<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>Edgar</first-name><middle-name>Rice</middle-name><last-name>Burroughs</last-name></author><book-title>Die G�tter des Mars</book-title><annotation><p>Nach einem langen Exil auf der Erde ist John Carter endlich auf seinen geliebten Mars zur�ckgekehrt, doch die sch�ne Dejah Thoris, die Frau, die er liebte, ist verschwunden. Nun war er im legend�ren Eden des Mars gefangen�� einem Eden, dem niemand je lebendig entrann.</p></annotation><date>1996</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Franziska</first-name><last-name>Willnow</last-name></translator><sequence name="John Carter vom Mars" number="2"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>Edgar</first-name><middle-name>Rice</middle-name><last-name>Burroughs</last-name></author><book-title>The Gods of Mars</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date>2015</date><src-ocr>BOOKZ �R� US</src-ocr><id>6ECDE3B4-3347-4AA1-A103-8776E61FE35A</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Edgar Rice Burroughs</p><p>Die G�tter des Mars</p></title><section><title><p>Vorwort</p></title><p>Es ist nun zw�lf Jahre her, da� ich die sterblichen �berreste meines Gro�onkels, Hauptmann John Carter aus Virginia, in jenem eigenartigen Mausoleum auf dem alten Friedhof in Richmond beisetzte und den Augen der Menschheit f�r immer entzog.</p><p>Oft hatte ich �ber die merkw�rdigen Instruktionen gegr�belt, nach denen ich das monumentale Grabmal hatte errichten m�ssen, besonders �ber jene Passage, in der er anwies, den Sarg offen zu lassen, sowie �ber die riesige T�r, deren Riegel mit einem komplizierten Mechanismus versehen war, so da� sie nur von innen zu �ffnen war.</p><p>Es ist nun zw�lf Jahre her, da� ich das bemerkenswerte Manuskript dieses bemerkenswerten Mannes gelesen habe, eines Mannes, der sich nicht an seine Kindheit erinnern konnte und dem es M�he bereitete, auch nur ann�hernde Angaben �ber sein Alter zu machen. Er war noch immer jung und hatte dennoch den Urgro�vater meines Gro�vaters auf seinen Knien geschaukelt. Zehn Jahre hatte dieser Mann auf dem Planeten Mars verbracht, k�mpfte sowohl f�r die gr�nen Menschen von Barsoom als auch gegen sie, war Freund und Feind der roten Menschen, gewann die ewig sch�ne Dejah Thoris, die Prinzessin von Helium, zur Frau und lebte ungef�hr zehn Jahre lang als Prinz im Haus von Tardos Mors.</p><p>Zw�lf Jahre waren vergangen, seit man Johns Leichnam vor seinem Haus am Steilufer des Hudson aufgefunden hatte. W�hrend dieser langen Jahre habe ich mich oft gefragt, ob John Carter wirklich tot war oder ob er erneut auf den toten Meeren des sterbenden Planeten Mars umherzog. War er nach Barsoom zur�ckgekehrt, um herauszufinden, ob er die verfluchten T�ren der riesigen Atmosph�renfabrik rechtzeitig ge�ffnet und Millionen von Menschen vor dem Erstickungstod gerettet hatte, an jenem l�ngst vergangenen Tag, an dem er so unbarmherzig achtundvierzig Millionen Meilen durchs Weltall zur�ck zur Erde geschleudert worden war? Ich fragte mich, ob er seine schwarzhaarige Prinzessin gefunden hatte, und ob der feingliedrige Sohn aus seinen Tr�umen mit ihr in den Palastg�rten von Tardos Mors auf den Vater wartete.</p><p>Oder hatte er feststellen m�ssen, da� er zu sp�t kam, und war dem Tod in einer untergehenden Welt entgegengetreten? Oder war er etwa wirklich von uns gegangen, um weder zu seiner Mutter Erde noch zu seinem geliebten Mars zur�ckzukehren?</p><p>Dar�ber konnte ich nur sinnlose Vermutungen anstellen, bis mir an einem schw�len Abend im August der alte Ben, mein Bediensteter, ein Telegramm aush�ndigte. Ich ri� es auf und las:</p><cite><p>�Komm morgen zum Hotel Raleigh in Richmond.�</p><text-author>John Carter</text-author></cite><p>Fr�h am n�chsten Morgen nahm ich den ersten Zug nach Richmond, wo man mich zwei Stunden sp�ter in John Carters Zimmer geleitete.</p><p>Als ich eintrat, erhob er sich, um mich zu begr��en, auf dem sch�nen Gesicht das wohlbekannte, herzliche Willkommensl�cheln. �u�erlich war er nicht um eine Minute gealtert, sondern noch immer der hochgewachsene, feingliedrige Kriegsmann im Alter von etwa drei�ig Jahren. Die scharfen, grauen Augen waren ungetr�bt, und die einzigen Linien auf seinem Gesicht, jene, die von einem st�hlernen Charakter und Entschlossenheit zeugten, hatten sich meiner Erinnerung nach schon vor ungef�hr f�nfunddrei�ig Jahren bei unserer ersten Begegnung dort befunden.</p><p>�Tja, Neffe�, begr��te er mich. �Glaubst du dich einem Geist gegen�ber, oder f�hlst du dich eher so, als habest du einen von Onkel Bens Cocktails zuviel zu dir genommen?�</p><p>�Eher letzteres�, vermute ich. �Zwar geht es mir gro�artig, doch nimmt mich nur das Wiedersehen sehr mit�, entgegnete ich. �Warst du wieder auf dem Mars? Erz�hle! Und Dejah Thoris? Du hast sie wohlbehalten angetroffen, als sie auf dich wartete?�</p><p>�Ja, ich war wieder auf Barsoom�� aber das ist eine lange Geschichte, zu lang, um sie in der kurzen Zeit zu erz�hlen, die bis zu meiner Abreise noch bleibt. Ich habe das Geheimnis gel�ftet, Neffe. Nach Belieben kann ich durch das weglose Nichts reisen, zwischen den zahlreichen Planeten hin und her, wie ich will. Doch mein Herz geh�rt Barsoom, und solange es dort in den H�nden meiner Marsprinzessin liegt, zweifle ich, da� ich die untergehende Welt, der ich mich verschrieb, je wieder verlassen werde. Ich bin gekommen, da ich dich aufrichtig liebe und ich dich noch einmal sehen wollte, bevor du in jene Welt eingehst, die ich niemals kennen werde und die ich, der ich dreimal starb und heute abend ein weiteres Mal sterben werde, ebensowenig begreifen werde wie du. Sogar die weisen und geheimnisvollen Therns in Barsoom, die Anh�nger des uralten Kults, die seit Jahrhunderten das Geheimnis von Leben und Tod in den uneinnehmbaren Festungen auf den uns zugewandten Abh�ngen des Gebirges Otz h�ten sollen, wissen davon ebenso wenig wie wir. Ich habe es nachgepr�ft, obwohl ich dabei fast mein Leben gegeben h�tte. Doch das sollst du alles in den Niederschriften der vergangenen drei Monate lesen, welche ich auf der Erde verbrachte.�</p><p>Er t�tschelte das dicke Aktenb�ndel, das neben seinem Ellenbogen auf dem Tisch lag. �Ich wei�, es interessiert dich, du glaubst mir, und auch die Menschen m�ssen es wissen, obschon sie diesen Zeilen viele Jahre, ja sogar viele Jahrhunderte lang keinen Glauben schenken werden, da sie das Geschriebene nicht nachvollziehen k�nnen. Die Menschen auf der Erde sind einfach noch nicht so weit, die Dinge zu verstehen, die ich hier aufgezeichnet habe. Gib ihnen, was du f�r geeignet erachtest, was ihnen deiner Ansicht nach nicht schadet, doch sei nicht verletzt, wenn sie dich auslachen.�</p><p>An diesem Abend begab ich mich mit ihm zum Friedhof. Am Zugang zur Grabkammer wandte er sich um, gab mir die Hand und sagte: �Leb wohl, Neffe. Vielleicht sehen wir uns niemals wieder, denn ich bezweifle, da� ich es ein weiteres Mal �ber mich bringe, meine Frau und den Jungen allein zu lassen, solange sie leben, und die Lebensspanne auf Barsoom betr�gt weit �ber tausend Jahre.�</p><p>Er betrat die Grabkammer. Die gro�e T�r fiel langsam zu, die schweren Riegel schoben sich knirschend an Ort und Stelle, und das Schlo� klickte. Ich habe Hauptmann John Carter aus Virginia nie wiedergesehen.</p><p>Doch vor mir liegt die Geschichte von seiner zweiten R�ckkehr auf den Mars, wie ich sie aus den unz�hligen Niederschriften zusammentrug, die er auf dem Tisch seines Hotelzimmers in Richmond zur�ckgelassen hatte.</p><p>Vieles hiervon wage ich nicht zu ver�ffentlichen. Doch wird der Leser die Geschichte des Soldaten aus Virginia und seiner neuerlichen Suche nach Dejah Thoris, der Prinzessin von Helium, wohl noch beeindruckender finden als das erste, der Welt bereits vorliegende Manuskript, in welchem wir mit ihm die toten Meere durchsegelten, im Schein der Monde des Mars.</p><cite><text-author>Edgar Rice Burroughs</text-author></cite></section><section><title><p>1. Die Pflanzenmenschen</p></title><p>Als ich in jener klaren, kalten Nacht im fr�hen M�rz 1886 am Steilufer vor meinem Haus stand, wirkte der majest�tische Hudson-River auf mich wie das graue und stille Gespenst eines toten Flusses. Wieder sp�rte ich den seltsamen, zwingenden Einflu� des m�chtigen Kriegsgottes, meines geliebten Mars, den ich zehn lange und einsame Jahre mit ausgestreckten Armen angefleht hatte, mich zu meiner verlorenen Liebe zur�ckzutragen.</p><p>Diese unwiderstehliche Anziehungskraft des Schutzpatrons meines Berufsstandes hatte sich meiner seit jener M�rznacht 1866 nicht wieder bem�chtigt, als ich vor jener H�hle in Arizona stand, in der meine sterbliche H�lle lag, bekleidet mit dem stillen und leblosen Gewand des irdischen Todes.</p><p>Die Arme flehend dem Stern entgegengestreckt, einem rotgl�henden Auge, stand ich und betete um die R�ckkehr jener seltsamen Macht, die mich zweimal durch das unerme�liche Weltall getragen hatte, ich betete wie schon tausend N�chte zuvor, w�hrend der langen zehn Jahre des Wartens und Hoffens.</p><p>Pl�tzlich befiel mich �belkeit, vor mir geriet alles ins Schwimmen, die Knie gaben unter mir nach, und ich st�rzte der L�nge nach am Rand des schwindelerregenden Steilufers zu Boden.</p><p>Augenblicklich kl�rte sich vor mir alles wieder auf, und die grauenhaften Geschehnisse in der gespenstischen H�hle in Arizona wurden vor meinen Augen lebendig. Wie in jener weit zur�ckliegenden Nacht verweigerten meine Muskeln dem Willen den Dienst. Mir war, als ob ich sogar hier am Ufer des stillen Hudson das schreckliche St�hnen und Rascheln des furchteinfl��enden Wesens h�ren konnte, das mir damals im verborgenen Teil der H�hle aufgelauert und mich bedroht hatte. Erneut unternahm ich �bermenschliche Anstrengungen, um die seltsame L�hmung zu �berwinden, die mich befallen hatte, wieder ert�nte das scharfe Klicken, wie wenn gespannter Draht zerrei�t, und ich stand nackt und frei neben dem leblosen, starr dreinblickenden Ding, in dem soeben noch das warme, rote Blut von John Carter, mein Blut, pulsiert hatte.</p><p>Ohne meine sterbliche H�lle eines Abschiedsblickes zu w�rdigen, sah ich wieder zum Mars, streckte die H�nde in Richtung der d�sterroten Strahlen aus und wartete.</p><p>Es dauerte nicht lange. Kaum hatte ich mich umgewandt, als ich schnell wie der Gedanke durch das schreckliche, vor mir liegende Nichts scho�. Genau wie vor zwanzig Jahren f�hlte ich es einen Augenblick lang undenkbar kalt und �u�erst dunkel um mich herum werden. Als ich die Augen wieder aufschlug, befand ich mich in einer anderen Welt, unter den sengenden Strahlen einer fremden Sonne, die durch eine winzige �ffnung in der Baumdecke eines Waldes drangen, in dem ich lag.</p><p>Die Landschaft, die ich erblickte, war f�r den Mars so untypisch, da� mir das Herz beinahe stehenblieb, vor Angst, ein grausames Schicksal habe mich auf irgendeinen fremden Planeten verschlagen.</p><p>Warum nicht? Welchen F�hrer hatte ich denn in der weglosen Ein�de des Weltalls? Welche Sicherheit gab es, da� ich nicht auf einen weit entfernten Stern eines anderen Sonnensystems geschleudert worden war?</p><p>Ich lag auf einem kurzgeschnittenen Rasen, einer Art von rotem Gras, inmitten eines Hains fremdartiger, sch�ner B�ume, die von riesigen, pr�chtigen Bl�ten bedeckt waren und auf denen unz�hlige gl�nzende, doch stumme V�gel hockten. Ich nenne sie V�gel, da sie Fl�gel hatten, doch kein Sterblicher bekam jemals solche merkw�rdig geformten, unirdischen Gesch�pfe zu Gesicht.</p><p>Die Vegetation glich der in der Heimat der roten Marsmenschen bei den gro�en Wasserstra�en, aber diese B�ume und V�gel hatte ich auf dem Mars noch nie gesehen. Dann entdeckte ich weiter hinten etwas, mir auf dem Mars ebenfalls nicht Bekanntes�� ein offenes Meer, dessen blaues Wasser unter der bronzenen Sonne glei�te.</p><p>Als ich aufstand, um auf Erkundungstour zu gehen, machte ich dieselben komischen Erfahrungen wie damals bei meinen ersten, verh�ngnisvollen Gehversuchen auf dem Mars. Die geringere Anziehungskraft des kleineren Planeten und der niedrigere Luftdruck der d�nnen Atmosph�re boten den Muskeln des Erdenmenschen, der ich war, so geringen Widerstand, da� mich bereits die zum Aufstehen erforderlichen Anstrengungen mehrere Fu� in die L�fte bef�rderten und ich schlie�lich kopf�ber im seidigen Gras dieser seltsamen Welt landete.</p><p>Das best�rkte meine Vermutung, mich in einer mir noch unbekannten Gegend des Mars zu befinden. Dies lag durchaus im Rahmen des M�glichen, da ich w�hrend meines zehnj�hrigen Aufenthaltes nur einen winzigen Teil seiner riesigen Weiten erschlossen hatte.</p><p>Ich erhob mich, lachend �ber meine Verge�lichkeit, und hatte es bald wieder gelernt, meine irdischen Kr�fte den ungewohnten Bedingungen anzupassen.</p><p>Als ich langsam den kaum wahrnehmbaren Abhang zum Meer hinablief, fiel mir das Park�hnliche meiner Umgebung auf. Das teppichartige Gras war kurz, es erinnerte an einen alten englischen Rasen; das untere Ge�st der B�ume hatte man offenbar bis zu einer H�he von f�nfzehn Fu� sorgf�ltig beschnitten. So sah der Wald aus geringer Entfernung in jeder Richtung wie ein riesiges Zimmer mit einer sehr hohen Decke aus.</p><p>All diese Hinweise auf eine gewissenhafte und systematische Pflege �berzeugten mich davon, da� ich bei meinem zweiten Besuch auf dem Mars das Gl�ck hatte, den Fu� in zivilisiertes Gebiet zu setzen, so da� mir von Anfang an Gastfreundlichkeit und F�rsorge zuteil wurden, wie sie einem Prinzen des Hauses von Tardos Mors geziemten.</p><p>Je n�her ich zur See kam, desto mehr wuchs meine Bewunderung f�r den Wald. Die dicken St�mme, einige von ihnen mit reichlich einhundert Fu� Durchmesser, zeugten von der ungew�hnlichen H�he der B�ume, welche ich nur erahnen konnte, da das Bl�tterdach so dicht war, da� ich nicht mehr als sechzig, achtzig Fu� nach oben blicken konnte.</p><p>So weit ich sehen konnte, waren die St�mme, �ste und Zweige so glatt und gl�nzend wie das Furnier eines nagelneuen Klaviers. Einige B�ume waren schwarz wie Ebenholz, w�hrend ihre unmittelbaren Nachbarn im D�mmerlicht klar und wei� wie feines Porzellan schimmerten, azurblau, scharlachrot, gelb oder in dunklem Purpur gef�rbt waren.</p><p>Genauso bunt und abwechslungsreich war das Laubwerk, w�hrend die unz�hligen Bl�ten mit unseren Worten nicht zu beschreiben waren. Ihre Sch�nheit wiederzugeben h�tte selbst die G�tter vor eine schwierige Herausforderung gestellt.</p><p>Als ich am Waldrand ankam, sah ich zwischen den B�umen und der offenen See einen breiten Streifen Wiesenland. Ich wollte schon aus dem Schatten treten, da wurden allen romantischen und poetischen Betrachtungen �ber die reizvolle Landschaft ein j�hes Ende gesetzt.</p><p>Links sah ich nur die See, mir gegen�ber konnte ich undeutlich das andere Ufer erkennen, w�hrend sich zu meiner Rechten ein m�chtiger Flu� zwischen scharlachfarbenen Ufern majest�tisch in Richtung Meer ergo�.</p><p>Ein St�ck flu�aufw�rts erhoben sich riesige Felsklippen, denen der gro�e Flu� wohl entsprang.</p><p>Doch nicht diese ehrfurchtgebietenden, pr�chtigen Zeugnisse der Erhabenheit von Mutter Natur lenkten pl�tzlich meine Blicke auf sich, sondern die etwa zwanzig Individuen, welche sich gem�chlich am Ufer des m�chtigen Flusses entlangbewegten.</p><p>Es waren merkw�rdige, groteske Gestalten, wie ich sie auf dem Mars noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Von weitem schienen sie dem Menschen zu �hneln. Die gr��eren Exemplare waren aufgerichtet etwa zehn, zw�lf Fu� gro�, wobei die Proportionen der unteren Gliedma�en und des Rumpfes denen des Erdenmenschen entsprachen.</p><p>Ihre Arme waren allerdings sehr kurz, und meiner Meinung nach wirkten sie, als seien sie nach Art der Elefantenr�ssel geschaffen, denn die Kreaturen vollf�hrten damit schlangenartige, wellenf�rmige Bewegungen, als ob sie v�llig knochenlos oder zumindest nur mit Wirbeln ausgestattet waren.</p><p>Als ich sie so aus der Deckung eines riesigen Baumstammes beobachtete, bewegte sich eine der Kreaturen langsam in meine Richtung, wie ihre Artgenossen davon in Anspruch genommen, mit den merkw�rdig geformten H�nden �ber den Rasen zu fahren. Jedoch konnte ich nicht feststellen, welchem Zweck diese T�tigkeit diente.</p><p>Das Wesen kam dicht an mich heran, und deshalb konnte ich es sehr gut betrachten. Obwohl ich mit seiner Art sp�ter besser bekannt werden sollte, mu� ich sagen, da� mir ein einziger, kurzer Blick auf dieses schreckliche Spottbild der Natur v�llig gen�gt h�tte. Das schnellste Flugzeug der Luftwaffe von Helium h�tte mich nicht schnell genug aus der Reichweite dieses entsetzlichen Gesch�pfes schaffen k�nnen.</p><p>Der unbehaarte K�rper war von einem merkw�rdigen, d�steren Blau, mit Ausnahme eines breiten wei�en Kreises um das einzige hervorstehende Auge: Ein Auge, das ausschlie�lich wei� war�� die Pupille, die Iris und der gesamte Augapfel.</p><p>Als Nase diente ein zerkl�ftetes, entz�ndetes, rundes Loch in der Mitte seines leeren Gesichtes. Es wies eine erschreckende �hnlichkeit mit einer frischen Schu�wunde auf, die noch nicht zu bluten begonnen hatte.</p><p>Unter dieser widerw�rtigen �ffnung war das Gesicht bis zum Kinn leer, denn einen Mund konnte ich bei dem Wesen nicht entdecken. Seinen Kopf bedeckte eine verfilzte Masse kohlrabenschwarzen Haares von acht, zehn Zoll L�nge. Jedes Haar war dick wie ein fetter Angelwurm, und wenn die Kreatur mit den Kopfmuskeln zuckte, schien sich diese furchteinfl��ende M�hne zu winden, zu zappeln und in das gr��liche, unbehaarte Gesicht zu kriechen, als ob jedes einzelne Haar sich unabh�ngig von den anderen bewegen konnte.</p><p>Rumpf und Beine hatte die Natur wie bei den Menschen symmetrisch gestaltet, auch die F��e besa�en, abgesehen von der immensen Gr��e, menschliche Form. Von der Ferse bis zu den Zehen waren sie reichlich drei Fu� lang, sehr flach und breit.</p><p>Als die Kreatur in meine N�he kam, entdeckte ich, da� es sich bei den seltsamen Bewegungen, mit denen die merkw�rdigen H�nde �ber den Rasen glitten, um eine spezielle Art der Nahrungsaufnahme handelte: Mit den rasierklingenartigen Krallen schnitt das Wesen das zarte Gras ab und saugte es mit den beiden auf den Handfl�chen befindlichen M�ndern durch die arm�hnlichen H�lse auf.</p><p>Zus�tzlich zu den bereits beschriebenen Eigenarten verf�gte das Gesch�pf �ber einen dicken Schwanz von ungef�hr sechs Fu� L�nge, der am Ansatz rund war, sich jedoch zum Ende hin zu einer flachen, senkrecht zum Erdboden stehenden Klinge zuspitzte.</p><p>Bei weitem am eindrucksvollsten aber waren die beiden winzigen Nachbildungen von etwa sechs Fu� L�nge, die von den Armbeugen der bemerkenswerten Kreatur hinabbaumelten. Sie hingen an d�nnen Schl�uchen, welche die Mitte ihrer K�pfe mit dem K�rper des Muttertieres verbanden.</p><p>Ob das die Nachkommen waren oder einfach ein weiterer befremdlicher K�rperteil, wu�te ich damals nicht.</p><p>W�hrend ich mich der genaueren Betrachtung dieses unheimlichen, monstr�sen Wesens gewidmet hatte, war auch der Rest der Herde beim Weiden n�hergekommen, und nun sah ich, da� nicht an allen solche kleineren Exemplare hingen. Au�erdem unterschieden sich die Kleinen untereinander hinsichtlich der Gr��e. Von unge�ffneten, winzigen Knospen mit einem Zoll Durchmesser, waren alle Entwicklungsstufen bis zum voll ausgebildeten, ungef�hr zw�lf Zoll gro�en Gesch�pfen vertreten.</p><p>In der Herde weideten viele Kleine, die nicht viel gr��er waren als jene, die noch an ihren Eltern hingen. So schien die Gruppe von diesen Jungen bis hin zu den riesigen Erwachsenen alle Altersstufen einzuschlie�en.</p><p>Trotz des be�ngstigenden Aussehens der Wesen wu�te ich nicht, ob ich sie f�rchten mu�te, denn sie schienen nicht besonders zum Kampf ausger�stet zu sein. Ich wollte fast aus meinem Versteck hervortreten und mich ihnen zeigen, um herauszufinden, welche Wirkung der Anblick eines Menschen auf die Wesen hatte, da vernahm ich ein seltsam kreischendes Ger�usch vom Steilufer zu meiner Rechten, welches meinen voreiligen Entschlu� zum Gl�ck im Keim erstickte.</p><p>Nackt und unbewaffnet wie ich war, h�tten diese grausamen Kreaturen mir ein schnelles und schreckliches Ende bereitet, wenn ich meinen Gedanken rechtzeitig in die Tat umgesetzt h�tte. Doch bei diesem Schrei wandte sich jedes Mitglied der Herde in die Richtung, aus der er kam, jedes einzelne schlangen�hnliche Haar richtete sich auf, als sei es ein empfindungsf�higer Organismus, der die Quelle oder die Bedeutung des Wimmerns herausfinden wollte. Mit dieser Annahme irrte ich nicht, denn bei dem seltsamen Gew�chs auf den Sch�deln der Pflanzenmenschen von Barsoom handelt es sich um die tausend Ohren dieser entsetzlichen Kreaturen, den letzten Nachkommen jener seltsamen Rasse, die dem urspr�nglichen Lebensbaum entstammt.</p><p>Sofort richtete sich jedes Auge auf einen riesigen Gesellen, offensichtlich den Anf�hrer der Herde. Ein seltsam schnurrender Laut drang aus dem Mund einer seiner Handfl�chen, als er sich schnell in Richtung Steilufer auf den Weg machte. Die anderen folgten ihm sofort.</p><p>Sowohl die Geschwindigkeit als auch die Fortbewegungsart waren unglaublich. Mit gro�en S�tzen sprangen die Gesch�pfe etwa zwanzig, drei�ig Fu� weit, sehr nach der Art des K�nguruhs.</p><p>Schnell entschwanden sie meinem Blick, da fiel mir ein, ihnen zu folgen. Ich lie� jegliche Vorsicht au�er acht und setzte ihnen mit Spr�ngen und H�pfern �ber die Wiese hinterher, die selbst die ihrigen �bertrafen, denn auf dem Mars, wo Anziehungskraft und Luftdruck geringer sind, erbringen die Muskeln des athletischen Erdenmenschen erstaunliche Leistungen.</p><p>Die Pflanzenmenschen begaben sich direkt auf die Quelle des Flusses am Fu�e der Klippen zu, und als ich mich heranpirschte, bemerkte ich, da� der Boden hier mit Ger�ll �bers�t war, welches sich im Laufe der Zeit von den Felsen gel�st hatte.</p><p>Deswegen nahmen meine Augen das Entsetzliche erst wahr, als ich den Verursachern des j�hen Aufbruchs fast gegen�berstand. Von einem kleineren Felsen sah ich, da� die Pflanzenmenschen eine kleine Gruppe von vielleicht f�nf oder sechs gr�nen Marsmenschen von Barsoom, M�nnern und Frauen, einkreisten.</p><p>Nun bezweifelte ich nicht mehr, auf dem Mars zu sein, denn dies waren Angeh�rige jener wilden Horden, welche die vertrockneten Meeresb�den und die St�dte des untergehenden Planeten bewohnen.</p><p>Ich sah die hochgewachsenen M�nner mit ihrer erhabenen Haltung, den gl�nzend wei�en Sto�z�hnen, die aus den wuchtigen Unterkiefern hervortraten und etwa in der Mitte der Stirn endeten, den an den Seiten befindlichen, hervorstehenden Augen, mit denen sie ohne Drehung des Kopfes vorw�rts, r�ckw�rts oder in beide Richtungen zugleich blicken konnten, den seltsamen antennenartigen Ohren, die �ber der Stirn lagen, und einem zus�tzlichen Armpaar, das sich zwischen Schultern und H�ften befand.</p><p>Sogar ohne die gl�nzende gr�ne Haut und den ornamentalen Schmuck, der verriet, welchen St�mmen sie angeh�rten, h�tte ich sie augenblicklich als das erkannt, was sie waren, denn wo sonst im Universum h�tte man dergleichen schon gesehen?</p><p>Es waren zwei M�nner und vier Frauen. Ihr Schmuck wies sie als Angeh�rige unterschiedlicher Gruppierungen aus. Das wunderte mich, da die verschiedenen V�lker der gr�nen Menschen von Barsoom in ewigem Krieg miteinander leben. Niemals hatte ich gr�ne Marsmenschen verschiedener St�mme anders als im t�dlichen Zweikampf vereint gesehen, mit Ausnahme des historischen Ereignisses, als der gro�e Tars Tarkas von Thark einhundertundf�nfzigtausend gr�ne Krieger aus verschiedenen Horden versammelt hatte, um gegen die zum Untergang verurteilte Stadt von Zodanga zu marschieren, wo er Dejah Thoris, die Prinzessin von Helium, aus den Klauen von Than Kosis befreien wollte.</p><p>Doch nun standen sie Schulter an Schulter mit angstgeweiteten Augen einem gemeinsamen Feind gegen�ber, der b�sartige Absichten hegte.</p><p>Sowohl die M�nner als auch die Frauen waren mit langen Schwertern und Dolchen bewaffnet, doch konnte ich keine Gewehre sehen, mit denen sie sonst den grausamen Pflanzenmenschen kurzen Proze� gemacht h�tten.</p><p>Gleich darauf griff der Anf�hrer der Pflanzenmenschen an. Sein Vorgehen war unerwartet und folgenschwer, denn die Kampftechniken der gr�nen Menschen kannten keine Abwehr gegen eine solch pl�tzliche Attacke, deren Art ihnen ebenso neu war wie ihre monstr�sen Gegner selbst.</p><p>Er st�rmte bis auf zw�lf Fu� auf die Gruppe zu und schwang sich dann mit einem Satz in die Luft, als wolle er auf ihre K�pfe springen. Den m�chtigen Schwanz seitlich hoch erhoben, fegte der Pflanzenmensch dicht �ber seinen Opfern hinweg und lie� ihn pl�tzlich auf einem der Krieger niedergehen, dem dieser f�rchterliche Schlag den Sch�del zertr�mmerte, als sei der eine Eierschale.</p><p>Der Rest der grauenerregenden Herde begann das kleine H�ufchen nun immer schneller zu umkreisen. Ihre erstaunlichen Spr�nge und das schrille Kreischen aus den unheimlichen Kehlen waren genau darauf ausgerichtet, ihre Opfer zu verwirren und zu ver�ngstigen, so da�, als zwei der Angreifer gleichzeitig lossprangen, dem Schlag ihrer schrecklichen Schw�nze kein Widerstand entgegengesetzt wurde und zwei weitere gr�ne Marsmenschen auf unw�rdige Weise zugrunde gingen.</p><p>Jetzt waren lediglich ein Krieger und zwei Frauen �brig. Es schien nur noch ein paar Sekunden zu dauern, bis auch sie tot auf dem scharlachroten Rasen liegen w�rden.</p><p>Doch als zwei weitere Pflanzenmenschen angriffen, schwang der Krieger, gewitzt durch die Erfahrungen der letzten Minuten, sein m�chtiges Schwert und begegnete dem heranpfeifenden Kolo� mit einer scharfen Klinge, welche diesen vom Kinn bis zur Leistengegend spaltete.</p><p>Der andere vermochte jedoch den beiden Frauen mit dem grausamen Schwanz einen einzigen Hieb zu versetzen, der beide zertr�mmert zu Boden fegte.</p><p>Als der gr�ne Krieger seine letzten Gef�hrten verloren hatte und sah, da� ihn nun die gesamte Herde angriff, st�rmte er ihr k�hn entgegen, das lange Schwert auf furchterregende Weise schwingend, wie ich seine Leute im heftigen und fast st�ndig andauernden Krieg mit St�mmen ihrer eigenen Rasse oft erlebt hatte.</p><p>Nach links und rechts Schl�ge austeilend, bahnte er sich einen Weg durch die herankommenden Pflanzenmenschen und begann auf den Wald zuzust�rmen, wo er offensichtlich Schutz und Rettung zu finden hoffte.</p><p>Er hatte den Weg zu dem an die Klippen grenzenden Waldst�ck eingeschlagen, so da� der wilde Wettlauf die gesamte Mannschaftweiter von dem Felsbrocken wegf�hrte, wo ich mich aufhielt.</p><p>Angesichts seines heldenhaften Kampfes gegen eine derartige �bermacht war meine Bewunderung f�r den gro�artigen Krieger immer tiefer geworden. So handelte ich, wie es meine Art war, ohne langes Nachdenken, sprang sofort aus meinem felsigen Versteck und st�rzte zu den Leichen der gr�nen Marsmenschen, im Kopf eine klar umrissene Idee.</p><p>Nach einem halben Dutzend S�tze war ich dort, und im n�chsten Augenblick hatte ich die Verfolgung der f�rchterlichen Monster aufgenommen, die den Fl�chtling zusehends einholten. Doch ich hielt ein riesiges Schwert in der Hand, mein Innerstes war von der altbekannten Kampfeslust des Soldaten erf�llt, roter Nebel hing mir vor den Augen, und ich l�chelte wie jedesmal vor einer Schlacht.</p><p>Alles in allem kam ich nicht zu fr�h, denn sie hatten den gr�nen Krieger schon auf halbem Wege zum Wald eingeholt, er stand nun mit dem R�cken an einem Felsen, w�hrend die Herde sich zischelnd und kreischend um ihn scharte.</p><p>Da die Untiere nur �ber ein Auge verf�gten und alle hiermit gierig die Beute musterten, bemerkten sie mein lautloses Herankommen nicht. Bevor sie wu�ten, wie ihnen geschah, war ich mit meinem langen Schwert bei ihnen, und vier der Kreaturen lagen tot am Boden.</p><p>Einen Augenblick schreckten sie vor meinem heftigen Ansturm zur�ck. Der Krieger zeigte sich der Situation gewachsen und nutzte die Sekunde�� er sprang neben mich, teilte nach rechts und links aus, wobei seine gro�en kreisenden Schl�ge eine Acht bildeten, wie ich es erst ein einziges Mal einen anderen Krieger hatte tun sehen. Er hielt erst inne, als keiner in seiner N�he mehr am Leben war. Die scharfe Klinge ging durch Fleisch, Knochen und Metall wie durch Luft.</p><p>Als wir uns in das Gemetzel st�rzten, erhob sich weit �ber uns der schon vorhin vernommene schrille, unheimliche Schrei, der die Herde zum Angriff gerufen hatte. Immer wieder ert�nte er, doch wir hatten gegen die unb�ndigen und m�chtigen Kreaturen zu k�mpfen statt nach dem Urheber dieser schrecklichen T�ne Ausschau zu halten.</p><p>Lange N�gel fuhren in irrsinniger Wut �ber uns; Krallen, scharf wie Rasierklingen, zerkratzten unsere K�rper. Von Kopf bis Fu� haftete eine gr�ne, klebrige Fl�ssigkeit, wie sie aus einer zerdr�ckten Raupe quillt, an uns. Mit jedem Schnitt und Hieb unserer langen Schwerter spritzte sie aus den verletzten Adern der Pflanzenmenschen, durch die sie sich wie Blut ihren Weg bahnte.</p><p>Da klammerte sich eines der schweren Monster an meinen R�cken, und als seine scharfen Krallen in mein Fleisch sanken und feuchte Lippen sich an die Wunden hefteten, f�hlte ich, wie f�rchterlich es ist, bei lebendigem Leibe ausgesaugt zu werden.</p><p>Ich war gerade mit einem b�sartigen Gesellen besch�ftigt, der von vorn an meine Kehle zu kommen versuchte, w�hrend zwei weitere auf teuflische Weise mit den Schw�nzen nach mir ausholten.</p><p>Der gr�ne Krieger hatte in diesem Moment sehr mit seinen Gegnern zu tun, und ich wu�te, da� ich dem ungleichen Kampf nur noch kurz gewachsen war. Da erkannte er meine Misere, ri� sich los und fegte mir den Angreifer mit einem einzigen Schlag seines Schwertes vom R�cken, so da� ich, auf diese Weise erleichtert, mit dem anderen m�helos fertig wurde.</p><p>Wieder zusammen, standen wir fast nebeneinander gelehnt an den riesigen Felsbrocken. Das vereitelte den Kreaturen ihr Vorhaben, sich �ber uns zu schwingen und uns zu zerfetzen Da wir ihnen von Angesicht zu Angesicht durchaus gewachsen waren, konnten wir die Zahl der bisherigen �berlebenden weiterhin verringern, bis das schrille Geheul unsere Aufmerksamkeit erregte.</p><p>Diesmal schaute ich auf und entdeckte weit �ber uns auf einem kleinen Balkon, den die Natur ins Felsgestein gehauen hatte, ein seltsames M�nnlein. Den schrillen Schrei von sich gebend, winkte es in Richtung Flu�, wie um jemanden von dort herbeizuholen, deutete mit der anderen Hand auf uns und gestikulierte wild.</p><p>Ein Blick zum Flu� machte mir seine Absichten deutlich, und mich erf�llten f�rchterliche Vorahnungen. Von weit her, vom Flachland und vom Wald, str�mten Hunderte unserer Gegner herbei, begleitet von einigen seltsamen, unbekannten Monstern, die sich in rasender Geschwindigkeit aufrecht oder auf allen vieren auf uns w�lzten.</p><p>�Das wird ein gro�artiger Tod, sieh!� wies ich meine Gef�hrten auf die neue Bedrohung hin.</p><p>Er warf einen kurzen Blick auf das Geschehen und entgegnete l�chelnd: �Zumindest sterben wir im Kampf, wie es sich f�r gro�e Krieger ziemt, John Carter.�</p><p>Wir hatten soeben den letzten unserer unmittelbaren Widersacher zur Strecke gebracht, und ich wandte mich �berrascht zu ihm hin, als ich meinen Namen h�rte.</p><p>Voller Erstaunen erkannte ich vor mir den gr��ten der gr�nen Menschen von Barsoom, ihren k�hnsten Staatsmann und m�chtigsten General, meinen besten Freund, Tars Tarkas, den Jeddak von Thark.</p></section><section><title><p>2. Eine Schlacht im Wald</p></title><p>Tars Tarkas und ich fanden keine Zeit f�r ein Plauderst�ndchen, als wir, inmitten der Leichen unserer grotesken Angreifer, vor dem gro�en Felsen standen. Aus allen Himmelsrichtungen str�mten die furchteinfl��enden Kreaturen herbei und folgten dem unheimlichen Ruf der seltsamen Gestalt hoch oben in der Felswand.</p><p>�Komm, la� uns versuchen, die Felsen zu erreichen!� rief Tars Tarkas. �Nur dort haben wir eine Chance, ihnen f�r kurze Zeit zu entkommen. Vielleicht finden wir eine H�hle oder einen kleinen Felsvorsprung, so etwas k�nnen zwei Krieger ewig gegen eine solche unbewaffnete und unorganisierte Horde verteidigen.�</p><p>Wir st�rmten �ber den scharlachfarbenen Rasen, wobei ich mich etwas z�gelte, um meinen langsameren Gef�hrten nicht zur�ckzulassen. Bis zu den Klippen waren es etwa dreihundert Yard, dann mu�ten wir nur noch eine geeignete Barriere finden, von der aus wir unseren entsetzlichen Verfolgern Einhalt gebieten konnten.</p><p>Unser Vorsprung wurde zusehends kleiner, da rief Tars Tarkas mir zu, ich solle vorauslaufen und bereits nach einem g�nstigen Platz Ausschau halten. Das war eine gute Idee, denn so konnten wir viele wertvolle Minuten sparen. Ich lief aus Leibeskr�ften und war nach wenigen S�tzen am Fu� des Felsens.</p><p>J�h stiegen die Felsklippen vom beinahe ebenen Boden auf. Ungleich den meisten Felsen, die ich bisher gesehen habe, hatte sich unten kein Ger�ll angesammelt, das einem das Klettern erleichtert h�tte. Die abgesprengten gr��eren Felsbrocken, die von oben heruntergest�rzt waren, nun auf der Erde lagen oder sich teilweise darin vergraben hatten, wiesen als einziges darauf hin, da� dieses steil aufragende Massiv �berhaupt der Verwitterung ausgesetzt war.</p><p>Beim ersten oberfl�chlichen Blick auf die Felswand packte mich helle Angst, denn nirgendwo war etwas zu sehen, das in irgendeiner Form eine Zuflucht bot, abgesehen von dem nat�rlichen Balkon, von dem der unheimliche Herold noch immer seine schrille Botschaft verk�ndete.</p><p>Zu meiner Rechten f�hrte der Felsen ins Dickicht des Waldes, der am Massiv endete und sich mit seinem pr�chtigen Laubwerk bis tausend Fu� �ber dem Erdboden gegen seinen schroffen und abweisenden Nachbarn schmiegte.</p><p>Zu meiner Linken sah ich nur Felswand, sie bildete die Stirnseite des breiten Tales und verlor sich schlie�lich in einer Kette des m�chtigen Gebirges, von dem das Flachland eingeschlossen war.</p><p>Etwa tausend Fu� von mir entfernt schien der Flu� aus dem Felswerk hinauszubrechen. Dort bot sich mir meines Erachtens jedoch keinerlei Fluchtweg, und so wandte ich mich wieder dem Wald zu.</p><p>Der Felsen ragte �ber mir reichlich f�nftausend Fu� in die H�he. Die Sonne stand noch nicht im Zenit, so da� er halb im Schatten lag. Hier und da wurde das d�stere Gelb des Gesteins von dunkelroten und gr�nen Streifen und Flecken, gelegentlich auch von wei�em Quarz durchbrochen.</p><p>Es war ein gro�artiger Anblick, doch f�rchtete ich, da� ich ihm im ersten Moment nicht die n�tige W�rdigung entgegenbrachte.</p><p>Jetzt dachte ich nur an Flucht, und w�hrend mein Blick auf der Suche nach einer Spalte immer wieder erfolglos �ber diese riesige Fl�che schweifte, packte mich pl�tzlich unb�ndiger Ha�, wie ihn ein H�ftling f�r die grausamen und undurchdringlichen W�nde seines Kerkers empfinden mu�.</p><p>Tars Tarkas kam zusehends n�her, doch noch schneller war die schreckliche Horde, die sich an seine Fersen geheftet hatte.</p><p>Das bedeutete, da� uns wohl nur der Weg in den Wald �brigblieb. Gerade wollte ich Tars Tarkas Zeichen geben, mir dorthin zu folgen, als die Sonne �ber der Felsspitze aufstieg. Die hellen Strahlen trafen auf die d�stere Oberfl�che, und augenblicklich brachen Millionen spr�hender Funken von gl�nzendem Gold, flammendem Rot, sanftem Gr�n und strahlendem Wei� aus ihr hervor�� kein menschliches Auge bekam jemals ein pr�chtigeres und bezaubernderes Bild zu sehen.</p><p>Wie sich bei einer sp�teren Untersuchung endg�ltig herausstellte, durchzogen Adern und Erznester aus massivem Gold die Felswand, da� es beinahe so wirkte, als best�nde sie ausschlie�lich aus diesem wertvollen Metall, au�er jener Stellen, an denen Bl�cke von Rubinen, Smaragden und Diamanten zutage traten�� nur ein schwacher und verlockender Hinweis auf die unerme�lichen und unsch�tzbaren Reicht�mer, die tief hinter dieser pr�chtigen Oberfl�che verborgen lagen.</p><p>Doch was mich in diesem Moment, als die Sonne die Felswand zum Erstrahlen brachte, am meisten fesselte, waren mehrere schwarze Flecken, die sich deutlich sichtbar hoch oben auf der prachtvollen Wand neben den Baumwipfeln abzeichneten und offenbar hinter dem Ge�st weiterf�hrten.</p><p>Augenblicklich erkannte ich, worum es sich dabei handelte: Es waren die Eing�nge zu H�hlen in der Felswand. Erreichten wir sie, boten sie vielleicht einen Fluchtweg oder wenigstens vor�bergehend Schutz.</p><p>Es gab nur einen Weg, und der f�hrte �ber die gewaltigen, hoch aufragenden B�ume zu unserer Rechten. Da� ich sie erklimmen konnte, wu�te ich, doch f�r jemanden mit der Gr��e und dem Gewicht von Tars Tarkas stellte es eine schier unl�sbare Aufgabe dar, denn die Marsmenschen sind, gelinde gesagt, nur armselige Kletterer. Auf dem ganzen Planeten habe ich nicht einen Berg von mehr als viertausend Fu� H�he gesehen, gemessen vom Grund der ausgetrockneten Meere, und da der Boden bis zu den Gipfeln sanft ansteigt, bieten diese kaum �bungsm�glichkeiten. Auch h�tte kaum ein Marsmensch das Klettern �ben m�gen, denn es fand sich immer ein Weg, der am Fu�e des Berges entlangf�hrte, und diesen zogen sie dem k�rzeren, aber m�hevolleren Aufstieg vor.</p><p>Doch diesmal blieb uns nichts weiter �brig, als an einem der B�ume neben dem Felsen zu den H�hlen nach oben zu klettern.</p><p>Der Thark verstand sofort die Schwierigkeiten dieses Vorhabens, aber wir hatten keine andere Wahl, und so rannten wir los.</p><p>Unsere unnachgiebigen Verfolger hatten sich so dicht an unsere Fersen geheftet, da� es schien, als k�nne der Jeddak der Thark niemals vor ihnen den Wald erreichen. Auch verschwendete er nicht allzu viel Energie f�r diese Bem�hungen, denn die gr�nen Menschen von Barsoom verabscheuen die Flucht. Ich habe noch keinen von ihnen vor dem Tod davonlaufen sehen, in welcher Form er ihm auch gegen�berstand. Und gerade Tars Tarkas hatte schon tausendmal, ja zehntausendmal im t�dlichen Zweikampf mit Mensch und Tier bewiesen, da� er der mutigste Marsmensch von allen war. Und so wurde mir klar, da� es f�r seine Flucht einen anderen Grund geben mu�te als Todesangst, so wie auch er wu�te, da� mich eine gr��ere Macht als Stolz oder Ehre anspornte, diesen wilden Zerst�rern zu entkommen. In meinem Fall war es Liebe�� die Liebe zur g�ttlichen Dejah Thoris. Doch warum der Thark pl�tzlich derart an seinem Leben hing, war mir ein R�tsel, denn eher ziehen diese absonderlichen, lieblosen und ungl�cklichen Menschen den Tod dem Leben vor.</p><p>Schlie�lich erreichten wir den Schatten der B�ume, w�hrend rechts hinter uns der schnellste unserer Verfolger, ein riesiger Pflanzenmensch, die Klauen schon voller Blutdurst nach uns ausgestreckt hatte, um seine M�uler an uns zu heften.</p><p>Er kam etwa einhundert Yards vor seinen Leuten, und so rief ich Tars Tarkas zu, auf einen gro�en Baum zu klettern, dessen �ste den Felsen streiften. Ich w�rde w�hrenddessen der Kreatur den Garaus machen, damit der des Kletterns unkundige Thark in der Zwischenzeit die weiter oben gelegenen �ste erreichen konnte, bevor die gesamte Horde bei uns war und unserer Flucht ein Ende setzte.</p><p>Doch ich hatte weder den Verstand des Pflanzenmenschen noch die Schnelligkeit in Betracht gezogen, mit der seine Leute die Entfernung zur�cklegten.</p><p>Als ich mit dem langen Schwert nach der Kreatur ausholte, blieb sie wie angewurzelt stehen und fegte, w�hrend meine Klinge nur harmlos die Luft durchschnitt, mit dem b�renstarken Schwanz �ber den Grasteppich, so da� ich zu Boden geschleudert wurde. Sofort warf sie sich auf mich, doch bevor sie mir ihre schrecklichen M�uler auf die Brust und den Hals setzen konnte, hatte ich beide der schlangenartigen Fangarme gepackt.</p><p>Der Pflanzenmensch verf�gte �ber ein dickes Muskelpaket und war schwer und kr�ftig. Doch da ich die St�rke und Beweglichkeit eines Erdenmenschen besa� und zu einem t�dlichen W�rgegriff angesetzt hatte, w�re ich wahrscheinlich als Sieger hervorgegangen, h�tten wir ungest�rt unsere Kr�fte miteinander vergleichen k�nnen. Aber w�hrend wir miteinander unter dem Baum rangen, in dessen Laubwerk sich Tars Tarkas verzweifelt abplagte, sah ich �ber die Schulter meines Gegners hinweg die unz�hligen Verfolger auf mich zugestr�mt kommen.</p><p>Nun endlich begriff ich, worum es sich bei den anderen Monstern handelte, die gemeinsam mit den Pflanzenmenschen dem unheimlichen Ruf des Mannes in der Felswand gefolgt waren. Es waren die gef�rchtetsten aller Kreaturen vom Mars�� die gro�en wei�en Affen von Barsoom.</p><p>Schon zu fr�herer Gelegenheit hatte ich Bekanntschaft mit ihrer Art gemacht, und ich kann sagen, da� von all den entsetzlichen, unheimlichen und grotesken Einwohnern dieser seltsamen Welt die wei�en Affen mir am ehesten Furcht einfl��ten.</p><p>Ich denke, das liegt daran, da� die wei�en Affen dem Erdenmenschen verbl�ffend �hneln und einem so wie Menschen vorkommen. Es ist die Kombination von Gr��e und Aussehen, die sie jedoch unheimlich macht.</p><p>Sie sind f�nfzehn Fu� gro� und bewegen sich aufrechten Ganges. Wie die gr�nen Marsmenschen verf�gen sie �ber ein zus�tzliches Armpaar zwischen den oberen und unteren Gliedma�en. Die Augen stehen sehr dicht beieinander, liegen jedoch, anders als bei den gr�nen Marsmenschen, tief in den H�hlen. Die hoch angesetzten Ohren befinden sich seitlicher als bei den gr�nen Menschen; Mundpartie und Z�hne �hneln jenen des afrikanischen Gorillas. Auf dem Kopf haben sie einen dichten Sch�pf borstigen Haares.</p><p>Meine Augen trafen die des wei�en Affen und der Pflanzenmenschen, als ich �ber die Schulter meines Widersachers sah. Dann warfen sie sich in einem Kn�uel auf mich�� vor Wut knurrend, schnappend, schreiend und fauchend. Am schlimmsten von all den Ger�uschen, die meine Ohren plagten, war f�r mich das furchteinfl��ende Zischen der Pflanzenmenschen.</p><p>Im Nu versenkten sich eine Unzahl grausamer F�nge und scharfer Krallen in mein Fleisch. Kalte Lippen saugten sich an meinen Arterien fest. Ich versuchte, mich ihnen zu entwinden, und obwohl mich ihre riesigen K�rper niederdr�ckten, gelang es mir, wieder auf die F��e zu kommen. Mit dem langen Schwert in den H�nden, das ich nun weiter unten, mehr wie einen Dolch anpackte, schaffte ich um mich herum ein solch verheerendes Durcheinander, da� ich kurz darauf v�llig allein dastand.</p><p>Wenn auch das Schreiben dar�ber Minuten in Anspruch genommen hat, geschah doch alles binnen weniger Sekunden. Inzwischen hatte Tars Tarkas meine mi�liche Lage bemerkt und sich von den unteren �sten fallen gelassen, die er nach unendlichen M�hen erklommen hatte. Als ich mich gerade des letzten meiner b�sartigen Gegen�ber entledigte, sprang der Thark neben mich, und ein weiteres Mal k�mpften wir Seite an Seite.</p><p>Immer wieder sprangen uns die wilden Affen an, und immer wieder schlugen wir sie mit unseren Schwertern zur�ck. Schwungvoll pfiffen die langen, kr�ftigen Schw�nze der Pflanzenmenschen �ber uns hinweg, wenn sie uns aus verschiedenen Richtungen ansprangen oder leichtf��ig wie Windhunde �ber unsere K�pfe hinwegsetzten. Indes begegneten wir einem jeden Angriff mit einer funkelnden Klinge, gehalten von den H�nden der beiden M�nner, die schon seit zwanzig Jahren auf dem ganzen Mars ber�hmt waren, denn Tars Tarkas und John Carter waren die Namen, bei deren Klang die Herzen der Krieger des Mars h�her schlugen.</p><p>Doch sogar die zwei besten Schwerter in der Welt der Soldaten halten nicht ewig einer �berw�ltigenden �bermacht wilder und grausamer Kreaturen stand, die erst wissen, was Niederlage bedeutet, wenn der kalte Stahl dem Schlag ihrer Herzen Einhalt gebietet. Schritt f�r Schritt wurden wir zur�ckgetrieben. Schlie�lich standen wir mit dem R�cken zu dem riesigen Baum, den wir zu erklimmen gedacht hatten, und da wir unabl�ssig angegriffen wurden, mu�ten wir immer wieder zur�ckweichen, bis wir zur H�lfte um den gigantischen Stamm gedr�ngt worden waren.</p><p>Pl�tzlich h�rte ich Tars Tarkas, der voranging, frohlockend aufschreien.</p><p>�Hier ist mindestens Platz f�r einen von uns, John Carter�, sagte er. Als ich hinabblickte, sah ich unten im Baumstamm eine �ffnung von etwa drei Fu� Durchmesser.</p><p>�Hinein mit dir, Tars Tarkas�, rief ich, doch er z�gerte, sagte, da� er nicht durch das kleine Loch passe, w�hrend ich hingegen m�helos hineinschl�pfen k�nne.</p><p>�Wir werden beide sterben, wenn wir drau�en bleiben, John Carter. Es gibt eine winzige Chance f�r einen von uns. Nutze sie, und du bleibst am Leben, um mich zu r�chen. Ich kann mich nicht durch so eine kleine �ffnung quetschen, w�hrend uns diese Horde Teufel von allen Seiten zusetzt.�</p><p>�Dann werden wir zusammen sterben, Tars Tarkas, denn ich gehe nicht als erster�, entgegnete ich. �La� mich den Zugang verteidigen, w�hrend du hineinkriechst, ich bin kleiner und zw�nge mich hinter dir hinein, ohne da� die Monster es verhindern k�nnen.�</p><p>Noch immer k�mpften wir unb�ndig gegen unsere Angreifer, verst�ndigten uns in halben S�tzen, die durch teuflische Schnitte und Hiebe unterbrochen wurden.</p><p>Schlie�lich gab er nach, denn es schien der einzige Weg zu sein, um �berhaupt einen von uns vor der st�ndig anwachsenden Schar von Feinden zu retten, die noch immer von allen Seiten aus dem Tal auf uns zustr�mten.</p><p>�Es war schon von jeher deine Art, zuletzt an dein eigenes Leben zu denken, John Carter, und noch �hnlicher sieht es dir, anderen zu befehlen, wie sie zu leben und zu handeln haben, sogar dem gr��ten aller Jeddaks, die auf Barsoom herrschen�, sagte er. Auf seinem grausamen, harten Gesicht zeigte sich ein d�steres L�cheln, als er, der gr��te Jeddak von allen, sich umwandte, um den Befehlen eines Wesens aus einer anderen Welt zu gehorchen�� eines Mannes, der nur halb so gro� war wie er selbst.</p><p>�Wenn es dir nicht gelingt, John Carter, dann wisse, da� der grausame und herzlose Thark, dem du die Bedeutung des Wortes Freundschaft beigebracht hast, herauskommen wird, um neben dir zu sterben�, sagte er.</p><p>�Wie du w�nschst, mein Freund�, entgegnete ich. �Doch schnell hinein, mit dem Kopf zuerst. Ich decke w�hrenddessen deinen R�ckzug!�</p><p>Immer noch z�gerte er, denn nie zuvor in seinem ganzen Leben voller K�mpfe hatte er etwas anderem als dem Tod oder dem besiegten Feind den R�cken zugekehrt.</p><p>�Beeile dich, Tars Tarkas�, dr�ngte ich. �Oder es kostet uns beide das Leben, und das v�llig umsonst. Allein kann ich sie nicht ewig aufhalten.�</p><p>Als er sich zu Boden lie�, um in die Baumh�hlung zu kriechen, warf sich die gesamte Meute der schrecklichen, heulenden Teufel auf mich. Nach rechts und links flog meine gl�nzende Klinge, mal gr�n von dem klebrigen Lebenssaft der Pflanzenmenschen, mal dunkel von dem karmesinroten Blut der wei�en Affen. Von einem Angreifer ging sie zum n�chsten und verharrte lediglich den Bruchteil einer Sekunde in einem wilden Herzen, um dessen Lebenssaft zu trinken.</p><p>Die �bermacht, mit der ich es zu tun hatte, war so gewaltig, da� ich mir sogar jetzt nicht mehr vorzustellen vermag, wie menschliche Muskeln dieser f�rchterlichen Invasion von Tonnen unbezwingbarer Fleischberge standhalten konnten.</p><p>Da die Kreaturen f�rchteten, da� wir ihnen entkamen, verdoppelten sie ihre Bem�hungen, mich zu �berw�ltigen, und w�hrend sich um mich herum ihre toten und sterbenden Kameraden stapelten, gelang es ihnen schlie�lich, mich zu Fall zu bringen. Das zweite Mal an diesem Tag ging ich unter ihnen zu Boden, und erneut sp�rte ich die schrecklichen, saugenden Lippen auf der Haut.</p><p>Doch kaum war ich unterlegen, wurden meine Handgelenke mit eisernem Griff gepackt, und eine Sekunde sp�ter befand ich mich im Inneren des Baumes. Es kam zu einer kurzen, heftigen Auseinandersetzung zwischen Tars Tarkas und einem gro�en Pflanzenmenschen, der sich hartn�ckig an meine Brust klammerte, doch bald brachte ich meine Klinge zwischen uns und durchbohrte den Gegner mit einem m�chtigen Sto�.</p><p>Zerrissen und aus vielen Wunden blutend, lag ich keuchend auf dem Boden in der Baumh�hle, w�hrend Tars Tarkas den Zugang vor dem aufgebrachten Gesindel drau�en verteidigte.</p><p>Eine Stunde lungerten sie um den Baum herum und heulten, doch nach einigen Versuchen, zu uns zu gelangen, beschr�nkten sie sich auf einsch�chterndes Geschrei und Gekreisch. Grauenerregend war das Knurren der gro�en wei�en Affen, und das Schnurren der Pflanzenmenschen war ebenso unbeschreiblich wie entsetzlich.</p><p>Schlie�lich verschwanden alle bis auf etwa zwanzig, die uns wohl an der Flucht hindern sollten. Unser Abenteuer schien in eine Belagerung �berzugehen, und auch diese w�rde f�r uns nur mit dem Hungertode enden. Sogar wenn es uns gelingen sollte, nach Einbruch der Dunkelheit herauszuschl�pfen, wohin konnten wir in diesem unbekannten und feindlichen Tal fliehen?</p><p>Als der feindliche Ansturm nachgelassen hatte und unsere Augen sich an das vorherrschende Halbdunkel gew�hnt hatten, ergriff ich die Gelegenheit, unser seltsames Schlupfloch zu erkunden.</p><p>Die Baumh�hlung hatte einen Durchmesser von etwa f�nfzig Fu� und war dem ebenen, harten Boden nach zu schlie�en schon oft als Behausung genutzt worden. Als ich nach oben blickte, um festzustellen, wie hoch sie war, sah ich weit �ber mir einen schwachen Lichtschein.</p><p>Oben war ein Loch. Erreichten wir es, konnten wir doch noch darauf hoffen, in den Felsenh�hlen Unterschlupf zu finden. Als ich meine Erkundungen fortsetzte, stie� ich pl�tzlich auf der einen Seite auf eine grobe Leiter.</p><p>Schnell kletterte ich daran hoch und kam schlie�lich zu dem untersten einer Reihe von Holzbalken, die im nun engeren Schacht des Baumstammes verankert worden waren. Diese Balken hatte man im Abstand von drei Fu� �bereinander gesetzt, sie bildeten, soweit ich sehen konnte, eine ideale Leiter nach oben.</p><p>Ich lie� mich ein weiteres Mal zum Boden hinab und erz�hlte Tars Tarkas von meiner Entdeckung, der daraufhin vorschlug, da� ich den oberen Teil so weit wie m�glich erforschte, w�hrend er den Eingang vor m�glichen Angreifern bewachte.</p><p>Ich machte mich auf den Weg. Reichlich f�nfhundert Fu� weiter oben erreichte ich schlie�lich das Loch im Baumstamm, durch welches das Licht einfiel. Es war etwa von derselben Gr��e wie der Eingang unten und �ffnete sich direkt auf einen breiten, flachen Ast, an dessen abgewetzter Oberseite man sehen konnte, da� er lange Zeit als Weg genutzt worden war.</p><p>Ich wagte mich nicht ins Helle, da ich f�rchtete, da� man mich entdeckte und uns in dieser Richtung den Fluchtweg abschnitt. Statt dessen eilte ich wieder zu Tars Tarkas.</p><p>Bald war ich bei ihm, und kurz darauf befanden wir uns auf dem Weg nach oben.</p><p>Tars Tarkas kletterte voran, und als ich hinter ihm am ersten Balken ankam, zog ich die Leiter hinter mir hoch und reichte sie ihm. Einhundert Fu� weiter oben verkeilte er sie sicher zwischen einem der Balken und dem Stamm. Auf dieselbe Weise l�ste ich den jeweils unteren Balken, nachdem ich ihn passiert hatte, so da� wir unsere Feinde bis in einhundert Fu� H�he jeder M�glichkeit, uns einzuholen, beraubt hatten und eine Verfolgung oder ein Angriff aus dem Hinterhalt somit ausgeschlossen war.</p><p>Wie sich sp�ter herausstellen sollte, ersparte uns diese Vorsichtsma�nahme eine Menge Unannehmlichkeiten und rettete uns schlie�lich das Leben.</p><p>Oben angekommen, wich Tars Tarkas beiseite, damit ich hinaustreten und die Lage erkunden konnte, denn ich war auf Grund meines geringeren Gewichtes und meiner Gewandtheit besser geeignet, mich in dieser schwindelerregenden und gef�hrlichen H�he zu bewegen.</p><p>Der Ast stieg in Richtung Felsen leicht an und endete einige Fu� �ber einem schmalen Felsvorsprung, von dem aus es in eine enge H�hle ging.</p><p>Als ich auf dem schlankeren Teil des Astes stand, bog er sich unter meinem Gewicht, ich balancierte weiter und stellte fest, da� sich der �u�erste Arm sanft in H�he dieses nur noch einige Fu� entfernten Vorsprunges einpegelte. F�nfhundert Fu� weiter unten lag der strahlend scharlachrote Grasteppich, etwa f�nftausend Fu� �ber mir ragte die m�chtige, gl�nzende Felswand voller Pracht empor.</p><p>Die H�hle mir gegen�ber hatte ich von unten nicht sehen k�nnen, die anderen lagen viel h�her, vielleicht tausend Fu�. Doch soweit ich das beurteilen konnte, w�rde sie unsere Zwecke ebenso erf�llen wie jede andere, und so kehrte ich zum Baum zur�ck, um Tars Tarkas zu holen.</p><p>Gemeinsam tasteten wir uns auf der schwankenden Passage entlang. Am Ende des Astes angekommen, mu�ten wir indes feststellen, da� unser gemeinsames Gewicht den Ast hinunter dr�ckte und die H�hlen�ffnung nun zu weit oben lag, um sie zu erreichen.</p><p>Schlie�lich kamen wir darin �berein, da� Tars Tarkas zur�ckklettern und dabei den l�ngsten Ledergurt aus seiner Ausr�stung bei mir lassen sollte. Hatte sich der Ast dann wieder aufgerichtet, w�rde ich in die H�hle klettern, Tars Tarkas den Gurt hinunterlassen und ihn nach oben zum sicheren Felsvorsprung ziehen.</p><p>Ohne Zwischenf�lle verwirklichten wir unser Vorhaben und befanden uns bald in schwindelerregender H�he am Rand eines kleinen Balkons, von dem man eine wundersch�ne Aussicht auf das Tal hatte.</p><p>Soweit das Auge blicken konnte, sah man den pr�chtigen Wald und den dunkelroten Grasteppich an den Ufern des ruhigen Meeres. Das Ganze wurde bewacht von unerme�lich hohen, gl�nzenden Felsen. Einmal glaubten wir in der Ferne ein vergoldetes Minarett zu erkennen, das in der Sonne inmitten sich wiegender Baumspitzen gl�nzte, doch schlie�lich verwarfen wir diese Idee in der Annahme, da� es sich dabei nur um eine Halluzination handelte, die unseren sehnlichsten Wunsch widerspiegelte, an diesem wundersch�nen und doch abweisenden Flecken ein St�ck Zivilisation zu Gesicht zu bekommen.</p><p>Unten am Ufer des Flusses verschlangen die gro�en wei�en Affen die �berreste von Tars Tarkas� fr�heren Gef�hrten, w�hrend die gro�en Herden der Pflanzenmenschen beim Weiden immer gr��ere Kreise zogen, und dabei den Rasen auf Streichholzl�nge hielten.</p><p>Da wir wu�ten, da� ein Angriff von Baumseite nun unwahrscheinlich war, beschlossen wir, die H�hle zu erkunden. Wir hatten Grund, zu glauben, da� sich der bereits eingeschlagene Weg im Inneren fortsetzte. Wohin er f�hrte, wu�ten allein die G�tter, offenbar jedoch von diesem Tal des Grauens fort.</p><p>Beim N�herkommen stellten wir fest, da� ein gut begehbarer Tunnel in das feste Gestein gehauen worden war. Er war etwa zwanzig Fu� hoch, f�nf Fu� breit und hatte eine gew�lbte Decke. Da wir nichts hatten, um Licht zu machen, tasteten wir uns langsam durch die zunehmende Dunkelheit, wobei Tars Tarkas mit der einen und ich mit der anderen Wand in F�hlung blieb. Wir hielten uns bei den H�nden, um nicht in verschiedene Abzweigungen zu geraten und getrennt zu werden oder uns in irgendeinem komplizierten Labyrinth zu verirren.</p><p>Wie weit wir uns in dieser Weise fortbewegt hatten, kann ich nicht sagen, doch bald kamen wir zu einer Wand, die uns den Weg versperrte. Es schien eher eine Zwischenwand zu sein als das Ende der H�hle, denn sie f�hlte sich an wie sehr hartes Holz, nicht wie Felsgestein.</p><p>Vorsichtig tastete ich sie ab und fand meine M�he belohnt, als ich den Knopf entdeckte, den man auf dem Mars statt einer Klinke an den T�ren anbringt.</p><p>Ich dr�ckte sanft darauf und sp�rte die T�r nun v�llig zu meiner Befriedigung langsam nachgeben. Einen Moment sp�ter blickten wir in einen schwach erhellten Raum, der leer zu sein schien.</p><p>Ohne viel Federlesens stie� ich die T�r auf und trat ein, dicht gefolgt von dem riesigen Thark. Als wir einen Augenblick unschl�ssig im Raum umherblickten, veranla�te mich ein leises Ger�usch im Hintergrund, mich schnell umzudrehen, und ich sah zu meinem Erstaunen, da� sich der Zugang mit einem scharfen Klicken wie von unsichtbarer Hand schlo�.</p><p>Sofort sprang ich zur�ck und wollte die T�r wieder �ffnen, denn irgendwie deutete die mysteri�se Bewegung und die dr�ckende, fast greifbare Stille das namenlose Unheil an, das uns in dieser steinernen Kammer im Inneren der Goldenen Felsen zu erwarten schien.</p><p>Vergeblich griff ich nach dem abweisenden Portal, w�hrend meine Augen erfolglos nach einem Ebenbild des Knopfes Ausschau hielten, der uns Einla� gestattet hatte.</p><p>Und dann ert�nte an diesem trostlosen Ort ein grausames, h�hnisches und donnerndes Gel�chter aus unsichtbarer Kehle.</p></section><section><title><p>3. Die geheimnisvolle Kammer</p></title><p>Nachdem das Gel�chter in der Felskammer verklungen war, standen Tars Tarkas und ich einige Augenblicke lauschend da. Doch kein weiterer Laut durchbrach die herrschende Stille, und nichts regte sich.</p><p>Dann lachte Tars Tarkas leise, wie es seine Leute in Gegenwart von etwas Schrecklichem oder Furchteinfl��endem zu tun pflegen. Es ist kein hysterisches Lachen, sondern eher ein Ausdruck echter Freude �ber Dinge, die beim Erdenmenschen Ha�gef�hle oder Tr�nen erwecken.</p><p>Wie oft habe ich mit ansehen m�ssen, wie die Marsmenschen sich in unkontrollierbaren Heiterkeitsausbr�chen auf dem Boden w�lzten, wenn Frauen und kleine Kinder bei dem h�llischen Marsfest�� den gro�en Spielen�� voller Qualen mit dem Tode rangen.</p><p>Ich blickte zu dem Thark hoch, selbst ein L�cheln auf den Lippen, denn das war hier tats�chlich n�tiger als ein zitterndes Kinn.</p><p>�Was meinst du? Wo zum Teufel sind wir?� fragte ich.</p><p>Er blickte mich �berrascht an und fragte: �Du willst wissen, wo wir sind? John Carter, soll das hei�en, da� du nicht wei�t, wo du bist?�</p><p>�Ich nehme an, auf Barsoom. Doch bis auf dich und die gro�en wei�en Affen gibt es nichts, weswegen ich zu dieser Annahme kommen sollte, denn das, was ich heute erlebt habe, entspricht �berhaupt nicht der Vorstellung von meinem geliebten Barsoom, wie ich es zehn Jahre lang gekannt habe, und auch nicht von der Welt, in der ich geboren wurde. Nein, Tars Tarkas, ich habe keine Ahnung, wo wir sein k�nnten.�</p><p>�Wo warst du, seit du vor Jahren die m�chtigen Tore zur Atmosph�renfabrik ge�ffnet hast, als nach dem Tod des Verwalters die Maschinen still standen und ganz Barsoom zu ersticken drohte? Man hat deinen K�rper nie gefunden, obwohl die Bewohner eines ganzen Planeten jahrelang nach dir gesucht haben und obwohl der Jeddak von Helium und seine Enkelin, deine Prinzessin, eine m�rchenhafte Belohnung ausgesetzt hatten, so da� sich sogar Prinzen k�niglichen Gebl�ts auf die Suche machten. Als alle Bem�hungen, dich aufzufinden, fehlschlugen, kamen wir zu dem einzig m�glichen Schluߠ� da� du dich auf die lange, letzte Wallfahrt entlang des geheimnisvollen Flusses Iss begeben hattest, um im Tal Dor am Ufer des Verlorenen Meeres von Korus auf die sch�ne Dejah Thoris, deine Prinzessin, zu warten. Doch warum du dich dorthin begeben hattest, war allen ein R�tsel, denn deine Prinzessin war ja noch am Leben...�</p><p>�Gott sei Dank�, unterbrach ich ihn. �Ich habe mich nicht getraut, dich danach zu fragen, denn ich f�rchtete, da� die Rettung f�r sie zu sp�t kam. Als ich sie in jener l�ngst vergangenen Nacht in den Palastg�rten von Tardos Mors zur�cklie�, war sie sehr schwach. Sie war so kraftlos, da� ich kaum noch Hoffnung hatte, die Atmosph�renfabrik zu erreichen, bevor sie mich f�r immer verlie�. Und sie ist am Leben?�</p><p>�Sie lebt, John Carter.�</p><p>�Du hast mir nicht gesagt, wo wir sind�, erinnerte ich ihn.</p><p>�Wir sind, wo ich dich zu finden hoffte, John Carter��, und noch jemanden. Vor vielen Jahren hast du die Geschichte �ber die Frau vernommen, die mir bewu�t machte, da� gr�ne Marsmenschen zum Ha� erzogen werden und mich zu lieben lehrte. Du wei�t, welche grausamen Folterungen und welchen schrecklichen Tod sie von den H�nden Tal Hajus� f�r diese Liebe erleiden mu�te. Ich glaubte, sie erwarte mich bei dem Verlorenen Meer von Korus. Du wei�t, da� es einem Mann von einer anderen Welt, n�mlich dir, John Carter, �berlassen wurde, diesen unbarmherzigen Thark zu lehren, was Freundschaft ist. Auch du, dachte ich, streiftest im Tal Dor, dem Tal der Sorglosigkeit, herum. Ihr wart jene beiden, um derentwillen ich das Ende der langen Pilgerfahrt kaum erwarten konnte, die ich eines Tages w�rde antreten m�ssen. Als jedoch die Zeit verging und wir noch immer nichts von dir gefunden hatten�� denn Dejah Thoris hat sich immer einzureden versucht, da� du nur kurzzeitig zu deinem Heimatplaneten zur�ckgekehrt seist�� gab ich schlie�lich meinem gro�en Verlangen nach und trat vor einem Monat die Reise an, deren Ende du am heutigen Tag miterlebt hast. Wei�t du nun, wo du bist, John Carter?�</p><p>�Dann war es der Flu� Iss, der im Tal Dor in das Verlorene Meer von Korus m�ndet?� fragte ich.</p><p>�Dies ist das Tal der Liebe, des Friedens und der Ruhe, wohin seit undenkbaren Zeiten jeder Barsoomier hofft, nach einem Leben voller Ha�, Kampf und Blutvergie�en pilgern zu k�nnen�, entgegnete er. �Das, John Carter, ist das Paradies.�</p><p>Seine Stimme klang kalt und ironisch, der bittere Tonfall widerspiegelte die schreckliche Entt�uschung, die er erlitten hatte. Eine solch entsetzliche Ern�chterung, das Zerbrechen lebenslang gehegter Hoffnungen und Sehns�chte, ein solch j�hes Entwurzeln uralter Traditionen h�tte eine weitaus dramatischere Reaktion seitens des Thark entschuldigt.</p><p>Ich legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte: �Es tut mir leid�. Dem gab es nichts hinzuzuf�gen. �John Carter, denk an die unz�hligen Milliarden von Barsoomiern, die seit Ewigkeiten freiwillig die Reise entlang des grausamen Flusses antreten, nur um den unbarmherzigen, schrecklichen Kreaturen in die Klauen zu fallen, die uns heute angegriffen haben. Einer alten Legende nach soll einmal ein roter Mann vom Ufer des Verlorenen Meeres von Korus im Tal Dor zur�ckgekehrt und den Weg entlang des geheimnisvollen Flusses Iss zur�ckgegangen sein. Dem Bericht nach beging er Gottesl�sterung, als er von entsetzlichen Untieren erz�hlte, die sich am Ufer des Verlorenen Meeres auf jeden Barsoomier st�rzten und ihn verschlangen, sobald er am Ende seiner Reise angekommen war, dort, wo er gehofft hatte, Liebe, Frieden und Gl�ckseligkeit zu finden. Unsere Vorfahren t�teten den Gottesl�sterer, denn der Tradition zufolge soll jeder sterben, der vom geheimnisvollen Flu� zur�ckkehrt. Doch nun wissen wir, da� es keine Blasphemie war, sondern die reine Wahrheit, und da� der Mann nur das schilderte, was er erlebt hatte. Was n�tzt es uns, John Carter, von hier zu fliehen, um dann als Gottesl�sterer hingestellt zu werden? Wir stehen zwischen dem wilden Thoat mit der Gewi�heit und dem tollw�tigen Zitidar als Fakt�� wir k�nnen keinem von beiden entkommen.�</p><p>�Auf der Erde sagen wir dazu, wir bef�nden uns zwischen Scylla und Charybdis�, entgegnete ich, wobei ich angesichts unserer Lage unwillk�rlich l�cheln mu�te.</p><p>�Uns bleibt nichts anderes �brig, als die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Zumindest haben wir die Gewi�heit, zu wissen, da� derjenige, der uns einmal besiegt, mehr Verluste erleiden wird, als er sich vorstellen kann. Wei�er Affe oder Pflanzenmensch, gr�ner oder roter Barsoomier, wer auch immer den letzten Tribut von uns verlangt, wird erfahren, da� es viele Menschenleben kostet, gleichzeitig John Carter, den Prinz des Hauses von Tardos Mors, und Tars Tarkas, den Jeddak von Thark, auszul�schen.�</p><p>Sein d�sterer Humor brachte mich zum Lachen. Er fiel in mein Gel�chter ein, lie� jenes seltene Lachen ert�nen, das ein Zeichen echten Vergn�gens war, wodurch sich der wilde Anf�hrer der Thark von den anderen Angeh�rigen seines Volkes auszeichnete.</p><p>�Aber nun zu dir, John Carter�, rief er aus. �Wenn du nicht die ganzen Jahre hier gewesen bist, wo warst du dann, und wie kommt es, da� ich dich heute hier antreffe?�</p><p>�Ich war wieder auf der Erde�, entgegnete ich. �Zehn lange Erdenjahre habe ich darum gebetet und gehofft, da� man mich eines Tages zu eurem finsteren, alten Planeten ruft, f�r den ich trotz seiner grausamen und schrecklichen Gepflogenheiten Liebe empfinde, mehr noch als f�r jene Welt, in der ich geboren wurde. Zehn Jahre f�hrte ich ein Dasein voller Ungewi�heit und qu�lender Zweifel, ob Dejah Thoris noch lebte. Schlie�lich fand ich zum ersten Mal in all diesen Jahren meine Gebete erh�rt und meinem Warten ein Ende gesetzt. Doch eine grausame Laune des Schicksals verschl�gt mich auf einen winzigen Landstrich auf Barsoom, von wo es kein Entkommen zu geben scheint, und wenn, dann zu einem Preis, mit dem die letzte Hoffnung schwindet, meine Prinzessin in diesem Leben noch einmal zu Gesicht zu bekommen�� denn du hast heute erlebt, mit welch bedauernswerter Sinnlosigkeit der Mensch sich nach einem Jenseits sehnt. Nur eine knappe halbe Stunde, bevor ich Zeuge deines Kampfes gegen die Pflanzenmenschen wurde, stand ich noch am mondbeschienenen Ufer eines breiten Flusses an der Ostk�ste eines der gesegnetsten L�nder der Erde. Nun habe ich deine Frage ersch�pfend beantwortet, mein Freund. Glaubst du mir?�</p><p>�Ja, obwohl ich es nicht so recht begreife�, entgegnete Tars Tarkas.</p><p>W�hrend unserer Unterhaltung hatte ich mir unsere Umgebung genauer angesehen. Das Gemach war vielleicht zweihundert Fu� lang und halb so breit. Gegen�ber dem verh�ngnisvollen Portal befand sich eine weitere T�r in der Mitte der Wand.</p><p>Man hatte den Felsen innen ausgeh�hlt, die W�nde schimmerten zumeist matt golden im tr�ben Licht, das von einem winzigen Radiumleuchter von der Deckenmitte ausging und sich in der Unerme�lichkeit des Raumes verlor. Gro�e Teile der goldenen W�nde und der Decke bestanden aus gl�nzenden Rubin-, Smaragd- und Diamantbl�cken. Der Boden schien aus einem anderen, sehr harten Material zu sein, er war abgewetzt und glatt wie Glas. Abgesehen von den beiden T�ren konnte ich keinen anderen Zugang entdecken, und da ich eine der beiden versperrt wu�te, trat ich auf die andere zu.</p><p>Als ich die Hand ausstreckte, um nach dem Knauf zu tasten, ert�nte abermals das rohe und h�hnische Gel�chter, diesmal so dicht neben mir, da� ich unwillk�rlich zur�ckschrak und mein gro�es Schwert fester packte.</p><p>Dann erklang aus der anderen Ecke des Raumes eine hohle Stimme: �Es gibt keine Hoffnung. Es gibt keine Hoffnung. Es gibt f�r die Toten keine Wiederkehr. Es gibt f�r die Toten keine Wiederkehr, denn es gibt keine Wiederauferstehung. Hoffet nicht, denn es gibt keine Hoffnung.�</p><p>Sofort blickten wir zu der Stelle, von der die Stimme zu kommen schien, konnten jedoch niemanden sehen. Ich mu� gestehen, da� mir kalte Schauer den R�cken hinunterliefen und sich mir jedes einzelne H�rchen am Haaransatz aufrichtete, wie bei einem Hund, dem sich das Fell str�ubt, wenn er des Nachts jene unheimlichen Dinge sieht, die dem Auge des Menschen verborgen bleiben.</p><p>Ich st�rtzte auf die klagende Stimme zu, doch sie war verstummt, bevor ich an der Wand angekommen war. Dann t�nte es aus der anderen Ecke schrill und durchdringend: �Ihr Narren! Glaubtet ihr, ihr k�nntet den ewigen Gesetzen von Leben und Tod trotzen? Wolltet ihr die geheimnisvolle Issus, die G�ttin des Todes, um ihre rechtm��igen Pflichten bringen? Hat ihr m�chtiger Bote, der uralte Iss, euch nicht auf euer Gehei� mit bleiernen Armen zum Tal Dor getragen? Glaubtet ihr, Narren, da� Issus ihr Eigentum aufgeben will? Glaubtet ihr zu entkommen, wo dies in all den unz�hligen Jahrhunderten nur einer einzigen Seele gelungen ist? Geht den Weg zur�ck, den ihr gekommen seid. Vertraut euch den barmherzigen Rachen der Kinder des Lebensbaumes oder den strahlenden Z�hnen der gro�en wei�en Affen an, denn dort wird euer Leid ein schnelles Ende finden. Versucht ihr jedoch weiter, das Labyrinth der Goldenen Felsen des Gebirges Otz zu durchstreifen und die Schutzw�lle der unbezwinglichen Festungen der Heiligen Therns zu �berwinden, wird euch der Tod in seiner schrecklichsten Form ereilen, ein derart entsetzlicher Tod, da� sogar die Heiligen Therns, f�r die sowohl das Leben als auch der Tod kein Geheimnis mehr bergen, Augen und Ohren verschlie�en, um seine Grausamkeit nicht mitansehen und die entsetzlichen Schreie seiner Opfer nicht h�ren zu m�ssen. Kehrt um, ihr Narren! Geht den Weg zur�ck, den ihr gekommen seid.�</p><p>Ein weiteres Mal lie� sich das schreckliche Lachen vernehmen, diesmal kam es aus einer anderen Ecke.</p><p>�H�chst unheimlich�, bemerkte ich.</p><p>�Was sollen wir tun?� fragte Tars Tarkas. �Wir k�nnen nicht mit der Luft k�mpfen. Lieber kehre ich um und trete Feinden aus Fleisch und Blut gegen�ber, gegen die ich die Klinge schwingen kann und bei denen ich wei�, da� es sie teuer zu stehen kommt, mich in das ewige Vergessen zu sto�en, das offenbar die sch�nste und w�nschenswerteste Ewigkeit ist, auf die der Sterbliche zu hoffen wagt.�</p><p>�Wenn es so ist, Tars Tarkas, wie du sagst, da� wir nicht mit der Luft k�mpfen k�nnen, dann ist es andererseits auch unm�glich, von der leeren Luft angegriffen zu werden. Ich habe in meinem Leben Tausenden von starken Kriegern und geh�rteten Klingen gegen�bergestanden. So leicht bl�st mich der Wind nicht um und dich auch nicht, Thark.�</p><p>�Aber unsichtbare Stimmen k�nnen von unsichtbaren Kreaturen mit unsichtbaren Klingen stammen�, entgegnete der gr�ne Krieger.</p><p>�Unsinn, Tars Tarkas�, rief ich. �Diese Stimmen stammen von Sterblichen wie dir und mir. In ihren Adern flie�t Blut, das sie genauso verlieren k�nnen wie wir unseres. Die Tatsache, da� sie sich uns nicht zeigen, ist f�r mich lediglich der beste Beweis, da� sie sterblich und schon gar nicht �berragend mutig sind. Glaubst du, Tars Tarkas, da� John Carter beim ersten Schrei eines feigen Feindes Rei�aus nimmt, der sich lieber versteckt h�lt und sich f�rchtet, einer scharfen Klinge entgegenzutreten?�</p><p>Ich hatte laut gesprochen, um auch sicher zu gehen, da� unsere eventuellen Angreifer mich h�rten, denn langsam wurde ich dieses nervenzerm�rbenden Theaters �berdr�ssig. Au�erdem war mir eingefallen, da� man uns vielleicht nur einsch�chtern wollte, um uns zur�ck ins Tal zu treiben, wo ein sicherer Tod unser harrte.</p><p>Lange Zeit war Stille. Pl�tzlich vernahm ich hinter mir ein leises Ger�usch, fuhr herum und erblickte ein gro�es, vielf��iges Banth, das sich unbemerkt von hinten angepirscht hatte.</p><p>Das Banth ist ein wildes Raubtier, das in den Anh�hen an den K�sten der toten Marsmeere haust. Wie fast alle Lebewesen vom Mars ist es bis auf eine dichte, borstige M�hne um den dicken Hals fast haarlos.</p><p>Der lange, biegsame K�rper wird von zehn starken Beinen getragen, die riesigen Kiefer sind wie beim Calot, dem Marshund, mit mehreren Reihen langer, nadelspitzer Z�hne ausger�stet. Das Banth vermag das Maul bis weit hinter die winzigen Ohren aufzurei�en. Die riesigen, hervorstehenden, gr�nen Augen verleihen dem bereits ohnehin grauenerregenden Anblick einen zus�tzlichen Schrecken.</p><p>Es kroch auf mich zu, peitschte dabei mit dem kr�ftigen Schwanz die gelben Flanken und stie�, als es sich entdeckt wu�te, das be�ngstigende Gebr�ll aus, mit dem es, bevor es zum Sprung ansetzt, sein Opfer f�r kurze Zeit zu l�hmen pflegt.</p><p>Dann warf es sich mit dem riesenhaften K�rper auf mich. Doch sein Geheul hatte keinerlei Wirkung, und so bi� es in kalten Stahl anstelle in zartes Fleisch, nach welchem es die grausamen Kreatur gel�stete.</p><p>Den Bruchteil einer Sekunde sp�ter zog ich meine Klinge aus dem stummen Herzen dieses gro�en L�wen von Barsoom. Als ich zu Tars Tarkas blickte, war ich �berrascht, ihn ebenfalls einem solchen Banth gegen�berzusehen.</p><p>Er entledigte sich seines Angreifers ebenso schnell wie ich. Als ich mich einem Reflex folgend umsah, ging schon der n�chste dieser grimmigen Marsbewohner zum Angriff �ber.</p><p>Von dem Moment an sprang uns eine schreckliche Kreatur nach der anderen scheinbar aus der leeren Luft an. Dies dauerte eine reichliche Stunde.</p><p>Tars Tarkas war�s zufrieden, denn hier hatte er einen greifbaren Gegner, den er mit seiner breiten Klinge dahinmetzeln konnte. Ich f�r meinen Teil fand diese Situation besser als den d�steren Prophezeiungen eines Spukgespenstes zu lauschen.</p><p>An unseren neuen Widersachern war nichts �bernat�rliches, wie man an ihrem Wutgeheul erkennen konnte, wenn der scharfe Stahl sich in sie senkte, sowie an dem sehr realen Blut, das ihren verletzten Adern entstr�mte, wenn sie auf unpr�tenti�se Weise verendeten.</p><p>Ich stutzte, weil unsere neuen Angreifer nur von hinten auftauchten. Nicht eins der Biester entstammte dem Nichts vor uns. Keine Sekunde lie� ich mich t�uschen, da mein gesunder Menschenverstand mir sagte, da� sie durch einen verborgenen r�ckw�rtigen Eingang zu uns kommen mu�ten.</p><p>Unter den Ornamenten von Tars Tarkas� Lederzeug, dem einzigen Kleidungsst�ck, das die Marsmenschen abgesehen von Seidenumh�ngen und Pelz�berw�rfen tragen, um sich nach Einbruch der Dunkelheit vor der K�lte zu sch�tzen, befand sich ein handgro�er Spiegel, der auf seinem breiten R�cken hing.</p><p>Als er gerade vor einem just zu Boden gegangenen Widersacher stand und ihn betrachtete, fiel mein Blick zuf�llig auf diesen Spiegel, dessen gl�nzende Oberfl�che mir etwas zeigte, das mich fl�stern lie�: �Tars Tarkas, bleibe so stehen! R�hr dich nicht!�</p><p>Ohne nach dem Grund zu fragen, stand er wie versteinert, so da� ich die merkw�rdige Szene verfolgen konnte, die wichtig f�r unser weiteres Los war.</p><p>Ich sah, wie sich ein St�ck der Wand hinter mir bewegte. Es war eine Dreht�r, mit deren Bewegung sich gleichzeitig ein St�ck des Bodens verschob. Man stelle sie sich so vor wie eine kreisrunde Scheibe, in deren Mitte man senkrecht eine Karte setzt. Die Karte stand f�r den Teil der Wand, der sich gedreht hatte, die Scheibe f�r das St�ck des Bodens. Beide waren genau an das angrenzende Wand- und Bodenst�ck eingepa�t, so da� im vorherrschenden D�mmerlicht nicht das geringste zu erkennen gewesen war.</p><p>Als die Drehung halb vollzogen war, erblickten wir ein gro�es Banth, das auf dem Teil der uns zuvor abgewandten Seite sa�. Als sich die T�r schlo�, befand sich die Kreatur bei uns im Raum�� das Prinzip war sehr einfach.</p><p>Doch was mich am meisten interessierte, war das, was ich durch die �ffnung sehen konnte, die w�hrend der Drehung entstand. Ich erblickte einen gro�en, hell beleuchteten Raum, in dem mehrere M�nner und Frauen an der Wand angekettet waren. Davor sa� ein b�sartig aussehender Mann, der weder die Hautfarbe der roten noch der gr�nen Marsmenschen hatte, sondern wei� war wie ich. Seinen Kopf bedeckte eine F�lle wallenden, gelblichen Haares. Offenbar gab er die Befehle und steuerte die Bewegungen der Geheimt�r.</p><p>Die Gefangenen hinter ihm waren rote Marsmenschen. Neben diesen waren mehrere der wilden Biester angekettet, wie man sie zu uns geschickt hatte, und weitere, nicht minder wild dreinblickende Kreaturen.</p><p>Als ich mich dann meinem Gef�hrten zuwandte, war mir wesentlich leichter.</p><p>�Sieh zur Wand dir gegen�ber, Tars Tarkas�, sagte ich. �Die Biester werden durch Geheimt�ren auf uns losgelassen.� Ich stand ganz dicht bei ihm, damit unsere Peiniger nicht wu�ten, da� sie durchschaut waren.</p><p>So lange wir beide auf die Dreht�r blickten, wurden keine weiteren Angriffe auf uns unternommen. Daraus schlo� ich wiederum, da� die Zug�nge irgendein Guckloch besa�en und man uns von au�en beobachten konnte.</p><p>Schlie�lich kam mir eine Idee. Ich bewegte mich r�ckw�rts auf Tars Tarkas zu und unterbreitete ihm leise mein Vorhaben, lie� dabei jedoch die Wand keine Minute aus den Augen.</p><p>Der gro�e Thark gab ein zustimmendes Grunzen von sich und begann wie geplant, sich r�ckw�rts der Wand zu n�hern, die ich im Blick hatte, w�hrend ich kurz vor ihm langsam auf sie zuschritt.</p><p>Zehn Fu� vor dem geheimen Zugang hie� ich meinen Gef�hrten stehenbleiben und auf das vereinbarte Zeichen warten. Nun drehte ich der T�r, durch die ich die unheilvoll brennenden Augen unseres eventuellen Henkers fast sp�ren konnte, den R�cken zu.</p><p>Schnell suchte ich den Spiegel auf Tars Tarkas� R�cken und beobachtete eine Sekunde sp�ter das Wandteil, das seine wilden Schrecken �ber uns entladen hatte.</p><p>Ich mu�te nicht lange warten, denn gleich darauf setzte sich die goldene Fl�che in Bewegung. Daraufhin gab ich Tars Tarkas das Signal und sprang zu dem Teil der Dreht�r, der sich von uns fortbewegte. Der Thark fuhr ebenfalls herum, zur �ffnung, die durch die Drehung entstanden war.</p><p>Mit einem Satz befand ich mich im Nebenraum, dem Menschen gegen�ber, dessen b�sartige Miene ich zuvor gesehen hatte. Er war muskul�s, ungef�hr so gro� wie ich und sah aus wie ein Mensch von der Erde.</p><p>An seiner Seite hingen ein langes Schwert, ein Kurzschwert, ein Dolch und eine der t�dlichen Radiumpistolen, wie man sie auf dem Mars tr�gt.</p><p>Weil ich nur mit dem langen Schwert ausger�stet war, h�tte er mir entsprechend den Kampfesregeln und��gesetzen von Barsoom mit einer �hnlichen oder kleineren Waffe gegen�bertreten m�ssen. Dies schien meinem Gegner jedoch nicht in den Sinn zu kommen, denn kaum stand ich neben ihm, hatte er schon seinen Revolver auf mich gerichtet. Mir blieb nur eines �brig: Ich stie� ihm die Waffe mit dem langen Schwert aus der Hand, bevor er feuern konnte.</p><p>Nun zog er sein langes Schwert, und wir begannen, in der gleichen Bewaffnung, erbarmungslos aufeinander einzuschlagen, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte.</p><p>Er war ein ausgezeichneter Schwertk�mpfer und schien sehr ge�bt zu sein, w�hrend ich bis zu diesem Morgen �ber zehn Jahre kein Schwert mehr in der Hand hatte.</p><p>Dennoch fielen mir meine Kampfschritte ziemlich schnell wieder ein, so da� der Mann nach wenigen Minuten einsehen mu�te, es doch mit einem gleichwertigen Gegner zu tun zu haben.</p><p>Er wurde rot vor Wut, als er feststellte, da� ich jeden seiner Hiebe parierte, w�hrend sein Gesicht und K�rper mit einem Dutzend kleinerer Verletzungen �bers�t waren. �Wer bist du, wei�er Mann?� zischte er. �Da� du kein Barsoomier von drau�en bist, erkennt man schon an deiner Hautfarbe. Und du bist nicht von uns.�</p><p>Sein letzter Satz war beinahe eine Frage.</p><p>�Und wenn ich vom Tempel Issus komme?� entgegnete ich, auf eine wilde Vermutung setzend. �Das Schicksal beh�te!� rief er aus, und sein blut�berstr�mtes Gesicht wurde aschfahl.</p><p>Ich wu�te nicht, was ich nun weiter sagen sollte, doch hob ich mir die Idee f�r die Zukunft auf, falls ich sie noch einmal brauchen sollte. Seiner Antwort nach war es durchaus m�glich, da� es am Tempel Issus Menschen gab, die aussahen wie ich. Entweder der Mann f�rchtete die Bewohner des Tempels, oder er hatte eine derartige Achtung vor ihnen, da� er den Zorn der G�tter f�rchtete, wenn er einen der Tempelbewohner verletzte oder kr�nkte.</p><p>Doch mein gegenw�rtiger Umgang mit ihm war von anderer Natur und erforderte ein betr�chtliches Abstraktionsverm�gen. Es ging darum, ihm das Schwert zwischen die Rippen zu sto�en. Das gelang mir nach wenigen Sekunden und keinesfalls zu fr�h.</p><p>Schweigend hatten die angeketteten Gefangenen das Gefecht mitverfolgt. Es herrschte Totenstille, lediglich die aufeinandertreffenden Klingen, die leisen Schritte unserer nackten F��e und die wenigen Worte, die wir uns w�hrend des Zweikampfes durch die zusammengebissenen Z�hne zuzischelten, waren zu h�ren.</p><p>Doch als mein Widersacher leblos zu Boden sackte, schrie eine der Gefangenen auf: �Dreh dich um! Hinter dir!� Als ich bei der ersten Silbe herumfuhr, sah ich mich einem zweiten Mann von der Rasse meines besiegten Gegners gegen�ber.</p><p>Er hatte sich leise aus einem dunklen Gang an mich herangeschlichen und stand bereits mit erhobenem Schwert vor mir, als ich ihn erblickte. Tars Tarkas war nirgendwo zu sehen, und der Geheimgang in der Wand, durch den ich gekommen war, verschlossen.</p><p>Wie sehr w�nschte ich ihn herbei! Seit vielen Stunden k�mpfte ich nun schon ohne Pause. Ich hatte Erfahrungen und Abenteuer hinter mir, die jedem Mann die Lebenskraft aussaugen mu�ten. Au�erdem hatte ich seit fast vierundzwanzig Stunden nicht geschlafen oder gegessen.</p><p>Ich war ersch�pft und sp�rte zum ersten Mal seit Jahren Zweifel, ob ich es mit meinem Gegner aufnehmen konnte. Indes blieb mir nichts anderes �brig, als auf den Mann einzudringen, und das so schnell und energisch wie m�glich. Meine einzige Rettung bestand darin, ihn durch die Heftigkeit meiner Attacke zur Strecke zu bringen. Sollte der Kampf l�nger dauern, war ich verloren.</p><p>Doch der Mann war offenbar anderer Meinung, denn er trat zur�ck, parierte meinen Schlag, wich aus, bis mich seine Bem�hungen fast v�llig zu Boden gebracht hatten.</p><p>Er war ein besserer Schwertk�mpfer als mein vorheriger Gegner. Ich mu� zugeben, da� er mich sch�n bei Atem hielt und am Ende kurz davor war, einen armseligen Narren aus mir zu machen und mich zu t�ten.</p><p>Ich sp�rte, wie ich immer schw�cher wurde, bis schlie�lich die Dinge vor meinen Augen zu verschwimmen begannen und ich mehr schlafend als wach umherstolperte und taumelte. In diesem Augenblick spielte er mir den h�bschen kleinen Streich, der mich fast das Leben kostete.</p><p>Er jagte mich umher, bis ich mit dem R�cken zum Leichnam seines Gef�hrten stand. Dann drang er so heftig auf mich ein, da� ich zur�ckweichen mu�te, und als ich mit der Ferse an den Toten stie�, stolperte ich nach hinten.</p><p>Mit lautem Krachen schlug mein Kopf auf dem harten Boden auf. Das rettete mir das Leben, denn der Aufprall kl�rte mir den Kopf, und durch den Schmerz geriet ich so in Rage, da� ich in diesem Moment meinen Gegner mit blo�en H�nden in St�cke h�tte rei�en k�nnen. Ich glaube, das w�re auch geschehen, h�tte ich nicht mit der rechten Hand ein kaltes St�ck Metall gestreift, als ich mich beim Aufstehen st�tzte.</p><p>Die Hand des Soldaten reagiert instinktiv, wenn sie mit einem Instrument des Kriegshandwerks in Kontakt kommt. Ohne hinzusehen oder nachdenken zu m�ssen, war mir augenblicklich klar, da� mir der Revolver des Toten zur Verf�gung stand, den ich ihm aus der Hand gesto�en hatte und der nun auf dem Boden lag.</p><p>Die Spitze seines gl�nzenden Schwertes auf mein Herz gerichtet, sprang der Mann, der mich �berlistet hatte, auf mich zu. Dabei kam aus seinem Mund das grausame und h�hnische Gel�chter, das ich bereits in dem Raum der Geheimnisse vernommen hatte.</p><p>Und so starb er auch, die d�nnen Lippen gekr�uselt in dem. ha�erf�llten Lachen, eine Kugel vom Revolver seines Gef�hrten im Herzen.</p><p>Er fiel mit voller Wucht auf mich, wobei mich der Griff des Schwertes am Kopf getroffen haben mu�te, denn beim Aufprall seines K�rpers verlor ich das Bewu�tsein.</p></section><section><title><p>4. Thuvia</p></title><p>Kampfesl�rm brachte mich in die Gegenwart zur�ck. Einen Augenblick lang wu�te ich nicht, wo ich war und woher die Ger�usche kamen, die mich wieder zu Bewu�tsein kommen lie�en. Dann vernahm ich hinter der kahlen Wand neben mir Schritte, grimmiges Knurren, metallisches Waffengeklirr und den schweren Atem eines Mannes.</p><p>Ich stand auf und sah mich schnell an diesem Ort um, wo man mir soeben einen solch herzlichen Empfang bereitet hatte. Die Gefangenen und die wilden Tiere, die an der gegen�berliegenden Wand angekettet waren, bedachten mich mit unterschiedlichen Blicken voller Neugier, Verdru�, �berraschung oder Hoffnung.</p><p>Letztere zeichnete sich deutlich auf dem h�bschen und intelligenten Gesicht der jungen, roten Marsfrau ab, die mir mit ihrer Warnung das Leben gerettet hatte.</p><p>Gleich allen Angeh�rigen ihres bemerkenswerten Volkes war sie von vollendeter Sch�nheit. Diese hochentwickelte Rasse der Marsmenschen entspricht �u�erlich in jeder Hinsicht dem Idealbild des Erdenmenschen, bis auf die Tatsache, da� ihre Haut hell kupferfarben ist. Da das M�dchen keinen Schmuck trug, vermochte ich ihr Alter nicht zu sch�tzen. Man konnte annehmen, da� es unter den gegebenen Umst�nden entweder eine Gefangene oder eine Sklavin war.</p><p>Nach einigen Sekunden d�mmerte mir, was die Ger�usche nebenan zu bedeuten hatten. Es war Tars Tarkas, der sich offenbar verzweifelt gegen wilde Tiere oder M�nner zur Wehr setzte.</p><p>Mit einem ermutigenden Schrei warf ich mich mit meinem ganzen Gewicht gegen die Geheimt�r, h�tte mir indes genauso vornehmen k�nnen, die Felsen selbst einrei�en zu wollen. Daraufhin versuchte ich, das Geheimnis des drehbaren Wandst�ckes herauszufinden. Doch meine M�he blieb unbelohnt. Schon wollte ich das lange Schwert gegen das d�stere Gold erheben, als mir die junge Gefangene zurief: �Schone dein Schwert, m�chtiger Krieger, denn du wirst es noch f�r andere Zwecke brauchen�� zerschmettere es nicht an diesem gef�hllosen Metall, wo der Wissende durch eine leichte Ber�hrung weitaus mehr auszurichten vermag.�</p><p>�Dann kennst du das Geheimnis?� fragte ich.</p><p>�Ja, befreie mich, und ich verschaffe dir Zugang zu dem grauenhaften Nebenraum, so du es w�nschst. Doch warum m�chtest du erneut dem wilden Banth oder irgendeiner anderen zerst�rungsw�tigen Kreatur entgegentreten, die sie in diese f�rchterliche Falle gelassen haben?�</p><p>�Weil dort mein Freund mutterseelenallein um sein Leben k�mpft�, antwortete ich, w�hrend ich eilig den Leichnam des H�ters dieser d�steren Schreckenskammer nach dem Schl�sselbund abtastete und dies schlie�lich auch fand.</p><p>An dem ovalen Ring befanden sich viele Schl�ssel, doch das h�bsche Marsm�dchen zeigte mir schnell denjenigen, mit dem sich das gro�e Schlo� an ihrer Taille �ffnen lie�, und als sie frei war, eilte sie zu der geheimen Wandtafel.</p><p>Sie griff zu einem anderen Schl�ssel, diesmal einem schlanken, nadelartigen Teil, das sie in ein beinahe unsichtbares Loch in der Wand schob. Sofort begann sich die Dreht�r in Bewegung zu setzen, und das Bodenteil, auf dem ich stand, brachte mich zu Tars Tarkas in den Nebenraum.</p><p>Der gro�e Thark lehnte mit dem R�cken in einer Ecke, w�hrend ihm gegen�ber im Halbkreis ein halbes Dutzend riesiger Monster sprungbereit auf eine g�nstige Gelegenheit warteten. Ihre blut�berstr�mten K�pfe und Schultern erkl�rten ihre Vorsicht und legten Zeugnis von der Schwertkunst des gr�nen Kriegers ab, dessen gl�nzende Haut wiederum auf dieselbe stumme und beredte Weise von den ungest�men Angriffen berichtete, denen er bisher widerstanden hatte.</p><p>Scharfe Krallen und grausame F�nge hatten seine Arme, Beine und Brust buchst�blich in Streifen gerissen. Die unabl�ssige Anstrengung und der Blutverlust hatten ihm jede Kraft genommen, und ich bezweifelte, da� er ohne St�tze noch aufrecht stehen konnte. Doch mit der seinem Volk eigenen Hartn�ckigkeit und unendlichen Tapferkeit bot er noch immer den grausamen und unnachgiebigen Widersachern die Stirn��wie es das uralte Sprichwort seines Volkes sagte: �La� einem Thark den Kopf und eine Hand, und noch ist sein Kampf nicht verloren.�</p><p>Als er mich sah, verzog sich sein grausamer Mund zu einem grausamen L�cheln. Doch ob dies aus Erleichterung geschah oder ob ihn lediglich mein Zustand erheiterte�� denn ich war blut�berstr�mt und sah �bel zugerichtet aus�� wei� ich nicht.</p><p>Ich wollte ihm gerade mit dem scharfen Schwert zu Hilfe eilen, als sich mir eine leichte Hand auf die Schulter legte. Ich wandte mich um und stellte zu meiner �berraschung fest, da� die junge Frau mir gefolgt war. �Warte, �berla� sie mir�, fl�sterte sie, schob mich beiseite und trat wehrlos und unbewaffnet auf die knurrenden Banths zu.</p><p>Als sie dicht vor ihnen stand, sprach sie mit leiser, doch gebieterischer Stimme ein einziges Marswort. Blitzschnell fuhren die gro�en Biester zu ihr herum, und ich sah das M�dchen bereits in St�cke gerissen, da krochen sie auf sie zu, wie Welpen in Erwartung einer verdienten Bestrafung.</p><p>Erneut redete sie, doch so leise, da� ich die Worte nicht verstehen konnte. Daraufhin begab sie sich zur anderen Seite des Raumes, wobei sich die sechs riesigen Monster an ihre Fersen hefteten. Dann schickte sie einen nach dem anderen durch die Geheimt�r in den Nebenraum, und als der letzte aus der Kammer verschwunden war, in der wir vor Staunen starr dastanden, l�chelte sie uns an und verlie� uns ebenfalls.</p><p>Einen Augenblick herrschte Stille. Dann sagte Tars Tarkas: �Nachdem du durch die Geheimt�r gesprungen bist, habe ich den Kampf hinter der Wand mit angeh�rt. Doch ich begann mir erst Sorgen um dich zu machen, als ich den Schu� vernahm. Ich war mir sicher, da� es auf ganz Barsoom niemanden gibt, der deiner blanken Klinge entgegentritt und am Leben bleibt, doch bei dem Knall verlor ich die Hoffnung, da ich wu�te, da� du keine Schu�waffe bei dir trugst. Was ist geschehen?�</p><p>Nachdem ich ihm alles erz�hlt hatte, suchten wir gemeinsam nach dem unsichtbaren Wandteil, durch das ich soeben in die Felskammer gelangt war und durch das das M�dchen ihre wilden Gef�hrten gef�hrt hatte.</p><p>Zu unserer Entt�uschung war das Geheimschlo� trotz aller Bem�hungen nicht aufzufinden. Wir f�hlten, da� sich uns, waren wir erst einmal diesen W�nden entkommen, mit Sicherheit ein Weg in die Au�enwelt er�ffnen w�rde, zumindest konnten wir darauf hoffen.</p><p>Die Tatsache, da� die Gefangenen angekettet waren, deutete auf einen Fluchtweg von diesem uns�glichen Ort, wo die schrecklichen Kreaturen hausten.</p><p>Immer wieder gingen wir von einer T�r zur anderen, von der abweisenden, goldenen Wandfl�che auf der einen Seite der Kammer zum Gegenst�ck auf der anderen Seite, das ebenso uneinnehmbar aussah.</p><p>Wir hatten schon beinahe alle Hoffnung aufgegeben, als sich eine der Dreht�ren pl�tzlich lautlos in Bewegung setzte und die junge Frau, die die Banths hinweggef�hrt hatte, wieder bei uns stand. �Wer seid ihr?� fragte sie. �Was ist euer Auftrag, da� ihr die K�hnheit besitzt, aus dem Tal Dor fliehen zu wollen, vor dem Tod, den ihr gew�hlt habt?�</p><p>�Ich habe den Tod nicht gew�hlt, M�dchen�, entgegnete ich. �Ich bin kein Barsoomier, auch habe ich noch nicht die freiwillige Pilgerfahrt entlang des Flusses Iss angetreten. Mein Freund ist der Jeddak der Thark, und obwohl er noch nicht den Wunsch ausgesprochen hat, zu den Lebenden zur�ckzukehren, werde ich das L�gengespinst zerschlagen, das ihn zu diesem entsetzlichen Ort lockte. Ich stamme aus einer anderen Welt. Mein Name ist John Carter, ich bin der Prinz des Hauses von Tardos Mors, dem Jeddak von Helium. Vielleicht habt ihr in dieser H�lle auch schon von mir geh�rt.�</p><p>Sie erwiderte l�chelnd: �Ja. Nichts von dem, was in der Au�enwelt vor sich geht, bleibt hier unbekannt. Man hat mir vor vielen Jahren von euch erz�hlt. Die Therns fragten sich oft, wohin ihr geflohen seid, da ihr weder die Wallfahrt auf euch genommen habt noch auf Barsoom gefunden wurdet.�</p><p>�Sag mir, wer bist du, und warum bist du eine Gefangene, wenn du �ber die wilden Tiere dieses Ortes zu befehlen vermagst?� fragte ich. �Eine solche Vertrautheit und Autorit�t geht weit �ber das hinaus, was von einem Gefangenen oder Sklaven erwartet wird.�</p><p>�Ich bin Sklavin�, erz�hlte sie. �Seit f�nfzehn Jahren werde ich an diesem schrecklichen Ort gefangen gehalten. Da man meiner nun �berdr�ssig geworden ist und sich vor der Macht f�rchtet, die mir meine Kenntnisse �ber die hiesigen Gepflogenheiten verliehen haben, verurteilte man mich erst vor kurzem zum Tode.�</p><p>Sie erschauderte.</p><p>�Wie solltest du sterben?� fragte ich.</p><p>�Die Heiligen Therns essen Menschenfleisch�, antwortete sie. �Doch nur das Fleisch von jenen, die unter den Lippen eines Pflanzenmenschen verendet sind�� Fleisch, dem der verunreinigende Lebenssaft ausgesaugt wurde. Dieses grausame Ende hatte man mir zugedacht. Es sollte schon in wenigen Stunden geschehen, h�tte eure Ankunft ihre Pl�ne nicht durchkreuzt.�</p><p>�Waren es dann die Heiligen Therns, die John Carters Hand zu sp�ren bekamen?� fragte ich.</p><p>�Oh nein, jene, die ihr besiegtet, waren niedere Therns, doch diese sind nicht minder grausam und hassenswert. Die Heiligen Therns leben auf den �u�eren Abh�ngen dieser d�steren Berge, der weiten Welt zugewandt, von der sie sich ihre Opfer holen. G�nge eines Labyrinths verbinden die luxuri�sen Pal�ste der Heiligen Therns mit diesen H�hlen. Hier sind die niederen Therns anzutreffen, wenn sie ihren zahlreichen Pflichten nachgehen, ebenso Horden von Sklaven, Gefangenen und wilden Tieren, jenen finsteren Bewohnern dieser Welt, die keine Sonne kennen. In einem riesigen Netzwerk von G�ngen und zahllosen Kammern hausen M�nner, Frauen und Tiere, die in dieser d�steren und grauenvollen Unterwelt geboren wurden und niemals ans Tageslicht kamen�� und es auch nie tun werden. Sie m�ssen den Geboten der Therns Folge leisten, die sich die Sklaven zu ihrem Vergn�gen und als Diener halten. Immer wieder treibt es einen der ungl�ckseligen Pilger vom kalten Iss auf die stille See hinaus, er entkommt den Pflanzenmenschen und den gro�en wei�en Affen, die den Tempel von Issus bewachen, und ger�t in die Klauen der erbarmungslosen Therns. Andere erleiden das Mi�geschick, einem der Heiligen Therns ins Auge zu fallen, wenn er zuf�llig auf dem Balkon �ber dem Flu� Wache h�lt, der, aus dem Inneren des Gebirges kommend, sich seinen Weg durch die goldenen Felsen in das Verlorene Meer von Korus bahnt. So erging es mir. Der Sitte nach sind alle, die im Tal Dor ankommen, rechtm��ige Beute der Pflanzenmenschen und der Affen, w�hrend Waffen und Schmuck den Therns zustehen. Entkommt jedoch einer den schrecklichen Einwohnern des Tales f�r nur einige Stunden, k�nnen die Therns ihr Recht auf ihn geltend machen. Und immer wieder tritt ein Heiliger Thern, der sich auf Wache befindet, das Recht der unwissenden Kreaturen mit F��en, und nimmt sich, falls er etwas Begehrenswertes sieht, seinen Teil auf unlautere Weise, wenn er es nicht mit ehrlichen Methoden bekommen kann. Gelegentlich soll ein Opfer des barsoomischen Aberglaubens den zahllosen Angreifern, die dem Armen von dem Moment an zusetzen, an dem er aus dem unterirdischen Gang auftaucht, durch den der Iss tausend Meilen bis zu seiner M�ndung im Tal Dor flie�t, entkommen und bis zu den Mauern des Tempels von Issus gelangen. Doch welches Schicksal einen dort erwartet, wissen nicht einmal die Heiligen Therns, denn jene, die hinter diese vergoldeten Mauern gelangten, sind niemals zur�ckgekehrt, um die Geheimnisse zu l�ften, die sich seit Anbeginn der Zeiten dahinter verbergen. Der Tempel von Issus bedeutet den Therns das, was sich die Menschen der Au�enwelt unter dem Tal Dor vorstellen. Es ist der letzte Hafen des Friedens, der Ruhe und Gl�ckseligkeit, wohin sie sich nach diesem Leben auf den Weg machen und wo sie sich f�r alle Ewigkeit den fleischlichen Freuden hingeben, die auf diese Rasse geistiger Gr��en und moralischer Zwerge gr��te Anziehungskraft aus�ben.�</p><p>�So ist der Tempel von Issus ein Paradies im Paradies�, sagte ich. �Hoffen wir, da� es den Therns dort ebenso ergeht, wie sie es hier anderen ergehen lassen.�</p><p>�Wer wei�?� murmelte das M�dchen.</p><p>�Nach dem, was du erz�hlt hast, sind die Therns nicht weniger sterblich als wir. Und doch habe ich die Menschen von Barsoom von ihnen nur mit �u�erster Ehrfurcht und Verehrung sprechen h�ren, so, wie man sich nur �ber die G�tter selbst �u�ert.�</p><p>�Die Therns sind sterblich�, entgegnete sie. �Sie gehen an denselben Dingen zugrunde wie ihr und ich. Jene, die ihre Lebensspanne von eintausend Jahren aussch�pfen, treten dem Brauch nach den Weg in die Gl�ckseligkeit an und begeben sich in den langen Tunnel, der nach Issus f�hrt. Diejenigen, die eher sterben, sollen den Rest ihrer Zeit im Geist eines Pflanzenmenschen verbringen. Aus diesem Grund werden die Pflanzenmenschen von den Therns als heilig angesehen, da diese glauben, da� jede der schrecklichen Kreaturen in ihrem vorherigen Leben ein Thern war.�</p><p>�Und wenn ein Pflanzenmensch stirbt?� fragte ich. �Stirbt er vor Ablauf der tausend Jahre von der Geburt des Therns an gerechnet, dessen unsterbliche Seele in ihm wohnt, wandert diese in einen gro�en, wei�en Affen. Doch stirbt dieser auch nur kurz vor der Stunde, in der die tausend Jahre zu Ende gehen, ist die Seele f�r immer verloren und wandert in den Rumpf eines der schleimigen, f�rchterlichen, zappelnden Silians, von denen es in dem stillen Meer zu Tausenden wimmelt, wenn die Sonne untergegangen ist, die Monde �ber den Himmel ziehen und seltsame Gestalten durch das Tal Dor streifen.�</p><p>�Demnach haben wir heute mehrere Heilige Therns zu den Silians gesandt�, sagte Tars Tarkas lachend.</p><p>�Und um so f�rchterlicher wird euer Tod sein, wenn er kommt�, entgegnete das M�dchen. �Und er wird kommen�� ihm entgeht ihr nicht.�</p><p>�Vor Jahrhunderten hat es einer geschafft�, erinnerte ich sie. �Und was einmal gelungen ist, kann auch ein weiteres Mal gelingen.�</p><p>�Es ist sinnlos, es �berhaupt zu versuchen�, antwortete sie mutlos.</p><p>�Aber versuchen werden wir es, und wenn du m�chtest, kannst du mit uns kommen�, rief ich.</p><p>�Um von meinen Leuten get�tet zu werden und mit meinem Andenken Schmach und Schande �ber meine Familie und meine Nation zu bringen? Ein Prinz des Hauses von Tardos Mors sollte Kl�geres tun als einen solchen Vorschlag unterbreiten!�</p><p>Tars Tarkas sagte nichts zu alledem, doch ich sp�rte seinen Blick und wu�te, da� er auf meine Antwort wartete wie der Angeklagte, dem der Vorsitzende der Geschworenen das Urteil verliest.</p><p>Was ich dem M�dchen zu tun riet, w�rde auch unsere Zukunft besiegeln, denn wenn ich mich dem unvermeidlichen Urteil jahrhundertealten Aberglaubens beugte, m��ten wir alle bleiben und irgendeinem f�rchterlichen Schicksal an diesem Ort des Schreckens und der Grausamkeit entgegentreten.</p><p>�Wir haben das Recht zu fliehen, wenn es m�glich ist�, entgegnete ich. �Gelingt es uns, widerspricht das nicht unseren Moralvorstellungen, denn wir wissen, da� das sagenhafte Leben voller Liebe und Frieden im gesegneten Tal Dor sch�ndlicher Betrug ist. Wir wissen, das Tal ist nicht heilig, und auch die Heiligen Therns sind nur grausame und herzlose Sterbliche, die nicht mehr �ber das wirkliche Leben danach wissen als wir. Es ist nicht nur unser Recht, alles Erdenkliche zu unternehmen, um zu fliehen�� es ist eine ernste Pflicht, vor der wir nicht zur�ckschrecken sollten, auch wenn wir wissen, da� wir von unserem Volk nur beschimpft und gequ�lt werden, sobald wir zu ihm zur�ckkehren. Nur so erfahren die anderen drau�en die Wahrheit, und obwohl die Wahrscheinlichkeit, da� man unserer Schilderung Glauben schenkt, �u�erst gering ist�� daf�r b�rge ich, denn die Sterblichen sind in den unm�glichsten Aberglauben vernarrt�� w�ren wir erb�rmliche Feiglinge, wenn wir uns vor dieser einfachen Pflicht dr�ckten. Auch besteht die M�glichkeit, da�, wenn mehrere die Wahrheit der schwerwiegenden Aussage bezeugen, man unsere Erkl�rungen annimmt, und zumindest der Kompromi� erwirkt werden kann, eine Forschungsexpedition zu diesem schrecklichen Hohn auf das Eden auszusenden.�</p><p>Sowohl das M�dchen als auch der Krieger standen eine Zeitlang still da und dachten nach. Schlie�lich brach sie das Schweigen und sagte: �Noch nie habe ich die Angelegenheit in diesem Licht betrachtet. Ich w�rde wirklich tausendmal mein Leben daf�r geben, um nur einer einzigen Seele dieses schreckliche Dasein zu ersparen, das ich an diesem grauenvollen Ort gef�hrt habe. Ihr habt recht. Ich gehe mit euch, so weit wir kommen. Dennoch zweifle ich, da� uns die Flucht von hier gelingt.�</p><p>Mit einem fragenden Blick wandte ich mich an den Thark.</p><p>�Zu den Toren von Issus, auf den Grund von Korus, in das Eis im Norden oder im S�den, wohin John Carter geht, soll auch Tars Tarkas gehen. Ich habe gesprochen�, entgegnete der gr�ne Krieger.</p><p>�Dann kommt�, rief ich. �Wir m�ssen uns auf den Weg machen, denn zu keiner Zeit sind wir weiter von der Rettung entfernt als jetzt, wo wir uns im Inneren des Berges befinden, innerhalb der vier W�nde dieser Todeszelle.�</p><p>�Folgt mir�, sagte das M�dchen. �Doch glaubt nicht, da� ihr einen schlimmeren Ort finden k�nnt als hier im Reich der Therns.�</p><p>Mit diesen Worten �ffnete sie die Geheimt�r, die uns von dem Zimmer trennte, in dem ich zu ihr gesto�en war. Ein weiteres Mal schl�pften wir hindurch zu den anderen Gefangenen.</p><p>Insgesamt waren es zehn rote Marsmenschen, M�nner und Frauen. Nachdem wir ihnen unseren Plan kurz dargelegt hatten, beschlossen sie, sich uns anzuschlie�en, obwohl ihnen anzusehen war, da� sie f�rchteten, ihr Schicksal herauszufordern und dem uralten Brauch zuwiderzuhandeln, auch wenn jedem auf grauenvolle Weise der Irrtum des Glaubens verdeutlicht worden war.</p><p>Bald hatte Thuvia, das M�dchen, das ich zuerst befreit hatte, die Ketten der anderen gel�st. Tars Tarkas und ich nahmen den beiden toten Therns die Waffen ab: Schwerter, Dolche sowie zwei Revolver jenes seltsamen, gef�hrlichen Waffentyps, wie ihn die roten Marsmenschen herstellen.</p><p>Wir verteilten alles unter unserem Gefolge, wobei zwei der Frauen, darunter Thuvia, die Schu�waffen erhielten.</p><p>Mit ihr an der Spitze machten wir uns z�gig und leise auf den Weg durch eine Vielzahl von G�ngen, durchquerten gro�e, von Menschenhand im Erz geschaffene Hallen, folgten den Windungen der teilweise steil ansteigenden Korridore und versteckten uns, sobald wir Schritte vernahmen, an dunklen, abgelegenen Pl�tzen und Winkeln.</p><p>Als erstes wollte Thuvia uns zu einem entfernten Speicher bringen, in dem reichlich Waffen und Munition zu finden waren. Von dort ginge es zum Felsgipfel, wo viel Verstand und Kampfkraft gefragt waren, durch die Festung der Heiligen Therns zur Au�enwelt zu gelangen.</p><p>�Und sogar dann erreicht uns noch der Arm des Heiligen Thern. Er langt bis zu jedem Volk auf Barsoom. Seine geheimen Tempel liegen im Herzen jeder Gemeinschaft verborgen. Wohin auch immer wir gehen, falls uns die Flucht gelingt, werden wir feststellen m�ssen, da� uns die Kunde von unserem Kommen vorausgeeilt ist und der Tod unserer harrt, bevor wir die Luft mit unseren Gottesl�sterungen beschmutzen k�nnen�, sagte Thuvia.</p><p>Ohne ernsthafte Unterbrechung marschierten wir etwa eine Stunde. Thuvia hatte mir gerade zugefl�stert, da� wir uns dem ersten Ziel n�herten, und wir wollten soeben eine gro�e Kammer betreten, als wir auf einen Mann stie�en, offensichtlich einen Thern.</p><p>Zus�tzlich zum Lederzeug und dem juwelenbesetzten Schmuck trug er einen breiten Stirnreif, in dessen Mitte ein riesiger Stein eingefa�t war, dessen exakten Gegenpart ich vor fast zwanzig Jahren auf der Brust des kleinen, alten Mannes in der Atmosph�renfabrik gesehen hatte.</p><p>Dieser Edelstein von Barsoom ist unbezahlbar. Es hie�, es g�be nur zwei davon, und diese beiden wurden als Zeichen ihres Standes und ihrer Position von den zwei alten M�nnern getragen, denen die Wartung der gro�en Maschinen oblag, die die k�nstliche Atmosph�re aus der Atmosph�renfabrik in alle Gebiete auf dem Mars pumpten. Mein Wissen um das Geheimnis der riesigen Portale hatte mich damals in die Lage versetzt, eine ganze Welt vor dem Ersticken zu retten.</p><p>Der Stein, den der Thern uns gegen�ber trug, war von derselben Gr��e wie jener, den ich zuvor gesehen hatte, vielleicht von einem Zoll Durchmesser. Er strahlte in neun verschiedenen Farben: Den sieben Grundfarben, wie sie ein Prisma auf der Erde wirft, und zwei weiteren Strahlen, die bei uns auf der Erde unbekannt sind und deren atemberaubende Sch�nheit man mit Worten nicht beschreiben kann.</p><p>Als uns der Thern erblickte, verengten sich seine Augen zu zwei t�ckischen Schlitzen.</p><p>�Halt!� schrie er. �Was soll das bedeuten, Thuvia?�</p><p>Als Antwort hob das M�dchen den Revolver und feuerte. Lautlos sank er zu Boden, tot.</p><p>�Scheusal!� fauchte sie. �Nach all diesen Jahren habe ich mich endlich ger�cht.�</p><p>Dann wandte sie sich zu mir, offensichtlich mit einigen erkl�renden Worten auf den Lippen, doch als sie mich ansah, ri� sie pl�tzlich die Augen auf und trat mit einem kleinen Aufschrei auf mich zu.</p><p>�Oh Prinz, das Schicksal meint es in der Tat gut mit uns. Der Weg ist noch m�hsam, doch durch diesen Nichtsw�rdigen hier k�nnen wir in die Au�enwelt gelangen. F�llt euch nicht auf, wie sehr ihr diesem Heiligen Thern �hnelt?�</p><p>Der Mann war tats�chlich von meiner Statur, auch unterschieden sich Augen und Gesichtsz�ge nicht sehr von den meinigen. Doch hatte er eine Masse von gelben, wallenden Locken auf dem Kopf, wie jene, die ich get�tet hatte, dagegen habe ich kurzes, schwarzes Haar.</p><p>�Was n�tzt die �hnlichkeit?� fragte ich Thuvia. �Willst du, da� ich mich mit meinem kurzen, schwarzen Haar als gelbhaarigen Priester dieses teuflischen Kultes ausgebe?�</p><p>Sie l�chelte, trat als Antwort auf ihr Opfer zu, kniete nieder, l�ste den goldenen Stirnreif und zog zu meiner grenzenlosen �berraschung den ganzen Sch�pf mit einemmal vom Kopf des Toten.</p><p>Dann erhob sie sich wieder, st�lpte mir die gelbe Per�cke �ber und legte mir den goldenen Stirnreif mit dem pr�chtigen Stein um.</p><p>�Nun legt seine Ausr�stung an, Prinz�, sagte sie. �Ihr werdet euch �berall im K�nigreich der Therns frei bewegen k�nnen, denn Sator Throg war ein Heiliger Thern des Zehnten Kreises, er hatte Macht unter seinen Leuten.�</p><p>Als ich mich b�ckte, um zu tun, wie mir gehei�en, bemerkte ich, da� auf seinem Kopf nicht ein Haar wuchs.</p><p>�Sie sind alle von Geburt an so�, erkl�rte mir Thuvia, als sie mein Erstaunen bemerkte. �Die Rasse, der sie entstammen, verf�gte �ber eine reichhaltige F�lle goldenen Haares, doch nun sind sie schon seit vielen Jahrhunderten v�llig kahl. Die Per�cke wurde dennoch zu einem Bestandteil ihrer Ausr�stung, der so wichtig ist, da� es als tiefste Schande gilt, wenn ein Thern in der �ffentlichkeit ohne sie erscheint.�</p><p>Sekunden sp�ter trug ich die Kleidung eines Heiligen Therns.</p><p>Auf Thuvias Vorschlag nahmen zwei der vormaligen Gefangenen den Toten auf die Schultern, und wir setzten den Weg zum Lagerraum fort, wo wir schlie�lich ohne weitere Zwischenf�lle ankamen. Hier verschafften uns die Schl�ssel, die Thuvia dem toten Thern in der Gef�ngniskammer abgenommen hatte, geschwind Einla�. Ebenso schnell hatten wir uns mit Waffen und Munition eingedeckt. Inzwischen war ich derartig ersch�pft, da� ich keinen weiteren Schritt tun konnte. Ich warf mich auf den Boden, empfahl Tars Tarkas, es mir gleichzutun, und hie� zwei der Freigelassenen aufmerksam Wache halten.</p><p>Augenblicklich war ich eingeschlafen.</p></section><section><title><p>5. Gefahrvolle Wege</p></title><p>Wie lange ich auf dem Boden des Lagerraumes schlief, wei� ich nicht, aber es m�ssen mehrere Stunden gewesen sein.</p><p>Pl�tzlich wurde ich durch Schreie geweckt. Ich hatte kaum die Augen ge�ffnet und war wieder soweit zu mir gekommen, um zu wissen, wo ich war, als eine Salve Sch�sse peitschte, deren ohrenbet�ubender Widerhall durch die unterirdischen G�nge getragen wurde.</p><p>Sofort war ich auf den Beinen. Ein Dutzend niedere Therns griffen uns von einem riesigen Portal aus an, das sich gegen�ber unserem Eingang auf der anderen Seite des Speichers befand. Um mich herum lagen die leblosen K�rper meiner Begleiter, mit Ausnahme von Thuvia und Tars Tarkas, die ebenfalls auf dem Boden geschlafen hatten und so dem M�ndungsfeuer entgangen waren.</p><p>Als ich stand, senkten die Therns die teuflischen Gewehre, ihre verzerrten Gesichter zeigten Verdru�, Best�rzung und Unentschlossenheit.</p><p>Sofort ergriff ich die Gelegenheit und br�llte mit w�tender und ver�rgerter Stimme: �Was soll das bedeuten? Soll Sator Throg von seinen eigenen Untertanen ermordet werden?�</p><p>�Habt Erbarmen, o Herr der Zehnten Folge!� rief einer von ihnen, w�hrend die anderen in den Eingang zur�ckwichen, als wollten sie sich unbemerkt der Gegenwart des m�chtigen Mannes entziehen.</p><p>�Fragt sie, was sie hier wollen�, fl�sterte mir Thuvia zu, die neben mir stand.</p><p>�Was sucht ihr hier?� rief ich.</p><p>�Zwei Eindringlinge aus der Au�enwelt befinden sich im Reich der Therns auf freiem Fu�e. Der Vater der Therns hat uns befohlen, nach ihnen zu suchen. Einer von ihnen war wei� mit schwarzem Haar, bei dem anderen handelt es sich um einen riesigen gr�nen Krieger.� Bei diesen Worten warf der Mann einen mi�trauischen Blick auf Tars Tarkas.</p><p>�Hier ist einer von ihnen�, sagte Thuvia und wies auf den Thark. �Wenn ihr euch den Toten neben der T�r anseht, habt ihr auch den anderen. Es blieb Sator Throg und seinen armen Sklaven �berlassen, zu tun, wozu die niederen Thern der Wache nicht in der Lage waren�� wir haben einen get�tet und den anderen gefangen genommen, denn das hatte Sator Throg uns freigestellt. Und nun kamt ihr und habt in eurer Dummheit alle au�er uns umgebracht, und beinahe h�ttet ihr auch den m�chtigen Sator Throg get�tet.�</p><p>Die M�nner sahen sehr verlegen und erschrocken aus.</p><p>�Sollten sie nicht die Toten den Pflanzenmenschen vorwerfen und dann in ihre Unterk�nfte zur�ckkehren, M�chtiger?� wandte sich Thuvia an mich.</p><p>�Ja, tut, wie euch Thuvia gehei�en�, sagte ich.</p><p>Als die M�nner die Toten aufhoben, bemerkte ich, da� einer, der sich zum wirklichen Sator Throg gebeugt hatte, stutzte, als er dessen ihm zugewandtes Gesicht von nahem sah, und mir einen verstohlenen Blick aus den Augenwinkeln zuwarf.</p><p>Ich h�tte schw�ren k�nnen, da� er die Wahrheit ahnte, doch aus seinem Schweigen schlo� ich, da� es nur ein Verdacht war, den er nicht laut zu �u�ern wagte.</p><p>Als er den Toten hinaustrug, blickte er noch einmal pr�fend zu mir, dann wieder auf den kahlen, gl�nzenden Sch�del des Mannes in seinen Armen. Als letztes sah ich ihn von der Seite, als er, ein schlaues, triumphierendes L�cheln auf den Lippen, den Raum verlie�.</p><p>Nur Tars Tarkas, Thuvia und ich blieben zur�ck. Die verh�ngnisvolle Treffsicherheit der Therns hatte unsere Gef�hrten der winzigen Chance beraubt, die gefahrvolle Freiheit der Welt drau�en wiederzuerlangen.</p><p>Sobald der letzte aus der grausamen Prozession verschwunden war, dr�ngte uns das M�dchen, weiterzugehen.</p><p>Auch ihr war die zweifelnde Haltung des Therns aufgefallen, der Sator Throg fortgetragen hatte.</p><p>�Das bedeutet f�r uns nichts Gutes, o Prinz�, sagte sie. �Denn auch wenn dieser Mann nicht gewagt hat, dich des Betruges zu beschuldigen, gibt es �ber ihm jemanden, der m�chtig genug ist, eine genauere Untersuchung zu verlangen, und diese, Prinz, w�re in der Tat verh�ngnisvoll.�</p><p>Ich zuckte die Schultern. Offenbar schien am Ende unsers Leidenswegs in jedem Fall der Tod zu warten. Durch den Schlaf hatte ich mich erholt, doch f�hlte ich mich wegen des Blutverlustes noch immer schwach. Meine Wunden schmerzten. Nirgendwo konnte ich auf medizinische Hilfe hoffen. Wie sehnte ich die fast wundersamen Heilkr�fte der Salben und Elixiere der gr�nen Marsfrauen herbei! Binnen einer Stunde h�tten sie mir wieder zu neuen Kr�ften verholfen.</p><p>Ich war entmutigt. Nie zuvor hatte mich angesichts von Gefahr eine solche Hoffnungslosigkeit befallen. Da blies mir ein zuf�lliger Luftzug eine der langen, gelben Locken des Heiligen Therns ins Gesicht.</p><p>Konnten sie mir nicht noch immer den Weg in die Freiheit bahnen? Vielleicht gelang uns noch rechtzeitig die Flucht, bevor der Alarm ausgerufen wurde? Zumindest sollten wir es versuchen. �Was wird der Mann als erstes tun, Thuvia?� fragte ich. �Wann werden sie unsertwegen zur�ckkehren?�</p><p>�Er wird schnurstracks zum Vater der Therns gehen, dem alten Matai Shang. Vielleicht mu� er noch um eine Audienz bitten, doch da er unter den niederen Therns einen hohen Rang innehat, n�mlich den eines Thorians, wird Matai Shang ihn nicht lange warten lassen. Wenn der Vater der Therns seiner Geschichte Glauben schenkt, wird es in den G�ngen und Gem�chern, den H�fen und G�rten binnen einer Stunde von Suchtrupps wimmeln.�</p><p>�Was wir tun k�nnen, mu� also innerhalb einer Stunde geschehen. Welches ist der beste, k�rzeste Weg aus dieser g�ttlichen Unterwelt?�</p><p>�Der Weg direkt zum Felsgipfel, Prinz�, entgegnete sie. �Weiter durch die G�rten zu den Innenh�fen. Dann m�ssen wir mitten durch die Tempel der Therns, um zum Au�enhof zu gelangen. Dann kommen die Schutzw�lle�� oh, Prinz, es ist hoffnungslos. Nicht einmal zehntausend Kriegern w�rde es gelingen, von diesem schrecklichen Ort zu entkommen. Seit Anbeginn der Zeit haben die Therns ihre Festung St�ck f�r St�ck, Stein f�r Stein ausgebaut. Eine ununterbrochene Linie unbezwingbarer Befestigungen verl�uft entlang der �u�eren Abh�nge des Gebirges Otz. In den Tempeln hinter den Schutzw�llen warten eine Million kampfbereiter Krieger. Die H�fe und G�rten sind voller Sklaven, Frauen und Kinder. Niemand k�nnte auch nur einen Schritt tun, ohne entdeckt zu werden.�</p><p>�Da uns nichts anderes �brigbleibt, Thuvia, warum l��t du dich �ber die Schwierigkeiten aus? Wir m�ssen uns ihnen stellen.�</p><p>�Sollten wir es nicht besser im Dunkeln versuchen?� fragte Tars Tarkas. �Bei Tage scheinen wir nicht die geringste Chance zu haben.�</p><p>�Nachts w�re sie etwas gr��er, doch sogar dann werden die Schutzw�lle scharf bewacht, m�glicherweise sogar sch�rfer als tags�ber. Trotzdem sind weniger Leute in den H�fen und G�rten unterwegs�, sagte Thuvia.</p><p>�Wie sp�t ist es?� fragte ich.</p><p>�Es war Mitternacht, als du mich von den Fesseln befreitest�, sagte Thuvia. �Zwei Stunden sp�ter kamen wir am Speicher an. Dort habt ihr vierzehn Stunden geschlafen. Jetzt mu� fast Sonnenuntergang sein. Kommt, wir gehen zu dem n�chsten Fenster im Felsen, dann wissen wir es genau.�</p><p>Mit diesen Worten f�hrte sie uns durch die Windungen der G�nge, bis wir nach einem pl�tzlichen Knick vor einer �ffnung standen, von wo man das Tal Dor �berblicken konnte.</p><p>Gerade versank die Sonne, eine riesige rote Kugel, rechts von uns hinter der westlichen Gebirgskette Otz. Ein St�ck unter uns hielt der Heilige Thern auf seinem kleinen Balkon Wache. In Erwartung der nahenden K�lte, die bei Sonnenuntergang ebenso pl�tzlich hereinbricht wie die Dunkelheit, hatte er seine scharlachfarbene Dienstrobe fest um sich gezogen. Die Atmosph�re auf dem Mars ist so d�nn, da� sie nur sehr wenig Sonnenw�rme aufnimmt. Tags�ber ist es immer �u�erst hei�, des Nachts extrem kalt. Au�erdem bricht oder streut die d�nne Atmosph�re die Sonnenstrahlen nicht, wie es auf der Erde der Fall ist. Auf dem Mars gibt es keine D�mmerung. Versinkt der gro�e Ball am Horizont, ist die Wirkung exakt dieselbe, als l�sche man die einzige Lampe in einem Raum. Vom hellsten Licht taucht man ohne Warnung in tiefste Finsternis. Dann gehen die Monde auf, die r�tselhaften Zaubermonde vom Mars, die, riesigen Meteoren gleich, flach �ber den Planeten streifen.</p><p>Die untergehende Sonne erhellte das Ostufer von Korus, den scharlachfarbenen Rasen und den pr�chtigen Wald. Unter den B�umen weideten mehrere Herden von Pflanzenmenschen. Die Erwachsenen standen aufrecht auf den Zehenspitzen und pfl�ckten mit den m�chtigen Schw�nzen und Krallen jedes erreichbare Blatt und jeden Zweig ab. Nun verstand ich auch die geometrische Form der B�ume, die mich zu dem Irrtum verleitet hatte, der Hain, in dem ich aufwachte, l�ge im Gebiet eines zivilisierten Volkes.</p><p>Unsere Blicke wanderten schlie�lich zum brausenden Iss, der aus dem Felsen unter uns str�mte. Bald tauchte aus dem Berginnern ein Boot auf, beladen mit verlorenen Seelen der Au�enwelt. Es waren ein Dutzend, alle von ihnen entstammten dem hochentwickelten und gebildeten Volk der roten Marsmenschen, die auf dem Mars die Vorherrschaft besitzen.</p><p>Die Augen des Herolds fielen auf die zum Untergang verurteilte Gruppe im selben Moment wie unsere. Er hob den Kopf, lehnte sich weit �ber die flache Br�stung seines schwindelerregenden Ausgucks und gab das schrille, unheimliche Geheul von sich, das die Bewohner dieses h�llischen Ortes zum Angriff rief.</p><p>Einen Augenblick lang hielten die Biester im Hain mit hoch erhobenen Ohren inne, dann str�mten sie zum Ufer des Flusses, die Entfernung mit gro�en, linkischen Spr�ngen hinter sich bringend.</p><p>Die Gruppe war an Land gegangen und stand auf dem Rasen, als die schrecklichen Horden auftauchten. Die Menschen unternahmen den kurzen und sinnlosen Versuch, sich zu verteidigen. Dann herrschte Stille, als die riesigen, absto�enden Gestalten sich auf ihre Opfer warfen und bis zu zwanzig gierige M�uler an das Fleisch ihrer Beute setzten.</p><p>Angewidert wandte ich mich ab.</p><p>�Ihr Teil ist bald vor�ber�, sagte Thuvia. �Die gro�en wei�en Affen bekommen das Fleisch, sobald die Pflanzenmenschen das Blut aus den Arterien gesogen haben. Seht, dort sind sie schon.�</p><p>Als ich in die Richtung blickte, in die das M�dchen wies, sah ich ein Dutzend der gro�en, wei�en Monster aus dem Tal zum Flu�ufer st�rmen. Dann ging die Sonne unter, und eine fast greifbare Dunkelheit senkte sich �ber uns.</p><p>Thuvia verlor keine Zeit und f�hrte uns wieder zu dem Gang, der sich, hier und da abknickend, durch die Felsen in Richtung Oberfl�che tausend Fu� weiter oben wand.</p><p>Zweimal stie�en wir auf gro�e, knurrende Banths, die im Labyrinth umherwanderten, doch ein jedes Mal gen�gte ein leiser Befehl Thuvias, und die Tiere wichen m�rrisch beiseite.</p><p>�Wenn du all unsere Hindernisse so leicht aus dem Weg r�umen kannst wie diese grimmigen Tiere, sehe ich keine Schwierigkeiten f�r unser Weiterkommen�, sagte ich l�chelnd zu dem M�dchen. �Wie machst du das?�</p><p>Sie lachte, erschauderte dann jedoch und erz�hlte: �Ich wei� nicht genau. Als ich hier ankam, zog ich mir Sator Throgs Unwillen zu, indem ich ihn zur�ckwies. Er befahl, mich in eine der gro�en Gruben in den Innenh�fen zu werfen, wo es von Banths nur so wimmelt. In meiner Heimat war ich das Befehlen gew�hnt. Etwas in meiner Stimme, ich wei� nicht was, sch�chterte die Biester ein, als sie auf mich zusprangen und mich angreifen wollten. Statt mich in St�cke zu rei�en, wie es Sator Throg gewollt hatte, krochen sie vor meine F��e. Der Anblick am�sierte Sator Throg und seine Freunde derart, da� sie mich behielten, um die schrecklichen Kreaturen zu erziehen und abzurichten. Ich kenne sie alle mit Namen. Viele von ihnen streifen in diesen unteren Regionen umher. Sie sind Aasfresser, und da viele Gefangene hier in ihren Ketten verenden, l�sen die Banths das Problem der Entsorgung, zumindest in dieser Hinsicht. Man h�lt sie in Gruben in den G�rten und Tempeln oben. Die Therns haben Angst vor ihnen und wagen sich ihretwegen selten unter die Erde, wenn nicht ihre Pflichten es erforderlich machen.�</p><p>Bei dem, was Thuvia gerade sagte, kam mir eine Idee.</p><p>�Warum nehmen wir nicht mehrere Banths und lassen sie vor uns frei, sobald wir oben angekommen sind?� fragte ich.</p><p>�Das w�rde die Feinde sicher von uns ablenken�, entgegnete Thuvia lachend und begann mit leiser, singender Stimme, fast einem Schnurren, etwas zu rufen. Sie fuhr damit fort, als wir uns m�hsam unseren Weg durch das Labyrinth unterirdischer G�nge und Gew�lbe bahnten.</p><p>Bald war hinter uns ein leises, ged�mpftes Tapsen zu vernehmen, und als ich mich umdrehte, erblickte ich ein Paar gro�er, gr�ner Augen in der Dunkelheit schimmern. Aus einem abzweigenden Gang kroch verstohlen eine gekr�mmte, gelbbraune Gestalt auf uns zu.</p><p>Leises Brummen und b�ses Knurren drang von jeder Seite an unsere Ohren, und w�hrend wir weitereilten, leistete ein Banth nach dem anderen dem Ruf seiner Herrin Folge.</p><p>Zu jedem der Ank�mmlinge sagte sie etwas. Wie wohlerzogene Terrier liefen sie neben uns die G�nge entlang, doch entgingen mir weder die sch�umenden Lefzen noch der hungrige Ausdruck, mit dem sie Tars Tarkas und mich bedachten.</p><p>Bald hatten sich etwa f�nfzig der Biester zu uns gesellt. Zwei hatten Thuvia in die Mitte genommen, als seien sie Wachposten. Hin und wieder sp�rte ich an meinen nackten Armen und Beinen die glatten Flanken von anderen Banths. Es war eine seltsame Prozession: Eine fast ger�uschlose Kolonne, die sich auf nackten, menschlichen F��en und gepolsterten Tatzen vorw�rtsbewegte; die goldenen, mit wertvollen Steinen gesprenkelten W�nde; das tr�be Licht der winzigen Radiumkugeln, die sich in Abst�nden an der Decke befanden; die riesigen, bem�hnten Raubtiere, die sich leise knurrend um uns scharten; der m�chtige, gr�ne Krieger, der uns alle hoch �berragte; ich selbst, gekr�nt mit dem unbezahlbaren Kopfschmuck eines Heiligen Therns, und�� an der Spitze des Zuges�� das wundersch�ne M�dchen Thuvia.</p><p>Das sollte mir noch lange in Erinnerung bleiben.</p><p>Bald kamen wir zu einem gro�en Gew�lbe, in dem es wesentlich heller war als in den G�ngen. Thuvia hie� uns stehenbleiben, stahl sich leise zum Eingang und warf einen Blick hinein. Dann winkte sie uns, ihr zu folgen.</p><p>In dem Raum wimmelte es von allen m�glichen seltsamen Gesch�pfen, die in dieser Unterwelt zu Hause waren: Eine zusammengew�rfelten Masse von Bastarden�� die Nachk�mmlinge der Gefangenen von der Au�enwelt, roten und gr�nen Marsmenschen und wei�en Therns.</p><p>Die st�ndige Gefangenschaft unter der Erde hatte ihrer Haut ein sonderbares Aussehen verliehen. Sie wirkten mehr tot als lebendig. Viele waren mi�gestaltet, andere verkr�ppelt, die meisten blind, so erkl�rte mir Thuvia.</p><p>Wie sie ausgestreckt auf dem Boden umherlagen, teilweise �bereinander, dann wieder in bunten Haufen, f�hlte ich mich unvermittelt an die grotesken Illustrationen von Dantes Inferno erinnert. Welcher Vergleich h�tte sich hier mehr aufgedr�ngt? War es nicht tats�chlich die wahre H�lle, in der verlorene Seelen, tot und verdammt, ein Dasein jenseits aller Hoffnung fristeten?</p><p>Vorsichtig bahnten wir uns einen Weg durch die Massen. Die gro�en Banths schnupperten gierig angesichts der unwiderstehlichen Beute, die in verlockendem �berflu� wehrlos vor ihnen ausgebreitet lag.</p><p>Oft kamen wir an Eing�ngen anderer Gew�lbe vorbei, die �hnlich bev�lkert waren; zwei weitere von ihnen mu�ten wir durchqueren. In einigen Gew�lben stie�en wir auf angekettete Gefangene und Tiere.</p><p>�Warum gibt es hier keine Therns?� wollte ich von Thuvia wissen.</p><p>�Sie begeben sich selten des Nachts in die Unterwelt, denn dann streifen die gro�en Banths auf Suche nach Beute durch die dunklen Korridore. Die Therns f�rchten die schrecklichen Bewohner dieser grausamen und hoffnungslosen Welt, die sie zu ihren F��en gen�hrt und gez�chtet haben. Manchmal wenden sich Gefangene gegen die Therns und �berw�ltigen sie. Der Thern wei� nie, in welchem dunklen Schatten ein M�rder seiner harrt. Tags�ber ist es anders. Dann passieren Wachen die G�nge und Gew�lbe, Sklaven aus den Tempeln oben kommen zu Hunderten zu den Getreidespeichern und Lagerhallen. Alles ist mit Leben erf�llt. Ihr habt das nicht gesehen, denn ich habe euch nicht durch die bev�lkerten G�nge gef�hrt, sondern au�en entlang. Sogar jetzt k�nnten wir einem Thern begegnen. Gelegentlich halten sie es f�r notwendig, nach Sonnenuntergang noch einmal herzukommen. Deswegen war ich so vorsichtig.�</p><p>Indes gelangten wir unentdeckt zu den oberen G�ngen, wo uns Thuvia auf einmal am Beginn eines kurzen, steilen Anstiegs stehenbleiben hie�.</p><p>��ber uns befindet sich der Zugang zu den inneren G�rten. Bis hierhin habe ich uns gebracht. Auf den n�chsten vier Meilen zu den �u�eren Schu�w�llen lauern zahlreiche Gefahren auf uns. Wachen kontrollieren die H�fe, Tempel und G�rten. Jeder Zoll der Schutzw�lle selbst wird beobachtet.�</p><p>Ich verstand nicht, wieso ein Ort derart scharf bewacht werden mu�te, den so viele Geheimnisse und abergl�ubische Vorstellungen umgaben, da� sich keine Seele von Barsoom in seine N�he getraut h�tte, selbst wenn sie den genauen Standort gewu�t h�tte. Ich fragte Thuvia, welche Feinde die Therns in ihren undurchdringlichen Festungen f�rchten konnten.</p><p>Thuvia �ffnete gerade die T�r, vor der wir standen und entgegnete: �Sie f�rchten die schwarzen Piraten von Barsoom, mein Prinz, vor denen uns unsere Ahnen besch�tzen m�gen.�</p><p>Die T�r schwang auf, der Duft von Pflanzen liebkoste mich, und die k�hle Nachtluft blies mir von der Seite ins Gesicht. Die gro�en Banths witterten die unbekannten Ger�che, st�rmten schwungvoll und leise knurrend an uns vorbei und schw�rmten unter dem fahlen Licht des ersten Mondes von Barsoom im Garten aus.</p><p>Pl�tzlich erhob sich von den Tempeld�chern ein Alarmschrei, der von anderen aufgenommen, nach Osten und Westen, von den Tempeln zum Hof und zum Schutzwall weitergetragen wurde, bis nur noch sein schwaches Echo in der Ferne zu vernehmen war.</p><p>Das lange Schwert des gro�en Thark fuhr aus der Scheide, Thuvia erschauderte und wich an meine Seite.</p></section><section><title><p>6. Die schwarzen Piraten von Barsoom</p></title><p>�Was ist?� fragte ich das M�dchen. Als Antwort wies sie zum Himmel.</p><p>Ich sah nach oben und erblickte Schatten, die in rasendem Tempo hoch �ber Tempel, Hof und Garten kreisten.</p><p>Fast im selben Moment blitzte oben M�ndungsfeuer auf. Die seltsamen Flugk�rper gaben donnernde Sch�sse ab, die vom Tempel und Festungswall lautstark erwidert wurden.</p><p>�Die schwarzen Piraten von Barsoom, mein Prinz�, sagte Thuvia.</p><p>In gro�en Kreisen fegten die Flugzeuge der Pl�nderer �ber den Verteidigungstruppen der Therns hinweg und gingen zusehends tiefer.</p><p>Eine Salve nach der anderen gaben sie in Richtung der Tempelwachen ab, die ihrerseits durch die d�nne Luft in Richtung der blitzschnellen, nicht greifbaren Flieger feuerten.</p><p>Als die Piraten ihre H�he immer weiter verringerten, str�mte eine Armee der Therns aus den Tempeln in die G�rten und H�fe.</p><p>Ihr Auftauchen rief etwa zwanzig Flieger aus allen Richtungen herbei.</p><p>Die Therns gaben mit Gewehren, auf die Schilde gest�tzt, Feuer, doch die schrecklichen schwarzen Flugzeuge kamen unaufhaltsam n�her. Die meisten waren kleine Flieger f�r zwei, drei Leute. Es gab wenige gr��ere, doch diese blieben hoch oben in der Luft und lie�en aus dem Kielschacht Bomben auf den Tempel fallen.</p><p>Schlie�lich gingen die Piraten, offenbar einem Befehl folgend, mit einemmal in unserer unmittelbaren Nachbarschaft inmitten der Soldaten der Therns nieder, ohne sich von ihnen beeindrucken zu lassen.</p><p>Die Mannschaften warteten kaum darauf, da� ihre Flugzeuge aufsetzten, sondern sprangen von teuflischer Wut beseelt zwischen die Therns. Nie zuvor hatte ich ein solches Gemetzel miterlebt. Ich hatte immer geglaubt, die gr�nen Marsmenschen seien die grausamsten Krieger im ganzen Universum, doch die Unb�ndigkeit, mit der die schwarzen Piraten sich auf ihre Widersacher warfen, ging �ber alles hinaus, was ich bisher gesehen hatte.</p><p>Im hellen Schein der beiden herrlichen Monde konnte man das Geschehen deutlich mitverfolgen. Die hellhaarigen, wei�h�utigen Therns k�mpften mit dem Mut der Verzweiflung gegen ihre ebenholzfarbenen Feinde.</p><p>Hier trampelte ein k�mpfendes Kn�uel auf einem pr�chtigen Pimalienbeet herum, dort fand der Krummdolch eines Schwarzen das Herz eines Therns und lie� den Gegner tot am Fu�e einer sch�nen Statue aus leuchtendem Rubin zur�ck. Dr�ben pre�ten ein Dutzend Therns einen Piraten auf eine Bank aus Smaragd, deren schillernde Oberfl�che ein mit Diamanten geschaffenes Muster von fremdartiger, barsoomischer Sch�nheit zeigte.</p><p>Ein St�ck seitw�rts standen Thuvia, der Thark und ich. Das Kampfgeschehen war noch nicht zu uns vorgedrungen, doch die K�mpfer kamen von Zeit zu Zeit nahe genug, da� wir ihre Gesichter erkennen konnten.</p><p>Die schwarzen Piraten interessierten mich brennend. Bei meinem fr�heren Aufenthalt auf dem Mars hatte ich Ger�chte �ber sie vernommen, die nicht viel mehr als Legenden waren. Doch hatte ich sie weder je zu Gesicht bekommen noch mit jemandem gesprochen, der sie schon einmal gesehen hatte.</p><p>Im allgemeinen hie� es, da� sie auf dem kleineren Mond lebten, von wo sie in l�ngeren Abst�nden Barsoom Besuche abstatteten. Wo immer sie sich blicken lie�en, vollbrachten sie die f�rchterlichsten Verbrechen, beim Abzug nahmen sie Schu�waffen und Munition sowie junge Frauen als Gefangene mit sich. Ger�chten zufolge opferten sie ihre Beute einem finsteren Gott in einer blutigen Zeremonie, die damit endete, da� sie die Ungl�cklichen verzehrten.</p><p>Ich konnte sie gut in Augenschein nehmen, denn das Scharm�tzel brachte gelegentlich den einen oder anderen in meine unmittelbare N�he. Sie waren �u�erst ansehnliche, hochgewachsene M�nner, vielleicht mehr als sechs Fu� gro�, mit markanten Gesichtsz�gen und tiefliegenden, gro�en Augen. Soweit ich das bei Mondlicht erkennen konnte, war die Iris tiefschwarz und der Augapfel selbst von klarem Wei�. Vom K�rperbau schienen sie sich in keiner Weise von den Therns, den roten Menschen oder mir zu unterscheiden. Lediglich ihre Hautfarbe war anders; sie schimmerte ebenholzfarben, und so seltsam es aus dem Mund eines S�dstaatlers klingen mag, trug sie zu seiner prachtvollen Sch�nheit mehr bei als da� sie ihr Abbruch tat.</p><p>Doch auch wenn ihre Gestalt g�ttlich war�� ihre Seele war offensichtlich das ganze Gegenteil. Nie zuvor erlebte ich einen solch b�sartigen Blutrausch, wie ihn diese Teufel aus dem All im wilden Kampf mit den Therns zur Schau stellten.</p><p>�berall im Garten standen ihre unheilbringenden Flugzeuge, die die Therns zu meinem Erstaunen jedoch nicht anr�hrten. Hin und wieder st�rmte ein schwarzer Krieger mit einer jungen Frau auf den Armen aus einem nahen Tempel zu seinem Flieger, w�hrend jene seiner Kameraden, die gerade in der N�he k�mpften, seinen R�ckzug deckten.</p><p>Die Therns neben ihnen eilten dem M�dchen zu Hilfe und wurden einen Augenblick sp�ter in einen turbulenten Strudel br�llender Scheusale gezogen, welche sich wie leibhaftige Teufel geb�rdeten, nach ihnen ausholten und traten.</p><p>Doch immer, schien es, siegten die schwarzen Piraten von Barsoom, und das M�dchen, das den Kampf auf wundervolle Weise unverletzt �berstanden hatte, wurde an Deck eines schnellen Fliegers in die Finsternis getragen.</p><p>Kampfesl�rm drang aus allen Richtungen mit unverminderter Heftigkeit zu uns. Thuvia erz�hlte mir, da� die schwarzen Piraten normalerweise das ganze Reich der Therns auf einmal angriffen, das sich wie ein Band an den �u�eren Abh�ngen des Gebirges Otz mit dem in der Mitte gelegenen Tal Dor, entlangzog.</p><p>Als sich die Krieger f�r einen Moment von uns fortbewegten, wandte sich Thuvia an mich: �Versteht ihr nun, mein Prinz, warum eine Million Krieger das Gebiet der Heiligen Therns Tag und Nacht bewachen? Das, was ihr jetzt seht, ist nur eine Wiederholung dessen, was ich w�hrend der f�nfzehn Jahre, die ich hier schon gefangen bin, an die zwanzig Mal miterlebt habe. Seit undenklichen Zeiten pl�ndern die schwarzen Piraten von Barsoom die Heiligen Therns aus. Und doch gehen sie mit ihren Expeditionen niemals bis zum �u�ersten, wie man leicht annehmen k�nnte, und l�schen die Therns endg�ltig aus, wie es f�r sie ein Leichtes w�re. Es scheint, als nutzten sie dieses Volk nur zum Vergn�gen, stillten an ihm ihre unb�ndige Lust aufs K�mpfen und trieben von ihm einen Zoll in Form von Waffen, Munition und Gefangenen ein.�</p><p>�Warum springen sie nicht einfach in die Flugzeuge und zerst�ren sie?� fragte ich. �Das w�rde den Angriffen bald ein Ende bereiten. Zumindest w�ren die Schwarzen dann kaum so k�hn. Schau hin, sie lassen die Flieger v�llig unbeobachtet, als st�nden sie sicher in den Flugzeughallen zu Hause.�</p><p>�Die Therns trauen sich das nicht. Einmal, vor Jahrhunderten, haben sie es gewagt, doch am n�chsten Abend und den ganzen folgenden Monat lang kreisten gro�e, schwarze Kriegsschiffe �ber dem Gebirge Otz, warfen Tonnen von Bomben �ber den Tempeln, G�rten, H�fen ab, bis jeder noch �berlebende Thern in die unterirdischen G�nge gefl�chtet war. Die Therns wissen, da� sie �berhaupt nur mit Duldung der schwarzen Menschen leben. Jenes eine Mal w�ren sie beinahe ausgel�scht worden, so riskieren sie es kein weiteres Mal.�</p><p>Als sie verstummte, nahm die Auseinandersetzung eine neue Wendung. Die Urheber �berraschten sowohl die Therns als auch die Piraten. Der Kampfesl�rm, das Geschrei der Krieger, die Sch�sse und die Explosionen der Bomben hatten die gro�en Banths, die wir in den Garten gelassen hatten, zun�chst eingesch�chtert.</p><p>Doch nun schien der andauernde L�rm sie w�tend gemacht zu haben. Der frische Blutgeruch mu�te ein �briges getan haben, denn pl�tzlich scho� eine riesige Gestalt aus einem niedrigen Busch mitten zwischen die k�mpfenden Menschenmassen. Voll tierischer Wut stie� das Banth einen furchteinfl��enden Schrei aus, als es warmes Fleisch unter den m�chtigen Krallen sp�rte.</p><p>Als w�re sein Gebr�ll das Signal f�r die anderen, warf sich die gesamte Meute zwischen die K�mpfenden. Augenblicklich brach Panik aus. Thern und schwarzer Mensch wandten sich vereint gegen den gemeinsamen Feind, denn die Banths machten zwischen ihnen keine Unterschiede.</p><p>Die grauenvollen Biester warfen einhundert Mann allein durch die Masse ihrer gro�en Leiber zu Boden, als sie sich in das Get�mmel st�rzten. Sie sprangen umher, m�hten die Krieger mit den kraftvollen Pranken nieder, wandten sich einen Augenblick dem Opfer zu und zerrissen es mit den f�rchterlichen Z�hnen.</p><p>Trotz ihrer Schrecken war die Szene faszinierend, doch fiel mir ein, da� wir mit der Verfolgung der Schlacht wertvolle Zeit vergeudeten, die sich unserer Flucht zum Vorteil erweisen konnte.</p><p>Die Therns hatten mit ihren schrecklichen Gegnern so zu tun, da�, wenn zu irgendeinem Zeitpunkt �berhaupt, die Flucht nun vergleichsweise einfach sein sollte. Ich wandte mich um und suchte nach einem Weg durch die streitenden Horden. Vielleicht stellten wir beim Erreichen der Schutzw�lle fest, da� die Piraten die St�rke der Wachposten verringert und uns den Weg nach drau�en ge�ffnet hatten.</p><p>Als mein Blick im Garten umherstreifte und auf die Hunderte Flugzeuge fiel, die unbeobachtet um uns herumstanden, wu�te ich schlagartig den einfachsten Weg in die Freiheit. Warum war mir das nicht fr�her eingefallen! Ich war gr�ndlich mit der Funktionsweise eines jeden Flugzeugtyps von Barsoom vertraut. Neun Jahre lang flog und k�mpfte ich f�r die Luftwaffe von Helium. Ich war in einem winzigen, einsitzigen Aufkl�rungsflugzeug �ber den Himmel gerast und hatte das gr��te Schlachtschiff befehligt, das die d�nne Luft des untergehenden Mars jemals getragen hatte.</p><p>Denken hei�t f�r mich handeln. Ich packte Thuvia beim Arm und fl�sterte Tars Tarkas zu, er solle mir folgen. Schnell huschten wir auf einen kleinen Flieger zu, der am weitesten vom Schlachtfeld entfernt stand. Eine Sekunde sp�ter kauerten wir auf dem winzigen Deck. Meine Hand lag am Starthebel. Ich dr�ckte mit dem Daumen auf den Knopf, der den Antriebsstrahl reguliert, jene hervorragende Entdeckung der Marsmenschen, die es ihnen erm�glicht, die d�nne Atmosph�re ihres Planeten in riesigen Luftschiffen zu durchfliegen, gegen die die gro�en Flugzeuge unserer Luftwaffe auf der Erde bedauernswert unbedeutend aussehen.</p><p>Das Flugzeug schwankte sanft, erhob sich jedoch nicht. Da drang ein Warnschrei zu uns. Ich wandte mich um und erblickte ein Dutzend Piraten, die sich aus dem Handgemenge gel�st hatten und auf uns zust�rmten. Wir waren entdeckt worden. Mit w�tendem Geschrei setzten die B�sewichter auf uns zu. Fiebrig dr�ckte ich ohne Unterla� auf den kleinen Knopf, der uns in die L�fte h�tte schleudern m�ssen, doch das Fahrzeug r�hrte sich nicht. Schlie�lich fiel mir auch der Grund daf�r ein.</p><p>Wir waren an einen Zweisitzer geraten. Seine Strahlentanks waren nur mit soviel Absto�energie ausger�stet, um zwei gew�hnliche M�nner zu bef�rdern. Das Gewicht des Thark wurde uns zum Verh�ngnis.</p><p>Inzwischen waren die Schwarzen fast bei uns. Wir durften keinen Augenblick durch Z�gern oder Unsicherheit verlieren.</p><p>Ich dr�ckte den Knopf weit hinein und machte ihn fest. Dann schaltete ich den Hebel auf H�chstgeschwindigkeit, schl�pfte, als die Piraten sich br�llend auf uns warfen, von Deck und stellte mich, das lange Schwert gezogen, dem Angriff.</p><p>Im selben Augenblick h�rte ich hinter mir ein M�dchen aufschreien, und einen Moment sp�ter�� die Schwarzen fielen bereits �ber mich her�� vernahm ich hoch �ber meinem Kopf leise Thuvias Stimme: �Mein Prinz, o mein Prinz. Lieber bliebe ich und st�rbe�� � Doch der Rest ging im Angriffsl�rm unter.</p><p>Dennoch wu�te ich, da� die List funktioniert hatte, Thuvia und Tars Tarkas zumindest vor�bergehend in Sicherheit waren und das Mittel zur Flucht in ihren H�nden lag.</p><p>Einen Moment schien es, als k�nne ich dem Ansturm der unz�hligen Angreifer unm�glich widerstehen. Doch wieder, wie schon so oft zuvor, wenn ich es auf diesem Planeten mit einer �berw�ltigenden �bermacht zu tun hatte, stellte ich fest, da� meine irdischen Kr�fte so weit �ber jene meiner Gegner hinweggingen, da� die �bermacht weniger gro� war als im ersten Moment bef�rchtet.</p><p>Meine gl�hende Klinge webte ein Netz des Todes um mich. Einen Augenblick kamen die Schwarzen sehr dicht an mich heran, um mich mit ihren k�rzeren Schwertern zu erreichen. Doch bald wichen sie zur�ck, und auf dem Gesicht eines jeden zeigte sich deutlich jene Hochachtung, die sie meiner Schwertkunst entgegenzubringen so pl�tzlich gelernt hatten.</p><p>Trotzdem war mir klar, da� es bei dieser �bermacht nur Minuten dauern w�rde, bis sie mich �berw�ltigten oder ich mich nicht mehr w�rde verteidigen k�nnen. Vielleicht ging ich vor ihnen zu Boden und trat meinem sicheren Ende entgegen. Ich erschauderte bei dem Gedanken, hier an diesem schrecklichen Ort zu sterben, ohne da� Dejah Thoris je davon erfuhr. Ein Tod von den H�nden namenloser Schwarzer in den G�rten der grausamen Therns.</p><p>Dann kam der alte Elan in mir wieder auf. Das Blut meiner kriegerischen Vorfahren aus Virginia pulsierte hei� in meinen Adern. Unbez�hmbarer Blutdurst und Kampfesfreude gewannen in mir erneut die Oberhand. Das Kampfesl�cheln, das Tausende meiner Gegner verbl�fft hatte, trat auf meine Lippen. Ich schenkte dem Tod keinen weiteren Gedanken und fiel mit einer Wut �ber meine Feinde her, da� jene, die entkommen konnten, dies bis zu ihrer letzten Stunde nicht vergessen werden.</p><p>Ich war mir dessen bewu�t, da� die anderen meinen unmittelbaren Widersachern zu Hilfe eilen w�rden, und so dachte ich w�hrend des Kampfes fieberhaft �ber einen Fluchtweg nach.</p><p>Er bot sich mir v�llig unerwartet und kam aus der schwarzen Nacht hinter mir. Ich hatte gerade einen H�nen entwaffnet, der mir verzweifelt Widerstand geleistet hatte, und die Schwarzen hielten just einen Augenblick zum Atemholen inne.</p><p>Wenn sie mich auch mit b�sen, w�tenden Blicken bedachten, zeigte sich in ihrer Haltung ein Hauch von Respekt.</p><p>�Thern�, sagt einer. �Du k�mpfst wie ein Dator. Nichtsdestoweniger w�rest du wegen deines verachtungsw�rdigen, gelben Haares und deiner wei�en Haut eine Zierde f�r den Erstgeborenen von Barsoom.�</p><p>�Ich bin kein Thern�, erwiderte ich. Schon wollte ich erkl�ren, da� ich aus einer anderen Welt stammte, um eine Art Waffenstillstand mit diesen Menschen zu vereinbaren und gemeinsam mit ihnen gegen die Therns zu k�mpfen. Vielleicht halfen sie mir dann auch, meine Freiheit wiederzuerlangen. Doch gerade in dem Moment versetzte mir ein schwerer Gegenstand einen m�chtigen Schlag zwischen die Schultern und warf mich fast um.</p><p>Als ich mich nach diesem neuen Angreifer umwandte, flog ein Gegenstand �ber meiner Schulter hinweg und schlug einen meiner Gegner mitten ins Gesicht, so da� er bewu�tlos auf den Rasen sank. Im selben Augenblick sah ich, worum es sich bei dem Ding handelte, das uns getroffen hatte: Um den Schleppanker eines ziemlich gro�en Luftschiffes, eines Kreuzers mit vielleicht zehn Mann Besatzung.</p><p>Langsam segelte das Flugzeug reichlich f�nfzig Fu� �ber uns hinweg. Nun offenbarte sich die Gelegenheit, die es mir bot. Das Luftschiff stieg allm�hlich auf, der Anker befand sich nun hinter meinen Gegnern, einige Fu� �ber ihren K�pfen.</p><p>Mit einem Satz, bei dem sie erstaunt Mund und Augen aufrissen, sprang ich �ber den Feinden hinweg. Ein zweiter Satz brachte mich genau in H�he des nun zusehends verschwindenden Ankers.</p><p>Doch ich hatte Erfolg, konnte ihn mit einer Hand packen, so da� er mich durch das Ge�st der h�heren B�ume im Garten zog, w�hrend meine vorherigen Widersacher unten in Geschrei und Geheul ausbrachen.</p><p>Bald drehte das Schiff gen Westen und schwenkte dann anmutig in Richtung S�den. Im n�chsten Moment wurde ich �ber die Gipfel der Goldenen Felsen und �ber das Tal Dor hinweggetragen, wo sechstausend Fu� unter mir das Verlorene Meer von Korus im Mondlicht schimmerte.</p><p>Vorsichtig zog ich mich auf den Arm des Ankers und setzte mich auf. Ich wollte wissen, ob das Schiff nicht vielleicht zuf�llig menschenleer war. Das war zu hoffen. Oder es geh�rte einem freundlich gesonnenen Volk und war nur durch ein Mi�geschick den Therns oder Piraten in die H�nde gefallen. Die Tatsache, da� es sich vom Schauplatz des Kampfes zur�ckzog, unterst�tzte diese Theorie.</p><p>Doch ich entschlo� mich, das genau herauszufinden, und zwar sofort. So begann ich langsam und mit gr��ter Vorsicht, die Ankerkette hochzuklettern.</p><p>Ich tastete nach der Reling des Schiffes und legte schlie�lich die Hand darauf, als sich ein grimmiges, schwarzes Gesicht �ber die Seitenwand schob und mich voll triumphierenden Hasses anblickte.</p></section><section><title><p>7. Eine h�bsche G�ttin</p></title><p>Einen Augenblick blieben der schwarze Pirat und ich regungslos und starrten Auge in Auge. Dann zogen sich die h�bschen Lippen �ber mir in einem b�sen L�cheln auseinander, als sich eine ebenholzfarbene Hand langsam �ber den Rand schob und mir die kalte, hohle M�ndung eines Revolvers mitten auf die Stirn setzte.</p><p>Im selben Moment, in dem meine freie Hand den schwarzen Hals packte, der sich gerade in Reichweite befand, bewegte sich der ebenholzfarbene Finger am Abzug. Mit halberstickter Stimme zischte der Pirat: �Stirb, verfluchter Thern�, denn meine Finger dr�ckten ihm die Luft ab. Der Hahn fiel mit einem sinnlosen Klicken auf eine leere Kammer.</p><p>Bevor er wieder feuern konnte, hatte ich ihn soweit �ber den Rand gezogen, da� er gezwungen war, die Waffe fallenzulassen und sich mit beiden H�nden festzuhalten.</p><p>Wegen meines Griffes konnte er nicht schreien, so rangen wir miteinander in eisiger Stille: Er, um sich aus meiner Umklammerung zu l�sen, ich, um ihn �ber die Reling in den Tod zu rei�en.</p><p>Sein Gesicht nahm bereits eine bl�uliche F�rbung an, und die Augen traten aus den H�hlen. Offenbar wurde ihm klar, da� er sterben mu�te, wenn er nicht den st�hlernen Griff l�sen konnte, der das Leben aus ihm pre�te. Mit letzter Kraft warf er sich zur�ck in Richtung Deck, lie� dabei die Reling los und versuchte verzweifelt mit beiden H�nden, meine Finger von seiner Gurgel zu bekommen.</p><p>Auf diese kurze Sekunde hatte ich gewartet. Mit einem Ruck zog ich ihn von Deck. Dabei h�tte er mich beinahe mitgerissen und mit sich in die Untiefen des Meeres gezogen, denn der Halt mit nur einer freien Hand an der Ankerkette war sehr unsicher.</p><p>Dennoch lie� ich nicht los, denn ich wu�te, da�, wenn ihm beim Sturz in den Tod in das stille Meer auch nur ein einziger Schrei �ber die Lippen kam, die anderen von oben zu seiner Rache herbeieilen w�rden.</p><p>So hielt ich ihn verbissen fest, dr�ckte und dr�ckte, w�hrend er sich verzweifelt wand und mich dabei immer weiter nach unten zum Ende der Ketten zog.</p><p>Schrittweise wurden seine Zuckungen krampfhaft und ebbten zusehends ab, bis sie schlie�lich ganz aufh�rten. Dann erst lie� ich ihn los, und in Sekundenschnelle hatte ihn die Finsternis unten verschluckt.</p><p>Erneut kletterte ich zur Reling des Schiffes. Diesmal gelang es mir, einen Blick an Deck zu werfen und die gegenw�rtige Situation sorgf�ltig in Augenschein zu nehmen, um zu wissen, womit ich rechnen mu�te.</p><p>Der erste Mond war bereits hinter dem Horizont verschwunden, doch der klare Schein des zweiten Satelliten erhellte das Deck des Kreuzers und hob die Umrisse von sechs, acht Schl�fern scharf hervor, die an Deck lagen.</p><p>Am Fu�e eines Schnellfeuergewehres kauerte ein junges, hellh�utiges M�dchen, das man zuverl�ssig gefesselt hatte. Sie blickte mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen zu mir und lie� mich, als ich �ber der Reling auftauchte, keinen Moment aus den Augen.</p><p>Als sie den geheimnisvollen Edelstein in der Mitte meines gestohlenen Kopfschmuckes entdeckte, trat unbeschreibliche Erleichterung in ihr Gesicht. Schweigend warnte sie mich mit einem Blick vor den Schlafenden um sie herum.</p><p>Lautlos zog ich mich an Deck. Mit einem Nicken bat mich das M�dchen zu sich. Als ich mich zu ihr neigte, fl�sterte sie mir zu, ich m�ge sie doch befreien.</p><p>�Ich kann dir helfen, und du wirst jede erdenkliche Hilfe brauchen, wenn sie aufwachen�, sagte sie.</p><p>�Einige von ihnen werden in Korus aufwachen�, entgegnete ich l�chelnd.</p><p>Sie verstand die Bedeutung meiner Worte; und das unbarmherzige L�cheln, mit dem sie meine Bemerkung erwiderte, erschreckte mich. Grausamkeit in einem brutalen Gesicht erstaunt einen nicht weiter. Sieht man sie hingegen auf dem Antlitz einer G�ttin, deren feingemei�elte Z�ge mehr zur Darstellung von Liebe und Sch�nheit geschaffen sind, empfindet man das als entsetzlich.</p><p>Ich tat, wie mir gehei�en, und befreite sie. Dann wandte ich mich einer unangenehmen Aufgabe zu. Jetzt war nicht der Zeitpunkt f�r verfeinerte Gef�hle wie Gewissensbisse oder Ritterlichkeit, die diese grausamen Teufel weder zu sch�tzen noch zu erwidern wu�ten.</p><p>Leise schlich ich zu dem n�chsten Schl�fer. Erwachend befand er sich bereits auf der Reise zu Korus� Busen. Sein gellender Schrei, als er begriff, verhallte in den schwarzen Tiefen.</p><p>Der zweite schlug bei meiner Ber�hrung die Augen auf, und obwohl es mir gelang, ihn von Deck des Kreuzers zu schleudern, brachte sein wilder Alarmschrei alle �brigen Piraten auf die Beine. Es waren f�nf.</p><p>Als sie aufsprangen, ert�nten mehrere abgehackte Sch�sse aus dem Revolver des M�dchens, und einer sank f�r immer darnieder.</p><p>Die anderen st�rmten mit gezogenen Schwertern wutschnaubend auf mich zu. Offensichtlich wagte das M�dchen nicht, zu schie�en, um mich nicht zu verletzen, doch ich sah, wie sie sich leise wie eine Katze neben die Angreifer schlich. Diese waren nun auf mir.</p><p>Einige Minuten lang wurde ich in den heftigsten Kampf verwickelt, den ich jemals erlebt hatte. Das Deck war zu klein, als da� man irgendwohin h�tte ausweichen k�nnen. So hie� es, den Boden zu verteidigen, auf dem man stand, auszuteilen und einzustecken. Zuerst steckte ich betr�chtlich mehr ein, als ich austeilte, doch bald konnte ich einen der Schwarzen �berw�ltigen und hatte die Befriedigung, ihn auf Deck zusammenbrechen zu sehen.</p><p>Die anderen verdoppelten ihre Bem�hungen. Der Zusammensto� unserer Klingen erzeugte einen schrecklichen Krach, der in der stillen Nacht meilenweit zu h�ren gewesen sein mu�te. Funken sprangen, als Stahl auf Stahl traf. Dann war ein dumpfes und gr��liches Ger�usch zu vernehmen, als die scharfe Klinge meines Marsschwertes durch einen Schulterknochen ging.</p><p>Nun standen mir noch drei gegen�ber, doch das M�dchen arbeitete sich zu einer Stelle vor, die ihr es erlauben w�rde, die Anzahl der Gegner um mindestens einen zu reduzieren. Dann spielte sich alles in einer solch erstaunlichen Schnelligkeit ab, da� ich sogar jetzt noch nicht alles verstehen kann.</p><p>In der offenkundigen Absicht, mich die wenigen Schritte zur�ckzudr�ngen, die mich vom Sturz ins Nichts trennten, warfen sich die drei auf mich. Im selben Moment, als das M�dchen feuerte, vollf�hrten meine Arm zwei Bewegungen. Ein Mann sank mit einem Kopfschu� zu Boden, ein Schwert flog klappernd �ber das Deck und rutschte �ber den Rand�� ich hatte einen meiner Gegner entwaffnet�� und dem dritten stie� ich die Klinge bis zum Heft in die Brust, so da� sie auf der anderen Seite drei Fu� heraustrat. Er sank zu Boden und ri� mein Schwert mit sich.</p><p>Da ich mich somit selbst entwaffnet hatte, stand ich nun mit blo�en H�nden dem letzten gegen�ber, dessen eigenes Schwert irgendwo tausend Fu� unter uns auf dem Grund des Verlorenen Meeres lag.</p><p>Die neuen Bedingungen schienen meinen Widersacher zu erfreuen, denn er entbl��te mit zufriedenem L�cheln die strahlenden Z�hne, w�hrend er ohne jede Waffe auf mich zust�rmte. Seine kr�ftigen, runden Muskeln unter der glatten, schwarzen Haut gaben ihm offensichtlich die Gewi�heit, da� ich f�r ihn leichte Beute sein w�rde und der Anstrengung nicht wert, den Dolch aus seiner Ausr�stung zu ziehen.</p><p>Ich lie� ihn dicht an mich herankommen. Dann duckte ich mich unter den ausgestreckten Armen und wich nach rechts aus. Ich drehte mich um meine Achse, holte Schwung und versetzte ihm mit der rechten einen schrecklichen Schlag gegen den Unterkiefer, so da� er auf der Stelle wie ein gef�llter Ochse zu Boden sank.</p><p>Ein leises, silbernes Lachen erklang hinter mir.</p><p>�Du bist kein Thern�, sagte meine Gef�hrtin mit holder Stimme. �Trotz all der goldenen Locken und der Ausr�stung von Sator Throg. Auf ganz Barsoom hat niemals jemand gelebt, der so k�mpfen konnte wie du in dieser Nacht. Wer bist du?�</p><p>�Ich bin John Carter, Prinz des Hauses von Tardos Mors, dem Jeddak von Helium�, entgegnete ich. �Und wem hatte ich die Ehre zu Diensten sein zu d�rfen?�</p><p>Sie z�gerte einen Moment, bevor sie antwortete, und fragte schlie�lich: �Du bist kein Thern. Bist du ein Feind der Therns?�</p><p>�Anderthalb Tage halte ich mich nun schon im Land der Therns auf. Seitdem befindet sich mein Leben in st�ndiger Gefahr. Man hat mich bel�stigt und verfolgt. Bewaffnete M�nner und wilde Tiere wurden auf mich angesetzt. Ich hatte zuvor keinen Streit mit den Therns. Erstaunt es dich, wenn ich ihnen nun keine allzu gro�e Zuneigung entgegenbringe? Mehr habe ich nicht zu sagen.�</p><p>Sie sah mich einige Minuten aufmerksam an, bevor sie etwas erwiderte. Es schien, als versuche sie mit diesem langen, pr�fenden Blick in meinem Innern zu lesen, um meinen Charakter und meine Wertvorstellungen einzusch�tzen.</p><p>Offenbar befriedigten sie die Resultate.</p><p>�Ich bin Phaidor, die Tochter von Matai Shang, dem Heiligen Hekkador der Heiligen Therns, dem Vater der Therns, Herr des Lebens und Todes auf Barsoom, Bruder von Issus, Prinzessin des Ewigen Lebens.�</p><p>In diesem Augenblick bemerkte ich, da� der Schwarze, den ich mit meiner Faust zu Boden gebracht hatte, kurz davor war, wieder zu sich zu kommen. Ich sprang zu ihm, entledigte ihn seiner Ausr�stung, band ihm die H�nde fest auf dem R�cken und fesselte ihn an das Untergestell eines schweren Gesch�tzes, nachdem ich seine F��e auf �hnliche Weise gebunden hatte.</p><p>�Warum nicht den einfacheren Weg?� fragte Phaidor.</p><p>�Ich verstehe nicht. Welchen �einfacheren� Weg?� erwiderte ich.</p><p>Sie zuckte leicht die h�bschen Schultern und vollf�hrte mit den H�nden eine Geste, als w�rfe sie etwas �ber Bord.</p><p>�Ich bin kein M�rder, sondern t�te nur in Notwehr�, sagte ich.</p><p>Sie musterte mich eingehend, runzelte die g�ttlichen Brauen und sch�ttelte den Kopf. Das ging offensichtlich �ber ihr Vorstellungsverm�gen hinaus.</p><p>Genauso wenig war meine Dejah Thoris in der Lage gewesen, unseren ihr dumm und gef�hrlich erscheinenden Umgang mit Feinden zu verstehen. Auf Barsoom gew�hrt man weder Gnade, ebensowenig wird sie einem gew�hrt. Jeder Tote bedeutet, da� es f�r die anderen mehr von den schwindenden Ressourcen dieses untergehenden Planeten aufzuteilen gibt.</p><p>Doch hier schien es einen kleinen Unterschied zu geben, in der Art, in der das M�dchen die Vernichtung eines Feindes sah, und dem mitf�hlenden Bedauern, das meine Prinzessin gegen�ber dieser bitteren Notwendigkeit empfand.</p><p>Ich denke, Phaidor ging es mehr um die Spannung, die ihr das Schauspiel geboten h�tte, als um den Fakt, da� wegen meiner Entscheidung ein Feind am Leben blieb, der uns zu einer Bedrohung werden konnte.</p><p>Der Mann war nun wieder voll bei Bewu�tsein und musterte uns aufmerksam von Deck aus, wo er gefesselt dalag. Er war ansehnlich und kr�ftig, mit wohlgeformten Gliedma�en, einem intelligenten, feingemei�elten Gesicht, dessen erlesene Z�ge sogar Adonis vor Neid zum Erblassen gebracht h�tten.</p><p>Das Luftschiff war f�hrerlos langsam �ber das Tal gedriftet, doch nun dachte ich, da� es an der Zeit war, das Steuer zu �bernehmen und den Kurs zu bestimmen. Ich konnte nur ungef�hr sagen, in welchem Teil vom Mars das Tal Dor lag: Weit s�dlich vom �quator. Das wurde am Stand der Sterne deutlich. Doch reichten meine astronomischen Kenntnisse vom Mars nur f�r eine grobe Sch�tzung, ohne die genauen Karten und empfindlichen Instrumente, mit denen ich als Offizier der Luftwaffe von Helium fr�her die Positionen der von mir gef�hrten Luftschiffe hatte genau bestimmen k�nnen.</p><p>Da ein n�rdlicher Kurs mich am ehesten in die dichter besiedelten Gebiete des Planeten bringen w�rde, entschied ich mich f�r diese Richtung. Anmutig schwang der Richtungsanzeiger unter meiner Hand herum. Ein Druck auf den Knopf, der die Antriebsstrahlen steuert, bef�rderte uns nach oben in die L�fte.</p><p>Den Schalthebel f�r die Geschwindigkeit am Anschlag, rasten wir gen Norden und erhoben uns immer weiter �ber das schreckliche Tal des Todes.</p><p>Als wir in schwindelerregender H�he �ber dem schmalen Landstrich der Therns hinwegflogen, legte das Aufblitzen von Explosionen weit unter uns auf stumme Weise von der unb�ndigen Schlacht Zeugnis ab, die entlang der grausamen Grenze noch immer tobte. Kein Laut war von unten zu vernehmen, denn bis in diese Schicht der Atmosph�re drang kein Ger�usch durch, alles wurde bereits von der d�nnen Luftschicht unter uns zerstreut.</p><p>Es wurde schrecklich kalt, und das Atmen wurde immer schwerer. Das M�dchen, Phaidor, und der schwarze Pirat blickten mich unabl�ssig an. Schlie�lich sprach das M�dchen.</p><p>�In dieser H�he kommt die Bewu�tlosigkeit schnell. Wenn ihr uns nicht alle umbringen wollt, m��t ihr hinuntergehen, und zwar schnell�, sagte sie ruhig.</p><p>In ihrer Stimme war keine Furcht. Es war, als sagte jemand: �Du solltest besser einen Schirm mitnehmen. Es wird regnen.�</p><p>Ich ging schnell tiefer, und das nicht zu fr�h. Das M�dchen war bereits ohnm�chtig geworden.</p><p>Auch der Schwarze war bewu�tlos, w�hrend ich meine Sinne nur dank schieren Willens beibehielt. Derjenige, auf dessen Schultern die gesamte Verantwortung liegt, h�lt wahrscheinlich das meiste aus.</p><p>Wir schwebten flach �ber dem Vorgebirge von Otz hinweg. Es war verh�ltnism��ig warm, und f�r unsere gequ�lten Lungen gab es gen�gend Luft, so da� ich nicht �berrascht war, zuerst den Schwarzen und einen Augenblick sp�ter auch das M�dchen die Augen �ffnen zu sehen.</p><p>�Das war knapp�, sagte sie.</p><p>�Dennoch hat es mich zwei Dinge gelehrt�, entgegnete ich.</p><p>�Welche?�</p><p>�Da� sogar Phaidor, die Tochter des Herren des Lebens und Todes, sterblich ist�, sagte ich l�chelnd.</p><p>�Nur in Issus gibt es Unsterblichkeit. Und Issus steht allein der Rasse der Therns zu. Demzufolge bin ich unsterblich�, erwiderte sie.</p><p>Ich bemerkte, wie bei ihren Worten ein fl�chtiges L�cheln �ber das Gesicht des Schwarzen ging. Damals verstand ich nicht, warum. Sp�ter sollte es mir und auch ihr auf die entsetzlichste Weise klar werden.</p><p>�Wenn die zweite Erkenntnis zu ebenso falschen Schlu�folgerungen f�hrt wie die erste, bist du nur um ein weniges kl�ger als zuvor�, fuhr sie fort.</p><p>�Die zweite Erkenntnis ist, da� unser dunkler Freund hier nicht vom ersten Mond stammt�� er war kurz davor, einige tausend Fu� �ber Barsoom zu sterben. H�tten wir noch weitere f�nftausend Meilen zwischen Thuria und dem Planeten zur�ckgelegt, w�re er nur noch das gefrorene Abbild eines Mannes gewesen�, entgegnete ich.</p><p>Sichtlich erstaunt blickte Phaidor zu dem Schwarzen und fragte: �Wenn du nicht von Thuria bist, woher kommst du dann?�</p><p>Er zuckte die Schultern, blickte woandershin und schwieg.</p><p>Entschieden stampfte das M�dchen mit dem kleinen Fu� auf. �Die Tochter von Matai Shang ist es nicht gewohnt, da� ihre Fragen unbeantwortet bleiben�, sagte sie. �Ein niederes Wesen sollte sich geehrt f�hlen, da� ein Mitglied der heiligen Rasse, das geboren wurde, um das ewige Leben zu erlangen, sich �berhaupt dazu herabl��t, es zu bemerken.�</p><p>Wieder zeigte der Schwarze sein b�ses, wissendes L�cheln.</p><p>��blicherweise erteilt Xodar, Dator der Erstgeborenen von Barsoom, Befehle und nimmt nicht welche entgegen�, sagte der Pirat schlie�lich. Dann wandte er sich an mich: �Was gedenkt ihr, mit mir zu tun?�</p><p>�Ich beabsichtige, euch beide mit nach Helium zu nehmen�, erwiderte ich. �Euch wird nichts B�ses geschehen. Ihr werdet sehen, da� die roten Menschen von Helium ein freundliches und edelm�tiges Volk sind. Doch wenn sie mir zuh�ren, wird keiner mehr die freiwillige Pilgerfahrt entlang des Flusses Iss antreten, und die unm�gliche Hoffnung, die sie seit Jahrhunderten in sich tragen, wird in tausend St�cke zerbrechen.�</p><p>�Seid ihr aus Helium?� fragte er.</p><p>�Ich bin ein Prinz des Hauses von Tardos Mors, dem Jeddak von Helium. Doch stamme ich nicht von Barsoom, sondern aus einer anderen Welt�, antwortete ich.</p><p>Xodar blickte mich eine Zeitlang aufmerksam an und sagte schlie�lich: �Ich kann sehr wohl glauben, da� ihr nicht aus Barsoom kommt. Niemand von dieser Welt h�tte allein acht der Erstgeborenen besiegen k�nnen. Wie kommt es jedoch, da� ihr das goldene Haar und den edelsteinbesetzten Stirnreif eines Heiligen Therns tragt?� Er betonte das Wort �heilig� leicht ironisch. �Das habe ich ganz vergessen. Sie sind Beutest�cke aus einem Kampf�, entgegnete ich und zog mir mit einem Griff die Per�cke vom Kopf.</p><p>Als der Schwarze mein kurzgeschnittenes, schwarzes Haar erblickte, ri� er die Augen vor Erstaunen weit auf. Offenbar hatte er den kahlen Sch�del eines Therns erwartet.</p><p>�Ihr stammt wirklich aus einer anderen Welt�, sagte er mit einem Hauch Ehrfurcht in der Stimme. �Mit der Haut eines Therns, dem schwarzen Haar eines Erstgeborenen und den Muskeln von einem Dutzend Dators ist es nicht einmal f�r Xodar eine Schande, eure �berlegenheit anzuerkennen. Eine Sache, die er niemals tun w�rde, w�ret ihr von Barsoom�, f�gte er hinzu.</p><p>�Du bist mir ein bi�chen zu schnell, mein Freund�, unterbrach ich ihn. �Ich verstehe, da� dein Name Xodar ist, doch wer, um Himmels Willen, sind die Erstgeborenen, was ist ein Dator, und warum k�nntest du, wenn dich ein Barsoomier besiegte, seine �berlegenheit nicht anerkennen?�</p><p>�Die Erstgeborenen von Barsoom sind das Volk der schwarzen M�nner, in dem ich den Rang eines Dator bekleide, oder, wie die niederen Barsoomier sagen w�rden, den eines Prinzen. Meine Rasse ist die �lteste des Planeten. Unsere Abstammung l��t sich ohne Unterbrechung direkt bis zum Baum des Lebens zur�ckverfolgen, der vor dreiundzwanzig Millionen Jahren in der Mitte des Tales Dor bl�hte�, erkl�rte er.</p><p>�Unz�hlige Jahrhunderte machten die Fr�chte dieses Baumes eine Evolution durch und entwickelten sich von einer reinen Pflanze zu einer Kombination von Pflanze und Tier. In den ersten Stadien vermochten die Fr�chte lediglich unabh�ngige Muskelbewegungen auszuf�hren, w�hrend der Stengel mit dem Elterngew�chs verbunden blieb. Sp�ter bildete sich in der Frucht das Hirn heraus, so da� sie, w�hrend sie an ihren langen Stengeln hingen, wie individuelle Wesen denken und sich bewegen konnten.</p><p>Mit Entwicklung der Empfindungen kam es zu deren Vergleich. Ansichten wurden aufgestellt und miteinander verglichen�� so entfalteten sich auf Barsoom der Verstand und die F�higkeit zu denken.</p><p>Jahrhunderte vergingen. Viele Lebensformen an dem Baum kamen und gingen, doch noch immer waren sie durch verschieden l�nge Stengel mit dem elterlichen Gew�chs verbunden. Schlie�lich bestand die Frucht des Baumes in winzigen Pflanzenmenschen, wie wir sie nun in solch riesigen Ausma�en im Tal Dor reproduziert sehen. Sie hingen noch immer an den �sten und Zweigen des Baumes, an Stengeln, die aus der Mitte ihrer K�pfe wuchsen.</p><p>Die Knospen, aus denen die Pflanzenmenschen schl�pften, �hnelten gro�en N�ssen von einem Fu� Durchmesser, die durch doppelte Trennw�nde in vier Abschnitte geteilt wurden. In einem davon wuchs der Pflanzenmensch, im n�chsten ein sechzehnf��iger Wurm, im dritten der Vorfahr des wei�en Affen und im vierten der schwarze Urmensch von Barsoom.</p><p>Als die Knospe aufbrach, blieb der Pflanzenmensch am Stengel h�ngen, doch die drei anderen Teile fielen zu Boden, wo die Befreiungsversuche ihrer Bewohner sie in alle Richtungen h�pfen lie�en.</p><p>Als die Zeit verging, war die Oberfl�che von ganz Barsoom von diesen eingekapselten Gesch�pfen bedeckt. Unz�hlige Jahrhunderte f�hrten sie ihre langen Leben in den harten Schalen, h�pften und sprangen auf dem ganzen Planeten umher, st�rzten in Fl�sse, Seen und Meere, um sich noch weiter �ber diese neue Welt auszubreiten.</p><p>Milliarden von ihnen starben, bis der erste schwarze Mensch seine Gef�ngnisw�nde durchbrach und das Tageslicht erblickte. Die Neugierde lie� ihn die anderen Schalen �ffnen, und so begann sich Barsoom zu bev�lkern.</p><p>Das reine Blut dieses ersten schwarzen Menschen entging der Vermischung mit dem Blut anderer Kreaturen und blieb in jener Rasse erhalten, der ich angeh�re. Aus dem sechzehnf��igen Wurm, dem ersten Affen und abtr�nnigen Schwarzen entwickelten sich jedoch alle anderen Tierarten, die heute auf Barsoom anzutreffen sind.</p><p>Die Therns sind nur Nachfahren des echten wei�en Affen der Vorzeit, ein Ergebnis jahrhundertelanger Entwicklung.� Bei diesen Worten zeigte er ein b�ses L�cheln. �Sie sind noch immer eine niedere Ordnung. Es gibt lediglich eine Rasse von reinen und unsterblichen Menschen auf Barsoom�� die der schwarzen Menschen. Der Baum des Lebens ist tot, doch bevor er einging, lernten die Pflanzenmenschen sich von ihm zu l�sen und streifen nun mit den anderen Kindern der ersten Eltern durch ganz Barsoom.</p><p>Ihre Zweigeschlechtlichkeit erlaubt ihnen, sich wie richtige Pflanzen zu vermehren. In jeder anderen Hinsicht haben sie sich jedoch in all den Jahrhunderten ihres Daseins wenig ver�ndert. Ihre Handlungen und Bewegungen werden gr��tenteils vom Instinkt bestimmt, weniger vom Verstand, da das Hirn eines Pflanzenmenschen nur ein weniges gr��er ist als die Kuppe eures kleinsten Fingers. Sie ern�hren sich von Pflanzen und dem Blut von Tieren. Ihr Hirn reicht gerade daf�r aus, ihre Bewegungen in Richtung der Nahrung zu steuern und das Signal zur Nahrungsaufnahme zu verstehen, das ihnen von den Augen und Ohren zugetragen wird. Da sie �ber keinen Selbsterhaltungstrieb verf�gen, haben sie keine Angst vor Gefahr. Deswegen sind sie im Kampf solch schreckliche Gegner.�</p><p>Mich wunderte, warum der schwarze Mann sich vor seinen Feinden derart ausf�hrlich �ber die Entstehung des Lebens auf Barsoom auslie�. Es war ein seltsam unpassender Moment, da� ein stolzer Angeh�riger einer stolzen Rasse mit seinem Widersacher eine solch allt�gliche Unterhaltung f�hren sollte. Besonders angesichts der Tatsache, da� der Schwarze noch immer sorgf�ltig gefesselt an Deck lag.</p><p>Den Bruchteil einer Sekunde schweifte sein Blick hinter mich und erkl�rte mir sein Motiv, meine Aufmerksamkeit auf diese wirklich fesselnde Geschichte zu lenken.</p><p>Er lag vor mir, einige Schritte vor den Schalthebeln, wo ich noch immer stand, und sah beim Reden in Richtung Heck. Am Ende seiner Beschreibung der Pflanzenmenschen bemerkte ich, da� seine Augen f�r kurze Zeit hinter mich starrten. Auch war der schnelle, triumphierende Schimmer untr�glich, der in diesen dunklen Augen f�r einen Moment aufleuchtete.</p><p>Kurz zuvor hatte ich die Geschwindigkeit verringert, denn wir hatten das Tal Dor viele Meilen hinter uns gelassen, und ich f�hlte mich recht sicher. Ahnungsvoll warf ich einen Blick hinter mich, und das, was ich zu Gesicht bekam, nahm mir mit einem Schlag die erst k�rzlich erwachte Hoffnung.</p><p>Ein gro�es Schlachtschiff, still und d�ster durch die dunkle Nacht segelnd, ragte dicht hinter unserem Heck auf.</p></section><section><title><p>8. Die Tiefen von Omean</p></title><p>Nun verstand ich, warum der schwarze Pirat mich mit seiner seltsamen Erz�hlung zu fesseln versucht hatte. Seit Meilen hatte er gesp�rt, da� Beistand nahe war, und h�tte ihn nicht sein Blick verraten, w�re das Kriegsschiff im n�chsten Augenblick �ber uns gewesen, die Mannschaft, die sich zweifellos bereits mittels ihrer Ausr�stung vom Kiel hinablie�, w�re �ber unser Deck geschw�rmt und h�tte meiner neu erwachten Hoffnung auf ein Entkommen ein j�hes Ende gesetzt.</p><p>Ich war ein zu alter Hase im Luftkrieg, als da� mir nicht ein passendes Man�ver eingefallen w�re. Ich drehte die Maschinen zur�ck und lie� gleichzeitig das kleine Flugzeug mit einemmal hundert Fu� nach unten gehen.</p><p>Als das Kriegsschiff �ber meinem Kopf hinwegraste, konnte ich an seinem Kiel Gestalten erkennen. Nun stieg ich im steilen Winkel auf, den Schalthebel f�r die Geschwindigkeit am Anschlag.</p><p>Wie der Pfeil einer Armbrust schnellte mein k�hnes Flugzeug, die st�hlerne Nase voran, direkt auf die surrenden Propeller des Riesen �ber uns zu. Gelang es mir, diese auch nur zu streifen, w�re der riesige Kolo� f�r Stunden man�vrierunf�hig, und die Flucht l�ge wieder im Bereich des M�glichen.</p><p>Im selben Augenblick ging die Sonne �ber dem Horizont auf und er�ffnete mir den Blick auf hundert grimmige, schwarze Gesichter, die �ber das Vorschiff des Kreuzers zu uns hinabschauten.</p><p>Als sie uns sahen, erhob sich w�tendes Geschrei aus hundert Kehlen. Br�llend wurden Befehle erteilt. Doch es war zu sp�t, um die riesigen Propeller zu retten, und mit einem Krachen rammten wir sie.</p><p>Zeitgleich mit dem Aufprall drehte ich die Maschine zur�ck, doch mein Bug hatte sich in der �ffnung verkeilt, die er ins Heck des Kriegsschiffes gerissen hatte. Nur eine Sekunde hingen wir fest, bevor wir uns losmachen konnten, doch diese Sekunde gen�gte, und auf unserem Deck wimmelte es von den schwarzen Teufeln.</p><p>Zu einem Kampf kam es nicht. Zun�chst, weil es keinen Platz daf�r gab. Sie befanden sich einfach in der �berzahl. Als schlie�lich von allen Seiten Schwerter auf mich gerichtet waren, hielt Xodar seine Leute zur�ck.</p><p>�Bindet sie, doch verletzt sie nicht�, befahl er.</p><p>Einige Piraten hatten Xodar bereits von seinen Fesseln befreit. Er k�mmerte sich nun pers�nlich darum, da� ich entwaffnet und gut gefesselt wurde. Zumindest glaubte er, da� die Stricke sicher seien. Bei einem Marsbewohner w�re das auch der Fall gewesen, doch angesichts der d�nnen Str�nge, die meine H�nde zusammenhielten, mu�te ich einfach lachen. Wenn die Zeit gekommen war, w�rde ich sie zerrei�en wie Bindf�den.</p><p>Nachdem sie auch das M�dchen gefesselt hatten, banden sie uns aneinander. In der Zwischenzeit hatten sie unser Luftschiff l�ngsseits an das besch�digte Kriegsschiff gebracht, und bald f�hrte man uns an dessen Deck.</p><p>Reichlich tausend schwarze M�nner bildeten die Mannschaft des gro�en Zerst�rers. Die Decks waren �berf�llt, da alle, soweit es die Disziplin erlaubte, einen Blick auf die Gefangenen werfen wollten.</p><p>Die Sch�nheit des M�dchens war Anla� f�r viele brutale Bemerkungen und vulg�re Gesten. Es war offensichtlich, da� diese Menschen, die sich f�r vollkommen hielten, den roten Menschen von Barsoom hinsichtlich ihrer Manieren und ihres Edelmutes bei weitem unterlegen waren.</p><p>Mein kurzes schwarzes Haar und meine thernartige Hautfarbe wurden reichhaltig kommentiert. Als Xodar seinen Edelleuten von meinen k�mpferischen F�higkeiten und meiner seltsamen Herkunft berichtete, scharten sie sich mit unz�hligen Fragen um mich.</p><p>Die Tatsache, da� ich die Ausr�stung und das Metall eines Therns trug, den ein Mitglied meiner Gruppe get�tet hatte, �berzeugte sie, da� ich ein Widersacher ihrer Erzfeinde war. Damit stieg ich offenbar in ihrer Wertsch�tzung.</p><p>Die Schwarzen waren ausnahmslos ansehnliche und gutgebaute M�nner. Die Offiziere fielen durch die unglaubliche Pracht ihrer gl�nzenden Ausr�stung auf. Oftmals strotzte diese nur so von Gold, Platin, Silber und wertvollen Steinen, und das Leder darunter war gar nicht mehr zu sehen.</p><p>So bestand die Ausr�stung des befehlshabenden Offiziers ausschlie�lich aus Diamanten. Gegen die tiefschwarze Haut glei�ten diese besonders hell. Die ganze Szene war bezaubernd: Die wohlgestalteten M�nner; die �berm��ige Pracht der R�stungen; das schimmernde Skeelholz des Decks; das wundervoll marmorierte Sorapusholz der Kabinen, die auf kunstvolle Weise mit unsch�tzbar wertvollen Juwelen und kostbaren Edelmetallen verziert waren; die polierten goldenen Gel�nder und das gl�nzende Metall der Schu�waffen.</p><p>Man brachte Phaidor und mich unter Deck und warf uns, noch immer gefesselt, in eine kleine Kabine mit nur einem Bullauge. Als unsere Bewacher uns verlie�en, verriegelten sie hinter sich die T�r.</p><p>Wir h�rten die M�nner, die an den zerbrochenen Propellern arbeiteten, und konnten vom Bullauge aus verfolgen, wie das Schiff langsam vor sich hin gen S�den driftetete.</p><p>Eine Zeitlang sprach keiner von uns beiden. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mich f�r meinen Teil besch�ftigte, was wohl aus Tars Tarkas und dem M�dchen Thuvia geworden sein mochte.</p><p>Sogar, wenn es ihnen gelang, den Verfolgern zu entgehen, w�rden sie letztlich entweder den roten oder gr�nen Menschen in die H�nde fallen, und als Fl�chtlinge aus dem Tal Dor hatten sie nur wenig anderes zu erwarten als einen schnellen und schrecklichen Tod.</p><p>Wie sehr w�nschte ich, da� ich sie h�tte begleiten k�nnen. Mir schien, da� es mir schon gelungen w�re, den intelligenten roten Menschen von Barsoom eindringlich den gemeinen Betrug klarzumachen, der sich hinter dem grausamen und unsinnigen Aberglauben verbarg.</p><p>Tardos Mors w�rde mir glauben, davon war ich �berzeugt. Und ich kannte ihn gut genug, um zu wissen, da� er den Mut besa�, entsprechend seiner �berzeugung zu handeln. Dejah Thoris w�rde mir ebenfalls glauben, da hatte ich nicht die geringsten Zweifel. Dann gab es noch Tausend von roten und gr�nen Kriegern, mit denen ich befreundet war und von denen ich wu�te, da� sie um meinetwillen die ewige Verdammnis auf sich nehmen w�rden. Gleich Tars Tarkas w�rden sie mir folgen, wohin ich sie auch f�hrte.</p><p>Die einzige Gefahr bestand darin, da� ich, wenn ich �berhaupt jemals den schwarzen Piraten entkam, feindlich gesonnenen roten oder gr�nen Menschen in die H�nde fiel. Sie w�rden kurzen Proze� mit mir machen.</p><p>Doch diesbez�glich mu�te ich mir im Moment wenig Sorgen machen, denn die Wahrscheinlichkeit, da� ich den Schwarzen jemals entkam, war �u�erst gering.</p><p>Man hatte das M�dchen und mich so aneinander gefesselt, da� wir uns nur ungef�hr drei oder vier Fu� voneinander fortbewegen konnten. Nachdem wir in das Abteil gekommen waren, hatten wir uns auf eine niedrige Bank aus Sorapusholz gesetzt, das einzige M�belst�ck im Raum, das unter dem Bullauge stand. Der Boden, die Decke und die W�nde bestanden aus einer Legierung aus Siliziumkarbid und Aluminium, einem leichten, undurchdringlichen Material, das bei der Konstruktion der Kriegsschiffe auf dem Mars in gro�em Ma�e Verwendung findet.</p><p>W�hrend ich so dasa� und �ber die Zukunft nachdachte, hielt ich den Blick auf das Bullauge gerichtet, das sich in Augenh�he befand. Pl�tzlich sah ich zu Phaidor. Sie schaute mich mit einem seltsamen Ausdruck an, den ich auf ihrem Antlitz noch nie gesehen hatte. In diesem Augenblick war sie sehr sch�n.</p><p>Sofort schlug sie die wei�en Lider nieder, und ich glaubte eine leichte R�te wahrzunehmen, die ihre Wangen f�rbte. Offenbar ist es ihr peinlich, dabei ertappt worden zu sein, ein niederes Gesch�pf so anzustarren, dachte ich.</p><p>�Findest du das Studium der niederen Gesch�pfe interessant?� fragte ich lachend.</p><p>Mit einem nerv�sen, doch erleichterten kurzen Lachen blickte sie wieder auf und entgegnete: �Oh, sehr, besonders, wenn sie ein solch erlesenes Profil besitzen.�</p><p>Nun h�tte eigentlich ich err�ten m�ssen, doch tat ich es nicht. Ich sp�rte, da� sie sich �ber mich lustig machte, und da ich eine Seele bewundere, die noch auf dem Weg in den Tod zu scherzen vermag, fiel ich in ihr Gel�chter ein.</p><p>�Wei�t du, wohin es geht?� fragte sie.</p><p>�Ich kann mir vorstellen, da� wir das Geheimnis des ewigen Lebens im Jenseits kennenlernen kennenlernen�, entgegnete ich.</p><p>�Mir steht ein schlimmeres Schicksal bevor als jenes�, sagte sie leicht erschaudernd.</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Ich kann es nur ahnen, da keine Frau des Thernvolkes von all den Millionen, die von den schwarzen Piraten im Laufe der seit Jahrhunderten andauernden �berf�lle auf unsere Gebiete geraubt worden sind, je zur�ckgekehrt ist und davon berichtet hat, wie es ihr ergangen ist�, erwiderte sie. �Da sie niemals einen Mann gefangennehmen, kann man annehmen, da� das Schicksal der geraubten M�dchen schlimmer als der Tod ist.�</p><p>�Ist das nicht eine gerechte Strafe?� kam ich nicht umhin zu fragen.</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>�Verfahren nicht die Therns selbst mit den armen Gesch�pfen ebenso, die freiwillig die Pilgerfahrt entlang des Flusses der Geheimnisse antreten? Diente nicht Thuvia f�nfzehn Jahre lang als Spielzeug und Sklavin? Ist es nicht mehr als gerecht, da� du genauso leidest, wie du andere hast leiden lassen?�</p><p>�Du verstehst nicht�, entgegnete sie. �Wir Therns sind ein heiliges Volk. Es ist einer niederen Kreatur eine Ehre, bei uns Sklave zu sein. Wenn wir nicht gelegentlich einige der armen Gesch�pfe retteten, die sich unsinnigerweise von einem unerforschten Flu� zu einem unbekannten Ende treiben lassen, w�rden sie alle den Pflanzenmenschen und den Affen in die H�nde fallen.�</p><p>�Doch versucht ihr nicht mit allen Mitteln, den Aberglauben bei den Bewohnern der Au�enwelt noch zu f�rdern?� argumentierte ich. �Das ist die gemeinste eurer Handlungen. Kannst du mir sagen, warum ihr diesen grausamen Betrug noch unterst�tzt?�</p><p>�Alles Leben auf Barsoom wird nur um der heiligen Rasse der Therns willen geschaffen�, sagte sie. �Wie sonst k�nnten wir leben, wenn die Au�enwelt uns nicht Arbeitskr�fte und Nahrung zur Verf�gung stellte? Glaubst du, ein Thern w�rde sich selbst dadurch erniedrigen, zu arbeiten?�</p><p>�Ist es dann wahr, da� ihr Menschenfleisch e�t?� fragte ich entsetzt.</p><p>Voll Mitleid ob meiner Unwissenheit blickte sie mich an.</p><p>�Nat�rlich essen wir das Fleisch der niederen Ordnungen. Ihr nicht auch?�</p><p>�Das Fleisch von Tieren wohl, doch nicht das des Menschen�, entgegnete ich.</p><p>�Wie der Mensch das Fleisch von Tieren essen kann, so k�nnen G�tter Menschenfleisch essen. Die Heiligen Therns sind die G�tter von Barsoom.�</p><p>Ich war angewidert, und ich glaube, ich zeigte das auch.</p><p>�Jetzt bist du noch ein Ungl�ubiger�, fuhr sie sanft fort, �doch wenn es uns gelingen sollte, uns aus den Klauen der schwarzen Piraten zu befreien und zur�ck an den Hof von Matai Shang zu kommen, denke ich, werden wir ein Argument finden, dich von dem Irrtum deines Denkens zu �berzeugen. Und�� � Sie z�gerte. �Vielleicht finden wir einen Weg, dich als einen von uns zu behalten.�</p><p>Wieder senkte sie den Blick, und eine leichte R�te �berzog ihre Wangen. Ich verstand den Grund daf�r nicht, auch in der n�chsten Zeit nicht. Dejah Thoris pflegte zu sagen, da� ich in mancher Hinsicht ein echter Einfaltspinsel bin, und ich nehme an, sie hatte recht damit.</p><p>�Ich f�rchte, ich werde deinem Vater seine Gastfreundschaft schlecht vergelten�, antwortete ich. �Das erste, was ich als Thern tun w�rde, ist, eine bewaffnete Wache an der M�ndung des Flusses Iss zu postieren, um die armen betrogenen Pilger zur�ck zur Au�enwelt zu geleiten. Auch w�rde ich mein Leben der Ausrottung der schrecklichen Pflanzenmenschen und ihrer grauenerregenden Gef�hrten widmen, den gro�en wei�en Affen.�</p><p>Von echtem Entsetzen gepackt, blickte sie mich an.</p><p>�Nein, nein, du darfst solche unerh�rten Gottesl�sterungen nicht �u�ern�� so etwas darfst du nicht einmal denken. Sollten sie, falls wir je in die Tempel der Therns zur�ckkehren, jemals dahinterkommen, da� du derart f�rchterliche Gedanken hegst, w�rden sie dich auf grauenvolle Weise sterben lassen. Nicht einmal mein�� � Erneut err�tete sie, und sprach dann weiter. �Nicht einmal ich k�nnte dich retten.�</p><p>Ich sagte nichts mehr. Offenbar war es sinnlos. Sie war dem Aberglauben noch mehr verfallen als die Marsmenschen der Au�enwelt. Deren Kult bestand in der wundersch�nen Hoffnung, ein Leben im Jenseits voller Liebe, Frieden und Gl�ckseligkeit zu f�hren. Die Therns beteten die entsetzlichen Pflanzenmenschen und die Affen an, oder zumindest verehrten sie diese, da sie die Seelen ihrer eigenen Toten beherbergten.</p><p>An dieser Stelle �ffnete sich die T�r unseres Gef�ngnisses, und Xodar trat ein.</p><p>Er l�chelte mich freundlich an, und dabei zeigte sein Gesichtsausdruck G�te�� alles andere als Grausamkeit und Rachsucht.</p><p>�Da du sowieso nicht fliehen kannst, sehe ich keine Notwendigkeit, dich unter Deck gefesselt zu halten�, sagte er. �Ich werde deine Fesseln durchschneiden, und du kannst mit nach oben kommen. Du wirst etwas sehr Interessantes miterleben, und da du niemals zur Au�enwelt zur�ckkehrst, kann es nicht schaden. Du wirst etwas zu Gesicht bekommen, von dessen Existenz nur die Erstgeborenen und ihre Sklaven wissen�� den unterirdischen Eingang ins Heilige Land, dem wirklichen Paradies von Barsoom. Es wird eine ausgezeichnete Lehrstunde f�r diese Tochter der Therns sein�, f�gte er hinzu. �Sie wird den Tempel von Issus erblicken, und vielleicht auch wird Issus sie in ihre Arme schlie�en.�</p><p>Phaidor reckte das Kinn nach oben.</p><p>�Was f�r eine Gottesl�sterung ist das, Hund von einem Piraten?� rief sie. �Issus w�rde eure gesamte Brut ausl�schen, wenn ihr jemals ihrem Tempel zu nahe k�met.�</p><p>�Dann hast du noch viel zu lernen, Thern�, entgegnete Xodar mit einem h��lichen L�cheln. �Auch beneide ich dich nicht um die Art und Weise, wie du es lernen wirst.�</p><p>Als wir oben anlangten, sah ich zu meiner �berraschung, da� das Luftschiff eine riesige Ein�de von Eis und Schnee �berquerte. Soweit das Auge blicken konnte, war nirgendwo etwas anderes zu sehen.</p><p>Daf�r konnte es nur eine L�sung geben: Wir befanden uns �ber dem Gletscher am S�dpol. Auf dem Mars gibt es nur an den Polen Eis und Schnee. Unter uns war kein Leben auszumachen. Offenbar befanden wir uns sogar f�r die gro�en Pelztiere zu weit s�dlich, die die Marsmenschen so gern jagen.</p><p>Xodar stand neben mir, als ich �ber die Reling des Schiffes blickte. �Auf welchem Kurs befinden wir uns?� fragte ich ihn.</p><p>�S�ds�dwest�, entgegnete er. �Du wirst direkt das Tal Otz sehen, wir werden einige hundert Meilen an ihm entlangfliegen.�</p><p>�Das Tal Otz!� rief ich aus. �Aber�� liegt dort nicht das Land der Therns, von denen ich gerade erst entkommen bin?�</p><p>�Ja, du hast in der letzten Nacht dieses Eisland �berquert, als wir dir hinterhergejagt sind. Das Tal Otz liegt in einer riesigen Senke am S�dpol, tausend Fu� tiefer als das �brige Land, es �hnelt einem gigantischen, runden Kessel. Einige hundert Meilen von seinem n�rdlichen Rand erhebt sich das Gebirge Otz, das das Tal Dor einschlie�t. In dessen Mitte wiederum liegt das Verlorene Meer Korus. Am Ufer dieses Meeres steht der Goldene Tempel von Issus, im Land der Erstgeborenen. Dorthin f�hrt uns unser Weg.�</p><p>Als ich umherblickte, begann mir zu d�mmern, warum in all den Jahrhunderten nur einem einzigen die Flucht aus dem Tal Dor gelungen war. Eher fand ich es erstaunlich, da� �berhaupt jemand Erfolg dabei haben konnte. Es war unm�glich, dieses gefrorene, windgepeitschte, riesige �dland allein und zu Fu� zu �berqueren.</p><p>�Nur mit einem Flugzeug konnte man ein solches Unternehmen wagen�, f�hrte ich meine Gedanken laut zuende.</p><p>�So ist auch jener einzige den Therns vor langen, langen Zeiten entkommen. Niemandem au�er ihm gelang jemals die Flucht aus dem Reich der Erstgeborenen�, sagte Xodar, mit einem Hauch von Stolz in der Stimme.</p><p>Inzwischen hatten wir den s�dlichsten Ausl�ufer der m�chtigen Eisdecke erreicht. Sie endete j�hlings an einem tausend Fu� hohen Eiswall, dem sich flaches Land anschlo�. Dort erhoben sich hier und da niedrige H�gel, man sah Baumgruppen sowie winzige Fl�sse, die sich am Fu�e der Eisbarriere durch Schmelzwasser gebildet hatten.</p><p>Einmal �berquerten wir eine tiefe Gebirgsspalte, sie f�hrte von der nun n�rdlich gelegenen Eiswand quer durch das Tal. Man konnte nicht sehen, wo sie schlie�lich endete. �Das ist der Flu� Iss�, erkl�rte Xodar. �Er flie�t unter der Eisdecke und tief unter dem Tal Otz entlang, hier jedoch liegt das Flu�bett offen.�</p><p>Bald darauf entdeckte ich etwas�� ich hielt es f�r ein Dorf. Ich wies darauf und fragte Xodar, was es sei.</p><p>�Es ist ein Dorf von verlorenen Seelen�, entgegnete er lachend. �Dieser Streifen zwischen der Eisgrenze und dem Gebirge gilt als neutraler Boden. Einige Pilger brechen die freiwillige Wallfahrt entlang des Iss ab, erklimmen die furchteinfl��enden H�nge der Schlucht unter uns und bleiben dann hier. Auch flieht ab und zu ein Sklave von den Therns hierher. Man bem�ht sich nicht, diese Fl�chtlinge wieder einzufangen, da es aus diesem �u�eren Tal kein Entkommen gibt. Au�erdem f�rchten die Therns die Kreuzer der Erstgeborenen, die das Gebiet �berwachen, viel zu sehr, als da� sie sich aus ihrem Land wagen. Auch wir lassen die armseligen Bewohner dieses �u�eren Tales in Ruhe, denn sie haben nichts, was wir brauchen, auch sind sie zahlenm��ig nicht stark genug, um uns ein interessantes Gefecht zu liefern�� so k�mmern wir uns nicht um sie. Von diesen D�rfern gibt es mehrere, doch ist ihre Zahl in den vielen Jahren nur wenig angewachsen, da sie sich st�ndig bekriegen.�</p><p>Nun schlugen wir einen nordnordwestlichen Kurs ein und verlie�en das Tal der verlorenen Seelen. Bald darauf entdeckte ich auf der Steuerbordseite einen schwarzen Berg, der aus der trostlosen Eisw�ste aufragte. Er war nicht hoch und, soweit ich das sehen konnte, oben abgeflacht.</p><p>Xodar hatte uns allein gelassen, da er an Bord einer Pflicht nachzugehen hatte. Phaidor und ich standen an der Reling. Das M�dchen hatte kein Wort gesprochen, seit man uns an Deck gebracht hatte.</p><p>�Ist das wahr, was er mir erz�hlt hat?� fragte ich sie.</p><p>�Teilweise ja�, entgegnete sie. �Das von dem �u�eren Tal ist wahr, doch was er hinsichtlich des Tempels von Issus gesagt hat, da� dieser sich in der Mitte seines Landes befindet, stimmt nicht. Falls es stimmte�� �, sie z�gerte. �Oh, es kann nicht stimmen, nein. Denn wenn, dann h�tte sich mein Volk seit Jahrhunderten in die H�nde seiner grausamen Feinde begeben, um dort gefoltert zu werden und auf erniedrigende Weise umzukommen, als das wundersch�ne. Ewige Leben zu f�hren, von dem man uns zu glauben gelehrt hat, da� es uns bei Issus erwartet.�</p><p>�So, wie die niederen Barsoomier der Au�enwelt von euch in das schreckliche Tal Dor gelockt werden, kann es doch sein, da� die Erstgeborenen mit den Therns auf �hnlich entsetzliche Weise verfahren�, erwiderte ich. �Es w�re eine finstere und grauenvolle Vergeltung, Phaidor, indes eine gerechte.�</p><p>�Das kann ich nicht glauben�, sagte sie.</p><p>�Wir werden sehen�, antwortete ich. Dann schwiegen wir wieder, denn wir n�herten uns zusehends dem schwarzen Berg, der auf irgendeine unklare Weise die Antwort auf unsere Fragen bereitzuhalten schien.</p><p>Als wir uns dem dunklen, stumpfen Kegel n�herten, verminderte das Luftschiff die Geschwindigkeit, bis es sich kaum noch bewegte. Dann erklomm es den Gipfel, und ich sah, da� unter uns ein riesiger, runder Krater g�hnte, dessen Grund in der vorherrschenden pechschwarzen Finsternis nicht mehr zu erkennen war.</p><p>Der Durchmesser dieser gigantischen �ffnung ma� reichlich eintausend Fu�. Die W�nde waren glatt und schienen aus einem schwarzen Basaltgestein zu bestehen.</p><p>Einen Augenblick lang verharrte das Luftschiff direkt �ber dem g�hnenden Nichts und begann dann langsam in die schwarze Kluft hinabzutauchen. Immer tiefer ging es. Als uns die Dunkelheit aufgenommen hatte, wurden die Scheinwerfer eingeschaltet, und in deren tr�bem Schein sank das ungeheure Schlachtschiff immer weiter nach unten, offenbar in das Innere von Barsoom selbst.</p><p>Eine halbe Stunde lang ging es abw�rts, dann endete der Schacht j�hlings in einem riesigen, unterirdischen Gew�lbe. Unter uns hoben und senkten sich die Wogen eines verborgenen Meeres. Ein phosphoriszierendes Licht erhellte die Umgebung. Auf dem Meer wimmelte es von Schiffen. Hier und da tauchten kleine Inseln auf und bildeten einen Halt f�r die fremdartige und farblose Vegetation dieser seltsamen Welt.</p><p>Langsam und mit majest�tischer Anmut sank das Kriegsschiff weiter nach unten, bis es schlie�lich auf dem Wasser aufsetzte. W�hrend des Abstieges in den Krater waren die gro�en Propeller eingezogen und geborgen worden, an ihre Stelle waren die kleineren, indes leistungsst�rkeren Wasserpropeller getreten. Als sie sich zu drehen begannen, nahm das Schiff seine Reise wieder auf. Es bewegte sich in diesem neuen Element ebenso lebhaft und sicher wie zuvor in der Luft.</p><p>Phaidor und ich waren sprachlos. Keiner von uns hatte je von der Existenz einer solchen Welt im Inneren von Barsoom geh�rt noch davon getr�umt.</p><p>Fast alle Schiffe, die wir sahen, dienten kriegerischen Zwecken. Es gab einige wenige leichte Lastk�hne, doch keines von den gro�en Handelsschiffen, wie sie zwischen den St�dten der Au�enwelt verkehren.</p><p>�Hier befindet sich der Hafen der Kriegsmarine der Erstgeborenen�, lie� sich eine Stimme hinter uns vernehmen.</p><p>Als wir uns umsahen, erblickten wir Xodar, der uns mit einem am�sierten L�cheln auf den Lippen beobachtete.</p><p>�Dieses Meer ist gr��er als Korus�, fuhr er fort. �Es erh�lt das Wasser von dem kleineren Meer oben. Um zu verhindern, da� es �ber eine bestimmte H�he ansteigt, haben wir vier gro�e Pumpstationen, die das �bersch�ssige Wasser zur�ck in die Speicher oben im Norden leiten, von denen die roten Menschen das Wasser zur Bew�sserung der L�ndereien beziehen.�</p><p>Bei dieser Erkl�rung ging mir ein Licht auf. Die roten Menschen hatten es immer einem Wunder zugeschrieben, das die Wassermassen aus dem festen Gestein der Seitenw�nde ihrer Staubecken str�men lie� und den Vorrat an dem wertvollen Na� vergr��erte, das in der Au�enwelt des Mars so knapp ist.</p><p>Nie vermochten ihre Weisen das Geheimnis zu ergr�nden, woher diese Unmassen an Wasser stammten. Im Laufe der Jahrhunderte hatten sie dann einfach begonnen, es als Selbstverst�ndlichkeit zu akzeptieren und hatten aufgeh�rt, nach den Ursachen zu forschen.</p><p>Wir kamen an mehreren Inseln vorbei, auf denen man seltsam geformte Rundbauten sehen konnte. Sie hatten offenbar keine D�cher, und dicke Gitter befanden sich vor den kleinen Fenstern, die die W�nde in der Mitte zwischen Boden und Geb�udespitze durchbrachen. Dem Aussehen nach mu�ten es Gef�ngnisse sein: Bewaffnete Posten, die vor den Geb�uden auf flachen B�nken hockten, verliehen dieser Annahme weiteren Nachdruck.</p><p>Wenige dieser Inseln waren gr��er als ein Morgen Land, doch bald sichteten wir vor uns eine wesentlich gr��ere. Dorthin sollte uns auch unsere Reise f�hren, und bald darauf wurde das gro�e Schiff an einem steilen Ufer festgemacht.</p><p>Xodar hie� uns ihm folgen. Mit einem halben Dutzend Offiziere und Mannschaften gingen wir von Bord und n�herten uns einem riesigen, ovalen Bauwerk einige hundert Yards vom Strand entfernt.</p><p>�Bald sollst du Issus sehen�, sagte Xodar zu Phaidor. �Wir f�hren ihr die wenigen Gefangenen vor, die wir machten. Gelegentlich sucht sie sich einige von ihnen als Sklaven aus, um ihre Dienerschaft aufzuf�llen. Niemand dient Issus l�nger als ein einziges Jahr.� Auf den Lippen des Schwarzen zeigte sich ein b�ses L�cheln, das dieser einfachen Erkl�rung eine grausame und unheilvolle Bedeutung verlieh.</p><p>Obwohl sich Phaidor weigerte, zu glauben, da� Issus derartige Verb�ndete besa�, hatten sich ihrer Zweifel und �ngste bem�chtigt. Sie klammerte sich fest an mich und war nicht l�nger die stolze Tochter der Herren des Lebens und Todes auf Barsoom, sondern ein junges und erschrecktes M�dchen, das sich in der Gewalt erbarmungsloser Feinde befand.</p><p>Das Geb�ude, das wir nun betraten, war nicht �berdacht. In der Mitte befand sich ein langes Wasserbecken, das wie im Schwimmbad in den Boden eingelassen worden war. Darin schwamm ein schwarzer Gegenstand von merkw�rdigem Aussehen. Ob es ein fremdartiges Monster war, das aus diesen unterirdischen Gew�ssern stammte, oder ein seltsames Flo�, konnte ich nicht gleich erkennen.</p><p>Dennoch sollten wir das bald erfahren, denn als wir am Rand des Beckens neben dem Gegenstand standen, rief Xodar einige Worte in einer fremden Sprache. Augenblicklich �ffnete sich oben eine Luke, und ein schwarzer Seemann sprang aus dem Inneren des seltsamen Gef�hrtes.</p><p>Xodar sprach den Matrosen an: ��bergib deinem Offizier Dator Xodars Befehle. Teile ihm mit, da� Dator Xodar mit Offizieren und Mannschaften zwei Gefangene begleitet, die in die G�rten von Issus beim Goldenen Tempel gebracht werden sollen.�</p><p>�Gesegnet sei die Schale deines ersten Ahnen, edelster Dator�, entgegnete der Mann. �Es soll genauso geschehen, wie du gesagt.� Er hob beide H�nde mit den Handfl�chen nach hinten �ber den Kopf, so wie sich alle V�lker auf Barsoom zu begr��en pflegen, und verschwand erneut im Inneren seines Schiffes.</p><p>Einen Augenblick sp�ter erschien ein Offizier in einer seinem Range gem��en pr�chtigen Ausr�stung an Deck und hie� Xodar auf das Schiff kommen. Wir kletterten hinter ihm an Bord und begaben uns nach unten.</p><p>Die Kaj�te, in der wir uns wiederfanden, war so breit wie das Fahrzeug selbst und hatte zu beiden Seiten unterhalb des Wasserspiegels Bullaugen. Kaum waren alle unten, wurden einige Befehle gegeben, in deren Folge auch die Luke verschlossen und gesichert wurde, und das Boot begann unter dem rhythmischen Schnurren der Maschinen zu vibrieren.</p><p>�Wohin kann es in einem solch winzigen Wasserbecken gehen?� fragte Phaidor.</p><p>�Nicht nach oben�, entgegnete ich. �Denn mir ist aufgefallen, da� das Geb�ude anstelle eines Daches ein starkes Metallgitter hat.�</p><p>�Wohin dann?� fragte sie wieder.</p><p>�Dem Aussehen des Fahrzeuges nach geht es abw�rts�, antwortete ich.</p><p>Phaidor erschauderte. Seit solch unz�hligen Jahrhunderten kennen die Barsoomier die Marsmeere nur noch aus �berlieferungen, so da� sogar diese Tochter der Therns sich ebenso vor dem tiefen Wasser f�rchtete wie alle anderen Marsmenschen, obwohl sie in Sichtweite des letzten Mars-Meeres geboren worden war.</p><p>Bald daraufsp�rten wir sehr deutlich, da� wir sanken. Schnell ging es immer weiter in die Tiefe. Nun konnten wir das Wasser an den Bullaugen rauschen h�ren, und im tr�ben Licht, das durch sie einfiel, konnte man deutlich sehen, wie sich Strudel bildeten.</p><p>Phaidor ergriff meinen Arm.</p><p>�Rette mich�, fl�sterte sie. �Rette mich, und jeder deiner W�nsche soll dir gew�hrt werden. Alles, was dir die Heiligen Therns zu geben verm�gen, wird dein sein. Phaidor�� � Hier stotterte sie ein bi�chen, dann wurde sie sehr leise. �Phaidor ist bereits dein.�</p><p>Mich ergriff Mitleid f�r das arme Kind, und ich legte meine Hand auf die ihre. Ich vermute, meine Motive wurden mi�verstanden, denn nachdem sie sich mit einem kurzen Blick vergewissert hatte, da� wir allein waren, warf sie mir die Arme um den Hals und zog mein Gesicht an das ihre.</p></section><section><title><p>9. Issus, die G�ttin des Ewigen Lebens</p></title><p>Die Liebeserkl�rung, die die Furcht dem M�dchen entlockt hatte, ber�hrte mich zutiefst, besch�mte mich jedoch gleichfalls, da ich sp�rte, da� ich Phaidor mit einem gedankenlosen Wort oder einer Handlung Grund gegeben hatte zu glauben, da� ihre Neigung erwidert wurde.</p><p>Ich hatte nie viel von einem Frauenhelden an mir, da ich mich mehr mit dem Kampfe und den artverwandten K�nsten befa�t hatte, die sich meines Erachtens eines Mannes mehr schickten als das Anbeten eines parf�mierten, ihm vier Nummern zu kleinen Handschuhs oder das Liebkosen einer welken Blume, deren Geruch bereits an Kohl zu erinnern begonnen hatte. So war ich ziemlich in Verlegenheit, was ich zu tun oder zu sagen hatte. Tausendmal lieber trat ich den wilden Horden der ausgetrockneten Meeresb�den entgegen, als da� ich diesem wundersch�nen jungen M�dchen in die Augen blickte und ihr das mitteilte, was ich ihr mitteilen mu�te.</p><p>Doch blieb mir nichts anderes �brig, und so begann ich. Doch ich f�rchte, offenbar sehr ungeschickt.</p><p>Sanft entzog ich mich ihrer Umarmung, nahm ihre H�nde in die meinen, schilderte ihr die Geschichte von meiner Liebe zu Dejah Thoris und erz�hlte, da� ich von allen Frauen der beiden Welten, die ich in meinem langen Leben kennengelernt und bewundert hatte, allein sie liebte.</p><p>Die Geschichte schien ihr nicht zu gefallen. Wie eine Tigerin sprang sie heftig atmend auf. Ihr sch�nes Gesicht hatte sich verzerrt, es sprach von unb�ndiger Rachsucht. Ihre Augen brannten sich f�rmlich in die meinen.</p><p>�Du Hund! Du Hund von einem Gottesl�sterer!� fauchte sie. �Glaubst du, da� Phaidor, die Tochter von Matai Shang, um etwas bittet? Sie befiehlt. Was bedeutet ihr deine unwesentliche Leidenschaft der Au�enwelt f�r die nichtige Kreatur, die du in deinem anderen Leben gew�hlt hast? Phaidor hat dich mit ihrer Liebe ausgezeichnet, und du hast sie verschm�ht. Nicht einmal mit einem zehntausendfachen, unvorstellbar greulichen Tod k�nntest du f�r die mir angetane Beleidigung b��en. Die Kreatur, die du Dejah Thoris nennst, soll auf die allerschrecklichste Weise zugrunde gehen. Du hast ihren Untergang besiegelt. Und du selbst�� du sollst der niedrigste Sklave in den Diensten der G�ttin sein, die du zu beleidigen gewagt hast. Du sollst mit Qualen und Erniedrigungen �berh�uft werden, bis du angekrochen kommst, um zu meinen F��en um deinen Tod zu bitten. In meiner gepriesenen Gnade werde ich schlie�lich deine Bitten erh�ren und vom hohen Balkon der Goldenen Felsen die gro�en Affen dabei beobachten, wie sie dich in St�cke rei�en.�</p><p>Sie hatte alles durchlaufen. Das gesamte h�bsche Programm von Anfang bis Ende. Es versetzte mich in Erstaunen, da� jemand von derart g�ttlicher Sch�nheit gleichzeitig so rachs�chtig sein konnte. Dennoch fiel mir ein, da� sie bei ihrem Rachefeldzug eine Kleinigkeit �bersehen hatte, und so wies ich, ohne ihr absichtlich wehtun zu wollen, eher, um ihre Pl�ne in realistischere Bahnen zu lenken, auf das n�chste Bullauge.</p><p>Offensichtlich hatte sie ihre Umgebung und die gegenw�rtigen Umst�nde v�llig vergessen, denn nach einem kurzen Blick auf die dunklen Strudel des Wassers sank sie auf der niedrigen Bank in sich zusammen, verbarg ihr Gesicht in den Armen und schluchzte eher wie ein sehr ungl�ckliches, kleines M�dchen als eine stolze und �berm�chtige G�ttin.</p><p>Immer tiefer ging es hinab, bis sich das dicke Glas der Bullaugen unter der Hitze des Wassers drau�en sp�rbar erw�rmte. Offenbar waren wir sehr weit ins Marsinnere vorgedrungen.</p><p>Mit einemmal h�rte die Abw�rtsbewegung auf, und ich konnte die Propeller am Heck h�ren, die durch das Wasser pfiffen und uns nun in hoher Geschwindigkeit vorantrieben. Es war hier unten sehr dunkel, doch in dem Licht, das aus unseren Bullaugen fiel, und im Widerschein des starken Suchlichtes am Bug unseres Unterseebootes konnten wir sehen, da� es durch eine enge, r�hrenartige und felsige Passage ging.</p><p>Nach ein paar Minuten setzten die Propeller aus. Wir bremsten und begannen dann schnell wieder aufzusteigen. Bald wurde das Licht von au�en st�rker, und wir kamen zu einem Halt.</p><p>Xodar und seine M�nner betraten die Kabine.</p><p>�Kommt�, sagte er. Wir folgten ihm durch die Luke, die einer der Seeleute ge�ffnet hatte.</p><p>Wir befanden uns in einem kleinen, unterirdischen Gew�lbe. In seiner Mitte lag das Becken, in dem unser Unterseeboot schwamm, von dem wie zuvor nur der schwarze R�cken zu sehen war.</p><p>Der Boden um den Beckenrand herum war eben, dann kamen die senkrechten W�nde, die in einigen Fu� H�he abknickten und sich oben in der Mitte trafen. Zahlreiche Eing�nge f�hrten in tr�b beleuchtete Passagen.</p><p>Zu einem davon geleiteten uns unsere Bewacher, und nach einigen Schritten blieben wir vor einem Stahlk�fig am Boden eines Schachtes stehen, der nach oben f�hrte, soweit das Auge blickte.</p><p>Der K�fig war einer jener Fahrst�hle, wie ich sie anderswo auf Barsoom bereits gesehen hatte. Diese werden von riesigen Magneten angetrieben, die sich am oberen Ende des Schachtes befinden. Ein elektrisches Ger�t reguliert die St�rke der erzeugten magnetischen Anziehungskraft und steuert die Geschwindigkeit des Fahrstuhls.</p><p>Diese k�nnen sich �ber lange Strecken hinweg in einer schwindelerregenden Geschwindigkeit bewegen, besonders, wenn es nach oben geht, da die dem Mars eigene geringe Schwerkraft der immensen magnetische Wirkung von oben wenig entgegenzusetzen hat.</p><p>Wir fuhren so schnell durch den langen Schacht, da� es schien, als habe sich die T�r des Fahrstuhles kaum hinter uns geschlossen, als das Tempo bereits wieder verlangsamt wurde und wir am Landepunkt oben ankamen.</p><p>Als wir aus dem kleinen Geb�ude traten, in dem sich die Endstation des Fahrstuhles befand, sahen wir uns von einem zauberhaften M�rchenland umgeben. Keine der Sprachen der Erde h�tte Worte gefunden, der menschlichen Vorstellungskraft die prachtvolle Sch�nheit der Umgebung zu vermitteln.</p><p>Man k�nnte von dem scharlachfarbenen Rasen sprechen; den elfenbeinfarbenen St�mmen der mit strahlend purpurfarbenen Bl�ten geschm�ckten B�ume, zwischen denen sich Gehwege hindurchschl�ngelten, gepflastert mit zersto�enen Rubinen, Smaragden, T�rkis, sogar mit Diamanten selbst; und von einem pr�chtigen Tempel aus gl�nzendem, auf wundervolle Weise verziertem Gold. Doch mit welchen Worten sollte man die herrlichen Farben schildern, die den Augen des Erdenmenschen v�llig fremd sind? Wessen Phantasie oder Geist vermag sich schon vorzustellen, auf welch sagenhafte Weise die unbekannten Strahlen funkeln, die von den tausend namenlosen Edelsteinen von Barsoom ausgingen?</p><p>Sogar mich, der ich seit vielen Jahren die �berw�ltigende Sch�nheit des Palastes eines Jeddaks vom Mars gewohnt war, versetzte diese Pracht in Erstaunen.</p><p>Phaidor hatte die Augen vor Fassungslosigkeit weit aufgerissen.</p><p>�Der Tempel von Issus�, fl�sterte sie halb zu sich selbst.</p><p>Xodar beobachtete uns finster l�chelnd, teilweise am�siert, teilweise voll h�mischer Schadenfreude.</p><p>In den G�rten wimmelte es von auffallend geschm�ckten schwarzen M�nnern und Frauen, darunter auch roten und wei�en Frauen, die f�r sie jeden Dienst verrichteten. Die St�dte der Au�enwelt und die Tempel der Therns waren ihrer Prinzessinnen und G�ttinnen beraubt worden, damit die Schwarzen ihre Sklaven hatten.</p><p>Durch dieses Treiben bewegten wir uns auf den Tempel zu. Am Haupteingang wurden wir von einer Kette bewaffneter Wachposten angehalten. Xodar wechselte einige Worte mit einem Offizier, der auf uns zukam und nach unserem Begehr fragte. Dann begaben sie sich gemeinsam f�r einige Zeit in den Tempel.</p><p>Sie kehrten zur�ck, um zu verk�nden, da� Issus die Tochter von Matai Shang und das seltsame Gesch�pf aus einer anderen Welt zu sehen w�nsche, das einst ein Prinz von Helium gewesen war.</p><p>Langsam schritten wir durch endlose Korridore von unbeschreiblicher Sch�nheit, durch prachtvolle R�ume und edle Hallen. Schlie�lich hie� man uns in einem ger�umigen Gemach in der Mitte des Tempels stehenbleiben. Einer der Offiziere aus unserer Begleitung trat auf ein Portal am Ende des Saales zu. Hier mu�te er ein bestimmtes Zeichen gegeben haben, denn augenblicklich �ffnete sich die T�r und ein neuer, ebenfalls reichhaltig geschm�ckter H�fling erschien.</p><p>Dann f�hrte man uns zu dem Portal und wies uns an, uns auf alle viere hinabzulassen, den R�cken dem Raum zugewandt, den wir nun betreten w�rden. Die T�rfl�gel schwangen auf, und nachdem uns unter Androhung der Todesstrafe untersagt worden war, uns umzudrehen, hie� man uns r�ckw�rts vor Issus kriechen.</p><p>Nie zuvor in meinem Leben hatte ich mich in einer so entw�rdigenden Lage befunden. Nur meine Liebe f�r Dejah Thoris und die unverminderte Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihr hielten mich davon ab, aufzustehen und der G�ttin der Erstgeborenen und meinem Tode entgegenzutreten und mich, wie es eines Gentlemans geb�hrt, den Feinden zu stellen und mein Blut mit dem ihrigen zu vermischen.</p><p>Nachdem wir auf diese besch�mende Weise etwa einhundert Fu� hinter uns gebracht hatten, hie� uns unsere Begleitung stehenbleiben.</p><p>�Befehlt ihnen aufzustehen�, lie� sich eine Stimme hinter uns vernehmen. Eine d�nne, zitternde Stimme, und dennoch eine, die offenbar schon seit vielen Jahren das Befehlen gewohnt war.</p><p>�Aufstehen, doch wendet eure Gesichter nicht Issus zu!�</p><p>�Die Frau sagt mir zu�, war die d�nne, zitternde Stimme nach kurzem Schweigen zu h�ren. �Sie wird mir die zustehende Zeit zu Diensten sein. Den Mann k�nnt ihr auf die Insel Shador bringen, die dem Nordufer des Meeres Omean gegen�berliegt. Die Frau m�ge sich umdrehen und zu Issus schauen, im Wissen, da� jene Kreaturen niederer Herkunft, die das heilige Traumbild ihres blendend sch�nen Antlitzes erblicken, nur noch ein einziges Jahr zu leben haben.�</p><p>Ich sah Phaidor aus den Augenwinkeln an. Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. Langsam, sehr langsam wandte sie sich um, wie von einer unsichtbaren und gleichsam unwiederstehlichen Kraft gezogen. Sie stand dicht neben mir, so da� ihr blo�er Arm den meinen ber�hrte, als sie schlie�lich Issus, G�ttin des Ewigen Lebens, anblickte.</p><p>Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, als ihre Blick zum ersten Mal auf die h�chste Gottheit des Mars fielen, doch ich sp�rte, wie ein Schauder durch den Arm neben mir ging.</p><p>Sie mu� von wahrhaft blendendem Liebreiz sein, dachte ich, wenn sie in der Brust einer solch strahlenden Sch�nheit wie Phaidor, Tochter von Matai Shang, derartige Gef�hle hervorruft.</p><p>�Die Frau soll hierbleiben. Bringt den Mann fort. Geht!� So sprach Issus, und die schwere Hand des Offiziers legte sich auf meine Schulter. Ich folgte seinen Befehlen, lie� mich erneut auf alle viere nieder und kroch fort. Es war meine erste Audienz mit einem Gott, und auch wenn ich eine l�cherliche Gestalt abgab, wie ich so auf allen vieren umherkroch, nehme ich mir die Freiheit zu sagen, da� ich nicht sonderlich beeindruckt war.</p><p>Kaum hatten wir den Raum verlassen, schlossen sich die T�ren hinter uns, und man hie� mich aufstehen. Xodar gesellte sich zu mir, und wir begaben uns langsam zur�ck zu den G�rten.</p><p>�Du hast mich verschont, als du mir mein Leben mit Leichtigkeit h�ttest nehmen k�nnen�, sagte er, nachdem wir eine Zeitlang geschwiegen hatten. �Ich w�rde dir helfen, wenn ich k�nnte. Ich k�nnte dir helfen, dein Leben hier ertr�glicher zu machen. Dennoch ist dein Schicksal endg�ltig. Es besteht keine Hoffnung mehr, da� du jemals in die Au�enwelt zur�ckkehrst.�</p><p>�Welches Schicksal erwartet mich hier?� fragte ich.</p><p>�Das h�ngt weitestgehend von Issus ab. Solange sie nicht nach dir schickt und dir ihr Gesicht enth�llt, kannst du jahrelang in einer so lockeren Form von Gefangenschaft leben, wie ich es f�r dich einrichten kann.�</p><p>�Warum sollte sie nach mir schicken?� fragte ich.</p><p>�Die M�nner niederer Herkunft nutzt sie h�ufig auf verschiedene Weise zu ihrer Unterhaltung. Ein solcher Krieger, wie du es bist, b�te beispielsweise eine Attraktion bei den monatlichen Riten des Tempels. In deren Verlauf l��t man M�nner gegeneinander antreten oder gegen Tiere k�mpfen, damit sich Issus am�siert. Ferner dienen sie der Vervollst�ndigung ihrer Speisekammer.�</p><p>�Sie i�t Menschenfleisch?� fragte ich, jedoch nicht weiter entsetzt, denn aufgrund meiner k�rzlich errungenen Kenntnisse �ber die heiligen Therns war ich in diesem noch unzug�nglicheren Paradies auf alles vorbereitet, wo offenbar alles von einem einzigen, allm�chtigen Herrscher befehligt wurde und wo engstirniger Fanatismus und Selbstverherrlichung im Laufe der Jahrhunderte alle gro�z�gigen, menschlichen Instinkte ausgel�scht hatten, die dieses Volk einst besessen haben mochte.</p><p>Es war eine Nation, trunken von Macht und Erfolg, die auf die anderen Menschen vom Mars ebenso hinabsah wie wir auf die wilden Tiere von Wald und Feld. Warum sollten sie dann nicht das Fleisch der niederen Ordnungen essen, f�r deren Lebensweise und Eigenschaften sie ebensowenig Verst�ndnis haben, wie uns auf der Erde die innersten Gedanken und Gef�hle des Viehs zug�nglich sind, das wir schlachten, um es auf unseren Tisch zu bringen.</p><p>�Sie i�t nur das Fleisch der Heiligen Therns und roten Barsoomier bester Herkunft. Das Fleisch der anderen wandert auf unseren Tisch. Die Tiere werden von den Sklaven gegessen. Sie i�t auch noch andere Leckerbissen.�</p><p>Damals verstand ich nicht, da� diese Bemerkung noch eine spezielle Bedeutung hatte. Ich dachte, die Schilderung der Speisekarte von Issus hatte bereits den Gipfel des Makaberen erreicht. Mir war eben noch nicht klar, wohin uneingeschr�nkte Macht f�hrt und welche Ausma�e Grausamkeit und Brutalit�t bei dem Betreffenden einnehmen k�nnen.</p><p>Wir hatten auf unserem Weg zum Garten bereits das letzte der zahlreichen Gem�cher und Korridore erreicht, als uns ein Offizier einholte.</p><p>�Issus m�chte sich diesen Mann noch einmal ansehen. Das M�dchen hat ihr erz�hlt, da� er von �berw�ltigender Sch�nheit sei und von solcher St�rke, da� er allein sieben Erstgeborene besiegte und Xodar mit blo�en H�nden �berw�ltigte und mit dessen eigenem Lederzeug fesselte�, sagte er.</p><p>Xodar sah betroffen aus. Offensichtlich gefiel es ihm ganz und gar nicht, da� Issus von seiner unr�hmlichen Niederlage erfahren hatte.</p><p>Wortlos wandte er sich um, und ein weiteres Mal folgten wir dem Offizier zum Portal des Audienzsaales von Issus, der G�ttin des Ewigen Lebens.</p><p>Hier wiederholte sich die Zeremonie des Eintretens. Erneut befahl mir Issus, mich zu erheben. Einige Minuten herrschte Totenstille. Die Augen der G�ttin taxierten mich.</p><p>Bald daraufbrach die d�nne, zitternde Stimme das Schweigen und wiederholte in eint�nigem Singsang die Worte, die seit vielen Jahrhunderten den Untergang von unz�hligen Opfern besiegelt hatten: �Der Mann m�ge sich umdrehen und zu Issus schauen, im Wissen, da� jene Kreaturen niederer Herkunft, die das heilige Traumbild ihres blendend sch�nen Antlitzes erblicken, nur noch ein einziges Jahr zu leben haben.�</p><p>Ich tat, wie mir gehei�en, erwartete einen Anblick, wie ihn nur die Enth�llung einer g�ttlichen Sch�nheit bieten mochte. Was ich sah, war eine geschlossene Wand bewaffneter Soldaten zwischen mir und einem Podium, auf dem eine gro�e Bank aus mit Schnitzereien verziertem Sorapusholz stand. Eine schwarze Frau hockte darauf. Sie war offenbar sehr alt. Nicht ein Haar bedeckte ihren runzligen Sch�del. Mit Ausnahme zweier gelber Eckz�hne war sie v�llig zahnlos. Zu beiden Seiten der d�nnen, habichtartigen Nase gl�hten die tief in die H�hlen gesunkenen Augen. Ihr Gesicht war millionenfach gefurcht. Ebenso faltig und absto�end war ihr Leib.</p><p>Ausgemergelte Arme und Beine an einem Rumpf, der ein h�chst mi�gestalter Unterleib zu sein schien, vervollst�ndigte das heilige Traumbild ihrer blendenden Sch�nheit.</p><p>Sie war von einigen Sklavinnen umgeben, unter ihnen, bla� und zitternd, Phaidor.</p><p>�Ist dies der Mann, der sieben Erstgeborene besiegte und mit blo�en H�nden Dator Xodar in seinem eigenen Lederzeug fesselte?� fragte Issus.</p><p>�Ruhmvolles Traumbild g�ttlichen Liebreizes, so ist es�, entgegnete der Offizier neben mir.</p><p>�F�hrt Dator Xodar hervor�, befahl sie.</p><p>Xodar wurde aus dem Nebenraum herbeigebracht.</p><p>Issus starrte ihn mit einem unheilverk�ndenden Schimmer in den Augen an.</p><p>�Und so einer wie du ist ein Dator der Erstgeborenen?� kreischte sie. �F�r die Schmach, die du �ber die unsterbliche Rasse gebracht hast, sollst du deiner R�nge enthoben werden und unter die niedrigsten der niedrigsten gestellt werden. Du sollst nicht l�nger ein Dator sein, sondern f�r immer und ewig ein Sklave der Sklaven, um Boteng�nge und Transportdienste f�r die niederen Kreaturen in den G�rten von Issus auszuf�hren. Feiglinge und Sklaven tragen keine R�stungen.�</p><p>Xodar stand steif und aufrecht da. Nicht ein Muskel bewegte sich, nicht eine Bewegung lief durch seinen athletischen K�rper, als ein Soldat der Garde ihn unsanft der pr�chtigen Ausr�stung entledigte.</p><p>�Verschwinde!� schrie das aufgebrachte alte Weib. �Mir aus den Augen! Doch statt ein Sklave im Lichte der G�rten von Issus zu sein, sollst du diesem Sklaven, der dich besiegte, im Gef�ngnis auf der Insel Shador im Meer Omean dienen. Meine g�ttlichen Augen wollen ihn hier nicht mehr sehen, f�hrt ihn fort!�</p><p>Langsam und mit hoch erhobenem Kopf wandte sich der stolze Xodar um und schritt aus dem Gemach. Issus erhob sich und schickte sich an, den Raum durch einen anderen Ausgang zu verlassen.</p><p>Sie wandte sich an mich und sagte: �Du sollst vorl�ufig nach Shador gebracht werden. Sp�ter wird sich Issus ansehen, wie du k�mpfst. Geh!� Dann verschwand sie, begleitet von ihrem Gefolge. Nur Phaidor blieb etwas zur�ck, und als ich mich anschickte, meinen Bewachern zu folgen, lief sie mir hinterher.</p><p>�Oh, la� mich nicht an diesem schrecklichen Ort zur�ck!� bettelte sie. �Vergib mir die Dinge, die ich zu dir gesagt habe, mein Prinz. Ich habe sie nicht so gemeint. Nimm mich nur mit dir mit. Ich m�chte die Gefangenschaft auf Shador mit dir teilen.� Ihre Worte waren eine beinah zusammenhanglose Folge von Gedanken, so schnell sprach sie. �Du hast nicht verstanden, welche Ehre ich dir erwiesen habe. Unter den Therns gibt es keine Ehe oder ein Eheversprechen wie unter den niederen Kreaturen der Au�enwelt. Wir h�tten miteinander f�r immer in Liebe und Gl�ckseligkeit leben k�nnen. Wir beide haben Issus� Antlitz gesehen und werden in einem Jahr sterben. La� uns dieses Jahr zumindest gemeinsam verbringen, so gl�cklich, wie es den zum Untergang Verdammten noch m�glich ist.�</p><p>�Wenn es f�r mich schwierig war, dich zu verstehen, Phaidor�, entgegnete ich, �warum kannst du dann nicht verstehen, da� es dir vielleicht ebenso schwerf�llt, die Beweggr�nde, Br�uche und sozialen Regeln zu begreifen, die mich leiten? Ich m�chte dich nicht verletzen oder die Ehre untersch�tzen, die du mir erwiesen hast. Doch das, was du begehrst, wird nicht geschehen. Ungeachtet des unsinnigen Glaubens der Menschen von der Au�enwelt, der Heiligen Therns oder der schwarzen Erstgeborenen bin ich nicht tot. Solange ich lebe, schl�gt mein Herz nur f�r eine Frau�� f�r die unvergleichliche Dejah Thoris, die Prinzessin von Helium. Wenn mich der Tod einholt, wird mein Herz aufh�ren zu schlagen. Doch was danach kommt, wei� ich nicht. Und darin bin ich genau so klug wie Matai Shang, Herr von Leben und Tod auf Barsoom, oder Issus, G�ttin des Ewigen Lebens.�</p><p>Phaidor stand einen Moment da und blickte mich aufmerksam an. Kein �rger zeigte sich diesmal in ihren Augen, nur ein ergreifender Ausdruck von Hoffnungslosigkeit und Leid.</p><p>�Ich verstehe dich nicht�, sagte sie, wandte sich um und schritt langsam auf die T�r zu, durch die Issus und ihr Gefolge den Raum verlassen hatten. Einen Augenblick sp�ter war sie verschwunden.</p></section><section><title><p>10. Die Gef�ngnisinsel Shador</p></title><p>In den �u�eren G�rten, zu denen mich die Wache brachte, fand ich Xodar, umgeben von einer Schar schwarzer Edelleute, die ihn beschimpften und Unflat �ber ihm aussch�tteten. Die M�nner versetzten ihm Schl�ge ins Gesicht, und die Frauen spuckten ihn an.</p><p>Als ich erschien, richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf mich.</p><p>�Ah�, schrie einer. �Das also ist die Kreatur, die den gro�en Xodar mit blo�en H�nden �berw�ltigte. La�t uns sehen, wie er das vollbracht hat.�</p><p>�Er soll Thurid in Fesseln legen�, schlug eine wundersch�ne Frau vor. �Thurid ist ein ber�hmter Dator. Thurid soll diesem Hund zeigen, was es hei�t, einem wirklichen Mann entgegenzutreten.�</p><p>�Ja, Thurid! Thurid!� ert�nten dutzende Stimmen.</p><p>�Da kommt er�, rief ein anderer. Ich wandte mich in die Richtung, in die er wies, und erblickte einen riesigen Schwarzen, beladen mit pr�chtigen Verzierungen und Waffen, der sich uns mit vornehmen und protzigem Gebaren n�herte.</p><p>�Was ist?� donnerte er. �Was wolltet ihr von Thurid?� Schnell erkl�rte man es ihm.</p><p>Thurid blickte zu Xodar, die Augen zu zwei b�sen Schlitzen verengt. �Calot!� zischte er. �Ich habe schon immer gewu�t, da� in deiner Brust das nichtsw�rdige Herz eines Soraks schl�gt. Oft hast du mich im geheimen Rat von Issus ausgestochen, doch nun auf dem Feld der Ehre, wo sich M�nner wahrhaft miteinander messen, hat dein niedertr�chtiges Herz aller Welt seine Schw�chen kundgetan. Calot, ich verachte dich!� Mit diesen Worten schickte er sich an, Xodar einen Tritt zu versetzen.</p><p>Mein Blut raste. Seit Minuten war es in Wallung geraten, angesichts der unfairen Art und Weise, auf die sie mit ihrem einst machtvollen Kameraden umsprangen, nur weil er Issus� Gunst verloren hatte. Mir war Xodar gleichg�ltig, doch ertrage ich es nicht, mitanzusehen, wie jemand ungerecht behandelt und beschimpft wird. Dann sehe ich Rot, als hinge mir ein blutiger Nebel vor den Augen, ich lasse mich dann mehr vom Impuls des Augenblickes lenken und handle, wie ich es wahrscheinlich nach reichlicher �berlegung niemals tun w�rde.</p><p>Ich stand dicht neben Xodar, als Thurid mit dem Fu� zu einem gemeinen Tritt ausholte. Der erniedrigte Xodar stand regungslos wie eine Statue. Er war auf alle m�glichen Beleidigungen und Beschimpfungen seitens seiner fr�heren Gef�hrten gefa�t und nahm sie in m�nnlicher Ruhe und Gelassenheit hin.</p><p>Doch gleich Thurid holte auch ich Schwung und versetzte diesem einen schmerzhaften Tritt gegen das Schienbein, so da� Xodar diese zus�tzliche Schande erspart blieb.</p><p>Einen Augenblick herrschte gespannte Stille, dann sprang mir Thurid mit w�tendem Gebr�ll an die Kehle, so, wie es Xodar an Deck des Kriegsschiffes getan hatte. Das Ergebnis war dasselbe. Ich duckte mich unter den ausgestreckten Armen, und als er an mir vorbeist�rzte, verpa�te ich ihm mit der Rechten einen f�rchterlichen Schlag gegen den Unterkiefer.</p><p>Der H�ne drehte sich wie ein Kreisel, die Knie gaben unter ihm nach, und er sank vor meinen F��en zu Boden.</p><p>Die Schwarzen rissen die Augen vor Erstaunen weit auf und blickten erst auf die reglose Gestalt des stolzen Dators, der im rubinroten Staub des Weges lag, dann auf mich, als hielten sie so etwas nicht f�r m�glich.</p><p>�Ihr habt mich gebeten, Thurid zu fesseln. Schaut her!� rief ich, kniete neben dem Liegenden nieder, zog ihm die Lederausr�stung vom Leib und band dem Mann damit Arme und Beine, so da� er sich nicht h�tte befreien k�nnen.</p><p>�Wie ihr mit Xodar verfahren seid, verfahrt nun auch mit Thurid. Bringt ihn zu Issus, gefesselt in seinem Lederzeug, damit sie mit eigenen Augen sieht, da� es unter euch jemanden gibt, der st�rker ist als die Erstgeborenen.�</p><p>�Wer bist du?� fl�sterte die Frau, die als erste vorgeschlagen hatte, da� ich Thurid fesselte.</p><p>�Ich bin ein B�rger zweier Welten, Hauptmann John Carter von Virginia und Prinz des Hauses von Tardos Mors, dem Jeddak von Helium. Bringt diesen Mann zu eurer G�ttin, wie ich gesagt habe, und berichtet ihr auch, da� es so, wie es Xodar und Thurid ergangen ist, den m�chtigsten ihrer Dators ergehen wird. Mit blo�en H�nden, mit dem langen Schwert oder dem Kurzschwert fordere ich die Elite ihrer Soldaten zum Zweikampf.�</p><p>�Komm�, sagte der Offizier, der mich nach Shador bringen sollte. �Ich habe meine Befehle, sie dulden keinen Aufschub. Xodar, auch f�r dich nicht.�</p><p>Nur wenig Geringsch�tzung lag in dem Ton, in dem der Mann sowohl Xodar als auch mich ansprach. Es war offensichtlich, da� er den fr�heren Dator weniger verachtete, seit er miterlebt hatte, mit welcher Leichtigkeit ich mich des m�chtigen Thurid entledigte.</p><p>Da� er mir mehr Achtung entgegenbrachte als einem Sklaven, zeigte sich darin, da� er fortan immer mit gezogenem Kurzschwert hinter mir stand oder ging.</p><p>Die R�ckkehr zum Meer Omean verlief ohne Zwischenf�lle. Der Fahrstuhl, der uns zuvor an die Oberfl�che gebracht hatte, bef�rderte uns durch den gigantischen Schacht nach unten. Dann kletterten wir in das U-Boot, mit dem die lange Fahrt ins Marsinnere begann. Wir durchquerten den Tunnel und stiegen wieder zu dem Schwimmbecken auf, von wo aus wir zum ersten Mal die wundersame Reise von Omean zum Tempel von Issus angetreten hatten.</p><p>Von der Insel, auf der das Unterseeboot lag, begaben wir uns auf einem kleinen Kreuzer zur fernen Insel Shador. Dort fanden wir ein kleines Steingef�ngnis vor, das von einem halben Dutzend Schwarzer bewacht wurde. Man machte keine gro�en Umst�nde mit unserer Einkerkerung. Einer der Schwarzen �ffnete mit einem gro�en Schl�ssel die Gef�ngnist�r, wir traten ein, die T�r schlo� sich hinter uns, und das Schlo� knirschte. Mit diesem Ger�usch bem�chtigte sich meiner wieder dasselbe schreckliche Gef�hl der Hoffnungslosigkeit wie damals in der Kammer der Geheimnisse in den Goldenen Felsen unter den G�rten der Heiligen Therns.</p><p>Damals war Tars Tarkas bei mir gewesen, doch hier war ich, soweit es freundliche Gesellschaft betraf, v�llig allein. Ich begann wieder, mir �ber das Schicksal des gro�en Thark und seiner sch�nen Gef�hrtin, dem M�dchen Thuvia, Gedanken zu machen. Sogar wenn sie durch irgendein Wunder entkommen waren und auf ein freundlich gesonnenes Volk gesto�en sind, das Gnade walten lie�, wie sehr durfte ich dann darauf hoffen, da� sie dieses davon zu �berzeugen vermochten, auch mir zu Hilfe zu kommen? Und das w�rden die beiden mit Sicherheit wollen.</p><p>Hinsichtlich meines Verbleibs oder Schicksals konnten sie nicht einmal raten, denn keine Seele von ganz Barsoom w�rde sich auch nur vorstellen k�nnen, da� es einen solchen Ort wie diesen gab. Auch h�tte es mir nicht viel genutzt, wenn sie gewu�t h�tten, wo man mich gefangen hielt, denn konnte ich darauf hoffen, da� es jemandem gab, der dieses verborgene Meer zu �berqueren und der m�chtigen Luftwaffe der Erstgeborenen zu trotzen vermochte? Nein. Mein Fall war hoffnungslos.</p><p>Gut, ich w�rde das Beste daraus machen. Ich erhob mich, fegte alle d�steren Gedanken beiseite, die sich meiner bem�chtigen wollten. In der Absicht, das Gef�ngnis zu erkunden, blickte ich mich um.</p><p>Xodar sa� mit gesenktem Kopf auf einer flachen Steinbank, die fast in der Mitte des Raumes stand. Er hatte kein Wort gesprochen, seit Issus ihn seiner R�nge enthoben hatte.</p><p>Das Geb�ude war nicht �berdacht und besa� eine H�he von etwa drei�ig Fu�. Ein St�ck oberhalb von uns befanden sich einige kleine, stark vergitterte Fenster. Der Bau wurde durch zwanzig Fu� hohe Zwischenw�nde in mehrere R�ume geteilt. Bei uns in der Zelle wohnte au�er uns niemand, doch zwei T�ren zu den Nebenr�umen standen offen. Ich ging in den ersten von ihnen und fand ihn leer. So durchquerte ich einen Raum nach dem anderen, bis ich im letzten einen jungen roten Marsmenschen vorfand, der auf der Steinbank, dem einzigen M�belst�ck jeder Zelle, lag und schlief.</p><p>Der Junge war offensichtlich der einzige Gefangene au�er uns. Da er schlief, beugte ich mich �ber ihn und betrachtete ihn. Etwas in seinem Gesicht kam mir merkw�rdig bekannt vor, und doch konnte ich ihn nirgendwo einordnen. Seine Gesichtsz�ge waren sehr regelm��ig und gleich den wohlgestalteten Gliedma�en und dem K�rper �u�erst ansehnlich. F�r einen roten Menschen hatte er eine sehr helle Hautfarbe, doch in jeder anderen Hinsicht schien er ein typischer Angeh�riger dieses gutaussehenden Volkes zu sein.</p><p>Ich lie� ihn schlafen, denn Schlaf ist im Gef�ngnis ein solcher Segen, da� ich es schon miterlebt habe, wie sich M�nner in w�tende Ungeheuer verwandelten, wenn sie ein Mitgefangener auch nur einiger weniger wertvoller Minuten davon beraubte.</p><p>Ich kehrte in meine Zelle zur�ck und fand Xodar in derselben Haltung vor, in der ich ihn zur�ckgelassen hatte.</p><p>�Mann! Es wird dir nichts bringen, wenn du Tr�bsal bl�st!� rief ich. �Es ist keine Schande, von John Carter besiegt zu werden. Du hast gesehen, mit welcher Leichtigkeit ich Thurid �berw�ltigt habe. Du wu�test es vorher, als du an Deck des Kreuzers mich drei deiner Leute hast bezwingen sehen.�</p><p>�Ich w�nschte, du h�ttest mich gleich mit ihnen erledigt�, sagte er.</p><p>�Komm, komm!� rief ich. �Noch gibt es Hoffnung. Wir beide sind am Leben und gro�artige K�mpfer. Warum sollten wir uns nicht die Freiheit erk�mpfen?�</p><p>Er blickte mich erstaunt an und entgegnete: �Du wei�t nicht, was du da sagst. Issus ist allm�chtig. Sie h�rt jedes der Worte, die du aussprichst. Sie kennt deine Gedanken. Es ist bereits ein Frevel, im Traum daran zu denken, ihren Befehlen zuwiderzuhandeln.�</p><p>�Unsinn, Xodar�, rief ich ungeduldig aus. Entsetzt sprang er auf.</p><p>�Der Fluch von Issus wird dich treffen�, rief er. �Im n�chsten Augenblick wirst du daf�r bestraft werden und dich in schrecklichen Todesqualen kr�mmen.�</p><p>�Glaubst du das, Xodar?� fragte ich.</p><p>�Nat�rlich, wer w�rde es wagen, daran zu zweifeln?�</p><p>�Ich zweifle daran, und alle weiteren Dinge stelle ich ganz und gar in Abrede�, sagte ich. �Xodar, du sagst mir, da� sie sogar meine Gedanken kennt. Die roten Menschen verf�gen �ber diese wundervolle F�higkeit schon seit Jahrhunderten.</p><p>Und sie verm�gen noch etwas anderes zu tun. Sie k�nnen ihre Gedanken so verschlie�en, da� sie niemandem zug�nglich sind. Ich habe das Lesen von Gedanken vor Jahren gelernt. Das andere hatte ich nicht erst zu lernen, da es auf ganz Barsoom niemanden gibt, der in die innersten Kammern meines Gehirns vordringen kann. Deine G�ttin kann meine Gedanken nicht lesen und auch deine nicht, wenn sie dich nicht sieht. Sie kann es nur dann, wenn du ihr gegen�berstehst. H�tte sie meine lesen k�nnen, dann h�tte ihr Stolz einen ziemlich ernsthaften Schaden genommen, f�rchte ich, als ich ihrem Befehl Folge leistete und mich umwandte, um das heilige �Traumbild ihrer blendenden Sch�nheit� in Augenschein zu nehmen.�</p><p>�Was willst du damit sagen?� fl�sterte er mit erschreckter Stimme, so leise, da� ich ihn kaum h�ren konnte.</p><p>�Ich meine, da� ich sie f�r die absto�endste und gemeinhin entsetzlichste Kreatur halte, die mir jemals zu Gesicht gekommen ist.�</p><p>Einen Augenblick lang sah er mich entsetzt an und sprang dann mit dem Schrei �Gottesl�sterer!� auf mich zu.</p><p>Ich wollte ihn nicht wieder schlagen, ferner war es unn�tig, denn er war unbewaffnet und deswegen nicht weiter gef�hrlich f�r mich.</p><p>Als er kam, packte ich mit meiner Linken sein linkes Handgelenk, fuhr mit dem rechten Arm �ber seine linke Schulter, klemmte ihm den Ellenbogen unters Kinn und dr�ckte ihn r�ckw�rts �ber meinen Schenkel.</p><p>Dort hing er f�r einen Augenblick hilflos und starrte mich in ohnm�chtiger Wut an.</p><p>�Xodar�, sagte ich. �La� uns Freunde sein. Wir m�ssen vielleicht hier in diesem winzigen Raum ein Jahr zusammen verbringen. Es tut mir leid, dich gekr�nkt zu haben, doch habe ich es mir nicht tr�umen lassen, da� jemand, mit dem Issus auf eine so grausame und ungerechte Weise verfahren ist, noch an ihre G�ttlichkeit zu glauben vermag. Ich werde noch einige wenige Worte sagen, Xodar, ohne deine Gef�hle weiter verletzen zu wollen, sondern damit du auch dar�ber nachdenkst, da� wir, solange wir leben, unser Schicksal in gr��erem Ma�e bestimmen als jeder Gott. Wie du siehst, hat Issus mich nicht tot zu Boden sinken lassen. Auch wird sie ihren treuen Xodar nicht aus den Klauen des Ungl�ubigen befreien, der ihre Sch�nheit geschm�ht hat. Nein, Xodar, deine Issus ist eine sterbliche alte Frau. Bist du ihr einmal entkommen, kann sie dir nicht schaden. Mit deinem Wissen �ber dieses seltsame Land und meinen Kenntnissen von der Au�enwelt sollten zwei solche K�mpfer, wie wir beide es sind, in der Lage sein, sich den Weg in die Freiheit zu bahnen. Auch wenn wir bei dem Versuch st�rben, h�tte man uns nicht in besserer Erinnerung, als verharrten wir in unterw�rfiger Furcht, um von einer grausamen und ungerechten Tyrannin dahingeschlachtet zu werden�� nenne sie G�ttin oder Sterbliche, wie du willst.�</p><p>Als ich geendet hatte, stellte ich Xodar auf die F��e und lie� ihn los. Er versuchte kein weiteres Mal, mich anzugreifen, und sagte kein Wort. Statt dessen ging er zur Bank, sank darnieder und blieb stundenlang, seinen Gedanken nachh�ngend, darauf sitzen.</p><p>Nach langer Zeit drang ein leises Ger�usch von einer der T�ren der Nebenr�ume zu mir. Ich blickte auf und sah den roten Marsjungen, der uns forschend anschaute.</p><p>�Kaor�, rief ich den Gru� der roten Marsmenschen. �Kaor�, entgegnete er. �Was macht ihr hier?�</p><p>�Auf den Tod warten, nehme ich an�, erwiderte ich mit einem gequ�lten L�cheln.</p><p>Auch er zeigte ein mutiges und gewinnendes L�cheln. �Ich auch�, sagte er. �Meiner kommt bald. Ich habe die blendende Sch�nheit von Issus schon vor fast einem Jahr erblickt. Wenn ich daran denke, erstaunt es mich immer wieder au�erordentlich, da� ich nicht beim ersten Blick auf dieses entsetzliche Gesicht tot umgefallen bin. Und der Leib erst! Bei meinem ersten Ahnen, nie zuvor habe ich auf der ganzen Welt eine solche l�cherliche Gestalt gesehen. Da� jemand so etwas mit �G�ttin des Ewigen Lebens�, �G�ttin des Todes�, �Mutter des N�chsten Mondes� und mit f�nfzig anderen gleichartig unm�glichen Titeln bezeichnen kann, geht �ber meinen Horizont.�</p><p>�Wie bist du hierher gekommen?� fragte ich.</p><p>�Das ist sehr einfach. Ich befand mich mit einem einsitzigen Aufkl�rungsflugzeug weit im S�den, als mir die brilliante Idee kam, das Verlorene Meer Korus zu suchen, das sich dem H�rensagen nach in der N�he des S�dpoles befinden soll. Ich mu� von meinem Vater eine unb�ndige Abenteuerlust geerbt haben sowie eine Leere an der Stelle, wo meine Respektgef�hle sitzen sollen. Mir gelang es, bis zum Gebiet des ewigen Eises vorzudringen, als mein Propeller blockierte. Ich landete, um die Reparatur auszuf�hren. Bevor ich mich versah, war der Himmel schwarz von Fliegern, und Hunderte dieser teuflischen Erstgeborenen setzten neben mir auf. Die Schwerter gez�ckt, warfen sie sich auf mich, doch bevor ich unter ihnen zu Boden ging, bekamen sie den Stahl von meines Vaters Schwert zu sp�ren, und ich legte ein solches Zeugnis von mir ab, da� mein Vater hocherfreut gewesen w�re, wenn er es noch h�tte miterleben k�nnen.�</p><p>�Dein Vater ist tot?� fragte ich.</p><p>�Er starb, bevor die Schale zerbrach, um mich in eine Welt treten zu lassen, die sehr gut zu mir war. Doch abgesehen von dem Kummer, da� ich nie die Ehre hatte, meinen Vater kennenzulernen, war ich sehr gl�cklich. Das einzige, was mich jetzt bedr�ckt, ist, da� meine Mutter mich nun ebenso beweinen mu� wie zuvor zehn lange Jahre meinen Vater.�</p><p>�Wer war dein Vater?� fragte ich.</p><p>Er hub an, um zu antworten, als sich die Au�ent�r unseres Gef�ngnisses �ffnete, ein st�mmiger Wachposten eintrat, ihm befahl, sich des Nachts in sein eigenes Quartier zu begeben, ihn in die entferntere Zelle brachte und hinter ihm die T�r versperrte.</p><p>�Es ist Issus� Wunsch, euch beide im selben Raum zu halten�, sagte der Wachposten, als er wieder bei uns angelangt war. �Dieser feige Sklave von einem Sklaven soll dir zu Diensten sein�, f�gte er hinzu und wies mit einer Handbewegung auf Xodar. �Wenn er nicht gehorcht, sollst du ihn schlagen, bis er sich unterwirft. Issus w�nscht, da� du ihn auf jede erdenkliche Weise besch�mst und erniedrigst.�</p><p>Mit diesen Worten verlie� er uns.</p><p>Xodar sa� noch immer da, die H�nde vors Gesicht geschlagen. Ich trat zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter.</p><p>�Xodar�, sagte ich. �Du hast Issus� Befehle vernommen, doch du brauchst nicht zu f�rchten, da� ich ihnen Folge leisten werde. Du bist ein mutiger Mann, Xodar. Du mu�t selbst entscheiden, ob du verfolgt und erniedrigt werden willst, doch wenn ich du w�re, w�rde ich mich wieder als ein Mann erweisen und meinen Feinden entgegentreten.�</p><p>�Ich habe sehr lange nachgedacht, John Carter�, erwiderte er. ��ber all jene neuen Gedanken, die du mir gegen�ber vor einigen Stunden ge�u�ert hast. St�ck f�r St�ck habe ich die Sachen, die du gesagt hast und die mir zuerst als Gottesl�sterungen erschienen sind, mit den Dingen in Zusammenhang gebracht, die ich in meinem bisherigen Leben erlebt habe und �ber die ich nicht gewagt habe, nachzudenken, aus Angst, den Zorn von Issus auf mich zu ziehen. Ich glaube nun, da� sie eine Betr�gerin ist, nicht weniger sterblich als du oder ich. Noch mehr bin ich bereit, zuzugeben, da� die Erstgeborenen nicht heiliger als die Heiligen Therns sind und auch da� die Heiligen Therns nicht heiliger als die roten Menschen sind. Unsere gesamte Religion beruht auf l�gnerischem Aberglauben, den uns unsere Herrscher �ber Jahrhunderte hinweg einredeten, da es zu ihrem pers�nlichem Nutzen geschah und ihrer Macht f�rderlich war, wenn wir weiter an diesem Glauben festhielten. Ich bin bereit, mich von den Banden zu befreien, die mich festgehalten haben. Auch w�rde ich Issus selbst herausfordern. Doch was wird es uns bringen? M�gen die Erstgeborenen nun G�tter oder Sterbliche sein, sie sind ein m�chtiges Volk und haben uns so fest in ihrer Gewalt, da� unser Tod so gut wie sicher ist. Es gibt kein Entkommen.�</p><p>�Mein Freund, ich habe mich in der Vergangenheit schon oft aus einer mi�lichen Lage befreit�, entgegnete ich. �Solange Leben in mir ist, werde ich den Gedanken nicht aufgeben, von der Insel Shador im Meer Omean zu fliehen.�</p><p>�Wir k�nnen nicht einmal aus diesen vier W�nden entkommen�, versuchte mich Xodar zu �berzeugen. �Bef�hle dieses harte Material!� rief er und klopfte gegen das feste Felsgestein unseres Gef�ngnisses. �Sieh, diese glatte Oberfl�che, niemand k�nnte daran nach oben klettern.�</p><p>Ich l�chelte.</p><p>�Das ist die geringste von unseren Sorgen, Xodar�, entgegnete ich. �Ich b�rge daf�r, da� ich die Wand erklimmen und dich mit mir nehmen kann, wenn du mir mit deinem Wissen um die vorherrschenden Gepflogenheiten verr�tst, um welche Zeit es am g�nstigsten ist, und wenn du mich zu dem Schacht bringst, der von dem Gew�lbe �ber dieser unergr�ndlichen See zu dem Tageslicht und der reinen Luft Gottes f�hrt.�</p><p>�Nachts ist es am besten, dann bietet sich die einzige winzige Chance, die wir haben, denn dann schlafen die Menschen, und nur in den Ausgucken der Kriegsschiffe tr�umen einige Wachposten vor sich hin. Auf den Kreuzern und den kleineren Fahrzeugen bleibt niemand zur�ck. Die Posten auf den gr��eren Schiffen wachen �ber alles. Jetzt ist Nacht.�</p><p>�Aber es ist doch gar nicht dunkel�, rief ich aus. �Wie kann es denn Nacht sein?�</p><p>L�chelnd entgegnete er: �Du vergi�t, da� wir uns weit unten befinden. Das Sonnenlicht dringt niemals bis hierhin vor. Es gibt keine Monde und Sterne, die sich auf der Oberfl�che von Omean widerspiegeln. Das phosphoreszierende Licht, das du jetzt in diesem riesigen, unterirdische Gew�lbe siehst, kommt aus den Felsen, die seine Kuppel bilden. Das Licht scheint immer �ber Omean, so wie die Wogen des Meeres immer gleich sind, so, wie du sie jetzt siehst�� sie heben und senken sich st�ndig trotz Windstille. In einer bestimmten Stunde der Welt �ber uns legen sich die Menschen zur Ruhe, die hier ihren Pflichten nachgehen, doch das Licht bleibt immer dasselbe.�</p><p>�Das wird uns die Flucht erschweren�, sagte ich. Dann zuckte ich die Schultern, denn ist es nicht reizvoller, sich einer komplizierten Angelegenheit zu stellen?</p><p>�La� uns heute nacht dar�ber schlafen. Wenn wir erwachen, f�llt uns vielleicht etwas ein�, sagte Xodar.</p><p>So legten wir uns auf dem harten Stein unseres Gef�ngnisses nieder und schliefen den Schlaf m�der M�nner.</p></section><section><title><p>11. Die H�lle bricht los</p></title><p>Fr�h am n�chsten Morgen machten Xodar und ich uns wieder an unsere Fluchtpl�ne. Zuerst lie� ich ihn auf dem Steinfu�boden unserer Gef�ngniszelle eine Karte von den S�dregionen zeichnen, so genau, wie es uns mit den uns gegebenen Mitteln m�glich war�� mit einer Schnalle von meinem Lederzeug und der scharfen Kante des zauberhaften Edelsteines, den ich Sator Throg abgenommen hatte.</p><p>Mit ihrer Hilfe bestimmte ich grob, in welcher Richtung Helium lag und wie weit es von der Erd�ffnung entfernt war, die zu Omean f�hrte.</p><p>Dann hie� ich ihn Omean aufzeichnen, sowie die genaue Position von Shador und der Gew�lbe�ffnung, durch die man nach drau�en gelangte.</p><p>Ich studierte diese Karten ausgiebig, bis sie sich meinem Ged�chtnis unausl�schlich eingepr�gt hatten. Von Xodar erfuhr ich, welche Pflichten die Wachen auf Shador erf�llen mu�ten und welche Gepflogenheiten herrschten. Offensichtlich hatte w�hrend der Schlafenszeit nur ein Mann Dienst. Seine Runde f�hrte ihn in etwa einhundert Fu� Entfernung um das Gef�ngnisgeb�ude herum.</p><p>Die Wachposten bewegten sich nach Xodars Aussage mit schneckenartiger Geschwindigkeit, sie brauchten f�r eine einzige Runde etwa zehn Minuten. Das hie�, da� praktisch jede Seite des Gef�ngnisses f�r f�nf Minuten unbewacht war, solange der Posten gem�chlich auf der anderen Seite entlangschritt.</p><p>�All das, wonach du fragst, wird f�r uns sehr wichtig sein, sobald wir drau�en sind. Doch keine deiner Fragen steht in irgendeinem Zusammenhang mit jenen Dingen, die f�r uns am dringendsten und wichtigsten sind.�</p><p>�Wir kommen hier ohne Probleme heraus�, entgegnete ich lachend. ��berla� das nur mir.�</p><p>�Wann geht es los?� fragte er.</p><p>�In der ersten Nacht, in der ein kleines Schiff in Ufern�he von Shador festmacht�, entgegnete ich.</p><p>�Doch wie erf�hrst du, ob ein Schiff bei Shador vor Anker geht? Die Fenster sind zu weit oben f�r uns.�</p><p>�Ach nein, Freund Xodar, sieh!�</p><p>Mit einem Satz sprang ich zu den Stangen des uns gegen�berliegenden Fensters empor und warf einen Blick nach drau�en.</p><p>Einige kleine Schiffe und zwei gro�e Kreuzer lagen in einhundert Yard Entfernung vor Shador.</p><p>�Heute nacht�, dachte ich und wollte das schon Xodar gegen�ber verlauten lassen, als sich v�llig unerwartet die Gef�ngnist�r �ffnete und ein Wachposten eintrat.</p><p>Wenn er mich jetzt sah, dann h�tten wir kaum noch Chancen auf ein Entkommen. Mir war klar, da� sie mich in Eisen legen w�rden, h�tten sie auch nur die geringste Ahnung von den wundervollen F�higkeiten, die mir meine irdischen Muskeln auf dem Mars verliehen.</p><p>Der Mann war eingetreten, stand mit dem R�cken zu mir und blickte zur Zellenmitte. F�nf Fu� �ber mir endete die Trennwand zur n�chsten Zelle.</p><p>Es war die einzige M�glichkeit, der Entdeckung zu entgehen. Wenn sich der Mann umwandte, war ich verloren. Auch h�tte ich mich nicht fallen lassen k�nnen, denn er stand so ung�nstig, da� ich ihn beim Hinunterkommen gestreift h�tte.</p><p>�Wo ist der wei�e Mann?� schrie er Xodar an. �Issus befiehlt ihn zu sich.� Er wollte sich schon umdrehen und nachsehen, ob ich mich in einem anderen Teil der Zelle aufhielt.</p><p>Ich zog mich am Eisengitter des Fensters hoch, bis ich auf dem Sims stand, lie� los und machte einen Satz in Richtung der Trennwand.</p><p>�Was war das?� bellte der Schwarze mit tiefer Stimme, als mein Metall dabei die Steinwand streifte. Dann lie� ich mich lautlos in der dahinterliegenden Zelle zu Boden fallen.</p><p>�Wo ist der wei�e Sklave?� br�llte der Wachposten erneut.</p><p>�Das wei� ich nicht�, entgegnete Xodar. �Er war eben noch hier, bis du eingetreten bist. Ich bin nicht sein Wachposten�� such ihn selbst.�</p><p>Der Schwarze brummte etwas Unverst�ndliches, dann h�rte ich, wie er eine der T�ren zu den Zellen gegen�ber �ffnete. Ich lauschte aufmerksam, bis ich die T�r hinter ihm zufallen h�rte. Dann sprang ich wieder auf die Zwischenwand und setzte in meiner eigenen Zelle neben dem erstaunten Xodar auf.</p><p>�Verstehst du nun, wie wir entkommen werden?� fl�sterte ich.</p><p>�Ich sehe, wie es dir gelingen k�nnte�, entgegnete er.</p><p>�Doch mir ist nach wie vor schleierhaft, wie ich diese W�nde �berwinden soll. Keinesfalls kann ich dar�berspringen.�</p><p>Wir h�rten, wie der Wachposten von Zelle zu Zelle schritt. Schlie�lich, als er seine Runde gemacht hatte, langte er wieder bei uns an. Als er mich sah, machte er Stielaugen.</p><p>�Bei der Schale meines ersten Ahnen!� donnerte er. �Wo hast du dich versteckt?�</p><p>�Ich bin hier, seit du mich gestern eingesperrt hast�, entgegnete ich. �Ich war auch schon bei deinem Eintreten in diesem Raum. Du solltest mal deine Augen �berpr�fen lassen.�</p><p>Mit w�tender und gleichzeitig erleichterter Miene blickte er mich an.</p><p>�Komm�, sagte er, �Issus befiehlt dich zu sich.�</p><p>Er geleitete mich aus der Zelle, in der Xodar nun allein zur�ckblieb. Drau�en warteten einige andere Wachposten. Bei ihnen befand sich der rote Marsjunge, der die andere Zelle auf Shador bewohnte.</p><p>Die Reise zum Tempel von Issus verlief ebenso wie am Vortag. Die Wachen hielten mich und den roten Jungen voneinander fern, so da� wir keine Gelegenheit hatten, die am Vorabend unterbrochene Unterhaltung fortzusetzen.</p><p>Das Gesicht des Jungen lie� mir keine Ruhe. Wo hatte ich ihn schon einmal gesehen? In jedem seiner Z�ge, seiner Haltung, seiner Art zu sprechen und seiner Gestik lag eine seltsame Vertrautheit. Ich h�tte schw�ren k�nnen, da� ich ihn kannte, und dennoch wu�te ich, da� ich ihn nie zuvor gesehen hatte.</p><p>Als wir in den G�rten von Issus ankamen, f�hrte man uns diesmal nicht in Richtung des Tempels, sondern von ihm fort. Der Weg schl�ngelte sich durch die zauberhaften Parks in Richtung eines riesigen Walls, der einhundert Fu� in die H�he ragte.</p><p>Durch ein massives Portal gelangte man zu einem kleinen Flachland, umgeben von denselben pr�chtigen W�ldern, wie ich sie am Fu�e der goldenen Felsen gesehen hatte.</p><p>Unz�hlige Schwarze waren in derselben Richtung unterwegs, in der uns die Wachposten f�hrten. Bei ihnen befanden sich auch meine alten Freunde: Die Pflanzenmenschen und die gro�en wei�en Affen.</p><p>Die wilden Tiere bewegten sich mit der Menge als seien sie Scho�h�ndchen. Gerieten sie einem Schwarzen vor die F��e, stie� er sie unsanft beiseite oder versetzte ihnen mit dem flachen Teil des Schwertes einen Schlag, und eingesch�chtert krochen die Tiere weit weg.</p><p>Bald erreichten wir unser Ziel. Es war ein gro�es Amphitheater auf der anderen Seite des Feldes, etwa eine halbe Meile von den Gartenmauern entfernt.</p><p>Durch ein massives Rundtor str�mten die Schwarzen zu ihren Pl�tzen, w�hrend unsere Wachposten uns zu einem kleineren Eingang am hinteren Teil des Bauwerkes brachten.</p><p>Wir gelangten zu einer Einhegung unterhalb der Zuschauerreihen, wo man viele andere Gefangene unter Bewachung zusammengepfercht hatte. Einige von ihnen waren in Eisen gelegt, doch die meisten schien bereits die Anwesenheit der Wachen zu sehr einzusch�chtern, als da� sie einen Fluchtversuch unternehmen w�rden.</p><p>Unterwegs hatte ich keine M�glichkeit gefunden, mich mit meinem Leidensgenossen zu unterhalten. Da wir uns nun jedoch sicher hinter Schloss und Riegel befanden, achteten die Wachen weniger auf uns, so da� ich mich dem roten Marsjungen n�hern konnte, von dem ich mich auf so seltsame Weise angezogen f�hlte.</p><p>�Was ist der Zweck dieser Versammlung?� fragte ich ihn. �Sollen wir hier zur Erbauung der Erstgeborenen k�mpfen, oder steht uns etwas Schlimmeres bevor?�</p><p>�Das ist ein Teil der monatlichen Feierlichkeiten von Issus, bei dem die schwarzen M�nner mit dem Blut der Menschen von der Au�enwelt die S�nden von ihrer Seele waschen�, entgegnete er. �Wird zuf�llig ein Schwarzer get�tet, ist das f�r Issus ein Zeichen seiner Treulosigkeit ihr gegen�ber�� diese S�nde ist unverzeihlich. �berlebt er den Wettkampf, dann wird er von der Anklage freigesprochen, wegen der er zur �Strafe der Riten�, wie man das nennt, verurteilt worden ist. Es gibt verschiedene Formen des Kampfes. Einige von uns messen sich in der Gruppe mit einer gleichen oder doppelten Anzahl Schwarzer. Andere stellt man allein wilden Tieren oder einem ber�hmten schwarzen Krieger gegen�ber.�</p><p>�Und falls wir siegen, was kommt dann�� l��t man uns dann frei?� fragte ich.</p><p>Er lachte und entgegnete dann: �Freiheit, f�rwahr. Die einzige Freiheit f�r uns ist der Tod. Keiner, der das Gebiet der Erstgeborenen betritt, wird es jemals wieder verlassen. Erweisen wir uns als gute K�mpfer, erlaubt man uns, oft zu k�mpfen. Wenn nicht�� �. Er zuckte die Schultern. �Fr�her oder sp�ter sterben wir in der Arena.�</p><p>�Und hast du oft K�mpfe ausgetragen?� fragte ich.</p><p>�Sehr oft�, erwiderte er. �Darin besteht meine einzige Freude. Seit fast einem Jahr habe ich bei den Feierlichkeiten von Issus einige Hundert der schwarzen Teufel bezwungen. Meine Mutter w�re �u�erst stolz auf mich, wenn sie w��te, wie sehr ich der k�mpferischen Tradition meines Vaters verbunden bin.�</p><p>�Dein Vater mu� ein sehr bedeutender Krieger gewesen sein!� sagte ich. �Ich habe zu meiner Zeit fast alle K�mpfer auf Barsoom gekannt; zweifellos auch ihn. Wie ist sein Name?�</p><p>�Mein Vater war�� �</p><p>�Kommt, Calots!� rief ein Wachposten mit rauher Stimme. �Auf das Schlachtfeld mit euch!� Unsanft stie� man uns den steil abfallenden Gang hinab zu den R�umen, die hinaus in die Arena f�hrten.</p><p>Wie alle Amphitheater, die ich auf Barsoom gesehen hatte, war auch dieses in einer riesigen Bodensenke errichtet worden. Nur die oberste Sitzreihe befand sich �ber dem Erdboden, sie bildete die flache Eingrenzung des Amphitheaters. Die Arena selbst lag weit unten in der Tiefe.</p><p>Unmittelbar vor der untersten Sitzreihe, auf dem Boden der Arena selbst, standen mehrere K�fige, in die man uns nun trieb. Ungl�cklicherweise wurde ich hier wieder von meinem jungen Freund getrennt.</p><p>Direkt gegen�ber meines K�figs erblickte ich Issus� Thron. Darauf hockte die grausige Kreatur, umgeben von einhundert Sklavenm�dchen in pr�chtigem, mit unz�hligen Juwelen besetztem Staat. Das Podium, auf dem sie um die G�ttin herum ruhten, war dick gepolstert mit Stoffen in vielen leuchtenden Farben und fremdartigen Mustern.</p><p>Zu allen vier Seiten des Throns sowie einige Fu� weiter unten standen schwer bewaffnete Soldaten Schulter an Schulter in drei undurchdringlichen Reihen. Vor ihnen befanden sich die hohen W�rdentr�ger dieses Scheinparadieses�� prunkvolle Schwarze, geschm�ckt mit wertvollen Steinen, auf der Stirn, eingesetzt in goldene Stirnreifen, die Insignien ihres Ranges.</p><p>Zu den L�ngsseiten des Throns, von ganz oben bis hinab zur Arena, wimmelte es von Menschen. Unter ihnen gab es ebenso viele Frauen wie M�nner. Jeder von ihnen trug das wundervoll gearbeitete Lederzeug seines Standes oder Hauses. Jeder Schwarze hatte etwa ein bis drei Sklaven um sich, geraubt aus den Gefilden der Therns und der Au�enwelt. Die Schwarzen sind alle �von adliger Abstammung�, Bauern gibt es unter den Erstgeborenen nicht. Sogar der niedrigste Soldat ist ein Gott und h�lt Sklaven zu seinen Diensten.</p><p>Arbeit ist den Erstgeborenen fremd. Die M�nner k�mpfen�� es gilt als ein heiliges Vorrecht und eine heilige Pflicht, f�r Issus zu k�mpfen und zu sterben. Die Frauen r�hren nicht den kleinsten Finger. Sklaven waschen sie, Sklaven kleiden sie an, Sklaven geben ihnen etwas zu essen. Einige von ihnen haben sogar Sklaven, die f�r sie reden, und ich habe eine Frau gesehen, die w�hrend der Feierlichkeiten mit geschlossenen Augen dasa�, w�hrend ihr ein Sklave jedes Ereignis schilderte, das in der Arena vor sich ging.</p><p>Das erste Ereignis des Tages war der Tribut f�r Issus�. Er kennzeichnete das Ende jener armen Ungl�ckseligen, die das ruhmvolle Traumbild der G�ttin vor einem Jahr erblickt hatten. Es waren ihrer zehn�� pr�chtige Sch�nheiten, die von den stolzen H�fen m�chtiger Jeddaks und aus den Tempeln der Heiligen Therns stammten. Ein ganzes Jahr lang hatten sie im Gefolge von Issus gedient, heute sollten sie den Preis f�r die Gnade, von der G�ttin bevorzugt worden zu sein, mit ihren Leben bezahlen, und morgen w�rden sie die Tafeln der Hofbeamten schm�cken.</p><p>Ein riesiger Schwarzer geleitete die jungen Frauen in die Arena. Sorgf�ltig nahm er jede von ihnen genau in Augenschein, bef�hlte ihre Gliedma�en und stie� sie in die Rippen. Bald w�hlte er eine von ihnen aus und f�hrte sie vor Issus� Thron. Er sprach einige Worte zu der G�ttin, die ich nicht h�ren konnte.</p><p>Issus nickte. Der Schwarze erhob als Zeichen eines Gru�es die H�nde weit �ber den Kopf, packte das M�dchen am Handgelenk und zerrte sie durch einen kleinen Gang unterhalb des Thrones aus der Arena.</p><p>�Issus wird heute abend gut speisen�, sagte ein Gefangener neben mir.</p><p>�Was meinst du damit?� fragte ich.</p><p>�Da� es ihr Abendessen war, das der alte Thabis nun in die K�che bringt. Ist dir nicht aufgefallen, wie genau er sich jede ansah, um die drallste und zarteste aus der Gruppe auszuw�hlen?�</p><p>Brummend sandte ich einige Fl�che in Richtung des Monsters, das uns gegen�ber auf dem pr�chtigen Thron sa�.</p><p>�Reg dich nicht auf�, mahnte mich mein Begleiter. �Du wirst noch Schlimmeres zu Gesicht bekommen, wenn du nur einen Monat unter den Erstgeborenen zubringst.�</p><p>Ich wandte mich rechtzeitig um, um mitanzusehen, wie das Tor eines K�figs in unserer N�he ge�ffnet wurde, aus dem drei monstr�se wei�e Affen in die Arena sprangen. Erschreckt dr�ngten sich die M�dchen aneinander und wichen in die Mitte des Feldes.</p><p>Eine kniete nieder, die Arme flehend in Richtung Issus ausgestreckt, doch die greuliche Gottheit lehnte sich nur weiter nach vorn, um das Kommende genauer verfolgen zu k�nnen. Schlie�lich machten die Affen das Kn�uel der angsterf�llten M�dchen ausfindig, gerieten v�llig au�er sich und st�rmten unter teuflischem Geschrei auf sie zu.</p><p>Eine irrsinnige Wut kam �ber mich. Die gemeine Grausamkeit einer machttrunkenen Kreatur, deren b�ses Hirn sich solche f�rchterlichen Qu�lereien ausdachte, erzeugte in mir unb�ndigen Ha� und r�hrte bis ins Innerste meines m�nnlichen Ehrgef�hls. Der blutrote Nebel, der den Tod meiner Feinde vorhersagte, stieg mir vor die Augen.</p><p>Die Wachposten l�mmelten vor dem unverschlossenen Tor meines K�figs herum. Wozu sollte man diese armen Opfer durch Riegel davon abhalten, in die Arena zu st�rmen, die die G�tter sowieso zu ihrem Hinrichtungsort bestimmt hatten!</p><p>Ein einziger Schlag sandte den Schwarzen bewu�tlos zu Boden. Ich schnappte mir sein langes Schwert und sprang in die Arena. Die Affen waren schon fast bei den M�dchen angelangt, doch dank meiner irdischen Muskeln bedurfte es nur einiger gro�er Spr�nge, und ich befand mich im Zentrum des sandbedeckten Kampfplatzes.</p><p>Einen Augenblick herrschte weit und breit Stille in dem gro�en Amphitheater. Dann erhob sich in den K�figen der Verdammten wildes Geschrei. Mein langes Schwert schwirrte durch die Luft, und der kopflose Rumpf eines gro�en Affen st�rzte ausgestreckt vor den F��en der furchtsamen M�dchen in den Sand.</p><p>Die anderen Affen wandten sich nun mir zu. Als ich ihnen gegen�berstand, lie� sich aus dem Zuschauersaal dumpfes Gebr�ll vernehmen, als Reaktion auf die anfeuernden Schreie aus den K�figen. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie etwa zwanzig Wachposten durch den gl�nzenden Sand auf mich zust�rmten. Dann brach hinter ihnen eine Gestalt aus dem K�fig. Es war der Junge, dessen Pers�nlichkeit mich so gefesselt hatte.</p><p>Er blieb einen Moment mit erhobenem Schwert vor den K�figen stehen.</p><p>�Kommt, M�nner der Au�enwelt!� rief er. �La�t uns unserem Tod einen Sinn geben und an der Seite dieses unbekannten Kriegers diesen Tag des Tributs f�r Issus in eine Orgie der Rache verwandeln, �ber die man noch Jahrhunderte reden wird. Bei jeder Wiederholung der Feierlichkeiten von Issus werden die Schwarzen in Erinnerung daran eine wei�e Haut bekommen. Folgt mir! Die Gestelle vor euren K�figen sind voll von Klingen.�</p><p>Ohne darauf zu warten, wie seine Aufforderung aufgenommen wurde, wandte er sich um und rannte auf mich zu. Aus jedem K�fig, in dem sich rote Menschen befanden, wurden seine Worte mit donnerndem Gebr�ll beantwortet. Die allern�chsten Wachposten gingen unter den heulenden Massen zu Boden, als die Gefangenen, beseelt von Mordgel�sten, ins Freie str�mten.</p><p>Schnell wurden die Waffengestelle der Schwerter entledigt, mit denen die Gefangenen sich, sobald sie an der Reihe waren, vor Beginn des Kampfes bewaffnen h�tten sollen. Eine Schar entschlossener Krieger eilte zu unserer Verst�rkung herbei.</p><p>Die gro�en wei�en Affen, so weit sie mich mit ihren f�nfzehn Fu� auch �berragten, hatten meinem Schwert nicht standgehalten. Die heranst�rmenden Wachposten waren noch ein St�ck von mir entfernt. Gleich hinter ihnen kam der Junge. In meinem R�cken hatte ich die jungen M�dchen, und da ich in ihrem Dienste k�mpfte, blieb ich dort und wartete auf meinen unvermeidlichen Tod, fest entschlossen, trotz allem ein solches Zeugnis von mir abzulegen, da� man sich meiner im Land der Erstgeborenen noch lange entsinnen w�rde.</p><p>Mir fiel auf, mit welcher beeindruckenden Geschwindigkeit der junge rote Mann hinter den Wachposten hereilte. Nie zuvor hatte ich einen Marsmenschen eine Strecke so schnell zur�cklegen sehen. Seine S�tze und Spr�nge waren nur um ein unwesentliches k�rzer als jene, die ich dank meiner irdischen Muskeln zu tun vermochte und die mir damals, als ich zum ersten Mal auf dem Mars ankam, den Ehrfurcht und Respekt der gr�nen Marsmenschen eingebracht hatten, denen ich an dem lang zur�ckliegenden Tag zuerst in die H�nde gefallen war.</p><p>Die Wachposten waren noch nicht bei mir, da �berraschte er sie schon. Als sie sich umwandten, im Glauben, von einem Dutzend angegriffen zu werden, so unb�ndig war sein Ansturm, st�rzte ich mich von meiner Seite auf sie.</p><p>Im Eifer des folgenden Gefechtes hatte ich nur wenig Gelegenheit, mich um etwas anderes als meine unmittelbaren Widersacher zu k�mmern. Hin und wieder jedoch sah ich fl�chtig neben mir ein Schwert durch die Luft pfeifen und eine mit Leichtigkeit umherspringende, sehnige Gestalt, die mein Herz mit seltsamen Regungen und einen m�chtigen, doch unerkl�rlichen Stolz erf�llte.</p><p>Das h�bsche Gesicht des Jungen zeigte ein grimmiges L�cheln. Immer wieder warf er seinen jeweiligen Widersachern eine h�hnische Bemerkung zu. In dieser und auch anderer Hinsicht war seine Art, zu k�mpfen, gleich jener, die im Kampf seit je her f�r mich kennzeichnend gewesen war.</p><p>Vielleicht schlo� ich den Jungen wegen dieser entfernten �hnlichkeit ins Herz. Doch angesichts der f�rchterlichen Verw�stung, die er mit dem Schwert unter den Schwarzen anrichtete, erf�llte mich gr��ter Respekt.</p><p>Ich f�r meinen Teil k�mpfte wie schon tausende Male zuvor��mal wich ich einem teuflischen Sto� aus, ein anderes Mal trat ich schnell vor, um die Spitze meines Schwertes dem Widersacher ins Herz zu sto�en und es das n�chste Mal im Schlund eines seiner Kameraden zu vergraben.</p><p>Als es gerade besonders am�sant war, wurde ein gro�er Trupp aus Issus� Leibgarde in die Arena befohlen. Sie trafen mit w�tendem Geschrei ein, w�hrend die bewaffneten Gefangenen von allen Seiten �ber sie herfielen.</p><p>Eine halbe Stunde lang schien es, als sei die H�lle los. Innerhalb der Arenaw�lle k�mpften wir in einem verschlungenen Kn�uel heulender, fluchender und blutbeschmierter D�monen. Jede Sekunde blinkte das Schwert des jungen roten Marsmenschen neben mir auf.</p><p>Immer wieder forderte ich die Gefangenen auf, sich in einer lockeren Formation um uns zu scharen. Mit der Zeit hatte ich Erfolg, und wir k�mpften beieinander, die zum Untergang verurteilten M�dchen in unserer Mitte.</p><p>Beide Seiten hatten Opfer zu beklagen, doch am meisten waren Issus� Garden in Mitleidenschaft gezogen worden. Ich konnte sehen, wie Boten durch die Zuschauertrib�nen eilten. Sobald sie vorbei waren, sprangen die Edelleute mit gez�ckten Schwertern in die Arena. Offensichtlich beabsichtigten sie uns durch ihre �bermacht zu besiegen.</p><p>Fl�chtig bekam ich Issus zu sehen, die sich von ihrem Thron aus weit nach vorn lehnte. Ihr h��liches Antlitz war vor Wut und Ha� entsetzlich verzerrt, ich glaubte aber, darin auch Angst erkennen zu k�nnen. Es war dieses Gesicht, das mich zu der folgenden Handlung inspirierte.</p><p>Schnell befahl ich f�nfzig der Gefangenen, sich hinter uns zur�ckfallen zu lassen und um die M�dchen einen neuen Kreis zu schlie�en.</p><p>�Bleibt hier und besch�tzt sie, bis ich zur�ckkehre�, lauteten meine Worte.</p><p>Dann wandte ich mich an jene, die den �u�eren Ring bildeten, und schrie: �Nieder mit Issus!� Augenblicklich erhob sich von allen Seiten ein heiserer Schrei: �Zum Thron! Zum Thron!�</p><p>Wie ein Mann bewegte sich unsere un�berwindliche, k�mpfende Schar �ber die Leichen und Verwundeten unserer Widersacher in Richtung des prachtvollen Thrones der Marsgottheit. Zu Hauf st�rmten die tapfersten Krieger der Erstgeborenen aus dem Zuschauerraum herbei, um unseren Vormarsch zu stoppen, doch wir m�hten sie darnieder wie Papiersoldaten.</p><p>�Einige von euch sollen sich zu den Sitzpl�tzen begeben!� schrie ich, als wir uns der Grenzwand zu den Zuschauerreihen n�herten. �Den Thron k�nnen zehn Leute allein einnehmen!� Mir war n�mlich aufgefallen, da� sich Issus� Leibgarde zum gr��ten Teil dem Get�mmel in der Arena widmete.</p><p>Die Gefangenen str�mten nach links und rechts in Richtung der Zuschauerreihen, erklommen die niedrige Wand mit bluttriefenden Schwertern, kampfesl�stern angesichts ihrer Opfer, die zusammengedr�ngt auf sie warteten.</p><p>Im n�chsten Augenblick war das ganze Amphitheater vom Geschrei der Sterbenden und Verwundeten erf�llt, gemischt mit Waffengeklirr und dem Triumphgeschrei der Sieger.</p><p>Seite an Seite neben dem jungen roten Marsmenschen und vielleicht einem Dutzend anderer k�mpften wir uns zum Fu�e des Thrones durch. Die �briggebliebenen Wachposten, denen sich hohe W�rdentr�ger und die Edelleute der Erstgeborenen zugesellt hatten, warfen sich zwischen uns. Issus lehnte sich von ihrer geschnitzten Sorapusbank aus nach vorn, schrie einmal mit kreischend hoher Stimme ihren Leuten Befehle zu und sandte ein andermal sch�ndliche Fl�che in die Richtung jener, die ihre G�ttin zu entweihen versuchten.</p><p>Die vor Angst zitternden Sklaven um sie herum erwarteten mit weit aufgerissenen Augen das Kommende und wu�ten nicht, ob sie f�r unseren Sieg oder unsere Niederlage beten sollten. Einige von ihnen, ohne Zweifel die stolzen T�chter der edelsten Krieger von Barsoom, ergriffen die Schwerter von den Gefallenen und fielen �ber die Garde von Issus her. Jedoch wurden sie schnell �berw�ltigt und starben als ruhmvolle M�rtyrerinnen in einem sinnlosen Kampf.</p><p>Unsere M�nner k�mpften tapfer, doch zu keinem Zeitpunkt, seit ich an jenem langen, hei�en Nachmittag auf dem ausgetrockneten Meeresboden vor Thark neben Tars Tarkas gegen die Horden der Warhoon gek�mpft hatte, sah ich je wieder zwei M�nner mit solcher Unb�ndigkeit f�r ein hehres Ziel k�mpfen wie den jungen roten Marsmenschen und mich an jenem Tag vor dem Thron von Issus, der G�ttin des Todes und Ewigen Lebens.</p><p>Einen nach dem anderen streckten unsere Klingen zwischen uns und der mit Schnitzereien versehenen Bank aus Sorapusholz zu Boden. Sogleich schw�rmten andere herbei, um die L�cke erneut zu f�llen, doch Zoll f�r Zoll, Fu� f�r Fu� kamen wir unserem Ziel n�her.</p><p>Bald wurde aus einem nahegelegenen Teil der Zuschauerreihen ein Ruf laut. �Erhebt euch, Sklaven! Erhebt euch, Sklaven!� Er schwoll an und verebbte wieder, schwoll immer weiter an und schallte schlie�lich in gro�en Wogen durch das ganze Amphitheater.</p><p>Einen Augenblick lang hielten wir inne, als h�tten wir uns abgesprochen, um festzustellen, was dieses neue Element im Kampf bedeutete. Sofort war uns klar, was geschehen war. In allen Teilen des Bauwerkes nahmen die Sklavinnen, was ihnen zuerst in die H�nde geriet, und fielen �ber ihre Herren her. Hier schnappte sich eine h�bsche Sklavin den Dolch aus der Ausr�stung ihrer Herrin, fuhr damit nach oben�� seine einst schimmernde Klinge rot von dem Blut der fr�hreren Besitzerin. Schwerter ragten aus den umherliegenden Leichen, sowie schwerer Schmuck, der als Waffe genutzt worden war�� mit derartigen Ger�tschaften �bten diese h�bschen Frauen nun die langersehnte Vergeltung, die sie allenfalls nur teilweise f�r die unaussprechlichen Grausamkeiten und Erniedrigungen entsch�digen konnte, mit denen ihre schwarzen Herren sie �berh�uft hatten. Und jene, die keine anderen Waffen fanden, k�mpften mit ihren starken Fingern und gl�nzenden Z�hnen.</p><p>Der Anblick bereitete einem gleichzeitig Schauder und Freude. Doch binnen einer Sekunde hatten wir wieder mit uns selbst zu tun, und nur der unaufh�rliche Schlachtruf der Frauen: �Erhebt euch, Sklaven! Erhebt euch, Sklaven!� erinnerte daran, da� sie noch immer k�mpften.</p><p>Nur eine einzige, d�nne Reihe trennte uns nun noch von Issus. Deren Gesicht war blau vor Angst. Schaum bedeckte ihre Lippen. Die Angst schien sie f�rmlich zu l�hmen. Nur der Junge und ich k�mpften noch. Alle anderen waren gefallen, und auch mich h�tte beinah der gemeine Sto� eines langen Schwertes zu Boden gestreckt, wenn nicht eine Hand �ber die Schulter meines Gegners gelangt und ihn am Ellenbogen gepackt h�tte, als die Klinge �ber mir herabging. Sofort sprang der Junge neben mich und rammte meinem Widersacher das Schwert in den Leib, bevor er noch einmal zusto�en konnte.</p><p>Auch dann war ich noch nicht gerettet, da mein Schwert im Brustknochen eines Dators der Erstgeborenen feststeckte. Als der Mann darniedersank, griff ich nach seinem Schwert und blickte �ber den Liegenden direkt in die Augen desjenigen, dessen schnelle Hand mich vor dem ersten Schwertsto� gerettet hatte�� es war Phaidor, die Tochter von Matai Shang.</p><p>�Flieh, mein Prinz!� rief sie. �Es ist sinnlos, l�nger gegen sie zu k�mpfen. Alle in der Arena sind tot. Von jenen, die den Thron angegriffen haben, lebt au�er dir und dem Jungen keiner mehr. Nur bei den Zuschauerreihen sind einige deiner K�mpfer noch am Leben, doch auch sie und die Sklavinnen werden zusehends �berw�ltigt. H�r doch! Der Kampfesruf der Sklavinnen ist kaum noch zu vernehmen, denn fast alle sind tot. Jedem von euch stehen im Lande der Erstgeborenen zehntausend Schwarze gegen�ber. Versucht, ins freie Land und nach Korus durchzubrechen. Mit deinem m�chtigen Schwert k�nnte es dir gelingen, zu den Goldenen Felsen und den Tempelg�rten der Heiligen Therns vorzudringen. Berichte dort deine Geschichte meinem Vater, Matai Shang. Er wird dich sch�tzen. Gemeinsam findet ihr bestimmt einen Weg, mich zu befreien. Flieh, solange es �berhaupt noch m�glich ist!�</p><p>Doch darin bestand nicht mein Auftrag, ferner sah ich nicht, welche Vorteile die grausame Gastfreundschaft der Heiligen Therns gegen�ber jener der Erstgeborenen haben sollte.</p><p>�Nieder mit Issus!� rief ich, und erneut machten der Junge und ich uns an die Arbeit. Zwei Schwarze sanken von unseren Schwertern durchbohrt zu Boden, und wir standen Angesicht zu Angesicht Issus gegen�ber. Als mein Schwert nach oben ging, um ihrer entsetzlichen Laufbahn ein Ende zu bereiten, verlor sie ihre L�hmung. Mit einem durchdringenden Schrei fuhr sie herum und wollte fliehen. Direkt hinter ihr g�hnte mit einemmal ein schwarzes Loch im Boden des Podiums. Sie sprang darauf zu, dicht gefolgt von mir und dem Jungen. Der Schrei alarmierte ihre Wache, die nun aus allen Richtungen auf uns zust�rmte. Ein Schlag traf den Jungen am Kopf. Er stolperte und w�re gest�rzt, wenn ich ihn nicht mit dem linken Arm aufgefangen h�tte. Als ich mich wieder umwandte, sah ich mich einer w�tenden Menge religi�ser Fanatiker gegen�ber, die angesichts des Angriffes auf ihre G�ttin au�er sich geraten waren, just in dem Moment, als Issus in den schwarzen Tiefen unter mir verschwand.</p></section><section><title><p>12. Zum Tode verurteilt</p></title><p>Einen Augenblick blieb ich stehen, bevor sie �ber mich herfielen, doch dann lie� mich ihr Ansturm ein, zwei Schritte zur�ckweichen. Mein Fu� tastete nach dem Boden, trat jedoch ins Leere. Ich befand mich an der �ffnung, in der Issus verschwunden war. Eine Sekunde lang hielt ich die Balance, dann zog es mich mit dem Jungen in den Armen r�ckw�rts in den schwarzen Abgrund.</p><p>Wir landeten auf einer glatten Rinne und schossen nach unten. Die Klappe �ber uns schlo� sich ebenso magisch, wie sie sich ge�ffnet hatte. Unversehrt gelangten wir in einem schwach beleuchteten Gemach tief unter der Arena an.</p><p>Das erste, was ich sah, als ich mich erhob, war die boshafte Miene von Issus, die mich durch die schweren Eisenstangen einer Gittert�r auf der anderen Seite des Raumes anstarrte.</p><p>�Tollk�hner Sterblicher!� kreischte sie. �Du sollst in dieser geheimen Zelle aufs schrecklichste f�r deine Gottesl�sterungen bestraft werden. Hier sollst du allein dein Dasein neben dem verwesenden Leichnam deines Gef�hrten in der Dunkelheit fristen, bis du, durch Einsamkeit und Hunger wahnsinnig, dich von den Maden ern�hrst, die aus dem gekrochen kommen, was einst ein Mensch gewesen ist.�</p><p>Das war alles. Im n�chsten Augenblick war sie verschwunden, und das Halbdunkel des Raumes wich einer pechschwarzen Finsternis.</p><p>�Nette alte Dame�, vernahm ich eine Stimme neben mir. �Wer spricht da?� fragte ich.</p><p>�Ich, dein Gef�hrte, der an diesem Tag die Ehre hatte, Seite an Seite mit dem gr��ten Krieger zu k�mpfen, der mit seinem Metall je auf Barsoom gek�mpft hat.�</p><p>�Gott sei Dank, da� du nicht tot bist. Ich habe wegen dem schrecklichen Schlag, den man dir versetzt hat, schon das Schlimmste bef�rchtet�, entgegnete ich.</p><p>�Er hat mich nur ohnm�chtig gemacht�, erwiderte er. �Es ist lediglich ein Kratzer.�</p><p>�Vielleicht w�re der andere Fall besser gewesen�, sagte ich. �Wir sitzen ganz sch�n in der Klemme und scheinen beste Aussichten zu haben, an Hunger und Durst zugrunde zu gehen.�</p><p>�Wo sind wir?�</p><p>�Unter der Arena�, entgegnete ich. �Wir sind in den Schacht gest�rzt, in den sich Issus rettete, als wir sie schon beinahe hatten.�</p><p>Er lachte leise vor Freude und Erleichterung, tastete dann durch die pechschwarze Finsternis nach meiner Schulter und zog mich zu sich.</p><p>�Besser k�nnte es gar nicht sein�, fl�sterte er mir ins Ohr. �Auch die Geheimnisse von Issus haben Geheimnisse, von denen Issus nicht einmal tr�umt.�</p><p>�Was meinst du?�</p><p>�Vor einem Jahr habe ich mit den anderen Sklaven hier am Ausbau dieser unterirdischen G�nge gearbeitet. Dabei stie�en wir weiter unten auf ein uraltes System von G�ngen und Gem�chern, das seit Jahrhunderten fest verschlossen war. Die Schwarzen, die mit der Angelegenheit betraut worden waren, erforschten sie und nahmen einige von uns f�r eventuell anfallende Arbeiten mit. Ich kenne mich hier aus. �ber Meilen hinweg f�hren G�nge unter den G�rten und sogar dem Tempel selbst entlang. Es gibt einen Weg nach unten, durch den man zu dem unterirdischen Wasserweg in Richtung Omean gelangt. Gelingt es uns, unentdeckt zum U-Boot zu kommen, k�nnten wir zum Meer fliehen, wo es viele Inseln gibt, die die Schwarzen niemals aufsuchen. Dort k�nnten wir eine Zeitlang leben, und wer wei�, vielleicht findet sich dort etwas, das uns auf der Flucht von Nutzen ist?�</p><p>Er hatte in leisem Fl�sterton gesprochen, offenbar aus Furcht, da� man uns sogar hier noch belauschte, und so antwortete ich ebenso leise: �Bring mich zur�ck nach Shador, mein Freund. Xodar, der Schwarze ist noch dort. Wir wollten gemeinsam fliehen�� ich kann ihn nicht im Stich lassen.�</p><p>�Nein, man kann einen Freund nicht im Stich lassen; dann hei�t es schon lieber die Gefangenschaft in Kauf nehmen�, entgegnete der Junge.</p><p>Er begann, den Boden der dunklen Kammer nach der Luke abzutasten, durch die man zu den darunter gelegenen G�ngen gelangte. Schlie�lich rief er mich durch ein leises �S-s-st� zu sich. Ich kroch seiner Stimme hinterher. Er kniete am Rand einer �ffnung.</p><p>�Hier geht es ungef�hr zehn Fu� nach unten. La� dich an den H�nden hinunter, dann landest du unversehrt auf einem glatten, weichen Sandboden.�</p><p>Lautlos lie� ich mich von der finsteren Zelle �ber mir in die Dunkelheit unter mir hinab. Es war so d�ster, da� man die Hand nicht vor Augen sehen konnte. Ich kann mich nicht entsinnen, je zuvor eine solche Finsternis erlebt zu haben wie in den Katakomben von Issus.</p><p>Einen Augenblick hing ich in der Luft. Das merkw�rdige Gef�hl, das man bei einem derartigen Unterfangen bekommt, ist ziemlich schwer zu beschreiben. Wenn sich unter den F��en nur leere Luft befindet und man aufgrund der Dunkelheit den Boden nicht erkennen kann, dann ergreift einen so etwas wie Panik bei dem Gedanken, loszulassen und den Sprung in die unbekannte Tiefe zu wagen.</p><p>Obwohl der Junge mir mitgeteilt hatte, da� es nur zehn Fu� bis nach unten waren, schauderte mir ebenso, als hinge ich �ber einem unendlichen Abgrund. Dann lie� ich los und landete vier Fu� weiter unten auf einem weichen Sandkissen.</p><p>Der Junge folgte mir.</p><p>�Heb mich auf deine Schultern, ich werde die Klappe zur�ckschieben�, sagte er.</p><p>Gesagt�� getan. Nun nahm er meine Hand und ging sehr langsam voran, tastete unsere Umgebung ab und blieb h�ufig stehen, um sich zu vergewissern, da� wir nicht aus Versehen in einen falschen Gang gerieten.</p><p>Schlie�lich schlugen wir einen steil abfallenden Weg ein.</p><p>�Bald wird es heller. In den unteren Schichten gibt es dieselben phosphoreszierenden Gesteinsbrocken wie in Omean�, sagte er.</p><p>Niemals werde ich den Marsch durch die Katakomben von Issus vergessen. Auch wenn er ohne Zwischenf�lle verlief, war er f�r mich abenteuerlich und spannend, ich glaube, gr��tenteils wegen der unbekannten Geschichte dieser lang vergessenen G�nge. Jene Dinge, die ich aufgrund der pechschwarzen Finsternis nicht zu sehen bekam, k�nnen nicht halb so sch�n gewesen sein wie das, was mir meine Phantasie zeigte, in der die einstigen Bewohner dieser sterbenden Welt wieder auferstanden. Viele R�tsel waren mit ihnen verbunden. Vor meinem geistigen Auge sah ich die M�hen, Intrigen und Grausamkeiten, unter denen sie sich auf das letzte Gefecht mit den heranst�rmenden Horden der ausgetrockneten Meere vorbereiteten, von denen sie schlie�lich Schritt f�r Schritt in den entlegensten Teil der Welt zur�ckgetrieben wurden, wo sie sich hinter einer undurchdringlichen Mauer von Aberglauben verschanzten.</p><p>Neben den gr�nen Marsmenschen hatte es auf Barsoom drei gro�e V�lkergruppen gegeben: Schwarze, wei�e und gelbe Menschen. Als der Wasservorrat des Planeten zur Neige ging und die Meere zusehends austrocketen, schwanden auch alle anderen Ressourcen, so da� das Leben auf dem Planeten zu einem st�ndigen Kampf ums �berleben wurde.</p><p>Die verschiedenen Rassen hatten sich �ber Jahrhunderte hinweg bekriegt, und die drei h�herentwickelten V�lker h�tten die gr�nen Wilden der Meere mit Leichtigkeit besiegt, doch nun, da sie aufgrund der zur�ckweichenden Gew�sser dazu gezwungen waren, die mit Festungsw�llen umgebenen St�dte f�r immer zu verlassen und ein mehr oder weniger nomadenartiges Leben zu f�hren, in dessen Verlaufe sie sich in mehrere kleinere Gemeinschaften teilten, fielen sie bald den wilden Horden der gr�nen Marsmenschen zum Opfer. Das Ergebnis war eine teilweise Verschmelzung der schwarzen, wei�en und gelben Menschen, den Vorfahren des edlen Volkes der roten Menschen.</p><p>Ich war immer der Annahme gewesen, da� alle Spuren der urspr�nglichen Rassen von der Marsoberfl�che verschwunden waren, doch hatte ich in den vergangenen vier Tagen sowohl die wei�en als auch die schwarzen Menschen in gro�er Anzahl kennengelernt. Vielleicht lebten dann auch in irgendeinem entlegenen Landstrich des Planeten auch noch Angeh�rige der uralten Rasse der gelben Menschen?</p><p>Meinen Tr�umereien wurde von einem leisen Ausruf des Jungen ein Ende gesetzt.</p><p>�Endlich, der helle Weg�, rief er. Als ich aufblickte, sah ich weit vor uns ein schwaches Strahlen.</p><p>Beim N�herkommen wurde das Licht st�rker, bis wir uns schlie�lich in gut beleuchteten G�ngen wiederfanden. Von da an kamen wir schnell voran und standen pl�tzlich am Ende eines Ganges vor dem Wasserbecken mit dem U-Boot.</p><p>Das Fahrzeug befand sich am Liegeplatz, die Einstiegsluke ge�ffnet. Der Junge legte den Finger an die Lippen, tippte bedeutungsvoll an sein Schwert und kroch lautlos auf das Gef�hrt zu. Ich folgte ihm dicht auf den Fersen.</p><p>Leise kletterten wir auf das menschenleere Deck und krochen auf allen vieren in Richtung der Luke. Ein kurzer Blick nach unten zeigte uns, da� weit und breit kein Wachposten zu sehen war. Schnell und lautlos wie Katzen lie�en wir uns in den Hauptraum des Unterseebootes fallen. Selbst hier befand sich keine Menschenseele. Schnell schlossen und sicherten wir die Luke.</p><p>Der Junge trat in den Steuerraum, dr�ckte auf einen Knopf, und das Boot tauchte senkrecht durch das strudelnde Wasser in Richtung Grund. Auch dann lie�en sich keine eiligen Schritte vernehmen, wie wir es eigentlich erwartet hatten. W�hrend der Junge zur�ckblieb, um das Boot zu steuern, schlich ich auf der Suche nach Mitgliedern der Besatzung von Kabine zu Kabine. Ohne Ergebnis. Das Boot war menschenleer. Ein solches Gl�ck schien fast unglaublich.</p><p>Als ich in den Steuerraum zur�ckkehrte, um meinem Gef�hrten die gute Neuigkeit mitzuteilen, reichte er mir ein Blatt Papier mit den Worten: �Das erkl�rt die Abwesenheit der Mannschaft.�</p><p>Es war eine Funknachricht an den Kapit�n des Unterseebootes:</p><cite><p>�Die Sklaven haben sich gegen uns erhoben. Kommt mit allen M�nnern, die ihr habt und die ihr unterwegs sammeln k�nnt. Es ist zu sp�t, um von Omean Hilfe anzufordern. Sie richten im Amphitheater ein Massaker an. Issus ist in Gefahr! Beeilt euch!�</p><text-author>Zithad�</text-author></cite><p>�Zithad ist Dator der Garden von Issus�, erkl�rte der Junge. �Wir haben ihnen einen t�chtigen Schrecken eingejagt�� den werden sie nicht so schnell vergessen.�</p><p>�Hoffen wir, da� das der Anfang vom Ende von Issus ist�, sagte ich.</p><p>�Das wei� nur unser erster Ahne�, entgegnete er.</p><p>Unbehelligt erreichten wir die Anlegestelle in Omean. Hier erwogen wir, ob es ratsam war, das Gef�hrt nach unserem Verlassen zu versenken. Schlie�lich entschieden wir uns jedoch dagegen, da dies unserem Entkommen auch nicht weiter n�tzen w�rde. Falls man uns sah, w�rden gen�gend Schwarze aus Omean unsere Flucht zu vereiteln suchen, und es spielte dann keine weitere Rolle, wieviel dann noch aus den Tempeln und G�rten von Issus hinzukommen w�rden.</p><p>Wir befanden uns nun in der Verlegenheit, an den Wachposten vorbei zu m�ssen, die die Insel, auf der sich die Anlegestelle befand, �berwachten. Schlie�lich fiel mir etwas ein.</p><p>�Wie sind Name und Titel des diensthabenden Offiziers dieser Wachen?� fragte ich den Jungen.</p><p>�Ein Mann namens Torith hatte Dienst, als wir an diesem Morgen hier eintrafen�, entgegnete er.</p><p>�Gut. Und wie hei�t der Kapit�n des Unterseebootes?� �Yersted.�</p><p>Ich fand eine leere Depesche in der Kaj�te und schrieb darauf folgenden Befehl:</p><cite><p>�Dator Torith: Bring diese beiden Sklaven sofort nach Shador zur�ck!</p><text-author>Yersted�</text-author></cite><p>�Damit wird der R�ckweg einfacher�, sagte ich l�chelnd, als ich dem Jungen den gef�lschten Befehl �berreichte. �Komm, wir werden sehen, wie es funktioniert.�</p><p>�Aber unsere Schwerter!� rief er aus. �Wie sollen wir erkl�ren, da� wir bewaffnet sind?�</p><p>�Da wir das nicht erkl�ren k�nnen, sollten wir sie hinter uns zur�cklassen�, erwiderte ich.</p><p>�Ist es nicht zu vermessen, uns allein und unbewaffnet wieder in die H�nde der Erstgeborenen zu begeben?�</p><p>�Es ist der einzige Weg�, antwortete ich. �Du kannst mir glauben, da� ich einen Weg aus dem Gef�ngnis von Shador finde, und ich denke, wenn wir erst einmal drau�en sind, werden wir uns m�helos wieder bewaffnen k�nnen, in diesem Land, in dem es von bewaffneten M�nnern nur so wimmelt.�</p><p>�Wie du meinst�, entgegnete er mit einem Achselzucken. �Du hast mein vollstes Vertrauen, ich w�rde niemand anderem folgen. Komm, la� uns ausprobieren, ob deine List funktioniert.�</p><p>Die Schwerter hinter uns zur�cklassend, kletterten wir unerschrocken aus der Luke des Bootes und schritten zum Hauptausgang, wo ein Posten stand und wo sich das Gemach des Dators der Wachmannschaft befand.</p><p>Bei unserem Anblick sprangen die Wachposten �berrascht auf und hie�en uns, die Gewehre auf uns gerichtet, stehenbleiben. Ich hielt einem von ihnen die Botschaft entgegen. Er nahm sie, sah, an wen sie gerichtet war, wandte sich um und �berreichte sie Torith, der aus seinem Gemach kam, um nach dem Grund des Tumults zu sehen.</p><p>Der Schwarze las den Befehl und sah uns einen Augenblick in offenkundigem Argwohn an.</p><p>�Wo ist Dator Yersted?� fragte er. Ich bekam einen Heidenschreck und schalt mich innerlich einen Dummkopf, das Unterseeboot nicht versenkt zu haben. Das h�tte die L�ge bekr�ftigt, die ich auf den Lippen hatte.</p><p>�Sein Befehl lautete, sofort wieder zur Anlegestelle des Tempels zur�ckzukehren�, entgegnete ich.</p><p>Torith machte einen halben Schritt in Richtung des Eingangs zur Anlegestelle, als ob er sich von der Wahrheit meiner Geschichte vergewissern wollte. Einen Augenblick lang hing alles am seidenen Faden, denn h�tte er gesehen, da� das leere Unterseeboot noch an seiner Stelle lag, w�re die ganze L�gengeschichte aufgeflogen, die ich ausgeheckt hatte. Offenbar gelangte er jedoch schlie�lich zu der �berzeugung, da� der Befehl echt war. In der Tat bestand wenig Grund zum Zweifel, da er es nie f�r m�glich halten w�rde, da� zwei Sklaven sich freiwillig auf solche Weise in die Gefangenschaft begeben w�rden. Der Plan gelang aufgrund seiner Aberwitzigkeit.</p><p>�Wart ihr an dem Sklavenaufstand beteiligt?� fragte Torith. �Wir haben lediglich k�mmerliche Berichte �ber ein solches Ereignis erhalten.�</p><p>�Alle waren beteiligt�, entgegnete ich. �Doch ist nur wenig herausgekommen. Die Wachen waren in der �bermacht und haben die Mehrheit von uns get�tet.�</p><p>Diese Antwort schien ihn zufriedenzustellen. �Bringt sie auf Shador�, befahl er einem seiner Untergebenen. Wir begaben uns an Deck eines kleinen Bootes bei der Insel und legten nach wenigen Minuten in Richtung Shador ab. Hier geleitete man uns in unsere jeweiligen Zellen zur�ck, mich zu Xodar, und den Jungen in die seine, die T�ren wurden verriegelt und wieder waren wir Gefangene der Erstgeborenen.</p></section><section><title><p>13. Der Aufbruch in die Freiheit</p></title><p>Xodar lauschte mir voll ungl�ubigen Staunens, als ich ihm von den Vorf�llen bei den Feierlichkeiten von Issus in der Arena berichtete. Auch wenn er bereits seine Zweifel hinsichtlich des heiligen Wesens von Issus� ge�u�ert hatte, konnte er es offensichtlich noch immer nicht so richtig fassen, da� man sie mit dem Schwert in der Hand bedrohen konnte, ohne von ihrem alleinigen Gotteszorn in tausend St�cke gerissen zu werden.</p><p>�Das ist der endg�ltige Beweis�, sagte er schlie�lich. �Mehr bedarf es nicht, um in mir den letzten Rest meiner abergl�ubischen Vorstellungen und des Glaubens von der G�ttlichkeit Issus� zu zerst�ren. Sie ist nur eine boshafte, alte Frau, die seit Jahrhunderten ihre starke Macht mi�braucht und in ihrem eigenen Volk sowie bei allen Bewohnern von Barsoom durch ihre Machenschaften einen unsinnigen Glauben n�hrt.�</p><p>�Dennoch ist sie hier noch immer allm�chtig. So sollten wir bei der ersten besten Gelegenheit, die uns geeignet erscheint, die Flucht ergreifen�, entgegnete ich.</p><p>�Ich hoffe, du findest einen geeigneten Moment�, sagte er lachend, �denn ich kann mich nicht an einen einzigen Augenblick in meinem ganzen Leben erinnern, in dem den Erstgeborenen ein Gefangener h�tte entkommen k�nnen.�</p><p>�Heute ist der Zeitpunkt genau so g�nstig wie an jedem anderen Tag�, erwiderte ich.</p><p>�Bald ist Nacht. Wie kann ich dir bei dem Unternehmen behilflich sein?� fragte Xodar.</p><p>�Kannst du schwimmen?� fragte ich.</p><p>�Kein schleimiger Silian aus den Tiefen von Korus f�hlt sich mehr im Wasser zu Hause als Xodar�, antwortete er.</p><p>�Gut. Der rote Mensch kann es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, da es in all ihren Gebieten kaum genug Wasser gibt, um es mit dem winzigsten Boot zu befahren�, sagte ich. �Demzufolge wird ihn einer von uns durchs Meer zu dem Fahrzeug bringen m�ssen, das wir uns ausgesucht haben. Ich hatte gehofft, die gesamte Entfernung unter Wasser hinter uns zu bringen, doch ich f�rchte, mit dem roten Jungen geht das nicht. Sogar die Allermutigsten von ihnen bekommen es bei dem blo�en Gedanken an tiefes Wasser mit der Angst, da es Jahrhunderte her ist, da� einer ihrer Vorfahren einen See, Flu� oder ein Meer zu Gesicht bekommen hat.�</p><p>�Der rote Junge wird uns begleiten?� fragte Xodar. �Ja.�</p><p>�Das ist gut. Drei Schwerter sind besser als zwei. Besonders, wenn der dritte so stark ist wie dieser Geselle. Ich habe ihm viele Male in der Arena bei den Feierlichkeiten von Issus beim Kampf zugeschaut. Bis ich euch k�mpfen sah, hatte ich es nie zuvor erlebt, da� jemand sogar gegen�ber einer gro�en �bermacht siegreich sein kann. Man k�nnte denken, ihr beide seid Meister und Lehrling oder Vater und Sohn. Selbst �u�erlich besteht zwischen euch eine �hnlichkeit. Besonders deutlich tritt diese beim Kampf zutage�� ihr habt dasselbe grausame L�cheln auf den Lippen, in jeder eurer Bewegungen und in eurem Mienenspiel zeigt sich dieselbe unertr�gliche Verachtung f�r euren Widersacher.�</p><p>�Sei es, wie es sei, Xodar, er k�mpft gro�artig. Ich denke, wir werden zu dritt schwer zu besiegen sein, und w�re mein Freund, Tars Tarkas, der Jeddak von Thark, noch bei uns, k�nnten wir uns von einem zum anderen Ende von Barsoom durchk�mpfen, und wenn die ganze Welt gegen uns ist.�</p><p>�Das wird eintreten, sobald sie herausfinden, woher du kommst�, sagte Xodar. �Auch das ist ein Teil des Aberglaubens, den Issus den Menschen mit Erfolg eingeredet hat. Dazu bedient sie sich der Heiligen Therns, die wie die Barsoomier der Au�enwelt von ihrem wahrem Wesen nicht die geringste Ahnung haben. Die Therns erhalten ihre Erl�sse auf einem seltsamen, mit Blut beschriebenen Pergament. Die armen, betrogenen Narren denken dann, da� ihnen von irgendeiner �bernat�rlichen Kraft die Offenbarungen einer Gottheit zugetragen werden, da sie diese Botschaften auf ihren bewachten Altaren vorfinden, zu denen niemand unbemerkt vordringen k�nnte. Ich selbst habe jahrelang diese Nachrichten von Issus hingebracht. Ein langer Tunnel f�hrt vom Tempel von Issus zum Haupttempel von Matai Shang. Er wurde vor Jahrhunderten von den Sklaven der Erstgeborenen unter �u�erster Geheimhaltung gegraben, so da� kein Thern jemals von seiner Existenz erfuhr.</p><p>Die Therns f�r ihren Teil besitzen �berall in der zivilisierten Welt Tempel. Ihre Priester, die kein Mensch je zu Gesicht bekommt, verbreiten die Lehre vom geheimnisvollen Flu� Iss, dem Tal Dor und dem Verlorenen Meer Korus, um die armen, irregeleiteten Gesch�pfe dazu zu bringen, freiwillig die Pilgerfahrt anzutreten, die den Reichtum der Heiligen Therns mehrt und die Anzahl ihrer Sklaven vergr��ert. So besteht die Aufgabe der Therns haupts�chlich darin, die Sch�tze einzusammeln und Arbeitskr�fte zu besorgen, die die Erstgeborenen ihnen dann je nach Bedarf wieder entrei�en. Gelegentlich f�hren die Erstgeborenen selbst �berf�lle auf die Au�enwelt durch. Dabei rauben sie viele Frauen aus den Pal�sten der roten Menschen und nehmen die neuesten Kriegsschiffe sowie die ausgebildeten Mechaniker mit, die diese Schiffe gebaut haben, um das, was sie selbst nicht erfinden k�nnen, zu kopieren. Wir sind ein unproduktives Volk und sind auch noch stolz darauf. Es ist f�r einen Erstgeborenen ein Verbrechen, zu arbeiten oder etwas zu erfinden. Das steht den niederen Kreaturen zu, die lediglich deswegen existieren, damit die Erstgeborenen ein langes Leben von Luxus und M��iggang f�hren k�nnen. Bei uns z�hlt nur das K�mpfen, ohne dies g�be es mehr Erstgeborene, als alle anderen Gesch�pfe auf Barsoom unterst�tzen k�nnten, denn soweit ich wei�, stirbt niemand von uns eines nat�rlichen Todes. Unsere Frauen w�rden ewig leben, wenn wir ihrer nicht mit der Zeit �berdr�ssig w�rden und uns ihrer entledigten, damit sie f�r andere Platz machen. Issus allein ist vor dem Tod gefeit. Sie lebt schon seit unz�hligen Jahrhunderten.�</p><p>�W�rden nicht die anderen Barsoomier ewig leben, wenn es nicht die M�r von der freiwilligen Pilgerfahrt g�be, die sie in ihrem tausendsten Lebensjahr oder schon vorher an den Busen des Flusses Iss zieht?� fragte ich ihn.</p><p>�Daran bestehen meines Erachtens keine Zweifel. Ich denke, sie geh�ren derselben Rasse an wie die Erstgeborenen, und ich hoffe, noch lange genug zu leben, um im Kampf f�r sie jene S�nden wieder gutzumachen, die ich an ihnen als unwissender Anh�nger einer seit Generationen weitergegebenen Irrlehre begangen habe.�</p><p>Als er verstummte, drang ein unheimlicher Schrei �ber das Meer Omean zu uns. Ich hatte ihn schon am vorigen Abend zur selben Zeit geh�rt und wu�te, da� er das Ende des Tages verk�ndete, zu dem die Menschen von Omean ihre Seident�cher an den Decks der Kriegsschiffe und Kreuzer ausbreiteten und in den traumlosen Schlaf vom Mars fielen.</p><p>Unser Wachposten trat ein, um uns ein letztes Mal zu kontrollieren, bevor auf der Welt oben ein neuer Tag anbrach. Schnell war seine Pflicht erf�llt, und die schweren Gef�ngnist�ren schlossen sich wieder hinter ihm�� wir waren allein in der Nacht.</p><p>Ich gab ihm Zeit, zu seinem Quartier zur�ckzukehren, denn das w�rde er nach Xodars Ansicht aller Wahrscheinlichkeit nach tun, sprang zum Fenstergitter hoch und blickte auf das nahegelegene Wasser. Ein St�ck vor der Insel, vielleicht eine Viertelmeile vom Strand entfernt, lag ein riesiges Kriegsschiff. Zwischen ihm und dem Ufer ankerten noch viele kleine Kreuzer und einsitzige Aufkl�rer. Nur auf dem Kriegsschiff befand sich ein Wachposten. Ich konnte ihn deutlich zwischen den Aufbauten des Schiffes erkennen, und als ich ihn beobachtete, sah ich, wie er seine Bett�cher auf dem winzigen Flecken seiner Stellung ausbreitete und sich bald darauf auf seinem Lager ausstreckte. Tats�chlich nahm man es auf Omean mit der Disziplin nicht so genau. Doch dar�ber mu� man sich nicht wundern, denn niemand auf Barsoom wu�te von der Existenz einer solchen Flotte, von den Erstgeborenen oder dem Meer Omean. Warum sollten sie dann eine Wache aufstellen?</p><p>Bald lie� ich mich wieder zu Xodar hinunter und schilderte ihm, welche unterschiedlichen Fahrzeuge ich gesehen hatte.</p><p>�Eines davon ist mein pers�nliches Eigentum. Es kann f�nf Mann tragen und ist eines der schnellsten Flugboote, die es so gibt. K�nnten wir uns an sein Deck begeben, so w�rde man sich unseres Wettrennes um die Freiheit zumindest noch lange entsinnen.� Dann beschrieb er mir die Ausstattung, die Maschinen und alles, dem das Fahrzeug seine Eigenschaften zu verdanken hatte.</p><p>Bei seiner Beschreibung erkannte ich eine Schaltweise, die mich Kantos Kan gelehrt hatte, als wir unter falschem Namen in der Marine und Luftwaffe von Zodanga unter Sab Than, seinem Prinzen, gedient hatten. Mit einemmal war mir klar, da� die Erstgeborenen dieses Schiff aus Helium gestohlen hatten, denn nur deren Fahrzeuge werden auf diese Weise in Gang gesetzt. Ebenso wu�te ich, da� Xodar die Wahrheit sagte, als er die Geschwindigkeit seines kleinen Fliegers pries, denn keines der Flugzeuge, die die d�nnen L�fte vom Mars durchqueren, kann auch nur ann�hernd die Geschwindigkeit der Maschinen von Helium erreichen.</p><p>Wir beschlossen, mindestens eine Stunde zu warten, bis alle Nachz�gler ihre seidenen Nachtlager aufgesucht hatten. In der Zwischenzeit w�rde ich den roten Jungen in unsere Zelle holen, um dann z�gig in die Freiheit aufbrechen zu k�nnen.</p><p>Ich sprang nach oben und zog mich auf die Trennwand. Sie war oben glatt und ungef�hr einen Fu� breit. Darauf lief ich entlang, bis ich die Zelle des Jungen erreichte. Ich sah ihn auf seiner Bank sitzen, er hatte sich zur�ckgelehnt und blickte nach oben in die schimmernde Kuppel �ber Omean. Als er mich auf der Trennwand �ber sich entlangbalancieren sah, ri� er vor Erstaunen die Augen auf. Dann breitete sich ein verstehendes und anerkennendes Grinsen �ber seinem Gesicht aus.</p><p>Als ich mich b�ckte, um zu ihm auf den Boden zu springen, hie� er mich warten, trat an mich heran und fl�sterte: �Reich mir deine Hand, ich komme fast allein auf diese Wand. Ich habe es oft versucht, und jeden Tag springe ich ein bi�chen h�her. Eines Tages sollte es mir gelingen.�</p><p>Ich legte mich auf den Bauch und hielt ihm meine Hand entgegen. Mit einem kleinen Anlauf von der Mitte der Zelle sprang er, so da� ich seine ausgestreckte Hand fassen konnte. Dann zog ich ihn neben mich auf die Wand.</p><p>�Du bist der erste Springer, den ich bei den roten Menschen auf Barsoom kennenlerne�, sagte ich.</p><p>Er l�chelte. �Daran ist nicht Au�ergew�hnliches. Wenn wir mehr Zeit haben, erz�hle ich dir, wie es dazu kommt.�</p><p>Gemeinsam kehrten wir zu Xodars Zelle zur�ck, lie�en uns zu ihm hinab, um uns zu unterhalten, bis die Stunde verstrichen war.</p><p>Dort schmiedeten wir die Pl�ne f�r unsere unmittelbare Zukunft und gelobten uns durch einen feierlichen Eid, im Kampf unsere Leben f�reinander zu geben, welche Feinde uns auch immer gegen�bertraten, denn ich wu�te, da�, auch wenn wir den Erstgeborenen entkommen sollten, wir noch eine ganze Welt gegen uns hatten�� die Macht religi�sen Aberglaubens kennt keine Grenzen.</p><p>Es wurde beschlossen, da� ich das Fahrzeug steuern w�rde, wenn wir erst einmal an Bord waren, und da� wir, sollte es uns gelingen, in die Au�enwelt zu gelangen, ohne Halt bis Helium weiterfliegen w�rden.</p><p>�Warum Helium?� fragte der rote Junge.</p><p>�Ich bin ein Prinz von Helium�, entgegnete ich.</p><p>Er blickte mich eigent�mlich an, sagte jedoch nichts weiter dazu. Damals fragte ich mich, was sein Gesichtsausdruck zu bedeuten hatte, doch angesichts dringenderer Dinge verga� ich es bald und hatte auch sp�ter keine Gelegenheit dazu, dar�ber nachzudenken.</p><p>�Kommt�, sagte ich schlie�lich. �Jetzt ist der g�nstigste Zeitpunkt gekommen.�</p><p>Im n�chsten Augenblick hockten der Junge und ich auf der Trennwand. Ich schnallte mein Lederzeug auf und kn�pfte daraus einen langen Riemen, den ich dem wartenden Xodar hinunterlie�. Er packte das Ende und sa� bald neben uns.</p><p>�Wie einfach�, lachte er.</p><p>�Der Rest sollte sogar noch einfacher sein�, erwiderte ich. Als n�chstes zog ich mich an der Au�enwand des Gef�ngnisses hoch, um einen Blick nach drau�en zu werfen und festzustellen, wo sich der Wachposten im Moment gerade aufhielt. Nach etwa f�nf Minuten kam er in Sicht, wie er in schneckenartigem Tempo seine Runde um das Bauwerk zog.</p><p>Ich wartete, bis er hinter dem Geb�ude abgebogen war und die Stelle nicht mehr sehen konnte, an der wir den Ausbruch wagen wollten. Kaum war seine Gestalt verschwunden, griff ich Xodar und zog ihn zu mir auf die Mauer hoch. Dann lie� ich ihn mit Hilfe des Ledergurtes schnell auf die andere Seite hinab. Dann packte der Junge den Gurt und gesellte sich zu Xodar.</p><p>Entsprechend unserer �bereinkunft warteten sie nicht auf mich, sondern begaben sich langsam in Richtung des Wassers, ein Weg von etwa einhundert Yard, der an dem Wachgeb�ude voll mit schlafenden Soldaten vorbeif�hrte.</p><p>Sie hatten kaum zw�lf Schritte getan, als auch ich mich zum Boden hinablie� und ihnen im gem�chlichen Tempo folgte. Als ich an dem Wachhaus vorbeikam, dachte ich an all die scharfen Klingen, die sich darin befanden, und blieb stehen, denn wenn jemals M�nner Schwerter brauchten, waren es meine Gef�hrten und ich bei diesem gefahrvollen Unternehmen, das wir in Angriff genommen hatten.</p><p>Ich blickte zu Xodar und dem Jungen und sah, da� sie �ber den Rand des Kais geschl�pft waren. Wie abgemacht, sollten sie im Wasser auf mich warten und sich an den Metallringen festhalten, mit denen das betonartige Material in H�he des Wasserspiegels beschlagen war, so da� sich nur ihre Gesichter �ber Wasser befanden.</p><p>Die Versuchung mit den Schwertern im Wachhaus war stark, und ich z�gerte einen Augenblick, halb geneigt, es zu riskieren und die wenigen Waffen, die wir ben�tigten, mitzunehmen. In dieser Hinsicht best�tigte sich das Wort, da� ein Zweifler unbest�ndig ist auf allen seinen Wegen, denn im n�chsten Augenblick kroch ich vorsichtig auf die T�r des Wachhauses zu.</p><p>Sanft schob ich sie einen Spaltbreit auf und sah ein Dutzend Schwarze, die in tiefem Schlummer auf ihren Seident�chern ausgestreckt dalagen. Auf der anderen Seite des Raumes befand sich ein Waffenregal mit den Schwertern und Feuerwaffen der M�nner. Behutsam stie� ich die T�r weit genug auf, um mich durchzulassen. Eine T�rangel gab ein ver�rgertes St�hnen von sich. Einer der M�nner regte sich, und mein Herz setzte einen Moment aus. Ich verfluchte mich f�r meine Dummheit, auf diese Weise unsere Flucht zu gef�hrden, doch nun mu�te ich den einmal betretenen Weg zuende gehen.</p><p>Mit der Schnelligkeit und Lautlosigkeit eines Tigers setzte ich zu dem Soldaten, der sich bewegt hatte. Meine H�nde schwebten �ber ihm, bereit, ihm an die Kehle zu fahren, sobald er die Augen aufschlug. Das Warten kam meinen angespannten Nerven wie eine Ewigkeit vor. Schlie�lich drehte sich der Mann auf die Seite und nahm die gleichm��igen Atemz�ge eines tief Schlafenden wieder auf.</p><p>Vorsichtig tastete ich mich zwischen den Soldaten entlang und �ber sie hinweg, bis ich am Waffenregal auf der anderen Seite angekommen war. Hier wandte ich mich um und warf einen Blick auf die Schl�fer. Niemand regte sich. Ihr regelm��iger Atem hob und senkte sich in einem beruhigendem Rhythmus. Es war meinen Ohren die s��este Musik, die ich jemals vernommen hatte.</p><p>Behutsam nahm ich eines der langen Schwerter aus dem Regal. Mit einem Ger�usch, als wenn man Gu�eisen mit einer gro�en Raspel bearbeitet, stie� die Scheide gegen die Halterung, als ich die Hand zur�ckzog. Schon sah ich alle Wachposten aufspringen und mich angreifen. Doch nichts geschah.</p><p>Mit dem zweiten Schwert hatte ich mehr Gl�ck, doch das dritte klirrte mit schrecklichem Get�se in der Scheide. Ich wu�te, da� es mindestens einige der M�nner aufwecken w�rde, und wollte schon ihrem Angriff durch einen schnellen Sprung zur T�r zuvorkommen, als sich zu meinem �u�ersten Erstaunen wieder keiner der Schwarzen bewegte. Entweder sie waren begnadet tiefe Schl�fer, oder der von mir verursachte L�rm war in Wirklichkeit viel leiser, als er mir vorgekommen war.</p><p>Ich wollte gerade das Regal verlassen, als mein Blick auf die Revolver fiel. Mir war klar, da� ich nicht mehr als einen mitnehmen konnte, da ich bereits zu schwer beladen war, um mich lautlos und schnell bewegen zu k�nnen. Als ich einen von ihnen aus seiner Halterung holte, sah ich zum ersten Mal, da� sich neben dem Regal ein offenes Fenster befand. Es bot einen ausgezeichneten Fluchtweg, denn es blickte direkt auf das Dock, und das Wasser war keine zwanzig Fu� von mir entfernt.</p><p>Als ich mir bereits gratulierte, �ffnete sich die T�r mir gegen�ber, und in ihr stand der Offizier der Wache und blickte mir geradewegs in die Augen. Offensichtlich erfa�te er die Lage mit einem Blick und sch�tzte auch ihre Ernsthaftigkeit ebenso schnell ein wie ich, denn unsere Revolver fuhren gleichzeitig nach oben, und es gab nur einen Knall, als wir gleichzeitig am Abzug dr�ckten und die Geschosse explodierten.</p><p>Ich sp�rte den Luftzug, als die Kugel an meinem Ohr vorbeipfiff, und sah meinen Gegner zu Boden gehen. Wo ich ihn getroffen hatte, oder ob ich ihn gar t�tete, wei� ich nicht, denn kaum begann er zu taumeln, hechtete ich durch das Fenster hinter mir. In der n�chsten Sekunde schlossen sich die Wogen von Omean �ber meinem Kopf, und wir drei strebten auf den kleinen Flieger einhundert Yards vor uns zu.</p><p>Xodar trug den Jungen und ich die drei langen Schwerter. Den Revolver hatte ich fallengelassen, und obwohl wir beide gute Schwimmer waren, schien mir, als k�men wir kaum voran. Ich schwamm unter Wasser, doch Xodar mu�te oft nach oben, um den Jungen Luft holen zu lassen. Es war ein Wunder, da� wir nicht eher entdeckt wurden, als es schlie�lich der Fall war.</p><p>Tats�chlich sah uns die Wache des Kriegsschiffes, durch die Sch�sse alarmiert, erst als wir uns bereits an Bord befanden. Dann gab man vom Gewehr am Bug des Schiffes Warnsch�sse ab, deren tiefes Dr�hnen mit ohrenbet�ubender Lautst�rke im felsigen Himmelsgew�lbe von Omean widerhallte.</p><p>Augenblicklich waren Tausende auf den Beinen. Auf den Decks unz�hliger riesiger Fahrzeuge wimmelte es von Kriegern, denn ein Alarm war auf Omean eine nicht allt�gliche Angelegenheit.</p><p>Wir machten bereits Fahrt, als der Widerhall der ersten Sch�sse verklungen war, und stiegen in der n�chsten Sekunde schnell vom Meer auf. Ich lag in voller L�nge auf Deck, die Schalthebel und Steuerkn�pfe vor mir. Xodar und der Junge hatten sich b�uchlings hinter mir ausgestreckt, um der Luft so wenig Widerstand wie m�glich zu bieten.</p><p>�Geh weit nach oben�, fl�sterte Xodar. �Sie trauen sich nicht, ihre schweren Gesch�tze in Richtung der Kuppel abzufeuern, da ihre eigenen Schiffe sonst von den herabfallenden Bruchst�cken getroffen werden. Vor Gewehrfeuer sch�tzen uns dann unsere Kielplatten, wenn wir hoch genug sind.�</p><p>Ich tat wie mir gehei�en. Unter uns konnte ich sehen, wie sich die M�nner zu Hunderten in das Wasser warfen, um sich an Deck der kleinen Kreuzer und einsitzigen Fahrzeuge zu begeben, die um die gro�en Schiffe herum vert�ut waren. Die gr��eren Fahrzeuge machten schon Fahrt, sie folgten uns schnell, ohne jedoch von der Wasseroberfl�che aufzusteigen.</p><p>�Ein St�ck zu deiner Rechten�, rief Xodar. Auf Omean gibt es keine Kompa�einteilung, denn es kann nur nach Norden gehen.</p><p>Unter uns war ein ohrenbet�ubendes H�llenspektakel ausgebrochen. Gewehrsch�sse ert�nten, Offiziere erteilten schreiend Befehle, M�nner im Wasser und auf den Decks der unz�hligen Boote br�llten einander Anweisungen zu, w�hrend all das vom Schwirren unz�hliger Propeller durchdrungen wurde, die Luft und Wasser aufwirbelten.</p><p>Ich hatte nicht gewagt, den Hebel f�r die Geschwindigkeit weiter nach oben zu stellen, in der Bef�rchtung, die M�ndung des Schachtes zu verpassen, der Omean mit der Au�enwelt verband. Doch nichtsdestoweniger hatten wir ein Tempo eingeschlagen, von dem ich zweifle, da� es auf der windstillen See schon einmal erreicht worden ist.</p><p>Die kleineren Flieger begannen sich in unsere Richtung zu erheben, als Xodar rief: �Der Schacht! Der Schacht! Direkt vor uns!� Ich erblickte die schwarze �ffnung, die sich mit einemmal in der schimmernden Kuppel dieser Unterwelt auftat.</p><p>Ein Kreuzer mit zehn Mann Besatzung erhob sich direkt vor uns, um unsere Flucht zu verhindern. Nur dieses einzige Gef�hrt stand uns im Weg, doch bei seiner Geschwindigkeit h�tte es sich ohne Schwierigkeiten rechtzeitig zwischen uns und den Schacht begeben und unsere Pl�ne durchkreuzen k�nnen.</p><p>Im Winkel von f�nfundvierzig Grad stieg es vor uns auf, mit der offenkundigen Absicht, uns mit Enterhaken von oben abzuk�mmen, w�hrend es langsam �ber unserem Deck hinwegflog.</p><p>Wir hatten nur eine winzige Chance, und auf diese setzte ich. Es hatte keinen Zweck, zu versuchen, �ber dem Schiff hinwegzugehen, denn das h�tte es ihnen erm�glicht, uns gegen das felsige Gew�lbe zu dr�ngen, und diesem waren wir schon nahe genug. Beim Versuch, unter ihnen hinwegzutauchen, w�ren wir ihnen vollkommen ausgeliefert gewesen, und genau dorthin wollten sie uns haben. Von allen Seiten schwirrten Hunderte von Fliegern auf uns zu. Die Alternative barg lauter Risiken in sich�� eigentlich stellte sie selbst ein einziges Risiko dar, doch bot sie auch eine geringe Chance auf Erfolg.</p><p>Als wir dem Kreuzer n�herkamen, tat ich, als wolle ich �ber ihm hinweggehen, damit er, in der Absicht, mich weiter nach oben zu dr�ngen, einen steileren Winkel einschlug. Es gelang. Als wir den Kreuzer fast vor uns hatten, schrie ich meinen Begleitern zu, sich festzuhalten, schlug H�chstgeschwindigkeit ein, richtete die Nase wieder nach unten, bis wir uns erneut in der Horizontalen befanden und in halsbrecherischem Tempo auf den Kiel des Kreuzers zusteuerten.</p><p>Dem Kapit�n wird mein Vorhaben in diesem Moment klargeworden sein, doch es war zu sp�t. Kurz vor dem Aufprall zog ich die Nase nach oben, und mit einem splitternden Ruck kam es zur Kollision. Was ich gehofft hatte, trat nun ein. Der Kreuzer, der bereits einen gef�hrlichen Winkel eingenommen hatte, wurde durch den Aufprall meines kleineren Fahrzeuges r�ckw�rts um die eigene Achse geschleudert. Zappelnd und schreiend st�rzten die Mannschaftsmitglieder ins tiefe Wasser, w�hrend der Kreuzer, dessen Propeller noch immer wie irrsinnig kreiselten, ihnen kopf�ber binnen k�rzester Zeit auf den Meeresgrund von Omean folgte.</p><p>Durch den Zusammenprall zerbrach unser st�hlerner Bug, und trotz all unserer Bem�hungen fegte es uns beinahe vom Deck. Schlie�lich landeten wir als wild um sich greifender Haufen am Heck unseres Fliegers, wo es Xodar und mir gelang, an der Reling Halt zu finden. Der Junge w�re jedoch �ber Bord gegangen, h�tte ich ihn nicht gl�cklicherweise im letzten Moment am Fu�gelenk zu fassen bekommen.</p><p>Ungesteuert tanzte unser Schiff wild umher und kam den Felsen �ber uns immer n�her. Jedoch befand ich mich nach einer Schrecksekunde, als die Felsen keine f�nfzig Fu� mehr von uns entfernt waren, wieder an den Steuerhebeln, richtete die Nase des Schiffes ein weiteres Mal in die Horizontale und steuerte erneut in Richtung der schwarzen M�ndung des Schachtes.</p><p>Durch den Zusammensto� hatte sich unser Vorsprung verkleinert, und Hunderte der schnellen Aufkl�rer waren uns schon sehr nahe gekommen. Xodar hatte mir gesagt, da�, wenn wir uns w�hrend des Aufstiegs nur die Auftriebsstrahlen einsetzen w�rden, unsere Feinde die gr��ten Chancen hatten uns einzuholen, da unsere Propeller dann stillstanden und unsere Verfolger eine h�here Geschwindigkeit als wir zu erreichen vermochten. Die schnelleren Flieger werden selten mit gro�en Speichern f�r Auftriebsstrahlen ausger�stet, weil deren zus�tzliches Gewicht die Geschwindigkeit beeintr�chtigt.</p><p>Viele Boote befanden sich in unserer N�he, so war es fast sicher, da� wir bald eingeholt und kurz darauf gefangen genommen oder get�tet wurden.</p><p>F�r mich gibt es immer einen Weg, um auf die andere Seite einer Barriere zu gelangen. Kommt man nicht dar�ber, darunter hindurch oder daran vorbei, besteht nur eine M�glichkeit: Man mu� mitten hindurch. Ich konnte mich der Tatsache nicht entziehen, da� viele der Boote wegen ihres gr��eren Auftriebes schneller aufzusteigen vermochten als wir. Nichtsdestoweniger war ich jedoch entschlossen, die Au�enwelt weit vor ihnen zu erreichen oder bei dem Versuch auf eine von mir gew�hlte Art zugrundezugehen.</p><p>�Zur�ck!� rief Xodar hinter mir. �Um der Liebe unseres ersten Ahnen willen, zur�ck. Wir sind am Schacht!�</p><p>�Festhalten!� rief ich als Antwort. �Greif dir den Jungen, und haltet euch fest�� wir gehen schnurstracks den Schacht nach oben.�</p><p>Die Worte waren kaum ausgesprochen, als wir unter die pechschwarze �ffnung fegten. Ich richtete die Nase des Fahrzeugs scharf nach oben, stellte die Geschwindigkeit auf die h�chste Stufe, hielt mich mit der einen Hand an einer Deckst�tze fest, griff mit der anderen ans Steuerrad, klammerte mich verbissen daran und schrieb meine Seele bereits ihrem Sch�pfer zu.</p><p>Ich vernahm einen kurzen und �berraschten Ausruf von Xodar, daraufhin grimmiges Gel�chter. Auch der Junge lachte und machte eine Bemerkung, jedoch drang sie nicht bis zu mir, da man bei dem irrsinnigen Tempo sein eigenes Wort nicht verstehen konnte.</p><p>In der Hoffnung, Sterne zu erblicken, nach denen ich unseren Kurs bestimmen und das Fahrzeug, das uns in rasendem Tempo mitten durch den Schacht trug, ausrichten konnte, sah ich �ber mich. Streiften wir bei dieser Geschwindigkeit eine Seite, so h�tte das zweifellos unseren sofortigen Tod zur Folge. Doch kein Stern zeigte sich�� vor uns herrschte eine undurchdringliche Finsternis.</p><p>Dann schaute ich unter mich und sah einen zusehends kleiner werdenden Lichtkreis: Der Eingang zu dem durch phosphoreszierende Strahlen erhellten Gew�lbe �ber Omean.</p><p>Daran orientierte ich mich, versuchte, das Lichtp�nktchen direkt unter mir zu halten. Bestenfalls war es nur ein d�nner Faden, der uns vor dem Untergang bewahrte, und ich glaube, in dieser Nacht mehr durch Intuition und blindes Vertrauen geleitet worden zu sein als durch K�nnen und Verstand.</p><p>Der Aufstieg im Schacht war von kurzer Dauer. Wahrscheinlich rettete uns gerade das enorme Tempo, und offensichtlich hatten wir die richtige Richtung eingeschlagen, denn wir waren so schnell wieder drau�en, da� wir keine Zeit mehr fanden, den Kurs zu �ndern. Omean liegt vielleicht zwei Meilen unter der Marsoberfl�che. Wir mu�ten uns mit einer Geschwindigkeit von ungef�hr zweihundert Meilen in der Stunde bewegt haben�� Marsflugzeuge sind schnell�� so da� wir allerh�chstens nicht l�nger als vierzig Sekunden im Schacht zugebracht haben mu�ten.</p><p>Erst einige Sekunden nach Verlassen des Schachtes wurde mir bewu�t, das Unm�gliche vollbracht zu haben. Um uns herum herrschte pechschwarze Finsternis. Weder Mond noch Sterne waren zu sehen. Nie zuvor hatte ich so etwas auf dem Mars erlebt, und einen Augenblick lang war ich verwirrt. Dann fiel mir es mir wie Schuppen von den Augen. Am S�dpol herrschte Sommer. Die Eisdecke schmolz, und Wolken, jene Wettererscheinungen, die in den meisten Gebieten vom Mars unbekannt sind, verdeckten in diesem Teil des Planeten das Himmelslicht.</p><p>Das war in der Tat Gl�ck f�r uns, und ich verstand schnell, welche Vorteile wir Fl�chtlinge daraus ziehen konnten. Ich hielt die Nase des Flugzeuges im steilen Winkel nach oben und raste auf den undurchdringlichen Vorhang zu, in den die Natur diese sterbende Welt geh�llt hatte, um uns vor unseren feindlichen Verfolgern zu verbergen.</p><p>Ohne die Geschwindigkeit zu verringern, drangen wir in den kalten, feuchten Nebel ein und tauchten einen Augenblick sp�ter in das herrliche Licht der beiden Monde und einer Million Sterne. Ich brachte das Flugzeug in die Horizontale und schlug die Nordrichtung ein. Unsere Feinde waren eine gute halbe Stunde hinter uns, ohne eine Ahnung von unserem Verbleib zu haben. Wir hatten das Wunder vollbracht und waren unversehrt tausend Gefahren entronnen�� wir waren aus dem Land der Erstgeborenen geflohen. Keinem anderen Gefangenen war dies in all den Jahrhunderten von Barsoom gelungen, und nun, wenn ich daran zur�ckdachte, schien es �berhaupt nicht so schwierig gewesen zu sein.</p><p>�ber die Schulter hinweg tat ich meine Ansicht Xodar kund.</p><p>�Es ist ein Wunder, und dennoch h�tte es kein anderer als John Carter vollbringen k�nnen�, entgegnete er.</p><p>Als der Junge diese Worte vernahm, sprang er auf und rief: �John Carter! John Carter! Wie denn, Mann, John Carter, der Prinz von Helium, ist seit Jahren tot. Ich bin sein Sohn.�</p></section><section><title><p>14. Die Augen im Dunkeln</p></title><p>Mein Sohn! Ich glaubte, nicht richtig geh�rt zu haben. Langsam erhob ich mich und trat auf den h�bschen Jungen zu. Jetzt, da ich ihn mir genauer anschaute, wurde mir klar, warum mich sein Gesicht und seine Pers�nlichkeit so sehr fasziniert hatten. In den regelm��igen Gesichtsz�gen lag viel von der unbeschreiblichen Sch�nheit seiner Mutter, doch war es eine ausgesprochen m�nnliche Sch�nheit, und sowohl die grauen Augen als auch ihren Ausdruck hatte er von mir.</p><p>Der Junge stand vor mir, gleichzeitig Hoffnung und Zweifel in seinem Blick.</p><p>�Erz�hl mir von deiner Mutter�, sagte ich. �Erz�hl mir alles, was in den Jahren geschehen ist, in denen mich ein erbarmungsloses Schicksal ihrer teuren Gesellschaft beraubt hat.�</p><p>Mit einem Freudenschrei sprang er auf mich zu und fiel mir um den Hals. Einen kurzen Moment, als ich meinen Jungen in den Armen hielt, stiegen Tr�nen in meine Augen, und ich h�tte wie ein sentimentaler Narr losgeschluchzt�� doch dar�ber empfinde ich weder Bedauern noch Scham. Ein langes Leben hat mich gelehrt, da� ein Mann, wenn es Frauen und Kinder betrifft, Schw�che zeigen und dennoch auf den ernsteren Pfaden des Lebens alles andere als ein Schw�chling sein kann.</p><p>�Deine Haltung, dein Auftreten, die Unb�ndigkeit, mit der du das Schwert handhabst, sind so, wie sie mir meine Mutter tausendemale beschrieben hat�� doch trotz solcher Beweise erschien mir die Wahrheit unglaublich, so sehr ich es mir auch gew�nscht habe. Wei�t du, welche Sache mich mehr �berzeugt hat als alles andere?�</p><p>�Was denn, mein Junge?� fragte ich.</p><p>�Deine ersten Worte�� sie betrafen meine Mutter. Niemand anders als jener Mann, der sie so liebte, wie es nach ihren Worten mein Vater tat, h�tte zuallererst an sie gedacht.�</p><p>�In all den vielen Jahren kann ich mich kaum eines Augenblickes entsinnen, an dem ich ihr strahlendes, sch�nes Antlitz nicht vor Augen hatte. Erz�hle mir von ihr.�</p><p>�Jene, die sie schon l�nger kennen, sagen, da� sie sich nicht ge�ndert hat, sondern lediglich noch sch�ner geworden ist��wenn das noch geht. Nur, wenn sie sich allein w�hnt, wird ihr Gesicht sehr traurig und, oh, so sehns�chtig. Sie denkt immer an dich, meinen Vater, und ganz Helium trauert mit ihr und um sie. Das Volk ihres Gro�vaters liebt sie. Auch dich liebte es, und es betet dein Andenken als Retter von Barsoom f�rmlich an. Jedes Jahr, wenn sich der Tag j�hrt, an dem du �ber eine beinahe sterbende Welt gest�rmt bist, um mit Hilfe des Geheimnisses, das du herausgefunden hattest, das schreckliche Portal zu �ffnen, hinter dem sich seit unz�hligen Millionen von Jahren die riesige Lebensmaschine befindet, wird um deiner Ehre willen ein gro�es Fest abgehalten. Doch in die Danksagung mischen sich auch Tr�nen�� Tr�nen aufrichtiger Trauer, da jener, dem wir das Gl�ck zu verdanken haben, nicht unter uns weilt, um die Lebensfreude mit uns zu teilen. Auf ganz Barsoom gibt es keinen angeseheneren Namen als John Carter.�</p><p>�Und welchen Namen hat dir deine Mutter gegeben, mein Junge?� fragte ich.</p><p>�Das Volk von Helium bat darum, mich nach meinem Vater zu benennen, doch meine Mutter wollte das nicht, da sie mit ihm bereits einen Namen f�r mich ausgesucht hatte, und da dein Wunsch vor allen anderen respektiert werden mu�te. So nannte sie mich, wie du dir es w�nschtest, in einer Kombination von ihrem und deinem Namen�� Carthoris.�</p><p>Xodar hatte w�hrend unserer Unterhaltung das Steuer �bernommen und rief mich nun zu sich.</p><p>�Unseren Bug zieht es ziemlich stark nach unten, John Carter�, sagte er. �Solange wir uns steil nach oben bewegten, machte sich das nicht bemerkbar. Doch jetzt, da ich die Maschine in der Waagerechten zu halten versuche, ist es anders. Durch den Zusammenprall hat einer der vorderen Speicher der Auftriebsstrahlen am Bug Leck geschlagen.�</p><p>Er hatte recht. Als ich den Schaden genauer untersuchte, fand ich ihn viel ernster als erwartet. Der steile Winkel, in dem wir den Bug zu halten gezwungen waren, um vorw�rtszukommen, behinderte jedoch nicht nur unser Vorankommen aufs �u�erste. Bei der Schnelligkeit, in der wir aus den vorderen Speichern Auftriebsstrahlen verloren, war es nur eine Frage von wenigen Stunden, bis wir kieloben hilflos vor uns dahintreiben w�rden.</p><p>Wir hatten unsere Geschwindigkeit leicht verringert, sobald wir uns einigerma�en in Sicherheit gew�hnt hatten. Nun jedoch griff ich erneut ans Ruder und ging aufs Ganze, so da� wir wieder in einem schrecklichen Tempo gen Norden rasten. In der Zwischenzeit werkelten Carthoris und Xodar an dem gro�en Ri� im Bug herum, im sinnlosen Versuch, dem Ausstr�men der Strahlen Einhalt zu gebieten.</p><p>Es war noch dunkel, als wir die Nordgrenze der Eisdecke und des Wolkengebietes �berflogen. Unter uns er�ffnete sich eine typische Marslandschaft: Der h�glige, ockerfarbene Grund eines l�ngst ausgetrockneten Meeres, umgeben von flachen Anh�hen; hier und da die d�steren, stillen und ausgestorbenen St�dte der Vergangenheit; hoch aufragende und m�chtige Bauwerke, in denen allein die jahrhundertealten Erinnerungen an ein einst machtvolles Volk und die gro�en wei�en Affen von Barsoom noch am Leben waren.</p><p>Es wurde zusehends schwieriger, das kleine Gef�hrt waagerecht zu halten. Der Bug sank immer weiter nach unten, bis es sich als notwendig erwies, die Maschine zu stoppen, um unserer Reise nicht mit einem Sturzflug zu Boden ein Ende zu setzen.</p><p>Als die Sonne aufging, und das Licht des neuen Tages die n�chtliche Finsternis vertrieb, tat unser Fahrzeug einen letzten, vereinzelten H�pfer, legte sich halb auf die Seite und zog mit erschreckend geneigtem Deck einen gro�en Kreis, wobei sich der Bug mit jeder Sekunde weiter gen Boden neigte.</p><p>Wir klammerten uns an Gel�nder und Deckst�tze. Als wir das Ende kommen sahen, hakten wir uns schlie�lich mit Hilfe der Schnallen unserer Lederausr�stungen an den Ringen der Flanken fest. Im n�chsten Moment stellte sich das Deck quer, wir hingen in unserem Ledergeschirr, und unsere F��e baumelten tausend Yard �ber dem Boden.</p><p>Ich befand mich ziemlich nahe an den Steuerger�ten, so griff ich nach dem Hebel, der die Auftriebsstrahlen reguliert. Das Boot gehorchte der Ber�hrung, und sehr sanft begannen wir, in Richtung Boden zu sinken.</p><p>Nach einer reichlichen halben Stunde setzten wir auf. N�rdlich von uns erhob sich ein ziemlich hoher Gebirgszug. Wir beschlossen, uns dorthin zu begeben, da sich dort mehr M�glichkeiten des Versteckens vor Verfolgern boten, die es unserer �berzeugung nach durchaus hierher verschlagen konnte.</p><p>Eine Stunde sp�ter befanden wir uns in den ausgeh�hlten Schluchten zwischen den Bergen, umgeben von den wundersch�nen Bl�tengew�chsen, die in den unfruchtbaren �dl�ndern auf Barsoom beheimatet sind. Wir stie�en auf unz�hlige milchgebende B�sche�� jene seltsame Pflanze, die den wilden Horden der gr�nen Menschen reichhaltig Speis und Trank spendet. Es war tats�chlich ein Segen f�r uns, denn wir waren schon am Verhungern.</p><p>Unter einem dieser B�sche, der ein perfektes Versteck vor umherstreifenden Luftaufkl�rern darstellte, legten wir uns zum Schlafen nieder�� f�r mich das erste Mal seit Stunden. Mein f�nfter Tag auf Barsoom war angebrochen, seit ich von meiner H�tte am Flu� Hudson nach Dor versetzt worden war, dem Tal voller Sch�nheit und voller Schrecken. Seitdem hatte ich nur zweimal geschlafen, auch wenn, in der Lagerhalle der Therns, dabei gar einmal rund um die Uhr.</p><p>Es war heller Nachmittag, als ich dadurch geweckt wurde, da� jemand meine Hand ergriff und sie mit K�ssen bedeckte. Ich schreckte hoch, schlug die Augen auf und blickte in das wundersch�ne Gesicht Thuvias.</p><p>�Mein Prinz, mein Prinz!� rief sie vor Gl�ck v�llig au�er sich. �Du bist�s, dessen Tod ich schon beweint habe. Meine Ahnen waren gut zu mir, ich habe nicht umsonst gelebt.�</p><p>Die Stimme des M�dchens weckte auch Xodar und Carthoris. Der Junge blickte die Frau �berrascht an, doch sie schien die anderen �berhaupt nicht zu bemerken. Sie h�tte mich umarmt und mit Liebkosungen �berh�uft, h�tte ich mich nicht sanft, doch entschieden von ihr gel�st.</p><p>�Komm, komm Thuvia�, sagte ich beschwichtigend. �Die Gefahren und Schwierigkeiten, die du durchgemacht hast, haben dich zerm�rbt. Du vergi�t dich, und du vergi�t auch, da� ich der Ehemann der Prinzessin von Helium bin.�</p><p>�Ich vergesse nichts, mein Prinz�, erwiderte sie. �Du hast kein Wort der Liebe zu mir gesagt, auch erwarte ich nicht, da� du es jemals tun wirst. Ich m�chte nicht die Stelle von Dejah Thoris einnehmen. Mein sehnlichster Wunsch ist, dir f�r immer als Sklavin zu dienen. Um eine gr��ere Gnade kann ich nicht bitten, eine gr��ere Ehre k�nnte mir nicht zuteil werden, und auf mehr Gl�ck wage ich nicht zu hoffen.�</p><p>Wie schon an fr�herer Stelle gesagt, bin ich kein Frauenheld, und ich mu� zugeben, da� ich mich selten so unwohl in meiner Haut gef�hlt und in einer solchen Verlegenheit befunden habe wie in diesem Moment. Obwohl ich den Brauch auf dem Mars kannte, der es einem Mann erlaubte, Sklavinnen zu haben, da seine hohe und ritterliche W�rde einer jeden Frau seines Hauses ausreichend Schutz bot, hatte ich mir als Bedienstete bisher nur M�nner ausgew�hlt.</p><p>�Wenn ich je nach Helium zur�ckkehre, Thuvia, sollst du mich begleiten, doch als mir Gleichgestellte und nicht als Sklavin. Du wirst dort viele h�bsche, junge Edelleute kennenlernen, die Issus pers�nlich entgegentreten w�rden, um eines L�chelns von dir willen, und wir werden dich binnen k�rzester Zeit mit einem von ihnen verheiratet sehen. Vergi� deine kindliche, auf Dankbarkeit beruhende Zuneigung, die du in deiner Unschuld f�r Liebe h�ltst. Ich m�chte lieber deine Freundschaft, Thuvia.�</p><p>�Du bist mein Herr, es soll so sein, wie du sagst�, entgegnete sie, doch war auch Traurigkeit in ihrer Stimme.</p><p>�Wie kommst du hierher, Thuvia? Und wo ist Tars Tarkas?� frage ich.</p><p>�Ich f�rchte, der gro�e Thark ist tot�, erwiderte sie traurig. �Er war ein gro�er K�mpfer, doch eine �bermacht gr�ner Krieger von einem anderen Stamm �berw�ltigte ihn. Als letztes sah ich, wie sie ihn verwundet und blutend in das Zentrum der verlassenen Stadt schleppten, von wo sie zum Angriff auf uns losgezogen sind.�</p><p>�Und du bist dir demzufolge nicht sicher, ob er tot ist?� fragte ich. �Wo liegt die Stadt, von der du sprichst?�</p><p>�Sie liegt direkt hinter diesem Gebirgszug. Aufgrund unserer geringen Navigationskenntnisse konnten wir mit dem Flugzeug, in dem du so edelm�tig um unser Entkommen willen deinen Platz opfertest, nicht viel ausrichten. Ungef�hr zwei Tage lang trieben wir ziellos umher. Dann beschlossen wir, das Fahrzeug zu verlassen und uns zu Fu� auf den Weg zur n�chsten Wasserstra�e zu machen. Gestern �berquerten wir diese Berge und erreichten die dahinterliegende Stadt. Wir bewegten uns gerade durch ihre Stra�en auf den Zentralplatz zu, als wir an einer Kreuzung einen Trupp gr�ner Krieger auf uns zukommen sahen. Sie erblickten Tars Tarkas, der voranging, doch nicht mich. Der Thark sprang zur�ck neben mich und schob mich in einen nahen Eingang, wo ich mich nach seinen Worten verstecken sollte, bis sich eine Fluchtgelegenheit ergab, um mich dann, wenn m�glich, nach Helium zu begeben.�</p><p>�Es wird f�r mich kein Entkommen geben, denn dies sind die Warhoon vom S�den. Wenn sie mein Metall sehen, ist das mein Tod�, sagte er. Dann trat er ihnen entgegen. Ach, mein Prinz, es war ein solcher Kampf! Eine ganze Stunde warfen sie sich auf ihn, bis die toten Warhoon haufenweise dalagen, wo er gestanden hatte. Doch schlie�lich �berw�ltigten sie ihn, indem die hinten Stehenden die vordersten auf ihn zuschoben, bis er das Schwert nicht mehr zu schwingen vermochte. Dann stolperte er und ging zu Boden, und sie fegten �ber ihn hinweg wie eine Woge. Als sie ihn Richtung Stadtzentrum fortschleppten, war er tot, glaube ich, denn er bewegte sich nicht.</p><p>�Bevor wir weitergehen, m�ssen wir das genau wissen�, sagte ich. �Ich kann Tars Tarkas nicht lebend unter den Warhoon zur�cklassen. Heute abend werde ich mich in die Stadt begeben und mich davon �berzeugen.�</p><p>�Und ich komme mit�, sagte Carthoris. �Ich auch�, sagte Xodar.</p><p>�Keiner von euch wird das tun. Das ist eine Angelegenheit, die ein stilles und �berlegtes Hervorgehen erfordert und keine Kraft. Einem Mann allein kann es gelingen, w�hrend mehrere ein Unheil anrichten k�nnen. Ich mache mich allein auf den Weg. Wenn ich eure Hilfe brauche, komme ich zur�ck.�</p><p>Ihnen gefiel das nicht, doch beide waren gute Soldaten, und es war abgemacht, da� ich befehlen sollte. Die Sonne stand bereits niedrig, so hatte ich nicht lange zu warten, bis uns die j�h einbrechende Dunkelheit von Barsoom einh�llte.</p><p>Nachdem ich Xodar und Carthoris einige letzte Anweisungen erteilt hatte, f�r den Fall, da� ich nicht zur�ckkehrte, verabschiedete ich mich von ihnen und machte mich im schnellen Laufschritt in Richtung der Stadt auf den Weg.</p><p>Als ich die Berge verlie�, wanderte der erste Marsmond unaufhaltsam �ber dem Himmel dahin und verwandelte mit seinen hellen Strahlen die unverdorbene Pracht der alten Metropole in glei�endes Silber. Man hatte die Stadt auf sanften H�geln erbaut, deren Anh�hen in der fernen Vergangenheit am Meer geendet hatten. Aus diesem Grunde hatte ich keinerlei Schwierigkeiten, unbemerkt die Stra�en zu betreten.</p><p>Die gr�nen Horden, die in diesen verlassenen St�dten halt machen, besetzen selten mehr als einige wenige Viertel in der unmittelbaren Umgebung des Zentralplatzes. Da sie immer �ber die ausgetrockneten Meeresb�den kommen und gehen, ist es eine vergleichsweise ungef�hrliche Angelegenheit, den Fu� von der H�gelseite aus in die Stadt zu setzen.</p><p>Unterwegs hielt ich mich im dunklen Schatten der Geb�ude. Bei Kreuzungen blieb ich einen Augenblick stehen, um mich zu vergewissern, da� niemand in Sicht war, bevor ich dann schnell in den Schatten auf der gegen�berliegenden Seite sprang. So gelangte ich unbemerkt in die N�he des Zentralplatzes. Als ich in die bewohnten Gegenden gelangte, teilte mir das Schreien und Brummen der Thoats und Zitidars, die in den hohen Innenh�fen der Viertel eingepfercht waren, mit, da� es zu den Kriegerunterk�nften nicht mehr weit war.</p><p>Als ich diese altbekannten Ger�usche vernahm, die so typisch f�r den Alltag der gr�nen Marsmenschen sind, durchfuhr mich ein freudiger Schauer. So k�nnte man sich f�hlen, wenn man nach langer Abwesenheit wieder nach Hause zur�ckkehrt. Inmitten solcher Laute hatte ich in den jahrhundertealten Marmorhallen der toten Stadt Korad um die unvergleichliche Dejah Thoris geworben.</p><p>Als ich im Schatten der abgewandten Ecke des ersten von den Horden bewohnten Viertels stand, sah ich aus mehreren Geb�uden Krieger str�men. Alle begaben sich in dieselbe Richtung, zu einem gro�en Geb�ude, das sich direkt auf dem Platz befand. Da ich die Br�uche der gr�nen Marsmenschen kannte, wu�te ich, da� dies entweder die Unterkunft des Anf�hrers war oder das Audienzzimmer, wo der Jeddak seine Jeds und niederen Befehlshaber empfing. In jedem Falle war offensichtlich etwas im Gange, das mit der k�rzlichen Gefangennahme von Tars Tarkas im Zusammenhang stehen konnte.</p><p>Um zu diesem Geb�ude zu gelangen�� und ich sp�rte die Notwendigkeit dazu sehr deutlich�� mu�te ich an einem ganzen Viertel vorbei, �ber eine breite Promenade sowie einen Teil des Platzes hinweg. Den Tierger�uschen nach, die aus den Innenh�fen zu mir drangen, hielten sich viele Leute in den Geb�uden in meiner N�he auf�� offenbar gar einige Gemeinschaften der s�dlichen Horden der Warhoon.</p><p>Allein an all diesen unbemerkt vorbeizugelangen, war eine schwierige Angelegenheit. Doch wollte ich den gro�en Thark finden und befreien, hatte ich sogar noch schrecklichere Hindernisse zu �berwinden, bevor mir der Erfolg sicher sein konnte. Ich war von S�den her in die Stadt gekommen und stand nun vor der Kreuzung, an der sich die Stra�e, auf der ich gekommen war, und die letzte Promenade vor dem Platz trafen. Die nach S�den blickenden Geb�ude dieses Viertels schienen unbewohnt, da ich kein Licht sehen konnte, und so beschlo� ich, durch eines davon den Innenhof zu betreten.</p><p>Nichts gebot meinem Vorw�rtskommen durch das verlassene Bauwerk Einhalt, welches ich gew�hlt hatte, und unbemerkt erreichte ich den Innenhof in der N�he des Ostfl�gels. Im Hof selbst streifte rastlos eine gro�e Herde von Thoats und Zitidars umher, stutzte das ockerfarbene Moosgew�chs, das es fast in allen unbebauten Gegenden auf dem Mars gibt. Der Wind kam von Nordwesten, so da� nur geringe Gefahr bestand, da� mich die wilden Tiere witterten. In diesem Fall w�re ihr Geschrei und Brummen derartig angeschwollen, da� es die Krieger in den Geb�uden auf die Beine gebracht h�tte.</p><p>Ich kroch unter den hervorstehenden Balkons des ersten Stockwerkes an der Ostwand entlang, hielt mich fortw�hrend im tiefen Schatten, bis ich am anderen Ende des Hofes angekommen war und hinter den H�usern an der Nordseite stand. Die untersten drei Stockwerke waren beleuchtet, doch dar�ber war alles dunkel.</p><p>Es war v�llig ausgeschlossen, mich durch die beleuchteten R�ume zu begeben, da es darin zweifellos von gr�nen M�nnern und Frauen wimmelte. Der einzig m�gliche Weg f�hrte durch die oberen Geschosse, und um in diese zu gelangen, mu�te ich die Wand erklimmen. Es war nicht weiter schwierig, den Balkon im ersten Stockwerk zu erreichen�� ein Satz, und ich hing an seinem Steingel�nder. Im n�chsten Augenblick zog ich mich auf den Balkon.</p><p>Hier sah ich durch die ge�ffneten Fenster, da� sich die gr�nen Menschen auf ihren Seident�chern und Fellen ausgestreckt hatten, gelegentlich einen einsilbigen Grunzer aussto�end, der in Verbindung mit ihren erstaunlichen telepathischen F�higkeiten ihren kommunikativen Bed�rfnissen vollkommen Gen�ge tut. Als ich ein St�ck n�hertrat, um ihren Worten zu lauschen, kam ein Krieger aus dem dahinterliegenden Saal in den Raum.</p><p>�Komm, Tan Gama�, rief er. �Wir sollen den Thark zu Kab Kadja f�hren. Bring noch jemanden mit.�</p><p>Der Angesprochene erhob sich, nickte einem Mann zu, der in seiner N�he hockte, und zu dritt wandten sie sich um und verlie�en den Raum.</p><p>Wenn ich ihnen nun folgte, dann mu�te sich doch eine Gelegenheit finden, Tars Tarkas sofort zu befreien. Zumindest aber w�rde ich wissen, wo sich sein Gef�ngnis befand.</p><p>Zu meiner Rechten erblickte ich eine T�r. Dahinter lag ein unbeleuchteter Saal, und einer augenblicklichen Regung folgend trat ich ein. Der Saal war breit und f�hrte direkt zur Vorderseite des Geb�udes. Zu beiden Seiten der Halle befanden sich die Eing�nge in die verschiedenen R�ume.</p><p>Ich hatte meinen Fu� kaum hineingesetzt, als ich am anderen Ende die Krieger erblickte��jene, die ich soeben den Nebenraum hatte verlassen sehen. Sie verschwanden rechts hinter einer Wegbiegung. Schnell eilte ich ihnen durch den Saal hinterher. Ich bem�hte mich nicht, meine Schritte zu d�mpfen, da ich sp�rte, da� das Schicksal mir hold gewesen war, mir eine solche Gelegenheit zu bieten, und diese konnte ich mir jetzt nicht entgehen lassen.</p><p>Am anderen Saalende angekommen, stie� ich auf eine Wendeltreppe, die die Stockwerke miteinander verband. Offenbar hatten die drei die Halle �ber diese Treppe verlassen. Ich war mir aufgrund meiner Kenntnisse von diesen uralten Bauwerken sowie meiner Vertrautheit mit den Methoden der Warhoon sicher, da� sie sich nach unten und nicht nach oben begeben hatten.</p><p>Einst war ich selbst ein Gefangener der grausamen n�rdlichen Horden der Warhoon gewesen, und noch immer sind die Erinnerungen an den unterirdischen Kerker, in dem man mich gefangen hielt, in mir lebendig. Meiner �berzeugung nach befand sich Tars Tarkas in den dunklen Kellergew�lben eines Geb�udes in unserer N�he, und in dieser Richtung w�rde ich eine Spur der drei Krieger wiederfinden, die mich zu seiner Zelle f�hrte.</p><p>Ich irrte mich nicht. Am Treppenabsatz, oder besser gesagt, ein Stockwerk weiter unten, sah ich, da� der Treppenschacht in die Kellergew�lbe f�hrte. Als ich hinabblickte, zeigte mir ein flackernder Fackelschein, wo sich die drei befanden, denen ich auf den Fersen war.</p><p>Sie begaben sich direkt in die Kellergew�lbe unter dem Geb�ude. In sicherer Entfernung folgte ich dem flackernden Lichtschein. Es ging durch ein Labyrinth von sich windenden, unbeleuchten G�ngen, so da� nur der unsichere Lichtschein der Fackel blieb, die sie bei sich trugen. Wir hatten vielleicht einhundert Yards hinter uns gebracht, als die Gruppe mit einemmal in einen Eingang zu ihrer Rechten trat. Ich st�rmte hinterher, so schnell es in der Dunkelheit ging, bis ich dort angelangt war, wo sie abgebogen waren. Durch eine ge�ffnete T�r beobachtete ich, wie sie die Ketten l�sten, die den gro�en Thark, Tars Tarkas, an der Wand festhielten.</p><p>Unsanft stie�en sie ihn zwischen sich und verlie�en die Zelle sofort wieder, eigentlich so schnell, da� ich beinahe entdeckt worden w�re.</p><p>Doch gelang es mir, den Gang einfach weiter hinunterzulaufen, so da� ich mich au�erhalb des tr�ben Lichtkegels der Fackel befand, als sie aus der Zelle traten.</p><p>Ich hatte logischerweise angenommen, da� sie mit Tars Tarkas auf demselben Weg zur�ckkehren w�rden, den sie gekommen waren. Zu meinem Verdru� jedoch bogen sie in meine Richtung, und mir blieb nichts anderes �brig, ihnen weit genug vorauszueilen, um nicht vom Schein ihrer Fackel eingeholt zu werden. Auch wagte ich nicht, mich in einem der zahlreichen abgehenden, dunklen G�nge zu verbergen, da ich nicht wu�te, wo sie hinwollten. Ich f�rchtete, mich dabei just in jenen Gang zu begeben, in den sie im n�chsten Augenblick einbogen.</p><p>Beim Durchqueren dieser dunklen G�nge konnte man sich keineswegs sicher f�hlen. Ich wu�te nicht, ob ich in meiner Hast nicht im n�chsten Augenblick kopf�ber in irgendeine schreckliche Grube st�rzte oder gar einer der gespenstischen Kreaturen in die Arme lief, die in der Unterwelt der verlassenen St�dte des sterbenden Mars zu Hause waren. Nur der schwache Lichtschein von der Fackel der M�nner hinter mir drang zu mir�� gerade genug, um zu sehen, wohin der Weg f�hrte, und zu verhindern, da� ich gegen eine Wand lief, sobald er abknickte.</p><p>Bald kam ich zu einer Kreuzung, von der f�nf Wege ausgingen. Ich hatte in einem von ihnen schon ein St�ck hinter mich gebracht, als pl�tzlich der Lichtschein der Fackel verschwand. Ich blieb stehen und horchte in Richtung der kleinen Gruppe hinter mir, doch es herrschte Totenstille.</p><p>Schnell wurde mir klar, da� die Krieger mit dem Gefangenen einen der anderen Wege eingeschlagen hatten, und mit betr�chtlicher Erleichterung eilte ich zur�ck, um die viel sichere und w�nschenswertere Stellung hinter ihnen einzunehmen. Die R�ckweg verlief dennoch viel langsamer, denn es war so finster, da� man die Hand vor den Augen nicht mehr sehen konnte.</p><p>Es erwies sich als notwendig, mit der Hand die Wand und mit dem Fu� den Boden vor sich abzutasten, um nicht die Stelle zu verpassen, von der f�nf Wege abgegangen waren. Nach einer anscheinenden Ewigkeit langte ich endlich an meinem Ziel an. Ich erkannte es, als ich mich an den einzelnen Zug�ngen entlangtastete und f�nf davon z�hlte. Dennoch war in keinem von ihnen auch nur der geringste Lichtschimmer auszumachen.</p><p>Ich lauschte aufmerksam, doch die gr�nen Menschen gingen barfu�, und ihre lautlosen Schritte erzeugten in den Gew�lben keinen Widerhall, an dem man sich orientieren h�tte k�nnen. Doch bald glaubte ich, weit vor mir im mittleren Gang das Klirren der Waffen zu vernehmen. Ich st�rzte auf der Suche nach dem Lichtschein hinterher und blieb gelegentlich stehen, um festzustellen, ob sich das Ger�usch wiederholte. Aber schnell mu�te ich mir eingestehen, da� ich einem Irrtum erlegen war, da meine Bem�hungen nur durch Dunkelheit und Stille belohnt wurden.</p><p>Erneut ging ich zur der Wegkreuzung zur�ck, als ich mich zu meiner �berraschung an einem Platz wiederfand, von dem drei Wege abgingen. Durch einen jeden von diesen mochte ich in meiner durch den falschen Hinweis verarschten Hast gekommen sein. Das war eine sch�ne Bescherung! Wieder an der Stelle mit den f�nf Abzweigungen angelangt, h�tte ich begr�ndet darauf hoffen k�nnen, da� die Krieger mit Tars Tarkas zur�ckkehrten.</p><p>Meine Kenntnisse ihrer Br�uchen sagten mir, da� man ihn wahrscheinlich nur zum Audienzzimmer geleitete, um dort das Urteil �ber ihn zu f�llen. Ich zweifelte nicht im geringsten daran, da� sie sich einen solch tapferen Krieger, wie es der gro�e Thark war, aufheben w�rden, da er eine seltene Attraktion bei den Gro�en Spielen darstellte.</p><p>Doch solange ich mich nicht dorthin zur�ckfand, bestanden ausgezeichnete Chancen, da� ich tagelang durch die f�rchterliche Finsternis irrte, bis mich schlie�lich Hunger und Durst besiegten, und ich zum Sterben darniedersank, oder�� was war das?</p><p>Ein leises Schlurfen war hinter mir zu h�ren, und als ich einen kurzen Blick hinter mich warf, gefror mir das Blut in den Adern. Nicht aus Angst vor einer gegenw�rtigen Gefahr, sondern mehr wegen der furchteinfl��enden Erinnerungen an damals, als ich neben dem Leichnam des Mannes, den ich in den Kerkern der Warhoon get�tet hatte, fast den Verstand verlor. Funkelnde Augen hatten mich aus der Dunkelheit angestarrt und das Ding, das einst ein Mann gewesen war, von mir fortgeschleppt. Ich hatte geh�rt, wie sie ihn �ber den Gef�ngnisboden zu ihrem schrecklichen Festmahl schleiften.</p><p>Und nun blickte ich in diesen schwarzen Gew�lben der anderen Warhoon in dieselben feurigen Augen, die in der schrecklichen Finsternis loderten, ohne da� man dahinter irgendeine Tiergestalt erkennen konnte. Ich denke, die schlimmsten Eigenschaften dieser furchteinfl��enden Kreaturen bestehen in ihrer Lautlosigkeit und der Tatsache, da� man sie nie zu Gesicht bekommt. Man sieht nur diese unheilvollen Augen, die einen, ohne zu blinzeln, aus dem dunklen Nichts anstarren.</p><p>Ich packte mein langes Schwert fester, wich r�ckw�rts den Korridor entlang vor dem Wesen zur�ck, das mich beobachtete. Doch mit jedem Schritt, den ich tat, bewegten sich auch die Augen lautlos auf mich zu. Nicht einmal ein Atmen war zu h�ren, nur gelegentlich das schlurfende Ger�usch, auf das ich als erstes aufmerksam geworden war, das sich so anh�rte, als zerre man einen toten Ast auf dem Boden entlang.</p><p>Ich ging immer weiter zur�ck, doch konnte ich meinem unheilvollem Verfolger nicht entkommen. Pl�tzlich vernahm ich das Schlurfen zu meiner Rechten, wandte den Kopf und erblickte ein weiteres Augenpaar, das sich mir offensichtlich von einem abzweigenden Gang aus n�herte. Als ich wieder meinen langsamen R�ckzug aufnahm, lie� sich das Ger�usch hinter mir vernehmen, und bevor ich mich umwenden konnte, h�rte ich es ein weiteres Mal, diesmal zu meiner Linken.</p><p>Die Kreaturen waren �berall. Sie hatten mich an der Kreuzung zweier G�nge eingekreist. Der R�ckzug war mir in alle Richtungen versperrt, solange ich nicht eines der Biester angriff. In diesem Fall, daran zweifelte ich nicht im geringsten, w�rden mich die anderen dann von hinten anspringen. Ich hatte nicht einmal die geringste Ahnung von der Gr��e oder der Gestalt der unheimlichen Kreaturen. Sie waren von stattlichen Ausma�en, das schlo� ich aus der Tatsache, da� sich ihre Augen mit den meinen in einer H�he befanden.</p><p>Warum erscheinen uns in der Finsternis alle Gefahren gr��er? Tags�ber h�tte ich selbst das gro�e Banth angegriffen, w�re es n�tig gewesen, doch von der in diesen stillen Kellergew�lben vorherrschenden Dunkelheit eingesch�chtert, zuckte ich selbst vor einem Augenpaar zur�ck.</p><p>Bald sah ich, da� mir die Angelegenheit in K�rze entgleiten w�rde, denn die Augen zu meiner Rechten kamen langsam n�her, ebenso die zu meiner Linken, jene hinter und vor mir. Schrittweise schlossen sie sich um mich�� doch noch immer herrschte die schreckliche Stille.</p><p>Die Zeit schleppte sich dahin wie Stunden, und fortw�hrend kamen mir die Augen n�her. Ich f�hlte, wie mich der Schrecken langsam in den Wahnsinn trieb. Um einem pl�tzlichen Angriff von hinten zuvorzukommen, hatte ich mich st�ndig gedreht und war nun ziemlich zerm�rbt. Schlie�lich hielt ich es nicht l�nger aus, griff mit neuer Kraft an mein langes Schwert, wandte mich blitzschnell um und sprang auf einen meiner Peiniger zu.</p><p>Ich war schon fast bei ihm, als er vor mir zur�ckwich. Ein Ger�usch hinter mir hie� mich rechtzeitig herumfahren, um mich drei Augenpaaren gegen�berzusehen, die auf mich zukamen. Mit einem Wutschrei trat ich den drei feigen Kreaturen entgegen, doch ihrem Gef�hrten gleich wichen auch sie vor mir zur�ck. Ein erneuter Blick �ber die Schulter zeigte mir, da� sich mir die zuerst ersp�hten Augen wieder n�herten. Wieder griff ich an, nur um sie vor mir zur�ckweichen zu sehen und zu sp�ren, wie sich die anderen drei von hinten an mich heranpirschten.</p><p>So fuhren wir fort, wobei die Augen letztendlich immer n�her als zuvor an mich herankamen, bis ich dachte, bei dieser schrecklichen, nervenaufreibenden Tortur den Verstand zu verlieren. Es war offensichtlich, da� sie darauf lauerten, mir auf den R�cken zu springen, und ebenso sicher w�rde das nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn ich hielt der Marter des st�ndigen Angriffs und Gegenangriffs nicht unendliche Zeit stand. Schon f�hlte ich, wie ich durch die andauernde geistige und physische Anspannung zusehends schw�cher wurde.</p><p>Pl�tzlich sah ich aus dem Augenwinkel ein einzelnes Augenpaar von hinten auf mich zukommen. Als ich mich umwandte und dem Angriff stellen wollte, st�rzten sich die drei Kreaturen von der anderen Seite auf mich. Ich beschlo� jedoch, das einzelne Augenpaar zu verfolgen, bis ich schlie�lich einem der Biester den Garaus gemacht und nur noch einen Angriff von einer Seite zu gew�rtigen hatte.</p><p>Im Gang herrschte Totenstille, ich h�rte nur meinen eigenen Atem, doch wu�te ich, da� die drei unheimlichen Kreaturen fast bei mir waren. Die Augen vor mir wichen jetzt langsamer zur�ck, ich war bereits auf Schwertl�nge auf sie herangekommen. Ich erhob den Arm, um den befreienden Schlag auszuf�hren, und sp�rte im selben Moment einen schweren K�rper auf meinem R�cken. Ein kaltes, feuchtes, schleimiges Etwas klammerte sich an mein Genick. Ich geriet ins Stolpern und ging zu Boden.</p></section><section><title><p>15. Flucht und Verfolgung</p></title><p>Ich mu�te ohnm�chtig gewesen sein, wenn auch nur einige Sekunden, denn als n�chstes wurde ich mir bewu�t, da� es um mich herum zusehends heller wurde und die Augen verschwunden waren.</p><p>Ich war unversehrt, mit Ausnahme einer kleinen Schramme auf der Stirn, die ich mir beim Sturz auf den Steinfu�boden zugezogen hatte.</p><p>Sofort sprang ich auf, um die Herkunft des Lichtes festzustellen. Es stammte von einer Fackel in der Hand von einem von vier gr�nen M�nnern, die schnellen Schrittes den Gang hinunter auf mich zukamen. Sie hatten mich noch nicht gesehen, und so verlor ich keine Zeit und schl�pfte in den ersten Gang, der in meiner N�he abzweigte. Diesmal jedoch entfernte ich mich nicht weiter vom Hauptkorridor, da ich auf diese Weise schon Tars Tarkas und seine Wachposten verloren hatte.</p><p>Die M�nner kamen bald an die Kreuzung, in deren N�he ich mich an die Wand pre�te. Als sie vorbei waren, atmete ich erleichtert auf. Sie hatten mich nicht bemerkt, und das Beste von allem war, da� es eben jene Krieger waren, denen ich in die Kellergew�lbe gefolgt war. Es waren Tars Tarkas und seine drei Bewacher.</p><p>Ich schlo� mich der Gruppe an, und kurz darauf gelangten wir zu der Zelle, in der der gro�e Thark zuvor angekettet gewesen war. Zwei der Wachposten blieben drau�en stehen, w�hrend der Mann mit den Schl�sseln den Thark hineinbrachte, um ihn erneut in Ketten zu legen. Die beiden anderen begannen langsam den Gang in Richtung der Wendeltreppe entlangzuschlendern, die zu den Obergeschossen f�hrte, und im n�chsten Augenblick waren sie hinter einer Wegbiegung verschwunden.</p><p>Die Fackel steckte in einer Halterung neben der T�r, so da� sie sowohl den Gang als auch die Zelle erhellte. Als ich die beiden Krieger verschwinden sah, trat ich mit einem klar umrissenen Plan im Kopf auf den Zelleneingang zu.</p><p>W�hrend ich den Gedanken verabscheute, meine Absicht in die Tat umzusetzen, schien es keine Alternative zu geben, wenn der Thark und ich zusammen zu unserem kleinen Lager in den Bergen zur�ckkehren wollten.</p><p>Ich dr�ckte mich an die Wand und n�herte mich dem Eingang der Zelle, wo ich, das lange Schwert mit beiden H�nden hoch erhoben, stehenblieb, um es mit einem schnellen Schlag auf dem Sch�del des W�chters niedergehen zu lassen, sobald er auftauchte.</p><p>Ich m�chte nicht weiter darauf eingehen, was folgte, als ich die Schritte des Mannes im Eingang vernahm. Es gen�gt, zu sagen, da� nach ein bis zwei Minuten Tars Tarkas im Metall eines Anf�hrers der Warhoon den Gang zur Wendeltreppe entlangeilte, sich den Weg mit der Fackel der Warhoon leuchtend. Ein dutzend Schritte hinter ihm folgte John Carter, der Prinz von Helium.</p><p>Die beiden Begleiter des Mannes, der nun neben der T�r der einstigen Zelle von Tars Tarkas lag, waren gerade dabei, die Treppe hochzusteigen, als der Thark in Sicht kam.</p><p>�Warum kommst du jetzt erst, Tan Gama?� rief einer der M�nner.</p><p>�Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Schlo߫, entgegnete Tars Tarkas. �Und jetzt sehe ich gerade, da� ich mein Kurzschwert in des Tharks Zelle vergessen habe. Geht weiter, ich kehre um und hole es.�</p><p>�Wie du willst, Tan Gama�, erwiderte derjenige, der zuvor gesprochen hatte. �Wir sehen uns ja gleich oben.�</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Tars Tarkas, wandte sich um, als wolle er sich zur�ck zur Zelle begeben, wartete jedoch nur, bis die beiden eine Etage weiter oben verschwunden waren. Dann gesellte ich mich zu ihm, wir l�schten die Fackel und schlichen die Wendeltreppe hinauf.</p><p>Im untersten Stockwerk stellten wir fest, da� der Flur nicht direkt bis zum Innenhof durchging, sondern da� wir, um zu diesem zu gelangen, einen Raum voll mit gr�nen Menschen durchqueren mu�ten. Uns blieb nur eines �brig, und zwar uns eine Etage weiter nach oben zu begeben und durch den Saal zu gehen, den ich zuvor durchquert hatte.</p><p>Vorsichtig stiegen wir die Treppe hinauf. Von weiter oben drang Gespr�chsl�rm zu uns, doch der Saal war noch immer unbeleuchtet, und niemand war zu sehen, als wir schlie�lich oben angekommen waren. Wir schlichen durch die lange Halle und erreichten schlie�lich unentdeckt den Balkon, von dem man den Innenhof �berblicken konnte.</p><p>Zu unserer Rechten befand sich das Fenster, durch das ich Tan Gama und die anderen Krieger beobachtet hatte, als sie fr�her am Abend zu Tars Tarkas Zelle aufgebrochen waren. Tan Gamas Gef�hrten waren eingetroffen, und wir konnten nun einen Teil ihres Gespr�ches mitverfolgen.</p><p>�Weswegen braucht Tan Gama so lange?� fragte einer.</p><p>�Er braucht doch sicher nicht die ganze Zeit daf�r, sein Kurzschwert aus der Zelle des Thark zu holen�, sagte ein anderer.</p><p>�Sein Kurzschwert?� fragte eine Frau. �Was meinst du damit?�</p><p>�Tan Gama verga� sein Kurzschwert in der Zelle des Thark und verlie� uns an der Treppe, um noch einmal zur�ckzugehen und es zu holen.�</p><p>�Tan Gama hat heute abend gar kein Kurzschwert getragen, es wurde heute beim Kampf mit dem Thark zerbrochen. Tan Gama hat es mir gegeben, damit ich es repariere. Seht, hier ist es�, sagte die Frau und zog Tan Gamas Kurzschwert unter ihren seidenen Bett�chern und Fellen hervor.</p><p>Die Krieger sprangen auf.</p><p>�Hier stimmt etwas nicht!� rief einer.</p><p>�Das habe ich mir schon gedacht, als er uns an der Treppe verlie߫, sagte ein anderer. �Mir schien, als kl�nge seine Stimme merkw�rdig.�</p><p>�Kommt, schnell in die Gew�lbe!�</p><p>Mehr mu�ten wir nicht h�ren. Ich kn�pfte meine Ausr�stung zu einer langen Schlinge zusammen, lie� Tars Tarkas daran in den Hof hinunter und stand einen Moment sp�ter neben ihm.</p><p>Wir hatten nur wenige Worte gewechselt, seit ich Tan Gama an der Zellent�r niedergeschlagen und im Fackelschein den Ausdruck �u�erster Verbl�ffung auf dem Gesicht des gro�en Thark gesehen hatte.</p><p>�Bis jetzt sollte ich eigentlich gelernt haben, mich bei John Carter �ber nichts mehr zu wundern�, waren seine Worte gewesen. Das war alles. Er brauchte mir nicht zu sagen, wie sehr er die Freundschaft sch�tzte, wegen der ich mein Leben f�r seine Befreiung aufs Spiel setzte, auch mu�te er mir nicht mitteilen, da� er sich freute, mich zu sehen.</p><p>Dieser grimmige, gr�ne Krieger hatte mich als erster begr��t, an jenem Tag, der nun zwanzig Jahre zur�ckliegt, als er Zeuge meiner Ankunft auf dem Mars wurde. Er war, sich von seinem Thoat tief herabbeugend, mit gesenktem Speer und finsterem Ha� im Herzen auf mich zugest�rmt, als ich auf dem ausgetrockneten Meeresgrund hinter Korad neben der Brutstation seiner Horde stand. Und nun hatte ich unter den Bewohnern der beiden Welten keinen besseren Freund als Tars Tarkas, Jeddak der Thark.</p><p>Im Hof wichen wir f�r einen Augenblick in den Schatten unterhalb der Balkone, um unser weiteres Vorgehen zu besprechen.</p><p>�Jetzt sind wir f�nf in der Gruppe, Tars Tarkas�, sagte ich. �Thuvia, Xodar, Carthoris und wir beide. Folglich brauchen wir f�nf Thoats.�</p><p>�Carthoris! Dein Sohn?� rief er.</p><p>�Ja, ich habe ihn im Gef�ngnis auf Shador getroffen, im Meer Omean, im Land der Erstgeborenen.�</p><p>�Ich kenne keine dieser Orte, John Carter. Sind sie auf Barsoom?�</p><p>�Darauf und darunter, mein Freund. Doch warte, bis wir von hier weg sind, und du wirst die merkw�rdigste Geschichte h�ren, die einem Barsoomier der Au�enwelt jemals zu Ohren gekommen ist. Aber erst brauchen wir einige Thoats, damit wir uns schon ein gutes St�ck im Norden befinden, ehe diese Gesellen entdecken, wie wir sie an der Nase herumgef�hrt haben.�</p><p>Unentdeckt erreichten wir das gro�e Tor auf der anderen Hofseite, durch das wir die Thoats f�hren mu�ten, um zur Stra�e zu kommen. Es ist keine einfache Sache, f�nf dieser gro�en Raubtiere in den Griff zu bekommen, die vom Wesen her ebenso wild und unb�ndig sind wie ihre Herren und die allein durch Grausamkeit und brutale Gewalt bezwungen werden k�nnen.</p><p>Als wir uns ihnen n�herten, witterten sie unseren unbekannten Geruch und umkreisten uns mit w�tendem Gekreisch. Die langen, kr�ftigen H�lse nach oben gereckt, befanden sich ihre gro�en, klaffenden M�uler weit �ber unseren K�pfen. Sie sehen bereits furchteinfl��end aus, doch wenn sie aufgebracht sind, werden sie diesem gef�hrlichen Aussehen gerecht. Das Thoat mi�t bis zur Schulter reichlich zehn Fu�. Seine gl�nzende, unbehaarte Haut besitzt an den Flanken und auf dem R�cken die Farbe dunklen Schiefers. Die Haut wird entlang der acht Beine immer heller, bis sie bei den riesigen, gepolsterten und nagellosen F��en in ein strahlendes Gelb �bergeht. Der Bauch ist reinwei�. Ein breiter, flacher Schwanz, der an der Spitze dicker ist als am Ansatz, vervollst�ndigt das Bild dieses unb�ndigen Reittieres der wilden gr�nen Marsmenschen�� ein Kriegsro�, das zu diesem Kriegsvolk pa�t.</p><p>Da die Thoats ausschlie�lich durch Telepathie gef�hrt werden, braucht man weder Zaum noch Z�gel. Unser Ziel war nun, zwei ausfindig zu machen, die unseren stummen Befehlen Folge leisteten. Als die Tiere sich um uns scharten, gelang es uns, sie soweit zu b�ndigen, da� sie nicht vereint gegen uns anst�rmten, doch wenn ihr Gekreisch noch l�nger anhielt, w�rde es mit Sicherheit Krieger in den Hof holen, die die Ursache des L�rmes herausfinden wollten.</p><p>Schlie�lich gelang es mir, mich einem der gro�en Tiere von der Seite zu n�hern, und bevor es wu�te, was ich im Schilde f�hrte, sa� ich sicher auf seinem gl�nzenden R�cken. Kurz darauf hatte auch Tars Tarkas eines der Tiere eingefangen und war aufgesessen. Wir nahmen noch drei oder vier von ihnen zwischen uns und trieben sie auf das gro�e Tor zu.</p><p>Tars Tarkas ritt voran, st�tzte sich auf die Klinke und stie� die Torfl�gel auf, w�hrend ich die unberittenen Thoats davon abhielt, zur�ck zur Herde durchzubrechen. Dann ritten wir auf den gestohlenen Reittieren hinaus auf die Stra�e und stoben, ohne das Tor hinter uns zu verschlie�en, in Richtung der s�dlichen Stadtgrenze davon.</p><p>Bis dahin war unsere Flucht beinahe wundervoll verlaufen, und unser Gl�ck verlie� uns auch nicht, denn wir passierten die Randgebiete der verlassenen Stadt und erreichten unser Lager, ohne etwas zu h�ren, das auf Verfolger hinwies.</p><p>Hier unterrichtete wie abgesprochen ein leises Pfeifen den �brigen Teil unserer Gruppe von unserer R�ckkehr. Die drei lie�en keine Freudenbekundung aus.</p><p>Wir hielten uns nur wenig damit auf, �ber unsere Abenteuer zu berichten. Tars Tarkas und Carthoris tauschten die w�rdevollen Begr��ungen aus, wie sie auf Barsoom �blich sind, doch mein Gef�hl sagte mir, da� der Thark meinen Jungen liebte und da� Carthoris seine Zuneigung erwiderte.</p><p>Xodar und der gr�ne Jeddak wurden einander auf die herk�mmliche Weise vorgestellt. Dann hoben wir Thuvia auf das am wenigsten widerspenstige Thoat, Xodar und Carthoris schwangen sich auf die anderen, und im schnellen Schritt brachen wir nach Osten auf. Wir streiften den �u�eren Zipfel der Stadt, bogen anschlie�end nach Norden und st�rmten unter den pr�chtigen Strahlen der beiden Monde lautlos �ber den Grund des toten Meeres, fort von den Warhoon und den Erstgeborenen, doch welche neuen Gefahren und Abenteuer unserer harrten, wu�ten wir nicht.</p><p>Gegen Mittag des n�chsten Tages machten wir halt, damit wir und die Tiere sich ausruhen konnten. Wir fesselten die Thoats so an den F��en, da� sie sich langsam umherbewegen und von den ockerfarbenen, moosartigen Pflanzen fressen konnten, die ihnen unterwegs sowohl als Nahrung als auch als Fl�ssigkeit dient. Thuvia erkl�rte sich freiwillig bereit, Wache zu halten, w�hrend der Rest von uns eine Stunde lang schlief.</p><p>Mir schien, ich h�tte die Augen kaum zugetan, als ich ihre Hand auf der Schulter sp�rte und ihre sanfte Stimme vernahm, die vor einer neuen Gefahr warnte.</p><p>�Steh auf, mein Prinz�, fl�sterte sie. �Hinter uns ist etwas, das so aussieht wie eine gro�e Gruppe von Verfolgern.�</p><p>Das M�dchen stand auf und wies in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Als ich mich erhob und hinblickte, glaubte auch ich fern am Horizont eine d�nne, schwarze Linie zu erkennen. Ich weckte die anderen. Tars Tarkas, der uns alle mit seiner riesigen Gestalt �berragte, konnte am weitesten sehen.</p><p>�Es ist eine gro�e Reiterarmee�, sagte er. �Sie bewegen sich in sehr schnellem Tempo.�</p><p>Wir hatten keine Zeit zu verlieren, sprangen zu den Thoats, banden sie los und sa�en auf. Dann wandten wir uns ein weiteres Mal gen Norden und nahmen die Flucht wieder auf, so schnell es unser langsamstes Tier vermochte.</p><p>Den Rest des Tages und die ganze Nacht hindurch st�rmten wir �ber das ockerfarbene �dland, wobei unsere Verfolger zusehends aufholten. Langsam, aber sicher wurde der Abstand zwischen uns immer kleiner. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit waren sie nahe genug herangekommen, da� wir eindeutig gr�ne Marsmenschen erkennen konnten, und die ganze Nacht war das Klirren ihrer Ausr�stung deutlich zu vernehmen.</p><p>Als am zweiten Tag unserer Flucht die Sonne aufging, er�ffnete sie uns keine halbe Meile hinter uns den Blick auf unsere Verfolger. Als sie uns sahen, wurde ein teuflisches Triumphgeschrei in ihren Reihen laut.</p><p>Einige Meilen vor uns erhob sich eine Gebirgskette�� das andere Ufer des ausgetrockneten Meeres, das wir durchquert hatten. Gelang es uns, diese Berge zu erreichen, vergr��erten sich unsere Chancen zu entkommen deutlich. Doch Thuvias Tier zeigte bereits Anzeichen von Ersch�pfung, obwohl es die leichteste Last getragen hatte. Ich ritt gerade neben ihr, als mit einemmal ihr Tier stolperte und gegen meines taumelte. Mir war klar, da� es zu Boden gehen w�rde, und so ri� ich das M�dchen von dem R�cken des Thoats und setzte es hinter mich, wo es sich an mir festhielt.</p><p>Diese doppelte Last war f�r mein bereits �berfordertes Tier zu viel, und unser Vorankommen wurde �u�erst beeintr�chtigt, denn die anderen wollten nicht schneller reiten, als es den langsamsten von uns m�glich war. In unserer kleinen Gruppe gab es nicht einen, der den anderen im Stich lassen w�rde, und doch waren wir von verschiedenen L�ndern, Farben, Rassen und Religionen�� und einer sogar von einer anderen Welt.</p><p>Wir hatten die Berge schon vor uns, doch die Warhoon holten derart z�gig auf, da� wir alle Hoffnung aufgegeben hatten, die Anh�hen rechtzeitig zu erreichen. Thuvia und ich ritten als letzte, denn unser Tier blieb immer weiter zur�ck. Pl�tzlich sp�rte ich die warmen Lippen des M�dchens auf meiner Schulter. �Um deinetwillen, o mein Prinz�, murmelte sie, l�ste die Arme von meiner Taille und war verschwunden.</p><p>Ich wandte mich um und sah, da� sie absichtlich vom Thoat gesprungen war, eben jenen grausamen Teufeln in den Weg, die uns auf den Fersen waren, da sie glaubte, da� das Tier mich, um ihre Last erleichtert, in Sicherheit bringen k�nnte. Das arme Kind! Sie sollte John Carter besser kennen.</p><p>Ich wandte mein Thoat, dr�ngte es in ihre Richtung, in der Hoffnung, sie rechtzeitig zu erreichen, um sie wieder zur Flucht zu bewegen. Carthoris mu�te zur selben Zeit hinter sich geblickt und die Situation erfa�t haben, denn als ich bei Thuvia anlangte, war er ebenfalls zur Stelle, sprang von seinem Tier, warf sie dar�ber, wandte den Kopf des Thoats erneut in Richtung der H�gel und versetzte ihm mit der flachen Seite des Schwertes einen scharfen Hieb gegen die Flanke. Dann versuchte er dasselbe mit meinem Tier zu tun.</p><p>Das ritterliche, aufopferungsvolle Vorgehen des mutigen Jungen erf�llte mich mit Stolz, und es k�mmerte mich nicht, da� wir dadurch die letzte winzigste Chance auf ein Entkommen verspiel hatten. Die Warhoon waren nun fast bei uns. Tars Tarkas und Xodar hatten unsere Abwesenheit bemerkt und sprengten zu unserer Unterst�tzung herbei. Alles wies darauf hin, da� meine zweite Reise nach Barsoom ein gl�nzendes Ende nehmen w�rde. Ich ha�te es, zu sterben, ohne meine g�ttliche Prinzessin gesehen und sie noch einmal in den Armen gehalten zu haben. Doch wenn das das Schicksal nicht wollte, w�rde ich zumindest alles hinnehmen, was da kommen sollte. So konnte ich in den wenigen Minuten, die mir noch zustanden, bevor ich den letzten unbekannten Weg antrat, zumindest in dem von mir gew�hlten Beruf ein solches Zeugnis von mir ablegen, da� es den Warhoon des S�dens in den n�chsten zwanzig Generationen nicht an Stoff zur Diskussion mangeln w�rde.</p><p>Da Carthoris nicht wieder aufgesessen war, glitt ich von meinem eigenen Tier und nahm meinen Platz neben ihm ein, um dem Angriff der heulenden Teufel entgegenzutreten. Einen Augenblick sp�ter gesellten sich Tars Tarkas und Xodar zu beiden Seiten zu uns, lie�en ihre Thoats ebenfalls laufen, damit wir alle auf demselben Boden standen.</p><p>Die Warhoon waren auf etwa einhundert Yards an uns herangekommen, als oben und hinter uns ein laute Detonation ert�nte und im selben Moment eine Granate in den voranst�rmenden Reihen explodierte. Augenblicklich herrschte Chaos. Hunderte sanken zu Boden. Reiterlose Thoats sprengten zwischen den Toten und Verwundeten umher. Abgeworfene Krieger wurden in dem vorherrschenden Durcheinander niedergetrampelt. Alles, was in den Reihen der gr�nen Marsmenschen an eine Marschordnung erinnerte, war vergessen, und als sie nach oben blickten, um festzustellen, wer der unerwartete Angreifer war, wurde die Unordnung zum R�ckzug und der R�ckzug zur wilden Panik. Im n�chsten Augenblick st�rmten sie davon, ebenso unb�ndig, wie sie zuvor auf uns zugerast waren.</p><p>Wir wandten uns in die Richtung, aus der der erste Schu� gekommen war und sahen ein gro�es Kriegsschiff, das gerade die Gipfel der n�chsten Anh�hen passierte und majest�tisch durch die Luft schwebte. In diesem Moment lie� sich das Gesch�tz am Bug wieder vernehmen, und eine weitere Granate explodierte in den Reihen der fliehenden Warhoon.</p><p>Als das Schiff n�herkam, konnte ich einen wilden Schrei des Stolzes nicht unterdr�cken, denn auf dem Bug erblickte ich das Zeichen von Helium.</p></section><section><title><p>16. In Haft</p></title><p>W�hrend Carthoris, Xodar, Tars Tarkas und ich zu dem pr�chtigen Fahrzeug blickten, das uns soviel bedeutete, sahen wir ein zweites und dann ein drittes �ber den Anh�hen auftauchen und anmutig dem Schwesternschiff hinterhersegeln.</p><p>Dann hoben zwanzig einsitzige Aufkl�rungsflugzeuge vom oberen Deck des ersten Fahrzeuges ab, zogen einen kurzen, eleganten Bogen und setzten einen Augenblick sp�ter in unserer N�he auf.</p><p>Gleich darauf waren wir von der bewaffneten Schiffsbesatzung umgeben. Ein Offizier trat auf uns zu und wollte einige Worte an uns richten, als sein Blick auf Carthoris fiel. Mit einem freudigen, �berraschten Ausruf sprang er vor, legte dem Jungen die Hand auf die Schulter und begr��te ihn mit Namen.</p><p>�Carthoris, mein Prinz. Kaor! Kaor!� rief er. �Hor Vastus hei�t den Sohn von Dejah Thoris, der Prinzessin von Helium, und ihrem Gatten, John Carter, willkommen. Wo bist du gewesen, o mein Prinz? Ganz Helium tr�gt Trauer. Schreckliches Unheil ist der m�chtigen Nation deines Urgro�vaters seit jenem verh�ngnisvollen Tag widerfahren, an dem du aus unserer Mitte gerissen wurdest.�</p><p>�Gr�m dich nicht, mein guter Hor Vastus�, rief Carthoris, �denn ich kehre nicht allein zur�ck, um das Herz meiner Mutter zu tr�sten sowie die Herzen meines geliebten Volkes. Mit mir kommt jemand, den ganz Barsoom innig geliebt hat�� sein gr��ter Krieger und Retter�� John Carter, Prinz von Helium.�</p><p>Hor Vastus wandte sich in die Richtung, in die Carthoris wies, und war wie vom Donner ger�hrt, als er mich sah.</p><p>�John Carter!� rief er, und dann trat pl�tzlich ein verst�rter Blick in seine Augen. � Mein Prinz�, begann er, �wo bist du�� � Dann stockte er, doch ich kannte die Frage, die er nicht auszusprechen wagte. Der rechtschaffene Mann wollte mich nicht dazu zwingen, die schreckliche Wahrheit zu enth�llen, und zwar da� ich vom Busen des Flusses Iss, dem Flu� der Geheimnisse, dem Ufer des Verlorenen Meeres Korus und aus dem Tal Dor zur�ckgekehrt war.</p><p>�Ah, mein Prinz�, fuhr er fort, als sei nichts gewesen, �es gen�gt, da� ihr zur�ck seid. Erweist Hor Vastus die hohe Ehre, als erster sein Schwert zu euren F��en niederlegen zu d�rfen.� Mit diesen Worten schnallte er das Schwert samt H�lle ab und warf mir beides vor F��e.</p><p>W�ren dem Leser die Br�uche und das Wesen der roten Marsmenschen bekannt, w��te er diese einfache Geste und ihre tiefere Bedeutung f�r mich und alle Anwesenden richtig einzusch�tzen. Sie dr�ckte soviel aus wie: �Mein Schwert, mein Leib, meine Seele sind dein�� dein Wille sei ihnen Befehl. Bis zum Tod und danach werde ich nur mit deinem Einverst�ndnis handeln. Seiest du nun im Recht oder Unrecht�� dein Wort soll meine einzige Wahrheit sein. Derjenige, der die Hand gegen dich erhebt, soll meinem Schwert Rede und Antwort stehen.�</p><p>Einen solchen Treueschwur leistet gelegentlich ein Gefolge seinem aufgrund seines edlen Charakters und ritterlichen Auftretens abg�ttisch geliebten Jeddak. Nie zuvor habe ich miterlebt, da� einem niederen Sterblichen diese hohe Ehre zuteil wurde. Darauf konnte ich nur auf eine Weise antworten. Ich b�ckte mich, hob das Schwert auf, f�hrte das Heft an die Lippen, trat dann zu Hor Vastus und band ihm die Waffe eigenh�ndig wieder um.</p><p>�Hor Vastus�, sagte ich und legte ihm die Hand auf die Schulter. �Du kennst am besten die Regungen deines Herzens. Ich bezweifle, da� ich dein Schwert brauche, doch la� dir von John Carter bei seiner heiligen Ehre versichern, da� er dich nie zu sich rufen wird, um dieses Schwert anders als im Kampf f�r Wahrheit, Gerechtigkeit und Gesetz zu erheben.�</p><p>�Das wu�te ich, mein Prinz, bevor ich meine geliebte Klinge vor deine F��e geworfen habe�, entgegnete er.</p><p>W�hrend unserer Unterhaltung hielten andere Flieger Kontakt zwischen Boden und Kriegsschiff. Bald wurde von oben ein gr��eres Boot losgeschickt, das vielleicht ein Dutzend Menschen an Bord nehmen konnte, es glitt in unserer N�he sanft zu Boden. Gleich darauf sprang ein Offizier von Deck, trat auf Hor Vastus zu, entbot ihm seinen Gru� und sagte: �Kantos Kan w�nscht, da� diese Gruppe, die wir befreit haben, sofort zu ihm an Deck der Xavarian gebracht wird.�</p><p>Als wir auf das kleine Fahrzeug zutraten, blickte ich mich nach meinen Leuten um und bemerkte zum ersten Mal, da� Thuvia nicht dabei war. Eine Befragung ergab, da� sie niemand mehr gesehen hatte, seit Carthoris, um sie zu retten, ihr Thoat im wilden Galopp in Richtung Berge geschickt hatte.</p><p>Sofort sandte Hor Vastus ein Dutzend Luftaufkl�rer in alle Richtungen aus, um nach ihr zu suchen. Sie konnte nicht weit gekommen sein, seit wir sie zum letzten Mal gesehen hatten. W�hrenddessen begaben wir uns an Deck des Fahrzeuges, das uns holen sollte, und einen Augenblick sp�ter standen wir auf der Xavarian.</p><p>Als erster begr��te mich Kantos Kan selbst. Mein alter Freund hatte es in der Luftwaffe von Helium zu den h�chsten �mtern gebracht, doch f�r mich war er noch immer derselbe mutige Gef�hrte, der mit mir die Entbehrungen im Kerker der Warhoon geteilt, die f�rchterlichen Verbrechen bei den Gro�en Spielen miterlebt und sich sp�ter mit mir in der feindlichen Stadt Zodanga auf die gefahrvolle Suche nach Dejah Thoris gemacht hatte.</p><p>Damals war ich noch ein unbekannter Wanderer auf einem fremden Planeten gewesen und er ein einfacher Padwar der Luftwaffe von Helium. Heute war er der Befehlshaber vom heliumitischen Schrecken der L�fte und ich Prinz des Hauses von Tardos Mors, dem Jeddak von Helium. Er fragte nicht, wo ich gewesen war. Wie H�r Vastus f�rchtete auch er die Wahrheit und wollte nicht derjenige sein, der mich zu einem Gest�ndnis zwang. Da� es eines Tages dazu kommen w�rde, wu�te er, doch bis dahin schien er sich bereits damit zufrieden zu geben, zu wissen, da� ich wieder bei ihm war. �berschwenglich begr��te er Carthoris und Tars Tarkas, fragte jedoch keinen von beiden, wo er gewesen war. Er konnte kaum von dem Jungen lassen.</p><p>�Du wei�t nicht, John Carter, wie sehr ganz Helium deinen Sohn liebt. Es ist, als ob wir all die Liebe, die wir seinem edlen Vater und seiner armen Mutter entgegenbrachten, auf ihn konzentrierten. Als bekannt wurde, da� er vermi�t wurde, brachen zehn Millionen Menschen in Tr�nen aus�, sagte er zu mir.</p><p>�Was meinst du, Kantos Kan, mit �seine arme Mutter�?� fl�sterte ich, denn seine Worte verhie�en nichts Gutes, und ich verstand nicht, was.</p><p>Er zog mich zur Seite und begann: �Seit Carthoris� Verschwinden vor einem Jahr trauerte und weinte Dejah Thoris um ihren Jungen. Als du vor einigen Jahren nicht von der Atmosph�renfabrik zur�ckkehrtest, linderten die Mutterpflichten ihr Leid, denn dein Sohn durchbrach in eben jener schicksalsschweren Nacht seine wei�e Schale. Ganz Helium wu�te, wie sehr sie litt, denn trauerte nicht ganz Helium um seinen Herren? Doch als der Junge verschwand, blieb der Prinzessin nichts mehr. Nachdem eine Expedition nach der anderen mit demselben traurigen Bericht zur�ckkehrte, nichts �ber seinen Aufenthaltsort herausgefunden zu haben, wurde die Prinzessin immer schwerm�tiger, bis alle, die sie sahen, sp�rten, da� es nur noch eine Sache von Tagen sein konnte, bis sie sich zu den geliebten Angeh�rigen ins Tal Dor begab. Als letzten Ausweg �bernahmen Mors Kajak, ihr Vater, und Tardos Mors, ihr Gro�vater, das Kommando �ber zwei riesige Expeditionen und segelten vor einem Monat fort, um jeden Zoll des Bodens auf der n�rdlichen Halbkugel von Barsoom abzusuchen. Seit zwei Wochen haben wir schon keine Nachricht von ihnen erhalten, aber es hei�t, da� ihnen ein schreckliches Ungl�ck zugesto�en sei und keiner �berlebte. Ungef�hr zu dieser Zeit erneuerte Zat Arrras seine Bem�hungen um Dejah Thoris� Hand. Seit deinem Verschwinden war er hinter ihr her. Sie ha�te und f�rchtete ihn, doch da sowohl ihr Vater als auch ihr Gro�vater nicht da waren, besa� Zat Arrras sehr viel Macht, denn er ist noch immer Jed von Zodanga, wozu ihn Tardos Mors ernannte, nachdem du dieses ehrenvolle Amt ausgeschlagen hattest. Vor sechs Tagen hatte er mit ihr eine geheime Unterredung. Niemand wei�, was vorgefallen ist, doch am n�chsten Tag war Dejah Thoris verschwunden, und mit ihr ein Dutzend von ihrer Leibgarde und von ihren Bediensteten, einschlie�lich Sola, der gr�nen Frau�� Tars Tarkas� Tochter, wie du sicherlich noch wei�t. Sie haben hinsichtlich ihrer Absichten keine Nachricht zur�ckgelassen, doch das ist immer bei denjenigen der Fall, die sich auf die freiwillige Pilgerfahrt begeben, von der niemand zur�ckkehrt. Wir m�ssen davon ausgehen, da� Dejah Thoris sich in die eisige Umarmung von Iss begeben hat, und da� ihre treuen Diener sich ihr angeschlossen haben. Zat Arrras hielt sich bei ihrem Verschwinden gerade in Helium auf. Er ist Befehlshaber dieser Flotte, die seitdem nach ihrem Verbleib forscht. Wir haben keine Spur von ihr gefunden, und ich f�rchte, die Suche ist sinnlos.�</p><p>W�hrend unserer Unterhaltung waren Hor Vastus� Aufkl�rer wieder auf der Xavarian eingetroffen. Niemand hatte einen Hinweis auf Thuvias Verbleib entdeckt. Ich schwebte bereits wegen Dejah Thoris� Verschwinden in tausend �ngsten, und nun qu�lte mich auch noch die Sorge, was mit Thuvia geschehen war, die meines Erachtens aus einem achtenswerten Haus von Barsoom stammen mu�te. Ich hatte mir vorgenommen, alles zu unternehmen, sie zu ihrem Volk zur�ckzubringen.</p><p>Ich wollte Kantos Kan gerade darum bitten, eine weitere Suche nach ihr anzustrengen, als ein Flugzeug vom Flaggschiff der Flotte auf der Xavarian mit einem Offizier an Bord eintraf, der eine Nachricht von Arrras f�r Kantos Kan hatte.</p><p>Mein Freund las die Depesche und wandte sich an mich.</p><p>�Zat Arrras befiehlt, die �Gefangenen� zu ihm zu bringen. Es bleibt uns nichts anderes �brig. Er ist der oberste Befehlshaber auf Helium, doch entspr�che es bei weitem mehr der H�flichkeit und dem guten Geschmack, wenn er hierher k�me und den Retter von Barsoom mit den Ehren willkommen hie�e, die diesem geb�hren.�</p><p>�Du wei�t folglich sehr gut, mein Freund, da� Zat Arrras guten Grund hat, mich zu hassen�, sagte ich l�chelnd. �Nichts w�rde ihn mehr erfreuen, als mich zu erniedrigen und dann zu t�ten. Da er nun eine so ausgezeichnete Entschuldigung hat, la�t uns gehen und sehen, ob er den Mut hat, sie auszunutzen.�</p><p>Wir riefen Carthoris, Tars Tarkas und Xodar herbei, begaben uns mit Kantos Kan und Zat Arrras� Offizier auf den kleinen Flieger und traten einen Augenblick sp�ter an Deck von Zat Arrras� Flaggschiff.</p><p>Als wir uns dem Jed von Zodanga n�herten, ging nicht ein Zeichen des Gru�es oder des Erkennens �ber sein Gesicht, nicht einmal Carthoris w�rdigte er eines freundlichen Wortes. Seine Haltung war kalt, hochm�tig und abweisend.</p><p>�Kaor, Zat Arrras�, gr��te ich, erhielt jedoch keine Antwort.</p><p>�Warum wurden diese Gefangenen nicht entwaffnet?� wandte er sich an Kantos Kan.</p><p>�Sie sind keine Gefangenen, Zat Arrras�, entgegnete der Offizier. �Zwei von ihnen sind Angeh�rige der vornehmsten Familie von Helium. Tars Tarkas, Jeddak von Thark, ist der beste Verb�ndete und Freund von Tardos Mors. Der andere ist ein Freund und Begleiter des Prinzen von Helium�� mehr brauche ich nicht zu wissen.�</p><p>�Aber ich�, erwiderte Zat Arrras scharf. �Von denjenigen, die die Pilgerfahrt auf sich genommen haben, m�chte ich schon mehr h�ren als ihre Namen. Wo bist du gewesen, John Carter?�</p><p>�Ich komme geradewegs aus dem Tal Dor und aus dem Land der Erstgeborenen, Zat Arrras�, entgegnete ich.</p><p>�Ah!� rief er in offenkundigem Triumph aus. �Du leugnest es demzufolge nicht einmal. Du hast dich der Umarmung von Iss entzogen?�</p><p>�Ich komme aus einem Land der falschen Hoffnungen, aus dem Tal der Qualen und des Todes. Gemeinsam mit meinen Gef�hrten bin ich den f�rchterlichen Klauen verlogener Fanatiker entkommen. Ich bin nach Barsoom zur�ckgekehrt, dem ich ein stilles Dahingehen erspart habe, um es erneut zu retten, doch diesmal vor dem Tod in seiner schrecklichsten Form.�</p><p>�Schweig, Gottesl�sterer!� schrie Zat Arrras. �Du brauchst nicht zu hoffen, deinen feigen Kadaver durch scheu�liche L�gen zu retten�� �</p><p>Doch er kam nicht weiter. Man nennt John Carter nicht so einfach �Feigling� und �L�gner�, und das h�tte Zat Arrras auch wissen m�ssen. Bevor mich jemand zur�ckhalten konnte, war ich bei ihm und hatte ihn an der Kehle gepackt.</p><p>�Ob ich nun aus dem Himmel oder aus der H�lle komme, Zat Arrras, du wirst feststellen, da� ich noch immer derselbe John Carter bin wie fr�her. Niemand hat je solche Dinge zu mir gesagt und ist am Leben geblieben�� ohne sich zu entschuldigen.� Damit begann ich ihn r�ckw�rts �ber mein Knie zu beugen und meinen W�rgegriff zu verst�rken.</p><p>�Packt ihn!� schrie Zat Arrras, und ein Dutzend Offiziere sprangen nach vorn, um ihm zu Hilfe zu kommen.</p><p>Kantos Kan trat zu mir und fl�sterte mir zu: �Gib nach, ich bitte dich. Es wird nur uns alle hineinziehen, denn ich kann nicht tatenlos mitansehen, wie diese M�nner die H�nde an dich legen. Meine Offiziere und Mannschaften werden sich hinter mich stellen, und dann kommt es zur Meuterei, die zu einer Revolution f�hren kann. Um Tardos Mors und Helium willen, gib nach!�</p><p>Bei seinen Worten lie� ich Zat Arrras los, wandte ihm den R�cken zu und schritt zur Reling des Schiffes.</p><p>�Komm, Kantos Kan�, sagte ich. �Der Prinz von Helium m�chte auf die Xavarian zur�ckkehren.�</p><p>Niemand widersprach. Zat Arrras stand kreidebleich und zitternd inmitten seiner Offiziere. Einige von ihnen blickten ihn verachtungsvoll an und wandten sich mir zu, w�hrend ein Mann, der lange in den Diensten von Tardos Mors gestanden und sein Vertrauen besessen hatte, als ich an ihm vorbeiging, leise zu mir sagte: �Du kannst mein Metall zu dem deiner Krieger z�hlen, John Carter.�</p><p>Ich dankte ihm und schritt weiter. Schweigend begaben wir uns an Bord des kleinen Fliegers und befanden uns kurz darauf wieder an Deck der Xavarian. F�nf Minuten sp�ter kam vom Flaggschiff der Befehl, nach Helium weiterzusegeln.</p><p>Unsere Reise dorthin verlief ereignislos. Carthoris und ich hingen d�stersten Gedanken nach. Auch Kantos Kan war schwerm�tig, offenbar angesichts des kommenden Ungl�cks, das �ber Helium hereinbrechen w�rde, falls Zat Arrras versuchte, der jahrhundertealten Vorschrift zu folgen, nach der Fl�chtige aus dem Tal Dor auf schrecklichste Weise zu Tode gebracht wurden. Tars Tarkas machte sich Sorgen um seine Tochter. Xodar allein war aller Sorgen ledig�� einem Fl�chtling und Verbrecher konnte es in Helium nicht schlechter ergehen als anderswo.</p><p>�Hoffen wir, da� wir zumindest mit bluttriefenden Klingen darniedergehen�, sagte er. Es war ein einfacher Wunsch, und h�chstwahrscheinlich auch einer, der ber�cksichtigt werden w�rde.</p><p>Ich glaubte festzustellen, da� sich die Offiziere der Xavarian in zwei Lager teilten. Da waren jene, die sich um Carthoris und mich scharten, wann immer sich Gelegenheit dazu ergab, w�hrend sich genauso viele von uns fernhielten. Zwar behandelten sie uns mit ausgesuchter H�flichkeit, doch offensichtlich hingen sie voller Aberglauben an der Lehre von Dor, Iss und Korus. Ich konnte es ihnen nicht ver�beln, denn ich wu�te, welch tiefen Halt eine Weltanschauung, wie l�cherlich sie auch sein mochte, bei sonst sehr intelligenten Menschen finden kann.</p><p>Mit unserer R�ckkehr aus Dor begingen wir Gottesl�sterung. Indem wir unsere Abenteuer berichteten und die Fakten so darstellten, wie sie waren, mi�achteten wir die Religion ihrer Vorv�ter. Wir waren Gottesl�sterer�� Ketzer und L�gner. Sogar jene, die noch aus pers�nlicher Liebe und Treue zu uns hielten, zweifelten an unserer Aufrichtigkeit. Es f�llt den Menschen bereits schwer, eine neue Religion anstelle einer alten zu akzeptieren, unabh�ngig davon, wie verlockend die Versprechungen der neuen auch sein m�gen. Doch sich von seiner Religion zu trennen, weil sie ein L�genm�rchen ist, ohne daf�r einen Ersatz zu bekommen, kann man in der Tat kaum von einem Menschen verlangen.</p><p>Kantos Kan wollte nichts von unseren Erlebnissen bei den Therns und den Erstgeborenen wissen.</p><p>�Es reicht, da� ich mein Leben jetzt und sp�ter aufs Spiel setze, indem ich euch �berhaupt unterst�tze. Verlangt nicht, da� ich noch gr��ere S�nden begehe, indem ich mir Dinge anh�re, die man mir gegen�ber immer als �belste Ketzerei bezeichnet hat.�</p><p>Ich wu�te, da� fr�her oder sp�ter die Zeit kommen mu�te, da sich unsere Freunde und Feinde �ffentlich w�rden erkl�ren m�ssen. In Helium w�rde es dann eine Anh�rung geben, und falls bis dahin Tardos Mors nicht zur�ckgekehrt war, w�rde uns der Ha� von Zat Arrras sehr schaden, f�rchte ich, denn er repr�sentierte die Regierung von Helium. F�r einen seiner Gegner Partei zu ergreifen, kam dem Hochverrat gleich. Die Mehrheit der Truppen w�rde zweifellos der F�hrung ihrer Offiziere folgen. Ich wu�te, da� die h�chsten und m�chtigsten M�nner der Land- und Lufttruppen im Angesicht von Gott, Mensch oder Teufel zu John Carter halten w�rden.</p><p>Andererseits w�rde die Mehrheit des gemeinen Volkes zweifellos fordern, uns f�r die Gottesl�sterung zu bestrafen. Von welchem Gesichtspunkt ich die Angelegenheit auch betrachtete, schienen unsere Aussichten betr�blich zu sein, doch mir wird jetzt bewu�t, da� mich offenbar damals der Schmerz �ber Dejah Thoris� Verschwinden derart zerm�rbte, da� ich der schrecklichen Misere Heliums nur wenige Gedanken schenkte.</p><p>Tag und Nacht hatte ich st�ndig jene schrecklichen, alptraumhaften Szenen vor Augen, die meine Prinzessin gerade im jetzigen Augenblick erleben konnte�� die f�rchterlichen Pflanzenmenschen, die wilden wei�en Affen. Zeitweise bedeckte ich das Gesicht mit den H�nden, im sinnlosen Versuch, diese entsetzlichen Vorstellungen zu verdr�ngen.</p><p>Am Vormittag erreichten wir den meilenhohen, scharlachfarbenen Turm, durch den sich Gro�helium von seiner Zwillingsstadt unterscheidet. Als wir in gro�en Kreisen auf die Docks der Kriegsmarine zusteuerten, sahen wir unten unz�hlige Menschen durch die Stra�en str�men. Man hatte Helium durch einen Funkspruch von unserem Eintreffen informiert.</p><p>Man brachte uns vier, Carthoris, Tars Tarkas, Xodar und mich vom Deck der Xavarian mit einem kleineren Flugzeug in die Unterk�nfte im Tempel der Vergeltung. Hier widerf�hrt sowohl dem Wohlt�ter als auch dem �belt�ter Gerechtigkeit nach Marsrecht. Hier wird der Held ausgezeichnet und der Verbrecher verurteilt. Man holte uns direkt von der Landeplattform auf dem Dach ins Tempelinnere, so da� wir an keinem Menschen vorbei mu�ten, wie es sonst �blich war. Immer hatte ich angesehene Gefangene oder zur�ckkehrende Wanderer von Rang zu Gesicht bekommen, die auf der breiten Promenade der Vorfahren vom Tor der Jeddaks zum Tempel der Vergeltung durch dichte Massen spottender oder aufmunternder B�rger gef�hrt wurden.</p><p>Ich wu�te, da� Zat Arrras es nicht wagte, die Leute so nahe an uns heranzulassen, da er f�rchtete, ihre Liebe zu Carthoris und mir w�rde sie ihr abergl�ubisches Entsetzen �ber das Verbrechen, dessen wir angeklagt wurden, vergessen lassen. Welche Pl�ne er hatte, konnte ich nur ahnen, doch da� er nichts Gutes im Schilde f�hrte, wurde daran deutlich, da� uns auf dem Flug zum Tempel der Vergeltung nur seine engsten Vertrauten begleiteten.</p><p>Man brachte uns in einem Raum auf der S�dseite des Tempels unter, von dem man die Promenade der Vorfahren bis zum etwa f�nf Meilen entfernten Tor der Jeddaks �berblicken konnte. Die Menschen auf dem Vorplatz und im Umkreis von einer Meile hatten sich so dicht aneinander gedr�ngt, wie es nur m�glich war. Sie benahmen sich sehr diszipliniert�� es gab weder Spott noch Beifall, und viele von denen, die uns an den Fenstern �ber sich erblickten, schlugen die H�nde vors Gesicht und weinten.</p><p>Sp�t am Nachmittag traf ein Bote von Zat Arrras ein, um uns mitzuteilen, da� eine Gruppe von unparteiischen Edelleuten zur ersten Zode<a l:href="#fn1" type="note">[1]</a> des Folgetages oder ungef�hr 8 Uhr vierzig in der Fr�he nach Erdenzeit, in der gro�en Halle des Tempels �ber uns richten w�rde.</p></section><section><title><p>17. Das Todesurteil</p></title><p>Einige Minuten vor der festgelegten Zeit erschien am folgenden Morgen eine mehrere Mann starke Wache von Zat Arras� Offizieren bei unserer Unterkunft, um uns in die gro�e Halle des Tempels zu geleiten.</p><p>In Zweierreihen betraten wir die Halle und schritten den sogenannten �Gang der Hoffnung� entlang, auf das Podium in der Mitte des Saales zu. Vor und hinter uns marschierten bewaffnete Wachen, w�hrend vom Eingang bis zum Podium Soldaten aus Zodanga in drei dichten Reihen zu beiden Seiten des Ganges standen.</p><p>Als wir vor der Erh�hung angekommen waren, erblickte ich unsere Richter. Wie auf Barsoom Brauch, mu�ten es einunddrei�ig sein, Angeh�rige der Adelsklasse�� denn Adlige standen vor Gericht�� die per Los ausgew�hlt worden waren. Doch zu meinem Erstaunen sah ich nicht ein freundliches Gesicht unter ihnen. In Wirklichkeit stammten alle aus Zodanga, und meiner Person hatte Zodanga die Niederlage durch die H�nde der gr�nen Marsmenschen sowie die darauffolgende Unterwerfung durch Helium zu verdanken. Somit konnte es f�r John Carter oder seinen Sohn kaum Gerechtigkeit geben, auch nicht f�r den gro�en Thark, der die Angeh�rigen der wilden St�mme befehligt hatte, die die breiten Promenaden von Zodanga verw�steten und pl�nderten, in ihnen brandschatzten und mordeten.</p><p>Um uns herum war jeder Platz des riesigen Kolosseums besetzt. Alle Klassen, Altersgruppen und beide Geschlechter waren vertreten. Mit unserem Eintreten wurde das ged�mpfte Brummen der Unterhaltungen zusehends leiser, bis wir vor dem Podest oder dem �Thron der Gerechtigkeit� stehenblieben. Dann herrschte Totenstille unter den zehntausend Zuschauern.</p><p>Die Richter sa�en am Rand des runden Podestes. Man hie� uns mit dem R�cken zu einer kleinen Erh�hung in seiner Mitte Platz nehmen, so da� wir sowohl den Richtern als auch den Zuschauern ins Gesicht blickten. Jeder w�rde auf die kleine Erh�hung treten, sobald sein Fall verhandelt wurde.</p><p>Zat Arrras hatte in dem goldenen Stuhl des Vorsitzenden Richters Platz genommen. Als wir uns hingesetzt und unsere Wachen am Fu�e der Podestes Aufstellung bezogen hatten, erhob er sich und rief mich auf.</p><p>�John Carter, nimm deinen Platz auf dem Podest der Wahrheit ein, damit �ber deine Handlungen unvoreingenommen geurteilt und deine Strafe festgelegt werden kann�, sagte er mit lauter Stimme. Dann wandte er sich an die Zuschauer und schilderte meine Vergehen, von deren Schwere die Bestrafung abhing.</p><p>�So wisset, o Richter und Volk von Helium, da� John Carter, einst Prinz von Helium, nach seiner eigenen Aussage aus dem Tal Dor und sogar vom Tempel Issus selbst zur�ckgekehrt ist�, sagte er. �In Gegenwart vieler M�nner von Helium l�sterte er den Heiligen Flu� Iss, das Tal Dor, das Verlorene Meer Korus, die Heiligen Therns selbst und sogar Issus, G�ttin des Todes und Ewigen Lebens. Und wisset weiterhin, wie euch eure eigenen Augen mitteilen, die ihn hier auf dem Podest der Wahrheit erblicken, da� er wahrhaft von diesen heiligen Orten zur�ckgekehrt ist, unseren uralten Br�uchen zuwiderhandelnd, und somit gegen die Unverletzlichkeit unserer uralten Religion verst��t. Derjenige, der einst tot war, darf nicht wieder leben. Derjenige, der diesen Versuch unternimmt, mu� f�r immer zum Schweigen gebracht werden. Richter, eure Pflicht liegt klar vor euch�� kein Beweis kann diese Wahrheit widerlegen. Welche Strafe soll John Carter f�r die begangenen Handlungen zuteil werden?�</p><p>�Tod!� rief einer der Richter.</p><p>Und dann sprang ein Mann im Zuschauerraum auf, hob den Arm hoch und rief: �Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!�</p><p>Es war Kantos Kan, und als alles zu ihm blickte, setzte er an den Soldaten Zodangas vorbei auf die Erh�hung.</p><p>�Welche Art von Rechtsprechung ist das?� rief er Zat Arrras zu. �Man hat den Angeklagten weder angeh�rt, noch konnte er jemanden zu seiner F�rsprache herbeirufen. Im Namen des Volkes von Helium verlange ich, da� dem Prinzen von Helium eine gerechte und unparteiische Behandlung zuteil wird.�</p><p>Es wurde laut in den Zuschauerreihen, dann h�rte man: �Gerechtigkeit! Gerechtigkeit! Gerechtigkeit!� Zat Arrras wagte nicht, das zu ignorieren.</p><p>�So sprich!� herrschte er mich an. �Doch l�stere nicht Dinge, die auf Barsoom heilig sind.�</p><p>�Menschen von Helium�, wandte ich mich an die Zuschauer, �ber die K�pfe meiner Richter hinweg. �Wie kann John Carter von den Menschen aus Zodanga Gerechtigkeit erwarten? Er kann es nicht, auch bittet er nicht darum. Es sind die Menschen aus Helium, denen er seinen Fall darlegt, doch auch von ihnen erfleht er keine Gnade. Er spricht nicht in seiner Sache�� sondern in eurer, im Sinne eurer Frauen und T�chter oder eurer noch ungeborenen Frauen und T�chter. Es geht darum, ihnen die unsagbar abscheulichen Erniedrigungen zu ersparen, die vor meinen Augen den sch�nen Frauen von Barsoom angetan wurden, an jenem Ort, den die Menschen Tempel Issus nennen. Ich will sie vor der saugenden Umarmung der Pflanzenmenschen oder vor den Zahnen der gro�en wei�en Affen von Dor bewahren, vor der grausamen Wollust der Heiligen Therns, vor all jenen Dingen, zu denen der kalte, tote Iss sie von ihren Heimen voll Liebe, Leben und Gl�ckseligkeit forttr�gt. Jeder der hier Anwesenden kennt die Geschichte von John Carter: Wie er von einer anderen Welt zu euch kam, Gefangener bei den gr�nen Menschen war, gequ�lt und verfolgt wurde, bis er schlie�lich in die allerh�chsten Kreise von Barsoom aufstieg. Nie habt ihr erlebt, da� John Carter zu seinem Vorteil gelogen oder etwas ge�u�ert hat, das den Menschen von Barsoom schadete, geschweige denn abf�llig �ber ihre seltsame Religion urteilte, die er, ohne sie zu verstehen, akzeptierte. Es gibt weder hier noch sonstwo auf Barsoom einen Menschen, der sein Leben nicht jener meiner Handlungen verdankte, in der ich mich und die Gl�ckseligkeit meiner Prinzessin opferte, damit ihr leben konntet. Und so, Menschen von Helium, glaube ich ein Recht darauf zu haben, da� man mich anh�rt, meinen Worten Glauben schenkt und mir gestattet, euch zu dienen und euch vor dem falschen Jenseits von Dor und Issus zu retten, so, wie ich euch an jenem anderen Tage vor dem Tode gerettet habe. Ihr Menschen aus Helium seid es, an die ich mich wende. Wenn ich geendet habe, sollen die Menschen von Zodanga ihren Willen haben. Zat Arras hat mir mein Schwert genommen, so brauchen mich die Menschen von Zodanga nicht l�nger zu f�rchten. Werdet ihr mich anh�ren?�</p><p>�Sprich, John Carter, Prinz von Helium�, rief ein m�chtiger Edelmann aus dem Zuschauerraum, und die Menge wiederholte seine Worte, bis das Geb�ude unter ihren l�rmvollen Bekundungen vibrierte.</p><p>Zat Arrras wu�te Besseres als sich in die Gef�hle einzumischen, die an jenem Tag im Tempel der Vergeltung ge�u�ert wurden, und so redete ich zwei Stunden lang zu den Menschen von Helium.</p><p>Doch als ich geendet hatte, erhob sich Zat Arrras, wandte sich an die Richter und sagte leise: �Meine Edelleute, ihr habt John Carters Verteidigungsrede vernommen, er hatte jede M�glichkeit, seine Unschuld zu beweisen, falls dies der Fall ist, doch statt dessen hat er die Zeit nur f�r weitere Gottesl�sterungen verwendet. Wie, meine Herren, lautet euer Urteil?�</p><p>�Tod dem Gottesl�sterer!� rief einer, sprang auf und im n�chsten Augenblick waren ihm alle einunddrei�ig Richter gefolgt, die Schwerter erhoben als Zeichen ihrer Einstimmigkeit.</p><p>Wenn die Leute Zat Arrras� Anschuldigung nicht vernahmen, h�rten sie mit Sicherheit das Urteil des Gerichtshofes. Das dumpfe Murmeln, das durch die vollgestopften Reihen des Kolosseums ging, wurde immer lauter, dann hob Kantos Kan, der noch immer bei mir auf dem Podest stand, die Hand und bat um Ruhe. Als die Lautst�rke annehmbar geworden war, sprach er seine Leute mit k�hler und eint�niger Stimme an.</p><p>�Ihr habt vernommen, welches Schicksal die Menschen von Zodanga dem edelsten Helden von Helium zugedacht haben. Die Menschen von Helium m�gen sich dazu verpflichtet f�hlen, dieses Urteil als endg�ltig anzuerkennen. Doch jeder Mann soll nach seinem Herzen handeln. Dies ist die Antwort Kantos Kans, Oberbefehlshaber der Marine von Helium, an Zat Arrras und seine Richter.� Mit diesen Worten l�ste er sein Schwert und warf mir die Waffe vor die F��e.</p><p>Einen Augenblick sp�ter dr�ngten sich Soldaten, Offiziere und Edelleute an den Soldaten von Zodanga vorbei und bahnten sich den Weg zum Thron der Gerechtigkeit. Einhundert Mann str�mten auf das Podest, einhundert Klingen klirrten und klapperten zu meinen F��en. Zat Arrras und seine Offiziere waren w�tend, doch konnten sie nichts tun. Ich f�hrte ein Schwert nach dem anderen an die Lippen und legte es seinem Besitzer wieder um.</p><p>�Kommt�, sagte Kantos Kan. �Wir werden John Carter und seine Leute zu seinem Palast geleiten.� Sie scharten sich um uns und wandten sich zu den Stufen, die zum Gang der Hoffnung hinunterf�hrten. �Halt!� rief Zat Arrras. �Soldaten von Helium, erlaubt keinem Gefangenen, den Thron der Gerechtigkeit zu verlassen.�</p><p>Die Soldaten von Zodanga waren der einzige geordnete Trupp im Tempel, und das lie� Zat Arrras wohl glauben, da� seine Befehle befolgt werden w�rden. Doch ich bezweifle, da� er mit dem Widerstand gerechnet hatte, der sich in dem Moment zeigte, als die Soldaten auf den Thron zutraten.</p><p>In jedem Teil des Kolosseums blitzten Klingen auf, und aufgebrachte M�nner st�rmten auf die Zodanganer zu. Eine Stimme wurde laut: �Tardos Mors ist tot�� tausend Jahre John Carter, dem Jeddak von Helium.� Als ich das h�rte und die bedrohliche Einstellung der Menschen von Helium zu den Soldaten von Zat Arrras sah, wu�te ich, da� nur durch ein Wunder der Zusammensto� vermieden werden konnte, der einen B�rgerkrieg zur Folge haben w�rde.</p><p>�Haltet ein!� rief ich und sprang wieder zum Podest der Wahrheit. �Kein Mann soll sich bewegen, bis ich geendet habe. Ein einziger Schwertsto� hier und heute kann Helium in einen bitteren und blutigen Krieg st�rzen, dessen Ausgang niemand vorhersehen kann. Er wird Bruder gegen Bruder wenden und Vater gegen Sohn. Niemandes Leben ist dieses Opfer wert. Lieber m�chte ich mich dem ungerechten Urteil von Zat Arrras beugen, als der Ausl�ser eines B�rgerkrieges in Helium zu sein. La�t jeden von uns vorl�ufig ein St�ck nachgeben, und die ganze Angelegenheit soll ruhen, bis Tardos Mors oder Mors Kajak, sein Sohn, zur�ckkehrt. Sollte keiner von ihnen am Ende des Jahres wieder da sein, so soll ein zweiter Proze� abgehalten werden�� daf�r gibt es bereits einen Pr�zedenzfall.�</p><p>Dann wandte ich mich an Zat Arrras und sagte leise: �Wenn du nicht ein gr��erer Narr bist, als ich annehme, dann nutze die Chance, die ich dir hiermit biete, bevor es zu sp�t ist. Hat erst die Mehrheit das Schwert gegen deine Soldaten gezogen, kann kein Mensch auf Barsoom�� nicht einmal Tardos Mors selbst�� die Folgen abwenden. Was sagst du? Schnell!�</p><p>Der Jed vom zodanganischen Helium rief mit vor Zorn bebender Stimme der ver�rgerten Menge unter uns zu: �Haltet ein, Menschen von Helium. Das Gericht hat sein Urteil gesprochen, doch der Tag der Vollstreckung ist noch nicht festgesetzt. Ich, Zat Arrras, Jed von Zodanga, gew�hre dem Gefangenen in Anerkennung seiner Verbindungen zum K�nigshaus und seiner bisherigen Verdienste f�r Helium und Barsoom eine Frist von einem Jahr oder bis zur R�ckkehr von Mors Kajak oder Tardos Mors. Gebt Frieden und geht nach Hause! Geht!�</p><p>Keiner bewegte sich. Statt dessen standen alle in gespannter Stille da und blickten zu mir, als warteten sie auf das Zeichen zum Angriff.</p><p>�R�umt den Tempel�, befahl Zat Arrras mit leiser Stimme einem seiner Offiziere.</p><p>Da ich die Dinge f�rchtete, die dabei herauskommen mochten, wenn man diesen Befehl mit Gewalt durchsetzte, trat ich an den Rand des Podestes, wies auf das Hauptportal und bat alle, den Saal zu verlassen. Einm�tig folgten alle meiner Bitte, wandten sich um und marschierten still und bedrohlich an den Soldaten von Zat Arrras, dem Jed von Zodanga, vorbei, der vor ohnm�chtiger Wut finster dreinblickend dastand.</p><p>Kantos Kan und jene, die mir ihre Lehnstreue geschworen hatten, befanden sich noch immer neben mir auf dem Thron der Gerechtigkeit.</p><p>�Komm, wir begleiten dich zu deinem Palast, Prinz�, sagte Kantos Kan zu mir. �Kommt, Carthoris und Xodar. Komm, Tars Tarkas.� Mit einem hochm�tigen L�cheln f�r Zat Arrras auf den sch�n geschwungenen Lippen wandte er sich um und schritt die Podeststufen hinab zum Gang der Hoffnung. Wir vier und unsere einhundert Getreuen folgten. Niemand versuchte uns zur�ckzuhalten, obwohl gl�hende Augen unseren Triumphzug durch den Tempel beobachteten.</p><p>Die Stra�en waren voller Menschen, die uns jedoch einen Weg �ffneten. Zahlreiche Schwerter wurden mir auf dem Marsch durch die Innenstadt von Helium bis zu meinem Palast am Stadtrand vor die F��e geworfen. Hier knieten meine alten Sklaven vor mir nieder und k��ten mir die H�nde, als ich sie begr��te. Ihnen war gleich, wo ich gewesen war, Hauptsache, ich war zu ihnen zur�ckgekehrt.</p><p>�Ach, Herr, w�re nur unsere g�ttliche Prinzessin noch bei uns, dann w�re dies wirklich ein Tag.�</p><p>Tr�nen stiegen mir in die Augen, so da� ich mich abwenden mu�te, um meine Gef�hle zu verbergen. Carthoris weinte in aller �ffentlichkeit, als ihn die Sklaven mit Bekundungen ihrer Zuneigung und Worten des Mitgef�hles wegen unseres gemeinsamen Verlustes bedr�ngten. Nun erfuhr Tars Tarkas auch, da� seine Tochter, Sola, Dejah Thoris auf die lange Pilgerfahrt begleitet hatte. Ich hatte es nicht �bers Herz gebracht, ihm Kantos Kans Bericht mitzuteilen. Gelassen wie die gr�nen Marsmenschen sind, zeigte er sein Leid nicht, und doch wu�te ich, da� sein Kummer ebenso tief war wie der meinige. In deutlichem Unterschied zu seinem Volk waren in ihm die menschlichen Gef�hle wie Liebe, Freundschaft und N�chstenliebe gut ausgepr�gt.</p><p>Es war eine traurige und d�stere Gesellschaft, die sich an diesem Tag beim Willkommensfest im gro�en Speisesaal des Palastes vom Prinz von Helium versammelt hatte. Wir waren �ber einhundert Personen, nicht mitgez�hlt die Mitglieder meines kleinen Hofes, denn Dejah Thoris und ich hatten ein Haus gef�hrt, wie es sich unseres k�niglichen Standes geziemte.</p><p>Die Tafel besa� entsprechend dem Brauch der roten Marsmenschen dreieckige Form, da wir in der Familie zu dritt waren. Carthoris und ich sa�en in der Mitte unserer Tischseiten�� in der Mitte der dritten Seite stand Dejah Thoris� hoher geschnitzter Stuhl, leer bis auf den pr�chtigen Hochzeitsstaat und die Juwelen, mit denen man ihn verziert hatte. Hinter ihm stand ein Sklave, wie in den Tagen, wenn seine Herrin ihren Platz an der Tafel eingenommen hatte, bereit, ihren Befehlen Folge zu leisten. Es war auf Barsoom so �blich, so erduldete ich diese Qual, obwohl es mir das Herz zerri�, den Platz still zu sehen, wo meine lachende und lebhafte Prinzessin sitzen und die gro�e Halle mit ihrem ansteckenden Frohsinn erf�llen sollte.</p><p>Zu meiner rechten sa� Kantos Kan, w�hrend rechts neben Dejah Thoris� leerem Platz Tars Tarkas auf einem riesigen Stuhl vor einem erh�hten Teil der Tafel sa�, den ich vor Jahren entsprechend den Erfordernissen seiner riesigen Ausma�e hatte entwerfen lassen.</p><p>Auf dem Mars befindet sich der Ehrenplatz an einer Tafel immer zur Rechten der Gastgeberin, und diesen Platz hielt Dejah Thoris stets f�r den gro�en Thark reserviert, wenn er zu bestimmten Anl�ssen in Helium weilte.</p><p>Hor Vastus sa� auf dem Ehrenplatz auf Carthoris� Tafelseite. Man unterhielt sich ein wenig �ber allgemeine Dinge. Es war eine stille und betr�bte Gesellschaft. Ein jeder hing noch sehr in Gedanken Dejah Thoris nach, hinzu kamen die Sorge um Tardos Mors und Mors Kajak, sowohl Zweifel und Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft von Helium, sollte es sich herausstellen, da� es f�r immer seines gro�en Jeddaks beraubt war.</p><p>Pl�tzlich vernahmen wir in der Ferne Geschrei, es klang, als ob mehrere Menschen zugleich die Stimme erhoben, doch ob aus �rger oder Freude konnte man nicht feststellen. Der Aufruhr kam immer n�her. Ein Sklave kam in den Essensaal gest�rzt und rief, eine gro�e Menschenmenge str�me durch die Palasttore. Ein zweiter folgte ihm auf den Fersen, abwechselnd lachend, dann wieder schreiend, als habe er den Verstand verloren.</p><p>�Dejah Thoris ist gefunden worden! Eine Nachricht von Dejah Thoris!� rief er.</p><p>Ich wartete nicht weiter. Die gro�en Fenster des Speisesaales blickten auf die Promenade zum Hauptportal�� sie befanden sich auf der anderen Seite des Saales, dazwischen war nur der Tisch. Ich verschwendete keine Zeit damit, die Tafel zu umgehen�� ein einziger Satz bef�rderte mich �ber Tisch und G�ste hinweg auf den Balkon. Drei�ig Fu� weiter unten lag der scharlachfarbene Rasen. Hinten hatten sich viele Menschen um ein gro�es Thoat geschart, das einen Reiter in Richtung Palast trug. Ich sprang hinunter auf den Rasen und st�rmte auf die Gruppe zu.</p><p>Beim N�herkommen erkannte ich in der Gestalt auf dem Thoat Sola.</p><p>�Wo ist die Prinzessin von Helium?� fragte ich.</p><p>Das gr�ne M�dchen glitt von seinem riesigen Reittier und kam auf mich zugerannt.</p><p>�O mein Prinz, mein Prinz!� rief sie. �Sie ist f�r immer verloren. In diesem Moment kann sie eine Gefangene auf dem ersten Mond sein. Die schwarzen Piraten von Barsoom haben sie geraubt.�</p></section><section><title><p>18. Sola erz�hlt</p></title><p>Wieder im Palast, zog ich Sola zum Speisesaal, und nachdem sie ihren Vater in der Art und Weise der gr�nen Menschen begr��t hatte, begann sie von der Pilgerfahrt und Gefangennahme von Dejah Thoris zu berichten.</p><p>�Vor sieben Tagen ertappte ich Dejah Thoris nach ihrer Audienz mit Zat Arrras mitten in der Nacht dabei, wie sie sich aus dem Palast stehlen wollte. Obwohl ich nicht wu�te, wie ihr Gespr�ch mit Zat Arrras verlaufen war, ahnte ich, da� etwas vorgefallen war, das ihr gro�e seelische Pein verschaffte, und als ich sie erblickte, mu�te mir nicht gesagt werden, was sie vorhatte. Ich weckte schnell ein Dutzend ihrer treuesten Wachposten und legte ihnen meine Bef�rchtungen dar. Einm�tig erkl�rten sich alle bereit, die geliebte Prinzessin auf ihrem Weg zu begleiten, auch wenn dieser zur Heiligen Iss oder ins Tal Dor f�hrte. Ein kurzes St�ck hinter dem Palast holten wir sie ein. Nur Woola, der treue Hund, war bei ihr. Als sie uns erblickte, wurde sie w�tend und befahl uns, zum Palast zur�ckzukehren. Doch dieses eine Mal gehorchten wir nicht. Als sie sah, da� wir sie nicht allein auf die letzte Pilgerfahrt gehen lassen w�rden, brach sie in Tr�nen aus, umarmte uns, und gemeinsam marschierten wir durch die Nacht gen S�den. Am n�chsten Tag stie�en wir auf eine Herde von kleinen Thoats, sa�en auf und kamen fortan schnell voran, so da� wir uns bereits tief im S�den befanden, als wir am Morgen des f�nften Tages eine gro�e, in n�rdlicher Richtung segelnde Kriegsflotte auf uns zukommen sahen. Sie erblickten uns, bevor wir uns verbergen konnten, und bald waren wir von einer Horde schwarzer M�nner umzingelt. Die Soldaten der Prinzessin k�mpften tapfer bis zuletzt, wurden jedoch schnell �berw�ltigt. Nur Dejah Thoris und ich blieben am Leben. Als der Prinzessin klar wurde, da� sie den schwarzen Piraten in die H�nde gefallen war, versuchte sie sich das Leben zu nehmen. Doch einer der Schwarzen entri� ihr den Dolch, und dann fesselten sie uns, so da� wir nicht einmal die H�nde bewegen konnten. Nach unserer Gefangennahme setzte die Flotte ihren Weg nach Norden fort. Alles in allem waren es ungef�hr zwanzig gro�e Kriegsschiffe, abgesehen von einigen kleineren schnellen Kreuzern. An diesem Abend kehrte eines der kleineren Flugzeuge, das der Flotte weit vorausgeeilt war, mit einer Gefangenen zur�ck�� einer jungen roten Frau, die man in einem Gebirge aufgegriffen hatte, direkt vor der Nase einer aus drei Kriegsschiffen bestehenden Flotte roter Marsmenschen. Gespr�chsfetzen, die wir aufschnappten, entnahmen wir, da� die schwarzen Piraten nach einer Gruppe von Fl�chtlingen suchten, die ihnen einige Tage zuvor entwischt war. Da� die Gefangennahme der jungen roten Frau f�r sie wichtig war, sah man daran, da� der Flottenkapit�n ein langes, ernstes Gespr�ch mit ihr f�hrte. Sp�ter wurde sie gefesselt zu Dejah Thoris und mir in die Kabine gebracht. Die neue Gefangene war sehr h�bsch. Sie erz�hlte Dejah Thoris, da� sie vor vielen Jahren die freiwillige Pilgerfahrt vom Hofe ihres Vaters, dem Jeddak von Ptarth, angetreten hatte. Sie hie� Thuvia und war die Prinzessin von Ptarth. Dann fragte sie Dejah Thoris nach ihrem Namen, und als sie diesen vernahm, kniete sie nieder, k��te Dejah Thoris� gefesselte H�nde und erz�hlte ihr, da� sie noch an eben jenem Morgen mit John Carter, Prinz von Helium, und Carthoris, ihren Sohn, zusammen gewesen war.</p><p>Dejah Thoris glaubte ihr zuerst nicht, doch schlie�lich, als die junge Frau all die seltsamen Abenteuer geschildert hatte, die ihr zugesto�en waren, seit sie John Carter getroffen hatte, sowie die Dinge, die John Carter, Carthoris und Xodar von ihrem Aufenthalt im Land der Erstgeborenen berichtet hatten, wu�te Dejah Thoris, da� es niemand anders sein konnte als der Prinz von Helium. �Denn wer auf ganz Barsoom, wenn nicht John Carter, h�tte all die Taten vollbringen k�nnen, von denen du erz�hlt hast�, sagte sie. Und als Thuvia Dejah Thoris von ihrer Liebe f�r John Carter berichtet hatte, seiner Treue und Untergebenheit f�r die von ihm erw�hlte Prinzessin, brach Dejah Thoris zusammen und weinte�� verfluchte Zat Arrras und das grausame Schicksal, das sie aus Helium vertrieben hatte.�</p><p>�Ich nehme dir nicht �bel, da� du ihn liebst, Thuvia�, sagte sie. �Dein aufrichtiges Bekenntnis zeigt mir, da� dein Gef�hl f�r ihn rein und ehrlich ist.�</p><p>Die Flotte setzte den Weg nach Norden fort und kam fast bis Helium, doch letzte Nacht wurde den Piraten offensichtlich klar, da� John Carter ihnen tats�chlich entkommen war, und so gingen sie wieder auf Kurs nach S�den. Kurz danach betrat ein Wachposten unser Abteil und zerrte mich an Deck.</p><p>�F�r eine gr�ne ist kein Platz im Land der Erstgeborenen�, sagte er und versetzte mir bei diesen Worten einen f�rchterlichen Sto�, der mich �ber Bord gehen lie�. Offensichtlich schien ihm das der einfachste Weg zu sein, das Fahrzeug von meiner Anwesenheit zu befreien und mich gleichzeitig zu t�ten. Doch das Schicksal meinte es gut mit mir, und wie durch ein Wunder �berlebte ich, nur leicht verletzt. Das Schiff flog zu diesem Zeitpunkt sehr langsam, und als ich vom Deck in die Dunkelheit st�rzte, erschauderte ich angesichts des schrecklichen Endes, das mir, so glaubte ich, bevorstand, denn den ganzen Tag hatte sich die Flotte in eintausend Fu� H�he befunden. Doch zu meiner gro�en �berraschung landete ich keine zwanzig Fu� weiter unten auf einer weichen Pflanzendecke. Eigentlich h�tte der Kiel des Schiffes zu dieser Zeit den Boden streifen m�ssen. Ich blieb die ganze Nacht dort liegen, wo ich aufgekommen war, und der n�chste Morgen erkl�rte mir, welchem Gl�cksumstand ich mein Leben zu verdanken hatte. Bei Sonnenaufgang bot sich mir weit unten der Ausblick auf einen schier endlosen Meeresgrund. In der Ferne sah ich ein Gebirge. Ich befand mich auf dem h�chsten Gipfel einer Gebirgskette. Die Flotte hatte den Bergkamm in der n�chtlichen Finsternis beinahe gestreift, und in der kurzen Zeit, in der sie dicht dar�ber hinweggeflogen war, hatte der schwarze Wachposten mich hinausgeworfen, seines Glaubens in den Tod. Einige Meilen westlich von mir erblickte ich eine gro�e Wasserstra�e. Als ich sie erreichte, stellte ich zu meiner Freude fest, da� sie Helium geh�rte. Hier beschaffte man mir ein Thoat�� und den Rest kennt ihr.</p><p>Einige Minuten herrschte Stille. Dejah Thoris in den H�nden der Erstgeborenen! Ich erschauderte bei dem Gedanken, doch pl�tzlich flackerte in mir wieder mein altes grenzenloses Selbstvertrauen auf. Ich sprang auf und gelobte mit entschlossener Haltung und erhobenem Schwert feierlich, mich auf den Weg zu meiner Prinzessin zu machen, sie zu befreien und zu r�chen.</p><p>Einhundert Schwerter fuhren aus einhundert Scheiden, und einhundert Kriegsm�nner sprangen zum Kopfende der Tafel und versprachen mir, mich mit ihrem Leben und Verm�gen bei der Expedition zu unterst�tzen. Meine Pl�ne standen bereits fest. Ich dankte einem jeden meiner treuen Freunde, und zog mich, Carthoris leistete ihnen weiter Gesellschaft, mit Kantos Kan, Tars Tarkas, Xodar und Hor Vastus in mein Audienzzimmer zur�ck.</p><p>Hier besprachen wir bis tief in die Nacht die Einzelheiten unseres Vorgehens. Xodar war davon �berzeugt, da� Issus sowohl Dejah Thoris als auch Thuvia f�r ein Jahr als Dienerinnen zu sich holen w�rde.</p><p>�So lange werden sie zumindest verh�ltnism��ig sicher sein, und wir wissen, wo wir nach ihnen suchen m�ssen�, sagte er.</p><p>Die Einzelheiten der Ausr�stung der Flotte, mit der wir uns nach Omean begeben w�rden, wurden Kantos Kan und Xodar �berlassen. Ersterer erkl�rte sich bereit, so schnell wie m�glich solche Fahrzeuge, wie wir sie ben�tigten, ins Dock zu nehmen, wo Xodar ihre Ausr�stung mit Wasserpropellern leiten w�rde.</p><p>Jahrelang war der Schwarze daf�r verantwortlich gewesen, die geraubten Fahrzeuge so umzubauen, da� sie Omean beschiffen konnten. Demzufolge war er bestens mit der Bauart der ben�tigten Propeller, der Unterk�nfte und der zus�tzlichen Getriebe vertraut.</p><p>Unsere Vorbereitungen w�rden sch�tzungsweise etwa sechs Monate in Anspruch nehmen, angesichts der Tatsache, da� das Projekt vor Zat Arrras absolut geheimgehalten werden mu�te. Kantos Kan war �berzeugt, da� der Ehrgeiz des Mannes erwacht war und er sich mit nichts Geringerem als dem Rang des Jeddaks von Helium zufrieden geben w�rde.</p><p>�Ich zweifle sogar daran, da� er Dejah Thoris� R�ckkehr begr��en w�rde, denn dann g�be es jemanden, der dem Thron n�her st�nde als er. W�rest du und Carthoris ihm nicht mehr im Weg, so hielte ihn nur wenig davon ab, den Titel des Jeddaks anzunehmen, und du kannst davon ausgehen, da� ihr beide nicht sicher seid, so lange er hier an der Macht ist.�</p><p>�Es gibt einen Weg, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen, und zwar einen endg�ltigen�, rief Hor Vastus.</p><p>�Welchen?� fragte ich.</p><p>Er l�chelte. �Ich werde es hier nur fl�stern, doch eines Tages werde ich es vom Dach des Tempels der Vergeltung den jubelnden Massen verk�nden.�</p><p>�Und was?� fragte Kantos Kan.</p><p>�John Carter, Jeddak von Helium�, sagte Hor Vastus leise.</p><p>Die Augen meiner Freunde leuchteten auf, und ein freudiges und hoffnungsvolles L�cheln trat in ihre finsteren Gesichter. Sie blickten mich fragend an. Doch ich sch�ttelte den Kopf und sagte l�chelnd: �Nein, meine Freunde, ich danke euch, doch es kann nicht sein. Zumindest noch nicht. Wenn wir erfahren, da� Tardos Mors und Mors Kajak nie wieder zur�ckkehren, werde ich, sollte ich hier sein, mich zu euch gesellen und dabei zusehen, wie das Volk von Helium von seinem Recht Gebrauch macht, seinen n�chsten Jeddak zu w�hlen. Wen, das mag von der Treue meines Schwertes abh�ngen, doch werde ich diese Ehre nicht f�r mich suchen. Bis dahin ist Tardos Mors der Jeddak von Helium und Zat Arrras sein Vertreter.�</p><p>�Wie du meinst, John Carter�, sagte Hor Vastus, �Doch�� was war das?� fl�sterte er und wies auf das Fenster zum Garten.</p><p>Die Worte waren kaum aus seinem Munde, als er schon hinaus auf den Balkon eilte.</p><p>�Dort l�uft er!� rief er aufgeregt. �Wachen! Dort unten! Wachen!�</p><p>Wir standen dicht hinter ihm und sahen einen Mann �ber ein kleines Rasenst�ck rennen und dahinter im Geb�sch verschwinden.</p><p>�Er war auf dem Balkon, als ich ihn erblickte. Schnell, hinterher!� rief Hor Vastus.</p><p>Wir st�rmten in den Garten, doch obwohl wir die Anlage stundenlang mit der ganzen Wache absuchten, war keine Spur des n�chtlichen Eindringlings zu finden.</p><p>�Was h�ltst du davon, Kantos Kan?� fragte Tars Tarkas.</p><p>�Ein Spion von Zat Arrras. Das war schon immer seine Art�, entgegnete dieser.</p><p>�Dann wird er seinem Herren etwas sehr Interessantes zu berichten haben�, lachte Hor Vastus.</p><p>�Ich hoffe, er hat nur unsere Anspielungen auf einen neuen Jeddak vernommen�, sagte ich. �Sollte er unsere Pl�ne zur Befreiung Dejah Thoris� mitangeh�rt haben, bedeutet das B�rgerkrieg, denn dann wird er versuchen, uns daran zu hindern, und das lasse ich mir nicht gefallen. Dabei w�rde ich mich gegen Tardos Mors selbst wenden, wenn das n�tig w�re. Ich werde weitermachen, um meiner Prinzessin zu dienen. Nichts au�er dem Tod soll mich davon abhalten. Sollte ich sterben, meine Freunde, schw�rt ihr mir, da� ihr die Suche nach ihr fortsetzt und sie unbeschadet an den Hof ihres Gro�vaters zur�ckbringt?�</p><p>Bei der Klinge seines Schwertes gelobte ein jeder, zu tun, wie ich gebeten.</p><p>Wir beschlossen, die Kriegsschiffe, die umgebaut werden sollten, nach Hastor zu beordern, einer heliumitischen Stadt weit im S�dwesten. Kantos Kan glaubte, die dortigen Docks k�nnten sich zus�tzlich zu ihrer �blichen Arbeit noch auf jeweils mindestens sechs Kriegsschiffe einstellen. Als oberster Befehlshaber der Marine war es ihm ein Leichtes, die Fahrzeuge dorthin zu befehlen und danach die umgebaute Flotte in abgelegenen Gebieten des Reiches vor Anker gehen zu lassen, bis wir bereit waren, sie zum Sturm auf Omean zusammenzurufen.</p><p>Es war sp�t am Abend, als sich unsere Versammlung aufl�ste, doch jedem der M�nner waren fest umrissene Pflichten zugeteilt worden, und jede Einzelheit des Planes war gekl�rt.</p><p>Kantos Kan und Xodar sollten sich um den Umbau der Schiffe k�mmern. Tars Tarkas wollte mit den Thark in Verbindung treten und herausfinden, wie das Volk seine R�ckkehr aus Dor aufnahm. Waren sie dieser wohlgesonnen, sollte er sich augenblicklich nach Thark begeben und die Zeit nutzen, eine gro�e Horde gr�ner Krieger zusammenzuziehen, die unserem Plan nach mit Transportflugzeugen direkt zum Tal Dor und dem Tempel Issus gebracht werden sollten, w�hrend die Flotte in Omean eindringen und die Fahrzeuge der Erstgeborenen zerst�ren sollte.</p><p>Auf Hor Vastus� Schultern ruhte die heikle Aufgabe, eine geheime Gruppe von Soldaten zu organisieren, die schw�ren mu�ten, John Carter zu folgen, wohin auch immer das sein mochte. Da wir sch�tzten, da� �ber eine Million Mann vonn�ten waren, um die tausend gro�en Kriegsschiffe zu bemannen, die wir f�r Omean planten, die Transporflugzeuge f�r die gr�nen Menschen, als auch die Begleitschiffe, war es keine einfache Angelegenheit, die Hor Vastus zu bew�ltigen hatte.</p><p>Nach ihrem Aufbruch w�nschte ich Carthoris eine gute Nacht, denn ich war sehr m�de, begab mich in meine Gem�cher, nahm ein Bad und legte mich auf meinen seidenen Schlaft�chern und Fellen zur ersten ruhigen Nacht seit meiner R�ckkehr nach Barsoom nieder. Doch sogar jetzt sollte meine Hoffnung entt�uscht werden.</p><p>Wie lange ich schlief, wei� ich nicht. Unerwartet fand ich ein halbes Dutzend starke M�nner �ber mir, ein Knebel steckte mir bereits im Mund. Einen Augenblick sp�ter hatten sie meine Arme und Beine gefesselt. Sie gingen so schnell und geschickt zu Werke, da� ich absolut nicht in der Lage war, mich zu befreien, als ich wieder bei vollem Bewu�tsein war.</p><p>Nicht ein Wort fiel zwischen ihnen, und der Knebel hielt mich sehr wirkungsvoll vom Sprechen ab. Schweigend hoben sie mich auf und trugen mich hinaus. Als sie an dem Fenster vorbeikamen, durch das die hellen Strahlen des zweiten Mondes fielen, sah ich, da� jeder von ihnen das Gesicht mit Seident�chern verh�llt hatte�� ich erkannte nicht einen von ihnen.</p><p>Auf dem Korridor wandten sie sich dann in Richtung einer Geheimt�r in der Wandt�felung, von wo ein Gang zu den Gew�lben unter dem Palast f�hrte. Ich hatte meine Zweifel daran, da� irgendein Au�enstehender von diesem Geheimgang wu�te. Doch der Anf�hrer der Gruppe z�gerte nicht eine Sekunde. Er trat direkt auf die T�felung zu, ber�hrte den verborgenen Knopf, und als die T�r aufschwang, blieb er stehen und lie� erst seine Leute mit mir hineingehen. Dann folgte er uns, nachdem er die Geheimt�r wieder hinter sich geschlossen hatte.</p><p>Es ging in Richtung der Gew�lbe, durch sich windende G�nge, die ich selbst nie zuvor erforscht hatte, immer weiter, bis wir nach meiner �berzeugung das Palastgel�nde schon weit hinter uns gelassen haben mu�ten. Dann stieg der Weg wieder an.</p><p>Schlie�lich blieb die Gruppe vor einer wei�en Wand stehen. Der Anf�hrer klopfte mit dem Griff seines Schwertes dagegen��er tat drei kurze und deutliche Schl�ge, hielt dann inne, tat noch einmal drei weitere, wartete wieder und klopfte dann zweimal. Eine Sekunde sp�ter glitt die Wand nach innen, und ich wurde in ein hell erleuchtetes Gemach gesto�en, in dem drei reich geschm�ckte M�nner sa�en.</p><p>Einer von ihnen wandte sich um, ein b�ses L�cheln auf den d�nnen, unbarmherzigen Lippen�� es war Zat Arrras.</p></section><section><title><p>19. Bittere Verzweiflung</p></title><p>�Oh, welch g�nstigen Umst�nden verdanke ich das Vergn�gen dieses unerwarteten Besuchs durch den Prinzen von Helium?� fragte Zat Arrras.</p><p>Noch w�hrend er dies sagte, entfernte eine meiner Wachen den Knebel aus meinem Mund, doch ich gab keine Antwort, sondern stand wortlos da und blickte den Jed von Zodanga ruhig an. Ich zweifle nicht, da� meine Miene die Verachtung widerspiegelte, die ich f�r diesen Mann empfand.</p><p>Die Augen der im Gemach Anwesenden hafteten zuerst auf mir und dann auf Zat Arrras, bis sich sein Gesicht schlie�lich vor Zorn langsam r�tete.</p><p>�Ihr k�nnt gehen�, sagte er zu denjenigen, die mich hergebracht hatten, und als nur noch seine zwei Kumpane und wir im Raum waren, redete er wieder mit mir. Seine Stimme klang eisig, er sprach sehr langsam und bed�chtig und machte viele Pausen, als w�hle er seine Worte sorgf�ltig.</p><p>�John Carter, nach dem Gewohnheitsrecht, nach dem Gesetz unserer Religion und gem�� dem Urteilsspruch eines unparteiischen Gerichtshofes bist du zum Tode verurteilt. Das Volk kann dich nicht retten�� das steht allein mir zu. Du bist v�llig in meiner Macht, und ich kann mit dir nach Gutd�nken verfahren. Ich kann dich t�ten lassen oder freisprechen, und sollte ich es f�r gut befinden, dich zu t�ten, w�re auch niemand kl�ger.</p><p>Solltest du entsprechend den Bedingungen der Begnadigung ein Jahr lang frei in Helium umherspazieren, steht kaum zu bef�rchten, da� das Volk auf der Vollstreckung des gegen dich ausgesprochenen Urteils bestehen w�rde.</p><p>Binnen zwei Minuten kannst du ungehindert gehen, unter einer Bedingung. Tardos Mors wird nie nach Helium zur�ckkehren, ebensowenig Mors Kaja oder Dejah Thoris. Helium mu� binnen eines Jahres einen neuen Jeddak w�hlen. Dann w�re Zat Arrras Jeddak von Helium. Sage mir, da� du meine Sache vertreten wirst. Das ist der Preis f�r deine Freiheit. Ich bin fertig.�</p><p>Ich wu�te, da� der grausame Zat Arrras durchaus f�hig war, mich zu vernichten. War ich erst einmal tot, bestand wenig Anla� zu zweifeln, da� er sehr leicht Jeddak von Helium werden w�rde. War ich auf freiem Fu�, konnte ich die Suche nach Dejah Thoris fortsetzen. Bei meinem Tod w�ren meine tapferen Gef�hrten nicht in der Lage, unsere Pl�ne auszuf�hren. W�rde ich mich also weigern, seiner Forderung nachzukommen, stand zu erwarten, da� ich ihn nicht nur hinderte, Jeddak von Helium zu werden, sondern auch das Schicksal von Dejah Thoris besiegelte�� indem ich sie durch meine Weigerung den Greueln der Arena von Issus �berlieferte.</p><p>Ich z�gerte einen Augenblick lang, aber nur einen Augenblick. Die stolze Tochter von eintausend Jeddaks w�rde den Tod einer so schimpflichen Allianz wie dieser hier vorziehen. Wie k�nnte John Carter da weniger f�r Helium tun, als seine Prinzessin tun w�rde?</p><p>Also sagte ich zu Zat Arrras: �Es kann zwischen einem Verr�ter an Helium und einem Prinzen des Hauses von Tardos Mors keinen Pakt geben. Ich glaube nicht, Zat Arrras, da� der gro�e Jeddak tot ist.�</p><p>Er zuckte die Schultern.</p><p>�Nicht mehr lange werden deine Ansichten selbst f�r dich von Interesse sein, John Carter, also mache das Beste daraus, solange du kannst. Zat Arrras wird dir gestatten, eine geb�hrende Zeit weiter �ber das gro�m�tige Angebot nachzudenken, das er dir gemacht hat. Zu diesem Zweck wirst du heute nacht in die Stille und Finsternis der Gruben eintreten, wohl wissend, dieser Finsternis und dem Schweigen niemals zu entrinnen, sollte es dir nicht gelingen, innerhalb einer vern�nftigen Zeitspanne in die Alternative einzuwilligen, die man dir bietet. Auch sollst du nicht erfahren, in welcher Minute die Hand mit dem scharfen Dolch durch die Finsternis und die Stille reichen wird, um dich der letzten M�glichkeit zu berauben, erneut die W�rme, Freiheit und Fr�hlichkeit der Au�enwelt zu erlangen.�</p><p>Noch w�hrend dieser Worte klatschte Zat Arrras in die H�nde. Die Wachen kehrten zur�ck.</p><p>Er wies mit einer Handbewegung auf mich.</p><p>�In die Gruben�, sagte er. Das war alles. Vier M�nner begleiteten mich aus dem Gemach und eskortierten mich beim Schein einer Radium-Handlampe, die ihnen den Weg beleuchtete, durch scheinbar endlose Tunnel hinab, immer weiter hinab unter die Stadt Helium.</p><p>Schlie�lich blieben sie in einer recht ger�umigen Kammer stehen. In die Felsenw�nde ringsum waren Ringe eingelassen. Daran waren Ketten befestigt. An vielen davon hingen menschliche Skelette. Sie stie�en eines davon beiseite, schlossen das riesige Vorh�ngeschlo� auf, das die Kette um das festhielt, was einst ein Fu�kn�chel war, und lie�en das Eisenband um mein Bein zuschnappen. Dann verlie�en sie mich, wobei sie die Lampe mitnahmen.</p><p>Pechschwarze Finsternis h�llte mich ein. Einige Minuten lang konnte ich noch das Waffengeklirr h�ren, dann wurde auch dies immer schw�cher, bis die Stille ebenso vollkommen wie die Finsternis war. Ich war allein mit meinen gr��lichen Gef�hrten�� den Gebeinen von Toten, deren Schicksal mir nur das Bevorstehende vor Augen f�hrte.</p><p>Wie lange ich stand und in die Finsternis lauschte, wei� ich nicht, doch das Schweigen dauerte an, und schlie�lich sank ich auf den harten Boden meines Kerkers, lehnte den Kopf gegen die Steinwand und schlief ein.</p><p>Ich mu� wohl einige Stunden geschlafen haben, denn als ich erwachte, sah ich einen jungen Mann vor mir stehen. In der einen Hand hielt er eine Lampe, in der anderen ein Gef��, das eine haferschleim�hnliche Substanz enthielt�� die �bliche Gef�ngniskost von Barsoom.</p><p>�Zat Arrras sendet dir Gr��e und hat mir aufgetragen, dich in Kenntnis zu setzen, da� er nicht geneigt ist, das Angebot zur�ckzuziehen, welches er dir gemacht hat, obwohl er voll und ganz �ber die Verschw�rung im Bilde ist, dich zum Jeddak von Helium zu machen. Willst du die Freiheit gewinnen, brauchst du mich nur zu bitten, Zat Arrras mitzuteilen, da� du die Bedingungen seines Vorschlags annimmst.�</p><p>Ich sch�ttelte den Kopf. Der J�ngling sagte nichts mehr, und nachdem er das Essen neben mich auf den Boden gesetzt hatte, kehrte er auf den Korridor zur�ck und nahm die Lampe mit.</p><p>Viele Tage lang kam er nun t�glich zweimal mit Essen in meine Zelle, und jedesmal �berbrachte er dieselben Gr��e von Zat Arrras. Ich bem�hte mich lange, ihn in ein Gespr�ch �ber andere Dinge zu verwickeln, aber er wollte nicht reden, und so gab ich schlie�lich jeden Versuch auf.</p><p>Vier Monate zerbrach ich mir den Kopf, um eine M�glichkeit zu finden, Carthoris meinen Aufenthalt mitzuteilen. Monatelang kratzte ich an einem einzelnen Glied der massiven Kette, die mich hielt, in der Hoffnung, sie schlie�lich durchzus�gen, so da� ich dem J�ngling durch die gewundenen Tunnel zu einem Punkt folgen konnte, wo ein Ausbruch in die Freiheit m�glich war.</p><p>Ich gierte f�rmlich nach Nachrichten �ber das Vorankommen der Expedition, die Dejah Thoris retten sollte. Mir war klar, da� Carthoris die Angelegenheit nicht fallen lassen w�rde, k�nnte er nach Belieben handeln, doch so weit ich wu�te, war er vielleicht auch Gefangener in Zat Arrras� Gruben.</p><p>Ich wu�te, da� Zat Arrras� Spion unser Gespr�ch �ber die Wahl eines neuen Jeddaks mitgeh�rt hatte, und kaum ein halbes Dutzend Minuten vorher hatten wir die Einzelheiten des Plans zur Rettung von Dejah Thoris er�rtert. So war durchaus damit zu rechnen, da� er auch dar�ber gut informiert war. Carthoris, Kantos Kan, Tars Tarkas, Hor Vastus und Xodar waren vielleicht schon Zat Arrras� M�rdern zum Opfer gefallen oder seine Gefangenen.</p><p>Ich beschlo�, zumindest noch einen Versuch zu unternehmen, um etwas in Erfahrung zu bringen. Zu diesem Zweck wendete ich eine bestimmte Strategie an, als der J�ngling wieder in meine Zelle kam. Ich hatte bemerkt, da� er ein h�bscher Bursche und etwa so gro� und so alt wie Carthoris war. Au�erdem war mir aufgefallen, da� seine sch�bige Kleidung im Widerspruch zu seiner erhabenen und stolzen Haltung stand.</p><p>Auf diese Beobachtungen gest�tzt, er�ffnete ich bei seinem folgenden Besuch die Verhandlungen.</p><p>�Du bist w�hrend meiner Einkerkerung hier stets sehr freundlich zu mir gewesen�, sagte ich zu ihm. �Da ich wei�, da� ich nur noch sehr kurze Zeit zu leben habe, w�nsche ich, ehe es dazu zu sp�t ist, ein ausf�hrliches Zeugnis meiner Wertsch�tzung f�r all das aufzusetzen, was du getan hast, um meine Gefangenschaft ertr�glich zu machen.</p><p>Du hast mir jeden Tag gewissenhaft mein Essen gebracht und darauf geachtet, da� es wohl zubereitet und ausreichend war. Nie hast du durch Wort oder Tat versucht, meine hilflose Lage auszunutzen, um mich zu beleidigen oder zu foltern. Du bist stets nur h�flich und r�cksichtsvoll gewesen. Dieses vor allem weckt bei mir ein Gef�hl der Dankbarkeit und den Wunsch, dir zum Zeichen daf�r ein geringes Geschenk zukommen zu lassen.</p><p>Im Wachraum meines Palastes sind viele sch�ne Ausr�stungsst�cke. Geh hin und such dir einen Harnisch aus, der dir besonders gef�llt�� er soll dir geh�ren. Ich bitte nur, da� du ihn auch tr�gst, so da� ich wei�, da� meinem Wunsch Gen�ge getan wurde.�</p><p>Die Augen des Jungen leuchteten vor Freude auf, als ich dies sagte, und ich sah ihn von seiner rostigen R�stung auf meine pr�chtige blicken. Er blieb einen Moment nachdenklich stehen, ehe er etwas sagte, und in diesem kurzen Augenblick stockte mir beinahe das Herz�� so viel hing f�r mich von seiner Antwort ab.</p><p>�Und ginge ich zum Palast des Prinzen von Helium mit einer solchen Forderung, so w�rden sie �ber mich lachen, mich dazu noch h�chstwahrscheinlich kopf�ber auf die Stra�e bef�rdern. Nein, es kann nicht sein, obwohl ich dir f�r das Angebot danke. Au�erdem, sollte Zat Arrras auch nur eine Ahnung davon bekommen, ich h�tte eine solche Sache in Erw�gung gezogen, w�rde er mir auf der Stelle das Herz aus dem Leib schneiden lassen.�</p><p>�Dir mu� daraus kein Schaden erwachsen, mein Junge�, dr�ngte ich. �Du kannst doch nachts mit einer Nachricht an Carthoris, meinem Sohn, zu meinem Palast gehen. Du darfst die Nachricht lesen, ehe du sie abgibst, damit du wei�t, da� sie nichts enth�lt, was Zat Arrras schaden k�nnte. Mein Sohn wird verschwiegen sein, und so werden nur wir drei davon wissen. Es ist sehr einfach und eine so harmlose Sache, da� niemand sie verurteilen k�nnte.�</p><p>Abermals stand er schweigend in tiefes Nachdenken versunken.</p><p>�Dann w�re da auch noch das juwelenbesetzte Kurzschwert, das ich einem toten Nordjeddak abgenommen habe. Wenn du die R�stung abholst, dann achte darauf, da� Carthoris es dir ebenfalls gibt. Damit und mit dem Harnisch, den du dir dort aussuchst, wirst du der am schmucksten ausger�stete Krieger in ganz Zodanga sein.</p><p>Bring mir Schreibmaterial mit, wenn du das n�chste Mal in meine Zelle kommst, und binnen weniger Stunden werden wir dich in einer Weise gekleidet sehen, die deiner Geburt und Haltung entspricht.�</p><p>Noch immer in Gedanken und ohne zu antworten wandte er sich um und ging. Ich hatte keine Ahnung, wie er sich entscheiden w�rde, und sa� deshalb stundenlang und gr�belte �ber den Ausgang der Angelegenheit.</p><p>Erkl�rte er sich einverstanden, Carthoris eine Nachricht zukommen zu lassen, so bedeutete das f�r mich, da� Carthoris noch lebte und frei war. Kehrte er mit R�stung und Schwert zur�ck, dann wu�te ich, da� Carthoris meine Nachricht erhalten hatte und wu�te, da� ich noch lebte. Da� der �berbringer der Nachricht ein Zodanganer war, gen�gte, um Carthoris klar zu machen, da� ich ein Gefangener von Zat Arrras war.</p><p>Mit einem Gef�hl aufgeregte Erwartung, das ich kaum verbergen konnte, h�rte ich, wie der Junge sich bei seinem n�chsten routinem��igen Besuch meiner Zelle n�herte. Ich sagte au�er meiner �blichen Begr��ung kein Wort weiter. Als er mein Essen neben mir auf den Fu�boden setzte, legte er auch Schreibmaterial dazu.</p><p>Mein Herz h�pfte vor Freude. Ich hatte einen Punkt gewonnen. Einen Augenblick schaute ich in gespielter �berraschung auf das Material, tat aber sogleich so, als d�mmere mir eine Erkenntnis, und nahm alles auf. Ich kritzelte eine kurze Notiz an Carthoris, er solle Parthak einen Harnisch seiner Wahl und das Kurzschwert aush�ndigen, welches ich beschrieb. Das war alles, und es bedeutete auch alles f�r mich und Carthoris.</p><p>Ich legte die Nachricht offen auf den Fu�boden. Parthak hob sie auf und verlie� mich wortlos.</p><p>Soweit ich es beurteilen konnte, war ich zu diesem Zeitpunkt dreihundert Tage in den Gruben. Sollte etwas geschehen, um Dejah Thoris zu retten, dann mu�te es schnell getan werden, denn wenn sie nicht bereits tot war, stand ihr Ende gewi� bald bevor, denn diejenigen, die Issus erkor, lebten nur ein einziges Jahr.</p><p>Als ich das n�chste Mal sich n�hernde Schritte h�rte, konnte ich es kaum erwarten, Parthak mit dem Harnisch und dem Schwert zu sehen, doch man stelle sich meinen Ingrimm und meine Entt�uschung vor, sofern man kann, als ich sah, da� der �berbringer meiner Nahrung nicht Parthak war.</p><p>�Was ist aus Parthak geworden?� fragte ich, doch der Bursche wollte nicht antworten, und kaum hatte er mein Essen abgesetzt, wandte er sich um und kehrte in die Welt dort oben zur�ck.</p><p>Tage kamen und gingen, und noch immer verrichtete mein neuer Kerkermeister seine Pflichten, ohne auch nur ein Wort mit mir zu reden, sei es als Antwort auf die einfachste Frage oder aus eigenem Antrieb.</p><p>Ich konnte �ber den Grund von Parthaks Entfernung nur Vermutungen anstellen, aber da� sie in irgendeiner Weise direkt mit der Nachricht in Verbindung stand, die ich ihm gegeben hatte, lag f�r mich auf der Hand. Nach all der Freude war ich nun nicht besser dran als zuvor, denn nun wu�te ich nicht einmal, ob Carthoris lebte. Wollte Parthak in der Wertsch�tzung von Zat Arrras aufsteigen, h�tte er mich genauso so handeln lassen, wie ich es tat, damit er meine Nachricht an seinen Herrn weiterleiten konnte zum Beweis seiner unbedingten Loyalit�t und Ergebenheit.</p><p>Drei�ig Tage waren verstrichen, seit ich dem J�ngling die Nachricht �bergeben hatte. Dreihundert und drei�ig Tage waren seit meiner Einkerkerung vergangen. Wenn ich einigerma�en genau rechnete, blieben ganze drei�ig Tage bis zu dem Zeitpunkt, da man Dejah Thoris f�r die Riten der Issus in die Arena beordern w�rde.</p><p>Als dieses entsetzliche Bild so lebhaft vor meinem geistigen Auge erstand, vergrub ich mein Gesicht in den Armen und konnte die Tr�nen nur mit gr��ter M�he unterdr�cken, die mir trotzdem aus den Augen brachen. Sich vorzustellen, da� dieses sch�ne Gesch�pf von den rei�enden Fangz�hnen der gr��lichen wei�en Affen zerfleischt und zerrissen wurde! Es war undenkbar. Eine derartige Greueltat durfte nicht geschehen. Dennoch sagte mir mein Verstand, da� meine unvergleichliche Prinzessin binnen drei�ig Tagen in der Arena der Erstgeborenen von diesen �u�erst wilden Bestien zu Tode gebracht werden w�rde; da� ihr blutiger Leichnam durch den Schmutz und den Staub geschleift w�rde, bis schlie�lich ein Teil davon aufgehoben wurde, um den schwarzen Edlen an der Tafel als Nahrung zu dienen.</p><p>Ich glaube, ich h�tte den Verstand verloren, h�tte ich meinen Kerkermeister nicht kommen h�ren. Er lenkte meine Aufmerksamkeit von den entsetzlichen Vorstellungen ab, die mich besch�ftigten. Nun keimte in mir ein neuer und grimmiger Entschlu� auf. Ich w�rde einen �bermenschlichen Versuch machen, zu fliehen, meinen Kerkermeister durch eine List t�ten und dem Schicksal vertrauen, da� es mich sicher in die Au�enwelt geleitete.</p><p>Mit dem Gedanken kam der Wille zum Handeln. Ich warf mich dicht an der Wand in einer angespannten und verkrampften Haltung auf den Fu�boden, als sei ich nach einem Kampf oder irgendwelchen Anf�llen gestorben. Wenn er sich �ber mich beugen w�rde, brauchte ich ihn nur mit einer Hand an der Kehle zu packten und ihm mit dem losen Ende der Kette, das ich zu diesem Zweck fest in der rechten Hand hielt, einen heftigen Schlag zu versetzen.</p><p>Immer n�her kam der dem Verh�ngnis geweihte Mann. Dann h�rte ich ihn drau�en stehenbleiben. Er murmelte etwas, dann trat er an meine Seite. Ich sp�rte, wie er neben mir niederkniete, und packte die Kette noch fester. Jetzt beugte er sich tief zu mir. Ich brauchte nur die Augen zu �ffnen, seinen Hals zu suchen, ihn zu packen und im gleichen Augenblick mit einem furchtbaren Schlag ins Jenseits zu bef�rdern.</p><p>Alles verlief, wie ich es geplant hatte. So kurz war die Zeitspanne zwischen dem Moment, da ich die Augen �ffnete, und dem Fall der Kette, da� ich sie gar nicht richtig erfa�te.</p><p>Gleichwohl erkannte ich selbst in diesem Bruchteil einer Sekunde das Gesicht, das meinem so nahe war, als das meines Sohnes Carthoris.</p><p>Mein Gott! Welches grausames und b�ses Geschick hatte zu solch entsetzlichem Ende gef�hrt! Welche heimt�ckische Kette von Umst�nden hatte meinen Jungen in dieser besonderen Minute unseres Lebens an meine Seite gef�hrt, als ich ihn in Unkenntnis �ber seine Identit�t niederschlagen und t�ten konnte! Eine gn�dige, doch s�umige Vorsehung tr�bte mir die Sicht und den Verstand, als ich �ber dem leblosen K�rper meines einzigen Sohnes in Ohnmacht sank.</p><p>Als ich das Bewu�tsein wiedererlangte, sp�rte ich eine feste, k�hle Hand auf meiner Stirn. Einen Moment hielt ich die Augen geschlossen im Bestreben, die losen Enden der langen Gedankenketten und Erinnerungen aufzugreifen, die immer wieder durch mein m�des und �beranstrengtes Gehirn jagten.</p><p>Schlie�lich erfolgte die grausame Erinnerung an meine letzte bewu�te Handlung, und nun wagte ich nicht, die Augen zu �ffnen aus Angst vor dem Anblick, der sich mir dann an meiner Seite bieten w�rde. Ich fragte mich, wer mir wohl die Hand auf die Stirn legte. Carthoris mu�te einen Gef�hrten bei sich gehabt haben, den ich nicht sah. Nun gut, ich mu�te dem Unabwendbaren irgendwann ins Antlitz sehen, warum also nicht jetzt? Also schlug ich die Augen auf.</p><p>Carthoris beugte sich �ber mich. Er hatte eine gro�e Beule an der Stirn, wo die Kette ihn getroffen hatte, doch er lebte, Gott sei Dank! Niemand war bei ihm. Ich streckte die Arme aus und zog meinen Jungen an mich, und wenn je von irgendeinem Planeten ein inbr�nstiges Dankgebet aufgestiegen ist, dann dort unter der Kruste des sterbenden Mars, als ich dem Ewigen Geheimnis f�r das Leben meines Sohnes dankte.</p><p>Der kurze Augenblick, in dem ich Carthoris sah und erkannte, ehe die Kette fiel, mu� wohl ausgereicht haben, die Wucht des Schlages zu mindern. Er sagte mir, er habe eine Zeitlang bewu�tlos dagelegen�� wie lange, wu�te er nicht.</p><p>�Wie bist du �berhaupt hierher gelangt?� fragte ich, da mir r�tselhaft war, wie er mich ohne F�hrer gefunden hatte.</p><p>�Dank deiner klugen Idee, mich durch den jungen Parthak von deiner Existenz und Einkerkerung zu unterrichten. Bis zu dem Moment, als er sich den Harnisch und das Schwert holte, hielten wir dich f�r tot. Als ich deine Nachricht las, erf�llte ich deine Bitte und lie� ihn sich den Harnisch im Wachraum aussuchen. Dann brachte ich ihm auch noch das juwelenbesetzte Schwert. In dem Moment, da ich das Versprechen erf�llt hatte, das du ihm offensichtlich gegeben hast, endete meine Verpflichtung ihm gegen�ber. Ich begann nun, ihn zu befragen, doch er wollte mir keine Auskunft �ber deinen Aufenthalt geben. Er war Zat Arrras gegen�ber �u�erst loyal.</p><p>Schlie�lich lie� ich ihn zwischen der Freiheit und den Gruben unter dem Palast w�hlen�� wobei der Preis der Freiheit in einer vollst�ndigen Auskunft �ber den Ort deiner Einkerkerung und in Hinweisen bestand, die uns zu dir f�hren konnten. Dennoch hielt er an seiner hartn�ckigen Ergebenheit f�r Zat Arrras fest. Voller Verzweiflung lie� ich ihn in die Gruben bringen, wo er jetzt noch ist.</p><p>Keine Androhungen von Folter oder Tod, keine Bestechungsgelder in m�rchenhafter H�he konnten ihn umstimmen. Seine einzige Erwiderung auf all unser Dr�ngen war, wann immer er sterben werde, sei es morgen oder in tausend Jahren, k�nnte niemand ihm nachsagen: �Ein Verr�ter hat seinen verdienten Lohn erhalten!�</p><p>Schlie�lich entwickelte Chodar, dieser listenreiche Teufel, einen Plan, wie wir ihm die Informationen entlocken konnten. Und so lie� ich Hor Vastus die R�stung eines zodanganischen Soldaten anlegen und in Parthaks Zelle neben ihn anketten. F�nfzehn Tage lang hat der edle Hor Vastus in der Finsternis der Gruben geschmachtet, doch nicht vergebens. Allm�hlich gewann er das Vertrauen und die Freundschaft von Parthak, bis dieser erst heute, des Glaubens, er spreche nicht nur mit einem Landsmann, sondern mit einem lieben Freund dazu, Hor Vastus genau mitteilte, in welcher Zelle du liegst.</p><p>Ich brauchte nur kurze Zeit, die Pl�ne der Gruben von Helium unter deinen Papieren zu finden. Hierher zu gelangen war etwas schwieriger. Wie du wei�t, sind zwar alle Gruben unter der Stadt miteinander verbunden, doch es gibt nur einzelne Eing�nge von denen unter jeder Sektion und den benachbarten, und zwar auf h�herem Niveau gleich unter der Erdoberfl�che.</p><p>Nat�rlich werden diese �ffnungen, die von angrenzenden Gruben zu denen unter den Regierungsgeb�uden f�hren, st�ndig bewacht. So gelangte ich zwar leicht zum Grubeneingang unter dem Palast, den Zat Arrras bewohnt, fand jedoch einen Zodanganer Soldaten als Wache dort vor. Zwar lie� ich ihn dort, als ich weiterging, doch seine Seele war nicht mehr bei ihm.�</p><p>�Nun bin ich hier, gerade noch rechtzeitig, um beinahe von dir get�tet zu werden�, sagte er abschlie�end und lachte.</p><p>Er hatte sich w�hrend seines Berichts an dem Schlo� zu schaffen gemacht, das meine Fesseln zusammenhielt. Mit einem Freudenschrei lie� er das Ende der Kette nun zu Boden fallen, und ich stand wieder, befreit von den meine Gliedma�en wundreibenden Eisen, in denen ich fast ein Jahr lang geschmachtet hatte.</p><p>Er hatte mir ein Langschwert und einen Dolch mitgebracht. Solcherart bewaffnet, machten wir uns auf den R�ckweg zu meinem Palast.</p><p>An der Stelle, wo wir die Gruben von Zat Arrras verlie�en, fanden wir den W�chter, den Carthoris get�tet hatte. Er war noch nicht entdeckt worden, und um die Suche weiter hinauszuz�gern und den Leuten des Jed ein R�tsel aufzugeben, nahmen wir den Toten ein kurzes St�ck mit und versteckten ihn in einer winzigen, vom Hauptkorridor der Gruben abgelegenen Zelle unter einem angrenzenden Grundst�ck.</p><p>Etwa eine halbe Stunde sp�ter gelangten wir an die Gruben unter unserem Palast, und kurz danach traten wir in den Audienzsaal, wo wir Kantos Kan, Tars Tarkas, Hor Vastus und Xodar vorfanden, die uns mit Ungeduld erwarteten.</p><p>Wir verloren keine Zeit mit fruchtlosen Berichten �ber meine Einkerkerung. Ich wollte vor allem wissen, inwieweit die Pl�ne, die wir vor fast einem Jahr ausgearbeitet hatten, durchgef�hrt worden waren.</p><p>�Es hat viel l�nger gedauert, als wir erwartet hatten�, erwiderte Kantos Kan. �Die Tatsache, da� wir zu v�lliger Geheimhaltung gezwungen waren, hat uns arg behindert. Zat Arrras� Spione sind �berall. Soviel ich wei�, hat dennoch kein Wort �ber unsere wirklichen Pl�ne das Ohr des Schurken erreicht.</p><p>Heute abend liegt bei den gro�en Docks von Hastor eine Flotte von eintausend der gr��ten Kampfluftschiffe, die jemals �ber Barsoom flogen, wobei jedes so ausger�stet ist, da� es zu Wasser und in der Luft von Oman fliegen kann. An Bord jedes der Luftschiffe befinden sich f�nf Zehnmann-Kreuzer, zehn F�nfmann-Aufkl�rungsmaschinen und einhundert Einmann-Aufkl�rer. Insgesamt sind es einhundertsechzehntausend Fahrzeuge, ausger�stet mit Luft- und Wasserpropellern.</p><p>Bei Thark liegen die Transporter f�r die gr�nen Krieger des Tars Tarkas, neunhundert gro�e Truppentransporter samt Begleitschiffen.�</p><p>�Seit sieben Tagen ist alles bereit, doch wir haben in der Hoffnung gewartet, da� wir dich noch rechtzeitig retten k�nnten, damit du den Befehl �ber die Expedition �bernimmst. Wie gut, das wir gewartet haben, mein Prinz.�</p><p>�Wie kommt es, Tars Tarkas, da� die M�nner von Thark nicht die �blichen Ma�nahmen gegen jemanden ergreifen, der vom Busen des Iss zur�ckkehrt?�</p><p>�Sie schickten einen Rat von f�nfzig H�uptlingen, die mit mir hier reden sollten�, erwiderte der Thark. �Wir sind ein gerechtes Volk, und als ich ihnen die ganze Geschichte erz�hlte, waren sie einstimmig der Meinung, ihre Aktion gegen mich w�rde durch die von Helium gegen John Carter geleitet werden. In der Zwischenzeit sollte ich auf ihre Bitte meinen Thron als Jeddak von Thark wieder einnehmen, damit ich mit den benachbarten Horden von Kriegern, die die Landstreitkr�fte der Expedition stellen sollten, verhandeln k�nne. Ich habe das getan, wozu ich mich verpflichtet hatte. Zweihundertf�nfzigtausend K�mpfer, die von der Eiskappe im Norden bis zu der im S�den mobilisiert wurden und eintausend verschiedene Gemeinschaften von einhundert wilden und kriegerischen Horden repr�sentierten, str�mten des Nachts in die gro�e Stadt Thark. Sie sind bereit, auf meinen Befehl hin ins Land der Erstgeborenen zu segeln und dort zu k�mpfen, bis ich ihnen Einhalt gebiete. Das einzige, worum sie bitten, ist, da� sie die Beute, die sie machen, zu ihren eigenen Gebieten bringen d�rfen, wenn der Kampf und das Pl�ndern vorbei sind. Ich bin fertig.�</p><p>�Und du, Hor Vastus, von welchem Erfolg vermagst du zu k�nden?� fragte ich.</p><p>�Eine Million erfahrener K�mpfer von Heliums schmalen Wasserwegen stellen die Mannschaften f�r die Schlachtschiffe, die Transporte und die Begleitfahrzeuge�, erwiderte er. �Jeder hat Loyalit�t und Geheimhaltung geschworen, auch wurden jeweils nicht soviel aus einem einzelnen Distrikt rekrutiert, da� Verdacht h�tte aufkommen k�nnen.�</p><p>�Gut!� sagte ich �Jeder hat seine Pflicht getan. Kantos Kan, k�nnen wir uns jetzt nicht sofort nach Hastor begeben und noch vor der Morgensonne aufbrechen?�</p><p>�Wir sollten keine Zeit verlieren, Prinz�, erwiderte Kantos Kan. �Schon erkundigen sich die Leute von Hastor nach dem Zweck einer derart gro�en, mit K�mpfern vollbemannten Flotte. Mich wundert, da� die Kunde davon nicht Zat Arrras schon erreicht hat. Ein Kreuzer wartet �ber deinem Deck. Wir sollten um... � Ein Kugelhagel aus den Palastg�rten gleich drau�en schnitt ihm das Wort ab.</p><p>Wir eilten alle auf den Balkon und konnten gerade noch rechtzeitig ein Dutzend Angeh�rige meiner Palastwache im Schatten des etwas entfernt stehenden Geb�schs verschwinden sehen, als verfolgten sie einen Fl�chtling. Direkt unter uns beugte sich eine Handvoll W�chter �ber eine reglose Gestalt, die ausgestreckt auf dem scharlachroten Rasen lag.</p><p>Unter unseren Augen hoben sie die Gestalt auf und trugen sie auf meine Anweisung in den Audienzsaal, wo wir unsere Beratung abhielten. Als sie den Toten uns zu F��en legten, erkannten wir ihn als einen roten Mann in der Bl�te seines Lebens. Er trug eine einfache R�stung wie ein gew�hnlicher Soldat oder jemand, der seine wahre Identit�t verbergen will.</p><p>�Wieder einer von Zat Arrras� Spionen�, sagte Hor Vastus.</p><p>�Es sieht ganz danach aus�, erwiderte ich. Dann sagte ich der Wache: �Ihr k�nnt ihn wegtragen.�</p><p>�Wartet!� sagte Xodar. �Prinz, la�t doch bitte ein Tuch und etwas Thoat�l bringen.�</p><p>Ich gab einem der Soldaten einen Wink, der den Raum verlie�, jedoch sogleich mit den Dingen zur�ckkehrte, die Xodar verlangt hatte. Der Schwarze kniete neben dem Toten nieder, tunkte eine Ecke des Tuches in das Thoat�l und rieb einen Moment an dem Gesicht des Daliegenden. Dann blickte er l�chelnd zu mir auf und wies auf das Ergebnis. Ich schaute hin und sah, da� das Gesicht an den Stellen, wo er das �l aufgerieben hatte, wei� war, so wei� wie meins. Nun packte Xodar das schwarze Haar der Leiche, ri� es mit einem Ruck weg und legte eine unbehaarte Glatze blo�.</p><p>W�chter und Edle dr�ngten sich eng um den schweigenden Zeugen auf dem Marmorboden. Viele �u�erten laut ihr Erstaunen und ihre Verwunderung, da Xodars Vorgehensweise den Verdacht, den er gehegt hatte, best�tigt hatte.</p><p>�Ein Thern!� fl�sterte Tars Tarkas.</p><p>�Schlimmer als das, f�rchte ich�, erwiderte Xodar. �Doch wir wollen sehen.�</p><p>Er zog seinen Dolch und schnitt eine verschlossene Tasche auf, die am Harnisch des Thern baumelte. Darauf f�rderte er einen goldenen Ring zutage, in den ein gro�er Edelstein eingelassen war�� er war das genaue Ebenbild dessen, den ich Sator Throg abgenommen hatte.</p><p>�Er war ein Heiliger Thern�, sagte Xodar. �Nur gut f�r uns, da� er nicht entkommen konnte.�</p><p>In diesem Augenblick betrat der Offizier der Garde den Raum. �Mein Prinz, ich mu� melden, da� uns der Kumpan dieses Burschen entkommen ist. Ich denke, sie hatten sich mit einem oder mehreren der M�nner am Tor abgesprochen. Daraufhin habe ich befohlen, alle unter Arrest zu stellen.�</p><p>Xodar �berreichte ihm das Thoat�l und das Tuch.</p><p>�Damit kannst du den Spion unter euch feststellen�, sagte er.</p><p>Er ordnete sofort eine geheime Durchsuchung der Stadt an, denn jeder Edle des Mars unterh�lt einen eigenen Geheimdienst.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter kam der Offizier der Garde, um Bericht zu erstatten. Diesmal best�tigte er unsere schlimmsten Bef�rchtungen�� die H�lfte der Wache am Tor waren in dieser Nacht Therns gewesen, die sich als Rote verkleidet hatten.</p><p>�Kommt!� sagte ich. �Wir d�rfen keine Zeit verlieren. Auf nach Hastor, und zwar sogleich. Sollten die Therns versuchen, uns am S�drand der Eiskappe aufzuhalten, k�nnte dies all unsere Pl�ne und die ganze Expedition zunichte machen.�</p><p>Zehn Minuten sp�ter eilten wir gen Hastor durch die Nacht, vorbereitet, den ersten Schlag zur Rettung von Dejah Thoris zu f�hren.</p></section><section><title><p>20. Der Luftkampf</p></title><p>Zwei Stunden, nachdem wir meinen Palast in Helium verlassen hatten, also etwa gegen Mitternacht, langten Kantos Kan, Xodar und ich in Hastor an. Carthoris, Tars Tarkas und Hor Vastus waren auf einem anderen Kreuzer direkt nach Thark gereist.</p><p>Die Transporter sollte sofort auf die Reise geschickt werden und sich langsam nach S�den bewegen. Die Flotte der Schlachtschiffe w�rde sie am Morgen des zweiten Tages einholen.</p><p>In Hastor fanden wir alles fertig vor, und Kantos Kan hatte jede Einzelheit des Feldzugs so geplant, da� das erste Luftschiff der Flotte binnen zehn Minuten nach unserer Ankunft aus seinem Dock schwebte. In Abst�nden von einer Sekunde stiegen nacheinander alle gro�en Luftschiffe elegant in die Nacht auf und bildeten eine lange, d�nne Reihe, die sich meilenweit nach S�den streckte.</p><p>Erst nachdem wir die Kabine von Kantos Kan betreten hatten, dachte ich daran, nach dem Datum zu fragen, denn ich wu�te nach wie vor nicht genau, wie lange ich in den Gruben des Zat Arrras verbracht hatte. Als Kantos Kan es mir sagte, durchfuhr mich Entsetzen angesichts der Erkenntnis, da� mir bei Berechnung der Zeit, die ich in der pechschwarzen Finsternis meiner Zelle gelegen hatte, ein Fehler unterlaufen war. Dreihundertf�nfundsechzig Tage waren verstrichen�� es war zu sp�t, Dejah Thoris zu retten.</p><p>Ziel der Expedition war also nicht Rettung, sondern Rache. Ich teilte Kantos Kan die schreckliche Tatsache nicht mit, da� die Prinzessin von Helium, ehe wir hoffen konnten, den Tempel von Issus zu betreten, nicht mehr am Leben sein w�rde. Nach allem, was ich wu�te, war sie jetzt schon tot, denn ich hatte keine Ahnung, wann genau sie das erste Mal Issus erblickt hatte.</p><p>Was hatte es f�r Sinn, meine Freunde zus�tzlich noch mit meinen pers�nlichen Sorgen zu belasten�� sie hatten sie in der Vergangenheit oft genug mit mir geteilt. Ich wollte meinen Kummer f�r mich behalten. Deshalb sagte ich keinem, da� wir zu sp�t kamen. Die Expedition konnte dennoch viel ausrichten, und wenn sie dem Volk von Barsoom nur die Tatsache der grausamen T�uschung vor Augen f�hrte, denen sie unz�hlige Zeitalter ausgesetzt gewesen waren. Auf diese Weise w�rde Tausenden jedes Jahr das gr��liche Schicksal erspart, das sie am Ende ihrer freiwilligen Pilgerfahrt erwartete.</p><p>Konnte sie den roten Menschen das sch�ne Tal Dor �ffnen, w�re schon viel erreicht, und im Land der Verlorenen Seelen zwischen den Bergen von Otz und der Eisbarriere lagen viele weite �cker, die keiner Bew�sserung bedurften, um reiche Ernten zu tragen.</p><p>Hier auf dem Grund einer sterbenden Welt befand sich das einzige produktive Gebiet seiner Oberfl�che. Hier allein gab es Tau und Regen, hier allein ein offenes Meer, hier war Wasser in H�lle und F�lle. Dabei war all dies nur der Herrschaftsbereich wilder Bestien, sperrten die b�sartigen Abk�mmlinge zweier einst m�chtiger Rassen alle anderen Millionen von Barsoom von seinen sch�nen und fruchtbaren Fl�chen aus. W�rde es mir nur gelingen, die Barriere religi�sen Aberglaubens einmal niederzurei�en, die die roten Rassen von diesem El Dorado ferngehalten hatte, so h�tte ich den unsterblichen Tugenden meiner Prinzessin ein angemessenes Denkmal gesetzt�� ich h�tte Barsoom wieder einen Dienst erwiesen, und Dejah Thoris� M�rtyrertod w�re nicht umsonst gewesen.</p><p>Am Morgen des zweiten Tages lie�en wir die gro�e Flotten von Transportern samt Begleitschiffen bei den ersten Anzeichen der D�mmerung aufsteigen, und bald waren wir nahe genug, um Signale auszutauschen. Ich kann an dieser Stelle erw�hnen, da� in Kriegszeiten Radioaerogramme selten benutzt werden, f�r die �bermittlung von Geheimnachrichten schon gar nicht, denn sooft eine Nation einen neuen Schl�ssel entdeckt oder ein neues Ger�t zur drahtlosen Nachrichten�bermittlung erfindet, setzen ihre Nachbarn alles daran, diese Botschaften abzufangen und zu �bersetzen. Das war so lange Brauch gewesen, da� praktisch jede M�glichkeit drahtloser Kommunikation ersch�pft war und keine Nation wagte, Funkspr�che von Bedeutung auf diesem Weg zu �bermitteln.</p><p>Tars Tarkas meldete, mit den Transportern sei alles in Ordnung. Die Schlachtschiffe fuhren durch, um eine g�nstige Position einzunehmen, und nun schwebten die vereinigten Flotten langsam �ber die Eiskappe, wobei sie sich dicht �ber dem Boden hielten, um einer Entdeckung durch die Therns zu entgehen, deren Land wir uns n�herten.</p><p>Allen weit voraus sch�tzte uns eine d�nne Linie von Einmann-Luftaufkl�rern vor �berraschungen. Sie deckten uns auch an den Flanken, w�hrend eine kleine Anzahl etwa zwanzig Meilen hinter den Transportern die Nachhut bildete. In dieser Formation flogen wir einige Stunden zum Eingang nach Omean, als einer unserer Kundschafter aus der vordersten Reihe meldete, der konusartige Gipfel des Eingangs sei gesichtet worden. Fast im gleichen Augenblick kam ein anderer Aufkl�rer von der linken Flanke zum Flaggschiff gejagt.</p><p>Seine gro�e Geschwindigkeit bezeugte die Bedeutung seiner Information. Kantos Kan und ich erwarteten ihn auf dem kleinen Vorderdeck, das der Kommandobr�cke von maritimen Schlachtschiffen entspricht. Kaum war sein winziges Flugzeug auf dem breiten Landedeck des Flaggschiffs zum Halten gekommen, kam er auch schon die Treppe zu dem Deck heraufgest�rzt, wo wir standen.</p><p>�Eine gro�e Flotte von Schlachtschiffen in S�d-S�d-Ost, mein Prinz�, sagte er. �Es m�ssen mehrere Tausend sein, und sie kommen direkt auf uns zu.�</p><p>�Die Thernspione waren als nicht umsonst im Palast von John Carter�, sagte Kantos Kan zu mir. �Ihre Befehle, Prinz!�</p><p>�Schicke zehn Schlachtschiffe zur Bewachung des Eingangs von Omean mit der Anweisung, kein feindliches Schiff in den Schacht oder wieder heraus zu lassen. Das wird die gro�e Flotte der Erstgeborenen festnageln.</p><p>Die restlichen Schlachtschiffe bilden ein gro�es V, dessen Spitze direkt nach S�d-S�d-Ost weist. Befiehl den Transportern, den Schlachtschiffen umringt von ihren Begleitschiffen dichtauf zu folgen, bis die Spitze des V die feindliche Linie durchsto�en hat. Dann mu� sich das V an der Spitze nach au�en �ffnen, wobei die Schlachtschiffe jedes Schenkels den Feind kraftvoll bedr�ngen und ihn zur�cktreiben, wobei sie eine Gasse durch seine Linie bahnen, welche die Transporter samt den Begleitschiffen mit H�chstgeschwindigkeit durchfahren, bis sie sich in einer Position �ber den Tempeln und G�rten der Therns befinden.</p><p>Hier la�t sie landen und den Heiligen Therns eine solche Lektion in wilder Kriegf�hrung erteilen, wie sie sie in unz�hligen Zeitaltern nicht vergessen werden. Es war nicht meine Absicht, mich vom Hauptziel der Kampagne ablenken zu lassen, aber wir m�ssen diese Auseinandersetzung mit den Therns ein f�r allemal hinter uns bringen, oder es wird keinen Frieden f�r uns geben, w�hrend unsere Flotte in der N�he von Dor bleibt. Unsere Chancen, je in die Au�enwelt zur�ckzukehren, verringern sich dadurch ungeheuer.�</p><p>Kantos Kan salutierte und machte kehrt, um meine Anweisungen den wartenden Adjutanten zu �bermitteln. In unglaublich kurzer Zeit ver�nderten die Schlachtschiffe entsprechend meinem Befehl die Formation. Jene zehn, die den Weg nach Omean decken sollten, eilten an ihren Bestimmungsort, und die Truppentransporter und Begleitschiffe schlossen zur Eilfahrt durch die Gasse auf.</p><p>Der Befehl wurde erteilt, volle Kraft voraus zu fahren. Die Flotte sprang durch die Luft wie ein Rudel Windhunde, und einen Moment sp�ter wurden die Schiffe des Feindes gesichtet. Sie bildeten eine ungeordnete Linie, so weit das Auge in beiden Richtungen reichte, und waren etwa drei Schiffe tief gestaffelt. Unser Auftauchen kam f�r sie so unerwartet, da� sie keine Zeit hatten, sich darauf vorzubereiten. Es war wirklich ein Blitz aus heiterem Himmel.</p><p>Jede Phase meines Planes gelang vortrefflich. Unsere gro�en Schiffe zogen geschlossen ihre Bahn durch die Linie der Feinde. Dann �ffnete sich das V, und eine breite Gasse tat sich auf, durch die die Transportschiffe den Tempeln des Sonnenlichts zueilten. Als sich die Therns von dem Angriff erholt hatten, fluteten bereits einhunderttausend gr�ne Krieger durch ihre H�fe und G�rten, w�hrend einhundertundf�nfzigtausend andere sich aus den tief schwingenden Transportschiffen beugten, um ihre fast unheimliche Treffsicherheit bei den Thernsoldaten, die auf den Schutzw�llen standen oder die Tempel zu verteidigen suchten, unter Beweis zu stellen.</p><p>Nun gerieten die beiden gro�en Flotten hoch �ber dem unheimlichen Kampfget�mmel in den pr�chtigen G�rten der Therns zu einem wahren Titanenkampf aneinander. Langsam vereinigten die zwei Linien der Schlachtschiffe von Helium sich, und nun begann die Einkreisung der feindlichen Schlachtlinie, welche f�r die Seekriegsf�hrung der Barsoomier so charakteristisch ist.</p><p>Die Schiffe fuhren unter Kantos Kan jeweils im Kielwasser des Vordermannes immer im Kreis herum, bis sie schlie�lich einen nahezu vollkommenen Ring bildeten. Dabei behielten sie eine hohe Geschwindigkeit bei, so da� sie f�r den Gegner ein schwer zu treffendes Ziel bildeten. Sie feuerten eine Breitseite nach der anderen ab, sobald jedes Schiff auf gleiche H�he mit denen der Therns kam. Letztere versuchten, die Formation aufzubrechen, doch ebensogut h�tten jemand versuchen k�nnen, eine Kreiss�ge mit der blo�en Hand zum Anhalten zu bringen.</p><p>Von meiner Position an Deck neben Kantos Kan sah ich ein feindliches Schiff nach dem anderen jenen schrecklichen grauenerregenden Sturzflug antreten, der totale Vernichtung ank�ndigt. Langsam man�vrierten wir unseren Ring des Todes weiter, bis wir �ber den G�rten hingen, in denen unsere gr�nen Krieger k�mpften. Wir schickten einen Befehl hinunter, sie sollten an Bord kommen. Dann stiegen wir langsam zu einer Position im Kreismittelpunkt auf.</p><p>Inzwischen hatten die Therns ihr Feuer praktisch eingestellt. Sie hatten genug von uns und waren nur zu froh, uns in Frieden ziehen zu lassen. Unser Abzug sollte jedoch nicht so leicht verlaufen, denn kaum waren wir wieder in Richtung des Eingangs von Omean unterwegs, erblickten wir weit im Norden am Horizont eine gro�e, schwarze Schlachtlinie. Das konnte nur eine Kriegsflotte sein.</p><p>Wem sie geh�rte und wohin sie wollte, konnten wir nicht einmal ahnen. Als sie nahe genug herangekommen waren, um uns auszumachen, erhielt Kantos Kans Funkmechaniker ein Radioaerogramm, das er meinem Freund sofort aush�ndigte. Er las es und gab es an mich weiter.</p><p>Es lautete: �Kantos Kan, ergib dich im Namen des Jeddaks von Helium, denn du kannst nicht entkommen�, und war mit �Zat Arrras� unterzeichnet.</p><p>Die Therns mu�ten die Nachricht zu gleicher Zeit wie wir abgefangen und entschl�sselt haben, denn sie nahmen die Feindseligkeiten im Nu wieder auf, als sie erkannt hatten, da� wir in B�lde von anderen Feinden bedr�ngt w�rden.</p><p>Noch ehe Zat Arrras sich uns nahe genug auf den Leib ger�ckt war, um einen Schu� abzugeben, waren wir wieder in ein heftiges Kampfget�mmel mit der Thernflotte verstrickt, und kaum war er nahe genug, begann er gleichfalls, uns mit einem furchtbaren Feuer einzudecken. Schiff um Schiff geriet ins Trudeln oder taumelte nutzlos unter der erbarmungslosen Kanonade, der wir ausgesetzt waren, hin und her.</p><p>Die Sache konnte nicht endlos so weitergehen. Ich befahl den Transportern, wieder in die G�rten der Therns abzutauchen.</p><p>�Vollzieht eure Rache bis zum �u�ersten, denn zur Nacht wird niemand mehr �brig sein, das euch widerfahrene Unrecht zu s�hnen�, lautete meine Nachricht an die gr�nen Verb�ndeten.</p><p>Da sah ich die zehn Schlachtschiffe, die abkommandiert worden waren, den Schacht von Omean zu halten, in H�chstgeschwindigkeit zur�ckkehren, wobei ihre Heckgesch�tze fast ununterbrochen feuerten. Daf�r konnte es nur eine Erkl�rung geben. Sie wurden von einer anderen feindlichen Flotte verfolgt. Die Lage konnte nicht schlimmer sein. Schon war die Expedition zum Untergang verurteilt. Keiner der Teilnehmer w�rde �ber jene trostlose Eiskappe zur�ckkehren. Wie sehr w�nschte ich mir, Zat Arrras nur einen Augenblick mit meinem Langschwert gegen�berzustehen, ehe ich starb! Schlie�lich war er es, der unseren Mi�erfolg herbeigef�hrt hatte.</p><p>W�hrend ich die herannahenden zehn beobachtete, kamen auch ihre Verfolger schnell in Sicht. Es war eine andere gro�e Flotte. Eine Zeitlang traute ich meinen Augen nicht, doch schlie�lich gelangte ich zu der Erkenntnis, da� das denkbar gr��te Verh�ngnis �ber die Expedition hereingebrochen war, denn die Flotte, die ich sah, war keine andere als die der Erstgeborenen, von der ich angenommen hatte, da� sie in Omean festgenagelt war. Was f�r eine ganze Reihe von Fehlschl�gen und unheilvollen Wendungen! Welch unmenschlichem Schicksal hatte ich es zu verdanken, da� die Suche nach meiner verlorenen Geliebten in jeder Weise so grausam zunichtegemacht wurde? War es m�glich, da� der Fluch der Issus auf mir lastete? Da� in der Tat eine mir �belwollende Gottheit in dem gr��lichen Kadaver verborgen war? Ich wollte es nicht glauben, reckte die Schultern und rannte zum unteren Deck, um mich meinen M�nnern anzuschlie�en, die die Enterer von einem Fahrzeug der Thern abwehrten, welches bei uns l�ngsseits gegangen war. In der wilden Lust eines Kampfes Mann gegen Mann kehrte meine alte, unerschrockene Zuversicht zur�ck, und als ein Thern nach dem anderen unter meiner Klinge zu Boden sank, konnte ich fast f�hlen, da� wir letzten Endes erfolgreich sein w�rden, trotz scheinbarer Fehlschl�ge.</p><p>Meine Anwesenheit unter den M�nnern befl�gelte sie derma�en, da� sie mit solch schrecklichem Ungest�m �ber die ungl�cklichen Wei�en herfielen, da� wir binnen weniger Minuten den Spie� umgedreht hatten. Eine Sekunde sp�ter schw�rmten wir �ber ihre Decks, und ich sah voller Befriedigung, wie ihr Kommandant zum Zeichen seiner Kapitulation und Niederlage einen weiten Sprung vom Bug seines Fahrzeug vollf�hrte.</p><p>Nun ging ich wieder zu Kantos Kan. Er hatte die Geschehnisse an Deck unten verfolgt, und dies schien ihn auf einen neuen Gedanken gebracht zu haben. Sofort erteilte er einem seiner Offiziere einen Befehl, und augenblicks wehten die Fahnen des Prinzen von Helium von jedem Punkt des Flaggschiffes. Jeder Mann an Bord unseres Schiffes brach in lautes Beifallsgeschrei aus, das von allen anderen Schiffen unserer Expedition aufgegriffen wurde, die nun ihrerseits meine Fahnen von den Aufbauten flattern lie�en.</p><p>Nun startete Kantos Kan seinen Coup. Er lie� auf dem Flaggschiff ein Signal setzen, da� jeder Seemann aller Flotten, die an diesem furchtbaren Kampf teilnahmen, erkennen konnte. Es lautete: �M�nner von Helium f�r den Prinzen von Helium gegen alle seine Feinde!� Im Nu wehten meine Farben auf einem von Zat Arrras� Schiffen, dann schon auf einem anderen und noch einem. Auf einigen konnten wir sehen, wie zwischen der Zodanganer Soldateska und den Mannschaften aus Helium erbittert gek�mpft wurde, doch schlie�lich wehten die Fahnen des Prinzen von Helium auf jedem Schiff, das Zat Arrras in unserem Kielwasser gegen uns heranf�hrte�� nur auf seinem Flaggschiff nicht.</p><p>Er hatte f�nftausend Schiffe herangebracht. Der Himmel war schwarz von drei gewaltigen Flotten. Jetzt stritt Helium um das Schlachtfeld, und der Kampf zerfiel in zahllose Zweik�mpfe.</p><p>In dem �berf�llten, von Feuer zerkeilten Himmel konnten die Flotten nur wenig oder �berhaupt nicht man�vrieren.</p><p>Zat Arrras� Flaggschiff war dicht neben meinem. Ich konnte von meinem Standort die hageren Gesichtsz�ge des Mannes sehen. Seine Zodanganer Mannschaft feuerte eine Breitseite nach der anderen auf uns, und wir erwiderten das Feuer ebenso ungest�m. Immer n�her kamen sich die beiden Schiffe, bis sie nur noch wenige Yards voneinander getrennt waren. Entermannschaften reihten sich an den benachbarten Bordw�nden der Fahrzeuge. Wir bereiteten uns auf den Todeskampf mit unserem verha�ten Feind vor.</p><p>Zwischen den zwei riesigen Schiffen war nur noch ein Yard Abstand, als die ersten Entereisen geworfen wurden. Ich st�rzte zum Deck, um bei meinen M�nnern zu sein, wenn sie enterten. Genau in dem Moment, als beide Schiffe mit einem leichten Ruck aneinanderstie�en, dr�ngte ich mich durch die Linien und war so der erste, der an Deck von Zat Arrras� Schiff sprang. Mir folgte die schreiende, Beifall rufende und fluchende Schar von Heliums besten K�mpfern. Nichts konnte dem Fieber der Kampfeslust widerstehen, die sie ergriffen hatte.</p><p>Vor dieser heranbrandenden Flut des Krieges gingen die Zodanganer zu Boden, und w�hrend meine M�nner die unteren Decks s�uberten, sprang ich zum Vorderdeck, wo Zat Arrras stand.</p><p>�Du bist mein Gefangener, Zat Arrras�, sagte ich. �Ergib dich, und dir wird Pardon gew�hrt.�</p><p>Einen Augenblick lang konnte ich nicht feststellen, ob er erwog, meiner Forderung nachzugeben oder mir mit gez�cktem Schwert entgegenzutreten. Einen Augenblick stand er z�gernd, dann warf er die Arme nach unten, wandte sich um und rannte zur anderen Seite des Decks. Noch ehe ich ihn einholen konnte, war er �ber die Bordwand gesprungen und st�rzte kopf�ber in die schreckliche Tiefe.</p><p>So kam Zat Arrras, Jed von Zodanga, zu Tode.</p><p>Weiter ging dieser seltsame Kampf. Therns und Schwarze hatten sich nicht gegen uns verb�ndet. Wo immer ein Thernschiff auf eines des Erstgeborenen stie�, fand ein Kampf statt, und darin sah ich unsere Rettung. Wo immer es m�glich war, da� zwischen uns Nachrichten ausgetauscht werden konnten, ohne von unseren Gegnern abgefangen zu werden, lie� ich mitteilen, alle unsere Schiffe sollten sich so schnell wie m�glich aus dem Kampf zur�ckziehen und westlich und s�dlich der Streitenden Position beziehen. Auch sandte ich einen Luftaufkl�rer zu den k�mpfenden gr�nen Menschen in den G�rten unten, sich wieder einzuschiffen, und an die Transporter; sie sollten sich uns anschlie�en.</p><p>Meinen Kommandeuren erteilte ich weiterhin Befehl, sie sollten, wenn in einen Kampf verwickelt, ihren Gegner so schnell wie m�glich zu einem Schiff seines Erzfeindes ziehen und durch sorgsames Man�vrieren die beiden dazu bringen, �bereinander herzufallen. Diese Taktik bew�hrte sich ausgezeichnet, und kurz vor Sonnenuntergang hatte ich die Befriedigung zu sehen, da� sich die Reste meiner einst m�chtigen Flotte nahezu zwanzig Meilen s�dwestlich des noch immer wilden Schlachtget�mmels zwischen den Schwarzen und den Wei�en versammelt hatte.</p><p>Ich versetzte Xodar jetzt auf ein anderes Schlachtschiff und sandte ihn mit allen Transportern und f�nftausend Schlachtschiffen direkt �ber den Tempel von Issus. Carthoris und ich �bernahmen zusammen mit Kantos Kan die verbliebenen Schiffe und steuerten den Eingang nach Omean an.</p><p>Unser Plan bestand nun in dem Versuch, in der Morgend�mmerung des folgenden Tages einen kombinierten Angriff auf Issus zu unternehmen. Tars Tarkas mit seinen gr�nen Kriegern und Hor Vastus mit den roten sollten unter F�hrung von Xodar in den G�rten von Issus oder auf den umliegenden Ebenen landen, w�hrend Carthoris, Kantos Kan und ich unsere kleinere Streitmacht von der See von Omean durch die Gruben unter dem Tempel f�hren sollten, in denen sich Carthoris so gut auskannte.</p><p>Jetzt erfuhr ich zum ersten Mal, aus welchem Grund sich meine zehn Schiffe von der Schacht�ffnung zur�ckgezogen hatten. Offensichtlich war die Seemacht der Erstgeboren in dem Moment, als sie am Schacht anlangten, schon aus der �ffnung gestr�mt. Volle zwanzig Fahrzeuge waren aufgetaucht, und obwohl sie sofort den Kampf er�ffneten und sich bem�hten, die Flut aufzuhalten, die aus der schwarzen Grube brach, war das Zahlenverh�ltnis zu ung�nstig f�r sie, deshalb mu�ten sie die Flucht antreten.</p><p>Wir n�herten uns dem Schacht nun mit gro�er Vorsicht und im Schutz der Dunkelheit. In einer Entfernung von einigen Meilen lie� ich die Flotte anhalten. Carthoris unternahm von hier mit einer Einmannmaschine allein einen Erkundungsflug. Nach etwa einer halben Stunde kehrte er mit der Meldung zur�ck, von einem Patrouillenboot oder einer sonstigen Aktivit�t des Feindes sei nichts zu entdecken, und so r�ckten wir wieder schnell und lautlos gegen Omean vor.</p><p>An der Einm�ndung des Schachts machten wir erneut einen Augenblick halt, damit alle Fahrzeuge die ihnen vorher angewiesenen Positionen einnehmen konnten. Dann lie� ich mich mit dem Flaggschiff schnell in die schwarze Tiefe fallen, w�hrend die anderen Schiffe mir in rascher Folge nacheilten.</p><p>Wir hatten beschlossen, alles daranzusetzen, da� wir den Tempel auf unterirdischem Wege erreichten. Deshalb lie�en wir keine Schiffe zur Bewachung am Eingang des Schachtes zur�ck. Sie h�tten uns ohnedies nicht viel n�tzen k�nnen, denn wir waren, alle Kr�fte zusammengenommen, dennoch nicht stark genug, der riesigen Flotte der Erstgeborenen zu widerstehen, w�re sie zur�ckgekehrt, um sich mit uns zu befassen.</p><p>Wir glaubten, da� uns beim Eindringen in Omean kaum eine Gefahr drohen k�nne, weil unser k�hner Vorsto� so �berraschend erfolgte. Es w�rde gewi� einige Zeit dauern, ehe der erste Wache haltende Erstgeborene erkannte, da� es eine feindliche, nicht die eigene zur�ckkehrende Flotte war, die in das Gew�lbe der vergrabenen See eindrang.</p><p>Genau das war der Fall. Ehe der erste Schu� fiel, ruhten vierhundert von f�nfhundert Fahrzeugen meiner Flotte sicher im Busen von Omean. Der Kampf war kurz und hei�, aber es konnte nur einen Ausgang geben, denn die Erstgeborenen hatten, sich in Sicherheit w�hnend, zur Bewachung ihres gewaltigen Hafens nur eine Handvoll alter und unmoderner Schiffe zur�ckgelassen.</p><p>Auf Carthoris� Vorschlag brachten wir unsere Gefangenen unter Bewachung auf einige gr��ere Inseln an Land, danach machte wir die Schiffe der Erstgeborenen im Schacht fest, wo es uns gelang, eine Anzahl davon zuverl�ssig im Inneren des gro�en Brunnens zu verkeilen. Dann schalteten wir bei den �brigen die Auftriebsstrahlen an und lie�en sie aufsteigen, so da� sie die Passage nach Omean noch mehr blockierten, sobald sie mit den dort bereits feststeckenden Schiffen in Ber�hrung kamen.</p><p>Wir sp�rten nun, da� es zumindest einige Zeit dauern w�rde, ehe die zur�ckkehrenden Erstgeborenen die Oberfl�che von Omean erreichen konnte. Dadurch hatten wir gen�gend Gelegenheit, die unterirdischen Passagen anzusteuern, die zu Issus f�hrten. Einer meiner ersten Schritte bestand darin, pers�nlich mit einer betr�chtlichen Streitmacht zur Insel der U-Boote zu eilen, die ich ohne Widerstand seitens der dortigen kleinen Wache einnahm.</p><p>Ich fand das U-Boot in seinem Becken vor und postierte sofort eine starke Wache dort und auf der Insel, wo ich weiter verblieb, um die Ankunft von Carthoris und den anderen abzuwarten.</p><p>Unter den Gefangenen war Yersted, Kommandeur des U-Boots. Er kannte mich von den drei Reisen, die ich w�hrend meiner Gefangenschaft unter den Erstgeborenen mit ihm unternommen hatte.</p><p>�Wie f�hlt man sich, wenn der Spie� herumgedreht wurde?� fragte ich ihn. �Wenn man Gefangener seines vormaligen Gefangenen ist?�</p><p>Er l�chelte, es war ein sehr grimmiges L�cheln voller t�ckischer Bedeutung.</p><p>�Nicht f�r lange, John Carter�, erwiderte er. �Wir haben dich erwartet und sind vorbereitet.�</p><p>�Das sieht auch ganz so aus�, antwortete ich. �Ihr wart alle bereit, meine Gefangenen zu werden, ohne da� beide Seiten kaum einen Schlag f�hrten.�</p><p>�Die Flotte mu� euch verfehlt haben, doch sie wird nach Omean zur�ckkehren, und dann sieht die Sache ganz anders aus�� f�r John Carter.�</p><p>�Ich w��te nicht, da� die Flotte mich bis jetzt verfehlt h�tte�, sagte ich, aber nat�rlich erfa�te er nicht, was ich sagen wollte, und blickte nur verwirrt drein.</p><p>�Sind viele Gefangene in eurem grimmigen Fahrzeug nach Issus gereist, Yersted?� fragte ich.</p><p>�Sehr viele�, best�tigte er.</p><p>�Kannst du dich einer erinnern, welche die M�nner Dejah Thoris nannten?�</p><p>�Ganz richtig, wegen ihrer gro�en Sch�nheit, aber auch ob der Tatsache, da� sie die Gattin des ersten Sterblichen war, der in unz�hligen Zeitaltern ihrer G�ttlichkeit je aus Issus geflohen ist. Es hei�t, Issus erinnert sich ihrer am besten als der Gattin des einen und der Mutter eines anderen, der seine Hand gegen die Gottheit des Ewigen Lebens erhob.�</p><p>Ich schauderte aus Furcht vor der feigen Rache, die Issus wegen des gottesl�sterlichen Frevels ihres Sohnes und ihres Gatten vielleicht an der unschuldigen Dejah Thoris ge�bt hatte.</p><p>�Und wo ist Dejah Thoris jetzt?� fragte ich in Vorahnung, da� er nun die Worte sprechen w�rde, die ich am meisten f�rchtete. Doch ich liebte sie so sehr, da� ich mich nicht zur�ckhalten konnte, selbst das Schlimmste �ber ihr Schicksal zu h�ren, wie sie einem �ber die Lippen kamen, der sie k�rzlich erst gesehen hatte. Mir war, als br�chte selbst dies Dejah Thoris n�her zu mir.</p><p>�Gestern wurden die monatlichen Riten des Issus veranstaltet�, erwiderte er. Da sah ich sie an ihrem gewohnten Platz zu F��en des Issus sitzen.</p><p>�Was, demnach ist sie nicht tot?� fragte ich.</p><p>�Warum, nat�rlich nicht!� erwiderte der Schwarze. �Es ist noch kein Jahr vergangen, seit sie auf den g�ttlichen Glorienschein des strahlenden Antlitzes von... �</p><p>�Kein Jahr?� unterbrach ich ihn.</p><p>�Nein, warum auch?� sagte Yersted beharrlich. �Es k�nnen nicht mehr als dreihundert und siebzig oder achtzig Tage sein.�</p><p>Mir kam eine gro�e Erleuchtung. Wie t�richt war ich gewesen! Es bereitete mir M�he, mir meine gro�e Freude nicht anmerken zu lassen. Warum hatte ich nur den gewaltigen Unterschied in der L�nge der Mars- und Erdenjahre vergessen! Die zehn Erdenjahre, die ich auf Barsoom verbracht hatte, entsprachen nur f�nf Jahren und sechsundneunzig Tagen der Marszeit, deren Tage einundvierzig Minuten l�nger sind als unsere und deren Jahre sechshundertundsiebenundachtzig Tage umfassen.</p><p>Ich kam rechtzeitig! Ich kam rechtzeitig! Immer wieder gingen mir diese Worte durch den Kopf, bis ich sie schlie�lich laut ausgesprochen haben mu�te, denn Yersted sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Rechtzeitig, um deine Prinzessin zu retten?� fragte er und fuhr fort, ohne auf meine Antwort zu warten: �Nein, John Carter, Issus wird ihr Eigentum nicht hergeben. Sie wei�, da� du kommst, und ehe ein Vandalenfu� die Gem�cher des Tempels von Issus betritt�� sollte so ein Ungl�ck je eintreten��, wird Dejah Thoris auch der letzten schwachen Hoffnung auf Rettung entsagen m�ssen.�</p><p>�Du meinst, sie wird get�tet werden, nur um meine Pl�ne zunichte zu machen?� fragte ich.</p><p>�Nicht das, sondern etwas anderes als die letzte Zuflucht�, erwiderte er. �Hast du je vom Tempel der Sonne geh�rt? Dorthin wird man sie bringen. Er liegt weit im Innenhof des Tempels der Issus. Es ist ein kleiner Tempel, dessen d�nne Turmspitze weit �ber die T�rme und Minarette des ihn umgebenden gro�en Tempels reicht. Darunter, in der Erde, liegt der Hauptkomplex des Tempels, bestehend aus sechshundertundsiebenundachtz ig kreisf�rmigen Kammern, eine unter der anderen. Von den Gruben der Issus f�hrt ein eigener Korridor durch solides Felsgestein zu jeder Kammer.</p><p>Da der gesamte Tempel der Sonne sich mit jeder Umdrehung von Barsoom einmal um die Sonne dreht, passiert der Eingang zu jeder einzelnen Kammer jedes Jahr nur einmal die �ffnung des Korridors, der das einzige Verbindungsst�ck zur Au�enwelt bildet.</p><p>Dorthin l��t Issus diejenigen bringen, die ihr mi�fallen, die sie jedoch in absehbarer Zeit nicht t�ten lassen will. Vielleicht l��t sie auch einen Edlen des Erstgeborenen zur Strafe f�r ein Jahr in eine Kammer des Tempels der Sonne bringen. Oft l��t sie einen Scharfrichter mit dem Verurteilten einkerkern, so da� der Tod in einer bestimmten gr��lichen Gestalt an einem gewissen Tag kommt. Oder es wird gerade soviel Essen in die Kammer gebracht, um das Leben f�r jene Anzahl von Tagen aufrechtzuerhalten, die Issus f�r die psychische Folter vorgesehen hat.</p><p>So wird Dejah Thoris sterben, und ihr Schicksal ist besiegelt, sobald der Fu� eines Fremden zum ersten Mal die Schwelle von Issus �bertritt.�</p><p>So wurden meine Pl�ne letzten Endes zunichte gemacht, obwohl ich das Wunderbare vollbracht hatte, und wenngleich ich meiner g�ttlichen Prinzessin auf nur wenige kurze Momente nahegekommen war, trennte uns doch eine ebenso gro�e Entfernung, als st�nde ich achtundvierzig Millionen Meilen von hier am Ufer des Hudson.</p></section><section><title><p>21. Durch Fluten und Flammen</p></title><p>Yersteds Mitteilung �berzeugte mich, da� keine Zeit zu verlieren war. Ich mu�te den Tempel von Issus heimlich erreichen, ehe die Kr�fte unter Tars Tarkas in der Morgend�mmerung angriffen.</p><p>Einmal in seinen verha�ten Mauern, war ich �berzeugt, die Wachen von Issus �berw�ltigen und meine Prinzessin wegbringen zu k�nnen. Schlie�lich hatte ich eine Streitmacht im R�cken, die daf�r ausreichte.</p><p>Kaum hatten Carthoris und die anderen sich mir angeschlossen, begannen wir mit dem Transport unserer M�nner durch die Unterwasserpassagen zum Ausgang der Tunnel, die vom U-Boot-Becken am Tempelende des Wassertunnels zu den Gruben von Issus f�hrten.</p><p>Viele Fahrten waren erforderlich, doch schlie�lich standen alle wieder sicher beisammen, um die Endphase unserer Nachforschungen in Angriff zu nehmen. Wir z�hlten f�nftausend, und es waren alles erfahrene K�mpfer der kriegerischsten Rasse der roten Menschen von Barsoom.</p><p>Da nur Carthoris die verbogenen Wege der Tunnel kannte, konnten wir die Gruppe nicht teilen und den Tempel gleichzeitig an verschiedenen Punkten angreifen, wie es h�chst w�nschenswert gewesen w�re. So wurde beschlossen, da� er uns alle so schnell wie m�glich zu einer Stelle nahe dem Tempelzentrum f�hren sollte.</p><p>Als wir gerade das Becken verlassen und in die Korridore marschieren wollten, machte mich ein Offizier auf das Wasser aufmerksam, auf dem das U-Boot schwamm. Zuerst schien es lediglich von der Bewegung eines gro�en K�rpers unter der Oberfl�che aus der Ruhe gebracht zu werden. Sofort sagte ich mir, da� ein anderes U-Boot auftauchte, um uns zu verfolgen. Auf einmal wurde offensichtlich, da� das Wasser anstieg, nicht besonders schnell, aber sehr stetig, und da� es sehr bald �ber die W�nde des Beckens treten und den Raum �berfluten w�rde.</p><p>Zun�chst wurde mir die furchtbare Bedeutung des langsam steigenden Wassers nicht voll bewu�t. Carthoris erkannte alles als erster�� die Ursache und Absicht.</p><p>�Beeilt euch!� rief er. �Wenn wir zaudern, sind wir alle verloren. Die Pumpen von Omean sind angehalten worden. Sie wollen uns ertr�nken wie Ratten in einer Falle. Wir m�ssen die oberen Ebenen der Gruben vor der Flut erreichen, oder wir erreichen sie nie. Kommt.�</p><p>�F�hre uns, Carthoris�, sagte ich. �Wir folgen dir.�</p><p>Auf meinen Befehl sprang der J�ngling in einen der Korridore, und die Soldaten folgten ihm in Doppelreihe und wohlgeordnet, wobei jede Kompanie den Korridor erst auf Befehl ihres Dwars oder Kapit�ns betrat.</p><p>Ehe die letzte Kompanie aus dem Raum abzog, war das Wasser kn�cheltief, und die Nervosit�t der M�nner war deutlich erkennbar. Da ihnen Wasser v�llig ungewohnt war, sieht man von den kleinen Mengen ab, die sie zum Trinken und f�r Badezwecke ben�tigten, wichen die roten Marsbewohner angesichts seiner gro�en Tiefe und bedrohlichen Bewegung instinktiv zur�ck. Da� sie furchtlos waren, solange es nur um ihre Fu�gelenke pl�tscherte und sprudelte, sprach f�r ihre Tapferkeit und Disziplin.</p><p>Ich verlie� den U-Boot-Raum als letzter, und w�hrend ich der hintersten Kolonne zum Korridor folgte, stieg mir das Wasser bis zu den Knien. Der Korridor war ebenfalls so hoch �berflutet, denn sein Boden befand sich auf gleicher H�he wie der des Raumes, von dem er wegf�hrte, und stieg viele Yards auch nicht sp�rbar an.</p><p>Die Truppen marschierten so schnell durch den Korridor, wie es bei der Zahl der M�nner m�glich war, die einen derart engen Gang zu passieren hatten, doch gen�gte das Tempo nicht, um gegen�ber der voranschreitenden Flut einen merklichen Vorsprung zu erlangen.</p><p>Als der Boden anstieg, tat dies auch das Wasser, bis mir, der ich die Nachhut anf�hrte, klar wurde, da� es uns einholte. Ich konnte den Grund daf�r erkennen, denn in dem Ma�e, wie das Wasser zum Scheitelpunkt des Gew�lbes anstieg, verengte sich die Ausdehnung von Omean und wuchs die Geschwindigkeit des Ansteigens im umgekehrten Verh�ltnis zu dem sich st�ndig verkleinernden Raum, der zu f�llen war.</p><p>Lange ehe der letzte der Kolonne hoffen konnte, die oberen Gruben zu erreichen, die �ber dem Gefahrenpunkt lagen, w�rde das Wasser nach meiner �berzeugung in einer ungeheuren Menge �ber uns hereinbrechen, so da� die H�lfte der Expedition vollst�ndig ausgel�scht w�rde.</p><p>Als ich nach einer M�glichkeit Ausschau hielt, von den todgeweihten M�nnern soviel wie m�glich zu retten, entdeckte ich zu meiner Rechten einen abzweigenden Korridor, der steil anzusteigen schien. Das Wasser gurgelte nun um meine Taille. Die M�nner direkt vor mir wurden schnell von Panik erfa�t. Etwas mu�te sofort geschehen, oder sie w�rden in einem wilden Ansturm �ber ihre vorausgehenden Gef�hrten herfallen, mit dem Ergebnis, da� Hunderte unter Wasser getrampelt wurden und die Passage schlie�lich auf eine Weise verstopft war, die f�r die Vorausgehenden jede Hoffnung auf einen R�ckzug zunichte machte.</p><p>Ich strengte meine Stimme bis zum �u�ersten an und rief den vor mir gehenden Dwars zu: �Ruft die letzten f�nfundzwanzig Utane zur�ck. Hier scheint es einen Fluchtweg zu geben. Kehrt um und folgt mir.�</p><p>Nahezu drei�ig Utane folgten meinem Befehl, so da� etwa dreitausend Mann umkehrten und, der Flut die Stirn bietend, sich m�hsam zu dem Korridor hinarbeiteten, in den ich sie einwies.</p><p>Als der erste Dwar mit seinem Utan hineintrat, sch�rfte ich ihm ein, genau auf meine Kommandos zu achten und sich keinesfalls ins Freie zu wagen oder aus den Gruben in den eigentlichen Tempel vorzudringen, ehe ich bei ihm war �oder du wei�t, da� ich gestorben bin, ehe ich dich erreichen konnte�.</p><p>Der Offizier salutierte und verlie� mich. Die M�nner eilten hintereinander schnell an mir vorbei in den abzweigenden Korridor, der, wie ich hoffte, uns in Sicherheit f�hren w�rde. Das Wasser stand nun brusthoch. Die M�nner taumelten, verloren den Boden unter den F��en und gingen unter. Ich packte viele und stellte sie wieder auf die Beine, doch das war eine Arbeit, die die Kr�fte eines einzelnen �berstieg. Soldaten wurden unter die brodelnden Sturzb�che gezogen, um nie wieder aufzutauchen. Schlie�lich stellte mich der Dwar des 10. Utans neben mich. Er war ein vortrefflicher Soldat, Gur Tus mit Namen, und gemeinsam hielten wir unter den nun v�llig ver�ngstigten Truppen so etwas wie Ordnung aufrecht und retteten manchen, der sonst ertrunken w�re.</p><p>Djor Kantos, Sohn des Kantos Kan, und ein Padwar des f�nften Utans schlossen sich uns an, als sein Utan die �ffnung erreichte, durch welche die M�nner fl�chteten. Danach ging kein einziger von all den Hunderten verloren, die geblieben waren, um vom Hauptkorridor in die Abzweigung zu kommen.</p><p>Als der letzte Utan an uns vorbeizog, stand uns das Wasser bis zum Hals, doch wir hielten uns an den H�nden und harrten aus, bis der letzte Mann in die relative Sicherheit des neuen Ganges gelangt war. Dieser stieg unmittelbar ziemlich steil an, so da� wir nach einhundert Yards eine Stelle �ber dem Wasser erreicht hatten.</p><p>Einige Minuten setzten wir unseren schnellen Marsch nach oben fort, und ich hoffte, der Gang w�rde uns bald in die oberen Gruben bringen, die in den Tempel von Issus f�hrten. Doch ich wurde aufs grausamste entt�uscht.</p><p>Pl�tzlich h�rte ich weit voraus den Ruf �Feuer!�, dem fast sofort Angstschreie und die lauten Befehle der Dwars und Padwars folgten, die offensichtlich versuchten, ihre M�nner aus einer gro�en Gefahr wegzubringen. Schlie�lich kam die Meldung zu uns. �Sie haben die Gruben vor uns in Brand gesteckt. Wir sind von den Flammen vor uns und den Fluten hinter uns eingeschlossen. Hilf uns, John Carter, wir ersticken!� Dann fegte ein Schwall dichten Rauchs auf uns, die wir den Schlu� bildeten, so da� wir stolpernd, ohne etwas zu sehen und nach Luft ringend, den R�ckzug antraten.</p><p>Uns blieb nichts anderes �brig, als einen neuen Fluchtweg zu suchen. Feuer und Rauch waren weit mehr zu f�rchten als das Wasser, und so schlug ich den ersten Weg ein, der uns aus dem erstickenden Rauch ringsum hinaus und nach oben f�hrte.</p><p>Abermals stand ich auf der einen Seite, w�hrend die Soldaten den neuen Weg entlanghasteten. Etwa zweitausend mu�ten im Eiltempo an mir vorbeigekommen sein, als der Strom aufh�rte, doch ich war nicht sicher, ob sich alle hatten retten k�nnen, die den Ausgangspunkt der Flammen nicht hatten passieren k�nnen. Um sicher zu gehen, da� kein armer Teufel zur�ckgeblieben war, um hilflos einen schrecklichen Tod zu sterben, rannte ich schnell den Stollen in Richtung der Flammen entlang, die ich nun mit tr�ber Glut weit vorn brennen sehen konnte.</p><p>Es war hei�, und ich rang nach Atem, doch schlie�lich erreichte ich einen Punkt, wo das Feuer den Korridor gen�gend erhellte, so da� ich sehen konnte, da� kein Soldat von Helium zwischen mir und den Flammen lag�� was darin oder auf der anderen Seite war, konnte ich nicht erkennen. Andererseits h�tte kein Mensch die lodernde H�lle von Chemikalien durchqueren und es in Erfahrung bringen k�nnen.</p><p>Nachdem ich mein Pflichtgef�hl beruhigt hatte, kehrte ich um und lief schnell zu dem Korridor, durch den meine M�nner gelaufen waren. Zu meinem Entsetzen entdeckte ich jedoch, da� mein R�ckzug in dieser Richtung blockiert war�� vor der Einm�ndung des Korridors stand ein massives Stahlgitter, das offensichtlich herabgelassen worden war, um mein Entkommen wirksam zu verhindern.</p><p>Angesichts des Angriffs der Flotte tags zuvor stand f�r mich au�er Zweifel, da� die Erstgeborenen �ber unsere prinzipiellen Bewegungen Bescheid wu�ten. Auch konnte das Anhalten der Pumpen von Omean in dem psychologisch kritischen Moment kein Zufall sein, ebensowenig die chemische Verbrennung in dem einzigen Korridor, durch den wir gegen den Tempel von Issus vorr�ckten. Dies alles war nichts anderes als ein wohlberechneter Plan.</p><p>Das Absenken des Stahlgitters, um mich wirksam zwischen Feuer und Flut einzuschlie�en, schien mir darauf hinzudeuten, da� unsichtbare Augen uns in jedem Moment beobachtet hatten. Was f�r eine Chance hatte ich dann, Dejah Thoris zu retten, da ich doch gezwungen war, Gegner zu bek�mpfen, die ich nie zu Gesicht bekam!</p><p>Tausendmal schalt ich mich, da ich mich in eine solche Falle hatte locken lassen, wie diese Gruben darstellten. Nun erkannte ich, da� es viel besser gewesen w�re, unsere Streitmacht intakt zu halten und von der Talseite her einen abgestimmten Angriff zu f�hren, um im Vertrauen auf den Zufall und unsere gro�en k�mpferischen F�higkeiten die Erstgeborenen zu �berw�ltigen und die ungef�hrdete Auslieferung Dejah Thoris� an mich zu erzwingen.</p><p>Der Rauch des Feuer trieb mich den Korridor entlang immer weiter dorthin zur�ck, wo das Wasser war, das ich schon in der Dunkelheit str�men h�rte. Meine M�nner hatten die letzte Fackel mitgenommen. Auch wurde dieser Korridor nicht durch die Ausstrahlung des phosphoreszierenden Felsgesteins erleuchtet wie jene auf den unteren Ebenen. Diese Tatsache gab mir die Gewi�heit, da� ich mich nicht weit von den oberen Gruben befand, die direkt unter dem Tempel lagen.</p><p>Schlie�lich sp�rte ich, wie das Wasser um meine F��e pl�tscherte. Der Rauch quoll dick hinter mir. Ich litt uns�glich. Mir blieb wohl nur eine M�glichkeit, n�mlich, von beidem den leichteren Tod zu w�hlen, der mir mit Sicherheit bevorstand. So ging ich den Korridor hinunter, bis das kalte Wasser von Omean mich v�llig umgab, und schwamm durch �u�erste Dunkelheit weiter�� wohin?</p><p>Der Selbsterhaltungstrieb ist stark, selbst wenn man, furchtlos und im Besitz der h�chsten Denkf�higkeiten, wei�, da� der Tod�� ein gewisser und unabwendbarer�� dicht vor einem lauert. So schwamm ich langsam weiter und wartete darauf, da� mein Kopf die Decke des Korridors ber�hrte. Dies h�tte bedeutet, da� ich den Endpunkt meiner Flucht erreicht hatte und damit die Stelle, wo ich f�r immer in ein namenloses Grab sinken mu�te.</p><p>Zu meinem Erstaunen prallte ich gegen eine kahle Mauer, noch ehe ich an dem Punkt war, wo das Wasser die Decke erreichte. Hatte ich mich geirrt? Ich tastete umher. Nein, ich hatte den Hauptkorridor erreicht, und dennoch gab es Raum und Atemluft zwischen der Wasseroberfl�che und der felsigen Decke �ber mir. Nun bewegte ich mich den Hauptkorridor entlang in der Richtung, die Carthoris und die Spitze der Kolonne vor einer halben Stunden eingeschlagen hatten. Ich schwamm und schwamm, und mir wurde bei jedem Zug leichter ums Herz, denn ich wu�te, da� ich mich immer mehr dem Punkt n�herte, wo keine M�glichkeit mehr bestand, da� das Wasser vor mir tiefer sein konnte als um mich herum. Ich war �berzeugt, sehr bald wieder festen Boden unter den F��en zu haben. Damit bestand wieder die Chance, den Tempel von Issus zu erreichen, und zwar jenen Teil, wo die sch�ne Gefangene schmachtete.</p><p>Doch selbst als meine Hoffnung am gr��ten war, sp�rte ich den pl�tzlichen Aufprall, als mein Kopf gegen die Felsen �ber mir stie�. Nun war demnach das Schlimmste eingetreten. Ich hatte eine der seltenen Stellen erreicht, wo ein Marstunnel pl�tzlich auf ein niederes Niveau abf�llt. Irgendwo dahinter stieg er wieder an, das war mir klar, aber was n�tzte mir diese Kenntnis, da ich nicht wu�te, wie weit er dieses Niveau genau unter der Wasseroberfl�che beibehielt?</p><p>Es gab nur eine einzige, schwache Hoffnung, und davon lie� ich mich leiten. Ich f�llte meine Lungen mit Luft, tauchte unter und schwamm durch dunkelblaue, eisige Finsternis immer weiter den �berfluteten Gang entlang. Immer wieder stieg ich mit ausgestreckter Hand auf, doch nur, um die entt�uschenden Felsen dicht �ber mir zu sp�ren.</p><p>Nicht mehr lange w�rden meine Lungen die Anspannung aushalten. Ich f�hlte, da� ich bald aufgeben mu�te. An ein Zur�ckschwimmen war auch nicht zu denken, ich war schon zu weit vorgedrungen. Ich wu�te genau, da� ich es nie schaffen w�rde, wieder an den Punkt zu gelangen, wo ich das Wasser dicht �ber meinem Kopf gesp�rt hatte. Der Tod starrte mir ins Gesicht, auch kann ich mich keines Moments erinnern, an dem ich den eisigen Atem seiner toten Lippen so deutlich auf meiner Stirn gesp�rt h�tte.</p><p>Mit meiner schnell schwindenden Kraft unternahm ich eine weitere wahnsinnige Anstrengung. Schwach stieg ich zum letzten Mal auf�� meine �beranstrengten Lungen lechzten nach Atem, der sie jedoch mit einem fremden und erstarrenden Element f�llen w�rde, aber stattdessen sp�rte ich den wiederbelebenden Zustrom lebensspendender Luft durch meine gierende Nase in die sterbenden Lungen.</p><p>Einige Schwimmz�ge brachten mich zu einem Punkt, wo meine F��e den Boden ber�hrten, und kurz danach gelangte ich v�llig aus dem Wasser und rannte wie wahnsinnig den Korridor entlang. Ich suchte nach dem ersten Ausgang, der mich nach Issus bringen w�rde. Sollte ich Dejah Thoris abermals nicht retten k�nnen, so war ich wenigstens entschlossen, ihren Tod zu r�chen. Doch w�rde kein anderes Leben meinen Rachedurst befriedigen als das des fleischgewordenen Unholds, der die Ursache allen unerme�lichen Leidens in Barsoom war.</p><p>Fr�her als ich erwartet hatte kam ich an etwas, das mir als pl�tzlicher Ausgang in den dar�ber befindlichen Tempel erschien. Er befand sich an der rechten Seite des Korridors, der wahrscheinlich zu weiteren Eing�ngen in das Geb�ude dar�ber f�hrte.</p><p>F�r mich war einer so gut wie der andere. Was wu�te ich schon, wohin sie alle f�hrten! Ohne darauf zu warten, abermals entdeckt und an meinem Vorhaben gehindert zu werden, lief ich schnell den kurzen, steilen Anstieg hinauf und stie� die T�r an seinem Ende auf.</p><p>Sie tat sich langsam nach innen auf, und ehe sie vor mir wieder zugeschlagen werden konnte, sprang ich in den dahinterliegenden Raum. Obwohl die Abendd�mmerung noch nicht eingesetzt hatte, war er hell erleuchtet. Seine einzige Bewohnerin lag ausgestreckt auf einer niedrigen Liege auf der anderen Seite und schlief offensichtlich. Auf Grund der Wandbeh�nge und des reichen Mobiliars des Raumes schlu�folgerte ich, da� es sich um den Wohnraum einer Priesterin, wom�glich Issus selbst, handelte.</p><p>Bei diesem Gedanken geriet mein Blut in Wallung. Sollte das Schicksal gn�dig genug gewesen sein, mir dieses gr��liche Gesch�pf allein und schutzlos in die H�nde zu spielen? Mit ihr als Geisel konnte ich die Erf�llung all meiner Forderungen durchsetzen. Vorsichtig n�herte ich mich der Daliegenden auf leisen Sohlen. Ich kam ihr immer n�her, doch ich hatte den Raum erst zur H�lfte durchquert, als sie sich bewegte und sich bei meinem Hinzueilen aufrichtete und mich anblickte.</p><p>Zun�chst spielte sich Angst auf dem Gesicht der Frau, die mich ansah, dann ungl�ubige Verwirrung, dann Hoffnung und Dankbarkeit.</p><p>Mein Herz h�mmerte in meiner Brust, als ich zu ihr trat, Tr�nen stiegen mir in die Augen, Worte, die aus mir herausbrechen wollten, blieben mir in der Kehle stecken, als ich meine Arme ausbreitete und einmal mehr die Frau an mich dr�ckte, die ich liebte�� Dejah Thoris, Prinzessin von Helium.</p></section><section><title><p>22. Sieg und Niederlage</p></title><p>�John Carter, John Carter�, schluchzte sie und druckte ihr liebes K�pfchen an meine Schulter. �Selbst jetzt kann ich kaum glauben, was meine Augen mir sagen. Als dieses M�dchen, Thuvia, mir sagte, du seist nach Barsoom zur�ckgekehrt, h�rte ich es zwar, konnte es jedoch nicht verstehen, weil ich mir sagte, ein solches Gl�ck sei unm�glich f�r jemanden, der all diese Jahre in der schweigenden Einsamkeit so gelitten hatte. Als ich schlie�lich erfa�te, da� es wahr war, und erfuhr, an welch schrecklichem Ort man mich gefangenhielt, zweifelte ich doch, da� selbst du mich hier erreichen k�nntest.</p><p>Als die Tage verstrichen und ein Mond nach dem anderen vor�berging, ohne da� mich auch nur die leiseste Kunde von dir erreichte, ergab ich mich in mein Schicksal Und nun, da du gekommen bist, kann ich es kaum glauben. Seit einer Stunde h�re ich den L�rm einer Auseinandersetzung im Palast. Ich wu�te nicht, was es bedeutete, doch ich hoffte gegen jede Vernunft, da� es die M�nner von Helium seien, angef�hrt von meinem Prinzen.�</p><p>Und nun sage mir: �Wie geht es Carthoris, unserem Sohn?�</p><p>�Noch vor knapp einer Stunde waren wir zusammen, Dejah Thoris�, erwiderte ich. �Es m�ssen seine M�nner gewesen sein, die du in den R�umen des Tempels hast k�mpfen h�ren.�</p><p>�Wo ist Issus?� fragte ich pl�tzlich. Sie zuckte die Schultern.</p><p>�Sie schickte mich vor Ausbruch der Kampfe in den Tempelhallen unter Bewachung in diesen Raum und sagte mir, sie werde mich sp�ter holen lassen Sie schien sehr zornig zu sein und auch furchterf�llt. Ich habe sie nie so unsicher und fast ver�ngstigt auftreten sehen. Nun wei� ich Sie hat gewi� erfahren, da� John Carter, Prinz von Helium, heranruckte, um sie f�r die Einkerkerung seiner Prinzessin zur Rechenschaft zu ziehen.�</p><p>Kampfesl�rm, Waffengeklirr, Geschrei und die eiligen Schotte vieler Fu�e erreichten uns aus verschiedenen Teilen des Tempels. Ich wu�te, da� man mich dort brauchte, wagte jedoch nicht, Dejah Thoris zu verlassen, wollte sie wiederum auch nicht in den Aufruhr und die Gefahren des Kampfes mitnehmen.</p><p>Schlie�lich fielen mir die Gruben ein, aus denen ich soeben aufgetaucht war Warum sollte ich sie nicht dort verstecken, bis ich zur�ckkehrte und sie in Sicherheit und f�r immer von diesem gr��lichen Ort wegbringen konnte? Ich erl�uterte ihr meinen Plan.</p><p>Sie klammerte sich einen Augenblick noch fester an mich.</p><p>�Ich kann es nicht ertragen, jetzt von dir getrennt zu werden, nicht einmal f�r eine kurze Zeit, John Carter�, sagte sie. �Ich schaudere bei dem Gedanken, wieder allein zu sein, wo diese gr��liche Kreatur mich finden konnte. Du kennst sie nicht. Niemand kann sich vorstellen, wie wild und grausam sie ist, der sie nicht �ber ein halbes Jahr bei ihren t�glichen Verrichtungen beobachtet hat. Ich habe fast die ganze Zeit gebraucht, um selbst die Dinge richtig zu erfassen, die ich mit eigenen Augen gesehen hatte.�</p><p>�Dann werde ich dich nicht verlassen, meine Prinzessin�, erwiderte ich.</p><p>Sie schwieg eine Weile, dann zog sie mein Gesicht zu ihrem und k��te mich.</p><p>�Geh, John Carter�, sagte sie. �Unser Sohn ist dort mit seinen Soldaten, sie k�mpfen um die Prinzessin von Helium. Wo sie sind, solltest auch du sein. Ich darf jetzt nicht an mich denken, sondern nur an sie und die Pflichten meines Gatten. Dem darf ich nicht im Wege stehen. Versteck mich in den Gruben und geh.�</p><p>Ich f�hrte sie zu der T�r, durch welche ich den Raum von unten betreten konnte. Dort dr�ckte ich sie z�rtlich an mich, geleitete sie �ber die Schwelle, k��te sie abermals und schlo� die T�r hinter ihr, wenngleich es mir das Herz zerri� und mich mit den dunkelsten Schatten schrecklicher Vorahnungen erf�llte.</p><p>Ohne langer zu z�gern, eilte ich von dem Gemach in Richtung des gr��ten L�rms davon. Ich hatte kaum ein halbes Dutzend R�ume durchquert, als ich auf den Schauplatz eines furchtbaren Kampfes geriet. Die Schwarzen dr�ngten sich in Massen am Eingang zu einem gro�en Saal, wo sie versuchten, das weitere Vordringen einer Gruppe roter Menschen in die inneren geheiligten R�ume des Tempels zu verhindern.</p><p>Da ich von innen kam, fand ich mich hinter den Schwarzen, und ohne zu warten oder auch ihre Anzahl beziehungsweise die Torheit meines Vorgehens einzukalkulieren, griff ich schnell durch den Raum an und �berfiel sie von hinten mit meinem Langschwert.</p><p>Als ich den ersten Schlag f�hrte, rief ich laut �F�r Helium!�. Dann lie� ich Hieb auf Hieb auf die �berraschten Krieger niederprasseln, w�hrend die Roten drau�en beim Klang meiner Stimme Mut fa�ten und mit dem Ruf �John Carter! John Carter!� ihre Anstrengungen so wirksam verdoppelten, da� die Reihen der Schwarzen aufgebrochen waren, ehe diese sich von ihrer zeitweiligen Verwirrung erholen konnten, und die roten Menschen in den Raum fluteten.</p><p>Der Kampf in diesem Gemach w�re als ein historisches Denkmal des grimmigen Ungest�ms seines kriegerischen Volkes in die Annalen von Barsoom eingegangen, w�re nur ein f�higer Chronist zur Stelle gewesen. F�nfhundert Mann k�mpften dort an diesem Tag, die schwarzen M�nner gegen die roten. Niemand bat um Gnade oder gab Pardon. Sie k�mpften wie in stillem �bereinkommen, als wollten sie ein f�r allemal ihr Recht auf Leben behaupten entsprechend dem Wolfsgesetz des Sieges des St�rkeren.</p><p>Ich glaube, wir alle wu�ten, da� das Verh�ltnis dieser zwei Rassen f�r immer vom Ausgang dieses Kampfes abhing. Es war eine Auseinandersetzung zwischen dem Alten und dem Neuen, doch ich zweifelte nicht im geringsten am Endergebnis. Mit Carthoris an meiner Seite stritt ich f�r die roten Menschen von Barsoom und f�r ihre v�llige Befreiung aus dem W�rgegriff ihres gr��lichen Aberglaubens.</p><p>Wir wogten k�mpfend im Raum hin und her und versanken schlie�lich kn�cheltief im Blut. Die Toten lagen so dicht, da� wir w�hrend des Gefechts die halbe Zeit auf ihnen standen. Als wir zu den gro�en Fenstern dr�ngten, die auf die G�rten von Issus blickten, bot sich mir ein Anblick, da� mich eine Woge der Gl�ckseligkeit durchlief.</p><p>�Schaut hin!� sagte ich. �M�nner der Erstgeborenen, schaut hin!�</p><p>Der Kampf h�rte eine Weile auf, weil jeder in die Richtung blickte, in die ich wies. Kein Mann der Erstgeborenen h�tte sich tr�umen lassen, jemals zu sehen, was sich dort abspielte.</p><p>Quer durch die G�rten zog sich von einer Seite zur anderen eine wankende Linie schwarzer Krieger, w�hrend hinter ihnen eine gewaltige Horde gr�ner Krieger auf ihren m�chtigen Thoats sie zur�ckdr�ngten. W�hrend wir noch zuschauten, ritt einer von ihnen, der noch grimmiger und furchteinfl��ender blickte als seine Kampfgenossen, von weiter hinten nach vorn und rief seiner grauenerregenden Legion einen wilden Befehl zu.</p><p>Das war Tars Tarkas, Jeddak von Thark, und als er seine riesige, vierzig Fu� lange, eisenbeschlagene Lanze einlegte, sahen wir seine Krieger dasselbe tun. Nun erkannten wir, was er befohlen hatte. Zwanzig Yards trennten jetzt die gr�nen M�nner von der schwarzen Linie. Auf ein weiteres Wort des gro�en Thark griffen die gr�nen Krieger mit einem wilden, grauenerregenden Schlachtruf an. Die schwarze Linie hielt einen Augenblick stand, doch nur kurz�� dann preschten die schaudererregenden Tiere mit ihren gleicherma�en f�rchterlichen Reitern durch sie hindurch.</p><p>Ihnen folgte ein Utan der roten M�nner hinter dem anderen. Die gr�ne Horde zerbrach und umringte den Tempel. Die roten M�nner st�rmten ins Innere, und nun wandten wir uns um, um den unterbrochenen Kampf fortzusetzen, doch unsere Feinde waren verschwunden.</p><p>Mein n�chster Gedanke galt Dejah Thoris. Ich rief Carthoris zu, ich h�tte seine Mutter gefunden, und machte mich eilends auf den Weg zu dem Gemach, wo ich sie verlassen hatte, wobei mein Junge mir dichtauf folgte. Hinter uns kam die kleine Streitmacht, die die blutige Auseinandersetzung �berlebt hatte.</p><p>Als ich den Raum betrat, erkannte ich sofort, da� jemand hier gewesen war, seit ich ihn verlassen hatte. Ein Seidentuch lag auf dem Fu�boden. Vorher war es nicht dort gewesen. Auch lagen ringsum ein Dolch und mehrere St�cke Metallschmuck verstreut, als habe jemand sie dem Tr�ger im Kampf abgerissen. Das Schlimmste war jedoch, da� die T�r zu den Gruben, wo ich meine Prinzessin verborgen hatte, offen stand.</p><p>Mit einem Satz war ich dort. Ich stie� sie weiter auf und st�rmte hinein. Dejah Thoris war verschwunden. Ich rief immer wieder laut ihren Namen, erhielt jedoch keine Antwort. Ich glaube, in dem Moment stand ich am Rande des Wahnsinns. Zwar erinnere ich mich nicht, was ich sagte oder tat, doch ich wei�, da� mich einen Augenblick lang tollw�tige Raserei erfa�te.</p><p>�Issus!� rief ich. �Issus! Wo ist Issus! Durchsucht den Tempel, doch niemand soll ihr ein Haar kr�mmen au�er John Carter. Carthoris, wo befinden sich die Gem�cher von Issus?�</p><p>�Hier entlang�, sagte der Junge. Ohne sich zu �berzeugen, da� ich ihn geh�rt hatte, st�rmte er mit halsbrecherischer Geschwindigkeit weiter ins Innere des Tempels. Wie schnell er auch lief, ich war dennoch neben ihm und dr�ngte ihn zu noch gr��erem Tempo.</p><p>Schlie�lich gelangten wir an eine gro�e, mit Schnitzwerk versehene T�r. Carthoris rannte einen Fu� vor mir hinein. Hier bot sich uns ein Anblick, wie ich ihn schon einmal im Tempel vor Augen gehabt hatte�� der Thron von Issus mit den halb liegenden Sklaven, und ringsherum die Reihen der Soldaten.</p><p>Wir gaben den M�nnern nicht einmal eine Chance, das Schwert zu ziehen, so schnell fielen wir �ber sie her. Mit einem einzigen Hieb streckte ich zwei in der vordersten Reihe zu Boden. Dann st�rmte ich durch das blo�e Gewicht und den Schwung meines K�rpers durch die restlichen zwei Reihen und sprang auf das Podest neben den geschnitzten Sorapusthron.</p><p>Die widerliche Kreatur, die angsterf�llt dort hockte, versuchte, mir zu entrinnen und durch die Fallt�r hinter ihr zu verschwinden. Diesmal fiel ich jedoch nicht auf diese List herein. Noch ehe sie sich halb erhoben hatte, packte ich sie beim Arm, und als ich sah, da� die Wache Anstalten machte, von allen Seiten �ber mich herzufallen, z�ckte ich den Dolch, hielt ihn dem Scheusal an die Brust und gebot ihnen, stehenzubleiben.</p><p>�Zur�ck!� sagte ich. �Zur�ck! Sobald einer von euch Schwarzen auch nur den Fu� auf diesen Podest setzt, f�hrt mein Dolch Issus ins Herz.�</p><p>Sie z�gerten einen Augenblick. Dann rief ein Offizier sie zur�ck, w�hrend vom Korridor drau�en, meiner kleinen Schar �berlebender auf den Fersen folgend, volle eintausend rote M�nner unter Kantos Kan, Hor Vastus und Xodar in den Thronsaal st�rmten.</p><p>�Wo ist Dejah Thoris?� fragte ich die Kreatur in meiner Hand.</p><p>Einen Augenblick rollten ihre Augen wild umher und erfa�ten die Szene unter ihr. Ich glaube, es brauchte eine Weile, ehe sie die wirkliche Lage richtig erfa�te�� zuerst konnte sie gar nicht wahrhaben, da� der Tempel unter dem Ansturm der M�nner der Au�enwelt gefallen war. Als sie dies erkannte, d�mmerte ihr wohl auch die schreckliche Ahnung dessen, was dies f�r sie bedeutete�� den Verlust der Macht, Dem�tigung und Blo�stellen ihres betr�gerischen Verhaltens und des Schwindels, den sie so lange ihrem eigenen Volk gegen�ber aufrechterhalten hatte.</p><p>Es bedurfte nur noch einer Sache, um die Realit�t des Bildes zu vollenden, das sie vor sich sah, und diese wurde durch den h�chsten Edlen ihres Reiches�� den Hohenpriester ihrer Religion, den Premierminister ihrer Regierung geliefert.</p><p>�Issus, G�ttin des Todes und des Ewigen Lebens, erhebe dich in der Macht deines gerechten Zorns und streckte deine gottesl�sterlichen Feinde mit einer einzigen Bewegung deiner allm�chtigen Hand zu Boden!� sagte er. �La� keinen entkommen, Issus, dein Volk verl��t sich auf dich! Tochter des Kleineren Mondes, nur du bist allm�chtig.�</p><p>�Du als Einzige kannst dein Volk retten. Ich habe zu Ende gesprochen. Wir erwarten deinen Willen. Schlage zu!�</p><p>Da verfiel sie in Wahnsinn. Eine schreiende, geifernde Irre wand sich in meinem Griff. Sie bi� und kratzte in ohnm�chtiger Wut. Dann stie� sie ein unheimliches und grauenvolles Gel�chter aus, da� einem das Blut in den Adern erstarrte. Die Sklavinnen auf dem Podest schrien auf und duckten sich. Die widerliche Kreatur sprang zu ihnen, knirschte mit den Z�hnen und spie sie mit schaumbedeckten Lippen an. Mein Gott, was f�r ein entsetzlicher Anblick!</p><p>Schlie�lich sch�ttelte ich sie in der Hoffnung, sie f�r einen Augenblick zu klarem Denken zu bringen.</p><p>�Wo ist Dejah Thoris?� fragte ich abermals.</p><p>Das gr��liche Gesch�pf murmelte undeutlich etwas vor sich hin, dann trat auf einmal ein t�ckischer Glanz in die h��lichen, engstehenden Augen.</p><p>�Dejah Thoris? Dejah Thoris?� Dann schlug uns wieder ihr schrilles, unnat�rliches Lachen ins Ohr.</p><p>�Ja, Dejah Thoris�� ich wei�. Und Thuvia, und Phaidor, Tochter des Matai Shang. Sie alle lieben John Carter. Haha! Das ist schon spa�ig. Ein Jahr lang werden sie zusammen im Tempel der Sonne meditieren, doch noch ehe das Jahr vergangen ist, wird es keine Nahrung mehr f�r sie geben. Hoho! Welch g�ttliche Zerstreuung.� Damit leckte sie sich den Schaum von den grausamen Lippen. �Es wird keine Nahrung mehr geben�� au�er einander. Haha! Haha!�</p><p>Die grauenhafte Offenbarung l�hmte mich nahezu. Zu diesem Schicksal hatte die Kreatur, die in meiner Macht war, meine Prinzessin verurteilt. Ich zitterte vor unb�ndiger Wut. Wie ein Hund eine Ratte sch�ttelt, so verfuhr ich mit Issus, der G�ttin des Ewigen Lebens.</p><p>�Widerrufe deine Befehle!� sagte ich. �Ruf die Verurteilten zur�ck. Beeile dich, oder du stirbst!�</p><p>�Es ist zu sp�t. Haha! Haha!� Damit begann sie wieder zu schnattern und zu schreien.</p><p>Wie aus eigenem Antrieb schnellte mein Dolch �ber das Herz dieses widerlichen Wesens. Etwas lie� meine Hand jedoch verharren, und ich bin jetzt froh, da� es so war. Es w�re eine furchtbare Sache gewesen, eine Frau mit eigenen H�nden zu t�ten. Da fiel mir ein angemesseneres Schicksal f�r diese falsche G�ttin ein.</p><p>�Erstgeborene�, rief ich, an diejenigen gewandt, die sich mit im Raum befanden. �Ihr habt heute die Ohnmacht von Issus mit angesehen�� die G�tter sind allm�chtig, Issus ist keine G�ttin. Sie ist eine grausame und b�se alte Frau, die euch jahrhundertelang get�uscht und mit euch gespielt hat. Nehmt sie. John Carter, Prinz von Helium, m�chte seine H�nde nicht mit ihrem Blut beflecken.� Damit stie� ich die w�tende Bestie, die noch vor einer knappen halben Stunde von der ganzen Welt als g�ttlich verehrt worden war, von dem Podest ihres Thrones in die lauernden Krallen ihres verratenen und rachedurstigen Volkes.</p><p>Ich entdeckte Xodar unter den Offizieren der roten M�nner und bat ihn, mich schnell zum Tempel der Sonne zu f�hren. Ohne zu warten, um in Erfahrung zu bringen, welches Schicksal die Erstgeborenen ihrer G�ttin zuteil werden lie�en, verlie� ich eilends mit Xodar, Carthoris, Hor Vastus, Kantos Kan und einer Schar anderer roter Edler den Raum.</p><p>Der Schwarze f�hrte uns rasch durch die inneren Gem�cher des Tempels, bis wir auf dem zentralen Hof standen�� einer gro�en, kreisrunden Fl�che, die mit durchsichtigem Marmor von ausgesuchtem Wei� gepflastert war. Vor uns erhob sich ein goldener Tempel, der mit h�chst wunderbaren und phantasiereichen Mustern verziert war. Sie waren mit Diamanten, Rubinen, Saphiren, T�rkisen, Smaragden und den tausend anderen namenlosen Edelsteinen des Mars versehen, welche die meisten Edelsteine der Erde an Pracht und Reinheit �bertreffen.</p><p>�Hierhin�, sagte Xodar und f�hrte uns zum Eingang in einen Tunnel, der in den Hof neben dem Tempel m�ndete. Gerade als wir im Begriff waren, hinabzusteigen, h�rten wir ein tiefes Dr�hnen aus dem Tempel von Issus aufsteigen, den wir soeben verlassen hatten, und dann kam ein roter Mann, Djor Kantos, Padwar des f�nften Utan, aus einem Tor in der N�her herbeigest�rzt und rief uns zu, wir sollten umkehren.</p><p>�Die Schwarzen haben den Tempel in Brand gesetzt. Er brennt an tausend Stellen. Eilt in die �u�eren G�rten, oder ihr seid verloren.�</p><p>Noch w�hrend er redete, sahen wir Rauch aus mehreren Fenstern aufsteigen, die in den Hof des Tempels der Sonne blickten, und hoch �ber dem h�chsten Minarett von Issus hing eine st�ndig gr��er werdende Rauchwolke.</p><p>�Zur�ck! Zur�ck!� rief ich denen zu, die mich begleitet hatten. �Weise mir den Weg, Xodar. Weise mir den Weg und verla� mich. Noch kann ich meine Prinzessin erreichen.�</p><p>�Folge mir, John Carter�, erwiderte Xodar und st�rmte in den Tunnel zu unserer Rechten, ohne auf meine Antwort zu warten. Ihm dicht auf den Fersen st�rmte ich durch ein halbes Dutzend Reihen von Galerien, bis er mich schlie�lich �ber einen Gang entlangf�hrte, an dessen Ende ich ein kleines Zimmer sah.</p><p>Massive Stangen verwehrten uns das weitere Vorankommen, doch dahinter erblickte ich sie�� meine unvergleichliche Prinzessin. Thuvia und Phaidor waren bei ihr. Als sie mich sah, st�rzte sie zu dem Gitter, das uns trennte. Der Raum hatte sich auf seinem langsamem Weg schon so weit gedreht, da� nur noch ein Teil der �ffnung in der Tempelwand sich gegen�ber dem vergitterten Ende des Korridors befand. Langsam schlo� sich die �ffnung, und bald w�rde nur noch ein winziger Spalt klaffen, dann w�rde auch dieser geschlossen werden. Der Raum w�rde sich dann gem�chlich ein langes Barsoomisches Jahr lang drehen, bis die �ffnung in der Wand wieder einen kurzen Tag lang am Ende des Ganges vor�berglitt.</p><p>Doch was f�r grauenvolle Dinge w�rden inzwischen in diesem Raum vor sich gehen!</p><p>�Xodar! Kann keine Macht dieses gr��liche, sich drehende Monster zum Halten bringen?� fragte ich. �Gibt es niemanden, der das Geheimnis dieses schrecklichen Gitters kennt?�</p><p>�Ich f�rchte, niemanden, den wir noch rechtzeitig herholen k�nnten. Dennoch werde ich gehen und es versuchen. Warte hier auf mich.�</p><p>Nachdem er gegangen war, sprach ich mit Dejah Thoris, und sie streckte mir ihre liebe Hand durch die gnadenlosen Gitterst�be, damit ich sie bis zum letzten Augenblick halten konnte.</p><p>Thuvia und Phaidor traten ebenfalls n�her, aber als Thuvia sah, da� wir allein sein wollten, zog sie sich zur anderen Seite des Raumes zur�ck. Nicht so die Tochter von Matai Shang.</p><p>�John Carter, dies ist das letzte Mal, da� du eine von uns erblickst�, sagte sie. �Sage mir, da� du mich liebst, damit ich gl�cklich sterben kann.�</p><p>�Ich liebe nur die Prinzessin von Helium�, erwiderte ich ruhig. �Es tut mir leid, Phaidor, aber es ist so, wie ich dir von Anfang an gesagt habe.�</p><p>Sie bi� sich auf die Lippen und wandte sich ab. Doch vorher sah ich, wie sie Dejah Thoris einen finsteren, feindseligen Blick zuwarf. Nun stand sie etwas entfernt, doch nicht so weit weg, wie ich es mir gew�nscht h�tte, denn ich hatte der langvermi�ten Geliebten viele kleine Vertraulichkeiten zuzuraunen.</p><p>Wir unterhielten uns einige Minuten leise. Die �ffnung wurde immer kleiner. Bald w�rde sie zu schmal sein, als da� die schlanke Gestalt meiner Prinzessin h�tte hindurchgleiten k�nnen. Warum beeilte sich Xodar nur nicht? �ber uns konnten wir den schwachen Widerhall eines gro�en Tumults h�ren.</p><p>Unz�hlige schwarze, rote und gr�ne M�nner k�mpften sich durch das Feuer des lodernden Tempels von Issus.</p><p>Ein Luftzug von oben trug uns den Geruch von Rauch zu. W�hrend wir auf Xodar warteten, wurde der Rauch immer dicker. Da h�rten wir Rufe am fernen Ende des Ganges und eilige Schritte.</p><p>�Komm zur�ck, John Carter, komm zur�ck!� rief eine Stimme. �Jetzt brennen sogar die Gruben.�</p><p>Einen Augenblick sp�ter brachen ein Dutzend M�nner durch den nun jede Sicht nehmenden Rauch und kamen zu mir. Das waren Carthoris, Kantos Kan, Hor Vastus und Xodar mit einigen wenigen, die mir in den Tempelhof gefolgt waren.</p><p>�Es besteht keine Hoffnung, John Carter�, sagte Xodar. �Der Schl�sselbewahrer ist tot, die Schl�ssel sind nicht an seinem K�rper zu finden. Unsere einzige Hoffnung besteht darin, die Feuersbrunst zu l�schen und dem Schicksal zu vertrauen, da� deine Prinzessin nach einem Jahr noch lebendig und unversehrt ist. Ich habe gen�gend Nahrung mitgebracht, da� sie damit auskommen. Wenn dieser Spalt geschlossen ist, kann der Rauch nicht zu ihnen dringen, und wenn wir die Flammen schnell l�schen, glaube ich, da� sie sicher sind.�</p><p>�Dann geh und nimm die anderen mit�, erwiderte ich. �Ich werde hier bei meiner Prinzessin bleiben, bis ein gnadenvoller Tod mich von meiner Trauer erl�st. Mir liegt nichts mehr am Leben.�</p><p>W�hrend meiner Worte hatte Xodar eine gro�e Menge kleiner Konservenb�chsen in die Gef�ngniszelle geworfen. Einen Augenblick sp�ter war der Spalt nicht mehr als ein Zoll breit. Dejah Thoris stand so dicht wie m�glich dahinter und fl�sterte mir Worte der Hoffnung und der Ermutigung zu. Sie dr�ngte mich, an die eigene Rettung zu denken.</p><p>Pl�tzlich erblickte ich hinter ihr das sch�ne Antlitz Phaidors von ha�erf�llter Bosheit verzerrt. Als ich ihrem Blick begegnete, sagte sie: �Glaube nicht, da� du die Liebe von Phaidor, der Tochter des Matai Shang, so leichtfertig verschm�hen kannst. Und hoffe auch nicht, deine Dejah Thoris je wieder in den Armen zu halten. Warte du nur dieses lange, lange Jahr. Doch wisse: Wenn das Jahr vor�ber ist, werden es Phaidors Arme sein, die dich willkommen hei�en�� nicht die der Prinzessin von Helium. Sieh hier, sie stirbt!�</p><p>Als sie geendet hatte, sah ich, wie sie einen Dolch hob, und dann sah ich noch eine andere Gestalt. Es war die von Thuvia. Als der Dolch auf die ungesch�tzt Brust meiner Geliebten niederstie�, befand sich Thuvia fast zwischen ihnen. Eine Rauchwolke versperrte mir die Sicht und verbarg die Trag�die in dieser schrecklichen Zelle�� ein Schrei ert�nte, ein einziger Schrei, als der Dolch herab stie�.</p><p>Nachdem sich der Rauch verzogen hatten, blickten wir auf eine kahle Wand. Der letzte Spalt hatte sich geschlossen, und nun w�rde die grauenvolle Kammer ihr Geheimnis ein ganzes Jahr lang vor den Blicken der Menschen verbergen.</p><p>Sie dr�ngten mich, wegzugehen.</p><p>�In wenigen Augenblicken ist es zu sp�t�, sagte Zodar. �Es gibt ohnedies nur noch eine geringe Chance, da� wir je lebendig zu den Au�eng�rten gelangen. Ich habe befohlen, da� die Pumpen angeworfen werden, und in f�nf Minuten werden die Gruben �berflutet sein. Wollen wir nicht wie Ratten in einer Falle ertrinken, m�ssen wir nach oben eilen und uns durch den brennenden Tempel in Sicherheit bringen.�</p><p>�Geht�, dr�ngte ich sie. �La�t mich hier neben meiner Prinzessin sterben�� f�r mich gibt es nirgends noch Hoffnung oder Gl�ck. Wenn sie die hei�geliebte Tote in einem Jahr von diesem entsetzlichen Ort wegbringen, sollen sie den K�rper ihres Gatten hier vorfinden, der auf sie wartet.�</p><p>Von den darauffolgenden Ereignissen habe ich nur eine unklare Erinnerung. Mir war, als k�mpfte ich mit vielen M�nnern, dann wurde ich vom Boden aufgehoben und weggetragen. Ich wei� nichts mehr, ich habe niemals gefragt. Auch hat niemanden von denen, die an diesem Tag dort waren, meinem Schmerz erneut aufgew�hlt und mir die Geschehnisse vor Augen gef�hrt, von denen sie wu�ten, da� sie nur die schreckliche Wunde in meinem Herzen aufrei�en w�rden. Ach, w��te ich nur das eine�� welche B�rde der Ungewi�heit w�rde von meinen Schultern genommen! Doch ob der Dolch der M�rderin die Brust meiner Geliebten oder die der anderen erreicht hatte, w�rde nur die Zeit enth�llen.</p></section></body><body name="notes"><section id="fn1"><title><p>1</p></title><p>Wo immer John Carter auch die Zeit-, Gewichts-, Entfernungsmessung u. �. vom Mars angewendet hat, habe ich sie so genau wie m�glich in ihre irdische Entsprechung �bertragen. Seine Niederschriften enthalten viele Tabellen vom Mars und eine Unmenge wissenschaftlicher Daten, doch wahrend die Internationale Astronomische Gesellschaft gegenw�rtig dabei ist, diese unz�hligen, bemerkenswerten und wertvollen Informationen auszuwerten, einzuordnen und nachzupr�fen, habe ich gesp�rt, da� es die Geschichte von Hauptmann Carter nicht interessanter machen wird oder der Vergr��erung des menschlichen Wissensvorrates dient, wenn man sich diesbez�glich allzu strikt an das Original h�lt. Es k�nnte den Leser verwirren und seine Aufmerksamkeit von der Geschichte lenken. Jenen, die dennoch Interesse haben, m�chte ich erkl�ren, da� ein Tag auf dem Mars eine Kleinigkeit l�nger ist als 24 Stunden 37 Minuten (Erdenzeit). Diesen teilen die Marsmenschen in zehn gleiche Abschnitte, den Tag ungef�hr um 6 Uhr beginnend. Die Zodes bestehen aus f�nfzig k�rzeren Zeitr�umen, von denen ein jeder aus zweihundert kurzen Zeitabschnitten besteht, ungef�hr von der Dauer einer Erdensekunde. Der Zeitkalender auf Barsoom, wie unten zu finden, stellt nur einen Auszug der vollst�ndigen Tabelle dar, wie sie in Hauptmann Carters Niederschriften erscheint.</p><subtitle>Tabelle</subtitle><p>200 Tals = 1 Xat</p><p>50 Xats = 1 Zode</p><p>10 Zodes = 1 Umdrehung des Mars um seine eigene Achse</p></section></body><binary id="cover" 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