<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>Edgar</first-name><middle-name>Rice</middle-name><last-name>Burroughs</last-name></author><book-title>Der Kriegsherr des Mars</book-title><annotation><p>Seit sechshundertachtzig Marstagen schmachtet John Carters Prinzessin, die sch�ne Dejah Thoris, in einer Kerkerzelle im geheimen Sonnentempel der grausamen Hohenpriesterin Issus. Und auf sie wartet der Tod in Gestalt Thurids, des Schwarzen Prinzen der Erstgeborenen.</p><p>Unter uns�glichen M�hen k�mpft sich John Carter allein, begleitet von seinem martianischen Kampfhund Wula, in die Kristallzentrale des Sonnentempels vor � durch Schlangengruben, vorbei an Radiumkanonen und den K�figen der menschenfressenden wei�en Riesenaffen.</p><p>Doch kurz vor dem Ziel scheinen alle seine Anstrengungen vergeblich: Dejah Thoris wird entf�hrt. Thurid und der verr�terische Vater der Thern verschleppen sie in das Land des Tyrannen von Okar, der an John Carter Rache nehmen und die Marsprinzessin mit Gewalt zu seinem Weibe machen will.</p></annotation><date>1972</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Leni</first-name><last-name>Sobez</last-name></translator><sequence name="John Carter vom Mars" number="3"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>Edgar</first-name><middle-name>Rice</middle-name><last-name>Burroughs</last-name></author><book-title>The Warlord of Mars</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><src-ocr>BOOKZ �R� US</src-ocr><id>A410A572-D632-4246-86A4-66691B31B0CB</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Edgar Rice Burroughs</p><p>Der Kriegsherr des Mars</p></title><section><title><p>1. Am Flu� Iss</p></title><p>Die beiden schnellen Monde des Mars rasten auf ihrem meteorischen Weg �ber den sterbenden Planeten dahin, und ich kroch geduldig in den Schatten des Forstes, der die karmesinfarbene Ebene an der Verlorenen See von Korus im Tal Dor begrenzt, hinter einer dunklen Gestalt her, die voll beharrlicher Vorsicht von einer d�steren Stelle zur anderen huschte.</p><p>Sechs Marsmonate lang spukte ich nun in der N�he des geha�ten Tempels der Sonne umher, in dessen langsam sich drehendem Turm unter der Marsoberfl�che meine geliebte Prinzessin eingeschlossen war. Ich wu�te nicht einmal, ob sie schon tot war oder noch lebte. Hatte Phaidors scharfer Dolch das z�rtliche Herz durchbohrt? Nur die Zeit w�rde die Wahrheit enth�llen.</p><p>Sechshundertsiebenundachtzig Marstage mu�ten kommen und gehen, ehe sich die Zellent�r wieder dem Tunnelende gegen�ber befand, wo ich meine sch�ne Dejah Thoris zuletzt gesehen hatte. Die H�lfte dieser Tage war verstrichen; mein Ged�chtnis hatte jedes Ereignis von vor- oder nachher ausgel�scht, doch die letzte Szene hatte sich meiner Erinnerung unausl�schlich eingepr�gt, jene Szene n�mlich, ehe der Rauch meine Augen blendete und der schmale Spalt, der mir einen Blick in ihre Zelle gestattete, sich immer mehr schlo� und eine undurchdringliche Wand mich von der Prinzessin von Helium f�r ein langes Marsjahr trennte.</p><p>Als sei es erst gestern gewesen, sah ich noch immer das sch�ne Gesicht von Phaidor, der Tochter von Matai Shang, von eifers�chtiger Wut und Ha� verzerrt, als sie mit erhobenem Dolch auf die Frau eindrang, die ich von ganzem Herzen liebte.</p><p>Ich sah das rote M�dchen, Thuvia von Ptarth, herbeirennen, um die ruchlose Tat zu verhindern.</p><p>Dann hatte der Rauch des brennenden Tempels diese tragische Szene verh�llt, aber in meinen Ohren klang noch immer dieser einzige Schrei, als der Dolch herunterzuckte. Dann herrschte Stille. Als der Rauch sich wieder verzogen hatte, war die Kammer mit den drei sch�nen gefangenen Frauen schon ein St�ck weiterger�ckt, und nicht das leiseste Ger�usch vernahm ich mehr.</p><p>Seit diesem schrecklichen Augenblick war viel geschehen, aber nicht einmal f�r einen kurzen Moment war die Erinnerung daran verbla�t. Die Neuerrichtung der Regierung der Erstgeborenen nach dem glorreichen Sieg unserer Flotte und Landstreitkr�fte hatte mir viele Pflichten auferlegt, doch jede Minute, die ich hatte er�brigen k�nnen, verbrachte ich in der N�he dieses Kerkers, in dem die Mutter meines Jungen, Carthoris von Helium, gefangen war.</p><p>Die Rasse der Schwarzen hatte seit unendlichen Zeiten Issus, die falsche G�ttin des Mars, angebetet, und seit ich ihnen bewiesen hatte, da� sie nichts war als ein verschrobenes altes Weib, herrschte Chaos. In ihrer Wut hatten sie Issus in St�cke zerrissen.</p><p>Vom hohen Turm ihrer Selbstbewunderung und Ichsucht waren die Erstgeborenen in die Abgr�nde tiefster Dem�tigung gest�rzt worden. Ihre G�ttin war nicht mehr, und damit war das ganze L�gengeb�ude ihrer Religion zerst�rt. Ihre �berhebliche Flotte war von den glorreichen Schiffen und Heeren der Roten Menschen von Helium vernichtet worden.</p><p>Die gr�nen Krieger von den ockerfarbenen Seegr�nden hatten ihre wilden Thoats durch die heiligen G�rten des Tempels der Issus gejagt, und Tars Tarkas, Jeddak von Thark, der wildeste von allen, regierte vom Thron der Issus aus die Erstgeborenen, w�hrend die Verb�ndeten �ber das Schicksal der besiegten Nation Beschl�sse fa�ten. Nahezu einstimmig wurde die Forderung erhoben, ich solle den alten Thron der schwarzen M�nner besteigen, und selbst die Erstgeborenen w�ren damit einverstanden gewesen, aber ich wollte nicht. Mein Herz konnte sich nie f�r jene erw�rmen, die soviel Schmach auf meine Prinzessin und meinen Sohn geh�uft hatten.</p><p>Auf meinen Vorschlag hin wurde Xodar der Jeddak der Erstgeborenen. Er war Dator, also ein Prinz gewesen, ehe Issus ihn degradiert hatte, und deshalb war seine Eignung f�r dieses hohe Amt unbestritten.</p><p>Nachdem auf diese Art der Frieden im Tal Dor sichergestellt war, kehrten die gr�nen Krieger zu ihren einsamen Seegr�nden zur�ck, w�hrend wir von Helium wieder in unser Land reisten. Auch hier wurde mir ein Thron angeboten, denn von Tardos Mors, dem Jeddak von Helium und Gro�vater von Dejah Thoris, war noch immer keine Nachricht eingetroffen, auch nicht von seinem Sohn Mors Kajak, Jed von Helium, Dejah Thoris� Vater.</p><p>Mehr als ein Jahr war vergangen, seit man die ganze n�rdliche Halbkugel nach Carthoris abgesucht hatte, und schlie�lich hatte das verzagte Volk die Ger�chte von ihrem Tod als Wahrheit hingenommen.</p><p>Auch diesen Thron lehnte ich ab, denn ich konnte nicht daran glauben, da� der m�chtige Tardos Mors oder sein gro�er Sohn tot seien.</p><p>�La�t euch von einem eures eigenen Blutes regieren, bis sie zur�ckkehren�, sagte ich zu den versammelten Edlen von Helium, als ich zuihnen im Tempel der Vergeltung auf der Trib�ne der Wahrheit neben dem Thron der Gerechtigkeit sprach. Dort hatte ich auch vor einem Jahr gestanden, als Zat Arras das Todesurteil �ber mich aussprach. Als ich so redete, legte ich meine Hand auf die Schulter von Carthoris der in der vordersten Reihe der Edlen stand.</p><p>Die Edlen und das Volk hoben ihre Stimmen zu einem langen, einzigen Jubelschrei. Zehntausend Schwerter wurden blitzend geschwungen, und die glorreichen K�mpfer des alten Helium begr��ten Carthoris als Jeddak von Helium.</p><p>Dieses Amt sollte er auf Lebenszeit behalten oder so lange, bis sein Urgro�vater oder Gro�vater zur�ckkehrte. Mit Carthoris� Amtseinsetzung hatte ich eine wichtige Pflicht f�r Helium erf�llt, und am folgenden Tag machte ich mich auf zum Tal Dor, um an jenem schicksalhaften Tag, da sich der Kerker �ffnen sollte, dem Tal der Sonne nahe zu sein, in dem meine verlorene Liebe schmachtete. H�r Vastus und Kantos Kan lie� ich zusammen mit meiner eigenen Leibgarde bei Carthoris in Helium, damit er sich immer an ihrer Weisheit, ihrem Mut und ihrer Treue aufrichten konnte, wenn seine Pflichten allzu schwer auf ihn dr�ckten. Nur Wula, mein Marshund, begleitete mich.</p><p>Lautlos tappte jetzt das treue Tier hinter mir her. Wula war etwa so gro� wie ein Shetlandpony, hatte einen h��lichen Kopf und gef�hrliche Fangz�hne und bot einen furchterregenden Anblick, als er so auf zehn kurzen, kr�ftigen Beinen daherlief. F�r mich war er die Verk�rperung anh�nglicher Liebe und Treue.</p><p>Die Gestalt vor mir war die des schwarzen Prinzen der Erstgeboren nen Thurid, dessen erbitterte Feindschaft ich mir zugezogen hatte, als ich ihn im Hof des Tempels der Issus mit blo�en H�nden besiegte und ihn vor den edlen M�nnern und Frauen, die er noch wenige Minuten vorher mit seinen Prahlereien beeindruckt hatte, mit seinen eigenen Waffengurten band.</p><p>Wie viele seiner Gef�hrten schien er die neue Ordnung der Dinge mit gutem Anstand akzeptiert zu haben, und Xodar, seinem neuen Herrscher hatte er Treue geschworen; ich wu�te jedoch, da� er mich ha�te, da� er in seinem Herzen auch Xodar beneidete und ha�te, so da� ich immer ein Auge auf ihn hatte. Bald kam ich zu der �berzeugung, da� er in irgendeine Intrige verwickelt war. Ein paarmal hatte ich ihn dabei beobachtet, wie er nach Dunkelwerden die ummauerte Stadt der Erstgeborenen verlie� und den Weg zum schrecklichen Tal Dor einschlug, wo es f�r keinen ehrlichen Menschen ein ehrliches Gesch�ft gab. Er huschte jetzt am Rande des Waldes entlang, bis er au�er H�r- und Sehweite der Stadt war; dann ging er �ber den roten Rasen hinunter zum Ufer der Verlorenen See von Korus. Der n�here Mond schwang sich �ber das Tal, und in seinen Strahlen glitzerte Thurids juwelenbesetzter Harnisch in tausend st�ndig wechselnden Lichtern; sein ebenholzschwarzer glatter K�rper schimmerte. Zweimal wendete er den Kopf und schaute zum Wald zur�ck in der Art eines Mannes, der etwas zu verbergen hat, doch er schien nicht mit einer Verfolgung zu rechnen. Im hellen Mondschein durfte ich ihm nat�rlich nicht folgen, denn es war mein Plan, den seinen nicht zu st�ren. Ich wollte, da� er seinen Bestimmungsort erreichte, ohne da� er mi�trauisch geworden war, da ich den Wunsch hatte, genau zu erfahren, wohin er ging und was er zu tun gedachte. Deshalb versteckte ich mich, bis Thurid �ber den Rand des steilen Seeufers verschwunden war, das etwa 500 Meter vom Waldrand entfernt lag, dann eilte ich zusammen mit Wula �ber die Wiese hinter ihm her.</p><p>Grabesstille lag �ber diesem geheimnisvollen Tal des Todes, das sich tief in das warme Nest am versunkenen S�dpol des sterbenden Planeten schmiegte. In der Ferne ragte die m�chtige Barriere der Goldenen Klippen in den sternenhellen Himmel, und die mit kostbaren Metallen und Edelsteinen durchsetzten Felsen funkelten im hellen Licht der beiden herrlichen Marsmonde. Hinter mir lag der parkartig gepflegte Wald, der ebenso wie der Rasen von den h��lichen Baumm�nnern abgeweidet wurde. Vor mir hatte ich die Verlorene See von Korus; etwas weiter entfernt erkannte ich das schimmernde Band des Iss, des Flusses der Geheimnisse, der unter den Goldenen Klippen herausstr�mte und sich in den Korus ergo�, zu dem seit unendlichen Zeiten die verzweifelten, entt�uschten und ungl�cklichen Marsianer der �u�eren Welt in einer freiwilligen Pilgerschaft zu einem tr�gerischen Himmel kamen. Die Baumm�nner mit ihren blutd�rstigen H�nden und die grausamen wei�en Affen, die das Tal Dor auch bei Tag zu einem Alptraum machen, schliefen jetzt in ihren Verstecken.</p><p>Jetzt stand kein Heiliger Thern mehr auf dem Balkon in den Goldenen Klippen �ber dem Iss, um mit seinem geisterhaften Schrei jene Opfer anzulocken, die in dem kalten, breiten Bett des alten Iss in ihr Verderben schwammen.</p><p>Die Flotte von Helium und die Erstgeborenen hatten die Festungen und die Tempel der Therns ges�ubert, als sie sich weigerten, sich zu ergeben und die neue Ordnung anzunehmen, die ihre falsche Religion von dem seit langem unter ihr leidenden Mars wegschwemmte. In wenigen abgelegenen L�ndern besa�en sie noch immer die alte Macht; aber Matai Shang, der Vater der Therns, war aus seinem Tempel vertrieben worden. Unter gro�en Anstrengungen hatten wir ihn einzufangen versucht, aber er war mit einigen seiner Getreuen entkommen, und wir hatten keine Ahnung wohin.</p><p>Als ich vorsichtig zum Rand des niederen Steilufers vordrang, sah ich Thurid, der auf einem kleinen Boot in die schimmernden Wasser der Verlorenen See von Korus eintauchte; es war eines jener uralten, seltsam gearbeiteten Boote der Heiligen Therns, die von den Priestern und niederen Therns an den Ufern des Iss bereitgestellt wurden, um den Opfern die lange Reise zu erleichtern.</p><p>Es lagen also noch viele �hnliche Boote am Ufer. Jedes hatte eine lange Stange, an deren einem Ende eine Spitze, am anderen Ende ein Paddel angebracht war. Thurid hielt sich an die K�ste, und als er hinter einem Felsvorsprung au�er Sicht kam, schob ich eines der Boote ins Wasser, rief Wula zu mir und stie� vom Ufer ab.</p><p>Thurids Verfolgung f�hrte mich an der K�ste entlang zur M�ndung des Iss. Der fernere Mond stand niedrig �ber dem Horizont und warf dichte Schatten unter die Klippen, welche das Wasser einrahmten. Thuria, der n�here Mond, war untergegangen und erst wieder in vier Stunden zu erwarten, so da� ich f�r einige Zeit mit einer sch�tzenden Dunkelheit rechnen konnte.</p><p>Immer weiter ruderte der schwarze Krieger, bis er zur M�ndung des Iss kam. Ohne auch nur einen Moment zu z�gern, lenkte er das Boot in den d�steren Flu� und paddelte mit kr�ftigen St��en gegen die Str�mung an.</p><p>Ich folgte ihm mit Wula und verk�rzte dabei die Entfernung ein wenig, da der Mann vollauf damit besch�ftigt war, sein Boot flu�aufw�rts zu lenken und daher kaum bemerkte, was hinter ihm vorging. Auch jetzt hielt er sich an das Ufer, wo die Str�mung weniger stark war.</p><p>Bald kam er zu einem h�hlenartigen Portal in den Felsen der Goldenen Klippen, und nun ruderte er in diese h�llische Dunkelheit hinein.</p><p>Ich konnte meine Hand vor den Augen nicht mehr sehen, und es erschien mir unm�glich, ihm zu folgen. Fast wollte ich schon die Verfolgung aufgeben und mich zur Flu�m�ndung zur�cktreiben lassen, um ihn dort zu erwarten, aber da kam ich um eine Biegung und sah einen Lichtschimmer vor mir.</p><p>Nun erkannte ich mein Wild wieder deutlich, und im heller werdenden Licht der phosphoreszierenden Flecken im Dach der H�hle wurde seine Verfolgung wesentlich leichter.</p><p>Dies war meine erste Reise auf dem Flu� Iss, und alles, was ich dort sah und erlebte, grub sich unausl�schlich in mein Ged�chtnis ein. Es waren schreckliche Erlebnisse, aber noch viel schlimmer mu�te dort alles gewesen sein, ehe Tars Tarkas, der gro�e gr�ne Krieger, Xodar, der schwarze Dator und ich das Licht der �u�eren Welt in diese Dunkelheit brachten und den irren Ansturm der Millionen auf die freiwillige Pilgerschaft zu dem, wie sie glaubten, wundervoll friedlichen Tal des Gl�ckes und der Liebe, aufhielten. Auch jetzt noch waren die winzigen, niederen Inseln im breiten Strom mit den Skeletten und halb aufgefressenen Leichen jener �bers�t, die in einem pl�tzlichen Erwachen zur Wahrheit ihre Reise unmittelbar vor ihrem Ende abbrachen.</p><p>Im schrecklichen Gestank dieser grauenhaften Leicheninseln kreischten und jammerten ausgemergelte Irre, die um die Reste ihrer kannibalischen Mahlzeiten k�mpften; auf jenen Inseln, auf denen es nur noch saubere Knochen gab, k�mpften sie miteinander, da die Schw�cheren den St�rkeren zur Nahrung dienten; oder sie griffen mit ihren Klauenh�nden nach den aufgedunsenen Leichen, die der Strom mitbrachte.</p><p>Aber Thurid beachtete diese kreischenden Wesen nicht, die ihm weder bedrohlich noch erbarmensw�rdig erschienen, da er vermutlich mit diesem entsetzlichen Anblick vertraut war. Etwa einen Kilometer weit fuhr er den Flu� hinauf; dann lenkte er zum linken Ufer hin�ber und zog sein Boot auf eine Felsleiste hinauf, die fast auf gleicher H�he mit dem Wasserspiegel lag.</p><p>Ich konnte ihm nat�rlich nicht quer �ber den Flu� folgert, denn er h�tte mich sonst sicher gesehen. Deshalb hielt ich auf meiner Flu�seite unter einem �berh�ngenden Felsen an, in dessen dichten Schatten ich kaum bemerkt werden konnte. Hier konnte ich Thurid gut beobachten.</p><p>Der Schwarze stand neben seinem Boot auf der Felsleiste und schaute flu�aufw�rts, als erwarte er aus jener Richtung jemanden.</p><p>Wie ich bemerkte, ging eine ziemlich starke Str�mung zur Flu�mitte hin, so da� es mir ziemlich schwer fiel, mein Boot unter dem Felsen festzuhalten. Ich fuhr also n�her an das Ufer heran, um dort einen Halt zu finden, doch umsonst. Ich mu�te also dort bleiben, wo ich war, und gegen die Str�mung paddeln, die mich sonst weggeschwemmt h�tte.</p><p>Es war mir nicht klar, woher diese Str�mung kam, denn der Hauptkanal des Flusses war deutlich zu erkennen, und ich sah auch die Stelle mit der unruhigen Wasseroberfl�che, wo sich der Flu� mit jener geheimnisvollen Str�mung vereinte, die meine Neugier erweckte.</p><p>W�hrend ich noch dar�ber nachdachte, erregte Thurid wieder meine Aufmerksamkeit, denn er hob beide H�nde mit den Handfl�chen nach vorne �ber den Kopf in der allgemeinen Gru�geste der Marsianer, und einen Moment sp�ter folgte sein �Kaor!�, das Gru�wort auf Barsoom.</p><p>Ich sah in die Richtung, in die er sich gewandt hatte, soweit es mir von meinem Versteck aus gelang, und erblickte auch sofort ein langes Boot, das mit sechs M�nnern besetzt war. F�nf waren an den Paddeln der sechste nahm den Ehrensitz ein.</p><p>Die wei�e Haut, die langlockigen gelben Per�cken auf den kahlen Sch�deln und die gro�artigen Goldreifen mit den Diademen auf den Per�cken wiesen sie als Heilige Therns aus.</p><p>Sie legten neben der Felsleiste an, auf der Thurid sie erwartete, und der Mann im Bug des Bootes stieg heraus. Ich sah, da� es kein anderer war als Matai Shang, Vater der Therns.</p><p>Die offensichtliche Herzlichkeit, mit der die beiden M�nner einander begr��ten, verwunderte mich, denn schwarze und wei�e Menschen sind und waren auf Barsoom seit uralten Zeiten Feinde. Ich habe noch nie erlebt oder geh�rt, da� die beiden einander anders als im Kampf gegen�bergestanden h�tten.</p><p>Es schien, als h�tten die Ereignisse der letzten Zeit diese beiden V�lker einander n�hergebracht, und zwischen den beiden M�nnern mochte es sogar eine Allianz gegen den gemeinsamen Feind geben; jetzt verstand ich auch, warum Thurid so h�ufig in das n�chtliche Tal Dor gegangen war, und ich vermutete, da� sich eine Verschw�rung anbahnte, die sich gegen meine Freunde oder auch nur gegen mich richtete.</p><p>H�tte ich nur eine sichere Stelle gefunden, die nahe genug war, um das mith�ren zu k�nnen, was sie sprachen! Da ich jedoch den Flu� nicht �berqueren konnte, beobachtete ich sie. Sicher h�tten sie viel daf�r gegeben, w�re ihnen bekannt geworden, wie nahe ich ihnen war! Wie leicht h�tten sie mich mit vereinter Kraft �berw�ltigen und t�ten k�nnen!</p><p>Ein paarmal deutete Thurid in meine Richtung, doch ich glaube nicht, da� dies auch mir galt. Etwas sp�ter bestieg Thurid zusammen mit Matai Shang dessen Boot, das sofort in den Flu� drehte und auf mich zu steuerte.</p><p>Ich bewegte mein Boot noch tiefer unter die �berh�ngenden Felsen, aber das andere Boot schien mich zu verfolgen. Die f�nf Ruderer brachten es auf eine solche Geschwindigkeit, die mir als einzelnem Mann niemals m�glich gewesen w�re.</p><p>Jeden Moment konnte mein Boot an den Felsen krachen, und das Licht vom Flu� her war nicht mehr zu sehen, doch ganz in der Ferne erkannte ich �ber dem noch immer offenen Wasser einen schwachen Lichtschimmer.</p><p>Da wurde es mir mit einem Mal klar, da� ich einem unterirdischen Flu� folgte, der sich an jener Stelle, an der ich mich befand, in den Iss ergo�.</p><p>Das Ruderger�usch des anderen Bootes �berdeckte das meine, aber nun mu�te ich damit rechnen, da� sie mich im Schein des vor uns liegenden Lichtes erkannten.</p><p>Ich durfte also keine Zeit verlieren. Was auch immer ich tun wollte, es mu�te blitzschnell geschehen. Ich schwang den Bug meines Bootes nach rechts zur felsigen Seite des Flusses und blieb dort liegen, w�hrend Matai Shang und Thurid sich an die Mitte des Wasserlaufes hielten, der viel schmaler war als der Flu� Iss.</p><p>Nun, da sie mir n�her waren, vernahm ich auch ihre Stimmen, die sie im Streit erhoben hatten.</p><p>�Ich sage dir, Thern�, sprach der schwarze Prinz, �da� ich mich nur an John Carter, Prinz von Helium, r�chen will. Ich f�hre euch in keine Falle. Was k�nnte ich schon dadurch gewinnen, da� ich euch an jene verrate, die mein Volk und mein Haus zerst�rt haben?�</p><p>�La� uns hier ein wenig anhalten, damit ich deine Pl�ne h�ren kann�, erwiderte der Hekator. �Dann k�nnen wir vielleicht einander und unsere Pflichten besser verstehen.�</p><p>Das Boot setzte sich wieder in Bewegung und legte h�chstens ein Dutzend Schritte von mir entfernt am felsigen Ufer an. Da sie zwischen dem Lichtschimmer und mir lagen, war ich vor Entdeckung etwa so sicher, als w�re ich Kilometer von ihnen entfernt gewesen. Die paar Worte, die ich verstanden hatte, erregten erst recht meine Neugier, und ich konnte es kaum mehr erwarten, zu h�ren, welche Rache sich Thurid gegen mich ausgedacht hatte. Ich brauchte auch nicht lange zu warten, und dann spitzte ich selbstverst�ndlich die Ohren.</p><p>�Es gibt da keine Verpflichtungen, Vater der Therns�, fuhr der Erstgeborene fort. �Thurid, der Prinz der Issus, hat keinen Preis. Wenn unser Plan richtig vollendet ist, dann werde ich mich freuen, wenn du daf�r sorgst, da� ich richtig empfangen werde, wie es meinem hohen Rang und meiner Abstammung zukommt. Es mu� ein Hof sein, an dem man dem alten Glauben noch treu anh�ngt, denn ich kann nicht in das Tal Dor oder in ein anderes Land zur�ckkehren, das der Gewalt des Prinzen von Helium untersteht. Doch selbst das verlange ich nicht, sondern es geschehe alles nach deinem Wunsch und wie die Verh�ltnisse es zulassen m�gen.�</p><p>�Es soll so sein, wie du es w�nschest, Dator�, erwiderte Matai Shang; �doch das ist noch lange nicht alles. Ehren und Reicht�mer warten deiner, wenn du meine Tochter Phaidor befreist und Dejah Thoris, Prinzessin von Helium, in meine H�nde �bergibst.�</p><p>Sein Gesicht war eine b�sartige Fratze, als er fortfuhr: �Der Erdenmann aber soll leiden f�r die Schmach, die er auf die Heiligsten der Heiligen geh�uft hat, und keine Schlechtigkeit kann schlecht genug sein f�r seine Prinzessin. St�nde es in meiner Macht, dann w�rde ich ihn sogar zwingen, die Dem�tigung und Erniedrigung der Roten Frau als Zeuge mitzuerleben.�</p><p>�Ehe noch ein Tag vor�ber ist, sollst du dich r�chen k�nnen, Matai Shang�, sagte Thurid. �Du brauchst nur ein Wort zu sagen.�</p><p>�Ich habe vom Tempel der Sonne geh�rt, Dator�, erwiderte Matai Shang. �Doch noch nie h�rte ich, da� einer der Gefangenen befreit werden konnte, ehe das Jahr der Einkerkerung vor�ber war. Wie willst du also das Unm�gliche vollbringen?�</p><p>�Man kann sich zu jeder Zelle des Tempels und jederzeit Zugang verschaffen�, erkl�rte Thurid. �Nur Issus wu�te es, und es war nicht die Gewohnheit der Issus, mehr Geheimnisse preiszugeben, als n�tig. Aber nach ihrem Tod bin ich zuf�llig auf die alten Tempelpl�ne gesto�en, und dort fand ich die genauesten Anweisungen daf�r, wie man nach Belieben zu den Zellen gelangen kann.</p><p>In vergangenen Zeiten sind viele M�nner f�r Issus diese Wege gegangen, um den Gefangenen Tod und Pein zu bringen. Die aber, die das Geheimnis erfuhren, starben auf geheimnisvolle Weise, nachdem sie der grausamen Issus Bericht erstattet hatten.�</p><p>�Dann wollen wir also beginnen�, antwortete Matai Shang schlie�lich. �Ich mu� dir vertrauen, doch ich mu� auch dein Vertrauen verlangen, denn wir sind sechs M�nner gegen�ber einem.�</p><p>�Ich f�rchte mich nicht, und auch du hast nichts zu f�rchten. Es gen�gt, da� wir unseren gemeinsamen Feind hassen, denn der Ha� festigt unsere gegenseitige Loyalit�t. Wenn wir die Prinzessin von Helium entf�hrt haben, dann haben wir noch mehr Grund f�r unsere Allianz, denn ich glaube kaum, da� ich das Temperament ihres Herrn falsch einsch�tze.�</p><p>Matai Shang gab den Ruderern eine Anweisung, und das Boot setzte sich weiter in Bewegung.</p><p>Am liebsten w�re ich nun auf diese gemeinen Verschw�rer eingedrungen, um sie zu erschlagen, doch ich sah nat�rlich ein, da� ich nicht die geringsten Aussichten hatte, mich gegen eine solche �bermacht zu behaupten. Ich h�tte Dejah Thoris nicht genutzt, wenn ich den einzigen Mann erschlagen h�tte, der mich vor Ablauf des Jahres zu meiner Prinzessin f�hren konnte.</p><p>Wenn er also Matai Shang zu diesem Ort bringen konnte, dann konnte auch John Carter, Prinz von Helium, ihm folgen. Und mit diesem Gedanken tauchte ich mein Paddel ein und folgte dem gro�en Boot.</p></section><section><title><p>2. Unter den Bergen</p></title><p>Als wir so dem Flu� folgten, der sich unter den Goldenen Klipper aus den Eingeweiden der Berge von Otz windet, um sich mit der dunklen Wassern des grimmigen, geheimnisvollen Iss zu vermischen wurde das schwache Gl�hen vor uns allm�hlich zu einem uns alle einh�llenden Schimmer.</p><p>Der Flu� verbreiterte sich zu einem gro�en See, dessen gew�lbte phosphoreszierende Decke mit blitzenden Diamanten, Rubinen, Saphiren und den unz�hligen anderen Edelsteinen von Barsoom durchsetzt war; der gr��te Teil dieser prachtvollen Klippen besteht jedoch aus hochwertigem Gold.</p><p>Hinter dieser Seekammer lag Dunkelheit, und was wiederum dahinter lag, konnte ich nicht einmal ahnen.</p><p>Man h�tte mich sofort entdeckt, w�re ich dem Boot der Therns �ber das schimmernde Wasser gefolgt, und so mu�te ich in Kauf nehmen, da� mir Thurid f�r ein paar Augenblicke au�er Sicht kam. Ich wartete also in den Schatten, bis das Boot die andere Seeseite erreicht hatte. Erst dann paddelte ich in die Richtung, die sie genommen hatten, doch als ich, wie mir schien, nach einer Ewigkeit die andere Seite erreichte, entdeckte ich, da� der Flu� aus einer sehr niederen �ffnung kam; ich mu�te Wula befehlen, sich ganz flach ins Boot zu legen, und auch ich mu�te mich zusammenkauern, um durchzukommen.</p><p>Fast sofort wurde das Dach wieder h�her, doch nun war der Tunnel nicht mehr hell erleuchtet. Nur da und dort befand sich im Dach oder an den W�nden ein schwach phosphoreszierender Fleck, und davon ging nur ein vages Leuchten aus.</p><p>Wenig sp�ter kam ich in eine kleinere Kammer, in die sich drei Tunnels �ffneten. Thurid und die Therns waren nirgends zu sehen. In welches dieser drei dunklen L�cher sollte ich nun vordringen? Ich hatte nicht den geringsten Anhaltspunkt, wohin sie verschwunden waren, und so w�hlte ich die mittlere �ffnung in der Hoffnung, sie bald wieder zu finden.</p><p>Hier war der Wasserlauf so schmal, da� ich in der pechschwarzen Dunkelheit bald links, bald rechts an die Felswand prallte, und au�erdem war auch der Tunnel alles andere als gerade.</p><p>Wenig sp�ter h�rte ich weit vorne ein tiefes, d�steres R�hren, das immer lauter wurde, je mehr ich mich ihm n�herte; und dann dr�hnte es auf einmal donnernd in meine Ohren, als ich nach einer scharfen Kurve in eine kurze Strecke schwachbeleuchteten Wassers kam. Direkt vor mir donnerte von oben herab ein riesiger Wasserfall, der die schmale Schlucht von einer Seite bis zur anderen f�llte und einige hundert Fu� hoch war. Es war das gro�artigste Naturschauspiel, das ich je gesehen hatte.</p><p>Aber das R�hren in dieser unterirdischen H�hle war einfach bet�ubend, und h�tte ich einen Ausweg gefunden, dann w�re ich schnellstens vor diesem Tumult geflohen. Aber hier gab es keinen Weiterweg, und daher konnten auch die Therns diesen Tunnel nicht ben�tzt haben.</p><p>Nun hatte ich also ihre Spur verloren. Sie hatten jetzt soviel Vorsprung vor mir, da� ich sie, wenn �berhaupt, kaum mehr rechtzeitig finden konnte.</p><p>Ich hatte einige Stunden gebraucht, um mir den Weg zum Wasserfall gegen eine starke Str�mung zu erk�mpfen, und es mu�ten noch weitere Stunden f�r den R�ckweg vergehen, wenn ich da wahrscheinlich auch rascher vorank�me.</p><p>Mit einem tiefen Seufzer drehte ich also den Bug meines Bootes wieder in die andere Richtung, und mit kr�ftigen Paddelschl�gen arbeitete ich mich so schnell es ging durch den engen, niederen Tunnel, bis ich wieder in die Kammer gelangte, von der die drei Wasserl�ufe ausgingen.</p><p>Nun hatte ich noch zwischen zwei L�chern zu w�hlen, und auch jetzt hatte ich nicht den kleinsten Anhaltspunkt daf�r, welchen Weg ich einschlagen sollte.</p><p>Noch nie im Leben war ich so unentschlossen gewesen, und ich litt sehr an meinen Zweifeln, denn sie kosteten Zeit. Von der richtigen Wahl hing unendlich viel ab, und die Zeit wurde immer knapper. Die Stunden, die ich bereits eingeb��t hatte, konnten das Schicksal meiner unvergleichlichen Dejah Thoris besiegeln, wenn sie nicht schon tot war. Weitere Stunden nutzlos zu vertun, indem ich einer blinden Spur folgte, konnte fatal werden.</p><p>Ein paarmal versuchte ich in den rechten Tunnel vorzudringen, aber ein merkw�rdiger Instinkt warnte mich, da� dies nicht der richtige Weg sei. Da ich die Erfahrung gemacht hatte, da� ich mich recht zuverl�ssig auf diesen Instinkt verlassen konnte, konzentrierte ich mich auf den linken Tunnel; doch auch hier hatte ich noch gewisse Zweifel. Immer wieder schaute ich hin�ber zu den dunklen, rollenden Wassern aus dem rechten Tunnel, und dann musterte ich erneut den linken.</p><p>Und als ich so unentschlossen schaute, kam mir aus der undurchdringlichen Dunkelheit buchst�blich ein Fingerzeig entgegengeschwommen�� auf dem Flu� tanzte die Schale einer der gro�en, saftigen Fr�chte des Sorapusbaumes.</p><p>Am liebsten h�tte ich nun einen Schrei der Erleichterung ausgesto�en, denn dieser unvern�nftige Botschafter, der an mir vorbeischwamm, sagte mir, da� die Marsianer, die ich suchte, vor mir auf diesem Flu�arm waren. Sie hatten von dieser gro�artigen Frucht gegessen. Die Schale der Sorapusnu� ist gro� und sehr hart, das Innere von k�stlichem Wohlgeschmack. Die Schale hatten sie dann �ber Bord geworfen, und sie konnte von niemand anders stammen, als von diesen Leuten.</p><p>Ich lie� also jeden Gedanken an den linken Tunnel fahren, und wenige Augenblicke sp�ter drang ich in den rechten vor. Anfangs war er noch sehr schmal, doch er wurde bald breiter, und zahlreiche phosphoreszierende Flecken erhellten meinen Weg.</p><p>Ich kam eigentlich recht schnell vorw�rts, obwohl ich mir dessen nat�rlich bewu�t war, da� die, denen ich folgte, etwa einen Tag Vorsprung hatten. Seit dem vergangenen Tag hatte ich ebensowenig gegessen wie Wula, dem das allerdings wenig ausmachte, denn praktisch alle Tiere, die vom Grund der toten See stammen, k�nnen unglaublich lange Zeiten ohne jede Nahrung aushaken.</p><p>Leiden mu�te ich aber auch nicht. Das Wasser des Flusses war s�� und frisch, denn es war nicht von verwesenden K�rpern verseucht wie der Iss, und zu essen brauchte ich nichts, da mich der Gedanke an meine geliebte Prinzessin �ber jedes k�rperliche Bed�rfnis hinaushob.</p><p>Nach einiger Zeit wurde dieser Flu�arm schmaler, die Str�mung rascher und viel unruhiger; sie wurde bald so heftig, da� ich alle M�he hatte, mit meinem Boot voranzukommen. Ich glaube, mehr als hundert Meter schaffte ich in der Stunde niemals, und als ich schlie�lich an eine starke Flu�biegung kam, sah ich vor mir eine ganze Reihe von Stromschnellen. Das Wasser sch�umte und schien zu kochen. Mir wurde das Herz schwer. Die Schale der Sorapusnu� war also ein falscher Prophet gewesen, und meine Intuition, dem linken Flu�lauf zu folgen, w�re wohl richtiger gewesen.</p><p>W�re ich eine Frau gewesen, h�tte ich wohl geweint, doch gen�tzt h�tte das auch nichts. Rechts von mir war ein gro�er, sich langsam bewegender Wirbel, der unter den �berh�ngenden Felsen kreiste, und so lie� ich mein Boot, um meine angestrengten Muskeln ein wenig ausruhen zu lassen, in die Umarmung dieses Wirbels treiben. Die Entt�uschung war ein schwerer Schlag f�r mich, denn wieder brauchte ich einen halben Tag, um zu jener Kammer umzukehren und nun den dritten, den einzigen noch unerforschten Tunnel zu befahren. Welch h�llisches Schicksal hatte mich vor drei M�glichkeiten gestellt, von denen zwei falsch sein mu�ten?</p><p>Zweimal prallte mein langsam im Wirbel treibendes Boot an den Felsen, und als es zum drittenmal leicht dort anstie�, vernahm ich ein anderes Ger�usch�� es war so, als scharre Holz an Holz. Sofort war ich hellwach. In diesem unterirdischen Flu� konnte es kein Holz geben, wenn es nicht von Menschenhand dorthin gebracht worden war. Als ich dieses Ger�usch vernahm, scho� auch schon gleichzeitig meine Hand in jene Richtung, und eine Sekunde sp�ter griffen meine Finger um das Schanzdeck eines anderen Bootes. Wie versteinert sa� ich eine Weile so da und lauschte angestrengt in die Stille; meine Augen bohrten sich in die tiefe Dunkelheit, um zu erkennen, ob das Boot besetzt war.</p><p>Es war nat�rlich m�glich, da� sich Menschen an Bord befanden, die von meiner N�he noch gar nichts ahnten, denn das Boot schabte mit einer Seite ein wenig an den Felsen, so da� die leichte Ber�hrung durch mein Boot wahrscheinlich ganz unbemerkt blieb.</p><p>Da meine Augen die Dunkelheit nicht durchdringen konnten, lauschte ich um so angestrengter auf Atemz�ge in meiner N�he; au�er dem L�rm der Stromschnellen vernahm ich jedoch nichts als das leise Scheuern der Boote und das leise Klatschen des Wassers an die Bootsw�nde. Und nun �berlegte ich, wie es meine Gewohnheit war, sehr schnell.</p><p>Am Boden meines eigenen Bootes hatte ich ein aufgerolltes Seil liegen. Das hob ich ganz leise auf, befestigte das eine Ende am Bronzering meines Buges und stieg leise auf das andere Boot hin�ber. In einer Hand hatte ich das Seil, in der anderen hielt ich mein gutes Langschwert.</p><p>Mindestens eine volle Minute blieb ich bewegungslos dort stehen. Das Boot hatte unter meinem Gewicht ein wenig geschwankt, aber es war nat�rlich das scharrende Ger�usch, das Aufmerksamkeit erregen mu�te, falls sich jemand auf dem anderen Boot befand. Aber es geschah nichts, und dann tastete ich mich weiter und fand, da� das Boot verlassen war.</p><p>Nun griff ich an den Felsen, an dem das Boot verankert war und tastete mich auch hier weiter. Ich entdeckte eine schmale Felsleiste, die von jenen als Weg benutzt worden sein mu�te, die vor mir gekommen waren. Selbstverst�ndlich war ich �berzeugt, da� es niemand anderer gewesen sein konnte als Thurid mit seiner Gruppe, denn das schlo� ich aus der Gr��e und Form des Bootes.</p><p>Leise rief ich nach Wula, der sofort zu mir kam und hinter mir auf die schmale Felsleiste stieg. Das gro�e wilde Tier lief lautlos wie auf Katzenpfoten und ebenso geschmeidig hinter mir her.</p><p>Als er durch das fremde Boot ging, das Thurid und die Therns gebracht hatte, knurrte er einmal tief und grollend. Dann stand er neben mir, und ich griff in seine M�hne, die sich vor Zorn str�ubte. Wula mu� wohl telepathisch die k�rzliche Anwesenheit eines verha�ten Feindes gesp�rt haben, denn ich hatte mir nicht die geringste M�he gegeben, ihn �ber die Natur jener, die wir verfolgten, aufzukl�ren oder ihm zu sagen, welchen Zweck unsere Reise hatte.</p><p>Ich sah nat�rlich ein, da� dies ein Vers�umnis war, und so holte ich das Unterlassene eiligst nach, indem ich, wie es die gr�nen Marsmenschen mit ihren Tieren tun, ihn auf dem seltsamen und noch recht geheimnisvollen Weg telepathischer Gedanken�bermittlung und unterst�tzt von wenigen Worten erkl�rte, da� wir der Spur jener folgen w�rden, die einige Zeit in dem Boot, das wir eben durchquerten, verbracht und es vor einiger Zeit verlassen hatten.</p><p>Zum Zeichen, da� er mich verstanden hatte, schnurrte Wula wie eine gro�e Katze. Ich bedeutete ihm, er solle mir folgen, und wandte mich auf der Felsleiste nach rechts. Kaum hatte ich das getan, als ich sp�rte, wie seine m�chtigen Fangz�hne an meinem Lederzeug zerrten. Ich drehte mich zu ihm um, da ich wissen wollte, weshalb er das tat; da zog mich Wula in die entgegengesetzte Richtung, und er lie� nicht davon ab, bis ich ihm bedeutete, da� ich ihm folgen w�rde. Noch niemals habe ich festgestellt, da� mein guter, treuer Wula sich in einer Spur get�uscht h�tte, und so bewegte ich mich mit vollkommener Ruhe und Sicherheit hinter dem riesigen Tier durch die Dunkelheit. Es war wirklich nur eine sehr schmale Felsleiste, die an dem tobenden Flu� entlangf�hrte.</p><p>Nach einiger Zeit kamen wir unter den �berh�ngenden Felsen heraus in ganz schwaches Licht, und nun entdeckte ich, da� der Pfad aus dem gewachsenen Fels herausgeschlagen war und da� er �ber die Stromschnellen weiterf�hrte.</p><p>Stundenlang folgten wir dem dunklen, spukhaften Flu� und kamen dabei immer tiefer in die innersten Eingeweide des Mars. Aus Richtung und zur�ckgelegter Entfernung konnte ich leicht ausrechnen, da� wir uns mindestens unter dem Tal Dor befanden, vielleicht sogar unter der See von Omean, und nun konnte es nicht mehr weit sein zum Sonnentempel.</p><p>Diesen Gedanken hatte ich noch nicht zu Ende gedacht, als Wula unvermittelt vor einem schmalen Torbogen in den Klippen neben dem Pfad anhielt. Sofort duckte er sich wieder vom Eingang weg und schaute mich gleichzeitig aufmerksam an.</p><p>Worte h�tten nicht deutlicher auszudr�cken vermocht, da� Gefahr in der Luft lag, und so huschte ich neben ihm weiter und warf dabei einen raschen Blick in die T�r�ffnung.</p><p>Vor mir lag eine ziemlich gro�e Kammer, und so, wie sie aussah, mu�te sie vor einiger Zeit einmal ein Wachraum gewesen sein. Es gab Waffenst�nder und eine etwas erh�hte Plattform f�r die Schlafseiden und Pelze der Krieger, aber jetzt waren nur zwei jener Therns anwesend, die in Begleitung von Thurid und Matai Shang gekommen waren.</p><p>Die M�nner unterhielten sich ernst, und aus ihrer Unterhaltung und ihrem Benehmen konnte ich schlie�en, da� sie nicht im geringsten mit Lauschern rechneten.</p><p>�Ich rate dir�, sagte der eine zum anderen, �trau diesem Schwarzen nicht. Es besteht nicht die geringste Notwendigkeit daf�r, da� er uns hier lie�, um den Weg zu bewachen. Gegen wen, bitte sehr, sollten wir gegebenenfalls diesen unterirdischen, l�ngst vergessenen Pfad verteidigen? Es war eine List, um uns von den anderen zu trennen. Er wird Matai Shang dazu �berreden, da� er unter irgendeinem Vorwand noch einen oder zwei an einer anderen Stelle zur�ckl��t, und dann wird er pl�tzlich mit seinen Mitverschw�rern �ber uns herfallen und uns alle abschlachten.�</p><p>�Ich glaube dir, Lakor�, antwortete ihm der andere. �Zwischen den Therns und den Erstgeborenen kann es niemals etwas anderes als t�dlichen Ha� geben. Und was h�ltst du von der l�cherlichen Sache mit dem Licht? �La�t das Licht scheinen mit der Kraft von drei Radiumeinheiten f�r f�nfzig Tals, und f�r ein Xat la�t es scheinen mit der Kraft einer Radiumeinheit, dann f�r f�nfundzwanzig Tals mit neun Einheiten.� Das hat er w�rtlich gesagt, und ich verstehe nicht, wie der alte, weise Matai Shang auf solche Ungereimtheiten h�ren kann.�</p><p>�Wirklich, es ist t�richt�, pflichtete ihm Lakor bei. �Nichts anderes wird dabei herauskommen als ein schneller Tod f�r uns alle. Er mu�te ja irgend etwas antworten, als Matai Shang ihn offen fragte, was er tun solle, wenn er zum Sonnentempel k�me, und so sagte er nur schnell etwas, das ihm gerade einfiel. Ich w�rde das Diadem eines Hekators daf�r wetten, da� er nicht mehr wiederholen k�nnte, was er gesagt hat.�</p><p>�Lakor, ich glaube, es ist kl�ger, wir bleiben nicht l�nger hier�, begann nun wieder der andere Thern. �Wenn wir ihnen jetzt nacheilen, kommen wir m�glicherweise gerade noch rechtzeitig, um Matai Shang zu retten und an dem schwarzen Prinzen Rache zu nehmen. Was sagst du dazu?�</p><p>�Noch niemals in meinem langen Leben habe ich dem Befehl des Vaters der Therns nicht gehorcht�, erwiderte Lakor. �Ich bleibe hier, bis ich verrotte, wenn er nicht rechtzeitig kommt, um mich anderswohin zu schicken.�</p><p>Lakors Gef�hrte sch�ttelte den Kopf. �Du bist mein Vorgesetzter, und ich kann nichts tun, was du nicht guthei�en willst�, antwortete er. �Ich glaube allerdings noch immer, da� wir recht dumm sind, wenn wir bleiben.�</p><p>Genau dasselbe dachte ich mir auch, denn aus Wulas Verhalten konnte ich schlie�en, da� unser Pfad durch diesen Raum f�hren mu�te, in dem die beiden Therns Wache hielten. Ich hatte nicht den leisesten Grund, dieser Rasse sich selbst verg�ttlichender D�monen Liebe entgegenzubringen, und doch w�re ich am liebsten so an ihnen vorbeigegangen, da� ich sie dabei nicht bel�stigt h�tte.</p><p>Da uns auf jeden Fall ein Kampf sehr aufgehalten h�tte, wollte ich es auch so versuchen oder sogar meine Suche ganz aufgeben. Bessere M�nner als ich haben schon vor geringerwertigen K�mpfern kapituliert als vor den unerbittlichen Thernkriegern.</p><p>Ich gab Wula ein Zeichen, er solle sich eng an mich halten, und trat pl�tzlich vor die beiden M�nner. Als sie mich sahen, rissen sie ihre Schwerter aus den Scheiden, doch ich hob meine Hand in einer abwehrenden Geste.</p><p>�Ich suche Thurid, den schwarzen Dator�, sagte ich. �Mit ihm habe ich Streit, nicht mit euch. La�t mich daher in Frieden vorbeigehen, denn ich wei� es, da� er euer Feind genauso ist wie der meine, und ihr habt nicht den geringsten Grund, ihn zu sch�tzen.�</p><p>Sie senkten die Schwerter, und Lakor sprach f�r sie beide.</p><p>�Ich wei� nicht, wer du bist, du mit der wei�en Haut der Therns und dem schwarzen Haar eines Roten Mannes, aber ginge es nur um Thurid, dessen Sicherheit auf dem Spiel steht, so k�nntest du ruhig vorbeigehen, und soweit es uns betrifft, w�rst du uns auch noch willkommen.</p><p>Sag uns deshalb, wer du bist und welche Aufgabe dich in diese unbekannte Welt unter dem Tal Dor f�hrt, und dann sehen wir vielleicht eine M�glichkeit, dich vorbeigehen zu lassen, damit du deinen Auftrag erf�llen kannst, den wir ebenso gerne �bernehmen w�rden, lie�en unsere Befehle es zu.�</p><p>Es erstaunte mich, da� keiner von den beiden mich erkannte, denn ich glaubte eigentlich ausreichend bekannt zu sein, entweder aus pers�nlichen Erfahrungen heraus oder aus den Erz�hlungen anderer Leute. Jeder Thern auf ganz Barsoom h�tte mich in jedem Landesteil sofort erkennen m�ssen. Ich war n�mlich wirklich der einzige wei�h�utige Mann auf dem Mars, dessen Haar schwarz und dessen Augen grau waren�� das hei�t, der einzige au�er meinem Sohn Carthoris. Enth�llte ich meine Identit�t, so forderte ich damit einen Kampf heraus, denn jeder Thern auf ganz Barsoom wu�te, da� sie den Sturz ihrer seit undenklichen Zeiten geltenden geistigen �berlegenheit in erster Linie mir zu verdanken hatten. Andererseits aber war mein Ruf als K�mpfer so unumstritten, da� mein Name gen�gen konnte, mir freien Durchgang zu gew�hren, denn die beiden konnten sich sonst ausrechnen, da� es sonst zu einem Kampf auf Leben und Tod kommen mu�te.</p><p>Ich will ganz ehrlich sein: Mit solchen Sophistereien hielt ich mich nicht auf, denn ich wu�te nur allzu gut, da� es auf dem kriegerischen Mars nur ganz wenige ausgemachte Feiglinge gibt, und da� jeder Mann, egal ob Prinz, Priester oder Bauer, in einem ernstlichen Kampf seine Glorie sieht. Deshalb griff ich also ein wenig fester um mein Langschwert, als ich mich Lakor zuwandte.</p><p>�Ich glaube, du wirst bald einsehen, wie weise es von dir ist, wenn du mich unbel�stigt vorbeigehen l��t, denn es w�rde dir gar nichts n�tzen, hier in den felsigen Eingeweiden von Barsoom zu sterben, nur weil du den Erbfeind deines Volkes, n�mlich Thurid, Dator der Erstgeborenen, besch�tzen willst.</p><p>Da� ihr beide sterben werdet, falls ihr es vorzieht, euch mir zu widersetzen, beweisen all die verwesenden Leiber der vielen gro�en Krieger von Barsoom, die unter diesem Schwert gefallen sind�� ich bin John Carter, Prinz von Helium.�</p><p>Mein Name schien die beiden M�nner f�r eine ganze Weile zu lahmen; dann stie� der j�ngere der beiden einen abscheulichen Fluch aus und drang mit gez�cktem Schwert auf mich ein.</p><p>Er hatte ein St�ckchen hinter seinem Gef�hrten Lakor gestanden, und jetzt griff der �ltere Mann nach seinem Harnisch und zog ihn zur�ck.</p><p>�Halt!� befahl Lakor. �Wir haben noch genug Zeit zum K�mpfen, wenn wir es f�r klug halten, �berhaupt zu k�mpfen. Es kann gute Gr�nde f�r jeden Thern auf ganz Barsoom geben, mit Vergn�gen das Blut eines Abtr�nnigen und Sch�nders zu vergie�en, doch la� uns Weisheit mit unserem gerechten Ha� vereinen. Der Prinz von Helium hat sich aufgemacht, eine Aufgabe zu erf�llen, die wir noch vor wenigen Minuten selbst ausf�hren wollten.</p><p>La� ihn also gehen und den Schwarzen erschlagen. Wenn er zur�ckkehrt, werden wir noch hier sein, um ihm den Weg in die �u�ere Welt zu verwehren, und auf diese Weise entledigen wir uns zweier Feinde; dar�ber hinaus ist es ein gro�er Vorteil f�r uns, wenn wir nicht die Unzufriedenheit des Vaters der Therns herausfordern.�</p><p>W�hrend er sprach, entging mir nat�rlich nicht das boshafte Glitzern in seinen Augen. Seine Begr�ndung war durchaus logisch, und trotzdem f�hlte ich�� vielleicht unterbewu�t��, da� seine Worte ein ganz bestimmtes Ziel verfolgten. Offensichtlich sehr erstaunt wandte sich ihm der andere Thern zu, aber Lakor wisperte ihm ein paar Worte ins Ohr. Daraufhin zog sich der andere zur�ck und nickte zustimmend zum Vorschlag seines Vorgesetzten.</p><p>�Geh weiter, John Carter�, sagte Lakor. �Aber wisse, da�, wenn Thurid dich nicht niederschl�gt, andere hier auf dich warten, die daf�r sorgen werden, da� du niemals mehr das Sonnenlicht der oberen Welt erblicken wirst. Und jetzt geh!�</p><p>W�hrend unserer Unterhaltung hatte sich Wula grollend und mit gestr�ubtem Fell eng neben mir gehalten. Ab und zu sah er zu mir auf und winselte dabei sehns�chtig, als warte er auf ein Wort Von mir, das ihm erlaube, diese beiden nackten Kehlen vor ihm anzuspringen und zu zerfleischen. Selbst das Tier sp�rte die abgrundtiefe Schlechtigkeit hinter den glatten Worten.</p><p>Als wir an den Therns vorbei waren, �ffneten sich einige T�ren vom Wachraum aus, und Lakor zeigte auf die am weitesten rechts liegende. �Hier kommst du zu Thurid�, sagte er.</p><p>Als ich jedoch nach Wula rief, wollte er mir nicht gehorchen, sondern stemmte sich winselnd ein und zerrte an mir. Dann lief er rasch zur ersten T�r links, wo er ein paarmal hustend bellte, als wolle er mich dr�ngen, ihm doch auf dem richtigen Weg zu folgen.</p><p>Ich sah Lakor fragend an.</p><p>�Das Tier irrt sich kaum einmal�, erkl�rte ich ihm. �Obwohl ich nicht an deinem �berlegenen Wissen zweifle, Thern, glaube ich doch, da� es f�r mich besser ist, wenn ich auf die Stimme des Instinkts h�re, die von Liebe und Treue geleitet wird.�</p><p>Dazu l�chelte ich grimmig, so da� er unmi�verst�ndlich wu�te, wie sehr ich ihm mi�traute.</p><p>�Wie du willst�, erwiderte der Thern achselzuckend. �Am Ende ist es ja doch v�llig einerlei.�</p><p>Ich folgte also Wula in den Gang links, und dabei spitzte ich die Ohren, da ich ja den R�cken meinen Feinden zugewandt hatte. Ich h�rte jedoch keine Ger�usche, die auf eine Verfolgung schlie�en lie�en. Dieser Korridor war mit einigen Radiumbirnen schwach beleuchtet; es sind dies die auf Barsoom �blichen Lichtquellen.</p><p>Diese Lampen taten vielleicht schon seit unendlichen Zeiten ihren Dienst in den unterirdischen Kammern, denn sie bed�rfen keiner Wartung und sind so konstruiert, da� sie selbst in Jahrzehnten oder Jahrhunderten kaum etwas von ihrer Substanz abgeben.</p><p>Wir brauchten nicht weit zu gehen, bis wir auf immer neue abzweigende G�nge trafen, aber Wula z�gerte nicht ein einziges Mal. Einmal vernahm ich an der Einm�ndung eines Ganges rechts von mir Ger�usche, die dem K�mpfer John Carter mehr sagten als Worte meiner Muttersprache�� das Klirren des Metalls vom Harnisch eines Kriegers��, und sie kamen aus dem Gang rechts von mir und ein St�ck weiter drinnen.</p><p>Auch Wula h�rte es, und wie ein Blitz wirbelte er herum und stellte sich der drohenden Gefahr. Seine M�hne war gestr�ubt; die Lefzen hatte er �ber die funkelnden Reihen seiner gef�hrlichen Rei�z�hne zur�ckgezogen, und dazu knurrte er drohend. Mit einer Geste beruhigte ich ihn wieder, und Seite an Seite drangen wir in einen anderen Korridor ein St�ck ein, wo wir dann warteten.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis wir die Schatten zweier M�nner erkannten, die auf den Boden des Hauptganges aus dem Gang rechts fielen. Die beiden M�nner bewegten sich �u�erst behutsam vorw�rts, und das metallische Klirren, das mich alarmiert hatte, wiederholte sich nicht.</p><p>Bald kamen sie an unserem Versteck vorbei, und es erstaunte mich absolut nicht, sie zu sehen�� n�mlich Lakor und seinen Gef�hrten aus dem Wachraum.</p><p>Sie tappten sehr leise dahin, und in der rechten Hand eines jeden schimmerte ein scharfes Langschwert. Fast unmittelbar vor dem Zugang zu unserem Versteck blieben sie stehen und fl�sterten miteinander.</p><p>�Kann es sein, da� wir sie schon �berholt haben?� fragte Lakor.</p><p>�Entweder das, oder das Tier hat den Mann auf einen falschen Pfad gef�hrt�, erwiderte der andere. �Der Weg, den wir nahmen, ist ja wesentlich k�rzer f�r jene, die ihn kennen. John Carter h�tte allerdings entdeckt, da� es f�r ihn ein kurzer Todesweg gewesen w�re, h�tte er den genommen, den wir ihm vorschlugen.�</p><p>�Ja�, antwortete Lakor. �Nicht einmal seine unbestreitbaren K�mpfereigenschaften h�tten ihn vor dem Drehstein retten k�nnen. Sicher w�re er draufgetreten, und wenn die Grube darunter einen Boden hat, was Thurid verneint, dann h�tte er sich ihm �beraus rasch gen�hert, und das w�re seiner Gesundheit nicht zutr�glich gewesen. Dieses Untier, das ihn vor diesem Pfad gewarnt und ihn auf einen besseren gef�hrt hatte, soll verflucht sein!�</p><p>�Vor ihm liegen noch viel mehr Gefahren�, entgegnete Lakors Gef�hrte. �Denen entrinnt er vielleicht nicht ganz so leicht, falls es ihm jetzt gelingen sollte, unseren guten Schwertern zu entkommen. �berlege doch zum Beispiel, welche Chance er noch hat, wenn er unerwarteterweise in die Kammer der...�</p><p>Viel h�tte ich gegeben, w�re es mir m�glich gewesen, auch noch den Rest dieses Gespr�ches mitzuh�ren, denn dann w�re ich vor einigen der vor mir liegenden Gefahren gewarnt gewesen. Aber leider mu�te ich ausgerechnet in jenem Moment, der mir daf�r als der ungeeignetste erschien, heftig niesen.</p></section><section><title><p>3. Der Sonnentempel</p></title><p>Mir blieb nun nichts anderes �brig, als zu k�mpfen, und ich war auch absolut nicht im Vorteil, als ich mit dem Schwert in der Hand vor den beiden Therns in den Gang hinaus sprang. Mein unzeitiges Niesen hatte sie gewarnt, und so waren sie auf mich vorbereitet. Worte w�ren hier reine Atemverschwendung gewesen, denn die Anwesenheit der beiden war Beweis genug f�r ihre Falschheit. Da� sie mir gefolgt waren, um mich aus dem Hinterhalt zu �berfallen, war nur allzu offensichtlich, und jetzt mu�ten sie nat�rlich erkannt haben, da� ich sie durchschaut hatte.</p><p>Im n�chsten Moment war ich auch schon mit den beiden vollauf besch�ftigt. Obwohl ich allein schon den Namen der Therns verachte, mu� ich in aller Fairness zugeben, da� sie geschickte M�nner des Schwertes sind. Diese beiden waren keine Ausnahme; ganz im Gegenteil. Sie waren vielleicht noch geschickter und furchtloser als der Durchschnitt ihrer Rasse.</p><p>Es war, solange er dauerte, ein glorreicher Kampf. Mindestens zweimal bewahrte ich mich allein mit meiner wunderbaren irdischen Muskelkraft davor, von einem Schwert durchbohrt zu werden. Immer wieder hatte ich im Laufe meiner vielen Marsjahre festgestellt, wie vorteilhaft f�r meinen irdischen K�rper die geringere Schwerkraft und der niedrigere Luftdruck des Mars waren. Trotzdem bekam ich in dem d�steren Korridor tief unter dem S�dpol des Mars einen Vorgeschmack des Todes, denn Lakor spielte einen sehr schmutzigen Trick, den ich in meinem ganzen k�mpferischen Leben auf zwei Planeten noch nie gesehen hatte</p><p>Der andere Thern hielt mich gerade besch�ftigt, da ich ihn zur�ckdr�ngen mu�te. Ich ber�hrte ihn immer wieder mit meiner Schwertspitze, so da� er aus verschiedenen Wunden blutete, aber keiner meiner St��e hatte bisher noch seine wundervolle Abwehr durchbrochen, um ihm den Todessto� versetzen zu k�nnen, mit dem ich ihn zu seinen Ahnen versammelt h�tte.</p><p>In diesem Moment nahm Lakor blitzschnell seinen G�rtel ab, und als ich einen Schritt zur�cktrat, um einen Ausfall meines Gegners zu parieren, holte er damit nach meinem linken Fu�kn�chel aus, so da� sich der G�rtel darum herumwand, und zerrte dann heftig daran. Er ri� mich glatt aus dem Stand, und ich fiel auf den R�cken. Mit Pantherspr�ngen waren sie nun �ber mir; aber sie hatten Wula vergessen. Ehe mich noch eine Klinge auch nur ritzen konnte, schienen tausend br�llende und r�hrende Teufel auf meine Angreifer loszugehen, und mein treuer Marshund war �ber ihnen.</p><p>Man stelle sich, wenn man gen�gend Fantasie hat, einen riesiger, Grizzlyb�ren mit zehn scharfkralligen Beinen und einem enormen Kopf vor, in dem sich ein frosch�hnliches Maul, das von einem Ohr zum anderen reicht, �ffnet, das drei Reihen wei�er, langer, nadelscharfer Rei�z�hne enth�lt. Zu diesem schrecklichen Tier denke man sich die Schnelligkeit und Wildheit eines halbverhungerten Bengaltigers und die Kraft eines ganzen Bullengespannes, und dann bekommt man eine andeutungsweise Vorstellung von meinem angreifenden Wula.</p><p>Ehe ich ihn noch zur�ckrufen konnte, hatte er Lakor mit einem einzigen Prankenhieb in eine undefinierbare Masse verwandelt und den anderen Thern buchst�blich in Streifchen gerissen. Als ich jedoch in scharfem Ton mit ihm sprach, duckte er sich, als wisse er, da� er Schelte und vielleicht sogar Strafe verdiene.</p><p>In all den langen Jahren hatte ich nie das Herz gehabt, Wula zu bestrafen. An jenem ersten Tag auf dem Mars hatte ihn der gr�ne Jed der Tharks zu meinem W�chter bestimmt, und ich hatte seine Liebe und Treue dadurch gewonnen, da� ich ihn vor der grausamen Herzlosigkeit seiner fr�heren Herren besch�tzte. Ich glaube, er h�tte von mir jede, auch die h�rteste Strafe hingenommen, so sehr hing dieses Tier an mir.</p><p>Das Diadem am Goldreif, der die Stirn Lakors schm�ckte, wies ihn als Heiligen Thern aus, w�hrend sein Gef�hrte, der ohne diesen Schmuck war, zu den niederen Therns geh�rte, wenn auch aus seinem Harnisch hervorging, da� er den Neunten Kreis bereits erreicht hatte, also die letzte Stufe vor den Heiligen Therns.</p><p>Ich stand eine Weile da und sah auf das grauenhafte von Wula angerichtete Chaos hinunter, und da fiel mir ein, wie ich bei anderer Gelegenheit schon einmal in Per�cke, Diadem und Harnisch von Sator Throg, des Heiligen Thern, den Thuvia von Ptarth erschlagen hatte, in feindliches Gebiet vorgedrungen war; ich hielt es auch jetzt f�r recht wahrscheinlich, da� es n�tzlich sein k�nnte, Lakors Ausr�stung zum gleichen Zweck zu ben�tzen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter hatte ich ihm die gelbe Per�cke vom Glatzkopf gerissen und mir selbst auf die schwarzen Haare gest�lpt, das Diadem aufgesetzt und seinen Harnisch angelegt.</p><p>Wula schien meine Verwandlung von Herzen zu mi�billigen. Er schnupperte an mir herum und knurrte gef�hrlich, doch als ich mit ihm sprach und seinen riesigen Kopf t�tschelte, fand er sich mit der Ver�nderung ab und trottete auf meinen Befehl hin neben mir den Korridor entlang in jene Richtung, die wir bisher eingehalten hatten, bis wir durch das Dazwischentreten der beiden Therns aufgehalten wurden.</p><p>Gewarnt von der mitgeh�rten Unterhaltung bewegten wir uns sehr vorsichtig weiter. Ich ging auf gleicher H�he mit Wula, damit all unsere Augen uns dazu dienen konnten, jede pl�tzlich auftretende Drohung sofort zu erkennen, und es war recht gut, da� wir vorgewarnt waren.</p><p>Am Fu� einer schmalen, steilen Treppe machte der Gang eine scharfe Biegung, dann noch eine, so da� er schlie�lich wieder in der alten Richtung weiterlief, nachdem er ein vollkommenes S beschrieben hatte, dessen oberes Bein in eine gro�e, d�rftig beleuchtete Kammer f�hrte, deren Boden v�llig mit giftigen Schlangen und abscheulichen Reptilien bedeckt war.</p><p>Ein Versuch, �ber diesen Boden zu gehen, w�re dem sofortigen Tod gleichgekommen, und ich war erst einmal gr�ndlich entmutigt. Dann fiel mir ein, da� ja Thurid und Matai Shang mit ihrer Gruppe auch diesen Raum durchquert haben mu�ten, also mu�te es einen ungef�hrlicheren Weg geben.</p><p>Es war ein ungeheuerer Gl�cksfall gewesen, da� ich wenigstens einen Teil der Unterhaltung dieser beiden Therns mitgeh�rt hatte, denn sonst w�re ich mit Wula mindestens ein paar Schritte in diesen Raum hineingestolpert�� in eine sich windende Masse der Zerst�rung</p><p>-, und das h�tte durchaus gen�gt, unser Verh�ngnis zu besiegeln. Das waren die einzigen Reptilien, die ich jemals auf Barsoom gesehen habe, aber ich wu�te aus der �hnlichkeit mit versteinerten und wahrscheinlich l�ngst ausgerotteten Tieren, die ich in den Museen von Helium gesehen hatte, da� es viele pr�historische Reptilien gegeben haben mu�te, von denen die meisten vermutlich noch nicht einmal entdeckt waren.</p><p>Noch nie hatte ich eine h��lichere und gef�hrlichere Ansammlung scheu�licher Untiere gesehen als die, welche sich nun meinen Augen darbot. Sie lassen sich einem Erdenmenschen nicht beschreiben, denn es ist nur die Substanz, die sie mit den bei uns zu irgendeiner Zeit einmal heimisch gewesenen Rassen gemeinsam hatten. Selbst ihr Gift ist von einer Wirksamkeit, die jede irdische Giftigkeit �bertrifft und eine Kobra vergleichsweise so harmlos erscheinen l��t wie eine Ringelnatter.</p><p>Als sie mich sahen, schl�ngelten sich die Tiere sofort der T�r entgegen, neben der ich stand, doch eine Reihe von Radiumbirnen, die an der Schwelle ihrer Kammer angebracht waren, bot ihnen Einhalt.</p><p>Diese Lichtlinie durften sie anscheinend nicht �berschreiten. Wenn ich auch nicht gewu�t hatte, was sie aufhalten k�nnte, so war ich doch irgendwie sicher gewesen, da� sie den Raum nicht verlassen w�rden. Die einfache Tatsache, da� wir im Korridor keinem Reptil begegnet waren, gab mir die Gewi�heit, da� sie sich dort nicht herumtrieben.</p><p>Ich rief Wula zu mir, damit ihm nichts zusto�en konnte, und dann suchte ich sorgf�ltig mit den Augen die ganze Reptilienkammer ab, soweit ich von meinem Platz an der T�r sehen konnte. Als sich meine Augen an das Halbdunkel gew�hnt hatten, bemerkte ich am anderen Ende der Kammer eine niedere Galerie, von der ausgehend sich verschiedene Ausg�nge �ffneten.</p><p>Dieser Galerie folgte ich nun genau mit den Augen und entdeckte, da� sie vermutlich um den ganzen Raum herumlief. Nun schaute ich ein wenig h�her und sah zu meiner freudigen �berraschung, da� ein Ende der Galerie in etwa Fu�h�he �ber meinem Kopf bis zur T�r lief, unter der ich stand. Im n�chsten Augenblick war ich auch schon hinaufgesprungen, und dann rief ich Wula, da� er mir folgen solle. Hier gab es keine Reptilien, und der Weg zur anderen Seite der scheu�lichen Kammer war frei und sicher. Wenig sp�ter lie� ich mich zusammen mit Wula in den Korridor hinunterfallen.</p><p>Nach zehn Minuten erreichten wir einen riesigen runden Raum aus wei�em Marmor, dessen W�nde mit den seltsamen goldenen Schriftzeichen der Erstgeborenen geschm�ckt waren. Dieser Raum hatte eine unendlich hohe Kuppel, und von dieser f�hrte eine wuchtige runde S�ule bis zum Boden. Als ich sie beobachtete, entdeckte ich, da� sie sich ganz langsam drehte.</p><p>Ich hatte den Fu� des Sonnentempels erreicht!</p><p>Irgendwo �ber mir lag Dejah Thoris, und bei ihr waren Phaidor, die Tochter von Matai Shang, und Thuvia von Ptarth. Wie ich sie aber jetzt, da ich die einzige verletzliche Stelle in ihrem m�chtigen Gef�ngnis gefunden hatte, erreichen konnte, war noch immer ein verwirrendes Geheimnis f�r mich.</p><p>Langsam umkreiste ich den riesigen runden Schaft und untersuchte ihn, soweit ich sehen konnte, nach einer M�glichkeit, in ihn einzudrin.gen. Als ich ein St�ck herumgegangen war, fand ich eine winzige Radiumtaschenlampe, die ich selbstverst�ndlich neugierig pr�fte, denn an diesem unzug�nglichen und gr��tenteils unbekannten Fleck hatte sie etwas zu bedeuten. Und da fand ich im Geh�use die Insignien des Hauses Thurid in winzigen bunten Juwelen.</p><p>Also war ich auf dem richtigen Pfad. Ich lie� das h�bsche Spielzeug In meine G�rteltasche gleiten und setzte meine Suche nach einem Eingang fort. Einen solchen Zugang mu�te es ja irgendwo geben, und ich brauchte auch nicht sehr lange zu suchen. Wenige Minuten sp�ter fand ich eine kleine T�r, die so pr�zis und kunstvoll in den S�ulenschaft eingelassen war, da� nur ein sehr sorgf�ltiger und gewitzter Beobachter sie entdecken konnte.</p><p>Da war nun also die T�r, die mich in jenes Gef�ngnis hineinf�hren konnte; aber wie war sie zu �ffnen? Nirgends sah ich ein Schlo� oder einen Knopf. Immer wieder musterte ich voll gr��ter Sorgfalt die ganze Oberfl�che der T�r, doch alles, was ich fand, war ein winziges Loch von der Gr��e eines Stecknadelkopfes, das vom Mittelpunkt der T�r leicht nach oben rechts versetzt war. Dieses winzige Loch konnte aber durchaus ein Material- oder Fertigungsfehler sein. Ich versuchte durch diese �ffnung zu sp�hen, aber ich konnte nicht einmal feststellen, ob sie nur einen Fingerbreit tief war oder durch die ganze T�rdicke lief; jedenfalls sah ich kein Licht. Ich legte mein Ohr daran und lauschte, aber ich h�rte auch nichts.</p><p>Wula stand immer neben mir und lie� den Blick nicht von der winzigen �ffnung. Als ich ihn anschaute, fiel mir ein, da� ich ja einmal die Richtigkeit meiner Hypothese pr�fen k�nnte, nach der diese T�r der Tempelzugang war, den Thurid, der schwarze Prinz, und Matai Shang, Vater der Therns, ben�tzt hatten.</p><p>Ich wandte mich ab und befahl Wula, mir zu folgen. Er z�gerte einen Moment, sprang hinter mir drein, winselte aber und zerrte mich am Harnisch zur�ck. Ich ging jedoch noch ein St�ck weiter, ehe ich seinem flehenden Winseln gehorchte und umkehrte, um zu sehen, was er nun tat. Ich wollte mich wirklich von ihm f�hren lassen. Er zog mich auch richtig zu dieser T�r zur�ck, starrte den blanken Stein an und winselte. Eine Stunde lang versuchte ich das Geheimnis dieser T�r zu l�sen und eine Kombination zu finden, die sie �ffnen w�rde.</p><p>Ich lie� mir alles genau durch den Kopf gehen, was seit der Zeit geschehen war, da ich Thurid verfolgte, und ich kam zu einem Schlu�, der sich mit meinem urspr�nglichen Glauben deckte�� da� Thurid nur mittels eigenen Wissens und ohne Hilfsmittel durch jene T�r gegangen war, die mir den Weiterweg versperrte, da� ihm auch von innen her niemand geholfen hatte. Aber wie hatte er das zustande gebracht?</p><p>Wie war es doch damals gewesen, als ich Thuvia von Ptarth im Raum der Geheimnisse in den Goldenen Klippen befreit hatte? Sie hatte vom Schl�sselbund des Gef�ngnisw�rters einen nadeld�nnen Schl�ssel genommen, um jene T�r aufzusperren, die zu Tars Tarkas f�hrte, der mit den gro�en Banths um sein Leben k�mpfte. Auch diese andere T�r hatte ein so winziges Schl�sselloch gehabt. Eiligst leerte ich den Inhalt meiner G�rteltasche auf den Boden. Fand ich wenigstens ein kleines St�ckchen d�nnen Stahls, dann konnte ich daraus einen Schl�ssel fertigen, der mir Zugang zum Tempelgef�ngnis verschaffte.</p><p>In der Tasche eines Marskriegers findet sich immer ein Sammelsurium der verschiedensten Dinge, so auch in meiner. Als ich den ganzen Kram musterte, sprang mir direkt die kleine Taschenlampe des schwarzen Prinzen ins Auge.</p><p>Und da fiel mein Blick auf ein paar merkw�rdige Zeichen, die erst vor kurzer Zeit in das weiche Gold des Geh�uses eingekratzt worden sein mu�ten. Meine angeborene Neugier veranla�te mich, ihre Entzifferung zu versuchen, aber was ich las, hatte im Moment keine unmittelbare Bedeutung f�r mich. Diese Zeichen sahen wie folgt aus:</p><p>3 /�� / 50 T</p><p>1 /�� / 1  X</p><p>9 /�� / 25 T</p><p>F�r einen Augenblick war meine Neugier zwar herausgefordert, doch dann legte ich die Taschenlampe wieder in meine Tasche zur�ck. Ich hatte sie noch nicht richtig losgelassen, als die Erinnerung an eine Unterhaltung zwischen Lakor und seinem Gef�hrten blitzhaft mein Ged�chtnis erhellte. Der niedere Thern hatte Thurids Worte zitiert und keinen Sinn dahinter gefunden:</p><p>�La�t das Licht scheinen mit der Kraft von drei Radiumeinheiten f�r f�nfzig Tals, und f�r ein Xat la�t es scheinen mit der Kraft einer Radiumeinheit, dann f�r f�nfundzwanzig Tals mit neun Einheiten. Ja, das war also nun die erste Zeile vom Taschenlampengeh�use, und das waren die drei Radiumeinheiten f�r 50 Tals; folgerichtig mu�te die zweite Zeile l Radiumeinheit f�r 1 Xat bedeuten, die dritte 9 Einheiten f�r 25 Tals.</p><p>Die Formel war vollst�ndig. Aber was hatte sie zu bedeuten? Ich glaubte es zu wissen und nahm aus meiner Tasche das starke Vergr��erungsglas heraus, das mir so oft schon ausgezeichnete Dienste getan hatte. Damit untersuchte ich sorgf�ltig den Marmor in der unmittelbaren Umgebung des winzigen Loches in der T�r. Und nun h�tte ich vor Erregung am liebsten laut geschrien, denn meine Untersuchung ergab fast unsichtbare Partikel karbonisierter Elektronen, die von diesen marsischen Radiumlampen gestreut werden. Seit undenklichen Zeiten mu�ten also an dieses Loch Radiumlampen gehalten worden sein. Wegen des Zweckes gab es nur eine einzige Antwort�� der Mechanismus des Schlosses wurde von den Lichtstrahlen aktiviert, und ich, John Carter, Prinz von Helium, hatte die Zahlenkombination daf�r in meiner Hand, von meinem Feind in das Geh�use seiner Taschenlampe gekratzt.</p><p>In einem zylindrischen goldenen Armreif hatte ich meinen Barsoom-Chronometer bei mir, ein delikates Instrument, das die Tals, Xats und Zodes der Marszeit mit ungeheurer Pr�zision angibt. Die Zahlen werden unter einem starken Kristallglas sichtbar nach der Art eines irdischen Wegmessers.</p><p>Ich hielt also die Taschenlampe an die �ffnung, regulierte die Strahlungsst�rke durch einen Druck auf den Schaltknopf an der Seite des Geh�uses und sah gleichzeitig auf meinen Chronometer.</p><p>F�nfzig Tals lang lie� ich drei Radiumeinheiten in das winzige Loch fallen, eine Einheit f�r ein Xat, dann neun Einheiten f�r f�nfundzwanzig Tals. Diese letzten f�nfundzwanzig Tals waren die l�ngsten f�nfundzwanzig Sekunden meines Lebens. W�rde nach der mir so unendlich lang erscheinenden Zeit das Schlo� wirklich klicken? Dreiundzwanzig... Vierundzwanzig... F�nfundzwanzig...</p><p>Ich lie� den Knopf zur�ckschnappen, das Licht war abgeschaltet. Sieben Tals lang wartete ich. Die Prozedur schien keinen Eindruck auf den Mechanismus des Schlosses gemacht zu haben. Konnte es wirklich sein, da� meine Theorie grundfalsch war?</p><p>Halt! Rief diese nerv�se Anspannung Halluzinationen hervor? Oder hatte sich die T�r wirklich eine Spur bewegt? Langsam, ganz langsam, sank der massive Stein ger�uschlos in die Wand. Es war also keine Halluzination.</p><p>Etwa drei Meter breit glitt der Stein zur�ck, und dann lag ein schmaler Durchgang vor mir, der in einen dunklen, schmalen Korridor f�hrte, welcher parallel zur Au�enwand verlief. Dieser Durchgang hatte sich kaum gezeigt, als ich auch zusammen mit Wula schon im Korridor stand. Dann schob sich die T�r lautlos wieder zu. In einiger Entfernung bemerkte ich einen schwachen Lichtschimmer, und dorthin machten wir uns auf. Dort, wo das Licht schien, befand sich eine scharfe Biegung und in einiger Entfernung dahinter eine strahlend hell erleuchtete Kammer.</p><p>Und hier entdeckten wir eine Wendeltreppe, die vom Mittelpunkt des Raumes nach oben f�hrte.</p><p>Sofort wurde ich mir dar�ber klar, da� wir den Mittelpunkt des untersten Stockwerkes vom Sonnentempel erreicht hatten. Die Wendeltreppe f�hrte an den Innenw�nden zu den Kerkerzellen hinauf. Irgendwo �ber mir war Dejah Thoris, falls es Thurid und Matai Shang noch nicht gelungen war, sie zu entf�hren.</p><p>Kaum hatten wir die ersten Stufen der Treppe hinter uns, als Wula pl�tzlich von gr��ter Erregung gepackt wurde. Er sprang st�ndig vor und zur�ck, schnappte nach meinen Beinen und meinem Harnisch, bis ich glaubte, er m�sse verr�ckt geworden sein. Ich stie� ihn also zur�ck und versuchte erneut hinaufzusteigen, aber nun schnappte er nach meinem Schwertarm und zog mich mit aller Kraft zur�ck. Wula war mit Schelte und Schmeichelei nicht zu bewegen, mich loszulassen, und ich war ganz und gar seiner brutalen Kraft ausgeliefert; trotzdem dachte ich nat�rlich nicht daran, mit meiner linken Hand den Dolch zu z�cken, denn ich hatte einfach nicht das Herz, den Stahl in dieses treue Herz zu sto�en.</p><p>Er zog mich also wieder in die Kammer hinunter und quer durch zu der Stelle, die der T�r, durch die wir gekommen waren, gegen�ber lag. Von hier aus gelangten wir wieder in einen Korridor, der sehr steil nach unten lief. Ohne zu z�gern zerrte mich Wula durch diesen Felsgang vorw�rts.</p><p>Nach einer Weile blieb er stehen und lie� mich los. Er pflanzte sich zwischen mir und dem Weg auf, den wir gekommen waren und sah zu mir auf, als wolle er fragen, ob ich bereit sei, ihm freiwillig zu folgen, oder ob er wieder Gewalt anwenden m�sse.</p><p>Ich musterte ein wenig verlegen die Spuren seiner scharfen Z�hne auf meinem nackten Arm und beschlo�, ihm zu Willen zu sein. Schlie�lich hatte ja sein scharfer Instinkt bisher immer zuverl�ssiger gearbeitet als mein fehlerhaftes menschliches Urteil.</p><p>Und es war gut so, da� ich ihm folgte. In kurzer Entfernung von dem runden Raum kamen wir in ein strahlend hell erleuchtetes Labyrinth aus G�ngen, die mit Kristallglas belegt und voneinander getrennt waren.</p><p>Erst glaubte ich, es sei ein einziger riesiger Raum, so klar und makellos durchsichtig waren die W�nde der gewundenen Korridore, aber als ich mir ein paarmal fast den Kopf an den Kristallglasw�nden eingerannt hatte, durch die ich versehentlich zu gehen versucht hatte, gab ich wesentlich besser acht.</p><p>Wir waren erst wenige Meter durch diesen seltsamen Korridor weitergekommen, als Wula schrecklich zu r�hren anfing, und gleichzeitig rannte er gegen eine durchsichtige Trennwand zu unserer Linken an.</p><p>Die schauerlichen Echos dieses R�hrens hallten noch immer durch diese unterirdischen R�ume, als ich das sah, was mein treues Tier so erregt hatte.</p><p>Weit vor uns und fast bis zur Unkenntlichkeit von den vielen einander �berlagernden Kristallscheiben verzerrt, so da� sie wie in einem geisterhaften Nebel aussahen, entdeckte ich die Gestalten von acht Leuten�� drei Frauen und f�nf M�nnern.</p><p>Offensichtlich von Wulas Gebr�ll aufgeschreckt, sahen sich die Leute um. Und pl�tzlich streckte mir eine der Frauen die Arme entgegen, und selbst auf diese gro�e Entfernung hin konnte ich sehen, da� sich ihre Lippen bewegten�� es war Dejah Thoris, meine sch�ne, ewig junge Prinzessin von Helium.</p><p>Bei ihr waren Thuvia von Ptarth, Phaidor, Tochter von Matai Shang, er selbst, Thurid und die drei niederen Therns, die sie begleitet hatten. Thurid sch�ttelte die Faust in meine Richtung, und dann ergriffen zwei der Therns Dejah Thoris und Thuvia grob bei den Armen und zerrten sie mit. Einen Moment sp�ter waren sie in einen steinernen Korridor jenseits des Glaslabyrinths verschwunden.</p><p>Man sagt, Liebe sei blind; aber eine so gro�e Liebe wie die von Dejah Thoris, die mich selbst in der Thernmaskerade, die ich trug, und durch die verzerrenden Glasw�nde hindurch erkannte, mu� weit davon entfernt sein, blind zu sein.</p></section><section><title><p>4. Der geheime Turm</p></title><p>Ich habe keine Lust, die eint�nigen Ereignisse der folgenden schweren Tage zu schildern, die Wula und ich damit zubrachten, durch das Glaslabyrinth, durch dunkle, verzweigte Korridore unter dem Tal Dor und den Goldenen Klippen zu wandern, um schlie�lich auf einer Flanke der Berge von Otz �ber dem Tal der Verlorenen Seelen wieder herauszukommen. Dieses erbarmensw�rdige Tal der Verlorenen Seelen ist das schreckliche Fegefeuer jener armen Ungl�cklichen, die es nicht wagen, ihre Pilgerfahrt in das Tal Dor fortzusetzen, noch weniger aber in ihre Heimat in der Au�enwelt zur�ckzukehren, aus der sie kamen.</p><p>Die Spur von Dejah Thoris� Entf�hrern folgte im wesentlichen dem Fu� der Berge, f�hrte �ber steile, zerkl�ftete Rinnen und abweisende H�nge, manchmal auch in das Tal hinaus, wo die Mitglieder der verschiedenen St�mme, welche dieses Tal der Hoffnungslosigkeit bev�lkern, in dauerndem Streit liegen.</p><p>Schlie�lich kamen wir zu einer Stelle, wo der Weg in eine enge Schlucht f�hrte, die mit jedem Schritt steiler und ungangbarer wurde, und dann drohte pl�tzlich vor uns eine m�chtige Festung, die unter einer �berh�ngenden Felswand eingebaut war.</p><p>Hier befand sich das geheime Versteck von Matai Shang, dem Vater der Therns. Hier war er von einer Handvoll treuer Anh�nger des alten Glaubens umgeben, die Millionen von Vasallen und abh�ngigen Gl�ubigen eines halben Dutzends von Nationen auf Barsoom gehabt hatten und heute noch da und dort kleine H�uflein von Anh�ngern mit geistlichem Rat und dem Wort jener Religion versorgten, die sich inzwischen ja als falsch und tr�gerisch herausgestellt hatte. Die D�mmerung begann eben, als wir vor den eindrucksvollen, undurchdringlich erscheinenden Mauern dieser Bergfestung standen, und damit wir nicht gesehen werden konnten, zog ich mich mit Wula hinter einen granitenen Felsvorsprung zur�ck in ein Geb�sch aus purpurfarbenen harten Dornenstr�uchern, die auf den unfruchtbarsten Pl�tzen der Berge von Otz wachsen.</p><p>Hier blieben wir liegen, bis die kurze D�mmerung endg�ltig zur Dunkelheit geworden war; dann kroch ich heraus, um mich der Festung auf der Suche nach einem Eingang zu n�hern.</p><p>Das dreifach gesicherte Tor stand weit offen, sei es nun infolge einer Nachl�ssigkeit oder eines allzu gro�en Vertrauens in die Unzug�nglichkeit des Verstecks. Hinter dem Tor befand sich eine Handvoll Wachen, aber die M�nner lachten und unterhielten sich �ber eines ihrer mir unverst�ndlichen barsoomischen Spiele.</p><p>Ich sah, da� keiner der W�chter zu der Gruppe geh�rt hatte, die mit Thurid und Matai Shang gereist waren. Ich verlie� mich also auf meine Verkleidung und ging frech und unerschrocken durch das Tor und zum n�chsten Thernw�chter.</p><p>Die M�nner unterbrachen ihr Spiel und sahen mich an, aber keiner schien Verdacht zu sch�pfen. Und dann musterten sie Wula, der zu meinen F��en knurrte.</p><p>�Kaor!� sagte ich den Marsgru�, und die Krieger erhoben sich und salutierten. �Ich habe eben meinen Weg von den Goldenen Klippen hierher gefunden und suche eine Audienz beim Hekator Matai Shang, Vater der Therns. Wo kann ich ihn finden?�</p><p>�Folge mir�, sagte einer der W�chter, wandte sich um und f�hrte mich quer �ber den �u�eren Hof zu einer zweiten mit Streben gest�tzten Felsmauer.</p><p>Ich wei� nicht, weshalb mir die Leichtigkeit, mit der ich die Leute zu t�uschen verstand, kein Mi�trauen einfl��te und kann mir nur denken, da� der fl�chtige Anblick meiner geliebten Prinzessin meine Gedanken so sehr besch�ftigte, da� in mir f�r nichts anderes mehr Raum blieb.</p><p>Mag es sein, wie es will, es ist jedenfalls Tatsache, da� ich offenen Auges hinter meinem F�hrer drein in den Rachen des Todes marschierte.</p><p>Sp�ter erfuhr ich dann, da� Thern-Spione meine Ankunft schon Stunden vorher gemeldet hatten, ehe ich die Mauern der Festung auch nur sah.</p><p>Das Tor hatte man absichtlich offen gelassen, um mich hineinzulocken, und die W�chter hatten ganz genaue Anweisung erhalten; und ich rannte nicht wie ein erfahrener K�mpfer, sondern eher wie ein kleiner Schuljunge prompt in die vorbereitete Falle.</p><p>Vom �u�eren Hof f�hrte eine schmale T�r durch die Felsmauer; hier zog mein F�hrer einen Schl�ssel und �ffnete sie. Dann trat er zur�ck und bedeutete mir, ich solle weitergehen.</p><p>�Matai Shang befindet sich im dahinterliegenden Tempelhof�, sagte er, und dann schlo� er, als ich mit Wula durchgegangen war, schnell die T�r hinter uns.</p><p>Das h��liche Gel�chter, das ich durch die T�rplanken h�rte, nachdem das Schlo� eingeklickt war, �berzeugte mich nat�rlich sofort davon, da� lange nicht alles so war, wie es h�tte sein sollen. Ich befand mich in einer kleinen runden Kammer innerhalb der zweiten Mauer. Vor mir �ffnete sich eine T�r, die vermutlich in den inneren Tempelhof f�hrte. Ich z�gerte erst, denn nun war mein Mi�trauen erwacht, aber dann zuckte ich die Achseln, �ffnete die T�r und trat in den glei�enden Schein von Fackeln hinaus, die den inneren Hof erhellten.</p><p>Direkt mir gegen�ber erhob sich ein massiver Turm zu einer H�he von mindestens dreihundert Fu�. Er war von der merkw�rdig sch�nen modernen Architektur auf Barsoom, und die gesamte Oberfl�che war mit handgearbeiteten Reliefs in sehr fantasievollen und komplizierten Mustern geschm�ckt. Drei�ig Fu� �ber dem Hof befand sich ein breiter Balkon, und dort entdeckte ich doch wahrhaftig Matai Shang. Bei ihm waren Thurid, Phaidor, Thuvia und Dejah Thoris, und die beiden letzteren waren mit schweren Ketten gefesselt Hinter der kleinen Gruppe entdeckte ich eine Handvoll Thernkrieger.</p><p>Als ich den Hof betrat, lagen die Augen derer auf dem Balkon voll auf mir.</p><p>Ein h��liches L�cheln verzerrte den grausamen Mund von Matai Shang, und Thurid machte eine h�hnische Geste und legte eine Hand auf die Schulter meiner Prinzessin. Dejah Thoris wirbelte jedoch wie eine Tigerin herum und versetzte dem widerlichen Burschen einen schweren Schlag mit den Fesseln an ihren Handgelenken. Er h�tte sicher zur�ckgeschlagen, w�re Matai Shang nicht dazwischengetreten, und dann entdeckte ich auch sofort, da� diese beiden M�nner nicht �berm��ig freundlich zueinander waren. Der Thern benahm sich arrogant und herrschs�chtig, als wolle er damit klarmachen, da� die Prinzessin von Helium das pers�nliche Eigentum des Vaters der Therns war; Thurid hingegen lie� in seinem Benehmen gegen�ber dem alten Hekator jeden Respekt und jede freundschaftliche Regung vermissen.</p><p>Als sich der Aufruhr auf dem Balkon gelegt hatte, wandte sich Matai Shang wieder zu mir.</p><p>�Erdenmann�, schrie er, �du hast einen viel unw�rdigeren Tod verdient als den, den nun �ber dich zu verh�ngen in meiner geschw�chten Macht liegt. Aber der Tod, den du heute noch sterben wirst, ist doppelt bitter, wenn du wei�t, da� nach deinem Tod deine Witwe die Gattin von Matai Shang, Hekator der Heiligen Therns werden wird�� f�r die Dauer eines Marsjahres.</p><p>Am Ende dieser Zeit wird sie, wie du ja wei�t, unseren Gesetzen ent-, sprechend weggeschickt, aber nicht, wie es �blich ist, um ein ruhiges, w�rdiges und geehrtes Leben als Hohepriesterin eines verehrungsw�rdigen Schreins zu f�hren. Dejah Thoris, Prinzessin von Helium, soll ein Spielzeug meiner Leutnants werden, vielleicht deines bestgeha�ten Feindes, des schwarzen Prinzen Thurid.�</p><p>Er h�rte zu sprechen auf und schien auf einen Wutausbruch von mir zu warten, jedenfalls auf etwas, das seiner Rache noch eine gewisse W�rze verliehen h�tte. Diese Befriedigung, nach der er hungerte, gew�hrte ich ihm jedoch nicht.</p><p>Statt dessen tat ich etwas ganz anderes, das seinen Zorn erregen und seinen Ha� auf mich noch vergr��ern mu�te, denn wenn ich starb, fand auch Dejah Thoris einen Weg, ihrem Leben ein Ende zu setzen, ehe man sie weiteren Qualen und Entw�rdigungen aussetzen konnte; dessen war ich gewi�.</p><p>Von all den f�r heilig gehaltenen Dingen, die ein Thern verehrt und geradezu anbetet, ist das allerheiligste die gelbe Per�cke, die den Kahlkopf bedeckt; als n�chstes in der Reihe folgt das gro�e Diadem, dessen schillernde Strahlen die Ehre des Zehnten Kreises verk�nden. Da ich das wu�te, nahm ich Per�cke und Diadem von meinem Kopf und warf beides achtlos auf die Pflastersteine des Hofes. Dann wischte ich mir die F��e an den goldenen Locken ab, und als ein St�hnen der Wut vom Balkon zu h�ren war, spuckte ich sie auch noch t�chtig an.</p><p>Matai Shang raste vor Zorn, aber Thurid l�chelte am�siert, denn f�r ihn waren diese Dinge ja nicht heilig. Und damit er sich noch mehr am�sieren konnte, schrie ich hinauf: �Und so habe ich es mit der heiligen Issus, der G�ttin des Ewigen Lebens gemacht, denn ich warf Issus pers�nlich dem Mob vor, der sie einmal angebetet hatte, um sie in ihrem eigenen Tempel in St�cke rei�en zu lassen.�</p><p>Jetzt grinste Thurid aber nicht mehr, denn er war ja einer der gr��ten Verehrer der Issus und einmal einer ihrer G�nstlinge gewesen. �Dieser Blasphemie mu� ein Ende gemacht werden!� schrie er und wandte sich zum Vater der Therns um.</p><p>Matai Shang erhob sich und lehnte sich �ber den Balkonrand; dann tat er jenen seltsamen Schrei, den ich von den Lippen des Priesters auf dem winzigen Balkon in den Goldenen Klippen �ber dem Tal Dor geh�rt hatte, mit dem dieser die f�rchterlichen wei�en Affen und die grausamen Baumm�nner rief, damit sie mit den Opfern, die den geheimnisvollen Iss herabtrieben zu den kadaververseuchten Wassern der Verlorenen See von Korus, ihr Fest feiern konnten. �La�t den Tod frei!� schrie er, und sofort sprangen unten im Turm ein Dutzend T�ren auf, durch die furchtbare Banths in die Arena sprangen.</p><p>Es war nicht das erste Mal, da� ich die wilden L�wen von Barsoom sah, aber niemals hatte ich ihnen noch als einzelner Mann gegen ein volles Dutzend gegen�bergestanden. Selbst Wulas tatkr�ftige Hilfe lie� am Ausgang dieses Kampfes keinen Zweifel aufkommen. Nur einen Augenblick lang z�gerten die Bestien und blinzelten in den grellen Lichtschein der Fackeln, aber als sich ihre Augen an das Licht gew�hnt hatten, fielen sie auf Wula und mich, und sofort stellten sich ihnen die M�hnenhaare auf. Sie knurrten tief in der Kehle, peitschten ihre gelben Flanken mit ihren m�chtigen Schw�nzen und kamen langsam auf uns zu.</p><p>In dieser letzten Minute meines Lebens warf ich einen allerletzten abschiednehmenden Blick zu meiner Dejah Thoris hinauf. Ihr sch�nes Gesicht dr�ckte unendliches Entsetzen aus. Als mein Blick sich mit dem ihren traf, streckte sie beide Arme nach mir aus und versuchte sich vom Balkon hinunterzust�rzen, um den Tod mit mir zu teilen, aber die W�chter hielten sie fest. Als die Banths dann schon ganz nahe waren, wandte sie sich um und begrub ihr Gesicht in den Armen. Pl�tzlich erregte Thuvia von Ptarth meine Aufmerksamkeit. Das sch�ne M�dchen lehnte sich weit �ber das Balkongitter hinaus, und ihre Augen gl�nzten vor Erregung.</p><p>Noch ein Moment, und die Banths mu�ten �ber mir sein, aber ich konnte meinen Blick noch immer nicht von dem Roten M�dchen abwenden; ich wu�te, da� ihre Miene alles andere ausdr�ckte als Freude an der grimmigen Trag�die, die sich bald unter ihr abspielen mu�te. Ich vermochte jedoch nicht zu entr�tseln, was hinter der sch�nen Stirn vorging.</p><p>Ganz kurz spielte ich mit dem Gedanken, mich auf meine irdischen Muskeln zu verlassen, mit einem gewaltigen Satz den Banths zu entkommen und den Balkon zu erreichen, und das h�tte ich auch leicht tun k�nnen, nur h�tte ich damit meinen treuen Wula verlassen, damit er von den grausamen F�ngen der Tiere einsam starb; das tut man auf Barsoom nicht, und ein John Carter h�tte das sowieso niemals �ber sein Herz gebracht. �</p><p>Doch dann wurde mir mit einemmal klar, weshalb Thuvia so erregt war. Sie gab ein leises Schnurren von sich, das ich schon fr�her einmal geh�rt hatte; es war damals, als sie in den Gef�ngnissen der Goldenen Klippen die schrecklichen Banths zu sich rief und sie wie eine Herde zahmer, williger Sch�flein f�hrte.</p><p>Beim ersten beruhigenden Schnurren blieben die Banths mitten im Schritt stehen, und alle wilden H�upter hoben sich, um die Quelle des vertrauten Lautes zu finden. Dann entdeckten sie das Rote M�dchen oben auf dem Balkon und r�hrten ihr Erkennen und ihren Gru� hinauf.</p><p>W�chter sprangen auf, um Thuvia wegzuschleifen, aber ehe es ihnen gelang, hatte sie schon den lauschenden wilden Tieren eine ganze Reihe von Gedankenbefehlen zugeschickt, und ein Banth nach dem anderen drehte sich um und marschierte friedlich in die Zwinger zur�ck.</p><p>�Du brauchst sie jetzt nicht mehr zu f�rchten, John Carter!� rief Thuvia zu mir herunter, ehe die W�chter sie zum Schweigen bringen konnten. �Diese Banths werden weder dir noch Wula mehr etwas antun!�</p><p>Das gen�gte mir im Augenblick, und jetzt konnte mich nichts mehr von dem Sprung zum Balkon hinauf abhalten. Ich nahm einen kurzen Anlauf und tat einen Satz, der mich so hoch in die Luft schnellte, da� ich den untersten Sims erreichen konnte.</p><p>Im n�chsten Moment war alles eine wilde Konfusion. Matai Shang zog sich erschreckt zur�ck. Thurid sprang mir mit gez�cktem Schwert entgegen, um mich hinunterzusto�en. Wieder schwang Dejah Thoris ihre schweren Fesseln und schlug ihn zur�ck. Dann griff Matai Shang um ihre Taille und zerrte sie durch eine T�r zur�ck in den Turm.</p><p>Thurid z�gerte einen Augenblick, doch da er zu f�rchten schien, da� der Vater der Therns ihm mit der Prinzessin von Helium entwischen k�nnte, folgte er ihm mit einem Sprung durch die T�r in den Turm hinein.</p><p>Nur Phaidor behielt klaren Kopf. Sie befahl zweien der W�chter, Thuvia von Ptarth wegzuf�hren; die anderen mu�ten bleiben und mich daran hindern, in den Turm einzudringen. Dann wandte sie sich an mich.</p><p>�John Carter�, schrie sie, �ich biete dir zum letztenmal die Liebe von Phaidor, der Tochter des Heiligen Hekator an. Nimm mein Angebot an, und deine Prinzessin wird an den Hof ihres Gro�vaters zur�ckkehren, w�hrend du in Frieden und Gl�ck leben wirst. Weigerst du dich, dann wird sich das Schicksal, das mein Vater deiner Dejah Thoris angedroht hat, erf�llen.</p><p>Du kannst sie jetzt nicht mehr retten, denn jetzt werden sie schon einen Ort erreicht haben, an den nicht einmal du ihnen folgen kannst. Weigere dich nur�� dann kann nichts dich mehr retten. Man hat dir den Weg zur letzten Festung der Heiligen Therns leicht gemacht, jenen Weg, der sonst unm�glich gewesen w�re. Was sagst du nun?�</p><p>�Du kennst meine Antwort!� erwiderte ich. �Und du kanntest sie, Phaidor, ehe du selbst zu sprechen begannst. Geht mir aus dem Weg!� schrie ich die Wachen an. �Weg frei f�r John Carter, Prinz von Helium! Ich will vorbei!�</p><p>Damit sprang ich �ber das niedere Balkongel�nder und stand mit gezogenem Schwert meinen Widersachern gegen�ber. Es waren drei. Aber Phaidor mu� gewu�t haben, wie dieser Kampf ausgehen w�rde, denn sie wandte sich um und floh vom Balkon noch in dem Augenblick, da sie sah, da� ich ihre Vorschl�ge und Antr�ge niemals annehmen w�rde.</p><p>Die drei W�chter warteten nicht auf meinen Angriff, sondern drangen alle zusammen und gleichzeitig auf mich ein. Gerade das wurde f�r mich zum Vorteil, denn auf dem schmalen Balkon liefen sie einander st�ndig im Weg herum, so da� schlie�lich der vorderste beim ersten Streich direkt in meine Klinge rannte.</p><p>Der erste rote Fleck auf meiner Schwertspitze erweckte in mir wieder die alte Blutlust, die in meiner K�mpferbrust immer nur f�r kurze Zeit schlummerte. Meine Klinge durchschnitt die Luft mit solcher Schnelligkeit und t�dlicher Genauigkeit, da� die zwei restlichen Therns ganz wild vor Verzweiflung wurden.</p><p>Als meine Schwertspitze das Herz des einen fand und es durchbohrte, floh der andere. Ich vermutete, da� er den anderen, die ich suchte, folgen w�rde und lie� ihm soviel Vorsprung, da� er wenigstens hoffen konnte, meinem Schwert gl�cklich entronnen zu sein.</p><p>Er raste durch etliche innere Kammern, bis er zu einem Spiralweg kam. Den rannte er hinauf, und ich folgte ihm. Am oberen Ende standen wir schlie�lich in einer kleinen Kammer, in deren W�nden sich nur ein einziges Fenster befand, von dem aus man die H�nge von Otz und dahinter das Tal der Verlorenen Seelen �berblicken konnte.</p><p>Hier zerrte der Bursche heftig an etwas, das wie eine blanke Wand gegen�ber dem Fenster aussah, aber ich vermutete nat�rlich sofort, da� dies ein geheimer Ausgang dieses Raumes sein mu�te. Deshalb blieb ich stehen, um dem anderen zu erm�glichen, die T�r in der Wand zu �ffnen, denn mir lag nichts daran, den armen Teufel ums Leben zu bringen. Ich wollte nur meiner geliebten Dejah Thoris, meiner lange verlorenen Prinzessin auf der Spur bleiben, um sie endlich finden zu k�nnen.</p><p>Leider bewegte sich die Wand nicht, so sehr er auch dagegen schlug und daran zu r�tteln versuchte. Er gab seine Versuche also auf und drehte sich zu mir um.</p><p>�Geh deiner Wege, Thern�, sagte ich zu ihm und deutete auf den Zugang zu jenem Spiralweg, den wir eben gekommen waren. �Mit dir habe ich keinen Streit, und dein Leben interessiert mich nicht. Also geh!�</p><p>Zur Antwort sprang er mich mit seinem Schwert so unvermittelt an, da� ich um ein Haar zu Boden gegangen w�re. Ich mu�te ihm also das verpassen, worauf er es offensichtlich angelegt hatte, und das so schnell wie m�glich, damit ich bei der Verfolgung von Matai Shang und Thurid nicht zu lange aufgehalten wurde, die sowieso mit Dejah Thoris und Thuvia von Ptarth schon ein gutes St�ck vor mir sein mu�ten.</p><p>Dieser Mann war ein ausgezeichneter Schwertk�mpfer und kannte jeden fairen und faulen Trick. Von einem Ehrenkodex schien er noch nie etwas geh�rt zu haben, denn wiederholt verstie� er gegen eine ganze Anzahl von Kampfregeln, gegen die man auf Barsoom ganz einfach nicht versto�en darf, und ein ehrenhafter Mann w�rde lieber untergehen, als sich gegen solche Regeln vers�ndigen.</p><p>Er ging sogar so weit, da� er seine heilige Per�cke von seinem Glatzkopf ri� und sie mir ins Gesicht warf, so da� ich f�r einen Augenblick geblendet war und er gegen meine ungesch�tzte Brust einen Sto� f�hren konnte.</p><p>Allerdings war ich dann nicht mehr da, wohin er stie�, denn ich hatte schon vorher mit Therns gek�mpft. Daher wu�te ich auch, da� sie die unfairsten und am wenigsten ehrenhaften K�mpfer von ganz Barsoom waren, und das war auch der Grund daf�r, da� ich mich, wenn ich mit einem von ihnen k�mpfte, aller ehrlichen Finten bediente und ungeheuer wachsam war.</p><p>Und nat�rlich war ich auch jetzt wieder auf alle m�glichen Teufeleien gefa�t.</p><p>Schlie�lich �bertrieb er allzu sehr, denn er zog sein Kurzschwert, warf es mir wie einen Speer entgegen und drang gleichzeitig mit seinem Langschwert auf mich ein. Doch mein kreisendes Schwert fing die fliegende Waffe ab und schmetterte sie klirrend an die Wand. Dann wich ich dem neuen Ansturm meines Gegners seitlich aus, so da� er an mir mit vollem Schwung vorbeisauste, und diese Gelegenheit kam mir gerade recht, um ihm meine Schwertspitze in den Magen zu bohren. Bis zum Griff steckte mein Schwert in seinem K�rper. Er tat noch einen entsetzlichen Schrei und sank dann tot zu Boden.</p><p>Ich nahm mir nur die Zeit, mein Schwert aus dem toten Gegner zu ziehen, und dann war ich auch schon an der blanken Wand, wo mein verblichener Feind immer durchzugehen versucht hatte. Hier suchte ich nach einem geheimen Schlo�, leider vergeblich.</p><p>Ich probierte es auch mit Gewalt, doch das war ebenso umsonst, weil der massive Stein nicht nachgab. Mir war, als lache er mich aus wegen meiner vergeblichen Bem�hungen, und ich h�tte sogar schw�ren m�gen, da� ich ein leises, sp�ttisches Lachen von jenseits dieser Mauern vernahm.</p><p>Ver�rgert lie� ich von der Wand ab und trat an das Fenster. Die H�nge der Berge von Otz und das dahinterliegende Tal der Verlorenen Seelen war nicht interessant f�r mich, aber die mit Reliefen geschm�ckte Turmmauer erweckte meine Aufmerksamkeit.</p><p>Irgendwo in diesen massiven Steinen wurde Dejah Thoris gefangen gehalten. �ber mir sah ich Fenster. Vielleicht konnte ich auf diesem Weg zu ihr gelangen. Das Risiko war nat�rlich gro�, aber wenn es um das Schicksal der wundervollsten Frau einer ganzen Welt geht, wird jedes Risiko klein.</p><p>Ich schaute hinunter. Ungef�hr drei�ig Meter unter mir lagen zerkl�ftete Granitfelsen am Rand einer ungeheuer tiefen, schrecklichen Schlucht, aus welcher der Turm aufstieg. Und wenn ich nicht auf den Granitfelsen zu Tode kam, dann bestimmt in dieser dunklen Schlucht, wenn mein Fu� auch nur einmal rutschte oder meine Finger ihren Halt nur f�r den Bruchteil einer Sekunde verloren.</p><p>Da es keinen anderen Weg gab, zuckte ich die Achseln und stieg auf das �u�ere Fensterbrett hinaus�� zugegeben, mit einem ziemlichen Schaudern��, um meinen gef�hrlichen Aufstieg zu beginnen. Zu meiner Entt�uschung stellte ich fest, da� diese Reliefs im Unterschied zu denen von Helium recht abgerundete Kanten hatten, so da� praktisch ein jeder Griff bestenfalls ziemlich fragw�rdig war. Zwanzig Meter �ber mir begann eine Reihe von vorstehenden zylindrischen Steinen, die einen Durchmesser von etwa Handbreite hatten. Sie umgaben den Turm in einem Abstand von etwa einem Meter in B�ndern, die wiederum einen Meter voneinander entfernt waren. Da jeder Steinzylinder fast eine Handbreite �ber die �brigen Ornamente hinausragte, hatte ich eine recht praktische Au�entreppe, sobald ich die unterste Reihe erreicht hatte.</p><p>�ber einige Fenster kletterte ich m�hselig hinauf, denn ich hoffte immer noch, da� eines offen sein k�nnte, damit ich leichteren Zugang zum Turminnern f�nde, denn damit h�tte ich mindestens viel Zeit gespart.</p><p>Manchmal war mein Halt an den runden Reliefs so fragw�rdig, da� ein Niesen oder Husten gen�gt h�tte, mich in die Tiefe zu wirbeln. Aber endlich erreichte ich doch einen Punkt, von dem aus meine Finger nach einem Fensterbrett greifen konnten, und ich tat schon einen Seufzer der Erleichterung, als ich von �ber mir durch ein offenes Fenster Stimmen h�rte.</p><p>�Das Geheimnis dieses Schlosses kann er niemals l�sen.� Das war Matai Shangs Stimme. �Wir wollen zum Hangar nach oben weitergehen, so da� wir schon l�ngst weit im S�den sind, bis er eine andere M�glichkeit findet, falls das �berhaupt zu erwarten ist.�</p><p>�F�r diesen �blen Kalot scheint alles m�glich zu sein�, erwiderte eine andere Stimme, die ich als die Thurids erkannte.</p><p>�Dann wollen wir uns beeilen�, dr�ngte Matai Shang. �Um doppelt sicher zu gehen, lassen wir aber zwei Wachen hier, die den Spiralweg beobachten. Sp�ter k�nnen sie uns dann mit einem anderen Flieger folgen und uns in Kaol einholen.�</p><p>Meine Finger erreichten diesen Fenstersims niemals. Als ich diese Stimmen h�rte, zog ich meine Hand zur�ck, dr�ckte mich ganz flach an die Turmmauer und wagte kaum zu atmen.</p><p>Welch eine entsetzliche Lage! Und wenn mich Thurid hier entdeckte... Er brauchte sich nur aus dem Fenster zu beugen und mich mit der Schwertspitze anzutippen, dann flog ich auch schon in die Tiefe. Dann waren aber die Stimmen nur noch schw�cher zu vernehmen, und ich setzte meinen gefahrvollen Aufstieg fort; er war jetzt noch schwieriger und riskanter als vorher, denn ich mu�te ja die Fenster umgehen.</p><p>Matai Shangs Erw�hnung des Hangars und des Fliegers hatte also zu bedeuten, da� mein Ziel das Dach des Turmes war, und dort hinauf schaute ich nun.</p><p>Endlich hatte ich dann doch den gef�hrlichsten und zeitraubendsten Teil der Reise hinter mir, und mit einiger Erleichterung legte ich die Hand auf einen Steinzapfen der untersten Reihe.</p><p>Sie standen nat�rlich sehr weit auseinander, und auch das letzte St�ck meiner Kletterei war nicht gerade eine sichere Sache, wenn ich auch immer wieder einigerma�en Halt fand f�r meine F��e, aber im Fall einer Gefahr konnte ich mich immerhin an diesen Steinzylindern festhalten.</p><p>Ungef�hr drei Meter unter dem Dach begann sich die Mauer nach innen zu neigen, und die Neigung betrug auf den letzten Metern etwa einen halben Meter. Die Kletterei war hier wesentlich leichter, und bald konnte ich mich an den Dachbalken festhalten.</p><p>Als ich nach oben schaute, sah ich einen startklaren Flieger. Auf dem Deck befanden sich Matai Shang, Phaidor, Dejah Thoris, Thuvia von Ptarth und einige Thern-Krieger, und Thurid kletterte eben an Bord. Er war keine zehn Schritte von mir entfernt und schaute in die entgegengesetzte Richtung. Ich wei� nicht, welch verr�ckte Laune des Schicksals ihn veranla�te, sich umzudrehen, aber das tat er jedenfalls. In seinem boshaften Gesicht blitzte ein teuflisches L�cheln auf, als er mich sah; er tat einen gewaltigen Satz mir entgegen, und ich versuchte gerade, mich �ber die Dachkante hinaufzuschwingen. Auch Dejah Thoris mu�te mich im gleichen Moment gesehen haben, denn sie schrie mir eine�� leider nutzlose�� Warnung zu, als Thurids kraftvoll geschwungener Fu� direkt in meinem Gesicht landete. Wie ein gef�llter Ochse fiel ich um und �ber die Dachkante des Turms hinaus.</p></section><section><title><p>5. Auf der Stra�e von Kaol</p></title><p>Selbstverst�ndlich ist das Schicksal oft grausam zu mir, doch es gibt ganz bestimmt auch eine g�tige Vorsehung, die �ber mir wacht. Als ich zu st�rzen begann, hielt ich mich schon f�r tot. Das hat ganz sicher auch Thurid getan, denn er schaute nicht einmal hinter mir drein, sondern mu� sich sofort wieder umgedreht und den Flieger bestiegen haben.</p><p>Ich fiel alles in allem etwa drei Meter, und dann fing sich einer meiner kr�ftigen Waffenriemen an einem der Steinzapfen der Turmmauer und hielt! Selbst als ich schon dort hing, konnte ich noch immer nicht an das geschehene Wunder glauben, das mich vom Tod errettet hatte, und da brach mir kalter Entsetzensschwei� aus allen Poren meines K�rpers.</p><p>Endlich gelang es mir, wieder festen Halt zu finden; ich z�gerte, erneut hinaufzuklettern, weil ich ja nicht wissen konnte, ob mich Thurid nicht oben erwartete.</p><p>Aber dann vernahm ich das Propellerschwirren eines Fliegers, und da dieses Ger�usch st�ndig an Lautst�rke zunahm, dann aber sehr viel schw�cher wurde, konnte ich annehmen, da� Matai Shang mit seiner Begleitung den Flug nach dem S�den angetreten hatte, ohne sich um mein Schicksal weiter zu k�mmern.</p><p>Vorsichtig stieg ich also wieder weiter nach oben, und ich mu� zugeben, da� ich mit sehr gemischten Gef�hlen meine Nase �ber die Dachkante schob. Zu meiner gro�en Erleichterung war jedoch niemand mehr zu sehen, und einen Moment sp�ter stand ich sicher auf dem breiten flachen Dach.</p><p>Es war denn ein Kinderspiel, zum Hangar zu gelangen und den anderen darin befindlichen Flieger herauszuziehen. Und in dem Augenblick, da die beiden Thern-Krieger, die Matai Shang zur�ckgelassen hatte, um gerade diese M�glichkeit zu verh�ten, aus dem Turminnern auf das Dach kamen, da stieg ich auf und flog laut lachend �ber sie hinweg.</p><p>Dann tauchte ich aber schnell in den Innenhof hinunter, wo ich meinen Wula zuletzt gesehen hatte. Zu meiner grenzenlosen Erleichterung fand ich das treue Tier auch noch vor.</p><p>Die zw�lf gro�en Banths lagen unter den T�ren ihrer Zwinger, funkelten ihn an und knurrten, aber gegen Thuvias Befehl hatten sie nicht versto�en. Ich war dem Schicksal sehr dankbar, das sie zur W�rterin dieser Tiere in den Goldenen Klippen bestimmt hatte, denn in ihrer mitf�hlenden, freundlichen Art hatte sie die Zuneigung dieser wilden Tiere gewonnen.</p><p>Wula tat einen Freudensprung, als er mich sah, und der Flieger brauchte nur f�r einen Moment leicht aufzusetzen; schon war er an Bord gesprungen, und um ein Haar w�re er in seiner unbeschreiblichen Freude die Ursache daf�r gewesen, da� der Schweber an der Mauer zerschellte. Im allerletzten Moment ri� ich ihn noch hoch. Unter dem lauten Protestgeschrei der Thernw�chter erhoben wir uns hoch �ber die Festung und rasten dann weiter in nord�stlicher Richtung nach Kaol, denn das war Matai Shangs Ziel.</p><p>Am Sp�tnachmittag erkannte ich weit voraus einen winzigen Punkt; es war ein Flieger, und es konnte kein anderer sein als der, in dem sich meine verlorene Liebe und meine Feinde befanden.</p><p>W�hrend der Nacht war ich gut und schnell vorangekommen. Ich vermutete, da� sie mich gesehen hatten und daher nachts keine Positionslichter setzten, und deshalb stellte ich meinen Destinationskompa� auf sie ein. Das ist ein wundervolles kleines Ger�t auf dem Mars, das man nur einmal auf einen Zielgegenstand einzustellen braucht, und dann zeigt es immer auf ihn, egal wie oft dieser auch die Richtung wechseln mag.</p><p>Die ganze Nacht hindurch rasten wir durch die schwarze Leere, �berflogen niedere H�gelketten und tote Seegr�nde, lange verlassene St�dte und dichtbev�lkerte Siedlungen der Roten Marsmenschen entlang den globusumspannenden Wasserwegen, welche die Erdenmenschen Marskan�le nennen. An diesen Wasserwegen liegen die kultiviertesten L�nder des ganzen Planeten.</p><p>In der Morgend�mmerung hatte ich schon sehr weit aufgeholt. Der Flieger meiner Feinde war wesentlich gr��er als der meine und daher auch nicht ganz so schnell, doch auch er hatte w�hrend der Nacht eine unglaubliche Strecke zur�ckgelegt.</p><p>Die sich ver�ndernde Vegetation unter mir zeigte an, da� wir uns sehr schnell dem �quator n�herten. Ich war dem anderen Flieger nun nahe genug, um mein Bogengewehr ben�tzen zu k�nnen, doch ich wollte nicht auf den Flieger schie�en, der meine geliebte Dejah Thoris an Bord hatte.</p><p>Thurid wurde von solchen Skrupeln jedoch nicht geplagt. Sicher konnte er sich nicht recht mit dem Gedanken anfreunden, da� ich es war, der ihm folgte, doch dem Zeugnis seiner eigenen Augen mu�te er wohl vertrauen. Deshalb richtete er die Heckkanone pers�nlich auf meinen Flieger, und einen Moment sp�ter pfiff ein Explosiv-Radiumgescho� �ber meinem Kopf hinweg.</p><p>Der n�chste Schu� des Schwarzen war etwas genauer, traf meinen Flieger am Bug und ri� damit die Tanks auf, so da� die Maschine keinen Treibstoff mehr bekam.</p><p>Mein Bug fiel nach diesem Schu� so schnell ab, da� ich kaum Zeit genug hatte, Wula an Deck festzubinden und meinen eigenen Harnisch an einem Ring im Schanzkleid zu befestigen, und dann scho� auch schon das Heck in die H�he, und wir st�rzten ab.</p><p>Die Hecktanks bewahrten uns vor einem beschleunigten Fall, aber Thurid feuerte ununterbrochen weiter, um auch die zu treffen, denn er wollte ja, da� mein Flieger zusammen mit mir vernichtend aufschlagen sollte.</p><p>Wie ein Wunder kam es mir vor, da� weder Wula noch ich getroffen wurden, und auch den Hecktanks passierte nichts. Nat�rlich wu�te ich, da� ein solches Wunder nicht ewig w�hren konnte, denn Thurid wollte mich ja unter allen Umst�nden t�ten. Deshalb wandte ich eine Kriegslist an, auf die Thurid auch prompt hereinfiel. Als der n�chste Schu� in den Flieger schlug, warf ich die Arme in die H�he, lie� meinen Halt los und fiel in mich zusammen, so da� ich wie eine Leiche an dem Waffenriemen hing, der mich am Schanzkleidring festhielt. Thurid scho� nun nicht mehr auf uns. Dann wurde auch das Propellerschwirren leiser, und wir konnten uns also wieder einigerma�en sicher f�hlen.</p><p>Wir sanken langsam zu Boden, und als wir uns aus dem Wrack des Fliegers befreit hatten, entdeckte ich, da� wir uns in einem nat�rlich gewachsenen Wald befanden. Das ist auf Barsoom eine sehr gro�e Rarit�t, und einen solchen Wald habe ich au�erhalb des Tales Dor an der Verlorenen See von Korus auf diesem Planeten nie gesehen. Aus B�chern und von Reisenden wu�te ich einiges �ber das wenig erforschte Land Kaol, das sich �stlich von Helium am �quator entlang fast �ber den halben Planeten erstreckt.</p><p>Das Gebiet dieses Landes umfa�t tiefliegendes Land mit tropischer Hitze und ist bewohnt von einem Volk der Roten Rasse, das sich nur wenig in Aussehen, Sitten und Gebr�uchen von den �brigen Menschen der Roten Rasse auf Barsoom unterscheidet.</p><p>Ich wu�te auch, da� diese Menschen zu den wenigen V�lkern geh�rten, die noch immer an der so sehr in Mi�kredit geratenen Religion der Heiligen Therns festhielten, und deshalb konnte Matai Shang dort mit einer herzlichen, ja begeisterten Aufnahme rechnen. John Carter hingegen hatte nichts anderes zu erwarten als einen w�rdelosen Tod.</p><p>Die Kaolianer sind auch deshalb von allen �brigen V�lkern und L�ndern isoliert, weil kein Wasserweg ihr Gebiet mit dem anderer Nationen verbindet. Sie brauchen auch keine Kan�le, denn ihr tiefliegendes Land ist sehr sumpfig und liefert soviel Wasser, da� sie prachtvolle tropische Ernten erzielen.</p><p>Nach allen Richtungen hin ist ihr Land dar�ber hinaus von rauhen Bergen und toten Seegr�nden umgeben, die dem Handel und Verkehr auf dem kriegerischen Planeten Barsoom nicht gerade f�rderlich sind. Jede Nation erzeugt also auch im gro�en und ganzen die G�ter, die sie ben�tigt, und man mu� sich eben mit dem begn�gen, was das eigene Land hervorbringt. Es ist daher nicht sehr viel bekannt �ber den Hof des Jeddaks von Kaol und die merkw�rdigen, interessanten V�lker, die er regiert.</p><p>Ab und zu verirrte sich eine Jagdgesellschaft in diese Gegend, doch in der Regel brach �ber diese Leute wegen der Feindseligkeit der Bewohner nur schreckliches Unheil herein. Deshalb gibt es in den Dschungeln von Kaol auch noch viele wilde Tiere, die �berall sonst die J�ger in Scharen anziehen w�rden.</p><p>Ich befand mich am Rand des Landes der Kaolianer, hatte aber nat�rlich keine Ahnung, in welche Richtung ich mich auf der Suche nach meiner geliebten Prinzessin wenden sollte, oder wie weit ich in das Herz dieses Urwaldes vordringen mu�te.</p><p>Mit Wula war es ganz anders.</p><p>Er hatte sich kaum aus dem Wrack herausgearbeitet, als er auch schon die Nase in die Luft streckte und am Rand des Waldes herumstreifte. Einmal blieb er stehen und sah zu mir zur�ck, als wolle er mich auffordern, ihm zu folgen. Dann lief er weiter in das Dickicht hinein, und zwar genau in jene Richtung, die wir eingehalten hatten, ehe Thurids Schu� meinen Bug getroffen hatte.</p><p>Wieder einmal verlie� ich mich auf Wulas Instinkt und stolperte hinter ihm einen steilen Felshang hinunter, der unmittelbar hinter dem Waldrand begann.</p><p>Riesige B�ume streckten ihre Wipfel hoch in die Luft. Sie waren so dicht belaubt, da� kein St�ckchen Himmel mehr zu sehen war. Nun verstand ich recht gut, weshalb man in Kaol keine Flotte brauchte. Ihre St�dte lagen versteckt in diesen ungeheuren W�ldern und waren von oben her nicht zu entdecken. Nur die kleinsten Flieger konnten hier landen und auch die nur unter gr��ten Gefahren.</p><p>Ich konnte mir nicht vorstellen, wie Thurid und Matai Shang hier landen wollten; sp�ter erfuhr ich dann, da� es in jeder Stadt von Kaol einen schlanken Wachtturm gibt, der sich ein wenig �ber die Wipfel erhebt, von wo aus Kaolianer bei Tag und Nacht den Himmel nach feindlichen Flotten absuchen. Einem solchen Turm konnte sich der Hekator der Heiligen Therns gefahrlos n�hern, denn man lotste ihn sicher auf den Boden herunter.</p><p>Als ich mit Wula den Fu� des Felshanges erreichte, wurde der Boden weich und sumpfig, so da� wir nur unter Schwierigkeiten vorankamen. �berall wuchsen schlanke purpurne Gr�ser und gelbe Farne, deren Wedel sogar einige Meter hoch meinen Kopf �berragten. Unz�hlige Kriechtiere hingen in zarten Schlingen von den B�umen. Sehr viele hatten am K�rper eine Art Spinndr�se, mit der sie jedoch nicht nur d�nne Seidenf�den, sondern relativ breite B�nder spinnen konnten, die sie von Baum zu Baum spannten. Unter den Urwaldlianen gab es auch einige Arten, die man �Menschenblumen� nennt. Ihre Bl�ten haben Augen und H�nde, mit denen sie die Beuteinsekten, die ihnen zur Nahrung dienen, sehen und greifen k�nnen.</p><p>Auch den h��lichen Kalotbaum gab es reichlich. Das ist eine Menschenfresserpflanze etwa von der Gr��e eines m�chtigen Beifu�busches, der auf den westlichen Ebenen Nordamerikas das h�ufigste Unkraut ist. Jeder Zweig endet in starken Kiefern, die sogar, wie man sich glaubhaft erz�hlte, gro�e, kr�ftige Tiere festhalten und auffressen konnten.</p><p>Ein paarmal entkamen wir diesen Baumungeheuern nur mit knapper Not.</p><p>Gelegentlich gelangten wir auf Flecken festen Grasbodens, auf denen wir uns dann von der anstrengenden Arbeit des Querens sumpfigen Landes ausruhen konnten. Es war wirklich eine sehr beschwerliche Reise, und dazu herrschte ja ununterbrochen nur schwaches Zwielicht. Mein Chronometer sagte mir dann, da� die Nacht bald hereinbrechen w�rde, und so beschlo� ich, auf einem dieser Rasenflecken f�r die Nacht zu lagern.</p><p>Um uns herum gab es Fr�chte in H�lle und F�lle, und da die Marshunde Allesfresser sind, hatte Wula nicht die geringste Schwierigkeit, satt zu werden, nachdem ich etliche Ranken f�r ihn heruntergebogen hatte. Dann a� auch ich von den Fr�chten, legte meinen R�cken an die Flanke meines treuen Tieres und fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf.</p><p>Es herrschte undurchdringliches Dunkel, als ein lautes Knurren Wulas mich aufweckte. Ich vernahm das leise Tappen gro�er, weichsohliger Pfoten, und dann und wann gl�hten gr�ne Augen durch das Dunkel. Ich stand auf, zog mein Langschwert und wartete. Pl�tzlich kam aus einer wilden Kehle in meiner unmittelbaren N�he ein tiefes, dr�hnendes R�hren. Welch ein Narr war ich doch gewesen, weil ich f�r Wula und mich nicht ein sicheres Nachtquartier auf einem der B�ume gesucht hatte!</p><p>Bei Tageslicht w�re es einfach gewesen, Wula und mich selbst auf einen der breiten �ste zu heben, doch jetzt war es zu sp�t. Wir konnten jetzt nichts anderes tun, als uns behaupten und uns so gut wie m�glich gegen alle Angreifer zu wehren. Das erste R�hren schien allerdings nur ein Signal gewesen zu sein, denn was ihm folgte, war ein unbeschreiblicher H�llenl�rm. Wir mu�ten uns mitten in einer Herde aus Hunderten, wenn nicht Tausenden wilder Dschungeltiere befinden.</p><p>Und dieses infernalische Heulen w�hrte die ganze Nacht. Warum sie uns nicht angriffen, ahnte ich damals nicht und kann es mir auch heute noch nicht vorstellen; ich wei� nur, da� ich niemals ein wildes Tier auf einem der orangeroten Rasenflecke im Sumpf gesehen hatte, auch sp�ter nicht.</p><p>Als der Morgen heraufd�mmerte, waren sie immer noch da und gingen immer am Rand des Grasfleckens im Kreis herum. Man kann sich nicht eine wildere, blutr�nstigere Meute vorstellen als diese. Nach Sonnenaufgang�� im Wald wurde nur die D�mmerung ein wenig heller�� verschwanden die Tiere einzeln und in Paaren zwischen den B�umen. Als das letzte weg war, machte ich mich mit Wula auf den Weiterweg.</p><p>Gelegentlich sahen wir im Lauf des Tages von weitem eines dieser schrecklichen Tiere, aber zum Gl�ck entfernten wir uns niemals weit von diesen orangefarbenen Rasenflecken, und selbst wenn sie uns erblickten, endete die Verfolgung regelm��ig an deren Rand. Gegen Mittag kamen wir zu einer gut gebauten Stra�e, die in jene Richtung lief, welcher wir folgten. Sie war das Werk geschickter Ingenieure und schien ziemlich alt zu sein, wenn auch in ausgezeichnetem Zustand und offenbar h�ufig befahren. Ich nahm daher an, da� sie zu einer der gr��eren St�dte von Kaol f�hrte.</p><p>Als wir von einer Seite her die Stra�e betraten, erschien aus dem Dschungel auf der anderen ein ungeheuer gro�es Tier, das sofort auf uns losst�rmte.</p><p>Man stelle sich einmal eine kahlgesichtige Hornisse von der Gr��e eines preisgekr�nten Herefordbullen vor, dann hat man in etwa ein Bild dessen, was wir sahen. Und dieses Untier, das mit Riesenfl�geln ausgestattet war, drang nun auf mich ein.</p><p>Angesichts der entsetzlichen Kiefer vorne und eines m�chtigen, giftigen Stachels hinten war mein Langschwert kaum mehr als ein unn�tzes Kinderspielzeug. Wie sollte ich mich damit auch nur verteidigen k�nnen? Und diese riesigen Augen mit den Myriaden Facetten bewegten sich blitzschnell, sowie ich mich auch nur ein wenig r�hrte. Mit diesen schrecklichen Augen konnte das Untier in alle Richtungen sehen, und zwar gleichzeitig und ohne den Kopf zu drehen. Sogar mein starker, furchtloser Wula war vor diesem grauenhaften Wesen hilflos wie ein neugeborenes K�tzchen. Flucht w�re nutzlos gewesen. Au�erdem habe ich einer Gefahr noch nie den R�cken zugewandt. Also blieb ich stehen, Wula neben mir. Er knurrte zornig. Ich konnte nur hoffen, da� ich so sterben konnte, wie ich immer gelebt habe�� als K�mpfer.</p><p>Die Kreatur war nun direkt �ber uns, und nun sah ich, da� wir doch eine winzige Chance hatten, das Biest zu besiegen. Wenn ich die schreckliche Drohung des Giftstachels beseitigen konnte, der von gro�en Gifts�cken gespeist wurde, dann war der Kampf ein wenig aussichtsreicher.</p><p>Ich befahl also Wula, den Kopf des Tieres anzugreifen und sich fest anzuh�ngen. Als sich Wulas m�chtige Kiefer in dieses absto�end h��liche Gesicht schlugen und die Fangz�hne sich tief in eines der Facettenaugen bohrten, tauchte ich unter dem riesigen Tier durch, das sich gleichzeitig in die H�he hob und Wula damit in die Luft zerrte, um das unbequeme Wesen mit dem Giftstachel zu t�ten.</p><p>Es konnte meinen sofortigen Tod bedeuten, wenn ich mich in die Sto�richtung dieses speergleichen Giftstachels begab, doch mir blieb nichts anderes �brig, als gerade das zu tun. Als der Giftspeer mir mit Blitzesschnelle entgegensauste, schwang ich mein Langschwert und trennte mit einem gewaltigen Hieb dieses M�rderglied unmittelbar am kr�ftig gezeichneten K�rper des Tieres ab.</p><p>Dann traf mich aber eines der m�chtigen Hinterbeine wie ein Rammbock in die Brust, und ich flog atemlos und halb bet�ubt quer �ber die breite Stra�e in das Randgeb�sch der anderen Seite. Zum Gl�ck prallte ich nicht an einen Baumstamm, denn dann w�re ich mindestens schwer verletzt, wenn nicht tot gewesen, mit solcher Wucht hatte mich das riesige Hinterbein �ber die Stra�e katapultiert. Taumelnd kam ich auf die Beine, und taumelnd eilte ich auch Wula zu Hilfe, der sich im Kopf der Riesenhornisse festgebissen hatte und mindestens zehn Fu� �ber dem Boden schwebte. Unabl�ssig versuchte das Untier mit allen sechs kr�ftigen Beinen meinen Wula zu t r e f f e n .</p><p>Zum Gl�ck hatte ich auch w�hrend des Fluges mein Schwert nicht losgelassen, und so rannte ich auf das Tier zu und stach mit der scharfen Spitze immer wieder auf das Ungeheuer ein.</p><p>Offensichtlich verstand dieses Tier wenig von einem strategischen R�ckzug, denn es h�tte leicht mit Wula davonschwirren k�nnen, sondern es lie� sich auf mich herunter, und ehe ich noch entrinnen konnte, hatte es meine Schulter zwischen seinen gewaltigen Kiefern. Immer wieder stie� der Stummelstachel gegen meinen K�rper, nur konnte er nicht mehr stechen; doch schon die Schl�ge waren etwa so wirksam wie ein kr�ftiger Pferdetritt, und allm�hlich h�tte mich der Stummel sicher zu einer formlosen Masse zerschlagen.</p><p>Viel h�tte dazu nicht mehr gefehlt, aber da wurde das Untier zum Gl�ck f�r mich daran gehindert�� f�r immer.</p><p>Ich hing ein paar Fu� hoch �ber der Stra�e und konnte ihr ein paar hundert Yards weit mit den Augen bis zu einer Biegung nach Osten folgen. Ich hatte schon alle Hoffnung aufgegeben, diesem Biest je entrinnen zu k�nnen, als ich um die Kurve einen Roten Krieger kommen sah.</p><p>Er ritt eines jener sch�nen, kleinen Thoats, die von den Roten Marsbewohnern bevorzugt werden und hatte in der Hand eine lange, gl�nzende, sehr schlanke Lanze.</p><p>Erst ritt er ganz gem�chlich dahin, doch dann sah er uns, und nun trieb er sein Tier zu einem etwas schlenkernden Galopp an. Die lange Lanze senkte sich ein wenig, und als Thoat und Reiter vorbeijagten, durchbohrte die Lanze den K�rper unseres Gegners.</p><p>Das Ding sch�ttelte sich ein wenig und versteifte sich; die Kiefer erschlafften und lie�en mich auf die Stra�e fallen. Dann knallte das Untier mit dem Kopf voran auf die Stra�e, begrub aber dabei Wula unter sich, der diesen scheu�lichen Kopf nicht eine Sekunde losgelassen hatte.</p><p>Als ich noch nicht richtig auf den Beinen stand, kam der Reiter schon zu uns zur�ck. Ich befahl Wula, den toten Feind loszulassen, und er kroch auch richtig unter dem schweren Kadaver heraus. Miteinander stellten wir uns dem Krieger, der von der H�he seines Reittieres zu uns heruntersah.</p><p>Ich begann dem Fremden f�r seine rechtzeitige Hilfe zu danken, doch er schnitt meine Worte entschieden ab.</p><p>�Wer bist du, und wie kannst du es wagen, das Land Kaol zu betreten und in den k�niglichen Forsten des Jeddak zu jagen?� fragte er. Dann bemerkte er unter der Kruste aus Blut und Schmutz, die mein Gesicht bedeckte, meine wei�e Haut, und seine Augen wurden ganz gro� vor Ehrfurcht. �Ist es m�glich, da� du ein Heiliger Thern bist?� fl�sterte er.</p><p>Sicher h�tte ich den Mann f�r eine ganze Weile t�uschen k�nnen, wie ich auch andere vor und nach ihm get�uscht habe, aber ich hatte in Gegenwart von Matai Shang die gelbe Per�cke und das Diadem weggeworfen und wu�te au�erdem, da� mein neuer Bekannter fr�her oder sp�ter doch entdecken mu�te, da� ich gar kein Thern war.</p><p>�Ich bin kein Thern�, erwiderte ich also, schlug alle Vorsicht in den Wind und fuhr fort: �Ich bin John Carter, Prinz von Helium, dessen Name dir sicher nicht g�nzlich unbekannt ist.�</p><p>Erst waren seine Augen riesig gro� geworden, und jetzt drohten sie ihm aus dem Kopf zu fallen, da er nun wu�te, da� ich John Carter war. Ich griff ein wenig fester um mein Langschwert, denn nun mu�te ich mit einem Angriff rechnen. Zu meinem grenzenlosen Erstaunen blieb er jedoch aus.</p><p>�John Carter, Prinz von Helium�, wiederholte er langsam, als k�nne er den Gedanken nicht fassen. �John Carter, der m�chtigste Krieger von Barsoom!�</p><p>Dann stieg er von seinem Thoat ab und legte mir zum freundlichsten Gru�, den man auf dem Mars kennt, die Hand auf die Schulter.</p><p>�Es w�re meine Pflicht und m��te auch mein gr��tes Vergn�gen sein, dich zu t�ten�, sagte er, �aber in meinem innersten Herzen habe ich immer deine Tapferkeit bewundert, John Carter, und ich glaube auch deiner Aufrichtigkeit, w�hrend ich den Therns und ihrer Religion schon seit sehr langer Zeit mi�traue.</p><p>W�rde Kulan Tith meine h�retischen Gedanken auch nur ahnen, w�rde das meinen sofortigen Tod bedeuten. Doch ich will dir zu Dienst sein, Prinz. Du hast Torkar Bar, Dwar der Stra�e von Kaol, nur zu befehlen.�</p><p>Des Kriegers ehrliches Gesicht und seine noble Haltung dr�ckten eindeutige Ehrlichkeit aus, und ich vertraute ihm daher, wenngleich er auch mein Feind h�tte sein m�ssen. Da� er Captain der Stra�e von Kaol war, erkl�rte seine Anwesenheit im tiefsten Urwald, denn auf Barsoom wird jede der gro�en Stra�en von edlen, t�chtigen und furchtlosen Kriegern �berwacht. Es gibt keinen ehrenhafteren Dienst als den in den einsamsten Gebieten eines Landes, denn er kann nur von aufrechten, unerschrockenen M�nnern versehen werden.</p><p>�Torkar Bar hat schon eine gro�e Dankesschuld auf meine Schultern geladen�, erwiderte ich und deutete auf den Kadaver der Riesenhornisse, aus dem noch immer der lange Speer ragte.</p><p>Der Rote Krieger l�chelte. �Es war ein gl�cklicher Zufall, da� ich rechtzeitig kam�, antwortete er. �Ein Sith kann nur mit diesem vergifteten Speer schnell genug get�tet werden, um seine Beute zu retten. In diesem Gebiet von Kaol sind wir alle mit diesen Speeren ausger�stet, denn dessen Spitze ist mit dem Gift pr�pariert, mit dem das Untier t�tet. Kein Gift wirkt n�mlich bei diesem Tier so schnell wie das eigene.�</p><p>Er zog den Speer heraus, nahm einen Dolch vom G�rtel und machte etwa in Fu�h�he �ber der Wurzel des Stachels einen tiefen Einschnitt. Er zog zwei S�cke heraus, deren jeder mindestens eine Gallone der t�dlichen Fl�ssigkeit enthielt.</p><p>�So erg�nzen wir unsere Vorr�te�, fuhr er fort. �Wir h�tten davon eigentlich genug, denn der Sith ist fast ausgerottet; doch das Gift wird auch kommerziell gen�tzt.</p><p>Nur gelegentlich treffen wir noch auf ein solches Tier. Fr�her kamen diese schrecklichen Untiere jedoch in Herden von zwanzig oder drei�ig, �berfielen unsere St�dte und trugen Frauen und Kinder und sogar Krieger weg.�</p><p>Blitzschnell �berlegte ich mir, was ich diesem Mann �ber die Mission sagen konnte, die mich in dieses Land gef�hrt hatte, doch seine folgenden Worte l�sten dieses Problem schon, und ich war froh, nichts gesagt zu haben.</p><p>�Und jetzt zu dir selbst, John Carter�, sagte er. �Ich werde dich nicht fragen, in welchen Gesch�ften du hier bist, und ich will davon auch nichts h�ren. Ich habe Augen, Ohren und eine durchschnittliche Intelligenz, und gestern fr�h sah ich auch die Gruppe, die vom Norden her in einem kleinen Flieger zur Stadt Kaol kam. Ich bitte dich nur um eines�� um das Wort von John Carter, da� er keine feindselige Tat gegen die Nation von Kaol oder seinen Jeddak plant.�</p><p>�Darauf hast du mein Wort, Torkar Bar�, erwiderte ich.</p><p>�Mein Weg f�hrt mich die kaolinische Stra�e entlang, weg von der Stadt Kaol�, fuhr er fort. �Ich habe keinen Menschen gesehen, am allerwenigsten John Carter. Und du hast keinen Torkar Bar gesehen und nicht einmal von ihm geh�rt. Hast du verstanden?�</p><p>�Perfekt�, sagte ich.</p><p>Er legte mir die Hand auf die Schulter. �Diese Stra�e f�hrt auf dem k�rzesten Weg zur Stadt Kaol. Ich w�nsche dir Gl�ck.�</p><p>Damit schwang er sich auf sein Thoat und trottete davon, ohne auch nur einen einzigen Blick zur�ckzutun.</p><p>Es war schon dunkel, als ich durch die Randb�ume des riesigen Forstes die hohe Mauer ersp�hte, welche die Stadt Kaol umgibt. Wir waren ohne weitere Zwischenf�lle oder Abenteuer weitergewandert, und wenn wir einmal auf das eine oder andere Tier trafen, so be�ugte es Wula nur neugierig; ich selbst hatte mir den ganzen K�rper mit roter Pflanzenfarbe eingeschmiert.</p><p>Es war eine Sache, das Land zu durchqueren, eine andere jedoch, die bewachte Stadt des Kulan Tith, Jeddak von Kaol, zu betreten. Kein Mensch kann auf dem Mars eine Stadt betreten, ohne haargenau Auskunft �ber sich selbst zu geben; und sie mu� recht zufriedenstellend sein. Ich redete mir auch nicht ein, auch nur einen Moment lang die Offiziere der Wache t�uschen zu k�nnen, vor die man mich sofort f�hrte, wenn ich an eines der Tore kam.</p><p>Meine einzige Hoffnung schien die zu sein, im Schutz der Dunkelheit in die Stadt zu kommen; war ich erst einmal drinnen, dann konnte ich mich auf meinen Verstand verlassen und mich in einem dicht bev�lkerten Viertel verstecken, wo man mich kaum entdecken w�rde. Mit dieser Absicht folgte ich der Stadtmauer im Schutz des Waldes, in den parallel zur Mauer eine breite Schneise geschlagen war, damit kein Feind sich unbemerkt n�hern konnte.</p><p>Ein paarmal versuchte ich die Mauer an verschiedenen Stellen zu bezwingen, doch nicht einmal meiner irdischen Muskelkraft gelang es, den sehr klug angelegten Wall zu meistern. Bis zu einer H�he von drei�ig Fu� neigte sich n�mlich die Mauer nach au�en; in etwa der gleichen H�he war sie dann senkrecht, und die letzten f�nfzehn Fu� bis zur Mauerkrone waren wieder nach au�en �berh�ngend. Und wie glatt sie war! Poliertes Glas h�tte auch nicht glatter sein k�nnen. Ich mu�te also schlie�lich zugeben, da� ich eine barsoomische Festung entdeckt hatte, in die auch ich nicht eindringen konnte.</p><p>Ziemlich entmutigt zog ich mich in den Wald neben der breiten Stra�e zur�ck, die vom Osten her zur Stadt f�hrt, und legte mich neben Wula schlafen.</p></section><section><title><p>6. Ein Held in Kaol</p></title><p>Es war Tag, als mich eine st�ndige leise Bewegung aufweckte. Auch Wula streckte sich und sp�hte mit gestr�ubter M�hne durch die B�sche zur Stra�e hin�ber.</p><p>Erst konnte ich gar nichts sehen, aber dann entdeckte ich ein bi�chen gl�nzendes, glattes Gr�n, das sich zwischen dem Gelb, Purpur und Scharlach der Vegetation bewegte.</p><p>Ich bedeutete Wula, er solle dort bleiben, wo er war und kroch ein St�ck vorw�rts. Hinter einem dicken Baum sah ich eine lange Reihe gr�ner Krieger aus den Gr�nden der Toten See, die sich im dichten Dschungel neben der Stra�e versteckten.</p><p>Soweit ich sehen konnte, war es eine Reihe von Tod und Zerst�rung, die sich bis zur Stadt Kaol hinzog. Die gr�nen Krieger schienen den Auszug einer gr��eren Truppe Roter aus dem Stadttor zu erwarten, und nun lagen sie im Hinterhalt, um sie zu �berfallen. Ich schuldete dem Jeddak von Kaol keine Untert�nigkeit, aber er geh�rte derselben edlen Rasse Roter Menschen an wie meine Prinzessin, und ich w�rde auf keinen Fall dabeigestanden haben, um zu sehen, wie die Gr�nen, die grausamen, herzlosen D�monen der barsoomischen W�sten, diese noblen Menschen abschlachteten.</p><p>Sehr vorsichtig zog ich mich also zu Wula zur�ck, gebot ihm Schweigen und bedeutete ihm, mir zu folgen. Ich schlug einen gro�en Bogen, um nicht den Gr�nen versehentlich in die H�nde zu fallen und erreichte schlie�lich die gro�e Mauer.</p><p>Gute hundert Yards rechts von mir lag jenes Tor, aus dem offensichtlich die Truppen erwartet wurden; wenn ich es jedoch erreichen wollte, mu�te ich mich an der Flanke der Gr�nen entlangbewegen, und da konnten sie mich nat�rlich beobachten. Mein Plan, die Kaolianer zu warnen, w�re damit sicher durchkreuzt worden, und deshalb entschied ich mich f�r die linke Seite, wo in etwa einer Meile Entfernung ein weiteres Tor in die Stadt f�hrte.</p><p>Ich wu�te, da� das Wort, das ich brachte, der beste Pa� f�r Kaol sein w�rde, und ich mu� zugeben, da� meine Vorsicht eher auf meinen dringenden Wunsch, in die Stadt zu kommen, zur�ckzuf�hren war als auf den, einen Zusammensto� mit den Gr�nen zu vermeiden. Ich liebe den Kampf, und ich kann mich auch nicht immer zur�ckhalten, aber jetzt hatte ich gewichtigere Dinge zu bedenken als die, wie ich das Blut fremder Krieger vergie�en konnte.</p><p>Konnte ich hinter die Stadtmauern gelangen, dann mu�te sich auch in der allgemeinen Verwirrung und Aufregung wegen der Invasionsversuche der Gr�nen eine M�glichkeit finden lassen, zum Palast des Jeddak zu kommen, wo Matai Shang und seine Gruppe sicher Quartier erhalten hatten.</p><p>Doch kaum hatte ich hundert Schritte zum weiter entfernten Tor getan, als das Stampfen marschierender Truppen, das Klirren von Metall und das Quieken der Thoats jenseits der Stadtmauer mir sagten, da� sich die Kaolianer schon zum anderen Tor bewegten. Nun durfte ich keine Zeit mehr verlieren. Im n�chsten Moment konnte sich schon das Stadttor �ffnen, um die Truppenspitze auf die vom lauernden Tod ges�umte Stra�e hinauszuschicken.</p><p>Ich kehrte also zu dem gef�hrdeten Tor um, rannte in riesigen Spr�ngen die Lichtung entlang und bediente mich wieder einmal meiner irdischen Muskelkraft, die mich gleich zu Anfang auf Barsoom ber�hmt gemacht hatte. F�r einen kr�ftigen, gest�hlten Erdenmann sind Spr�nge von hundert Fu� Weite auf dem Mars keine Unm�glichkeit.</p><p>Die Gr�nen, an denen ich entlangrannte, starrten mich erst entgeistert an; dann war nat�rlich das<emphasis> ganze</emphasis> Geheimnis gel�ftet, und nun versuchten mich einige der Krieger aufzuhalten und mir den Weg zum Tor abzuschneiden.</p><p>Und schon schwang auch das gro�e Portal auf. Die Truppenspitze der Roten erschien. Etwa ein Dutzend Gr�ne hatten inzwischen einen Punkt zwischen mir und dem Tor erreicht, aber die meisten wu�ten kaum etwas davon, wen sie aufzuhalten versuchten. Ohne meine Geschwindigkeit auch nur um eine Spur herabzusetzen, tat ich einen Satz mitten unter sie, und als die ersten unter meinen Schwertstreichen fielen, erinnerte ich mich der zahlreichen K�mpfe, die ich Schulter an Schulter mit Tars Tarkas, Jeddak von Thark, dem m�chtigsten und tapfersten aller gr�nen M�nner auf dem Mars, durchgestanden hatte. Wir hatten gemeinsam unsere Feinde niedergem�ht, bis deren Leichen h�her sich t�rmten, als ein stattlicher Mann gro� war.</p><p>Als mir unmittelbar vor dem geschnitzten Stadttor von Kaol ein paar von ihnen zu nahe kamen und ich mit meinem Schwert nicht mehr richtig ausholen konnte, sprang ich einfach �ber ihre K�pfe hinweg und bediente mich der Taktik der grausamen, h��lichen Baumm�nner vom Tal Dor, indem ich auf die K�pfe meiner Feinde einschlug, als ich �ber sie hinwegsetzte.</p><p>Aus der Stadt st�rmten die Roten Krieger heraus, und aus dem Dschungel kamen die Gr�nen, und ich befand mich mitten im sch�nsten, blutigsten Kampf, den man sich nur vorstellen konnte. Diese Kaolianer sind tapfere, edle K�mpfer, und die gr�nen Marsm�nner der �quatorialzonen sind keine Spur weniger kriegerisch als ihre kalten, grausamen Verwandten der gem��igten Zone. Gar manchmal h�tte sich eine Gelegenheit f�r beide Seiten geboten, sich ehrenvoll aus diesem Kampf zur�ckzuziehen, um die Feindseligkeiten zu beenden, aber keine der beiden Seiten gab nach. Ich hatte eigentlich nur mit einem kleinen Scharm�tzel gerechnet, aber das schien sich nun zu einer Schlacht auszuwachsen, die mit der v�lligen Vernichtung mindestens der einen Seite enden w�rde.</p><p>Nachdem nun einmal die Kampfeslust in mir geweckt war, machte mir dieser Blitzkrieg auch ungeheuren Spa�. Die Kaolianer klatschten mir wiederholt Beifall, wenn mir wieder ein besonders gl�cklicher Schwertstreich gelungen war.</p><p>Es mag manchmal den Anschein haben, als bilde ich mir auf meine k�mpferischen F�higkeiten zuviel ein; man m�ge es mir deshalb nachsehen, weil ja der Kampf mein Lebensberuf ist. Ist man dazu berufen, Pferde zu beschlagen oder Bilder zu malen und kann man das besser tun als andere, die Pferde beschlagen oder Bilder malen, dann w�re man ein Narr, nicht darauf stolz zu sein. Deshalb bin auch ich stolz darauf zu wissen, da� auf den beiden Planeten kein gr��erer K�mpfer je gelebt hat als John Carter, Prinz von Helium. An diesem Tag �bertraf ich mich selbst, denn ich wollte einen Weg zu den Herzen�� und zur Stadt�� der Kaolianer gewinnen. Ich wurde auch nicht entt�uscht.</p><p>Wir fochten, bis die Stra�e rot vom Blut und mit Leichen gepflastert war. Der Kampf wogte hin und her, aber das Stadttor von Kaol war nie wirklich in Gefahr.</p><p>Ab und zu war mir eine winzige Atempause verg�nnt, und da konnte ich mit den Kaolianern, die neben mir fochten, ein paar Worte wechseln. Einmal legte mir der Jeddak Kulan Tith pers�nlich die Hand auf die Schulter und fragte mich nach meinem Namen.</p><p>�Ich bin Dotar Sojat�, erwiderte ich, denn ich erinnerte mich des Namens, den mir vor vielen Jahren die Tharks verliehen hatten nach den beiden ersten ihrer Krieger, die ich get�tet hatte. Das ist dort so Sitte.</p><p>�Du bist ein m�chtiger Krieger, Dotar Sojat�, sagte er zu mir, �und wenn dieser Tag vor�ber ist, werde ich wieder mit dir im gro�en Audienzsaal sprechen.�</p><p>Dann ging der Kampf wieder weiter, und wir wurden getrennt, aber mein Herzenswunsch war der Erf�llung nahe. Mit frischem Eifer und fr�hlicher Seele schwang ich mein Langschwert, bis der letzte gr�ne Krieger genug davon hatte und sich durch den Wald zu seinen Seegr�nden zur�ckzog.</p><p>Erst als der Kampf vor�ber war, erfuhr ich, weshalb die Truppen der Roten an diesem Tag auszogen. Kulan Tith schien den Besuch eines m�chtigen Jeddak aus dem Norden zu erwarten, einen starken und den einzigen Verb�ndeten der Kaolianer, und es war sein Wunsch gewesen, den Verb�ndeten eine volle Tagesreise von Kaol entfernt zu empfangen.</p><p>Jetzt war nat�rlich der Marsch der Begr��ungstruppe verz�gert worden, und erst am folgenden Morgen konnten die Krieger erneut aufbrechen. Man hatte mich nach dem Kampf nicht zu Kulan Tith gebeten, doch er hatte einen Offizier geschickt, der mich suchen und zu einem bequemen Quartier bringen sollte, welches in jenem Teil des Palastes lag, der f�r die Offiziere der k�niglichen Garden reserviert war.</p><p>Dort verbrachte ich zusammen mit Wula eine behagliche Nacht und erhob mich am Morgen gest�rkt und erfrischt nach den M�hen der vergangenen Tage. Wula hatte mir im gestrigen Kampf energisch beigestanden, und der Instinkt und das Training der marsischen Kriegshunde hatte sich wieder einmal als �u�erst n�tzlich erwiesen. Die gr�nen Horden von den Seegr�nden hielten sich meistens gro�e Meuten dieser Tiere.</p><p>Selbstverst�ndlich waren auch wir beide nicht ganz unbesch�digt durch den Kampf gekommen, aber die wunderbaren Heilsalben der Barsoomianer hatten gen�gt, uns �ber Nacht so gut wie neu zu machen.</p><p>Ich fr�hst�ckte zusammen mit mehreren Offizieren, die sehr h�fliche und aufmerksame Gastgeber waren, etwa so wie die Edlen von Helium, die ber�hmt sind f�r ihre ausgezeichnete Erziehung und ihre blendenden Manieren. Das Mahl war noch nicht zu Ende, als ein Bote von Kulan Tith ankam, um mich zu ihm zu bringen.</p><p>Der Jeddak stand auf, als ich den Audienzsaal betrat und stieg von der Estrade herunter, auf welcher der herrliche Thron stand. Er ging mir sogar entgegen, und das ist eine ganz ungeheure Ehre, die sonst nur anderen Regenten erwiesen wird.</p><p>�Kaor, Dotar Sojat!� begr��te er mich. �Ich habe dich zu kommen gebeten, weil ich dir den Dank der Leute von Kaol aussprechen will. H�ttest du in deiner heroischen Tapferkeit uns nicht gewarnt, dann w�ren wir ganz bestimmt in die ausgelegte Falle gegangen. Erz�hle mir mehr von dir selbst. Aus welchem Land kommst du, und was brachte dich an den Hof von Kulan Tith?�</p><p>�Ich komme aus Hastor�, antwortete ich, und das war nicht einmal eine L�ge, denn in dieser s�dlichen Stadt, die zum Staatsgebiet von Helium geh�rt, besa� ich einen kleinen Palast.</p><p>�Eigentlich bin ich rein zuf�llig im Land Kaol, da mein Flieger am s�dlichen Rand eures gro�en Forstes abst�rzte und zerschellte. Als ich mich der Stadt n�herte, um Eingang zu finden, entdeckte ich die im Hinterhalt lauernden gr�nen Horden, die auf deine Truppen warteten.�</p><p>Wenn Kulan Tith sich wunderte, welches Gesch�ft mich in einem Flieger zum Rand seiner L�nder gef�hrt haben mochte, so lie� er sich das nicht anmerken und bestand auch nicht auf einer Erkl�rung, die ich ihm gar nicht gerne gegeben h�tte.</p><p>W�hrend meiner Audienz beim Jeddak betrat hinter mir eine andere Gruppe den Saal, so da� ich deren Gesichter nicht sehen konnte. Kulan Tith ging an mir vorbei, um sie zu begr��en und lud mich ein, ihm zu folgen, damit er mich den anderen vorstellen k�nne. Ich drehte mich also um und hatte die gr��te M�he, mein Mienenspiel unter Kontrolle zu halten, denn vor mir standen meine intimsten Erzfeinde Matai Shang und Thurid, die aufmerksam Kulan Tiths Lobreden auf mich lauschten.</p><p>�Heiliger Hekator der Heiligen Therns�, sagte der Jeddak, �sch�tte deinen Segen aus �ber Dotar Sojat, den tapferen Fremden aus dem fernen Hastor, dessen gro�artiger Heldenmut und wunderbarer Kampfgeist gestern die Stadt Kaol gerettet hat.�</p><p>Matai Shang trat vor und legte mir eine Hand auf die Schulter. Nichts in seinem Gesicht lie� erkennen, da� er wu�te, wer ich war. Meine Maskierung schien gut zu sein.</p><p>Er sprach sehr freundlich mit mir und stellte mich Thurid vor. Auch der Schwarze lie� sich anscheinend t�uschen. Dann unterhielt sie Kulan Tith zu meinem geheimen Vergn�gen mit Einzelheiten meiner Taten auf dem Schlachtfeld.</p><p>Was ihn am meisten beeindruckt zu haben schien, war meine ungew�hnliche Beweglichkeit, und er beschrieb genau und in allen Einzelheiten die Spr�nge, mit denen ich �ber meine Gegner hinwegsetzte, wie ich ein paarmal dabei den Feinden die Sch�del gespalten hatte, wenn ich mitten im Sprung mein Langschwert schwang. Ich glaubte zu bemerken, da� Thurids Augen sich ein paarmal w�hrend dieser Erz�hlung weiteten, und einigemale ertappte ich ihn sogar dabei, wie er mich aus zusammengekniffenen Augen musterte. Vermutete er schon etwas? Und dann erz�hlte Kulan Tith auch von dem wilden Kalot, der zusammen mit mir gek�mpft habe, und nun keimte auch in Matai Shangs Augen Mi�trauen auf. Oder bildete ich mir das nur ein?</p><p>Gegen Ende der Audienz k�ndigte Kulan Tith an, da� er meine Begleitung w�nsche, wenn er nun seinem k�niglichen Gast entgegenreite. Als ich zusammen mit einem Offizier schied, der mich mit einem passenden Harnisch und einem geeigneten Reittier versorgen sollte, schienen beide ihr ehrliches Vergn�gen, mich kennengelernt zu haben, auszudr�cken. Ich verlie� den Saal allerdings mit einem Seufzer der Erleichterung und versuchte mich selbst davon zu �berzeugen, da� es nur mein schlechtes Gewissen war, das mich glauben machte, einer meiner Feinde k�nne mich erkannt haben.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter ritt ich mit der Begleittruppe von Kulan Tith zum Stadttor hinaus, um seinen Freund und Verb�ndeten einzuholen. Obwohl ich Augen und Ohren w�hrend meiner Audienz mit dem Jeddak und auf meinen verschiedenen Wegen durch den Palast weit offen hielt, hatte ich von Dejah Thoris oder Thuvia von Ptarth nichts gesehen oder geh�rt. Sie mu�ten sich aber irgendwo in diesem riesigen Palast befinden, und ich h�tte viel daf�r gegeben, w�re es mir m�glich gewesen, w�hrend Kulan Tiths Abwesenheit den Palast nach ihnen abzusuchen.</p><p>Gegen Mittag trafen wir auf die Spitze der Kolonne, die zu treffen wir ausgezogen waren.</p><p>Es war ein gro�artiger Zug, der den ankommenden Jeddak begleitete, und meilenweit erstreckte er sich �ber die wei�e, breite Stra�e nach Kaol. Die mit Juwelen und Gold besetzten Waffenriemen der berittenen Truppe glitzerten im Sonnenlicht, und dann kamen tausend gro�artige Wagen, die von pr�chtig geschm�ckten Zitidars gezogen wurden.</p><p>Diese niederen, sehr bequemen Wagen fuhren immer zu zweit nebeneinander, und links und rechts von ihnen marschierten dichte Reihen berittener Krieger, denn die Wagen waren mit den Frauen und Kindern des k�niglichen Gefolges besetzt. Auf dem R�cken eines jeden Zitidar ritt ein junger Edler, und da diese Tiere ungeheuer gro� sind, war dies ein �u�erst eindrucksvolles Bild. Ich mu�te an meine allerersten Tage auf Barsoom denken, die nun schon zweiundzwanzig Jahre zur�ckliegen, damals hatte ich das wundervolle Schauspiel der Karawanen der gr�nen Horden von Thark zum erstenmal erlebt. Noch nie vorher hatte ich Zitidars im Dienst Roter M�nner gesehen. Diese Tiere sind eine Art Mastodons, die selbst neben den sehr gro�en Gr�nen riesig wirken; die Thoats erscheinen neben ihnen ziemlich klein und bescheiden. Wenn dann noch ein relativ kleiner Roter Mann darauf sitzt, dann wirken diese Tiere noch wesentlich gr��er, als sie schon sind.</p><p>Die Tiere waren reich mit Juwelen geschm�ckt, und die Sattelpolster bestanden aus bunten, wunderbar bestickten Seiden, die zus�tzlich noch mit Diamant-, Perl-, Rubin- und Smaragdschn�ren verziert waren, von den zahllosen anderen auf dem Mars heimischen kostbaren Steinen ganz zu schweigen. Und jeder Wagen f�hrte eine ganze Anzahl Standarden, Flaggen und F�hnlein mit sich, die fr�hlich im Wind flatterten.</p><p>Vor dem Wagen ritt ganz allein auf einem reinwei�en Thoat�� diese sind �u�erst selten�� der Jeddak, der zu Besuch kam. Nach den Wagen kamen in nicht enden wollenden Reihen berittene Speertr�ger, Flintensch�tzen und Schwertk�mpfer. Es war ein ungemein eindrucksvolles Schauspiel.</p><p>Der ganze Zug bewegte sich fast lautlos voran; nur ab und zu klirrte Metall, quiekte ein zorniges Thoat und brummte kehlig ein Zitidar. Weder Thoat noch Zitidar haben Hufe, sondern breite Pfoten mit dicken Ballen, und um die breiten Wagenr�der liegt ein elastisches Material, das keinerlei L�rm macht.</p><p>Ab und zu war das fr�hliche Lachen einer Frau oder etwas Kindergeschrei zu h�ren, denn die Roten Marsmenschen sind ein geselliges, vergn�gtes Volk�� ganz anders als die kalte, morbide Rasse der gr�nen Krieger.</p><p>Die Zeremonien der Begegnung dieser beiden Jeddaks dauerten eine volle Stunde, und dann kehrten wir nach Kaol zur�ck, das die Spitze der Kolonne gerade noch vor Anbruch der Nacht erreichte. Es mu� aber schon fast Morgen gewesen sein, bis die letzten Reiter der Nachhut das Tor passierten.</p><p>Zum Gl�ck ritt ich mit an der Spitze der Truppe, und nach dem gro�en Bankett, an dem ich zusammen mit den Offizieren der k�niglichen Garde teilnahm, stand es mir frei, mich zur Ruhe zur�ckzuziehen. Die ganze Nacht hindurch herrschte ein reges Kommen und Gehen im Palast, und das war weiter nicht verwunderlich, da st�ndig hohe Offiziere aus dem Gefolge des Jeddaks eintrafen. Bei dieser Betriebsamkeit konnte ich es mir nicht erlauben, auf die Suche nach Dejah Thoris zu gehen, und so kehrte ich, sobald es mir angemessen erschien, in mein Quartier zur�ck.</p><p>Als ich die Korridore zwischen der Banketthalle und den Wohnr�umen, die mir zugewiesen waren, entlangschritt, hatte ich pl�tzlich das Gef�hl, �berwacht zu werden. Blitzschnell drehte ich mich um und sah gerade noch eine Gestalt, die durch eine offene T�r verschwand. Ich lief schnell dorthin zur�ck, wo dieser Beschatter verschwunden war, konnte aber keine Spur von ihm entdecken; ich h�tte jedoch schw�ren m�gen, ein wei�es Gesicht gesehen zu haben, �ber dem eine dichte gelbe Per�cke sich auft�rmte.</p><p>Nun hatte ich allerhand nachzudenken und zu �berlegen. Hatte ich mich n�mlich nicht get�uscht�� das erschien mir unwahrscheinlich��, dann mu�ten mich Matai Shang und Thurid erkannt haben, oder sie waren wenigstens mi�trauisch geworden. Stimmte das, dann konnte mich nicht einmal mehr der Dienst, den ich Kulan Tith erwiesen hatte, vor diesen Religionsfanatikern retten.</p><p>Ich lie� mich allerdings nie von furchtsamen �berlegungen und d�steren Ausblicken in die Zukunft sehr beeindrucken und schon gar nicht im Schlaf st�ren. Kaum hatte ich mich auf meinen Schlafseiden und Pelzen zur Ruhe gelegt, da fiel ich auch schon in einen tiefen, traumlosen Schlummer.</p><p>Kalots sind innerhalb der Palastmauern nicht gestattet, und so hatte ich den armen Wula im Stall zur�ckzulassen, in dem die k�niglichen Thoats gehalten werden. Er war geradezu luxuri�s untergebracht, aber ich h�tte viel daf�r gegeben, w�re er bei mir gewesen. Dann w�re auch das nicht passiert, was in jener Nacht noch geschah. Ich konnte noch gar nicht lange geschlafen haben, als ich ganz pl�tzlich davon aufwachte, da� mir etwas Kaltes, Feuchtes �ber die Stirn strich. Sofort sprang ich auf und griff in jene Richtung, in die das Ding verschwunden sein mu�te. Meine Hand ber�hrte f�r einen Moment menschliches Fleisch. Dann tat ich einen Satz, um meinen ungebetenen Besucher festzuhalten, aber in der Dunkelheit verfing sich mein Fu� in den Schlafseiden, und ich st�rzte der L�nge nach zu Boden.</p><p>Als ich wieder auf die Beine kam und den Lichtknopf fand, war mein Besucher schon verschwunden. Sorgf�ltig durchsuchte ich den ganzen Raum, fand jedoch nichts, was auf die Person des n�chtlichen Gastes oder ihre Absichten schlie�en lie�.</p><p>An die Absicht, etwas zu stehlen, konnte ich nicht glauben, da es Diebe auf Barsoom kaum gibt. Mord ist dagegen an der Tagesordnung, aber wenn ein Besucher vorgehabt h�tte, mich zu ermorden, dann h�tte er genug Zeit und Gelegenheit gehabt.</p><p>Ich gab schlie�lich die fruchtlose Suche auf und wollte mich wieder schlafen legen, als etwa ein Dutzend kaolinischer W�chter meine Wohnung betraten. Der leitende Offizier war mein liebensw�rdiger Gastgeber vom Morgen, aber jetzt dr�ckte seine Miene keine freundschaftlichen Gef�hle mehr aus.</p><p>�Kulan Tith befiehlt dein Erscheinen vor ihm�, sagte er. �Komm!�</p></section><section><title><p>7. Neue Verb�ndete</p></title><p>Von Wachen umgeben marschierte ich also die Korridore des Palastes von Kulan Tith, Jeddak von Kaol, entlang und kam zum gro�en Audienzsaal, der im Mittelpunkt des riesigen Palastkomplexes lag. Die strahlend hell erleuchteten R�ume waren mit den Nobilit�ten von Kaol und den Offizieren des Gastjeddaks angef�llt, und nat�rlich richteten sich alle Augen auf mich. Auf der breiten Estrade am Ende des Audienzsaales standen drei Throne, auf denen Kulan Tith und seine G�ste Matai Shang und der Gastjeddak sa�en.</p><p>T�dliches Schweigen herrschte, als wir den breiten Mittelgang entlangmarschierten und vor den Thronen stehenblieben.</p><p>�Bringt eure Klage vor�, sagte Kulan Tith und wandte sich dabei an einen, der unter den Edlen rechts von ihm stand. Daraufhin trat Thurid, der schwarze Dator der Erstgeborenen, vor und sah mich an.</p><p>�Edelster Jeddak�, sagte er zu Kulan Tith, �von Anfang an mi�traute ich diesem Fremden in deinem Palast. Deine Beschreibung seiner gro�artigen Tapferkeit deckt sich mit dem, was wir vom Erzfeind der Wahrheit auf Barsoom wissen.</p><p>Damit aber kein Irrtum geschehen kann, schickte ich einen Priester eures eigenen heiligen Kults aus, um einen Test zu machen, der seine Maskierung durchdringen und die Wahrheit enth�llen sollte. Und hier das Ergebnis!� Damit deutete Thurid auf meine Stirn. Alle Augen folgten Thurids Zeigefinger, und ich allein schien keine Ahnung zu haben, was er meinte und welch fatales Zeichen auf meiner Stirn zu finden sein k�nnte.</p><p>Der Offizier neben mir schien meine Verbl�ffung zu bemerken, und als Kulan Tith die Brauen drohend zusammenzog und sein Blick mich zu durchbohren versuchte, nahm der Edle einen kleinen Spiegel aus seiner G�rteltasche und hielt ihn mir vor das Gesicht. Mir gen�gte ein kurzer Blick in diesen Spiegel, dann gab ich ihn zur�ck.</p><p>Der n�chtliche Besucher in meinem Schlafzimmer war also ein kriegerischer Thern gewesen, der mir in etwa Handbreite die rote Farbe von der Stirn gewischt hatte. Darunter erschien die Sonnenbr�une meiner wei�en Haut.</p><p>Thurid schwieg eine ganze Weile. Ich nehme an, er wollte damit den dramatischen Effekt dieser Entdeckung unterstreichen.</p><p>�Hier, o Kulan Tith!� schrie er. �Das ist der Mann, welcher die Tempel der gro�en G�tter des Mars entweiht, der die Heiligen Therns in Person angegriffen hat, der eine ganze Welt von unserer uralten, heiligen Religion zum Abfall zu bringen versuchte! Vor dir, Jeddak von Kaol, Verteidiger der Heiligen, steht John Carter, Prinz von Helium!�</p><p>Kulan Tith sah zu Matai Shang hin�ber, als erwarte er von dort eine Best�tigung dieser Anklage. Der Heilige Thern nickte auch.</p><p>�Das ist in der Tat dieser schlimmste aller Sch�nder�, sagte er.</p><p>�Selbst jetzt ist er mir in das Herz deines Palastes gefolgt, Kulan Tith, und seine einzige Absicht ist die, mich zu ermorden. Er...�</p><p>�Er l�gt!� rief ich. �Kulan Tith, h�r mir zu, damit du die Wahrheit erf�hrst! H�re, denn ich erz�hle dir, weshalb John Carter diesem Matai Shang in deinen Palast gefolgt ist. H�r mir ebenso zu, wie du ihm zugeh�rt hast, und dann beurteile meine Taten, die nur der normalen barsoomischen Ritterlichkeit und Ehre entspringen, anders als bei diesen rachs�chtigen und gierigen M�nnern, von deren grausamen Fesseln ich euren Planeten befreit habe!�</p><p>�Schweig!� br�llte der Jeddak, sprang auf und legte seine Hand auf den Knauf seines Schwertes. �Schweig, du Sch�nder! Kulan Tith wird es nicht erlauben, da� die Luft seines Audienzsaales von h�retischen Reden entweiht wird, die aus deiner Kehle kommen! Du hast dich bereits selbst verdammt. Mir bleibt nur noch �brig, die Art deines Todes festzulegen. Nicht einmal der Dienst, den du dem Land und dem Heer von Kaol erwiesen hast, kann dich noch retten. Er war ja nur ein Vorwand, um dir Zugang zu meiner Stadt und meinem Palast zu verschaffen und an die Seite jener heiligen M�nner zu kommen, nach deren Leben dich d�rstet! In die Gruben mit ihm!�</p><p>Damit wandte er sich an die Offiziere, die mich bewachten. Jetzt steckte ich aber sehr in der Klemme. Welche Chance hatte ich schon gegen eine ganze Nation? Welche Hoffnung blieb mir noch? Aus der Hand des fanatischen Kulan Tith konnte ich keine Gnade erwarten, solange er auf solche Ratgeber h�rte wie Matai Shang und Thurid. Der Schwarze grinste mir boshaft ins Gesicht.</p><p>�Diesmal, Erdenmensch, wirst du uns nicht entkommen�, feixte er. Die Offiziere schl�ssen sich enger um mich. Ein roter Nebel schob sich vor meine Augen. In mir kochte das Blut meiner virginischen Vorfahren, und die alte Kampfeslust war wieder in ihrer ganzen Wildheit da.</p><p>Mit einem Satz stand ich neben Thurid, und das teuflische Grinsen war noch nicht von seinem Gesicht verschwunden, als er schon meine Faust voll auf dem Mund sp�rte. Und als der gute, alte, bew�hrte, amerikanische Schlag ankam, flog der schwarze Dator ein paar Dutzend Meter weit nach r�ckw�rts und landete schlie�lich als elendes H�ufchen genau vor Kulan Tiths Thron und spuckte Blut und Z�hne.</p><p>Dann zog ich mein Schwert, wirbelte herum und stellte mich einer ganzen Nation.</p><p>Im n�chsten Moment waren die Wachoffiziere �ber mir, doch ehe sie noch einen Schlag f�hren konnten, erhob sich eine m�chtige Stimme �ber das Geschrei der Krieger, und eine riesige Gestalt sprang von der Estrade neben Kulan Tith auf. Mit gezogenem Langschwert sprang der Riese zwischen mich und meine Gegner.</p><p>Es war der Jeddak, der zu Besuch gekommen war.</p><p>�Halt!� rief er. �Wenn dir meine Freundschaft etwas wert ist, Kulan Tith, und auch der uralte Friede, der zwischen unseren V�lkern herrscht, dann ruf deine Schwertm�nner zur�ck, denn f�r wen oder gegen wen auch immer John Carter, Prinz von Helium ficht, ich stehe an seiner Seite und k�mpfe bis zum Tod mit ihm. Ich, Thuvan Dihn, Jeddak von Ptarth.�</p><p>Alle schwiegen, und die drohend erhobenen Schwerter senkten sich, als tausend Augen sich erst Thuvan Dihn erstaunt und dann Kulan Tith fragend zuwandten. Erst wurde der Jeddak von Kaol wei� vor Wut, aber ehe er zu sprechen begann, hatte er sich wieder in der Gewalt, so da� seine Stimme ruhig und gleichm�tig klang, wie es sich zwischen zwei gro�en Jeddaks geziemte.</p><p>�Thuvan Dihn�, sagte er langsam, �mu� ausgezeichnete Gr�nde haben, uralte Sitten zu verleugnen, die das Benehmen eines Gastes im Palast des Gastgebers bestimmen. W�rde ich mich ebenso vergessen, wie es mein k�niglicher Freund getan hat, dann w�rde ich lieber schweigen, bis der Jeddak von Ptarth meine Zustimmung f�r seine Tat fand, indem er mir erkl�rt, was ihn dazu herausgefordert hat.�</p><p>Ich sah, da� der Jeddak von Ptarth jetzt am liebsten sein Metall in Kulan Tiths Gesicht geworfen h�tte, aber er hatte sich ebenso in der Gewalt wie sein Gastgeber.</p><p>�Keiner wei� besser als Thuvan Dihn�, antwortete er, �welche Gesetze die Handlungen der Menschen in den Hoheitsgebieten ihrer Nachbarn bestimmen. Aber Thuvan Dihn schuldet h�heren Gesetzen als diesen Achtung und Gehorsam, dem Gesetz der Dankbarkeit. Keinem anderen Mann gegen�ber hat er eine gr��ere Dankesschuld abzutragen als John Carter, Prinz von Helium.</p><p>Vor j�hren, Kulan Tith, warst du anl��lich deines letzten Besuches bei mir von der Anmut und Liebensw�rdigkeit meiner Tochter Thuvia sehr angetan. Du sahst, wie ich sie anbetete, und sp�ter erfuhrst du ja, da� sie aus mir unverst�ndlichen Gr�nden die letzte, lange, freiwillige Pilgerfahrt in das kalte Bett des geheimnisvollen Iss angetreten hatte. Ich war untr�stlich.</p><p>Vor einigen Monaten h�rte ich nun von der Expedition, die John Carter gegen Issus und die Heiligen Therns gef�hrt hatte. Man sprach von Scheu�lichkeiten, welche seit undenklichen Zeiten von den Therns an jenen ver�bt wurden, die den m�chtigen Iss hinabwanderten. Und diese Ger�chte kamen mir zu Ohren.</p><p>Ich h�rte auch, da� Tausende von Gefangenen befreit wurden, von denen nur wenige in ihre Heimatl�nder zur�ckzukehren wagten, weil all denen, die aus dem Tal Dor zur�ckkommen, ein entsetzlicher Tod droht.</p><p>Lange konnte ich diese H�resien nicht glauben, und ich betete darum, da� meine geliebte Tochter Thuvia gestorben sein m�ge, ehe sie das Sakrileg beging, in die Au�enwelt zur�ckkehren zu wollen. Aber dann siegte doch meine v�terliche Liebe �ber diese alten Ansichten, und ich bekehrte mich dazu, lieber die ewige Verdammnis auf mich nehmen zu wollen als weiterhin von ihr getrennt zu sein, falls sie gefunden werden konnte.</p><p>Ich sandte also Kundschafter nach Helium und an den Hof von Xodar, Jeddak der Erstgeborenen und auch an den, der jetzt die regiert, die aus der Thern-Nation stammen und sich von ihrer Religion losgesagt haben. Und von allen Seiten wurden mir die Geschichten von unvorstellbaren Grausamkeiten best�tigt, welche die Heiligen Thern im Namen ihrer Religion an den armen, schutzlosen Opfern dieses Glaubens begangen haben.</p><p>Es gab viele, die meine Tochter gesehen oder gekannt hatten, und von Therns, die einmal Matai Shang nahegestanden hatten, erfuhr ich, welche W�rdelosigkeiten dieser Mann pers�nlich auf sie geh�uft hatte. Ich war sehr froh zu h�ren, da� Matai Shang gleichzeitig mit mir dein Gast ist, denn ich h�tte ihn sowieso gesucht, und wenn dar�ber mein ganzes Leben vergangen w�re.</p><p>Und ich h�rte auch noch von der ritterlichen Freundlichkeit, die John Carter meiner Tochter erwiesen hatte. Man sagte mir, er habe f�r sie gek�mpft und sie gerettet, und er habe gegen die wilden Warhoons gek�mpft, sie aber auf seinem eigenen Thoat in die Sicherheit geschickt, und anschlie�end habe er auch noch gegen die gr�nen Krieger gefochten.</p><p>Kannst du dich noch wundern, Kulan Tith, da� ich selbst mein Leben und den Frieden meiner Nation, ja sogar deine Freundschaft aufs Spiel setze, die mir mehr wert ist als alles andere, nur um den Prinzen von Helium zu sch�tzen und zu verteidigen?�</p><p>Einen Augenblick lang schwieg Kulan Tith. Ich beobachtete sein Mienenspiel und stellte fest, da� er sehr perplex war. Und dann sprach er.</p><p>�Thuvan Dihn�, sagte er, und sein Ton war freundlich, wenn auch recht traurig, �wer bin ich, der einen Mitmenschen beurteilen darf? In meinen Augen ist der Vater der Therns noch immer heilig, und die Religion, die er lehrt, die einzig wahre. St�nde ich jedoch dem gleichen Problem gegen�ber wie du, dann k�nnte ich keinen Augenblick daran zweifeln, da� ich auch so denken und handeln w�rde wie du. Was nun den Prinzen von Helium angeht, so kann ich handeln; in dem, was zwischen dir und Matai Shang ist, kann ich h�chstens meine Vermittlung anbieten. Der Prinz von Helium soll in Sicherheit zur Grenze meines Landes geleitet werden, ehe die Sonne erneut untergegangen ist, und von dort aus ist er frei zu gehen, wohin er will. Bei Todesstrafe ist ihm jedoch untersagt, das Land Kaol wieder zu betreten.</p><p>Wenn es zwischen dir und dem Vater der Therns Streit gibt, dann brauche ich euch nicht aufzufordern, diesen Streit solange zur�ckzustellen, bis ihr die Grenzen meines Landes hinter euch habt. Bist du damit zufrieden, Thuvan Dihn?�</p><p>Der Jeddak von Ptarth nickte, aber Matai Shang, dieser teiggesichtige G�ttling, zog eine finstere Miene.</p><p>�Der Prinz von Helium ist keinesfalls zufrieden!� rief ich und brach damit den ausgerufenen Frieden, denn ich hatte keine Lust zu einem Frieden, der ausschlie�lich auf meine Kosten ging.</p><p>�Ich bin dem Tod in mehr als einem Dutzend Formen entkommen, als ich Matai Shang folgte, um ihn einzuholen, und ich denke nicht daran, mich wie ein m�des altes Thoat zum Schl�chter f�hren zu lassen, indem ich das Ziel aufgebe, dem ich mich mit der Kraft meiner Arme und der Geschicklichkeit meines Schwertes gen�hert habe. Und auch Thuvan Dihn, Jeddak von Ptarth, wird nicht mehr zufrieden sein, wenn er mich angeh�rt hat! Wei�t du, da� ich Matai Shang und Thurid, dem schwarzen Dator, von den Forsten des Tales Dor �ber eine halbe Welt gefolgt bin und dabei undenkbare M�hen auf mich genommen habe?</p><p>Glaubst du, da� John Carter, Prinz von Helium, sich einer Morddrohung beugt? Kann Kulan Tith ein so gro�er Narr sein, da� er die L�gen glaubt, die ihm von einem Heiligen Thern oder von Dator Thurid ins Ohr gefl�stert werden?</p><p>Ich bin Matai Shang nicht gefolgt, um ihn zu t�ten, obwohl der Gott meines eigenen Planeten wei�, wie sehr es mich in den Fingern juckt, gerade das zu tun und meine H�nde um seine Kehle zu legen. Ich folgte ihm, Thuvan Dihn, weil er zwei Gefangene bei sich hat�� meine Gattin, Dejah Thoris, die Prinzessin von Helium, und deine Tochter, Thuvia von Ptarth.</p><p>W�rdest du nun glauben, da� ich zulassen k�nnte, �ber die Grenze von Kaol gef�hrt zu werden, wenn nicht die Mutter meines Sohnes mich begleitet und deine Tochter befreit ist?�</p><p>Thuvan Dihn wandte sich nun wieder an Kulan Tith. Wut flammte in seinen scharfen Augen, aber er war von solcher Selbstbeherrschung, da� er mit ruhiger Stimme sprechen konnte.</p><p>�Wu�test du davon, Kulan Tith?� fragte er. �Wu�test du, da� meine Tochter in deinem Palast gefangen gehalten wird?�</p><p>�Das konnte er nicht wissen�, fiel Matai Shang ein, der leichenfahl geworden war; ich glaube, bei ihm war es weniger Wut als Angst. �Er konnte es deshalb nicht wissen, weil es eine L�ge ist.�</p><p>Ich h�tte ihn am liebsten auf der Stelle erw�rgt, aber Thuva Dihn legte mir eine schwere Hand auf die Schulter.</p><p>�Warte�, riet er mir und wandte sich wieder an Kulan Tith. �Das ist keine L�ge. Ich kenne den Prinzen von Helium aus allem, was ich �ber ihn geh�rt habe, so gut, da� ich wei�, er ist kein L�gner. Antworte mir, Kulan Tith. Ich habe dich etwas gefragt.�</p><p>�Drei Frauen kamen mit dem Vater der Therns�, antwortete Kulan Tith. �Phaidor, seine Tochter und zwei andere, die sie als ihre Sklavinnen bezeichnete. Wenn diese beiden Thuvia von Ptarth und Dejah Thoris von Helium sind, so wu�te ich es nicht, denn ich habe beide nicht gesehen. Sind sie es, dann sollen sie morgen zur�ckgegeben werden.�</p><p>W�hrend er noch sprach, sah er Matai Shang an, doch nicht so, wie ein Gl�ubiger seinen Hohenpriester anzusehen h�tte, sondern als Herrscher, der einem anderen einen strengen Befehl erteilt. Dem Vater der Therns mu�te inzwischen klar geworden sein, da� die Enth�llung seines Charakters den Glauben von Kulan Tith bereits betr�chtlich geschw�cht hatte. Es war nicht mehr viel n�tig, um den m�chtigen Jeddak zu seinem erkl�rten Feind zu machen. Trotzdem ist der seit unendlichen Zeiten in den V�lkern wurzelnde Aberglauben so stark, da� selbst der gro�e Kaolianer noch z�gerte, das letzte Band zu durchschneiden, das ihn noch an der alten Religion festhielt. Matai Shang war wenigstens klug genug so zu tun, als akzeptiere er den Entscheid seines Gastgebers und Gl�ubigen und versprach, die beiden Sklavinnen am folgenden Morgen in den Audienzsaal zu bringen.</p><p>�Jetzt ist es fast Morgen�, sagte er, �und es w�re mir unangenehm, den Schlaf meiner Tochter zu st�ren, sonst w�rde ich die beiden sofort herholen, um zu beweisen, da� der Prinz von Helium einem Irrtum unterliegt.�</p><p>Diese letzten Worte sprach er mit solchem Nachdruck, der mich wissen lie�, da� er mich auf ganz subtile Art beleidigen wollte, die es mir nicht gestattete, ihn daf�r zur Rechenschaft zu ziehen. Ich war schon dabei, gegen jede Verz�gerung zu protestieren und zu verlangen, da� die Prinzessin von Helium sofort gebracht werde, als Thuvan Dihn das f�r unn�tig erscheinen lie�.</p><p>�Ich w�rde es vorziehen, meine Tochter sofort zu sehen�, erkl�rte er.</p><p>�Wenn aber Kulan Tith mir versichern will, da� niemand in dieser Nacht den Palast verl��t und da� weder Dejah Thoris noch Thuvia von Ptarth zwischen jetzt und dem Zeitpunkt, da sie vor uns gebracht werden�� in diesem Raum und bei Tageslicht�� ein Leides geschieht, dann beharre ich nicht darauf.�</p><p>�Niemand wird heute nacht den Palast verlassen�, erwiderte der Jeddak von Kaol, �und Matai Shang wird uns versichern, da� den beiden Frauen nichts B�ses getan wird. Versprichst du das?�</p><p>Vater der Thern nickte. Ein paar Augenblicke sp�ter gab Kulan Tith zu verstehen, da� die Audienz beendet sei, und da Thuvan Dihn mich einlud, begleitete ich den Jeddak von Ptarth in seine Gem�cher, wo wir bis zum Morgen zusammensa�en. Ich mu�te ihm von meinen Erlebnissen auf diesem Planeten berichten und von allem, was seiner Tochter in der Zeit, die wir zusammen verbracht hatten, zugesto�en war.</p><p>Thuvias Vater war ein Mann nach meinem Herzen, und diese Nacht war der Beginn einer Freundschaft, die sich immer mehr vertiefte und die nun der am n�chsten kommt, die zwischen Tars Tarkas, dem gr�nen Jeddak von Thark, und mir besteht.</p><p>Die D�mmerung ist auf dem Mars sehr kurz, und im ersten Morgenlicht kamen Boten von Kulan Tith, die uns in den Audienzsaal riefen, wo Thuvan Dihn nach Jahren der Trennung seine Tochter in Empfang nehmen und ich mit der glorreichen Tochter von Helium nach einer fast ununterbrochenen Trennung von zw�lf Jahren wieder vereint werden sollte.</p><p>Mein Herz klopfte sehr st�rmisch, und ich glaubte, jeder im Saal m�sse es h�ren. Es machte mich fast ein wenig verlegen. Meine Arme sehnten sich danach, die unvergleichliche, ewig junge und sch�ne Geliebte meines Herzens wieder zu umschlie�en.</p><p>Endlich kam der Bote zur�ck, der Matai Shang hatte holen sollen. Ich verdrehte mir fast den Hals, um den zu sehen, der ihm folgte, aber der Bote kam allein.</p><p>Er trat vor den Thron und sprach den Jeddak mit so leiser Stimme an, da� sie kaum zu vernehmen war.</p><p>�O Kulan Tith, m�chtigster der Jeddaks�, sagte er, �dein Bote kehrt allein zur�ck, denn als er die Wohnung des Vaters der Therns erreichte, fand er sie leer und ebenso die Gem�cher, die seine Suite bewohnte.�</p><p>Kulan Tith wurde aschfahl. Thuvan Dihn, der neben mir stand, knurrte bedrohlich. Er hatte den Thron neben seinem Gastgeber nicht eingenommen. Einen Augenblick lang herrschte t�dliches Schweigen im gro�en Audienzsaal des Kulan Tith, Jeddak von Kaol. Dann war dieser es, der den Bann brach.</p><p>Er stand von seinem Thron auf und trat von der Estrade herunter zu Thuvan Dihn. In seinen Augen schimmerten Tr�nen, als er seinem Freund beide H�nde auf die Schultern legte.</p><p>�O Thuvan Dihn!� rief er. �Da� dir das im Palast deines besten Freundes zusto�en mu�! Mit meinen eigenen H�nden h�tte ich diesem Matai Shang den Hals umgedreht, h�tte ich vermutet, was in seinem verrottetem Herzen ist. Vergangene Nacht wurde mein Glaube, der mich ein Leben lang begleitet hat, ersch�ttert, und jetzt ist er v�llig zerbrochen. Aber es ist zu sp�t. Zu sp�t!</p><p>Um deine Tochter und die Gattin dieses k�niglichen Kriegers aus den Klauen dieses Erzfeindes zu befreien, brauchst du dich nur aller Hilfsmittel zu bedienen, die eine m�chtige Nation zur Verf�gung hat. Ganz Kaol steht zu deiner Verf�gung. Was willst du, da� wir tun? Sprich nur ein Wort!�</p><p>�Zuerst�, schlug ich vor, �m�ssen wir diejenigen deiner Leute finden, die verantwortlich daf�r sind, da� Matai Shang und sein Gefolge entwischen konnte. Ohne Hilfe der Palastwache oder von einigen unter ihnen w�re das ja gar nicht m�glich gewesen. Such die Schuldigen, und von denen wirst du eine Erkl�rung erzwingen m�ssen, damit wir erfahren, wie sie flohen und wohin sie sich wandten.�</p><p>Ehe Kulan Tith noch die n�tigen Befehle erteilen konnte, um die Nachforschungen anzustellen, trat ein sehr gut aussehender junger Offizier vor seinen Jeddak und sprach ihn an.</p><p>�O Kulan Tith, m�chtigster der Jeddaks, ich allein bin verantwortlich f�r diesen traurigen Irrtum. Ich hatte w�hrend der vergangenen Nacht das Kommando �ber die Palastwache. Ich machte Dienst in einem anderen Teil des Palastes, als die Audienz in den fr�hen Morgenstunden stattfand, und daher wu�te ich nichts von dem, was beschlossen wurde. Als der Vater der Therns mich rief und mir erkl�rte, es sei dein Wunsch, da� er mit seinem Gefolge eiligst die Stadt verlasse, da sich sein Todfeind hier aufhalte, der nach dem Leben des Heiligen Hekators trachte. Ich tat dann nur, was mich zu tun mein Leben lang gelehrt wurde, ich gehorchte ihm, in dem ich den Herrscher von uns allen erblickte, der selbst m�chtiger ist als du, m�chtigster aller Jeddaks.</p><p>La� die Strafe daf�r allein auf mich fallen, denn ich allein bin schuldig. Die anderen von der Palastwache, die bei der Flucht halfen, taten das nur auf meinen Befehl hin.�</p><p>Kulan Tith sah erst mich und dann Thuva Dihn an, als wolle er von uns wissen, was wir von diesem Mann hielten. Der Irrtum war aber so offensichtlich entschuldbar, da� keiner von uns beiden das Herz gehabt h�tte, den jungen Offizier f�r einen Fehler leiden zu sehen, den jeder andere auch gemacht h�tte.</p><p>�Wie sind sie aus dem Palast weggekommen und welche Richtung haben sie eingeschlagen?� fragte Thuvan Dihn.</p><p>�Sie verlie�en den Palast so, wie sie kamen, mit ihrem eigenen Flieger�, erwiderte der Offizier. �Ich beobachtete sie noch eine Weile nach ihrem Abflug, und ihre Lichter verschwanden in n�rdlicher Richtung.�</p><p>�Wo im Norden k�nnte Matai Shang Asyl finden?� fragte Thuvan Dihn an Kulan Tith gewandt.</p><p>Der Jeddak von Kaol dachte eine ganze Weile scharf nach. Dann hob er den Kopf.</p><p>�Ich habe es!� rief er. �Erst gestern lie� Matai Shang etwas von seinem Bestimmungsort durchsickern. Er sprach von einer Menschenrasse, die sich von uns unterscheidet und die weit im Norden wohnt. Sie, sagte er, sei den Heiligen Therns sehr gut bekannt und sie seien auch ergebene J�nger des alten Kultes. Bei ihnen w�rde er einen dauernden Hafen des Friedens finden, denn dort gebe es keine l�genhaften H�retiker, die ihn verfolgten. Dorthin wird sich Matai Shang gewandt haben.�</p><p>�Und in ganz Kaol gibt es keinen einzigen Flieger, in dem ich ihm folgen k�nnte!� rief ich.</p><p>�Wohl aber in Ptarth�, sagte Thuvan Dihn.</p><p>�Warte!� rief ich. �Am s�dlichen Rand dieses gro�en Forstes liegt das Wrack jenes Thern-Fliegers, der mich �ber eine lange Strecke hierher gebracht hat. Wenn du mir ein paar M�nner zur Verf�gung stellst, die es holen und ein paar t�chtige Handwerker, die mir helfen, dann kann ich ihn in zwei Tagen reparieren, Kulan Tith.�</p><p>Ich traute dem Jeddak von Kaol nicht ganz und hielt seinen so pl�tzlichen Gesinnungswandel nicht f�r recht ernst, doch er �berraschte mich damit, da� er ohne zu z�gern und voller Eifer auf meinen Vorschlag einging. Sofort stellte er Offiziere und M�nner zu meiner Verf�gung, und das beseitigte meine letzten Zweifel.</p><p>Zwei Tage sp�ter stand der Flieger auf einem der Wachtt�rme und war wieder flugt�chtig. Thuvan Dihn und Kulan Tith hatten mir alle Hilfsmittel zweier Nationen angeboten�� Millionen von t�chtigen K�mpfern��, aber mein Flieger konnte au�er Wula und mir nur noch eine Person aufnehmen.</p><p>Als ich an Bord ging, nahm Thuvan Dihn den Platz neben mir ein. Ich warf ihm einen Blick des Staunens zu, und er wandte sich an den h�chsten Offizier, der ihn nach Kaol begleitet hatte.</p><p>�Dir vertraue ich mein ganzes Gefolge an�, sagte er. �Du bringst es sicher nach Ptarth. Dort regiert in meiner Abwesenheit mein Sohn. Der Prinz von Helium soll nicht allein in das Land seiner Feinde reisen. Ich habe gesprochen, und du hast mich geh�rt. Leb wohl!�</p></section><section><title><p>8. Durch die H�hlen von Carrion</p></title><p>Unser Destinationskompa� f�hrte uns geradeaus nach Norden, und wir flogen bei Tag und Nacht. Ich hatte ihn, als ich die Festung der Therns verlie�, auf den anderen Flieger eingestellt, und diese Einstellung hatte sich nicht ver�ndert.</p><p>Anfangs der zweiten Nacht bemerkten wir, da� die Luft merklich k�lter wurde. Nun n�herten wir uns sehr schnell der arktischen Region.</p><p>Ich wu�te von den zahlreichen Expeditionen, die ausgesandt worden waren, um dieses unbekannte Land zu erforschen, und deren Erfahrungen mahnten mich zur Vorsicht. Niemals war n�mlich ein Flieger zur�ckgekehrt, der eine gr��ere Strecke hinter der Eisbarriere beflogen hatte, die den s�dlichen Rand der kalten Zone abschlie�t. Niemand wu�te, was aus all diesen Leuten geworden war, nur da� sie au�er Sicht gerieten, nachdem sie in dieses grimmige, geheimnisvolle Land am Pol vorgesto�en waren.</p><p>Die Entfernung zwischen Barriere und Pol war nicht allzu gro�, und ein schneller Flieger konnte sie an sich in wenigen Stunden zur�cklegen. Man nahm deshalb an, da� schreckliche Katastrophen �ber jene hereinbrachen, die das �Verbotene Land� erreichten, denn so wurde es von den Marsbewohnern der �u�eren Welt genannt. Ich nahm daher Geschwindigkeit weg, als wir uns der Barriere n�herten, denn ich wollte vorsichtig und bei Tag �ber diese Eisfelsen wegfliegen, um mich zu orientieren, damit ich nicht in eine Falle rannte, falls es wirklich am Nordpol ein bewohntes Land geben sollte. Ich konnte mir vorstellen, da� es dort vielleicht eine Stelle geben k�nnte, die Matai Shang eine gewisse Sicherheit vor John Carter, Prinz von Helium, verleihen konnte.</p><p>Wir flogen im Schneckentempo und nur ein paar Fu� hoch �ber dem Boden dahin und ertasteten uns buchst�blich unseren Weg durch die Dunkelheit. Beide Monde waren untergegangen, und die Nacht war kohlschwarz, denn der Himmel war bew�lkt. Wolken gibt es auf dem Mars nur in den Zonen an den Polen.</p><p>Pl�tzlich stand wie aus dem Boden gewachsen ein wei�er Turm in meinem Weg. Ich warf das Seitensteuer blitzschnell herum und schaltete die Maschine auf R�ckw�rtsgang, aber es war zu sp�t, die Kollision war nicht mehr zu vermeiden. Es krachte, als wir auf den Eisturm knallten.</p><p>Der Flieger drehte sich halb um sich selbst, und die Maschine blieb stehen; der geflickte Treibstofftank ri� auf, und wir st�rzten zwanzig Fu� tief auf den Boden.</p><p>Zum Gl�ck wurde bei diesem Absturz aus geringer H�he keiner von uns verletzt, und als wir uns aus den Tr�mmern des Wracks herausgearbeitet hatten, kam gerade der kleinere Mond wieder �ber den Horizont herauf. In seinem Licht entdeckten wir, da� wir uns am Fu� einer m�chtigen Eisbarriere befanden, die von gro�en Granitfelsen daran gehindert wird, sich weiter nach S�den auszubreiten. Welch ein Schicksal! Da hatten wir nun diese riesige Strecke ohne Zwischenfall hinter uns gebracht und unsere Reise fast vollendet, und nun waren wir auf der verkehrten Seite der Eisbarriere gestrandet! Ich sah Thuvan Dihn an, doch der sch�ttelte den Kopf.</p><p>Den Rest der Nacht verbrachten wir vor K�lte zitternd in unseren Schlafseiden und Pelzen auf dem Schnee, der den Fu� der Eisbarriere bedeckte.</p><p>Bei Tagesanbruch hatten sich meine schwer angeschlagenen Lebensgeister wenigstens ein bi�chen wieder zum gewohnten Optimismus durchgerungen, obwohl es, wie ich zugeben mu�, recht wenig Grund daf�r gab.</p><p>�Was werden wir nun tun?� fragte Thuvan Dihn. �Wie sollen wir dieses unzug�ngliche Eis �bersteigen?�</p><p>�Erst m�ssen wir beweisen, da� es unzug�nglich ist�, erwiderte ich, �aber das werde ich kaum zugeben, ehe ich nicht den ganzen Globus umkreist habe und abgeschlagen wieder auf diesem Fleck stehe. Je fr�her wir aufbrechen, desto besser ist es, denn eine andere M�glichkeit sehe ich nicht. Wir werden auch mindestens einen Monat brauchen, um diese kalten, beschwerlichen Kilometer zur�ckzulegen, die wir vor uns haben.�</p><p>F�nf Tage lang wanderten wir �ber das gefrorene, eisstarrende Land zu F��en der Eisbarriere. Schreckliche Pelztiere griffen uns bei Tag und Nacht an. Nicht einen Augenblick konnten wir uns vor diesen wilden D�monen des Nordens sicher f�hlen.</p><p>Unser gef�hrlichster und ausdauerndster Feind war der Apt. Das ist eine riesige, wei�pelzige Kreatur mit sechs Beinen, von denen vier kurz und dick sind und das Tier mit erstaunlicher Geschwindigkeit �ber Eis und Schnee tragen. Zwei weitere sind zu beiden Seiten des langen, kr�ftigen Halses an den Schultern angewachsen und enden in wei�en, unbehaarten H�nden, mit denen diese Tiere ihre Beute fangen und festhalten.</p><p>Kopf und Maul gleichen ungef�hr den Flu�pferden der Erde, nur da� beim Apt vom Unterkiefer aus zwei m�chtige, gebogene H�rner fast bis zur Brust reichen.</p><p>Die beiden riesigen Augen riefen meine gr��te Neugier hervor. Sie reichen vom Sch�deldach als gro�e, ovale Flecken bis zu den Wur zeln der H�rner, so da� diese Waffen tats�chlich aus den unteren Teilen der Augen herauswachsen. Und diese Augen bestehen aus etliehen tausend Ozellen.</p><p>Das war eine ganz bemerkenswerte Augenkonstruktion f�r ein Tier das auf grellschimmernden Eis- und Schneefl�chen jagt. Da wir einige dieser Tiere erlegten, konnte ich die Augen genauer untersuchen, und da stellte ich fest, da� jeder Ozellus sein eigenes Augenlid hat. Das Tier kann ganz nach Belieben jedes einzelne Facettenauge unabh�ngig von allen �brigen schlie�en, wenn ich auch davon �berzeugt war, da� dieses Tier den gr��ten Teil seines Lebens in dunklen unterirdischen H�hlen zubrachte. Auf diese Art konnte es sich gegen grelles Tageslicht sch�tzen.</p><p>Dann begegneten wir dem gr��ten Apt, den wir je gesehen hatten Dieses Tier ma� an den Schultern volle sechs Meter und war so glatt, sauber und sch�n, da� ich h�tte schw�ren m�gen, es sei erst k�rzlich ordentlich geb�rstet und getrimmt worden.</p><p>Er stand mit etwas schiefgelegtem Kopf da und sah uns entgegen, als wir uns ihm n�herten. Wir hatten n�mlich herausgefunden, da� es eine betr�chtliche Zeitverschwendung war, wenn wir diese Tierrier sen, die von d�monischer Wut besessen zu sein scheinen, in einem weiten Bogen umgingen. Selbst wenn sie sich n�mlich die B�uche vollgeschlagen haben und nichts mehr in ihnen Platz hat, t�ten sie aus Freude am T�ten.</p><p>Dieser Apt nun griff uns nicht an, sondern schaute uns dumm entgegen, drehte sich um und trottete davon. Das h�tte mich ja an sich sehr erstaunt, w�re nicht um seinen Hals ein breiter goldener Kragen gelegen, den ich im dicken Fell schimmern sah.</p><p>Auch Thuvan Dihn sah ihn und fa�te ebenso wie ich Hoffnung f�r uns beide. Nur ein Mensch konnte ihm einen solchen Kragen umgelegt haben, und da noch keine uns bisher bekannte Rasse von Marsmenschen versucht hatte, dieses Riesentier zu z�hmen, mu�te er einem Volk geh�ren, von dessen Existenz wir nichts wu�ten. Vielleicht waren es die fabul�sen Gelben M�nner von Barsoom. Diese einstmals sehr m�chtige Rasse hielt man f�r ausgerottet, obwohl manche Theoretiker der Meinung waren, sie k�nnten im eisigen Norden noch existieren.</p><p>Wir folgten dem riesigen Tier. Wula begriff sehr schnell, was wir wollten, und so war es nicht n�tig, uns besonders zu beeilen, denn der Apt setzte in gro�en Spr�ngen �ber das Eis und entschwand sehr schnell unseren Blicken.</p><p>Etwa zwei Stunden lang folgten wir der Spur entlang der Eisbarriere, und dann bog sie direkt in das rauheste, unwegsamste Gel�nde ab, das ich je gesehen hatte.</p><p>Riesige Granitbl�cke versperrten uns immer wieder den Weiterweg. Wir drohten in tiefe Eisrinnen zu st�rzen, falls der Fu� nur einmal ausrutschte, und vom Norden her wehte ein leichter Wind, der uns einen unbeschreiblichen Gestank entgegentrug, der uns vor �belkeit w�rgen machte.</p><p>Weitere zwei Stunden verbrachten wir damit, �ber Felsbl�cke zu klettern, und wir legten dabei nur ein paar hundert Meter bis zum unmittelbaren Fu� der Eisbarriere zur�ck.</p><p>Dann bogen wir um eine Felskante aus Granit und standen nun auf einem ebenen St�ck schneebedeckten Landes von einigen Morgen Ausdehnung, das von jenen Eisbergen begrenzt war, die uns seit Tagen �rgerten und soviel M�he bereiteten. Unmittelbar vor uns sahen wir den dunklen Eingang zu einer H�hle.</p><p>Dieser H�hle entstr�mte der schreckliche Gestank. Als Thuvan Dihn neben mir vor der H�hle stand, rief er erstaunt: �Bei all meinen Ahnen! Da� es mir beschieden ist, die sagenhaften H�hlen Carrions zu sehen! Sind sie das wirklich, dann haben wir auch den Weg �ber die Eisbarriere gefunden.</p><p>Die alten Chroniken der ersten Historiker von Barsoom, und diese Chroniken sind so alt, da� wir sie f�r Mythologie gehalten haben, berichten davon, da� die Gelben M�nner sich vor den rasenden gr�nen Horden zur�ckgezogen hatten, als diese die K�sten der austrocknenden Seen verlie�en und auf ihren Raubz�gen die Festungen der herrschenden Rassen �berfielen.</p><p>Diese einst sehr m�chtigen Rassen flohen, und bei jedem Schritt wurden sie gejagt, bis sie schlie�lich einen Weg durch die Eisbarriere des Nordens in ein fruchtbares, gesch�tztes Tal am Pol fanden. Vor der �ffnung des unterirdischen Weges, der in ihre Zuflucht f�hrt fand eine riesige Schlacht statt, welche die Gelben M�nner siegreich bestanden. In den H�hlen, die der Zugang zu ihrem neuen Land bildeten, h�uften sie die Leichen der Toten auf, damit deren Gestank alle Verfolger abwehrte.</p><p>Und seit dieser Zeit werden alle Toten dieses sagenhaften Landes zu den H�hlen von Carrion getragen, so da� sie selbst in Tod und Verwesung ihrem Land noch dienen und fremde Eindringlinge fernhalten. Die Fabel erz�hlt, da� hierher auch alle Abf�lle der Nation gebracht werden, alles, was verrotten und verwesen und so zu dem f�rchterlichen Gestank beitragen kann, der unsere Nasen beleidigt. Und zwischen den verwesenden Toten lauert bei jedem Schritt der Tod, denn hier haben die Apts ihre Lager, die mit den unverdaulichen Resten ihrer Beute zu diesem infernalischen Gestank beitragen. Es ist ein entsetzlicher, widerlicher Weg zu unserem Ziel, doch der einzige, den es gibt.�</p><p>�Dann bist du also �berzeugt, da� wir den Zugang zum Land der Gelben M�nner gefunden haben?� rief ich.</p><p>�So �berzeugt wie nur m�glich, denn es gibt nur eine alte Legende, die diese �berzeugung st�tzt. Aber sieh doch, wie genau bis jetzt alle Erz�hlungen von der Existenz und der Zuflucht der Gelben sich mit dem decken, was wir selbst auf dem Weg zu ihrem neuen Land gesehen haben.�</p><p>�Dann m�gen uns die G�tter weiter gn�dig sein�, sagte ich. �Vielleicht k�nnen wir hier auch das Geheimnis um das Verschwinden von Tardos Mors, Jeddak von Helium und Mors Kajak, seinem Sohn, kl�ren, denn sonst blieb kein anderer Fleck auf ganz Barsoom undurchsucht. Viele Expeditionen und noch viel mehr Spione haben volle zwei Jahre nach ihnen gesucht, und das letzte Wort, das wir seinerzeit von. ihnen h�rten, war, da� sie meinen Sohn Carthoris hinter der Eisbarriere vermutet hatten.�</p><p>W�hrend wir miteinander sprachen, hatten wir uns dem H�hleneingang gen�hert, und als wir kaum zwei Schritte hineingegangen waren, wurde mir klar, weshalb die gr�nen Feinde der Gelben M�nner diese Schwelle nicht �berschritten hatten.</p><p>Mannshoch lagen die Gebeine der Toten auf dem Boden der ersten H�hle, und �ber all den Knochen lag der s��lich-scharfe Gestank vermodernden Fleisches, durch welches sich die Apts einen grauenhaften Weg zur zweiten H�hle gefressen hatten.</p><p>Das Dach der ersten H�hle war sehr niedrig, so da� sich der Gestank bis zur Greifbarkeit verdichtet hatte. Man war direkt versucht, sein Schwert zu ziehen, um sich auf der Suche nach frischer Luft einen Weg freizuhauen.</p><p>�Ist es m�glich, da� es Menschen gibt, die eine so vergiftete Luft atmen und trotzdem weiterleben k�nnen?� fragte Thuvan Dihn, den es immer wieder heftig w�rgte.</p><p>�Nicht f�r lange Zeit jedenfalls�, antwortete ich. �Wir wollen uns daher beeilen. Ich werde vorangehen, und du folgst mir. Zwischen uns geht Wula.� Und damit st�rzte ich mich voll Todesverachtung in die n�chste H�hle.</p><p>Sieben H�hlen brachten wir so hinter uns; in der Gr��e unterschieden sie sich erheblich voneinander, nicht aber in dem, was wir in ihnen vorfanden. Die achte H�hle enthielt dann die Lager der Apts. Eine ganze Herde dieser m�chtigen Tiere hatte sich hier zusammengefunden. Einige von ihnen schliefen, andere rissen Fleischst�cke aus frischgeschlagener Beute, andere trugen ihre Liebesk�mpfe untereinander aus.</p><p>Selbst mir w�re es als Wahnsinn erschienen, h�tte man diese H�hle mit den f�rchterlichen Tieren durchqueren wollen, und so schlug ich Thuvan Dihn vor, er solle mit Wula zur Au�enwelt zur�ckkehren und mit ausreichenden Hilfsmitteln wiederkommen, um nicht nur die Apts zu besiegen, sondern auch mit allen anderen Hindernissen aufzur�umen, die sich uns noch in den Weg stellen konnten.</p><p>�Inzwischen�, fuhr ich fort, �kann ich vielleicht allein den Weg zu den Gelben Menschen finden. Sollte ich keinen Erfolg haben, dann wird wenigstens nur ein Menschenleben geopfert. Wenn wir beide gehen und umkommen, ist niemand mehr da, der eine Suchaktion f�r Dejah Thoris und deine Tochter anf�hren kann.�</p><p>�Ich werde dich hier nicht allein lassen, John Carter�, erwiderte Thuvan Dihn. �Ob wir nun dem Sieg oder dem Tod entgegengehen, der Jeddak von Ptarth bleibt an deiner Seite. Ich habe gesprochen, und du hast mich geh�rt.�</p><p>Sein Ton lie� eindeutig darauf schlie�en, da� es sinnlos war, ihn mit diesem oder jenem Argument von seinem Entschlu� abzubringen. Deshalb schlo� ich mit mir selbst einen Kompromi�, den n�mlich, Wula zur�ckzuschicken. Eiligst schrieb ich eine Notiz, die ich in ein kleines Metallk�stchen legte und an seinem Hals befestigte. Dann befahl ich dem treuen Tier, Carthoris in Helium aufzusuchen. Obwohl eine halbe Welt voll unz�hliger Gefahren zwischen uns und meinem Sohn lag, wu�te ich bestimmt, da� Wula es tun w�rde, wenn es �berhaupt getan werden konnte.</p><p>Von Natur aus hat Wula eine ungeheure Ausdauer, Wildheit und Schnelligkeit und kann daher mit allen Gefahren fertig werden, die ihm nicht massiert gegen�bertreten. Sein sicherer Instinkt und seine wache, ungew�hnliche Intelligenz konnten ihm dar�ber hinaus zur Erf�llung seines Auftrages nur n�tzlich sein.</p><p>Nat�rlich wu�te ich, da� Wula mich nicht gerne verlie�, wie ich ihn auch nicht gerne ziehen lie�. Ich konnte nicht anders, ich mu�te ihm zum Abschied die Arme um den Hals legen und das riesige Tier z�rtlich an mich dr�cken. Einen Moment sp�ter rannte mein treuer Wula durch die H�hlen zur�ck in die Au�enwelt.</p><p>In meinem Brief an Carthoris hatte ich ihm genau beschrieben, wo und wie er die H�hlen von Carrion finden k�nne, und hatte ihm eindringlich klar gemacht, wie er auf dem Landweg zu dieser Stelle finden k�nne. Auf gar keinen Fall d�rfe er versuchen, mit Fliegern �ber die Eisbarriere zu gelangen, schon gar nicht mit gro�en Schiffen. Ich erkl�rte ihm auch, da� ich nicht wisse, was hinter der achten H�hle liege, sei aber �berzeugt, da� irgendwo hinter der Eisbarriere seine Mutter sich in der Gewalt von Matai Shang befinde, m�glicherweise sogar sein Gro�- und sein Urgro�vater, falls sie noch lebten. Ich riet ihm ferner, Kulan Tith und den Sohn von Thuvan Dihn aufzusuchen und sie um Schiffe und Krieger zu bitten, um den Zugang zu diesem Land gegebenenfalls im ersten Ansturm zu sichern.</p><p>�Und�, schlo� ich, �falls du noch Zeit hast, Tars Tarkas zu suchen und mitzubringen, dann soll er mitkommen. Falls ich noch am Leben bin, wenn du kommst, dann kann ich mir kein gr��eres Vergn�gen denken als das, Schulter an Schulter mit meinem alten Freund zu k�mpfen.�</p><p>Als Wula uns verlassen hatte, beriet ich mich mit Thuvan Dihn in der siebenten H�hle dar�ber, was nun getan werden konnte. Wir machten viele Pl�ne zur Durchquerung der achten H�hle und verwarfen sie alle wieder. Von unserem Platz aus bemerkten wir, da� die K�mpfe unter den Apts allm�hlich nachlie�en; viele hatten auch zu fressen aufgeh�rt und sich zum Schlafen hingelegt.</p><p>Wenig sp�ter kamen wir zur �berzeugung, da� es nicht mehr lange dauern konnte, bis all diese riesigen Tiere friedlich schlummerten, und dann konnten wir es auch wagen, diese achte H�hle zu durchqueren.</p><p>Ein Apt nach dem anderen streckte sich auf den Knochen und verwesenden Fleischresten am Boden aus, bis nur noch ein einziges Tier wach war. Dieser Bursche lief rastlos herum und schn�ffelte st�ndig an seinen Gef�hrten und dem Unrat der H�hle.</p><p>Ab und zu blieb er stehen und sp�hte erst zu dem einen H�hlenausgang, dann zum anderen. Er benahm sich ganz so, als sei er zum Wachtposten bestimmt worden.</p><p>Schlie�lich kamen wir zur �berzeugung, da� er nicht schlafen w�rde, solange die anderen schliefen, und so suchten wir nach einer M�glichkeit, ihn zu �berlisten. Endlich hatte ich eine Idee, die ich sofort Thuvan Dihn unterbreitete, und da sie ausf�hrbar erschien, beschlossen wir, sie sofort zu testen.</p><p>Thuvan Dihn stellte sich unmittelbar neben dem Zugang zur achten H�hle an die Wand, w�hrend ich mich absichtlich dem Apt zeigte, als er zur siebenten H�hle schaute. Dann tat ich einen Satz zur anderen Seite hin�ber und dr�ckte mich dort fest an die Wand.</p><p>Lautlos und schnell bewegte sich das riesige Tier zur siebenten H�hle, um den Eindringling zu sehen, der ihn in seiner Behausung zu st�ren wagte. Er schob den Kopf durch die enge �ffnung, welche die zwei H�hlen verbindet; zwei m�chtige Langschwerter warteten schon auf ihn, sausten herunter und trennten ihm, ehe er noch zu einem Knurren ansetzen konnte, den Kopf ab, der uns vor die F��e rollte.</p><p>Schnell �berzeugten wir uns davon, da� keiner der Apts in der achten H�hle sich bewegt hatte. Wir kletterten �ber den Kadaver des Tieres, das den Zugang blockierte, und betraten die achte H�hle. Lautlos wie Schlangen schlichen wir an den schlafenden Tieren vorbei. Das einzige Ger�usch, das wir machten, war ein gelegentliches schmatzendes Saugen, wenn unsere F��e in den schlammigen Unrat auf dem Boden traten und wir sie zum n�chsten Schritt aufheben mu�ten.</p><p>Einmal r�hrte sich ein Tier, �ber dessen Kopf ich gerade wegsteigen mu�te, ein wenig, und ich wartete, hielt den Atem an und wagte mich nicht zu bewegen. In der rechten Hand hatte ich mein Kurzschwert dessen Spitze ich auf jene pelzige Stelle richtete, unter der das Herz schlug.</p><p>Der Apt tat einen schweren Seufzer und lag wieder ruhig da, so als habe er eben einen schweren Traum ausgetr�umt. Jetzt konnte ich endlich �ber seinen Kopf wegsteigen.</p><p>Thuvan Dihn folgte mir, und eine Minute sp�ter standen wir am Ausgang dieser gef�hrlichen H�hle.</p><p>Die H�hlen von Carrion bestehen aus siebenundzwanzig miteinander verbundenen Felskammern und scheinen vor unendlichen Zeiten vom Wasser ausgewaschen worden zu sein, als sich ein m�chtiger Strom aus dieser Eisw�ste einen Weg nach S�den suchte. Die restlichen neunzehn H�hlen brachten wir ohne Zwischenfall hinter uns.</p><p>Sp�ter erfuhren wir, da� es nur einmal im Monat m�glich ist, diese H�hlen zu queren, da sich dann alle Apts in einer einzigen Kammer aufhalten. Sonst schweifen sie einzeln oder paarweise von einer Kammer zu anderen. Einmal im Monat schlafen sie einen ganzen Tag lang, und wir hatten au�erordentliches Gl�ck, gerade rechtzeitig angekommen zu sein.</p><p>Als wir die letzte H�hle verlie�en, fanden wir uns in einem trostlosen Land aus Eis und Schnee, entdeckten jedoch einen gut ausgetretenen Pfad, der nach Norden f�hrte. �berall gab es dieselben gro�en Felsblocke wie vor der Eisbarriere, und so konnten wir niemals weit sehen.</p><p>Einige Stunden sp�ter kamen wir hinter einem riesigen Felsblock hervor und standen vor einem steilen Hang, der in ein Tal hinunterf�hrte. Und unmittelbar vor uns sahen wir sechs wilde, schwarzb�r tige Burschen, deren Haut von der Farbe reifer Zitronen war. Wir zogen uns nat�rlich sofort wieder hinter einen niedrigeren Felsbrocken in Deckung zur�ck. �Das sind die Gelben M�nner von Barsoom�, fl�sterte mir Thuvan Dihn zu. Wir vermochten es kaum zu glauben, jene verschollene Rasse entdeckt zu haben, die jeder eher f�r eine Legende gehalten h�tte als f�r die <emphasis>Wirklichkeit</emphasis>.</p><p>Von unserem Versteck aus beobachteten wir die Gruppe, die mit dem R�cken zu uns am Fu� eines anderen hohen Felsblockes stand.</p><p>Einer der M�nner sp�hte um die Felskante, als wolle er heimlich einen beobachten, der sich n�herte. Bald kam ein weiterer Gelber in mein Gesichtsfeld. Alle M�nner trugen herrliche Pelze, die sechs vor uns die schwarz-gelb gestreiften des Orluk, w�hrend der siebente, der einzelne Mann, der herankam, in das schneewei�e Fell eines Apt geh�llt war.</p><p>Die Gelben M�nner trugen zwei Schwerter an ihren G�rteln, und jedem hing ein kurzer Speer �ber den R�cken. Am linken Arm hatten sie alle einen Schild von der Gr��e eines Suppentellers mit der vertieften Seite nach au�en.</p><p>Einem gew�hnlichen Schwertmann mochte diese Bewaffnung l�cherlich und ungen�gend erscheinen, doch sp�ter war ich wiederholt Zeuge der Geschicklichkeit, mit der die Gelben diese Dinge handhaben.</p><p>Eines der Schwerter, mit denen sie ausger�stet waren, erregte meine besondere Aufmerksamkeit. Ich nenne es wohl Schwert, doch in Wirklichkeit war das Ding eine sehr scharf geschliffene Klinge, die an der Spitze einen richtigen Haken hatte.</p><p>Das zweite Schwert hatte auch etwa die L�nge des Hakenschwertes, war also etwas k�rzer als mein Langschwert, ganz gerade und zweischneidig. Jeder hatte im G�rtel auch einen Dolch, doch den entdeckte ich erst sp�ter.</p><p>Als sich der Mann im wei�en Pelz n�herte, griffen die anderen sechs fester um ihre Schwerter; das Hakenschwert hatten sie links, das andere rechts, und am linken Handgelenk war der kleine Schild befestigt.</p><p>Die sechs M�nner schrien gellend und drangen auf den siebenten ein. Die Schreie erinnerten mich au�erordentlich an das Kriegsgeschrei der Apachen im S�dwesten Nordamerikas. Sofort zog der Angegriffene seine Schwerter, und als die anderen �ber ihn herfielen, erlebte ich einen so sch�nen Kampf, wie man ihn nicht alle Tage zu sehen bekommt.</p><p>Die Angreifer versuchten mit dem Hakenschwert den Gegner zu erfassen, doch der Suppentellerschild schnellte blitzschnell vor und fing den Haken ab. Einmal traf der K�mpfer im wei�en Pelz mit dem Hakenschwert einen Gegner in der Seite, zog ihn zu sich heran und durchbohrte ihn mit dem anderen Schwert.</p><p>Nat�rlich war die �bermacht der anderen viel zu gro�. Obwohl der Mann im wei�en Pelz ein au�erordentlich geschickter und tapferer K�mpfer war, konnte ich mir ausrechnen, da� es nur eine Frage der Zeit sein w�rde, bis die restlichen f�nf seine gro�artige Abwehr durchbrechen und ihn zu Boden schicken konnten.</p><p>Da meine Sympathie immer dem Schw�cheren gilt, konnte ich, obwohl ich von der Ursache des Streites nichts wu�te, nicht mit zusehen, wie die f�nf M�nner ihn abzuschlachten versuchten.</p><p>Zugegeben, ich brauche keine Entschuldigung, wenn ich in einen Kampf eingreifen will, denn ich liebe nun einmal einen guten Kampf und weiche niemals aus.</p><p>Ehe also Thuvan Dihn noch ahnte, was ich vorhatte, sah er mich an der Seite des Mannes im wei�en Pelz erbittert gegen seine f�nf Angreifer k�mpfen.</p></section><section><title><p>9. Bei den Gelben M�nnern</p></title><p>Es dauerte nicht lange, da tat Thuvan Dihn auch mit. Obwohl das Hakenschwert eine uns ungewohnte Waffe war, wurden wir drei recht schnell mit den anderen f�nfen fertig.</p><p>Als der Kampf zu Ende war, wandte sich unser neuer Bekannter an mich, nahm den Schild von seinem Handgelenk und hielt ihn mir entgegen. Ich wu�te nicht, was diese Geste zu bedeuten hatte, nahm jedoch an, da� sie der Ausdruck gro�er Dankbarkeit war. Sp�ter wurde mir erkl�rt, diese Geste symbolisiere das Angebot des Lebens eines Mannes f�r einen gro�en Dienst, den man ihm getan hat, und da� ich den Schild zur�ckwies, war genau die Reaktion, die sich geh�rte und von mir erwartet wurde.</p><p>�Dann nimm von Talu, Prinz von Marentina, dieses Zeichen seiner Dankbarkeit entgegen�, sagte der Gelbe Mann, griff in einen seiner weiten �rmel und holte einen Armreif heraus, den er um meinen Arm legte. Dasselbe geschah dann mit Thuvan Dihn.</p><p>Dann fragte er nach unseren Namen und aus welchem Land wir k�men. Er schien mit der Geographie der �u�eren Welt recht gut vertraut zu sein, und als ich ihm erz�hlte, da� ich aus Helium sei, hob er die Brauen.</p><p>�Ah�, fragte er, �du suchst wohl euren Herrscher und seine Begleitung?�</p><p>�Wei�t du von ihnen?� erkundigte ich mich interessiert.</p><p>�Nicht viel mehr als das, da� sie von meinem Onkel gefangen genommen wurden; es ist Salensus Oll, Jeddak der Jeddaks, Regent von Okar, welches das Land der Gelben M�nner von Barsoom ist. �ber ihr Schicksal wei� ich nichts, denn ich liege mit meinem Onkel im Krieg, weil er versucht, meine Macht in der Verwaltung von Marentina zu brechen.</p><p>Die, vor denen du mich gerettet hast, sind Krieger, die er ausgeschickt hat, damit sie mich finden und erschlagen sollten, denn sie wissen, da� ich oft allein auf die Jagd gehe und den heiligen Apt t�te, den Salensus Oll so sehr verehrt. Zum Teil ha�t Salensus Oll mich deshalb so sehr, weil ich seine Religion hasse; in erster Linie f�rchtet er jedoch meine immer gr��er werdende Macht, denn in ganz Okar w�rde man mich lieber an seiner Stelle als Regenten und Jeddak der Jeddaks sehen. Er ist ein grausamer, tyrannischer Herr, den alle hassen, und wenn sie ihn nicht allzu sehr f�rchten w�rden, k�nnte ich �ber Nacht eine</p><p><emphasis>ganze</emphasis> Armee aus dem Boden stampfen, die die paar vernichten w�rde, die ihm noch treu ergeben sind. Meine eigenen Leute sind sehr loyal, und das kleine Tal von Marentina hat an den Hof von Salensus Oll seit mehr als einem Jahr keinen Tribut mehr geleistet. Er kann uns auch nicht dazu zwingen, denn ein Dutzend M�nner sind in der Lage, den schmalen Weg nach Marentina gegen eine Million Krieger zu halten. Aber jetzt zu euren eigenen Angelegenheiten. Wie kann ich euch helfen? Mein Palast steht zu eurer Verf�gung, wenn ihr mir die Ehre erweisen wollt, nach Marentina zu kommen.�</p><p>�Wenn wir unsere Arbeit getan haben, werden wir gerne deine Einladung annehmen�, erwiderte ich. �Aber vorl�ufig kannst du uns damit helfen, da� du uns den Weg beschreibst zum Hof von Salensus Oll und uns r�tst, wie wir Zugang zur Stadt erhalten, oder zum Palast, oder zu jenem Platz, wo unsere Freunde gefangen gehalten werden.�</p><p>Talu musterte ein wenig unsere glatten Gesichter, Thuvan Dihns rote Haut und meine wei�e.</p><p>�Erst m��t ihr nach Marentina kommen, denn euer Aussehen mu� ver�ndert werden, ehe ihr darauf hoffen k�nnt, in eine der St�dte von Okar zu gelangen. Ihr m��t gelbe Gesichter und schwarze Barte haben, und eure ganze Aufmachung mu� so werden, da� ihr kein Mi�trauen erregt. In meinem Palast lebt ein Mann, der euch das Aussehen eines ganz echten Gelben Mannes verleihen kann, wie Salensus Oll pers�nlich nicht echter aussehen kann.�</p><p>Das schien ein recht kluger Rat zu sein, und da wir auf andere Art sicher niemals Zugang zu Kadabra, der Hauptstadt von Okar, finden konnten, machten wir uns mit Talu, Prinz von Marentina, auf den Weg zu seinem kleinen, felsumschlossenen Land.</p><p>Der Weg war au�erordentlich beschwerlich, und mich wunderte es gar nicht mehr, da� Marentina wenig Angst vor einer Invasion haben mu�te, da es ja weder Thoats noch Flieger gab. Nach einem anstrengenden Marsch erreichten wir aber unser Ziel, auf das ich einen ersten Blick werfen konnte, als ich in etwa einer Meile Entfernung von der Stadt auf einer Anh�he stand.</p><p>Eine Stadt aus marsischem Beton erstreckte sich in ein tiefes Tal; jeder Platz, jeder offene Raum und jede Stra�e war mit Glas �berdacht. Rund um die Stadt herum gab es �berall Schnee und Eis, aber davon war keine Spur auf den Kuppeln aus Kristallglas zu bemerken, welche die ganze Stadt �berw�lbten.</p><p>Dann sah ich auch, wie diese Menschen gegen die Unbilden des arktischen Klimas k�mpften und wie sie umgeben von ewigem Eis in Luxus und Behaglichkeit lebten. Ihre St�dte waren richtiggehende Gew�chsh�user, und als ich diese Stadt n�her kennenlernte, wuchsen mein Respekt und meine Bewunderung f�r die gro�artige wissenschaftliche und technische Geschicklichkeit dieser von der �brigen Welt abgeschlossenen Nation ins Ungemessene.</p><p>In dem Augenblick, als wir die Stadt betraten, warf Talu seine Pelz�berkleider ab, und das taten wir auch. Ich sah, da� seine Erscheinung sich wenig von jener der Roten Rasse auf Barsoom unterschied; unter seinem Lederharnisch, der dick mit Edelmetall und Juwelen bedeckt war, konnte er in der warmen, feuchten Luft der Stadt recht gut nackt einhergehen.</p><p>Drei Tage lang waren wir G�ste des Prinzen Talu, und er erwies uns jede H�flichkeit und jede Aufmerksamkeit, die sich denken und erm�glichen lie�. Nat�rlich zeigte er uns auch alles, was uns in seiner gro�en Stadt interessierte.</p><p>Das Atmosph�renwerk von Marentina kann in den St�dten des Nordpolgebietes alles Leben unendlich lange erhalten, wenn es �berall sonst auf dem sterbenden Mars schon erloschen ist, weil es keine Atmosph�re mehr gibt. Vom riesigen Zentralwerk sind also die Polargebiete unabh�ngig. Ich kann mich nur noch allzu gut an jene Panne im Zentralwerk erinnern, die mir Gelegenheit gab, Leben und Gl�ck in einer fremden Welt, die ich so sehr lieben gelernt hatte, zu erhalten.</p><p>Der Prinz zeigte uns auch das Heizsystem; hier werden die Sonnenstrahlen in riesigen Reservoiren unter der Stadt gespeichert, und es bedarf zur Aufrechterhaltung einer angenehmen W�rme und eines ewigen Sommers in diesem glorreichen Garten nur geringer Mengen. Der Verkehr rollte auf breiten Stra�en dahin, die mit dem ockerfarbenen Gras der toten Seegr�nde bes�t waren. Es gab daher keinen L�rm rollender R�der. Au�erdem gibt es zahlreiche kleine Schweber, mit denen der gr��te Teil des Verkehrs in den L�ndern n�rdlich der Eisbarriere bew�ltigt wird.</p><p>Die breiten Reifen dieser Schweber, die auch auf dem Boden fahren k�nnen, sind gummi�hnliche Gasbeutel, die mit dem achten barsoomischen Strahl, dem der Antriebskraft, gef�llt sind. Das ist eine au�erordentlich bemerkenswerte Entdeckung der Marsleute, die es den V�lkern erm�glicht, gro�e Flotten riesiger Luftschiffe zu unterhalten, welche dem Roten Menschen der �u�eren Welt eine deutliche �berlegenheit verleihen. Dieser Strahl schleudert das eigene oder reflektierte Licht des Planeten in den Raum hinaus, und wenn er eingcfangen und gespeichert wird, ist er die Tankf�llung der barsoomischen Luftschiffe.</p><p>Die Grundflieger, auch Schweber genannt, haben in ihren automobilrad�hnlichen Tanks nur soviel Treibstoffvorrat, da� die Maschine angetrieben und gesteuert werden kann. Sie haben Hinterradantrieb, und die Hauptarbeit leistet ein kleiner Propeller am Heck. l.s ist ein k�stliches Erlebnis, in diesen bequemen Schwebern zu fahren, die sich leicht wie Federn �ber den weichen, moosigen Stra�en von Marentina bewegen. Sie fahren oder schweben zwischen pr�chtigen B�umen mit wundervollen Bl�ten dahin, die f�r die Vegetation auf Barsoom so charakteristisch sind.</p><p>Gegen Ende des dritten Tages hatte der Hofbarbier�� mir f�llt keine passendere Bezeichnung f�r ihn ein�� bei Thuvan Dihn und mir eine solche Verwandlung bewirkt, da� unsere eigenen Frauen uns nicht mehr h�tten erkennen k�nnen. Unsere Haut war von derselben zitronengelben Farbe wie seine eigene, und dichte schwarze Kinn- und Backenb�rte klebten fest in unseren Gesichtern. Selbstverst�ndlich hatten wir auch die kompletten Waffeng�rtel der Krieger von Okar, welche unsere Verwandlung abrundeten. Und wenn wir uns au�erhalb der geheizten Stadt aufhielten, trugen wir einen schwarz-gelb gestreiften Anzug aus Orlukpelz.</p><p>Talu gab uns die genauesten Anweisungen f�r unsere Reise nach Kadabra, der Hauptstadt der Nation von Okar; �Okar� ist der Rassenname der Gelben M�nner. Unser guter Freund begleitete uns sogar ein ganzes St�ck und versprach uns seine Hilfe, so wir ihrer bed�rften.</p><p>Zum Abschied streifte er mir einen seltsam gearbeiteten Ring �ber den Finger mit einem tiefschwarzen, glanzlosen Stein, der fast wie bitumin�se Kohle aussah; in Wirklichkeit ist es aber der kostbarste, unbezahlbar wertvolle Stein von ganz Barsoom.</p><p>�Aus dem Mutterstein wurden noch drei weitere geschnitten�, erkl�rte er mir. �Diese drei Steine sind in meinem Besitz und werden von Edelm�nnern meines Vertrauens getragen. Alle wurden in geheimer Mission an den Hof von Salensus Oll geschickt Solltest du einem von ihnen auf f�nfzig Fu� in die N�he kommen, so wirst du ein schnelles Prickeln in den Fingern sp�ren, am kr�ftigsten an jenem Finger, an dem du den Ring tr�gst. Der andere mit dem Gegenst�ck zu deinem Ring hat dasselbe Gef�hl. Es wird hervorgerufen von elektrischen Stromst��en, die immer dann auftreten, wenn ein anderer aus demselben Mutterstein geschnittener Ring in den Wirkungsbereich des einen kommt. Du wirst dann wissen, da� ein Freund in der N�he ist, an den du dich um Hilfe wenden kannst, wenn du sie brauchst.</p><p>Sollte dich ein anderer Ringtr�ger um Hilfe bitten, sollst du sie ihm nicht versagen. Sollte dir der Tod drohen, so verschlucke ihn lieber, ehe du ihn in die H�nde der Feinde fallen l��t. Beh�te ihn mit deinem Leben, John Carter, denn eines Tages k�nnte er mehr f�r dich bedeuten als dein eigenes Leben.�</p><p>Nachdem mir unser Freund zum Abschied diesen Rat gegeben hatte, kehrte er nach Marentina zur�ck, und wir machten uns auf den Weiterweg nach Kadabra zum Hof von Salensus Oll, Jeddak der Jeddaks. Am Abend dieses Tages erblickten wir das riesige Glasdach der Stadt Kadabra. Sie liegt in einer Mulde in Poln�he und ist von felsigen, schneebedeckten H�geln umgeben. Vom Pa� aus, �ber den wir das Tal betraten, hatten wir eine herrliche Aussicht auf diese Gro�stadt des Nordens. Die Kuppeln aus Kristallglas funkelten im Sonnenlicht, das sich auch in den eisbedeckten Au�enmauern fing, die sich um die ganze Stadt ziehen und einen Umfang von guten einhundert Meilen haben.</p><p>In regelm��igen Abst�nden sind in diese Mauer Tore eingelassen, durch die man in die Stadt gelangen kann. Sie waren jedoch, wie wir schon aus dieser Entfernung feststellen konnten, alle geschlossen, und Talus Rat entsprechend verschoben wir unseren Einzug in die Stadt bis zum folgenden Morgen.</p><p>Wir fanden auch die H�hlen in den H�geln, von denen er gesprochen hatte, und in einer von ihnen suchten wir Unterschlupf f�r die Nacht. Unser warmer Orlukpelz gestattete uns einen behaglichen, erfrischenden Schlaf, und wir wachten am folgenden Morgen kurz nach Sonnenaufgang auf.</p><p>In der Stadt herrschte schon reges Leben, und aus den Toren kamen Gruppen Gelber M�nner. Wir hielten uns haargenau an die Instruktionen unseres Freundes aus Marentina und blieben einige Stunden lang versteckt, bis eine Gruppe von etwa einem halben Dutzend Krieger auf dem Pfad unterhalb unseres Versteckes vor�bergeritten war und auf dem Weg, den wir gekommen waren, in den H�geln verschwanden.</p><p>Wir warteten noch eine Weile, bis wir sicher sein konnten, da� sie unsere H�hle nicht mehr sahen; Thuvan Dihn und ich krochen aus der H�hle heraus und folgten ihnen, um sie einzuholen, sobald sie tief im H�gelland waren.</p><p>Als wir uns in ihrer unmittelbaren N�he befanden, rief ich laut den F�hrer an, der die ganze Gruppe halten lie� und sich zu uns umdrehte. Das war nun der kritische Augenblick. Konnten wir diese M�nner t�uschen, dann war alles �brige verh�ltnism��ig einfach.</p><p>�Kaor!� schrie ich.</p><p>�Kaor!� erwiderte der Anf�hrer der Gruppe.</p><p>�Wir sind von Illall�, sagte ich und nannte damit die am weitesten abgelegene Stadt von Okar, die wenig Verkehr mit Kadabra hat. �Gestern erst kamen wir an, und heute fr�h berichtete uns der Kapit�n des Tores, da� ihr auszieht, um Orluks zu jagen. Diesen Sport k�nnen wir in unserer eigenen Umgebung nicht aus�ben, und so sind wir euch nachgeeilt, um euch zu bitten, da� ihr uns auf die Jagd mitnehmt.�</p><p>Der Offizier f�hlte sich geschmeichelt und erlaubte uns gerne, da� wir uns ihnen f�r den Tag anschlie�en d�rften. Die Vermutung, sie k�nnten auf Orlukjagd sein, erwies sich als richtig; Talu hatte uns erkl�rt, dies w�rde in neun von zehn F�llen zutreffen, wenn ein Trupp in der Richtung, die wir nach Kadabra nahmen, die Stadt verlie�. Dieser Weg f�hrt n�mlich direkt zu jenen Ebenen, auf denen sich dieses elefantenhafte Tier vorwiegend aufh�lt.</p><p>Soweit es die Jagd betraf, war der Tag ein Mi�erfolg, denn wir sahen nicht ein einziges Orluk. Das war jedoch f�r uns recht g�nstig, denn die Leute aus Kadabra waren �ber ihr Mi�geschick sehr bek�mmert und wollten die Stadt unter keinen Umst�nden durch das Tor betreten, durch welches sie ausgezogen waren, da sie gegen�ber dem Kapit�n vom Tor mit ihrer Geschicklichkeit in der Jagd auf dieses gef�hrliche Tier allzu sehr geprahlt hatten.</p><p>Wir n�herten uns Kadabra also einige Meilen von dem Punkt entfernt, an dem die Gruppe am Morgen weggeritten war. Wir brauchten daher keine unangenehmen Fragen jenes Torkapit�ns zu bef�rchten, von dem wir behauptet hatten, er habe uns der Gruppe nachgeschickt.</p><p>Unmittelbar vor der Stadt fiel mein Blick auf ein hohes, schwarzes, turm�hnliches Ding, das sich einige hundert Fu� in die Luft erhob und in einer verworrenen Masse von Abfall zu stehen schien, der jetzt teilweise zugeschneit war.</p><p>Ich konnte es nat�rlich nicht wagen, diesbez�gliche Fragen zu stellen, denn w�re ich wirklich ein Gelber gewesen, h�tte ich vermutlich wissen m�ssen, was dieses Ding war. Ehe wir jedoch das Tor erreichten, erfuhr ich, was ich wissen wollte.</p><p>Wir standen kurz vor dem Tor, als einer aus der Gruppe einem anderen etwas zurief und gleichzeitig zum s�dlichen Horizont deutete. Ich folgte der Richtung seines Hinweises, und meine Augen entdeckten den Rumpf eines gro�en Schiffes, das hinter dem Kamm der H�gel hervorkam und sich schnell n�herte.</p><p>�Gibt es denn noch immer Narren, welche die Geheimnisse des verbotenen Nordens enth�llen wollen?� sagte der Offizier mehr zu sich selbst als zu uns. �Werden sie denn nie von ihrer fatalen Neugier geh e i l t ? �</p><p>�Hoffen wir, da� das nie der Fall ist�, erwiderte einer der anderen.</p><p>�Denn wie sollten wir uns sonst Sklaven und Vergn�gen verschaff e n ? �</p><p>�Richtig. Trotzdem sind es dumme Tiere, die immer wieder in eine Region vorsto�en, aus der noch keiner zur�ckgekehrt ist.�</p><p>�Bleibt stehen, damit wir das Ende dieses Schiffes beobachten k�nnen�, schlug einer vor.</p><p>Der Offizier schaute zur Stadt hin�ber. �Die Wache hat es schon gesehen, und deshalb k�nnen wir bleiben, falls man uns braucht.�</p><p>Ich sah einige hundert Krieger aus dem n�chstgelegenen Stadttor kommen. Sie bewegten sich recht gem�tlich, als h�tten sie keinerlei Eile. Ich bemerkte auch bald, da� sie sich tats�chlich Zeit lassen konnten.</p><p>Nun schaute ich wieder zu dem Schiff hin�ber. Es bewegte sich sehr schnell der Stadt entgegen, und deshalb war ich sehr erstaunt, als ich bemerkte, da� die Propeller stillstanden.</p><p>Das Schiff hielt schnurgerade auf den Turm zu. In letzter Minute sah ich, da� der Versuch unternommen wurde, die Maschine in den R�ckw�rtsgang zu bringen, aber es flog geradeaus weiter, als werde es von einer unwiderstehlichen Kraft angezogen.</p><p>Auf Deck herrschte erregte Gesch�ftigkeit; M�nner rannten hin und her, besetzten die Kanonen und machten die kleinen Einmannrettungsflieger los, von denen auf jedem gr��eren Schiff eine ganze Flotte vorhanden ist. Immer n�her kam das Schiff diesem schwarzen Turm; nun mu�te es jeden Moment anprallen, aber da sah ich schon eine ganze Wolke der kleinen Einmannflieger vom Deck des Mutterschiffes aufsteigen.</p><p>Sie stoben wie ein ganzer Libellenschwarm davon, aber sie waren noch nicht richtig vom Mutterschiff freigekommen, als sie ihre Nasen samt und sonders auf den Turm ausrichteten. Und auch sie rasten nun mit unheimlicher Geschwindigkeit demselben Ende entgegen, welches das Mutterschiff erwartete.</p><p>Und dann kam die Kollision. Nach allen Richtungen wurden die Menschen vom Deck des Schiffes geschleudert, w�hrend das Schiff selbst erbarmensw�rdig angeschlagen abst�rzte und den Wrackhaufen am Fu� des Turmes um ein weiteres gro�es Schiff bereicherte. Dem gro�en Schiff folgte der ganze Schw�rm der Einmannflieger, die alle ohne Ausnahme an den Turm geprallt waren.</p><p>Ich bemerkte, da� die Wracks die Turmmauer entlangkratzten, und ihr Fall war nicht so schnell, wie freier Fall eigentlich h�tte sein m�ssen. Und nun ging mir schlagartig eine Erkenntnis auf. Jetzt konnte ich mir erkl�ren, warum niemals ein Schiff oder ein Flieger von jenseits der Eisbarriere zur�ckgekehrt war.</p><p>Der Turm war ein ungeheuer starker Magnet, und ein Schiff, das auch nur an den Rand des Wirkungsbereiches dieses Magneten kam, wurde unwiderstehlich angezogen, denn auf Barsoom bestehen diese Schiffe gro�enteils aus Aluminiumstahl, so da� nichts die Vernichtung dieser Schiffe aufhalten konnte.</p><p>Sp�ter erfuhr ich dann, da� der Turm unmittelbar auf dem magnetischen Pol des Mars errichtet ist. Ob das jedoch die einzige Erkl�rung f�r die unberechenbare Anziehungskraft dieses Turmes ist, kann ich nicht sagen. Ich bin ein K�mpfer und kein Wissenschaftler. Und jetzt kannte ich auch den Grund f�r die lange Abwesenheit von Tardos Mors und Mors Kajak. Diese unerschrockenen, t�chtigen Krieger hatten den Geheimnissen und Gefahren des gefrorenen Nordens getrotzt, um Carthoris zu suchen, der so lange verschollen war, da� das Haupt seiner sch�nen, wundervollen Mutter Dejah Thoris, Prinzessin von Helium, vor Kummer gebeugt war. In dem Augenblick, als der letzte kleine Flieger auf dem Schrotthaufen gelandet war, schw�rmten schwarzb�rtige Gelbe Krieger �ber die Wracks und nahmen alle gefangen, die nur leicht oder gar nicht verletzt waren, und t�teten mit einem Schwertsto� die, welche verwundet waren oder von denen man annahm, da� sie sich kr�ftig zur Wehr setzen w�rden.</p><p>Einige der unverletzten Roten M�nner k�mpften tapfer gegen ihre grausamen Feinde, aber die meisten schienen von dem gro�en Ungl�ck, das sie �berkommen hatte, so verwirrt und best�rzt zu sein, da� sie sich willenlos die goldenen Handfesseln anlegen lie�en. Als der letzte Gefangene gebunden war, kehrten alle zur Stadt zur�ck. Am Tor begegneten uns eine ganze Meute furchterregender Apts mit Goldkr�gen; jedes der Tiere wurde von zwei Kriegern gef�hrt, die sie an dicken goldenen Ketten festhielten.</p><p>Unmittelbar au�erhalb des Tores lie�en die Krieger diese Tiere frei. Die Apts st�rmten dem schwarzen Turm entgegen, und ich wu�te ohne zu fragen, was dort ihre Aufgabe war. W�ren in dieser grausamen Stadt Kadabra nicht andere Menschen gewesen, die der Hilfe viel dringender bedurften als die Toten und Sterbenden da drau�en, dann w�re ich diesen Tieren nachgeeilt und h�tte den Kampf mit ihnen aufgenommen, die hinausgeschickt wurden, um die armen Opfer zu t�ten und aufzufressen.</p><p>Was blieb mir anderes �brig, als den Gelben Kriegern zu folgen? Ich zog ein wenig den Kopf ein und dankte meinem Schicksal, das Thuvan Dihn und mir einen so leichten Zugang zur Hauptstadt des Salensus Oll gestattete.</p><p>In der Stadt selbst hatten wir keine Schwierigkeit, unsere Freunde vom Morgen zu verlieren, und wenig sp�ter befanden wir uns in einem Hotel.</p></section><section><title><p>10. In Haft</p></title><p>Auf Barsoom unterscheiden sich, wie ich gefunden habe, die Gasth�user nicht sehr voneinander. Nur verheiratete Paare k�nnen f�r sich bleiben. M�nner ohne ihre Frauen werden in einen gro�en Raum gebracht, dessen Boden meistens aus wei�em Marmor oder Glas besteht, damit er makellos sauber gehalten werden kann. Hier gibt es zahlreiche kleine ein wenig erh�hte Podien f�r die Seiden und Pelze der G�ste, und wenn sie keine eigenen mitbringen, werden ihnen f�r einen geringen Preis sauber gewaschene zur Verf�gung gestellt.</p><p>Hat ein Mann erst einmal seine Habseligkeiten auf einem solchen Podium abgestellt, dann ist er ein Gast des Hauses und diese Plattform geh�rt ihm, bis er abreist. Niemand st�rt oder bel�stigt ihn dort, und Diebe gibt es auf dem Mars nicht.</p><p>Mord ist das einzige, das zu bef�rchten w�re, und deshalb stellen die Besitzer der Gasth�user und Hotels bewaffnete W�chter auf, die bei Tag und Nacht durch die Schlafr�ume patrouillieren. Die Zahl der W�chter, ihre Bewaffnung und die Pracht ihrer Waffeng�rtel ist in der Regel der beste Gradmesser f�r das Niveau des Hotels. In diesen H�usern werden keine Mahlzeiten serviert, aber meistens haben sie nebenan ein �ffentliches Speisehaus. B�der gibt es neben den Schlafkammern, und jeder Gast ist verpflichtet, t�glich ein Bad zu nehmen, und tut er das nicht, mu� er ausziehen.</p><p>Im zweiten oder dritten Stock befindet sich meistens ein gro�er Schlafraum f�r weibliche G�ste, aber er unterscheidet sich kaum von denen der M�nner. Die W�chter f�r die Frauengem�cher patrouillieren auf den G�ngen vor den Schlafr�umen, und innen wachen Sklavinnen �ber die Schl�ferinnen, die beim geringsten Zwischenfall die Krieger von den G�ngen hereinholen.</p><p>Ich war au�erordentlich erstaunt zu sehen, da� die W�chter in unserem Hotel ausschlie�lich Rote M�nner waren, und als ich mit einem von ihnen sprach, bekam ich von ihm zu h�ren, da� der Hotelbesitzer sie als Sklaven von der Regierung gekauft hatte. Der Mann, der seinen Posten in der N�he meiner Schlafplattform hatte, war fr�her der Kommandant der Marine einer gro�en Marsnation gewesen. Das Schicksal hatte sein Schiff �ber die Eisbarriere getragen und in den Wirkungsbereich des Magneten gebracht, und so war er nun seit vie len Jahren ein Sklave der Gelben M�nner.</p><p>Von ihm erfuhr ich auch, da� Prinzen, Jeds und selbst Jeddaks der �u�eren Welt unter denen waren, die der Rasse der Gelben zu dienen hatten. Als ich ihn jedoch fragte, ob er etwas �ber das Schicksal von Mors Kajak oder Tardos Mors wisse, sch�ttelte er den Kopf und erkl�rte, er habe nie vernommen, da� sie als Gefangene hier seien, obwohl er ihre Namen, ihren guten Ruf und ihre Ber�hmtheit in der �u�eren Welt sehr genau gekannt habe.</p><p>Von Ger�chten �ber die Ankunft des Vaters der Therns und des schwarzen Dator der Erstgeborenen wu�te er auch nichts, aber er sagte mir, man erfahre au�erordentlich wenig von dem, was im Palast vorgehe. Er wunderte sich jedoch gar nicht dar�ber, da� ein Gelber so neugierig wegen Roter Gefangener von jenseits der Eisbarriere fragte und da� ich so wenig wu�te von den Gebr�uchen und Bedingungen innerhalb meiner eigenen Rasse.</p><p>Als ich entdeckte, da� ein Roter vor meiner Schlafplattform patrouillierte, hatte ich n�mlich ganz vergessen, da� ich ja maskiert war; ich hatte aber nicht die Absicht, meine Identit�t zu enth�llen, solange ich keinen Vorteil davon hatte. Dieser arme Teufel konnte mir sicher nichts n�tzen, obwohl ich selbstverst�ndlich vorhatte, ihn und die anderen Tausende von Gefangenen zu befreien, die jetzt auf die Befehle ihrer gestrengen Herren von Kadabra h�ren mu�ten. Ich sa� in der folgenden Nacht lange mit Thuvan Dihn auf unseren Schlafseiden und Pelzen zusammen, und inmitten von vielen hundert Gelben, die mit uns den gro�en Schlafraum teilten, diskutierten wir unsere Pl�ne. Wir unterhielten uns sehr leise, doch da die H�flichkeit R�cksichtnahme auf die anderen gebietet, erweckten wir damit keinen Verdacht.</p><p>Wir kamen zu dem Schlu�, da� wir nichts Entscheidendes tun konnten, ehe wir nicht die Stadt erforscht hatten, und dann mu�ten wir auch noch versuchen, jenen Plan durchzuf�hren, den Talu vorgeschlagen hatte. Damit w�nschten wir einander eine gute Nacht und drehten uns zum Schlafen um.</p><p>Am folgenden Morgen machten wir uns nach dem Fr�hst�ck auf, um die Stadt Kadabra kennenzulernen. Der Prinz von Marentina hatte uns gro�z�gig mit Okargeld ausgestattet, und wir konnten uns daher einen recht h�bschen Grundflieger kaufen. Wir hatten es schon in Marentina gelernt, ihn zu fliegen, und hatten viel Spa� daran, als wir damit die Stadt entdeckten und erforschten. Am Sp�tnachmittag konnten wir, wie uns Talu erkl�rte, Regierungsbeamte in ihren B�ros antreffen, und so hielten wir um die angegebene Zeit vor einem gro�artigen Geb�ude an der Plaza an, das dem k�niglichen Palast gegen�berlag.</p><p>Ganz selbstverst�ndlich gingen wir an dem bewaffneten Posten vorbei hinein, wo uns ein Roter Sklave nach unseren W�nschen fragte.</p><p>�Sag Sorav, deinem Meister, da� zwei Krieger aus Illall Dienst bei den Palastwachen zu nehmen w�nschen�, erkl�rte ich ihm. Sorav war, wie Talu uns gesagt hatte, der Kommandant der Palastwache; bei uns, den M�nnern aus Illall, jener Stadt, die am weitesten von Kadabra entfernt war, erschien es unwahrscheinlich, da� wir schon in die Palastintrigen verwickelt waren. Der Prinz hatte angenommen, man w�rde uns nur wenige Fragen stellen.</p><p>Er hatte uns richtiggehend auf die Fragen gedrillt, die Sorav mit einiger Sicherheit stellen w�rde; dann wurden wir vielleicht noch einmal �berpr�ft, ehe Salensus Oll entschied, ob wir k�rperlich tauglich und als Krieger erfahren genug seien.</p><p>Sehr wahrscheinlich erschien es uns nicht, da� wir diesen Schlu�test bestehen w�rden, da wir ja nur eine einzige Erfahrung im Kampf mit dem Hakenschwert hatten, doch wir hatten immerhin die Chance, einige Tage lang im Palast von Salensus Oll einquartiert zu werden, bevor der Jeddak der Jeddaks Zeit hatte, uns seinem pers�nlichen Test zu unterziehen.</p><p>Wir mu�ten ein paar Minuten in einem Vorzimmer warten; dann wurden wir zu Sorav hineingef�hrt, wo uns ein wild dreinschauender schwarzb�rtiger Offizier sehr h�flich begr��te. Er fragte nach unseren Namen und Einzelheiten aus unserer eigenen Stadt, und unsere Antworten stellten ihn anscheinend zufrieden. Talu hatte uns wirklich sehr geschickt vorbereitet.</p><p>Die Sache dauerte kaum zehn Minuten; dann befahl Sorav, da� wir registriert und zu unseren Quartieren im Palast gef�hrt werden sollten, die f�r die Anw�rter der Palastgarde ein wenig abgesondert von den anderen Quartieren liegen.</p><p>Erst wurden wir jedoch noch in ein anderes B�ro gef�hrt, wo wir gewogen, gemessen und fotografiert wurden. Daf�r hatten sie ein vollautomatisches Ger�t, das f�nf Kopien gleichzeitig in f�nf verschiedenen Regierungsb�ros produzierte. Zwei davon liegen in anderen St�dten, die viele Meilen weit entfernt sind. Im Hauptwachraum des Palastes wurden wir dann dem diensthabenden Offizier �bergeben.</p><p>Auch der fragte uns noch einmal kurz aus, und endlich schickte er uns mit einem Soldaten zu unserem Quartier. Es lag im zweiten Stock des Palastes in einem Fl�gelturm an der R�ckseite des Geb�udes. Wir fragten unseren F�hrer, weshalb wir so weit weg vom Wachraum wohnen sollten, und er gab uns zur Antwort, die �lteren Wachsoldaten h�tten es sich zu schlechter Gewohnheit gemacht, mit Anw�rtern Streit anzufangen, um deren Metall zu gewinnen. Dabei habe es sehr viele Todesf�lle gegeben, so da� es immer schwieriger wurde, ausreichend viele Anw�rter f�r die Palastwache zu bekommen. Deshalb hatte Salensus Oll verf�gt, da� die Anw�rterunterk�nfte von den �brigen Wohnungen der Garde getrennt werden m��ten. Sie seien verschlossen und vor Angriffen der Garden gesichert.</p><p>Das war keine erfreuliche Information, und wir mu�ten wohl unsere Pl�ne noch einmal �berpr�fen, da wir ja praktisch Gefangene im Palast des Salensus Oll waren, bis er Zeit hatte, uns pers�nlich seiner Tauglichkeitspr�fung zu unterziehen.</p><p>Und wir hatten gehofft, in dieser Zwischenzeit unsere Suche nach Dejah Thoris und Thuvia von Ptarth vorantreiben zu k�nnen! Sehr bek�mmert und niedergeschlagen h�rten wir das Schlo� einschnappen, als unser F�hrer uns verlassen hatte, nachdem wir in die Stube geschoben worden waren, die wir bewohnen sollten.</p><p>Ich schaute Thuvan Dihn an, und mein Gef�hrte sch�ttelte untr�stlich den Kopf. Traurig ging er zu einem der Fenster.</p><p>Er hatte noch kaum einen Blick nach drau�en geworfen, als er mich zu sich rief.</p><p>�Schau mal!� sagte er aufgeregt und deutete in den Hof hinunter. Und da sah ich, als ich der Richtung seines Fingers folgte, zwei Frauen im geschlossenen Garten auf und ab gehen.</p><p>Selbstverst�ndlich erkannte ich sie sofort�� es waren Dejah Thoris und Thuvia von Ptarth!</p><p>Da waren die beiden Frauen, denen ich von einem Pol zum anderen gefolgt war, und nur f�nf Meter Raum und ein paar Gitterst�be trennten mich von ihnen.</p><p>Mit einem Schrei zog ich ihre Aufmerksamkeit auf mich, und als Dejah Thoris aufschaute, sah sie mir direkt in die Augen. Ich machte ihr jenes Zeichen der Liebe, das bei den M�nnern von Barsoom f�r die geliebte Frau �blich ist.</p><p>Zu meinem Erstaunen und Entsetzen warf sie den Kopf zur�ck, und um ihren feingezeichneten Mund lag ein Zug schlimmster Verachtung. Und dann wandte sie mir sogar den R�cken zu. Mein Leib ist mit den Narben aus tausend K�mpfen bedeckt, aber nie in meinem ganzen Leben hat mich etwas so unendlich geschmerzt wie der ver�chtliche Blick jener Frau, die ich zutiefst liebte.</p><p>St�hnend wandte ich mich ab und begrub mein Gesicht in meinen Armen. Ich h�rte, wie Thuvan Dihn laut nach Thuvia rief, aber einen Augenblick sp�ter wurde mir klar, da� er ebenso verbl�fft und verwirrt war wie ich. Auch er war von seiner Tochter zur�ckgesto�en worden.</p><p>�Nicht einmal h�ren wollen sie!� rief er. �Sie haben die H�nde �ber ihre Ohren gelegt und sind zum anderen Ende des Gartens gelaufen. Hast du von so einem Wahnsinn schon geh�rt? Sie m�ssen verhext worden sein!�</p><p>Nach einer Weile brachte ich doch wieder soviel Mut auf, da� ich zum Fenster zur�ckkehren konnte, denn ich liebte sie, auch wenn sie von mir nichts wissen wollte, und ich konnte meine Augen einfach nicht von ihrem lieblichen Gesicht und ihrer g�ttlichen Gestalt abwenden; doch als sie mich wieder sah, drehte sie sich erneut um. Ich wu�te nicht mehr, was ich von ihr halten sollte. Da� auch Thuvia sich gegen ihren Vater gewandt hatte, erschien mir ebenso unglaublich. Konnte es denn sein, da� meine unvergleichlich gute und kluge Prinzessin noch immer dem alten Aberglauben anhing, von dem ich ihre Welt zu befreien versucht hatte? War es m�glich, da� sie mich verachtete, weil ich vom Tal Dor zur�ckgekehrt war oder weil ich die Tempel und die Personen der Heiligen Therns entweiht hatte? Ich konnte mir einfach ihr seltsames Benehmen nicht erkl�ren; die Tatsache als solche mu�te ich freilich hinnehmen. Und doch war die Liebe der Dejah Thoris f�r John Carter das gr��te Wunder seines Lebens, und sie stand noch immer �ber allen Rassenunterschieden und hatte nichts mit Religion oder materiellen Dingen zu tun. Ziemlich traurig folgte ich ihr mit meinen Blicken. Da �ffnete sich am anderen Ende des Gartens eine T�r, und ein Mann trat ein. Er dr�ckte dem Gelben W�chter am Tor etwas in die Hand, aber die Entfernung war so gro�, da� ich nicht sehen konnte, ob es Geld und wieviel es war. Dem zufriedenen Gesicht des W�chters war allerdings zu entnehmen, da� das, was er bekommen hatte, nicht wenig war. Der W�chter war also bestochen worden, und als er sich zu den beiden Frauen umwandte, wu�te ich auch, wer es war�� kein anderer als Thurid, der schwarze Dator der Erstgeborenen.</p><p>Er trat sehr nahe zu ihnen, bevor er sprach, und ich sah auch, da� Dejah Thoris zur�ckschrak, als sie seine Stimme h�rte. Auf seinem Gesicht lag ein h�misches Grinsen, als er erneut zu ihr sprach. Ich konnte seine Worte nicht verstehen, wohl aber einwandfrei deutlich ihre Antwort.</p><p>�Die Gro�tochter von Tardos Mors kann immer sterben�, erwiderte sie, �aber um den Preis leben, den du nennst, das k�nnte sie nie.�</p><p>Dann fiel der schwarze Schurke vor ihr auf die Knie und kroch im Staub vor ihr herum, als er sie anflehte. Nur wenig von dem, was er so von sich gab, konnte ich verstehen, denn er schien vor Leidenschaft und Erregung zu stottern oder sonst undeutlich zu reden. Und dann wagte er vermutlich auch nicht, mit normaler Stimme zu sprechen, da man ihn ja dann h�ren k�nnte.</p><p>�Ich will dich ja vor Matai Shang retten�, sagte er. �Du kennst das Schicksal, das dich von seinen H�nden erwartet. Willst du nicht lieber mich w�hlen als dieses Schicksal?�</p><p>�Ich w�hle keines von beiden�, erwiderte Dejah Thoris. �Selbst wenn ich frei w�re zu w�hlen, w�rde ich es nicht tun, und du wei�t recht gut, da� ich nicht frei bin.�</p><p>�Du bist frei!� schrie er. �John Carter, Prinz von Helium, ist tot!�</p><p>�Ich wei� es besser. Doch selbst wenn er tot w�re und ich einen anderen Mann zum Gef�hrten w�hlen m��te, dann w�re mir ein Baummann oder selbst ein gro�er wei�er Affe noch lieber als Matai Shang oder du, du schwarzer Schurke�, antwortete sie voll Verachtung.</p><p>Dieser elende Kerl verlor nun alle Selbstbeherrschung. Mit einem gemeinen Fluch warf er sich auf die zierliche Frau und griff mit seinen brutalen H�nden nach der zarten Kehle meiner Dejah Thoris. Thuvia schrie und kam ihrer Mitgefangenen zu Hilfe, und in diesem Moment wurde auch ich vor Zorn ganz irr, so da� ich in meiner unb�ndigen Wut so heftig an den Gitterst�ben meines Fensters r�ttelte, da� ich sie aus ihren Verankerungen ri�, als w�ren es d�nne Kupferdr�hte. Ich sprang durch die Fenster�ffnung und rannte in den Garten, und dann war ich mit einem von meiner irdischen Muskelkraft diktierten Sprung �ber dem schwarzen Schurken, der meiner Dejah Thoris die Kehle zudr�ckte. Ich sagte kein Wort, sondern ri� ihm nur seine gemeinen Pranken vom sch�nen Hals meiner Prinzessin, und dann holte ich aus und warf ihn durch die Luft, da� er etwa zehn Meter weiter auf den Boden schlug.</p><p>Thurid sch�umte vor Wut, als er auf die Beine kam und mich wie ein wahnsinnig gewordener Bulle angriff. �Gelber Mann�, schrie er, �du scheinst nicht zu wissen, an wen du deine h��lichen H�nde legst, aber ehe ich mit dir fertig bin, wirst du wissen, was es hei�t, einen Erstgeborenen zu beleidigen!�</p><p>Damit griff er nach meiner Kehle, aber ich machte es jetzt genauso, wie ich es damals im Hof des Tempels der Issus gemacht hatte; ich duckte mich unter seinem ausgestreckten Arm durch, und als er deshalb an mir vorbeisprang, verpa�te ich ihm einen entsetzlichen rechten Haken an den Unterkiefer.</p><p>Auch er tat genau das, was er damals getan hatte. Er drehte sich wie ein Kreisel herum, und dann gaben seine Knie unter ihm nach. Zu meinen F��en lag er dann da wie ein unbedeutendes schwarzes H�ufchen. Und dann h�rte ich hinter mir eine Stimme.</p><p>Es war eine tiefe Stimme voll Autorit�t, die zu befehlen gewohnt war. Als ich mich umdrehte, um den Sprecher anzusehen, stand vor mir ein Riese von einem Gelben, und ohne zu fragen wu�te ich, da� dies nur Salensus Oll sein konnte. Rechts von ihm stand Matai Shang, hinter ihm eine Gruppe Wachm�nner.</p><p>�Wer bist du?� rief er. �Und was hat dein Eindringen in den Frauengarten zu bedeuten? An dein Gesicht kann ich mich nicht erinnern. Wie kommst du hierher?�</p><p>Ich hatte v�llig meine Maskierung vergessen, und fast h�tte ich ihm in sch�nster Offenheit gesagt, da� ich John Carter, Prinz von Helium sei. Aber seine Frage brachte mich wieder zu mir selbst. Ich deutete auf die herausgerissenen Gitterst�be meines Fensters.</p><p>�Ich bin Anw�rter der Palastwachen�, antwortete ich. �Von diesem Fenster aus, hinter dem ich den Schlu�test der Tauglichkeit erwarten sollte, beobachtete ich, wie dieses brutale Scheusal diese Frau hier angriff und w�rgte. Ich konnte nicht einfach zuschauen, o Jeddak, denn wenn ich deine k�nigliche Person besch�tzen und meine Tauglichkeit dazu beweisen soll, dann kann ich nicht zulassen, da� in deinem erhabenen Garten eine wehrlose Frau gew�rgt wird.�</p><p>Ich schien mit meinen fairen Worten auf den Herrscher von Okar Eindruck gemacht zu haben. Da Dejah Thoris und Thuvia von Ptarth meinen Bericht best�tigten, sah es f�r Thurid recht schwarz aus. Matais b�se Augen funkelten vor Gemeinheit, als Dejah Thoris alles genau erz�hlte, was zwischen ihr und dem schwarzen Dator vorgefallen war. Als sie zu jenem Teil kam, in dem es um mein Dazwischentreten und meinen kurzen Kampf mit dem Dator der Erstgeborenen ging, da kannte ihre Dankbarkeit keine Grenzen mehr, obwohl ich in ihren Augen las, da� etwas sie schrecklich verst�rte.</p><p>Solange andere Leute anwesend waren, brauchte ich mich nicht mehr �ber ihr Benehmen mir gegen�ber zu wundern; was mich verwirrte, war nur ihr Verhalten, solange sie mit Thuvia allein im Garten gewesen war.</p><p>Dann schaute ich einmal kurz Thurid an, als ich meinen Bericht weiterf�hrte, und da sah ich, wie er mich aus aufgerissenen Augen anstarrte. Und dann lachte er pl�tzlich schallend.</p><p>Nun wandte sich Salensus Oll zu dem Schwarzen um.</p><p>�Was hast du zu all diesen Vorw�rfen und Anklagen zu sagen?� fragte er mit tiefer, schrecklicher Stimme. �Wie kannst du es wagen, dich einer Frau zu n�hern, die der Vater der Therns f�r sich gew�hlt hat? Einer Frau, die selbst f�r den Jeddak der Jeddaks nicht zu niedrig w�re?�</p><p>Nun wandte sich der schwarzb�rtige Tyrann um und warf Dejah Thoris einen gierigen Blick zu, als w�re durch seine eigenen Worte ein ganz neues Begehren in ihm entz�ndet worden.</p><p>Thurid setzte schon zu einer Antwort an, grinste boshaft und deutete mit dem Finger auf mich, als es ihm vor der Miene Salensus Olls die Stimme verschlug.</p><p>Pl�tzlich war ein kriecherischer Ausdruck in seinen Augen, und dann las ich ihm deutlich vom Gesicht ab, da� seine Worte nicht die waren, die er urspr�nglich hatte sagen wollen.</p><p>�O m�chtigster der Jeddaks, der Mann und diese Frau sprechen nicht die Wahrheit! Der Bursche war in den Garten gekommen, weil er den beiden Frauen zur Flucht verhelfen wollte. Ich war hinter der Mauer und h�rte alles mit an. Als ich durch diese T�r hier eintrat, schrie die Frau, und der Mann sprang mich an und h�tte mich fast get�tet. Was wei�t du von diesem Mann? Er ist ein Fremder f�r dich, und ich will dir sagen, da� er ein Feind und ein Spion ist. Stelle ihn doch vor Gericht, Salensus Oll. Das w�re besser, als deinem Freund und Gast Thurid, Dator der Erstgeborenen, Unrecht zu tun!�</p><p>Salensus sah ziemlich verwirrt drein. Dann schaute er Dejah Thoris an. und nun trat Thurid nahe an ihn heran und fl�sterte ihm etwas ins Ohr. Was es war, konnte ich nicht verstehen.</p><p>Der Gelbe Herrscher wandte sich an einen seiner Offiziere.</p><p>�Sieh zu, da� dieser Mann in sicheren Gewahrsam genommen wird, bis wir uns n�her mit dieser Angelegenheit befassen k�nnen. Und da Fenstergitter allein nicht zu gen�gen scheinen, legt ihr ihn zus�tzlich noch in Ketten.</p><p>Dann verlie� er den Garten, nahm Dejah Thoris mit und legte ihr die Hand auf die Schulter. Thurid und Matai Shang gingen ebenfalls, und am Tor drehte sich der Schwarze noch einmal um und lachte mir wieder laut ins Gesicht.</p><p>Was konnte er damit meinen? Hatte er meine Identit�t erraten? Das mu�te es wohl gewesen sein, denn ich hatte mich mit dem Trick verraten, der ihm schon einmal zum Verh�ngnis geworden war. Als die W�chter mich davonzerrten, war mir das Herz schwer wie ein Felsbrocken. Ich war unendlich traurig und verbittert, denn zu den zwei Feinden, die ich von Pol zu Pol gejagt hatte, war noch ein dritter, viel m�chtigerer gekommen, und ich w�re ein Narr gewesen, h�tte ich nicht bemerkt, da� in der schrecklichen Brust von Salensus Oll, Jeddak der Jeddaks, Herrscher von Okar, ganz pl�tzlich die Liebe zu Dejah Thoris, meiner geliebten Prinzessin und Gattin, aufgeflammt war.</p></section><section><title><p>11. Die Grube des �berflusses</p></title><p>Im Gef�ngnis von Salensus Oll blieb ich nicht lange. W�hrend der kurzen Zeit, da ich mit goldenen Ketten gefesselt war, �berlegte ich mir oft, was aus Thuvan Dihn, Jeddak von Ptarth, geworden sein mochte.</p><p>Mein tapferer Gef�hrte war mir in den Garten gefolgt, als ich Thurid angriff, und als Salensus Oll zusammen mit Dejah Thoris und den anderen zur�ckgegangen war, hatte man Thuvan von Ptarth offensichtlich unbemerkt zur�ckgelassen, er sah ja den W�chtern �hnlich. Zuletzt hatte ich ihn gesehen, als er darauf wartete, da� die Krieger, die hinter mir die T�r schl�ssen, endlich verschwanden, damit er mit Thuvia allein sein konnte. War es m�glich, da� die beiden entkommen waren? Ich bezweifelte es, und doch hoffte ich aus tiefstem Herzen, es m�ge wahr sein.</p><p>Am dritten Tag meiner Gefangenschaft erschienen zw�lf Krieger, die mich zum Audienzsaal brachten, wo Salensus Oll pers�nlich mich pr�fen und �ber mich richten sollte. Viele Edle dr�ngten sich im Raum zusammen, und unter ihnen sah ich Thurid, doch Matai Shang war nicht anwesend.</p><p>Dejah Thoris war so unfa�bar sch�n wie immer und sa� auf einem kleinen Thron neben Salensus Oll, doch ihr Gesicht dr�ckte traurige Hoffnungslosigkeit aus, die mir ins Herz schnitt.</p><p>Da� sie neben dem Jeddak der Jeddaks sa�, war f�r uns beide ein schlechtes Vorzeichen; in dem Augenblick, da ich sie dort sah, fa�te ich auch schon den festen Entschlu�, diesen Raum nicht lebend zu verlassen, wenn ich sie nicht aus den Klauen dieses m�chtigen Tyrannen befreien konnte.</p><p>Ich hatte schon bessere M�nner als Salensus Oll get�tet, und das sogar mit meinen blo�en H�nden; jetzt schwor ich mir, ihn zu t�ten, wenn das die einzige M�glichkeit w�re, meine Prinzessin vor ihm zu retten. Nat�rlich bedeutete das den sofortigen Tod f�r mich. Schlimmer als dieses war jedoch der Gedanke, da� ich niemals mehr eine sch�tzende Hand �ber Dejah Thoris halten konnte, und allein aus diesem Grund war ich bereit, einen anderen Weg zu w�hlen, so sich mir einer anbieten sollte. T�tete ich Salensus Oll, dann hie�e das noch lange nicht, da� meine geliebte Gattin auch zu ihrem Volk zur�ckkehren durfte. Ich beschlo� als doch den Ausgang dieser Pr�fung abzuwarten, so da� ich die Absichten des Herrschers besser beurteilen und meine k�nftigen Taten danach ausrichten konnte. Kaum hatte man mich vor Salensus Oll gebracht, als er auch schon Thurid aufrief.</p><p>�Dator Thurid�, sagte er, �du hast ein merkw�rdiges Verlangen an mich gestellt. Da du aber bestimmt versprochen hast, das Ergebnis w�rde ausschlie�lich meinen Interessen und W�nschen dienen, bin ich bereit, deiner Bitte zu entsprechen.</p><p>Du hast mir gesagt, da� eine gewisse Ank�ndigung das beste Mittel zur Verurteilung dieses Gefangenen sei und mir gleichzeitig die Erf�llung meines sehnlichsten Herzenswunsches erm�glicht.�</p><p>Thurid nickte.</p><p>�Dann will ich jetzt vor meinen versammelten Edlen diese Ank�ndigung machen�, fuhr Salensus Oll fort �Seit einem Jahr sitzt keine K�nigin mehr auf dem Thron neben mir, und es gef�llt mir nun, ein Weib zu nehmen, von dem man sagt, es sei die sch�nste Frau von ganz Barsoom. Niemand wird dieser Behauptung widersprechen k�nnen.</p><p>Edle von Okar, zieht eure Schwerter und erweist Dejah Thoris, der Prinzessin von Helium und k�nftigen K�nigin von Okar, die geb�hrende Ehre, denn am Ende der �blichen zehn Tage wird sie die Gemahlin von Salensus Oll werden.�</p><p>Die Edlen zogen ihre Schwerter und hoben sie einer uralten Sitte gem�� hoch �ber ihre K�pfe. Dejah Thoris aber sprang auf, hob beschw�rend die Hand und rief laut, da� sie sich dagegen zur Wehr setze.</p><p>�Ich will nicht die Gemahlin von Salensus Oll werden, denn ich bin schon Frau und Mutter. John Carter, Prinz von Helium, lebt noch. Ich wei�, da� er lebt, denn ich h�rte eine Unterhaltung zwischen Matai Shang und seiner Tochter Phaidor mit an. Matai Shang erz�hlte seiner Tochter, er habe ihn in Kaor am Hof von Kulan Tith, Jeddak, gesehen. Ein Jeddak heiratet keine verheiratete Frau, und Salensus Oll wird es nicht wagen, so sehr gegen alle Ehegesetze zu versto�en.�</p><p>Salensus Oll wandte sich an Thurid, und sein Blick gefiel mir gar nicht.</p><p>�Ist das die �berraschung, die du mir bereiten wolltest?� schrie er.</p><p>�Du hast mir versichert, jenes Hindernis, das zwischen mir und jener Frau steht, sei leicht zu beseitigen, und jetzt finde ich, da� es ausgerechnet un�berwindlich ist. Was hast du dazu zu sagen, Mann?�</p><p>�Und wenn ich dir John Carter in die H�nde liefere, Salensus Oll, w�rdest du dann nicht auch sagen, da� ich mein dir gegebenes Versprechen mehr als ausreichend erf�llt habe?� antwortete Thurid.</p><p>�Sprich nicht wie ein Narr!� fauchte ihn der w�tende Jeddak an. �Ich bin kein Kind, mit dem man spielen k�nnte!�</p><p>�Ich spreche nur wie ein Mann, der wei�, was er sagt�, antwortete Thurid. �Und ich wei� wirklich, da� ich das tun kann, was ich versprochen habe.�</p><p>�Nun, dann liefere mir John Carter doch innerhalb von zehn Tagen aus, oder du selbst hast jenes Ende zu erleiden, das ich ihm zudenken w�rde, bef�nde er sich in meiner Gewalt�, schnappte der Jeddak der Jeddaks und sah sehr finster drein.</p><p>�Du brauchst keine zehn Tage zu warten, Salensus Oll�, entgegnete Thurid. Dann wandte er sich zu mir um und deutete auf mich: �Hier steht John Carter, Prinz von Helium!�</p><p>�Du Narr!� br�llte Salensus Oll. �Narr! John Carter ist ein wei�er Mann. Dieser Bursche hier ist ebenso gelbh�utig wie ich. John Carters Gesicht ist glatt, denn Matai Shang hat ihn mir genau beschrieben. Dieser Gefangene hat einen Kinn- und Schnurrbart, der ebenso gro�, dicht und schwarz ist wie jeder andere in Okar. Schnell, W�chter, werft diesen schwarzen Irren in die Gruben, denn er opfert gerne sein Leben f�r einen schlechten Scherz an eurem Herrscher!�</p><p>�Halt!� rief Thurid und sprang vorw�rts; ehe ich noch vermuten konnte, was er vorhatte, griff er nach meinem Bart und ri� mir das ganze falsche Gebilde vom Gesicht und Kopf. Und darunter kam meine glatte, gebr�unte Haut ebenso zum Vorschein wie mein kurzgeschnittenes schwarzes Haar.</p><p>Im n�chsten Moment herrschte im Audienzsaal von Salensus Oll ein schrecklicher, chaotischer Tumult. Krieger zogen ihre Schwerter und dr�ngten mir entgegen, weil sie f�rchteten, ich k�nnte ihren Jeddak der Jeddaks umbringen wollen. Andere waren nur neugierig auf den Mann, dessen Name von einem Pol zum anderen eine Legende war, und sie dr�ngten sich ebenfalls heran.</p><p>Als nun meine Identit�t enth�llt war, sprang Dejah Thoris auf, und ihr Gesicht dr�ckte noch ungl�ubiges Staunen aus. Aber dann bahnte sie sich einen Weg durch die Masse Bewaffneter, und niemand vermochte sie aufzuhalten. Im n�chsten Augenblick lag sie in meinen Armen, und aus ihren Augen leuchtete mir das Licht ihrer gro�en Liebe entgegen.</p><p>�John Carter! John Carter!� jubelte sie, als ich sie an meine Brust dr�ckte, und mit einem Schlag wurde mir nun klar, weshalb sie im Garten neben dem Turm nichts von mir hatte wissen wollen. Welch ein Narr war ich doch gewesen! Wie konnte ich vern�nftigerweise erwarten, da� sie mich unter meiner gro�artigen Maskierung erkennen w�rde, mit der sich der Barbier von Marentina soviel M�he gegeben hatte? Erkannt hatte sie mich nicht, das war alles. Und als sie das von einem Fremden gemachte Liebeszeichen sah, f�hlte sie sich beleidigt, und mit Recht. Ach, welch ein Narr war ich doch gewesen!</p><p>�Dann warst also du es, der mit mir vom Turm aus sprach!� rief sie.</p><p>�Wie konnte ich ahnen, da� mein geliebter Virginier sich unter einem finsteren Bart und hinter einer gelben Haut versteckte?�</p><p>Der Name �Virginier� war einer ihrer liebevollsten Kosenamen f�r mich. Sie wu�te, da� ich ihn sehr liebte und mich immer danach sehnte, ihn von ihren reizenden Lippen und ihrer sanften Stimme gesprochen zu h�ren. Und als ich ihn nach diesen unendlich langen Jahren nun wieder vernahm, verschleierten Tr�nen meine Augen, und ich vermochte kaum zu sprechen, so sehr war ich ger�hrt. Ich hielt die geliebte Frau noch immer fest an mich gedr�ckt, als der vor Wut rauchende Salensus Oll sich zu uns durchdr�ngte.</p><p>�Ergreift diesen Mann!� br�llte er, und zahlreiche Kriegerh�nde rissen uns auseinander.</p><p>Nun, den Edlen von Okar tat es gut, John Carter zu entwaffnen, denn mindestens ein Dutzend von ihnen sp�rten meine harten F�uste, und niemand konnte mich daran hindern, mir den Weg zum Thron freizuk�mpfen, wohin Salensus Oll Dejah Thoris geschleppt hatte. Dann waren aber nicht viel weniger als hundert Krieger �ber mir, und ich ging k�mpfend zu Boden. Ehe sie mich jedoch bewu�tlos geschlagen hatten, h�rte ich jene Worte von Dejah Thoris� Lippen, die mich f�r alles Leiden entsch�digten.</p><p>Sie stand neben dem riesigen Tyrannen, der ihren Arm umklammert hatte und deutete auf mich, der ich allein gegen eine �bergro�e �bermacht k�mpfte.</p><p>�Glaubst du, Salensus Oll�, rief sie, �da� es die Frau eines solchen Mannes je danach gel�sten k�nnte, sein Andenken zu entehren und einen geringeren Sterblichen zu ehelichen, und w�re er auch tausendmal tot? Gibt es auf einer der Welten noch einen zweiten John Carter, Prinz von Helium? Ist es m�glich, da� noch irgendwo ein anderer Mann lebt, der sich so wie er durch eine kriegerische Welt k�mpft, sich wilden Tieren und Horden wilder Menschen stellt und das alles nur aus Liebe zu einer Frau?</p><p>Ich, Dejah Thoris, Prinzessin von Helium, bin sein. Er hat um mich gek�mpft und mich gewonnen. Bist du ein tapferer Mann, dann wirst du auch seine Tapferkeit ehren und ihn nicht t�ten. Mach ihn zu einem Sklaven, Salensus Oll, wenn du unbedingt willst, aber schone sein Leben. Ich w�re lieber neben ihm eine Sklavin als neben dir die K�nigin von Okar.�</p><p>�Weder Sklavin noch K�nigin diktiert einem Salensus Oll�, erwiderte der Jeddak der Jeddaks. �John Carter soll eines nat�rlichen Todes in der Grube des �berflusses sterben, und am Tag seines Todes wird Dejah Thoris meine K�nigin.�</p><p>Ihre Antwort vernahm ich nicht mehr, denn man versetzte mir einen solchen Schlag auf den Kopf, da� ich das Bewu�tsein verlor. Als ich wieder zu mir kam, waren nur noch ein paar W�chter bei mir im Audienzsaal, die ihre Schwertspitzen auf mich gerichtet hatten und mir befahlen, aufzustehen.</p><p>Dann f�hrte man mich durch lange Korridore in einen Hof, der fast im Mittelpunkt des Palastgel�ndes lag.</p><p>In der Mitte dieses Hofes war eine tiefe Grube, an deren Rand sechs W�chter mich erwarteten. Einer von ihnen hatte ein langes Seil in den H�nden.</p><p>Wir waren etwa noch f�nfzig Meter von diesen M�nnern entfernt, als ich pl�tzlich ein merkw�rdiges Prickeln in einem meiner Finger sp�rte. Erst war ich sehr verbl�fft dar�ber, doch dann fiel mir die Gabe des Prinzen Talu von Marentina ein, jener Ring, den ich im Tumult meiner Abenteuer fast vergessen hatte.</p><p>Sofort sah ich der Gruppe entgegen, der wir uns n�herten und hob gleichzeitig meine linke Hand an die Stirn, damit der Ring f�r den sichtbar wurde, der ihn sehen sollte. Gleichzeitig hob auch einer der wartenden Krieger die linke Hand und strich sich �ber das Haar, und auch er hatte einen Ring am Finger, ein genaues Duplikat des meinen. Wir kreuzten einen Blick des Einverst�ndnisses und Erkennens, aber dann schaute ich diesen Krieger nicht mehr an, damit keiner der Okarianer mi�trauisch werden konnte.</p><p>Als ich am Rand der Grube stand, sah ich, da� sie sehr tief war. Da wurde mir klar, da� ich diese Tiefe auch bald pers�nlich beurteilen sollte. Der Mann, welcher das Seil in den H�nden hatte, legte es n�mlich so um meinen K�rper, da� es von oben her jederzeit abgenommen werden konnte. Dann griffen alle Krieger gemeinsam nach dem Seil, und einer versetzte mir einen Sto�, und so fiel ich in den g�hnenden Abgrund hinunter.</p><p>Nach dem ersten Sturz fiel ich ins Seil, das man dann schnell und geschickt ablaufen lie�. Im Moment des Sto�es, als die anderen M�nner sich um das Seil bem�hten, hatte jedoch der Mann mit dem Ring seinen Mund kurz an mein Ohr gelegt und mir ein einziges Wort zugefl�stert:</p><p>�Mut!�</p><p>Die Grube, die von oben her bodenlos ausgesehen hatte, war gar nicht einmal so tief�� kaum mehr als vierzig Meter. Da jedoch ihre W�nde glatt waren wie poliertes Glas, spielte die Tiefe die allerletzte Rolle, denn ohne Hilfe von au�en konnte ich diesem Gef�ngnis nicht entrinnen.</p><p>Einen vollen Tag mu�te ich in absoluter Dunkelheit verbringen. Dann erhellte pl�tzlich ein strahlendes Licht meine seltsame Kerkerzelle. Ich war jetzt schon ziemlich hungrig und durstig, denn seit dem Tag vor meiner Einkerkerung hatte ich weder zu essen noch zu trinken bekommen.</p><p>Zu meinem grenzenlosen Erstaunen fand ich, da� die W�nde der Grube, die ich f�r fugenlos glatt gehalten hatte, mit Regalen eingefa�t waren, auf denen die k�stlichsten Fleischgerichte und Getr�nke standen, die Okar zu bieten hatte.</p><p>Mit einem Ruf freudiger �berraschung sprang ich auf, um etwas von dieser willkommenen Nahrung zu genie�en, aber ehe ich danach greifen konnte, erlosch das Licht. Ich tastete in der Dunkelheit die ganze Wand ab, soweit ich reichen konnte, aber ich sp�rte nichts als glatte, harte W�nde, wie ich sie schon anfangs ertastet hatte. Nun sp�rte ich erst richtig, wie hungrig und durstig ich war. Was vorher ein vager Hunger und Durst gewesen war, wurde nun von Minute zu Minute qu�lender, und das allein aus dem Grund, weil ich f�r einen kurzen Augenblick die k�stlichste Nahrung in Reichweite ge sehen hatte.</p><p>Und nun schl�ssen mich wieder Dunkelheit und Schweigen ein, das nur von einem h�hnischen Gel�chter unterbrochen wurde. Nichts unterbrach einen weiteren Tag lang die Eint�nigkeit meiner Gefangenschaft, und nichts erleichterte mir die Qualen von Hunger und Durst. Aber langsam lie� die Pein ein wenig nach, da das Leiden die Funktion gewisser Nerven lahmte.</p><p>Und dann flammte wieder das Licht auf. Vor mir stand erneut eine Reihe der herrlichsten Gerichte und feinsten Getr�nke, klares Quellwasser ebenso wie edler Wein, und die Flaschen waren verhei�ungsvoll beschlagen.</p><p>Mit der Wildheit eines vor Hunger und Durst halb irren Tieres sprang ich nach diesen K�stlichkeiten, aber wie am Tag vorher ging das Licht aus, und ich prallte nur an eine harte Mauer. Und wieder kam dieses h�hnische Teufelsgel�chter...</p><p>Die Grube des �berflusses!</p><p>Ah, von welch satanischer Grausamkeit mu�te der Menschengeist sein, der sich solche Qualen ausdenken konnte! Und das wurde nun jeden Tag wiederholt, bis ich am Rand des Irrsinns angelangt war. An diesem Punkt machte ich es so, wie damals in den Gruben der Warhoons, nahm mich fest in die Hand und zwang mich selbst in den Tunnel der Vernunft zur�ck.</p><p>Mit meiner ganzen Willenskraft brachte ich es fertig, meinen sich allm�hlich aufl�senden Geist zusammenzuhalten und damit hatte ich solchen Erfolg, da� ich beim n�chsten grellen Lichtschein ruhig und fast gleichg�ltig sitzen blieb und die k�stlichen Speisen kaum ansah die in so verf�hrerischer N�he vor mir waren. Und es war gut so, denn damit hatte ich eine M�glichkeit, das Geheimnis der so schnell wieder verschwindenden Leckerbissen zu l�ften.</p><p>Da ich mich nicht nach den wundervollen Dingen ausstreckte, lie�en meine Peiniger das Licht an in der Hoffnung, mich doch noch in Versuchung f�hren zu k�nnen, damit sie wieder einmal das f�r sie so fr�hliche Schauspiel genie�en durften, wenn ich nach den K�stlichkeiten griff, die ich ja doch nie erreichte.</p><p>Als ich dasa� und die mit herrlichen Dingen beladenen Regale musterte, sah ich, wie das Ding arbeitete. Es war so einfach, da� ich mich wunderte, wieso ich nicht schon fr�her auf diese L�sung gekommen war. Die Wand meines Gef�ngnisses bestand aus klarstem Glas, und hinter diesem Glas waren diese Leckerbissen aufgebaut. Nach etwa einer Stunde ging das Licht wieder aus, doch diesmal folgte kein Hohngel�chter, wenigstens nicht von meinen Peinigern. Daf�r lachte ich, um wenigstens ein wenig mit ihnen abzurechnen. Ich f�rchte allerdings, mein Lachen glich eher dem hohlen Gel�chter eines Irren.</p><p>Neun Tage vergingen, und ich war von Hunger und Durst so geschw�cht, da� ich mich kaum mehr bewegen konnte, wenn ich auch nicht mehr litt. Dar�ber war ich nun schon hinaus. Und da war es, da� ein kleines P�ckchen durch die Dunkelheit zu mir herunter fiel. Gleichg�ltig griff ich danach und hielt es f�r ein neues Folterger�t, das sich meine Peiniger ausgedacht hatten.</p><p>Es war ein in Papier gewickeltes P�ckchen am Ende einer langen, d�nnen, sehr kr�ftigen Schnur. Ich �ffnete es, und da fielen mir etliche Pastillen entgegen. Ich nahm sie zwischen die Finger, roch daran und entdeckte, da� sie ein Nahrungskonzentrat waren, das es in allen L�ndern auf Barsoom gibt.</p><p>Erst dachte ich an Gift.</p><p>Na, und? W�rde es nicht meinen Leiden ein endg�ltiges Ende setzen? Welchen Sinn hatte es, noch weitere Tage in dieser Foltergrube zu verbringen? Aber dann nahm ich doch eine der Tabletten zwischen die Lippen. In welcher Absicht? In welcher Hoffnung?</p><p>�Leb wohl, meine Dejah Thoris�, fl�sterte ich schwach. �Ich habe f�r dich gelebt und gek�mpft, und nun wird mir einer meiner sehnlichsten W�nsche erf�llt�� ich sterbe f�r dich.� Und damit zerbi� ich die Tablette und verschluckte die Kr�mel.</p><p>Ich a� sie alle, und nichts im Leben hatte je besser geschmeckt als diese kleinen Tabletten, die doch wahrscheinlich mit einem Gift versetzt waren, das mir einen langsamen, schrecklichen Tod bereiten w�rde.</p><p>Ruhig auf dem Boden meines Gef�ngnisses sitzend erwartete ich mein Ende. Da ber�hrten meine Finger ganz zuf�llig das Papier, in welches das P�ckchen eingewickelt war, und ich spielte damit. Mein Geist schweifte in die Vergangenheit zur�ck, um wenigstens in Gedanken die gl�cklichsten Momente meines Lebens noch einmal erleben zu k�nnen. Aber da wurde ich auf einmal einiger Erh�hungen gewahr, die sich deutlich von dem kr�ftigen, pergament�hnlichen Papier abhoben.</p><p>Im Moment bedeuteten sie mir noch nichts, und ich wunderte mich nur dar�ber. Allm�hlich nahmen sie jedoch Form an, und dann fiel es mir wie Schuppen vor den Augen. Es war eine Zeile, die sich wie eine Schrift anf�hlte!</p><p>Jetzt war ich mit einem Schlag �u�erst interessiert und hell wach. Meine Finger tasteten erst langsam, dann immer erregter die Erh�hungen ab und zogen die Umrisse nach.</p><p>Doch ich konnte keinen Sinn dahinter finden. Vielleicht war ich in meiner Erregung zu hastig gewesen? Deshalb versuchte ich es erneut, diesmal betont langsam. Immer wieder tasteten meine Finger von einem Punkt zum anderen.</p><p>Die Marsschrift kann einem Erdenmenschen schlecht erkl�rt werden. Sie ist ein Mittelding zwischen Kurz- und Bilderschrift, und die darin ausgedr�ckte Sprache unterscheidet sich grundlegend von der gesprochenen.</p><p>Auf Barsoom gibt es nur eine einzige gesprochene Sprache. Sie wird von allen Rassen und Nationen gleicherma�en angewandt wie schon damals, als das menschliche Leben auf Barsoom seinen Anfang nahm. Je mehr sich Wissen und Wissenschaft auf diesem Planeten ausbreiteten, desto vielf�ltiger und reicher wurde auch die Sprache. Neue Dinge und neue Gedanken hatten auch neue Worte zur Folge, und diese neuen Worte wurden ganz logisch in allen Nationen und Rassen auf dieselbe Art geformt, da sie ja auch denselben Gegenstand betrafen. Auf diese Art war die Sprache aller V�lker auf Barsoom identisch.</p><p>Die Schrift hatte eine andere Entwicklung genommen. Keine zwei Nationen bedienten sich der gleichen Schrift, und oft war sie schon von einer Stadt zu ihrer Nachbarstadt so verschieden, da� der eine B�rger die Schrift der anderen Stadt nicht zu lesen vermochte. Nach sehr langer Zeit gelang es mir dann doch, wenigstens das erste Wort zu entziffern. Es hie� �Mut� und war geschrieben in der Schrift von Marentina.</p><p>Mut! Das war das Wort, das mir der Gelbe W�chter ins Ohr gefl�stert hatte, als ich am Rand der Grube stand.</p><p>Also mu�te die Botschaft von ihm sein, und ich wu�te ja auch, da� er mein Freund war.</p><p>Voll neuer Hoffnung machte ich mich daran, auch die restlichen Schriftzeichen zu entziffern, und das gelang mir schlie�lich auch. Vier Worte waren es:</p><p>�Mut! Folge dem Seil.�</p></section><section><title><p>12. Folge dem Seil!</p></title><p>Was konnte das bedeuten?</p><p>Welchem Seil sollte ich folgen?</p><p>Ach ja, da war doch die Schnur, mit der das P�ckchen heruntergelassen worden war! Ich tappte ein wenig herum und fand sie. Sie hing von oben herunter, und als ich daran zog, entdeckte ich, da� sie irgendwo oben festgemacht war, vielleicht am Rand der Grube. Ich probierte ein wenig herum und fand, da� die Schnur zwar d�nn aber ungeheuer kr�ftig war und leicht das Gewicht einiger M�nner aushaken konnte. Dann machte ich noch eine Entdeckung. Etwa in Kopfh�he war eine zweite Mitteilung angeknotet, und die konnte ich nun viel schneller entziffern.</p><p>�Bring das Seil mit. Jenseits der Knoten liegt Gefahr.�</p><p>Das war alles und offensichtlich sehr eilig formuliert und ein nachtr�glicher Einfall.</p><p>Ich hielt mich nicht damit auf, dar�ber nachzudenken, und obwohl ich den Sinn des Satzes nicht begriff, �jenseits der Knoten liegt Gefahr�, wu�te ich doch, da� das hier ein Fluchtweg war, und je eher ich von dieser M�glichkeit Gebrauch machte, desto wahrscheinlicher war es, da� ich damit die Freiheit gewinnen konnte.</p><p>Eines war sicher: Schlimmer konnte es mir nirgends ergehen als in der Grube des �berflusses.</p><p>Es dauerte jedoch nicht lange, da fand ich heraus, da� ich noch viel �bler dran gewesen w�re, h�tte ich zwei Minuten l�nger in der Grube ausharren m�ssen.</p><p>Ich brauchte nat�rlich in meinem immerhin geschw�chten Zustand eine gewisse Zeit, bis ich den Rand der Grube erreichen konnte. Ich hatte etwa zwanzig Meter zur�ckgelegt, als ich von oben einen L�rm vernahm. Zu meinem Kummer sah ich, da� der Deckel der Grube hoch oben abgenommen wurde, und im hellen Licht des Hofes bemerkte ich eine ganze Anzahl Gelber Krieger.</p><p>War es m�glich, da� ich in eine Falle gelockt wurde? Waren die Mitteilungen gef�lscht oder eine B�swilligkeit?</p><p>Gerade als meine Hoffnung und mein Mut auf ihrem allertiefsten Stand angekommen waren, sah ich zweierlei:</p><p>Das eine war der K�rper eines riesigen, um sich schlagenden und knurrenden Apt, der an der Grubenwand zu mir heruntergelassen wurde, und das andere war eine �ffnung in der Wand des Schachtes, eine �ffnung, in welche das Seil f�hrte und die gr��er war als eines Mannes K�rper.</p><p>Gerade als ich in das dunkle Loch verschwand, kam der Apt an mir vorbei und versuchte mich mit seinen m�chtigen H�nden festzuhalten; er schnappte, knurrte und br�llte auf die erschreckendste Art. Jetzt wu�te ich, welche schauerliche Todesart mir Salensus Oll zugedacht hatte. Erst qu�lte er mich mit Hunger und Durst bis zur Ersch�pfung, und dann veranla�te er, da� dieses furchtbare Tier in mein Gef�ngnis gelassen wurde�� wahrlich eine h�llische Fantasie, die der Jeddak hier entwickelte.</p><p>Und dann scho� ein weiterer Gedanke wie ein Blitz durch meinen Kopf. Neun Tage hatte ich wohl in der Grube gesessen�� neun Tage von den zehn, die vergehen mu�ten, ehe Salensus Oll meine Dejah Thoris zu seiner K�nigin machen konnte. Der Apt soll also vor dem zehnten Tag f�r meinen sicheren Tod sorgen.</p><p>Am liebsten h�tte ich nun schallend gelacht �ber die groteske Logik von Salensus� Tat. Er wollte absolut sicher sein, da� das von ihm angestrebte Ende auch wirklich eintrat, und wenn sie den Apt allein in der Grube fanden, mu�ten sie annehmen, da� er seine Pflicht getan und mich restlos aufgefressen hatte. Kein Verdacht, ich k�nnte doch noch entkommen sein, w�rde dann eine Suche nach mir ausl�sen. Ich wickelte das Seil auf, das mich auf dieser seltsamen Reise geleitet hatte, und suchte nach dem anderen Ende, fand es aber nicht. Nun war mir der Satz klar: �Folge dem Seil�.</p><p>Der Tunnel, durch den ich kroch, war eng und dunkel. Ich hatte einige hundert Meter zur�ckzulegen, als ich pl�tzlich einen Knoten unter meinen Fingern sp�rte. �Jenseits der Knoten liegt Gefahr�, so hatte der zweite Satz gehei�en.</p><p>So vorsichtig wie �berhaupt m�glich kroch ich weiter und kam an eine scharfe Biegung im Tunnel, nach der ich durch eine enge �ffnung in einen gro�en, strahlend hell erleuchteten Raum kam. Der Tunnel war st�ndig leicht angestiegen, und daher nahm ich an, da� der Raum, in dem ich nun stand, entweder im Erdgescho� des Palastes oder unmittelbar darunter liegen mu�te.</p><p>An der Wand, die der Tunnel�ffnung gegen�berlag, waren viele seltsame Instrumente und Ger�te aufgestellt, und im Mittelpunkt des Raumes stand ein gro�er Tisch, an dem zwei M�nner sa�en, die sich ernsthaft miteinander unterhielten.</p><p>Der eine, der sein Gesicht mir zugewandt hatte, war ein Gelber Mann, ein alter, kleiner, ziemlich vertrockneter Herr mit gro�en Augen in einem sehr blassen Gesicht, und an ihm fiel mir besonders auf, da� der Augapfel um die ganze Iris herum gut zu sehen war. Sein Gef�hrte war ein Schwarzer, und niemand brauchte mir zu sagen, da� es nur Thurid sein konnte, denn jenseits der Eisbarriere gab es au�er ihm keinen Erstgeborenen.</p><p>Thurid sprach, als ich so nahe war, da� ich die Stimmen der beiden M�nner h�ren konnte.</p><p>�Solan, hier gibt es �berhaupt kein Risiko, und die Belohnung ist sehr hoch. Du wei�t selbst, wie sehr du Salensus Oll hassest und da� nichts dir gr��eres Vergn�gen bereiten w�rde, als wenn du seinen Lieblingsplan durchkreuzen k�nntest, mit dem er mehr als nur spielt. Jetzt ist sein Lieblingsplan der, die sch�ne Prinzessin von Helium zu heiraten, aber auch ich will sie haben, und mit deiner Hilfe k�nnte ich sie gewinnen.</p><p>Dazu brauchst du nichts anderes zu tun, als nur einen Augenblick aus diesem Raum hinauszugehen, sobald ich dir ein Zeichen dazu gebe. Den Rest werde dann schon ich besorgen. Wenn ich gegangen bin, kommst du wieder herein und legst den gro�en Schalter wieder um, wie er vorher war, dann ist alles wieder so, wie es war, und keiner bemerkt etwas. Ich brauche eine Stunde Vorsprung, um vor dieser h�llischen Macht sicher zu sein, die du hier in dieser versteckten Kammer unter dem Palast deines Herrn kontrollierst. Siehst du, wie leicht das ist�, schlo� er, stand auf, querte den Raum und legte seine Hand auf einen gro�en gl�nzenden Schalthebel, der aus der Wand gegen�ber herausragte, �Nein, nein!� schrie der alte kleine Mann, lief ihm nach und war schrecklich aufgeregt. �Nicht den! Nein, den nicht! Das ist doch der f�r den Sonnenstrahlentank, und wenn du ihn allzu weit nach unten dr�ckst, verbrennt ganz Kadabra, ehe ich ihn wieder an die richtige Stelle r�cken k�nnte. Geh weg! Du wei�t nicht, mit welchen Kr�ften du spielst. Das hier ist der Hebel, den du suchst. Du mu�t dir genau das Symbol merken, das hier in Wei� auf der schwarzen Oberfl�che eingelegt ist.�</p><p>Thurid n�herte sich dem bezeichneten Hebel und musterte ihn.</p><p>�Ah, ein Magnet�, stellte er fest. �Ich werde mir�s merken. Wir sind uns also einig, nicht wahr?�</p><p>Der alte Mann z�gerte. Ein Ausdruck von Gier und Verachtung pr�gte seine nicht allzu sch�nen Z�ge. �Verdopple die Zahl�, antwortete er. �Und sogar der Betrag ist noch viel zu niedrig f�r den Dienst, den ich dir erweisen soll. Ich riskiere mein Leben ja schon allein dadurch, da� ich mich hier in den geheimen R�umen meiner Station mit dir unterhalte. Erf�hre Salensus Oll davon, dann w�rde er mich den Apts vorwerfen, ehe noch der Tag zur Neige geht.�</p><p>�Das wird er nicht wagen, Solan, und das wei�t du auch recht genau�, widersprach ihm der Schwarze. �Deine Macht �ber Leben und Tod des Volkes von Kadabra ist viel zu gro�, als da� Salensus Oll auch nur das Risiko eingehen k�nnte, dir den Tod anzudrohen. Ehe seine Schergen Hand an dich legen k�nnten, brauchst du ja nur den Hebel herunterzudr�cken, den du mir eben gezeigt und vor dem du mich gewarnt hast. Mit einem Druck deiner Hand w�rdest du eine ganze Stadt ausradieren.�</p><p>�Und um meinen Kopf geht es�, sagte Solan und sch�ttelte sich.</p><p>�Wenn du sowieso sterben m��test, h�ttest du auch den Mut, es zu tun�, erwiderte Thurid.</p><p>�Ja�, murmelte Solan. �Oft habe ich schon mit diesem Gedanken gespielt. Nun, Erstgeborener, ist diese Rote Prinzessin �berhaupt den Preis wert, den ich f�r meine Dienste verlange? Oder willst du von hier weggehen und sie morgen abend in den Armen von Salensus Oll wissen?�</p><p>�Nun, Gelber, du sollst das bekommen, was du verlangst. Die H�lfte jetzt, die andere H�lfte dann, wenn du deinen Kontrakt erf�llt hast.�</p><p>Damit und mit einem Fluch warf er einen gut gef�llten Geldbeutel auf den Tisch.</p><p>Solan zog die Schnur des Beutels auf und z�hlte mit zitternden Fingern dessen Inhalt. Seine merkw�rdigen Augen wurden noch gieriger, und sein struppiger Kinn- und Schnurrbart h�pfte bei jeder Mundbewegung mit. Thurid schien die Schw�che dieses kleinen Mannes genau erraten zu haben, denn selbst die Handbewegungen</p><p>- seine Finger sahen wie Klauen aus�� dr�ckten die unendliche Habgier des Alten aus.</p><p>Als Solan das Geld gez�hlt und festgestellt hatte, da� die Summe stimmte, strich er alles wieder in den Beutel und stand auf.</p><p>�Nun, bist du ganz sicher, da� du den Weg zu deinem Ziel kennst?� fragte er. �Du mu�t dich sehr beeilen, um zu der H�hle zu kommen und von dort aus �ber die Gro�e Macht. Und das alles innerhalb einer kurzen Stunde. Mehr kann ich dir nicht zugestehen.�</p><p>�Ich will es wiederholen�, schlug Thurid vor, �damit du siehst, wie genau ich alles wei�.�</p><p>�Dann fang an.�</p><p>�Durch jene T�r�, begann er und deutete auf ein Tor am anderen Ende des gro�en Raumes, �dann folge ich einem Korridor und gehe an drei davon rechts abzweigenden Korridoren vorbei. Im vierten gehe ich solange geradeaus weiter, bis ich dorthin komme, wo drei G�nge aufeinander treffen. Hier folge ich wieder dem rechten, halte mich aber sehr eng an die linke Wand, um nicht in die Grube zu fallen. Am Ende des Korridors komme ich zu einem Spiralgang, auf dem ich nach unten gehe, nicht nach oben. Dann f�hrt der Weg weiter �ber einen Korridor ohne Abzweigungen. Ist das so richtig?�</p><p>�Genau richtig, Dator�, best�tigte Solan. �Und jetzt verschwinde. Du hast das Schicksal schon allzu sehr herausgefordert, da du so lange an diesem verbotenen Ort gewesen bist.�</p><p>�Heute abend oder morgen kannst du also das Signal erwarten�, sagte Thurid und erhob sich, um zu gehen.</p><p>�Heute abend oder morgen�, wiederholte Solan, und als sich die T�r hinter seinem Gast geschlossen hatte, murmelte der alte Mann noch lange vor sich hin. Er wandte sich dem Tisch zu, auf den er wieder den Inhalt des Beutels leerte, und dann w�hlten seine Finger in dem Haufen gl�nzenden Metalls; er machte kleine T�rme aus den M�nzen, z�hlte sie, z�hlte sie noch einmal und streichelte z�rtlich seinen Reichtum. Und dabei murmelte er ununterbrochen.</p><p>Und dann h�rte er auf einmal mit seinem Spiel auf. Die Augen wurden noch gr��er und drohten ihm aus dem Kopf zu fallen, als er zu jener T�r hinschaute, durch die Thurid verschwunden war. Der alte Mann schimpfte streits�chtig vor sich hin, und dann knurrte er b�se. Schlie�lich stand er vom Tisch auf, sch�ttelte seine Faust zur geschlossenen T�r und rief nun so laut, da� ich jedes einzelne Wort klar verstehen konnte: �Du Narr! Du erb�rmlicher Narr! Glaubst du vielleicht, deines Gl�ckes wegen w�rde Solan sein Leben opfern? Wenn du entkommst, dann wei� Salensus Oll, da� du das nur mit meiner Hilfe konntest. Und dann schickt er nach mir. Und was wolltest du von mir? Ich soll die ganze Stadt und mich selbst zu Asche verbrennen? Nein, mein Freund, du elender Narr, es gibt eine viel bessere M�glichkeit�� die n�mlich, da� Solan das Geld hier behalten und sich gleichzeitig an Salensus Oll r�chen kann.� Und dazu lachte er boshaft und keckernd.</p><p>�Du armer Narr! Du kannst ruhig den gro�en Schalter herumwerfen, der dich frei macht von der Luft von Okar. Und dann gehst du mit der Roten Prinzessin in eine tr�gerische Sicherheit�� in die des Todes. Wenn du auf deiner Flucht �ber diesen Raum hinausgekommen bist, was kann Solan davon abhalten, den Schalter wieder so zu stellen, wie er war, ehe deine gemeine Hand in ber�hrt hat? Nichts! Und dann wird der W�chter des Nordens dich und die Frau sehen und melden, und wenn Salensus Oll eure toten Leiber sieht, wird er nicht im Traum daran denken, da� Solan damit etwas zu tun hatte.�</p><p>Schlie�lich murmelte er wieder leise vor sich hin; vieles verstand ich nicht, und andere Dinge lassen sich nicht wiedergeben. Jedenfalls konnte ich mir jetzt eine ganze Menge zusammenreimen, und ich dankte der g�tigen Vorsehung, die mich zur richtigen Zeit in diesen Raum gef�hrt hatte, weil sie so ungeheuer wichtig war f�r Dejah Thoris und mich selbst.</p><p>Aber wie sollte ich nun an dem alten Mann vorbeikommen? Das d�nne Seil war auf dem Boden nahezu unsichtbar, aber es lief quer durch den ganzen Raum bis zu einer T�r an der anderen Seite. Da es keine andere M�glichkeit gab, mu�te ich es wagen, denn der Anweisung �folge dem Seil� mu�te ich ja gehorchen, wenn ich die Freiheit gewinnen wollte. Doch wie sollte ich von dem alten Mann unentdeckt quer durch dieses riesige Zimmer kommen?</p><p>Selbstverst�ndlich h�tte ich ihn anspringen und mit blo�en H�nden f�r immer zum Schweigen bringen k�nnen, aber ich hatte genug mit angeh�rt, um diese M�glichkeit erst gar nicht ins Auge zu fassen. Ich war, ganz im Gegenteil, davon �berzeugt, da� er mir lebend wesentlich mehr n�tzen konnte, denn t�tete ich ihn und trat ein anderer an seine Stelle, dann k�me Thurid ganz gewi� nicht mit Dejah Thoris hierher, wie es doch anscheinend seine Absicht war.</p><p>Da stand ich nun im Schatten des dunklen Tunnelmundes und zermarterte mir das Gehirn nach einem Plan, der sich auch ausf�hren lie�e, und sah dem alten Mann zu�� wie eine Katze, die vor dem Mauseloch auf der Lauer liegt��, wie er den Geldbeutel nahm, zum anderen, entfernten Ende des Raumes ging, niederkniete und an einem Brett der Wandverkleidung herumfummelte.</p><p>Hier hatte er also sein Versteck! Und w�hrend er, den R�cken mir zugewandt, in seinen Reicht�mern w�hlte, schlich ich auf Zehenspitzen quer durch das Zimmer, immer dem Seil nach.</p><p>Drei�ig Schritte waren es etwa, aber in meiner von der Spannung �berzogenen Fantasie schien die Wand Meilen weg zu sein. Doch schlie�lich erreichte ich sie, hatte aber auch nicht f�r einen Moment den R�cken des habgierigen Alten aus den Augen gelassen. Er richtete sich erst auf, als meine Hand auf der T�rklinke lag, und dann drehte er sich sogar von mir weg, als ich durch den T�rspalt schl�pfte und leise wieder zumachte.</p><p>Da blieb ich nun f�r ein paar Augenblicke stehen und atmete erst einmal tief durch. Dann legte ich mein Ohr an die T�rf�llung, um zu erraten, ob er etwas bemerkt hatte, aber es war nichts Verd�chtiges von drinnen zu h�ren, das auf Mi�trauen und Verfolgung h�tte schlie�en lassen. Ich folgte nun weiter dem Seil, das ich im Weitergehen aufwickelte und mitnahm.</p><p>Ein kleines St�ck weiter kam ich zum Ende des Seils, und zwar ausgerechnet an einer Stelle, an der f�nf Korridore gleichzeitig einm�ndeten. Was sollte ich nun tun? Welchen der f�nf G�nge sollte ich w�hlen? Ich war ratlos.</p><p>Eine sorgf�ltige Pr�fung des Seilendes brachte mich zur �berzeugung, da� es mit einem scharfen Instrument abgeschnitten worden war. Diese Tatsache und der Hinweis darauf, da� jenseits <emphasis>der Knoten</emphasis> Gefahr liege, lie� mich annehmen, da� es abgeschnitten worden war, nachdem es mein Freund zu meiner F�hrung ausgelegt hatte. Ich war nur an einem einzigen Knoten vorbeigekommen, w�hrend mein Freund ausdr�cklich im Plural sprach und deshalb zwei oder mehr Knoten dagewesen sein mu�ten.</p><p>Jetzt steckte ich wieder einmal in einer richtigen Klemme. Ich wu�te ja nicht, welchem Gang ich folge sollte oder welche Gefahr meiner wartete. Da ich nicht damit gewann, wenn ich blieb, wo ich war, mu�te ich einem der Korridore folgen.</p><p>Ich w�hlte den mittleren und drang mit einem Gebet auf den Lippen in die dunkle Tiefe vor.</p><p>Der Tunnel stieg sofort ziemlich steil an, und dann endete er abrupt vor einer T�r.</p><p>Durch diese T�r konnte ich nichts h�ren. Schnell entschlossen wie immer stie� ich sie also weit auf und stand in einem Raum, in dem sich viele Gelbe Krieger befanden.</p><p>Der erste, der mich sah, ri� erstaunt die Augen auf, und gleichzeitig sp�rte ich wieder jenes rasche Prickeln an meinem Finger, das mir die Anwesenheit eines Ringfreundes anzeigte.</p><p>Auch andere sahen mich nun, und eine allgemeine Bewegung ging nun durch sie, als wollten sie Hand an mich legen. Die M�nner geh�rten n�mlich alle der Palastwache an, und mein Gesicht war ihnen gut bekannt.</p><p>Der erste, der mich erreichte, war der Ringtr�ger. �Ergib dich mir�, fl�sterte er mir zu und rief dann mit lauter Stimme: �Du bist mein Gefangener, Mann mit der wei�en Haut!� Und dann drohte er mir mit seinen beiden Waffen.</p><p>Und so ergab sich also John Carter, Prinz von Helium, wie ein Schw�chling einem einzigen Gegner. Die anderen bildeten nun einen Kreis um uns, stellten eine Menge Fragen, die ich zu beantworten ablehnte, und schlie�lich erkl�rte mein�� was war er eigentlich? Sieger kann ich ihn ja nicht nennen, und mein Gefangenenw�rter war er ja auch nicht. Jedenfalls erkl�rte der Mann, dem ich mich ergeben hatte, er m�sse mich nun sofort in meine Zelle zur�ckbringen. Ein Offizier stellte noch ein paar weitere Krieger zu unserer Begleitung ab, und dann waren wir auch schon auf dem Weg dorthin, woher ich gekommen war. Mein Freund ging ganz nahe neben mir und stellte eine ganze Menge t�richter Fragen �ber das Land, aus dem ich gekommen sei, bis seine Kameraden gar nicht mehr auf ihn und sein dummes Geplapper h�rten.</p><p>Er hatte anfangs mit lauter Stimme gesprochen, war aber nach und nach immer leiser geworden, so da� es kein Aufsehen erregte, als er schlie�lich mit mir fl�sterte. Das war eine �u�erst geschickte List und bewies, wie wenig sich Talu in der Intelligenz des Mannes und in seiner Eignung f�r die gefahrvolle Aufgabe, die ihm gestellt war, get�uscht hatte.</p><p>Als die anderen �berhaupt nicht mehr zuh�rten und er sich davon �berzeugt hatte, wollte er wissen, weshalb ich nicht dem Seil gefolgt sei, und da erz�hlte ich ihm, da� es an der Stelle, wo die f�nf Korridore zusammenliefen, geendet hatte, und er vermutete, jemand m�sse es wohl abgeschnitten haben, weil er gerade ein St�ck Schnur brauchte, denn �diese dummen Kadabraner w�ren nie darauf gekommen, welchen Zweck dieses Seil hatte�, wie er sagte. Ehe wir die Stelle erreichten, an der die f�nf Korridore sich vereinigten, war es meinem Freund gelungen, zusammen mit mir das Ende der Kolonne zu erreichen, und die anderen waren alle vor uns.</p><p>�Lauf in den ersten Gang rechts hinein�, fl�sterte er mir zu, als wir unmittelbar vor den Korridoren standen. �Er f�hrt zum Wachtturm an der S�dmauer. Ich werde deine Verfolgung im n�chsten Gang aufnehmen. Damit versetzte er mir einen aufmunternden Sto�, der mich ein St�ck in den dunklen Gang hinein bef�rderte, und gleichzeitig tat er einen lauten Schmerzensschrei und warf sich so auf den Boden, als habe ich ihn zusammengeschlagen und sei dann entwischt. Die Stimmen der erregten Palastwachen hallten die Korridore entlang, aber sie wurden sehr schnell schw�cher, als Talus Spion mit ihnen einen falschen Gang in meiner Verfolgung entlang rannte. Und ich rannte im dunklen Gang unter dem Palast von Salensus Oll um mein Leben. Ich mu� ein recht seltsamer Anblick gewesen sein, denn sicher war ich noch recht bla�, weil ja der Tod praktisch noch immer neben mir her lief, aber gleichzeitig lachte ich breit, wenn ich an die Hilfsbereitschaft und den Einfallsreichtum meines namenlosen Freundes dachte, dem ich mein Leben verdankte.</p><p>Ja, das ist der Stoff, aus dem auch die M�nner von meinem geliebten Helium gemacht sind. Wann immer ich einen Mann dieser Art treffe, egal welcher Rasse oder Farbe er ist, dann geht mein Herz ihm entgegen, wie es dies bei meinem neuen, heldenhaften Freund aus Marentina tat, der nur deshalb f�r mich Unbekannten sein eigenes Leben riskierte, weil ich das Gegenst�ck zu seinem Ring am Finger trug, die sein Herrscher und mein prinzlicher Freund uns an die Finger gesteckt hatte.</p><p>Der Korridor, durch den ich rannte, verlief ein langes St�ck ganz gerade und endete am Fu� einer Spiralrampe, die mich in eine runde Kammer im Erdgescho� eines Turmes brachte.</p><p>Hier arbeiteten etwa ein Dutzend Roter M�nner als Sklaven. Sie polierten oder reparierten Waffen der Gelben. An den W�nden standen lange Schwertst�nder f�r gerade und Hakenschwerter, Speere und Dolche. Ich schien also in einem Arsenal gelandet zu sein, und nur drei Krieger bewachten die Sklaven.</p><p>Mit einem Blick �berschaute ich den ganzen Raum. Hier gab es Waffen in H�lle und F�lle! Und hier waren auch kr�ftige, sehnige Rote Krieger, die mit ihnen umzugehen verstanden.</p><p>Und John Carter, Prinz von Helium, brauchte jetzt sowohl Waffen als auch Krieger.</p><p>Als ich den Raum betrat, sahen Sklaven und W�chter gleichzeitig auf. Unmittelbar neben dem Eingang befand sich ein St�nder mit geraden Schwertern, und als sich meine Hand um den Schwertgriff schlo�, der sich fast sofort und von selbst meinen Fingern anbot, fiel mein Blick auf die Gesichter zweier M�nner, die nebeneinander arbeiteten. Einer der W�chter trat mir entgegen. �Wer bist du?� fragte er. �Und was hast du hier zu suchen?�</p><p>�Ich komme um Tardos Mors, Jeddak von Helium, und seinen Sohn Mors Kajak zu holen!� schrie ich und deutete auf die beiden Gefangenen, die sofort aufgesprungen waren und mich aus gro�en, fassungslosen Augen musterten.</p><p>�Erhebt euch, Rote M�nner! Ehe wir sterben, werden wir im Palast des Tyrannen von Okar noch eine Erinnerung zur�cklassen, die f�r ewig in den Annalen von Kadabra zur Ehre und Glorie von Helium stehen wird!�</p><p>Ich hatte n�mlich gesehen, da� alle Gefangenen Angeh�rige von Tardos Mors� Flotte waren.</p><p>Dann waren die ersten W�chter �ber mir, und der Kampf war in sch�nstem Gang, als ich bemerkte, da� alle Roten Sklaven an den Fu�boden gekettet waren.</p></section><section><title><p>13. Der Magnetschalter</p></title><p>Die Wachm�nner gaben nicht im geringsten acht auf die Sklaven, denn die Roten M�nner konnten sich keine zwei Fu� weit von den gro�en Ringen entfernen, an die sie mit kurzen Ketten gefesselt waren, obwohl jeder von ihnen die Waffe in der Hand hielt, an der er gerade gearbeitet hatte; und jedem war anzusehen, da� er nur allzu gerne in den Kampf eingegriffen h�tte.</p><p>Die Gelben wandten ihre ganze Aufmerksamkeit mir zu, und trotzdem mu�ten sie sehr bald erkennen, da� sie zwar zu dritt, aber keineswegs zuviele waren, um das Arsenal gegen John Carter zu verteidigen. Ich wollte, ich h�tte an jenem Tag mein eigenes Langschwert gehabt, das mir so gut in der Hand lag, aber ich glaube, auch mit den mir nicht sehr vertrauten Waffen der Gelben machte ich ihnen das Leben ziemlich schwer.</p><p>Anfangs war es f�r mich nicht ganz einfach, dem Hakenschwert auszuweichen, das die drei schwangen, aber nach ein paar Minuten war es mir gelungen, von einem der St�nder an der Wand ein zweites gerades Schwert herunterzurei�en, und nun f�hlte ich mich hinreichend bewaffnet.</p><p>Die drei drangen nat�rlich sofort auf mich ein, und h�tten sie ein bi�chen mehr Gl�ck gehabt, dann w�re mein Ende recht nahe gewesen. Der vorderste machte einen heftigen Ausfall mit dem Hakenschwert gegen meine Seite, nachdem sie mich fast ganz an die Wand gedr�ngt hatten, aber ich wich seitlich so schnell aus, da� seine Waffe kaum mehr meinen erhobenen Arm streifte, aber mit voller Wucht in einen langen Speerst�nder sauste, und dort verfing sich der Haken. Ehe er ihn aus dem Durcheinander l�sen konnte, hatte ich ihn schon mit meinem Schwert die Brust durchbohrt. Und dann bediente ich mich wieder einmal meiner alten, bew�hrten Taktik. Mit blitzschnellen Hieben und St��en trieb ich sie vor mir her, bis sie an ihre Deckung �berhaupt nicht mehr dachten. Aber da hatte ich sie schon das F�rchten gelehrt.</p><p>Dann begann einer von den beiden um Hilfe zu schreien, doch retten konnte sie das auch nicht mehr.</p><p>Ich konnte mit ihnen jetzt tun, was ich wollte, und ich hetzte sie auch mit weidlichem Vergn�gen im ganzen Arsenal herum; und das wollte ich so lange weitermachen, bis ich sie da hatte, wo ich wollte, in Reichweite der Schwerter der angeketteten Sklaven. Ein paar Momente sp�ter lagen beide tot auf dem Boden.</p><p>Ihr Geschrei war allerdings nicht ganz nutzlos gewesen, denn drau�en h�rte ich die Schritte und Schreie vieler rennender M�nner, das Klirren von Waffen und die Kommandorufe von Offizieren.</p><p>�Die T�r! Schnell, John Carter, verbarrikadiere die T�r!� rief Tardos Mors.</p><p>Schon war der erste Posten in Sicht, der, wie ich durch die offene T�r sah, quer �ber den Hof rannte. Und ihm folgten viele Mann der Palastwache und andere Krieger. In ein paar Sekunden mu�ten sie den Turm erreicht haben. Mit einem einzigen Sprung stand ich beim Portal, und das knallte ich donnernd zu.</p><p>�Der Riegel!� schrie Tardos Mors.</p><p>Ich versuchte den schweren Riegel vorzulegen, aber ich konnte ihn nicht vom Fleck bewegen.</p><p>�Ein bi�chen anheben, damit du die Arretierung des Riegels l�sen kannst!� rief einer der Roten M�nner.</p><p>Die Gelben rannten �ber den Steinboden und kamen immer n�her. Ich hob den Riegel an, und er fiel gerade in dem Augenblick an seinen Platz, als der vorderste Mann sich selbst gegen die T�r warf. Der Riegel hielt! Ich hatte es mit einem Sekundenbruchteil als Vorsprung gerade noch geschafft.</p><p>Jetzt konnte ich mich endlich auch mit den Gefangenen befassen. Zuerst ging ich zu Tardos Mors und fragte ihn nach den Schl�sseln f�r die fesseln, aber der Jeddak von Helium erkl�rte mir, die habe einer von denen bei sich, die hereinzukommen versuchten, und man m�sse eben die Fesseln aufsprengen.</p><p>Ein paar hackten schon mit den Schwertern daran herum, und die Gelben bearbeiteten mit Speeren und �xten die T�r. Auch ich hieb mit meinem Schwert an der Kette herum, die Tardos Mors festhielt, und im gleichen Tempo, wenn auch vervielfacht, hackten die drau�en an der T�r herum.</p><p>Mit einem letzten Schwertstreich brach ich die Kette auf, und Tardos Mors war frei, wenn auch noch ein paar Kettenglieder an seinem Fu�kn�chel hingen.</p><p>Und jetzt bi� auch eine Axt von drau�en einen Holzsplitter aus der T�r. Unter der furchtbaren Wucht der Schl�ge von den �xten und Schwertern der Gelben zitterte sie heftig. Es herrschte ein schrecklicher L�rm, in dem das Klirren der Sklavenketten im Arsenal v�llig unterging. Ich machte mich nun daran, Mors Kajak zu befreien, w�hrend sich Tardos Mors um einen anderen Gefangenen bem�hte. Wir mu�ten uns sehr beeilen, wenn wir alle Fesseln gel�st haben wollten, solange die T�r noch standhielt. Jetzt flog auch schon ein St�ck der T�rf�llung nach innen, und Mors Kajak lief dorthin, um die anst�rmenden Gelben abzuwehren, damit wir die anderen befreien konnten.</p><p>Mit einem von der Wand abgerissenen Speer hielt er die Stellung, bis ihm andere befreite Gefangene zu Hilfe kamen. Schlie�lich waren alle bis auf einen frei, aber gleichzeitig krachte unter der Wucht einer improvisierten Ramme die schwere T�r ein, und die Horden der Gelben waren �ber uns.</p><p>�In die oberen Kammern hinauf!� schrie der noch angekettete Rote. �Nach oben hinauf! Dort k�nntet ihr den Turm gegen ganz Kadabra verteidigen! Haltet euch nicht mit mir auf, denn ich kann mir keinen glorreicheren Tod denken als den im Dienst von Tardos Mors und des Prinzen von Helium.�</p><p>Nat�rlich dachte ich nicht daran, das Leben auch nur eines einzigen Roten zu opfern, am wenigsten das jenes l�wenherzigen Mannes, der uns so sehr anflehte, ihn zu verlassen, damit wir uns in Sicherheit bringen konnten.</p><p>�Schneidet seine Fesseln durch!� rief ich zwei Roten zu. �Wir �brigen halten inzwischen den Feind auf.�</p><p>Damit waren wir zehn, die gegen die Okarianer k�mpften, und ich m�chte schw�ren, da� dieser alte Wachtturm noch kein hitzigeres Gefecht erlebt hatte als das, welches wir der Palastwache lieferten. Die ersten Gelben wichen zur�ck vor den Schwertern der in vielen Kriegen erfahrenen Roten. Mindestens ein Dutzend toter Okarianer blockierten nun die T�r, aber �ber diese grauenhafte Barriere drangen immer weitere Gelbe vor und schrien ihren heiseren, ohrenbet�ubenden Kampfesschrei.</p><p>Es war ein f�rchterliches Handgemenge. Wir konnten mit unseren Schwertern nicht mehr richtig ausholen und stie�en daher zu, ehe uns ein Feind auf mehr als Armesl�nge auf den Leib zu r�cken drohte. Zwischen dem Kriegsgeschrei der Gelben ert�nten die glorreichen Rufe der Roten; �F�r Helium! F�r Helium!� Seit undenklichen Zeiten war es dieser Ruf gewesen, der die Tapfersten der Tapferen im Kampf angespornt hatte, so da� der Ruhm von Heliums Helden sich �ber den ganzen Planeten verbreiten konnte.</p><p>Endlich war auch der letzte Rote Mann frei, und nun waren wir dreizehn, die sich den Soldaten von Salensus Oll entgegenstellten. Kaum einer von uns blutete nicht aus einer ganzen Anzahl von Wunden, aber zum Gl�ck f�r uns war noch keiner gefallen.</p><p>Von drau�en sahen wir Hunderte von Gelben �ber den Hof eilen, und vom unteren Korridor, durch den ich zum Arsenal gekommen war, h�rte man das laute Klirren von Waffen und rauhes M�nnergeschrei.</p><p>Bald wurden wir also nun von zwei Seiten her in die Zange genommen, und da hatten wir dann trotz all unserer Tapferkeit wenig Aussicht mehr, uns behaupten zu k�nnen, denn wir mu�ten unsere Streitkr�fte dann ebenso teilen wie unsere Aufmerksamkeit.</p><p>�In die oberen Kammern!� rief Tardos Mors, und im n�chsten Moment rannten wir auch schon die Spiralrampe nach oben. Der blutige Kampf ging nat�rlich auch hier weiter, denn jene Soldaten, die wir an der T�r in Schach gehalten hatten, dr�ngten nach. Hier verloren wir auch unseren ersten Mann, einen edlen, t�chtigen K�mpfer, den wir au�erordentlich vermi�ten. Aber schlie�lich waren alle nach oben unterwegs, nur ich k�mpfte noch gegen die Okarianer, bis die anderen oben in relativer Sicherheit waren.</p><p>Auf der engen Rampe konnte mich immer nur ein Gegner angreifen, so da� mir die Abwehr nicht allzu schwer wurde, da ich ja nicht sehr lange aushaken mu�te. Ich zog mich ganz allm�hlich und schrittweise k�mpfend nach oben zur�ck.</p><p>Die Palastwache folgte mir nat�rlich auf den Fersen. Fiel einer unter meinem Schwertstreich, war sofort ein anderer zur Stelle, der �ber den Leichnam seines Kameraden wegklettern mu�te. Jeder Fu�breit Boden, den sie gewannen, mu�ten sie mindestens mit einem Toten bezahlen, uns als ich den ger�umigen Wachtturm von Kadabra mit den dicken Glasmauern erreichte, hatte mein Schwert reiche Ernte gehalten.</p><p>Meine Kameraden standen schon bereit, meinen Platz einzunehmen, so da� ich zum Atemholen ein wenig zur Seite treten konnte. Von dieser luftigen H�he aus hatte man nach jeder Richtung hin eine wundervolle, v�llig freie Aussicht. Nach S�den erstreckten sich zerkl�ftete Eisfelder bis zum Rand der Eisbarriere. Im Osten und Westen und auch ganz weit und nebelhaft im Norden erkannte ich weitere St�dte der Okarianer, w�hrend im Vordergrund, unmittelbar vor den Mauern von Kadabra, der d�stere, grimmige Turm aufragte. In den Stra�en von Kadabra herrschte ein schrecklicher Tumult. Dort wogte ein erbitterter Kampf hin und her, und jenseits der Stadtmauern marschierte eine lange Kolonne auf das n�chstliegende Tor zu.</p><p>Ich dr�ckte meine Nase fester an die Glaswand, denn ich traute meinen eigenen Augen nicht. Aber schlie�lich war kein Zweifel mehr m�glich, und mit einem Freudenschrei, der sich recht merkw�rdig zwischen den Kriegsrufen, dem Fluchen, St�hnen und Waffengeklirr ausnahm, rief ich Tardos Mors zu mir.</p><p>Kaum stand er neben mir, als ich in die Stra�en von Kadabra hinunterdeutete und ihm die heranmarschierenden Kolonnen zeigte, �ber denen in der kalten arktischen Luft die Flaggen und Banner von Helium wehten.</p><p>Wenige Augenblicke sp�ter hatte jeder Rote Mann im Turm diesen herzerhebenden Anblick genossen, und ich m�chte schw�ren, da� der uralte Turm von dem Freudenschrei erzitterte, den unsere kleine Truppe ausstie�.</p><p>Aber wir mu�ten unseren Kampf fortsetzen. Wenn auch die Kolonnen von Helium schon in Kadabra einmarschierten, war die Stadt noch weit von einer Kapitulation entfernt, und nicht einmal der Palast war angegriffen, viel weniger besetzt worden. Ein Teil von uns k�mpfte also erbittert weiter, w�hrend ein paar andere immer wieder einen kurzen Blick auf das erhebende Schauspiel werfen durften.</p><p>Dann waren unsere Leute an den Palasttoren. Riesige Kampframmen wurden aufgefahren und gegen die m�chtigen Tore gerichtet. Aber dann wurden die Roten Krieger von der Mauerkrone aus mit Speeren angegriffen.</p><p>Wieder griffen die tapferen Helianer an, doch sie wurden von der �bermacht der Okarianer abgewehrt. Viele M�nner von Helium fielen tapfer k�mpfend unter dem Ansturm einer �berw�ltigenden �bermacht der Verteidiger.</p><p>Dann wurden die Palasttore aufgerissen, und ein gro�er Trupp der Leibgarde des Jeddaks st�rmte heraus. Es war die Bl�te der Armee von Okar, und sie st�rmten voran, um ihre schwer angeschlagenen Regimenter wieder in den Kampf zu f�hren.</p><p>Ein paar Augenblicke lang sah es so aus, als k�nne nichts mehr die Niederlage der Roten Heere aufhalten, aber dann erblickte ich eine edle Gestalt auf einem m�chtigen Thoat; es war nicht das zierliche Thoat der Roten M�nner von Helium, sondern ein Riesentier der K�mpfer von den Gr�nden der Toten Seen.</p><p>Und dieser Krieger haute sich mit seinem Langschwert den Weg nach vorne frei, und hinter ihm ordneten sich die Soldaten von Helium wieder zu einer kampfstarken Formation. Dann hob er den Kopf und schrie denen auf den Mauern eine Herausforderung zu. Nun sah ich auch sein Gesicht, und mein Herz schwoll vor unb�ndigem Stolz und Gl�ck, als die Roten Krieger an die Seite ihres Anf�hrers eilten und den Grund zur�ckgewannen, den sie gerade verloren hatten.</p><p>Das Gesicht des Mannes auf dem Thoat war das meines Sohnes, Carthoris von Helium.</p><p>An seiner Seite k�mpfte ein riesiger Kriegshund; schon der erste Blick sagte mir, da� es nur Wula sein konnte, mein treuer, kluger Wula, der auf ganz bewundernswerte Art die ihm gestellte Aufgabe gel�st hatte. Innerhalb unwahrscheinlich kurzer Zeit hatte er die Legionen nach dem Norden gebracht.</p><p>Noch wu�ten wir nicht, ob die Heere der Roten nicht doch zu sp�t gekommen waren, um etwas zu retten; r�chen konnten sie sich jedoch auf jeden Fall, und ich konnte mir recht gut vorstellen, was diese unbesiegten Soldaten mit den geha�ten Okarianern anstellen w�rden. Ich seufzte, als ich daran dachte, da� ich das vielleicht gar nicht mehr erleben w�rde.</p><p>Die Roten Soldaten hatten die �u�ere Palastmauer noch immer nicht bezwungen, aber sie k�mpften unvergleichlich tapfer gegen die Elite Okars, die jeden Fu�breit ihres Bodens erbittert verteidigte. Aber nun nahm mich wieder das Geschehen an der Stadtmauer gefangen, denn hier begab sich wieder etwas. Eine Truppe riesiger Krieger ritt heran, welche die Roten M�nner ein ganzes St�ck �berragten. Es waren die gr�nen Alliierten von Helium, die wilden Horden von den Gr�nden der Toten Seen weit im S�den.</p><p>In grimmigem Schweigen rasten sie auf das Tor zu, aber die breiten, weichen Tatzen ihrer Reittiere machten nicht den geringsten L�rm Sie rasten in die Stadt herein, quer �ber den weiten Platz vor dem Palast des Jeddaks der Jeddaks, und sofort erkannte ich nun an der Spitze dieser riesigen Krieger ihren Anf�hrer, meinen Freund Tars Tarkas, Jeddak von Thark.</p><p>Mein sehnlicher Wunsch war also in Erf�llung gegangen. Wie lange hatte ich mir schon gew�nscht, wieder einmal Seite an Seite mit meinem �ltesten Freund k�mpfen zu d�rfen! Nur wurde es vorl�ufig kein Kampf Seite an Seite, aber ich k�mpfte hier im hohen Turm von Okar f�r dieselbe Sache wie er.</p><p>Es sah gar nicht so aus, als w�rden unsere Feinde auch nur im geringsten daran denken, den Kampf einzustellen. Immer neue K�mpfer drangen in den Turm ein, und der Raum, in dem wir uns befanden, war oft mit mehr Toten als Lebenden angef�llt. Manchmal legten sie eine kurze Pause ein, um ihre Toten wegzuziehen und damit frische Krieger heranst�rmen konnten, um den Trank des Todes zu kosten. Ich hatte wieder einmal Mors Kajak beim Kampf abgel�st, damit er den Kampf in den Stra�en unter uns beobachten konnte. Pl�tzlich tat er einen lauten Schrei, in dem ich einen Unterton der Sorge h�rte. Sofort lief ich zu ihm, und er deutete weit hinaus zum s�dlichen Horizont.</p><p>�Alas! Da� ich gezwungen sein k�nnte, ein grausames Schicksal mit anzusehen, ohne ihnen zu Hilfe eilen oder wenigstens warnen zu k�nnen!� rief er.</p><p>Ich sah in die angegebene Richtung und erkannte den Grund seiner Sorge. Eine m�chtige Flotte von gro�en Schiffen und kleineren Fliegern n�herte sich Kadabra. Es war ein majest�tischer Anblick. Sie kamen mit betr�chtlicher, immer gr��er werdender Geschwindigkeit von der Eisbarriere heran.</p><p>�Dieser schreckliche Turm, den sie den W�chter des Nordens nennen, winkt sie zu sich�, erkl�rte Mors Kajak traurig. �Genauso hat er Tardos Mors und seiner gro�en Flotte gewinkt. Sieh, wie sie dort liegen, die zerschmetterten Schiffe, ein schauerliches Monument der zerst�rerischen Kraft, der nichts und niemand widerstehen kann.�</p><p>Ich sah sie ja auch, diese zahllosen Wracks, aber auch noch etwas anderes, das Mors Kajak nicht sah. Ich kannte ja diesen unterirdischen Raum, an dessen W�nden zahllose fremdartige Ger�te und Instrumente waren.</p><p>Im Mittelpunkt dieses Raumes stand ein langer Tisch, und davor sa� ein kleiner, alter Mann mit vor Habsucht vorquellenden Augen, der Geld z�hlte; aber�� und das war viel wichtiger�� ich wu�te auch von dem Magnetschalter, und ich kannte den schwarzen Griff mit dem eingelegten kleinen wei�en Magneten.</p><p>Die Flotte drau�en n�herte sich sehr schnell. In f�nf Minuten mu�te diese wundervolle, m�chtige Armada als wertloser Schrott zu F��en des schwarzen Turmes jenseits der Stadtmauer liegen und aus einem Tor w�rden Gelbe Horden st�rmen, um die wenigen �berlebenden zu Sklaven zu machen, die sich benommen aus den Wracks herausarbeiteten. Und f�r die, welche das nicht mehr konnten, w�rden dann die furchtbaren Apts kommen. Mich schauderte bei diesem Gedanken, denn ich konnte mir die entsetzliche Szene nur allzu gut vorstellen.</p><p>Schon von jeher war ich in Entscheidung und Tat sehr rasch gewesen. Der Impuls, der mich antreibt, ist zugleich auch die Tat, denn wenn mein Verstand logisch zu denken beginnt, werden sofort auch die dazugeh�rigen Taten ausgel�st. Das mu� irgendwie im Unterbewu�tsein geschehen, denn objektiv ist mir das nicht bewu�t. Psychologen sagten mir immer wieder, da� eine allzu genaue Erforschung meiner mentalen Aktivit�t vielleicht alles andere als schmeichelhaft sei, denn das Unterbewu�tsein kenne keine Vernunft. Mag das nun sein, wie es will, durch eine sofortige Tat erzielte ich schon h�ufig einen durchschlagenden Erfolg, w�hrend allzu genaue Denker die vielen F�r und Wider allzu lange gegeneinander abwogen.</p><p>In diesem Fall war die Schnelligkeit der Tat wichtiger als alles andere. Ich griff fester um mein Schwert und rief meinen Kameraden an der Spiralrampe zu, sie sollten mir den Weg freihalten.</p><p>�Weg frei f�r den Prinzen von Helium!� schrie ich, und ehe die Gelben, deren Mi�geschick es war, an jener Stelle zu k�mpfen, noch wu�ten, wie ihnen geschah, hatte mein Schwert schon einen Kopf abgeschlagen und ein Herz durchbohrt. Wie ein w�tender Bulle raste ich hinunter.</p><p>�Weg frei f�r den Prinzen von Helium!� schrie ich, als ich die verbl�fften Garden von Salensus Oll buchst�blich �berrannte. Ich hieb nach links und rechts, bis die letzten unten am Fu� der Spiralrampe der Meinung waren, eine ganze Armee rase herunter und Hals �ber Kopf flohen.</p><p>Das Arsenal im Erdgescho� des Turms war ganz leer und verlassen denn die Okarianer waren l�ngst in den Hof geflohen, und so sah also keiner, da� ich den Spiralweg zum darunterliegenden Gescho� weiterrannte.</p><p>Ich lief so schnell wie meine Beine mich trugen den Korridor entlang zu jener Stelle, wo die f�nf Korridore abzweigten und w�hlte den Gang, der zum Raum des alten habgierigen Mannes f�hrte. Ich schenkte mir die Formalit�t des Anklopfens und st�rmte hinein. Am Tisch sa� der alte Mann; als er mich sah, sprang er auf und zog sein Schwert.</p><p>Ich warf ihm nur einen fl�chtigen Blick zu und rannte zum Schalter; so schnell ich auch war, der alte Mann war vor mir dort. Wie er das gemacht hatte, kann ich nicht sagen, denn kein auf dem Mars heimisches Lebewesen kann sich mit jener wundervollen Geschwindigkeit bewegen, die ein Vorteil meiner irdischen Muskeln ist. Wie ein Tiger fauchte er mich an, und ich verstand recht gut, weshalb man ausgerechnet Solan f�r diese wichtige Aufgabe ausgew�hlt hatte.</p><p>Nie im Leben ist mir ein solcher Schwertk�mpfer begegnet, und eine solche Beweglichkeit, wie sie der greise Knochensack zeigte, war mir unbegreiflich. Er war gleichzeitig an vierzig Stellen, und ehe ich noch eine M�glichkeit gefunden hatte, mich auf ihn als Gefahr einzustellen, hatte er schon einen Affen aus mir gemacht, fast schon einen toten Affen.</p><p>Es ist doch immer recht merkw�rdig, wie �berraschende Bedingungen F�higkeiten mobilisieren, die man gar nicht zu haben glaubte. An jenem Tag erfuhr ich n�mlich, was Schwertkampf hei�t und welche Meisterschaft ich erreichen konnte, wenn ich gegen einen so alten, ausgekochten Zauberer der Klinge wie Solan anzutreten hatte. Fast schien es, als k�nne er mich besiegen, aber dann wurden auch in mir eine Menge M�glichkeiten lebendig, die vorher geschlafen zu haben schienen. Ich focht, wie ich nie geglaubt h�tte, da� ein menschliches Wesen fechten kann. Da� dieses k�nigliche Duell ausgerechnet in einem Kellerraum gek�mpft wurde, tat mir schrecklich leid, denn gerade dieser Kampf h�tte eine gro�e Zuschauermenge von Kennern verdient, die ihn zu w�rdigen verstanden h�tten. Aber so geht es doch h�ufig und anscheinend auf allen Welten die gr��ten, wunderbarsten Leistungen werden selten in angemessener Umgebung vollbracht. Und dabei w�re doch ein solches Ereignis auf Barsoom, dem Planeten blutigster K�mpfe, am fachkundigsten bewundert worden.</p><p>Ich k�mpfte also, um den Schalter zu erreichen, Solan, um dies zu verh�ten. Obwohl wir kaum mehr als einen Meter davon entfernt k�mpften, kam ich keinen Fingerbreit vorw�rts; er konnte mich aber ebenso wenig zur�ckdr�ngen, wenigstens nicht w�hrend der ersten f�nf Minuten des Kampfes.</p><p>Dabei wu�te ich aber genau, da� ich in den n�chsten Sekunden diesen Schalter umgelegt haben mu�te, wenn ich die Flotte von der Vernichtung retten wollte. Ich griff also wieder einmal auf eine alte Taktik zur�ck und st�rmte voran; ebenso gut h�tte ich gegen eine dicke, solide Ziegelwand st�rmen k�nnen, so stur hielt Solan seinen Grund.</p><p>Einmal war ich sogar nahe daran, von ihm aufgespie�t zu werden, doch das Recht war schlie�lich auf meiner Seite, und ich glaube noch immer, da� dieses Bewu�tsein einem Mann ein ungeheures Selbstvertrauen verleiht, jedenfalls ein viel gr��eres als wenn man wei�, da� man f�r eine ungerechte Sache k�mpft.</p><p>Als ich das n�chste Mal gegen Solan anrannte, tat ich das mit neu aufpoliertem Selbstvertrauen, und jetzt blieb ihm nichts anderes mehr �brig, als sich meiner Taktik unterzuordnen. Das hatte zur Folge, da� ich innerhalb weniger Sekunden in Reichweite des Schalters kam. Wenn ich nun auf die Deckung meines Schwertes verzichtete und meine Brust seinem Schwert darbot, dann beschwor ich einen raschen Tod herauf; ich sah jedoch keine andere M�glichkeit und mu�te es wagen, weil ich nur so die heranrasende Flotte zu retten vermochte. Ich verrenkte mich also ziemlich und stie� mit meiner Schwertspitze so gegen den Schalter, da� er aus seiner bisherigen Stellung gerissen wurde.</p><p>So erstaunt und entsetzt war Solan dar�ber, da� er verga�, den t�dlichen Sto� gegen meine Brust zu f�hren und laut schreiend den Schalter wieder in die alte Stellung zur�ckzudrehen versuchte; doch er hatte noch nicht einmal die Hand richtig danach ausgestreckt, als ihm schon meine Schwertspitze das Herz durchbohrte.</p></section><section><title><p>14. Die Wogen des Kampfes</p></title><p>Aber Solans letzter lauter Schrei war nicht ganz zwecklos gewesen. Einen Moment sp�ter barst eine Gruppe von mindestens zehn Mann Palastwachen in den Raum. Es war mir gerade noch gelungen, den Schalter soweit zu verderben, da� man ihn nicht so ohne weiteres mehr in die alte Stellung zur�ckdrehen konnte. Der Magnet der Zerst�rung war also mindestens f�r einige Zeit unwirksam gemacht. Die Ankunft der Palastwachen hatte mich gezwungen, mich im erstbesten Korridor zu verstecken, den ich erreichen konnte, aber leider war es keiner von denen, die ich schon kannte.</p><p>Die Soldaten mu�ten geh�rt oder gesehen haben, wohin ich verschwunden war, denn ich war erst ein kurzes St�ck weitergekommen, als ich Verfolger hinter mir h�rte. Ich hatte keine Lust, mich mit einem Kampf gegen diese M�nner aufhalten zu lassen, da doch �berall in der ganzen Stadt Kadabra K�mpfe stattfanden, mit denen f�r meine Leute und mich viel mehr erreicht werden k�nnte, als mit dem nutzlosen Abschlachten dieser M�nner in einem Korridor unter dem Palast.</p><p>Sie kamen mir aber immer n�her und kannten ja auch den Weg. Bald mu�ten sie mich also einholen, au�er ich fand einen Platz, an dem ich mich verstecken konnte, bis sie vor�ber waren. Dann konnte ich auf dem k�rzesten Weg entweder zum Turm zur�ckkehren, oder auch einen Ausgang zur Stadt finden.</p><p>Der Korridor war sehr steil angestiegen, verlief aber nun eben, gerade und hell erleuchtet soweit ich sehen konnte. Sobald meine Verfolger dieses gerade St�ck erreichten, sahen sie mich ja, und ich hatte keine Aussicht mehr, ihnen unentdeckt zu entkommen.</p><p>Zum Gl�ck entdeckte ich eine ganze Reihe von T�ren, die an beiden Korridorseiten lagen, und alle sahen gleich aus. Ich versuchte es mit der ersten T�r, durch die ich in ein kleines, sehr luxuri�s eingerichtetes Zimmer kam; es schien das Vorzimmer eines Audienzsaales oder eines anderen offiziellen Raumes zu sein.</p><p>Dieser T�r gegen�ber war eine andere T�r, an der schwere Vorh�nge hingen. Dahinter vernahm ich das Summen von Stimmen. Ich huschte sofort hin�ber, schob die Vorh�nge auseinander und schaute in einen gro�en Raum hinein.</p><p>Etwa f�nfzig pr�chtig gekleidete Edelm�nner und Hofleute standen vor dem Thron, auf dem Salensus Oll sa�. Der Jeddak der Jeddaks sprach zu den Edelleuten:</p><p>�Die Stunde ist nun gekommen, und wenn auch die Feinde in den Mauern Okars sind, so wird doch nichts und niemand Salensus Oll daran hindern k�nnen, seinen Willen durchzusetzen. Die gro�e Zeremonie mu� entfallen, damit nicht ein Mann unn�tig der Verteidigung entzogen wird. Nur die f�nfzig Edelleute, welche von unseren Gebr�uchen vorgeschrieben sind, werden Zeugen sein daf�r, da� Okar eine neue K�nigin erh�lt.</p><p>Diese kleine Zeremonie wird uns nicht lange aufhalten, so da� wir in den Kampf zur�ckkehren k�nnen. Sie, die jetzt noch die Prinzessin von Helium ist, wird dann vom Turm der K�nigin herabschauen und Zeugin der Niederlage ihrer fr�heren Landsleute werden. Dann wird sie erst die Gr��e ihres Gatten erkennen.�</p><p>Nun wandte er sich an einen H�fling, dem er etwas zufl�sterte. Der Mann eilte zu einem kleinen Tor am entgegengesetzten Ende des Raumes und �ffnete es weit. �Weg frei f�r Dejah Thoris, die k�nftige K�nigin von Okar!� rief er laut.</p><p>Zwei Mann der Leibgarde erschienen, welche die unfreiwillige Braut zum Altar zerrten. Ihre H�nde waren ihr noch am R�cken gefesselt, damit sie keinen Selbstmordversuch unternehmen konnte. Ihr Haar war ungeordnet und ihr Busen wogte. Offensichtlich hatte sie sich trotz der Fesselung erbittert zur Wehr gesetzt.</p><p>Als Salensus Oll sie sah, stand er auf und zog sein Schwert. Die Schwerter der f�nfzig Edelleute flogen aus den Scheiden und formten einen Bogen, unter dem die arme, sch�ne Dejah Thoris in ihr Verh�ngnis gezerrt wurde.</p><p>Ein grimmiges L�cheln umspielte meine Lippen, als ich an das rauhe Erwachen dachte, das dem Herrscher von Okar bevorstand, und es juckten mir die Finger, die um den Knauf meines Schwertes lagen. Die Prozession bewegte sich langsam dem Thron entgegen. Sie bestand nur aus ein paar Priestern, die Dejah Thoris und den beiden Leibw�chtern folgten. Ich bemerkte auch fl�chtig ein schwarzes Gesicht, das zwischen den Portieren durchsp�hte, welche die Wand hinter der Estrade schm�ckten, auf der Salensus Oll seine Braut erwartete.</p><p>Die Leibw�chter zerrten nun die Prinzessin von Helium die wenigen Stufen zur Estrade hinauf und hielten sie neben dem Tyrannen von Okar fest. Ich sah nat�rlich nur noch meine geliebte Dejah Thoris und sonst nichts mehr. Ein Priester �ffnete ein Buch, hob eine Hand und begann den Singsang eines Rituals. Salensus Oll griff nach der Hand seiner Braut.</p><p>Ich hatte erst beabsichtigt, solange zu warten, bis mir die Umst�nde ein erfolgreiches Eingreifen erm�glichten, denn auch dann, wenn die Zeremonie vollendet wurde, hatte sie keine G�ltigkeit, solange ich lebte. Was mir am meisten am Herzen lag, war selbstverst�ndlich Dejah Thoris� Rettung, und ich wollte sie, falls irgendwie m�glich, aus dem Palast von Salensus Oll wegbringen. Im Grund war es unwichtig, ob dies vor oder nach der ja doch ung�ltigen Zeremonie geschah. Als ich jedoch sah, da� Salensus Oll seine lasterhafte Hand nach meiner geliebten Prinzessin ausstreckte, konnte ich mich nicht mehr zur�ckhalten. Ehe die Edlen von Okar auch nur ahnten, was geschah, sprang ich schon mit einem gro�en Satz auf die Estrade vor Dejah Thoris und Salensus Oll.</p><p>Mit dem flachen Schwert schlug ich seine brutale Hand weg, packte Dejah Thoris um die Taille und schwang sie hinter mich. Ich stand nun mit dem R�cken zu den Portieren der Estrade und hatte vor mir den Tyrannen des Nordens und seine edlen Krieger.</p><p>Der Jeddak der Jeddaks war ein Berg von einem Mann, ein h��licher, dicker, brutaler Kerl, und er stand wie ein Turm vor mir. Sein schwarzer Schnurrbart str�ubte sich vor Wut, und ich kann mir recht gut vorstellen, da� ein weniger erfahrener Krieger als ich vor ihm zitterte.</p><p>Knurrend sprang er mir mit dem gezogenen Schwert entgegen, aber ich konnte nie herauskriegen, ob Salensus Oll ein t�chtiger Schwertk�mpfer war oder nicht, denn mit Dejah Thoris hinter meinem R�cken war ich kein Mensch mehr, sondern ein Supermensch, und da h�tte mir keiner mehr widerstehen k�nnen.</p><p>�F�r die Prinzessin von Helium!� rief ich und stie� meine Klinge kraftvoll durch das verrottete Herz von Okars verrottetem Herrscher, und vor den Augen seiner erbla�ten Edlen rollte Salensus Oll, im Tod schauerlich grinsend, die Stufen hinunter, die von seinem Hochzeitsthron auf der Estrade in den Saal f�hrten.</p><p>Gespanntes Schweigen herrschte im Hochzeitsraum. Dann drangen die f�nfzig Edelleute auf mich ein. Es war ein furioser Kampf, aber der Vorteil war auf meiner Seite. Ich stand ja oben auf der Estrade und focht f�r die gro�artigste Frau aus einer glorreichen Rasse, und ich k�mpfte um eine gro�e Liebe und die Mutter meines Sohnes. Hinter meiner Schulter vernahm ich die silberne Stimme meiner Liebsten; sie sang die ruhmreiche Hymne von Helium, welche die Frauen singen, wenn ihre M�nner ausziehen, um zu siegen. Das allein gen�gte, um meinen Siegeswillen anzufeuern, und w�re die �bermacht der anderen noch gr��er gewesen, als sie schon war! Ich bin ganz ehrlich davon �berzeugt, da� ich diesen ganzen Hochzeitsraum voll Gelber Krieger an jenem Tag ganz allein besiegt und erledigt h�tte, w�re nicht etwas f�r mich Hilfreiches geschehen. Immer wieder sprang einer der Edlen aus Salensus Olls Gefolge die Stufen zur Estrade hinauf, und der Kampf war heftig und erbittert. Aber immer fiel er wieder zur�ck, getroffen von einem Schwert, das seit dem Duell mit Solan Zauberkr�fte zu haben schien. Zwei dr�ngten sich so nahe an mich heran, da� ich mich kaum zu r�hren vermochte. Da h�rte ich eine Bewegung hinter mir, und nun bemerkte ich auch, da� die Hymne von Helium nicht mehr gesungen wurde. Machte sich Dejah Thoris bereit, neben mir zu k�mpfen? Heroische Tochter einer heroischen Welt! Es s�he ihr tats�chlich �hnlich, wenn sie ein Schwert nahm und an meiner Seite k�mpfte. Wenn auch die Frauen vom Mars nicht in den Kriegsk�nsten unterwiesen und geschult werden, so ist ihnen der Kampfgeist doch angeboren, und man wei� von zahllosen Gelegenheiten, bei denen Frauen unerschrocken neben ihren M�nnern gek�mpft haben.</p><p>Sie kam jedoch nicht, und ich war froh dar�ber, denn ich h�tte sie ja besch�tzen und gleichzeitig gegen eine �bermacht fechten m�ssen. Es w�re mir ja doch nichts anderes �brig geblieben, als sie aus der Kampfzone zur�ckzuschicken. Ich dachte, sie plante wohl etwas ganz besonders Schlagkr�ftiges und k�mpfte also weiter in dem sicheren Bewu�tsein, da� meine geliebte Prinzessin hinter mir stand. Mindestens eine halbe Stunde mu� ich so gek�mpft haben, und noch immer war es keinem gelungen, auch nur einen Fu� auf die Estrade zu setzen, auf der ich stand. Aber dann formten sich die M�nner unter mir zu einer letzten, verzweifelten Attacke. Als sie jedoch begannen, auf mich einzudringen, wurde die T�r am anderen Ende aufgerissen, und ein vor Schreck verst�rter Bote rannte herein.</p><p>�Der Jeddak der Jeddaks!�schrie er. �Wo ist der Jeddak der Jeddaks? Die Stadt ist gefallen unter dem Ansturm der Horden von jenseits der Barriere, und jetzt ist auch das gro�e Palasttor gest�rmt worden, so da� die Krieger des S�dens in die geheiligten R�ume eindringen. Wo ist Salensus Oll? Er allein kann den schwindenden Mut unserer Krieger wieder anfeuern. Er allein kann uns und Okar retten. Wo ist Salensus Oll?�</p><p>Die Edlen traten von der Leiche ihres Herrschers zur�ck, und einer von ihnen deutete auf das im Tod noch grinsende Gesicht. Der Bote taumelte vor Entsetzen zur�ck, als habe ihm jemand einen Schlag ins Gesicht versetzt.</p><p>�Dann flieht, Edle von Okar!� rief er. �Denn nichts kann euch mehr retten! Ha! Sie kommen!�</p><p>W�hrend er noch sprach, vernahmen wir schon das tiefe R�hren vieler zorniger Stimmen auf dem Korridor, dann das Klirren von Metall und von Schwertern.</p><p>Ohne mich, den Zuschauer dieses traurigen Schauspiels, noch einmal anzuschauen, wirbelten die Edlen herum und flohen durch einen anderen Ausgang.</p><p>Fast im selben Moment erschien eine Truppe Gelber Krieger aus dem Korridor, durch den der Bote gekommen war. Sie zogen sich k�mpfend in das Hochzeitsgemach zur�ck und leisteten einer Handvoll Roter Krieger erbitterten Widerstand, die sie langsam aber unaufhaltsam weitertrieben.</p><p>Von meinem erh�hten Platz auf der Estrade hatte ich einen recht guten �berblick. Sofort erkannte ich meinen alten Freund Kantos Kan. Er f�hrte den kleinen Trupp an, der sich bis ins Herz des Palastes von Salensus Oll durchgek�mpft hatte.</p><p>Sofort wurde ich mir dar�ber klar, da� ich jetzt die Okarianer nur von hinten anzugreifen brauchte, um sie v�llig zu verwirren, so da� sie ihren Widerstand recht schnell aufgeben m��ten. Mit diesem Gedanken sprang ich von der Estrade herunter, warf ein Wort der Erkl�rung f�r Dejah Thoris �ber die Schulter, schaute mich aber nicht um.</p><p>F�r sie, die nun allein neben dem Thron stand, gab es keine Gefahr mehr, denn zwischen ihr und dem Feind stand ich, und Kantos Kan gewann mit seinem H�uflein Getreuer schnell an Boden.</p><p>Ich wollte, da� mich die M�nner von Helium sahen und da� sie auch wu�ten, da� die Prinzessin Dejah Thoris hier war. Ich wu�te ja, da� diese Gewi�heit sie zu den unwahrscheinlichsten Taten anfeuern w�rde, obwohl es schon unwahrscheinlich genug war, da� diese paar Leute in das Herz des uneinnehmbaren Palastes des Tyrannen des Nordens vorgedrungen waren.</p><p>Ich querte den Raum, um die Kadabraner von r�ckw�rts anzugreifen. Da ging links von mir eine T�r auf, und unter ihr erschienen Matai Shang, der Vater der Therns und Phaidor, seine Tochter, die in das Hochzeitsgemach hereinsp�hten.</p><p>Sie taten nur einen schnellen Blick. Entsetzt sahen sie den Leichnam von Salensus Oll, dessen Blut den Boden rot gef�rbt hatte, und sie sahen auch die zahlreichen Leichen der Edlen, die im Kampf mit mir gefallen waren, und dann beobachteten sie ein paar Augenblicke lang den Kampf, der an der anderen T�r sich abspielte.</p><p>Sie versuchten nicht einmal den Saal zu betreten, sondern schauten nur schnell in alle Ecken. Pl�tzlich ver�nderte sich die Miene von Matai Shang zu einer Maske kalter Wut, und Phaidors Lippen umspielte ein kaltes, sp�ttisches L�cheln.</p><p>Dann waren sie wieder verschwunden, aber ich h�rte noch, wie Phaidor h�hnisch lachte.</p><p>Den Grund von Matai Shangs Wut oder Phaidors h�hnischer Freunde begriff ich nicht, nur das eine wu�te ich, da� beides nichts Gutes f�r mich zu bedeuten hatte.</p><p>Im n�chsten Augenblick hockte ich schon auf den R�cken der Gelben M�nner, und als die Roten M�nner von Helium mich �ber den Schultern ihrer Feinde sahen, ert�nte ein gewaltiger Kampfschrei, in dem jeder andere L�rm unterging.</p><p>�F�r den Prinzen von Helium!� schrien sie. Und wie hungrige L�wen �ber ihre Beute herfallen, so fielen sie voll neugest�rkter Kampfeslust �ber die nun allm�hlich schw�cher werdenden Krieger des Nordens her.</p><p>Die Gelben standen nun zwischen zwei Feinden und k�mpften mit der Verzweiflung der Hoffnungslosen. An ihrer Stelle h�tte ich ebenso gek�mpft, wenn auch nur aus dem Grund, da� ich m�glichst viele Feinde mitnehmen wollte, wenn ich selbst schon sterben m��te. Es war ein glorreicher Kampf, eine richtige Schlacht im Kleinformat. Der Ausgang schien ganz eindeutig festzustehen, als pl�tzlich aus dem Korridor hinter den Roten Kriegern eine gro�e Formation Gelber heranst�rmte.</p><p>Jetzt wendete sich das Blatt, und die M�nner von Helium schienen jene zu sein, die zwischen zwei M�hlsteine geraten waren. Sie mu�ten sich jetzt den weit �berlegenen Angreifern zuwenden, so da� ich mich den Resten der Gelben im Hochzeitsraum nun allein gegen�ber sah.</p><p>Ich hatte alle H�nde voll zu tun, und ich machte mir schon ernsthaft Gedanken dar�ber, ob ich sie wirklich alle erledigen k�nnte. Langsam dr�ckten sie mich immer weiter in den Raum hinein, und dann schlo� und verriegelte einer die T�r; aber damit hatten sie auch Kantos Kan und seine M�nner ausgeschlossen.</p><p>Das war ein raffinierter Schachzug, denn nun war ich der Gnade von einem Dutzend Verzweifelter und W�tender ausgeliefert; ich konnte von nirgends her Hilfe erwarten, aber auch meine Freunde hatten keine Fluchtm�glichkeit, falls die neuen Gegner allzu �berm�chtig waren.</p><p>Ich habe aber schon viel schwierigere Situationen erfolgreich durchgestanden als an jenem Tag, und ich wu�te auch, da� Kantos Kan sich mit seinem H�uflein M�nner durch hundert gef�hrliche Fallen und mehr gek�mpft hatte. Deshalb kam es mir gar nicht in den Sinn, verzweifelt zu sein.</p><p>Nur an Dejah Thoris mu�te ich immer wieder denken, und ich sehnte mich nach der Minute, da der Kampf zu Ende war und ich sie nach so langer Zeit wieder einmal in die Arme schlie�en konnte. Und dann w�rde sie mir jene Liebesworte zufl�stern, die ich so viele Jahre hatte entbehren m�ssen.</p><p>W�hrend des Kampfes hatte ich nicht einmal f�r einen fl�chtigen Blick dorthin Zeit gehabt, wo ich sie vermutete. Ich wunderte mich allerdings dar�ber, da� sie mich nicht mehr anfeuerte und da� sie auch die Hymne von Helium nicht mehr sang. Mir gen�gte allerdings das Wissen, f�r sie zu k�mpfen, denn das mobilisierte meine besten Kr�fte.</p><p>Es w�re sehr erm�dend, alle Einzelheiten dieser blutigen Schlacht zu schildern, wie wir uns durch die ganze L�nge des Saales k�mpften, bis endlich zu F��en des Thrones mein Schwert das Herz des letzten Gegners durchbohrte.</p><p>Mit einem Freudenschrei drehte ich mich um, streckte die Arme aus und wollte meine Prinzessin an meine Brust dr�cken, meine Lippen auf die ihren pressen und von ihr den s��en Lohn f�r die beschwerlichen Abenteuer empfangen, die ich allein ihretwegen bestanden hatte, als ich ihr vom S�d- zum Nordpol folgte.</p><p>Aber der Freudenschrei erstarb auf meinen Lippen, und meine Arme fielen schlaff und wie lahm herunter. Wie einer, der unter der B�rde der Sterblichen zusammenbricht, taumelte ich die Stufen zum Thron hinauf.</p><p>Dejah Thoris war verschwunden.</p></section><section><title><p>15. Der Lohn</p></title><p>Etwas versp�tet fiel mir nun ein, da� ich ja ganz fl�chtig ein schwarzes Gesicht gesehen hatte, das zwischen den Portieren hinter dem Thron von Salensus Oll herausgesp�ht hatte.</p><p>Warum hatte mich dieses �ble Gesicht nicht zu gr��erer Vorsicht gewarnt? Warum hatte ich mich w�hrend der�� zugegeben�� st�rmischen Entwicklung der Dinge nicht um diese drohende Gefahr gek�mmert? Es war m��ig, jetzt reuige �berlegungen anzustellen, denn damit konnte ich dieses neue Problem nicht l�sen. Wieder einmal war Dejah Thoris in die Klauen ihres Erzfeindes Thurid gefallen, in die des �blen schwarzen Prinzen der Erstgeborenen. Meine ganze m�hsame Arbeit, alle K�mpfe waren umsonst gewesen. Und jetzt wu�te ich auch, was der Ausdruck sinnloser Wut im Geten hatten.</p><p>Sie hatten die Wahrheit gekannt oder mindestens vermutet, und der Hektor der Heiligen Therns, der ja meine Prinzessin f�r sich selbst haben wollte, war in das Hochzeitsgemach gekommen, um Salensus Oll vermutlich an der, wie er sich selbst vorsagte, blasphemischen Perfidie gegen den Hohenpriester zu hindern. Und bei dieser Gelegenheit hatte er festgestellt, da� Thurid ihm den Preis vor der Nase weggestohlen hatte.</p><p>Phaidors Vergn�gen bestand darin, da� sie den grausamen Schlag gegen mich geno�, und darin fand auch ihr eifers�chtiger Ha� auf die Prinzessin von Helium Genugtuung.</p><p>Mein erster Gedanke war der, hinter die Wandverkleidungen und Portieren der Estrade zu schauen, denn dort hatte ich Thurid gesehen. Ich ri� die kostbaren Wandgeh�nge von ihren Befestigungen, und nun sah ich dahinter eine schmale T�r.</p><p>Hier mu�te Thurid mit seiner Beute entkommen sein, denn hier fand ich auch ein winziges, juwelenbesetztes Schmuckst�ck, das Dejah Thoris geh�rte, denn es trug die Insignien der Prinzessin von Helium. Ich dr�ckte meine Lippen auf dieses Kleinod und rannte den gewundenen schmalen Korridor entlang, der sanft zu den tiefergelegenen Galerien des Palastes abfiel.</p><p>Ich brauchte nicht lange zu gehen, bis ich zu dem Raum kam, in dem Solan Wache gehalten und gearbeitet hatte. Seine Leiche lag noch dort, wo sie gefallen war, nichts deutete darauf hin, da� in der Zwischenzeit jemand den Raum betrat. Trotzdem wu�te ich, da� es zwei Personen waren: Thurid, der schwarze Prinz und Dejah Thoris. Unentschlossen blieb ich einen Augenblick stehen, denn ich wu�te nicht, welchen der verschiedenen Ausg�nge ich w�hlen sollte. Ich versuchte mich an das zu erinnern, was Thurid wiederholt hatte, als er bei Solan gewesen war, und ganz langsam, wie durch einen dichten Nebel, kamen die Weisungen Solans zur�ck, die er dem schwarzen Prinzen erteilt hatte.</p><p>�Durch jene T�r�, hatte Thurid zitiert und dabei auf ein Tor des gro�en Raumes gedeutet, �dann folge ich einem Korridor und gehe an drei davon rechts abzweigenden Korridoren vorbei. Im vierten gehe ich solange geradeaus weiter, bis ich dorthin komme, wo drei G�nge aufeinander treffen. Hier folge ich wieder dem rechten, halte mich aber sehr eng an die linke Wand, um nicht in die Grube zu fallen. Am Ende des Korridors komme ich zu einem Spiralgang, auf dem ich nach unten gehe, nicht nach oben. Dann f�hrt der Weg weiter �ber einen Korridor ohne Abzweigungen.�</p><p>Sofort machte ich mich auf den Weg und achtete nicht einmal der Gefahren, die, wie ich doch wu�te, dort lauern mochten.</p><p>Ein Teil dieses Weges war so schwarz wie die S�nde, aber der gr��te Teil davon war ausreichend oder gut beleuchtet. Die dunkelste Stelle war die, wo ich mich eng an die linke Wand halten mu�te, um nicht in die Grube zu st�rzen. Dazu h�tte nicht viel gefehlt, denn fast w�re ich mir der Gefahr zu sp�t bewu�t geworden.</p><p>Es f�hrte n�mlich nur eine schmale Leiste, die kaum von Fu�breite war, an dieser schrecklichen H�hle entlang, in die ein Unwissender unweigerlich fallen mu�te. Ich atmete erleichtert auf, als ich gl�cklich dr�ben war, und dann geleitete mich ein schwacher Lichtschimmer, bis ich am Ende des letzten Korridors in glei�endes Sonnenlicht hinaustrat, das von Schnee und Eis zur�ckgeworfen wurde.</p><p>Ich war nat�rlich f�r die Treibhaustemperaturen der �berdachten und geheizten Stadt gekleidet, und der pl�tzliche Wechsel zu arktischer K�lte war �u�erst unangenehm. Der schlimmste Gedanke war jedoch der, da� ich, nackt wie ich war, diese bittere K�lte nicht ertragen konnte und erfrieren mu�te, ehe ich Thurid und Dejah Thoris einzuholen vermochte.</p><p>Es war ein grausames Schicksal, da� mir die Natur selbst den Weiterweg versperrte, nachdem ich allen menschlichen Bosheiten und zahlreichen sonstigen Widrigkeiten zum Trotz mein Ziel so nah vor Augen hatte. Ich taumelte zur�ck in die sch�tzende W�rme des Tunnels und war hoffnungsloser Verzweiflung n�her als je vorher in meinem Leben.</p><p>Nat�rlich hatte ich meine Absicht, Thurid zu verfolgen, nicht aufgegeben, und ich w�rde auch jederzeit unter Einsatz meines eigenen Lebens dieses gro�e Ziel, Dejah Thoris zu befreien, weiterverfolgen, aber nun mu�te ich mich erst in den Stand versetzen, erneut um meine geliebte Prinzessin k�mpfen zu k�nnen.</p><p>Kaum war ich in den Tunnel zur�ckgekehrt, als ich fast �ber einen Haufen Pelze gestolpert w�re, die an der Wand des Korridors befestigt zu sein schienen. Als ich der Sache nachging, entdeckte ich, da� sie aber nur von einer geschlossenen T�r festgehalten wurden. Also �ffnete ich diese T�r und befand mich in einer kleinen Kammer, in der an zahlreichen Wandhaken komplette Freiluftanz�ge aus Pelz hingen, wie sie von den Gelben getragen wurden, wenn sie die gesch�tzte Stadt verlie�en.</p><p>Da diese Kammer in unmittelbarer N�he des Tunnelausgangs lag, mu�te sie wohl der Umkleideraum f�r die Nobilit�ten sein; Thurid, der das wu�te, war hergekommen, um sich und Dejah Thoris f�r die bittere K�lte drau�en auszustatten.</p><p>In seiner Hast hatte er einige Pelze auf den Boden fallen lassen, und der eine, der unter der T�r festgeklemmt war, hatte mich nun auf die richtige Spur gef�hrt. H�tte er das geahnt, dann w�re er wohl ordentlicher mit den Kleidungsst�cken umgegangen.</p><p>Ein paar Sekunden sp�ter hatte ich die warmen pelzgef�tterten Stiefel und den Anzug aus Orlukfellen angezogen. Nur mit einer solchen Kleidung kann man sich vor den eisigen Winden sch�tzen. Wieder kehrte ich zum Tunnelende zur�ck und fand im frischgefallenen Schnee die Spuren von Thurid und Dejah Thoris. Nun hatte ich es wesentlich leichter, wenn auch der Weg an sich �u�erst beschwerlich war, denn es bestanden keine Zweifel mehr �ber die einzuschlagende Richtung, und ich mu�te nicht mehr gegen Dunkelheit und verborgene Gefahren ank�mpfen.</p><p>Durch eine schneebedeckte Schlucht f�hrte der Weg zur Spitze eines niederen H�gels. Dahinter senkte er sich wieder in einem Tobel, stieg aber sofort wieder zu einem Pa� an, der etwa einen halben Kilometer weiter einen felsigen Kamm �berschritt.</p><p>An den Spuren konnte ich genau erkennen, da� Dejah Thoris nicht freiwillig mitgekommen war; der schwarze Prinz mu�te sie mitzerren, und f�r kurze Strecken hatte er sie auch wohl getragen, denn dort lie� sich nur eine einzige Spur feststellen. Ich konnte mir vorstellen, da� sie sich erbittert gegen ihn gewehrt hatte. Als ich um die Schulter des H�gels bog, begann mein Herz heftig zu klopfen, und mein Puls jagte. In einer winzigen Mulde zwischen zwei Gipfeln sah ich vier Menschen vor dem Eingang einer riesigen H�hle stehen, und neben ihnen lag auf dem glitzernden Schnee ein Flieger, der wohl eben erst aus seinem Versteck gezogen worden war. Die vier Menschen waren Dejah Thoris, Phaidor, Thurid und nat�rlich Matai Shang. Die beiden M�nner stritten hitzig miteinander; der Vater der Therns machte drohende Bewegungen, w�hrend der schwarze Prinz ihm immer wieder finstere Blicke zuwarf, w�hrend er seiner Arbeit nachging.</p><p>Vorsichtig kroch ich weiter, damit sie mich nicht zu fr�h sahen. Ich wollte ja h�ren, was sie sprachen. Sie schienen dann einen Kompromi� zu schlie�en, denn gemeinsam zerrten sie die heftigen Widerstand leistende Dejah Thoris auf das Deck des Fliegers. Hier wurde sie angebunden. Die anderen stiegen wieder auf den Boden hinunter, um das Schiffchen startklar zu machen. Phaidor kehrte bald wieder zur�ck und begab sich in die Kabine auf dem Deck.</p><p>Ich war ihnen auf 300 Meter nahe gekommen, als Matai Shang mich ersp�hte. Er packte Thurid an der Schulter und wirbelte ihn in meine Richtung herum. Da sie mich nun gesehen hatten, w�re es sinnlos gewesen, mich weiterhin zu verstecken, und so verga� ich jede Vorsicht und rannte so schnell ich konnte auf den Flieger zu.</p><p>Die beiden M�nner versuchten eiligst den Propeller anzuwerfen, den sie kurz vorher aufgeschraubt hatten. Ich vermutete, da� er einer Reparatur bedurft hatte.</p><p>Ich hatte etwa die H�lfte der Strecke zur�ckgelegt, als der Propeller sich endlich zu drehen begann. Beide rannten nun wie besessen zur Strickleiter, die auf Deck f�hrte.</p><p>Thurid erreichte sie zuerst, und mit der Geschicklichkeit eines Affen kletterte er zum Deck hinauf. Dort dr�ckte er auf den Tankknopf f�r die Antriebsmaschine, so da� sich der Flieger langsam in die Luft hob. Das tat er jedoch viel zu langsam, und so vermutete ich, da� das Schiffchen nicht ganz in Ordnung war.</p><p>Noch etwa hundert Meter war ich entfernt, als es meiner Reichweite entschwand.</p><p>Vor der Stadt Kadabra lag eine gro�e Flotte riesiger Schiffe, die von Helium und Ptarth, die ich vor wenigen Stunden vor der Vernichtung bewahrt hatte. Ehe ich sie aber erreichen konnte, war Thurid sicher schon �ber die Eisbarriere in Sicherheit geflogen.</p><p>Als ich noch rannte, sah ich, da� Matai Shang sich an der schwankenden Strickleiter zum Deck hinauf hangelte. �ber ihm lehnte an der Reling der schwarze Prinz der Erstgeborenen, und er grinste �ber sein ganzes teuflisches Gesicht. Vom Heck des Schiffchens hing ein Seil herunter und schleifte hinterdrein, und das erweckte neue Hoffnung in mir. Konnte ich es erreichen, ehe es zu hoch �ber meinem Kopf endete, dann konnte es mir auch gelingen, daran zum Deck hinaufzuklettern.</p><p>Da� mit dem Flieger etwas ganz und gar nicht stimmte, lag auf der Hand, denn er hatte zu wenig Auftrieb, und in der Horizontalen bewegte er sich �berhaupt nicht. Zweimal schon hatte Thurid den Anlasserhebel herumgelegt, doch das Schiffchen wurde nur von einer leichten Brise ein wenig geschaukelt.</p><p>Jetzt hatte Matai Shang den Bootsrand fast erreicht, und eine lange, klauen�hnliche Hand griff hinauf nach dem Gel�nder.</p><p>Thurid beugte sich zu seinem Mitverschw�rer hinunter.</p><p>In der Hand des Schwarzen blitzte pl�tzlich ein gez�ckter Dolch. Er zuckte nach unten in das aufgehobene Gesicht des Vaters der Therns. Mit einem lauten Angst- und Schmerzensschrei griff der Heilige Hekator verzweifelt nach dem drohend erhobenen Arm.</p><p>Ich war nun fast unmittelbar hinter dem schleifenden Seil. Noch immer stieg das Schiffchen und trieb gleichzeitig im leichten Wind von mir weg. Dann stolperte ich, weil ich nat�rlich immer nach oben schaute, �ber einen Eisbrocken und fiel, als ich st�rzte, mit dem Kopf gegen einen Felsen. Auf Arml�nge war ich dem Seil nahe gekommen, das sich nun langsam von mir in die H�he entfernte.</p><p>Durch den Sturz wurde ich ohnm�chtig. Es kann aber nicht l�nger als ein paar Sekunden gedauert haben, da ich bewu�tlos auf dem Eis des Nordens lag. Und meine geliebte Prinzessin war in den Klauen dieses Teufels in Menschengestalt und trieb immer weiter von mir weg. Als ich wieder die Augen aufschlug, sah ich Thurid und Matai Shang am oberen Ende der Strickleiter miteinander k�mpfen. Der Flieger trieb jetzt etwa hundert Meter weiter s�dlich, aber das Seilende hing ungef�hr f�nfzehn Meter oder mehr �ber dem Boden.</p><p>Fast irr vor Zorn �ber mein Mi�geschick, das mich stolpern lie�, als der Erfolg fast schon in meiner Reichweite war, dachte ich wieder einmal an meine irdischen Muskeln, die nun erneut eine Probe ihrer T�chtigkeit ablegen sollten. Das Seil war jetzt direkt �ber mir. Ich setzte zu einem m�chtigen Katzensprung an�� und hatte Erfolg. Etwa einen Meter �ber dem unteren Ende bekam ich das Seil zu fassen. Doch zu meinem Schrecken rutschte es mir langsam aber sicher durch die Finger. Ich versuchte mit einer Hand nach oben zu greifen, aber nun rutschte ich nur noch schneller.</p><p>Nun sollte mir also das Seil entgleiten, und damit schwand dann meine letzte M�glichkeit, meine geliebte Prinzessin zu erreichen und zu retten. Ich litt in diesen Sekunden H�llenqualen.</p><p>Aber da sp�rten meine Finger einen Seilknoten, und ich rutschte nicht mehr weiter.</p><p>Mit einem Gebet der Dankbarkeit auf den Lippen kletterte ich nach oben, dem Deck entgegen. Thurid und Matai Shang konnte ich im Augenblick nicht sehen, doch ich h�rte, wie sie erbittert k�mpften der Thern um sein Leben, der Schwarze um den geringen Auftrieb, den ihm ein K�rper Ballast weniger garantierte.</p><p>Starb Matai Shang, bevor ich das Deck erreichte, dann standen meine weiteren Chancen nicht besonders gut, denn der schwarze Prinz brauchte ja nur das Seil abzuschneiden, um sich f�r immer von mir zu befreien. Das Schiffchen trieb n�mlich jetzt �ber eine tiefe, weite Schlucht, in dessen g�hnende Tiefen mein K�rper st�rzen w�rde, und diesen Sturz konnte ich mit Sicherheit nicht �berleben. Schlie�lich schlo� sich meine Hand doch um das Schiffsgel�nder, und in diesem Augenblick gellte unter mir ein so schrecklicher Schrei, da� mir fast das Blut in den Adern gefror. Ich schaute nach unten und sah ein kreischendes, zappelndes Ding in den Abgrund st�rzen. Es war Matai Shang, Heiliger Hekator, Vater der Therns, der seiner letzten und endg�ltigen Abrechnung entgegensah.</p><p>Nun schob ich meinen Kopf �ber das Decksgel�nder und sah Thurid mit dem Dolch in der Hand heranst�rzen. Er kam von gegen�ber dem vorderen Kabinenende, w�hrend ich in unmittelbarer Heckn�he auf das Schiffchen kletterte. Es lagen aber nur wenige Schritte zwischen uns. Keine Macht der Welten konnten mich auf das Deck hinaufheben, ehe der w�tende Schwarze heran war.</p><p>Mein Ende war also gekommen, und ich wu�te es. H�tte ich noch daran gezweifelt, dann w�re das scheu�liche, h�mische Grinsen in diesem irren, boshaften Gesicht �berzeugend genug gewesen. Hinter Thurid erblickte ich meine Dejah Thoris, die uns mit entsetzten, riesigen Augen beobachtete und verzweifelt an ihren Fesseln zerrte. Nun verlangte ein grausames Schicksal auch noch, da� sie Zeuge meines schrecklichen Todes wurde.</p><p>Ich versuchte nicht l�nger auf Deck zu klettern, sondern griff fester um das Decksgel�nder und zog mit der anderen Hand meinen Dolch. Wenn ich schon sterben mu�te, dann wollte ich es so tun, wie ich gelebt hatte�� k�mpfend.</p><p>Als Thurid gegen�ber der Kabinent�r stand, kam ein neues Element in diese grauenhafte Trag�die, die sich auf dem Deck von Matai Shangs flugunf�higem Schiffchen abspielte.</p><p>Es war Phaidor.</p><p>Ihr Haar war zerrauft, ihr Gesicht ger�tet, und ihre Augen sahen verweint aus. Zu Tr�nen hatte sich die stolze G�ttin bisher noch nie herabgelassen. Jetzt tat sie einen Sprung auf mich zu. In der Hand hatte sie einen langen, d�nnen Dolch. Ich warf meiner Prinzessin einen letzten, l�chelnden Blick zu, denn ich wollte wie ein Mann sterben. Dann wandte ich mich zu Phaidor um. Ich wartete auf den t�dlichen Sto�.</p><p>Nie hatte ich dieses sch�ne Gesicht sch�ner gesehen als jetzt. Noch nie hatte ich es richtig zu glauben vermocht, da� in einem so sch�nen Leib eine so verdorbene, grausame Seele wohnte. Aber jetzt las ich etwas ganz anderes, etwas Neues in ihren Augen, eine ungewohnte Sanftheit, eine Pein, die mir ans Herz griff.</p><p>Nun stand Thurid neben mir und schob sie weg, um zu mir gelangen zu k�nnen. Was dann geschah, spielte sich so blitzschnell ab, da� alles schon vor�ber war, ehe ich die Wahrheit auch nur ahnte. Phaidors schlanke Hand scho� vor und griff nach der Dolchhand des Schwarzen. Ihre rechte Hand mit dem schimmernden Dolch zuckte nach oben.</p><p>�Das ist f�r Matai Shang!� schrie sie und stie� dem schwarzen Dator die Klinge tief ins Herz. �Das ist f�r alles B�se, das du Dejah Thoris angetan hast!�</p><p>Und wieder stie� sie mit dem Dolch zu.</p><p>�Und das, und das und das!� kreischte sie. �Das f�r John Carter, Prinz von Helium!� Mit jedem Wort stach der spitze Dolch von neuem in das b�se Herz des gro�en Schurken. Und dann versetzte sie der Leiche des Erstgeborenen einen Sto�, so da� er dem K�rper seines Opfers folgte.</p><p>Ich war wie gel�hmt vor staunendem Entsetzen, und deshalb hatte ich w�hrend dieser schauerlichen Szene keinen Versuch gemacht, auf Deck zu gelangen. Ihre n�chste Handlung �berraschte mich noch mehr, denn Phaidor streckte mir ihre Hand entgegen und half mir auf das Deck hinauf, wo ich nun in meiner Verbl�ffung dastand und sie nur verst�ndnislos anstarrte.</p><p>Die Andeutung eines L�chelns umspielte ihre Lippen. Es war nicht das fr�here grausame oder h�hnische L�cheln einer hochm�tigen G�ttin, als die ich sie kannte.</p><p>�Du wunderst dich, John Carter, �ber die seltsame Verwandlung, die in mir vorgegangen ist?� fragte sie. �Ich werde sie dir erkl�ren. Es ist die Liebe zu dir.� Ich runzelte bei diesen Worten die Brauen, doch sie hob eine abwehrende, beschw�rende Hand.</p><p>�Warte. Es ist eine andere Liebe als die meine, die deiner Prinzessin Dejah Thoris, denn die hat mich gelehrt, was wahre Liebe ist, was sie sein soll und wie anders sie ist als die selbsts�chtige, eifers�chtige Leidenschaft, die ich f�r dich empfunden habe.</p><p>Ich bin nun anders geworden. Ich glaube, jetzt k�nnte ich so lieben, wie Dejah Thoris dich liebt, aber nun besteht mein ganzes Gl�ck in der Erkenntnis, wie sehr ihr einander verbunden seid, denn nur bei ihr kannst du wahres Gl�ck finden.</p><p>Aber ich bin sehr ungl�cklich dar�ber, da� ich in meiner sinnlosen Leidenschaft soviel Unheil gestiftet habe. Viele S�nden habe ich abzub��en, und wenn ich auch unsterblich bin, so ist auch ein ewiges Leben zu kurz f�r eine S�hne.</p><p>Doch es gibt noch eine andere M�glichkeit. Wenn Phaidor, die Tochter des Heiligen Hekator der Heiligen Therns so sehr ges�ndigt hat, dann hat sie aber auch schon versucht, wenigstens etwas wieder gut zu machen. Wenn du jetzt noch an ihrer Aufrichtigkeit zweifeln solltest, dann wird sie diese auf die einzige Art beweisen, die ihr noch m�glich ist�� sie hat dich f�r Dejah Thoris gerettet und wird dich nun ihrer Umarmung �berlassen.�</p><p>Damit wandte sie sich ab und st�rzte sich �ber die Reling in den Abgrund.</p><p>Mit einem Schrei des Entsetzens st�rzte ich auf sie zu, um sie zur�ckzuhalten, um dieses Leben zu retten, das ich zwei Jahre lang am liebsten ausgel�scht h�tte. Ich kam zu sp�t.</p><p>Ich hatte Tr�nen in den Augen, als ich mich umwandte, um nicht in den schauerlichen Abgrund sehen zu m�ssen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter hatte ich Dejah Thoris die Fesseln abgenommen. Sie legte mir ihre liebevollen Arme um den Hals und dr�ckte ihren zauberhaften Mund auf meine Lippen, um mich den erlebten Schrecken vergessen zu machen und alles Leid, das ich erduldet hatte, bis ich den Lohn daf�r in meinen Armen halten durfte.</p></section><section><title><p>16. Der neue Herrscher</p></title><p>Der Flieger, auf dem ich mich nach zw�lf unendlich langen Jahren der Trennung mit Dejah Thoris befand, erwies sich als v�llig unbrauchbar. Die Treibstofftanks waren so undicht, da� die Maschine nicht mehr ansprang. Wir schwebten also man�vrierunf�hig �ber dem arktischen Eis.</p><p>Das Schiffchen war inzwischen �ber den Abgrund hinweg getrieben, der Matai Shang, Thurid und Phaidor verschlungen hatte und hing nun �ber einem niederen H�gel. Ich �ffnete die Tankventile, so da� es langsam sinken konnte, und als es aufsetzte, verlie� ich mit Dejah Thoris das Deck. Hand in Hand machten wir uns auf den Weg zur�ck zur Stadt Kadabra.</p><p>Sie berichtete mir von jenem entsetzlichen Moment, ehe sich die T�r ihres Gef�ngnisses im Sonnentempel langsam zwischen uns schob. Phaidor hatte sie mit erhobenem Dolch angesprungen, und Thuvia hatte vor Angst geschrien, als sie Phaidors Absicht erkannte. Dieser Schrei hatte mir die ganze Zeit in den Ohren geklungen, denn er �berlie� mich grausamen Zweifeln um das Schicksal meiner geliebten Prinzessin. Ich hatte ja nicht mehr gesehen, da� Thuvia der Tochter Matai Shangs den Dolch entwand, ehe er Dejah Thoris oder sie selbst auch nur ritzen konnte.</p><p>Sie erz�hlte mir auch von der schrecklichen Unendlichkeit ihrer Gefangenschaft, von dem grausamen Ha� Phaidors und der z�rtlichen Zuneigung Thuvias, und wie selbst in den dunkelsten Stunden der Verzweiflung die beiden Roten M�dchen zusammengehalten hatten, wie sich eine an der anderen aufrichtete, wie sich beide an die Hoffnung klammerten, John Carter werde sicher einen Weg finden, sie zu befreien.</p><p>Nach dem weiten Marsch durch die Eisw�ste kamen wir in den Palast zur�ck und erreichten den Raum, in dem Solan gelebt hatte und gestorben war. Ich verhielt mich nicht besonders vorsichtig, da ich es f�r ganz selbstverst�ndlich hielt, da� der Palast fest in den H�nden meiner Freunde sei.</p><p>Deshalb platzte ich auch in den Raum, in dem sich etwa ein Dutzend Edelleute vom Hof des toten Salensus Oll befand. Sie kamen aus dem Palastinnern und wollten ihren Weg zur Au�enwelt fortsetzen. Sie blieben erstaunt stehen, als sie uns sahen, und dann flog ein hinterh�ltiges L�cheln �ber das Gesicht des Anf�hrers.</p><p>�Ha! Da ist ja die Ursache unseres ganzen Ungl�cks!� rief er und deutete auf mich. �Nun werden wir wenigstens teilweise Rache nehmen k�nnen, denn wenn wir gehen, lassen wir die verst�mmelten Leichen des Prinzen und der Prinzessin von Helium zur�ck. Und wenn die anderen sie finden, dann werden sie erkennen, da� die Rache der Gelben M�nner an ihren Feinden schauerlich ist. Bereite dich auf den Tod vor, John Carter, denn dein Ende wird bitter sein. Vielleicht lasse ich mich erweichen, deiner Prinzessin gn�diger zu sein�� ich werde mir �berlegen, ob ich sie meinen Offizieren nicht als Spielzeug �berlassen soll.�</p><p>Ich stand vor der Instrumentenwand, Dejah Thoris an meiner Seite. Sie sah zu mir empor, als die Krieger mit gezogenen Schwertern n�her kamen. Das meine hing noch immer in seiner Scheide an meiner Seite, und ich l�chelte nur.</p><p>Die Gelben schauten mich erstaunt an, denn sie f�rchteten, da ich mich offensichtlich nicht gegen sie zu wehren gedachte, eine List. Ihr Anf�hrer trieb sie jedoch weiter. Als sie etwa in Reichweite meines Schwertes waren, legte ich meine Hand auf einen gro�en polierten Hebel, l�chelte noch immer und sah meine Feinde voll an. Wie ein Mann blieben sie alle vor mir stehen und warfen einander verwirrte Blicke zu.</p><p>�Halt!� schrie ihr Anf�hrer. �Du scheinst nicht zu wissen, was du tust!�</p><p>�Ich wei� es sehr genau, und ein John Carter st��t keine leeren Drohungen aus�, erwiderte ich. �Er wei� genau, was er tut. Noch einen Schritt wenn ihr euch Dejah Thoris, Prinzessin von Helium n�hert, dann werde ich diesen Hebel herunterdr�cken, und sie und ich werden zusammen sterben�� aber nicht allein.�</p><p>Die Edlen wichen entsetzt zur�ck und fl�sterten erregt miteinander. Dann wandte sich der Anf�hrer an mich.</p><p>�Geh deiner Wege, John Carter�, sagte er. �Wir gehen die unseren.�</p><p>�Gefangene gehen nicht, wohin sie wollen�, erwiderte ich. �Und ihr seid Gefangene�� die des Prinzen von Helium.�</p><p>Ehe sie darauf noch antworten konnten, ging eine T�r auf, und ein ganzer Trupp Gelber st�rmte in den Raum. Die Edlen atmeten schon erleichtert auf, aber dann erkannte ihr Anf�hrer den der Neuank�mmlinge. Es war n�mlich Talu, der Rebellenprinz von Marentina, und sie wu�ten, da� sie keine Gnade von ihm zu erwarten hatten. Mit einem Blick erfa�te Talu die Situation und l�chelte.</p><p>�Das hast du gut gemacht, John Carter!� rief er. �Du wendest ihre eigene gro�e Macht gegen sie. Es ist ein gro�es Gl�ck f�r Okar, da� du hier warst, um ihre Flucht zu vereiteln, denn das sind die gr��ten Schurken n�rdlich der Eisbarriere, und dieser da��� er deutete auf den Anf�hrer�� �h�tte sich zum Jeddak der Jeddaks machen wollen, um den Thron des toten Salensus Oll einzunehmen. Dann h�tten wir einen noch gemeineren, grausameren Tyrannen als Herrscher gehabt, als der verha�te Tyrann es war, der von deinem Schwert fiel.�</p><p>Den Edelleuten von Okar blieb nichts anderes �brig, als sich zu ergeben, denn Widerstand h�tte sowieso den sicheren Tod f�r sie bedeutet. Begleitet von Talus Kriegern begaben wir uns in den gro�en Audienzsaal, in dem sich zahlreiche Krieger versammelt hatten. Rote M�nner von Helium und Ptarth, Gelbe aus dem Norden und Schwarze der Erstgeborenen, die unter meinem Freund Xodar bei der Suche nach meiner Prinzessin und mir geholfen hatten, rieben ihre Ellbogen aneinander. Auch wilde Gr�ne waren da von den Gr�nden der toten Seen im S�den und sogar etliche wei�h�utige Therns, die ihrer Religion abgeschworen und Xodar Treue gelobt hatten.</p><p>Tardos Mors und Mors Kajak waren anwesend und ein gro�er, m�chtiger Krieger, der mit pr�chtigen Waffengurten geschm�ckt war�� Carthoris, mein Sohn. Diese drei fielen, als wir eintraten, �ber Dejah Thoris her, und obwohl k�nigliche Familien auf dem Mars jede vulg�re Zurschaustellung von Gef�hlen vermeiden, so glaubte ich, die drei M�nner w�rden meine Dejah Thoris mit ihren Umarmungen erdr�cken.</p><p>Und selbstverst�ndlich war Tars Tarkas da, Jeddak von Thark, und auch Kantos Kan, meinen alten Freund sah ich. Mein treuer, alter Wula war ganz irr vor Freude und zerrte in seiner �berstr�menden Liebe an meinem Harnisch.</p><p>Lang und laut war das Jubelgeschrei, das sie bei unserem Anblick anstimmten, und in das Jubelgeschrei mischte sich das Klirren der Schwerter, die zu einem Triumphbogen f�r uns wurden, als wir an den salutierenden Edlen und Kriegern, an den Jeds und Jeddaks vorbeigingen.</p><p>Trotz allen Gl�ckes war mir das Herz noch immer ein bi�chen schwer, weil ich zwei geliebte Gesichter vermi�te�� das von Thuvan Dihn und Thuvia von Ptarth, denn sie befanden sich nicht im gro�en Audienzsaal.</p><p>Ich fragte bei allen Nationen nach ihnen, und schlie�lich erfuhr ich von einem Gelben Kriegsgefangenen, da� sie, w�hrend ich dort lag, die Grube des �berflusses zu erreichen versucht hatten und von einem Offizier der Palastwache dabei ertappt wurden.</p><p>Selbstverst�ndlich wu�te ich, weshalb sie diesen Versuch unternommen hatten, der mutige Jeddak und seine treue Tochter. Nun lagen die beiden, so sagte mir mein Gew�hrsmann, in einem der tiefen Kerker des Palastes, wohin man sie geworfen hatte, bis der Tyrann des Nordens �ber ihr Schicksal entschied.</p><p>Im n�chsten Moment waren schon Suchtrupps ausgeschickt, und wenig sp�ter war mein Gl�ck vollkommen, denn eine jubelnde Ehrengarde f�hrte sie in den Saal.</p><p>Thuvia lief sofort auf Dejah Thoris zu. Es gab keinen besseren Beweis f�r die herzliche Liebe, welche die beiden verband, als die aufrichtige Freude, mit der sie ihr Wiedersehen feierten.</p><p>Und �ber all dieser Herzlichkeit und dieser Freude stand d�ster und leer der Thron von Okar.</p><p>Dieser Thron hatte seit undenklichen Zeiten wahrscheinlich sehr viele Jeddaks der Jeddaks gesehen, aber keiner von ihnen konnte sich mit dem vergleichen, auf den ich nun herunterschaute, als ich �ber die Vergangenheit und Zukunft der lange nur f�r eine Legende gehaltenen Rasse der Gelben nachdachte. Da standen sie nun vor mir, diese schwarzb�rtigen M�nner, die nun einer helleren, n�tzlicheren Zukunft im Kreis freundlicher Nationen entgegengingen. Es war eine gro�e Familie, die sich vom S�d- bis zum Nordpol ausbreitete. Vor zweiundzwanzig Jahren wurde ich vom Schicksal nackt und fremd in eine wilde, fremde Welt geworfen. Damals hatten alle Rassen und Nationen einander bekriegt. Heute standen Rote und Wei�e, Schwarze, Gr�ne und Gelbe eintr�chtig und in freundschaftlichem Gespr�ch beisammen, und das hatte mein Schwert und die Loyalit�t meiner Freunde zuwege gebracht.</p><p>Nat�rlich waren die Nationen von Barsoom noch nicht v�llig geeint, aber die ersten Schritte diesem Ziel entgegen waren schon getan. Wenn jetzt noch die Gelben, diese leidenschaftliche, kriegerische Rasse, in die Gemeinschaft der anderen Nationen einbetoniert wurde, dann war eigentlich mein Lebenswerk vollendet, und ich hatte dem Mars wenigstens einen Teil meiner Dankesschuld daf�r abgetragen, da� er mir meine Dejah Thoris geschenkt hatte.</p><p>Als ich das so dachte, sah ich nur eine einzige M�glichkeit und einen einzigen Mann, der den Erfolg meiner Hoffnungen sichern konnte. Auch in diesem Fall handelte ich so wie immer�� ohne lange zu �berlegen und ohne Rat einzuholen.</p><p>Jene, die mich, meine Pl�ne und meine Art zu handeln nicht m�gen, haben immer Schwerter an ihrer Seite, mit denen sie ihre Mi�billigung nachdr�cklich bekunden k�nnen. Jetzt wurde aber keine Stimme laut, die Einspruch erhoben h�tte, als ich Talus Arm nahm und ihn zum Thron zog, der einmal Salensus Oll geh�rt hatte.</p><p>�Krieger von Barsoom!� rief ich. �Kadabra ist gefallen und mit der Stadt der geha�te Tyrann des Nordens. Aber Okars Integrit�t mu� erhalten bleiben. Der Rote Krieger wird von roten Jeddaks beherrscht, der Gr�ne erkennt keinen anderen an als einen Mann aus seiner Mitte, die Erstgeborenen des S�dpols erkennen das Gesetz an, das ihnen der Schwarze Xodar gibt. Es l�ge nicht im Interesse der Roten oder Gelben, wenn auf dem Thron von Okar ein anderer s��e als ein Gelber.</p><p>Nur einen Krieger gibt es, der alle Gaben hat, die dem alten, m�chtigen Titel Jeddak der Jeddaks des Nordens zustehen. M�nner von Okar, erhebt eure Schwerter zum Gru� f�r euren neuen Herrscher</p><p>- Talu, der Rebellenprinz von Marentina lebe hoch!�</p><p>Ein Freudenschrei erhob sich unter den freien M�nnern von Marentina und den Gefangenen von Kadabra, denn alle hatten geglaubt, die Roten, die das Land mit Waffengewalt besetzt hatten, w�rden nun auch in Zukunft die Herrschaft aus�ben wollen.</p><p>Die kriegerischen Sieger, die Carthoris in den Norden gefolgt waren, fielen in diese Demonstration der Freude ein, und ich ben�tzte den Tumult und das allgemeine Freudengeschrei, um mich mit Dejah Thoris in den gro�artigen Garten zur�ckzuziehen, den einer der Jeddaks in einem Palasthof von Kadabra angelegt hatte. Wula wich nicht mehr von unseren Fersen, und als wir uns auf einer kunstvoll geschnitzten Bank niederlie�en, die unter einem prachtvollen Busch mit purpurnen Bl�ten stand. Und da sahen wir dann auch die beiden an uns vorbeigehen, die unmittelbar nach uns den Saal verlassen haben mu�ten�� Thuvia von Ptarth und Carthoris von Helium.</p><p>Der sch�ne Kopf unseres Sohnes neigte sich �ber das liebliche Gesicht seiner Begleiterin. Ich sah Dejah Thoris an, die mich l�chelnd an sich zog. �Warum nicht?� fl�sterte sie mir ins Ohr. In der Tat, warum nicht? Was sagt ein Altersunterschied von ein paar Jahren in dieser Welt ewiger Jugend?</p><p>Wir blieben als Talus G�ste in Kadabra, bis er mit allen Zeremonien in sein hohes Amt eingef�hrt worden war. Dann bestiegen wir die m�chtigen Schiffe, die ich gl�cklicherweise vor der Zerst�rung hatte retten k�nnen, und segelten �ber die Eisbarriere nach S�den. Zuvor hatten wir aber noch die v�llige Zerst�rung des grimmigen W�chters des Nordens �berwacht, denn dazu hatte der neue Jeddak der Jeddaks den Befehl gegeben.</p><p>�In Zukunft steht es der Flotte der Roten und der Schwarzen Krieger frei zu kommen und zu gehen, wie sie will, so als sei sie in ihrem eigenen Land.</p><p>Die H�hlen von Carrion werden ges�ubert, damit die Gr�nen einen leichten Weg finden, die Gelben zu besuchen, und die Jagd auf den geheiligten Apt sei in Zukunft der Sport meiner Edlen, bis keines dieser furchtbaren Tiere mehr den Norden unsicher macht.�</p><p>Dann schieden wir voll Bedauern von unseren neuen Freunden und nahmen Kurs auf Ptarth. Dort blieben wir einen Monat lang als G�ste von Thuvan Dihn, und w�re Carthoris nicht der Prinz von Helium gewesen, dann w�re er wohl am liebsten ganz geblieben. �ber den riesigen Forsten von Kaol schwebten wir mit unseren Schiffen, bis ein Wort von Kulan Tith uns zu seinem Landeturm brachte, wo unsere Schiffe einen ganzen Tag und eine halbe Nacht lang ihre Mannschaften ausluden. Wir besuchten nat�rlich auch die Stadt Kaol, um die neuen Bande zwischen Kaol und Helium zu festigen, und wenig sp�ter erblickten wir von weitem die hohen, schlanken T�rme der Zwillingsst�dte von Helium. Dieser Tag ist unausl�schlich in unser Ged�chtnis eingegraben.</p><p>Das Volk hatte sich schon lange auf unsere Ankunft vorbereitet. Am Himmel schwebten zahllose Flieger, an denen fr�hlich die F�hnchen flatterten. Jedes Dach in den beiden Zwillingsst�dten war mit kostbaren Seiden und Teppichen belegt.</p><p>D�cher, Stra�en und Pl�tze waren mit Gold und Juwelen bestreut. Die beiden St�dte funkelten und blitzten, weil jeder Sonnenstrahl von Millionen bunter Steine und poliertem Metall tausendfach reflektiert wurde.</p><p>Nach zw�lf langen Jahren war endlich die k�nigliche Familie in ihrer eigenen m�chtigen Stadt wieder vereint, und Millionen vor Freude fast irrer Menschen dr�ngten sich an den Palasttoren. Frauen und Kinder und sogar kraftvolle Krieger weinten vor Dankbarkeit, weil ihnen das Schicksal ihren geliebten Tardos Mors und die g�ttliche Prinzessin zur�ckgegeben hatte, denn beide wurden von der ganzen Nation zutiefst verehrt, Keiner von uns, die jene Expedition voll unglaublicher Gefahren und Triumphe hinter sich hatten, brauchte sich �ber einen Mangel an Applaus zu beklagen.</p><p>Als ich nachts mit Dejah Thoris und Carthoris auf dem Dach meines Stadtpalastes sa�, wo wir einen h�bschen Garten angelegt hatten, damit wir fern vom Pomp und Zeremoniell des Hofes miteinander gl�cklich sein konnten, kam ein Bote, der uns aufforderte, zum Tempel der Vergeltung zu kommen, �wo einer heute nacht abgeurteilt werden soll�, wie die Botschaft lautete.</p><p>Ich zerbrach mir den Kopf, welch wichtiger Fall anh�ngen konnte, der die Anwesenheit der k�niglichen Familie erforderlich machte. Es war ja schlie�lich unser erster Abend zu Hause nach einer Abwesenheit von vielen Jahren. Aber wenn der Jeddak ruft, mu� jeder seiner Aufforderung Folge leisten.</p><p>Als unser Schweber die Landeb�hne auf dem Tempeldach ber�hrte, sahen wir zahllose andere ankommen und wieder abfliegen. In den Stra�en unter uns dr�ngten sich gewaltige Menschenmengen den Tempeltoren entgegen. Und da fiel mir schlie�lich jener unheilvolle Tag ein, da mir Zat Arras nach meiner R�ckkehr vom Tal Dor und der Verlorenen See von Korus f�r diese S�nde den Proze� gemacht hatte.</p><p>War es m�glich, da� ein �berzogener Gerechtigkeitssinn die Menschen auf dem Mars beherrschte, so da� sie verga�en, was alles an Gutem aus meiner H�resie f�r sie entstanden war? Hatten sie vergessen, da� sie in meiner Schuld standen, weil ich sie von den Fesseln dieses schrecklichen Glaubens befreit hatte? Konnten sie wirklich die Tatsache �bersehen, da� es mir und mir allein zu verdanken war, wenn sie Carthoris, Dejah Thoris, Mors Kaja und Tardos Mors wieder hatten?</p><p>Niemals! Nein, das konnte ich wirklich nicht glauben. Und doch�� zu welch anderem Zweck konnten sie mich unmittelbar nach Tardos Mors� R�ckkehr auf seinen Thron in den Tempel rufen? Als ich den Tempel betrat und mich dem Thron der Gerechtigkeit n�herte, war meine erste �berraschung die Reihe jener M�nner, welche als Richter f�ngierten. Kulan Tith, Jeddak von Kaol war da, dem wir doch erst vor ein paar Tagen in seinem Palast lebewohl gesagt hatten. Ich sah Thuvan Dihn, Jeddak von Ptarth, und wie kam er so schnell wie wir nach Helium?</p><p>Tars Tarkas, Jeddak von Thark und Xodar, Jeddak der Erstgeborenen fehlten nicht, und ich sah auch Talu, Jeddak der Jeddaks des Nordens, und ich h�tte doch schw�ren m�gen, da� er noch in seinem von Eis umgebenen Treibhaus jenseits der Eisbarriere war. Unter ihnen sa�en Tardos Mors und Mors Kajak und viele kleine Jeds und Jeddaks, und es waren die einunddrei�ig, die das Gesetz vorschrieb, wenn sie �ber einen Ihresgleichen zu Gericht sa�en.</p><p>Es war in der Tat ein k�nigliches Tribunal, und ich garantiere daf�r, da� die lange Geschichte des alten, sterbenden Mars eine so glanzvolle Richterschaft noch nie verzeichnet hatte.</p><p>Als ich eintrat, schwieg mit einem Schlag das gesamte Auditorium. Dann erhob sich Tardos Mors.</p><p>�John Carter�, sagte er mit tiefer, t�nender Stimme, �nimm Platz auf dem Podium der Wahrheit, denn ein gerechtes, unparteiisches Tribunal deiner Mitmenschen wird dir den Proze� machen.�</p><p>Mit hocherhobenem Kopf tat ich, wie er mich gehei�en hatte, und dann warf ich einen Blick �ber die Reihen jener M�nner, in denen ich noch vor wenigen Minuten meine besten Freunde gesehen hatte. Und jetzt bemerkte ich nicht einen freundlichen Blick; nur strenge, unbestechliche Richter, die ihre Pflicht zu tun hatten, sah ich vor mir. Ein Schreiber stand auf und las aus einem gro�en Buch eine lange Liste von Taten vor, auf die ich eigentlich stolz gewesen war. Die Liste reichte �ber zweiundzwanzig Jahre und begann an jenem ersten Tag auf dem Mars, da ich als nackter Fremdling auf dem ockerfarbenen Seeboden neben dem Inkubator der Tharks gestanden hatte. Und er las auch alles vor, was in den Bergen von Otz geschehen war, wo ich gegen die Heiligen Therns und die Erstgeborenen gek�mpft hatte. So ist es eben auf Barsoom. Kommt es zu einem Proze�, dann werden die guten Taten eines Mannes ebenso verlesen wie die b�sen, und deshalb �berraschte es mich gar nicht, da� alles, was vorgelesen wurde, zu meinen Gunsten war. Diese Liste kannten meine Richter auswendig und sie reichte bis zu diesem Moment.</p><p>Als der Schreiber geendet hatte, stand Tardos Mors auf.</p><p>�Edle und gerechte Richter!� rief er. �Ihr habt alles geh�rt, was von John Carter, Prinz von Helium, bekannt ist�� das Gute wie das Schlechte. Wie lautet euer Urteil?�</p><p>Langsam erhob sich Tars Tarkas. Er entfaltete sich geradezu zu seiner imponierenden H�he, bis er, eine gr�n-bronzene Statur, wie ein Turm �ber uns stand. Dann wandte er mir ein finsteres Auge zu�� er, Tars Tarkas, mit dem ich zahllose K�mpfe gewonnen hatte, den ich wie einen Bruder liebte.</p><p>Ich h�tte weinen m�gen, w�re ich nicht so unbeschreiblich w�tend gewesen, da� ich am liebsten mein Schwert gezogen und einen nach dem anderen erschlagen h�tte.</p><p>�Richter�, sagte er, �hier kann es nur ein Urteil geben. Nicht l�nger mehr soll John Carter Prinz von Helium bleiben, sondern...��� und hier legte er eine Pause ein�� �er soll der Jeddak der Jeddaks werden, der Kriegsherr von Barsoom!�</p><p>Einunddrei�ig Richter sprangen auf die F��e und zogen ihre Schwerter, um darzutun, da� sie dem Urteil alle ohne Ausnahme zustimmten. Ein Jubelsturm brach aus, der das ganze riesige Geb�ude zu ersch�ttern drohte, und ich hatte wirklich Angst, das Dach k�nnte von diesem Geschrei vielleicht doch einst�rzen.</p><p>Erst jetzt ging mir der grimmige Humor auf, der in ihrer Methode lag, mich auf so au�erordentliche Weise zu ehren. Ich wu�te aber, da� in dem Spa�, den sie sich mit mir gemacht hatten, nicht die kleinste Spur einer b�sen Absicht war, denn erst die Richter und dann die Edlen gratulierten mir mit solcher Herzlichkeit, wie ich sie auf dem kriegerischen Mars nie f�r m�glich gehalten h�tte.</p><p>Dann marschierten f�nfzig der m�chtigsten Edlen des gr��ten K�nigshofes auf dem Mars den breiten Mittelgang entlang, den Gang der Hoffnung. Auf ihren Schultern trugen sie einen pr�chtigen Wagen, und als die Leute sahen, wer in diesem Wagen sa�, donnerte neuer Jubel durch das riesige Geb�ude, denn es war Dejah Thoris, meine und des ganzen Volkes geliebte Prinzessin von Helium. Zum Thron der Gerechtigkeit wurde sie getragen, und dort half ihr Tardos Mors aus dem Wagen, um sie an meine Seite zu f�hren.</p><p>�Die sch�nste Frau unserer Welt m�ge die Ehre ihres Gatten teilen�, sagte er.</p><p>Vor allen Menschen zog ich meine geliebte Frau an mich und k��te sie auf die Lippen.</p></section></body><binary id="cover" 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