<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Trudi</first-name><last-name>Canavan</last-name></author><book-title>Die K�nigin</book-title><date>2012</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Michaela</first-name><last-name>Link</last-name></translator><sequence name="Sonea" number="3"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Trudi</first-name><last-name>Canavan</last-name></author><book-title>The Traitor Queen</book-title><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date value="2015-06-08">8.6.2015</date><id>3aea2734-23bd-482e-8024-8115e80cb486</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info></description><body><title><p>Trudi Canavan</p><p>Die K�nigin</p></title><section><title><p>Erster Teil</p></title><section><title><p>1</p><p>Attent�ter und Allianzen</p></title><p>In Imardin herrschte weithin der Irrglaube, Druckpressen seien von Magiern erfunden worden. Wer sich mit der Funktionsweise von Pressen und Magie nicht auskannte, konnte angesichts des spektakul�ren L�rms und der ruckartigen Bewegungen der Maschine leicht den Eindruck gewinnen, dass dabei irgendeine Art von Alchemie am Werk war. Aber solange jemand bereit war, die R�der zu drehen und die Schalthebel zu bedienen, funktionierten die Pressen ohne jede Magie.</p><p>Cery hatte die Wahrheit vor Jahren von Sonea erfahren. Der Erfinder der Maschine hatte der Gilde einen Prototyp pr�sentiert, und die Gilde hatte ihn als schnelle und billige M�glichkeit begr��t, Kopien von B�chern anzufertigen. Eine Weile sp�ter bot die Gilde den H�usern einen kostenlosen Druckdienst an und auch allen Mitgliedern anderer Klassen, die daf�r bezahlten. Der Eindruck, die Druckkunst sei magischer Natur, wurde best�rkt, um andere davon abzuhalten, ihr eigenes Gewerbe aufzubauen. Erst als Menschen von niederer Herkunft in die Gilde kamen, wurde der Mythos zerstreut, und bald danach wurden �berall in der Stadt Druckpressen in steigender Zahl in Betrieb genommen.</p><p>Die Kehrseite der Medaille, so �berlegte Cery, war eine nie geahnte Verbreitung und Beliebtheit romantischer Abenteuerromane. Ein vor kurzem ver�ffentlichter Roman erz�hlte von einer reichen Erbin, die von einem jungen, gutaussehenden Dieb von ihrem luxuri�sen, aber langweiligen Leben erl�st wurde. Die K�mpfe waren l�cherlich unglaubw�rdig, fast immer wurden dazu Schwerter benutzt statt Messer, und die Unterwelt wurde von viel zu vielen gutaussehenden M�nnern mit unpraktischen Ideen in Bezug auf Ehre und Loyalit�t bev�lkert. Der Roman hatte einem Gutteil der weiblichen Bev�lkerung Imardins einen Eindruck von der Unterwelt vermittelt, der von der Wahrheit weit entfernt war.</p><p>Nat�rlich hatte er nichts von alledem zu der Frau gesagt, die neben ihm im Bett lag und die ihm jede Nacht, seit sie sich bereitgefunden hatte, ihn in ihrem Keller wohnen zu lassen, ihre Lieblingsstellen aus diesen B�chern vorgelesen hatte. Cadia war keine reiche Erbin. <emphasis>Und ich bin kein umwerfend gutaussehender Dieb.</emphasis> Sie war seit dem Tod ihres Ehemannes einsam und traurig gewesen, und die Vorstellung, einen Dieb in ihrem Keller zu verstecken, war eine angenehme Ablenkung.</p><p>Und er � ihm waren die Verstecke fast ausgegangen.</p><p>Er drehte sich um, um sie anzusehen. Sie schlief und atmete leise. Er fragte sich, ob sie ihn tats�chlich f�r einen Dieb hielt oder ob er einfach so gut in ihre Fantasie hineinpasste, dass es sie nicht k�mmerte, ob es die Wahrheit war oder nicht. Er war nicht der schneidige junge Dieb in dem Roman � er hatte gewiss nicht die Ausdauer f�r die beschriebenen Abenteuer, sei es im Bett oder au�erhalb davon.</p><p><emphasis>Ich werde weich. Ich kann nicht einmal eine Treppe hinaufgehen, ohne dass mein Herz h�mmert und mir die Luft ausgeht. Wir haben zu viel Zeit eingesperrt in engen Verstecken verbracht und nicht genug Zeit im Kampftraining.</emphasis></p><p>Aus dem Nebenzimmer h�rte man einen ged�mpften Aufprall. Cery hob den Kopf, um die T�r zu betrachten. Waren Anyi und Gol wach? Jetzt, da er es war, bezweifelte er, dass er in absehbarer Zeit wieder einschlafen w�rde. Wenn er eingepfercht war, f�hrte das immer dazu, dass er schlecht schlief.</p><p>Er schl�pfte aus dem Bett, zog seine Hose an und griff nach seinem Mantel. Nachdem er einen Arm in einen �rmel geschoben hatte, legte er die Hand auf den T�rknauf und drehte ihn leise. Als er die T�r aufdr�ckte, kam Anyi in Sicht. Sie beugte sich �ber Gol, und eine Klinge fing das Licht der Nachtlampen auf; sie schwebte �ber Gol, bereit zuzusto�en. Cerys Herz krampfte sich vor Schreck und Ungl�ubigkeit zusammen.</p><p>�Was �?�, begann er. Bei dem Ger�usch drehte Anyi sich mit der beneidenswerten Schnelligkeit der Jugend zu ihm um.</p><p>Es war nicht Anyi.</p><p>Genauso schnell wandte die junge Frau ihre Aufmerksamkeit wieder Gol zu, und das Messer schoss nach unten, aber H�nde wurden gehoben, um die Meuchelm�rderin am Unterarm zu packen und den Stich unm�glich zu machen. Gol sprang vom Bett. Cery war in diesem Moment bereits durch die T�r, aber er blieb wie angewurzelt stehen, als ein neuer Gedanke seine Absicht, die Frau aufzuhalten, beiseitedr�ngte.</p><p><emphasis>Wo ist Anyi?</emphasis></p><p>Als er sich umdrehte, sah er, dass auf dem zweiten improvisierten Bett ein weiterer Kampf im Gang war, nur dass es diesmal der Eindringling war, der auf die Matratze gepresst wurde und H�nde zur�ckhielt, die ein Messer direkt �ber seiner Brust schweben lie�en. Eine Welle des Stolzes auf seine Tochter erfasste Cery. Sie musste rechtzeitig aufgewacht sein, um den Meuchelm�rder zu erwischen, und sie hatte seinen Angriff gegen ihn gewandt.</p><p>Aber ihr Gesicht war zu einer Grimasse der Anstrengung verzogen, w�hrend sie versuchte, das Messer herunterzudr�cken. Trotz der geringen Gr��e des Meuchelm�rders waren die Muskeln seiner Handgelenke und seines Halses gut entwickelt. Anyi w�rde diesen Kampf nicht mit brutaler Gewalt gewinnen. Ihr Vorteil war ihre Geschwindigkeit. Er machte einen Schritt auf sie zu.</p><p>�Verschwinde von hier, Cery�, blaffte Gol.</p><p>Anyis Arme wurden zur�ckgedr�ckt, als ihre Konzentration durchbrochen wurde. Sie sprang aus der Reichweite des Meuchelm�rders heraus. Dieser hechtete vom Bett, nahm Kampfhaltung ein und riss ein langes, d�nnes Messer aus dem �rmel. Aber er ging nicht auf sie zu. Sein Blick wanderte zu Cery hin�ber.</p><p>Cery hatte nicht die Absicht, den Kampf Anyi und Gol zu �berlassen. Er w�rde Gol vielleicht eines Tages im Stich lassen m�ssen, aber heute war nicht dieser Tag. Und seine Tochter w�rde er niemals im Stich lassen.</p><p>Er hatte seinen anderen Arm reflexartig in den �rmel des Mantels gleiten lassen. Jetzt trat er zur�ck und heuchelte Furcht, w�hrend er in die Taschen griff und die H�nde durch die Halteschlingen seiner Lieblingswaffen steckte: zwei Messer, deren Scheiden in den Taschen befestigt waren, so dass die Klingen bereit sein w�rden, wenn Cery sie herauszog.</p><p>Der Attent�ter machte einen Satz auf Cery zu, und Anyi sprang ihn an. Cery tat das Gleiche. Es war nicht das, was der Mann erwartet hatte. Noch erwartete er die Zwillingsmesser, die sein eigenes blockierten. Oder die Klinge, die durch das weiche Fleisch seines Halses glitt. Er erstarrte vor �berraschung und Entsetzen.</p><p>Cery wich dem spritzenden Blut aus, als Anyi ihr Messer herauszog, dem Attent�ter sein Messer aus der Hand schlug und ihm dann mit einem Stich ins Herz den Garaus machte.</p><p><emphasis>Sehr effizient. Ich habe sie gut ausgebildet.</emphasis></p><p>Nat�rlich mit Gols Hilfe. Cery drehte sich um, um festzustellen, wie es seinem Freund ging, und er war erleichtert zu sehen, dass die Meuchelm�rderin in einer Blutlache auf dem Boden lag.</p><p>Gol blickte Cery an und grinste. Er war au�er Atem. <emphasis>Genau wie ich,</emphasis> begriff Cery. Anyi b�ckte sich und strich mit den H�nden �ber die Kleidung und das Haar des m�nnlichen Angreifers, dann rieb sie die Finger gegeneinander.</p><p>�Ru�. Er ist durch den Schornstein im Haus �ber uns gekommen.� Sie betrachtete nachdenklich die alte steinerne Treppe, die zur Kellert�r hinauff�hrte.</p><p>Cerys Laune verschlechterte sich. Wie immer die beiden hereingekommen waren oder wie sie ihn �berhaupt gefunden hatten, dies war nicht l�nger ein sicheres Versteck. Stirnrunzelnd schaute er auf die toten Meuchelm�rder hinunter und dachte �ber die letzten wenigen Menschen nach, die er vielleicht um Hilfe bitten k�nnte, und wie sie sie erreichen w�rden.</p><p>Ein leises Aufkeuchen kam von der T�r. Als er sich umdrehte, sah er Cadia, die, nur in ein Laken geh�llt, mit gro�en Augen die toten Meuchelm�rder anstarrte. Sie schauderte, aber als sie ihn bemerkte, verwandelte sich ihr Entsetzen in Entt�uschung.</p><p>�Ich sch�tze, dann wirst du nicht noch eine Nacht bleiben?�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Entschuldige die Schweinerei.�</p><p>Sie betrachtete mit einer Grimasse das Blut und die Leichen, dann runzelte sie die Stirn und blickte zur Decke hinauf. Cery hatte nichts geh�rt, aber Anyi hatte zur gleichen Zeit den Kopf gehoben. Sie alle tauschten besorgte Blicke und schwiegen lieber, f�r den Fall, dass sich ihr Argwohn best�tigte.</p><p>Er h�rte ein schwaches Knarren, ged�mpft durch die Dielenbretter �ber ihnen.</p><p>So lautlos wie m�glich griffen Anyi und Gol nach ihren Schuhen, ihren Rucks�cken und Lampen und folgten Cery in das Nebenzimmer, schlossen die T�r hinter sich und schoben eine alte Truhe vor die T�r. Cadia blieb mitten im Raum stehen, seufzte und lie� das Laken fallen, damit sie sich anziehen konnte. Sowohl Anyi als auch Gol wandten ihr schnell den R�cken zu.</p><p>�Was soll ich tun?�, fl�sterte Cadia Cery zu.</p><p>Er las den Rest seiner Kleider auf, griff nach Cadias Schlafzimmerlampe und �berlegte. �Folge uns.�</p><p>Sie wirkte eher krank als aufgeregt, als sie durch die Fallt�r schl�pften, die zu der alten Stra�e der Diebe f�hrte. Die G�nge hier waren mit Schutt gef�llt und nicht wirklich sicher. Dieser Teil des unterirdischen Netzwerks war vom Rest abgeschnitten worden, als der K�nig eine nahe Stra�e wiederhergestellt und neue H�user errichtet hatte, wo die alten Geb�ude des Elendsviertels gestanden hatten. Obwohl es nicht ganz innerhalb der Grenzen seines Territoriums lag, hatte Cery einen alten Tunnelbauer daf�r bezahlt, eine neue Zugangspassage auszuheben, hatte aber die verfallenen Teile so belassen, damit niemand in Versuchung geriet, sie zu benutzen. Es war ein praktischer Ort gewesen, um Dinge zu verstecken, wie gestohlene Waren und hier und da einen Leichnam.</p><p>Er hatte jedoch nie geplant, sich selbst hier zu verstecken. Cadia betrachtete den mit Schutt �bers�ten Gang mit einer Mischung aus Entsetzen und Neugier. Cery reichte ihr die Lampe und zeigte in eine Richtung.</p><p>�Nach ungef�hr hundert Schritten wirst du ein Gitter hoch oben in der linken Wand sehen. Dahinter ist eine Gasse zwischen zwei H�usern. Es werden Rillen in der Wand sein, damit du hinaufklettern kannst, und das Gitter sollte sich nach innen einklappen lassen. Geh zu einem deiner Nachbarn und sag, dass R�uber in deinem Haus sind. Wenn sie die Leichen finden, sagst du, sie seien die R�uber, und du deutest an, dass sich wohl einer gegen den anderen gewandt hat.�</p><p>�Was ist, wenn sie sie nicht finden?�</p><p>�Zieh sie hier in diese G�nge, und lass niemanden in deinen Keller, bis der Geruch weggeht.�</p><p>Sie wirkte noch kr�nker, nickte jedoch und straffte sich. Ein Stich der Zuneigung durchzuckte ihn angesichts ihrer Tapferkeit, und er hoffte, dass sie nicht weiteren Meuchelm�rdern �ber den Weg laufen oder auf irgendeine andere Weise daf�r bestraft werden w�rde, dass sie ihm geholfen hatte. Er trat dicht vor sie hin und k�sste sie entschlossen.</p><p>�Ich danke dir�, sagte er leise. �Es war mir ein Vergn�gen.�</p><p>Sie l�chelte, und ihre Augen funkelten f�r einen Moment. �Sei vorsichtig�, erwiderte sie.</p><p>�Bin ich immer. Und jetzt geh.�</p><p>Sie eilte davon. Er konnte es nicht riskieren zu bleiben, um ihr nachzuschauen. Gol trat vor, um voranzugehen, und Anyi blieb hinter ihnen, w�hrend sie durch die zerfallenden G�nge wanderten. Nach mehreren Schritten krachte etwas hinter ihnen. Cery blieb stehen und drehte sich um.</p><p>�Cadia?�, murmelte Gol. �Das Gitter hat sich geschlossen, als sie auf die Stra�e geklettert ist?�</p><p>�Das ist sehr weit entfernt, um es so gut zu h�ren�, meinte Cery.</p><p>�Das war kein Gitter auf Ziegelsteinen�, fl�sterte Anyi. �Es war � etwas H�lzernes.�</p><p>Einige hellere Laute folgten. Ziegel und Steine, die bewegt wurden. Cery �berlief ein Schauer. �Geht. Schnell. Aber leise.�</p><p>Gol hielt seine Lampe hoch, doch wegen des vielen Schutts auf dem Boden des Gangs konnten sie nur ab und zu schnell laufen. Cery unterdr�ckte mehr als einmal einen Fluch und bedauerte, dass er nicht ein wenig mehr aufger�umt hatte. Dann, nachdem sie einen geraden Abschnitt des Tunnels hinter sich gebracht hatten, schimpfte Gol und kam schlitternd zum Stehen. Als Cery �ber die Schulter des massigen Mannes schaute, sah er, dass das Dach �ber ihnen vor kurzem eingest�rzt war, so dass sie in eine Sackgasse geraten waren. Er fuhr herum, und sie eilten zur�ck zu der letzten Kreuzung, an der sie vorbeigekommen waren.</p><p>Als sie die Biegung erreichten, seufzte Anyi. �Wir hinterlassen Spuren.�</p><p>Cery senkte den Blick und sah Fu�abdr�cke im Staub. Die Hoffnung, dass ihr Verfolger den Spuren bis zu der Sackgasse hinterherlaufen w�rde, wurde zunichtegemacht, als er begriff, dass Gols Spur jetzt durch den Nebentunnel f�hrte und jede Menge Beweise daf�r hinterlie�, dass sie den Weg zur�ckgegangen waren.</p><p><emphasis>Aber wenn sich eine weitere Gelegenheit bietet, falsche Spuren zu legen �</emphasis></p><p>Doch es kam keine Gelegenheit mehr. Erleichterung durchflutete ihn, als sie endlich den Verbindungsgang zu dem Hauptteil der Stra�e der Diebe erreichten. Einmal mehr bedauerte er, dass er diese Situation nicht vorhergeahnt hatte: Obwohl er den Eingang zu den isolierten Tunneln verborgen hatte, hatte er sich keine M�he gemacht, den Ausgang vor jemandem zu verstecken, der den Tunnel von innen erkundete.</p><p>Sobald die T�r hinter ihnen geschlossen war, schauten sie sich in dem saubereren, besser gewarteten Gang um, in dem sie standen. Da war nichts, was sie benutzen konnten, um die T�r zu blockieren und ihre Verfolger daran zu hindern, die alten Tunnel zu verlassen.</p><p>�Wohin?�, fragte Gol.</p><p>�Nach S�dosten.�</p><p>Sie bewegten sich jetzt schneller und blendeten die Lampen ab, so dass nur ein denkbar d�nner Lichtstrahl den Weg erhellte. Fr�her w�re Cery im Dunkeln weitergegangen, aber er hatte Geschichten �ber Fallen geh�rt, die aufgestellt worden waren, um die Territorien anderer Diebe zu verteidigen. Urheber waren unternehmungslustige R�uber oder die mysteri�sen Schleichen. Trotzdem war das Tempo, das Gol vorgab, gef�hrlich schnell, und Cery machte sich Sorgen, dass sein Freund nicht in der Lage sein w�rde, Gefahren auszuweichen, denen er vielleicht entgegeneilte.</p><p>Schon bald war Cery au�er Atem, seine Brust schmerzte, und seine Beine wurden unsicher. Er fiel etwas hinter Gol zur�ck, der jedoch nach einer Weile seine Schritte verlangsamte und sich umschaute. Er wartete auf Cery, aber die Falte zwischen seinen Brauen gl�ttete sich nicht, und er bewegte sich auch nicht, als Cery ihn einholte.</p><p>�Wo ist Anyi?�</p><p>Cery versp�rte einen heftigen Stich. Er fuhr herum und sah nur Dunkelheit hinter ihnen.</p><p>�Ich bin hier�, erklang eine leise Stimme. �Ich bin stehen geblieben, um festzustellen, ob ich unsere Verfolger h�ren kann.� Ihre Miene war grimmig. �Sie folgen uns tats�chlich. Und es ist eindeutig mehr als nur einer.� Sie winkte die beiden M�nner weiter. �Vorw�rts. Sie sind nicht weit hinter uns.�</p><p>Gol st�rmte wieder los, und Cery folgte ihm. Der massige Mann gab ein noch schnelleres Tempo vor. Er w�hlte eine gewundene Route, aber sie sch�ttelten ihre Verfolger nicht ab � was die Vermutung nahelegte, dass sie die Tunnel genauso gut kannten wie er und Cery. Gol kam den Tunneln der Gilde n�her, doch wer immer ihnen folgte, war offensichtlich nicht hinreichend eingesch�chtert von Magiern, um von seiner Beute abzulassen.</p><p>Sie n�herten sich dem geheimen Eingang in die Tunnel unter der Gilde. <emphasis>Sie werden es nicht wagen, mir dorthin zu folgen.</emphasis> Es sei denn, sie wussten nicht, wohin die G�nge f�hrten. <emphasis>Wenn sie uns folgen, werden sie feststellen, dass die Gilde ihre unterirdischen Wege unbewacht l�sst.</emphasis> Was bedeutete, dass Skellin es ebenfalls erfahren w�rde. <emphasis>Ich werde nicht nur nie wieder �ber diesen Weg fliehen k�nnen, ich werde auch die Gilde alarmieren m�ssen. Sie wird die Tunnel zusch�tten lassen, und dann wird unser sicherster Weg zu Sonea und Lilia versperrt sein.</emphasis></p><p>Er betrachtete die Gildetunnel als die letztm�gliche Fluchtroute. Wenn es eine Alternative gegeben h�tte �</p><p>Als sie noch etwa zwanzig Schritt vom Eingang zu den Gildetunneln entfernt waren, h�rten sie hinter sich ihre Verfolger. Sie waren ihnen zu dicht auf den Fersen � es blieb keine Zeit mehr, die Geheimt�r zu �ffnen, bevor sie sie einholten. Als Gol langsamer wurde, um sich zu Cery umzudrehen � die Augenbrauen zu einer stummen Frage hochgezogen �, schl�pfte Cery an ihm vorbei und schlug eine neue Richtung ein.</p><p>Er hatte eine andere Alternative. Es war eine riskantere. Sie k�nnte sie sogar in eine noch gr��ere Gefahr f�hren als die, vor der sie flohen. Aber zumindest w�rden ihre Verfolger in ebenso gro�er Gefahr sein, wenn sie es wagten, hinter ihnen herzugehen.</p><p>Gol begriff, was Cery vorhatte, und fluchte leise. Aber er widersprach nicht, sondern packte Cery am Arm, um an ihm vorbeizukommen, und �bernahm wieder die F�hrung.</p><p>�Wahnsinn�, murmelte er und jagte auf die Stadt der Schleichen zu.</p><p>Es war jetzt mehr als zehn Jahre her � fast zwanzig �, seit Dutzende von Stra�enkindern in den Tunneln eine neue Heimat gefunden hatten, nachdem ihr Viertel zerst�rt worden war. Schon bald wurden sie zum Gegenstand schreckenerregender Geschichten, die in Bolh�usern erz�hlt wurden und um Kinder zum Gehorsam zu bringen. Es hie�, dass die Schleichen sich niemals ans Tageslicht wagten und nur des Nachts aus Gullys und Kellern empork�men, um Lebensmittel zu stehlen und den Menschen b�se Streiche zu spielen. Manche glaubten, sie h�tten sich zu d�rren, bleichen Wesen mit gro�en Augen entwickelt, die es ihnen erm�glichten, auch im Dunkeln zu sehen. Andere dagegen sagten, sie s�hen aus wie jedes andere Stra�enkind, bis sie ihren Mund �ffneten und ihre langen Rei�z�hne zeigten. Worin aber alle �bereinstimmten, war, dass derjenige, der sich auf das Gebiet der Schleichen vorwagte, so gut wie tot war. Von Zeit zu Zeit stellte jemand diesen Glauben auf die Probe. Die meisten kehrten nie zur�ck, aber einige waren wieder aus den Tunneln herausgekrochen, blut�berstr�mt von Stichwunden, die ihnen lautlose unsichtbare Angreifer in der Dunkelheit zugef�gt hatten.</p><p>Wo die Schleichen den Untergrund beherrschten, wurden ihnen von den Anwohnern Opfer angeboten in der Hoffnung, sie so vom Eindringen in ihre H�user abhalten zu k�nnen. Cery, dessen Gebiet sich an einer Ecke mit dem der Schleichen �berschnitt, hatte daf�r gesorgt, dass jemand alle paar Tage Lebensmittel in den Tunneln deponierte, in einem Sack, der mit dem Bild seines Namensvetters, des kleinen Nagetieres Ceryni markiert war.</p><p>Es war eine Weile her, seit er das letzte Mal �berpr�ft hatte, ob das auch wirklich getan wurde. <emphasis>Wenn nicht, dann werde ich wahrscheinlich keine Chance bekommen, sie daf�r zu bestrafen.</emphasis></p><p>Schon bald entdeckte er die Markierungen, die sie warnten, dass sie sich auf das Gebiet der Schleichen wagten. Dann sah er diese Markierungen nicht mehr. Er konnte Anyis schnellen Atem hinter sich h�ren. Hatten ihre Verfolger es gewagt, ihnen auf den Fersen zu bleiben?</p><p>�Nicht�, stie� Anyi hervor, als er das Tempo verlangsamte, um �ber seine Schulter zu schauen. �Sie � sind � direkt � hinter � uns.�</p><p>Er hatte nicht genug Atem, um einen Fluch auszusto�en. Luft schnarrte in seine Lunge und wieder heraus. Sein ganzer K�rper schmerzte und seine Beine zitterten, w�hrend er sich zwang weiterzulaufen. Er rief sich die Gefahr ins Ged�chtnis, in der Anyi schwebte. Sie w�rde die Erste sein, die ihre Verfolger t�teten, wenn sie sie einholten. Das konnte er nicht zulassen.</p><p>Etwas packte ihn an den Kn�cheln, und er fiel vorn�ber.</p><p>Der Boden war nicht so flach oder hart, wie er erwartet hatte, aber er b�umte sich auf und rollte unter ged�mpften Fl�chen weiter. Gol war in der jetzt absoluten Dunkelheit nicht mehr zu sehen. Die Lampen waren erloschen. Cery drehte sich auf die Seite.</p><p>�Sei still�, fl�sterte eine Stimme.</p><p>�Tu es, Gol�, befahl Cery. Gol verstummte.</p><p>Hinter ihnen im Tunnel wurden die Schritte lauter. Sich bewegende Lichter erschienen und drangen durch einen Vorhang aus grob gewebtem Stoff, an den Cery sich nicht erinnern konnte. <emphasis>Er muss heruntergelassen worden sein, nachdem wir ihn passiert haben.</emphasis> Die Schritte wurden langsamer und hielten inne. Aus einer anderen Richtung kam ein Ger�usch � weitere eilige Schritte. Die Lichter entfernten sich, w�hrend ihre Tr�ger die Verfolgung fortsetzten.</p><p>Nach einer langen Pause durchbrachen mehrere Seufzer die Stille. Ein Schauder �berlief Cery, als er begriff, dass er von mehreren Personen umringt war. Ein d�nner Lichtstrahl erschien. Eine der Lampen. Ein Fremder hielt sie in der Hand.</p><p>Cery schaute zu dem jungen Mann auf, der seinen Blick erwiderte.</p><p>�Wer?�, fragte der Mann.</p><p>�Ceryni von der Nordseite.�</p><p>�Die da?�</p><p>�Meine Leibw�chter.�</p><p>Der Mann zog die Augenbrauen hoch, dann nickte er und wandte sich den anderen zu. Cery schaute sich um und sah sechs weitere junge M�nner; zwei von ihnen sa�en auf Gol. Anyi hatte sich in Kampfhaltung geduckt, ein Messer in jeder Hand. Die zwei jungen M�nner, die links und rechts von ihr standen, hielten sicheren Abstand, obwohl sie den Eindruck machten, als seien sie bereit, einen Schnitt zu riskieren, falls ihr Anf�hrer ihnen befahl, Anyi zu �berw�ltigen.</p><p>�Steck die Messer weg, Anyi�, sagte Cery.</p><p>Ohne den Blick von den M�nnern abzuwenden, gehorchte sie. Auf ein Nicken ihres Anf�hrers hin kletterten die beiden M�nner von Gol herunter, der vor Erleichterung st�hnte. Cery erhob sich auf die F��e, drehte sich wieder zu dem Anf�hrer um und dr�ckte die Schultern durch.</p><p>�Wir bitten um sichere Passage.�</p><p>Der Mund des jungen Mannes zuckte zu einem Halbl�cheln. �So etwas gibt es heutzutage nicht.� Er deutete mit dem Daumen auf seine Brust. �Wen.� Dann drehte er sich um, um mit den anderen zu sprechen. �Ich kenne den Namen. Einer, der Essen gibt. Was tun wir?�</p><p>Sie tauschten Blicke, dann murmelten sie Worte, auf die hin er den Kopf sch�ttelte: �T�ten?� � �Freilassen?� �Wurm?�, fragte einer, und Wen schaute nachdenklich drein. Dann nickte er. �Wurm�, sagte er entschieden. Irgendwie f�hrte das dazu, dass die anderen nickten, obwohl Cery nicht erkennen konnte, ob sie es einfach akzeptierten oder zustimmten.</p><p>Wen wandte sich an Cery. �Ihr kommt alle mit uns. Wir bringen euch zu Wurm.� Er gab Gol seine Lampe zur�ck, dann blickte er zu einem der beiden M�nner, die auf Gol gesessen hatten. �Geh und sag Wurm Bescheid.�</p><p>Der junge Mann huschte in die Dunkelheit hinter Wen davon. Als Wen sich umdrehte, um ihm zu folgen, nahm Anyi die Lampe, die der Junge gehalten hatte, an sich. Zwei der jungen M�nner eilten vorw�rts, um sich zu ihrem Anf�hrer Wen zu stellen, und die �brigen nahmen Positionen weiter hinten ein.</p><p>Niemand sprach, w�hrend sie gingen. Zuerst versp�rte Cery nur eine �berw�ltigende Erleichterung dar�ber, einfach nicht mehr rennen zu m�ssen, obwohl seine Beine noch immer zittrig waren und sein Herz zu schnell schlug. Gol wirkte genauso atemlos wie er selbst, bemerkte er. W�hrend er sich erholte, begann er sich erneut Sorgen zu machen. Er hatte noch nie geh�rt, dass irgendjemand sich mit einer Schleiche namens Wurm getroffen h�tte. Es sei denn � <emphasis>es sei denn, Wurm ist nicht wirklich ein Mann, sondern etwas, das sie mit Eindringlingen f�ttern.</emphasis></p><p><emphasis>H�r auf damit,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Wenn sie unseren Tod wollten, h�tten sie uns nicht vor unseren Verfolgern versteckt. Sie h�tten uns in der Dunkelheit erstochen und uns in einer Sackgasse liegen lassen.</emphasis></p><p>Nachdem sie eine Weile gegangen waren, erklang in der Dunkelheit vor ihnen eine Stimme, und Wen brummte eine Antwort. Schon bald trat ein Mann ins Licht, und die Gruppe blieb stehen. Der Mann sah Cery eindringlich an, dann nickte er.</p><p>�Du bist Ceryni�, sagte er und streckte eine Hand aus. �Ich bin Wurm.�</p><p>Cery streckte ebenfalls die Hand aus, unsicher, was die Geste bedeutete. Wurm ergriff sie f�r einen Moment, dann lie� er sie los und machte ein Zeichen. �Kommt mit mir.�</p><p>Ein weiterer Marsch folgte. Cery bemerkte, dass die Luft feucht wurde, und von Zeit zu Zeit drang aus einem Seitengang das Ger�usch von flie�endem Wasser. Dann traten sie in einen h�hlenartigen Raum, der vom Rauschen des Wassers widerhallte, und alles machte pl�tzlich Sinn.</p><p>Ein Wald von S�ulen umgab sie; jede einzelne war durch gemauerte B�gen aus Ziegelsteinen mit ihrem Nachbarn verbunden. Das ganze Netzwerk bildete eine niedrige Gew�lbedecke, und die S�ulen standen allesamt im Wasser. Ihr F�hrer folgte einem Weg, der �ber die Krone einer dicken Mauer zu verlaufen schien, die ebenfalls im Wasser stand. Es floss zu beiden Seiten an ihnen vorbei, aber in der Dunkelheit lie� sich nicht ausmachen, wie tief es war.</p><p>Gl�cklicherweise war der Pfad trocken und kein bisschen glitschig. Als Cery sich umschaute, bemerkte er, dass das Wasser in Tunnel floss, die anscheinend noch tiefer unter die Stadt f�hrten. An einer Seite sah er andere Mauerkronen, aber zu weit entfernt, um sie mit einem Sprung erreichen zu k�nnen. Die einzige Beleuchtung kam von den Lampen, die sie trugen.</p><p>Das Wasser selbst war �berraschend frei von Treibgut aller Art. Lediglich ein �lfilm zog bisweilen vor�ber, der meist nach Seife und Duft�len roch. Allerdings waren die W�nde zum Teil mit Moder bedeckt, und in der Luft lag eine ungesunde Feuchtigkeit.</p><p>Ein Gruppe von Lichtern erschien vor ihnen, und Cery konnte schon bald eine Art gro�es Podest ausmachen, das zwei der Wege verband. Mehrere Menschen sa�en darauf, und in dem gewaltigen Raum hallte ein leises Murmeln von Stimmen wider. Hinter dem Podest konnte Cery dunkle Ringe in einem helleren Bereich ausmachen, und schlie�lich sah er genug, um festzustellen, dass es weitere Tunnel waren, die h�her lagen und aus denen Wasser in das riesige unterirdische Reservoir floss.</p><p>Das Podest knarrte unter ihren Schritten, als sie es nach Wurm betraten. Von den dort Sitzenden war keiner �lter als Mitte zwanzig. Zwei der jungen Frauen hielten S�uglinge im Arm, und ein Kleinkind war mit einem Seil an die n�chste S�ule gebunden, wahrscheinlich, damit es nicht ins Wasser steigen konnte. Alle starrten Cery, Gol und Anyi mit gro�en, neugierigen Augen an, aber niemand sprach.</p><p>Wurm betrachtete Cery, dann deutete er auf die Einm�ndungen hinter der Plattform. �Die kommen aus den B�dern der Gilde�, erkl�rte er. �Weiter s�dlich m�nden Kloaken, und im Norden haben wir Kloaken, in die auch die Abw�sser aus den K�chen gelangen. Hier dagegen ist das Wasser ziemlich sauber.�</p><p>Cery nickte. Es war kein schlechter Ort, um sich niederzulassen, wenn es einem nichts ausmachte, unter der Erde zu leben und st�ndig von Feuchtigkeit umgeben zu sein. Als er nach links und rechts schaute, bemerkte er andere Podeste, auf denen weitere Schleichen lagerten, und schmale Br�cken, die sie miteinander verbanden.</p><p>�Ich hatte keine Ahnung, dass hier so etwas existiert�, gestand er.</p><p>�Direkt unter deiner Nase.� Wurm l�chelte, und Cery begriff, wie recht der Mann hatte. Dieser Teil des Schleichengebiets lag unter Cerys eigenem Gebiet.</p><p>Cery drehte sich zu ihm um. �Deine Leute haben uns vor Leuten versteckt, die uns t�ten wollten�, sagte er. �Danke. Ich w�re niemals in euer Gebiet eingedrungen, wenn ich eine andere Wahl gehabt h�tte.�</p><p>Wurm neigte den Kopf zur Seite. �Die Gildentunnel?�</p><p><emphasis>Also wei� er, dass ich Zugang zu ihnen habe.</emphasis> Cery sch�ttelte den Kopf. �Damit h�tte ich sie meinem Feind gezeigt. Ich h�tte die Gilde deswegen warnen m�ssen, und ich glaube nicht, dass mir gefallen h�tte, was sie deswegen unternommen h�tten. Ich sch�tze, dir w�rde es auch nicht gefallen, wenn sie hier herumschn�ffelten.�</p><p>Der Mann zog die Augenbrauen hoch. �Nein.� Er zuckte die Achseln, dann seufzte er. �Wenn wir zugelassen h�tten, dass derjenige, der dir J�ger hinterhergeschickt hat, dich findet, w�rde er uns ebenfalls finden. Sobald er genommen hat, was dir geh�rt, kann ihn nichts daran hindern, sich auch zu nehmen, was uns geh�rt.�</p><p>Cery musterte Wurm nachdenklich. Die Schleichen wussten viel mehr �ber die Ereignisse in der Welt �ber ihnen, als er erwartet h�tte. Sie hatten recht, was Skellin betraf. Sobald er Cerys Territorium hielt, w�rde er auch die Kontrolle �ber das Territorium der Schleichen wollen.</p><p>�Skellin oder ich. Keine gro�e Auswahl�, sagte Cery.</p><p>Wurm sch�ttelte den Kopf und runzelte die Stirn. �Er wird uns nicht in Ruhe lassen, wie du es tust.� Er deutete mit dem Kopf zu den Tunneln hin�ber. �Er wird die da haben wollen, weil er will, wozu sie f�hren.�</p><p><emphasis>Die Gilde.</emphasis> Cery schauderte. War dies eine kluge Vermutung des Anf�hrers der Schleichen, oder hatte er Kenntnis von Skellins genauen Pl�nen? Er �ffnete den Mund, um danach zu fragen, aber Wurm drehte sich um, um Cery anzustarren.</p><p>�Ich zeige dir dies, damit du Bescheid wei�t. Aber du kannst nicht bleiben�, erkl�rte er. �Wir werden euch an einen sicheren Ort bringen, aber das ist alles.�</p><p>Cery nickte. �Das ist mehr, als ich gehofft hatte�, erwiderte er und legte all seine Dankbarkeit in seinen Tonfall.</p><p>�Wenn ihr zur�ckkommen m�sst, sprecht meinen Namen, und ihr werdet leben, aber wir werden euch wieder hinausbringen.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>Wurm musterte Cery noch einen Moment lang, dann nickte er. �Wohin wollt ihr gehen?�</p><p>Cery sah Anyi und Gol an. Seine Tochter wirkte �ngstlich, und Gol war blass und ersch�pft. Wohin konnten sie gehen? Kaum jemand schuldete ihnen noch einen Gefallen, und sie hatten keinen sicheren Ort in leichter Reichweite. Keine Verb�ndeten, denen sie vertrauen konnten oder die sie in Gefahr bringen wollten. <emphasis>Bis auf einen.</emphasis> Cery wandte sich wieder an Wurm.</p><p>�Bring uns zur�ck in die Richtung, aus der wir gekommen sind.�</p><p>Der Mann wechselte ein Wort mit den jungen Burschen, die Cery und seine Begleiter gerettet hatten. Wurm bedeutete Cery, dass sie ihnen folgen sollten, dann ging er ohne ein Wort des Abschieds davon. Da er dies als eine Sitte der Schleichen wertete, drehte Cery sich ebenfalls um.</p><p>Ihr Gang hinaus aus dem Territorium der Schleichen verlief langsamer, wof�r Cery dankbar war. Jetzt, da sich Furcht und Erleichterung gelegt hatten, war er m�de, und ein Gef�hl der D�sternis breitete sich in ihm aus. Gol schlurfte beim Gehen ebenfalls. Zumindest hatte Anyi jugendliche Ausdauer auf ihrer Seite. Cery begann die W�nde um sie herum zu erkennen, dann verschmolzen die F�hrer der Schleichen mit der Dunkelheit. Die Lampe, die Cery in der Hand hielt, flackerte und erstarb, als ihr das �l ausging. Gol protestierte nicht, als Cery seine Lampe nahm und sie zum Eingang der Gildetunnel f�hrte.</p><p>Als sie hindurchgeschl�pft waren und die T�r sich wieder geschlossen hatte, fiel ein Gro�teil der Anspannung und Furcht von Cery ab. Sie waren endlich in Sicherheit. Er wandte sich an Anyi.</p><p>�Also, wo ist dieser Raum, in dem du dich mit Lilia triffst?�</p><p>Sie ergriff die Lampe und f�hrte ihn und Gol durch einen langen, geraden Gang. Nachdem sie einmal abgebogen waren, erreichten sie einen Komplex aus R�umen, die durch gewundene Flure miteinander verbunden waren. Die unwillkommene Erinnerung, von Lord Fergun im Dunkeln gefangen gehalten zu werden, stieg in Cery auf. Er schauderte. Aber diese R�ume waren anders als seine ehemalige Zelle: �lter und so angelegt, als solle sich darin niemand zurechtfinden. Anyi f�hrte sie in einen Raum, in dem kein Staub lag und der mit einigen kleinen Holzkisten als M�beln ausstaffiert war und einem Stapel abgenutzter Kissen als Sitzpl�tze. An einer Wand befand sich ein zugemauerter Kamin. Anyi stellte die Lampe weg, dann entz�ndete sie einige Kerzen in Nischen, die in die W�nde gehauen waren.</p><p>�Das ist es�, erkl�rte sie. �Ich h�tte mehr M�bel hergebracht, aber ich konnte nichts Gro�es tragen, und ich wollte keine Aufmerksamkeit erregen.�</p><p>�Keine Betten.� Gol setzte sich mit einem St�hnen auf eine der Kisten.</p><p>Cery l�chelte seinen alten Freund an. �Keine Sorge. Wir werden uns etwas einfallen lassen.�</p><p>Aber Gols Grimasse verschwand nicht. Cery runzelte die Stirn, als er bemerkte, dass Gol die H�nde unter seinem Hemd auf seine Seite presste. Dann sah er den dunklen Fleck, der im Kerzenlicht gl�nzte.</p><p>�Gol �?�</p><p>Der massige Mann schloss die Augen und taumelte.</p><p>�Gol!�, rief Anyi und erreichte ihn zur gleichen Zeit wie Cery. Sie fingen Gol auf, bevor er von der Kiste fallen konnte. Anyi zog Kissen herbei.</p><p>�Leg dich hin�, befahl sie. �Lass mich das sehen.�</p><p>Cery konnte nicht sprechen. Furcht hatte seinen Geist und seine Kehle erstarren lassen. Der Meuchelm�rder musste Gol w�hrend des Kampfes verletzt haben. Oder schon, bevor Gol aufgewacht war.</p><p>Anyi drangsalierte Gol, bis er von der Kiste stieg und sich auf die Kissen legte, dann zog sie seine Hand weg und sch�lte das Hemd zur�ck, um eine kleine Wunde in seinem Bauch zu entbl��en, aus der langsam Blut sickerte.</p><p>�Die ganze Zeit �ber.� Cery sch�ttelte den Kopf. �Warum hast du nichts gesagt?�</p><p>�Es war gar nicht so schlimm.� Gol zuckte die Achseln, dann fuhr er zusammen. �Hat erst angefangen wehzutun, als wir mit Wurm geredet haben.�</p><p>�Ich wette, es tut jetzt weh�, bemerkte Anyi. �Was denkst du, wie tief der Dolch ins Fleisch gedrungen ist?�</p><p>�Nicht tief. Keine Ahnung.� Gol hustete vor Schmerz.</p><p>�Es k�nnte schlimmer sein, als es aussieht.� Anyi hockte sich auf die Fersen und blickte zu Cery auf. �Ich werde Lilia holen.�</p><p>�Nein ��, protestierte Gol.</p><p>�Es waren nur noch wenige Stunden bis Tagesanbruch, als wir Cadias Haus verlassen haben�, erkl�rte ihr Cery. �Lilia k�nnte bereits in der Universit�t sein.�</p><p>Anyi nickte. �Vielleicht. Es gibt nur eine M�glichkeit, es herauszufinden.� Sie zog eine Augenbraue hoch und sah ihn fragend an.</p><p>�Geh�, sagte er.</p><p>Sie ergriff seine Hand und dr�ckte sie auf die Wunde. Gol st�hnte.</p><p>�Halt den Druck aufrecht und ��</p><p>�Ich wei�, was zu tun ist�, unterbrach Cery sie. �Wenn sie nicht dort ist, hol zumindest etwas Sauberes, das wir als Verband benutzen k�nnen.�</p><p>�Das werde ich�, entgegnete sie und griff nach der Lampe.</p><p>Dann war sie fort, und ihre Schritte verklangen in der Dunkelheit.</p></section><section><title><p>2</p><p>Vorgeladen</p></title><p>Sollte ich den Blutring meiner Mutter mitnehmen?�, fragte Lorkin in seinen R�umen im Gildehaus, als Dannyl durch die offene T�r zu ihm trat.</p><p>Dannyl besah sich den goldenen Ring mit der Kugel aus rotem Glas. <emphasis>Falls etwas w�hrend dieser Begegnung mit dem sachakanischen K�nig schiefgehen sollte, w�re es gut, wenn wir beide eine M�glichkeit h�tten, uns mit der Gilde in Verbindung zu setzen, </emphasis>dachte er. <emphasis>Aber wenn die Dinge so schlecht laufen, k�nnten unsere beiden Blutringe gefunden werden, und dann k�nnte man sie uns wegnehmen und als Folterwerkzeug und Ablenkung gegen Osen und Sonea verwenden.</emphasis></p><p>Der Blutstein �bermittelte die Gedanken seines Tr�gers dem Magier, dessen Blut zu der Erschaffung des Steines verwendet worden war. Der Nachteil war, dass der Sch�pfer nicht aufh�ren konnte, die Gedanken des Ringtr�gers zu sp�ren, was besonders unangenehm war, wenn der Tr�ger des Rings gefoltert wurde.</p><p>Das hatte einer der sachakanischen Ausgesto�enen � der Ichani �, der vor zwanzig Jahren in Kyralia eingefallen war, Dannyls altem Freund und Mentor Rothen angetan. Der Mann hatte Rothen gefangen, aber statt ihn zu t�ten, hatte er ein Juwel aus Rothens Blut gemacht. Er hatte es jedem einzelnen seiner Opfer �bergestreift, so dass Rothen eine Flut von Eindr�cken von ver�ngstigten, sterbenden Kyraliern empfangen hatte.</p><p>Wer von den beiden � Schwarzmagierin Sonea oder Administrator Osen � w�rde st�rker betroffen sein, wenn man seinen Ring nahm? Dannyl schauderte angesichts der offensichtlichen Antwort.</p><p>�Lasst ihn hier�, riet er dem jungen Mann. �Ich werde Osens Ring haben. Gebt mir Soneas Ring, und ich werde ihn verstecken, f�r den Fall, dass sie Eure Gedanken lesen und davon erfahren.�</p><p>Lorkin sah Dannyl an, einen seltsamen, halb erheiterten Ausdruck auf dem Gesicht. �Keine Sorge, sie werden bei mir nichts lesen�, bemerkte er.</p><p>Dannyl starrte den jungen Magier �berrascht an. �Ihr k�nnt �?�</p><p>�Mit Einschr�nkungen. Ich hatte keine Zeit, mir die F�higkeiten der Verr�terinnen, einen Gedankenleser zu �berlisten, in vollem Umfang anzueignen. Falls jemand es bei mir versuchen sollte, wird er keinen Erfolg haben, aber er wird wissen, dass er keinen Erfolg hat.�</p><p>�Lasst uns hoffen, dass es so weit nicht kommen wird�, sagte Dannyl. Er macht einen Schritt zur�ck in Richtung der T�r. �Ich werde den Ring verstecken, und wir treffen uns dann im Herrenzimmer.�</p><p>Lorkin nickte.</p><p>Dannyl eilte zur�ck in seine eigenen R�ume, befahl seiner Sklavin zu gehen und jeden daran zu hindern hereinzukommen, dann suchte er nach einem Versteck f�r den Edelstein. <emphasis>Lorkin kann eine Gedankenlesung blockieren!</emphasis> Ashaki Achati, der Ratgeber des sachakanischen K�nigs, der Dannyls Freund gewesen war, seit er in Arvice eingetroffen war, hatte gesagt, dass die Verr�terinnen eine M�glichkeit h�tten, das zu tun. Wie sonst k�nnten ihre Spione, die sich als Sklavinnen ausgaben, eine Entdeckung vermeiden? <emphasis>Ich frage mich, was Lorkin mir sonst noch nicht erz�hlt hat. </emphasis>Ein Stich der Frustration durchzuckte ihn. Seit seiner R�ckkehr nach Arvice hatte es Lorkin widerstrebt, irgendetwas �ber die Rebellengesellschaft zu erz�hlen, in der er w�hrend der letzten Monate gelebt hatte. Dannyl verstand, dass seinem fr�heren Assistenten Geheimnisse anvertraut worden waren, die er nicht offenbaren konnte, ohne viele Leben in Gefahr zu bringen. <emphasis>Aber es macht den Eindruck, als l�ge seine Loyalit�t mehr bei ihnen als bei der Gilde und Kyralia.</emphasis></p><p>Der junge Magier hatte begonnen, wieder Roben zu tragen, daher betrachtete er sich offensichtlich immer noch als einen Gildemagier � obwohl er Dannyl bei ihrer Begegnung in den Bergen erkl�rt hatte, dass die Gilde so tun solle, als habe er sie verlassen.</p><p>Die F��e von Dannyls Reisetruhe waren gearbeitet wie kleine Baumst�mpfe mit rauer, knotiger Borke. Dannyl hatte einen der Knoten mit Magie herausgeschnitten und einen kleinen Hohlraum dahinter geschaffen, f�r den Fall, dass er Osens Ring jemals w�rde verstecken m�ssen. Jetzt l�ste er den Knoten, legte Soneas Ring hinein und st�pselte den Hohlraum dann wieder zu. Anschlie�end machte er sich auf den Weg zum Herrenzimmer, dem Mittelpunkt eines traditionellen sachakanischen Hauses, in dem der Familienvorsteher G�ste begr��te und unterhielt.</p><p>Die Gilde hatte niemals offiziell erkl�rt, dass Lorkin nicht mehr ihr Mitglied sei, obwohl sie damit die Spannungen zwischen Sachaka und Kyralia im Gefolge seines Aufenthalts bei den Verr�terinnen h�tten mildern k�nnen. Zum einen hatte man Sonea den Schmerz ersparen wollen, den der Ausschluss ihres Sohnes ihr bereitet h�tte, und zum anderen wollten die h�heren Magier auch nicht den Anschein erwecken, als g�ben sie die Suche nach einem abtr�nnigen Magier allzu schnell auf. Es hatte jedoch die Gefahr bestanden, dass die Unt�tigkeit der Gilde es so scheinen lie�, als hie�e sie Lorkins Verbindung mit den Rebellen gut.</p><p>Die R�ckkehr nach Arvice mochte die Spannung zwischen der Gilde und Sachaka gemildert haben, aber nun wollte der sachakanische K�nig unbedingt wissen, was Lorkin �ber seinen Feind in Erfahrung gebracht hatte. Ihm stand eine Entt�uschung bevor.</p><p>Sobald er geh�rt hatte, dass der junge Magier zur�ckgekehrt war, hatte K�nig Amakira ihm untersagt, die Stadt zu verlassen. Dannyl hatte den Ruf in den Palast bald darauf erwartet, aber es waren mehrere Tage ohne weitere Nachrichten verstrichen. Zweifellos hatte der K�nig sich mit seinen Ratgebern besprochen.</p><p><emphasis>Darunter Ashaki Achati, falls seine Abwesenheit ein Hinweis ist.</emphasis></p><p>Achati war nicht mehr im Gildehaus zu Besuch gewesen und hatte auch keine Nachricht mehr dorthin geschickt, seit er, Dannyl und Tayend von ihrer Forschungsreise nach Duna zur�ckgekehrt waren. Bei dem Gedanken an die Reise regte sich Wut in Dannyl. Tayend hatte Achati manipuliert, damit er sie begleiten konnte, dann hatte er Dannyl und Achati bewusst und erfolgreich daran gehindert, ein Liebespaar zu werden.</p><p><emphasis>Seltsam, dass das dazu gef�hrt hat, dass ich es umso mehr will, obwohl ich vor unserem Aufbruch z�gerlich war und Zweifel hatte wegen der politischen Konsequenzen einer solchen Beziehung.</emphasis></p><p>Die Tatsache, dass Tayends Gr�nde f�r seine Einmischung die gleichen waren wie jene, die Dannyl �berhaupt veranlasst hatten zu z�gern, und dass die gegenw�rtige Situation sein Z�gern im Nachhinein mehr als rechtfertigte, machte es Dannyl nicht leichter, ihm die Einmischung zu verzeihen.</p><p>Dannyl konnte nicht umhin zu hoffen, dass es nur die Situation mit Lorkin war, die Achati fernhielt, und dass der Mann ihn nicht aufgegeben hatte.</p><p>Er konnte au�erdem nicht umhin, Gewissensbisse zu versp�ren. Ob er und Achati Liebende waren oder nicht, sie w�rden immer Geheimnisse voreinander haben m�ssen. Geheimnisse wie den Vorschlag der Duna, mit der Gilde ein B�ndnis oder ein Handelsabkommen zu schlie�en. Diese Angelegenheit war seit Lorkins R�ckkehr fast in Vergessenheit geraten. Fr�her einmal w�re die Gilde sehr aufgeregt �ber eine M�glichkeit gewesen, eine neue Art von Magie zu erwerben, aber die Aussicht auf den gleichen Tauschhandel mit den Verr�terinnen, die ein sehr viel ehrfurchtgebietenderer Verb�ndeter sein konnten, hatte das �berschattet.</p><p>Dannyl wusste nicht genau, was die Verr�terinnen Lorkin gebeten hatten, der Gilde zu �bermitteln. Osen hatte beschlossen, dass es das Beste sei, wenn Dannyl nichts dar�ber wusste, f�r den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand seine Gedanken las. Dannyl runzelte die Stirn. <emphasis>Osen muss wissen, dass Lorkin eine Gedankenlesung blockieren kann. Lorkin wird mir nichts erz�hlen, was er nicht schon Osen erz�hlt hat.</emphasis></p><p>Als er das Herrenzimmer erreichte, sah er, dass Lorkin bereits dort wartete. Er, Tayend und Lady Merria, Dannyls Assistentin, sa�en auf Hockern und unterhielten sich leise. Bei Dannyls Eintritt erhoben sie sich.</p><p>�Bereit?�, fragte Dannyl Lorkin.</p><p>Lorkin nickte.</p><p>Tayend warf dem jungen Magier einen ernsten Blick zu. �Viel Gl�ck.�</p><p>�Danke, Botschafter�, erwiderte Lorkin.</p><p>�Wir haben beide unsere sachakanischen Freunde gefragt, was der K�nig ihrer Meinung nach tun wird�, f�gte Tayend hinzu und sah Merria an. �Niemand will irgendetwas voraussagen, aber sie hoffen alle, dass der K�nig nichts tun wird, was die Verb�ndeten L�nder gegen ihn aufbringt.�</p><p>�Und denken sie, ich sollte mein Versprechen brechen und alles �ber die Verr�terinnen erz�hlen?�, fragte Lorkin.</p><p>Tayend verzog das Gesicht. �Ja.� Merria nickte zustimmend.</p><p>Lorkins Lippen zuckten zu einem fl�chtigen L�cheln. �Kaum �berraschend.� Aber trotz seines scheinbaren Humors waren seine Augen hart. Dannyl f�hlte sich pl�tzlich an Schwarzmagierin Sonea erinnert. Der Gedanke, wie halsstarrig Lorkins Mutter in seinem Alter gewesen war, machte Dannyl ein wenig Mut, wenn er daran dachte, dass Lorkin sich den Fragen und Schikanen des sachakanischen K�nigs w�rde stellen m�ssen. <emphasis>Hoffen wir, dass Schikanen alles sind, was er versuchen wird.</emphasis></p><p>�Seid Ihr auch vorsichtig�, sagte Merria.</p><p>Dannyl begriff, dass sie ihn anschaute, und er blinzelte �berrascht. Sie hatte ihm seit seiner R�ckkehr finstere Blicke zugeworfen und ihn wissen lassen, dass sie ihm nicht verziehen hatte, dass er sie nicht nach Duna mitgenommen hatte. Er war sich nicht sicher, wie er auf ihre Sorge reagieren sollte, vor allem, da er nicht dar�ber nachdenken wollte, was mit ihm selbst geschehen w�rde, sollten die Dinge eine Wendung zum Schlimmeren nehmen.</p><p>�Ich werde zurechtkommen�, erkl�rte er ihr. �Wir werden zurechtkommen�, f�gte er hinzu. Tayend sah Dannyl auf eine besorgte Weise an, �ber die Dannyl ebenfalls nicht nachdenken wollte, daher wandte er sich dem Flur zu, der aus dem Gildehaus f�hrte. �Nun, wir sollten den K�nig nicht warten lassen.�</p><p>�Nein�, sagte Lorkin leise.</p><p>Dannyl blickte zu Kai hin�ber, dem Mann, der jetzt sein pers�nlicher Sklave war. Merria hatte von ihren Freundinnen erfahren, dass es ein typischer Trick von Sklaven war, h�ufig Aufgaben untereinander zu wechseln, da es f�r einen Herrn dann schwerer war, den richtigen Sklaven f�r einen bestimmten Fehler zu bestrafen. Und je mehr Sklaven man sah, umso schwerer war es, sich ihre Namen zu merken, und wenn man sich den Namen eines Sklaven nicht merken konnte, war es schwerer, seine Bestrafung anzuordnen.</p><p>Merria hatte verlangt, dass jedem Bewohner des Gildehauses ein oder zwei Sklaven zugeteilt wurden, die sich um ihre Bed�rfnisse k�mmerten. Aber obwohl das Arrangement mehr �hnlichkeit damit hatte, einen Diener zu haben, hatte es trotzdem Nachteile. Ein Diener stellte Fragen. Ein Diener w�rde es sagen, wenn man ihm etwas Unm�gliches oder Schwieriges abverlangte. Ein Diener warf sich nicht zu Boden, wann immer man ihn sah. Obwohl Dannyl im Laufe der Jahre einige aufreizend streitlustige Dienstboten gehabt hatte, w�rde er lieber diese Unannehmlichkeit auf sich nehmen statt fraglosen Gehorsam.</p><p>�Lass die Kutschensklaven wissen, dass wir so weit sind, Kai�, befahl Dannyl.</p><p>Kai eilte voraus, und Dannyl f�hrte Lorkin den Flur entlang zur Vordert�r. Als sie hindurchtraten, blendete helles Sonnenlicht Dannyls Augen, und er hob die Hand, um sie zu beschatten. Der Himmel war blau und wolkenlos, und in der Luft lagen eine W�rme und Trockenheit, die er in Kyralia mit dem Beginn des Sommers gleichgesetzt h�tte. Hier begann gerade erst das Fr�hjahr. Wie immer warfen die Sklaven sich zu Boden. Dannyl befahl ihnen, sich zu erheben, dann stiegen er und Lorkin in die wartende Kutsche.</p><p>Sie fuhren schweigend zum Palast. Dannyl bedachte all das, was Osen ihm zu sagen aufgetragen hatte und was er nicht sagen sollte. Er w�nschte, er w�sste mehr dar�ber, was Lorkin und die Gilde planten. Es verursachte ihm Unbehagen, nicht die ganze Wahrheit zu kennen. Allzu bald bog die Kutsche in die breite, von B�umen ges�umte Allee ein, die zum Palast f�hrte, dann hielt sie vor dem Geb�ude an. Die Sklaven kletterten zu Boden und �ffneten die T�r.</p><p>Dannyl stieg aus und wartete auf Lorkin.</p><p>�H�bsch�, bemerkte Lorkin und betrachtete voller Bewunderung das Geb�ude.</p><p><emphasis>Nat�rlich, er hat den Palast noch nicht gesehen, </emphasis>ging es Dannyl durch den Kopf. Als er zu den gerundeten wei�en Mauern emporblickte und in den oberen Abschluss der goldgl�nzenden Kuppel dar�ber, erinnerte er sich daran, wie beeindruckt er bei seinem ersten Besuch hier gewesen war. Jetzt machte er sich zu gro�e Sorgen wegen des bevorstehenden Gespr�chs, um Bewunderung zu empfinden.</p><p>Er richtete seine Aufmerksamkeit auf den Eingang und f�hrte Lorkin hinein. Sie schritten den breiten Flur entlang, vorbei an den Wachen und hinein in die riesige, von S�ulen beherrschte Halle, die dem K�nig als Audienzsaal diente. Dannyls Herz begann schneller zu schlagen, als er sah, dass viel mehr Leute anwesend waren als bei jeder seiner vorangegangenen Begegnungen mit dem K�nig. Statt einer Gruppe von zwei oder drei Personen hier und da hatte sich eine kleine Menschenmenge eingefunden. Nach ihren stark dekorierten kurzen Jacken und selbstbewussten Posen zu urteilen, waren die meisten von ihnen Ashaki. Er z�hlte schnell. <emphasis>Ungef�hr f�nfzig.</emphasis></p><p>Das Wissen, dass ihn so viele Schwarzmagier umgaben, sandte ihm einen unangenehmen Schauer �ber den R�cken. Er konzentrierte sich darauf, das Gesicht leidenschaftslos und seinen Gang w�rdevoll zu halten, in der Hoffnung, dass er seine Furcht erfolgreich verbarg.</p><p>K�nig Amakira sa� auf seinem Thron. Trotz seines Alters wirkte er genauso angespannt und wachsam wie der j�ngste der Sachakaner im Raum. Er lie� Lorkin keine Sekunde aus den Augen, bis Dannyl stehen blieb und sich auf ein Knie sinken lie�. Lorkin folgte seinem Beispiel, wie er es ihm aufgetragen hatte.</p><p>�Erhebt Euch, Botschafter Dannyl�, forderte der K�nig ihn auf.</p><p>Dannyl tat wie gehei�en und widerstand der Versuchung, Lorkin anzusehen, der gezwungen war, weiter auf dem Boden zu knien, bis man ihm etwas anderes sagte. Der Blick des K�nigs war wieder zu dem jungen Magier gewandert. Der Ausdruck in seinen Augen war eindringlich.</p><p>�Erhebt Euch, Lord Lorkin.�</p><p>Lorkin stand auf, sah den K�nig an und senkte dann h�flich den Blick.</p><p>�Willkommen zur�ck�, fuhr der K�nig fort.</p><p>�Vielen Dank, Euer Majest�t.�</p><p>�Habt Ihr Euch von Eurer R�ckreise nach Arvice erholt?�</p><p>�Ja, Euer Majest�t.�</p><p>�Das ist gut zu h�ren.� Der K�nig sah Dannyl an, und eine Art kalter Erheiterung stahl sich in seine Augen. �Botschafter, ich w�nsche von Lorkin zu h�ren, wie es dazu gekommen ist, dass er Arvice verlassen und bei den Verr�terinnen gelebt hat und dann zur�ckgekehrt ist.�</p><p>Dannyl nickte. �Das habe ich erwartet, Euer Majest�t�, erwiderte er und brachte ein L�cheln zustande. Er drehte sich zu Lorkin um. �Erz�hlt ihm, was Ihr mir erz�hlt habt, Lord Lorkin.�</p><p>Der junge Magier bedachte Dannyl mit einem erheiterten, beinahe tadelnden Blick, bevor er sich wieder dem K�nig zuwandte. Dannyl verkniff sich ein L�cheln. <emphasis>Wenn er Ihnen erz�hlt, was er mir erz�hlt hat, wird er Ihnen praktisch gar nichts erz�hlen.</emphasis></p><p>�In der Nacht, in der ich das Gildehaus verlie߫, begann Lorkin, �hat sich eine Sklavin in mein Bett gestohlen und versucht, mich zu t�ten. Ich wurde von einer anderen Sklavin gerettet, die mich davon �berzeugte, dass weitere Meuchelm�rder kommen w�rden, um mich zu t�ten, wenn ich nicht mit ihr fortging. Meine Retterin war, wie Ihr gewiss erraten habt, in Wirklichkeit gar keine Sklavin, sondern eine der Verr�terinnen. Sie hat mir erkl�rt, dass die Gesellschaft, zu der sie geh�rte, sich vor dem sachakanischen Krieg gebildet habe, als eine Gruppe von Frauen sich aufgrund ihrer schlechten Behandlung in der sachakanischen Gesellschaft zusammengetan hatte. Der Krieg zwang sie in die Berge zu gehen, wo sie zu einem neuen Volk wurden, das Sklaverei und die Ungleichheit zwischen Mann und Frau ablehnte.�</p><p>�Sie werden von Frauen regiert�, unterbrach der K�nig. �Ist das keine Ungleichheit?�</p><p>Lorkin zuckte die Achseln. �Es ist keine perfekte Ordnung, aber sie ist immer noch fairer als jede andere, die mir begegnet ist oder von der ich geh�rt habe.�</p><p>�Ihr seid also zu ihrem St�tzpunkt gegangen?�</p><p>�Ja. Es war der sicherste Ort, da die Meuchelm�rder noch immer Jagd auf mich machten.�</p><p>�K�nntet Ihr ihn wiederfinden?�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Nein. Man hat mir die Augen verbunden.�</p><p>Der K�nig kniff die Augen zusammen. �Wie gro� ist ihr St�tzpunkt? Wie viele Verr�terinnen leben dort?�</p><p>�Ich � ich kann es wirklich nicht sagen.�</p><p>�Ihr k�nnt nicht, oder Ihr wollt nicht?�</p><p>�Es war nicht die Art von Ort, wo man leicht sch�tzen kann, wie viele Menschen in der N�he sind.�</p><p>�Versucht es trotzdem.�</p><p>Lorkin breitete die H�nde aus. �Mehr als hundert.�</p><p>�Habt Ihr irgendwelche Eindr�cke gewonnen, was ihre Kampfkraft betrifft?�</p><p>Wieder sch�ttelte Lorkin den Kopf. �Ich habe sie nie k�mpfen sehen. Einige sind Magierinnen. Das wisst Ihr bereits. Ich kann Euch keine Zahlen nennen oder Euch sagen, wie stark oder wie gut ausgebildet sie sind.�</p><p>Eine Bewegung unter den Ashaki in der N�he des Throns erregte Dannyls Aufmerksamkeit, und sein Herz setzte einen Schlag aus, als er Achati erkannte. Der Mann sah Dannyl kurz in die Augen, aber die einzige Regung, die er zeigte, war Nachdenklichkeit. Er beugte sich dichter zum K�nig vor und murmelte etwas. Der K�nig lie� Lorkin nicht aus den Augen, aber er senkte leicht die Brauen.</p><p>�Was habt Ihr getan, w�hrend Ihr bei den Verr�tern wart?�, fragte er.</p><p>�Ich habe geholfen, die Kranken zu behandeln.�</p><p>�Sie haben Euch, einem Fremden, genug vertraut, um Euch Kranke zu �berlassen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Habt Ihr sie irgendetwas gelehrt?�</p><p>�Einiges. Und ich habe selbst auch einiges gelernt.�</p><p>�Was habt Ihr sie gelehrt?�</p><p>�Einige neue Heilmethoden � und ich habe mehrere von ihnen gelernt, obwohl manche Pflanzen erfordern, die wir in Kyralia nicht haben.�</p><p>�Warum habt Ihr sie verlassen?�</p><p>Lorkin hielt inne; offensichtlich hatte er die Frage nicht so bald erwartet. �Weil ich nach Hause zur�ckkehren wollte.�</p><p>�Warum seid Ihr nicht fr�her gegangen?�</p><p>�Sie lassen Fremde normalerweise nicht gehen. Aber in meinem Fall haben sie ihre Meinung ge�ndert.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Es sprach nichts dagegen. Ich hatte nichts Wichtiges erfahren, also konnte ich nichts Wichtiges preisgeben. Als ich ging, sorgten sie daf�r, dass ich niemals in der Lage sein w�rde, den Weg zur�ck zu ihnen zu finden.�</p><p>Der K�nig betrachtete ihn nachdenklich. �Trotzdem habt ihr mehr vom St�tzpunkt der Verr�terinnen gesehen als jeder Nichtverr�ter zuvor. Es k�nnte Einzelheiten geben, deren Bedeutung Ihr nicht versteht. Diese Rebellen sind eine Gefahr f�r unser Land, und eines Tages werden sie vielleicht auch eine Gefahr f�r andere L�nder in dieser Region sein, das Eure eingeschlossen. Werdet Ihr einer Gedankenlesung zustimmen?�</p><p>Lorkin wurde sehr still. In der Halle war es leise, als er den Mund �ffnete, um zu antworten.</p><p>�Nein, Euer Majest�t.�</p><p>�Ich werde meinen begabtesten Gedankenleser einsetzen. Er wird Eure Gedanken nicht durchsuchen, sondern es Euch erm�glichen, ihm Eure Erinnerungen zu pr�sentieren.�</p><p>�Ich wei� das zu sch�tzen, aber ich bin verpflichtet, das Wissen zu sch�tzen, das die Gilde mich gelehrt hat. Ich muss ablehnen.�</p><p>Der Blick des K�nigs wanderte zu Dannyl. Seine Miene war undeutbar. �Botschafter, werdet Ihr Lord Lorkin befehlen, sich einer Gedankenlesung zu unterziehen?�</p><p>Dannyl holte tief Luft. �Bei allem Respekt, Euer Majest�t, das kann ich nicht tun. Dazu fehlt mir die Autorit�t.�</p><p>Der K�nig zog die Augenbrauen nach unten. �Aber Ihr habt einen Blutring, der es Euch erlaubt, Euch mit der Gilde in Verbindung zu setzen. Tut das. Holt Euch den Befehl von der Person, die die Autorit�t hat, ihn zu erteilen.�</p><p>Dannyl �ffnete den Mund, um zu protestieren, besann sich dann jedoch eines Besseren. Er musste den Anschein erwecken, als versuche er, mit dem K�nig zusammenzuarbeiten. Also griff er in seine Roben, holte Osens Ring aus seiner Tasche und streifte ihn �ber.</p><p><emphasis>� Osen?</emphasis></p><p><emphasis>� Dannyl, </emphasis>kam die prompte Antwort. Der Administrator hatte gesagt, dass er daf�r sorgen w�rde, dass er nichts zu tun hatte, w�hrend sie sich mit dem sachakanischen K�nig trafen, und Dannyl nahm keine �berraschung bei dem anderen Mann wahr.</p><p><emphasis>� Sie wollen, dass die Gilde Lorkin befiehlt, sich einer Gedankenlesung zu unterziehen.</emphasis></p><p><emphasis>� Ah. Nat�rlich. Sie werden kein Wort glauben, das er sagt.</emphasis></p><p><emphasis>� Was soll ich ihnen ausrichten?</emphasis></p><p><emphasis>� Dass nur Merin die Autorit�t hat, diesen Befehl zu erteilen, und er wird es erst in Erw�gung ziehen, wenn er eine Chance hatte, Lorkin pers�nlich und unter vier Augen zu befragen.</emphasis></p><p>Ein Fr�steln �berlief Dannyl. Die einzige M�glichkeit, wie der kyralische K�nig seine W�nsche klarer machen konnte, w�re die, auf alle F�rmlichkeiten zu verzichten und von Amakira zu verlangen, dass er Lorkin zur�ck nach Kyralia ziehen lie�. <emphasis>� Sonst nichts?</emphasis></p><p><emphasis>� F�r den Moment nicht, nein. Schaut, was Amakira dazu sagt.</emphasis></p><p>Dannyl streifte den Ring ab, hielt ihn in der Hand, blickte zu dem K�nig von Sachaka auf und �bermittelte ihm Osens Nachricht.</p><p>Amakira starrte Dannyl an, eine sehr, sehr lange Zeit, wie es ihm vorkam. Als er sich schlie�lich r�hrte, bewegte er zuerst seine Kinnmuskeln, was einen Hinweis auf den �rger gab, mit dem die Nachricht ihn erf�llt hatte.</p><p>�Das ist umst�ndlich�, sagte er leise. �Und zwingt mich zu der Frage, ob ich die Bem�hungen um eine Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen beiseiteschieben muss, um meine eigene zu besch�tzen.� Er sch�rzte die Lippen und drehte sich zu zwei der Ashaki um. �Bitte begleitet Lord Lorkin ins Gef�ngnis.�</p><p>Lorkin machte einen halben Schritt r�ckw�rts, dann hielt er inne. Als die beiden Ashaki n�her kamen, trat Dannyl einen Schritt vor.</p><p>�Ich muss protestieren, Euer Majest�t!�, rief Dannyl aus. �Ich bitte im Namen der Verb�ndeten L�nder, dass Ihr die Vereinbarung einhaltet ��</p><p>�Entweder Lord Lorkin geht ins Gef�ngnis, oder Lord Lorkin geht ins Gef�ngnis und Botschafter Dannyl verl�sst Sachaka�, sagte der K�nig, laut genug, um Dannyls Worte zu �bert�nen.</p><p><emphasis>� Lasst sie ihn mitnehmen.</emphasis></p><p>Dannyl h�tte vor �berraschung beinahe laut aufgekeucht, als er die Stimme in seinem Kopf h�rte. Ihm wurde bewusst, dass er den Ring fest umklammerte, so dass der Edelstein seine Haut ber�hrte und seine Gedanken daher an Osen �bermittelte.</p><p><emphasis>� Seid Ihr Euch sicher?</emphasis></p><p><emphasis>� Ja,</emphasis> antwortete der Administrator. <emphasis>Wir haben nat�rlich gehofft, dass es nicht so weit kommen w�rde, aber wir m�chten keinesfalls Lorkin verlieren</emphasis> und <emphasis>zusehen m�ssen, wie Ihr aus Sachaka verbannt werdet. Kehrt in das Gildehaus zur�ck und fangt an, Amakira zuzusetzen, dass er Lorkin gehen lassen soll. Wir werden von hier aus alles tun, was wir k�nnen.</emphasis></p><p>Dannyl wurde flau, als die beiden Ashaki an ihm vorbeigingen und links und rechts von Lorkin stehen blieben. Der junge Magier wirkte resigniert und besorgt, aber als er Dannyls Blick auffing, brachte er ein mattes L�cheln zustande.</p><p>�Ich werde schon zurechtkommen�, sagte er. Dann lie� er sich von den beiden M�nnern davonf�hren.</p><p>Dannyl drehte sich wieder zum K�nig um. �Bringt ihn ins Gef�ngnis, wenn Ihr m�sst, Euer Majest�t, aber f�gt ihm keinen Schaden zu�, warnte er, �sonst wird in Zukunft kaum noch ein friedliches B�ndnis zwischen den Verb�ndeten L�ndern und Sachaka m�glich sein. Das w�re eine gro�e Schande.�</p><p>Amakiras Blick geriet nicht ins Wanken, aber seine Stimme war leiser, als er wieder sprach. �Kehrt ins Gildehaus zur�ck, Botschafter. Dieses Treffen ist beendet.�</p><p>Noch bevor Sonea die Augen �ffnete, wusste sie, dass es zu fr�h war, um aufzuwachen. Sie drehte sich zu ihrem abgedeckten Schlafzimmerfenster um und sah das helle Morgenlicht durch die Ritzen fallen. Sie konnte nur ein oder zwei Stunden geschlafen haben.</p><p>Ein Klopfen vom Hauptraum verriet ihr auch, warum sie wach war.</p><p>St�hnend warf sie die Arme �ber die Augen und wartete. Jeden Morgen au�er an den unterrichtsfreien Tagen kam Schwarzmagier Kallen vorbei, um Lilia zum Unterricht abzuholen. Die meiste Zeit bereitete die Novizin sich ganz leise auf ihren Tag in der Universit�t vor, um Sonea nicht zu wecken. Und Kallen hatte zwar einige Zeit gebraucht, nachdem Sonea mehrfach vielsagend darauf hingewiesen hatte, dass sie im Hospital gew�hnlich die Nachtschicht �bernahm, aber schlie�lich begriffen, dass von ihm erwartet wurde, <emphasis>leise </emphasis>anzuklopfen.</p><p>Heute Morgen schien er es vergessen zu haben.</p><p>Das Klopfen erklang erneut, noch lauter diesmal. Sonea st�hnte abermals. Warum �ffnete Lilia nicht? Seufzend warf sie die Bettdecken zur�ck und zwang sich aufzustehen. Sie fuhr sich mit den H�nden durchs Haar, um es zu gl�tten, griff sich einen Morgenmantel und zog ihn �ber ihre Nachtw�sche. Nachdem sie den Hauptraum betreten hatte, ging sie auf die T�r zu und sandte ein klein wenig Magie aus, um den Knauf zu drehen.</p><p>Als die T�r nach innen aufschwang, blickte ein stirnrunzelnder Kallen auf, dessen Stirn sich bei ihrem Anblick in noch tiefere Falten legte. Sein Blick flackerte zu ihrem Morgenmantel und wieder hinauf zu ihren Augen, und sein Gesichtsausdruck ver�nderte sich dabei nicht.</p><p>�Guten Morgen, Schwarzmagierin Sonea�, sagte er. �Entschuldigt die St�rung. Ist Lilia hier?�</p><p>Sonea schaute zu Lilias geschlossener Schlafzimmert�r auf der anderen Seite des Raums hin�ber, dann ging sie darauf zu. Sie klopfte zuerst leise an, dann lauter, dann �ffnete sie die T�r. Der Raum war leer. Das Bett war jedoch gemacht, daher war Soneas Tante und Dienerin, Jonna, offensichtlich bereits da gewesen und wieder gegangen.</p><p>�Nein�, antwortete sie und kehrte zur Hauptt�r zur�ck. �Und nein, ich wei� nicht, wo sie ist. Wenn ich es erfahre, werde ich Euch Bescheid geben.�</p><p>�Danke.� Kallen wirkte entschieden ungl�cklich, aber er nickte und trat von der T�r weg.</p><p>Sonea schloss die T�r, ging auf das Schlafzimmer zu und hielt dann inne. Es war ungew�hnlich, dass Lilia am Morgen fort war. Es lag nicht in ihrer Natur, sich schlecht zu benehmen oder �rger zu machen, aber sie musste trotzdem �berwacht werden, weil sie bewiesen hatte, wie leicht sie sich von anderen in die Irre f�hren lie�.</p><p><emphasis>Aber vielleicht nicht mehr so leicht wie fr�her. Schlie�lich brachte es einen dazu, genau zu �berlegen, wem man vertraute, wenn man von seiner engsten Freundin �berlistet wurde, um schwarze Magie zu erlernen, damit diese Freundin einem einen Mord in die Schuhe schieben konnte.</emphasis> Ganz zu schweigen von der Entdeckung, dass Lorandra, die wilde Magierin, der Lilia bei der Flucht aus dem Gef�ngnis geholfen hatte, versucht hatte, Lilia diesen Gefallen zu vergelten, indem sie sie ihrem Sohn, dem ber�chtigten Dieb Skellin, auslieferte, damit Lilia ihn schwarze Magie lehren konnte.</p><p>Sonea vertraute darauf, dass Lilia sich nicht <emphasis>willentlich</emphasis> erneut in ernste Schwierigkeiten bringen w�rde � aber vielleicht unwillentlich. Sonea musste au�erdem den Anschein erwecken, als habe sie ein Auge auf alle anderen schwarzen Magier. Obwohl sie nicht offiziell Lilias Mentor war � das war Kallen �, hatten doch alle den Eindruck, dass sie die Verantwortung f�r sie �bernommen hatte, als sie dem M�dchen erlaubte, in ihren R�umen zu wohnen.</p><p>Als Sonea sich im Zimmer umschaute, sah sie einen Zettel unter dem Wasserkrug auf dem Waschtisch hervorlugen. Sie nahm ihn an sich und las.</p><p><emphasis>Bin fr�h aufgebrochen, um eine Freundin zu treffen. Sagt Schwarzmagier Kallen, dass ich von dort aus direkt zum Unterricht kommen werde. </emphasis></p><p><emphasis>Lilia</emphasis></p><p>Sonea seufzte und verdrehte die Augen, aber ihr �rger verflog bald. Die Nachricht war wahrscheinlich nicht f�r sie bestimmt, sondern f�r Jonna. Die Dienerin hatte den Zettel nicht gesehen � oder sie hatte nicht warten k�nnen, bis Kallen gekommen war �, oder aber sie hatte versucht, ihn zu erreichen, und ihn nicht gefunden.</p><p>Die Freundin war wahrscheinlich Anyi, die verhindert hatte, dass Lilia Skellin ausgeliefert wurde. Da Anyi Cerys Tochter war, war Sonea nicht restlos �berzeugt, dass das M�dchen Lilia nicht auf irgendeine Weise auf Abwege f�hren w�rde.</p><p><emphasis>Cery w�rde nicht zulassen, dass die M�dchen in Schwierigkeiten geraten. Trotzdem � ich frage mich, warum Lilia sich zu dieser fr�hen Stunde mit Anyi trifft � und wo. </emphasis>Sonea legte den Zettel beiseite. Sie wusste, dass Anyi ihre R�ume auf demselben Weg betrat, auf dem Cery gelegentlich erschien: durch eine verborgene T�r im G�stezimmer. Aber wenn Lilia fortgegangen war, um sich mit Anyi zu treffen, bedeutete das, dass sie zusammen anderswo hingingen, und das <emphasis>war</emphasis> ein Grund zur Sorge. Als neue Schwarzmagierin durfte Lilia das Gel�nde der Gilde nicht verlassen.</p><p><emphasis>Vielleicht ist sie mit Anyi zur�ck durch die Luke gegangen. </emphasis>Die Tunnel unter der Gilde waren f�r alle bis auf die H�heren Magier verbotenes Terrain, offiziell, weil sie instabil und gef�hrlich waren, in der Hauptsache jedoch, weil es niemals irgendeinen <emphasis>guten</emphasis> Grund gab, warum jemand dort unten sein sollte. Das war es jedoch nicht, was Sonea an Lilias Treffen mit Anyi am meisten Sorgen machte.</p><p>Skellin wollte Cery tot sehen. Das bedeutete, dass jeder, der ihm half, eine Zielscheibe war. Bisher hatte Cery die Tatsache, dass Anyi seine Tochter war, geheim halten k�nnen. Offiziell war sie immer noch eine Leibw�chterin, aber das bedeutete trotzdem, dass sie eine Zielscheibe war. Lilia mochte in der Lage sein, sie mit Magie zu besch�tzen, aber wenn der Angreifer Skellin war oder seine Mutter, Lorandra, w�rde sie in Schwierigkeiten sein, da beide Magier waren.</p><p><emphasis>Ist sie gegangen, weil Cery ihre Hilfe braucht? Aber gewiss w�rde er sich zuerst mit mir in Verbindung setzen. </emphasis>Sie runzelte die Stirn. In letzter Zeit war Cery schwer zu finden gewesen, und wenn sie es dann doch schafften, sich zu treffen, wirkte er ausgezehrt und �ngstlich. Sie hatte den Verdacht, dass es in Wahrheit mit seinen Bem�hungen, Skellin zu finden, nicht mehr weit her war und er es im Gegenteil nur mit knapper Not schaffte, sich au�er Reichweite des Diebes und wilden Magiers zu halten.</p><p>Sonea seufzte erneut und kehrte ins Schlafzimmer zur�ck, aber nicht um zu schlafen. Es war unwahrscheinlich, dass sie mehr tun w�rde, als wach dazuliegen, jetzt da sie sich sowohl um Cery als auch um Lilia Sorgen machte. Sie wusch sich, kleidete sich an, zog ein wenig Magie in sich hinein, um die Ersch�pfung zu vertreiben, und machte sich gerade eine Tasse Raka, als erneut jemand an ihre Wohnungst�r klopfte.</p><p>Nachdem sie sich dabei ertappt hatte, dass sie wieder seufzte � sie hatte heute schon viel zu oft geseufzt �, schaute sie �ber ihre Schulter und �ffnete die T�r mit Magie.</p><p>Administrator Osen trat ein. Sonea blinzelte �berrascht.</p><p>�Administrator.�</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, begr��te er sie und neigte h�flich den Kopf. �Darf ich hereinkommen?�</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte sie und drehte sich zu ihm um. Er schloss die T�r. �M�chtet Ihr etwas Raka oder Sumi?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Ich habe schlechte, aber nicht g�nzlich unerwartete Neuigkeiten.�</p><p>Sie hatte ein unangenehmes Gef�hl, als w�rden sich all ihre inneren Organe in Wasser verwandeln. <emphasis>Lorkin.</emphasis></p><p>�Wie schlecht?�</p><p>Osens Lippen wurden schmal vor Mitleid. �Nicht die schlimmsten Neuigkeiten. Ich w�re direkter gewesen, wenn das der Fall w�re. Lorkin hat eine Gedankenlesung abgelehnt. K�nig Amakira hat verlangt, dass man ihm befiehlt, sich einer solchen zu unterziehen. K�nig Merin hat sich geweigert. Amakira hat Lorkin ins Gef�ngnis geschickt.�</p><p>Ein Fr�steln �berlief sie, und ihr Magen krampfte sich zusammen. Ein Bild von Lorkin, angekettet in einer feuchten, dunklen Zelle, schoss ihr durch den Sinn, und ihr wurde �bel. Vor ihrem inneren Auge war er ein ver�ngstigter Junge. <emphasis>Aber das ist er nicht. Er ist ein erwachsener Mann. Er wusste, dass dies geschehen konnte, und trotzdem hat er sich geweigert, die Verr�terinnen ans Messer zu liefern. Ich muss seinem Urteil vertrauen, dass sie es wert sind, gerettet zu werden. </emphasis>Sie zwang sich, sich wieder auf Osen zu konzentrieren.</p><p>�Was jetzt?�, fragte sie, obwohl die H�heren Magier diesen Fall schon viele Male er�rtert hatten.</p><p>�Wir arbeiten darauf hin, ihn zu befreien. Wobei �wir� die Gilde, der K�nig und der elynische K�nig sind. Wenn Lorkin recht hat und er sie daran hindern kann, seine Gedanken zu lesen, dann m�ssen wir Amakira zu der Erkenntnis bringen, dass er am ehesten mehr �ber die Verr�terinnen erfahren wird, wenn er Lorkin gehen l�sst. An diesem Punkt kommt Ihr ins Spiel.�</p><p>Sonea nickte und versp�rte versp�tete Erleichterung. Ihre Aufgabe, sich im Namen der Gilde mit den Verr�terinnen zu treffen, war komplizierter geworden, als sich herausgestellt hatte, dass K�nig Amakira Lorkin nicht erlauben w�rde, Sachaka zu verlassen, bis er alles von ihm erfahren hatte, was er erfahren konnte. Die Gilde hatte beschlossen, sie ebenfalls nach Arvice zu schicken, um Verhandlungen �ber die Freilassung ihres Sohnes zu f�hren.</p><p>Weil die H�heren Magier zu dem Schluss gekommen waren, dass nur ein Schwarzmagier den Respekt erhalten w�rde, der notwendig war, um mit dem sachakanischen K�nig zu verhandeln, bedeutete das, dass die Gilde zwischen ihr und Kallen w�hlen musste � Lilia war zu jung und immer noch Novizin. Sie hatten gute Gr�nde, sich f�r keinen von ihnen zu entscheiden. W�hrend die Sachakaner Frauen geringer achteten als M�nner und die Tatsache, dass sie Lorkins Mutter war, sie erpressbar werden lie�, machte Kallens Abh�ngigkeit von Feuel ihn potenziell unverl�sslich und ebenso verletzbar gegen �berredungsversuche.</p><p><emphasis>Vielleicht kann das Wissen, dass ich schon fr�her Sachakaner get�tet habe und bereit w�re, es wieder zu tun, um meinen Sohn zu retten, Amakira �berzeugen, ihn freizulassen.</emphasis></p><p>Nat�rlich konnte der sachakanische K�nig damit drohen, Lorkin etwas anzutun, um etwas von ihr zu erhalten, aber das w�rde ihm nicht viel einbringen. Sie wusste nicht, was die Sachakaner herausfinden wollten, und konnte Lorkin nicht befehlen zu sprechen. Sie konnte nur versprechen, dass sie versuchen w�rde, ihn dazu zu �berreden, wenn sie ihn gehen lie�en.</p><p>Sie drehte sich zu Osen um. �Also, wann breche ich auf?�</p><p>Schwaches Licht, das durch eine T�r vor ihr fiel, sagte Lilia, dass sie und Anyi ihr Ziel fast erreicht hatten. Sie machte einen Bogen um den Schutt im Flur und folgte ihrer Freundin zu der �ffnung und in den Raum dahinter.</p><p>Cery sa� auf einer der alten Holzkisten, die Anyi zusammengetragen hatte, um sie als Sitzpl�tze zu benutzen. Unter ihm lag auf einigen der fadenscheinigen Kissen von dem Stapel, auf dem Lilia und Anyi es sich so oft bequem gemacht hatten, Gol. Selbst im schwachen Kerzenlicht konnte sie sehen, dass er bleich war. Sie ging mit ihrer Lichtkugel n�her heran und machte sie heller. Gols Stirn war feucht von Schwei�, und seine Augen wirkten fiebrig.</p><p>Lilia blickte auf ihn hinab, gel�hmt von Zweifeln. <emphasis>Wei� ich schon genug �ber Heilung, um ihn zu retten?</emphasis></p><p>�Versuch es einfach�, dr�ngte Anyi.</p><p>Lilia sah ihre Freundin an und nickte. Sie zwang sich, sich neben Gol hinzuknien. Cery dr�ckte die H�nde auf Gols Unterleib, und sie waren voller Blutflecken.</p><p>�Sollte ich den Druck l�sen?�, fragte Cery.</p><p>�Ich � ich bin mir noch nicht sicher�, gestand Lilia. �Ich werde es mir einfach � ansehen.�</p><p>Sie zupfte mehr von Gols Hemd weg, legte eine Hand auf seine nackte Haut, schloss dann die Augen und sandte ihre Sinne in seinen K�rper.</p><p>Zuerst war alles Chaos, aber sie machte sich zunutze, was man sie gelehrt, was sie gelesen und was sie einge�bt hatte, um all den unterschiedlichen Signalen und Bewegungen einen Sinn abzugewinnen. Das Erste, was offensichtlich war, war der Schmerz. Sie keuchte beinahe laut auf, als sie diesen Schmerz auffing, und war stolz, dass sie nicht die Konzentration verlor. Schmerzen waren leicht zu lindern. Es war eine der ersten Lektionen, die man Heilern beibrachte. Sobald sie das in Angriff genommen hatte, suchte sie nach weiteren Informationen. Ihr Geist wurde zu dem zerst�rten Teil gezogen, wo lebenswichtige Fl�ssigkeiten verlorengingen, w�hrend andere, die gef�hrlich giftig waren, in gesunde Bereiche sickerten.</p><p><emphasis>Seine Eingeweide sind von der Klinge verletzt worden, die ihn getroffen hat. Er w�re bereits tot, wenn das Loch deutlich gr��er gewesen w�re. Offensichtlich ist es das, was ich zuerst reparieren muss �</emphasis></p><p>Sie zog Magie in sich hinein und lie� sie in die Wunde flie�en, deren R�nder sich zusammenf�gten und schneller heilten, als sie es ohne Eingreifen jemals h�tten tun k�nnen.</p><p><emphasis>Jetzt muss ich verhindern, dass mehr Blut hinausflie�t. Aber bevor ich das tue, muss ich mich um dieses Gift aus den Eingeweiden k�mmern und um das Blut, das er innerlich verliert. Ich muss das eine benutzen, um das andere auszusp�len. </emphasis>Sie hoffte, dass Cery und Anyi nicht in Panik gerieten, w�hrend sie Magie benutzte, um die Fl�ssigkeiten aus der Wunde zu vertreiben. Da war ein wenig mehr Widerstand, als sie erwartet hatte. Dann erinnerte sie sich daran, dass Cery noch immer auf die Wunde dr�ckte. Sie konzentrierte sich wieder hinreichend auf ihren eigenen K�rper, um die Kontrolle �ber ihre Stimmb�nder zu gewinnen.</p><p>�Du kannst jetzt aufh�ren�, zwang sie sich zu sagen.</p><p>Sie bemerkte, dass das Blut wieder zu flie�en begann, und musste sich mit aller Macht konzentrieren, um das durchtrennte Fleisch und die Haut zu heilen. Eingedenk der Warnungen ihrer Lehrer vergewisserte sie sich, dass es keine weiteren inneren Verletzungen gab, die bluteten. Einige Blutgef��e mussten repariert werden. Das war einfach.</p><p>Nach einer letzten �berpr�fung zog sie ihre Sinne wieder in sich hinein, holte tief Luft und �ffnete die Augen. Gols Gesicht war nicht l�nger starr vor Schmerz. Er schaute zu ihr auf und l�chelte.</p><p>�Besser?�, fragte sie.</p><p>Er nickte. �Ja. Aber � m�de. Sehr m�de.� Er runzelte die Stirn. �Durstig.�</p><p>�Das ist normal. Du hast Blut verloren, und das Gift k�nnte eine Entz�ndung verursacht haben.�</p><p>�Die Klinge war vergiftet?�, fragte Cery erschrocken.</p><p>�Nein, aber sein Darm ist aufgeschlitzt worden. Was darin ist, wirkt wie Gift, wenn es in den Rest des K�rpers gelangt.�</p><p>Cery betrachtete den massigen Mann nachdenklich. �Du wirst f�r eine ganze Weile nicht f�r Kampf�bungen zu gebrauchen sein.� Er sah Lilia an. �Wie lange wird es dauern, bis er sich vollkommen erholt hat?�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Ich bin mir nicht sicher, aber es wird schneller gehen, wenn er gutes Essen und sauberes Wasser bekommt.� Sie blickte Anyi an. �Wenn du mit mir kommst, werde ich nachsehen, ob Jonna etwas in meinem Zimmer zur�ckgelassen hat. Zumindest wird dort Wasser sein.�</p><p>�Du bist bereits sp�t dran f�r den Unterricht�, bemerkte Anyi. �Du solltest direkt in die Universit�t gehen.�</p><p>�In diesen Kleidern?� Lilia blickte auf ihre Novizenroben hinab. Sie waren abgewetzt und schmutzig von der Kletterpartie durch die schmale L�cke in den Mauern der Magierquartiere, die es ihr erm�glichte, aus Soneas R�umen und in die unterirdischen Tunnel zu schl�pfen. Normalerweise brachte Anyi ihr einige alte Kleider mit, die sie anziehen konnte, aber diesmal war sie mit leeren H�nden erschienen. Lilia hatte nicht riskieren wollen, dass Gol vielleicht starb, w�hrend sie versuchte, etwas anderes zum Anziehen zu finden.</p><p>Anyi betrachtete Lilias Roben. �Kannst du nicht Magie benutzen, um sie in Ordnung zu bringen?�</p><p>Lilia seufzte. �Ich kann es versuchen. H�ngt davon ab, wie schlimm es ist. Es dauert vielleicht l�nger, als zur�ckzugehen.�</p><p>Anyi musterte sie. �Sieht gar nicht so schlimm aus. Nichts, was du nicht damit erkl�ren k�nntest, dass du gestolpert und in eine Hecke gefallen bist.�</p><p>�Wie sieht es mit etwas Essbarem und Wasser aus?�</p><p>Anyi zuckte die Achseln. �Ich werde mich darum k�mmern.�</p><p>�Sonea wird den ganzen Tag in ihren R�umen sein.�</p><p>�Sie macht im Hospital die Nachtschicht, richtig? Also wird sie schlafen.�</p><p>�Und wenn sie nicht schl�ft? Oder wenn sie aufwacht?�</p><p>�Dann erz�hle ich ihr, ich sei auf einen Sprung vorbeigekommen, um dich zu besuchen, und h�tte Hunger.�</p><p>�Wenn es nur Wasser ist, das wir brauchen, kenne ich einige lecke Rohre�, sagte Cery. Er sah Lilia streng an. �Aber wir werden schlimmer dran sein, wenn du deinen Unterricht vers�umst oder jemand bemerkt, dass du in den Tunneln unter der Gilde umhergestreift bist. Wir werden hier f�r eine Weile festsitzen, und du musst frei bleiben, damit du uns besuchen kannst, Lilia.�</p><p>Sie blickte von ihm zu Anyi. Er hatte nat�rlich recht. Zwar schien der Unterricht unwichtig im Vergleich dazu, ihre Freunde zu besch�tzen, aber es w�rde nur Verdacht erregen, wenn sie schw�nzte. Einmal mehr verfluchte sie sich daf�r, dass sie der Neugier nachgegeben und die Instruktionen �ber die Benutzung von schwarzer Magie in Nakis Buch ausprobiert hatte. Als sie noch eine gew�hnliche Novizin gewesen war, hatte niemand sie je beachtet. Sie seufzte und nickte. �In Ordnung. Aber ich komme heute Abend mit Essen f�r euch alle zur�ck.�</p><p>�Wie willst du das schaffen?�, fragte Cery und zog eine Augenbraue hoch.</p><p>�Oh, Jonna sagt mir immer, ich solle mehr essen, und sie l�sst kleine Erfrischungen f�r mich da, w�hrend ich lerne. Heute Abend werde ich ungew�hnlich hungrig sein.�</p></section><section><title><p>3</p><p>Fragen</p></title><p>Lorkin versp�rte zwar eine gewisse Erleichterung, als der Ashaki ihn aus dem Verh�rraum f�hrte, hatte aber gleichzeitig das Gef�hl, dass diese Empfindung wom�glich verfr�ht war. Sie gingen den gleichen Weg zur�ck, den sie an diesem Morgen gekommen waren: von der Zelle, in die man ihn aus dem Audienzsaal des Palastes gebracht hatte, in den Verh�rraum. Vielleicht waren sie f�r heute fertig. Vielleicht war es drau�en Nacht. Lorkins Magen war das einzige Ma� f�r das Verstreichen der Zeit, aber es war kein besonders zuverl�ssiges. Wenn er einmal nicht vor Angst verkrampft war, knurrte er leise vor Hunger.</p><p>Sein Vernehmer, der sich nicht vorgestellt hatte, ging voran, und dessen Assistent folgte hinter Lorkin. Lorkin wusste nur, dass der Mann ein Ashaki war, weil ein Wachposten ihn so angeredet hatte.</p><p>Sie erreichten einen Flur, der Lorkin genau in Erinnerung geblieben war, weil er schr�g hinunter in den Gef�ngnisbereich f�hrte. Einmal mehr fragte er sich, warum es hier keine Treppen gab, aber jetzt wurde die Antwort klar: Ein Gef�ngnisw�rter schob einen Rollwagen auf sie zu. Auf dem Wagen lag ein sehr d�nner, sehr alter Mann, der nichts am Leib hatte als ein wei�es Tuch, das ihn von der Taille bis zu den Knien bedeckte. Als sie ihn passierten, warf Lorkin einen verstohlenen Blick auf das Gesicht des alten Mannes. Dann schaute er genauer hin.</p><p><emphasis>Ist er tot?</emphasis> Die Brust hob und senkte sich nicht. Die Lippen des Alten waren bl�ulich. <emphasis>Sieht so aus. </emphasis>Er hielt hastig Ausschau nach Wunden, entdeckte jedoch keine. Nicht einmal Male, wo Fesseln um die Handgelenke gelegen haben mochten. <emphasis>Vielleicht ist er an Altersschw�che gestorben. Oder an einer Krankheit. Oder er ist verhungert. Oder es war schwarze Magie � </emphasis>Er widerstand dem Drang, die Hand auszustrecken und den Leichnam zu ber�hren und seine heilenden Sinne zu benutzen, um nach der Todesursache zu suchen.</p><p>Am Ende des schr�g abfallenden Flures gelangten sie in einen gro�en Raum. Fesseln hingen von den W�nden, rot von Rost. Ein Stapel �hnlich angelaufener Metallgegenst�nde lag in einer Ecke � Gegenst�nde, die einer ver�ngstigten Phantasie wie Folterwerkzeuge erscheinen mochten. Im Gegensatz dazu waren die gekreuzten Gitterst�be vor den nischenf�rmigen Zellen zu beiden Seiten des Raums ohne jede Spur von Alter oder Schw�che.</p><p>Drei gr��ere Zellen erstreckten sich �ber die l�ngere Wand des Raumes und f�nf kleine �ber die k�rzere. Nur zwei der Zellen waren bewohnt: In einer sa�en zwei M�nner in mittleren Jahren, in der anderen ein junges P�rchen. Zwei Wachen hockten in der N�he des Eingangs zum Hauptraum, zusammen mit einem weiteren Mann, der eine n�chternere Version der �blichen Gewandung m�nnlicher Ashaki trug. Letzterer nickte dem Vernehmer zu, der die Geste erwiderte.</p><p>Gefangene blieben selten l�nger als einige Wochen, das hatte man Lorkin erz�hlt. Selbst wenn sie f�r schuldig befunden wurden. Magier auf Dauer einzusperren war zu schwierig, und Nichtmagier wurden einfach in die Sklaverei verkauft. Der Vernehmer hatte nicht gesagt, ob die Magier befreit oder hingerichtet wurden.</p><p><emphasis>Das ist Teil des Spiels, </emphasis>dachte Lorkin. <emphasis>St�ndige Andeutungen auf ernste Konsequenzen, wenn ich nicht mit ihnen zusammenarbeite, aber keine direkten Drohungen. Noch nicht.</emphasis></p><p>Der Mann hatte sich ausgiebig laut gefragt, ob Lorkin als Magier in sachakanischem Sinne galt, da sein magisches Wissen unvollst�ndig war. Machte der Umstand, dass er keine h�here Magie kannte, Lorkin zu einem Halbmagier? Einen Halbmagier gefangen zu halten mochte trotzdem mehr �rger bedeuten, als die Sache wert war. Wie dem auch sei, es war schon fr�her getan worden, wenn auch nicht hier. Mit Lorkins eigenem Vater.</p><p><emphasis>Wenn er versucht hat, mich zu beleidigen, war es ein schwacher Versuch. Gewiss wei� er, dass Gildemagier unseren Mangel an h�herer Magie nicht als einen Nachteil ansehen � tats�chlich ist es eher ein ehrenwerter Zustand. Ich nehme an, der Hinweis darauf, dass mein Vater einmal ein Sklave war, war sein eigentliches Ziel.</emphasis></p><p>Trotzdem, diese Tatsache war nicht die Quelle der Dem�tigung f�r Lorkin, die sie f�r einen sachakanischen Edelmann gewesen w�re. Akkarin war von einem Ichani versklavt worden; Ichani waren Ausgesto�ene, die f�r den Rest von Sachaka eine Peinlichkeit und ein �rgernis waren � und ein Hinweis auf Schw�che in ihrer Gesellschaft. Lorkin sprach den Gedanken jedoch nicht laut aus.</p><p>Abgesehen von einigen anderen versuchten Seitenhieben hatte der Vernehmer den Tag damit verbracht, Fragen zu stellen und darauf hinzuweisen, wie schlimm es f�r Lorkin, die Gilde und den Frieden zwischen Sachaka und den Verb�ndeten L�ndern w�re, wenn Lorkin ihm nicht alles �ber die Verr�terinnen erz�hlte. Es gab nur eine begrenzte Anzahl an Fragen, die gestellt werden konnten, und an Versionen der gleichen Warnung, daher hatte der Mann sich oft wiederholt.</p><p>Und Lorkin hatte entschuldigend, aber entschieden seine Weigerung zu antworten wiederholt. Er wollte nicht ins Plaudern geraten und riskieren, dass er unbeabsichtigt irgendwelche Informationen lieferte, die gegen die Verr�terinnen benutzt werden konnten. Irgendwann kam er zu dem Schluss, dass seine Weigerung schlicht ignoriert wurde, daher verlegte er sich darauf, gar nichts zu sagen. Es war nicht so einfach, wie er es sich vorgestellt hatte, aber er musste nur daran denken, wie viel schwerer es sein w�rde, der Folter zu widerstehen, und seine Entschlossenheit verst�rkte sich. Sie hatten noch nicht versucht, seine Gedanken zu lesen, daher wussten sie nicht, dass es nicht funktionieren w�rde � das hie�, solange der Stein der Verr�terinnen unter der Haut seiner Handfl�che, der das Gedankenlesen blockierte, anstandslos funktionierte. Vielleicht w�rde es K�nig Amakira weiterhin widerstreben, die Beziehungen zu den Verb�ndeten L�ndern zu beeintr�chtigen, indem er Lorkin einer Gedankenlesung unterzog. Vielleicht hoffte er, dass Lorkin mit Fragen und Drohungen dazu zu bewegen war, klein beizugeben.</p><p>Als sie das Gitter der Zelle erreichten, in der Lorkin zuvor eingesperrt gewesen war, bedeutete der Vernehmer ihm einzutreten. Das Gitter schloss sich. Lorkin drehte sich um und sah, dass der Ashaki in der strengen Gewandung sich ihnen gen�hert hatte.</p><p>�Fertig?�, fragte er.</p><p>�F�r den Augenblick�, erwiderte der Vernehmer.</p><p>�Er will Euren Bericht.�</p><p>Der Vernehmer nickte und ging mit seinem Gehilfen davon.</p><p>Der schlicht gekleidete Ashaki schaute Lorkin durch das Gitter mit schmalen Augen an. Dann wandte er sich ab und sah sich im Raum um, bis sein Blick auf einen schlichten Holzstuhl fiel. Der Stuhl erhob sich in die Luft und schwebte vor Lorkins Zelle wieder zu Boden.</p><p>Der Ashaki setzte sich und machte sich daran, Lorkin zu beobachten.</p><p>Angestarrt zu werden war nichts, was Lorkin besonders gefiel, aber er nahm an, dass er sich daran w�rde gew�hnen m�ssen. Er blickte sich in der Zelle um. Sie war leer bis auf einen Eimer f�r Exkremente in einer Ecke. Er hatte den ganzen Tag lang nichts gegessen oder getrunken, daher war sein Drang, sich zu erleichtern, nicht stark genug, um den Eimer zu benutzen, w�hrend er beobachtet wurde.</p><p><emphasis>Irgendwann werde ich es tun m�ssen. Besser, ich gew�hne mich auch an diesen Gedanken.</emphasis></p><p>Da ihm nichts anderes �brigblieb, setzte Lorkin sich auf den staubigen Boden und lehnte sich an die raue Wand. Er w�rde wahrscheinlich auch auf dem Boden schlafen m�ssen. Der Stein war hart und kalt. Zumindest war es hier k�hl genug, dass ihm in seinen Roben nicht l�nger unangenehm hei� war. Es war leicht, die Luft mit Magie zu w�rmen, aber um sie abzuk�hlen, musste man die Luft bewegen, vorzugsweise vorbei an Wasser.</p><p>Er dachte an den Moment zur�ck, da er die Roben wieder angezogen hatte, nachdem er monatelang als Verr�ter gelebt hatte. Zuerst war es eine Erleichterung gewesen. Er hatte den aufwendigen Stil des Gewandes und den weichen, kr�ftig gef�rbten Stoff sehr zu w�rdigen gewusst. W�hrend der sachakanische Fr�hling immer hei�er geworden war, hatte er jedoch begonnen, die Roben schwer und unpraktisch zu finden. Wenn er allein in seinem Zimmer im Gildehaus war, hatte er die �u�ere Robe abgelegt und nur die Hose getragen. Er hatte angefangen, sich nach der schlichten, praktischen Kleidung der Verr�ter zur�ckzusehnen.</p><p>Diese Sehnsucht hatte wahrscheinlich ebenso viel mit dem Wunsch zu tun, wieder im Sanktuarium zu sein. Sofort stiegen Erinnerungen an Tyvara in ihm auf, und ihm wurde leichter ums Herz. Die j�ngste Erinnerung, an die letzte Nacht, die sie zusammen verbracht hatten, w�hrend sie nackt und l�chelnd dagelegen und ihn darin unterrichtet hatte, wie Liebende schwarze Magie benutzten, lie� seinen Puls rasen. Dann stiegen �ltere Erinnerungen auf: die Art, wie sie sich bewegte, wenn sie im Sanktuarium war, sicher und selbstbewusst � sie nahm die Macht, die ihre Gesellschaft ihr gew�hrte, f�r selbstverst�ndlich. Ihr direkter Blick, der verschmitzt und intelligent zugleich war.</p><p>Er erinnerte sich auch an sie vor dieser Zeit, als sie ihn �ber die sachakanischen Ebenen zu den Bergen gebracht und ihn vor Attent�tern der Verr�terinnen besch�tzt und sie dann beide vor einer Gefangennahme durch die Ashaki bewahrt hatte. Sie war m�de gewesen, und es war schwer gewesen, mit ihr zu reden, und doch hatte sie ihn mit ihrer Entschlossenheit und Findigkeit beeindruckt.</p><p>Er sandte seinen Geist weiter zur�ck zu einer Erinnerung an sie in ihrer Verkleidung als Sklavin des Gildehauses. Die Schultern hochgezogen, den Blick gesenkt, verwirrt von seinen Versuchen, sich mit ihr anzufreunden. Er hatte sich schon damals zu ihr hingezogen gef�hlt, obwohl er sich gesagt hatte, dass ihn nur ihr exotisches Aussehen faszinierte. Aber keine andere Sachakanerin hatte seine Blicke auf diese Weise auf sich gezogen, und er hatte sowohl in Arvice als auch im Sanktuarium viele sch�ne Frauen gesehen.</p><p><emphasis>Das Sanktuarium. Ich vermisse es tats�chlich,</emphasis> bemerkte er. <emphasis>Jetzt, da ich fortgegangen bin, begreife ich, dass es mir dort gefallen hat, trotz Kalia. </emphasis>Erinnerungen daran, wie er entf�hrt, eingesperrt, gefesselt und geknebelt worden war, w�hrend Kalia in seinem Geist nach dem Geheimnis magischer Heilkunst gesucht hatte, verd�sterten seine Gedanken, aber er schob sie beiseite. <emphasis>Kalia ist nicht l�nger eine der Sprecherinnen. Nicht l�nger zust�ndig f�r die Krankenstation, </emphasis>rief er sich ins Ged�chtnis. <emphasis>Die Verr�terinnen haben ihre Fehler, einige mehr als andere, aber alles in allem sind sie gute Menschen. </emphasis>Mit Kalia auf der Krankenstation festzusitzen und sich st�ndig um ihre Manipulationen sorgen zu m�ssen, dazu noch die Frage, wie er die Verr�terinnen dazu �berreden konnte, mit der Gilde Handel zu treiben, hatte ihn zu sehr abgelenkt, um ihre Lebensweise wirklich zu sch�tzen zu wissen.</p><p>Seine Entf�hrung war die Tat einer kleinen Anzahl von recht skrupellosen Verr�terinnen gewesen. Er hatte den Verdacht, dass nicht alle Mitglieder von Kalias Gruppe ihre Taten gutgehei�en hatten. Die meisten von ihnen w�ren nicht bereit gewesen, die Gesetze der Verr�terinnen zu brechen, wie Kalia es getan hatte, selbst wenn sie ihr im Nachhinein recht gaben. Ihre Denkweise entsprang dem tief verwurzelten Verlangen, ihre Leute zu besch�tzen. Ihre Angst vor der Au�enwelt war ihnen nach Jahrhunderten, die sie versteckt in den Bergen gelebt hatten, in Fleisch und Blut �bergegangen.</p><p>Obwohl er nicht recht bereit war, Kalia zu verzeihen, dass sie ihm das Wissen �ber die Heilkunst gestohlen hatte, konnte er ihr ihren Wunsch kaum ver�beln, in der Lage zu sein, es zu benutzen und das Leben ihrer Leute zu retten. <emphasis>Trotzdem, sie hatte vor, mich zu t�ten und zu behaupten, ich h�tte versucht, aus dem Sanktuarium zu fliehen, und w�re im Schnee des Winters erfroren. Das ist nichts, was ich zu verzeihen beabsichtige.</emphasis></p><p>Als Entsch�digung f�r das, was ihm genommen worden war, hatte K�nigin Zarala verf�gt, dass man ihn lehren solle, wie man magische Edelsteine anfertigt. Er hatte eine Art von Magie gelernt, von der die Gilde noch nie geh�rt hatte. Es war der Traum, neue m�chtige Magie zu finden, der ihn dazu getrieben hatte, sich freiwillig als Botschafter Dannyls Assistent zu melden. R�ckblickend bel�chelte er seine eigene Naivit�t. Die Chancen, etwas zu finden, waren l�cherlich gering gewesen. Und doch hatte er es geschafft.</p><p>Seine Hoffnungen, Magie zu finden, die schwarze Magie vielleicht �berfl�ssig machen oder zumindest einen Schutz davor bieten w�rde, hatten sich jedoch nicht erf�llt. Denn die magischen Edelsteine hatten zwar das Potenzial, schwarze Magie zu ersetzen, aber leider wurden sie selbst mithilfe schwarzer Magie geschaffen.</p><p>Er sp�rte, wie sein L�cheln verblasste, und ein Knoten der Sorge bildete sich in seinem Magen. <emphasis>Was wird die Gilde tun, wenn sie erf�hrt, dass ich schwarze Magie beherrsche? Wird man es verzeihen, sobald man versteht, dass ich anderenfalls nicht h�tte lernen k�nnen, wie man die Steine macht?</emphasis></p><p>Er hatte alle m�glichen Konsequenzen erwogen und sich auf die schlimmste von ihnen gefasst gemacht: die M�glichkeit, dass sie ihn aus den Verb�ndeten L�ndern verbannen w�rden, so wie sie seinen Vater verbannt hatten. Es w�rde ihn verletzen, aber es w�rde ihn auch frei machen, ins Sanktuarium und zu Tyvara zur�ckzukehren, was kein gar so schlechtes Ergebnis w�re. Abgesehen von einer Sache.</p><p><emphasis>Mutter wird entt�uscht von mir sein. Nein � mehr als das. Sie wird am Boden zerst�rt sein.</emphasis></p><p>Was der Grund war, warum er Botschafter Dannyl und Administrator Osen noch nichts davon gesagt hatte. Es war eine Neuigkeit, die er so lange wie m�glich f�r sich behalten wollte. Osen <emphasis>hatte </emphasis>beschlossen, dass niemand mehr erfahren sollte als unbedingt notwendig, f�r den Fall, dass die Sachakaner tats�chlich begannen, Gedanken zu lesen. Trotzdem wusste Lorkin, dass er nicht ewig verhindern konnte, dass Sonea es erfuhr.</p><p><emphasis>Aber wenn sie es erf�hrt, m�chte ich lieber nicht, dass sie es von jemand anderem h�rt. Es wird nicht leicht sein, es ihr zu sagen, aber wenn ich es selbst tue, wird es f�r sie vielleicht ertr�glicher sein.</emphasis></p><p>Cery konnte nicht mehr z�hlen, wie oft er aufgewacht war, aber diesmal wusste er, dass etwas anders war, noch bevor er hinreichend bei Bewusstsein war, um es zu benennen.</p><p><emphasis>Licht. </emphasis>Nachdem Anyi mit ein wenig Essen und Wasser aus Soneas R�umen zur�ckgekehrt war und beides Gol gegeben hatte, hatten sie beschlossen zu schlafen. Um nicht alle Kerzen zu verbrauchen, hatten sie sie ausgeblasen � aber nicht bevor Cery Anyi dazu �berlistet hatte, ihm ihre Streichh�lzer zu geben. Er hoffte, dass es sie daran hindern w�rde, die G�nge zu erkunden, w�hrend er schlief, wenn er ihr eine Quelle tragbaren Lichts raubte. Obwohl sie ihm versichert hatte, dass sie die meisten der G�nge inzwischen kannte, musste sie zugeben, dass der Mangel an Wartung viele unsicher gemacht hatte.</p><p>Den Stapel alter Kissen hatten die drei unter sich aufgeteilt. Obwohl er genug hatte, um sich gegen den kalten, harten Boden zu sch�tzen, war das Zusammenhalten der Kissen eine echte Herausforderung. Wenn er seine Position ver�nderte, rutschte unausweichlich ein Kissen in die Dunkelheit davon, und er musste umhertasten, um es wiederzufinden und es erneut unter sich zu schieben.</p><p><emphasis>Ich frage mich, ob irgendjemand in meinen alten Verstecken lebt und die pr�chtigen M�bel genie�t und meinen Wein trinkt, </emphasis>dachte er, als er sich aufrichtete. Obwohl ihm wegen des unterbrochenen Schlafs vor Ersch�pfung alles wehtat, war er erleichtert, dass er es nicht l�nger versuchen musste. Das Licht zeichnete die Umrisse der T�r nach und wurde heller. Er h�rte eine vertraute Stimme rufen: �Ich bin�s nur!�</p><p>Sie konnten den Wein und den Luxus haben. Alles, was er jetzt wollte, waren ein warmes Feuer und ein behagliches Bett. Und dass die Menschen, die er liebte, in Sicherheit waren.</p><p><emphasis>Die Menschen, die ein Dieb liebt, sind niemals in Sicherheit.</emphasis></p><p>Ein Stich des Schmerzes durchzuckte ihn, wild trotz seiner Vertrautheit. F�r einen Moment konnte er nichts anderes vor sich sehen als die Leichen seiner Ehefrau und seiner S�hne, aber er schloss die Augen und dr�ngte die Vision beiseite. <emphasis>Werde ich jemals aufh�ren, mich zu erinnern? Oder wird es aufh�ren wehzutun, wenn ich mich erinnere? </emphasis>Bei diesem Gedanken stiegen Schuldgef�hle in ihm hoch. <emphasis>Ich sollte mir das nicht w�nschen, aber ich kann nichts tun, um etwas an ihrem Tod zu �ndern, und ich werde nicht in der Lage sein, Anyi zu besch�tzen, wenn ich zulasse, dass Trauer und Wut mich ablenken und beherrschen. </emphasis>Er seufzte. <emphasis>Und ich w�rde mich lieber an sie erinnern, als sie noch gesund und gl�cklich waren, als � als </emphasis>daran.</p><p>Die Lichtquelle kam in den Raum. Geblendet wandte Cery den Blick von der Kugel aus magischem Licht ab und betrachtete die junge Frau, die darunter stand. Lilia l�chelte ihn an und streckte ihm einen Korb hin.</p><p>�Ich habe Jonna erz�hlt, dass Anyi vielleicht zu Besuch kommen w�rde, und sie hat zus�tzliches Essen gebracht. Ich habe auch eine Flasche von Soneas Wein genommen � nicht von dem teuren. Nun, nicht von dem <emphasis>wirklich</emphasis> teuren.�</p><p>Anyi sprang auf die F��e, k�sste Lilia auf die Wange und schnappte sich den Korb.</p><p>�Du bist ein Schatz, Lilia�, sagte sie, setzte sich auf eine der Holzkisten und st�berte in dem Korb. �Br�tchen! S��e und welche mit Fleischf�llung.� Dann r�mpfte sie die Nase. �Uh. Obst.�</p><p>�Es ist gut f�r dich und leicht zu tragen�, erwiderte Lilia, aber sie blickte zu Gol. �Du siehst besser aus.�</p><p>Cery drehte sich um und sah, dass sein Freund sich aufrecht hinsetzte, nickte und sich reckte. Ein nachdenklicher Ausdruck glitt �ber Gols Z�ge. �Aber ich bin immer noch m�de.�</p><p>Sie nickte. �Meine B�cher sagen, dass dein K�rper einige Tage brauchen wird, um das Blut zu ersetzen, das du verloren hast. H�ngt davon ab, wie viel du geblutet hast. Wenn dir wieder �bel wird, lass es mich wissen. Es k�nnte sein, dass etwas Gift zur�ckgeblieben ist. Falls dem so ist, sollte ich in der Lage sein, dich zu heilen.�</p><p>�Einige Tage.� Anyi sah Cery an. �Wird das ein Problem sein?�</p><p>Cery streckte die Hand nach einem mit Fleisch gef�llten Br�tchen aus, nahm einen Bissen und kaute, w�hrend er nachdachte. Er hatte drau�en immer noch loyale Leute. Sie w�rden anfangen sich Sorgen zu machen, wenn er sich nicht mit ihnen in Verbindung setzte. Sie k�nnten sogar annehmen, dass er, Gol und Anyi tot waren. Was w�rde geschehen, wenn sie das taten? Cery gab sich keinen Illusionen hin, dass sie Skellin trotzen konnten. H�chstwahrscheinlich w�rde der wilde Magier und Dieb die Kontrolle �ber Cerys Territorium an sich rei�en. Nicht pers�nlich. Er w�rde daf�r sorgen, dass ein Verb�ndeter es tat.</p><p>�Lass sie denken, wir seien tot�, sagte Gol.</p><p>Cery sah seinen Freund �berrascht an. Das hatte er nicht erwartet. <emphasis>Was</emphasis> habe <emphasis>ich erwartet? Dass Gol versuchen w�rde aufzustehen und so zu tun, als sei er ges�nder, als er ist, statt der Grund zu sein, warum ich mein Territorium verloren habe? Oder dass er mir sagen w�rde, dass ich ihn hier zur�cklassen solle? Alles sehr nobel. Bin ich so eitel, dass ich von meinen Freunden erwarte, dass sie sich f�r mich opfern? </emphasis>Cery runzelte die Stirn. <emphasis>Nein, das ist es nicht. Ich habe nur nicht erwartet, dass Gol aufgeben w�rde, bevor ich es tue.</emphasis></p><p>�Das n�chste Mal wirst du nicht davonkommen�, fuhr Gol fort. �Wir hatten dieses Mal Gl�ck. Ich habe hier gelegen und versucht zu entscheiden, wer Skellins Leuten gesagt haben mag, dass du in Cadias Haus warst. Wer hat uns verraten? Hatte derjenige irgendeine Wahl? Du kannst Skellin nicht daran hindern, deine eigenen Leute zu erpressen oder zu bestechen. Er hat zu viele Verb�ndete, zu viel Geld. Du hast bereits ��</p><p>�� das eigene Territorium verloren�, beendete Cery Gols Satz. Bitterkeit stieg in ihm auf. Aber es war ein Gef�hl, das zu vertraut und zu abgenutzt war, als dass es mehr getan h�tte, als ihn m�de zu machen. Es hatte sich in seine Seele geschlichen, nachdem Selia und die Jungen ermordet worden waren, und er hatte sich daran gew�hnt.</p><p>�Lass sie denken, du seist tot. Vielleicht wird Skellin selbstgef�llig werden und in seiner Aufmerksamkeit nachlassen. Vielleicht werden andere Leute versuchen, ihn zu bek�mpfen. Ihn hochgehen lassen. Ihn an die Gilde verraten.�</p><p>Es war verlockend. Sehr verlockend.</p><p>�Du willst<emphasis> hier</emphasis>bleiben?�, fragte Cery mit geheuchelter Ungl�ubigkeit.</p><p>�Ja.� Gol sah Anyi und Lilia an. �Was denkt ihr?�</p><p>Anyi zuckte die Achseln. �Wir k�nnen den Eingang zu den Tunneln der Gilde blockieren � ihn einst�rzen lassen, wenn du denkst, das sei sicherer. Es gibt G�nge, die in den Wald hinausf�hren, daher haben wir Fluchtwege. Nun, solche, die nicht in die Geb�ude der Gilde f�hren.� Anyi warf Lilia einen Blick zu. �Wir werden Mittel und Wege finden, Essen und Wasser hier herunterzubringen.�</p><p>Lilia nickte. �Ich bin mir sicher, dass Sonea helfen w�rde.�</p><p>�Nein, wir d�rfen es ihr nicht sagen.� Cery hielt inne, �berrascht �ber die �berzeugung in seiner eigenen Stimme. <emphasis>Warum will ich Soneas Hilfe nicht? </emphasis>�Es wird ihr nicht gefallen. Sie wird uns aus der Stadt schmuggeln wollen. Sie wird es Kallen erz�hlen.� Er traute Kallen nicht zur G�nze, und das lag nicht nur daran, dass der Mann von Feuel abh�ngig war.</p><p>�Das w�rde sie nicht tun�, wandte Lilia ein, obwohl ihrer Stimme die �berzeugung fehlte.</p><p>�Cery hat recht�, sagte Gol. �Sonea bricht nach Sachaka auf. Sie wird entweder wollen, dass jemand in einer hohen Stellung in der Gilde wei�, dass wir hier sind, oder sie wird uns von hier wegbringen.�</p><p>�Also � wenn du auch nicht willst, dass Kallen es wei߫, wandte Anyi sich an Cery, �dann wirst du nicht l�nger mit ihm arbeiten k�nnen.�</p><p>�Nein.� Cery wandte sich an Lilia. �Aber er braucht uns nicht, um ihm das zu sagen. Wir k�nnen behaupten, es sei sicherer, wenn wir durch Nachrichten in Verbindung bleiben, die Lilia schicken wird.�</p><p>�Wir werden ihm nichts N�tzliches zu berichten haben, wenn wir hierbleiben und keinen Kontakt mit deinen Leuten haben�, stellte Anyi fest.</p><p>�Nein, aber er wird uns dar�ber informieren, was dort drau�en vorgeht�, entgegnete Cery, �bevor er uns als Informationsquelle aufgibt. Und hoffentlich werden wir einen Weg finden, wieder n�tzlich zu sein � was wir nicht sein werden, wenn Sonea uns wegschickt.�</p><p>Die vier tauschten Blicke, dann nickten sie.</p><p>�Nun, zuerst m�ssen Lilia und ich L�sungen f�r die grundlegendsten Bed�rfnisse finden, wie Essen und Wasser�, erkl�rte Anyi entschieden und straffte sich. �Und dann m�ssen wir die Dinge hier unten sicherer und bequemer machen.�</p><p>Cery l�chelte �ber den entschlossenen Ausdruck auf ihrem Gesicht. Wenn er es ihr erlaubte, w�rde sie das Kommando �ber sie alle �bernehmen. �Nein�, widersprach er. �Das ist nicht das, was wir als Erstes tun werden.�</p><p>Sie sah ihn an und runzelte verwirrt die Stirn. �Nein?�</p><p>Er deutete mit dem Kopf auf den Korb. �Zuerst essen wir.�</p><p>Falls es in Sachaka eine h�fliche Form gab, einem nicht willkommenen Besucher die T�r zu weisen, w�nschte Dannyl, er h�tte sie gekannt. Zwar wollte er den Ashaki, der durch den Eingang zum Gildehaus kam, durchaus sehen � er sehnte sich sogar danach, den Mann zu sehen. Aber er vermutete, dass der Besucher in seiner offiziellen Eigenschaft hier war, und das war etwas, was Dannyl mit Unbehagen erf�llte.</p><p><emphasis>Mit dem Feind befreundet zu sein macht die Dinge gewiss kompliziert.</emphasis></p><p>Als Achati den Raum betrat, suchte Dannyl in den Z�gen des Mannes nach einem Hinweis auf gute Neuigkeiten, obwohl er wusste, dass die Chancen gering waren. Er war �berrascht, als er in Achatis Gesicht Bedauern und einen Ausdruck der Entschuldigung bemerkte. Er hatte eine sorgf�ltig aufrechterhaltene neutrale Miene erwartet.</p><p>�Willkommen im Gildehaus, Ashaki Achati�, sagte Dannyl und entsprach damit ganz kyralischen Gepflogenheiten.</p><p>�Ich w�nschte, die Umst�nde w�ren erfreulicher�, erwiderte Achati. �Dies ist ein offizieller Besuch, aber ich m�chte auch, dass es ein zwangloser Besuch zwischen Freunden ist, falls das noch m�glich sein sollte.�</p><p>Dannyl lud Achati ein, Platz zu nehmen, und setzte sich selbst in den Hauptsessel. �Das h�ngt davon ab, wie der offizielle Teil sich entwickelt�, entgegnete er trocken.</p><p>�Dann lasst uns den offiziellen Teil als Erstes hinter uns bringen.� Achati hielt inne, um Dannyl zu betrachten. �K�nig Amakira will, dass Ihr Lorkin dazu �berredet, alle Fragen bez�glich der Verr�ter zu beantworten.�</p><p>�Ich bezweifle, dass ich Erfolg haben w�rde.�</p><p>�W�rde er sich weigern, wenn Ihr es ihm befehlen w�rdet?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und das ist akzeptabel?�</p><p>�Es ist nicht seine Entscheidung oder meine.�</p><p>�Aber er ist Euer Untergebener. Er sollte Eure Befehle befolgen.�</p><p>�Das h�ngt von den Befehlen ab.� Dannyl zuckte die Achseln. �Wir haben in der Gilde keine � keine Sitte fraglosen Gehorsams, weder in der Gilde noch au�erhalb. Nun, au�er dem K�nig gegen�ber, aber selbst dessen Ratgeber haben das Recht, ihre Meinung und Empfehlung zu �u�ern, ohne Vergeltung bef�rchten zu m�ssen � obwohl sie trotzdem Befehlen gehorchen m�ssen, auch wenn sie in der Sache anderer Meinung sind.�</p><p>�Du bist au�erdem ein Botschafter � und nicht nur ein Botschafter der Gilde. Bis zu Botschafter Tayends Eintreffen hast du auch f�r alle Verb�ndeten L�nder gesprochen. Obwohl du nicht l�nger f�r Elyne sprichst, repr�sentierst du immer noch den Rest.�</p><p>�Ja, ich spreche f�r sie.� Dannyl breitete die H�nde aus. �Aber ich kann keine Entscheidungen f�r sie treffen.�</p><p>�Du sagst also, dass nur einer der Monarchen der Verb�ndeten L�nder Lorkin befehlen k�nnte, Fragen zu beantworten?�</p><p>�Nur der kyralische K�nig. Monarchen anderer L�nder und nicht herrschende Mitglieder k�niglicher Familien k�nnen einem kyralischen Magier keine Befehle erteilen.�</p><p>Achati zog die Augenbrauen hoch. �Wie haltet Ihr die Ordnung aufrecht?�</p><p>Dannyl l�chelte. �Die meisten von uns sind klug genug, um zu wissen, dass ein Mangel an Ordnung zu einem Verlust von Freiheit und Wohlstand f�hren w�rde. Jene, die das nicht wissen � nun, wir halten sie in Schach. Nehmt die allgemeine Regel, dass Magier sich nicht mit Politik zu besch�ftigen haben. Zwar wird diese Regel nicht streng durchgesetzt, doch es reicht, den Anschein ihrer Befolgung zu wahren, um auch den Ehrgeizigsten von uns zur�ckzuhalten.�</p><p>W�hrend Achati innehielt, um dar�ber nachzusinnen, nutzte Dannyl die Gelegenheit, eine Frage zu stellen.</p><p>�Hat K�nig Amakira in Erw�gung gezogen, dass Lorkin vielleicht gar keine n�tzlichen Informationen hat? Warum sollten die Verr�terinnen ihm schlie�lich erlaubt haben, nach Arvice zur�ckzukehren, wenn er etwas w�sste, das ihnen schaden k�nnte?�</p><p>Achati blickte auf. �Warum beantwortet er dann nicht unsere Fragen?�</p><p>�Vielleicht ist es eine Pr�fung.�</p><p>�Eine Pr�fung von was? Lorkins Loyalit�t gegen�ber den Verr�terinnen?�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn bei der Andeutung, dass Lorkin seine Loyalit�ten gewechselt haben k�nnte. �Oder gegen�ber Kyralia. Oder vielleicht ist es �berhaupt keine Pr�fung von Lorkin.�</p><p>Achatis Augen wurden schmal. �Ist es eine Pr�fung f�r K�nig Amakira?�</p><p>Dannyl breitete die H�nde aus. �Und die Gilde, K�nig Merin und die Verb�ndeten L�nder.�</p><p>�Bring uns in eine Position des Konflikts und sieh, was passiert?� Achati nickte. �Das haben wir in Erw�gung gezogen.�</p><p>�Obwohl Lorkin vielleicht glaubte, dass er �ber Arvice nach Kyralia zur�ckkehren k�nnte, weil er nicht dachte, dass K�nig Amakira die Vereinbarung brechen w�rde, dass alle Magier der Gilde in Sachaka frei und unversehrt bleiben w�rden.�</p><p>Achatis Z�ge verh�rteten sich. �Solange sie nicht versuchen, Sachaka zu schaden.� Er sah Dannyl direkt an. �Glaubst du wirklich, dass Lorkins Weigerung, sein Wissen �ber die Verr�ter mit uns zu teilen, meinem Land nicht schaden wird?�</p><p>Dannyl hielt dem Blick seines Freundes stand, aber da er auf eine solch direkte Frage nicht vorbereitet war, versp�rte er eine Mischung aus Schuldgef�hlen und Argwohn, ob die Frage bei ihm eine sichtbare Reaktion hervorgerufen haben k�nnte. Achati h�tte es gesehen. Er w�rde wissen, ob Dannyl log. Also war es am besten, mit einer anderen Wahrheit zu antworten.</p><p>�Ich wei� es nicht�, erwiderte er aufrichtig. �Lorkin hat das, was er wei�, lediglich mit Administrator Osen er�rtert.�</p><p>Achati runzelte die Stirn. �Hat er dir erz�hlt, warum er zur�ckgekehrt ist?�</p><p>Dannyl nickte und entspannte sich ein wenig. �Um nach Hause zur�ckzukehren. Er will vor allem seine Mutter sehen. Nat�rlich wussten wir nicht, ob er jemals zur�ckkehren w�rde, daher ist seine Mutter nach Monaten der Sorge ebenfalls erpicht darauf, ihn wiederzusehen.�</p><p>�Das kann ich mir vorstellen�, entgegnete Achati und stand auf. Er klang mitf�hlend, aber sein Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Erheiterung und Trotz. �Je eher Lorkin unsere Fragen beantwortet, desto eher werden die beiden sich wiedersehen.�</p><p>Dannyl erhob sich. �Was wird K�nig Amakira tun, wenn er nicht redet?�</p><p>Achati hielt inne, um seine Antwort zu �berdenken. �Ich wei� es nicht�, erwiderte er, und seine augenscheinliche Aufrichtigkeit und Hilflosigkeit waren ein Spiegel von Dannyls eigenen Gef�hlen.</p><p>�Die Verb�ndeten L�nder werden eine Lesung von Lorkins Gedanken als einen Akt der Aggression betrachten�, warnte Dannyl.</p><p>�Aber kaum als etwas, wof�r man einen Krieg anzettelt�, entgegnete Achati. �Sachaka ist jahrhundertelang ohne Handel mit den L�ndern im Westen gediehen, dank unserer Verbindungen mit L�ndern jenseits des �stlichen Meeres. Ohne eine Ausbildung all eurer Magier in h�herer Magie ist Kyralia kaum eine Bedrohung f�r uns. Wir brauchen euch nicht. Wir f�rchten euch nicht. Ihr wart niemals mehr als eine Gelegenheit, die wir erkunden wollten.�</p><p>Dannyl nickte. �Ich danke Euch f�r Eure Aufrichtigkeit, Ashaki Achati.�</p><p>Achati machte eine wegwerfende Handbewegung. �Ich habe nichts gesagt, was nicht bereits offensichtlich gewesen w�re.� Er seufzte. �Ich pers�nlich hoffe, dass wir dies auf eine Weise l�sen k�nnen, die unsere Freundschaft nicht ruinieren wird. Jetzt muss ich gehen.�</p><p>�Das hoffe ich auch�, sagte Dannyl. <emphasis>Die Freundschaft zwischen uns oder unseren L�ndern? Oder beides?</emphasis> �Auf Wiedersehen f�rs Erste.�</p><p>Der Ashaki nickte, dann verschwand er in dem Flur, der zum Eingang des Gildehauses f�hrte. Dannyl setzte sich wieder und dachte �ber das Gespr�ch nach. �Wir brauchen euch nicht. Wir f�rchten euch nicht.� Warum hatte irgendjemand jemals gedacht, Sachaka w�rde sich den Verb�ndeten L�ndern anschlie�en wollen?</p><p>�Wie ist es gelaufen?�</p><p>Dannyl blickte auf und sah, dass Tayend in der T�r stand. Er seufzte und winkte ihn heran. Sein ehemaliger Geliebter eilte durch den Raum, setzte sich und beugte sich mit beinahe kindlichem Eifer vor. Aber Tayends Blick war scharf, und seine Neugier entsprang ebenso seinem Bed�rfnis, als Botschafter in politischen Angelegenheiten auf dem Laufenden zu sein, wie seiner Liebe zu Tratsch.</p><p><emphasis>Er macht sich ebenfalls aufrichtig Sorgen um Lorkin, </emphasis>rief Dannyl sich ins Ged�chtnis. Eine Erinnerung erhob sich unerwartet an Tayend, der mit Soneas Sohn als kleinem Kind spielte, damals, als er und Dannyl der Gilde noch h�ufiger freundschaftliche Besuche abgestattet hatten. Tayend hatte ein Geschick gehabt, Kinder zu besch�ftigen und zu unterhalten. Er fragte sich, ob Tayend sich jemals eigene Kinder gew�nscht hatte. Dannyl hatte nie welche gewollt, obwohl er �</p><p>�Und?�, dr�ngte ihn Tayend.</p><p>Dannyl konzentrierte sich wieder auf die Gegenwart und begann seinem Botschafterkollegen zu berichten, was Achati gefragt und was er offenbart hatte, wobei er jedoch achtgab, nichts zu verraten, was die Gilde verborgen wissen wollte.</p></section><section><title><p>4</p><p>Vorbereitungen</p></title><p>Ein voller Tag war seit der Neuigkeit von Lorkins Gefangennahme verstrichen. Das allein machte das Schlafen schwierig, aber der pl�tzliche Wechsel zur Tagesschicht lie� die Sache auch nicht besser werden. Nach einer unruhigen Nacht f�hlte Sonea sich benommen und musste ein wenig Magie in sich hineinziehen, um die nagende Ersch�pfung zu vertreiben. Aber ein Vorteil ihres neuen Tagesablaufs, so entdeckte Sonea, war der, dass Lilia, wenn sie aus ihrem Schlafzimmer kam, noch im Hauptraum war und eine Morgenmahlzeit a�.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte das M�dchen, sichtlich �berrascht, Sonea zu sehen.</p><p>�Guten Morgen, Lilia�, erwiderte Sonea. �Wie geht es dir? Hat Schwarzmagier Kallen dich gestern gefunden?�</p><p>Das M�dchen nickte. �Gut. Und ja.�</p><p>Sonea trat an den Beistelltisch und begann sich eine Tasse Raka zu machen. �Wie l�uft der Unterricht?�</p><p>Lilia zuckte zusammen, aber dann setzte sie eine muntere Miene auf. �Gut. Ich denke jedoch, Schwarzmagier Kallen w�nscht sich, ich w�rde meine Sache besser machen. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht gut in Kriegsk�nsten sei, aber ich denke nicht, dass er sich hat vorstellen k�nnen, wie �nicht gut� eine Novizin sein kann.�</p><p>Sonea lachte mitf�hlend. �Ich war auch nicht sehr gut darin.�</p><p>Die Augen des M�dchens weiteten sich. �Ihr � aber Ihr ��</p><p>�Ich habe einen formalen Zweikampf gewonnen und eindringende Sachakaner besiegt. Es ist erstaunlich, was man lernen kann, wenn man muss. Aber ich hatte auch einen wunderbaren Lehrer.�</p><p>�Ihr habt einen �?� Lilia blinzelte und richtete sich auf. �Welcher Lehrer war das?�</p><p>Sonea brachte ihren Raka zum Haupttisch, setzte sich und nahm sich ein s��es Br�tchen. �Lord Yikmo. Er ist bei der Invasion gestorben.�</p><p>�Oh.� Lilias Schultern sackten herab. Dann blickte sie wieder auf. �Einen formalen Zweikampf?�</p><p>Sonea l�chelte. �Ein anderer Novize, der mir das Leben schwer machte.�</p><p>�Er hat die Herausforderung einer Schwarzmagierin angenommen?�</p><p>�Das ist schon l�nger her. Ich war noch keine Schwarzmagierin, sondern eine gew�hnliche Novizin. Ich empfehle es nicht als eine Methode, mit aufreizenden Mitsch�lern umzugehen. Nur als letztes Mittel und wenn man zuversichtlich ist, dass man gewinnen wird.� Sie hielt inne, als ihr ein Gedanke kam. �Gibt es irgendwelche Novizen, die dir das Leben schwer machen?�</p><p>Lilia sch�ttelte den Kopf. �Nein, die meiste Zeit ignorieren sie mich. Das ist in Ordnung. Ich verstehe, warum sie mir aus dem Weg gehen. Und ich habe Anyi.�</p><p>Ein Stich des Mitgef�hls durchzuckte Sonea, und sie empfand Dankbarkeit gegen�ber Cery, dass er Anyi erlaubte, Lilia zu besuchen. �Nun, wenn irgendwelche von den Novizen freundlich zu dir sind � aufrichtig freundlich �, dann weise sie nicht so schnell ab. Du wirst bald genug mit ihnen zusammenarbeiten.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>Lilia wirkte resigniert, aber nicht ungl�cklich. Sonea a� das Br�tchen auf, trank den Raka, dann erhob sie sich und seufzte. �Wirst du f�r eine Weile allein hier zurechtkommen, w�hrend ich fort bin, Lilia?�</p><p>Das M�dchen schaute auf. �Nat�rlich. Wie k�nnte ich nicht zurechtkommen, wenn Jonna und Schwarzmagier Kallen sich um mich k�mmern?� Sie runzelte die Stirn. �Ihr seid diejenige, die sich in Gefahr begibt, Schwarzmagierin Sonea. Ihr � Ihr werdet vorsichtig sein?�</p><p>Sonea l�chelte. �Nat�rlich. Ich habe die Absicht zur�ckzukommen. Schlie�lich will ich deinen Abschluss erleben.� Sie ging zur T�r, hielt dann jedoch inne und schaute zur�ck. �Ich arbeite jetzt nicht mehr im Hospital, daher werde ich wahrscheinlich h�ufig kommen und gehen. Ich werde auf jeden Fall anklopfen, bevor ich eintrete, f�r den Fall, dass Anyi sich hereingeschlichen hat, um dich zu besuchen.�</p><p>Lilia nickte. �Danke.�</p><p>Sonea verlie� ihre R�ume und stellte fest, dass in den Fluren der Magierquartiere reger Betrieb herrschte. Sie erwiderte respektvolles Nicken und Gr��e auf dem Weg hinaus. Der Innenhof drau�en war bev�lkert von Novizen und Magiern, von denen einige auf dem Weg zu den B�dern waren oder von dort zur�ckkehrten, w�hrend andere zur Universit�t gingen. Etliche genossen auch nur den Sonnenschein des beginnenden Fr�hlings.</p><p>Wie immer drehten sich K�pfe zu ihr um, als sie vorbeiging. Schwarze Roben hatten etwas, das Aufmerksamkeit erregte. Nicht einmal die wei�en Roben des Hohen Lords oder das Blau des Administrators erregten so viel Beachtung. Novizen bemerkten diese beiden zwar und verneigten sich respektvoll, wie sie es vor allen Magiern mit abgeschlossener Ausbildung tun mussten, aber sie starrten sie nicht an und wichen nicht vor ihnen zur�ck, wie sie es bei Sonea und Kallen machten.</p><p><emphasis>Und wann immer sie es tun, erinnere ich mich an Akkarin und daran, dass ihn alle genauso behandelt haben, obwohl sie gar nicht wussten, dass er schwarze Magie praktizierte. Er hat nur deshalb Schwarz getragen, weil es damals die Farbe des Hohen Lords war, aber da es ihn auch als den m�chtigsten Magier in der Gilde kennzeichnete, sch�tze ich, dass ihn das ebenso einsch�chternd wirken lie�, wie es jetzt ein Schwarzmagier ist.</emphasis></p><p>Sie unterdr�ckte einen Seufzer, ignorierte die Blicke und schlug den Weg zur Universit�t ein.</p><p>Sobald sie das Hauptgeb�ude erreicht hatte, w�hlte sie den Flur durchs Zentrum und die Gro�e Halle, statt die Hauptkorridore zu beiden Seiten zu nehmen. <emphasis>Es wird hier keine Versammlung mehr geben, bevor ich abreise, </emphasis>durchzuckte es sie, als sie in die Gro�e Halle trat, und sie verweilte kurz und lie� ihren Blick durch den gewaltigen Raum gleiten. <emphasis>Dies k�nnte das letzte Mal sein, dass ich hier bin.</emphasis></p><p>Aber sofort sch�ttelte sie energisch den Kopf und ging entschlossen weiter. <emphasis>Nur wenn alles schrecklich schiefgeht, </emphasis>dachte sie.</p><p>Am Ende der Gro�en Halle kam sie in die Fortsetzung des zentralen Flures, von dem sie in den n�chsten Korridor rechts einbog. Dort blieb sie vor der ersten T�r stehen. Auf ihr Klopfen hin schwang die T�r nach innen auf, und sie betrat Osens B�ro.</p><p>Der Administrator stand an seinem Schreibtisch zwei Magiern gegen�ber, die sich umgedreht hatten, um sie zu betrachten. Der Hohe Lord Balkan neigte respektvoll den Kopf und murmelte ihren Namen, genau wie es Osen tat. Auch den dritten Magier kannte sie inzwischen.</p><p>�Der Ratgeber des K�nigs, Glarrin�, sagte sie und nickte ihm zuerst zu, bevor sie sich an die anderen wandte. �Hoher Lord. Administrator.�</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, erwiderte Glarrin.</p><p>Er war in den Sechzigern, das wusste sie, aber er wirkte j�nger. Obwohl er offiziell der milit�rische Ratgeber des K�nigs in Angelegenheiten war, die mit Magie und der Gilde zusammenhingen, geh�rten auch in Friedenszeiten die internationalen Beziehungen zu seinem Arbeitsbereich. Ein zweiter k�niglicher Ratgeber k�mmerte sich um interne Angelegenheiten � gr��tenteils politisches Gez�nk zwischen den H�usern. <emphasis>Eine Aufgabe, um die ich ihn nicht beneide.</emphasis></p><p>�Bitte, nehmt Platz�, lud Osen sie ein. Er deutete auf drei St�hle, die n�her heranr�ckten und sich vor seinem Schreibtisch in einem Halbkreis aufstellten. Sie alle setzten sich. Osen beugte sich auf den Ellbogen vor. �Wir sind hier, um dar�ber zu sprechen, wie Schwarzmagierin Sonea die Freilassung ihres Sohnes aushandeln soll. Zuerst habe ich Neuigkeiten von Botschafter Dannyl.�</p><p>Soneas Herz verkrampfte sich.</p><p>�Ashaki Achati, der Ratgeber des K�nigs, mit dem Botschafter Dannyl eine freundschaftliche Beziehung aufgebaut hat, hat gestern Abend das Gildehaus besucht�, fuhr Osen fort. �Er hat den Wunsch des K�nigs �bermittelt, dass Dannyl Lorkin dazu bringen m�ge, Fragen bez�glich der Verr�terinnen zu beantworten. Dannyl hat nat�rlich wiederholt, dass er nicht in der Position sei, Lorkin Befehle zu erteilen. Ashaki Achati wollte nicht sagen, was geschehen w�rde, wenn Lorkin nicht redete, aber er hat durchaus klargemacht, dass Sachaka kaum etwas davon abh�lt, die freundschaftlichen Bande zu den Verb�ndeten L�ndern zu durchtrennen. Es war keine Drohung, versicherte mir Dannyl, sondern eine Feststellung. Sie brauchen den Handel mit uns nicht, und sie haben nicht das Gef�hl, dass wir als Feind eine Bedrohung darstellen w�rden.�</p><p>�Ist es ein Bluff?�, fragte Balkan.</p><p>�Vielleicht�, antwortete Glarrin. �Es kommt der Wahrheit jedoch zu nahe. Ich w�rde es nicht darauf ankommen lassen wollen. Sachaka braucht uns nicht, genau wie wir Sachaka nicht brauchen, aber wir w�rden einige lukrative Gelegenheiten verlieren, wenn es zu strengeren Beschr�nkungen des Handels k�me.�</p><p>�Also kann ich nicht mehr tun, als sie daran zu erinnern, welcher Wohlstand ihnen in diesem Fall entgehen w�rde?�, fragte Sonea.</p><p>Glarrin sch�rzte nachdenklich die Lippen. �Es w�rde nicht schaden, darauf hinzuweisen, dass die Verb�ndeten L�nder mit Sachaka Handel treiben wollen und nicht mit den Rebellen. Das k�nnte sie zumindest in dem Punkt beruhigen, dass wir nicht die Absicht haben, mit ihrem Feind zu paktieren.�</p><p>�Nat�rlich sollte die Tatsache, dass wir <emphasis>durchaus</emphasis> mit den Verr�tern Handel treiben wollen, unerw�hnt bleiben�, f�gte Balkan mit einem Grinsen hinzu.</p><p>�Nat�rlich.� Sonea l�chelte. �Obwohl ich darauf hinweisen sollte, dass wir eine solche M�glichkeit in Betracht ziehen w�rden, sollte Sachaka sich als unkooperativ erweisen � und vielleicht als unzuverl�ssig, wenn es darum geht, Vereinbarungen bez�glich der Sicherheit von Gildemagiern einzuhalten?�</p><p>�Nein�, sagte Glarrin. �Sie werden nicht freundlich auf diese Art von Bedrohung reagieren. Ich �� Er hielt inne und fokussierte den Blick auf einen Punkt in der Ferne. �Der K�nig fragt, ob man sich mit den Verr�tern in Verbindung setzen kann � ob sie irgendetwas tun k�nnen, um uns zu helfen. Schlie�lich kann es nicht ihr Plan gewesen sein, dass Lorkin eingekerkert wird.�</p><p>Der kyralische K�nig und Glarrin mussten �ber einen Blutring miteinander in Verbindung stehen, begriff Sonea. <emphasis>Dieser kleine magische Trick von Akkarin ist sehr beliebt geworden, seit die Gilde beschlossen hat, dass man dazu im Prinzip keine schwarze Magie braucht.</emphasis></p><p>�Wir k�nnen es versuchen�, antwortete Balkan. �Dannyls Assistentin, Lady Merria, hat eine M�glichkeit gefunden, Nachrichten zu den Verr�tern zu schicken.�</p><p>�Wir werden keine Antwort bekommen, bevor Sonea aufbricht�, bemerkte Osen. Er sah Balkan an. �Sonea sollte einen Blutring hierlassen. Sollte sie auch einen Blutring von einem von uns mitnehmen?�</p><p>�Wer immer ihr einen Ring gibt, riskiert es, das Geheimnis schwarzer Magie in ihrem Geist zu sehen.�</p><p>�Nicht wenn sie Nakis Ring tr�gt�, stellte Osen fest.</p><p>Sonea nickte. Der Ring, den Lilias ehemalige Freundin benutzt hatte, um zu verhindern, dass ihre Gedanken gelesen wurden, besch�tzte seinen Tr�ger auch vor ungewollter Vermittlung seiner Gedanken und Gef�hle durch einen Blutring.</p><p>Balkan nickte. �Es wird n�tzlich sein, wenn Sonea sich mit uns in Verbindung setzen kann, wann immer sie m�chte � aber Dannyl hat bereits einen Ring von Euch. W�re es besser, ihr einen von mir zu geben?�</p><p>�Wenn die Sachakaner sie an sich bringen, dann k�nnen sie damit uns beide bel�stigen.� Osen sch�ttelte den Kopf. �Sie sollte einen von mir mitnehmen.�</p><p>Sonea verbarg ihre Erheiterung �ber seine Wortwahl. Wenn jemand Osens Blutring an sich brachte, w�rden die niedertr�chtigen Dinge, die sie damit tun konnten, nicht dazu dienen, Osen zu <emphasis>bel�stigen.</emphasis> Dann wurde sie wieder ernst. <emphasis>So wie sie es mit mir machen k�nnten, sollten sie an den Blutring herankommen, den ich Lorkin gegeben habe. </emphasis>Gl�cklicherweise hatte Osen Lorkin aufgetragen, den Ring nicht zu dem Treffen mit dem sachakanischen K�nig mitzunehmen. <emphasis>Wenn sie ihn h�tten, br�uchten sie Lorkin lediglich zu foltern, w�hrend �</emphasis></p><p>�Wann werde ich aufbrechen?�, fragte sie, um ihre Gedanken auf ein weniger furchteinfl��endes Thema zu lenken.</p><p>�Morgen Nacht�, sagte Osen. �Wir werden morgen eine Versammlung einberufen und um Freiwillige bitten, die Euch ihre magische Kraft geben. Wir haben beschlossen, bekannt werden zu lassen, dass Lorkin von dem sachakanischen K�nig eingekerkert wurde und dass wir Euch schicken, um seine Freilassung auszuhandeln.�</p><p>�Amakira hat uns den perfekten Vorwand geliefert, Euch nach Sachaka zu schicken�, sagte Glarrin. �Ihr solltet ebenfalls versuchen, Euch mit den Verr�terinnen zu treffen, obwohl es das Beste w�re, wenn Ihr das tun w�rdet, nachdem Lorkin befreit wurde � noch besser, wenn er zu diesem Zeitpunkt bereits zu Hause w�re �, f�r den Fall, dass das Treffen entdeckt wird.� Er runzelte die Stirn, wandte den Blick ab und l�chelte dann. �Der K�nig fragt, wie Lilias Ausbildung in den Kriegsk�nsten vorangeht.�</p><p>Balkan verzog das Gesicht. �Lilia ist keine geborene Kriegerin. Ihre Reflexe und ihre Auffassungsgabe sind gut, und ihre Verteidigung ist stark, aber sie zeigt im Kampf keine Initiative.�</p><p>�Ah�, sagte Sonea l�chelnd. �Ein vertrautes Problem.�</p><p>Glarrin sah sie an und zog eine Augenbraue hoch.</p><p>�Bei mir war es das Gleiche�, erkl�rte sie. �Wenn nur Lord Yikmo nicht bei der Invasion get�tet worden w�re. Er war gut darin, widerstrebende Novizen zu unterrichten.�</p><p>�Lady Rol Ley hat Yikmos Methoden studiert�, sagte Balkan mit nachdenklicher Miene. �Sie unterrichtet viele der Standardkurse, die alle Novizen besuchen, daher wird sie Lilias St�rken und Schw�chen kennen.�</p><p>�Dann k�nnte sie vielleicht helfen�, erwiderte Sonea. �Ich w�rde mich ebenfalls anbieten, wenn ich nicht aufbrechen m�sste.�</p><p>�Vielleicht k�nnt Ihr es tun, wenn Ihr zur�ckkommt�, sagte Osen. �Gibt es sonst noch etwas, das wir besprechen m�ssen?�</p><p>�Nichts, was nicht durch Blutringe �bermittelt werden k�nnte�, erwiderte Glarrin. �Wir sollten Soneas Aufbruch nicht l�nger als notwendig hinausz�gern.�</p><p>Osen sah sie an. �M�sst Ihr noch irgendetwas tun, bevor Ihr aufbrecht?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>�Dann solltet Ihr nun Euren Assistenten wissen lassen, dass Ihr morgen Nacht abreisen werdet.�</p><p>Sie stand auf. �Das werde ich gleich als N�chstes erledigen.�</p><p>Kriegskunst des Abschlussjahres war in Lilias Zukunftspl�nen nie vorgesehen gewesen. Nach den Regeln der Universit�t erf�llte sie die Mindestanforderungen dieses Faches in Theorie und Praxis, die f�r alle Novizen f�r den Studienabschluss vorgeschrieben waren. Sie sollte also eigentlich bei den Heilern sein und dort fortgeschrittene Techniken erlernen, statt sich von Novizen, die bald die n�chste Generation rotgewandeter Kriegsmagier sein w�rden, nach Strich und Faden vorf�hren und regelrecht verpr�geln zu lassen.</p><p>Die anderen Novizen fanden Lilias Anwesenheit in der Klasse faszinierend. Es kam nicht jeden Tag vor, dass ein Novize oder Magier die Gelegenheit erhielt, den Kampf gegen einen Schwarzmagier zu �ben. Es schien ihnen nicht einmal etwas auszumachen, dass sie nicht gut darin war, denn die Lektionen waren gr��tenteils Demonstrationen, bei denen wenig echte Magie benutzt wurde. Sie durfte keine Macht nehmen und speichern � nicht einmal, wenn diese Macht freiwillig gegeben wurde. Aber sie musste zugeben, dass sie die Lektionen genauso interessant fand wie die anderen Novizen, solange sie nicht von ihr verlangten, Entscheidungen zu treffen oder die Initiative zu ergreifen.</p><p>Schwarze Magie ver�nderte gewiss die Dynamik eines Kampfes. Sie h�tte gedacht, dass die F�higkeit, einer anderen Person Magie zu stehlen, im Kampf die n�tzlichste F�higkeit eines Schwarzmagiers w�re, aber das traf nicht zu. Denn dazu musste sie dem Gegner nahe genug kommen, um ihm die Haut aufzuschneiden und seine nat�rliche Barriere gegen magische Eingriffe zu durchbrechen. Bis sie aber einen Feind so weit zerm�rbt hatte, dass er das zulie�, gab es bei ihm kaum noch magische Energie zu holen.</p><p>Die F�higkeit, Magie zu speichern, war ein viel gr��erer Vorteil. Es war beunruhigend, wie �berfl�ssig nicht-schwarze Magier wurden, sobald sie ihre Macht einem Schwarzmagier �berlassen hatten. Es war au�erdem be�ngstigend zu begreifen, wie wichtig es die Schwarzmagier machte, wichtiger als die anderen. Und es machte sie zu einer gr��eren Zielscheibe.</p><p>Wenn es darum ging, tats�chlich einen Kampf auszutragen, traf sie fast immer die falschen Entscheidungen, handelte zu fr�h oder z�gerte zu lange. Als ihr letzter Angriff wirkungslos am Schild ihres Gegners abprallte, unterbrach Schwarzmagier Kallen den Kampf.</p><p>�Schon besser�, sagte er zu ihr. Er blickte sich in der Arena um. Die hohen T�rme, die die unsichtbare magische Barriere trugen, die alles au�erhalb der Arena vor den �bungsk�mpfen im Inneren sch�tzte, warfen jetzt k�rzere Schatten auf den Boden. �Das ist genug�, sagte er und betrachtete die angehenden Krieger. �Ihr d�rft gehen.�</p><p>Sie alle wirkten �berrascht, erhoben jedoch keine Einw�nde. Kallen wartete, w�hrend sie durch den kurzen Tunneleingang davongingen, dann trat er neben Lilia, als sie ihnen folgte.</p><p>�Warte, Lilia�, forderte er sie auf, als sie auf der anderen Seite aus dem Tunnel herauskamen.</p><p>Er sagte nichts, w�hrend die anderen Novizen davoneilten, aber dann seufzte er. Als Lilia zu ihm aufschaute, sah sie, dass er die Stirn runzelte, aber seine Miene gl�ttete sich, als er bemerkte, dass sie ihn beobachtete. Sie senkte den Blick und wartete auf sein Urteil.</p><p>�Du wirst besser�, erkl�rte er. �Es mag sich nicht so anf�hlen, aber du lernst, wie du auf verschiedene Herausforderungen reagieren musst.�</p><p>�Wirklich?� Sie blinzelte �berrascht. �Ihr habt so � entt�uscht gewirkt.�</p><p>Sein Mund verzog sich zu einer grimmigen Linie, und er blickte zur Universit�t hin�ber. �Ich �rgere mich nur �ber meine eigenen M�ngel.�</p><p>Als sie genauer hinschaute, sah sie Anspannung in seinen Z�gen. Etwas an seinen Augen versetzte ihr einen j�hen Stich, als eine Erinnerung an Naki in ihr aufstieg. Naki mit dem gleichen bek�mmerten Ausdruck. F�r gew�hnlich hatte sie in dieser Stimmung sehr bald ihren Feuel-Ofen angez�ndet.</p><p>Ein Schauer der Erkenntnis �berlief Lilia. Sie hatte schon ein oder zwei Mal Feuel-Rauch an Kallens Roben wahrgenommen, gl�cklicherweise jedoch noch nie in einer Kriegskunststunde. Ihr gefiel die Vorstellung nicht, gegen jemanden zu k�mpfen oder sich auf den Schild von jemandem zu verlassen, der eine Droge nahm, die seine F�higkeit verringerte, Anteil an seinen eigenen Taten zu nehmen.</p><p>Wenn er vor dieser Lektion kein Feuel geraucht hatte, verlangte es ihn jetzt danach? War das der Grund, warum er den Unterricht vorzeitig beendet hatte?</p><p>Er trat einen Schritt zur�ck und �ffnete den Mund, um zu sprechen. �Nun, das ist alles ��</p><p>�Ich habe eine Nachricht von Cery�, unterbrach sie ihn.</p><p>Er hielt inne, und sein Blick sch�rfte sich. �Ja?�</p><p>�Er ist �berfallen worden. Irgendjemand hat ihn verraten. Er musste sich verstecken und alle Welt glauben machen, er sei tot. Ihr werdet ihn f�r eine Weile nicht treffen k�nnen. Es ist zu riskant.�</p><p>Kallen zog die Brauen herunter. �Ist er verletzt worden?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und versp�rte Dankbarkeit ob seiner Sorge. <emphasis>Nicht das, was ich erwartet h�tte. Vielleicht ist er nicht ganz so kalt und starr, wie ich dachte. </emphasis>�Einer seiner Leibw�chter wurde verletzt, aber ihm geht es jetzt gut. Er l�sst Euch bitten, niemandem zu verraten, dass er noch lebt, und dass Ihr Nachrichten �ber mich und Anyi schicken sollt.�</p><p>�Du siehst Anyi oft?�</p><p>Sie nickte.</p><p>Seine Augen wurden schmal. �Du verl�sst doch nicht das Grundst�ck der Gilde, um sie zu sehen, oder?�</p><p>�Nein.�</p><p>Er musterte sie nachdenklich, als gr�ble er dar�ber nach, ob sie log oder nicht.</p><p>�Cery w�sste gern, ob Ihr irgendwelche Fortschritte bei der Suche nach Skellin gemacht habt�, erkl�rte sie.</p><p>�Keine. Wir folgen einigen Spuren, aber bisher hat sich nichts Vielversprechendes ergeben.�</p><p>�Gibt es irgendetwas, wonach ich Cery fragen soll?�</p><p>Der Blick, mit dem er sie bedachte, verbarg seine Skepsis nicht. �Nein. Wenn ich etwas herausfinde, das er wissen muss, werde ich es weitergeben.� Er blickte wieder zur Universit�t hin�ber. �Du darfst jetzt gehen.�</p><p>Lilia unterdr�ckte angesichts ihrer Entlassung einen Seufzer, verneigte sich und ging davon. Nach mehreren Schritten schaute sie zur�ck und erhaschte einen Blick auf Kallen, bevor er hinter dem Geb�ude der Universit�t verschwand. Der eingeschlagenen Richtung nach zu schlie�en, vermutete sie, dass er zu den Magierquartieren wollte.</p><p><emphasis>Um sich eine Dosis Feuel zu genehmigen?, </emphasis>fragte sie sich. <emphasis>Hat er mir deshalb nichts von seiner Suche nach Skellin erz�hlt, weil er denkt, dass Cery und ich es nicht wissen m�ssen, oder h�tte es zu lange gedauert und ihn von der Droge ferngehalten?</emphasis></p><p><emphasis>Und warum habe ich nicht dieses Verlangen danach?</emphasis> Sie hatte seit Monaten kein Feuel geraucht. Der Geruch von Feuel weckte in ihr bisweilen ein gewisses Verlangen, aber nichts, was ihre Entschlossenheit, es nie wieder zu benutzen, ersch�ttern konnte. Dunia, die Bolhausbesitzerin, die Lilia geholfen hatte, sich vor Lorandra und der Gilde zu verstecken, hatte gesagt, dass die Droge sich unterschiedlich auf die Menschen auswirke.</p><p><emphasis>Ich sch�tze, ich habe einfach Gl�ck.</emphasis> Sie versp�rte ein unerwartetes Mitgef�hl mit Kallen. <emphasis>Und er hat offensichtlich kein Gl�ck.</emphasis></p><p>�Sagt uns, was Ihr wisst, und Ihr seid frei.�</p><p>Lorkin konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Der Mann, der ihn verh�rte, richtete sich bei seiner Reaktion ein wenig h�her auf, und seine Augen leuchteten heller.</p><p>�Warum lacht Ihr?�</p><p>�Ich k�nnte Euch alles M�gliche erz�hlen. Woher w�rdet Ihr wissen, dass es die Wahrheit ist?�</p><p>Der Mann l�chelte, aber da war kein Humor in seinen Augen. <emphasis>Er wei�, dass ich recht habe.</emphasis> Als Lorkin dem Mann in die Augen sah, �berlief ihn ein Schauder. Da war eine Sch�rfe in diesen Augen. Eine Geduld, die andeutete, dass er die bevorstehenden Stunden des Verh�rs genie�en w�rde. Dass er gerade erst anfing. Dass dies erst der zweite von vielen Tagen war.</p><p>Sie hatten noch nicht versucht, seine Gedanken zu lesen. Irgendetwas hielt sie zur�ck. <emphasis>Ein Widerstreben, die Beziehungen mit den Verb�ndeten L�ndern zu gef�hrden?</emphasis> Aber warum hatten sie ihn dann �berhaupt eingesperrt?</p><p><emphasis>Sie k�nnen die Idee nicht zur G�nze abgetan haben. </emphasis>Irgendwann w�rden sie es versuchen. Sobald sie sich erfolglos bem�hten, seine Gedanken zu lesen, w�rden sie begreifen, dass sie die guten Beziehungen zu den Verb�ndeten L�ndern f�r nichts und wieder nichts geopfert hatten. Wenn sie dann jede Zur�ckhaltung fallen lie�en, die sie sich bis dahin aus diplomatischen Gr�nden auferlegt hatten, w�rden sie ihn vielleicht foltern � aber sie w�rden vor demselben Problem stehen: nicht zu wissen, ob das, was er sagte, der Wahrheit entsprach.</p><p>Vielleicht w�rden sie den Wahrheitsgehalt seiner Worte auf andere Weise ermitteln. Vielleicht hofften sie, dass Einkerkerung, Unannehmlichkeiten und Furcht ihn dazu treiben w�rden, ihnen die Erlaubnis zu geben, seine Gedanken zu lesen.</p><p>Er w�nschte beinahe, sie w�rden es endlich hinter sich bringen. Er f�hlte sich versucht, eine freiwillige Gedankenlesung anzubieten, um die Dinge zu beschleunigen. Stattdessen dachte er sich eine Reihe l�cherlicher L�gen aus, die er dem Vernehmer auftischen konnte. Es w�rde Spa� machen, zumindest vor�bergehend, den Mann f�r eine Weile an der Nase herumzuf�hren. <emphasis>Aber noch nicht jetzt, </emphasis>sagte er sich. <emphasis>Es ist erst der zweite Tag. Du kannst noch viel l�nger durchhalten.</emphasis></p><p>Der Begleiter seines Vernehmers erschien mit einer Schale in der T�r. Als er ihn sah, l�chelte der Ashaki, dann schaute er wieder zu Lorkin hin�ber.</p><p>�Erz�hlt uns etwas �ber die Verr�terinnen � nur eine winzige Kleinigkeit �, und wir werden Euch etwas zu essen geben.�</p><p>Ein k�stlicher Geruch drang an Lorkins Nase. Sein Magen krampfte sich zusammen, dann knurrte er vor Hunger. Er hatte an diesem Morgen Wasser bekommen, an dem er vorsichtig genippt hatte, aber er hatte noch immer nichts zu essen erhalten, seit man ihn hier heruntergebracht hatte. Er hatte der Versuchung widerstanden, heilende Magie zu benutzen, um den wachsenden Hunger zu d�mpfen; er wollte die Magie, die Tyvara ihm gegeben hatte, nicht verwenden. Sie konnte nicht ersetzt werden, und er w�rde sie vielleicht noch brauchen.</p><p>Der Geruch von Essen war stark und machte ihn schwindlig. Er dachte an die L�gen, die er erwogen hatte ihnen aufzutischen, und er versp�rte einen starken Drang zu sprechen. Osen hatte gesagt, er solle so lange wie m�glich vermeiden zu offenbaren, dass man seine Gedanken nicht lesen konnte. Den Vernehmer auf eine falsche F�hrte zu f�hren w�rde das Unvermeidliche vielleicht hinausz�gern.</p><p><emphasis>Mach dich nicht l�cherlich, </emphasis>dachte er. <emphasis>Es k�nnte ihn f�r eine kurze Zeit ablenken, aber je mehr ich die Geduld dieses Mannes auf die Probe stelle, desto eher wird er den Versuch aufgeben, mich zum Sprechen zu bringen. Tyvara w�rde von mir erwarten, dass ich mehr Willenskraft habe.</emphasis></p><p>Sie erwartete au�erdem, dass er die Magie, die sie ihm gegeben hatte, zu seinem Schutz benutzte. Diese Magie w�rde ihn niemals aus dem Gef�ngnis bringen oder einen Ashaki daran hindern, ihn zu foltern oder zu t�ten, aber sie konnte ihm helfen, weniger direkte Angriffe auf seine Entschlossenheit zu vereiteln.</p><p>Er schloss die Augen, zog ein wenig Magie in sich hinein und sandte sie in seinen K�rper, um das nagende Gef�hl in seinem Magen zu lindern und daf�r zu sorgen, dass sein Kopf aufh�rte, sich zu drehen.</p><p>Als er die Augen �ffnete, beobachtete ihn der Ashaki eindringlich. Der Mann starrte Lorkin nachdenklich an, dann winkte er seinen Assistenten herbei. Die beiden begannen mit demonstrativer Gen�sslichkeit zu essen.</p></section><section><title><p>5</p><p>Ger�chte und Geheimnisse</p></title><p>Der Diener, der auf Soneas Klopfen �ffnete, hatte ihr mitgeteilt, dass Lord Regin sich in einer Besprechung mit Schwarzmagier Kallen befinde. Sie hatte ihn gebeten, sie zu informieren, wenn Regin zur�ckkehrte, und war wieder in ihre R�ume gegangen, um sich eine dringend ben�tigte Tasse Raka zu g�nnen.</p><p>Die Wartezeit war qu�lend.</p><p><emphasis>Das ist doch l�cherlich. Ich habe ihn als meinen Assistenten ausgesucht. Ich habe schon fr�her mit ihm zusammengearbeitet. </emphasis>Aber seit er sich bereitgefunden hatte, mit ihr nach Sachaka zu reisen, hatte sie begonnen sich Sorgen zu machen, ob sie nicht vielleicht zu schnell gew�hlt hatte. Er hatte all die richtigen Qualifikationen f�r die Rolle: Er war intelligent, ein starker Magier, ein gut ausgebildeter Krieger, geschickt, was politisches Man�vrieren betraf, und voll grimmiger Loyalit�t gegen�ber der Gilde und Kyralia.</p><p><emphasis>Aber werden wir uns auch verstehen?</emphasis></p><p>Alles war bestens zwischen ihnen gewesen, als er ihr bei der Suche nach Lorandra geholfen hatte. Es war bemerkenswert einfach, mit ihm zu arbeiten. Aber diesmal w�rden sie Tag und Nacht zusammen sein, Woche f�r Woche, ohne eine Ruhepause voneinander.</p><p><emphasis>Nun, das ist nicht ganz wahr. Sobald wir das Gildehaus in Arvice erreichen, werden wir zwei andere Magier haben, mit denen wir reden k�nnen, und au�erdem den elynischen Botschafter.</emphasis></p><p>In der Zwischenzeit w�rden sie einander wohl oder �bel Gesellschaft leisten m�ssen. Obwohl sie Regin nicht mehr misstraute, wie sie es zu Beginn der Suche nach Lorandra getan hatte, war es unm�glich f�r sie, den Schmerz und die Dem�tigung zu vergessen, die er ihr als Novizin zugef�gt hatte.</p><p><emphasis>Das liegt in der Vergangenheit. In den letzten zwanzig Jahren hat er mir gegen�ber nichts anderes an den Tag gelegt als Respekt und Unterst�tzung. Er hat sich sogar w�hrend der Ichani-Invasion entschuldigt. Bin ich au�erstande, Entschuldigungen anzunehmen? Es ist dumm von mir, diesen Groll mit mir herumzutragen.</emphasis></p><p>Ein Klopfen an der Hauptt�r lie� sie zusammenzucken, obwohl sie es erwartet hatte. Sie setzte ihre Tasse ab, erhob sich und ging zur T�r, w�hrend sie sie mit Magie �ffnete. Regins Diener verneigte sich.</p><p>�Lord Regin ist in seinem Quartier und erwartet Euren Besuch.�</p><p>�Danke�, sagte sie.</p><p>Sie trat an dem Mann vorbei, schloss die T�r und ging den Flur hinunter zu Regins R�umen. Als sie seine T�r erreichte, hielt sie inne, um tief durchzuatmen, bevor sie anklopfte. Die T�r �ffnete sich. Regin neigte den Kopf.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte er. �Bitte, tretet ein.�</p><p>�Vielen Dank, Lord Regin�, erwiderte sie.</p><p>Sie trat ein. Der Raum war sp�rlich m�bliert, und die meisten St�cke sahen neu aus. Sie bemerkte nichts, was nach einem lange gehegten Schatz oder einem pers�nlichen Besitztum aussah.</p><p>Regin deutete auf einen Stuhl. �W�rdet Ihr Euch gern setzen?�</p><p>Sonea betrachtete den Stuhl und sch�ttelte den Kopf. �Ich sollte besser nicht zu viel von Eurer Zeit beanspruchen, wenn man bedenkt, was ich Euch zu sagen habe.� Sie begegnete seinem Blick. Er beobachtete sie mit intensiver Reglosigkeit. Mit einer Erwartung. Pl�tzlich ergab der Mangel an pers�nlichen Habseligkeiten einen Sinn: Er hatte gewusst, dass er vielleicht bald aufbrechen w�rde, warum also sollte er pers�nliche Dinge hierherbringen? �Wir werden morgen Nacht aufbrechen�, erkl�rte sie.</p><p>Er atmete h�rbar aus, wandte den Blick ab und nickte. Sie fing einen fl�chtigen Ausdruck auf, und Schuldgef�hl durchzuckte sie. <emphasis>Ich habe ihn seit der Invasion nie wirklich besorgt gesehen.</emphasis></p><p>�Wenn das zu bald f�r Euch ist oder Ihr das Gef�hl habt, dass Eure Pflichten hier liegen, ist es noch nicht zu sp�t, Eure Meinung zu �ndern�, sagte sie, wobei sie ihren Tonfall f�rmlich hielt, um zu vermeiden, dass sie so klang, als z�ge sie seine Entschlossenheit in Zweifel oder deute an, dass sie seinen Gesinnungswechsel f�r feige halten k�nnte.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Es ist nicht zu bald. Tats�chlich ist der Zeitpunkt perfekt. Ich habe keine anderen Verpflichtungen als meine Arbeit, die darin besteht, f�r die Gilde und Kyralia von Nutzen zu sein. Es ist recht nett, tats�chlich einmal von Nutzen zu <emphasis>sein.</emphasis> Dies ist die Art von Aufgabe, f�r die wir Krieger ausgebildet werden, und doch bem�hen wir uns die meiste Zeit darum, nicht ben�tigt zu werden.�</p><p>Sonea schaute weg und versp�rte Mitgef�hl bei dem leisen Anflug von Verbitterung in seiner Stimme. <emphasis>Keine anderen Verpflichtungen. Er hat wirklich alle Familienbande durchtrennt.</emphasis> Die Skrupellosigkeit seiner Rache an seiner Frau f�r ihre zahlreichen ehebrecherischen Aff�ren hatte die Tratschtanten der Gilde wochenlang unterhalten. Er hatte seinen T�chtern, die beide mit respektablen und wohlhabenden M�nnern verheiratet waren, seine beiden Anwesen gegeben und um R�ume in der Gilde gebeten. Auf diese Weise blieb seine Ehefrau ohne ein Dach �ber dem Kopf und ohne Geld zur�ck, so dass sie gezwungen war, bei ihrer Familie zu leben.</p><p>Den Ger�chten zufolge hatte sie versucht, sich das Leben zu nehmen, nachdem Regin ihren letzten Geliebten weggeschickt hatte. Ihr Geliebter dagegen hatte sich einfach eine andere wohlhabende Frau gesucht, die er verf�hren konnte. Trotz der Schande, wie besch�digte Ware ihrer Familie zur�ckgegeben worden zu sein, unternahm Vinina keine weiteren Selbstmordversuche. Sonea wusste nicht, ob sie Mitleid mit ihr haben sollte oder nicht. Manchmal fragte sie sich, ob die Ehe mit Regin die Frau zu solch extremem Verhalten getrieben hatte.</p><p><emphasis>Vielleicht benimmt er sich in der �ffentlichkeit anst�ndig, ist aber im Privatleben wieder das abscheuliche Balg, das er als Novize war.</emphasis></p><p>Vielleicht w�rde sie es auf dieser Reise herausfinden. Nicht dass ihre gemeinsame Zeit als privat gelten konnte. Der Zweck der Reise war zu wichtig und w�re es auch dann gewesen, wenn Lorkin nicht gefangen gehalten w�rde.</p><p>�Ich kann Euch jetzt den Grund f�r die Reise nennen�, begann sie. Regin hob j�h den Kopf und sah sie an. �Morgen wird es allen mitgeteilt werden. Lorkin ist nach Arvice zur�ckgekehrt. Bevor er nach Kyralia aufbrechen konnte, lie� K�nig Amakira ihn vorladen, und als Lorkin sich weigerte, Fragen �ber die Verr�terinnen zu beantworten, hat er ihn eingekerkert.�</p><p>Regins Augen weiteten sich. �Oh, es tut mir leid, das zu h�ren, Sonea.� Er verzog mitf�hlend das Gesicht. �Dann schicken sie Euch, um Verhandlungen �ber seine Freilassung zu f�hren? Ihr m�sst darauf brennen aufzubrechen.� Er machte einen kleinen Schritt auf sie zu. �Ich werde alles tun, was ich kann, um zu helfen.�</p><p>Seine Miene war so ernst, dass die vertraute Angst, die jedes Mal kam, wenn sie an Lorkin dachte, zur�ckkehrte. Sie senkte den Blick und dr�ngte das Gef�hl beiseite.</p><p>�Ich danke Euch. Ich wei�, dass Ihr das tun werdet.�</p><p>�Wenn wir morgen aufbrechen � wir haben kaum mit dem Prozess begonnen, Eure St�rke zu vergr��ern. Wollt Ihr, dass ich Euch jetzt Macht gebe?�</p><p>Etwas in ihr zog sich zusammen, und sie sp�rte, wie ihr Gesicht warm wurde. Sie sah ihn an und wandte dann den Blick ab.</p><p>�Nein�, antwortete sie schnell. �Morgen wird eine Versammlung stattfinden, und Osen wird um Freiwillige bitten. Wartet bis dahin.�</p><p>�Was wird Osen ihnen erz�hlen?�</p><p>�Nur das, was ich Euch gesagt habe.�</p><p>�Nur?� Regin stie� einen leisen Seufzer aus. �Seid vorsichtig, Sonea.�</p><p>Sie schaute zu ihm auf, dann begriff sie ihren Fehler. Sie hatte ihm verraten, dass mehr hinter der Reise steckte als Lorkins Gefangennahme. Dieses winzige Br�ckchen Information k�nnte ihrer beider Leben gef�hrden, sollte ein sachakanischer Magier es in seinen Gedanken lesen.</p><p><emphasis>Jetzt ist es zu sp�t. Ich muss in Zukunft vorsichtiger sein.</emphasis></p><p>Aber die be�ngstigende Wahrheit war: Wenn Regin durch einen sachakanischen Magier zwangsweise einer Gedankenlesung unterzogen wurde, bestand durchaus die M�glichkeit, dass Sonea sein Schicksal teilen w�rde und dass man auch ihr gegen�ber alle diplomatischen Bedenken fallen lie�. Obwohl Nakis Ring verhindern w�rde, dass ihre eigenen Gedanken gelesen wurden, wusste sie nicht, wie lange sie sich gegen jemanden behaupten konnte, der entschlossen war, ihr Informationen mit Hilfe von Folter zu entlocken.</p><p>Vor allem wenn sie Lorkin benutzten, um sie zu �berreden.</p><p>Obwohl nichts geschehen war, was er nicht erwartet hatte, versp�rte Dannyl trotzdem Zorn und Dem�tigung. Er hoffte, dass man es ihm nicht angemerkt hatte. Er hatte sich bem�ht, w�hrend seines kurzen Besuchs im Palast gelassen und h�flich zu bleiben, aber er konnte nicht erkennen, ob er erfolgreich war oder ob seine wahren Gef�hle irgendwie offensichtlich waren � oder ob seine geheuchelte Gelassenheit sogar als Anzeichen daf�r gewertet w�rde, dass man ihm erfolgreich zugesetzt hatte.</p><p>Ironischerweise machte seine fr�here Entscheidung, die Suche nach Lorkin aufzugeben, die ihn den Respekt der Elite der Sachakaner gekostet hatte, es jetzt schwerer, den jungen Magier zu besch�tzen. Das selbstgef�llige Grinsen der Ashaki, die damals Zeuge seiner Entscheidung gewesen waren, sprach eine deutliche Sprache.</p><p><emphasis>Wenn ich die Suche h�tte weitergehen lassen, w�ren ich und die Ashaki, die mir geholfen haben, wahrscheinlich von den Verr�terinnen get�tet worden. Lorkin h�tte sich bei seiner R�ckkehr ins Gildehaus auf niemandes Hilfe mehr st�tzen k�nnen.</emphasis></p><p>Aber das war nicht ganz die Wahrheit. Die Gilde h�tte einen Ersatzbotschafter geschickt. Einen, dessen Ruf nicht durch Feigheit besudelt war. Was f�r Lorkins Zwangslage vielleicht besser gewesen w�re.</p><p><emphasis>Nein. Wenn die Verr�terinnen gezwungen worden w�ren, einen Gildemagier zu t�ten, w�re Lorkin vermutlich �berhaupt nicht ins Gildehaus zur�ckgekehrt. Man h�tte ihm vielleicht nicht einmal Zutritt zum Sanktuarium gew�hrt, aus Furcht, dass er Rache f�r meinen Tod suchen w�rde.</emphasis></p><p>Obwohl � die Vorstellung, dass jemand Rache f�r seinen Tod suchen k�nnte, f�hlte sich f�r Dannyl unwahrscheinlich und l�cherlich an.</p><p>Ein schwacher Rhythmus nackter Fersen auf dem Boden drang vom Eingang des Gildehauses an Dannyls Ohr. Er hielt in seinem Auf und Ab im Herrenzimmer inne und drehte sich in Richtung des Ger�usches. Taff, der T�rsklave, kam aus dem Flur und warf sich mit seinem wie immer �bertrieben dramatischen Gehabe auf den Boden � eine Angewohnheit, die Tayend einige Wochen zuvor bei dem Mann aufgefallen war.</p><p>�Der elynische Botschafter ist zur�ckgekehrt�, stie� Taff hervor.</p><p>Dannyl nickte und bedeutete dem Sklaven mit einer Handbewegung, dass er aufstehen und tun solle, was immer T�rsklaven taten, wenn sie nicht gerade Besucher ank�ndigten.</p><p>Das Ger�usch einer T�r, die sich schloss, war zu h�ren, dann Schritte. Tayend l�chelte fl�chtig, als er aus dem Flur trat, und sch�ttelte dann den Kopf.</p><p>�Kein Gl�ck�, sagte er.</p><p>Dannyl stie� den Atem aus, den er angehalten hatte. �Nun, danke, dass du es versucht hast.�</p><p>Tayend seufzte. �Es ist noch fr�h�, erwiderte er. �Wenn wir beharrlich sind, wird er vielleicht nachgeben. Ich habe darauf hingewiesen, dass du Lorkin kaum zum Sprechen bewegen kannst, wenn du niemals Gelegenheit hast, mit ihm zu reden.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. �Ist das klug? Es k�nnte gef�hrlich sein, auch nur anzudeuten, dass ich vielleicht dazu bereit w�re.�</p><p>�Nicht, wenn ich es sage. Und ich habe nur auf den Fehler in seiner Logik hingewiesen.�</p><p>�Ich bin mir sicher, er wird <emphasis>sehr</emphasis> erfreut sein, dass du ihn vor allen auf seine schwache Logik hingewiesen hast.�</p><p>�Oh, es war niemand sonst da, der es geh�rt hat � und ihm schien es zu gefallen.�</p><p>Dannyl wurde noch flauer. �Du hast eine <emphasis>Privat</emphasis>audienz bei ihm bekommen?�</p><p>�Nun, nun. Sei nicht eifers�chtig.� Der Elyner feixte, dann wedelte er mit der Hand. �Lass uns Wein trinken und etwas essen, hm?� Er drehte sich um, winkte einen Sklaven herbei und begann dem Mann genaue Anweisungen zu erteilen.</p><p>Dannyl ging zu den Hockern hin�ber und setzte sich. Tayend hatte Lorkin zwar nicht sehen k�nnen, aber der K�nig hatte sich die M�he gemacht, ihn pers�nlich zu empfangen. <emphasis>Vielleicht liegt es daran, dass Tayend ein Botschafter ist, der f�r seinen K�nig und sein Land spricht, w�hrend ich lediglich der Sprecher der Gilde bin.</emphasis></p><p>Er bezweifelte aber, dass das einen gro�en Unterschied machte. K�nig Amakira war ver�rgert �ber Kyralia und die Gilde, nicht �ber Elyne. Es ergab Sinn, dass er Tayend mit dem gleichen Respekt behandelte wie immer.</p><p>�Ah. Wein�, sagte Tayend, als ein Sklave mit einer Flasche und Kelchen hereineilte. Der Elyner setzte sich neben Dannyl und wartete, bis der Sklave sie bedient hatte und gegangen war, bevor er sich dichter zu ihm beugte.</p><p>�Merria hat mir heute Morgen nach deinem Aufbruch erz�hlt, dass sie die Situation mit ihren Freundinnen besprochen hat. Sie werden Einw�nde gegen diese gef�hrliche Behandlung eines fremdl�ndischen Magiers erheben�, murmelte er.</p><p>Dannyls Stimmung hob sich ein wenig. �Und � die anderen Verbindungsleute?�</p><p>�Werden unsere Botschaft weitergeben. Sie sind sich Lorkins Zwangslage anscheinend durchaus bewusst, aber sie haben nicht gesagt, ob sie deswegen etwas unternehmen k�nnen.�</p><p>�Mir gef�llt nicht, was sie tun w�rden, wenn sie k�nnten.� Dannyl schauderte und nippte an seinem Wein. �Sie k�nnten Lorkin t�ten, um sicherzustellen, dass er nicht redet.�</p><p>�Das werden sie nicht tun�, versicherte ihm Tayend. �Sie m�ssen gewusst haben, dass eine Gefahr bestand, dass dies geschehen w�rde. Sie h�tten ihn nicht hierhergeschickt, wenn es f�r sie katastrophal sein k�nnte.�</p><p>�Vielleicht, weil sie ihre Leute bereits instruiert haben, ihn zu t�ten. Er k�nnte bereits tot sein.�</p><p>Tayend sch�ttelte den Kopf. �Der K�nig hat mir versichert, dass Lorkin gut behandelt wird.�</p><p>�Er k�nnte l�gen.�</p><p>�Ja, k�nnte er.� Tayend seufzte. �Wir k�nnen nur hoffen, dass er es nicht tut.� Der Elyner runzelte die Stirn. �Eine Sache macht mich dennoch nachdenklich. Ich sehe allerdings nicht, welchen Vorteil sie f�r die Verr�terinnen haben k�nnte � daher vermute ich, dass ich Gespenster sehe.�</p><p>�Und welches Gespenst w�re das?�</p><p>�Dass die Verr�terinnen wussten, dass der K�nig Lorkin einkerkern w�rde. Dass sie wollten, dass es geschah.�</p><p>�Warum sollten sie das wollen?�</p><p>Tayend sah Dannyl an und sch�ttelte den Kopf. �Das ist es, was ich nicht entwirren kann. Au�er � vielleicht wollen sie, dass der Friede zwischen Kyralia und Sachaka leidet. Vielleicht wollen sie sicherstellen, dass unsere L�nder keine Versprechungen abgeben, Sachaka zu helfen, sich gegen sie zu verteidigen.�</p><p>Dannyl �berlief ein Schauer. �Du denkst, sie k�nnten etwas Gr��eres und Direkteres planen als Spionage und politischen Mord?�</p><p>�Man muss es immer in Betracht ziehen.� Tayend l�chelte grimmig und nippte dann mit ernster Miene an seinem Wein. �Wenn es zu einem B�rgerkrieg k�me, was denkst du, wer gewinnen w�rde?�</p><p>�Ich habe keine Ahnung.� Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Wir wissen nicht genug �ber die Verr�terinnen.�</p><p>�Dann hoffe ich, dass Lorkin mehr wei�, als er zu wissen behauptet, denn wenn die Verb�ndeten L�nder in einen Krieg hineingezogen werden, k�nnten wir uns schnell auf der Seite der Verlierer wiederfinden � oder herausfinden, dass wir nur gewinnen k�nnen, indem wir den gr��eren Teil der K�mpfe �bernehmen und die gr��eren Opfer bringen.�</p><p>Ein kalter Knoten hatte sich in Dannyls Magen gebildet. <emphasis>Lorkin wird Osen alles gesagt haben, was er �ber die Verr�terinnen wei�. Wenn Lorkin also wei�, dass sie einen B�rgerkrieg planen, dann ist Osen ebenfalls dar�ber im Bilde.</emphasis> W�hrend Dannyl alle bisherigen Anweisungen Osens erwog, zog sich der Knoten in seinem Magen fester zusammen. Als Sklaven mit Essenstabletts in den Raum traten, war ihm zu �bel, um zu essen, aber er zwang sich, seine Auswahl von den Tellern zu treffen, sich etwas in den Mund zu stecken und zu kauen. <emphasis>Warum? Weil Sklaven es gemacht haben. Menschen, die in ihrem Leben keine Wahl haben, haben sich damit M�he gegeben, und es kommt mir gedankenlos und verschwenderisch vor, diese Dinge zu verschm�hen.</emphasis> Dann l�ste sich der Knoten ein wenig. <emphasis>Die Verr�terinnen missbilligen die Sklaverei. Ein B�rgerkrieg k�nnte Freiheit bringen.</emphasis></p><p>Aber es w�rde einen Preis haben. Das hatte es immer.</p><p>Als Gol in den Keller zur�ckkehrte, stie� Cery einen stummen Seufzer der Erleichterung aus. Die Bewegungen seines Freundes waren vorsichtig, und er verzog vor Schmerz das Gesicht, als er sich hinsetzte, aber davon abgesehen sah er viel besser aus als noch vor zwei Tagen.</p><p>�Es wird da drin bald ziemlich eklig werden�, murrte Gol.</p><p>�Ich wei߫, pflichtete Cery ihm bei. �Aber wir werden f�rs Erste damit zurechtkommen m�ssen.�</p><p>Sie hatten einen anderen Keller ausgew�hlt, um sich darin zu erleichtern. Die W�nde und die Decke wirkten durchaus stabil, und Cery hatte etwas Erde dort deponiert, um damit ihre Exkremente zu bedecken. Aber auch das war nur eine vor�bergehende L�sung.</p><p>Cery hatte Anyi gebeten, f�r eine Weile zu bleiben und �ber Gol zu wachen, w�hrend er das kleine Netzwerk von R�umen und Fluren in der N�he auskundschaftete. Es war lange her, seit jemand in diesen Kellern gewesen war. Er wusste, dass der verstorbene Hohe Lord Akkarin sie benutzt hatte, um Dinge zu lagern, aber die einzigen Gegenst�nde, die jetzt dort waren und alt genug wirkten, um aus dieser Zeit zu stammen, waren nicht wertvoll: Gr��tenteils handelte es sich um leere Kisten wie die, die sie als M�bel benutzten. Er hatte kunstvolle Lampen gefunden, die sich in den �ltesten H�usern Imardins gut gemacht h�tten, wenn sie nicht von Rost zerfressen gewesen w�ren, au�erdem Tonscherben von Gef��en, die, w�ren sie unversehrt gewesen, wegen ihres Alters und ihrer Rarit�t ein Verm�gen wert gewesen w�ren.</p><p>Die W�nde dieser Keller bestanden aus Ziegeln und Naturstein. Es gab Bereiche, in denen Ziegel die L�cken zwischen dem Stein f�llten, und Ziegelw�nde teilten die gr��eren R�ume mit den Steinmauern und legten die Vermutung nahe, dass Naturstein der urspr�ngliche Baustoff war und man das Ziegelwerk nachtr�glich benutzt hatte, um Reparaturen durchzuf�hren und die Gr��e der Kellerr�ume dem Bedarf anzupassen.</p><p>In einem Raum hatte jemand Worte an die Wand gekritzelt. �<emphasis>Tagin muss sterben�, </emphasis>hatte er m�helos entziffert, da die Buchstaben gro� und tief waren. <emphasis>�Indria muss gewonnen werden�,</emphasis> war kleiner. Auf einem zu Bruch gegangenen Stein stand: <emphasis>�H�here Magie ist �� </emphasis>In einem anderen, gr��eren Keller, dessen Decke halb eingest�rzt war, hatte er auf einer an der Wand lehnenden Steintafel eine eingemei�elte Namensliste entdeckt. Er kannte keinen der Namen, aber ihnen gingen die Titel �Lord� und �Magier� voran. Seltsam, dass sie beides benutzten. Er glaubte, ein Datum am unteren Rand ausmachen zu k�nnen, aber er bekam das Kerzenlicht nicht nah genug heran, und auf keinen Fall w�rde er sich unter eine gro�e und schwere Steintafel ducken, die aussah, als k�nnte sie jeden Moment umkippen.</p><p>Bei seiner R�ckkehr in ihre Zuflucht hatte Cery einer rastlos auf- und abgehenden Anyi erlaubt, ihre eigenen Erkundungsg�nge fortzusetzen. Er blieb bei Gol, und sie sprachen dar�ber, was Cery gefunden hatte, und �ber die Vergangenheit, bis Gol schl�frig wurde. Es machte Cery nicht so viel aus wie erwartet, in der Stille dazusitzen, solange er seinem Verstand nicht erlaubte, sich auf unangenehme Erinnerungen zu konzentrieren. Es war ruhig und geruhsam, und ausnahmsweise einmal machte er sich keine Sorgen wegen Meuchelm�rdern, die sich an sie anschlichen.</p><p><emphasis>Nun, ich bin nicht g�nzlich unbesorgt,</emphasis> korrigierte er sich.</p><p>Als wollten sie seine zittrige �berzeugung von ihrer Sicherheit herausfordern, erklangen drau�en auf dem Flur leise Schritte. Er erhob sich und sp�rte eine Woge der Erleichterung, als Anyi in der T�r erschien.</p><p>Sie grinste breit und b�ckte sich, um ihren fast leeren Wassereimer hochzuheben.</p><p>�Ich habe ein leckes S��wasserrohr unter der Universit�t entdeckt�, berichtete sie ihm. �Es ist n�her als das, von dem du wusstest, aber genauso langsam. Es wird eine Weile dauern, den hier zu f�llen. Es w�re besser, wenn wir zwei Eimer h�tten � einen, den wir dort lassen k�nnten, damit er sich f�llt. Oder ich k�nnte versuchen, das Leck zu verschlimmern.�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Sie k�nnten etwas bemerken und der Sache auf den Grund gehen. Lass uns sehen, ob Lilia uns einen zweiten Eimer beschaffen kann.�</p><p>Sie nickte, dann klemmte sie sich den Eimer unter den Arm und ging davon.</p><p>Er setzte sich wieder und sp�rte, dass seine Stimmung sich ein wenig aufhellte. Bisweilen bezweifelte er, dass sie �berhaupt hier leben konnten, geschweige denn es bequem haben. Es gab so vieles, wozu sie keinen Zugang hatten. Sie verlie�en sich g�nzlich auf Lilia, was ihre Ern�hrung betraf � aber gl�cklicherweise hatten sie wenigstens �eigenes� Wasser. Dar�ber hinaus besa�en sie nichts als einen Haufen alter Kissen, einige Kisten und den kalten Boden, auf dem sie schlafen und sitzen konnten. Es war aber nicht allzu kalt, und die Luft schien nicht schal zu werden.</p><p>Das Ger�usch von Schritten drang erneut an sein Ohr, aber wer immer nahte, machte sich keine M�he, leise zu sein. Der Besucher trug Stiefel oder irgendeine andere Art von kr�ftigem Schuh, bewegte sich jedoch leichtf��ig.</p><p><emphasis>Lilia.</emphasis> Er l�chelte in sich hinein. Ihr zu helfen hatte sich als sehr eintr�glich erwiesen. Er h�tte ohnehin niemals zugelassen, dass sie sich allein in die Unterwelt der Stadt aufgemacht h�tte, und dadurch, dass er sie nicht direkt der Gilde ausgeliefert hatte, hatte er eine sehr n�tzliche Verb�ndete gewonnen. <emphasis>Und Anyi mag sie sehr.</emphasis></p><p>Eine helle, in der Luft schwebende Lichtkugel erreichte den Raum noch vor Lilia. Sie trug ein B�ndel und eine gro�e Glasflasche, und sie l�chelte, als sie Cery sah. Aber als sie sich in dem Raum umblickte, geriet ihre fr�hliche Miene ins Stocken.</p><p>�Anyi?�</p><p>�Sammelt ein wenig Wasser�, berichtete er ihr. �Sie hat ein leckes Rohr gefunden.�</p><p>�Kein Abflussrohr, hoffe ich.� Sie legte das B�ndel vorsichtig auf eine umgekippte Kiste und begann es auszupacken.</p><p>�Sie sagt, es sei sauber�, erwiderte er. Er blinzelte �berrascht, als er sah, wie viel zu essen sie mitgebracht hatte. Brot, eine lackierte Schachtel mit zwei Schichten, unten mit langsam gegartem Fleisch und oben mit gew�rztem Gem�se gef�llt. Wenn die Diener den Magiern Mahlzeiten in ihre Quartiere brachten, benutzten sie immer praktische, fest verschlossene Beh�ltnisse, die die W�rme hielten. Obwohl diese Schachtel nicht f�r drei Personen gen�gte, war es deutlich mehr, als eine einzige Person gebraucht h�tte. �Das � ist dein Abendessen?�</p><p>�Und Soneas�, erkl�rte sie. �Lord Rothen hat sie zu einer letzten gemeinsamen Mahlzeit eingeladen, und es war zu sp�t, um Jonna Bescheid zu sagen.�</p><p>�Was riecht hier so k�stlich?�, erklang eine andere Stimme.</p><p>Lilia grinste, als Anyi den Raum betrat. �Abendessen. Ich habe auch etwas Lampen�l und Kerzen mitgebracht.�</p><p>�Ooh!� Anyi zog sich eine Kiste n�her heran und nahm sich ein St�ck Brot. Irgendwie war Gol aufgewacht und hatte sich erhoben, ohne zu st�hnen, und er beugte sich �ber das Essen.</p><p>�Wird es den Dienern nicht auffallen, wenn du f�r zwei Personen isst?�, fragte Cery, w�hrend er sich bediente.</p><p>Lilia zuckte die Achseln. �Jonna versucht immer, mich dazu zu bewegen, mehr zu essen, und sie ist es gewohnt, dass Anyi vorbeikommt und alles isst, was sich in ihrer Reichweite befindet.�</p><p>�Hey!�, protestierte Anyi.</p><p>Lilia kicherte. �Es macht ihr nichts aus.�</p><p>�Was ist mit dir?�, fragte Gol, blickte zu Lilia auf und deutete auf das Essen.</p><p>�Ich habe heute Mittag eine Extraportion gegessen�, erwiderte das M�dchen. �Und etwas Brot und Obst eingesteckt, um es sp�ter zu essen.�</p><p>�Diese letzte Mahlzeit, die Sonea und Rothen sich g�nnen ��</p><p>Lilias Miene wurde ernst. �Sie bricht morgen Nacht auf. Und es ist auch offiziell. Sie geht, weil Lord Lorkin nach Arvice zur�ckgekehrt und vom sachakanischen K�nig eingekerkert worden ist, weil er sich weigerte, die Verr�terinnen zu verraten.�</p><p>Cery wurde flau im Magen. Zu erfahren, dass das eigene Kind im Gef�ngnis war. <emphasis>Trotzdem</emphasis>,<emphasis> zumindest lebt er und ist nicht l�nger in einer geheimen Rebellenstadt gefangen. Das ist einen Schritt n�her an zu Hause. Nach all den Jahren, in denen er den Frieden gewahrt hat, wird der sachakanische K�nig das alles nicht gef�hrden, indem er einen Gildemagier t�tet.</emphasis></p><p>Er musste zugeben, dass er nicht genug �ber Sachaka wusste, um sich sicher zu sein.</p><p>�Ich bin froh, dass wir ihr nicht verraten haben, dass wir hier sind�, sagte er. �Sie braucht sich nicht auch noch um uns zu sorgen.�</p><p>Anyi nickte. �Es wird jetzt leichter f�r Lilia sein, uns zu helfen, da sie nicht mehr f�rchten muss, dass Sonea es herausfindet.�</p><p>�Aber Sonea ist die Einzige, die uns verteidigen w�rde, sollte die Gilde uns hier unten entdecken�, wandte Gol kopfsch�ttelnd ein.</p><p>�Was ist mit Kallen?�, fragte Anyi mit Blick auf Lilia.</p><p>Lilia zuckte die Achseln. �Auf ihn w�rde ich mich nicht verlassen wollen.�</p><p>�Dann sollten wir besser sicherstellen, dass man uns nicht findet�, meinte Cery. �Hast du mit Kallen gesprochen? Hatte er irgendwelche Neuigkeiten?�</p><p>�Ja, ich habe mit ihm gesprochen, und nein, nichts Neues�, erwiderte Lilia. Sie seufzte. �Er scheint nicht geneigt zu sein, sich mir anzuvertrauen.�</p><p>�Du wirst ihn einfach auf deine Seite ziehen m�ssen�, sagte Anyi. W�hrend Gol den letzten Rest Sauce aus dem Fleischteil des Essens schl�rfte, wischte sich Cery die H�nde am Rand des Tuches ab, in das das Essen eingewickelt gewesen war.</p><p>�In der Zwischenzeit�, sagte er zu Lilia, �musst du nach Gol sehen. Wenn seine Verletzungen gut verheilen, dann musst du mit mir zum Eingang zu den Tunneln der Gilde kommen. Keiner von uns wird wirklich sicher sein, bis wir einen Weg finden, diesen Eingang zu blockieren, damit kein Handlanger irgendeines Diebes durchkommen kann. Wenn das bedeutet, das Dach zum Einsturz zu bringen, dann ist es das, was wir tun m�ssen.� Er wandte sich an Anyi. �Dann will ich, dass du mir diese Fluchtwege zeigst. Vielleicht werden sie uns in die N�he des Ortes bringen, wo Diener Dinge wegwerfen, die die Magier nicht l�nger benutzen.�</p><p>Beide M�dchen grinsten. �Ein kleiner Erkundungsausflug w�rde Spa� machen�, meinte Lilia.</p><p>�Musst du nicht irgendetwas lernen?�, fragte Cery.</p><p>Ihr Gesicht wurde lang. �Muss ich jemals <emphasis>nicht</emphasis> lernen?� Sie seufzte, dann sah sie Anyi tadelnd an. �Du willst den ganzen Spa� f�r dich allein haben.�</p><p>Anyi sch�ttelte den Kopf. �Das kannst du nicht sagen, bis ich hier unten ein sch�nes weiches Bett habe und regelm��ige, dampfend hei�e B�der.�</p><p>Lilias Augen weiteten sich in gespielter Entschuldigung. �Tats�chlich, jetzt, da du B�der und K�rpergeruch erw�hnst ��</p><p>Obwohl sie es offensichtlich erwartete, schaffte sie es trotzdem nur mit knapper Not, Anyis Boxhieb auszuweichen. Kichernd schl�pfte sie au�er Reichweite.</p></section><section><title><p>6</p><p>Erlaubnis erteilt</p></title><p>Die beiden M�nner mittleren Alters waren noch in ihrer Zelle, als Lorkin vom zweiten Tag seiner Befragung zur�ckkehrte, aber das Paar war nicht mehr da. Erneut hatte man ihm Wasser hingestellt, aber kein Essen. Hunger hatte es ihm schwer gemacht zu schlafen, bis er wieder nachgab und ihn mit Magie vertrieb.</p><p>Es war unm�glich zu sagen, wie sp�t es war. Keine Fenster lie�en Licht ein, um anzuzeigen, ob Tag oder Nacht war. Lorkin musste sich auf die Routine des Vernehmers und des Beobachters verlassen, um das Verstreichen der Tage zu messen. Als er erwachte, bemerkte er, dass der Beobachter noch da war und ihn mit wachsamen Augen, aber ausdruckslosem Gesicht betrachtete. Lorkin, der mit dem R�cken zur Wand sa�, unterhielt sich mit Gedankenspielen und Erinnerungen.</p><p>Ein Ger�usch erregte schlie�lich seine Aufmerksamkeit. Schritte warnten ihn, dass jemand n�her kam. Der Beobachter wandte sich ab und stand dann auf. Lorkin seufzte leise, erhob sich und machte sich f�r einen weiteren Tag voller Fragen und Hunger bereit. Statt des Vernehmers erschien ein Sklave, der ein Tablett mit einer Sch�ssel, einem St�ck Brot und einem Kelch brachte. Lorkin konnte nicht umhin zu sp�ren, wie sein Herz vor Hoffnung heftiger schlug, w�hrend der Beobachter die Dinge untersuchte und dann vortrat, um die T�r zu seiner Zelle zu �ffnen.</p><p>Der Sklave hielt den Blick gesenkt, als er eintrat, dann stellte er das Tablett auf den Boden und verlie� den Raum r�ckw�rts wieder.</p><p>Der Beobachter hielt inne, um Lorkin nachdenklich zu betrachten, nachdem er die Zelle wieder verschlossen hatte. Lorkin wartete, bis der Mann zu seinem Platz zur�ckgekehrt war, bevor er sich dem Tablett n�herte. Er hob es auf und trug es zum anderen Ende der Zelle.</p><p>Die Schale enthielt eine kalte, undurchsichtige Suppe, der Kelch Wein. Besteck fand sich keins auf dem Tablett.</p><p><emphasis>Wenn irgendetwas davon vergiftet ist, werde ich es nicht wissen, bis ich es esse. Ich musste noch nie Gift heilen. Es wird mehr von Tyvaras Macht verschlingen als ein einfaches Unterdr�cken von Hunger. Sollte ich es riskieren? Ist mein Hunger schlimm genug?</emphasis></p><p>Die Partikel in der Suppe setzten sich auf dem Boden ab und machten den gr��ten Teil der Fl�ssigkeit durchsichtig. Aber die wachsenden R�ckst�nde bildeten keine flache Schicht. Sie lagerten sich an etwas an, das auf dem Boden der Schale lag. Etwas Quadratisches und D�nnes. Ein Kribbeln �berlief ihn.</p><p>In dem Bewusstsein, dass der Beobachter jede seiner Bewegungen registrierte, zog er eine winzige Menge Magie in sich hinein und benutzte sie, um die Partikel sanft von dem Gegenstand zu schieben. Zuerst tr�bte sich die Suppe beim geringsten R�hren, aber schon bald setzte sie sich ab und erm�glichte es ihm zu best�tigen, was er bereits vermutet hatte.</p><p>Bei dem Gegenstand handelte es sich um ein St�ck Papier.</p><p><emphasis>�Suppe kochen, um sie genie�bar zu machen. Brot gut. Wein schlecht.�</emphasis></p><p>Darunter war ein Kringel. Es h�tte eine schwungvolle Unterschrift sein k�nnen oder hastig geschriebene Initialen, aber Lorkin erkannte ihn als eins der Codezeichen, nach denen Ausschau zu halten die Verr�terinnen ihm aufgetragen hatten.</p><p><emphasis>Sie wissen, dass ich hier bin, </emphasis>dachte er, und ihm wurde leichter ums Herz. <emphasis>Sie werden mich hier rausholen.</emphasis> Aber noch w�hrend ihm der Gedanke durch den Sinn ging, wusste er, dass er so viel nicht erwarten konnte. Das Gef�ngnis befand sich unter dem Palast und wurde bewacht von Ashaki und der unabh�ngigen, bedingungslos loyalen Palastgarde.</p><p>Es war jedoch sch�n zu wissen, dass die Verr�terinnen versuchten, ihm zu helfen. Er zog mehr Magie in sich hinein und brachte die Suppe zum Sieden. Das erkl�rte dem Aufpasser zumindest, warum er die Suppe so aufmerksam angestarrt hatte. Er trank sie trotzdem langsam und achtete auf seinen K�rper, f�r den Fall, dass die Notiz eine geschickte L�ge war. Das Brot war altbacken, also tauchte er es in die Suppe, um es aufzuweichen.</p><p>Den Wein r�hrte er nicht an. W�rde der Vernehmer oder wer immer den Wein vergiftet hatte, sich fragen, wieso Lorkin gewusst hatte, dass er den Wein stehen lassen musste, oder w�rde er annehmen, dass Lorkin einfach nicht wollte, dass seine Sinne w�hrend des n�chsten Treffens benebelt waren?</p><p>Nicht lange nachdem er seine Mahlzeit beendet hatte, kehrte der Sklave zur�ck, um das Tablett zu holen. Lorkin hielt es dem Mann hin. Der Sklave hob den Blick, um ihm in die Augen zu schauen.</p><p>�Lord Dannyl sagt, K�nig Merin will, dass Ihr ihnen alles erz�hlt�, erkl�rte der Mann wispernd.</p><p>Lorkin nickte zum Zeichen, dass er verstanden hatte, und wandte sich ab, damit der Beobachter sein L�cheln nicht sah.</p><p><emphasis>Als w�rde ich das glauben! Sie m�ssen mich f�r dumm halten, wenn sie denken, ich w�rde einen Befehl von irgendjemand anderem als Dannyl selbst annehmen. Und sogar dann � ich m�sste in Betracht ziehen, dass man Dannyl erpresst oder bedroht hat.</emphasis></p><p>Administrator Osen hatte Lorkin ebenfalls ein Codewort gegeben f�r den Fall, dass die Sachakaner etwas Derartiges versuchten. Nachdem er das L�cheln aus seinen Z�gen verscheucht hatte, lehnte Lorkin sich wieder an die Wand und wartete auf das Eintreffen des Vernehmers und den Beginn des Verh�rs f�r diesen Tag.</p><p>Die Speisehalle vibrierte beinahe vor L�rm, obwohl das Mittagsmahl vor einiger Zeit beendet worden war. Lilia widerstand der Versuchung, die Augen zu verdrehen, als sie die anderen Novizen betrachtete. Die pl�tzliche Ank�ndigung, dass der Unterricht am Nachmittag ausfallen w�rde und die ganze Gilde zu einer Versammlung zusammengerufen wurde, hatte aufgeregte Spekulationen �ber die Ursache des Treffens hervorgerufen.</p><p>Lilia kannte den Grund daf�r bereits, aber niemand fragte sie, und sie hatte wichtigere Dinge, um die sie sich Gedanken machen musste. Wie zum Beispiel die Notwendigkeit, Cery, Gol und Anyi mit Essbarem, Lampen�l und Kerzen zu versorgen. Lilia war zu dem Schluss gekommen, dass Jonna, Soneas Dienerin, der Schl�ssel dazu war. Sie musste einen Weg finden, die Frau dazu zu bewegen, mehr Vorr�te in Soneas R�ume zu bringen, ohne dass es verd�chtig klang.</p><p>Es war leicht genug, kleine Gegenst�nde in die Tunnel zu schmuggeln. Die lackierten Beh�ltnisse, die Diener benutzten, um Mahlzeiten auszutragen, konnten mit Hilfe von Magie durch die L�cke in der Wand von Soneas Zimmer hinabgelassen werden. Gr��ere Gegenst�nde wie ganze M�belst�cke passten jedoch nicht in den kleinen Zwischenraum. Vielleicht konnten sie andere Eing�nge zu den Tunneln benutzen. Sie hatte geh�rt, dass es in der Universit�t einige davon gab.</p><p>Selbst wenn sie einen anderen Weg hinein fand, waren die meisten M�bel in der Gilde alt und wertvoll, so dass man sie wahrscheinlich vermissen w�rde. Die M�bel der Diener waren vielleicht weniger kostbar, aber sie lebten und arbeiteten abseits der Bereiche, die von Magiern und Novizen aufgesucht wurden. Wenn Lilia zu den Dienstbotenquartieren hin�berwanderte oder sich auch nur in die K�che neben der Speisehalle stahl, w�rde sie auffallen wie � wie ihre Mutter sagen w�rde � �ein Prinz auf einem Bettlerball�.</p><p><emphasis>Ich muss abgelegte St�cke finden, die niemand benutzt. Sie werden wahrscheinlich defekt sein, aber ich nehme an, wir k�nnen versuchen, sie zu reparieren. Wir m�ssen sie vielleicht ohnehin auseinandernehmen und wieder zusammensetzen, um sie in die Tunnel zu bringen. Ich m�sste an Holz und N�gel herankommen � und an Werkzeug. Hm, wenn ich das tue, k�nnten wir vielleicht Holz hineinschmuggeln und selber M�bel bauen.</emphasis></p><p>�Sieh mal, die schwarze Novizin.�</p><p>Die Worte waren un�berh�rbar. Lilia schaute auf und blickte in die Augen des Sprechers. Es war Bokkin, ein hochgewachsener Novize � ein Prolli, der gern Schw�chere schikanierte. Keiner der Prollis unternahm etwas dagegen, weil er den Mumm hatte, sich Schn�sis ebenso vorzukn�pfen wie seinesgleichen.</p><p>Er war stehen geblieben und hatte sich an einen Tisch in der N�he gelehnt, die gewohnte Gruppe von Anh�ngern im Gefolge. Lilia bezweifelte, dass sie ihn tats�chlich mochten. Wahrscheinlicher war, dass sie sich mit ihm verb�ndeten, um nicht zu seiner Zielscheibe zu werden.</p><p>�Hast du in letzter Zeit irgendjemanden get�tet?�, fragte er, die Lippen zu einem h�hnischen Grinsen verzogen.</p><p>Sie neigte den Kopf leicht zur Seite und tat so, als denke sie nach. �Nein, eigentlich nicht.�</p><p>�Was wirst du mit dir anfangen, jetzt, da Schwarzmagierin Sonea fortgeht?� Er stie� sich vom Tisch ab. �Du wirst in ihren R�umen ganz allein sein. Hast du schon eine neue feste Freundin? Oder willst du ausnahmsweise mal sehen, wie es mit einem Mann ist?� Er stolzierte zu ihrem Tisch und stie� seine Lende vor ihr Gesicht. �Wie w�r�s, wenn ich dir zeige, was du vers�umt hast?�</p><p><emphasis>Sie wissen also, dass Sonea fortgeht. </emphasis>Lilia lehnte sich zur�ck und blickte zu ihm auf. Sie hatte dar�ber nachgedacht, dass irgendjemand versuchen k�nnte, die Situation auszunutzen, aber sie hatte nicht erwartet, dass jemand sie schon so bald auf die Probe stellen w�rde.</p><p>�Du hast dich doch sonst noch nie f�r mich interessiert.� Sie erhob sich langsam, ohne auf Abstand zu gehen, so dass sie sich schlie�lich eine Handbreit voneinander entfernt Auge in Auge gegen�berstanden. �Muss die schwarze Magie sein, die deine Meinung ge�ndert hat. Du f�hlst dich zu ihr hingezogen, nicht wahr? Der Kitzel der Gefahr. Man hat mir gesagt, dass ich auf Leute wie dich ein Auge haben soll.�</p><p>Er �ffnete den Mund, um etwas zu erwidern, aber sie griff ihm ins Gesicht und grub die Finger in das Fleisch seines Kinns. Gleichzeitig traf sie ihn mit einem scharfen Stich Magie und zwang ihn, r�ckw�rts zu taumeln, bevor er die Magie heraufbeschw�ren konnte, sich ihrem Angriff zu widersetzen. Sie folgte ihm und presste ihn gegen die Kante des n�chsten Tisches.</p><p>�Wei�t du, was bei dieser Versammlung geschehen wird? Schwarzmagierin Sonea nimmt Macht von jedem Magier der Gilde. Sie benutzt daf�r schwarze Magie. Eines Tages � vermutlich eines baldigen Tages � werde ich das vielleicht mit dir machen. Du wirst keine Wahl haben. Befehl des K�nigs. Willst du mir wirklich einen Grund liefern, es so unangenehm wie m�glich zu machen?�</p><p>Er starrte sie mit bleichem Gesicht an. Sie lie� ihn los und wischte sich die Hand an der Vorderseite seiner Robe ab. Die Novizen um sie herum waren still, und die Stille breitete sich aus. Sie lie� Bokkin nicht aus den Augen, aber sie konnte am Rand ihres Gesichtsfeldes sehen, das sich etliche Gesichter in ihre Richtung drehten.</p><p>�Du solltest besser hoffen, dass sie zur�ckkommt�, fuhr sie fort. Sie drehte sich um, griff nach ihrer Tasche und den Fr�chten und den gew�rzten Br�tchen, die sie f�r ihre Abendmahlzeit zusammengesucht hatte, und verlie� die Halle.</p><p>Als sie in den Flur trat, versp�rte sie eine Woge des Triumphs.</p><p><emphasis>Das wird ihnen Stoff zum Reden geben. Und Anlass zu der Sorge, welchen Grund Soneas Reise nach Sachaka hat, aber sie werden sich diese Fragen ohnehin stellen. Ich werde niemandem Grund zu der Annahme geben, dass ihr Weggang mich verletzbar machen k�nnte.</emphasis></p><p>Wenn ihre ganze Zukunft auf dem Gel�nde der Gilde lag, dazu auserkoren, dem Schutz der Vereinten L�nder zu dienen und das Hauptziel jedes m�glichen Angreifers zu bilden, dann wollte sie daf�r mit Respekt behandelt werden.</p><p><emphasis>Wenn ich keinen Respekt bekomme, werde ich mich bei Leuten wie Bokkin, die zu dumm sind, um sich bewusst zu machen, wer sein Leben f�r sie riskieren wird, damit begn�gen, gef�rchtet zu werden.</emphasis></p><p>Von ihrem Platz in dem vorderen Teil der Gildehalle aus beobachtete Sonea die Versammlung von Magiern und bem�hte sich, ihre Atmung langsam und gleichm��ig zu halten.</p><p><emphasis>Was werden sie tun? Waren zwanzig Jahre genug, um sich an die Vorstellung von schwarzer Magie zu gew�hnen? Werden sie sich darauf einlassen? Werden sie meine Mission zur Befreiung meines Sohnes f�r eine hinreichende Rechtfertigung halten?</emphasis></p><p>Es w�re einfacher gewesen, diese Fragen beiseitezuschieben, wenn die anderen H�heren Magier nicht zuvor die gleiche Sorge zum Ausdruck gebracht h�tten. Niemand konnte den Ausgang der Versammlung voraussagen. Alle hatten gedacht, dass einige Magier sich weigern w�rden, ihre Magie zu geben, w�hrend andere dazu bereit sein w�rden, aber ihre Meinungen unterschieden sich gewaltig, was die wahrscheinliche Anzahl beider Gruppen betraf.</p><p>Auf beiden Seiten der langen Halle nahmen Magier ihre Pl�tze ein. Wie immer bildeten sich Flecken aus Gr�n, Rot und Purpur, wo Freunde der gleichen Disziplin zusammenkamen. Die vorherrschende Farbe war das Purpur der Alchemisten, aber die Zahl der Heiler war in den letzten Jahrzehnten gestiegen, und deshalb war jede Menge Gr�n in der Halle zu sehen. Obwohl es mehr Krieger gab denn je, waren rote Roben immer noch in der Minderheit. Dies machte ihr jedoch keine Sorgen. W�hrend die meisten Magier ihre Energien in den Dienst von etwas N�tzlicherem stellten, wusste sie, dass viele von ihnen in ihrer Freizeit weiterhin an ihren k�mpferischen F�higkeiten arbeiteten.</p><p>Im vorderen Teil der Halle warteten die H�heren Magier. Einzig Administrator Osen fehlte auf den erh�hten Pl�tzen. Wie immer w�rde er vor der Versammlung stehend sprechen, im Bereich vor den H�heren Magiern. Sonea betrachtete die Reihe von Sitzen �ber ihrem. Der Stuhl des K�nigs war leer, aber seine beiden Ratgeber waren zu der Versammlung erschienen � das war ungew�hnlich. Ratgeber Glarrin sah ihr in die Augen und nickte; Ratgeber Rolden, der vor zwanzig Jahren zugegen gewesen war, als sie und Akkarin verurteilt und in die Verbannung geschickt worden waren, schaute sie an und runzelte die Stirn.</p><p>Als Sonea nach unten blickte, bemerkte sie, dass die H�heren Magier in den Sitzreihen direkt unter ihr immer wieder nach oben schauten. Von seinem Platz unter den Studienleitern in der untersten der erh�hten Reihen sah Rothen Sonea in die Augen. Er wirkte grimmig, brachte aber ein beruhigendes L�cheln zustande.</p><p>Ihr Essen am Abend zuvor war �berschattet gewesen von furchterregenden M�glichkeiten. Sie wusste, dass er sich fragte, ob dies das letzte Mal war, dass er sie sah. Es war eine weitere Furcht, zus�tzlich zu der Sorge, dass er Lorkin niemals wiedersehen w�rde. Er hatte sich erboten, sie zu begleiten. Sie hatte ihn daran erinnert, dass er zu viel �ber ihren anderen Grund f�r die Reise nach Sachaka wisse. Er hatte genickt und dann gesagt, dass er sich mit der Tatsache tr�sten werde, dass sie sich einen verl�sslichen Assistenten ausgesucht hatte.</p><p>Sie sah sich in der Halle um und suchte nach Lord Regin; er sa�, wie sie erwartet hatte, im vorderen Teil der Halle. Er wirkte ernst und hochm�tig. Dies mochte eine bewusste Maskierung seiner wahren Gef�hle sein, aber es war schwer zu erkennen. Er wirkte immer ernst und hochm�tig.</p><p><emphasis>Ich hoffe, Rothen hat recht, was ihn betrifft. Nun, nat�rlich hat er recht. Regin nimmt seine Verantwortung gegen�ber der Gilde, Kyralia und den Verb�ndeten L�ndern viel zu ernst, um unsere Aufgabe zu gef�hrden.</emphasis></p><p>Was bedeutete, dass er, wie unangenehm die Dinge zwischen ihnen auch werden mochten, ihren Befehlen gehorchen w�rde.</p><p>Die meisten Magier hatten jetzt ihre Pl�tze eingenommen. Administrator Osen trat vor, und ein Gong erscholl zum Zeichen, dass die Versammlung anfing.</p><p>Es wurde sofort still im Raum.</p><p>�Bei der Versammlung heute haben wir eine au�ergew�hnliche Situation zu er�rtern und zu bew�ltigen�, begann Osen. �Was vor uns liegt, ist in der Geschichte der Gilde einzigartig.� Er hielt inne und sah sich im Raum um. �Wie ihr vielleicht wisst, ist Botschafter Dannyl vor einigen Monaten nach Sachaka gereist, um im Gildehaus von Arvice Dienst zu tun. Er hat den jungen Magier Lord Lorkin mitgenommen, der sich freiwillig als sein Assistent gemeldet hat.</p><p>Nicht lange nachdem sie sich in Arvice eingelebt hatten, kam es zu einem Anschlag auf Lord Lorkins Leben, vor dem ihn eine Sklavin gerettet hat. Die Sklavin war eine Spionin f�r die Leute, die als die Verr�terinnen bekannt sind, Sachakaner, die seit Jahrhunderten abseits des Rests des Landes leben. Um weiteren Anschl�gen auf sein Leben zu entgehen, half diese Sklavin Lorkin, zu dem geheimen St�tzpunkt der Verr�terinnen zu fliehen.</p><p>Dort lernte Lorkin mehr �ber diese Menschen. Sie lehnen Sklaverei ab, und obwohl sie schwarze Magie benutzen, scheinen sie friedlich zu leben. Sie haben ein Netzwerk von Spionen in ganz Sachaka � obgleich der Hauptgrund f�r ihre Spionage nach allem, was ich geh�rt habe, ihr eigener Schutz ist.</p><p>Vor kurzem versuchte Lorkin, nach Hause zur�ckzukehren. Bei seiner Ankunft in Arvice wurde er zu K�nig Amakira gerufen, und man befahl ihm, alles zu offenbaren, was er �ber die Verr�terinnen in Erfahrung gebracht hatte. Da er wusste, dass er solche Informationen zuerst K�nig Merin geben musste, weigerte sich Lorkin. Obwohl diese Verpflichtung K�nig Amakira bekannt war und er, als wir die ersten Botschafter nach Sachaka entsandten, zugestimmt hat, dass sie ihrem eigenen K�nig verantwortlich sind, nahm er Lorkin gefangen und lie� ihn ins Palastgef�ngnis bringen.�</p><p>Sonea wurde flau im Magen. Ganz gleich, wie oft sie diese Worte ausgesprochen h�rte, die Vorstellung von Lorkin in einer d�steren Zelle lie� ihr Herz zusammenschrumpfen.</p><p>In der Halle war es still geworden. <emphasis>Seltsam, ich hatte erwartet, dass es Proteste und Wut geben w�rde. Ich denke, sie sind gr��tenteils zu schockiert, um zu sprechen, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob sie entsetzter sind �ber die Unversch�mtheit Amakiras, es zu wagen, einen Gildemagier einzukerkern, oder �ber die M�glichkeit, dass dies zu einem weiteren Konflikt mit Sachaka f�hren k�nnte.</emphasis></p><p>�Der K�nig hat unsere Bitte gebilligt, einen Unterh�ndler zu schicken, um Lorkins Freilassung zu erwirken�, fuhr Osen fort. �Wir haben unseren Unterh�ndler sorgf�ltig ausgew�hlt und bedacht, wer den gr��ten Einfluss auf den sachakanischen K�nig haben k�nnte. Das sachakanische Vorurteil gegen Magier, die keine schwarze Magie beherrschen, hat unsere Entscheidungsm�glichkeiten eingeengt.� Osen drehte sich um, um zu den H�heren Magiern aufzublicken, und streckte den Arm in Soneas Richtung aus, als biete er ihr eine Hand an, um aus einer Kutsche zu steigen. �Wir haben Schwarzmagierin Sonea ausgew�hlt.�</p><p>Soneas Haut kribbelte, und ihr Gesicht wurde hei�, als Hunderte von Blicken sich in ihre Richtung wandten. Ein Raunen erf�llte die Halle. Sie widerstand dem Drang wegzuschauen und stellte sich den Blicken der versammelten Magier. Ihr Herz schlug ein wenig zu schnell. <emphasis>Was werden sie tun?</emphasis></p><p>Osen winkte sie zu sich. Sonea unterdr�ckte einen Seufzer, stand auf und begann die Stufen hinabzusteigen.</p><p>�Aber der Vorteil, eine Schwarzmagierin zu schicken, wird nichts z�hlen, es sei denn, diese Schwarzmagierin w�re so m�chtig, wie wir sie machen k�nnen�, fuhr Osen fort. Als Sonea ihn erreichte, sah er sie kurz an, dann wandte er sich wieder an die Versammlung. �Der K�nig hat Schwarzmagierin Sonea die Erlaubnis erteilt, magische Macht f�r diese Mission zu sammeln. Wir bitten um Freiwillige, die dieser Sache ihre Macht leihen.�</p><p>Das Summen von Stimmen wurde jetzt lauter, schwoll an und verebbte dann wieder. Osen, der die Stimmung der Magier einzusch�tzen versuchte, hob die Arme, und rastlose Stille senkte sich �ber den Raum.</p><p>�Dies ist das erste Mal, dass eine solche Erlaubnis gew�hrt wurde, und gl�cklicherweise nicht aus dem Grund, den wir lange gef�rchtet haben. Wir haben in diesen letzten zwanzig Jahren gelernt, dass schwarze Magie keine barbarischen Rituale und kein unerfreuliches Blutvergie�en notwendig macht. Obwohl diese Tatsache unseren Novizen vermittelt wird und auch allen anderen bekannt sein sollte, gibt es vielleicht einige, denen das nicht ganz klar ist. Ich bitte Schwarzmagierin Sonea, es zu erkl�ren.�</p><p>Sonea atmete tief durch und gab etwas Magie in die Luft, um ihre Stimme zu verst�rken. �Sachakanische Magier schneiden die Haut ihrer Sklaven auf, weil ihre Sklaven keine Magier sind und ihnen ihre Macht nicht anbieten k�nnen. Sie tun das Gleiche im Krieg bei ihren Opfern, denn ihre Opfer werden ihnen ihre Macht kaum freiwillig geben. Und das Ritual h�herer Magie in unserer Vergangenheit war eine symbolische Geste der Unterwerfung eines Novizen unter seinen Meister und ist nicht l�nger relevant.�</p><p>Sie brachte ein L�cheln zustande, obwohl sie vermutete, dass es eher grimmig als beruhigend wirken w�rde. �Um von einem anderen Magier Macht zu nehmen, ist es lediglich n�tig, dass der Betreffende seine Macht sammelt und aussendet. Dann kann ich diese Macht nehmen und lagern. Das ist alles. Von Seiten des Gebenden ist nicht mehr zu tun als das, was jeder Novize in seinem ersten Jahr an der Universit�t erlernt.� Sie sah sich in der Halle um. <emphasis>Das ist tats�chlich alles, was an Erkl�rung notwendig ist,</emphasis> dachte sie, aber als Osen sich von ihr abwandte, fiel ihr noch etwas anderes ein.</p><p>�Es scheint nur eine Kleinigkeit zu sein, die ich von jedem von Euch erbitte�, sprach sie weiter. �Die Macht eines Tages. Aber wenn es dazu f�hrt, dass ich meinen Sohn befreie, werdet Ihr meine von Herzen kommende Dankbarkeit und die meines Sohnes haben.�</p><p>Osen nickte. �Und Ihr werdet die Sicherheit eines Mitglieds der Gilde gew�hrleistet haben, eines B�rgers Kyralias und der Verb�ndeten L�nder, und gleichzeitig den Fortbestand des Friedens mit Sachaka sichern. Und das ist keineswegs eine Kleinigkeit.� Er wandte sich den Sitzreihen zu. �Wir werden mit den H�heren Magiern anfangen.�</p><p>Soneas Herz setzte einen Schlag aus, als der Hohe Lord Balkan sich erhob und die Stufen herabstieg, gefolgt von mehreren anderen H�heren Magiern. Als Balkan n�her kam, rief jemand von der Seite der Halle seinen Namen. Alle drehten sich um und sahen, dass die Ratgeber des K�nigs von der h�chsten Reihe ebenfalls heruntergekommen waren.</p><p>�W�rdet Ihr mir erlauben, den Anfang zu machen?�, fragte der Ratgeber Balkan. Der Hohe Lord l�chelte, trat beiseite und deutete auf Sonea.</p><p>�Der K�nig sendet seine besten W�nsche�, erkl�rte Glarrin. Er hielt ihr die H�nde hin.</p><p>Sonea nahm sie und nickte. �Bitte, �bermittelt meinen Dank, Ratgeber.� Ihre Haut kribbelte, als er ihr Macht sandte. Sie zog die Macht in sich hinein und sp�rte ein schwaches Gef�hl, das ihr sagte, dass sie jetzt mehr Magie besa�, als sie selbst aufbringen konnte, aber als der Ratgeber fertig war, konnte sie nicht einsch�tzen, wie viel Macht er ihr gegeben hatte.</p><p>Glarrin trat beiseite und verneigte sich leicht vor Balkan. Sonea schaute zu dem hochgewachsenen Anf�hrer der Gilde empor. Er musterte sie mit einem vertrauten, leicht �berraschten Ausdruck. <emphasis>Als falle es ihm genauso schwer, mich als H�here Magierin anzusehen, wie es mir schwerf�llt, in ihm den Hohen Lord zu sehen. Obwohl Balkan ein t�chtiger Anf�hrer ist, wird in meinem Kopf immer Akkarin derjenige sein, auf den der Titel passt.</emphasis></p><p>Sie nahm seine H�nde und seine Macht, und langsam traten die H�heren Magier einer nach dem anderen vor. Alle bis auf Kallen. Osen hatte beschlossen, dass einige Magier am Ende der Versammlung noch �ber ihre volle St�rke verf�gen sollten. Als der Letzte der Hohen Magier beiseitetrat, drehte Sonea sich zu der Halle um.</p><p>Und ihr blieb das Herz stehen.</p><p>Alle Sitze waren leer. S�mtliche Magier standen in der Mitte der Halle und warteten. <emphasis>Nun, es ist m�glich, dass diejenigen, die nicht beabsichtigen, sich freiwillig zu melden, bereits davongeschl�pft sind, </emphasis>sagte sie sich. Aber die Menge, die wartete, war zu gro�, als dass viele h�tten gegangen sein k�nnen.</p><p>Ihr wurde bewusst, dass sie aufgeh�rt hatte zu atmen, und sie h�rte, wie sich ihr ein Keuchen entrang, als der erste Magier vortrat.</p><p><emphasis>Regin.</emphasis> In seinen Augen leuchtete unerwarteter Humor auf, als er sich vorbeugte, um ihr H�nde zu ergreifen.</p><p>�Ihr wisst wirklich nicht, wie viele Menschen Euch respektieren, wie?�, murmelte er, w�hrend er ihr Magie sandte.</p><p>�Mich respektieren?� Sie sch�ttelte den Kopf. �Sie tun das nicht f�r mich. Sie tun es f�r einen Magierkollegen und f�r Kyralia.�</p><p>�Das auch�, gab er zu. �Aber es ist nicht der einzige Grund.�</p><p>Er gab ihr eine Menge Macht. Zumindest kam es ihr so vor. Sie schaute ihm nach, als er davonging, und suchte nach Hinweisen f�r k�rperliche Schw�che; sie machte sich Sorgen, dass er zu Beginn ihrer Reise in dieser Nacht m�de sein w�rde, aber der n�chste Magier trat bereits vor, und sie musste sich umdrehen.</p><p>Und dann kam der N�chste und der �bern�chste. Heiler, Krieger, Alchemisten. M�nner und Frauen. Alt und jung. Magier aus den H�usern und allen anderen Klassen. Sie alle sprachen einige Worte, w�nschten ihr Gl�ck und brachten ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Lorkin gut behandelt wurde und befreit werden k�nnte, einige mahnten sie sogar, vor Ichani auf der Hut zu sein, wenn sie das �dland durchquerte, und sie baten sie, sicher nach Hause zur�ckzukehren. �berw�ltigt und �berrascht hatte sie bisweilen M�he, ruhig und w�rdevoll zu wirken. An einem Punkt versp�rte sie eine Welle der Traurigkeit, als sie sich pl�tzlich an einen anderen Tag erinnerte, an dem sie in dieser Halle gestanden hatte, w�hrend Magier an ihr vorbeigezogen waren. Damals hatten sie ihre Roben und die Akkarins zerrissen, w�hrend sie die rituellen Worte der Verbannung sprachen.</p><p><emphasis>Weil wir schwarze Magie gelernt hatten, um Kyralia zu verteidigen. Wie sehr sich die Dinge ver�ndert haben.</emphasis></p><p>Als endlich der letzte Magier beiseitetrat, versp�rte sie gro�e Erleichterung und Ersch�pfung. Bei diesem Gedanken h�tte sie beinahe laut aufgelacht. Dieses Nehmen von Macht sollte sie st�rker machen, nicht m�de. Sie konzentrierte sich auf ihre Macht und bemerkte, dass ein wenig davon unkontrolliert nach au�en drang. Eingedenk Akkarins Instruktionen st�rkte sie die nat�rliche Barriere ihrer Haut, bis das Leck sich schloss. Dann dachte sie �ber die Macht in ihrem Innern nach.</p><p>Abgesehen von dem Wissen, dass ihre Macht gewaltig angeschwollen war, bestand ihre einzige M�glichkeit zu sch�tzen, wie stark sie geworden war, darin, die Anzahl der Magier zu addieren, die ihr Magie gegeben hatten. Sie war sich nicht einmal sicher, wie m�chtig der durchschnittliche Gildemagier war. <emphasis>Ich habe seit der Invasion der Ichani nicht mehr so viel Macht in mir gehabt, als die Armen mir ihre St�rke anboten, um mich auf die Schlacht vorzubereiten.</emphasis></p><p>Osen stand noch immer hinter ihr. Die Halle war leer, bis auf ihn, Regin und Rothen. Ein Gong erscholl und zeigte das Ende der Versammlung an, obwohl die meisten Magier nicht l�nger anwesend waren, um es zu h�ren.</p><p>�Wie sp�t ist es?�, fragte sie.</p><p>Osen �berlegte einen Moment. �Ich glaube, der Universit�tsgong hat vor kurzem gel�utet.�</p><p>Sie sah ihn �berrascht an. �So sp�t schon?� Sie wandte ihren Blick Regin zu. �Es ist fast Zeit, die Kutsche zu beladen.�</p><p>�Ihr habt noch ein paar Stunden.� Osen l�chelte. �Ihr solltet beide eine gute Mahlzeit zu Euch nehmen, bevor Ihr abreist.�</p><p>Soneas Magen krampfte sich zusammen. �Ich bin mir nicht sicher, ob ich das kann.�</p><p>�Das wird alle entt�uschen.�</p><p>Sie sah ihn stirnrunzelnd an. �Warum?�</p><p>Sein L�cheln wurde breiter. �Die H�heren Magier haben im Bankettsaal ein Abschiedsessen f�r Euch vorbereitet. Ihr habt doch nicht gedacht, dass wir Euch gehen lassen w�rden, ohne Lebewohl zu sagen, oder?�</p><p>Sie sah ihn nur staunend an.</p><p>Osen lachte leise. �Kommt, sie sind alle im Abendsaal und trinken etwas, w�hrend sie auf Euch warten.�</p></section><section><title><p>7</p><p>Ein anderer Ansatz</p></title><p>Hier ist die Decke nicht stabil�, sagte Anyi.</p><p>Cery blickte auf und bemerkte die Risse in den W�nden und dass die Decke leicht eingesackt war. Feine Wurzeln durchzogen dort das Erdreich � vielleicht von einem Baum �ber ihnen.</p><p>�Wenn wir diese Fluchtroute benutzen m�ssen und Lilia bei uns ist�, fuhr Anyi fort, �k�nnten wir sie bitten, hinter uns die Decke einst�rzen zu lassen, so dass uns niemand folgen kann. Oder wir k�nnten den Abschnitt auch selbst f�r einen gezielten Zusammenbruch pr�parieren. Lilia k�nnte uns helfen, indem sie die Decke mit Magie st�tzt, w�hrend wir Gewichte und Seile anbringen, die wir dann aus einiger Entfernung bedienen k�nnen.�</p><p>Cery nickte. <emphasis>Mir gef�llt die Art, wie sie denkt.</emphasis> �Wir werden sie fragen.�</p><p>�Also, wohin f�hrt dieser Gang?� Anyi grinste, eilte durch den instabilen Bereich und f�hrte Cery in einen zunehmend verfallenen Tunnel hinein. Er endete nicht an einem Tunneleingang, sondern dort, wo ein Baum durch die Decke gebrochen war und den Weg versperrte. Schwaches, graues Licht sickerte durch ein Loch zwischen zwei gewaltigen Wurzeln. Ziegel und Schutt, gegl�ttet von Erde und Moos, bildeten eine grobe Rampe, �ber die Anyi kletterte.</p><p>Sie sp�hte hinaus, drehte sich dann wieder zu Cery um und winkte ihn herbei. Cery bahnte sich einen Weg zu ihr hinauf, nahm ihren Platz ein und sp�hte durch das Loch.</p><p>Ringsum standen B�ume � ein Wald, erhellt von fr�hmorgendlichem Licht. Cery seufzte, als er sich daran erinnerte, wie er Sonea vor vielen Jahren durch den Wald der Gilde gef�hrt hatte � bevor die Magier sie gefangen genommen hatten �, damit sie beobachten konnte, wie Magie gewirkt wurde, und vielleicht lernen w�rde, ihre Kr�fte zu kontrollieren. Es hatte nat�rlich nicht funktioniert. Nur ein anderer Magier konnte einen Novizen lehren, wie man Magie sicher benutzte. Aber das hatten sie damals nicht gewusst.</p><p><emphasis>So vieles hat sich ver�ndert,</emphasis> dachte Cery, <emphasis>aber gl�cklicherweise ist der Wald immer noch hier.</emphasis> Er l�schte seine Lampe, stellte sie ab und kletterte dann aus dem Loch. Anyi folgte ihm.</p><p>�Wo in der Gilde, denkst du, sind wir?�, fl�sterte sie.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Wahrscheinlich n�rdlich der Geb�ude, da der s�dliche Teil des Gel�ndes h�geliger ist.�</p><p>�Die Dienstbotenquartiere liegen im Norden.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Wir finden dort vielleicht einige aussortierte Dinge. M�bel. Decken.�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Cery bewegte sich weg von dem Baum, dann drehte er sich um und umkreiste ihn langsam in dem Versuch, sich das Bild einzupr�gen. Weder er noch Anyi waren es gewohnt, sich in einem Wald zurechtzufinden, und er konnte sehen, dass es leicht sein w�rde, sich zu verirren und die Tunnel�ffnung nicht wiederzufinden. Gl�cklicherweise sah der Baum tats�chlich etwas anders aus als die �brigen, weil er zur H�lfte abgestorben, zum Teil in den Boden eingesunken war und sich zur Seite neigte.</p><p>Cery wandte sich ab und ging durch die B�ume voran, wobei er seine Schritte z�hlte und registrierte, dass sie sich h�gelabw�rts bewegten. Er wusste, dass das Gel�nde von der Mauer des Inneren Rings an anstieg, und vermutete daher, dass er nach Westen ging. Nach mehreren hundert Schritten entdeckte er, dass er sich irrte. Der Hang traf auf einen weiteren Hang, und in der Senke dazwischen floss ein kleiner Bach. <emphasis>Oh, nun, zumindest ist der Bach etwas, dem wir folgen k�nnen: Er sollte uns h�gelabw�rts f�hren.</emphasis> Er markierte die Stelle, indem er einige Steine zu einem Kreis und einer Linie ordnete, die in die Richtung zur�ck zeigte, aus der sie gekommen waren, dann gingen sie stromabw�rts weiter.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis sie vor sich Zeichen menschlicher Behausungen bemerkten. Sie krochen vorw�rts und nahmen einfache H�tten und Z�une wahr. �Dienstbotenquartiere?�, murmelte Anyi.</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Zu sch�big.� Das heruntergekommene Aussehen der Bauten war verwirrend. Einige gro�e H�user schienen aus Glas gemacht zu sein, aber aufgrund der �ppigen Vegetation, die unter diesem Glas spross, vermutete er, dass sie aufgegeben worden waren. Erst als sie nahe genug kamen, um �berall gut �ber die Z�une schauen zu k�nnen, wurde ihm klar, wo sie waren.</p><p>�Der Bauernhof.�</p><p>�Ah. Nat�rlich.� Anyi streckte die Hand aus. �Ist das ein Obstgarten dort dr�ben?�</p><p>Er blickte in die Richtung, in die sie zeigte, und nickte, als er Reihen von sorgf�ltig gestutzten B�umen und Beerenranken ausmachte. Daneben war auf kleineren, umz�unten Fl�chen die Erde gefurcht, als sei ein sehr gro�er Rechen hindurchgezogen worden.</p><p>�Die Frage ist: Lebt hier jemand?�, murmelte er.</p><p>Anyi schaute ihn an. �Lass uns nachsehen.�</p><p>Sie gingen n�her heran und versteckten sich zuerst hinter B�umen, dann hinter den langen Beerenreihen. Die H�tten lagen am anderen Ende. Cery sank der Mut, als er den Rauch bemerkte, der aus dem Schornstein aufstieg. Au�erdem war inzwischen eine Frau in Dienstbotenkleidung aus einer der H�tten getreten. Er beobachtete, wie sie in etwas verschwand, das ein Rassook-Pferch zu sein schien.</p><p>�Sieht f�r mich bewohnt aus�, meinte Anyi. �Willst du noch n�her herangehen?�</p><p>Cery nickte. Sie zogen sich an den Waldrand zur�ck, um die Deckung durch das Unterholz auszunutzen, und schlichen an dem Geh�ft entlang. Er hatte recht, was den Rassook-Pferch betraf. Wo das bebaute Land und die Geb�ude endeten, lagen gr��ere Weiden, auf denen Enker, Reber und sogar einige gro�e, unbeholfene Gorin grasten.</p><p><emphasis>Nicht genug, um die Gilde mit Nahrung zu versorgen,</emphasis> �berlegte er, <emphasis>aber sie nutzen alles, was sie an Platz haben.</emphasis></p><p>�Da dr�ben�, sagte Anyi und zeigte auf das letzte der Geb�ude.</p><p>Cery begriff rasch, dass sie ihn nicht auf das Geb�ude selbst aufmerksam machen wollte, sondern auf die alten M�bel, die davor standen. Nicht zueinanderpassende St�hle bildeten einen Kreis um eine Planke, die auf Baumst�mpfen ruhte. Dicke, rohe Bretter auf alten F�ssern dienten offenbar als B�nke.</p><p>�Wir k�nnten etwas von diesem Stroh gebrauchen, um Matratzen zu machen�, sagte Anyi und deutete auf einen Unterstand, in dem mehrere B�ndel aufgestapelt lagen. �Ich habe auf dem Markt gesehen, wie es gemacht wird. Man braucht einige alte S�cke und eine Nadel und Garn.�</p><p>�Du kannst n�hen?�</p><p>�Nicht sehr gut, aber wir brauchen Matratzen, keine Ballkleider.�</p><p>Cery lachte leise. �Was ein Gl�ck ist, hm? Ich erinnere mich daran, dass deine Mutter dich nicht dazu bewegen konnte, ein Kleid zu tragen. Ich denke, nicht einmal der K�nig w�rde dich dazu bringen, ein Ballgewand zu tragen.�</p><p>�Keine Chance�, erwiderte Anyi. �Nicht einmal wenn er der bestaussehende Mann auf der Welt w�re.�</p><p>�Ein Jammer�, sagte Cery. �Es w�re sch�n, dich einmal in vollem Sonntagsstaat zu sehen. Nur ein einziges Mal.�</p><p>�Mir w�rden schon ein paar einfache Sachen zum Wechseln gen�gen.� Anyi kniff die Augen zusammen, als sie zu den H�tten hin�berschaute. �Ich frage mich, wie viele Menschen hier leben und was sie tragen. Wahrscheinlich Dienstbotenuniformen. Ich nehme an, es w�re praktisch, wenn wir wie Dienstboten auss�hen, wann immer wir uns aus den Tunneln schleichen.� Sie sch�rzte die Lippen. �Ich werde sp�ter hierher zur�ckkommen und sie f�r ein Weilchen ausspionieren, wenn du damit einverstanden bist.�</p><p>�Eine gute Idee. Aber bleib im Wald und versuche noch nicht, irgendetwas zu stehlen.� Cery nickte. �Daf�r werden wir bei Nacht zur�ckkommen.�</p><p>Dannyl starrte aus dem Fenster der Kutsche, ohne etwas von der Umgebung wahrzunehmen, w�hrend er sich auf eine Zur�ckweisung vorbereitete.</p><p>Lorkin war erst seit drei Tagen im Palastgef�ngnis, aber es kam ihm viel l�nger vor. <emphasis>Nat�rlich f�hlte es sich f�r Lorkin selbst wahrscheinlich noch l�nger an.</emphasis> Ashaki Achati hatte ihn nicht erneut aufgesucht. Dannyl konnte nicht entscheiden, ob er deswegen erleichtert war oder ob er es bedauerte. Jedes Treffen mit Achati musste zwangsl�ufig angespannt und voller Groll und Verlegenheit sein, wegen der Situation mit Lorkin, aber Dannyl vermisste dennoch Achatis Gesellschaft und sehnte sich nach seinem Rat.</p><p><emphasis>Es ist ein Jammer, dass er dem K�nig so nahesteht. Wenn ich mich nur mit einem Sachakaner in einer neutraleren Position angefreundet h�tte! Er w�re in der Lage gewesen, mir zu sagen, wie ich mit der Situation am besten umgehen soll.</emphasis></p><p>Gab es <emphasis>irgendwelche</emphasis> Ashaki, die sich in einer politisch neutralen Position befanden? Nach dem, was Dannyl erfahren hatte, waren die meisten entweder dem K�nig treu ergeben oder mit Ashaki verb�ndet, die mit Freuden die Z�gel der Macht ergreifen w�rden, wenn sie eine Chance dazu s�hen � die sie wahrscheinlich nicht bekommen w�rden. K�nig Amakiras Position war gesichert, unterst�tzt durch die m�chtigsten Ashaki.</p><p>Als die Kutsche vor dem Palast vorfuhr, stie� Dannyl einen Seufzer aus. Er wartete, bis der Sklave des Gildehauses den Wagenschlag �ffnete, dann stand er auf und stieg aus. Er gl�ttete seine Roben, dr�ckte den R�cken durch und schritt auf den Eingang zu.</p><p>Niemand hielt ihn auf. Er hatte sich gefragt, warum sie ihn am vergangenen Tag eingelassen hatten, wenn sie nichts anderes vorhatten, als ihm zu sagen, dass er nach Hause fahren solle. Einmal mehr trat er aus dem breiten Gang in die Halle und erfuhr von einem Sklaven, dass er auf einer Seite warten sollte.</p><p>Mehrere Personen standen in der Halle. Diesmal war der K�nig zugegen. Zumindest w�rde Dannyl in der Lage sein, Amakira seine Bitte direkt vorzutragen. Nicht dass ihm das eine positive Reaktion eintragen w�rde. Der K�nig beendete sein Gespr�ch mit zwei M�nnern und lud eine Gruppe von drei M�nnern ein, n�her zu treten.</p><p>Zeit verstrich. Mehr Menschen trafen ein. Der K�nig empfing einige von ihnen nicht lange nach ihrer Ankunft � fr�her als Dannyl und einige der anderen, die ebenfalls auf eine Audienz warteten. Sie mussten wichtiger sein, oder zumindest war die Angelegenheit wichtiger, die es zu diskutieren galt. <emphasis>Oder er ignoriert mich absichtlich, um mich auf meinen Platz zu verweisen.</emphasis></p><p>Dannyl vermutete, dass einige Stunden vergangen waren, als der K�nig in seine Richtung schaute und ihn heranwinkte.</p><p>�Gildebotschafter Dannyl�, begr��te er ihn.</p><p>Dannyl trat vor ihn hin und kniete nieder. �Euer Majest�t.�</p><p>�Erhebt Euch und tretet n�her.�</p><p>Er gehorchte. Die Luft vibrierte schwach, und Dannyl begriff, dass der K�nig oder jemand anders einen Schild um sie gewoben hatte, um zu verhindern, dass Ger�usche nach au�en drangen.</p><p>�Ihr seid zweifellos hier, um mich darum zu bitten, Euch Lorkin zur�ckzugeben�, sagte der alte Mann.</p><p>�Ja�, best�tigte Dannyl.</p><p>�Die Antwort lautet nein.�</p><p>�Darf ich ihn zumindest sehen, Euer Majest�t?�</p><p>�Nat�rlich.� Der Blick des K�nigs war kalt. �Wenn Ihr versprecht, ihm zu befehlen, mir alles zu erz�hlen, was er �ber die Verr�ter wei�.�</p><p>�Ich kann diesen Befehl nicht geben�, erwiderte Dannyl.</p><p>Amakiras Blick blieb hart. �Das habt Ihr bereits gesagt. Ich bin mir sicher, Ihr k�nntet ihn �berzeugen, dass der Befehl von jenen kam, die die Autorit�t besitzen, ihn zu erteilen.�</p><p>Dannyl �ffnete den Mund, um abzulehnen, dann hielt er inne. <emphasis>Ich k�nnte zustimmen, es zu versuchen, um Lorkin zu sehen und mich davon zu �berzeugen, dass er lebt und wohlauf ist.</emphasis> Aber was war, wenn der K�nig zu dem Schluss kam, dass Dannyl sein Versprechen gebrochen hatte? War das Verbrechen genug, um daf�r eingekerkert zu werden? <emphasis>Osen hat klargemacht, dass ich das vermeiden sollte. Und wenn sie mich gefangen nehmen, werden sie mir Osens Ring abnehmen.</emphasis></p><p>�Das kann ich auch nicht tun, Euer Majest�t�, erkl�rte Dannyl.</p><p>Der K�nig lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck. �Dann kommt wieder, wenn Ihr es k�nnt.� Er machte eine absch�tzige Geste. Dannyl verstand den Hinweis, verneigte sich, bewegte sich ein St�ck r�ckw�rts, drehte sich dann um und verlie� die Halle.</p><p><emphasis>Nun, zumindest habe ich den K�nig diesmal gesprochen,</emphasis> dachte er, w�hrend er auf die Kutsche wartete. <emphasis>Eine Zur�ckweisung durch den Herrscher ist ein geringf�gig besseres Versagen als eine Zur�ckweisung durch einen seiner Lakeien.</emphasis> Er fragte sich, was er morgen erhalten w�rde oder ob sie anfangen w�rden, ihm den Zutritt zum Palast zu verwehren.</p><p>Als die Kutsche das Gildehaus erreichte, �ffnete er die T�r selbst, bevor irgendein Sklave es tun konnte. Die Luft drau�en vor dem Haus war hei� und trocken, und es war eine Erleichterung, in das k�hlere Innere zu entkommen. Er ging auf seine R�ume zu, aber bevor er dort ankam, erschien Merria vor ihm im Flur.</p><p>�Wie ist es gelaufen?�, erkundigte sie sich.</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �Nicht besser, obwohl ich diesmal eine k�nigliche Absage erhalten habe.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Armer Lorkin. Ich hoffe, es geht ihm gut.�</p><p>�Irgendwelche Neuigkeiten von Euren Freundinnen?�</p><p>�Nein. Sie sagten, sie t�ten, was sie k�nnen, um die Ashaki dazu zu bewegen, Einw�nde gegen die Gefangennahme eines kyralischen Magiers zu erheben, aber das erfordert eine sorgf�ltig abgestimmte zeitliche Planung und l�sst sich nicht �berst�rzen.�</p><p>Er nickte. �Nun � ich wei� ihre Bem�hungen zu sch�tzen. Das tun wir alle.�</p><p>Sie hatten den Eingang zu seinen R�umen erreicht. Merria blickte zu ihm auf, dann t�tschelte sie ihm mit besorgter Miene den Arm. �Ihr tut alles, was Ihr k�nnt�, sagte sie. �Zumindest alles, was sie Euch tun lassen.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Ihr denkt also, es gibt sonst nichts, was ich tun k�nnte? Nichts, was die Gilde mir nicht untersagt? Nichts, woran wir noch nicht gedacht haben?�</p><p>Sie wandte den Blick ab. �Nein � nichts, was nicht das Risiko birgt, die Situation noch zu verschlimmern, falls es nicht funktioniert. Habt Ihr Hunger? Ich wollte Fey bitten, mir etwas zu essen zu machen.�</p><p><emphasis>Was ist das f�r eine riskante Idee?, </emphasis>ging es ihm durch den Kopf. <emphasis>Sollte ich danach fragen?</emphasis> �Ja�, antwortete er. �Aber nicht sofort. Vorher muss ich mich mit dem Administrator in Verbindung setzen.�</p><p>�Ich werde etwas arrangieren.� Sie ging zur�ck in den Flur und verschwand.</p><p>Der Vernehmer kehrte erst einige Stunden nach der Morgenmahlzeit zur�ck. Es war Essen gekommen � ein Brei aus gemahlenem Getreide. Ein schwaches, mit Wasser auf das por�se Holztablett gezeichnetes Symbol versicherte ihm, dass das Mahl ungef�hrlich war.</p><p>Lorkins Magen meldete sich unangenehm zu Wort, als der Ashaki, der ihn befragte, und dessen Assistent ihn in eine neue Richtung f�hrten. Der Mann w�hlte einen anderen Flur und blieb vor einer anderen T�r stehen, aber der Raum dahinter unterschied sich nur geringf�gig von dem vorangegangenen. Schlichte wei�e W�nde, drei abgenutzte alte Hocker.</p><p>Der Vernehmer setzte sich und bedeutete Lorkin, auf einem der anderen Hocker Platz zu nehmen, dann sah er seinen Assistenten an und nickte. Der Mann schl�pfte aus dem Raum. Lorkin wappnete sich gegen weitere Fragen.</p><p>Es kamen keine. Der Vernehmer schaute sich um, dann zuckte er die Achseln und begann Lorkin mit distanzierter Miene anzustarren. Als der Assistent zur�ckkehrte, stie� er eine Sklavin vor sich her in den Raum. Sie warf sich vor dem Ashaki zu Boden. Lorkin bem�hte sich um einen neutralen Gesichtsausdruck, um sich seinen Hass auf die Sklaverei nicht anmerken zu lassen.</p><p>�Steh auf�, befahl der Ashaki.</p><p>Sie erhob sich und drehte sich mit herabh�ngenden Schultern und gesenktem Blick zu dem Mann um.</p><p>�Sieh ihn dir an.� Der Ashaki zeigte auf Lorkin.</p><p>Die Frau wandte sich zu ihm um, den Blick starr auf den Boden gerichtet. Sie war sch�n, stellte er fest � oder w�re es gewesen, wenn sie nicht solch schreckliche Angst gehabt h�tte. Langes, gl�nzendes Haar umrahmte ein fein gezeichnetes Kinn und Wangenknochen, die f�r einen Moment Erinnerungen an Tyvara in ihm wachriefen, Erinnerungen, bei denen sein Herz sich verkrampfte und eine Welle der Sehnsucht �ber ihm zusammenschlug. Die Glieder dieser Frau waren zwar anmutig, aber sie zitterten, und ihre dunklen Augen waren gro�. Bei ihrer offenkundigen Angst wurde ihm �bel. Sie erwartete, dass etwas Schlimmes geschehen w�rde.</p><p>�Schau ihn <emphasis>an.</emphasis> Schau nicht weg.�</p><p>Ihr Blick flackerte empor, und sie sah ihm in die Augen. Lorkin zwang sich, nicht wegzusehen. Wenn er es tat, wusste er, dass der Ashaki irgendwie daf�r sorgen w�rde, dass er es bedauerte. Er konnte nicht umhin, nach irgendeinem Hinweis auf Entschlossenheit in ihren Z�gen zu suchen oder nach einer Anstrengung, ihm etwas zu �bermitteln, das vielleicht darauf schlie�en lie�, dass sie eine Verr�terin war. Alles, was er sah, waren Furcht und Resignation.</p><p><emphasis>Sie erwartet Schmerz oder Schlimmeres. Die einzigen Sklaven, die ich hier unten gesehen habe, haben etwas gebracht oder weggetragen. Warum sonst sollte sie � eine sch�ne junge Frau � ohne irgendeinen Dienstbotenauftrag hier unten sein?</emphasis></p><p>Eine so sch�ne Sklavin w�rde niemals rein k�rperliche Aufgaben zugewiesen bekommen.</p><p>Seine �belkeit verst�rkte sich. Er konnte nicht umhin, wieder an Tyvara zu denken und daran, was sie im Zuge ihrer Arbeit als Spionin gezwungen gewesen war zu tun. Auch sie war zu sch�n, um nicht diese Art von Aufmerksamkeit bei ihren Herren zu erregen.</p><p><emphasis>Schlie�lich hat sie bei unserer ersten Begegnung erwartet, dass ich sie in mein Bett holen w�rde.</emphasis></p><p>Der Ashaki stand auf. Er ergriff den Arm der Frau und zog sie enger an sich. Dann streckte er eine Hand nach der juwelenbesetzten Scheide aus, die alle Ashaki an der H�fte trugen, und zog langsam sein Messer. Lorkin hielt den Atem an, als sich das Messer zur Kehle der Sklavin bewegte. Die Frau kniff die Augen fest zusammen, wehrte sich jedoch nicht.</p><p>Worte fluteten in Lorkins Kehle, sa�en dort jedoch fest. Er wusste genau, was der Ashaki vorhatte und warum. <emphasis>Wenn ich spreche, um sie zu retten, werden viele, viele weitere sterben. Wenn sie eine Verr�terin ist, wird sie nicht wollen, dass ich ihr Volk verrate.</emphasis> Er schluckte h�rbar.</p><p>Das Messer schlitzte ihre Kehle nicht auf. Stattdessen schob der Ashaki es unter eine Schulter ihres Kleides und durchschnitt den Stoff. Er packte die andere Schulter und zog, und das Gewand der Sklavin glitt herunter, so dass sie bis auf ein Lendentuch nackt dastand. Ihr Gesichtsausdruck ver�nderte sich nicht.</p><p>Der Ashaki schob sein Messer in die Scheide, schaute �ber ihre Schulter zu Lorkin hin�ber und l�chelte.</p><p>�Wann immer Ihr reden wollt, tut Euch keinen Zwang an�, sagte er, bog die Finger durch und ballte sie zur Faust. Der Assistent kicherte.</p><p>Und dann machte der Ashaki sich ans Werk.</p></section><section><title><p>8</p><p>Verst�ndnis und Verst�ndigung</p></title><p>Lilia legte das Buch, auf das sie sich ohnehin nicht w�rde konzentrieren k�nnen, beiseite, blickte sich in Soneas G�stezimmer um und seufzte.</p><p>Obwohl Sonea die meiste Zeit abwesend gewesen war oder geschlafen hatte, f�hlten ihre R�ume sich jetzt seltsam leer an, da sie nach Sachaka aufgebrochen war. Lilia war sich pl�tzlich deutlicher des Umstands bewusst, allein zu sein, des Umstands, dass wohl niemand � zumindest kein Magier � zu Besuch kommen w�rde.</p><p><emphasis>Nun, niemand au�er Kallen, wenn ich nicht p�nktlich zum Unterricht erscheine, aber es ist nicht wahrscheinlich, dass er einen H�flichkeitsbesuch machen wird.</emphasis></p><p>Anyi w�rde des Nachts vielleicht immer noch durch die geheime �ffnung in der Wandvert�felung des Raums schl�pfen, aber jetzt, da sie, Cery und Gol unter der Gilde lebten, war es sicherer, wenn Lilia sie besuchte. Es hatte immer ein Risiko bestanden, dass jemand Anyi in Soneas R�umen entdeckte und begriff, dass er nicht gesehen hatte, wie sie durch die T�r gekommen oder gegangen war.</p><p>Die einzige andere Person, die regelm��ig herkam, war Jonna, Soneas Dienerin und Tante. Jonna erschien zweimal am Tag, um Mahlzeiten zu bringen. <emphasis>Aber sie muss auch hierherkommen, wenn ich im Unterricht bin, um sauber zu machen,</emphasis> dachte Lilia und erinnerte sich daran, dass im Allgemeinen alles gut aufger�umt war, wenn sie zur�ckkehrte.</p><p>Wie immer in den letzten Tagen hatte Lilia auch heute ihre Tasche, in der sie sonst nur Lehrb�cher und Notizen zu transportieren pflegte, mit Essen aus dem Speisesaal, Seife und sauberen Waschlappen aus den B�dern gef�llt. Sp�ter w�rde sie alles ihren Freunden bringen. Sie hatte au�erdem Neuigkeiten von Kallen mitzuteilen, aber bis Jonna mit dem Abendessen kam, w�rde Lilia nicht davonschl�pfen k�nnen.</p><p>In der Zwischenzeit versuchte sie zu lernen. Sie schaute auf das Buch in ihren H�nden hinab. Sie hatte die Lektionen, die sie vers�umt hatte, w�hrend sie im Ausguck gefangen gewesen war, niemals wirklich nachgeholt. Die Lehrer w�rden es bemerken, wenn sie noch weiter zur�ckfiel.</p><p><emphasis>Sobald Cery, Anyi und Gol sich eingelebt haben, werde ich mich wieder ganz meinen Studien zuwenden k�nnen,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Vielleicht werde ich den ganzen n�chsten Freitag lernen. Wenn mein Plan heute Nacht funktioniert, werde ich zumindest eine Sorge weniger haben.</emphasis></p><p>Ein Klopfen an der T�r unterbrach ihre Gedanken. Sie stand auf, f�r den Fall, dass es ein Magier war, und �ffnete die T�r mit Magie. Zu ihrer Erleichterung kam Jonna hereingest�rmt. Beladen mit einer lackierten Schachtel und einem gro�en Krug schaffte es die Frau, sich zu verneigen, bevor sie alles auf den Tisch stellte.</p><p>�Guten Abend, Lady Lilia.�</p><p>�Guten � Abend.� Lilia z�gerte, w�hrend sie die Schachtel �ffnete und zu ihrer Entt�uschung sah, dass sie eine einzige Schale mit dicker Suppe und ein einziges Br�tchen enthielt, au�erdem ein Sahnedessert. <emphasis>Nat�rlich. Sie wird jetzt nicht mehr bringen, als eine Person essen kann.</emphasis> Was es noch wichtiger machte, dass Lilias Plan funktionierte.</p><p>�Was ist los?�, fragte Jonna.</p><p>�Ich � ich habe gehofft, dass Anyi heute Abend zu Besuch kommen w�rde.�</p><p>Lilia war �berrascht gewesen zu entdecken, dass Jonna bereits wusste, dass Anyi Cerys Tochter war, und dass sie den geheimen Eingang zu Soneas R�umen kannte; zumindest war sie erstaunt gewesen, bis sie erfahren hatte, dass Jonna Soneas Tante war. Das erkl�rte gewiss die Art, wie Jonna Sonea herumkommandierte, wenn sie allein waren, ohne Furcht und mit wenig Respekt vor ihrem Status.</p><p>Jonna l�chelte, w�hrend sie das Essen von dem Tablett auf den Tisch r�umte. �Sie kommt in letzter Zeit oft vorbei.�</p><p>Lilia nickte. �Zumindest ist sie sicher, wenn sie hier ist.�</p><p>�Und sie bekommt eine anst�ndige Mahlzeit�, f�gte Jonna hinzu. Dann straffte sie sich. �Ich werde gehen und etwas f�r sie suchen. Etwas, das immer noch schmecken wird, wenn es kalt geworden ist, damit sie es mitnehmen kann, falls sie bereits gegessen hat.�</p><p>�K�nntest du �?� Lilia verzog das Gesicht. �K�nntest du jeden Abend etwas mitbringen? Selbst wenn sie es nicht isst, gibt es andere, denen sie gern helfen w�rde. Denen <emphasis>ich</emphasis> gern helfen w�rde. Und � kannst du etwas Lampen�l mitbringen, damit sie nicht im Dunkeln zur�ckfinden muss?�</p><p>Jonna wirkte mitf�hlend, als sie nickte. �Nat�rlich.�</p><p>�Und � ich nehme nicht an � falls das nicht zu viel verlangt ist � was macht die Gilde mit altem Bettzeug und zerbrochenen M�beln?�</p><p>Die Dienerin zog die Augenbrauen hoch. �Die meisten M�bel hier zerbrechen nicht leicht. Sie sind so stabil, dass sie Hunderte von Jahren halten. Wenn doch etwas zerbricht, reparieren wir es, und wenn es nicht l�nger gut genug f�r die Magier ist, bekommen es die Diener.� Sie zuckte die Achseln. �Das Gleiche gilt f�r altes Bettzeug. Wenn es f�r die Diener zu abgenutzt ist, macht man daraus Lumpen.� Sie sah Lilia an. �Aber es gibt mehr altes Bettzeug als M�bel. Lasst mich sehen, ob ich etwas in die H�nde bekommen kann.�</p><p>Lilia nickte. �Vielen Dank. Ich w�rde ja Dinge f�r sie kaufen, aber es ist mir nicht erlaubt, das Gel�nde zu verlassen, um einkaufen zu gehen.�</p><p>�Ich k�nnte diese Dinge f�r Euch besorgen�, erbot sich Jonna, �wenn Ihr aufschreibt, was Ihr wollt.�</p><p>�Habt Ihr denn Zeit daf�r? Ihr m�sst doch viel zu tun haben.�</p><p>�Nicht so viel, wie Ihr vielleicht denkt, vor allem jetzt, da Sonea nicht hier ist. Dinge f�r Euch zu besorgen geh�rt zu meiner Arbeit.�</p><p>�Nun � danke. Ich w�rde mich sehr dar�ber freuen.�</p><p>Jonna deutete auf die Schale. �Jetzt fangt an zu essen, bevor es kalt wird, und ich gehe etwas f�r Anyi holen.�</p><p>Als sich die T�r hinter der Dienerin schloss, stie� Lilia einen Seufzer der Erleichterung und des Triumphs aus. Ihr Plan hatte funktioniert, obwohl sie leichte Gewissensbisse plagten, weil sie angedeutet hatte, dass die erbetenen Dinge f�r Bed�rftige w�ren, obwohl sie in Wirklichkeit f�r Cery, Gol und Anyi bestimmt waren. <emphasis>Aber sie sind auch bed�rftig.</emphasis></p><p>Als sie auf die Mahlzeit hinabblickte, die Jonna ihr gebracht hatte, beschloss sie, sie zu essen und die Sachen, die sie aus der Speisehalle mitgenommen hatte, Cery und Gol zu geben. Suppe war viel zu schwer zu transportieren, und das Dessert w�rde wahrscheinlich �berlaufen. Wenn Jonna Beweise daf�r sah, dass Lilia etwas von ihren Mahlzeiten a�, w�rde sie sich keine Sorgen machen, dass Lilia nicht genug zu sich nahm � oder alles weggab.</p><p>W�hrend sie a�, dachte sie dar�ber nach, wie solch kleine, allt�gliche Dinge so wichtig werden konnten. Cery, sein Freund und seine Tochter waren in den G�ngen unter der Gilde sicherer, vor allem jetzt, da der Tunnel, der sie mit der Stra�e der Diebe verband, zerst�rt war, doch etwas so Triviales wie ihre Versorgung mit Nahrung war eine t�gliche Schwierigkeit und ein Risiko. Wenn Lilia nicht st�ndig versuchen musste, etwas zu essen f�r sie zu finden, w�re es viel einfacher, ihre Anwesenheit vor der Gilde verborgen zu halten.</p><p><emphasis>Ich will auch mehr tun, als ihnen nur Essen zu bringen,</emphasis> �berlegte sie. <emphasis>Ich will, dass sie es bequem haben. Ich kann Jonna nicht bitten, etwas Luxuri�ses zu kaufen, oder sie wird Verdacht sch�pfen. Es sei denn � ich k�nnte sagen, es sei f�r mich �</emphasis></p><p>Sie a� den letzten L�ffel Suppe, stand auf, suchte Papier, Stift und Tinte zusammen und begann eine Liste zu erstellen.</p><p>Als Sonea blinzelnd erwachte, staunte sie dar�ber, dass sie in der schaukelnden Kutsche �berhaupt geschlafen hatte. Sie schaute zu Regin hin�ber und sah, dass er wach war und sie beobachtete. Er l�chelte schwach und wandte h�flich den Blick ab.</p><p><emphasis>Wie lange habe ich geschlafen?</emphasis> Sie zog den Vorhang beiseite, der das Fenster �ber dem Wagenschlag verdeckte. Sie fuhren durch gr�nes H�gelland, das sich im Gold einer sp�tnachmitt�glichen Sonne vor ihnen ausbreitete. <emphasis>Eine ganze Weile. Armer Regin. Er ist wahrscheinlich den gr��ten Teil des Tages wach gewesen und hat sich gelangweilt.</emphasis></p><p>W�hrend der ersten Stunden ihrer Reise in der vergangenen Nacht hatte ihr Gespr�ch sich um die Arrangements gedreht, die sie getroffen hatten, um ihre Angelegenheiten f�r die Dauer ihrer Abwesenheit zu regeln, um Lilias Fortschritte und Zukunft, um die Orte, an denen sie im Laufe der Reise wahrscheinlich haltmachen w�rden, und um einige Informationen, die man ihnen �ber die sachakanische Gesellschaft gegeben hatte. Als Regin zum ersten Mal geg�hnt hatte, hatte sie darauf bestanden, dass er versuchte zu schlafen. Er hatte es schlie�lich getan, ein Reisekissen zwischen seinen Kopf und die Seitenwand der Kutsche geklemmt. Die Stra�en in Stadtn�he waren gepflegter als die weiter drau�en auf dem Land, daher wurde er nicht oft wach ger�ttelt.</p><p>Sie hatte die Nacht damit verbracht, aus dem Fenster zu starren, �ber die Aufgaben nachzudenken, die man ihr zugeteilt hatte, und sich Sorgen um Lorkin zu machen. Bei der Erinnerung an ihre letzte Reise �ber diese Stra�e � sie war Akkarin ins Exil gefolgt � sp�rte sie Echos der Gef�hle von vor zwanzig Jahren. Furcht, Zur�ckweisung, Hoffnung und Liebe, alles vom Abstand der Zeit gemildert. Sie hie� die Gef�hle willkommen, hielt sie f�r eine kurze Zeit fest und lie� sie dann los, damit sie mit der Vergangenheit verschmolzen.</p><p>Diese Reise brachte einige interessante neue Gef�hle mit sich. Abgesehen von Angst und Sorge um Lorkin und der Furcht vor der M�glichkeit, dass sie selbst und Regin versagen k�nnten, versp�rte sie eine seltsame Euphorie. Nachdem sie zwanzig Jahre lang auf das Gel�nde der Gilde beschr�nkt gewesen war, war sie pl�tzlich frei gelassen worden.</p><p><emphasis>Nun, nicht direkt frei. Ich kann nicht umherstreifen, wo immer ich will. Ich habe eine Mission zu erf�llen.</emphasis></p><p>�Woran denkt Ihr?�</p><p>Regins Frage holte sie in ihre Umgebung zur�ck. Sie zuckte die Achseln.</p><p>�Daran, dass ich jetzt au�erhalb der Stadt bin. Ich hatte angenommen, dass ich sie nie wieder verlassen w�rde.�</p><p>Er machte ein leises, angewidertes Ger�usch. �Sie sollten Euch mehr trauen.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich denke nicht, dass Vertrauen das Problem war. Sie hatten keine andere Wahl, als mir zu vertrauen. Ich denke, sie hatten Angst vor dem, was geschehen w�rde, wenn man uns erneut �berfallen w�rde und ich nicht da w�re. Oder wenn Kallen sich gegen sie wenden w�rde.�</p><p>�Denkt Ihr, dass Kallen Eure Abwesenheit ausnutzen wird?�</p><p>Sonea sch�ttelte den Kopf, dann erinnerte sie sich an die eine Eigenschaft, die sie an Kallen nicht mochte, und runzelte die Stirn.</p><p>�Was ist los?�</p><p>Sie seufzte. <emphasis>Wenn Regin mich so leicht durchschaut, wie werde ich mich halten, wenn ich auf K�nig Amakira und die Verr�terinnen treffe? Ich nehme an, ich bin noch nicht ganz wach und auf der Hut. Obwohl ich es mir nicht verzeihen w�rde, wenn es mir nicht gel�nge, Lorkin zu befreien oder ein B�ndnis zu kn�pfen, nur weil ich schl�frig war.</emphasis></p><p>Was sollte sie sagen? Regin hatte offensichtlich wahrgenommen, dass sie sich Sorgen wegen Kallen machte, und er w�rde sich alle m�glichen Gr�nde ausmalen, wenn sie ihm nicht einen einzigen nannte. Irgendetwas musste sie ihm sagen.</p><p><emphasis>Die Wahrheit. Es ist ohnehin kein gro�es Geheimnis.</emphasis></p><p>�F�ule�, erkl�rte sie. �Feuel. Das ist seine Schw�che. Wenn ich Kallen korrumpieren wollte, w�rde ich es tun, indem ich seinen Zugang zu der Droge kontrolliere.�</p><p>Regin runzelte die Stirn. �Wissen viele von seiner Schw�che?�</p><p>�Vinara wei� Bescheid. Rothen ebenfalls. Ich vermute, dass viele der H�heren Magier es ebenfalls wissen, obwohl wir nicht dar�ber gesprochen haben. Oder zumindest haben sie nicht dar�ber gesprochen, w�hrend ich zugegen war.�</p><p>�Wer immer es ihm verkauft, wei� es ebenfalls�, f�gte Regin hinzu.</p><p>�Ja.�</p><p>�Lilia hat auch Feuel benutzt, nicht wahr?�</p><p>�Als sie mit Naki zusammen war. Lilia scheint nicht s�chtig danach geworden zu sein. Tats�chlich hat sie jetzt eine Abneigung gegen Feuel und Feuel-Benutzer. Ich denke, sie gibt dem Feuel die Schuld f�r einige der t�richten Dinge, die sie und Naki getan haben.�</p><p>Regin wirkte nachdenklich. �Also hat die Gilde einen Schwarzmagier, der nach Feuel s�chtig ist, und einen, der dagegen resistent ist.�</p><p>�Und eine Schwarzmagierin, die nicht einmal in die N�he des Zeugs gehen w�rde, wenn man sie daf�r bezahlte�, f�gte Sonea schaudernd hinzu.</p><p>Er sah sie an und l�chelte. �Daf�r seid Ihr viel zu klug. Ihr lasst nicht zu, dass irgendetwas Euch in eine Ecke treibt.�</p><p>Soneas Wangen wurden warm. �Bis auf die Gilde.�</p><p>�Eine w�rdige Ausnahme.� Er wandte den Blick ab. �Ich w�nschte, ich h�tte Eure Entschlossenheit und Bereitschaft gehabt, Konventionen zu trotzen, als ich noch j�nger war.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ihr? Nicht entschlossen? Ich habe immer den Eindruck gehabt, dass Ihr Euch Eurer selbst und der Dinge, die Ihr vom Leben wolltet, absolut sicher wart.�</p><p>�Ja � aber ich musste niemals irgendwelche harten Entscheidungen treffen. Man hat mir gesagt, alles m�sse auf eine bestimmte Weise sein, weil es gew�hrleistete, dass alle sicher, m�chtig und wohlhabend waren, und ich habe das nicht hinterfragt. Aber als ich �lter wurde, begann ich dann doch, Fragen zu stellen. Ich habe erkannt, dass mein Mangel an Widerstand in der Furcht wurzelte, von meinesgleichen nicht akzeptiert zu werden. Ich sah, dass die einzigen Menschen, die wir f�r wichtig erachteten, meine Familie und mein Haus waren. Dass die H�user Ver�nderungen widerstanden, weil sie bef�rchteten, es k�nnte ihre Macht und ihren Wohlstand verringern. Und so ist es noch heute.�</p><p>�Kyralia hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr ver�ndert. Die H�user haben in der Folge weder ihre Macht noch ihren Reichtum verloren.�</p><p>Regin sch�ttelte den Kopf. �Sie werden diese Dinge verlieren. Es mag lange dauern, aber es wird geschehen. Die Warnzeichen sind da, wenn man wei�, wonach man suchen muss. Wisst Ihr, was ich herausgefunden habe?� Er sah sie an und zuckte die Achseln. �Es k�mmert mich nicht. Lasst sie fallen. Sie sind auf L�gen und Habgier aufgebaut.�</p><p>Sonea versp�rte einen Stich des Mitgef�hls. Seit seiner ziemlich �ffentlichen Trennung von seiner Ehefrau neigte Regin zu gelegentlichen m�rrischen und trotzigen Bemerkungen �ber die Gewohnheiten und Erwartungen der h�chsten Klasse. Ein Teil von ihr billigte seine Einstellung, ein anderer Teil f�hlte mit ihm, doch sie fragte sich trotzdem, wie viel von seiner Desillusionierung bleiben w�rde, sobald der pers�nliche Schmerz verebbt war.</p><p>�Ich bin mir sicher, Ihr w�rdet nicht so denken, wenn Ihr als Bettler auf der Stra�e landen w�rdet�, rief sie ihm sanft ins Ged�chtnis.</p><p>Er sah sie an, und seine Schultern sackten ein wenig herunter. �Wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht w�re ich ein besserer Mann. Vielleicht w�re ich sogar ein gl�cklicherer Mann. Indem wir Novizen aus den unteren Klassen aufgenommen haben, hat die Gilde es m�glich gemacht, dass Menschen die Barrieren zwischen den Klassen �berwinden. Ich sehe die Neuank�mmlinge damit prahlen, und ich m�chte sie warnen, dass es einen Preis daf�r gibt. Dann � dann sehe ich, dass sie diesen Preis gar nicht zahlen m�ssen, und ich bin, nun, <emphasis>eifers�chtig.</emphasis> Irgendwie werden sie den Wohlstand, die Macht und die Magie bekommen, aber sie haben keine alten �bereink�nfte oder Traditionen zu ber�cksichtigen oder sich nur mit den Menschen zu verbinden, die ihre H�user billigen, oder die Frau zu heiraten, die ihre Familie ausw�hlt.�</p><p>�Irgendwann werden sie das vielleicht tun m�ssen.�</p><p>Regin sch�ttelte den Kopf. �Nein. Nehmt doch Euch selbst.� Er hob den Blick und sah ihr in die Augen. �Ihr seid nie gezwungen worden zu heiraten.�</p><p>�Ich bin mir sicher, wenn ich beschlossen h�tte, es zu tun, h�tte man eine Menge zu meiner Entscheidung zu sagen gehabt.�</p><p>�Doch niemand h�tte es gewagt, Euch die Heirat zu verbieten.�</p><p>�Das liegt nur daran, dass ich die erste Schwarzmagierin bin. Ich bin eine Ausnahme. Ihr k�nnt von meinem Fall keine Regel ableiten.�</p><p>Regin warf ihr einen seltsamen Blick zu, �ffnete den Mund, um zu sprechen, runzelte dann die Stirn und schloss ihn wieder.</p><p>Sonea wurde neugierig. �Was wolltet Ihr sagen?�, fragte sie.</p><p>Er sah sie mit unsicherer Miene an. �Ich � ich wollte Euch fragen, warum Ihr nicht geheiratet habt. Aber ich sch�tze, es ist offensichtlich � und es w�re ziemlich unh�flich von mir, danach zu fragen.�</p><p>Sonea zuckte die Achseln. �Nicht unh�flich. Noch ist es der Grund, den Ihr vermutet. Es ist wahr, ich hatte die Idee nach Akkarins Tod lange Zeit nicht erwogen, aber das gilt nicht f�r die ganzen zwanzig Jahre. Ich h�tte vielleicht Dorrien geheiratet, wenn der Zeitpunkt ein besserer gewesen w�re, aber er hat eine andere kennengelernt, lange bevor ich bereit war.� <emphasis>Und das ist auch gut so.</emphasis> �Ich denke nicht, dass wir gut zusammengepasst h�tten. Zun�chst einmal liebt er das Landleben und h�tte auf dem Gel�nde der Gilde leben m�ssen, um mit mir zusammen zu sein, da ich nicht fortgehen konnte.�</p><p>Regin beobachtete sie jetzt mit einem beinahe schuldbewussten Interesse. <emphasis>Wahrscheinlich interessiert diese Frage eine ganze Reihe von Magiern,</emphasis> �berlegte sie.</p><p>�Als ich bereit war, schien niemand Interesse zu haben�, fuhr sie fort. �M�nner meines Alters hatten ihre Vorurteile gegen�ber Magiern aus den unteren Klassen noch nicht ganz �berwunden, und die einzigen Magier aus den unteren Klassen waren viel zu jung. Alle waren eingesch�chtert von schwarzer Magie. Einige der H�heren Magier haben mir gegen�ber angedeutet, dass sie einen Ehemann f�r eine Schw�che halten w�rden, die jemand durch Erpressung ausnutzen k�nnte. Dann war da noch Lorkin. Er war immer sehr eifers�chtig auf andere M�nner in meinem Leben.�</p><p>Regin runzelte die Stirn. �Was �?� Er hielt inne und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ja?�</p><p>Er verzog das Gesicht. �Was werdet Ihr tun, wenn K�nig Amakira Lorkin bedroht?�</p><p>Sonea, die den Themenwechsel nicht erwartet hatte, sp�rte, wie ihr Herz erstarrte. Sie hielt inne, um tief durchzuatmen, bevor sie antwortete. �Ich werde darauf hinweisen, dass es Lorkin ist, der etwas �ber die Verr�terinnen wei�, nicht ich. Es w�re weitaus vern�nftiger, mich zu foltern, um Lorkin zum Sprechen zu bringen.�</p><p>Regins Unterkiefer klappte herunter, dann schluckte er. �Ist es weise, den K�nig auf die Idee zu bringen, Euch zu foltern?�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Ich bin mir sicher, er wird selbst auf die Idee kommen, in dem Moment, in dem er erf�hrt, dass ich auf dem Weg bin, um mich mit ihm zu treffen. Wenn er bereit ist, <emphasis>mich</emphasis> zu foltern, dann m�ssen wir daraus den Schluss ziehen, dass er jedes Widerstreben, den Zorn der Gilde und der Verb�ndeten L�nder zu erregen, beiseitegeschoben hat. Dann wird es ohnehin keine Chance geben, Lorkin zur�ckzubekommen.�</p><p>Sie war geradezu verzweifelt stolz auf sich, dass sie nicht zulie�, dass ihre Stimme bei diesem letzten Satz brach, obwohl es eine knappe Sache war. <emphasis>Wenn ich das so durchhalten kann, </emphasis>werde <emphasis>ich vielleicht in der Lage sein, meine Gef�hle vor den Sachakanern und Verr�terinnen zu verbergen.</emphasis></p><p>�Ich hoffe um unser aller willen, dass es nicht dazu kommen wird�, sagte Regin mit Nachdruck.</p><p>Sie nickte zustimmend. Wenn K�nig Amakira bereit war, sie zu foltern, dann w�re auch Regin nicht sicher.</p><p>Er ver�nderte seine Sitzposition, so dass er ihr gegen�bersa�, dann streckte er die H�nde aus. �Es ist ein voller Tag vergangen seit der Versammlung, und meine Macht hat sich erholt. Ihr solltet sie jetzt nehmen, bevor wir das Bleibehaus erreichen.�</p><p>Sie sah ihn an, w�hrend Widerstreben sie erneut erstarren lie�. <emphasis>Das ist l�cherlich. Ich sollte nicht z�gern, Macht zu nehmen, die mir freiwillig angeboten wird, wenn es mir erlaubt ist und ich sie vielleicht brauchen werde.</emphasis> Sie hatte diese Verlegenheit w�hrend der Versammlung nicht versp�rt, wurde ihr bewusst. Warum war es ihr peinlich, privat von einem anderen Menschen mittels schwarzer Magie Macht zu nehmen? Warum kam ihr das zu � intim vor? Peinlich, zu intim <emphasis>und verboten. Vielleicht weil ich es nur ein einziges Mal unter vier Augen getan habe, und das mit Akkarin.</emphasis></p><p>Regin beobachtete sie, und sein Gesicht zeigte wachsende Verwirrung. Sonea holte tief Luft und ergriff seine H�nde. Sie sp�rte, wie Magie von ihm in sie hineinfloss, und begann sie zu speichern.</p><p>�Es tut mir leid. Ich kann mich nicht daran gew�hnen�, sagte sie zu ihm und sch�ttelte den Kopf.</p><p>Er nickte. �Das ist verst�ndlich. Es war Euch so lange Zeit verboten. Tats�chlich hatte ich mich gefragt, ob Ihr nach all dieser Zeit vielleicht vergessen habt, wie man es macht.� Sein Mund verzog sich kurz zu einem neckenden Grinsen.</p><p>Sonea brachte ein L�cheln zustande. �Wenn das nur m�glich w�re.�</p><p>�Alles klar�, sagte Gol.</p><p>Cery nickte. Er hatte Gol vorausgeschickt, um sich davon zu �berzeugen, dass ihre Notunterkunft unentdeckt geblieben war. Es war schwer, alte Gewohnheiten aufzugeben. Sie griffen nach ihren Lasten und trugen sie durch die Tunnel zu dem Raum, in dem sie Zuflucht gefunden hatten. Cery stellte zwei schon aus dem Leim gegangene alte St�hle ab, Anyi lie� zwei Ballen Heu von ihren Schultern auf den Boden fallen, und Gol warf ein B�ndel S�cke neben die Kiste, die er als Sitzgelegenheit benutzt hatte.</p><p>Als N�chstes nahmen sie die Fr�chte aus ihren Taschen, das Gem�se und die anderen kleineren Dinge, die sie in den Schuppen des alten Bauernhofs eingesteckt hatten. Cery schaute zu Gol auf, als der Mann eine Spule groben Garns ablegte.</p><p>�Wo hast du das gefunden?�</p><p>Gol zuckte die Achseln. �In einem der Schuppen. Da war ein ganzer Korb voll, also dachte ich, niemand w�rde es bemerken, wenn ich eine mitnehme. Und das hier �� Er st�lpte eine Seite seines Mantels um, um eine lange, gebogene Nadel zu offenbaren, die im Futter steckte. �Das werde ich brauchen, wenn ich Matratzen machen soll.�</p><p>Cery musterte seinen Freund zweifelnd. <emphasis>�Du</emphasis> wirst Matratzen machen?�</p><p>�Anyi hat gesagt, sie k�nne nicht n�hen.�</p><p>�Oh, hat sie das?� Cery l�chelte �ber die L�ge seiner Tochter. �Und du kannst es?�</p><p>�Gut genug f�r Matratzen. Ich habe fr�her meinem Vater geholfen, seine Segel zu flicken.� Gol f�delte das Ende des Garns mit offenkundiger Geschicklichkeit durch die �se der Nadel.</p><p>�Du bist ein Mann mit verborgenen Tiefen, Gol�, bemerkte Cery. Er setzte sich auf einen der St�hle und l�chelte, w�hrend er an ihre Pl�nderung des Bauernhofs zur�ckdachte. Seine Vermutung, dass Dienstboten in den Schuppen lebten, hatte sich als falsch erwiesen. Alle Schuppen hatten leer gestanden. Obwohl sie sich frei bewegen konnten, hatten er, Gol und Anyi darauf geachtet, keine Spuren ihres Aufenthalts dort zu hinterlassen, und sie hatten nichts mitgenommen, von dem nicht reichlich vorhanden war. Anyi hatte vorgeschlagen, einige der anderen St�hle zu verr�cken, als h�tte jemand sie einfach aus irgendeinem Grund bewegt und vergessen, sie an ihren urspr�nglichen Platz zur�ckzustellen, um die Tatsache zu verbergen, dass ein paar fehlten.</p><p>Anyi betastete die Fr�chte. �Sie sind noch nicht reif�, sagte sie. �Ein wenig zu fr�h in der Saison. Es war schwer, das in der Dunkelheit zu erkennen. Wie werden wir dieses Gem�se kochen?�</p><p>�Ich habe nur solche mitgenommen, die nicht gekocht zu werden brauchen�, erwiderte Gol.</p><p>Sie r�mpfte angewidert die Nase. �Wir sollen sie roh essen? <emphasis>Solchen</emphasis> Hunger habe ich nicht.�</p><p>Er zog die Augenbrauen hoch. �Einige sind besser roh zu genie�en, vor allem wenn sie frisch sind. Versuch es wenigstens.�</p><p>Anyi wirkte nicht �berzeugt. �Ich werde auf Lilia warten. Sie kann sie mit Magie kochen.�</p><p>�Sie ist vielleicht nicht immer in der Lage, uns Essen zu bringen�, rief Cery seiner Tochter ins Ged�chtnis. �Je seltener sie uns besuchen kommt, umso geringer ist das Risiko, dass die Gilde uns hier entdeckt.�</p><p>�Dann muss ich einen geheimen Eingang zur Gildek�che finden.� Anyi stand auf. �Ich werde feststellen, ob sie Hilfe dabei braucht, irgendetwas zu tragen.�</p><p>Gol sch�ttelte den Kopf, w�hrend sie sich eine Lampe griff und davonging. �Sie wei� gar nicht, was sie vers�umt�, murmelte er.</p><p>Cery sah seinen Freund an. �Ich hatte gehofft, ihr zwei w�rdet erheblich l�nger brauchen als drei Tage, bevor ihr anfangt, euch auf die Nerven zu gehen.�</p><p>�Wir werden vielleicht keine Wahl haben, was �� Gol brach ab, als er aufblickte und Cerys Miene sah. Seine Lippen verzogen sich zu einem L�cheln. �Ja. Ich werde es versuchen. Ihr gef�llt es auch nicht, unter der Erde festzusitzen.�</p><p>�Nein�, stimmte Cery ihm zu. Als er ein Ger�usch h�rte, stand er auf und ging zur T�r. Hohe Stimmen erreichten ihn, obwohl er nicht h�ren konnte, was sie sagten. �Sieht so aus, als sei Lilia bereits auf dem Weg.�</p><p>Er setzte sich wieder und wartete auf die M�dchen. Lilia hielt die gewohnte lackierte Schachtel in der Hand, in der sich diesmal mit gew�rztem Fleisch gef�llte Br�tchen und klebriger Sesamkuchen befanden.</p><p>�Also, das ist richtiges Essen�, erkl�rte Anyi, w�hrend sie sich ein Br�tchen nahm.</p><p>Lilia grinste. �Ich habe ein Arrangement mit Jonna getroffen. Sie wird mir jeden Abend etwas bringen, das Anyi selbst essen und an die Armen weitergeben kann, und sie wird mir auch Lampen�l und Decken beschaffen. Sie denkt, ich sei wohlt�tig.�</p><p>Cery war ein wenig beunruhigt. �Du hast ihr nichts von uns erz�hlt?�</p><p>�Nein.� Lilia betrachtete die St�hle, das Stroh und Gol, der S�cke n�hte. �All das kommt vom Bauernhof?�</p><p>Anyi musste ihr von ihrem Pl�nderzug erz�hlt haben. �Ja.�</p><p>�Sie werden es nicht vermissen?�</p><p>�Wir waren vorsichtig�, versicherte ihr Anyi.</p><p>Lilia setzte sich auf eine der Kisten. �Nun, geht w�hrend der n�chsten Tage nicht wieder dorthin. Ich werde feststellen, ob ich etwas �ber Eindringlinge oder Diebe h�re. Und jetzt � habe ich Neuigkeiten von Kallen.�</p><p>Cerys Herz setzte einen Schlag aus. �Ja?�</p><p>�Er sagt, dass die Menschen in der Stadt anfangen, �ber eure Abwesenheit zu tratschen. Einige Leute halten euch f�r tot. Andere denken, Skellin habe euch eingesperrt oder irgendwo in die Enge getrieben.�</p><p>�Das ist nicht weit von der Wahrheit entfernt�, murmelte Gol.</p><p>Lilia sah ihn an, dann schaute sie abermals hin, als sie bemerkte, was er tat. Sie zog die Augenbrauen hoch, enthielt sich aber eines Kommentars zu Gols F�higkeiten mit Nadel und Faden. �Skellins M�nner haben dein Gesch�ft �bernommen �� Sie wedelte mit der Hand. �Was immer es ist, das du tust.�</p><p>�Ich verleihe Geld, besch�tze Leute, betreibe Gesch�fte, stelle Leute vor, verkaufe ��, begann Cery.</p><p>�Erz�hl es mir nicht�, unterbrach ihn Lilia. �Wie Sonea sagt, es ist besser, wenn ich nichts wei�, damit man mich nicht anklagen kann, mit irgendetwas von alledem zu tun zu haben.�</p><p>�Ich dachte, ich h�tte es gut hingekriegt, all das legal klingen zu lassen.� Cery sah Anyi an, die die Augen verdrehte.</p><p>�Halten irgendwelche von Skellins Leuten Cery f�r tot?�, hakte Gol nach.</p><p>Lilia zuckte die Achseln. �So genau hat Kallen sich nicht ausgedr�ckt. Er wollte allerdings wissen, ob Cery plant, diese � Gesch�fte � wieder aufzugreifen.�</p><p>�Sag ihm, ich werde nicht in der Position dazu sein, bis er Skellin losgeworden ist. Hat er irgendwelche Fortschritte gemacht?�</p><p>Die junge Frau sch�ttelte den Kopf. �Er hat es nicht gesagt. Ich denke, er hat gehofft, dass du ihm so n�tzlich sein w�rdest, wie du Sonea n�tzlich warst.�</p><p>Cery seufzte und wandte den Blick ab. �Du solltest ihm besser klarmachen, dass ich jetzt niemandem mehr von Nutzen bin.�</p><p>Anyi gab einen wortlosen Laut des Protests von sich. �Du bist f�r uns n�tzlich.�</p><p>Cery warf ihr einen ungl�ubigen Blick zu. �W�re ich nicht, w�rdet ihr nicht hier festsitzen. Hier unten bin ich nichts als ein Problem f�r Lilia.�</p><p>Lilia runzelte die Stirn. �Du bist kein Problem. Jedenfalls kein gro�es.� Anyi legte ihr eine Hand auf die Schulter.</p><p>Er runzelte die Stirn. �Das Einzige, was ich jetzt noch bin, ist eine nagende Sorge in Skellins Hinterkopf. Die Leute m�gen behaupten, ich sei tot, aber er wird es nicht ganz glauben, weil er keine Leiche gesehen hat. Er muss in Betracht ziehen, dass ich noch am Leben bin und irgendetwas im Schilde f�hre.�</p><p><emphasis>Er wird sich vorsichtig in mein Territorium vorwagen und jeden befragen, der vielleicht wei�, wo ich bin.</emphasis> Cerys Herz krampfte sich vor Schuldgef�hlen schmerzhaft zusammen. <emphasis>Meine Leute werden mich f�r tot halten wollen, denn wenn ich lebe und nicht gegen Skellin k�mpfe, wird es so scheinen, als h�tte ich sie im Stich gelassen. Wenn sie herausfinden, dass ich mich unter der Gilde versteckt habe, werden sie denken, ich h�tte mit meinen Magierfreunden im Luxus gelebt</emphasis>.</p><p>Wenn es nur irgendeinen Nutzen h�tte, abgesehen von blo�em �berleben, hier in den Gew�lben unter der Gilde festzustecken.</p><p><emphasis>Wir sind vom Rest der Stadt abgeschieden. Magier sind nicht weit entfernt, und eine Magierin im Besonderen � Lilia � kann uns helfen. Nur wenige Leute w�rden hier herunterkommen, wenn sie das w�ssten.</emphasis> Cery runzelte die Stirn. <emphasis>W�rde Skellin es wagen?</emphasis></p><p>Vielleicht, wenn er einen guten Grund dazu h�tte.</p><p><emphasis>Wenn er hierherk�me, w�rde er sehr vorsichtig zu Werke gehen. Er w�rde Sp�her ausschicken, um sich zuerst davon zu �berzeugen, dass es auch sicher ist. Dann m�sste er einen guten Grund haben, um die Tunnel pers�nlich zu betreten, statt andere herzuschicken. Ganz gleich, wo oder wie er von der Existenz dieser Tunnel erfahren w�rde und woher er w�sste, wie er in sie hineingelangt, er w�rde immer den Verdacht hegen, dass diese Information dazu bestimmt war, ihm in die H�nde zu fallen, und Teil einer Falle w�re.</emphasis></p><p><emphasis>Jedenfalls w�rde ich so denken.</emphasis></p><p>Aber wenn es hier etwas g�be, das Skellin dringend wollte, w�rde er dieses Risiko vielleicht auf sich nehmen. Cery musste sich nur einen K�der ausdenken, der machtvoll genug war, um Skellin in eine Falle zu locken. Diesmal w�rde es etwas sein m�ssen, das eine viel gr��ere Versuchung darstellte als die B�cher �ber Magie.</p></section><section><title><p>9</p><p>Freunde und Feinde</p></title><p>Lorkin schreckte aus dem Schlaf hoch. Er schaute blinzelnd zur Decke und gr�belte �ber den unvertrauten, nackten Stein nach, dann erinnerte er sich einen Herzschlag sp�ter daran, wo er war und warum.</p><p>Und dass er nicht allein in der Zelle war.</p><p>Als er sich umdrehte, sah er die junge Frau nahe dem Gitter auf dem Boden liegen. Ihre Haut und die von ihrem Sklavenkleid �brig gebliebenen Lumpen waren voller Blutflecken. Sie starrte zu dem Vernehmer auf, der das Gitter zur Zelle ge�ffnet hatte.</p><p>W�hrend Lorkin langsam aufstand, b�ckte sich der Ashaki, um sie am Arm zu packen und auf die F��e zu zerren. Sie stie� einen heiseren Schrei aus und sackte in sich zusammen, als wollten ihre Glieder sie nicht tragen, aber der Mann lachte.</p><p>�Das w�rde nicht einmal einen Schwachsinnigen t�uschen�, erkl�rte er. Er strich mit der freien Hand �ber ihren Arm bis zu den Schultern, dann ber�hrte er ihr Haar, sah Lorkin an und grinste. �Sch�n geheilt. Wenn man bedenkt, wie viel gebrochen war, muss es Euch ersch�pft haben.�</p><p>Lorkin sah dem Mann in die Augen und zuckte die Achseln. �Kaum.�</p><p>Der Ashaki lachte leise. �Wir werden sehen.� Er blickte das Sklavenm�dchen an. �Geh, wenn du nicht gezerrt werden willst.�</p><p>Sie gab es auf, so zu tun, als sei sie verletzt. Stattdessen richtete sie sich auf, schaute voller Staunen an sich herab, bevor ihre Verwunderung dar�ber, unversehrt zu sein, sich in Luft aufl�ste, als der Ashaki sie aus der Zelle zog.</p><p>�Kommt mit mir, Kyralier�, sagte der Mann. �Wir haben noch mehr zu besprechen.�</p><p>Lorkin erwog, sich zu weigern, die Zelle zu verlassen, aber er konnte nicht sehen, wie ihm das helfen sollte. Es w�rde den Ashaki zwingen, Magie zu benutzen, um ihn hinauszuzerren, aber es w�rde nur sehr wenig Magie sein und nichts, was nicht ersetzt werden konnte, indem er St�rke von einem Sklaven nahm. Er bezweifelte, dass der Ashaki z�gern w�rde, stattdessen das M�dchen hier zu foltern. Also folgte er dem Mann wortlos aus der Zelle. Der Assistent schloss sich ihnen wie immer an.</p><p>Das Sklavenm�dchen ging mit nach vorn gezogenen Schultern. Lorkin konnte nicht verhindern, dass ihm Bilder und Ger�usche vom Tag zuvor durch den Kopf gingen. Die Folterung durch den Ashaki hatte langsam und brutal begonnen, darauf angelegt, so viel Schmerz hervorzurufen wie m�glich, ohne das M�dchen jedoch zu t�ten.</p><p>Es hatte Lorkins ganze Entschlossenheit gekostet, Stillschweigen zu bewahren. Er hatte �ber M�glichkeiten nachgedacht, um der Folterung � und sei es auch nur vor�bergehend � ein Ende zu machen, aber nichts w�rde lange genug funktionieren. Die Ideen hatten ihn jedoch nicht losgelassen. Er h�tte den Ashaki bel�gen k�nnen. Er h�tte ihm Dinge �ber die Verr�terinnen sagen k�nnen, die der Wahrheit entsprachen, aber unwichtig waren. Er h�tte sogar sein eigenes Leben im Tausch f�r das der Frau anbieten k�nnen.</p><p>Schlie�lich hatte er eine unangenehme Losgel�stheit von dem Geschehen zustande gebracht und jeden Gedanken aufgegeben, dass er etwas tun konnte, um der Frau oder sich selbst zu helfen. Sp�ter schauderte er bei der Erinnerung daran und fragte sich, ob diese Gleichg�ltigkeit der Sklavin gegen�ber vielleicht der erste Schritt dazu war, auch den Schutz der Verr�terinnen hintanzustellen.</p><p>Er versuchte, an Tyvara zu denken, um seine Entschlossenheit zu st�rken, aber das f�hrte nur dazu, dass er dar�ber nachgr�belte, was sie unter den H�nden von Ashaki erlitten haben musste, w�hrend sie sich als Sklavin ausgegeben hatte. <emphasis>Pr�gel. Als Lustsklavin missbraucht zu werden.</emphasis> Lorkins Abscheu vor der Sklaverei hatte sich zu Hass vertieft.</p><p>Am vergangenen Tag war er sich sicher gewesen, dass der Ashaki die Sklavin irgendwann t�ten w�rde. Gewiss hatte er nicht erwartet, dass der Mann sie mit ihm in die Zelle warf. W�hrend Zeit verstrich, war seine Losgel�stheit verebbt. Er hatte es immer schwerer gefunden, das gequ�lte Wimmern und St�hnen der Frau zu h�ren.</p><p><emphasis>Hofften sie lediglich, mich mit Schuldgef�hlen zu zerm�rben? Oder darauf, dass ich mich selbst schw�chen w�rde, indem ich sie heile? Oder wollten sie sehen, ob ich sie selbst t�ten w�rde, um ihren Schmerz zu beenden?</emphasis></p><p>Wenn er die zus�tzliche Macht, die Tyvara ihm gegeben hatte, benutzen w�rde, um die Sklavin zu heilen, w�rde ihn das nicht viel kosten, hatte er entschieden. Es w�rde niemals genug sein, um ihn lange zu besch�tzen, wenn der Vernehmer beschloss, ihn zu foltern oder zu t�ten. Erst im Nachhinein kam ihm der Gedanke, dass die Heilung der Sklavin bedeutete, dass der Ashaki sie ganz von neuem w�rde foltern k�nnen.</p><p>Sie hatte ihm gedankt, was nur dazu gef�hrt hatte, dass er sich noch schlechter f�hlte. Er hatte lange Zeit wach gelegen und versucht, sich einzureden, dass der Vernehmer sein Ziel erreicht hatte. Der Zweck dessen, die Sklavin zu benutzen, war es gewesen, ihn zu zwingen, seine Macht zu verbrauchen. Lorkin hatte bewiesen, dass ihre Folterung ihn nicht dazu bringen konnte zu sprechen. Sie wurde nicht l�nger ben�tigt.</p><p>Jetzt kam ihm das wie eine t�richte Illusion vor.</p><p>Der Ashaki f�hrte sie in denselben Raum. Er war ges�ubert worden. Das Sklavenm�dchen wurde in eine Ecke gesto�en, wo sie sich unterw�rfig zusammenkauerte.</p><p>Wie zuvor f�hrte man Lorkin zu einem Hocker. Der Ashaki lehnte sich an die Wand und verschr�nkte die Arme vor der Brust. Der Assistent setzte sich auf einen anderen Hocker.</p><p>�Also, habt Ihr mir irgendetwas zu sagen?�, fragte der Ashaki. �Das hei�t, irgendetwas in Bezug auf die Verr�terinnen.�</p><p>�Nichts, was Ihr nicht bereits wisst.�</p><p>�Seid Ihr Euch da sicher? Warum erz�hlt Ihr mir nicht, was ich Eurer Meinung nach �ber die Verr�terinnen wei�?�</p><p>�Um Euch auf den neuesten Stand zu bringen?� Lorkin seufzte. �Als w�rde ich auf diesen Trick hereinfallen. Wann werdet Ihr endlich akzeptieren, dass ich Euch nichts verraten werde?�</p><p>Der Mann zuckte die Achseln. �Es liegt nicht bei mir. Es liegt beim K�nig. Ich bin lediglich sein �� Er sch�rzte nachdenklich die Lippen. �Sein Forscher. Nur dass ich Informationen aus Menschen beziehe, nicht aus staubigen alten B�chern und Schriftrollen oder indem ich ferne Orte erkunde oder fremde L�nder ausspioniere.�</p><p>�Folter muss die am wenigsten verl�ssliche Forschungsmethode sein.�</p><p>�Sie erfordert ein gewisses Geschick.� Der Ashaki lie� die Arme sinken und stie� sich von der Wand ab. �Eins, das zu �ben ich nicht oft Gelegenheit habe, daher bin ich gl�cklich dar�ber, dass sich mir jetzt eine bietet. Es sei denn nat�rlich, Ihr lenkt mich mit etwas Interessanterem ab.�</p><p>Lorkin zwang sich, dem Mann in die Augen zu sehen und seine Stimme ruhig zu halten, obwohl sein Magen sich zusammenkrampfte. �Ist es Euch in den Sinn gekommen, dass die Methoden, die Ihr benutzt, um mich zum Sprechen zu bringen, meine Entschlossenheit zu schweigen vielleicht noch verst�rken?�</p><p>Das L�cheln des Ashaki war sorglos. �Ach ja? Nun denn. Unterziehen wir diese Theorie einer Pr�fung.�</p><p>Als er sich zu der Sklavin umdrehte, wimmerte sie. Lorkins Entschlossenheit wurde schw�cher. <emphasis>Aber wenn ich ihnen von den Verr�tern erz�hle, k�nnten Tausende wie diese Frau enden. Und wenn sie eine Verr�terin ist, wei� sie das und w�rde nicht wollen, dass ich sie verrate.</emphasis></p><p>Er klammerte sich an diesen Gedanken und versuchte die Vorstellung auszublenden, dass sie vielleicht nicht einmal eine Verr�terin war, w�hrend der Vernehmer sich daranmachte, alles wieder zu zerst�ren, was Lorkin in der Nacht zuvor geheilt hatte.</p><p>Wie die meisten Novizen hatte Lilia fr�h gelernt, dass innerhalb des Universit�tsgeb�udes ein Komplex innerer G�nge und R�ume lag, die man durch kurze, als Lagerr�ume getarnte Flure erreichte. Sie waren f�r Novizen jedoch nicht verboten. Vor Hunderten von Jahren war die Gilde so gro� geworden, dass die Notwendigkeit von Unterrichtsr�umen jeden Zweck �berwog, den die inneren R�ume vielleicht zuvor gehabt hatten. Jetzt fanden dort spezialisierte oder private Kurse statt.</p><p>Die G�nge unter der Gilde waren auch kein gro�es Geheimnis. Jeder wusste, dass sie w�hrend der Invasion der Ichani benutzt worden waren. Obwohl sie sowohl f�r Novizen als auch f�r Magier verboten waren, weil man sie f�r unsicher hielt, w�rde die Gefahr eines Einsturzes die Abenteuerlustigeren unter ihnen niemals aufhalten, daher waren nicht lange nach dem Krieg alle Tunneleing�nge in der Universit�t versiegelt worden.</p><p>Lilia war nicht die einzige Novizin, die den Verdacht hatte, dass die Gilde einige Eing�nge offen gelassen hatte, nur f�r den Fall der F�lle. Anyis Erkundungsz�ge hatten jedoch ergeben, dass die Gilde ganze Arbeit geleistet hatte. Alle Tunneleing�nge waren zugemauert worden. Lilia hatte gehofft, dass ihre Freundin zumindest einen Zugangspunkt in die Universit�t finden w�rde. Das w�re erheblich bequemer, als immer in den schmalen Hohlraum in der Mauer der Magierquartiere zu klettern.</p><p>Anyi hatte jedoch unbeirrt an einem neuen Zugang gearbeitet. In der Nacht zuvor hatte sie verk�ndet, dass sie durch das Mauerwerk eines alten Eingangs gebrochen war, der in die inneren G�nge der Universit�t f�hrte. Lilia hatte sich den Durchgang angesehen und die verborgene T�r in der Vert�felung, hinter der er lag, ein wenig ge�lt, damit sie sich m�helos �ffnen lie�. Jetzt konnte Lilia durch diese T�r zu Soneas R�umen zur�ckgelangen.</p><p>Jetzt war sie wieder auf dem Weg zu der versteckten T�r und hoffte, dass es noch zu fr�h war, als dass andere Novizen in den inneren G�ngen waren. Jonna hatte ihr mit dem Fr�hst�ck eine gro�e Flasche Lampen�l gebracht. Lilia war sich nur allzu bewusst, dass ihren Freunden bald die Lichtquellen ausgehen w�rden. Der neue Weg in die unterirdischen G�nge war viel schneller, da die m�hselige Kletterei zwischen den Mauern wegfiel, und wenn sie zur�ckkehrte, w�rde sie ihrem ersten Kurs an diesem Tag n�her sein.</p><p>Nachdem sie die Universit�t betreten hatte, bog sie in einen der schmalen Flure zwischen den Klassenzimmern und ging auf den kleinen Raum am Ende des Flurs zu, der in die inneren G�nge f�hrte. Irgendwo hinter sich h�rte Lilia das Echo schwacher Schritte, die ihr folgten. Wahrscheinlich ein Novize auf dem Weg zu einem privaten Unterrichtskurs. Die inneren G�nge waren f�r gew�hnlich stiller als der Hauptteil der Universit�t, aber sie w�rde gut aufpassen m�ssen, dass niemand sah, wie sie durch die geheime T�r schl�pfte.</p><p>Der seltsame kleine Raum, der den Hauptteil mit dem inneren Teil der Universit�t verband, enthielt eine Wand mit abgeschlossenen Schr�nken. Anscheinend waren diese R�ume kahl gewesen, bis der ehemalige Direktor der Universit�t gestorben war, und sein Nachfolger hatte beschlossen, dass kein Lagerraum verschwendet werden sollte. Lilia ging durch die T�r gegen�ber und betrat die inneren G�nge.</p><p>Sie hatte zehn oder zw�lf Schritte gemacht, als sie h�rte, wie die T�r zu der anderen Seite des kleinen Raums ge�ffnet und wieder geschlossen wurde, ged�mpft von der T�r hinter ihr. Wer immer ihr folgte, kam n�her. Sie beschleunigte ihre Schritte in der Hoffnung, dass sie um eine Ecke biegen konnte, bevor diese andere Person auftauchen und sie sehen w�rde, aber die Entfernung war zu gro�. Sie h�rte, wie die T�r hinter ihr ge�ffnet wurde, dann ein Lachen.</p><p>�Hey, Lilia�, rief jemand. �Wohin gehst du?�</p><p>Ihr wurde flau im Magen. <emphasis>Bokkin.</emphasis> Sie blieb stehen und drehte sich um, um ihn zu mustern. <emphasis>Wie dumm kann dieser Junge noch werden? Er wei� nicht, wie stark oder wie schwach ich bin. Er hat nicht einmal Freunde bei sich, mit denen er sich gegen mich verb�nden k�nnte. Wenn er hofft, dass ich etwas im Schilde f�hre, f�r das er mich melden k�nnte, h�tte er nicht nach mir rufen sollen, sondern mich stattdessen heimlich beobachten.</emphasis></p><p>Trotzdem hatte er ihre Pl�ne durchkreuzt. Vielleicht war das alles, was er wollte.</p><p>�Bist du gekommen, um mir deine Kr�fte anzubieten, Bokkin?�, fragte sie.</p><p>Er schlenderte auf sie zu. �Du h�ltst dich wohl f�r etwas ganz Besonderes? Du denkst, du seist besser als alle anderen, weil du schwarze Magie beherrschst? Es ist genau andersherum. Du bist der niedrigste Abschaum der Gilde, und alle hassen dich. Das ist der Grund, warum du keine Freunde hast. Alle wissen, dass Nakis Tod deine Schuld war.�</p><p>Sie sp�rte, wie etwas in ihr zusammenschrumpfte, aber das f�hrte nicht dazu, dass sie vor ihm zur�ckwich, sondern schuf eine Leere, die sich schnell mit Zorn f�llte.</p><p><emphasis>Sei vorsichtig,</emphasis> ermahnte sie sich. <emphasis>Zeige Zorn, und er wird wissen, dass er dich getroffen hat, und eine versehentliche Verletzung eines anderen Novizen wird die Gr�nde nur mehren, warum die Leute dich nicht m�gen.</emphasis></p><p>Sie l�chelte. �Bist du froh, dass du dir das von der Seele geredet hast, Bokkin?�</p><p>Er kam n�her und versuchte, sie mit seiner K�rperf�lle und seiner Gr��e einzusch�chtern. �Ja. Aber ich bin noch nicht fertig mit dir. Ich will, dass du dich entschuldigst � nein, ich will, dass du mich anflehst ��</p><p>Die T�r hinter ihnen wurde ge�ffnet, und er trat schnell zur�ck.</p><p>�Lady Lilia.�</p><p>Verwirrung und Erleichterung stiegen in Lilia auf, als sie Jonnas Stimme erkannte. Sie sp�hte an Bokkin vorbei und schaute der n�her kommenden Dienerin entgegen. Die Frau machte eine schnelle Verbeugung vor ihnen beiden.</p><p>�Es ist eine Nachricht f�r Euch gekommen�, sagte Jonna. Sie schob sich an Bokkin vorbei. �Entschuldigung, Mylord.�</p><p>Jonna legte Lilia eine Hand auf den Arm und f�hrte sie durch den Gang, weg von Bokkin. Der Novize blieb still, und Lilia w�rdigte ihn keines Blickes. Sie und Jonna bogen um eine Ecke. Als sie weit genug gegangen waren, schaute Jonna zur�ck.</p><p>�Er folgt uns nicht. Hat er Euch bel�stigt?�</p><p>Lilia zuckte die Achseln. �Er ist ein Unruhestifter, aber ein ziemlich begriffsstutziger.�</p><p>�Nehmt das nicht auf die leichte Schulter. Er k�nnte mit anderen zur�ckkommen. Sonea hatte Feinde unter den Novizen, als sie hier gelernt hat, und sie haben ihr das Leben zur H�lle gemacht.�</p><p>�Wirklich? Wer war der Anf�hrer?� <emphasis>Wie dem�tigend, sein Leben in dem Wissen zu leben, der Novize zu sein, der dumm genug war, die ber�hmte Schwarzmagierin Sonea gepiesackt zu haben.</emphasis></p><p>Jonna wirkte erheitert. �Lord Regin.�</p><p>Lilia starrte sie erstaunt an. <emphasis>�Wirklich?</emphasis> Er ist nicht dumm.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich sch�tze, die Tyrannen unter den Novizen waren damals kl�ger.�</p><p>Jonna t�tschelte energisch ihren Arm. �Ich will wissen, wohin Ihr mit einer Flasche Lampen�l in Eurer Tasche unterwegs seid.�</p><p>Lilia schaute auf ihre Tasche hinab und sah dann wieder Jonna an. �Welche Flasche? Ich habe sie im Zimmer gelassen.�</p><p>�Das habt Ihr ganz gewiss nicht getan, und die Art, wie die Tasche sich ausbeult und hin und her schwingt, beweist, dass Ihr sie dort drin habt.� Jonna runzelte auf eine m�tterliche, missbilligende Art die Stirn. �Ich habe Sonea versprochen, ein Auge auf Euch zu haben. Ich habe geholfen, Soneas Sohn gro�zuziehen, Lorkin, daher wei� ich, wie man es bemerkt, wenn ein Novize etwas im Schilde f�hrt.�</p><p>Lilia sah die Dienerin entsetzt an. Es war nicht so, dass sie Jonna nicht erz�hlen wollte, dass Cery, Gol und Anyi unter der Gilde lebten, aber sie hatte versprochen, es nicht zu tun. <emphasis>Aber wenn ich es nicht tue, wird Jonna mir nicht die Dinge beschaffen, die sie brauchen.</emphasis></p><p>Jonna hatte in den H�ttenvierteln gelebt, bevor sie Soneas Dienerin geworden war. Sie w�rde gewiss Verst�ndnis f�r Cerys Situation haben. Und selbst wenn sie keines hatte, w�rde sie vielleicht aus Sympathie f�r Anyi helfen.</p><p><emphasis>Oder bin ich zu vertrauensvoll?</emphasis></p><p>�Sagt es mir, Lilia�, dr�ngte Jonna. �Es wird mir vielleicht nicht gefallen, aber ich verspreche, ich werde es nicht der Gilde melden.� Sie runzelte die Stirn. �Nun, es sei denn, Ihr unterrichtet jemanden in schwarzer Magie. Obwohl ich annehme, dass ich Sonea und Akkarin nicht gemeldet h�tte, wenn ich gewusst h�tte, was wirklich vorging.�</p><p>�Ich unterrichte niemanden in schwarzer Magie�, erwiderte Lilia. Sie holte tief Luft und senkte die Stimme zu einem Fl�stern. �Anyi lebt unter der Gilde.�</p><p>Jonna sah sie nachdenklich an. �Ich verstehe. Ich habe schon vermutet, dass sie Euch auf diesem Weg besucht. Ist es auch sicher?�</p><p>�Wir haben es sicherer gemacht�, entgegnete Lilia.</p><p>�Also � warum ist sie dort?�</p><p>Lilia sch�ttelte den Kopf. �Es war nicht mehr sicher in der Stadt. Skellins Leute h�tten Cery beinahe get�tet ��</p><p>�Ihr meint, Cery ist ebenfalls dort unten?� Jonnas Augen wurden schmal.</p><p>Lilia seufzte und nickte.</p><p>�Wie viele Leute sind da unten?�</p><p>�Nur sie.�</p><p>Die Dienerin wirkte erleichtert. <emphasis>Ich nehme an, sie hat sich vorgestellt, was die Gilde davon halten w�rde, wenn ein Dieb dort unten seine Gesch�fte f�hren w�rde, </emphasis>dachte Lilia, <emphasis>w�hrend st�ndig alle m�glichen Verbrecher kommen und gehen.</emphasis></p><p>Jonna deutete auf den Flur. �Also, warum kommt Ihr hierher?�</p><p>�Wir haben einen der alten Eing�nge ge�ffnet.�</p><p>Jonna runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. �Das ist zu gef�hrlich�, befand sie. �Und ich meine nicht, dass es unten zu gef�hrlich ist, ich meine, dass es hier oben zu gef�hrlich ist. Irgendjemand wird Euch sehen. Ihr d�rft nur den Gang in Soneas R�umen benutzen.�</p><p>Lilia l�chelte, erleichtert dar�ber, dass sie recht damit gehabt hatte, Jonna zu vertrauen. �Ist dir nicht aufgefallen, wie abgewetzt und schmutzig meine Roben in letzter Zeit waren?�</p><p>�Ihr Zustand ist mir nicht entgangen.� Jonna reckte das Kinn vor und warf Lilia einen hochm�tigen Blick zu. �Was das betrifft, werden wir etwas unternehmen m�ssen. Zum Beispiel k�nnten wir Euch andere Kleider besorgen. In der Zwischenzeit�, sie b�ckte sich und �ffnete Lilias Tasche, �nehme ich die Flasche mit, und Ihr geht direkt zum Unterricht. Heute Abend werden wir �ber effektivere Strategien reden, wie wir unseren G�sten helfen k�nnen.�</p><p>Sie hievte die Flasche Lampen�l hoch, bedachte Lilia mit einem strengen Blick, drehte sich um und schritt den Flur entlang zur�ck. Ein schwacher Hauch von ihrem Parf�m blieb in der Luft h�ngen, etwas, das Lilia zuvor nicht aufgefallen war.</p><p>Lilia schloss ihre Tasche und sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Mir blieb nichts anderes �brig, als es ihr zu erz�hlen,</emphasis> �berlegte sie. <emphasis>Und sie wird es niemandem verraten. Tats�chlich k�nnte es n�tzlich sein, dass sie jetzt alles wei�.</emphasis> Dann seufzte sie. <emphasis>In der Zwischenzeit hoffe ich, dass Cery, Gol und Anyi nicht im Dunkeln sitzen werden.</emphasis></p><p>Dannyl tauchte seine Feder in das Tintenfass, dann schrieb er weiter, aber die Spitze begann schon bald, wirkungslos �ber das Papier zu kratzen. Er tauchte die Feder erneut ein, dann seufzte er, als er sah, dass sein Tintenvorrat fast ersch�pft war. <emphasis>Sie ist mir wieder ausgegangen,</emphasis> dachte er. Er straffte sich und st�hnte, als sein R�cken protestierte. <emphasis>Wie lange arbeite ich schon daran?</emphasis></p><p>Einen Tag nach Lorkins Einkerkerung hatte Dannyl all seine Forschungsnotizen zusammengefasst und begonnen, alles in ein gro�es Notizbuch zu �bertragen. Seine Diskussion mit Tayend �ber die m�glichen Absichten der Verr�ter hatte dazu gef�hrt, dass er bef�rchtete, beim Eintritt der dramatischeren Szenarien, die sie f�r m�glich hielten, vielleicht nicht mehr dazu zu kommen, alles in einer Form niederzuschreiben, die f�r andere verst�ndlich war. Er hatte jede Menge Zeit totzuschlagen, und er kam mit seinen Forschungen ohnehin nicht weiter, also schrieb er seine Ergebnisse ins Reine und notierte dazu, an welcher Stelle sie jeweils in seine Geschichte der Magie eingef�gt werden sollten.</p><p>Die Arbeit hatte sich als eine beruhigende, willkommene Ablenkung erwiesen. Sie versicherte ihm, dass er einige wichtige Entdeckungen �ber die Geschichte der Magie gemacht und seine Zeit in Sachaka nicht verschwendet hatte. Sobald er nach Kyralia zur�ckkehrte, w�rde er erhebliche Erg�nzungen an seiner Geschichte der Magie vornehmen. <emphasis>Falls ich lange genug lebe, um das Buch zu beenden.</emphasis> Er sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Nein, sei nicht dumm. Tayend hat dir zugestimmt, dass die schlimmsten Entwicklungen, die wir uns ausgemalt haben, zugleich die am wenigsten wahrscheinlichen sind.</emphasis></p><p>Trotzdem hatte er beschlossen, eine zus�tzliche Kopie anzufertigen, die an einem sicheren Ort irgendwo au�erhalb des Gildehauses aufbewahrt werden sollte, so dass seine Arbeit, sollte dieses Geb�ude angegriffen werden, nicht verloren sein w�rde. Idealerweise sollte sie an die Gilde gehen, aber er konnte sich nicht sicher sein, dass sie dort ankommen w�rde. Zweifellos hatte K�nig Amakira Leute beauftragt, alles abzufangen und zu untersuchen, was das Gildehaus verlie� oder dort ankam.</p><p>F�r den Fall, dass seine Arbeit von Sachakanern gelesen wurde, hatte Dannyl bewusst jede Erw�hnung von Edelsteinen mit magischen Eigenschaften unterlassen, abgesehen von dem ber�hmten Lagerstein, der die �dl�nder geschaffen hatte. Er hatte sich eine Methode ausdenken m�ssen, Hinweise auf sie zu verbergen, wenn er seine Notizen �ber die Legenden der Duna-St�mme niederschrieb, so dass er das Vertrauen der Duna nicht missbrauchte, sollte jemand auf die Kopie sto�en. Die Steine waren jetzt Menschen � m�chtige Magier, die er bei ihrem Titel nannte. Dannyl w�rde alle Erw�hnungen dieser imagin�ren Figuren in Edelsteine zur�ckverwandeln m�ssen, wenn er dazu kam, sein Buch zu schreiben.</p><p>Nachdem er die erste kodierte Reinschrift seiner Notizen fertiggestellt hatte, hatte er sein urspr�ngliches Notizbuch zerst�rt. <emphasis>Falls ich sterbe und jemand die neue Version findet, werde ich f�r einige sehr gro�e L�gen in unserer Geschichtsschreibung verantwortlich sein.</emphasis> Nach all der Anstrengung, die er f�r die Ermittlung der Wahrheit �ber Teile von Kyralias verborgener Vergangenheit unternommen hatte, w�rde das eine traurige Ironie sein.</p><p>Jetzt stand er kurz davor, die Kopie fertigzustellen � nun, er <emphasis>hatte</emphasis> kurz davorgestanden, bis ihm die Tinte ausgegangen war. Eine Bewegung an der T�r erregte seine Aufmerksamkeit, und als er aufblickte, sah er, wie Kai sich auf den Boden warf.</p><p>�Ashaki Achati ist eingetroffen, Herr.�</p><p>Dannyl fluchte im Stillen �ber die widerspr�chlichen Gef�hle, die diese Neuigkeit in ihm ausl�ste � Vorfreude und Grauen. Er erhob sich. <emphasis>Ist Achati w�tend auf mich, weil ich mein Versprechen gebrochen habe, ihm von allem zu erz�hlen, was Sachaka bedrohen k�nnte? Werde </emphasis>ich<emphasis> in der Lage sein, </emphasis>ihm<emphasis> zu verzeihen, dass er Lorkins Einkerkerung durch Amakira gebilligt hat? Ist jede Chance darauf, dass wir ein Liebespaar werden, dahin?</emphasis></p><p>Der Sklave huschte aus dem Raum, als Dannyl den ersten Schritt auf die T�r zu machte. Mit einem tiefen Atemzug ging er durch den Flur und stellte fest, dass Achati bereits im Herrenzimmer wartete; er wirkte sehr w�rdevoll in einer schwarzen Version der typischen Ashaki-Hosen und der dazugeh�rigen kurzen Jacke.</p><p>�Botschafter Dannyl�, sagte er.</p><p>�Ashaki Achati�, erwiderte Dannyl. Er beschloss, nicht Platz zu nehmen oder Achati dazu aufzufordern. Er vermutete, dass er sich unpassend freundlich zeigen w�rde, wenn er nicht stehen blieb.</p><p>Achati z�gerte, schaute weg und hob dann den Blick, um wieder in Dannyls Augen zu sehen.</p><p>�Ihr habt meine Einladung zum Abendessen ausgeschlagen�, bemerkte er.</p><p>Dannyl nickte. �Es w�re nicht passend gewesen, sie anzunehmen.�</p><p>�In Euren Augen oder in den Augen der Gilde und der Verb�ndeten L�nder?�</p><p>�Beides.�</p><p>Achati wandte erneut den Blick ab, runzelte die Stirn und verlagerte sein Gewicht langsam von einem Bein auf das andere. Er sah aus, als denke er gr�ndlich �ber seine Worte nach.</p><p>�Ich habe den K�nig davon �berzeugt, dass ich unsere Freundschaft weiterhin pflegen sollte ��, begann er.</p><p>�Damit Ihr weiter versuchen k�nnt, mich dazu zu �berreden, Lorkin zu befehlen zu sprechen?�, beendete Dannyl seinen Satz.</p><p>�Nein.� Achati zuckte zusammen. �Nun, ja, soweit es ihn betrifft, ist das der Grund, aber ich habe nicht die Absicht, das zu tun.�</p><p>�Was beabsichtigt Ihr denn dann?�</p><p>Der Mund des Mannes zuckte, und um seine Augen bildeten sich F�ltchen der Erheiterung. Was dazu f�hrte, dass Dannyl ihr fr�heres Gepl�nkel vermisste.</p><p>�Zu versuchen zu retten, was von unserer Freundschaft �brig ist�, antwortete er. �Selbst wenn es bedeutet, so zu tun, als sei nichts von all diesen bedauerlichen Dingen geschehen.�</p><p>�Aber sie <emphasis>sind</emphasis> geschehen�, wandte Dannyl ein. �Ihr w�rt genauso au�erstande, Euch zu verstellen, wenn � wenn Euer Cousin oder �� Die Erinnerung an den Sklaven, an dem Achati so viel gelegen hatte, kam ihm in den Sinn. �Varn � vielleicht nicht Varn, da er ein Sklave ist.�</p><p>�Es w�rde mich beunruhigen, wenn Varn ungerecht behandelt w�rde�, gestand Achati.</p><p>�Ihr gebt also zu, dass Lorkins Einkerkerung ungerecht ist?�</p><p>Achati l�chelte. �Nein. Wie w�rdet Ihr Euch f�hlen, wenn � wenn der elynische Botschafter in Kyralia einen wilden Magier besch�tzte?�</p><p>�Damit es ein fairer Vergleich w�re, d�rften wir in diesem Fall nicht wissen, ob der Mann ein wilder Magier ist oder nicht. Ihr wisst nicht, ob Lorkin n�tzliche Informationen besitzt, und wir weigern uns auch nicht, solche Informationen an Euch weiterzugeben, sondern bestehen lediglich darauf, Gelegenheit zu bekommen, unseren eigenen Mann zuerst selbst zu befragen. Und wenn es einen wilden Magier g�be, nun, die Verb�ndeten L�nder verf�gen, dass alle wilden Magier Sache der Gilde sind.�</p><p>Achati seufzte. �Ja, Letzteres ist der entscheidende Unterschied. Kyralia und Elyne sind Verb�ndete. Ihr vertraut ihnen. Kyralia und Sachaka sind keine Verb�ndeten. Ihr erbittet mehr Vertrauen, als wir geben k�nnen.�</p><p>Dannyl nickte. �Ihr werdet lernen m�ssen, uns zu vertrauen, wenn wir in Zukunft Verb�ndete werden sollen.�</p><p>�M�sst Ihr dann nicht Eurerseits auch uns vertrauen?�</p><p>�Ihr habt die gr��ere �berzeugungsarbeit zu leisten�, stellte Dannyl fest. �Wir haben j�ngere aggressive Akte zu verzeihen, bevor wir Sachakanern vertrauen k�nnen.�</p><p>Achati seufzte erneut. Er sah Dannyl an und sagte nichts, bevor er schlie�lich die Pause in ihrem Gespr�ch mit einem Kopfsch�tteln beendete.</p><p>�Ich hatte gehofft, dass wir als Freunde reden k�nnten, aber stattdessen sprechen wir, als seien wir unsere Nationen. Ich sollte besser gehen.� Er machte jedoch keine Anstalten dazu. �Ich kann Euch zumindest versichern, dass es Lorkin gut geht. Der K�nig wird es nicht wagen, ihm etwas anzutun. Aber h�rt nicht auf zu versuchen, ihn zu sehen. Und nun m�chte ich mich verabschieden.�</p><p>�Gute Nacht.� Dannyl beobachtete, wie der Ashaki in den Eingangsflur trat und verschwand. Er wartete, bis er h�rte, wie die Haust�r ge�ffnet und geschlossen wurde, dann ging er zu den St�hlen, setzte sich und stie� einen langen Seufzer aus.</p><p>�Ich wei�, es wird dir nicht gefallen, wenn ich das sage, aber ich kaufe ihm nichts von alledem ab.�</p><p>Dannyl, der beim Klang dieser Stimme aufblickte, runzelte die Stirn, als Tayend den Raum betrat.</p><p>�Wie lange hast du spioniert?�</p><p>�Lange genug.� Tayend ging zu einem Stuhl und nahm Platz. �Du glaubst ihm doch nicht, oder?�</p><p>Dannyl dachte nach. �Welchen Teil?�</p><p>�Den, dass er dein Freund sein will nur um der Freundschaft willen.�</p><p>�Ich wei� nicht.�</p><p>�Gewiss vertraust du ihm nicht?�</p><p>Dannyl breitete die H�nde aus. �Vertrauen war niemals inbegriffen.�</p><p>Der Elyner zog die Augenbrauen hoch. �Nun denn. Vielleicht sollte ich fragen, ob du ihn immer noch <emphasis>magst</emphasis>?�</p><p>Dannyl wandte den Blick ab und zuckte die Achseln. �Ich habe mir noch keine Meinung gebildet. Wie immer ich mich entscheide, es wird mich nicht daran hindern, Befehle zu befolgen oder Lorkin zu helfen.�</p><p>Tayend nickte. �Das wei� ich. Ich gebe zu, ich habe mir um dich Sorgen gemacht, aber du bist unter der Oberfl�che immer noch der Alte.�</p><p>Dannyl richtete sich auf, um zu protestieren. �Und was soll sich oberfl�chlich ge�ndert haben?�</p><p>Der Elyner stand auf und deutete mit einer Hand in Dannyls Richtung. �All � <emphasis>das</emphasis>.�</p><p>�Mir schwinden die Sinne angesichts der Klarheit deiner Ausdrucksweise�, entgegnete Dannyl.</p><p>Tayend �ffnete den Mund, um etwas hinzuzuf�gen, dann schloss er ihn wieder und sch�ttelte den Kopf. �Vergiss es. Ich gehe zur�ck in mein Zimmer. Ich muss ein Handelsabkommen aushandeln. Kopierst du immer noch deine Notizen?�</p><p>�Ja. Nein. Mir ist wieder die Tinte ausgegangen. Die Sklaven haben die Flasche heute Morgen anscheinend nicht wieder aufgef�llt.�</p><p>�Tats�chlich haben sie gestern Abend den letzten Rest der Vorr�te in mein Fass gesch�ttet. Ich habe heute Morgen einen Sklaven ausgeschickt, um neue Tinte zu kaufen, aber er ist mit leeren H�nden zur�ckgekommen.� Tayends Miene wurde ernst. �Es ist schwer, ihn zu verstehen. Wie es scheint, hat ihm jemand die Tinte weggenommen, aber er behauptet, er wisse nicht, wer, und er redet auf die Weise, wie Leute es tun, wenn sie l�gen und wollen, dass du es wei�t.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. �Jemand hat ihm die Tinte <emphasis>weggenommen</emphasis>? Ein Dieb?�</p><p>�Oder jemand, der f�r den K�nig arbeitet. Vielleicht wollen sie nicht, dass wir Dokumente niederschreiben.�</p><p>Ein Fr�steln �berlief Dannyl. �Oder Kopien von Forschungsnotizen machen.�</p><p>�Gewiss nicht. Woher sollten sie wissen, dass du das tust?�</p><p>�Die Sklaven�, erwiderte Dannyl.</p><p>Tayend kniff die Augen zusammen. �Die nicht wissen werden, dass du nur Notizen �ber deine Forschungsarbeiten niederschreibst, nicht �ber Lorkins Entdeckungen.�</p><p>Dannyl seufzte. �Ich werde nicht in der Lage sein, diese zweite Kopie sicher an die Gilde zu schicken, nicht wahr?�</p><p>�Ich k�nnte mich mit der Vermutung irren, dass die M�nner des K�nigs die Tinte genommen haben�, sagte Tayend. Er sah Dannyl nachdenklich an. �Oder auch nicht. Vielleicht solltest du diese Notizen besser mit Magie versiegeln, f�r den Fall, dass die Sklaven Befehl haben, sie dir zu stehlen.� Er machte einen Schritt auf den Flur zu, dann blieb er stehen und drehte sich noch einmal um. �Ich werde dir mein Tintenfass bringen. Vielleicht k�nnen Merria oder ich weitere Tinte von unseren sachakanischen Freunden bekommen.�</p></section><section><title><p>10</p><p>Wenn keine Wahl gut ist �</p></title><p>Lorkin lag auf dem harten, kalten Boden der Zelle und versuchte, nicht zu h�ren, wie die Sklavin um Luft rang.</p><p><emphasis>Ich kenne nicht einmal ihren Namen,</emphasis> dachte er. Gewiss sollte er zumindest den Namen der Frau kennen, die um seinetwillen so viel Schmerzen litt. <emphasis>Wegen der Verr�ter ebenso sehr wie um meinetwillen,</emphasis> rief er sich ins Ged�chtnis. Aber er konnte sich nicht dazu �berwinden, sie zu fragen. Nicht wenn er es bewusst vermied, sie zu heilen.</p><p>Wenn er es tat, w�rde der Ashaki, der die Befragungen durchf�hrte, sie wieder von neuem verletzen.</p><p>Wenn er es nicht tat, k�nnte sie sterben. Dann w�rde der Mann einen anderen Sklaven finden, den er verletzen konnte. Zuerst hatte Lorkin �berlegt, dass es besser war, wenn weniger Menschen verletzt und get�tet wurden, aber sie hatte ihn angezischt, dass er wegbleiben solle, als er sich ihr gen�hert hatte, und dann noch einmal, als er versucht hatte zu erkl�ren, dass er zumindest die Schmerzen lindern k�nne. Obwohl sie ihn nicht daran h�tte hindern k�nnen, sie zu heilen � wenn sie ihrer schlimmen Lage entfliehen wollte, indem sie starb, hatte er das Gef�hl, dass er ihre W�nsche respektieren sollte. Oder vielleicht w�rde der Schmerz irgendwann auch so stark werden, dass sie ihn doch bat, ihr zu helfen.</p><p>Es war ein sehr langer Tag gewesen. Ein schrecklicher Augenblick folgte einem weiteren und dann noch einem. Die Zeit dehnte sich zu weit aus, um ihr Verstreichen einzusch�tzen. Bisweilen hatte er das Gef�hl, in einem Albtraum gefangen zu sein, der niemals enden w�rde. Der Befrager schien seiner Arbeit nicht m�de zu werden, noch gingen ihm Methoden aus, einem Menschen so viel Schmerz wie m�glich zuzuf�gen und dabei nur minimalen Schaden anzurichten. Lorkin hatte Dinge gesehen, die er niemals vergessen w�rde. Er hatte Ger�usche geh�rt, die ihn f�r den Rest seines Lebens verfolgen w�rden. Er hatte Ger�che wahrgenommen, die kein zivilisierter Mensch jemals riechen sollte.</p><p>Er wusste, dass Schlaf unm�glich war, aber er versuchte es trotzdem. Als er den Versuch aufgab, tat er so, als schlafe er.</p><p>Ein verzerrtes Zischen kam von der Sklavin, und er war unverz�glich hellwach, und sein Herz h�mmerte. Er sagte sich, dass sie nur den Schmerz zum Ausdruck brachte und nicht seine Aufmerksamkeit erregen wollte, aber das gleiche Muster von Ger�uschen kam erneut. Langsam und widerstrebend drehte er sich um, um sie anzusehen.</p><p>Sie lag auf der Seite, zusammengerollt und ihren gebrochenen Arm an sich gedr�ckt. Ihre Augen waren weit offen, und sie starrte ihn an. Als ihre Blicke sich trafen, bewegte sie die Lippen, und obwohl kein Laut herauskam, waren die Worte klar, als h�tte sie in seinem Geist gesprochen. Ihm wurde am ganzen K�rper kalt.</p><p><emphasis>T�te mich.</emphasis></p><p>Er starrte sie ungl�ubig an. <emphasis>Nein, nicht ungl�ubig. Tod ist die einzige Flucht, die sie bekommen wird. Ich kann den Schmerz ausl�schen, wenn sie es mir erlaubt, aber das ist nur der k�rperliche Teil der Folter. Das Grauen kann ich nicht beenden, ebenso wenig die Dem�tigung und die Angst.</emphasis></p><p>Aber �</p><p>Seine Eingeweide krampften sich zusammen. <emphasis>Ich kann sie nicht t�ten.</emphasis> Seine Schuldgef�hle vertieften sich, und er wandte sich ab. <emphasis>Es ist alles meine Schuld.</emphasis> Er sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Nein. Das ist es nicht. Aber ich kann nicht so tun, als sei ich nicht teilweise verantwortlich f�r das, was mit ihr geschieht. Wenn es irgendetwas gibt, was ich tun kann �</emphasis></p><p>Irgendetwas? <emphasis>Aber ich habe noch nie jemanden get�tet. Es ist nicht so, als w�rde ich es nicht tun, wenn ich mich selbst oder jemand anderen verteidigen m�sste, aber eine Person zu t�ten, die nicht versucht, irgendjemandem zu schaden, ist </emphasis>unrecht.</p><p>Ihre Lippen formten die flehentliche Bitte abermals.</p><p>Er erinnerte sich an Worte seiner Mutter, die sie vor langer Zeit gesprochen hatte: <emphasis>�Als Heiler k�nnen wir den Tod auf vielerlei Weise verhindern, aber manchmal sind die Grenzen dessen, was wir tun k�nnen, erreicht. Wenn ein Mensch nicht mehr zu retten ist und sterben will, dann kommt es einer Grausamkeit gleich, ihn am Leben zu erhalten.�</emphasis></p><p>W�hrend er dem bebenden Atem der Sklavin lauschte, wusste er, dass es grausam war, sie ohne Hoffnung auf Flucht leiden zu lassen.</p><p><emphasis>Wie w�rde ich es �berhaupt tun?</emphasis> Der Ashaki, der ihn bewachte, sa� drau�en vor der Zelle und beobachtete sie. Was immer Lorkin tat, es w�rde sanft und subtil genug sein m�ssen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.</p><p>I<emphasis>ch kann nicht glauben, dass ich tats�chlich dar�ber nachdenke.</emphasis></p><p>Irgendwann w�rde man den Tod der Sklavin bemerken. Was w�rden sie tun, sobald sie wussten, dass Lorkin sie get�tet hatte? Er versp�rte eine verr�terische Erleichterung, als ihm die Antwort kam. <emphasis>Sie ist der Besitz des K�nigs � oder der Besitz von jemand anderem. Ich wei� nicht, wie schwerwiegend das Verbrechen ist, fremdes Eigentum zu zerst�ren, aber es w�re definitiv etwas, das sie mir vorhalten k�nnten.</emphasis></p><p>Vielleicht hofften sie, dass er sie t�ten w�rde. Vielleicht w�rde es ihnen den Vorwand liefern, den sie brauchten, um seine Gedanken zu lesen oder Schlimmeres zu tun. Sobald er offiziell ein Verbrecher war, konnten sie ihm alles antun.</p><p>Je mehr er dar�ber nachdachte, desto gr��er wurde seine �berzeugung, dass dies ihr Plan war. Warum sonst schlossen sie sie jede Nacht mit ihm in die Zelle ein? Wenn er fortfuhr, sie zu heilen, w�rde er schon bald all die Macht aufbrauchen, die Tyvara ihm gegeben hatte. Aber das konnte nicht ihr einziges Ziel sein. Es gab jede Menge andere Methoden, wie sie seine St�rke anzapfen konnten, falls es das war, was sie wollten. Wenn sie nur die Absicht hatten, seine Entschlossenheit zu brechen, indem sie andere folterten, warum lie�en sie die Sklavin dann in seiner Zelle? Sie konnten sie jederzeit in der N�he einschlie�en, gerade eben au�er Reichweite, so dass er ihr Leiden beobachten, ihr aber nicht helfen konnte.</p><p>Pl�tzlich wollte er sie t�ten, nur um ihnen eins auszuwischen.</p><p><emphasis>Nein, das will ich nicht,</emphasis> sagte er sich schnell und schauderte bei dem Gedanken, dass er so leicht zum M�rder werden k�nnte.</p><p><emphasis>�T�te mich�</emphasis>, erklang das Wispern von neuem. Ein Schauder �berlief ihn.</p><p>Gab es eine M�glichkeit, sie zu t�ten, ohne Beweise f�r die Tat zu hinterlassen? <emphasis>Wenn die Verletzungen, die der Vernehmer ihr zugef�gt hat, schlimm genug sind � nein, er w�rde sichergestellt haben, dass sie nicht so schlimm waren. </emphasis>Doch nach dem Ger�usch ihres Atems zu urteilen, war etwas in ihrer Brust besch�digt. Vielleicht war eine Rippe angerissen oder gebrochen. Wenn er sie manipulieren konnte �</p><p>Aber das w�rde bedeuten, dass er heilende Kraft benutzte, um zu t�ten. Heiler sollten heilen, nicht schaden.</p><p><emphasis>Nun, das war schon immer eine komplizierte Philosophie. Wenn man einen K�rper aufschnitt, um einen Tumor zu entfernen, musste man schaden, um zu heilen. Und dann war da noch die Diskussion, die sich darum drehte, Menschen beim Sterben zu helfen. Und meine Mutter hat Heilung zur Verteidigung benutzt, um einige der Ichani zu t�ten, die in Kyralia eingefallen sind.</emphasis></p><p>�Www ��</p><p>Ein leises Ger�usch kam von dem M�dchen, und er drehte widerstrebend den Kopf, um sie wieder anzusehen. Sie streckte die Hand nach ihm aus. <emphasis>Nein,</emphasis> korrigierte er sich, <emphasis>sie streckt die Hand nach meinen Beinen aus.</emphasis></p><p>�Wwwasser�, keuchte sie.</p><p>Erleichterung stieg in ihm auf, als er begriff, dass sie jetzt nur um etwas zu trinken bat. Er zog sich in eine sitzende Position hoch. Der Sklave, der das Essen brachte, hatte eine Mahlzeit dagelassen. Lorkin hatte versucht, sie mit der Sklavin zu teilen, aber sie hatte sich geweigert, etwas zu essen. Er griff nach dem Wasserkrug und erstarrte, weil er sich an die warnenden Glyphen erinnerte, die darauf schlie�en lie�en, dass es gef�hrlich war.</p><p><emphasis>Ich frage mich, wie gef�hrlich �</emphasis></p><p>Er zuckte vor dem Gedanken zur�ck, aber er lie� sich nicht verdr�ngen. Wenn das Wasser vergiftet war und sie es trank, w�rde sie vielleicht den Tod finden, den sie wollte, ohne dass irgendjemand au�er ihm selbst wusste, dass es seine Schuld war. <emphasis>Nun, bis auf die Verr�terin, die die Warnung hinterlassen hat.</emphasis> Ein Schauder �berlief ihn.</p><p>Wenn die Sklavin eine Verr�terin war, wusste sie vielleicht von den Warnungen. Sie k�nnte wissen, dass das Wasser sie t�ten w�rde. Er drehte sich zu ihr um. Sie erwiderte seinen Blick, und ihre Augen schienen zu sagen: <emphasis>Ja. Befreie mich.</emphasis></p><p>Wenn sie eine Verr�terin war, mussten sie wissen, dass sie hier war. Hatten sie ihr die M�glichkeit gegeben, sich zu t�ten?</p><p>Aber w�rde das Wasser sie t�ten? Er lie� den Arm sinken. Der Ashaki musste derjenige sein, der Lorkins Essen vergiftete. Gewiss versuchten sie nicht, ihn zu t�ten? Tot war er ihnen nicht von Nutzen. H�chstwahrscheinlich sollte das Gift im Wasser ihm �belkeit bescheren oder ihn zwingen, mehr von seiner St�rke zu verbrauchen, indem er sich selbst heilte. Trotzdem, sie k�nnten �berlegen, dass er, je st�rker das Gift war, umso mehr Magie benutzen musste. Es k�nnte eine t�dliche Dosis sein.</p><p>Die Frau gab einen leisen Laut von sich und streckte ihren unversehrten Arm nach dem Krug aus. Drau�en vor der Zelle beobachtete der Beobachter sie beide.</p><p><emphasis>T�te mich. Befreie mich.</emphasis></p><p>Lorkin schaute von ihr zu dem Wasser. Er musste eine Entscheidung treffen. Und es gab keine richtige Entscheidung. Was er auch beschloss, die Konsequenzen w�rden schockierend sein. Was er auch beschloss, danach w�rde er nie wieder derselbe sein.</p><p>Nach der Art zu schlie�en, wie Lilia zugegeben hatte, dass sie Soneas Tante von ihrem Aufenthalt unter der Gilde erz�hlt hatte, war klar, dass sie dachte, dass sie w�tend sein w�rden. <emphasis>Was erheiternd und liebenswert ist, wenn man bedenkt, dass sie eine Magierin ist und wir blo� einfache Leute, </emphasis>dachte Cery. Sie war ein wenig auf und ab gegangen, w�hrend sie erkl�rt hatte, dass die Dienerin ihr gefolgt war und was sie beide besprochen hatten. Jetzt wirkte sie �berrascht, dass niemand die Neuigkeiten mit Sorge aufnahm.</p><p>�Es ist besser, dass Jonna es wei�, als dass irgendjemand sonst dort oben davon Kenntnis hat�, stellte Anyi fest. �Tats�chlich k�nnte sie n�tzlich sein.�</p><p>�Jonna hat mich nie gemocht�, bemerkte Cery. �Aber das war damals, als ich noch ein Junge war und sie dachte, ich w�rde Sonea verderben. Sie wusste, dass ich w�hrend der letzten zwanzig Jahre immer mal wieder in Soneas Zimmer geschl�pft bin, aber sie hat niemals jemandem davon erz�hlt. Die Chancen stehen gut, dass man ihr trauen kann.�</p><p>�Wenn Sonea ihr vertraut, sch�tze ich, ist sie in Ordnung�, stimmte Gol ihm zu.</p><p>Lilias Augen leuchteten auf. �Du hast Sonea w�hrend der letzten zwanzig Jahre besucht?�, fragte sie Cery.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Nat�rlich. Du denkst doch nicht, dass irgendeine Regel, die verbietet, dass Magier Kontakt zu Verbrechern haben, sie daran hindern w�rde, mit ihren alten Freunden zu reden, oder?�</p><p>�Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass das einen von euch beiden an irgendetwas gehindert h�tte. Ich frage mich, was die Leute sagen w�rden, wenn sie es w�ssten. Es w�re ein Skandal, da bin ich mir sicher.� Lilia l�chelte und setzte sich neben Anyi. �Sie w�rden au�erdem endlich wissen, warum Sonea nie geheiratet hat.�</p><p>Cery runzelte die Stirn, als er begriff, dass sie angenommen hatte, seine Besuche seien romantischer Natur gewesen. �Moment mal. Ich habe nicht � das ist nicht der Grund, weshalb ich sie besucht habe.�</p><p>Gol begann zu lachen. �Du hast es gewiss so klingen lassen. F�r einen Moment dachte ich, du h�ttest es w�hrend all dieser Zeit geschafft, etwas vor mir zu verbergen.�</p><p>Anyi drohte Lilia spielerisch mit dem Finger. �Mein Vater war w�hrend der letzten zwanzig Jahre gl�cklich verheiratet�, sagte sie entr�stet. Dann verzog sie das Gesicht. �Nun, jedenfalls w�hrend seiner zweiten Ehe � aber er <emphasis>war</emphasis> vorher mit meiner Mutter verheiratet, selbst wenn es nicht direkt das war, was man �gl�cklich verheiratet� nennen w�rde.�</p><p>�Es tut mir leid. Ich wollte nicht andeuten, dass er untreu war�, entschuldigte sich Lilia.</p><p>Gol kicherte wissend.</p><p>Es war Zeit, das Thema zu wechseln, fand Cery. �Ich habe dar�ber nachgedacht, was wir als N�chstes tun sollten�, sagte er. Sofort richteten sich aller Augen auf ihn. Anyi wirkte eifrig, Lilia erleichtert, und Gol kniff die Augen zusammen, zweifellos bereit, L�cher in allen Pl�nen zu finden, die Cery ausgeheckt hatte. �Was wir tun, liegt auf der Hand, sobald wir angefangen haben, weniger dar�ber nachzudenken, dass wir hier festsitzen, und mehr dar�ber, dass wir unseren Aufenthalt hier in einen Vorteil verwandeln k�nnen.�</p><p>Jetzt wirkte Lilia ein wenig besorgt.</p><p>�Wir sind hier sicher � nicht weil Skellin nicht erraten haben wird, dass wir den Schutz der Gilde gesucht haben, sondern weil er es nicht riskieren wird hierherzukommen�, fuhr er fort. �Er wird annehmen, dass wir uns, wenn wir hier sind, in einem der Geb�ude der Gilde befinden, unter magischem Schutz. Wenn er erf�hre, dass wir unter der Gilde sind und dass die Magier nichts davon wissen, w�rde er kommen und uns alle t�ten � und sehr selbstzufrieden sein, dass er es getan hat, ohne dass die Gilde es bemerkt hat.�</p><p>�Aber die Gilde <emphasis>w�rde</emphasis> es bemerken�, stellte Anyi fest. �Lilia wei�, dass wir hier sind, und sie wird ihn aufhalten, oder wenn sie es nicht kann, dann w�rde sie Hilfe holen.�</p><p>�Ja, aber das wei� <emphasis>Skellin</emphasis> nicht�, entgegnete Cery.</p><p>Gol stie� ein leises Knurren aus. �Nein�, sagte er.</p><p>Cery drehte sich zu seinem Freund um, erheitert �ber die in einem einzigen Wort zusammengefasste Ablehnung. �Warum nicht?�</p><p>�Dies ist f�r uns der letzte und einzige sichere Ort�, erwiderte Gol. �Wir k�nnen das Risiko nicht eingehen, ihn zu verlieren.�</p><p>�Wir haben durchaus noch einen weiteren sicheren Ort.� Cery deutete nach oben. �Den Schutz, von dem Skellin denkt, dass wir ihn bereits genie�en.� Er zeigte auf den Raum, in dem sie sa�en. �Dies hier ist unsere letzte und einzige Chance, ihn in eine Falle zu locken.�</p><p>�Eine Falle, die, wenn es schiefgeht, deinen Tod bedeutet�, widersprach Gol.</p><p>�Lilia wird ihn besch�tzen�, sagte Anyi, deren Augen leuchteten bei der Aussicht darauf, endlich etwas zu tun.</p><p>Lilia nickte. �Und Kallen. Du hast die Absicht, Kallen einzuweihen, nicht wahr?�</p><p>�Ja�, antwortete Cery. �Es ist ein bisschen viel verlangt, Lilia zu bitten, die ganze B�rde des magischen Schutzes allein zu schultern oder es mit zwei Magiern aufzunehmen, falls Skellin seine Mutter mitbringt.�</p><p>Anyi rieb sich eifrig die H�nde. �Also, was werden wir als K�der benutzen?�</p><p>Gol schnaubte. �Es ist offensichtlich. Dein Vater beabsichtigt, Skellin mit etwas hierherzulocken, das er mehr will als alles andere.�</p><p>Lilia erbleichte ein wenig. �Schwarze Magie?�</p><p>�Nein�, antwortete Gol. �Skellin will die volle Kontrolle �ber die gesamte Unterwelt. Wenn er herausfindet, dass Cery noch lebt, wird er wissen, dass immer die Gefahr besteht, dass Cery versuchen wird, sich seine Macht zur�ckzuholen � mithilfe der Gilde. Er wird eine Menge riskieren, um ihn zu t�ten.�</p><p>Anyis eifriges Grinsen verschwand. Sie starrte Cery an und suchte in seinen Z�gen, als hoffe sie auf ein Zeichen daf�r, dass er scherzte. Als er nickte, runzelte sie die Stirn und verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Gol hat recht. Das Risiko ist zu gro�.�</p><p>�Was schl�gst du dann vor? Was sonst w�rde ihn in Versuchung f�hren, das Risiko einzugehen, der Gilde so nahe zu kommen?�</p><p>Anyi sah Lilia an. �Schwarze Magie ��</p><p>�Er wird das Risiko nicht eingehen zu versuchen, sie gefangen zu nehmen. Sie k�nnte viele Male st�rker sein als er selbst. Tats�chlich muss, damit dies funktioniert, offensichtlich sein, dass Lilia nicht hier ist. Er k�nnte glauben, dass die Gilde nicht wei�, dass ich hier bin, aber er wird nicht so leicht glauben, dass <emphasis>sie</emphasis> es nicht wei�. Lilia wird sich irgendwo anders sehen lassen m�ssen, bevor er herkommen wird, um nach mir zu suchen.�</p><p>�Aber ihr werdet hier einen Magier brauchen�, wandte Lilia ein. �Oder ihr werdet nicht in der Lage sein, ihn daran zu hindern, euch alle zu t�ten.�</p><p>Er nickte. �Ja. Kallen. Sag ihm, dass wir einen Plan haben, Skellin in die Falle zu locken, und frage ihn, wie wir uns mit ihm in Verbindung setzen sollen, wenn wir bereit sind. Nat�rlich darfst du ihm nicht verraten, wo die Falle zuschnappen wird. Ich habe das Gef�hl, dass er beschlie�en w�rde, dass es wichtiger ist, Leute aus diesen G�ngen fernzuhalten, als Skellin zu fangen.�</p><p>Lilia nickte. Anyi sch�ttelte den Kopf. �Mir gef�llt das nicht�, sagte sie.</p><p>Cery verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Warum?�</p><p>�Ich �� Sie wandte den Blick ab und zog die Brauen zusammen. Dann stand sie abrupt auf, griff nach einer Lampe und stolzierte aus dem Raum.</p><p>Mehrere Herzschl�ge lang war alles still. Lilia sah Cery und Gol an, dann eilte sie hinter Anyi her.</p><p>Cery starrte die leere T�r an. Sein Herz krampfte sich auf eine Weise zusammen, die gleichzeitig schmerzhaft und angenehm war. Er wollte niemandes Leben aufs Spiel setzen. Gewiss nicht sein eigenes. Aber sie konnten nicht f�r immer hierbleiben.</p><p>R�ckblickend erinnerte er sich an die zornige, trotzige junge Frau, mit der er in Verbindung zu bleiben versucht hatte, nachdem er sich von ihrer Mutter getrennt hatte. Anyi hatte ihn gehasst � oder zumindest hatte sie sich so benommen, als hasste sie ihn. Das Wissen, dass er sie irgendwie f�r sich gewonnen hatte, war eine bitters��e Freude. Der Preis, den sie daf�r gezahlt hatten, war ihre Sicherheit.</p><p>Aber andererseits gen�gte ihre Verwandtschaft mit ihm vollauf, um ihr Leben gef�hrlich zu machen, vor allem solange ein wilder Magier und Dieb die Unterwelt regierte und dieser Magier Cery hasste.</p><p>�Ausnahmsweise einmal sind deine Tochter und ich einer Meinung�, erkl�rte Gol mit leiser Stimme. �Es ist zu gef�hrlich.�</p><p>�Lass uns abwarten, was Kallen dazu sagt�, erwiderte Cery.</p><p>Binnen weniger Schritte verlangsamte Anyi das Tempo, damit Lilia sie einholen konnte, aber sie blieb nicht stehen.</p><p>�Ist alles in Ordnung mit dir?�, fragte Lilia.</p><p>Anyi sch�ttelte den Kopf. �Nein. Ja. Ich � ich muss nachdenken.�</p><p>Ihr Tonfall deutete an, dass sie nicht in der Stimmung war zu reden, daher blieb Lilia still. Sie zog Magie in sich hinein, um eine Lichtkugel zu schaffen, und Anyi drehte wortlos die Flamme ihrer Lampe herunter, um �l zu sparen. Sie gingen nicht weit. Nach einigen hundert Schritten wurde Anyis Gang entschlossener, und schon bald wurde klar, dass sie Lilia zu einigen R�umen n�her bei der Universit�t f�hrte, die sie vor kurzem entdeckt hatte.</p><p>Anyi w�hlte willk�rlich einen Raum aus, dann setzte sie sich in Ermangelung von St�hlen auf den Boden, mit dem R�cken zur Wand. Lilia setzte sich neben sie und wischte dabei unbeabsichtigt �ber eine zerbrochene, verstaubte Platte. Sie s�uberte sie ganz, und auf der Unterseite wurde ein Gildesymbol sichtbar. <emphasis>Diese Platte ist nicht besonders alt. Ich frage mich, wie sie hierhergekommen ist.</emphasis></p><p>�Es sollte mich nicht k�mmern�, bemerkte Anyi.</p><p>Lilia drehte sich zu ihr um. �Nat�rlich sollte es das. Er ist dein Vater.�</p><p>Anyis Mund verzog sich zu einem bitteren L�cheln. �Kein besonders guter. Den gr��ten Teil meines Lebens hat er mich ignoriert. Erst als seine andere Familie ermordet wurde, hat er mir Aufmerksamkeit geschenkt.�</p><p>Nicht sicher, was sie erwidern sollte, sagte Lilia nichts.</p><p>�Aber das ist nicht wirklich fair�, f�gte Anyi mit leiserer, weicherer Stimme hinzu. �Mutter hat ihn verlassen. Sie sagte, es sei nicht sicher, die Ehefrau eines Diebes zu sein, und dass sie es nicht ertragen k�nne, sich st�ndig verstecken zu m�ssen. Ich denke nicht, dass zwei Menschen gezwungen sein sollten, zusammen zu sein, wenn sie es nicht wollen.�</p><p>�Wie ist es gekommen, dass Cery wieder geheiratet hat?�, fragte Lilia. Eine Scheidung war etwas, das nur der K�nig gew�hren konnte. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass ein Dieb den K�nig bat, seine Ehe zu beenden.</p><p>Anyi zuckte die Achseln. �Er hat es einfach getan.�</p><p>�Aber das ist ��</p><p>�Bigamie?� Anyi sah Lilia an und zuckte die Achseln. �Nicht wirklich. Niemand in der Unterwelt kann sich eine legale Heirat leisten. Ich nehme an, Cery k�nnte es, aber warum eins der Gesetze des K�nigs beachten, wenn man den restlichen nicht viel Beachtung schenkt? Wir haben unsere eigenen Methoden, uns f�r verheiratet zu erkl�ren � oder f�r unverheiratet.�</p><p>Lilia sch�ttelte staunend den Kopf. �Es ist eine vollkommen andere Welt.� Sie zuckte die Achseln. �Obwohl ich das auch von der Familie sagen k�nnte, in deren Dienst meine Eltern standen. Wir m�gen ein Teil ihrer Welt gewesen sein, aber wir waren nicht <emphasis>in</emphasis> ihrer Welt. Es w�re sch�n gewesen, so reich zu sein und andere herumkommandieren zu k�nnen, aber manchmal hatten sie noch weniger Entscheidungsfreiheit als wir, was ihr Leben betraf. Sie d�rfen nicht entscheiden, wen sie heiraten, und sie <emphasis>m�ssen</emphasis> den K�nig um eine Scheidung bitten � und hoffen, dass er sie gew�hrt.�</p><p>�Vielleicht ist das der Grund, warum Sonea nie geheiratet hat. Sie stammt nicht aus den H�usern, daher hat sie keine Familie, die dar�ber entscheidet, wen sie heiratet, aber sie h�tte eine legale Heirat eingehen m�ssen, wenn sie sich h�tte verm�hlen wollen, und wenn sie ihre Ehe dann beenden wollte, h�tte sie hoffen m�ssen, dass der K�nig es ihr erlaubte.�</p><p>Lilia kicherte. �Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Mann sie herumkommandiert.�</p><p>Anyi grinste. �Nein. Es w�re wahrscheinlich andersherum gewesen.� Aber als sie Lilias Blick begegnete, wurde sie wieder ernst. Sie schaute weg und seufzte. �Er wird nur erreichen, dass Skellin ihn t�tet. Er l�sst mich endlich in seine Welt, und jetzt werde ich ihn verlieren.�</p><p>�Nur wenn etwas schiefgeht � und wir werden sicherstellen, dass das nicht passiert.�</p><p>Anyi warf ihr einen anklagenden Blick zu. �Du denkst, dass er recht hat.�</p><p>�Nein.� Lilia sch�ttelte den Kopf. �Aber ich vermute, dass wir kein gro�es Mitspracherecht dabei haben werden.�</p><p>Anyi runzelte die Stirn, dann wurde ihre Miene nachdenklich. �Du k�nntest ihm sagen, dass Kallen es nicht tun will. Und Cery eine Weile hinhalten.�</p><p>Lilia nickte. �Das k�nnte ich. Aber dann w�rde er vielleicht versuchen, es ohne Kallen zu machen.� Sie dachte an Cerys Worte zur�ck. �Ich kann nicht umhin zu denken, dass er in einem Punkt recht hat: Skellin wird erraten, dass ihr alle hierhergekommen seid. Wohin sonst solltet ihr gehen? Er wei� wahrscheinlich von den Tunneln. Es ist kein Geheimnis in der Gilde, daher bezweifle ich, dass es au�erhalb der Gilde eines ist. Er wird irgendwann herkommen, um nachzusehen. Wenn er es tut, wird er euch hier finden. Und wenn ich im Unterricht bin, werde ich ihn nicht daran hindern k�nnen, euch alle zu t�ten.�</p><p>Anyi drehte sich um, um Lilia anzusehen, eine steile Sorgenfalte zwischen den Brauen.</p><p>�Vielleicht ist die einzige M�glichkeit, wie ihr in Sicherheit sein k�nnt, der Schutz der Gilde�, fuhr Lilia fort. �Ich wei�, dass diese Idee keinem von euch gef�llt, aber wenn Cerys Falle versagt, werdet ihr ohnehin bei der Gilde landen. Ich nehme an, der Gilde wird es ebenfalls nicht gefallen, aber sie wird eher bereit sein, euch zu besch�tzen, wenn Beweise daf�r vorliegen, dass Skellin tats�chlich die unterirdischen Tunnel der Gilde betreten hat.�</p><p>Anyi st�hnte und rieb sich das Gesicht. �Was du sagst, ergibt Sinn, aber es gef�llt mir nicht.�</p><p>�Mir gef�llt es auch nicht�, erwiderte Lilia. �Aber ich wei�, dass ich euch nicht den Schutz geben kann, den ihr braucht. Im Wesentlichen weil ich nicht allzu oft hier bin, aber auch weil ich nicht wei�, wie m�chtig Skellin ist. Wenn er mit Lorandra herkommt, bezweifle ich, dass ich in der Lage sein werde, mich selbst zu besch�tzen, geschweige denn euch andere. Selbst wenn er das nicht tut, wie wollt ihr mich wissen lassen, dass ihr meine Hilfe braucht? Was, wenn ich nicht rechtzeitig hier bin?�</p><p>�Wir werden einen Fluchtweg benutzen.�</p><p>�Was ist, wenn ihr es nicht schafft? Selbst wenn ihr es tut, werdet ihr auf dem Gel�nde der Gilde auftauchen, und wenn er euch dann immer noch folgt, werdet ihr ohnehin die Gilde um Hilfe bitten m�ssen.� Lilia seufzte, und die Frustration und Sorge der letzten Wochen schwangen in ihren Worten mit. �Es ist nicht sicher hier unten, und ihr k�nntet behaglicher leben, und es ist so schwer, euch Essen zu bringen, und � ich vermisse dich.�</p><p>Bei diesem letzten Eingest�ndnis versiegte die Flut der Worte, die aus ihr hinausgestr�mt waren. Ihr Gesicht wurde hei�, und sie sah Anyi t�richt an. Das andere M�dchen zeigte einen seltsamen, �berraschten Ausdruck.</p><p>�Ich meine, ich vermisse es, mit dir allein zu sein. Vielleicht ist das ein wenig egoistisch�, begann sie. �Ich ��</p><p>Aber sie bekam keine Entschuldigung heraus, weil Anyi sich vorbeugte, ihr Kinn umfasste und sie k�sste.</p><p>�Ich vermisse dich ebenfalls�, sagte sie leise und grimmig.</p><p>Dann zog sie Lilia an sich. Eine Weile hielten sie einander einfach umfangen und tr�steten sich in k�rperlicher W�rme und N�he. Allzu bald seufzte Anyi und l�ste sich von Lilia.</p><p>�Cery wird sich fragen, wohin wir gegangen sind�, murmelte sie.</p><p>Sie stand auf und streckte Lilia eine Hand hin. Als Lilia sie nahm, zog Anyi sie auf die F��e, aber in derselben Bewegung dr�ckte sie Lilia wieder an sich und k�sste sie erneut. Diesmal war es ein langer Kuss, als h�tte sie ihre letzten Worte vergessen.</p><p>Ein Schritt, gefolgt von einem scharfen Einatmen, riss Lilia j�h in ihre Umgebung zur�ck. Sie und Anyi sprangen auseinander und wirbelten zu der T�r herum. Anyi nahm Kampfhaltung ein. Lilia hatte Magie in sich hineingezogen und einen Schild geformt, bevor sie sah, dass nur Cery in der T�r stand.</p><p>Sein Gesicht war vor �berraschung erstarrt. Als Anyi einen Fluch murmelte, ver�nderte sich Cerys Miene, und anstelle der �berraschung waren da jetzt Verlegenheit und Erheiterung.</p><p>�Ich wollte nicht st�ren�, sagte er und machte einen Schritt r�ckw�rts. �Kommt zur�ck, wenn ihr so weit seid.�</p><p>Dann drehte er sich mit einem kaum unterdr�ckten L�cheln um und eilte davon.</p><p>Anyi schlug die H�nde vors Gesicht und st�hnte. Lilia dr�ckte mitf�hlend die Schulter ihrer Freundin. <emphasis>Ich w�rde auch nicht wollen, dass mein Vater auftaucht, wenn ich eine andere Frau k�sse.</emphasis> W�hrend Anyis Schultern zu zittern begannen und sie anfing, erstickte Laute von sich zu geben, krampfte sich ihr Herz zusammen, bis sie sah, dass ihre Freundin die H�nde an den Mund hob, und sie begriff, dass Anyi lachte.</p><p>�Nun�, sagte Lilia, w�hrend sie darauf wartete, dass Anyi aufh�rte. �Das ist nicht die Reaktion, die ich erwartet habe.�</p><p>Anyi sch�ttelte den Kopf. �Nein. Das kann ich mir vorstellen.� Sie holte einige Male tief Luft und hatte gro�e M�he, nicht sofort wieder loszuprusten. �Ich mache mir seit Monaten Gedanken, wie ich es ihm beibringen soll. Jetzt brauche ich es nicht mehr zu tun.�</p><p>�Du wolltest ihm von uns erz�hlen?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Aber � wird er nicht �rgerlich sein?�</p><p>�Nein. Ein wenig entsetzt vielleicht. Habe ich dir je erz�hlt, wo er zur Welt gekommen und aufgewachsen ist?�</p><p>Lilia sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nun, eigentlich muss er seine Geschichte selbst erz�hlen � und tats�chlich sind es viele Geschichten. Es war ein Ort, an dem man Menschen mit allen m�glichen Geschm�ckern und Ideen trifft.� Anyi ergriff Lilias Hand. �Komm. Wir sollten wirklich gehen. Er wird sich Sorgen machen, dass wir zu ver�rgert oder verlegen sind, um zur�ckzukommen. Und ich will sicherstellen, dass sein n�rrischer Plan so narrensicher ist wie m�glich.�</p></section><section><title><p>11</p><p>Eine Plan�nderung</p></title><p>Die Worte auf der Seite vor Dannyl waren so grau wie ein bedeckter Himmel. Tayend hatte Dannyl seinen mageren Vorrat an verbliebener Tinte gegeben, und da es weder die Sklaven noch Merria geschafft hatten, neue Tinte ins Gildehaus zu bringen, musste Dannyl mit Wasser verd�nnen, was noch �brig war. Er befolgte Tayends Rat und verschloss seine Forschungsnotizen jetzt mit Magie, wann immer er mit der Arbeit an ihnen fertig war.</p><p>Eine Bewegung lenkte seine Aufmerksamkeit gerade rechtzeitig auf die T�r, um zu sehen, wie Kai sich auf den Boden warf.</p><p>�Eine Kutsche vom Palast ist eingetroffen, Herr�, sagte der Sklave.</p><p><emphasis>Wieder Achati. </emphasis>Er seufzte und schloss f�r einen Moment die Augen. <emphasis>Es wird nicht einfacher.</emphasis> Er �ffnete die Augen, trocknete die Tinte auf der Seite, s�uberte seine Feder, verstaute alles in einer Schublade und sch�tzte es mit Magie. Dann entlie� er Kai, straffte sich und machte sich auf den Weg zum Herrenzimmer.</p><p>Der T�rsklave h�pfte buchst�blich von einem Fu� auf den anderen, bis er Dannyl sah und sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden warf.</p><p>�Lord Lorkin ist zur�ckgekehrt, Herr!�, erkl�rte er.</p><p>Dannyls Herz setzte einen Schlag aus. �Lorkin?�</p><p>Er eilte los, aber Soneas Sohn kam bereits aus dem Eingangsflur. Als der junge Mann den Raum betrat, �berlief Dannyl ein Fr�steln. <emphasis>Irgendetwas ist mit ihm passiert, </emphasis>dachte er, obwohl er sich nicht sicher war, woher er es wusste. Dannyl musterte Lorkin. Da war keine Spur einer Verletzung, obwohl es schwer zu erkennen war, da die Gilderoben so viel verbargen. Abgesehen von dunklen Ringen unter den Augen, die auf Schlafmangel schlie�en lie�en, sah Lorkin gut aus.</p><p>�Botschafter Dannyl�, sagte er.</p><p>�Ihr seid frei!� Dannyl musste sich den Drang verkneifen, den jungen Mann zu umarmen, und griff stattdessen in der �blichen Geste kyralischer Begr��ung nach Lorkins Arm. �Was ist passiert? K�nig Amakira hat Euch gehen lassen?�</p><p>�Ja�, antwortete Lorkin.</p><p>�Wisst Ihr, warum?�</p><p>Lorkin wandte den Blick ab. �Das hat er nicht gesagt.�</p><p>Dannyl trat zur�ck. Lorkins Stimme war flach und ausdruckslos. <emphasis>Er sollte erleichtert sein. Verwirrt �ber seine unerwartete Entlassung. Zornig, dass er �berhaupt eingekerkert worden war.</emphasis></p><p>�Kommt und setzt Euch.� Dannyl f�hrte Lorkin zu den St�hlen, aber der junge Mann setzte sich nicht hin. �Seid Ihr verletzt?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Haben sie Eure Gedanken gelesen? Oder es versucht?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Lord Lorkin, ich dachte, ich h�tte Euren Namen geh�rt.�</p><p>Sie schauten beide auf und sahen Tayend in der T�r stehen. Der Elyner kam herbeigeeilt und streckte die Arme nach dem jungen Magier aus, als wolle er ihn umarmen, aber dann lie� er die Arme zu Dannyls Erheiterung im letzten Moment wieder sinken. Er bedachte Lorkin mit einem kritischen Blick.</p><p>�Ihr seht nicht allzu schlecht aus f�r jemanden, der in ein Gef�ngnis gesperrt war�, bemerkte er. �Aber sie h�tten es nicht gewagt, Euch k�rperlichen Schaden zuzuf�gen. Wie f�hlt Ihr Euch?�</p><p>Lorkin zuckte die Achseln, aber seine Augen verrieten die gleiche ausweichende Wachsamkeit, die Dannyl zuvor aufgefallen war. �M�de. Hungrig. Ich k�nnte ein Bad gebrauchen.�</p><p>Tayend schnupperte und l�chelte. �In diesem Punkt habt Ihr recht. Ich nehme nicht an, dass es im Palastgef�ngnis Badezuber mit hei�em Wasser gibt. Bringen wir Euch in die absolut zivilisierten B�der des Gildehauses. Ich werde die Sklaven etwas Nahrhaftes zubereiten und frische Roben f�r Euch besorgen lassen.�</p><p>Lorkin nickte, aber bevor er den Versuchen des Elyners erlag, ihn aus dem Raum zu geleiten, griff er in seine Roben und drehte sich zu Dannyl um. Wortlos zog er eine Schriftrolle hervor. Dannyl bemerkte K�nig Amakiras Siegel, bevor er wieder zu dem jungen Mann aufschaute. Lorkins Augen waren hart und wissend.</p><p>Dann drehte er sich um und ging.</p><p>Dannyl setzte sich und brach das Siegel auf. Es war ein offizieller Befehl des K�nigs, der lediglich erkl�rte, dass es Lorkin verboten sei, das Gildehaus zu verlassen. Es wurde kein Grund f�r seine Entlassung aus dem Palastgef�ngnis genannt. Seine Einkerkerung wurde �berhaupt mit keinem Wort erw�hnt. <emphasis>Was habe ich erwartet? Eine Entschuldigung?</emphasis></p><p>Tayend kam zur�ck und setzte sich neben Dannyl.</p><p>�Es geht ihm nicht gut�, murmelte der Elyner.</p><p>�Nein�, stimmte Dannyl ihm zu.</p><p>�Was immer sie ihm angetan haben � oder ihn zu tun gezwungen haben �, er ist nicht bereit, dar�ber zu reden. Ich werde ihn im Auge behalten und es dich wissen lassen, falls er mir davon erz�hlt � nat�rlich nur, falls er mir nicht das Versprechen abnimmt, es geheim zu halten.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Also, was steht drin?� Tayend deutete mit dem Kopf auf die Schriftrolle.</p><p>�Es ist Lorkin verboten, das Gildehaus zu verlassen.�</p><p>Tayend nickte. �Dann ist er also nicht vollkommen frei.� Er streckte die Hand aus und t�tschelte Dannyls Arm. �Er ist raus aus dem Kerker. Das zumindest ist etwas Gutes.� Er stand auf. �Ich muss das melden. Und du solltest es besser Administrator Osen erz�hlen.�</p><p>Dannyl beobachtete, wie Tayend davoneilte, und brachte ein trauriges L�cheln zustande. Wenn sich herausstellte, dass es Lorkin tats�chlich widerstrebte, �ber das zu reden, was ihm im Gef�ngnis angetan worden war, war Tayend derjenige, der ihn wahrscheinlich am ehesten zum Sprechen bringen konnte. Er konnte unheimlich scharfsinnig und feinf�hlig sein, wenn es um die Probleme anderer Menschen ging. <emphasis>Nur nicht, als es um unsere Probleme ging, </emphasis>rief Dannyl sich ins Ged�chtnis.</p><p><emphasis>Ich hoffe, dass Lorkin nicht hier ist, weil sie ihn gezwungen haben, die Verr�terinnen zu betr�gen. Es k�nnte sehr schlimm f�r sie sein � und auch f�r uns, wenn es bei dem, was Lorkin und Osen besprochen haben, um eine Zusammenarbeit mit ihnen ging.</emphasis></p><p>Osen. Wie Tayend festgestellt hatte, w�rde der Administrator von Lorkins R�ckkehr wissen wollen. Also griff er in seine Roben, zog Osens Blutring heraus, atmete tief durch und streifte den Ring dann auf seinen Finger.</p><p>�Das kann doch nicht wahr sein!�, rief Sonea leise aus, als sie zu dem Schild des Bleibehauses hinaufschaute.</p><p>�Was ist denn los?�, fragte Regin.</p><p>Sie sagte nichts, weil gerade ein untersetzter Mann in der T�r erschienen war.</p><p>Er verneigte sich. �Mylord und Mylady! Kommt herein! Kommt herein!�, begr��te sie der Mann. �Ich bin Fondin. Willkommen in Ferguns Rast, dem besten Bleibehaus in ganz Kyralia.�</p><p>Sie h�rte Regin leise lachen, aber er sagte nichts, als sie durch die T�r trat. Wie immer war das Erdgeschoss dem Gastraum und Ausschank vorbehalten. Trotz der sp�ten Stunde herrschte einiger Betrieb, und der Raum hallte wider von vielen Stimmen. Die Kleidung der G�ste legte die Vermutung nahe, dass sie Einheimische waren und sich f�r den Anlass fein gemacht hatten. Einige blickten zu ihr und Regin auf, und ihre Augen weiteten sich vor �berraschung.</p><p>�Bitte, setzt Euch f�r einen Moment, und ruht Euch aus�, lud Fondin sie ein und deutete auf eine stillere Ecke. �Ben�tigt Ihr ein Zimmer oder zwei?�</p><p>�Bei Euch ist heute Abend viel los�, bemerkte Sonea.</p><p>�Ja. Wir sind Gastgeber einer Feier, und viele Leute sind von fern hergekommen�, erwiderte Fondin. �Aber macht Euch keine Sorgen wegen des L�rms. Wir werden zu einer angemessenen Stunde ein Ende finden, dann wird es hier sch�n ruhig sein.�</p><p>Wie aufs Stichwort wurde es leiser im Raum. Sonea h�rte gezischtes Fl�stern. Fondin drehte sich wieder zu ihnen um, dann fiel sein Blick auf Soneas Roben, und seine Augen weiteten sich. Er hatte in dem schwachen Licht drau�en die Farbe offensichtlich nicht bemerkt. Selbst in dem ged�mpften Lampenlicht konnte sie sehen, dass er erbleichte.</p><p>�Was ist der Grund f�r die Feier?�, erkundigte sie sich.</p><p>�H-H-H-Hochzeit�, stotterte Fondin.</p><p>�Dann richte der Braut und dem Br�utigam meine Gl�ckw�nsche aus.� Sonea l�chelte. �Bleiben die beiden heute Nacht hier?�</p><p>�N-N-N-N�� Fondin holte tief Luft und straffte sich. �Nein, sie werden heute Nacht zu ihrem neuen Haus gehen.�</p><p>Aber viele der Hochzeitsg�ste w�rden hierbleiben, vermutete sie.</p><p>�Auch noch ein neues Haus. Nun, wir werden nicht mehr von deiner Zeit beanspruchen. Ich bin mir sicher, wir k�nnen mit einem Zimmer zurechtkommen�, erkl�rte ihm Sonea. �Mit getrennten Betten und einem Wandschirm f�r etwas Privatsph�re nat�rlich. Wir werden dort essen, damit du deine volle Aufmerksamkeit deinen G�sten widmen kannst. K�nntest du uns direkt zu unserem Zimmer f�hren?�</p><p>Fondin nickte, dann verbeugte er sich obendrein tief, bevor er herumfuhr und sie die Treppe hinauff�hrte. Er hielt vor mehreren T�ren inne, rang die H�nde und f�hrte sie dann mit offensichtlichem Widerstreben zu einem Raum am Ende des Flurs. Als er die T�r �ffnete, sah Sonea zu ihrer Freude, dass es ein ziemlich schlichtes Zimmer war, mit einem Einzelbett, aber ohne Spuren eines gegenw�rtigen Bewohners. Sie hatte sich Sorgen gemacht, dass er G�ste aus ihren Zimmern werfen w�rde oder dass keines der Zimmer frei war. Bleibeh�user entlang der Hauptrouten wurden von der Gilde daf�r bezahlt, zu jeder Zeit ein Zimmer freizuhalten, und jeder erwartete, dass es ihr bestes Zimmer sein w�rde, aber es musste verlockend sein, G�ste dort unterzubringen, wenn der Andrang gro� war, vor allem bei seltener benutzten Routen wie dieser hier.</p><p>�Dies wird gen�gen�, sagte sie.</p><p>�Ich werde ein zweites Bett und einen Wandschirm bringen lassen, Mylady�, erwiderte er und eilte davon.</p><p>Sie betrat den Raum, und Regin folgte ihr.</p><p>�Sollte ich mich erbieten, auf dem Boden zu schlafen?�, fragte Regin.</p><p>Als Sonea sich umdrehte, sah sie ihn l�cheln. �Ich werde nicht allen den Abend verderben, indem ich darauf bestehe, das beste Zimmer zu bekommen oder zwei Zimmer, aber auf dem Boden schlafen, das ginge doch ein wenig zu weit.�</p><p>Kurz darauf waren die notwendigen Arrangements getroffen. Eine gro�z�gige Mahlzeit und eine Flasche Wein wurden auf einem kleinen Tisch bereitgestellt. Der Wein war sehr gut. Zu teuer, selbst f�r eine einheimische Hochzeit, vermutete Sonea. Wahrscheinlicher war, dass die Gilde daf�r gesorgt hatte, dass es hier einen Vorrat von anst�ndigem Wein f�r ihre Mitglieder gab.</p><p>�Habt ihr mehr von diesem Wein?�, fragte sie die junge Frau, als diese zur�ckkehrte, um das Geschirr abzur�umen.</p><p>�Ja, Mylady.�</p><p>�Ist das jungverheiratete Paar noch hier?�</p><p>�Sie werden gleich aufbrechen, Lady.�</p><p>�Gib ihnen eine Flasche als Hochzeitsgeschenk.�</p><p>Die Augen der jungen Frau weiteten sich. �Ja, Lady.�</p><p>Regin sch�rzte die Lippen, dann erhob er sich zu Soneas �berraschung von seinem Stuhl und folgte der Frau leise nach unten. Als er zur�ckkehrte, sah Sonea ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.</p><p>�Ich habe nur sichergestellt, dass das Geschenk die Empf�nger auch erreicht�, erkl�rte er und setzte sich. �Also. Ferguns Rast.� Regin runzelte die Stirn. �Ist er nicht geflohen, als die Ichani das Fort angegriffen haben?�</p><p>�Er hat sich versteckt. Was das einzig Vern�nftige war.�</p><p>�Und feige.� Regin zuckte die Achseln. �Aber niemand, der dergleichen noch nicht erlebt hat, kann mit Sicherheit wissen, wie er reagieren wird, wenn er in einer wichtigen Schlacht seinen Mann stehen soll. Ein Bleibehaus nach ihm zu benennen?� Er sch�ttelte den Kopf. �Sagt mir, dass es �berall in Kyralia Bleibeh�user gibt, die nach Magiern benannt wurden, die im Krieg starben, nicht nur nach Fergun.�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich hoffe es.� Sie verzog das Gesicht. �Es �rgert mich mehr, dass ein Mann, der meinen Freund eingesperrt hat, damit er mich erpressen konnte, etwas hat, das nach ihm benannt wurde, aber das ist ein zu pers�nlicher Groll, um es zu rechtfertigen, ihn nicht mit dem Rest der Toten zu ehren.�</p><p>Regin sah sie an. �Ah, das stimmt. Er wollte Euch entehren und aus der Gilde werfen lassen, um sicherzustellen, dass niemand aus den unteren Klassen sich wieder der Gilde anschlie�en w�rde.�</p><p>�Ja. Wenn er heute lebte, w�re er entsetzt �ber die Ver�nderungen in der Gilde.�</p><p>�Man kann nie wissen. Er k�nnte nach der Invasion seine Meinung ge�ndert haben. Das haben viele Menschen getan.�</p><p>Sie schaute zu ihm auf. Er hielt ihrem Blick f�r einen Moment stand. In seinen Augen lag ein erwartungsvoller Ausdruck. <emphasis>Worauf wartet er? Dass ich einr�ume, dass er jetzt ein viel besserer Mensch ist? Auf die Beteuerung, dass ich ihm nicht mehr grolle? Oder das Eingest�ndnis, dass ich gelernt habe, selbst ihm zu vertrauen? Ihn vielleicht sogar zu m�gen? Nun, m�glicherweise sollte ich nicht </emphasis>so <emphasis>weit gehen. </emphasis>Sie holte Luft, um zu sprechen.</p><p><emphasis>� Sonea?</emphasis></p><p>Administrator Osens Stimme in ihrem Kopf lie� sie zusammenzucken. Sie stie� den Atem in einem erstickten Keuchen aus. Es war immer �berraschend, wenn sich jemand durch einen ihrer Blutringe mit ihr in Verbindung setzte, da sie nie wusste, wann die andere Person den Ring �berstreifen w�rde.</p><p><emphasis>� Osen!</emphasis></p><p><emphasis>� Ich habe gute Neuigkeiten, </emphasis>sandte Osen. <emphasis>K�nig Amakira hat Lorkin freigelassen.</emphasis></p><p>Erleichterung schlug �ber ihr zusammen, gefolgt von einer neuen Sorge.</p><p><emphasis>� Geht es ihm gut?</emphasis></p><p><emphasis>� Ja. Wir denken nicht, dass er gefoltert oder irgendwie verletzt wurde, obwohl Dannyl vermutet, dass die Erfahrung qu�lend war.</emphasis></p><p><emphasis>� Wird er bald nach Hause aufbrechen? Sollte ich mich mit ihm treffen und ihn nach Kyralia begleiten?</emphasis></p><p><emphasis>� Amakira hat ihm verboten, das Gildehaus in Arvice zu verlassen.</emphasis></p><p><emphasis>� Oh.</emphasis></p><p>Zorn loderte in ihr auf, dann eine stillere Verwunderung. Warum Lorkin freilassen und ihn dann zwingen, im Land zu bleiben?</p><p><emphasis>� Zumindest ist er einer R�ckkehr nach Hause einen Schritt n�her gekommen. Wir werden fortfahren, durch Dannyl darauf zu bestehen, dass Lorkin eine R�ckkehr nach Kyralia gestattet wird.</emphasis></p><p><emphasis>� Und durch mich selbst?</emphasis></p><p><emphasis>� Ja. Es ist nicht n�tig, unsere Pl�ne zu �ndern, und Ihr m�sst Euch immer noch um die andere Angelegenheit k�mmern.</emphasis></p><p><emphasis>� Nat�rlich.</emphasis></p><p><emphasis>� Viel Gl�ck. Ich werde mich mit Euch in Verbindung setzen, wenn ich mehr erfahre.</emphasis></p><p><emphasis>� Danke.</emphasis></p><p>Ein Gef�hl von Stille, wo seine Stimme gewesen war, sagte ihr, dass er den Ring abgenommen hatte. Sie blinzelte, als ihre Augen die Umgebung wieder registrierten. Regin beobachtete sie eingehend.</p><p>�War es Lorkin oder Osen?�</p><p>Sie starrte ihn an. �Woher wusstet Ihr, dass Lorkin einen meiner Blutringe hat?�</p><p>Sein L�cheln war schief. �Als w�rdet Ihr ihn ohne einen solchen Ring aus den Augen lassen.�</p><p>Sie nickte. �Ja, das ist wahr. Es war Osen. Lorkin ist freigelassen worden, aber der sachakanische K�nig hat ihm verboten, das Gildehaus zu verlassen.�</p><p>Regin richtete sich auf. �Das sind ja gute Neuigkeiten. Reisen wir dann trotzdem weiter nach Arvice?�</p><p>�Ja.�</p><p>Seine Augen wurden schmal. �Nicht nur deshalb, weil Ihr daf�r sorgen wollt, dass er nach Hause kommt?�</p><p>Sonea verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Ihr denkt, ich w�rde der Gilde den Gehorsam verweigern?�</p><p>�Ja.� Er hielt ihren Blick fest, aber er l�chelte. �Doch nur um Lorkins willen.�</p><p>�Ich bin nicht davongelaufen, um ihn zu retten, als er das erste Mal verschwand�, rief sie ihm ins Ged�chtnis. �Wie dem auch sei, Osens Anweisungen sehen vor, dass wir unsere Pl�ne weiterf�hren.�</p><p>Regin nickte. �Sie alle?�</p><p>�Ja. Welche Pl�ne, denkt Ihr, k�nnten wir an diesem Punkt fahren lassen?�</p><p>Er zuckte die Achseln und wandte den Blick ab. �Ich wei� es nicht. Ihr sagtet �Pl�ne�, nicht �Plan�. Wir haben nur einen einzigen offiziellen Grund f�r unsere Reise nach Sachaka.�</p><p>�Der es n�tig machen kann, mit einer Vielzahl verschiedener Situationen fertigzuwerden, je nachdem, wie die Sache ausgeht.� Sonea verdrehte ver�rgert die Augen. �Werdet Ihr die ganze Reise damit verbringen, in allem, was ich sage, nach verborgenen Absichten und geheimen Motiven zu suchen?�</p><p>�Wahrscheinlich.� Regin grinste. �Ich kann nicht anders. Es ist eine Angewohnheit. Man k�nnte es als ein Talent betrachten. Ein l�stiges vielleicht, aber ich versuche wirklich, es zum Guten einzusetzen.�</p><p>Sonea seufzte. �Nun, setzt mir nicht ohne guten Grund zu. Das w�re nicht gut.�</p><p>�Nein.� Er sch�ttelte in nachdr�cklicher, �bertriebener Zustimmung den Kopf, und in seinen Augen blitzte Humor auf. Ein L�cheln zupfte an ihren Mundwinkeln, bis sie sich daran erinnerte, dass er recht hatte: Es gab noch einen anderen Grund f�r ihre Reise. Sie versp�rte einen kurzen, aber m�chtigen Drang, ihm von dem Treffen mit den Verr�tern zu erz�hlen.</p><p><emphasis>Noch nicht.</emphasis></p><p>Sie seufzte und leerte ihr Weinglas. �Dann hoffe ich, dass Ihr nicht schnarcht, denn ich bin es gewohnt, Nachtschichten zu machen, und wache leicht auf. Wenn ich keinen vollen Nachtschlaf bekomme, werde ich reizbar sein.�</p><p>Er stand auf und ging auf das Bett auf der anderen Seite des Wandschirms zu. �Ah, Sonea. Ihr bittet mich um das eine, was ich nicht versprechen kann.�</p><p>Sp�ter in der Nacht lag sie wach und lauschte dem Ger�usch seines Atems. Es war nicht laut, aber es war seltsam, jemand anderen in der N�he schlafen zu h�ren.</p><p><emphasis>Und unerwartet beruhigend,</emphasis> wurde ihr bewusst.</p><p>Seit sie zum ersten Mal in den versteckten Kamin zwischen den Vert�felungen von Soneas Hauptzimmer und der Au�enmauer der Magierquartiere geklettert war, fragte sich Lilia, welches sein urspr�nglicher Zweck gewesen war. In allen R�umen gab es solche Kamine, aber Lilia vermutete, dass keiner der Bewohner von ihrer Existenz wusste. Ziegelsteine ragten in regelm��igen Abst�nden aus der Mauer hervor: Sie konnten nur als eine Art Leiter gedacht gewesen sein.</p><p>Cerys Vermutungen schlossen M�llrutschen und Abtritte ein. Gl�cklicherweise gab es keine Anzeichen daf�r, dass der Schacht in letzter Zeit f�r den einen oder anderen Zweck benutzt worden war. Lilia kam er jedenfalls wie ein Schornstein vor, obwohl sich keine Spuren von Ru� auf den Ziegeln oder dem M�rtel befanden.</p><p>Oben angelangt, sp�hte sie durch das Guckloch, das Cery vor langer Zeit gebohrt hatte. Soneas Hauptraum war leer.</p><p><emphasis>Wo ist Jonna?</emphasis></p><p>Vielleicht war die Dienerin in einen der anderen R�ume gegangen. Vielleicht war sie weggerufen worden. Lilia griff nach dem Riegel, dann z�gerte sie. Es war durchaus m�glich, dass Jonna mit einem Besucher in einem der Schlafzimmer war, obwohl Lilia kein guter Grund einfiel, warum ein Fremder bei ihr sein sollte � abgesehen von einigen skandal�sen Gr�nden. Aber Lilia konnte sich nicht vorstellen, dass Jonna so etwas tun w�rde.</p><p>Sie klopfte leicht gegen die Vert�felung, in einem willk�rlichen Muster, das jeder, der nicht wusste, dass hinter dem Holz eine L�cke war, vielleicht f�r das Scharren eines K�fers halten w�rde. Einen Moment sp�ter kam Jonna in den Raum geeilt, und ihr Blick wanderte zu dem Guckloch. Obwohl sie Lilia nicht sehen konnte, nickte sie und winkte mit einer Hand.</p><p>Der Riegel glitt lautlos auf, dann schwang die T�r leise nach innen. Jonna trat vor, um Lilia herauszuhelfen. Der Durchlass befand sich etwas zu hoch in der Wand, als dass der Schritt hinab noch ganz angenehm gewesen w�re, vor allem, wenn man sich wie Lilia tief b�cken musste, um hindurchzupassen.</p><p>�Wie geht es ihnen?�, fragte Jonna.</p><p>�Gut�, antwortete Lilia. �Sie sind dankbar f�r deine Hilfe. Ist Schwarzmagier Kallen schon zur�ck?�</p><p>�Ja, seit ungef�hr zehn Minuten.�</p><p>Lilia ging zu ihrem Schlafzimmer, um wieder ihre Roben anzuziehen. �Dann sollte ich mich besser beeilen, oder ich werde ihn in seinem Nachtgewand erwischen.�</p><p>Jonna gab einen kleinen, erheiterten Laut von sich. �Das w�re ein seltsamer Anblick.�</p><p>Lilia grinste. �Das w�re es sicher.�</p><p>Die schlichte Hose und die Bluse, die Jonna f�r sie gefunden hatte und die sie trug, wenn sie Cery und Anyi besuchte, waren viel besser zum Klettern geeignet, und sie versp�rte eine Woge der Dankbarkeit, als sie die aufgesch�rften Stellen und die Flecken sah, die sie sich in dieser Nacht zugezogen hatte. Es war besser, diese Kleider zu verderben als ihre Roben.</p><p>Nachdem sie sich schnell umgezogen hatte, kehrte sie in den Hauptraum zur�ck.</p><p>�Danke, dass du auf mich gewartet hast�, sagte sie zu Jonna. �Du brauchst jetzt nicht l�nger zu bleiben. Ich werde nach meinem Gespr�ch mit Kallen direkt wieder zur�ckkommen.�</p><p>Jonna zuckte die Achseln. �Es macht mir nichts aus zu bleiben.� Sie straffte sich und stemmte die H�nde in die H�ften. �Ich habe Sonea versprochen, ein Auge auf Euch zu halten, und ich werde nicht gut schlafen, bis ich wei�, dass Ihr zu einer anst�ndigen Stunde wieder in Eurem Bett liegt.�</p><p>Lilia verdrehte die Augen und seufzte. �Niemand hat sich jemals darum Sorgen gemacht, als ich im Novizenquartier gewohnt habe.� Aber es st�rte sie nicht. Es war sch�n, dass sie jemandem wichtig genug war, dass er auf sie achtgab. <emphasis>Ich will ohnehin nicht mehr Zeit mit Kallen verbringen als unbedingt n�tig.</emphasis></p><p>Nachdem sie durch die Hauptt�r in den Flur geschl�pft war, ging sie zu Kallens R�umen und klopfte an. Kurze Zeit sp�ter schwang die T�r nach innen auf. Sofort nahm sie den schwachen Duft von Feuel-Rauch war, aber er war abgestanden und verblasst, als k�me er aus den M�beln. Kallen sa� in einem gro�en Sessel, ein Buch in der Hand und einen Ausdruck milder �berraschung auf dem Gesicht.</p><p>�Lady Lilia�, begr��te er sie. �Kommt herein.�</p><p>Sie trat ein, dr�ckte die T�r zu und verneigte sich. �Schwarzmagier Kallen.�</p><p>�Was kann ich f�r Euch tun?�, fragte er.</p><p>Er zeigte den geduldigen Gesichtsausdruck eines Lehrers, der zu einem schlechten Zeitpunkt von einem Novizen gest�rt wurde. Sie verkniff sich ein L�cheln. Sie fungierte als Botin, nicht als Novizin, und ihre Botschaft war viel wichtiger als eine blo�e Unterrichtsstunde.</p><p>�Ihr wisst, dass ich mich gelegentlich mit Anyi treffe, meiner Freundin und der Leibw�chterin des Diebes Cery�, begann sie und setzte sich auf einen Stuhl. �Ohne das Gel�nde der Gilde zu verlassen�, f�gte sie eilig hinzu.</p><p>Er nickte. �Ja.�</p><p>�Ich habe Euch bereits gesagt, dass Cery sich versteckt und seine �� Sie wedelte mit der Hand und suchte nach dem richtigen Ausdruck. �Seine gesch�ftlichen Arrangements und � Kontakte nicht aufrechterhalten kann.�</p><p>�In der Stadt halten ihn alle f�r tot.�</p><p>�Es ist wahrscheinlich, dass Skellin nicht glauben wird, dass Cery tot ist, bis er einen Leichnam sieht.�</p><p>Kallen nickte. �Oder bis hinreichend Zeit verstreicht.�</p><p>�Das macht Cery zu dem idealen K�der, um Skellin damit anzulocken. Was seine eigene Idee war�, versicherte sie ihm. �Er hat mich gebeten, Euch auszurichten, dass er bereit ist, es zu tun, und er schl�gt vor, dass Ihr Euch mit ihm trefft, um Euch auf einen Ort und eine Zeit zu verst�ndigen.�</p><p>�Hmm.� Kallen runzelte die Stirn und wandte den Blick ab. �Das ist ein sehr gro�z�giges und mutiges Angebot. Eines, das ich bewundere und zu sch�tzen wei�, und ich bin mir sicher, die restlichen Gildemitglieder w�rden genauso denken, wenn sie davon w�ssten. Ein Angebot, das wir vielleicht aufgreifen werden.� Er sch�ttelte den Kopf. �Aber nicht jetzt. Wir erkunden eine andere M�glichkeit. Ich kann Euch noch keine Einzelheiten nennen, aber wenn das Unternehmen Erfolg hat, werden wir Cerys Leben �berhaupt nicht aufs Spiel setzen m�ssen.�</p><p>Lilia versp�rte eine fl�chtige Entt�uschung, dann Erleichterung, gefolgt von Angst. �Wie lange wird es dauern, bis Ihr es wisst? Cerys Versteck ist � nun, es ist sein letzter sicherer Ort. Wenn Skellin dieses Versteck entdeckt, wird Cery nirgendwo sonst hingehen k�nnen.�</p><p>�Was wir tun, l�sst sich nicht �berst�rzen. Es k�nnte Wochen oder Monate dauern. Wie lange glaubt Cery, dass er sich versteckt halten kann?�, fragte Kallen.</p><p><emphasis>Wochen! Monate! </emphasis>�rger loderte in ihr auf, aber als sie Kallen anblickte, sah sie aufrichtige Sorge in seinen Augen. Der �rger verebbte.</p><p>�Ich wei� es nicht. Er wei� es nicht. Skellin k�nnte ihn heute Nacht finden, er k�nnte ihn in einigen Wochen finden. Es ist schwierig, an Essen heranzukommen, ohne gesehen zu werden. Wann immer sie rausgehen, ist es ein Risiko.�</p><p>Kallen legte ihr kurz eine Hand auf die Schulter. �Ich verstehe. Wir tun alles, was wir k�nnen, Lilia. Sagt Cery, dass wir sein Angebot zu sch�tzen wissen und es vielleicht annehmen werden, wenn unsere anderen Pl�ne scheitern. In der Zwischenzeit sollte er alles in seiner Macht Stehende tun, um sich weiter verborgen zu halten.�</p><p>Lilia nickte, dann seufzte sie. �Ich werde es ihm ausrichten. Aber es wird ihm nicht gefallen.�</p><p>�Das nehme ich auch nicht an.� Er warf ihr einen mitf�hlenden Blick zu, aber pl�tzlich wurde ein Stirnrunzeln daraus. �Er wird doch nicht aus Ungeduld etwas T�richtes tun, oder?�</p><p>Sie verkniff sich ein bitteres Lachen. �Das denke ich nicht, aber er ist ein Dieb. Er ist es gewohnt, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.� Als sie sah, dass Kallens Augenbrauen sich noch weiter zusammenzogen, sch�ttelte sie den Kopf. �Anyi und ich werden alles tun, was wir k�nnen, um es ihm auszureden, falls er es versucht. Und Gol predigt Cery auch immer Vernunft, vermute ich.�</p><p>Kallen nickte. �Gut.�</p><p>Lilia stand auf und strich ihre Roben glatt. �Ich sollte besser gehen. Gute Nacht, Schwarzmagier Kallen. Ich hoffe, Eure Pl�ne werden erfolgreich sein.�</p><p>Er nickte. �Vielen Dank. Gute Nacht, Lady Lilia.�</p><p>Als sie sich zur T�r umdrehte, schwang diese auf. Lilia trat in den Flur hinaus und atmete voller Erleichterung die sauberere Luft drau�en ein. Dann verd�sterte sich ihre Stimmung wieder.</p><p><emphasis>Das wird Cery nicht gefallen. Aber ich denke, er vertraut � nein, es ist mehr so, dass er Kallen respektiert, als dass er ihm vertraut � jedenfalls respektiert er ihn genug, um abzuwarten, ob diese anderen Pl�ne funktionieren. </emphasis>Doch das war nicht das Hauptproblem. <emphasis>Wie soll ich Wochen � vielleicht sogar Monate � daf�r sorgen, dass sie zu essen bekommen und nicht entdeckt werden? Irgendjemand muss irgendwann etwas bemerken.</emphasis></p><p>Sie konnte nur hoffen, dass sie das mit Jonnas Hilfe verhindern konnte oder dass Kallens �andere Pl�ne� Erfolg hatten.</p></section><section><title><p>12</p><p>Spione</p></title><p>Denkst du, wir sollten warten, bis Lilia bei uns ist?�, fragte Anyi, w�hrend sie die Decke des Tunnels musterte.</p><p>Cery hob seine Lampe. �Das sieht nicht so aus, als w�rde es genau in diesem Moment einst�rzen.� Der Tunnel war lang, und Anyi hatte ein flottes Tempo vorgegeben. Zu flott. Er hatte die leicht eingesackte Decke ausgenutzt, um innezuhalten und wieder zu Atem zu kommen, und er hoffte, dass die anderen denken w�rden, er sei nur vorsichtig. �Aber woher soll man das so genau wissen?�</p><p>�Keine Ahnung�, gab Anyi zu. �Ich nehme an, der Tunnel wird nicht einst�rzen, solange wir nichts anfassen. Aber wir sollten nicht hierbleiben.�</p><p>Gol gab einen leisen Laut von sich, der nahelegte, dass sie beide verr�ckt waren. Er besah sich die Baumwurzeln, die von der Decke hingen und sich in den W�nden des Tunnels fortsetzten. Als er einen Schritt darauf zu machte, begriff Cery, dass es kein Stirnrunzeln der Missbilligung, sondern des Interesses war.</p><p>Dann sah er, was Gol aufgefallen war. Durch die Wurzeln fiel kein Licht, wie es das h�tte tun sollen. Dahinter musste es dunkel sein. Er ging n�her heran, griff mit dem Finger in die Kaskade wei�er Wurzeln und zog vorsichtig. Sie lie�en sich ohne jeden Widerstand abziehen.</p><p><emphasis>Sie h�ngen nirgends dran. Hinter ihnen ist ein Hohlraum.</emphasis></p><p>�Wir wollten doch nichts anfassen ��, begann Anyi, als er die Wurzel beiseitezog. �Oh.�</p><p>Vor ihnen �ffnete sich der Eingang zu einem anderen Tunnel. Das gleiche verfallene Mauerwerk hielt die Erde zur�ck und bildete das Dach des Gangs. Cery sah seine Tochter an und l�chelte, als sie mit leuchtenden Augen hineinsp�hte.</p><p>�Also, das nenne ich Gl�ck�, bemerkte sie. �Wenn wir fliehen m�ssen, k�nnen wir hier hindurchschl�pfen. Solange unser Verfolger, wer immer er auch sein mag, nicht sieht, wie wir hier verschwinden, w�rde er niemals wissen, wo wir geblieben sind.�</p><p>�Willst du es auskundschaften?�, fragte Cery.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Cery blickte wieder zu Gol hin�ber. �Bleib hier. Wenn du irgendetwas wie einen Einsturz h�rst, geh und hol Lilia.�</p><p>Gol sah aus, als wollte er Einw�nde erheben, aber dann stie� er einen schweren Seufzer aus und nickte. Cery hielt die Wurzeln zur�ck, so dass Anyi hindurchschl�pfen konnte. Sie bewegte sich langsam und hob ihre Lampe, um die W�nde, die Decke und den Boden des Gangs zu untersuchen. Der Tunnel war in keinem schlechteren Zustand als der, dem sie gefolgt waren. Teile waren verfallen, aber im Wesentlichen wirkte er solide.</p><p>W�hrend sie den Gang entlangwanderten, fragte sich Cery, wie Lilias Gespr�ch mit Kallen verlaufen sein mochte. Sie w�rden bis zum Morgen nichts von ihr h�ren. Cery hatte beschlossen, dass sie die Nacht damit verbringen sollten, die Tunnel zu erkunden und zu �berlegen, wo sie ihre Falle f�r Skellin aufstellen k�nnten. Anyi glaubte, dass sie Skellin zu den unterirdischen R�umen in der N�he der Universit�t locken sollten, so dass sie nach oben entkommen konnten. Die R�ume waren diejenigen, in denen Cery Anyi und Lilia angetroffen hatte. Er sp�rte, wie sein Gesicht warm wurde, als er sich daran erinnerte. In dem Hurenhaus, in dem er aufgewachsen war, hatte er Frauen kennengelernt, die die Zuneigung anderer Frauen gesucht hatten, und einige von ihnen hatten Bande gekn�pft, die viele Jahre hielten. Es war nur einer von vielen Wegen gewesen, auf denen er Menschen hatte Freude, Kameradschaft und Liebe suchen sehen. Doch er lernte auch, dass er in einer besonders toleranten Welt lebte. Die meisten Menschen au�erhalb dieser Welt billigten nichts, was sich von ihrer eigenen Erfahrung und ihren eigenen Vorlieben unterschied. Und nicht nur Menschen aus den h�heren Klassen. In der Unterwelt war es genauso.</p><p><emphasis>Ich frage mich, ob ihre Mutter es wei�. Vesta hat immer das Gef�hl genossen, besser zu sein als andere. Sie hat bei anderen immer nach etwas Ausschau gehalten, das sie missbilligen konnte. Manchmal denke ich, sie wollte mich nur deshalb, weil ich ein Dieb war. Es gab ihr das Gef�hl, wichtiger zu sein als die meisten anderen. Nun, f�r eine Weile hat es funktioniert.</emphasis></p><p>Auf keinen Fall wollte er, dass Anyi das Gef�hl hatte, nicht akzeptiert zu werden. Gewiss machte es ihm nichts aus, dass sie mit Lilia zusammen war, aber � ein kleiner Stich des Neids durchzuckte ihn. <emphasis>Ich habe fr�her einmal eine Gildemagierin geliebt, aber diese Liebe ist nur als Freundschaft erwidert worden. </emphasis>Er sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Das klingt zu verdrossen. Soneas Freundschaft ist keine Kleinigkeit, und ich habe tats�chlich anderswo Liebe gefunden.</emphasis></p><p>Er fragte sich, ob Anyi in der Vergangenheit viele Geliebte gehabt hatte, dann erinnerte er sich an ihre Geschichte von einem Partner, der sie verraten hatte. <emphasis>Aha. Das muss der Grund gewesen sein, warum ich ihn nie gefunden habe. Es war kein �er�, es war eine �sie�.</emphasis></p><p>Anyi keuchte leise auf. �Sieh dir das an!�, fl�sterte sie.</p><p>Der Tunnel endete vor einer Backsteinmauer, aber es war keine gew�hnliche Mauer. Man hatte sie mit einem schon vertrauten Mechanismus versehen � es war eine verborgene T�r. Cery entdeckte ein Guckloch, �ber dem ein Messingdeckel lag. Der Deckel war steif und gr�n vom Alter, aber es gelang Cery, ihn aufzuschieben. Als er hindurchschaute, sah er nur Dunkelheit.</p><p>�Ich kann nichts erkennen�, sagte er.</p><p>�Willst du versuchen, die T�r zu �ffnen?�, fragte Anyi.</p><p>Cery dachte nach. Wenn er seiner Phantasie die Z�gel schie�en lie�, beschwor sie gef�hrliche Gefangene oder eingekerkerte Ungeheuer herauf, die nur auf die Chance warteten freizukommen � und alles zu t�ten, was ihnen im Weg stand.</p><p><emphasis>Wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen alten Lagerraum handelt. Au�erdem ist hier kein Schloss, das irgendjemanden daran hindert, die T�r von der anderen Seite zu �ffnen, soweit ich feststellen kann.</emphasis></p><p>Er nickte.</p><p>Anyi nahm den Griff und zog daran, aber die T�r bewegte sich nicht. Als Cery sich den Mechanismus genauer besah, stellte er fest, dass er nicht verrostet war. An den Angeln hingen dicke schwarze Klumpen. Er stocherte darin. Sie waren weich. Wahrscheinlich altes �l oder Fett, das mit der Zeit dick geworden war. Cery versuchte sich ebenfalls an dem Griff, und dann setzten sie beide gleichzeitig ihre ganze Kraft ein, aber ohne Erfolg.</p><p>�Geh und hol Gol�, sagte Cery.</p><p>Er sp�hte wieder durch das Guckloch � er versuchte sogar, die Lampe hochzuhalten und gleichzeitig hindurchzuschauen, sah aber jenseits der T�r nichts als Dunkelheit. Ihm kam der Gedanke, dass das Loch vielleicht blockiert war. Er zog einen Pick aus seinem Mantel und schob ihn hindurch, ohne auf den geringsten Widerstand zu treffen. Also war das Loch nicht blockiert, es herrschte lediglich Dunkelheit auf der anderen Seite der T�r.</p><p><emphasis>Vielleicht ist es eine Falle, vor langer Zeit eingerichtet von Akkarin oder irgendjemand anderem. Vielleicht aus dem gleichen Grund, warum wir Fallen stellen wollen: um Verfolger zu narren und aufzuhalten. Wer wei�, welche Gr�nde die Gilde in der Vergangenheit hatte, diese Tunnel zu graben.</emphasis></p><p>Das Ger�usch von zwei Paar Schritten n�herte sich ihm von hinten, und er drehte sich um. Gol verdrehte die Augen, als er die T�r sah.</p><p>�Du kannst kein R�tsel ungel�st lassen, wie?�, murrte er.</p><p>Cery zuckte die Achseln. Gol verdrehte abermals die Augen, dann trat er vor die T�r und legte die Hand auf den Griff. Er zog einmal, hielt inne, um den Mechanismus zu untersuchen, dann nahm er wieder den Griff.</p><p>�Sei vorsichtig: Du willst dir diese Wunde nicht aufrei�en�, mahnte Anyi.</p><p>Gol trat von dem Griff zur�ck, dann blickte er sich um. Er ging ein kurzes St�ck durch den Gang zur�ck und hob etwas auf. Als er wiederkam, sah Cery, dass es ein Ziegelstein war.</p><p>�Das wird eine Menge ��</p><p>Das Klirren, das den Gang erf�llte, als Gol auf den Mechanismus einschlug, war schmerzhaft laut.</p><p>�� L�rm machen�, beendete Anyi ihren Satz.</p><p>Aber der Schlag schien bewirkt zu haben, was Gol beabsichtigt hatte: Er hatte das Siegel des alten �ls durchbrochen. Der Griff drehte sich unter seiner Hand. Cerys Herz schlug ein wenig schneller, als die T�r aufschwang. Sie war schwer: Die andere Seite war mit d�nnen Ziegelsteinen und M�rtel bedeckt. Die T�r bildete die R�ckwand einer Nische.</p><p>Als das Licht der Lampen die Dunkelheit durchdrang, erhellte es alte h�lzerne Schr�nke und Tische. Cery wurde mutlos vor Entt�uschung. Er war sich nicht sicher, worauf er gehofft hatte. Verborgene Sch�tze vielleicht? Ein besseres Versteck?</p><p>Sie traten in den Raum. Als das Licht aller drei Lampen den Raum ausf�llte, verdr�ngte Furcht Cerys fr�heres Gef�hl freudiger Erwartung. Der Raum war sauber. Da waren weder Staub noch Schutt. Cery trat vor einen der Tische. Er war bedeckt mit kleinen T�pfen. Jeder enthielt Erde und eine winzige Pflanze.</p><p>�Sind wir in der ��, hob Gol zu sprechen an.</p><p>�Still!�, stie� Anyi hervor.</p><p>Als Cery und Gol sich umdrehten, sahen sie, dass Anyi eine schmale Treppe hinaufsp�hte. Sie traten n�her, und als sie ebenfalls an der Treppe waren, h�rten sie von oben Stimmen. Das Knarren eines Griffs, der gedreht wurde, erklang.</p><p>Ohne ein weiteres Wort flohen sie zur�ck in den Tunnel, und Gol zog die T�r hinter sich zu. Cerys Herz h�mmerte so schnell, dass seine Brust schmerzte. Anyi dr�ckte ein Auge gegen das Guckloch, und Gol legte ein Ohr an die T�r. Erheitert zog Cery sanft eine stumm protestierende Anyi beiseite und nahm ihren Platz am Guckloch ein.</p><p>Im Raum dahinter war es nicht l�nger dunkel. Etwas Helles kam die Treppe herunter. Er versp�rte beinahe Erleichterung, als er eine magische Lichtkugel erscheinen sah, und im n�chsten Moment tauchten zwei Magier auf: eine alte Frau und ein junger Mann.</p><p>�Was passiert da?�, murmelte Anyi.</p><p>�Magier. Sie sehen sich im Raum um. Kannst du sie h�ren, Gol?�</p><p>�Schwach�, antwortete der massige Mann. �Einer hat gesagt, er glaube, er habe etwas geh�rt. Die andere Person hat ihm recht gegeben.�</p><p>Die beiden Magier sch�ttelten den Kopf und gingen zu den Tischen. Der Mann griff nach einer Pflanze und stellte sie dann ver�rgert wieder hin.</p><p>�Die alte Frau hat irgendetwas gefragt. Der junge Mann sagt, er sei sich sicher�, vermeldete Gol. Er hielt inne, und Cery konnte das schwache Ger�usch von Stimmen h�ren. Er bedeutete ihnen Stillschweigen, dann presste er das Ohr gegen die T�r.</p><p>�Wir sind also �berlistet worden�, sagte die Frau. Sie klang nicht �berrascht.</p><p>�Ja, wie Ihr es vermutet habt�, erwiderte der j�ngere Magier. �Wenn Ihr dieses � dieses gemeine Gartenkraut � geraucht h�ttet, h�ttet ihr davon nichts anderes bekommen als Kopfweh.�</p><p>�Nun, wir wussten, dass es nicht leicht sein w�rde, an Feuel heranzukommen.�</p><p><emphasis>Feuel? </emphasis>Cery sp�rte, wie etwas Hei�es durch seine Adern raste. <emphasis>Die Gilde will Feuel anbauen?</emphasis></p><p>�Wir werden es einfach weiter versuchen m�ssen�, fuhr die Frau fort. �Skellin muss es irgendwo anbauen � und er muss eine Menge anbauen. Irgendwann wird ihn jemand verraten, wenn wir genug Geld bieten.�</p><p>�Alles, was wir brauchen, sind einige Saatk�rner.�</p><p>�Ich w�nschte, wir w�rden auch die nicht brauchen.�</p><p>Die Stimmen wurden leiser. Cery dr�ckte das Auge erneut auf das Guckloch und beobachtete, wie die beiden Magier die Treppen hinaufgingen und das magische Licht sich vor ihnen erhob. Als abrupt alles Licht verschwand, vermutete er, dass die T�r �ber der Treppe geschlossen worden war. Er entfernte sich von dem Guckloch und beschrieb Anyi und Gol, was er geh�rt hatte.</p><p>�Wozu will die Gilde F�ule?�, fragte Anyi, die stirnrunzelnd die T�r betrachtete.</p><p>�Vielleicht hat sie Potenzial als Heilmittel�, schlug Gol vor.</p><p>�Vielleicht�, wiederholte Cery. �Vielleicht sind jetzt mehr als nur einige wenige Gildemagier s�chtig danach, und sie wollen Skellin die Kontrolle �ber ihre Vorr�te aus der Hand nehmen.�</p><p>�Vielleicht wollen sie Skellin aus dem Gesch�ft dr�ngen�, sagte Gol. �Dann, wenn sie den gesamten Handel kontrollieren, werden sie aufh�ren, es anzubauen.�</p><p>Anyi starrte ihn entsetzt an. �Was ist mit all den Leuten aus dem gemeinen Volk, die s�chtig danach sind? Es w�re � die Leute w�rden verr�ckt werden!�</p><p>�Die Gilde hat die Unterwelt nie daran gehindert zu erwerben, was sie wollte�, rief Cery ihr ins Ged�chtnis.</p><p>Seine Tochter wirkte nicht beruhigt. �Es wird niemals weggehen, nicht wahr?�, fragte sie mit gro�en Augen, als sie begriff. �Feuel wird uns auf ewig erhalten bleiben.�</p><p>�Wahrscheinlich�, stimmte Cery zu.</p><p>Gol nickte. �Aber wenn die Gilde etwas davon in die Hand bekommt und es studiert, werden sie vielleicht eine M�glichkeit finden, daf�r zu sorgen, dass es nicht mehr so schnell s�chtig macht.�</p><p>Anyi wirkte immer noch d�ster. �Ich sch�tze, als Fluchtroute ist das hier nicht besser als die Idee, in die Universit�t zu fliehen?�</p><p>Cery betrachtete die T�r. �Wir wissen nicht, ob die R�ume �ber diesem Keller st�ndig von Magiern besetzt sind. Irgendjemand wird den Raum vermutlich bewachen, falls sie mehr Saatk�rner bekommen und es noch einmal versuchen, aber das k�nnten auch ein oder zwei Diener sein.�</p><p>�Skellin w�rde uns eher dorthin folgen als in die Universit�t�, f�gte Gol hinzu. �Also w�re es vielleicht ein guter Plan, dort unsere Falle zu stellen.�</p><p>�K�nnte sein. Aber lass uns der Gilde nicht verraten, dass wir wissen, dass sie versuchen, Feuel anzubauen, bis wir unser Wissen unbedingt preisgeben m�ssen.�</p><p>�B�se Erinnerungen?�</p><p>Sonea sah Regin �berrascht an. <emphasis>War es so offensichtlich?</emphasis> Seit die Kutsche ihren langsamen Aufstieg in die Berge begonnen hatte, hatte Sonea dunkle und d�stere Gef�hle beiseitegedr�ngt. Zuerst hatte sie sie als Ersch�pfung und Sorge abgetan, aber dann sah sie irgendetwas � einen Baum oder Fels � und war davon �berzeugt, dass sie ihn bereits bemerkt hatte, als sie das letzte Mal �ber diese Stra�e gereist war. Aber gewiss spielte der Verstand ihr nur Streiche. <emphasis>Meine Erinnerung kann nicht </emphasis>so <emphasis>gut sein.</emphasis></p><p>Da sie sich nicht sicher war, ob sie Regins Frage beantworten sollte, zuckte sie die Achseln. Er nickte und wandte den Blick ab. Sie hatte zuerst gedacht, dass ihre Gespr�che deshalb immer wieder verstummten, weil die Aussicht drau�en ihn ablenkte. Im Gegensatz zu ihr hatte er diese Stra�e noch nie zuvor bereist. Jetzt fragte sie sich, ob das Schweigen ihre Schuld war. Ihr war schon seit einer ganzen Weile nicht mehr nach Reden zumute.</p><p><emphasis>Ist das die Stelle, wo wir haltgemacht haben?</emphasis> Eine L�cke hatte sich zwischen den B�umen aufgetan und entbl��te Felder und Wege, die sich bis in die Ferne erstreckten, geteilt von Fl�ssen, Stra�en und anderen von Menschen gemachten Begrenzungen. Die B�ume wirkten jedoch klein. Gewiss w�ren sie in den letzten zwanzig Jahren gr��er geworden. <emphasis>Aber Gegenst�nde neigen dazu, in unserer Erinnerung gr��er zu sein. Obwohl � ich dachte, das gelte nur f�r Gegenst�nde, die man aus seiner Kindheit in Erinnerung hat, weil man damals kleiner war.</emphasis></p><p>�Was ist los?�, fragte Regin.</p><p>Ihr wurde bewusst, dass sie sich nach vorn gebeugt und sich den Hals verrenkt hatte, um besser nach drau�en sehen zu k�nnen. Jetzt lehnte sie sich auf ihrem Sitz zur�ck und zuckte die Achseln.</p><p>�Ich dachte, ich h�tte etwas wiedererkannt.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Eine Stelle, an der wir haltgemacht haben, beim letzten Mal.�</p><p>�Ist � dort etwas passiert?�</p><p>�Nicht wirklich. Niemand hat w�hrend dieser Reise viel gesprochen.� Sie konnte ein L�cheln nicht unterdr�cken. �Akkarin wollte nicht mit mir reden.� <emphasis>Aber ich habe ihn immer wieder dabei ertappt, dass er mich ansah. </emphasis>�Er war w�tend auf mich.�</p><p>Regin zog die Augenbrauen hoch. �Weshalb?�</p><p>�Weil ich daf�r gesorgt hatte, dass sie mich mit ihm ins Exil schickten.�</p><p>�Warum sollte er deswegen w�tend sein?�</p><p>�Sein Plan � oder zumindest dachte ich das damals � bestand darin, sich von Ichani fangen zu lassen und das Ergebnis an alle Magier zu �bermitteln.�</p><p>Regins Augen weiteten sich ein wenig. �Eine mutige Entscheidung.�</p><p>�Oh, sehr ehrenhaft�, erwiderte sie trocken. �Schockiere die Gilde so sehr, dass sie die Gefahr begreift, der sie gegen�bersteht, w�hrend sie die einzige Person opfert, die etwas dagegen unternehmen k�nnte.�</p><p>�Aber das war nicht er. Das wart ihr.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich wusste nicht genug. Ich wusste nicht einmal, wie man Blutringe macht. Wir h�tten die Ichani nicht besiegt, wenn er nicht �berlebt h�tte.� <emphasis>Aber das war nicht der Grund, warum du ihm gefolgt bist, </emphasis>rief sie sich ins Ged�chtnis. <emphasis>Du hast es getan, weil du Akkarin nicht sterben lassen konntest. Liebe ist selbsts�chtig. </emphasis>�Indem ich ihn zwang, mich am Leben zu erhalten, habe ich ihn gezwungen, sich selbst am Leben zu erhalten.�</p><p>�Diese Wochen m�ssen furchtbar be�ngstigend gewesen sein.�</p><p>Sie nickte, aber ihre Gedanken wanderten pl�tzlich zu den Verr�tern. Sie hatte immer den Verdacht gehabt, dass mehr hinter Akkarins Zeit in Sachaka steckte, als er ihr erz�hlt hatte. Einmal, als er Tatsachen f�r sein Buch �berpr�fte, hatte Lord Dannyl sie gefragt, ob irgendetwas dran sei an dem Ger�cht, dass Akkarin in der Lage gewesen sei, die spontanen Gedanken einer Person zu lesen, ohne diese Person zu ber�hren. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass Akkarin davon gesprochen hatte. Die Menschen hatten Akkarin alle m�glichen au�ergew�hnlichen F�higkeiten zugeschrieben, noch bevor offenbart wurde, dass er schwarze Magie erlernt hatte.</p><p><emphasis>Vielleicht war er dazu in der Lage, hat es jedoch geheim gehalten. Wie sein Abkommen mit den Verr�tern. Getroffen mit keiner geringeren Person als der K�nigin der Verr�ter, obwohl sie damals noch nicht K�nigin gewesen war. Ich bin mir sicher, dass er mir erz�hlt hat, die Person, die ihn schwarze Magie lehrte, sei ein Mann gewesen. War es eine vors�tzliche L�ge, um zu helfen, die Existenz der Verr�ter verborgen zu halten? Ich kann nicht umhin, ein wenig gekr�nkt dar�ber zu sein, dass er mir die Wahrheit nicht anvertraut hat, aber andererseits h�tte ich auch nicht gewollt, dass er ein Versprechen bricht, das er jemandem gegeben hat, der ihm das Leben gerettet hat.</emphasis></p><p>Seufzend blickte sie aus dem Fenster zur Sonne hin�ber, die tief am Himmel hing. Ihre Erinnerung an das Ende der Fahrt zum Fort beinhaltete nackten Fels und wenig Vegetation. Jetzt trat zwar hier und da kahler Fels zutage, aber der Baumbestand war wesentlich �ppiger, als sie es in Erinnerung hatte. <emphasis>Wir werden sp�ter eintreffen, als ich geplant habe � vielleicht sogar nach Einbruch der Dunkelheit.</emphasis></p><p>Eine scharfe Kurve zwang sie, sich abzust�tzen. �berrascht lehnte sie sich dicht ans Fenster und blinzelte angesichts der unerwarteten Helligkeit einer hohen, gew�lbten Mauer, die vor ihnen in der sp�ten Sonne gelb loderte.</p><p><emphasis>Doch nicht so sp�t</emphasis>, dachte sie. <emphasis>Auf all den kahlen Fl�chen, die ich in Erinnerung habe, scheinen jetzt B�ume zu stehen.</emphasis></p><p>�Wir sind da�, sagte sie zu Regin, und er setzte sich neben sie, so dass er auf der anderen Seite aus dem Fenster schauen konnte.</p><p>Sie beobachtete sein Gesicht und erhaschte Echos der Ehrfurcht, die sie als junge Frau versp�rt hatte, als sie das Fort zum ersten Mal sah. Das Geb�ude war ein riesiger, aus solidem Fels gehauener Zylinder und f�llte die L�cke zwischen zwei hohen, fast vertikalen Felsw�nden aus. Aber als sie sich wieder dem Fenster zuwandte, sah sie, dass die Front des Forts nicht so makellos glatt war, wie sie sie in Erinnerung hatte. Ein Stein von anderer Farbe war benutzt worden, um gro�e Risse und L�cher zu f�llen. Das mussten Reparaturen sein, die nach der Invasion der Ichani durchgef�hrt worden waren. Sie schauderte bei der Erinnerung an die Schlacht hier, die alle Magier mit angesehen hatten, weil der Krieger, der die Verst�rkung des Forts anf�hrte, Lord Makin, ihnen seine Eindr�cke vermittelt hatte, bis er unter den H�nden der Eindringlinge gefallen war.</p><p>Die Kutsche kam vor dem Turm zum Stehen. Ein rotgewandeter Magier und der Hauptmann der Festungswache eilten ihnen entgegen. Sonea entriegelte und �ffnete den Wagenschlag mit Magie, dann hielt sie inne, um Regin anzuschauen. Die Aufregung in seinen Z�gen lie� ihn j�nger aussehen � beinahe knabenhaft. Es brachte eine blitzartige Erinnerung an ihn als l�chelnden jungen Mann an die Oberfl�che, aber sie glaubte nicht ganz, dass die Erinnerung real war. In ihrer Erinnerung an den Regin dieses Alters war sein L�cheln stets voller b�sartigem Triumph oder H�me gewesen.</p><p><emphasis>Doch das ist lange her,</emphasis> dachte sie, als sie aus der Kutsche stieg. <emphasis>Tats�chlich erinnere ich mich nicht daran, dass er in diesem letzten Jahr viel gel�chelt h�tte. Es sei denn mit erzwungener H�flichkeit oder vielleicht aus Mitgef�hl. </emphasis>Zu ihrer �berraschung war sie traurig. <emphasis>Er ist ein sehr ungl�cklicher Mann, </emphasis>begriff sie.</p><p>�Seid mir gegr��t, Schwarzmagierin Sonea�, sagte der rotgewandete Magier. �Ich bin W�chter Orton. Dies ist Hauptmann Pettur.�</p><p>Der Hauptmann verneigte sich. �Willkommen im Fort.�</p><p>�W�chter Orton.� Sonea neigte den Kopf. �Hauptmann Pettur. Danke f�r das herzliche Willkommen.�</p><p>�Plant Ihr immer noch, �ber Nacht zu bleiben?�, fragte Orton.</p><p>�Ja.� Der Titel eines W�chters war f�r den Anf�hrer der Magier geschaffen worden, die jetzt zusammen mit der regul�ren, nichtmagischen Garde das Fort bewachten. Die Gilde hatte sich Sorgen gemacht, dass kein Magier sich f�r die Rolle freiwillig melden w�rde, daher hatten sie dem Amt zus�tzliche Vorteile in Gestalt von Einfluss und Wohlstand gegeben. Das w�re nicht notwendig gewesen. W�chter Orton und sein Vorg�nger waren beides M�nner, die gegen die sachakanischen Eindringlinge gek�mpft hatten und entschlossen waren, daf�r zu sorgen, dass kein Sachakaner jemals wieder so leicht nach Kyralia kommen konnte.</p><p>�Hier entlang�, sagte Orton und deutete auf die offenen Tore am Fu� des Turms.</p><p>Sonea versp�rte einen Schauder des Wiedererkennens, als sie den Tunnel dahinter sah. Sie traten in das sehr ged�mpfte Licht, das in dem Durchgang herrschte. Lampen beleuchteten den Weg und offenbarten weitere Reparaturarbeiten und die Fallen und Barrieren, die hinzugef�gt worden waren.</p><p>�Wir haben ein Denkmal f�r jene errichtet, die zu Beginn der Invasion hier gestorben sind�, erkl�rte Orton und zeigte auf die Mauer vor ihnen, in die eine Liste mit Namen eingelassen war.</p><p>Sonea blieb stehen, um die Namen zu lesen. Sie fand Lord Makins Namen, aber die �brigen waren ihr unvertraut. Viele der Opfer waren einfache Gardisten gewesen. Ganz oben auf der Liste standen l�ngere Namen von M�nnern, deren Haus und Familie genannt wurden � M�nner aus der h�chsten Klasse, die eine Laufbahn in der Garde angestrebt hatten und denen eine Position von Macht und Respekt sicher gewesen war.</p><p>Noch dar�ber standen die Magier. Die Namen von Familien und H�usern waren vertraut, aber sie war zu jung gewesen und zu neu in der Gilde, um irgendwelche von den Magiern pers�nlich gekannt zu haben. Bis auf einen.</p><p>Ferguns Name erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie versp�rte eine unbehagliche Mischung aus Abneigung, Mitleid und Schuldgef�hlen. Er war ein Opfer des Krieges gewesen. Trotz allem, was er getan hatte, hatte er nicht verdient zu sterben, indem ein sachakanischer Magier alle Energie aus ihm herausriss.</p><p><emphasis>Aber das �ndert nichts an der Tatsache, dass er kein guter Mensch war.</emphasis></p><p>Bei diesem Gedanken verebbten die widerstreitenden Gef�hle. Sie verstand, dass es m�glich war, bek�mmert �ber die Ungerechtigkeit des Todes einer Person zu sein, auch wenn sie diese Person nicht als guten Menschen in Erinnerung hatte.</p><p><emphasis>Und es ist ein Bleibehaus nach ihm benannt worden.</emphasis> Sie wandte sich ab. <emphasis>Was ihn sicher aus g�nzlich anderen Gr�nden entsetzt h�tte, als es mich entsetzt hat.</emphasis></p><p>W�chter Orton f�hrte sie zu einer dunklen, schmalen T�r. Es folgte eine komplizierte Prozedur, in der er sich selbst, den Hauptmann und ihre Besucher identifizierte, und dann ert�nten alle m�glichen Ger�usche, als ein Schlie�mechanismus bedient wurde. Als die T�r sich �ffnete, sah Sonea zu ihrer Erheiterung, dass sie eine Handspanne dick war und aus Eisen gemacht. Sie kamen in einen Raum, dann durchliefen sie die gleiche Prozedur, um durch eine weitere, ebenso robuste T�r zu gehen. Die Besatzung des Forts ging keine Risiken mehr ein.</p><p>Ein schmaler, kurvenreicher Gang f�hrte steil nach oben. Die Enden von Rohren, die aus beiden Seiten ragten, lie�en darauf schlie�en, dass irgendetwas in den Raum gesch�ttet werden konnte. <emphasis>Wasser oder etwas weniger Angenehmes?</emphasis> K�rperliche Verteidigungsma�nahmen w�rden einen Magier nicht zwangsl�ufig aufhalten, aber sie konnten Macht verbrauchen oder einen Magier dazu bringen, in seiner Wachsamkeit nachzulassen. Die Flure waren als Labyrinth angelegt, um zu verwirren und die Orientierung zu rauben und fliehenden Bewohnern Zeit zur Flucht zu verschaffen.</p><p>Als sie das Ende des Ganges erreicht hatten, hielt Orton inne, um Sonea anzusehen.</p><p>�Ich hoffe, Ihr habt Euch nicht darauf verlassen, dass die Sachakaner nichts von Eurem Eintreffen hier bemerken w�rden.�</p><p>Sie sah ihn an, und ein Fr�steln �berlief sie. �Warum?�</p><p>�Wir sind uns sicher, dass die Stra�e beobachtet wird. Patrouillen haben Spuren und andere Beweise auf der kyralischen Seite der Berge gefunden. Nat�rlich k�nnen wir die sachakanische Seite nur von fern beobachten, aber unsere W�chter haben kleine Gruppen von M�nnern gesehen, die sich dort bewegt haben.�</p><p>�Ichani?�</p><p>Orton runzelte die Stirn. �Das nehme ich nicht an. Ichani haben nicht so erstklassige Verpflegung dabei. Wer immer sie sind, sie bem�hen sich nicht, ihre Spuren zu verbergen, wenn sie sich auf unsere Seite wagen. Vielleicht weil ihnen gar nicht bewusst ist, dass sie auf unserer Seite waren. Es ist nicht so, als g�be es eine Linie, wo die Grenze verl�uft.�</p><p>Es war kein beruhigender Gedanke, falls die Ichani es sich zur Gewohnheit machten, nach Kyralia her�berzukommen. Aber die Ausgesto�enen, die die Berge bewohnten, waren schon immer ein unorganisierter Haufen gewesen, und sie hatten h�ufiger einander aufgelauert als dem gelegentlichen ungl�cklichen Reisenden. Die besch�mende Tatsache war, die Invasoren, die Kyralia beinahe �bernommen h�tten, hatten das nur getan, weil einer von ihnen die Willenskraft besessen hatte, eine Handvoll von ihnen zu einen � und um das zu tun, hatte er Jahre gebraucht.</p><p>Eine organisierte sachakanische Armee w�re unaufhaltsam gewesen. W�re es vielleicht noch heute. Und hier war sie, eine der wenigen kyralischen Verteidigungswaffen, und sie war auf dem Weg nach Sachaka, um ihren Sohn zu retten. <emphasis>Ich muss hoffen, dass Kallen und Lilia Verteidigung genug sind, falls die Sachakaner meine Abwesenheit ausnutzen sollten. Einer ist von Feuel abh�ngig. Die andere ist eine naive junge Frau. </emphasis>Pl�tzlich f�hlte sie sich benommen, und ihr war �bel.</p><p><emphasis>Es wird Zeit aufzuh�ren, dar�ber nachzudenken, </emphasis>ermahnte sie sich.</p><p>�Was denkt ihr dann, wer diese Leute sind?�, fragte sie.</p><p>�Spione.�</p><p>�Des sachakanischen K�nigs?�</p><p>Orton nickte. �Wessen Spione k�nnten sie sonst sein?�</p><p><emphasis>Ja, in der Tat, wessen Spione sonst.</emphasis></p><p>Mehrere gewundene Flure sp�ter erreichten sie ein Esszimmer, das gro� genug f�r zehn Personen war. Es war eingedeckt mit beeindruckend feinem Porzellan. Drei Frauen und zwei M�nner warteten darauf, vorgestellt zu werden. Zwei Unterhauptleute und ihre Ehefrauen sowie die Ehefrau eines abwesenden Hauptmanns. Orton lud sie alle ein, sich zu setzen, nahm selbst Platz und bat einen Diener, das Essen zu bringen.</p><p>Die Mahlzeit war �berraschend gut. Orton erkl�rte, dass er glaube, gutes Essen wirke Wunder f�r die Moral der Menschen hier, die immer fern von Imardin leben m�ssten und von einer m�glichen Invasion bedroht waren. Einheimische Farmer und J�ger profitierten ebenfalls von dem Handel. Doch die Mahlzeit war keine g�nzlich entspannte. Sie wurden mehrmals von Wachen unterbrochen, die Nachrichten brachten oder Bericht erstatteten. Zuerst lauschte Sonea aufmerksam, weil sie vermutete, dass etwas Wichtiges geschehen sein m�sse, aber es wurde offenbar, dass dies schlichte Routine war, die niemals ausgesetzt wurde � nicht einmal w�hrend eines Essens mit einer hochrangigen Magierin.</p><p>Die anderen G�ste waren daran gew�hnt und hielten in ihrer Unterhaltung kaum inne. Sonea begriff erst, dass sie aufgeh�rt hatte, auf die Berichte zu achten, als Orton ein Gespr�ch unterbrach, das sie mit Hauptmann Pettur f�hrte.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte er mit ernstem und f�rmlichem Tonfall.</p><p>Als sie sich umdrehte, sah sie, dass seine Augen trotz seines gelassenen Gesichtsausdrucks Sorge verrieten.</p><p>�Ja, W�chter Orton?�</p><p>�Es ist gerade eine seltsame Botschaft eingetroffen.� Er reichte ihr ein St�ck Papier, das auf merkw�rdige Weise spitz zulaufend gefaltet war. �Die diensthabenden Wachen, die es erhalten haben, sagten, es sei wie ein Vogel durch die Luft geglitten und zu ihren F��en gelandet.�</p><p>Sie betrachtete die saubere Schrift, und ihr Herz setzte einen Schlag aus, obwohl sie nicht entscheiden konnte, ob der Grund Aufregung oder Furcht war.</p><p><emphasis>Wir raten Schwarzmagierin Sonea, im Fort zu bleiben, bis sicheres Geleit arrangiert werden kann. Anweisungen folgen bald.</emphasis></p><p>Unter der Schrift stand ein Symbol, ein Kreis mit einer hineingekritzelten Spirale. Lorkin hatte es Administrator Osen beschrieben und gesagt, dass es ein Symbol war, das die Verr�terinnen benutzten, um sich zu identifizieren. Ein Prickeln der Erregung stieg in ihr auf. Schon bald w�rde sie pers�nlich die Menschen kennenlernen, die Lorkin so sehr beeindruckt und Akkarin vor all den Jahren geholfen hatten, der Sklaverei zu entfliehen.</p><p>Sonea lie� das Papier mit Magie in der Luft schweben und setzte es in Brand. Die anderen G�ste murmelten �berrascht, w�hrend es sich schnell in Asche verwandelte. Dann wandte sie sich Orton zu und l�chelte. �Ich denke nicht, dass diese Spione noch sehr lange ein Problem sein werden, W�chter Orton.�</p><p><emphasis>Nachdem ich mehrere N�chte auf einem kalten Steinboden gelegen habe, sollte ich eigentlich keine Schwierigkeiten haben, jetzt zu schlafen, da ich ein richtiges Bett habe. Was ist los mit mir?</emphasis></p><p>Lorkin konnte sp�ren, dass sein K�rper verkrampft war. Wie sehr er sich auch dehnte und Atem�bungen machte, wie sehr er sich bem�hte, sich in dem weichen Bettzeug zu entspannen, er fand keine Ruhe. Wenig hilfreich waren nat�rlich die Erinnerungen an das Sklavenm�dchen, die ihn regelm��ig heimsuchten, sobald sein Geist kurz vor dem Einschlafen auf Wanderschaft ging.</p><p>Er wollte nicht an sie denken.</p><p>Aber er tat es.</p><p>Sie hatte das Wasser so eifrig getrunken, als h�tte sie gewusst, was es enthielt. Vielleicht war sie doch eine Verr�terin gewesen. Zu Anfang hatte sie sich bem�ht, die Wirkung des Giftes zu verbergen. Gewiss bedeutete das, dass sie gewusst hatte, was sie eingenommen hatte. Schlie�lich hatte sie nicht mehr leise sein k�nnen. W�re nicht der W�chter gewesen, der eingegriffen und sie aus der Zelle gezerrt hatte, h�tte Lorkin nachgegeben und sie geheilt. In einem Ausbruch von Frustration und Selbstverachtung hatte Lorkin den Wasserkrug nach dem Mann geworfen, aber der Krug hatte die Gitterst�be getroffen und war zersprungen.</p><p>Anschlie�end war der Ashaki, der ihn verh�rt hatte, eingetroffen. Lorkin hatte erwartet, dass er voller H�me sein und offenbaren w�rde, dass der Tod der Sklavin von Anfang an geplant war, aber er hatte das tote M�dchen stumm untersucht, kein Wort zu Lorkin gesagt und war mit einem besorgten Stirnrunzeln davongegangen.</p><p>Am n�chsten Morgen hatten M�nner, die Lorkin noch nie zuvor gesehen hatte, ihn aus der Zelle geholt und in einen kleinen Innenhof gebracht. Als die Kutsche, in die sie ihn gesetzt hatten, am Gildehaus angelangt war, hatte Lorkin sich gefragt, ob er einen besonders lebhaften Traum hatte.</p><p>Es war kein Traum. Der K�nig hatte ihn freigelassen. Es war keine Erkl�rung daf�r abgegeben worden. Keine Entschuldigung f�r seine Einkerkerung. Nur der Befehl, im Gildehaus zu bleiben.</p><p><emphasis>Warum?</emphasis></p><p>Lorkin rollte sich auf die Seite. Seine Lichtkugel brannte sanft �ber ihm, und er hatte eine Barriere �ber die T�r gelegt; beides verbrauchte langsam, was noch von der Magie �brig war, die Tyvara ihm gegeben hatte. Obwohl er jetzt in einem anderen Raum schlief als dem, in dem Riva gestorben war, war die Erinnerung an jemanden, der in der Dunkelheit auf sein Bett gekrochen war, �berraschend lebhaft und unangenehm � ungeachtet der Tatsache, dass das Erlebnis selbst zu Beginn recht angenehm gewesen war. Er konnte nicht umhin, sich vorzustellen, dass jemand in der Dunkelheit lauerte oder dass er neben einem Leichnam lag.</p><p><emphasis>Augen, die blicklos zur Decke emporstarren. Wie die Sklavin in dem Gef�ngnis.</emphasis></p><p>Er schaute zu der leuchtenden Kugel hoch und gab seine Hoffnung auf Schlaf auf.</p><p>Dann �ffnete er die Augen, und obwohl sich nichts ver�ndert hatte, wusste er, dass Zeit vergangen war. Er war eingeschlafen, nachdem er den Versuch einzuschlafen aufgegeben hatte. Aber warum war er aufgewacht? Er konnte sich an keinen Traum oder Albtraum erinnern.</p><p>Ein dumpfer Aufprall aus dem zentralen Raum lie� sein Blut gefrieren, und er erstarrte. Er zwang sich, den Kopf zu drehen, schaute an der Schlafzimmert�r vorbei und sah Licht in dem Raum dahinter.</p><p><emphasis>Irgendjemand ist dort drin �</emphasis></p><p>Er lie� die Barriere �ber der T�r fallen und schuf eine um sich selbst herum, dann erhob er sich und n�herte sich vorsichtig dem anderen Raum. Zwei Sklaven befanden sich mitten im Raum. Ein junger Mann lag auf dem Boden, und eine Frau in mittleren Jahren beugte sich �ber ihn, eine Hand auf seinen Kopf gedr�ckt, ein Messer in der anderen.</p><p><emphasis>Oh nein. Nicht schon wieder.</emphasis></p><p>Aber dann blinzelte der Mann. Er lebte. <emphasis>Sie liest seine Gedanken, </emphasis>begriff Lorkin. Als sie zu ihm aufschaute, erkannte er in ihr eine der K�chensklavinnen. �Lorkin�, sagte sie. Sie nahm die H�nde von der Stirn des Mannes und stand auf. �Ich bin Savi. Die K�nigin l�sst Euch gr��en.�</p><p>Lorkin nickte. �Wie geht es ihr?�, fragte er automatisch, dann wurde ihm klar, dass er sich zuerst bei der Frau bedanken sollte, da der Mann, den sie niedergerungen hatte, h�chstwahrscheinlich beabsichtigt hatte, ihn umzubringen.</p><p>�Sie ist tot.� Sie verzog das Gesicht. �Vor zwei Tagen.�</p><p>�Oh.� Er dachte an Zaralas schelmische Augen und an ihren Sinn f�r Humor und versp�rte eine Welle der Traurigkeit. �Es tut mir leid, das zu h�ren. Sie war sehr nett.� Dann kam ihm ein Gedanke. �Sie wurde doch nicht �? Wie ist sie �?�</p><p>�Sie hat das nat�rliche Ende eines langen Lebens erreicht.� Savi richtete sich auf. �Savara wurde an ihrer Stelle gew�hlt.�</p><p>Lorkin nickte abermals, nicht sicher, ob es h�flich war, Freude �ber die Nachricht von einer neuen K�nigin zum Ausdruck zu bringen, wenn die alte erst vor so kurzer Zeit gestorben war. Die Spionin hatte es ihm auf eine sachliche Weise erz�hlt, die die Vermutung nahelegte, dass sie keine Kommentare von ihm erwartete. Er war froh zu h�ren, dass Savara zur neuen K�nigin gew�hlt worden war. Nicht nur weil sie ihm viele Male geholfen hatte und Tyvaras Vorgesetzte war, sondern weil sie klug, offen und gerecht war.</p><p>Die Spionin drehte sich zu der Hauptt�r um. Der Grund f�r ihre Geistesabwesenheit erschien einen Moment sp�ter, als Dannyl und eine weitere Sklavin eintraten.</p><p>Dannyl betrachtete den Mann auf dem Boden, der zwar wach war und sie alle anstarrte, sich aber nicht bewegte, dann sah er Savi und Lorkin an.</p><p>�Was ist passiert?�, fragte er.</p><p>Lorkin zuckte die Achseln. �Ich bin mir nicht ganz sicher.� Er wandte sich an Savi.</p><p>�Es hat in letzter Zeit einige Neuzug�nge bei den Sklaven gegeben, w�hrend andere abgezogen wurden, und diese Dinge waren verd�chtig�, erkl�rte sie ihnen. �Dieser hier�, sie deutete auf den Mann auf dem Boden, �ist kein Sklave. Er ist ein Magier von geringem Status. Man hat ihm Land und den Status eines Ashaki angeboten, wenn er sich als Sklave ausgab und half, Lorkin zu entf�hren.�</p><p>�Ihn zu entf�hren?�, wiederholte Dannyl. �Schon wieder?�</p><p>Ein warmer Ausdruck der Erheiterung trat in Savis Augen. �Nicht durch uns. Er hat das Angebot durch einen Freund erhalten. Er glaubt, dass es vom K�nig kam, obwohl er keinen Beweis daf�r hat.�</p><p>�Nat�rlich nicht.� Dannyl sah sich im Raum um, und sein Blick konzentrierte sich schlie�lich auf die Sklavin, die ihn in den Raum gebracht hatte. �Ist sie �?�</p><p>�Vertrauensw�rdig? Ja�, antwortete die Verr�terin.</p><p>�Gut.� Dannyl betrachtete die j�ngere Frau. �K�nntest du Botschafter Tayend wecken und ihn hierherbringen?�</p><p>Die Sklavin nickte und eilte davon. Sie hatte sich nicht auf den Boden geworfen oder sich auch nur verbeugt, wurde Lorkin bewusst. Dannyl war zu sehr mit seinen eigenen Gedanken besch�ftigt, um es zu bemerken. Er ging zu dem Mann hin�ber und starrte auf ihn hinab. �Nicht gefesselt�, murmelte er.</p><p>�Ich habe seine St�rke genommen�, erwiderte Savi. �Wollt Ihr, dass ich ihn t�te?�</p><p>�Nein. Jedenfalls nicht jetzt schon. Wir sollten aber nichts in seiner H�rweite oder vor seinen Augen er�rtern.�</p><p>Die Frau zuckte die Achseln. Eine Kuppel wei�en Lichts bedeckte das Gesicht des Mannes. �Er wird Euch nicht h�ren oder sehen. Ich bin �brigens Savi.�</p><p>�Danke f�r dein Eingreifen, Savi�, sagte Dannyl. �Er denkt also, der K�nig stecke dahinter?�</p><p>Sie nickte. �Amakira hat wahrscheinlich beabsichtigt, den Verr�tern die Schuld an Lorkins Entf�hrung in die Schuhe zu schieben.�</p><p>�Woraufhin er Lorkins Gedanken gelesen h�tte ��</p><p>�Woraufhin er es versucht h�tte�, korrigierte ihn die Spionin.</p><p>�Sie h�tten die Informationen aus ihm herausgefoltert und ihn dann get�tet und es so aussehen lassen, als h�tten die Verr�ter es getan.�</p><p>Ein Schauer �berlief Lorkin. Bilder der gefolterten Sklavin blitzten vor seinem inneren Auge auf. <emphasis>Ich bin mir nicht sicher, ob ich so lange durchhalten w�rde wie sie.</emphasis></p><p>Eine Bewegung an der T�r erregte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden im Raum. Tayend trat ein, und die junge Sklavin folgte ihm. Er sah nacheinander den am Boden liegenden Mann, Savi, Lorkin und Dannyl an und h�rte schweigend zu, w�hrend man ihm alles erz�hlte, was besprochen worden war.</p><p>�Was jetzt z�hlt, ist die Frage, was der K�nig tun wird, wenn er begreift, dass sein Plan gescheitert ist�, sagte er. �Wir haben keinen Beweis daf�r, dass er dies arrangiert hat. Wenn wir es andeuteten, w�re das eine Beleidigung. Er k�nnte auch beschlie�en, Lorkin einfach zu seinem eigenen Schutz aus dem Gildehaus zu entfernen.� Er sah Lorkin an. �Irgendwohin, wo niemand ihn finden wird.�</p><p>Lorkin zuckte zusammen. �K�nnen wir so tun, als sei nichts geschehen?�</p><p>Dannyl und Tayend tauschten einen Blick.</p><p>�K�nnten wir�, erwiderte Tayend, �w�re dieser Mann hier nicht. Wir k�nnen ihn nicht t�ten. Er gilt wohl als Eigentum des K�nigs.�</p><p>Dannyl betrachtete den Mann mit schmalen Augen. �Nun, wenn wir alle so tun, als sei er einfach ein Sklave � wir k�nnten sagen, dass wir ihn dabei ertappt haben, wie er Magie benutzte, und verlangen, dass er entfernt wird. Wir m�ssten warten, bis er seine St�rke wiedererlangt hat, oder sie werden sich fragen, wie es einer von uns geschafft hat, ihm seine Macht zu nehmen.�</p><p>�Wir k�nnen ihn nicht wegschicken. Er wei�, dass Savi eine Verr�terin ist�, protestierte Lorkin. �Wenn er das dem K�nig erz�hlt, wird sie in Gefahr sein.�</p><p>Dannyl sah Savi an. �K�nnt Ihr fortgehen?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Dieses Haus wird streng bewacht, Tag und Nacht. Essen und andere Vorr�te werden hierhergebracht. Die Sklaven, die versucht haben, das Haus wegen anderer Dinge zu verlassen, sind aufgehalten worden.� Sie blickte auf den Spion hinab. �Der K�nig k�nnte seine Anwesenheit hier immer noch als Grund benutzen, Lorkin an einen sicheren Ort bringen zu lassen. Ich vermute, es gibt hier weitere Sklaven, die Amakiras Spione sind.�</p><p>Sie tauschten stumme, besorgte Blicke. Dann seufzte Dannyl und sah Lorkin an.</p><p>�Wir m�ssen dich aus Sachaka wegbringen.�</p><p>�Ich kann dir nur zustimmen�, murmelte Tayend. Er sah Savi an. �Ich nehme an, diese Einschr�nkung der Bewegungsfreiheit unserer Sklaven bedeutet, dass Eure Leute das nicht arrangieren k�nnen?�</p><p>�Wenn wir es k�nnten, h�tten wir es bereits getan.�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Ich w�nschte, ich h�tte davon gewusst. Ich erwarte nicht, alles zu wissen, aber je mehr ich wei�, desto einfacher ist es, Entscheidungen zu treffen.�</p><p>�Wenn ich es Euch erz�hlt h�tte, h�tte ich offenbart, wer ich bin�, bemerkte Savi.</p><p>Dannyl wandte sich zu der Verr�terin um. �Nun, Ihr habt es jetzt getan, und das k�nnte zu unserem Vorteil sein. K�nntet Ihr die Gedanken aller Sklaven hier lesen? Herausfinden, welche von ihnen Amakiras Spione sind � und ob irgendwelche von ihnen Magier sind?�</p><p>Sie nickte langsam. �Ja�, sagte sie, jedoch mit Widerstreben.</p><p>Lorkin runzelte die Stirn. <emphasis>Aber das w�rde allen Sklaven verraten, wer sie ist. Doch wie sonst sollen wir herausfinden, welche Sklaven Spione oder m�gliche Entf�hrer sind?</emphasis> Dann fr�stelte es ihn, als ihm etwas anderes einfiel.</p><p>Sie war nicht die einzige Person im Gildehaus, die Gedanken lesen konnte.</p><p>Aber wenn er offenbarte, dass er es konnte, w�rde er viel, viel mehr offenbaren. <emphasis>Irgendwann muss ich es tun, und ich lasse nicht zu, dass meinetwegen eine weitere Frau gefoltert und get�tet wird.</emphasis></p><p>�Ich werde es tun�, erkl�rte er.</p><p>Dannyl und Tayend starrten ihn an.</p><p>�Du kannst �?� Tayends Augenbrauen zuckten in die H�he. �Oh!�</p><p>Lorkin sah, wie Dannyl die Stirn runzelte, und wappnete sich gegen die Missbilligung des Mannes, aber dieser sch�ttelte nur den Kopf.</p><p>�Zieh keine voreiligen Schl�sse, Tayend�, mahnte er. �Sonea hat gelernt, Gedanken zu lesen, bevor sie schwarze Magie erlernt hat.�</p><p>Tayend wirkte erleichtert. �Wirklich? Ich dachte, dass nur Schwarzmagier in der Lage w�ren, die Gedanken einer Person zu lesen, die damit nicht einverstanden ist.�</p><p>Dannyls Lippen verzogen sich zu einem grimmigen L�cheln. �Wir lassen die Menschen in diesem Glauben. Wie schwarze Magie ist es eine F�higkeit, die zu leicht missbraucht werden k�nnte.�</p><p>Tayend drehte sich um, um Lorkin zu betrachten, und sein Blick war scharf und nachdenklich. <emphasis>Er fragt sich, was ich sonst noch gelernt habe. Sollte ich ihm jetzt die Wahrheit sagen? Es k�nnte verd�chtig wirken, wenn ich es zu lange verberge.</emphasis></p><p>�Eine weitere Information, die du mir nicht gegeben hast, damit ich sie nicht offenbaren kann, wenn ich verh�rt werde?�, fragte Dannyl.</p><p>Lorkin nickte. <emphasis>Er hat recht. Ich kann es ihm noch nicht sagen.</emphasis></p><p>�Nun �� Dannyl wandte sich an Savi. �Ich werde alle Ausg�nge des Hauses blockieren, um sicherzustellen, dass niemand versucht, es zu verlassen. In der Zwischenzeit weckt den obersten Sklaven und schickt ihn ins Herrenzimmer, wo Lorkin ihm befehlen wird, alle Sklaven zu ihm zu bringen, um ihre Gedanken zu lesen.� Er betrachtete den gescheiterten Entf�hrer. �Wir sollten ihn irgendwo einsperren, wo man ihn nicht sieht.� Er seufzte. �Dies kann kaum als �Plan� bezeichnet werden, aber es wird uns Zeit verschaffen, um uns etwas Besseres einfallen zu lassen.�</p></section><section><title><p>13</p><p>Unerwartete Hilfe</p></title><p>Ich bin ein wenig � neu in diesem Metier�, erkl�rte Lorkin mit entschuldigender Miene, als Dannyl sich neben ihn setzte. �Es k�nnte eine Weile dauern.�</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. ��berst�rze es nicht. Ich habe jede Menge Stoff zum Nachdenken. Wie die Frage, wie wir dich aus diesem Schlamassel befreien k�nnen.�</p><p>�Lasst uns hoffen, dass wir Zeit genug f�r beide Aufgaben haben.� Lorkin rief einen der Sklaven herbei. Der Mann warf sich zu Boden. Lorkin befahl dem Sklaven, sich vor ihm hinzuknien, dann legte er dem Mann beide H�nde an den Kopf und schloss die Augen.</p><p>Dannyl betrachtete die �brigen wartenden Sklaven. Abgesehen von einigen �berrascht hochgezogenen Augenbrauen verrieten sie durch nichts, welche von ihnen m�glicherweise Spione des K�nigs waren. Er sah zu Tayend hin�ber, der auf der anderen Seite von Lorkin sa�. Der Elyner schaute Dannyl in die Augen und nickte, vielleicht zum Zeichen, dass er die Sklaven ebenfalls beobachtete.</p><p>Savi, die Verr�terin, hatte ihm versichert, dass unter den Sklaven weitere Spione der Verr�ter sein w�rden und dass sie helfen w�rden, sollte ein falscher Sklave auf seine Enttarnung mit einem Angriff reagieren. Es w�re jedoch besser, wenn sie nicht gezwungen w�rden, ihre Identit�t zu offenbaren. Was den gescheiterten Entf�hrer anging, war er in einen steinernen Lagerraum unter der K�che gesperrt worden, und Savi und Merria bewachten ihn.</p><p><emphasis>Also. Zeit zum Nachdenken, </emphasis>�berlegte Dannyl. <emphasis>Falls der K�nig dies tats�chlich arrangiert hat, dann wird er wissen, dass sein Plan gescheitert ist, wenn sein Entf�hrer nicht mit Lorkin auftaucht. Er wei� vielleicht bereits, dass der Plan gescheitert ist, wenn der Mann Lorkin mittlerweile h�tte abliefern sollen. Also, was wird er tun?</emphasis></p><p><emphasis>Er kann nichts tun, es sei denn, wir lassen durchblicken, dass etwas geschehen ist, es sei denn, er hatte einen weiteren Sklaven platziert, der sich davonstehlen und �Hilfe� holen sollte. Also, was, wenn er es getan hat? Wenn wir behaupten, Lorkin habe die Gedanken des Entf�hrers gelesen und die Wahrheit entdeckt, wird der K�nig darauf bestehen, dass wir den Mann ausliefern, damit er ihn �berpr�fen kann. Der Mann wird irgendeine Art von Unfall erleiden, und wenn Amakira behauptet, der Mann sei dazu �berlistet worden zu denken, dass er f�r den K�nig arbeite, wird niemand in der Lage sein, das Gegenteil zu beweisen. Er wird dann die versuchte Entf�hrung als Vorwand benutzen, um Lorkin wegzubringen.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn wir so tun, als sei nichts geschehen, wird der K�nig wissen, dass wir l�gen. Der Entf�hrer kann etwas anderes beweisen. </emphasis>Dannyl wollte den Mann nicht t�ten. Nicht nur weil er lieber niemanden ermorden wollte, sondern aus einem g�nzlich anderen Grund: Wenn Beweise daf�r gefunden w�rden, dass ein Kyralier einen Sachakaner get�tet hatte � insbesondere einen freien Sachakaner �, w�rde es den bereits wackeligen Frieden zwischen ihren L�ndern noch weiter schw�chen. <emphasis>Und ich w�rde im Gef�ngnis des Palastes enden, weil ich Eigentum des K�nigs zerst�rt habe.</emphasis></p><p>Was konnte er sonst mit dem Mann machen? Ihn wegschmuggeln? Da das Haus so genau beobachtet wurde, dass nicht einmal eine Verr�terin glaubte, sich hinausschleichen zu k�nnen, bezweifelte er, dass sie Erfolg haben w�rden. <emphasis>Wenn wir ihn t�ten, werden wir den Leichnam v�llig zerst�ren oder sicherstellen m�ssen, dass jemand anders die Schuld daf�r bekommt. </emphasis>Er sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Ich kann nicht glauben, dass ich dar�ber nachdenke.</emphasis></p><p>Ein leises H�mmern lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Umgebung. Lorkin hatte den ersten Sklaven auf die andere Seite des Raumes geschickt. Er sah Dannyl an.</p><p>�Ich glaube, es klopft jemand an die Vordert�r.�</p><p>Da alle Sklaven im Herrenzimmer versammelt waren, war niemand drau�en, um jemanden zu begr��en. �Nun, das hat ja nicht lange gedauert�, murmelte Dannyl.</p><p>�Es ist noch nicht zu sp�t f�r gesellschaftliche Besuche�, sagte Tayend. �Jedenfalls nach sachakanischen Ma�st�ben.�</p><p>Dannyl seufzte und stand auf. �Ich werde nachsehen, wer es ist.�</p><p>Lorkin wirkte nicht beruhigt. �Soll ich � das Herrenzimmer r�umen?�</p><p>�Ja, aber �� <emphasis>Wohin sollten sie die Sklaven bringen?</emphasis></p><p>�Bringt sie in meine R�ume�, erbot sich Tayend. �Ihr k�nnt dort weiter ihre Gedanken lesen.�</p><p>Dannyl betrachtete den einzigen Sklaven, dessen Gedanken bereits gelesen worden waren. �Ist er vertrauensw�rdig?�</p><p>Lorkin zuckte die Achseln. �Er ist kein Spion, wenn es das ist, was Ihr meint.�</p><p>�Das reicht mir.� Auf ein Zeichen von Dannyl eilte der Sklave zu ihm und warf sich auf den Boden. �Warte, bis alle au�er mir den Raum verlassen haben, dann bring unseren Besucher hierher�, befahl Dannyl.</p><p>Nach �berraschend kurzer Zeit war Dannyl allein im Herrenzimmer. Er holte tief Luft, stie� den Atem langsam aus und machte sich auf eine Gruppe sachakanischer Magier gefasst, die aus dem Flur kamen. Es drangen jedoch nur wenige Schritte an seine Ohren, und dann erschien ein einzelner Mann und blieb z�gernd auf der T�rschwelle stehen.</p><p>�Achati!� Der Name rutschte Dannyl heraus. �Ashaki Achati�, f�gte er schnell hinzu, wie die H�flichkeit es gebot.</p><p>Achati hatte eine steile Falte zwischen den Brauen. Er schaute Dannyl forschend ins Gesicht, als er herbeigeeilt kam. <emphasis>Er wirkt �ngstlich,</emphasis> dachte Dannyl. <emphasis>Tats�chlich ringt er die H�nde.</emphasis></p><p>�Botschafter. Dannyl.� Achati blieb zwei Schritte entfernt stehen und sah Dannyl abermals forschend an. �Ich muss Euch vor einer Verschw�rung warnen. Ich erwarte nicht, dass Ihr mir glauben werdet, aber ich musste es zumindest versuchen. Der K�nig hat einen Spion unter Euren Sklaven. Es ist wahrscheinlich ein Mann, da wir nur wenige weibliche Magier haben und man ihnen nicht vertraut. Er wird irgendwann im Laufe der n�chsten Tage versuchen, Lorkin zu entf�hren. Ihr m�sst Wachen aufstellen und den Zugang der Sklaven zu Lorkin einschr�nken. Und vielleicht k�nntet Ihr, um den Spion zu enttarnen, diese Verh�rf�higkeiten einsetzen, die Ihr gezeigt habt, als wir nach Lorkin gesucht haben.�</p><p>Dannyl sah Achati mit einer Mischung aus Erheiterung und Argwohn an. <emphasis>Was f�hrt er im Schilde? Warum uns warnen, wenn es bereits geschehen ist? Will er uns mit einem Trick dazu bringen, ihm zu vertrauen? Hat der K�nig ihn geschickt, um festzustellen, ob sein Entf�hrer schon gehandelt hat? Hmm. Ich sch�tze, ich werde mitspielen und feststellen m�ssen, wohin das f�hrt.</emphasis></p><p>�Wenn wir diese Entf�hrung vereiteln, was sollen wir dann tun?�, fragte er. �Den Spion t�ten?�</p><p>Achati sch�ttelte den Kopf. �Nein, damit w�rdet Ihr k�niglichen Besitz zerst�ren.�</p><p>�Nur wenn der Spion ein Sklave <emphasis>ist</emphasis> und der K�nig zugibt, dass der Mann ihm geh�rt.�</p><p>�Oh, er wird gar nichts zugeben. Er wird behaupten, nichts von der Verschw�rung zu wissen, und er wird sagen, die Verr�ter h�tten den Mann bestochen. Wenn der Mann als Magier enttarnt wird und feststeht, dass er kein Sklave ist, wird man Euch des Mordes anklagen.�</p><p>�Ungeachtet der Tatsache, dass ich dies nicht wusste?� Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Also stellt er mir eine Falle.�</p><p>Achati zuckte die Achseln. �Nicht direkt, aber wenn Ihr t�richt genug w�rt, den Mann zu t�ten, w�rde das dem K�nig die perfekte Ausrede liefern, Euch nach Kyralia zur�ckzuschicken.�</p><p>�Was ist denn das Ziel des K�nigs? Ah. Es geht darum, einen guten Grund zu finden, um zu behaupten, Lorkin sei hier nicht sicher, so dass man ihn wegbringen kann.�</p><p>Achati verzog den Mund zu einem grimmigen, aber anerkennenden L�cheln. �Ich wusste, dass Ihr die Gefahr erkennen w�rdet.�</p><p>�Also, was machen wir jetzt? Wir werden nicht so tun k�nnen, als sei nichts geschehen. Der Spion wird den K�nig �ber das Scheitern seiner Mission informieren. Er wird es wieder versuchen, oder der K�nig wird einen anderen Spion schicken, der Lorkin entf�hren soll. Es k�nnten bereits andere hier sein, f�r den Fall, dass der erste Versuch scheitert.�</p><p>Achati schnitt eine Grimasse. �Wenn Lorkin nach Kyralia zur�ckgeschmuggelt werden kann, solltet Ihr es veranlassen.�</p><p><emphasis>Dem Befehl des K�nigs zuwiderhandeln? Das ist nicht das, was ich erwartet habe.</emphasis> �Wie?�</p><p>Achati kniff sich mit zwei Fingern in die Unterlippe und runzelte die Stirn. �Wenn es irgendwelche Verr�ter unter den Sklaven gibt, k�nnen sie es vielleicht arrangieren.�</p><p>�W�hrend das Haus so genau beobachtet wird? Ich bezweifle es. Ist das alles eine Verschw�rung, um einige Verr�ter zu fangen?�</p><p>Achati �ffnete den Mund, um zu antworten, aber eine andere Stimme kam ihm zuvor.</p><p>�Nun, nun. Ashaki Achati. Was f�hrt Euch zu dieser sp�ten Stunde ins Gildehaus?�</p><p>Als Dannyl und Achati sich umdrehten, sahen sie Tayend hereinschlendern. Der Elyner verzog entschuldigend die Lippen, als er sich Achati n�herte. Dann blickte er Dannyl an. �Merria hilft aus�, f�gte er leise hinzu und beruhigte damit Dannyl, dass Lorkin mit den Sklaven nicht allein war.</p><p>Achati nickte. �Man hat mich geschickt, um einen weiteren Versuch zu unternehmen, Lorkin dazu zu �berreden, morgen zu sprechen, aber �� Er wiederholte seine Warnung den Entf�hrer betreffend. �Das ist der wahre Grund f�r meinen Besuch.�</p><p>�Ihr denkt, Dannyl sollte die Sklaven verh�ren?�</p><p>�Ja, um herauszufinden, welcher von ihnen der Spion ist.�</p><p>�W�re das nicht gef�hrlich? Ihr sagtet, dieser Spion sei ein Magier? Wie stark ist er? Ist er ein H�herer Magier?�</p><p>�Das wei� ich nicht�, gestand Achati. �Wahrscheinlich. Er hat Befehl, niemanden zu t�ten. Er �� Sein Blick wanderte zu der T�r, durch die Tayend eingetreten war. Dannyl folgte seinem Blick und war �berrascht, als Lorkin hereinkam.</p><p>Der junge Mann sah Dannyl kurz in die Augen, dann schaute er wieder weg. Seine Augen waren sehr dunkel und sein Gesicht bleich. Er straffte sich und bedachte Achati mit einem gezwungenen L�cheln.</p><p>�Ashaki Achati. Was f�hrt Euch so sp�t am Abend noch hierher?�, fragte Lorkin, dessen Stimme freundlich, aber angespannt klang. �Seid Ihr gekommen, um mich wieder in das Gef�ngnis des Palastes zu bringen?�</p><p>Ein seltsamer, gequ�lter Ausdruck glitt �ber Achatis Z�ge, dann hellte sich die Miene des Mannes auf. �Nein, nein. Ich versuche, genau das zu verhindern.�</p><p><emphasis>Was war das f�r ein Gesichtsausdruck?, </emphasis>fragte sich Dannyl. Dann versetzte es ihm einen Stich, als er erkannte, was er da gesehen hatte: Mitgef�hl und Kummer. Seine j�ngsten Zweifel Achati betreffend wurden ein wenig schw�cher.</p><p>�Achati hat uns gewarnt, dass ein Spion unter den Sklaven in K�rze versuchen wird, Euch zu entf�hren�, sagte Tayend.</p><p>Lorkins Augen weiteten sich, und er schaute von Tayend zu Dannyl. �Wirklich?�</p><p>�Ja�, best�tigte Dannyl. �Morgen Nacht oder in einer darauf folgenden Nacht.�</p><p>Dannyl war erleichtert zu sehen, dass Lorkins Augen schmal wurden, w�hrend er die Konsequenzen �berdachte. Er sah wieder Achati an.</p><p>�Warum helft Ihr uns?�, fragte er unumwunden.</p><p>�Ich �� Achati seufzte, senkte den Blick und hob dann den Kopf, um abwechselnd Tayend, Lorkin und Dannyl anzusehen. �Es gef�llt mir nicht, wie der K�nig Euch behandelt. Sachaka mag Kyralia als Verb�ndeten nicht ben�tigen, aber es ben�tigt auch keinen weiteren Feind. Wir haben vor einigen Monaten etwas erfahren, das bei uns zu Meinungsverschiedenheiten gef�hrt hat. Die �� Achati hielt inne, runzelte die Stirn und sch�ttelte dann den Kopf. �Ich sehe keine M�glichkeit, es zu erkl�ren, ohne es Euch zu sagen: Unser Spion unter den Duna hat offenbart, dass die Verr�ter vorgeschlagen haben, dass die Duna sich mit ihnen zusammentun, um Sachaka zu �bernehmen.�</p><p>Ein Fr�steln �berlief Dannyl. <emphasis>Ich frage mich �</emphasis></p><p>�Unh?�, fragte er.</p><p>Achati l�chelte. �Ich werde Euch kaum verraten, wer unsere Spione sind, Dannyl.�</p><p>�Nein�, stimmte Dannyl ihm zu. �Aber Unhs Name hat bei seinen Leuten einige interessante Reaktionen entfacht, als ich ihn erw�hnt habe. Wenn er es ist, dann vermute ich, dass sie wissen, dass er ein Spion ist.�</p><p>�Die Duna haben die Anfrage der Verr�ter abgelehnt. Viele der Ashaki sind zu dem Schluss gekommen, dass die Verr�ter die Duna nicht ansprechen w�rden, wenn sie sie nicht brauchten, und sie sind zuversichtlich, dass die Verr�ter eine Konfrontation mit uns nicht gewinnen w�rden.�</p><p><emphasis>War das der Grund, warum die Verr�ter die steinernen H�hlen der Duna zerst�rt hatten? War es eine Strafe daf�r, dass sie sich geweigert haben zu helfen?,</emphasis> ging es Dannyl durch den Kopf.</p><p>�Der K�nig stimmt dem zu�, fuhr Achati fort. �Er glaubt nicht, dass es Grund gibt, die Gilde zu f�rchten. Er sagt, Ihr seid eine Gilde von nur zwei Magiern. Es ist wichtiger, Sachaka von der Bedrohung durch die Verr�ter zu befreien, bevor sie stark genug werden, um uns zu besiegen, als es zu vermeiden, Kyralia und die Verb�ndeten L�nder vor den Kopf zu sto�en. Einzig die Stimmen der Ashaki, die den Handel und den Frieden mit den Verb�ndeten L�ndern nicht verlieren wollen � M�nner wie ich selbst �, hindern ihn daran, Lorkin die Informationen mit Gewalt zu entlocken.�</p><p>Achatis Worten folgte angespanntes Schweigen. Lorkin starrte zu Boden. Der junge Magier seufzte und sah Achati dann mit schmalen Augen an.</p><p>�Ihr w�rt nicht hierhergekommen, wenn Ihr nicht bereit w�rt, gegen die Befehle und W�nsche Eures K�nigs zu versto�en�, stellte er fest. �Wie weit seid Ihr bereit zu gehen?�</p><p>Der Sachakaner erwiderte Lorkins Blick. Er wirkte unsicher. �Ich wei� es nicht�, gestand er. �Es ist etwas ganz anderes, meinen K�nig an einer Torheit zu hindern oder ihn rundheraus zu verraten. Was habt Ihr im Sinn?�</p><p>Lorkin �ffnete den Mund zu einer Erwiderung, kam aber nicht dazu zu sprechen.</p><p>�Bringt den Spion weg�, warf Tayend ein. �Lasst ihn verschwinden.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. Obwohl es eine Pr�fung f�r Achatis Vertrauensw�rdigkeit war, war es keine gute. Wenn Achati den Spion stattdessen zum K�nig brachte, w�rde der K�nig immer noch behaupten, dass Lorkin im Gildehaus nicht sicher war � und er w�rde herausfinden, dass Savi eine Verr�terin war.</p><p>�Nein�, sagte Lorkin. �Nehmt mich mit.�</p><p>Dannyl blinzelte �berrascht. <emphasis>Vielleicht hat er nicht begriffen, dass das Ganze ein Trick sein k�nnte, um uns dazu zu bringen, Achati zu vertrauen.</emphasis> Tayend sch�ttelte den Kopf und legte Lorkin eine Hand auf den Arm, aber bevor irgendjemand sprechen konnte, hob Lorkin die H�nde, um ihren Protesten zuvorzukommen.</p><p>�Ich bin nicht dumm. Ich wei�, dass es ein Risiko ist.� Er sah Achati fest an. �Er k�nnte mich dem K�nig ausliefern, aber nach der Anzahl von Sklaven hier, die keine Sklaven sind � und ich meine nicht, dass sie Verr�ter sind �, werde ich ohnehin bald wieder im Palast landen.�</p><p>Diesmal lie� der Schauer, der Dannyl �berlief, seinen ganzen K�rper kalt werden. <emphasis>Wie viele Spione genau gibt es hier? Wie viele von ihnen sind Magier?</emphasis></p><p>�Ihr braucht mich nur aus dem Gildehaus zu schmuggeln und mich in Eure Villa zu bringen�, sagte Lorkin zu Achati. �Den Rest werden die Verr�terinnen veranlassen. Sie werden sicherstellen, dass der K�nig nichts von Eurer Rolle bei meiner Flucht erf�hrt. Als Gegenleistung und nicht bevor ich wei�, dass ich sicher und frei bin ��, Lorkin seufzte, dann verh�rteten sich seine Z�ge, �� werde ich die Frage beantworten, die den K�nig am meisten interessiert. Ich werde Euch verraten, wo die Heimat der Verr�ter ist.�</p><p>Achati starrte Lorkin an, und seine �berraschung verwandelte sich in Nachdenklichkeit und dann in Anerkennung. Er nickte. �Das kann ich tun. Es wird nicht leicht sein, Euch ungesehen in die Kutsche zu bringen, aber ��</p><p>�Lorkin�, unterbrach Dannyl. �Du brauchst das Vertrauen der Verr�ter nicht zu ��</p><p>�Lass ihn gehen�, sagte Tayend. Er sah Dannyl in die Augen, und sein Blick war scharf und entschlossen. Dann nickte er. Ein Stich des �rgers durchzuckte Dannyl, doch die Regung legte sich schnell wieder.</p><p><emphasis>Tayend w�rde nichts tun, was Lorkins Leben unn�tig gef�hrdet. Er muss denken, dass es funktionieren wird. Oder dass es die einzige Chance ist, die Lorkin hat.</emphasis> Was bedeutete, dass Tayend dachte, dass Achati die Wahrheit sagte. <emphasis>Wie seltsam, dass es Tayend ist, der Achati jetzt vertraut, wo ich mir seiner nicht l�nger sicher bin.</emphasis></p><p>Dannyl konnte glauben, dass Achati das Tun des K�nigs nicht guthie�, aber es w�rde eine Menge dazugeh�ren, um ihn davon zu �berzeugen, dass der Mann bereit war, gegen die Befehle seines Herrschers zu versto�en und zu riskieren, dass seine Taten entdeckt und als Verrat betrachtet werden w�rden. Er w�rde nicht nur das Vertrauen des K�nigs verlieren, sondern seine Position, seinen Ruf und seinen Wohlstand. Und m�glicherweise sein Leben.</p><p>Aber Dannyl fiel keine Alternative ein, daher beobachtete er nur schweigend, wie Achati und Lorkin ihre �bereinkunft mit Gel�bden besiegelten. Als sie fertig waren, strahlte Tayend sie alle an.</p><p>�Perfekt! Jetzt m�ssen wir nur noch herausfinden, wie wir Lorkin in Achatis Kutsche bekommen, ohne dass unsere l�stigen Beobachter etwas bemerken.�</p><p>Lilia leerte ihre Tasse Raka und seufzte vor Erleichterung. W�hrend der letzten Tage hatte sie sich etwas angeschlagen gef�hlt. Die langen N�chte unter der Erde und die fr�hen morgendlichen Unterrichtsstunden bei Kallen begannen ihren Tribut zu fordern.</p><p>Bei dem Gedanken daran, Kallen an diesem Morgen wieder gegen�berzutreten, unterdr�ckte sie ein St�hnen. Anyi hatte ihr von dem Keller erz�hlt, den sie, Cery und Gol unter der Gilde entdeckt hatten, und sie hatte ihr auch von dem Gespr�ch berichtet, das sie belauscht hatten. Den Beschreibungen nach vermutete sie, dass es sich bei den beiden Magiern um Lady Vinara und den Heiler handelte, der daf�r zust�ndig war, Heilkr�uter anzubauen.</p><p>Die Neuigkeit, dass sie Feuel anbauen wollten, hatte sie zu Anfang schockiert, aber es ergab einen Sinn. Sie stimmte Cerys Theorie nicht zu, dass die Gilde Feuel anbauen wollte, um Skellin aus dem Gesch�ft zu dr�ngen � oder um zumindest zu verhindern, dass er der einzige Lieferant der Drogen an Magier war. Es war viel wahrscheinlicher, dass die Gilde Feuel anbauen wollte, um ein Heilmittel gegen die Sucht zu finden und au�erdem das Potenzial der Pflanze als Heilmittel gegen andere Krankheiten zu erkunden.</p><p>Aber die Neuigkeit, dass die Gilde Feuel-Samen suchte, weckte anderen Argwohn, und aus diesem Grund freute sie sich nicht auf die Begegnung mit Kallen. Ein Teil von ihr wollte ihn mit dem konfrontieren, was sie erfahren hatte. <emphasis>Ist das der Grund, warum er Cery nicht helfen will, Skellin eine Falle zu stellen? Haben er und die anderen Magier, die nach Feuel s�chtig sind, Angst, Skellin zu entfernen, weil sie bef�rchten, dass sie auf dem Trockenen sitzen k�nnten?</emphasis></p><p>Cery hatte ihr gesagt, dass sie ihr Wissen f�r sich behalten solle, es sei denn, sie h�tte einen guten Grund, es preiszugeben. Sie w�rde Kallen gegen�ber so tun m�ssen, als w�sste sie nichts, und irgendwie w�rde sie sich benehmen m�ssen, als h�tte sie nicht den Verdacht, dass er selbsts�chtige Motive daf�r hatte, ihren Freunden nicht helfen zu wollen.</p><p>�Ihr seid heute ja so nachdenklich�, bemerkte Jonna. Sie trat an den Tisch und beugte sich vor, um die leeren Schalen vom Fr�hst�ck abzur�umen. W�hrend sie das tat, fing Lilia einen seltsamen, aber angenehmen Duft auf.</p><p>�Tr�gst du Parf�m, Jonna?�, fragte sie.</p><p>Jonna z�gerte und wirkte ein wenig schuldbewusst. �Ja.�</p><p>�Was ist los?� Lilia runzelte die Stirn. �Du tr�gst normalerweise kein Parf�m. Ist es Dienern verboten?�</p><p>�Oh, niemand w�rde viel Theater deswegen machen.� Jonna wedelte mit der Hand. �Aber � Sonea mag diesen Duft nicht. Er war einmal ihr Duft, aber nachdem sie herausfand, woraus das Parf�m gemacht war, hat sie mir gesagt, ich solle es wegwerfen. Ich mag das Parf�m, und � nun, man kann der Pflanze nicht vorwerfen, was sie ist. Ich benutze das Parf�m nat�rlich nicht, wenn sie in der N�he ist.�</p><p>�Was der Grund ist, warum es mir bisher nie aufgefallen ist.� Lilia nickte. �Es ist wunderbar. Woraus ist es gemacht?�</p><p>Wieder blickte Jonna schuldbewusst drein. �Aus Feuel-Bl�ten.�</p><p>�berrascht schnupperte Lilia und versuchte, eine Verbindung zwischen dem Geruch und dem Gestank von Feuel-Rauch zu finden. �Es ist schwer zu glauben, dass der Duft von derselben Pflanze stammt.� Dann kam ihr ein anderer Gedanke. �Woher bekommen die Parf�mmacher denn die Feuel-Bl�ten?�</p><p>Jonna zuckte die Achseln. �Ich nehme an, von den Leuten, die Feuel als Droge anbauen.�</p><p>Lilia dachte an ihre Lektionen in der Heilkunst, die sich um die Quellen der Heilmittel der Gilde drehten, und �berlegte, was sie �ber Pflanzen wusste. Bl�ten enthielten f�r gew�hnlich die Samen einer Pflanze. Die Gilde wollte Feuel-Samen. Nach dem, was Anyi gesagt hatte, waren die Pflanzen, die die Gilde angebaut hatte, kein Feuel. Man hatte sie �berlistet. Cery dachte nicht, dass irgendein Feuel-Anbauer es wagen w�rde, Samen an die Gilde zu verkaufen � obwohl es ihnen nicht widerstrebte, die Gilde zu betr�gen und etwas Profit zu machen, indem sie ihr falschen Samen verkauften. Wenn Skellin herausfand, dass sie irgendjemandem Feuel-Samen verkauft hatten, w�rden sie nicht mehr lange leben.</p><p>Cery dachte nicht, dass Feuel �berhaupt in Kyralia angebaut wurde. Er vermutete, dass es anderenorts kultiviert, geerntet und getrocknet wurde, bevor man es nach Imardin transportierte. Galt das Gleiche f�r das Parf�m? Die meisten Parf�mhersteller kamen aus Elyne. Brauchten sie frische Pflanzen, oder w�rden getrocknete f�r die Herstellung von Parf�m gen�gen?</p><p>Lilia stand auf. �Ich sollte besser gehen. Ich will nicht zu sp�t kommen und Kallen nerv�s machen.�</p><p>Jonna l�chelte. �Ich sehe Euch heute Abend.�</p><p>Auf dem Weg zur Arena dachte Lilia �ber alles nach, was sie wusste, und wie sie Antworten auf ihre Fragen bekommen k�nnte, ohne allzu viel von ihrem Wissen zu offenbaren. In kurzen Augenblicken der Ruhe w�hrend Kallens Unterrichtsstunde wog sie die Risiken und Vorteile ab. <emphasis>Je eher die Gilde an Feuel-Samen herankommt, desto eher wird Kallen Cery helfen. Ich muss nur herausfinden, wie ich Kallen sagen kann, dass ich wei�, dass die Gilde versucht, Feuel anzubauen, ohne dabei preiszugeben, wie ich zu diesem Wissen gekommen bin �</emphasis></p><p>Als Kallen den Unterricht f�r beendet erkl�rte, ging sie nicht sofort zur Universit�t zur�ck. Er zeigte bereits wieder diese distanzierte, geistesabwesende Art, den unsteten Blick, der erkennen lie�, dass er die Droge ben�tigte. Als er sah, dass sie nicht wegging, runzelte er die Stirn, und seine Lippen wurden schmal.</p><p>�Ihr k�nnt jetzt gehen�, wiederholte er.</p><p>�Ich wei�, aber ich dachte, Ihr w�rdet gern etwas wissen: Auf der Stra�e geht das Ger�cht, dass die Gilde versucht haben soll, Feuel-Samen zu kaufen. Ist das wahr?�</p><p>Er blickte sie direkt an. Seine Pupillen weiteten sich. <emphasis>Das hat deine Aufmerksamkeit erregt, </emphasis>dachte sie.</p><p>�Ihr solltet nicht alles glauben, was Ihr von Euren Freunden h�rt�, erwiderte er.</p><p>�Aber es ist wahr, oder?� Sie sah ihn mit schmalen Augen an. �Ist das der Grund, warum Ihr Cery nicht helfen wollt? Aus Angst, der Vorrat w�rde ausgehen, wenn der Lieferant gefangen wird?�</p><p>Kallens Augen blitzten vor Zorn, und er presste die Z�hne aufeinander. �Ihr habt keine Ahnung, welches Gl�ck Ihr habt�, sagte er.</p><p>Sie blinzelte �berrascht, dann versp�rte sie ein Aufblitzen von �rger. �Gl�ck? <emphasis>Ich?</emphasis> Meine beste Freundin hat mich dazu �berredet, schwarze Magie zu erlernen, um mir die Schuld an der Ermordung ihres Vaters in die Schuhe zu schieben, und dann hat sie versucht, mich zu t�ten. Die einzigen Menschen, denen an mir liegt, sind weit entfernt oder k�nnten jetzt jeden Tag sterben.�</p><p>Seine Augen weiteten sich, dann wurde seine Miene weicher. �Ich entschuldige mich. Ich meinte nur �� Er wandte den Blick ab und verzog das Gesicht, als h�tte er Schmerzen. �Ihr habt Gl�ck, dass Ihr es vermieden habt, von Feuel gefangen zu werden. Es gibt viele, viele Magier, die w�nschten, sie h�tten Eure Widerstandskraft.�</p><p><emphasis>Wie du selbst,</emphasis> dachte sie. Aber sie stellte fest, dass sie den Abscheu, den sie ihm gegen�ber empfand, nicht aufrechterhalten konnte. Sein Ruf als ein Mann von unfehlbarer Integrit�t war entscheidend f�r seine Rolle als Schwarzmagier. Es musste dem�tigend sein, seine Willenskraft an eine reine Lustdroge zu verlieren, und es musste sein Selbstbewusstsein ersch�ttert haben. Die Tatsache, dass er ein Schwarzmagier war, musste die anderen Magier, die von seiner Sucht wussten, nerv�s machen. Und es war be�ngstigend, dar�ber nachzudenken, was geschehen k�nnte, wenn gew�hnliche Magier in gr��erer Zahl so zu Geiseln Skellins wurden.</p><p>�Wie viele?�, fragte sie, au�erstande, die Sorge aus ihrer Stimme herauszuhalten.</p><p>Er runzelte die Stirn. �Das kann ich Euch nicht sagen. Aber � wir tun etwas, um ihnen zu helfen.�</p><p>�Indem Ihr versucht, die Droge anzubauen?�</p><p>�Indem wir zumindest die Kontrolle �ber den Nachschub an uns bringen. Indem wir ein Heilmittel finden oder wenn m�glich eine weniger verheerende Droge z�chten.� Kallen seufzte. �Ihr habt zum Teil recht. Wir w�rden unsere Chancen, Samen an uns zu bringen, verringern, wenn Skellin get�tet wird. Wir k�nnen nicht riskieren zu versuchen, ihn zu fangen. Noch nicht.� Er sah ihr fest in die Augen, und eine grimmige Entschlossenheit trat in seinen Blick. �Ich verspreche, sobald wir haben, was wir brauchen, werden wir Skellin finden und aus dem Weg schaffen. Das mag einschlie�en, dass wir das Angebot Eures Freundes annehmen werden, wenn er immer noch bereit ist, das Risiko einzugehen.�</p><p>Lilia nickte. Sie dachte �ber das nach, was er ihr gesagt hatte. Es machte Sinn, und sie konnte keinen Hinweis darauf erkennen, dass er log. Es hatte keinen Vorteil, wenn sie ihre Idee l�nger zur�ckhielt.</p><p>�Habt Ihr gewusst, dass in der Stadt ein neues Parf�m verkauft wird, das man aus Feuel-Bl�ten herstellt?�</p><p>Er zog die Brauen hoch, und der Funke des Interesses, den sie erwartet hatte, blitzte in seinen Augen auf. �Nein.�</p><p>�Sie m�ssen irgendwie an die Bl�ten herankommen.� Sie l�chelte. �Vielleicht sollte die Gilde der Sache nachgehen. Wie dem auch sei, ich sollte mich jetzt auf den Weg zu meiner n�chsten Unterrichtsstunde machen.�</p><p>�Ja. Versp�tet Euch nicht ��, sagte er geistesabwesend.</p><p>Sie setzte sich in Bewegung. Als sie sich noch einmal umdrehte, sah sie, dass sein Blick wie immer in die Ferne gerichtet war, aber diesmal zeigte sein Gesicht einen Ausdruck verbl�ffter Erkenntnis.</p><p>Es war beinahe unertr�glich stickig und hei� im Wagen, und Lorkin konnte nicht mehr z�hlen, wie oft er sich an die Nase hatte greifen m�ssen, um nicht zu niesen. Wie die anderen Sklaven im Wagen war er bedeckt mit einem grauen Pulver, das dazu bestimmt war, L�use zu t�ten. Aus irgendeinem Grund hatte man ihm das Haar rasiert. Seine Kn�chel waren zusammengekettet und mit einem Metallring in der Mitte des Wagenbodens verbunden.</p><p>Sein R�cken juckte und brannte, wo er ausgepeitscht worden war, und er musste dem st�ndigen Drang widerstehen, die Striemen zu heilen. Es hatte f�r die Bestrafung keinen anderen Grund gegeben als den, dass der Fahrer seine �berlegenheit demonstrieren wollte, nachdem Ashaki Achatis Sklavenmeister ihn gewarnt hatte, dass �der da �rger macht�. Er widerstand der Versuchung, voller Entsetzen seine Mitreisenden zu betrachten, und er bem�hte sich, den Zorn zu verbergen, mit dem ihr Schicksal ihn erf�llte. Sie waren der Bodensatz der st�dtischen Sklaven, zu alt, zu krank, zu h�sslich oder ungehorsam, um f�r ihre fr�heren Besitzer von Nutzen zu sein. Soweit sie wussten, wurden sie zur Arbeit in einer Mine im S�den der Stahlg�rtelberge abtransportiert.</p><p>Das Feilschen war schnell gegangen, und es waren nur wenige Fragen gestellt worden, um den Verkauf zu beschleunigen. Anscheinend glaubten einige Sachakaner, dass ein Sklave, der in einem Haushalt geboren wurde, dort auch sein Gnadenbrot erhalten sollte, wenn er sein Leben lang flei�ig f�r seinen Herrn gearbeitet hatte oder in dessen Dienst zum Kr�ppel geworden war. Manchmal folgten sie dem Minenwagen und beschimpften Besitzer, die ihre Sklaven verkauften. Keiner dieser Leute hatte den Karren heute verfolgt. Er war ohne Aufmerksamkeit zu erregen durch die Au�enbezirke der Stadt gefahren.</p><p>Jetzt rollte er langsam hinaus aufs Land. Lorkin schloss die Augen und dachte zur�ck an seine Flucht aus dem Gildehaus.</p><p>Tayend hatte die L�sung daf�r gefunden, Lorkin aus dem Haus zu bekommen, ohne dass die Beobachter etwas bemerkten. Sie wussten, dass es wahrscheinlich war, dass die Beobachter gez�hlt hatten, wie viele Sklaven Achati mitgebracht hatte, daher war er zu der Kutsche hinausgegangen und hatte einem Sklaven mitgeteilt, dass er ihn an das Gildehaus verleihen wolle, um �ber Lorkin zu wachen, in Wirklichkeit aber, um die Magier dort auszuspionieren.</p><p>Sobald der Sklave mit Dank akzeptiert und zu den �brigen geschickt worden war, hatte Lorkin Achatis Kleidung �bergestreift und, wo ihm das Fleisch des Ashaki fehlte, mit Lumpen unterf�ttert. Achati hatte das Gewand eines Sklaven angelegt. Es w�re erheiternd gewesen zu beobachten, wie Tayend dem w�rdevollen Ashaki erkl�rt hatte, wie er auf die typische gebeugte Art der Sklaven zu gehen hatte, wenn sie sich nicht alle solche Sorgen gemacht h�tten, dass ihr Plan scheitern k�nnte.</p><p>Wie immer war der Innenhof des Gildehauses von einer einzigen Lampe erhellt gewesen, und sie hatten beide das Gesicht davon abgewandt gehalten. Auf Tayends Vorschlag hin hielten sie ihr Benehmen simpel: Lorkin ging aus dem Haus und stieg in die Kutsche, Achati war hinter ihm hergeeilt und auf die Ladefl�che der Kutsche geklettert. Sie hatten das Gildehaus ohne jede St�rung verlassen. Den ganzen Weg bis zu Achatis Haus hatte Lorkin steif in der Kutsche gesessen und darauf gewartet, dass jemand sie anhielt, aber das geschah nicht. Sobald die Kutsche das Tor von Achatis Villa passiert hatte, war der Ashaki in die Kutsche gestiegen, und sie hatten hastig die Kleidung getauscht.</p><p>Lorkins Retter hatte ihm gesagt, dass er bleiben solle, wo er war, dann war er gegangen, um ein leises Gespr�ch mit einem Mann zu f�hren, von dem Lorkin sp�ter erfuhr, dass er der Sklavenmeister des Hauses war. Achati war zur�ckgekehrt, um ihm seinen Plan zu erkl�ren. Einmal mehr w�rde Lorkin als Sklave getarnt werden, nur dass er diesmal bereit sein musste, eine h�rtere Behandlung zu ertragen � und hoffen, dass unter Achatis ausschlie�lich m�nnlichen Sklaven Verr�ter waren.</p><p><emphasis>Ich muss au�erdem hoffen, dass sie mich gesehen und erkannt und herausgefunden haben, dass ich in diesem Karren bin, und dass es ihnen m�glich ist, anderen Verr�tern eine entsprechende Botschaft zukommen zu lassen. Und nat�rlich, dass die Verr�ter in der Lage sind, den Karren zu verfolgen, aufzuhalten und mich zu befreien, ohne meine oder ihre Identit�t preiszugeben.</emphasis></p><p>W�hrend er dar�ber nachdachte, kam es ihm vor, als sei es ein verr�ckter Plan, der auf zu viele verschiedene Weisen misslingen konnte.</p><p><emphasis>Was ist das Schlimmste, was passieren k�nnte? Ich k�nnte die ganze Strecke bis zu der Mine reisen m�ssen. Die Stahlg�rtelberge verlaufen entlang der Grenze zwischen Sachaka und Kyralia. Wie schwer w�re es, mich mit Magie zu befreien und den Rest des Weges nach Kyralia zu reisen?</emphasis></p><p>Wie schwer es war, hing davon ab, ob sachakanische Magier die Mine leiteten. Oder ob Ichani in den Bergen lauerten.</p><p><emphasis>Ich sollte den Wagen verlassen, bevor ich dort ankomme, wenn keine sachakanischen Magier in der N�he sind. Wenn ich nur w�sste, wie Sachaka dort unten in der s�dlichen Ecke aussieht. Erstreckt sich das �dland bis zum Meer? Wandern die Ichani so weit durchs Land?</emphasis></p><p>Der Wagen fuhr langsamer. Lorkin �ffnete die Augen, und als er sich umschaute, sah er auf den Gesichtern der anderen Sklaven Furcht und Hoffnung. Er h�rte, wie einem Mann der Magen knurrte. Vielleicht w�rde man ihnen jetzt Essen und Wasser geben.</p><p>Der Wagen hielt an, und Lorkin h�rte drau�en Stimmen.</p><p>�Der Brunnen wird wahrscheinlich einst�rzen. Ich will keinen von meinen gef�hrden. Sie sind gesund und n�tzlich�, erkl�rte jemand mit hochm�tiger Stimme.</p><p>Der Fahrer antwortete in einem leisen, schmeichelnden Tonfall. Lorkin konnte keine Worte verstehen.</p><p>�Nennt den Preis�, befahl der Hochm�tige.</p><p>Eine Pause, dann bewegte sich der Wagen. Einen Moment sp�ter klapperte das Schloss, und die T�ren wurden ge�ffnet. Helles Licht flutete herein und blendete Lorkin.</p><p>�Der da wird gen�gen.�</p><p>�Er bedeutet �rger.�</p><p>�Dann werdet Ihr froh dar�ber sein, ihn loszuwerden. Falls er �berlebt und �rger macht, werde ich ihn Euch zur�ckschicken. Hier.�</p><p>Das Klimpern von M�nzen folgte. Lorkins Augen hatten sich langsam an das Licht gew�hnt. Er konnte einen Ashaki neben dem Fahrer stehen sehen, der sich vorbeugte, um die Ketten eines der Sklaven aufzuschlie�en.</p><p>Lorkins Herz blieb stehen, als ihm bewusst wurde, dass diese Ketten seine eigenen waren.</p><p>F�r einen wilden Moment erwog er, sich mit Magie aus dem Wagen freizusprengen, aber mit einiger Anstrengung widerstand er der Versuchung. <emphasis>Wo immer du endest, es wird dort Verr�ter geben,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Sie werden dich finden. Sie werden dich befreien.</emphasis></p><p>Was immer dieser Ashaki ihm f�r eine Arbeit zugedacht hatte, es klang gef�hrlich, aber zumindest konnte Lorkin Magie benutzen, um sich zu sch�tzen. <emphasis>Zumindest wird keiner der anderen Sklaven sein Leben daf�r riskieren m�ssen.</emphasis></p><p>�Komm mit�, sagte der Fahrer, packte Lorkins Bein und zog daran. Lorkin hievte sich hoch und kletterte �ber die Beine anderer Sklaven zwischen ihm und den offenen T�ren. Er musste zu Boden springen, und die Ketten verhinderten, dass er das Gleichgewicht wahrte. Er fiel mit dem Gesicht voran in den Dreck.</p><p><emphasis>Nun, zumindest erspart mir das die Dem�tigung, mich vor meinem neuen Besitzer auf den Boden werfen zu m�ssen.</emphasis></p><p>�Bleib, wo du bist�, sagte die hochm�tige Stimme.</p><p>Der Mann wartete, bis der Wagen weggefahren war, bevor er wieder sprach. Mittlerweile hatte Lorkin sich hinreichend verstohlen umgeschaut, um festzustellen, dass neben ihm und dem Ashaki zwei st�mmige Sklaven standen.</p><p>�Steh auf. Folge mir.�</p><p>Lorkin gehorchte. Die Ketten klirrten und verk�rzten seine Schritte, w�hrend er dem Ashaki und seinen beiden Sklaven durch ein kleines Tor in einen Innenhof folgte. Ein anderer Sklave wartete dort mit einem gro�en Hammer.</p><p>�Runter damit!�, befahl der Ashaki.</p><p>Der Sklave zeigte auf eine Werkbank. Lorkin setzte sich und positionierte gehorsam die Beinfesseln so, wie der Mann es wollte. Nach einigen nervenaufreibenden, aber akkuraten Schl�gen fielen die Ketten von Lorkins Kn�cheln.</p><p>Der Achati verfolgte das Ganze mit gelangweilter Miene. Dann bedeutete er Lorkin, ihm zu folgen, und f�hrte ihn in das Geb�ude. Feuchte, frisch parf�mierte Luft umgab sie, als sie ein Badehaus betraten. Der Ashaki deutete auf einen Stapel Kleider auf einem h�lzernen Sitz.</p><p>�S�ubere dich, und zieh diese Kleider an. Beeil dich. Wir haben nicht viel Zeit.�</p><p>Lorkin schaute hinter sich und sah, dass die beiden st�mmigen Sklaven ihnen nicht in das Geb�ude gefolgt waren. Der Ashaki l�chelte, und aller Hochmut war erloschen. Dann verlie� er den Raum.</p><p><emphasis>Irgendetwas stimmt hier nicht.</emphasis></p><p>Lorkin ging zu dem Sitzplatz hin�ber und nahm das oberste Kleidungsst�ck vom Stapel. Ihm wurde pl�tzlich sehr viel leichter ums Herz, und er grinste.</p><p>Was er vor sich hatte, war die schlichte, bequeme Kleidung eines Verr�ters.</p></section><section><title><p>14</p><p>Eine weitere Plan�nderung</p></title><p>Gute Reise�, w�nschte ihnen W�chter Orton, als die Kutsche auf sachakanischem Gebiet ihre Fahrt fortsetzte. Hier, auf der Nordseite, war das Fort mit einer Reihe kleiner Fenster versehen, einige helle Lichtquadrate, einige dunkel und fast unsichtbar. Sonea blickte zu dem Geb�ude zur�ck, bis es von der Dunkelheit verschlungen wurde.</p><p>Dann l�schte sie die kleine Lichtkugel, die sie in der Kutsche hatte schweben lassen. Die Dunkelheit f�hlte sich passend an, um �ber Geheimnisse zu sprechen, und doch z�gerte Sonea. �Es ist eine Erleichterung zu h�ren, dass Lorkin aus der Stadt geflohen ist�, stellte Regin fest.</p><p>�Ja�, erwiderte Sonea und nutzte die Gelegenheit, das Unvermeidliche noch eine Weile hinauszuz�gern. �Dannyl wird ebenfalls froh dar�ber sein. Ich wei� nicht, wie genau er es arrangiert hat, aber er musste daf�r gewiss ein gro�es Risiko eingehen. Obwohl � wir m�ssen darauf vertrauen, dass die Nachricht tats�chlich von den Verr�tern kommt und dass sie wahr ist.�</p><p>�Denkt Ihr, es k�nnte eine L�ge sein?�</p><p>Sonea sch�ttelte den Kopf. �Nicht, wenn die Nachricht von den Verr�tern gekommen ist. Ich werde allerdings den Gedanken nicht los, dass es sich auch um eine kunstvolle List K�nig Amakiras handeln k�nnte. In dem Fall muss Lorkin ebenfalls gr�ndlich get�uscht worden sein, denn ich habe nicht den geringsten Verdacht bei ihm wahrgenommen, als wir uns mit Hilfe des Blutrings unterhalten haben.� Sie runzelte die Stirn. <emphasis>Tats�chlich habe ich nichts von seinen Gedanken und Gef�hlen wahrgenommen. Das ist seltsam. Der Ring h�tte mir erm�glichen sollen, das zu tun. Es ist, als ob � aah, nat�rlich.</emphasis> Lorkins Gedanken waren irgendwie gesch�tzt worden. M�glicherweise auf die gleiche Art, wie Nakis Ring ihre Gedanken gesch�tzt hat. Hatte er einen �hnlichen Edelstein getragen? <emphasis>Stammte Nakis Ring urspr�nglich von den Verr�terinnen? Wenn ja, wie ist er nach Kyralia gelangt? Sie sagt, er sei in weiblicher Linie in ihrer Familie weitergereicht worden. War eine dieser Frauen eine Verr�terin?</emphasis></p><p>�Er hat den Ring jetzt?�</p><p>Sie richtete ihre Gedanken wieder auf das Gespr�ch. �Ja.�</p><p>�So habt Ihr also gewusst, dass die Nachrichten von den Verr�tern kamen�, sagte Regin, wobei er mehr mit sich selbst sprach als mit ihr.</p><p>Sie sah ihn an, oder vielmehr betrachtete sie das, was sie in der Dunkelheit von ihm sehen konnte. Sie hatten einige Stunden Zeit, bevor sie die Kutsche verlassen mussten. Sonea dachte �ber ihr Z�gern nach, Regin zu verraten, was ihre Aufgabe in Sachaka war. Die Verr�terinnen hatten ihr zugesagt, dass der Pass sicher sei, obwohl sie empfohlen hatten, dass sie bei Nacht und so unauff�llig wie m�glich reisen sollte. Sobald sie es Regin erz�hlte, w�rde er Fragen haben. Wenn sie es ihm nicht erz�hlte, bis es Zeit wurde, aus der Kutsche zu steigen, w�rde sie vielleicht nicht genug Zeit haben, seine Fragen zu beantworten, bevor sie gezwungen sein w�rden, Stillschweigen zu bewahren. <emphasis>Ja, ich denke, es muss jetzt geschehen.</emphasis></p><p>�Lord Regin�, begann sie, und sie sah in der fast v�lligen Dunkelheit der Nacht, wie er ihr schnell den Kopf zuwandte. �Die Befreiung Lorkins ist nicht unsere einzige Aufgabe. Es gibt da noch etwas.�</p><p>Er z�gerte und sagte dann: �Das habe ich mir schon gedacht. Also. Was ist das f�r eine andere Aufgabe?�</p><p>�Wir sollen uns mit den Verr�tern treffen. Sie wollen �ber die M�glichkeit eines B�ndnisses und die M�glichkeit von Handel zwischen unseren V�lkern sprechen.�</p><p>�ber dem Geklapper der Kutsche h�rte sie ihn ausatmen.</p><p>�Ah.�</p><p>�Der Fahrer wird in ein oder zwei Stunden anhalten. Wir werden aussteigen und von dort aus zu Fu� weitergehen, von der Stra�e aus in n�rdlicher Richtung. Die Verr�ter haben mir Anweisungen gegeben, wohin wir uns wenden sollen. In einigen Tagen werden sie sich mit uns treffen, und Lorkin wird bei ihnen sein.�</p><p>�Ihr habt bis zum letzten Augenblick gewartet, um mir das zu sagen.�</p><p>�Ja, und ich h�tte noch l�nger gewartet, wenn das m�glich gewesen w�re. Ihr durftet es nicht fr�her erfahren, f�r den Fall, dass K�nig Amakiras M�nner uns aufgelauert und Eure Gedanken gelesen h�tten.�</p><p>�Und Eure Gedanken?�</p><p>�Sind gesch�tzt.�</p><p>Sie wartete darauf, dass er fragte, wieso, aber die Frage kam nicht. Er sagte �berhaupt nichts. Die Stille im Wagen f�hlte sich ein wenig vorwurfsvoll an.</p><p>�Es ist nicht so, dass wir � die Gilde � Euch die Information nicht h�tten anvertrauen wollen�, begann sie. �Wir ��</p><p>�Ich wei߫, unterbrach er sie. �Es spielt keine Rolle.� Er seufzte. �Nun, eines spielt durchaus eine Rolle. Vertraut <emphasis>Ihr</emphasis> mir?�</p><p>Sie hielt inne, nicht sicher, wie sie den Tonfall in seiner Stimme deuten sollte. Er war nicht anklagend, aber bestimmt. Wenn sie eine Antwort vermied, w�rde das zu einer unn�tigen Anspannung zwischen ihnen f�hren.</p><p>�Ja�, erkl�rte sie und sp�rte, dass ihre Worte die Wahrheit waren. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass er sie ein wenig in die Enge getrieben hatte, und es war nur gerecht, wenn sie ihrerseits das Gleiche tat. �Vertraut Ihr mir?�</p><p>Wieder h�rte sie ihn ausatmen, aber langsamer diesmal.</p><p>�Nicht ganz�, gestand er. �Nicht weil ich Euch nicht f�r vertrauensw�rdig halte, aber � ich wei�, dass Ihr mich nicht m�gt.�</p><p>Soneas Herz setzte einen Schlag aus. �Das ist nicht wahr�, versicherte sie ihm schnell, bevor alte Erinnerungen aufsteigen konnten. �Ich habe Euch nicht immer gemocht. Ihr wisst, warum. Wir m�ssen das nicht noch einmal besprechen. Das geh�rt der Vergangenheit an.�</p><p>Er schwieg f�r kurze Zeit. �Ich entschuldige mich. Ich h�tte es nicht wieder zur Sprache bringen sollen. Manchmal f�llt es mir schwer zu glauben, dass Ihr mir verziehen habt oder mich sogar m�gen k�nntet.�</p><p>�Nun � ich habe Euch verziehen. Und ich mag Euch. Ihr seid � ein guter Mensch.�</p><p>�Ihr habt mich zu diesem Menschen gemacht.� Sein Tonfall war jetzt w�rmer. �An jenem Tag, w�hrend der Invasion.�</p><p>Sonea hielt den Atem an, als eine Welle der Traurigkeit �ber ihr zusammenschlug. <emphasis>Und ein anderer guter Mensch ist an diesem Tag gestorben.</emphasis> Pl�tzlich konnte sie nicht sprechen, und Grauen stieg in ihr auf � nicht zum ersten Mal � angesichts der Erinnerungen, von denen sie wusste, dass sie zur�ckkehren w�rden, wenn sie in der Dunkelheit �ber den nackten Fels der Berge stieg. <emphasis>Aber mit einem anderen Begleiter. Einem anderen Mann.</emphasis></p><p>�Stimmt etwas nicht?�</p><p>Sie blinzelte �berrascht. Wie kam es, dass er �berhaupt wusste, dass sie aufgew�hlt war? Dann wurde ihr klar, dass die Felswand auf der einen Seite der Kutsche fort war und das schwache Licht einer Mondsichel in den Wagen fiel. Sie holte tief Luft und stie� den Atem langsam wieder aus, w�hrend sie all ihre Selbstbeherrschung sammelte.</p><p>�Wir haben uns beide an jenem Tag ver�ndert. Ihr zum Besseren, ich zum Schlechteren.�</p><p>�Nur ein Narr w�rde das von Euch denken�, erwiderte er, weil er sie missverstand. �Ihr habt uns und die Gilde gerettet. Ich habe Euch seither immer bewundert.�</p><p>Sie sah ihn an, aber sein Gesicht lag gr��tenteils im Schatten verborgen. Wie konnte er die Verbitterung und Selbstverachtung verstehen, die nach Akkarins Tod gekommen waren? <emphasis>Ganz gleich, wie sehr mein Verstand wei�, dass es nicht meine Schuld war, mein Herz hat es nie ganz geglaubt.</emphasis></p><p>Das Mondlicht erreichte sein Gesicht und offenbarte einen Ausdruck, den sie bisher nur selten gesehen hatte. In seiner Stimme hatte der Anflug eines L�chelns gelegen, wurde ihr jetzt klar. Was hatte er gesagt? <emphasis>�Ich habe Euch seither immer bewundert.�</emphasis></p><p>Sie wandte den Blick ab. All sein Konkurrenzdenken und sein Hass auf sie und das, was sie repr�sentierte, hatten sich in etwas verwandelt, das beinahe das vollkommene Gegenteil war. <emphasis>Und genauso unverdient. Aber es w�re unfreundlich und undankbar, das zu sagen. Ich ziehe Bewunderung jederzeit Misstrauen und Verachtung vor.</emphasis></p><p>Bewunderung und Freundschaft waren sehr unterschiedlich. So unterschiedlich wie Freundschaft und Liebe. <emphasis>Ich habe Novizen gekannt, die einander hassten und die nach dem Abschluss Freunde wurden. Das ist mit uns nicht passiert. Ich habe au�erdem Menschen gesehen, die einander hassten und die Freundschaft als Zwischenstufe einfach �bersprangen und sich ineinander verliebten.</emphasis> Ihr Herz verkrampfte sich. <emphasis>Moment � gewiss nicht. Nein, er meint nicht </emphasis>diese <emphasis>Art von Bewunderung.</emphasis></p><p>Als sie ihn wieder ansah, hatte sie keine Chance, seine Miene zu deuten. Regins Aufmerksamkeit hatte sich auf etwas au�erhalb der Kutsche gerichtet. Er bewegte sich �ber seinen Sitz und beugte sich vor.</p><p>�Das ist also das �dland�, sagte er mit ged�mpfter Stimme.</p><p>Sie sp�hte aus dem Fenster. Das schwache Mondlicht streifte die R�nder der Landschaft unter ihnen, die Spitzen vieler D�nen, die unheimliche Muster schufen.</p><p>�Ja�, erkl�rte sie. �Es reicht bis zum Horizont.�</p><p>�So weit. Wie haben wir es gemacht?�, fragte Regin sich. �Wo ist das Wissen geblieben?�</p><p>�Botschafter Dannyl hat einige interessante Unterlagen ausgegraben, soweit ich von Osen wei�.�</p><p>�Irgendwelche Ideen, wie man das Land wiederherstellen kann?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Wenn ein Magier es jemals schafft, dies wieder zu fruchtbarem Land zu machen, wird das der gr��te Akt des Heilens sein, den irgendjemand jemals bewerkstelligt hat.�</p><p>Regin schaute noch ein wenig l�nger nach drau�en und lehnte sich dann wieder auf seinem Sitz zur�ck. �Einige Stunden, sagt Ihr?�</p><p>�Ja. Der Fahrer wei�, nach welchen Landmarken er Ausschau halten muss. Er wird uns absetzen und dann mit der Post und den Vorr�ten nach Arvice und zum Gildehaus weiterfahren. Ich habe ihm gesagt, dass wir jetzt, da Lorkin frei ist, nicht nach Sachaka zu fahren brauchen, aber wir wollten die Sonne �ber dem �dland aufgehen sehen und zu Fu� zur�ck zum Fort gehen.�</p><p>�Mutiger Mann, ohne Magier zu reisen�, bemerkte Regin. �Ich nehme an, keiner von uns w�re sicher, wenn der sachakanische K�nig beschlie�en w�rde, uns anzugreifen. Oder die Ichani. Oder die Verr�ter.�</p><p>�Nein, aber wir m�ssen hoffen, dass die Verr�ter auf unserer Seite stehen. Sie haben uns versichert, dass sie die Ichani und die Spione des K�nigs von uns fernhalten werden.�</p><p>�Wirklich? Ich freue mich darauf, sie kennenzulernen.�</p><p>Sie nickte. <emphasis>Ich auch. Nicht nur, weil ich endlich Lorkin wiedersehen werde und daf�r sorgen kann, dass er sicher nach Hause gelangt, sondern auch, weil ich diese Menschen kennenlernen will, die ihn so sehr beeindruckt haben, dass er sich bereit erkl�rt hat, in ihre geheime Stadt zu gehen, obwohl er wusste, dass er sie vielleicht nie wieder verlassen w�rde.</emphasis></p><p>Nachdem Anyi und Lilia fort waren, war das einzige Ger�usch in dem unterirdischen Raum das von Atemz�gen. Gol sa� auf einer der Matratzen, die er gemacht hatte, mit dem R�cken zur Wand. Cery blieb auf einem der gestohlenen St�hle sitzen. Er dachte �ber das nach, was Lilia ihm �ber Kallen und den Grund der Gilde erz�hlt hatte, nach Feuel-Samen zu suchen.</p><p>�Er sagte, er w�rde Skellin loswerden, wenn sie erst die Saatk�rner h�tten, und dass sie dann vielleicht deine Hilfe annehmen w�rden, wenn du immer noch bereit w�rst, sie zu geben�, hatte sie ihm mitgeteilt.</p><p>�K�nnen wir ihnen trauen?�, fragte Cery laut.</p><p>Gol stie� ein Brummen aus. �Ich h�tte <emphasis>dich</emphasis> das fragen sollen. Du bist der Experte, wenn es um die Gilde geht. Was denkst du?�</p><p>Cery holte tief Luft und seufzte. �Sie werden sich zuerst um sich selbst und die H�user k�mmern und erst danach um ihre Vorstellung von �dem kyralischen Volk�.�</p><p>�Was Diebe und Verbrecher nicht einschlie�t.�</p><p>�Nicht, wenn diese Diebe ihnen nicht im Geheimen geholfen haben ��</p><p>�Sie werden sich verpflichtet f�hlen, uns zu helfen.� Der Leibw�chter sah Cery an. �Obwohl wir ihnen jetzt nicht helfen und Sonea fort ist. Weil wir ihnen in der Vergangenheit geholfen haben.�</p><p>�Ich hoffe es.� Cery seufzte erneut. �Je eher Sonea zur�ckkommt, desto besser�, murmelte er. �Es gef�llt mir nicht, Kallen vertrauen zu m�ssen, wenn er so s�chtig nach Feuel ist, wie Lilia sagt.�</p><p>�Hmm.� Gol blickte nachdenklich drein. �Wenn er uns an Skellin verkaufen wollte, h�tte er deinem Plan zugestimmt und bereits ein Treffen arrangiert, und Skellin w�rde dann an seiner Stelle kommen.�</p><p>�Das ist wahr. Trotzdem, ich w�re lieber hier, wo wir verschwinden k�nnen, wenn es sein muss, als in einem Zimmer in der Gilde festzustecken.�</p><p>Gol nickte. �Zumindest k�nnen wir ein Auge auf diesen Keller halten, so dass wir es erfahren, wenn sie Feuel-Samen haben. Wir sollten warten, bis die Pflanzen die gleiche Gr��e haben wie die, die wir gesehen haben � gro� genug f�r die Magier, um zu erkennen, ob es Feuel ist.�</p><p>�Wei�t du denn, wie Feuel-Pflanzen aussehen?�</p><p>Gol runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. �Anyi wei� es vielleicht. Hat ihr Freund es nicht geraucht?�</p><p>�Oder ihre Freundin. Sie hat es nie gesagt.�</p><p>Das Gesicht des Leibw�chters verd�sterte sich in dem fahlen Licht, und er wandte den Blick ab. <emphasis>Err�tet er?</emphasis> Cery konnte sich ein L�cheln nicht verkneifen.</p><p>�Sie k�nnten auf andere Weise versuchen, Skellin zu finden, bevor sie unseren Plan in Erw�gung ziehen.� Gol trommelte mit den Fingern auf die Kanten des Stuhls. �Falls es ihnen widerstrebt, mit einem Dieb zusammenzuarbeiten.�</p><p>�Falls sie nicht gern mit einem Dieb zusammenarbeiten, bezweifle ich, dass es ihnen widerstreben w�rde, einen Dieb als K�der zu benutzen�, stellte Cery fest.</p><p>Gol lachte leise. �Stimmt.�</p><p>�Wenn sie unseren Plan tats�chlich ausprobieren wollen �� Cery dachte nach. �Ich sch�tze, wir sollten daf�r sorgen, dass wir f�r sie bereit sind. Wir sollten eine Falle vorbereitet haben.�</p><p>�Es wird verschwendete M�he sein, wenn sie sich daf�r entscheiden, nicht mit uns zusammenzuarbeiten.�</p><p>�Was sollen wir sonst tun?� Cery seufzte. �Wir sind direkt unter der Gilde. Gewiss ist das f�r uns von Vorteil. Ich w�nschte � ich w�nschte, es g�be eine M�glichkeit, Skellin dazu zu bringen, ihnen direkt in die Arme zu laufen, ob die Gilde es will oder nicht.�</p><p>�Eine Falle, die ebenso ihnen gilt wie Skellin.�</p><p>�Eine Falle, die ihre Aufmerksamkeit erregen wird, wenn � und nur wenn � Skellin kommt, um zu schn�ffeln.�</p><p>Die Augen des Leibw�chters leuchteten auf. �Ich wei� genau das Richtige. Es wird mit Sicherheit die Aufmerksamkeit der Magier erregen.� Er blickte nachdenklich drein. �Ich werde in die Stadt gehen m�ssen, um Vorr�te zu beschaffen. Und wir m�ssen die Falle irgendwo aufstellen, wo die Tunnel stark genug sind, damit wir uns nicht versehentlich selbst begraben. Was ist hier der stabilste Bereich?�</p><p>�Ich denke, ich kenne genau die richtige Stelle.� Cery griff nach einer Lampe. �Komm mit.�</p><p>Gol, der ohne ein �chzen aufstand, folgte Cery aus dem Raum. <emphasis>Sch�n zu sehen, dass seine Verletzungen so gut verheilt sind,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Mit ihm und Anyi f�hle ich mich doppelt so alt, wie ich bin. Wenn ich jemals mein fr�heres Leben zur�ckbekomme, werde ich einige ergraute alte M�nner um mich versammeln, damit ich mich j�nger f�hle.</emphasis></p><p>Schon bald erreichten sie die Gruppe von R�umen, wo Cery Lilia und Anyi bei ihrem trauten Zusammensein �berrascht hatte. Gol nahm ihm die Lampe ab und betrat den ersten Raum, dann hob er die Lampe, um die stabilen Ziegelsteinmauern und die gew�lbte Decke zu beleuchten.</p><p>�Dieser Raum ist in viel besserem Zustand als der, in dem wir leben�, bemerkte der Leibw�chter. �Warum sind wir nicht hier hingegangen?�</p><p>�Anyi hat die R�ume erst vor kurzem entdeckt.� Und dieser Raum hatte etwas, das Cery beunruhigte. Er lie� sein Herz eine Spur zu schnell schlagen. Als Gol die Lampe sinken lie�, fing ein staubiger, zerbrochener Teller das Licht auf. Cery hob eins der St�cke auf. Die Glasur wies ein Symbol der Gilde auf. Er schauderte, als Erinnerungen heraufwehten wie Rauch. <emphasis>Ist dies der Raum, in dem Fergun mich vor all den Jahren eingesperrt hat? Ich habe nicht viel davon zu sehen bekommen. Ich sa� tagelang im Dunkeln.</emphasis></p><p>�Dieser hier ist den Geb�uden der Gilde n�her. Ein k�rzerer Weg, wenn wir fliehen m�ssen, und auch f�r Lilia, wenn sie uns besucht. Lass uns unsere Sachen hierherbringen�, sagte Gol.</p><p>Seufzend dr�ngte Cery die Erinnerungen und sein Unbehagen beiseite und nickte. �Ja, aber lass uns einen anderen Raum w�hlen. Dies ist der erste, den jemand betritt. Wir brauchen ein wenig mehr Vorwarnung, wenn jemand kommt.�</p><p>Als der letzte der Sklaven, die das Essen aufgetischt hatten, das Herrenzimmer verlie�, sah Tayend Dannyl an.</p><p>�Was wirst du jetzt mit unserem unerw�nschten Gast machen, da Lorkin sicher aus dem Haus ist?�</p><p>Dannyl betrachtete seine Mahlzeit und seufzte, als sein Appetit schwand. Er zog Magie in sich hinein und umgab sich selbst, Merria und Tayend mit einem Schild, um zu verhindern, dass jemand ihr Gespr�ch belauschte.</p><p>�Was schl�gst du vor?�, erwiderte er.</p><p>Ein ganzer Tag war seit der gescheiterten Entf�hrung vergangen. Savi sorgte daf�r, dass dem Spion regelm��ig seine Macht entzogen wurde. Da sie die oberste K�chensklavin war, fand keiner der anderen Sklaven es merkw�rdig, dass sie die Einzige war, der es gestattet war, eine der Vorratskammern der K�che zu betreten.</p><p>�Ich kann nur zwei Alternativen erkennen: Entweder er stirbt, oder Savi geht.�</p><p>Dannyls Appetit verschwand endg�ltig. �Da Letzteres nicht m�glich ist, bleibt uns nur eine einzige Alternative.�</p><p>Merria runzelte die Stirn. �Aber ob der K�nig so tut, als sei sein Spion ein Sklave, oder zugibt, dass er keiner ist, ihr werdet das Gesetz brechen.�</p><p>Tayend nickte. �Besser, f�r die Zerst�rung k�niglichen Besitzes angeklagt zu werden als wegen Mordes. Vielleicht k�nntest du es wie einen Unfall aussehen lassen.�</p><p><emphasis>Warum muss ich derjenige sein, der es tut?,</emphasis> dachte Dannyl. <emphasis>Weil ich die rangh�chste Person im Haus bin.</emphasis> Dann regte sich eine verr�terische Hoffnung in ihm. <emphasis>Steht Tayend im Rang �ber mir, weil er Botschafter eines Landes ist und nicht nur Botschafter der Gilde?</emphasis></p><p>�Wenn Savi den Mann mit schwarzer Magie t�tet, wird klar sein, dass keiner von uns es getan hat�, schlug Merria vor.</p><p>�Aber es wird auch klar sein, dass hier irgendwo ein Verr�ter ist�, bemerkte Tayend.</p><p>�Sie kann eine Gedankenlesung blockieren, nicht wahr?�</p><p>�Wenn der K�nig wei�, dass kein Sklave das Haus betreten oder verlassen hat, und wenn er entschlossen ist herauszufinden, wer der Verr�ter ist, k�nnte er sie foltern lassen.�</p><p>�Oder er k�nnte sie alle t�ten lassen�, f�gte Tayend hinzu.</p><p>Ein Sklave erschien. Dannyl begriff, dass es Tav war, der T�rsklave. Der Mann warf sich zu Boden.</p><p>�Passt auf, was ihr sagt�, warnte Dannyl seine beiden Gef�hrten, dann lie� er den Schild fallen. �Was gibt es, Tav?�</p><p>�Da ist jemand an der T�r�, stie� der Mann hervor.</p><p>�Geh und finde heraus, wer es ist.�</p><p>Der Sklave eilte davon. Im Herrenzimmer war es still, w�hrend sie auf seine R�ckkehr warteten. Die schnellen, weichen Schritte, die lauter wurden, k�ndigten die R�ckkehr des Sklaven an.</p><p>�Eine Nachricht�, sagte er.</p><p>�Bring sie her�, befahl Dannyl, bevor der Mann sich erneut niederwerfen konnte. Der Sklave kam schnell herbeigetappt, eine Schriftrolle in beiden H�nden. Dannyl nahm sie in Empfang und bedeutete dem Sklaven, sich zur�ckzuziehen.</p><p>Er entrollte die Nachricht. Tayend und Merria beugten sich von beiden Seiten vor, um sie zu lesen.</p><p>�Ein Ruf in den Palast�, murmelte Merria.</p><p>��Unverz�glich��, las Tayend.</p><p>Dannyl lie� die Schriftrolle sich wieder zusammenrollen. �Was immer wir tun, wir m�ssen es jetzt tun. Kai!�</p><p>Sein pers�nlicher Sklave erschien im Flur.</p><p>�Hol Savi.� Als der Mann verschwunden war, sprach Dannyl leise weiter: �Es ist nur vern�nftig, sie zu fragen, was wir ihrer Meinung nach tun sollen.�</p><p>Sie warteten nicht lange. Die Frau trat ein und warf sich so schnell und ungehemmt auf den Boden wie jeder gew�hnliche Sklave.</p><p>�Ist die Mahlzeit nicht nach Eurem Geschmack, Herr?�, fragte sie.</p><p>Dannyl schaute auf den Teller in seinen H�nden; das Essen war kaum anger�hrt. Er seufzte und zog erneut die Barriere des Schweigens hoch.</p><p>�Ich werde in den Palast gerufen�, berichtete er ihr. �Wir m�ssen eine Entscheidung �ber das Schicksal des Spions des K�nigs f�llen. Was wollt Ihr, dass wir tun?�</p><p>Sie verzog das Gesicht. �Nun � diesmal wird ein Kleidertausch definitiv nicht funktionieren.�</p><p>Tayend richtete sich abrupt auf. �Ah!�</p><p>Alle wandten sich ihm zu. �Was?�, fragte Dannyl.</p><p>Der Elyner hob die Hand. �Warte. Gib mir einen Moment Zeit. Ich habe eine Idee �� Er schloss die Augen, und seine Lippen bewegten sich, dann nickte er. Er sah sie nacheinander an, zuletzt Savi. �Sagt mir, ob dies funktionieren wird: K�nntet Ihr damit durchkommen, einer der Kutschensklaven zu sein, obwohl das nicht Eure gewohnte Arbeit ist und Ihr eine Frau seid?�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Wenn es bei Ashaki Achati funktioniert hat, funktioniert es vielleicht auch bei mir.�</p><p>�Gibt es einen sicheren Ort auf dem Weg zum Palast, an dem Dannyl Euch absetzen k�nnte?�</p><p>Ihre Augen leuchteten auf. �Ja.�</p><p>Tayend sah Dannyl an. �Ich denke, dies ist unsere beste M�glichkeit. Wenn wir Savi in Sicherheit bringen k�nnen, besteht keine Notwendigkeit, den Entf�hrer zu t�ten.�</p><p>Dannyl nickte erleichtert, bis ihm wieder einfiel, dass ein lebender Entf�hrer auch viel mehr offenbaren w�rde als die Tatsache, dass Savi eine Verr�terin war. <emphasis>Aber der K�nig wird nicht �ffentlich zugeben, dass der Mann sein Spion war. Was sehr, sehr �rgerlich sein wird nach allem, was wir durchgemacht haben. Es sei denn �</emphasis></p><p>�Wir werden ihn mitnehmen�, beschloss er.</p><p>Merrias Augen weiteten sich, aber Tayend kicherte nur. �Du wirst dem K�nig alles erz�hlen.�</p><p>�Nur nicht, wie Lorkin entkommen ist.�</p><p>�Dann begleite ich dich. Das muss ich sehen.�</p><p>�Tayend ��</p><p>�Nein, Dannyl. Ich <emphasis>muss</emphasis> das sehen. Mein K�nig w�re <emphasis>�u�erst</emphasis> entt�uscht, wenn ich es nicht t�te.�</p><p>Dagegen konnte Dannyl nichts einwenden. <emphasis>Es wird besser sein, wenn es au�er mir, Osen und dem sachakanischen Hof noch andere Zeugen gibt.</emphasis> Er lie� die Barriere des Schweigens fallen.</p><p>�Merria, geht mit Savi, und holt den Spion. Kai!� Der Mann huschte in den Raum. �Lass die Kutsche vor dem Haus vorfahren.�</p><p>Als Savi und Merria davoneilten und Kai verschwand, stellte Dannyl den Schild wieder her.</p><p>Tayend rieb sich die H�nde. Dann hielt er inne, und sein Grinsen verblasste. �Ich hoffe, Achatis Beteiligung wird nicht entdeckt werden.� Tayend sprach mit leiser Stimme, trotz der Barriere des Schweigens. �Mir ist gestern Nacht ein Gedanke gekommen � Was ist, wenn der K�nig Achati befiehlt, einen seiner Blutringe zu tragen? Sie erlauben dem Sch�pfer des Rings, die Gedanken des Tr�gers zu lesen, richtig? Ich bin mir sicher, dass Achati w�hrend der Reise nach Duna mit dem K�nig in Verbindung gestanden hat. Ich bezweifle, dass der K�nig den Blutring eines anderen tragen und das Risiko eingehen w�rde, dass dieser andere seine Gedanken liest, also muss Achati einen von seinen getragen haben. Wird Achati sich jetzt weigern, einen Ring zu tragen?�</p><p>�Ich wei� es nicht.� Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Achati wusste, was er tat.�</p><p>�Nun � ich hoffe, er hat sich nicht f�r uns geopfert. Er hat sich als ein besserer Mann erwiesen, als ich erwartet hatte. Ich mag ihn.�</p><p>Dannyl sah Tayend voller �berraschung und Dankbarkeit an, w�hrend Schritte Savis R�ckkehr ank�ndigten. Sie schob den Spion, der gefesselt und geknebelt war, vor sich her. Der Mann taumelte, als sei er ersch�pft. Zweifellos, dachte Dannyl, hatte sie wieder seine Macht genommen.</p><p>In grimmigem Schweigen marschierten sie gemeinsam zum Vordereingang des Hauses. Die Kutsche wartete noch nicht auf sie, aber dann �ffneten sich die Stallt�ren, und die Pferde mit den Wagen kamen heraus. Dannyl befahl Savi, hinten neben dem anderen Kutschensklaven aufzusteigen, dann hievte er den Spion in den Wagen. Er stieg hinter ihm ein, und Tayend folgte ihnen.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte Merria leise, dann schloss sie die T�r.</p><p>Auf Dannyls Befehl verlie� die Kutsche das Gildehaus. Er sprach nicht, und auch Tayend bewahrte Stillschweigen. Sie konnten vor dem Spion nicht �ber ihre Pl�ne sprechen, und es war kaum eine Situation f�r belangloses Gepl�nkel. Der Spion kauerte Tayend und Dannyl gegen�ber, und sein �ngstlicher Blick flackerte zwischen den beiden hin und her, was beunruhigend war. Als der Fahrer pl�tzlich einen Ruf ausstie�, zuckten alle zusammen.</p><p>Die Kutsche wurde langsamer. Dannyl �ffnete das Fenster und beugte sich hinaus.</p><p>�Was ist passiert?�</p><p>�Die Sklavin, Herr. Sie ist heruntergesprungen und weggerannt.�</p><p>Dannyl hielt inne und schaute hinter sich, aber Savi war bereits verschwunden.</p><p>�Wir k�nnen nicht stehen bleiben�, sagte er zu dem Kutscher. �Fahr weiter zum Palast.�</p><p>Vielleicht war es die Erw�hnung des Palastes, aber der Entf�hrer hatte aufgeh�rt, sie anzustarren. Erleichtert verbrachte Dannyl den Rest der Fahrt damit, �ber seinen Plan nachzudenken, ihn zu verfeinern und sich Mut zu machen. Als sie ankamen, zerrte er den Mann hinter sich her. Er �berlie� es Tayend, ihnen nachzueilen, w�hrend er den Spion in den Palast f�hrte.</p><p>Die Wachen beobachteten sie, hielten sie aber nicht auf. Sobald Dannyl in der Halle war, sah er zu seiner Freude, dass der K�nig eine gro�e Audienz von Ashaki arrangiert hatte, die die Begegnung beobachten sollten, darunter einige, die, wie Merria erfahren hatte, nicht mit Lorkins Behandlung einverstanden waren. <emphasis>Perfekt.</emphasis> Achati stand in der N�he des Throns und wirkte zu Dannyls Erleichterung unbesorgt.</p><p>Der Monarch zog die Augenbrauen hoch, als Dannyl den Spion auf den Boden dr�ckte. Dannyl kniete dem Protokoll folgend nieder, und Tayend, der an seine Seite geeilt war, verneigte sich.</p><p>�Erhebt Euch, Botschafter Dannyl.� Der K�nig sah den Spion an. �Was ist das?�</p><p>�Ich gebe nur zur�ck, wovon man mir gesagt hat, es sei Euer Spion, Euer Majest�t�, erwiderte Dannyl, w�hrend er sich aufrichtete.</p><p>Der K�nig sah ihn scharf an. <emphasis>�Mein</emphasis> Spion.�</p><p>�Ja, Euer Majest�t. Gestern Nacht hat dieser Mann versucht, meinen ehemaligen Assistenten zu entf�hren, Lord Lorkin. Eine Verr�terin hat es verhindert. Sie hat au�erdem seine Gedanken gelesen und erfahren, dass der Mann in Euren Diensten steht.� Dannyl sah die Ashaki an, die erheitert wirkten, aber nicht schockiert. �Ich bitte darum, dass jemand hier seine Gedanken liest, um es zu best�tigen.�</p><p>K�pfe wurden hin und her gedreht. Blicke wurden getauscht. Einige Worte wurden gemurmelt. Der K�nig ignorierte alle und fuhr fort, Dannyl zu betrachten.</p><p>�Also gut. Ashaki Rokaro, w�rdet Ihr Botschafter Dannyls Bitte erf�llen und uns mitteilen, ob diese Anklagen der Wahrheit entsprechen?�</p><p>Es kam kein Protest, und ein Mann mit grauen Str�hnen im Haar trat vor. Alle beobachteten, wie die Gedanken des Spions gelesen wurden. Der Ashaki schien eine gr�ndliche und bed�chtige Gedankenlesung vorzunehmen, da die Prozedur l�nger dauerte, als Dannyl es bisher je erlebt hatte. Als der Ashaki den Spion loslie�, sackte der Mann wieder zu Boden und streckte die H�nde nach dem K�nig aus wie ein Sklave, der um Vergebung flehte.</p><p>�Nun, Ashaki Rokaro?�, fragte der K�nig.</p><p>Der Ashaki schaute erst den Spion an, dann Dannyl, dann die versammelten Ashaki.</p><p>�Es ist wahr�, erkl�rte er.</p><p>Dannyl versp�rte einen Anflug von �berraschung. Er hatte erwartet, dass der Ashaki es leugnen oder sagen w�rde, der Mann glaube es, habe aber keinen Beweis daf�r, dass seine Befehle vom K�nig gekommen waren. Als Dannyl den K�nig anblickte, sah er keine Sorge oder Schuldgef�hle, und ihm wurde flau im Magen.</p><p>�Ihr sagt, eine Verr�terin habe Euch geholfen�, bemerkte der K�nig.</p><p>Dannyl z�gerte, und ein warnender Schauder �berlief ihn. �Wir konnten kaum ablehnen.�</p><p>�Wo ist sie jetzt?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Nicht im Gildehaus.�</p><p>�Und Lorkin?�</p><p>�Weg.�</p><p>�Wohin?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Zusammen mit den Verr�tern, vermute ich.�</p><p>�Sie scheinen heutzutage seine bevorzugten Begleiter zu sein.� Er drehte sich um und l�chelte Achati mit offenkundiger Anerkennung an. �Aber zumindest haben wir bekommen, was wir alle begehrt haben: Freiheit f�r Lorkin im Austausch f�r Informationen.�</p><p><emphasis>Informationen?</emphasis> Pl�tzlich erinnerte sich Dannyl wieder an das Versprechen, das Lorkin Achati gegeben hatte.</p><p>Dannyl hatte nicht geglaubt, dass Lorkin zu seinem Versprechen stehen w�rde. Er hatte vermutet, dass Lorkin irgendeine Art von Betrug im Sinn hatte. Aber was, wenn er Achati tats�chlich mitgeteilt hatte, wo das Sanktuarium lag? Was, wenn Achati Lorkin dem K�nig �bergeben hatte, statt ihm zu helfen zu fliehen? Logen die Verr�ter, was seine Rettung betraf, um sich an Lorkin daf�r zu r�chen, dass er ihr Zuhause preisgegeben hatte? Oder wussten sie noch nicht, was Lorkin getan hatte?</p><p>Der K�nig sah den Spion an. �Ich sch�tze, ich sollte Euch danken, dass Ihr meinen Spion zur�ckgegeben habt, obwohl er sich den Titel kaum verdient hat.� Der K�nig wandte sich Dannyl und Tayend zu. �Ihr d�rft in das Gildehaus zur�ckkehren, Botschafter.�</p></section><section><title><p>15</p><p>Im �dland</p></title><p>Die Nachtluft war �berraschend kalt, wenn man bedachte, wie hei� es tags�ber im �dland war. Lorkin zog an den Z�geln und hielt das robuste kleine Reittier, das er ritt, einmal mehr davon ab zu versuchen, das Pferd an der Spitze einzuholen. Die Stute warf protestierend den Kopf hoch, und er h�rte das Wasser in den F�ssern schwappen, die an ihr festgebunden waren.</p><p>Sie waren seit der Abendd�mmerung am vergangenen Tag unterwegs. Der falsche Ashaki der Verr�ter hatte Lorkin in seiner Kutsche an den Rand des �dlands gebracht und ihn mit zwei Sklaven von einem nahen Besitz allein gelassen. Die Sklaven hatten Lorkin erkl�rt, dass sie ihn nur bis zu den H�geln bringen k�nnten, wo eine Gruppe von Verr�tern sie treffen w�rde. Obwohl sie ein zus�tzliches Pferd hatten, das half, Wasser und Proviant zu tragen, konnten sie nicht genug Vorr�te mitnehmen, um bis in die Berge und wieder zur�ck zu gelangen, ohne Verdacht zu erregen.</p><p>Lorkin schaute �ber seine Schulter nach Osten und sah, dass der Himmel bereits heller wurde. Er hatte seit mehr als einem Tag nicht geschlafen, und w�hrend der vergangenen beiden N�chte hatte er sich auf dem engen Sitz der Kutsche zusammenrollen m�ssen. Obwohl er die Ersch�pfung mit heilender Magie lindern konnte, waren die st�ndigen Reisen und die Angst vor Entdeckung �beraus anstrengend. Einfach f�r eine Weile still zu sitzen w�re ihm hochwillkommen gewesen, aber er bezweifelte, dass er in absehbarer Zeit in den Genuss dieses Luxus kommen w�rde.</p><p>Die Hoffnung, dass Tyvara unter den Verr�tern sein w�rde, die auf ihn warteten, schenkte ihm jedes Mal neue Energie, wenn er an sie dachte, was er tat, wann immer er vor Ersch�pfung im Sattel in sich zusammensackte. Er dachte an ihr warmes L�cheln, den Klang ihrer Stimme, die Ber�hrung ihrer nackten Haut. <emphasis>Bald,</emphasis> sagte er sich.</p><p>Er w�rde sehr entt�uscht sein, wenn sie nicht unter den Verr�tern war, aber nicht �berrascht. Man hatte Tyvara f�r drei Jahre verboten, die Stadt zu verlassen, als Strafe daf�r, dass sie Riva get�tet hatte. <emphasis>Aber zumindest ist sie dort in Sicherheit, und wenn sie nicht bei ihnen ist, wird mich der Gedanke an sie aufrechterhalten, bis ich sie tats�chlich wiedersehe,</emphasis> ging es ihm durch den Kopf.</p><p>Das Ger�usch klappernder Z�hne lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf sein Reittier. Er sah, dass die Stute dem Tier an der Spitze nahe genug gekommen war, um einen weiteren Biss zu versuchen, und hastig zog er an den Z�geln. <emphasis>Verr�cktes, geh�ssiges kleines Tier,</emphasis> dachte er und murmelte einen Fluch. <emphasis>Ich bin froh, dass sie das nicht bei Menschen versucht.</emphasis></p><p>W�hrend sie gehorsam langsamer wurde, folgte das Pferd an der Spitze ihrem Beispiel. Lorkin �ffnete den Mund, um den Sklaven zu warnen, dann schloss er ihn wieder, als der Mann ihm bedeutete zu schweigen. Sie hielten an. Selbst Lorkins Reittier blieb stehen und stellte die Ohren auf.</p><p>Lorkin konnte nichts h�ren, aber einer der Sklaven glitt von seinem Pferd und lief zu einer nahen D�ne. Nachdem er sich f�r kurze Zeit hingehockt hatte, eine dunkle Gestalt vor dem Hintergrund des helleren Sandes, kam er zu ihnen zur�ckgeeilt.</p><p>�Eine Gruppe von acht Personen�, murmelte er.</p><p>Der andere Sklave nickte, dann wandte er sich an Lorkin. �Wahrscheinlich Verr�ter. Ichani reisen allein und mit nur wenigen Sklaven.�</p><p>Lorkin nickte. Sein Herz raste. Er machte Anstalten abzusitzen, aber der Sklave runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. �Bleibt im Sattel. Nur f�r den Fall, dass wir uns irren.�</p><p>Der andere Sklave stieg wieder auf sein Pferd. Sie bewegten sich in den langen, niedrigen Schatten einer D�ne hinein, die sie nur halb verbarg.</p><p><emphasis>Was, wenn es ein Ichani ist?</emphasis> Die n�chtliche K�hle durchdrang Lorkins Kleidung. <emphasis>Was, wenn es mehr als einer ist? Wir k�nnen fliehen, aber w�rden wir weit kommen? K�nnte ich ihre Versuche, uns festzuhalten, mit Magie lange genug behindern, um zu entkommen? Ich bezweifle, dass noch viel von Tyvaras Magie �brig ist, und selbst wenn ich alles h�tte, k�nnte ich nicht mehrere Ichani besiegen.</emphasis></p><p>Gestalten erschienen im Tal zwischen den D�nen vor ihnen. Das Leuchten des Himmels war w�rmer geworden und tauchte die Neuank�mmlinge jetzt in einen goldenen Schein. Obwohl alle Hosen und Kittel trugen, war es leicht, Frauen von M�nnern zu unterscheiden. Alle trugen einen G�rtel �ber ihrem Wams, und an jedem G�rtel war eine Scheide befestigt. Im Gegensatz zu den Klingen der Ashaki waren die Griffe der Messer schmucklos, und die Scheiden waren gerade, nicht gebogen. Als Lorkin die Gestalt an der Spitze erkannte, stie� er einen Seufzer der Erleichterung aus.</p><p><emphasis>Savara.</emphasis></p><p>Sie kam auf sie zu, ohne Hast, aber entschieden. Lorkin schaute an ihr vorbei und suchte nach dem Gesicht, nach dem er sich am meisten sehnte, und sein Puls beschleunigte sich, noch w�hrend er sich gegen eine m�gliche Entt�uschung wappnete. Als sein Blick ihren fand, dachte er, er m�sse sich irren. Dann l�chelte sie, und sein Herz machte einen Satz, und eine tiefe Sehnsucht, sie in die Arme zu nehmen und ihren K�rper an seinem zu sp�ren, stieg in ihm auf. Er sa� ab, ebenso wie die Sklaven, zwang sich aber, still stehen zu bleiben und sich der neuen K�nigin der Verr�ter zu stellen.</p><p>�Gal. Tika. Genau dort, wo ihr sein solltet�, sagte Savara und l�chelte, als sie die Sklaven erreichte. Dann wandte sie sich an Lorkin. �Es ist sch�n, Euch wiederzusehen, Lord Lorkin. Wir haben uns Sorgen gemacht, dass wir vielleicht in den Palast w�rden einbrechen m�ssen, um Euch zu holen. Das haben wir seit Jahrhunderten nicht mehr tun m�ssen.�</p><p>Er legte eine Hand aufs Herz und wartete. Sie l�chelte traurig, dann nickte sie.</p><p>�Ich freue mich auch, Euch zu sehen, Euer Majest�t�, erwiderte er. Immer noch unsicher, was das Protokoll der Verr�ter vorsah, wenn eine Monarchin gestorben war, beschloss er, es im Zweifelsfall bei schlichten Worten zu belassen. �Ich war sehr bek�mmert, als ich vom Dahinscheiden K�nigin Zaralas h�rte, aber ich habe mich gefreut, von Eurer Wahl zu h�ren.�</p><p>Sie senkte den Blick. �Man wird sich an sie erinnern.� Sie presste die Lippen aufeinander, dann drehte sie sich zu den Sklaven um. W�hrend sie sich bei ihnen bedankte, sah Lorkin wieder zu Tyvara hin�ber und sog ihren Anblick in sich auf, wobei er einer Welle der Ungeduld widerstand. <emphasis>Es f�hlt sich an, als h�tte ich sie seit Monaten nicht mehr gesehen.</emphasis></p><p>Die Sklaven stiegen wieder auf ihre Pferde, einer von ihnen nahm die Z�gel von Lorkins Reittier, und die beiden machten sich in �stlicher Richtung auf den Weg. Sie verschwanden um eine D�ne, auf eine orangefarbene Sonne zu, die von der bevorstehenden Hitze des kommenden Tages k�ndete.</p><p>�Jetzt m�ssen wir so schnell reisen wie nur m�glich�, sagte Savara und f�hrte ihn auf die anderen zu. �Eure Mutter erwartet uns in den Bergen.�</p><p>Er versp�rte einen Stich der Furcht und des Eifers, verga� jedoch beides, als Tyvara vortrat, um ihn zu begr��en. Sie l�chelte breit.</p><p>�Ich bin so froh, dass der K�nig dich hat gehen lassen. Savara sagte, der K�nig w�rde es nicht wagen, dir etwas anzutun, aber das hat mich nicht daran gehindert, mir Sorgen zu machen.� Sie ergriff seine H�nde. Dann trat sie dicht vor ihn hin und k�sste ihn schnell, wich jedoch zur�ck, als er versuchte, sie fester an sich zu ziehen; ihr Blick flackerte zu den anderen, und sie sah ihn warnend an, mit einem Ausdruck, der deutlich sagte: �Nicht jetzt.� Er versp�rte Entt�uschung, schob die Regung jedoch beiseite. Sie war hier. Das war f�r den Moment genug.</p><p>�Ich bin nicht der Einzige, der freigelassen wurde�, bemerkte er.</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Ich habe wichtigere Dinge zu tun, als mich um die Abwasserkan�le zu k�mmern. Und ich bin mir sicher, dass ich meine Strafe absitzen muss, sobald wir fertig sind.�</p><p>Die Gruppe drehte um und bewegte sich in die Richtung, aus der sie gekommen war. Jemand reichte Lorkin ein B�ndel und murmelte, dass er darin eine Wasserflasche finden werde. Er schulterte das B�ndel und blickte Tyvara an. Sie beobachtete ihn stirnrunzelnd.</p><p>�Was ist los?�</p><p>Sie senkte die Stimme. �War es schlimm im Gef�ngnis des K�nigs?�</p><p>Bei dieser Frage krampfte sich sein Magen zusammen. Pl�tzlich war die Unbeschwertheit in seinem Herzen erloschen, und die Ersch�pfung kehrte zur�ck. Er wandte den Blick ab.</p><p>�Spa� hat es nicht gemacht�, antwortete er achselzuckend. <emphasis>Sollte ich ihr von dem Sklavenm�dchen erz�hlen? Was wird sie von mir denken, wenn sie erf�hrt, dass ich dem M�dchen geholfen habe zu sterben? Vielleicht, wenn das M�dchen keine Verr�terin gewesen ist � nein, ich denke nicht, dass das einen gro�en Unterschied machen w�rde. Trotzdem, Tyvara muss als Spionin einige schwierige Entscheidungen getroffen haben.</emphasis> Er holte tief Luft. �Du musst als Sklavin Schlimmeres durchgemacht haben.�</p><p>Sie erwiderte nichts. Er zwang sich, sie anzuschauen. Sie begegnete widerstrebend seinem Blick, dann sah sie zu Boden.</p><p>�W�re das ein Problem f�r dich, wenn es so w�re?�, fragte sie.</p><p>Es war eine seltsame Art, ihre Antwort zu formulieren, aber als ihm die Bedeutung ihrer Worte klar wurde, versp�rte er gleichzeitig Entsetzen und Zuneigung.</p><p>�Nein�, sagte er. �Ich bin � ich wei�, was � was dazu notwendig ist, wenn man sich als Sklave ausgibt. Es ist nicht so, als h�ttest du eine Wahl gehabt.�</p><p>�Aber ich hatte eine Wahl � ob ich eine Spionin sein wollte oder nicht.�</p><p>�Zum Wohl deines Volkes. Und um anderen zu helfen.� <emphasis>Dass ich dem Sklavenm�dchen geholfen habe zu sterben, war dagegen nichts Nobles.</emphasis> Und doch hatte er sich nicht daf�r entschieden, in diese Situation gebracht zu werden.</p><p>�Genug geredet�, sagte Savara und blickte sich nach Lorkin und Tyvara um. �Die Ichani waren weit entfernt, als wir das letzte Mal nachgesehen haben, aber sie k�nnen unberechenbar sein. Wir sollten schweigend weiterreisen.�</p><p>Tyvara runzelte die Stirn und biss sich auf die Lippe. W�hrend sie weiterritten, schaute sie ihn von Zeit zu Zeit an. Offensichtlich wollte sie ihm etwas sagen. Frustriert von der Notwendigkeit zu schweigen, konzentrierte er sich, bis er ihre geistige Pr�senz sp�rte. Er stellte sich vor, ihre Gedanken wie ein Summen am Rand seiner Sinne h�ren zu k�nnen, nicht laut oder klar genug, um verst�ndlich zu sein.</p><p>Schlie�lich konnte er es nicht l�nger ertragen. Er bewegte sich n�her an sie heran und griff nach ihrer Hand.</p><p><emphasis>� Was ist los? Was macht dir zu schaffen?</emphasis></p><p>Sie wirkte �berrascht, dann l�chelte sie und dr�ckte seine Hand.</p><p><emphasis>� Du wei�t, wo wir hingehen?</emphasis></p><p><emphasis>� In die Berge. Um meine Mutter zu treffen. Ich nehme an, um �ber Handel oder ein B�ndnis zu sprechen.</emphasis></p><p><emphasis>� Ja.</emphasis></p><p>Sie sah ihn fragend an, und er h�rte schwach ein paar Worte, die zu senden sie vielleicht nicht beabsichtigt hatte.</p><p><emphasis>Was wird er dann tun?</emphasis></p><p>Er runzelte die Stirn. Er z�gerte es hinaus, sich die gleiche Frage zu stellen. Was <emphasis>w�rde </emphasis>er tun, sobald die Verhandlungen vor�ber waren? W�rde er mit seiner Mutter nach Kyralia zur�ckkehren? Bei Tyvara in Sachaka bleiben? Die Antwort war noch wichtiger, wenn es mit den Verhandlungen nicht gelang, irgendeine Art von �bereinkunft zwischen den Verb�ndeten L�ndern und den Verr�tern zu erzielen.</p><p>Die Gilde w�rde wollen, dass er nach Hause kam. Seine Mutter w�rde wollen, dass er nach Hause kam. Aber das k�nnte bedeuten, dass er Tyvara nie wiedersehen w�rde.</p><p><emphasis>Was will er?,</emphasis> kam Tyvaras schlecht verborgener Gedanke.</p><p><emphasis>� Ich will mit dir zusammen sein,</emphasis> antwortete er ihr.</p><p>Sie blinzelte �berrascht und starrte ihn an. Er sp�rte Verwirrung und ein wenig Verlegenheit. Ihr Griff lockerte sich, als wollte sie sich zur�ckziehen. Dann wurde er wieder fester.</p><p><emphasis>� Wird die Gilde dir erlauben, bei uns zu bleiben?</emphasis></p><p><emphasis>� Es wird ihnen nicht gefallen, aber sie werden es akzeptieren m�ssen.</emphasis></p><p>Sie nickte, schaute weg und entzog ihm die Hand. Er konzentrierte sich auf sie und versuchte, ihre Miene zu deuten, und wieder h�rte er ganz am Rande seiner Sinne Worte.</p><p><emphasis>Er wird seine Meinung �ndern, sobald er erf�hrt, dass wir im Begriff stehen, in den Krieg zu ziehen.</emphasis></p><p>Lorkin sp�rte, wie seine Muskeln vor Schreck erstarrten. Er sch�ttelte den Kopf. Er musste es sich eingebildet haben. Es war nicht m�glich, die Gedanken eines anderen zu h�ren, ohne ihn zu ber�hren. Es sei denn, diese Person h�tte den Gedanken absichtlich geschickt. Als er sich umschaute, sah er, dass keiner der anderen Verr�ter erschrocken wirkte oder ihn beobachtete, wie es der Fall gewesen w�re, wenn sie gewusst h�tten, dass Tyvara ihm ihre Pl�ne offenbart hatte.</p><p><emphasis>Nein, ich muss es mir eingebildet haben.</emphasis> Er hatte im Sanktuarium Hinweise darauf bemerkt, dass die Verr�ter vielleicht planten, die Ashaki anzugreifen. Sein Geist deutete lediglich auf unerwartete Weise an, dass ein Krieg ihm seine Entscheidung erheblich erschweren w�rde. Tyvara musste sich fragen, ob er es vermeiden wollte, in einen Krieg verwickelt zu werden. Nat�rlich w�rde er das. Menschen starben in Kriegen. Tyvara k�nnte sterben. Es sei denn � k�nnte ich einen Grund finden, sie mit mir nach Kyralia zu nehmen? Vielleicht k�nnte ich Savara davon �berzeugen, dass die Verb�ndeten L�nder einen Verr�ter-Botschafter brauchen. Aber w�rde Tyvara gehen? Ich bezweifle es.</p><p>Also musste er jetzt �berlegen, ob er bei Tyvara bleiben oder nach Kyralia gehen w�rde, um seine Kenntnisse der Herstellung von Steinen weiterzugeben, wie er seiner Mutter beibringen sollte, dass er schwarze Magie erlernt hatte, ob er Tyvara von der vergifteten Sklavin erz�hlen sollte und was er tun w�rde, wenn die Verr�terinnen in den Krieg zogen. Gl�cklicherweise musste er noch stundenlang durch das �dland zu den Bergen trotten. Jede Menge Zeit zum Nachdenken.</p><p>Obwohl der Fr�hling noch jung war, �ffneten sich an den B�umen innerhalb der G�rten der Gilde bereits Knospen, und der Duft deutete das Kommen w�rmerer Tage an. Lilia atmete ihn ein und genoss einen kurzen Augenblick des Friedens und sommerlichen Versprechens. Sie lebte und war nicht im Gef�ngnis, die Gilde akzeptierte sie, und Cery, Gol und Anyi waren immer noch sicher und unentdeckt.</p><p>Nat�rlich konnte der Augenblick nicht lange w�hren. Ihre Freunde waren nicht vollkommen sicher, die Akzeptanz der Gilde an Bedingungen gekn�pft, die ihr f�r den Rest ihres Lebens Einschr�nkungen auferlegten, und sie war auf dem Weg zu einer weiteren Lektion bei Schwarzmagier Kallen. Aber ihre Stimmung verd�sterte sich fr�her als gew�hnlich, als sie ein Trio von Novizen drau�en vor dem Novizenquartier stehen sah; die drei beobachteten sie. Einer von ihnen war Bokkin.</p><p>Sie bedachte die drei mit dem fl�chtigsten aller Blicke, aber obwohl sie auf den Pfad vor sich schaute, beobachtete sie aus dem Augenwinkel ihre Schatten. Obendrein zog sie einen schwachen Schild gegen jedwede Streiche hoch.</p><p>Nichts geschah, obwohl sie so sehr auf �rger gefasst war, dass sie zuerst gar nicht bemerkte, dass keine anderen Novizen mit Kallen an der Arena warteten. Er zeigte immer das gleiche leicht geistesabwesende Stirnrunzeln, doch jetzt war es tiefer als gew�hnlich. Und sein Blick war eine Spur wachsamer.</p><p>�Schwarzmagier Kallen�, begr��te sie ihn und verbeugte sich, als sie ihn erreichte.</p><p>�Lady Lilia�, erwiderte Kallen. �Die heutige Lektion wird in der Universit�t abgehalten werden.�</p><p>Ihr Herz setzte einen Schlag aus, und sie musste den Drang zu jubeln unterdr�cken.</p><p>�Also � kein Kampftraining heute?�</p><p>�Nein.�</p><p>Er bedeutete ihr, dass sie neben ihm hergehen sollte, und sie schlugen den Weg zur Universit�t ein. Bokkin war, wie sie voller Erleichterung sah, verschwunden. Sie zog in Erw�gung, Kallen zu fragen, was sie lernen w�rde, aber die Erfahrung hatte ihr gezeigt, dass sie, wenn er nicht freiwillig Informationen beisteuerte, wahrscheinlich keine n�tzlichen Antworten bekommen w�rde. Sobald sie in der Universit�t waren, h�rte sie ihn tief durchatmen und dann seufzen. Mit einem verstohlenen Blick bemerkte sie, dass sein Mund zu einer d�nnen Linie verzogen war.</p><p><emphasis>Er ist �ber irgendetwas gar nicht gl�cklich, </emphasis>dachte sie. <emphasis>Nun, jedenfalls ist er noch ungl�cklicher als gew�hnlich.</emphasis></p><p>Er f�hrte sie durch die inneren G�nge des Geb�udes und in einen der kleinen R�ume, die f�r private Unterrichtsstunden reserviert waren. Nachdem er ihr ein Zeichen gegeben hatte, dass sie sich auf einen der beiden St�hle setzen sollte, nahm er auf dem anderen Platz und schaute sie �ber den einzigen Tisch im Raum hinweg an.</p><p>�Die Gilde ist zu dem Schluss gekommen, dass es Zeit f�r Euch wird zu lernen, wie man schwarze Magie benutzt.�</p><p>Ein Stich der Furcht und des schlechten Gewissens durchzuckte sie, aber die Regung wich schnell Erheiterung. �Aber ich wei� bereits, wie man schwarze Magie benutzt.�</p><p>�Ihr wisst, wie sie benutzt wird�, korrigierte er sie. �Abgesehen von Eurem einzigen Experiment habt Ihr sie bisher nicht bewusst und vors�tzlich benutzt, und Ihr brauchtet nie Macht zu lagern. Es gibt auch andere Aufgaben, die ein Schwarzmagier erf�llen muss und bei denen es nicht um den Erwerb von Magie geht.�</p><p>�Wie zum Beispiel?�</p><p>�Das Lesen von Gedanken. Die Herstellung von Blutringen.�</p><p>Lilias Herzschlag beschleunigte sich. Sie hatte angenommen, dass sie beide F�higkeiten erst erlernen w�rde, wenn sie ihren Abschluss gemacht und ihre offizielle Rolle als Schwarzmagierin �bernommen hatte.</p><p>�Warum jetzt?�</p><p>Kallen zog die Brauen noch tiefer herab. �W�hrend Sonea abwesend ist, w�re es vielen von uns lieber, man w�rde Euch lehren, schwarze Magie zu benutzen, als dass wir nur einen voll ausgebildeten Schwarzmagier in Imardin haben.�</p><p><emphasis>Kein Wunder, dass er m�rrisch ist. Die Andeutung, die dahintersteht, ist die, dass er �berwacht werden muss. Dass man ihm nicht trauen kann.</emphasis> Ein leichtes Triumphgef�hl stieg in ihr auf, weil er dem gleichen Argwohn und Misstrauen ausgesetzt war wie sie. <emphasis>Obwohl die Leute mir misstrauen, weil ich eine Regel gebrochen habe, als ich schwarze Magie erlernt habe, obwohl ich dachte, ich k�nnte keinen Erfolg haben. Aber ich nehme an, sie misstrauen Kallen, weil er ein Feuel-S�chtiger ist.</emphasis> Ihr Triumph verblasste. An seine Stelle trat Mitgef�hl. <emphasis>Und er hat wahrscheinlich auch nicht damit gerechnet, dass das passieren w�rde.</emphasis></p><p>Sie nickte. �Also � was zuerst?�</p><p>Er richtete sich auf und nahm etwas aus seiner Robe. Licht spiegelte sich auf der polierten Oberfl�che eines kleinen, schmalen Messers. Kallen hob die andere Hand, so dass der �rmel zur�ckfiel, dann legte er den Arm auf den Tisch. Er sah sie an.</p><p>�Ich werde mich schneiden. Legt die Hand auf die Wunde, und versucht, Euch daran zu erinnern, was Ihr damals mit � Nehmt genug, um zu sp�ren, dass Eure eigene Kraft gr��er geworden ist.�</p><p><emphasis>� mit Naki getan habt</emphasis>. Sie dr�ngte die Erinnerung an eine Bibliothek und die Worte beiseite, die sie dazu verf�hrt hatten, das Verbotene zu erlernen. <emphasis>�Ich w�rde alles f�r dich tun.�</emphasis> Kallen strich mit der Klinge �ber die R�ckseite seines Arms. Sie legte gehorsam die Hand �ber die flache Schnittwunde und schloss die Augen.</p><p><emphasis>Der Trick bestand darin zu sehen, dass meine eigene Magie von der Barriere meiner Haut zur�ckgehalten wird,</emphasis> rief sie sich ins Ged�chtnis. Die Erinnerung stellte sich langsam ein, doch dann wurde das Gef�hl von Magie innerhalb ihres K�rpers pl�tzlich sehr deutlich. Sie hielt inne, um ein wenig dar�ber zu staunen, wurde dann aber durch eine Andersartigkeit in der N�he abgelenkt. Sie konzentrierte sich auf ihre Hand, nahm Kallens Anwesenheit wahr und sah die Bresche in seiner Verteidigung.</p><p>Sie z�gerte. Es erschien ihr anma�end, Magie von Kallen zu nehmen, den sie w�hrend des gr��ten Teils ihres Lebens halb gef�rchtet hatte und der einer der H�heren Magier war. Aber er hatte sie dazu aufgefordert, daher nahm sie ihre Willenskraft zusammen und sog.</p><p>Magie flutete in ihren K�rper. Sofort verlangsamte sie den Sog. Er w�rde es sp�ren k�nnen, vermutete sie, und wissen, wenn sie es �bertrieb. Er hatte gesagt, sie solle Magie nehmen, bis sie sp�ren konnte, dass sie ihre eigene St�rke mehrte. Als sie sich konzentrierte, wurde ihr bewusst, dass sie bereits eine gr��ere St�rke in sich sp�rte. Sie brachte den Strom magischer Macht zum Erliegen, �ffnete die Augen und zog die Hand zur�ck.</p><p>Kallen sah sie eindringlich an. �Nehmt mehr.�</p><p>Diesmal war sie sich der Bresche in seiner Barriere sofort bewusst, und sie stellte fest, dass sie sich der Grenzen ihrer eigenen Magie dazu nicht bewusst zu sein brauchte. Sie verga�, die Augen zu schlie�en, und begriff, dass es gar nicht n�tig war. Kallens Gesicht war seltsam schlaff geworden, bemerkte sie. Er sah traurig und m�de aus.</p><p>Als sie aufh�rte, trat wieder ein Ausdruck in seine Z�ge. Er sah sie an, und diesmal nickte er.</p><p>�Gut. Ich kann sp�ren, dass Ihr jetzt Magie lagert.� Seine Lippen verzogen sich in grimmiger Anerkennung. �Wann immer wir mehr Magie in uns tragen, als wir von Natur aus besitzen, entweicht ein wenig davon unserer Barriere. Konzentriert Euch auf die nat�rliche Grenze Eurer Haut, bis Ihr dieses Leck sp�rt, dann sendet ein wenig Magie aus, um Eure Barriere zu verst�rken.�</p><p>Diesmal schloss sie die Augen. Sie zog ihre Aufmerksamkeit nach innen und bemerkte, dass sie sp�ren konnte, dass ihre Macht sich verst�rkt hatte. Sie konzentrierte sich auf die Barriere ihrer Haut, die die Grenze ihrer Kontrolle darstellte. Und tats�chlich, Magie sickerte durch sie hindurch, an manchen Stellen mehr als an anderen.</p><p>Sie setzte ihre Willenskraft ein, zapfte ein wenig von ihrer Magie an und sandte ein stetiges Rinnsal davon aus, um die Barriere zu verh�rten. Sofort war das Leck gestopft.</p><p>Als sie die Augen �ffnete, nickte Kallen.</p><p>�Ich kann es nicht l�nger sp�ren.� Er l�chelte beinahe. �Es ist jetzt auch m�glich, dass ein dritter Magier Euer Nehmen von Magie sp�ren kann. Dies ist ein �hnliches Problem, das aber an der Wunde in Erscheinung tritt. Ihr m�sst Eure Barriere ein wenig ausdehnen, damit sie die des, �h, Spenders von Magie �berlappt.�</p><p>Seinen Anweisungen folgend gelang es Lilia, diese Lektion nach wenigen Versuchen zu bew�ltigen. Danach lie� Kallen sie versuchen, Magie so langsam zu nehmen, dass sie es kaum bemerkte, dann so schnell sie konnte. Er konnte bei der ersten �bung stockend mit ihr sprechen, hatte aber w�hrend der zweiten offensichtlich M�he, sich aufrecht zu halten.</p><p>�Ihr solltet auch die schw�chende Wirkung kennenlernen, die das Geben von Magie f�r den Spender hat. Schwarzmagierin Sonea ist w�hrend des Kampfes mit den Ichani geschnitten worden, weil sie nicht um die Schw�chung durch schwarze Magie wusste. Es ist etwas, das Ihr gewiss nicht wieder erleben wollt, sobald Ihr es einmal gesp�rt habt.� Er machte eine Handbewegung. �Aber das kann bis zu einer anderen Lektion warten.�</p><p>�Ich erinnere mich an etwas in der Art, von damals, als Naki es an mir ausprobiert hat�, sagte Lilia. �Sie meinte, es h�tte nicht funktioniert, aber ich denke, sie hat gelogen.�</p><p>Kallens Miene verd�sterte sich, aber dann verzog er mitf�hlend die Lippen. �In Beschreibungen des Rituals H�herer Magie zwischen Magiern und Novizen alter Zeiten knieten die Novizen vor ihren Meistern nieder. Sie m�ssen in der Lage gewesen sein, sich aufrecht zu halten. Vielleicht sind die Novizen immun gegen die schw�chende Wirkung geworden.�</p><p>�Oder die Meister wussten, wie man Macht nimmt, ohne ihr Gegen�ber zu schw�chen.�</p><p>Er nickte. �Wenn Ihr dazu bereit seid, k�nnten wir experimentieren. Es gibt vieles an schwarzer Magie, was wir nicht verstehen, und ich f�rchte, dass unsere Gegenst�cke in Sachaka das gegen uns benutzen k�nnten.�</p><p>Lilia unterdr�ckte einen Schauder des Widerstrebens. Obwohl Experimente in schwarzer Magie mit Kallen nicht nach Spa� klangen, musste sie ihm zustimmen, dass die Gilde darauf bedacht sein sollte, ihre Wissensl�cken nach bestem Verm�gen zu f�llen.</p><p>Kallen strich mit der Hand �ber die Schnittwunde, die sich jetzt zu einer rosigen Linie geschlossen hatte. �Nat�rlich werdet Ihr auf diese Weise nur Magie von Nichtmagiern oder von einem feindlichen Magier nehmen. Eine normale �bertragung von Macht l�sst sich bew�ltigen, ohne die Haut aufzuschneiden. Der schw�chende Effekt ist au�erdem ein weiterer Vorteil in der Schlacht. Ich kann mir nicht viele Situationen vorstellen, in denen es Sinn ergibt, jemandem mit Gewalt seine Magie zu nehmen, ohne ihn gleichzeitig zu schw�chen.�</p><p>�Vielleicht � wenn Ihr Macht von einem alten Magier nehmen m�sstet, der im Sterben liegt, der aber aus irgendeinem Grund � vielleicht weil er bewusstlos ist oder senil � Euch seine Macht nicht mehr willentlich anbieten kann.�</p><p>Kallen verzog das Gesicht. �Ja. Es w�re freundlicher, wenn er die Schw�chung nicht erleben m�sste.�</p><p>Sie betrachtete das Messer. �Was macht man, wenn man kein Messer hat? K�nnte man Magie benutzen, um den Schnitt zu verursachen?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Selbst wenn ein Magier zu schwach ist, um sich mit einem Schild zu sch�tzen, hat er doch noch genug Kraft, um die nat�rliche Barriere seiner Haut aufrechtzuerhalten. Diese Barriere ist nichts anderes als ein Schild gegen fremden Willen und muss aufgebrochen werden.�</p><p>�Wenn man Magie wie einen Dorn formte und gegen einen Gegner schleuderte, so dass dessen Haut durchsto�en w�rde � k�nnte das vielleicht funktionieren?�</p><p>Er zog die Augenbrauen hoch. �Vielleicht. Ich sch�tze, wenn ein Hieb oder Schuss heftig genug ist �� Er runzelte die Stirn. �Es w�re schwierig zu pr�fen. Das Opfer m�sste bereit sein, verletzt zu werden, vielleicht ziemlich schwer � Andererseits, wenn man sich zun�chst einiges Geschick aneignet, einen kurzen, heftigen Angriff zu f�hren, der nur eine kleine Verletzung hervorruft, w�re das auch nicht schlimmer als ein kleiner Schnitt. Es ist eine interessante Idee. Wir sollten ihr nachgehen.�</p><p>Sie nickte, bevor die Vorstellung, ihm zu erlauben, sie zu stechen, ihre Befriedigung, auf eine Idee gekommen zu sein, die f�r ihn ganz neu war, wieder zunichtemachte.</p><p>�Nun � das wird f�r heute gen�gen�, sagte er. �Morgen werde ich Eure Ausbildung im Gedankenlesen beginnen. Wir werden einen Freiwilligen ben�tigen, an dem Ihr �ben k�nnt. Sobald Ihr diese F�higkeit erworben habt, werde ich Euch lehren, einen Blutstein zu machen.�</p><p><emphasis>Einen Blutstein!</emphasis> Lilia verkniff sich ein L�cheln; sie wollte nicht zu erpicht erscheinen, mehr �ber etwas zu lernen, was einst verbotene Magie gewesen war. Sie erhob sich, als Kallen aufstand, und folgte ihm zur T�r.</p><p>�Soll ich Euch hier treffen?�, fragte sie.</p><p>Er nickte und deutete auf den Flur. �Ja. Dann bis morgen.�</p><p>Sie verneigte sich und machte sich auf den Weg zu den �u�eren R�umen der Universit�t und zu ihrer n�chsten Unterrichtsstunde, au�erstande, ein Gef�hl der Erregung zu unterdr�cken.</p><p><emphasis>Zum ersten Mal f�hlt sich die Kenntnis von schwarzer Magie nicht wie eine � eine Strafe an � oder eine Krankheit. Die Gilde </emphasis>will,<emphasis> dass ich sie erlerne. Und es ist tats�chlich</emphasis> interessant.</p><p>W�hrend die Morgensonne h�her stieg und heller wurde, begannen die Farben des �dlands zu verblassen. Sonea schlang die H�nde um ihre Knie und erinnerte sich sehns�chtig daran, dass sie fr�her einmal in der Lage gewesen war, die Knie ganz anzuziehen. Es war lange her, seit sie so biegsam gewesen war. Das Leben als Magierin � und das Tragen schwerer Roben � verlangte im Allgemeinen eine w�rdevollere Position, wenn man sich hinsetzte. Es waren kleine Verluste wie dieser, die ihr sagten, dass sie �lter wurde.</p><p>Regin stand auf und ging zu ihren Reiseb�ndeln, die ein wenig leerer aussahen als noch vor zwei Tagen, als sie am Abend am Treffpunkt der Verr�ter eingetroffen waren.</p><p><emphasis>Ich habe die Anweisungen streng befolgt,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Sie haben absolut Sinn ergeben. Regin stimmt mir zu. Wir m�ssen dort sein, wo wir sein sollten.</emphasis></p><p>Und doch waren noch keine Verr�ter erschienen.</p><p>Sie schaute nach rechts, wo das Gebirge im S�dwesten aufragte. Als sie und Akkarin zwanzig Jahre zuvor Sachaka betreten hatten, waren sie in diese Richtung gereist. �ber die H�nge der Berge ohne Vorr�te, ohne Heimat und gejagt von Ichani. Diesmal reisten sie und Regin nach Nordwesten, immer noch durch die raue Berglandschaft, aber mit reichlich Nahrungsvorr�ten; sie brauchten sich nicht um Ichani zu sorgen und hatten zu Hause eine Gilde, die darauf wartete, sie willkommen zu hei�en.</p><p><emphasis>Erstaunlich, welchen Unterschied einige grundlegende Dinge machen und der Umstand, dass man nicht um sein Leben zu f�rchten braucht.</emphasis></p><p>Trotzdem war das �dland rau. Unter ihnen gingen die felsigen H�nge in D�nen �ber, die sich endlos bis zum Horizont hinzogen. An ihrem ersten Tag hier hatten sie beobachtet, wie im Norden ein Sandsturm �ber das Land getobt und alles in seinem Weg unkenntlich gemacht hatte. Sie hatten bef�rchtet, dass sie dem Sturm w�rden trotzen m�ssen, aber er war erstorben, als er auf die n�rdlichen Berge getroffen war. Sonea wandte sich nach links und betrachtete die Gipfel, die sich in gestaffelten Ketten bis in die Ferne erstreckten und die blasser wurden, je weiter sie weg waren.</p><p><emphasis>Irgendwo hinter ihnen liegt das Sanktuarium, die Heimat der Verr�terinnen. Nach allem, was Lorkin sagt, waren sie viel freundlichere Gef�ngnisw�rter als K�nig Amakira.</emphasis></p><p>Nicht dass irgendjemand ihr beschrieben h�tte, wie Lorkins Gefangenschaft im Palast ausgesehen hatte. Sie war beinahe froh, dass sie nicht in der Lage gewesen war, durch ihren Blutstein seine Gedanken zu lesen. Sie schwankte zwischen dem Wunsch, alles zu wissen, und dem Gedanken, dass es vielleicht besser war, wenn sie es nie erfuhr. Wenn er gelitten hatte, war sie sich nicht sicher, was sie f�hlen oder tun w�rde, aber sie war sich sicher, dass es nichts Gutes sein w�rde.</p><p><emphasis>Er ist jetzt frei. Frei und lebendig. Ich muss aufpassen, dass nichts, was ich tue, daran etwas �ndert.</emphasis></p><p>�Sonea.�</p><p>Sie riss den Blick von der Aussicht los und drehte sich zu Regin um. �Ja?�</p><p>Er deutete auf die Taschen. �Sollen wir das Essen weiter rationieren?�</p><p>Sie nickte. Er fragte mehr als nur das, das wusste sie. Er fragte, ob sie hierbleiben oder aufgeben und bald in die Festung zur�ckkehren sollten. <emphasis>Wir k�nnten jagen, um uns mit Nahrung zu versorgen, wie Akkarin und ich es getan haben.</emphasis> Erinnerungen an eine Mahlzeit stiegen in ihr auf, gekocht und gegessen in einem kleinen, verborgenen Tal. Sie l�chelte, als sie daran dachte, was an diesem Ort sonst noch passiert war.</p><p>�Zumindest haben wir jede Menge Wasser�, fuhr Regin fort und wandte sich um, um die Quelle zu betrachten. �Und es ist jetzt sauber.�</p><p>Sie folgte seinem Blick. Das Wasserrinnsal sickerte durch einen Riss in dem felsigen Boden und sammelte sich in einem kleinen, glatten Teich, bevor es in einen winzigen Bach �berfloss. Das Wasser hatte offensichtlich Tiere angelockt. Als sie angekommen waren, hatten sie Vogelkot wegwaschen m�ssen. Der Bach war nicht lang und wurde von einer Felsspalte in dem steinigen Boden verschluckt.</p><p><emphasis>Wenn wir uns verstecken, werden vielleicht V�gel kommen, um zu trinken. Wir k�nnten sie fangen und essen.</emphasis></p><p>Sie stand auf, ging zu dem Teich hin�ber und betrachtete ihn. Offensichtlich hatte das �dland ein wenig Wasser, aber selbst hier, direkt an der Quelle, war kein Leben. Sie hockte sich daneben und tauchte die Hand in den Teich. Dann konzentrierte sie sich und suchte nach der Energie, die von den allgegenw�rtigen, winzigen Lebensformen darin kam.</p><p>Nichts.</p><p>Sie runzelte die Stirn. Als sie angekommen waren, hatte sie �berpr�ft, ob das Wasser gefahrlos zu trinken war. Trotz des Vogelkots war das Wasser rein gewesen. Was � seltsam war.</p><p><emphasis>Vielleicht ist kurz vor unserer Ankunft ein Verr�ter vorbeigekommen und hat alle Energie herausgezogen.</emphasis> Je kleiner und einfacher ein Lebewesen war, desto schw�cher war seine nat�rliche Barriere gegen magisches Eindringen. Selbst B�umen konnte man Magie abziehen, ohne ihre Borke zu zerschneiden, obwohl die Magie langsam kam und es nie so viel war wie bei einem Tier oder einer Person.</p><p><emphasis>Das T�ten der kleinen Lebensformen macht das existierende Wasser trinkbar, aber das S��wasser sollte schnell zus�tzliche winzige Lebensformen anziehen.</emphasis> Sie streckte die Hand nach dem Rinnsal aus, das den Teich speiste. Dann sch�pfte sie etwas Wasser und konzentrierte sich abermals.</p><p><emphasis>Dort. Wie winzige Nadelstiche aus Licht.</emphasis></p><p>Sie lie� das gesammelte Wasser in den Teich fallen. Es konnte nur eine Erkl�rung geben. Irgendetwas t�tete alles Leben, sobald es in den Teich gelangte.</p><p>Ihr Magen krampfte sich in j�her Furcht zusammen. War der Teich vergiftet? Sie hatten seit einigen Tagen davon getrunken. Was konnte kleine Lebensformen sofort t�ten, sich aber nicht auf Menschen auswirken?</p><p>Das Becken war glatt. Es konnte von der Zeit geformt worden sein, von Menschen oder von Magie. Als sie wieder in das Wasser griff, strich sie mit der Hand langsam �ber die Oberfl�che des Steins. Sie erwartete nicht, etwas zu sp�ren. Wenn man Gift innerhalb eines K�rpers aufsp�ren musste, suchte man nach dessen Wirkung � das Gift selbst war kaum wahrnehmbar. Ihre Finger trafen auf einen H�cker in der Oberfl�che. Sie erkundete ihn mit den Fingerspitzen, dann sandte sie ihren Geist aus.</p><p>Etwas zupfte an ihren Sinnen. Sie zog ein wenig Magie in sich hinein und lie� sie aus ihren Fingern sickern. Sie wurde sofort abgesaugt.</p><p>Ihr Blut wurde kalt.</p><p>Sie richtete sich auf und starrte den kleinen H�cker in der ansonsten glatten Oberfl�che der Senke an. <emphasis>Es ist nicht Teil des Felsens. Wenn es tut, was ich denke, ist es dort angebracht worden, um das Wasser zu reinigen. Aber wenn es tut, was ich denke �</emphasis></p><p>�Regin.�</p><p>Sie sp�rte die K�hle seines Schattens auf ihrem R�cken.</p><p>�Ja?�</p><p>�K�nntet Ihr mir ein Messer geben oder etwas anderes zum Mei�eln?�</p><p>�Warum benutzt Ihr keine Magie? Oh � nat�rlich. Ihr wollt sie nicht verbrauchen.�</p><p>Er ging zu den B�ndeln. W�hrend er besch�ftigt war, zog sie Magie in sich hinein und benutzte sie, um das Wasserrinnsal von dem Teich wegzuleiten. Dann leerte sie den Teich mit einer kurzen Kraftanstrengung. Die Oberfl�che begann sofort zu trocknen, und als Regin zur�ckkam, war der H�cker als ein dunklerer Fleck im Stein zu sehen.</p><p>Er hielt ihr einen silbernen Stift hin.</p><p>�Ist das alles, was wir haben?�</p><p>�Ich f�rchte, ja. Niemand erwartet von Magiern, dass sie Messer brauchen.�</p><p>Sonea seufzte und nahm den Stift entgegen. �Hoffen wir, dass dies funktioniert.�</p><p>Sie begann rings um den H�cker eine Furche zu graben. Zu ihrer Erleichterung war, was immer den H�cker an seinem Platz hielt, weicher als Stein � eher wie Wachs. Schon bald hatte sie die Furche ausreichend vertieft.</p><p>�Darf ich fragen, was Ihr tut?�</p><p>�Ja.�</p><p>Der H�cker bewegte sich, und Sonea versuchte vergeblich, ihn herauszuziehen. Mit zusammengebissenen Z�hnen machte sie sich wieder daran, w�chserne Klumpen aus dem Teich zu graben.</p><p>�Also. Was <emphasis>tut</emphasis> Ihr?�</p><p>�Ich grabe dieses <emphasis>Ding</emphasis> aus.�</p><p>�Das kann ich sehen.� Er klang eher erheitert als ver�rgert. �Warum?�</p><p>Der Stift war nicht schmal genug, um unter den harten H�cker zu passen. Sonea schob stattdessen die Fingerspitzen darunter und zog mit aller Kraft. �Es ist � seltsam � Ah!� Der H�cker � jetzt ein Stein � l�ste sich. Sie hielt ihn ins Licht und schabte die Wachsreste von der Oberfl�che.</p><p>Regin beugte sich vor, um den Stein zu betrachten. �Ist es ein Kristall?�</p><p>Sie nickte. Glatte, flache Stellen reflektierten das Sonnenlicht. �Ein nat�rlicher. Obwohl ich damit nur meine, dass er ungeschliffen ist.�</p><p>�Und ansonsten unnat�rlich?� Regin schaute auf das Loch hinab, aus dem der Stein gekommen war. �Was f�r eine Art Edelstein ist es?�</p><p>�Edelstein!�, rief Sonea aus. Sie sog den Atem ein, blickte zu Regin auf und rappelte sich dann hoch. �H�chstwahrscheinlich einer der magischen Edelsteine der Verr�ter. Ich bezweifle, dass die Duna so weit nach S�den gekommen sind, und wenn die Ichani von diesen Steinen w�ssten, h�tten sie sie vor zwanzig Jahren gegen uns eingesetzt.� Sie dachte dar�ber nach, wie der Stein ihre Magie abgesaugt hatte, und ihr Blut wurde wieder kalt. Sie sah Regin an und hielt die Worte zur�ck. Konnte sie ihm von ihrem Verdacht erz�hlen? Was, wenn jemand seine Gedanken las? Was, wenn er es jemandem erz�hlte? Was, wenn �?</p><p>Wenn � falls � die Verr�ter eintrafen, w�rde sie ihre Entdeckung unter allen m�glichen Aspekten durchdacht haben m�ssen. Sie brauchte es Regin vielleicht nicht zu erz�hlen, brauchte ihn nicht nach seiner Meinung zu fragen, aber sie <emphasis>wollte</emphasis> es tun.</p><p>Regin sah sie verwundert und besorgt an.</p><p>Sie holte tief Luft. �Ich nehme an, es ist ein schwarzmagischer Edelstein�, sagte sie und sprach leise, f�r den Fall, dass irgendjemand sie beobachtete und belauschte.</p><p>Er sog scharf den Atem ein und starrte sie entsetzt an. Dann schaute er auf den Stein hinab, und seine Augen wurden schmal.</p><p>�Also, <emphasis>das</emphasis> ist der Grund, warum sich das �dland nie erholt hat.�</p><p>Sie schauderte trotz der wachsenden Hitze und sah sich um. <emphasis>Es ergibt einen Sinn. Wenn sie einen solchen Stein machen k�nnen, k�nnen sie Hunderte machen. Tausende. Verstreut �ber das Land m�ssen sie langsam, aber unbarmherzig das Leben aus dem Land saugen. Die Erde wird zu unfruchtbar f�r Pflanzen. Gr��ere Lebewesen wie Tiere verhungern oder gehen weg.</emphasis></p><p>Was bedeutete, dass die Verr�ter bewusst daf�r gesorgt hatten, dass das �dland ein �dland geblieben war.</p><p><emphasis>�ber Jahrhunderte hinweg.</emphasis></p><p>�All die Zeit hat man gedacht, die Gilde habe dies geschaffen, um Sachaka schwach zu halten. Stattdessen waren es die Verr�ter.�</p><p>Regin runzelte die Stirn. �Nun � da k�nnen wir uns nicht sicher sein. Sie haben den Stein vielleicht einfach hier hingelegt, um das Wasser sauber zu halten.�</p><p>Sie schaute zu ihm auf. �Ich sch�tze, ich k�nnte hier noch mehr Steine finden ��</p><p>Sein Blick wurde sch�rfer. �Versucht es.�</p><p>Sie reichte ihm den Stein, den er zaghaft entgegennahm, entfernte sich einige Schritte und schaute auf den leicht abfallenden Boden. Dann schloss sie die Augen und dehnte die nat�rliche Barriere um ihre Haut herum aus, bis sie eine Kugel war. Wo sie sich mit dem Fels unter ihren F��en �berlappte, schw�chte sie die Grenzen der Magie. Dann begann sie langsam vorw�rtszugehen.</p><p>Sie hatte nur etwa f�nfzig Schritte getan, als sie einen ganz schwachen <emphasis>Sog</emphasis> versp�rte. Es war eine eigent�mliche Wahrnehmung � das Gef�hl v�lliger Widerstandslosigkeit in einem Meer von Dingen, die ihren Sinnen einen wenn auch sehr geringen Widerstand entgegensetzten. Sie blieb stehen, drehte sich um und schaffte es, nachdem sie das Gef�hl daf�r ein paar Mal verloren hatte, die Stelle, von der der Sog kam, auf einige Schritte einzugrenzen.</p><p>Es war ein mit Steinen gef�llter Spalt zwischen zwei Felsplatten. Regin gesellte sich zu ihr, w�hrend sie in dem Spalt herumstocherte. Sie dehnte ihre Barriere in dem Spalt aus, aber bevor sie weit gekommen war, stie� Regin ein kleines Kr�hen des Triumphs aus und hielt etwas hoch.</p><p>Einen weiteren dunklen, gl�nzenden Kristall. Sie nahm ihm den Stein ab und pr�fte ihn. Die Magie, die sie aussandte, wurde von ihm sofort absorbiert.</p><p>�Zweimal ist Zufall�, sagte Regin. �Dreimal ist ��</p><p>Nickend ging sie in eine andere Richtung. Diesmal fand sie m�helos einen Stein, vergraben in einer mit Sand gef�llten Senke. <emphasis>Alle in gesch�tzten Positionen, wo sich Wasser sammeln oder durchflie�en kann. Nischen und Ritzen, wo das Leben Wurzeln schlagen k�nnte.</emphasis> Sie kehrten zum Treffpunkt zur�ck. Der Teich hatte sich inzwischen wieder gef�llt. Sie tauchte die Hand ins Wasser und fand die Best�tigung, dass es jetzt voller winziger F�nkchen Energie war.</p><p>Sie schaute zu Regin auf. �Osen muss davon erfahren.�</p><p>Er l�chelte schief. �Oh, das muss er ganz eindeutig.�</p><p><emphasis>Und Lorkin,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Obwohl er es vielleicht bereits wei�. Ah. Wenn er es nicht wissen soll, gef�hrde ich vielleicht sein Leben, wenn ich es ihm erz�hle. Es ist m�glicherweise auch nicht klug, die Verr�terinnen wissen zu lassen, dass wir ihr schmutziges kleines Geheimnis entdeckt haben.</emphasis></p><p>Trotzdem, sobald die Gilde Bescheid wusste, w�rden die Verr�ter nichts mehr gewinnen, wenn sie sie und Regin t�teten. Sie nahm Osens Ring aus ihrer Tasche, setzte sich, lehnte sich an einen Felsbrocken und streifte den Ring �ber ihren Finger.</p><p><emphasis>� Osen.</emphasis></p><p><emphasis>� Sonea!</emphasis></p><p><emphasis>� Habt Ihr einen Moment Zeit? Ihr werdet nicht glauben, was ich gerade entdeckt habe.</emphasis></p></section></section><section><title><p>Zweiter Teil</p></title><section><title><p>16</p><p>Pl�ne und Verhandlungen</p></title><p>Cery seufzte. �Lass uns das noch einmal durchgehen.�</p><p>�Wir sorgen daf�r, dass Skellin erf�hrt, dass wir unter der Gilde leben�, sagte Gol. �Und nicht von Magiern besch�tzt werden.�</p><p>�Selbst wenn er wei�, dass die Gilde keine Ahnung davon hat, dass wir hier unten sind, wird er den Verdacht haben, dass Lilia es wei߫, fuhr Anyi fort. �Wir m�ssen Skellin davon �berzeugen, dass Lilia nicht immer bei uns ist, und ihn dann ihren Tagesplan ermitteln lassen, so dass er wissen wird, wann sie uns nicht besch�tzt.�</p><p>�Er wird zuerst andere schicken, um zu �berpr�fen, ob es wahr ist, oder um mich zu fangen�, wiederholte Cery. �Also m�ssen wir die Dinge so einrichten, dass nur ein Magier zu uns durchkommen kann. Wie eine magische Barriere, die Lilia geschaffen hat.�</p><p>�Aber wird ihn das nicht zu der Vermutung bringen, dass Lilia hier unten ist?�, fragte Anyi.</p><p>�Er ist ein Magier�, antwortete Cery. �Er wei�, dass ein Magier eine Barriere errichten und dann irgendwo anders hingehen kann.�</p><p>�Trotzdem, es k�nnte ihn davon abhalten weiterzugehen�, bemerkte Anyi.</p><p>�Wir errichten die Barriere nahe genug, dass er uns h�ren oder Licht vor sich sehen kann, so dass er denkt, er m�sse nur noch ein kleines St�ck weitergehen, um uns zu finden.�</p><p>�Er oder Lorandra�, sagte Gol. �Wenn er Lorandra schickt, lassen wir die Falle trotzdem zuschnappen. Zumindest wird die Gilde einen von ihnen fangen, und sie k�nnten sie als K�der f�r eine weitere Falle benutzen.�</p><p>�Ja, falls sie sie nicht wieder entkommen lassen.� Cery l�chelte schief.</p><p>�Sobald er die Barriere durchbricht, wird er schnell handeln wollen�, sprach Anyi weiter, �denn Lilia wird wissen, dass ihre Barriere durchbrochen wurde. Wenn er nahe genug ist, um uns zu sehen oder zu h�ren, werden wir nicht viel Vorwarnung haben.�</p><p>�Wir k�nnten eine Lampe hinter der n�chsten Ecke aufstellen, so dass es aussieht, als seien wir ganz in der N�he, obwohl wir in Wirklichkeit weiter weg sind�, schlug Gol vor. �Und einige weitere Lampen, damit es so aussieht, als h�tten wir sie zu unserer eigenen Verwendung dort aufgestellt.�</p><p>�Was bedeutet, dass wir zus�tzliche Lampen und �l beschaffen m�ssen. Zus�tzliche Dinge, die Lilia herbeibringen muss.� Anyi seufzte.</p><p>�Was ist, wenn Skellin andere mitbringt?�, fragte Gol.</p><p>Cery dachte nach. �Solange sie zusammenbleiben, spielen sie keine Rolle.�</p><p>Gol runzelte die Stirn. �Aber werden sie das tun? Wenn ich Skellin w�re, w�rde ich sie vorausschicken, um nach Fallen Ausschau zu halten, sobald ich an der Barriere vorbeigekommen w�re.�</p><p>�Lasst sie uns finden.� Cery zuckte die Achseln. �Sie werden entweder zur�ckgehen, um Skellin Bescheid zu geben, oder sie werden darauf warten, dass er sie einholt und ihnen Befehle erteilt.�</p><p>�Und dann, wenn er das tut, lassen wir unsere Falle zuschnappen�, sagte Gol.</p><p>Cery nickte. Er und Gol hatten Anyi nichts von ihren Pl�nen erz�hlt, Skellin ohne Hilfe von Magie der Gilde preiszugeben. Cery war sich nicht ganz sicher, ob er verstand, was der Leibw�chter beschrieben hatte. Es war eine Methode, die in Minen benutzt wurde und die einen Einsturz bewirken konnte, der gro� genug war, um ein Loch in den G�rten der Gilde zu �ffnen. Gol war zuversichtlich, dass es funktionieren w�rde. Skellin und seine M�nner w�rden entweder begraben oder den Magiern ausgeliefert sein, die zuf�llig gerade in der N�he waren.</p><p>Es bestand jedoch eine betr�chtliche Gefahr, dass Cery, Gol und Anyi ebenfalls begraben werden w�rden. Cery hatte Anyi gesagt, dass sie, falls Skellin sie drei fand, bevor die Gilde auf die Falle reagierte, loslaufen und Lilia holen solle. Es hatte ihr widerstrebt, sich darauf einzulassen, bis er betont hatte, dass sie nichts gewinnen w�rden, wenn sie blieb. Zumindest w�rde es, wenn sie fortging, eine Chance geben, dass Lilia rechtzeitig kam, um Skellin aufzuhalten.</p><p>�Ich bezweifle, dass die Gilde Skellin kampflos fangen wird�, sagte Cery. �Ich w�rde lieber nicht bei lebendigem Leib begraben werden. Wir sollten Lilia auch bitten, die R�ume zu st�rken.�</p><p>Anyi nickte. �Sie hat im Moment reichlich Magie. Kallen hat sie gelehrt, wie man schwarze Magie benutzt, um mehr Macht zu nehmen und zu lagern.�</p><p>Cery sah sie an und runzelte die Stirn. �Das hat er getan? Das ist � beunruhigend.�</p><p>�Warum?� Anyi zuckte die Achseln. �Die Gilde soll angeblich zwei schwarze Magier haben, damit einer den anderen aufhalten kann � Oh, ich verstehe.� Ihre Augen weiteten sich, und sie sah Cery an. �Du denkst nicht � aber Kallen ist derjenige, der sie unterrichtet. Er w�rde es nicht tun, wenn er etwas vorh�tte.�</p><p>�Wer sonst kann sie unterrichten?�, fragte Cery. �Sonea ist in Sachaka.�</p><p>�Wenn Kallen plant, seine Macht zu missbrauchen, dann k�nnte er versuchen, es ihr nicht richtig beizubringen�, sagte Gol.</p><p>�Hmm.� Anyi zog die Brauen zusammen. �Nun, wir alle wissen, warum er unzuverl�ssig werden k�nnte. Ich habe nie gedacht, dass ich es einmal sagen w�rde, aber ich werde gl�cklicher sein, wenn ich wei�, dass die Gilde Feuel anbaut.�</p><p>Cery nickte zustimmend, dann hob er die Lampe und stand auf. �Jetzt, da wir unseren Plan festgelegt haben, m�ssen wir sicherstellen, dass er hier unten funktionieren wird.�</p><p>�Wir sollten sicherstellen, dass wir ein oder zwei Fluchtrouten haben f�r den Fall, dass es schiefgeht�, f�gte Gol hinzu. �Vielleicht sollten wir einige Fallen stellen, f�r den Fall, dass wir verfolgt werden.�</p><p>�Wir m�ssen uns im K�mpfen �ben�, erg�nzte Anyi. Sie sah Cery an. �Wir alle.�</p><p>Cery seufzte. Sie hatte recht, aber sein K�rper schmerzte bei dem blo�en Gedanken daran. �Wenn wir dies geregelt haben�, sagte er. �Es hat keinen Sinn zu versuchen, mit Messern gegen Magie zu k�mpfen.�</p><p>Sie gab ein Schnauben von sich. �Aber es wird ziemlich dem�tigend sein, wenn wir nicht mit Skellins Schl�gern fertigwerden.�</p><p>Gol sah Cery an und wandte sich dann an Anyi. �Ich sch�tze, ich bin bereit f�r ein wenig �bung�, sagte er. �Wenn wir es langsam angehen lassen.�</p><p>Anyi warf ihm einen nachdenklichen Blick zu, dann nickte sie. �Also sch�n. Sp�ter.�</p><p>�Lasst uns f�r den Moment noch einen Blick auf die G�nge hier in der N�he werfen. Anyi, �berpr�fe die Fluchtrouten und sorge daf�r, dass Skellin sich uns nicht von hinten n�hern kann. Gol und ich werden entscheiden, wohin Lilias Barriere kommen soll.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn, als sich ein Schatten in die T�r seines B�ros schob. Er blickte auf und erwartete, dass ein Sklave gekommen war, um zu fragen, ob er etwas zu essen oder zu trinken haben wolle, oder um die Ankunft eines Besuchers anzuk�ndigen. Stattdessen war es Merria.</p><p>�Lady Merria�, sagte er. �Was ist los?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nichts. Dumm, nicht wahr?� Sie verzog den Mund zu einem schiefen L�cheln. �Lorkin ist in Sicherheit, und alles ist wieder normal. Ich sollte dankbar daf�r sein, aber ich bin nur gelangweilt.�</p><p>�Die Situation ist nicht normal�, erwiderte Dannyl. �Wir sollten uns mit Besuchern oder Einladungen besch�ftigen. Selbst Tayend wird jetzt ignoriert.�</p><p>Merria senkte den Blick. �Tats�chlich habe ich gestern eine Einladung bekommen, meine Freundinnen zu besuchen�, gestand sie.</p><p>Dannyl zwang sich zu einem L�cheln. �Das ist ein gutes Zeichen.� <emphasis>Jetzt muss nur noch Tayend hier hereinkommen und uns sagen, dass er zu einem Abendessen oder zu einer Feier aufbricht, und Achati wird der einzige Ashaki sein, der mich nicht wie einen Ausgesto�enen behandelt, und alles </emphasis>wird <emphasis>wieder normal sein.</emphasis> Aber er vermutete, dass zwischen ihm und Achati nichts jemals wieder so sein w�rde wie fr�her.</p><p>Merria schaute auf seinen Schreibtisch herab. �Habt Ihr Eure Notizen beendet?�</p><p>Er folgte ihrem Blick zu dem Stapel Papiere und nickte. �Ja. Die Sklaven waren endlich in der Lage, gestern mehr Tinte zu kaufen.�</p><p>�Das ist gut, nicht wahr?� Sie hielt inne. �Was stimmt nicht?�</p><p>Er sah auf, dann wurde ihm bewusst, dass er die Stirn gerunzelt hatte. ��h � nun, ich habe zwei Exemplare angefertigt, damit ich eines an die Gilde schicken kann, aber ich habe noch keinen sicheren Weg gefunden, um die Kopie dort hinbringen zu lassen.�</p><p>Sie gab einen mitf�hlenden Laut von sich. �Ich w�rde sie keinem gew�hnlichen Kurier anvertrauen. Wie schickt Ihr normalerweise Nachrichten an die Gilde?�</p><p>�Mit Osens Blutring.�</p><p>�Ihr schickt niemals etwas anderes?�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Es gibt einige H�ndler, die ein paar Mal im Jahr zwischen Sachaka und Elyne oder Kyralia hin und her reisen, und sie transportieren Dinge f�r uns. Aber nichts Wichtiges. Nur Luxusg�ter. Gew�rze. Raka.�</p><p>Sie runzelte die Stirn, w�hrend sie angestrengt �ber das Problem nachdachte. �Also � m�sst Ihr das ganze Ding kodieren und noch einmal abschreiben und dann jede Menge Kopien �ber verschiedene Kuriere an Osen schicken, um sicherzustellen, dass er zumindest eine von ihnen bekommt. Dann gebt Ihr Osen den Code �ber seinen Blutring durch.�</p><p>Er sah sie voller Bewunderung an. <emphasis>Solch eine simple L�sung. Warum bin ich nicht darauf gekommen?</emphasis> Nun, er hatte bereits eine Art Code benutzt, um sensiblere Informationen zu verbergen.</p><p>�Nat�rlich wird uns das nicht helfen, wenn Ihr die Kopie schnell zu Osen schicken m�sst�, f�gte sie hinzu.</p><p>�Langsam ist besser als gar nicht.� Er trommelte mit den Fingern auf den Tisch. �Also, wen werde ich als Kurier ausw�hlen?�, �berlegte er laut, eher um dem Gedanken Ausdruck zu verleihen, als weil er Merria danach fragen wollte.</p><p>�Ich denke, meine Freundinnen kennen vielleicht einige H�ndler, die nach Osten reisen.�</p><p>�K�nntet Ihr sie f�r mich fragen?�</p><p>Sie nickte. �Das mache ich. Aber � glaubt Ihr, dass die M�glichkeit besteht, dass die Ashaki die Verr�ter bald angreifen? Oder dass die Verr�ter die Ashaki angreifen?�</p><p>Dannyl blinzelte angesichts des pl�tzlichen Themenwechsels. �Warum? Habt Ihr Ger�chte geh�rt?�</p><p>�Nichts Konkretes. Aber meine Freundinnen diskutieren oft �ber die M�glichkeit, und K�nig Amakira war so entschlossen, Informationen aus Lorkin herauszuholen.�</p><p>Dannyl gefror das Blut in den Adern. <emphasis>Und Lorkin k�nnte ihm diese Informationen gegeben haben.</emphasis> �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Es w�re eine Ironie, wenn die Verr�ter tats�chlich angriffen und die Ashaki besiegten. Alle Bem�hungen des K�nigs und Lorkins Weigerung zu sprechen werden umsonst gewesen sein, denn es wird keine Rolle mehr spielen, ob der Standort des Sanktuariums offenbart wurde.�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Sie werden nicht angreifen. Es w�re ein zu gro�es Risiko. Was, wenn sie scheiterten? Sie w�rden alles verlieren.�</p><p>Merria nickte. �Ihr habt nat�rlich recht. Wie dem auch sei, ich sch�tze, Ihr werdet jetzt weitere Kopien von Euren Notizen anfertigen. Lasst es mich wissen, wenn Ihr Hilfe braucht. Ich werde morgen eine Kopie zu meinen Freundinnen bringen, wenn Ihr sie bereit habt.�</p><p>�Danke.�</p><p>Als sie den Raum verlassen hatte, gingen Dannyl ihre Worte noch einmal durch den Sinn: <emphasis>�� wird es keine Rolle mehr spielen, ob der Standort des Sanktuariums offenbart wurde.�</emphasis> War das der Grund, warum Lorkin nachgegeben und dem K�nig gesagt hatte, was er wissen wollte? <emphasis>Aber das w�rde bedeuten �</emphasis></p><p>Schaudernd zog Dannyl die beiden Notizb�cher mit seinen Forschungsergebnissen hervor und dazu ein leeres und begann eine weitere Kopie anzufertigen.</p><p>Regin bemerkte die Verr�ter als Erster. Von ihrem Ausguckspunkt beobachteten er und Sonea, wie die kleine Gruppe zwischen den D�nen und felsigen H�geln hindurchging und ihre Schatten l�nger wurden, w�hrend die Nachmittagssonne sank. Der k�hle Schatten der Berge wuchs in die H�he, und nachdem sie ihn erreicht hatten und sich die Abendd�mmerung �bers Land gelegt hatte, wurde es langsam schwieriger, die Gestalten auszumachen. Schon bald waren kleine Lichtpunkte zu sehen, dicht am Boden und immer n�her. Als schlie�lich Ger�usche das Erscheinen der Fremden ank�ndigten, lie� Sonea Osen wissen, dass sie gleich ankommen w�rden, dann stand sie auf und machte sich bereit, sie zu begr��en.</p><p>Die erste Person war eine Frau, die sich mit der w�rdevollen Haltung einer Anf�hrerin bewegte, was sie gr��er erscheinen lie�, obwohl sie ungef�hr so gro� war wie Sonea. Ihre Gesichtsz�ge waren so sachakanisch, dass Sonea f�r einen kurzen Moment das Blut in den Adern gefror. Sie hatte die gleiche breite Stirn, die hohen Wangenknochen und die schr�gen Augen wie die Ichani, die Kyralia �berfallen hatten. Aber jene M�nner und die einzige Frau unter ihnen waren schwerer gebaut gewesen. Die Verr�ter waren kleiner und anmutiger.</p><p><emphasis>Wenn sie richtig vermutet hatte, war die erste Frau Savara, die K�nigin.</emphasis> Die Frau war nicht anders gekleidet als der Rest der Gruppe. Alle zw�lf hatten ein B�ndel bei sich und trugen schlichte Kleidung. <emphasis>Acht Frauen und vier M�nner.</emphasis> Soneas Blick glitt zu dem gr��ten der M�nner, und ihr Herz machte einen Satz. <emphasis>Lorkin!</emphasis></p><p>Er l�chelte, als sie ihn sah. Sie widerstand dem Drang, loszulaufen und ihn zu umarmen, weil sie sich Sorgen machte, dass jede Bewegung in Richtung der Verr�ter sie dazu bringen k�nnte, abwehrend zu reagieren. Und Lorkin w�rde es vielleicht nicht sch�tzen, wenn sie sich vor diesen Menschen �berm��ig z�rtlich zeigte.</p><p>Also z�gelte sie sich und begn�gte sich damit, ihn genau anzusehen. <emphasis>Er wirkt gesund, wenn auch m�de.</emphasis> Die Art, wie er die Frau an seiner Seite betrachtete und dann wieder zu Sonea hin�berschaute, machte klar, dass dies Tyvara war, die Verr�terin, die ihm das Leben gerettet hatte. Die Frau, f�r die er bereit gewesen war, sich im Sanktuarium einsperren zu lassen.</p><p><emphasis>Sie ist sehr attraktiv,</emphasis> dachte Sonea. Die junge Frau erwiderte Soneas Blick mit Neugier und einem Anflug von Berechnung. <emphasis>Zweifellos sch�tzt sie mich genauso ab wie ich sie.</emphasis> Das war jedoch nicht alles, was Sonea in ihrem Benehmen wahrnahm. Es war nicht direkt Selbstbewusstsein. Mehr eine grimmige Entschlossenheit. <emphasis>Dieses M�dchen hat viel mehr gesehen als jede Kyralierin in ihrem Alter. Ich w�rde wetten, dass sie auch mehr erlebt hat � Nat�rlich, sie hat sich als Sklavin ausgegeben, als sie Lorkin gerettet hat, und das bedeutet gewiss, dass sie eine Menge Schmerz und Dem�tigung erdulden musste.</emphasis></p><p>Sonea wandte den Blick von Tyvara ab und sah wieder die Anf�hrerin an, die ihr Tempo verlangsamte, als sie die letzten Schritte auf Sonea und Regin zumachte. Als sie stehen blieb, folgten die anderen hinter ihr ihrem Beispiel.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea?�, fragte sie und l�chelte Sonea an.</p><p>Sonea nickte. �Ja.�</p><p>�Ich bin Savara, K�nigin der Verr�terinnen.� Sie drehte sich um, um die �brigen Mitglieder ihrer Gruppe vorzustellen. Keiner hatte einen Titel. <emphasis>Nun, Lorkin hat gesagt, dass sie alle gleich behandeln � zumindest dem oberfl�chlichen Anschein nach.</emphasis> �Euren Sohn brauche ich Euch nat�rlich nicht vorzustellen�, kam Savara schlie�lich zum Ende. �Es ist mir ein Vergn�gen, Euch und Euren Sohn wiederzuvereinen und Euch endlich kennenzulernen.�</p><p>�Das Vergn�gen ist ganz meinerseits, Euer Majest�t�, erwiderte Sonea. Dann deutete sie auf Regin. �Dies ist Lord Regin, mein Assistent.�</p><p>Regin neigte den Kopf. �Es ist mir eine Ehre, Euch kennenzulernen, K�nigin Savara, Euch und Eure Leute.� Er legte eine Hand aufs Herz. Savaras Augenbrauen zuckten in die H�he, dann neigte sie anmutig den Kopf.</p><p>�Wir wollen uns setzen.� Sie deutete auf den flachen Boden neben der Quelle. �Wir sind einen weiten Weg gegangen und brauchen Ruhe, um zu essen und zu trinken.�</p><p>Sie drehte sich um und nickte den anderen zu, von denen einige an ihr vorbei auf die Quelle zugingen. Sonea dankte im Stillen Regin, der daran gedacht hatte, den Edelstein in den Teich zur�ckzulegen. Osen hatte vorgeschlagen, dass sie das Wissen um die Edelsteine f�r sich behalten sollte, es sei denn, es lie�e sich ein Vorteil daraus gewinnen.</p><p>Die Gruppe begann, B�ndel abzulegen. Sie bildeten einen Kreis und lie�en eine L�cke f�r Sonea und Regin. Lorkin setzte sich neben Sonea, und Tyvara nahm auf seiner anderen Seite Platz. Irgendjemand schuf eine kleine Lichtkugel und lie� sie in der Mitte leuchten, direkt �ber dem Boden. Essen wurde gebracht und in die Mitte gestellt. Es bestand aus schlichter Reisekost: hartem, flachem Brot, getrocknetem Fleisch, Obst und N�ssen.</p><p>Sonea nahm die Reste ihrer eigenen Vorr�te heraus � Pachi-Fr�chte, Getreide und getrocknete Bohnen, die man in Wasser kochen konnte, Gew�rze, Sumi und harte S��igkeiten � und bot sie an. Sie wurden ohne ausgesprochenen Dank entgegengenommen, aber mit anerkennendem Nicken und L�cheln. Sie beobachtete fasziniert, wie einer der M�nner eine Metallscheibe mit einem Edelstein in der Mitte auf einen flachen Felsen legte, den Stein ber�hrte und dann einen breiten Topf voller Wasser darauf stellte. Schon bald kochte das Wasser, und er gab das Getreide und die Bohnen hinein. <emphasis>Offensichtlich ist es M�nnern nicht verboten, Magie zu benutzen. Das bedeutet, dass ihr Gesetz dagegen, dass M�nner Magie erlernen, nicht so restriktiv ist, wie es auf den ersten Blick scheint, obwohl sie es trotzdem den Frauen �berlassen, die Steine herzustellen. Ich frage mich, ob sie eine Erlaubnis brauchen, sie zu benutzen.</emphasis></p><p>Einer der Verr�ter untersuchte erstaunt den Beutel mit Sumi-Bl�ttern.</p><p>�Sie sind f�r ein hei�es Getr�nk�, erkl�rte Sonea. �Ich werde es sp�ter zubereiten.�</p><p>�Wie Raka?�, fragte einer von ihnen.</p><p>Sonea sch�ttelte den Kopf. �Die gleiche Idee, eine andere Pflanze.� Die Vorr�te, die man ihnen im Fort mitgegeben hatte, hatten keinen Raka beinhaltet.</p><p>�Wir haben Raka.�</p><p>Sonea richtete sich auf. �Tats�chlich?�</p><p>Savara lachte leise. �Es ist ein gutes Getr�nk als Begleitung zu einem Gespr�ch. Oder zu einer Verhandlung.�</p><p>Das Essen wurde herumgereicht, und jeder nahm sich eine Portion. Sonea f�gte den Bohnen und dem Getreide Gew�rze hinzu, als sie fertig waren. Die Verr�ter hatten eine besondere Vorliebe f�r die S��igkeiten. Savara bereitete eine Kanne Raka zu, und �berraschend kleine Tassen wurden herumgereicht, damit sie sie f�llte. Soneas eigener Becher kehrte kaum halb voll zu ihr zur�ck, aber als sie daran nippte, begriff sie, warum das so war. Der Raka war so stark, dass er wie Sirup war, und nach wenigen Schlucken hatte sie das Gef�hl, als summten ihre Ohren.</p><p>Jeder der Verr�ter, der seine Tasse bekam, stand auf und ging davon, bis nur noch Savara �brig blieb. Es war jetzt vollends Nacht, und mehr Lichtkugeln erschienen, w�hrend diejenigen, die gegangen waren, sich in einer Entfernung von einigen Schritten in kleineren Gruppen versammelten. Savara kam n�her, so dass sie einen kleineren Kreis bildeten.</p><p>�Wir sind sp�ter eingetroffen, als wir gehofft hatten, und Ihr m�sst begierig darauf sein, nach Kyralia zur�ckzukehren, also lasst uns ohne Verz�gerung beginnen.� Sie sah Lorkin an. �Es war der Wunsch unserer verstorbenen K�nigin, Zarala, dass Lorkin heute die Verhandlungen f�hrt. Seid Ihr damit einverstanden?�</p><p>Sonea blickte ihren Sohn an, der den Eindruck machte, als halte er ein Grinsen zur�ck. �Ja, Euer Majest�t. Ich habe den Blutring von Lord Osen dabei, dem Administrator der Gilde. Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich ihn trage?�</p><p>�Nein.� Savara sah Lorkin an. �Beginnt, Lord Lorkin.�</p><p>Sonea streifte Osens Ring �ber.</p><p><emphasis>� Osen?</emphasis></p><p><emphasis>� Sonea.</emphasis></p><p><emphasis>� Wir werden jetzt mit den Verhandlungen beginnen.</emphasis></p><p>Lorkin holte tief Luft. �K�nigin Zarala hat mich gebeten, ein Treffen zwischen den Verr�tern und den Verb�ndeten L�ndern zu arrangieren, um ein B�ndnis auszuhandeln.�</p><p>Sonea nickte. ��ber welche Art von B�ndnis reden wir? Ist es der Wunsch der Verr�terinnen, sich den Verb�ndeten L�ndern anzuschlie�en? Das verlangt eine Anerkennung der vereinbarten Kernregeln, die f�r alle gelten, mit einigen Besonderheiten f�r jedes Land.�</p><p>�Was sind das f�r Kernregeln?�, hakte Savara nach.</p><p>�Kein Angriff auf andere L�nder des B�ndnisses. Befolgung einer Reihe von Gesetzen zum Handels- und Strafrecht sowie zur Magie. Milit�rische Unterst�tzung zur Verteidigung der Verb�ndeten L�nder. Ein Verbot der Sklaverei.�</p><p>�Dem ersten und letzten Punkt stimmen wir von ganzem Herzen zu.� Savaras Lippen wurden schmal. �Was ist mit den Gesetzen, von denen Ihr sprecht?�</p><p>Sonea listete sie mit Osens Hilfe auf. Savara h�rte zu und nickte von Zeit zu Zeit. Als Sonea fertig war, verschr�nkte die K�nigin die Finger.</p><p>�Einige dieser Gesetze sind unseren eigenen �hnlich, andere nicht. Es ist Eure Kontrolle von Magiern, gegen die meine Leute vielleicht Einw�nde h�tten. Vor allem Eure Einschr�nkungen, was das Wissen um und die Benutzung von H�herer Magie betrifft ��</p><p>�Ihr habt Einschr�nkungen, mit denen wir ebenfalls nicht einverstanden sind. Ich glaube, Magie wird nur weiblichen Verr�tern beigebracht, es sei denn, der Mann ist ein nat�rlicher Magier.�</p><p>�Ja, aber auf dem Geschlecht beruhende Einschr�nkungen sind in den Verb�ndeten L�ndern bereits akzeptiert. Das Volk der Lonmar unterrichtet nur M�nner in Magie. Wenn das B�ndnis ihre Traditionen ber�cksichtigt, k�nnte es nicht auch unsere ber�cksichtigen?�</p><p>�Wahrscheinlich. Schwarze Magie dagegen ist eine schwierigere Frage.�</p><p>Savara l�chelte und deutete auf Sonea. �Und doch hat die Gilde Schwarzmagier.�</p><p>�Nur so viele, wie unserer Meinung nach f�r unsere Verteidigung notwendig sind.�</p><p>Der Gesichtsausdruck der K�nigin wurde ernst. �Denkt Ihr wirklich, drei sind genug?�</p><p>Sonea hielt dem Blick der anderen Frau stand. Dies war nicht die Zeit, um Zweifel einzugestehen.</p><p>�Ja.�</p><p>Savara zog die Augenbrauen hoch. �Ich hoffe, dass es niemals zu einer Situation kommt, die dies auf die Probe stellt. Meine Leute w�ren nicht gl�cklich dar�ber, ihre Sicherheit in die H�nde einiger weniger zu legen. Wir werden keinem B�ndnis zustimmen, das von uns verlangt aufzuh�ren, unsere T�chter in H�herer Magie zu unterrichten.�</p><p>�Das haben wir erwartet.� Sonea l�chelte, w�hrend der Blick der K�nigin sich sch�rfte. �Wir sind bereit, im Fall der Verr�ter eine Ausnahme zu machen, unter bestimmten Bedingungen.�</p><p>�Was sind das f�r Bedingungen?�</p><p>�Ihr habt keine Einw�nde gegen unser Gesetz erhoben, dass alle Magier von der Gilde ausgebildet werden�, erkl�rte Sonea.</p><p>�Nein.� Savara wirkte erheitert. �Es w�re eine Chance, die abzulehnen t�richt von uns w�re.�</p><p>�Die Bedingung ist folgende: Eure Magier d�rfen schwarze Magie erst erlernen, nachdem sie ihren Abschluss gemacht haben, und die Unterweisung in schwarzer Magie muss durch die Verr�ter erfolgen, in Sachaka.�</p><p>Eine kleine Linie erschien zwischen Savaras Brauen. Dann nickte sie langsam. �Das k�nnte akzeptabel sein.�</p><p>�Nat�rlich wird K�nig Amakira, wenn er von einer �bereinkunft zwischen uns erf�hrt, uns beiden Probleme machen. Er wird versuchen, Eure Novizen daran zu hindern, uns zu erreichen.�</p><p>Savara machte eine wegwerfende Handbewegung. �Oh, das wird kein Problem sein.�</p><p>�Sobald sie in Kyralia sind, wird es schwerer sein zu verbergen, was geschieht. Wir k�nnten sie als Elyner ausgeben.�</p><p>�Das wird nicht notwendig sein.�</p><p><emphasis>� Sie scheint mir in dieser Hinsicht ein wenig zu selbstgewiss zu sein,</emphasis> bemerkte Osen.</p><p><emphasis>� In der Tat.</emphasis></p><p>�Vielleicht glaubt Ihr, dass K�nig Amakira keine Gefahr f�r Euch ist, weil er nicht wei�, wo das Sanktuarium liegt, aber wenn Ihr wollt, dass die jungen Frauen, die Ihr uns zur Ausbildung schickt, sicher sind, solltet Ihr Euch besser daran erinnern, dass er durchaus wei�, wo Imardin liegt�, warnte Sonea.</p><p>Savara l�chelte. �Es wird keine Notwendigkeit f�r Heimlichtuerei geben. Bis wir bereit sind, Magierinnen zur Gilde zu schicken � falls wir uns daf�r entscheiden �, werden K�nig Amakira und die Ashaki kein Problem mehr darstellen.�</p><p>Sonea h�rte, wie Regin nach Luft schnappte. Sie starrte die K�nigin an. Ein Schauder �berlief sie, gefolgt von einem Stich der Furcht.</p><p><emphasis>� Sie haben die Absicht, die Ashaki anzugreifen!,</emphasis> rief Osen aus.</p><p>Savara beugte sich vor. �Ihr sagtet, ein B�ndnis schl�sse milit�rische Unterst�tzung zur <emphasis>Verteidigung</emphasis> der Verb�ndeten L�nder ein. Ich sch�tze, dass offensive milit�rische Unterst�tzung eine andere Frage ist. Trotzdem, Ihr seid alte Feinde des sachakanischen Reiches. Daher lade ich die Verb�ndeten L�nder ein, sich uns anzuschlie�en bei dem Versuch, Sachaka von den Ashaki und der Sklaverei zu befreien. Ihr werdet vielleicht nicht in der Lage sein, viele K�mpfer anzubieten, da so wenige von Euch H�here Magie erlernen, aber Eure St�rke und Eure F�higkeiten als Heiler w�ren von unsch�tzbarem Wert.� Sie lehnte sich wieder zur�ck. �Werdet Ihr uns helfen?�</p></section><section><title><p>17</p><p>Ein Eingest�ndnis</p></title><p>Lorkin beobachtete seine Mutter genau. Obwohl ihr Blick noch immer auf Savara ruhte, schien sie eher durch die K�nigin hindurchzusehen. Er betrachtete den Ring an ihrem Finger. Sie unterhielt sich mit Osen. Er bemerkte einen weiteren Ring, den er zuvor nicht gesehen hatte. Auch dieser Ring war mit einem Edelstein versehen, aber die Fassung war dekorativ und deutete an, dass es blo�er Schmuck war.</p><p>�Wir brauchen Zeit, um dar�ber zu diskutieren�, sagte sie. �Es sind eine Menge Monarchen zu kontaktieren.�</p><p>Savara nickte. �Ihr habt Zeit bis morgen Nacht. Ich w�rde Euch l�nger geben, aber meine Leute sind verletzbar, wenn sie au�erhalb des Sanktuariums sind. Ich wei�, ich benehme mich, als k�nnten wir nicht verlieren, aber es hat keinen Sinn, eine zuk�nftige Beziehung aufgrund der gegenw�rtigen Situation zu er�rtern.�</p><p>�Besteht irgendeine Chance auf eine k�nftige Beziehung, wenn Ihr verliert?�</p><p>Die Miene der K�nigin wurde grimmig. �Vielleicht eine kleine. Wenn wir verlieren, finden die Ashaki wahrscheinlich heraus, wo sich das Sanktuarium befindet. Ohne das Sanktuarium haben wir keine Grundlage f�r unsere Ern�hrung, kein Dach �ber dem Kopf und vor�bergehend keine H�hlen, in denen wir Edelsteine z�chten k�nnen. Wir werden mehr mit unserem Leben und unserer Erholung besch�ftigt sein als mit einer Allianz mit den Verb�ndeten L�ndern.�</p><p>Sonea runzelte die Stirn. �Damit w�rden die H�hlen in die H�nde der Ashaki fallen. K�nnten sie beginnen, ihre eigenen Steine zu z�chten?�</p><p>�Sie k�nnten es mit der Zeit allein herausfinden. Es ist wahrscheinlicher, dass sie eine gefangene Verr�terin zwingen w�rden, sie zu unterrichten, obwohl sie von einer einzigen oder selbst von einer Handvoll Verr�terinnen nicht all unser Wissen bekommen k�nnten. Wir haben es vermieden, einzelnen Steinmacherinnen beizubringen, wie man jede Art von Stein herstellt, und stattdessen das Wissen auf viele Personen verteilt. Wie gef�hrlich die Ashaki werden w�rden, h�ngt davon ab, welche Verr�terinnen sie einfangen.�</p><p>Als die beiden Frauen in nachdenkliches Schweigen verfielen, r�usperte sich Lorkin.</p><p>�Ganz gleich, ob die Verr�terinnen gewinnen oder verlieren, ein Austausch von Wissen zwischen ihnen und der Gilde w�re auf jeden Fall von Vorteil.�</p><p>Savara wandte sich mit entschuldigender Miene zu ihm um. �Aber dieser Austausch wurde bereits vorgenommen.�</p><p>�Ja und nein.� Lorkin zuckte die Achseln. �Wie bei der Herstellung von Steinen ist die Kenntnis der magischen Heilkunst zu umfassend, um bei einer kurzen Gedankenlesung �bermittelt zu werden. Obwohl Ihr mit der Zeit mehr herausfinden werdet, werdet Ihr auf dem Weg Fehler begehen. Wie beim Steinemachen k�nnen Fehler gef�hrlich sein. Es w�re besser, von jenen ausgebildet zu werden, die bereits in der Kunst bewandert sind.�</p><p>Seine Mutter runzelte die Stirn. �Sie kennen bereits die Heilkunst?�, fragte sie ihn.</p><p>Savara seufzte. �Ja. Eine von uns hat unser Gesetz missachtet und das Wissen aus Lorkins Geist gestohlen. Sie ist bestraft worden, und um Lorkin zu entsch�digen, hat K�nigin Zarala verf�gt, dass man ihn die Herstellung von Steinen lehrt.�</p><p>Lorkin beobachtete seine Mutter genau. Eine Reihe von Gef�hlen glitt �ber ihre Z�ge: Schock, Wut und Dankbarkeit. Sie warf ihm einen nachdenklichen Blick zu. Er konzentrierte sich auf ihre Gegenwart und fragte sich, ob er wieder spontane Gedanken auffangen konnte. Ein schwaches, fernes Gef�hl von Stolz ber�hrte seine Sinne, aber es konnte Einbildung sein. Zumindest war es nicht Missbilligung oder Entt�uschung. <emphasis>Noch nicht. Sie wei� nicht, was zur Herstellung von Steinen notwendig ist.</emphasis></p><p>�Also ��, sagte Sonea. �Eine von Eurem Volk kennt bereits die Grundlagen der magischen Heilkunst, und einer von meinem hat ungef�hr im gleichen Ma�e Kenntnis von der Herstellung von Steinen. Aber wie Lorkin sagt, kommt das keiner vollen Ausbildung durch einen Lehrer mit vielen Jahren Erfahrung gleich. Wir haben immer noch etwas, das sich zu tauschen lohnt.�</p><p>�Nun ja ��, unterbrach Lorkin sie z�gernd. Sie drehte sich zu ihm um, und ihre Gesichtsz�ge waren ruhig. �Sie sind nicht von gleichem Wert.�</p><p>Savara zog leicht die Augenbrauen hoch. �Welche Kenntnis ist von gr��erem Wert?�</p><p>�Die der Heilkunst�, erwiderte Lorkin.</p><p>�Warum?�</p><p>�Ihr braucht nicht mehr als Kenntnisse und Magie, um ein Heiler zu sein�, entgegnete Lorkin. �Magier, die Steine herstellen, brauchen entsprechende H�hlen.�</p><p>�Was genau sind sie?�, fragte seine Mutter.</p><p>�H�hlen, in denen sich auf nat�rliche Weise kristalline Steine bilden. Magische Edelsteine werden ausgebildet, w�hrend sie wachsen. Ich habe noch nie von solchen H�hlen in den Verb�ndeten L�ndern geh�rt.� Er breitete die H�nde aus. �Nicht dass ich nach ihnen gesucht h�tte. Es k�nnte sein, dass wir sie finden werden, wenn wir suchen. Aber bevor wir nicht unsere eigenen H�hlen haben, k�nnen wir das Wissen um die Herstellung von Steinen nicht anwenden.�</p><p>�Alchemisten w�rden vielleicht eine andere M�glichkeit finden, sie herzustellen�, warf Regin ein. �Sie machen bereits einige Arten von Kristallen. Vielleicht kann die Magie zur Steinherstellung auf diese Kristalle angewandt werden.�</p><p>In Savaras Augen leuchtete Interesse auf. �Ach wirklich?� Dann verzog sie die Lippen zu einem schiefen L�cheln. �Ah, aber es gibt noch einen Haken. Ihr werdet Eure Regeln bez�glich der H�heren Magie lockern m�ssen, da sie f�r die Herstellung von Steinen ben�tigt wird. Eure gegenw�rtigen Schwarzmagier werden vielleicht auch nicht f�r die Aufgabe geeignet sein. Sie verlangt ein Ma� an Konzentration und Geduld, zu dem nicht jeder f�hig ist. Und auf jeden Fall w�rde es Eure Verteidigung ernsthaft schw�chen, wenn Ihr Euch daneben noch dem Steinemachen widmen w�rdet. Ihr w�rdet auch nur in der Lage sein, eine Handvoll Steine im Jahr zu machen.�</p><p>Lorkin hielt den Atem an, als seine Mutter ihn anstarrte. Schuldgef�hle und Furcht stiegen in ihm auf, aber er zwang sich, ihr in die Augen zu sehen. Ihr Blick flackerte zur�ck zu Savara, dann wurde ihr Gesicht reglos, und sie verbarg ihre Gef�hle hinter einer falschen Gelassenheit.</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie. �Das macht den Austausch f�r uns ein wenig � teurer als f�r Euch.�</p><p>Lord Regin hatte sich ebenfalls Lorkin zugewendet und blickte ihn unverwandt an. Seine Augen wurden schmal, doch seine Miene war eher nachdenklich als missbilligend.</p><p>�Dann k�nnten wir vielleicht Kenntnisse der Heilkunst gegen Steine tauschen�, schlug Savara vor. �Eure Heiler k�nnten f�r uns arbeiten, und die Gilde w�rde als Bezahlung Steine erhalten.�</p><p>Lorkin streckte seine Sinne aus und versuchte einmal mehr, die Gedanken seiner Mutter aufzufangen. Was er h�rte, schien jedoch untypisch zu sein. Er musste es sich einbilden. Obwohl � es war auch seltsam, dass er sich einbilden sollte, dass seine Mutter eine solche Aneinanderreihung von Fl�chen erdachte.</p><p>�Sie werden sicher sein�, antwortete Savara auf eine Frage, die er nicht mitbekommen hatte, w�hrend er abgelenkt gewesen war. �Die Person, die Lorkin angegriffen hat, hat das aus dem Begehren heraus getan, meinem Volk Heilkunst zu geben � ein Begehren, das viele von uns teilen. Aber nur wenige w�rden illegale Methoden benutzen, um es zu erwerben. Die Einstellung von Heilern, um mit uns zusammenzuarbeiten, ist eine weitere M�glichkeit, das zu tun. Hat Lorkin Euch von dem Versprechen erz�hlt, das Lord Akkarin gegeben hat?�</p><p>�Ja. Akkarin selbst hat mir nie davon erz�hlt.�</p><p>�Von der damaligen �bereinkunft ist nie viel ans Licht gekommen. K�nigin Zarala hat auch ein Versprechen gegeben, das sie nicht erf�llen konnte, obwohl sie ihr Leben lang darauf hingearbeitet hat, es zu versuchen.�</p><p>Lorkin sah Savara an; er erinnerte sich daran, dass die ehemalige K�nigin ein solches Versprechen angedeutet hatte.</p><p>�Was hat sie versprochen?�, fragte seine Mutter.</p><p>Savaras Gesichtsausdruck war ernst, als sie antwortete: �Zu tun, was die Gilde sieben Jahrhunderte zuvor nicht vermochte: die Ashaki zu vernichten und die Sklaverei in Sachaka zu beenden.�</p><p>Als Tayend das Herrenzimmer betrat, runzelte Dannyl die Stirn. �Achati wird vielleicht mit mir allein sprechen wollen.�</p><p>�Sein Pech. Ob es dir gef�llt oder nicht, die Taten des K�nigs haben eine Wirkung auf die Beziehungen Sachakas zu allen Verb�ndeten L�ndern�, sagte der Elyner. <emphasis>�Botschafter�,</emphasis> f�gte er hinzu, um klarzumachen, dass er dies f�r etwas hielt, das zu tun er das Recht hatte.</p><p>Dannyl seufzte. �Nat�rlich.� Aber sein Widerstand war gr��tenteils Gewohnheit. In Wahrheit war er dankbar f�r Tayends Gesellschaft. Die Tatsache, dass sie eine gemeinsame Sache hatten und zusammenarbeiteten, und Tayends Anerkennung Achatis hatten etwas ver�ndert. Sie lagen nicht l�nger im Zwist miteinander. Der Groll �ber ihre Trennung war erloschen, oder zumindest geh�rte er der Vergangenheit an.</p><p>Tayends Anwesenheit w�rde au�erdem daf�r sorgen, dass das Treffen einen f�rmlichen Charakter hatte, was es vielleicht leichter machen w�rde, seine pers�nlichen Gef�hle gegen�ber Achati zu ignorieren. <emphasis>Wie das Gef�hl, verraten worden zu sein.</emphasis></p><p><emphasis>Doch wir wissen, dass Achati Lorkin aus Arvice fortgebracht hat,</emphasis> rief er sich ins Ged�chtnis.</p><p>�Lorkin ist bei Sonea�, murmelte Dannyl. �Ich stand gerade im Gespr�ch mit Osen, als Kai Achatis Ankunft vermeldet hat.�</p><p>Tayend zog die Augenbrauen hoch. �Gute Neuigkeiten.�</p><p>Als sie ein Ger�usch aus dem Flur h�rten, drehten sie sich zu dem Besucher um. Tav, der T�rsklave, erschien als Erster und warf sich zu Boden. Achati kam hinter ihm herein. Er l�chelte.</p><p>�Willkommen Ashaki Achati�, begr��te ihn Dannyl. �Wie immer scheint Ihr immun gegen die Ungnade zu sein, in die ihr Sachakaner fallt, wenn ihr mit dem Gildehaus zu tun habt.�</p><p>Achati breitete die H�nde aus. �Ein Vorteil meiner Position, Botschafter Dannyl.� Er nickte Tayend zu. �Botschafter Tayend. Es ist sch�n, das Gildehaus unter erfreulicheren Umst�nden als beim letzten Mal zu besuchen.�</p><p>�Wenn Ihr meint, in Gesellschaft der Spione des K�nigs, dann sage ich, die Umst�nde sind wahrscheinlich ganz �hnlich.�</p><p>Achati nickte mitf�hlend. �Der K�nig hat weitaus weniger Skrupel in solchen Dingen, als Ihr erwartet habt.�</p><p>�Es w�re gutes Benehmen, zumindest so <emphasis>zu tun</emphasis>, als w�rde man andere nicht ausspionieren. Selbst wenn es offensichtlich ist, dass man es tut.�</p><p>Achati sch�ttelte den Kopf. �Wirklich? Kyralier haben so seltsame Vorstellungen, wenn es um Manieren geht. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich mit Euch reden wollte.�</p><p>Dannyl verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Und welcher Grund w�re das?�</p><p>�Ich bin gekommen, um zu erkl�ren, warum ich dem K�nig von meinem Anteil an Lorkins Flucht erz�hlt habe.�</p><p>�Ich denke, das haben wir erraten�, sagte Tayend. �Ihr habt eine M�glichkeit gesehen, Informationen von Lorkin zu bekommen.�</p><p>Achati nickte. �Eine M�glichkeit, die keine Entf�hrung, Einkerkerung oder Schlimmeres erforderlich machte. Ich bin jedoch das Risiko eingegangen, dass er nicht Wort halten w�rde. Der K�nig fand es verwegen, lie� sich aber zu guter Letzt �berreden, dass es die beste Vorgehensweise sei.� Er kam einige Schritte n�her. �Ihr versteht doch, dass alles, was ich tue und was gegen die W�nsche des K�nigs verst��t, am Ende entdeckt werden w�rde.�</p><p>Dannyl nickte. �Beim n�chsten Mal, wenn Ihr seinen Blutring tragt.�</p><p>�Ja. Initiative ist ein heikles Thema f�r einen K�nig. Wann endet die Initiative, und wann beginnt der Ungehorsam? Es besteht immer die Gefahr, dass das Wissen um das, was der K�nig braucht, als vorschnelle Annahme dessen gedeutet wird, was der K�nig will.�</p><p>�Hat der K�nig bekommen, was er wollte?�</p><p>Achati zog die Schultern hoch. �Nein. Er hat bekommen, was er brauchte. Nicht alles, was Lorkin wusste, aber genug.�</p><p>�Lorkin hat die Verr�ter verraten?� Tayend sch�ttelte ungl�ubig den Kopf.</p><p>�Ich vermute, dass er nicht dachte, dass er es tat.� Achatis L�cheln war d�nn. �Er dachte, er h�tte uns �berlistet, aber er hat uns viel mehr offenbart, als ihm bewusst war.�</p><p>�Was hat er gesagt?� Dannyl erwartete keine Antwort von dem Ashaki. Wenn die Information so wichtig war, dass der K�nig Lorkin hatte gehen lassen �</p><p>�Er hat uns gesagt, wo das Zuhause der Verr�terinnen ist, genau wie er es versprochen hatte.�</p><p>Tayend kniff die Augen zusammen. �Er hat etwas Vages gesagt wie �in den Bergen�?�</p><p>�Nein. Er sagte: �Sachaka.��</p><p>Achati sah erwartungsvoll zu, wie Tayend sich mit einem Stirnrunzeln zu Dannyl umdrehte. Dannyl erwiderte den Blick des Elyners; er hatte verstanden.</p><p>�Er hat offenbart, dass die Verr�ter das ganze Land als ihr rechtm��iges Zuhause betrachten�, erkl�rte er. �Was bedeutet, sie haben nicht die Absicht, im Verborgenen zu bleiben.� Er wandte sich zu Achati um. �Ihre Hoffnung besteht darin, eines Tages �ber Sachaka zu herrschen.�</p><p>�Ah�, sagte Tayend. �Aber das wird vielleicht noch Jahre dauern. Und vielleicht werden sie nicht gewinnen.�</p><p>�Sie werden nicht gewinnen�, entgegnete Achati mit fester Stimme. �Es k�nnen nicht ebenso viele von ihnen in den Bergen leben, wie es von uns in den Tiefl�ndern Sachakas gibt. Wir sind die bei weitem gr��ere Streitmacht. Was der Grund ist, warum sie sich gew�hnlich in unsere Angelegenheiten einmischen, indem sie spionieren und politische Morde begehen.� Seine Miene wurde ernst. �Und das ist der Grund, warum wir unsere eigenen Spione �berall haben, auch im Gildehaus � obwohl wir vor Lorkins Entf�hrung nicht viele Spione hier hatten, weil wir nicht gedacht haben, dass die Verr�ter sich f�r Kyralia interessieren k�nnten.�</p><p>Dannyl reagierte auf das offene Eingest�ndnis von Spionen im Gildehaus mit einem Stirnrunzeln.</p><p>�Sie sind zu Eurer Sicherheit hier�, beteuerte Achati. �Lorkin war nat�rlich eine andere Angelegenheit, aber das ist jetzt vor�ber. Der K�nig w�nscht Euch nichts B�ses. Er will gute Beziehungen zwischen den Verb�ndeten L�ndern und Sachaka. Genau wie ich, da ich Eure Gesellschaft sch�tze.� Er schaute von Dannyl zu Tayend, um anzudeuten, dass er sie beide meinte. �Ich betrachte Euch als meine Freunde.�</p><p>Tayend musterte Dannyl. Er zog leicht die Augenbrauen hoch, dann lie� er sie wieder sinken und l�chelte. Ein schelmischer Ausdruck lag in seinen Augen. Er wandte sich wieder Achati zu.</p><p>�Nun denn�, sagte er. �W�rdet Ihr gern auf ein Getr�nk bleiben? Ich habe keine Ahnung, wie es Dannyl geht, aber ich w�rde gern mehr dar�ber wissen, wie Ihr einen Aufstand der Verr�ter vereiteln wollt.�</p><p>�berrascht konnte Dannyl nur nicken zum Zeichen, dass er die Idee guthie�. Was f�hrte Tayend im Schilde? Sammelte er Informationen, oder beabsichtigte er, nach L�chern in Achatis Geschichte zu suchen oder seine Freundschaftsbeteuerungen auf die Probe zu stellen?</p><p>Obwohl Dannyl wusste, dass er das Gleiche tun sollte, musste er zugeben, dass er nicht mit dem Herzen dabei war. <emphasis>Es war einfacher, als ich Achati nicht zu vertrauen brauchte.</emphasis> Obwohl er zugeben musste, dass er ihn umso mehr daf�r bewunderte, dass er geschickt alle Beteiligten � Lorkin, Dannyl, Tayend und den sachakanischen K�nig � zu einer L�sung gef�hrt hatte, die alle zufriedenstellte, wenn auch nicht alle erfreute.</p><p>Architektur war ein Fach, das alle Novizen belegen mussten, obwohl die meisten nur eine grundlegende Ausbildung erhielten. Lilia hatte immer gedacht, dass es lediglich ein hochtrabender Name f�r etwas sei, das im Wesentlichen eine untergeordnete Aufgabe f�r einen Magier war. Nur wenige Magier entwarfen Geb�ude, und seit der Invasion der Ichani waren Geb�ude, deren Standfestigkeit auf Magie beruhte, nicht mehr besonders beliebt. Die meisten Magier benutzten, was sie in den Architekturkursen lernten, um Geb�ude zu reparieren oder die Errichtung von neuen Geb�uden zu beschleunigen. Beide Arten von Arbeit erforderten ein Verst�ndnis f�r nichtmagische Bautechniken.</p><p>Lilia war bereit zu wetten, dass viel Zeit vergangen war, seit irgendein Magier an geheimen, unterirdischen R�umen gearbeitet hatte. Die Mauern, die sie f�r Cery hatte st�rken sollen, waren aus Backsteinen, nicht aus Naturstein. Selbst mit M�rtel gebunden lie� sich mit ihnen nicht die Festigkeit einer Natursteinmauer erzielen. Sie hatten auch nicht dieselben Eigenschaften, was Magie betraf. Aus Naturstein sickerte Magie sehr langsam heraus, w�hrend sie aus Backstein im Handumdrehen wieder verschwand. Ihr w�rde nichts anderes �brig bleiben, als eine Barriere um die Backsteine zu schaffen, um dem Abfluss von Magie Einhalt zu gebieten.</p><p>Sie zog Magie in sich hinein, schuf eine Kuppel aus Macht und dehnte sie aus, bis sie die W�nde traf, und formte sie dann genau passend. Sie �ffnete L�cher f�r die urspr�ngliche T�r und f�r das neuere Loch, das sie zum Nachbarraum auftat.</p><p>�Wie den Schild, der den Gang blockiert, werde ich dies permanent aufrechterhalten m�ssen�, sagte sie. �Es wird nicht allzu schwierig sein, wenn ich in der N�he bleibe. Die Magie ist stark genug, um einen Einsturz zu verhindern, aber sie wird einem magischen Angriff nicht standhalten. Wenn von oben Druck auf die Mauer ausge�bt wird oder jemand sie von unten angreift, sollte ich es sp�ren k�nnen.� Sie seufzte und sch�ttelte den Kopf. �Nur gut, dass Kallen mir beigebracht hat, wie man Macht in sich hineinzieht, und ich diese nicht f�r Kampf�bungen verausgabt habe. Dies wird einiges von meiner St�rke kosten.�</p><p>Cery nickte. �Danke. Noch einmal.�</p><p>Seine Dankesbekundungen f�hrten nur dazu, dass ihr Magen sich vor Angst zusammenkrampfte.</p><p>�Ihr macht Euch offensichtlich Sorgen, dass Skellin seinen Weg hier hereinfinden k�nnte, bevor die Gilde bereit ist zu helfen.�</p><p>�Ja. Wenn Skellin uns findet, bevor wir bereit sind, die Falle zuschnappen zu lassen, und er nicht das Risiko eingehen will, dass Ihr oder andere Magier in der N�he seid, k�nnte er einfach das Dach �ber unseren K�pfen einst�rzen lassen und sich davonstehlen.�</p><p>Sie stellte sich Anyi vor, die unter Ziegeln und Schmutz erstickte, und sie schauderte. Es w�rde nicht leicht sein zu schlafen in dem Wissen, dass ihre Freunde sterben k�nnten, wenn sie einen Angriff auf die Barriere nicht sp�rte.</p><p>�Wenn ich das Gef�hl habe, dass mit den Barrieren etwas passiert, werde ich so schnell wie m�glich kommen�, versprach sie.</p><p>Cery nickte. �Wenn es andere Anzeichen daf�r gibt, dass jemand in die G�nge eingedrungen ist, wird Anyi in dein Zimmer kommen, um dich zu holen. Oder sie wird Jonna darum bitten. Wie oft ist Jonna dort?�</p><p>�Ein paar Mal am Tag. Sollte ich sie bitten, h�ufiger zu kommen?�</p><p>�Das k�nnte eine gute Idee sein.�</p><p>Lilia nickte. �Gibt es sonst noch etwas?�</p><p>�Das ist alles.� Cery sah Gol und Anyi an, die beide nickten.</p><p>�Dann sollte ich jetzt besser gehen�, meinte Lilia. �Ich muss noch lernen.�</p><p>�Ich werde dich bis zum Zimmer begleiten�, erkl�rte Anyi.</p><p>�Lenk sie nicht zu lange ab�, sagte Cery zu seiner Tochter. Seine Mundwinkel zuckten leicht in die H�he.</p><p>Anyi verdrehte die Augen, als sie sich abwandte. Sie gab Lilia ein Zeichen und ging voran auf das Magierquartier zu.</p><p>�Manchmal w�nschte ich, er w�sste nicht �ber uns Bescheid�, murmelte sie.</p><p>�Aber es ist sch�n, dass es ihm nichts ausmacht�, rief Lilia ihr ins Ged�chtnis.</p><p>�Ja.� Anyi zuckte die Achseln und l�chelte widerstrebend.</p><p>�Also, warum willst du, dass ich heute Abend fr�her fortgehe?�</p><p>Anyi schaute hinter sich. �Ich werde es dir verraten, wenn wir angekommen sind.�</p><p>Wie immer war der Aufstieg durch den engen Schacht hinter Soneas G�stezimmer unbequem. Lilia ging als Erste hinauf, dann hob sie mit Magie den jetzt leeren Beh�lter an, in dem sie das Essen transportierte. Anyi kam nach dem Beh�lter nach oben. Sie klopften ihre Kleider ab.</p><p>�Mein armer alter Mantel�, sagte Anyi, w�hrend sie die Kratzer im Leder untersuchte.</p><p>Lilia blickte an sich hinab. �Ich sollte mich besser umziehen.� Sie machte einen Schritt auf ihr Zimmer zu.</p><p>Von der T�r erklang ein Klopfen. Die beiden M�dchen tauschten entsetzte Blicke.</p><p>�Es ist nicht Jonna�, murmelte Lilia. �Sie klopft nicht so an.�</p><p>�Zieh deine Roben �ber�, forderte Anyi sie auf. �Ich werde den Besucher aufhalten.�</p><p>Lilia eilte in ihr Zimmer und schl�pfte in ihre Roben. Je schneller sie sich anzukleiden versuchte, desto mehr schien sie sich zu verheddern. Sie konnte Stimmen aus dem G�stezimmer h�ren, aber Anyi klang nicht alarmiert.</p><p>Endlich war sie angezogen. Als sie die T�r �ffnete, schaute sie hinaus und seufzte vor Erleichterung.</p><p>�Lord Rothen�, sagte sie und verbeugte sich vor dem alten Magier.</p><p>Ein seltsamer, unbehaglicher Ausdruck glitt �ber Anyis Z�ge, als sie begriff, dass sie die Geste des Respekts vergessen hatte, und sie machte schnell eine unbeholfene Verbeugung.</p><p>Lord Rothen wirkte erheitert. �Ich bin vorbeigekommen, um zu sehen, wie es Euch geht, Lilia�, begann er. �Ich bin auch an anderen Abenden hier gewesen, aber ihr wart nicht da.�</p><p>�Oh. Tut mir leid.� Lilia breitete die H�nde aus.</p><p>�Ich habe so eine Ahnung, wo Ihr gewesen seid, aber Ihr k�nnt darauf vertrauen, dass ich Euer Geheimnis f�r mich behalten werde. Sonea hat mir von Cerys Besuchen erz�hlt.� Er l�chelte Anyi an, dann drehte er sich wieder um, und seine Miene wurde ernst. �Also, wie geht es Euch?�</p><p>��hm �� Lilia deutete auf einen Stuhl. �Warum nehmt Ihr nicht Platz? Kann ich Euch etwas Sumi anbieten?�</p><p>�Ja, danke.� Als er sich setzte, lie� Anyi sich auf einem der anderen St�hle nieder.</p><p>�Mir geht es � gut�, antwortete Lilia, w�hrend sie mit Magie das Ger�t zum Brauen von Sumi anhob und auf den Tisch stellte. Dann holte sie Raka-Pulver, setzte sich und machte das Gebr�u. �Ihr wisst, dass Cery sich versteckt?�</p><p>Rothen nickte. �Kallen hat es uns gesagt.�</p><p><emphasis>Uns,</emphasis> dachte Lilia.<emphasis> Ich nehme an, damit sind die �brigen H�heren Magier gemeint.</emphasis></p><p>�Nun � ich mache mir Sorgen um ihn.� Sie reichte Rothen eine dampfende Tasse. �Und um Anyi.� <emphasis>Und um Gol, aber von Gol wei� er vielleicht nicht einmal etwas.</emphasis></p><p>�Das ist verst�ndlich.� Rothen runzelte die Stirn. Er sah Anyi an. �Ist er in Sicherheit?�</p><p>Anyi zuckte die Achseln. �F�r den Moment, aber wie lange wir unbemerkt bleiben k�nnen �� Sie sch�ttelte den Kopf. �Sie k�nnten uns heute Nacht finden, oder sie k�nnten uns niemals finden.�</p><p>Lilia reichte ihr eine Tasse Raka, verzog wegen des starken Geruchs das Gesicht und schenkte Rothen etwas Sumi ein.</p><p>�Nun, wenn wir irgendetwas tun k�nnen, um euch zu helfen, weiter versteckt zu bleiben, lasst es mich wissen�, sagte Rothen.</p><p>Anyi z�gerte, dann nickte sie. �Danke.�</p><p>Der alte Magier nippte an seinem Sumi und wandte sich wieder an Lilia. �Was machen Eure Studien?�</p><p>Jetzt war es an ihr zu zaudern. Sollte sie aufrichtig sein oder versuchen, das Unausweichliche hinauszuz�gern?</p><p>Rothen lachte leise. �Sieht so aus, als w�re Euch bewusst, wie wenig Ihr mit den anderen Schritt haltet. Ich bin au�erdem hier, um Euch mitzuteilen, dass wir beschlossen haben, dass Ihr f�r den Moment einige Kurse auslassen k�nnt. Ihr werdet mehr Zeit haben, sie zu beenden � wahrscheinlich werdet Ihr ein halbes Jahr sp�ter Euren Abschluss machen. Kallens Lektionen kommen zu Eurer normalen Arbeit hinzu, und Ihr musstet den Stoff von den Monaten Eurer Abwesenheit aufholen. Es ist besser, dass Ihr gut lernt, als dass Ihr in der vorgeschriebenen Zeit lernt.�</p><p>Zuerst empfand Lilia nur Erleichterung. <emphasis>Aber ich werde ein halbes Jahr l�nger f�r meinen Abschluss brauchen. </emphasis>Diese Erkenntnis war entt�uschend und machte sie pl�tzlich m�de. Trotzdem, weniger Studien bedeutete mehr Zeit mit Anyi. Sie nickte langsam. �Ich danke Euch.�</p><p>Rothen l�chelte. �Denkt daran, Ihr k�nnt jederzeit mit mir sprechen, selbst wenn Sonea hier ist. Ich werde tun, was immer ich kann, um Euch zu helfen.�</p><p>Sie nickte. �Vielen Dank, Lord Rothen.�</p><p>Sie verstummten, und jeder nippte an seinem hei�en Getr�nk. Lilia fragte, ob Rothen etwas von Sonea geh�rt habe. Er erz�hlte ihr, dass Sonea und Lorkin wieder vereint waren. <emphasis>Nun, das ist gut. Sie wird bald nach Hause kommen.</emphasis></p><p>Als sie ausgetrunken hatten, stand Rothen auf und entschuldigte sich. Lilia erhob sich, um ihn hinauszubegleiten. Nachdem er gegangen war, wandte Lilia sich Anyi zu, die den Kopf in die H�nde gest�tzt hatte.</p><p>�Was ist los?�</p><p>Anyi seufzte. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen, als sie aufblickte. �K�nntest du Kallen fragen, ob die Gilde Cery hier verstecken wird? Wir haben immer angenommen, dass sie es tun w�rden, es aber vermieden, weil � nun, einfach aus Stolz. Es ist verr�ckt. Ich sollte versuchen, Cery dazu zu �berreden, hier heraufzukommen.�</p><p>�Ich kann ihn morgen fragen � es sei denn, du willst, dass ich es heute Nacht tue.�</p><p>Anyi sch�ttelte den Kopf. �Morgen ist in Ordnung. Es wird einige Zeit brauchen, um Cery dazu zu �berreden.�</p><p>�Was bef�rchtest du? Dass Skellin kommt, bevor die Gilde bereit ist zu helfen?�</p><p>Anyi runzelte die Stirn. �Dass Cery eine Dummheit begeht. Diese Falle, die er stellt � ich bin mir nicht sicher, ob er vorhat, auf Kallen zu warten, oder nicht.�</p><p>�Jetzt, da Kallen mich lehrt, mich zu st�rken, denkt er doch nicht etwa, dass ich stark genug sei, um allein gegen Skellin zu k�mpfen, oder?�</p><p>�Nein, das hat er erst heute Abend erfahren. Die Vorbereitungen hat er schon vorher in Gang gesetzt.�</p><p>Ein Stich des Mitgef�hls durchzuckte Lilia. Wenn Anyi, die es frustrierte, unter der Erde festzusitzen, sich Sorgen machte, dass ihr Vater ungeduldig wurde, dann mussten die Dinge dort unten ziemlich �bel stehen.</p><p>Sie zog Anyi in ihre Arme. �Ich werde mit ihm reden. Ich werde die Gilde davon �berzeugen. Du �berredest Cery. Und wenn einer von ihnen oder beide nicht vern�nftig sein wollen, dann werden wir eben eine M�glichkeit finden m�ssen, sie zu �berlisten.�</p></section><section><title><p>18</p><p>Entscheidungen</p></title><p>Der Nachthimmel war klar und der Mond hell. Cery stie� einen Seufzer der Erleichterung aus. Obwohl das Mondlicht die Wahrscheinlichkeit vergr��erte, dass jemand sie sah, wurde es dadurch auch einfacher f�r sie, sich im Wald zu orientieren. Weder er noch Gol oder Anyi waren es gewohnt, sich zwischen B�umen und Pflanzen zu bewegen.</p><p>Obwohl Lilia sie mit den meisten Dingen versorgen konnte, die sie brauchten � dank Jonna �, konnte sie einige Sachen nicht beschaffen. Sie waren bereits zwei Mal auf den Bauernhof zur�ckgekehrt, um weitere St�hle zu holen, au�erdem Sackleinen und Stroh, um Matratzen zu machen. Heute Nacht waren sie auf andere praktische Dinge aus.</p><p>�Einen Eimer oder Zuber und weitere S�cke. Sonst nichts?�, fragte Anyi.</p><p>�Nein�, antwortete Cery. �Such nicht nach weiteren Dingen, die du mitnehmen kannst, nur weil du gerade dort bist.�</p><p>�Nat�rlich nicht.�</p><p>Als sie in den Wald schl�pfte und verschwand, drehte Cery sich zu Gol um. �Sei vorsichtig. Versuch nichts anderes zu tun.�</p><p>Gol nickte. Cery beobachtete, wie sein Freund in die andere Richtung davonstolperte, dann zuckte er zusammen, als das Knacken eines Zweiges durch den Wald hallte. <emphasis>Wenn Anyi ihn h�rt � nun, er kann ihr die Geschichte auftischen, die ich ihr erz�hlen werde, wenn sie zur�ckkommt und feststellt, dass er nicht mehr da ist: dass er nach der besten M�glichkeit sucht, Verfolger abzusch�tteln, falls wir auf diese Weise entkommen m�ssen.</emphasis></p><p>Cery zog sich in das Loch zur�ck, griff nach seiner Lampe und ging wieder den Tunnel hinunter. Anyi hatte darauf bestanden, dass nur einer von ihnen das Risiko auf sich nehmen musste, sich auf den Bauernhof zu schleichen. Er hatte ihr zugestimmt, aber nur weil er sich einen �berblick �ber die Experimente der Gilde mit Feuel verschaffen wollte.</p><p><emphasis>Es sei denn, sie haben sie an einen anderen Ort gebracht, nachdem Lilia ihnen gesagt hat, dass sie davon wei�.</emphasis></p><p>Er fand die �berh�ngenden Wurzeln und schob sie beiseite. Als er den Tunnel betrat, bem�hte er sich um Ger�uschlosigkeit, w�hrend er sich der geheimen Kellert�r n�herte. Alles wirkte genauso, wie sie es zur�ckgelassen hatten. Er b�ckte sich zu dem Guckloch und sah blo� Dunkelheit. F�r einen Moment konnte er die Vorstellung nicht absch�tteln, dass ein dunkles Tuch das Guckloch bedeckte und es nur so aussehen lie�, als sei der Raum unbeleuchtet. Er presste das Ohr an die T�r und lauschte eine Zeitlang. Alles war still.</p><p>Er blendete seine Lampe ab, bis nur ein kleiner Lichtstrahl nach drau�en drang. Langsam dr�ckte er die T�r auf. Modrige Luft begr��te ihn, und das Ger�usch, das er verursachte, hallte in dem Raum wider. Er �ffnete die Blende der Lampe ein wenig und stellte fest, dass sich niemand sonst in dem Raum befand. Dieselben Tische standen an denselben Stellen wie zuvor. Cery trat ein und ging zu ihnen hin�ber. Sie waren bedeckt mit kleinen Beh�ltern. Weniger als halb so viele wie zuvor, bemerkte er. Ein Stapel zerbrochener T�pfe und Erde waren zu einem Haufen auf einer Seite zusammengekehrt worden. Einige der T�pfe sahen verbrannt aus. Als er genauer hinschaute, bemerkte er, dass die T�pfe auf dem Tisch auf einer Seite versengt waren � genau wie der Tisch selbst. Er runzelte die Stirn und trat n�her. Die T�pfe enthielten nur Dreck.</p><p><emphasis>Oder sind sie �?</emphasis> Er beugte sich weiter vor. Winzige Setzlinge ragten aus der Erde.</p><p>Cery l�chelte. <emphasis>Wachst schnell, kleine Pflanzen, </emphasis>dachte er. Dann sch�ttelte er den Kopf. <emphasis>Ich h�tte nie gedacht, dass ich das einmal �ber Feuel denken w�rde.</emphasis></p><p>Nachdem er zu dem geheimen Eingang zur�ckgekehrt war, trat er wieder in den Flur und schloss die T�r hinter sich. Er ging durch das Hauptnetzwerk der Flure, aber statt in den Raum zur�ckzukehren, in dem sie jetzt lebten, �berzeugte er sich davon, dass Lilias Schild noch immer den Gang blockierte, der zur Stra�e der Diebe f�hrte.</p><p>Als er in ihr neues Quartier zur�ckkam, war genug Zeit verstrichen, dass Anyi bereits h�tte zur�ck sein k�nnen. Aber sie war nicht da. Er setzte sich hin, um auf sie zu warten. Schon bald stieg Angst in ihm auf. Es war schwierig, hier das Verstreichen der Zeit zu messen. Zu leicht, sich vorzustellen, dass Stunden vergangen waren. Zu leicht, sich vorzustellen, dass seiner Tochter etwas zugesto�en war.</p><p><emphasis>Wenn sie ertappt wird, werden es wahrscheinlich Diener des Bauernhofs oder Magier sein. Keiner von ihnen wird ihr etwas antun.</emphasis></p><p>Eine alte Erinnerung an eine viel j�ngere Sonea stieg in ihm auf; sie stand auf einem Stadtplatz und starrte auf den verbrannten K�rper eines jungen Mannes hinab. Magier konnten Fehler machen.</p><p><emphasis>Sie haben nur so gehandelt, weil sie dachten, sie w�rden angegriffen. Anyi ist eine einzelne junge Frau, und im Gegensatz zu Sonea verf�gt sie nicht �ber Magie.</emphasis></p><p>Dennoch schlug sein Herz zu schnell und bereitete ihm Schmerzen.</p><p><emphasis>Anyi ist klug,</emphasis> sagte er sich. <emphasis>Sie wird sich nicht schnappen lassen.</emphasis></p><p>Aber wenn es doch geschah, w�rde sie nicht offenbaren wollen, dass er hier war. Sie w�rden sie aus der Gilde werfen. In die Stadt. Wo Skellin wartete.</p><p><emphasis>H�r auf damit, </emphasis>befahl er sich und rieb sich die Brust. <emphasis>Es hat keinen Sinn, sich um etwas zu sorgen, bevor �</emphasis></p><p>Von irgendwo au�erhalb des Raums erklang ein Ger�usch. Das Blut gefror ihm in den Adern. Er hielt den Atem an und lauschte. Nichts mehr. Dann, gerade als er glaubte, sich das Ger�usch nur eingebildet zu haben, erreichte ihn ein ganz schwaches Wispern. Er stand auf, davon �berzeugt, dass sich jemand dem Raum n�herte, der sich gro�e M�he gab, nicht entdeckt zu werden. War Gol geschnappt worden, sobald er in der Stadt aufgetaucht war? Hatte Skellin ihm mit Folter bereits Cerys Aufenthaltsort entlockt?</p><p>Er sah sich um. <emphasis>Wir sind noch nicht einmal dazu gekommen, die Falle aufzubauen. Was soll ich tun? </emphasis>Er drehte sich zu dem Loch um, das in den n�chsten Raum f�hrte. Ihr Fluchtweg.</p><p>Dann hallte ein f�nfmaliges Klopfen durch den Flur. <emphasis>Das Signal!</emphasis> Er stie� einen Seufzer der Erleichterung aus, lie� sich wieder auf den Stuhl fallen und verga� beinahe, zur Antwort auf eine Kiste zu klopfen. Schritte kamen n�her, und Licht erhellte die Flurwand; es bewegte sich auf eine Art und Weise, die auf Anyi schlie�en lie�. Sie sp�hte um die T�r herum und grinste, dann kam sie mit zwei Eimern herein.</p><p>�Wo ist Gol?�, fragte sie, als sie sie abstellte.</p><p>�Auf Erkundung im Wald, f�r den Fall, dass wir auf diesem Weg entkommen m�ssen. Was ist das?� Er schaute in die Eimer, in denen mehr als nur Sackleinen war.</p><p>�Fr�chte. Schien mir eine Verschwendung zu sein, nicht einige von ihnen mitzunehmen, nachdem sie schon mal gepfl�ckt worden waren.�</p><p>�Ich habe dir gesagt, du sollst nichts anderes nehmen.�</p><p>�Ja, hm, du wei�t ja, wie gehorsam ich bin. Und wie hungrig.�</p><p>Er schaute zu ihr auf und kniff die Augen zusammen. �Du hast gesagt, du magst kein Obst.�</p><p>Sie wandte den Blick ab. �Ich habe gesagt, dass ich die <emphasis>meisten</emphasis> Fr�chte nicht mag.� Sie setzte sich und g�hnte.</p><p>�L�gnerin.�</p><p>�Soll ich das Obst zur�ckbringen?�</p><p>Er schnaubte. �Sieh zu, dass du etwas Schlaf bekommst.�</p><p>�Aber Gol ist noch nicht zur�ckgekehrt.�</p><p>�Das wird auch noch eine Weile dauern. Es ist sp�t, und je eher du schl�fst, umso eher kann <emphasis>ich</emphasis> ebenfalls schlafen.�</p><p>�Oh, na sch�n.�</p><p>Sie ging zu der Matratze und legte sich hin. Schon bald schlief sie, und Cery blieb nichts anderes �brig, als zu warten und ganz von neuem anzufangen, sich Sorgen zu machen.</p><p><emphasis>Sei vorsichtig, Gol, mein alter Freund. Nicht nur um unseretwillen. Ich kenne dich zu lange, um dich heute Nacht zu verlieren.</emphasis></p><p>Als Tyvara ging, um herauszufinden, was Savara wollte, sah Lorkin seine Mutter nicken.</p><p>�Sie ist klug, diese junge Frau. Ich w�rde wetten, dass sie nicht damit gerechnet hat, dass du in ihr Leben treten w�rdest.�</p><p>Lorkin grinste. �Sie hat tats�chlich eine Menge Widerstand geleistet. F�r eine Weile dachte ich, ich h�tte es mir nur eingebildet, dass sie mein Interesse erwidert.�</p><p>�Jetzt bist du dir sicher?�</p><p>�Ja.� Er versp�rte ein Echo des Zweifels. �Gr��tenteils.�</p><p>Sie kicherte, dann wurde ihre Miene ernst. �Also. Schwarze Magie.�</p><p>Lorkin wandte den Blick ab, doch einen Moment sp�ter zwang er sich, seiner Mutter erneut in die Augen zu sehen. Wie zuvor war ihre Miene undeutbar. Obwohl ihre Augen etwas verrieten. Es war allerdings keine Missbilligung.</p><p><emphasis>Traurigkeit, </emphasis>wurde ihm bewusst. Aus irgendeinem Grund verst�rkte das seine Gewissensbisse noch.</p><p>�Nur damit ich die Herstellung von Steinen erlernen konnte, Mutter�, sagte er. Sie zog die Augenbrauen hoch. �Damit die <emphasis>Gilde</emphasis> die Herstellung von Steinen erlernen konnte�, korrigierte er sich.</p><p>�Ich dachte, du h�ttest dich freiwillig als Dannyls Assistent gemeldet, weil du eine <emphasis>Alternative</emphasis> zu schwarzer Magie finden wolltest.�</p><p>Lorkin seufzte. �Ja, das ist richtig. Ich hatte gehofft, dass die Steine der Verr�ter die Alternative sein w�rden.�</p><p>�Ist es wirklich unm�glich, sie ohne schwarze Magie zu machen?�</p><p>�Nicht unm�glich, aber � es ist wie der Versuch, ein Haus mit einer Augenbinde zu bauen. Die Art, wie h�here Magie deine Wahrnehmung und deine Kontrolle �ber Magie ver�ndert, macht die Ausbildung der Steine einfacher und akkurater.�</p><p>�H�here Magie?� Sie l�chelte und wandte den Blick ab. �Ich habe festgestellt, dass es der Ausdruck ist, den Menschen benutzen, die schwarze Magie sch�tzen.�</p><p>�Und schwarze Magie ist der Ausdruck, den Menschen benutzen, die h�here Magie nicht billigen.� Lorkin zuckte die Achseln. �Ob diese Missbilligung nun gerechtfertigt ist oder nicht.�</p><p>�Ist sie gerechtfertigt?�</p><p>Er dachte an Evar, dem man aus Rache alle Energie abgezogen hatte. An sich selbst, wie er als Kalias Gefangener in einem Zustand der Schw�che gehalten worden war. Aber Kalias Anh�nger h�tten eine andere M�glichkeit gefunden, Evar zu bestrafen, wenn sie keine schwarze Magie gehabt h�tten, und sie h�tten andere Wege gefunden, um ihn selbst weiter gefangen zu halten.</p><p>�Ja und nein. Jede Magie kann missbraucht werden. Jede Macht kann missbraucht werden. Die Verr�ter sind der Beweis daf�r, dass eine Kultur, die sich der H�heren Magie bedient, sich nicht zwangsl�ufig in Sachaka verwandelt � das hei�t, die Art von Sachaka, f�r die die Ashaki stehen.�</p><p>Seine Mutter nickte. �Geradeso wie Kallen und ich Beweis daf�r sind, dass nicht jeder Magier den Verstand verliert oder versucht, die Gilde zu �bernehmen, sobald er schwarze Magie erlernt hat.�</p><p>�Ich h�tte gedacht, dass mein Vater der Beweis daf�r war.�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Er war nicht das beste Beispiel, da er sehr wohl schwarze Magie benutzt hat, um sich die Position des Hohen Lords zu verschaffen.�</p><p>�Ja. Er hat sich als ein Mann von <emphasis>vielen</emphasis> Geheimnissen entpuppt.�</p><p>Sie stie� ein bitteres Lachen aus. �Jede Menge Geheimnisse. Nach dem, was du entdeckt hast, frage ich mich � frage ich mich, was er sonst noch verborgen gehalten hat.�</p><p>�Also �� Er holte tief Luft. �Wird die Gilde mich jetzt akzeptieren, da ich schwarze Magie kenne?�</p><p>Sie sch�rzte die Lippen. �Wahrscheinlich. Die Herstellung von Steinen ist eine neue Art von Magie mit gro�em Potenzial, und sie wollen sie.�</p><p>�Selbst wenn dazu schwarze Magie vonn�ten ist?�</p><p>�Ja, obwohl das wahrscheinlich bedeuten wird, dass man nur wenigen gestatten wird, es zu lernen. Mir selbst. Kallen. Lilia. Dir.�</p><p>�Lilia? Oh � die Novizin, die schwarze Magie aus einem Buch erlernt hat. Also, <emphasis>das </emphasis>war unerwartet.�</p><p>�Ja. Ich habe die Vermutung, dass sie ein besonderes Talent daf�r besitzt, und andere k�nnten vielleicht nicht so m�helos aus einer Beschreibung lernen. Obwohl das vielleicht zu viel gehofft w�re ��</p><p>�War es ein weiteres Betrugsman�ver meines Vaters? Hat er gehofft, die Gefahr f�r die Gilde zu verringern, indem er uns glauben machte, schwarze Magie k�nne nicht aus einem Buch gelernt werden, damit niemand es versuchte?�</p><p>�Das denke ich nicht.� Sie runzelte die Stirn. �Es gibt noch eine andere M�glichkeit. Zarala k�nnte ihm gesagt haben, dass man schwarze Magie nur von Geist zu Geist vermitteln k�nne, um die Gefahr zu verringern, dass die Gilde schwarze Magie annimmt. Er ��</p><p>Sie richtete sich auf, und ihre Augen weiteten sich. Da Lorkin vermutete, dass Osen sich mit ihr in Verbindung gesetzt hatte, wartete er ab. Der Ruf eines fernen Vogels lenkte seine Aufmerksamkeit auf seine Umgebung, und ihm wurde bewusst, dass die Sonne sich dem Horizont entgegenneigte. Ihm war pl�tzlich klar, dass sie nur eine kleine Gruppe von Menschen waren � isoliert, entbl��t und unbedeutend.</p><p><emphasis>Aber das sind wir nicht. Wir sind Magier. Zwei von uns haben viel Macht bei unseren V�lkern. Es werden in K�rze wichtige Entscheidungen getroffen. Historische Entscheidungen.</emphasis></p><p>Seine Mutter seufzte. Sie sah ihn an, dann schaute sie zu Regin hin�ber. Als h�tte er ihren Blick gesp�rt, sah Regin auf. Sie winkte, und er erhob sich und entfernte sich von den beiden Verr�terinnen, mit denen er gesprochen hatte.</p><p>�Ich habe eine Antwort�, erkl�rte sie, als er sie erreichte. Als sie Anstalten machte aufzustehen, streckte Regin die Hand aus, und zu Lorkins �berraschung ergriff sie sie und lie� sich von ihm aufhelfen. �K�nntest du gehen und es der K�nigin mitteilen, Lorkin?�</p><p>Er tat wie gehei�en und entdeckte Savara in einem ruhigen Gespr�ch mit Tyvara. Die beiden Frauen wirkten ein wenig ver�rgert �ber die St�rung, bis Lorkin ihnen mitteilte, dass Schwarzmagierin Sonea eine Antwort von der Gilde erhalten hatte.</p><p>Savara erhob sich und klopfte ihre Kleider ab, w�hrend seine Mutter zu ihr her�berkam. Sie setzten sich in einen kleinen Kreis, wie sie auch in der Nacht zuvor gesessen hatten.</p><p>�Eure Einladung ist unter den Anf�hrern der Verb�ndeten L�nder diskutiert worden, Euer Majest�t�, begann seine Mutter. �Zuerst muss ich Euch unseren Dank �bermitteln. Wir f�hlen uns geehrt, dass Ihr uns eingeladen habt, uns Eurem Kampf anzuschlie�en. Was wir jedoch ausrichten k�nnen, ist wenig, wenn man es gegen die m�glichen Konsequenzen unserer Teilnahme abw�gt, solltet Ihr unterliegen. Wie Ihr bereits festgestellt habt, haben wir einer Armee wie der Euren zu dieser Zeit wenig zu bieten. Einige in den Verb�ndeten L�ndern glauben, dass wir eher ein Hindernis als eine Hilfe sein w�rden.� Sie verzog den Mund zu einem schiefen L�cheln, und Savara reagierte mit �hnlicher Erheiterung. �Andere sind nicht so pessimistisch und weisen darauf hin, dass wir in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen haben, dass wir st�rker und einfallsreicher waren, als es den Anschein hatte. Bedauerlicherweise sind die Vertreter des ersten Standpunkts zahlreicher als die �brigen, und die Entscheidung, die getroffen wurde, ist die, dass wir uns Eurem Kampf gegen K�nig Amakira nicht anschlie�en k�nnen.�</p><p>Lorkins Schultern sackten herab. Als er sich umschaute, sah er angewiderte Gesichter bei den Verr�terinnen. Aber sie waren nicht �berrascht.</p><p>�Alle haben Unterst�tzung f�r Euer Ziel bekundet, die Sklaverei in Sachaka zu beenden�, fuhr sie fort. �Wenn Ihr Eure Pl�ne verz�gert, haben wir vielleicht Zeit, zu einem n�tzlicheren Verb�ndeten in einem solchen Unternehmen zu werden. Wenn Ihr es nicht tut, w�nschen wir Euch jeden erdenklichen Erfolg und hoffen, in der Zukunft Handelsbande zu kn�pfen, wenn auch noch keine Allianz. In der Zwischenzeit � falls das Angebot noch gilt � sind wir bereit, unsere Dienste als Heiler im Gegenzug f�r magische Edelsteine anzubieten, und ich habe Anweisungen, die Einzelheiten eines solchen B�ndnisses jetzt auszuhandeln, falls es Euch gelegen ist.�</p><p>Savara nickte. ��bermittelt bitte meinen Dank f�r die Erw�gung unserer Einladung�, sagte sie. �Da wir nicht darauf warten m�ssen, dass Streitm�chte der Verb�ndeten L�nder sich uns anschlie�en, werden wir unsere Pl�ne nicht hinausz�gern. Wir brechen morgen fr�h auf. Es ist jedoch immer noch unser Wunsch, Heilung gegen Steine zu tauschen.� Sie hielt inne und runzelte die Stirn. �Wie lange werden Eure Heiler brauchen, um Arvice zu erreichen? Wartet � bevor Ihr diese Frage beantwortet �� Sie drehte sich zu Lorkin um. �W�rdet Ihr Tyvara bitten, etwas Raka zu bringen?�</p><p>Lorkin nickte, stand auf und eilte zu Tyvara hin�ber, die allein dasa� und das Treffen beobachtete.</p><p>�Savara bittet um Raka�, erkl�rte er ihr. �H�ttest du gern etwas Hilfe?�</p><p>Sie starrte forschend zu ihm hoch und r�hrte sich nicht.</p><p>�Was ist los?�, fragte er mit gesenkter Stimme.</p><p>�Was wirst du tun? Wohin wirst du gehen?�</p><p>Er schaute zu seiner Mutter hin�ber und dann wieder zu Tyvara. �Ich � wei� es nicht.� Seine Mutter w�rde von ihm erwarten, dass er nach Kyralia zur�ckkehrte, obwohl er schwarze Magie erlernt hatte. Er wollte zur�ckkehren � wollte in der Lage sein zur�ckzukehren �, aber Sachaka zu verlassen w�rde bedeuten, Tyvara zu verlassen. <emphasis>Und die Verr�ter. Ich will sehen, wie sie gewinnen. Wenn ich jetzt fortginge, w�re das so, als br�che ich mitten in einer Geschichte auf, die jemand erz�hlt.</emphasis></p><p>Nur dass es nicht so gef�hrlich war, Geschichten zu h�ren, wie sich an einem Krieg zu beteiligen. Wenn er bei den Verr�tern blieb, w�rde er in die K�mpfe hineingezogen werden. Die Ashaki w�rden ihn als eine weitere Zielscheibe ansehen. Sie w�rden nicht z�gern, ihn zu t�ten, weil er ein Gildemagier war.</p><p>Die Gilde w�rde auch nicht wollen, dass er sich an den K�mpfen in Sachaka beteiligte. Die Verb�ndeten L�nder waren vor direkten Konflikten mit K�nig Amakira zur�ckgeschreckt aus Angst, dass die Verr�ter unterliegen k�nnten und der K�nig Rache suchen w�rde. Ein Gildemagier unter den Verr�tern w�rde es so aussehen lassen, als unterst�tze die Gilde die Verr�ter.</p><p><emphasis>Aber sie werden Heiler schicken. Wird das etwas ver�ndern?</emphasis></p><p>Nun, sie wurden lediglich wegen ihrer Dienste eingestellt und w�rden nicht an den K�mpfen teilnehmen. Sie w�rden wahrscheinlich daf�r sorgen, dass sie nach der Schlacht ankamen. Sie w�rden vorher nicht von Nutzen sein und auch nicht w�hrenddessen, und es erlaubte ihnen, sich nach Kyralia zur�ckzuziehen, in aller Eile, falls notwendig, wenn sich eine Niederlage der Verr�ter abzeichnete.</p><p>Vielleicht konnte er sich freiwillig melden, sich ihnen anzuschlie�en. Er war kein Heiler, aber er konnte heilen, und er konnte ein Vermittler zwischen Heilern und Verr�tern sein. <emphasis>Das bedeutet immer noch, dass ich in der Schlacht nicht dabei w�re. Wo Tyvara sein wird. </emphasis>Er wusste, dass sie auf keinen Fall ihr Volk verlassen und mit ihm nach Kyralia gehen w�rde. Und dass er alles tun w�rde, um daf�r zu sorgen, dass sie �berlebte. Er w�rde sogar mit den Verr�tern k�mpfen.</p><p>Aber wenn er mit den Verr�tern k�mpfte, konnte er das nicht als Gildemagier tun.</p><p>Er musterte sie. �Was willst <emphasis>du</emphasis>?�</p><p>Sie sah ihn durchdringend an. �Ich will dich�, erwiderte sie. �Aber nicht, wenn du nicht gl�cklich sein wirst. Und nicht, wenn du nicht sicher sein wirst ��</p><p>Er l�chelte. <emphasis>Was genau das ist, was ich f�r sie will. Aber wir k�nnen nicht beide gl�cklich und sicher sein.</emphasis></p><p>Was die Entscheidung leicht machte.</p><p>�Ich werde nicht gl�cklich sein, wenn ich nicht wenigstens <emphasis>versuche</emphasis>, daf�r zu sorgen, dass du gl�cklich und sicher bist�, sagte er. �Also sch�tze ich, dass ich mit dir kommen und daf�r sorgen muss, dass du dich nicht umbringen l�sst.�</p><p>Ihre Augen weiteten sich. �Aber � die Gilde � Welchen Sinn hat es, dass du gelernt hast Steine herzustellen, wenn ��</p><p>�Lord Lorkin�, rief Savara. �Wir haben Durst.�</p><p>Er beugte sich vor und k�sste Tyvara. �Mach dir keine Sorgen wegen der Gilde. Sie werden schon eine L�sung finden.�</p><p>Sie nickte. �Ich werde den Raka holen. Geh du zur�ck.�</p><p>Er wandte sich ab und eilte zur�ck zur K�nigin und seiner Mutter. Sein Herz raste, aber er war sich nicht sicher, ob aus Panik und Entsetzen oder aus Gl�ck und Erregung. <emphasis>Wahrscheinlich ist es eine Mischung all dieser Gef�hle. Bin ich wirklich bereit, der Gilde den R�cken zu kehren und mich den Verr�tern anzuschlie�en? Bin ich verr�ckt genug, mein Leben in der Schlacht zu riskieren?</emphasis></p><p>Als er sich setzte, sah er zur�ck zu Tyvara. Sie erwiderte seinen Blick, und ihre Miene wechselte von Freude zu Sorge und wieder zur�ck. Er l�chelte, und sie verzog zur Antwort die Lippen.</p><p><emphasis>Ja. Ja, das bin ich.</emphasis></p><p>Als die Kutsche des Gildehauses durch die Tore von Achatis Villa rollte, huschten die Sklaven davon. Sie alle verschwanden � bis auf den T�rsklaven, der sich Dannyl vor die F��e warf. Dannyl schaute sich um und erinnerte sich daran, dass unter den Sklaven, die er gesehen hatte, keine Frau gewesen war. Lag das daran, dass Achati einfach m�nnliche Sklaven bevorzugte, wie er auch m�nnliche Geliebte bevorzugte, oder hoffte er, dass es die Chance verringern w�rde, dass die Verr�terinnen irgendwelche Spione in seinen Haushalt brachten?</p><p>�F�hre mich zu Ashaki Achati�, befahl Dannyl.</p><p>Der Sklave sprang mit der ganzen Beh�ndigkeit der Jugend auf die F��e und geleitete Dannyl durch die schmucklose, polierte Holzt�r in die K�hle des Flures dahinter. Achatis Einladung war an diesem Morgen gekommen. Dannyl hatte sich bis zum Mittag mit der Frage gequ�lt, ob er die Einladung annehmen oder ablehnen solle, dann hatte er sich schlie�lich mit Tayend beraten.</p><p>�Nat�rlich solltest du gehen�, hatte Tayend gesagt und dabei kaum von seinem Schreibtisch aufgeblickt. �Ein Botschafter muss gute Beziehungen aufrechterhalten, und Achati ist der Einzige hier, der noch bereit ist, irgendwelche Beziehungen zu uns zu unterhalten.�</p><p>Also war Dannyl nun hier und ging den Flur entlang zum Herrenzimmer. Sein Herz schlug ein wenig zu schnell, und sein Magen regte sich auf eine �rgerliche und beunruhigende Weise. Als er das Ende des Flurs erreichte, holte er tief Luft und stie� den Atem langsam wieder aus, bevor er ein h�fliches L�cheln aufsetzte, als er den Mann sah, der auf ihn wartete.</p><p>�Botschafter Dannyl.� Achati trat vor und ergriff Dannyls Arm in der kyralischen Art einer Begr��ung.</p><p>�Ashaki Achati�, entgegnete Dannyl.</p><p>�Ich freue mich ja so, dass Ihr meine Einladung angenommen habt�, sagte Achati mit einem breiten L�cheln. �Kommt und nehmt Platz. Ich habe den K�chensklaven befohlen, heute Abend ihr Bestes zu geben. Hier � ich habe sogar kyralischen Wein.�</p><p>Er winkte Dannyl zu den Hockern hin�ber und hob eine Flasche hoch, so dass sein Gast das Etikett lesen konnte.</p><p>�Dunkler Anuren�, rief Dannyl beeindruckt aus. �Wie seid ihr daran gekommen?�</p><p>�Ich habe meine Quellen.� Achati deutete auf die Hocker. �Bitte, setzt Euch.�</p><p>Es schien, als habe Achati vor, sich zu benehmen, als w�re seit Dannyls letztem Besuch nichts vorgefallen. Nur machte das die Situation f�r Dannyl noch unbehaglicher. Gewiss sollte der Ashaki in irgendeiner Weise zugeben, dass der K�nig ihnen �bel mitgespielt hatte. So zu tun, als sei nichts geschehen, w�rde ihre Freundschaft nicht heilen.</p><p>Dann, gerade als Dannyl langsam �rgerlich wurde, �berraschte ihn Achati.</p><p>�Ich erwarte nicht, dass Ihr mir verzeiht�, sagte er, w�hrend er ein zweites Glas Wein einschenkte.</p><p>Dannyl hielt inne. �Ich bin mir nicht sicher, was ich darauf sagen soll�, antwortete er aufrichtig.</p><p>�Dann sagt gar nichts. Ihr braucht nicht zu l�gen, um diplomatisch zu sein.�</p><p>�Wenn Ihr nicht erwartet, dass ich Euch verzeihe, nehme ich an, Ihr werdet Euch auch nicht entschuldigen.�</p><p>Achati l�chelte. �Nein. Und Ihr werdet mir nicht daf�r danken, dass ich Lorkin aus Arvice herausgebracht habe.�</p><p>�Ich sollte Euch daf�r danken, dass Ihr ihn nicht dem K�nig ausgeliefert habt�, bemerkte Dannyl.</p><p>�Ich h�tte niemals einem Befehl zugestimmt, der so etwas von mir verlangt h�tte.�</p><p>�Zugestimmt?� Dannyls Magen krampfte sich zusammen. �Der K�nig hat Euch ausgeschickt, uns vor dem Entf�hrer zu warnen, nicht wahr? Ihr seid nicht aus Sorge um uns gekommen.�</p><p>�Ja, er wusste es � und nein, ich <emphasis>bin</emphasis> aus Sorge um Euch alle gekommen.� Achati zuckte die Achseln. �Ich habe den K�nig dazu �berredet, mir zu erlauben, Euch zu warnen � in der Hoffnung, dass Lorkin mir vertrauen w�rde. Ich habe nicht erwartet, dass ich viele Informationen aus ihm herausholen konnte, nicht nach dem, was er im Gef�ngnis getan hatte, aber ich habe eine Chance gesehen, dass wir <emphasis>einige</emphasis> Informationen bekommen k�nnten, und das war besser als gar nichts.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. Was hatte Lorkin im Gef�ngnis getan?</p><p>Achati lachte leise. �Lorkin ist erheblich z�her, als er aussieht. Er hat sich als unerwartet skrupellos erwiesen. Umso mehr, weil er nicht wissen konnte, dass er mit seinem Tun den K�nig dazu zwingen w�rde, ihn freizulassen.� Sein L�cheln verblasste. �Alle, die ich befragt habe, hatten eine andere Meinung, was die Quelle des Giftes betraf. Der K�nig gibt es nicht zu. Die Verr�terinnen werden es offensichtlich auch nicht tun. Wenn es jemand anders war als der K�nig, wird er kaum offenbaren, dass er gegen k�niglichen Befehl gehandelt hat � oder dass es auf k�niglichen Befehl hin geschah. Was immer die Quelle war, es war klar, dass jemand versucht hatte, einen Gildemagier zu t�ten, und das hat zu viele Ashaki aufgebracht.�</p><p><emphasis>Jemand hatte versucht, Lorkin zu t�ten? Mit Gift?</emphasis> Dannyl hoffte nur, dass er seinen Schock gut verbarg. �Also hat der K�nig Lorkin gehen lassen. Nur um zu versuchen, ihn wieder einzufangen. Um ihn an einen Ort zu bringen, wo er vor dem Giftmischer sicher war?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann � kann es nicht der K�nig gewesen sein, der versucht hat, Lorkin zu vergiften.�</p><p>�Ich glaube es nicht, weil er mir erlaubt hat, Lorkin bei der Flucht zu helfen.�</p><p>�Warum hat er das getan?�</p><p>�Er hat zugestimmt, dass er, wenn ich Lorkin dazu bewegen konnte, mir irgendetwas �ber die Verr�ter zu erz�hlen, mich tun lassen w�rde, was immer ich f�r richtig hielt.� Achati grinste beinahe.</p><p>�Es klingt wie eine Wette. Ich nehme nicht an, dass er die Art K�nig ist, die gern Wetten verliert.�</p><p>�Er steht zu seinen Abmachungen.�</p><p>�Was hattet Ihr zu verlieren?�</p><p>Achati wirkte selbstgef�llig und machte eine knappe Handbewegung. �Mein Haus.�</p><p>�Wirklich?� Dannyl sah sich um. �Besitzt Ihr noch anderes Land?�</p><p>�Nein.�</p><p><emphasis>Also ein hoher Einsatz. </emphasis>Aber so war es immer, in der Politik und im Krieg. Dannyl versp�rte vertraute Gef�hle � Dankbarkeit, Zuneigung und Bewunderung � und widerstand ihnen. Er dachte an Tayends Warnungen und war �berrascht, dass die gleichen Gef�hle an die Oberfl�che stiegen. Er widerstand auch diesen. <emphasis>Tayend ist � ein Freund. Wenn Achati nicht w�re, w�rden wir vielleicht wieder mehr als das sein �</emphasis></p><p>Der Ashaki betrachtete anerkennend den Wein. Dannyl konnte nicht umhin zu denken, dass er sich nicht mehr von Tayend h�tte unterscheiden k�nnen. Wenn auch nicht so schwer gebaut wie der durchschnittliche Sachakaner, war Achati dunkelh�utig und breit, w�hrend Tayend leicht und schlank war. <emphasis>Wie kann ich mich zu solchen Gegens�tzen hingezogen f�hlen? Ah, aber sie sind beide klug und scharfsichtig. Ich sch�tze, ich mag kluge M�nner. Aber ich frage mich, was er in mir sieht.</emphasis></p><p>Als Achati Dannyls Blick wahrnahm, wandte er sich um, um ihm in die Augen zu sehen. Seine Miene wurde gr�blerisch. �Erinnert Ihr Euch an diesen Augenblick w�hrend unserer Reise nach Duna? Als Tayend uns gest�rt hat?�</p><p>Erinnerungen und gemischte Gef�hle �berschlugen sich in Dannyls Kopf. Begehren, Verlegenheit, Angst und Wut.</p><p>�Wie k�nnte ich das vergessen? Dieser kleine St�renfried ��, murmelte er.</p><p>Achati lachte. �Ich bin mir sicher, dass seine Absichten gut waren. Aber ich habe doch das Gef�hl, dass solche Augenblicke, solche Chancen rarer f�r uns werden. W�rden wir immer noch Freunde sein, wenn wir abermals eine schwierige Zeit durchmachen w�rden, wie wir das vor kurzem getan haben, oder w�ren da zu viel Misstrauen und Argwohn? Ich w�nschte �� Er seufzte. �Ich wei�, es ist egoistisch. Ich w�rde mich freuen, wenn wir mehr als Freunde w�ren, zumindest f�r eine Zeit, bevor die Umst�nde uns das Gef�hl geben, dass wir uns wie Feinde benehmen m�ssen.�</p><p>Dannyl holte tief Luft. Sein Herz schlug wieder zu schnell, und da war ein seltsames, aber vertrautes Flattern in seinem Magen. <emphasis>Genauso habe ich empfunden, als ich in Sachaka angekommen bin, </emphasis>durchzuckte es ihn. Nur dass diesmal etwas Berauschendes daran war. Was w�rde geschehen, wenn er es akzeptierte? Sich mit Freuden darauf einlie�?</p><p><emphasis>Es gibt nur eine M�glichkeit, es herauszufinden.</emphasis></p><p>�Nun, jetzt ist Tayend nicht hier.�</p><p>Achati hielt den Atem an. Ein Ausdruck flackerte �ber seine Z�ge, bevor sorgf�ltiges Interesse ihn ersetzte.</p><p>Hoffnung.</p><p>Dannyl verstand in diesem Moment, dass Achati trotz all seiner Macht und seines Wohlstands allein war. Er bezweifelte, dass er jemals diese Einsamkeit ausnutzen k�nnte, selbst wenn er es wollte. Es war keine Schw�che, es war Teil des Lebens, das Achati f�r sich geschaffen hatte.</p><p>�Obwohl ich es ihm durchaus zutrauen w�rde, dass er gerade in diesem Moment auf dem Weg hierher ist�, f�gte Dannyl hinzu.</p><p>Achati lachte. �Gewiss k�nnte uns so ein Pech nicht zweimal widerfahren?�</p><p>�Das klingt nach einer Theorie, die es wert ist, �berpr�ft zu werden. Die Frage ist, wie genau m�ssen wir die Umst�nde nachstellen?�</p><p>�Oh, ich denke, wir haben alle wesentlichen Zutaten.� Als Achati aufstand, folgte Dannyl seinem Beispiel. �Und wenn ich mich irre, k�nnen wir uns zumindest darauf verlassen, dass die Sklaven ihm den Zutritt verwehren.� Er hielt inne, um zu Dannyl aufzuschauen. �Ah. Seht Euch an.�</p><p>Dannyl blinzelte. �Was?�</p><p>Er hob die Hand, um Dannyls Kinn zu ber�hren. �So gro� und � ganz gradlinige Eleganz. Es ist nur gut, dass ihr Kyralier f�r gew�hnlich keine h�here Magie erlernt. Ihr w�rt viel zu einsch�chternd.�</p><p>Dannyl stie� ein schnelles Lachen aus. �Ihr Sachakaner seid es, die einsch�chternd sind�, protestierte er. �Mit der schwarzen Magie und ��</p><p>Achati brachte ihn mit einem Kopfsch�tteln und einem Finger auf seinen Lippen zum Schweigen, und die Hand an Dannyls Kinn glitt hinter seinen Hals und zog ihn zu einem Kuss herunter.</p><p>Dann war sein Mund an Dannyls Ohr. �Tu das nicht, oder du wirst dich selbst daran erinnern, dass wir ein brutales Volk sind. Erlaube mir, dir zu zeigen, dass wir nicht alle grausam und herzlos sind.� Er trat l�chelnd zur�ck und f�hrte Dannyl aus dem Herrenzimmer.</p></section><section><title><p>19</p><p>Eine �bereinkunft</p></title><p>Bevor die Sonne auch nur �ber den Horizont gelugt hatte, machten die Verr�terinnen sich bereit zum Aufbruch. Sie trafen keine Vorbereitungen, vorher zu essen, bemerkte Sonea. <emphasis>Wenn sie fort sind, werden wir unsere letzten Vorr�te essen und uns dann auf den Heimweg machen, </emphasis>beschloss sie. Obwohl ungewiss war, ob dieses �wir� zwei oder drei Personen umfassen w�rde.</p><p>Sie blickte zu Lorkin hin�ber, der w�hrend der beiden letzten N�chte bei Tyvara geschlafen hatte. Sie hatte ihm w�hrend der Verhandlungen genau zugeh�rt. Er hatte viele Male als �wir� von den Verr�terinnen gesprochen und von den Verb�ndeten L�ndern und der Gilde als �sie�. Sonea schauderte, als ein Gef�hl der Furcht sie beschlich.</p><p>Er hatte sich ver�ndert. Aber nicht vollkommen. Er war immer noch Lorkin. Doch er war reifer geworden. Das �berraschte sie nicht. Er hatte in dem halben Jahr, seit er die Gilde verlassen hatte, eine Menge durchgemacht. Und die B�rde schwarzer Magie geschultert.</p><p><emphasis>Ich sollte entsetzt sein, aber alles, was ich empfinde, ist Traurigkeit. Er hat keine Ahnung, was er auf sich genommen hat. Dass es ihn immer als vertrauensunw�rdig kennzeichnen wird, selbst wenn sie akzeptieren, dass es seine Entscheidung war und der unumg�ngliche Preis f�r die Herstellung von Steinen.</emphasis></p><p>�Sie� waren die Gilde und andere Kyralier. Sonea glaubte nicht, dass sie ihn zur�ckweisen w�rden. Wie k�nnten sie das auch tun, jetzt, da sie Lilia akzeptiert hatten? <emphasis>Aber mit jedem Magier, der schwarze Magie erlernt, scheinen wir etwas zu verlieren. Vielleicht unsere Unschuld. Vielleicht die Vorsicht.</emphasis></p><p>Lorkin, der seinen Wasservorrat aufgef�llt hatte, kehrte zur�ck. Sie dachte an die Edelsteine in ihrer Tasche, die sie bisher den Verr�tern gegen�ber nicht erw�hnt hatte. Tyvara schaute l�chelnd zu Lorkin auf, als er ihr die Flasche gab. Es war ihre, nicht seine. Ein Stich des Bedauerns durchzuckte Sonea, dass sie keine Zeit hatte, die junge Frau besser kennenzulernen. Angesichts der Art, wie Tyvara Lorkin ansah, �berlief Sonea ein weiterer Schauder, und sie runzelte die Stirn.</p><p><emphasis>F�r ein Paar, das so offensichtlich verliebt ist, benehmen sie sich nicht, als w�rden sie sich in K�rze trennen.</emphasis></p><p>Als h�tte er ihren Blick gesp�rt, drehte Lorkin sich um und sah Sonea in die Augen. Sein L�cheln verblasste, dann schaute er wieder zu Tyvara hin�ber und nickte. Ihre Miene wurde ernst. Mitf�hlend. Sie nickte und beobachtete, wie Lorkin zu Sonea ging.</p><p>�Mutter�, sagte er. �K�nnen wir unter vier Augen reden?�</p><p>�Nat�rlich.� Sonea stand auf und sah sich um, dann w�hlte sie willk�rlich eine Richtung aus und setzte sich in Bewegung. Er folgte ihr stumm. Nach ungef�hr zwanzig Schritten blieb sie stehen und schuf eine Barriere um sie herum, die keinen Laut nach au�en dringen lassen w�rde, und wartete darauf, dass er zu sprechen begann.</p><p>Lorkin konnte ihrem Blick pl�tzlich nicht mehr standhalten. �Ich � �h � wir ��</p><p>Sie seufzte und fragte dann: �Kommst du mit mir zur�ck?�</p><p>Er straffte die Schultern und hob den Kopf. �Nein.�</p><p>Sie starrte ihn an und k�mpfte gegen eine aufsteigende Panik. <emphasis>Ich k�nnte es ihm befehlen. Ich k�nnte mich mit Osen in Verbindung setzen und ihn dazu bringen, den Befehl zu erteilen.</emphasis> Aber sie vermutete, dass sie Lorkin damit blo� dazu treiben w�rde, etwas noch T�richteres zu tun.</p><p>�Es geht nicht um Tyvara�, sagte er. �Nun, nicht <emphasis>nur</emphasis> um Tyvara.� Ein intensiver Ausdruck trat in seine Augen. Sie las in ihnen Aufregung und Hoffnung. �Ich denke, dass die Verr�ter siegen werden. Wenn sie sagen, dass sie der Sklaverei ein Ende machen werden � ich denke, sie werden auch das tun. Sie planen es seit Jahren. Seit Jahrhunderten.�</p><p>�Also � wenn sie siegen, werden sie besser sein als die Ashaki?�</p><p>�Ja�, erwiderte er entschieden.</p><p>�Und wenn sie unterliegen?�</p><p>Seine Miene wurde grimmig. Sie konnte in seinem Gesicht pl�tzlich erkennen, wie er in zehn Jahren aussehen w�rde. <emphasis>Falls er die n�chsten paar Wochen �berlebt. Nein, denk nicht dar�ber nach.</emphasis></p><p>�Manche Dinge sind es wert, dass man sein Leben f�r sie riskiert�, sagte er. �Wenn du gesehen h�ttest, was die Ashaki tun � wenn du es erlebt h�ttest �, w�rdest du die Welt auch von ihnen befreien wollen.�</p><p>Bei dem Zorn und dem Entsetzen in seiner Stimme durchzuckte sie ein stechender Schmerz. <emphasis>Was haben sie ihm angetan? </emphasis>Sie wollte es wissen, wollte den Schuldigen finden und ihm <emphasis>wehtun.</emphasis></p><p>�Der Gilde wird das nicht gefallen, aber ich bin mir sicher, das wei�t du�, erkl�rte sie.</p><p>Er nickte. �Sag ihnen, dass sie mich offiziell verbannen sollen. Auf diese Weise kann man sie nicht f�r meine Taten verantwortlich machen, falls wir verlieren.�</p><p>Ihr wurde flau. <emphasis>Ich sollte froh dar�ber sein, dass er alles durchdacht hat, aber ich kann nicht. Wenn ich nur seine Stelle einnehmen k�nnte � Aber auch das w�rde ihn kaum daran hindern, in diesen Krieg zu ziehen.</emphasis></p><p>Und pl�tzlich wusste sie, was sie als N�chstes tun w�rde. Wenn er nicht nach Hause gehen w�rde, w�rde sie es auch nicht tun. Sie w�rde ihm folgen. Sie w�rde alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihn zu besch�tzen.</p><p>�Du betrachtest dich jetzt also als einen Verr�ter.� Sie nickte. �Dann gibt es etwas, das du wissen musst.� Sie griff in ihre Tasche, zog einen der Edelsteine heraus und hielt ihn Lorkin hin.</p><p>Er nahm ihn entgegen und untersuchte ihn eingehend. Einen Moment sp�ter weiteten sich seine Augen.</p><p>�Ich hatte den Verdacht, dass es m�glich ist�, hauchte er.</p><p>W�hrend er den Stein fasziniert betrachtete, versp�rte Sonea eine bitters��e Freude und Stolz. Hier war er, ihr Sohn, und er verstand eine Magie, die kein Gildemagier je zuvor erkundet hatte. <emphasis>Und er liebte es.</emphasis></p><p>�Woher hast du das?�, fragte er.</p><p>Sie deutete auf ihre Umgebung. �Aus der Erde und dem Sand. Es ist auch ein Stein in der Quelle, um sie sauber zu halten. Ich habe den Verdacht, dass sie �berall im �dland verteilt sind. Du kannst sie wahrnehmen, wenn du wei�t, wonach du suchen musst und wenn du ein Schwarzmagier bist.�</p><p>Lorkin �ffnete den Mund, und er drehte sich um, um das trockene, leblose Land zu betrachten. �Willst du damit sagen �?�</p><p>�Ja. Das �dland h�tte sich vor Jahrhunderten erholen sollen, aber wegen der Verr�ter hat es das nicht getan.� Sie ber�hrte ihn am Arm. �Bist du dir sicher, dass du die Gilde verlassen willst, um dich diesen Leuten anzuschlie�en? Einem so skrupellosen Volk? Du kannst ihnen immer noch helfen, die Ashaki zu st�rzen, ohne deine Loyalit�t zu wechseln.�</p><p>Er blickte auf den Edelstein hinab und runzelte die Stirn. Dann schloss er die Finger um den Stein und nickte. �Ich bin mir sicher. Sie sind nicht vollkommen, aber sie <emphasis>sind</emphasis> besser als die Ashaki.� Er legte ihr die H�nde auf die Schultern. �Ich liebe dich, Mutter. Ich habe nicht die Absicht, in diesem Krieg zu sterben. Ich <emphasis>werde</emphasis> zur Gilde zur�ckkehren. K�nigin Zarala hat mir das Wissen um die Herstellung von Steinen gegeben, damit ich es weiterreichen kann, und ich werde das tun, falls die Gilde es will. Du wirst mich wiedersehen.�</p><p>Dann zog er sie an sich. Sie hielt ihn fest, und es kostete sie ihre ganze Willenskraft, keinen Widerstand zu leisten, als er sich von ihr l�ste. Er l�chelte knapp, drehte sich um und kehrte zu den Verr�tern zur�ck.</p><p>Sonea blinzelte gegen Tr�nen an, seufzte und folgte ihm.</p><p>Als Lilia aus dem Magierquartier ins helle Sonnenlicht trat, blinzelte sie und schlug den Weg zur Universit�t ein. Es waren zu dieser morgendlichen Stunde mehr Novizen unterwegs als gew�hnlich, bemerkte sie. Die meisten schienen sich am Eingang der Universit�t aufzuhalten. Als sie sich ihnen n�herte und in den Schatten des Geb�udes trat, begriff sie, dass sie alle sie ansahen.</p><p>Ein Schauer �berlief sie, und sie verlangsamte ihre Schritte.</p><p>Sie erkannte einige von ihnen; es waren Freunde von Bokkin. Zwei traten beiseite. Zuerst nahm sie an, dass sie es taten, um sie durchzulassen, aber ein vertrauter Schl�ger f�llte die L�cke. Er grinste sie an, als sie sich der Treppe n�herte.</p><p>�Was hast du hier zu suchen, Lilia?�, fragte er. �Der Ausguck liegt in dieser Richtung.� Er zeigte den H�gel hinauf.</p><p>Einige der Novizen kicherten. Sie kamen n�her. Lilia w�rde sich durch sie hindurchzw�ngen oder um sie herumgehen m�ssen.</p><p>�Wir werden dich nicht hineinlassen�, erkl�rte Bokkin.</p><p>Lilia verkniff sich ein L�cheln. <emphasis>Idiot. Es ist so offensichtlich, was sie tun, er h�tte es nicht laut auszusprechen brauchen. Und jetzt k�nnen sie nicht mehr so tun, als h�tten sie nichts falsch gemacht.</emphasis></p><p>Sie ging die ersten Stufen hinauf und blieb stehen.</p><p>�Seid ihr euch sicher?�, fragte sie und sah einem Novizen nach dem anderen in die Augen. �Schwarzmagier Kallen ist dort drin und wartet darauf, mich alle m�glichen Geheimnisse zu lehren, die die schwarze Magie betreffen. Er wird vielleicht nicht allzu gl�cklich dar�ber sein, wenn ihr mich daran hindert, rechtzeitig zu seinem Unterricht zu erscheinen.�</p><p>Einige der Novizen runzelten die Stirn und tauschten zweifelnde Blicke.</p><p>�Kallen kann dich auch nur dazu bringen, so zu tun, als k�mpftest du mit schwarzer Magie�, stellte Bokkin fest. �Mehr lernst du doch nicht. Du hast noch nicht einmal deinen Abschluss gemacht.�</p><p>�Ich habe geh�rt, dass du deinen Abschluss auch nicht mehr machen wirst�, f�gte eines der M�dchen in Bokkins N�he hinzu. �Es hei�t, sie w�rden es dir nicht erlauben. Du wirst f�r immer eine Novizin sein.�</p><p>Lilia zuckte die Achseln. �Ich werde n�chstes Jahr meinen Abschluss machen. Ich habe mehr zu lernen als der durchschnittliche Novize.� Um sicherzustellen, dass die Andeutung ankam, griff sie in ihre Robe und zog das kleine, schmale Messer hervor, das sie auf Kallens Empfehlung hin gekauft hatte. Sie hatte sich gefragt, warum er darauf bestanden hatte, dass sie eines brauche w�rde, obwohl sie doch schwarze Magie gar nicht <emphasis>benutzen</emphasis> sollte, und sie hatte den Verdacht, dass er nur ihren Kauf begutachten wollte. Er hatte ihr gesagt, dass sie etwas Schlichtes kaufen solle, das jedoch von guter Qualit�t war. Etwas Kultivierteres als ein K�chenmesser, aber nichts so geschmacklos Protziges wie die Messer, die die Sachakaner trugen. Sie hatte sich mit einigen Messerherstellern getroffen und ein elegantes, schlankes Messer mit einer Klinge ausgew�hlt, die sich nahtlos in einen Griff aus Ebenholz und Silber klappen lie�.</p><p>Sie unterdr�ckte ein Lachen, als mehrere der Novizen nach Luft schnappten. Aber sie konnte nicht einfach dastehen und mit einem Messer wedeln. Wenn ein Magier sie sah, w�rde sie genauso gro�en �rger bekommen wie die anderen Novizen. Vielleicht mehr. In ihrer Tasche, unter den B�chern und Studiennotizen, war eine Pachi-Frucht. Jonna hatte sie dort hineingelegt, als klar gewesen war, dass Lilia keine Zeit haben w�rde, ihre Morgenmahlzeit zu beenden.</p><p>Lilia nahm die Frucht heraus, begann Scheiben von ihr abzuschneiden und a� sie.</p><p>�Kallen wird kommen und herausfinden, was mich aufh�lt�, erkl�rte sie kauend. �Ich w�rde nicht wollen ��</p><p>�Was geht hier vor?�, fragte eine neue Stimme. Lilia schaute auf und sah den Kopf eines Magiers hinter den Novizen erscheinen. �Sucht euch einen anderen Platz, um euch zu versammeln, und h�rt auf, die T�ren zu blockieren.�</p><p>Sofort stoben die Novizen auseinander, und die, die dem Magier am n�chsten waren, machten eine hastige Verbeugung. Bokkin war der Einzige, der entt�uscht wirkte, bemerkte Lilia. Die �brigen wirkten erleichtert. Er grinste sie h�hnisch an, als sie an ihm vorbei die Treppe hinaufging. Der Magier war ein Mann, an den sie sich aus ihrem zweiten Jahr erinnerte, ein Alchemist mittleren Alters.</p><p>�Guten Morgen, Lord Jotin�, sagte sie und verneigte sich.</p><p>�Lady Lilia.� Er nickte, dann schaute er sich um, um sich davon zu �berzeugen, dass die Novizen nicht zur�ckkehren w�rden, bevor er wieder in den Flur verschwand. Lilia a� weiter von der Pachi-Frucht, w�hrend sie sich auf den Weg zu dem Raum machte, in dem Kallen seinen Unterricht abhielt, und sie lie� alle Gedanken an Bokkin hinter sich. An irgendeinem Punkt w�rde sie Kallen Anyis Frage stellen, und sie musste dar�ber nachdenken, wie sie das am besten machen sollte. Sie hielt inne, um das Messer abzuwischen und ihre Gedanken zu sammeln, bevor sie durch die T�r in den Raum trat.</p><p>�Guten Morgen, Lady Lilia�, begr��te Kallen sie, und seine Lippen verzogen sich zu einem schwachen L�cheln.</p><p>�Schwarzmagier Kallen.� Sie verbeugte sich und nahm Platz, dann �ffnete sie den Mund, um zu sprechen, brach jedoch ab, als sie die Gegenst�nde auf dem Tisch bemerkte. Eine Keramikschale stand neben einigen Glasr�hren, wie die Alchemisten sie benutzten, wenn sie Glasgef��e von besonderer Form schaffen wollten.</p><p>�Heute werde ich Euch lehren, wie man Blutsteine macht�, sagte Kallen.</p><p>Erregung durchzuckte sie. Dies war ein Teil der schwarzen Magie, den die meisten als akzeptabel und sicher erachteten. Kallen griff nach einem Glasr�hrchen und bedeutete ihr, seinem Beispiel zu folgen.</p><p>�Den Prozess kann man am leichtesten von Geist zu Geist �bermitteln. Der ehemalige Hohe Lord hat es entdeckt, indem er einen alten Blutring untersucht hat. Ich habe diesen Ring ebenfalls gesehen und untersucht, und ich muss sagen, ich bin froh, dass ich das R�tsel nicht selbst l�sen musste. Zuerst schmelzt Ihr etwas Glas und lasst es sich in der Luft drehen, damit es rund bleibt.�</p><p>Sie beschloss, Anyis Frage aufzuschieben, und befolgte seine Anweisungen. Als sie beide sich drehende Kugeln aus geschmolzenem Glas in der Luft hielten, wies er sie an, seine Hand zu nehmen und sich auf seine Gedanken zu konzentrieren. Sie beobachtete, wie er seine Magie formte und dem Glas seinen Willen aufdr�ckte; irgendwie ver�nderte er die Struktur des Glases, dann lie� er es sich abk�hlen. Anschlie�end beobachtete er ihren Versuch, das Gleiche mit ihrem Glas zu tun.</p><p>Sie wiederholten dies einige Male, schmolzen und formten das Glas, bis er das Gef�hl hatte, dass sie es hinreichend beherrschte, um zu versuchen, dem Glas Blut hinzuzuf�gen. Zu ihrer �berraschung bewirkte dies nicht mehr, als dem Glas eine bestimmte Identit�t zu verleihen.</p><p>�Der Blutstein funktioniert nur, wenn jemand ihn ber�hrt�, erkl�rte er ihr. �Versteht Ihr den Unterschied in seiner Funktion in Bezug auf den Sch�pfer des Steins und auf denjenigen, der den Ring ber�hrt?�</p><p>�Der Sch�pfer des Ringes kann sehen, was der Tr�ger sieht, selbst wenn dieser es nicht will. Der Tr�ger kann nicht sehen, was der Sch�pfer des Ringes sieht, aber er kann Gedankenrede empfangen, ohne dass irgendjemand sonst die Gedanken h�ren kann.�</p><p>�Ja, aber der Edelstein �bermittelt nicht nur, was der Tr�ger sieht, sondern auch, was er denkt und f�hlt. Es sei denn, der Tr�ger hat einen Stein, der das verhindert.�</p><p>Sie blinzelte �berrascht. Das war neu. �Was sind das f�r Steine?�</p><p>�Etwas, das die Verr�ter machen. Etwas, das wir vielleicht bald haben werden. Anstelle von Glas bestehen diese Steine aus Kristallen, die w�hrend des Wachstums dazu ausgebildet werden, eine magische Aufgabe zu erf�llen. Ein Blockadestein verhindert, dass man die Gedanken des Tr�gers lesen kann, und erlaubt ihm, die Gedanken zu projizieren, die er einem Gedankenleser zeigen will.�</p><p>Ein kalter Schauer �berlief Lilia. �Nakis Ring.�</p><p>Er wirkte �berrascht, dann trat ein entschuldigender Ausdruck in seine Z�ge. �Es tut mir leid. Ich habe vergessen, dass Ihr bereits mit einem Blockadestein zu tun hattet.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Macht Euch deswegen keine Gedanken. Was k�nnen diese Steine sonst noch tun?�</p><p>�Alles, was ein Magier tun kann.�</p><p>�Sogar ein Schwarzmagier.�</p><p>�Insofern, als sie Macht in sich hineinziehen und speichern k�nnen? Ja � aber das m�sst Ihr f�r den Moment noch f�r Euch behalten.�</p><p>Lilia stie� einen leisen Pfiff aus. �Sagt mir, dass wir uns mit diesen Verr�tern anfreunden. Sie klingen nicht nach Leuten, die wir jemals zu Feinden haben sollten.�</p><p>Kallen runzelte die Stirn. �Wir arbeiten darauf hin und hoffen, die Kenntnisse der Herstellung von Steinen gegen etwas anderes eintauschen zu k�nnen.� Er machte eine wegwerfende Handbewegung. �Ich werde Euch ein andermal mehr dar�ber erz�hlen. Wichtig ist, dass die Herstellung von Steinen schwarze Magie erfordert.�</p><p>Prickelnde Erregung durchlief sie. �Ich werde lernen, diese Steine zu machen?� Das w�rde bedeuten, dass sie einer der ersten Gildemagier sein w�rde, die in der Lage w�ren, diese neue Magie zu benutzen.</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Werde ich nach Sachaka reisen m�ssen?�</p><p>�Nein.� Aber die Art, wie er innehielt, und sein nachdenklicher Blick weckten in ihr die Vermutung, dass diese Antwort nicht die ganze Wahrheit war. Er sch�ttelte den Kopf. �Nun, das ist f�r heute Morgen alles. Habt Ihr irgendwelche Fragen?�</p><p>Ihr Herz setzte einen Schlag aus, als sie sich an Anyis Frage erinnerte. �Ja. W�rde die Gilde Cery und seinen beiden Leibw�chtern erlauben hierzubleiben?�</p><p>Kallen zog die Augenbrauen herunter. �Ist seine Situation schlimmer geworden?�, fragte er.</p><p>�M�glicherweise. D�rfen sie bleiben?�</p><p>�Ich werde die Zustimmung der H�heren Magier einholen m�ssen, aber es ist wahrscheinlich, dass sie sie gew�hren werden. Wann w�rde er hierherkommen?�</p><p>�Bald.� Dann begriff sie, dass das alles bedeuten konnte, und dr�ckte sich genauer aus. �In einigen Tagen.�</p><p>Er nickte. �Ich werde es Euch wissen lassen, sobald ich kann.� Er l�chelte d�nn. �Wir haben es geschafft, einige Samen von einem Parf�mhersteller zu bekommen, was wir Euch verdanken. Die Pflanzen sind noch nicht gro� genug, um zu best�tigen, dass es sich um Feuel handelt, aber es wird nicht lange dauern. Wenn Cery bereit ist, uns zu helfen, Skellin zu fangen, werden wir das vielleicht bald tun k�nnen.�</p><p>Sie nickte. Da war wieder dieses �bald�.</p><p>�Er wird �beraus bereitwillig sein�, erwiderte sie. �Da bin ich mir sicher.�</p><p>Als Anyi und Lilia in die Dunkelheit verschwanden, um in die Magierquartiere und zu Soneas R�umen zur�ckzukehren, sah Gol Cery an und zog die Augenbrauen hoch.</p><p>�Ja�, antwortete Cery mit bewusst leiser Stimme. �Erz�hl mir, was du herausgefunden hast.�</p><p>Gol beugte sich vor. �Alles hat sich ge�ndert. Der Rest der Diebe � nun, sie nennen sich nicht l�nger so. Sie nennen sich �Prinzen�. Skellin nennen sie �K�nig�.�</p><p>�Nat�rlich.� Cery verdrehte die Augen. �K�nig der Unterwelt. Was denken die Leute auf der Stra�e?�</p><p>�Dass sie alle gr��enwahnsinnig geworden sind. Aber niemand spricht es laut aus. Die Menschen haben Angst. Sie wissen, dass Skellin ein wilder Magier ist und seine Mutter die J�gerin der Diebe. Beide haben Menschen, die nicht tun wollten, was sie befohlen haben, �ble Dinge angetan.� Gol verzog das Gesicht. �Die gute Sache ist, dass ihn jetzt alle hassen.�</p><p>�Was denken sie von mir?�</p><p>Gol zuckte die Achseln. �Sie denken, du seist tot.�</p><p>�Und wenn sie w�ssten, dass ich mich verstecke?�</p><p>�Ich habe es angedeutet, und einige Leute meinten, sie hofften, dass es so sei. Sie hoffen, dass du eine M�glichkeit findest, Skellin loszuwerden.�</p><p>�Niemand hat gedacht, dass ich meine Arbeiter im Stich gelassen habe?�</p><p>�Niemand hat es mir gegen�ber ausgesprochen. Die interessante Sache ist die: In einem Bolhaus haben die Leute, mit denen ich geredet habe, dar�ber gestritten, ob du dich bei der Gilde versteckst oder nicht. Derjenige, der es bezweifelte, meinte, es k�nnte nicht so sein, weil die Gilde mit Skellin zusammenarbeite.�</p><p>Cery runzelte die Stirn. �Das k�nnte blo� ein Ger�cht sein.�</p><p>�Eins, das helfen w�rde, daf�r zu sorgen, dass die Menschen sich weiter vor Skellin f�rchten.�</p><p>�Wenn sie w�ssten, dass es nicht wahr ist, w�rden sie sich nicht zu sehr f�rchten.�</p><p>Gol sch�ttelte den Kopf. �Sie h�tten immer noch zu gro�e Angst, um etwas zu unternehmen.�</p><p>�Was ist mit dem Lieferanten?�</p><p>�Saski ist immer noch da. Bietet nach wie vor sein Minenfeuer feil. Er hat versucht, ein neues Werkzeug zu verkaufen, mit dem das Feuer benutzt werden kann. Eine Art Blasrohr, vor dem die Leute mich gewarnt haben. Es explodiert ebenso oft, wie es funktioniert. Sein beliebtestes Produkt sind kleine P�ckchen, die die Leute ins Feuer werfen, um einen Knall und einen Blitz zu erzeugen. Die Leute haben die Knaller gemocht, aber sie sehen nicht viele andere Verwendungszwecke f�r das Minenfeuer, solange Magier dieselben Effekte hervorrufen k�nnen.�</p><p>�Sie sehen nicht, dass es gew�hnlichen Menschen erlauben w�rde, Dinge zu tun, die Magier tun k�nnen?�</p><p>�Nicht die Art von Dingen, die sie tun wollen, wie heilen oder schweben oder Dinge aus der Ferne bewegen. Wer muss schon hier in der Stadt Dinge explodieren lassen? Und Saski hat mit all seinen Warnungen, wie gef�hrlich und unberechenbar es ist, die Kunden verschreckt. Magie klingt erheblich sicherer.�</p><p>Cery nickte. �Allerdings. Es ist nicht nur so, dass Minenfeuer explodieren k�nnte, wenn wir es nicht wollen, sondern dass es vielleicht <emphasis>nicht</emphasis> explodiert, wenn es notwendig ist. Bist du dir sicher, dass diese Falle funktionieren wird?�</p><p>�Gr��tenteils. Als ich mich seinerzeit mit Saski angefreundet habe, hat er oft beschrieben, dass Minenfeuer hoch oben im Norden in den Minen benutzt wurde. Wir werden die gleiche Methode anwenden.�</p><p>�Wie werden wir es kaufen? K�nnten wir ein Stra�enkind dazu bringen, diese Knaller f�r uns zu beschaffen?�</p><p>Gol nickte. �Das w�re klug. Saski scheint mir nicht der Typ zu sein, der davonl�uft und uns an Skellin verkauft, aber wer wei�? Es w�re eine Versuchung. Er kann nicht viel Geld verdienen.�</p><p>�Aber Skellin muss herausfinden, wo wir sind.�</p><p>�Nicht �ber Saski. Dann w�rde Skellin wissen, dass wir Minenfeuer gekauft haben, und er w�rde sich fragen, was wir hier unten treiben. Er m�sste nicht lange nachdenken, um dahinterzukommen, dass wir ihm eine Falle stellen.�</p><p>�Stimmt.� Cery schaute sich im Raum um. �Nun, du wirst die Dinge hier einrichten m�ssen, ohne dass Anyi Verdacht sch�pft, dass etwas Merkw�rdiges vor sich geht.�</p><p>�Sobald ich die Rohre erst in den Mauern habe, werden sie nicht mehr allzu auff�llig sein, vor allem, wenn wir sie durch die L�cher und Hohlr�ume im M�rtel f�hren.�</p><p>�Aber du wirst es tun m�ssen, w�hrend sie nicht hier ist.�</p><p>�Du willst nicht warten, bis sie sicher sind, dass es sich bei den Pflanzen um Feuel handelt? Sobald wir die Falle gestellt haben, besteht immer die Gefahr, dass sie losgeht, bevor wir so weit sind.�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Nicht nach dem, was Lilia dar�ber gesagt hat, dass die H�heren Magier bereit seien, uns in der Zwischenzeit in der Gilde leben zu lassen. Anyi war zu versessen darauf, es zu tun. Zu bereitwillig, mit mir dar�ber zu streiten.� Er sch�ttelte erneut den Kopf. �Irgendetwas sagt mir, dass sie langsam die Geduld verliert. Oder dass sie etwas wei�, das wir nicht wissen.�</p><p>�Wie zum Beispiel, ob die Pflanzen Feuel sind?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>Gol zuckte die Achseln. �Aber sie hat recht. Wir brauchen nicht das Risiko einzugehen, Lilia in Schwierigkeiten zu bringen, weil sie uns hier versteckt.�</p><p>�Aber wenn die Ger�chte, die du geh�rt hast, zutreffend sind und jemand in der Gilde mit Skellin zusammenarbeitet, k�nnten wir auf diese Weise direkt in seine Arme rennen. Der Betreffende wird sicherstellen, dass die Gilde nicht mit uns zusammenarbeitet, um Skellin zu fangen, oder er wird sicherstellen, dass etwas schiefgeht und wir get�tet werden. Anderenfalls k�nnten wir sein schmutziges kleines Geheimnis enth�llen.�</p><p>Gol schaute zur Decke empor. �Nun, wenn Anyi recht hat und wir uns unter den G�rten zwischen der Universit�t und den Magierquartieren befinden, wird unsere Falle Skellin der Gilde definitiv offenbaren.�</p><p>Cery l�chelte. �Ja. Aber lass uns daf�r sorgen, dass sie uns dabei nicht alle umbringt.�</p></section><section><title><p>20</p><p>Erste Feindber�hrung</p></title><p>Von hoch oben �berflutete die Sonne das �dland mit Hitze und Helligkeit, die von der ausged�rrten Erde mit gleicher Heftigkeit wieder zur�ckgeworfen wurden. Im Zangengriff von Himmel und Erde trottete Lorkin zusammen mit den Verr�terinnen durch die W�ste und versuchte, sich nicht vorzustellen, einem Ashaki in der Schlacht gegen�berzustehen.</p><p>Stattdessen dachte er an den Edelstein in seiner Tasche. Er hatte in der vergangenen Nacht, nachdem alle schliefen oder auf Wachposten waren, versucht festzustellen, ob er andere Steine sp�ren konnte, die in der N�he vergraben waren, aber seine gedankliche Suche hatte nichts zutage gef�rdert. Doch das war kein Beweis daf�r, dass seine Mutter sich irrte. Sie hatte gesagt, er w�rde sie nur finden, weil er schwarze Magie besitze, und seine Methode des Suchens hatte nichts Schwarzmagisches gehabt.</p><p><emphasis>Ich h�tte sie bitten sollen, es zu erkl�ren.</emphasis> Aber er hatte nur einen letzten Augenblick mit ihr gehabt, am Morgen des vergangenen Tages, und er hatte die Gelegenheit genutzt, um sie nach einem anderen magischen R�tsel zu fragen. Ihr Blick war sch�rfer geworden, als er sich erkundigt hatte, ob sie von Magiern geh�rt habe, die in der Lage waren, spontane Gedanken anderer zu lesen, ohne sie dabei zu ber�hren.</p><p>�Dein Vater konnte es angeblich�, hatte sie ihm erz�hlt. �Ich habe immer vermutet, dass er dem Ger�cht Nahrung gegeben hat, um die Angst oder die Ehrfurcht am Leben zu erhalten, mit der die Menschen ihn betrachteten � und wenn es zu Fragen nach anderen F�higkeiten kam, die er nicht besitzen sollte, konnte er auf dieses Ger�cht als ein Beispiel daf�r hinweisen, wie t�richt die Dinge waren, die wir Menschen von ihm glaubten.�</p><p>�Es war vielleicht keine L�ge�, hatte Lorkin erwidert.</p><p>Ihre �berraschung hatte sich wie immer in nachdenkliche Berechnung verwandelt. Was sie als N�chstes gesagt hatte, hatte er nicht erwartet. �Besser, du beh�ltst das f�r dich�, hatte sie ihm geraten. �Es wird nur dazu f�hren, dass sich selbst jene, die dir am n�chsten stehen, in deiner N�he unbehaglich f�hlen. Sei vorsichtig, dass du nicht mehr �ber andere erf�hrst, als du wirklich wissen willst.�</p><p><emphasis>Sie hat nicht unrecht. </emphasis>Er konnte sich viele Situationen vorstellen, in denen es vielleicht peinlich sein w�rde, spontan die Gedanken eines anderen zu empfangen. Gl�cklicherweise konnte er lediglich die klarsten Gedanken wahrnehmen, und das nur, wenn er sich mit Macht konzentrierte.</p><p>�Lorkin.�</p><p>Tyvara war zu ihm zur�ckgekommen. Savara hatte sie zu sich gerufen, und die beiden Frauen hatten eine ganze Weile geplaudert.</p><p>�Ja?�</p><p>Sie l�chelte. �Erz�hl mir mehr �ber Lord Regin. Ist er besonders wichtig f�r die Gilde? Was denkst du, warum er zusammen mit deiner Mutter hierhergekommen ist?�</p><p>Lorkin runzelte die Stirn. �Er ist nicht wichtig. Nun, er stammt aus einem wichtigen Haus, aber er hat keine Position innerhalb der Gilde.�</p><p>�Also ist er nur eine Quelle der Magie f�r deine Mutter?�</p><p>Er versuchte, sich das vorzustellen, und scheiterte letztlich. Aber er hatte sich ausgemalt, dass Regin sich wie ein sachakanischer Quellsklave benahm, obwohl der Mann das nicht zu tun brauchte. <emphasis>Er muss nur Macht aussenden, und Mutter wird sie nehmen und lagern. </emphasis>Die beiden w�rden sich nat�rlich ber�hren m�ssen, aber sie brauchten nicht mehr zu tun, als sich an den H�nden zu halten.</p><p>�Vielleicht�, erwiderte Lorkin. �Nun � wahrscheinlich.�</p><p>�Also, in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Sind sie Freunde? Ein Liebespaar?�</p><p>�Nein. Tats�chlich haben er und meine Mutter sich als Novizen gehasst. Er hat sie schikaniert, bis sie ihn zu einem Duell herausgefordert hat. Sie hat ihn vernichtend geschlagen, und danach hat er sie in Ruhe gelassen.�</p><p>�Ein Duell?� Tyvara zog die Augenbrauen hoch, und ihr L�cheln wurde breiter. �Interessante Sitte.�</p><p>Lorkin sah sie mit schmalen Augen an. �Verspottest du die Gebr�uche meines Volkes?�</p><p>�Ganz und gar nicht.� Sie versuchte, ernst zu wirken.</p><p>�Tust du doch�, beschuldigte er sie. Dann grinste er. �Es ist eine t�richte Sitte. Soweit ich wei�, hatte zuvor schon Jahre niemand mehr einen Gegner zu einem Duell gefordert, und niemand hat es seither getan.�</p><p>�Dann muss es f�r sie das letzte Mittel gewesen sein.� Tyvara blickte nachdenklich drein. �Also sind sie nach ihrer gro�en Konfrontation gute Freunde geworden, wie das so oft passiert?�</p><p>�Nein. Mutter hat ihm nicht verziehen.� Obwohl Lorkin sich nicht daran erinnern konnte, dass sie es ausgesprochen hatte. Wenn �berhaupt, hatte sie immer darauf hingewiesen, wie mutig Regin w�hrend der Invasion gewesen war. Widerstrebend.</p><p>Tyvara erwiderte nichts darauf, und er drehte sich um und sah, dass sie die Stirn runzelte.</p><p>�Warum fragst du?�</p><p>Sie blickte auf. �Nun � Savara und ich haben beide gedacht, dass es merkw�rdig ist, dass die Gilde zwei Menschen auf eine derartige Mission schickt, die einander auf solch offensichtliche Weise sch�tzen. Wenn sie gefangen werden, k�nnte man den einen mit dem anderen erpressen.�</p><p>�Meine Mutter und Regin?� Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Unm�glich. Du bist auf der falschen F�hrte.�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Vielleicht hast du recht. Oder vielleicht hat die scheinbare Unm�glichkeit des Ganzen dazu gef�hrt, dass die Gilde nicht begriffen hat, was f�r eine schlechte Wahl Regin ist. Vielleicht begreifen Sonea und Regin es auch selbst nicht.�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf und seufzte.</p><p>�Was?�</p><p>�Die m�chtigsten Frauen in Sachaka, und was tun sie? Verschwenden ihre Zeit mit Tratsch und Kuppelei. Au!� Er rieb sich den Arm, wo sie ihn geschlagen hatte.</p><p>�M�nner tratschen noch viel mehr�, erkl�rte sie. �Und es ist keine Zeitverschwendung, wenn es politische und kriegerische Konsequenzen hat.�</p><p>�Hat es die?�</p><p>�Es wird sie haben.� Sie hob den Kopf und kniff die Augen zusammen. �Ah.�</p><p>Er drehte sich um und schaute nach vorn. Sie hatten jetzt hinter Savara und den anderen Verr�terinnen den Grat einer D�ne erreicht. Vor ihnen lagen eine flache Ebene, die mit sp�rlicher Vegetation bedeckt war, und einen Marsch von einigen Stunden entfernt ein paar Geb�ude.</p><p>�Du kannst immer noch deine Meinung �ndern�, sagte sie zu ihm. �Niemand wird dich daran hindern, wenn du nach Kyralia zur�ckkehren willst. Auf dem Pass sind keine Ichani, die du f�rchten m�sstest.�</p><p><emphasis>Bin ich wirklich mutig genug � t�richt genug �, mich einem Volk anzuschlie�en, mit dem ich keine Blutsbande habe? Wage ich es, Krieg gegen die legend�ren Schwarzmagier zu f�hren, die mein Volk seit Jahrhunderten f�rchtet?</emphasis></p><p>Er sah Tyvara an und l�chelte. �Wo du hingehst, gehe ich auch hin.�</p><p>Sie betrachtete ihn und sch�ttelte den Kopf. �Wann immer ich mich bei dem Gedanken ertappe, dass ich jemanden wie dich gar nicht verdiene, Lorkin, rufe ich mir ins Ged�chtnis, dass du, wenn du bereit bist, mit mir zu kommen, vielleicht ein klein wenig verr�ckt bist.�</p><p>�Du denkst, meine Mutter und Lord Regin seien ineinander verliebt. Es ist nicht <emphasis>meine</emphasis> Vernunft, die hier in Frage steht.�</p><p>Sie grinste und wandte den Blick ab. �Wir werden sehen.�</p><p>W�hrend sie schweigend ihren Weg fortsetzten, gingen ihm ihre Worte noch einmal durch den Sinn � und sein L�cheln verblasste. W�rde sie ihn auch f�r so gut halten, wenn sie w�sste, was er mit dem Sklavenm�dchen gemacht hatte? Er hatte es ihr noch nicht erz�hlt. Bisher hatte es keinen Grund daf�r gegeben. <emphasis>Nein, das ist nicht ganz wahr. Es hat durchaus Gelegenheiten gegeben. Ich habe jedes Mal gedacht, dass es den Augenblick verderben oder die Stimmung tr�ben w�rde. Aber ich sollte es nicht l�nger hinausschieben. Die Verr�terinnen werden vielleicht wissen m�ssen, was mit dem M�dchen passiert ist. </emphasis>Falls <emphasis>sie eine Verr�terin war.</emphasis></p><p>Aber was, wenn sie keine war? Er hatte Angst zu entdecken, dass das M�dchen nicht gewusst hatte, dass das Wasser vergiftet war. Es war viel einfacher, mit seiner Entscheidung zu leben, wenn er glauben konnte, dass sie absichtlich den Tod gew�hlt hatte.</p><p><emphasis>Falls es sich so anf�hlt, jemanden get�tet zu haben, der es so wollte, wie wird es sich erst anf�hlen, wenn der Krieg beginnt und ich Menschen t�te, die es </emphasis>nicht<emphasis> wollen?</emphasis> Vielleicht w�rde es nicht so schwierig sein, wenn er daran dachte, dass sie andere Menschen versklavt, gefoltert und get�tet hatten.</p><p>Er betrachtete die Verr�ter. Ihre Mienen waren grimmig und entschlossen. Die Gespr�che waren bis auf ein leises Murmeln hier und da verstummt. Inzwischen hatten sie die Ebene erreicht und gingen auf die Geb�ude in der Ferne zu. Die ersten Menschen, auf die sie trafen, waren zwei Sklaven, die eine kleine Reber-Herde bewachten. Beides Jungen, die herbeigeeilt kamen, um sich vor Savara auf den Boden zu werfen. Sie lie� sie aufstehen und sagte ihnen, dass sie sich nie wieder vor einem anderen Mann oder einer anderen Frau niederwerfen sollten.</p><p>�Ist es Zeit?�, fragte einer von ihnen und sah eifrig zu ihr auf.</p><p>�Ja�, antwortete sie, dann deutete sie mit dem Kopf auf die Geb�ude. �Ihr wisst, was zu tun ist?�</p><p>�Wir sollen au�er Reichweite bleiben�, erwiderte er. �Uns von der Stadt entfernen. Aber viel weiter als hierher kommen wir nicht.�</p><p>�Nein. Haltet euch einfach von dem Haus fern, bis wir fertig sind.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Wenn ich zur�ckgehe, kann ich den anderen sagen, dass sie das Haus verlassen sollen.�</p><p>�Das w�re sehr mutig. Du darfst aber nicht zulassen, dass die Ashaki Verdacht sch�pfen, dass wir auf dem Weg sind.�</p><p>�Das werden wir nicht. Wir haben das alle seit Jahren geplant.�</p><p>�Dann geh.�</p><p>W�hrend der Junge zu den Geb�uden hin�berlief, richtete Savara sich auf und gab den Verr�tern ein Zeichen. Sie gingen weiter und beschleunigten ihre Schritte. Ein Prickeln der Erregung und der Furcht �berlief Lorkin. Einige dieser �u�eren Anwesen wurden von Sklavenmeistern geleitet, die das Vertrauen ihrer Herren genossen, daher w�rden sie vielleicht gar keinem Ashaki begegnen. Oder die Ashaki konnten au�er Haus sein, um Besuche zu machen oder Gesch�ften nachzugehen. Aber der Junge h�tte es Savara gesagt, wenn es so gewesen w�re.</p><p><emphasis>Es besteht nur eine geringe Chance, dass wir nicht auf dem Weg zu unserem ersten Kampf sind.</emphasis></p><p>Allzu bald waren sie nur noch wenige hundert Schritt von den Geb�uden entfernt; dann traten sie durch ein Tor in der niedrigen Mauer, die sie umgab. W�hrend die Verr�ter sich verteilten, in Zweier- und Dreiergruppen, um sich den Geb�uden von verschiedenen Seiten zu n�hern, tauchten Sklaven auf. Sie beeilten sich, einige rannten, vorbei an den Eindringlingen und der niedrigen Mauer und hinaus auf die Ebene, wo sie sich in alle Richtungen zerstreuten.</p><p><emphasis>Sie verteilen sich; auf diese Weise m�ssen die Ashaki, wenn sie Magie benutzen, um sie zur�ckzuholen, mehr Magie einsetzen und mehr Zeit opfern, um sie alle einzusammeln. Einige k�nnten trotzdem entkommen.</emphasis></p><p>Tyvara nahm Lorkin an der Hand und zog ihn zu einem Geb�ude hin�ber, das nach einem Stall aussah.</p><p>�Bleib bei mir.� Sie zupfte an ihrer Weste. �Ich habe jede Menge Steine bei mir, aber wir sollen es vermeiden, sie zu benutzen, bis die gro�e Schlacht beginnt. Unsere eigene Macht kann ersetzt werden, aber die meisten Steine sind nur zur einmaligen Benutzung geschaffen.� Sie sah ihn an. �Ich werde daf�r sorgen, dass du f�r die Entscheidungsschlacht deine eigenen Steine bekommst.�</p><p>Sobald sie im Stall waren, sah er, dass die Boxen mit B�nken m�bliert waren, auf denen Decken lagen. Mit Erschrecken begriff er, dass dies der Ort war, wo die Sklaven lebten. Mehrere versteckten sich jetzt dort, und sie wirkten verwirrt. Tyvara schickte sie hinaus und sagte ihnen, dass sie weglaufen und in einigen Stunden zur�ckkommen sollten. Eine hochschwangere Frau wich in ihre Box zur�ck und sch�ttelte den Kopf. �Komm�, sagte Tyvara, streckte die Hand aus und l�chelte. �Wir werden dich besch�tzen. Es wird nicht lange dauern.�</p><p>�Was geht hier vor?�, erklang eine Stimme.</p><p>Als sie sich umdrehten, sahen sie einen Sklaven aus einem anderen Geb�ude treten; er hatte ein rotes Tuch um die Stirn gebunden. Nach dem Rauch zu schlie�en, der aus einem Schornstein aufstieg, befanden sich in diesem Bau die K�che und vielleicht noch weitere Wohnr�ume. Lorkin krampfte sich der Magen zusammen, als er sah, dass der Mann eine kurze Peitsche in der Hand hielt.</p><p>Von irgendwo hinter dem Geb�ude, aus dem der Mann gekommen war, ert�nte ein Knall. Sie alle zuckten zusammen und schauten auf; Bruchst�cke von etwas, das vielleicht Dachziegel waren, flogen durch die Luft.</p><p>Der Mann drehte sich wieder um und starrte Lorkin und Tyvara an. Seine Augen weiteten sich. �Ist es Zeit?�, fragte er.</p><p>�Ja�, antwortete Tyvara.</p><p>Er grinste und warf die Peitsche auf einen Haufen Feuerholz. �Endlich.� Dann wandte er sich von ihnen ab und ging von den Geb�uden weg.</p><p>Lorkin betrachtete Savara in der Erwartung, dass sie ihn aufhalten w�rde, aber sie l�chelte nur.</p><p>�Wo immer wir das konnten, haben wir die Sklavenmeister wissen lassen, dass wir, wenn sie nicht unn�tig grausam waren, erw�gen w�rden, ihnen einige der G�ter ihrer Ashaki zu geben, wenn wir die Macht �bernehmen.�</p><p>Weitere Sklaven huschten aus den Geb�uden, und einige wirkten ver�ngstigt. Tyvara drehte sich noch einmal nach der schwangeren Frau um, dann wandte sie sich wieder an Lorkin. �Wir werden hierbleiben und Wache halten f�r den Fall, dass der Ashaki ihnen folgt.�</p><p>Lorkin tat wie gehei�en, aber die n�chste Person, die herauskam, war eine Verr�terin, Adiya. Die Frau sah sich um, bemerkte Lorkin und Tyvara und eilte auf sie zu.</p><p>�Es ist vollbracht�, sagte sie.</p><p>Tyvara nickte und schaute �ber ihre Schulter zu der schwangeren Sklavin hin�ber. �Du bist jetzt frei. Unsere Arbeit hier ist getan. Schon bald werden die anderen zur�ckkommen und sich dir anschlie�en. Sie werden dich besch�tzen.�</p><p>Die Frau starrte sie an und sagte nichts, aber sie wirkte jetzt etwas weniger ver�ngstigt. Tyvara ging auf das Herrenhaus zu, aus dem Adiya gekommen war. Lorkin folgte ihr hinein und durch die �bliche Folge von Fluren bis in einen Raum, der fr�her das Herrenzimmer gewesen sein musste. Das Dach war weggesprengt, und die Mauern neigten sich nach au�en oder lagen in Tr�mmern.</p><p>Ein Sachakaner mittleren Alters lag in sich zusammengesunken auf dem Boden, und Blut sickerte aus einer flachen Schnittwunde an seinem Arm.</p><p><emphasis>Tot? Ja.</emphasis> Lorkin betrachtete die Leiche und dachte an den Ashaki, bei dem er und Dannyl gewohnt hatten, als sie nach Sachaka gekommen waren. Der Mann war freundlich und gro�z�gig gewesen. Vielleicht war auch dies ein guter Mann gewesen. Vielleicht hatte er die Sklaven nur deshalb gehalten, weil m�chtige Sachakaner wie er das schon immer getan hatten. Vielleicht h�tte er sich ergeben, wenn man ihm die Chance gelassen h�tte. Gewiss verdiente er es nicht, so zu sterben?</p><p>Es lie� sich unm�glich sagen. Die Verr�ter konnten nicht alle Ashaki einkerkern und vor Gericht stellen, um zu entscheiden, ob der Tod eine angemessene Strafe war. Ihre Einkerkerung h�tte die Verr�ter viel Zeit und Energie gekostet.</p><p><emphasis>Die Verr�ter f�hren Krieg gegen eine Lebensart, nicht gegen einzelne Personen, aber alle Personen werden den Preis bezahlen. </emphasis>Er hatte jedoch den Verdacht, dass viele der Ashaki sich weigern w�rden, ihren Lebensstil zu �ndern, selbst wenn man ihnen eine Wahl lie�e.</p><p>Er blickte sich um und sah, dass Tyvara durch den Raum zu einer der eingest�rzten W�nde gegangen war. Er folgte ihr, und sie halfen einander �ber einen Haufen Schutt in einen Innenhof. Dort stand eine kostbar gewandete Frau und funkelte Savara an. Ihr Gesicht war tr�nen�berstr�mt.</p><p>�Die Ehefrau des Ashaki�, murmelte Tyvara. �Wir hoffen, dass es nicht notwendig sein wird, die Frauen und Kinder zu t�ten.�</p><p>�Sie werden dir nicht gehorchen�, sagte die K�nigin zu der Frau. �Du solltest dich besser daran gew�hnen. Meine Leute werden tun, was sie k�nnen, um dich zu sch�tzen, aber sie werden dich nicht Tag und Nacht bewachen. Der Rest liegt bei dir.�</p><p>Zwei Verr�terinnen standen hinter der K�nigin. Als Savara sich abwandte, traten sie neben sie. Tyvara und Lorkin gesellten sich ebenfalls zu ihr.</p><p>�Wir sind hier fertig�, erkl�rte die K�nigin. �Zeit, alle zusammenzutrommeln und weiterzuziehen.� Sie schaute �ber ihre Schulter zu dem zerst�rten Geb�ude hin�ber, und ihre Miene war grimmig. �Es w�re zu viel gehofft, dass alle G�ter uns so wenige Probleme bereiten werden.�</p><p>Weitere Verr�ter trafen ein. Als das letzte Paar erschien, eilte eine der Frauen auf die K�nigin zu.</p><p>�Ich habe gerade geh�rt, dass Chivas Gruppe gegen vier Ashaki k�mpfen musste � einen Vater und seine drei S�hne. Vinyi wurde get�tet.�</p><p>Savara hielt inne, um die Frau entsetzt anzusehen. �Bereits ein Verlust.� Sie seufzte und ging zu den Haupttoren des Innenhofs hin�ber. Als sie sie erreichte, blieb sie abrupt stehen.</p><p>Eine Gruppe von ungef�hr zwanzig Sklaven � <emphasis>Exsklaven,</emphasis> korrigierte sich Lorkin � wartete drau�en. Als sie Savara bemerkten, eilten sie herbei und blieben einige Schritte entfernt stehen. Nach der ehrf�rchtigen Art, wie sie die K�nigin der Verr�terinnen ansahen, erwartete Lorkin, dass sie sich vor ihr zu Boden werfen w�rden. Keiner tat es, obwohl einige den Eindruck erweckten, als m�ssten sie sich gro�e M�he geben, der Gewohnheit zu widerstehen; sie beugten sich vor und richteten sich dann abrupt wieder auf.</p><p>Niemand sprach. Die vorn stehenden ehemaligen Sklaven schauten einander an, dann streckte ein Mann der K�nigin die Handgelenke hin.</p><p>�Wir m�chten Euch etwas geben � Wollt Ihr Macht von uns nehmen?�</p><p>Savara sog schnell die Luft ein. �Das ist noch nicht n�tig, aber ��</p><p>�Nehmt sie�, murmelte Tyvara. �Dann werden sie das Gef�hl haben, einen Anteil an dem Kampf f�r ihre Freiheit gehabt zu haben.�</p><p>Die K�nigin l�chelte. �Es w�re mir eine Ehre.� Sie blickte auf das Messer an ihrem G�rtel hinab. �Aber nicht damit. Dies ist f�r unsere Feinde bestimmt.�</p><p>Einer der ehemaligen Sklaven trat vor. �Dann benutzt dies hier.�</p><p>In der Hand hielt er ein kleines Messer, das offensichtlich f�r eine h�usliche Arbeit wie das Schneidern oder das Schnitzen von Holz bestimmt war. Savara nahm es und tastete die Klinge ab, um ihre Sch�rfe zu �berpr�fen. Dann nickte sie und gab es zur�ck. Der Mann wirkte verwirrt.</p><p>�Du musst den Schnitt machen�, sagte sie. �Ich werde nicht absichtlich meinem eigenen Volk schaden.�</p><p>Er strich mit der Klinge �ber seinen Daumen, dann hielt er ihr die Hand hin. Savara ber�hrte die Schnittwunde sachte, schloss die Augen und neigte den Kopf. Der Mann schloss ebenfalls die Augen.</p><p>Eine kurze Zeit verstrich. Als Savara die Hand zur�ckzog, schaute sie zu den �brigen ehemaligen Sklaven auf. �Wir k�nnen nicht lange bleiben. Ich kann nicht von euch allen Macht nehmen.�</p><p>�Dann werden wir sie Euren Kriegern geben�, erkl�rte der erste Sprecher. Die �brigen nickten und richteten ihre Aufmerksamkeit auf die anderen Verr�ter. Lorkin bemerkte, dass die Verr�terinnen ihre eigenen Messer verteilten, da die Sklaven nicht genug eigene hatten. Als eine Frau Lorkin die Handgelenke hinhielt, blinzelte er �berrascht.</p><p>��hm � Tyvara?�</p><p>Sie kicherte. �Du bist jetzt einer von uns�, sagte sie. �Besser, du gew�hnst dich daran.�</p><p>�Oh, das ist nicht das Problem.� Er legte die Hand an seinen G�rtel, an dem keine Scheide hing. �Ich habe kein Messer.�</p><p>Sie sah ihn an und l�chelte. �Dann sch�tze ich, dass wir dir besser bei der ersten Gelegenheit eins besorgen. F�r den Moment�, sie betrachtete den Mann, der mit ausgestreckter Hand vor ihr stand, �werden wir uns eins teilen m�ssen.�</p><p>Die Sonne schwebte �ber den Bergen, als Sonea und Regin sich dem ersten Landgut eines Ashaki n�herten. Goldfarbenes Licht verlieh den Mauern die Farbe von altem Pergament. Im Gegensatz dazu war das Loch im Dach omin�s schwarz.</p><p>Auf dem Gut wimmelte es von Menschen.</p><p>�Sklaven�, murmelte Regin. �Pl�nderer?�</p><p>Sonea sch�ttelte den Kopf. Sie konnte eine Reihe von M�nnern sehen, die Schutt aus dem Geb�ude schleppten. �Aufr�umarbeiten.�</p><p>Regin runzelte die Stirn. �Gewiss w�ren sie doch weggelaufen, als die Verr�ter angegriffen haben � und weggeblieben, jetzt, da sie frei sind?�</p><p>�Sie m�ssen irgendwo leben, und hier gibt es Proviant und ein Quartier. Ich frage mich: Wenn die Verr�ter siegen, werden sie die G�ter �bernehmen oder sie den Sklaven geben?�</p><p>�Hmm�, war Regins einzige Antwort. �Sie haben uns gesehen.�</p><p>Und tats�chlich, eine Gruppe von etwa einem Dutzend Sklaven war durch die Tore getreten und kam auf sie zu. Sonea malte sich aus, wie sie und Regin aussehen mussten. Ihre Roben kennzeichneten sie deutlich als kyralische Magier. Als Kyralier waren sie hier vielleicht nicht willkommen, aber sie bezweifelte, dass selbst j�ngst befreite Sklaven es wagen w�rden, sie anzugreifen.</p><p>�Was wollt Ihr tun?�, fragte Regin.</p><p>Sonea blieb stehen. �Uns mit ihnen bekannt machen. Es ist besser, jetzt zu erfahren, wie wir aufgenommen werden, als sp�ter, wenn wir weiter von der Grenze entfernt sein werden.�</p><p>Ungef�hr zwanzig Schritte entfernt kam die Gruppe zum Stehen.</p><p>�Wer seid Ihr? Warum seid Ihr hier?�, rief ein Mann.</p><p>�Ich bin Schwarzmagierin Sonea, und dies ist Lord Regin von der Magiergilde in Kyralia. Wir sind hier als Repr�sentanten der Verb�ndeten L�nder.�</p><p>�Wer hat Euch hierher eingeladen?�, fragte der Mann weiter.</p><p>�Wir haben uns vor zwei Tagen und drei N�chten mit K�nigin Savara getroffen.�</p><p>�Warum folgt Ihr ihr dann mit einem Abstand von einigen Tagen?�</p><p>�Um nicht in die K�mpfe verwickelt zu werden.�</p><p>Die Sklaven begannen dar�ber zu diskutieren. Osen hatte zugestimmt, dass Sonea und Regin den Verr�tern nach Arvice folgten; sie sollten einen sicheren Abstand zu den K�mpfen wahren, damit die Gilde die Fortschritte der Verr�ter beobachten konnte. Osen hatte vorgeschlagen, dass Sonea den Vorwand benutzen sollte, dass sie sich davon �berzeugte, ob der Weg f�r die Heiler der Gilde sicher war � aber nur wenn sie es tun musste. Je weniger Menschen von dem Handel wussten, umso geringer war die Chance, dass der sachakanische K�nig davon erfuhr. Wenn die Verr�ter besiegt wurden, aber genug von ihnen �berlebten und immer noch bereit waren, ihre Steine gegen Wissen zu tauschen, w�rde es leichter sein, die Heiler zu ihnen zu bringen, wenn der K�nig nichts davon wusste.</p><p>Der Sklave, der gesprochen hatte, trat vor, und die anderen eilten hinter ihm her. Regin straffte sich und verschr�nkte die Arme vor der Brust, aber der Mann ignorierte ihn. Der Sklave an der Spitze blieb einige Schritte vor Sonea stehen und sah sie eindringlich und mit schmalen Augen an.</p><p>�Wir werden �berpr�fen m�ssen, ob das die Wahrheit ist.�</p><p>Sie nickte. �Nat�rlich.� Innerlich fluchte sie. Wenn sie es tats�chlich schafften, sich mit Savara in Verbindung zu setzen, w�rde die K�nigin erfahren, dass Sonea und Regin ihr folgten. Sie w�rde vielleicht versuchen, sie aufzuhalten.</p><p>Der Mann richtete sich auf. �In der Zwischenzeit m�sst Ihr hierbleiben. Es wird bald Nacht sein, und wir Sachakaner sind stolz auf unsere Gastfreundschaft.�</p><p>Sie neigte den Kopf. �Es w�re uns eine Ehre. Bei wem werden wir unterkommen?�</p><p>Der Mann hielt inne und senkte den Blick; sein Selbstbewusstsein l�ste sich in Luft auf, als er pl�tzlich begriff, dass er sich unn�tig feindselig gezeigt hatte. �Ich bin Farchi�, sagte er. Dann drehte er sich um, um die anderen vorzustellen. Zu viele Namen, um sie sich zu merken, befand Sonea. Sie pr�gte sich die Namen der K�hnsten ein und den Namen der einzigen Frau in der Gruppe.</p><p>Mit einer anmutigen Bewegung lud Farchi sie und Regin ein, ihn zu dem Gut zu begleiten. W�hrend sie ihm folgten, �berlegte Sonea, dass sie geradeso gut herausfinden konnte, was hier geschehen war.</p><p>�Wenn es nicht unh�flich von mir ist zu fragen, r�hrt der Schaden hier von einem Angriff der Verr�terinnen?�</p><p>Farchi nickte. �Die K�nigin und ihre Krieger haben den Ashaki get�tet und seine Sklaven befreit.�</p><p>�Was werdet Ihr jetzt tun?�</p><p>�Versuchen, die Dinge allein in Gang zu halten, mithilfe der Verr�terinnen.�</p><p>�Also werden die Verr�terinnen dieses Gut nicht beschlagnahmen?�</p><p>�Einige G�ter werden sie sich nehmen. Die meisten werden an ehemalige Sklaven gehen. Einige werden aufgeteilt.�</p><p>�Und der Rest der ehemaligen Sklaven?�</p><p>�Sie werden f�r ihre Arbeit bezahlt werden. Und es wird ihnen freistehen zu leben, wo sie wollen, zu heiraten, wen sie wollen, und ihre Kinder zu behalten.�</p><p>Sie l�chelte. �Ich hoffe von ganzem Herzen, dass Ihr das schafft.�</p><p>Farchi reckte das Kinn und straffte sich. �Das werden wir. Die Verr�terinnen sind Sachakaner. Sie werden nicht aufgeben, wie die Gilde es getan hat.�</p><p>Sie musterte ihn eingehend. �Woher wei�t du, was die Gilde getan hat? Unsere Aufzeichnungen dokumentieren keine Entscheidung der Gilde oder Kyralias, den Versuch aufzugeben, die Sklaverei in Sachaka abzuschaffen.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Es ist das, was � alle sagen.�</p><p>�Die Leute sagen auch, dass die Gilde das �dland geschaffen habe, um Sachaka zu schw�chen, aber historische Unterlagen, die hier in Sachaka gefunden wurden, deuten darauf hin, dass es die Tat eines einzelnen Wahnsinnigen war und dass viele Gildemagier gestorben sind, als sie versuchten, ihn aufzuhalten.�</p><p><emphasis>Und wir wissen jetzt, dass die Verr�ter daf�r verantwortlich sind, dass das �dland sich niemals erholt hat.</emphasis> Sie widerstand der Versuchung, ihm das zu erz�hlen. Die Verr�ter waren schlie�lich die Retter der ehemaligen Sklaven. <emphasis>Aber eines Tages wird die Wahrheit herauskommen. Ich frage mich, was die ehemaligen Sklaven dann von den Verr�tern halten werden.</emphasis></p><p>�War dieser Wahnsinnige Kyralier oder Sachakaner?�</p><p>�Kyralier.�</p><p>�Also ist es trotzdem Eure Schuld.�</p><p>Sonea seufzte. �Ja, ob es vors�tzlich geschehen ist oder versehentlich, es ist trotzdem die Schuld eines Kyraliers. Geradeso wie es die Schuld aller Sachakaner ist, dass Ichani Kyralia angegriffen und viele Menschen meines Volkes ermordet haben.� Sie begegnete seinem Blick und hielt ihm stand, und er schaute hastig weg. �Wenn ich Euch nicht f�r die Verbrechen verantwortlich mache, die die Ichani vor zwanzig Jahren begangen haben, k�nnt Ihr dann versuchen, mir die Tat eines Wahnsinnigen vor sechshundert Jahren zu verzeihen?�</p><p>Farchi warf ihr einen langen, pr�fenden Blick zu, dann nickte er. �Das ist gerecht.�</p><p>Sie l�chelte und folgte ihm durch die Tore in eine Szenerie der Zerst�rung, der Hoffnung, der Trauer und neu gefundener Freiheit.</p><p>Als Cery neben Gol trat, atmete er tief saubere Waldluft ein.</p><p>�Riecht nach Fr�hling.�</p><p>�Ja�, stimmte Gol ihm zu. �Es ist jetzt nachts auch warm.�</p><p>�W�rmer�, korrigierte ihn Cery. �So dass einem die Augenlider nicht l�nger festfrieren.�</p><p>Gol lachte leise. �Wir werden um den Bauernhof herumgehen m�ssen, um zu dem Teil der Mauer zu kommen, der dem Treffpunkt am n�chsten liegt.�</p><p>�Dann geh voran.�</p><p>Da der gr��te Teil des Unterholzes in den n�chtlichen Schatten des Waldes verborgen lag, war es unm�glich, sich leise zu bewegen. Die unterirdischen G�nge waren selbst in vollkommener Dunkelheit leichter zu passieren. Als sie die Mauer erreichten, die das Gel�nde der Gilde von der Stadt trennte, war Cery sicher, dass sie mit all den zerbrochenen Zweigen, raschelnden Bl�ttern und unterdr�ckten Fl�chen irgendjemandes Aufmerksamkeit erregt haben mussten. Sie warteten eine Weile, um sicherzugehen, dass niemand kam, um nachzusehen, aber kein Magier, Diener oder Wachposten trat aus der Dunkelheit. Als sie beruhigt waren, erklommen sie mithilfe eines nahen Baums die Mauer. Von der Mauerkrone aus konnte Cery �ber das �stliche Ende des Nordviertels schauen. H�user waren dort direkt an die gro�e Mauer gebaut worden, ihre G�rten abgetrennt durch niedrigere Mauern, die jeweils ein Kamm aus M�rtel mit darin eingelassenen Glasscherben kr�nte, damit niemand sie ohne weiteres �bersteigen konnte. Das Haus unter ihnen hatte einen adretten kleinen Garten.</p><p>Gol schlang das Ende einer Strickleiter um den Ast, mit dessen Hilfe sie auf die Mauer geklettert waren, und verknotete es. Das Seil hatten sie zusammen mit anderen Dingen auf dem Bauernhof gestohlen, und Gol hatte kurze Zweige, die sie im Wald gefunden hatten, als Sprossen benutzt. Er kletterte als Erster in den Innenhof hinunter, und das Seil knarrte. Cery folgte ihm. Sie gingen um die Gartenbeete herum, hielten inne, um die Angeln des Seitentors zu �len, und schl�pften dann in die Schatten der dahinterliegenden Stra�e.</p><p>Es vermittelte ein Gef�hl von Freiheit, durch die Stra�en der Stadt zu gehen. W�hrend sie langsam das Viertel durchquerten, schwankte Cery zwischen Aufregung und Sorge angesichts des Risikos, das sie eingingen. Zumindest war Anyi sicher mit Lilia in der Gilde. Er hatte ihr nichts von seinen Pl�nen f�r den Abend erz�hlt, da er wusste, dass sie ihn entweder aufhalten oder darauf bestehen w�rde, mitzukommen. Selbst wenn er sie dazu �berredet h�tte, in der Gilde zu bleiben, h�tte sie wissen wollen, warum er in die Stadt ging, und ihm fiel kein hinreichend guter Grund ein.</p><p><emphasis>Abgesehen von der Wahrheit. Aber ich bezweifle, dass sie selbst diesen Grund als gut genug erachtet h�tte,</emphasis> dachte er. <emphasis>Sie will, dass ich in der Gilde bleibe und es den Magiern �berlasse, Skellin zu fangen.</emphasis> Sie vertraute der Gilde zu sehr. <emphasis>Und ich tue das nicht? </emphasis>Er sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Nicht, solange Sonea fort und Kallen f�r die Suche nach Skellin verantwortlich ist.</emphasis></p><p>Er hatte die Gilde jedoch nicht vollends aufgegeben. Sie w�rde nicht eher ruhen, bis sie den wilden Magier gefunden und unsch�dlich gemacht hatte. Aber sie w�rde daf�r l�nger brauchen, als er bereit war zu warten.</p><p><emphasis>Um sie zum Handeln zu zwingen, brauche ich Minenfeuer, um das zu kaufen, brauche ich Geld, und meine einzigen fl�ssigen Mittel, die Skellin noch nicht entdeckt hat, befinden sich im Besitz von Treuh�ndern.</emphasis></p><p>Treuh�ndern, die nicht glaubten, dass Cery noch lebte, und die sich geweigert hatten, Gol die Gelder zu �bergeben.</p><p>Das Risiko einer Falle war nat�rlich gro�. Er und Gol hatten vor, heute Nacht denjenigen Treuh�nder zu treffen, bei dem sie Verrat f�r am wenigsten wahrscheinlich hielten. Sein Name war Perin. Gol hatte drei verschiedene Stra�enkinder als F�hrer angeheuert, und jedes der Kinder sollte Perin auf einem umst�ndlichen Weg durch drei Viertel der Stadt bringen. Die letzten Anweisungen waren niedergeschrieben worden, so dass nicht einmal die Stra�enkinder sehen w�rden, wohin Perin ging. Der Treffpunkt war nicht mehr als hundert Schritte von der Mauer entfernt, so dass Cery und Gol, wenn sie fliehen mussten, eine gute Chance hatten, das Gel�nde der Gilde zu erreichen.</p><p>Als sie an eine Kreuzung kamen, blieben sie stehen und sahen sich um. Hier waren die Hauseing�nge leicht einsehbar und die Stra�enlaternen hell, daher w�rde ein Hinterhalt schwer zu bewerkstelligen sein. Ein Mann stand auf der gegen�berliegenden Seite und beobachtete sie. Obwohl Cery das Gesicht des Mannes nicht vollst�ndig sehen konnte, war das, was er erblickte, vertraut.</p><p>�Perin�, murmelte Gol.</p><p>Cery nickte. Er �berquerte die Stra�e und n�herte sich dem Mann. Perin musterte ihn eindringlich, und seine Augen weiteten sich, als er Cery erkannte.</p><p>�Nun, nun. Du lebst und atmest.�</p><p>�In der Tat�, erwiderte Cery und blieb einige Schritte entfernt stehen.</p><p>�Hier.� Perin hielt ihm ein eingewickeltes P�ckchen hin. �Schick einen Boten, wenn du den Rest willst.�</p><p>�Danke. Ich stehe in deiner Schuld.�</p><p>Der Treuh�nder verzog das Gesicht. �Nein, tust du nicht. Ich habe mein Honorar und die Befriedigung zu wissen, dass der Bastard, der sich selbst K�nig nennt, nicht alle erwischt hat.� Er streckte die Hand aus. Cery z�gerte, dann trat er n�her vor den Mann hin, so dass dieser kurz seinen Arm umfassen konnte, und er selbst tat das Gleiche. �Ich w�nsche dir Gl�ck und Gesundheit�, sagte Perin, w�hrend er den Blick �ber Cerys Gesicht wandern lie�. �Sieht so aus, als k�nntest du es gebrauchen.�</p><p>Dann trat der Mann zur�ck, l�chelte m�de und wandte sich um. Cery h�rte Gol hinter sich leise n�her kommen.</p><p><emphasis>Meinte er Gl�ck oder Gesundheit? Oder beides? Sehe ich so alt und m�de aus, wie ich mich in letzter Zeit f�hle?</emphasis></p><p>Er sp�rte eine Ber�hrung am Ellbogen. Kopfsch�ttelnd drehte er sich um und folgte Gol zur�ck zu dem Haus an der Mauer, durch das Tor und die Strickleiter hinauf. Es war schwerer hinaufzuklettern als hinunter, aber als sie durch den Wald gingen, hob sich seine Stimmung. Ihr Weg war das Risiko wert gewesen. Gol hatte Geld, um Minenfeuer zu kaufen. Sie waren ihrem Vorhaben, Skellin in die Falle zu locken, n�her gekommen.</p><p>Und es war sch�n zu wissen, dass jemand, und sei es auch nur ein Treuh�nder, sich freute, dass Cery noch am Leben war.</p></section><section><title><p>21</p><p>Eindringling</p></title><p>Dannyl setzte sich an seinen Schreibtisch und nahm Osens Blutring aus der Tasche. <emphasis>Oh, wie sehr ich mir w�nschte, ich k�nnte dies noch ein Weilchen l�nger aufschieben.</emphasis> Aber das konnte er nicht. Osen erwartete von Dannyl, dass er sich alle zwei oder drei Tage bei ihm meldete. Wenn Dannyl es nicht tat, w�rde er ver�rgert oder besorgt sein.</p><p>Trotzdem z�gerte Dannyl. <emphasis>Ich konnte nie erkennen, wie viel von meinen Gedanken Osen lesen kann. Ich habe immer angenommen, dass er meine Vorlieben kennt und gar nicht mehr dar�ber wissen will � und dass er bereits Einw�nde erhoben h�tte, wenn sie d�chten, dass ich Achati zu nahe komme.</emphasis> Und dass Osen nur die Gedanken lesen konnte, die Dannyl aktiv <emphasis>dachte,</emphasis> w�hrend er den Ring trug, nicht seine Erinnerungen.</p><p>Dann sollte es gen�gen zu vermeiden, an seine Nacht mit Achati zu denken, w�hrend er mit Osen in Verbindung stand. Nat�rlich war das Thema, um das eine Person sich die meisten Sorgen machte, genau dasjenige, zu dem ihre Gedanken am ehesten abschweifen w�rden. Das zu vermeiden war aber eine F�higkeit, die Dannyl als Novize sorgf�ltig kultiviert hatte.</p><p>Er schloss die Augen und machte einige �bungen zur Beruhigung seines Geistes. Als er das Gef�hl hatte, die Kontrolle �ber seine Gedanken zu haben, streifte er den Ring �ber. Sofort erklang Osens Gedankenstimme.</p><p><emphasis>� Dannyl. Gut. Ich habe wichtige Neuigkeiten f�r Euch. Sonea hat sich vor einigen N�chten mit den Verr�tern getroffen. Ihre K�nigin, Savara, hat ihre Absicht enth�llt, Amakira und die Ashaki zu st�rzen und alle Sklaven zu befreien.</emphasis></p><p>Er h�tte sich nicht darum zu sorgen brauchen, wie viel Osen in seinem Geist sehen w�rde. Der Administrator w�rde von dieser Neuigkeit gr�ndlich abgelenkt sein. Dannyls Herz setzte einen Schlag aus, als Osen ihm von der abgelehnten Einladung der Verb�ndeten L�nder, sich den Verr�terinnen anzuschlie�en, erz�hlte und von dem Abkommen, das sie stattdessen getroffen hatten.</p><p><emphasis>� Lorkin hat sich den Verr�terinnen angeschlossen. Sonea und Regin reisen nach Arvice und folgen ihnen.</emphasis></p><p><emphasis>� Die Verr�ter sind unterwegs?!</emphasis></p><p><emphasis>� Ja. Sie haben gestern die ersten G�ter angegriffen. Ich wei� nicht, wie lange sie brauchen werden, um nach Arvice zu gelangen, falls sie �berhaupt so weit kommen.</emphasis></p><p><emphasis>� Denkt Ihr, dass sie siegen werden?</emphasis> Wenn Lorkin bei ihnen war, glaubte er gewiss an einen Sieg. Aber wenn Lorkins Loyalit�t jetzt den Verr�terinnen geh�rte, k�nnte er sich auch daf�r entschieden haben, ihnen zu helfen, weil ihre Chancen <emphasis>nicht</emphasis> gut waren �</p><p><emphasis>� Unm�glich zu sagen. Sonea glaubt, dass sie dies schon seit sehr langer Zeit planen. Sie wurden nicht dazu gezwungen, die Konfrontation mit den Ashaki zu suchen. Sonea denkt nicht, dass sie alles, was sie haben, aufs Spiel setzen w�rden, wenn sie nicht glaubten, dass sie gewinnen k�nnen.</emphasis></p><p>Und doch dachte Achati nicht, dass sie eine Chance hatten. Das Gesicht des Mannes entstand vor Dannyls innerem Auge, und ein Stich der Furcht durchzuckte ihn, bevor er die Regung beiseiteschob.</p><p><emphasis>� Es tut mir leid, Dannyl. Ich wei�, Ihr betrachtet Achati als einen Freund, aber Ihr d�rft ihn nicht warnen. Es w�rde Amakira auf die Tatsache aufmerksam machen, dass wir noch vor ihm davon gewusst haben. Tut nichts, was Argwohn erwecken w�rde.</emphasis></p><p><emphasis>� Ich verstehe. Was sollen wir tun?</emphasis></p><p><emphasis>� Bleibt, wo Ihr seid. Bleibt zusammen � und das schlie�t Tayend ein. Haltet Euch au�er Sicht. Die Verr�terinnen werden Euch nichts tun. Die Ashaki sollten Euch ebenfalls in Frieden lassen, falls sie nicht den Verdacht haben, dass wir mit den Verr�terinnen gemeinsame Sache machen. Stellt sicher, dass Merria und Tayend alles verstehen, was ich Euch gesagt habe.</emphasis></p><p><emphasis>� Das werde ich. Irgendwelche Nachrichten f�r sie?</emphasis></p><p><emphasis>� Nein. Sonea und Regin werden sich Euch anschlie�en, wenn sie in Arvice eintreffen, aber ich bezweifle, dass sie Euch erreichen werden, bevor der Konflikt vor�ber ist.</emphasis></p><p><emphasis>� Wir werden bleiben, wo wir sind. Zumindest werden sie wissen, wo wir zu finden sind.</emphasis></p><p><emphasis>� Ja. Von jetzt an erstattet Ihr mir einmal am Tag Bericht oder sobald Ihr etwas Neues erfahrt. Gebt auf Euch acht, Dannyl. Setzt Euch mit mir in Verbindung, falls irgendetwas passiert.</emphasis></p><p>Dannyl streifte den Ring vom Finger und starrte ihn erneut an. <emphasis>Sachaka liegt im B�rgerkrieg,</emphasis> dachte er. <emphasis>Eine Armee ist unterwegs hierher. Eine Armee von Schwarzmagierinnen. Die zweifellos auf eine Armee von K�nig Amakiras Schwarzmagiern treffen wird � ein Konflikt von einer Art, wie unsere L�nder sie seit �ber sechs Jahrhunderten nicht mehr erlebt haben.</emphasis></p><p>Er steckte den Ring ein, stand auf und stolzierte aus dem Raum; Sklaven zerstreuten sich vor ihm. Er hatte nur etwa zwanzig Schritte den Flur entlang gemacht, als eine Frauenstimme erklang.</p><p>�Botschafter!�</p><p>Er drehte sich um und sah Merria herbeieilen.</p><p>�Ich habe gestern Abend etwas geh�rt, das Ihr interessant finden werdet�, erkl�rte sie.</p><p>�Sollte Tayend es ebenfalls erfahren?�</p><p>Sie nickte.</p><p>Er machte ihr ein Zeichen und h�rte, wie sie hinter ihm herlief. Sie passierten das Herrenzimmer, traten in den Flur dahinter und erreichten schon bald die T�r zu Tayends R�umen. Die Sklavin, die aufmerksam hinter der Hauptt�r wartete, warf sich zu Boden.</p><p>�Ist Tay� Botschafter Tayend da?�, fragte Dannyl.</p><p>Sie nickte.</p><p>�Richte ihm aus, dass wir hier sind, um ihn zu sehen.�</p><p>Sie rappelte sich hoch und verschwand in einem der R�ume. Einen Moment sp�ter waren ein leises St�hnen und ein Fluch zu h�ren.</p><p>�Hinaus!�</p><p>Die Sklavin kam wieder herausgeschossen und eilte zu Dannyl und Merria zur�ck.</p><p>�Nicht�, sagte Dannyl, als sie Anstalten machte, sich erneut zu Boden zu werfen.</p><p>�Der Botschafter kleidet sich gerade an�, berichtete sie, ging dann zu einer Wand und blieb mit dem R�cken daran gelehnt stehen.</p><p><emphasis>Osen sagte, die Verr�terinnen w�rden die Sklaven befreien,</emphasis> �berlegte Dannyl. <emphasis>Wenn sie Erfolg haben, wohin werden die Sklaven dann gehen?</emphasis> Vielleicht w�rden sie als bezahlte Dienstboten bleiben. Er hoffte es. Es w�re eine Erleichterung, wenn sie aufh�rten, so unterw�rfig zu sein. <emphasis>Obwohl ich vielleicht anders denken werde, sollten sie anfangen, uns herumzukommandieren, wie einige kyralische Diener es tun.</emphasis> Er blinzelte, als ihm ein anderer Gedanke kam. <emphasis>Wenn die Verr�terinnen siegen, die Sklaverei beenden und sich den Verb�ndeten L�ndern anschlie�en, k�nnten dann einige dieser ehemaligen Sklaven eines Tages Magier werden?</emphasis></p><p>Er dachte daran, wie sehr Fergun sich angestrengt hatte, um zu verhindern, dass Sonea in die Gilde aufgenommen wurde. Wenn er das Gef�hl gehabt hatte, dass Sonea es nicht verdiente, eine Magierin zu werden, was h�tte er dann von sachakanischen Sklaven gehalten?</p><p>Der Gedanke stimmte Dannyl seltsam fr�hlich, aber die Stimmung zerstreute sich, als Tayend erschien; er sah zerzaust aus in seiner hastig �bergestreiften, kunstvollen Kleidung.</p><p>�Botschafter. Lady Merria�, begr��te Tayend sie und machte ein Zeichen. Er f�hrte sie zu den Hockern, die in der Mitte des zentralen Raums aufgestellt waren, dann nahm er auf einem besonders gro�en Kissen Platz und rieb sich die Augen.</p><p>�Ist es sp�t geworden gestern Nacht?�, fragte Dannyl.</p><p>Tayend verzog das Gesicht. �Sp�t und feucht, wenn auch nicht besonders fr�hlich. Meine sachakanischen Freunde waren besonders fest entschlossen, ihre Sorgen zu ertr�nken.� Er drehte sich zu dem Sklavenm�dchen um. �Bring etwas Wasser und Brot.�</p><p>Sobald sie gegangen war, zog Dannyl Magie in sich hinein und umgab sie mit einer schalldichten Barriere. Dann beugte er sich zu Tayend vor. �Sie haben allen Grund dazu.�</p><p>Der Elyner machte gro�e Augen und richtete sich auf. �Tats�chlich?�</p><p>W�hrend Dannyl ihnen von Osens Neuigkeiten berichtete, begannen sowohl Tayend als auch Merria zu nicken.</p><p>�Das erkl�rt es�, stellte Merria fest. �Gestern Nacht haben meine Freundinnen mir erz�hlt, dass die Sklavinnen, die im Verdacht stehen, Verr�terinnen zu sein, gefoltert und get�tet werden.� Sie hielt inne und runzelte die Stirn. �Nun, das erkl�rt noch etwas anderes. Meine Freundinnen haben Vorkehrungen getroffen, um f�r den Sommer auf ein Landgut zu reisen, und sie haben mich eingeladen mitzukommen. Ich habe gesagt, ich k�nne hier nicht weggehen. Ich m�sse bei Euch bleiben.� Sie nickte Dannyl zu. �Und sie sagten, Ihr und Tayend k�nntet ebenfalls mitkommen, falls es n�tig wird.�</p><p><emphasis>��Falls es n�tig wird�?�,</emphasis> wiederholte Tayend. �Hmm.�</p><p>�Sie sind wahrscheinlich bereits fortgegangen. Ich nehme an, ich k�nnte herausfinden, wo sie sind.� Merria wirkte besorgt.</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Wir k�nnen nicht mit ihnen gehen.�</p><p>�Aber sollten wir hierbleiben?�, fragte Tayend und sah Dannyl an. �In Kriegen werden Fehler gemacht. Menschen k�nnen get�tet werden, weil sie am falschen Ort sind. Oder durch fehlgeleitete Magie, die nicht ihr beabsichtigtes Ziel trifft.� Er sch�rzte die Lippen. �Ich nehme nicht an, dass wir und Achati auf eine weitere Forschungsreise gehen k�nnen.�</p><p>Bei dem Vorschlag durchzuckte ihn ein Stich der Dankbarkeit und der Furcht. <emphasis>Obwohl er Achati mag, bezweifle ich, dass er ihn eingeschlossen h�tte, wenn ich nicht w�re.</emphasis> �Wenn wir das vorschlagen, wird er den Verdacht haben, dass wir von der geplanten Invasion der Verr�ter gewusst haben�, erwiderte Dannyl.</p><p>�Es sei denn, er wei� es nicht. Wir k�nnten ihn aus dem Gefahrenbereich schaffen. Aber er w�rde es uns niemals verzeihen, wenn wir ihn davon abhielten, seine Pflicht zu tun�, f�gte Tayend hinzu und wandte den Blick ab.</p><p>Tayend hatte recht. Achatis Loyalit�t geh�rte seinem K�nig und seinem Volk. <emphasis>Er wird Sachaka niemals verlassen. Nicht f�r mich.</emphasis> Das hatte er immer gewusst.</p><p>�Was werden die Verr�terinnen mit den freien Frauen und ihren Kindern machen?�, fragte Merria.</p><p>Sie tauschten grimmige Blicke.</p><p>�Ich denke nicht, dass sie irgendjemanden t�ten, der kein Magier ist�, sagte Tayend langsam.</p><p>�Es k�nnte davon abh�ngen, wie gut sie ihre Sklaven behandelt haben�, f�gte Dannyl hinzu.</p><p>Merria zuckte die Achseln. �Obwohl sie behaupten, sie w�rden die Verr�terinnen nicht m�gen, scheinen meine Freundinnen eine Verbindung zu ihnen zu haben. Gewiss bedeutet das, dass es ihnen gut gehen wird.� Sie sah Dannyl an. �Es ist Euer Freund, um den ich mir Sorgen mache.�</p><p>Die R�ckkehr des Sklavenm�dchens ersparte ihm eine Antwort. Als Dannyl aufstand, um zu gehen, tat Merria das Gleiche.</p><p>�Bleibst du noch eine Weile, Dannyl?�, fragte Tayend. Der Elyner wartete, bis Merria und das Sklavenm�dchen gegangen waren, bevor er sprach. �Du machst dir Sorgen. Das kann ich sp�ren. Aber denk daran, die Verr�terinnen k�nnten auch verlieren.�</p><p>�Lorkin ist bei ihnen.�</p><p>Tayend verzog das Gesicht. �Ah. Ja. Es gibt keinen guten Ausgang dieser Geschichte, nicht wahr?�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Wie immer es ausgeht, wir k�nnen nur hoffen, dass die Menschen, an denen uns etwas liegt, �berleben und entkommen.� Er drehte sich um und ging zur T�r.</p><p>�Er bedeutet dir wirklich etwas, nicht wahr?�</p><p>Dannyl blieb stehen und drehte sich um. Tayend war aufgestanden. Er seufzte.</p><p>�Ich bin nicht verliebt, Tayend.�</p><p>�Nein?� Tayend kam herbei und legte Dannyl eine Hand auf die Schulter. �Bist du dir sicher?�</p><p>�Ja. Ich habe nie geglaubt, dass es halten w�rde. Ich habe nur � ich habe erwartet, dass es, wenn es endet, aus banaleren politischen Gr�nden geschehen w�rde.�</p><p>�Du hast Angst um ihn.�</p><p>�So wie ich um jeden Freund Angst h�tte.�</p><p>Tayend zog ungl�ubig die Augenbrauen hoch. �Ihr zwei seid mehr als nur Freunde, Dannyl.�</p><p>�Du und ich, wir sind mehr als nur Freunde, Tayend. Wir waren zu lange zusammen, um etwas anderes zu behaupten. In dieser Situation h�tte ich auch um dich Angst.�</p><p>Tayend l�chelte und dr�ckte Dannyls Schulter. �Und ich um dich. Der einzige Unterschied ist der, dass ich dich ohne einen zweiten Gedanken zur�cknehmen w�rde. Du w�rdest das nicht tun.� Er drehte sich um und ging zur�ck zu den Hockern.</p><p>Dannyl, dem der Atem stockte, schaute Tayend an. Als der Elyner seinen Blick erwiderte, riss Dannyl sich los und verlie� den Raum. Erst als er seine eigenen Quartiere erreichte, erholte er sich von seiner �berraschung, und seine Gedanken begannen um das zu kreisen, was er erfahren hatte und was er bef�rchtete.</p><p>Lilia trat durch die T�r in die inneren G�nge der Universit�t und machte einige Schritte, bevor sie die Novizen vor sich sah. Sie gingen nicht aus dem Weg, als sie sich ihnen n�herte. Stattdessen drehten sie sich zu ihr um und blockierten alle drei den Weg.</p><p>Lilia verlangsamte ihre Schritte. Hinter sich h�rte sie das Ger�usch der T�r, die erneut ge�ffnet wurde, dann ein triumphierendes �Ha�. Als sie sich umdrehte, sah sie Bokkin und zwei weitere Novizen n�her kommen, und alle drei grinsten.</p><p>�Lilia�, rief Bokkin. �Genau die Person, nach der wir gesucht haben, nicht wahr?� Er schaute zu seinen Gefolgsleuten zur�ck, und sie nickten.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Ich kann nicht glauben, wie dumm sie sind. Denken sie denn gar nicht an die Zukunft? Denken sie, ich werde mich nicht an all das erinnern, wenn ich meinen Abschluss habe?</emphasis> Aber das lag f�r diese Novizen in weiter Zukunft. Sie wussten, dass es ihr niemals gestattet sein w�rde, schwarze Magie zu benutzen, es sei denn unter au�ergew�hnlichen Umst�nden, und sie konnten sich nicht vorstellen, dass sie sich auf andere Weise r�chen k�nnte.</p><p>�Wei�t du, was ich geh�rt habe, Lilia?�, fragte Bokkin. �Ich habe jemanden sagen h�ren, dass sich seit Jahren keine Novizen mehr gegen jemanden wie dich verb�ndet haben. Jemanden, der seinen Platz nicht kennt. Das letzte Mal war es wirklich effektiv, habe ich geh�rt.�</p><p><emphasis>Sie meinen Sonea,</emphasis> durchzuckte es sie. �Effektiv?�, wiederholte sie. �Sie hat ihren Rivalen in einem Duell geschlagen und wurde eine H�here Magierin. Wenn das effektiv ist, sollte ich alle Novizen ermuntern, sich gegen mich zu verb�nden.�</p><p>Angesichts der �berraschung in den Z�gen der anderen Novizen musste sie sich ein Lachen verkneifen.</p><p>Bokkin runzelte die Stirn. �<emphasis>Davor.</emphasis> Bevor es ��</p><p>Die T�r hinter ihm wurde ge�ffnet, und ein schwarz gewandeter Magier trat hindurch. Eine Woge der Erleichterung schlug �ber Lilia zusammen, aber sie setzte schnell wieder eine unbeteiligte Miene auf und hoffte, dass ihre Gef�hle den anderen entgangen waren. Schlie�lich waren sie zu besch�ftigt damit, Kallen anzustarren.</p><p>Kallen lie� seinen Blick von einem zum anderen schweifen, und die Falte zwischen seinen Brauen vertiefte sich. Die Novizen verneigten sich. Seine Augen wurden schmal.</p><p>�Lady Lilia�, sagte er. �Wir brauchen nur <emphasis>einen</emphasis> Freiwilligen.� Er betrachtete die Gesichter. �Welcher von Euch h�tte gern die Ehre?� Bokkins Anh�nger drehten sich um und sahen ihn stirnrunzelnd an. Kallen folgte ihrem Blick und nickte. �Ihr werdet gen�gen, Lord Bokkin. Folgt mir.�</p><p>Die Novizen dr�ckten sich an die Wand, als er vorbeiging. Da Lilia nicht mit Bokkin hinter Kallen hertrotten wollte, drehte sie sich um und ging voran zu dem kleinen Raum, den Kallen f�r ihre Ausbildung benutzte. Als sie die T�r erreichte, wandte sie sich wieder um und erwartete zu sehen, dass Bokkin geflohen war.</p><p>Aber der Junge war ihnen gehorsam gefolgt. Er war blass und runzelte die Stirn. <emphasis>Er macht sich Sorgen,</emphasis> dachte sie und unterdr�ckte ein L�cheln. <emphasis>Das t�te ich auch. Was um alles in der Welt will Kallen von ihm?</emphasis></p><p>Kallen �ffnete die T�r und f�hrte Bokkin hindurch. Lilia folgte ihnen. Kallen deutete auf einen Stuhl. Bokkin setzte sich, den Blick gesenkt.</p><p>�Danke, dass Ihr Euch freiwillig gemeldet habt�, sagte Kallen und setzte sich auf den anderen Stuhl. �Lilia hat Euch erkl�rt, dass es nicht schmerzhaft sein wird?�</p><p>�Nnn��, begann Bokkin, dessen Augen sich jetzt weiteten.</p><p>�Noch nicht�, warf Lilia ein. �Ich hatte keine Zeit, viel zu erkl�ren.�</p><p>Kallen musterte sie. Obwohl eine Falte der Missbilligung zwischen seinen Brauen stand, fing sie in seinem Blick noch ein Glitzern von etwas anderem auf. <emphasis>Was f�hrt er im Schilde?</emphasis></p><p>Er wandte sich wieder dem jungen Mann zu. �Tats�chlich kann die Person, wenn es richtig gemacht wird, �berhaupt nicht sp�ren, dass ihre Gedanken gelesen werden.� Bokkins Augen wurden sehr gro�, aber Kallen schien es nicht zu bemerken. �Nun, ich bin ein wenig zu sp�t gekommen und will Euer Erscheinen in Eurem ersten Kurs nicht verz�gern, daher sollten wir am besten anfangen.� Er gab Lilia ein Zeichen. �Tretet hinter ihn.�</p><p>Sie war dankbar, dass er ihr einen Grund gegeben hatte, aus Bokkins Blickfeld zu verschwinden, da sie bezweifelte, dass sie einem L�cheln noch sehr lange w�rde widerstehen k�nnen. W�hrend sie gehorchte, versuchte Bokkin, sich umzudrehen, um sie anzusehen.</p><p>�Das war nicht � ich habe nicht ��</p><p>Kallen beugte sich vor und bedachte Bokkin mit einem herausfordernden Blick. �Ihr habt Eure Meinung ge�ndert, wie? Ich sch�tze, wir k�nnen immer noch bekanntgeben, dass wir jemand anderen brauchen.�</p><p>Bokkin erstarrte. Lilia konnte sich vorstellen, wie er die verschiedenen M�glichkeiten abwog. Als Feigling zu gelten oder zuzulassen, dass einer der gef�rchteten Schwarzmagier und Lilia seine Gedanken lasen. Zu ihrer Erheiterung blieb Bokkin, wo er war.</p><p>�Ihr werdet Euch nicht meine Erinnerungen ansehen?�, fragte er.</p><p>Kallen sch�ttelte den Kopf. �Nat�rlich nicht.�</p><p>Bokkin nickte. �Na gut.�</p><p>Kallen stand auf und nickte Lilia zu. �Ich werde mich mit Eurem Geist verbinden; Ihr verbindet Euch mit seinem.�</p><p>Mit einem tiefen Atemzug legte Lilia die H�nde an Bokkins Kopf und begann, als sie sp�rte, wie Kallen die H�nde an ihre Schl�fen dr�ckte, eine simple �bung, um ihren Geist zu konzentrieren.</p><p><emphasis>� Lilia,</emphasis> sprach Kallen.</p><p><emphasis>� Kallen.</emphasis></p><p>Alles, was sie wahrnahm, waren seine Anwesenheit und seine Gedankenstimme. In anderen Lektionen, die eine Unterweisung von Geist zu Geist erforderten, hatte er es ihr ausgeredet, sich ihren Geist als einen Raum vorzustellen. Manchmal machte es die Lektionen schwieriger, aber es bedeutete auch, dass sie sich die Konzepte der schwarzen Magie eher intuitiv als bewusst aneignen konnte. Dadurch f�hlte sich die Benutzung von Magie an wie das Bewegen eines Arms oder eines Beins � ebenso sehr reflexartig wie willentlich.</p><p><emphasis>� Bokkin wird uns melden, wenn Ihr seine Erinnerungen durchsucht, aber ich bezweifle, dass er viel Kontrolle �ber seinen Geist hat. Er wird uns wahrscheinlich ohnehin zeigen, was er uns nicht sehen lassen will. Wenn Ihr wachsam bleibt, k�nnt Ihr gewiss etwas finden, das Ihr benutzen k�nnt, um ihn daran zu hindern, Euch weiter zu schikanieren.</emphasis></p><p>Lilia konnte ihren Schreck nicht vor ihm verbergen.</p><p><emphasis>� Aber � wir sollten diese Erinnerungen ignorieren!</emphasis></p><p><emphasis>� Ja. Aber die Gilde erlaubt durchaus eine gewisse Beugung der Regeln in au�ergew�hnlichen F�llen. Wir haben erfahren, dass es besser ist, dies zu tun und zu verhindern, dass Novizen schikaniert werden, als es zu ignorieren und das Risiko einzugehen, dass diese Novizen sp�ter Regeln und Gesetze brechen.</emphasis></p><p><emphasis>� Wegen Sonea?</emphasis></p><p><emphasis>� Und wegen Konflikten, die ihren Ursprung in der �ffnung der Gilde f�r Vertreter der unteren Klassen haben.</emphasis></p><p><emphasis>� Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich dazu �berwinden k�nnte, etwas sehr Privates zu benutzen �</emphasis></p><p><emphasis>� Ihr werdet es vielleicht nicht zu tun brauchen. Die Drohung, dass Ihr es tun k�nntet, wird m�glicherweise gen�gen, um ihn abzuschrecken.</emphasis></p><p><emphasis>� Ich hoffe es.</emphasis></p><p><emphasis>� Jetzt konzentriert Euch auf Bokkins Geist. Sp�rt seinen instinktiven Widerstand gegen eine Gedankenlesung.</emphasis></p><p>Sie tat wie gehei�en und sp�rte ein Aufwallen von Triumph von Bokkin, als sie scheiterte.</p><p><emphasis>� Jetzt schaut zu �</emphasis></p><p>Kallens Gegenwart dehnte sich aus und wurde schw�cher, wie ein Lichtstrahl, der durch ein Fenster fiel. Bokkins Geist sp�rte keine konzentrierte Anstrengung, in ihn einzudringen, und k�mpfte daher auch nicht dagegen an. Einen Moment sp�ter sch�rfte sich Kallens Gegenwart wieder.</p><p><emphasis>� Jetzt Ihr. Befreit Euren Geist von allem au�er dieser einen Absicht: in seinen Geist zu wehen wie Rauch.</emphasis></p><p>Rauch oder Licht, es schien durchaus einfach zu sein, aber Lilia brauchte einige Versuche, bevor Bokkins Geist sie nicht l�nger wahrnahm. Er musste gesp�rt haben, dass sich etwas in ihrem Benehmen ver�ndert hatte, denn als es ihr tats�chlich gelang, in seinen Geist einzudringen, machte er sich Sorgen, dass sie Erfolg haben k�nnte.</p><p><emphasis>Es ist nicht richtig, </emphasis>dachte er. <emphasis>Sie hat ein Gesetz gebrochen. Sie sollte diese Dinge nicht lernen d�rfen.</emphasis></p><p>Eine Erinnerung stieg auf. Ein Gesicht. Lilia wusste instinktiv, dass es Bokkins Vater war. <emphasis>�Irgendjemand wird immer st�rker sein als du � wenn du es zul�sst. Du musst dich um diese Leute k�mmern, solange sie noch schwach sind. Verhindere, dass sie stark werden.�</emphasis> Bokkin riss sich zusammen und zwang sich aufzuh�ren, sich daran zu erinnern, aber nicht, bevor Lilia drei schnelle Blitze von emotionsgeladenen Bildern auffing. Liebe und Kr�nkung. Pr�gel. Zorn. Trauer.</p><p>Da verstand sie, dass Bokkin dies grimmig und restlos glaubte und es f�r den besten, weisesten Rat hielt, den sein Vater ihm je gegeben hatte. Schlie�lich hatte sein Vater es bewiesen, indem er seinen eigenen Sohn so lange gepr�gelt hatte, bis er ihm gehorchte und ihn f�rchtete. Dann war sein Vater von einem Mann get�tet worden, von dem er zugegeben hatte, dass er h�tte h�rter zu ihm sein sollen.</p><p><emphasis>Das ist es, was er versucht, mit mir zu machen, </emphasis>begriff sie. <emphasis>Er denkt an die Zukunft. Ich werde st�rker sein als er, also versucht er, mich jetzt zu schw�chen. </emphasis>Sie schauderte bei dem Gedanken an die Art Magier, die er werden w�rde. <emphasis>Bis dahin wird er st�rker sein als die meisten anderen Menschen. Nur andere Magier werden eine Bedrohung f�r ihn darstellen. Magier wie ich.</emphasis></p><p><emphasis>� Lilia? </emphasis>Kallen sprach.</p><p>Sie zog sich aus Bokkins Geist zur�ck.</p><p><emphasis>� Ja?</emphasis></p><p><emphasis>� Ihr habt Eure Sache gut gemacht. Das reicht f�r den Moment.</emphasis></p><p>Sie sp�rte, wie er die H�nde von ihrem Kopf nahm, daher �ffnete sie die Augen und lie� Bokkin los. Kallen ging zu dem Stuhl hin�ber und setzte sich. Die T�r hinter ihm wurde ge�ffnet.</p><p>�Ihr k�nnt jetzt gehen, Lord Bokkin. Danke f�r Eure Hilfe. Sagt den anderen, dass sie morgen fr�h hier sein sollen, zur gleichen Zeit.�</p><p>�Ja, Schwarzmagier Kallen.� Bokkin verneigte sich und eilte aus dem Raum.</p><p>Die T�r schloss sich hinter ihm. Lilia lehnte sich an die R�ckenlehne ihres Stuhls und z�gerte den Moment hinaus, da sie sich setzen musste. Sie wollte nicht einmal die Restw�rme von Bokkins K�rper auf diesem Stuhl sp�ren.</p><p>�Was habt Ihr erfahren?�, fragte Kallen.</p><p>Lilia verzog das Gesicht. �Dass er jeden, der vielleicht st�rker werden k�nnte als er, als Bedrohung erachtet, so dass er einen Weg finden muss, diese Person zu beherrschen, bevor sie ihn beherrscht.� Dann wurde ihr klar, dass Kallen wahrscheinlich nach der Gedankenlesung fragte. �Was das Gegenteil davon ist, wie das Gedankenlesen funktioniert. Man hat keinen Erfolg, wenn man versucht, den anderen zu beherrschen.�</p><p>Kallen nickte. �Ja.� Er sch�ttelte den Kopf. �Magier wie Bokkin sind der Grund, warum wir die Gedankenlesung auf diesem Niveau nicht allen Magiern beibringen.�</p><p>�Moment � Ihr meint, <emphasis>jeder </emphasis>k�nne lernen, das zu tun?�</p><p>�Bedauerlicherweise ja. Der Hohe Lord Akkarin war der erste Gildemagier, der gelernt hat, die Gedanken einer widerstrebenden Person zu lesen, so dass immer angenommen wurde, es sei eine F�higkeit, die schwarze Magie erforderlich mache. Er hat Schwarzmagierin Sonea offenbart, dass dies nicht wahr ist, indem er sie lehrte, Gedanken zu lesen, bevor er ihr beibrachte, wie man Magie nimmt und lagert. Sonea hat sich bereit erkl�rt, diese Tatsache f�r sich zu behalten. Ihr m�sst das Gleiche tun.�</p><p>�Oh. Auf jeden Fall.� Bei dem Gedanken daran, was Bokkin mit solchem Wissen machen k�nnte, �berlief Lilia ein Schauder.</p><p>�Ihr habt eine frische und interessante Herangehensweise an die Dinge, Lilia�, bemerkte Kallen. �Wie zum Beispiel Eure Idee, einen scharfen magischen Sto� als Ersatz f�r ein Messer zu benutzen, wenn man schwarze Magie �bt. Das ist genial. Ich habe es Lady Vinara beschrieben, und wir haben M�glichkeiten er�rtert, wie wir damit experimentieren k�nnten.�</p><p>Unter seinem Lob wurde ihr Gesicht warm, und sie senkte den Blick. �Nun � ich hoffe, es funktioniert.�</p><p>�Selbst wenn es nicht funktioniert, lohnt es einen Versuch. Nun, das ist alles f�r heute. Ihr solltet besser in Euren ersten Kurs gehen.�</p><p>Als die T�r sich abermals �ffnete, verbeugte sich Lilia und murmelte seinen Namen. Sie ging zu ihrer ersten Unterrichtsstunde des Tages und f�hlte sich abwechselnd aufgemuntert und besorgt. <emphasis>Ich lerne so viel von Kallen, und er scheint mich jetzt mehr zu m�gen, da es bei unseren Lektionen nicht nur um Kriegskunsttraining geht.</emphasis></p><p>Doch obwohl sie jetzt wusste, warum Bokkin ihr das Leben schwermachte, hatte sie keine Ahnung, wie sie ihn davon abhalten sollte. <emphasis>Er wird immer gegen mich arbeiten. Allerdings werde ich immer st�rker sein als er, und er ist zu dumm, um mir auf andere Weise jemals gef�hrlich zu werden, daher k�nnte es wohl schlimmer sein.</emphasis></p><p>Aber sie w�rde ihn st�ndig im Auge behalten m�ssen, und das w�rde sehr, sehr l�stig sein.</p><p>Sobald Anyis Schritte nicht mehr zu h�ren waren, stand Gol auf und holte sein Werkzeug unter seiner Matratze hervor. W�hrend er sich wieder an die Arbeit machte, untersuchte Cery die L�cher, die sein Freund zuvor in einen Teil der Wand gebohrt hatte; jedes Loch durchdrang M�rtel und die Erde dahinter. Anyi hatte sie nicht bemerkt. Die Ziegel waren an manchen Stellen rau und rissig, und Gol hatte Positionen gew�hlt, wo das Lampenlicht schwere Schatten warf.</p><p>Er musste sich vorbeugen, um das Ende der Rohre zu sehen, die Gol in jedes Loch geschoben hatte. Aus jedem von ihnen ragte eine kleine Zunge aus �lgetr�nktem Papier hervor.</p><p>�Wie viel mehr willst du noch machen?�, fragte Cery.</p><p>Gol war zur gegen�berliegenden Wand gegangen. �Das h�ngt davon ab, wie schnell du denkst, dass wir sie entz�nden k�nnen. Die erste Ladung darf nicht losgehen, solange wir noch nicht alle anderen angez�ndet haben. Wenn ich f�nf in jede Wand stecke und wir uns jeder um eine Wand k�mmern, werden wir sie vielleicht alle entz�nden k�nnen. Bring mir ein Rohr, ja?�</p><p>Cery ging zu der Obstkiste, die Lilia ihnen in der Nacht zuvor gebracht hatte, leerte sie und nahm das Sackleinen vom Boden der Schachtel. Er hatte darunter Minenfeuer gelagert und sich auf Anyis Abneigung gegen Obst verlassen, die sie daran hindern w�rde, das Minenfeuer zu entdecken.</p><p>Als er Gol das erste Rohr brachte, bemerkte er, dass ein feiner Strom Staub aus einer Papierfalte an einem Ende sickerte.</p><p>�Es ist zerbrochen. Ist das schlimm?�</p><p>Gol drehte sich um, und seine Augen weiteten sich. �Halt es so, dass das Loch oben ist�, sagte er angespannt.</p><p>Cery tat wie gehei�en, und das Rieseln versiegte. �Ist das nicht gef�hrlich?�</p><p>�Doch, durchaus.� Gols Miene war ernst. �Wenn man zu viel davon in der Luft hat, k�nnte eine Kerze oder eine Lampe es losgehen lassen.� Er schaute auf das Rohr hinab, dann kippte er ein wenig Pulver auf seine Hand, bevor er es in die Wand stopfte. �Ich werde es dir zeigen. Stell eine Kerze ungef�hr zwanzig Schritte entfernt in den Tunnel.�</p><p>Nicht mehr als eine Prise von dem Staub lag auf Gols Hand. Cery griff nach einer brennenden Kerze, brachte sie aus dem Raum und stellte sie im Flur auf den Boden. Gol winkte ihn heran, dann scheuchte er Cery hinter sich. �Du h�ltst dir besser die Ohren zu.�</p><p>Cery befolgte Gols Rat.</p><p>�Pass auf.� Er sammelte das Pulver zwischen zwei Fingern, eilte vorw�rts und warf es in die Kerze. Ein Lichtblitz blendete Cery, und gleichzeitig hallte ein Ger�usch, als schl�ge eine sehr gro�e Hand auf einen Tisch, durch den Flur. Staub und Dreck sickerten aus den W�nden in der N�he der Kerze, die pl�tzlich viel k�rzer war und in einer Pf�tze von geschmolzenem Wachs stand.</p><p>Cery nahm die H�nde von den Ohren. <emphasis>Das, nur von einer Prise. Und wir haben in diesen Rohren </emphasis>viel<emphasis> mehr.</emphasis></p><p>�Bist du dir sicher, dass du so viele Rohre in die Wand legen willst?�</p><p>Gol zuckte die Achseln. �Irgendwohin muss ich sie ja legen. Es ist sicherer, wenn sie in der Wand sind, als in dem Raum mit uns.�</p><p><emphasis>Nat�rlich. Selbst wenn wir es in der Fr�chtekiste lassen, k�nnte es losgehen, wenn der Rest losgeht. Besser, es br�t das Innere einer Wand als uns.</emphasis> �Wie lange dauert es, bis die Z�ndstreifen abgebrannt sind?�</p><p>�Bis du bis zwanzig gez�hlt hast.� Gol holte die Kerze, gab sie Cery und ging zur�ck in den Raum. �Wenn wir nicht genug Zeit haben, kommen wir vielleicht damit aus, nur eine auf jeder Seite zu entz�nden. Wenn sie losgeht, sollte sie die anderen mitrei�en.�</p><p>�Also z�nden wir jeder eine an, dann rennen wir weg.�</p><p>Gol runzelte die Stirn. �Ist das schon Anyi, die zur�ckkommt?�</p><p>Cery lauschte. Als er das schwache Ger�usch von Schritten h�rte, eilte er zu der Obstkiste und legte wieder das Sackleinen und Fr�chte �ber die Rohre, w�hrend Gol seine Bohrl�cher verbarg. Nur f�r den Fall, dass es nicht Anyi war, hielten sie ihre Kerzen fest. Einen Moment sp�ter hallte ein leiser Pfiff durch den Flur, und sie entspannten sich.</p><p>Cery pfiff zur�ck, und kurz darauf kam Anyi mit ihrer Lampe hereingeeilt. Er begriff, dass er angenommen hatte, dass sie noch weiter weg war, weil ihre Schritte so schwach gewesen waren. Als sie sie sah, stie� sie den Atem aus.</p><p>�In der N�he von Lilias Barriere ist eine Wand eingest�rzt. Oder sie wurde zerst�rt. Was immer der Grund ist, es gibt jetzt einen anderen Weg hierher, der ihre Barriere umgeht.�</p><p>Cerys Herz setzte einen Schlag aus. �Irgendwelche Spuren?�</p><p>Sie zog die Schultern hoch. �Ich konnte es nicht sehen. Ich habe die Lampe abgeblendet, damit sie das Licht nicht bemerken und direkt hierherkommen w�rden. Aber ich habe nichts geh�rt.�</p><p>Cery sah Gol an. Sein Leibw�chter erwiderte seinen Blick, und sein Gesicht war voller Sorge.</p><p>�Ich denke, du solltest Lilia holen�, sagte Gol.</p><p>�Sie wird im Unterricht sein. Ich kann nicht einfach ��</p><p>�Geh in Soneas Zimmer�, unterbrach Cery sie entschieden. �Sag Jonna, sie soll Lilia holen.�</p><p>�Ihr solltet mitkommen. Euch in Soneas Zimmer verstecken.�</p><p>�Wenn wir irgendetwas h�ren, werden wir dir folgen�, erwiderte Cery. �Jetzt <emphasis>geh</emphasis>.�</p><p>Sie hielt inne, biss sich auf die Lippen, dann eilte sie davon. Gol wartete nicht einmal ab, bis ihre Schritte verklungen waren. Er sprang auf den Bohrmei�el zu und attackierte die Wand f�rmlich damit. Cery kippte die Fr�chte aus der Kiste und trug sie zu seinem Freund hin�ber. Vier weitere Rohre mit Minenfeuer lagen darin. Gols Worte gingen ihm noch einmal durch den Sinn, w�hrend er die Ohren spitzte, in Erwartung irgendeines Ger�uschs in den Korridoren.</p><p>Er war sich nicht sicher, ob sein Herz vor Erwartung oder Angst raste. Kam Skellin n�her? W�rden sie endlich Gelegenheit haben, ihre Falle zuschnappen zu lassen? W�rde es ein gro�es Loch in den G�rten schaffen und den wilden Magier der Gilde ausliefern, wie sie es geplant hatten? Oder w�rde Skellin von der Explosion so �berrascht sein, dass er ihr nichts mehr entgegensetzen konnte und starb?</p><p><emphasis>Was immer geschieht, zumindest ist Anyi aus dem Weg. Ich habe nicht die Absicht, zusammen mit Skellin zu sterben, aber je weniger von uns dabei sind, desto geringer ist die Chance, dass einer von uns verletzt wird.</emphasis></p></section><section><title><p>22</p><p>Ein alter Feind</p></title><p>Lorkin, der blinzelnd den dunklen Fleck auf der Stra�e vor sich musterte, konnte nicht viel mehr ausmachen als den Eindruck von Bewegungen. <emphasis>Sieht so aus wie eine Gruppe von Menschen zu Pferd.</emphasis> Er blickte Savara an. Die K�nigin konzentrierte sich ebenfalls auf die Stra�e, konnte also die Reiter nicht �bersehen haben. Dennoch wirkte sie nicht besorgt.</p><p>Er drehte sich zu Tyvara um, die neben ihm ritt, bemerkte, dass sie ihr Gewicht im Sattel verlagerte und das Gesicht verzog. Als sie sah, dass er es beobachtet hatte, l�chelte sie. �Es sind nur ein paar Stunden, und ich bin bereits wund.�</p><p>Ehemalige Sklaven hatten ihnen auf einem Gut, das sie an diesem Morgen befreit hatten, Pferde gegeben. �Befreien� bedeutete lediglich, hineinzumarschieren und die Besitzer, die Ashaki, hinzurichten und vielleicht weitere anwesende Magier. H�ufig hatten die M�nner, was den unmittelbar bevorstehenden Angriff betraf, nicht mehr Warnung als das pl�tzliche Verschwinden ihrer Sklaven. Obwohl sie alle k�mpften, hatten die meisten offensichtlich nicht die Gewohnheit, ihren magischen Vorrat gut aufgef�llt zu halten. <emphasis>Warum sollten sie auch? Sie sind keine Ichani, die st�ndig von anderen Schwarzmagiern bedroht werden. Sie bevorraten sich wahrscheinlich nur dann mit Macht, wenn sie sie zu einem speziellen Zweck ben�tigen. </emphasis>Dadurch kam es ihm weniger wie eine Kriegshandlung vor, sie zu t�ten, sondern eher wie Mord.</p><p><emphasis>Es f�hlt sich so an, als w�rden wir in die H�user dieser Menschen einbrechen und Ehem�nner, S�hne und V�ter t�ten, statt einen Krieg zu f�hren. Wenn wir ihnen auf dem Schlachtfeld gegen�berst�nden, w�rden wir trotzdem Ehem�nner, S�hne und V�ter t�ten, aber es w�rde gerechtfertigt erscheinen. </emphasis>Doch die Verr�terinnen waren keine triumphierenden Sieger, die l�ssig oder rachs�chtig die Familien abschlachteten, pl�nderten und folterten. W�ren sie es gewesen, h�tte Lorkin seine Entscheidung vielleicht bereut, sich ihnen anzuschlie�en. Stattdessen waren sie barmherzig und effizient.</p><p><emphasis>Aber auch gnadenlos.</emphasis></p><p>Er dachte an den Edelstein, den seine Mutter ihm gegeben hatte.</p><p>Er rief sich ins Ged�chtnis, dass sein Vater Zarala das Versprechen abgenommen hatte, der Sklaverei ein Ende zu machen. Sein Vater hatte gewollt, dass dies geschah. Wann immer Lorkin zweifelte oder den Mut verlor, betrachtete er die j�ngst befreiten Sklaven und sagte sich, dass alles einem guten Zweck diente.</p><p>Er hatte erwartet, dass die Verr�terinnen auf besser vorbereitete Ashaki treffen w�rden, sobald die Invasion begann, aber es war klar, dass jeder von dem Angriff �berrascht war. Vielleicht waren die Ashaki, die sie zuvor get�tet hatten, zu sehr mit ihrer eigenen Verteidigung besch�ftigt gewesen, um anderen eine Warnung zu senden. Vielleicht verlie�en sie sich auf Sklaven, um Nachrichten zu �bermitteln, aber die Sklaven, die die Verr�terinnen unterst�tzten, stellten sicher, dass diejenigen, die ihren Herren treu waren, nicht fortgehen konnten, um andere zu warnen.</p><p>Irgendwann w�rde eine Warnung durchkommen, das wusste Lorkin. <emphasis>Irgendein Ashaki wird auf magische Weise seine Standesgenossen warnen � entweder durch einen Ruf an alle oder durch einen Blutring.</emphasis> Selbst wenn Savaras Gruppe es schaffte, jeden zu t�ten, bevor er die Chance dazu bekam, w�rden andere Gruppen vielleicht nicht so erfolgreich sein. Sobald die Nachricht den Verr�terinnen vorauseilte, w�rde nichts verhindern, dass sie sich in der Stadt ausbreitete. Wenn sie das tat, w�rden die Verr�terinnen nicht ein oder zwei Magier auf jedem Gut antreffen, sondern eine ganze Armee von ihnen. Und deshalb hatte sein Herzschlag sich beim Anblick des Schattens auf der Stra�e erheblich beschleunigt.</p><p>Er konzentrierte sich auf Tyvaras Geist und sp�rte vor allem eifrige Erwartung, daneben nur einen kleinen Stich der Sorge. <emphasis>Es sind keine weiteren Verr�ter gestorben, </emphasis>fing er auf. <emphasis>Aber es wird nicht lange dauern �</emphasis> Sie bemerkte, dass er sie stirnrunzelnd ansah, und l�chelte.</p><p>�Keine Sorge. Es ist nur eine andere Gruppe. Auf dem Weg zur Stadt werden die Gruppen sich treffen und zusammenschlie�en.�</p><p>Erleichtert wandte er sich um, um zu beobachten, wie die anderen Verr�ter n�her kamen. Schatten wurden zu Gestalten auf Pferden. Reiter wurden zu Frauen und M�nnern. Gesichter wurden erkennbar. Er h�rte Tyvara in dem Augenblick fluchen, als er begriff, dass ein bestimmtes Gesicht ihm vertraut war.</p><p>�Was tut <emphasis>sie</emphasis> hier?�, murmelte er.</p><p>Tyvara seufzte. �Kalias Bestrafung ist f�r die Dauer der Invasion ausgesetzt worden�, berichtete sie ihm. �Genau wie meine. Es w�re bedauerlich, wenn wir verlieren w�rden, weil uns die Macht von zwei Magierinnen gefehlt hat.�</p><p>Er beobachtete, wie Kalia Savaras Gruppe betrachtete, dann wurde ihre Miene s�uerlich, als sie ihn und Tyvara entdeckte.</p><p>�Wir stehen alle auf derselben Seite�, sagte Tyvara. �Aber ich w�nschte doch, Kalia w�re einer Gruppe zugeteilt worden, die das gegen�berliegende Ende der Stadt angreift�, f�gte sie mit leiserer Stimme hinzu.</p><p>Savara drehte sich um, um sie beide anzusehen. �Ich werde ein Auge auf sie halten. Und ein Ohr.� Sie schaute zu der n�her kommenden Gruppe hin�ber und dr�ngte ihr Pferd vorw�rts, um ihnen entgegenzureiten. Zu Lorkins Erleichterung war die Frau, die auf sie zukam, nicht Kalia. Es war Sprecherin Halana, die Anf�hrerin der Steinmacher.</p><p>�Zumindest f�hrt sie die Gruppe nicht an�, sagte er.</p><p>Tyvara kicherte. �<emphasis>So</emphasis> dumm sind wir nun auch wieder nicht.�</p><p>Halana legte kurz eine Hand aufs Herz, dann ergriff sie die Z�gel wieder, um ihr Pferd neben dem von Savara innehalten zu lassen.</p><p>�Irgendwelche Neuigkeiten?�, fragte Savara.</p><p>�Wir haben Vilanya und Sarva verloren�, erwiderte Halana. �Sie wurden in einen Hinterhalt gelockt.�</p><p>�Also sind die Ashaki gewarnt.�</p><p>�H�chstwahrscheinlich. Irgendwelche Probleme?�</p><p>�Einige Sklaven, die ein wenig zu eifrig werden�, antwortete Savara. Sie seufzte. �Die Sklaven auf einem Besitz haben eine ganze Familie und den obersten Sklaven get�tet, der einer unserer Verb�ndeten war. Ich habe ihnen gesagt, dass dies nicht unsere Absicht sei, aber ich denke nicht, dass sie zugeh�rt haben.�</p><p>Halana nickte. �Es wird mehr Probleme dieser Art geben. Ich habe angedeutet, dass wir uns selbst um die Familien k�mmern wollen, sp�ter.�</p><p>�Das k�nnte funktionieren, solange sie die Rolle des Gef�ngnisw�rters nicht allzu begeistert annehmen.� Savara sah sich um. �Lasst uns weitermachen.�</p><p>Die beiden Gruppen vermischten sich zu einer. Lorkin bemerkte, dass Kalia sich so positionierte, dass Savara und Halana zwischen ihr und Tyvara waren. Die beiden Anf�hrerinnen diskutierten dar�ber, was sie tun w�rden, wenn befreite Sklaven nicht in der Lage waren, die Verr�ter mit Nahrung zu versorgen. Es war nicht viel Zeit vergangen, als Savara pl�tzlich so laut sprach, dass alle sie h�ren konnten.</p><p>�Was ist das f�r ein Problem, �ber das ihr sprecht, Kalia?�</p><p>Lorkin blickte zu der Frau hin�ber, die in seine Richtung schaute, dann sah er wieder die K�nigin an. Sie straffte sich.</p><p>�Wir haben einen Nichtverr�ter unter uns. Ich habe Cyria lediglich geraten, vorsichtig zu sein.�</p><p>�Cyria braucht hier vor niemandem auf der Hut zu sein. Wir sind alle Verr�ter.�</p><p>�Lorkin ist Kyralier.�</p><p>�Der Geburt nach. Jetzt ist er ein Verr�ter. Unter uns sind ehemalige Sklaven und Frauen, die vormals Ehefrauen und Schwestern der Ashaki waren. Alle haben sich daf�r entschieden, sich uns anzuschlie�en. Alle werden gebraucht.�</p><p>�Aber er ist ein Gildemagier und ein <emphasis>Mann</emphasis>.�</p><p>Savara l�chelte. �Wenn mein Treffen mit seiner Mutter seinen Zweck erf�llt h�tte, w�rden wir zusammen mit vielen hundert Gildemagiern nach Arvice marschieren, und eine gro�e Anzahl dieser Magier w�ren M�nner gewesen. W�rde dir so viel m�nnliche Gesellschaft Angst machen, Kalia?�</p><p>�Nat�rlich nicht! Obwohl ich ihnen nicht so leicht vertrauen w�rde, wie Ihr es vielleicht tut.� Kalia warf Savara einen Seitenblick zu. �Also � die Gilde wird nicht gegen die Ashaki in den Krieg ziehen. Und er ist immer noch hier? Seid Ihr Euch <emphasis>sicher</emphasis>, dass er kein Spion ist?�</p><p>�Ich bin mir sicher.�</p><p>�Erwartet Ihr wirklich �?� Kalia verstummte, als einer der Verr�ter im hinteren Teil der Gruppe Savaras Namen rief. Alle drehten sich um und sahen, dass der Mann auf die Stra�e zeigte. Mehrere hundert Schritte hinter ihnen wogte eine Staubwolke hinter einem Reiter, der auf sie zugaloppierte.</p><p>�Genug�, befahl Savara. �Und sch�tzt euch mit eurem Schild.�</p><p>Es dauerte nicht lange, bis der Reiter sie erreichte; das Pferd verlangsamte zum Schritt, und seine Flanken hoben und senkten sich und waren dunkel von Schwei�. Der Reiter war ein junger Mann in feiner Kleidung, aber sein K�rperbau und seine Gesichtsfarbe legten die Vermutung nahe, dass es sich um einen ehemaligen Sklaven handelte.</p><p>�K�nigin Savara�, sagte er und legte sich eine Hand aufs Herz. �Ich bin hierhergeschickt worden, um Euch zu warnen, dass Euch zwei Kyralier folgen.� Er hielt inne, um nachzudenken. �Schwarzmagierin Sonea und Asha� Lord Regin. Wir haben versucht, sie auf dem Besitz festzuhalten, aber sie haben unserem Befehl, dort zu bleiben, zuwidergehandelt und sich mit Hilfe von Magie einen Weg erzwungen.�</p><p>Lorkin unterdr�ckte einen Seufzer. Er h�tte es sich denken sollen. <emphasis>Wenn ich Tyvara nicht ohne mich in den Krieg ziehen lassen konnte, warum sollte ich erwarten, dass meine Mutter nicht das Gleiche tun w�rde?</emphasis></p><p>�Wurde irgendjemand verletzt?�</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf.</p><p>Kalia murmelte etwas. Savara starrte die Frau mit schmalen Augen an. Dann drehte sie sich zu Lorkin um und zog fragend die Augenbrauen hoch.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich wei� es nicht. Sie hat nicht gesagt, dass sie vorhatte, mir zu folgen � uns.�</p><p>�Spion�, sagte Kalia.</p><p>Die K�nigin runzelte die Stirn. �Genug, Kalia.� Sie betrachtete die Gruppe, und ihr Blick fiel auf zwei Verr�ter, einen m�nnlichen und einen weiblichen. �Saral und Temi. Reitet Schwarzmagierin Sonea entgegen und bittet sie, ihr Verhalten zu erkl�ren.� Sie griff in einen Beutel an ihrer Taille und nahm einen Ring heraus. Als sie ihn der Frau zuwarf, reflektierte ein gelber Splitter das Sonnenlicht. �Benutzt dies, um mir mitzuteilen, was sie sagen.�</p><p>Die beiden nickten, verzogen in offensichtlichem �rger �ber die Aufgabe das Gesicht und ritten dann mit dem Boten davon. Savara setzte ihr Pferd in Bewegung und schaute auf die Stra�e, die vor ihnen lag. In grimmigem Schweigen setzten die beiden Gruppen ihren Weg zum n�chsten Gut fort, zum n�chsten Kampf.</p><p>Lilia holte tief Luft und stie� den Atem seufzend wieder aus, als sie zu schreiben begann und versuchte, ihren Notizen �ber die Heilungsdemonstration vom Morgen einen Sinn abzuringen. Obwohl die Anzahl der F�cher, die sie studierte, verringert worden war und man ihren Abschluss hinausgez�gert hatte, fiel es ihr in Zeiten wie diesen immer noch schwer, sich zu konzentrieren.</p><p><emphasis>Es war einfacher, die n�tige Begeisterung aufzubringen, als ich noch dachte, dass ich das Heilen vielleicht als Disziplin w�hlen w�rde. Jetzt, da ich �berhaupt keine Disziplin w�hlen kann, welchen Sinn hat es da?</emphasis> Sie w�rde eine Schwarzmagierin sein, und es war wichtiger, dass sie bereit war zu k�mpfen, als zu heilen. <emphasis>Nicht dass mich die Kriegskunstlektionen pl�tzlich in Begeisterung versetzen w�rden. Aber diese neuen Lektionen mit Kallen </emphasis>waren<emphasis> interessant. Vielleicht weil es viel gibt, was wir �ber schwarze Magie noch lernen k�nnen. Es ist nicht so, als h�tte die Gilde sie seit Jahrhunderten studiert und w�sste alles dar�ber.</emphasis></p><p>Die Heilung an diesem Morgen hatte einem Mann gegolten, der w�hrend eines �bungskampfes mit dem Schwert versehentlich verletzt worden war. Das h�lzerne �bungsschwert hatte das geh�rtete Leder der R�stung durchsto�en, war aber nicht tief eingedrungen. Dergleichen kam selten vor. Ein Hieb mit dem Holzschwert glitt f�r gew�hnlich von der Lederr�stung ab, und Stiche wurden nicht mit voller Kraft gesetzt. Aber der jetzt Verletzte war auf seinen bereits sehr w�tenden �bungsgegner zugesprungen, der mehr Kraft eingesetzt hatte, als ihm bewusst gewesen war.</p><p><emphasis>Ein schneller, energischer Stich,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Das ist der Grund, warum ich Magie benutzen will statt eines Messers, um die nat�rliche Barriere der Haut aufzuschlitzen, bevor ich schwarze Magie benutze, um Macht zu nehmen. </emphasis>Etwas erregte ihre Aufmerksamkeit, und als sie aufblickte, stellte sie fest, dass die Lehrerin sie beobachtete. Sie begriff, dass sie ins Leere gestarrt hatte und ihre Notizen vergessen waren. <emphasis>Und ich habe dar�ber nachgedacht, wie ich jemanden mit schwarzer Magie t�ten kann.</emphasis></p><p>Andere drehten sich zu ihr um, aber sie ignorierte sie. Als sie an diesem Morgen die Universit�t betreten hatte und sp�ter dann die Speisehalle, waren die Blicke und das Getuschel der anderen Novizen beinahe genauso schlimm gewesen wie damals, als sie das erste Mal an die Universit�t zur�ckgekehrt war. H�chstwahrscheinlich hatte Bokkin etwas �ber ihre Lektion bei Kallen gesagt. Nat�rlich nicht die Wahrheit. Bokkin w�rde nicht zugeben wollen, dass er sich in eine Situation gebracht hatte, in der man seine Gedanken lesen konnte, daher hatte er wahrscheinlich etwas erfunden. Sie w�nschte, Kallen h�tte vor den anderen Novizen gesagt, was er von Bokkin wollte. Dann w�rden sie wissen, dass sie Bokkins Gedanken gelesen hatte, und wenn sie etwas �ber ihn offenbarte, konnte er nicht leugnen, dass es wahr war.</p><p><emphasis>Nicht dass ich den Leuten erz�hlen w�rde, was ich in seinem Geist gesehen habe, </emphasis>dachte sie. <emphasis>Es kommt mir einfach falsch vor. </emphasis>Obwohl Bokkin nicht �berlistet oder gedr�ngt worden war und er jederzeit h�tte gehen k�nnen. <emphasis>Er k�nnte etwas anderes behaupten. Er kann Kallen oder mir nichts zur Last legen, weil er von einem Magier seine Gedanken lesen lassen m�sste, um es zu best�tigen. Trotzdem, er k�nnte andeuten, dass etwas anderes geschehen sei.</emphasis></p><p>Sie dachte �ber seine Strategie � sein Bed�rfnis � nach, andere zu schw�chen, bevor sie st�rker wurden als er. Wenn es ihm nicht gefiel, wenn jemand st�rker war als er, dann w�rde er niemals gl�cklich sein. Er war umringt von st�rkeren Magiern, und da seine magische St�rke durchschnittlich war, w�rde das immer so sein.</p><p><emphasis>Vielleicht wird er irgendwo anders hingehen, sobald er seinen Abschluss hat. Irgendwohin, wo alle anderen schw�cher sind. </emphasis>Sie schauderte. Was w�rde er tun, um daf�r zu sorgen, dass er der St�rkste war und andere das auch wussten? <emphasis>Irgendjemand muss ihn im Auge behalten. </emphasis>Vielleicht w�rde es Kallen tun oder die anderen H�heren Magier. Oder sie. Eines Tages w�rde sie eine H�here Magierin sein. Sie k�nnte am Ende sogar diejenige sein, die Bokkin beobachten musste.</p><p>�Lady Lilia.�</p><p>Ihr Herz machte einen Satz, als sie begriff, dass sie wieder ins Leere gestarrt hatte. Die Lehrerin sah sie jedoch nicht missbilligend an. Sie zeigte auf die T�r. Als Lilia dem Blick der Frau folgte, entdeckte sie ein vertrautes Gesicht, und wieder durchzuckte sie ein Stich.</p><p>Jonna. Die Dienerin winkte ihr zu.</p><p>Lilia erhob sich von ihrem Platz, verbeugte sich vor der Lehrerin und schl�pfte dann zwischen die Schreibpulte und aus dem Raum hinaus.</p><p>�Was ist los?�, fragte sie, w�hrend Jonna sich im Flur umsah.</p><p>�Anyi war in Soneas R�umen�, berichtete sie. �Sie sagte, es sei vielleicht ein Eindringling � Ihr wisst schon, wo.�</p><p>Lilia stockte der Atem. �Wie lange ist das her?�</p><p>�Sie hatte einige Zeit gewartet, aber ich bin mir nicht sicher, wie lange. Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, in welchem Klassenzimmer Ihr seid.�</p><p>�Ich sollte mich beeilen �� Lilia machte einen Schritt den Flur hinunter, dann hielt sie inne. �Ich sollte in die andere Richtung gehen. So werde ich schneller sein. K�nntest du zur�ckkehren und ihr Bescheid geben?�</p><p>Jonna sch�ttelte den Kopf. �Sie ist bereits zur�ckgegangen.� Die Dienerin runzelte die Stirn. �Wenn Ihr die Richtung meint, die ich vermute � Ich werde mitkommen und daf�r sorgen, dass niemand sieht, dass Ihr diesen Weg benutzt.�</p><p>�Danke, Jonna.� Lilia lief auf einen Seitenflur zu und f�hrte Jonna tiefer in die Universit�t hinein. Als sie die versteckte T�r erreichten, ging Jonna zum n�chsten Seitengang und sp�hte in die Dunkelheit.</p><p>Sie nickte. �Alles klar. Seid vorsichtig�, fl�sterte sie.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte Lilia. Dann zog sie den Hebel, der die T�r �ffnete, und trat in die Dunkelheit dahinter.</p><p>�Es ist ein unglaublicher Gedanke, dass all diese Menschen Sklaven waren�, sagte Regin.</p><p>�Ja�, pflichtete Sonea ihm bei.</p><p>Sie hatten soeben einen langen, niedrigen H�gel erklommen. Vor ihnen erstreckte sich die Stra�e in einer fast geraden Linie, und es wimmelte von Menschen und Wagen; sogar elegante Kutschen waren gelegentlich zu sehen. Zuerst hatte Sonea sich gefragt, welchen Grund die ehemaligen Sklaven haben mochten umherzustreifen � abgesehen davon, dass sie ihre neugefundene Freiheit nutzen wollten, um hinzugehen, wo immer sie hingehen wollten. Gewiss ergab es Sinn, die Anwesen zu �bernehmen, auf denen sie gearbeitet hatten, so dass sie Nahrung und ein Dach �ber dem Kopf haben w�rden.</p><p>Dann hatten sie das Wiedersehen zwischen zwei Frauen beobachtet, einer �lteren und einer j�ngeren, und begriffen, dass sie Mutter und Tochter waren. Eine junge Frau stie� einen Freudenschrei aus, als ein Mann ihr einen S�ugling reichte. Zwei junge M�nner eilten einander entgegen und riefen: �Bruder!� Paare aller Altersklassen umarmten sich und redeten miteinander.</p><p><emphasis>Ihre Herren haben ihnen wohl verboten zu heiraten, </emphasis>dachte sie. <emphasis>Sie haben sie gez�chtet wie Haustiere, aber sie konnten sie nicht daran hindern, die Bande von Liebe und Familie zu versp�ren, trotz der Sklaverei, die es hier seit �ber tausend Jahren gibt.</emphasis></p><p>�Ich habe immer geglaubt, dass Sklaverei unrecht sei, und ich war stolz darauf, dass Kyralia ihr ein Ende gemacht hat, sobald wir frei waren, dies zu tun�, sagte Regin. �Aber das ist vor Jahrhunderten geschehen. Wir Kyralier haben es niemals wirklich begriffen, weil wir es nie selbst gesehen haben.�</p><p>Sonea nickte. Sie betrachtete Regin und versp�rte eine unerwartete Zuneigung. <emphasis>Falls die Verr�ter verlieren, dann hatte ich zumindest Gelegenheit, das Mitgef�hl und die Demut in ihm zu sehen.</emphasis></p><p>�Vielleicht ist das der Grund, warum wir es nicht geschafft haben, der Sklaverei ein Ende zu machen�, fuhr er fort, �als wir Sachaka erobert haben. Es war zu lange her, seit wir selbst darunter gelitten hatten.�</p><p>Sonea sch�ttelte den Kopf. �Aber es waren nur einige Jahrhunderte vergangen, seit Kyralia und Elyne ihre Unabh�ngigkeit wiedererlangt und die Sklaverei beendet hatten.�</p><p>�Zeit genug f�r jene, die wussten, wie es war, an Altersschw�che zu sterben, und f�r deren Nachfahren, das ganze Konzept nur noch als blasse, abstrakte Idee zu empfinden.�</p><p>�Und doch haben wir immer noch eine Abneigung dagegen, die seit siebenhundert Jahren von Generation zu Generation weitergegeben wird.�</p><p>�Nur weil es etwas ist, das wir mit Sachaka in Verbindung bringen.�</p><p>Sonea lachte leise. �Ah, ja. Weil die Sklaverei sie hassenswert gemacht hat, was uns das Gef�hl gegeben hat, moralisch �berlegen zu sein. Untersch�tzt niemals die Freude, Fehler bei anderen zu finden.�</p><p>Regin sah sie stirnrunzelnd an. �Ihr denkt doch nicht, dass Sklaverei ��</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich w�nschte nur, wir h�tten sie abgeschafft, als wir die Chance dazu hatten.� Sie deutete auf die Menschen vor ihnen. �Und dass die Verb�ndeten L�nder die Einladung der Verr�terinnen akzeptiert h�tten.�</p><p>�Ihr w�rdet wollen, dass wir in den Krieg ziehen, obwohl die meisten von uns zu schwach sind, um etwas auszurichten?�</p><p>�Ja. Aber auf unsere eigene Weise.�</p><p>Regin sah sie an, dann weiteten sich seine Augen. �Indem die Gilde Euch und Kallen all unsere Macht gegeben h�tte.�</p><p>�Die ich bereits genommen habe. Wir h�tten nur Vorbereitungen treffen und nach Kallen schicken m�ssen.�</p><p>�Oder Lilia?� Regin runzelte die Stirn. �Nein � sie ist zu jung.�</p><p>�Nicht viel j�nger, als ich es war, als ich in meinem ersten Krieg gek�mpft habe, aber ja, ich w�rde ihr das nicht w�nschen, und wir sollten nicht riskieren, alle Magier mit Kenntnissen der schwarzen Magie zu verlieren.�</p><p>Regin l�chelte. �Obwohl es den Anschein hat, als k�nne man schwarze Magie doch aus einem Buch lernen.�</p><p>�Ja.� Sonea seufzte. �Ich nehme an, die Gilde wird ihren Kampf gegen schwarze Magie bald verlieren. Wenn die Verr�terinnen siegen, wird es noch schwerer sein �� Sie hielt inne, als sie ein Paar entdeckte, das auf sie zuritt. Sie trugen Verr�tergew�nder und kamen ihr bekannt vor. Die beiden musterten sie und Regin. �Diese zwei sehen aus, als wollten sie mit uns sprechen.�</p><p>Regin blinzelte ins helle Sonnenlicht. �Und sie wirken auch nicht �berrascht, uns zu sehen. Ich nehme an, irgendjemand hat ihnen erz�hlt, dass wir nicht nach Hause zur�ckgekehrt sind.�</p><p>Sie beobachteten, wie die beiden n�her kamen. <emphasis>Ein Mann und eine Frau, </emphasis>bemerkte Sonea. <emphasis>Ist sie die Magierin und er eine Quelle der Macht?,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. <emphasis>Oder haben die Verr�terinnen ihre M�nner in der Benutzung von Magie ausgebildet, damit sie k�mpfen konnten?</emphasis> Einige Schritte entfernt wendeten die beiden ihre Pferde, um Sonea den Weg zu versperren.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte die Frau. �Lord Regin. Ich bin Saral, und das ist Temi. K�nigin Savara fragt, warum Ihr nicht nach Hause zur�ckgekehrt seid.�</p><p>Sonea hielt inne, als w�rde sie �ber ihre Antwort nachdenken. Sie hatte die Frage erwartet, wollte aber nicht, dass ihre Antwort allzu einstudiert klang.</p><p>�Die Gilde ist verpflichtet, daf�r zu sorgen, dass ihre Mitglieder sicher sind, wenn sie sich in anderen L�ndern aufhalten�, erkl�rte sie. �Ich bin hier, um sicherzustellen, dass unseren Heilern keine Gefahr drohen wird.�</p><p>Die Augen der Frau wurden ausdruckslos, dann konzentrierte sie sich wieder auf Sonea. �Wir werden daf�r sorgen, dass keinem Gildemagier, der Sachaka bereist, etwas zust��t.�</p><p>�Also habt Ihr die Zeit, die Stra�en abzusichern, und Ihr habt Leute, denen es freisteht, als Wachen und Eskorten zu dienen, w�hrend Ihr gleichzeitig gegen die Ashaki k�mpft? Mir w�re es lieber, Ihr w�rdet Eure Kraft in das Erreichen Eures Ziels investieren.� Sonea trat vor, bis sie zu Saral aufschaute, und sie sprach die Frau an, von der sie wusste, dass sie sie durch den Ring an Sarals Finger beobachtete. �Nicht zuletzt deshalb, weil Ihr meinen Sohn bei Euch habt�, f�gte sie entschlossen hinzu. �Erwartet Ihr wirklich von mir, dass ich heimkehre? Ich bin eine einzelne Magierin und stelle keine Bedrohung f�r Euch oder Euer Volk dar, K�nigin Savara.� Sie l�chelte. �Ob Ihr Lorkin bei Euch habt oder nicht.�</p><p>Saral reckte das Kinn vor, dann flackerte ihr Blick erneut, und sie runzelte die Stirn. Ihr Gesicht wurde lang, und sie schaute auf Sonea herab.</p><p>�Ihr d�rft nach Arvice weiterreisen�, sagte sie. �Unter der Bedingung, dass Ihr die Stadt nicht vor uns betretet und Euch nicht auf die Seite der Ashaki schlagt. Ich kann f�r Eure Sicherheit nicht garantieren, wenn Ihr uns in den Weg kommt, und wenn Ihr oder Euer Liebhaber die Schlacht gegen uns beeinflusst, wird man Euch beide t�ten.�</p><p>Sonea neigte den Kopf. �Ich gebe Euch mein Wort, dass wir diese Bedingungen einhalten werden.�</p><p>Sarals Lippen wurden schmal, und ihre Schultern sackten herab. �Temi und ich werden Euch eskortieren�, erkl�rte sie. Temi, der neben ihr war, gab einen leisen Laut des Protests von sich.</p><p>Sonea nickte abermals. �Danke. Um Peinlichkeiten zu vermeiden, sollte ich darauf hinweisen, dass Ihr Euch in einem Punkt irrt.�</p><p>�Was?� Sarals Augen wurden schmal.</p><p>�Lord Regin ist nicht mein Liebhaber.�</p><p>Die Frau zog ungl�ubig die Augenbrauen hoch. Sie erwiderte nichts, sondern wendete stattdessen ihr Pferd, so dass sie in die Richtung schaute, aus der sie gekommen war. Temi folgte ihrem Beispiel und grinste, als er eine Position auf Soneas anderer Seite einnahm. Regin trat neben Sonea und sah ihr kurz in die Augen.</p><p>�Verr�ter tratschen genauso gern wie alle anderen auch�, murmelte er l�chelnd.</p><p>Sonea zuckte die Achseln und setzte sich in Bewegung. Solcher Klatsch konnte gef�hrlich sein. Ein Feind, der sie f�r ein Liebespaar hielt, w�rde vielleicht versuchen, Regin etwas anzutun, um sie zu erpressen. Aber, wie sie durch Saral Savara gegen�ber angedeutet hatte, wenn die Verr�terinnen sie erpressen wollten, hatten sie bereits Lorkin. <emphasis>Trotzdem � Regin w�re eine bessere Zielscheibe, falls Tyvara etwas an Lorkin liegt und Savara etwas an Tyvaras Gef�hlen liegt.</emphasis></p><p>Sie sah Regin an, und er begegnete ihrem Blick. Wenn er sich Sorgen machte, hielt er es gut verborgen. Er hob fragend die Augenbrauen, dann verzog sich sein Mund zu einem kleinen, heimlichen L�cheln. Sie schaute weg. <emphasis>Jeder, der ihn beobachtet, w�rde denken, dass wir tats�chlich ein Paar sind. </emphasis>Sie dachte an die Tage zur�ck, die sie seit ihrem Aufbruch aus Imardin miteinander verbracht hatten. Es war eine Erleichterung gewesen, festzustellen, dass sie miteinander auskamen. Dass ihr seine Gesellschaft nichts ausmachte und ihm ihre auch nichts auszumachen schien. Aber was war es, das andere sahen und das sie auf die Idee brachte, dass da mehr im Spiel war? <emphasis>Ich tue nichts, </emphasis>�berlegte sie. <emphasis>Ist es dann Regin? Gewiss �</emphasis></p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Nein. Er ist nicht in mich verliebt. Mach dich nicht l�cherlich.</emphasis></p><p>Aber was, wenn er doch in sie verliebt war? Sie �berlegte. Versuchte, sich an alles zu erinnern, was er gesagt hatte. Versuchte, sich daran zu erinnern, wie er mit ihr gesprochen, wie er sich in ihrer Gesellschaft benommen, wie er sie <emphasis>angesehen</emphasis> hatte. Sie erinnerte sich daran, dass sie begonnen hatte, sich zuvor dieselbe Frage zu stellen, in der Kutsche, nachdem sie das Fort verlassen hatten. Was hatte er gesagt, das ihre Gedanken in diese Richtung gelenkt hatte? Dass er sie schon seit Jahren bewundere.</p><p><emphasis>Hat er versucht, mir mehr zu sagen?</emphasis> Sie sch�ttelte abermals den Kopf. <emphasis>Kommt es mir jetzt nur so vor, nachdem ich dar�ber nachgedacht habe?</emphasis></p><p>Sie konnte ihn nicht fragen, weil die Verr�ter sie h�ren w�rden. Aber wenn sich eine Gelegenheit bot, unter vier Augen mit Regin zu sprechen � Bei dem Gedanken daran schn�rte sich ihr die Kehle zu. <emphasis>Das kann ich nicht. Was, wenn ich mich irre? Es w�re peinlich f�r uns beide. Oder w�re es schlimmer, wenn ich recht h�tte? Zumindest bin ich mir sicher, dass ich nicht in ihn verliebt bin.</emphasis></p><p>Ein Gewirr widerspr�chlicher Gef�hle und Gedanken folgte. Es kostete sie ihre gesamte Selbstbeherrschung, ihre Schritte regelm��ig und ihr Gesicht ruhig zu halten. Dann, so schnell er aufgekommen war, endete der Konflikt, und sie war �berrascht und entsetzt.</p><p><emphasis>Also. Ich bin in ihn verliebt. Nein, ich </emphasis>k�nnte <emphasis>es sein. Das ist etwas anderes. Das Potenzial ist da, aber es ist nicht so. Noch nicht,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. Aber sie w�rde Regin nichts davon sagen. Und wenn er Gef�hle f�r sie andeutete, w�rde sie ihn entmutigen m�ssen. Es war nicht so, als h�tte sie ihm nicht verziehen. Er war zu einem so viel besseren Menschen geworden, als es der Novize gewesen war, den sie gehasst hatte. Es war nicht so, dass sie nicht �ber Akkarin hinweggekommen war � nun, vielleicht nicht genug, um einen anderen Mann zu lieben. Es war nicht einmal das Problem, dass es Regin verletzbar machte, sollte jemand versuchen, sie zu erpressen. Es lag daran, dass �</p><p>Ein Stich des �rgers durchzuckte sie. Woran lag es, dass die einzigen M�nner, die ein romantisches Interesse an ihr zeigten, kein Recht dazu hatten? Nicht, dass sie einen konkreten Beweis f�r Regins Interesse gehabt h�tte. Was nur gut war, denn obwohl Regin sich von seiner Frau getrennt hatte, war er vor dem Gesetz noch immer verheiratet.</p></section><section><title><p>23</p><p>Das Ultimatum</p></title><p>Dannyl ging in seinen R�umen auf und ab.</p><p><emphasis>Es muss doch irgendeine M�glichkeit geben, wie ich Achati warnen kann, ohne zu offenbaren, woher wir wissen, dass die Verr�terinnen kommen.</emphasis> Es w�rden noch einige Tage bis zu ihrer Ankunft vergehen, und sie mussten sich benehmen, als sei nichts Ungew�hnliches im Gange, daher hatte Tayend das Gildehaus verlassen, um einen Kaufmann, einen Ashaki, zu treffen, und Merria machte einen Nachmittagsbesuch auf dem Markt, zusammen mit einer Freundin, die die Stadt noch nicht verlassen hatte. Auf diese Weise war Dannyl allein zur�ckgeblieben, um �ber sein Dilemma nachzugr�beln. <emphasis>Ich k�nnte so tun, als h�tte mir einer der Sklaven verraten, dass die Verr�terinnen kommen. Oder als h�tte man mir eine Nachricht geschickt. Aber was, wenn das dazu f�hrt, dass die Ashaki weitere Sklaven foltern?</emphasis></p><p>Eine Bewegung in der T�r erregte seine Aufmerksamkeit. Als er sich umdrehte, sah er Kai, der sich zu Boden warf.</p><p>�Ashaki Achati ist hier, um Euch zu sprechen.�</p><p><emphasis>Er ist hier!</emphasis> Dannyl wurde leichter ums Herz, dann machte sich erneut Mutlosigkeit in ihm breit. <emphasis>Und ich habe noch immer keine L�sung.</emphasis> Er sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Nun, es ist erst ein halber Tag vergangen. Selbst wenn mir etwas eingefallen w�re, h�tte ich es zuvor mit Tayend besprechen m�ssen, daher w�rde ich mich ohnehin so benehmen m�ssen, als w�sste ich von nichts.</emphasis></p><p>�Lass etwas zu essen und Wein bringen.�</p><p>Der Sklave erhob sich und eilte davon. Dannyl trat in den Flur und machte sich auf den Weg zum Herrenzimmer. Eine Woge der Zuneigung stieg in ihm auf, als Achati sich umdrehte und ihn anl�chelte.</p><p>�Botschafter Dannyl.�</p><p>�Ashaki Achati.� Dannyl neigte den Kopf. �Es ist eine Freude, Euch wiederzusehen.�</p><p>Das L�cheln des Sachakaners verschwand. �Ah, ich hoffe, es wird immer eine Freude sein.� Er seufzte. �Ich habe Neuigkeiten.�</p><p>�Gute oder schlechte?� Dannyl f�hrte den Mann zu einem Hocker und nahm auf seinem gewohnten Stuhl Platz.</p><p>Achati dachte nach. �Es sind keine guten Neuigkeiten. Auch keine �berm��ig schlechten. Wahrscheinlich vorteilhaft.�</p><p>�Jetzt dr�ckt Ihr Euch aber mysteri�s aus.�</p><p>�Ich beantworte lediglich die Frage.� Um Achatis Augenwinkel erschienen feine F�ltchen, dann wurde er wieder ernst. Zwei Sklaven kamen mit dem Wein und dem Essen. Achati wartete, bis sie gegangen waren, bevor er wieder sprach.</p><p>�Die Verr�ter haben sich aus den Bergen gewagt und begonnen, �berall im Land unsere G�ter anzugreifen�, berichtete er mit leiser Stimme. �Sie haben jeden Magier get�tet, auf den sie getroffen sind, und n�hern sich jetzt Arvice. Es scheint, als h�tten sie die Absicht, ganz Sachaka in ihre Gewalt zu bringen.�</p><p>Eine Welle der Erleichterung durchflutete Dannyl, und er hoffte, dass er diese Regung gut verbergen konnte. <emphasis>Er wei� Bescheid! Ich brauche ihn nicht zu warnen. Aber ich kann nicht zugeben, dass wir es bereits wussten.</emphasis> Er trank einen Schluck Wein und dachte dar�ber nach, wie er reagieren sollte. <emphasis>Nicht mit �berraschung. Er hat die M�glichkeit einer Verr�terrebellion schon fr�her erw�hnt.</emphasis></p><p>�Ihr habt damit gerechnet, dass dies geschehen k�nnte�, sagte er, �aber bezweifelt, dass sie stark genug w�ren, um eine Gefahr darzustellen.�</p><p>�Ich bezweifle es noch immer.� Achati zuckte die Achseln. �Deshalb ist dies zwar keine gute Neuigkeit, aber vielleicht trotzdem vorteilhaft. Es ist unwahrscheinlich, dass die Verr�terinnen �berleben, also werden wir sie endlich los sein. Bedauerlicherweise werden wir dabei viele gute M�nner verlieren. Der K�nig will ihnen keine Streitkr�fte entgegenschicken. Sie greifen aus allen Richtungen an, daher w�rde es unsere Reihen ausd�nnen, wenn wir versuchten, es mit ihnen allen aufzunehmen. Er hat Nachrichten ausgeschickt und den Ashaki und ihren Familien befohlen, sich in die Stadt zur�ckzuziehen.�</p><p>�Werden sie ihm gehorchen?�</p><p>Achati nickte. �Die meisten werden gehorchen, aber ob sie es schnell genug tun werden, ist eine andere Frage. Und es gibt einen Nachteil, den wir nicht vorhergesehen haben.� Er hielt inne, um sich im Raum umzuschauen. �Sklaven haben die Gelegenheit genutzt, um zu rebellieren. Die meisten, indem sie von den G�tern fliehen, kurz bevor die Verr�ter eintreffen, aber einige haben ihre Besitzer angegriffen.�</p><p>�Und Erfolg gehabt?�</p><p>�Nur in wenigen F�llen � mit Gift. Was einer der Gr�nde ist, warum ich Euch dies erz�hle. Seid vorsichtig im Umgang mit Euren Sklaven, Botschafter Dannyl.�</p><p>Dannyl betrachtete das Weinglas in Achatis Hand. Der Mann hatte bisher noch nicht einmal daran genippt. Hatte er Angst vor den Sklaven hier? Die Sklaven des Gildehauses geh�rten dem K�nig, aber das hatte die Verr�terinnen nicht daran gehindert, Spione einzuschleusen. Dannyl hatte nur wenig von dem Wein getrunken und das Essen nicht anger�hrt. Er sandte seinen Geist hinein, fand aber keine Anzeichen daf�r, dass das Essen oder der Wein verdorben waren.</p><p>�Ich sollte in der Lage sein, die Wirkung von Gift mit heilender Magie aufzuheben�, sagte er zu Achati.</p><p>Achati lachte und hob das Glas an die Lippen. �Eine n�tzliche F�higkeit.�</p><p>Dannyl nickte. �Haben Botschafter Tayend, Lady Merria und ich etwas von den Verr�tern zu bef�rchten?�</p><p>Achati sch�ttelte den Kopf. �Ich sehe keinen Grund, warum sie Euch angreifen sollten, solange Ihr ihnen nicht in die Quere kommt. Wenn die Dinge sich durch irgendein Missgeschick zum Schlechteren wenden und die Verr�terinnen die Stadt erreichen �� Er hielt inne und seufzte, und seine Schultern sackten herab. �Ich gestehe, dass ich bef�rchte, dass Euch von meinen Leuten mehr Gefahr drohen w�rde als von ihnen. Der K�nig hat Euch so behandelt, als w�rdet Ihr mit den Verr�terinnen zusammenarbeiten. Wenn die Rebellen gro�en Schaden anrichten, k�nnten einige Ashaki hierherkommen, um nach Vergeltung zu suchen. Oder sie k�nnten � wenn die Schlacht einen schlimmen Verlauf nimmt � danach trachten, ihren Vorrat an Macht aufzuf�llen.�</p><p>Dannyl starrte Achati an. Wenn der Mann zugab, dass seine Leute dies tun k�nnten � musste eine reale Gefahr bestehen.</p><p>�Was sollen wir tun?�</p><p>Achati hielt Dannyls Blick stand. �Im Hafen liegt ein Schiff mit Namen <emphasis>Die Kala.</emphasis> Der Kapit�n hat Anweisung, Euch, Botschafter Tayend und Lady Merria an Bord zu nehmen, falls Ihr darum ersucht. Er wird Euch nach Kyralia zur�ckbringen.�</p><p><emphasis>Aber Osen hat uns befohlen zu bleiben � ah, ich kann ihm das nicht sagen, ohne zu offenbaren, dass wir bereits von dem Angriff wussten. Trotzdem, Osen wird vielleicht seine Meinung �ndern, sobald ich ihm berichte, was Achati bef�rchtet.</emphasis></p><p>�Danke. Ich werde die Gilde fragen m�ssen, was sie von uns erwartet. W�rdet Ihr �?� Dannyl hielt inne und fragte sich, was Osen von dem Vorschlag halten w�rde. <emphasis>Wenn es bedeutete, dass wir sicher w�ren, w�rde er zustimmen.</emphasis> �W�rdet Ihr mit uns kommen?�</p><p>Die Augen des Sachakaners weiteten sich ein wenig. Er l�chelte und ber�hrte Dannyls Arm in einer Geste der Zuneigung. �Mein Platz ist hier, bei meinem K�nig und meinem Volk.� Er wedelte mit der anderen Hand, in der er das Weinglas hielt. �Und es ist ohnehin sehr unwahrscheinlich, dass die Verr�terinnen die Stadt erreichen werden. Das Schiff ist nur eine Vorsichtsma�nahme.� Er dr�ckte sanft Dannyls Arm, dann lie� er ihn los. �Und ein hervorragender Vorwand, um Euch zu besuchen.�</p><p>�Ich wei� die Warnung zu sch�tzen. Und den Besuch.� Dannyl stellte sein Weinglas beiseite. �Aber Ihr habt Tayend verpasst. Und Merria.�</p><p>�Ein Jammer. Ich werde vielleicht bis zum Ende dieser kleinen Krise keine Zeit mehr er�brigen k�nnen, um Euch erneut zu besuchen.�</p><p>Dannyls Herz verkrampfte sich. <emphasis>Wenn er sich in Bezug auf die Verr�terinnen irrt, k�nnte es sein, dass wir das letzte Mal zusammen sind.</emphasis></p><p>�Aber ich habe das Haus den Abend �ber ganz f�r mich allein. K�nnt Ihr lange bleiben?�</p><p>Achati zog die Augenbrauen hoch und l�chelte. �Vielleicht f�r ein oder zwei Stunden.�</p><p>Die Schatten des Kerzenlichts zitterten an den W�nden. Obwohl dies am Flackern der Flammen zu liegen schien, wusste Cery, dass ein Teil der Bewegung auf das Zittern seiner Hand zur�ckging. Er sp�rte, wie hei�es Wachs �ber seine Kn�chel tropfte, und senkte den Blick. Obwohl es sich anf�hlte, als h�tten sie seit einer Stunde so dagestanden, war die Kerze nicht sichtlich k�rzer geworden.</p><p>Er schaute zu Gol hin�ber, der ebenfalls eine Kerze bereithielt. Cery runzelte die Stirn, als Gol von einem Fu� auf den anderen trat und die Flamme einem �lpapierstreifen gef�hrlich nahe kam. Er konnte Gols schnellen Atem h�ren. Sein eigener Atem erschien ihm zu laut. Er versuchte, tiefer und leiser zu atmen, versuchte, sein rasendes Herz zu zwingen, langsamer zu schlagen, besorgt, dass eins der beiden Ger�usche n�her kommende Schritte verbergen w�rde.</p><p><emphasis>Skellin � falls es Skellin ist � wird uns h�ren und wissen, dass wir auf ihn warten. Es gibt f�r uns nur einen m�glichen Grund hierzubleiben, obwohl wir wissen, dass er kommt: dass wir ihm eine Falle gestellt haben. Ich w�rde das begreifen. Er gewiss ebenfalls.</emphasis></p><p>Mehrere Arten, wie sein Plan scheitern konnte, gingen ihm durch den Kopf. Er wusste, dass die Falle nicht perfekt war. Das Minenfeuer k�nnte losgehen, bevor er und Gol eine Chance hatten, sich weit genug zu entfernen. Es k�nnte zu sp�t losgehen, um Skellin Schaden zuzuf�gen. Obwohl sie hofften, dass es ihn t�ten w�rde, bestand ihr Ziel darin, ein Loch in die G�rten �ber ihnen zu sprengen und den wilden Magier so der Gilde auszuliefern. Aber was war, wenn es sich nicht so f�gte? Was, wenn es kein Loch gab und Skellin �berlebte?</p><p>Was, wenn Skellin nicht pers�nlich kam, um sich Cerys anzunehmen? Was, wenn Cery und Gol ein Loch in die G�rten und m�glicherweise sich selbst in die Luft sprengten, nur um Skellins Lakaien der Gilde auszuliefern?</p><p>Gol sah zu Cery hin�ber und sch�ttelte den Kopf. In seinen Augen stand eine Frage. Wie lange w�rden sie so dastehen, bevor sie zu dem Schluss kamen, dass Anyi sich geirrt hatte und kein Eindringling in den G�ngen war? Cery betrachtete seine Kerze. Sollten sie sich stattdessen abwechseln? Sollten sie �?</p><p>Von irgendwo weiter unten im Flur kam ein scharfes Ger�usch, als jemand nach Luft schnappte. Cery sah Gol an, dann folgte er dem �berraschten Blick seines Leibw�chters zur T�r.</p><p>Jemand stand dort. <emphasis>Nein,</emphasis> begriff Cery. <emphasis>Jemand </emphasis>schwebte <emphasis>dort.</emphasis> Jemand, der ihm nur allzu vertraut war.</p><p>�Hier hast du also die ganze Zeit gesteckt�, sagte Skellin. Dann stie� er einen Pfiff aus. Aus einem entfernten Teil in den Tunneln kam eine durchdringende Antwort.</p><p>Cery streckte die Hand aus und h�rte ein Zischeln, als das �lpapier Feuer fing. Er sah einen Funken in Gols Richtung stieben, dann drehte er sich um und rannte auf die T�r zum Nebenzimmer zu.</p><p>Und krachte gegen die Wand.</p><p><emphasis>Nein, nicht gegen die Wand. Gegen eine Barriere aus Magie.</emphasis> Cery fluchte, als er begriff, dass Gol auf das gleiche unsichtbare Hindernis getroffen war. Licht erf�llte den Raum � das unverkennbare Funkeln einer magischen Lichtkugel. Sein Freund sah ihn an, und seine Miene war grimmig und �ngstlich. Cery schaute Gol in die Augen und verzog das Gesicht. <emphasis>Das war es also. Wir h�tten vielleicht noch Zeit gehabt zu fliehen, wenn wir Skellin h�tten n�her kommen h�ren �</emphasis> Aber Skellin war geschwebt, um zu verhindern, dass man seine Schritte h�ren konnte. Als Cery sich zu seinem Feind umdrehte, sah er, dass die Flamme auf dem �lpapier, das Gol entz�ndet hatte, in dem Loch verschwand. Er schloss die Augen und hielt den Atem an. <emphasis>Zumindest ist Anyi entkommen.</emphasis></p><p>�Nun, nun. Nicht n�tig, Euch schon gegen den t�dlichen Schlag zu wappnen. Es w�re doch unh�flich von mir, Euch zu t�ten, ohne zuvor ein wenig zu plaudern. Hmm. Kein besonders gro�artiges Versteck.�</p><p>Cery �ffnete die Augen und sah, dass der Magierdieb, dessen Schuhe jetzt den Boden ber�hrten, auf ihn zukam. Zwei M�nner traten hinter ihm in die T�r. Sie waren jung und muskul�s. Skellin schaute sich im Raum um, dann sah er �ber Cerys Schulter ins Nebenzimmer. �Nicht so h�bsch wie dein altes Versteck, soweit meine Mutter mir erz�hlt, obwohl es vielleicht der Geschmack deiner Frau war, was Dekoration betrifft, und du seit ihrem Tod in die Gewohnheiten deines Namensvetters zur�ckgefallen bist.�</p><p><emphasis>Meine Frau � das Versteck �</emphasis> Kalter Schock und dann Hass schossen durch Cerys Adern. <emphasis>Lorandra </emphasis>hat<emphasis> meine Familie ermordet. Aber warum h�tte sie das tun sollen, wo Skellin und ich damals noch keine Feinde waren?</emphasis></p><p>�Obwohl du vielleicht froh warst, sie los zu sein. Du solltest so zornig werden, dass du ein B�ndnis mit mir eingehst, damit ich den J�ger der Diebe f�r dich gefunden h�tte�, sagte Skellin.</p><p>Cery starrte Skellin an. <emphasis>Er hat meine Familie get�tet, damit ich den Wunsch entwickle, mich mit ihm zusammenzutun. Nachdem er den J�ger der Diebe �gefunden� hatte � ihn oder irgendeinen armen L�ckenb��er �, h�tte ich in seiner Schuld gestanden.</emphasis> Er schaute zu der anderen Wand hin�ber und suchte nach der Flamme, die er in Brand gesteckt hatte. Er sah keinen Lichtfunken. Auch er war in der Wand verschwunden. Schon bald w�rde er Skellin in die Luft sprengen �</p><p>Gol fluchte und senkte den Kopf. �Tut mir leid, Cery�, murmelte er. �Es h�tte inzwischen losgehen m�ssen.�</p><p>Cery fluchte ebenfalls, als ihm klar wurde, dass die Falle versagt hatte. Gol hatte ihm gezeigt, dass Minenfeuer funktionierte. Warum tat es das jetzt nicht?</p><p>�Wor�ber plaudert ihr?� Skellin kam n�her und kniff seine seltsamen Augen zusammen. Er beugte sich zu Cery vor, und sein Mund verzog sich zu einem freudlosen L�cheln. �Es fehlt jemand hier, nicht wahr? Wo ist deine Tochter, Ceryni?�</p><p>Cerys begann das Herz in der Brust zusammenzuschrumpfen, aber er zwang sich zu einem Lachen. �Erwartest du wirklich von mir, dass ich dir das verrate?�</p><p>Skellin zuckte die Achseln, dann straffte er sich und sah sich um. �Nein. Aber meine Quellen in der Gilde sagen mir, dass sie hier unten bei dir ist. Ich frage mich, wo sie sein k�nnte.�</p><p>�In Sicherheit vor dir�, erwiderte Cery. <emphasis>Quellen in der Gilde? Also entsprechen die Ger�chte der Wahrheit. Aber woher wissen sie, dass Anyi hier ist?</emphasis></p><p>�Ach ja?� Skellin musste die Barriere entfernt haben, da er sich an Cery vorbei ins Nebenzimmer bewegte. Seine Lichtkugel schwebte vor ihm her. �Wer schl�ft denn in dem dritten Bett?�</p><p>�Jemand, den du nicht kennenlernen m�chtest.�</p><p>Skellin gab keine Antwort. Er blickte zu dem Gang, der zu den Magierquartieren f�hrte. Obwohl er das Gesicht abwandte, erkannte Cery an der Haltung seiner Schultern, dass er auf etwas lauschte.</p><p><emphasis>Anyi und Lilia?</emphasis> Eine Woge der Hoffnung schlug �ber Cery zusammen, gefolgt von Furcht. <emphasis>Ich hoffe, Lilia ist bereit f�r das, was sie hier erwartet, und ich hoffe, dass Anyi klug genug ist, aus dem Weg zu bleiben.</emphasis></p><p>Skellin machte einen Schritt auf die T�r zu, dann noch einen. Cery sp�rte, dass Gol sich geduckt hatte. Er wandte den Blick ab und sah, dass sein Leibw�chter eine immer noch brennende Kerze aufgehoben hatte. Skellins zwei Gefolgsleute waren jedoch in den Raum getreten. Sie w�rden Gol daran hindern k�nnen, an eines der Minenfeuerrohre in der Wand heranzukommen.</p><p>Ein Lachen lenkte Cerys Aufmerksamkeit wieder auf Skellin. Der wilde Magier war in den Tunnel getreten. Er streckte eine Hand nach etwas aus, das Cery nicht sehen konnte. Eine allzu vertraute Stimme fluchte. Anyi erschien und wehrte sich, w�hrend eine unsichtbare Kraft sie in Skellins Arme trieb.</p><p>Bei ihrem Anblick tat Cerys Herz einen Satz und krampfte sich zusammen wie ein Tier, das zu fliehen versucht � und es tat <emphasis>weh.</emphasis> Er ballte die F�uste gegen den Schmerz und machte einen Schritt nach vorn, aber etwas hielt seine Beine fest. Auch Gol kam taumelnd zum Stehen.</p><p><emphasis>Wo ist Lilia?</emphasis> Als Skellin die Hand ausstreckte, um Anyi zu packen, h�rte sie auf, Widerstand zu leisten, und sprang vorw�rts. <emphasis>Gewiss ist Anyi nicht ohne Lilia zur�ckgekehrt.</emphasis> Aber die Hand, mit der sie Skellin treffen wollte, verdrehte sich, als sie auf seinen Leib traf, und Anyi fluchte vor Schmerz. Skellin ergriff sie am Handgelenk und dr�ckte ihr das Messer aus den Fingern. <emphasis>Aber wenn sie Lilia nicht finden konnte, dann �</emphasis></p><p>Der Dieb sah grinsend zu ihm auf. �Sicher vor mir, was? Sieht so aus, als h�ttest du es einmal mehr nicht geschafft, deine Familie zu besch�tzen, Ceryni.�</p><p>Cery knirschte mit den Z�hnen. <emphasis>Hatte Anyi Lilia zumindest eine Nachricht geschickt? War Lilia auf dem Weg?</emphasis> Cery wollte Anyi fragen, aber der Schmerz in seiner Brust machte ihm das Atmen schwer, und er wollte Skellin nicht vorwarnen, dass Lilia kam. <emphasis>Wir m�ssen ihn aufhalten. Lilia Zeit verschaffen �</emphasis></p><p>Anyi wehrte sich noch immer, aber sie konnte nichts tun, um Skellin zu verletzen oder aus dem Gleichgewicht zu bringen. Cery schwankte, als eine Welle des Schwindels ihn traf, und der Raum verdunkelte sich. Als seine Sicht sich wieder kl�rte, sah er, dass Skellin Anyi an eine Wand gesto�en hatte. Sie blieb dort, festgehalten von Magie. Skellin pfiff, und die M�nner dr�ngten an Cery vorbei.</p><p>�Durchsucht und fesselt sie.�</p><p>Anyi biss die Z�hne zusammen, als die M�nner ihr den Mantel auszogen und sie nach Waffen abtasteten. Cery schlang schmerzende Arme um seine Brust und schnappte nach Luft, um zu sprechen.</p><p>�Du willst mich, nicht sie�, brachte er heraus.</p><p>Skellin lachte. �Ich will euch alle drei. Aber ihr m�sst in der richtigen Reihenfolge sterben. Und �� Skellin schaute nach oben, als k�nnte er die Magier �ber ihnen sehen. �Nicht hier.� Dann wanderte sein Blick von Cery zu Gol. Er r�mpfte die Nase und sch�ttelte den Kopf. �Du bist die M�he nicht wert.� Seine Augen wurden schmal, und Cery h�rte ein �belkeiterregendes Knacken. Gol schrie vor Qual und �berraschung auf und fiel zu Boden.</p><p><emphasis>Nein! Ich muss ihn daran hindern, Gol zu t�ten. Ich muss ihn aufhalten!</emphasis> Cery versuchte, an dem Feuer in seiner Brust vorbeizudenken. Eine M�glichkeit zu finden, um Skellin noch eine Weile aufzuhalten. Er �ffnete den Mund, um zu sprechen, konnte aber nur keuchend nach Luft schnappen. Eine weitere Woge der Schw�rze verzehrte ihn, und seine Knie wurden weich. Er hatte den Verdacht, dass einzig Skellins Magie ihn aufrecht hielt. <emphasis>Was hat er mit mir gemacht?</emphasis></p><p>�Warte einen Moment�, h�rte er Skellin sagen. �Irgendetwas stimmt nicht mit ihm.�</p><p>Cery sp�rte eine wachsende Angst, als ihm bewusst wurde, dass Skellin recht hatte. <emphasis>Es ist nicht Gol. Ich bin es. Mein K�rper � mein Herz �</emphasis> Obwohl seine Augen offen waren, tr�bte noch immer Dunkelheit seine Sicht. Ein bitterer Triumph stieg in ihm auf. <emphasis>Zumindest hat Skellin nicht die Befriedigung bekommen, mich zu t�ten. Aber � Anyi �</emphasis></p><p>Die Kraft, die Cery hielt, schmolz dahin, und er landete auf dem harten Boden. Was immer Skellin als N�chstes sagte, er sagte es aus solcher Entfernung, dass Cery es nicht h�ren konnte. Dann, nach einer l�ngeren Zeit des Schweigens, sp�rte er k�hle H�nde auf seinem Gesicht, und er h�rte Gol aus weiter, weiter Ferne sprechen.</p><p><emphasis>�Keine Sorge. Er wird Anyi nicht t�ten. Er will einen Handel schlie�en. Lilia wird sie zur�ckholen. Falls Anyi ihn nicht vorher t�tet. Diese zwei werden immer aufeinander aufpassen. Das wei�t du. Mach dir keine Sorgen. Es wird alles gut werden. Anyi wird es gut gehen. Wir werden daf�r sorgen.�</emphasis></p><p>Lilia eilte den Gang hinunter und lie� eine winzige Lichtkugel vor sich her schweben.</p><p><emphasis>Sollte ich sie l�schen? Der Eindringling k�nnte das Licht sehen und wissen, dass ich komme. Aber wenn ich das tue, werde ich in der Dunkelheit meinen Weg ertasten m�ssen. Es wird mich langsamer machen. Was ist wichtiger? Schnelligkeit oder Heimlichkeit</emphasis>?</p><p>Ihre Schritte klangen laut in dem engen Raum. Sie w�rden sie ohnehin verraten. Sie beschloss, das Licht brennen zu lassen.</p><p>Abgesehen von ihren eigenen Schritten h�rte sie keine anderen Ger�usche. Der geheime Eingang zu den Fluren, den Anyi freiger�umt hatte, befand sich auf der anderen Seite der Universit�t, also musste Lilia um die Fundamente des Geb�udes herumgehen. Gl�cklicherweise waren die G�nge hier kein Labyrinth. Sie waren gerade und zweigten in rechten Winkeln ab, bis sie von der Universit�t wegf�hrten, unter die G�rten. Lilias Herz h�mmerte, als sie die erste gew�lbte Wand erreichte.</p><p><emphasis>Ich denke nicht, dass ich je im Leben solche Angst hatte, </emphasis>ging es ihr durch den Kopf. <emphasis>Ich denke, genau jetzt w�rde ich es sogar in Erw�gung ziehen, ein wenig Feuel zu nehmen, falls mir jemand welches anb�te.</emphasis></p><p>Der Eindringling k�nnte harmlos sein � ein Novize oder Dienstbote, der sich an Orte wagte, wo er nicht hingeh�rte. Anyi irrte sich vielleicht, und es gab �berhaupt keinen Eindringling. Oder es k�nnten Skellins Leute sein, die gekommen waren, um zu schn�ffeln oder um nach Cery zu suchen. In diesem Fall musste sie hoffen, dass Gol, Cery und Anyi in der Lage waren, sich zu verstecken, bis sie dort ankam.</p><p>Aber wenn es Skellin oder Lorandra war. Oder Skellin <emphasis>und</emphasis> Lorandra �</p><p><emphasis>Ich muss hoffen, dass ich genug zus�tzliche Macht von Kallen bekommen habe, um notfalls gegen beide zu k�mpfen �</emphasis></p><p>Sie hatte viele Male dar�ber nachgedacht. Es war unwahrscheinlich, dass Skellin oder Lorandra viel Ausbildung im K�mpfen genossen hatten. Lorandra mochte etwas gelernt haben, bevor sie ihr Heimatland verlassen hatte, aber sie und Skellin hatten hier keine Ausbildung gehabt. Bestenfalls konnten sie miteinander trainiert haben.</p><p>Sie war jetzt nicht mehr weit von der Zuflucht ihrer Freunde entfernt, verlangsamte das Tempo und starrte in die Dunkelheit vor ihr.</p><p><emphasis>Sollte ich pfeifen, um sie zu warnen, dass ich es bin? Es wird Skellin warnen, wenn er bereits dort ist. Aber wenn das der Fall ist, w�rde ich dann nicht Licht sehen und Stimmen h�ren k�nnen?</emphasis></p><p>Sie lie� mehr Magie in ihren Schild flie�en und bewegte sich zentimeterweise vorw�rts. Ein schwaches Ger�usch erreichte sie. Eine leise, murmelnde Stimme. Die T�r war dunkel, aber als sie n�her kam, bemerkte sie ein schwaches, flackerndes Licht. Sie erreichte es kurze Zeit sp�ter, sp�hte durch die �ffnung und sah eine einzige Kerze brennen und eine gebeugte Gestalt, die auf dem Boden sa�. Gleichzeitig h�rte sie einen erstickten Laut.</p><p>Etwas an diesem Laut krampfte ihr den Magen zusammen.</p><p>Der Mann hob den Kopf, und die Schatten, die sein Gesicht verbargen, wichen vor ihrer Lichtkugel zur�ck. Gols Wangen gl�nzten.</p><p>�Lilia�, sagte er.</p><p>Sie machte das Licht heller und sah, was neben ihm war.</p><p>�Oh nein.� Sie eilte vorw�rts und kniete sich auf den Boden. Cerys Gesicht war bleich, seine Augen geschlossen. Sie konnte kein Anzeichen einer Verletzung erkennen. Als sie die Hand auf seine Stirn legte, sandte sie ihre Sinne aus � und wich sofort zur�ck. �Oh nein.�</p><p>�Es ist zu sp�t, nicht wahr?�, fragte Gol mit gepresster Stimme.</p><p>Ihr Herz schn�rte sich zusammen, dann sah sie sich im Raum um. <emphasis>Wo ist Anyi?</emphasis></p><p>�Ja. Was ist passiert?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Skellin hat nichts mit ihm gemacht. Wollte ihn wegbringen. Aber � er ist einfach zusammengebrochen.�</p><p>Widerstrebend streckte sie die Hand aus, ber�hrte Cerys K�rper und zwang sich, ihn erneut zu untersuchen. Sie hatte ihre heilenden Kr�fte noch nie zuvor bei einem Toten eingesetzt. Der Mangel an Pers�nlichkeit, die geistige Stille, der Mangel einer nat�rlichen Barriere, die den Willen eines anderen abstie�, all das war schockierend f�r sie. Aber wenn Skellin dies getan hatte �</p><p><emphasis>Nein.</emphasis> Der Schaden war klar, sobald sie ihn gefunden hatte. Cerys Herz hatte versagt. Nicht dass Skellin es nicht indirekt verursacht h�tte, indem er Cery gezwungen hatte, hier zu leben und st�ndig um seine Sicherheit zu bangen. Und um Anyis Sicherheit.</p><p>Anyi. Sie zog ihre Sinne zur�ck, �ffnete die Augen und sah Gol an. Er war nach vorn gesackt und atmete schnell. Sein Gesicht war verzerrt vor Schmerz, aber sie verstand pl�tzlich, dass es nicht nur der Schmerz der Trauer war.</p><p>�Was ist � bist du verletzt?� Sie griff nach seinem Arm, dann zuckte sie zusammen, als ihre Sinne sich einer Flut der Qual �ffneten. Sie kam aus einem unteren Bereich seines K�rpers. Aus seinen Beinen. Sie lie� seinen Arm los und packte ihn an den Schultern. �Leg dich hin.�</p><p>Er tat wie gehei�en und sog scharf den Atem ein, w�hrend er sich bewegte. Sobald er flach auf dem Boden lag, hielt sie ihr Licht �ber seine Beine.</p><p>�Nicht�, sagte er. �Geht. Findet � sie. Findet � Anyi.�</p><p>Sie erstarrte. Von irgendwo tief in ihr stieg ein schreckliches Grauen auf. <emphasis>�Wo ist sie?�</emphasis></p><p>�Skellin � hat sie mitgenommen.�</p><p>�Wann?� Ihre Gedanken rasten. Sie stand auf. Cery war noch nicht lange tot. Skellin konnte immer noch in den G�ngen sein. Wenn sie jetzt aufbrach, w�rde sie ihn vielleicht fangen. Anyi retten. �Aber warum hat er sie mitgenommen? Warum hat er sie nicht get�tet?�</p><p>�Ihr.� Gol keuchte, schnappte nach Luft und hielt sie an. �Will Euch. Wird � eine Nachricht schicken. Wo � Ihr Euch treffen sollt.�</p><p>Sie malte sich aus, wie sie Skellin einholte. Wie sie gegen Skellin k�mpfte. Sie sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Er wird nicht gegen mich k�mpfen. Er wird einfach ein Messer an Anyis Kehle dr�cken. Oder etwas mit Magie tun. Er wird sie benutzen, um zu fliehen. Und mich mitzunehmen. Und mich dazu zu bringen, ihn schwarze Magie zu lehren.</emphasis></p><p>W�rde es anders laufen, wenn sie auf seine Nachricht wartete? Vielleicht w�rde er Anyi in der Zwischenzeit foltern.</p><p><emphasis>Nein. Er wird ihr nichts zuleide tun. Nicht, wenn er will, dass ich ihn unterrichte.</emphasis></p><p>Er k�nnte ihr unbeabsichtigt wehtun, wenn sie jetzt hinter ihm her eilte.</p><p>Wenn sie auf die Nachricht wartete, auf das Treffen wartete, w�rde sie Zeit haben, sich zu �berlegen, wie sie Anyi retten konnte, ohne Skellin schwarze Magie zu lehren. Zeit, sich zu st�rken. <emphasis>Zeit zu entscheiden, wie ich Anyi sagen werde, dass ihr Vater tot ist.</emphasis></p><p><emphasis>Sie wei� es vielleicht bereits. Oh Anyi. Es tut mir leid, dass ich nicht schneller hergekommen bin.</emphasis></p><p>Es kostete mehr Willenskraft als alles, was sie bisher getan hatte, nicht hinter ihr herzulaufen. Sie zwang sich, neben Gol niederzuknien, ignorierte seine Proteste und machte sich daran, seine gebrochenen Knochen zu heilen. Und hoffte verzweifelt, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.</p></section><section><title><p>24</p><p>Gef�hrliche Gedanken</p></title><p>Der Himmel war �berzogen mit orangefarbenen und schwarzen Streifen, als Saral und Temi von der Hauptstra�e abzweigten und sich auf ein weiteres Gut zubewegten. Sonea und Regin folgten ihnen. Jede Nacht, seit die Verr�tereskorte sie begleitete, hatten sie auf befreiten G�tern verbracht. Am zweiten Morgen hatte man ihnen auf Sarals Bitte hin Pferde gegeben, obwohl sie seither nicht mit gro�er Geschwindigkeit geritten waren.</p><p><emphasis>Es �berrascht mich, dass wir Saravas Gruppe noch nicht eingeholt haben. Es muss Zeit kosten, die Ashaki zu t�ten. Aber vielleicht ist das der Grund, warum wir so langsam vorankommen. Sie will nicht, dass wir sie einholen � oder Arvice vor ihr erreichen.</emphasis></p><p>Sie reisten gr��tenteils schweigend. Saral und Temi waren offensichtlich nicht gl�cklich �ber ihre Rolle als Eskorte f�r zwei l�stige Ausl�nder, aber keiner der beiden beklagte sich. Sie suchten allerdings auch kein Gespr�ch. Die frisch befreiten Sklaven auf den G�tern dagegen waren euphorisch und unendlich redselig, und sie stellten Saral und Temi Fragen und nahmen an, dass Sonea und Regin in den Augen der Verr�ter willkommene Besucher waren. Als die vier Pferde sich jetzt den Mauern des Guts n�herten, kamen ehemalige Sklaven heraus, um sie zu begr��en.</p><p>�Willkommen, Verr�ter!�, riefen sie. �Werdet Ihr hierbleiben?� Sie kamen regelrecht herangest�rmt, aber als sie Sonea und Regin sahen, verlangsamten die M�nner und Frauen an der Spitze das Tempo.</p><p>�Ich bin Saral, und dies ist Temi�, erkl�rte Saral. �Das hier sind Schwarzmagierin Sonea und Lord Regin von der Magiergilde Kyralias. Wir eskortieren sie.�</p><p>Einer der Sklaven trat vor. �Ich bin Veli, erw�hlter Anf�hrer dieses Guts.� Er sah zu Sonea auf. �Willkommen in Sachaka.�</p><p>�Vielen Dank, Veli�, erwiderte Sonea und neigte respektvoll den Kopf.</p><p>Veli richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Saral. �Werdet Ihr bleiben? K�nigin Savara und ihre Gruppe waren gestern Nacht unsere G�ste.�</p><p>�Ja, wir werden bleiben, und wir w�ssten gern alles, was Ihr uns an Neuem �ber Eure fr�heren G�ste erz�hlen k�nnt.�</p><p>Saral sah Sonea an und schien beinahe zu l�cheln. Sonea neigte dankbar den Kopf. Auf jedem Gut, wo die K�nigin haltgemacht hatte, hatte Sonea sich nach Lorkin erkundigt.</p><p>Die ehemaligen Sklaven f�hrten sie auf das Anwesen, wo sie aus dem Sattel stiegen. Die Pferde wurden weggebracht. Eine Frau in mittleren Jahren und ihre beiden T�chter kamen n�her und hie�en sie willkommen.</p><p>�Tiatia ist die Ehefrau des ehemaligen Besitzers�, erkl�rte Veli. �Sie hat K�nigin Savara in ihrem Heim willkommen gehei�en, als sie ankam.�</p><p>�Und ihr Mann?�</p><p>�Ist im Osten. Er ist ein guter Mann, und wir wollten nicht, dass er starb. Wir wussten, dass eine Chance bestand, dass er gezwungen sein w�rde, zusammen mit den anderen Ashaki zu k�mpfen, oder dass wir keine Chance haben w�rden, zu seiner Verteidigung zu sprechen, also haben wir veranlasst, dass er au�er Landes ist.�</p><p>�Was hat die K�nigin davon gehalten?�</p><p>�Sie sagte, sie sei beeindruckt von unserer Loyalit�t. Aber es war nicht simple Loyalit�t.�</p><p>Saral runzelte die Stirn. �Nein? Was war es dann?�</p><p>�Freundschaft.� Als Saral ihn eingehend musterte, wandte er den Blick ab. Aber dann hob er den Kopf und starrte sie an. �Er ist ein guter Mann�, verteidigte er sich. �Wenn Ihr einen Beweis daf�r wollt, werft einen Blick auf unsere Sklavenquartiere. Sie sind sauber und warm. Er hat M�nnern und Frauen erlaubt, einander zu w�hlen und zusammenzuleben und ihre Kinder zu behalten. Er hat von uns nur dann verlangt, dass wir uns niederwerfen, wenn Besucher hier waren.�</p><p>Saral zog die Augenbrauen hoch. �Bemerkenswert. Was wird jetzt mit ihm geschehen?�</p><p>�Seine Schiffssklaven werden ihm in einigen Tagen alles erz�hlen und ihn warnen, dass er vielleicht um Erlaubnis bitten muss, bevor er zur�ckkehren darf. Denkt Ihr, man wird es ihm erlauben?�</p><p>Die beiden Verr�ter tauschten einen Blick. Temi zuckte die Achseln. �Vielleicht. Er wird kein Land haben. Er wird gleichberechtigt mit Euch leben m�ssen.�</p><p>�Es wird ihm eine Ehre sein, das zu tun�, erkl�rte Tiatia.</p><p>Saral sah die Frau an, dann Veli und nickte. �K�nigin Savara hat gesagt, dass es Situationen wie diese geben w�rde und dass wir wissen m�ssten, wann es gilt, Vorsicht mit Mitgef�hl zu paaren.�</p><p>�Kommt herein�, sagte Veli l�chelnd. �Es werden bereits Zimmer und eine Mahlzeit f�r Euch vorbereitet.�</p><p>Wie bei allen vorangegangenen G�tern f�hrte eine �berraschend bescheidene Hauptt�r in einen Flur und zu einem gr��eren Raum, der in jedem Haus unterschiedlich genutzt wurde: manchmal als Lagerraum, manchmal als Schlafquartier, manchmal als Versammlungsort.</p><p>�Setzt Euch�, lud Veli sie ein. �Es wird eine Weile dauern, bis das Essen fertig ist.�</p><p>Sonea w�hlte zwei Hocker f�r sich selbst und Regin aus. <emphasis>Das Sitzen auf Kissen ist etwas f�r j�ngere Leute als mich,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. Veli, Saral und Temi hielten es genauso wie sie.</p><p>�W�hrend wir warten, darf ich etwas Raka f�r Euch zubereiten?�, fragte Tiatia.</p><p>Saral sah Veli an, die Augenbrauen fragend hochgezogen. Er nickte. �Ja, das w�re sch�n�, erwiderte Saral.</p><p>Tiatia l�chelte und setzte sich mit ihren T�chtern auf Kissen in die Mitte des Raums. Unter einem Hocker standen ein Raka-Topf und ein Beh�lter mit dem Pulver. Als weitere ehemalige Sklaven mit Wasser und Tassen kamen, machte sie sich an die Arbeit. W�hrend Saral und Veli �ber die Zukunft des Guts sprachen und dar�ber, was dort angebaut wurde, schaute Sonea Tiatia zu, erheitert, an einem so unvertrauten Ort ein so vertrautes Ritual der Vorbereitung zu sehen. Zu ihrer �berraschung begann Dampf aus der T�lle des Topfes zu wehen.</p><p>�Ihr seid Magierin?�, fragte Sonea Tiatia.</p><p>Alle Gespr�che verstummten abrupt. Sonea schaute sich um. Veli biss sich auf die Unterlippe und sah Saral stirnrunzelnd an; dann blickten die beiden �berrascht zu Tiatia hin�ber. Soneas Magen krampfte sich zusammen, als sie begriff, dass Veli dies hatte geheim halten wollen und dass sie die Frau in ihren Augen vielleicht verdammt hatte, indem sie das Geheimnis enth�llte.</p><p>�Ja�, sagte Tiatia mit leiser Stimme. �Mein Mann hat es mich gelehrt.�</p><p>Saral stie� einen angehaltenen Atemzug aus. �<emphasis>Jetzt</emphasis> bin ich bereit zu denken, dass Euer Ehemann vielleicht wirklich all das ist, von dem Ihr behauptet, er sei es�, stellte sie fest.</p><p>�Warum glaubt Ihr uns erst jetzt?�, fragte Veli. Zwischen seinen Brauen stand eine steile Falte.</p><p>�Weil eine gute Behandlung von Sklaven die Macht des Ashaki �ber andere niemals bedroht hat. Aber die Unterweisung seiner Frau in Magie k�nnte das tun.�</p><p><emphasis>Es sei denn, er hat ihr keine H�here Magie beigebracht,</emphasis> �berlegte Sonea. Sie wusste, dass die Sachakaner auf Magier herabblickten, die keine H�here Magie kannten. Wenn Tiatias Ehemann sie ihr nicht beigebracht hatte, w�rde sie im Status wie in der Macht immer noch unter ihm stehen.</p><p><emphasis>So wie es Regin tun w�rde, f�r einen Sachakaner, sollten er und ich �</emphasis></p><p>Sie schob den Gedanken beiseite und nahm pl�tzlich Regin wahr, der neben ihr sa�. Es war seltsam und beunruhigend, dass ein einzelner verirrter Gedanke ihr Bewusstsein f�r seine Anwesenheit so ver�nderte, dass ihr nicht nur bewusst war, wo er sich befand, sondern sie seine <emphasis>k�rperliche</emphasis> N�he geradezu sp�rte. Sie bemerkte pl�tzlich seine Atmung und stellte sich vor, auch seine W�rme sp�ren zu k�nnen.</p><p>�Im Namen all der Menschen hier�, begann Veli, und sein f�rmlicher Tonfall lenkte ihre Aufmerksamkeit ab. �Ich biete Euch unsere St�rke an. Wir haben heute Morgen K�nigin Savara und ihrer Gruppe St�rke gegeben. Wir werden wieder genug angesammelt haben, um morgen das Gleiche f�r Euch zu tun.� Er sah direkt Saral an.</p><p>Die Verr�terin l�chelte und senkte den Blick. �Ihr seid sehr gro�z�gig.�</p><p>Veli zuckte die Achseln. �Wir wollen, dass Ihr siegt.�</p><p>Saral nickte. �Genau wie ich. Temi ist stark, aber es k�nnte sein, dass ich mich in die Schlacht st�rzen werde, und das zu einer Zeit, da zus�tzliche St�rke ausschlaggebend sein k�nnte. Ich akzeptiere Euer Angebot mit Dankbarkeit.�</p><p>Aus dem Augenwinkel sah Sonea, wie Regin sich umdrehte, um sie anzuschauen. Jeden Morgen, wenn sie ihren Ritt f�r den Tag begonnen hatten, hatte er ihren Arm ber�hrt und ihr Macht gesandt. Da Saral und Temi in H�rweite waren, w�rde sie keine Einw�nde erheben k�nnen.</p><p><emphasis>Nicht dass ich es tun sollte. Es ist der Grund, warum ich ihn mitgenommen habe. Wenn er nicht so entschlossen w�re, es zu tun, w�rde ich mich nicht dazu �berwinden k�nnen, darum zu bitten. Erst recht nicht jetzt.</emphasis></p><p>Auch an dem Zeitpunkt, den er w�hlte, gab es nichts auszusetzen. Vormittage waren eine bessere Zeit f�r die �berf�hrung von Macht als Abende, seit sie sich ihren Verr�terf�hrern angeschlossen hatten. Nachdem er ihr seine Macht gegeben hatte, war er verletzbar. Wenn sie mit den Verr�tern ritten, war es unwahrscheinlich, dass Sonea von ihm getrennt wurde, und Saral war wahrscheinlich verpflichtet, sie zu besch�tzen. Falls jemand versuchte, ihn anzugreifen, w�rde es h�chstwahrscheinlich w�hrend ihres Aufenthalts auf einem der G�ter geschehen. Vielleicht ein Sklave, der es, wie der erste, dem sie begegnet waren, der Gilde ver�belte, dass sie sie nach dem sachakanischen Krieg nicht befreit hatten. Vielleicht die Ehefrau, die Mutter oder die Tochter eines Ashaki, die dachte, dass die Gilde gemeinsame Sache mit den Verr�tern gemacht hatte. Am Abend war Regins Macht zum gr��ten Teil wiederhergestellt, und er war besser in der Lage, sich zu sch�tzen.</p><p>�Also, erz�hlt uns von K�nigin Savaras Gruppe.� Saral blickte zu Sonea. �Erz�hlt uns zuerst, wie es dem blassen jungen Mann ergangen ist, Lorkin?�</p><p>Veli zuckte die Achseln. �Es ging ihm gut.� Er sah Sonea an und runzelte die Stirn. �Ist er Kyralier?�</p><p>�Ja.� Saral nickte. �Er ist Schwarzmagierin Soneas Sohn.�</p><p>Der ehemalige Sklave schaute Sonea �berrascht an. �Ein Kyralier, der mit den Verr�tern k�mpft?�</p><p>�Er ist jetzt ein Verr�ter. Er hat sich uns angeschlossen.� Saral l�chelte. �Was ist mit dem Rest? Wie viele Personen waren in der Gruppe der K�nigin?�</p><p>�Zweiunddrei�ig�, antwortete er.</p><p>�Gut. Eine andere Gruppe ist zu ihnen gesto�en. Es ist gut zu wissen, dass alles nach Plan l�uft, mehr oder weniger. Irgendwelche Neuigkeiten �ber Verluste?�</p><p>Veli nickte. W�hrend er Namen auflistete, versuchte Sonea, die pl�tzliche, panische Beschleunigung ihres Herzschlags zu ignorieren. <emphasis>Es ist hart genug, in einem Satz die Worte �Lorkin� und �k�mpfen� zu h�ren, aber es ist schlimmer, dann dar�ber nachzudenken, dass selbst Verr�terinnen, die f�r diese Schlacht ausgebildet waren, starben. Sei vorsichtig, Lorkin. Bitte, lass nicht zu, dass ich auch dich �berlebe.</emphasis></p><p>Lorkin, der zur Decke emporstarrte, fluchte leise. Er konnte wieder einmal nicht einschlafen.</p><p>Das Geb�ude, in dem sie sich befanden, hatte f�r ein Landgut eine durchschnittliche Gr��e, aber zwei weitere Gruppen hatten sich der von Savara angeschlossen, und es gab einfach nicht genug Betten f�r alle. Die meisten Verr�ter schliefen jetzt jede Nacht auf dem Boden. Weder Unbehagen noch die Atemger�usche h�tten ihn daran hindern sollen, Schlaf zu finden. Er war nach einem langen Tag auf Reisen sehr m�de.</p><p><emphasis>Es liegt daran, dass ich so vielen Geistern so nah bin,</emphasis> sagte er sich. Aber das war nicht die ganze Wahrheit. Er konnte gelegentlich Gedanken auffangen, aber nur, wenn er sich konzentrierte. Nein, es war das, woran er immer denken musste, sobald er seinen Gedanken freien Lauf lie�.</p><p><emphasis>Wenn ich nicht an das Sklavenm�dchen denke, dem ich das vergiftete Wasser gegeben habe, und mich frage, ob sie eine Verr�terin war, mache ich mir Sorgen darum, dass Tyvara im Kampf get�tet werden k�nnte. Oder ich. Oder Mutter, die in die K�mpfe verwickelt w�rde � warum konnte sie nicht einfach nach Hause gehen!</emphasis></p><p>Und dann war da Kalia.</p><p>Zumindest hatte die Frau aufgeh�rt, st�ndig �Spion� zu murmeln. Oder sie hatte aufgeh�rt, es zu tun, wenn er sie h�ren konnte. Sie warf ihm und Tyvara noch immer hasserf�llte Blicke zu, aber das st�rte ihn nicht. Es war die Art, wie sie Savara ansah, die ihm Sorgen machte.</p><p><emphasis>Niemals mit offenem Abscheu,</emphasis> dachte er. <emphasis>Es ist die Art, wie sie ganz dem�tig und gehorsam wird, wann immer Savara in ihre Richtung schaut, und dann kneift sie die Augen zusammen und l�chelt, wann immer Savaras Aufmerksamkeit abgelenkt ist. Es ist das Gef�hl von Erwartung, das ich sp�re, jedes Mal, wenn ich mich auf ihren Geist konzentriere.</emphasis></p><p>Bisher hatte er keine deutlichen Gedanken von ihr aufgefangen. Kalia schien in ihrem Denken genauso verschlagen zu sein, wie sie von ihrer ganzen Pers�nlichkeit her war. Sie hielt ihren Geist still, und ihre haupts�chlichen Gedanken waren kurz und meistens Kritik an anderen. Er konnte nicht mehr z�hlen, wie oft er das Wort �Idiot!� in ihrem Geist aufgefangen hatte.</p><p><emphasis>Was erwartet sie? Hofft sie, dass Savara scheitern oder get�tet wird, oder schmiedet sie tats�chlich R�nke, um daf�r zu sorgen, dass das eine oder andere geschieht?</emphasis></p><p>Kalia schlief auf der anderen Seite des Raums. Obwohl er wusste, dass er wahrscheinlich nicht mehr Erfolg damit haben w�rde, ihre Gedanken zu lesen, als zuvor, beruhigte er seine Atmung und konzentrierte sich. Alles, um seinen Geist von weniger angenehmen Erinnerungen abzulenken. Langsam richtete er seine Sinne nach au�en. Von den meisten der Verr�terinnen sp�rte er kaum mehr als ihre Pr�senz. Obwohl einige noch wach waren, waren ihre Gedanken zu leise, um sie zu h�ren.</p><p>Dann h�rte er eine vertraute Gedankenstimme, und eine Woge der K�lte lief durch seinen K�rper. Es war dieselbe Gedankenstimme, die Monate zuvor im Sanktuarium in seinem eigenen Geist gesprochen hatte, dieselbe Pr�senz, die Informationen gesucht hatte, die er nicht geben wollte.</p><p><emphasis>� sie werden ihr die Schuld geben. All die Toten. Ich werde daf�r sorgen, dass sie es tun � kann Savara nicht regieren lassen � besser, wenn sie in der Schlacht stirbt � das arrangieren � aber wie? Wenn sie schwach ist � Sprecherinnen werden scheitern. Tyvara ist zu jung � t�richt, sie auszuw�hlen � niemand wird ihr folgen � besser, wenn sie ebenfalls stirbt � aber wie?</emphasis></p><p>Lorkin bemerkte, dass er den Atem angehalten hatte, und zwang sich, langsam und leise die Luft auszusto�en. <emphasis>Ich habe mich geirrt. Jetzt, da sie ihre Gedanken nicht mehr unterbewusst verbirgt, sind sie laut und deutlich. Sie werden von Bosheit und H�me verst�rkt. Sie wird daf�r sorgen, dass Savara in der bevorstehenden Schlacht stirbt. Und Tyvara auch, wenn es nach ihr geht.</emphasis></p><p>Wusste Savara davon? Gewiss sah sie, dass Kalia jede Situation ausnutzen w�rde, die ihre Position schw�chen oder sie t�ten w�rde. Aber Savara hatte keine Ahnung, wie weit Kalia zu gehen bereit war.</p><p><emphasis>Wenn ich es ihr sage, werde ich offenbaren, dass ich Gedanken von Menschen lesen kann, die ich nicht ber�hre. Mutter hat mich davor gewarnt, das zu tun.</emphasis> Er musste zugeben, dass seine Mutter recht hatte. Er wollte nicht, dass jemand erfuhr, dass er seine Gedanken so leicht lesen konnte. Nicht einmal jemand, den er mochte. Selbst wenn jemand verstand, dass seine F�higkeit sehr begrenzt war, w�rde er sich trotzdem st�ndig fragen, welche Gedanken er gerade mitbekam. Dieser Jemand w�rde sich von ihm fernhalten wollen, f�r den Fall, dass er etwas Privates oder ein ihm anvertrautes Geheimnis offenbaren k�nnte.</p><p><emphasis>W�rde Tyvara so empfinden? Was w�rde ich empfinden, wenn Tyvara meine Gedanken lesen k�nnte?</emphasis> Er sah sie an; sie lag neben ihm, hatte die Augen geschlossen und atmete langsam. <emphasis>Ich vertraue ihr.</emphasis> Warum hatte er ihr dann nicht von dem Sklavenm�dchen erz�hlt, das er get�tet hatte? <emphasis>Ich will nicht, dass sie denkt, ich sei dazu in der Lage.</emphasis></p><p>Aber er hatte es getan. Vielleicht war es an der Zeit, es ihr zu erz�hlen. <emphasis>Nein. Immer ein anspruchsvolles Eingest�ndnis nach dem anderen. Die Warnung vor Kalia ist wichtiger. Und ich muss sie warnen, selbst wenn es bedeutet, dass ich Tyvara meine F�higkeit offenbare. Wenn Kalias Plan funktioniert, werden sie beide sterben.</emphasis></p><p>Er streckte die Hand aus, um Tyvara am Arm zu ber�hren. Sie runzelte die Stirn, hielt die Augen jedoch geschlossen.</p><p><emphasis>� Tyvara.</emphasis></p><p>Ihre Lider �ffneten sich flatternd. Als ihr Blick seinem begegnete, stieg eine Welle der Zuneigung in ihm auf. Sie war so sch�n, selbst in dem schwachen Licht. Sie musste es gesp�rt haben, da er �berraschung, Freude und dann eine Mischung aus Zuneigung und Begehren ersp�rte.</p><p><emphasis>� Lorkin? Was ist los?</emphasis> Ihre Gedankenstimme war tr�ge und verschlafen.</p><p><emphasis>� Kalia plant, Savara zu verraten.</emphasis></p><p>Ihre Augen weiteten sich, und sie versteifte sich unter seiner Ber�hrung. Er sp�rte, wie der Schreck die Zuneigung verdr�ngte.</p><p><emphasis>� Woher wei�t du das?</emphasis></p><p><emphasis>� Das kann ich dir nur erz�hlen, wenn du mir versprichst, es niemandem weiterzusagen.</emphasis></p><p>Sie starrte ihn an.</p><p><emphasis>� Ich verspreche es, aber nur wenn es mein Volk nicht in Gefahr bringt.</emphasis></p><p><emphasis>� Das wird es nicht.</emphasis></p><p>Er erkl�rte es und berichtete ihr, was er belauscht hatte. Tyvaras Augen weiteten sich, w�hrend er sprach.</p><p><emphasis>� Du kannst � wie lange kannst du das schon?</emphasis></p><p><emphasis>� Seit ich im Palastgef�ngnis war. Mutter sagt, die Leute h�tten geglaubt, dass mein Vater es tun konnte. Sie dachte, es sei eine �bertreibung. Dass er einfach ungew�hnlich scharfsichtig war.</emphasis></p><p><emphasis>� Wie oft hast du meine Gedanken aufgefangen?</emphasis></p><p><emphasis>� Nicht oft. Als wir uns wiedergefunden haben, habe ich einige Worte geh�rt. Das war, als ich begriff, dass ich es mir zuvor nicht eingebildet hatte. Seither � nicht mit Absicht. Nur ein- oder zweimal versehentlich. Ich muss mich sehr konzentrieren, und es scheint mir unh�flich, anderer Menschen Gedanken zu belauschen.</emphasis></p><p><emphasis>� Au�er bei Kalia.</emphasis> Sie klang erheitert.</p><p><emphasis>� Nein. Ich war mir sicher, dass sie etwas vorhatte. Jetzt wei� ich es mit Bestimmtheit. Savara ist in Gefahr. Du ebenfalls.</emphasis></p><p><emphasis>� Und du. Savaras Vertrauen zu dir tr�gt eine Menge dazu bei, andere zu �berzeugen, dass man dir vertrauen kann.</emphasis> Sie runzelte die Stirn, als ihr ein anderer Gedanke kam.</p><p><emphasis>� Was ist los?</emphasis></p><p><emphasis>� Wie kann sich jemand versehentlich sehr konzentrieren?</emphasis></p><p>Sein Herz setzte einen Schlag aus, und er sp�rte Argwohn. Stie� er sie jetzt ab? Er suchte nach einer Antwort, die sie zufriedenstellen w�rde.</p><p><emphasis>� Wenn ich dir besondere Aufmerksamkeit schenke.</emphasis></p><p>Abrupt verschwand die Falte zwischen ihren Brauen, und sie grinste.</p><p><emphasis>� Es k�nnte einige interessante Vorteile haben, jemanden in der N�he zu haben, der wei�, wann man etwas will.</emphasis></p><p>Er verdrehte die Augen.</p><p><emphasis>� Wie w�re es, wenn wir aufh�rten, an M�glichkeiten zu denken, wie du mich herumkommandieren kannst, und uns �berlegen, was wir wegen Kalia unternehmen sollen.</emphasis></p><p>Ihr L�cheln verblasste.</p><p><emphasis>� Wir m�ssen es Savara sagen.</emphasis></p><p><emphasis>� K�nnen wir das tun, ohne ihr meine neue F�higkeit zu offenbaren? K�nnen wir einfach sagen, wir h�tten Kalia belauscht?</emphasis></p><p><emphasis>� Savara bel�gen? Das kann ich nicht tun. Au�erdem wird sie wissen wollen, mit wem Kalia gesprochen hat.</emphasis></p><p><emphasis>� Nicht bel�gen, nur f�r den Moment vermeiden, mehr zu sagen, als wir m�ssen. Wir werden sagen, sie h�tte Selbstgespr�che gef�hrt.</emphasis></p><p><emphasis>� Kalia, die laut �ber Verrat nachdenkt? So dumm ist sie nicht. Savara wird einen Beweis ben�tigen, wenn sie sich Kalia vornehmen soll.</emphasis></p><p><emphasis>� Dann wird sie </emphasis>allen<emphasis> beweisen m�ssen, dass ich das tun kann und dass man meinem Wort vertrauen kann. Kalia wird darauf hinweisen, dass ich vor ihnen allen ein Geheimnis hatte, und sie wird sagen, es sei ein Beweis daf�r, dass ich ein Spion bin.</emphasis></p><p>Tyvara stie� einen kleinen Seufzer der Frustration aus. Lorkin ergriff ihre Hand und dr�ckte sie.</p><p><emphasis>� Zumindest wissen wir, dass Kalia etwas im Schilde f�hrt. Wir k�nnen sie im Auge behalten. Abwarten, bis sie ihren n�chsten Zug macht, und sie dann aufhalten.</emphasis></p><p><emphasis>� Das wird nicht gut aussehen. Savara wird w�tend dar�ber sein, dass wir sie nicht gewarnt haben. Kalia wird behaupten, wir h�tten sie hereingelegt. Nein. Wir m�ssen Savara einweihen. Ich sehe keine andere M�glichkeit. Aber ich denke nicht, dass sie es jemand anderem erz�hlen wird. Das w�rde die anderen dazu bringen, dir zu misstrauen, und im Moment zu viele Probleme f�r uns schaffen.</emphasis></p><p>Lorkin dachte an die Warnung seiner Mutter, dann seufzte er.</p><p><emphasis>� Ich hoffe, du hast recht. Wann willst du es tun?</emphasis></p><p><emphasis>� Jetzt. Es ist unsere beste Chance, sie allein anzutreffen.</emphasis></p><p>Als Tyvara aufstand, folgte Lorkin ihrem Beispiel. Er widerstand der Versuchung, zu Kalia hin�berzuschauen, als sie sich aus dem Raum schlichen. <emphasis>Ich hoffe, ich werde dies nicht bedauern.</emphasis></p><p>Savara war in der K�che; sie sa� mit zwei ehemaligen Sklavinnen des Guts an einem langen Holztisch. Sie schickte die Frauen weg und lud ihn und Tyvara ein, ihr gegen�ber Platz zu nehmen, dann lauschte sie, w�hrend Tyvara erkl�rte, was Lorkin von Kalia geh�rt hatte. Savaras Blick war starr auf Lorkin gerichtet, und ihre Augen wurden langsam schmal.</p><p>�Also�, sagte sie in einem leisen, aber leicht abgehackten Tonfall, �was habt Ihr uns sonst noch nicht erz�hlt, Lorkin?�</p><p>Lorkin dachte sofort an das Sklavenm�dchen. Er zuckte zusammen und bereute es sofort. Er sp�rte, wie Tyvara von ihm abr�ckte, und als er sich umdrehte, sah er, dass sie ihn anstarrte.</p><p>�Da ist <emphasis>noch</emphasis> etwas?�</p><p>Er schaute von ihr zu Savara. Einm�tig verschr�nkten beide Frauen die Arme vor der Brust und fixierten ihn mit einem erwartungsvollen Blick. Es w�re komisch gewesen, wenn ihm nicht ein Eingest�ndnis bevorst�nde, vor dem ihm graute.</p><p>Er senkte den Blick, holte tief Luft und zwang die Worte heraus. �Als ich im Gef�ngnis war, haben sie ein Sklavenm�dchen gefoltert, um festzustellen, ob mich das zum Sprechen bringen w�rde. Ich � ich habe ihr Wasser gegeben, von dem ich wusste, dass es vergiftet war. Es hatte die warnenden Hieroglyphen, von denen Ihr gesagt habt, dass ich danach Ausschau halten soll. Ich dachte, sie sei eine Verr�terin und w�sste, was sie tat.�</p><p>Er h�rte Tyvara nach Luft schnappen, konnte sich aber nicht �berwinden, sie anzusehen.</p><p>�Ihr wollt wissen, ob sie eine Verr�terin war�, stellte Savara fest.</p><p>Er zwang sich, ihr in die Augen zu blicken. �Ja.�</p><p>�Ihr wisst, dass es keinen Unterschied machen wird.�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Aber ich werde nicht l�nger dar�ber nachgr�beln.�</p><p>Sie seufzte und sch�ttelte den Kopf. �Sie war keine Verr�terin, soweit ich wei�. Ihr habt eine harte und schreckliche Entscheidung getroffen, und Ihr k�nnt niemals wissen, ob sie richtig oder falsch war.� Savara beugte sich �ber den Tisch, ergriff seine Hand und dr�ckte sie.</p><p>�Unsere Spione treffen st�ndig solche Entscheidungen�, erkl�rte ihm Tyvara. �Wir k�nnen dir das kaum vorhalten.�</p><p>Savara lie� seine Hand los und l�chelte. �Gibt es sonst noch irgendetwas, das Ihr gestehen wollt?�, fragte sie leichthin.</p><p>Er dachte an den Stein, den er bei sich trug. <emphasis>Entweder ich offenbare jetzt, was ich wei�, oder ich konfrontiere sie niemals mit der Wahrheit. Wenn die Verr�ter sp�ter herausfinden, dass ich davon erfahren habe und die Gilde ihr Geheimnis entdeckt hat, </emphasis>werden<emphasis> sie w�tend sein. Und wo Kalia versucht, sie dazu zu bringen, mir zu misstrauen, und Savara nun einen Grund hat, sich um mich zu sorgen wegen meiner F�higkeit, so leicht Gedanken zu lesen �</emphasis></p><p>�Du <emphasis>suchst</emphasis> nicht tats�chlich nach Dingen, die du gestehen kannst, oder?�, fragte Tyvara kopfsch�ttelnd.</p><p>�Nicht direkt�, sagte er. Er wandte sich an Savara. �Es wird Dinge geben, die ich Euch nicht erz�hlen werde. Dinge, die die Gilde betreffen. Ich mag nicht l�nger ein Gildemagier sein, aber ich will sie mir auch nicht zum Feind machen. Oder Euch.�</p><p>Savara nickte. �Ich verstehe.�</p><p>�Ich will auch nicht, dass die Verr�terinnen wegen etwas Schaden nehmen, das ich Euch nicht erz�hlt habe.�</p><p>�Es freut mich, das zu h�ren.�</p><p>Er griff in seine Tasche und holte den Stein aus dem �dland hervor. Als er ihn vor Savara auf den Tisch legte, trat Entsetzen in ihre Z�ge.</p><p>�Ah.�</p><p>Er sah Tyvara an. Sie wirkte ein wenig verlegen, wie er zu seiner Freude sah.</p><p>�Meine Mutter hat ihn mir gegeben�, berichtete er ihnen.</p><p>Tyvara fluchte.</p><p>�In der Tat�, stimmte Savara zu. �Aber wir hatten gro�es Gl�ck, dass zuvor niemand dahintergekommen war. Wir h�tten uns noch gl�cklicher gesch�tzt, wenn das, was unsere Vorg�ngerinnen getan haben, niemals entdeckt worden w�re.� Sie schaute zu ihm auf. �Ihr versteht, warum sie es getan haben, nicht wahr?�</p><p>�Um zu tun, wessen man die Gilde bezichtigt hatte: das Land zu ruinieren, um Sachaka schwach zu halten.�</p><p>Sie nickte. �Nicht dauerhaft. Das Land wird sich erholen.�</p><p>�Und Ihr bekommt den Ruhm f�r die Wiederherstellung des Landes.�</p><p>Sie griff nach dem Stein. �Jetzt, da die Gilde Bescheid wei�, bezweifle ich, dass wir das tun werden.� Sie st�tzte die Ellbogen auf den Tisch und bettete das Kinn auf die H�nde. �Langfristig gesehen wird es keine Rolle spielen. Wir werden siegen, den Schaden beheben und Verzeihung erlangen, oder wir werden verlieren, und die Ashaki werden es tun, und wir werden f�r immer gehasst werden. Das Land wird auf die eine oder andere Weise wieder fruchtbar werden.�</p><p>�Also, was unternehmen wir wegen Kalia?�, fragte Tyvara. �K�nnen wir sie aus der Reserve locken, damit sie ihren n�chsten Schritt tut?�</p><p>Savara straffte sich. �Nein. Wenn wir etwas tun, wird sie behaupten, wir h�tten sie hereingelegt, indem wir ihre Zweifel ausgenutzt haben. Wir tun gar nichts.�</p><p>�Aber ��</p><p>Die K�nigin blickte zu Tyvara auf. �Denkt nicht, dass ich sie ignorieren oder ihr vertrauen werde.� Sie sch�ttelte den Kopf und seufzte. �Wenn man jemandem eine Chance auf Wiedergutmachung anbietet, kann man ihn nicht dazu zwingen, die Chance zu ergreifen.�</p><p>�Und Lorkins F�higkeit?�</p><p>�Erz�hlt auch davon niemandem. Die Verr�ter sind tolerant, aber das w�rde ihr Vertrauen auf eine zu harte Probe stellen.� Sie stand auf. �Halana sagt mir immer, ich brauche Wachen. Ich w�hle Euch zwei aus. Ihr werdet zu jeder Zeit ganz in meiner N�he bleiben m�ssen, selbst in der N�he schlafen, aber zumindest k�nnt Ihr ein Auge auf Kalia halten, wenn meine Aufmerksamkeit abgelenkt ist.�</p><p>Tyvara l�chelte. �Ihr wisst, dass ich die Erste w�re, die sich daf�r anbietet. Und Ihr wisst, dass wir au�erdem angenehme Gesellschaft sein werden.�</p><p>�Ja.� Savara seufzte, dann schaute sie Lorkin an und kniff die Augen zusammen. �Aber Ihr werdet nicht meine Gedanken lesen.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Das w�rde mir nicht einmal im Traum einfallen.�</p><p>Als weitere Seiten aus der Bindung der alten Aufzeichnungen brachen, seufzte Dannyl. Er sollte es wirklich gut sein lassen, aber er brauchte etwas, um die langen leeren Stunden auszuf�llen, also las er noch einmal einige der B�cher, die er erworben hatte. Es waren Tage seit Achatis Besuch vergangen. Niemand sonst hatte das Gildehaus besucht. Tayend hatte keine Einladungen mehr erhalten. Merria hatte nichts von ihren Freundinnen geh�rt.</p><p>Ein Gef�hl der Erwartung erf�llte das Haus. Sie kamen bei den Mahlzeiten zusammen und unterhielten sich anschlie�end lange Stunden, bevor sie getrennter Wege gingen, sobald sie feststellten, dass sie sich einmal zu oft um alte Sorgen und Spekulationen im Kreis gedreht hatten. Dannyl beriet sich jetzt zweimal am Tag mit Osen. Der Administrator berichtete ihm �ber Soneas und Regins Fortschritte und einige Angelegenheiten der Gilde, die wichtiger erschienen w�ren, h�tte Dannyl nicht in einer Stadt festgesessen, der bald ein B�rgerkrieg drohte.</p><p>�Botschafter Dannyl.�</p><p>Dannyl blickte von dem Buch auf und sah Kai in der T�r seines B�ros stehen.</p><p>�Kai�, erwiderte Dannyl. �Was kann ich f�r dich tun?�</p><p>Der Sklave l�chelte, und Dannyl versp�rte eine seltsame Verwirrung. Es war, als sei Kai zu einem Fremden geworden. Er begriff, dass er Kai nie zuvor hatte l�cheln sehen. Und dann kam ihm noch ein Gedanke.</p><p>Kai hatte sich nicht zu Boden geworfen. Er hatte Dannyl beim Namen angesprochen.</p><p>�Ihr Kyralier seid seltsam�, bemerkte Kai jetzt. �Aber es ist eine gute Art von Seltsamkeit.�</p><p>Dannyls Gedanken rasten. Was bedeutete das? <emphasis>Du wei�t, was es bedeutet.</emphasis></p><p>�Sie sind hier, nicht wahr? Die Verr�terinnen.�</p><p>Kai sch�ttelte den Kopf. �Noch nicht. Morgen. Wir haben beschlossen, jetzt fortzugehen. Die Ashaki wissen Bescheid. Sie t�ten Sklaven.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. �Aber gewiss bist du hier sicherer. Wir werden dir nichts zuleide tun.�</p><p>�Ich wei�.� Kai l�chelte abermals. �Doch Ihr k�nnt andere nicht daran hindern. Sie werden auf der Suche nach Macht herkommen. Oder auf der Suche nach Rache. Oder beidem. Ihr solltet ebenfalls gehen.�</p><p>�Unserem Befehl nach sollten wir bleiben.� Dannyl dr�ngte eine aufsteigende Furcht beiseite.</p><p>�Dann w�nsche ich Euch viel Gl�ck.�</p><p>�Und ich dir.� Dannyl zwang sich, dem Sklaven in die Augen zu sehen. �Und ich entschuldige mich im Namen der Magier, die hier gewohnt haben, falls wir etwas getan haben � �h, wem mache ich etwas vor?� Er breitete die H�nde aus. �Diese ganze Sache von Sklaven und Herren war falsch. Und beunruhigend leicht, sich daran zu gew�hnen.�</p><p>�Wir haben es so gemacht.� Kai zuckte die Achseln. �Es war das, wof�r wir ausgebildet wurden. Aber nicht mehr.�</p><p>�Nein.� Dannyl l�chelte. �Ich hoffe, die Verr�terinnen werden Erfolg haben.�</p><p>�Ich hoffe, dass Ihr sicher und am Leben bleiben werdet.� Der Sklave machte einen Schritt zur�ck, dann z�gerte er. �Habt Ihr jemals die Teile des Hauses erkundet, die die Sklaven bewohnt haben?�</p><p>�Nicht zur G�nze�, gab Dannyl zu.</p><p>�Tut es�, riet ihm Kai. �Mehr als nur die K�che, wenn Ihr Hunger bekommt. Es gibt Orte, wo Ihr Euch verstecken k�nnt, und andere Ausg�nge. Sie k�nnten Euch retten.�</p><p>Dannyl nickte. �Das werde ich tun. Danke.�</p><p>Kai grinste. Dann trat er von der T�r zur�ck und verlie� mit durchgedr�ckten Schultern den Raum.</p><p>Dannyl starrte noch lange auf die leere T�r, dann senkte er den Blick auf seine F��e. <emphasis>Es hat keinen Sinn, Zeit oder Kais Rat zu verschwenden. Er hat nicht gesagt, </emphasis>wann<emphasis> die Verr�terinnen morgen eintreffen werden. Es k�nnte gleich in aller Fr�he passieren. Oder die Ashaki k�nnten �ber Nacht angreifen. Ich kann nicht umhin zu denken, dass wir tats�chlich in Gefahr sind, wenn sowohl Achati als auch die Sklaven das vermuten. Am besten, wir machen Pl�ne, wie wir von hier wegkommen, wenn es sein muss.</emphasis></p><p>Er verlie� seine R�ume und begab sich auf die Suche nach Tayend und Merria.</p></section><section><title><p>25</p><p>Vor der Schlacht</p></title><p>Als Lilia sich der T�r zu Soneas R�umen n�herte, beschleunigte sie ihre Schritte. Die Tage, seit Skellin Anyi entf�hrt hatte, waren unertr�glich lang gewesen. Es war hart, so zu tun, als sei nichts geschehen. Hart, sich so zu benehmen, als spielten ihre Lektionen noch eine Rolle. Noch h�rter, sich genug zu konzentrieren, um irgendetwas zu lernen. Am h�rtesten von allem war es, in Kallens N�he zu sein, wenn sie nicht umhinkonnte zu denken, dass Cery, wenn Kallen Skellin gefunden h�tte, wie er es hatte tun sollen, noch am Leben w�re und Anyi in Sicherheit.</p><p>An der T�r angekommen griff sie eifrig nach der Klinke. Sobald sie in ihrem Zimmer war, konnte sie aufh�ren, den Schein zu wahren. Schon jetzt sp�rte sie das Prickeln von Tr�nen kommen. Jeden Tag hatte sie sich, sobald die Notwendigkeit, ihre Gef�hle zu verbergen, nicht l�nger bestand, auf ihrem Bett zusammengerollt und geweint.</p><p><emphasis>Es ist alles meine Schuld. Wenn ich fr�her gekommen w�re, h�tte ich Cery vielleicht retten k�nnen. Ich h�tte Skellin daran hindern k�nnen, Anyi mitzunehmen.</emphasis></p><p>Gol und Jonna behaupteten etwas anderes. Gol hatte die Minenfeuerfalle erkl�rt, die er und Cery eingerichtet hatten. Sobald sie seine Knochen geheilt hatte, und trotz ihrer Warnung, dass er sie noch nicht belasten solle, war er aufgestanden und zu den W�nden auf beiden Seiten gegangen, um Pulverrohre aus L�chern zu ziehen und zu fluchen.</p><p><emphasis>�Warum hat es nicht funktioniert?�, hat er gesagt, wieder und wieder, </emphasis>erinnerte sie sich. <emphasis>Dann hat er mich gebeten, meine Lichtkugel n�her heranzubringen. Hat mir gezeigt, dass das Papier nasse Flecken hatte. Feuchtigkeit war in die Mauern eingedrungen und hatte die Fallen ruiniert. Nicht alle, aber er und Cery hatten nur zwei von ihnen angez�ndet, und sie hatten sich zwei von den nassen ausgesucht.</emphasis></p><p>Lilia vermutete, dass Cerys Herz schon seit langem schwach gewesen war. Es h�tte jeden Moment stehen bleiben k�nnen. Wenn sie da gewesen w�re, um zu helfen, als es geschah, h�tte er �berlebt. Sie hatte Gol das gesagt und gehofft, dass er sich dann etwas weniger schuldig f�hlen w�rde.</p><p>Jonna hatte lamentiert, dass sie Lilia nicht schnell genug gefunden hatte. Sie hatte erz�hlt, dass ein Magier sie aufgehalten hatte, besorgt, weil sie so erregt gewirkt hatte. Als sie ihm gesagt hatte, dass sie nach Lilia suche, hatte er sie in das falsche Klassenzimmer geschickt. Es war leicht, so einen Fehler zu machen. Lilias Stundenplan hatte sich in letzter Zeit h�ufig ge�ndert. Er hatte wahrscheinlich eine Vermutung angestellt, in der Hoffnung, helfen zu k�nnen.</p><p>Lilia drehte den Griff, �ffnete die T�r und trat hindurch. Als sie Rothen im Raum stehen sah, blinzelte sie die drohenden Tr�nen weg und schluckte h�rbar.</p><p>�Lord Rothen�, sagte sie und verneigte sich. Gol sa� auf einem der St�hle; Jonna stand hinter ihm. Sie und Jonna hatten Cerys Leibw�chter, verkleidet als Dienstbote, in Soneas R�ume hinaufgeschmuggelt, in der Nacht nach Skellins Angriff.</p><p>Jonna hatte Lilia dazu �berredet, Rothen alles zu erz�hlen. <emphasis>�Ihr braucht einen Magier als Verb�ndeten�,</emphasis> hatte sie gesagt. <emphasis>�Rothen kann man ein Geheimnis anvertrauen. Er hat im Laufe der Jahre viele Geheimnisse Soneas geh�tet.�</emphasis> Zu Lilias Erleichterung war Rothen genauso diskret und hilfreich gewesen, wie Jonna es versprochen hatte. Er hatte Kallen ins Vertrauen ziehen wollen, bis Gol Skellins Behauptung wiederholte, er habe Quellen in der Gilde.</p><p>Als Lilia die T�r schloss, verzog Rothen den Mund zu einem mitf�hlenden L�cheln. �Lady Lilia.� Er sah Jonna an, dann schaute er auf den Tisch. Als Lilia seinem Blick folgte, machte ihr Herz einen Satz. Ein St�ck Papier lag dort, und darauf war ihr Name gekritzelt.</p><p>�Ist es �?�</p><p>�Von Skellin?� Rothen verzog das Gesicht. �Wahrscheinlich. Wir haben es nicht ge�ffnet. Wir haben vermutet, dass Ihr es als Erste lesen wollt. Setzt Euch hin, bevor Ihr es tut.�</p><p>Sie lie� sich auf einen Stuhl gleiten, und Jonna und Rothen setzten sich ebenfalls. Mit zitternden H�nden griff sie nach der Nachricht und drehte sie um. Das Siegel war, bemerkte sie, eine schlichte Krone, die �ber einem Messer schwebte. <emphasis>K�nig der Diebe.</emphasis> Abscheu und Zorn gaben ihr Halt. Sie brach das Siegel auf und faltete das Papier auseinander. Ihr Blick wanderte �ber die Worte. Als ihre Bedeutung klar wurde, legte Lilia den Zettel wieder auf den Tisch.</p><p>�Es ist eine Adresse�, berichtete sie. �Da steht �morgen� und eine Uhrzeit. Und er sagt, ich soll es niemandem erz�hlen und allein kommen.�</p><p>�Keine �berraschungen�, murmelte Gol.</p><p>�Wo ist die Adresse?�, fragte Jonna.</p><p>�Auf der Nordseite.� <emphasis>Cerys altes Territorium. Er reibt es uns unter die Nase.</emphasis> Sie sah Rothen an. �Ich muss gehen. Ich muss versuchen, Anyi zu retten.�</p><p>Er nickte. Seine Zustimmung brachte seltsame Wut mit sich.</p><p>�Solltet Ihr mir nicht sagen, dass ich es nicht tun kann?�, fragte sie. �Ihr wisst, was er will. Es ist schlimm genug, dass wir einen wilden Magier haben, der �ber die Unterwelt herrscht. Ein wilder schwarzer Magier wird noch viel schlimmer sein.�</p><p>�Es ist vielleicht nicht das, was er will. Er k�nnte bereits ein Buch �ber schwarze Magie gefunden und es selbst gelernt haben, obwohl das unwahrscheinlich ist. Falls es weitere B�cher gibt, werden sie gut versteckt sein.� Rothen seufzte. �Trotzdem, wir H�heren Magier haben dar�ber nachgedacht, was wir tun sollen, falls er doch schwarze Magie erlernt.� Er l�chelte verkniffen. �Es wird nicht bedeuten, dass wir ihn nicht einfangen k�nnen, es wird nur ein wenig dramatischer abgehen, wenn wir es tun.�</p><p>�Aber bevor Ihr es tut, werden noch viel mehr Menschen sterben. Und wir wissen nicht einmal, ob Anyi noch lebt.� Ihre Kehle schn�rte sich zu, und sie musste wieder gegen Tr�nen ank�mpfen.</p><p>�Er wird sie nicht get�tet haben�, versicherte Gol ihr. �Er wei�, dass Ihr verlangen werdet, sie zu sehen, bevor Ihr ihm irgendetwas beibringt.�</p><p>Lilia atmete einige Male tief durch, um sich zu fassen. �Selbst wenn sie noch lebt, woher wei� ich, ob er sie gehen lassen wird, nachdem ich ihn unterrichtet habe?�</p><p>�Ihr m�sst sicherstellen, dass sie fliehen kann, bevor Ihr ihm irgendetwas beibringt�, sagte Rothen.</p><p>�Es w�re einfacher, wenn ich einen weiteren Magier mitnehmen k�nnte.�</p><p>�Das wird er Euch niemals erlauben�, warf Jonna ein. �Ihr k�nnt nicht einmal einen als Diener verkleideten Magier mitnehmen. Er hat gesagt, Ihr m�sst allein sein.�</p><p>Rothen nickte. �Wenn er hier Quellen hat, w�rde eine Verkleidung vielleicht ohnehin nicht funktionieren.� Er seufzte. �W�ren diese Quellen nicht, w�rde ich vorschlagen, dass wir zu den H�heren Magiern gehen. Sie k�nnten Kallen einen Blutring machen lassen, damit wir Lilia mit seiner Hilfe im Auge behalten k�nnen. Wenn die Begegnung einen schlimmen Verlauf nimmt, werden wir nahe genug sein, um zu helfen.�</p><p>Lilia schaute �berrascht zu ihm auf. <emphasis>Ein Blutring! Warum ist mir das nicht eingefallen?</emphasis> �Ich kann selbst Blutringe machen. Kallen hat es mir beigebracht.�</p><p>Seine Augen weiteten sich. �Wirklich? Nun, dann �� Er richtete sich auf und rieb sich die H�nde. �Wir k�nnten den Ansatz eines Plans haben.�</p><p>Gol wandte den Blick ab. �Bittet mich nicht zu helfen. Der letzte Plan, den ich gemacht habe, war nicht sehr gut.�</p><p>�Du hast getan, was du mit den wenigen Mitteln, die dir zur Verf�gung standen, tun konntest�, entgegnete Rothen. �Es war beeindruckend k�hn. Ich hatte noch nie zuvor von Minenfeuer geh�rt. Faszinierendes Zeug. Wenn deine Falle funktioniert h�tte, h�ttest du uns Skellin sozusagen frei Haus geliefert.� Er l�chelte kurz. �Ich w�rde deinen Rat zu sch�tzen wissen, Gol. Du kennst die Unterwelt und die Stadt besser als wir.�</p><p>Gol runzelte die Stirn. �Nun � diese Idee, einen Blutstein zu benutzen � Wenn ich richtig verstehe, wie sie arbeiten, wird uns das nur dann etwas nutzen, wenn Ihr die Orte aussuchen k�nnt, die Ihr durch den Blutring zu sehen bekommt�, bemerkte Gol. �Was ist, wenn Ihr nicht wisst, wo sie sind? Was, wenn man Euch die Augen verbindet?�</p><p>�Beides w�re ein Problem.� Rothen trommelte mit den Fingern auf den Stuhl, eine nachdenkliche Falte zwischen den Brauen.</p><p>�Wei� Skellin, was ein Blutring ist?�, fragte Jonna. �Er k�nnte ihn bemerken und sie dazu zwingen, ihn abzulegen.�</p><p>Lilia sch�ttelte den Kopf. �Ich soll keinen Blutring tragen, der aus dem Blut einer dritten Person gemacht ist � ich soll nur Ringe mit Soneas und Kallens Blut tragen.�</p><p>Rothen nickte. �Nat�rlich. Wer immer das Blut beigesteuert hat, w�re in der Lage, Eure Gedanken zu lesen, und dann k�nnte er etwas �ber schwarze Magie erfahren. Also muss Gol einen Ring tragen, der aus Eurem Blut gemacht ist.�</p><p>Lilia wandte sich an Gol. �Und du musst ihn zerst�ren, falls irgendjemand versucht, ihn in die H�nde zu bekommen.�</p><p>�Anderenfalls k�nnte der Ring gegen Lilia benutzt werden.� Rothen sch�ttelte den Kopf. �Wenn es nur eine andere M�glichkeit g�be, Euch zu folgen. Es ist nicht so, als w�rden wir h�ufig Magier suchen �� Er holte schnell Luft, und seine Augenbrauen zuckten in die H�he. �Ah! Nat�rlich! Sonea! Wir haben Sonea gefunden, bevor sie der Gilde beitrat, indem wir gesp�rt haben, wenn sie Magie benutzte.� Er sah Lilia an. �Ihr werdet nur Magie zu benutzen brauchen, ohne es zu verbergen. Das Verbergen der Benutzung von Magie war eine Eurer fr�hesten Lektionen.�</p><p>Sie nickte. Jedes Jahr, wenn neue Novizen der Gilde beitraten, sp�rte sie, wie einige von ihnen Magie �bten, bevor sie gelernt hatten, diese Magie zu verbergen. �Aber wird Skellin das nicht ebenfalls sp�ren?�</p><p>�Nur wenn er versucht, es zu tun. Wenn Ihr etwas Geringes, aber Best�ndiges tut, zum Beispiel einen Schild aufrechterhalten, wird das vielleicht die Chance verringern, dass er es bemerkt.�</p><p>�Also verfolgt Ihr meine Spur mittels Magie�, sagte Lilia, �w�hrend Gol meinen Blutring tr�gt, weil er eher herausfinden kann, wo ich bin.�</p><p>�Sobald Ihr Lilia bei Skellin entdeckt habt � seid Ihr stark genug, um gegen ihn zu k�mpfen, falls etwas schiefgeht?�, fragte Jonna Rothen.</p><p>�Gegen Skellin <emphasis>und</emphasis> Lorandra�, f�gte Gol hinzu.</p><p>Rothen runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. �Ich bezweifle es. Aber zusammen sind Lilia und ich vielleicht stark genug. Wir k�nnen es nicht riskieren, einen anderen Magier hinzuzuziehen, f�r den Fall, dass die betreffende Person Skellins Quelle ist. Ich w�nschte, Dannyl w�re hier�, f�gte er leise hinzu.</p><p>�Ich kann so stark sein, wie ich muss�, erkl�rte Lilia, fing Rothens Blick auf und hielt ihn fest.</p><p>Er verzog das Gesicht. �Es w�re besser, wenn Ihr es vermeiden w�rdet, das Gesetz gegen die Verwendung von schwarzer Magie ohne Erlaubnis zu brechen. Aber � vielleicht k�nnen wir es ein wenig verbiegen. Ich gebe Euch als H�herer Magier die Erlaubnis, aber das erf�llt das Gesetz nicht zur G�nze, da einem solchen Tun alle H�heren Magier zustimmen sollen.�</p><p>Lilia schaute zu Boden. <emphasis>Falls irgendetwas schiefgeht und die Gilde nicht damit einverstanden ist, dass er das Recht gebeugt hat, wird er seine Position verlieren.</emphasis> �Seid Ihr Euch sicher?�</p><p>�Ja. Euch zu erlauben, zu diesem Treffen zu gehen, obwohl die M�glichkeit besteht, dass Ihr gezwungen werdet, einem Dieb und wilden Magier schwarze Magie beizubringen, ist viel schlimmer, als Euch zu erlauben, Euch zu st�rken, indem Ihr Freiwillige benutzt. Und ich kann Euch heute Abend meine St�rke geben.�</p><p>�Und meine�, sagte Jonna.</p><p>�Meine ebenfalls�, f�gte Gol hinzu.</p><p>Rothen nickte. �Ich werde meine St�rke �ber Nacht wiedergewinnen.�</p><p>�Wir auch?�, fragte Jonna.</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann nehmt auch morgen von mir Kraft�, meinte Jonna. �Es ist nicht so, als w�rde ich sie brauchen. Vielleicht wird Lilia, wenn wir ihr genug Magie geben, in der Lage sein, Skellin hierher zur�ckzuschleifen.�</p><p>�Konzentrieren wir uns darauf, Anyi zur�ckzubekommen�, sagte Rothen.</p><p>�Nat�rlich�, pflichtete Jonna ihm bei. �Aber wenn eine Chance besteht, gleichzeitig Skellin zu fangen, lasst es uns tun. Es wird langsam Zeit, dass der K�nig der Unterwelt zum Bewohner des Ausgucks wird.�</p><p>Der Abendhimmel verdunkelte sich langsam. Es waren keine Wolken da, die die Sonne in farbenpr�chtige Schattierungen tauchen konnte. Lorkin, der vom Dach nach unten schaute, fragte sich, wie dies dieselbe Stadt sein konnte, die er vor so langer Zeit mit Dannyl zum ersten Mal betreten hatte, aufgeregt �ber die Aussicht, Assistent des Gildebotschafters in Sachaka zu sein. <emphasis>Es f�hlt sich an, als sei es Jahre her, aber seit unserer Ankunft ist nicht einmal ein ganzes Jahr verstrichen.</emphasis></p><p>Obwohl die Mauern und Geb�ude sich nicht ver�ndert hatten, seit Lorkin Arvice in dem Sklavenwagen verlassen hatte, hatte die Bev�lkerung sich durchaus ver�ndert. Zuvor waren Sklaven durch die Stra�en geeilt und hatten sich von Kutschen, in denen ihre Herren sa�en, ferngehalten. Jetzt wimmelte es auf den Stra�en von Menschen, als ehemalige Sklaven aus dem Stadtzentrum flohen, die meisten zu Fu� und einige in gestohlenen Kutschen und Wagen.</p><p>Eine kleine Gruppe hatte gewartet, als Savara und ihre Mitstreiter vor der Schlacht in dem Herrenhaus ankamen, das sie als Treffpunkt ausgew�hlt hatten. Nachdem sie die St�rke genommen hatten, die die ehemaligen Sklaven ihnen anboten, hatte Savara sie weggeschickt und ihre Truppe � jetzt �ber sechzig Verr�terinnen � in zwei Gruppen eingeteilt: Eine sollte beobachten und Wache halten, die andere eine Mahlzeit und Unterkunft organisieren. W�hrend die Arrangements getroffen wurden, ging Savara aufs Dach hinauf.</p><p>�Warum versuchen die Ashaki nicht, sie daran zu hindern, die Stadt zu verlassen?�, �berlegte Lorkin laut.</p><p>�Der Sklave eines anderen Mannes ist das Problem eines anderen Mannes�, zitierte Savara. �Sie sind wahrscheinlich zu besch�ftigt mit dem Versuch, ihre eigenen Sklaven an der Flucht zu hindern, um sich um die Sklaven anderer Leute zu sorgen.�</p><p>�Auf den meisten G�tern sind die Sklaven st�ndig gekommen und gegangen�, erkl�rte Tyvara ihm. �Wie sonst konnten sie Essen und andere Waren auf das Gut bringen? Alles, was sie dort festgehalten hat, war die Tatsache, dass sie nirgendwohin fliehen konnten. Ein entflohener Sklave wurde irgendwann eingefangen und zu seinem Herrn zur�ckgeschickt.�</p><p>�Wenn ein Ashaki es nicht schafft, alle Sklaven zusammenzutreiben und an einem Ort einzukerkern, kann er sie nicht daran hindern wegzukommen.� Savaras Augen wurden schmal, als sie �ber die D�cher blickte. �Und viele der Ashaki sind nicht zu Hause, sondern k�mpfen gegen uns.�</p><p>Lorkin folgte ihrem Blick. Wie viele dieser Herrenh�user bargen Ashaki, die sich auf die Schlacht gegen sie vorbereiteten? Wie viele H�user standen leer? Bisher hatten Savaras Leute nur gegen kleine Gruppen von Ashaki gek�mpft. Er hatte sich dar�ber gewundert, aber Berichte �ber Nachrichtensteine hatten von einer gr��eren, besser organisierten Armee von Ashaki westlich der Stadt gesprochen. Nachdem diese Armee eine ihrer Gruppen �berrascht und besiegt hatte, hatte Savara den Verr�terinnen in diesem Gebiet befohlen, jede Begegnung zu vermeiden und sich Gruppen im Norden und S�den anzuschlie�en.</p><p>K�nig Amakira musste erwarten, dass die Verr�ter sich zusammenschlie�en w�rden, um eine einzige Armee zu bilden, sobald sie die Stadt erreichten. Savara hatte angedeutet, dass sie das irgendwann tun w�rden, aber f�r den Moment teilten die Verr�ter sich in kleinere Gruppen und nutzten die Tatsache aus, dass sie den gr��ten Teil der Bev�lkerung Sachakas auf ihrer Seite hatten. W�hrend die Ashaki drau�en waren, um auf sie Jagd zu machen, hielten die Verr�ter sich bedeckt und wurden st�rker durch die Sklaven der Ashaki, die sich ihren Herren widersetzten und sich ihnen anschlossen.</p><p>Obwohl Lorkin darin einen Vorteil sah, bereitete es ihm auch Sorgen, dass die Spaltung der Verr�terinnen in Gruppen sie verletzbar machte. Die Armee des K�nigs konnte leicht einen der kleineren Trupps der Verr�terinnen besiegen. Sie w�rde durch den Kampf geschw�cht werden, mit der Zeit ihre St�rke jedoch zur�ckgewinnen, w�hrend die Verr�ter � wenn sie erst einmal tot waren, blieben sie tot. <emphasis>Aber wenn die Ashaki sich auf Sklaven st�tzen, um die Macht wieder aufzuf�llen, die sie verbrauchen, werden sie ein Problem haben. Die Sklaven sind gr��tenteils davongelaufen.</emphasis></p><p>Trotzdem, es w�re besser, wenn keine der kleineren Gruppen von Verr�terinnen es allein mit der Armee des K�nigs zu tun bekam, schon damit ihm kein Verr�ter lebend in die H�nde fiel. Er w�rde mit Folter Informationen aus ihnen herauspressen, von Savaras Pl�nen erfahren, von der Gefahr, die ihnen durch die magischen Edelsteine drohte � er w�rde selbst solche Edelsteine <emphasis>besitzen.</emphasis></p><p>�Die Stadt wird bis morgen verlassen sein�, murmelte Savara. �Bis auf die Ashaki. Diejenigen, die von Westen zur�ckkehren, werden sich jenen anschlie�en, die noch hier sind, und dann werden wir sehen, ob unsere Strategie und unsere Vorbereitungen und unsere Verluste mit der Freiheit belohnt werden, f�r die wir eintreten.� Sie seufzte und schaute auf.</p><p>Lorkin folgte ihrem Blick. Sterne waren am Himmel erschienen, und K�lte hatte sich in die Luft gestohlen. Er stutzte, als das Firmament sich zu wellen schien, als ob es eine Spiegelung im Wasser w�re.</p><p>Dann krachte etwas gegen seine rechte Seite, und er stie� mit Tyvara zusammen.</p><p>Sie fielen beide auf das Dach. Tyvara hockte sich hin, und er tat das Gleiche, wenn auch unbeholfener als sie. Schmerz durchzuckte seinen rechten Arm. <emphasis>Gebrochen,</emphasis> dachte er. Instinktiv sandte er heilende Macht in den Arm, um den Schmerz zu bet�uben, aber er widerstand der Versuchung, den Knochen zu flicken. Er w�rde seine Kraft vielleicht f�r wichtigere Dinge brauchen. Wie die Vermeidung eines t�dlichen Angriffs.</p><p><emphasis>Wenn ich nicht durch einen Schild gesch�tzt gewesen w�re, als der Angriff erfolgte, w�re ich bereits tot,</emphasis> dachte er und stellte seinen Schild wieder her. Obwohl seine Barriere durchdrungen worden war, hatte sie den gr��ten Teil des Angriffs abgefangen.</p><p>Savara stand aufrecht da, den Kopf hoch erhoben, und starrte etwas zu seiner Rechten an. Die Luft kr�uselte sich, als Savara einen weiteren Angriff erwiderte. Tyvara befand sich zwischen ihm und dem unsichtbaren Angreifer. Sie legte Savara eine Hand auf den Arm, zweifellos, um Macht zu geben, falls diese ben�tigt wurde. Lorkin ging n�her heran und blickte Tyvara �ber die Schulter.</p><p>Vier Ashaki standen auf einem nahen Dach. Als sie mit Feuerst��en angriffen, wurden ihre Gesichter in rotes Licht getaucht. Keiner schien wesentlich �lter zu sein als Lorkin. <emphasis>Zu ungeduldig, um darauf zu warten, dass die �lteren sich ihnen anschlie�en?</emphasis></p><p>Unten hatten ehemalige Sklaven den Kampf bemerkt. Einige rannten davon, andere waren geblieben, um zuzuschauen. Lorkin begriff, dass sein Herz h�mmerte. Bei all den Konfrontationen zwischen Savaras Gruppe und Ashaki war er Teil einer gr��eren Gruppe gewesen. Jetzt standen sie drei gegen vier. Er versuchte, nicht an all die Macht zu denken, die zwischen diesem Dach und dem n�chsten tobte, doch es gelang ihm nicht. Seine Knie f�hlten sich weich an. Er legte eine Hand auf Savaras andere Schulter und redete sich dabei ein, dass er es nicht vor allem tat, um Halt zu suchen. Eine Erinnerung an seine Kriegskunstlektionen blitzte in seinen Gedanken auf. <emphasis>Es ist normal, w�hrend eines Kampfes Angst zu haben. Was z�hlt, ist, dass man seiner Ausbildung folgt.</emphasis></p><p><emphasis>Aber ich bin nie dazu ausgebildet worden, im Kampf schwarze Magie zu benutzen.</emphasis></p><p>Von unten kam ein Schrei, dann schoss ein Lichtblitz von der Stra�e zwischen den Geb�uden empor. Die Wachen der Verr�terinnen hatten den Kampf bemerkt und griffen nun ebenfalls an. Die Ashaki schauten hinunter, und als sie begriffen, dass sie jetzt in der Minderzahl waren, zogen sie sich zur�ck. Drei verschwanden durch eine Luke, aber der letzte, gezwungen, sich ohne Hilfe zu verteidigen, stockte. Ein Angriff von Savara schleuderte ihn von der Luke weg und dann �ber den gegen�berliegenden Rand des Daches.</p><p>Pl�tzlich war die Luft wieder still. Savara, Tyvara und Lorkin standen wie erstarrt da und beobachteten stumm. Von unten kamen ged�mpfte Rufe, T�renschlagen und gelegentlich ein Donnern. Ein flackerndes Licht zog Lorkins Blick zu einem Fenster des Hauses, in dem die Ashaki verschwunden waren. Das Geb�ude stand in Flammen.</p><p>Abrupt drehte Savara sich um und f�hrte sie zur�ck zu der Luke hinter ihnen. Als Tyvara die Strickleiter zu dem Treppenhaus unter ihnen erreichte, packte sie seinen Arm � gl�cklicherweise den, der nicht gebrochen war � und zog ihn hinter sich her.</p><p>�Du zuerst�, sagte er. �Gib mir einen Moment, mich mit meinem anderen Arm zu besch�ftigen.�</p><p>Ihre Augen weiteten sich. �Du bist verletzt?�</p><p>�Nicht mehr lange.�</p><p>�Dann werde ich bleiben und dich besch�tzen, bis ��</p><p>�Sei nicht dumm. Die Ashaki sind weg, und es wird nicht lange dauern, mich zu heilen. Irgendjemand muss Savara besch�tzen.�</p><p>Sie blickte von ihm zur Luke, dann seufzte sie und begann hinunterzuklettern. �Lass dir nicht zu lange Zeit�, knurrte sie.</p><p>Als sie verschwunden war, st�rkte er seinen Schild, lie� die Beine durch die Luke baumeln und konzentrierte sich auf das Heilen. Er musste nur daf�r sorgen, dass der Knochen und das Gewebe weit genug wiederhergestellt waren, damit er die Leiter hinunterklettern konnte. Schon bald trat er von der letzten schwingenden Sprosse, verriegelte die Luke �ber sich und eilte die Treppe hinunter hinter Tyvara und der K�nigin her.</p><p>Unten angekommen trat er durch eine T�r in den Flur dahinter, nur um festzustellen, dass er jetzt Teil des Herrenzimmers war. Die Wand, die ihn vordem abgetrennt hatte, war nur noch Schutt. Die Verr�terinnen hatten einen Kreis um ihre K�nigin gebildet. Als Lorkin n�her trat, sah er, dass Savara sich �ber drei Leichen beugte. Ihre Miene war grimmig. Zwei der Toten waren Ashaki, aber die dritte Leiche � Lorkin stockte der Atem, als er die Frau erkannte: Sprecherin Halana.</p><p>Der Raum schien sich f�r einen Moment zu drehen. Er erinnerte sich daran, wie Halana um Freiwillige f�r die erste Wache gebeten hatte. Erinnerte sich auch daran, dass sie ihn die Herstellung von Steinen gelehrt hatte � er erinnerte sich an ihre Ermutigung, ihr Verst�ndnis des Opfers, das er brachte, um schwarze Magie zu lernen. Das gewaltige Wissen und die gro�e Begabung, die sie gehabt hatte, waren jetzt verloren �</p><p>Tyvara trat neben ihn und beugte sich vor. �Sie und einige andere waren dabei, mit magischen Steinen eine Barriere und eine Warneinrichtung um das Haus zu legen�, murmelte sie. �Die anderen haben sie aus den Augen verloren, gerade als die Ashaki angriffen. Sie hat drei von ihnen get�tet, bevor sie sie �berw�ltigten ��</p><p>�Wir m�ssen weiter�, erkl�rte Savara. �Wenn wir tats�chlich einen von ihnen haben entkommen lassen, teilt er vielleicht in eben diesem Augenblick den anderen Ashaki mit, wie gro� unsere Gruppe ist. Sie k�nnten mit einer gr��eren Streitmacht zur�ckkommen. Wenn wir Gl�ck haben, k�nnen wir uns einen neuen Standort suchen, ohne dabei verfolgt zu werden. Es kann sein, dass wir heute Nacht �berhaupt nicht mehr zur Ruhe kommen werden. Es z�hlt jetzt, dass wir eine direkte Konfrontation mit den Ashaki vermeiden, bis wir uns den anderen Gruppen angeschlossen haben.� Sie schaute auf und lie� den Blick �ber ihre Mitstreiter wandern. �Packt und nehmt mit, was an Proviant leicht zu tragen und schnell zu verzehren ist.�</p><p>Die Verr�terinnen zerstreuten sich. Tyvara ergriff Lorkins Hand und zog ihn weg zu dem Raum, den sie mit Savara hatten teilen wollen. Da sie keine Chance gehabt hatten auszupacken, brauchten sie ihre B�ndel jetzt nur noch zu schultern. Tyvara griff nach Savaras B�ndel, und sie kehrten ins Herrenzimmer zur�ck.</p><p>�� sollen wir mit ihrer Leiche machen?�, fragte eine Verr�terin.</p><p>�Lasst sie hier. Wenn wir siegen, werden wir zur�ckkommen und sie holen�, erwiderte Savara. Sie nahm ihr B�ndel und schulterte es, aber als sie sich abwandte, bemerkte Lorkin ein Glitzern von Feuchtigkeit in ihren Augen.</p><p>Die Verr�terinnen kehrten jetzt eine nach der anderen zur�ck. Eine Frau trat aus dem Nebengang in der N�he von Lorkin, und als er sich umdrehte, verd�sterte sich sein Herz. Kalia starrte ihn ausdruckslos an, dann machte sie einen gro�en Bogen um ihn.</p><p><emphasis>Was � seltsam ist. Ich hatte zumindest einen w�tenden Blick erwartet.</emphasis> Er schaute mit schmalen Augen auf ihren R�cken und konzentrierte sich.</p><p>Er fing keine Gedanken auf, nur ein vernichtendes Schuldgef�hl.</p><p>�Es ist ihre Schuld�, stie� er hervor.</p><p>Niemand blickte auf. Sie hatten ihn nicht geh�rt. Im Raum war es zu laut. Als er sich umdrehte, sah er, dass Tyvara ihn anstarrte. Da ergriff jemand seinen Arm. Er schaute auf und stellte fest, dass Savara hinter ihnen stand, und ihre andere Hand lag auf Tyvaras Arm.</p><p><emphasis>� Sag nichts, </emphasis>sandte sie. <emphasis>Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.</emphasis></p><p>Lorkin schluckte einen Protest hinunter, nickte und folgte der Verr�terk�nigin hinaus auf die Stra�e.</p><p>Als Saral und Temi vor dem Tor stehen blieben und es mit Magie aufdr�ckten, stie� Sonea einen Seufzer der Erleichterung aus. Die Sonne war schon vor Stunden untergegangen, und sie hatte begonnen, sich zu fragen, ob die Eskorte beabsichtigte, die Nacht hindurch zu reisen. Die Verr�ter lenkten ihre Reittiere durch den Eingang. W�hrend Sonea und Regin ihnen folgten, lie� Temi sich von seinem Pferd gleiten und ging hin�ber, um die Tore wieder zu schlie�en. Bevor er sich zur�ckzog, schaute er die Stra�e entlang.</p><p>Saral sa� ab und reichte Temi die Z�gel ihres Pferdes, dann bedeutete sie Sonea und Regin, dass sie das Gleiche tun sollten.</p><p>�Wir m�ssen das Haus �berpr�fen�, sagte sie mit leiser Stimme. �Sieht so aus, als seien die Sklaven fort, aber es besteht immer die M�glichkeit, dass einige, die ihrem Herrn treu ergeben sind, geblieben sind. Obwohl der Ashaki sich h�chstwahrscheinlich der Armee des K�nigs angeschlossen hat, k�nnte auch er zur�ckgeblieben sein, oder er k�nnte zur�ckgekehrt sein, um etwas zu holen, oder vielleicht hat er einen Freund geschickt, der �ber sein Haus wacht. Bleibt hier.�</p><p>Sonea nickte. �Braucht Ihr Hilfe?�</p><p>�Nein.�</p><p>Saral straffte sich und sah Temi an, dann stolzierte sie zu einer nahen T�r. Sie war unverschlossen, und Saral verschwand im Innern. Sonea blickte sich um. Es war vern�nftig, bei Temi zu bleiben. Wenn sie angegriffen wurden, w�re es einfacher, alle unter einem einzigen Schild zu besch�tzen. Aber als sie auf ihn zuging, sah sie, dass er einen kleinen Gegenstand hochhielt. Sie sp�rte eine schwache Vibration in der Luft und begriff, dass er und die Pferde bereits in einem Schild waren. Der Gegenstand musste ein magischer Edelstein sein.</p><p><emphasis>Also liegt es jetzt bei uns, uns mit einem Schild zu sch�tzen. Warum Macht, die in einem Kampf gebraucht werden k�nnte, an zwei ungeladene Fremdl�nder verschwenden? Nun, ich nehme an, sie stehen kurz davor, in die Schlacht zu ziehen, und wir k�nnen auf uns selbst aufpassen.</emphasis> Seufzend ging sie auf den Schatten einer nahen Mauer zu. Im Schutz der Dunkelheit streckte sie ihre Barriere um Regin herum aus. Er sah sie an und r�ckte n�her, sagte jedoch nichts.</p><p>Eine lange Wartezeit folgte. Temi schwieg, aber seine Furcht war un�bersehbar. Die Pferde waren still und lie�en m�de die K�pfe h�ngen. Sie waren den ganzen Tag mit nur wenigen Pausen geritten. <emphasis>L�nger und schneller, als wir zuvor gereist sind. Ich frage mich � sind wir jetzt in der Stadt?</emphasis> Die niedrigen Mauern und H�user inmitten von Feldern hatten hohen Mauern Platz gemacht und Geb�uden, die recht nahe an der Stra�e standen. Die meisten H�user waren einst�ckig, aber gelegentlich hatte eins � wie auf dem Land � einen kleinen Turm, der aus dem Dach ragte. Sie hatte nicht sehen k�nnen, ob Felder dahinter verborgen oder wie gro� die Grundst�cke waren. Selbst jetzt konnte sie nur den Innenhof �berblicken, in dem sie standen. Auf der anderen Seite der Geb�ude k�nnte es ausgedehnte Felder geben oder ein weiteres Herrenhaus.</p><p><emphasis>Es h�rt sich nicht wie eine Stadt an. Es ist zu still.</emphasis></p><p>Regin verlagerte das Gewicht von einem Bein aufs andere, und seine Schulter streifte ihre und hinterlie� einen Eindruck von W�rme. Sie sp�rte, wie ein Schock sie durchlief, der nicht v�llig unangenehm war.</p><p><emphasis>Lass das, </emphasis>sagte sie sich.</p><p>Zu ihrer Linken wurde eine T�r ge�ffnet, und Soneas Herz setzte einen Schlag aus. Dann erschien eine Lichtkugel, und sie sah zu ihrer Erleichterung, dass es Saral war, die zur�ckkehrte.</p><p>�Verlassen�, berichtete sie ihnen. �Die St�lle sind dort dr�ben.� Temi nickte und f�hrte die Pferde in die Richtung, in die sie gedeutet hatte. Saral sah Sonea an. �Kommt herein.�</p><p>Sie betraten das Herrenhaus durch die T�r, die Saral zuerst benutzt hatte. Wie in so vielen sachakanischen H�usern f�hrte ein kurzer Flur zu einem gr��eren Raum. Weitere Flure gingen zu beiden Seiten zu Zimmerfluchten ab, einem Badehaus, der K�che und anderen Arbeitsr�umen.</p><p>�Wenn Ihr die sp�ter benutzt�, sagte Saral und deutete auf die B�der, �haltet Euch nicht zu lange auf. Falls Tovira doch zur�ckkehren sollte, wollt Ihr dort nicht �berrascht werden.�</p><p>�Nein�, stimmte Sonea zu. �Es w�re ziemlich peinlich, gegen einen Ashaki zu k�mpfen, w�hrend man nackt ist.�</p><p>Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Regin eine Hand auf den Mund legte. Saral z�gerte, dann wandte sie den Blick ab. �Und das Bad hat nur einen einzigen Eingang�, sagte sie.</p><p>Sonea konnte nicht erkennen, ob die Frau l�chelte, und sie konnte keine Erheiterung in ihrer Stimme h�ren. <emphasis>Die Schlacht steht zu dicht bevor, um ein Gef�hl f�r Humor zu bewahren.</emphasis> Als N�chstes gingen sie in die K�che, wo Saral sich etwas zu essen nahm und Sonea und Regin aufforderte, das Gleiche zu tun.</p><p>�Ihr macht Euch keine Sorgen, dass die Sklaven das Essen vergiftet haben k�nnten, in der Hoffnung, die Ashaki zu schw�chen?�</p><p>Saral sch�ttelte den Kopf. �Wenn sie es getan h�tten, h�tten sie eine Warnung hinterlassen. Eine Glyphe, die unsere Spione benutzen. Also, ich gehe jetzt in den Turm hinauf. Ihr k�nnt hierbleiben, wenn Ihr wollt.�</p><p>�Ich werde Euch begleiten�, erkl�rte Sonea entschieden. �Ich will sehen, wo wir sind.�</p><p>Saral machte den Eindruck, als w�rde sie Einw�nde erheben wollen, doch dann sch�ttelte sie den Kopf. �Also sch�n, folgt mir.�</p><p>Der Weg zum Turm f�hrte durch R�ume, bei denen es sich um die Zimmerflucht des Ashaki gehandelt haben musste. Sonea bemerkte Frauenkleidung neben der eines Mannes.</p><p>�Ich frage mich, wo seine Frau ist.�</p><p>�H�chstwahrscheinlich hat er sie irgendwohin geschickt, wo es sicherer ist�, erwiderte Saral. �Wir befinden uns in den Au�enbezirken. Ein zentralerer Ort w�re leichter zu verteidigen.�</p><p><emphasis>Die Au�enbezirke, </emphasis>�berlegte Sonea. <emphasis>Also haben wir die Stadt erreicht.</emphasis></p><p>Oben auf einer Wendeltreppe befand sich ein kleiner, runder Raum.</p><p>�Bleibt am Rand der Fenster, damit niemand Eure Umrisse sehen kann�, instruierte Saral sie. Sie trat von links an ein Fenster und sp�hte hindurch. Sonea schaute von der anderen Seite nach drau�en. D�cher breiteten sich vor ihr aus. Irgendwo mehrere hundert Schritt links von ihnen brannte ein Geb�ude. Eine gr��ere Anzahl von zweist�ckigen Geb�uden ragte direkt vor ihnen auf, und dahinter waren noch h�here Kuppeln zu erkennen.</p><p>�Willkommen in Arvice�, sagte Saral. �Savara hat uns den Befehl �bermittelt, dass wir hierbleiben sollen, bis sie uns ruft. Es sei denn, wir w�rden gezwungen fortzugehen. Was sind Eure Befehle?�</p><p><emphasis>Nichts so Konkretes,</emphasis> dachte Sonea. <emphasis>Aber da sie schon die H�flichkeit hatte zu fragen �</emphasis> �Ich werde mich erkundigen.�</p><p>Sie griff in die Tasche ihrer Robe, zog Osens Ring heraus und streifte ihn auf ihren Finger.</p><p><emphasis>� Osen?</emphasis></p><p><emphasis>� Sonea.</emphasis></p><p><emphasis>� Wir sind in der Stadt eingetroffen und verstecken uns auf einem leeren Besitz, der einem Ashaki Tovira geh�rt. Der Ashaki ist nicht hier; wahrscheinlich hat er sich der Armee des K�nigs angeschlossen. Unsere Verr�tereskorte sagt, wir m�ssten hier warten, bis K�nigin Savara uns ruft.</emphasis></p><p><emphasis>� Zweifellos wollen sie sicherstellen, dass Ihr Euch nicht einmischt.</emphasis></p><p><emphasis>� Was sollen wir tun?</emphasis></p><p><emphasis>� Was sie sagt.</emphasis></p><p><emphasis>� Ich werde nicht in der Lage sein, die K�mpfe von hier aus zu beobachten. </emphasis>Was bedeutete, dass sie nicht sehen w�rde, was Lorkin widerfuhr, und dass sie ihm nicht w�rde helfen k�nnen.</p><p><emphasis>� Hmm. Wenn Ihr und Dannyl beide meine Blutringe tragt, seid Ihr vielleicht in der Lage zu sehen, was er mir �bermittelt. Obwohl ich ihm gesagt habe, dass er im Gildehaus bleiben soll. Vielleicht sollte ich ihn bitten, einen Aussichtspunkt zu finden, von dem aus er die Schlacht beobachten kann.</emphasis></p><p><emphasis>� Solange er damit kein Risiko eingeht.</emphasis></p><p><emphasis>� Es gibt immer ein Risiko, wenn man einer magischen Schlacht so nahe ist. Die Gilde muss wissen, wie es ausgeht. Unsere freiwilligen Heiler sind heute Morgen aufgebrochen. Wir wollen nicht, dass sie in eine gef�hrliche Situation geraten.</emphasis></p><p><emphasis>� Seid Ihr sicher, dass Ihr wollt, dass wir hierbleiben?</emphasis></p><p><emphasis>� Ja. Als eine Figur von gr��erer Autorit�t als Dannyl und als Schwarzmagierin werden beide Seiten Euch wahrscheinlich als Bedrohung ansehen. W�re Lorkin nicht, h�tten wir Euch nach Hause beordert.</emphasis></p><p><emphasis>� Ah. Nun. Ich bin dankbar daf�r, dass Ihr es nicht getan habt.</emphasis></p><p><emphasis>� Diejenigen von uns, die daf�r sind, dass Ihr in Sachaka bleibt, haben argumentiert, dass Ihr, wenn der Krieg vor�ber ist, Lorkin vielleicht �berreden k�nnt zur�ckzukehren oder zumindest daf�r zu sorgen, dass die Verr�ter ihre Seite des Handels einhalten.</emphasis></p><p><emphasis>� Dann lasst uns hoffen, dass sie nicht all ihre Steine in der Schlacht verbrauchen. Ich muss Schluss machen. Saral wartet auf meine Antwort.</emphasis></p><p><emphasis>� Passt auf Euch auf, Sonea.</emphasis></p><p><emphasis>� Das werde ich.</emphasis> Sonea streifte den Ring ab und steckte ihn in die Tasche.</p><p>�Wir sollen f�r den Moment hierbleiben�, erkl�rte sie Saral.</p><p>Die Frau nickte, dann ging sie nach unten in die K�che. Temi war eingetroffen und unterhielt sich mit Regin. Wenn man die beiden M�nner zusammen sah, waren ihre Unterschiede offenkundiger. Regin war gr��er, Temi war hagerer. Aber Temi war nicht viel dunkler als Regin. Der Hautton des Verr�ters war heller als der eines durchschnittlichen Sachakaners, und Regin war w�hrend der Reise braun geworden. <emphasis>Es steht ihm. </emphasis>Sie verstummten, als Sonea und Saral den Raum betraten. Als Temi sich erbot, w�hrend der ersten Nachth�lfte die Wache zu �bernehmen, schlug Regin ihm vor, ihm Gesellschaft zu leisten.</p><p>�Nein�, lehnte Saral ab. �Ich werde die erste Wache �bernehmen. Allein.�</p><p>Regin zuckte die Achseln. �In Ordnung. Wo sollen wir schlafen?�</p><p>�In der zweiten Zimmerflucht. Falls Tovira mitten in der Nacht zur�ckkommt, wird er wahrscheinlich direkt in sein Schlafzimmer gehen.�</p><p>Regin nickte, dann sah er Sonea an und ging zur T�r. Sie folgte ihm, erheitert, dass er die F�hrung �bernommen hatte, obwohl er in den meisten F�llen, seit die Verr�ter zu ihnen gesto�en waren, auf Soneas Entscheidung gewartet hatte.</p><p>In drei der R�ume, die sie sahen, standen Betten. Sonea w�hlte willk�rlich einen aus und setzte sich aufs Bett. Als sie sich umschaute, bemerke sie kleinere Versionen von Ashaki-Kleidung, die an einem Haken hingen. Eine juwelenbesetzte Jacke �berlappte schlichte Hosen �</p><p>�Was hat Osen gesagt?�</p><p>Als sie aufblickte, sah sie Regin in der T�r stehen.</p><p>�Woher habt Ihr gewusst, dass ich mich mit ihm in Verbindung gesetzt habe?�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Das war leicht zu erraten.�</p><p>�Saral sagte, wir m�ssten hierbleiben, bis Savara uns ruft, dann hat sie gefragt, ob das in Ordnung sei. Osen hat zustimmt. Sie wollen sicher sein, dass wir uns nicht einmischen.�</p><p>�Wenn Lorkin in Schwierigkeiten w�re, w�rdet Ihr Euch einmischen.�</p><p>Sie bemerkte, dass er wissend l�chelte. �Nur um ihn zu retten.�</p><p>�Das w�re trotzdem eine Einmischung. Nicht dass ich es nicht verstehen w�rde.�</p><p>�Osen denkt, dass ich, wenn Dannyl und ich beide seine Blutringe tragen, den Kampf vielleicht durch Dannyl mit ansehen kann.�</p><p>Regin wirkte nachdenklich. �Das w�re eine gute M�glichkeit, die Einschr�nkungen der Verr�terinnen zu umgehen.� Er runzelte die Stirn. �Wenn die Verr�terinnen k�mpfen, werden wir es wissen, weil Saral fortgehen wird, um ihnen zu helfen. Werdet Ihr ihr folgen?�</p><p>Sonea wandte den Blick ab. �Vielleicht. Wahrscheinlich. Aber Ihr solltet hierbleiben.�</p><p>�Ich gehe, wohin auch immer Ihr geht.�</p><p>Ihr Herz verkrampfte sich. <emphasis>Das w�rde unter weniger gef�hrlichen Umst�nden so romantisch klingen.</emphasis> �Nein, Ihr w�rdet Euch ohne Grund in Gefahr bringen.�</p><p>�Ihr werdet eine gr��ere Zielscheibe sein als ich�, entgegnete er. �Wobei mir etwas einf�llt �� Er ging zum Bett und setzte sich. �Ihr solltet meine Macht nehmen.�</p><p>In dem Bewusstsein, wie nah er war, drehte Sonea sich zu ihm um. �Was ist, wenn Tovira heute Nacht zur�ckkommt? Ihr werdet nicht einmal in der Lage sein, Euch durch einen Schild zu sch�tzen.�</p><p>�Ich bezweifle ohnehin, dass ich mich lange halten w�rde �� Er hielt die H�nde hoch.</p><p>Sie betrachtete sie widerstrebend. <emphasis>Zu intim,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Was ist, wenn er etwas sp�rt? Es war nicht wahrscheinlich, als wir unterwegs waren. Wir haben uns nur so lange ber�hrt, wie es notwendig war. Andere haben uns beobachtet.</emphasis></p><p>�Ihr m�sst Eure Furcht vor Eurer schwarzen Magie wirklich �berwinden�, erkl�rte er ihr.</p><p>�Ich habe keine Angst�, entgegnete sie. Nicht ganz eine L�ge. <emphasis>Aber auch nicht direkt die Wahrheit.</emphasis></p><p>�Wenn Ihr meine Macht nehmt, verspreche ich, dass ich nicht mit Euch in die Stadt gehen werde�, bot er an.</p><p>Sie sah ihm in die Augen. Er schaute sie an, sein Blick fest und seine Miene ernst. Ein Stich der Erheiterung durchzuckte sie.</p><p>�Ihr werdet nicht in die Stadt gehen, weil ich es Euch verboten habe�, stellte sie fest.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Wir haben also ein Abkommen?�</p><p>Seufzend ergriff sie seine H�nde und versuchte zu ignorieren, wie warm sie waren. Sie schloss die Augen, nahm die Macht, die aus ihm herausfloss, und speicherte sie.</p></section><section><title><p>26</p><p>Anf�nge und Enden</p></title><p>Dannyl blickte zur Decke empor, blinzelte und st�tzte sich dann auf die Ellbogen. <emphasis>Was �? Irgendetwas hat mich geweckt.</emphasis> Er runzelte die Stirn. <emphasis>Jemand hat meinen Namen gerufen? Oder habe ich getr�umt?</emphasis> Er schuf eine Lichtkugel und sp�hte aus seiner Schlafzimmert�r in den Hauptraum.</p><p>War es Tayend? Oder Merria? Ist jemand ins Gildehaus eingebrochen, wie Achati und Kai mich gewarnt haben?</p><p><emphasis>� Dannyl.</emphasis></p><p>Bei dem geistigen Ruf zuckte er zusammen. <emphasis>Osen!</emphasis> Er seufzte, erleichtert dar�ber, dass die Quelle der St�rung in seinem Geist war, nicht im Gildehaus. Dann schmolz die Erleichterung dahin. Osen hatte offen nach ihm gerufen, was jeder andere Magier h�ren konnte. Das w�rde er nicht tun, es sei denn, er hatte etwas Wichtiges zu sagen oder zu fragen. Dannyl stand auf, tastete in den Taschen seiner Roben, fand Osens Ring und streifte ihn �ber.</p><p><emphasis>� Osen. Tut mir leid. Ich habe geschlafen.</emphasis></p><p><emphasis>� Dann entschuldige ich mich daf�r, dass ich Euch geweckt habe. Ihr hattet Euch nicht zur vereinbarten Zeit bei mir gemeldet.</emphasis></p><p>Dannyl hielt inne. Er war sich nicht ganz sicher, wie sp�t es war. Ohne Sklaven, die ihn weckten, und ohne Fenster in den Gem�chern konnte es Mitternacht oder Mittag sein.</p><p><emphasis>� Wie sp�t ist es?</emphasis></p><p><emphasis>� Eine Stunde bevor hier die ersten Kurse beginnen.</emphasis></p><p>Da die Sonne in Sachaka immer ein wenig fr�her aufging, war es mitten am Vormittag. War die Schlacht bereits geschlagen? Oder hatte sie noch nicht begonnen? Dannyl war erstaunt, dass er �berhaupt hatte schlafen k�nnen. Aber andererseits waren er, Tayend und Merria lange aufgeblieben und hatten einiges von dem Weinvorrat des Gildehauses getrunken, um ihre Angst zu lindern, weil sie in einer Stadt im Krieg festsa�en und die M�glichkeit bestand, dass man sie aus Rache t�tete oder um ihrer magischen St�rke willen.</p><p><emphasis>� Ich habe gestern Nacht mit Sonea gesprochen, </emphasis>fuhr Osen fort. <emphasis>Sie und Regin halten sich in einem Haus am Rand der Stadt auf. Die Verr�terinnen haben ihnen befohlen, dort zu bleiben, bis man sie ruft � was h�chstwahrscheinlich passieren wird, wenn die Schlacht vor�ber ist.</emphasis></p><p>Das Wissen, dass Sonea nah war, war beruhigend, obwohl Dannyl sich nicht sicher war, warum. Vielleicht konnte sie zu seiner Rettung eilen, sollte das Gildehaus angegriffen werden.</p><p><emphasis>� Bedauerlicherweise bedeutet das, dass sie nicht sehen wird, wie es Lorkin ergeht, oder wissen wird, wer als Sieger aus der Schlacht hervorgeht. Ich habe �ber die Warnung nachgedacht, die Achati und Euer ehemaliger Sklave Euch zukommen lie�en, dass das Gildehaus zur Zielscheibe werden k�nnte. K�nnt Ihr irgendwo anders hingehen?</emphasis></p><p><emphasis>� Irgendwohin, wo wir die K�mpfe beobachten k�nnten?</emphasis></p><p><emphasis>� Wenn sich das arrangieren l�sst, ohne Eure Sicherheit und die von Merria und Tayend zu gef�hrden.</emphasis></p><p>Dannyl dachte nach. Das Schiff, das Achati f�r sie aufgetrieben hatte, w�rde ein sicherer Ort sein, aber einer der Gr�nde daf�r war der, dass der Hafen vom voraussichtlichen Schlachtfeld weit entfernt war � also kein guter Aussichtspunkt. Wo w�rde die Schlacht aller Voraussicht nach stattfinden? <emphasis>Am und im Palast, zu guter Letzt. Und von Achatis Haus hat man einen Blick auf die Parade, die Prachtstra�e, die geradewegs zum Palast f�hrt. Wenn wir aufs Dach stiegen, k�nnten wir vielleicht �</emphasis></p><p><emphasis>� K�nnt Ihr sicher dort hinkommen?,</emphasis> fragte Osen.</p><p>Ein Fr�steln �berlief Dannyl bei der Erinnerung daran, dass seine Gedanken wegen des Blutrings f�r den Administrator offenlagen.</p><p><emphasis>� Entschuldigung. Es f�llt mir schwer, meine Ungeduld zu bez�hmen. Merin will Neuigkeiten, und ich hatte gehofft, dass Ihr oder Sonea inzwischen kontaktiert worden w�rt, </emphasis>sandte Osen.</p><p>Dannyl l�chelte mitf�hlend. Wenn der kyralische K�nig direkten Druck auf den Administrator aus�bte, bedeutete das, dass ihm die sachakanische Situation solche Angst machte, dass er sich nicht mit den Berichten des Hohen Lords Balkan begn�gen wollte.</p><p><emphasis>� Ich vermute, dass der Weg zu Achatis Haus der gef�hrliche Teil sein wird, aber wir werden feststellen, ob es sich machen l�sst, </emphasis>sandte Dannyl zur�ck.</p><p><emphasis>� Geht keine unn�tigen Risiken ein. Oh, und Sonea wird einen meiner Blutringe tragen. Wir hoffen, dass sie ebenfalls in der Lage sein wird zu sehen, was Ihr seht.</emphasis></p><p><emphasis>� Und dass sie herkommt, um mich zu retten, falls etwas schiefgeht?</emphasis></p><p><emphasis>� Das w�rde ein weniger �bles politisches Chaos anrichten als die andere M�glichkeit, n�mlich dass sie Lorkin retten muss. Hmm. Es k�nnte eine M�glichkeit sein, die Verr�terinnen dazu zu bewegen, ihr zu erlauben, die Stadt zu betreten. Es wird f�r sie schwerer zu rechtfertigen sein, Sonea davon abzuhalten, dem Gildebotschafter zu Hilfe zu eilen als ihrem Sohn.</emphasis></p><p>Dannyls Herz setzte einen Schlag aus.</p><p><emphasis>� Ihr wollt, dass ich mich in Schwierigkeiten bringe, damit sie einen Vorwand hat, um die Stadt zu betreten?</emphasis></p><p><emphasis>� Nein. Aber vielleicht k�nnten wir so tun, als h�ttet Ihr Schwierigkeiten � Nein. Nur wenn es unbedingt sein muss. Geht mit den anderen zuerst in Achatis Haus, dann werden wir weitere Ideen erw�gen.</emphasis></p><p><emphasis>� In Ordnung.</emphasis></p><p><emphasis>� Viel Gl�ck, Dannyl.</emphasis></p><p><emphasis>� Danke, Osen.</emphasis></p><p>Dannyl streifte den Ring ab und zog schnell frische Roben an. Er hielt inne, um noch einmal den Raum zu betrachten. War da noch irgendetwas, das er mitnehmen sollte? <emphasis>Meine Notizen? Nein. Sie werden hier sicherer sein als bei mir. Falls ich get�tet werde, wird man dieses Haus vielleicht pl�ndern, aber niemand wird Notizb�cher wollen. Sp�ter k�nnte jemand unsere Besitzt�mer sorgf�ltiger durchsehen. Hoffentlich ein Gildemagier, der ihren Wert erkennen wird. Vielleicht Achati � falls er �berlebt.</emphasis></p><p>Dannyl schob diesen Gedanken beiseite, drehte sich um und verlie� seine R�ume, um Merria und Tayend Bescheid zu geben.</p><p>Lorkin sa� im Schneidersitz da, mit dem R�cken zur Wand. Das Herrenzimmer des Besitzes, auf dem sich die Verr�ter versammelt hatten, war �berf�llt, aber sie achteten darauf, einen schmalen Pfad von Flur zu Flur freizuhalten, damit Boten sich schnell und ohne zu stolpern bewegen konnten.</p><p>Dies war das dritte Haus, in das Savaras Gruppe w�hrend der Nacht gegangen war. Das zweite war ein weiteres verlassenes Herrenhaus gewesen; dann, gegen Morgen, waren sie durch die stillen Stra�en der Stadt zu diesem Haus geschlichen, das leichter zu verteidigen war. Hier wollten sie sich vor der letzten Konfrontation mit den Ashaki versammeln. Lorkin hatte nicht geschlafen und bezweifelte, dass irgendjemand sonst geschlafen hatte. <emphasis>Nicht, dass ich dazu in der Lage gewesen w�re, wenn ich es gewollt h�tte. Au�erdem h�tte es kein Zimmer gegeben, in dem ich mich h�tte niederlegen k�nnen.</emphasis> Eine Verr�terin betrat den Raum und schaute zu Lorkin hin�ber. Als er sich umdrehte, sah er, wer es war, und sein Herzschlag beschleunigte sich, als er Tyvara erkannte. Sie l�chelte und kam auf ihn zu. Es war kein Platz f�r sie, um sich neben ihn zu setzen, daher stand er auf. Sie reichte ihm eine Weste.</p><p>�Die ist f�r dich�, sagte sie und hob die Stimme, damit er sie in dem L�rm, der im Raum herrschte, verstehen konnte.</p><p>Sein Magen vollf�hrte einen kleinen Purzelbaum, als er die Weste in seinen H�nden sp�rte. Alle Verr�ter trugen diese Westen. Sie waren bedeckt mit kleinen Taschen, in denen in Holz, in Stein oder kostbares Metall gefasste Edelsteine steckten. Er hatte angenommen, dass er ohne Steine k�mpfen w�rde, da er keine Ausbildung darin hatte, wie man sie in der Schlacht benutzte.</p><p>�Sie ist einfacher zu benutzen, wenn du sie anziehst�, erkl�rte Tyvara.</p><p>�Gib mir einen Moment Zeit�, erwiderte er. Er schl�pfte in die Weste und stellte fest, dass sie ein wenig eng um die Arme war.</p><p>�Ich dachte mir, dass sie etwas zu klein sein w�rde�, sagte Tyvara und versuchte erfolglos, die Schnallen und Riemen an der vorderen Seite zu schlie�en. �Aber es ist die Einzige, die wir er�brigen konnten.�</p><p>�Nun, es kommt mehr auf das an, was darin steckt�, entgegnete er.</p><p>�Die Steine sind so arrangiert, dass man sie benutzen kann, ohne den Blick vom Feind abzuwenden. Aber du bist ja nicht vertraut mit ihrer Anordnung.� Sie seufzte und sah mit ernster Miene zu ihm auf. �Vergiss nur eins nicht: Die linke Seite ist f�r Verteidigungssteine, die rechte f�r Angriffssteine. Die st�rkeren sind innen, die schw�cheren au�en. Sorge daf�r, dass du die Weste, wenn du sie ausziehst, nicht mit aufgekn�pften Taschen nach unten h�ltst, denn wenn die Steine einmal herausgefallen sind, wirst du sie nicht mehr unterscheiden k�nnen.�</p><p>Lorkin wiederholte, was sie gesagt hatte. Er hatte die Verr�ter bis zu diesem Punkt nicht w�hrend des Kampfes Steine benutzen sehen. Er vermutete, dass sie sie f�r die Hauptschlacht aufhoben oder dass die Steine in einer gr��eren Konfrontation n�tzlicher waren. Die einzigen Steine, die er bisher im Gebrauch gesehen hatte, waren solche zur Verteidigung, wie die Barrieresteine, die Halana mit ihrem Trupp gerade ausgelegt hatte, als sie in den Hinterhalt geraten war.</p><p>�Die gr��eren Taschen enthalten die wichtigsten Steine f�r Schilde und Angriffsschl�ge�, erkl�rte Tyvara und klopfte auf eine Reihe gr��erer Taschen an der Taille. �Die Schildsteine sind alle stark genug, um einige Angriffe abzuwehren, aber wie viele oder wie m�chtige, h�ngt von den Grenzen eines jeden Steins ab. Sei immer darauf gefasst, dass ihre Kraft sich ersch�pfen kann, und bereit, jederzeit selbst einen Schild zu erschaffen.�</p><p>Sie �ffnete die Klappe einer Tasche und zog einen der Steine heraus. Die Fassung war wie ein kurzer L�ffel, in dem der Edelstein lag. �Du musst ihn so halten.� Sie nahm den Griff zwischen zwei Finger und drehte die konkave Seite nach au�en. �Dr�ck deinen Finger in die R�ckseite des Steins, um ihn zu aktivieren, und halte die Vorderseite von dir weg, sonst richtest du den Schild oder den Angriff gegen dich selbst.�</p><p>�Das w�re peinlich�, bemerkte er.</p><p>Ein am�siertes Glitzern trat in ihre Augen. �Und potenziell t�dlich. Was peinlich f�r mich w�re. Ich w�rde f�r immer daf�r bekannt sein, dass ich mir einen sehr dummen Mann ausgesucht habe.�</p><p>Er lachte leise. �Was ist mit den anderen Steinen?�</p><p>�Es wird schwieriger sein, sich daran zu erinnern. Schildsteine haben Steinfassungen, Angriffssteine h�lzerne. Bei den �brigen wird Bronze, Kupfer, Gold und Silber benutzt, mit verschiedenen Texturen am Griff, so dass man sie taktil voneinander unterscheiden kann.� Sie nahm die Steine einen nach dem anderen heraus und beschrieb, was sie zu tun vermochten. Einer war f�r das Ausblenden von Ger�uschen da, ein anderer w�rde einen ohrenbet�ubenden Laut erzeugen. Einige gaben Licht ab, zur Beleuchtung oder zum Senden von Signalen. Einer sandte f�r kurze Zeit einen stetigen Feuerstrahl aus, um etwas zu schneiden oder auszubrennen. Ein anderes Paar war dazu gedacht, nach einer Verz�gerung zu explodieren, obwohl sie ihn warnte, dass die Explosion sich ereignen mochte, wenn man erst bis zehn, oder auch, wenn man schon bis hundert gez�hlt hatte.</p><p>Dann zog sie eine Handvoll Ringe aus ihren Taschen.</p><p>�Die meisten der Westensteine sind nur zur einmaligen Benutzung gedacht. Diese Ringe hier k�nnen mehrfach benutzt werden, wirf sie also nicht weg, wenn sie entleert sind. Die kleinsten dienen der Kommunikation�, sagte sie und streifte zwei Ringe, in deren Fassungen Edelsteine funkelten, auf seinen Finger. �Sie aktivieren sich nicht, bis du sie in die Fassung hineindr�ckst, gegen deine Haut. Der Ring an deiner linken Hand ist mit dem Ring verbunden, den ich trage, der zweite h�tte dich mit Halana verbunden, aber deren Ringe wird jetzt Savara tragen. Benutze ihren Ring nur in den dringendsten F�llen. Du k�nntest sie in einem ung�nstigen Augenblick ablenken. Diese dunkelroten sind Angriffsringe und die blassblauen Schildringe.� Sie dr�ckte sie auf seine Zeige- und Mittelfinger, dann hielt sie ihm die letzten zwei hin. �Die hier sind neu f�r uns, und wir haben nicht viele davon. Der durchsichtige � tats�chlich hast du Halana auf die Idee gebracht. Wir hatten uns nie die M�he gemacht, Steine mit dem <emphasis>einzigen</emphasis> Zweck zu erschaffen, Magie zu lagern und sp�ter als reine Magie wieder abzugeben.�</p><p>�Ein Lagerstein!�</p><p>�Ja. Wir haben ungef�hr zwanzig davon. In ihnen lagert lediglich die Macht von drei durchschnittlichen Magiern. Halana wollte es nicht riskieren, mehr hinzuzuf�gen, und unsere Magierinnen haben den gr��ten Teil der Macht des Sanktuariums bereits direkt genommen � so ist ihnen die Magie besser zug�nglich, als wenn sie erst nach einem Ring greifen m�ssten. Wenn wir diese Lagersteine jedoch in Friedenszeiten auff�llen w�rden, k�nnten sie sehr n�tzlich sein.�</p><p>Er nahm den Ring und streifte ihn auf den letzten freien Finger seiner Hand.</p><p>�Und der andere?�</p><p>�Der purpurne �� Sie grinste. �Das ist ein Heilstein.�</p><p>�<emphasis>Kalia</emphasis> hat ihn gemacht?�</p><p>�Nein. Eine Steinmacherin hat ihre Gedanken gelesen, an Freiwilligen gepr�ft, was sie erfahren hat, und dann hat sie einige Steine gemacht. Sie sagt, die Steine seien instruiert worden, den K�rper bei jeder Bewegung zu unterst�tzen, die er selbst zu wirken versucht.�</p><p>Lorkin griff nach dem Ring und untersuchte ihn. �Klug. Wenn es funktioniert, wird es auf diese Weise keine Rolle spielen, welche Art von Verletzung geheilt werden muss. Der Tr�ger braucht lediglich zu wissen, wie er magische Macht benutzen muss, um beispielsweise Knochen in den richtigen Position zu halten, so dass sie nicht schief zusammenwachsen. Der Stein wird aber auch nicht mehr bewirken k�nnen als das, was der K�rper von allein in Angriff nimmt, also keine Schmerzen lindern und keine M�digkeit vertreiben. Wie viele Steine hat sie gemacht?�</p><p>�F�nf. Warte � M�digkeit vertreiben?� Tyvara runzelte die Stirn. �Du kannst verhindern, dass du m�de wirst?�</p><p>��h � ja. Ich habe das nicht erw�hnt, als ich im Sanktuarium war, damit die Leute nicht noch � nun, noch �rgerlicher auf mich waren.�</p><p>�Braucht man dazu viel Magie?�</p><p>�Nein.�</p><p>�K�nntest du meine Ersch�pfung lindern oder die von Savara?�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie wedelte mit der Hand, als er versuchte, ihr den Ring zur�ckzugeben. Er betrachtete ihre H�nde. Sie trug noch keinen ihrer Ringe. �Hast du auch einen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann nimm ihn. Ich brauche ihn nicht. Ich kann all diese Dinge ohnehin tun.�</p><p>�Savara meinte, dass du das sagen w�rdest, aber sie hat darauf bestanden, dass ich dir trotzdem einen anbiete.�</p><p>�Ich wei� das Angebot zu sch�tzen, aber sie w�rde mir einen gr��eren Gefallen tun, wenn du ihn tragen d�rftest.�</p><p>�Warum sollte ich einen brauchen, wenn ich dich habe?� Sie nahm den Ring entgegen und l�chelte. �Sie will dich sprechen.�</p><p>Sie ergriff seine Hand und f�hrte ihn durch den Raum und in einen Flur. Savara war in den Zimmern des Hausherrn, umringt von Menschen, die in Gruppen miteinander redeten oder kamen und gingen. Lorkin schaute sich um und erkannte alle Sprecherinnen � bis auf Halana nat�rlich. Als Savara ihn sah, gebot sie der Frau, mit der sie gerade sprach, Stillschweigen und kam auf ihn zu.</p><p>�Lorkin�, begr��te sie ihn. Sie musterte seine Weste und suchte seinen Blick. �Alles bereit f�r den Kampf?�</p><p>Er klopfte auf seine Brust. �Ja, dank Euch und der Person, die diese Weste f�r mich gemacht hat.�</p><p>Tyvara streckte den purpurnen Ring aus. Die K�nigin l�chelte und nickte. �Gib ihn Sprecherin Lanna.�</p><p>Als Tyvara davonging, trat Savara ein wenig n�her, und pl�tzlich verstummten alle Ger�usche, als eine Barriere sie umgab. Ihre Z�ge verh�rteten sich.</p><p>�Hat sie irgendetwas verraten?�</p><p>In der Annahme, dass sie von Kalia sprach, runzelte Lorkin die Stirn. �Nein. Alles, was ich sp�re, sind Schuldgef�hle. Ich habe sie mehrmals dabei ertappt, wie sie dachte, dass sie eine N�rrin ist.�</p><p>�Nicht einmal eine Andeutung, dass sie irgendetwas plant?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Aber ich w�rde an Eurer Stelle weiter auf der Hut sein.�</p><p>Sie verzog die Lippen zu einem grimmigen L�cheln. �Ja. Sie wird weit weg von mir sein und genau beobachtet werden.� Sie seufzte. �Ich nehme an, was immer sie getan hat, ist nach hinten losgegangen und hat Halana das Leben gekostet, und sie will es nicht riskieren, den gleichen Fehler noch einmal zu machen.�</p><p>�Ich hoffe es, obwohl es so unm�glich sein wird zu beweisen, was sie getan hat. Es sei denn, Ihr wollt von mir, dass ich offenbare, was ich tun kann?�</p><p>�Nicht, solange ich ihre einzige Zielscheibe bin.� Sie senkte den Blick und stie� ein bitteres Lachen aus. �Du k�nntest jedoch feststellen, dass es deine Lebensaufgabe wird, ein Auge auf sie zu halten, bis sie stirbt. Falls wir diese Schlacht gewinnen.�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Ich w�rde es ohnehin tun�, gab er zu. �Wenn nicht um Eurer Sicherheit willen, dann um meiner und Tyvaras willen. Und ��</p><p>Die K�nigin hob die Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. Die Ger�usche im Raum kehrten abrupt zur�ck, als sich Tyvara wieder zu ihnen gesellte.</p><p>�Lorkin hat mir gerade erz�hlt, dass er M�digkeit kurieren kann�, erkl�rte sie Savara. �Es w�rde Euch einen Vorteil verschaffen, wenn Ihr mit frischem Geist in den Kampf gehen w�rdet.�</p><p>Die K�nigin zog die Augenbrauen hoch. �Das ist richtig.�</p><p>�Ist das weise?�, erklang eine andere Stimme. Als Lorkin sich umdrehte, sah er Sprecherin Lanna n�her kommen. Sie blickte entschuldigend drein, wirkte aber auch entschlossen. �K�nnt Ihr es Euch so wenige Stunden vor der letzten Schlacht leisten, derart viel Vertrauen in jemanden zu setzen, der nicht als Verr�ter geboren wurde?�</p><p>Als Tyvara sich umdrehte, um die Frau anzufunkeln, legte Lorkin ihr eine Hand auf den Arm. �Es ist eine angemessene Frage.�</p><p>Savara nickte. �Das stimmt. Und vollkommen unn�tig. Nachdem Halana von Kalia alles �ber Heilung gelernt hatte, was sie lernen konnte, haben sie und ich experimentiert.� Ein gequ�lter Ausdruck glitt �ber ihre Z�ge. �Sie hat vor einigen Tagen herausgefunden, wie man Ersch�pfung heilt.� Savara straffte sich und wandte sich zu Lorkin um. �Aber wenn sie es nicht getan h�tte, w�rde ich dein Angebot annehmen. Der Vorteil lohnt sich, und es stehen t�chtige Leute bereit, meinen Platz einzunehmen, sollte sich mein Vertrauen in dich als eine schlechte Entscheidung erweisen.� Ihr Blick wanderte zu etwas hinter ihm. �Und hier ist noch ein Bote.�</p><p>Als Lorkin sich umdrehte, sah er einen m�de wirkenden Mann hinter sich stehen. Ein Stich durchzuckte ihn, als er den Mann erkannte.</p><p>�Evar!�, rief er.</p><p>Der Mann grinste. �Lorkin. Ich hatte gehofft, dass ich dir ein letztes Mal �ber den Weg laufen w�rde.� Er wandte sich wieder zur K�nigin um und legte eine Hand aufs Herz. �Die Ashaki sammeln sich auf der Parade, Euer Majest�t, und scheinen bereit zu sein vorzur�cken.�</p><p>Savaras Augen weiteten sich ein wenig. �Es ist Zeit.� Sie schaute sich im Raum um. �Versammelt alle drau�en vor den Toren. Ich werde einige Worte sagen, und dann � dann werden wir uns endlich direkt unserem Feind stellen.�</p><p>Lilia folgte bereits ihrem sechsten F�hrer. Sie zw�ngten sich aus einer verstopften Gasse hinter mehreren kleinen L�den heraus und in die aufger�umtere Gasse zwischen zwei gro�en Geb�uden. Die schmalen Durchg�nge lagen im Schatten, und Lilia versuchte, nicht zusammenzuzucken, als sie die Blicke einiger M�nner bemerkte, die an den W�nden lehnten. Sie trug fadenscheinige Dienstbotenkleidung und sah wahrscheinlich genauso m�de, nerv�s und verletzbar aus, wie sie sich f�hlte.</p><p>Die endlose Wanderung hatte bereits vor Sonnenaufgang begonnen. Die F�hrer hatten sie durch die ganze Stadt geleitet, durch s�mtliche Hauptbezirke. Zuerst waren nur wenige Menschen unterwegs gewesen, dann lediglich Diener und solche Mitarbeiter von Gesch�ften und Handwerksbetrieben, die fr�h zur Arbeit erscheinen mussten. Langsam hatten sich die Stra�en der Stadt dann gef�llt.</p><p>Obwohl nur wenige Stunden verstrichen waren, kam es ihr weitaus l�nger vor. Lilia sehnte das Ende des Marsches herbei. Sie wollte die Begegnung mit Skellin hinter sich bringen. Und doch graute ihr davor.</p><p>Sie hatte den gr��ten Teil der Nacht wach gelegen und sich jede m�gliche Art ausgemalt, wie die Dinge schiefgehen k�nnten. Die wenigen Male, da sie eingeschlafen war, war sie aus Tr�umen wieder aufgeschreckt, in denen Anyi nach ihr rief, aber ihre Antworten nicht h�ren konnte. Bei der Erinnerung an die Tr�ume �berlief sie ein Schauer, daher dachte sie an das Gespr�ch mit Rothen, Gol und Jonna von der vergangenen Nacht.</p><p><emphasis>�Sonea hat einmal mit heilender Macht einen Ichani get�tet�, </emphasis>hatte Rothen ihr erz�hlt. <emphasis>�Er hatte sie innerhalb seines Schildes gefangen und hielt sie f�r ungef�hrlich; er hatte nicht gewusst, dass heilende Magie die nat�rliche Barriere des K�rpers �berwinden kann. Sie hat sein Herz zum Stillstand gebracht. Es w�re besser, wenn Ihr Skellin nicht t�ten w�rdet, selbst wenn es bedeutet, dass Ihr ihn entkommen lasst, damit wir eine Chance haben, ihn zu fangen und herauszufinden, wer seine Verb�ndeten und Quellen sind. Aber wenn Ihr keine andere Wahl habt ��</emphasis></p><p>Um mit heilender Magie zu t�ten, w�rde Lilia Skellins Haut ber�hren und Zeit haben m�ssen, ihren Geist in seinen K�rper zu senden. Wenn er bemerkte, was sie tat, w�rde es nur einer kleinen Anstrengung bed�rfen, sie hinauszusto�en. Der Ichani hatte nichts �ber heilende Magie gewusst, aber das traf auf Skellin nicht zu. Er w�rde ohnehin argw�hnisch bei jedem Versuch sein, den sie unternahm, um ihn zu ber�hren, f�r den Fall, dass es ein Versuch war, schwarze Magie zu benutzen.</p><p><emphasis>Nein. Mein Plan ist besser. Nicht viel besser allerdings, und ich muss dar�ber hinwegsehen, dass ich keine Ahnung habe, ob es funktionieren wird.</emphasis></p><p>Ihr eigener Schild h�tte ihr den Spott eines jeden Novizen im ersten Jahr eingetragen, aber nicht wegen seines Mangels an St�rke. Sie hatte eine Weile gebraucht, um herauszufinden, wie sie aufh�ren konnte, ihre Magie restlos zu verbergen, damit Rothen sie sp�ren und orten konnte. Der Magier befand sich irgendwo im Zentrum der Stadt. Er hatte vermutet, dass Skellins M�nner begreifen w�rden, dass er Lilia aufsp�ren konnte, wenn er dabei entdeckt wurde, wie er ihr folgte. Deshalb wartete er mit Gol ab, bis sie ihn wissen lassen w�rde, dass das Treffen mit Skellin unmittelbar bevorstand. Sobald sie das tat, w�rde er so nahe kommen, wie er das konnte, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, so dass er sie, falls etwas schiefging, hoffentlich rechtzeitig erreichte, um ihr zu helfen.</p><p>Sie konnte Gols Geist am Rand ihres eigenen sp�ren. Die Ablenkung war weniger stark, als sie bef�rchtet hatte. Er und Rothen befanden sich in einem stillen Raum eines Hauses, das einem Freund von Rothen geh�rte. Es war ein recht h�bsches Haus, nach den Eindr�cken zu urteilen, die sie von Gol auffing. Da sein Geist dem ihren st�ndig ge�ffnet war, war es leicht zu vergessen, dass er seinerseits nicht in ihren Geist sehen konnte und sie bewusst mit ihm sprechen musste, um ihm etwas mitzuteilen.</p><p>Lilia trat aus der Gasse und hielt inne, als ihr ein Strom frischer Luft entgegenschlug. Sie schaute sich um, und ihr Magen krampfte sich vor Angst zusammen. Sie waren am Hafen angekommen.</p><p>Der F�hrer bemerkte, dass sie stehen geblieben war, und machte eine ungeduldige Geste. Lilia holte tief Luft und folgte ihm zu einem langen Pier. Sie gingen um die Stapel mit Waren und um die Schauerleute herum. Schiffe wiegten sich sanft zu beiden Seiten. Als der F�hrer den Pier entlangging, formulierte sie im Geiste eine Frage.</p><p><emphasis>� Gol! Was ist, wenn er mir sagt, dass ich auf ein Schiff gehen soll?</emphasis></p><p>Es folgte eine Pause, bevor Gol antwortete.</p><p><emphasis>� Rothen sagt, er wolle dar�ber nachdenken.</emphasis></p><p>Nachdem sie an vier Schiffen vorbeigegangen waren, blieb der F�hrer vor einer Planke stehen, die auf eins der Schiffe f�hrte, und deutete darauf. Sie betrachtete das Schiff. Die Mannschaft starrte erwartungsvoll auf sie herab.</p><p><emphasis>� Sie sehen so aus, als seien sie bereit loszusegeln. Was soll ich tun?</emphasis></p><p><emphasis>� Geht an Bord. Ihr habt vielleicht nur eine Chance, Anyi zu retten, </emphasis>erwiderte Gol.</p><p>Was besser war als gar keine Chance. Sie holte tief Luft, stie� den Atem aus und ging dann �ber die Planke. Niemand sprach sie an. Sobald sie an Deck war, wandte die Mannschaft sich ab und machte sich an die Arbeit.</p><p><emphasis>� Wie wird Rothen mir folgen? Hat die Gilde ein Schiff? Wird er in der Lage sein, es zu benutzen, ohne den H�heren Magiern zu verraten, was ich tue?</emphasis></p><p>Sie schritt das Deck ab und musterte die Gesichter der Seeleute. Skellin war nicht dabei. Ebenso wenig Lorandra. Ebenso wenig Anyi. Die Mannschaft musste sie zu Skellin bringen � aber wie weit entfernt war er? Gewiss nicht in einem anderen Land. Es w�rde Wochen dauern, dorthin zu gelangen.</p><p>Sie stellte sich vor, wie sie sich f�hlen w�rde, wenn sie ein auf sich gestelltes, junges Dienstm�dchen gewesen w�re, das umringt war von diesen harten M�nnern. Ihre Mienen waren jedoch nicht l�stern, sondern kalt. Sie mieden ihren Blick. Niemand beachtete sie, es sei, um einen Bogen um sie zu machen, wenn sie im Weg stand.</p><p>Was h�ufig geschah. Auf dem Deck dieses Schiffes war nicht viel Platz. Es war nicht sonderlich gro� und schien zum Transport von Fracht bestimmt zu sein. Sie sah der Mannschaft zu und suchte sich einen Platz, wo sie niemandem im Weg war. Von dort beobachtete sie, wie das Schiff sich vom Pier entfernte, den Hafen hinter sich lie� und aufs Meer zusteuerte.</p><p>Das Deck begann sich unter ihr zu wiegen, und sie musste sich festhalten. Viele weitere Schiffe waren ebenfalls zur M�ndung des Tarali unterwegs oder kamen ihnen entgegen, aber als ihr Boot sich weiter vom Land entfernte, blieben auch die meisten anderen Boote zur�ck. Nur eines nicht, dessen Segel zusammengerollt waren. Der Mann, der auf ihrem Schiff die Befehle gab � es musste wohl der Kapit�n sein �, deutete auf dieses Schiff.</p><p>Sie betrachtete die winzigen Gestalten auf dem anderen Schiff. Als sie n�her kamen, wurden die Einzelheiten deutlicher. Unter den Menschen an Bord befand sich ein Trio, das gemeinsam an der Reling stand. Schon bald konnte sie erkennen, dass es ein Mann und zwei Frauen waren. Sie erkannte Anyi als Erstes. Wie h�tte es auch anders sein k�nnen? <emphasis>Ich w�rde sie an ihrem Schatten erkennen. An ihrer Pr�senz.</emphasis> Ihr Herz krampfte sich zusammen. <emphasis>Ich darf die Sache nicht vermasseln. Sonst wird sie sterben. Vielleicht sollte ich von meinem Plan ablassen und tun, was immer Skellin befiehlt. Aber wird er sie wirklich gehen lassen, wenn ich gehorche? Wird er sie behalten und mich zwingen zu bleiben und ihm alles beizubringen, was ich �ber Magie wei�?</emphasis></p><p>Sie wappnete sich und betrachtete die beiden anderen Personen. Die Boote waren sich jetzt nah genug, dass sie in der zweiten Frau Lorandra erkannte. Dann musste der Mann ihr Sohn sein.</p><p><emphasis>Dies ist also Skellin. </emphasis>Er war hochgewachsen wie ein Lanz, aber dunkelh�utig wie ein Lonmar. <emphasis>Da jedoch beide V�lker f�r ihr Ehrgef�hl und ihre strengen Moralvorstellungen bekannt sind, bezweifle ich, dass ihnen der Vergleich gefallen w�rde. Trotzdem, er ist wahrscheinlich nicht das beste Beispiel seines eigenen Volkes � Es hat einen Au�enseiter gebraucht, jemanden, der bereit war, unsere Regeln und Gesetze zu brechen, um uns unsere Schw�chen aufzuzeigen. Was k�nnten wir �ber uns selbst gelernt haben, wenn die ersten Menschen aus Igra, die uns besucht hatten, anst�ndig und gesetzestreu gewesen w�ren?</emphasis></p><p>Das Schiff verlangsamte seine Fahrt und drehte bei, so dass die Boote jetzt nebeneinander trieben. Lilia konnte Aktivit�ten um sich herum h�ren � der Anker wurde herabgelassen und die Segel eingerollt, vermutete sie �, aber sie konnte den Blick nicht von dem Trio auf dem anderen Schiff losrei�en. Es war nur zwanzig oder drei�ig Schritt von ihr entfernt.</p><p>�<emphasis> Rothen sagt, du sollst tun, was immer du tun musst, um Anyi sicher wegzubringen, </emphasis>sandte Gol.</p><p>Lilia nickte, dann hoffte sie, dass Skellin, falls er die Bewegung wahrgenommen hatte, es f�r eine Geste des Wiedererkennens hielt. Der wilde Magier winkte.</p><p>�Kommt und gesellt Euch zu uns, Lilia�, rief er.</p><p>Sie sch�tzte den Abstand zwischen den Schiffen ab und wandte sich dann der Mannschaft zu. Die Seeleute beobachteten sie, machten aber keine Anstalten, ein Boot zu Wasser zu lassen. Wie sollte sie auf das andere Schiff gelangen?</p><p>�<emphasis> Kannst du schweben?, </emphasis>fragte Gol.</p><p>�<emphasis> Ja, aber es wird etwas von meiner Magie verbrauchen.</emphasis></p><p>Was wahrscheinlich Skellins Absicht war. Trotzdem, das Schweben �ber diese kleine Distanz hinweg w�rde nicht allzu viel Magie verbrauchen, wenn sie sich beeilte.</p><p>Sie zog Macht in sich hinein, schuf eine kleine Scheibe der Kraft unter ihren F��en und schwebte empor. Skellin, Lorandra und Anyi traten von der Reling weg, um ihr Platz zu machen. Lorandra hielt Anyi am Arm fest. Sobald ihre F��e auf dem Deck waren, schaute Lilia auf und sah, dass die Frau Anyi ein Messer an die Kehle hielt. Ihr Magen krampfte sich zusammen, und ein kalter Schauer �berlief sie. Anyi stand steif da, breitbeinig wegen des Schaukelns des Schiffes, und als sie Lilia ansah, waren ihre Augen voller Bedauern, Zorn und Furcht.</p><p>�Lady Lilia�, begr��te Skellin sie. �Ich bin ja so froh, dass Ihr meine Einladung angenommen habt.�</p><p>Sie zwang sich, seinem Blick standzuhalten, ohne zusammenzuzucken. <emphasis>Du magst denken, dass du der K�nig der Unterwelt bist, </emphasis>dachte sie. <emphasis>Aber ich bin eine Schwarzmagierin, Verteidigerin der Gilde. </emphasis>Der Stolz, den sie empfand, war �berraschend und vielleicht ein wenig unangemessen, aber das scherte sie nicht, solange er ihr das Selbstbewusstsein schenkte, ihm die Stirn zu bieten.</p><p>Im Gegensatz zu seiner Mutter hatte er keinen unvertrauten Akzent. Er hielt inne, als warte er auf eine Antwort, und als sie nichts sagte, l�chelte er. �Nun, Ihr seid seit einigen Stunden auf den Beinen, und fr�hes Aufstehen gef�llt nicht jedem. Vielleicht sollten wir zur Sache kommen. Ich habe einen Vorschlag f�r Euch. Einen Handel. Lehrt mich schwarze Magie, und ich werde diese entz�ckende junge Frau in Eure Obhut geben. Ich glaube, Ihr kennt sie?�</p><p>Als er auf Anyi zeigte, drehte sich das Messer an der Kehle des M�dchens in Lorandras Hand und spiegelte einen Sonnenstrahl in Lilias Augen.</p><p>Lilia ignorierte es. �Lasst sie jetzt gehen.�</p><p>Skellin sch�ttelte den Kopf und lachte.</p><p>�Woher wei� ich, dass Ihr sie nicht t�ten werdet�, fuhr Lilia fort, �sobald ich Euch gegeben habe, was Ihr wollt?�</p><p>�Woher wei� ich, dass Ihr mich nicht t�ten werdet, sobald ich sie gehen lasse? Ihr seid schlie�lich eine Schwarzmagierin.�</p><p>�Und Ihr seid ein m�rderischer wilder Magier und Dieb.�</p><p>Er zog die Augenbrauen hoch. �Nun, nun. Wann habt Ihr mich jemals jemanden t�ten sehen?�</p><p>Sie �ffnete den Mund, um zu antworten, dann schloss sie ihn wieder. Sie hatte ihn nie bei einem Mord beobachtet. Nicht einmal Cery hatte das. Anyis Vater war gestorben, als sein Herz versagt hatte, obwohl das wahrscheinlich von der Anspannung verursacht worden war, dass Skellin Jagd auf ihn gemacht hatte. Lorandra war die J�gerin der Diebe gewesen. Aber so handhabten die Diebe es, nicht wahr? Sie machten sich die H�nde nicht schmutzig. Sie hatten andere, die das f�r sie taten.</p><p>Sie verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Bringen wir es hinter uns.�</p><p>Er grinste. �Meine G�te, ist das nicht etwas ungeduldig?� Er machte ein paar Schritte auf sie zu, dann blieb er stehen. �Aber zuerst m�sst Ihr Eure Kleider ausziehen.�</p><p>Sie starrte ihn an. <emphasis>�Was?�</emphasis> Das Wort platzte f�rmlich aus ihr heraus.</p><p>Sein L�cheln verschwand. �Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, Lady Lilia�, sagte er mit leiser Stimme. �Ich wei�, dass schwarze Magie erforderlich macht, dass die Haut einen Schnitt bekommt. Ich brauche die Versicherung, dass Ihr keine scharfen Gegenst�nde bei Euch tragt. Ihr k�nnt sicher sein, dass ich das nicht tue, da ich es nicht riskieren will, dass Ihr meine eigene Klinge gegen mich wendet. Ich k�nnte einen Mann aus der Mannschaft bitten, Euch zu �berpr�fen, aber Ihr k�nntet ihn t�ten, und es w�re Euch wahrscheinlich lieber, nicht begrapscht zu werden. Ihr braucht Euch nur bis zu dem Punkt zu entkleiden, an dem klar ist, dass Ihr keine Waffen bei Euch tragt.�</p><p>Schwer schluckend zog sie die abgetragene alte Robe und die Hosen aus. Dann funkelte sie Skellin an und forderte ihn dazu heraus, darauf zu bestehen, dass sie die schlichten Untergew�nder ablegte, die die Frauen der Gilde unter ihren Roben trugen. Von den Mannschaften der Schiffe kamen leise Pfiffe, aber sie verstummten, als Skellin sich mit strenger Miene umsah.</p><p>�Tretet die Kleider weg und dreht Euch um�, befahl er. Seufzend gehorchte sie. �Nun, f�r den Anfang werdet Ihr mich lehren, wie man Gedanken liest.�</p><p>Lilia erstarrte, dann fluchte sie im Stillen. Wenn sie erkl�rte, dass die Abmachung lediglich vorsah, dass sie ihm schwarze Magie beibrachte, w�rde er sie auslachen. Sie war nicht in der Position zu argumentieren.</p><p>�Ihr ben�tigt jemanden zum �ben�, erkl�rte sie ihm.</p><p>�Ihr werdet daf�r gen�gen�, kam die Antwort, die sie erwartet hatte.</p><p>Sie versp�rte unerwartete Bewunderung. <emphasis>Oh, er ist nicht dumm. Er hat alles durchdacht. Weitaus besser, als ich es getan habe. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, dass er dies verlangen k�nnte. Wenn ich es tue, wird er alles sehen. Mein Plan wird niemals funktionieren.</emphasis></p><p>�Ich habe noch nie zuvor versucht, es auf diese Weise jemandem beizubringen.� Es war nicht schwer, unsicher und aufrichtig zu klingen. Sie <emphasis>hatte</emphasis> noch nie jemanden das Gedankenlesen gelehrt.</p><p>�Dann wisst Ihr nicht, dass es nicht funktionieren wird.� Er machte einen Schritt auf sie zu, dann noch einen. <emphasis>Es wird Zeit, mich zu entscheiden. Gib ihm alles, was er will, versuche, ihn mit Heilung zu t�ten, oder versuche, den Plan auszuf�hren.</emphasis> Sie zuckte zusammen, als er die H�nde ausstreckte, zwang sich aber, still zu stehen. Als sie �ber seine Schulter schaute, sah sie in Anyis ver�ngstigte, w�tende Augen und hoffte, dass sie nicht so unsicher wirkte, wie sie sich f�hlte.</p><p><emphasis>Es muss funktionieren �</emphasis></p></section><section><title><p>27</p><p>Alte K�mpfe, neue Waffen</p></title><p>Ganz in Schwarz gekleidet zu sein hatte seinen Vorteil gehabt, als Sonea in den fr�hen Morgenstunden aus dem Herrenhaus geschl�pft war, aber jetzt, da die Sonne hoch am Himmel stand, war sie vor dem Hintergrund der bleichen Mauern der sachakanischen Hauptstadt allzu deutlich zu sehen.</p><p><emphasis>Zumindest bin ich dem Stadtzentrum n�her.</emphasis></p><p>Als die Morgend�mmerung gekommen war, hatte Sonea ein anderes Herrenhaus mit einem Turm ausgew�hlt, um sich darin zu verstecken. Die Nebent�r, durch die sie gegangen war, war nicht verschlossen gewesen, aber sie hatte festgestellt, dass das Geb�ude nicht g�nzlich verlassen war, denn von irgendwo im Innern waren Stimmen zu h�ren gewesen. Als sie versucht hatte, das Haus zu verlassen, hatte eine schnelle �berpr�fung des Gebiets um das Haus herum eine Gruppe von M�nnern offenbart, die durch die Stra�e eilten, daher war sie so lautlos sie konnte wieder durch das Haus geschlichen. Sie hatte die Treppe gefunden und war zum Turm emporgestiegen, wobei sie sich gesagt hatte, dass sie, wenn sie jemanden heraufkommen h�rte, aus einem der Turmfenster klettern und �ber das Dach entkommen konnte.</p><p>Stunden waren verstrichen, und die einzigen Ger�usche, die sie geh�rt hatte, waren fern und ged�mpft gewesen. Die Fenster des Turms standen offen, vielleicht um die k�hle Morgenbrise hereinzulassen. Von der Stra�e unten h�rte sie Schritte und weitere Stimmen, aber im Wesentlichen war es still in der Stadt.</p><p>Von den Fenstern hatte man einen Blick auf die andere Stra�enseite und auf ein Meer von D�chern. <emphasis>Es ist verf�hrerisch hinauszuschl�pfen und einen besseren Aussichtspunkt zu suchen. Aber das Risiko, gesehen zu werden, ist es nicht wert. Ich wei� nicht, wo sie k�mpfen werden.</emphasis> Sobald der Kampf begann, sollte es Ger�usche und Lichter geben, die ihr verrieten, wo sich das Schlachtfeld befand. <emphasis>Dann werde ich n�her herangehen k�nnen. Vielleicht werde ich �ber die D�cher steigen, wie Cery und ich es fr�her getan haben, damals, als wir noch Kinder in den H�ttenvierteln waren �</emphasis></p><p>�Die Aussicht ist hier auch nicht besser�, erklang eine Stimme hinter ihr.</p><p>Sie zuckte zusammen und wirbelte herum. Regin stand oben an der Treppe, die Arme vor der Brust verschr�nkt. Der Verlegenheit dar�ber, gefunden worden zu sein, folgte eine selbsts�chtige Erleichterung, dass er hier war, und schlie�lich ein Aufblitzen von Sorge und Ver�rgerung.</p><p>�Regin!�, zischte sie. �Was tut Ihr hier?�</p><p>Er zuckte die Achseln und lie� die Arme sinken. �Ich bin Euch nat�rlich gefolgt, obwohl ich w�hrend der letzten Stunden unten festgesessen und mich vor den Leuten dort versteckt habe. Sie sind �brigens gerade gegangen.�</p><p>�Ihr habt mir gesagt, Ihr w�rdet nicht mit mir kommen. Wir hatten eine Abmachung.�</p><p>�Ich habe gelogen.� Er zuckte abermals die Achseln und ging weiter die Treppe hinauf. �Ich wusste, dass Ihr meine Macht nicht nehmen w�rdet, wenn ich mich nicht bereitgefunden h�tte zur�ckzubleiben. Au�erdem habt Ihr ebenfalls gelogen. Ihr habt gesagt, dass Ihr bleiben w�rdet, wo Ihr wart.�</p><p>�Das ist etwas anderes. Ich sollte darauf vertrauen k�nnen, dass ein anderer Gildemagier sein Wort h�lt. Und sie sind gegangen, ohne uns Bescheid zu geben.�</p><p>�Ich denke, die Gilde w�rde es mehr missbilligen, dass Ihr das Risiko eingeht, Euch die Verr�ter zum Feind zu machen, als dass ich Euch ignoriere. Ich versuche nur, Euch zu besch�tzen.�</p><p>Sie stemmte die H�nde in die H�ften. �Das k�nnt Ihr nicht. Wenn wir angegriffen werden, werde ich <emphasis>Euch</emphasis> besch�tzen m�ssen. Ihr seid lediglich eine weitere Person, um die ich mir Sorgen machen muss. Ihr k�nntet mit Eurem Verhalten dazu beitragen, dass wir beide get�tet werden.�</p><p>Er l�chelte. Ihre brutale Aufrichtigkeit machte ihm nichts aus, und sie ertappte sich bei der Frage, ob sie sich zu ihm hingezogen f�hlte, weil er nicht im Mindesten von ihr eingesch�chtert war. �Der Schutz zweier Personen wird nicht mehr Macht verlangen als der Schutz von einer.� Sein Blick wanderte zum Fenster, und sie konnte nicht umhin, in die gleiche Richtung zu schauen. �Hat Dannyl seinen Beobachtungsposten schon erreicht?�</p><p>Sonea griff nach Osens Ring in ihrer Tasche. �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Ihr habt Euch noch nicht mit Osen in Verbindung gesetzt?�</p><p>�Ich habe es vorhin getan. Es geschah nichts. Ich wollte den Ring nicht anbehalten, f�r den Fall, dass jemand die Treppe heraufkam und ich zu abgelenkt w�re, um es zu bemerken.�</p><p>�Dar�ber braucht Ihr Euch jetzt keine Gedanken mehr zu machen. Ich kann Wache halten.� Er lachte leise. �Seht Ihr? Ihr braucht mich doch.�</p><p>Sie verkniff sich eine Erwiderung und schloss die Finger um den Ring. Sie zog ihn heraus, streifte ihn �ber und suchte den Geist von Osen und Dannyl.</p><p>Dannyl sp�hte um die Ecke des Geb�udes, suchte die Stra�e ab und sah zu seiner Erleichterung, dass sie verlassen war. Er gab Tayend und Merria ein Zeichen, dann trat er hinaus und eilte voran. Ihre Schritte und ihre Atmung verrieten ihm, dass sie dicht hinter ihm waren.</p><p>Bisher waren die einzigen Menschen, die sie in der Stadt gesehen hatten, Sklaven und der f�r einen Sklaven zu gut gekleidete Fahrer einer Kutsche gewesen. Alle hatten sich eilig vom Stadtzentrum entfernt, w�hrend Dannyl und seine Begleiter darauf zugingen.</p><p>Bedauerlicherweise machte das, was Ashakis Heim anziehend machte, es auch gef�hrlich: seine N�he zu der breiten Parade, der Prachtstra�e, die zum Palast f�hrte. Wenn sie nahe genug herankamen, um die K�mpfe zu beobachten, bedeutete das auch, dass sie eben den Menschen nahe waren, von denen er sich fernhalten wollte.</p><p><emphasis>Aber es sollte alles in Ordnung sein, sobald wir dort ankommen. Sobald wir im Haus sind und au�er Sicht.</emphasis></p><p>Er war sich der prestigetr�chtigen Lage von Achatis Haus stets bewusst gewesen, hatte aber nie irgendwelche R�ume betreten, die zur Parade hin lagen. Herrenzimmer und private R�ume waren im Allgemeinen zentral und hatten keine Fenster. Sachakaner bevorzugten Privatsph�re und hielten sich von der Hitze der Sommersonne lieber fern; das war ihnen wichtiger als eine gute Aussicht.</p><p>Er erreichte eine gr��ere Durchgangsstra�e � eine, die zur Parade f�hrte. Achatis Haus lag an der Ecke. Nachdem er sich davon �berzeugt hatte, dass die Stra�e verlassen war, f�hrte er die anderen um die Ecke herum. Er hielt sich dicht an der Mauer und versuchte, sich leise und schnell zu bewegen. Trotzdem hallte das Klopfen seiner Stiefel und der Merrias in der Stra�e wider.</p><p>Tayends Schuhe machten kaum ein Ger�usch, bemerkte er. Wie um das wieder auszugleichen, klimperten und klirrten die Kn�pfe und Schlie�en seiner kunstvollen H�flingsgewandung bei jedem Schritt. Das Ger�usch w�re normalerweise nicht wahrnehmbar, aber in der unheimlichen Stille klang es wie � Er runzelte die Stirn, w�hrend er versuchte, einen Vergleich zu finden. <emphasis>Wie das Klappern von Besteck, mit dem jemand unsanft umgeht.</emphasis></p><p>Eine T�r auf der anderen Seite der Stra�e wurde ge�ffnet, und Dannyl erstarrte. Er h�rte, dass Merria stehen blieb, und aus dem Augenwinkel sah er, wie Tayend sich nach einem Versteck umschaute, aber es war zu sp�t. Ein Mann tauchte auf, hob den Blick und hielt inne, als er sie bemerkte.</p><p><emphasis>Ein Ashaki</emphasis>. Dannyls Herz h�mmerte. Der Mann starrte sie an, dann richtete er sich auf und kam auf sie zu.</p><p>�Weglaufen?�, fragte Merria leise.</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. Wenn sie wegrannten, w�rden sie nur schuldig wirken. Wenn sie Furcht zeigten, w�rde das klarmachen, dass sie einen Grund dazu hatten. Kriegskunstlektionen aus lang vergangenen Zeiten kamen ihm in den Sinn. <emphasis>Du kannst nicht sagen, wie stark ein anderer Magier ist, noch kann er deine St�rke beurteilen. Eine selbstbewusste Ausstrahlung wird deinem Gegner Grund geben, daran zu zweifeln, dass er st�rker ist als du, selbst wenn aller Anschein f�r das Gegenteil spricht.</emphasis> Er folgte dem Beispiel des anderen Mannes, dr�ckte den R�cken durch und ging auf ihn zu.</p><p>Der Mann war ungef�hr sechzig, sch�tzte Dannyl. Sein Haar war mit grauen Str�hnen durchzogen.</p><p>�Seid Ihr die Botschafter aus dem Gildehaus?�, fragte der Mann energisch. Er war angespannt, bemerkte Dannyl. <emphasis>In Eile. Vielleicht kann ich das zu meinem Vorteil nutzen.</emphasis></p><p>�Ja�, best�tigte Dannyl langsam und f�rmlich. �Ich bin Gildebotschafter Dannyl.� Er deutete auf Tayend. �Dies ist Tayend, der elynische Botschafter. Und dies �� Er drehte sich zu Merria um.</p><p>Der Mann fiel ihm ins Wort. �Warum seid Ihr nicht im Gildehaus? Ihr wisst doch, was bevorsteht? Ihr lauft vielleicht geradewegs in eine magische Schlacht hinein.�</p><p>�Ich bin �ber die Situation im Bilde�, erkl�rte Dannyl. �Ich versichere Euch, wir haben nicht die Absicht ��</p><p>�Warum seid Ihr dann hier?�</p><p>�Man hat uns eine sichere Alternative zum Gildehaus angeboten.� So viel entsprach der Wahrheit. Achati hatte ihm gesagt, dass ein Schiff wartete.</p><p>Der Mann runzelte die Stirn. �Hier? So dicht beim Palast? Wie kann es hier sicherer sein?�</p><p>Danny zuckte die Achseln. �Die Verr�terinnen werden wohl kaum so weit kommen.�</p><p>Dies hatte den erw�nschten Effekt. Der Mann reckte das Kinn vor. �Ja. Nat�rlich. Nun denn. Es ist nicht weit bis zum Palast, und ich gehe ebenfalls dorthin. Ich werde Euch begleiten.�</p><p><emphasis>Oh-oh.</emphasis> Auf keinen Fall wollte Dannyl in Reichweite der Ashaki sein, wenn das Blatt sich gegen sie wendete und sie verzweifelt zus�tzliche Macht ben�tigten. Er zog entschuldigend den Kopf ein.</p><p>�Ich f�rchte, wir gehen nicht zum Palast. Unser beider Herrscher brennen darauf, jeden Eindruck zu vermeiden, dass die Gilde sich einmischt.� Dann, in dem Wissen, dass der Mann sie nicht gehen lassen w�rde, ohne ihr Ziel zu kennen, vor allem, nachdem sie die M�glichkeit einer Einmischung erw�hnt hatten, f�gte er hinzu: �Wir sind auf dem Weg zu Ashaki Achatis Haus.�</p><p>Der Mann zog die Augenbrauen hoch, dann nickte er. �Ich werde Euch bis dorthin begleiten.�</p><p>Er ging davon, seine Schritte lang und schnell. Dannyl folgte ihm � ebenso wie Merria und Tayend, wie ihm das Klappern ihrer Schritte und das Klirren seiner Kn�pfe verrieten. Die Versuchung, sich umzudrehen und Tayend in die Augen zu schauen, war stark, aber er widerstand ihr. Eine selbstbewusste Haltung bedeutete auch, dass er den Eindruck erwecken musste, hier das Sagen zu haben.</p><p>Als er �ber die Schulter des Ashaki blickte, sah er eine Bewegung. Eine Menschenmenge, die gro� genug war, um die breite Stra�e zu versperren, hatte sich versammelt und f�llte wahrscheinlich die gesamte Parade aus. M�nner in Hosen und kurzen M�nteln standen da und beobachteten etwas innerhalb der Parade, das Dannyl nicht sehen konnte. Kostbare Steine glitzerten im Sonnenlicht. <emphasis>Ashaki. Viele Ashaki. Jeden Augenblick wird einer aufschauen, uns sehen und die Aufmerksamkeit der anderen auf uns lenken. Was wird dann geschehen?</emphasis> Er konnte nicht umhin, sich eine Horde von M�nnern vorzustellen, die auf ihn zukamen, bereit, Macht von den drei Fremdl�ndern zu ernten.</p><p>Aber niemand kam. Als ihr selbsternannter Begleiter sich der T�r von Achatis Haus n�herte, begann die Menge sich zu bewegen. Das Heer der Ashaki brach auf. Dannyl hoffte, dass dies ihren Begleiter dazu bewegen w�rde, sie sich selbst zu �berlassen, aber der Mann runzelte nur die Stirn und trat vor die T�r. Er klopfte an.</p><p>Ein lange Stille folgte. Der Ashaki klopfte erneut. W�hrend die Zeit sich in die L�nge zog, schlug Dannyls Herz immer schneller. Achati w�rde beim K�nig sein. Die Sklaven waren wahrscheinlich gegangen. Was w�rde ihr Begleiter tun, wenn klar war, dass niemand die T�r �ffnen w�rde? Der Mann klopfte ein drittes Mal, wartete, seufzte und drehte sich schlie�lich zu Dannyl um.</p><p>Dann, als er gerade den Mund �ffnete, um zu sprechen, schwang die T�r nach innen auf. Ein Sklave sp�hte heraus.</p><p>�Botschafter Dannyl.�</p><p>Tayend stie� den angehaltenen Atem aus, und Merria seufzte. Der Ashaki drehte sich zu dem Sklaven um, dann sah er Dannyl an und schaute am Ende zur Parade hin�ber. Dannyl, der seinem Blick folgte, sah, dass die letzten Ashaki hinter dem gegen�berliegenden Geb�ude verschwanden.</p><p>�Danke, Ashaki ��</p><p>Der Mann nannte seinen Namen nicht. Er machte einen Schritt r�ckw�rts. �Haltet Euch au�er Sicht�, riet er ihnen, dann drehte er sich um und lief davon.</p><p>Dannyl sah Tayend und Merria an. Ihre Augen waren gro�, als sie seinen Blick erwiderten. �Lasst uns hineingehen.�</p><p>Der Sklave protestierte nicht, als sie durch die T�r traten. Sobald sie alle im Herrenzimmer waren, warf er sich auf den Boden. Dannyl, der eine Bewegung wahrnahm, sah einen anderen Sklaven auf dem Boden in der N�he eines weiteren Flurs. Er schaute von einem zum anderen und runzelte die Stirn. Warum waren diese beiden noch hier?</p><p>�Steht auf�, befahl er. Die beiden gehorchten. �Wie lauten eure Namen?�</p><p>�Lak.�</p><p>�Vata.�</p><p>�Warum seid ihr nicht mit den �brigen Sklaven fortgegangen?�</p><p>Lak sah Vata an. �Er wird uns vielleicht brauchen�, sagte er.</p><p>�Er� musste Achati sein. Dannyl versp�rte Bewunderung f�r ihre Loyalit�t.</p><p>�Von welchem Ort aus kann man die Parade am besten einsehen?�, fragte Tayend.</p><p>Vata blickte auf. �Vom Dach aus.�</p><p>Tayend zog die Augenbrauen hoch und sah Dannyl an. �Nun?�</p><p>Dannyl nickte. �Bringt uns dort hinauf.�</p><p>Verr�ter f�llten die Stra�e vor den Toren des Herrenhauses. Lorkin und Tyvara hatten den Weg hinaus durch einen Sklaveneingang zu einer Nebenstra�e gefunden und eilten zur Vorderseite des Geb�udes, wo die Verr�ter sich versammelten. Als Lorkin sich umschaute, bemerkte er, dass die eine H�lfte der K�mpfer Frauen waren, die andere M�nner. Magier und Quellen. Alle trugen Westen wie er. <emphasis>F�r die meisten der M�nner werden die Steine ihre einzige Quelle von Magie sein, </emphasis>begriff er. <emphasis>Nichtmagier, die an der Schlacht teilnehmen. Das muss etwas noch nie Dagewesenes sein.</emphasis></p><p>Kurz bevor die Menge anschwoll, um den Raum zwischen den H�usern zu f�llen, erblickte Lorkin die Stra�e, die zum Stadtzentrum f�hrte. Er bildete es sich vielleicht nur ein, aber in der Ferne schien die Stra�e von einem Schatten blockiert zu werden. Und dieser Schatten schien sich zu bewegen.</p><p>Man verlangte Ruhe, und Lorkin begriff, dass von irgendwo im Zentrum eine vertraute Stimme kam.</p><p>�� alle besch�tzen. Wir m�ssen alle zusammenbleiben. Unsere St�rke liegt in unserer Einheit und Entschlossenheit. Wir sind geeint. Die Ashaki sind es nicht. Wir haben uns Jahrhunderte vorbereitet. Die Ashaki haben das nicht. Wir haben die Unterst�tzung der Sklaven. Die Ashaki haben sie nicht. <emphasis>Und wir haben Steine.</emphasis>�</p><p>Gr��er als die meisten Verr�ter blickte Lorkin �ber ihre K�pfe in die Richtung, aus der die Stimme kam, und sah Savara h�her als die Menge stehen, sichtbar f�r alle.</p><p>�Kannst du sie sehen? Wir m�ssen zu ihr�, fl�sterte Tyvara ihm ins Ohr.</p><p>�Sie ist dr�ben bei den Toren.�</p><p>Sie ergriff seine Hand und zog ihn um die Menge herum zu der Wand des Herrenhauses. Savaras Stimme wurde lauter, als sie sich n�herten, und sie war voller Selbstbewusstsein und Leidenschaft.</p><p>�Spart die Steine nicht auf. Dies ist es, wof�r sie geschaffen wurden. Werkzeuge, um Bande zu brechen, um unsere Zukunft zu erschaffen, um alle gleich zu machen. Um Sachaka Freiheit zu bringen.�</p><p>�Freiheit!�, riefen die Verr�ter.</p><p>Der unerwartete Aufschrei jagte Lorkin einen leichten Schrecken ein. Als der Ruf ein zweites Mal erklang, war er bereit daf�r, und diesmal beschleunigte sich sein Puls, weil ihn die Begeisterung ansteckte. Sobald sie die Wand erreicht hatten, schl�ngelte sich Tyvara durch die Menschen, die mit verz�ckter Miene ihre K�nigin anschauten. Schlie�lich brachen sie durch die Menge und fanden die K�nigin auf einem Karren stehend vor, umringt von den Sprecherinnen, gerade als ihre Ansprache endete.</p><p>�Heute bringen wir Sachakaner zusammen, geeint in Freiheit!�, beendete sie ihre Rede.</p><p>�Freiheit!�, riefen erneut alle. Die Worte wurden zu einem Gesang, als Savara von dem Karren herunterstieg und vorw�rtsschritt. Die Menge teilte sich, um sie durchzulassen. Die Sprecherinnen eilten hinter ihr her, und Tyvara machte f�rmlich einen Satz vorw�rts und zerrte Lorkin mit sich, so dass sie sich zu den Sprecherinnen gesellten, bevor die Masse der Verr�ter sich ihnen anschloss.</p><p>Sie erreichten Savara gerade, als die K�nigin aus der Menge heraustrat. Die Sprecherinnen r�ckten seitlich etwas ab, bis sie eine Linie quer �ber die Stra�e bildeten. Chaos m�ndete in Ordnung, als die Verr�ter sich in Marsch setzten, um den Sprecherinnen zu folgen, die ihre Gruppen anf�hrten. Tyvara schaute sich um, dann blickte sie �ber die Schulter.</p><p>�Ich kann Kalia nicht sehen�, zischte sie. �Du?�</p><p>�Nein.� Lorkin sch�ttelte den Kopf, w�hrend er nach der Frau Ausschau hielt.</p><p>�Oh, sie ist zur�ckgeblieben�, erklang eine Stimme zu seiner Linken. Als er sich umdrehte, sah er, dass Chari, die Frau, die ihnen geholfen hatte, ins Sanktuarium zu fliehen, neben ihm erschienen war. �Sie bereitet sich darauf vor, die Verletzten zu behandeln.�</p><p>�Nun, das ist ein Grund weniger zur Sorge�, murmelte Tyvara. �Jetzt m�ssen wir nur mit <emphasis>denen</emphasis> fertig werden.�</p><p>Lorkin folgte ihrem Blick und schaute an der Schulter der K�nigin vorbei, um festzustellen, dass er es sich nicht eingebildet hatte: Die Stra�e vor ihnen wurde von einer weiteren Menschenmenge versperrt, die schnell n�her kam. Sonnenlicht glitzerte auf juwelenbesetzten Jacken.</p><p><emphasis>All diese Edelsteine, </emphasis>dachte Lorkin. <emphasis>Haben die Ashaki der fernen Vergangenheit ihre Kleidung mit magischen Steinen geschm�ckt? Hat die Tradition �berlebt, obwohl das Wissen um die Herstellung von Steinen verloren gegangen ist?</emphasis></p><p>Obwohl sie sich nur im Schritttempo bewegten, schienen die beiden Armeen aufeinander zuzueilen. Lorkins Herz raste. <emphasis>Das ist es. Entweder werde ich am Ende dieser Schlacht leben oder nicht. Verflucht � ich wollte mich mit Mutter in Verbindung setzten. </emphasis>�berall um ihn herum griffen Verr�ter nach den ersten Steinen in ihren Westen. <emphasis>Zu sp�t jetzt.</emphasis> Lorkin holte tief Luft und tat es ihnen gleich. Er nahm einen Schild � und einen Angriffsstein. Als Tyvara an die rechte Seite der K�nigin trat, bezog er einen Platz auf der linken Seite.</p><p>Der Abstand zwischen den beiden Heeren schrumpfte von einigen hundert Schritt auf weniger als achtzig. Die K�nigin hob einen Stein, bereit zum Angriff. Die Sprecherinnen taten das Gleiche. Als Lorkin zum Feind hin�berschaute, sah er die entschlossenen Gesichter der Ashaki. Sah die finsteren Blicke des Hasses und das erwartungsvolle Grinsen. Er sah den K�nig, und sein Blut gefror ihm in den Adern. Der alte Mann betrachtete die Eindringlinge in seiner Stadt mit einem hochm�tigen Blick.</p><p>Auf irgendein Signal hin, das Lorkin nicht bemerkte, griffen beide Seiten an. Er konnte nicht erkennen, wer den Anfang machte. Im einen Moment war der Raum zwischen den Armeen geladen vor Erwartung, im n�chsten zischelte er vor Magie. Er dr�ckte automatisch den Schildstein und sp�rte, wie er aktiv wurde und der Schild gegen den von Savara und den der Sprecherin links von ihm prallte, bevor er zwischen beiden seinen festen Platz fand. Savara griff an, aber Tyvara hielt ihren Angriffsstein lediglich bereit, wie sie es ihn zu tun instruiert hatte. Sie w�rden sich sp�ter in die Schlacht st�rzen; f�r den Moment war es ihre Aufgabe, die K�nigin zu besch�tzen.</p><p>Beide Seiten waren zum Stillstand gekommen. Lorkin k�mpfte gegen den Drang, vor den gef�hrlichen Schl�gen zur�ckzuweichen. <emphasis>Sie haben nicht einmal versucht, das Wort aneinander zu richten, </emphasis>begriff er. <emphasis>Nicht einmal, um ihren Gegner zu beleidigen. </emphasis>Den Geschichtsb�chern zufolge forderte ein Heerf�hrer den Feind stets zur Kapitulation auf. Doch nicht diesmal.</p><p><emphasis>Es ist nicht so, dass die Verr�ter und die Ashaki glauben, die andere Seite w�rde niemals akzeptieren. Es liegt daran, dass sie keine Kapitulation anbieten. Jede Seite beabsichtigt, die andere auszul�schen. Jeden letzten Verr�ter oder Ashaki zu t�ten. </emphasis>Er schauderte. <emphasis>Selbst die Ichani haben der Gilde das Angebot gemacht, nachzugeben und einen Kampf zu vermeiden.</emphasis></p><p>Nicht anzugreifen bedeutete, dass er die Gelegenheit hatte zuzuschauen. Die Ashaki standen reglos da, w�hrend die Verr�ter in st�ndiger Bewegung waren. Er brannte darauf, die von den Verr�tern entwickelte und einge�bte Kampftaktik in Aktion zu erleben. Die K�nigin und die Sprecherinnen blieben vorn, und er und Tyvara verharrten als die Besch�tzer der K�nigin. Die �brigen Verr�ter formten Kolonnen hinter den Sprecherinnen. Wenn sie die Front erreichten, traten sie jeweils neben eine Sprecherin. Wenn sie sich links neben ihre Sprecherin stellten, lie�en sie die Kraft eines Steins in den Schild der vorderen Reihe flie�en; traten sie rechts neben sie, benutzten sie einen Angriffsstein. Wenn ihr Stein ersch�pft war, zogen sie sich wieder ans Ende ihrer Kolonne zur�ck.</p><p>Dies sorgte daf�r, dass die Verr�ter erst die meisten Steine verbrauchten, bevor ihre Magierinnen begannen, ihren eigenen Vorrat an Macht zu benutzen. Es war viel einfacher, schnell auf abrupte und unerwartete Attacken mit pers�nlicher Magie zu reagieren als mit Steinen, daher hielt man sie in Reserve.</p><p>Von hinten kamen Warnrufe. Lorkin drehte sich um. Etwas geschah auf der rechten Seite der Verr�terarmee.</p><p>�Was geht dort vor?�, fragte Savara. Verr�ter in den Kolonnen auf der rechten Seite riefen einander etwas zu. Diejenigen, die am n�chsten waren, drehten sich um, um Tyvara zu berichten, was sie h�rten. Lorkin fing Bruchst�cke ihrer Worte auf.</p><p>�Angriff von rechts�, wiederholte Tyvara. �Sieben Ashaki. Alle erledigt.�</p><p>Lorkin sah, wie Savara vor Erleichterung und Befriedigung l�chelte, und versp�rte ein kleines Aufwallen von Triumph.</p><p><emphasis>Die Ashaki sind Narren, wenn sie denken, wir seien auf diese Art von Angriff nicht vorbereitet.</emphasis></p><p>�Lorkin�, zischte Tyvara.</p><p>Als er sich umdrehte, sah er, dass sie besorgt die Stirn runzelte. Sie machte eine ruckartige Kopfbewegung und schaute zu der Verr�terarmee zur�ck, w�hrend sie gleichzeitig mit den Lippen ein Wort formte. Sein Blut gefror.</p><p><emphasis>Kalia.</emphasis></p><p>Er fuhr herum und betrachtete die Gesichter in den Kolonnen hinter ihr, aber von der Frau sah er keine Spur. <emphasis>Vielleicht hat Tyvara jemanden erblickt, der Kalia ein wenig �hnlich sah. Nein, sie macht nicht im Mindesten den Eindruck, als zweifle sie. Also, wo ist Kalia?</emphasis></p><p>Nicht hinter Tyvara. Er drehte sich um, um die Verr�ter hinter sich selbst abzusuchen, und sein Herz wurde zu Eis. Kalia war nur wenige Schritte entfernt und schl�pfte in die n�chste Kolonne, wo ein Verr�ter abgelenkt war und seine Weste befingerte. Lorkin stie� ihren Namen hervor, zog Magie in sich hinein und zog einen Schild hinter sich selbst, Savara und Tyvara hoch. Der Schild stie� gegen einen anderen, und Lorkin begriff, dass Tyvara bereits das Gleiche getan hatte.</p><p>�Kalia?�, sagte Savara, ihre Stimme voller �berraschung. Sie drehte sich zu der Frau um. Verr�ter rissen erstaunt die Augen auf, als ihre Anf�hrerin ihre Aufmerksamkeit vom Feind abwandte. Angriffe prallten gegen ihren Schild, aber sie wirkte unbesorgt, als sie Kalia entgegentrat. �Was tust du hier?�</p><p>Kalia betrachtete all die Gesichter, die sie beobachteten, und erbleichte. �Ich bin gekommen, um zu helfen.�</p><p>�Ich habe dir einen Befehl gegeben�, rief Savara ihr ins Ged�chtnis, und in ihrer Stimme lag ein Unterton von �rger und erzwungener Geduld.</p><p>Kalia stutzte. Die Schlacht tobte weiter. Die Luft vor Savara vibrierte, als ein weiterer Angriff ihren Schild traf; die Ashaki hofften, dass ihre Ablenkung ein Zeichen von Schw�che war. Die Verr�ter, die sich in den Kampf st�rzten, taten dies ohne Z�gern, w�hrend jene, die sich zur�ckzogen, dies eine Spur langsamer erledigten und Kalia und die K�nigin interessiert be�ugten.</p><p>�Aber Ihr braucht jeden ��, begann Kalia.</p><p>�Was ich brauche, sind Leute, die meine Befehle befolgen.� Savaras Ton und Miene waren jetzt kalt. �Wie willst du unser Vertrauen zur�ckgewinnen, wenn du nicht tust, was man dir sagt?� Sie wandte sich ab. �Geh zur�ck und bleib dort.�</p><p>W�hrend Kalia sich zur�ckzog, beugte Savara sich zu Lorkin vor.</p><p>�Was denkt sie?�</p><p>Er konzentrierte sich. Wie zuvor fing er einige Worte auf, und Kalia verstr�mte Entt�uschung. Aber es war nicht die Ver�rgerung oder Wut wegen eines gescheiterten Plans. Kalias Gef�hl von Versagen war durchsetzt mit Furcht und Scham. Sie war immer noch voller Abneigung, aber nicht von m�rderischen Absichten erf�llt.</p><p>�Ich glaube nicht, dass sie irgendetwas vorhat�, sagte er.</p><p>Savara nickte. �Beschirmt mich.�</p><p>�Das tue ich bereits�, h�rte er Tyvara leise sagen. �Irgendjemand sollte zur�ckgehen und sie im Auge behalten.�</p><p>Savara sch�ttelte den Kopf. �Nein. Wir sind es, die sie hasst. Sie wird anderen Verr�tern nicht vors�tzlich schaden.� Ihr Blick war starr auf die Ashaki gerichtet. Sie machte einen Schritt nach vorn. Einen Moment sp�ter folgten die Sprecherinnen ihrem Beispiel. Als er sich umschaute, sah Lorkin, dass einige der Ashaki sich r�ckw�rts bewegten. Eine Welle der Erregung durchlief die Verr�ter.</p><p>Savara lachte leise. �Entweder werden sie schw�cher und verlieren ihre Zuversicht, oder sie wollen uns in eine Falle locken.�</p><p>�Was tun wir jetzt?�, fragte Tyvara.</p><p>�Feststellen, um welche von beiden M�glichkeiten es sich handelt�, antwortete die K�nigin. �Es wird Zeit, dass ihr eure Angriffssteine benutzt. Wenn wir eine Falle entdecken und ihr erst dann angreift, werden sie wissen, dass wir die Falle bemerkt haben. Ich w�rde sie lieber so lange wie m�glich im Unklaren dar�ber lassen, ob wir es bemerkt haben.�</p><p>L�chelnd machte sie einen gro�en Schritt vorw�rts.</p></section><section><title><p>28</p><p>Sieg und Niederlage</p></title><p>Als Skellin mit den Fingern Lilias Stirn ber�hrte, konnte sie nicht umhin zur�ckzuzucken. Er streckte abermals die H�nde nach ihr aus, und sein Blick bohrte sich in ihre Augen.</p><p>�Wenn ich denke, dass Ihr die Dinge hinausz�gert oder mir Schmerz verursacht, wird meine Mutter Eurer Freundin die Ohren und die Nase abschneiden�, knurrte er.</p><p>Mit rasendem Herzen senkte Lilia den Blick. <emphasis>Und sobald ich gehorche, wird er mehr wollen. Er wird sie weiter bedrohen, bis ich ihn alles gelehrt habe. Und dann wird er uns beide t�ten. Ich kann mich geradeso gut an meinen Plan halten. Wenn ich versage, bringen wir den Schmerz und den Tod zumindest schneller hinter uns. Aber ich werde mich beeilen m�ssen. Ich darf ihm keine Zeit geben zu reagieren.</emphasis></p><p>Sie umfasste seine Handgelenke, als wollte sie ihn aufhalten, dann erlaubte sie ihm, die H�nde an ihre Schl�fen zu pressen. Sie holte tief Luft, schloss die Augen und sammelte genug Macht, um einen starken Schild zu durchdringen. Dann sandte sie die geballte Kraft in einem konzentrierten, beinahe punktf�rmigen Sto� durch ihre rechte Hand.</p><p>Sie sp�rte, wie sich die Barriere unter ihren Fingern angesichts dieses heftigen, unerwarteten Angriffs teilte. <emphasis>Es hat funktioniert! </emphasis>�berrascht begann sie, Macht in sich hineinzuziehen, wobei sie sich auf die l�hmende Wirkung der Kraftentnahme verlie�, um ihn daran zu hindern, zu k�mpfen oder zu sprechen. Da er mit dem R�cken zu Lorandra stand, w�rde sie es hoffentlich nicht bemerken.</p><p>Der Griff, mit dem er ihren Kopf festhielt, l�ste sich, als die schw�chende Wirkung von schwarzer Magie sich durchsetzte, aber Lilia hielt seine H�nde auf ihren Schl�fen fest. Dann �ffnete sie die Augen und sandte Magie aus, um zu verhindern, dass er zu Boden sank. Er starrte sie an, seine Pupillen gro� vor Zorn und Furcht.</p><p><emphasis>Ja. F�rchte mich, </emphasis>dachte sie. <emphasis>Diesmal hast du dein Opfer untersch�tzt. Zu erpicht darauf zu bekommen, was du willst.</emphasis></p><p>Aber sie durfte ihn auch nicht untersch�tzen. Oder seine Mutter. Im Moment war Lorandra eine gr��ere Gefahr als Skellin. Sie w�rde irgendwann bemerken, dass etwas nicht stimmte, und sie hielt immer noch das Messer an Anyis Kehle. Lilia versp�rte einen Stich des Zweifels und zog langsamer Macht in sich hinein. Sie wusste nicht, wann sie Skellin v�llig ersch�pft haben w�rde, und sie musste sich entscheiden, was sie tun w�rde, sobald es so weit war.</p><p><emphasis>Ich muss Anyi besch�tzen, bevor Lorandra begreift, dass ich Skellin leersauge.</emphasis> Sie drehte leicht den Kopf, so dass sie Anyi sehen konnte, und streckte ihre Sinne und ihre Magie aus. Irgendwie musste sie eine Barriere zwischen das Messer und Anyis Haut legen, ohne dass jemand es bemerkte. Sie musste sich darauf konzentrieren, Macht in sich hineinzuziehen und sie gleichzeitig zu benutzen, was eine Herausforderung darstellte. <emphasis>Kallen h�tte mich lehren sollen, dies zu tun �</emphasis></p><p>Ihre Magie traf auf Widerstand.</p><p><emphasis>Eine Barriere! Lorandras Barriere. Es kann nur ihre sein. Skellin kann seine Macht nicht benutzen.</emphasis></p><p>Sofort wusste sie, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Lorandra runzelte die Stirn. <emphasis>Sie wei�, dass ich nichts mit Magie tun sollte. Skellin w�rde mich daran hindern.</emphasis> Voller Entsetzen beobachtete sie, wie Lorandras Augen sich weiteten, als sie verstand, dann wurden sie schmal vor Wut.</p><p>Lilia zog Macht in sich hinein und sandte sie in Lorandras Richtung, noch w�hrend die Frau die Hand bewegte. Hellrotes Blut sprudelte aus Anyis Hals.</p><p><emphasis>Nein!</emphasis> Lilia lie� Skellin fallen. Als Lorandras Barriere zersprang, fing sie Anyi auf und dr�ckte dem M�dchen eine Hand auf die Kehle. Blut quoll zwischen ihren Fingern hervor. Sie h�llte sich selbst und Anyi in einen Schild, lie� ihre Freundin aufs Deck sinken und sandte ihren Geist in deren K�rper. <emphasis>Schlie�e dich!, </emphasis>befahl sie den zerrissenen Venen, die Anyis Blut transportierten. Heilende Macht quoll aus ihr heraus und f�gte Fleisch zusammen. Die Venen heilten, die Muskeln wuchsen wieder zusammen. Hoffnung durchzuckte Lilia, aber w�hrend Haut mit Haut verschmolz, lockerte sie ihren Griff um Anyis Kehle. <emphasis>War ich schnell genug? Hat sie zu viel Blut verloren?</emphasis></p><p>Anyi lag still da und starrte zu den Segeln und dem Himmel �ber ihnen empor. Ihr Gesicht war bleich. Ihre Lippen blau. <emphasis>Aber sie lebt. Ihr Herz schl�gt. Sie atmet noch. Sie lebt, aber �</emphasis></p><p>Irgendwo in der N�he erklang ein schriller Schrei. Erschrocken drehte Lilia sich um und sah, dass Lorandra sich aufrichtete. Skellin lag zu ihren F��en. Auch er starrte gen Himmel. Lorandra wandte sich zu Lilia um. Bei dem Zorn, der die Z�ge der Frau verzerrte, st�rkte Lilia instinktiv ihren Schild, aber es kam kein Angriff.</p><p>Stattdessen kr�uselte sich die Luft vor Lorandra. Lilia sp�rte Hitze und fing einen Eindruck von Haut und Stoff auf, die sich schw�rzten. Flammen loderten auf und zeichneten Lorandras Umrisse nach. Die Frau kreischte, taumelte r�ckw�rts und st�rzte �ber die Reling.</p><p>Benommen von dem Bild, das noch immer in ihrem Geist brannte, konnte Lilia sich f�r einen Moment nicht bewegen. Dann begriff sie, dass die Seeleute um sie herum durcheinanderriefen, und Gegenst�nde prasselten von oben auf sie herab. Segel. Seile. Ein Holzbalken prallte von ihrem Schild ab. Etwas zerst�rte die Takelage des Schiffes. Wahrscheinlich das gleiche Etwas, das Lorandra getroffen hatte. Lilia richtete sich auf und reckte den Hals, w�hrend sie sich umschaute. Dann erblickte sie ein anderes Schiff, an dessen Ruder eine purpurn gewandete Gestalt stand, das sich ihnen n�herte.</p><p>�Lilia?�</p><p>Sie holte Luft und schaute auf Anyi hinab. Die Augen des M�dchens waren offen. Lilias Herz tat einen Satz vor Freude und Erleichterung.</p><p>�Du lebst! Du lebst.� Lilia legte sich neben Anyi und zog sie dicht an sich. �Wie f�hlst du dich?�</p><p>�Schrecklich. Aber nicht so schlimm, wie sich diese Hexe f�hlt � falls sie noch lebt.�</p><p>�Du hast es gesehen?�</p><p>�Ja. Ich dachte, ich tr�ume.� Anyis Lippen waren noch immer bl�ulich verf�rbt. Sie runzelte die Stirn. �Ist Skellin tot?�</p><p>Lilia blickte zu dem Dieb hin�ber, der noch immer dort lag, wo er niedergesunken war. �Es sieht so aus, aber er k�nnte auch einfach ersch�pft sein. So oder so, er kann uns nichts antun.�</p><p>�Tu mir einen Gefallen und sieh nach.�</p><p>Als Lilia sich umschaute, stellte sie fest, dass die Matrosen einen gro�en Bogen um sie machten. Widerstrebend stand Lilia auf und ging zu Skellin hin�ber. Sein Gesicht war in einer Miene des Schmerzes und der �berraschung erstarrt. Er atmete nicht. Als sie ihn ber�hrte, sp�rte sie keine Energie in ihm. <emphasis>Mausetot. Aber ich hatte ihm noch nicht alle Macht genommen, als Lorandra Anyi die Kehle aufgeschlitzt hat. </emphasis>Bei der Erinnerung daran, wie sie Macht in sich hineingezogen hatte, um Lorandras Schild zu durchbrechen, begriff sie, woher sie die Magie gehabt hatte. Sie hatte Lorandra mit Skellins Macht besiegt.</p><p>Lilia schaute �ber das Gel�nder. Sie hatte erwartet, Lorandras Leiche in der N�he treiben zu sehen, aber es war keine Spur von ihr zu entdecken. Sie kehrte zu Anyi zur�ck und setzte sich. �Ja. Er ist tot. Die Gilde wird nicht gl�cklich dar�ber sein.�</p><p>Anyi gab einen unfeinen Laut von sich.</p><p>�Nicht wegen des Feuels�, sagte Lilia. �Sie wollten herausfinden, wer seine Verb�ndeten sind, vor allem diejenigen in der Gilde.�</p><p>�Mach dir keine Sorgen.� Anyi runzelte die Stirn. �Vater wird herausfinden, wer sie sind.�</p><p>Lilia stockte der Atem. <emphasis>Sie wei� es nicht �</emphasis></p><p>Anyis Augen weiteten sich. �Er � er hat nicht nur so getan?�</p><p>Lilia biss sich auf die Unterlippe und sch�ttelte den Kopf.</p><p>Ein gequ�lter Ausdruck glitt �ber Anyis Z�ge. Sie fluchte. Aber als Lilia sich vorbeugte, um sie zu umarmen, sch�ttelte Anyi den Kopf, und ihre Miene verh�rtete sich. �Daf�r ist sp�ter noch Zeit. Wir haben noch immer eine Menge zu tun, und wir k�nnen nicht zulassen � Vater hat daf�r gesorgt, dass das, was man seiner Familie angetan hat, ihn st�rker gemacht hat, nicht schw�cher. Ich muss ebenfalls stark sein.� Anyi richtete sich halb auf, aber ihr Gesicht wurde noch bleicher, und sie sank wieder auf die Planken.</p><p>�Ruh dich aus�, sagte Lilia zu ihr. �Du hast eine Menge Blut verloren, und dein K�rper braucht Zeit, neues zu bilden.�</p><p>�Wie lange wird das dauern?�</p><p>Lilia zuckte die Achseln. �Ich bin mir nicht sicher. Ein paar Tage vielleicht.� Sie l�chelte traurig �ber Anyis ungeduldige Grimasse. <emphasis>Ich f�rchte, dass ihr Herz viel l�nger brauchen wird, um zu heilen, als ihr K�rper. </emphasis>�Du brauchst Essen und Wasser. Rothen wird jeden Moment hier sein.� Sie verrenkte den Hals, um festzustellen, dass das andere Boot gerade l�ngsseits kam.</p><p>Anyi nickte. Lilia schaute sich um und entdeckte die zerlumpte Kleidung, die sie getragen hatte. �Ich sollte mich anziehen.�</p><p>�Ja. Warum hat Skellin eigentlich verlangt, dass du dich bis auf die Unterw�sche ausziehst?� Anyi hob eine Augenbraue. �Nicht dass ich mich beschweren w�rde.�</p><p>�Er wollte sich nur davon �berzeugen, dass ich kein Messer bei mir hatte.�</p><p>�Klingt seltsam, ein Magier, der sich den Kopf �ber Messer zerbricht, w�hrend Menschen, die Messer bei sich tragen, im Allgemeinen Magie f�rchten, aber ich sch�tze, schwarze Magie stellt die Dinge ein wenig auf den Kopf.�</p><p>�Nicht mehr.� Als Anyi die Stirn runzelte, sch�ttelte Lilia den Kopf. �Ich werde es sp�ter erkl�ren.�</p><p><emphasis>� Osen? Die Schlacht hat begonnen. Ich kann L�rm und Blitze in einer Entfernung von mehreren Stra�en ausmachen.</emphasis></p><p><emphasis>� K�nnt Ihr die K�mpfe beobachten?</emphasis></p><p><emphasis>� Nein. Was ist mit Dannyl?</emphasis></p><p><emphasis>� Er hat sich mit mir in Verbindung gesetzt, um mir mitzuteilen, dass sie Achatis Haus erreicht haben, aber seither habe ich nichts mehr von ihm geh�rt. Das Haus liegt an der Parade, daher werden sie die Schlacht nur sehen, wenn die Ashaki sich zur�ckziehen m�ssen.</emphasis></p><p><emphasis>� Wollt Ihr, dass ich versuche, n�her heranzukommen?</emphasis></p><p><emphasis>� Nein. Bleibt, wo Ihr seid. Behaltet den Ring an. Dannyl wird seinen sicher bald �berstreifen, und ich vermute, dass es ein wenig � �berw�ltigend sein wird, wenn Ihr beide Ringe tragt, obwohl Nakis Ring zum Blockieren einer Gedankenlesung mich vor Euren Gedanken zu sch�tzen scheint.</emphasis></p><p>Sonea schaute auf den Ring an ihrem Finger hinab. Sie hatte Osen nichts davon erz�hlt, dass sie sich aus dem Haus gestohlen hatte, in das die Wachen der Verr�ter sie geschickt hatten, mit der Aufforderung, dort zu bleiben. Wenn alles gut ging, w�rde sie das nicht tun m�ssen.</p><p><emphasis>Die Verr�ter machen sich nur Sorgen, dass wir uns einmischen werden. Solange ich das nicht tue, denke ich, werden sie es mir verzeihen, dass ich wissen will, was mit meinem Sohn geschieht.</emphasis></p><p>Das Problem war, sie war Lorkin nicht n�her gekommen, als sie es zuvor gewesen war. Sie w�rde sich darauf verlassen m�ssen, dass Dannyl ihr zeigte, was geschah. Und er w�rde nicht in der Lage dazu sein, falls die Ashaki nicht zur�ckwichen. Wenn sie es nicht taten, w�rde es bedeuten, dass sie gewannen.</p><p>Nicht zum ersten Mal an diesem Morgen stieg Angst in ihr auf wie eine alles �berw�ltigende Welle. Sie holte tief Luft, dr�ngte die Furcht beiseite und wog ihre M�glichkeiten ab. K�nnte sie ein wenig n�her herangehen, ohne Regin oder die k�nftige Beziehung zwischen den Verb�ndeten L�ndern und Sachaka zu gef�hrden?</p><p>Auch vom Dach von Achatis Haus aus sah Dannyl haupts�chlich andere D�cher. Er konnte nur vermuten, wo genau die Schlacht tobte. Das Rumoren und Krachen von magischen Schl�gen hallte durch die Stra�en. Rauch wogte von einem Geb�ude gen Himmel, das mindestens tausend Schritt entfernt war, und magische Blitze erhellten st�ndig die Unterseite der Wolken.</p><p>�Denkt Ihr, dass Achatis Sklaven davonkommen werden, falls die Verr�ter siegen?�, fragte Merria. �Oder wird man sie t�ten, weil sie ihm treu waren?�</p><p>�Ich f�rchte, Letzteres ist wahrscheinlicher�, erwiderte Tayend.</p><p>�K�nnten wir sie besch�tzen?�</p><p>�Das werdet Ihr die Gilde fragen m�ssen. Dannyl?�</p><p>�Bald�, erwiderte Dannyl, ohne den Blick von den fernen Zeichen der Schlacht abzuwenden. �Osen wird bei K�nig Merin und den H�heren Magiern sein. Ich will ihn nicht wieder ablenken, bis es etwas zu berichten gibt.�</p><p>Aber das war nicht der einzige Grund, warum Dannyl z�gerte. Sobald er Osens Blutring �berstreifte, w�rde er alle Gedanken an Achati beiseitedr�ngen m�ssen, und er war sich nicht sicher, wie lange er das aufrechterhalten konnte. <emphasis>Vor allem, wenn Merria und Tayend so reden, als w�rden die Verr�ter siegen.</emphasis></p><p>�Sie kommen n�her�, sagte Merria.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> dachte Dannyl und betrachtete die Rauchwolke. Das<emphasis> ist nicht n�her. Achati ist sicher. </emphasis>Aber war Lorkin auch sicher? Ein Stich der Furcht durchzuckte ihn, gefolgt von Verbitterung. <emphasis>Wie Tayend sagte, ganz gleich, in welche Richtung sich dies entwickelt, es wird etwas Schlechtes daraus erwachsen.</emphasis></p><p>�Ich denke, du hast recht�, erwiderte Tayend. �Die Blitze haben die Unterseite der Rauchs�ule schon fr�her erhellt. Jetzt erhellen sie <emphasis>diese</emphasis> Seite davon.�</p><p>Dannyl wurde flau im Magen, als er sah, dass Tayend recht hatte. <emphasis>Vielleicht werden die Ashaki ihre Kr�fte sammeln und wieder an Boden gewinnen. Vielleicht wird den Verr�terinnen die Magie ausgehen.</emphasis></p><p>Seine Gef�hrten schwiegen lange Zeit, als nichts anderes geschah, das auf eine Ver�nderung der Lage hindeutete. Dann verschwand ein Geb�ude auf halbem Weg zwischen der Parade und der fernen Rauchwolke pl�tzlich. Das Krachen und Donnern folgte einen Herzschlag sp�ter, und im n�chsten Moment stieg Staub auf. Merria keuchte. Tayend murmelte einen Fluch.</p><p>�Vielleicht ist dies nicht der sicherste Ort f�r uns�, sagte Tayend mit d�nner Stimme. �Falls sie so weit kommen.�</p><p>�Uns wird nichts zusto�en�, entgegnete Merria, doch das Zittern in ihrer Stimme strafte ihre Worte L�gen. �Wir werden einfach wegschweben.�</p><p>�Ich sch�tze, dann sollte ich mich wohl dicht bei Euch halten.�</p><p>�Wir sollten alle zusammenbleiben�, stimmte Merria ihm zu.</p><p>Als die beiden links und rechts neben ihn traten, schaute Dannyl sie an, erheitert, dass sie sich auf der Suche nach Schutz an ihn wandten. Es ergab Sinn, dass Tayend so handelte. Aber Merria sollte Vertrauen in das Wissen haben, dass sie sich selbst sch�tzen konnte.</p><p>Dannyl blickte zu der Stelle, wo das eingest�rzte Geb�ude gestanden hatte. <emphasis>Im Gegensatz zu mir ist es das Letzte, was Merria will, in den Kampf verwickelt zu werden. Aber ich � ich w�nschte, ich h�tte irgendeinen Vorwand, um Achati zu helfen. Und sei es auch nur, um mich davon zu �berzeugen, dass er �berlebt, sollten die Ashaki verlieren �</emphasis></p><p>�Da sind sie!�, rief Merria aus.</p><p>Dannyls Herz stockte, als er Menschen aus einer nahen Nebenstra�e laufen sah. Alles M�nner, alles Ashaki, einige bedeckt mit Staub. Sie blieben stehen, als sie die Parade erreichten, formten eine Reihe, dann zwei, dann drei �ber die Stra�e, als weitere Ashaki auftauchten, um sich ihnen anzuschlie�en. Er sch�tzte, dass es �ber hundert waren.</p><p>�Ist das K�nig Amakira?�, fragte Tayend.</p><p>Dannyl kniff die Augen zusammen. Ein �lterer Mann stand in der Mitte, aber viele andere grauhaarige Ashaki waren in der Reihe, und es war unm�glich zu erkennen, welcher der K�nig war. Aus Stra�en zu beiden Seiten quollen weitere Ashaki. Vielleicht hatten sie versucht, in den R�cken der Verr�terinnen zu gelangen und sie von hinten anzugreifen. Was immer sie getan hatten, hatte ihren Feind jedoch nicht ausreichend geschw�cht. Die Front der Verr�terinnen kam in Sicht. Ihre Angriffe trieben die Ashaki zur�ck. M�nner an einem Ende der Reihe stolperten nach hinten und fielen. Sie standen nicht wieder auf.</p><p>Die Ashaki in der Reihe griffen einm�tig an, und die Verr�terinnen schlugen zur�ck. Sofort taten sich in der Abwehrmauer der Ashaki L�cken auf. Die Reihe wurde d�nner, als M�nner in die L�cken traten, um die Gefallenen zu ersetzen. Auf einen fernen Ruf hin begannen die Verteidiger sich hastig zur�ckzuziehen; sie griffen nicht l�nger an, sondern konzentrierten alle ihre Bem�hungen darauf, sich mit Schilden zu sch�tzen.</p><p><emphasis>Sie verlieren. Sie haben verloren. Es sei denn, sie h�tten im Palast etwas vorbereitet �</emphasis></p><p>�Dannyl�, sagte Merria.</p><p>�Was?�, fragte er, und im n�chsten Moment durchzuckten ihn Gewissensbisse wegen der Sch�rfe seines Tons.</p><p>�Osens Ring?�</p><p>Dannyl fluchte, dann entschuldigte er sich, w�hrend er den Blutring aus seiner Robe fischte. Er holte tief Luft und streifte ihn auf seinen Finger.</p><p><emphasis>� Dannyl?</emphasis></p><p><emphasis>� Ja, Osen. Ich bin es. Der Konflikt befindet sich jetzt in Sichtweite. Die Ashaki haben eine Reihe am Eingang der Parade gebildet, aber nun befinden sie sich auf dem R�ckzug.</emphasis></p><p><emphasis>� Sonea, k�nnt Ihr etwas sehen?</emphasis></p><p><emphasis>� Ja, </emphasis>kam Soneas Antwort. Ihre Gedankenstimme war klar, aber er konnte nichts von ihrer Pr�senz oder ihren Gedanken sp�ren. Unten waren die zur�ckweichenden Ashaki f�nfzig Schritte von Achatis Haus entfernt und kamen n�her. Schon bald w�rde Dannyl mehr sehen k�nnen als ihre Hinterk�pfe. Sehen k�nnen, ob Achati noch unter ihnen war. Ein magischer Schlag katapultierte zwei von ihnen in den Mann dahinter. Dannyl erhaschte einen Blick auf zerquetschte, blutverschmierte Gesichter.</p><p><emphasis>� Die Ashaki verlieren, </emphasis>bemerkte Osen.</p><p><emphasis>� Sie haben vielleicht eine weitere Streitmacht im Palast postiert, </emphasis>erwiderte Dannyl.</p><p><emphasis>� K�nnt Ihr Lorkin sehen?, </emphasis>fragte Sonea.</p><p>Dannyl riss den Blick von den Ashaki los und schaute zu den Verr�tern hin�ber. Er schnappte nach Luft. Hunderte von ihnen marschierten �ber die Parade. Sie gingen in Kolonnen, und ihre wohlgeordnete Formation war ein verr�terischer Kontrast zu der Menge der zur�ckweichenden Ashaki. W�hrend er das Geschehen beobachtete, traten einige der Verr�ter an der Spitze zur Seite und machten jenen hinter ihnen Platz.</p><p>Er hatte angenommen, dass es einfach sein w�rde, Lorkin als den einen Mann unter vielen Frauen auszumachen, aber es schien genauso viele m�nnliche Magier unter den Verr�tern zu geben wie weibliche, und sie waren alle gleich gekleidet. M�nnlich oder weiblich, sie griffen in die Taschen ihrer Westen, dann streckten sie aus, was immer sie daraus hervorgeholt hatten. Er fing ein Glitzern von Licht auf, dann noch eins und begriff, was sie taten.</p><p><emphasis>Steine. Sie benutzen Steine.</emphasis></p><p>Dann fand sein Blick ein vertrautes Gesicht, und Erleichterung durchstr�mte ihn. Lorkin stand in der Mitte der Reihe der Verr�ter, hinter und einen Schritt neben einer kleineren, �lteren Frau. <emphasis>Tyvara? Nein. Keine der pers�nlichen Sklavinnen im Gildehaus war so alt gewesen wie diese Frau. </emphasis>Also, wer war sie?</p><p><emphasis>� Die K�nigin, </emphasis>sandte Sonea.</p><p>Als er die �ltere Frau wieder anschaute, bemerkte Dannyl ihre Position in der Mitte und die Entschlossenheit in ihren Z�gen. <emphasis>K�nigin Savara, </emphasis>dachte er. <emphasis>Die, sofern die Ashaki nicht im letzten Moment das Blatt wenden k�nnen, die Frau sein wird, vor der ich bald das Knie beugen und mit der ich verhandeln werde.</emphasis></p><p>Die Ashaki � hatten jetzt die H�he von Achatis Haus erreicht. Es waren nicht mehr viele. Dannyl wappnete sich gegen das Schlimmste, als er nach unten blickte und nach einem vertrauten Gesicht suchte. Ein Mann wandte den Kopf, um zu ihm emporzuschauen, und alle Furcht und Zuneigung, die er vor Osen verbergen wollte, wallten in ihm auf und l�hmten ihn. Achati l�chelte, als h�tte er die ganze Zeit �ber gewusst, dass Dannyl ihn vom Dach seines Hauses beobachten w�rde, dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Verr�ter.</p><p>Dannyl war zu keiner Bewegung mehr f�hig. Sein Herz h�mmerte, w�hrend die Ashaki weiter zum Palast zur�ckwichen. <emphasis>Er darf nicht sterben.</emphasis> K�nig Amakira wurde von Achati und einem seiner anderen Ratgeber flankiert. Weitere Ashaki fielen. <emphasis>Er wird nicht sterben, </emphasis>sagte er sich. <emphasis>Es wird alles in Ordnung sein mit ihm, wenn sie zum Palast zur�ckkommen.</emphasis></p><p>�Oh�, sagte Merria. �Seht.�</p><p>Dannyl riss den Blick los und sah, dass sie zu dem pr�chtigen Palastgeb�ude hin�berdeutete. Menschen str�mten aus dem Eingang. Zuerst stiegen Hoffnung und Triumph in ihm auf, und er dachte, dass es weitere Ashaki seien, dann stie� Tayend einen leisen Pfiff aus, wie er es immer tat, wenn er beeindruckt war, und zur gleichen Zeit begriff Dannyl, dass es nicht die glitzernde Gewandung der Ashaki war, die er sah.</p><p>�Die Verr�ter haben den Palast bereits �bernommen.� Tayend seufzte. �Und die Ashaki haben es nicht einmal bemerkt.�</p><p>Dannyl senkte den Blick, und ihm wurde �bel, w�hrend er auf Zeichen daf�r wartete, dass den Ashaki die Wahrheit d�mmerte. <emphasis>Wenn sie es begreifen, werden sie kapitulieren. Sie haben keine andere Wahl.</emphasis> Die Ashaki scharten sich um den K�nig. Nicht mehr als zwanzig jetzt. Einige schauten zum Palast hin�ber. Diejenigen, die hinten standen, riefen eine Warnung. Dannyl sah, wie der K�nig sich umdrehte und dann innehielt. Sah Amakiras Lippen sich bewegen, sah Achatis Nicken. Der K�nig und der andere Ratgeber zogen sich weiter zur�ck, aber Achati blieb stehen. Die Angriffe der Verr�ter intensivierten sich pl�tzlich, vielleicht beim Anblick des Anf�hrers ihrer Feinde, der au�er Sicht verschwand.</p><p>Achati taumelte.</p><p>Dann machte er einen unm�glichen Sprung r�ckw�rts, kr�mmte sich in der Luft zusammen und krachte zu Boden.</p><p>Dannyls Herzschlag setzte aus. Ungl�ubig betrachtete er die verzerrte, schlaffe Gestalt seines Freundes.</p><p><emphasis>Aber � warum? Warum hat er sich nicht mit dem K�nig zur�ckgezogen? Warum sich opfern, wenn er es nicht tun musste? Der K�nig muss gewusst haben, dass die Schlacht verloren ist. Er h�tte kapitulieren sollen. Ich h�tte etwas tun sollen. Wenn ich gewusst h�tte, dass er das tun w�rde, h�tte ich etwas unternommen �</emphasis></p><p>H�nde hielten seine Arme fest. Als er hinabschaute, sah er, dass sowohl Merria als auch Tayend ihn gepackt hatten. Er blickte sie �berrascht an. Dann begriff er, dass er dem Rand des Daches sehr nah war.</p><p>�Es tut mir leid�, sagte Tayend.</p><p>Als er Tayend in die Augen schaute, sah er dort Verst�ndnis und Mitgef�hl. Merria hatte gleichzeitig etwas gesagt, und Dannyl brauchte einen Moment, um zu begreifen, was es war.</p><p>�Was soll ich nicht?�, fragte er.</p><p>Sie sah ihn eindringlich an. �Versuchen, sie zu retten.�</p><p>Dannyl trat vom Rand des Daches zur�ck und sch�ttelte sie ab. �F�r einen Moment dachte ich, Ihr h�ttet euch Sorgen um <emphasis>mich</emphasis> gemacht�, erkl�rte er verbittert. Angesichts des Verdrusses in seinem Ton zuckte er zusammen. Dann erf�llten ihn Zorn und noch etwas anderes. Etwas, das ihn zu �berw�ltigen drohte. Pl�tzlich musste er weg von ihnen. Weg von den Bildern unter ihm. Er machte einige Schritte auf die Luke zu, durch die sie geklettert waren, um aufs Dach zu gelangen.</p><p>�Wartet.� Merria eilte zu ihm und griff nach seiner Hand. Er zog sich zur�ck und sp�rte, wie etwas von seinem Finger glitt. <emphasis>Osens Ring.</emphasis> Er hatte ihn vollkommen vergessen. <emphasis>Alles, was ich gesehen und gef�hlt habe, hat er ebenfalls gesehen � </emphasis>Aber es k�mmerte ihn nicht. Achati war tot. <emphasis>Tot. Und ich habe danebengestanden und zugesehen und nichts getan.</emphasis></p><p>Tayend kam herbei und legte Dannyl sachte eine Hand auf die Schulter. Die Geste war gleichzeitig unwillkommen und doch beruhigend.</p><p>�Lass uns hineingehen und warten�, schlug er vor. Merria kann hier weitermachen.�</p><p>Der Groll verblasste. Tayend verstand. Er folgte seinem Freund hinunter in Achatis Haus, durch Korridore und in das Herrenzimmer. Dort hielten sie inne, blickten sich im Raum um und sahen dann einander an. In Tayends Augen gl�nzten Tr�nen. Er kam herbei und legte die Arme um Dannyl.</p><p>�Ich dachte, du h�ttest ihn nicht gemocht�, fl�sterte Dannyl.</p><p>�Ich habe ihn gemocht. Nur nicht so sehr wie du.�</p><p><emphasis>Nein. Nicht so sehr wie ich.</emphasis> Dannyl senkte den Kopf und lie� die Tr�nen kommen. Als das Schlimmste vor�ber war, war er �berrascht festzustellen, dass er gleichzeitig Dankbarkeit und Zuneigung empfinden konnte und Trauer und Entsetzen. <emphasis>Ich habe solches Gl�ck, dass Tayend hier bei mir ist. Er hat mich immer besser verstanden als irgendjemand sonst. Selbst wenn wir niemals wieder mehr sein werden als Freunde, hoffe ich, dass wir dies immer haben werden.</emphasis></p><p>Mit Tayend an seiner Seite w�rde er Achati nicht allein betrauern. Mit Tayend in der N�he w�rde er in der Lage sein, sich den Menschen zu stellen, die Achati get�tet hatten. Mit Tayend hatte er jemanden, der sich daran erinnern w�rde, was f�r ein gro�artiger Mann Achati gewesen war.</p><p><emphasis>Und jetzt, da ich gesehen habe, wie skrupellos die Verr�ter sein k�nnen, muss ich tun, was ich kann, um sicherzustellen, dass sie nicht beschlie�en, die Verb�ndeten L�nder ebenfalls zu �befreien�.</emphasis></p><p>Ohne den Blick von den Ashaki abzuwenden, tastete Lorkin die Taschen seiner Weste ab, f�r den Fall, dass er irgendwelche Angriffs- oder Schildsteine �bersehen hatte, fand jedoch keine. Die roten und blauen Ringe waren ersch�pft, daher hatte er seinen eigenen Vorrat an Macht benutzt. Er wollte die Macht im Lagerstein erst verwenden, wenn es unbedingt sein musste.</p><p>Er vermutete, dass es nicht notwendig werden w�rde. Die Verr�ter, die aus dem Palast gekommen waren, stie�en jetzt zur Hauptarmee und kreisten die verbliebenen Ashaki ein. Nur ungef�hr ein Dutzend waren noch �brig, und sie umringten und besch�tzten den K�nig.</p><p>Er war sich nicht sicher, wie viel Zeit seit Beginn der Schlacht vergangen war. Einige Stunden vielleicht? Nach dem Winkel und der L�nge seines Schattens zu urteilen, sch�tzte er, dass es Nachmittag war, aber der Rauch von den brennenden H�usern gab dem Sonnenlicht einen tr�gerisch goldenen Schein, der vermuten lie�, dass der Tag �lter war, als es tats�chlich der Fall war.</p><p>Die Schlacht war �berraschend unkompliziert gewesen, mit nur wenigen Verlusten auf Seiten der Verr�ter. Etwa zwanzig waren bei einem Nebenangriff umgekommen. W�hrend die Verr�ter auf der rechten Seite sich erfolgreich verteidigt hatten, waren jene auf der linken �berrascht worden, als das Geb�ude neben ihnen explodiert war und Ashaki sie �berraschend angegriffen hatten.</p><p>Die Ashaki waren von Beginn an stetig auf dem R�ckzug gewesen, und die Verr�ter waren stetig aufs Stadtzentrum vorger�ckt. Die Ashaki begannen zu fallen, und als sie auf die Parade getrieben wurden, hatte sich ihre Zahl bereits auf ein Drittel ihrer urspr�nglichen St�rke vermindert.</p><p>Keine magische Schlacht, �ber die er je gelesen hatte, �hnelte dieser. <emphasis>Die Grundlagen magischen K�mpfens haben sich ver�ndert. Edelsteine haben es zu etwas vollkommen Neuem gemacht. Die Gilde wei�, dass sie Edelsteine zur Verteidigung braucht, aber sie hat keine Ahnung, wie dringend sie sie braucht. Wenn sie sich nicht anpasst, wird sie ihre Bedeutung verlieren.</emphasis></p><p>Trotzdem, die Schlacht war noch nicht vor�ber. Er war sich nur allzu sehr dar�ber im Klaren, dass er nicht der einzige Verr�ter war, dem die Steine ausgegangen waren. Ihre Methode des K�mpfens sorgte daf�r, dass � �berraschungsangriffe einmal ausgenommen � alle gesch�tzt waren, bis die gesamte Armee sich ersch�pft hatte. Einzig Savara wusste, wie stark die Armee jetzt war, durch ihre Kommunikation mit den anderen Sprecherinnen, die Berichte von jedem Verr�ter bekamen, wenn er oder sie die vorderste Kampfreihe verlie�. <emphasis>Wir k�nnten bei unseren letzten Steinen angekommen sein oder immer noch vor Macht bersten,</emphasis> ging es Lorkin durch den Kopf. <emphasis>Savara hat keine Anzeichen von Sorge gezeigt, aber andererseits ist sie sehr gut darin, gelassen und zuversichtlich zu wirken.</emphasis></p><p>Er sah sie abermals an. Sie nahm die Szene mit schmalen Augen in sich auf. Dann straffte sie sich, hob einen Arm, die Handfl�che nach au�en gedreht � das Signal aufzuh�ren.</p><p>Sofort brachen die Angriffe der Verr�ter auf die Ashaki ab. Das Summen von Macht in der Luft endete. Das Schlurfen von F��en verstummte. Was noch zu h�ren war, klang ged�mpft wie durch dicke Teppiche.</p><p>Ein Kreis von Verr�tern umringte die verbliebenen Ashaki, die die Blicke ihrer Feinde trotzig erwiderten. Lorkin schaute von ihnen zu Savara.</p><p><emphasis>Was wird sie tun? Bisher war der Befehl, alle Ashaki zu t�ten. Ich habe keinen Ashaki gesehen, der versucht h�tte zu kapitulieren. Die wenigen, von denen wir h�rten, dass sie Mitgef�hl mit den Sklaven hatten und nicht gegen die Verr�ter k�mpfen wollten, haben das Land verlassen.</emphasis></p><p>Der Befehl, alle Ashaki zu t�ten, hatte den Hintersinn gehabt, ihre Niederlage sicherzustellen. Jetzt, da sie besiegt waren � w�rden sie verschont werden, wenn sie sich ergaben? Er dachte an die Steine, die das �dland leblos hielten. Die Verr�ter konnten skrupellos sein �</p><p>Savara machte einen Schritt vorw�rts, dann noch einen. Lorkin sah, wie Tyvara sich anspannte. Er drehte den Ring mit dem Lagerstein so, dass er die Finger darum legen konnte, bereit, Macht in sich hineinzuziehen, wenn er sie brauchte. Savara hielt inne.</p><p>�K�nig Amakira�, rief sie.</p><p>Die Ashaki r�hrten sich nicht. Lorkin suchte unter ihnen nach dem K�nig. Das Schweigen zog sich in die L�nge.</p><p>�Ihr seid besiegt�, fuhr Savara fort. �Tretet vor, oder seid Ihr zu feige, Euer Gesicht zu zeigen?�</p><p>Jetzt waren leise Stimmen von den Ashaki zu h�ren, und einen Moment sp�ter sah Lorkin eine Bewegung.</p><p>�Ihr erwartet von mir, dass ich mich <emphasis>ergebe</emphasis>?�</p><p>Lorkin schauderte, als er die Stimme h�rte. Eine Erinnerung an einen alten Mann auf einem Thron stieg in ihm auf, gefolgt von dem Palastgef�ngnis, dem Sklavenm�dchen � Er blinzelte die Erinnerungen weg und konzentrierte sich auf das, was vor ihm passierte. Die Ashaki machten Platz, und der K�nig trat vor.</p><p>�Wir ergeben uns keinem Verr�ter�, sagte er.</p><p>W�hrend er sprach, lie� er die Hand zu seinem G�rtel sinken und schloss sie um den Griff eines Messers. Juwelen glitzerten im Sonnenlicht, als er die Klinge zog. Er streckte den Arm aus und deutete auf Savara. Dann lie� er das Messer los. Es schwebte in der Luft. Sein Arm fiel herunter.</p><p>Im n�chsten Moment, in einer Bewegung, die beinahe zu schnell war, um sie zu verfolgen, drehte sich das Messer um, schoss r�ckw�rts und bohrte sich in seine Brust.</p><p>Lorkin schnappte nach Luft und h�rte Aufkeuchen �berall um sich herum. <emphasis>Nun, das habe ich nicht erwartet,</emphasis> dachte er, als der K�nig fiel und von den Ashaki hinter ihm aufgefangen und zu Boden gelegt wurde. <emphasis>Hat er gerade Selbstmord begangen, oder hat er einen der Ashaki gebeten �?</emphasis></p><p>Die �brigen Ashaki traten hastig zur�ck, w�hrend helles Licht den K�rper des K�nigs einh�llte. Ein scharfes Krachen, gefolgt von einem Tosen wie ein Feuer, das von einem Windsto� aufloderte, hallte zwischen den Geb�uden wider. <emphasis>Die verbliebene Macht des K�nigs, freigelassen, als seine Kontrolle versagte.</emphasis> Lorkin schauderte.</p><p>Das Licht verschwand, und alles, was �brig blieb, war Asche.</p><p>Dann begann die Luft vor Savara zu vibrieren. Lorkin sah, dass die Blicke der verbliebenen Ashaki auf sie gerichtet waren. Als sie begriffen, dass die M�nner ihre K�nigin attackierten, griffen die Verr�ter an. Lorkin zuckte zusammen bei den dumpfen Ger�uschen von zu Boden st�rzenden Leibern und dem Brechen von Knochen, als der letzte Ashaki vor dem Ansturm fiel. <emphasis>Sie haben sich nicht mehr die M�he gemacht, sich zu beschirmen. Sie haben den Rest ihrer Magie in einem letzten vergeblichen Versuch verbraucht, die Verr�terk�nigin zu t�ten und sicherzustellen, dass sie sterben w�rden.</emphasis></p><p>Die Angriffe der Verr�ter endeten so schnell, wie sie begonnen hatten, und eine andere Art von Stille senkte sich herab. Eine Stille, die ebenso voller Erleichterung wie voller Entsetzen war. Savaras Schultern hoben und senkten sich, und sie neigte den Kopf. Sie schaute nicht auf oder sprach, und w�hrend sich die Zeit in die L�nge dehnte, begannen die Verr�ter, die Stirn zu runzeln und Blicke zu tauschen. Als Tyvara vortrat, Besorgnis in den Augen, folgte ihr Lorkin, aber er blieb einige Schritte hinter ihr, bereit zu helfen.</p><p>Savara sah Tyvara an und sch�ttelte den Kopf. �Ashaki und Verr�terinnen. Wir sind so unterschiedlich. Und doch sind wir gleich. Die Verr�ter sind nicht mehr. Wir werden bald zerst�rt haben, wogegen wir rebelliert haben. Wir sollten uns jetzt Sachakaner nennen.�</p><p>�Wir sind nicht gleich�, widersprach ihr Tyvara. �Die Ashaki sind nicht mehr.�</p><p>Savara sah Lorkin an. �Was denkt Ihr? Sind wir gleich?�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Nein. Ja, Ihr seid entschlossen, aber das allein ist nichts Schlechtes. Nur eine st�rkere Entschlossenheit, ihre Macht zu beenden, konnte die Entschlossenheit der Ashaki �berwinden, an ihrer Macht festzuhalten.�</p><p>Savara zog die Augenbrauen hoch. �Eine interessante Beobachtung von einem Kyralier und ehemaligen Gildemagier.�</p><p>Er zuckte die Achseln, dann brachte er ein L�cheln zustande. �Aber erz�hlt mir nicht, Ihr h�ttet Erfolg gehabt, wo die Gilde versagt hat, bis Ihr es geschafft habt, hier f�r einige Jahrzehnte an der Macht zu bleiben � und bis Ihr es getan habt, ohne so skrupellos zu werden wie die Ashaki.�</p><p>Ein schwaches L�cheln umspielte ihre Lippen, dann straffte sie sich und schaute in die Runde der Verr�ter. �Die Schlacht ist geschlagen�, rief sie laut. �Jetzt beginnt die harte Arbeit. Ihr wisst, was zu tun ist.�</p><p>Lorkin sah ersch�pfte Mienen, als der Kreis der Verr�ter auseinanderbrach. Die Sprecherinnen traten vor, und Savara ging auf sie zu. Die �brigen Verr�ter teilten sich in Gruppen auf. Lorkin, der eine Gruppe in seiner N�he belauschte, h�rte, wie die Anf�hrerin fragte, wie viele Steine �brig waren. W�hrend sie z�hlten, bat sie um einen Freiwilligen, der Nachrichten zu den ehemaligen Sklaven brachte und ihnen sagte, dass es sicher war, in die Stadt zur�ckzukehren.</p><p>Er sp�rte, wie ihm etwas in die Rippen stie�, und als er sich umdrehte, sah er, dass Tyvara mit dem Kopf auf Savara deutete. Die K�nigin und die Sprecherinnen gingen davon. Er lief neben ihr her, als sie ihnen folgte. <emphasis>Savara wird noch einige Zeit bewacht werden m�ssen,</emphasis> begriff er. Dann sch�ttelte er den Kopf. <emphasis>Irgendwie bin ich als k�niglicher Leibw�chter geendet. Das h�tte ich nie vorhergesehen.</emphasis></p><p>�Es gibt viele tote Sklaven im Palast�, sagte Sprecherin Shaya. �Ich kann nicht absch�tzen, wie lange es dauern wird, die Leichen wegzuschaffen. Selbst wenn wir sie heute Nacht wegbringen k�nnten, werden wir erst wissen, dass wir fertig sind, wenn wir alle R�ume durchsucht haben.�</p><p>�Und die freien Diener?�</p><p>Shaya sch�ttelte den Kopf. �Die meisten haben sich uns widersetzt. Die restlichen sind geflohen.�</p><p>�Sie wurden dazu erzogen, loyal zu sein�, bemerkte Savara. �Und im Gegensatz zu den Sklaven hatten sie etwas zu verlieren. Wir h�tten sie niemals f�r uns gewinnen k�nnen.� Sie seufzte. �Wir brauchen eine sichere Basis, von der aus wir uns organisieren k�nnen. Irgendeinen zentralen Ort. Wie w�re es mit einem dieser H�user?�</p><p>Shaya blickte sich um. �Ich werde Mannschaften hineinschicken, die Nachforschungen anstellen.�</p></section><section><title><p>29</p><p>Eine neue und be�ngstigende Freiheit</p></title><p>Trotz der Art, wie die Seeleute umhereilten, schien auf einem Schiff nichts schnell zu gehen, �berlegte Lilia. Aber w�hrend das Boot auf den Hafen zuglitt, sah sie Anyi an und kam zu dem Schluss, dass es ihr nichts ausmachte. Rothen hatte befohlen, dass Essen und Wasser gebracht wurden, und obwohl Anyi immer noch sehr m�de war, hatte sie ein wenig Farbe bekommen und konnte sich aufrecht hinsetzen.</p><p>Anyis Gesichtsausdruck war distanziert und gequ�lt, und Lilias Herz tat vor Mitgef�hl weh, aber dann sch�ttelte ihre Freundin den Kopf, und ihre Z�ge verh�rteten sich entschlossen. <emphasis>Sie hat mehr Selbstbeherrschung, als ich in ihrer Situation jemals gehabt h�tte, </emphasis>dachte Lilia. <emphasis>Pl�tzlich kann ich Cery in ihr sehen.</emphasis> Er hatte die gleiche Angewohnheit gehabt, abgelenkt zu wirken und sich dann j�h zu konzentrieren, wurde ihr bewusst. Sie hatte einfach nicht verstanden, warum.</p><p><emphasis>Er hat wahrscheinlich den Verlust seiner Familie betrauert, wenn er allein war oder mit Gol zusammen.</emphasis> Lilia runzelte die Stirn. <emphasis>Sein Verlust wird Anyi irgendwann einholen. Ich werde f�r sie da sein, wenn es so weit ist, selbst wenn ich mich aus der Gilde schleichen muss.</emphasis></p><p>Sie beobachteten schweigend, wie die letzten Man�ver unternommen wurden, um das Schiff anzulegen. Rothen stand neben dem Kapit�n und unterhielt sich leise mit ihm. Die beiden Magier, die er am Hafen rekrutiert hatte, wachten �ber die Mannschaft von Skellins Schiff. Es hatte sie erstaunt zu sehen, dass sie seine Befehle ausf�hrten, ohne Fragen zu stellen. Magier waren im Allgemeinen nicht so f�gsam. Aber dann sah sie Respekt in ihren Mienen und erinnerte sich daran, dass Rothen nicht nur ein H�herer Magier war, sondern auch der Vormund und Lehrer von Schwarzmagierin Sonea gewesen war und keine geringe Rolle bei dem Kampf w�hrend der Ichani-Invasion gespielt hatte.</p><p><emphasis>Es ist bei Rothen leicht, das zu vergessen. Er schubst Menschen nicht herum oder schaut auf sie herab. Er ist zug�nglich. Ich wette, er h�lt sich nicht f�r allzu wichtig.</emphasis></p><p>Rothen drehte sich zu ihr um und trat n�her. Er l�chelte Anyi zu. �Wie f�hlst du dich? Bereit zu gehen?�</p><p>Anyi nickte, aber als sie aufstand, blickte sie an sich herab und verzog das Gesicht.</p><p>�Schwindelig?�, fragte Rothen und streckte die Hand aus, um ihr Halt zu geben.</p><p>Anyi sch�ttelte den Kopf. �Nein. Mir geht es gut.�</p><p>Er nickte und ging dann auf die lange Planke zu, die die Mannschaft zwischen das Schiff und den Pier gelegt hatte. Anyi machte einige unsichere Schritte.</p><p>�Bist du dir sicher, dass es dir gut geht?�, fragte Lilia mit leiser Stimme.</p><p>�Ich sehe furchtbar aus. Ich <emphasis>f�hle</emphasis> mich furchtbar. Und ich glaube nicht, dass dieser Mantel jemals wieder derselbe sein wird.�</p><p>Lilia schauderte. Anyis Kleider waren steif und befleckt von ihrem Blut. Sie hakte ihre Freundin unter. �Ich werde dir einen neuen kaufen.�</p><p>�Vielleicht wird es eine gute Sache sein, wenn ich so aussehe. Es k�nnte dazu f�hren, dass die H�heren Magier sich schuldig f�hlen, dass sie Skellin nicht fr�her gefangen haben.� Sie seufzte. �Zumindest bist du sauber.�</p><p>Lilia schaute an ihren Roben hinab. Rothen hatte sie mitgebracht, damit sie nicht in ihrer zerlumpten Verkleidung in die Gilde zur�ckkehren musste. <emphasis>Er hat vorausgesetzt, dass ich zur�ckkehren w�rde, aber es h�tte alles furchtbar schiefgehen k�nnen.</emphasis> Sie konnte noch immer nicht glauben, dass ihr Trick funktioniert hatte. Als sie zu Skellins Leichnam hin�berblickte, der unter einem alten St�ck Sackleinen verborgen lag, schauderte sie. <emphasis>Ich habe einen Menschen get�tet. Mit schwarzer Magie.</emphasis> Aber sie wollte jetzt nicht dar�ber nachdenken.</p><p>Sie holten Rothen an der Reling ein. �Werden die H�heren Magier uns sofort sprechen wollen, Lord Rothen?�, fragte sie, als sie ihn erreichten.</p><p>Er nickte. �Ich f�rchte ��</p><p>�Was macht <emphasis>er</emphasis> hier?�, unterbrach ihn Anyi, ihre Worte ein leises Knurren.</p><p>Lilia folgte Anyis Blick, und ihr wurde flau, als sie den schwarzgewandeten Magier auf dem Pier sah.</p><p>�Kallen ist � war � zust�ndig f�r die Auffindung Skellins�, rief Rothen ihr ins Ged�chtnis.</p><p>�Und er hat seine Sache wirklich gut gemacht.�</p><p>�Werden wir ihm erz�hlen, was passiert ist?�, fragte Lilia. �Was ist, wenn er Skellins Informant war?�</p><p>Rothen kniff die Augen zusammen. �Sag nichts bis zu der Versammlung.� Er l�chelte grimmig. �Keine Sorge. Wir werden herausfinden, wer sein Informant war. Wenn es ein H�herer Magier war � nun, es w�re nicht das erste Mal, dass einer von uns ein abscheuliches Geheimnis hat. Wir werden uns darum k�mmern.�</p><p>Als sie die Laufplanke hinuntergingen, nickte Lilia Anyi beruhigend zu. �Er klingt zuversichtlich.�</p><p>Anyi zuckte die Achseln, dann folgte sie ihr. Als sie den Pier erreichten, trat Kallen auf sie zu. Lilia verneigte sich, aber Anyi blieb aufrecht stehen, ihre Augen dunkel und ihr Kinn steif.</p><p>�Lord Rothen. Lady Lilia. Anyi.� Kallen wandte sich an Rothen. �Ihr habt mich gebeten, Euch hier zu treffen?�</p><p>�Ja, Schwarzmagier Kallen. Ich werde es n�her erkl�ren, wenn wir wieder in der Gilde sind, aber ich kann Euch sagen, dass Skellin tot ist und seine Mutter ebenfalls. Sein Leichnam ist an Bord, falls Ihr ihn untersuchen wollt. Lorandras ist irgendwo im Meer.�</p><p>Kallen zog die Augenbrauen hoch. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schritt er die Laufplanke hinauf und ging zu dem Leichnam. Er stand mit dem R�cken zu ihnen, als er sich hinhockte und das Sackleinen hochhob, daher konnte Lilia seinen Gesichtsausdruck nicht sehen. <emphasis>Ich h�tte ihn gern beobachtet,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. Kallen kehrte auf den Pier zur�ck. Er blickte Lilia direkt an und l�chelte. �Ihr habt einiges zu erkl�ren.� Sein Tonfall war nicht missbilligend, bemerkte sie.</p><p>�Nicht, bis wir wieder in der Gilde sind�, erkl�rte Rothen mit fester Stimme. �Ich habe Vorkehrungen getroffen, dass die Mannschaft eingekerkert wird, bis wir sie befragen k�nnen, und der Leichnam soll zur Gilde gebracht werden.�</p><p>Kallen nickte und deutete auf das Ende des Piers. �Die Kutsche, die mich hergebracht hat, ist noch hier, falls Ihr sie nehmen wollt.�</p><p>Rothen nickte. Sie gingen schweigend zur Kutsche hin�ber. Als Lilia sich umschaute, bemerkte sie, dass die Hafenarbeiter innegehalten hatten, um Kallen anzustarren. Sie wirkten neugierig, aber auch nerv�s. <emphasis>Doch genauso reagieren Novizen, wenn Sonea vorbeikommt. Beeindruckt, aber auch eingesch�chtert.</emphasis> Dann kam es ihr in den Sinn, dass die Menschen sie eines Tages genauso betrachten w�rden, wenn sie ihren Abschluss hatte und schwarze Roben tragen musste. <emphasis>Ich habe mich immer auf den Tag gefreut, an dem ich keine Novizenroben mehr tragen muss. Jetzt graut mir davor.</emphasis></p><p>Der Weg zur Gilde war nicht weit, da eine breite Stra�e vom Hafen direkt zum Viertel der Gilde f�hrte und lediglich um den Palast einen Bogen machte, aber der Weg kam ihr erheblich l�nger vor. Niemand sprach. Kallens Blick ging zwischen Lilia, Anyi und Rothen hin und her. Meistens sah er Rothen an.</p><p><emphasis>Er wirkt verwirrt. Und besorgt. Ich h�tte gedacht, dass er �rgerlicher dar�ber sein w�rde, dass wir uns um Skellin gek�mmert haben, ohne uns mit ihm abzusprechen.</emphasis> Wann immer er ihr in die Augen sah, wandte sie den Blick ab.</p><p>Als sie eintrafen, ging Rothen auf den Universit�tseingang zu, w�hrend Kallen innehielt, um dem Fahrer Anweisungen zu geben.</p><p>�Der Administrator ist im Palast�, rief Kallen ihm nach.</p><p>Rothen blieb stehen und drehte sich um. �Der Hohe Lord Balkan?�</p><p>�Ebenfalls beim K�nig.�</p><p>�Werden sie bald zur�ckkehren?�</p><p>Kallens Schultern hoben und senkten sich. �Das bezweifle ich.�</p><p>Rothen blinzelte, dann weiteten seine Augen sich pl�tzlich. �Ihr wart im Palast, als ich nach Euch geschickt habe, nicht wahr? Es ist so weit, hab ich recht?�</p><p>Kallen nickte. �Aber ich wusste, dass Ihr nur nach mir schicken w�rdet, wenn es wichtig ist. Kann ich kurz unter vier Augen mit Euch sprechen?�</p><p>Rothen lie� Lilia und Anyi an der Treppe stehen und ging wieder zu Kallen hin�ber. Lilia sah, dass Anyis Miene voller Argwohn war. Sie schaute zu den Magiern zur�ck. Obwohl ihre M�nder sich bewegten, konnte sie nichts h�ren. H�chstwahrscheinlich benutzten sie einen Schild, um Ger�usche auszublenden. <emphasis>Sieht so aus, als sei es etwas Wichtiges und etwas, das Rothen erwartet hat.</emphasis></p><p>�Seid Ihr Euch sicher, dass er es war?�, fragte Rothen, was ihm ein Nicken von Kallen einbrachte. �Nun denn. Bedauerlicherweise muss ich, was ich erfahren habe, zuerst dem Administrator und dem Hohen Lord offenbaren. Wir werden warten m�ssen, bis sie zur�ckkommen.�</p><p>�Es k�nnten ein oder zwei Tage vergehen, bevor sie Zeit haben, sich mit Euch zu treffen.�</p><p>�Ja, das ist wahrscheinlich. Denkt Ihr, der K�nig wird alle H�heren Magier in den Palast rufen?�</p><p>�Nein�, antwortete Kallen. �Er hat nicht gern zu viele Magier um sich. Wollt Ihr, dass ich dem Administrator und dem Hohen Lord sage, dass Ihr Skellin gefunden habt und Euch mit ihnen zu treffen w�nscht?�</p><p>�Ja, danke.�</p><p>Rothen wartete, w�hrend Kallen wieder in die Kutsche stieg. Der Fahrer trieb die Pferde an. Sie nahmen Geschwindigkeit auf, als sie sich den Toren n�herten.</p><p>�Er hat es eilig�, bemerkte Anyi mit leiser Stimme. Sie sah Rothen an. �Was ist so wichtig, dass es den Tod Skellins und die Suche nach seinen Spionen in der Gilde �bertrifft?�</p><p>Rothens Miene war ernst, als er antwortete. �Etwas <emphasis>sehr</emphasis> Wichtiges. Ihr werdet es bald genug herausfinden.�</p><p>Anyi wirkte nachdenklich. �Uns droht doch keine weitere Invasion, oder?�</p><p>Rothen sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>�Oder wir �berfallen jemand anderen?�</p><p>�Nein. Genug der Raterei. Ich werde euch beide zu Soneas R�umen bringen, und dann werde ich Gol herholen. Ich habe ihm gesagt, er soll warten ��</p><p>�Gol lebt?�, unterbrach ihn Anyi.</p><p>Lilia l�chelte. �Ja. Er hat uns geholfen, dich zu finden. Er wird sehr gl�cklich dar�ber sein, dass wir dich zur�ckbekommen haben.�</p><p>Anyi zuckte zusammen. �Er muss so traurig �� Sie seufzte. �Nun � wir sollten uns waschen.�</p><p>Lilia lachte leise. �Zumindest hat die Verz�gerung einen Vorteil.�</p><p><emphasis>Oh, Dannyl.</emphasis> Sonea zog Osens Ring vom Finger und wischte sich Tr�nen aus den Augen. <emphasis>Jemanden, den man liebt, so zu verlieren �</emphasis> Es hatte eine Flut von Erinnerungen und Gef�hlen zur�ckgebracht, und sie war dankbar daf�r gewesen, dass Nakis Ring beides vor Osen verborgen hatte. Der Administrator war ein wenig schockiert gewesen. Er hatte gewusst, dass Dannyl seinen Ashaki-Freund gern hatte, aber offensichtlich hatte Dannyl es geschafft zu verbergen, <emphasis>wie</emphasis> gern er ihn gehabt hatte.</p><p>Sie vermutete, dass Osen nicht hatte dar�ber nachdenken wollen, dass es �berhaupt m�glich war. <emphasis>Nicht dass Dannyl einen anderen Mann lieben konnte � er wusste von Tayend �, sondern dass er sich in einen Sachakaner verlieben konnte. Vor allem einen Ashaki. Oder dass ein so m�chtiger Sachakaner sich in Dannyl verlieben konnte.</emphasis></p><p>Ein Stich des Mitgef�hls durchzuckte sie, als sie sich an Dannyls Zorn erinnerte. Wenn sie gewusst h�tte, dass er vielleicht den Tod eines Geliebten beobachten w�rde, h�tte sie Dannyl nicht vorgeschlagen, sich die Schlacht anzusehen und ihr und Osen das Ergebnis zu �bermitteln. <emphasis>Doch ich denke nicht, dass Dannyl an den Sieg der Verr�ter geglaubt hat. Er hat sich mehr Sorgen um Lorkin gemacht.</emphasis></p><p>�Es tut mir leid�, erklang eine vertraute Stimme. �Es tut mir so leid.�</p><p>Regin. Sie w�rde ihm erz�hlen m�ssen, was geschehen war. Als sie aufblickte, fing sie einen feuchten Glanz in seinen Augen auf, bevor sie sich an eine warme Brust gedr�ckt fand und H�nde ihren R�cken streichelten.</p><p>�Es gab nichts mehr, was Ihr tun konntet�, sagte er. �Er hat einen mutigen Weg gew�hlt, und ich bewundere ihn daf�r.�</p><p>Sie sp�rte, dass sie sich in seinen Armen entspannte, bes�nftigt von seiner W�rme und Anteilnahme, noch w�hrend sie den Fehler begriff, der ihm unterlaufen war. <emphasis>Er hat Tr�nen gesehen und dachte, Lorkin sei gestorben. Verflucht. Er denkt tats�chlich, Lorkin sei tot �</emphasis> Sie musste seinen Irrtum aufdecken, aber ein selbsts�chtiger Teil von ihr wollte diesen Augenblick noch ein kleines Weilchen l�nger hinausz�gern. <emphasis>Ihm liegt an Lorkin. Und an mir �</emphasis></p><p><emphasis>H�r auf damit!,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Du wirst am Ende nur wollen, was du nicht haben kannst.</emphasis></p><p>�Es ist alles in Ordnung. Es geht ihm gut�, platzte sie heraus. Sie zwang sich, ihn wegzusto�en, damit sie ihn ansehen konnte. �Lorkin geht es gut.� Sie hielt seinem Blick stand, um zu zeigen, dass sie nicht log. �Die Verr�ter haben gewonnen.�</p><p>Verstehen d�mmerte in seinen Augen herauf. Sein Gesicht r�tete sich ein wenig, und er l�chelte kl�glich. Dann runzelte er die Stirn. �Warum habt Ihr dann �?� Seine Augen weiteten sich. �Dannyl?�</p><p>�Es geht ihm ebenfalls gut. Tayend und Merria auch. Es ist nur dass �� Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich werde es sp�ter erkl�ren.�</p><p>Sie sp�rte, dass seine Arme sich lockerten. Er begann zur�ckzutreten. Sie fing seine H�nde auf und dr�ckte sie einmal, bevor sie sie loslie�.</p><p>�Danke.�</p><p>Seine Augen gl�nzten f�r einen Moment, dann schaute er weg, und seine Miene wurde ernst. �Wie geht es jetzt weiter?�</p><p>Sie kehrte zum Fenster zur�ck. �Osen will, dass wir Dannyl finden. Dann sollen wir der K�nigin gratulieren, ihr berichten, dass unsere Heiler nicht weit entfernt sind, und feststellen, ob sie uns erlauben wird, einen Gildebotschafter in Arvice zu belassen.�</p><p>�Wie werden wir sie finden?�</p><p>�Wir gehen in diese Richtung.� Sie streckte die Hand aus. �An irgendeinem Punkt werden wir die Stra�e erreichen, auf der die Schlacht stattgefunden hat. Ich vermute, dass die Leichen der Ashaki es uns verraten werden. Wenn Dannyls Beobachtungen verl�sslich sind, f�hrt die Stra�e vorn zu der Parade, die ihrerseits zum Palast f�hrt. Wir werden Dannyl in einem Haus auf der Parade finden.� Sie ging auf die Treppe zu.</p><p>Regin folgte ihr. �Es wird bald Nacht sein.�</p><p>Als sie hinunterstieg, dachte Sonea �ber den Jubel nach, den sie empfand. <emphasis>Ich sollte nicht so wohlgelaunt sein.</emphasis> Aber Lorkin hatte die Schlacht �berlebt, und ihre Erleichterung war �berw�ltigend. Vielleicht w�rde sie jetzt mit ihm �ber eine R�ckkehr nach Hause reden k�nnen. Bei diesem Gedanken kehrte die Sorge zur�ck. <emphasis>Er wird bei Tyvara bleiben wollen. Wenn er sie so sehr liebt, wie ich Akkarin geliebt habe, wird er ihr �berallhin folgen. Ich sollte nicht den Wunsch haben, ihn aufzuhalten.</emphasis> Aber sie hatte diesen Wunsch. <emphasis>Und doch will ich, dass er gl�cklich ist. Ich w�rde niemals wollen, dass er erleidet, was ich erlitten habe.</emphasis></p><p>Als sie das Erdgeschoss erreichten, ging Regin voran durchs Haus, wobei er sich lautlos bewegte und nach anderen Bewohnern Ausschau hielt, bevor er in einen Flur oder einen Raum trat. Sie erreichten die K�che und sp�hten durch den Sklaveneingang auf die Stra�e dahinter. Sie war verlassen.</p><p>Sonea setzte sich in Bewegung, und Regin folgte dicht hinter ihr. Die Stadt war still, und ein leuchtendes Zwielicht senkte sich auf alles herab, w�hrend sie auf das Stadtzentrum zugingen. Einmal mehr f�hlte Sonea sich unbehaglich in ihren schwarzen Roben, aber sie hoben sich jetzt nicht mehr so scharf gegen die wei�en Mauern ab, wie sie das im Morgenlicht getan hatten. Sie hielt einen starken Schild um sie beide herum. Die erste Nebenstra�e, in die sie einbogen, war ebenfalls verlassen, aber auf der n�chsten Hauptstra�e waren ferne Gestalten zu sehen.</p><p>�Nun, sie werden uns irgendwann entdecken�, sagte Sonea und trat dann auf die Stra�e. Regins einzige Antwort war ein leises Lachen.</p><p>Niemand kam zu ihnen oder wich vor ihnen zur�ck. Bei der n�chsten Biegung sah Sonea zwei Verr�ter weiter unten auf der Stra�e, einen Mann und eine Frau, die Arm in Arm von ihnen weggingen. Nach der Art, wie sie sich aneinanderlehnten, waren sie entweder ersch�pft oder hatten bereits zur Feier des Tages ein Gl�schen getrunken. Sie zuckte die Achseln und folgte ihnen, Regin an ihrer Seite.</p><p>Sie hatten nur etwa zwanzig Schritte getan, als zwei weitere Menschen aus einer T�r traten, nachdem die Verr�ter sie passiert hatten. Regin blieb stehen, und Sonea h�rte ihn nach Luft schnappen, noch w�hrend sie selbst erstarrte; sie erkannte den Schnitt der Jacken der M�nner und das Glitzern der Messer in ihren H�nden.</p><p>Ashaki.</p><p>�Passt auf!�, rief sie.</p><p>Die beiden Verr�ter schauten �ber ihre Schultern, sahen die beiden M�nner und wirbelten zu ihnen herum. Einer der Ashaki blickte zu Sonea und Regin hin�ber, dann machte er eine absch�tzige Geste und wandte sich wieder den Verr�tern zu. Der andere griff die Frau an, die zusammenzuckte und ihren Gef�hrten hinter sich schob. Sie begannen beide zur�ckzuweichen.</p><p>�Sie sind schwach�, stellte Regin fest. Sonea wusste, dass er nicht die Ashaki meinte, die zwei kyralische Magier gesehen hatten und nach wie vor unbesorgt wirkten.</p><p><emphasis>Sie m�ssen noch genug St�rke �brig haben, um zu denken, dass sie uns ignorieren k�nnen. Vielleicht nehmen sie an, dass keiner von uns ein Schwarzmagier sein kann, da wir Kyralier sind.</emphasis></p><p>�Werdet Ihr etwas unternehmen?�, fragte Regin. �Denn ich kann nicht einfach zusehen, wie sie diese beiden t�ten. Nicht, nachdem die Verr�ter ohnehin gewonnen haben.�</p><p>�Ich w�nschte, wir k�nnten etwas tun.� Sie sah ihn an. �Aber das w�re eine Einmischung.�</p><p>�Ich bin mir sicher, die Verr�ter w�rden Euch verzeihen, wenn Ihr zwei von ihnen retten w�rdet.�</p><p>�Meine Taten werden als Taten der Gilde gewertet werden und der Verb�ndeten L�nder.�</p><p>�Gut. Ich w�rde nicht zu einer Gilde geh�ren wollen, die in dieser Situation nicht hilft. Au�erdem braucht Ihr die Ashaki nicht zu t�ten. Erschreckt sie einfach.�</p><p>Die beiden Ashaki hatten sich getrennt und umkreisten die beiden Verr�ter. Die Frau schaute zu Sonea und Regin her�ber, ihre Augen gro� vor Angst.</p><p><emphasis>Regin hat recht. Die Verr�ter und die Gilde k�nnen die Konsequenzen sp�ter bedenken.</emphasis> Sie zog Macht in sich hinein und f�hrte zwei Schl�ge gegen die Ashaki. Als sie trafen, taumelten die M�nner, erholten sich aber und drehten sich zu ihr um. Die Verr�ter nutzten die Gelegenheit, um zu fliehen, und sie rannten zur Ecke der n�chsten Hauptstra�e hin�ber.</p><p>Die Ashaki tauschten einen Blick, dann ging einer auf Sonea und Regin zu. Der andere z�gerte und folgte ihm.</p><p>�Sie wirken nicht ver�ngstigt�, bemerkte Sonea.</p><p>Regin lachte leise. �Sie wissen nicht, wer Ihr seid.�</p><p>Magische Schl�ge blitzten auf, und sie st�rkte ihren Schild. Die Angriffe waren nicht besonders heftig � wahrscheinlich nur dazu gedacht, sie zu pr�fen. Sonea antwortete mit einer Salve von Feuerschl�gen, um die Ashaki einzusch�chtern. Sie hielten inne, und Sonea h�rte das Murmeln eines Gespr�chs, das zu leise war, um es zu verstehen.</p><p>Dann tauchten die beiden Verr�ter an der Ecke wieder auf. Gefolgt von vier weiteren. Ihr unerwarteter Angriff lie� die Ashaki straucheln. Sie drehten sich um und sahen, dass ihre urspr�nglichen Opfer die Arme hoben und etwas in ihre Richtung streckten, dann schauten sie zur�ck zu Sonea und Regin.</p><p><emphasis>In der Falle,</emphasis> dachte Sonea. <emphasis>Aber dies ist jetzt der Kampf der Verr�ter.</emphasis> Sie beobachtete, wie die Verr�ter die Ashaki ersch�pften, bis ihre Schilde versagten, dann zuckten sie zusammen, als sie unter einem letzten Schlag fielen. Regin gab einen leisen Laut der �berraschung von sich, aber als sie ihn ansah, zuckte er die Achseln.</p><p>�Sie machen keine Gefangenen, nicht wahr?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf und dachte an den Selbstmord des sachakanischen K�nigs. Die Verr�ter gingen an den toten Ashaki vorbei auf Sonea und Regin zu, und einer der Neuank�mmlinge, eine Frau, f�hrte die Gruppe an.</p><p>�Ihr seid Schwarzmagierin Sonea?�, fragte die Frau.</p><p>�Ja. Dies ist Lord Regin.�</p><p>�Ich bin Sprecherin Lanna. Ihr h�ttet bleiben sollen, wo wir Euch untergebracht haben.� Sie machte eine herrische Geste. �Kommt mit mir.�</p><p>Als die Frau sich umdrehte, blickte Sonea Regin an und sah ein Aufflackern von Ver�rgerung. Sie schloss sich Sprecherin Lanna an und unterdr�ckte ein L�cheln, als die anderen Verr�ter Positionen zu beiden Seiten bezogen und sie flankierten, w�hrend sie sie durch das Stadtzentrum geleiteten.</p><p>Beim Ger�usch sich n�hernder Schritte im Flur blickte Tayend zu Dannyl auf. Sie hatten links und rechts von Achatis Sessel im Herrenzimmer gesessen und in der vergangenen Stunde gr��tenteils geschwiegen, seit sie vom Dach heruntergestiegen waren.</p><p>�Verantwortung und Pflicht kehren zur�ck.� Tayend seufzte. �Bist du bereit, dich den Leuten zu stellen, die ihn get�tet haben? Wir k�nnten stattdessen Achatis Schiff suchen und die lange Route zur�ck nach Imardin nehmen.�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Nein. Das w�rde unser beider Karriere zerst�ren. Die Verr�ter � obwohl ich w�nschte, sie h�tten ihn verschonen k�nnen, kannten sie ihn doch nicht. Sie wussten nicht, dass er es wert war, verschont zu werden. Wie auch? Er war ein Ratgeber des K�nigs, der alles repr�sentierte, was sie hassen. Und �� Er seufzte. �Trotz allem will ich hier in Arvice bleiben. Nicht f�r immer, aber ��</p><p>Vom Eingang des Flurs kam Merria herein.</p><p>Sie sah anders aus, und Dannyl brauchte einen Moment, um die Ver�nderung zu erkennen. <emphasis>Sie sieht �lter aus. Nicht gealtert, aber reifer. Beinahe streng. Sie erinnert mich an Lady Vinara. Hmm. Es bekommt ihr offensichtlich gut, Verantwortung zu tragen.</emphasis></p><p>Aber es wurde Zeit, wieder das Kommando zu �bernehmen.</p><p>�Lady Merria�, begr��te er sie, stand auf und streckte die Hand aus. �Danke f�r Eure Hilfe.�</p><p>Sie z�gerte, dann griff sie in ihre Robe und holte den Ring hervor. Als er ihn entgegennahm, warf sie ihm einen absch�tzenden Blick zu. Versuchte sie zu ermitteln, ob er in der Lage war, seine Pflichten als Botschafter wieder aufzunehmen? Er musste dar�ber beinahe l�cheln.</p><p>�K�nig Amakira ist tot, ebenso wie der Rest der Ashaki�, berichtete sie ihm. �Er hat sich selbst get�tet, und die �brigen haben die Verr�ter gezwungen, sie zu t�ten, indem sie ihre K�nigin angegriffen haben. Sonea und Regin sind auf dem Weg hierher zu Euch. Osen sagt, wir sollen uns zusammentun und eine Audienz bei der K�nigin erbitten.�</p><p>�Was tun die Verr�ter jetzt?�</p><p>�Sie gehen in die H�user ringsum. Sie haben bereits einen Ashaki, der sich w�hrend der Schlacht versteckt hatte, gefunden und get�tet.�</p><p>Tayend holte schnell Atem. �Achatis Sklaven.�</p><p>Dannyls Herz verkrampfte sich. �Sie werden sie t�ten.�</p><p>�Wirklich?�, fragte Merria. �Vielleicht werden sie es doch nicht tun.�</p><p>�Wir k�nnen das Risiko nicht eingehen. Wir m�ssen sie warnen.� Tayend machte einige Schritte auf den Flur zu.</p><p>Merria runzelte die Stirn. �Wenn sie weg k�nnen, werden sie bereits gegangen sein.�</p><p>Tayend hielt inne und schaute zu Dannyl hin�ber. �Aber wenn nicht ��</p><p>�Dann werden wir sie mitnehmen�, sagte Dannyl. �Falls sie sich dazu entscheiden, mit uns zu kommen. Sie sind jetzt freie M�nner.�</p><p>�Ihr w�rdet sie als Diener einstellen?�, fragte Merria stirnrunzelnd. �Wenn sie keine andere Wahl haben, ist das nichts anderes als Sklaverei.�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Es ist besser als der Tod. Aber ich denke � wir werden ihnen einfach anbieten, sie mitzunehmen. Der Rest liegt bei ihnen.�</p><p>�Wir m�ssen sie zuerst finden�, rief Tayend ihnen ins Ged�chtnis. �Wenn sie hier sind, verstecken sie sich. Und wir haben vielleicht nicht viel Zeit.�</p><p>�Dann werden wir uns aufteilen�, beschloss Dannyl. �Du gehst mit Merria, damit du Schutz hast. Sie k�nnten euch angreifen, wenn sie euch nicht sehen k�nnen, weil sie euch vielleicht f�r Verr�ter halten. Ich werde oben nachschauen, und ihr k�nnt in diesem Stockwerk bleiben.�</p><p>Dannyl ging den Flur entlang zur Treppe. W�hrend er Achatis Haus erkundete, entdeckte er Teile davon, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Alle waren in den gleichen ged�mpften, erdigen Farben gehalten, die Achati den streng wei�en W�nden der sachakanischen Tradition vorgezogen hatte. Dannyl hatte das Gef�hl, als sei Achati hier noch �berall pr�sent, und sein Herz schmerzte. Im hinteren Teil des Hauses dr�ckte er eine T�r auf, schaute sich um und schnappte erstaunt nach Luft.</p><p><emphasis>Warum hat er mir </emphasis>das<emphasis> nicht erz�hlt? </emphasis>Dannyl hatte Achatis Bibliothek gesehen. Es war ein bescheidener Raum, und die B�cher und Schriftrollen dort lagerten in fein gearbeiteten Schr�nken. Der Raum, in dem Dannyl jetzt stand, war um ein Vielfaches gr��er und ges�umt von Regalen. In der Mitte stand ein gro�er Tisch, leer bis auf ein St�ck Papier, das zusammengefaltet und versiegelt war.</p><p>Hinter dem Tisch standen zwei M�nner. Achatis Sklaven.</p><p>Sie trugen jetzt nicht die gewohnte Sklavengewandung, sondern schlichte Hosen und einen �berrock. Sie senkten den Blick, als Dannyl sie ansah.</p><p>�Der Herr hat dies f�r Euch dagelassen�, sagte einer und deutete auf den Brief.</p><p>Dannyl �ffnete den Mund zu einer Erwiderung, dann �nderte er seine Meinung. <emphasis>Zuerst muss ich feststellen, was in dem Brief steht.</emphasis> Er ging zum Tisch hin�ber und griff nach dem Brief. Sein Magen krampfte sich zusammen, als er seinen Namen in Achatis eleganter Handschrift darauf geschrieben sah.</p><p>Dannyl holte tief Luft, brach das Siegel, �ffnete den Brief und begann zu lesen.</p><p><emphasis>Botschafter Dannyl von der Magiergilde Kyralias,</emphasis></p><p><emphasis>das Problem mit der Sammlung der besten Dinge von irgendetwas besteht darin, dass es auch das Mittelm��ige und Schlechteste geben muss, um es damit zu vergleichen. Ich habe mich bem�ht, Letzteres in den meisten Dingen zu vermeiden, aber festgestellt, dass es mir nicht immer gelungen ist, wenn es um meine Familie ging, um meinen K�nig oder meine Bibliothek.</emphasis></p><p><emphasis>Wenn sie es Euch erlauben sollten, schenke ich Euch meine Bibliothek. Den Rest meiner Habe werden sie gewiss mitnehmen oder zerst�ren, und ich hoffe nur, dass meine Sklaven ein wenig davon profitieren werden.</emphasis></p><p><emphasis>Ashaki Achati, ehemaliger Ratgeber des K�nigs Amakira von Sachaka</emphasis></p><p>Dannyl schloss die Augen, schluckte h�rbar, r�usperte sich dann und sah zu den Sklaven auf.</p><p>�Nun, Lak und Vata, ich habe vielleicht nicht viel Zeit, daher werde ich offen sprechen. Euer Herr ist �� Dannyls Kehle schn�rte sich zu.</p><p>�Wir wissen es�, sagten sie wie aus einem Mund.</p><p>�Die Verr�ter gehen in die H�user an der Parade, und ich vermute, dass sie eure Anwesenheit hier als einen Hinweis auf Loyalit�t eurem Herrn gegen�ber werten k�nnten. Also bieten Botschafter Tayend und ich euch an, mit uns zu kommen.�</p><p>�M�ssen wir fortgehen?�, fragte Vata mit gro�en Augen.</p><p>�Wahrscheinlich�, erwiderte Dannyl. Er sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� ehrlich nicht, was die Verr�ter tun werden. Ich habe keine Ahnung, ob es besser ist, dass ihr unsere Gef�hrten oder Diener werdet � oder ob ihr das �berhaupt akzeptabel findet. Aber ich verspreche, dass ich alles in meiner Macht Stehende tun werde, um euch zu besch�tzen.�</p><p>Die beiden M�nner sahen einander an, dann nickte Lak. �Der Herr sagte, wir sollten tun, was immer Ihr uns vorschlagt.�</p><p>�Dann schlage ich euch vor, mich zu begleiten�, antwortete Dannyl, machte eine knappe Handbewegung und ging zur�ck zur Bibliothekst�r. �Aber nicht auf sklavische Weise�, f�gte er hinzu. �Benehmt euch wie die freien M�nner, die ihr jetzt seid. Nicht auf die Art, wie die Ashaki freie M�nner waren � Ich denke nicht, dass die Verr�ter das gern sehen w�rden.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, wie man ein freier Mann ist�, bemerkte Vata mit leiser Stimme.</p><p>�Du wirst es herausfinden�, versicherte ihm Dannyl. Er steckte Achatis Brief in seine Tasche und f�hrte die ehemaligen Sklaven des Mannes aus der Bibliothek und in eine neue und be�ngstigende Freiheit.</p></section><section><title><p>30</p><p>Die Zukunft verhandeln</p></title><p>Einmal mehr hatte Savara die Hauptr�ume in dem Herrenhaus besetzt, das sie als St�tzpunkt auserkoren hatte. Diesmal war das Herrenzimmer der Raum, wo jene warteten, die eine Audienz wollten oder von der K�nigin gerufen worden waren. W�hrend die Menschen kamen und gingen und �ber die Fortschritte der Verr�ter berichteten, die Kontrolle �ber die Stadt zu erlangen, sa�en Lorkin und Tyvara zu ihrer Linken und hielten Wache.</p><p>Alle H�user rund um die Parade waren inzwischen durchsucht worden. Einige Ashaki waren gefunden worden, die sich in den H�usern versteckt hatten, um den Verr�tern aufzulauern, und man hatte sich ihrer entledigt. Man hatte auch mehrere freie Frauen und ihre Kinder entdeckt. Ihre Ehem�nner, V�ter und S�hne waren so zuversichtlich gewesen, dass sie siegen w�rden, dass sie sich nicht die M�he gemacht hatten, ihre Familien an einen sicheren Ort zu schicken. Einige der Herrenh�user waren voller Leichen von Sklaven, die nicht hatten fliehen k�nnen, bevor ihre Herren sie wegen ihrer magischen Kraft get�tet hatten.</p><p>Ein Haus war ausgew�hlt worden, um die gesunden und unverletzten Frauen und Kinder zu beherbergen, bis die Verr�ter entschieden hatten, was sie mit ihnen tun wollten. <emphasis>Was wahrscheinlich das Gleiche sein wird wie bei den anderen Familien, denen wir begegnet sind, </emphasis>dachte Lorkin. <emphasis>Sie werden ihren Platz unter den befreiten Sklaven finden m�ssen, was wahrscheinlich bedeutet, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben w�rden arbeiten m�ssen.</emphasis></p><p>�Einige Sklaven haben die Familien ihrer fr�heren Besitzer angegriffen, bevor sie die Stadt verlassen haben�, berichtete Sprecherin Shaiya der K�nigin. �Einige freie Frauen haben Sklaven angegriffen, nachdem sie von der Niederlage der Ashaki geh�rt hatten. Wir haben alle Verletzten in ein Herrenhaus auf der anderen Seite der Parade gebracht. Einige Sklaven und eine freie Frau haben au�erdem Wehen bekommen. Alle Verr�ter mit Erfahrung im Heilen sind hingeschickt worden, um sie zu behandeln.�</p><p>�Sind es genug?�</p><p>Shaiya sch�ttelte den Kopf. �Wir brauchen mehr. Wann kommen die Kyralier an?�</p><p>�In ein oder zwei Tagen.�</p><p>�Ich werde hingehen�, erbot sich Lorkin.</p><p>�Nein.� Savara drehte sich um, um ihn anzusehen. �Ich brauche Euch f�r den Moment hier.�</p><p>Die Sprecherin senkte den Blick. �Ich wei�, wie Ihr zu Kalia steht, aber ��</p><p>Savara runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. �Ich traue ihr nicht.�</p><p>�Das braucht Ihr auch nicht. Lasst sie einfach tun, wozu sie ausgebildet ist.�</p><p>Lorkin hielt den Atem an, w�hrend Savara die Sprecherin betrachtete. Die K�nigin konnte Kalias Schuld den Verr�tern gegen�ber nicht offenbaren, ohne auch seine F�higkeit zu offenbaren, ber�hrungslos Gedanken zu lesen. <emphasis>Dann sollte ich mich wohl besser gegen die Konsequenzen wappnen.</emphasis></p><p>�Bring sie hierher�, verlangte sie.</p><p>Als Shaiya au�er H�rweite war, wandte sich Savara an Lorkin.</p><p>�Eure F�higkeit k�nnte sich f�r mich als sehr n�tzlich erweisen, Lorkin. Seid Ihr bereit, sie in den Dienst der Verr�ter zu stellen?�</p><p>Er blinzelte �berrascht. �Ich � ich sch�tze, ja. Wollt Ihr, dass ich sie bei Kalia einsetze? Ich kann nicht versprechen, dass ich in der Lage sein werde, Euch viel zu erz�hlen.�</p><p>Savara l�chelte. �Erz�hlt mir einfach, wenn Ihr sie bei einer L�ge ertappt. Verratet nicht, wie. Erw�hnt Eure F�higkeit niemandem gegen�ber, bis ich Euch dazu auffordere.�</p><p>Das Ger�usch von Shaiyas Schritten kehrte zur�ck, zusammen mit denen einer anderen Person. Als Kalia eintrat, schaute sie zu Savara auf, dann senkte sie den Blick zu Boden. Sie legte eine Hand aufs Herz.</p><p>�Verlass uns, Shaiya.�</p><p>Die Sprecherin hielt inne, dann nickte sie und ging. Savara erhob sich und trat langsam vor Kalia hin. Die Frau schaute nicht auf. Ihre Augen waren gro�, und ihre Atmung ging schnell. Lorkin konzentrierte sich auf sie, bis er eine vertraute Pr�senz sp�rte und Schuldgef�hle.</p><p>�Ich wei�, was du getan hast�, er�ffnete Savara ihr. Sie sah Lorkin und Tyvara an. �<emphasis>Wir </emphasis>wissen, was du getan hast.�</p><p>Von Kalia kam eine Welle der Furcht und der Scham.</p><p>�Was ich nicht verstehe: warum Halana?�, fuhr Savara fort. �Alle haben sie geliebt. Sie hatte keine Feinde.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Die Erfahrung im Steinemachen und ihr Wissen dar�ber. Ihr Talent. Selbst wenn du sie gehasst hast, wie konntest du uns das nehmen?�</p><p>�Ich habe sie nicht gehasst�, protestierte Kalia. �Ich �� Sie blickte auf und schaute dann schnell wieder zu Boden.</p><p>�Du <emphasis>was</emphasis>?�</p><p>�Ich hatte nicht geplant, dass sie sterben sollte.�</p><p>�Nur wir.� Savara ging zu ihrem Stuhl zur�ck. �Ich habe keinen Beweis daf�r, aber ich kann beweisen, dass du etwas mit Halanas Tod zu tun hattest. Wenn du mich davon �berzeugen kannst, dass es ein Unfall war, werde ich �� Sie seufzte. �Sosehr ich es hasse, es zu sagen, wir brauchen dich, Kalia. �berzeug mich und k�mmer dich um die Verletzten, und ich werde die Angeh�rigen unseres Volkes zu diesem entscheidenden Zeitpunkt nicht mit Anklagen wegen versuchten Mordes gegen eine aus ihren Reihen ablenken und demoralisieren.�</p><p>Kalia schluckte, dann nickte sie. �Als Ihr letzte Nacht auf dem Dach wart�, begann sie, �habe ich gesehen, dass Ihr allein wart mit �� Ihr Blick flackerte zu Lorkin und Tyvara. �Niemand sonst w�re zu Schaden gekommen, wenn man Euch angegriffen h�tte. Ich brauchte lediglich Aufmerksamkeit auf Euch zu lenken. Also bin ich aus dem Sklaveneingang hinausgeschl�pft, habe einige Ashaki gefunden und sie zur�ckgef�hrt. Sie haben Euch gesehen, aber als ich zu dem Sklaveneingang lief, trat Halana aus einem anderen Eingang. Ich denke, sie hatte Schildsteine anbringen wollen. Sie � hat die Ashaki nicht gesehen. Sie �� Ein Schluchzen entrang sich ihrer Kehle. �Ich habe versucht, sie zu warnen, aber es ging alles so schnell. Ich wollte nicht, dass sie starb.�</p><p>Savara blickte Lorkin an. Er sch�ttelte den Kopf. Alles, was Kalia gesagt hatte, war die Wahrheit. Die K�nigin drehte sich wieder um, um Kalia anzusehen. Sie machte den Eindruck, als h�tte sie einen Bissen von etwas au�erordentlich Abscheulichem genommen. Aber es war nicht nur Abscheu �ber Kalias Taten. <emphasis>Sie will Kalia bestrafen, aber sie wird es nicht tun. Wenn ich Savara w�re, w�rde ich sie einsperren lassen und mich ausschicken, die Verletzten zu heilen. </emphasis>Kalias F�higkeiten im Heilen waren nicht einzigartig. Dann durchzuckte ihn eine Erkenntnis. <emphasis>Aber meine F�higkeiten im Gedankenlesen sind es.</emphasis></p><p>�Dann schw�re, dass du niemals davon sprechen wirst, mit niemandem, es sei denn auf meinen Befehl hin�, forderte die K�nigin. �Und schw�re, dass du nie wieder versuchen wirst, mir, Tyvara und Lorkin etwas anzutun.�</p><p>Kalia senkte den Kopf. �Ich schw�re es.�</p><p>�Geh. Shaiya wird dich zu dem Haus f�hren, in dem die Verletzten sind.�</p><p>Als die Frau davoneilte, rieb Savara ihre H�nde an den Knien ab, als wische sie sie sauber.</p><p>�Nun, zumindest haben wir von jetzt an etwas, das wir benutzen k�nnen, um sie in Schach zu halten.�</p><p>Schritte eilten den Flur herunter, aber diesmal betrat Sprecherin Lanna den Raum.</p><p>�Seid Ihr schon bereit, die Kyralier zu empfangen?�</p><p>Savara holte tief Luft und stie� sie dann langsam wieder aus. �Bin ich es?�, fragte sie sich.</p><p>Lanna runzelte die Stirn. �Da ist etwas, das ich Euch vorher sagen sollte.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>Die Sprecherin verzog die Lippen zu einem erzwungenen L�cheln. �Als ich Schwarzmagierin Sonea traf, k�mpfte sie gerade gegen zwei Ashaki. Tayvla und Call, die beiden, die sie entdeckten, erz�hlten mir, dass die Ashaki sie zuerst angegriffen h�tten. Sonea hat eingegriffen und es ihnen erm�glicht zu entkommen.�</p><p>Lorkin drehte sich um, um Savara anzusehen, und war erstaunt, dass sie diese Nachricht mit einem Stirnrunzeln quittierte.</p><p>Die K�nigin schnaubte leise. �Nun, das hat meine Pl�ne ruiniert.� Sie wandte sich an Lorkin und lie� die Arme sinken. �Eure Mutter hat sich einem Befehl widersetzt, zu bleiben, wo ihre Eskorte sie gelassen hatte. Ich hatte mich darauf gefreut, dieses Thema anzuschneiden, um zu sehen, ob ich etwas wie eine Entschuldigung von ihr bekommen k�nnte.�</p><p>Er zog die Augenbrauen hoch. �Ich bezweifle, dass Ihr Erfolg gehabt h�ttet.�</p><p>�Wie, schlagt Ihr vor, soll ich dann zu Werke gehen, um sie dazu zu bringen, uns einen Gefallen zu tun?�</p><p>�Ich bin die letzte Person, die Euch das sagen kann. Sie kennt mich viel zu gut.�</p><p>�Aber Ihr seid ihr Sohn. Vielleicht sollte ich das benutzen.�</p><p>Lorkin zuckte zusammen. �Nur wenn Ihr Euch besonders mutig f�hlt. Ich, �h, rate Euch, mehr �ber sie in Erfahrung zu bringen, bevor Ihr sie zu sehr unter Druck setzt.�</p><p>Savara sch�rzte die Lippen und betrachtete ihn, dann nickte sie. �Ihr w�rdet sie und Euer Heimatland eines Tages gern wiedersehen.�</p><p>�Irgendwann. Ich w�rde gern Tyvara mitnehmen, also w�re es sch�n, wenn Sachaka und die Verb�ndeten L�nder weiter gute Beziehungen pflegten.�</p><p>Savara drehte sich zu Lanna um. �Schickt die Kyralier herein. Und den Elyner ebenfalls.�</p><p>Lorkins Herz begann ein wenig schneller zu schlagen. <emphasis>Mutter und Dannyl und alle anderen k�nnen keine Zweifel daran haben, wo meine Loyalit�t jetzt liegt. Ich sch�tze, ich werde gleich herausfinden, wie sie dazu stehen.</emphasis></p><p>Seine Mutter f�hrte die anderen in den Raum. Sie reihten sich vor Savara auf, dann knieten sie nieder. Stille folgte, voller �berraschung und einem Hauch Verlegenheit. Lorkin lief ein seltsamer kleiner Schauer �ber den R�cken. F�r Kyralier und Elyner war dies die traditionelle Verbeugung, die sie vor einem Herrscher machten, aber f�r Verr�ter war es weitaus mehr, als erwartet wurde.</p><p>�Erhebt Euch�, sagte Savara mit ged�mpfter Stimme. Als die f�nf Fremdl�nder aufstanden, l�chelte sie. �Sp�ter wird Euch Lorkin erkl�ren, wie die Verr�ter einen Anf�hrer begr��en.� Sie lie� den Blick �ber die Reihe der Neuank�mmlinge wandern. �Ich bin K�nigin Savara, und dies sind Tyvara und Lorkin. Bitte, stellt Euch selbst vor.�</p><p>�Ich bin, wie Ihr von unserer fr�heren Begegnung wisst, Schwarzmagierin Sonea von der Magiergilde Kyralias�, begann seine Mutter. Dann stellte sie die anderen ihrem Status nach vor, beginnend mit Dannyl.</p><p><emphasis>Dannyl wirkt � nicht nerv�s, aber so, als versuche er Unbehagen zu verbergen, </emphasis>dachte Lorkin. <emphasis>Ist er verletzt? Nein, es ist etwas anderes. Vielleicht lediglich das Unbehagen dar�ber, gerade mit angesehen zu haben, wie diese Leute eine ganze Menge Menschen get�tet haben � </emphasis>Sein Magen zog sich zusammen, als ihm bewusst wurde, dass Dannyl, Tayend und Merria Freundschaften mit der sachakanischen Elite geschlossen hatten. <emphasis>Wahrscheinlich haben sie gerade mit angesehen, wie ihre Freunde get�tet wurden.</emphasis></p><p>Als seine Mutter Regins Namen nannte, erinnerte Lorkin sich an Tyvaras Andeutungen, dass er mehr war als Soneas Quelle und Assistent. Regins Miene war ernst. Sein Blick wanderte zu Lorkin, und er neigte leicht den Kopf. Lorkin nickte zur�ck. <emphasis>Das hat mir nichts verraten, </emphasis>dachte er.</p><p>�Also�, sagte Savara, erhob sich von ihrem Platz und trat vor Dannyl. �Beabsichtigt Ihr, in Sachaka zu bleiben, Botschafter Dannyl? Ich stelle mir vor, dass wir hier einen Repr�sentanten der Gilde brauchen, sobald die Heiler eintreffen.�</p><p>Lorkin bemerkte, dass seine Mutter leicht die Stirn runzelte. Als h�chstrangige Gildemagierin h�tte die Frage an sie gerichtet werden sollen. Vielleicht deutete Savara, indem sie die Frage an Dannyl richtete, an, dass sie lieber ihn als Repr�sentanten der Gilde sehen w�rde als Sonea.</p><p>�Wenn die Gilde es erlaubt und Ihr zustimmt, Euer Majest�t�, antwortete Dannyl.</p><p>Savara nickte. �Ihr werdet f�r den Moment gen�gen.� Sie trat vor Tayend. �Und Ihr, Botschafter Tayend � werdet Ihr weiterhin Elyne vertreten?�</p><p>�Ich habe bereits Anweisungen von meinem K�nig erhalten, um meinen Verbleib in dieser Rolle zu bitten, Euer Majest�t�, entgegnete Tayend. �Tats�chlich hat er mir eine kurze Nachricht �bermittelt, die ich auswendig lernen und an Euch weitergeben sollte, als Ersatz f�r ein sp�teres, l�ngeres Sendschreiben.�</p><p>�Ach ja? Dann wiederholt sie.�</p><p>Tayend machte eine h�fische Verneigung. �K�nig Lerend von Elyne gratuliert Euch zu der erfolgreichen Eroberung Sachakas. Er hofft, dass er eine Gelegenheit haben wird, sich mit Euch zu treffen und die vielen Arten zu diskutieren, wie unsere L�nder in beiderseitig vorteilhafte Beziehungen treten k�nnen. M�ge eine friedliche und gedeihliche Zukunft Eurer harren.�</p><p>Savara l�chelte. ��bermittelt ihm meine Wertsch�tzung seiner guten W�nsche, wenn Ihr Euch das n�chste Mal mit ihm in Verbindung setzt. Ich freue mich auf dieses l�ngere Sendschreiben. Ich sehe keinen Grund, warum Ihr nicht als Botschafter bleiben solltet.� Sie ging an Merria und Regin vorbei und blieb stehen.</p><p>Lorkin beobachtete das Gesicht seiner Mutter, als die K�nigin sich an sie wandte. Er sah die vertraute Ver�nderung in ihren Z�gen, von dem leicht gequ�lten, nachdenklichen Ausdruck, den sie die meiste Zeit zeigte, zu dem stillen, allwissenden Blick, dem er niemals lange hatte standhalten k�nnen.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte Savara, und ihr Ton war nicht l�nger freundlich, aber auch nicht kalt. �Ihr habt meinem Befehl zuwidergehandelt, in dem Haus zu bleiben, in dem Eure Eskorte Euch zur�ckgelassen hat.�</p><p>�In der Tat, Majest�t.�</p><p>�Ich war nicht erfreut, das zu h�ren.�</p><p>�Das habe ich auch nicht erwartet.�</p><p>�Warum habt Ihr mir den Gehorsam verweigert?�</p><p>�Die Botschafter Dannyl und Tayend und Lady Merria glaubten, sie seien in Gefahr. Saral und Temi waren gegangen, daher konnte ich weder um Erlaubnis bitten, meinen Gildegenossen zu Hilfe zu kommen, noch darum, dass jemand sie besch�tzt. Ich habe Eure fr�here Bedingung eingehalten, mich nicht mit den Ashaki zu verb�nden, und ebenso die W�nsche der Verb�ndeten L�nder respektiert, dass wir uns nicht in die Schlacht einmischen sollten.�</p><p>�Und doch habt Ihr Euch eingemischt, zu einem sp�teren Zeitpunkt.�</p><p>Sonea zog die Augenbrauen hoch. �H�tte ich das nicht tun sollen?�</p><p>Savara neigte den Kopf ein wenig zur Seite. �Wie betrachten die Verb�ndeten L�nder es?�</p><p>�Ich hatte noch nicht die Gelegenheit, sie danach zu fragen. Sie wissen, dass einige Entscheidungen schnell getroffen werden m�ssen. Die Schlacht war bereits entschieden, und sie wollen sicher sein, dass unseren Heilern hier nichts zusto�en wird.�</p><p>�Das wird nicht geschehen.� Savara machte einen Schritt r�ckw�rts und kehrte zu ihrem Platz zur�ck. �Die Heiler sind jedoch noch einen vollen Tagesritt entfernt. W�rdet Ihr und die anderen Gildemagier Euch in der Zwischenzeit um die schlimmsten Verletzungen k�mmern?�</p><p>Sonea reckte das Kinn vor, und ein Licht trat in ihre Augen, das Lorkin nur allzu gut kannte. Er hielt den Atem an, dann stie� er ihn mit einem leisen Seufzer aus.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte sie.</p><p>Savara nickte. �Lorkin wird Euch zu dem Herrenhaus f�hren, in dem die Kranken und Verletzten untergebracht sind, nachdem ich unter vier Augen mit ihm gesprochen habe. Ihr d�rft gehen.�</p><p>Lorkin beobachtete, wie seine Mutter und seine fr�heren Kollegen und Freunde den Raum verlie�en. Als sie in den Flur verschwanden, drehte Savara sich zu ihm um.</p><p>�War es unklug, sie zu bitten, die Verletzten zu heilen?�</p><p>Also hatte sie seine Reaktion bemerkt. Er zuckte die Achseln. �Mutter hat die Hospize in Imardin eingerichtet. Gebt ihr diese Aufgabe, und sie kehrt vielleicht nie mehr nach Hause zur�ck.�</p><p>Savara runzelte die Stirn. �Und ich dachte, <emphasis>Ihr</emphasis> w�rdet der Grund sein, warum sie versuchen w�rde zu bleiben. Ich hatte nicht vor, Euch Eure Aufgabe zu erschweren.�</p><p>�Meine Aufgabe?�</p><p>�Eure Mutter dazu zu �berreden, nach Hause zur�ckzukehren. Es ist nichts Pers�nliches, und ich denke nicht schlecht von ihr, aber ich vermute, dass sie jemand ist, den ich nicht gern in der N�he haben werde.�</p><p>�Nein�, stimmte er zu. Er hielt inne, um nachzudenken. �Die beste M�glichkeit, um meine Mutter zur Heimkehr zu bewegen, ist die, dass Dannyl es der Gilde empfiehlt. Er k�nnte sich vielleicht dazu bereit erkl�ren, wenn ich ihn davon �berzeugen kann, dass es eine gute Idee ist oder er mir damit einen Gefallen tut. Aber ich habe den Verdacht, dass allein der Versuch seinen Argwohn in Bezug auf meine Motive wecken wird. Obwohl � es gibt da noch etwas, das wir ihm anbieten k�nnen, um zu beweisen, dass unsere Absichten freundlich sind, falls Ihr Euch dazu bereit erkl�rt.�</p><p>Savara beugte sich vor. �Und was ist das?�</p><p>Als Lorkin sie aus dem Herrenhaus f�hrte, musterte Sonea ihn kritisch. Er schien d�nner geworden zu sein, obwohl es vielleicht nur die Kleidung der Verr�ter war, die diesen Eindruck vermittelte. Magierroben neigten dazu, eine Menge zu verbergen, die Schultern und die Taille zu betonen, w�hrend sie den Rest versteckten. Die eng anliegende Weste der Verr�ter schmiegte sich um seinen K�rper. Der Stoff seines Hemdes und seiner Hose war b�uerlich und ungef�rbt. In Kontrast zu seiner bescheidenen Gewandung waren seine Finger �ber und �ber mit Ringen bedeckt, was normalerweise den Eindruck von Ma�losigkeit und Wohlstand erweckt h�tte, wenn sie nicht vermutet h�tte, dass die Steine magischer Natur waren.</p><p>Er ging auf die andere Seite der Parade zu. Sein Gang war entspannt und selbstbewusst, bemerkte sie, aber er war auch st�ndig auf der Hut, und sein Blick wanderte von einem Haus zum anderen. <emphasis>Er f�hlt sich sicher auf seinem Platz unter den Verr�tern und hat von der Gilde nichts zu bef�rchten, es sei denn Missbilligung, aber er wei�, dass die Stadt noch nicht zur G�nze gesichert ist.</emphasis></p><p>Er schaute zu ihr zur�ck und verlangsamte das Tempo, bis er neben ihr herging.</p><p>�Ich wollte mich vor der Schlacht mit dir in Verbindung setzen�, begann er. �Aber dann ist alles so schnell gegangen. Wir haben im einen Moment Pl�ne gemacht und sind im n�chsten davongeeilt, um uns den Ashaki zu stellen.�</p><p>�Was hast du mit meinem Blutring gemacht?�</p><p>Er verzog entschuldigend das Gesicht. �Ich habe ihn bei mir. Ich h�tte ihn verstecken sollen, aber ��</p><p>�Nein, mir w�re es lieber, du h�ttest ihn bei dir, damit du ihn benutzen kannst, wenn es n�tig ist.�</p><p>�Nun � ich nehme an, es besteht die M�glichkeit, dass er, wenn man mich get�tet h�tte, ebenfalls zerst�rt worden w�re.�</p><p>Ein Schauder �berlief sie. �Lass uns nicht davon reden, dass du h�ttest get�tet werden k�nnen.�</p><p>Er grinste. �Das soll mir recht sein.�</p><p>�Also, was wirst du als N�chstes tun?�</p><p>Lorkins Gesichtsausdruck wurde ernst. �Das h�ngt von Savara ab. Und von Tyvara. Es ist klar, dass Savara Pl�ne f�r Tyvara hat, und da bei den Verr�tern alle Verantwortung und Macht bei den Frauen liegt und von ihren M�nnern erwartet wird, dass sie sich dem unterordnen, werde ich am Ende hingehen, wo immer sie hingeht.�</p><p>�Wirst du damit gl�cklich sein?�</p><p>Er grinste. �Gr��tenteils. Ich liebe Tyvara, Mutter. Ich liebe es, dass es f�r sie vollkommen nat�rlich ist, das Sagen zu haben, obwohl es bisweilen frustrierend sein kann. Ich genie�e es auch, derjenige zu sein, der das herausfordert.�</p><p>Sonea verkniff sich einen Seufzer. �Also kommst du nicht mit nach Hause.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nicht in absehbarer Zeit, erwarte ich. Savara wei�, dass ich gern in der Lage w�re, dich und die Gilde zu besuchen. Ich w�rde immer noch gern das rudiment�re Wissen �ber die Herstellung von Steinen weitergeben, wie es K�nigin Zaralas Wunsch war. Vielleicht kann die Gilde noch etwas anderes damit anfangen. Vielleicht wird man in den Verb�ndeten L�ndern H�hlen finden, in denen Steine wachsen. Wenn sie tats�chlich existieren, ist der wahrscheinlichste Ort der n�rdliche Teil der elynischen Berge, wo ��</p><p>Ein Jubelschrei kam von einer Gruppe von Menschen, die die Parade von einer nahen Seitenstra�e betraten. Lorkin hielt inne und stellte sich zwischen die Neuank�mmlinge und Sonea, dann drehte er sich wieder zu ihr um und l�chelte. �Sieht so aus, als w�rde heute Abend gefeiert werden.�</p><p>Sonea schaute an ihm vorbei und sah, dass die M�nner und Frauen M�bel trugen. Sie waren nicht in Verr�tergewandung gekleidet, daher vermutete sie, dass es befreite Sklaven waren. Als sie sich umblickte, begriff sie, dass sich auf der Stra�e weitere Gruppen von ehemaligen Sklaven versammelten. Weiter entfernt brannte ein Feuer. Sie h�rte Dannyl einen Fluch murmeln, als sie die M�bel auf den Boden warfen und begannen, sie zu zertr�mmern. Als zwei der ehemaligen Sklaven zu einem nahen Haus zur�ckkehrten, rief ein Mann hinter ihnen her.</p><p>�Bring etwas Zunder mit!�</p><p>�Und den Wein!�</p><p>Lorkin ignorierte sie und ging weiter �ber die Parade.</p><p>�Sie werden die H�user pl�ndern, nicht wahr?�, sagte Dannyl.</p><p>�Wahrscheinlich�, erwiderte Merria.</p><p>Dannyl seufzte. �Ich h�tte die Bibliothek abschlie�en sollen�, murmelte er.</p><p>Das Herrenhaus, zu dem Lorkin sie f�hrte, war gr��er als die meisten. Zwei Verr�ter standen an der T�r. Sie starrten die Fremdl�nder an, erhoben aber keine Einw�nde, als Lorkin sie hineinf�hrte. Im Inneren des Hauses schlugen ihnen Chaos und L�rm entgegen. Der gewohnte kurze Flur war ges�umt von Menschen, und das Herrenzimmer war noch �berf�llter. Einige Leute lagen auf dem Boden, Verletzte, die schlecht oder gar nicht bandagiert waren. Andere beugten sich �ber sie, offensichtlich nicht verletzt, manchmal vier f�r jeden Patienten. Verr�ter eilten von dem Flur auf der einen Seite zu dem auf der anderen und stolperten dabei �ber Gliedma�en und alle m�glichen Gegenst�nde, angefangen von Essensk�rben bis hin zu Weinflaschen. Eine der Verletzten dr�ckte eine gro�e, goldene Schatulle an sich, obwohl die Wunde in ihrem Bein heftig blutete. Von irgendwo jenseits des Raums kamen ged�mpfte Schreie und Rufe.</p><p>�Das ist ja das reinste Chaos!�, erkl�rte Sonea. �Hat hier denn niemand das Sagen?�</p><p>Der L�rm im Raum verebbte ein wenig. Gesichter wandten sich zu ihr um. Eine Verr�terin, die gerade in den Raum getreten war, blieb stehen und funkelte sie an. Sonea fluchte innerlich. Sie hatte nicht vorgehabt, so laut zu sprechen.</p><p>�Wo ist Kalia?�, fragte Lorkin die Verr�terin.</p><p>�Sie behandelt jemanden�, sagte die Frau.</p><p>�Wer untersucht die neuen Patienten?�</p><p>Die Frau zuckte die Achseln und sah sich um. �Irgendjemand ��</p><p>Lorkin bedeutete ihr, sich in Bewegung zu setzen. �Geht und tut, was immer Ihr getan habt. Ich werde das regeln.�</p><p>Die Frau eilte davon. Lorkin schaute auf seine Ringe hinab und dr�ckte auf den Stein in einem von ihnen. Sein Blick ging in die Ferne, und er verharrte lange Sekunden reglos, dann nickte er und straffte sich. Er drehte sich zu Sonea um.</p><p>�Savara schickt eine Sprecherin her. Sie wird daf�r sorgen, dass alle hier deine Befehle befolgen. Kalia war fr�her verantwortlich f�r die Behandlung der Kranken im Sanktuarium, aber sie hat einige Gesetze gebrochen und � nun, sie ist im Moment nicht ganz sie selbst. Sie ist nur hier, weil wir ihre Erfahrung brauchen.� Seine Abneigung war offensichtlich. �Sie versteht ein wenig von magischem Heilen. Die beste Art, mit ihr fertigzuwerden, denke ich, wird die sein, ihr Patienten zum Behandeln zu geben, ihr aber nicht zu erlauben, Entscheidungen zu treffen.�</p><p>Sonea hob ungl�ubig die Augenbrauen. �Savara �bertr�gt mir das Kommando?�</p><p>�F�r heute Nacht.� Er verzog das Gesicht. �Es hat eine Menge �berredungskunst gebraucht. Wir dachten, wir k�nnten uns auf Kalia verlassen, aber �� Er zuckte die Achseln. �Ich kann es dir nicht genauer erkl�ren, aber sie hat eine schlechte Entscheidung getroffen, und es hat ihr Selbstvertrauen zerst�rt. Sie ist eine gute Heilerin. Hingebungsvoll. Wir k�nnen darauf vertrauen, dass sie ihre Sache gut machen wird.� Er trat einen Schritt auf den Eingang zu. �Sprecherin Yvali wird gleich hier sein. Ich muss gehen. Botschafter Dannyl soll mit mir zur�ckkommen.�</p><p>Dannyl zog die Augenbrauen hoch, aber er wirkte nicht besorgt, als er Lorkin hinausfolgte. Sonea sah Merria an, die sich immer noch im Raum umschaute und den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Es wird nicht lange dauern, dies zu ordnen�, versicherte Sonea ihr. �Solange die Menschen tun, was wir sagen.�</p><p>Merria nickte eifrig. �Ich hatte schon immer den Wunsch, ein Hospiz einzurichten. Nachdem ich die Welt erkundet habe.�</p><p>Sonea betrachtete die junge Frau mit neuem Interesse. <emphasis>Wo hast du die hier versteckt, Vinara?, </emphasis>dachte sie. Sie hatte oft den Verdacht gehabt, dass das Oberhaupt der Heiler die besten neuen Heiler f�r sich behielt. <emphasis>Nicht dass ich es nicht auch tun w�rde, wenn ich in ihrer Position w�re. Aber es sieht so aus, als h�tte sie sich diese hier durch die Finger schl�pfen lassen. Vielleicht eines Tages, nachdem Merria ihre Wanderlust befriedigt hat, wird sie zur�ckkommen, um mit mir zusammenzuarbeiten.</emphasis></p><p>Eine Verr�terin trat aus den Schatten des �berf�llten Eingangskorridors und sah Sonea in die Augen. Sonea richtete sich auf und l�chelte. Sie schob alle Pl�ne f�r Merrias Zukunft beiseite, trat vor und begann zu erkl�ren, was sie und die Kranken und Verletzten von Arvice brauchten.</p><p>Die Freudenfeuer beschr�nkten sich nicht auf die Parade, entdeckte Dannyl, w�hrend er, Tayend, Lorkin und Achatis ehemalige Sklaven zum Gildehaus gingen. Feuer wurden �berall in Arvice entz�ndet, und der Gedanke an all die sch�nen, kostbaren Dinge, die als Brennholz benutzt wurden, machte ihn ein wenig krank.</p><p><emphasis>Es sind nur Gegenst�nde, </emphasis>sagte er sich. Aber es machte ihn trotzdem traurig, und er konnte sich nicht einreden, dass nicht zusammen mit dem blo� Sch�nen kostbares Wissen zerst�rt wurde. Wie konnten ehemalige Sklaven, von denen die meisten nicht lesen konnten, begreifen, dass sie vielleicht etwas verbrannten, wovon sie und ihre Nachfahren profitieren k�nnten? Vielleicht w�rden es die beiden tun, die ihnen folgten. Sie hatten sich schlie�lich in Achatis Bibliothek versteckt. <emphasis>Wird Achatis Bibliothek in ebendiesem Moment verbrannt? Wenn nicht, kann ich die Verr�ter dazu bewegen, sie zu sch�tzen?</emphasis></p><p>Er betrachtete den jungen Mann, der neben ihm herging. Lorkin w�rde es verstehen. Er w�rde vielleicht nicht in der Lage sein, etwas zu tun, aber Dannyl musste zumindest fragen, f�r den Fall, dass eine Chance bestand, dass Lorkin doch helfen konnte.</p><p>Was ihn davon abgehalten hatte, es zu versuchen, war die Erinnerung daran, dass Lorkin an der Seite der Verr�ter gek�mpft hatte. Die Erinnerung an die Ashaki, die ihren Angriffsschl�gen zum Opfer gefallen waren. Der Gedanke, dass Lorkin vielleicht derjenige gewesen sein k�nnte, der Achati get�tet hatte.</p><p>Aus dem verlegenen Schweigen zwischen ihnen schloss Dannyl, dass Lorkin sich zumindest bewusst dar�ber war, dass sein Kampf auf der Seite der Verr�ter seine Beziehung zu Dannyl und der Gilde angespannt hatte. <emphasis>Aber er kann in meinem Fall nicht wissen, warum. Nur Tayend wusste, dass Achati und ich mehr waren als Freunde. </emphasis>Und Tayend verriet nichts.</p><p>�Habt Ihr irgendwelche Fortschritte mit Eurem Buch gemacht?�, fragte Lorkin.</p><p>�Seit einiger Zeit nicht mehr�, antwortete Dannyl.</p><p>�Haben die Kopien, die Ihr erstellt habt, die Gilde erreicht?�</p><p>�Noch nicht.�</p><p>Sie gingen mehrere Minuten weiter, ohne zu sprechen, und wichen einer anderen Gruppe von Feiernden aus. Schlie�lich umrundeten sie eine Ecke und kamen in Sichtweite der Tore des Gildehauses. Keine Freudenfeuer gl�cklicherweise, aber in der Folge war die Stra�e dunkel. Als sie n�her kamen, h�rte Dannyl Tayend nach Luft schnappen. Gleichzeitig sah er, dass die Tore seltsam in den Angeln hingen. Jemand hatte sie aufgebrochen.</p><p>Lorkin griff in seine Weste und zog etwas heraus. Er hielt es zwischen zwei Fingern auf H�he seiner Brust, w�hrend er sich den Toren n�herte. Dann b�ckte er sich, um das verbogene Metall zu untersuchen, und stie� einen leisen Laut aus.</p><p>�Nur Magie kann dies bewirkt haben�, murmelte er. Er richtete sich auf und betrachtete stirnrunzelnd das Geb�ude dahinter. �Die T�r ist offen.�</p><p>Sie standen reglos da, w�hrend Lorkin die offene T�r anstarrte. �Ich denke, wir sollten zur�ckgehen und ��</p><p>�Ich werde hineingehen und mich umsehen�, sagte Lak und schritt vorw�rts, gefolgt von Vata.</p><p>�Wartet, Ihr habt nicht ��, begann Lorkin, aber die ehemaligen Sklaven ignorierten ihn und gingen stumm durch den Hof und in das Geb�ude. Lorkin seufzte und sah Dannyl an. �Sie m�ssen Euch m�gen.�</p><p>Dannyl begegnete seinem Blick. �Sie waren Achatis Sklaven.�</p><p>Lorkin blinzelte, dann trat ein gequ�lter Ausdruck in seine Z�ge. �Er hat nicht �berlebt, nicht wahr?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Er war einer der engsten Berater des K�nigs.�</p><p>�Eine sch�ne Art, ihm daf�r zu danken, dass er mich aus Arvice fortgeschafft hat.� Lorkins Tonfall war voller Bedauern.</p><p>�Er h�tte Euch genauso leicht dem K�nig ausgeliefert, wenn er gedacht h�tte, dass Sachaka davon profitieren w�rde�, erkl�rte Tayend.</p><p>Dannyl sah Tayend scharf an. Der Elyner starrte zur�ck. <emphasis>Er fordert mich heraus, es abzustreiten, </emphasis>dachte Dannyl kl�glich. <emphasis>Ich kann es nicht. Obwohl ich gern denken w�rde, dass Achati ein schlechtes Gef�hl gehabt h�tte, wenn er Lorkin ausgeliefert h�tte.</emphasis></p><p>Lorkin schaute auf den Gegenstand hinab, den er in der Hand hielt, und sch�ttelte den Kopf. Als Dannyl genauer hinsah, erblickte er Licht, das von etwas in der Mitte reflektiert wurde.</p><p>�Es ist nicht richtig, dass sie f�r uns ein solches Risiko eingehen. Bleibt hier. Au�er Sicht.� Er machte einen Schritt auf die T�r zu. Dannyl sah Tayend an, und beide eilten Lorkin nach. Als Lorkin das bemerkte, seufzte er. �Dann bleibt in der N�he. Unter meinem Schild.�</p><p>Als sie das Geb�ude betraten, sp�rte Dannyl die Vibration eines Schildes um sie herum. Im Innern war es dunkel. Lorkin schuf eine Lichtkugel und lie� sie vor ihnen herschweben. Sie traten in ein leeres Herrenzimmer. Lorkin w�hlte den rechten Flur. <emphasis>Falls die Eindringlinge auf magische Dinge oder Wertgegenst�nde aus waren, werden sie in die Gem�cher der Person im Haus gegangen sein, die den h�chsten Status hatte. </emphasis>Als sie Dannyls R�ume erreichten, trat Lorkin ein. Die Zimmer waren verlassen, aber jemand hatte die Truhen und Schr�nke durchst�bert und die meisten Dinge hinausgezerrt, so wie es aussah. Sie wandten sich zum Gehen, doch sie trafen auf Lak, der eine Lampe hielt.</p><p>�Niemand im Haus�, berichtete der Sklave. �Vata �berpr�ft die St�lle und die Sklavenquartiere. Doch ich denke nicht, dass sich irgendwelche Ashaki hier verstecken w�rden.�</p><p>Lorkin stie� einen Seufzer der Erleichterung aus. Er wandte sich an Tayend. �Wollt Ihr, dass ich mit Euch komme, w�hrend Ihr den Blutring holt?�</p><p>Tayend sch�ttelte den Kopf. �Ich bin gleich wieder da.� Er gab Lak ein Zeichen, und die beiden verschwanden in den Flur.</p><p>Im Haus war es sehr still. Dannyl untersuchte den Raum. <emphasis>Nur sehr wenig ist mitgenommen worden. Warum sollte irgendjemand Gilderoben oder alte B�cher wollen? Sollte ich meine Forschungsmaterialien mitnehmen? Wo w�rde ich sie unterbringen? Es gibt keinen sicheren Ort. Aber vielleicht kann ich diesbez�glich etwas unternehmen. </emphasis>Er sah Lorkin an, dann griff er in seine Robe, um Achatis Brief herauszuziehen. Lorkin nahm ihn entgegen, faltete ihn auseinander und las. Er zuckte leicht zusammen, dann gab er ihn zur�ck.</p><p>�Werden die Verr�ter mir erlauben, Achatis Bibliothek zu sichern?�, fragte Dannyl. �Falls sie nicht gepl�ndert wurde?�</p><p>Lorkin runzelte die Stirn und spielte mit seinen Ringen, w�hrend er nachdachte.</p><p>�Savara sagt, dass Ihr Zugang zu ihr haben d�rft�, erwiderte Lorkin. �Wenn Ihr sie wissen lasst, wo die Bibliothek ist, wird sie jemanden hinschicken, der sie bewacht.�</p><p><emphasis>Savara sagt? </emphasis>Dannyl betrachtete die Ringe und sah, dass Lorkin einen der Steine ber�hrte. <emphasis>Interessant.</emphasis></p><p>Lorkin lie� die H�nde wieder sinken. �K�nnt Ihr mir im Gegenzug einen Gefallen tun?�</p><p>Dannyl zuckte mit den Schultern. �Das h�ngt von dem Gefallen ab.�</p><p>�Bringt meine Mutter dazu, so bald wie m�glich nach Hause zur�ckzukehren�, sagte Lorkin. �Sie wird sich nicht absichtlich einmischen, aber sie wird allein durch ihre Anwesenheit hier Probleme verursachen. Ich rede nicht von mir, sondern von den Verr�tern. Sie m�ssen diejenigen sein, die hier das Kommando �bernehmen.�</p><p>�Auch �ber die Heiler der Gilde?�</p><p>�Haben sie meiner Mutter das Kommando �bertragen?�</p><p>�Nein, das haben sie nicht.� Dannyl zuckte die Achseln. �Sie werden ihrem eigenen Anf�hrer Bericht erstatten und dann mir.�</p><p>Lorkin wirkte erleichtert. �Dann gibt es also keinen anderen Grund f�r sie, hier zu sein?�</p><p>�Abgesehen davon, dass sie daf�r sorgt, dass Ihr, ich und Merria sicher sind � nein. Aber Savara hat ihr das Kommando �ber das Hospiz �bertragen.�</p><p>�Es ist nur f�r die Nacht�, sagte Lorkin. Er massierte sich die Schl�fen und seufzte. �K�nnt Ihr Osen gegen�ber andeuten, dass ihre Anwesenheit hier eine Belastung f�r die Beziehungen zwischen Sachaka und den Verb�ndeten L�ndern sein wird?�</p><p>�Ich kann Eure Sorge �bermitteln und die W�nsche der K�nigin.�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Wenn Mutter auch nur den leisesten Hinweis darauf findet, dass es von mir kommt, wird sie umso entschlossener sein zu bleiben. Es muss von Euch kommen, Dannyl. Und � ich bin kein Gildemagier mehr.�</p><p>Dannyl hielt inne, um den jungen Magier zu betrachten, den er als Assistenten nach Sachaka mitgenommen hatte. <emphasis>Er hat wirklich vor, bei den Verr�tern zu bleiben. Er hat alles f�r sie aufgegeben. Und f�r die Liebe auch, vermute ich. Ich denke nicht, dass ich das h�tte tun k�nnen. Nicht einmal f�r Achati. H�tte ich es f�r Tayend getan, damals, als wir jung waren und einander so ergeben?</emphasis> Er sp�rte ein Echo dieses Gef�hls. <emphasis>Ja, ich denke, ich h�tte es getan.</emphasis></p><p>Lorkin schaute wieder auf seine H�nde hinab. Er nahm einen der Ringe, streifte ihn vom Finger und hielt ihn Dannyl hin.</p><p>�Das ist der Grund, warum Ihr daf�r sorgen sollt, dass meine Mutter nach Hause geschickt wird. Das ist der Grund, warum die Verb�ndeten L�nder gute Beziehungen zu Sachaka unterhalten sollten.�</p><p>Dannyl nahm den Ring und untersuchte ihn. Die Fassung war silbern und der Stein darin durchsichtig. �Was ist das?�</p><p>�Ein Lagerstein.�</p><p>Dannyl stockte der Atem. Er erinnerte sich an Achatis Worte: �<emphasis>Falls es noch einen gibt oder einer erschaffen wird, k�nnte das f�r alle L�nder schrecklich sein.�</emphasis></p><p>�Er enth�lt nur die Macht von wenigen Magiern. Das Problem mit Lagersteinen ist, dass man nicht wissen kann, wie viel Macht sie enthalten k�nnen. Zu viel, und sie werden zerspringen und all ihre Macht freisetzen. Es w�re sicherer, mehrere Lagersteine zu haben, die ein wenig Macht in sich haben, als nur ein paar, die eine gro�e Menge enthalten. Aber selbst dann k�nnte es die L�sung f�r die Verteidigung der Verb�ndeten L�nder sein, ohne auf schwarze Magie zur�ckzugreifen.�</p><p>�Also haben die Verr�ter gelogen. Sie wussten, wie man sie macht�, hauchte Dannyl.</p><p>�Nein, obwohl sie Steine haben, die ganz �hnlich sind. Ich f�rchte, ich � wir � haben sie auf die Idee gebracht, es zu versuchen. Sie haben bisher nur einige wenige gemacht, aber ich kann keinen Grund daf�r sehen, warum sie nicht weitere machen oder die Methode verbessern sollten.� Lorkin betrachtete den Ring, dann sah er wieder Dannyl an. �Savara sagte, Ihr k�nnt ihn behalten.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. �Eine Bestechung?�</p><p>�Die erste Bezahlung f�r die Dienste der Heiler.�</p><p>�Wie benutze ich ihn?�</p><p>�Ber�hrt ihn. Zieht Macht in Euch hinein, als w�rdet Ihr sie von einem anderen Magier nehmen. Ihr werdet sie sofort verwenden m�ssen, da Ihr nicht wisst, wie man Magie lagert. Mit dem Einlagern von Macht in dem Ring ist es das Gleiche. Sendet ihm einfach Macht, als w�rdet Ihr sie einer anderen Person schicken.�</p><p>�Und ich darf nicht zu viel Macht darin lagern.�</p><p>�Nein.�</p><p>Dannyl lie� die Hand mit dem Ring sinken. Er sah Lorkin an und wog alles ab, was sein ehemaliger Assistent gesagt hatte. Dann nickte er.</p><p>�Dies wird die Gilde definitiv dazu bewegen, die Heimkehr Eurer Mutter zu befehlen.�</p><p>Lorkin l�chelte. �Danke. Obwohl ich sicherstellen werde, dass ich die Chance bekomme, ein wenig Zeit mit ihr zu verbringen, bevor sie aufbricht. Ich vermisse sie tats�chlich. Und meine Freunde. Und Rothen. Ah. Und da ist noch etwas, das ich Euch in Bezug auf Lord Regin fragen wollte. Sind er und �?� Er brach ab und drehte sich zur T�r um. �Botschafter. Habt Ihr ihn gefunden?�</p><p>Tayend war mit Lak und Vata in den Raum getreten. Er hielt einen kleinen Ring hoch, seine Verbindung mit dem elynischen K�nig. �Genau dort, wo ich ihn gelassen habe.�</p><p>�Gut�, sagte Lorkin. �Also, wollt Ihr hierbleiben oder mit mir zur�ckkommen?� Er sah Dannyl an. �Bis wir zur�ck sind, werden wir wissen, ob Achatis Bibliothek intakt ist. Die beste M�glichkeit zu verhindern, dass sie gepl�ndert wird, best�nde darin, das Geb�ude zu besetzen, und ich denke, Savara wird es guthei�en, dass ihre Hauptverbindungen zur Gilde und den Verb�ndeten L�ndern in der N�he bleiben.�</p><p>Dannyl seufzte vor Erleichterung und sah, wie Tayends Augen hoffnungsvoll aufleuchteten. �Ich hole nur ein paar Sachen, dann werden wir Euer Angebot mit Freuden annehmen.�</p></section><section><title><p>31</p><p>Belohnungen</p></title><p>D<emphasis>ieser gehetzte Blick ist wieder in Anyis Augen getreten, </emphasis>bemerkte Lilia, als sie aus ihrem Schlafzimmer kam. Sie kniete sich neben den Stuhl und schlang die Arme um ihre Freundin. Anyi versteifte sich kurz und drehte sich dann um, um Lilia anzusehen.</p><p>�Ich wei�, du hast ihn drau�en im Wald begraben, aber es ist nicht richtig. Wir m�ssen ihn zu seiner Familie bringen.�</p><p>�Wo liegt sie denn begraben?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher. Gol wird es wissen.�</p><p>Lilia k�sste sie. Als Anyi die Arme um sie legte, klopfte es an der T�r, und beide M�dchen erstarrten. Lilia zog sich zur�ck und seufzte. Sie stand auf und sandte ein wenig Magie zur T�r, um sie zu �ffnen.</p><p>�Gol�, sagte Anyi mit offensichtlicher Erleichterung, als der massige Mann zusammen mit Lord Rothen eintrat. �Wie ist es gelaufen?�</p><p>Er setzte sich. �Die Dinge werden wirklich schnell wieder so sein, wie sie waren. Die Diebe haben sofort aufgeh�rt, sich �Prinzen� zu nennen, und sie nehmen sich, wor�ber sie vorher die Kontrolle hatten � und alles andere, was sie zu fassen bekommen. Wenn du Cerys Territorium �bernehmen willst, musst du jetzt handeln.�</p><p>Anyi runzelte die Stirn. �Werden seine Leute f�r mich arbeiten?�</p><p>Gol nickte. �Diejenigen, die ich gefragt habe, waren sehr interessiert. Sie h�tten lieber dich als einen der Nachbarn. Es hilft, dass du Cerys Tochter bist, aber in gewisser Weise wird es das auch h�rter machen. Cery konnte keine Gef�lligkeiten mehr einfordern und schuldete selbst vielen Leuten einen Gefallen, aber er hatte Geld versteckt und genoss Ansehen, weil er daf�r bekannt war, seine Versprechen zu halten.�</p><p>Lilia beobachtete Anyis Gesicht, und ihr wurde flau im Magen, als die Z�ge ihrer Freundin sich verh�rteten.</p><p>�Ich werde es tun.� Sie blickte zu Gol auf. �Aber nur, wenn du mir hilfst.�</p><p>Gol l�chelte. �Ich hatte gehofft, dass du mich wollen w�rdest. Nicht, dass ich nicht gern in den Ruhestand treten w�rde.�</p><p>�Ich <emphasis>schicke</emphasis> dich in den Ruhestand�, erkl�rte Anyi. �Du wirst nicht mein Leibw�chter sein, du wirst mein Stellvertreter sein. Wie du es f�r meinen Vater warst. Ich wei� nicht, warum er dich nicht auch so genannt hat.�</p><p>�Um mich zu einer geringeren Zielscheibe zu machen�, erwiderte Gol.</p><p>�Nun, du kannst nicht l�nger so tun, als seist du ein Leibw�chter. Niemand wird glauben, dass ich einen Leibw�chter ausgew�hlt habe, der doppelt so alt ist wie ich.�</p><p>Gol verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Ich w�rde dich immer noch jederzeit besiegen.�</p><p>Anyi stand auf. �Oh, wirklich? Wollen wir doch mal sehen ��</p><p>�Ich entschuldige mich f�r die Unterbrechung�, warf Rothen ein, �aber darf ich vorschlagen, dass ihr diese Theorie an einem anderen Ort als in Soneas Quartieren erprobt? Und die H�heren Magier werden es nicht gut aufnehmen, wenn wir zu sp�t kommen, vor allem, nachdem wir darauf bestanden haben, dass diese Versammlung so bald wie m�glich stattfindet.�</p><p>Anyi sah ihn nachdenklich an, dann richtete sie ihren Blick auf Lilia. Ihre Miene war entschuldigend.</p><p>�Es tut mir leid, Lilia, aber wenn ich den Platz meines Vaters einnehmen soll, kann ich nicht zu dieser Versammlung gehen.�</p><p>Lilia starrte sie an. �Aber � du musst deine Geschichte erz�hlen, das ist wichtig.�</p><p>�Nein, ist es nicht. Es wird keinen Unterschied machen, ob ich sie erz�hle oder du oder Lord Rothen.� Anyis Miene war ernst. �Wir wissen, dass Skellin Verb�ndete in der Gilde hatte. Wer kann sagen, welcher Dieb diese Verb�ndeten adoptiert oder geerbt hat? Falls diese Spione nicht wissen, wie ich aussehe, dann sollte es auch so bleiben. Wenn sie es wissen, sollte ich sie nicht daran erinnern.�</p><p>Lilias Herz hatte zu rasen begonnen. �Aber � wie wirst du mich besuchen? Ich darf das Gel�nde nicht verlassen. Sobald die Gilde herausfindet, dass ein Dieb in den Tunneln gelebt hat und dass Skellin dort war, werden sie alle G�nge zusch�tten.�</p><p>Anyi ging zu Lilia hin�ber und umarmte sie. �Wir werden andere Wege finden. Du hast doch nicht gedacht, dass wir hier zusammenleben k�nnten, oder?�</p><p>�Nein, wahrscheinlich nicht.�</p><p>�Du wirst bald deinen Abschluss haben. Dann werden sie dich vom Gel�nde der Gilde lassen. Vielleicht werden sie dir sogar erlauben, in der Stadt zu leben, wie andere Magier es tun. Was immer geschieht, wir werden einander nach wie vor sehen. Niemand kann uns daran hindern, zusammen zu sein.� Anyi l�ste sich von Lilia, dann wandte sie sich an Gol. �Ich werde in die andere Richtung hinausgehen. <emphasis>Du</emphasis> wirst nicht hineinpassen, und die Leute k�nnten dich beim Hereinkommen gesehen haben, daher solltest du besser mit Rothen gehen. Ich treffe dich dann bei Donia.�</p><p>�Bist du dir sicher, dass du diesen Weg nehmen willst?�, fragte Gol.</p><p>Anyi nickte. �Ich werde schon zurechtkommen.�</p><p>�Halte nur � halte die Lampenflamme bedeckt. Ich wei� nicht, wie viel Minenfeuer versch�ttet wurde.�</p><p>Anyi nickte, dann sah sie Lilia erwartungsvoll an. Lilia verstand den Fingerzeig, ging zur T�r und f�hrte Rothen und Gol hinaus. Sie schaute zur�ck und sah Anyi winken, bevor die T�r sich schloss. <emphasis>Ich hoffe, dass sie sicher ist, wenn sie allein zur�ck in die Stadt geht.</emphasis></p><p>Sie machte sich w�hrend des ganzen Weges zum B�ro des Administrators Sorgen deswegen. Sie nahmen einen Umweg, der sie zuerst vor die Universit�t f�hrte, wo Rothen daf�r sorgte, dass eine Kutsche Gol abholte. Vor Osens T�r stie�en sie dann auf Jonna, die dort auf sie wartete. Die Dienerin sah ein wenig blass aus, aber sie l�chelte und dr�ckte Lilia die Hand, w�hrend Rothen anklopfte.</p><p>�F�r mich ist das alles nicht neu�, erinnerte Lilia Jonna im Fl�sterton.</p><p>�F�r mich schon�, erwiderte Jonna.</p><p>Die T�r schwang nach innen auf, und sie traten in einen Raum voller H�herer Magier.</p><p>�Ah, gut�, sagte Osen, als Lilia und Jonna sich verneigten. Er runzelte die Stirn. �Gab es noch mehr Zeugen, die ihre Geschichten erz�hlen wollen, Lord Rothen?�</p><p>�Nein, Administrator�, entgegnete Rothen. �Ihr habt vielleicht den Wunsch, die Mannschaft zu verh�ren, die ich vor zwei Tagen in Gewahrsam genommen habe, aber f�r den Moment sollten ich, Lady Lilia und Jonna, Soneas Dienerin, imstande sein, die Ereignisse zu beschreiben, ohne dass es zu unn�tigen Wiederholungen kommt.�</p><p>�Gut. Wer wird den Anfang machen?�</p><p>�Ich denke, Lady Lilia ist am besten geeignet zu erkl�ren, wo alles begonnen hat�, sagte Rothen und drehte sich zu ihr um.</p><p>Lilia holte tief Luft. �Seit einiger Zeit hat Anyi � meine Freundin und die Leibw�chterin des Diebes Cery � mich auf dem Weg durch unterirdische G�nge in der Gilde besucht �� Als Lilia die Gesichter der H�heren Magier beobachtete, sah sie, wie Blicke sch�rfer und Kiefer h�rter wurden, aber w�hrend sie von dem Eintreffen Cerys und seines verletzten Leibw�chters erz�hlte, wurden einige Mienen weicher. Kallen runzelte die Stirn, aber sie konnte nicht erkennen, ob aus Missbilligung dar�ber, dass sie dieses Geheimnis vor ihm gehabt hatte, oder aus Schuldgef�hl daf�r, dass er nicht in der Lage gewesen war, Skellin rechtzeitig zu finden.</p><p>Einige Magier l�chelten �ber die Falle, die Cery geplant hatte, um Skellin direkt in ihre Mitte zu bringen. Aber dann verblassten alle Spuren von Erheiterung, als sie schilderte, wie die Falle versagt hatte; sie berichtete von Cerys Tod und Anyis Entf�hrung, und sie sah zu ihrer Befriedigung Missfallen in allen Gesichtern �ber Skellins Behauptung, er habe Quellen in der Gilde.</p><p>Danach �bernahm Rothen und erz�hlte von ihrem Plan, Anyi auf eigene Faust und ohne die Hilfe oder Zustimmung der Gilde zu retten, aus Furcht, sonst Skellins Quelle zu informieren. Er h�rte an dem Punkt auf, an dem Lilia an Bord des Schiffes gegangen war, und sah sie an, damit sie die Geschichte zu Ende brachte.</p><p>Es war schwerer als erwartet zu beschreiben, wie sie Skellin und Lorandra besiegt hatte. <emphasis>Ich habe jemanden mit schwarzer Magie get�tet. Und doch war Skellins Tod nicht so abscheulich wie der Lorandras.</emphasis> Jetzt wie damals erinnerte sie sich an die Schreie der Frau. Was an dem Tag selbst leicht zu vergessen gewesen war, hatte sich in eine Erinnerung verwandelt, die sich weigerte zu verblassen.</p><p>Als sie ihren Bericht beendete, kamen die unausweichlichen Fragen.</p><p>�Ihr habt das Gel�nde verlassen und ohne Erlaubnis schwarze Magie benutzt�, sagte Lady Vinara.</p><p>Lilia nickte und neigte den Kopf.</p><p>�Tats�chlich hat sie das nicht getan�, mischte Rothen sich ein. �Ich habe ihr die Erlaubnis gegeben, beides zu tun.�</p><p>�Die Erlaubnis sollte von allen H�heren Magiern ausgesprochen werden oder zumindest vom Hohen Lord�, wandte Osen ein, aber dann l�chelte er und breitete die H�nde aus. �Es gab jedoch Grund zu dem Verdacht, dass unter uns Korruption herrscht. Vorsicht war in diesem Fall die beste Methode.�</p><p>�Wenn Lilia ihre Rolle als Schwarzmagierin in Zukunft ausf�llen soll, sollte sie uns nicht mit bedingungslosem Vertrauen betrachten�, stimmte Kallen zu.</p><p>Balkan nickte. �Ich gebe Euch recht. Es ist wichtiger, dass wir herausfinden, wer Skellins Quelle ist.�</p><p>�Wir haben einen Hinweis auf ihn: Ein Magier hat daf�r gesorgt, dass Jonna aufgehalten wurde, als sie Lilia holen wollte�, stellte Vinara fest. Sie drehte sich zu der Dienerin um. �Wer war es?�</p><p>Jonnas Augen weiteten sich, als alle Aufmerksamkeit sich auf sie richtete. Dann flackerte ihr Blick durch den Raum. �Lord Telano.�</p><p>Alle drehten sich zum Studienleiter der Heiler um. Er schaute sich im Raum um, dann warf er die H�nde hoch.</p><p>�Ein Zufall�, protestierte er. �Ich habe versucht, ihr zu helfen, Lady Lilia zu finden, und mich im Raum geirrt. Das beweist nichts.�</p><p>�Aber es ist interessant, im Lichte Eures Verhaltens in j�ngster Zeit�, sagte Vinara. �Es w�rde erkl�ren, warum ��</p><p>�Wartet�, unterbrach Osen sie. �Lady Lilia. Jonna. Gibt es sonst noch etwas, das Ihr uns gern mitteilen w�rdet?� Als sie den Kopf sch�ttelten, nickte er. �Wartet bitte au�erhalb des Raums.�</p><p>�Lilia sollte bleiben�, sagte Kallen. �Wir brauchen sie vielleicht.�</p><p>Lilia sah ihn �berrascht an. <emphasis>Wenn er einer von Skellins Spionen war, w�rde er mich doch gewiss nicht hier haben wollen.</emphasis> Osen schaute sich im Raum um, und sie war �berrascht zu sehen, dass die meisten Magier nickten. Bis auf Lord Telano. Was hatte Vinara gesagt? <emphasis>�� im Lichte Eures Verhaltens in letzter Zeit.�</emphasis> Was hatte er getan?</p><p>�Also sch�n�, sagte Osen. �Bleibt, Lilia.�</p><p>Jonna nahm dies als ihr Stichwort, den Raum zu verlassen. Rothen ging zu einem freien Stuhl und setzte sich, so dass Lilia die Einzige war, die noch stand. Alle Aufmerksamkeit richtete sich auf Telano.</p><p>�Lord Telano�, begann Vinara. �Wart Ihr Skellins Quelle in der Gilde?�</p><p>�Nein�, erwiderte Telano entschieden.</p><p>�Wie kommt es dann, dass das Feuel, das die meisten Magier und Novizen erworben haben, zu Euch zur�ckverfolgt werden kann?�</p><p>�Und warum haben meine Assistenten gesehen, dass Ihr Mitglieder der Unterwelt aufgesucht und P�ckchen mit zur�ck in die Gilde gebracht habt?�, hakte Kallen nach.</p><p>�Ich rauche gern Feuel�, sagte Telano. �Das tun auch andere. Es gibt kein Gesetz dagegen.�</p><p>�Es wird bald eines geben�, warf Vinara leise ein.</p><p>�Aber es <emphasis>gibt</emphasis> ein Gesetz gegen die Zusammenarbeit mit Verbrechern�, stellte Osen fest.</p><p>�Ich habe mit niemandem <emphasis>zusammengearbeitet.</emphasis> Ich habe nur zuf�llig ihre Produkte gekauft. Jede Menge Magier tun dies, h�ufig unwissentlich.� Telano deutete auf Lilia. �Sie hat wissentlich f�r einen Dieb gearbeitet. Niemand hinterfragt <emphasis>das</emphasis>.�</p><p>�Wir werden noch dazu kommen�, versicherte ihm Vinara. �Ihr habt Euch jetzt seit einer ganzen Weile mit diesem Argument verteidigt, Lord Telano, aber es erkl�rt Eure Versuche nicht, unsere Feuel-Ernte zu zerst�ren. F�r jemanden, der Feuel mag, scheint das � merkw�rdig zu sein.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Ich dachte, die Diebe h�tten hier irgendwie Fu� gefasst und diese Pflanzung angelegt.�</p><p>�Wirklich? Das war aber nicht Eure Entschuldigung, als wir Euch seinerzeit ertappt haben.�</p><p>�Ich wusste nicht, wem ich trauen konnte. Ihr h�ttet mit ihnen unter einer Decke stecken k�nnen. Schlie�lich hat sich herausgestellt, dass es einen Spion in der Gilde <emphasis>gibt</emphasis>.�</p><p>�Eine simple Gedankenlesung w�rde Eure Unschuld beweisen�, sagte Lord Peakin.</p><p>Es wurde still im Raum. Lilia schaute sich um und sah sowohl Widerstreben als auch Hoffnung. <emphasis>Sie wollten es schon seit einer Weile tun, haben sich aber um die Konsequenzen gesorgt, falls er unschuldig sein sollte. Er wird es ihnen zumindest ver�beln, dass sie ihm misstraut haben.</emphasis></p><p>Aber was, wenn er schuldig war? Das w�rde noch schlimmer sein.</p><p>�Werdet Ihr �?�, begann Osen.</p><p>�Nein�, sagte Telano, und das Wort hallte im Raum wider.</p><p>�Euer Mangel an Kooperation ermutigt uns nicht gerade�, bemerkte Osen.</p><p>�Dann degradiert mich.� Telanos Tonfall war m�rrisch.</p><p>�Nein.� Alle Augen richteten sich auf Balkan. Der Hohe Lord hatte die Ellbogen auf die Armlehnen seines Stuhls gelegt, und seine Fingerspitzen ber�hrten sich. �Da Sachaka jetzt unter der Herrschaft der Verr�terinnen steht und unsere Aufmerksamkeit andernorts ben�tigt wird, m�ssen wir diese Angelegenheit kl�ren. Lest seine Gedanken, Kallen.�</p><p>Telanos Augen hatten sich geweitet, aber jetzt gl�ttete sich sein Gesicht wieder. Als Kallen aufstand, erhob er sich langsam auf die F��e.</p><p>�Nun, wenn Ihr es unbedingt tun m�sst. Zumindest haben wir etwas gemeinsam�, murmelte er.</p><p>Lilia holte scharf Luft. �Ich � ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee ist�, zwang sie sich zu sagen und senkte den Blick, als die Aufmerksamkeit sich auf sie richtete. �Ich habe selbst gelegentlich den Verdacht gehabt, dass Schwarzmagier Kallen � derjenige sein k�nnte ��</p><p>Dies f�hrte zu einem �berraschten und frustrierten Raunen im Raum. �Wir k�nnten warten, bis Sonea zur�ckkehrt�, schlug jemand vor.</p><p>Lilia blickte auf und zwang sich, in Kallens Augen zu sehen. Er l�chelte. �Wie ich sagte, wir brauchen Lilia. Mir zu misstrauen wird bald Teil ihrer Aufgaben sein. Ich schlage vor, dass sie auch meine Gedanken liest, um alle zu beruhigen.�</p><p>Lilia starrte ihn an, und Zweifel beschlichen sie. <emphasis>Falls er unschuldig ist, werde ich mich sehr schlecht f�hlen, weil ich angedeutet habe, er k�nnte Skellins Quelle sein. Aber wenn er es nicht ist � wird er diese Gelegenheit nutzen, um mich insgeheim zu erpressen?</emphasis></p><p>Osen nickte. Balkan tat das Gleiche. Kallen winkte sie heran. Es lie� sich nicht vermeiden. Falls dies die ganze Zeit �ber seine Absicht gewesen war, war sie wirklich und wahrhaftig in seine Falle getappt. Mit trockenem Mund trat Lilia auf ihn zu. Er ergriff ihre H�nde und hob sie, immer noch l�chelnd, an seinen Kopf.</p><p>�Ihr erinnert Euch daran, was Ihr tun m�sst?�</p><p>Sie nickte. Dann schloss sie die Augen.</p><p>Es war unm�glich zu sagen, wie viel Zeit verstrichen war, als sie wieder von ihm wegtrat. Sie hatte Gewissensbisse, weil sie ihm misstraut hatte, aber vor allem war sie erleichtert. <emphasis>Ich kann verstehen, warum die Gilde ihn gew�hlt hat. Er w�rde lieber sterben, als die Gilde zu verraten. Er hasst sich daf�r, dass er in die Feuel-Falle getappt ist � und ich hatte keine Ahnung, dass das Verlangen so schlimm sein kann. Ich habe Gl�ck, dass es mich nicht ebenso getroffen hat. </emphasis>Er hatte Bewunderung daf�r ausgedr�ckt, dass sie ihr Leben riskiert hatte, um Anyi zu retten, und sie hatte seine Frustration und Scham dar�ber gesehen, dass er nicht in der Lage gewesen war, Skellin zu finden. <emphasis>Er hat aber wirklich alles versucht. Das wei� ich jetzt. Ich kann ihm sein Scheitern verzeihen.</emphasis></p><p>Er hatte sie auch gewarnt, dass sie, falls Lord Telano schuldig war, sich unbehaglich f�hlen w�rde, wenn sie seine Gedanken las. Lilia drehte sich zu dem Magier um. Der Mann blickte im Raum umher, dann runzelte er die Stirn und stand auf. Er hielt sich sehr steif, als sie die H�nde ausstreckte, um seine Schl�fen zu ber�hren.</p><p>Es war nicht angenehm. Er versuchte, sie abzublocken. Er versuchte, nur an andere Dinge zu denken � Dinge, die sie vielleicht so schockierten, dass sie ihre Aufmerksamkeit abzog. Er versuchte, ihr L�gen zu zeigen. Aber sie durchschaute alles. Sie sah, wo es begonnen hatte, in den Gl�hh�usern. Sie sah, dass Feuel-H�ndler vorgeschlagen hatten, dass er sein Feuel nicht dort zu kaufen brauche, sondern direkt bei ihnen erwerben k�nne. Sie sah, wie er begonnen hatte, sich zu sorgen, dass die Gilde die Droge missbilligen w�rde, daher hatte er angefangen, immer mehr Magier zur Benutzung von Feuel zu ermutigen, so dass sie sich einem Verbot widersetzen w�rden. All seine Gedanken waren durchsetzt von einem wilden Verlangen nach Feuel. Er bef�rchtete, dass er es jetzt nicht mehr w�rde kaufen k�nnen, da Lilia Skellin get�tet hatte. Daf�r hasste er sie. Sein einziger Trost war der, dass so viele andere Magier den gleichen Schmerz erleiden w�rden.</p><p>Es war eine Erleichterung, ihren Geist von seinem zu l�sen und in den Raum zur�ckzukehren. W�hrend sie den H�heren Magiern berichtete, was sie erfahren hatte, fragte sie sich, wie es sein konnte, dass das Feuel Telano so etwas antun konnte, einem Mann, der gro�e Integrit�t besessen haben musste, um ein H�herer Magier zu werden � und ein <emphasis>Heiler</emphasis> �, w�hrend Kallen nicht korrumpiert worden war, und auch sie war nicht s�chtig geworden. <emphasis>Es w�re einfacher f�r die Gilde gewesen, Feuel zu �chten, wenn es immer die gleichen Folgen bei den Konsumenten gehabt h�tte.</emphasis></p><p>�Sie l�gt�, erkl�rte Telano. �Warum solltet Ihr ihr mehr glauben als mir? Sie hat bereits zugegeben, dass sie mit einem Dieb zusammengearbeitet hat.�</p><p>�Wir haben Euch die Gelegenheit gegeben, eine simple Gedankenlesung zuzulassen�, bemerkte Osen. �Habt Ihr Eure Meinung ge�ndert?�</p><p>Telano starrte Osen an, dann straffte er sich. �Nein. Ich werde meine Unschuld auf �berzeugendere Art beweisen.�</p><p>�Ihr sollt Eure Chance haben, wenn wir eine Anh�rung abhalten, um ein Urteil �ber Euch zu sprechen�, erwiderte Osen. Er wandte sich an Kallen. �Bringt ihn weg.�</p><p>Telano runzelte finster die Stirn, als er aus dem Raum gef�hrt wurde. Lilia stand verlegen da, w�hrend die H�heren Magier Blicke tauschten.</p><p>�Habt Ihr irgendwelche Hinweise auf andere Spione in der Gilde erhalten, Lilia?�, fragte Osen leise.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Das ist eine Erleichterung.� Er sah die anderen an. �Wir sollten auf Soneas R�ckkehr warten, bevor wir diese Anh�rung abhalten, aber das Verbot von Feuel ank�ndigen und unsere Absicht, so bald wie m�glich ein Heilmittel zu finden.� Er sah Vinara an. �Ich will, dass Ihr Sonea in die Suche nach einem Heilmittel einbezieht.� Vinara zog die Augenbrauen zusammen und �ffnete den Mund, um zu protestieren, aber Osen brachte sie mit erhobener Hand zum Schweigen. �Sie hat das Problem als Erste erkannt, und es wird Zeit, dass man sieht, dass ihr beide zusammenarbeitet. Es ist au�erdem die beste M�glichkeit, die mir einf�llt, um sie zu besch�ftigen, so dass sie sich aus sachakanischen Angelegenheiten heraush�lt.�</p><p>Lilia runzelte die Stirn. <emphasis>Warum sollten sie �?</emphasis> Sie sah Vinara in ihre Richtung nicken, dann wandte Osen sich an sie.</p><p>�Vielen Dank, Lilia. Wir werden Euch bei der Anh�rung als Zeugin ben�tigen, aber f�r den Moment k�nnt Ihr gehen.�</p><p>Lilia verneigte sich und wandte sich der T�r zu. Als sie an Rothen vorbeikam, l�chelte er und nickte.</p><p><emphasis>Es ist alles vor�ber,</emphasis> dachte sie, <emphasis>soweit es �vor�ber� sein kann. Anyi ist so sicher, wie jeder neue Dieb es sein kann, was nicht besonders sicher ist, aber besser als zu der Zeit, als Skellin noch lebte. Ich kann nun meine Studien beenden. Obwohl ich keine Wahl habe, was ich danach tun werde, macht es mir jetzt nicht mehr so viel aus. Solange ich immer noch Anyi treffen kann.</emphasis></p><p>Doch wie sie das bewerkstelligen sollten, wusste sie nicht. Aber eines wusste sie mit Bestimmtheit: Anyi w�rde einen Weg finden.</p><p>Sonea streifte Osens Ring vom Finger und steckte ihn weg.</p><p>�Nun, <emphasis>das</emphasis> war interessant.�</p><p>Regin wandte sich vom Kutschfenster ab, um sie zu betrachten. �Was gibt es Neues von der Gilde?�</p><p>�Der wilde Magier Skellin ist tot. Das Gleiche gilt f�r seine Mutter, Lorandra. Ich habe noch keine Einzelheiten. Osen sagte, sie k�nnten warten, bis ich nach Hause komme.�</p><p>�Das sind gute Neuigkeiten.�</p><p>�Ja, aber es gibt auch schlechte. Lord Telano hat als Skellins Spion gearbeitet und sich als der Hauptversorger f�r F�ule in der Gilde etabliert. Seine Kr�fte sind blockiert worden, und er residiert jetzt im Ausguck.�</p><p>Regin zog die Augenbrauen hoch. �<emphasis>Telano?</emphasis> Das Oberhaupt der Heilenden Studien?�</p><p>�Ja. Ausgerechnet.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Das einzig Gute, das daraus erw�chst, ist die Tatsache, dass sie Feuel endlich verboten haben.�</p><p>�Was ist mit den Magiern, die danach s�chtig sind?�</p><p>�Vinara hat es geschafft, an Feuel-Samen heranzukommen, so dass die Gilde die Magier entw�hnen kann. Sie hat auch angefangen, nach einem Heilmittel zu suchen. Osen will, dass ich ihr helfe.� Sonea schaute aus dem Fenster auf das �dland. �Jetzt verstehe ich, warum er so darauf beharrt hat, dass ich nach Hause komme.�</p><p>Regin l�chelte. �Ich bin mir sicher, dass das nicht der einzige Grund ist.�</p><p>�Warum? Denkt Ihr, es gibt noch einen Grund?�</p><p>Er zuckte die Achseln und wandte den Blick ab. �Lilia ist Kallen noch nicht ganz ebenb�rtig. Ihr seid die Einzige, die ihn unter Kontrolle halten kann.�</p><p>�Ah. Kallen.� Sonea verzog das Gesicht. �Bis Ihr ihn erw�hnt habt, habe ich mich auf meine Heimkehr gefreut.�</p><p>Regin drehte sich um, so dass sein Ellbogen auf der Kante der Sitzlehne zu liegen kam. �Ich hatte den Eindruck, dass Ihr das Kommando �ber die magische Heilkunst in Sachaka �bernehmen wolltet. Vielleicht ein Hospital gr�nden.�</p><p>Sonea sch�ttelte den Kopf. �Nein, eigentlich nicht. Ich w�rde gern sehen, dass sich die Dinge in Sachaka zum Besseren wenden, aber ich denke nicht, dass sie mich daf�r brauchen. Ich will nur � ich will nicht so weit von Lorkin weg sein.� Sie seufzte. �Freut Ihr Euch darauf, Eure T�chter zu sehen?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ja. Aber sie brauchen mich nicht. Tats�chlich freue ich mich �berhaupt nicht darauf zur�ckzukehren.�</p><p>�Nein? Ihr wollt hierbleiben?�</p><p>�Nicht unbedingt. Aber �� Seine Augen wurden schmal. �Ich bin mir nicht sicher, ob ich Euch schon ganz durchschaut habe.�</p><p>Sonea blinzelte. �Mich? Was gibt es da zu durchschauen?�</p><p>Regin zog die Augenbrauen hoch. �Oh. Jede Menge.�</p><p>Sonea verschr�nkte die Arme vor der Brust und drehte sich zu ihm um. �Wirklich? Was habt Ihr denn bisher herausgefunden?�</p><p>Er l�chelte. �Dass Ihr Euch zu mir hingezogen f�hlt.�</p><p>Sonea starrte ihn an, und pl�tzlich beschleunigte sich ihr Herzschlag. <emphasis>Verflucht soll er sein. Wie hat er das herausgefunden?</emphasis> Sie holte tief Luft, stie� den Atem langsam wieder aus und erwog all die M�glichkeiten, die ihr eingefallen waren, um ihm sanft eine Abfuhr zu erteilen.</p><p>�Lord Regin, ich ��</p><p>�Ich wei� auch, dass <emphasis>Ihr</emphasis> herausgefunden habt, dass ich mich zu Euch hingezogen f�hle�, unterbrach Regin sie. �Ihr habt lange daf�r gebraucht, obwohl ich annahm, dass Ihr mir zuerst verzeihen musstet, dass ich als Novize ein b�sartiger, bigotter Bastard war.�</p><p>Es w�rde nicht leicht werden. <emphasis>F�r keinen von uns,</emphasis> musste sie sich eingestehen. �Regin, ich f�hle mich nicht ��</p><p>�Zu mir hingezogen?� Er hob die Augenbrauen. �Also leugnet Ihr es?�</p><p>Sie z�gerte, dann zwang sie sich, ihm direkt in die Augen zu blicken. �Ja, das tue ich.�</p><p>Seine Augen wurden schmal. �L�gnerin.�</p><p><emphasis>Was mache ich falsch?</emphasis> Sie lie� die Arme sinken und versuchte, die H�nde in die H�ften zu stemmen, aber das erwies sich als zu schwierig in einer rollenden Kutsche, daher begn�gte sie sich damit, ihm mit einem Finger zu drohen.</p><p>�Nennt mich nicht L�gnerin, wenn ��</p><p>Er lachte. �Ach, Sonea. Wenn ich gewusst h�tte, dass es so viel Spa� machen w�rde, Euch aufzuziehen, h�tte ich fr�her damit angefangen.�</p><p>Das panische Gef�hl, das in ihr gewachsen war, l�ste sich ein wenig. <emphasis>Er macht sich nur �ber mich lustig. Es ist ihm nicht ernst.</emphasis> Erleichterung folgte Entt�uschung. <emphasis>Oh, sei nicht dumm,</emphasis> ermahnte sie sich. Sie seufzte, richtete sich in dem Sitz auf und lehnte sich an.</p><p>�Ihr m�gt kein b�sartiger, bigotter Bastard mehr sein, aber Ihr seid immer noch genauso manipulativ wie fr�her, Lord Regin.�</p><p>Regin zuckte die Achseln. �Nun, das ist nichts Neues. Ich hoffe, Ihr stimmt mir zu, dass ich es immer f�r eine gute Sache tue.� Er beugte sich zu ihr vor. �Aber ich w�rde gern wissen, was Ihr gegen die Idee habt, dass wir beide ein Paar sein k�nnten.�</p><p>Sie hielt inne, bevor sie antwortete. <emphasis>Zumindest will er vern�nftig dar�ber reden. Vielleicht sollten wir es tun. Die Idee in Worte fassen und aus dem Kopf bekommen.</emphasis></p><p>�Es w�re � nun, eine Menge Leute h�tten etwas dagegen. Ich bin eine Schwarzmagierin. Ihr seid � verheiratet.�</p><p>�Ist das alles?� Er sch�ttelte den Kopf. �Wie <emphasis>konventionell</emphasis> von Euch. Sonea, die Frau, die alles ver�ndert hat � die Gilde, die kyralische Gesellschaft, die Art, wie wir zu schwarzer Magie stehen �, macht sich Sorgen wegen <emphasis>Klatsch</emphasis>?�</p><p>�Nat�rlich. Ich habe Jahre gebraucht, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Ich kann nicht riskieren, es wieder zu verlieren.�</p><p>�Ihr werdet das Vertrauen nicht verlieren. Sie w�ren gl�cklicher, Euch mit einem anderen Magier verbunden zu sehen.�</p><p>Sie wandte den Blick ab. �Das k�nnt Ihr nicht wissen.�</p><p>�Ich kenne Kyralias Tratschtanten besser als Ihr�, entgegnete er. �Ich habe das zweifelhafte Vergn�gen, sie pers�nlich zu kennen.�</p><p>Er seufzte. Als sie ihn anschaute, zog sich ihr Herz ein wenig zusammen. Er wirkte entt�uscht. <emphasis>Vielleicht hat er recht. Nein, er wei� nicht, wie es war in diesen letzten zwanzig Jahren. Die Menschen haben st�ndig jede meiner Bewegungen beurteilt, jeden Freund und jeden Geliebten, den ich hatte oder h�tte haben k�nnen.</emphasis></p><p>Aber als sie einen weiteren verstohlenen Blick riskierte, begriff sie, dass er in einem Punkt recht hatte. Sie fand ihn tats�chlich attraktiv. Sehr sogar. <emphasis>So verr�ckt das sein mag.</emphasis></p><p>�Also�, sagte er leise, �w�re es akzeptabel, wenn ich geschieden w�rde?�</p><p>�Nein!�, protestierte sie, obwohl sie sich nicht sicher war, ob es um seine Frage ging oder darum, dass er seine Werbung fortsetzte.</p><p>�Vielleicht sollte ich das umformulieren. W�re es akzeptabel <emphasis>f�r Euch</emphasis>, wenn ich geschieden w�rde?� Er beugte sich dichter vor, und sie wandte sich ihm zu. �Wenn niemandes Meinung z�hlte, w�rdet Ihr mich dann wollen?�</p><p>Er sah ihr direkt in die Augen. Es w�rde nicht leicht sein, ihn zu bel�gen. Sie z�gerte, dann �ffnete sie den Mund, um es zu versuchen.</p><p>Aber die Worte kamen nie heraus, weil er sie pl�tzlich k�sste. W�hrend sie vor �berraschung erstarrte, legte er die Arme um sie, zog sie n�her an sich, und sie stellte fest, dass sie ihre Bewegungen nicht gut genug koordinieren konnte, um seine Absichten irgendwie zu durchkreuzen. Ihr K�rper tat, was er wollte: Er entspannte sich in Regins W�rme.</p><p>Es war, das musste sie zugeben, ein sehr guter Kuss. Sie war entt�uscht, als er endete, obwohl sie ein wenig atemlos war. Regin sah sie an, aber nicht mit dem vollen Selbstbewusstsein, das er noch einen Moment zuvor gehabt hatte. <emphasis>Er wird jetzt damit aufh�ren, wenn ich es ihm sage.</emphasis></p><p><emphasis>Ich will es ihm nicht sagen.</emphasis></p><p>Sie suchte nach irgendeiner anderen Bemerkung.</p><p>�Du bist noch nicht geschieden�, rief sie ihm ins Ged�chtnis.</p><p>Er l�chelte. �Oh doch. Der K�nig hat mir meine Scheidung vor meinem Aufbruch gew�hrt.�</p><p>�Was? Das hast du mir nie erz�hlt!�</p><p>�Nat�rlich nicht. Ich kenne dich zu gut. Du h�ttest vielleicht meine Absichten erraten und mich um Armesl�nge von dir ferngehalten�, entgegnete er. �Nun, noch mehr als gew�hnlich.�</p><p>�Du hast das die ganze Zeit �ber geplant. Du r�nkeschmiedender, manipulativer ��</p><p>�Immer f�r eine gute Sache�, unterbrach er sie. Dann k�sste er sie abermals.</p><p>Als Lorkin in Savaras R�ume trat, blickte die K�nigin von den Papieren auf, die sie gelesen hatte, und l�chelte. Lorkin hielt inne und legte eine Hand aufs Herz, aber sie verzog das Gesicht und winkte ihn weiter.</p><p>�Lasst das. Es schaut niemand zu. Und Tyvara wartet auf Euch�, sagte sie.</p><p>Er ging hin�ber zu dem Raum, in dem er und Tyvara geschlafen hatten. Dann klopfte er leise an die T�r, und als er eine schwache Antwort h�rte, dr�ckte er sie auf. Tyvara lag auf dem schmalen Bett und las weitere Dokumente, bekleidet nur mit einem kurzen Hemd. Er schloss die T�r, lehnte sich dagegen und hoffte, dass er keinen Grund haben w�rde, sich allzu bald wieder zu bewegen.</p><p>Sie blickte auf, dann verdrehte sie die Augen. �Lass das.�</p><p>�Kann ich nicht�, erwiderte er.</p><p>�Also sch�n. Bleib dort. Du wirst dich irgendwann langweilen.�</p><p>�Das bezweifle ich.�</p><p>Sie versuchte, ihn zu ignorieren, aber er konnte sehen, dass ihre Augen sich hin und her bewegten, ohne dass sich ihr Blick tats�chlich auf die Seite senkte. Schlie�lich schloss sie das Dokument, seufzte und sah wieder zu ihm auf.</p><p>�Ich nehme an, es gibt einen Weg, dich dazu zu bringen aufzuh�ren, der uns beiden gleicherma�en gefallen w�rde.�</p><p>Er riss in gespielter Unschuld die Augen auf. �Beiden gleicherma�en gefallen?�</p><p>�Definitiv. Komm her und lass uns mit deiner neuen F�higkeit ein wenig experimentieren. Ich vermute, es gibt einige Wege, sie anzuwenden, die uns beiden gleicherma�en gefallen k�nnten.�</p><p>Einige Zeit sp�ter fand Lorkin sich auf dem Boden wieder; er lag neben Tyvara mit dem Bettzeug, das als ein nicht g�nzlich bequemer Ersatz f�r eine Matratze diente. Er war zuvor m�de gewesen, und jetzt war er noch m�der, aber es war eine angenehme Art von Ersch�pfung, und er widerstand der Versuchung, sie mit einer magischen Heilung zu vertreiben.</p><p>�Wir brauchen wirklich ein gr��eres Bett�, bemerkte Tyvara.</p><p>�Ja.�</p><p>�Wie geht es unseren Botschaftern?�</p><p>Lorkin widerstand einem L�cheln. Savara hatte begonnen, Dannyl und Tayend als �unsere� Botschafter zu bezeichnen, und zwar an dem Tag, nachdem sie sie kennengelernt hatte. �Es geht ihnen gut. Sie waren in der Bibliothek, gl�cklich wie Kinder mit neuen Spielzeugen. Ich denke, sie haben gerade etwas f�r Dannyls Buch gefunden.�</p><p>�Sind diese beiden, was ich vermute? Sind sie ein Paar?�</p><p>�Sie waren mal eins. Tats�chlich waren sie es f�r lange Zeit. Bis Dannyl hierherkam. Sie haben sich getrennt, aber ich wei� nicht, warum.�</p><p>�Und jetzt?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich wei� es nicht. Sie scheinen sich wieder nahezustehen. Aber den Eindruck hatte ich auch, kurz bevor Dannyl hierherkam, daher kann ich es bei ihnen vielleicht nicht beurteilen.� Er zog die Brauen zusammen. �Obwohl damals zwischen ihnen eine Anspannung herrschte, die jetzt nicht mehr da ist.�</p><p>Sie drehte sich zu ihm um. �Wirst du mich nicht fragen, wor�ber Savara reden wollte?�</p><p>Er rollte sich auf die Seite. �Wor�ber wollte Savara reden?�</p><p>�Wir haben �ber ihre Pl�ne f�r Sachaka geredet.�</p><p>�Also, das ist deine �berraschung.�</p><p>Tyvara stie� ihm in die Rippen. �H�r zu. Wir denken, dass die Landbesitze sich f�r den Moment ohne allzu gro�e Unterst�tzung selbst erhalten werden. Einige m�ssen wir immer noch befreien. Sie waren zu entlegen f�r uns, als dass wir uns vor unserer Ankunft in Arvice um sie h�tten k�mmern k�nnen. Aber sobald das erledigt ist, wird die gr��te Herausforderung die Wiederbelebung des �dlands sein. Vorher m�ssen wir jedoch in der Stadt Ordnung schaffen. Sie ist baulich ungeeignet f�r die Ver�nderungen, die kommen werden. Es sind fast alles Herrenh�user, weil die Ashaki gr��tenteils Selbstversorger waren. Obwohl jedes Herrenhaus viele ehemalige Sklaven beherbergen k�nnte, werden sie irgendwann ihre eigenen H�user haben wollen. Wir wollen au�erdem Menschen mit gleichen Kenntnissen und F�higkeiten zusammenbringen, damit sie miteinander arbeiten. Das alles bedeutet, dass jede Menge Geb�ude abgerissen und neue errichtet werden m�ssen.�</p><p>�Das wird Jahre dauern.�</p><p>Sie nickte. �In der Zwischenzeit m�ssen wir gute Beziehungen zu den Verb�ndeten L�ndern aufbauen. Savara macht sich Sorgen, dass andere L�nder von dem Aufruhr hier h�ren und versuchen werden, die Situation auszunutzen. Vielleicht nicht durch eine Invasion. Die Steine werden sie hoffentlich davon abhalten. Aber es gibt andere Wege, durch Handel und Politik, um ein neues, genesendes Land zu behindern.�</p><p>Lorkin hielt den Atem an. Dies war die Mission, auf die die ehemalige K�nigin ihn geschickt hatte. Es war das, wof�r er sich am besten eignete. Er wusste sowohl, wie die Verr�ter, als auch, wie die Verb�ndeten L�nder dachten und funktionierten.</p><p>�Savara hat beschlossen, mich nach Kyralia zu schicken, um fortzufahren, Handelswege und die M�glichkeit eines B�ndnisses zu erkunden.�</p><p>Er sah sie an, w�hrend Verwirrung von Entt�uschung und dann von Entsetzen abgel�st wurde.</p><p>�Du meinst doch nicht �?�</p><p>�Doch.� Tyvara l�chelte. �Wir gehen nach Kyralia. Du wirst mein F�hrer und Assistent sein.�</p><p>Er seufzte. <emphasis>Nun, es ist nicht das, was ich erwartet habe, aber ich nehme an, es ist gut genug.</emphasis></p><p>�Ah, Lorkin.� Sie strich ihm �ber die Wange. �Du w�rst niemals f�r diese Rolle auserw�hlt worden. Du bist noch nicht lange genug ein Verr�ter, um f�r die Verr�ter Verhandlungen zu f�hren.�</p><p>�Und ich bin ein Mann.�</p><p>Sie nickte. �Auch das.�</p><p>�Du begreifst doch, dass kein anderes Land so denkt. Von all den Dingen, von denen ihr glaubt, dass M�nner nicht daf�r geeignet sind, glauben alle anderen, dass Frauen nicht daf�r geeignet w�ren.�</p><p>�Ich wei�. Sie werden sich an uns ebenso gew�hnen m�ssen wie wir uns an sie.� Dann lachte sie. �Au�erdem, wenn ich jemals K�nigin werden soll, wie Savara es beabsichtigt, dann darf man mich nicht dabei sehen, wie ich einem Mann auf Schritt und Tritt folge. Erst recht nicht einem Kyralier.�</p><p>Sein Magen schlug einen Purzelbaum. �Du � du planst, <emphasis>K�nigin</emphasis> zu werden?�</p><p>�<emphasis>Savara</emphasis> plant das f�r mich.� Sie zuckte die Achseln. �Ich bin mir nicht sicher, ob ich es werden will. Aber eine Menge kann sich ver�ndern. Wenn es tats�chlich so weit kommt, wird es noch lange nicht passieren, hoffe ich. Ich hoffe, sie wird so lange leben wie Zarala. K�nigin zu sein bedeutet eine Menge Verantwortung, und es gibt vieles, was ich vorher noch tun will. Wie zum Beispiel Kinder haben.� Sie neigte den Kopf leicht zur Seite. �Klingt das nach einem Leben, das du vielleicht w�rdest leben wollen?�</p><p>Sein Kopf drehte sich von all den M�glichkeiten. <emphasis>Das ist alles einfach ein wenig zu unglaublich. Ich will einfach mit Tyvara zusammen sein. Und � ja, Kinder w�ren irgendwann wunderbar. </emphasis>Er sah sie an, und sein Herz wurde wieder warm.</p><p>�Es klingt wundersch�n. Nun, vielleicht bis auf den Teil, dass wir die Verantwortung f�r ein ganzes Land tragen sollen. Aber ich nehme an, wenn die Verr�ter die Idee ertragen k�nnen, dass ein Kyralier ihr K�nig sein wird � sicher, ich werde mich damit abfinden, wenn es bedeutet, dass ich die Gelegenheit bekomme, mein Leben mit dir zu verbringen.�</p><p>Sie verdrehte die Augen. �Du wirst nicht K�nig sein. Wir haben keine K�nige.�</p><p>�Nicht einmal durch Heirat?�</p><p>�Nicht einmal dann. Hattest du wirklich darauf gehofft, K�nig zu werden?�</p><p>�Nat�rlich nicht. Mir f�llt nichts Schlimmeres ein.� Er grinste. �Obwohl es doch unfair scheint. Ich wette, der Ehemann der K�nigin muss trotzdem unglaublich hart arbeiten, ohne jede Hoffnung darauf, jemals in Ruhestand treten zu k�nnen; er muss mit aufreizenden Leuten reden und langweiligen Zeremonien und Ereignissen beiwohnen und seiner Frau zuh�ren, wenn sie sich dar�ber beklagt, wie hart das Leben ist, w�hrend er gleichzeitig nach ihrer Pfeife tanzen muss � und sich um ihre Kinder k�mmern, w�hrend sie k�niginnenhafte Dinge tut. Und das alles, ohne jemals daf�r gelobt zu werden.� Was wahrscheinlich das war, was die kyralische K�nigin ertragen musste, begriff er.</p><p>Tyvara zuckte die Achseln. �Keiner von ihnen hat sich jemals beklagt.�</p><p>Lorkin schnaubte. �Ihr Verr�ter seid nicht so gleichberechtigt, wie Ihr es behauptet. Aber, wie du sagtest, eine Menge kann sich ver�ndern.�</p><p>Sie stie� ihn erneut in die Rippen, heftiger diesmal. �Nicht <emphasis>so</emphasis> viel. Jetzt lass uns dieses Bett wieder zusammenbauen und ein wenig schlafen. Morgen wartet eine Menge Arbeit auf uns.�</p></section></section><section><title><p>Epilog</p></title><p>�Du hast wieder von Cery getr�umt, nicht wahr?�</p><p>Sonea blickte zu Regin auf. Er hielt ihr eine dampfende Tasse Raka hin. Sie zog sich auf dem Bett in eine sitzende Position hoch und ergriff die Tasse. Der Duft von gutem sachakanischem Raka erf�llte ihre Sinne, und die letzten F�den des Traums verloren ihre Macht.</p><p>�Ich vermisse ihn.� Sie seufzte und wischte sich �ber die Augen. Das Wissen, dass sie Cery nie wiedersehen w�rde, war wie die Entdeckung, dass man etwas Wichtiges aus ihrem Inneren gestohlen hatte. �Obwohl ich ihn vor dem Tod seiner Familie nicht allzu oft gesehen habe. Ich w�nschte, ich h�tte etwas tun k�nnen.� Sie bemerkte, dass er den Mund �ffnete, und sch�ttelte den Kopf. �Nein, du brauchst mich nicht daran zu erinnern. Es war nicht meine Schuld. Die Dinge w�ren vielleicht nicht anders gelaufen, wenn ich hier gewesen w�re ��</p><p>�� und du konntest nicht gleichzeitig an zwei Orten sein�, beendete Regin den Satz. �Zumindest hat die Gilde noch nicht gelernt, wie man das bewerkstelligt.�</p><p>�Ich nehme an, die Aufgaben, ein Heilmittel gegen die Feuel-Sucht und eine M�glichkeit zu finden, Steine zu machen, auch ohne entsprechende H�hlen, sind dringender.� Sie nippte an dem Raka, dann schaute sie zu den Fensterschirmen. �Wie sp�t ist es? Die Sonne geht gerade erst auf, wie es aussieht. Warum bist du aufgestanden?�</p><p>�Es ist eine Nachricht gekommen. Der K�nig hat die H�heren Magier in den Palast gerufen.�</p><p>Sie schwang die Beine auf den Boden und stand auf. �Wann?�</p><p>�Nicht so bald, dass ich keine Zeit f�r dies hier h�tte.� Er zog sie an sich und k�sste sie.</p><p>�Hmm.� Sie legte die Arme um ihn, w�hrend er begann, sich wieder von ihr zu l�sen. �Zeit genug f�r mehr?�</p><p>�Nicht jetzt. Der K�nig hat mir einen Gefallen getan. Ich sollte es ihm nicht damit vergelten, dass du zu sp�t kommst.� Er schob sie zum Kleiderschrank, dann legte er sich wieder ins Bett.</p><p>Sonea kleidete sich schnell an und nahm noch einige Schlucke Raka, bevor sie aus Regins R�umen schl�pfte. Der Einzug bei ihm war ihre Art gewesen, den Ger�chten ein Ende zu machen, dass sie und Regin ein Liebespaar waren. Es war kein Ger�cht mehr, wenn es eine offensichtliche Tatsache war. Sie war sich sicher, dass Lilia es genoss, jetzt ihre alten R�ume f�r sich allein zu haben. Anyi besuchte sie ab und zu mit Jonnas Hilfe, verkleidet als Dienerin. Die Gilde hatte endlich das Problem der unterirdischen Tunnel gel�st, indem sie sie hatte zusch�tten lassen. Obwohl sie regelm��ig nach Lilia sah und ihre Fortschritte �berwachte, geschah dies mehr aus Sorge, dass Lilia sich nicht g�nzlich von allem erholt hatte, was ihr widerfahren war.</p><p><emphasis>Schlie�lich hat sie jemanden mit schwarzer Magie get�tet. Damit zu leben ist nicht so einfach, wie die meisten Menschen denken w�rden, selbst wenn das Opfer eine schlechte Person war.</emphasis></p><p>Weiter unten im Flur �ffnete sich eine T�r. Als Sonea Lady Indria erkannte, Lord Telanos Nachfolgerin als Studienleiterin der Heilkunst, wartete sie, damit die Frau sie einholen konnte.</p><p>�Irgendeine Ahnung, worum es geht?�, fragte Indria.</p><p>�Noch nicht.� Sonea l�chelte. �Wie lebt Ihr Euch in Eurer neuen Rolle ein?�</p><p>Indria zuckte mit den Schultern. �Es ist sowohl h�rter als auch einfacher, als ich erwartet habe. Ich habe jahrelang unterrichtet, daher verstehe ich die Klagen und N�te der Lehrer. Aber es gibt so viele <emphasis>Dokumente</emphasis>, mit denen ich fr�her nichts zu tun hatte.�</p><p>Sonea kicherte. �Ja. Der einzige Rat, den ich Euch geben kann, ist der: Ihr solltet Euch den einen oder anderen Assistenten zulegen.�</p><p>�Das werde ich.� Als sie aus dem Magierquartier traten, blickte Indria sich um. �Es macht die Sache nicht besser, dass Telano ein solches Chaos hinterlassen hat�, f�gte sie mit leiser Stimme hinzu. �Ich sch�tze, er hatte v�llig aufgeh�rt, sich f�r seine eigentlichen Aufgaben zu interessieren. Seid Ihr bei der Suche nach einem Heilmittel f�r Feuel weitergekommen?�</p><p>Sonea sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>Indria seufzte. �Diese Dinge kosten Zeit. Wie sieht es in den Hospit�lern aus?�</p><p>�Sie sind voller S�chtiger auf Entzug. Einige reagieren auf magische Heilung, einige nicht. Gl�cklicherweise sind jene Magier, die resistent sind gegen Feuel, automatisch geheilt, so dass wir es nur mit den etwa vierzig �brigen zu tun haben.�</p><p>Sie er�rterten das andauernde Feuel-Problem, w�hrend sie durch den Garten gingen. Als sie vor der Universit�t ankamen, sahen sie Osen, Balkan und Kallen neben einer Kutsche stehen, und eine weitere Kutsche wartete dahinter. Osen schaute auf, entdeckte sie und winkte sie heran.</p><p>�Hier ist noch Platz f�r Euch, Lady Indria�, sagte Osen. �Die �brigen sind vorausgefahren. Wir werden die andere Kutsche nehmen.�</p><p>Als Indria einstieg, ging Osen zu der zweiten Kutsche. Sobald sie alle sa�en und die Kutschen sich in Bewegung setzten, sah Sonea Osen an und zog die Augenbrauen hoch. Er begegnete ihrem Blick und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Nein, ich wei� nicht genau, worum es geht, aber der Ratgeber des K�nigs hat mir versichert, dass es keine Invasion gibt und dass es Lorkin gut geht.�</p><p>Sonea l�chelte. <emphasis>Sie haben Angst, dass ich beim geringsten Anzeichen von Problemen zur�ck nach Sachaka eile. Trotzdem, es ist gut zu wissen, dass dies nichts mit ihm zu tun hat.</emphasis></p><p>�Habt Ihr schon Dannyls Forschungsnotizen gelesen?�, fragte Kallen den Administrator.</p><p>�Etwa die H�lfte.� Osen hob die Augenbrauen. �Die Berichte sind tats�chlich ziemlich faszinierend, vor allem die Geschichten der Duna. Ich freue mich darauf, das ganze Buch zu lesen, sobald er es beendet hat und drucken l�sst.�</p><p>�Er wird zuerst ein neues Kapitel �ber den sachakanischen B�rgerkrieg und die magischen Edelsteine schreiben m�ssen�, warf Kallen ein.</p><p>�Und ich habe das Gef�hl, dass es danach noch ein weiteres Kapitel geben wird�, f�gte Balkan hinzu.</p><p>Osen betrachtete den Hohen Lord mit schmalen Augen. �Macht Ihr Euch immer noch Sorgen wegen des Minenfeuers und dieser Vorrichtung in Igra, von der die Spione des K�nigs berichtet haben?�</p><p>�Dem Kugelspeier.� Balkan nickte. �Dargin denkt, diese Vorrichtung habe die igresischen Priester bef�higt, all ihre Nachbarl�nder zu erobern.�</p><p>�Wahrscheinlicher ist es, dass die igresischen Magier nicht sehr m�chtig oder talentiert sind�, erwiderte Osen. �Ich verstehe nicht, wie eine aus einem Rohr kommende Kugel einem Magier gef�hrlich werden sollte, solange er sich gut genug durch einen Schild sch�tzt.�</p><p>�Ich vermute, es funktioniert ganz so wie Lilias einfallsreiche Idee, mit Magie zuzusto�en, statt ein Messer zu benutzen, wenn man schwarze Magie wirkt. Konzentrierte Kraft und hohe Geschwindigkeit werden fast jeden Schild durchdringen.�</p><p>�Der Spion sagte, es bestehe nur eine geringe Chance, dass eine igresische Armee eine W�stendurchquerung �berstehen w�rde�, rief Kallen ihm ins Ged�chtnis. �Und wir wissen, dass sie weder �ber schwarze Magie noch �ber magische Edelsteine verf�gen.�</p><p>Als Balkan den Kopf sch�ttelte, wandte Osen sich dem Fenster zu und verdrehte die Augen. �Es sind nicht die Igreser, um die ich mir Sorgen mache�, sagte Balkan. �Das Minenfeuer, das der Dieb Cery benutzt hat, war anders als das gew�hnliche ��</p><p>�Wir werden dieses Gespr�ch ein andermal fortsetzen m�ssen�, erkl�rte Osen und wandte sich vom Fenster ab. �Wir sind da.�</p><p>Die Kutsche rollte aus, und die T�r wurde ge�ffnet. Osen stie� einen leisen Seufzer der Erleichterung aus, als Balkan ausstieg. Er, Kallen und Sonea folgten. Sie befanden sich in einem kleinen Innenhof innerhalb des Palastes, wo man Magier hinbrachte, wenn der K�nig die Verz�gerung einer formellen Begr��ung vermeiden wollte. Die andere Kutsche fuhr gerade ab, und die Magier, die darin gesessen hatten, waren bereits im Innern des Geb�udes verschwunden.</p><p>Ein Palastdiener f�hrte sie durch eine T�r und in eine kunstvoll eingerichtete Halle, dann geleitete er sie durch einen Flur zu einem Speisezimmer. Sonea hatte hier einige Male in der Vergangenheit gegessen, zusammen mit anderen H�heren Magiern, manchmal als Gast des K�nigs, manchmal, um wichtige fremdl�ndische Besucher zu treffen. Heute sa�en auf den St�hlen nur die H�heren Magier und vier der nicht magischen Ratgeber des K�nigs. Rothen l�chelte und nickte, als sie ihn am Ende des Tisches entdeckte. W�hrend sie, Osen, Balkan und Kallen die vier freien St�hle belegten, kam ein Mann in den Raum geschritten, und alle erhoben sich.</p><p>�Euer Majest�t�, begann Osen.</p><p>Der K�nig winkte ab. �Nehmt Platz. Ihr habt wichtige Entscheidungen zu treffen, und da ich wei�, wie schnell Magier Entscheidungen treffen, solltet Ihr besser unverz�glich anfangen.� Sonea unterdr�ckte angesichts seines trockenen Tonfalls ein L�cheln. Er ging ans Ende des Tisches und legte die H�nde flach auf die Oberfl�che.</p><p>�Gestern ist die neue sachakanische Botschafterin eingetroffen. Wie Ihr wisst, ist sie eine Schwarzmagierin � oder, wie sie es nennt, eine <emphasis>H�here</emphasis> Magierin. Wie Ihr ebenfalls wisst, macht der Umstand, dass sie kein Mitglied der Gilde ist, sie zu einer wilden Magierin. Also bedeutet ihre Anwesenheit hier, dass derzeit zwei unserer wichtigsten Gesetze bez�glich Magie gebrochen werden. Folglich schicke ich sie entweder nach Hause, oder wir �ndern unsere Gesetze.�</p><p>Er hielt inne, um in die Runde zu blicken, und sah jedem Magier nacheinander in die Augen.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, sie nach Hause zu schicken, also sollten wir besser unsere Gesetze �ndern. Das ist der Grund, warum Ihr hier seid. Ihr habt monatelang �ber dieses Thema gestritten, und es wird Zeit, dass Ihr zu einer Einigung kommt. Zusammen mit meinen Ratgebern werdet Ihr, bevor dieser Tag zu Ende ist, neue Gesetze verfassen, die es fremdl�ndischen, nicht der Gilde angeh�rigen Magiern gestatten, hier legal und mit effektiven, einhaltbaren Auflagen zu leben und Handel zu treiben. Diese Auflagen m�ssen sowohl die Verwendung von schwarzer Magie als auch den Besitz von magischen Edelsteinen regeln. Eure Vorg�nger hatten guten Grund, schwarze Magie zu f�rchten, aber wir brauchen eine bessere Methode der Kontrolle, als sie zu verbieten. Man hat mich darauf hingewiesen, dass durch die Edelsteine Magie auch in die H�nde von Nichtmagiern gelangt, und wir wollen nicht, dass sie von den Igresern h�ren und beschlie�en, die Verb�ndeten L�nder ihrer Magier zu entledigen. Obwohl ich denke, dass es unwahrscheinlich ist, dass jemand damit Erfolg haben w�rde, will ich mich nicht um einen B�rgerkrieg sorgen m�ssen. Wir brauchen irgendeine Art von Vorschrift zu den magischen Edelsteinen, und sei es nur, um zu verhindern, dass die Diebe sie in die H�nde bekommen. Der Aufstieg des wilden Magiers und Diebes Skellin sollte Euch eine Warnung sein: Wir m�ssen die Magie aus der Unterwelt fernhalten. Ich erwarte au�erdem, dass diese Gesetze einiges dazu beitragen, das Verhalten der Gildemagier zu verbessern. Die Korruption, die Feuel in den R�ngen der Gilde offenbart hat, macht klar, dass einige Magier nicht immun gegen Laster sind und dagegen, auf Kosten anderer Profite zu suchen. Es wird Zeit, dass ihre Exzesse und Aktivit�ten beschnitten werden.� Der K�nig richtete sich auf. �Ihr habt eine Menge zu diskutieren, daher werde ich Euch jetzt allein lassen. Bringt mir bis Mittag eine Zusammenfassung Eurer Fortschritte.� Er hielt inne, um einen letzten Blick in die Runde zu werfen, drehte sich dann um und schritt aus dem Raum.</p><p>Alle schwiegen und lauschten auf die verklingenden Schritte des K�nigs, dann r�usperte sich Osen und sah die Ratgeber an.</p><p>�Falls es akzeptabel ist, werde ich die Diskussionen leiten.�</p><p>Die Ratgeber nickten. Als Osen zu sprechen begann, versp�rte Sonea eine unerwartete Traurigkeit. <emphasis>Und so ver�ndert sich von neuem alles. Genau wie nach der Invasion der Ichani, als wir wussten, dass wir schwarze Magie als unsere einzige Form der Verteidigung akzeptieren und die Gilde wiederaufbauen mussten, indem wir Novizen aus den unteren Klassen aufnahmen. Es gab so viele unvorhersehbare Konsequenzen, wie die Diebe, die miteinander k�mpften, und die Stadt, die die H�ttenviertel �bernahm. Wir k�nnen versuchen, Gesetze zu schaffen, die die Ver�nderungen kontrollieren, die die magischen Edelsteine und das B�ndnis mit Sachaka mit sich bringen, aber sie werden Konsequenzen haben, die wir nicht voraussehen.</emphasis></p><p>Sie konnten es nur versuchen. Und, was sie betraf, versuchen sicherzustellen, dass Lorkin, wenn er nach Kyralia zur�ckkehrte, und sei es auch nur f�r einen Besuch � und das galt auch f�r die Familie, die er irgendwann haben w�rde �, sicher und willkommen sein w�rde.</p></section><section><title><p>Danksagung</p></title><p>Diese Fortsetzungstrilogie zu schreiben war harte Arbeit von der erfreulichsten Art. Und deshalb wei� ich die Arbeit so sehr zu sch�tzen, die von so vielen hinter den Kulissen getan wird, und die Unterst�tzung durch wunderbare Buchh�ndler und Leser, die sich auf meine B�cher st�rzen, sobald diese das Licht der Welt erblickt haben.</p><p>Mein Dank gilt Anne Clarke und dem Team von Orbit; Fran, meiner Agentin, und ihrer wundervollen Assistentin Liz; meinen Probelesern Paul, Donna und Nicole. Ihr alle hattet euren Anteil daran, dieses Buch so gut werden zu lassen, wie es ging.</p><p>Ein dickes Extra-Dankesch�n geht an Fran f�r die Koordination und Organisation meiner gro�en Europatour, und desgleichen an Rose bei Orbit und Berit bei der Verlagsgruppe Random House; an die Mitarbeiter aller Buchl�den, die mir Lesungen und Autogrammstunden erm�glicht haben � ich w�nschte, ich h�tte hier den Platz, euch alle namentlich zu nennen; an meinen gro�artigen polnischen Verlag, Galeria Ksi��ki, der mich in Warschau zwei Tage lang wie eine k�nigliche Hoheit behandelt hat; an das fabelhafte Festival Imaginales in Frankreich; und an das phantastische Team, das f�r die deutschen Autorenn�chte von der Verlagsgruppe Random House zusammengebracht worden ist.</p><p>Am meisten aber danke ich meinen Lesern: ein Extra-Dank an alle, die gekommen sind, um mich bei meiner Europatour zu treffen oder in einer Autogrammstunde irgendwo anders auf der Welt. Es ist immer wieder ein wunderbares Erlebnis, mit euch zusammenzukommen. Ich hoffe auch, dass meinen Lesern dieses Wiedereintauchen in die Welt der Gilde der Schwarzmagier ebenso viel Spa� gemacht hat wie mir selbst und dass sie mich bei meinem n�chsten phantastischen Ausflug wiederum begleiten werden.</p></section></body><binary id="cover" 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