagte ich. �Es gibt andere Dinge, die ich wissen mu�. Julian, ich habe erfahren, da� du und G�rard vor einiger Zeit der schwarzen Stra�e zu folgen versuchtet und da� G�rard unterwegs verletzt wurde. Anschlie�end habt ihr euch wohl eine Zeitlang bei Benedict aufgehalten, bis sich G�rard wieder erholt hatte. �ber diese Expedition m�chte ich gern mehr erfahren.�</p><p>�Du scheinst doch schon Bescheid zu wissen�, erwiderte Julian. �Du hast eben alles geschildert, was geschehen ist.�</p><p>�Wo hast du davon erfahren, Corwin?� fragte Benedict.</p><p>�In Avalon.�</p><p>�Von wem?�</p><p>�Dara.�</p><p>Er stand auf, durchquerte das Zimmer, blieb vor mir stehen und starrte d�ster auf mich herab.</p><p>�Du bestehst also noch immer auf der absurden Geschichte mit dem M�dchen!�</p><p>Ich seufzte.</p><p>�Wir haben uns nun schon lang und breit dar�ber unterhalten�, sagte ich. �Dabei habe ich dir alles mitgeteilt, was ich �ber das Thema wei�. Entweder glaubst du mir oder nicht. Jedenfalls hat sie mir das alles erz�hlt.�</p><p>�Anscheinend gibt es doch einige Dinge, �ber die du mich nicht informiert hast. Von diesem Detail hast du jedenfalls bisher nicht gesprochen.�</p><p>�Ist es wahr oder nicht? Ich meine, wegen Julian und G�rard.�</p><p>�Es stimmt�, sagte er.</p><p>�Dann sollten wir f�r den Augenblick meine Informationsquelle vergessen und uns auf die Ereignisse konzentrieren.�</p><p>�Einverstanden�, sagte Benedict. �Nachdem nun der Grund f�r meine Geheimniskr�merei fortf�llt � nat�rlich Eric �, will ich mich offen �u�ern. Eric wu�te nicht, wo ich lebte, und auch die meisten anderen hatten keine Ahnung. G�rard war mein wichtigster Verbindungsmann in Amber. Eric machte sich immer mehr Sorgen um die schwarze Stra�e und beschlo� eines Tages, sie von Kundschaftern durch die Schatten bis zum Ausgangspunkt zur�ckverfolgen zu lassen. Julian und G�rard fiel die Aufgabe zu. Sie wurden in der N�he Avalons von einer �berlegenen Horde der schwarzen Wesen angegriffen. G�rard bat mich durch meinen Trumpf um Hilfe, und ich eilte hinzu. Der Feind wurde zur�ckgeschlagen. Da sich G�rard beim Kampf ein Bein gebrochen hatte und auch Julian ziemlich �bel zugerichtet war, nahm ich beide mit nach Hause. Damals brach ich mein Schweigen und setzte mich mit Eric in Verbindung, um ihm zu sagen, wo sie sich aufhielten und was aus ihnen geworden war. Er ordnete an, sie sollten die Reise nicht fortsetzen, sondern nach Amber zur�ckkehren, nachdem sie sich erholt hatten. Bis dahin blieben sie bei mir. Dann ritten sie zur�ck.�</p><p>�Das ist alles?�</p><p>�Das ist alles.�</p><p>Aber es war nicht alles. Dara hatte mir noch etwas mitgeteilt. Sie hatte von einem anderen Besucher gesprochen. Ich erinnerte mich deutlich daran. An jenem Tag am Bach, w�hrend sich das M�hlrad eifrig drehte und Tr�ume mahlte, an jenem Tag, da wir miteinander k�mpften und plauderten und durch die Schatten wanderten und dabei durch einen urzeitlichen Wald kamen und einen m�chtigen Flu� mit einem ungeheuren Rad erreichten, das eine M�hle der G�tter h�tte sein k�nnen, an jenem Tag, da wir ein Picknick abhielten, flirteten und klatschten � an jenem Tag hatte sie mir viel erz�hlt, und manches war sicher nicht wahr gewesen. Doch hinsichtlich des Besuches durch Julian und G�rard hatte sie nicht gelogen, und ich hielt es f�r m�glich, da� sie auch die Wahrheit gesagt hatte, als sie mir mitteilte, Brand habe Benedict in Avalon besucht. �Oft� � das war das Wort, das sie verwendet hatte.</p><p>Benedict hatte nun keinen Zweifel daran gelassen, da� er mir mi�traute. Dies allein war sicher ein ausreichender Grund daf�r, da� er Informationen �ber Dinge f�r sich behielt, die er f�r zu problematisch hielt, als da� sie mich etwas angingen. H�lle, wenn die Lage umgekehrt gewesen w�re, h�tte ich mir auch nicht vertraut! Doch nur ein Dummkopf h�tte ihn jetzt darauf angesprochen. Denn es gab noch andere M�glichkeiten.</p><p>Immerhin m�glich, da� er mir sp�ter unter vier Augen von Brands Besuchen erz�hlen wollte. Dabei mochte es durchaus um etwas gegangen sein, das er nicht vor der Gruppe und besonders nicht vor Brands M�chtegern-M�rder besprechen wollte.</p><p>Oder . . . Nat�rlich war auch die M�glichkeit nicht auszuschlie�en, da� Benedict selbst hinter allem stand. Die Folgen wagte ich mir nicht vorzustellen. Da ich unter Napoleon, Lee und McArthur gedient hatte, wu�te ich den Taktiker wie auch den Strategen zu sch�tzen. Benedict war beides, der beste, den ich je gekannt hatte. Der k�rzliche Verlust seines rechten Arms hatte diese F�higkeiten in keiner Weise gemindert, ebensowenig wie seine Gef�hrlichkeit im Zweikampf. W�re ich seinerzeit nicht vom Gl�ck beg�nstigt gewesen, h�tte er mich wegen eines Mi�verst�ndnisses m�helos windelweich geschlagen. Nein, ich w�nschte mir nicht, da� Benedict der Drahtzieher war, und ich gedachte auch nicht auf die Jagd nach den Dingen zu gehen, die er im Augenblick verheimlichen wollte. Ich hoffte nur, da� er sie sich lediglich f�r sp�ter aufhob.</p><p>Ich beschr�nkte mich also auf ein �Das ist alles� und beschlo�, das Thema zu wechseln.</p><p>�Flora�, sagte ich. �Als ich dich nach meinem Unfall besuchte, sagtest du etwas, das ich auch heute noch nicht ganz verstehe. Da ich kurz darauf relativ viel Zeit zur Verf�gung hatte und mir manche Dinge �berlegen konnte, bin ich in meinen Erinnerungen auch auf diesen Satz gesto�en und habe mir Gedanken dar�ber gemacht. Ich verstehe ihn nicht. W�rdest du mir bitte erl�utern, was du gemeint hast, als du sagtest, die Schatten enthielten mehr Schrecknisse, als man geglaubt h�tte?�</p><p>�Nun, ich erinnere mich nicht genau daran, so etwas gesagt zu haben�, erwiderte Flora. �Aber vermutlich habe ich es gesagt, wenn es einen solchen Eindruck auf dich gemacht hat. Du kennst den Effekt, den ich meinte: da� Amber auf die benachbarten Schatten wie eine Art Magnet wirkt und Dinge daraus her�berzieht; je mehr man sich Amber n�hert, desto einfacher ist der Weg, selbst f�r Schattenwesen. W�hrend es zwischen benachbarten Schatten immer ein gewisses Ma� an Wechselwirkung gibt, scheint dieser Effekt bei Amber st�rker und auch einseitiger zu sein. Wir achten seit jeher besonders auf seltsame Dinge, die sich aus den Schatten zu uns verirren. Nun, in den Jahren vor deiner Gesundung schienen diese Erscheinungen in der N�he Ambers verst�rkt aufzutreten. Unheimliche Wesen tauchten auf, fast immer gef�hrlich. Viele waren unverkennbar Gesch�pfe aus nahegelegenen Bereichen. Nach einiger Zeit jedoch kamen die Besucher von immer weiter her. Schlie�lich tauchten Wesen auf, die uns v�llig unbekannt waren. Man wu�te keine Erkl�rung f�r diesen pl�tzlichen Transport von Gefahren, obwohl wir ziemlich gr�ndlich nach den Ursachen forschten, die die Erscheinungen zu uns treiben mochten. Mit anderen Worten � es traten ziemlich unwahrscheinliche Schattendurchdringungen auf.�</p><p>�Dies begann schon, w�hrend Vater noch in der Stadt war?�</p><p>�O ja. Es begann mehrere Jahre vor seiner Gesundung � wie ich eben schon sagte.�</p><p>�Ich verstehe. Hat sich schon mal jemand mit der Frage besch�ftigt, ob es zwischen diesen Ereignissen und Vaters Verschwinden eine Verbindung gibt?�</p><p>�Gewi߫, erwiderte Benedict. �Ich bin noch immer der Meinung, da� hier der Grund zu sehen ist. Er zog los, um den Ph�nomenen nachzugehen � oder um ein Gegenmittel zu finden.�</p><p>�Das ist lediglich eine Vermutung�, meinte Julian. �Du wei�t ja, wie er war. Er hat niemals Gr�nde genannt.�</p><p>Benedict zuckte die Achseln.</p><p>�Es ist jedenfalls eine logische Schlu�folgerung�, sagte er. �Soweit ich wei�, hat er bei verschiedenen Gelegenheiten von seiner Sorge �ber die Monsterwanderungen � wenn wir sie so nennen wollen � gesprochen.�</p><p>Ich zog meine Karten aus ihrem Beh�ltnis; ich hatte es mir in letzter Zeit angew�hnt, stets einen kompletten Satz Tr�mpfe bei mir zu f�hren. Ich zog G�rards Karte und betrachtete sie. Die anderen sahen mir stumm zu. Gleich darauf kam der Kontakt.</p><p>G�rard sa� noch immer auf seinem Stuhl, die Klinge quer �ber die Knie gelegt. Er hatte seine Mahlzeit noch nicht beendet. Er schluckte, als er meine Gegenwart sp�rte, und fragte: �Ja, Corwin? Was willst du?�</p><p>�Wie geht es Brand?�</p><p>�Er schl�ft�, erwiderte er. �Sein Puls ist ein bi�chen kr�ftiger geworden. Seine Atmung ist unver�ndert � regelm��ig. Es ist noch zu fr�h . . .�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Ich wollte mich nur erkundigen, ob du dich an eine bestimmte Sache erinnerst. Hattest du nach Dingen, die Vater gesagt oder getan hat, den Eindruck, da� sein Verschwinden irgendwie mit dem verst�rkten Auftauchen von Schattenwesen in Amber zu tun hatte?�</p><p>�Das�, sagte Julian, �nennt man eine Fangfrage.�</p><p>G�rard wischte sich den Mund.</p><p>�Eine Verbindung mag bestanden haben�, sagte er. �Er war irgendwie beunruhigt und mit den Gedanken ganz woanders. Und er sprach von den Wesen. Aber er hat niemals offen heraus gesagt, sie seien seine Hauptsorge � oder ob ihn vielleicht etwas ganz anderes besch�ftigte.�</p><p>�Zum Beispiel?� � Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Irgend etwas. Ich � ja . . . ja, es gibt da etwas, das du wissen solltest; vielleicht n�tzt es etwas. Einige Zeit nach seinem Verschwinden wollte ich einen bestimmten Umstand feststellen; n�mlich: ob ich tats�chlich die letzte Person war, die ihn vor seiner Abreise gesehen hat. Ich bin ziemlich sicher, da� ich es war. Ich hatte mich den ganzen Abend im Palast aufgehalten und machte Anstalten, an Bord meines Flaggschiffs zur�ckzukehren. Vater hatte sich etwa eine Stunde zuvor zur�ckgezogen, doch ich war noch im Wachzimmer geblieben und hatte mit Kapit�n Thoben Dame gespielt. Da wir am folgenden Morgen auslaufen wollten, beschlo� ich, ein Buch mitzunehmen. Ich ging also hier in die Bibliothek. Vater sa� am Tisch.� G�rard machte eine Kopfbewegung. �Er bl�tterte in einigen alten B�chern und hatte sich noch nicht umgezogen. Er sagte: �Du bist an der richtigen Stelle�, und las weiter. W�hrend ich die Regale absuchte, machte er eine Bemerkung dar�ber, da� er nicht schlafen k�nne. Ich fand ein Buch, w�nschte ihm eine gute Nacht. Er sagte: �Gute Fahrt�, und ich ging.� G�rard senkte den Blick. �Ich bin �berzeugt, da� er an jenem Abend das Juwel des Geschicks trug, da� ich es auf seiner Brust sah, so deutlich, wie ich dich jetzt vor mir habe. Ich bin ebenso �berzeugt, da� er es fr�her am Abend nicht getragen hatte. Sp�ter war ich lange Zeit der Ansicht, er habe es mitgenommen, wohin immer er auch gegangen war. In seinen R�umen fand sich kein Hinweis darauf, da� er sich sp�ter noch umgezogen hatte. Ich sah den Stein erst wieder, als du und Bleys besiegt wurdet nach eurem Angriff auf Amber. Da trug Eric pl�tzlich das Juwel. Als ich ihn fragte, behauptete er, er habe das Schmuckst�ck in Vaters Gem�chern gefunden. Da ich keine gegenteiligen Beweise hatte, mu�te ich dies akzeptieren, aber zufrieden war ich damit nicht. Deine Frage � und die Tatsache, da� du den Stein jetzt tr�gst � hat die alten Erinnerungen wieder aufsteigen lassen. Ich dachte, du solltest dar�ber Bescheid wissen.�</p><p>�Danke�, sagte ich. Zugleich fiel mir eine andere Frage ein, die ich im Augenblick aber lieber nicht stellen wollte. F�r die Ohren der anderen beendete ich das Gespr�ch mit der Frage : �Du meinst also, er braucht noch mehr Decken? Oder sonst etwas?�</p><p>G�rard prostete mir mit seinem Glas zu und trank.</p><p>�Sehr gut. Mach nur so weiter�, sagte ich und schob die Hand �ber seine Karte.</p><p>�Bruder Brand scheint es den Umst�nden entsprechend gut zu gehen�, sagte ich. �Und G�rard erinnert sich nicht daran, da� Vater etwas gesagt h�tte, wonach die Schatten-Erscheinungen und seine Abreise in direktem Zusammenhang gestanden haben k�nnten. Wie wohl Brands Erinnerungen aussehen, wenn er wieder zu sich kommt . . .�</p><p><emphasis>�Wenn</emphasis> er wieder zu sich kommt�, sagte Julian.</p><p>�Ich glaube schon, da� er es schafft�, sagte ich. �Wir alle haben schon ziemlich harte Nackenschl�ge einstecken m�ssen. Unsere Lebenskraft ist eines der wenigen Dinge, denen wir vertrauen k�nnen. Ich w�rde sagen, da� er morgen fr�h den Mund aufmacht.�</p><p>�Was gedenkst du mit dem Schuldigen anzustellen�, fragte er, �wenn Brand den Namen nennt?�</p><p>�Ihn verh�ren�, sagte ich.</p><p>�Das w�rde ich gern �bernehmen. Ich habe so langsam das Gef�hl, da� du diesmal recht hast, Corwin, und da� die Person, die ihn ermorden wollte, vielleicht auch verantwortlich ist f�r die wiederholten Belagerungen, f�r Vaters Verschwinden und f�r Caines Tod. Es w�rde mir Spa� machen, den Kerl auszuquetschen, ehe wir ihm die Kehle durchschneiden � und auch daf�r m�chte ich mich gern zur Verf�gung stellen.�</p><p>�Wir werden daran denken�, sagte ich.</p><p>�Du bist von der Untersuchung nicht ausgeschlossen!�</p><p>�Das wei� ich durchaus.�</p><p>�Ich mu� etwas sagen�, schaltete sich Benedict ein und verhinderte damit eine Antwort Julians. �Mir machen die St�rke und das erkennbare Ziel der Opposition zu schaffen. Ich bin nun schon bei mehreren Gelegenheiten auf die gegnerischen Kr�fte gesto�en, die es wirklich auf Blut abgesehen haben. Wenn wir einmal hypothetisch deine Geschichte �ber Dara akzeptieren, Corwin, so scheinen mir ihre letzten Worte die gegnerische Haltung klar zu definieren: �Amber wird vernichtet werden.� Nicht erobert, unterworfen oder gez�chtigt. <emphasis>Vernichtet!</emphasis> Julian, du h�ttest doch nichts dagegen, hier zu herrschen, oder?�</p><p>Julian l�chelte.</p><p>�Vielleicht in einem Jahr�, sagte er. �Heute nicht, vielen Dank.�</p><p>�Ich meine damit, da� ich mir vorstellen k�nnte, da� du � oder ein anderer von uns � S�ldner einsetzt oder sich Verb�ndete sucht, um die Stadt zu �bernehmen. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, da� ihr eine so starke Macht einschaltet, da� sie hinterher schon an sich ein ernstes Problem darstellt. Jedenfalls keine Macht, der es mehr auf Vernichtung als auf Eroberung ankommt. Ich kann mir einfach nicht denken, da� du, ich, Corwin oder die anderen versuchen w�rden, Amber tats�chlich zu vernichten � oder sich mit Kr�ften einzulassen, die dieses Ziel haben. Das ist der Aspekt, der mir an Corwins Vermutung, einer von uns stecke hinter der Sache, nicht gef�llt.�</p><p>Ich nickte. Nat�rlich war mir diese Schw�che in der Kette meiner Vermutungen bekannt. Doch gab es so viele Unbekannte . . . Ich konnte Alternativen auff�hren, wie es Random in diesem Augenblick tat � doch mit Mutma�ungen war nichts zu beweisen.</p><p>�Vielleicht�, sagte Random, �hat sich einer von uns mit solchen Kr�ften eingelassen, hat aber seine Verb�ndeten untersch�tzt. Der Schuldige sitzt jetzt wom�glich ebenso in der Klemme wie wir. Vielleicht kann er die Sache gar nicht mehr stoppen, selbst wenn er wollte.�</p><p>�Wir k�nnten ihm die Gelegenheit geben�, sagte Fiona, �seine Verb�ndeten hier und jetzt zu verraten. Wenn man Julian dazu bringen k�nnte, ihm nicht die Kehle durchzuschneiden, und die �brigen ebenfalls damit einverstanden w�ren, w�rde er vielleicht den Mund aufmachen � sofern Randoms Vermutung stimmt. Er k�nnte zwar keinen Anspruch auf den Thron mehr erheben, doch seine Chancen stehen im Augenblick ja auch nicht besonders gut. Auf diese Weise k�nnte er sein Leben retten und Amber ziemlich viel �rger ersparen. Ist jemand bereit, hierzu eine Meinung zu �u�ern?�</p><p>�Ja, ich�, sagte ich. �Ich schenke ihm das Leben, wenn er sich �u�ert � unter der Voraussetzung, da� er es im Exil verbringt.�</p><p>�Damit bin ich einverstanden�, sagte Benedict.</p><p>�Ich auch�, sagte Random.</p><p>�Eine Bedingung�, verk�ndete Julian. �Wenn er nicht pers�nlich f�r Caines Tod verantwortlich war, mache ich mit. Sonst nicht. Und er m��te Beweise vorlegen.�</p><p>�Leben im Exil�, sagte Deirdre. �Also gut, einverstanden.�</p><p>�Ich auch�, sagte Flora.</p><p>�Ich ebenfalls�, folgte Llewella.</p><p>�G�rard ist vermutlich ebenfalls einverstanden�, sagte ich. �Doch ich frage mich, ob Brand so denkt wie wir. Ich habe so ein Gef�hl, als k�nnte er etwas dagegen haben.�</p><p>�Fragen wir G�rard�, sagte Benedict. �Wenn es Brand schafft und sich als einziger dagegen ausspricht, wei� der Schuldige, da� er nur einem Feind aus dem Weg gehen mu� � und auf dieser Basis k�nnen sich die beiden immer noch direkt einigen.�</p><p>�Gut�, sagte ich, unterdr�ckte einen Anflug von Unbehagen und setzte mich noch einmal mit G�rard in Verbindung, der sich ebenfalls einverstanden erkl�rte.</p><p>So standen wir denn auf und leisteten unseren Schwur auf das Einhorn von Amber � wobei Julians Schwur eine zus�tzliche Klausel aufwies. Wir schworen, jeden aus unserem Kreis, der dem Eid zuwiderhandelte, ins Exil zu verbannen. Offen gestanden nahm ich nicht an, da� uns das alles etwas bringen w�rde, doch es ist h�bsch, wenn eine Familie sich zu einer gemeinsamen Aktion aufrafft.</p><p>Anschlie�end machte jeder eine Bemerkung dar�ber, er w�rde �ber Nacht im Palast bleiben � vermutlich um anzudeuten, da� er keine Angst hatte vor den Dingen, die Brand morgen fr�h vielleicht enth�llen w�rde, und um anzudeuten, da� er nicht den Wunsch hatte, die Stadt zu verlassen � etwas, das man nicht so schnell vergessen w�rde, selbst wenn Brand in der Nacht den Geist aufgab. Da ich der Gruppe keine weiteren Fragen vorzulegen hatte und keiner aufgestanden war, um die Untat einzugestehen, die von unserem Schwur gedeckt wurde, lehnte ich mich zur�ck und h�rte eine Zeitlang tatenlos zu. Die Gruppe fiel auseinander; es gab eine Reihe von Gespr�chen und Wortwechseln, wobei eines der Hauptthemen die Nachstellung der Szene in der Bibliothek war. Jeder beschrieb seine Position und versuchte zu beweisen, da� bis auf ihn jeder andere in der Lage gewesen war, die Tat zu begehen. Ich rauchte eine Zigarette und sagte nichts zu dem Thema. Deirdre kam jedoch auf eine interessante M�glichkeit, wonach G�rard den Dolchsto� selbst h�tte f�hren k�nnen, w�hrend wir herbeidr�ngten, und wonach sein entschlossenes Auftreten nicht dem Wunsch entsprang, Brand zu retten, sondern dem Bestreben, ihn am Sprechen zu hindern � was bedeutete, da� Brand die Nacht nicht �berleben w�rde. Raffiniert ausgekl�gelt, doch ich konnte nicht daran glauben. Auch sonst lie� sich niemand �berzeugen.</p><p>Zumindest erkl�rte sich keiner bereit, nach oben zu gehen und G�rard von seinem Sch�tzling zu trennen.</p><p>Nach einer Weile schlenderte Fiona herbei und setzte sich neben mich.</p><p>�Also, ich habe das einzige versucht, das mir eingefallen ist�, sagte sie. �Ich hoffe, es f�hrt zu etwas.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Wie ich sehe, hast du deine Garderobe um ein seltsames Schmuckst�ck bereichert�, sagte sie, hob mit Daumen und Zeigefinger das Juwel des Geschicks empor und betrachtete es.</p><p>Dann sah sie mich an.</p><p>�Kannst du das Ding dazu bringen, Tricks f�r dich zu vollbringen?� fragte sie.</p><p>�Ein paar.�</p><p>�Dann hast du also gewu�t, wie man sich darauf einstellt. Dabei wird das Muster eingeschaltet, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Eric hat mir das Notwendige mitgeteilt � unmittelbar vor seinem Tod.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>Sie lie� den Edelstein los, lehnte sich in ihren Sessel zur�ck und blickte in die Flammen.</p><p>�Hat er dir auch Vorsichtsma�regeln mit auf den Weg gegeben?� wollte sie wissen.</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich frage mich, ob das an den Umst�nden lag oder Absicht war.�</p><p>�Nun, er war ziemlich mit Sterben besch�ftigt. Das engte unsere Konversation doch etwas ein.�</p><p>�Ich wei�. Ich habe nur �berlegt, ob sein Ha� auf dich seine Hoffnungen f�r das Reich �berwogen hat, oder ob er einige der hier angesprochenen Prinzipien vielleicht selbst nicht gekannt hat.�</p><p>�Was wei�t du denn davon?�</p><p>�Denk einmal an Erics Tod, Corwin. Ich war nicht dabei, doch zur Beerdigung bin ich ziemlich fr�h gekommen. Ich war zugegen, als sein Leichnam gebadet, rasiert und angekleidet wurde � und ich habe seine Wunden untersucht. Ich glaube nicht, da� die Wunden allein t�dlich waren. Er hatte drei Brustwunden erlitten, doch nur eine sah so aus, als ginge sie bis in den Burstkorb . . .�</p><p>�Das gen�gt v�llig, wenn . . .�</p><p>�Warte�, sagte sie. �Es war schwierig, doch ich habe den Winkel des Stichs mit einer Nadel zu ermitteln versucht. Eigentlich wollte ich ja richtig nachschauen, aber das hat Caine nicht zugelassen. Dennoch glaube ich nicht, da� sein Herz oder seine Arterien besch�digt waren. Wenn du willst, da� ich dieser Frage weiter nachgehe, ist es f�r eine Leichen�ffnung noch nicht zu sp�t. Ich bin sicher, da� die Wunden und die allgemeine Belastung zu seinem Tod beitrugen, doch ich bin davon �berzeugt, da� das Juwel den entscheidenden Ansto� gegeben hat.�</p><p>�Wie kommst du darauf?�</p><p>�Wegen einiger Bemerkungen, die Dworkin machte, als ich bei ihm studierte � und wegen anderer Dinge, die mir deswegen hinterher aufgefallen sind. Er deutete an, da� das Juwel zwar ungew�hnliche F�higkeiten vermittelte, da� es aber zugleich eine Belastung f�r die Lebenskraft des Tr�gers darstellt. Je l�nger man es tr�gt, desto mehr wird einem von dem Schmuckst�ck Energie entzogen. Sp�ter habe ich darauf geachtet und festgestellt, da� Vater den Stein nur selten trug und niemals f�r l�ngere Zeit.�</p><p>Meine Gedanken kehrten zu Eric zur�ck, zu jenem Tag, da er sterbend am Hang des Kolvir lag, w�hrend ringsum die Schlacht tobte. Ich erinnerte mich an den ersten Eindruck, den ich von ihm hatte � das bleiche Gesicht, der keuchende Atem, das Blut auf seiner Brust . . . Und das Juwel des Geschicks, das ihm um den Hals hing, pulsierte wie ein Herz auf dem feuchten zerknitterten Stoff. Das Pulsieren hatte ich zuvor noch nie gesehen � und seither nicht wieder. Ich erinnerte mich, da� die Erscheinung schw�cher wurde, und als er starb und ich seine H�nde �ber dem Juwel faltete, hat das Ph�nomen ganz aufgeh�rt.</p><p>�Was wei�t du �ber die Funktionen des Juwels?� fragte ich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Dworkin hielt das f�r ein Staatsgeheimnis. Ich wei� von der offensichtlichen Wirkung, von der Wetterkontrolle, und schlo� aus einigen Bemerkungen Vaters, da� der Stein au�erdem zu einem verbesserten oder zus�tzlichen Wahrnehmungsverm�gen f�hrt. Dworkin erw�hnte das Juwel in erster Linie als Beispiel f�r die Gegenwart des Musters in allem, was uns Macht verleiht � sogar die Tr�mpfe enthalten es, wenn du genau und lange genug hinschaust �, und er beschrieb es als Verk�rperung des Erhaltungsprinzips: all unsere speziellen Kr�fte haben ihren Preis. Je gr��er die Macht, desto gr��er die Investition. Die Tr�mpfe sind eine Kleinigkeit; trotzdem birgt ihre Benutzung ein Element der Ersch�pfung in sich. Die Wanderung durch die Schatten, eine Anwendung der Linien des Musters, das in uns existiert, erfordert eine noch gr��ere Anstrengung. Die physische Bew�ltigung des eigentlichen Musters kostet bereits erhebliche Energien. Das Juwel aber, so sagt Dworkin, repr�sentiert eine noch h�here Oktave desselben Ph�nomens, und die Kosten f�r den Benutzer sind gleich um mehrere Faktoren gr��er.�</p><p>Wenn das stimmte, offenbarte sich hier eine andere zwielichtige Charakterfacette jenes Bruders, den ich am wenigsten gemocht hatte. Hatte er das Ph�nomen gekannt und das Juwel bei der Verteidigung Ambers dennoch angelegt und zu lange getragen, so wurde er dadurch zu einer Art Held. Seine Weitergabe des Steins an mich ohne Warnung stellte sich in diesem Lichte allerdings als letzter Racheversuch des Sterbenden dar. Dabei hatte er mich seinen Worten zufolge ausdr�cklich von seinem Fluch ausgenommen, den er gegen unsere Feinde auf der schwarzen Stra�e einzusetzen gedachte. Das bedeutete nat�rlich nur, da� er sie ein wenig mehr ha�te als mich und seine letzten Kr�fte strategisch m�glichst g�nstig einsetzen wollte � f�r Amber. Ich dachte an die Unvollst�ndigkeit von Dworkins Notizen, die ich aus dem von Eric bezeichneten Versteck geholt hatte. War es m�glich, da� Eric die kompletten Aufzeichnungen gefunden und den Teil mit den Warnungen absichtlich vernichtet hatte, um seinen Nachfolger in den Tod zu treiben? Dieser Gedanke erschien mir nicht gerade logisch, denn er konnte nicht wissen, da� ich in der Schlacht wieder auftauchen w�rde, da� der Kampf so enden w�rde und da� ich ihm tats�chlich auf den Thron folgen w�rde. Ebensogut h�tte einer seiner Lieblingsbr�der an die Macht kommen k�nnen, in welchem Falle ihm sicher nicht daran gelegen h�tte, irgendwelche Fallen zu hinterlassen. Nein. Wie ich die Dinge sah, war sich Eric entweder der wahren Eigenschaften des Steins nicht bewu�t gewesen, da er eine nur unvollst�ndige Gebrauchsanweisung erhalten hatte, oder jemand anders war vor mir an die Papiere herangekommen und hatte gen�gend Informationen entfernt, um mich mit einer t�dlichen Gefahr auf der Brust dastehen zu lassen. Vielleicht war hier wieder unser Todfeind am Werk gewesen.</p><p>�Kennst du den Sicherheitsfaktor?� fragte ich.</p><p>�Nein�, erwiderte sie. �Ich kann dir nur zwei Hinweise geben; vielleicht n�tzen sie dir etwas. Erstens kann ich mich nicht erinnern, da� Vater das Schmuckst�ck jemals �ber l�ngere Zeitr�ume hinweg getragen hat. Den zweiten Aspekt habe ich mir aus einigen seiner �u�erungen zusammengesucht � angefangen mit der Bemerkung: �Wenn Menschen zu Denkm�lern werden, ist man selbst entweder am falschen Ort oder in Schwierigkeiten� �ber einen l�ngeren Zeitraum hinweg bedr�ngte ich ihn nat�rlich wegen einer n�heren Erl�uterung und gewann schlie�lich den Eindruck, da� das erste Anzeichen f�r eine zu lange Aktivierung des Juwels eine Art Verzerrung des Zeitgef�hls ist. Anscheinend beginnt es den Metabolismus � alles � zu beschleunigen, was zur Folge hat, da� sich die Welt ringsum zu verlangsamen scheint. Dies mu� den Tr�ger ziemlich viel Kraft kosten. Und das ist alles, was ich dar�ber wei�, und ich mu� zugeben, da� insbesondere das letztere zum gr��ten Teil Vermutung ist. Wie lange tr�gst du das gute St�ck jetzt schon?�</p><p>�Eine ganze Weile�, sagte ich, z�hlte insgeheim meine Herzschl�ge und blickte in die Runde, um zu sehen, ob sich schon etwas verlangsamt hatte.</p><p>Nat�rlich konnte ich nichts erkennen, wenn ich mich auch nicht besonders wohl f�hlte. Bisher hatte ich allerdings vermutet, da� allein G�rard daran schuld war. Trotzdem wollte ich mir das Ding jetzt nicht einfach vom Hals rei�en, nur weil es mir ein anderes Familienmitglied geraten hatte, auch wenn es die schlaue Fiona war, in zug�nglicher Stimmung. Perversit�t, Halsstarrigkeit . . . Nein, Unabh�ngigkeit. Das war es. Das und ein rein formelles Mi�trauen. Ich hatte das Ding erst vor einigen Stunden und nur f�r den Abend angelegt. Ich wollte warten.</p><p>�Nun, du hast erreicht, was du mit dem Juwel erreichen wolltest�, sagte sie. �Ich wollte dich nur davor warnen, dich dem Ding nicht zu lange auszusetzen, solange du nicht mehr dar�ber wei�t.�</p><p>�Vielen Dank, Fi. Ich nehme das Juwel sowieso bald ab, und ich wei� deine Informationen zu sch�tzen. Was ist �brigens aus Dworkin geworden?�</p><p>Sie tippte sich mit dem Finger an die Stirn.</p><p>�Der arme Mann ist schlie�lich ganz durchgedreht. Ich hoffe, Vater hat ihn irgendwo in einem gem�tlichen Schatten untergebracht.�</p><p>�Ich verstehe, was du meinst�, sagte ich. �Ja, nehmen wir das ruhig an. Der arme Bursche.�</p><p>Julian beendete sein Gespr�ch mit Llewella und stand auf. Er streckte sich, nickte ihr zu und schlenderte herbei.</p><p>�Corwin, hast du dir noch weitere Fragen f�r uns ausgedacht?� wollte er wissen.</p><p>�Keine, die ich im Augenblick stellen m�chte.�</p><p>Er l�chelte.</p><p>�Willst du uns vielleicht noch etwas er�ffnen?�</p><p>�Im Moment nicht.�</p><p>�Keine weiteren Experimente, Demonstrationen oder Spielchen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Gut. Dann gehe ich jetzt zu Bett. Gute Nacht.�</p><p>�Nacht.�</p><p>Er verbeugte sich vor Fiona, winkte zu Benedict und Random hin�ber, nickte Flora und Deirdre auf dem Weg zur T�r zu. An der Schwelle blieb er stehen, drehte sich um und sagte: �Jetzt k�nnt ihr �ber mich reden.� Dann ging er.</p><p>�Na sch�n�, sagte Fiona. �Reden wir �ber ihn. Ich glaube, er ist unser Mann.�</p><p>�Warum?� wollte ich wissen.</p><p>�Ich gehe gern die ganze Liste durch, so subjektiv und intuitiv sie auch sein mag. Benedict ist meiner Ansicht nach �ber jeden Verdacht erhaben. Wenn er den Thron haben wollte, h�tte er ihn l�ngst, durch direkte milit�rische Intervention. Jedenfalls hat er gen�gend Zeit gehabt, um einen Angriff einzuleiten, der erfolgversprechend gewesen w�re, sogar gegen Vater. Er ist ein hervorragender Soldat, das wissen wir alle. Du hast andererseits eine Reihe von Fehlern begangen, die du dir nicht geleistet h�ttest, wenn du im Vollbesitz deiner Kr�fte gewesen w�rst. Deshalb glaube ich dir die Geschichte mit der Amnesie. Niemand l��t sich blenden, nur weil es zu seiner Strategie geh�rt. G�rard gibt sich gro�e M�he, seine Unschuld herauszukehren. Ich nehme an, er sitzt jetzt eher aus diesem Grund oben in der Bibliothek als wegen des Wunsches, Brand zu sch�tzen. Jedenfalls werden wir es bald genau wissen � oder neues Mi�trauen versp�ren. Random ist in den letzten Jahren zu gut beobachtet worden, als da� er auch nur einen Teil der Ereignisse h�tte einf�deln k�nnen. Er kommt also nicht in Frage. Von uns M�dchen hat Flora nicht das K�pfchen, Deirdre nicht den Mut, Llewella nicht das Motiv, da sie nicht hier, sondern stets nur an einem anderen Ort gl�cklich ist, und mir kann man h�chstens Boshaftigkeit vorwerfen. Damit bleibt Julian �brig. Ist er eines solchen Verhaltens f�hig? Jawohl. Erstrebt er den Thron? Nat�rlich! Hat er Zeit und Gelegenheit gehabt? Wieder ja. Er ist unser Mann.�</p><p>�H�tte er Caine umgebracht?� fragte ich. �Die beiden waren eng befreundet.�</p><p>Sie kr�uselte die Lippen.</p><p>�Julian hat keine Freunde�, stellte sie fest. �Seine eiskalte Pers�nlichkeit erw�rmt sich nur, wenn er an sich selbst denkt. Oh, in den letzten Jahren <emphasis>schien</emphasis> er Caine n�her zu stehen als anderen. Aber selbst das . . . selbst das h�tte zu dem Plan geh�ren k�nnen. Eine Freundschaft lange genug vorzut�uschen, um sie glaubhaft zu machen, damit er jetzt nicht in Verdacht kommen kann. Ich traue Julian so etwas zu, weil ich nicht glaube, da� er �berhaupt starke gef�hlsm��ige Bindungen eingehen kann.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich wei� nicht recht�, sagte ich. �Seine Freundschaft mit Caine hat w�hrend meiner Abwesenheit begonnen; meine Kenntnisse dar�ber habe ich also aus zweiter Hand. Doch wenn sich Julian nach einem Freund umgesehen hat, der ihm in der Pers�nlichkeit �hnlich war, halte ich das durchaus f�r m�glich. Die beiden hatten gro�e �hnlichkeit. Ich neige zu der Auffassung, da� die Bindung echt war, denn ich glaube nicht, da� jemand einem anderen Menschen jahrelang freundschaftliche Gef�hle vormachen kann. Es sei denn, der andere w�re besonders dumm, was auf Caine nun wirklich nicht zutrifft. Und � nun, du sagtst, du urteilst subjektiv und intuitiv. Das trifft in solchen Sachen auch f�r mich zu. Ich glaube einfach nicht, da� jemand so ein Schweinehund sein kann, da� er seinen einzigen Freund auf diese Art mi�braucht. Und deshalb glaube ich, da� mit deiner Liste etwas nicht stimmt.�</p><p>Sie seufzte.</p><p>�F�r einen Mann, der so lange im Gesch�ft ist wie du, Corwin, sagst du manchmal ziemlich naive Dinge. Hat dich dein langer Aufenthalt in der komischen kleinen Welt ver�ndert? Vor Jahren h�ttest du das auf der Hand Liegende klar gesehen, so wie ich.�</p><p>�Vielleicht habe ich mich ver�ndert; solche Dinge fallen mir nicht mehr sofort ins Auge. Vielleicht hast du dich aber ver�ndert, Fiona! Du bist zynischer als das kleine M�dchen, das ich von fr�her kenne. Vor Jahren h�tte so etwas f�r dich gar nicht so klar auf der Hand gelegen.�</p><p>Sie l�chelte schwach.</p><p>�Du darfst einer Frau niemals sagen, da� sie sich ver�ndert hat, Corwin. H�chstens zum Besseren. Auch das war dir einmal bekannt. Bist du vielleicht nur einer von Corwins Schatten, der hierher geschickt wurden, um f�r ihn zu leiden und uns einzusch�chtern? Steckt der echte Corwin wom�glich an einem anderen Ort und lacht sich �ber uns ins F�ustchen?�</p><p>�Ich bin hier � und ich lache nicht�, sagte ich.</p><p>Sie lachte.</p><p>�Ja, das ist die L�sung!� sagte sie. �Ich bin eben zu dem Schlu� gekommen, da� du nicht du selbst bist! ��</p><p>�Gro�e Neuigkeit f�r alle!� rief sie in die Runde und sprang auf. �Ich habe eben bemerkt, da� dies nicht der echte Corwin ist. Es mu� einer seiner Schatten sein! Das Gesch�pf hier hat sich soeben zu Freundschaft, Anstand, geistigem Edelmut und anderen Dingen bekannt, die sonst nur in unbedarften Liebesromanen eine Rolle spielen! Ich bin hier offensichtlich auf etwas gesto�en!�</p><p>Die anderen starrten sie an. Wieder lachte sie und setzte sich dann ziemlich abrupt.</p><p>Ich h�rte Flora murmeln: �Betrunken�, ehe sie sich wieder in ihr Gespr�ch mit Deirdre vertiefte.</p><p>�Schatten, soso?� murmelte Random und wandte sich wieder seiner Diskussion mit Benedict und Llewella zu.</p><p>�Siehst du?� rief sie.</p><p>�Was denn?�</p><p>�Du bist unwichtig�, sagte sie und t�tschelte mir das Knie. �Und wenn ich�s genau bedenke, trifft das auch auf mich zu. Heute war kein guter Tag, Corwin.�</p><p>�Ich wei�. Ich f�hle mich verdammt ausgelaugt. Ich hielt es f�r einen guten Einfall, Brand zur�ckzuholen. Nicht nur das, die Sache klappte auch! Und nun siehst du, wie sehr ihm das gen�tzt hat!�</p><p>�Vergi� nicht den Mantel der Tugend, den du dir umgelegt hast�, sagte sie sp�ttisch. �Dir kann man die nachfolgenden Ereignisse nicht anlasten.�</p><p>�Vielen Dank.�</p><p>�Julian hat vielleicht ganz recht�, sagte sie. �Ich m�chte am liebsten schlafen.�</p><p>Ich stand ebenfalls auf und begleitete sie zur T�r.</p><p>�Es ist alles in Ordnung mit mir�, sagte sie. �Wirklich.�</p><p>�Bist du sicher?�</p><p>Sie nickte energisch.</p><p>�Bis morgen dann.�</p><p>�Hoffentlich�, sagte sie. �Jetzt k�nnt ihr �ber mich reden.�</p><p>Sie blinzelte mir zu und ging.</p><p>Ich wandte mich zur�ck und sah Benedict und Llewella n�herkommen.</p><p>�Geht ihr zu Bett?� fragte ich.</p><p>Benedict nickte.</p><p>�Warum auch nicht?� fragte Llewella und gab mir einen Ku� auf die Wange.</p><p>�Wof�r denn das?�</p><p>�F�r etliche Dinge�, erwiderte sie. �Gute Nacht.�</p><p>�Gute Nacht.�</p><p>Random hockte vor dem Kamin und stocherte im Feuer herum. Deirdre drehte sich nach ihm um. �Du brauchst f�r uns kein Holz nachzulegen, Flora und ich gehen auch.�</p><p>�Gut.� Er legte den Feuerhaken fort und richtete sich auf. �Schlaft gut!� rief er den beiden nach.</p><p>Deirdre schenkte mir ein schl�friges L�cheln, Flora ein nerv�ses. Ich setzte meine W�nsche f�r eine gute Nacht hinzu und blickte den beiden nach.</p><p>�Hast du etwas Neues und N�tzliches erfahren?� wollte Random wissen.</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Und du?�</p><p>�Meinungen, Schlu�folgerungen. Keine neuen Tatsachen�, sagte er. �Wir versuchten uns dar�ber schl�ssig zu werden, wer wohl als n�chster dran ist.�</p><p>��Und . . .?�</p><p>�Benedict h�lt das Rennen f�r offen. Du oder er. Nat�rlich vorausgesetzt, da� du nicht hinter allem steckst. Er ist au�erdem der Meinung, dein Freund Ganelon sollte sich in acht nehmen.�</p><p>�Ganelon . . . Ja, das ist ein Gedanke � ein Gedanke, auf den ich h�tte kommen sollen. Und mit dem offenen Rennen hat er sicher auch recht. Das Handicap geht vielleicht sogar zu seinen Lasten, da man wei�, da� ich nach der versuchten T�uschung auf der Hut bin.�</p><p>�Ich w�rde sagen, da� auch Benedict inzwischen ziemlich wachsam ist und da� wir das alle wissen. Er hat es geschafft, seine Meinung �berall bekanntzumachen. Ich glaube, er w�rde einen Angriff sogar willkommen hei�en.�</p><p>Ich lachte leise vor mich hin.</p><p>�Das mag die Startpositionen wieder ausgleichen. Vielleicht ist es tats�chlich ein offenes Rennen.�</p><p>�Das hat er auch gesagt. Er wu�te nat�rlich, da� ich es dir weitererz�hlen w�rde.�</p><p>�Nat�rlich � ich w�nschte, er w�rde wieder direkt mit mir sprechen. Na ja . . . daran kann ich im Augenblick wohl nichts �ndern. Zum Teufel mit allem! Ich gehe zu Bett.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Schau zuerst unter das Bett!�</p><p>Wir verlie�en den Raum und gingen den Flur entlang.</p><p>�Corwin, ich w�nschte, du w�rst so weitsichtig gewesen, au�er den Gewehren auch ein bi�chen Kaffee mitzubringen�, sagte er. �Jetzt k�nnte ich eine Tasse vertragen.�</p><p>�H�lt dich das Zeug nicht unn�tig wach?�</p><p>�Nein. Ich brauche am Abend ein paar Tassen.�</p><p>�Mir fehlt das Zeug am Morgen. Wenn wir das ganze Durcheinander aufgekl�rt haben, m�ssen wir ein paar Portionen importieren.�</p><p>�Das ist ein geringer Trost, aber eine gute Idee. Was war �brigens mit Fiona los?�</p><p>�Sie h�lt Julian f�r den Schuldigen.�</p><p>�Damit hat sie vielleicht sogar recht.�</p><p>�Und Caine?�</p><p>�Nehmen wir einmal an, hinter unseren Problemen steckt keine Einzelperson�, sagte er, w�hrend wir die Treppe emporstiegen. �Sagen wir ruhig, es waren zwei, beispielsweise Julian <emphasis>und</emphasis> Caine. Die beiden haben sich unl�ngst erst gestritten, Caine war der Unterlegene, Julian beseitigte ihn und nutzte den Todesfall aus, um zugleich deine Position zu schw�chen. Ehemalige Freunde geben die �belsten Feinde ab.�</p><p>�Sinnlos�, sagte ich. �Mir wird ganz schwindlig, wenn ich mich mit allen vorstellbaren M�glichkeiten befasse. Entweder m�ssen wir abwarten, bis etwas Neues passiert, oder wir m�ssen daf�r sorgen, da� etwas geschieht. Wahrscheinlich das letztere. Aber nicht mehr heute abend . . .�</p><p>�He! Warte mal!�</p><p>�Tut mir leid.� Ich blieb auf dem Treppenabsatz stehen. �Ich wei� nicht, was in mich gefahren ist. Vermutlich der Endspurt ins Bett.�</p><p>�Hast du eine Energie�, sagte er verdutzt und holte mich wieder ein. Wir setzten unseren Weg gemeinsam fort, und ich gab mir M�he, mich seinem schleppenden Schritt anzupassen, widersetzte mich dem Bestreben loszueilen.</p><p>�Nun denn, schlaf gut�, sagte er schlie�lich.</p><p>�Gute Nacht, Random.�</p><p>Er setzte seinen Weg nach oben fort, w�hrend ich in den Korridor einbog und zu meinen Gem�chern ging. Inzwischen war ich ziemlich nerv�s, worauf es wohl auch zur�ckzuf�hren war, da� ich meinen Schl�ssel fallenlie�.</p><p>Ich packte zu und schnappte das Ding noch in der Luft, ehe es weit gefallen war. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, da� sich der Schl�ssel irgendwie langsamer bewegte, als er es h�tte tun sollen. Ich steckte ihn in das Schlo� und drehte ihn herum.</p><p>Das Zimmer lag im Dunkeln, doch ich verzichtete darauf, eine Kerze oder �llampe anzuz�nden. Ich war seit jeher an die Dunkelheit gew�hnt. Ich verschlo� und verriegelte die T�r. Meine Augen hatten sich bereits dem Halbd�mmer des Flurs angepa�t und stellten sich schnell um. Ich wandte mich um. Durch die Vorh�nge drang Sternenlicht herein. Ich durchquerte den Raum, wobei ich gleichzeitig meinen Kragen �ffnete.</p><p>Er wartete in meiner Schlafkammer, links vom Eingang. Er hatte sich die ideale Stellung ausgesucht und machte keinen Fehler. Ich ging direkt in die Falle. Er hatte die beste Ausgangsposition, er hielt den Dolch in der Hand, er hatte die �berraschung ganz auf seiner Seite. Eigentlich h�tte ich sterben m�ssen � nicht in meinem Bett, sondern dicht davor, am Fu�ende.</p><p>Als ich �ber die Schwelle trat, erfa�te ich den Ansatz der Bewegung, erkannte die Gefahr und ihre Bedeutung.</p><p>Noch w�hrend ich den Arm hob, um die Bewegung abzublocken, erkannte ich, da� ich dem Stich nicht mehr ausweichen konnte. Doch ehe mich die Klinge traf, fiel mir eine Besonderheit auf: mein Angreifer schien sich mit l�hmender Langsamkeit zu bewegen. Blitzschnell, mit der Anspannung des Wartens in den Muskeln, so h�tte es sein m�ssen. Ich h�tte, wenn �berhaupt, erst nach der Tat mitbekommen d�rfen, was hier geschah. Ich h�tte nicht mehr die Zeit haben d�rfen, mich halb zu drehen und meinen Arm so hoch zu heben, wie dies mir gelang. Ein roter Vorhang legte sich vor meine Augen, und ich sp�rte, wie mein Unterarm die Kante des angehobenen Arms traf, wie der Stahl meinen Bauch erreichte und sich hineinversenkte. In der R�te schien ein schwaches Abbild der kosmischen Version des Musters zu flimmern, dem ich vor einigen Stunden gefolgt war. Als ich zu Boden ging, unf�hig zu denken, doch bei vollem Bewu�tsein, wurde das Muster klarer und kam n�her. Ich wollte fliehen, doch mein K�rper geriet ins Stolpern, st�rzte unter mir wie ein Pferd. Ich wurde abgeworfen.</p></section><section><title><p>8</p></title><p>Jeder mu� im Leben Blut lassen. Leider war ich nun wieder einmal an der Reihe, und es f�hlte sich an, als w�re es gar nicht so wenig. Ich lag zusammengekr�mmt auf der rechten Seite, beide Arme um meinen Bauch verkrampft. Ich sp�rte Feuchtigkeit, die in meine Hosen rann.</p><p>Links, dicht �ber der G�rtellinie, war die Wunde. Ich kam mir vor wie ein beil�ufig ge�ffneter Umschlag. Dies waren meine ersten Empfindungen, als das Bewu�tsein den Kopf um die Ecke steckte. Und mein erster Gedanke war: �Worauf wartet er denn noch?� Offensichtlich war der <emphasis>Coup de Gr�ce</emphasis> irgendwie verz�gert worden. Aber warum?</p><p>Ich �ffnete die Augen. Sie hatten die unbestimmte Zeit, die inzwischen verstrichen war, genutzt und waren an die Dunkelheit gew�hnt. Ich wandte den Kopf. Ich sah keinen anderen Menschen im Raum. Statt dessen war etwas Seltsames passiert, das ich nicht genau zu bestimmen vermochte. Ich schlo� die Augen wieder und lie� den Kopf zur�ck auf die Matratze fallen.</p><p>Etwas stimmte nicht, doch gleichzeitig war alles in Ordnung . . .</p><p>Die Matratze . . . Ja, ich lag auf meinem Bett. Ich nahm nicht an, da� ich mein Lager ohne fremde Hilfe h�tte erreichen k�nnen. Doch es w�re absurd gewesen, mich mit dem Messer anzugreifen und mir dann ins Bett zu helfen.</p><p>Mein Bett . . . Es war mein Bett und auch wieder nicht.</p><p>Ich kniff die Augen zusammen. Ich knirschte mit den Z�hnen. Ich begriff �berhaupt nichts mehr. Ich wu�te, da� ich nicht mehr normal denken konnte im Gefolge eines Schocks, w�hrend mir das Blut im Leib zusammenlief und dann ins Freie str�mte. Ich versuchte mich zu einer klaren �berlegung zu zwingen. Das war nicht einfach.</p><p>Mein Bett. Ehe man irgend etwas anderes sp�rt, merkt man beim Erwachen, ob man im eigenen Bett liegt oder nicht. Und das traf auch hier zu, aber . . .</p><p>Ich k�mpfte gegen einen ungeheuren Niesreiz an; ich hatte das Gef�hl, da� mir das Niesen schaden w�rde. Ich dr�ckte meine Nasenfl�gel zusammen und atmete in kurzen Z�gen durch den Mund ein. Ringsum der Geschmack und Geruch von Staub � zugleich f�hlte es sich danach an.</p><p>Das Jucken in der Nase lie� nach, und ich �ffnete die Augen. Endlich wu�te ich, wo ich mich befand. Ich begriff nicht, wie und warum � doch ich war noch einmal an einen Ort zur�ckgekehrt, den ich niemals wiederzusehen erwartet hatte.</p><p>Ich senkte die rechte Hand, benutzte sie, um mich emporzustemmen.</p><p>Ich lag im Schlafzimmer meines Hauses. In meinem alten Haus. Das Haus, das mir in meiner Rolle als Carl Corey geh�rt hatte. Ich war in die Schatten zur�ckgebracht worden, auf jene Welt, genannt Erde, auf der ich die Jahre meines Exils verbracht hatte. Das Zimmer war v�llig verstaubt. Das Bett war nicht gemacht worden, seit ich zum letztenmal darin geschlafen hatte; gut f�nf Jahre war das jetzt her. Ich kannte den Zustand des Hauses, hatte ich doch erst vor wenigen Wochen hier vorbeigeschaut.</p><p>Ich schob mich h�her empor und vermochte schlie�lich die F��e von der Bettkante hinabgleiten zu lassen. Dann klappte ich von neuem zusammen und blieb reglos sitzen. Es ging mir ziemlich schlecht.</p><p>Zwar f�hlte ich mich vor einem weiteren Angriff sicher; doch zugleich war mir bewu�t, da� ich im Augenblick mehr als Sicherheit brauchte. Ich brauchte Hilfe, war ich doch nicht in der Lage, mir selbst zu helfen. Ich wu�te nicht einmal genau, wie lange ich noch bei Bewu�tsein bleiben konnte. Ich mu�te also runter von diesem Bett und raus aus dem Haus. Das Telefon war sicher abgeschaltet, das n�chste Haus war ziemlich weit entfernt. Ich mu�te also zur Stra�e. Ich dachte daran, da� einer der Gr�nde f�r die Wahl der Wohnung hier die Abgelegenheit von der Stra�e gewesen war. Ich liebe die Einsamkeit � wenigstens manchmal.</p><p>Mit der rechten Hand zog ich das n�chste Kissen heran und lie� es aus dem Bezug gleiten. Ich drehte das Innere nach au�en, versuchte den Stoff zu falten, und gab den Versuch auf, statt dessen kn�llte ich die Masse zusammen, lie� sie unter mein Hemd gleiten und dr�ckte sie auf die Wunde. Dann sa� ich einfach nur da und hielt zitternd den Kissenbezug fest. Doch selbst das war eine ungeheure Anstrengung. Es tat weh, wenn ich zu tief einatmete.</p><p>Nach einer gewissen Zeit jedoch zog ich das zweite Kissen heran, hielt es mir �ber die Knie und lie� es aus dem offenen Bezug gleiten. Ich wollte damit einem vorbeifahrenden Auto zuwinken, denn meine Kleidung war wie �blich dunkel. Doch ehe ich den Stoff durch meinen G�rtel ziehen konnte, fiel mir das Verhalten des Kissens auf. Es hatte den Boden noch nicht erreicht. Ich hatte es losgelassen, nichts hielt es auf, und es bewegte sich tats�chlich. Doch es sank sehr langsam abw�rts, n�herte sich dem Boden wie in Zeitlupe, wie in einem Traum.</p><p>Ich dachte an die Bewegung des Schl�ssels, den ich vor meinem Zimmer losgelassen hatte. Ich dachte an meine unbeabsichtigte Schnelligkeit auf der Treppe. Ich dachte an Fionas Worte und an das Juwel des Geschicks, das mir noch immer auf der Brust hing und das nun im Rhythmus der pochenden Schmerzen in meiner Flanke pulsierte. Das Ding hatte mir wahrscheinlich das Leben gerettet; ja, das war vermutlich richtig, wenn Fionas Mutma�ungen stimmten. Wahrscheinlich hatte es mir, als der Angreifer zuschlug, einen Sekundenbruchteil mehr geschenkt, als mir normalerweise zugestanden h�tte, so da� ich mich hatte drehen und den Arm hochrei�en k�nnen. Vielleicht war das Juwel sogar f�r meine pl�tzliche Versetzung verantwortlich. Doch �ber diese Dinge mu�te ich ein andermal nachdenken, wenn es mir gelang, eine Beziehung zur Zukunft aufrechtzuerhalten. F�r den Augenblick mu�te das Juwel verschwinden � falls auch Fionas Bef�rchtungen zutreffen �, und ich mu�te mich endlich in Bewegung setzen.</p><p>Ich verstaute den zweiten Kissenbezug und versuchte mich aufzurichten, wobei ich mich am Fu�ende festhielt. Sinnlos! Schwindelgef�hle und stechende Schmerzen. Ich lie� mich zu Boden gleiten und hatte Angst, unterwegs das Bewu�tsein zu verlieren. Doch ich schaffte es. Ich ruhte mich aus. Dann begann ich mich zu bewegen, begann langsam zu kriechen.</p><p>Ich erinnerte mich, da� die Haust�r ja zugenagelt war. Also sch�n � dann eben zur Hintert�r hinaus.</p><p>Ich schaffte es bis zur Schlafzimmert�r und lehnte mich gegen den T�rstock. Gleichzeitig nahm ich das Juwel des Geschicks ab und wickelte mir die Kette um das Handgelenk. Ich mu�te das Ding irgendwo verstecken. Allerdings war der Safe in meinem Arbeitszimmer zu weit vom Wege. Au�erdem hinterlie� ich bestimmt eine deutliche Blutspur. Jemand, der darauf aufmerksam wurde, mochte neugierig genug sein, der Sache nachzugehen und das kleine St�ck mitgehen zu lassen. Und mir fehlte die Zeit und die Energie . . .</p><p>Ich schaffte es um die Ecke und in den Flur. Ich mu�te mich ziemlich anstrengen, bis ich die Hintert�r offen hatte. Ich beging den Fehler, mich nicht vorher auszuruhen.</p><p>Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf der Schwelle. Die Nacht war kalt, und die Wolken bedeckten fast den ganzen Himmel. Ein eisiger Wind peitschte �ber die Veranda. Ich sp�rte feuchte Tropfen auf dem ausgestreckten Handr�cken.</p><p>Ich gab mir einen Ruck und kroch weiter. Der Schnee war etwa zwei Zoll tief. Die kalte Luft belebte mich. Mit einem Gef�hl, das an Panik grenzte, machte ich mir klar, wie vernebelt mein Geist auf dem bisherigen Wege gewesen war. Ich konnte jederzeit das Bewu�tsein verlieren und untergehen.</p><p>Ich machte mich auf den Weg zur abgelegenen Ecke des Grundst�cks, wobei ich nur weit genug vom Wege abwich, um ein bi�chen am Komposthaufen herumzuw�hlen, das Juwel in die Vertiefung zu werfen und das St�ck totes Gras, das ich losgerissen hatte, wieder an Ort und Stelle zu legen. Ich schaufelte Schnee �ber die Stelle und setzte meinen Weg fort.</p><p>Sobald ich die Ecke hinter mir hatte, befand ich mich im Windschatten des Hauses und vermochte hangabw�rts zu kriechen. Als ich die Vorderseite des Hauses erreichte, rastete ich wieder. Eben war ein Wagen vorbeigefahren; ich sah die R�cklichter kleiner werden. Es war das einzige Fahrzeug weit und breit.</p><p>Eiskristalle stachen mir ins Gesicht, als ich weiterkroch. Meine Knie waren unangenehm kalt. Das Grundst�ck vor dem Haus fiel zur Stra�e hin ab, zun�chst nur wenig, dann ziemlich steil. Etwa hundert Meter weiter rechts befand sich eine Senke, vor der die Autofahrer normalerweise das Gas zur�cknahmen und auf die Bremse traten. Vielleicht verschaffte mir dieser Umstand eine etwas l�ngere Zeit im Scheinwerferlicht der Wagen, die aus dieser Richtung kamen � einer jener kleinen positiven Aspekte, derer sich der Geist gern versichert, wenn es brenzlig wird, ein Aspirin f�r die Emotionen. Nach drei langen Pausen hatte ich den Stra�enrand erreicht � den gro�en Felsbrocken, auf dem sich meine Hausnummer befand. Ich setzte mich auf den Stein und lehnte mich gegen den kalten Hang. Dann zerrte ich den zweiten Kissenbezug hervor und legte ihn mir �ber die Knie.</p><p>Ich wartete. Ich wu�te, da� meine Gedanken verwirrt waren. Vermutlich bin ich mehrmals bewu�tlos geworden und wieder zu mir gekommen. Sobald ich wieder einmal hochschreckte, versuchte ich meine Gedanken in Ordnung zu bringen, um mir �ber fr�here Ereignisse klar zu werden im Lichte der Dinge, die eben mit mir geschehen waren, damit ich noch andere Sicherheitsma�nahmen ergreifen konnte. Doch schon der erste Versuch ging �ber meine Kr�fte. Es war einfach zu schwierig, auf einer anderen Ebene zu denken, als es die Reaktion auf die augenblickliche Umgebung erforderte. Doch in einem matten Aufflackern der Erkenntnis wurde mir klar, da� ich meine Tr�mpfe noch hatte. Ich konnte jemanden in Amber anrufen, konnte mich zur�ckholen lassen.</p><p>Doch wen? Ich war noch nicht so mitgenommen, da� ich ausschlo�, wom�glich eben den Mann anzusprechen, der f�r meinen Zustand verantwortlich war. War es besser, dieses Risiko einzugehen oder hier nach einer L�sung zu suchen? Trotzdem, Random oder G�rard . . .</p><p>Ich glaubte einen Wagen zu h�ren. Noch fern, sehr leise . . . Der Wind und mein Pulsschlag kamen der Wahrnehmung allerdings ins Gehege. Ich wandte den Kopf. Ich konzentrierte mich.</p><p>Dort . . . Wieder. Ja. Ein Motor. Ich hielt mich bereit, den Kissenbezug zu schwenken.</p><p>Doch selbst jetzt entglitten mir meine Gedanken. Einer der Gedankensplitter besch�ftigte sich damit, da� ich wom�glich gar nicht mehr in der Lage war, mich ausreichend zu konzentrieren, um mit den Tr�mpfen umzugehen.</p><p>Das Ger�usch wurde lauter. Ich hob das Kissen. Gleich darauf wurde der am weitesten entfernte sichtbare Punkt der Stra�e zu meiner Rechten angestrahlt. Und schon erblickte ich den Wagen oben auf der Anh�he. Als er den Hang hinabfuhr, verlor ich ihn wieder aus den Augen. Dann kam er langsam hangaufw�rts; Schneeflocken wirbelten durch das Scheinwerferlicht.</p><p>Ich begann zu winken, als sich das Fahrzeug der Senke n�herte. Das Licht ber�hrte mich, als der Wagen heraufkam, der Fahrer mu�te mich gesehen haben. Er fuhr dennoch vorbei, ein Mann in einer neuen Limousine, eine Frau auf dem Beifahrersitz. Die Frau drehte sich um und sah mich an, doch der Fahrer ging nicht einmal mit dem Tempo herunter.</p><p>Einige Minuten sp�ter kam ein zweiter Wagen vorbei, ein wenig �lter, eine Frau am Steuer, allein. Sie bremste ab, doch nur einen Augenblick lang. Offenbar gefiel ihr mein Aussehen nicht. Sie trat wieder aufs Gas und war im Nu verschwunden.</p><p>Ich lie� mich zur�cksinken und versuchte mich auszuruhen. Ein Prinz von Amber kann sich wohl kaum auf die N�chstenliebe als moralisches Prinzip berufen. Wenigstens nicht mit ernstem Gesicht, und im Augenblick h�tte mich ein Lachen zu sehr geschmerzt.</p><p>Ohne Kraft, Konzentration und eine gewisse Bewegungsfreiheit war meine Macht �ber die Schatten nutzlos. Ich beschlo�, sie als erstes zu benutzen, um ein warmes Pl�tzchen zu erreichen . . . Ich fragte mich, ob ich den R�ckweg zum Komposthaufen schaffen w�rde. Bisher war es mir nicht eingefallen, mit Hilfe des Juwels das Wetter zu ver�ndern. Wahrscheinlich war ich daf�r inzwischen auch zu schwach. Die Anstrengung h�tte mich wom�glich das Leben gekostet. Trotzdem . . .</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Ich nickte langsam ein, wollte bereits in Tr�ume versinken. Ich mu�te wach bleiben! War das ein weiterer Wagen? Vielleicht. Ich versuchte den Kissenbezug zu heben, er entglitt meinen Fingern. Als ich mich vorbeugte, um das St�ck Leinen wieder an mich zu nehmen, mu�te ich einen Augenblick lang den Kopf auf den Knien liegen lassen. Deirdre . . . Ich wollte meine liebe Schwester rufen. Wenn mir �berhaupt jemand helfen w�rde, dann Deirdre. Ich wollte ihren Trumpf herausholen und sie ansprechen. Sofort, Wenn sie nur nicht meine Schwester gewesen w�re . . .! Ich mu�te mich ausruhen. Ich bin Bube, kein Dummkopf. Zuweilen, wenn ich ausruhe, tun mir gewisse Dinge vielleicht sogar leid. Einige Dinge. Wenn es nur w�rmer w�re . . . Aber eigentlich war es gar nicht schlimm, so dazusitzen, vorn�bergebeugt . . . War das ein Auto? Ich wollte den Kopf heben, stellte aber fest, da� ich es nicht vermochte. Doch es machte wohl keinen gro�en Unterschied; der Fahrer w�rde mich sehen.</p><p>Ich sp�rte das Licht auf den Augenlidern und h�rte den Motor. Jetzt kam das Ger�usch nicht mehr n�her und entfernte sich auch nicht mehr, nur ein gleichm��iges an- und abschwellendes Knurren. Dann h�rte ich einen Ruf. Dann das Klick-Pause-Klack einer sich �ffnenden und schlie�enden Wagent�r. Ich stellte fest, da� ich die Augen �ffnen konnte, da� ich es aber nicht wollte. Ich hatte Angst, ich w�rde vor mir nur die leere dunkle Stra�e sehen, die Ger�usche w�rden wieder zu Pulsschl�gen werden oder sich im Wind aufl�sen. Es war besser, die Dinge festzuhalten, die ich hatte, als mich auf ein Risiko einzulassen.</p><p>�He! Was ist los? Sind Sie verletzt?�</p><p>Schritte . . . Dies war die Wirklichkeit.</p><p>Ich �ffnete die Augen. Ich zwang meinen Oberk�rper hoch.</p><p>�Corey! Mein Gott! Du bist das!�</p><p>Ich zwang mich zu einem Grinsen, verhinderte im letzten Augenblick ein Umsinken.</p><p>�Ich bin�s wirklich, Bill. Wie ist es dir so ergangen?�</p><p>�Was ist passiert?�</p><p>�Ich bin verletzt�, sagte ich. �Vielleicht ziemlich schlimm. Brauche einen Arzt.�</p><p>�Kannst du gehen, wenn ich dir helfe? Oder soll ich dich tragen?�</p><p>�Versuchen wir�s mit Gehen�, sagte ich.</p><p>Er zerrte mich hoch, und ich st�tzte mich auf ihn. Wir begannen auf den Wagen zuzugehen. Ich erinnere mich aber nur noch an die ersten taumelnden Schritte.</p><empty-line/><p>Als meine Himmelskutsche sich wieder emporzuschwingen begann, versuchte ich den Arm zu heben, erkannte, da� er angebunden war, und beschr�nkte mich auf eine Betrachtung des daran befestigten R�hrchens. Dabei kam ich zu dem Schlu�, da� ich die Sache offenbar �berlebt hatte. Schon hatte ich Krankenhausger�che wahrgenommen und einen Blick auf meine innere Uhr geworfen. Nachdem ich es nun bis hierher geschafft hatte, war ich es meinem inneren Schweinehund schuldig, das Ziel ganz zu erreichen. Au�erdem war mir warm, und ich lag so bequem, wie es die k�rzlichen Ereignisse nur erlaubten. Nachdem das gekl�rt war, schlo� ich die Augen wieder, senkte den Kopf und schlief ein.</p><p>Als ich sp�ter zu mir kam, f�hlte ich mich schon besser. Eine Krankenschwester sagte mir, da� man mich vor sieben Stunden eingeliefert habe und da� sich in K�rze ein Arzt mit mir unterhalten wolle. Sie verschaffte mir auch ein Glas Wasser und lie� mich wissen, da� es zu schneien aufgeh�rt habe. Sie h�tte zu gern gewu�t, was mir widerfahren war.</p><p>Ich �berlegte, da� es Zeit war, mir eine Geschichte zurechtzulegen � je einfacher, desto besser. Also sch�n. Nach einem l�ngeren Auslandsaufenthalt war ich nach Hause gekommen. Ich hatte mich als Anhalter herfahren lassen, war ins Haus gegangen und dort von irgendeinem Einbrecher oder Penner angegriffen worden. Anschlie�end war ich zur Stra�e gekrochen, um Hilfe zu suchen. Das war alles.</p><p>Als ich dem Arzt diese Details auftischte, wu�te ich zuerst nicht, ob er mir glaubte oder nicht. Er war ein untersetzter Mann, dessen Gesicht schon vor vielen Jahren erschlafft war. Er hie� Bailey, Morris Bailey, und begleitete meine Schilderung mit einem Nicken. Dann fragte er: �Haben Sie einen Blick auf den Kerl werfen k�nnen?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Es war dunkel�, sagte ich.</p><p>�Hat er Sie auch beraubt?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>�Hatten Sie eine Brieftasche bei sich?�</p><p>Ich kam zu dem Schlu�, da� ich diese Frage wohl bejahen mu�te.</p><p>�Nun, als Sie hier eingeliefert wurden, hatten sie keine � er mu� sie also mitgenommen haben.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Erinnern Sie sich denn gar nicht an mich?�</p><p>�Ich wei� nicht recht. M��te ich Sie kennen?�</p><p>�Als man Sie hereinbrachte, kamen Sie mir irgendwie bekannt vor. Das war alles, zuerst . . .�</p><p>�Und . . .?� fragte ich.</p><p>�Was f�r Kleidung hatten Sie an? Das Zeug hatte eine gewisse �hnlichkeit mit einer Uniform.�</p><p>�Die neueste Mode, dr�ben, wo ich herkomme. Aber Sie haben eben gesagt, ich sei Ihnen bekannt?�</p><p>�Ja�, meinte er. �Wo liegt dieses �Dr�ben�? Woher kommen Sie? Wo sind Sie gewesen?�</p><p>�Ich reise viel�, sagte ich. �Sie wollten mir etwas sagen.�</p><p>�Ja�, sagte er. �Wir sind ein kleines Krankenhaus, und vor einiger Zeit hat ein flinker glattz�ngiger Vertreter die Direktion dazu �berredet, sich f�r die Krankengeschichten einen Computer anzuschaffen. W�re diese Gegend besser erschlossen worden, damit wir uns h�tten ausweiten k�nnen, w�re dieses Ding sicher von Nutzen gewesen. Doch nichts von alledem geschah, und nun ist die Sache nicht nur teuer, sondern f�hrt au�erdem zu einer gewissen Tr�gheit des Verwaltungspersonals. Alte Akten werden nicht mehr so gr�ndlich gel�scht wie fr�her, selbst die aus der Notaufnahme. In dem ganzen System ist Platz f�r zuviel unn�tziges Zeug. Als mir Mr. Roth Ihren Namen nannte und ich Sie routinem��ig untersuchte, wurde mir klar, warum Sie mir bekannt vorgekommen waren. Auch damals hatte ich in der Notaufnahme Dienst, vor etwa sieben Jahren, als Sie Ihren Autounfall hatten. Ich erinnere mich, da� ich Sie damals behandelt habe � und da� ich der Meinung war, Sie w�rden es nicht schaffen. Doch Sie haben mich eines Besseren belehrt � und auch heute sind Sie f�r mich eine �berraschung. Ich kann nicht einmal die Narben finden, die Sie eigentlich haben m��ten. Sie haben sich verdammt gut herausgemacht.�</p><p>�Vielen Dank. Das ist sicher dem Chirurgen zu verdanken.�</p><p>�W�rden Sie mir f�r die Unterlagen bitte Ihr Alter nennen?�</p><p>�Sechsunddrei�ig�, erwiderte ich. Das ist eine neutrale Zahl.</p><p>Er machte einen Vermerk in der Akte, die auf seinen Knien lag.</p><p>�Wissen Sie, als ich mich mit Ihnen zu besch�ftigen begann und meine Erinnerungen zur�ckkamen � da h�tte ich schw�ren k�nnen, da� Sie damals schon genauso ausgesehen haben.�</p><p>�Ich lebe eben gesund.�</p><p>�Kennen Sie Ihre Blutgruppe?�</p><p>�Eine ziemlich ausgefallene. Aber Sie k�nnen sie als AB positiv ansehen. Ich kann alles aufnehmen � doch Sie d�rfen mein Blut niemandem geben.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Ihr Mi�geschick macht nat�rlich die Einschaltung der Polizei erforderlich.�</p><p>�Das hatte ich mir schon gedacht.�</p><p>�Vielleicht wollen Sie noch ein bi�chen dar�ber nachdenken.�</p><p>�Vielen Dank�, sagte ich. �Sie hatten also damals Dienst � und flickten mich zusammen? Das ist interessant. Woran erinnern Sie sich sonst noch?�</p><p>�Was meinen Sie?�</p><p>�Ich meine die Umst�nde, unter denen ich damals eingeliefert wurde. Meine Erinnerungen setzen leider kurz vor dem Unfall aus und beginnen erst wieder, als ich l�ngst in die andere Klinik verlegt worden war � Greenwood. Erinnern Sie sich noch, wie ich hergebracht wurde?�</p><p>Er runzelte die Stirn � nachdem ich gerade zu dem Schlu� gekommen war, da� er nur einen einzigen Gesichtsausdruck kannte.</p><p>�Wir haben einen Krankenwagen losgeschickt�, sagte er.</p><p>�Woraufhin?� wollte ich wissen. �Wer hat den Unfall gemeldet? Wie ist das vor sich gegangen?�</p><p>�Jetzt wei� ich, was Sie meinen�, sagte er. �Die Staatspolizei hat den Krankenwagen angefordert. Soweit ich mich erinnere, hatte jemand den Unfall gesehen und in der Polizeizentrale angerufen. Von dort wurde ein Streifenwagen in der N�he verst�ndigt. Der fuhr zum See, best�tigte die Meldung, leistete Erste Hilfe und rief den Krankenwagen. Das war alles.�</p><p>�Gibt es einen Hinweis darauf, wer den ersten Anruf get�tigt hat?�</p><p>�Um solche Dinge k�mmern wir uns normalerweise nicht�, entgegnete er. �Hat Ihre Versicherung das nicht ermittelt? Wurden keine Anspr�che erhoben? Die Leute k�nnten Ihnen sicher . . .�</p><p>�Ich mu�te unmittelbar nach meiner Gesundung ins Ausland�, sagte ich. �Diesen Aspekten bin ich also gar nicht nachgegangen. Doch sicher hat es einen Polizeibericht gegeben.�</p><p>�Klar. Aber ich habe keine Ahnung, wie lange die aufbewahrt werden.� Er lachte leise. �Es sei denn, die Polizei hat sich vom selben Vertreter breitschlagen lassen . . . Es scheint mir aber ziemlich sp�t zu sein, sich dar�ber Gedanken zu machen. Ich glaube, bei solchen Dingen gibt es eine Verj�hrungsfrist. Ihr Freund Roth kann Ihnen das bestimmt genau sagen.�</p><p>�Es geht mir nicht um Anspr�che an die Versicherung�, sagte ich. �Ich will nur wissen, was wirklich passiert ist. In den letzten Jahren habe ich mir �fter Gedanken dar�ber gemacht. Wissen Sie, ich leide an retrograder Amnesie.�</p><p>�Haben Sie schon einmal mit einem Psychiater gesprochen?� fragte er in einem Ton, der mir gar nicht gefiel. Gleich darauf kam mir eine auflodernde Erkenntnis: War es Flora vielleicht gelungen, mich f�r verr�ckt erkl�ren zu lassen, ehe ich nach Greenwood verlegt wurde? War das vielleicht in meiner Akte hier verzeichnet? Und galt ich dort wom�glich noch als fl�chtig? Inzwischen war viel Zeit vergangen, und ich hatte keine Ahnung von den einschl�gigen Vorschriften. Wenn die Verh�ltnisse wirklich so waren, wu�te man hier sicher nicht, ob ich vielleicht bei einer anderen Beh�rde wieder f�r zurechnungsf�hig erkl�rt worden war. Vermutlich war es die Vorsicht, die mich veranla�te, den Kopf zu heben und einen Blick auf sein Handgelenk zu werfen. Ich glaubte im Unterbewu�tsein wahrgenommen zu haben, wie er auf eine Kalenderuhr blickte, als er meinen Puls ma�. Ja, richtig! Ich kniff die Augen zusammen. Also sch�n. Tag und Monat: 28. November. Ich rechnete hastig mit meiner Zweieinhalb-zu-eins-Formel und hatte das Jahr. Es war tats�chlich sieben Jahre her, wie er gesagt hatte.</p><p>�Nein, einen Psychiater habe ich noch nicht konsultiert�, antwortete ich. �Ich dachte, das Problem h�tte organische und keine psychischen Ursachen, und habe die Zeit einfach abgeschrieben.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte er. �Sie formulieren das ziemlich gewandt. So etwas findet man �fter bei Leuten, die in therapeutischer Behandlung gewesen sind.�</p><p>�Ich wei߫, sagte ich. �Ich habe viel dar�ber gelesen.�</p><p>Er seufzte und stand auf.</p><p>�H�ren Sie�, sagte er. �Ich werde Mr. Roth anrufen und ihm sagen, da� Sie wach sind. Das ist vermutlich das beste.�</p><p>�Was soll denn das hei�en?�</p><p>�Ich meine damit, da� Ihr Freund Anwalt ist � vielleicht gibt es Dinge, die Sie mit ihm besprechen wollen, ehe Sie eine Aussage bei der Polizei machen.�</p><p>Er �ffnete die Akte, in der er irgendwo mein Alter notiert hatte, hob den Stift, runzelte die Stirn und fragte: �Wie war das Geburtsdatum doch gleich?�</p><empty-line/><p>Ich wollte meine Tr�mpfe haben. Meine Besitzt�mer lagen vermutlich in der Schublade des Nachttisches, doch ich h�tte mich zu weit herumdrehen m�ssen, um die Hand danach auszustrecken; ich wollte meine N�hte noch nicht belasten. So dringend war es sowieso nicht. Acht Stunden Schlaf in Amber entsprachen etwa zwanzig hiesigen Stunden; meine Geschwister zu Hause mu�ten noch in den Betten liegen, wie es sich geh�rte. Doch ich wollte mich mit Random in Verbindung setzen, damit er sich eine Geschichte einfallen lie�, die meine Abwesenheit am Morgen erkl�rte. Sp�ter.</p><p>Gerade jetzt wollte ich kein verd�chtiges Verhalten an den Tag legen. Au�erdem wollte ich sofort wissen, welche Aussage Brand zu machen hatte. Ich wollte in der Lage sein, entsprechende Ma�nahmen deswegen einzuleiten. Ich stellte hastige Berechnungen an. Wenn ich den schlimmsten Teil meiner Gesundung hier in den Schatten hinter mich bringen konnte, verlor ich weniger Zeit in Amber. Ich mu�te meine Tage und Stunden in dieser Welt gut einteilen und versuchen, mich aus Komplikationen herauszuhalten. Ich hoffte, da� Bill bald kam. Ich wollte unbedingt wissen, wie es um mich stand.</p><p>Bill hatte in dieser Gegend seine Jugend verbracht, war in Buffalo zur Schule gegangen und sp�ter zur�ckgekehrt, um zu heiraten und in die Familienfirma einzutreten. Das war�s auch schon. Ich hatte mich ihm als ehemaliger Armeeoffizier vorgestellt, der zuweilen in unbestimmten Gesch�ften unterwegs war. Wir geh�rten beide dem Country-Club an, wo ich ihn kennengelernt hatte. Davor hatte ich ihn schon ein Jahr lang gekannt, ohne da� wir mehr als ein paar Worte gewechselt hatten. Eines Abends sa� ich dann zuf�llig neben ihm an der Bar, wobei irgendwie herauskam, da� er sich sehr f�r Milit�rgeschichte und besonders f�r die napoleonischen Kriege interessierte. Als wir das n�chstemal unsere Umgebung wahrnahmen, war der Barmann dabei, das Licht auszudrehen. Von da an waren wir dick befreundet � bis zur Zeit meiner Schwierigkeiten. Ich hatte seither gelegentlich an ihn gedacht. Bei meinem letzten Besuch im Haus hatte ich ihn eigentlich nur deshalb nicht aufgesucht, weil ich sicher war, da� er alle m�glichen Fragen �ber meinen Verbleib stellen w�rde; ich dagegen hatte zu viele Sorgen, um ein solches Verh�r in Ruhe �ber mich ergehen zu lassen und auch noch Spa� daran zu haben. Ein- oder zweimal war mir sogar der Gedanke durch den Kopf gegangen, da� ich ihn besuchen k�nnte, wenn in Amber letztlich alles geregelt war. Abgesehen von der Tatsache, da� dies nicht der Fall war, fand ich es schade, da� ich ihn nun nicht im Barraum des Klubs wiedersehen konnte.</p><p>Nach knapp einer Stunde traf er ein, klein, untersetzt, rotgesichtig, ein wenig grauer an den Schl�fen, grinsend, eifrig nickend. Ich hatte mich inzwischen im Bett etwas aufgerichtet, nachdem ich bei Atem�bungen feststellen mu�te, da� ich noch ziemlich schwach war. Er umklammerte meine Hand und setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett. Er hatte einen Aktenkoffer mitgebracht.</p><p>�Du hast mich gestern abend ganz sch�n erschreckt, Carl�, sagte er. �Ich dachte im ersten Augenblick, ich h�tte ein Gespenst vor mir!�</p><p>Ich nickte.</p><p>�W�rst du ein bi�chen sp�ter gekommen, h�tte ich das durchaus sein k�nnen�, meinte ich. �Vielen Dank. Wie ist es dir ergangen?�</p><p>Bill seufzte.</p><p>�Immer viel zu tun. Du wei�t ja, wie das so ist. Dieselbe Plage, nur mehr davon.�</p><p>�Und Alice?�</p><p>�Ihr geht es gut. Wir haben inzwischen zwei weitere Enkel von Bill Junior � Zwillinge. Augenblick mal.�</p><p>Er nahm seine Brieftasche heraus und suchte nach einem Bild.</p><p>�Hier.�</p><p>Ich betrachtete die Aufnahme und machte eine Bemerkung �ber die Familien�hnlichkeit.</p><p>�Kaum zu glauben�, sagte ich dann.</p><p>�An dir scheinen die Jahre ziemlich spurlos vor�bergegangen zu sein.�</p><p>Ich lachte leise und klopfte mir auf den Unterleib.</p><p>�Abgesehen davon, meine ich�, sagte er. �Wo hast du gesteckt!�</p><p>�Himmel! Wo bin ich <emphasis>nicht</emphasis> gewesen!� gab ich zur�ck. �Ich habe so viele Orte besucht, da� ich sie schon nicht mehr aufz�hlen kann.�</p><p>Sein Gesicht blieb ausdruckslos. Er sah mich offen an.</p><p>�Carl � in was f�r Schwierigkeiten steckst du?� fragte er.</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Wenn du meinst, ob ich Schwierigkeiten mit dem Gesetz habe, lautet die Antwort nein. Meine Probleme h�ngen mit einem anderen Land zusammen, und ich mu� in K�rze dorthin zur�ck.�</p><p>Sein Gesicht entspannte sich wieder, und hinter den zweigeteilt geschliffenen Brillengl�sern begann es zu funkeln.</p><p>�Bist du dort eine Art Milit�rberater?�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Kannst du mir den Ort nennen?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Tut mir leid.�</p><p>�Das kann ich schon irgendwie verstehen�, sagte er. �Der Arzt hat mir mitgeteilt, was deinen Worten zufolge gestern abend passiert ist. Unter uns gesagt � hat das irgendwie mit den Dingen zu tun, die du in der Zwischenzeit getan hast?�</p><p>Wieder nickte ich.</p><p>�Das l��t das Bild ein bi�chen klarer erscheinen�, sagte er. �Nicht viel, doch es reicht. Ich will dich gar nicht fragen, mit welcher Beh�rde, wenn �berhaupt, du zu tun hast. Ich habe dich stets als Gentleman gekannt, als einen vern�nftigen Menschen. Deshalb interessierte mich dein damaliges Verschwinden auch so, deshalb habe ich mich seinerzeit um die Sache gek�mmert. Ich kam mir zwischendurch ein bi�chen arg aufdringlich vor, doch dein rechtlicher Status war etwas r�tselhaft, und ich wollte wissen, was geschehen war. In erster Linie, weil ich mir Sorgen um dich machte. Ich hoffe nicht, da� dich das st�rt.�</p><p>�Mich st�ren?� fragte ich. �Es gibt nicht viele Menschen, die sich darum scheren, was aus mir wird. Ich bin dir dankbar! Au�erdem interessiert mich, was du herausgefunden hast. Ich selbst hatte n�mlich keine Zeit, der Sache nachzugehen und alles zu regeln. Wie w�r�s, wenn du mir sagtest, was du in Erfahrung bringen konntest?�</p><p>Er �ffnete die Aktentasche und zog einen braunen Umschlag heraus, den er sich auf die Knie legte. Er brachte mehrere Blatt gelbes Papier zum Vorschein, die mit seiner sauberen Handschrift vollgeschrieben waren. Er hob das erste Blatt hoch, starrte einen Augenblick lang auf den Text und sagte: �Nachdem du aus dem Krankenhaus in Albany geflohen warst und deinen Unfall hattest, ist Brandon offenbar verschwunden, und . . .�</p><p>�Halt!� sagte ich, hob die Hand und versuchte mich aufzurichten.</p><p>�Was?� fragte er.</p><p>�Du hast die Reihenfolge durcheinandergebracht, und auch der Ort stimmt nicht�, sagte ich. �Erst kam der Unfall, au�erdem liegt Greenwood nicht in Albany.�</p><p>�Das wei� ich�, sagte er. �Ich meinte ja auch das Porter-Sanatorium, in dem du zwei Tage verbrachtest, ehe du verschwandest. Noch am gleichen Tag hattest du den Unfall und wurdest anschlie�end hierhergebracht. Dann erschien deine Schwester Evelyn auf der Bildfl�che. Sie lie� dich nach Greenwood verlegen, wo du einige Wochen zubrachtest, ehe du erneut verduftet bist. Richtig?�</p><p>�Teilweise ja�, sagte ich. �Besonders der letzte Teil. Wie ich dem Arzt vorhin schon sagte, setzt mein Erinnerungsverm�gen einige Tage vor dem Unfall aus. Das Institut in Albany erinnert mich allerdings an etwas, doch es ist alles noch sehr vage. Wei�t du Einzelheiten?�</p><p>�O ja�, sagte er. �Und das hat vielleicht sogar mit dem Zustand deines Ged�chtnisses zu tun. Du wurdest wegen Unzurechnungsf�higkeit eingeliefert . . .�</p><p>�Durch wen?�</p><p>Er sch�ttelte das Blatt Papier und kniff die Augen zusammen.</p><p>�Bruder Brandon Corey; zust�ndiger Arzt: Hillary B. Rand, Psychiater�, las er vor. �Weckt das weitere Erinnerungen?�</p><p>�M�glich�, sagte ich. �Und?�</p><p>�Nun, auf dieser Grundlage wurdest du f�r unzurechnungsf�hig erkl�rt, in Gewahrsam genommen und eingeliefert. Was nun dein Ged�chtnis angeht . . .�</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich wei� nicht besonders viel �ber diese Behandlung und ihre Wirkung auf das Ged�chtnis � jedenfalls wurdest du in Porter einer Elektroschock-Behandlung unterzogen. Dort � meine Unterlagen deuten jedenfalls darauf hin � bist du am dritten Tag ausger�ckt. Anscheinend holtest du von einem nicht genannten Ort deinen Wagen und warst unterwegs nach hierher, worauf du den Unfall hattest.�</p><p>�Das scheint zu stimmen�, sagte ich. �Wirklich.� Als er zu sprechen begann, hatte ich einen Augenblick lang das verr�ckte Gef�hl, in den falschen Schatten zur�ckgekehrt zu sein � in einen Schatten, da alles �hnlich, doch nicht kongruent war. Inzwischen glaubte ich das nicht mehr. Irgend etwas in mir sprach auf seine Geschichte an.</p><p>�Nun zu der Verf�gung�, sagte er. �Sie beruhte auf gef�lschten Unterlagen, was das Gericht damals aber nicht wissen konnte. Der echte Dr. Rand war zu der Zeit in England, und als ich mich sp�ter mit ihm in Verbindung setzte, hatte er noch nie von dir geh�rt. W�hrend seiner Abwesenheit war bei ihm im B�ro eingebrochen worden. Au�erdem hat er seltsamerweise keinen Mittelnamen, der mit einem B anf�ngt. Und er hatte noch nie von Brandon Corey geh�rt.�</p><p>�Was ist aus Brandon geworden?�</p><p>�Der ist einfach spurlos verschwunden. Als man in Porter dein Verschwinden bemerkte, versuchte man sich mehrfach mit ihm in Verbindung zu setzen, doch er war nicht auffindbar. Dann hattest du den Unfall, wurdest hierhergebracht und behandelt. Daraufhin meldete sich eine Frau namens Evelyn Flaumel, die sich als deine Schwester vorstellte. Sie gab an, du seist f�r unzurechnungsf�hig erk�rt worden, und die Familie wolle dich nach Greenwood verlegen lassen. Brandon, der zu deinem Vormund bestellt worden war, stand nicht zur Verf�gung, und man ging auf ihre W�nsche ein, da sie immerhin die einzige verf�gbare Verwandte war. So kam es, da� man dich in das andere Institut brachte. Dort bist du einige Wochen sp�ter aber wieder ausger�ckt, und damit endet meine Aufzeichnung.�</p><p>�Wie ist mein rechtlicher Status im Augenblick?� wollte ich wissen.</p><p>�Oh, man hat dich wieder in deine Rechte eingesetzt�, sagte er. �Nachdem ich mit Dr. Rand gesprochen hatte, hat er sich an das Gericht gewandt und diese Tatsachen ausgef�hrt. Der Gerichtsbeschlu� wurde aufgehoben.�</p><p>�Weshalb benimmt sich denn der Arzt hier, als w�re ich ein Fall f�r die Klapsm�hle?�</p><p>�Oh Himmel � das ist eine gute Frage! Ich bin noch gar nicht darauf gekommen! In den hiesigen Unterlagen d�rfte noch stehen, da� du mal ein psychiatrischer Fall warst. Am besten rede ich gleich mit den Leuten. Ich habe ein Exemplar der gerichtlichen Eintragung hier, das kann ich dem Arzt zeigen.�</p><p>�Wann wurde die Sache mit dem Gericht gekl�rt � wie lange nach meiner Flucht aus Greenwood?�</p><p>�Im folgenden Monat�, entgegnete er. �Es vergingen einige Wochen, ehe ich mich dazu aufraffen konnte, meine Nase in deine Angelegenheiten zu stecken.�</p><p>�Du konntest nat�rlich nicht wissen, wie froh ich bin, da� du es getan hast�, sagte ich. �Du hast mir au�erdem mehrere Informationen gegeben, die sich noch als ungemein wichtig erweisen k�nnten.�</p><p>�Es ist sch�n, wenn man einem Freund ab und zu helfen kann�, erwiderte er, schlo� den Umschlag und schob ihn wieder in die Tasche. �Eine Bitte . . . wenn alles ausgestanden ist, wenn du dar�ber sprechen kannst . . . dann w�rde ich gern die komplette Geschichte h�ren.�</p><p>�Ich kann dir nichts versprechen.�</p><p>�Ich wei�. Ich wollte es nur mal gesagt haben. �brigens, was soll aus dem Haus werden?�</p><p>�Mein Haus? Geh�rt es noch immer mir?�</p><p>�Ja, aber es wird vermutlich n�chstes Jahr wegen der anfallenden Steuern versteigert, wenn du nichts unternimmst.�</p><p>�Ich bin �berrascht, da� es nicht schon l�ngst verkauft ist.�</p><p>�Du hast der Bank Vollmacht gegeben, deine Rechnungen zu bezahlen.�</p><p>�Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Eigentlich hatte ich mir das Konto nur zur Bequemlichkeit eingerichtet und f�r die Kreditkarten.�</p><p>�Jedenfalls ist das Konto jetzt fast leer�, sagte er. �Ich habe erst k�rzlich noch mit McNally von der Bank gesprochen. Die Folge ist, da� das Haus n�chstes Jahr verkauft wird, wenn du nichts unternimmst.�</p><p>�Ich habe keine Verwendung mehr daf�r�, sagte ich. �Sollen sie damit doch machen, was sie wollen!�</p><p>�Verkauf es lieber und hol raus, was noch drin ist.�</p><p>�So lange bin ich wohl gar nicht mehr hier.�</p><p>�Ich k�nnte das f�r dich �bernehmen und dir das Geld schicken, wo immer du es haben willst.�</p><p>�Na sch�n�, sagte ich. �Ich unterschreibe die notwendigen Vollmachten. Bezahle meine Krankenhausrechnung davon und behalte den Rest.�</p><p>�Das geht doch nicht!�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Tu, was du f�r das Beste h�ltst, aber sorge daf�r, da� du dir ein gutes Honorar abzweigst.�</p><p>�Ich �berweise den Rest auf dein Konto.�</p><p>�Sch�n. Vielen Dank. Ehe ich es vergesse � w�rdest du bitte mal in der Schublade nachsehen, ob ein Kartenspiel darin liegt? Ich komme nicht ganz hin, und ich kann die Karten sp�ter gebrauchen.�</p><p>�Gern.�</p><p>Er hob die Hand und �ffnete die Schublade.</p><p>�Ein gro�er brauner Umschlag�, sagte er. �Ziemlich dick. Wahrscheinlich hat man deinen ganzen Tascheninhalt hineingetan.�</p><p>�Mach auf.�</p><p>�Ja, hier ist ein Kartenspiel�, sagte er und griff hinein. �He! Das ist aber ein h�bscher Kasten. Darf ich mal?�</p><p>�Ich . . .� Was sollte ich sagen?</p><p>Er zog die Karten heraus.</p><p>�Herrlich . . .�, murmelte er. �Eine Art Tarock . . . Sind das antike Karten?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Kalt wie Eis . . . So etwas habe ich noch nie gesehen. Schau mal, das bist du doch! In einer Art Ritterr�stung! Wozu sind die Karten?�</p><p>�Ein ziemlich kompliziertes Spiel�, sagte ich z�gernd.</p><p>�Wie kommt es, da� du hier abgebildet bist, wenn die Dinger antik sind?�</p><p>�Ich habe nicht behauptet, da� ich das bin � das hast du gesagt.�</p><p>�Ja, da hast du recht. Ein Vorfahr?�</p><p>�Kann man sagen.�</p><p>�He, das ist aber ein h�bsches M�dchen! Und die Rothaarige erst . . .�</p><p>�Ich glaube . . .�</p><p>Er klopfte die Karten zurecht und schob sie wieder in den Kasten, den er mir reichte.</p><p>�Ein h�bsches Einhorn�, setzte er hinzu. �Ich h�tte mir die nicht ansehen sollen, wie?�</p><p>�Schon gut.�</p><p>Er seufzte, lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck und verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf.</p><p>�Ich konnte nicht anders�, sagte er. �Du hast etwas Seltsames an dir, Carl, etwas, das �ber deine Geheimdienstarbeit hinausgeht, wenn du so etwas wirklich machst. Und R�tsel interessieren mich nun mal. Noch nie war ich einem wirklichen R�tsel so nahe wie eben jetzt.�</p><p>�Und das alles, weil du ein Spiel kalter Tarockkarten in der Hand gehabt hast?�</p><p>�Nein, das bringt nur noch ein bi�chen mehr Atmosph�re�, sagte er. �Zugegeben, was du in all den Jahren getan hast, geht mich nichts an � doch es gibt da Umst�nde, die ich nicht begreife.�</p><p>�Und die w�ren?�</p><p>�Als ich dich gestern abend hierhergebracht und Alice nach Hause gefahren hatte, bin ich noch zu deinem Haus gefahren, in der Hoffnung, irgend einen Aufschlu� �ber die Ereignisse zu finden. Das Schneetreiben hatte inzwischen aufgeh�rt, auch wenn es sp�ter wieder einsetzte, und deine Spuren waren noch deutlich sichtbar � am Haus und vorn auf dem Hang.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Doch es gab keine Spuren, die <emphasis>ins</emphasis> Haus f�hrten � nichts, das f�r deine Ankunft sprach. Und wo wir schon mal dabei sind; es gab auch keine anderen Spuren, die sich entfernten � nichts, das auf die Flucht deines Angreifers hindeutet.�</p><p>Ich lachte leise vor mich hin.</p><p>�Du glaubst, ich habe mir die Wunde selbst beigebracht?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht. Es war ja nicht einmal eine Waffe zu sehen. Ich bin den Blutspuren bis ins Schlafzimmer gefolgt, bis zu deinem Bett. Nat�rlich hatte ich nur das Licht meiner Taschenlampe zur Verf�gung, doch was ich zu sehen bekam, gab mir ein unheimliches Gef�hl ein. Es sah aus, als w�rst du pl�tzlich blutend auf dem Bett aufgetaucht, h�ttest dich aufgerichtet und w�rst ins Freie gekrochen.�</p><p>�Das ist nat�rlich unm�glich.�</p><p>�Trotzdem mache ich mir Gedanken �ber das Fehlen von Spuren.�</p><p>�Der Wind mu� sie mit Schnee zugeweht haben.�</p><p>�Und die anderen nicht?� Er sch�ttelte den Kopf. �Nein, das glaube ich nicht. Ich m�chte dir nur sagen, da� mich die Antwort auf diese Fragen ebenfalls interessiert � wenn du jemals in die Lage kommst, mir von allem erz�hlen zu k�nnen . . .�</p><p>�Ich werde daran denken�, sagte ich.</p><p>�Ja�, meinte er. �Aber ich wei� nicht recht . . . Ich habe so ein seltsames Gef�hl, als ob ich dich nie wiedersehen w�rde. Es ist, als spielte ich eine Nebenrolle in einem gewaltigen Drama; wie ein Mann, der von der B�hne gefegt wird, ohne zu erfahren, wie das St�ck zu Ende geht.�</p><p>�Ich kann mir das Gef�hl vorstellen�, sagte ich. �Wenn ich manchmal an meine Rolle denke, m�chte ich den Autor am liebsten umbringen. Doch sieh es einmal so: Hintergrundsgeschichten erf�llen selten die in sie gesetzten Erwartungen. Meistens handelt es sich um miese kleinkarierte Dinge, die sich auf die niedersten Beweggr�nde zur�ckf�hren lassen. Vermutungen und Illusionen sind oft der bessere Teil.�</p><p>Er l�chelte.</p><p>�Du redest wie immer�, sagte er, �doch erinnere ich mich an Augenblicke, da du der Ehrlichkeit zugetan warst. Mehrfach sogar . . .�</p><p>�Wie sind wir nur von den Spuren im Schnee auf mich gekommen?� fragte ich. �Ich wollte dir gerade sagen, da� ich das Haus auf dem Weg betreten habe, auf dem ich es dann wieder verlie�. Mein Abgang hat offenbar die Spuren meiner Ankunft ausgel�scht.�</p><p>�Nicht schlecht�, sagte er und l�chelte. �Und dein Angreifer ist derselben Route gefolgt?�</p><p>�Mu� er wohl.�</p><p>�Ziemlich gut�, sagte er. �Du verstehst es, Zweifel auszus�en. Trotzdem habe ich das Gef�hl, da� die Beweise hier auf etwas Unheimliches schlie�en lassen.�</p><p>�Auf etwas Unheimliches? Nein. Eher etwas Seltsames. Das ist eine Frage der Interpretation.�</p><p>�Oder des Ausdrucks. Hast du den Polizeibericht �ber deinen Unfall gelesen?�</p><p>�Nein. Du?�</p><p>�Ja. Was w�re, wenn die Sache mehr als seltsam w�re? Gestehst du mir dann den Ausdruck zu, den ich gebraucht habe ��unheimlich�?�</p><p>�Also sch�n.�</p><p>�. . . und beantwortest du mir eine Frage?�</p><p>�Ich wei� nicht . . .�</p><p>�Ein einfaches Ja oder Nein. Das ist alles.�</p><p>�Also gut � abgemacht. Was stand in dem Bericht?�</p><p>�Aus dem Bericht ging hervor, da� der Unfall der Polizei gemeldet wurde und ein Streifenwagen die Stelle aufsuchte. Die Beamten entdeckten dort einen seltsam gekleideten Mann, der im Begriff war, dir Erste Hilfe zu leisten. Er sagte aus, er habe dich aus dem v�llig zertr�mmerten Wagen im See gezogen. Dies erschien glaubhaft, da er ganz durchn��t war. Durchschnittlich gro�, schmal gebaut, rotes Haar. Er trug einen gr�nen Anzug, der nach Aussage eines Beamten in einen Robin-Hood-Film gepa�t h�tte. Er weigerte sich, seine Personalien anzugeben, die Beamten zu begleiten oder irgendeine Aussage zu machen. Als die Polizisten darauf bestanden, stie� er einen Pfiff aus, woraufhin ein wei�es Pferd herbeitrabte. Er sprang auf und ritt im Galopp davon. Dann hat man ihn nicht mehr gesehen.�</p><p>Ich lachte. Es tat weh, doch ich konnte nicht anders,</p><p>�Ich will verdammt sein!� rief ich. �Endlich ergeben die Dinge einen Sinn.�</p><p>Bill starrte mich einen Augenblick lang stumm an. �Wirklich?� fragte er dann.</p><p>�Ja, ich glaube schon. Vielleicht hat es sich gelohnt, verwundet zu werden und hierher zur�ckzukehren � allein wegen der Dinge, die ich heute erfahren habe.�</p><p>�Du hast die beiden Dinge in seltsamer Reihenfolge aufgef�hrt�, sagte er und rieb sich das Kinn.</p><p>�Ja, das ist richtig. Doch ich beginne jetzt eine Art Ordnung zu erkennen, wo mir vorher �berhaupt nichts klar war.�</p><p>�Und das alles wegen eines Kerls auf einem Schimmel?�</p><p>�Zum Teil, zum Teil . . . Bill, ich werde hier bald verschwinden.�</p><p>�So schnell kommst du hier nicht raus.�</p><p>�Trotzdem � die Papiere, von denen du gesprochen hast . . . ich glaube, ich sollte sie lieber schon heute unterschreiben.�</p><p>�Na sch�n. Ich lasse sie dir sp�ter bringen. Aber mach keine Dummheiten!�</p><p>�Ich werde von Sekunde zu Sekunde vorsichtiger�, erwiderte ich. �Das darfst du mir glauben.�</p><p>�Na, hoffentlich�, sagte er, lie� seinen Aktenkoffer zuschnappen und stand auf. �Also ruh dich aus. Ich schaffe die Probleme mit dem Arzt aus der Welt und schicke heute noch die Unterlagen her�ber.�</p><p>�Nochmals vielen Dank.�</p><p>Ich sch�ttelte ihm die Hand.</p><p>��brigens�, sagte er. �Du wolltest mir eine Frage beantworten.�</p><p>�Ach ja. Und die lautet?�</p><p>�Bist du ein Mensch?� fragte er, w�hrend er noch meine Hand hielt. Sein Gesicht verriet nichts.</p><p>Ich begann zu grinsen, lie� es dann aber sein.</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich � ich w�rde es ja gern sein. Aber ich wei� es im Grunde nicht. Nat�rlich bin ich ein Mensch! Was f�r eine dumme Frage . . . Ach, zum Teufel! Du willst eine ehrliche Antwort, nicht wahr? Und ich habe gesagt, ich w�rde dir offen antworten . . .� Ich kaute auf meiner Unterlippe herum und �berlegte einen Augenblick lang. Dann sagte ich: �Ich glaube es nicht.�</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte er und l�chelte. �Es macht eigentlich keinen Unterschied, aber ich dachte, da� es dir vielleicht etwas bedeutet � zu wissen, jemand wei�, da� du anders bist, ohne da� es ihm etwas ausmacht.�</p><p>�Auch daran werde ich denken�, sagte ich.</p><p>�Nun . . . bis sp�ter also.�</p><p>�Ja.�</p></section><section><title><p>9</p></title><p>Der Mann von der Staatspolizei war vor kurzem gegangen . . . Sp�ter Nachmittag. Ich lag im Bett und f�hlte mich besser, und mir war besser, weil ich mich besser f�hlte. Ich lag einfach nur da und dachte �ber die Gefahren nach, die ein Leben in Amber so mit sich brachte. Brand und ich waren beide bettl�gerig durch die Lieblingswaffe der Familie. Ich �berlegte, wen von uns beiden es wohl schlimmer getroffen hatte. Vermutlich ihn. Die Klinge hatte wom�glich seine Niere verletzt, und er war ohnehin in schlechter Verfassung gewesen.</p><p>Ich war zweimal durchs Zimmer und wieder zur�ck getaumelt, ehe Bills Angestellter mit den Dokumenten kam, die ich unterschreiben sollte. Ich mu�te meine Grenzen kennen � das ist immer von Nutzen. Da ich um ein Mehrfaches schneller gesundete als die Bewohner dieses Schattens, war ich der Meinung, da� ich schon wieder stehen und gehen k�nnen m��te, da� ich schon die Dinge schaffen m��te, die ein Hiesiger nach anderthalb oder zwei Tagen bew�ltigt. Und ich stellte fest, da� ich es konnte. Es tat weh, und beim erstenmal wurde mit schwindlig, doch beim zweitenmal ging es schon besser. Das war wenigstens etwas. Nun lag ich wieder im Bett und f�hlte mich besser.</p><p>Dutzende von Malen hatte ich die Tr�mpfe vor mir aufgef�chert, hatte Solitaire gespielt, hatte inmitten vertrauter Gesichter vieldeutige Zukunftszeichen gelesen. Und jedesmal hatte ich mich zur�ckgehalten, hatte ich den Wunsch unterdr�ckt, Random anzusprechen, ihm mitzuteilen, was geschehen war, und mich nach neuen Entwicklungen zu erkundigen. Sp�ter, sp�ter, sagte ich mir. Jede zus�tzliche Stunde, die meine Geschwister schlafen, ist hier zweieinhalb Stunden lang. Zweieinhalb Stunden entsprechen sieben oder acht Stunden Heilung bei den einfachen Sterblichen in diesem Schatten. Halte dich zur�ck. Denk nach. Erhole dich.</p><p>Und so kam es, da� mir kurz nach dem Abendessen, als der Himmel langsam wieder dunkler wurde, jemand zuvorkam. Ich hatte bereits einem sauberen jungen Angeh�rigen der Staatspolizei all das mitgeteilt, was ich zu offenbaren gedachte. Ich habe keine Ahnung, ob er mir glaubte oder nicht, doch er war h�flich und blieb nicht lange. Und schon wenige Minuten, nachdem er gegangen war, geschah es.</p><p>Ich lag im Bett und f�hlte mich besser und wartete auf Dr. Bailey, damit er nachsah, wie es mit mir bergauf ging. Ich lag im Bett und lie� mir all die Dinge durch den Kopf gehen, die Bill gesagt hatte, und versuchte sie mit anderen Dingen zusammenzubringen, die ich gewu�t oder vermutet hatte . . .</p><p>Kontakt! Jemand war schneller gewesen als ich. Jemand in Amber war ein Fr�haufsteher.</p><p>�Corwin!�</p><p>Es war Random, in ziemlicher Erregung.</p><p>�Corwin! Steh auf! Mach die T�r auf! Brand ist zu sich gekommen und fragt nach dir.�</p><p>�Hast du an die T�r geh�mmert, um mich zu wecken?�</p><p>�Ja!�</p><p>�Bist du allein?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Gut. Ich bin n�mlich nicht in meinem Zimmer. Du hast mich in den Schatten erreicht.�</p><p>�Das verstehe ich nicht.�</p><p>�Ich auch nicht. Ich bin verwundet, aber ich werde es �berstehen. Aber davon sp�ter mehr. Erz�hl mir von Brand.�</p><p>�Er ist vor kurzem aufgewacht. Er hat zu G�rard gesagt, er m��te dich sofort sprechen. G�rard hat nach einem Dienstboten geklingelt und ihn zu deinem Zimmer geschickt. Als der dich nicht wachbekam, ist er zu mir gekommen. Ich habe ihn eben zu G�rard zur�ckgeschickt mit der Nachricht, ich w�rde dich holen gehen.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte ich, streckte mich langsam aus und richtete mich auf. �Begib dich an einen Ort, wo man dich nicht sehen kann, dann komme ich zu dir. Ich brauche einen weiten Mantel oder so. Mir fehlt es an Kleidung.�</p><p>�Es w�re wohl am besten, wenn ich meine Gem�cher aufsuchte.�</p><p>�Gut. Dann los!�</p><p>�Bis gleich.�</p><p>Stille.</p><p>Ich bewegte langsam die Beine. Ich setzte mich auf die Bettkante. Ich nahm meine Tr�mpfe zur Hand und schob sie in das Etui. Ich hielt es f�r wichtig, meine Verwundung in Amber geheimzuhalten. Selbst in ruhigen Zeiten �bert�ncht man seine Schw�chen.</p><p>Ich atmete tief durch und stand auf, wobei ich mich am Bett festhielt. Meine kleinen �bungen machten sich nun bezahlt. Ich atmete ganz normal und �ffnete die Hand. Nicht schlecht. Wenn ich langsam ging, wenn ich nicht mehr auf mich nahm als die unbedingt notwendigen Bewegungen, um den Schein zu wahren . . . Vielleicht konnte ich durchhalten, bis ich wieder voll zu Kr�ften gekommen war.</p><p>In diesem Augenblick h�rte ich Schritte, und eine freundliche Krankenschwester erschien in der T�r, adrett, gut gebaut; sie unterschied sich von einer Schneeflocke nur insoweit, als diese alle gleich sind.</p><p>�Zur�ck ins Bett, Mr. Corey! Sie d�rfen noch nicht aufstehen!�</p><p>�Madam!� sagte ich. �Es ist von gro�er Bedeutung, da� ich aufstehe. Ich mu�!�</p><p>�Sie h�tten sich eine Bettpfanne bringen lassen k�nnen�, sagte sie, betrat den Raum und kam auf mich zu.</p><p>Ich sch�ttelte m�de den Kopf, als Random wieder mit mir in Verbindung trat. Ich fragte mich, mit welchen Worten sie dieses Ereignis beschreiben und ob sie das prismatische Nachfunkeln meines durch den Trumpf verschwindenden K�rpers erw�hnen w�rde. Vermutlich eine absonderliche Geschichte mehr, die sich um meinen Namen rankte.</p><p>�Sehen Sie es doch so, meine Liebe�, sagte ich zu ihr. �Unsere Beziehung war von Anfang an etwas rein K�rperliches. Sie werden andere finden . . . viele andere. <emphasis>Adieu!�</emphasis></p><p>Ich verneigte mich und warf ihr eine Ku�hand zu, w�hrend ich nach Amber hin�bertrat und sie mit einem Regenbogen in den H�nden zur�cklie�. Ich taumelte und fa�te Randoms Schulter.</p><p>�Corwin! Was zum Teufel . . .�</p><p>�Wenn Blut der Preis der Admiralit�t ist, habe ich mir gerade ein Kommando verdient�, sagte ich. �Gib mir etwas anzuziehen.�</p><p>Er drapierte mir einen langen, schweren Mantel um die Schultern, und ich schlo� mit unsicheren Fingern die Schnalle am Hals.</p><p>�Alles bereit�, sagte ich. �Bring mich zu ihm.�</p><p>Er f�hrte mich zur T�r und durch den Flur zur Treppe. Unterwegs st�tzte ich mich schwer auf ihn.</p><p>�Wie schlimm ist es?� erkundigte er sich.</p><p>�Ein Messer�, sagte ich und legte die Hand auf die Stelle. �Gestern abend hat mich in meinem Schlafzimmer jemand angegriffen.�</p><p>�Wer?�</p><p>�Na, du kannst es nicht gut gewesen sein, denn ich hatte mich gerade an der Treppe von dir getrennt�, sagte ich, �und G�rard war bei Brand in der Bibliothek. Ziehe euch drei von den anderen ab und stelle deine Vermutungen an. Das ist das beste . . .�</p><p>�Julian�, sagte er.</p><p>�Seine Aktien stehen in der Tat ziemlich schlecht�, sagte ich. �Fiona hat ihn mir gerade neulich abend vorgef�hrt, und nat�rlich ist es kein Geheimnis, da� er nicht gerade zu meinen Favoriten z�hlt.�</p><p>�Corwin, er ist fort. Er hat sich �ber Nacht abgesetzt. Der Dienstbote, der mich holen kam, hat gemeldet, da� Julian abgereist ist. Wonach sieht das aus?�</p><p>Wir erreichten die Treppe. Ich lie� eine Hand auf Randoms Schulter liegen und st�tzte die andere auf das Gel�nder. Am ersten Absatz hie� ich ihn stehenbleiben und rastete kurz.</p><p>�Ich wei� nicht�, sagte ich. �Manchmal ist es ebenso schlimm, sich zu sehr in die Position des anderen hineinzudenken, wie es �berhaupt nicht zu tun. Aber mir will scheinen, da� er, wenn er wirklich der Meinung war, mich beseitigt zu haben, hier viel besser dran gewesen w�re. Da brauchte er jetzt nur noch den �berraschten zu mimen, sobald er von der Tat h�rte. Sein Verschwinden aber sieht nun wirklich verd�chtig aus. Ich neige zu der Auffassung, da� er verschwunden ist, weil er Angst vor Brands Enth�llungen hatte.�</p><p>�Aber du hast den Anschlag �berlebt. Du bist deinem unbekannten Angreifer entkommen, der nicht sicher sein konnte, ob er dich get�tet hat. W�re ich der T�ter, h�tte ich l�ngst Welten zwischen uns gebracht.�</p><p>�Das ist wohl richtig�, best�tigte ich im Weitergehen. �Ja, vielleicht hast du recht. Lassen wir die Frage im Augenblick auf sich beruhen. Jedenfalls darf niemand erfahren, da� ich verwundet bin.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Schweigen wir wie Ambers Nachtt�pfe.�</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Mylord, verzeiht des Vergleiches k�hnen Bogen!�</p><p>�Deine Scherze tun mir sogar dort weh, wo ich nicht verwundet bin, Random. Versuch dir lieber zu �berlegen, wie der Angreifer in mein Zimmer gekommen ist.�</p><p>�Das Wandpaneel?�</p><p>�Das ist von innen her verriegelt. Ich achte neuerdings darauf. Und das T�rschlo� ist neu und voller Tricks.�</p><p>�Ich hab�s! Doch meine L�sung setzt einen Familienangeh�rigen voraus.�</p><p>�Sag schon!�</p><p>�Jemand war willens, sich seelisch zu engagieren und noch einmal im Schnellgang durch das Muster zu eilen, um dich zu erwischen. Der Betreffende ging nach unten, bew�ltigte das Muster, lie� sich in dein Zimmer versetzen und griff an.�</p><p>�Das w�re die L�sung � bis auf eine Kleinigkeit. Wir haben das Wohnzimmer ziemlich dicht hintereinander verlassen. Der Angriff ist nicht sp�ter am Abend erfolgt, sondern unmittelbar nach meinem Eintreten. Ich glaube nicht, da� einer von uns genug Zeit hatte, um in die Tiefe zu steigen und dann auch noch das Muster zu bew�ltigen. Der Angreifer wartete bereits auf mich. Wenn es einer von uns war, mu� er auf anderem Wege zu dir eingedrungen sein.�</p><p>�Dann hat er dein Schlo� geknackt, trotz der Tricks.�</p><p>�M�glich�, sagte ich, als wir den n�chsten Treppenabsatz erreichten und unseren Weg fortsetzten. �Wir machen noch einmal Pause an der Ecke, damit ich die Bibliothek ohne Hilfe betreten kann.�</p><p>�Klar.�</p><p>Und das taten wir. Ich nahm mich zusammen, h�llte mich v�llig in den Mantel ein, straffte die Schultern, trat vor und klopfte an die T�r.</p><p>�Augenblick!� G�rards Stimme.</p><p><emphasis>Schritte, die sich der T�r n�herten . . .</emphasis></p><p>�Wer ist da?�</p><p>�Corwin�, sagte ich. �Random ist bei mir.�</p><p>Ich h�rte ihn �ber die Schulter rufen: �M�chtest du Random auch sprechen?� Und vernahm ein leises �Nein� als Antwort.</p><p>Die T�r ging auf.</p><p>�Nur du, Corwin�, sagte G�rard.</p><p>Ich nickte und wandte mich an Random.</p><p>�Sp�ter�, sagte ich zu ihm.</p><p>Er erwiderte mein Nicken und verschwand in der Richtung, aus der wir gekommen waren. Ich betrat die Bibliothek.</p><p>��ffne deinen Mantel, Corwin!� befahl G�rard.</p><p>�Das ist nicht n�tig�, sagte Brand, und ich hob den Kopf und sah, da� er mit etlichen Kissen im R�cken aufrecht auf der Couch sa� und mich mit gelben Z�hnen anl�chelte.</p><p>�Tut mir leid, wenn ich nicht so vertrauensselig bin wie Brand�, sagte G�rard. �Ich habe aber keine Lust, meine Arbeit zunichte zu machen. La� mich nachsehen.�</p><p>�Ich habe gesagt, da� das nicht n�tig ist�, wiederholte Brand. �Er war nicht der Mann mit dem Dolch.�</p><p>G�rard wandte sich hastig um.</p><p>�Woher wei�t du das?� fragte er.</p><p>�Weil ich wei�, wer es getan hat! Sei kein Dummkopf, G�rard. Ich h�tte ihn bestimmt nicht kommen lassen, wenn ich Grund h�tte, ihn zu f�rchten.�</p><p>�Du warst bewu�tlos, als ich dich her�berholte. Du kannst gar nicht wissen, wer es war.�</p><p>�Wei�t du das genau?�</p><p>�Nun . . . Warum hast du es mir denn nicht gesagt?�</p><p>�Ich habe meine Gr�nde, gute Gr�nde. Ich m�chte jetzt mit Corwin allein sprechen.�</p><p>G�rard senkte den Kopf.</p><p>�Hoffentlich hast du dir im Delirium nichts vorgemacht�, sagte er. Er ging zur T�r und �ffnete sie. �Ich bleibe in Rufweite�, f�gte er hinzu und schlo� sie hinter sich.</p><p>Ich trat n�her. Brand hob den Arm, und ich ergriff seine Hand.</p><p>�Es freut mich, da� du zur�ck bist�, sagte er.</p><p>�Ebenfalls�, erwiderte ich und setzte mich auf G�rards Stuhl; ich mu�te mir gro�e M�he geben, mich nicht hineinfallen zu lassen.</p><p>�Wie f�hlst du dich?� fragte ich.</p><p>�In einer Beziehung ziemlich mies. Aber in anderer Hinsicht besser als seit vielen Jahren. Es ist alles relativ.�</p><p>�Das gilt f�r die meisten Dinge.�</p><p>�Nicht f�r Amber.�</p><p>Ich seufzte.</p><p>�Schon gut. Ich wollte nicht spezifisch werden. Was ist eigentlich passiert?�</p><p>Sein Blick war intensiv. Er musterte mich; vielleicht suchte er nach etwas. Wonach? Vermutlich nach dem Stand meiner Erkenntnis. Oder genauer: Unkenntnis. Da Nichtvorhandenes schwer abzusch�tzen war, gingen ihm seit seinem Erwachen sicher allerlei Gedanken durch den Kopf. Wenn ich ihn richtig einsch�tzte, interessierte er sich weniger f�r die Dinge, die ich kannte, als f�r die, die mir unbekannt waren. Er gedachte keine Information herauszur�cken, die nicht unbedingt erforderlich war. Er wollte das unbedingte Minimum an Aufkl�rung berechnen, das er geben mu�te, um sein Ziel zu erreichen. Kein Wort zuviel durfte gesprochen werden. So war er nun mal � und nat�rlich wollte er etwas von mir. Es sei denn . . . In den letzten Jahren habe ich mich mehr als fr�her davon zu �berzeugen versucht, da� sich die Menschen �ndern, da� die verstreichende Zeit nicht nur Dinge betont, die bereits vorhanden sind, sondern in den Menschen zuweilen auch qualitative Ver�nderungen hervorbringt aufgrund von Dingen, die sie getan, gesehen, gedacht und gef�hlt haben. Dies w�re mir ein kleiner Trost in Zeiten wie jetzt, da alles andere schiefzulaufen scheint � ganz abgesehen davon, da� mein Weltbild erheblich aufgewertet worden w�re. Und Brand hatte ich es vermutlich zu verdanken, da� ich am Leben geblieben war und mein Ged�chtnis zur�ckbekommen hatte � wie immer seine Gr�nde ausgesehen haben mochten. Also gut. Ich beschlo�, zun�chst das Beste von ihm anzunehmen, ohne mir allerdings eine Bl��e zu geben. Eine kleine Konzession, mein Zug gegen die einfache Psychologie der Temperamente, die im allgemeinen den Beginn unserer Spiele beherrscht.</p><p>�Die Dinge sind niemals das, was sie zu sein scheinen, Corwin�, begann er. �Der Freund von heute ist der Feind von morgen, und . . .�</p><p>�H�r auf!� sagte ich ungeduldig. �Der Augenblick ist gekommen, die Karten auf den Tisch zu legen. Ich wei� zu sch�tzen, was Brandon Corey f�r mich getan hat; der Trick, mit dem wir dich schlie�lich zur�ckgeholt haben, war meine Idee.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Ich denke mir aber, da� es gute Gr�nde gibt f�r das Aufflackern br�derlicher Gef�hle nach so langer Zeit.�</p><p>�Und ich nehme an, da� du ebenfalls geheime Gr�nde hattest, mir zu helfen.�</p><p>Wieder l�chelte er, hob die rechte Hand und senkte sie.</p><p>�Dann sind wir entweder quitt oder stehen nicht mehr in der Schuld des anderen, je nachdem, wie man solche Dinge sieht. Da mir scheint, da� wir uns im Augenblick gegenseitig brauchen, w�re es gut, uns im g�nstigsten Licht zu sehen.�</p><p>�Du redest um den hei�en Brei herum, Brand. Du versuchst mich in deinen Bann zu ziehen. Au�erdem raubst du meiner idealistischen Tat von heute den Glanz. Du hast mich aus dem Bett geholt, um mir etwas zu sagen. Also tu�s.�</p><p>�Ganz der alte Corwin�, sagte er und lachte leise. Dann wandte er den Blick ab. �Oder nicht? Ich wei� nicht recht . . . Hat es dich ver�ndert, was meinst du? Das lange Leben in den Schatten? Nicht zu wissen, wer du wirklich warst? Als Teil von etwas ganz anderem?�</p><p>�Vielleicht�, erwiderte ich. �Ich wei� es nicht. Ja, vermutlich hat es mich ver�ndert. Zumindest bin ich neuerdings sehr ungeduldig, sobald Familienangelegenheiten zur Sprache kommen.�</p><p>�Offen heraus, direkt, kein Blatt vor den Mund! Damit entgeht dir aber ein Teil des Vergn�gens. Aber auch dieses Neue hat seinen Wert. Damit kann man die anderen nerv�s machen . . . man kann sein Verhalten wieder �ndern, wenn es am wenigsten erwartet wird . . . Ja, das k�nnte wertvoll sein. Zugleich erfrischend. Na gut! Reg dich nicht auf. Damit enden die Pr�liminarien. All die netten Worte der Einleitung sind gewechselt. Ich werde die grunds�tzlichen Dinge blo�legen, werde dem Monstrum Unvernunft die Z�gel anlegen und aus d�mmrigem Dunkel die Perle vornehmster Vernunft hervorzaubern. Doch zun�chst noch eins, wenn es dir recht ist. Hast du etwas Rauchbares bei dir? Es ist jetzt etliche Jahre her, und ich h�tte gern mal wieder das eine oder andere �ble Kraut probiert � zur Feier meiner R�ckkehr.�</p><p>Ich wollte schon nein sagen. Doch ich war sicher, da� im Tisch Zigaretten lagen, von mir selbst dort zur�ckgelassen. Eigentlich hatte ich etwas gegen die Anstrengung, doch ich sagte: �Moment.�</p><p>Als ich mich erhob und die Bibliothek durchquerte, versuchte ich, meine Bewegungen ganz entspannt aussehen zu lassen. W�hrend ich die Tischschublade durchw�hlte, stemmte ich die Hand auf die Platte und hoffte, da� es so aussah, als st�tzte ich mich l�ssig ab und nicht so schwer, wie es tats�chlich der Fall war. Ich verdeckte meine Bewegungen mit K�rper und Mantel, soweit es ging.</p><p>Schlie�lich fand ich die Packung und kehrte auf dem gleichen Wege zur�ck; unterwegs verharrte ich kurz am Kamin, um zwei Zigaretten anzuz�nden. Brand lie� sich Zeit, mir seine Zigarette abzunehmen.</p><p>�Deine Hand ist ziemlich zittrig�, sagte er. �Was ist denn los?�</p><p>�Zuviel gefeiert gestern�, sagte ich und kehrte zu meinem Stuhl zur�ck.</p><p>�Daran hatte ich ja noch gar nicht gedacht! Gewi�, dazu ist es gekommen, nicht wahr? Nat�rlich! Alle zusammen in einem Raum . . . Der unerwartete Erfolg der Suche nach mir, meine R�ckkehr . . . Der verzweifelte Versuch seitens einer ausgesprochen nerv�sen und schuldbeladenen Person . . . Ja, da lag der halbe Erfolg. Ich verwundet und stumm, doch wie lange? Dann . . .�</p><p>�Du hast gesagt, du wei�t, wer es getan hat. War das ein Scherz?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Wer also?�</p><p>�Alles zu seiner Zeit, mein lieber Bruder. Alles zu seiner Zeit. Abfolge und Ordnung, Zeit und Akzent � das ist hier von gro�er Bedeutung. Gestatte mir, das Drama jenes Augenblicks in sicherem R�ckblick zu genie�en. Ich sehe mich verwundet und euch rings um mich. Ah! Was w�rde ich geben, um dieses Bild zu sehen! K�nntest du mir vielleicht den Ausdruck auf den Gesichtern beschreiben?�</p><p>�Ich f�rchte, die Gesichter waren in diesem Augenblick meine geringste Sorge.�</p><p>Er seufzte und blies Rauch aus.</p><p>�Ah, das tut gut�, sagte er. �Egal � ich kann mir die Gesichter vorstellen. Wie du wei�t, besitze ich eine lebhafte Fantasie. Schock, Unbehagen, Verwirrung � hin�berwechselnd zu Mi�trauen und Angst. Dann, so sagt man mir, seid ihr alle gegangen, und der liebevolle G�rard hat mich umh�tschelt.� Er schwieg, starrte in den Rauch, und eine Sekunde lang hatte seine Stimme nichts Sp�ttisches. �Wei�t du, er ist der einzige Anst�ndige unter uns.�</p><p>�Er steht ziemlich weit oben auf meiner Liste�, sagte ich.</p><p>�Er hat sich aufopfernd um mich gek�mmert. Er hat sich immer um die anderen gek�mmert.� Pl�tzlich kicherte er. �Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum er sich die M�he macht. Doch ich hing gerade meinen Gedanken nach, ausgel�st durch dein leidendes Ich � ihr m��t euch dann an einen anderen Ort zur�ckgezogen haben, um die Ereignisse zu besprechen. Noch eine Party, an der ich gern teilgenommen h�tte. All die Emotionen und Verd�chtigungen und L�gen, die da herumschwirrten � und niemand, der als erster Gute Nacht zu sagen wagte! Der Tonfall mu� mit der Zeit ziemlich schrill geworden sein. Jedermann bem�ht h�flich, doch mit geballter Faust, um den anderen ein blaues Auge zu verpassen. Versuche, die einzig schuldige Person einzusch�chtern. Vielleicht ein paar Steinw�rfe auf die S�ndenb�cke. Aber letztlich ohne Ergebnis. Habe ich recht?�</p><p>Ich nickte, wu�te ich doch zu beurteilen, wie sein Verstand funktionierte, und war inzwischen auch durchaus gewillt, ihn auf seine Weise erz�hlen zu lassen.</p><p>�Du wei�t selbst, da� du recht hast�, sagte ich.</p><p>Daraufhin warf er mir einen pr�fenden Blick zu und fuhr fort: �Doch zuletzt sind alle gegangen, um anschlie�end besorgt wachzuliegen oder sich mit einem Komplicen zum Pl�neschmieden zu treffen. Verborgene St�rme in der Nacht. Schmeichelhaft zu wissen, da� sich jedermann Gedanken um mein Wohlergehen machte. Nat�rlich waren einige dagegen, andere daf�r. Und in der Mitte all dieser Ereignisse tummelte ich mich � nein, ich gedieh �, beseelt von dem Wunsch, meine Anh�nger nicht zu entt�uschen. G�rard hat viel Zeit darauf verwendet, mich �ber die j�ngste Geschichte aufzukl�ren. Als ich genug davon hatte, lie� ich dich holen.�</p><p>�Falls du es noch nicht bemerkt haben solltest, ich bin jetzt hier. Was wolltest du mir sagen?�</p><p>�Geduld, Bruder! Geduld! Denk an all die Jahre, die du in den Schatten verbracht hast, ohne dich an das hier zu erinnern.� Er machte eine umfassende Bewegung mit der Zigarette. �Denk an die lange Zeit, die du, ohne es zu wissen, gewartet hast, bis es mir gelang, dich zu finden, bis ich versuchte, dein schlimmes Los zu beenden. Im Vergleich dazu sind ein paar Minuten in diesem Augenblick doch nicht gar so kostbar.�</p><p>�Man hat mir gesagt, da� du mich gesucht hattest�, sagte ich. �Dar�ber habe ich mich gewundert, denn nach unserem letzten Zusammensein sind wir nicht gerade in bestem Einvernehmen auseinandergegangen.�</p><p>Er nickte.</p><p>�Das kann ich nicht abstreiten�, sagte er. �Doch �ber solche Dinge komme ich immer wieder hinweg, fr�her oder sp�ter.�</p><p>Ich schnaubte ungl�ubig durch die Nase.</p><p>�Ich habe mir dar�ber klar zu werden versucht, wieviel ich dir sagen soll, wieviel du mir wohl glauben w�rdest�, fuhr er fort. �H�tte ich geradeheraus behauptet, meine Motive seien bis auf einige Kleinigkeiten fast ausschlie�lich altruistischer Natur, h�ttest du mir das bestimmt nicht geglaubt.</p><p>Wieder schnaubte ich durch die Nase.</p><p>�Aber es stimmt�, fuhr er fort, �und ich sage dies, um dein Mi�trauen zu bes�nftigen und weil ich keine andere Wahl habe. Anf�nge sind immer schwierig. Wo immer ich beginne � irgend etwas hat bestimmt schon vorher stattgefunden. Du warst ja auch so lange fort. Wenn man schon irgendeinen Aspekt besonders herausstellen mu�, nehmen wir am besten den Thron. Na bitte! Jetzt habe ich es gesagt. Wei�t du, wir hatten uns eine Strategie zurechtgelegt, den Thron zu �bernehmen. Dies geschah kurz nach deinem Verschwinden und wurde in gewisser Weise vielleicht sogar dadurch ausgel�st. Vater hatte Eric im Verdacht, dich get�tet zu haben. Allerdings gab es keine Beweise. Jahre vergingen, du warst auf keine bekannte Weise erreichbar, und die Wahrscheinlichkeit wuchs, da� du tats�chlich tot warst. Eric fiel bei Vater immer mehr in Ungnade. Eines Tages, im Gefolge einer Diskussion �ber ein v�llig neutrales Thema � die meisten von uns sa�en mit am Tisch �, sagte Vater pl�tzlich, kein Bruderm�rder w�rde jemals den Thron erringen � und dabei sah er Eric an. Du wei�t ja, wie seine Augen sich ver�ndern konnten. Eric wurde puterrot und bekam lange Zeit keinen Bissen hinunter. Aber dann trieb Vater die Sache weiter, als wir es vorausgesehen oder uns gew�nscht hatten. In aller Fairnis dir gegen�ber mu� ich sagen, da� ich nicht wei�, ob es ihm nur darum ging, seinen Gef�hlen Luft zu machen, oder ob er seine Worte wirklich ernst meinte. Jedenfalls sagte er uns, er sei bereits mehr als halb entschlossen gewesen, dich zu seinem Nachfolger zu machen, so da� er das, was dir widerfahren war, als pers�nliche Ma�nahme gegen sich auffasse. Bestimmt h�tte er nicht dar�ber gesprochen, wenn er nicht �berzeugt gewesen w�re, da� du tot warst. In den folgenden Monaten errichteten wir dir einen Zenotaph, um dieser Schlu�folgerung eine greifbare Form zu geben, und sorgten daf�r, da� Vaters Gef�hle gegen�ber Eric nicht in Vergessenheit gerieten. Immerhin wu�ten wir, da� Eric nach dir derjenige war, den wir ausschalten mu�ten, wenn wir den Thron erringen wollten.�</p><p>�Wir! Wer waren die anderen?�</p><p>�Geduld, Corwin! Abfolge und Ordnung, Zeit und Akzent! Herauskehrung, Unterstreichung . . . H�r zu!� Er nahm eine neue Zigarette, z�ndete sie an der Kippe der ersten an, stach mit der brennenden Spitze durch die Luft. �Der n�chste Schritt hatte zum Ziel, Vater aus Amber verschwinden zu lassen � der entscheidendste und gef�hrlichste Teil. Mit diesem Punkt nun begann die Uneinigkeit. Mir mi�fiel der Gedanke an ein B�ndnis mit einer Macht, die ich nicht ganz verstand, insbesondere eine Macht, die es den Schatten erm�glichte, einen Fu� in die T�r zu stellen. Sich Schatten n�tzlich zu machen, ist eine Sache; ihnen jedoch zu gestatten, <emphasis>uns</emphasis> zu gebrauchen, ist un�berlegt, wie immer die Voraussetzungen auch aussehen mochten. Ich sprach mich dagegen aus, doch die Mehrheit wollte es anders.� Er l�chelte. �Zwei zu eins. Ja, wir waren zu dritt. Wir unternahmen also den n�chsten Schritt. Die Falle wurde errichtet, und Vater schnappte nach dem K�der . . .�</p><p>�Lebt er noch?� fragte ich.</p><p>�Ich wei� es nicht�, sagte Brand. �Ab hier begannen die Dinge schiefzulaufen, und sp�ter hatte ich eigene Sorgen, die mich in Trab hielten. Jedenfalls bestand unsere erste Ma�nahme nach Vaters Verschwinden darin, unsere Position zu festigen, w�hrend wir eine gewisse Zeit abwarteten, bis es angebracht war, seinen Tod zu vermuten. Idealerweise brauchten wir dazu nur die Mitarbeit einer Person. Entweder Caine oder Julian � egal, wer. Wei�t du, Bleys war bereits in die Schatten gegangen und stand im Begriff, eine gewaltige Armee zusammenzustellen . . .�</p><p>�Bleys! Er war einer von euch?�</p><p>�Allerdings. Wir wollten ihn auf den Thron setzen � nat�rlich so sehr unter Kontrolle, da� es <emphasis>de facto</emphasis> letztlich auf ein Triumvirat hinausgelaufen w�re. Wie ich eben sagte, zog er los, um Truppen zusammenzustellen. Wir erhofften uns nat�rlich eine unblutige �bernahme; andererseits mu�ten wir bereit sein f�r den Fall, da� Worte zum Siege nicht gen�gten. Wenn Julian uns den Landweg nach Amber er�ffnete oder Caine uns das Meer freigab, h�tten wir die Truppen ohne Verz�gerung herbeischaffen und uns notfalls auch mit Waffengewalt durchsetzen k�nnen. Leider suchte ich mir den falschen Mann aus. Meinem Gef�hl nach war Caine korrupter als Julian. Mit wohl�berlegter Vorsicht trug ich ihm die Sache vor. Zuerst schien er bereit zu sein, sich auf unsere Vorstellungen einzulassen. Doch entweder �berlegte er es sich hinterher anders, oder er t�uschte mich von Anfang an. Nat�rlich glaube ich lieber an das erstere. Wie dem auch sei � irgendwann kam er zu dem Schlu�, da� er mehr zu gewinnen hatte, wenn er einen anderen Thronanw�rter unterst�tzte � n�mlich Eric. Erics Hoffnungen auf den Thron waren durch Vaters Einstellung ihm gegen�ber etwas gemindert worden � doch Vater war nun fort, und unsere geplante Aktion bot Eric die M�glichkeit, sich zum Verteidiger des Throns aufzuschwingen. Zum Pech f�r uns brachte ihn eine solche Position wieder in Reichweite des Herrschertitels. Aber damit nicht genug: Julian machte es Caine nach und unterstellte seine Truppen Eric zur Verteidigung. Auf diese Weise bildete sich das andere Trio. Eric leistete den �ffentlichen Eid, den Thron zu verteidigen, und damit standen die Fronten fest. Ich befand mich zu dieser Zeit nat�rlich in einer etwas peinlichen Lage. Auf mich konzentrierte sich n�mlich die Feindseligkeit der anderen, da sie nicht wu�ten, wer meine Verb�ndeten waren. Dennoch konnten sie mich nicht einsperren oder foltern, denn ich w�re sofort durch den Trumpf fortgeholt worden. Und wenn sie mich t�teten, mochte es von unbekannter Seite Vergeltungsaktionen geben, das wu�ten sie sehr wohl. Also blieb die Partie eine Zeitlang ausgewogen. Die drei erkannten auch, da� ich keine direkten Schritte mehr gegen sie unternehmen konnte. Sie bewachten mich st�ndig. Hieraus ergab sich ein noch raffinierterer Plan. Wieder sprach ich mich dagegen aus, und wieder wurde ich zwei zu eins �berstimmt. Wir wollten dieselben Kr�fte einsetzen, die wir schon gerufen hatten, um Vater zu beseitigen � doch diesmal zur Blo�stellung Erics. Wenn sich die Verteidigung Ambers, die er so zuversichtlich auf seine Fahnen geschrieben hatte, als zuviel f�r ihn erwies und Bleys anschlie�end auf der B�hne erschien und das Problem m�helos aus der Welt schaffte, dann konnte Bleys auch noch auf die Unterst�tzung des Volkes rechnen, sobald er hinterher die Rolle des Verteidigers �bernahm und sich � nach angemessener Zeit � dazu �berreden lie�, die B�rde der Krone zu tragen, zum Wohle Ambers.�</p><p>�Eine Frage�, unterbrach ich ihn. �Was ist mit Benedict? Ich wu�te, da� er sich unzufrieden nach Avalon zur�ckgezogen hatte, doch wenn Amber wirklich in Gefahr geriet . . .!�</p><p>�Ja�, sagte er und nickte. �Aus diesem Grund zielte ein Teil unseres Plans darauf ab, Benedict mit eigenen Problemen zu konfrontieren, die ihn in Atem halten w�rden.�</p><p>Ich dachte an die Heimsuchung Avalons durch die H�llenm�dchen. Ich dachte an seinen Armstumpf. Ich �ffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Brand hob die Hand.</p><p>�La� mich die Geschichte auf meine Art zu Ende erz�hlen, Corwin. Nat�rlich kann ich mir deine Gedankeng�nge vorstellen. Ich sp�rte den Schmerz in deinen Eingeweiden, den Zwilling meiner eigenen Wunde. Ja, ich wei� von diesen Dingen und vieles mehr.� In seinen Augen stand ein seltsames Brennen, als er eine neue Zigarette in die Hand nahm und an der alten anz�ndete. Er zog tief und blies im Sprechen den Rauch aus. �Wegen dieser Entscheidung �berwarf ich mich mit den anderen. Ich sah darin eine zu gro�e Gefahr � sogar f�r Amber selbst. Ich �berwarf mich mit ihnen . . .� Er beobachtete einige Sekunden lang den Rauch, ehe er weitersprach. �Aber unsere Unternehmungen waren viel zu weit fortgeschritten, als da� ich mich einfach zur�ckziehen konnte. Um mich <emphasis>und</emphasis> Amber zu verteidigen, mu�te ich mich gegen sie stellen. Es war zu sp�t, auf Erics Seite umzuwechseln. Er h�tte mir keinen Schutz gew�hrt, selbst wenn er es noch gekonnt hatte � au�erdem war ich davon �berzeugt, da� er unterliegen w�rde. Etwa zu dieser Zeit beschlo� ich, gewisse neue F�higkeiten einzusetzen, die ich mir zugelegt hatte. Ich hatte mich oft �ber die seltsame Verbindung zwischen Eric und Flora gewundert, auf jener seltsamen Schatten-Erde, von der sie behauptete, da� es ihr dort gefiele. Ich hatte den leisen Verdacht, da� an diesem Ort etwas sei, das ihn betraf, und da� sie vielleicht dort seine Agentin sei. Zwar kam ich nicht dicht genug an ihn heran, um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, doch ich war zuversichtlich, da� es nicht allzu viele direkte oder indirekte Nachforschungen kosten w�rde, um zu erfahren, was Flora im Schilde f�hrte. Und damit behielt ich recht. Dann beschleunigten sich pl�tzlich die Ereignisse. Meine eigene Gruppe machte sich Sorgen �ber meinen Verbleib. Als ich dich aufgriff und im Schockverfahren einige deiner Erinnerungen zur�ckholte, erfuhr Eric von Flora, da� etwas nicht stimmte. Daraufhin suchten nun pl�tzlich beide Seiten nach mir. Ich war zu dem Schlu� gekommen, da� deine R�ckkehr die Pl�ne aller Beteiligten �ber den Haufen werfen und mich lange genug aus meiner Klemme befreien w�rde, um eine Alternative zur derzeitigen Entwicklung zu finden. Erics Thronanspruch w�re wieder geschw�cht worden, du h�ttest sofort eigene Anh�nger gefunden, meine Gruppe h�tte das Motiv f�r ihre ganze<emphasis/> Aktion verloren � und ich nahm an, du w�rdest dich f�r meinen Anteil an der Entwicklung nicht undankbar zeigen. Aber dann flohst du aus dem Porter-Sanatorium, und nun wurde es wirklich kompliziert. Wie ich sp�ter erfuhr, suchten alle nach dir � aus unterschiedlichen Gr�nden. Meine ehemaligen Verb�ndeten hatten allerdings ein besonderes As im �rmel. Sie erfuhren, was im Gange war, machten dich ausfindig und waren als erste am Ziel. F�r sie gab es eine ganz einfache Methode, den Status Quo zu erhalten, bei dem sie weiterhin im Vorteil waren. Bleys gab die Sch�sse ab, die dich und deinen Wagen in den See st�rzen lie�en. Ich traf gerade in diesem Moment ein. Bleys zog sich sofort zur�ck, denn es sah so aus, als h�tte er ganze Arbeit geleistet. Doch ich zog dich aus dem Wasser, und es war noch genug Leben in dir, da� sich das Zusammenflicken lohnte. Im R�ckblick mu� ich sagen, da� es ziemlich frustrierend war, nicht zu wissen, ob meine Behandlung tats�chlich wirksam war � ob du als Corwin oder als Corey erwachen w�rdest. Und auch hinterher besch�ftigte mich diese Frage . . . Ich machte mich mit einem H�llenritt davon, als Hilfe eintraf. Einige Zeit sp�ter erwischten mich meine Verb�ndeten und steckten mich an den Ort, an dem du mich gefunden hast. Kennst du den Rest der Geschichte?�</p><p>�Nicht alles.�</p><p>�Dann unterbrich mich, sobald wir auf dem laufenden sind. Diesen Teil habe ich selbst erst sp�ter erfahren. Erics Mannen erfuhren von dem Unfall, brachten deinen Aufenthaltsort in Erfahrung und schafften dich in eine Privatklinik, wo du besser gesch�tzt werden konntest. Um sich selbst zu sch�tzen, lie�en sie dich dort unter Bet�ubungsmittel setzen.�</p><p>�Warum sollte Eric mich besch�tzen, wo doch meine Gegenwart seine Pl�ne zunichte machte?�</p><p>�Inzwischen wu�ten sieben von uns, da� du noch am Leben warst. Das waren zu viele. Es war zu sp�t f�r das, was er am liebsten getan h�tte. Noch immer lebte er mit Vaters Verdacht. Wenn dir etwas passiert w�re, w�hrend du in seiner Macht warst, h�tte ihm das den Weg zum Thron endg�ltig versperrt. Wenn Benedict jemals davon erfuhr oder G�rard . . . Nein, er h�tte es nicht geschafft. Hinterher, ja. Vorher, nein. So schrieb ihm das allgemeine Wissen um dein �berleben seine Handlungsweise vor. Er setzte seine Kr�nung an und beschlo�, dich im Hintergrund zu halten, bis er auf dem Thron sa�. Eine ausgesprochen voreilige Tat, doch ich w��te nicht, wie er anders h�tte handeln k�nnen. Was danach passiert ist, wei�t du vermutlich, da du ja unmittelbar beteiligt warst.�</p><p>�Ich habe mich mit Bleys zusammengetan, als der gegen Amber vorr�ckte. Leider kein allzu gl�ckliches Zusammenspiel.�</p><p>Er zuckte die Achseln.</p><p>�Oh, es h�tte etwas daraus werden k�nnen � wenn ihr gesiegt h�ttet und wenn du Bleys irgendwie in Schach h�ttest halten k�nnen. Doch im Grunde hattest du keine Chance. Meine Kenntnis von den Motiven der beiden ist an diesem Punkt etwas ungenau, doch ich nehme an, da� der ganze Angriff im Grunde nur eine Finte war.�</p><p>�Wieso das?�</p><p>�Wie ich eben sagte � ich wei� es nicht. Immerhin hatten die beiden Eric dort, wo sie ihn haben wollten. Eigentlich h�tte der Angriff �berfl�ssig sein m�ssen.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Zu viele Dinge drangen zu schnell auf mich ein . . . Ein Gro�teil der Tatsachen h�rte sich glaubhaft an, auch wenn man die Einstellung des Erz�hlers ber�cksichtigte. Trotzdem . . .</p><p>�Ich wei� nicht . . .�, begann ich.</p><p>�Nat�rlich�, sagte er. �Aber wenn du mich fragst, sage ich�s dir.�</p><p>�Wer war das dritte Mitglied eurer Gruppe?�</p><p>�Nat�rlich dieselbe Person, die mir den Dolchsto� versetzt hat. M�chtest du raten?�</p><p>�Sag�s mir einfach.�</p><p>�Fiona. Die ganze Sache war ihre Idee.�</p><p>�Warum hast du mir das nicht gleich gesagt?�</p><p>�Weil du nicht lange genug stillgesessen h�ttest, um dir auch die anderen Dinge anzuh�ren, die ich sagen mu�te. Du w�rst losgeeilt, um sie einzusperren, du h�ttest festgestellt, da� sie fort ist, du h�ttest die anderen geweckt, eine Ermittlung in Gang gebracht und damit wertvolle Zeit verschwendet. Vielleicht tust du das alles auch jetzt noch, doch wenigstens konnte ich dich ausreichend fesseln, um dich zu �berzeugen, da� ich wei�, wovon ich rede. Wenn ich dir nun sage, da� die Zeit von gr��ter Bedeutung ist, da� du dir so schnell wie m�glich auch das �brige anh�ren mu�t, das ich zu sagen habe, wenn Amber �berhaupt noch eine Chance haben soll � dann h�rst du mir jetzt vielleicht zu, anstatt einer verr�ckten Frau nachzujagen.�</p><p>Ich hatte mich bereits halb aus meinem Stuhl erhoben.</p><p>�Ich soll sie nicht verfolgen?� fragte ich.</p><p>�Zur H�lle mit ihr � wenigstens f�r den Augenblick. Du hast schlimmere Probleme. Du solltest dich lieber wieder setzen.�</p><p>Und das tat ich.</p></section><section><title><p>10</p></title><p>Ein B�ndel Mondlicht . . . gespenstischer Fackelschein . . . Sterne . . . einige schwache Nebelstreifen . . .</p><p>Ich st�tzte mich auf das Gel�nder und blickte �ber die Welt . . . Von hier aus gesehen umfing absolute Stille die Nacht, die traumerf�llte Stadt, das ganze Universum. Ferne Dinge � das Meer. Amber, Arden, Garnath, der Leuchtturm von Cabra, das Einhornw�ldchen, mein Grabmal auf dem Kolvir . . . Stumm, tief unter mir, doch klar erkennbar . . . Das Panorama f�r einen Gott, w�rde ich sagen, oder f�r eine Seele, die sich losgel�st hat und in h�here Sph�ren entschwebt . . . Mitten in der Nacht . . .</p><p>Ich war an den Ort gekommen, da die Gespenster Gespenster spielen, da die Omen, Vorzeichen, Symbole und Form gewordenen Sehns�chte durch die n�chtlichen Stra�en und S�le des Amber-Palasts im Himmel Tir-na Nog�th wallen . . .</p><p>Ich wandte mich um, den R�cken zum Gel�nder, die �berreste der Tagwelt unter mir, und betrachtete die Stra�en und dunklen Terrassen, die H�user der hohen Herren, die Wohnungen der Niederen . . . Das Mondlicht ist stark in Tir-na Nog�th und legt sich silbrig auf das �u�ere aller eingebildeten Dinge . . . Mit dem Stock in der Hand trat ich vor, und die seltsamen Wesen bewegten sich ringsum, erschienen in Fenstern, auf Balkonen, an Str�nden, in Torb�gen . . . Ungesehen ging ich vorbei, denn, wahrlich, wie immer ihre Substanz aussehen mochte � an diesem Ort war <emphasis>ich</emphasis> f�r sie das Gespenst . . .</p><p>Stille und Silber . . . Nur das Tappen meines Stocks, und das zumeist ged�mpft . . . Weitere Nebelschwaden auf dem wallenden Wege zum Kern der Dinge . . . Der Palast ein wei�es Freudenfeuer des Nebels . . . Tau, wie Quecksilbertropfen auf den angerauhten Bl�tenbl�ttern und Stengeln in den G�rten zu beiden Seiten der Wege . . . Der vor�berziehende Mond so schmerzhaft f�r das Auge wie die Mittagssonne, die Sterne davon �berstrahlt, verdunkelt . . . Silber und Stille . . . Der Schein . . .</p><p>Ich hatte eigentlich nicht kommen wollen, denn die Omen � wenn sie das wahrhaft sind � stellen sich hier t�uschend dar, die �hnlichkeiten mit den Lebenden und den Szenerien unten ist be�ngstigend, ihr Anblick oft beunruhigend. Trotzdem war ich gekommen . . . Ein Aspekt meines Paktes mit der Zeit . . .</p><p>Als ich Brand verlassen hatte, damit er in der Obhut G�rards weiter gesunde, war mir klar geworden, da� ich selbst auch Ruhe brauchte. Dazu mu�te ich ein geeignetes Pl�tzchen finden, ohne meine Schw�che zu verraten. Fiona war tats�chlich geflohen, und weder sie noch Julian waren �ber die Tr�mpfe zu erreichen. H�tte ich Brands Geschichte an Benedict und G�rard weitererz�hlt, h�tten sie bestimmt darauf gedrungen, ihr nachzusp�ren, vielleicht sogar beiden. Ich war sicher, da� dieser Versuch vergeblich gewesen w�re.</p><p>Schlie�lich hatte ich Random und Ganelon holen lassen, mich in meine Gem�cher zur�ckgezogen und zugleich verbreiten lassen, ich gedenke den Tag allein zu verbringen, um mich auf eine Nacht in Tir-na Nog�th vorzubereiten � ein glaubhaftes Verhalten f�r einen Amberianer, der ein schwieriges Problem zu l�sen hat. Ich war nicht so recht �berzeugt von der Praxis � im Gegensatz zu den meisten anderen. Da es jedoch der ideale Augenblick war, einen solchen Schritt zu tun, konnte ich hiermit meinen Ruhetag glaubhaft begr�nden. Nat�rlich verpflichtete mich das dazu, am Abend tats�chlich loszuziehen. Aber auch das war gut � auf diese Weise gewann ich einen Tag, eine Nacht und einen Teil des folgenden Tages, um mich wieder einigerma�en zu erholen. Ich war der Ansicht, da� ich die Zeit gut n�tzte.</p><p>Doch man mu� sich jemandem anvertrauen. Ich schenkte Random und auch Ganelon reinen Wein ein. In meinem Bett sitzend, erz�hlte ich ihnen von den Pl�nen Brands, Fionas und Bleys� und von dem Eric-Julian-Caine-Trio. Ich berichtete, was Brand �ber meine R�ckehr und seine Gefangennahme durch die ehemaligen Mitverschw�rer gesagt hatte. Sie erkannten, warum die �berlebenden beider Parteien � Fiona und Julian � geflohen waren; zweifellos um ihre Streitkr�fte zu rufen, die sie m�glicherweise im Kampf gegeneinander aufreiben w�rden � was aber nur eine Hoffnung war; vermutlich w�rde es anders kommen. Aber das war kein unmittelbares Problem. Wahrscheinlich w�rde der eine oder der andere zun�chst den Versuch machen, Amber zu erobern.</p><p>�Sie werden eine Nummer ziehen und warten m�ssen, bis sie an der Reihe sind, wie wir anderen�, hatte Random daraufhin gesagt.</p><p>�Das stimmt nicht ganz�, erwiderte ich. �Fionas Verb�ndete und die Wesen, die �ber die schwarze Stra�e kommen, sind identisch.�</p><p>�Und der Kreis in Lorraine?� hatte sich Ganelon erkundigt.</p><p>�Ein und dasselbe. Auf diese Weise haben sich die Erscheinungen eben in jenem Schatten manifestiert. Sie haben einen weiten Weg hinter sich.�</p><p>�Allgegenw�rtige Teufel!� knurrte Random.</p><p>Ich hatte genickt und die Lage zu erkl�ren versucht.</p><p>. . . Und so kam ich nun nach Tir-na Nog�th. Als der Mond aufstieg und das Phantom Ambers schwach am Himmel erschien, durchstochen von Sternen, mit schwachen H�fen um die T�rme und winzigen Bewegungspunkten auf den Mauern, wartete ich, wartete mit Ganelon und Random, wartete auf der h�chsten Weide Kolvirs, an der Stelle, wo die drei Stufen ins Gestein gehauen sind . . .</p><p>Als das Mondlicht sie ber�hrte, begannen die Umrisse der gesamten Treppe zu erscheinen, einer Treppe, die den m�chtigen Abgrund bis zu der Stelle �ber dem Meer bew�ltigte, den die Visionsstadt einnahm. Als das Mondlicht darauf fiel, gewann die Treppe soviel Substanz, wie sie jemals besitzen w�rde, und ich stellte den Fu� auf den Stein . . . Random hatte einen vollen Satz Karten bei sich, und ich hatte meine Tr�mpfe in der Jacke. Grayswandir, hier an diesem Ort bei Mondlicht geschmiedet, besa� Macht in der Stadt des Himmels; deshalb nahm ich die Klinge mit. Ich hatte mich den ganzen Tag ausgeruht und hielt nun einen Stab in der Hand, um mich darauf zu st�tzen. Illusion der Ferne und der Zeit . . . Die Stufen durch den Corwin-ignorierenden Himmel nahmen irgendwie an Gr��e zu; sobald die Bewegung begonnen hat, gibt es auf dieser Treppe keine einfache arithmetische Progression. Ich war hier, ich war dort, ich hatte ein Viertel des Weges zur�ckgelegt, noch ehe meine Schulter den Griff von Ganelons Hand vergessen hatte . . . Wenn ich irgendeinen Teil der Treppe zu intensiv ansah, verlor er seine schimmernde Undurchsichtigkeit, und ich sah tief unter mir den Ozean wie durch eine milchige Linse . . . Obwohl es einem hinterher nicht lange vorkommt, verlor ich jedes Zeitgef�hl . . . Rechts von mir, in einer Tiefe unter den Wellen, die bald der H�he entsprechen w�rde, die ich �ber das Meer emporstieg, erschienen die Umrisse Rebmas funkelnd und sich windend unter dem Wasser. Ich dachte an Moire und fragte mich, wie es ihr ging. Was w�rde aus unserem unterseeischen Double werden, wenn Amber fiel? W�rde das Abbild unzerst�rt im Spiegel verharren, oder w�rden Geb�ude und Menschen gleicherma�en duchgesch�ttelt, wie W�rfel in den unterseeischen Kasinos�len, �ber die unsere Flotten dahinziehen? Keine Antwort in den menschenfordernden Corwin-verfluchenden Gew�ssern, wenn ich auch einen Stich in der Seite sp�rte.</p><p>Oben an der Treppe trat ich ein, betrat die Geisterstadt, �hnlich wie man Amber erreicht, nachdem man die gro�e Au�entreppe an Kolvirs seew�rtigem Hang erstiegen hat.</p><p>Ich st�tzte mich auf das Gel�nder, blickte auf die Welt hinaus.</p><p>Die schwarze Stra�e f�hrte nach S�den. Nachts konnte ich sie wegen der Dunkelheit nicht sehen, aber das machte nichts. Ich wu�te inzwischen, wohin sie f�hrte, beziehungsweise, wohin sie nach Brands Aussage f�hrte. Da er meinem Eindruck nach ein ganzes Menschenalter an Gr�nden zum L�gen aufgebraucht hatte, glaubte ich durchaus, da� er wu�te, wohin sie f�hrte.</p><p>Ganz hindurch.</p><p>Ausgehend von dem Glanz Ambers, von der Macht und der schimmernden Pracht der benachbarten Schatten durch die immer dunkler werdenden Scheiben von Abbildern, die in jede Richtung f�hren, immer weiter fort, durch verzerrte Landschaften, und immer weiter, hindurch durch Orte, die nur sichtbar werden, wenn man betrunken ist, im Delirium liegt oder tr�umt � aber dennoch weiter, hinaus �ber den Punkt, da ich Schlu� mache . . . Da <emphasis>ich</emphasis> Schlu� mache . . .</p><p>Wie soll man etwas einfach ausdr�cken, das im Grunde nicht einfach ist . . .? Solipsismus � das ist wohl der Begriff, mit dem wir beginnen m�ssen � die Vorstellung, da� nichts existiert au�er dem Ich oder da� wir zumindest nichts anderes als unsere eigene Existenz, unser eigenes Erleben wirklich wahrnehmen k�nnen. Irgendwo in den Schatten, an irgendeinem Ort, ist alles zu finden, was ich mir nur vorstellen kann. Dazu ist jeder von uns in der Lage. Dies, so sage ich in gutem Glauben, spielt sich innerhalb der Grenzen des Egos ab. Nun mag man behaupten, wie es von den meisten von uns getan wurde, da� wir die von uns besuchten Schatten aus dem Stoff unserer eigenen Psyche schaffen, da� nur wir wirklich existieren, da� die Schatten, die wir durchqueren, lediglich Projektionen unserer Sehns�chte sind . . . Welche Argumente sich auch f�r diesen Standpunkt vortragen lassen � und es gibt mehrere �, hier wird ein wesentlicher Aspekt der Einstellung unserer Familie gegen�ber Menschen, Orten und Dingen au�erhalb Ambers erkl�rt. Demnach sind wir n�mlich die Spielzeughersteller, und alles andere ist unser Spielzeug � gewi�, zuweilen gef�hrlich aktiviert, doch auch dies geh�rt zum Spiel. Der Veranlagung nach sind wir Impresarios und behandeln die anderen Familienangeh�rigen entsprechend. W�hrend der Solipsismus gewisse Reibungsfl�chen mit der Ursachenforschung hat, kann man diese Problematik leicht vermeiden, indem man Fragen �berhaupt nicht erst aufkommen l��t. Die meisten tun das, die meisten von uns handeln, wie ich schon oft festgestellt habe, in der Abwicklung ihrer Angelegenheiten fast v�llig pragmatisch. Fast . . .</p><p>Und doch � und doch enth�lt das Bild ein st�rendes Element. Es gibt einen Ort, da die Schatten verr�ckt spielen . . . Wenn man sich bewu�t durch eine Schattenschicht nach der anderen dr�ngt und dabei mit jedem Schritt � wiederum bewu�t � ein St�ck des eigenen Verstehens aufgibt, erreicht man schlie�lich einen verr�ckten Punkt, �ber den man nicht hinauskommt. Warum so etwas tun? Ich w�rde sagen, hier wirkt die Hoffnung auf eine neue Einsicht oder auf ein neues Spiel . . . Doch wenn man diesen Ort erreicht, wie wir es alle getan haben, wird einem klar, da� man die Grenzen der Schatten oder die eigenen Grenzen erreicht hat � gleichbedeutende Begriffe, so haben wir immer angenommen. Jetzt aber . . .</p><p>Jetzt aber wei� ich, da� das nicht so ist, ich wei� es, w�hrend ich hier vor dem Gericht des Chaos stehe und erz�hle, wie es war, jetzt wei� ich, da� das nicht so ist. Auch damals erkannte ich es schon, in jener Nacht in Tir-na Nog�th; ich hatte es sogar schon vorher gewu�t, als ich im Schwarzen Kreis von Lorraine gegen den Ziegenmenschen k�mpfte; ich hatte es im Leuchtturm von Cabra geahnt, nach meiner Flucht aus den Verliesen Ambers, als ich das zerst�rte Garnath-Tal betrachtete . . . Ich wu�te, da� dies nicht alles war. Ich wu�te es, weil ich erkannte, da� die Schwarze Stra�e �ber diesen Punkt hinausf�hrte. Sie f�hrte durch den Wahnsinn in das Chaos und war dann immer noch nicht zu Ende. Die Gesch�pfe, die die Stra�e benutzten, kamen von irgendwoher, doch es waren nicht meine Gesch�pfe. Ich hatte irgendwie dazu beigetragen, da� ihnen der Weg geebnet wurde, doch sie entsprangen nicht meiner Version der Wirklichkeit. Sie waren eigenst�ndig oder das Produkt eines anderen � eine Frage, die in diesem Augenblick von geringer Bedeutung war �, sie rissen L�cher in das kleine Netz der Metaphysis, das wir �ber die Jahre hin gekn�pft hatten. Sie waren in unser Reservat eingedrungen, dem sie nicht entstammten; sie bedrohten unser Refugium, sie bedrohten uns. Fiona und Brand hatten �ber alle Grenzen hinausgegriffen und etwas gefunden, an einem Ort, da es nach Auffassung der �brigen nichts mehr h�tte geben d�rfen. Die entfesselte Gefahr war in einer Weise fast den Beweis wert, den sie brachte: wir waren nicht allein, und ebensowenig waren die Schatten wirklich unsere Spielzeuge. Wie immer unsere Beziehung zu den Schatten aussehen mochte, ich konnte sie nie wieder im alten Licht sehen . . .</p><p>Und das alles, weil die Schwarze Stra�e nach S�den f�hrte und �ber mein Ende der Welt hinauslief.</p><p>Stille und Silber . . . Mich von dem Gel�nder entfernen, mich dabei auf den Stock st�tzen, durch den nebeldurchwirkten, dunstverflochtenen, mondlichtbestrichenen Stoff des Sehens innerhalb der beunruhigenden Stadt gehen . . . Gespenster . . . Schatten von Schatten . . . Abbilder der Wahrscheinlichkeit . . . Bilder des Vielleicht-Sp�ter und des H�tte-Sein-K�nnens . . . Bilder der versunkenen Wah rscheinlichkeit . . . der wieder aufflackernden Wahrscheinlichkeit . . .</p><p>Jetzt �ber die Promenade . . . Gestalten, Gesichter, viele vertraut . . . Was f�hren sie im Schilde? Schwer zu sagen . . . Einige Lippen bewegen sich, einige Gesichter sind in Bewegung. Hier gibt es f�r mich keine Worte. Unbemerkt gehe ich zwischen ihnen hindurch.</p><p>Dort . . . Eine Gestalt . . . Allein, doch wartend . . . Finger, die Minuten umklammernd und wegwerfend . . . Das Gesicht abgewandt, das ich sehen m�chte . . . Ein Zeichen, da� ich es sehen werde oder sehen sollte . . . Sie sitzt auf einer Steinbank unter einem verkr�ppelten Baum . . . Sie blickt zum Palast hin�ber . . . Ihre Umrisse sind mir bekannt . . . Im N�herkommen sehe ich, da� es sich um Lorraine handelt . . .Sie starrt auf einen Punkt weit hinter mir, h�rt mich nicht sagen, da� ich ihren Tod ger�cht habe.</p><p>Doch ich habe die Macht, mir hier Geh�r zu verschaffen . . . sie ruht in der Scheide an meiner Seite.</p><p>Ich ziehe Grayswandir, hebe die Klinge �ber den Kopf, wo das Mondlicht sein Muster in Bewegung versetzt. Ich lege es auf den Boden zwischen uns.</p><p>�Corwin!�</p><p>Ihr Kopf ruckt zur�ck, ihr Haar rostet im Mondlicht, ihre Augen stellen sich auf mich ein.</p><p>�Woher kommst du? Du bist fr�h dran.�</p><p>�Du wartest auf mich?�</p><p>�Nat�rlich. Du hast mich doch darum gebeten . . .�</p><p>�Wie kommst du an diesen Ort?�</p><p>�Diese Bank . . .?�</p><p>�Nein. Diese Stadt.�</p><p>�Amber? Ich verstehe nicht, was du meinst. Du hast mich doch selbst hierhergebracht. Ich . . .�</p><p>�Bist du gl�cklich hier?�</p><p>�Das wei�t du doch � solange ich nur bei dir bin!�</p><p>Ich hatte das Gleichma� ihrer Z�hne, die Andeutung von Sommersprossen unter dem Schleier des weichen Lichts nicht vergessen . . .</p><p>�Was ist passiert? Die Antwort ist f�r mich sehr wichtig. Tu mal einen Augenblick lang so, als ob ich es nicht w��te, sag mir alles, was nach der Schlacht des Schwarzen Kreises in Lorraine mit uns geschehen ist.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. Sie stand auf, wandte sich ab.</p><p>�Wir hatten Streit�, sagte sie. �Du bist mir gefolgt und hast Melkin vertrieben. Dann unterhielten wir uns. Ich sah ein, da� ich im Unrecht war, und begleitete dich nach Avalon. Dort �berredete dich dein Bruder Benedict, mit Eric zu sprechen. Du wurdest zwar nicht in deinen alten Stand eingesetzt, doch wegen etwas, das er dir sagte, erk�rtest du dich mit einem Waffenstillstand einverstanden. Er schwor, dir kein Leid anzutun, und du schworst, Amber zu verteidigen, wobei Benedict als Zeuge fungierte. Wir blieben in Avalon, w�hrend du gewisse Chemikalien besorgtest, und suchten sp�ter einen anderen Ort auf, wo du seltsame Waffen kauftest. Wir gewannen die Schlacht, doch Eric ist schwer verwundet.� Sie drehte sich um. �Gedenkst du den Waffenstillstand zu beenden? Geht es darum, Corwin?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf, und obwohl ich es besser h�tte wissen m�ssen, streckte ich die H�nde aus, um sie zu umarmen. Ich wollte sie an mich dr�cken, trotz der Tatsache, da� einer von uns nicht existierte, nicht existieren konnte, sobald die winzige Entfernung zwischen uns �berbr�ckt war. Doch ich wollte ihr sagen, was geschehen war oder geschehen w�rde . . .</p><p>Der Schock war nicht schlimm, doch er lie� mich stolpern. Ich lag �ber Grayswandir . . . Mein Stab war mehrere Schritte entfernt ins Gras gefallen. Ich stemmte mich auf die Knie empor und sah, da� ihr Gesicht, ihre Augen, ihr Haar jede Farbe verloren hatten. Ihr Mund formte gespenstische Worte, w�hrend sich ihr Kopf suchend hin und her wandte. Ich steckte Grayswandir in die Scheide, brachte meinen Stab wieder an mich und stand auf. Ihr Blick stie� durch mich hindurch und fand ein Ziel. Ihr Gesicht wurde glatt, sie l�chelte, setzte sich in Bewegung. Ich trat zur Seite und wandte mich um, sah sie auf den n�herkommenden Mann zulaufen, sah sie in seiner Umarmung, erhaschte einen Blick auf sein Gesicht, als er es dem ihren zuneigte, gl�ckliches Gespenst; Silber stieg am Kragen seiner Kleidung empor, er k��te sie, dieser Mann, den ich niemals kennen w�rde, Silber auf Stille, und wiederum Silber . . .</p><p>Weggehen . . . Nicht zur�ckschauen . . . Die Promenade �berqueren . . .</p><p>Randoms Stimme: �Corwin, ist alles in Ordnung?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ist etwas Interessantes passiert?�</p><p>�Sp�ter, Random.�</p><p>�Entschuldige.�</p><p>Und pl�tzlich die schimmernde Treppe vor dem Palast . . . Hinauf, dann nach rechts . . . Jetzt langsam und geruhsam, in den Garten . . . Geisterblumen gedeihen ringsum auf ihren Stengeln, Geisterb�sche schleudern ihre Bl�ten empor wie erstarrte Feuerwerksraketen. Alles ohne Farbe . . . Nur die wichtigen Dinge skizziert, das Ausma� der Silbrigkeit der einzige Anspruch ans Auge. Nur das Wichtige ist vorhanden. Ist Tir-na Nogh�th eine spezielle Schattensph�re in der realen Welt, beeinflu�t von den Anst��en des Id � ein Projektionstest in voller Gr��e am Himmel, vielleicht sogar ein therapeutisches Mittel? Wenn dies ein St�ck der Seele ist, w�rde ich sagen, dann ist die Nacht sehr d�ster � trotz des Silbers. Und sehr still . . .</p><p>Weitergehen . . . Vorbei an Brunnen, B�nken, Hainen, raffiniert gestalteten Nischen in Heckenlabyrinthen . . . Die Wege entlang, erst da, dann dort eine Treppe hinauf, �ber eine kleine Br�cke . . . Vorbei an Teichen, zwischen B�umen hindurch, ab und zu an einer Statue vorbei, einem Felsbrocken oder einer Sonnenuhr (hier vielleicht Monduhr?), mich nach rechts wenden, immer nur weiter gehen, nach einiger Zeit um die Nordecke des Palasts, dann nach links, vorbei an einem Hof voller Balkone, auf denen vereinzelt weitere Gespenster stehen . . .</p><p>Nach hinten herum, um auch den r�ckw�rtigen Garten in dieser Form zu sehen; im echten Amber, im normalen Mondlicht, bietet er einen herrlichen Anblick.</p><p>Ein paar weitere Gestalten, die herumstehen, sich unterhalten . . . Au�er meiner Eigenbewegung scheint sich nichts zu r�hren.</p><p>. . . Und ich f�hle mich nach rechts gezogen. Da man niemals ein kostenloses Orakel ablehnen sollte, gebe ich dem Drang nach.</p><p> . . . N�here mich einer gewaltigen Hecke, darin eine kleine offene Fl�che, wenn sie nicht �berwachsen ist . . . Vor langer Zeit . . .</p><p>Darin zwei Gestalten, die sich umarmen. Sie weichen auseinander, als ich mich abzuwenden beginne. Geht mich nichts an, aber . . . Deirdre . . . Eine der beiden ist Deirdre. Noch ehe er sich umwendet, wei� ich, wer der Mann sein mu�. Welche Macht auch immer hier im Silber und in der Stille herrscht, sie spielt mir einen grausamen Streich . . . Zur�ck, zur�ck, fort von der Hecke. Umdrehen, fallen, wieder aufstehen, laufen, fort, fort, schnell . . .</p><p>Randoms Stimme: �Corwin? Alles in Ordnung?�</p><p>�Sp�ter, verdammt! Sp�ter!�</p><p>�Wir haben nicht mehr lange bis Sonnenaufgang, Corwin. Ich hielt es f�r besser, dich zu erinnern . . .�</p><p>�Und jetzt hast du mich erinnert!�</p><p>Fort jetzt, schnell . . . Auch die Zeit ist in Tir-na Nog�th nur ein Traum. Ein geringer Trost � aber besser als keiner. Schnell jetzt, fort, gehen, fort . . .</p><p>. . . Auf den Palast zu, schimmernde Architektur des Geistes oder der Seele, deutlicher vor mir, als es der wirkliche Palast jemals gewesen ist. Vollkommenheit zu bescheinigen, ist ein wertloses Urteil, doch ich mu� sehen, was sich darin befindet . . . Bald mu� das Ende kommen, denn ich werde vorangetrieben. Diesmal habe ich mir nicht die Zeit genommen, meinen Stab aus dem funkelnden Gras aufzuheben.</p><p>Ich wei�, wohin ich gehen mu�, was ich tun mu�. V�llig klar ist mir das, obwohl die Logik, die mich nun erf�llt, nicht die eines wachen Geistes ist.</p><p>Eilig hinauf zum r�ckw�rtigen Portal . . . Das Stechen in der Seite nistet sich wieder ein. Steigen, �ber die Schwelle, hinein . . .</p><p>In Dunkelheit, weder Sternenschein noch Mondlicht. Die Beleuchtung ist ohne Richtung, scheint ziellos dahinzutreiben und sich beliebig zu sammeln. Wo sie kein Ziel findet, sind die Schatten absolut und lassen gro�e Teile des Raums, des Saals und der Treppe unheimlich erscheinen.</p><p>Dazwischen hindurch, nun fast laufend. Schwarzwei�bild meines Zuhauses . . . Angst �berf�llt mich . . . Die schwarzen Flecke wirken nun wie L�cher in diesem St�ck Realit�t . . . Ich f�rchte, ihnen zu nahe zu kommen. Hineinzufallen und verloren zu sein . . .</p><p>Umdrehen . . . �berqueren . . . Schlie�lich . . . Eintreten . . . Der Thronsaal. B�ndel von Schw�rze aufgestapelt, wo meine Augen gern Linien abtasten m�chten, um zum eigentlichen Thron zu gelangen . . .</p><p>Dort allerdings gibt es eine Bewegung.</p><p>Eine Verschiebung zu meiner Rechten, w�hrend ich voranschreite, ein Verschieben und Anheben.</p><p>Stiefel kommen in Sicht, als ich mich vorw�rtsdr�ngend der Basis des Gebildes n�here.</p><p>Grayswandir gleitet mir in die Hand, findet seinen Weg an eine erleuchtete Stelle, wiederholt sein augent�uschendes, formver�nderndes Strecken, gewinnt einen eigenst�ndigen Schimmer . . .</p><p>Ich stelle den linken Fu� auf die Stufe, st�tze die linke Hand aufs Knie. St�rend, doch ertr�glich: das Pulsieren meiner heilenden Wunde. Ich warte auf die Schw�rze, ich warte, da� er zur Seite gezogen wird, der passende Vorhang f�r die Theaterrolle, die ich heute abend habe �bernehmen m�ssen.</p><p>Und er gleitet zur Seite, enth�llt eine Hand, einen Arm, eine Schulter, der Arm ein funkelnd-metallisches Ding, die Oberfl�chen wie die Facetten eines Juwels, Handgelenk und Ellbogen herrliche Gebilde aus Silberdr�hten, zusammengeschwei�t mit Feuerpunkten, die Hand, stilisiert, skelettartig, ein Spielzeug von schweizerischer Pr�zision, ein mechanisches Insekt, funktionell, t�dlich, auf seine Weise sch�n zu nennen . . .</p><p>Und gleitet zur Seite, gibt den Blick frei auf den Rest des Mannes . . .</p><p>Benedict steht l�ssig neben dem Thron, seine linke und menschliche Hand leicht darauf gest�tzt. Er beugte sich zum Thron. Seine Lippen bewegten sich.</p><p>Und der Vorhang gleitet weiter, enth�llt die Person auf dem Thron.</p><p>�Dara!�</p><p>Nach rechts gewendet, l�chelt sie, nickt Benedict zu; ihre Lippen bewegen sich. Ich trete vor und strecke Grayswandir aus, bis seine Spitze in der H�hlung unter ihren Br�sten ruht . . .</p><p>Langsam, ganz langsam, wendet sie den Kopf und begegnet meinem Blick. Sie gewinnt Farbe und Leben. Ihre Lippen bewegen sich wieder, und diesmal erreichen ihre Worte meine Ohren.</p><p>�Was seid Ihr?�</p><p>�Nein, das ist meine Frage! Ihr m��t sie beantworten. Auf der Stelle!�</p><p>�Ich bin Dara. Dara von Amber. K�nigin Dara. Mein Anspruch auf diesen Thron begr�ndet sich auf Blutsbande und Eroberung. Wer seid Ihr?�</p><p>�Corwin. Ebenfalls ein Abk�mmling Ambers. Bewegt Euch nicht! Ich habe nicht gefragt, <emphasis>wer</emphasis> Ihr seid . . .�</p><p>�Corwin ist schon viele Jahrhunderte tot. Ich habe sein Grab gesehen.�</p><p>�Leer.�</p><p>�O nein. Sein Leichnam liegt darin.�</p><p>�Nennt mir Eure Abkunft!�</p><p>Ihre Augen bewegen sich nach rechts, wo noch immer der Schatten Benedicts verharrt. Eine Klinge ist in seiner neuen Hand erschienen, eine Klinge, die fast wie eine Verl�ngerung des Armes aussieht, doch er h�lt sie entspannt, gelassen. Seine linke Hand liegt nun auf Daras Arm. Seine Augen suchen mich hinter Grayswandirs Griff. Als sie nichts finden, richten sie sich von neuem auf das, was sichtbar ist � Grayswandir � und erkennen das Muster.</p><p>�Ich bin die Urenkelin Benedicts und der H�llenmaid Lintra, die er liebte und sp�ter t�tete.� Benedict zuckt bei diesen Worten zusammen, doch sie f�hrt fort: �Ich habe sie nicht kennengelernt. Meine Mutter und Gro�mutter wurden an einem Ort geboren, da die Zeit nicht so vergeht wie in Amber. Ich bin der erste Abk�mmling der Familie meiner Mutter, der �u�erlich voll dem Menschen �hnelt. Und Ihr, Lord Corwin, seid nur ein Gespenst aus einer l�ngst beendeten Vergangenheit, allerdings ein gef�hrlicher Schatten. Wie Ihr hierherkommt, wei� ich nicht. Aber es war jedenfalls ein Fehler, zu kommen. Kehrt in Euer Grab zur�ck. St�rt die Lebenden nicht.�</p><p>Meine Hand zittert. Grayswandir weicht einen halben Zoll vom Ziel ab. Doch das gen�gt.</p><p>Benedicts Stich liegt unter meiner Wahrnehmungsschwelle. Sein neuer Arm treibt die neue Hand, die die Klinge h�lt, die Grayswandir trifft, w�hrend sein alter Arm zugleich seine alte Hand zieht, die Dara ergriffen hat und �ber die Seitenlehne des Throns zerrt . . .</p><p>Dieser unterschwellige Eindruck erreicht mich Sekundenbruchteile sp�ter, woraufhin ich zur�ckweiche, durch die Luft haue, mich erhole und in die <emphasis>en</emphasis> garde-Position gehe . . . Es ist l�cherlich, da� sich zwei Gespenster bek�mpfen. Dennoch ist der Kampf hier ungleich. Er kann mich nicht einmal erreichen, wohingegen Grayswandir . . .</p><p>Aber nein! Seine Klinge wechselt die H�nde, als er Dara losl��t und sich umdreht und beide zusammenbringt, die alte und die neue Hand. Sein linkes Handgelenk dreht sich, w�hrend er es vorw�rts und hinabzieht, und sich in eine Stellung begibt, die <emphasis>corps � corps</emphasis> gewesen w�re, h�tten wir uns in unseren sterblichen H�llen gegen�bergestanden. Einen Augenblick lang stehen wir verschr�nkt da. Dieser Augenblick gen�gt . . .</p><p>Die schimmernde mechanische Hand st��t vor, ein Ding aus Mondlicht und Feuer, Schw�rze und Gl�tte, ganz Schneide, keine Kurven, die Finger leicht gekr�mmt, die Handfl�che silbrig bekritzelt mit einem halb-vertrauten Muster � diese Hand st��t vor, st��t vor und umfa�t meinen Hals . . .</p><p>Das Ziel verfehlend, packen die Finger meine Schulter, und der Daumen geht auf die Suche � ob nach der Halsschlagader oder dem Zungenbein, wei� ich nicht. Ich probiere einen Hieb mit der Linken in Richtung G�rtellinie, doch dort ist nichts.</p><p>Randoms Stimme: �Corwin! Gleich geht die Sonne auf. Du mu�t jetzt herabkommen!�</p><p>Ich kann nicht einmal antworten. Eine Sekunde oder zwei � und die Hand rei�t fort, was immer sie umklammert h�lt. Diese Hand . . . Grayswandir und diese Hand, die dem Schwert seltsam �hnelt, sind die einzigen Dinge, die in meiner Welt und in der Stadt der Gespenster auf einer gemeinsamen Ebene zu existieren scheinen . . .</p><p>�Ich sehe die Sonne, Corwin! L�se dich und versuch mich zu erreichen! Der Trumpf . . .�</p><p>Ich ziehe Grayswandir aus der Umklammerung, wirble es in einem weitausholendem Hieb herum und herab . . .</p><p>Nur ein Gespenst h�tte Benedict oder Benedicts Gespenst mit diesem Man�ver �berraschen k�nnen. Wir stehen uns zu nahe, als da� er meine Klinge abblocken kann, doch sein Gegenhieb, perfekt angesetzt, h�tte mir den Arm abgeschlagen, w�re da �berhaupt ein Arm gewesen.</p><p>Da es diesen Arm nicht gibt, vollende ich den Schlag, bringe die Klinge mit der vollen Kraft des rechten Arms ins Ziel, ziemlich weit oben auf dem t�dlichen Gebilde aus Mondlicht und Feuer, Schw�rze und Gl�tte, nahe der Stelle, da es mit ihm verbunden ist.</p><p>Mit einem unangenehmen Zupfen an meiner Schulter l�st sich der Arm von Benedict und erstarrt . . . Wir st�rzen beide.</p><p>�Steh auf! Beim Einhorn, Corwin, steh auf! Die Sonne ist da! Die Stadt wird rings um dich in St�cke gehen!�</p><p>Der Boden unter mir gewinnt eine vage Durchsichtigkeit, pulsiert zur�ck in den alten Zustand. Ich mache eine lichtbeschuppte Wasserfl�che aus. Ich lasse mich auf die F��e rollen, weiche nur knapp dem Ansturm des Gespenstes aus, das den verlorenen Arm zur�ckerobern will. Das Gebilde h�ngt wie ein toter Parasit an mir, und meine Wunde tut wieder weh . . .</p><p>Pl�tzlich bin ich schwer, und die Vision des Ozeans verbla�t nicht mehr. Ich beginne durch den Boden zu sinken. Farbe kehrt in die Welt zur�ck, schwankende rosarote Streifen. Der Corwin-verachtende Boden teilt sich, und der Corwin-t�tende Abgrund tut sich auf . . .</p><p>Ich falle . . .</p><p>�Hier entlang, Corwin! Jetzt!�</p><p>Random steht auf einer Bergspitze und �ffnet sich mir. Ich strecke die Hand aus . . .</p></section><section><title><p>11</p></title><p>. . . Und zwischen Regen und Traufe gibt es nur selten ein trockenes Pl�tzchen . . .</p><p>Wir l�sten uns voneinander und standen auf. Gleich darauf setzte ich mich wieder � auf die unterste Stufe. Ich l�ste die Metallhand von meiner Schulter � kein Blut zu sehen, doch eine Vorahnung blauer Flecken � und warf sie zu Boden. Das Licht des fr�hen Morgens vermochte nicht von dem eleganten und drohenden Aussehen des Arms abzulenken.</p><p>Ganelon und Random standen neben mir.</p><p>�Alles in Ordnung, Corwin?�</p><p>�Ja. La�t mich nur wieder zu Atem kommen.�</p><p>�Ich habe etwas zu essen mitgebracht�, sagte Random. �Wir k�nnen gleich hier fr�hst�cken.�</p><p>�Guter Gedanke.�</p><p>Als Random die Vorr�te auszupacken begann, ber�hrte Ganelon meinen Arm mit der Stiefelspitze.</p><p>�Was, zum Teufel, ist das?� fragte er.</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das Ding habe ich Benedicts Geist abgeschlagen�, sagte ich. �Aus Gr�nden, die ich nicht verstehe, vermochte er mich zu ber�hren.�</p><p>Er b�ckte sich, nahm das Gebilde zur Hand und betrachtete es.</p><p>�Erheblich leichter, als ich gedacht hatte�, bemerkte er und fuhr damit durch die Luft. �Mit einer solchen Hand kann man ganz sch�n zulangen.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>Er bewegte die Finger.</p><p>�Vielleicht kann der echte Benedict etwas damit anfangen.�</p><p>�Vielleicht�, sagte ich. �Allerdings habe ich gemischte Gef�hle bei dem Gedanken, ihm das Ding anzubieten � aber vielleicht hast du recht . . .�</p><p>�Wie geht es der Wunde?�</p><p>Ich dr�ckte vorsichtig darauf.</p><p>�Nicht gerade schlecht, wenn man die Umst�nde bedenkt. Ich werde nach dem Fr�hst�ck reiten k�nnen, allerdings nur langsam.�</p><p>�Gut. Sag mal, Corwin, da Random gerade besch�ftigt ist, h�tte ich eine Frage, die vielleicht nicht angebracht ist � aber sie hat mir die ganze Zeit zu schaffen gemacht.�</p><p>�Na, schie� los.�</p><p>�Nun, ich will es mal so ausdr�cken: ich stehe nat�rlich ganz auf deiner Seite, sonst w�re ich jetzt nicht hier. Ich werde f�r dich k�mpfen, damit du den Thron erringst, was auch kommen mag. Doch jedesmal, wenn �ber die Nachfolge geredet wird, regt sich jemand auf und bricht die Diskussion ab oder wechselt das Thema. Zum Beispiel Random, w�hrend du da oben warst. Vermutlich ist es nicht absolut erforderlich, da� ich die rechtliche Grundlage deines Thronanspruchs oder der Anspr�che der anderen kenne, doch ich w�rde zu gern wissen, woher all der Unfriede kommt.�</p><p>Ich seufzte und sa� einen Augenblick lang nur da.</p><p>�Na sch�n�, sagte ich nach einiger Zeit und begann zu lachen. �Na sch�n. Wenn wir uns schon in der Familie nicht �ber diese Dinge einigen k�nnen, wieviel verwirrender mu� das f�r einen Au�enstehenden sein; das sehe ich ein. Benedict ist der �lteste. Seine Mutter war Cymnea. Sie gebar Vater zwei weitere S�hne � Osric und Finndo. Dann � wie dr�ckt man so etwas aus? �brachte Faiella Eric zur Welt. Bald darauf sah Vater einen Mangel in seiner Ehe mit Cymnea und lie� sie aufl�sen � <emphasis>ab initio</emphasis>, wie das in meinem alten Schatten hei�en w�rde: von Anfang an. Ein h�bscher Trick. Aber schlie�lich war er der K�nig.�</p><p>�Hat das die Br�der nicht alle zu unehelichen S�hnen gemacht?�</p><p>�Nun, ihr Status war jedenfalls pl�tzlich nicht mehr so klar. Wie man mir erz�hlt hat, waren Osric und Finndo mehr als ein bi�chen ver�rgert, doch sie starben kurze Zeit danach. Benedict war entweder weniger ver�rgert oder in der ganzen Sache entgegenkommender. Er hat keinen Aufstand gemacht. Und dann heiratete Vater Faiella.�</p><p>�Und machte Eric damit zum ehelichen Kind.�</p><p>�Das w�re wohl richtig, wenn er Eric als seinen Sohn anerkannt h�tte. Er behandelte ihn zwar so, doch hat er in dieser Beziehung niemals formelle Schritte unternommen. Das hing irgendwie mit der Bereinigung der Angelegenheit mit Cymneas Familie zusammen, die damals ziemlich viel Einflu� hatte.�</p><p>�Wenn er ihn aber wie den eigenen Sohn behandelt hat . . .�</p><p>�Ah! Aber Llewella hat er sp�ter formell anerkannt! Sie wurde ebenfalls unehelich geboren, doch er beschlo�, sie anzuerkennen, das arme M�dchen. S�mtliche Anh�nger Erics ha�ten sie wegen der Auswirkungen dieses Schrittes auf seinen Status. Jedenfalls wurde Faiella sp�ter meine Mutter. Ich kam als Kind verheirateter Eltern zur Welt, womit ich der erste war, der einen klaren Anspruch auf den Thron hatte. Wenn du dieses Thema bei einem meiner Geschwister anschneidest, bekommst du wahrscheinlich ganz andere Auslegungen zu h�ren, doch das sind die Tatsachen, auf die sich alles andere gr�ndet. Allerdings kommt mir die Sache nicht mehr so wichtig vor wie fr�her, nachdem Eric nun tot ist und Benedict kein Interesse zeigt. Jedenfalls ist das meine Position . . .�</p><p>�Ich verstehe � ich glaube jedenfalls zu verstehen�, sagte er. �Aber noch etwas . . .�</p><p>�Ja?�</p><p>�Wer ist der n�chste? Ich meine, falls dir etwas zusto�en sollte . . .?�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Dann wird es noch komplizierter. Caine w�re der n�chste gewesen. Aber da er tot ist, geht die Thronfolge auf Clarissas Abk�mmlinge �ber, die Rotsch�pfe. Danach w�re Bleys an die Reihe gekommen, gefolgt von Brand.�</p><p>�Clarissa? Was ist denn aus deiner Mutter geworden?�</p><p>�Sie starb im Wochenbett. Deirdre war das Kind. Vater hat erst viele Jahre nach Mutters Tod wieder geheiratet. Dazu w�hlte er ein rothaariges M�dchen aus einem weit im S�den liegenden Schatten. Ich habe sie nie gemocht. Nach einer gewissen Zeit kam er zu demselben Schlu� und begann wieder Unsinn zu machen. Nach Llewellas Geburt in Rebma s�hnten sie sich aus, und Brand war das Ergebnis. Als sie endlich geschieden wurden, erkannte er Llewella an, um Clarissa zu �rgern. Wenigstens glaube ich, da� <emphasis>es</emphasis> so war.�</p><p>�Bei der Thronanwartschaft rechnest du die M�dchen also nicht mit?�</p><p>�Nein � sie sind entweder nicht interessiert oder nicht geeignet. K�men sie in Frage, w�rde Fiona vor Bleys kommen und Llewella ihm folgen. Nach Clarissas Gruppe ginge die Thronfolge auf Julian, G�rard und Random �ber, in dieser Reihenfolge. Entschuldige � du mu�t Flora vor Julian stellen. Doch lassen wir es damit gut sein.�</p><p>�Gern�, sagte er. �Wenn du stirbst, ist also Brand an der Reihe, richtig?�</p><p>�Na ja . . . er ist allerdings ein gest�ndiger Verr�ter und geht praktisch jedermann gegen den Strich. Ich glaube nicht, da� die anderen ihn so, wie er ist, auf den Thron lassen w�rden. Andererseits nehme ich nicht an, da� er den Kampf schon aufgegeben hat.�</p><p>�Aber die Alternative ist Julian.�</p><p>Ich zuckte die Achseln.</p><p>�Die Tatsache, da� ich Julian nicht mag, macht ihn nicht automatisch ungeeignet f�r den Thron. Vielleicht w�re er sogar ein t�chtiger Monarch.�</p><p>�Und er hat dich in deinem Zimmer �berfallen, um die Chance zu erhalten, dies zu beweisen�, rief Random. �Kommt und e�t.�</p><p>�Ich glaube es noch immer nicht�, sagte ich, stand auf und ging zu Random. �Erstens w��te ich nicht, wie er an mich herangekommen sein sollte. Zweitens w�re es verdammt viel zu offenkundig. Drittens, wenn ich in naher Zukunft sterbe, wird Benedict bei der Nachfolge ein wichtiges W�rtchen mitzureden haben. Das ist allen bekannt. Er hat dazu das Alter, er hat auch das K�pfchen und die Macht. Er k�nnte beispielsweise einfach sagen: �Zum Teufel mit der Streiterei, ich unterst�tze G�rard�, und das war�s dann.�</p><p>�Wenn er sich nun entschl�sse, seinen eigenen Status zu �berdenken und selbst auf den Thron zu steigen?� wollte Ganelon wissen.</p><p>Wir setzten uns auf den Boden und nahmen das Blechgeschirr zur Hand, das Random gef�llt hatte.</p><p>�W�re es ihm darauf angekommen, h�tte er schon l�ngst am Ziel sein k�nnen�, sagte ich. �Es gibt mehrere M�glichkeiten, die Nachkommen einer f�r null und nichtig erkl�rten Ehe einzustufen � die g�nstigste w�re in seinem Fall zugleich die wahrscheinlichste. Osric und Finndo sahen das Problem aus negativster Sicht und kamen zu voreiligen Schl�ssen. Benedict wu�te es besser. Er hat einfach gewartet. Und so . . . M�glich ist es. Meiner Meinung nach aber unwahrscheinlich.�</p><p>�Sollte dir etwas zusto�en, w�re die ganze Sache also noch ziemlich offen.�</p><p>�Sehr sogar.�</p><p>�Aber warum wurde Caine umgebracht?� wollte Random wissen. Kauend beantwortete er gleich darauf die Frage selbst. �Damit die Nachfolge, nachdem man dich ausgeschaltet hatte, sofort auf Clarissas Kinder �berginge. Ich habe mir �berlegt, da� Bleys vermutlich noch am Leben ist � und er ist der n�chste Anw�rter. Seine Leiche wurde nie gefunden. Ich vermute folgendes: w�hrend eures Angriffs hat er sich durch den Trumpf zu Fiona abgesetzt, ist in die Schatten zur�ckgekehrt, um seine Streitkr�fte zu sammeln, und hat dich deinem Schicksal �berlassen, das, wie er hoffte, auf den Tod durch Erics Hand hinauslaufen w�rde. Nun ist er allm�hlich wieder zum Zuschlagen bereit. Die beiden brachten also Caine um und versuchten einen Anschlag auf dich. Wenn sie sich wirklich mit der Horde von der Schwarzen Stra�e verb�ndet haben, ist jetzt vielleicht schon f�r einen weiteren Angriff aus dieser Richtung gesorgt. Dann kann er dasselbe tun wie du � in der letzten Minute eintreffen, die Invasoren zur�ckschlagen und sich hier einnisten. Und da w�re er dann � als n�chster Thronanw�rter mit der gr��ten Macht hinter sich. Simpel. Au�er da� du den Anschlag nun doch �berlebt hast und Brand zur�ckgeholt wurde. Wenn wir Brands Anschuldigung gegen Fiona glauben wollen � und ich w��te keinen Grund, warum wir das nicht tun sollten �, ergibt sich dies aus dem urspr�nglichen Plan.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�M�glich�, sagte ich. �Ich habe Brand diese Fragen auch schon gestellt. Er gibt zu, da� es m�glich ist, doch er behauptet, nicht zu wissen, ob Bleys noch lebt. Pers�nlich bin ich der Auffassung, da� er gelogen hat.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Es ist denkbar, da� er die Rache f�r seine Gefangenschaft und den Anschlag auf sein Leben mit der Beseitigung des nach mir einzigen Hindernisses zwischen sich und dem Thron verbinden will. Er scheint f�r mich eine gef�hrliche Rolle vorgesehen zu haben in einem Plan, den er zur Zeit schmiedet und der der Beseitigung der Schwarzen Stra�e dienen soll. Das Umsto�en seiner eigenen fr�heren Pl�ne und das Vernichten der Stra�e k�nnten ihn in ziemlich gutem Licht dastehen lassen, besonders nach all dem Leid, das er hat durchmachen m�ssen. Dann, vielleicht dann, h�tte er eine Chance � oder bildet sich jedenfalls ein, eine zu haben.�</p><p>�Du nimmst also an, da� Bleys auch noch lebt?�</p><p>�Ja � aber es ist nur so ein Gef�hl.�</p><p>�Wie stark ist die Gegenseite eigentlich?�</p><p>�Hier haben wir es mit einer Folge h�herer Bildung zu tun�, sagte ich. �Fiona und Brand haben seinerzeit auf Dworkin geh�rt, w�hrend wir �brigen in den Schatten unseren Freuden nachgingen. Folglich scheinen sie die grundlegenden Prinzipien besser begriffen zu haben als wir. Sie wissen mehr �ber die Schatten und die Dinge dahinter, mehr �ber das Muster, mehr �ber die Tr�mpfe. Deshalb vermochte Brand dir seine Nachricht zu schicken.�</p><p>�Ein interessanter Gedanke . . .�, sagte Random langsam. �Glaubst du, sie haben Dworkin beseitigt, nachdem sie der Meinung waren, genug von ihm gelernt zu haben? Das k�nnte auf jeden Fall dazu beitragen, die Kenntnisse im kleinen Kreis zu erhalten, sollte Vater etwas zusto�en.�</p><p>�Auf diesen Gedanken bin ich noch gar nicht gekommen�, gestand ich.</p><p>Und ich �berlegte, ob sie wom�glich etwas getan hatten, das sich auf Dworkins Geist ausgewirkt hatte. Etwas, das ihn zu dem Mann gemacht hatte, den ich bei unserem letzten Zusammentreffen erlebt hatte. Wenn das stimmte, wu�ten sie, da� er wom�glich noch irgendwo lebte? Oder glaubten sie ihn v�llig vernichtet zu haben?</p><p>�Ja, ein interessanter Gedanke�, sagte ich. �Durchaus vorstellbar.�</p><p>Die Sonne stieg langsam am Himmel empor, und das Fr�hst�ck kr�ftigte mich. Im Licht des Morgens blieb keine Spur von Tir-na Nog�th am Himmel zur�ck. Meine Erinnerungen daran �hnelten bereits den Bildern in verstaubten Spiegeln. Ganelon holte das einzige andere �berbleibsel meines Ausflugs, den Arm, und Random verstaute ihn beim Geschirr. Am Tage sahen die ersten drei Stufen nicht wie eine Treppe aus, sondern eher wie unebenes Gestein.</p><p>Random machte eine Kopfbewegung.</p><p>�Reiten wir auf dem gleichen Weg zur�ck?� fragte er.</p><p>�Ja�, entgegnete ich, und wir stiegen auf.</p><p>Wir waren auf einem Wege hergekommen, der sich s�dlich um den Kolvir herum wand. Dieser Pfad war l�nger, aber weniger anstrengend als die Route �ber den Gipfel. Ich wollte mich weitgehend schonen, solange mir meine Wunde Schwierigkeiten machte.</p><p>So ritten wir dann nach rechts � Random voran, ich in der Mitte, Ganelon hinten. Der Weg f�hrte ein St�ck bergauf, dann wieder hinab. Die Luft war k�hl und wehte einen Duft nach Gras und feuchter Erde heran � ziemlich ungew�hnlich f�r diesen kahlen Ort und diese H�he. Vermutlich ein Windhauch aus den tieferliegenden W�ldern.</p><p>Wir lie�en die Pferde gem�chlich in die n�chste Senke hinabtrotten und dann wieder hangaufw�rts. Als wir uns der Kammlinie n�herten, begann Randoms Pferd zu wiehern und sich auf die Hinterhufe zu stellen. Er brachte es sofort wieder in seine Gewalt, und ich sah mich um, konnte aber keine Ursache f�r das pl�tzliche Scheuen ausmachen.</p><p>Als er die Anh�he erreichte, ritt Random langsamer und rief zur�ck: �Schau dir mal den Sonnenaufgang an!�</p><p>Es w�re schwierig gewesen, das nicht zu tun, doch ich enthielt mich einer Bemerkung. Random neigt sonst nicht zu Sentimentalit�ten �ber Sch�nheiten der Natur � es sei denn ganz spezielle.</p><p>Fast h�tte ich selbst die Z�gel angezogen, als ich die Anh�he erreichte, denn die Sonne war ein fantastischer goldener Ball. Sie schien um etwa die H�lfte ihrer normalen Gr��e gewachsen zu sein, und ihre absonderliche F�rbung unterschied sich von allem, was ich in meinem Leben bisher gesehen hatte. Die Beleuchtung stellte gro�artige Dinge an mit dem Streifen Ozean, der �ber der n�chsten Erhebung sichtbar geworden war, und die F�rbung von Wolken und Himmel war in der Tat einzigartig. Ich z�gelte mein Pferd jedoch nicht, denn die pl�tzliche Helligkeit war schmerzhaft f�r die Augen.</p><p>�Du hast recht!� rief ich und folgte ihm in die n�chste Senke. Hinter mir stie� Ganelon einen leisen Fluch aus.</p><p>Als ich die Nachwirkungen der Lichteffekte fortgeblinzelt hatte, bemerkte ich, da� die Vegetation dichter aussah, als ich sie aus dieser kleinen Senke am Kolvir in Erinnerung hatte. Ich hatte angenommen, da� es hier d�rre B�ume und Flechtenbewuchs g�be � doch tats�chlich fanden wir mehrere Dutzend B�ume, gr��er und gr�ner, als ich sie in Erinnerung hatte, und da und dort Grasb�schel und Ranken, die die harten Umrisse der Felsbrocken versch�nten. Nach meiner R�ckkehr war ich allerdings nur bei Dunkelheit in dieser Gegend gewesen. Wahrscheinlich lag hier auch die Ursache f�r die D�fte, die ich kurz zuvor wahrgenommen hatte.</p><p>Im Hindurchreiten wollte mir scheinen, als w�re die kleine Vertiefung auch breiter, als sie sein sollte. Als wir sie hinter uns hatten und den gegen�berliegenden Hang erklommen, war ich mir meiner Sache sicher.</p><p>�Random!� rief ich. �Hat sich dieses Fleckchen k�rzlich ver�ndert?�</p><p>�Schwer zu sagen!� gab er zur�ck. �Eric hat mich nicht oft aus der Stadt gelassen. Scheint ein bi�chen mehr zugewachsen zu sein.�</p><p>�Mir kommt die Senke gr��er � breiter vor.�</p><p>�Ja, da hast du recht. Ich hatte das meiner Einbildung zugeschrieben.�</p><p>Als wir den n�chsten Kamm erstiegen hatten, wurde ich nicht wieder geblendet, weil sich die Sonne hier hinter Laub versteckte. Das Gebiet vor uns war von noch wesentlich mehr B�umen bewachsen als die Strecke hinter uns � und sie waren gr��er und standen dichter beisammen. Wir z�gelten unsere Tiere.</p><p>�Daran erinnere ich mich nun gar nicht�, sagte Random. �Selbst wenn man bedenkt, da� wir nachts hier durchgekommen sind � das h�tte ich gemerkt. Wir m�ssen irgendwo falsch abgebogen sein.�</p><p>�Ich w��te nicht, wo. Trotzdem wissen wir ungef�hr, wo wir sind. Ich m�chte lieber weiterreiten als umkehren. Allerdings m��ten wir das Umfeld Ambers besser im Auge behalten.�</p><p>�Das ist wahr.�</p><p>Er begann auf den Wald zuzureiten. Wir folgten ihm.</p><p>�Ein solcher Bewuchs ist in dieser H�he irgendwie ungew�hnlich!� rief er.</p><p>�Es scheint hier auch wesentlich mehr Muttererde zu geben.�</p><p>�Ich glaube, du hast recht.�</p><p>Als wir die B�ume erreichten, wandte sich der Weg nach links. Ich erkannte keinen Grund f�r diese Abweichung vom direkten Weg. Wir folgten jedoch der Biegung, was zu der Illusion der Entfernung beitrug. Nach wenigen Minuten wandte sich der Weg pl�tzlich wieder nach rechts. Die Aussicht in dieser Richtung war seltsam. Die B�ume kamen uns wom�glich noch gr��er vor und standen inzwischen so dicht, da� das Auge nicht mehr dazwischen hindurchschauen konnte. Als sich der Weg erneut kr�mmte, verbreiterte er sich zugleich und lag nun auf gr��ere Entfernung gerade vor uns. Und diese Entfernung war zu gro�. So breit war unsere kleine Senke einfach nicht.</p><p>Random stoppte erneut.</p><p>�Verdammt, Corwin! Dies ist l�cherlich!� sagte er. �Du treibst doch mit uns keine Spielchen, oder?�</p><p>�Das k�nnte ich gar nicht, selbst wenn ich wollte�, sagte ich. �In unmittelbarer N�he Kolvirs habe ich mir die Schatten niemals unterwerfen k�nnen. Angeblich gibt es hier keine M�glichkeit, ihrer habhaft zu werden.�</p><p>�Das habe ich auch immer gedacht. Amber wirft Schatten aus, ist aber selbst keiner. Dies alles gef�llt mir nicht. Was meint ihr, sollen wir umkehren?�</p><p>�Ich habe so das merkw�rdige Gef�hl, als w�ren wir nicht in der Lage, unseren Weg zur�ckzuverfolgen�, sagte ich. �Es mu� f�r diese Erscheinungen einen Grund geben, und den m�chte ich erfahren.�</p><p>�Vielleicht ist das Ganze eine Falle.�</p><p>�Trotzdem�, sagte ich.</p><p>Er nickte, und wir ritten weiter auf dem schattigen Weg, unter B�umen, die immer gr��er geworden waren. Im Wald ringsum herrschte Stille. Der Boden blieb eben, der Weg gerade. Halb unbewu�t spornten wir die Pferde zu gr��erer Eile an.</p><p>Etwa f�nf Minuten vergingen ohne Gespr�ch. Dann sagte Random: �Corwin, dies kann kein Schatten sein.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Ich habe ihn zu beeinflussen versucht, doch es geschieht nichts. Hast du es auch schon probiert?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum versuchst du�s nicht mal?�</p><p>�Na sch�n.�</p><p><emphasis>Hinter dem Baum dort k�nnte ein Felsbrocken aufragen, eine Nachtigall k�nnte jubilieren in den B�schen . . . Ein St�ckchen</emphasis><emphasis>Himmel m��te sich bedecken, eine winzige Wolke vor der Helligkeit . . . Dann soll dort ein Ast abgefallen sein, mit Baumschwamm bewachsen an der Seite . . . Ein tr�ber Teich . . . Ein Frosch . . . Eine fallende Feder, dahintreibende Pflanzensamen . . . Ein Ast, der sich so dreht . . . Ein anderer Weg, der den unseren kreuzt, frisch ausgetreten, mit tiefen Spuren, dicht an der Stelle, wo die Feder h�tte landen m�ssen . . .</emphasis>.</p><p>�Sinnlos�, sagte ich.</p><p>�Wenn dies kein Schatten ist, was dann?�</p><p>�Nat�rlich etwas anderes.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf und �berzeugte sich, da� seine Klinge locker in der Scheide sa�. Ich tat es ihm automatisch nach. Wenige Sekunden sp�ter h�rte ich hinter mir ein leises Klicken. Ganelon hielt seine Waffe ebenfalls bereit.</p><p>Der Weg vor uns wurde schmaler, und gleich darauf begann er sich wieder hin und her zu winden. Wir mu�ten langsamer reiten; die B�ume r�ckten n�her, und die �ste hingen tiefer herab als je zuvor. Der Weg wurde zu einem Pfad, der sich abrupt hierhin und dorthin wandte, eine letzte Kurve beschrieb und endete.</p><p>Random duckte sich unter einem Ast hindurch, hob die Hand und lie� sein Tier anhalten. Wir ritten neben ihn. Soweit wir vorausschauen konnten, gab es keine Spur mehr von einem Weg. Er schien einfach aufzuh�ren. Als ich zur�ckblickte, war er auch hinter uns verschwunden.</p><p>�Jetzt sind ein paar praktische Vorschl�ge angebracht�, sagte er. �Wir wissen nicht, wo wir gewesen sind oder wohin wir reiten, geschweige denn, wo wir sind. Ich w�rde vorschlagen, wir sollten unsere Neugier fahren lassen und schleunigst von hier verschwinden.�</p><p>�Mit den Tr�mpfen?� wollte Ganelon wissen.</p><p>�Ja. Was meinst du, Corwin?�</p><p>�Einverstanden. Mir gef�llt diese Situation auch nicht, und ich habe keine bessere Idee. Versuch es mal.�</p><p>�Wen soll ich ansprechen?� fragte er, nahm seine Karten zur Hand und zog sie aus dem Etui. �G�rard?�</p><p>�Ja.�</p><p>Er bl�tterte das Spiel durch, fand G�rards Karte und starrte darauf. Wir starrten ihn an. Die Zeit ging ihres Weges.</p><p>�Ich scheine ihn nicht erreichen zu k�nnen�, verk�ndete er schlie�lich.</p><p>�Versuch Benedict.�</p><p>�Gut.�</p><p>Dasselbe von vorn. Kein Kontakt.</p><p>�Versuch es mit Deirdre�, sagte ich, nahm meine Karten zur Hand und suchte nach ihrer Karte. �Ich schlie�e mich an. Mal sehen, ob es zu zweit einen Unterschied macht.�</p><p>Und wieder. Und noch einmal.</p><p>�Nichts�, sagte ich nach langer Anstrengung.</p><p>Random sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ist dir an unseren Tr�mpfen etwas aufgefallen?� fragte er.</p><p>�Ja, aber ich wei� nicht, was. Sie kommen mir irgendwie anders vor.�</p><p>�Meine Karten scheinen ihre K�lte verloren zu haben, sie f�hlen sich anders an�, bemerkte er.</p><p>Pr�fend bl�tterte ich die Tr�mpfe durch. Ich fuhr mit den Fingerspitzen �ber die Bilder.</p><p>�Ja, du hast recht�, sagte ich. �Das ist es. Aber versuchen wir es noch einmal. Nehmen wir Flora.�</p><p>�Sch�n.�</p><p>Das Ergebnis war das gleiche. Ebenso bei Llewella und Brand.</p><p>�Hast du eine Ahnung, was hier nicht stimmt?� fragte Random bang.</p><p>�Nicht im geringsten. Jedenfalls k�nnen sie uns nicht alle gleichzeitig blockieren. Und sie k�nnen auch nicht alle tot sein . . . Na ja, m�glich w�re es immerhin. Doch h�chst unwahrscheinlich. Irgend etwas scheint die Tr�mpfe selbst ver�ndert zu haben, da liegt der Hase im Pfeffer. Ich habe bisher gar nicht gewu�t, da� es etwas gibt, das die Karten beeinflussen kann.�</p><p>�Nun, einer �u�erung des Herstellers zufolge�, sagte Random, �tragen sie keine hundertprozentige Garantie.�</p><p>�Was wei�t du, das ich nicht wei�?�</p><p>Ich lachte leise.</p><p>�Unverge�lich ist der Tag, wenn man vollj�hrig wird und das Muster beschreitet�, sagte er. �Ich erinnere mich daran, als w�re es erst letztes Jahr gewesen. Als diese Pr�fung geschafft war und ich rot vor Erregung und Freude dastand, �bergab mir Dworkin meinen ersten Satz Tr�mpfe und unterwies mich in ihrem Gebrauch. Ich erinnere mich deutlich an meine Frage, ob sie denn �berall funktionierten. Und ich erinner mich auch an seine Antwort: �Nein�, sagte er, �aber sie m��ten dir an jedem Orte dienlich sein, den du jemals aufsuchst.� �brigens hat er mich nie gemocht.�</p><p>�Aber du hast ihn sicher gefragt, was seine Antwort bedeutet.�</p><p>�Ja, und er sagte: �Ich bezweifle, da� du jemals einen Status erlangst, da sie dir den Dienst versagen. Und jetzt fort mit dir! � Und ich trollte mich. Ich war begierig, allein mit den Tr�mpfen zu spielen.�</p><p>��Einen Status erlangen�? Er hat nicht gesagt �einen Ort erreichen�?�</p><p>�Nein, in manchen Dingen habe ich ein gutes Ged�chtnis.�</p><p>�Seltsam � doch im Augenblick hilft uns das, soweit ich erkennen kann, nicht sonderlich weiter. H�rt sich nach etwas Metaphysischem an.�</p><p>�Ich wette, Brand w��te mehr.�</p><p>�Da hast du sicher recht � was immer uns das hier n�tzen mag.�</p><p>�Wir sollten etwas anderes tun als uns �ber Metaphysik zu unterhalten�, bemerkte Ganelon. �Wenn ihr die Schatten nicht manipulieren und die Tr�mpfe nicht einsetzen k�nnt, sollten wir schleunigst feststellen, wo wir sind. Und uns dann um Hilfe bem�hen.�</p><p>Ich nickte.</p><p>�Da wir nicht in Amber sind, k�nnen wir wohl getrost vermuten, da� wir uns in den Schatten aufhalten � an einem ganz besonderen Ort, ganz dicht bei Amber, da die Ver�nderung nicht abrupt erfolgt ist. Da wir ohne eigene Teilnahme hierher versetzt wurden, mu� irgendeine Macht und vermutlich auch eine Absicht hinter dem Man�ver stehen. Wenn diese Macht uns angreifen will, ist dieser Augenblick so g�nstig wie jeder andere. Wenn sie etwas anderes von uns will, mu� sie uns das klarmachen, da wir nicht einmal in der Lage sind, Mutma�ungen anzustellen.�</p><p>�Du schl�gst also vor, da� wir gar nichts tun?�</p><p>�Ich schlage vor, da� wir warten. Ich sehe keinen Nutzen darin, herumzuwandern und sich wom�glich noch tiefer im Wald zu verirren.�</p><p>�Wenn ich mich recht erinnere, hast du mir einmal erz�hlt, da� benachbarte Schatten einigerma�en kongruent sind�, bemerkte Ganelon.</p><p>�Ja, das habe ich vermutlich gesagt. Und?�</p><p>�Nun, wenn wir Amber so nahe sind, wie du vermutest, brauchen wir doch nur der aufgehenden Sonne entgegenzureiten, um an eine Stelle zu kommen, die der Stadt selbst entspricht.�</p><p>�So einfach ist es nun auch wieder nicht. Aber einmal angenommen, es w�re m�glich, was soll uns das n�tzen?�</p><p>�Vielleicht w�rden die Tr�mpfe am Punkt gr��ter Kongruenz wieder funktionieren.�</p><p>Random sah Ganelon an und wandte sich dann an mich.</p><p>�Das ist vielleicht einen Versuch wert�, sagte er. �Was haben wir denn schon zu verlieren?�</p><p>�Das bi�chen Orientierung, das wir noch haben�, sagte ich. �Schau mal, es ist keine schlechte Idee. Wenn sich hier nichts tut, werden wir�s versuchen. Doch im R�ckblick will mir scheinen, da� sich der Weg hinter uns in direktem Verh�ltnis zu der zur�ckgelegten Entfernung schlie�t. Wir bewegen uns hier nicht nur r�umlich. Unter diesen Umst�nden w�rde ich erst weiterwandern wollen, wenn ich wei�, da� wir keine andere Wahl haben. Wenn uns jemand an einem bestimmten Ort haben will, liegt es an ihm, seine Einladung ein wenig deutlicher zu formulieren. Wir warten lieber.�</p><p>Beide nickten. Random wollte eben absteigen, doch dann erstarrte er, einen Fu� im Steigb�gel, den anderen auf der Erde.</p><p>�Nach all diesen Jahren�, sagte er. �Ich hab�s nie wirklich geglaubt.�</p><p>�Was ist?� fragte ich irritiert.</p><p>�Unsere andere Wahl�, sagte er und stieg wieder in den Sattel.</p><p>Er brachte sein Pferd dazu, langsam weiterzugehen. Ich folgte ihm und erblickte es gleich darauf, so wie ich es schon in dem W�ldchen gesehen hatte, halb verborgen in einem Farnbusch: das Einhorn.</p><p>Als wir n�herkamen, drehte es sich um, und Sekunden sp�ter eilte es fort, um dann von neuem halb verborgen hinter einigen Baumst�mmen zu warten.</p><p>�Ich sehe es!� fl�sterte Ganelon. �Wenn ich mir vorstelle, da� es so ein Wesen wirklich gibt . . . Euer Familiensymbol, nicht wahr?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ein gutes Zeichen, w�rde ich sagen.�</p><p>Ich antwortete nicht, sondern setzte die langsame Verfolgung fort, ohne den Blick von dem Einhorn zu nehmen. Da� wir dem Gesch�pf folgen sollten, bezweifelte ich nicht.</p><p>Es hatte eine besondere Art, sich niemals ganz zu zeigen � es schaute nur immer hinter irgend etwas hervor; wenn es sich bewegte, huschte es mit unglaublicher Geschwindigkeit von Deckung zu Deckung, mied offene Fl�chen, hielt sich in Dickicht und Schatten. Wir folgten dem Wesen immer tiefer in den Wald, der nun �berhaupt keine �hnlichkeit mehr mit der Vegetation hatte, wie man sie normalerweise auf den H�ngen Kolvirs findet. Vor allen Gebieten in der N�he Ambers kam Arden dieser Umgebung am n�chsten, zumal der Boden relativ eben war und die B�ume immer h�her in den Himmel ragten.</p><p>Meiner Sch�tzung nach waren etwa anderthalb Stunden vergangen, als wir einen klaren Bach erreichten und das Einhorn kehrtmachte und dem Wasserlauf gegen die Str�mung folgte. Als wir am Ufer entlangritten, sagte Random: �Hier kommt�s mir langsam wieder bekannt vor.�</p><p>�Ja�, sagte ich, �aber nur vage. Ich wei� nicht, wieso.�</p><p>�Ich auch nicht.�</p><p>Kurze Zeit sp�ter erreichten wir einen Hang, der schnell steiler wurde. Die Pferde kamen nur noch langsam voran, doch das Einhorn pa�te sich dem verminderten Tempo an. Der Grund wurde felsiger, die B�ume kleiner. Der Bach sprudelte in seinem gewundenen Bett dahin; ich gab es auf, die Windungen und Knicke zu z�hlen. Endlich n�herten wir uns der Spitze des kleinen Berges.</p><p>Wir erreichten ebenes Gel�nde und n�herten uns einem Wald, aus dem der Bach kam. An dieser Stelle nahm ich pl�tzlich etwas wahr, vorn rechts, an einer Stelle, da sich das Land senkte � das eisblaue Meer, das ziemlich tief unter uns lag.</p><p>�Wir sind ganz sch�n hoch�, bemerkte Ganelon. �Dabei sah es so aus, als w�ren wir im Tiefland, aber . . .�</p><p>�Das Einhornw�ldchen!� unterbrach ihn Random. �Danach sieht es hier aus! Schaut doch!�</p><p>Und er hatte recht. Vor uns lag ein felsbestreutes Areal. In der Mitte lie� eine Quelle den Bach entstehen, dem wir gefolgt waren. Das W�ldchen war gr��er und gr�ner und lag an einem Ort, der mir nach meinem inneren Kompa� nicht zu stimmen schien. Doch die �hnlichkeit mu�te mehr als zuf�llig sein. Das Einhorn erstieg den Felsen unmittelbar neben der Quelle, sah uns an und wandte sich schlie�lich ab. Vielleicht starrte es auf den Ozean hinaus.</p><p>Als wir weiterritten, gewannen das W�ldchen, das Einhorn, die B�ume ringsum, der Bach neben uns pl�tzlich eine gro�e Klarheit, als strahlte alles einen besonderen Glanz ab, als pulsierte es mit der Intensit�t der eigenen Farben, w�hrend es gleichzeitig zu flimmern begann, schwach, am Rande der Wahrnehmung. Dies l�ste in mir den Anflug eines Gef�hls aus, �hnlich der emotionalen Anspannung vor einem H�llenritt.</p><p>Und dann und dann und dann verschwand mit jedem Schritt meines Tieres ein Element aus der Welt um uns. Pl�tzlich begann eine Anpassung in der Beziehung von Objekten, untergrub meinen Sinn f�r Tiefe, vernichtete die Perspektive, ver�nderte die Anordnung der Gegenst�nde in meinem Gesichtsfeld, so da� alles seine gesamte Au�enfl�che darbot, ohne gleichzeitig eine vergr��erte Fl�che in Anspruch zu nehmen: Winkel verzerrten sich, relative Gr��en hatten pl�tzlich etwas L�cherliches. Randoms Pferd wieherte und stieg auf die Hinterhand, mit schreckgeweiteten Augen, apokalyptisch, Gedanken an <emphasis>Guernica</emphasis> wachrufend. Und best�rzt erkannte ich, da� wir selbst von dem Ph�nomen nicht unber�hrt geblieben waren, da� Random, der mit seinem Tier k�mpfte, und Ganelon, der Feuerdrache noch immer beherrschte, wie alle anderen von der kubistischen Raumvision �berw�ltigt wurden.</p><p>Aber Star war ein Veteran manches H�llenritts; auch Feuerdrache hatte schon viel durchgemacht. Wir klammerten uns im Sattel fest und sp�rten die Bewegungen, die wir auf anderem Wege nicht richtig zu erfassen vermochten. Und Random gelang es endlich, dem Pferd seinen Willen aufzuzwingen, obwohl sich die Umgebung beim Weiterreiten noch mehr ver�nderte.</p><p>Als n�chstes verschoben sich die Lichtwerte. Der Himmel wurde schwarz, nicht wie in der Nacht, sondern wie eine glatte, aber nichtreflektierende Fl�che. Das gleiche traf auf gewisse Gebiete zwischen den Objekten zu. Das einzige Licht, das in der Welt verblieb, schien von den Gegenst�nden selbst auszugehen, und auch das wurde allm�hlich ausgebleicht. Verschiedene Wei�schattierungen stiegen von den Ebenen der Existenz auf, und am hellsten von allen, immens, schrecklich anzuschaun, stieg pl�tzlich das Einhorn auf die Hinterhand, schlug mit den Vorderhufen durch die Luft und f�llte etwa neunzig Prozent der ganzen Sch�pfung mit dieser Zeitlupenbewegung, die uns meinem Gef�hl nach vernichten mu�te, wenn wir noch einen einzigen Schritt taten.</p><p>Dann war nur noch das Licht da.</p><p>Dann absolute Stille.</p><p>Schlie�lich verbla�te auch das Licht, und nichts blieb zur�ck. Nicht einmal Schw�rze. Eine L�cke im Dasein, die einen Sekundenbruchteil oder eine Ewigkeit lang geklafft haben mag . . .</p><p>Dann kehrte die Schw�rze zur�ck und das Licht. Nur waren sie nun umgekehrt. Licht f�llte die Zwischenr�ume, umri� L�cken, bei denen es sich um Gegenst�nde handeln mu�te. Der erste Laut, den ich vernahm, war das Pl�tschern von Wasser, und ich erkannte irgendwie, da� wir neben der Quelle angehalten hatten. Als erstes sp�rte ich Stars Zittern. Dann roch ich das Meer.</p><p>Dann kam das Muster in Sicht � oder ein verzerrtes Negativ davon . . .</p><p>Ich beugte mich vor, und weiteres Licht quoll um die Kanten der Dinge. Mit den Knien dr�ngte ich Star sanft zum Weitergehen.</p><p>Mit jedem Schritt kehrte nun etwas in die Welt zur�ck. Oberfl�chen, Abschattierungen, Farben . . .</p><p>Hinter mir h�rte ich, wie die anderen ihre Tiere anspornten. Unter mir gab das Muster nichts von seinem Geheimnis preis, doch es gewann einen Zusammenhang, einen Bezug im Rahmen der umfassenden Neuformung der Welt ringsum.</p><p>Auf unserem Weg den Hang hinab kehrte das Gef�hl f�r Tiefe zur�ck. Das Meer, nun deutlich zu unserer Rechten sichtbar, erfuhr eine vermutlich rein optische Trennung vom Himmel, mit dem es offenbar vor�bergehend zu einer Art Urmeer des Oben und Unten vereint gewesen war. Im R�ckblick beunruhigend, doch im Augenblick unbemerkt. Wir bewegten uns einen steilen, felsigen Hang hinab, der seinen Anfang am Rand des W�ldchens zu nehmen schien, zu dem uns das Einhorn gef�hrt hatte. Etwa hundert Meter unter uns befand sich eine v�llig ebene Fl�che, die aus festem, gewachsenem Fels zu bestehen schien � ungef�hr oval, einige hundert Meter lang. Der Hang, auf dem wir uns befanden, schwang sich nach rechts und beschrieb einen weiten Bogen, eine Klammer, das ebene Oval halb einschlie�end wie die Trib�nen einer Arena. Hinter dem rechten Vorsprung befand sich nichts � das hei�t, das Land fiel steil zu jenem seltsamen Meer ab.</p><p>Und die Entwicklung ging weiter. Die drei Dimensionen schienen sich endlich wieder zusammenzuf�gen. Die Sonne war jene riesige Kugel aus geschmolzenem Gold, die wir schon einmal gesehen hatten. Der Himmel war von einem dunkleren Blau, als wir es aus Amber kennen, und trug keine Wolken. Das Meer hatte sich in seinem Blauton angepa�t, unber�hrt von Segeln oder Inseln. Ich sah keine V�gel und h�rte bis auf die Ger�usche, die wir selbst verursachten, nichts. Eine unheimliche Stille lag �ber diesem Ort, diesem Tag. Im Brennpunkt meines pl�tzlich klaren Sehverm�gens offenbarte das Muster endlich seine Spuren auf der Fl�che unter uns. Zuerst hatte ich angenommen, es sei in das Gestein eingemei�elt, doch als wir n�herkamen, erkannte ich, da� es darin enthalten war � rosagoldene Wirbel, wie Adern in einem exotischen Marmorgestein, nat�rlich wirkend trotz der offensichtlichen Absicht hinter dem Lauf der Linien.</p><p>Ich zog die Z�gel an, und die anderen verhielten neben mir ihre Pferde, Random zu meiner Rechten, Ganelon auf der anderen Seite.</p><p>Lange betrachteten wir die Erscheinung, ohne ein Wort zu sagen. Ein dunkler Fleck mit ungleichm��igen R�ndern hatte ein St�ck des Gebietes unmittelbar unter uns ausgel�scht, vom Au�enrand zur Mitte verlaufend.</p><p>�Wei�t du�, sagte Random schlie�lich. �Das alles sieht aus, als h�tte jemand den Gipfel Kolvirs abrasiert, mit einem Schnitt, der etwa in der H�he der Verliese angesetzt wurde.�</p><p>�Ja�, sagte ich.</p><p>�Und wenn wir schon nach Kongruenz suchen � dann w�re das dort etwa die Stelle, wo unser eigenes Muster liegt.�</p><p>�Ja�, sagte ich wieder.</p><p>�Und der dunkle Fleck liegt nach S�den zu, von wo die Schwarze Stra�e kommt.�</p><p>Langsam nickte ich, als das Verstehen kam und sich zur Gewi�heit verh�rtete.</p><p>�Was bedeutet das aber?� fragte er. �Dies scheint dem wahren Stand der Dinge zu entsprechen, doch abgesehen davon verstehe ich die Bedeutung nicht. Warum hat man uns hergef�hrt und dieses Ding gezeigt?�</p><p>�Es entspricht nicht dem wahren Stand der Dinge�, sagte ich. �Dies <emphasis>ist</emphasis> der wahre Stand der Dinge.�</p><p>Ganelon wandte sich in unsere Richtung.</p><p>�Auf jener Schatten-Erde, die wir besucht haben � auf der Welt, in der du so viele Jahre verbracht hattest �, h�rte ich einmal ein Gedicht �ber zwei Stra�en, die sich in einem Wald gabelten�, sagte er. �Es endete mit den Worten: �Ich nahm die weniger befahrene, das machte den ganzen Unterschied�. Als ich dies h�rte, mu�te ich an etwas denken, das du mir einmal gesagt hattest: �Alle Stra�en f�hren nach Amber�. Ich machte mir Gedanken � damals wie jetzt � �ber den Unterschied, den unsere Entscheidung bringt, trotz der offensichtlichen Unausweichlichkeit des Ausgangs f�r Menschen eures Blutes.�</p><p>�Du wei�t es?� fragte ich. �Du verstehst es?�</p><p>�Ich glaube schon.�</p><p>Er nickte und hob den Arm.</p><p>�Das ist das wirkliche Amber dort unten, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, sagte ich. �Ja, das ist es.�</p></section></body><binary id="cover" 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