<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>Edgar</first-name><middle-name>Rice</middle-name><last-name>Burroughs</last-name></author><book-title>Thuvia, das M�dchen vom Mars</book-title><annotation><p>Cathoris ist der Spro� aus der Verbindung zwischen dem Erdenmenschen John Carter und der g�ttlichen Deja Thoris, der Prinzessin von Helium. Cathoris aber gl�ht vor Leidenschaft, er hat sich unsterblich verliebt in die bezaubernde Thuvia von Ptarth. Doch j�h fallen Schatten auf die beginnende Romanze. Thuvia wird von rivalisierenden St�mmen entf�hrt, und hinter den grausamen Entf�hrern steht der eifers�chtige Prinz des Roten Stammes. Cathoris macht sich auf die Suche nach seiner geliebten Prinzessin. Er tut sich mit dem Jeddak von Ptarth zusammen und erforscht unwegsame W�stengebiete, in die noch kein Marsmensch seinen Fu� gesetzt hat. Er findet die sch�ne Thuvia, doch da wird ihm ein Einsatz abgefordert, vor dem selbst der tapferste Jeddak zur�ckgeschreckt w�re�</p></annotation><date>1973</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Leni</first-name><last-name>Sobez</last-name></translator><sequence name="John Carter vom Mars" number="4"/></title-info><src-title-info><genre>sf_action</genre><author><first-name>Edgar</first-name><middle-name>Rice</middle-name><last-name>Burroughs</last-name></author><book-title>Thuvia, Maid of Mars</book-title><date>1916</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><first-name>Edgar</first-name><middle-name>Rice</middle-name><last-name>Burroughs</last-name></author><date value="2015-06-07">7.6.2015</date><src-ocr>BOOKZ 'R' US</src-ocr><id>3E5241E1-DB93-40F1-A98C-2FB7B5E44955</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Edgar Rice Burroughs</p><p>Thuvia, das M�dchen vom Mars</p></title><section><title><p>1</p><p>Carthoris und Thuvia</p></title><p>Auf einer massiven Bank aus poliertem Ersit sa� eine Frau unter den prachtvollen Bl�ten einer riesigen Pirnalie.</p><p>Ihr entz�ckender Fu� war mit einer Sandale bekleidet und klopfte ungeduldig auf den edelsteinbestreuten Fu�weg, der an ungeheuren Sorapusb�umen vorbei �ber den scharlachroten Rasen der k�niglichen G�rten des Jeddaks von Ptarth, Thuvan Dihn, f�hrte. Ein dunkelhaariger, roth�utiger Krieger beugte sich �ber sie und fl�sterte ihr hei�e Worte in das Ohr.</p><p>�Ah, Thuvia von Ptarth�, rief er. �du bist kalt selbst vor dem verzehrenden Feuer meiner Liebe! Kalt und hart wie diese Bank aus kaltem, hartem Ersit ist dein Herz! Wie gl�cklich kann sich dieser Stein sch�tzen, da� er deine g�ttliche, makellose Gestalt tragen darf! Oh, sag mir, Thuvia von Ptarth, da� ich noch hoffen darf, auch wenn du mich jetzt noch nicht liebst. Aber eines Tages, meine geliebte Prinzessin, werde ich��</p><p>Das M�dchen sprang auf und tat einen Ausruf unangenehmer �berraschung. Ihr k�niglicher Kopf sa� stolz auf ihren glatten, roten Schultern. Ihre dunklen Augen funkelten den Mann zornig an.</p><p>�Du vergissest dich und die Sitten von Barsoom, Astok�, sagte sie. �Ich habe dir kein Recht gegeben, die Tochter von Thuvan Dihn so anzusprechen, und ein solches Recht hast du dir auch noch nicht verdient.�</p><p>Der Mann griff pl�tzlich aus und hielt sie am Arm fest.</p><p>�Du wirst meine Prinzessin!� rief er. �Bei der Brust der Issus, das wirst du, und kein anderer wird sich zwischen Astok, Prinz von Dusar, und seinen Herzenswunsch stellen! Sag mir, da� da ein anderer Mann ist, und ich werde ihm sein verfaultes Herz aus dem Leib schneiden und es den wilden Hunden der toten Seegr�nde vorwerfen!�</p><p>Als die Hand des Mannes ihre Haut ber�hrte, wurde sie bla�, denn die Frauen von den k�niglichen H�fen des Mars werden fast als Heilige behandelt. Da� Astok, Prinz von Dusar, sie ber�hrte, war ein Frevel. Angst hatte Thuvia von Ptarth nicht, nur Entsetzen f�hlte sie �ber das, was der Mann getan hatte, denn daraus konnten sich b�se Folgen ergeben.</p><p>�La� mich los�, sagte sie kalt und gemessen.</p><p>Der Mann murmelte etwas Unverst�ndliches und zog sie grob an sich.</p><p>�La� mich los!� wiederholte sie scharf. �Oder ich rufe den W�chter, und der Prinz von Dusar wei�, was das zu bedeuten hat.�</p><p>Aber er warf seinen rechten Arm um ihre Schultern und versuchte ihr Gesicht an seine Lippen zu ziehen. Sie tat einen kleinen Schrei und schlug ihm mit den schweren Armreifen, die ihren freien Arm schm�ckten, auf den Mund.</p><p>�Kalott!� rief sie. �W�chter! W�chter! Kommt, um die Prinzessin von Ptarth zu besch�tzen!�</p><p>Sofort kam ein ganzes Dutzend W�chter �ber den roten Rasen gerannt, und ihre blanken Langschwerter funkelten in der Sonne.</p><p>Das Metall ihrer Waffen klirrte gegen das ihrer Lederharnische, und aus ihren Kehlen stiegen heisere Wutschreie beim Anblick, der sich ihnen bot.</p><p>Ehe sie noch die H�lfte des Rasens hinter sich gebracht hatten, sprang eine andere Gestalt aus den dichten B�schen, die einen goldenen Brunnen einschlossen. Es war ein gro�er Junge von prachtvoller Gestalt, schwarzem Haar und klugen grauen Augen. Seine Schultern waren breit, die H�ften schmal, und seine klargezeichneten Glieder waren die eines K�mpfers. Seine Haut war heller als die der kupferfarbenen Roten M�nner des Mars, die sich schon allein durch ihre Hautfarbe von den anderen Rassen des sterbenden Planeten unterscheiden. Er war so wie die Roten und doch anders als sie, nicht nur wegen der helleren Haut und der grauen Augen.</p><p>Auch seine Bewegungen waren ein wenig anders. Er kam in gro�en Spr�ngen an, und sie trugen ihn so schnell �ber den Rasen, da� im Vergleich dazu die Schnelligkeit der heranrennenden W�chter nichts war.</p><p>Astok hielt noch immer Thuvias Handgelenk fest, als der junge Krieger ihm gegen�berstand.</p><p>�Kalott!� fauchte er nur, und dann landete schon seine Faust am Kinn des anderen. Der Prinz flog hoch in die Luft und landete als unansehnlicher Haufen mitten im Pimalienbusch neben der Ersitbank.</p><p>�Kaor, Thuvia von Ptarth!� rief der junge Mann, der sich vor dem M�dchen verbeugte. �Mir scheint, das Schicksal hat die richtige Zeit f�r meinen Besuch bestimmt.�</p><p>�Kaor, Carthoris von Helium!� erwiderte die Prinzessin den Gru� des jungen Mannes, ihres Retters. �Was h�tte ich sonst erwarten k�nnen vom Sohn eines solchen Herrn?�</p><p>Er verbeugte sich dankbar f�r das Kompliment f�r seinen Vater John Carter, Kriegsherr des Mars. Und dann kamen eben die W�chter keuchend an, als der Prinz von Dusar mit gezogenem Schwert und aus dem Mund blutend aus dem Gewirr der Pimalienzweige herauskroch.</p><p>Astok h�tte sofort, mit dem Sohn von Dejah Thoris einen Kampf auf Leben und Tod begonnen, wenn ihn die W�chter nicht daran gehindert h�tten. Es war aber deutlich zu sehen, da� Carthoris von Helium den Kampf nur allzu gerne angenommen h�tte.</p><p>�Sag nur ein Wort, Thuvia von Ptarth�, bat er, �und nichts wird mich mehr erfreuen, als diesem Burschen die Strafe zu verpassen, die er verdient hat.�</p><p>�Das darf nicht sein, Carthoris�, antwortete sie. �Er hat zwar jeden Anspruch auf meine R�cksichtnahme verspielt, aber er ist ein Gast des Jeddaks, meines Vaters, und ihm wird er auch Rechenschaft ablegen m�ssen wegen der unverzeihlichen Tat, die er begangen hat.�</p><p>�Wie du sagst, Thuvia�, erwiderte der junge Mann aus Helium.</p><p>�Aber dann wird er sich vor Carthoris, dem Prinzen von Helium, f�r die Beleidigung zu verantworten haben, die er der Tochter des Freundes meines Vaters zugef�gt hat.�</p><p>Ein tiefes Rot �berzog die zarten Wangen des M�dchens, und die Augen von Astok, Prinz von Dusar, umw�lkten sich, denn er f�hlte das, was im k�niglichen Garten des Jeddaks ungesprochen blieb.</p><p>�Und du dich vor mir�, zischte er Carthoris an.</p><p>Die Wachen umstanden Astok noch immer. F�r den jungen Offizier der sie befehligte, war das eine recht schwierige Situation, denn sein Gefangener war der Sohn eines m�chtigen Jeddaks. Au�erdem war er der Gast von Thuvan Dihn � �brigens, ein bis jetzt hoch geehrter Gast � der mit allen k�niglichen Ehren empfangen und �bersch�ttet worden war. Nahm man ihn jetzt gefangen, dann bedeutete das Krieg.</p><p>Der junge Mann z�gerte. Er sah seine Prinzessin fragend an.</p><p>Auch sie schien zu wissen, was alles von den n�chsten Minuten abhing. Seit vielen Jahren hatten Dusar und Ptarth in bestem Einvernehmen gelebt. Die gro�en Handelsschiffe waren st�ndig zwischen den gr��eren St�dten der beiden Nationen unterwegs, und sogar jetzt konnte die Prinzessin �ber der scharlachfarbenen Kuppel des Palastes einen riesigen, unf�rmigen Frachter erkennen, der sich seinen majest�tischen Weg durch die d�nne Luft Barsooms nach dem Westen und nach Dusar bahnte.</p><p>Ein einziges Wort w�rde gen�gen, um diese zwei m�chtigen Nationen in einen blutigen Konflikt zu verwickeln, der sie ihrer tapfersten M�nner und unsch�tzbaren Reicht�mern beraubte und sie hilflos den Raubgel�sten ihrer weniger reichen und gl�cklichen Nachbarn auslieferte, die schon seit langem eifers�chtig waren. Und ebenso zu f�rchten waren die gr�nen Horden von den toten Seegr�nden.</p><p>Die Kinder des Mars kennen kaum Furcht, und so wurde auch Thuvia in ihrer Entscheidung nicht von Furcht beeinflu�t: eher leitete sie ein sehr ausgepr�gter Sinn f�r Verantwortung, denn ihr, der Tochter des Jeddaks, lag das Wohl ihres Volkes am Herzen.</p><p>�Ich habe dich gerufen, Padwar�, sagte sie zu dem Leutnant der Wachen, �um die Person deiner Prinzessin zu sch�tzen und um den Frieden zu erhalten, der in den k�niglichen G�rten des Jeddaks nicht gebrochen werden darf. Das ist alles. Du wirst mich nun zum Palast begleiten, und auch der Prinz von Helium wird bei mir bleiben.�</p><p>Sie warf Astok nicht einmal mehr einen fl�chtigen Blick zu, sondern griff nach Carthoris� hilfreich gebotener Hand und ging mit ihm langsam dem riesigen Marmorgeb�ude zu, das der Palast des Herrschers von Ptarth war und ihm und seinem pr�chtigen Hof zur Wohnung diente. Links und rechts von ihnen marschierten die Garden mit. Auf diese Art hatte Thuvia von Ptarth einen Ausweg aus dem Dilemma gefunden, denn sie hatte sowohl die beiden Prinzen getrennt, die einander sonst an die Kehle gesprungen w�ren, als auch vermieden, dem k�niglichen Gast ihres Vaters Schmach anzutun und ihn seiner Freiheit zu berauben.</p><p>Astok stand noch immer unter der Pimalie. Er hatte die Brauen gerunzelt und seine dunklen Augen zu ha�erf�llten Schlitzen verkniffen, und so sah er der sich entfernenden Frau nach, f�r die er die wildeste Leidenschaft empfand und auch dem Mann, der � und davon war er jetzt �berzeugt � zwischen seiner Liebe und ihrer Erf�llung stand.</p><p>Als sie im Palast verschwanden, zuckte Astok die Achseln und stie� einen Fluch aus. Dann ging er quer durch den Garten zu einem anderen Fl�gel des weitl�ufigen Geb�udes, in dem er mit seinem Gefolge untergebracht war.</p><p>Im Laufe der Nacht verabschiedete er sich f�rmlich von Thuvan Dihn, und mit keinem Wort wurde der Vorfall im k�niglichen Garten erw�hnt. Trotzdem lie� die kalte Maske der H�flichkeit des Jeddaks ahnen, da� er nur, weil er die Gastfreundschaft des K�nigs angenommen hatte, seiner Verachtung nicht Ausdruck verlieh, die er f�r den Prinzen von Dusar empfand.</p><p>Carthoris war bei der Verabschiedung nicht anwesend; auch Thuvia war ihr ferngeblieben. Die Zeremonie war so steif und formell, wie die Hofetikette sie vorschrieb, dar�ber hinaus aber auch ohne die geringste Andeutung von Herzlichkeit. Endlich war dann der letzte Dusarianer �ber die Reling des Kampfschiff es geklettert, das sie zu jenem schicksalhaften Besuch nach Ptarth gebracht hatte, und die riesige Zerst�rungsmaschine hatte sich langsam von der Landeb�hne abgehoben. Jetzt stie� Thuvan Dihn einen Seufzer der Erleichterung aus. Er wandte sich an seinen Adjutanten mit einem erkl�renden Wort �ber den seltsamen Vorfall, der seit Stunden alle Palastbewohner und H�flinge besch�ftigt hatte.</p><p>Aber war es denn wirklich so seltsam gewesen?</p><p>�La�t alle wissen�, befahl er, �da� es unser Wunsch ist, da� die Flotte, die heute fr�h nach Kaol aufgebrochen ist, zur�ckgerufen wird, um im Westen von Ptarth zu kreuzen.�</p><p>Als das Kriegsschiff, das Astok an den Hof seines Vaters zur�ckbrachte, nach Westen drehte, sa� Thuvia von Ptarth auf derselben Bank, wo der Prinz von Dusar sie beleidigt hatte. Sie sah den flimmernden Lichtern des Schiffes nach, das in der Ferne immer kleiner wurde. Der n�here Mond go� sein strahlendes Licht auf Carthoris, der neben ihr sa�. Seine Augen folgten nicht dem riesigen Kampfschiff, sondern hingen am aufw�rts gewandten Gesicht des M�dchens.</p><p>�Thuvia�, fl�sterte er.</p><p>Das M�dchen sah ihn an. Seine Hand tastete sich der ihren entgegen, doch sie zog sie sanft zur�ck.</p><p>�Thuvia von Ptarth, ich liebe dich!� rief der junge Krieger.</p><p>�Sag mir, da� dich meine Liebe nicht kr�nkt!�</p><p>Sie sch�ttelte betr�bt den Kopf. �Die Liebe eines Carthoris von Helium kann f�r jede Frau nur eine gro�e Ehre sein�, antwortete sie einfach. �Du sollst aber nicht sprechen, mein Freund. Schweig von Gef�hlen, die ich nicht teilen kann.�</p><p>Langsam stand der junge Mann auf. Seine Augen waren gro� vor Staunen. Nie h�tte Carthoris, Prinz von Helium, damit gerechnet, da� Thuvia von Ptarth einen anderen Mann lieben k�nnte.</p><p>�Aber in Kadabra und sp�ter an meines Vaters Hof � Thuvia von Ptarth, h�ttest du mich warnen sollen, da� du meine Liebe nicht erwidern kannst.�</p><p>�Und was habe ich getan, Carthoris von Helium�, erwiderte sie, �das dich glauben lie�, ich w�rde deine Liebe erwidern?�</p><p>Er dachte eine ganze Weile nach, dann sch�ttelte er den Kopf.</p><p>�Nichts, Thuvia, das ist wahr. Doch ich h�tte schw�ren m�gen, da� du mich liebst. Du wei�t recht gut, wie verehrungsvoll meine Liebe zu dir ist.�</p><p>�Und wie sollte ich das wissen, Carthoris?� fragte sie unschuldig. �Hast du mir je etwas davon gesagt? Ist je ein Wort deiner Liebe f�r mich von deinen Lippen gekommen?�</p><p>�Aber du <emphasis>mu�t</emphasis> es gewu�t haben!� rief er. �Ich bin wie mein Vater; mit Frauen kann ich nicht umgehen, und wenn mein Herz sprechen soll, bin ich ein T�lpel. Aber all diese Juwelen, die auf den Wegen des k�niglichen Gartens funkeln, die B�ume, die Blumen, selbst der Rasen � alles und jedes mu� in meinem Herzen die Liebe zu dir gelesen haben, die ich f�hle, seit meine Augen das Gl�ck hatten, die Sch�nheit deines vollkommenen Gesichtes und deiner lieblichen Gestalt in mich hineinzutrinken.</p><p>Wie k�nntest also allein du blind daf�r gewesen sein?�</p><p>�Zeigen die M�dchen von Helium den M�nnern, da� sie sie lieben?� fragte Thuvia.</p><p>�Du spielst mit mir!� rief Carthoris. �Sag, Thuvia, da� du nur mit mir spielst und da� du mich doch liebst!�</p><p>�Das kann ich dir nicht sagen, Carthoris, denn ich bin einem anderen versprochen.�</p><p>Ihre Stimme klang unbewegt, doch wer k�nnte behaupten, aus ihren tiefsten Tiefen habe nicht ein wenig Trauer mitgeklungen?</p><p>�Du bist einem anderen versprochen?� Carthoris fl�sterte fast unh�rbar diese Worte. Sein Gesicht war aschfahl geworden, aber dann hob er stolz den Kopf, wie es einem Mann zukommt, in dessen Adern das Blut des Kriegsherrn einer Welt flie�t.</p><p>�Carthoris von Helium w�nscht dir alles Gl�ck mit dem Mann deiner Wahl�, sagte er voll Stolz. �Mit�� Er z�gerte, denn er erwartete von ihr den Namen zu h�ren.</p><p>�Kulan Tith, Jeddak von Kaol�, sagte sie. �Meines Vaters Freund und Ptarths m�chtigster Verb�ndeter.�</p><p>Der junge Mann sah sie lange pr�fend an, ehe er wieder sprach.</p><p>�Du liebst ihn, Thuvia von Ptarth?� fragte er.</p><p>�Ich bin ihm versprochen�, erwiderte sie schlicht.</p><p>Er drang nicht weiter in sie. �Er ist vom edelsten Blut Barsooms und ein gewaltiger K�mpfer�, �berlegte Carthoris laut.</p><p>�Meines Vaters Freund und auch der meine. Oh, w�re es nur ein anderer!� Er war verzweifelt. Was das M�dchen dachte, lie� sich nicht erkennen, denn ihr Gesicht war eine ausdruckslose Maske, die h�chstens ein wenig Traurigkeit andeutete. Er konnte jedoch nicht erraten, ob diese Trauer ihr selbst, ihm oder ihnen beiden galt.</p><p>Carthoris von Helium fragte nicht, obwohl er die Andeutung des Leides im Gesicht des M�dchens bemerkte. Seine Loyalit�t f�r Kulan Tith war die des Blutes von John Carter aus Virginia f�r einen Freund, und keine Treue konnte gr��er sein als die seine.</p><p>Er hob etwas von des M�dchens juwelengeschm�ck ten Harnisch beh�ngen an seine Lippen.</p><p>�Auf die Ehre und das Gl�ck von Kulan Tith und des preislosen Juwels, das ihm anvertraut wurde�, sagte er, und seine Stimme klang heiser vor Bewegung, doch an der Aufrichtigkeit seines Wunsches war nicht zu zweifeln. �Ich sagte dir, da� ich dich liebe, Thuvia, ehe ich wu�te, da� du einem anderen versprochen bist. Ich werde es nicht wiederholen, doch bin ich froh, da� du es wei�t, denn darin liegt keine Unehre f�r dich, f�r Kulan Tith oder f�r mich selbst. Meine Liebe ist so, da� ich auch Kulan Tith umarmen w�rde � falls du ihn liebst.� Darin lag eine deutliche Frage.</p><p>�Ich bin ihm versprochen�, wiederholte sie.</p><p>Langsam zog sich Carthoris zur�ck. Er legte eine Hand auf sein Herz, das andere auf den Knauf seines Langschwertes.</p><p>�Die geh�ren dir � immer�, sagte er. Und einen Augenblick sp�ter war er im Palast und den Blicken des M�dchens ent-schwunden.</p><p>W�re er sofort umgekehrt, h�tte er sie zusammengesunken und mit einem in ihren Armen vergrabenen Gesicht gefunden.</p><p>Weinte sie? Niemand sah es.</p><p>An jenem Tag war Carthoris von Helium unangemeldet an den Hof von seines Vaters Freund gekommen. Er hatte nur einen kleinen Flieger ben�tzt und kein Gefolge mitgenommen, denn er war �berzeugt, in Ptarth ebenso herzlich aufgenommen zu werden wie sonst auch. Und da es bei seiner Ankunft keine Formalit�ten gegeben hatte, konnte er auch ohne Umst�nde wieder abreisen.</p><p>Thuvan Dihn erkl�rte er, da� er eine eigene Erfindung ausprobieren wollte, mit der sein Flieger ausgestattet war, eine recht geschickte Verbesserung des gew�hnlich benutzten marsianschen Luftkompasses, den man auf ein bestimmtes Ziel ausrichten konnte, auf das er dann immer fixiert blieb. Es war nichts weiter n�tig, als den Bug des Schiffes st�ndig nach der Kompa�nadel auszurichten, um jeden gew�nschten und eingestellten Punkt auf Barsoom auf dem k�rzesten Weg zu erreichen.</p><p>Carthoris� Verbesserung an diesem Kompa� war ein Zusatzger�t, das ein damit ausger�stetes Schiff mechanisch in die auf dem Kompa� eingestellte Richtung steuerte und �ber dem Punkt, f�r den der Kompa� gesetzt war, die Maschine zum Stehen brachte, und sie langsam und vollautomatisch auf den Grund senkte.</p><p>�Die Vorteile dieser Erfindung liegen klar auf der Hand�, sagte er zu Thuvan Dihn, der ihn zur Landeplattform auf dem Palastdach begleitet hatte, weil er den Kompa� ansehen und seinem jungen Freund Lebewohl sagen wollte.</p><p>Ein Dutzend Offiziere und Hofbeamte mit einigen Leibdienern standen hinter dem Jeddak und seinem Gast und lauschten aufmerksam der Unterhaltung. Einer der Edlen schob zweimal ziemlich unsanft einen Dienstboten zur�ck, der sich immer wieder vor die anderen dr�ngte, um den wundervollen, sehr komplizierten Mechanismus des Ziel�berwachungskompasses, wie das Ger�t genannt wurde, m�glichst genau zu sehen.</p><p>�Wenn ich zum Beispiel einen Nachtflug vor mir habe, so wie heute�, fuhr Carthoris fort, �dann stelle ich den Zeiger auf der rechten Skala, welche die �stliche Hemisph�re von Barsoom darstellt, so ein, da� die Zeigerspitze genau auf die L�nge und Breite von Helium zeigt. Dann starte ich die Maschine, rolle mich in meine Schlafseiden und Pelze ein, lasse alle Lichter brennen und rase durch die Nacht Helium entgegen. Ich wei�, da� ich zur errechneten Zeit langsam auf die Landeplattform meines eigenen Palastes heruntergehe, egal ob ich nun noch schlafe oder nicht.�</p><p>�Vorausgesetzt nat�rlich�, wandte Thuvan Dihn ein, �da� du nicht inzwischen mit einem anderen Nachtwanderer zusammen-gesto�en bist.�</p><p>Carthoris l�chelte. �Da besteht gar keine Gefahr. Sieh her.� Er deutete auf ein weiteres Ger�t, das rechts neben dem Zielkompa� angebracht war. �Das hier ist mein Hindernis-Ausweichger�t.</p><p>Ein besserer Name daf�r ist mir noch nicht eingefallen, doch dieser bezeichnet genau dessen Funktion. Das hier ist der Schalter, mit dem der Mechanismus ein- und ausgeschaltet wird. Das Instrument selbst liegt gesch�tzt darunter und ist sowohl mit dem Lenkmechanismus als auch mit den �brigen Kontrollinstrumenten verbunden.</p><p>Das ist nun eigentlich recht einfach, denn es ist nichts anderes als ein Radiumgenerator, der Radioaktivit�t in alle Richtungen ausschickt �ber eine Weite von etwa hundert Yards vom Flieger entfernt. Sollte nun dieses Radioaktivit�tsfeld aus irgendeiner Richtung her durchsto�en oder auch nur gestreift werden, so zeigt sofort ein sehr empfindliches Instrument diese Ann�herung an und gibt gleichzeitig Impulse an ein magnetisches Ger�t ab, das wiederum auf den Steuermechanismus einwirkt und den Bug des Fliegers solange und soweit vom Hindernis ablenkt, bis das radioaktive Feld nicht mehr von ihm ber�hrt wird. Dann schwenkt das Schiff automatisch wieder auf den alten Kurs ein. Sollte die St�rung von hinten her erfolgen, falls mich etwa ein schneller fliegendes Schiff �berholen will, so wirkt der Mechanismus auf die Geschwindigkeitskontrolle und die Steuerung ein, so da� das Schiff gleichzeitig nach vorne und oben oder unten schie�t, je nachdem, ob das sich n�hernde Schiff h�her oder niedriger fliegt als ich.</p><p>Gibt es zum Beispiel viele Hindernisse oder solche, die den Bug in irgendeiner Richtung um mehr als f�nfundvierzig Grad ablenken w�rden, oder wenn das Schiff bereits sein Ziel erreicht hat und auf eine H�he von hundert Yards �ber dem Boden gefallen ist, so bringt das Ger�t das Schiff zum Stehen und gibt zugleich einen sehr lauten Alarm, der den Piloten aufweckt. Siehst du, ich habe fast jede M�glichkeit in Betracht gezogen.�</p><p>Thuvan Dihn nickte l�chelnd, denn ihm imponierte das Ger�t.</p><p>Der vorderste Diener dr�ngte sich noch weiter vor, so da� er fast unmittelbar neben dem Flieger stand. Seine Augen kniff er zu Schlitzen zusammen.</p><p>�Fast alle M�glichkeiten, nur eine nicht�, sagte er.</p><p>Die Edlen schauten ihn erstaunt an, und einer von ihnen packte den Burschen nicht gerade sanft an der Schulter, um ihn so auf den ihm geb�hrenden Platz zur�ckzuschieben. Carthoris hob die Hand.</p><p>�Wartet�, bat er. �La�t uns h�ren, was der Mann zu sagen hat, denn keine Sch�pfung eines menschlichen Geistes ist perfekt.</p><p>Vielleicht hat er eine Schw�che darin entdeckt, und ich werde sie sofort erkennen, wenn er spricht. Komm, mein Freund, und sage mir, welche M�glichkeit ich �bersehen haben k�nnte.�</p><p>W�hrend er sprach, musterte Carthoris den Diener zum erstenmal genau. Er sah vor sich einen Mann von der Gestalt eines Riesen, der so wie alle Angeh�rigen der Roten Rasse sehr gut aussah. Aber die Lippen des Burschen waren d�nn und grausam, und �ber eine Wange lief eine schwach sichtbare hellere Linie von der rechten Schl�fe zum Mundwinkel, die von einem Schwerthieb stammen mochte.</p><p>�Komm, mein Freund, so sprich doch�, dr�ngte der Prinz von Helium.</p><p>Der Mann z�gerte. Jeder konnte sehen, da� er es schon bedauerte, sich selbst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit aller Anwesenden ger�ckt zu haben. Es blieb ihm jedoch nichts anderes �brig, und so sprach er.</p><p>�Man k�nnte daran herumpfuschen�, sagte er. �Ein Feind zum Beispiel.�</p><p>Carthoris entnahm dem Lederbeutel an seinem G�rtel einen kleinen Schl�ssel.</p><p>�Schau dir den an�, sagte er und reichte ihn dem Mann. �Auch wenn du gar nichts von Schl�ssern verstehst, wird dir klar sein, da� der Mechanismus, der mit diesem Schl�ssel in Bewegung gesetzt wird, allen Schl�sserknackern weit �berlegen ist. Er besch�tzt die Eingeweide des Instruments davor, da� man an ihnen herumpfuschen kann. Ohne diesen Schl�ssel m��te ein Feind das Ger�t fast herausstemmen, um zu dessen Herz vorzudringen, und das w�rde selbst dem fl�chtigsten Beobachter nicht entgehen k�nnen.�</p><p>Der Diener nahm den Schl�ssel, musterte ihn aufmerksam und lie� ihn aber, als er ihn angeblich Carthoris zur�ckreichen wollte, auf den Marmorboden fallen. Er schaute sich um als wolle er den kleinen Schl�ssel suchen und stellte seinen Fu� in der Sandale auf den glitzernden Gegenstand. Einen Augenblick lang verlegte er sein ganzes K�rpergewicht auf diesen Fu�; dann trat er zur�ck, tat einen Ausruf der Freude, weil er ihn gefunden hatte, b�ckte sich, hob ihn auf und reichte ihn dem Prinzen von Helium. Dann zog er sich hinter die Reihen der Edlen zur�ck und war auch schon vergessen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter hatte sich Carthoris von Thuvan Dihn und seinen Edlen verabschiedet. Mit blinkenden Lichtern hob er sich von der Landeplattform ab und verschwand in die sternenfunkelnde Leere der Marsnacht.</p></section><section><title><p>2</p><p>Der Sklave</p></title><p>Der Herrscher von Ptarth stieg, gefolgt von seinen H�flingen, die Treppe von der Landeplattform seines Palastes hinunter, und die Diener nahmen ihre Pl�tze hinter ihren k�niglichen oder edlen Meistern ein. Doch einer blieb ein wenig hinter den anderen zur�ck. Er b�ckte sich, zog die Sandale von seinem rechten Fu� und steckte sie schnell in seinen G�rtelbeutel.</p><p>Als die Gruppe die unteren Stockwerke des Palastes erreicht hatte, entlie� der Jeddak sie mit einer Handbewegung. Niemand bemerkte, da� der aufdringliche Bursche, der vor der Abreise des Prinzen von Helium soviel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, nicht mehr unter den anderen Dienern war.</p><p>Die Edlen vom Mars haben in der Regel ein ziemlich umfangreiches Gefolge, und die einzelnen Personen kommen und gehen, wie es den Launen und dem Belieben ihrer Herren entspricht. Niemand machte sich daher die M�he, ein neues Gesicht genauer anzusehen, und niemand versuchte zu erfahren, zu welchem Herrn dieser aufdringliche Bursche geh�rte. Da� ein Mann sich innerhalb der Palastmauern aufhielt, galt als Beweis daf�r, da� seine Loyalit�t gegen�ber dem Jeddak nicht in Zweifel zu ziehen war. Jeder, der in den Dienst eines Edlen zu treten versuchte, w�rde sowieso auf Herz und Nieren gepr�ft.</p><p>Das ist eine ausgezeichnete Regel, und so konnte man dem Gefolge eines zu Besuch weilenden befreundeten Herrschers praktisch uneingeschr�nktes Vertrauen schenken.</p><p>Am sp�ten Morgen des folgenden Tages verlie� ein sehr gro�er Diener im Harnisch eines angesehenen Edlen von Ptarth den Palast und begab sich zur Stadt. Raschen Schrittes ging er eine breite Stra�e entlang und bog in eine andere ein, und so ging er weiter, bis er die Wohnviertel der Edlen hinter sich hatte und das Ladenviertel erreichte. Hier suchte er ein �beraus pr�chtiges Geb�ude auf, das sich mit einem hohen schlanken Turm in den Himmel hob. Die �u�eren Mauern waren mit kunstvollen Schnitzereien, Reliefs und sehr komplizierten Mosaikmustern verziert.</p><p>Es war der Palast des Friedens, in dem die Vertreter fremder M�chte residieren; besser ausgedr�ckt: hier hatten die Botschafter befreundeter M�chte ihre Gesch�ftsr�ume. In diesem riesigen, �beraus pr�chtigen Palast wohnten sie jedoch nicht, denn jeder von ihnen hatte einen angemessenen Palast im Viertel der Edelleute.</p><p>Der Mann suchte den Gesandten von Dusar. Als er dessen R�ume betrat, erhob sich ein Mann und kam ihn entgegen.</p><p>Als dieser erfuhr, da� der Besucher den Gesandten pers�nlich zu sprechen w�nschte, verlangte er einen Ausweis oder eine Empfehlung. Der gro�e Mann streifte einen einfachen, schmucklosen Armreif �ber seinen Ellbogen und deutete auf eine Inschrift, die innen angebracht war. Dann wisperte er dem Schreiber ein paar Worte zu.</p><p>Die Augen des Mannes wurden riesengro� vor Staunen, und er nahm die Haltung ehrerbietiger Unterw�rfigkeit an. Unter zahlreichen Verbeugungen f�hrte er den Fremden zu einem Sitz und eilte, den Armreif in der Hand, weiter zu einem der inneren R�ume. Einen Moment sp�ter kam er wieder zur�ck und f�hrte den Besucher in den Gesch�ftsraum des Gesandten.</p><p>Lange Zeit blieben die beiden M�nner allein. Als der riesige Mann in der Kleidung eines Dieners das innere B�ro schlie�lich wieder verlie�, l�chelte er befriedigt. Vom Palast des Friedens aus begab er sich sofort zum Haus des Gesandten von Dusar.</p><p>In der folgenden Nacht verlie�en zwei schnelle Flieger das Dach dieses Palastes. Der eine jagte Helium entgegen, der andere�</p><p>Thuvia von Ptarth schlenderte durch die Palastg�rten ihres Vaters, denn das tat sie immer, ehe sie sich zur Ruhe begab. Sie hatte Seiden und Pelze um sich gezogen, denn die Marsnacht ist k�hl, sobald die Sonne sich nach einer sehr kurzen D�mmerung hinter den westlichen Horizont zur�ckgezogen hat.</p><p>Die Gedanken des M�dchens besch�ftigten sich mit ihren bevorstehenden Hochzeitsfeiern, die sie zur Herrscherin von Kaol machen sollten. Und dann dachte sie an den jungen Prinzen von Helium, der ihr am Tag vorher sein Herz zu F��en gelegt hatte.</p><p>Ob es Mitleid oder Bedauern war, das ihre Miene �berschattete, als sie nach S�den schaute, wo die Lichter seines Fliegers in der Nacht verschwunden waren, w�re schwer zu sagen gewesen.</p><p>Es w�re daher ebenso unm�glich, ihre Gef�hle richtig zu schildern, als sie die Lichter eines Fliegers bemerkte, die genau aus jener Richtung kamen, als z�gen die intensiven Gedanken der Prinzessin sie an.</p><p>Sie sah den Flieger �ber dem Palast kreisen und tiefer herunterziehen, bis kein Zweifel mehr daran m�glich war, da� er zu einer Landung ansetzen wollte.</p><p>Dann leuchteten starke Suchscheinwerfer am Bug des Schiffes auf, streiften f�r einen Augenblick die Landeplattform auf dem Dach des Palastes und hoben die Gestalten der Garden von Ptarth aus dem Dunkel. Die herrlichen Edelsteine an ihren pr�chtigen Harnischen funkelten im Scheinwerferstrahl.</p><p>Dann schwenkte das grelle Auge �ber die gl�nzenden Kuppeln und schlanken Minaretts hinunter in den Hof und in den Park und die G�rten und blieb einen Moment l�nger an der Ersitbank h�ngen, neben der das M�dchen stand und zum Flieger hinaufschaute.</p><p>Ganz kurz leuchtete der Strahl das Gesicht Thuvias aus, dann erlosch er so pl�tzlich wie er aufgeflammt war. Der Flieger schwebte �ber sie weg und verschwand hinter einem Geh�lz hoher Skeelb�ume, das am Rand des Parks lag.</p><p>Das M�dchen stand noch eine ganze Weile da, hatte den Kopf gesenkt und schaute nachdenklich zu Boden.</p><p>Wer anders als Carthoris konnte das gewesen sein? Sie versuchte zornig zu sein, weil er so zur�ckgekommen war, um ihr nachzuspionieren, aber sie konnte es nicht. Zorn war nicht das Gef�hl, das sie dem Prinzen von Helium entgegenbrachte.</p><p>Welche Wahnsinnslaune hatte ihn dazu getrieben, sich so �ber die Etikette der Nationen hinwegzusetzen? Gro�e M�chte waren aus viel geringeren Gr�nden schon in den Krieg gezogen.</p><p>Die Prinzessin Thuvia von Ptarth war zornig und gekr�nkt � aber galt das f�r das M�dchen Thuvia?</p><p>Und was war mit den Garden? Offensichtlich waren auch sie sehr �berrascht von der unvorhergesehenen Handlungsweise des Fremden, da� sie ihn nicht einmal angerufen, ihm keine Zeichen gegeben hatten. Aber das schien nur so, denn auf der Landeplattform h�rte sie im n�chsten Moment Motoren surren, und dann scho� ein Patrouillenboot in die H�he.</p><p>Thuvia beobachtete es, wie es nach Osten raste. Also wachten auch andere Augen.</p><p>In den dichten Schatten des Skeelw�ldchens hing ein Flieger etwa ein Dutzend Fu� hoch �ber dem Boden in einer kleinen Schneise, die von oben her vom dichten Laub der hohen B�ume verdeckt und daher nicht einzusehen war. Von dessen Deck aus beobachteten scharfe Augen das weitgestreute Suchlicht des Patrouillenbootes. Nicht der leiseste Lichtschein verriet das kleine Schiff, und kein Laut war zu vernehmen. Die Besatzung bestand aus einem halben Dutzend Roter Krieger, die gespannt beobachteten, wie das Patrouillenboot in der Ferne verschwand.</p><p>�Die Klugheit unserer Vorfahren ist heute nacht bei uns�, sagte einer mit ganz leiser Stimme.</p><p>�Kein Plan ist je besser gelungen�, erwiderte ein anderer.</p><p>�Sie verhielten sich ganz genau so, wie der Prinz es vorhergesagt hat.�</p><p>Der erste Sprecher wandte sich nun an den Mann, der vor dem Instrumentenbrett hockte.</p><p>�Jetzt!� fl�sterte er. Sonst wurde kein Befehl gegeben. Jeder schien genau zu wissen, was er zu tun hatte, ohne da� noch ein Wort n�tig gewesen w�re. Lautlos bewegte sich der dunkle Rumpf unter den hohen Bogen des dunklen, schweigend daliegenden Geh�lzes.</p><p>Thuvia von Ptarth schaute nach Osten, sah den dunkleren Fleck vor der Schw�rze der B�ume, als der Flieger �ber die hohe Parkmauer schwebte. Und dann beobachtete sie, wie der dunkle Fleck sich sanft dem scharlachfarbenen Rasen des Gartens entgegenneigte.</p><p>Sie wu�te, da� M�nner mit ehrenhaften Absichten nicht auf diese Art irgendwo ankamen. Doch sie schrie nicht laut Alarm, und sie floh auch nicht in die Sicherheit des Palastes.</p><p>Warum?</p><p>Ich sehe f�rmlich, wie sie ihre reizenden Schultern hebt und die uralte, weltenweite Antwort der Frauen gibt, die den Grund ihres Handelns nicht kennen oder verraten wollen:</p><p>Ach, deshalb!</p><p>Kaum hatte der Flieger den Boden ber�hrt, als vier M�nner vom Deck sprangen. Sie rannten auf das M�dchen zu.</p><p>Noch immer stand sie wie hypnotisiert da und schlug nicht Alarm. Oder h�tte es vielleicht sein k�nnen, da� sie einen willkommenen Besucher erwartete?</p><p>Sie bewegte sich erst, als die vier M�nner schon ganz in ihrer N�he waren. Der nahe Mond go� sein helles Licht auf ihre Gesichter und tauchte alles in seinen strahlenden Schein.</p><p>Thuvia von Ptarth sah nur Fremde � Krieger im Harnisch von Dusar. Jetzt bekam sie Angst. Es war aber viel zu sp�t!</p><p>Ehe sie auch nur einen einzigen Schrei aussto�en konnte, wurde sie von groben, kr�ftigen H�nden gepackt. Um ihren Kopf wurde ein dichter Seidenschal gewunden. Starke Arme hoben sie auf und trugen sie zum Flieger. Kaum war sie an Deck, als Propeller surrten; dann sp�rte sie gegen ihren K�rper einen kalten Luftzug, und unter ihr schrien die Garden und Palastw�chter.</p><p>Ein anderer Flieger raste in s�dlicher Richtung Helium entgegen. In der Kabine beugte sich ein gro�er, Roter Mann �ber die weiche Sohle einer Sandale. Mit den feinsten Instrumenten ma� er den schwachen Abdruck eines kleinen Gegenstandes, der sich dort abzeichnete. Auf einem Notizblock, den er neben sich liegen hatte, war der Umri� eines Schl�ssel zu erkennen, und hier notierte er die Zahlen seiner Me�arbeit.</p><p>Um seine Lippen lag ein triumphierendes L�cheln, als er mit dieser Arbeit fertig war und sich dem Mann zuwandte, der ihm gegen�ber an der anderen Tischseite sa�.</p><p>�Der Mann ist ein Genie�, bemerkte er.</p><p>�Nur ein Genie konnte ein solches Schlo� entwickeln. Hier, Larok, nimm die Skizze und setz� dein eigenes Genie restlos ein, um diese Zeichnung in hartes Metall umzusetzen.�</p><p>Der Krieger mit der gro�en Handfertigkeit verbeugte sich.</p><p>�Der Mensch kann nichts bauen, was nicht ein anderer wieder zerst�ren k�nnte�, sagte er. Dann verlie� er mit der Skizze die Kabine.</p><p>Als die D�mmerung hereinbrach �ber den hohen T�rmen, die das Kennzeichen der Zwillingsst�dte von Helium sind � der scharlachrote Turm der einen und der gelbe Turm der anderen Stadt � schwebte gem�tlich vom Norden ein Flieger heran.</p><p>Am Bug funkelte das Emblem eines Geschlechts vom niederen Adel einer abgelegenen Stadt Heliums. Die schl�frigen W�chter sch�pften nicht den geringsten Verdacht, denn die Selbstverst�ndlichkeit und Sicherheit, mit der sich das Schiff n�herte, erweckte nicht ihr Mi�trauen. Ihre Wache n�herte sich dem Ende, und sie dachten nur daran, da� man sie jetzt bald abl�sen w�rde.</p><p>In ganz Helium herrschte tiefster Frieden. Helium hatte keine Feinde, und nichts stellte diesen Frieden in Frage. Es war auch nichts zu f�rchten.</p><p>Ohne jede Hast beschrieb der n�chste Patrouillenflieger einen weitgezogenen Bogen und n�herte sich dem Fremden. Als sie sich auf Sprechdistanz gen�hert hatten, rief der Decksoffizier den fremden Flieger an.</p><p>Ein freudiges �Kaor!� und die verst�ndliche und glaubhafte Erkl�rung, der Besitzer des Fliegers sei f�r ein paar Tage aus einem Randgebiet zur Hauptstadt gekommen, um ein wenig deren Fr�hlichkeit zu genie�en, gen�gte. Die Luftpatrouille drehte ab und setze ihre Runde fort. Der fremde Flieger steuerte eine �ffentliche Landeplattform an, wo er sich langsam niederlie� und schlie�lich aufsetzte.</p><p>Ungef�hr um die gleiche Zeit betrat ein Krieger die Kabine.</p><p>�Es ist gelungen, Vas Kor�, sagte er und h�ndigte dem gro�en Edlen einen kleinen Metallschl�ssel aus. Der gro�e Mann hatte sich eben von seinen Schlafseiden und Pelzen erhoben.</p><p>�Gut!� rief dieser. �Du mu�t ja die ganze Nacht daran gearbeitet haben, Larok.�</p><p>Der Krieger nickte.</p><p>�Und jetzt bring mir das Heliummetall, an dem du vor einigen Tagen gearbeitet hast�, befahl Vas Kor.</p><p>Das tat der Krieger, und nun half er seinem Herren, das sch�ne, mit zahlreichen Juwelen besetzte Metall seines Harnisches abzunehmen und durch die einfachen Ornamente eines gew�hnlichen K�mpfers von Helium zu ersetzen. Dazu kamen dann noch die Insignien jenes Hauses, dessen Emblem der Bug des Fliegers trug.</p><p>Vas Kor fr�hst�ckte an Bord; dann trat er auf die Landeplattform hinaus und fuhr mit einem Lift zur Stra�e hinunter. Die Arbeiter der ersten Morgenschicht eilten ihren t�glichen Pflichten entgegen, und so fiel er nicht auf.</p><p>Ein paar Hosen sind am Broadway in New York sicher nicht auff�lliger als die Waffengeh�nge eines Kriegers in einer Stadt auf Barsoom. Alle Marsm�nner sind schlie�lich Krieger � au�er den wenigen, die aus k�rperlichen Gr�nden keine Waffen tragen k�nnen. Der H�ndler und sein Schreiber klappern beide mit ihren kriegerischen Attributen, wenn sie ihrer Arbeit nachgehen. Der Schuljunge, der ja fast als Erwachsener auf die Welt kommt, wenn er die schneewei�e Schale verl��t, die seine Entwicklung f�nf Jahre lang gesch�tzt und beh�tet hat, kennt das Leben nur mit einem Schwert an der Seite, und er w�rde sich nackt und als Kr�ppel vorkommen, h�tte er keines; er w�rde sich etwa so f�hlen, wie ein halbw�chsiger Erdenjunge, der ohne Hosen in die Schule geschickt wird.</p><p>Vas Kors Ziel lag in Gro�-Helium, das etwa f�nf Meilen von Klein-Helium entfernt liegt. Dazwischen gibt es nur eine Ebene. Er war deshalb in Klein-Helium gelandet, weil dort die Luftpatrouillen und die W�chter nicht ganz so aufmerksam und mi�trauisch sind wie �ber der gr��eren Metropole, in der ja der Palast des Jeddaks liegt. Mit der Menge lie� er sich durch die park�hnliche Stra�enschlucht schieben. Die Marsstadt erwachte allm�hlich zu intensivem Leben. Die H�user, die f�r die Nacht auf schlanken Stahls�ulen in die H�he gehoben worden waren, senkten sich f�r den Tag. Kinder spielten schon auf dem scharlachfarbenen Rasen, der jedes Haus umgab, und gem�tliche Frauen schwatzten und lachten mit den Nachbarinnen, w�hrend sie f�r die Vasen in ihren H�usern Stengel und Zweige mit den herrlichen Bl�ten sammelten, die hier �ppig wucherten.</p><p>�berall und von allen Seiten klang das freundliche, fr�hliche �Kaor!� mit dem sich Freunde und Nachbarn begr��ten, die ihren Pflichten nachgingen.</p><p>Das Viertel, in dem Vas Kor gelandet war, wurde von wohlhabenden Kaufleuten bewohnt. Die Zeichen von Luxus und Reichtum waren nicht zu �bersehen. Sklaven erschienen mit gro�artigen Seiden und teuren Pelzen auf den Hausd�chern, wo sie in die Sonne zum L�ften ausgelegt wurden. Edelsteinfunkelnde Frauen lie�en es sich schon um diese fr�he Morgenstunde auf den reichgeschm�ckten Balkonen vor ihren Schlafwohnungen wohl sein. Ein wenig sp�ter w�rden sie sich dann auf die Hausd�cher zur�ckziehen, wo die Sklaven schon weiche Sofas und �berdachte Polsterschaukeln aufstellten.</p><p>Da und dort klang aus einem offenen Fenster fr�hliche Musik.</p><p>Die Marsleute haben das Problem gel�st, sich allm�hlich und auf angenehme Art aus dem Schlaf in den Tag mit seinen vielf�ltigen Pflichten gleiten zu lassen. Die Erdenmenschen k�nnen das noch in den seltensten F�llen, und deshalb ist die Pflicht f�r sie auch so oft nichts anderes als ein hartes Mu�.</p><p>�ber ihm rasten die lange, leichten Verkehrsflieger dahin. F�r jede Kategorie gab es eine eigene Ebene, und die Landeplattformen f�r den Fahrgastverkehr waren sehr zahlreich.</p><p>Die meisten befanden sich auf hohen H�usern oder T�rmen, besonders die der internationalen Verkehrslinien. Frachter bewegen sich in der Regel auf niederer Ebene, etwa zwei- oder dreihundert Fu� �ber dem Boden. Kein Flieger darf es wagen, aus seiner ihm zugewiesenen Ebene h�her oder tiefer zu gehen oder nur in ganz bestimmten genau umrissenen Gebieten, in denen ein Horizontalverkehr �berhaupt untersagt ist.</p><p>Die ganzen breiten Avenuen zwischen den hohen H�usern waren mit scharlachrotem Rasen bedeckt, den man sehr pflegte und immer kurz geschoren hielt. Hier bewegten sich die Grundflieger. Die meisten von ihnen rasten in sehr niedriger H�he �ber dem Boden dahin, und nur wenige behielten st�ndig Grundber�hrung. Wenn sie ein vor ihnen sich bewegendes Fahrzeug �berholen wollten, zogen sie in einem anmutigen Bogen nach oben und setzten sich in geb�hrendem Abstand wieder vor dem Langsamfahrenden in dessen Ebene. An Stra�enkreuzungen hat grunds�tzlich der Nord-S�d-Verkehr Vorfahrt, und der Ost-West-Verkehr mu� ihn �berfliegen.</p><p>Von vielen privaten Hangars auf den Hausd�chern bogen zahlreiche Privatflieger zu den Luftstra�en ab, um sich in den Verkehr einzureihen. Fr�hliche Lebewohlrufe und frauliche Mahnungen zur Vorsicht im Verkehr mischten sich mit dem Brummen der Motoren, dem Surren von Propellern und dem ged�mpften L�rm einer gro�en Stadt.</p><p>Trotz des ungemein lebhaften Verkehrs und der regen Gesch�ftigkeit war der vorherrschende Eindruck doch der einer fast lautlosen, luxuri�sen und �u�erst eleganten Behaglichkeit.</p><p>Die Marsmenschen m�gen keinen L�rm und hassen unn�tige Ger�usche. Waffenl�rm und Kriegsger�usche sind die einzigen, die sie ertragen k�nnen � und bis zu einem gewissen Grad sogar absichtlich und reichlich erzeugen. Wenn zwei riesige Schiffe mit ungeheurem Krach in der Luft zusammensto�en, so macht ihnen das nichts aus, vorausgesetzt, es handelt sich um Kampfschiffe.</p><p>Solcher L�rm ist f�r sie angenehmer als die s��este Musik.</p><p>An der Kreuzung von zwei breiten Avenuen trat Vas Kor von der Stra�e herunter zu einer der gro�en pneumatischen Stationen der Stadt. Vor einem Schalter bezahlte er den Fahrpreis zu seinem Ziel und brauchte daf�r nur ein paar der matten ovalen M�nzen von Helium herzugeben.</p><p>Jenseits des Schalters kam er zu einer sich langsam bewegenden Reihe von Gegenst�nden, die ein Erdenmensch als etwa acht Fu� lange Geschosse mit kegelf�rmiger Nase bezeichnet h�tte, die f�r eine riesige Kanone bestimmt sind.</p><p>Diese Dinger bewegten sich langsam �ber versenkte Geleise.</p><p>Eine Anzahl Helfer waren anwesend, die den Fahrg�sten beim Einsteigen zur Seite standen und diese Dinger dann in die gew�nschte Richtung dirigierten.</p><p>Vas Kor ging auf eines zu, das leer war. An der Nase befand sich ein Zifferblatt mit einem Zeiger. Er setzte den Zeiger f�r eine Station in Gro�-Helium, hob einen gew�lbten Deckel hoch, stieg hinein und legte sich auf den dick gepolsterten Boden. Ein Helfer schlo� den Deckel, der beim Einschnappen leicht klickte, und das Ding schob sich langsam weiter.</p><p>Wenig sp�ter bog es automatisch auf eine andere Spur ein und verschwand gleich darauf in einer der vielen nebeneinanderlie-genden dunklen R�hren.</p><p>Sowie die gesamte L�nge innerhalb der schwarzen R�hre war, scho� das Ding mit der Geschwindigkeit einer Gewehrkugel vorw�rts. Dann pfiff es leise, kam sehr schnell, gleichzeitig aber auch weich zum Stehen und schob sich langsam wieder auf eine Plattform. Hier �ffnete ein Helfer den Deckel, und Vas Kor stieg an der Station unter dem Zentrum von Gro�-Helium aus. Diese Station war f�nfundsiebzig Meilen von dem Punkt entfernt, an dem er dieses Ding bestiegen hatte.</p><p>Hier begab er sich nun wieder auf Stra�enh�he hinauf und betrat sofort einen Grundflieger. Mit dem Sklaven, der den Fahrersitz innehatte, sprach er kein Wort. Es war also anzunehmen, da� man ihn erwartet hatte und da� der Sklave seine Instruktionen kannte, ehe er hierher aufgebrochen war.</p><p>Vas Kor hatte noch kaum den Sitz eingenommen, als der Flieger sich schon in Bewegung setzte. Er bog von der breiten Avenue mit ihrem dichten Verkehr in eine weniger verstopfte Stra�e ein, wo man schneller vorw�rtskommen konnte. Bald hatte er dieses Viertel hinter sich, und nun befand er sich in einer Stra�e mit kleinen L�den. Einen davon betrat er. Dieser hatte �ber der T�r das H�ndlerzeichen f�r ausl�ndische Seiden.</p><p>Der Raum war niedrig. Am anderen Ende sa� ein Mann an einem Tisch. Er winkte Vas Kor zu, er solle zu einem innenliegenden Raum weitergehen, lie� aber nicht im geringsten erkennen, ob er den Besucher kannte oder nicht. Dann folgte er ihm und schlo� hinter sich die T�r.</p><p>Im Innenraum sah er seinen Gast an und salutierte ehrf�rchtig.</p><p>�Edelster�� begann er, aber Vas Kor gebot ihm mit einer Geste Schweigen.</p><p>�Keine Formalit�ten�, sagte er. �Wir m�ssen vergessen, da� ich mehr bin als einer deiner Sklaven. Wenn alles so ausgef�hrt ist, wie es geplant wurde, dann haben wir jetzt keine Zeit zu verlieren. Wir sollten eigentlich schon zum Sklavenmarkt unterwegs sein. Bist du fertig?�</p><p>Der Kaufmann nickte, wandte sich zu einer gro�en Truhe um und entnahm ihr den schmucklosen Harnisch eines Sklaven. Den legte Vas Kor sofort an. Dann verlie�en die beiden den Laden durch eine Hintert�r, folgten einer kleinen, gewundenen Stra�e, die zu einer breiten Avenue f�hrte, und dort bestiegen sie einen Flieger, der auf sie gewartet hatte.</p><p>F�nf Minuten sp�ter f�hrte der Kaufmann seinen Sklaven zum �ffentlichen Markt, wo eine gro�e Menschenmenge sich vor dem Sklavenblock eingefunden hatte.</p><p>Es waren deshalb so zahlreiche Menschen erschienen, weil Carthoris, der Prinz von Helium, mehrere Sklaven erstehen wollte.</p><p>Ein Herr nach dem anderen bestieg die B�hne neben dem Sklavenblock, auf dem ihr Hab und Gut stand. Kurz und klar, manchmal nat�rlich auch ein wenig �berschw�nglich, beschrieben sie die Tugenden und F�higkeiten der angebotenen Sklaven.</p><p>Als alle vorgef�hrt w�ren, kam der Majordomo des Prinzen von Helium und rief jene Sklaven zum Block zur�ck, die einen guten Eindruck auf ihn gemacht hatten. F�r die gab er dann ein gutes Angebot ab.</p><p>Wegen des Preises wurde kaum gefeilscht, schon gar nicht, als Vas Kor auf dem Block stand. Sein Herr nahm das erste Angebot an, das f�r ihn abgegeben wurde, und so wurde ein Edler aus Dusar Sklave im Haushalt von Carthoris.</p></section><section><title><p>3</p><p>Heimt�cke</p></title><p>Am Tag nach Vas Kors Aufnahme in das Haus des Prinzen von Helium, herrschte in den Zwillingsst�dten gro�e Aufregung, die gr��te nat�rlich in Carthoris� Palast. Es war n�mlich die Nachricht von der Entf�hrung der Prinzessin Thuvia von Ptarth aus dem Palastgarten ihres Vaters eingetroffen, und es wurden sogar Andeutungen gemacht, der Prinz von Helium stehe im Verdacht, etwas mehr als andere Leute �ber die Entf�hrung der Prinzessin und ihren jetzigen Aufenthaltsort zu wissen.</p><p>Im Ratssaal hatten sich John Carter, Kriegsherr vom Mars, Tardos Mors, Jeddak von Helium, Mors Kajak, dessen Sohn. Jed von Klein-Helium und Carthoris versammelt, zu denen noch die angesehensten Edlen des Reiches von Helium kamen.</p><p>�Zwischen Ptarth und Helium darf es keinen Krieg geben, mein Sohn�, sagte John Carter. �Da� du der gegen dich erhobenen Anklage nicht schuldig bist, wissen wir sehr gut, aber auch Thuvan Dihn mu� es zu wissen bekommen.</p><p>Es gibt nur einen, der ihn davon �berzeugen kann, und das bist du selbst. Du mu�t daher sofort an den Hof von Ptarth eilen und ihm durch deine Anwesenheit und deine Worte versichern, da� du mit der Entf�hrung nichts zu tun hast und sein Verdacht unbegr�ndet ist. Nimm mit dir die Autorit�t des Kriegsherrn von Barsoom und des Jeddaks von Helium und biete ihm jede nur denkbare Hilfe bei der Suche nach seiner Tochter an und selbstverst�ndlich auch bei der Bestrafung der Schuldigen, wer auch immer das sein mag.</p><p>Und jetzt geh! Ich wei�, da� ich dir nicht erst erkl�ren mu�, wie wichtig die gr��te Eile in diesem Fall ist.�</p><p>Carthoris verlie� den Ratssaal und begab sich schnellstens zu seinem Palast.</p><p>Schon im n�chsten Moment richteten seine Sklaven alles her, was f�r die Reise ihres Herrn n�tig war. Einige arbeiteten an dem schnellen Schiff, das den Prinzen von Helium nach Ptarth bringen sollte.</p><p>Und dann war alles bereit. Zwei bewaffnete Sklaven blieben als Wachen beim Schiff. Die untergehende Sonne hing niedrig �ber dem Horizont. In ein paar Minuten w�rde es ganz dunkel sein.</p><p>Einer, der W�chter war ein riesiger Bursche, �ber dessen rechte Wange von der Schl�fe zum Mundwinkel eine d�nne Narbe lief. Dieser ging auf seinen Gef�hrten zu. Sein Blick schweifte �ber seinen Kameraden hinaus. Er stand ganz nahe vor ihm, als er sprach.</p><p>�Das ist aber ein seltsamer Flieger!� sagte er.</p><p>Der andere drehte sich schnell um, denn er wollte ihn sehen.</p><p>Aber kaum hatte er dem Riesen den R�cken zugekehrt, als des letzteren Kurzschwert auch schon unter dem linken Schulterblatt des anderen steckte, so da� sein Herz durchbohrt war.</p><p>Ohne einen Laut von sich zu geben, fiel der Soldat in sich zusammen. Er war tot. Schnell schleifte der M�rder die Leiche in den tiefsten Schatten im Hangar. Dann kehrte er zum Flieger zur�ck.</p><p>Aus seiner G�rteltasche nahm er einen seltsam und sehr kompliziert geformten Schl�ssel, hob den Deckel der rechten Skala des Zielkompasses ab und studierte den darunterliegenden Mechanismus. Dann setzte er die Skala wieder auf, verschob den Zeiger und stellte die Ver�nderung fest, die sich aus der anderen Zeigereinstellung ergeben hatte.</p><p>Der Mann l�chelte. Mit einer scharfen kleinen Schere schnitt er den d�nnen Zapfen ab, der durch die Skala zum au�enliegenden Zeiger f�hrte. Jetzt konnte dieser zu jedem Punkt der Skala bewegt werden, ohne da� es auf den darunterliegenden Mechanismus einen Einflu� hatte. Mit anderen Worten: die �stliche Hemisph�renskala war nutzlos.</p><p>Nun besch�ftigte er sich mit der Skala f�r die westliche Hemisph�re. Die stellte er auf einen bestimmten Punkt ein. Nun nahm er auch hier den Deckel ab und schnitt den d�nnen Zapfen unter dem Zeiger ab.</p><p>So schnell wie m�glich legte er auch diesen Deckel wieder auf und begab sich an seinen Platz. Wenn man den Kompa� anschaute, bemerkte man nicht, da� er nichts mehr taugte. Er sah genauso aus wie vorher. Nur konnte man jetzt die Zeiger auf den Skalen bewegen soviel man wollte � es n�tzte nichts, denn sie waren nicht mehr mit dem Mechanismus darunter verbunden.</p><p>Und das Ger�t war auf den Bestimmungsort eingestellt, den der Sklave gew�hlt hatte. Nichts lie� sich daran �ndern.</p><p>Wenig sp�ter kam Carthoris in Begleitung einiger Edler an. Er warf dem einzelnen Sklaven, der bei seinem Flieger Wache hielt, einen fl�chtigen Blick zu. Die schmalen, grausamen Lippen und die Narbe, die schr�g �ber die Wange lief, weckten in ihm eine vage unangenehme Erinnerung. Wo mochte Saran Tal diesen Mann gefunden haben? Aber dann verbannte er den Gedanken, und der Prinz von Helium lachte und schwatzte mit seinem Gefolge, obwohl sein Herz von Sorge und Kummer bedr�ckt war. Er ahnte ja nicht einmal, welches Schicksal Thuvia von Ptarth ereilt haben konnte.</p><p>In erster Linie hatte er selbstverst�ndlich mit dem Gedanken gespielt, da� Astok Dusar das sch�ne M�dchen von Ptarth entf�hrt haben k�nnte. Aber fast gleichzeitig mit dem Bericht �ber die Entf�hrung waren Nachrichten �ber gro�e Feierlichkeiten eingetroffen, die der Jeddak zur R�ckkehr seines Sohnes an den v�terlichen Hof hatte ausrichten lassen.</p><p>Es konnte also doch nicht recht sein, da� Astok in der Nacht von Thuvias Entf�hrung gleichzeitig in Dusar und in Ptarth gewesen war. Und doch�</p><p>Er betrat den Flieger und sprach noch ein paar Worte mit seinen Gef�hrten, als er den Kompa�mechanismus �ffnete und den Zeiger auf die Hauptstadt von Ptarth einstellte.</p><p>Mit einem verabschiedenden Wort wandte er sich seinen Instrumenten zu und dr�ckte den Knopf f�r die R�cksto�strahlen; der Flieger hob sich leicht wie ein Vogel in die Luft, und als er auf einen zweiten Knopf dr�ckte, begann die Maschine zu schnurren wie eine zufriedene Katze. Der Propeller surrte, und seine Hand zog den Hebel f�r die Geschwindigkeit zur�ck. Carthoris, Prinz von Helium, hatte abgehoben und raste unter den eiligen Monden und den Millionen funkelnder Sterne durch die zauberhafte Marsnacht.</p><p>Als das Schiffchen seine volle Reisegeschwindigkeit erreicht hatte, h�llte sich der Prinz in seine Schlafseiden und Pelze und streckte sich auf dem Deck aus, um zu schlafen.</p><p>Aber er blieb noch sehr lange wach.</p><p>In seinem Kopf herrschte ein Aufruhr an Gedanken, der den Schlaf vertrieb. Ihm fielen wieder die Worte Thuvias von Ptarth ein, Worte, die ihn glauben lie�en, da� sie ihn liebe; denn als er sie gefragt hatte, ob sie Kulan Tith liebe, hatte sie nur geantwortet, sie sei ihm versprochen.</p><p>Jetzt sah er ein, da� diese Antwort viele M�glichkeiten offen lie�. Sie konnte bedeuten, da� sie Kulan Tith nicht liebte und er konnte daraus schlie�en, da� sie dann einen anderen liebte.</p><p>Hatte er denn irgendeine Sicherheit, da� dieser andere er selbst, Carthoris Prinz von Helium sein k�nnte?</p><p>Je mehr er dar�ber nachdachte, desto positiver kam er zu der �berzeugung, da� sie mit diesen Worten nicht ausgedr�ckt hatte, ihn zu lieben. Auch keine ihrer Handlungen deutete darauf hin.</p><p>Nein, er mu�te es als Tatsache hinnehmen, da� sie ihn nicht liebte.</p><p>Sie liebte einen anderen. Und sie war auch nicht entf�hrt worden, sondern sie war freiwillig mit ihrem Geliebten geflohen.</p><p>Diese Gedanken f�llten ihn teils mit verzweifeltem Schmerz, teils mit schrecklicher Wut. Aber schlie�lich fiel Carthoris doch in Schlaf, wenn auch in einem Zustand �u�erster seelischer Ersch�pfung.</p><p>Als die kurze Morgend�mmerung anbrach, schlief er noch immer. Sein Flieger jagte �ber eine ausged�rrte, ockerfarbene Ebene, �ber den seit undenklichen Zeiten ausgetrockneten Boden der toten Marsmeere.</p><p>In einiger Entfernung erhoben sich niedere H�gel. In diese Richtung flog das Schiffchen. Als es sich ihnen n�herte, h�tte Carthoris vom Deck aus einen langgestreckten H�gel sehen k�nnen, der weit in das hinausreichte, was fr�her einmal ein Ozean gewesen war. Dann umschlo� dieser H�gel auch den vergessenen Hafen einer vergessenen Stadt, deren verlassene Kais noch zu erkennen waren. Es waren die ungeheuer eindrucksvollen Reste einer herrlichen, wundersamen Architektur einer sagenhaften Vergangenheit.</p><p>Unz�hlige leere, trostlos �de Fensterh�hlen starrten wie tote Augen aus den Marmorw�nden. Die ganze Stadt sah aus wie eine Unzahl sonnengebleichter nackter Menschensch�del mit augenlosen H�hlen, und die gro�en Tore waren grinsende M�nder.</p><p>Dieser uralten Stadt n�herte sich nun der Flieger, und er verlor allm�hlich an Geschwindigkeit; doch es war noch lange nicht Ptarth.</p><p>�ber dem Zentralplatz blieb er erst in der Luft h�ngen und lie� sich dann ganz sanft und langsam auf den Boden herunter.</p><p>Etwa hundert Yards �ber dem Grund blieb er in der Luft h�ngen und wiegte sich leise im sanften Lufthauch. Und nun schrillte ein Alarm, der den Schl�fer aufweckte.</p><p>Carthoris sprang auf. Unter dem Schiff hoffte er die Stadt Ptarth zu sehen, und eigentlich h�tte ihn schon eine Luftpatrouille zum Liegeplatz geleiten m�ssen.</p><p>Erstaunt und verwirrt schaute er in die Runde. Was unter ihm lag, war zwar eine gro�e Stadt, sicher jedoch nicht Ptarth.</p><p>Konnte ihn das Werk seines Geistes und seiner H�nde so betrogen haben? In den breiten Avenuen dr�ngten sich keine Menschenmengen, und kein Lebenszeichen unterbrach die tote Monotonie der verlassenen Hausd�cher. Keine pr�chtigen Seiden, keine luxuri�sen Pelze verliehen dem schimmernden Marmor und dem gl�henden Ersit Farbe und Leben.</p><p>Und kein Patrouillenboot war weit und breit zu sehen. Unter ihm lag eine riesige, leere, schweigende Stadt.</p><p>Was war geschehen?</p><p>Carthoris pr�fte die Skala seines Kompasses. Der Zeiger war auf Ptarth eingestellt; daran war nicht zu zweifeln. Er konnte es einfach nicht glauben, da� dieses doch schon einige Zeit erprobte Ger�t so versagt haben sollte.</p><p>Er lockerte den Deckel und legte ihn in den Angeln zur�ck.</p><p>Ein einziger Blick gen�gte, ihn die Wahrheit oder wenigstens einen Teil davon ahnen zu lassen. Der st�hlerne d�nne Zapfen, der die Bewegungen des Zeigers auf der Skala in das Herz des darunterligenden Mechanismus �bertrug, war abgebrochen worden.</p><p>Wer konnte das getan haben? Und warum?</p><p>Carthoris hatte nicht die geringste Ahnung, wen er verd�chtigen sollte. Aber nun mu�te er irgendwie herausbringen, in welchem Teil seiner Welt er sich befand. Dann mu�te er die Weiterreise aufnehmen, um m�glichst bald nach Ptarth zu kommen.</p><p>Wenn es die Absicht eines Feindes gewesen war, seine Reise nach Ptarth zu verhindern oder wenigstens hinauszuschieben, dann war ihm das ziemlich gut gelungen. Das �berlegte Carthoris, als er den Deckel der anderen Skala abnahm.</p><p>Auch hier fand er, da� der Zapfen abgebrochen worden war, aber zuerst war der Mechanismus des Zielger�tes auf einen Punkt der westlichen Hemisph�re eingestellt worden, w�hrend das andere Ger�t gar nicht gesetzt worden war.</p><p>Er hatte gerade seinen Standort grob bestimmt und war zu der Ansicht gekommen, er m�sse irgendwo s�dwestlich von Helium und ziemlich weit von den Zwillingsst�dten entfernt sein, als er unter sich den Schrei einer Frau vernahm.</p><p>Er beugte sich �ber die Reling seines Schiffchens und sah eine offensichtlich Rote Frau, die von einem riesigen gr�nen Krieger, einem der grausamen, gewaltt�tigen Bewohner der toten Seegr�nde und verlassenen St�dte des sterbenden Mars, quer �ber den Platz geschleift wurde.</p><p>Mehr brauchte Carthoris nicht zu sehen. Er griff nach seinen Instrumenten und lie� das Schiffchen leicht wie eine Feder auf dem Boden aufsetzen.</p><p>Der gr�ne Mann <emphasis>zerrte</emphasis> seine Gefangene zu einem riesigen Thoat, das an dem ockerfarbenen Moos des einstmals so pr�chtigen Platzes herumrupfte. Im gleichen Augenblick st�rzte etwa ein Dutzend Roter Krieger aus dem Eingang eines nahen Ersitpalastes. Mit nackten Schwertern verfolgten sie den Entf�hrer, dem sie erboste Verw�nschungen nachschrien.</p><p>Einmal wandte die Frau ihr Gesicht dem zu Boden schwebenden Flieger zu, und mit einem einzigen raschen Blick sah Carthoris, da� es Thuvia von Ptarth war!</p></section><section><title><p>4</p><p>Die Gefangene eines gr�nen Kriegers</p></title><p>Als der erste Tagesschein auf das Deck des Schiffchens fiel, mit dem die Prinzessin von Ptarth aus dem Garten ihres Vaters entf�hrt worden war, sah Thuvia, da� im Laufe der Nacht mit ihren Entf�hrern eine Ver�nderung vorgegangen war.</p><p>Am Waffengeh�nge der M�nner funkelten nicht mehr die Embleme von Dusar, sondern die Insignien des Prinzen von Helium.</p><p>Nun f�hlte das M�dchen neue Hoffnung, denn sie konnte nicht glauben, da� Carthoris von Helium ihr irgendeinen Schmerz zuf�gen k�nnte.</p><p>Sie sprach zu dem Krieger, der vor dem Instrumentenbrett hockte. �Vergangene Nacht trugst du die Zeichen und den Harnisch von Dusar�, sagte sie. �Jetzt ist dein Metall das von Helium. Was hat das zu bedeuten?�</p><p>Der Mann grinste sie triumphierend an.</p><p>�Der Prinz von Helium ist doch kein Narr�, antwortete er.</p><p>In diesem Augenblick kam ein Offizier aus der winzigen Kabine. Er machte dem Krieger Vorw�rfe, weil er mit der Gefangenen gesprochen hatte, und auch er selbst weigerte sich, auf ihre Fragen zu antworten.</p><p>Man tat ihr w�hrend der Reise nichts zuleide, und als sie an ihren Bestimmungsort kamen, war das M�dchen um nichts kl�ger als vorher. Sie wu�te ebenso wenig wie vorher, wer sie entf�hrt hatte und zu welchem Zweck.</p><p>Der Flieger senkte sich auf den weiten Platz einer der uralten toten, fast vergessenen Marsst�dte am Ufer der trostlosen ockerfarbenen Seegr�nde, �ber die einst die Wasser der Marsmeere gesp�lt hatten und die damals den Reichtum der l�ngst ausgestorbenen V�lker mit einem bl�henden Seehandel begr�ndeten.</p><p>Thuvia von Ptarth kannte diese St�tten. Als sie damals � ihr schien, das m�sse schon viele hundert Jahre zur�ckliegen � auf die Wanderschaft gegangen war, um den Flu� Iss zu suchen, der das Ziel der letzten Pilgerfahrt zahlreicher Marsleute war, da hatte sie einige dieser St�dte kennengelernt, die Zeugen einer grandiosen Vergangenheit ihrer Welt waren. Auf dem Weg zum Tal Dor, in dem die Verlorene See von Korus liegt, hatte sie sehr viel von ihrer Welt gesehen.</p><p>Auch damals auf der Flucht vor den Heiligen Therns, als sie mit Tars Tarkas, Jeddak von Thark, zusammen war, war sie durch solche St�dte gezogen, und da hatte sie auch die h��lichen, grausamen und unheimlichen Bewohner der alten Pal�ste, die gro�en wei�en Affen von Barsoom gesehen.</p><p>Sie wu�te auch, da� diese verlassenen St�dte heute von manchen Nomadenst�mmen der gr�nen M�nner als St�tzpunkte benutzt wurden, aber gerade um diese St�dte h�tte jeder Rote Krieger einen gro�en Bogen gemacht, denn sie standen ausnahmslos auf weiten, wasserlosen Ebenen, die der herrschenden Roten Rasse keine Lebensm�glichkeiten bot.</p><p>Warum brachte man sie dann an einen solchen Ort? Darauf gab es nur eine einzige Antwort. Ihre Entf�hrer mu�ten auf die Abgeschiedenheit angewiesen sein, die eine solche Stadt gew�hrte. Und bei diesem Gedanken begann das M�dchen zu zittern.</p><p>Zwei Tage lang wurde sie von ihren Entf�hrern in einem riesigen Palast festgehalten, der selbst in seinem Verfall noch den einstigen Glanz ahnen lie�.</p><p>Kurz vor Anbruch des dritten Tages wurde sie von den Stimmen zweier ihrer Entf�hrer aufgeweckt.</p><p>�Um die D�mmerung m��te er hier sein�, sagte der eine.</p><p>�Du h�ltst sie auf dem Platz bereit, denn sonst wird er niemals landen. In dem Augenblick, in dem er findet, da� er sich in diesem fremden Land befindet, wird er umkehren. Mir scheint, an dieser Stelle ist der Plan des Prinzen ziemlich schwach.�</p><p>�Es gab aber keine andere M�glichkeit�, erwiderte der zweite.</p><p>�Es war schon schwierig genug, sie beide hierher zu bringen, und selbst wenn es uns nicht gelingen sollte, ihn auf den Grund herunterzulocken, ist uns eine ganze Menge gelungen.�</p><p>In diesem Augenblick bemerkte der Sprecher, da� Thuvia ihn ansah. Der n�here Mond warf einen hellen Schein in den Raum und lie� die Augen der gefangenen Prinzessin aufblitzen.</p><p>Er machte dem anderen rasch ein Zeichen, da� er schweigen solle und h�rte selbst zu sprechen auf. Dann ging er auf das M�dchen zu und bedeutete Thuvia, sie solle aufstehen. Er f�hrte sie in die Nacht hinaus zur Platzmitte.</p><p>�Hier bleibst du stehen�, befahl er ihr, �bis wir kommen und dich holen. Wir passen genau auf. Solltest du zu fliehen versuchen, so wird es dir �bel ergehen, und dein Schicksal wird schlimmer sein als der Tod. Das ist der Befehl des Prinzen.�</p><p>Dann drehte er sich um und ging wieder zum Palast zur�ck.</p><p>Nun stand sie in der Mitte dieser gespenstischen Stadt, die voll unheimlichen, unsichtbaren Lebens war. Viele Marsleute sind der festen �berzeugung, da� sich seit tausend Jahren hier die Seelen der verstorbenen Heiligen Therns versammelten, um in die Leiber der gro�en wei�en Affen �berzugehen. Das war ein uralter Aberglaube, und sie hielten noch immer daran fest. Nat�rlich hatten die Heiligen Therns selbst diesen Aberglauben gen�hrt und behauptet, jedem von ihnen st�nden tausend Lebensjahre zu, und wer vor dieser Zeit sterbe, nehme bis zum Ablauf seiner Zeit Wohnung in den riesigen, wilden wei�en Affen.</p><p>Thuvia glaubte zwar nicht daran, sondern sie sah die Gefahr f�r sich selbst in einem Angriff dieser menschen�hnlichen Bestien.</p><p>Seit sie damals von John Carter aus den H�hlengef�ngnissen und den Klauen der Heiligen Therns gerettet worden war, hatte sie allem Aberglauben abgeschworen. Sie wu�te jedoch, da� ein entsetzliches Schicksal ihrer wartete, sollte eines dieser h��lichen, riesigen Tiere sie auf einem n�chtlichen Streifzug ersp�hen.</p><p>Was war das?</p><p>Ganz gewi� hatte sie sich nicht geirrt. Etwas hatte sich im Schatten eines riesigen Monoliths der Stra�enbegrenzung bewegt, und das war genau dort, wo die breite Avenue auf den Platz einm�ndete!</p><p>Thar Ban, Jed der Horden von Torquas, ritt eiligst �ber das ockerfarbene d�nne Moos der toten Seegr�nde in Richtung der uralten Ruinen der alten Stadt Aaanthor.</p><p>Er war weit geritten in jener Nacht, und sehr eilig hatte er es auch gehabt, denn er hatte den Inkubator einer nachbarlichen gr�nen Horde zerst�rt. Mit diesen Nachbarn lagen die Horden von Torquas ununterbrochen im Krieg.</p><p>Sein riesiges Thoat war aber weit davon entfernt, m�de zu sein, obwohl Thar Ban es doch f�r gut hielt, es ein wenig �sen zu lassen.</p><p>Das ockerfarbene Moos w�chst in den gesch�tzten H�fen der verlassenen St�dte, wo der Boden viel besser ist als der Sand der toten Seegr�nde, wesentlich h�her und �ppiger, und es ist auch sehr wichtig, da� die Pflanzen wenigstens f�r einen Teil des Tages Schutz vor der sengenden Sonne haben.</p><p>In den zarten Stengeln dieser �u�erlich so trockenen Pflanze befindet sich genug Fl�ssigkeit. Die m�chtigen Thoats k�nnen in ihren riesigen Leibern soviel Feuchtigkeit speichern, da� sie monatelang ohne Wasser auskommen k�nnen, und tagelang brauchen sie nicht einmal das bi�chen Feuchtigkeit, das ihnen dieses ockerfarbene Moos spendet.</p><p>Als Thar Ban lautlos die breite Avenue entlangritt, die von den ehemaligen Kais von Aaanthor zum ungeheuer gro�en Stadtplatz f�hrt, sahen er und sein Thoat aus, als stammten sie aus einer Traumwelt, so grotesk wirkte der Mann auf dem Tier, so lautlos tappten die riesigen, weichen Pfoten �ber das kurze Moos, das auf den Platten des alten Stra�enpflasters wuchs.</p><p>Der Mann war ein gro�artiges Exemplar seiner Rasse. Er ma� von der Sohle bis zum Sch�deldach volle f�nfzehn Fu�. Seine glatte gr�ne Haut schimmerte im Licht des nahen Mondes, dessen Strahlen sich in den Edelsteinen seines Harnisches fingen. Seine vier muskul�sen Arme waren mit schweren, zahlreichen Reifen und Ornamenten geschm�ckt, und seine nach oben gebogenen Sto�z�hne, die dem Unterkiefer entsprangen, schimmerten wei� und furchterregend.</p><p>An der Flanke seines Thoats hingen die lange Radiumflinte und der schlanke Vierzigfu�speer mit der scharfen Metallspitze. Ihm selbst hingen von der H�fte ein Langschwert, ein Kurzschwert und einige kleinere Hilfswaffen.</p><p>Seine vorstehenden Augen und die antennen�hnlichen Ohren drehten sich unabl�ssig in alle Richtungen, denn Thar Ban befand sich noch im Feindesland. Auch er f�rchtete die gro�en wei�en Affen, die, wie John Carter immer sagte, die einzigen Kreaturen waren, welche den wilden, grausamen Kriegern der toten Seegr�nde eine Andeutung dessen einjagen konnten, was man sonst Angst nennt.</p><p>Als sich der Reiter dem Stadtplatz n�herte, z�gelte er pl�tzlich sein Tier. Seine schmalen R�hrenohren richteten sich nach vorne.</p><p>Sie hatten ein verd�chtiges Ger�usch aufgenommen. Stimmen!</p><p>Und wo es au�erhalb von Torquas Stimmen gab, waren auch Feinde. Die ganze weite Welt Barsooms enthielt nichts als Feinde der wilden Torquasianer.</p><p>Thar Ban stieg ab. Er hielt sich im Schatten eines gro�en Monolithen, wie sie die Avenuen und Kais des schlafenden Aaanthor begrenzen, und so huschte er zum Platz. Ihm folgte wie ein Hund sein schieferfraues Thoat; dessen wei�er Bauch war unter dem m�chtigen Rumpf nicht zu sehen, und die hellgelben F��e fielen im ockerfarbenen Moos nicht auf.</p><p>Auf der Platzmitte sah Thar Ban die Gestalt einer Roten Frau. Ein Roter Krieger sprach mit ihr, aber der drehte sich um und kehrte zu einem Palast am gegen�berliegenden Platzrand zur�ck.</p><p>Thar Ban beobachtete ihn, bis er im g�hnenden schwarzen Portal verschwunden war. Das hier war eine Gefangene, die sich bezahlt machen w�rde! Selten einmal fiel eine Frau der Erbfeinde in die H�nde der gr�nen Krieger. Thar Ban leckte sich genie�erisch die d�nnen Lippen.</p><p>Thuvia von Ptarth lie� den Schatten hinter dem Monolithen an der Einm�ndung der Avenue nicht aus den Augen. Sie hoffte, da� es nur ein Fantasiegebilde ihrer �beranstrengten Sinne sein m�ge.</p><p>Aber nein! Jetzt sah sie ganz klar und deutlich, wie sich der Schatten bewegte. Er kam hinter der sch�tzenden Ersits�ule vor.</p><p>In diesem Moment warf die Sonne ihre ersten Strahlen schr�g �ber den Platz und erfa�te das huschende Wesen. Es war ein riesiger gr�ner Krieger!</p><p>Er rannte ihr entgegen. Sie schrie und wandte sich zur Flucht, aber sie hatte kaum die ersten Schritte in die Richtung des Palastes getan, als eine riesige Hand sich auf ihren Arm legte.</p><p>Sie wurde herumgewirbelt und halb getragen, halb gezerrt und auf ein riesiges Thoat gehoben, welches an der ockerfarbenen Moosdecke rupfend langsam vom Platzrand her kam.</p><p>Da sie von oben einen sirrenden Laut h�rte, schaute sie hinauf und sah einen schnellen Flieger, der sich ziemlich rasch auf den Boden herablie�. Kopf und Schultern eines Mannes lehnten weit �ber die Reling, aber das Gesicht des Mannes lag in tiefem Schatten, so da� sie ihn nicht erkannte.</p><p>Nun kamen von hinten her die schrillen Schreie ihrer Entf�hrer.</p><p>Wie irr rasten sie hinter dem drein, der es gewagt hatte, die Person zu entf�hren, die vorher sie entf�hrt hatten.</p><p>Als Thar Ban bei seinem Thoat ankam, ri� er seine lange Radiumflinte aus dem Halter und scho� dreimal auf die daherrennenden Roten M�nner.</p><p>Diese Marswilden sind als Sch�tzen von einer unglaublichen Treffsicherheit. Dreimal scho� Thar Ban, und drei Rote Krieger fielen tot um, als drei Projektile in ihren Eingeweiden explodierten.</p><p>Die anderen blieben stehen. Keiner von ihnen wagte zur�ckzuschie�en, weil sie Angst hatten, das M�dchen zu verwunden.</p><p>Dann sprang Thar Ban mit einem gewaltigen Satz auf sein Thoat. Thuvia von Ptarth hatte er noch immer fest in seinen Armen, und mit einem gellenden Triumpfschrei jagte er zwischen den d�steren Pal�sten des vergessenen Aaanthor die Avenue entlang.</p><p>Carthoris� Flieger hatte noch nicht den Grund ber�hrt, als er auch schon absprang, um hinter dem schnellen Thoat dreinzurennen, dessen acht lange Beine das Tier mit der Geschwindigkeit eines Eilzuges bewegten. Aber die M�nner von Dusar, die noch am Leben geblieben waren, hatten nicht die Absicht, sich eine so wertvolle Gefangene entwischen zu lassen.</p><p>Das M�dchen hatten sie ja nun verloren, und es w�rde ihnen ganz bestimmt nicht leicht fallen, Astok die Sache begreiflich zu machen. Er k�nnte aber vers�hnlicher gestimmt werden, wenn sie ihrem Herrn statt der Prinzessin von Ptarth den Prinzen von Helium bringen k�nnten.</p><p>Die drei restlichen Entf�hrer rannten also hinter Carthoris drein, schwangen ihre Langschwerter und schrien ihm zu, er solle sich ergeben. Ebenso gut h�tten sie jedoch dem Mond Thuria befehlen k�nnen, nicht ununterbrochen �ber den Himmel von Barsoom zu rasen, denn Carthoris von Helium war der wahre Sohn des Kriegsherrn vom Mars und seiner unvergleichlichen Dejah Thoris!</p><p>Carthoris hatte sein Langschwert schon in der Hand gehabt, als er vom Deck seines Fliegers heruntersprang. In dem Augenblick also, in dem er die Drohung der drei Roten Kriege? erkannte, wirbelte er zu ihnen herum und stellte sich ihnen, wie nur ein John Carter es h�tte tun k�nnen.</p><p>So blitzschnell war sein Schwert, so kraftvoll und lebendig reagierten seine halbirdischen Muskeln, da� einer seiner Gegner schon am Boden lag und mit seinem Blut das ockerfarbene Moos f�rbte, kaum da� er einen ersten Schritt auf Carthoris zu getan hatte.</p><p>Auch die anderen beiden Dusarianer drangen auf den Prinzen von Helium ein. Drei Langschwerter klirrten aneinander und funkelten im Licht des nahen Mondes, bis die gro�en wei�en Affen aus ihrem Schlaf erwachten und zu den hohen Fenstern tappten, um das blutige Schauspiel zu beobachten.</p><p>Dreimal ber�hrte eine Schwertspitze Carthoris, so da� ihm das Blut �ber das Gesicht lief, ihn blendete und seine breite Brust f�rbte. Mit der freien Hand wischte er den Schwei� und das Blut von den Augen, und um seine Lippen lag dasselbe L�cheln, mit dem sein Vater in den Kampf ging. Immer wieder sprang er seine Gegner an, und er wurde nicht m�de, sein Schwert gegen sie zu schwingen.</p><p>Mit einem einzigen Hieb trennte er dem einen den Kopf vom Rumpf, so da� der andere, den sicheren Tod vor Augen, falls er bliebe, sich umwandte und zum Palast floh, aus dem er gekommen war.</p><p>Carthoris machte nicht den kleinsten Versuch, ihm zu folgen.</p><p>Er hatte andere Sorgen als die wohlverdiente Bestrafung dieser Schurken, die sich mit dem Metall seines eigenen Hauses schm�ckten, wenn sie ihre Untaten begingen. Klar und deutlich hatte er n�mlich gesehen, da� sie an ihren Harnischen die Insignien seines pers�nlichen Gefolges trugen.</p><p>Nun kehrte er eiligst zu seinem Schiffchen zur�ck, und wenige Augenblicke sp�ter hob er sich in die Luft, um die Verfolgung von Thar Ban aufzunehmen.</p><p>Der Rote Krieger, der in den Palast geflohen war, erkannte Carthoris� Absicht, griff nach einer B�chse, die seinen toten Kameraden geh�rt hatte und an einer Wand lehnte, seit sie hinausgerannt waren, um den Diebstahl ihrer kostbaren Beute zu verhindern.</p><p>Nur wenige von den Roten M�nnern sind gute Sch�tzen, denn sie k�mpfen viel lieber mit dem Schwert, und darin sind sie ja auch Meister. Als der Dusarianer nun auf den rasch steigenden Flieger anlegte und auf den Ausl�seknopf dr�ckte, war der teilweise Erfolg, den er hatte, nicht seiner T�chtigkeit, sondern einem reinen Zufall zuzuschreiben.</p><p>Das Projektil schrammte die metallene Rumpfhaut des Fliegers, und das gen�gte, um die d�nne Opakh�lse des Geschosses so weit aufzubrechen, da� Tageslicht auf die Pulverphiole im Gescho�kopf fiel. Es gab eine scharfe Explosion.</p><p>Carthoris sp�rte, wie sein Schiffchen unter ihm wie betrunken herumtorkelte, und dann blieb auch noch die Maschine stehen.</p><p>Die Geschwindigkeit, die das Schiffchen schon erreicht hatte, trug es noch �ber die Stadt hinweg zum Seeboden, der dahinter begann.</p><p>Der Rote Krieger unten auf dem Platz gab noch einige Sch�sse ab, doch keiner von ihnen traf mehr. Dann entschwand seine dahintreibende Beute hinter einem schlanken Turm seinen Blicken.</p><p>Ein ganzes St�ck vor Carthoris raste der gr�ne Krieger mit Thuvia von Ptarth auf seinem riesigen Thoat dahin. Er hielt dabei, von Aaanthor aus gesehen, eine nordwestliche Richtung ein, und dort lag ein Bergland, von dem die Roten M�nner an sich recht wenig wu�ten.</p><p>Nun mu�te sich Carthoris um sein besch�digtes Schiff k�mmern.</p><p>Es erwies sich leider, da� einer der Treibstofftanks durchschossen war, doch die Maschine selbst hatte nichts abbekommen.</p><p>Ein Gescho�splitter hatte einen Instrumentenhebel so schwer getroffen, da� er unterwegs nicht repariert werden konnte, sondern in einer Werkst�tte ausgewechselt werden mu�te. Aber nach einigem Herumprobieren und kleinen Ver�nderungen gelang es Carthoris doch, sein verwundetes Schiffchen wenigstens ganz langsam zu fliegen. Das Tempo gen�gte allerdings bei weitem nicht, das Thoat einzuholen, denn das scho� auf seinen acht langen Beinen mit unglaublicher Geschwindigkeit �ber die mit ockerfarbenem Moos bestandenen glatten Seegr�nde.</p><p>Der Prinz von Helium kochte vor verzweifeltem Zorn wegen der Langsamkeit, mit der er vorw�rts kam. Trotzdem mu�te er froh sein, da� die Besch�digung nicht noch schwerer war, denn so konnte er sich auf jeden Fall noch schneller fortbewegen als zu Fu�.</p><p>Doch auch diese d�rftige Befriedigung war nicht von langer Dauer, denn bald sackte das Schiffchen nach backbord und am Bug ab. Der Schaden am Treibstofftank schien also doch noch viel ernster gewesen zu sein als er zuerst geglaubt hatte.</p><p>Den ganzen Tag lang kroch Carthoris in einem recht fragw�rdigen Zickzackkurs durch die Luft. Der Bug senkte sich immer tiefer, und die Backbordseite gab auch immer mehr nach.</p><p>Es ging schon auf den Abend zu, und die Dunkelheit stand kurz bevor, als der Flieger die Nase immer tiefer hinunterfallen lie�, so da� sich Carthoris schlie�lich an einem kr�ftigen Decksring mit dem Harnisch anh�ngen mu�te, um nicht abgeworfen zu werden.</p><p>Er bewegte sich nur noch ganz langsam im Tempo einer sanften Brise vorw�rts, die aus S�dosten blies, und mit Sonnenuntergang h�rte sie ganz auf. Es blieb ihm nichts anderes �brig, als den Flieger vorsichtig auf den Moosboden zu setzen.</p><p>Weit vor ihm t�rmten sich die Berge auf denen der Gr�ne entgegenritt, als er ihn zuletzt sah. Das war schon ziemlich lange her, doch Carthoris von Helium, der Sohn John Carters, war ebenso entschlossen und vom gleichen Durchhalteverm�gen wie sein Vater und nahm daher die Verfolgung zu Fu� auf. Sein Vater h�tte es ja auch nicht anders gemacht.</p><p>Die ganze Nacht hindurch marschierte er weiter. Endlich d�mmerte ein neuer Tag, und nun kam er in die niederen Vorberge, die jenen hohen Bergen vorgelagert sind, welche das Land Torquas sch�tzen.</p><p>Vor ihm stiegen zerkl�ftete Granitfelsen auf. Nirgends konnte er in dieser grandiosen Barriere eine L�cke finden, die ihm einen Zugang zu dem dahinterliegenden Land gew�hrt h�tte, aber irgendwo in diesem abweisenden Gebirge mu�te es doch einen Weg geben, auf dem der gr�ne Krieger die Frau seines Herzens durch diese Barriere gebracht hatte.</p><p>Auf dem Moosboden des Seegrundes hatte er keine Spur gehabt, der er h�tte folgen k�nnen, denn die weichen Tatzen des Thoats dr�ckten sich nicht so tief in die federnde Vegetationsschicht, als da� er an diesen Zeichen den Weg des gr�nen Kriegers h�tte erkennen k�nnen.</p><p>Hier war es anders. Da und dort gab es ganze Ger�llhalden oder schwarze Erde, auf der wilde Blumen wuchsen. Hier herrschte nicht mehr die Monotonie der Tieflande, und Carthoris hoffte fr�her oder sp�ter Spuren zu finden, die ihm eine Verfolgung erm�glichten.</p><p>Er suchte sorgf�ltig ein weites Gel�nde ab, doch er fand nichts.</p><p>Der vorher deutlich erkennbare Pfad h�rte ganz einfach auf. Es war sehr mysteri�s und ziemlich verwirrend.</p><p>Wieder n�herte sich der Abend, als Carthoris� scharfe Augen ein braungelbes Tier ersp�hen konnten, das sich in einigen hundert Yards Entfernung links von ihm zwischen den Felsbl�cken bewegte. Carthoris duckte sich rasch hinter einen gro�en Felsen und beobachtete das Ding. Es war ein riesiger Banth, einer jener wilden Marsl�wen, die in den trostlosen Bergen des sterbenden Planeten hausen. Er hatte die Nase auf dem Boden und schien der Spur eines fleischigen Wesens zu folgen.</p><p>Carthoris beobachtete ihn, und nun fa�te er wieder Hoffnung.</p><p>Hier lag vielleicht die L�sung f�r das Geheimnis, das er schon den ganzen Tag zu entr�tseln versuchte. Dieses hungrige Raubtier war gierig auf Menschenfleisch und verfolgte vielleicht gerade jetzt die beiden, die auch er, Carthoris, suchte.</p><p>Vorsichtig folgte nun der junge Mann der Spur des Raubtieres.</p><p>Es bewegte sich am Fu� einer senkrecht ansteigenden Wand entlang. Immer wieder schn�ffelte es den Boden ab, und gelegentlich gab es ein leises Winseln, den Laut des jagenden Banth von sich.</p><p>Erst wenige Minuten war Carthoris dem Tier gefolgt, als es so pl�tzlich und spurlos verschwand, als habe es sich in Luft aufgel�st.</p><p>Carthoris sprang auf. Nein, jetzt lie� er sich nicht auch noch von einem Tier an der Nase herumf�hren! Es gen�gte schon, wenn der gr�ne Krieger mit seiner kostbaren Beute spurlos verschwunden war! Er rannte auf die Stelle zu, an der er das Raubtier zuletzt gesehen hatte.</p><p>Vor ihm stieg eine senkrechte Felswand auf, in der sich keine H�hlen erkennen lie�en, in welche das riesige Tier h�tte verschwinden k�nnen. Neben ihm war ein kleiner, flacher Felsklotz, kaum gr��er als das Deck eines Zehnmannfliegers und h�chstens doppelt so hoch wie er gro� war.</p><p>Vielleicht versteckte sich der Banth hinter dem Felsblock?</p><p>Das Raubtier konnte den Menschen, der ihm auf der Spur war, entdeckt haben, und nun lag es wahrscheinlich auf der Lauer, um sich die leichte Beute zu schnappen.</p><p>Vorsichtig und mit gezogenem Langschwert schlich Carthoris, Prinz von Helium, um den Felsblock herum. Kein Banth war da, daf�r aber etwas anderes, das ihn mehr �berraschte, als es zwanzig Banths vermocht h�tten.</p><p>Vor ihm g�hnte der Zugang zu einer dunklen H�hle, die tief in den Boden f�hrte. Hier mu�te der Banth verschwunden sein.</p><p>War es sein Lager? Und dort drinnen lauerte vielleicht nicht nur das eine riesige wilde Tier, sondern eine ganze Horde dieser gef�hrlichen R�uber.</p><p>Nat�rlich wu�te das Carthoris nicht, und es war ihm auch ziemlich egal, denn ihn hatte nicht das Tier in diese Wildnis gelockt, sondern der gr�ne Krieger, der vermutlich mit seiner Gefangenen, der Prinzessin Thuvia von Ptarth, in diese H�hle gestiegen war. Nun w�rde er eben dem Gr�nen folgen und stolz darauf sein, wenn er im Dienst der geliebten Frau sein Leben lassen m��te.</p><p>Er z�gerte nicht einen Augenblick, doch er tat auch keinen �bereilten Schritt. Vorsichtig Fu� vor Fu� setzend und mit gezogenem Schwert tappte er weiter. Es war stockfinster in der H�hle, und je tiefer er in sie vordrang, desto schw�rzer wurde die Dunkelheit.</p></section><section><title><p>5</p><p>Die Rasse der Blonden</p></title><p>Der seltsame Tunnel mit seinem glatten Boden f�hrte immer tiefer in den Berg hinein und fiel dabei ziemlich steil ab. Carthoris war nun �berzeugt, da� dies keine H�hle war, sondern ein vermutlich k�nstlich angelegter Schacht.</p><p>Weiter vorne h�rte er gelegentlich das leise Winseln des Banths, und sp�ter vernahm er auch denselben gr��lichen Laut von hinten. Ein zweiter Banth folgte ihm also!</p><p>Seine Lage war alles andere als angenehm. Es war so stockdunkel, da� er nicht einmal die Hand vor seinen Augen sah.</p><p>Die Banths waren jedoch Nachttiere und sahen auch dann, wenn nicht der leiseste Lichtschimmer vorhanden war, ausgezeichnet.</p><p>Er sah also gar nichts, und zu h�ren bekam er nur das blutr�nstige Winseln des einen Raubtieres vor ihm und des anderen hinter ihm.</p><p>Der Tunnel schien, soweit er es beurteilen konnte, unten durch die hohe Granitwand zu f�hren, die ihn vorher so lange genarrt hatte. Erst war er sehr steil abgefallen, doch sp�ter verlief er eine ganze Weile eben, um schlie�lich leicht anzusteigen.</p><p>Das Tier hinter ihm kam immer n�her, so da� er gezwungen war, dem Banth vor ihm fast auf die Pfoten zu steigen. Mindestens mit einem mu�te er fr�her oder sp�ter k�mpfen, wenn nicht sogar mit allen beiden. Bei diesem Gedanken griff er ein wenig fester um sein Schwert.</p><p>Bald h�rte er den Banth hinter sich schnaufen. Jetzt konnte er den Kampf wohl nicht mehr lange hinausschieben. Das h�tte er gerne noch solange getan, bis er wu�te, ob der Tunnel tats�chlich zur anderen Seite der Barriere f�hrte oder nicht, denn ihm w�re lieber gewesen, er h�tte drau�en im hellen Mondlicht etwas sehen k�nnen. Es war kein angenehmer Gedanke, in v�lliger Finsternis mit mindestens einem riesigen Raubtier k�mpfen zu m�ssen.</p><p>Die Sonne war gerade untergegangen, als er den Tunnel betreten hatte, und da der Weg ziemlich lang war, mu�te es drau�en inzwischen ganz dunkel geworden sein. Er warf einen Blick nach r�ckw�rts. Ihm schien, da� zwischen ihm und den zwei gl�henden Kreisen keine zehn Schritte lagen. Als die wilden Augen die seinen trafen, stie� das Tier ein schauerliches Br�llen aus und sprang.</p><p>Ein Mann brauchte Nerven aus Stahl, wenn er sich dem Angriff eines so riesigen Raubtieres stellen wollte, das von ungeheurer Wildheit war und dazu die sch�rfsten F�nge fletschte, die man sich vorstellen konnte, und die F�nge konnte Carthoris sich genau vorstellen, obgleich er sie nicht sah. Aber er hatte diese Nerven aus Stahl, die er brauchte.</p><p>Er hatte sich genau eingepr�gt, wo die gl�henden Augen waren, und er hatte die unglaublich ruhige Schwerthand seines m�chtigen Vaters und Herrn, so da� er, obwohl er dem Ansturm des Tieres leicht seitlich auswich, seine Schwertspitze mit t�dlicher Sicherheit in einen dieser Kreise stie�.</p><p>Das verwundete Tier br�llte vor Schmerz und Wut, schlug mit den Tatzen um sich und war mit einem Riesensatz an ihm vorbei.</p><p>Doch dann drehte es sich um und wollte noch einmal angreifen.</p><p>Diesmal sah Carthoris nur noch einen gl�henden Kreis, der vor unb�ndigem Ha� brannte.</p><p>Wieder traf die Spitze in den flammenden Kreis, und wieder hallte der entsetzliche Schmerzensschrei des Tieres durch den Felstunnel, von dessen W�nden er als hundertfaches Echo zur�ckkam.</p><p>Trotzdem griff das Tier erneut an. Diesmal hatte Carthoris keinen gl�henden Richtpunkt mehr, in den er seine Schwertspitze schicken konnte. Er h�rte das Kratzen krallenbewehrter Pfoten auf dem harten Fels. Er wu�te, da� das Tier sich n�herte, doch er konnte nichts sehen.</p><p>Allerdings konnte ihn auch sein Feind nicht mehr sehen�</p><p>Carthoris hielt sein Schwert, wie er glaubte, etwa auf Brusth�he des Tieres und tat einen Satz zur Tunnelmitte. Mehr konnte er kaum tun, und er hoffte, der Zufall m�ge sein Schwert genau in das Herz des gef�hrlichen Feindes schicken.</p><p>So schnell war diese Sache dann vor�ber, da� Carthoris es kaum zu glauben vermochte, als der riesige K�rper an ihm vor�berscho�. Entweder hatte er selbst nicht die Tunnelmitte erraten, oder das blinde und schmerzgepeinigte Tier hatte sich versch�tzt.</p><p>Jedenfalls mi�te ihn das gewaltige Tier etwa um Fu�breite, und dann raste es den Tunnel entlang, als wolle es eine Beute verfolgen, die vor ihm auf der Flucht war.</p><p>Auch Carthoris lief in die gleiche Richtung, und nun dauerte es nicht mehr lange, bis er erleichtert aufatmete, weil ein Schimmer Mondlicht vom Ausgang her in die Dunkelheit des Tunnels fiel.</p><p>Vor ihm lag eine tiefe, breite Rinne, die v�llig von hohen Felsen umgeben war. Das ganze Tal selbst war mit enormen B�umen bestanden, und das war ein seltsamer Anblick, wenn man bedachte, wie weit diese Berge von den gro�en Wasserwegen entfernt waren. Der Boden war mit dichtem, scharlachfarbenem Gras bewachsen, in dem dicke Polster bunter, wilder, unbeschreiblich sch�ner Blumen wucherten.</p><p>Im Licht der beiden Monde war die Szene von unbeschreiblicher Lieblichkeit, �ber der ein Hauch merkw�rdigster Verzauberung lag. Aber er g�nnte sich nur einen kurzen Augenblick f�r die Bewunderung des Bildes, das sich seinen Augen bot, denn er sah vor sich einen riesigen Banth quer �ber dem Kadaver eines Thoat stehen, das ganz frisch geschlagen war.</p><p>Das riesige Tier str�ubte seine pr�chtige, gelblich-braune M�hne, als es einen anderen Banth beobachtete, der sinn- und ziellos da- und dorthin rannte und schrille Schmerzensschreie und dazwischen immer wieder ein entsetzliches Wutgebr�ll ausstie�.</p><p>Dieses letztere Tier mu�te jenes sein, das er im Tunnel zweimal getroffen und damit geblendet hatte: gr��eres Interesse hatte Carthoris jedoch an dem frischgeschlagenen Thoat. Die Raubtiere waren im Moment von untergeordneter Wichtigkeit.</p><p>Das riesige Reittier trug noch sein Geschirr, und Carthoris zweifelte nicht daran, da� es jenes Thoat war, auf dem der gr�ne Krieger seine Gefangene. Thuvia von Ptarth, entf�hrt hatte.</p><p>Aber wo waren Reiter und Entf�hrte? Den Prinzen von Helium �berlief es kalt, als er sich das Schicksal ausmalte, das die beiden vermutlich ereilt hatte.</p><p>Diese Marsl�wen sind reine Fleischfresser, und besonders wild sind sie auf Menschenfleisch. Sie sind auch so gro�, da� sie gewaltige Mengen Fleisch brauchen, um sich zu s�ttigen.</p><p>Kein Wunder also, wenn sie alles anfallen, was ihnen in den Weg kommt. Zwei Menschen, selbst wenn der eine davon ein riesiger gr�ner Krieger war, regten erst den enormen Appetit dieser Tiere an. Carthoris hatte also allen Grund zu der Vermutung, der Banth habe Thuvia von Ptarth und den gr�nen Krieger get�tet und aufgefressen. F�r das riesige Thoat hatte sein Hunger nicht mehr ganz ausgereicht, und er hatte es daher nur get�tet. Seine Leibspeise, die Menschen, hatte er jedoch sofort verschlungen.</p><p>Der geblendete Banth war immer wieder dahin und dorthin gerannt und hatte Angriffe gegen die leere Luft gef�hrt. Auf die Art war er an der Beute seines Kameraden vorbeigekommen, und nun trug ihm die leichte Brise frischen Blutgeruch zu.</p><p>Jetzt waren seine Bewegungen pl�tzlich wieder ganz gezielt.</p><p>Mit ausgestrecktem Schwanz und sch�umenden Lefzen rannte er schnurgerade auf den Kadaver des Thoats zu, und der andere Banth, der vermutlich das Thoat geschlagen hatte, stand mit den Vordertatzen auf seiner Beute, die er zu verteidigen gedachte.</p><p>Der angreifende Banth war keine zwanzig Schritte mehr von dem Kadaver entfernt, als der andere Banth eine schauerliche Herausforderung br�llte und einen m�chtigen Satz in die Richtung des anderen tat.</p><p>Der Kampf, der sich nun abspielte, lie� selbst einen kriegserfahrenen Barsoomianer vor Ehrfurcht erstarren. Voll unglaublicher Wut und Blutlust gingen sie aufeinander los, r�hrten schauerlich und hieben mit den Tatzen. Die beiden blutenden Kreaturen bissen und schlugen solange aufeinander ein, bis sie tot dalagen. Ihre K�pfe und Schultern waren buchst�blich zerfetzt, und ihre m�chtigen Kiefer waren noch in den Leib des Gegners verkrampft. Carthoris hatte fasziniert zugeschaut und konnte sich schlie�lich nur unter Aufbietung seiner ganzen Willenskraft von diesem schauerlichen Anblick losrei�en.</p><p>Dann lief er schnell zum toten Thoat und suchte nach Anzeichen daf�r, ob das M�dchen, wie er f�rchtete, das Schicksal des toten Tieres geteilt hatte oder nicht. Nirgends vermochte er jedoch etwas zu entdecken, das ihm Gewi�heit gegeben h�tte.</p><p>Ihm war etwas leichter ums Herz, als er nun ins Tal weiterging, um sich umzuschauen. Er war noch nicht weit gekommen, als er am Boden ein glitzerndes Juwel liegen sah. Er hob es auf und musterte es und entdeckte, da� es der Haarschmuck einer Frau war. Und schlie�lich fand er darin eingraviert die Insignien des k�niglichen Hauses von Ptarth.</p><p>Doch zu seinem Entsetzen entdeckte er Blut, noch ganz frisches Blut an diesem Schmuckst�ck.</p><p>Carthoris schn�rte es die Kehle zu, als er alle M�glichkeiten durchdachte, die dieser Fund in sich schlo�. Nein, das Schlimmste konnte und wollte er nicht glauben!</p><p>Er hielt es ganz einfach f�r unm�glich, da� ein so strahlendes, liebenswertes Wesen ein so schreckliches Ende gefunden haben k�nnte. Und er wollte es um nichts in der Welt glauben, da� die sch�ne, wundervolle Thuvia �berhaupt je zu existieren aufh�ren k�nnte.</p><p>Er steckte das funkelnde Geschmeide, das Thuvia von Ptarth getragen hatte, an seinen Harnisch, genau an jene Stelle seiner Waffengeh�nge, unter der sein treues Herz schlug, das gro�e Herz des Prinzen von Helium. Es war ein heiliges Verm�chtnis f�r ihn, das er niemals wieder abzunehmen gedachte.</p><p>Dann setzte er seinen Weg in das unbekannte Tal fort.</p><p>Er konnte an keiner Stelle weit sehen, da riesige B�ume ihm den Ausblick verwehrten. Gelegentlich zeigten sich dazwischen die Umrisse der hohen Berge, die das Tal auf allen Seiten einschlossen. Im Licht der beiden Monde hatte es den Anschein, als st�nden sie in unmittelbarer N�he, doch er wu�te, da� sie sehr weit entfernt waren, da� auch das Tal sehr weitl�ufig war.</p><p>Die halbe Nacht hindurch setzte er seine Suche fort, bis er in der Ferne das schrille Quieken von Thoats h�rte. Lauschend blieb er stehen.</p><p>Diese Tiere waren eigentlich fast immer zornig und mi�gelaunt, aber nun wurde er von ihren Stimmen geleitet.</p><p>Lautlos huschte er zwischen den B�umen weiter, bis er sich schlie�lich am Rand einer baumlosen Ebene befand, in deren Mitte sich eine m�chtige Stadt mit gl�nzenden Kuppeln und farbenpr�chtigen T�rmen erhob.</p><p>Die Stadt war mit einer hohen Mauer umgeben; vor ihr hatte ein gro�er Trupp gr�ner Krieger von den toten Seegr�nden Lager bezogen. Er musterte die Stadt und ihre Umgebung so genau, wie es aus dieser Entfernung m�glich war und stellte fest, da� sie nicht eine jener verlassenen Metropolen aus l�ngstvergangener Zeit sein konnte. Aber welche Stadt war das? Seine Studien hatten ihn gelehrt, da� in diesem wenig erforschten Teil von Barsoom die wilden St�mme der Torquasianer �berlegen herrschten, und das waren gr�ne Krieger. Kein Roter Mann hatte bisher einen Fu� auf den Boden ihres Herrschaftsgebietes gesetzt, um dann wieder in die Welt der Zivilisation zur�ckzukehren.</p><p>Die M�nner von Torquas hatten eine ungew�hnliche Geschicklichkeit bewiesen, als sie die bisher gebr�uchlichen Schu�waffen soweit entwickelten, bis sie zu gro�en Kanonen geworden waren, die als von fast unfehlbarer Treffsicherheit galten. Damit war es ihnen immer gelungen, die wenigen Angriffe einer kleinen Anzahl Roter St�mme und Nationen, die ihre unmittelbaren Nachbarn waren, abzuwehren, denn fr�her einmal hatten diese immer wieder versucht, mit ihren Kampfschifflotten das Gebiet zu erkunden.</p><p>Carthoris war �berzeugt, da� er sich im Torquas-Land befand, aber er h�tte nie davon zu tr�umen gewagt, in diesem Land eine so wundervolle Stadt vorzufinden. Kein Chronist hatte je eine solche M�glichkeit angedeutet, denn die Torquasianer waren wie alle anderen gr�nen Horden daf�r bekannt, da� sie niemals ein festes Geb�ude errichteten, sondern nur die zahlreichen verlassenen St�dte, die �ber den ganzen Planeten verstreut zu finden waren, als Standquartiere ben�tzten, wenn sie auf Raub-oder Kriegsz�ge gingen oder l�ngere Rasten einlegen mu�ten. Sie waren Nomaden, und zu mehr als den niederen, kunstlosen und mit kleinen M�uerchen eingefa�ten Inkubatoren hatten sie es als Baumeister nicht gebracht. Die bauten sie auch nur deshalb, weil sie ihren Eiern Schutz vor der hei�en Sonne gew�hren mu�ten.</p><p>Das Lager der Gr�nen dehnte sich weit nach links und rechts aus und schien die ganze Stadt zu umschlie�en. Es lag etwa f�nfhundert Yards von der Stadtmauer entfernt. Zwischen dem Lager und der Mauer gab es nichts, was irgendwie an Barrikaden, W�lle oder dergleichen erinnerte und vor Gewehr- oder Kanonenkugeln h�tte sch�tzen k�nnen. Im Licht der aufgehenden Sonne erkannte Carthoris viele Gestalten, die sich auf der hohen Mauerkrone und auf den dahinterliegenden Hausd�chern bewegten.</p><p>Er war �berzeugt, da� es Menschen waren wie er, nur konnte er wegen der gro�en Entfernung nicht feststellen, ob es Rote Menschen waren.</p><p>Fast unmittelbar nach Sonnenaufgang begannen die gr�nen Horden auf die kleinen Gestalten zu schie�en, die sich auf der Mauerkrone und den Hausd�chern befanden. Zu Carthoris�</p><p>Staunen wurde das Feuer nicht erwidert, aber bald hatte der letzte Stadtbewohner Deckung vor der Treffsicherheit der gr�nen M�nner gesucht, und innerhalb der Stadtmauern war kein Lebenszeichen mehr zu erkennen.</p><p>Carthoris hielt sich noch immer im Schutz der B�ume, welche die Ebene begrenzten und bewegte sich hinter dem R�cken der Belagerer weiter, denn er hoffte entgegen aller Hoffnung, Thuvia von Ptarth zu finden, da er nicht annehmen konnte und wollte, sie k�nne tot sein.</p><p>Es war ein Wunder, da� man ihn nicht entdeckte, denn die gr�nen Krieger ritten ununterbrochen auf ihren Thoats hin und her, vom Lager zum Wald und wieder zur�ck. Aber der Tag ging weiter, und nichts Entscheidendes geschah, bis er gegen Sonnenuntergang einem m�chtigen Tor in der westlichen Stadtmauer gegen�berstand.</p><p>Hier schien sich die Hauptstreitmacht der Belagerer versammelt zu haben. Eine gro�e Plattform war hier aufgebaut, und darauf sa� breit und wuchtig ein riesiger gr�ner Krieger, der von zahlreichen seiner Leute umgeben war.</p><p>Das mu�te also der bekannte, wenn nicht ber�chtigte Hortan Gur, Jeddak von Torquas sein, der wilde alte Riese, dieses schreckliche Ungeheuer der s�dwestlichen Hemisph�re, denn nur f�r einen Jeddak wurde eine Plattform errichtet, wenn die gr�nen Horden von Barsoom irgendwo auf dem Marsch ein Lager bezogen.</p><p>Noch w�hrend der junge Prinz aus Helium die Plattform beobachtete, dr�ngte sich ein gr�ner Krieger zu seinem Herrscher durch. Er zerrte einen Gefangenen mit sich, und als die Krieger vor der Plattform zur Seite traten, um diesen Mann durchzulassen, konnte er einen fl�chtigen Blick auf ihn tun.</p><p>Sein Herz tat einen Freudensprung: Thuvia von Ptarth lebte.</p><p>Carthoris mu�te sich alle M�he geben, nicht dem ersten Impuls zu folgen und an die Seite der Prinzessin von Ptarth zu eilen. Er wu�te, da� er hier nur mit vern�nftiger �berlegung etwas ausrichten konnte, und eine �bereilte Tat h�tte sinnlos jede k�nftige Rettungsm�glichkeit verspielt.</p><p>Sie wurde zum Fu� des Podiums gezerrt, und dann sah er, wie Hortan Gur sie ansprach. Die Worte konnte er wegen der gro�en Entfernung nicht verstehen, auch nicht Thuvias Antwort; diese mu�te aber das gr�ne Ungeheuer sehr ge�rgert haben, denn Carthoris sah ihn aufspringen, und dann schlug er sie brutal mit dem Arm, der mit schweren Armreifen und Ornamenten beh�ngt war, quer �ber das Gesicht.</p><p>Das war zuviel. Der Sohn John Carters, Jeddak der Jeddaks, Kriegsherr von Barsoom, wurde irr vor Zorn. Der blutrote Nebel, durch den sein Herr und Vater zahlreiche Feinde gesehen hatte, schob sich vor seine Augen.</p><p>Seine halb irdischen Muskeln reagierten blitzschnell, und mit ein paar enormen Spr�ngen n�herte er sich dem gr�nen Ungeheuer, das die Frau geschlagen hatte, die er liebte.</p><p>Die Torquasianer schauten nicht in die Richtung, aus der er kam. Aller Augen hingen an den Gestalten des M�dchens und ihres Jeddaks, und ihr Lachen war widerlich laut und brutal, als sie sich �ber den k�stlichen Witz am�sierten, den diese kleine Gefangene eben gemacht hatte. Sie hatte n�mlich von dem Riesen ihre Freiheit verlangt.</p><p>Carthoris hatte etwa die H�lfte der Strecke zwischen Wald und Plattform zur�ckgelegt, als sich etwas ereignete, das die Aufmerksamkeit der gr�nen Krieger noch st�rker beanspruchte, weshalb man nun erst recht nicht auf ihn aufmerksam wurde.</p><p>Auf einem hohen Turm der belagerten Stadt erschien ein Mann. Er hatte sein Gesicht nach oben gewandt und stie� mit weit offenem Mund entsetzliche schrille Schreie aus. Diese Schreie klangen so furchterregend �ber die Stadtmauern und die K�pfe der Belagerer bis zum Wald hin�ber, da� selbst den gr�nen Kriegern das Mark in den Knochen gefrieren konnte.</p><p>Zwei-, dreimal hallten diese gr��lichen Schreie an die Ohren der wie versteinert dastehenden gr�nen M�nner, und dann kam von weit, weit hinter den W�ldern ein klarer, scharfer, ebenso schriller Antwortschrei.</p><p>Das war aber nur der Anfang. Aus allen Richtungen schienen nun diese Schreie zu kommen, und aus unz�hlichen Kehlen schienen sie aufzusteigen, und das wurde so �berw�ltigend schrecklich, da� davon die ganze Welt zu zittern und zu hallen schien.</p><p>Nerv�s sahen sich die gr�nen Krieger um. Sie kannten keine Furcht, wie Erdenmenschen sie kennen, aber in ihren Gesichtern stand es deutlich geschrieben, da� die sonstige Selbstsicherheit, die recht oft an �berheblichkeit grenzte, langsam verloren ging.</p><p>Und dann wurde pl�tzlich das gro�e Stadttor gegen�ber der Plattform von Hortan Gur weit aufgerissen. Das Schauspiel, das sich Carthoris nun bot, war recht merkw�rdig, und er konnte sich nicht daran erinnern, je etwas �hnliches gesehen oder davon geh�rt zu haben. Durch dieses Tor kamen sehr gro�e Bogensch�tzen, die lange, ovale Schilde vor sich hielten. Diese M�nner hatten r�tlichbraune Haare, und die Tiere, die knurrend und br�llend neben ihnen her liefen, waren die wilden L�wen von Barsoom.</p><p>Aber dann stand er schon mitten unter den verbl�fften Torquasianern und schwang sein Langschwert. Noch ein Sprung, und er befand sich neben Thuvia von Ptarth, die ihn starr vor Staunen ansah, denn sie glaubte John Carter pers�nlich vor sich zu sehen, so �hnlich sah der Sohn seinem Vater, und so sehr glichen seine Kampfmethoden denen des Kriegsherrn von Barsoom.</p><p>Sogar das Kampfl�cheln des Mannes aus Virginia hatte der Marsprinz. Und den Schwertarm! Ah, dieses Tempo, diese fantastische Geschicklichkeit!</p><p>Jetzt herrschte �berall verwirrte Aufregung. Gr�ne Krieger sprangen auf die R�cken ihrer verschlafenen, quiekenden Thoats.</p><p>Kalotts knurrten wild oder winselten, weil sie es nicht mehr erwarten konnten, den herannahenden Feinden an die Kehle zu springen.</p><p>Thar Ban und ein weiterer an der Plattform stehender Mann waren die ersten, die Carthoris kommen sahen, und mit ihnen mu�te er auch um den Besitz des Roten M�dchens k�mpfen, w�hrend die anderen davoneilten, um dem aus der belagerten Stadt heranmarschierenden Feind geb�hrend zu empfangen.</p><p>Carthoris versuchte sowohl Thuvia von Ptarth zu verteidigen als auch an die Seite des schrecklichen Hortan Gur zu gelangen, um den Schlag zu r�chen, den er dem M�dchen versetzt hatte.</p><p>�ber die Leichen von zwei gr�nen Kriegern, die sich ihm entgegengestellt hatten, um das Leben ihres Jeddak zu sch�tzen, erreichte Carthoris das Podium. Thar Ban und einige der Krieger bem�hten sich noch immer, den Roten Prinzen zur�ckzuschlagen, doch damit hatten sie wenig Erfolg. In dem Moment, als der junge Prinz aus Helium am Fu� der Trib�ne stand, versuchte Hortan Gur, von dort aus auf sein Thoat zu springen.</p><p>Die gr�nen Krieger hatten ihre Aufmerksamkeit den aus der Stadt herankommenden Bogensch�tzen zugewandt, und beim Anblick der wilden Banths war ihnen anscheinend doch nicht ganz geheuer. Sie wu�ten, da� diese Tiere ungeheuer grausam und wild waren, viel furchterregender als ihre eigenen wilden Kampfhunde, die Kalotts. Mit einem Satz war Carthoris auf dem Podium, und er zog Thuvia mit hinauf. Dann wandte er sich mit einer zornigen Herausforderung und einem kraftvollen Schwertsto� dem Jeddak zu, der schon dabei war, sich auf sein Thoat zu schwingen.</p><p>Als die Schwertspitze des Heliumprinzen die gr�ne Haut des Riesen ber�hrte, wandte sich dieser seinem Gegner mit einem f�rchterlichen Knurren zu, aber zwei seiner H�uptlinge riefen ihn an, er solle sich beeilen, denn die hellh�utigen Stadtbewohner seien viel zahlreicher als zu erwarten gewesen sei. Der Kampf werde viel gef�hrlicher werden, als man geahnt habe.</p><p>Hortan Gur lie� also von dem Roten Prinzen ab und stellte ihm in Aussicht, sich ausf�hrlich mit ihm zu besch�ftigen, sobald er sich der streits�chtigen B�rger der belagerten Stadt entledigt hatte. Damit sprang er endg�ltig auf sein Thoat und galoppierte davon, den rasch herankommenden Bogensch�tzen entgegen.</p><p>Die anderen Krieger folgten eiligst ihrem Jeddak und lie�en Thuvia und Carthoris allein auf der Plattform zur�ck.</p><p>Um sie herum in der ganzen Stadt herrschte ein schreckliches Kampfget�mmel. Die hellh�utigen Krieger, die nur mit ihren gro�en Bogen und kurzen Kriegs�xten bewaffnet waren, schienen den gr�nen Kriegern in unmittelbarer N�he nicht gewachsen zu sein, doch aus einer gewissen Entfernung richteten, ihre Pfeile mindestens ebensolche Verw�stungen unter den gr�nen Kriegern an, wie deren Radiumprojektile unter ihnen.</p><p>Wenn auch die ausfallenden Belagerten auf diese Art den Gr�nen unterlegen waren, so machten ihre wilden Gef�hrten, die schrecklichen Banths, einiges wieder wett. Die beiden Kampflinien waren noch ein ganzes St�ck voneinander entfernt, als Hunderte dieser f�rchterlichen, blutr�nstigen Kreaturen unter die Torquasianer sprangen und viele Krieger von ihren Thoats herunterrissen und dann sogar noch die riesigen Reittiere anfielen. Auf die Art schufen sie eine so gro�e Verwirrung unter den Feinden ihrer Herren, da� diese stellenweise nicht mehr wu�ten, wem sie nun ihre Aufmerksamkeit zuwenden sollten.</p><p>Auch die riesige Anzahl der aus der Stadt quellenden Krieger verbl�ffte die Gr�nen. Kaum glaubten sie n�mlich, sie h�tten einen der Hellh�utigen erledigt, als sein Platz auch schon von mindestens einem anderen eingenommen worden war, so da� sich schlie�lich die Zahl der Verteidiger der Stadt nicht nur nicht verringerte, sondern sogar vervielfachte.</p><p>Und so geschah es dann auch, da� vor dem Ansturm der w�tenden Banths und der immer mehr anwachsenden Zahl der hellh�utigen Krieger die Torquasianer zur�ckfielen, so da� wenig sp�ter die Plattform, auf der noch immer Carthoris und Thuvia standen, der Mittelpunkt der K�mpfe war.</p><p>Da� keiner von beiden von einer Kugel oder einem Pfeil getroffen wurde, erschien ihnen als Wunder. Schlie�lich war die Kampfeswoge �ber sie hinweggerollt, und sie waren allein zwischen den K�mpfern und der Stadtmauer. Nur Tote und Sterbende lagen herum, und eine betr�chtliche Anzahl knurrender Banths, die vielleicht noch nicht so gut trainiert waren wie ihre Kameraden, fra� sich an den Toten satt.</p><p>F�r Carthoris war die Tatsache am erstaunlichsten, da� die Bogensch�tzen mit ihren doch eigentlich wenig wirksamen Waffen einen solchen Blutzoll von den Gr�nen gefordert hatten.</p><p>Nirgends erblickte er n�mlich einen verwundeten Gr�nen, aber die Leichen der Roten auf dem Schlachtfeld waren ungeheuer zahlreich.</p><p>Unmittelbarer Tod schien jedem Pfeil zu folgen, ob er nun traf oder nur streifte. Kein einziger schien sein Ziel zu missen. Daf�r konnte es nur eine Erkl�rung geben � die Pfeilspitzen mu�ten vergiftet sein.</p><p>Dann verklang allm�hlich das Kampfget�se im Wald. Nun herrschte wieder Stille, die nur vom Knurren der fressenden und schlingenden Banths unterbrochen wurde. Carthoris wandte sich Thuvia zu. Keiner von beiden hatte bisher ein Wort gesprochen.</p><p>�Wo sind wir, Thuvia?� fragte er.</p><p>Das M�dchen sah ihn fragend an. Seine Gegenwart schien seine Mitschuld an ihrer Entf�hrung zu best�tigen. Wie hatte er sonst das Ziel jenes Schiffes wissen k�nnen, das sie in diese Gegend gebracht hatte?</p><p>�Wer sollte das besser wissen als der Prinz von Helium?� entgegnete sie. �Kam er nicht aus eigenem freiem Willen hierher?�</p><p>�Von Aaanthor kam ich freiwillig, da ich dem Pfad des gr�nen Kriegers folgte, der dich entf�hrte, Thuvia�, antwortete er.</p><p>�Doch als ich Helium verlie�, glaubte ich nach Ptarth zu fliegen � bis ich �ber Aaanthor aufwachte.�</p><p>�Man hat n�mlich angedeutet, ich h�tte vielleicht von deiner Entf�hrung gewu�t oder daran mitgewirkt�, erkl�rte er weiter.</p><p>�Deshalb machte ich mich zum Jeddak, deinem Vater auf, um ihn zu �berzeugen, da� nichts Wahres an dieser Anschuldigung ist. Ich wollte ihm meine Dienste anbieten und ihm nach besten Kr�ften behilflich sein, dich wieder zu finden, Thuvia. Bevor ich Helium verlie�, mu� sich jemand an meinem Kompa� zu schaffen gemacht haben, so da� mich mein Schiff nach Aaanthor trug statt nach Ptarth. Das ist alles. Glaubst du mir nun?�</p><p>�Aber die Krieger, die mich aus dem Garten unseres Palastes entf�hrten!� rief sie. �Als wir in Aaanthor ankamen, trugen sie das Emblem des Prinzen von Helium, doch als sie mich entf�hrten, hatten sie die Harnische von Dusar an ihren Leibern. Daf�r schien es nur eine Erkl�rung zu geben. Wer immer die Rache f�r diese Untat zu f�rchten hatte, wollte sie, sollte er entdeckt werden, auf einen anderen abw�lzen. War man aber erst weit genug von Ptarth entfernt, dann konnte man sich sicher f�hlen und wieder den eigenen Harnisch anlegen.�</p><p>�Du glaubst also, Thuvia, da� ich diese Untat begangen habe?� fragte Carthoris best�rzt.</p><p>�Ah, Carthoris, ich w�nschte wirklich nicht, es glauben zu m�ssen�, antwortete sie traurig. �Doch leider deutete alles auf dich. Und selbst dann wollte ich es nicht glauben.�</p><p>�Ich habe es auch nicht getan, Thuvia�, erwiderte er. �Und ich wu�te auch nichts davon. La� mich aber ganz ehrlich sprechen. Ich liebe deinen Vater und respektiere Kulan Tith, dem du versprochen bist, und ich wei� auch, welch schreckliche Konsequenzen eine so un�berlegte Tat von mir h�tte. Drei der gr��ten und edelsten Nationen von Barsoom w�rden einander bekriegen, und das, Thuvia, will ich ganz gewi� nicht. Und doch � ich h�tte sicher nicht gez�gert, dich zu entf�hren, Thuvia, wenn du mir je angedeutet h�ttest, da� du es w�nschest.�</p><p>�Du hast das jedoch niemals getan, Thuvia, und deshalb bin ich jetzt hier. Nicht meinetwegen, sondern in deinem Dienst und im Dienst jenes Mannes, dem du versprochen bist, um dich f�r ihn zu retten, wenn es in meiner Macht liegt�, schlo� er fast bitter.</p><p>Thuvia von Ptarth musterte ihn lange schweigend. Ihre Brust wogte wie unter dem Ansturm heftiger Gef�hle. Sie tat einen kleinen Schritt auf ihn zu; ihre Lippen �ffneten sich, als wolle sie sprechen � impulsiv und ungest�m.</p><p>Doch mitten im Schritt hielt sie inne, und dann hatte sie ihre Gef�hle wieder in der Hand.</p><p>�Die k�nftigen Taten des Prinzen von Helium m�ssen den Beweis f�r die Lauterkeit seiner Gesinnung erbringen�, erwiderte sie kalt. Der Ton des M�dchens verletzte Carthoris und auch der Zweifel an seiner Aufrichtigkeit, den ihre Worte ausdr�ckten. Er h�tte ein wenig darauf gehofft, da� ihre Worte andeuten m�chten, seine Liebe und Verehrung seien ihr angenehm; wenigstens ein bi�chen h�tte er auch mit ihrer Dankbarkeit gerechnet f�r das, was er in letzter Zeit ihretwegen auf sich genommen hatte, aber nun war ihre ganze Reaktion nichts als kalter Zweifel.</p><p>Der Prinz von Helium zuckte die breiten Achseln. Das M�dchen bemerkte es und sah auch das andeutungsweise L�cheln um seine Lippen, und nun war sie an der Reihe, verletzt und gekr�nkt zu sein.</p><p>Selbstverst�ndlich hatte sie nicht die Absicht gehabt, ihn zu kr�nken. Er h�tte eigentlich wissen wollen, da� sie nichts tun oder sagen durfte, was ihn h�tte ermutigen k�nnen, doch es w�re nicht n�tig gewesen, ihr seine Gleichg�ltigkeit so �berdeutlich zu erkennen zu geben. Die M�nner von Helium waren f�r ihre ausgezeichneten Manieren und ihre Galanterie bekannt, nicht f�r kaltherzige Taktlosigkeiten. Vielleicht war das Erdenblut in seinen Adern schuld daran.</p><p>Wie sollte sie auch wissen, da� dieses Achselzucken Carthoris� rein k�rperlicher Versuch war, die d�stere Sorge und den dr�ckenden Kummer von seiner Seele zu sch�tteln? Da� das L�cheln auf seinen Lippen das Kampfl�cheln seines Vaters war, mit dem der Sohn zu beweisen versuchte, da� er seine eigene gro�e Liebe zu unterdr�cken bereit war, um sie, Thuvia von Ptarth, f�r einen anderen Mann zu retten, den sie, wie er glauben mu�te, liebte?</p><p>Er kehrte zu seiner urspr�nglichen Frage zur�ck.</p><p>�Wo sind wir? Ich wei� es nicht.�</p><p>�Ich wei� es auch nicht�, erwiderte das M�dchen. �Die M�nner, die mich entf�hrten, sprachen untereinander von Aaanthor, so da� ich es f�r m�glich hielt, da� die Stadt, zu der sie mich brachten, diese ber�hmte alte Ruine ist, aber wo wir jetzt sind, ahne ich nicht einmal.�</p><p>�Wenn die Bogensch�tzen zur�ckkehren, erfahren wir sicher alles, was wir wissen m�ssen�, sagte Carthoris. �Wir wollen also hoffen, da� sie uns freundlich gesinnt sind. Von welcher Rasse m�gen sie wohl sein? Nur in unseren �ltesten Legenden und in den Wandmalereien der verlassenen St�dte der toten Seegr�nde gibt es hellh�utige Leute mit honigfarbenem Haar. K�nnte es sein, da� wir zuf�llig �ber eine Stadt aus der Vergangenheit gestolpert sind, die sich �ber die vielen Jahrtausende gerettet hat und von deren Existenz niemand mehr wu�te?�</p><p>Thuvia schaute zum Wald hin�ber, in den die gr�nen Horden und die sie verfolgenden Bogensch�tzen verschwunden waren.</p><p>Aus gro�er Ferne h�rten sie die schrecklichen Schreie der Banths und dann auch ein paar Sch�sse.</p><p>�Seltsam, da� sie nicht zur�ckkehren�, sagte das M�dchen.</p><p>�Man sollte doch eigentlich erwarten, da� Verwundete zur�ckgehinkt kommen oder von anderen zur Stadt getragen werden�, bemerkte Carthoris und runzelte nachdenklich die Brauen. �Aber was ist mit den Verwundeten, die sich noch in Stadtn�he befanden? Haben sie diese denn mitgenommen?</p><p>Oder wurden sie schon in die Stadt gebracht?�</p><p>Beide musterten das Kampfgebiet zwischen dem Podium und der Stadtmauer, wo der Kampf am heftigsten gewesen war.</p><p>Hier gab es noch viele Banths, welche knurrend ihre schauerliche Mahlzeit hielten.</p><p>Carthoris sah Thuvia erstaunt an. Dann deutete er auf das Feld hinaus.</p><p>�Wo sind sie?� fl�sterte er. �Was <emphasis>ist aus ihren Toten und Verwundeten geworden?</emphasis> �</p></section><section><title><p>6</p><p>Der Jeddak von Lothar</p></title><p>Das M�dchen sah ungl�ubig drein.</p><p>�Sie lagen doch in Stapeln da�, sagte Thuvia. �Es waren Tausende � noch vor wenigen Minuten.�</p><p>�Und jetzt�, stellte Carthoris fest, �sind nur einige Banths da und die Leichen der gr�nen M�nner.�</p><p>�Sie m�ssen Leute aus der Stadt geschickt haben, welche die Toten wegschafften, w�hrend wir miteinander sprachen�, vermutete Thuvia.</p><p>�Das ist unm�glich!� erwiderte Carthoris. �Mehr als tausend Tote lagen noch vor wenigen Minuten auf diesem Feld. Auch ein gro�er Trupp Leute h�tte ziemlich lange gebraucht, diese alle wegzuschaffen. Und wir h�tten sie auch unter allen Umst�nden bemerken m�ssen. Eine merkw�rdige Angelegenheit!�</p><p>�Und ich hatte gehofft, da� uns diese hellh�utigen Leute Asyl gew�hren w�rden�, seufzte Thuvia. �Sehen wir davon ab, da� sie auf dem Schlachtfeld eine ganz betr�chtliche Wildheit entwickelt haben; doch das war schlie�lich ihr gutes Recht, und sie m�ssen sich ja ihrer Haut wehren. Sonst erschienen sie mir jedoch nicht als sehr kriegerische und gef�hrliche Leute. Ich wollte dir schon vorschlagen, da� wir in die Stadt zu gelangen versuchen sollten, aber jetzt wei� ich nicht mehr recht, ob das vern�nftig ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ich sehr gerne unter Leuten weile, deren Tote sich einfach in Luft aufl�sen.�</p><p>�Dein Vater stellte mir einmal dieselbe Frage�, erz�hlte sie.</p><p>�Es war in den Galerien der Goldenen Klippen in den Bergen von Otz unter den Tempeln der Therns. Ich konnte es ihm damals nicht erkl�ren und kann es auch dir jetzt nicht sagen, denn ich wei� nicht, woher meine Macht �ber sie kommt. Aber seit dem Tag, da Sator Throg mich unter sie in die Banthgruben der Heiligen Therns warf und die Tiere friedlich zu meinen F��en lagen statt mich zu zerrei�en, hatte ich diese seltsame Macht �ber sie. Sie kommen, wenn ich sie rufe, und sie gehorchen mir aufs Wort. Nicht einmal euer treuer Wula k�nnte deinem Vater, dem m�chtigen Herrn, besser gehorchen.�</p><p>Mit einem Wort entlie� das M�dchen das gef�hrliche Rudel.</p><p>Br�llend kehrten sie zu ihrem unterbrochenen Mahl zur�ck, w�hrend Carthoris und Thuvia v�llig sicher zwischen ihnen zur Stadt gingen. Verwundert besah sich Carthoris die Leichen der gr�nen Krieger, die noch nicht von den Banths angefressen worden waren.</p><p>Er zeigte dem M�dchen, was ihm aufgefallen war. Aus den riesigen K�rpern ragten keine Pfeile, und nirgends wiesen sie t�dliche Wunden auf, ja nicht einmal Absch�rfungen oder kleinere Risse.</p><p>Und dabei waren die Leichen der Torquasianer wie mit t�dlichen Pfeilen gespickt gewesen, ehe die toten Bogensch�tzen sich in Luft aufgel�st hatten! Wohin waren die schlanken Todesbringer verschwunden? Welche unsichtbare Hand hatte sie aus den K�rpern der Gefallenen entfernt?</p><p>Das alles war so unheimlich, da� Carthoris f�hlte, wie ihm ein kalter Schauer �ber den R�cken lief. Als er jetzt zur Stadt schaute, war kein Lebenszeichen mehr wahrzunehmen, und auf der Mauerkrone und den D�chern bewegten sich keine Gestalten mehr. Alles war ruhig. Es herrschte eine unheiltr�chtige, br�tende Stille.</p><p>Und doch hatte Carthoris das sichere Gef�hl, da� hinter der dicken Mauer Augen waren, die sie beobachteten.</p><p>Er sah Thuvia an. Ihre gro�en Augen hingen am Stadttor. Er schaute in die Richtung ihres Blickes, doch er bemerkte nichts.</p><p>Sie schien seinen Blick zu sp�ren und aus einer Art Lethargie zu erwachen. Sie wandte sich ihm zu, und ein schnelles, tapferes L�cheln huschte um ihre Lippen. Dann trat sie an seine Seite und legte ihre Hand in die seine.</p><p>Er vermutete, da� sie das sehr impulsiv, fast unbewu�t tat, da� sie ihm damit um Schutz bat. Er legte ihr einen Arm um die Schultern, und so gingen sie weiter. Sie entzog sich diesem Arm nicht. Man mag daran zweifeln, da� sie diesen Arm bewu�t wahrnahm, so sehr war sie von dem Geheimnis dieser seltsamen Stadt gefangen.</p><p>Vor dem Tor blieben sie stehen. Es war sehr hoch und breit. Aus der Konstruktion und der Bauart konnte Carthoris schlie�en, da� es von undenkbarem Alter war.</p><p>Es war rund und hatte eine runde �ffnung. Carthoris wu�te aus seinen Studien, da� es wie ein riesiges Rad in eine Mauer�ffnung hineinrollte. Solche Tore gab es jedoch nicht einmal in so uralten St�dten wie Aaanthor, denn schon die damals lebenden Rassen hatten ihren Mechanismus nicht mehr gekannt.</p><p>Als er so dastand und �ber das vermutliche Alter dieser Stadt nachdachte, sprach ihn von oben her eine Stimme an. Beide schauten hinauf. �ber den Rand der hohen Mauer lehnte ein Mann.</p><p>Sein Haar war von der Farbe des Honigs, und seine Haut war sehr hell, viel heller sogar als die John Carters, des Mannes aus Virginia. Er hatte eine hohe Stirn und gro�e, kluge Augen.</p><p>Die Sprache, in der sich dieser Mann an die beiden unter der Mauer wandte, war verst�ndlich, wenn sie auch etwas fremdartig oder antiquiert klang und sich von der gegenw�rtig allgemeinen gesprochenen Sprache etwas unterschied.</p><p>�Wer seid ihr?� rief der Mann. �Und was sucht ihr hier vor dem Tor von Lothar?�</p><p>�Wir sind Freunde!� rief Carthoris hinauf. �Das hier ist die Prinzessin Thuvia von Ptarth, die von einer Horde der Torquasianer entf�hrt und gefangen wurde. Ich bin Carthoris Prinz von Helium aus dem Hause von Tardos Mors. Jeddak von Helium und Sohn von John Carter. Kriegsherr vom Mars und seiner Gattin Dejah Thoris.�</p><p>�Ptarth?� wiederholte der Mann. �Helium?� Er sch�ttelte den Kopf. �Von solchen Pl�tzen habe ich nie geh�rt, und ich wu�te auch nicht, da� es auf Barsoom eine Rasse eurer seltsamen Farbe gibt. Wo liegen diese St�dte, von denen du sprichst? Von unserem h�chsten Turm aus konnten wir niemals eine andere Stadt sehen als Lothar.�</p><p>Carthoris deutete nach Nordosten.</p><p>�In dieser Richtung liegen Helium und Ptarth�, antwortete er.</p><p>�Helium ist mehr als achttausend Haads von Lothar entfernt, w�hrend Ptarth neuntausendf�nfhundert Haads nord�stlich von Helium liegt.�</p><p>Aber der Mann sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Ich wei� nichts von jenseits der H�gel von Lothar�, sagte er. �Au�er den schrecklichen Horden von Torquas lebt drau�en nichts. Und diese gr�nen Horden haben ganz Barsoom erobert bis auf dieses einzige Tal und die Stadt Lothar. Hier haben wir sie seit undenklichen Zeiten abgewehrt, obwohl sie von Zeit zu Zeit ihren Versuch, uns zu vernichten, erneuern. Ich kann mir nicht vorstellen, woher ihr kommt, au�er ihr seid Nachkommen von Sklaven, die von den Torquasianern vor sehr langer Zeit gemacht wurden, als sie die gesamte Au�enwelt zu ihren Vasallen erkl�rten. Aber wir haben geh�rt, da� sie alle Rassen vernichtet haben, da� nur noch sie �brig sind.�</p><p>Carthoris versuchte dem Mann zu erkl�ren, da� die gr�nen Horden von Torquas nur �ber ein verh�ltnism��ig sehr wertloses und kleines Gebiet von Barsoom herrschten und das auch nur deshalb, weil die Rote Rasse an diesem Land nicht interessiert war. Der Lotharianer schien das alles nicht glauben zu wollen oder zu k�nnen, und er war wohl der Meinung, da� es au�erhalb von Lothar nur weglose W�ste gab, die ausschlie�lich von den grausamen gr�nen Horden bewohnt war.</p><p>Nach einigen �berredungsversuchen erkl�rte er sich schlie�lich bereit, die beiden in die Stadt einzulassen, und einen Moment sp�ter rollte das radf�rmige Tor in die Mauernische zur�ck, so da� Thuvia und Carthoris die Stadt Lothar betreten konnten.</p><p>Die Stadt war ungew�hnlich reich. Die Fassaden der H�user an der breiten Avenue waren mit Schnitzereien und Reliefs geschm�ckt, und um T�ren und Fenster lagen oft breite Rahmen aus edlen Steinen, gro�artige Mosaiken oder sogar goldene geh�mmerte oder ziselierte Platten, die anscheinend Teile der Geschichte dieses vergessenen Volkes wiedergaben.</p><p>Der Mann, mit dem sie gesprochen hatten, erwartete sie auf der Avenue. Ihn umgaben hundert oder mehr M�nner seiner Rasse.</p><p>Alle waren bartlos, und alle trugen lange, flie�ende, kostbare Gew�nder. Die Haltung dieser M�nner war weniger feindlich zu nennen, eher ein wenig �ngstlich und mi�trauisch. Sie folgten den beiden mit den Augen, aber keiner richtete das Wort an sie.</p><p>Zu seinem Staunen stellte Carthoris fest, da� keiner der M�nner Waffen trug, obwohl die Stadt noch vor wenigen Stunden von einer Horde blutr�nstiger gr�ner Teufel umgeben gewesen war. Nirgends war ein Soldat zu sehen. Vielleicht, �berlegte Carthoris, waren alle waffenf�higen M�nner hinter dem Feind dreingejagt, um ihn endg�ltig zu vertreiben, auch wenn sie dabei die Stadt ungesch�tzt zur�cklassen mu�ten. Dar�ber befragte er seinen Gastgeber.</p><p>Der Mann l�chelte.</p><p>�Kein Wesen au�er einigen unserer heiligen Banths hat heute Lothar verlassen�, erwiderte er.</p><p>�Aber die Soldaten� die Bogensch�tzen�� wandte Carthoris ein. �Wir sahen Tausende von ihnen durch dieses Tor kommen, die Horden von Torquas �berw�ltigen und sie mit ihren t�dlichen Pfeilen und den wilden Banths in die Flucht jagen.�</p><p>Aber der Mann l�chelte noch immer.</p><p>�Schaut!� rief er und deutete die Avenue entlang.</p><p>Carthoris und Thuvia folgten mit dem Blick seinem weisenden Finger. Im vollen Sonnenlicht kam ihnen eine gro�e Truppe schneidig marschierender Bogensch�tzen entgegen.</p><p>�Ah!� rief Thuvia. �Sie sind also durch ein anderes Tor zur�ckgekehrt! Oder sind das vielleicht die Truppen, die zur Verteidigung der Stadt zur�ckbehalten wurden?�</p><p>Wieder l�chelte der Mann seltsam.</p><p>�In Lothar gibt es keine Soldaten�, antwortete er. �Schaut!�</p><p>W�hrend er sprach, hatten sich ihm Thuvia und Carthoris zugewandt, doch jetzt drehten sie sich wieder zu den heranmarschierenden Regimentern um. Ihre Augen wurden gro� vor Staunen, denn die breite Avenue lag still und ruhig da wie eine Gruft.</p><p>�Und die, welche den gr�nen Horden entgegengezogen sind?� fl�sterte Carthoris. �Waren die auch nur eine Illusion?�</p><p>Der Mann nickte.</p><p>�Aber ihre Pfeile t�teten doch die gr�nen Krieger�, beharrte Thuvia.</p><p>�Wir wollen zu Tario gehen�, erwiderte der Lotharianer. �Er wird euch das sagen, was er f�r gut h�lt und was er glaubt, das ihr wissen m��t. Ich k�nnte euch vielleicht zuviel sagen.�</p><p>�Wer ist Tario?� wollte Carthoris wissen.</p><p>�Das ist der Jeddak von Lothar�, erkl�rte ihr F�hrer und ging mit ihnen die breite Avenue entlang, auf der vor wenigen Minuten noch ganze Regimenter von Phantombogensch�tzen marschiert waren.</p><p>Eine halbe Stunde lang gingen sie durch wundersch�ne Stra�en, und sch�nere H�user als jene, die zu beiden Seiten der herrlichen Avenuen standen, hatten sie noch nie gesehen. Nur wenig Menschen begegneten ihnen. Trotz ihrer Sch�nheit machte die Stadt einen recht verlassenen Eindruck.</p><p>Endlich kamen sie zum k�niglichen Palast. Carthoris sah ihn schon von weitem und wunderte sich, da� von einem so riesigen, herrlichen Geb�ude sowenig Aktivit�t und Leben ausging Auch hier war es ungew�hnlich ruhig.</p><p>Nicht ein einziger Posten stand vor dem gro�en Tor, und auch in den G�rten war kein W�rter oder W�chter zu sehen. Sonst sprudelt das Leben in der N�he eines k�niglichen Palastes doch �ber; wenigstens f�r die Rote Rasse traf das zu, und warum sollte das anderswo anders sein?</p><p>�Hier ist der Palast Tarios�, sagte ihr F�hrer.</p><p>Carthoris musterte den herrlichen, seltsamen Palast. Er rieb sich die Augen, sch�ttelte den Kopf und rieb sich wieder die Augen.</p><p>Nein, er mu�te sich irren. Oder doch nicht? Vor dem massiven Tor stand n�mlich ein ganzer Trupp Wachen. Die breite Stra�e, die vom Tor zum Hauptgeb�ude f�hrte, war auf beiden Seiten mit dichten Reihen von Bogensch�tzen einges�umt. In den G�rten standen Offiziere und Soldaten, und viele eilten hin und her, so als seien sie sehr besch�ftigt und mit Pflichten �berladen.</p><p>Was waren das f�r Menschen, die ganze Armeen aus der Luft zaubern konnten? Carthoris sah Thuvia an. Auch sie schien diese Ver�nderung bemerkt zu haben. Sie dr�ckte sich ein wenig fester an ihn, als suche sie bei ihm eine Wirklichkeit, die sie in ihrer Umgebung nicht mehr finden konnte.</p><p>�Was h�ltst du davon?� fl�sterte sie ihm zu. �Das ist au�erordentlich ungew�hnlich.�</p><p>�Ich wei� gar nichts damit anzufangen�, erwiderte Carthoris.</p><p>�Vielleicht sind wir wahnsinnig geworden.�</p><p>Carthoris wandte sich schnell an den Lotharianer. Der Mann lachte breit.</p><p>�Ich dachte, du sagtest doch eben, es gebe in Lothar keine Soldaten. Und was ist das hier?� Er deutete auf die vielen Bogensch�tzen und Offiziere.</p><p>�Frag doch Tario�, erwiderte der Mann. �Wir werden sehr bald vor ihm stehen.�</p><p>Wenig sp�ter betraten sie einen hohen Saal. Am anderen Ende, der T�r gegen�ber, stand auf einer Estrade eine sehr �ppige Couch, auf der ein Mann sa� und sich behaglich zur�cklehnte.</p><p>Als sich das Trio n�herte, wandte ihnen der Mann schl�frige, vertr�umte Augen zu. Zwanzig Fu� vor der Estrade blieb ihr F�hrer stehen und fl�sterte Thuvia und Carthoris zu, sie sollten seinem Beispiel folgen. Er warf sich in voller L�nge auf den Boden, erhob sich dann auf H�nde und Knie und kroch so dem Thron entgegen. Dazu schwang er seinen Kopf hin und her und wand seinen K�rper so wie ein Hund, der seinem Herrn entgegenkriecht.</p><p>Thuvia warf Carthoris einen raschen Blick zu. Er blieb auf recht stehen, hatte den Kopf stolz zur�ckgeworfen und die Arme vor der breiten Brust gekreuzt. Um seinen Mund lag ein hochm�tiges L�cheln. Der Mann auf der Couch musterte ihn scharf, aber Carthoris von Helium blickte ihn unverwandt an.</p><p>�Wer ist dieser da, Jav?� fragte der Mann auf der Couch jenen, der �ber den Boden kroch.</p><p>�O Tario, glorreichster aller Jeddaks�, erwiderte Jav, �diese sind Fremde, die mit den Horden der gr�nen M�nner von Torquas kamen. Sie n�herten sich unserem Tor und behaupteten, sie seien Gefangene der gr�nen M�nner. Und sie erz�hlen seltsame Geschichten von St�dten, die weit von Lothar entfernt sein sollen.�</p><p>�Erhebe dich, Jav�, befahl Tario. �Frag diese beiden, weshalb sie Tario nicht den ihm zukommenden Respekt erweisen wollen.�</p><p>Jav erhob sich und sah die Fremden an. Er wurde totenbla�, als er entdeckte, da� sie sich nicht auf den Boden gelegt hatten, und mit einem Satz sprang er sie an.</p><p>�Elende!� schrie er. �Hinunter mit euch! Werft euch auf eure elenden B�uche vor dem letzten der Jeddaks von Barsoom!�</p></section><section><title><p>7</p><p>Phantom-Bogensch�tzen</p></title><p>Als Jav ihn ansprang, legte Carthoris seine Hand auf den Knauf seines Langschwertes. Der Lotharianer blieb unvermittelt stehen.</p><p>Der Saal war leer bis auf die vier Personen auf der Estrade, doch als Jav vor der Drohung des Schwertes aus Helium zur�ckwich, fand sich der junge Prinz pl�tzlich von einer ganzen Horde Bogensch�tzen umringt.</p><p>Woher waren die so pl�tzlich gekommen? Carthoris und Thuvia sahen einander verbl�fft an.</p><p>Der junge Prinz zog sein Schwert, und die Bogensch�tzen spannten ihre Bogen.</p><p>Tario hatte sich, auf einen Ellbogen gest�tzt, halb erhoben.</p><p>Jetzt zum erstenmal sah er das M�dchen Thuvia in ihrer ganzen Gestalt, denn vorher war sie von Carthoris fast v�llig verdeckt gewesen.</p><p>�Genug!� schrie der Jeddak und hob eine protestierende Hand, doch im selben Moment zischte das Schwert des Prinzen aus Helium durch die Luft.</p><p>Als die scharfe Klinge den Gegner eigentlich um einen Kopf k�rzer machen sollte, lie� Carthoris verwirrt die Schwertspitze sinken, und mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen trat er zur�ck. Best�rzt legte er die linke Hand �ber die Stirn. Sein Schwert hatte nichts als nur leere Luft durchschnitten, denn sein Gegner war verschwunden gewesen, einfach verschwunden! Es gab im ganzen Saal nicht einen einzigen Bogensch�tzen.</p><p>�Diese Leute k�nnen nichts anderes als Fremde sein�, sagte Tario zu Jav. �La� uns erst einmal eindeutig feststellen, da� sie uns wissentlich beleidigt haben, damit wir danach unser Strafma� bestimmen k�nnen.�</p><p>Er wandte sich an Carthoris, doch immer wieder schweifte sein Blick zu Thuvia, deren wundervolle Gestalt es ihm angetan zu haben schien. Der Harnisch einer Prinzessin von Barsoom enth�llte mehr als er verbarg.</p><p>�Wer seid ihr�, fragte er, �da� ihr nicht die Etikette kennt, die am Hof des letzten der Jeddaks von Barsoom �blich ist?�</p><p>�Ich bin Carthoris, Prinz von Helium�, erwiderte der junge Mann, �und das hier ist Thuvia, Prinzessin von Ptarth. An den H�fen unserer V�ter f�llt niemand vor den K�nigen zu Boden.</p><p>Niemand auf ganz Barsoom ist mehr vor einer anderen Person auf dem Bauch gekrochen, seit die Erstgeborenen ihre unsterbliche G�ttin Glied f�r Glied zerrissen haben. Glaubst du wirklich, da� die Tochter eines m�chtigen Jeddaks und der Sohn eines anderen sich selbst so dem�tigen w�rden?�</p><p>Tario sah Carthoris lange an. Endlich sprach er.</p><p>�Auf Barsoom gibt es keinen anderen Jeddak als Tario�, erwiderte er. �Es gibt auch keine andere Rasse als die von Lothar, au�er man �bersch�tzt die Torquas, indem man diese gr�nen Horden auch als Menschen bezeichnet. Die Lotharianer sind wei�. Eure Haut ist rot. Auf Barsoom gibt es keine Frauen mehr. Deine Gef�hrtin ist eine Frau.�</p><p>Er erhob sich halb und beugte sich weit vorw�rts. Mit einem anschuldigenden Finger wies er auf Carthoris.</p><p>�Du bist eine L�ge, ein Betrug!� kreischte er. �Ihr beide seid L�gen, und ihr wagt es, vor Tario zu kommen, den letzten und m�chtigsten aller Jeddaks von Barsoom und zu behaupten, da� ihr Wirklichkeit seid? Daf�r, Jav, wird jemand teuer zu bezahlen haben. Und wenn ich mich nicht sehr irre, warst du es, der in seiner Oberfl�chlichkeit die Gutm�tigkeit seines Jeddaks so mi�braucht.</p><p>Den Mann bringst du weg, doch die Frau bleibt hier. Wir werden sehen, ob sie beide L�gner sind. Und sp�ter, Jav, wirst du f�r deine Frechheit b��en. Nur noch wenige von uns sind �brig, und Komal mu� gef�ttert werden. Und jetzt geh!�</p><p>Carthoris bemerkte, wie sehr Jav zitterte, als er sich vor seinem Herrscher auf den Boden warf, sich wieder erhob und an den Prinzen von Helium wandte.</p><p>�Komm!� forderte er ihn auf.</p><p>�Und die Prinzessin von Ptarth soll ich hier allein zur�cklassen?� rief er.</p><p>Jav ging ganz nahe an ihm vorbei. �Folge mir�, fl�sterte er.</p><p>�Ihr geschieht nichts. Er kann ihr nichts zuleide tun, au�er er will sie t�ten. Und das kann er tun, ob du nun bleibst oder nicht.</p><p>Vertraue mir. Wir gehen am besten jetzt sofort weg.�</p><p>Das verstand Carthoris zwar nicht, aber etwas in der dr�ngenden Stimme des anderen gab ihm ein wenig Sicherheit, und so drehte er sich um, warf aber Thuvia noch einen Blick zu, der ihr sagen sollte, er verlasse sie nun in ihrem eigenen besten Interesse.</p><p>Sie schien ihn aber nicht zu begreifen. Entr�stet wandte sie ihm den R�cken zu, ma� ihn aber vorher noch mit einem so ver�chtlichen Blick, da� ihm das Blut in die Wangen stieg.</p><p>Er z�gerte, doch Jav packte sein Handgelenk.</p><p>�Komm!� dr�ngte er. �Oder er wird dir seine Bogensch�tzen an den Hals schicken. Diesmal entkommst du ihnen aber nicht mehr. Hast du nicht gesehen, wie wenig dein Schwert gegen d�nne Luft ausrichten kann? �</p><p>Widerwillig wandte sich Carthoris ab, um ihm zu folgen. Als die beiden den Saal verlassen hatten fragte er seinen F�hrer:</p><p>�Wenn ich d�nne Luft nicht t�ten kann, wieso habe ich dann zu f�rchten, da� d�nne Luft mich t�tet?�</p><p>�Hast du nicht die Torquasianer von den Bogensch�tzen fallen sehen?� entgegnete Jav.</p><p>Carthoris nickte.</p><p>�So w�rdest auch du fallen, und du h�ttest nicht die kleinste M�glichkeit, dich zu verteidigen oder zu r�chen.�</p><p>Jav f�hrte Carthoris zu einem kleinen Raum in einem der zahlreichen T�rme des Palastes. Hier gab es Diwane und Sitzgelegenheiten, und Jav forderte ihn auf, Platz zu nehmen.</p><p>Einige Minuten lang musterte nun der Lotharianer seinen Gast, oder besser gesagt: seinen Gefangenen, denn Carthoris war sich dar�ber klar, da� er einer war.</p><p>�Fast bin ich schon �berzeugt, da� du wirklich bist�, sagte Jav.</p><p>Carthoris lachte schallend.</p><p>�Nat�rlich bin ich wirklich�, versicherte ihm der junge Heliumite. �Warum zweifelst du daran? Kannst du mich nicht sehen? Nicht f�hlen?�</p><p>�So kann ich auch die Bogensch�tzen sehen und f�hlen�, erwiderte Jav. �Und trotzdem wissen wir alle, da� sie nicht echt sind.�</p><p>Carthoris� Miene lie� deutlich erkennen, wie sehr ihn diese Antwort verwirrte. Diese st�ndig auftauchenden und wieder verschwindenden Bogensch�tzen von Lothar waren ja auch wirklich ein erstaunliches und verbl�ffendes R�tsel.</p><p>�Was k�nnten sie dann sein? �fragte er.</p><p>�Das wei�t du wirklich nicht?� staunte Jav.</p><p>Carthoris sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Fast m�chte ich glauben, da� du uns die Wahrheit gesagt hast, da� du wirklich aus einem anderen Teil Barsooms stammst, vielleicht auch von einer anderen Welt. Aber sag mir doch, habt ihr denn in eurem Land keine Bogensch�tzen, um die Herzen der gr�nen Horden in Angst und Schrecken zu versetzen? Und habt ihr keine Kampfbanths, die den Bogensch�tzen bei der Vernichtung der Feinde helfen?�</p><p>�Wir haben Soldaten�, erkl�rte ihm Carthoris. �Wir von der Roten Rasse sind alle Soldaten, aber wir haben keine solchen Bogensch�tzen wie ihr, die uns verteidigen k�nnten. Wir verteidigen uns selbst.�</p><p>�Dann m��t ihr ja aus eurer Stadt heraus und euch von den Feinden totschlagen lassen!� rief Jav ungl�ubig.</p><p>�Sicher�, best�tigte Carthoris. �Wie machen es denn die Lotharianer?�</p><p>�Das hast du doch gesehen�, antwortete Jav. �Wir schicken unsere todeslosen Bogensch�tzen aus, und sie sind todlos, weil sie auch ohne Leben sind. Sie bestehen nur in der Einbildung unserer Feinde. Unsere unglaublich starken Geister besch�tzen uns in Wirklichkeit, denn sie schicken Legionen von Phantomsoldaten aus, die sich vor den Augen der Feinde materialisieren.</p><p>Sie sehen diese Soldaten. Sie sehen, wie sie ihre Bogen spannen, und sie sehen auch, wie die schlanken Pfeile davonschwirren und mit unglaublicher Pr�zision und unfehlbarer Sicherheit das Herz des Feindes treffen. Und unsere Feinde sterben � von der Kraft unserer Suggestion.�</p><p>�Aber es gibt doch auch get�tete Bogensch�tzen!� rief Carthoris. �Du nennst sie todlos, und doch sah ich ihre Leichen in Stapeln und Haufen auf dem Schlachtfeld liegen. Wie soll das m�glich sein?�</p><p>�Oh, das geschieht nur deshalb, um die Szene mit einem Schein Wirklichkeit zu umgeben�, erwiderte Jav. �Wir suggerieren unseren Feinden, da� sie eine Anzahl unserer Verteidiger get�tet haben, damit die Torquasianer nicht auf die Idee kommen, die Bogensch�tzen seien nicht aus Fleisch und Blut.</p><p>W�rden sie erst einmal daran zweifeln, dann w�re der n�chste Schritt der, da� sie auch nicht mehr an die t�dlichen Pfeile glauben w�rden. Viele von uns sind dieser Meinung, und fast alle sind davon �berzeugt, da� wir unglaubliche Kr�fte aufwenden m��ten, um �berhaupt noch eine Suggestion aufrechterhalten zu k�nne. Das ist bei uns eine Art Gesetz.�</p><p>�Und was ist mit den Banths?� wollte Carthoris wissen. �Sind sie auch nur Kreaturen eurer Suggestionskraft?�</p><p>�Einige von ihnen sind echt�, sagte Jav. �Die aber, die zusammen mit unseren Bogensch�tzen die Torquasianer in die Flucht schlugen, waren unwirklich. Wie die Bogensch�tzen kamen sie niemals zur�ck. Sie hatten ihren Zweck erf�llt und konnten zusammen mit diesen verschwinden, sobald die Flucht des Feindes bewirkt war.</p><p>Die Banths, die auf dem Schlachtfeld blieben, waren jedoch wirklich. Man lie� sie los, um die toten Torquas aufzufressen, und sie dienen uns dazu, diesen Unrat zu beseitigen. Die Realisten unter uns fordern das. Ich bin Realist. Tario ist �theralist.</p><p>Die �theralisten bestehen darauf, da� es so etwas wie Materie �berhaupt nicht gibt, da� alles nur Geist ist. Sie sagen, keiner von uns existiere oder nur in der Fantasie seiner Gef�hrten.</p><p>In Wirklichkeit sei jeder nur eine ungreifbare, unsichtbare Mentalit�t.</p><p>Wenn Tario recht hat, dann ist es nur n�tig, da� sich alle bei uns vorstellen, es gebe keine toten Torquasianer jenseits unserer Mauern, und dann seien auch wirklich keine da. Deshalb brauchten wir auch keine aasfressenden Banths.�</p><p>�Du glaubst also nicht an das, was Tario glaubt?� rief Carthoris.</p><p>�Nur teilweise�, erwiderte der Lotharianer. �Ich glaube, das hei�t, ich wei� es sogar, da� es wirklich �therische Kreaturen gibt. Tario ist eine, davon bin ich �berzeugt. Er existiert nicht � au�er in der Einbildung seines Volkes.</p><p>Wir Realisten sind nat�rlich davon �berzeugt, da� alle �theralisten nur Produkte der Einbildungskraft sind. Sie behaupten n�mlich, da� keine Nahrung n�tig sei, und sie essen auch nicht. Aber jeder von uns, der wenigstens mit einer ganz rudiment�ren Intelligenz ausgestattet ist, mu� doch zugeben, da� Nahrung n�tig ist f�r Kreaturen, die wirklich existieren.�</p><p>�Ja, nat�rlich�, pflichtete ihm Carthoris bei. �Ich wei� das recht genau, denn ich habe heute noch keinen Happen gegessen.�</p><p>�Oh, verzeih bitte!� rief Jav. �Bitte, nimm doch Platz und stille deinen Hunger!� Mit einer auffordernden Handbewegung wies er auf einen �ppig beladenen Tisch hin, der in dem Augenblick, als er sprach, noch nicht dagestanden hatte. Das h�tte Carthoris beschw�ren m�gen, denn er hatte sich recht genau im Raum umgesehen. �Du hast Gl�ck gehabt, da� du nicht in die H�nde der �theralisten gefallen bist�, fuhr Jav fort. �Da h�ttest du n�mlich hungern m�ssen.�</p><p>�Aber das ist doch keine echte Nahrung!� rief Carthoris. �Der Tisch stand vor einem Augenblick noch nicht da, und richtige, echte Nahrung materialisiert sich nicht aus der leeren Luft heraus.�</p><p>Jav sah sehr gekr�nkt drein.</p><p>�In Lothar gibt es keine echte Nahrung und kein echtes Wasser�, erkl�rte er. �Seit unendlichen Zeiten gibt es das nicht mehr. Von dem, was du hier siehst, existieren wir seit grauer Vorzeit. Und du kannst ebenso gut davon existieren wie wir.�</p><p>�Und ich dachte, doch, du h�ttest vorher behauptet, ein Realist zu sein?� rief Carthoris.</p><p>�Aber�, rief Jav. �was kann denn noch wirklicher sein, als diese �ppige Mahlzeit hier? Siehst du, darin liegt der Unterschied zwischen uns Realisten und den �theralisten. Sie behaupten, es sei v�llig unn�tig, sich Nahrung vorzustellen, aber wir haben gefunden, da� es zur Erhaltung des Lebens n�tig ist, dreimal am Tag eine herzhafte Mahlzeit zu sich zu nehmen.</p><p>Die Nahrung, die man zu sich nimmt, wird w�hrend des Verdauungsprozesses gewissen chemischen Ver�nderungen unterworfen. Sie wird in ihre Bestandteile aufgespalten, und das Ergebnis davon ist die Erhaltung und Neubildung von Gewebe.</p><p>Nun wissen wir aber, da� der Geist alles ist. Nat�rlich gehen die Interpretationen �ber seine verschiedenen Manifestationen ein wenig auseinander. Tario ist der Meinung, so etwas wie Substanz gebe es nicht. Alles sei nur eine Sch�pfung des substanzlosen Gehirns.</p><p>Wir Realisten wissen das jedoch besser. Wir wissen zum Beispiel, da� der Geist die F�higkeit hat. Substanz zu erhalten, wenn er sie auch nicht schaffen kann. Nun, letzteres ist vermutlich noch eine recht offene Frage. Wir wissen daher auch, da� wir zu Erhaltung unserer physischen K�rper daf�r sorgen m�ssen, da� alle Organe so funktionieren, wie sie sollen.</p><p>Das erreichen wir durch eine Materialisierung der Essens-Gedanken und dadurch, da� wir die damit geschaffene Nahrung auch zu uns nehmen. Wir kauen, wir schlucken, wir verdauen.</p><p>Alle unsere Organe funktionieren genauso, als h�tten wir eine echte Mahlzeit zu uns genommen. Und was ist das Ergebnis?</p><p>Es kann kein anderes geben� Die chemischen Ver�nderungen werden vollzogen durch direkte und indirekte Suggestion, und wir leben und erhalten uns auch am Leben.�</p><p>Carthoris musterte mi�trauisch die vor ihm stehende Mahlzeit.</p><p>Sie schien sehr echt zu sein. Er hob ein St�ckchen davon an seine Lippen. Es hatte tats�chlich Substanz. Und Geschmack! Jawohl, auch sein Gaumen lie� sich t�uschen und davon �berzeugen.</p><p>Jav beobachtete ihn l�chelnd, w�hrend er a�.</p><p>�Ist das nicht sehr zufriedenstellend?� fragte er.</p><p>�Ich gebe zu, da� es eine ausgezeichnete und s�ttigende Mahlzeit ist�, antwortete Carthoris. �Aber sag mir doch, wie leben Tario und die anderen �theralisten, die der �berzeugung sind, Nahrung sei �berfl�ssig?�</p><p>Jav kratzte sich nachdenklich den Kopf.</p><p>��ber diese Frage diskutieren wir recht h�ufig�, gab er zu.</p><p>�Sie ist praktisch unser st�rkster Beweis gegen die �theralisten: aber wer soll das sonst wissen als Komal?�</p><p>Jav beugte sich tief hinunter zum Ohr des sitzenden Prinzen, schaute sich aber vorher noch �ngstlich um.</p><p>Jav beugte sich tief hinunter zum Ohr des sitzenden Prinzen, schaute sich aber vorher noch �ngstlich um.</p><p>�Komal ist die Essenz�, fl�sterte er. �Selbst die �theralisten m�ssen zugeben, da� der Geist Substanz braucht, um der Vorstellungskraft die Erscheinung der Substanz zu vermitteln.</p><p>G�be es n�mlich keine Substanz, so k�nnte sie ja auch nicht suggeriert werden. Was nie war, kann man sich auch nicht vorstellen. Kannst du mir folgen?�</p><p>�Oh, ich komme mit�, erwiderte Carthoris trocken.</p><p>�Also mu� die Essenz eine Substanz sein�, fuhr Jav fort. �</p><p>Komal ist die Essenz des All, so wie es ist. Er wird von der Substanz erhalten. Er i�t. Er i�t die Wirklichkeit. Um genau zu sein � er i�t die Realisten. Und das ist Tarios Werk.</p><p>Er sagt n�mlich, wenn wir schon behaupten, da� wir allein Wirklichkeit seien, dann m��ten wir konsequent bleiben und zugeben, da� wir auch die einzig wahre Nahrung f�r Komal w�ren. Manchmal, so wie heute, finden wir andere Nahrung f�r ihn Torquasianer sind seine Leibspeise.�</p><p>�Und Komal ist ein Mensch?� wollte Carthoris wissen.</p><p>�Er ist das All, das sagte ich dir doch�, entgegnete Jav �Ich wei� nicht, wie ich es dir mit Worten begreiflich machen soll.</p><p>Er ist der Anfang und das Ende. Alles Leben entstr�mt Komal, denn die Substanz, die das Gehirn mit Vorstellungskraft ern�hrt, strahlt vom Leib Komals aus.</p><p>Sollte Komal einmal zu essen aufh�ren, dann w�rde alles Leben auf Barsoom aufh�ren. Er kann nicht sterben, aber er k�nnte zu essen aufh�ren. Tut er das, dann k�nnte er auch nicht mehr strahlen.�</p><p>�Und er n�hrt sich von Menschen? Von M�nnern und Frauen eures Glaubens?�</p><p>�Frauen?� tat Jav erstaunt. �Frauen? Es gibt keine Frauen in Lothar. Das letzte weibliche Wesen ist schon seit unendlich langer Zeit auf einer grausamen, schrecklichen Reise �ber die sumpfigen Ebenen an der austrocknenden See verschwunden. Damals jagten uns die gr�nen Horden quer �ber diese Welt zu unserem letzten Versteck, unserer uneinnehmbaren Festung Lothar.</p><p>Wir waren eine Rasse von unz�hligen Millionen. Kaum zwanzigtausend M�nner erreichten lebend Lothar. Es gab keine Frauen und Kinder mehr. Alle waren unterwegs umgekommen.</p><p>Die Zeit ging weiter, und einer nach dem anderen starb.</p><p>Unsere Rasse ging immer mehr dem Ausl�schen entgegen.</p><p>Da wurde uns die Gro�e Wahrheit enth�llt, da� der Geist das All ist. Noch viele starben, ehe wir unsere Kraft entwickelten, aber schlie�lich gelang es uns, den Tod zu besiegen, als wir ganz begriffen hatten, da� der Tod nur ein Zustand des Geistes ist.</p><p>Dann kam die Erschaffung der Geist-Leute, oder besser gesagt: die Materialisierung der Vorstellungen. Zum erstenmal ben�tzten wir diese Erkenntnis praktisch, als die Torquasianer unser Versteck entdeckten, und zum Gl�ck f�r uns brauchten sie f�r ihre Suche Jahrhunderte, bevor sie den einzigen winzigen Zugang zum Tal Lothar entdeckten.</p><p>An jenem Tag warfen wir ihnen unsern ersten Bogensch�tzen entgegen. Wir hatten damals eigentlich nur die Absicht, sie abzuschrecken durch die zahllosen Bogensch�tzen, die wir auf unsere Mauern und D�chern materialisierten. Ganz Lothar flo� �ber von Pfeilen und Bogen.</p><p>Aber die Torquasianer lie�en sich nicht erschrecken. Sie stehen unter den Tieren, denn sie kennen keine Angst. Sie erst�rmten unsere Mauern, und einer stellte sich auf die Schultern eines anderen, um �ber eine menschliche Leiter die Mauerkrone zu erreichen. Es h�tte nicht mehr lange gedauert, dann w�ren sie in die Stadt eingefallen und h�tten uns �berw�ltigt.</p><p>Nicht ein einziger Pfeil war von unsere Bogensch�tzen abgeschossen worden. Wir hatten nur daf�r gesorgt, da� sie auf der Mauerkrone hin und her liefen, schrille Schreie ausstie�en und dem Feind Drohungen zuschrien.</p><p>Sp�ter dachte ich daran, die Sache ein wenig auszubauen und <emphasis>das gro�e Ding</emphasis> zu vollbringen. Ich konzentrierte also meinen m�chtigen Intellekt auf die Bogensch�tzen meiner eigenen Sch�pfung, denn jeder von uns produziert und leitet so viele Bogensch�tzen, wie seine geistige Kraft und Vorstellungswelt zulassen.</p><p>Ich veranlagte sie, Pfeile auf ihre Bogen zu legen, und das taten sie dann auch zum erstenmal. Ich lie� sie auf die Herzen der gr�nen Krieger zielen. Das alles lie� ich die gr�nen M�nner auch sehen, und dann sahen sie, wie die Pfeile flogen, und ich lie� sie schlie�lich denken, da� diese Pfeile ihre Herzen durchbohrten.</p><p>Mehr war nicht n�tig. Zu Hunderten st�rzten sie von unserer Mauer, und als meine Gef�hrten sahen, was mir gelungen war, folgten sie sehr schnell meinem Beispiel, so da� sich die gr�nen Horden der Torquasianer blitzartig der Reichweite unserer Pfeile entzogen.</p><p>Nat�rlich h�tten wir sie auf jede Entfernung hin t�ten k�nnen, aber wir hielten von Anfang an eine Regel ein � die des Realismus.</p><p>Wir tun nichts und lassen unsere Bogensch�tzen nichts tun � wenigstens nicht im Angesicht unserer Feinde � was diese nicht verstehen k�nnen. Sonst k�nnten sie ja die Wahrheit ahnen, und das w�re unser Ende.</p><p>Nachdem sich die Torquasianer aus der Reichweite unserer Bogensch�tzen zur�ckgezogen hatten, griffen sie uns mit ihren schrecklichen Flinten und Kanonen an, und diese ununterbrochenen Angriffe machten uns das Leben innerhalb unserer Mauern zur H�lle.</p><p>Deshalb kam ich auf den Plan, unsere Bogensch�tzen durch die Tore auf sie zu hetzen. Du hast doch heute gesehen, wie das wirkt!</p><p>Seit undenkbaren Zeiten greifen sie uns immer wieder an, und immer ist das Ergebnis das gleiche.�</p><p>�Und das ist alles nur ein Produkt deines Intellekts?� fragte Carthoris verwundert. �Dann m��test du doch im Rat deines Volkes eine sehr geachtete Stellung einnehmen.�</p><p>�Ich bin auch�, erwiderte Jav mit einigem Stolz, �nach Tario der n�chste.�</p><p>�Aber weshalb kriechst du dann auf dem Bauch zu seinem Thron?�</p><p>�Das verlangt Tario. Er ist sehr eifers�chtig auf mich. Ihm w�rde die geringste Entschuldigung gen�gen, mich an Komal zu verf�ttern. Er f�rchtet, ich k�nnte eines Tages seine Macht untergraben, verstehst du?�</p><p>Carthoris sprang pl�tzlich auf.</p><p>�Jav!� rief er. �Ich bin doch ein gieriges Tier! Hier sitze ich und f�lle meinen Magen mit diesen K�stlichkeiten, w�hrend die Prinzessin von Ptarth wahrscheinlich noch gr��lichen Hunger leidet. Wir wollen deshalb in den Saal zur�ckkehren und ihr einiges Essen bringen.�</p><p>Der Lotharianer sch�ttelte den Kopf. �Das w�rde Tario nie erlauben! Er wird ohne Zweifel eine �theralistin aus ihr machen.�</p><p>�Aber ich mu� zu ihr!� beharrte Carthoris. �Du sagst, in Lothar gibt es keine Frauen. Dann ist sie ja nur unter M�nnern, und wenn das so ist, mu� ich in ihrer N�he bleiben, um sie notfalls verteidigen zu k�nnen.�</p><p>�Tario setzt seinen Willen durch�, erkl�rte ihm Jav. �Er hat dich weggeschickt, und du darfst nicht zur�ckkommen, ehe er nach dir verlangt.�</p><p>�Dann gehe ich selbst und warte nicht auf seine Aufforderung, da� ich kommen soll.�</p><p>�Aber vergi� die Bogensch�tzen nicht�, warnte Jav.</p><p>�Nein, die vergesse ich schon nicht�, erwiderte Carthoris, doch er deutete Jav gegen�ber nicht an, da� ihm noch etwas eingefallen war, das der Lotharianer hatte fallen lassen.</p><p>Carthoris ging zur T�r. Jav trat vor ihn und versperrte ihm den Weg.</p><p>�Roter Mann, ich mag dich gern�, sagte er. �Vergi� aber nicht, da� Tario noch immer mein Jeddak ist und da� Tario befohlen hat, da� du hier bleiben sollst.�</p><p>Carthoris setzte zu einer Antwort an, als der schwache Hilfeschrei einer Frau an seine Ohren drang.</p><p>Mit einer kraftvollen Handbewegung schob der Prinz von Helium den Lotharianer zur Seite, und mit gezogenem Schwert rannte er in den Korridor hinaus.</p></section><section><title><p>8</p><p>Die Halle des Verh�ngnisses</p></title><p>Als Thuvia von Ptarth sah, da� Carthoris sie mit dem Mann Tario allein lie�, bekam sie pl�tzlich schreckliche Angst.</p><p>Der pr�chtige Saal war in sich schon ein Geheimnis. Die M�bel und die ganze Ausstattung sprachen von Reichtum und Kultur, und man konnte annehmen, da� dieser Saal oft genug der Schauplatz pr�chtigster k�niglicher Funktionen war, f�r die er auch geschaffen schien.</p><p>Und doch war nirgends, weder hier noch im Vorzimmer, auch nur das geringste Zeichen daf�r zu finden, da� noch ein anderes Lebewesen in der N�he weilte. Der Jeddak von Lothar lehnte mit halbgeschlossenen Augen auf seiner mit kostbaren Seiden und Fellen geschm�ckten Couch und musterte sie.</p><p>Das dauerte ziemlich lange, aber schlie�lich sprach er doch.</p><p>�Komm n�her�, befahl er, und sie gehorchte. �Wessen Kreatur bist du? Wer hat es gewagt, seine Vorstellung einer Frau zu materialisieren? Das widerspricht den Sitten und dem k�niglichen Edikt von Lothar. Sag mir, Frau, aus welchem Gehirn bist du entsprungen? Aus dem Javs? Nein, leugne es nicht. Er kann es nicht lassen, mich versuchen zu wollen. So etwas kann nur einem neidigen Realisten einfallen. Er h�tte es nur allzu gern, wenn ich deinen Reizen zum Opfer fiele, denn dann w�rde n�mlich er, dein Meister, mein Geschick bestimmen � und mein Ende. Ich sehe alles ganz genau!�</p><p>�ber Thuvias Gesicht war eine rote Welle des Zorns �ber soviel W�rdelosigkeit gegangen. Sie hab ihr Kinn, und um ihren sch�nen Mund lag ein hochm�tiger Zug.</p><p>�Ich wei� nichts!� rief sie. �Gar nichts wei� ich von dem, was du da andeutest! Ich bin Thuvia, Prinzessin von Ptarth. Ich bin keines Mannes Kreatur. Von dem heutigen Tag habe ich den Mann, den du Jav nennst, nicht einmal gesehen, auch nicht deine l�cherliche Stadt, von der keine Nation auf Barsoom etwas wei� oder auch nur ahnt.</p><p>Und meine Reize sind nicht f�r dich bestimmt, merk dir das.</p><p>Auch nicht f�r Deinesgleichen. Sie sind nicht zu kaufen oder zu verschachern, auch dann nicht, wenn der Preis ein richtiger Thron w�re. Und da� ich sie ben�tzen k�nnte, um deine mehr als d�rftige, unn�tze Macht an mich zu rei�en�� Sie vollendete den Satz nicht, zuckte aber vielsagend ihre sch�nen Achseln und lachte ver�chtlich dazu.</p><p>Tario sa� nun am Rand seiner Couch, hatte die F��e auf dem Boden und starrte sie an. Er beugte sich vorw�rts, und seine Augen wirkten jetzt gar nicht mehr verschlafen, sondern verbl�fft und h�chst verwundert.</p><p>Die Hoheit ihrer Worte und ihrer Haltung schien er nicht zu bemerken. Sie schien etwas viel Zwingenderes und Erstaunlicheres an sich zu haben.</p><p>Dann stand er langsam auf.</p><p>�Bei den F�ngen Komals!� murmelte er.� <emphasis>Aber du bist ja echt!</emphasis></p><p><emphasis>Du bist eine echte, lebendige Frau aus Fleisch und Blut!</emphasis> Kein Traum! Keine n�rrische und eitle Ausgeburt eines Geistes!�</p><p>Mit ausgestreckten H�nden ging er auf sie zu.</p><p>�Komm�, fl�sterte er. �Komm, Frau! Seit unz�hligen Jahren habe ich davon getr�umt, da� du eines Tages doch noch kommen w�rdest. Und jetzt bist du hier, und kaum wage ich dem Zeugnis meiner Augen zu trauen. Selbst jetzt f�rchte ich noch, da� du doch nur ein Traum, ein Fantasiegebilde bist, und ich wei� doch, da� ich dich sehe.�</p><p>Thuvia wich zur�ck. Sie hielt den Mann f�r total verr�ckt.</p><p>Ihre Hand stahl sich vorsichtig zum juwelenbesetzten Griff ihres Dolches. Der Mann sah die Bewegung und schwieg. Ein schlauer Ausdruck kam in seine Augen. Dann wurden sie wieder tr�umerisch, dann durchdringend, und nun bohrten sie sich in das Gehirn des M�dchens.</p><p>Thuvia sp�rte pl�tzlich, wie in ihr eine Ver�nderung vorging.</p><p>Sie wu�te nicht, was der Grund daf�r war. Doch der Mann vor ihr schien eine neue Beziehung zu ihr herzustellen.</p><p>Sie war keine fremdartige und geheimnisvolle Feindin mehr, sondern eine alte, vertraute Freundin. Ihre Hand glitt vom Dolchgriff ab. Tario n�herte sich ihr. Er sprach sanfte, freundliche Worte, und sie antwortete ihm mit einer Stimme, welche die ihre und doch nicht die ihre war.</p><p>Nun stand er neben ihr. Seine Hand lag auf ihrer Schulter. Seine Augen versuchten sich in die ihren zu versenken. Sie schaute auf und sah in sein Gesicht. Sein Blick bohrte sich in sie hinein, als suche er eine in ihr verborgene Gef�hlsquelle, um sie sprudeln zu machen. Ihre Lippen �ffneten sich in verwundertem Staunen �ber die Enth�llung ihres innersten Selbst, das nun offen vor ihrem Bewu�tsein lag. Sie hatte Tario schon seit ewigen Zeiten gekannt. Er war f�r sie mehr als ein Freund. Sie r�ckte ein wenig n�her an ihn heran. Und nun schien eine Lichtflut �ber sie hereinzubrechen, die zugleich die Wahrheit war � sie liebte Tario.</p><p>Jeddak von Lothar! Und sie hatte ihn schon immer geliebt.</p><p>Der Mann sah den Erfolg seiner Strategie und konnte ein kleines L�cheln der Befriedigung nicht unterdr�cken. Und dann zerteilte jemand oder etwas pl�tzlich den seltsamen Zauber, der von dem Mann ausging. Ob es irgend etwas in seiner Miene war, oder ob von Carthoris von Helium, der in einem anderen Raum des Palastes weilte, eine viel st�rkere Gedankenflut anrollte, l��t sich wohl kaum mehr sagen.</p><p>Mit einem Mal sah Thuvia den Jeddak Tario so, wie sie ihn vorher gesehen hatte. Es war so, als sei ihr eine Binde von den Augen gerissen worden. Selbstverst�ndlich war sie vertraut mit den hochentwickelten Seelenkr�ften und ihren Manifestationen, die auf Barsoom ja nichts Ungew�hnliches waren, und deshalb begriff sie auch sofort die volle Wahrheit: sie befand sich in gro�er Gefahr.</p><p>Rasch trat sie einen Schritt zur�ck und ri� sich aus seinem Griff los. Aber der nur fl�chtige Kontakt hatte in Tario alle Leidenschaften einer liebeleeren Existenz geweckt.</p><p>Mit einem ged�mpften Schrei sprang er sie an, warf seine Arme um sie und versuchte seinen Mund auf den ihren zu pressen.</p><p>�Weib!� schrie er. �Wundersch�nes Weib! Tario wird dich zur K�nigin von Lothar machen. H�r mir zu! Lausche den Liebesschw�ren des letzten Jeddaks von Barsoom!�</p><p>Thuvia k�mpfte erbittert, um sich aus seiner Umarmung zu befreien.</p><p>�Aufh�ren, du Kreatur!� rief sie. �Aufh�ren! Ich liebe dich nicht La� mich los, sonst schreie ich um Hilfe!�</p><p>Tario lachte schallend dazu.</p><p>�Nun, dann schrei doch um Hilfe�, spottete er. �Und wer in ganz Lothar ist da, der dich h�ren wird und dir zu Hilfe eilt? Wer w�rde es wagen, unberufen zu Tario vorzudringen?�</p><p>�Einen gibt es�, erwiderte sie. �Einer wird kommen! Und er wird es sogar wagen, dich in deinem eigenen Thronsaal zu z�chtigen, wenn er glauben mu�, da� du Thuvia von Ptarth beleidigt hast!�</p><p>�Wer denn? Jav?� fragte Tario lachend.</p><p>�Nein, nicht Jav und auch kein anderer weichh�utiger Lotharianer�, erwiderte sie. �Ein richtiger Mann, ein echter Krieger � Carthoris von Helium!�</p><p>Tario lachte schallend.</p><p>�Du vergi�t ganz die Bogensch�tzen�, erinnerte er sie. �Was kann der Rote Krieger schon gegen meine furchtlosen Legionen ausrichten?�</p><p>Damit ri� er sie recht grob an sich und versuchte sie zu seiner Couch zu zerren.</p><p>�Wenn du nicht meine K�nigin sein willst, dann wirst du meine Sklavin werden!� drohte er ihr.</p><p>�Nichts von beiden!� schrie das M�dchen.</p><p>Dazu machte sie eine rasche kleine Bewegung mit ihrer rechten Hand: Tario gab sie frei, taumelte zur�ck und pre�te beide H�nde an seine Seite. Im gleichen Moment f�llte sich der Saal mit Bogensch�tzen, und dann sank der Jeddak von Lothar bewu�tlos auf den Marmorboden.</p><p>In dem Moment, als der Jeddak zu Boden fiel, waren die Bogensch�tzen gerade dabei, ihre Pfeile abzuschie�en und sie in Thuvias Herz zu schicken. Unwillk�rlich tat sie einen lauten Hilfeschrei, obwohl sie annehmen mu�te, da� nicht einmal Carthoris von Helium sie jetzt mehr zu retten vermochte.</p><p>Dann schlo� sie die Augen und wartete auf den Tod. Doch kein schlanker Pfeil bohrte sich in ihre zarte Brust. Sie schlug die Augen auf um zu sehen, welche Macht die H�nde ihrer Henker aufgehalten hatte.</p><p>Der Raum war leer. Au�er ihr und der bewegungslos am Boden liegenden Gestalt des Jeddaks von Lothar war niemand da.</p><p>Eine kleine Blutpf�tze hatte sich auf dem wei�en Marmorboden gebildet. Tario war bewu�tlos.</p><p>Best�rzt fragte sich Thuvia, wo die Bogensch�tzen wohl sein mochten. Warum hatten sie ihre Pfeile nicht abgeschossen? Was hatte das alles zu bedeuten?</p><p>Noch vor einem Augenblick war der Saal auf geheimnisvolle Weise mit bewaffneten M�nnern angef�llt gewesen, die offensichtlich zum Schutz ihres Jeddaks gerufen worden waren.</p><p>Und jetzt, da doch ihre Tat offenkundig war, hatten sich alle ebenso pl�tzlich verfl�chtigt, wie sie gekommen waren. Und sie war nun allein mit der Leiche des Herrschers dieser Leute, dem sie ihren langen, scharfen Dolch in die Seite gesto�en hatte.</p><p>Das M�dchen sah sich mit zwiesp�ltigen Gef�hlen um.</p><p>Waren etwa die Bogensch�tzen zur�ckgekehrt? Oder gab es hier irgendeine Fluchtm�glichkeit?</p><p>Die Wand hinter der Throncouch wies zwei kleine Durchg�nge auf, die mit schweren Wandbeh�ngen bedeckt waren. Auf einen dieser Ausg�nge lief Thuvia eiligst zu, als sie am anderen Ende des Saales das Klirren von Metall h�rte.</p><p>Wenn sie nur einen Augenblick l�nger Zeit gehabt h�tte! Dann w�re es ihr leicht m�glich gewesen, die sch�tzenden Beh�nge zu erreichen und vielleicht einen Fluchtweg dahinter zu finden. Jetzt war es zu sp�t. Man hatte sie entdeckt.</p><p>Mit einem Gef�hl, das einer Apathie verd�chtig nahe kam, wandte sie sich um, damit sie sich ihrem Schicksal stellte. Aber es war Carthoris, der mit blankem Langschwert durch den langen Saal zu ihrer Hilfe herbeieilte.</p><p>Tagelang hatte sie an den ehrenhaften Absichten des Prinzen von Helium gezweifelt. Sie hatte geglaubt, er sei an ihrer Entf�hrung beteiligt gewesen. Seit das Schicksal sie zusammen-geworfen hatte, war sie kalt und abweisend zu ihm gewesen und hatte seine Fragen ziemlich einsilbig und kalt beantwortet. Nur ein paarmal war es anders gewesen � als die merkw�rdigen und spuk-haften Begebnisse in Lothar sie aus ihrer Reserve herauslockten.</p><p>Sie wu�te, da� Carthoris von Helium f�r sie k�mpfen w�rde: ob er das tun w�rde, um sie f�r sich selbst oder f�r einen anderen Mann zu retten, wu�te sie allerdings nicht.</p><p>Sie hatte ihm ja erkl�rt, da� sie Kulan Tith, Jeddak von Kaol, versprochen war, aber falls er an ihrer Entf�hrung teilgenommen hatte, konnten seine Gef�hle und Motive nicht von R�cksichtnahme oder Treue seinem Freund gegen�ber bestimmt sein, und ihre Ehre bedeutete ihm dann wohl wenig.</p><p>Und doch� Sie sah ihn �ber den Marmorboden des Thronsaales von Lothar eilen, und in seinen ehrlichen Augen las sie die Sorge um ihre Sicherheit. Seine herrliche Gestalt personifizierte alles Gute und Edle in den k�mpferischen M�nnern des kriegerischen Mars, und sie konnte es einfach nicht glauben, da� sich in einem so gro�artigen, herrlichen K�rper ein perfider Geist verstecken k�nnte.</p><p>Offen mu�te sie vor sich selbst zugeben, da� ihr noch nie im Leben der Anblick eines Mannes so angenehm gewesen war wie der seine. Es kostete sie alle M�he, ihm nicht entgegenzulaufen und sich an seine Brust zu werfen.</p><p>Sie wu�te, da� er sie liebte. Gerade noch rechtzeitig fiel ihr ein, da� sie ja Kulan Tith versprochen war. Sie durfte dem jungen Prinzen ganz gewi� keine zu gro�e Dankbarkeit zeigen, denn er h�tte sie mi�verstehen k�nnen.</p><p>Carthoris stand dann an ihrer Seite. Mit einem raschen Blick hatte er die Szene in sich aufgenommen � die auf dem Boden liegende bewegungslose Gestalt des Jeddaks, das M�dchen, das einen verdeckten Ausgang zu erreichen versuchte.</p><p>�Hat er dir etwas zuleide getan, Thuvia?� fragte Carthoris.</p><p>Sie hielt den vom Blut roten Dolch in die H�he, damit er ihn sehen konnte.</p><p>�Nein�, sagte sie. �Er hat mir nichts zuleide getan.�</p><p>Carthoris l�chelte grimmig. �Gepriesen sei unser erster Ahnherr�, murmelte er. �Und jetzt la� uns sehen, ob wir nicht aus dieser verfluchten Stadt Lothar fliehen k�nnen, ehe die Leute hier entdecken, da� ihr Jeddak tot ist.�</p><p>Mit jener sicheren Bestimmtheit, die ihm so gut anstand, weil in seinen Adern das Blut John Carters aus Virginia und das der Dejah Thoris aus Helium flo�, griff er nach ihrer Hand und zog Thuvia mit sich zur gro�en T�r, durch die Jav sie beide vor kurzem vor den Jeddak gef�hrt hatte.</p><p>Fast hatten sie diese T�r schon erreicht, als durch einen anderen Eingang eine Gestalt sprang. Es war Jav. Auch er �berschaute die Szene mit einem einzigen Blick.</p><p>Carthoris drehte sich zu ihm um. Sein Schwert lag sto�bereit in seiner Hand, und mit seinem gro�en Leib schirmte er die schlanke M�dchengestalt ab.</p><p>�Komm her, Jav von Lothar!� rief er ihm zu. �Wir wollen es gleich hinter uns bringen, denn nur einer von uns beiden verl��t diesen Saal lebend mit Thuvia von Ptarth.� Er sah aber, da� der Mann kein Schwert hatte. �Nun, so bring doch deine Bogensch�tzen an! Oder komm als mein Gefangener mit mir, bis wir die Tore eurer geisterhaften Stadt passiert haben!�</p><p>�Du hast Tario get�tet!� rief Jav, ohne auf die Herausforderung des Prinzen zu h�ren. �Du hast Tario get�tet! Ich sehe sein Blut auf dem Boden. Wirkliches Blut. Und es ist ein echter Tod. Dann war also Tario ebenso echt wie ich es bin. Und doch war er ein �theralist� Er wollte seine Nahrung nicht materialisieren�</p><p>Ist es m�glich, da� solche Leute echt sind? Nun, wir sind es jedenfalls, wir Realisten. Und die ganze Zeit hindurch haben wir gestritten, weil wir uns nicht dar�ber einig werden konnten, wer recht hat! Jeder von uns sagte, der andere habe unrecht�</p><p>Nun ja, jedenfalls ist er jetzt tot. Eigentlich bin ich recht froh dar�ber. Jetzt kommt endlich Jav an die Reihe. Nun wird Jav der Jeddak von Lothar!�</p><p>Aber Jav hatte noch nicht recht zu reden aufgeh�rt, als Tario die Augen �ffnete und sich aufsetzte.</p><p>�Verr�ter! M�rder!� schrie er. �Kadar! Kadar!� Ein Kadar ist ein Leibw�chter auf Barsoom.</p><p>Jav wurde kreidebleich. Er lie� sich auf den Boden fallen und kroch auf dem Bauch zu seinem Jeddak.</p><p>�Oh, mein Jeddak, mein Jeddak!� winselte er. �Jav hat keine Hand in diesem Spiel! Jav ist dein treuester Diener, der in diesem Augenblick deinen Thronsaal betrat, dich auf dem Boden liegend vorfand und die beiden Fremden dabei erwischte, als sie zu fl�chten versuchten. Ich wei� nicht, wie das geschehen konnte, mein Jeddak. Glaub mir, glorreicher Tario, gr��ter und letzter aller Jeddaks!�</p><p>�Halt den Mund, du elender Verr�ter�, fuhr ihn Tario an. �Ich h�rte doch deine Worte, du L�gner. Du hast gesagt: �Nun ja, jedenfalls ist er jetzt tot. Eigentlich bin ich recht froh dar�ber.</p><p>Jetzt kommt endlich Jav an die Reihe. Nun wird Jav der Jeddak von Lothar�</p><p>Endlich habe ich dich entlarvt, du L�gner und Verr�ter. Deine eigenen Worte haben dich verdammt. Und nicht nur dich, sondern auch diese beiden roth�utigen Kreaturen, wenn nicht�� Er machte eine Pause und leckte sich die Lippen. �Wenn nicht die Frau��</p><p>Weiter kam er nicht. Carthoris wu�te genau, was er gesagt h�tte, und ehe er diese Worte noch aussprechen konnte, hatte er schon dem Jeddak von Lothar eine ganz gewaltige Ohrfeige versetzt.</p><p>Tario sch�umte vor Wut.</p><p>�Und solltest du die Prinzessin von Ptarth noch einmal beleidigen�, warnte der Prinz von Helium, �dann werde ich vergessen, da� du kein Schwert tr�gst. Mich juckt n�mlich jetzt schon meine Schwerthand, und ich wei� nicht recht, wie lange ich sie noch beruhigen kann.�</p><p>Tario zog sich langsam zu den kleinen Ausg�ngen hinter der Estrade zur�ck. Er versuchte etwas zu sagen, aber seine Gesichtsmuskeln zuckten derart schrecklich, da� er einige Minuten lang kein Wort herausbrachte. Dann stotterte er erst noch eine ganze Weile.</p><p>�Stirb!� schrie er endlich. �Stirb!� Und dann drehte er sich zu den Ausg�ngen um.</p><p>Jav rannte ihm nach und schrie dabei vor Entsetzen.</p><p>�Hab Mitleid, Tario! Hab doch Mitleid! Denk doch an die lange Zeit, die ich dir treu gedient habe. Denk doch an alles, was ich f�r Lothar getan habe. Rette mich! Verdamme mich nicht zu einem so schrecklichen Tod! Rette mich! Rette mich!�</p><p>Aber Tario lachte nur h�hnisch und hob den Wandbehang auf, der die kleine T�r verdeckte.</p><p>Jav wandte sich zu Carthoris um.</p><p>�Halt ihn auf!� kreischte er. �Du mu�t ihn aufhalten! Wenn dir dein Leben lieb ist, darfst du ihn nicht aus diesem Raum hinausgehen lassen!� Und mit diesen Worten rannte er seinem Jeddak nach.</p><p>Carthoris folgte Javs Beispiel, aber der letzte der Jeddaks von Barsoom war zu flink f�r beide. Als sie n�mlich die kleine T�r erreichten, durch die er verschwunden war, fanden sie, da� eine schwere Steint�r ihnen den Weiterweg versperrte.</p><p>Jav sank, von Entsetzen gesch�ttelt, zu Boden.</p><p>�Mensch, wir sind doch noch nicht tot!� rief Carthoris.</p><p>�Rei� dich zusammen! Wir wollen auf die Stra�e laufen und versuchen, die Stadt zu verlassen. Wir leben doch noch! Und solange wir leben, m�ssen wir versuchen, unser Schicksal fest in die Hand zu nehmen und es selbst zu bestimmen. Wof�r soll es gut sein, wenn du dich r�ckgratlos auf den Boden fallen l��t? Komm, sei doch ein Mann!� Aber Jav sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Hast du denn nicht geh�rt, wie er seine Leibwache rief?� �chzte er. �Ah, wenn wir ihn nur h�tten aufhalten k�nnen! Dann h�tten wir wenigstens hoffen k�nnen. Aber leider � er war viel zu flink f�r uns.�</p><p>�Na, sch�n�, antwortete Carthoris ungehalten. �Und wenn er die Leibwache rief? Wenn sie kommen, haben wir immer noch Zeit genug, uns dar�ber den Kopf zu zerbrechen. Im Moment glaube ich noch gar nicht daran, da� sie�s wirklich so schrecklich eilig haben, dem Ruf ihres Jeddaks zu folgen.� Jav sch�ttelte betr�bt den Kopf.</p><p>�Das verstehst du nicht�, sagte er. �Die Leibwache war schon da � und ist schon wieder weg. Sie haben ihre Arbeit getan, und wir sind verloren. Schau dir doch einmal die verschiedenen Ausg�nge an.� Carthoris und Thuvia wandten sich zu den T�ren um und stellten fest, da� alle mit riesigen Steinquadern verschlossen waren. �Na, und?� fragte Carthoris. �Wir m�ssen sterben�, fl�sterte Jav matt.</p><p>Mehr wollte er nicht sagen. Er setzte sich auf die Kante von des Jeddaks Couch und wartete.</p><p>Carthoris trat neben Thuvia und hatte sein blankes Schwert in der Hand. Unabl�ssig suchte er mit den Augen den ganzen Saal ab, damit nicht unbemerkt ein Feind auf sie eindringen konnte. Die Minuten erschienen ihnen wie Stunden, und nichts durchbrach die Grabesstille. Von nirgendwoher wurde ihnen ein Zeichen daf�r gegeben, wann und auf welche Art sie den Tod zu erwarten hatten.</p><p>Die Spannung war fast unertr�glich. Selbst Carthoris von Helium sp�rte, wie sie an seinen Nerven zerrte. Wenn er nur geahnt h�tte, wie und wann der Tod zuschlagen w�rde! Er w�re ihm ganz sicher furchtlos gegen�bergetreten. Die Pl�ne des M�rders nicht zu kennen und endlos lange auf das Verh�ngnis warten zu m�ssen, war mehr als er ertragen zu k�nnen glaubte.</p><p>Thuvia von Ptarth dr�ngte sich nahe an ihn. Sie f�hlte sich sicherer, wenn sie seinen Arm an dem ihren sp�rte, und da sich ihm dieses Gef�hl mitteilte, ri� er sich zusammen. L�chelnd wandte er sich ihr zu.</p><p>�Mir scheint, da� sie uns zu Tode �ngstigen wollen�, sagte er lachend. �Und Schande �ber mich! Leider mu� ich bekennen, da� es ihnen beinahe gelungen w�re, ihr Ziel bei mir zu erreichen.� Sie wollte ihm gerade antworten, als der Lotharianer einen entsetzlichen Schrei ausstie�.</p><p>�Das Ende kommt!� jammerte er. �Das Ende kommt! Der Boden! Oh, der Boden! O Komal, sei barmherzig!�</p><p>Thuvia und Carthoris brauchten den Boden nicht anzusehen, denn sie wu�ten auch so, was los war � er bewegte sich.</p><p>Der Marmorboden senkte sich von allen Seiten her der Mitte zu.</p><p>Zuerst war es eine kaum unmerkliche Bewegung, aber allm�hlich wurde die Neigung so steil, da� sie nur dann gerade zu stehen vermochten, wenn sie ein Knie sehr stark anzogen.</p><p>Jav kreischte immer lauter und klammerte sich an die k�nigliche Couch, die der Raummitte entgegenrutschte. Dort bemerkten Thuvia und Carthoris eine kleine �ffnung, die sich schnell erweiterte und schlie�lich eine trichter�hnliche Form annahm.</p><p>Es wurde immer schwieriger, sich an dem glatt polierten immer steiler sich neigenden Marmorboden festzuhalten.</p><p>Carthoris versuchte Thuvia zu st�tzen, aber er selbst rutschte unaufhaltsam dem Trichter entgegen.</p><p>Um besseren Halt auf dem glatten Stein zu finden, schl�pfte Carthoris aus seinen Sandalen aus Zitidarleder, und nun stemmte er sich mit nackten Sohlen gegen den Marmor. Mit den Armen st�tze er Thuvia. In ihrer Angst legte sie ihm die Arme um den Hals. Ihre Wange lag an der seinen. Der Tod, der sie in einer ihnen unbekannten, vielleicht unsichtbaren Form bald ereilen w�rde, streifte einige Hemmungen von ihnen ab.</p><p>�Mut, meine Prinzessin�, fl�sterte er.</p><p>Sie schaute ihm ins Gesicht: sie sah seine l�chelnden Lippen, seine tapferen Augen, in denen keine Spur Angst zu erkennen war und diese Augen tauchten tief in die ihren.</p><p>Dann neigte sich der Boden noch mehr: er kippte direkt. Und nun rutschten sie der �ffnung entgegen.</p><p>Javs Schreie gellten ihnen schauerlich in den Ohren. Einen Moment sp�ter fanden sie sich zu dritt auf Tarios k�niglicher Couch wieder, die am Grund des Marmortrichters steckengeblieben war.</p><p>Einen Augenblick lang atmeten sie ein wenig freier, aber dann entdeckten sie, da� sich die �ffnung st�ndig erweiterte. Die Couch rutschte weiter nach unten. Jav kreischte. Es war ein recht merkw�rdiges Gef�hl, als sie sp�rten, wie die Couch unter ihnen wegfiel und sie selbst durch eine undurchdringliche Dunkelheit dem Tod entgegenst�rzten.</p></section><section><title><p>9</p><p>Der Kampf auf der Ebene</p></title><p>Die Entfernung zwischen dem Trichterende und dem darunterliegenden Raum konnte nicht sehr gro� sein, denn alle drei Opfer von Tarios Bosheit landeten dort v�llig unbesch�digt.</p><p>Carthoris dr�ckte Thuvia noch immer fest an seine breite Brust. Wie eine Katze kam er mit den Beinen auf, so da� der Schock f�r das M�dchen nicht allzu gro� war. Kaum hatten seine F��e die groben Steinplatten ber�hrt, als er auch schon sein Schwert kampfbereit in der Hand hatte. Der Raum war hell, doch von einem Feind war nichts zu sehen.</p><p>Carthoris sah Jav an. Der Mann war vor Angst kreidebleich.</p><p>�Wie wird nun unser Schicksal aussehen?� fragte der Prinz von Helium. �Mensch, so sag es mir doch! Oder bist du kein Mensch? Kannst du nicht die Angst von dir sch�tteln, um mir zu antworten? Ich w�re gerne darauf vorbereitet, denn ich will mein Leben und das der Prinzessin von Ptarth so teuer wie m�glich verkaufen.�</p><p>�Komal�, fl�sterte Jav. �Wir werden von Komal verzehrt.�</p><p>�Ist das deine Gottheit?� wollte Carthoris wissen.</p><p>Der Lotharianer nickte. Dann deutete er auf einen niederen Durchgang an einem Ende des Raumes.</p><p>�Von hierher kommt er. Leg dein dummes Schwert weg, du Narr. Es macht ihn nur noch w�tender, und wenn er w�tend ist, l��t er dich nur noch mehr leiden.�</p><p>Carthoris l�chelte nur und griff noch etwas fester um sein Schwert.</p><p>Dann begann Jav entsetzlich zu jammern und zu st�hnen, und gleichzeitig deutete er zur T�r.</p><p>�Er ist gekommen!� wimmerte er. �Er ist gekommen, oh!�</p><p>Carthoris und Thuvia schauten in die Richtung, in die der Lotharianer gezeigt hatte: sie erwarteten dort ein seltsames, furchterregendes Menschenwesen zu erblicken. Zu ihrer gro�en �berraschung sahen sie aber einen breiten Kopf und die prachtvolle M�hne eines riesigen Banths, des gr��ten, den Carthoris und Thuvia je gesehen hatten.</p><p>Langsam und voll unendlicher W�rde n�herte sich das riesige Tier. Jav warf sich sofort auf den Boden und kroch ihm auf dieselbe untert�nige Art entgegen wie wenige Stunden vorher Tario. Er sprach mit dem wilden Tier genauso, wie er mit wilden Menschen gesprochen h�tte, denn er flehte es um Gnade und Barmherzig keit an.</p><p>Carthoris trat zwischen Thuvia und den Banth. Er z�ckte sein Schwert, um dem Tier den Sieg nicht allzu leicht zu machen. Aber Thuvia wandte sich nun an Jav.</p><p>�Ist das Komal, dein Gott?� fragte sie.</p><p>Jav nickte. Das M�dchen l�chelte, dr�ckte sich an Carthoris vorbei und trat rasch dem knurrenden Raubtier entgegen.</p><p>Leise und energisch sprach sie so zu dem Tier, wie sie damals mit den Banths von den Goldenen Klippen und mit den Aasfressern auf dem Kampffeld vor der Mauer von Lothar gesprochen hatte.</p><p>Das Tier h�rte zu knurren auf. Es senkte den Kopf, schnurrte wie eine gro�e Katze und lie� sich friedlich zu den F��en des M�dchens nieder. Thuvia wandte sich zu Carthoris um.</p><p>�Es ist doch nur ein Banth�, sagte sie. �Von ihm haben wir nichts zu bef�rchten.�</p><p>Carthoris l�chelte.</p><p>�Ich habe ihn ja auch nicht gef�rchtet�, gab er zur Antwort,</p><p>�denn auch ich hielt ihn nur f�r einen Banth, und ich habe ja mein Langschwert.�</p><p>Jav setzte sich auf und starrte die beiden entgeistert an � das schlanke M�dchen, das die kleine Hand in der gelbbraunen M�hne des riesigen Tieres vergraben hatte und Komal, der doch sein Gott gewesen war und jetzt sein schreckliches Maul an Thuvias Beinen rieb.</p><p>�So, das ist also euer Gott!� sagte Thuvia lachend.</p><p>Jav sah entsetzt drein. Er wu�te nicht recht, ob er es wagen konnte, die Beleidigung Komals ungestraft dahingehen zu lassen, denn ein Aberglaube, der sich erst einmal irgendwo eingenistet hat, ist unglaublich hartn�ckig. Selbst wenn wir wissen, da� wir ein Phantom oder ein Untier verehrt haben, z�gern wir, unseren Irrtum zuzugeben und uns zu einer neuen �berzeugung zu bekennen. So war es auch mit Jav, denn er war auch nur ein Mensch, der dem Irrtum einer falschen Gottheit unterlag.</p><p>�Ja�, antwortete er. �Das ist Komal. Seit undenklichen Zeiten wurden Tarios Feinde in seine Grube gest�rzt, damit er mit ihnen seinen Magen f�llen konnte. Komal mu�te ja immer gef�ttert werden.�</p><p>�Gibt es irgendeinen Ausweg aus diesem Raum? Vielleicht auf die Stra�en der Stadt hinaus?� fragte Carthoris.</p><p>Jav zuckte die Achseln. �Das wei� ich nicht. Ich war noch nie vorher hier und hatte auch gar kein Verlangen danach.�</p><p>�Komm�, forderte Thuvia den jungen Prinzen auf. �Wir wollen uns umsehen. Einen Weg hier heraus mu� es doch geben.�</p><p>Zu dritt n�herten sie sich der niederen T�r, durch die Komal hereingekommen war � in ihre Todeszelle sozusagen. Dahinter lag eine Art niederer Stall mit einer kleinen T�r am anderen Ende. Das war also das Lager des Banths.</p><p>Zu ihrer Freude lie� sich diese kleine T�r leicht �ffnen, da sie nur mit einem h�lzernen Drehriegel verschlossen war. Von hier aus kamen sie in eine kreisrunde Arena mit zahlreichen ansteigenden Sitzreihen.</p><p>�Hier findet die �ffentliche F�tterung Komals statt�, erkl�rte Jav. �H�tte Tario es gewagt, dann w�re unser Schicksal hier besiegelt worden. Er f�rchtete aber dein scharfes Schwert viel zu sehr, Roter Mann, und deshalb lie� er uns alle in die Grube fallen. Ich wu�te selbst nicht, wie die beiden R�ume miteinander verbunden waren.</p><p>Jetzt k�nnen wir leicht zur Avenue kommen und dann eines der Stadttore erreichen. H�chstens die Bogensch�tzen k�nnten uns noch in den Weg treten, aber ich kenne ja ihr Geheimnis, so da� ich nicht glaube, da� sie uns ernstlich daran hindern k�nnten, zu einem Tor zu gelangen.�</p><p>Sie fanden in der Arena eine weitere T�r, durch die sie zu einer Treppe kamen, welche durch die Sitzreihen zu einem Ausgang an der R�ckseite der Halle f�hrte. Dahinter lag ein breiter, gerader Korridor, der quer durch den ganzen Palast zu den k�niglichen G�rten auf der anderen Seite lief.</p><p>Niemand schien sie aufhalten zu wollen, als sie mit Komal an des M�dchens Seite ihren Weg fortsetzten.</p><p>�Wo sind denn die Leute, die im Palast wohnen, des Jeddaks Gefolge?� fragte Carthoris. �Nicht einmal auf den Stra�en der Stadt, durch die wir kamen, sah ich viele Menschen, doch alle Anzeichen, die auf eine zahlreiche Bev�lkerung hinweisen.�</p><p>Jav seufzte.</p><p>�Armes Lothar�, sagte er. �Es ist in der Tat eine Stadt der Geister. Kaum tausend sind von uns noch �brig, und einmal waren wir Millionen. Unsere gro�e Stadt wird bewohnt von den Kreaturen unserer Einbildung. F�r uns selbst machen wir uns nicht die M�he, diese unserem Gehirn entsprungenen Leute zu materialisieren, aber wir wissen, da� sie da sind.</p><p>Selbst jetzt sehe ich eine Menschenmenge durch diese Avenue hasten, und alle haben ihre Pflichten, denen sie nachgehen m�ssen. Ich sehe Frauen und Kinder, die auf den Balkonen lachen und scherzen; diese d�rfen wir allerdings nicht materialisieren, denn das ist streng verboten. Trotzdem sehe ich sie, und sie sind auch hier� Aber warum eigentlich nicht?� �berlegte er.</p><p>�Ich brauche Tario ja nicht mehr zu f�rchten� Er hat seinen schlimmsten Fehler gemacht und ist eigentlich ein ausgemachter Mi�erfolg. Warum also nicht?</p><p>Haltet an, Freunde�, forderte er Carthoris und Thuvia auf.</p><p>�Wollt ihr nicht Lothar noch in seiner ganzen Glorie sehen?�</p><p>Carthoris und Thuvia nickten, mehr aus H�flichkeit, als aus Interesse. Sie verstanden auch nicht ganz, was er mit seinen gemurmelten Worten meinte.</p><p>Jav schaute sie einen Augenblick durchdringend an, dann winkte er. �Schaut!� rief er.</p><p>Der Anblick, der sich ihnen bot, war wirklich au�erordentlich erstaunlich. Wo vorher nichts als eine leere, wirklich menschenleere Stra�e gewesen war, nur scharlachroter Rasen, g�hnende Fenster und t�rlose Tore, da schw�rmte jetzt eine unglaubliche Menge fr�hlicher, lachender, gl�cklicher Menschen.</p><p>�Das ist die Vergangenheit�, erkl�rte Jav leise. �Sie sehen uns nicht; sie leben nur die alte, tote Vergangenheit des alten Lothar, des toten, zerfallenen Lothar der alten, sagenhaften Zeiten, das an der K�ste des Throxus stand, des gr��ten und herrlichsten aller Ozeane.</p><p>Seht ihr diese herrlichen, aufrechten M�nner, die schwingenden Schrittes diese Avenue entlangeilen? Seht ihr die jungen M�dchen und die Frauen, die ihnen zul�cheln? Seht ihr, wie die M�nner sie voll Verehrung und Liebe gr��en? Das hier sind Seefahrer, die von ihren Schiffen kommen, die an den Kais am Rand der Stadt liegen.</p><p>Tapfere M�nner sind das, ah! Aber der Glanz der Stadt Lothar ist verbla�t. Seht ihre Waffen! Nur sie trugen Waffen, denn sie querten die f�nf Ozeane und besuchten fremde L�nder und Orte, wo Gefahren auf sie lauerten. Als sie verschwanden, da verschwand auch der kriegerische Geist der Lotharianer, und mit den Jahrhunderten, die vor�berrollten, wurde aus ihnen eine Rasse r�ckgratloser Feiglinge. Wir ha�ten den Krieg, und deshalb unterlie�en wir es auch, unsere Jugend f�r den Krieg auszubilden.</p><p>Das r�chte sich, denn als die Meere austrockneten und die gr�nen Horden uns �berfielen, konnten wir nichts tun als nur fliehen.</p><p>Aber wir erinnerten uns der seefahrenden Bogensch�tzen unserer glorreichen Tage, und es ist die Erinnerung an sie, die wir unseren Feinden entgegenschleudern.�</p><p>Als Jav zu sprechen aufh�rte, verbla�ten auch die Bilder, und die drei Menschen setzten ihren Weg durch die langen, leeren Stra�en fort, die zu den Toren f�hrten.</p><p>Zweimal sahen sie richtige Lotharianer aus Fleisch und Blut.</p><p>Sie ergriffen aber sofort die Flucht, als sie Jav mit den beiden Fremden und dem riesigen Banth sahen, in dem sie zweifellos Komal erkannten.</p><p>�Sie werden sofort Tario von unserer Flucht berichten�, rief Jav. �Dann wird er uns sehr bald seine Bogensch�tzen nachhetzen. Wollen wir hoffen, da� unsere Theorie richtig ist und da� die Pfeile wirkungslos sind gegen wissende Geister, die sich ihrer Unwirklichkeit bewu�t sind. Sonst sind wir dem Unheil ausgeliefert.</p><p>Erkl�re, Roter Mann, dieser Frau die Wahrheit, wie ich sie dir erkl�rt habe, so da� sie sich den Pfeilen mit einer starken Gegensuggestion der Immunit�t stellen kann.�</p><p>Das tat Carthoris, aber sie erreichten eines der gro�en Tore, ohne da� sie irgendein Anzeichen einer Verfolgung erkennen konnten. Jav setzte den Mechanismus in Bewegung, der das riesige, wagenrad�hnliche Tor in die Mauernische schob, und einen Moment sp�ter schritten die drei, begleitet von dem riesigen Banth, hinaus auf die Ebene.</p><p>Aber kaum hatten sie die ersten hundert Meter zur�ckgelegt, als sie hinter sich eine ganze Menge br�llender Stimmen vernahmen.</p><p>Sie drehten sich um und sahen eine ganze Kompanie Bogensch�tzen durch das Tor, das sie eben durchschritten hatten, auf die Ebene quellen.</p><p>Auf der Mauerkrone standen ziemlich viele Lotharianer, und unter ihnen erkannte Jav den Jeddak Tario. Der schaute sie w�tend an und schien die ganze Kraft seines geschulten Geistes auf sie zu konzentrieren. Es lag eindeutig auf der Hand, da� er die gr��te Anstrengung machte, die t�dlichen Kreaturen seiner Einbildung auf sie zu hetzen.</p><p>Jav wurde aschfahl und begann am ganzen Leib zu zittern.</p><p>Jetzt, im entscheidenden Moment, schien ihn der ganze Mut zu verlassen, zu seiner �berzeugung zu stehen. Der gro�e Banth drehte sich zu den heranmarschierenden Bogensch�tzen um und knurrte sie an. Carthoris stellte sich zwischen Thuvia und den Feind und wartete auf den Zusammenprall.</p><p>Pl�tzlich hatte Carthoris so etwas wie eine Erleuchtung.</p><p>�Wirf deine Bogensch�tzen gegen die Tarios!� rief er Jav zu.</p><p>�La� uns einmal einen Kampf erleben, der sich zwischen zwei materialisierten Mentalit�ten abspielt!�</p><p>Dieser Vorschlag schien dem Lotharianer wieder einigen Mut zu machen, und schon im n�chsten Moment standen die drei hinter dichtgeschlossenen Reihen riesiger Bogensch�tzen, die der aus der ummauerten Stadt heranmarschierenden Kompanie Beleidigungen und Drohungen entgegenschrien.</p><p>Jav war ein ganz anderer Mensch, als sein Bataillon zwischen ihm und Tario stand. Man h�tte schw�ren m�gen, da� der Mann davon �berzeugt war, die Kreaturen seiner seltsamen hypnotischen Kr�fte seien tats�chlich Krieger aus Fleisch und Blut.</p><p>Sie stie�en heisere Kampfschreie aus, als sie die Bogensch�tzen Tarios angriffen. Die mit Widerhaken versehenen Pfeile flogen in rascher Folge hin�ber. M�nner fielen, und der Boden war rot von ihrem Blut.</p><p>Carthoris und Thuvia kannten zwar die Wahrheit, doch sie hatten M�he, das was sie sahen, mit ihrem Wissen in Einklang zu bringen. Ein Utan nach dem anderen marschierte im Gleichschritt aus dem Tor, um die schon dezimierte Kompanie zu unterst�tzen, die Tario erst ausgeschickt hatte, um die drei gefangenzunehmen.</p><p>Sie sahen, da� Javs Streitkr�fte an Zahl st�ndig zunahmen, so da� sich schlie�lich eine Unzahl k�mpfender, fluchender Krieger miteinander auf dem Schlachtfeld balgte und die Toten haufenweise herumlagen.</p><p>Jav und Tario schienen �ber ihren k�mpfenden Bogensch�tzen alles zu vergessen. Die einen marschierten vorw�rts, die anderen fielen zur�ck, und dann war es wieder umgekehrt. Der breite Landstreifen zwischen Wald und Stadtmauer war wieder einmal zum blutigen Schlachtfeld geworden.</p><p>Hinter Thuvia und Carthoris lag der Wald. Der Prinz warf Jav einen Blick zu.</p><p>�Komm!� fl�sterte er Thuvia zu. �Sie sollen ihren sinnlosen Kampf mit Phantomen allein ausfechten, denn keiner kann in Wirklichkeit dem anderen etwas zuleide tun. Sie sind wie zwei Gro�m�uler, die einander, statt zu k�mpfen, Beschimpfungen an den Kopf werfen. Solange sie noch miteinander zu tun haben, wollen wir unsere Energien darauf verwenden, den Tunnel zu finden, der uns unter den Felsen durch in die Ebene dahinter bringt.�</p><p>W�hrend er noch sprach, drehte sich Jav einmal kurz um und h�rte, was Carthoris sagte. Er sah auch, da� Thuvia sich anschickte, dem Vorschlag des Prinzen zu folgen. Pl�tzlich war ein schlaues Funkeln in seinen Augen.</p><p>Das, was hinter diesem Blick lag, hatte schon tief in seinem Herzen zu gl�hen begonnen, als er Thuvia zum erstenmal erblickte. Er hatte es lange nicht als das erkannt, was es war � bis jetzt nicht, da sie aus seinem Leben zu verschwinden drohte.</p><p>Er konzentrierte sich f�r einen Augenblick auf den jungen Prinzen aus Helium und das junge M�dchen.</p><p>Carthoris sah Thuvia von Ptarth mit ausgestreckter Hand ihm entgegenkommen. Ihre pl�tzliche Sanftheit �berraschte ihn, und deshalb schlo� er seine Finger fester um die ihren, als sie sich vom vergessenen Lothar abwandten, um in den Wald zu gehen, zu den fernen Bergen.</p><p>Doch dann war Thuvia erstaunt, als sie in Carthoris� Stimme einen ganz neuen Ton vernahm.</p><p>�Bleib hier bei Jav�, h�rte sie ihn sagen. �Ich gehe inzwischen und suche die Passage unter den Klippen.�</p><p>Entt�uscht und verbl�fft war sie zur�ckgeblieben. F�r sie selbst h�tte es nicht den geringsten Grund gegeben, ihn nicht zu begleiten. Bei ihm h�tte sie sich �berdies sicherer gef�hlt als bei dem Lotharianer, den sie doch kaum kannte.</p><p>Jav beobachtete die beiden und konnte ein schlaues L�cheln nicht unterdr�cken. Nachdem Carthoris im Wald verschwunden war, lie� sich Thuvia recht apathisch auf dem scharlachfarbenen Rasen nieder, um den nicht endenwollenden Kampf der Bogensch�tzen zu beobachten.</p><p>Der lange Nachmittag zog sich bis zur D�mmerung endlos hin, und noch immer griffen die einen an, zogen die anderen sich zur�ck und verkehrten dann die Lage. St�ndig ging es hin und her, vor und zur�ck. Erst als die Sonne sich hinter den Horizont senkte, zog Tario langsam seine Truppen zur Stadt zur�ck.</p><p>Er schien den Plan zu haben, die Feindseligkeiten w�hrend der Nacht ruhen zu lassen, und Jav war damit einverstanden, denn er befahl seinen Streitkr�ften, sich zu ordentlichen Utans zusammenzutun und zum Wald zu marschieren: dort machten sich die Truppen bald daran, ihre Abendmahlzeit zu bereiten und ihre Schlafseiden und Pelze f�r die Nacht auszubreiten.</p><p>Thuvia vermochte kaum ein L�cheln zu unterdr�cken, als sie bemerkte, mit welch �bergro�er Genauigkeit sich Javs Truppen an die Gepflogenheiten von Soldaten aus Fleisch und Blut hielten.</p><p>Man stellte Wachtposten aus, welche das Lager zur Stadt hin absichern mu�ten. Offiziere liefen da- und dorthin, erteilten Befehle und sahen zu, da� sie auch ausgef�hrt wurden.</p><p>Thuvia wandte sich zu Jav um.</p><p>�Warum legst du eigentlich Wert darauf, da� bei deinen Phantomtruppen alles genauso abl�uft wie bei richtigen Soldaten aus Fleisch und Blut? Tario wei� doch, da� diese Bogensch�tzen nur Verk�rperungen deiner Gedanken sind. Warum erlaubst du es ihnen nicht, sich einfach wieder in Luft aufzul�sen, bis du ihre Dienste wieder ben�tigst?�</p><p>�Das verstehst du anscheinend noch immer nicht�, erwiderte Jav. �W�hrend sie existieren, sind sie wirklich. Ich rufe sie nur in diese Wirklichkeit zur�ck und �berwache und leite ihre Handlungen. Aber dann sind sie, bis ich sie wieder aufl�se, so echt und wirklich wie du und ich. Unter meiner Anleitung erteilen die Offiziere wirkliche Befehle und �berwachen ihre Ausf�hrung.</p><p>Ich bin ihr General, und das ist alles. Der psychologische Effekt auf meine Feinde ist so wesentlich gr��er als wenn ich sie als substanzlose Phantomgebilde behandeln w�rde.</p><p>Und dann�, fuhr der Lotharianer fort, �besteht immer noch eine kleine Hoffnung, die bei uns schon dem Glauben nahekommt, da� eines Tages diese Materialisationen ganz echt werden, da� sie bleiben � oder wenigstens ein Teil von ihnen � nachdem wir ihre Gef�hrten aufgel�st haben, und da� sich auf diese Art unsere sterbende Rasse erhalten und vielleicht sogar wieder einmal fortpflanzen l��t.</p><p>Es gibt einige unter uns, die behaupten, das h�tten sie schon zustandegebracht. Eine allgemeine Vermutung geht dahin, da� es einigen �theralisten schon gelungen ist, einige Dauermaterialisationen zu bewirken, die sich nun unter uns bewegen. Selbst von Tario behaupten es manche, doch das ist nicht gut m�glich, denn er hat schon existiert, ehe wir die vollen M�glichkeiten der Suggestion entdeckten.</p><p>Einige gibt es bei uns auch, die darauf bestehen, da� keiner von uns wirklich ist. Da� wir all diese Jahrhunderte hindurch nicht ohne Nahrung und Wasser h�tten bestehen k�nnen, wenn wir selbst Materie w�ren. Wenn ich auch Realist bin, so neige ich pers�nlich doch auch zu dieser Ansicht.</p><p>Uns erscheint es gut und vern�nftig, wenn wir glauben, da� einige unserer alten Vorfahren vor ihrem Erl�schen mit ihrem ungew�hnlich starken Geist so au�erordentliche Mentalit�ten entwickelten, da� ihre Geister noch nach dem k�rperlichen Tod weiterlebten, so da� wir selbst die todlosen Geister von Pers�nlichkeiten sind, die schon seit unendlichen Zeiten tot sind.</p><p>Es w�re m�glich. Was mich angeht, m�chte ich jedoch behaupten, da� ich alle Attribute einer k�rperlichen Existenz habe. Ich esse, ich schlafe, ich�� Er machte eine spannende Pause und warf dem M�dchen einen bedeutungsschweren Blick zu. �� ich� liebe!�</p><p>Das Wort und der Blick des Mannes waren nicht mi�zuverstehen.</p><p>Thuvia zuckte also die Achseln, verzog angewidert den Mund und wandte sich ab.</p><p>Der Lotharianer war tats�chlich so echt, da� er das auch bemerkte. �Warum nicht Jav?� schrie er und packte ihren Arm.</p><p>�Was w�re ehrenvoller als vom zweith�chsten Mann der �ltesten Rasse unserer Welt geliebt zu werden? Dein Prinz aus Helium?</p><p>Der ist gegangen und hat dich deinem Schicksal �berlassen, nur um sich selbst zu retten. Komm und geh�re Jav an!�</p><p>Thuvia von Ptarth richtete sich hoch auf. Sie zeigte dem Mann eine sehr sch�ne, kalte Schulter; sie hob ihr stolzes Kinn, und ein ver�chtliches L�cheln lag auf ihren sch�nen Lippen.</p><p>�Du l�gst�, stellte sie ruhig fest. �Der Prinz von Helium kennt Untreue ebenso wenig wie Furcht. Und von Furcht wei� er noch weniger als ein ungeschl�pftes Junges.�</p><p>�Nun, wo steckt er dann?� h�hnte der Lotharianer. �Ich sage dir, er ist aus dem Tal geflohen. Er hat dich deinem Schicksal �berlassen. Aber Jav wird daf�r sorgen, da� es dir nicht schlecht geht. Morgen werden wir nach Lothar zur�ckkehren, selbstverst�ndlich an der Spitze meiner siegreichen Truppen. Ich werde dann Jeddak, und du bist meine Gef�hrtin. Komm!� Er versuchte sie an sich zu rei�en.</p><p>Das M�dchen k�mpfe erbittert, um sich von ihm freizumachen.</p><p>Mit ihrem Arm, um den viele metallene Armb�nder lagen, schlug sie ihm ins Gesicht. Aber er lie� sie nicht los.</p><p>Pl�tzlich ert�nte hinter ihnen ein schreckliches, rumpelndes R�hren.</p></section><section><title><p>10</p><p>Kar Komak, der Bogensch�tze</p></title><p>Als Carthoris durch den Wald zu den fernen Klippen ging und Thuvias Hand noch immer fest mit der seinen umschlossen hielt, wunderte er sich ein wenig �ber des M�dchens beharrliches Schweigen; das Gef�hl ihrer k�hlen Hand war jedoch so �beraus angenehm, da� er Angst hatte, den Zauber neuen Vertrauens durch ein rasches oder unbedachtes Wort zu brechen.</p><p>Immer weiter drangen sie in den dichten Wald vor, bis die Schatten der rasch hereinbrechenden Marsnacht sich dichter um sie schlossen. Dann wandte sich Carthoris ein wenig um, weil er mit dem M�dchen sprechen wollte.</p><p>Sie mu�ten ja einen Plan fassen, an die Zukunft denken. Er hatte vor, sofort durch die Klippen zu sto�en, falls er den Tunnel finden konnte. Er war �berzeugt, sehr nahe daran zu sein, aber er h�tte gerne ihre Zustimmung zu diesem Plan gehabt.</p><p>Seine Augen ruhten auf ihr; da fiel ihm pl�tzlich auf, wie unwirklich, wie �therisch sie aussah. Es war ganz seltsam.</p><p>Sie schien sich in einen Traum aufgel�st zu haben, immer durchsichtiger und d�nner zu werden. Und schlie�lich verbla�te sie so sehr, da� sie verschwand. Einen Augenblick lang war er so perplex, da� er gar nichts mehr begriff. Dann d�mmerte ihm allm�hlich die Wahrheit. Jav hatte ihn glauben gemacht, Thuvia begleite ihn durch den Wald, w�hrend er sie � und das lie� sich leider nicht leugnen � f�r sich zur�ckbehalten hatte!</p><p>Carthoris war entsetzt. Er h�tte sich f�r seine Dummheit selbst verpr�geln m�gen, und doch wu�te er, da� dieser gespenstischen Macht, mit welcher der Lotharianer ihn behext hatte, jeder andere ebenso zum Opfer gefallen w�re.</p><p>Kaum war ihm das klar geworden, als er auch schon umkehrte, doch jetzt schlenderte er nicht mehr friedlich dahin, sondern setzte mit den irdischen Spr�ngen, die er von seinem Vater geerbt hatte, �ber den weichen Teppich dichten Grases und abgefallener Bl�tter.</p><p>Thurias, des n�heren Mondes blendendhelles Licht �berflutete die Ebene vor der ummauerten Stadt Lothar, als Carthoris dem gro�en Tor gegen�ber aus dem Wald kam; aus diesem Tor waren die Fl�chtlinge erst am gleichen Tag gekommen.</p><p>Au�er ihm schien weit und breit kein Mensch zu sein; die ganze Ebene lag verlassen da. Keine Bataillone von Bogensch�tzen kampierten unter den �sten der gro�en B�ume, keine Haufen gemarterter Toter verdarben die Sch�nheit des scharlachfarbenen Rasens. Hier herrschte friedliche Stille.</p><p>Der junge Prinz lie� sich wenig Zeit, vom Waldrand aus �ber die Ebene zu schauen, sondern lief sofort eiligst weiter. Da fand er im Gras vor seinen F��en eine zusammengekr�mmte Gestalt.</p><p>Es war ein Mann, und er lag auf dem Bauch. Carthoris drehte ihn um, so da� er auf dem R�cken zu liegen kam. Es war Jav, aber er sah schrecklich und nahezu unkenntlich aus, so zerfetzt und zerbissen war er.</p><p>Der Prinz beugte sich tief hinunter und versuchte zu entdecken, ob in diesem K�rper noch ein Funken Leben zu entdecken sei.</p><p>Da hob der Mann die Augenlider, und es waren schmerzerf�llte, gequ�lte Augen, die zu ihm aufsahen.</p><p>�Die Prinzessin von Ptarth!� schrie Carthoris. �Sag, wo ist sie?</p><p>Antworte mir, Mensch, oder ich beende das Werk, das andere so gut begonnen haben!�</p><p>�Komal�, murmelte Jav m�hsam. �Er hat mich angesprungen� Er h�tte mich� aufgefressen, wenn nicht� das M�dchen gewesen w�re. Dann gingen sie� zusammen weiter in den Wald hinein� Und das M�dchen� spielte mit den Fingern in der langen M�hne des Banths.�</p><p>�In welche Richtung sind sie gegangen?�</p><p>�Dorthin�, fl�sterte Jav schwach. �Zum Tunnel unter den Klippen.�</p><p>Mehr brauchte der Prinz von Helium nicht zu wissen. Er sprang auf und rannte mit langen Spr�ngen zur�ck zum Wald.</p><p>Es d�mmerte schon, als er den Eingang zum dunklen Tunnel fand, das ihn unter den Klippen durch in eine andere Welt f�hren w�rde, weg von diesem Tal geisterhafter Erinnerungen und seltsamer hypnotischer Drohungen und Einfl�sse.</p><p>Im Tunnel selbst stellte sich ihm nichts und niemand in den Weg, und er war froh, als er auf der anderen Seite der Berge wieder das Licht des Tages erblickte. Von hier aus war es nicht weit zum S�drand des Herrschaftsgebietes der Torquasianer, h�chstens einhundertundf�nfzig Haad.</p><p>Von der Grenze von Torquas zur Stadt Aaanthor betrug die Entfernung weitere zweihundert Haad, so da� der junge Prinz nach irdischen Begriffen gemessen einen Marsch von mehr als hundertf�nfzig Meilen vor sich hatte, bis er nach Aaanthor gelangte.</p><p>Er wu�te es nat�rlich nicht, doch er nahm an, da� Thuvia in Richtung Aaanthor zu kommen versuchte. Dort lag die n�chste Wasserstelle, und dort konnte sie fr�her oder sp�ter auch mit einer Rettungsexpedition aus dem Reich ihres Vaters rechnen. Carthoris kannte Thuvan Dihn gut genug, um zu wissen, da� er jeden Stein umdrehen w�rde, bis er eine Spur seiner Tochter f�nde und nat�rlich auch die ihrer Entf�hrer.</p><p>Selbstverst�ndlich wu�te Carthoris, da� der Trick, mit dem der Verdacht der Entf�hrung auf ihn geworfen worden war, die Entdeckung der Wahrheit betr�chtlich verz�gern w�rde, doch er hatte keine Ahnung davon, welche Verheerungen die Schurkerei von Astok, Prinz von Dusar, bereits angerichtet hatte.</p><p>Als er den Tunnel verlie� und �ber die niederen H�gel in Richtung Aaanthor schaute, zog gerade eine Schlachtflotte aus Ptarth majest�tisch in Richtung der Zwillingsst�dte von Helium, und aus dem fernen Kaol raste eine weitere m�chtige Armada heran, um sich mit den Streitkr�ften des Verb�ndeten zu vereinen.</p><p>Carthoris wu�te nicht, da� auf Grund der gegen ihn vorliegenden Indizien sein eigenes Volk ihn allm�hlich zu verd�chtigen begann, er k�nne die Prinzessin von Ptarth entf�hrt haben.</p><p>Er wu�te nicht, was alles die Dusarianer unternommen hatten, um die Freundschaft und Allianz zwischen den drei gro�en M�chten der �stlichen Hemisph�re zu vernichten, die zwischen Helium, Ptarth und Kaol.</p><p>Er wu�te auch nicht, da� Emiss�re aus Dusar sich Zugang zu den Auslands�mtern der drei gro�en Nationen verschafft hatten und da� sie dort hohe Stellungen einnahmen; da� diese M�nner die zwischen den Jeddaks ausgetauschten Botschaften so f�lschten und verst�mmelten, da� Stolz und Geduld der drei Herrscher und fr�heren Freunde die Dem�tigungen und Beleidigungen dieser Botschaften nicht l�nger mehr ertragen wollten und konnten.</p><p>Und er wu�te nat�rlich auch nicht, da� John Carter, Kriegsherr des Mars, sich geweigert hatte, dem Jeddak von Helium die Kriegserkl�rung an Ptarth oder Kaol zu erlauben, weil er uner-sch�tterlich an die Ehrenhaftigkeit seines Sohnes glaubte und davon �berzeugt war, fr�her oder sp�ter werde alles zu allseitigen v�lligen Zufriedenheit erkl�rt werden.</p><p>Jetzt waren also zwei gro�e Flotten auf dem Weg nach Helium, und die Spione von Dusar am Hof des Tardos Mors sorgten daf�r, da� die Zwillingsst�dte davon keine Ahnung hatten.</p><p>Thuvan Dihn hatte zwar den Krieg erkl�rt, aber die Boten, die mit der Proklamation ausgesandt waren, hatten die Dusarianer eingeschmuggelt, so da� weder die Kriegserkl�rung, noch sonst eine Warnung des Hof des Tardos Mors erreichte. Es war also den beiden St�dten nichts davon bekannt, da� sich eine feindliche Flotte n�herte.</p><p>Die diplomatischen Beziehungen zwischen Helium und den beiden m�chtigsten Nachbarn waren seit etlichen Tagen unterbrochen; die Gesandten und Botschafter wurden abberufen, und jeder Nachrichtenverkehr h�rte auf. Das ist im Kriegsfall �blich auf Barsoom, sogar dann schon, wenn die Beziehungen allm�hlich gespannter werden.</p><p>Carthoris wu�te das alles nicht. Er war im Augenblick auch nur daran interessiert, Thuvia von Ptarth zu finden. Ihre Spur zeichnete sich neben der des riesigen Banths bis zum Tunnel recht gut ab und war wenig sp�ter in den H�geln wieder eindeutig zu erkennen.</p><p>Er hatte es sehr eilig, denn er wu�te, da� sich in der N�he der toten Seegr�nde die Spur auf den ockerfarbenen Moospolstern verlieren mu�te; daher wollte er Thuvia auf jeden Fall noch finden, ehe sie diesen Vegetationsg�rtel erreichte.</p><p>Pl�tzlich sah er, wie sich aus dem Nordosten ein nackter Mann n�herte. Carthoris blieb stehen, um ihn zu erwarten. Er sah, da� er nicht bewaffnet war, und es mu�te ein Lotharianer sein, denn seine Haut war wei� und sein Haar honigfarben.</p><p>Der Mann n�herte sich dem Prinzen von Helium ohne jede Furcht, und als er in Rufweite kam, vernahm Carthoris ein freundliches �Kaor!�</p><p>�Wer bist du?� fragte Carthoris.</p><p>�Ich bin Kar Komak, Odwar der Bogensch�tzen�, erwiderte der Mann. �Mir ist etwas recht Seltsames zugesto�en. Seit langen Jahren ruft mich nun Tario in die Existenz zur�ck, sobald er die Dienste einer Armee seines Geistes ben�tigt. Von all seinen Bogensch�tzen ist es Kar Komak, der am �ftesten materialisiert worden war.</p><p>Seit l�ngerer Zeit nun konzentrierte sich Tario auf meine Dauermaterialisierung. Er war wie besessen von dem Gedanken, da� ihm dies eines Tages gelingen k�nnte, denn damit war auch die Zukunft von Lothar sichergestellt. Er behauptete, Materie gebe es nur in der Vorstellung der Menschen und alles sei nur Geist, und so glaubte er auch daran, da� er, wenn er seine Suggestion lange genug wirken lasse, mich eines Tages zu einer immerw�hrenden Suggestion in den Geistern aller Kreaturen werden lassen k�nnte.</p><p>Gestern gelang es ihm nun, aber zu welcher Zeit! Ihm selbst mu� es ebenso �berraschend gekommen sein wie mir, als ich mit meiner Horde kreischender Bogensch�tzen die fliehenden Torquasianer zu ihren ockerfarbenen Ebenen verfolgte.</p><p>Dunkelheit senkte sich auf uns, und es kam die Zeit, da wir uns wieder in Luft aufl�sen sollten, doch da fand ich mich pl�tzlich ganz allein am Rand einer riesigen Ebene, die jenseits am Fu� niedriger H�gel liegt.</p><p>Meine M�nner waren schon ins Nichts zur�ckgekehrt, aus dem sie gekommen waren, aber ich blieb � nackt und unbewaffnet.</p><p>Erst verstand ich gar nichts, aber schlie�lich begriff ich doch, was geschehen war. Tarios lange andauernde Suggestionen hatten sich inzwischen gefestigt, und Kar Komak wurde zu einer Wirklichkeit in der Welt der Menschen; aber mein Harnisch und meine Waffen waren zusammen mit meinen Gef�hrten ins Nichts zur�ckgekehrt, und so befinde ich mich nun in dieser mi�lichen Lage, da� ich nackt und ohne Waffen in einem feindlichen Land weit entfernt von Lothar bin.�</p><p>�M�chtest du nach Lothar zur�ckkehren?� fragte Carthoris.</p><p>�Nein!� erwiderte Kar Komak schnell. �Ich mag Tario ganz und gar nicht. Da ich ein Gesch�pf seines Geistes bin, kenne ich ihn nur allzu gut. Er ist grausam und tyrannisch, und einem solchen zu dienen ist nicht nach meinem Geschmack. Jetzt, da ihm meine Dauermaterialisierung gelungen ist, wird er noch unertr�glicher sein als sonst, und jetzt wird er weitermachen, bis er ganz Lothar mit seinen Kreaturen vollgestopft hat. Ich bin ja neugierig, ob ihm das mit dem M�dchen von Lothar gelungen ist.�</p><p>�Ich dachte, dort gebe es keine Frauen�, sagte Carthoris.</p><p>�In einem versteckten Raum im Palast von Tario hat der Jeddak die Suggestion eines sch�nen M�dchens versteckt�, erwiderte Kar Komak. �Er hofft, diese Frau eines Tages f�r dauernd materialisieren zu k�nnen. Ich habe sie dort gesehen. Sie ist wundervoll! Aber ihretwegen hoffe ich, da� Tario da keinen Erfolg hat � so wie mit mir etwa.</p><p>Und jetzt, Roter Mann, habe ich dir von mir eine ganze Menge erz�hlt. Was ist mir dir?�</p><p>Gesicht und Art des Bogensch�tzen gefielen Carthoris.</p><p>Weder Zweifel noch Furcht hatte der Mann erkennen lassen, als er sich n�herte, und der junge Prinz von Helium war doch schwer bewaffnet! Und gesprochen hatte er sehr offen und ohne Umschweife.</p><p>Deshalb erz�hlte ihm auch der Prinz wer er sei und welches Abenteuer ihn in dieses ferne Land gebracht habe.</p><p>�Gut!� rief Kar Komak. �Ich werde dich also begleiten. Wir beide werden sicher die Prinzessin von Ptarth finden, und dann wird Kar Komak mit dir in die Welt der Menschen zur�ckkehren, in eine Welt, wie er sie vor langer, sehr langer Zeit gekannt hatte, als die Schiffe des m�chtigen Lothar den zornigen Throxus durchpfl�gten und als die donnernde Brandung an die Barriere dieser jetzt ausgetrockneten und tr�bseligen H�gel schlug.�</p><p>�Was meinst du damit?� fragte Carthoris. �Hast du fr�her wirklich einmal existiert?�</p><p>�Ganz gewi߫, erwiderte Kar Komak. �In meiner Zeit kommandierte ich die Flotte von Lothar, und sie war die m�chtigste aller Flotten, die auf den f�nf Meeren segelte.</p><p>Wo immer Menschen auf Barsoom lebten, war der Name von Kar Komak bekannt und geachtet. In diesen fernen Zeiten lebten die Landrassen friedlich miteinander, und nur die Seefahrer waren Krieger. Jetzt ist die ganze Glorie der Vergangenheit verblichen, und ehe ich dich traf, war ich der Meinung, da� es auf ganz Barsoom nicht eine einzige Person unserer eigenen Art mehr gibt, die lebt, liebt und k�mpft wie die alten Seefahrer meiner Zeit.</p><p>Ah! Es wird guttun, wieder einmal Menschen zu sehen, richtige, echte Menschen! F�r die Leute meiner Zeit, die auf dem Land lebten, hatte ich damals wenig �brig. Sie wagten sich nicht aus ihren ummauerten und befestigten St�dten heraus und vertaten ihre Tage mit Spiel. Sie verlie�en sich ganz auf den Schutz der Seefahrer. Und die armseligen Kreaturen, die �brig geblieben sind wie Tarios und Jav von Lothar und alle �brigen sind noch viel schlimmer als ihre Vorfahren.�</p><p>Carthoris zweifelte ein wenig daran, ob es auch klug sei, sich mit einem Fremden zu belasten. Es bestand ja durchaus die M�glichkeit, da� Tario oder Jav sich eine Gemeinheit ausgedacht und ihm diesen Mann geschickt hatten, der m�glicherweise auch nichts anderes war als eine Essenz ihrer Suggestionskraft. Wenn ihm auch die Worte und das ganze Gebaren des Bogensch�tzen aufrichtig geschienen hatten, wenn er auch ein ehrlicher, tapferer K�mpfer sein mochte � Vorsicht war immer angebracht.</p><p>Doch Carthoris fand in seinem Herzen weder Zweifel noch Mi�trauen, und so nahm er die Begleitung des nackten Odwar der Bogensch�tzen an. Zusammen folgten sie nun der Spur von Thuvia und Komal.</p><p>Sie f�hrte hinunter zu den ockerfarbenen toten Seegr�nden. Bis dorthin war der Pfad deutlich zu erkennen, aber im Moos verlor er sich, wie Carthoris erwartet hatte. Da er bisher eindeutig in die Richtung von Aaanthor gef�hrt hatte, gingen sie dorthin weiter.</p><p>Es war eine lange, m�hsame Reise, und sie waren zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Der Bogensch�tze konnte Carthoris nicht recht folgen, denn der junge Prinz hatte ja die irdischen Muskeln seines Vaters, die ihm mit ungeheurer Schnelligkeit �ber weite Strecken trugen; der kleinere Planet mit seiner wesentlich geringeren Schwerkraft setzt der irdischen Muskelkraft viel weniger Widerstand entgegen. F�r einen Mann von Barsoom sind f�nfzig Meilen pro Tag eine recht ordentliche Leistung, aber der Sohn von John Carter h�tte mit Leichtigkeit hundert oder noch mehr Meilen zur�cklegen k�nnen, w�re ihm daran gelegen, seinen neugewonnenen Freund im Stich zu lassen.</p><p>Immer schwebten sie ihn Gefahr, von herumstreifenden Banden der wilden Torquasianer entdeckt zu werden, und das galt nat�rlich f�r die Zeit, ehe sie die Grenze von Torquas hinter sich brachten.</p><p>Doch das Gl�ck blieb ihnen treu, und wenn sie auch zweimal in der Ferne gr��ere Gruppen der gr�nen Horden sahen, so wurden sie selbst jedoch niemals gesehen.</p><p>Am Morgen des dritten Tages erblickten sie von Ferne die schimmernden Kuppeln und T�rme von Aaanthor. Unterwegs hatte Carthoris nat�rlich immer scharf Ausschau nach einem Hinweis auf Thuvia oder den gro�en Banth gehalten, aber sie hatten von beiden nichts gesehen.</p><p>An jenem Morgen aber entdeckten sie weit vorne, etwa auf halbem Weg nach Aaanthor, zwei winzige Gestalten, die zur Stadt wanderten. Gespannt beobachteten sie die beiden eine Weile. Dann war Carthoris �berzeugt, da� es Thuvia mit dem Banth sein m��te, und er rannte in gro�en Spr�ngen weiter. Kar Komak folgte ihm so schnell er konnte.</p><p>Der Prinz von Helium schrie schon von weitem, um des M�dchens Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und endlich blieb sie stehen, drehte sich um und sah ihm entgegen. Neben ihr stand der riesige Banth mit gespitzten Ohren und wartete auf den sich n�hernden Mann.</p><p>Aus dieser Entfernung konnte Thuvia von Ptarth den Prinzen von Helium sicher noch nicht erkennen, doch sie mu�te wohl �berzeugt sein, da� es kein anderer sein konnte als er, da sie ohne jedes Zeichen von Furcht auf ihn wartete.</p><p>Dann deutete sie pl�tzlich nach Nordwesten, �ber ihn hinaus.</p><p>Er blieb nicht stehen, sondern rannte weiter, drehte sich nur im Laufen um und schaute in die von ihr gewiesene Richtung.</p><p>H�chstens eine halbe Meile von ihm entfernt raste lautlos auf dem dicken Moosteppich eine Horde gr�ner Krieger heran.</p><p>Auf ihren gro�en Thoats konnten sie ein h�llisches Tempo durchhalten. Rechts von ihnen rannte der nackte, unbewaffnete Kar Komak Carthoris entgegen. Er schrie Warnungen, denn auch er hatte gerade die lautlos heranjagende Gefahr erkannt, deren Lanzen und Schwerter in der Sonne funkelten.</p><p>Carthoris wiederum rief dem Lotharianer Warnungen zu, denn er wu�te, da� der nackte, unbewaffnete Mann nur sein Leben opferte, wenn er sich den grausamen, erbarmungslosen Wilden in den Weg stellte.</p><p>Doch Kar Komak z�gerte nicht. Er schrie seinem neuen Freund Ermutigungen zu und rannte weiter. Das Herz des Roten Mannes schlug heftiger vor Freude �ber soviel Mut. Es tat ihm jetzt unendlich leid, nicht daran gedacht zu haben, da� er Kar Komak ja eines seiner Schwerter h�tte abgeben k�nnen. Jetzt war zu sp�t, denn wenn er auf den Lotharianer wartete, dann w�rden die Torquasianer viel eher als er bei Thuvia von Ptarth angelangt sein.</p><p>Wer sie zuerst erreichte, der hatte gewonnen. Die Chancen standen ziemlich gleich.</p><p>Carthoris rannte weiter und versuchte beide Seiten im Auge zu behalten. Da sah er pl�tzlich eine neue Gruppe, die aus Aaanthor zu kommen schien. Es waren zwei mittlere Kriegsschiffe, die eiligst heranrasten, und schon aus einiger Entfernung erkannte er am Bug die Embleme Dusars.</p><p>Nun schien wenig Hoffnung mehr zu bleiben f�r Thuvia von Ptarth. Auf der einen Seite wilde gr�ne Horden aus Torquas auf riesigen Thoats, von der anderen Seite und aus der Luft zwei Kriegsschiffe des Prinzen von Dusar � das war zuviel f�r ein M�dchen, einen Banth, einen Roten Krieger und einen unbewaffneten, nackten Bogensch�tzen. Ihre Lage war hoffnungslos, und sie hatten schon verloren, ehe der Kampf �berhaupt begann.</p><p>Als Thuvia sah, wie schnell Carthoris sich n�herte, f�hlte sie wieder jene grenzenlose Erleichterung, die sie schon so gut kannte. Ihr war, als falle alle Verantwortung und Angst von ihr ab. Sie wu�te nicht, weshalb, denn ihr Verstand versuchte noch immer ihr Herz zu �berreden und sie glauben zu machen, da� der Prinz von Helium Ihre Entf�hrung veranla�t, wenn nicht durchgef�hrt hatte. Sie wu�te nur das eine, wie froh und gl�cklich sie war, wenn sie ihn an ihrer Seite f�hlte, denn dann schien auch das Unwahrscheinlichste m�glich zu werden, sogar so Unm�gliches wie ein Entrinnen aus dieser gro�en Gefahr.</p><p>Keuchend blieb er vor ihr stehen. Ein tapferes, ermutigendes L�cheln strahlte auf seinem Gesicht.</p><p>�Mut, meine Prinzessin�, fl�sterte er.</p><p>Schon einmal hatte er diese Worte gebraucht; es war im Thronsaal Tarios von Lothar, als sie langsam �ber den glatten Marmorboden in eine unbekannte, schwarze Tiefe rutschten.</p><p>Damals hatte sie ihn wegen dieses Wortes nicht ger�gt, und das tat sie auch jetzt nicht, obwohl sie doch einem anderen Mann versprochen war. Sie wunderte sich �ber sich selbst und sch�ttelte den Kopf �ber ihre eigene Sch�ndlichkeit, denn auf Barsoom mu� sich eine Frau sch�men, wenn sie solche Worte von einem anderen Mann anh�rt als von ihrem Ehemann oder Verlobten.</p><p>Carthoris sah, wie sie err�tete und sofort bedauerte er seine Worte. Aber sie hatten keine Zeit, denn die gr�nen Horden st�rmten heran.</p><p>�Vergib mir�, bat der Mann leise. �Meine gro�e Liebe zu dir m�ge meine Entschuldigung sein � und auch der Glaube, da� ich nur noch ganz kurze Zeit zu leben habe.� Mit diesen Worten stellte er sich den gr�nen Kriegern entgegen.</p><p>Der vorderste raste ihm mit eingelegtem Speer entgegen, aber Carthoris tat einen Satz zur Seite, und als das riesige Thoat und sein riesiger Reiter an ihm vorbeist�rmten, ohne ihm Schaden zuzuf�gen, schwang er sein Langschwert, und mit einem gewaltigen Hieb trennte er den gr�nen Krieger in zwei nicht ganz gleichm��ige H�lften.</p><p>Im gleichen Moment tat Kar Komak einen Satz und klammerte sich mit nackten H�nden an ein Bein eines anderen Reiters. Die Horde raste eng aufgeschlossen dahin, und manch einer sprang von seinem Thoat ab, um sein Langschwert besser schwingen zu k�nnen. Die Flieger aus Dusar setzten auf dem weichen Moosteppich der ockerfarbenen Seegr�nde auf, und f�nfzig Mann sprangen heraus.</p><p>In das gewaltige Durcheinander von K�mpfern. Thoats, Gr�nen und Roten, von Schwertern und Lanzen sprang Komal, der gro�e Banth.</p></section><section><title><p>11</p><p>Gr�ne M�nner und wei�e Affen</p></title><p>Ein Torquasianerschwert zog eine blutige Linie �ber Carthoris Stirn. Er hatte den fl�chtigen Eindruck weicher Arme um seinen Hals und warmer Lippen an den seinen, bevor er das Bewu�tsein verlor.</p><p>Wie lange er bewu�tlos war, h�tte er sp�ter nicht einmal sch�tzen k�nnen, doch als er wieder die Augen �ffnete, war er allein � bis auf die herumliegenden Leichen gr�ner M�nner und Dusarianer, und der Kadaver eines gro�en Banth lag halb �ber ihm.</p><p>Thuvia war verschwunden, und auch Kar Komaks Leiche fand er nicht unter den Toten.</p><p>Der Blutverlust hatte Carthoris au�erordentlich geschw�cht, und so kam er nur langsam voran, als er sich endlich nach Aaanthor auf den Weg machte. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichte er den Stadtrand.</p><p>Er brauchte Wasser n�tiger als sonst etwas. Er folgte also einer breiten Avenue, die zum Hauptplatz f�hrte, wo, wie er wu�te, das kostbare Na� in einem halb zerfallenen Haus gegen�ber vom alten Jeddakspalast zu finden war.</p><p>Aller Mut hatte ihn verlassen, und er war sehr bedr�ckt, weil sich bisher all seine Bem�hungen um die Rettung der Prinzessin von Ptarth als vergeblich erwiesen hatten. Es war auch recht seltsam, was ihm alles zustie�. Tief in seine tr�bsinnigen Gedanken versunken schenkte er seiner Umgebung keine Aufmerksamkeit, als lauerten keine gro�en wei�en Affen in den schwarzen Schatten der gespenstischen, geheimnisumwitterten Ruinen, die an der breiten Avenue und um den Hauptplatz standen.</p><p>Wenn auch Carthoris nicht auf seine Umgebung achtete, so entging es anderen Augen keineswegs, da� er sich dem Hauptplatz n�herte. Sie folgten seinen z�gernden, m�den Schritten, als er zu jenen Marmorruinen ging, in denen eine halb versch�ttete, winzige Quelle ein wenig Wasser lieferte, wenn man in den roten Sand, der sie bedeckte, ein tiefes Loch grub.</p><p>Dann betrat der junge Prinz die Ruine. In diesem Augenblick verlie� etwa ein halbes Dutzend m�chtiger, grotesker Gestalten eine andere Ruine gegen�ber und huschte lautlos �ber den Platz.</p><p>Eine halbe Stunde verbrachte Carthoris in dem Haus, grub nach Wasser und gewann schlie�lich die wenigen Tropfen, die er so dringend ben�tigte. Es war ein d�rftiges Ergebnis harter Arbeit.</p><p>Dann erhob er sich und verlie� das Geb�ude. Er hatte noch kaum die Schwelle �berschritten, als zw�lf Krieger aus Torquas �ber ihn herfielen.</p><p>Ihm blieb keine Zeit mehr, sein Langschwert zu ziehen, doch schon blitzte der lange, schlanke Dolch in seiner Hand, und ehe er von der �bermacht �berw�ltigt zu Boden sank, hatte mehr als nur ein Herz zu schlagen aufgeh�rt, weil dessen scharfe Spitze kr�ftig zugebissen hatte.</p><p>Neun waren es noch, die ihn niederwarfen. Sie nahmen ihm die Waffen weg und schleppten ihn �ber den Platz.</p><p>Dort warfen sie ihn in das Verlies eines ehemaligen Palastes und ketteten ihn mit rostigen Ketten an das solide Mauerwerk. Im Kerker herrschte schw�rzeste Finsternis.</p><p>�Morgen will Than Bar mit dir sprechen�, sagten sie. �Jetzt schl�ft er. Gro� wird seine Freude sein, wenn er erf�hrt, wer sich unter uns befindet, und gro� wird das Vergn�gen von Hortan Gur sein, wenn Thar Ban ihm jenen verr�ckten Narren bringt, der es gewagt hat, den gro�en Jeddak mit seinem Schwert zu bedrohen.�</p><p>Dann gingen sie, und er war in der Finsternis allein.</p><p>Carthoris lehnte sich an die Wand, an welcher der Ring eingemauert war, an dem seine Kette hing. Stunden schienen zu vergehen.</p><p>Da vernahm Carthoris pl�tzlich das leise Tappen nackter F��e, die sich ihm auf dem Steinboden n�herten. Es war so stockfinster, da� er nicht einmal einen Schimmer dessen sah, der da kam. Und er lag ohne Waffen da und konnte sich nicht einmal verteidigen, weil er angekettet war.</p><p>Minuten vergingen; ihm erschienen sie eher als Stunden. Das Schweigen, die unheimliche Stille, die nur von dem sich regelm��ig wiederholenden Ger�usch tappender nackter F��e unterbrochen wurde, war fast mit H�nden zu greifen. Und immer n�her kamen sie.</p><p>Schlie�lich h�rte er das klatschende Ger�usch rennender, nackter F��e, dann ein wenig weiter weg ein Scharren, heftiges Atmen und schlie�lich die gemurmelten Fl�che eines Mannes, der gegen sehr widrige Umst�nde oder eine �bermacht k�mpft.</p><p>Dann klirrte eine Kette, und es h�rte sich so an, als werde ein loses Kettenglied an die Mauer geworfen.</p><p>Dann herrschte wieder f�r ein paar Momente Schweigen. Nun fingen die nackten F��e wieder zu tappen an, und sie n�herten sich ihm. Er glaubte auch Augen zu sehen, die ihn durch die Dunkelheit anfunkelten, und er wu�te, da� er das leise Atmen m�chtiger Lungen vernahm.</p><p>Und dann rannten viele F��e auf ihn zu, und die <emphasis>Dinger</emphasis> waren �ber ihm.</p><p>H�nde, die menschliche H�nde sein konnten, legten sich ihm um Hals, Arme und Beine. Haarige K�rper dr�ngten sich an seine eigene glatte Haut, als er sich im grimmigem Schweigen gegen diesen unbekannten, schrecklichen Feind wehrte, der ihn in dem stockdunklen Verlies eines ehemaligen Palastes des alten Aaanthor angefallen hatte.</p><p>Carthoris von Helium war ein gro�er, breitschultriger, kr�ftiger junger Mann, ein g�ttlicher Riese, doch in den Klauen dieser unsichtbaren Kreaturen war er hilflos wie ein zartes, schwaches Weib. Doch er k�mpfte unerbittlich, holte zu m�chtigen Faustschl�gen gegen breite, haarige Br�ste aus, die er nicht sehen konnte; er sp�rte dicke, sehnige, kurze H�lse unter seinen Fingern; er f�hlte Speicheltropfen an seiner Wange und roch den fauligen Atem seiner Feinde. Und er sp�rte F�nge, m�chtige F�nge. Er wu�te, da� sie nahe waren, doch er konnte nicht einmal ahnen, weshalb sie sich nicht in sein Fleisch schlugen.</p><p>Dann kam ihm zu Bewu�tsein, da� eine Anzahl seiner Gegner an seiner Kette zerrte, und nach einer Weile vernahm er dasselbe Ger�usch wie vorher � seine Kette war abgerissen, und die restlichen Kettenglieder knallten klirrend an die Mauer.</p><p>Nun wurde er von links und rechts gepackt und recht schnell durch lange, dunkle Korridore gezerrt. Er konnte nicht einmal ahnen, welches Schicksal seiner wartete.</p><p>Erst hatte er geglaubt, seine Feinde seien vielleicht Angeh�rige der gr�nen Horden von Torquas, aber die hatten keine haarigen K�rper. Allm�hlich wurde er sich jedoch dar�ber klar, was sie waren; er wunderte sich nur dar�ber, da� sie ihn nicht sofort get�tet und aufgefressen hatten.</p><p>Nach etwa einer halben Stunde irren Rasens durch Untergrundg�nge, die in allen St�dten auf Barsoom, sowohl in den uralten wie auch in den modernen, �blich sind, stiegen seine Entf�hrer aus dem Tunnel in einen mondhellen Hof, der ziemlich weit vom gro�en Platz entfernt war.</p><p>Und jetzt wu�te Carthoris auch, da� er sich in der Gewalt eines Stammes der gro�en wei�en Affen von Barsoom befand. Da sonst diese wei�en Affen am ganzen K�rper haarlos sind bis auf einen gro�en, starren B�schel auf ihren K�pfen, war er sich �ber die Identit�t seiner Feinde nicht klar geworden, weil sie haarige Br�ste hatten. Jetzt sah er aber, was ihn get�uscht hatte: jeder von ihnen hatte quer �ber der Brust einen Fellstreifen, die meisten den eines Banth, und damit hatten sie den Harnisch eines gr�nen Kriegers imitiert, denn die kampierten am �ftesten in ihrer Ruinenstadt.</p><p>Carthoris hatte von der Existenz solcher Affenst�mme geh�rt und gelesen; einige von ihnen entwickelten sich langsam zu einer h�heren Intelligenzstufe hinauf, und in die H�nde einer solchen Affensippe schien er gefallen zu sein. Aber welche Absicht hatten sie mit ihm?</p><p>Er sah sich im Hof um und z�hlte volle f�nfzig dieser riesigen h��lichen Tiere, die auf ihren Fersen hockten. In einiger Entfernung sa� ein anderer, sehr scharf bewachter Mensch.</p><p>Da erhellte ein L�cheln das Gesicht des anderen Gefangenen, und er rief: �Kaor, Roter!� Es war n�mlich Kar Komak, der Bogensch�tze. �Kaor!� antwortete Carthoris erfreut. �Wie kamst du hierher, und was wurde aus der Prinzessin?�</p><p>�Rote M�nner stiegen aus Schiffen, die durch die Luft segeln, und diese Schiffe sind wahrlich nicht kleiner als jene, auf denen ich zu meiner Zeit auf den f�nf Ozeanen gesegelt bin�, erwiderte Kar Komak. �Sie k�mpften mit den gr�nen M�nnern von Torquas und erschlugen Komal, den Gott von Lothar. Ich dachte, sie seien deine Freunde, weil sie ebenso rot waren wie du, und deshalb war ich froh, als sie, nachdem der Kampf zu Ende war, das Rote M�dchen auf eines der Schiffe trugen und es mitnahmen in die Sicherheit der hohen Luft.</p><p>Mich ergriffen die gr�nen M�nner und ich wurde in diese gro�e leere Stadt geschleppt, wo sie mich in einem finsteren Kerker an eine Mauer ketteten. Sp�ter kamen dann diese Kreaturen und zerrten mich hierher. Und wie ist es dir ergangen, Roter?�</p><p>Carthoris erz�hlte, wie es ihm ergangen war, und w�hrend die beiden M�nner miteinander sprachen, hockten die Affen im Kreis um sie herum und musterten sie scharf.</p><p>�Und was sollen wir jetzt tun?� fragte der Bogensch�tze.</p><p>�F�r uns sieht es recht hoffnungslos aus�, meinte Carthoris ziemlich verlegen. �Diese Kreaturen sind n�mlich geborene Menschenfresser. Ich kann mir nicht denken, weshalb sie mich noch nicht aufgefressen haben. Schau, dort!� fl�sterte er.</p><p>�Siehst du? Jetzt kommt das Ende��</p><p>Kar Komak sah in die von Carthoris angedeutete Richtung und erkannte einen Affen, der noch gr��er war als die anderen und einen langen, dicken Kn�ppel mit sich schleppte.</p><p>�So t�ten sie n�mlich am liebsten ihre Beute�, erkl�rte Carthoris.</p><p>�M�ssen wir eigentlich sterben, ohne uns wehren zu k�nnen?� fragte Kar Komak.</p><p>�Ich nicht�, erwiderte Carthoris. �Ich wei� allerdings, wie unn�tz es ist, sich gegen diese haarlosen Unget�me zur Wehr zu setzen! Oh, h�tte ich nur ein Langschwert!�</p><p>�Oder einen guten Bogen�, f�gte Kar Komak hinzu. �Und eine Utan Bogensch�tzen.�</p><p>Bei diesen Worten sprang Carthoris auf, wurde aber sofort von seinen W�chter wieder auf den Boden gezogen.</p><p>�Kar Komak!� schrie er. �Warum kannst du nicht das tun, was Tario und Jav taten? Sie hatten ja auch keine anderen Bogensch�tzen als die, welche ihren Gehirnen entstammten. Du mu�t doch das Geheimnis ihrer Macht kennen. Warum rufst du nicht eine Utan herbei, Kar Komak?�</p><p>Der Lotharianer schaute Carthoris gro��ugig an, als ihm die Tragweite dieses Vorschlags zu Bewu�tsein kam.</p><p>�Warum nicht?� murmelte er.</p><p>Der Affe mit der Keule trottete auf Carthoris zu. Die Finger des jungen Prinzen arbeiteten, als wolle er dem Tier an die Kehle gehen, w�hrend Kar Komak mit seinem durchdringenden Blick die Affen in Bann hielt. Die Schwei�perlen auf seiner Stirn bewiesen den hohen Grad seiner Konzentration.</p><p>Der Henkeraffe war nun etwa auf Arml�nge an Carthoris herangekommen, als dieser von der gegen�berliegenden Hofseite einen heiseren Schrei vernahm. Zugleich mit den kauernden Affen und dem Keulenhenker wandte er sich dorthin um und sah eine ganze Kompanie st�mmiger Bogensch�tzen aus der T�r eines nahen Geb�udes quellen.</p><p>Schnaubend und br�llend vor Wut sprangen die Affen auf.</p><p>Sie standen noch nicht richtig, als eine Salve von Pfeilen etwa ein Dutzend zu Boden warf. Deren Kameraden st�rmten einfach �ber sie weg und gingen auf die Bogensch�tzen los.</p><p>Sogar die aufgestellten Posten liefen herbei, und selbst die Gefangenen w�rter lie�en ihre Beute im Stich, um sich am Kampf zu beteiligen.</p><p>�Komm!� fl�sterte Kar Komak. �Jetzt k�nnen wir entkommen, solange meine Bogensch�tzen ihre Aufmerksamkeit bean-spruchen.�</p><p>�Und diese braven Burschen sollen wir f�hrerlos zur�cklassen?� entsetzte sich Carthoris, dessen Loyalit�t sich �ber einen solchen Vorschlag emp�ren mu�te.</p><p>Kar Komak lachte.</p><p>�Du scheinst zu vergessen, da� sie nichts anderes als d�nne Luft sind, Ausgeburte meines Gehirns. Sie werden spurlos verschwinden, wenn ich sie nicht mehr l�nger brauche. Gepriesen sei dein allererster Ahnherr, Roter, weil er dir rechtzeitig diesen Gedanken eingab! Mir w�re es nie eingefallen, da� ich dieselbe Kraft anwenden k�nnte, die mich ins Dasein gerufen hat!�</p><p>�Du hast recht�, gab Carthoris zu. �Trotzdem lasse ich sie h�chst ungern hier, obwohl wir sonst wohl nichts tun k�nnen.�</p><p>Und so verlie�en die beiden den Hof und machten sich auf den Weg zu den breiten Avenuen. Im Schutz der H�userschatten huschten sie zum Hauptplatz, in dessen H�usern immer die gr�nen Krieger Quartier bezogen, wenn sie in die Stadt kamen.</p><p>Am Platzrand blieb Carthoris stehen.</p><p>�Warte hier�, fl�sterte er. �Ich gehe jetzt und hole einige Thoats, denn zu Fu� haben wir keine Aussicht, den Klauen dieser gr�nen Wilden zu entkommen.�</p><p>Um den Hof zu erreichen, in dem die Thoats gehalten wurden, mu�te Carthoris durch eines der Geb�ude am Platz schleichen. Er konnte nicht wissen, welche H�user bewohnt waren und welche leer standen, und so mu�te er sich dem Zufall und seinem Gl�ck anvertrauen, wenn er den abgeschlossenen Hof erreichen wollte, in dem die unruhigen Tiere quiekten und untereinander stritten.</p><p>Er huschte also durch einen dunklen Torbogen in einen riesigen Raum, in dem ein gro�er Trupp gr�ner Krieger in Schlafseiden und Pelze eingewickelt schlief. Kaum hatte Carthoris den Torbogen hinter sich gebracht und den gro�en Raum betreten, als er bemerkte, da� sich jemand hinter ihm unter diesem Torbogen befand.</p><p>Er h�rte einen Mann laut g�hnen, und dann sah er, wie sich ein Posten erhob, der dort ged�st hatte. Er streckte sich, g�hnte noch einmal herzhaft und nahm seine etwas zweifelhafte Wacht�tigkeit wieder auf.</p><p>Carthoris mu�te also in h�chstens einem Fu� Abstand am Posten vorbeigeschlichen sein und ihn dabei aufgeweckt haben.</p><p>Zur�ckgehen konnte er jetzt nicht mehr, aber noch gef�hrlicher war es nat�rlich, diesen gro�en Raum mit schlafenden Kriegern zu durchqueren. Es war Wahnsinn.</p><p>Carthoris zuckte die Achseln und w�hlte das kleinere �bel.</p><p>Vorsichtig tat er ein paar Schritte in den Saal hinein. Rechts von ihm lehnten an der Wand etliche Schwerter und Flinten und zahlreiche Speere, Waffen also, welche die Krieger dort abgestellt hatten, um sie im Fall eines Alarms gleich zur Hand zu haben. Neben jedem Schl�fer lag seine Handwaffe, denn kein Marskrieger, der etwas auf sich hielt � und das taten alle � trennte sich von fr�hester Kindheit an von dieser Handwaffe.</p><p>Dem jungen Prinzen juckten die Finger, als er diese Waffensammlung sah. Er w�hlte rasch zwei Kurzschwerter aus � eines f�r Kar Komak, das andere f�r sich � und einen Harnisch f�r seinen nackten Freund. Damit huschte er lautlos durch den Raum mit den schlafenden Torquasianern.</p><p>Keiner der Schl�fer r�hrte sich, bis Carthoris mehr als die H�lfte dieser gef�hrlichen Reise hinter sich hatte; dann aber drehte sich ein Bursche genau vor ihm unruhig in seinen Schlafseiden und Pelzen herum.</p><p>Der junge Heliumite blieb vor ihm stehen. Eines der Kurzschwerter hielt er sto�bereit in der Hand, falls der Krieger aufwachen w�rde. Carthoris hatte das Gef�hl, eine Ewigkeit so dazustehen, denn der Bursche w�lzte sich unabl�ssig herum.</p><p>Dann sprang er so pl�tzlich, als sei er von Federn losgeschossen, auf die Beine und schaute den Roten Mann an.</p><p>Sofort schlug Carthoris zu, aber leider hatte der Krieger schon einen grunzenden Warnlaut von sich gegeben. Im n�chsten Moment herrschte Aufruhr im Raum. Krieger sprangen auf, griffen nach ihren Waffen und schrien einander Fragen zu, weil sie nicht wu�ten, was die St�rung ihres Schlafes zu bedeuten hatte.</p><p>F�r Carthoris war alles im Raum recht klar und deutlich zu erkennen, denn einer der Monde stand direkt im Zenit und go� genug Licht durch die Fenster. Die vom Schlaf aufgeschreckten Krieger waren jedoch noch nicht recht wach, und ihre Augen hatten sich auch noch nicht angepa�t, so da� sie die Gestalt des Roten Kriegers, die sich zwischen ihnen bewegte, nur vage wahrnahmen.</p><p>Einer der gr�nen Krieger stolperte nun �ber die Leiche des von Carthoris get�teten Mannes. Er b�ckte sich und tastete herum, sp�rte den gespaltenen Sch�del und richtete sich wieder auf. Da sah er um sich herum andere gr�ne Krieger und kam zu einem wohl naheliegenden, in dem Fall jedoch irrt�mlichen Schlu�.</p><p>�Die Thurds!� schrie er. �Die Thurds sind �ber uns! Erhebt euch, Krieger von Torquas, und sto�t eure Schwerter in die faulen Herzen der uralten Erbfeinde von Torquas!�</p><p>Sofort gingen die gr�nen Krieger mit ihren Schwertern aufeinander los. Ihre wilde Kampfeslust schlug hohe Wogen.</p><p>K�mpfen, t�ten, sterben mit dem kalten Stahl in den Ged�rmen � ah, das war f�r sie Himmelreich und Nirwana zugleich!</p><p>Carthoris mu�te ob dieses Irrtums unwillk�rlich in sich hineinl�cheln. Er n�tzte seinen Vorteil auch sofort aus. Er kannte sie gut genug und wu�te, da� sie in ihrer Mordlust noch lange weitert�ten w�rden, nachdem sie ihren Irrtum erkannt hatten, wenn nicht ihre Aufmerksamkeit von der wahren Ursache des Aufruhrs gefesselt wurde. Er verlor also keine Zeit, setzte seinen leisen Weg am Kampfget�mmel vorbei fort und erreichte eine T�r an der anderen Seite, die sich auf den inneren Hof �ffnete.</p><p>Dort schrien, stritten und bissen die wilden Thoats, die ja recht unruhige und streits�chtige Tiere sind.</p><p>Die Aufgabe, die vor ihm lag, war nicht gerade leicht. Schon unter normalen Bedingungen war es kein Kinderspiel, ein solches Tier einzufangen und zu besteigen, da sie in ihrer Launenhaftigkeit und T�cke grunds�tzlich erst einmal jeden Reiter abzuwerfen versuchten. Au�erdem sind sie ja auch ziemlich gro� und schon aus dem Grund schwer zu besteigen. Jetzt, wo es drauf ankam, jedes Ger�usch zu vermeiden, bedurfte es schon eines sehr geschickten und erfahrenen Optimisten zur L�sung dieses Problems. Nun, der Sohn des Kriegsherrn vom Mars war es.</p><p>Von seinem Vater hatte er sehr viel �ber die richtige Behandlung dieser m�chtigen Tiere gelernt, auch von Tars Tarkas, wenn er den ber�hmten Jeddak bei seiner Horde gr�ner Krieger besuchte. Jetzt bot er also alles auf, was er gelernt hatte und aus eigener Erfahrung wu�te, denn er hatte Thoats schon sehr oft geritten und manches besonders st�rrische Tier gez�hmt.</p><p>Diese Thoats schienen besonders nerv�s und widerspenstig zu sein, viel mehr noch als die �bellaunigen Verwandten bei den Tharks und Warhoons, und eine ganze Weile schien er den w�tenden Angriffen einiger Bullen, die ihn gereizt umkreisten, nicht mehr entkommen zu k�nnen. Aber schlie�lich kam er einem von ihnen so nahe, da� er ihn ber�hren konnte. Als das Tier die Hand an seiner Flanke sp�rte, quiekte es schrill, beruhigte sich dann aber sofort, denn es f�hlte den telepathischen Befehl des Roten Mannes und sank auf die Knie.</p><p>Einen Moment sp�ter sa� Carthoris ihm auf dem R�cken und f�hrte es zum gro�en Tor, das vom Hof aus durch ein riesiges Geb�ude f�hrte, an dessen anderem Ausgang die breite Avenue sein mu�te.</p><p>Der andere Bulle, den sich Carthoris ausgesucht hatte, quiekte und w�tete noch immer, folgte aber seinem Gef�hrten. Beide Tiere trugen keinerlei Zaumzeug, denn sie werden ausschlie�lich durch Gedanken�bertragung geleitet, falls sie sich �berhaupt leiten lassen.</p><p>Selbst in den H�nden der riesigen gr�nen Krieger w�ren Zaumzeug und Z�gel v�llig nutzlos gewesen, denn die Thoats hatten die Gr��e und St�rke eines Mastodons und mehr als dessen Wildheit. Deshalb wurden sie nur mit den seltsamen telepathischen Kr�ften gelenkt, die auf dem Mars seit langem allgemein angewandt werden, um sich mit den niedrigeren Lebensformen zu verst�ndigen.</p><p>Es war noch ein bi�chen schwierig, die beiden Tiere durch den Torbogen zu f�hren, denn dort mu�te er sich hinunterbeugen, um den Riegel zu �ffnen; dann stemmte sein Reittier eine m�chtige Schulter gegen die T�r, dr�ckte sie auf, und wenig sp�ter schwang das solide Tor aus Skeelholz wieder zu. Der Mann hatte mit den beiden Tieren die Avenue erreicht, die zum Hauptplatz f�hrte.</p><p>Dort wartete Kar Komak in seinem Versteck.</p><p>Hier machte der zweite Thoatbulle einige Schwierigkeiten, und es war eine fast unl�sbare Aufgabe, Kar Komak auf den R�cken des Tieres zu bringen, da dieser niemals vorher ein Thoat geritten hatte. Schlie�lich gelang es ihm dann doch. Der Bogensch�tze hockte auf dem schmalen R�cken, und dann tappten die beiden Tiere auf weichen, gro�en Pfoten die moosgepolsterten Avenuen entlang, die zu den toten Seegr�nden jenseits der Stadt f�hrten.</p><p>Sie ritten die Nacht hindurch, den folgenden und den �bern�chsten Tag nach Nordosten. Nichts deutete auf eine Verfolgung hin, und bei Einbruch der D�mmerung des zweiten Tages sah Carthoris in der Ferne das Band gro�er B�ume, die einen der gro�en Wasserwege des Mars markierten.</p><p>Hier lie�en sie ihre Thoats stehen und machten sich zu Fu� auf, um das kultivierte Land zu erkunden. Carthoris entfernte auch das Metall von seinem Harnisch, da es ihn als Heliumiten identifizieren w�rde. Er nahm auch alles ab, was auf seine k�nigliche Abstammung hinwies, denn er wu�te nicht, welche Nation an diesem Wasserweg wohnte. Auf dem Mars ist es immer ratsam, in jedem Mann und jeder Nation einen Feind zu sehen, bis man sich vom Gegenteil �berzeugen konnte.</p><p>Es war noch nicht Mittag, als die beiden M�nner eine der Stra�en erreichten, die in regelm��igen Abst�nden den ganzen kultivierten Bezirk durchschneiden. Diese Stra�en ber�hren alle die gro�e, breite Hauptstra�e, welche von einem Ende des unendlich langen, wenn auch schmalen Farmlandes zum anderen f�hrt; die Querstra�en enden alle am d�rren W�steng�rtel.</p><p>Die hohen um das Kulturland gezogenen Mauern sch�tzten es vor �berf�llen der gr�nen Horden und hielten auch wilde Banths und andere Raubtiere von den Menschen und den Haustieren auf den Farmen fern.</p><p>Carthoris blieb vor dem ersten Tor, das sie sahen, stehen und klopfte. Der junge Mann, der ihnen �ffnete, gr��te die beiden sehr freundlich, obwohl er den wei�h�utigen Mann mit dem honigfarbenen Haar ein wenig mi�trauisch musterte.</p><p>Carthoris erkl�rte ihm, da� sie den Torquasianern entkommen seien, und der junge Mann lauschte aufmerksam. Dann lud er die beiden ins Haus ein und befahl den Dienern, eine Mahlzeit vorzubereiten.</p><p>Sie sa�en in einem niedrigen, behaglichen Wohnraum des Farmhauses und warteten auf die Mahlzeit. Carthoris unterhielt sich mit seinem Gastgeber, um von ihm dessen Nationalit�t zu erfahren. Es war ja sehr wichtig, zu wissen, auf wessen Staatsgebiet der Wasserweg lag, in dessen N�he ihn das Schicksal geworfen hatte.</p><p>�Ich bin Hal Vas�, sagte der junge Mann, �Sohn von Vas Kor von Dusar, der ein Edler im Gefolge von Astok, Prinz von Dusar ist. Im Augenblick bin ich Dwar der Stra�e dieses Distrikts.�</p><p>Carthoris war sehr froh, da� er seine Identit�t nicht enth�llt hatte, denn er hatte ja nicht die geringste Ahnung, was w�hrend der Zeit seiner Abwesenheit in Helium vorgegangen war. Auch wu�te er nicht, da� Astok die Ursache all seines Ungl�ckes war, doch es war ihm bekannt, da� der Dusarianer ihn nicht mochte.</p><p>Er konnte also auf dem Staatsgebiet von Dusar keine Hilfe erwarten.</p><p>�Und wer bist du?� fragte Hal Vas. �Du siehst aus wie ein K�mpfer, aber an deinem Harnisch erkenne ich keine Insignien.</p><p>Kann es denn sein, da� du ein Panthan bist?�</p><p>Nun, diese wandernden Gl�cksritter sind auf Barsoom, wo jeder Mann ein K�mpfer ist, �berall bekannt. Sie verkaufen ihre Dienste dem, der sie haben will, und in einer der gelegentlichen Kampfpausen, also wenn es keinen ordentlichen Krieg auf dem Mars gibt, sto�en sie zu jenen zahlreichen Expeditionen, die zum Schutz der Wasserwege, die alle wilderen Teile dieser Welt durchziehen, gegen die gr�nen Horden ausgesandt werden.</p><p>Ist dieser Dienst dann wieder zu Ende, werfen sie das Metall der Nation weg, der sie zuletzt gedient haben, und dann suchen sie sich einen neuen Herrn. In der Zwischenzeit tragen sie keinerlei Insignien, und ihre abgen�tzten Harnische und grimmigen Waffen reichen aus, ihren Beruf zu kennzeichnen.</p><p>Die Frage des jungen Hal Vas kam Carthoris sehr gelegen, denn wenn er sie bejahte, war das eine zufriedenstellende Erkl�rung f�r sich selbst. Dabei gab es nur eine einzige kleine Schwierigkeit. Solange sich in Kriegszeiten ein solcher Panthan auf dem Staatsgebiet einer am Krieg beteiligten oder interessierten Nation aufhielt, mu�te er die Insignien dieser Nation tragen und mit ihren Kriegern k�mpfen.</p><p>Soviel Carthoris wu�te, lag Dusar mit keiner anderen Nation im Krieg, aber den Roten V�lkern konnte man nie vorhersagen, wann es einem einfiel, dem Nachbarn an die Kehle zu fahren.</p><p>Nicht einmal der gro�en, m�chtigen Allianz, die sein Vater, John Carter, ins Leben gerufen hatte und befehligte, war es bisher gelungen, den Frieden unter den gro�en Nationen Barsooms zu erhalten. Hal Vas l�chelte erfreut, als Carthoris seine Frage bejahte. �Das ist gut�, sagte der junge Mann. �Hier findest du n�mlich sehr bald lohnenden Dienst. Mein Vater Vas Kor ist gerade hier, um eine Streitmacht gegen Helium aufzustellen.�</p></section><section><title><p>12</p><p>Zu Dusars Rettung</p></title><p>Thuvia von Ptarth, die gegen Javs ungez�gelte Lust um mehr als ihr Leben k�mpfte, warf einen raschen Blick �ber die Schulter zum Wald hin�ber, aus dem w�tendes Br�llen zu h�ren war. Auch Jav schaute auf.</p><p>Was sie sahen, erf�llte ihre Herzen mit schauerlichen Ahnungen. Es war Komal, der Banth-Goot, der ihnen mit weit aufgerissenem Maul entgegenrannte. Wen hatte er sich f�r seine n�chste Mahlzeit ausgesucht? Oder wollte er beide auffressen?</p><p>Sie brauchten nicht lange auf die Beantwortung dieser Frage zu warten. Obwohl der Lotharianer immer versuchte, das M�dchen zwischen sich und den Banth zu bringen, fand das gro�e Tier schlie�lich doch ihn.</p><p>Kreischend versuchte er nach Lothar zu fliehen, aber vorher nahm er Thuvia und warf sie buchst�blich dem riesigen Menschenfresser vor die F�nge. Er kam jedoch nicht weit auf seiner Flucht. Mit ein paar Spr�ngen hatte Komal ihn erwischt und an Brust und Kehle gepackt, und so sch�ttelte er ihn voll d�monischer Wut.</p><p>Das M�dchen stand wenig sp�ter neben ihm. Sie bem�hte sich verzweifelt, das f�rchterliche Tier von seiner Beute wegzurei�en.</p><p>Der Banth h�rte nicht auf zu knurren und warf Jav hungrige Blicke zu, aber schlie�lich lie� er sich doch in den Wald zur�ckbringen.</p><p>Thuvia machte sich nun mit ihrem wilden Besch�tzer an der Seite auf die Suche nach der Passage durch die Klippen. Sie hoffte, das schier Unm�gliche zu vollbringen und allein und zu Fu� das ferne Ptarth zu erreichen, das mehr als siebzehntausend Haad entfernt war, und dazu mu�te sie noch besonders wildes Gel�nde durchqueren.</p><p>Sie konnte nicht glauben, da� Carthoris sie absichtlich verlassen hatte, und so hielt sie st�ndig Ausschau nach ihm. Sie hielt sich jedoch bei ihrer Suche nach dem Tunnel zu weit n�rdlich, und so lief sie an dem Prinzen vorbei, als er auf der Suche nach ihr nach Lothar zur�ckkehrte.</p><p>Thuvia von Ptarth fiel es recht schwer, den genauen Platz des Prinzen von Helium in ihrem Herzen zu bestimmen. Nicht einmal vor sich selbst konnte sie zugeben, da� sie ihn liebte, und doch hatte sie ihm gestattet, sie mit den z�rtlichsten Worten anzusprechen, die ein M�dchen auf Barsoom nicht anh�ren durfte, wenn sie nicht von ihrem Verlobten oder ihrem Ehemann kamen � <emphasis>meine Prinzessin</emphasis>. </p><p>Kulan Tith, Jeddak von Kaol, mit dem sie verlobt war, geno� ihrem Respekt und ihre Bewunderung. Hatte sie sich ihres Vaters W�nschen nur deshalb gef�gt, weil der gut aussehende Heliumprinz die Anwesenheit am Hof ihres Vaters nicht sofort dazu ben�tzte, um ihre Hand zu bitten? War sie deshalb gekr�nkt gewesen? Hatte sie nicht dar�ber nachgedacht und darauf gewartet, seit sie Hand in Hand auf den geschnitzten Sesseln im inneren Hof des Palastgartens von Salensus Oll in Kadabra gesessen hatten?</p><p>Liebte sie denn Kulan Tith? Tapfer versuchte sie es sich selbst glauben zu machen, da� sie ihn liebte, aber dabei hielt sie immer nach der hohen, sch�nen Gestalt eines schwarzhaarigen, grau�ugigen und schlankbeinigen K�mpfers Ausschau. Schwarze Haare hatte Kulan Tith, doch seine Augen waren braun, und ganz so schlank war er auch nicht�</p><p>Es war schon fast dunkel, als sie endlich den Eingang zum Tunnel fand. Unbehelligt erreichte sie die H�gel auf der anderen Seite, und hier legte sie unter dem hellen Licht der beiden Marsmonde eine Rast ein, um sich einen Plan f�r die n�chste Zukunft zurechtzulegen. Sollte sie hier warten in der Hoffnung, Carthoris m�ge auf der Suche nach ihr zur�ckkehren? Oder sollte sie ihren Weg nach Ptarth in nord�stlicher Richtung fortsetzen?</p><p>Wohin konnte sich Carthoris gewandt haben, nachdem er das Tal von Lothar verlassen hatte?</p><p>Mund und Kehle waren ihr ausgetrocknet, und dieser Umstand gab den Ausschlag � auf nach Aaanthor, wo es Wasser gab. Nun, sie w�rde also nach Aaanthor gehen und dort vielleicht mehr vorfinden als das so dringend ben�tigte Wasser.</p><p>Mit Komal an ihrer Seite hatte sie keine Angst, denn er konnte und w�rde sie vor allen anderen wilden Tieren besch�tzen. Selbst die gro�en wei�en Affen scheuten die Banths und flohen, wenn sie einen auch nur von weitem sahen. Zu f�rchten brauchte sie nur Menschen, aber damit und mit etlichen anderen Widrigkeiten mu�te sie sich abfinden, wenn sie den Hof ihres Vaters wieder erreichen wollte.</p><p>Als Carthoris sie dann endlich fand, um vom Langschwert eines gr�nen Kriegers fast erschlagen zu werden, w�nschte Thuvia nichts sehns�chtiger, als da� dasselbe Schicksal sie ereilen m�ge.</p><p>Dann sah sie die Roten Krieger aus den Fliegern springen, und einen Augenblick lang fa�te sie neue Hoffnung � da� Carthoris von Helium nur bet�ubt sein m�ge und da� diese M�nner ihn retten w�rden. Doch dann sah sie das Metall von Dusar an den Harnischen; ihr wurde klar, da� diese Leute nur sie vor den angreifenden Torquasianern zu retten gedachten � und da gab sie auf.</p><p>Auch Komal war tot, und er lag fast in seiner ganzen L�nge auf Carthoris. Jetzt war sie ganz allein und hilflos. Sie hatte niemanden mehr, der sie besch�tzen konnte.</p><p>Die Krieger aus Dusar schleppten sie auf das Deck des einen Fliegers, und nun griffen s�mtliche gr�nen Krieger voll neuer Wut an, um sie den Roten wieder zu entrei�en.</p><p>Schlie�lich gewannen die wenigen, die im Kampf nicht gefallen waren, die Decks der beiden Schiffe. Die Maschinen brummten und summten, und die Propeller sirrten. Die Schiffe legten blitzschnell ab und schossen himmelw�rts.</p><p>Thuvia von Ptarth schaute sich um. Neben ihr stand ein Mann und l�chelte zu ihr hinunter. Ihr blieb fast das Herz stehen, als sie ihn erkannte, und sie begrub st�hnend vor Angst und Entsetzen ihr Gesicht in den H�nden. In ihrer Verzweiflung lie� sie sich auf das Deck aus poliertem Skeelholz sinken.</p><p>Es war Astok, Prinz von Dusar, der sich �ber sie beugte.</p><p>Die Schiffe Astoks von Dusar waren schnell, und es war ungeheuer wichtig, da� sie in k�rzester Zeit den Hof ihres Vaters erreichten, denn die Kriegsflotten von Helium, Ptarth und Kaol waren �ber ganz Barsoom verstreut. Und Astok von Dusar w�rde es �bel ergehen, entdeckte eines dieser Schiffe Thuvia von Ptarth als Gefangene auf dem Privatflieger des Prinzen.</p><p>Aaanthor liegt etwa f�nfzig Grad s�dlich und vierzig Grad �stlich von Horz, dem nun verlassenen Sitz der �ltesten Kultur Barsooms, w�hrend Dusar f�nfzehn Grad n�rdlich vom �quator und zwanzig Grad �stlich von Horz zu finden ist.</p><p>Die Entfernung ist gro�, aber die schnellen Flieger bew�ltigten sie ohne Zwischenlandung. Lange ehe sie ihren Bestimmungsort erreichten, hatte Thuvia von Ptarth einiges erfahren, das ihre Zweifel zerstreute, die sie so lange gequ�lt hatten. Kaum hatten sie sich n�mlich �ber Aaanthor erhoben, als sie einen aus der Mannschaft als einen Mann jener Schiffsbesatzung erkannte, die sie damals aus ihres Vaters Garten nach Aaanthor entf�hrte. Da� Astok auf diesem Schiff war, beantwortete also die Grundfrage.</p><p>Sie war von Beauftragten des Prinzen von Dusar entf�hrt worden und Carthoris von Helium hatte nicht das Geringste damit zu tun.</p><p>Astok leugnete auch gar nichts, als sie ihn der Entf�hrung beschuldigte. Er l�chelte nur und schwor ihr, er habe es aus Liebe zu ihr getan.</p><p>�Eher w�rde ich mich mit einem wei�en Affen zusammentun!� rief sie, als er sie bedr�ngte.</p><p>Astok funkelte sie w�tend an.</p><p>�Du wirst dich mit mir zusammentun, Thuvia von Ptarth�, knurrte er. �Oder, wenn du weiter widerspenstig bist, dann sollst du � bei meinen ersten Vorfahren schw�re ich es � wirklich einen wei�en Affen zum Gef�hrten erhalten.�</p><p>Das M�dchen antwortete nichts, und es gelang ihm w�hrend der ganzen Reise nicht, sie in eine Unterhaltung zu ziehen.</p><p>Es war ja nun Tatsache, da� es Astok ziemlich ungem�tlich zumute war, wenn er daran dachte, welche Ausma�e der Konflikt inzwischen angenommen hatte. Er h�tte nie geglaubt, da� eine Entf�hrung so schwerwiegende Folgen haben k�nnte, und die Verantwortung, die er sich mit einer solchen Gefangenen auflud, machte ihm erheblich zu schaffen.</p><p>Sein einziger Gedanke war also der, sie nach Dusar zu bringen und alles weitere dann seinem Vater zu �berlassen. Inzwischen wollte er sorgf�ltig alles vermeiden, was sie kr�nken oder herausfordern konnte, denn er mu�te damit rechnen, da� sie alle in Gefangenschaft kommen w�rden. Selbstverst�ndlich mu�te er dann auch Rechenschaft ablegen �ber die Behandlung des M�dchens, das ja schlie�lich die Tochter eines der m�chtigsten Jeddaks war.</p><p>So kamen sie schlie�lich nach Dusar, wo Astok seine Gefangene in einem Geheimgemach hoch oben im Ostturm seines privaten Palastes versteckte. Seine M�nner hatten ihm Schweigen schw�ren m�ssen, und keiner von ihnen durfte �ber die Identit�t des M�dchens aussagen; erst wollte er mit seinem Vater Nutus, Jeddak von Dusar, sprechen, ehe jemand erfahren durfte, wen er vom S�den mitgebracht hatte.</p><p>Als er jedoch im gro�en Audienzsaal vor dem Mann mit den grausamen Lippen erschien, der sein Vater war, schwand sein ganzer Mut dahin, und er wagte nicht von der Prinzessin zu sprechen, die er in seinem Palast versteckt hielt. Er zog es vor, erst einmal seines Vaters Einstellung zu diesem Fall kennenzulernen, und so erz�hlte er eine Geschichte des Inhalts, da� er jemanden gefangengenommen habe, der behaupte, den Aufenthaltsort der Prinzessin Thuvia von Ptarth zu kennen.</p><p>�Und wenn du, Sire, es befiehlst�, schlo� er sein M�rchen,</p><p>�dann werde ich mich sofort auf den Weg machen, sie entf�hren und hierher nach Dusar bringen.�</p><p>Nutus runzelte die Brauen und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Du hast schon genug angestellt! Erf�hrt man erst etwas �ber deine Beteiligung an der Entf�hrung der Prinzessin von Ptarth, dann gehen alle drei gleichzeitig auf uns los � Ptarth, Kaol und Helium. Du hattest Gl�ck, als du die Schuld an der Entf�hrung dem Prinzen von Helium in die Schuhe schieben konntest, und strategisch hast du das meisterhaft gemacht. Sobald aber das M�dchen die Wahrheit erf�hrt und falls sie je wieder an den Hof ihres Vaters nach Ptarth zur�ckkehrt, mu� Dusar eine unglaublich hohe Strafe bezahlen. Sie hier bei uns als Gefangene zu halten, w�re ein Schuldeingest�ndnis, und vor dessen Folgen k�nnte uns nichts mehr retten. Astok, so etwas w�rde mich den Thron kosten, und ich habe nicht die Absicht, ihn aufs Spiel zu setzen.</p><p>Wenn wir sie hier h�tten�� Der �ltere Mann �berlegte laut und wiederholte mehrfach diesen Satz. �Wenn wir sie hier h�tten�</p><p>Ah! Wenn wir sie hier h�tten und niemand w��te es�, rief er fast begeistert von seinem Gedanken, �und gar niemand w��te es, da� sie hier ist�! Sohn, kannst du dir das nicht vorstellen? Mit ihren Knochen w�re dann die Schuld Dusars f�r ewige Zeiten begraben�, schlo� er wie ein Verschw�rer fl�sternd.</p><p>Astok Prinz von Dusar �berlief es eiskalt.</p><p>Er war schwach und durchtrieben; das war er ohne Zweifel, doch der nur d�rftig verschleierte Vorschlag seines Vaters erf�llte ihn mit Grauen.</p><p>Grausam ihren Feinden gegen�ber sind die Menschen auf dem Mars, aber das Wort &gt;Feind&lt; wird ausschlie�lich auf den Mann angewandt. Mord ist in den gro�en St�dten auf Barsoom an der Tagesordnung, doch der Mord an einer Frau ist ein Verbrechen, dessen sich nicht einmal harte, ausgekochte Berufsm�rder schuldig machen w�rden. Vor einem solchen Vorschlag zuckt selbst der verworfenste aller Meuchelm�rder zur�ck.</p><p>Nutus schien das Entsetzen seines Sohnes nicht zu bemerken, und er hielt sich auch wegen seines Vorschlages noch einiges zugute.</p><p>�Du sagst, du w��test, wo das M�dchen versteckt gehalten wird�, fuhr er fort. �Sie wurde ja deinen Leuten in Aaanthor weggenommen. Sollte sie von einer der drei M�chte gefunden werden, so w�rde ihre durch nichts gest�tzte Geschichte ausreichen, alle drei gegen uns zu wenden.</p><p>Deshalb gibt es hier nur eine M�glichkeit, Astok. Du mu�t sofort zu ihrem Versteck zur�ckkehren und sie in aller Heimlichkeit hierher bringen. Und pa� auf! Wage es ja nicht, ohne sie nach Dusar zu kommen! Der Tod w�re dir sicher!�</p><p>Astok, Prinz von Dusar, kannte die Launen seines k�niglichen Vaters recht genau. Er wu�te, da� im Herzen des Tyrannen nicht ein Funken Gef�hl f�r irgendeine Kreatur Platz hatte.</p><p>Astoks Mutter war eine Sklavin gewesen. Nutus hatte sie niemals geliebt, aber er hatte auch keine andere Frau je geliebt.</p><p>In jungen Jahren hatte er wohl versucht, an den H�fen einiger seiner m�chtigen Nachbarn eine Frau zu finden, doch keine einzige Frau wollte ihn haben.</p><p>Nachdem ein Dutzend T�chter von Edlen seines eigenen Landes lieber den Freitod gew�hlt hatten als ihn zu heiraten, hatte er die Suche aufgegeben. Da hatte er dann richtig legal eine seiner Sklavinnen geheiratet, so da� er wenigstens einen Sohn bek�me, der nach seinem hoffentlich recht sp�ten Tod unter den Jeds stand, aus denen der neue Jeddak gew�hlt wurde.</p><p>Langsam entzog sich Astok der N�he seines Vaters. Totenbla� und am ganzen Leib zitternd kehrte er in seinen eigenen Palast zur�ck. Als er den Hof �berquerte, fiel sein Blick auf den hohen Ostturm, der dunkel vor dem blauen Himmel stand.</p><p>Am ganzen K�rper brach ihm kalter Schwei� aus.</p><p>Issus! Diese schreckliche Tat konnte er keiner anderen Hand �berlassen; die mu�te er selbst ausf�hren. Mit den eigenen Fingern mu�te er das Leben aus dieser wundervollen, glatten Kehle pressen oder die scharfe Klinge in das rote, edle Herz sto�en.</p><p>Ihr Herz! Und er hatte gehofft, dieses Herz m�ge vor Liebe zu ihm �berflie�en�</p><p>War es soweit gekommen? Er erinnerte sich der hochm�tigen Verachtung, mit der seine Liebesschw�re beantwortet worden waren. Es �berlief ihn eiskalt, und dann wurde ihm siedend hei�, wenn er daran dachte. Und dann nahm allm�hlich der Gedanke an Rache von ihm Besitz und l�schte alle feineren Gef�hle in ihm aus. Fast h�tte er den guten Instinkten nachgegeben, die er von seiner Mutter, der Sklavin, geerbt hatte. Das b�se, verdorbene Blut seines Vaters siegte jedoch �ber das gute seiner Mutter, und so geht es doch eigentlich immer und �berall.</p><p>Ein kaltes L�cheln verdr�ngte die Angst, die ihm den kalten Schwei� auf die Stirn getrieben hatte. Er ging zum Turm.</p><p>Nat�rlich wollte er sie noch einmal sehen, ehe er sich auf jene Reise begab, die seinem Vater Sand in die Augen streuen sollte.</p><p>Die Tatsache, da� das M�dchen sich bereits in Dusar befand, durfte auf gar keinen Fall durchsickern.</p><p>Er schl�pfte durch einen Geheimeingang in den Turm und stieg die Spiralrampe hinauf zu jenem Raum, in dem die Prinzessin von Ptarth gefangen war.</p><p>Als er eintrat, lehnte das M�dchen am Fensterbrett der Ostseite des Turms und schaute �ber die D�cher von Dusar in die Richtung, in der Ptarth lag. Er ha�te Ptarth. Der Gedanke daran erf�llt ihn mit Wut. Warum sollte er sie nicht jetzt gleich erledigen, damit er die Sache m�glichst schnell hinter sich hatte?</p><p>Als sie seine Schritte vernahm, drehte sie sich rasch zu ihm um. Ah, wie sch�n sie doch war! Seine Entschlossenheit, sie zu t�ten, schmolz im glorreichen Licht ihrer erlesenen Sch�nheit zu einem Nichts zusammen. Er wollte warten, bis er von seiner kleinen T�uschungsreise zur�ckkehrte; vielleicht ergab sich bis dahin auch ein Ausweg. Vielleicht eine andere Hand, die den Sto� f�hrte, andere Finger, die ihre Kehle zudr�ckten. Mit diesem Gesicht, diesen Augen� Nein, er konnte es nicht tun! Das wu�te er nur allzu genau. Immer hatte er sich auf seine Grausamkeit einiges eingebildet, aber so grausam war er schlie�lich auch wieder nicht. Bei Issus, nein! Er mu�te einen anderen Mann finden, der das f�r ihn erledigte, einen, dem er vertrauen konnte.</p><p>Er sah sie noch immer an, und sie stand aufrecht und furchtlos vor ihm. Die hei�e Leidenschaft seiner Liebe zu ihr schlug hohe Wogen. Sollte er es nicht noch einmal versuchen? Lie� sie sich erweichen, dann wurde noch alles gut. Selbst wenn er seinen Vater nicht dazu �berreden konnte, dann w�rde er eben nach Ptarth fliegen und die ganze Schuld an der Schurkerei der Entf�hrung und an der Intrige, die vier Nationen in einen blutigen Krieg gest�rzt hatte, seinem Vater Nutus auf die Schultern laden.</p><p>Und wer w�rde an der Wahrheit einer solchen Anschuldigung zweifeln?</p><p>�Thuvia�, sagte er, �ich komme zum letztenmal, um dir mein Herz zu F��en zu legen. Ptarth und Kaol und Dusar liegen mit Helium im Krieg � nur deinetwegen. Heirate mich, Thuvia, und alles wird wieder so, wie es sein soll.�</p><p>Das M�dchen sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Warte!� befahl er, ehe sie sprechen konnte. �Du sollst die volle Wahrheit erfahren, ehe du die Worte sprichst, die nicht nur dein Schicksal besiegeln werden, sondern auch das vieler tausend tapferer Krieger, die deinetwegen Krieg f�hren.</p><p>Wenn du dich weigerst, mich freiwillig zu heiraten und Dusar in Tr�mmer gelegt wird, weil Ptarth, Kaol und Helium die Wahrheit erfahren, dann ist auch �ber dein Schicksal das Los gefallen. Die anderen w�rden unsere St�dte ausradieren und keinen Stein auf dem anderen lassen. Sie w�rden unser Volk in alle Winde zerstreuen, vom eisigen Norden bis in den eisigen S�den, man w�rde sie jagen und erschlagen, wo man sie f�nde, bis von dieser gro�en Nation nichts mehr �brig w�re als eine geha�te Erinnerung.</p><p>W�hrend sie aber die Nation von Dusar ausrotten, gehen viele Tausende der eigenen Krieger zugrunde, und alle m�ssen nur deshalb sterben, weil eine einzige Frau sich trotzig weigert, den Prinzen zu heiraten, der sie liebt.</p><p>Weigere dich, Thuvia von Ptarth, dann gibt es nur eine einzige Alternative � kein Mensch darf je von deinem Schicksal erfahren.</p><p>Nur mein k�niglicher Vater und eine Handvoll treuer M�nner und ich selbst wissen es, da� du aus den G�rten deines Palastes in Ptarth entf�hrt wurdest und da der Entf�hrer kein anderer war als Astok, Prinz von Dusar. Und niemand wei� bis jetzt, da� du als Gefangene in meinem Palast bist.</p><p>Weigere dich, Thuvia von Ptarth, und du mu�t sterben, um Dusar zu retten. Es gibt keine andere M�glichkeit. Nutus, der Jeddak, hat es bestimmt. Ich habe gesprochen, und du hast mich geh�rt.�</p><p>Lange lie� das M�dchen den Blick auf dem Gesicht von Astok, Prinz von Dusar ruhen. Dann sprach sie. Sie sagte nur wenige Worte und ihr leidenschaftsloser Ton verriet unme�bare Tiefen kalter Verachtung.</p><p>�Besser als du bist, ist alles, was du mir angedroht hast.�</p><p>Dann drehte sie ihm den R�cken zu und schaute nun wieder zum Ostfenster hinaus in die Richtung, in der das ferne Ptarth lag.</p><p>Astok wirbelte herum und verlie� den Raum, kam aber nach kurzer Zeit mit Essen und Trinken zur�ck.</p><p>�Hier�, sagte er. �I� und trink bis ich wieder zur�ckkehre.</p><p>Der n�chste Mensch, der diesen Raum betritt, wird dein Henker sein. Empfiehl dich also deinen Vorfahren, Thuvia von Ptarth, denn in wenigen Tagen wirst du bei ihnen sein.�</p><p>Dann verschwand er.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter sprach er mit einem hohen Offizier der Flotte von Dusar.</p><p>�Wohin ging Vas Kor?� fragte er. �Er ist nicht in seinem Palast.�</p><p>�Er ging nach S�den zu dem gro�en Wasserweg, der Torquas einschlie�t�, erwiderte der andere. �Sein Sohn Hai Vas ist Dwar der dortigen Stra�e, und dorthin ist Vas Kor gegangen, um unter den Farmarbeitern Rekruten zu werben.�</p><p>�Gut�, antwortete Astok, und eine weitere halbe Stunde sp�ter befand er sich in seinem schnellsten Flieger �ber Dusar.</p></section><section><title><p>13</p><p>Turjun, der Panthan</p></title><p>Das Gesicht des Prinzen von Helium lie� nichts von jenen Gef�hlen ahnen, die in seiner Brust st�rmten, als er von Hai Vas h�rte, da� Helium Krieg gegen Dusar f�hrte und da� das Schicksal ihn in den Dienst des Feindes geworfen hatte.</p><p>Da� er die Gelegenheit sicherlich ben�tzen w�rde, um f�r Helium nach besten Kr�ften Gutes zu bewirken, minderte seinen Kummer dar�ber nur unwesentlich, da� er nicht an der Spitze seiner eigenen treuen Truppen gegen den Feind ziehen konnte.</p><p>Es w�re vermutlich ziemlich leicht gewesen, den Dusarianern zu entkommen, vielleicht aber auch nicht. Sollten sie seiner Loyalit�t nicht trauen � und bei einem Panthan war immer Mi�trauen angebracht � so w�rde es ihm vielleicht nicht gelingen, vor Ende des Krieges ihrer Wachsamkeit zu entrinnen. Dieses Kriegsende konnte nur wenige Tage entfernt sein, ebenso gut aber viele Jahre des Kummers und Blutvergie�ens.</p><p>Aus der Geschichte erinnerte er sich etlicher Kriege, die f�nf-oder sechshundert Jahre andauerten, ohne da� das Blutvergie�en dazwischen einmal aufgeh�rt h�tte. Auch jetzt gab es noch einige Nationen auf Barsoom, die seit Menschengedenken mit Helium im Krieg lagen und keine Lust hatten, endlich Frieden zu schlie�en.</p><p>Das waren keine erfreulichen Aussichten. Er konnte ja nicht ahnen, da� er in ein paar Stunden jenes Schicksal segnen w�rde, das ihn in den Dienst von Dusar geworfen hatte.</p><p>�Ah!� rief Hai Vas. �Da ist ja jetzt mein Vater. Kaor, Vas Kor. Hier ist einer, �ber den du dich freuen wirst, ein t�chtiger Panthan�� Er z�gerte ein wenig.</p><p>�Turjun�, sagte Carthoris, denn ein anderer Name fiel ihm nicht gleich ein.</p><p>W�hrend er noch sprach, huschten seine Augen zu dem gro�en Krieger, der eben den Raum betreten hatte. Diesen Riesen hatte er doch schon irgendwo gesehen? Er kannte doch diese ruhige, stolze Haltung und die Schwertnarbe, die von der Schl�fe zum Mundwinkel lief?</p><p><emphasis>Vas Kor</emphasis>, wiederholte Carthoris immer wieder in Gedanken.</p><p>Vas Kor� Wo hatte er den Mann nur schon gesehen?</p><p>Als dann der Edle zu sprechen begann, wu�te er pl�tzlich alles. Das war doch dieser Diener auf der Landeplattform von Ptarth, der �berall die Nase vorne dran gehabt hatte! Damals hatte er Thuvan Dihn die Besonderheiten und Vorz�ge seines neuen Kompasses erkl�rt. Und genau dieser Sklave hatte seinen eigenen Hangar in jener Nacht bewacht, als er sich auf die Reise nach Ptarth machte, die ihn dann auf so merkw�rdige Weise nach Aaanthor brachte.</p><p>�Vas Kor�, wiederholte er laut, �gesegnet und gepriesen seien deine Vorfahren f�r diese Begegnung.� Der Dusarianer ahnte nat�rlich nicht, welche Bedeutung in den Worten des jungen Mannes lag, die sonst nur die Antwort eines wohlerzogenen Barsoomianers auf eine Vorstellung war.</p><p>�Und gesegnet seien auch die deinen, Turjun�, erwiderte Vas Kor.</p><p>Jetzt mu�te nat�rlich auch Kar Komak vorgestellt werden, und als Carthoris durch diese kleine Zeremonie ging, fand er die einzige Erkl�rung f�r die wei�e Haut und das honigfarbene Haar des Mannes, die irgendwie glaubhaft klang; er f�rchtete n�mlich, niemand wurde ihm die Wahrheit abnehmen, so da� man von Anfang an gegen sie beide Mi�trauen hegen w�rde.</p><p>�Kar Komak�, erkl�rte er, �ist, wie du siehst, ein Thern. Er ist von seinen in ewiges Eis eingeschlossenen Tempeln im S�den gewandert, um Abenteuer zu suchen. Ich fand ihn in den Ruinen von Aaanthor. Ich kenne ihn zwar noch nicht sehr lange, kann aber seine Tapferkeit und Loyalit�t beschw�ren.�</p><p>Seit der Zerst�rung des L�gengewebes einer falschen Religion durch John Carter hatte die gro�e Mehrheit der Therns mit Freuden die neue Ordnung der Dinge akzeptiert, so da� es gar nicht mehr als ungew�hnlich galt, wenn sich einer von ihnen unter die Roten Menschen in eine der St�dte mischte, und deshalb war Vas Kor auch gar nicht erstaunt.</p><p>Wie eine Katze beobachtete Carthoris w�hrend der Unterredung den Mann Vas Kor, um festzustellen, ob dieser in ihm den gro�artigen Prinzen von Helium erkannte oder auch nur ahnte. Die schlaflosen N�chte, die langen Tage eines anstrengenden Marsches, die zahlreichen K�mpfe, die Wunden und das getrocknete Blut schienen jedoch jede �hnlichkeit mit dem Prinzen zu verwischen. Au�erdem hatte Vas Kor ihn nur zweimal gesehen, und deshalb war es nicht sehr verwunderlich, da- er Carthoris nicht erkannte.</p><p>Im Lauf des Abends k�ndigte Vas Kor an, da� sie am folgenden Tag in n�rdlicher Richtung nach Dusar aufbrechen und an verschiedenen am Weg liegenden Stellen weitere Rekruten aufnehmen w�rden. Auf einem gro�en Feld hinter dem Haus lag ein Flieger, ein ziemlich gro�er Kreuzer-Transporter, der nicht nur viele Soldaten aufnehmen konnte, sondern auch sehr schnell und gut bewaffnet war. Hier schliefen Carthoris und Kar Komak mit anderen Rekruten unter der Aufsicht und Bewachung regul�rer Krieger aus Dusar, die zur Besatzung des Schiffes geh�rten.</p><p>Gegen Mitternacht kehrte Vas Kor vom Haus seines Sohnes zum Schiff zur�ck und begab sich sofort in seine Kabine.</p><p>Carthoris stand mit einem Soldaten aus Dusar Wache. Nur m�hsam unterdr�ckte der junge Heliumite ein kaltes L�cheln, als der gro�e schlanke Edle an ihm vorbeiging � in Reichweite des langen, scharfen Schwertes, das der junge Prinz am Wehrgeh�nge trug!</p><p>Wie leicht w�re es doch gewesen� Jetzt h�tte er den schmutzigen Trick, den man gegen ihn angewandt hatte, r�chen k�nnen; jetzt h�tte er mit einem Streich Helium, Ptarth und Thuvia r�chen k�nnen!</p><p>Aber seine Hand bewegte sich nicht zum Dolchgriff und nicht zum Schwertknauf. Vas Kor mu�te zuerst einem besseren Zweck dienen. Vielleicht wu�te oder ahnte er, wo Thuvia von Ptarth jetzt versteckt gehalten wurde, wenn es wirklich Dusarianer gewesen waren, die sie w�hrend des Kampfes vor Aaanthor weggeholt hatten.</p><p>Und dann war ja da noch der Initiator dieses faulen Komplotts, der seiner gerechten Strafe zugef�hrt werden mu�te.</p><p>Und wer anderer als Vas Kor konnte den Prinzen von Helium zu Astok von Dusar f�hren?</p><p>Es dauerte nicht lange, da vernahm Carthoris ein fernes Motorsummen, das sich rasch n�herte. Er suchte den dunklen Himmel ab. Ja, das Ger�usch kam aus dem Norden, und vor der Dunkelheit des unendlichen Raumes zeichnete sich der Umri� eines Fliegers ab, der unbeleuchtet durch die Nacht von Barsoom zog.</p><p>Carthoris, der ja nicht wu�te, ob das Schiff f�r Dusar Freund oder Feind war, gab nicht zu erkennen, da� er es gesehen und geh�rt hatte, sondern schaute in eine andere Richtung. Er �berlie� die Sache lieber dem Dusarianer, der mit ihm auf Wache stand.</p><p>Sp�ter entdeckte dieser Krieger das sich n�hernde Schiff und gab sofort Alarm, worauf die restliche Mannschaft und s�mtliche Offiziere ihre Schlafseiden und Pelze verlie�en und auf Deck eilten. Der Kreuzer-Transporter lag unbeleuchtet auf dem Feld und mu�te f�r den ankommenden Flieger unsichtbar sein; den erkannten alle schnell als kleinen, schnellen Flieger.</p><p>Es war schnell zu sehen, da� dieser Flieger landen wollte, denn er zog in gro�en Spiralen immer weiter herunter.</p><p>�Das ist die <emphasis>Thuria�</emphasis>, fl�sterte einer der Dusarianer. �Die w�rde ich selbst in der schw�rzesten Grube unter Tausenden von anderen Schiffen herauskennen.�</p><p>�Und wie recht du hast!� rief Vas Kor, der eben auf Deck kam. �Kaor! Thuria!� rief er laut.</p><p>�Kaor!� kam wenig sp�ter von oben die Antwort. �Welches Schiff ist das?�</p><p>�Kreuzer-Transporter <emphasis>Kalksus</emphasis>, Vas Kor von Dusar.�</p><p>�Gut�, kam es von oben. �Kann ich sicher neben euch landen?�</p><p>�Ja, m�glichst nahe an Starbord. Warte, wir werden dir unsere Lichter zeigen.� Einen Augenblick sp�ter senkte sich das kleine Schiff und legte sich neben die <emphasis>Kalksus</emphasis>. Deren Lichter wurden sofort wieder gel�scht.</p><p>Einige Gestalten schl�pften �ber die Reling der <emphasis>Thuria</emphasis> und kamen zur <emphasis>Kalksus</emphasis> her�ber. Die Dusarianer waren mi�trauisch und standen bereit, den Besucher als Freund oder Feind zu empfangen � was sich eben nach genauerer Inspektion herausstellte.</p><p>Carthoris stand ziemlich nahe an der Reling, um sich sofort auf die Seite der Neuank�mmlinge schlagen zu k�nnen, falls es zuf�llig Heliumiten sein sollten, die einen Handstreich auf das einzelne Dusarianer-Schiff vorhatten. Solche Gruppen hatte er selbst schon wiederholt angef�hrt, und daher wu�te er, da� so etwas durchaus m�glich war.</p><p>Es war f�r ihn ein schwerer Schock, als er das Gesicht des ersten Mannes erblickte, der �ber die Reling stieg, und gleichzeitig sah er einen Hoffnungsschimmer f�r die Zukunft, denn es war Astok, Prinz von Dusar.</p><p>Ohne die anderen auf Deck auch nur eines Blickes zu w�rdigen, ging er sofort auf Vas Kor zu und befahl ihm, mit ihm nach unten in die Kabine zu gehen. Die Krieger und Offiziere wurden zu ihren Schlafseiden und Pelzen zur�ckgeschickt, und nun lag das Deck wieder verlassen da � bis auf den Krieger von Dusar, der zusammen mit dem Panthan Turjung Wache hatte.</p><p>Letzterer ging ruhig auf und ab. Der Krieger aus Dusar lehnte an der Reling und sehnte sich nach Abl�sung. Er bemerkte es nicht, da� sein Kamerad sich den Lichtern der Kabine von Vas Kor n�herte. Er bemerkte es ferner nicht, da� dieser sich hinunterbeugte und sein Ohr an einen winzigen Ventilator legte.</p><p>�M�gen die wei�en Affen uns alle auffressen�, rief Astok verlegen. �Wir stecken in der schlimmsten Klemme, die man sich nur vorstellen kann! Nutus glaubt, da� wir sie irgendwo weit weg versteckt haben, und er hat mir befohlen, sie nach Dusar zu bringen.�</p><p>Er schwieg eine Weile. Kein Mensch h�tte das von seinen Lippen h�ren d�rfen, was er bisher gesagt hatte und noch weiter zu sagen gedachte. Besser w�re es gewesen, alles w�re Nutus� und Astoks Geheimnis geblieben, denn darauf ruhte nun die Sicherheit des Thrones von Dusar. Mit diesem Wissen konnte jeder den Jeddak von Dusar nach Belieben erpressen, und er w�rde alles bekommen, was ihm je zu verlangen gefiel.</p><p>Aber Astok hatte Angst, und er erwartete von diesem �lteren Mann wenigstens einen anderen Vorschlag. Deshalb sprach er weiter.</p><p>�Ich mu� sie t�ten�, fl�sterte er und sah sich furchtsam um.</p><p>�Nutus w�nschte nur die Leiche zu sehen, damit er sicher sein kann, da� sein Befehl ausgef�hrt wurde. Ich habe ihm gesagt, da� ich nun zu dem Ort reise, wo sie versteckt gehalten wird, damit ich sie in aller Heimlichkeit nach Dusar bringe.</p><p>Kein Mensch darf je erfahren, da� sie im Gewahrsam eines Dusarianers war. Dir brauche ich nicht zu erkl�ren, was es f�r Dusar bedeuten w�rde, erf�hren Ptarth, Kaol und Helium je die Wahrheit.�</p><p>Mit einem h�rbaren Klicken klappte der Lauscher am Ventilator seine Kinnladen zu. Zuvor hatte er nur vermutet, wer der Gegenstand dieser Unterhaltung sein k�nnte, doch jetzt wu�te er, um welche Person es sich drehte. Und diese Unmenschen wollten sie t�ten! Er ballte seine muskul�sen H�nde solange zu F�usten, bis ihm die Fingern�gel in die Handballen schnitten.</p><p>�Und du willst, da� ich mitkommen, wenn du sie holst, damit du sie nach Dusar bringen kannst?� fragte Vas Kor. �Wo ist sie denn jetzt?�</p><p>Astok beugte sich nahe �ber Vas Kor und fl�sterte ihm etwas ins Ohr. �ber dessen Gesicht huschte ein L�cheln grausamer Befriedigung. Er wurde sich nat�rlich sofort der Macht bewu�t, die er nun in H�nden hatte. Jetzt konnte er wenigstens Jed werden.</p><p>�Und wie kann ich dir helfen, mein Prinz?� fragte der �ltere Mann glatt.</p><p>�Ich kann sie nicht umbringen�, antwortete Astok. �Issus!</p><p>Ich kann es einfach nicht! Wenn sie mich mit diesen Augen anschaut, wird mein ganzes Herz zu Wasser.�</p><p>Vas Kor kniff die Augen zusammen.</p><p>�Und du willst also�� Mehr brauchte er nicht zu sagen, denn die Frage war, wenn auch nicht vollendet, so doch eindeutig.</p><p>Astok nickte.</p><p>� <emphasis>Du</emphasis> liebst sie ja nicht�, sagte er.</p><p>�Aber mein Leben liebe ich, wenn ich auch nur ein geringer Edler bin�, antwortete Vas Kor vielsagend.</p><p>�Du wirst ein hoher Edler werden, ein Edler von h�chstem Rang!� versprach ihm Astok eifrig.</p><p>�Ich will ein Jed werden�, erkl�rte Vas Kor unverbl�mt.</p><p>Astok z�gerte.</p><p>�Ein Jed mu� sterben, ehe ein anderer Jed werden kann�, wandte er ein.</p><p>�Jeds sind auch fr�her schon gestorben�, knurrte Vas Kor.</p><p>�Es ist zweifellos absolut nicht schwierig, einen Jed zu finden, den du nicht magst, Astok. Und es gibt sehr viele, die <emphasis>dich</emphasis> nicht m�gen.�</p><p>Schon jetzt versuchte Vas Kor seine Macht �ber den jungen Prinzen zu demonstrieren. Das bemerkte Astok nat�rlich sehr schnell, und er nahm Kenntnis von der ver�nderten Haltung seines Untertanen. Sofort entsprang seinem schwachen, irren Gehirn ein schlauer Plan. �Wie du sagst, Vas Kor!� rief er. �Du sollst Jed werden, wenn diese Sache erledigt ist� Und mir wird es dann nicht schwerfallen, einen Jed zu finden, den ich nicht leiden kann.�</p><p>�Wann werden wir nach Dusar zur�ckkehren?� fragte der Edle.</p><p>�Sofort�, erwiderte Astok. �Wir brechen noch diese Minute auf. Dich h�lt doch hier nichts zur�ck, oder?�</p><p>�Ich wollte eigentlich erst morgen abreisen und die Rekruten abholen, welche verschiedene Dwars an der Stra�e f�r mich gesammelt haben, um sich nach Dusar zu bringen.�</p><p>�Die Rekruten k�nnen warten�, antwortete Astok. �Oder noch besser, komm zu mir auf die <emphasis>Thuria</emphasis>, und wir fliegen zusammen nach Dusar. Die <emphasis>Kalksus</emphasis> kann morgen folgen und die Rekruten aufnehmen.�</p><p>�Ja�, pflichtete ihm Vas Kor bei, �das ist der bessere Plan.</p><p>Komm, ich bin bereit.� Er stand auf, um Astok auf dessen Schiff zu begleiten.</p><p>Der Lauscher am Ventilator erhob sich wie ein alter Mann auf die F��e. Sein Gesicht war besorgt, verkniffen und unter der kupferfarbenen Haut sehr bla�. Thuvia sollte sterben! Und er war hilflos und ohne jede M�glichkeit, diese Trag�die zu verhindern!</p><p>Er wu�te ja nicht einmal, wo sie versteckt war.</p><p>Die beiden M�nner stiegen auf Deck hinauf. Turjun, der Panthan, dr�ckte sich eng an den Aufgang, und seine sehnigen Finger lagen fest um den Griff seines Dolches. Konnte er die beiden t�ten, ehe er selbst �berw�ltigt wurde? Er l�chelte. In seinem jetzigen Geisteszustand h�tte er allein auch eine ganze Utan ihrer Feinde erschlagen. Sie waren nun fast auf seiner H�he, und Astok sprach.</p><p>�Nimm ein paar von deinen M�nnern mit, Vas Kor�, sagte er.</p><p>�Auf der <emphasis>Thuria</emphasis> sind wir knapp mit Leuten, so schnell sind wir abgeflogen.�</p><p>Die Finger des Panthan l�sten sich vom Dolchgriff. Hier lag eine M�glichkeit, Thuvia von Ptarth zu retten. Sein rascher Geist hatte das sofort erkannt. Vielleicht w�hlte man sogar ihn aus, den M�rder zu begleiten, und wu�te er erst, wo Thuvia gefangen gehalten wurde, dann konnte er Astok und Vas Kor immer noch ins Jenseits schicken, besser wahrscheinlich sogar als jetzt.</p><p>Wenn er die beiden M�nner nun t�tete, dann erfuhr er nie, wo sich Thuvia befand, und er mu�te sie dann ihrem Schicksal �berlassen, von anderen get�tet zu werden. Fr�her oder sp�ter w�rde Nutus ja doch ihren Aufenthaltsort in Erfahrung bringen, und der konnte es sich nicht leisten, sie am Leben zu lassen; er nicht, und war er hundertmal der Jeddak von Dusar.</p><p>Turjun stellte sich Vas Kor so auff�llig in den Weg, da� er nicht zu �bersehen war. Der Edle weckte alle M�nner auf, die auf Deck schliefen, aber der fremde Panthan, den er erst an diesem Tag als Rekruten aufgenommen hatte, schaffte es immer wieder, vor seinen Augen zu erscheinen.</p><p>Vas Kor wandte sich an einen jungen Offizier, dem er den Befehl erteilte, die <emphasis>Kalksus</emphasis> nach Dusar zu bringen und unterwegs die Rekruten aufzulesen. Dann gab er den beiden Kriegern, die hinter dem Padwar standen, ein Zeichen.</p><p>�Ihr zwei kommt mit auf die <emphasis>Thuria�</emphasis>, sagte er. �Dort stellt ihr euch deren Dwar zur Verf�gung.�</p><p>Es war dunkel auf dem Deck der <emphasis>Kalksus</emphasis>, und so sah Vas Kor nicht sehr genau in die Gesichter der beiden ausgew�hlten M�nner. Das war im Moment auch nicht sehr wichtig, denn es waren gemeine Soldaten, die auf einem Schiff nur wenige Pflichten zu erf�llen hatten und k�mpfen mu�ten, sobald sich die Notwendigkeit dazu ergab.</p><p>Einer von den beiden M�nnern war Kar Komak, der Bogensch�tze. Der andere war nicht Carthoris.</p><p>Der junge Heliumprinz war fast wahnsinnig vor Entt�uschung.</p><p>Er ri� seinen Dolch aus dem Harnisch, aber schon hatte Astok das Deck der <emphasis>Kalksus</emphasis> verlassen, und er wu�te genau, da� die Krieger von Dusar ihn t�ten w�rden, ehe er Astok und Vas Kor einholen und ermorden konnte. Es waren im Augenblick zuviele M�nner auf Deck. Und wenn einer von den beiden am Leben bliebe, dann w�re Thuvia in derselben Lebensgefahr als wenn alle beide lebten. Also mu�ten es beide sein!</p><p>Als Vas Kor vom Schiff auf den Boden stieg, folgte ihm Carthoris einfach. Niemand hielt ihn auf, denn man schien anzunehmen, da� er mit zur Gruppe geh�rte.</p><p>Nach ihm kamen Kar Komak und der Krieger von Dusar, der zur <emphasis>Thuria</emphasis> abkommandiert war. Carthoris ging unmittelbar links von diesem Mann. Jetzt kamen sie in den dichten Schatten unter dem Rumpf der <emphasis>Thuria</emphasis>. Hier war es sehr dunkel, so da� sie nach der Leiter tasten mu�ten.</p><p>Kar Komak ging vor dem Dusarianer hinauf. Letzterer griff nach oben, um die Sprossen der Strickleiter zu finden, aber in dem Moment dr�ckten sich st�hlerne Finger um seine Luftr�hre, und ein d�nner, scharfer Dolch stach ihn mitten ins Herz.</p><p>Turjun, der Panthan, kletterte als Letzter �ber die Reling der <emphasis>Thuria</emphasis> und zog hinter sich die Strickleiter ein.</p><p>Einen Augenblick sp�ter hob die <emphasis>Thuria</emphasis> ab und raste nach Norden davon.</p><p>Als Kar Komak sich an der Reling nach dem Krieger aus Dusar umwandte, weil er mit ihm sprechen wollte, wurden seine Augen immer gr��er, denn sie fielen auf das Gesicht des jungen Mannes, mit dem er unter den Klippen zusammengetroffen war, die das geheimnisvolle Lothar besch�tzen. Wie war er jetzt an den Platz des Dusarianers gekommen?</p><p>Aber der junge Mann machte ihm schnell ein Zeichen, und so drehte sich Kar Komak wieder nach dem Dwar der Thuria um, bei dem er sich melden sollte. Der Panthan folgte ihm.</p><p>Carthoris segnete den Zufall, der Vas Kor veranla�t hatte, den Bogensch�tzen aus allen anderen auszuw�hlen, denn w�re es ein anderer Dusarianer gewesen, dann h�tte er wahrscheinlich die Frage nach dem Verbleib des zweiten Kriegers beantworten m�ssen. Und der lag doch friedlich und tot auf einem Feld neben dem Haus von Hal Vas, Dwar der S�dlichen Stra�e, und Carthoris h�tte auf diese Frage keine Antwort gehabt als die Spitze seines Dolches, die kaum ein passendes Mittel gewesen w�re, die ganze Mannschaft der <emphasis>Thuria</emphasis> zu �berzeugen.</p><p>F�r den ungeduldigen Carthoris dauerte die Reise nach Dusar unglaublich lange. In Wirklichkeit war das Schiff jedoch sehr schnell. Kurz ehe sie ihren Bestimmungsort erreichten, trafen sie auf einen anderen Kriegsflieger von Dusar, mit dem sie auch sprachen. Von diesem erfuhren sie, da� s�d�stlich von Dusar bald eine gro�e Schlacht stattfinden sollte.</p><p>Die Flotten von Dusar, Ptarth und Kaol waren auf dem Weg nach Helium von der starken Flotte Heliums zur�ckgeschlagen worden. Die Heliumitenflotte war die st�rkste auf Barsoom, nicht nur was die Zahl der Schiffe und ihre Bewaffnung betraf, sondern sie war auch in der Ausbildung der Besatzungen und im Mut und K�nnen der Offiziere den anderen weit �berlegen, etwa so wie ein Zitidar einem irdischen Zugochsen, und die Zitidars sind die mastodongro�en Zugtiere des Mars.</p><p>Schon seit langem war kein solcher Kampf mehr zu verzeichnen gewesen. Vier Jeddaks kommandierten ihre eigenen Flotten � Kulan Tith die von Kaol, Thuvan Dihn die von Ptarth, Nutus die von Dusar � und das war die eine Seite. Die andere wurde von Tardos Mors, Jeddak von Helium befehligt.</p><p>Bei ihm befand sich John Carter, Kriegsherr vom Mars.</p><p>Vom weiten Norden her bewegte sich eine weitere Streitmacht �ber die Barrierefelsen, die neue Flotte von Talu, Jeddak von Okar, der dem Ruf des Kriegsherrn folgte. Auf den Decks der Kriegsschiffe schauten schwarzb�rtige Gelbe M�nner nach S�den und suchten eifrig den Himmel ab. Sie sahen gro�artig aus in ihren Orlukpelzen, und die hohen Offiziere waren in wei�e Aptfelle geh�llt. Es waren wilde, hervorragende K�mpfer aus den Treibhausst�dten des eisigen Nordens.</p><p>Und aus dem S�den kamen sie von der See von Omean und den Goldenen Klippen, von den Tempeln der Therns und den G�rten der Issus, und von allen Seiten her kamen noch weitere Tausende, die dem Ruf des gro�en Mannes folgten, den sie zu respektieren und zu lieben gelernt hatten.</p><p>Auf dem Flaggschiff seiner m�chtigen Flotte schritt der eben-holzschwarze Godar, Jeddak der Erstgeborenen, auf und ab, und sein Herz schlug in Vorfreude auf den kommenden Moment, da er seine wilden Mannen und das Gewicht seines m�chtigen Schiffes auf die Feinde seines Kriegsherrn werfen konnte.</p><p>Aber w�rden all diese Verb�ndeten auch rechtzeitig das Schlachtfeld erreichen, um Helium von Nutzen sein zu k�nnen?</p><p>Oder w�rde Helium sie �berhaupt brauchen?</p><p>Carthoris h�rte ebenso wie die anderen Mannschafts angeh�rigen der <emphasis>Thuria</emphasis> die Ger�chte. Niemand wu�te jedoch von den beiden Flotten, die vom Norden und S�den zur Unterst�tzung Heliums herbeieilten. Alle Dusarianer waren �berzeugt, da� nichts mehr das alte, m�chtige Helium davor retten konnte, f�r immer aus dem Luftraum �ber Barsoom weggewischt zu werden.</p><p>Selbst Carthoris, der treue Sohn seines geliebten Helium, f�rchtete, da� seine gro�artige Flotte vielleicht den vereinten Kr�ften der drei gro�en M�chte nicht w�rde standhalten k�nnen.</p><p>Dann endlich setzte die <emphasis>Thuria</emphasis> auf der Landeb�hne von Astoks Palast in Dusar auf. Eiligst verlie�en der Prinz und Vas Kor das Schiff und betraten den Lift, der sie zu den tiefergelegenen Stockwerken des Palastes brachte.</p><p>Neben diesem Lift befand sich ein weiterer, der von gew�hnlichen Kriegern benutzt wurde. Carthoris ber�hrte Kar Komaks Arm. �Komm!� fl�sterte er. �Du bist mein einziger Freund in einer Nation von Feinden. Willst du mir beistehen?�</p><p>� Bis in den Tod�, antwortete Kar Komak.</p><p>Die beiden n�herten sich dem zweiten Lift. Ein Sklave bediente ihn.</p><p>�Wo sind eure P�sse?� fragte er.</p><p>Carthoris fummelte in seiner G�rteltasche, als wolle er sie suchen, betrat aber dabei die Kabine. Kar Komak folgte ihm und schlo� die T�r. Der Sklave lie� jedoch den Lift nicht nach unten fahren. Nun z�hlte jede Sekunde. Sie mu�ten schnellstens hinunter, um noch zu sehen, wohin Astok und Vas Kor gingen.</p><p>Carthoris wirbelte pl�tzlich zum Sklaven herum und warf ihn zur anderen Seite der Kabine.</p><p>�Binde und kneble ihn, Kar Komak!� rief er.</p><p>Dann griff er selbst nach den Hebeln, und als die Kabine mit wahnsinniger Geschwindigkeit nach unten sauste, k�mpfte der Bogensch�tze mit dem Sklaven. Carthoris konnte die Hebel nicht verlassen, um seinem Freund zu helfen, denn wenn sie mit dieser Geschwindigkeit auf den Schachtboden st�rzten, dann waren sie sofort alle tot.</p><p>Unter ihrer Kabine konnte Carthoris nun das Dach von Astoks Kabine im Parallelschacht sehen. Er reduzierte das Tempo soweit, da� sie auf gleicher H�he mit der anderen Kabine blieben. Nun begann der Sklave zu schreien.</p><p>�Bring ihn zum Schweigen!� rief Carthoris.</p><p>Einen Moment sp�ter fiel eine schlaffe Gestalt auf den Kabinenboden.</p><p>�Er schweigt�, meldete Kar Komak.</p><p>In einem der oberen Palaststockwerke brachte Carthoris die Kabine zum Stehen. Er �ffnete die T�r, griff nach der Leiche des Sklaven und warf sie hinaus. Dann knallte er die T�r wieder zu und nahm die Fahrt nach unten wieder auf.</p><p>Wieder sah er das Kabinendach des Parallelliftes. Dann hielt dieser an, und auch Carthoris brachte seine Kabine zum Stehen.</p><p>Er sah die beiden M�nner durch eine T�r am Korridor gegen�ber verschwinden.</p></section><section><title><p>14</p><p>Kulan Tiths Opfer</p></title><p>Am Morgen des zweiten Tages ihrer Einkerkerung im Ostturm des Palastes von Astok, Prinz von Dusar erwartete Thuvia ziemlich apathisch die Ankunft ihres M�rders.</p><p>Sie hatte sich den Kopf nach einer Fluchtm�glichkeit zermartert und immer wieder alle Fenster und T�ren, alle B�den und W�nde untersucht.</p><p>Die massiven Ersitplatten konnte sie nicht einmal ankrat-zen. Das au�erordentlich widerstandsf�hige Fensterglas von Bar soom h�tte mindestens eines schweren Schmiedehammers in der Hand eines Riesen bedurft. T�r und Schlo� waren so stark, da� sie mit ihrem geringen Gewicht gar nichts ausrichten konnte. Eine Fluchtm�glichkeit hatte sich also nicht gefunden.</p><p>Und ihre Waffen hatte man ihr genommen, so da� sie ihnen nicht einmal das Vergn�gen verg�llen konnte, sie zu ermorden, denn sie konnte ihrem Leben selbst kein Ende setzen.</p><p>Wann w�rden sie nun kommen? W�rde Astok diese scheu�liche Tat mit seinen eigenen H�nden verrichten? Sie zweifelte an seinem Mut. Im Herzen war er n�mlich ein Feigling, und das hatte sie vom ersten Augenblick an gewu�t, als er zu Besuch an den Hof ihres Vaters kam und sie mit allerhand Prahlerei zu beeindrucken und von seinem Wert zu �berzeugen suchte.</p><p>Sie konnte gar nicht anders, als ihn mit einem anderen zu vergleichen. Mit wem sollte eine Braut einen erfolglosen und abgewiesenen Bewerber vergleichen? Mit ihrem Verlobten? Das w�re sicherlich normal und richtig gewesen. Tat sie das auch?</p><p>Verglich Thuvia von Ptarth, den Prinzen Astok von Dusar mit Kulan Tith, Jeddak von Kaol?</p><p>Da sie nun doch sterben mu�te, konnte sie ihren Gedanken erlauben, dorthin zu schweifen, wo es ihnen gefiel. Zu Kulan Tith schweiften sie jedoch nicht; sie waren weit davon entfernt.</p><p>Eher f�llte schon die Gestalt des gro�en, prachtvoll gewachsenen Prinzen von Helium ihren Kopf und verdr�ngte alle anderen Bilder daraus.</p><p>Sie tr�umte von seinem edlen Gesicht, der ruhigen W�rde seines Benehmens, von dem L�cheln, das seine Augen aufleuchten lie�, wenn er sich mit seinen Freunden unterhielt, aber auch von jenem L�cheln, das um seine Lippen lag, wenn er mit seinen Feinden k�mpfte. Es war das Kampfl�cheln seines virginischen Vaters.</p><p>Und Thuvia von Ptarth, eine wahre Tochter Barsooms, fand ihren Atem schneller gehen, wenn sie an ein ganz bestimmtes L�cheln dachte, das sie nun niemals mehr sehen sollte. Als sie sich dessen erinnerte, tat ihr Herz einen Satz, und mit einem Seufzer unendlichen Bedauerns lie� sie sich auf die Schlafseiden und Pelze sinken, die sie neben dem Ostfenster aufgeh�uft hatte.</p><p>Sie legte ihr Gesicht auf die Arme.</p><p>Auf dem Korridor vor ihrem Gef�ngnis standen zwei M�nner und stritten heftig miteinander.</p><p>�Und ich sage dir noch einmal, Astok�, betonte der eine, �da� ich es nicht tun werde, wenn du nicht im Raum anwesend bist.�</p><p>Von dem Respekt, der einem k�niglichen Prinzen geb�hrt, war im Ton dieses Mannes nichts zu vernehmen. Der andere bemerkte es und wurde rot.</p><p>�Vas Kor, verla� dich nicht allzu sehr auf meine freundschaftlichen Gef�hle f�r dich�, br�llte der Prinz. �Auch meine Geduld hat einmal ein Ende.�</p><p>�Von k�niglichen Vorrechten kann hier �berhaupt nicht die Rede sein�, erwiderte Vas Kor. �Du verlangst von mir, da� ich an deiner Stelle einen Mord ausf�hren soll, der gegen den ausdr�cklichen Befehl deines Jeddaks ist. Astok, du bist nicht in der Lage, mir etwas zu diktieren, sondern du solltest dich gerne bereit erkl�ren, meiner Forderung zu folgen, da� du im Raum anwesend bist und so die Schuld mit mir teilst. Warum soll ich alles allein auf mich nehmen?�</p><p>Der junge Mann runzelte zornig die Brauen, aber er ging auf die verschlossene T�r zu und betrat, als sie aufschwang, zusammen mit Vas Kor den Raum.</p><p>Das M�dchen, das am Fenster gestanden hatte, erhob sich und sah ihnen entgegen. Unter der weichen Kupfert�nung ihrer Haut wurde ihr Gesicht nur eine Spur blasser, aber ihre Augen waren tapfer und gleichm�tig, und ihr kleines, festes Kinn sprach deutlich von ver�chtlicher Ablehnung.</p><p>�Ziehst du immer noch den Tod vor?� fragte Astok.</p><p><emphasis>�Dir</emphasis> � ja�, erwiderte das M�dchen kalt.</p><p>Der Prinz von Dusar wandte sich zu Vas Kor um und nickte.</p><p>Der Edelmann zog sein Kurzschwert und ging quer durch den Raum auf Thuvia zu.</p><p>�Knie nieder!� befahl er.</p><p>�Ich ziehe es vor, stehend zu sterben�, entgegnete sie.</p><p>�Wie du meinst�, erwiderte Vas Kor und pr�fte mit dem linken Daumen die Sch�rfe der Schneide. �Im Namen von Nutus, Jeddak von Dusar!� schrie er und rannte auf sie zu.</p><p>�Im Namen von Carthoris Prinz von Helium!� sprach eine tiefe Stimme an der T�r.</p><p>Vas Kor wirbelte herum und sah den Panthan, den er im Haus seines Sohnes als Rekrut verpflichtet hatte. Und dieser Bursche rannte in gro�en Spr�ngen auf ihn zu. Er streifte dabei Astok und rief: �Du kommst auch noch an die Reihe, du� Hund!�</p><p>Vas Kor stellte sich dem Angreifer.</p><p>�Was soll dieser Verrat?� schrie er.</p><p>Astok hatte sein Schwert gezogen und eilte zu Vas Kors Hilfe.</p><p>Das Schwert des Panthans klirrte an das des Edlen, und schon beim ersten Ausfall wu�te Vas Kor, da� er einem Meister der Schwertkunst gegen�berstand.</p><p>Ehe er noch begriff, was der Fremde vorhatte, fand er, da� dieser sich zwischen ihn und Thuvia von Ptarth gestellt hatte.</p><p>So stand er den Schwertern der beiden Dusarianer gegen�ber.</p><p>Aber er k�mpfte nicht wie ein Mann, der sich verteidigt, sondern immer wie ein w�tender Angreifer. Immer gelang es ihm, sein blitzendes Schwert zwischen dem M�dchen und den beiden M�nnern zu haben, und dabei gelang es ihm auch noch, die beiden im Raum herumzujagen wie es ihm gefiel. Dem M�dchen rief er zu, es solle sich genau hinter ihm halten.</p><p>Vas Kor und Astok ahnten lange nicht, was der Fremde vorhatte, und als sie es dann taten, war es schon zu sp�t f�r sie. Das war, als der junge K�mpfer mit dem R�cken zur T�r stand; da begriffen sie erst, was seine Absicht gewesen war � sie waren Gefangene in ihrem eigenen Gef�ngnis. Jetzt konnte der Eindringling mit ihnen tun, was er wollte, denn Thuvia von Ptarth verriegelte auf Gehei� des Mannes die T�r, zog aber zuvor den Schl�ssel auf der anderen Seite ab, wo Astok ihn hatte stecken lassen, als sie kamen. Astok, der sah, da� der Fremde sich keineswegs ihren Schwertern ergab, handelte so, wie er es gewohnt war und �berlie� den Kampf zum gr��ten Teil Vas Kor. Da er jetzt Zeit fand, den Panthan genauer anzusehen, tat er es auch, und seine Augen wurden immer gr��er. In dem Fremden erkannte er n�mlich den Prinzen von Helium. Carthoris drang nun erneut auf Vas Kor ein. Der Edelmann blutete schon aus einem Dutzend Wunden. Astok sah, da� er nicht mehr lange, der meisterhaften Geschicklichkeit dieser schrecklichen Schwerthand standhalten konnte.</p><p>�Mut, Vas Kor!� fl�sterte er dem anderen zu. �Ich habe einen Plan. Halt ihn noch einen Moment l�nger, fest, dann wird alles gut werden.� Das, was er sich noch dachte � mit Astok, Prinz von Dusar � sprach er nicht aus.</p><p>Vas Kor h�tte nicht im Traum an einen Betrug und Verrat gedacht, und so nickte er. Ein paar Augenblicke gelang es ihm sogar, Carthoris in die Verteidigung zu dr�ngen. Dann sahen der Heliumprinz und das M�dchen, wie der Prinz von Dusar rasch zur gegen�berliegenden Seite des Raumes rannte, etwas in der Mauer ber�hrte, so da� eine t�rartige Wandverkleidung nach innen schwang, und dann in die dahinterliegende schwarze Finsternis verschwand.</p><p>Das geschah alles so blitzschnell, da� niemand ihm h�tte entgegentreten k�nnen. Carthoris f�rchtete nun, Vas Kor k�nne ihm auf dieselbe Art entkommen, oder Astok werde mit Verst�rkung zur�ckkehren, drang nun viel r�cksichtsloser als vorher auf seinen Gegner ein, und einen Moment sp�ter rollte der kopflose Leib des Edelmannes aus Dusar �ber den glatten Ersitboden.</p><p>�Komm!� schrie Carthoris. �Wir d�rfen jetzt keine Zeit verlieren. Astok wird jeden Moment mit genug Kriegern zur�ckkehren, um mich zu �berw�ltigen.�</p><p>Aber Astok hatte keine solchen Pl�ne, denn daf�r h�tte er ja die im Palast umlaufenden Ger�chte best�tigen m�ssen, da� die Prinzessin von Ptarth im Ostturm gefangengehalten werde.</p><p>Im Nu h�tte sein Vater davon erfahren, und dann h�tte keine L�ge mehr die Tatsachen verbergen k�nnen, die des Jeddaks Nachforschungen ans Licht bringen mu�ten.</p><p>Deshalb rannte also Astok wie ein Irrer durch die langen Korridore des Palastes, um die T�r des Turmzimmers zu erreichen, bevor es Carthoris und Thuvia verlassen konnten. Er hatte gesehen, wie das M�dchen den Schl�ssel abgezogen und in ihre G�rteltasche geschoben hatte, und er wu�te, da� eine von der anderen Seite her in das Schl�sselloch gesteckte Dolchspitze die beiden einsperren w�rde, so da� sie drinnen gefangen blieben, bis Barsoom als toter, d�rrer Planet in fernen Zeiten um eine sterbende Sonne kreiste.</p><p>Astok rannte also so schnell er konnte zum Haupptkorridor, der zum Turmzimmer f�hrte. Konnte er noch rechtzeitig die T�r erreichen? Was dann, wenn der Prinz von Helium den Raum bereits verlassen hatte und ihm vielleicht auf dem Korridor auflauerte? Astok f�hlte einen kalten Schauer �ber seinen R�cken laufen, denn er war ein Feigling, der nicht die geringste Lust versp�rte, sich der Klinge eines Meisters zu stellen.</p><p>Schon war er in der N�he der T�r; nur noch eine Korridorecke, dann stand er davor. Nein, sie hatten den Raum noch nicht verlassen. Vas Kor schien also noch immer dem Prinzen von Helium standzuhalten.</p><p>Astok konnte kaum ein Grinsen unterdr�cken, weil er auf so gerissene Art den Edelmann �bers Ohr gehauen hatte und ihn gleichzeitig losgeworden war. Und dann bog er um die letzte Ecke � und stand einem wei�en Riesen mit honigfarbenem Haar gegen�ber.</p><p>Der Bursche stellte keine Fragen und wartete auch nicht auf eine Erkl�rung f�r sein Kommen, sondern er sprang ihn mit seinem Langschwert an, so da� Astok erst einmal mindestens ein Dutzend heftigster Ausf�lle parieren mu�te, ehe er sich zur�ckziehen und in h�chster Eile die Flucht ergreifen konnte.</p><p>Einen Augenblick sp�ter betraten Carthoris und Thuvia den Korridor vom Geheimraum aus.</p><p>�Nun, Kar Komak?� fragte der Prinz von Helium.</p><p>�Roter, das war aber gut, da� du mich hierher gestellt hast�, sagte der Bogensch�tze. �Ich habe eben einen abgefangen und in die Flucht geschlagen, der unbedingt zu dieser T�r hinein wollte. Es war der, welchen sie Astok Prinz von Dusar nennen.�</p><p>Carthoris l�chelte.</p><p>�Und wo ist er jetzt?� wollte er wissen.</p><p>�Leider ist er meinem Schwert entkommen, und er rannte diesen Korridor entlang�, erkl�rte Kar Komak.</p><p>�Dann d�rfen wir keine Zeit verlieren!� rief Carthoris. �Er wird uns sofort die Garde auf den Hals hetzen!�</p><p>Zusammen hasteten die drei durch die langen, gewundenen Korridore, durch welche Carthoris und Kar Komak vorher die beiden Dusarianer verfolgt hatten. Diese G�nge wurden selten benutzt und waren daher immer staubig; die beiden M�nner hatten selbstverst�ndlich Fu�spuren hinterlassen, und es war ziemlich einfach gewesen, ihnen zu folgen.</p><p>Erst bei den Aufz�gen trafen sie auf einige Posten und einen Offizier, der, da sie Fremde waren, wissen wollte, was sie im Palast Astoks zu suchen hatten.</p><p>Wieder einmal lie�en Carthoris und Kar Komak ihre Klingen sprechen, aber der Kampfesl�rm mu�te allm�hlich den ganzen Palast alarmiert haben, denn �berall h�rten sie nun M�nner rufen. Es gelang ihnen aber, in eine Kabine zu springen, wenn sie auch unterwegs in den vielen Stockwerken, an denen sie vorbeikamen, schwerbewaffnete M�nner herumrennen sahen, die alle nach der Ursache des Aufruhrs suchten.</p><p>Auf der Landeplattform lag die <emphasis>Thuria</emphasis> mit drei Kriegern, die sie bewachten. Wieder fochten der Prinz von Helium und der Mann aus Lothar Schulter an Schulter, doch der Kampf war schnell vor�ber, denn der junge Prinz h�tte allein auch mit dem wildesten Trio aufger�umt, das Dusar zu stellen imstande gewesen w�re.</p><p>Die <emphasis>Thuria</emphasis> hatte gerade von der Landeb�hne abgehoben, als mindestens hundert Krieger herangest�rmt kamen. Angef�hrt wurden sie von Astok von Dusar, und als er sah, da� die beiden, die er so sicher im Griff zu haben glaubte, ihm entschl�pften, f�hrte er vor Wut und Entt�uschung einen Wahnsinnstanz auf.</p><p>Er sch�ttelte die F�uste und schrie ihnen gemeine Schm�hungen und die �belsten Schimpfworte nach, deren sich selbst der P�bel von Barsoom sch�men w�rde.</p><p>Wie ein Meteor scho� die <emphasis>Thuria</emphasis> in einem k�hnen Winkel in den Himmel hinauf. Mindestens ein Dutzend Patrouillenboote versuchten sie von verschiedenen Punkten aus zu verfolgen, denn die Szene auf der Landeplattform von Astoks Palast hatte nicht unbemerkt bleiben k�nnen.</p><p>Etliche Sch�sse kratzten den Rumpf der <emphasis>Thuria</emphasis> ein wenig an.</p><p>Da Carthoris die Instrumente nicht verlassen konnte, richtete Thuvia von Ptarth die M�ndungen der Schnellfeuerkanonen des Schiffes gegen die Feinde, obwohl sie sich nur m�hsam auf dem glatten, steilen Deck festhalten konnte.</p><p>Es war eine noble Rasse und ein nobler Kampf. Einer gegen eine ganze Meute, denn andere Dusarianer-Schiffe hatten sich der Verfolgungsjagd angeschlossen. Aber Astok, Prinz von Dusar, hatte gute Arbeit geleistet, als er seine Thuria baute. Keiner in der Flotte seines Vaters und Herrn besa� ein schnelleres Schiff, und keines war so gl�nzend bewaffnet und so tadellos gepanzert.</p><p>Ein Verfolger nach dem anderen fiel zur�ck, und als der letzte ebenfalls aufgeben mu�te, richtete Carthoris die Nase der <emphasis>Thuria</emphasis> waagerecht aus, und so zog sie, den Geschwindigkeitshebel im allerletzten Loch eingerastet, in einem unglaublichen Tempo durch die d�nne Luft des sterbenden Planeten nach Osten und damit nach Ptarth.</p><p>Dreizehneinhalbtausend Haad entfernt lag Ptarth, und f�r das schnellste Schiff war das eine Reise von drei�ig Stunden; dabei war vermutlich zwischen Dusar und Ptarth die H�lfte der Flotte von Dusar aufgezogen, denn in jener Richtung sollte den Ger�chten nach die gro�e Luftschlacht stattfinden, die vielleicht jetzt in vollem Gange war.</p><p>H�tte Carthoris nur geahnt, wo sich die Flotten der gro�en Nationen bef�nden, dann w�re er ohne Verzug zu ihnen geeilt, denn in der R�ckkehr Thuvias zu ihrem Vater lag die gr��te Hoffnung auf einen raschen Frieden.</p><p>Sie hatten etwa die H�lfte des Weges zur�ckgelegt, und noch hatten sie nicht ein einziges Kriegsschiff gesehen. Erst ein wenig sp�ter machte Kar Komak den jungen Prinzen auf ein Schiff aufmerksam, das auf dem ockerfarbenen Moos der toten Seegr�nde lag, �ber denen die <emphasis>Thuria</emphasis> dahinjagte.</p><p>Viele Gestalten umschw�rmten das gro�e gestrandete Schiff. An Bord der <emphasis>Thuria</emphasis> gab es ausgezeichnete Ferngl�ser, mit deren Hilfe sie erkennen konnten, da� es sich um gr�ne Krieger handelte, die immer wieder die Mannschaft des Schiffes angriffen. Dessen Nationalit�t war auf die gro�e Entfernung hin nicht auszumachen.</p><p>Es war nicht n�tig, den Kurs der <emphasis>Thuria</emphasis> zu �ndern, um genau �ber dem Schauplatz des Kampfes wegzufliegen, aber Carthoris ging einige hundert Fu� herunter, um die Lage besser beurteilen zu k�nnen.</p><p>War es Schiff einer befreundeten Macht, dann konnte er die Feinde mit seinen Kanonen beschie�en, denn mit seiner kostbaren Fracht wollte er eine Landung nicht riskieren. Zwei Schwerter, die er zu bieten hatte, waren vermutlich zu wenig, und die Sicherheit der Prinzessin von Ptarth durfte er unter keinen Umst�nden aufs Spiel setzen.</p><p>Als sie sich dem gestrandeten Schiff n�herten, konnten sie deutlich erkennen, da� es nur noch eine Frage weniger Minuten war, bis die gr�nen Krieger das gepanzerte Schanzkleid erst�rmen w�rden, um ihre wilde Blutlust an den Verteidigern zu stillen.</p><p>�Eine Landung w�re sinnlos�, sagte Carthoris zu Thuvia. �Es k�nnte sogar ein Schiff aus Dusar sein. Es hat keine Insignien.</p><p>Mehr k�nnten wir nicht tun als auf die Horden schie�en.�</p><p>W�hrend er noch sprach, trat er zu einer der Kanonen und richtete ihren Lauf auf die gr�nen Krieger neben dem Schiff aus.</p><p>Erst der erste Schu� der <emphasis>Thuria</emphasis> schien die Leute auf dem Schiff auf die Hilfe aufmerksam zu machen, die ihnen zuteil wurde.</p><p>Sofort flatterte vom Bug des Kriegsschiffes eine Flagge. Thuvia von Ptarth hielt den Atem an und warf Carthoris einen gespannten Blick zu.</p><p>Die Flagge war die von Kulan Tith, Jeddak von Kaol, des Mannes, dem die Prinzessin von Ptarth verlobt war!</p><p>Wie einfach w�re es f�r den Prinzen von Helium gewesen, nun weiterzufliegen und den Rivalen seinem Schicksal zu �berlassen! Lange konnte er sowieso den gr�nen Horden nicht mehr widerstehen. Niemand k�nnte ihn der Feigheit oder des Verrates beschuldigen, denn Kulan Tith stand gegen Helium im Krieg, und auf der <emphasis>Thuria</emphasis> gab es nicht genug Schwerter, um den bereits sicheren Ausgang des Kampfes auch nur noch f�r kurze Zeit hinauszuschieben.</p><p>Was sollte Carthoris Prinz von Helium nun tun?</p><p>Besser noch: Was w�rde er tun?</p><p>Kaum hatte die Flagge im schwachen Wind am Bug des Kriegsschiffes zu flattern begonnen, als sich auch schon die Nase der <emphasis>Thuria</emphasis> in einem scharfen Winkel senkte.</p><p>�Kannst du sie navigieren?� fragte Carthoris Thuvia.</p><p>Sie nickte.</p><p>�Ich versuche, die �berlebenden an Bord zu nehmen�, erkl�rte er. �Kar Komak und ich werden die Kanonen bedienen m�ssen, w�hrend die Kaolianer �ber die Strickleiter an Bord kommen. La� den Bug vorne. Er ist gut gepanzert und kann das Gewehrfeuer leichter hinnehmen. Au�erdem sind auch die Propeller besser gesch�tzt.�</p><p>Dann eilte er zur Kabine, als Thuvia die Instrumente �bernahm. Einen Moment sp�ter fiel die Strickleiter vom Kiel der <emphasis>Thuria</emphasis>, und zu beiden Seiten des Schiffes flogen dicke, geknotete Lederseile �ber die Reling. Vom Bug stieg eine Signalfahne auf, die bedeutete:</p><p>ALLES FERTIGMACHEN UND AN BORD KOMMEN.</p><p>Ein gewaltiger Schrei stieg auf vom Deck des Kriegsschiffes aus Kaol. Carthoris, der inzwischen aus der Kabine zur�ckgekehrt war, l�chelte traurig. Ausgerechnet den Mann, der zwischen ihm und seiner Liebe zu Thuvia von Ptarth stand, mu�te er jetzt dem Rachen des Todes entrei�en.</p><p>�Kar Komak, �bernimm jetzt die Backbordkanone am Bug!� rief Carthoris dem Bogensch�tzen zu. Er selbst �bernahm das Gesch�tz der Starbordseite.</p><p>Nun sp�rten sie die scharfen Ersch�tterungen der Explosionen, als die gr�nen Horden die <emphasis>Thuria</emphasis> mit einem Gescho�hagel eindeckten. Jeden Augenblick konnten die Treibstofftanks besch�digt werden, und dann wurde die Lage f�r alle recht brenzlig. Aber die M�nner auf dem Kaolianerschiff k�mpften mit mehr Hoffnung. Im Bug stand Kulan Tith, ein tapferer Mann, der zusammen mit seinen tapferen Kriegern focht und die wilden gr�nen Horden zur�ckschlug.</p><p>Nun stand die <emphasis>Thuria</emphasis> ganz niedrig �ber dem anderen Schiff. Die Kaolianer machten sich unter F�hrung ihrer Offiziere bereit, an Bord der <emphasis>Thuria</emphasis> zu gehen. Aber in diesem Moment schickten die gr�nen Krieger einen neuen, wilden Gescho�hagel in die Seiten des tapferen kleinen Fliegers.</p><p>Wie ein verwundeter Vogel taumelte sie hinunter. Thuvia versuchte die Nase des kleinen Schiffes wieder nach oben zu drehen, um einen Absturz mit hartem Aufprall zu vermeiden, doch das gelang ihr nur insoweit, als sie das Schiffchen einigerma�en gerade neben dem Schiff der Kaolianer aufsetzte, ohne den Bug in den Boden zu bohren.</p><p>Als die gr�nen M�nner nur zwei Krieger und eine Frau auf Deck sahen, erscholl aus ihren Reihen ein br�llendes Lachen, w�hrend die Kaolianer entt�uscht st�hnten.</p><p>Nat�rlich wandten sich die Gr�nen nun den Neuank�mmlingen zu, da sie hofften, die beiden M�nner und die schwache Frau schnell zu �berw�ltigen, denn vom Deck der <emphasis>Thuria</emphasis> aus konnten sie das des gr��eren Schiffes leichter �berblicken.</p><p>Kulan Tith, der auf der Br�cke seines eigenen Schiffes stand, schrie eine gellende Warnung zur <emphasis>Thuria</emphasis> hin�ber, und dieser Warnung f�gte er noch eine Anerkennung f�r die au�erordentlich tapfere Haltung der Fremden an.</p><p>�Wer ist es�, rief er, �der sein Leben f�r Kulan Tith aufs Spiel setzt? Noch nie war auf Barsoom eine edlere Tat der Selbstaufopferung zu verzeichnen!�</p><p>Die gr�nen Horden waren dabei, das Schanzkleid der <emphasis>Thuria</emphasis> zu erklettern, als vom Bug das Symbol Carthoris�, des Prinzen von Helium, flatterte, um auf die Frage des Jeddaks von Kaol zu antworten. Keiner von dem kleinen Flieger hatte Gelegenheit, die Wirkung dieses Symbols auf die Kaolianer zur Kenntnis zu nehmen, denn sie waren vollauf mit dem besch�ftigt, was auf ihrem eigenen Deck vorging.</p><p>Kar Komak stand an der Kanone, feuerte unabl�ssig und starrte aber gleichzeitig gro��ugig den anst�rmenden gr�nen Kriegern entgegen. Carthoris, der dies beobachtete, f�rchtete schon, da� sich dieser Mann, den er f�r so unendlich tapfer und wertvoll gehalten hatte, nun als so r�ckgratlos wie Jav oder Tario erweisen w�rde, obwohl er von ihm in der Stunde gr��ter Not mehr Aktivit�t erwartet hatte.</p><p>�Kar Komak!� schrie er. �Rei� dich zusammen! Denk an die Tage der glorreichen Seefahrer von Lothar! K�mpfe, Mensch, k�mpfe! K�mpfe wie noch nie ein Mann vor dir focht! Jetzt k�nnen wir nichts anderes mehr tun als k�mpfend sterben!�</p><p>Kar Komak wandte sich zum Prinzen von Helium um. Auf seinen Lippen lag ein grimmiges L�cheln.</p><p>�Warum sollten <emphasis>wir</emphasis> gegen eine so schreckliche �bermacht k�mpfen und sterben?� rief er zur�ck. �Es gibt eine viel bessere M�glichkeit. Schau doch!� Er deutete auf die Stufen, die unter Deck f�hrten.</p><p>Eine Handvoll der gr�nen Krieger hatten bereits das Deck der <emphasis>Thuria</emphasis> erklettert. Das sah Carthoris, als er in die vom Lotharianer angedeutete Richtung schaute. Doch das war nicht alles. Der Anblick, der sich ihm bot, lie� sein Herz vor Freude h�pfen. Konnte Thuvia von Ptarth vielleicht doch gerettet werden? Von unten kam n�mlich ein ununterbrochener Strom von Bogensch�tzen herauf, die sehr grimmig und entschlossen und ziemlich f�rchterlich aussahen. Es waren nicht die Bogensch�tzen von Tario oder Jav, sondern eine kriegerische Elite, wilde K�mpfer, die nach einem ordentlichen Kampf zu hungern schienen.</p><p>Erstaunt und verwirrt hielten die gr�nen Krieger f�r einen Augenblick ein, aber es war wirklich nur ein Augenblick. Dann stie�en sie ein entsetzliches Kriegsgeschrei aus und st�rmten auf diese merkw�rdigen neuen Feinde los.</p><p>Eine erste Pfeilsalve hielt schreckliche Ernte in ihren Reihen und stoppte ihren Ansturm. Die einzigen gr�nen Krieger auf der <emphasis>Thuria</emphasis> waren eine Minute lang tote gr�ne Krieger, und die Bogensch�tzen von Kar Komak sprangen sofort �ber die Reling des Schiffes, um den gr�nen Horden auf dem Boden einen erbitterten Kampf zu liefern.</p><p>Utan nach Utan stieg aus dem Bauch der <emphasis>Thuria</emphasis> nach oben und warf sich auf die gr�nen Krieger, denen es gelang, das Deck zu erreichen. Kulan Tith und seine Kaolianer standen sprachlos vor Staunen da und starrten mit gro�en Augen her�ber, als sie Tausende dieser seltsamen, wilden Krieger aus einem Schiffchen auftauchen sahen, das mit h�chstens f�nfzig Personen vollgestopft h�tte werden k�nnen.</p><p>Es dauerte nicht sehr lange, dann konnten selbst die wilden gr�nen Horden am Ansturm dieser mindestens ebenso wilden Bogensch�tzen nicht mehr standhalten. Erst zogen sie sich noch langsam und hinhaltend �ber die ockerfarbene Ebene zur�ck, und die Bogensch�tzen dr�ngten nach. Kar Komak stand auf dem Deck der <emphasis>Thuria</emphasis> und sah vor Erregung zitternd zu.</p><p>Aus vollen Lungen stie� er den wilden Kriegsschrei l�ngst vergangener Zeiten aus. Er r�hrte Aufmunterungen und Befehle, feuerte seine Utans an und konnte schlie�lich seiner Kampfeslust nicht mehr widerstehen, als sich der Kampf immer weiter und immer schneller von der <emphasis>Thuria</emphasis> entfernte.</p><p>Er sprang also mit einem Satz �ber die Reling und raste hinter seinen Bogensch�tzen drein �ber den toten Seegrund. Und er rannte solange, bis er seine M�nner einholte, bis er sich selbst daran beteiligen konnte, die gr�nen Horden in die Flucht zu schlagen.</p><p>Hinter einem niederen H�gel, der fr�her einmal eine Insel gewesen war, verschwanden die gr�nen Krieger in Richtung Westen. Ihnen auf den Fersen folgten die alten Seefahrer-Bogensch�tzen aus einer l�ngst vergangenen Zeit, und zwischen ihnen st�rmte der riesige Kar Komak dahin. Er schwang aufmunternd sein Kurzschwert, das er einem Torquasianer abgenommen hatte und trieb seine Truppen hinter dem davonrennenden Feind her.</p><p>Als der letzte der M�nner hinter dem H�gel verschwunden war, wandte sich Carthoris an Thuvia von Ptarth.</p><p>�Sie haben mich etwas gelehrt, diese dort verschwundenen Bogensch�tzen von Lothar�, sagte er. �Wenn sie ihre Aufgabe erf�llt haben, dann bleiben sie nicht, um ihren Herrn und Meistern zur Last zu fallen. Kulan Tith ist mit seinen Kriegern da und kann dich besch�tzen. Meine Taten haben, glaube ich, meine Lauterkeit und die Ehrlichkeit meines Herzens bewiesen. Leb wohl.� Damit kniete er zu ihren F��en nieder und hob ein Geh�nge ihres Harnisches an seine Lippen.</p><p>Das M�dchen streckte die Hand aus und legte sie auf den dicken schwarzen Haarschopf des gesenkten Kopfes vor ihr.</p><p>�Wohin willst du gehen, Carthoris?� fragte sie.</p><p>�Ich gehe mit Kar Komak, dem Bogensch�tzen�, erwiderte er. �Dort wird es immer Kampf und Vergessen geben.�</p><p>Thuvia legte die H�nde �ber die Augen, als wolle sie eine �berm�chtige Versuchung nicht l�nger mehr sehen.</p><p>�M�gen meine Vorfahren Erbarmen mit mir haben,� rief sie, �wenn ich Worte spreche, die ich nicht sagen d�rfte. Aber ich kann es nicht ertragen, wenn du sein Leben wegwirfst, Carthoris, Prinz von Helium! Bleib, mein H�uptling. Bleib, denn ich liebe dich!�</p><p>Lange Zeit sprach niemand mehr ein Wort. Dann hustete jemand hinter ihnen, und beide drehten sich um. Zwei Schritte von ihnen entfernt stand Kulan Tith, Jeddak von Kaol.</p><p>Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Jeddak sich r�usperte.</p><p>�Ich konnte es nicht vermeiden, da� ich alles mit anh�rte�, sagte er. �Ich bin kein Narr und auch nicht blind f�r die Liebe, die zwischen euch ist. Ich bin auch nicht blind f�r die Ehre, die dich, Carthoris, bewogen hat, dein Leben und das ihre aufs Spiel zu setzen, um das meine zu retten, obwohl du doch selbst daran gedacht haben mu�t, da� diese Tat dich der M�glichkeit beraubt, sie f�r dich zu gewinnen.</p><p>Und ich mu� auch deine Tugendhaftigkeit anerkennen, Thuvia, die deine Lippen versiegelt hat, so da� kein Wort der Liebe f�r diesen Heliumiten ihnen entfloh. Ich wei�, da� du jetzt zum erstenmal ihm gesagt hast, da� du ihn liebst. Ich verdamme dich nicht. Eher h�tte ich dich verdammt, wenn du mich geheiratet h�ttest, ohne mich zu lieben.</p><p>Nimm deine Freiheit zur�ck, Thuvia von Ptarth�, rief er, �und versprich dich mit dem, an den dein Herz schon jetzt gekettet ist.</p><p>Und wenn dann die goldenen Kragen auf euren Schultern liegen, dann werdet ihr sehen, da� Kulan Tith als erster sein Schwert hebt, um der neuen Prinzessin von Helium und ihrem k�niglichen Gef�hrten ewige Freundschaft zu schw�ren!�</p></section><section><title><p>Glossarium</p></title><subtitle>von Namen und Begriffen, die in den Mars-B�chern gebraucht werden:</subtitle><p><emphasis>Aaanthor</emphasis> � eine tote Stadt des alten Mars</p><p><emphasis>Apt</emphasis> � ein arktisches Monster. Es ist ein riesiges, wei�pelziges Tier mit sechs Beinen. Vier davon sind kurz und sehr kr�ftig, tragen es �ber Schnee und Eis; zwei wachsen aus sehr breiten, m�chtigen Schultern zu beiden Seiten eines langen, kr�ftigen Halses und enden in wei�en, haarlosen H�nden, mit denen sie ihre Beute fangen und festhalten. Kopf und Maul �hneln etwa dem eines Flu�pferdes, mit dem einen Unterschied, da� zu beiden Seiten des Unterkiefers m�chtige H�rner herausragen, die leicht zur Brust eingebogen sind. Zwei riesige, gl�hende Augen reichen von der Sch�deldecke �ber den seitlichen Kopf zum Ansatz der H�rner, so da� diese schrecklichen Waffen tats�chlich aus dem unteren Augenrand wachsen. Die Augen selbst sind sehr komplizierte Gebilde, die aus etlichen tausend Ocelli bestehen.</p><p>Der Apt kann, wenn er will, soviele dieser Augenfacetten schlie�en, wie er nicht braucht, denn jedes einzelne Auge ist mit einem bewimperten Lid ausgestattet. Das sieht nat�rlich ziemlich merkw�rdig aus.</p><p><emphasis>Astok</emphasis> � Prinz von Dusar</p><p><emphasis>Avenue der Ahnen</emphasis> � eine Stra�e in Helium</p><p><emphasis>Banth</emphasis> � der barsoomische L�we. Es ist ein wildes Raubtier der niederen H�gel an den toten Seen des alten Mars. Er ist fast haarlos und hat nur eine eindrucksvolle M�hne fast stacheliger Haare um den Hals. Der lange, schlanke K�rper wird von zehn Beinen getragen, und das riesige Maul ist mit einigen Reihen sehr eindrucksvoller Fangz�hne ausgestattet. Der Banth kann das Maul bis zu den winzigen Ohren aufrei�en. Er hat vorstehende sehr gro�e gr�ne Augen.</p><p><emphasis>Bar Comas</emphasis> � Jeddak der Warhoon</p><p><emphasis>Barsoom</emphasis> � Mars</p><p><emphasis>Carter, John</emphasis> � Kriegsherr vom Mars</p><p><emphasis>Carthoris von Helium</emphasis> � Sohn von John Carter und Dejah Thoris <emphasis>Dak Kova</emphasis> � Jed der Warhoons, sp�ter Jeddak <emphasis>Darseen</emphasis> � ein cham�leon�hnliches Reptil</p><p><emphasis>Dator</emphasis> � H�uptling oder Prinz der Erstgeborenen</p><p><emphasis>Dejah Thoris</emphasis> � Prinzessin von Helium</p><p><emphasis>Djor Kantos</emphasis> � Sohn von Kantos Kan, Padwar der F�nften Utan</p><p><emphasis>Dar</emphasis> � Tal des Himmels</p><p><emphasis>Dotar Sojat</emphasis> � John Carters marsischer Name, der sich aus den beiden Zunamen der ersten beiden von ihm get�teten Kriegsh�uptlingen zusammensetzt</p><p><emphasis>Dusar</emphasis> � ein marsisches K�nigreich</p><p><emphasis>Dwar</emphasis> � Kapit�n oder Hauptmann</p><p><emphasis>Ersit</emphasis> � ein sehr harter Stein</p><p><emphasis>Erstgeborene</emphasis> � Schwarze Piraten genannt, schwarze Marsrasse</p><p><emphasis>Gozava</emphasis> � Tars Tarkas� tote Frau</p><p><emphasis>Gur Tus</emphasis> � Dwar der Zehnten Utan</p><p><emphasis>Haad</emphasis> � Marsmeile</p><p><emphasis>Hal Vas</emphasis> � Sohn von Vas Kor, eines Edlen aus Dusar</p><p><emphasis>Hastor</emphasis> � eine Stadt von Helium</p><p><emphasis>Heilige Therns</emphasis> � ein religi�ser Kult auf dem Mars</p><p><emphasis>Hekator</emphasis> � Titel des Vaters der Therns</p><p><emphasis>Helium</emphasis> � Das Reich des Gro�vaters von Dejah Thoris</p><p><emphasis>Hortan Gur</emphasis> � Jeddak von Torquas</p><p><emphasis>H�r Vastus</emphasis> � Padwar in der Flotte von Helium</p><p><emphasis>Horz</emphasis> � verlassene Stadt, das Greenwich von Barsoom</p><p><emphasis>Illall</emphasis> � eine Stadt von Okar</p><p><emphasis>Iss</emphasis> � der Flu� des Todes</p><p><emphasis>Issus</emphasis> � G�ttin des Todes, deren Wohnsitz an den Ufern der Verlorenen See von Korus liegt</p><p><emphasis>Jav</emphasis> � ein Lotharianer</p><p><emphasis>Jed</emphasis> � K�nig</p><p><emphasis>Jeddak</emphasis> � Kaiser</p><p><emphasis>Kab Kadja</emphasis> � Jeddak der Warhoons aus dem S�den</p><p><emphasis>Kadabra</emphasis> � Hauptstadt von Okar</p><p><emphasis>Kadar</emphasis> � Posten. W�chter, Gardist</p><p><emphasis>Kalkans</emphasis> � Kreuzer; Transporter unter Vas Kor</p><p><emphasis>Kalott</emphasis> � ein Marshund. Er ist etwa von der Gr��e eines Shetland-Ponys und hat zehn kurze Beine. Der Kopf hat eine vage �hnlichkeit mit dem eines Frosches, nur da� die Kiefer mit drei Reihen �u�erst scharfer, langer Rei�z�hne ausgestattet sind</p><p><emphasis>Kantos Kan</emphasis> � Padwar in der Flotte von Helium</p><p><emphasis>Kaol</emphasis> � ein K�nigreich der �stlichen Hemisph�re</p><p><emphasis>Kar Komak</emphasis> � Odwar der Bogensch�tzen von Lothar</p><p><emphasis>Kaor</emphasis> � der marsische Gru�</p><p><emphasis>Karad</emphasis> � ein marsischer Rang</p><p><emphasis>Komal</emphasis> � Gott der Lotharianer, ein riesiger Banth</p><p><emphasis>Korad</emphasis> � eine der toten St�dte des alten Mars</p><p><emphasis>Korus</emphasis> � die Verlorene See von Dor</p><p><emphasis>Kulan Tith</emphasis> � Jeddak von Kaol</p><p><emphasis>Lakor</emphasis> � ein Thern</p><p><emphasis>Larok</emphasis> � ein Krieger aus Dusar</p><p><emphasis>Lorquas Ptomel</emphasis> � Jed der Tharks</p><p><emphasis>Lothar</emphasis> � die vergessene Stadt</p><p><emphasis>Marentina</emphasis> � ein F�rstentum von Okar</p><p><emphasis>Matai Shang</emphasis> � Vater der Therns</p><p><emphasis>Mors Kajak � Jed von Klein-Helium</emphasis></p><p><emphasis>Notan</emphasis> � k�niglicher Psychologe von Zodanga</p><p><emphasis>Nutus</emphasis> � Jeddak von Dusar</p><p><emphasis>Od</emphasis> � Marsma� � entspricht etwa einem Fu�</p><p><emphasis>Odwar</emphasis> � Kommandant, General</p><p><emphasis>Okar</emphasis> � Land der Gelben M�nner</p><p><emphasis>Old Ben</emphasis> � (auch Uncle Ben) farbiger Leibdiener des Verfassers</p><p><emphasis>Omad</emphasis> � Mann mit nur einem Namen</p><p><emphasis>Omean</emphasis> � die begrabene See</p><p><emphasis>Orluk</emphasis> � ein gelb-schwarz gestreiftes Ungeheuer der Arktis</p><p><emphasis>Otz-Berge</emphasis> � auch Berge von Otz genannt � rahmen das Tal Dor und die Verlorene See von Korus ein</p><p><emphasis>Padwar</emphasis> � Leutnant</p><p><emphasis>Panthan</emphasis> � S�ldner</p><p><emphasis>Parthak</emphasis> � der Mann aus Zodanga, der John Carter in den Gruben von Zat Arras zu essen brachte</p><p><emphasis>Pflanzenm�nner von Barsoom</emphasis> � und auch <emphasis>Baumm�nner</emphasis> genannt. Eine Spezies, die das Tal Dor bewohnt. Sie sind zehn bis zw�lf Fu� gro�, wenn sie aufrecht stehen. Ihre Arme sind sehr kurz und �hneln Elefantenr�sseln; sind auch sehr empfindsam.</p><p>Der K�rper ist unbehaart und geisterhaft blau, und nur das einzige, vorstehende Auge ist mit einem breiten wei�en Band umrahmt. Pupillen, Iris und Augapfel sind kalkwei�. Die Nase ist ein zerkl�ftetes, entz�ndet wirkendes Loch in der Mitte des schwarzen Gesichts, das einer frischen, noch nicht blutenden Schu�wunde gleicht. Im Kopf haben sie kein Maul. Der Kopf ist � mit Ausnahme des Gesichts � mit einer Masse wirren, kohlschwarzen, struppigen Haares von etwa Handl�nge bedeckt. Jedes Haar ist ungef�hr von der Dicke eines Regenwurms.</p><p>K�rper, Beine und F��e haben ungef�hr, menschliche Formen, doch monstr�se- Proportionen. Die F��e sind volle drei Fu� lang, sehr flach und breit. Zu ihrer Ern�hrung lassen sie ihre seltsamen H�nde �ber den Rasen gleiten und schneiden mit ihren rasiermesserscharfen Klauen die zarten Sprossen ab, die sie mit den in den Handfl�chen liegenden M�ulern einsaugen.</p><p>Ihr massiver Schwanz hat eine L�nge von etwa sechs Fu� und ist dort, wo er in den K�rper �bergeht, sch�n rund, w�hrend er dem Ende zu flach und d�nn wie eine Messerklinge wird, auch so hart und scharf. Diesen Schwanz ziehen sie in fast rechtem Winkel zum Boden nach</p><p><emphasis>Prinz Soran</emphasis> � Oberster Herr der Flotte von Ptarth</p><p><emphasis>Ptarth</emphasis> � ein K�nigreich auf dem Mars</p><p><emphasis>Ptor</emphasis> � Familienname dreier Br�der aus Zodanga</p><p><emphasis>Sab Than</emphasis> � Prinz von Zodanga</p><p><emphasis>Sak</emphasis> � spring!</p><p><emphasis>Salensus Oll</emphasis> � Jeddak von Okar</p><p><emphasis>Saran Tal</emphasis> � Carthoris� Majordomo</p><p><emphasis>Sarkoja</emphasis> � eine gr�ne Marsfrau</p><p><emphasis>Sator Throg</emphasis> � ein Heiliger Thern des Zehnten Kreises</p><p><emphasis>Schwarze Piraten von Barsoom</emphasis> � sie sind sehr gro�, sechs Fu� und dar�ber. Diese Menschen haben sch�ne, klargeschnittene Gesichter; ihre Augen sind gro� und wohlgeformt, wenn auch ein wenig schmal, so da� diese Menschen schlau aussehen. Die Iris ist au�erordentlich schwarz, w�hrend der Augapfel sehr wei� und klar ist. Die Haut sieht aus wie poliertes Ebenholz</p><p><emphasis>Shador</emphasis> � Gef�ngnisinsel in der See von Omean</p><p><emphasis>Silian</emphasis> � schleimige Reptilien in der See von Korus</p><p><emphasis>Sith</emphasis> � sind hornissen�hnliche Ungeheuer, kahlgesichtig und etwa von der Gr��e eines ausgewachsenen Bullen. Hat ein furchterregendes Maul und hinten einen riesigen Giftstachel.</p><p>Die Augen bestehen aus einer Unzahl von Facetten, bedecken drei Viertel des Kopfes und gestatten diesem Untier eine ungehinderte Sicht nach allen Richtungen gleichzeitig</p><p><emphasis>Skeel</emphasis> � ein Hartholz</p><p><emphasis>Sofad</emphasis> � ein marsischer Zoll</p><p><emphasis>Sola</emphasis> � eine junge gr�ne Marsfrau</p><p><emphasis>Solan</emphasis> � ein Palastbeamter</p><p><emphasis>Sompus</emphasis> � eine Baumart</p><p><emphasis>Sorak</emphasis> � ein Haustierchen von etwa Katzengr��e, das sich die Roten Marsfrauen gerne halten</p><p><emphasis>Sorapus</emphasis> � ein Hartholz</p><p><emphasis>Sorav</emphasis> � ein Offizier von Salensus Oll</p><p><emphasis>Tal</emphasis> � eine Marssekunde</p><p><emphasis>Tal Hajus</emphasis> � Jeddak von Thark</p><p><emphasis>Talu</emphasis> � Rebellenprinz von Marentine</p><p><emphasis>Tan Gama</emphasis> � Krieger der Warhoon</p><p><emphasis>Tardos Mors</emphasis> � Gro�vater von Dejah Thoris und Jeddak von Helium</p><p><emphasis>Tario</emphasis> � Jeddak von Lothar</p><p><emphasis>Tars Tarkas</emphasis> � ein gr�ner Krieger, H�uptling der Tharks</p><p><emphasis>Tempel der Belohnung</emphasis> � in Helium</p><p><emphasis>Thabis</emphasis> � H�uptling der Issus</p><p><emphasis>Than Kosis</emphasis> � Jeddak von Zodanga</p><p><emphasis>Thark</emphasis> � Name und Stadt einer gr�nen Horde</p><p><emphasis>Thoat</emphasis> � ein Pferd, vorwiegend der gr�nen Marsleute. Zehn Fu� hoch an den Schultern mit vier Beinen an jeder Seite; hat einen breiten, flachen Schwanz, der am Ende gr��er und breiter ist als an der Wurzel. Er wird gerade weggestreckt, wenn das Tier rennt. Das Maul spaltet den Kopf von der Schnauze bis zum dicken Hals. Es ist v�llig haarlos, schiefergrau, samtglatt und gl�nzend. Es hat einen wei�en Bauch, und die Beine sind an den Schultern schiefergrau und knallgelb an den F��en. Die F��e haben dicke, weiche, gro�e Pfoten ohne Krallen oder N�gel</p><p><emphasis>Thor-Ban</emphasis> � Jed der gr�nen M�nner von Torquas</p><p><emphasis>Thorian</emphasis> � H�uptling bei den niederen Therns</p><p><emphasis>Thron der Gerechtigkeit</emphasis> � steht im Gerichtsaal von Helium</p><p><emphasis>Throxus</emphasis> � gr��ter der f�nf Ozeane des Mars � jetzt ausgetrocknet</p><p><emphasis>Thurds</emphasis> � eine gr�ne Horde. Feinde der Torquas</p><p><emphasis>Thuria</emphasis> � der n�here Mond</p><p><emphasis>Thurid</emphasis> � ein schwarzer Dator</p><p><emphasis>Thuvan Dihn</emphasis> � Jeddak von Ptarth</p><p><emphasis>Tor der Jeddaks</emphasis> � ein Tor von Helium</p><p><emphasis>Torith</emphasis> � Offizier der Garden in einem Unterseehafen</p><p><emphasis>Torkar Bar</emphasis> � Edler aus Kaol, Dwar der Stra�e von Kaol</p><p><emphasis>Torquas</emphasis> � eine gr�ne Horde</p><p><emphasis>Turjun</emphasis> � Carthoris� Deckname</p><p><emphasis>Utan</emphasis> � eine Kompanie von hundert Mann</p><p><emphasis>Vas Kor</emphasis> � ein Edler aus Dusar</p><p><emphasis>Vater der Therns</emphasis> � Hohepriester eines religi�sen Kults</p><p><emphasis>Warhoon</emphasis> � eine Gemeinde gr�ner M�nner, Feinde der Tharks</p><p><emphasis>Wula</emphasis> � ein Kalott, der Marshund</p><p><emphasis>Xat</emphasis> � eine Marsminute</p><p><emphasis>Xavarian</emphasis> � ein Kriegsschiff aus Helium</p><p><emphasis>Xodar</emphasis> � Dator der Erstgeborenen</p><p><emphasis>Yersted</emphasis> � Kommandant der Unterseeboote</p><p><emphasis>Zad</emphasis> � Krieger aus Thark</p><p><emphasis>Zat Arrras</emphasis> � Jed von Zodanga</p><p><emphasis>Zithad</emphasis> � Dator der Garden von Issus</p><p><emphasis>Zitidars</emphasis> � mastodon�hnliche Zugtiere</p><p><emphasis>Zodanga</emphasis> � Marsstadt der Roten M�nner, die mit Helium im Krieg liegen</p><p><emphasis>Zode</emphasis> � eine Marsstunde</p><subtitle>L�ngenma�e auf dem Mars:</subtitle><p>Das Ad ist die Ma�einheit und entspricht etwa der L�nge eines irdischen <emphasis>Fu�</emphasis>. ca. 30 cm.</p><p>1 Ad = 10 Sofads</p><p>200 Ads = 1 Haad</p><p>100 Haads = 1 Karad</p><p>360 Karads = Umfang des Mars am �quator</p><p>1 Haad, eine barsoomische Meile, mi�t etwa 2.339 irdische Fu�, also etwa 700 Meter.</p><p>1 Karad = 1 Grad</p><p>1 Sofad = ca. 3 cm</p></section></body><binary id="cover" 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