<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Trudi</first-name><last-name>Canavan</last-name></author><book-title>Die H�terin</book-title><date>2010</date><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><translator><first-name>Michaela</first-name><last-name>Link</last-name></translator><sequence name="Sonea" number="1"/></title-info><src-title-info><genre>sf_fantasy</genre><author><first-name>Trudi</first-name><last-name>Canavan</last-name></author><book-title>The Ambassador's Mission</book-title><date>2010</date><lang>en</lang></src-title-info><document-info><author><nickname>N/A</nickname></author><date value="2015-06-29">8.6.2015</date><src-ocr>TUX</src-ocr><id>f32aad43-9de0-43c7-ad9d-0eceeb73a07c</id><version>1.0</version><program-used>fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used></document-info><publish-info><year>2010</year><isbn>3764530413</isbn></publish-info></description><body><title><p>Trudi Canavan</p><p>Die H�terin</p></title><section><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><title><p>Erster Teil</p></title><section><title><p>1</p><p>Das Alte und das Neue</p></title><p>Das erfolgreichste und meistzitierte St�ck des Dichters Rewin, der gr��te Redefluss, der aus der Neuen Stadt hervorgegangen war, hie� <emphasis>Stadtlied.</emphasis> Es fing ein, was man des Nachts in Imardin h�rte, wenn man sich die Zeit nahm, innezuhalten und zu lauschen: eine nie endende, ged�mpfte und ferne Mischung von Ger�uschen. Stimmen. Gesang. Ein Lachen. Ein St�hnen. Ein �chzen. Ein Schrei.</p><p>In der Dunkelheit von Imardins Neuem S�dquartier erinnerte sich ein Mann des Gedichts. Er hielt inne, um zu lauschen, aber statt das Lied der Stadt in sich aufzunehmen, konzentrierte er sich auf ein einziges misst�nendes Echo. Ein Ger�usch, das nicht hierhergeh�rte. Ein Ger�usch, das sich nicht wiederholte. Er schnaubte leise und setzte seinen Weg fort.</p><p>Einige Schritte sp�ter trat vor ihm eine Gestalt aus der Dunkelheit. Die Gestalt war m�nnlich und ragte drohend �ber ihm auf. Licht fing sich auf der Schneide einer Klinge.</p><p>�Dein Geld�, sagte eine grobe Stimme, hart vor Entschlossenheit.</p><p>Der Mann erwiderte nichts und verharrte reglos. Vielleicht war er vor Entsetzen erstarrt. Vielleicht war er tief in Gedanken versunken.</p><p>Als er sich dann doch bewegte, geschah es mit unheimlicher Geschwindigkeit. Ein Klicken, ein Rascheln des �rmels, und der R�uber keuchte auf und sank auf die Knie. Ein Messer fiel klappernd zu Boden. Der Mann klopfte ihm auf die Schulter.</p><p>�Tut mir leid. Falsche Nacht, falsches Opfer, und ich habe keine Zeit zu erkl�ren, warum.�</p><p>Als der R�uber mit dem Gesicht nach unten auf das Pflaster fiel, stieg der Mann �ber ihn hinweg und ging weiter. Dann blieb er stehen und blickte �ber die Schulter, auf die andere Seite der Stra�e.</p><p>�He! Gol. Du sollst doch angeblich mein Leibw�chter sein.�</p><p>Aus der Dunkelheit tauchte eine weitere gro�e Gestalt auf und eilte an die Seite des Mannes.</p><p>�Ich sch�tze, du brauchst eigentlich keinen, Cery. Ich werde langsam auf meine alten Tage. Ich sollte <emphasis>dich</emphasis> daf�r bezahlen, <emphasis>mich</emphasis> zu besch�tzen.�</p><p>Cery runzelte die Stirn. �Deine Augen und Ohren sind immer noch scharf, nicht wahr?�</p><p>Gol zuckte zusammen. �So scharf wie deine�, erwiderte er m�rrisch.</p><p>�Nur allzu wahr.� Cery seufzte. �Ich sollte in den Ruhestand gehen. Aber Diebe bekommen keine Gelegenheit, das zu tun.�</p><p>�Au�er indem sie aufh�ren, Diebe zu sein.� �Au�er indem sie zu Leichen werden�, korrigierte ihn Cery.</p><p>�Aber du bist kein gew�hnlicher Dieb. Ich sch�tze, f�r dich gelten andere Regeln. Du hast nicht auf die �bliche Art angefangen, warum solltest du also auf die �bliche Art aufh�ren?�</p><p>�Ich w�nschte, alle anderen w�ren der gleichen Meinung.�</p><p>�Das w�nschte ich auch. Die Stadt w�re ein besserer Ort.�</p><p>�Wenn alle <emphasis>deiner</emphasis> Meinung w�ren? Ha!� �F�r mich w�re es besser.�</p><p>Cery lachte leise und setzte seinen Weg fort. Gol folgte in kurzem Abstand. <emphasis>Er verbirgt seine Furcht gut,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Hat es immer getan. Aber er muss denken, dass wir beide diese Nacht vielleicht nicht �berstehen. Zu viele von den anderen sind bereits gestorben.</emphasis></p><p>Mehr als die H�lfte der Diebe�� der Anf�hrer der kriminellen Gruppen in Imardins Unterwelt�� war w�hrend der letzten Jahre umgekommen. Jeder auf eine andere Weise und die meisten durch unnat�rliche Ursachen. Erstochen, vergiftet, von einem hohen Geb�ude gesto�en, in einem Feuer verbrannt, ertrunken oder in einem eingest�rzten Tunnel zerquetscht. Einige sagten, eine einzelne Person sei daf�r verantwortlich, ein Freisch�rler, den man den J�ger der Diebe nannte. Andere glaubten, es seien die Diebe selbst, die alte Zwistigkeiten regelten.</p><p>Gol sagte, die Wetter setzten ihr Geld nicht darauf, <emphasis>wer</emphasis> als N�chster das Zeitliche segnen w�rde, sondern <emphasis>wie.</emphasis></p><p>Nat�rlich hatten j�ngere Diebe den Platz der alten eingenommen, manchmal friedlich, manchmal nach einem schnellen, blutigen Kampf. Das war zu erwarten. Aber selbst diese k�hnen Neulinge waren nicht immun gegen den J�ger. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie das n�chste Opfer wurden, war genauso gro� wie bei einem �lteren Dieb.</p><p>Es gab keine offenkundigen Verbindungen zwischen den Morden. Obwohl unter den Dieben jede Menge Streitigkeiten herrschten, konnte keine davon der Grund f�r so viele Morde sein. Und w�hrend Anschl�ge auf das Leben von Dieben nicht gar so ungew�hnlich waren�� das war etwas, womit jeder Dieb rechnen musste��, war der Erfolg dieser Anschl�ge sehr wohl ungew�hnlich. Und dass der M�rder oder die M�rder weder damit geprahlt hatten noch dabei gesehen worden waren.</p><p><emphasis>In der Vergangenheit h�tten wir eine Zusammenkunft abgehalten. Strategien er�rtert. Zusammengearbeitet. Aber es ist lange her, seit die Diebe Hand in Hand gearbeitet haben, und wir w�ssten heutzutage vermutlich gar nicht mehr, wie wir das anstellen sollten.</emphasis></p><p>Er hatte die Ver�nderung in den Tagen nach dem Sieg �ber die Ichani kommen sehen, aber nicht, wie schnell es gehen w�rde. Sobald die S�uberung�� der allj�hrliche erzwungene Exodus der Obdachlosen aus der Stadt in die Elendsviertel�� geendet hatte, waren die Elendsviertel zu einem Teil der Stadt erkl�rt worden, und die alten Grenzen waren seither Geschichte. B�ndnisse zwischen Dieben erloschen, und neue Rivalit�ten flammten auf. Diebe, die w�hrend der Invasion zusammengearbeitet hatten, um die Stadt zu retten, wandten sich gegeneinander, um ihre Territorien zu behaupten oder auszudehnen, um sich wiederzuholen, was sie an andere verloren hatten, und um neue Gelegenheiten auszunutzen.</p><p>Cery ging an vier jungen M�nnern vorbei, die an einer Mauer lehnten, wo die Gasse auf eine breitere Stra�e stie�. Sie musterten ihn, und ihr Blick fiel auf das kleine Medaillon, das an Cerys Mantel steckte und ihn als einen Mann der Diebe auswies. Alle drei nickten respektvoll. Cery nickte knapp zur�ck, dann blieb er am Ende der Gasse stehen und wartete, bis Gol an den M�nnern vorbei war und zu ihm aufschloss. Der Leibw�chter war vor Jahren zu dem Schluss gekommen, dass er m�gliche Gefahren besser ausmachen konnte, wenn er nicht direkt neben Cery herging�� und mit den meisten brenzligen Situationen wurde Cery sehr gut selbst fertig.</p><p>Quer �ber den Eingang der Gasse war eine rote Linie gemalt; bei ihrem Anblick l�chelte Cery erheitert. Nachdem der K�nig die H�ttenviertel zu einem Teil der Stadt erkl�rt hatte, hatte er mit wechselndem Erfolg versucht, die Kontrolle dar�ber zu erlangen. Verbesserte Bedingungen in einigen Gegenden f�hrten zu erh�hten Mieten, was ebenso wie der Abriss unsicherer H�user die Armen in noch �rmlichere Stadtteile zwang. Sie setzten sich dort fest und machten sich diese Orte zu eigen, und wie in die Enge getriebene Tiere verteidigten sie sie mit grimmiger Entschlossenheit und gaben ihren Nachbarschaften Namen wie Finstergassen und Wohnfeste. Es gab inzwischen Grenzen, einige markiert, andere nur nach Namen und ungef�hrer Lage, die kein Stadtw�chter zu �bertreten wagte, es sei denn, er befand sich in Gesellschaft mehrerer Kollegen�� und selbst dann mussten sie mit einem Kampf rechnen. Einzig die Anwesenheit eines Magiers war eine wirkliche Garantie f�r ihre Sicherheit.</p><p>Als sein Leibw�chter zu ihm aufschloss, wandte Cery sich ab, und sie �berquerten gemeinsam die breitere Stra�e. Eine Kutsche rollte vorbei, beleuchtet von zwei hin und her schwingenden Laternen. Die allgegenw�rtigen Wachsoldaten der Stadt schlenderten paarweise mit Laternen umher, niemals au�er Sichtweite anderer Wachen vor oder hinter ihnen.</p><p>Dies war eine neue Durchgangsstra�e, die den gef�hrlichen Stadtteil Wildwegen querte. Cery hatte sich zuerst gefragt, warum der K�nig sich M�he gemacht hatte, diese Stra�e bauen zu lassen. Jeder, der allein unterwegs war, lief Gefahr, von den Bewohnern links oder rechts der Stra�e �berfallen zu werden und dabei wahrscheinlich ein Messer in den Leib gerammt zu bekommen. Aber andererseits war die Stra�e breit und bot R�ubern wenig Deckung, und die Tunnel darunter, einst ein Teil des Untergrundnetzwerkes, das allenthalben die Stra�e der Diebe genannt wurde, waren w�hrend des Baus verf�llt und versch�ttet worden. Manche der alten, von viel zu vielen Menschen bewohnten Geb�ude zu beiden Seiten waren abgerissen und durch gro�e, sichere H�user ersetzt worden, die sich im Besitz von Kaufleuten befanden.</p><p>Die neue Stra�e hatte wichtige Verbindungen des alten Wildwegen zerschnitten. Es w�rden sicherlich bereits Anstrengungen unternommen, neue Tunnel zu bauen�� davon war Cery �berzeugt��, aber das w�rde seine Zeit dauern, und da fast die H�lfte der ehemals ans�ssigen Bev�lkerung zum Wegzug gezwungen worden war, schien sich der Charakter des Viertels bereits unwiderruflich ge�ndert zu haben.</p><p>Cery f�hlte sich im Freien wie immer unbehaglich. Und nach der Begegnung mit dem R�uber war seine Unruhe noch gewachsen.</p><p>�Denkst du, er ist ausgeschickt worden, um mich zu pr�fen?�, fragte er Gol.</p><p>Gol antwortete nicht sofort, und sein langes Schweigen sagte Cery, dass er gr�ndlich �ber die Frage nachdachte.</p><p>�Ich bezweifle es. H�chstwahrscheinlich hatte er lediglich fatales Pech.�</p><p>Cery nickte. <emphasis>Ich bin seiner Meinung, aber die Zeiten haben sich ver�ndert. Die Stadt hat sich ver�ndert. Manchmal ist es so, als lebe man in einem fremden Land. Oder so, wie ich mir das Leben in einer anderen Stadt vorstelle, da ich Imardin niemals verlassen habe. Unvertraut. Andere Regeln. Gefahren, wo man sie nicht erwartet. Man kann gar nicht genug aufpassen. Und ich stehe schlie�lich vor der Begegnung mit dem meistgef�rchteten Dieb in Imardin.</emphasis></p><p>�Ihr da�, erklang eine laute Stimme. Zwei Wachsoldaten kamen auf sie zu; einer von ihnen hielt seine Laterne hoch. Cery berechnete die Entfernung zur anderen Stra�enseite, dann seufzte er und blieb stehen.</p><p>�Ich?�, fragte er und wandte sich den Wachsoldaten zu. Gol sagte nichts.</p><p>Der gr��ere der beiden M�nner blieb einen Schritt hinter seinem untersetzten Gef�hrten stehen. Er antwortete nicht, sondern schaute einige Male zwischen Gol und Cery hin und her, bis sein Blick schlie�lich auf Cery ruhen blieb.</p><p>�Nennt eure Adresse und eure Namen�, befahl er.</p><p>�Cery von der Flussstra�e, Nordseite�, antwortete Cery.</p><p>�Ihr beide?�</p><p>�Ja. Gol ist mein Diener. Und Leibw�chter.�</p><p>Der Wachmann nickte und w�rdigte Gol kaum eines Blickes. �Euer Ziel?�</p><p>�Eine Besprechung mit dem K�nig.�</p><p>Der stillere Wachsoldat sog scharf den Atem ein, was ihm einen Blick von seinem Vorgesetzten eintrug. Cery beobachtete die M�nner, und es erheiterte ihn, dass beide�� erfolglos�� versuchten, ihr Entsetzen und ihre Furcht zu verbergen. Man hatte ihm aufgetragen, ihnen diese Information zu geben, und obwohl es eine geradezu l�cherliche Behauptung war, machte der Wachmann den Anschein, als glaube er ihm. Oder�� was wahrscheinlicher war�� er verstand, dass es sich um eine verschl�sselte Nachricht handelte.</p><p>Der gr��ere Wachmann straffte die Schultern. �Dann setzt euren Weg fort. Und� gebt auf euch acht.�</p><p>Cery drehte sich um und ging, dicht gefolgt von Gol, �ber die Stra�e. Er fragte sich, ob die Nachricht ihnen verraten hatte, mit wem genau Cery sich traf, oder ob sie nur wussten, dass jemand, der diese Worte sagte, nicht aufgehalten werden durfte.</p><p>So oder so, er bezweifelte, dass er und Gol zuf�llig auf eine korrupte Wache gesto�en waren. Es hatte schon immer Wachsoldaten gegeben, die bereit waren, mit den Dieben zusammenzuarbeiten, aber der Hang zur Korruption hatte zugenommen und war allgegenw�rtiger denn je. Es gab noch ehrliche, anst�ndige M�nner in der Wache, die danach trachteten, schwarze Schafe in ihren Reihen blo�zustellen und zu bestrafen, aber sie standen in einer Schlacht, die eigentlich schon seit einiger Zeit verloren war.</p><p><emphasis>Alle sind mit der einen oder anderen Form von internen Streitigkeiten besch�ftigt. Die Wache k�mpft gegen die Korruption in ihren Reihen, die H�user liegen untereinander in Fehde, die reichen und armen Novizen und Magier in der Gilde hacken aufeinander herum, die Verb�ndeten L�nder k�nnen sich in der Sachaka-Frage nicht einigen, und die Diebe liegen miteinander im Krieg. Faren h�tte das alles sehr unterhaltsam gefunden.</emphasis></p><p>Aber Faren war tot. Im Gegensatz zu den �brigen Dieben war er im Winter vor f�nf Jahren an einer vollkommen normalen Lungenentz�ndung gestorben. Cery hatte zuvor schon jahrelang nicht mit ihm gesprochen. Der Mann, den Faren zu seinem Nachfolger ausgebildet hatte, hatte die Z�gel seines kriminellen Reiches ohne Wettbewerb oder Blutvergie�en �bernommen. Der Mann, der sich Skellin nannte.</p><p>Der Mann, mit dem Cery sich heute Nacht treffen w�rde.</p><p>W�hrend Cery durch den kleineren der beiden noch erhaltenen Teile von Wildwegen ging und dabei die Rufe von Huren und Buchmacherjungen ignorierte, �berdachte er, was er �ber Skellin wusste. Faren hatte die Mutter seines Nachfolgers bei sich aufgenommen, als Skellin noch ein Kind gewesen war, aber ob die Frau Farens Geliebte oder seine Ehefrau gewesen war oder ob sie nur f�r ihn gearbeitet hatte, war unbekannt. Der alte Dieb hatte die beiden abgeschirmt und geheim gehalten, wie die meisten Diebe es mit Menschen, die sie liebten, tun mussten. Skellin hatte sich als ein talentierter Mann erwiesen. Er hatte viele Unternehmen der Unterwelt �bernommen und etliche selbst ins Leben gerufen, und dabei hatte es nur wenige Fehlschl�ge gegeben. Er stand in dem Ruf, gerissen und kompromisslos zu sein. Cery glaubte nicht, dass Faren Skellins absolute Skrupellosigkeit gebilligt h�tte. Doch die Geschichten waren wahrscheinlich im Laufe der Zeit ausgeschm�ckt worden, so dass man nicht beurteilen konnte, wie verdient der Ruf des Mannes war.</p><p>Cery kannte kein Tier, das als �Skellin� bezeichnet wurde. Farens Nachfolger war der erste neue Dieb gewesen, der mit der Tradition, Tiernamen zu benutzen, gebrochen hatte. Es bedeutete nat�rlich nicht, dass �Skellin� zwangsl�ufig sein richtiger Name war. Jene, die das glaubten, hielten es f�r mutig von ihm, seinen Namen zu enth�llen. Jene, die es nicht glaubten, scherten sich nicht darum.</p><p>Sie bogen in eine andere Stra�e ein und gelangten in einen sauberen Teil des Bezirks. Sauber jedoch nur dem Anschein nach. Hinter den T�ren dieser respektabel aussehenden H�user lebten lediglich wohlhabendere Huren, Hehler und Auftragsm�rder. Die Diebe hatten in Erfahrung gebracht, dass die�� zu d�nn besetzte�� Wache nicht so genau hinsah, wenn nur der �u�ere Anschein respektabel war. Und im Zweifelsfall konnten auch ein paar kleine Spenden f�r die bevorzugten Wohlt�tigkeitsprojekte in der Stadt dem guten Ruf sehr f�rderlich sein.</p><p>Wie zum Beispiel die Hospit�ler, die Sonea leitete, immer noch eine Heldin der Armen, obwohl die Reichen nur von Akkarins Bem�hungen und Opfern w�hrend der Ichani-Invasion sprachen. Cery fragte sich h�ufig, ob sie ahnte, wie viel von dem Geld, das ihrer Sache gespendet wurde, aus korrupten Quellen kam. Und wenn sie es ahnte, k�mmerte es sie?</p><p>Er und Gol verlangsamten ihr Tempo, als sie die Kreuzung erreichten, die Cery als Treffpunkt genannt worden war. Dort bot sich ihnen ein seltsamer Anblick.</p><p>Wo einst ein Haus gestanden hatte, f�llte ein gr�ner, mit bunten Farben gesprenkelter Grasteppich die L�cke in der Bebauung. Zwischen den alten Grundfesten und eingest�rzten Mauern wuchsen Pflanzen aller Gr��en. Und alle wurden von Hunderten von Lampen beleuchtet. Das �Sonnenhaus� war w�hrend der Ichani-Invasion zerst�rt worden, und der Besitzer hatte es sich nicht leisten k�nnen, es wieder aufzubauen. Er hatte sich im Keller der Ruine eingerichtet und seine Tage damit verbracht, seinen geliebten Garten dazu zu ermutigen, das Anwesen in Besitz zu nehmen�� und die Einheimischen, ihn zu besuchen und sich daran zu erfreuen.</p><p>Es war ein seltsamer Treffpunkt f�r Diebe, aber Cery sah durchaus seine Vorteile. Das Grundst�ck war relativ offen�� niemand konnte sich unbemerkt n�hern oder lauschen�� und doch �ffentlich genug, dass jeder Kampf oder �berfall beobachtet werden w�rde, was hoffentlich Verrat und Gewalt vorbeugte.</p><p>Die Anweisungen hatten besagt, dass er neben der Statue warten solle. Als Cery und Gol den Garten betraten, sahen sie in der Mitte der Ruine eine steinerne Gestalt auf einem Sockel. Die Statue war aus schwarzem, mit grauen und wei�en Adern durchzogenem Stein. Sie zeigte einen mit einem Umhang bekleideten Mann, der nach Osten gewandt war, dabei aber nach Norden blickte. Als er n�her kam, stellte Cery fest, dass die Gestalt etwas Vertrautes hatte.</p><p>Es <emphasis>soll Akkarin sein,</emphasis> erkannte er mit einem leichten Schock. <emphasis>Er hat sich der Gilde zugewandt, blickt aber nach Sachaka.</emphasis> Er trat n�her heran und betrachtete die Z�ge der Statur. <emphasis>Aber es ist kein gutes Abbild.</emphasis></p><p>Gol stie� ein leises, warnendes Ger�usch aus, und Cery konzentrierte sich sofort wieder auf seine Umgebung. Ein Mann kam auf sie zu, und ein anderer folgte ihm mit einigen Schritten Abstand.</p><p><emphasis>Ist das Skellin? Er sieht definitiv fremdl�ndisch aus.</emphasis> Aber dieser Mann stammte von keiner Rasse ab, der Cery bisher begegnet war. Sein Gesicht war lang und schmal mit hohen Wangenknochen und spitzem Kinn. Dies lie� den stark geschwungenen Mund zu gro� f�r sein Gesicht wirken. Aber seine Augen und seine dichten Brauen passten gut zueinander�� fast h�tte man sie als sch�n bezeichnen k�nnen. Seine Haut war dunkler als die der Bewohner Elynes oder Sachakas, aber nicht bl�ulich schwarz wie die der Leute aus Lonmar, sondern leicht r�tlich get�nt. Und das dunkle Rot seines Haares w�rde man bei anderen Bewohnern dieser drei L�nder lange suchen.</p><p><emphasis>Er sieht aus, als sei er in ein Fass mit Farbe gefallen, die noch nicht ganz herausgewaschen ist,</emphasis> ging es Cery durch den Kopf. <emphasis>Ich w�rde sagen, er ist etwa f�nfundzwanzig.</emphasis></p><p>�Willkommen bei mir zu Hause, Cery von der Nordseite�, sagte der Mann, in dessen Stimme kein Anflug eines fremdl�ndischen Akzents lag. �Ich bin Skellin. Skellin, der Dieb, oder Skellin, der Schmutzige Ausl�nder, je nachdem, mit wem du redest und wie berauscht der Betreffende ist.�</p><p>Cery war sich nicht sicher, wie er darauf reagieren sollte. �Wie soll ich dich nennen?�</p><p>Skellins L�cheln wurde breiter. �Skellin gen�gt. Ich habe nichts �brig f�r fantastische Titel.� Sein Blick wanderte zu Gol hin�ber.</p><p>�Mein Leibw�chter�, erkl�rte Cery.</p><p>Skellin nickte Gol einmal knapp zu, dann wandte er sich wieder an Cery. �K�nnen wir unter vier Augen reden?�</p><p>�Nat�rlich�, antwortete Cery. Er nickte Gol zu, der sich au�er H�rweite begab. Auch Skellins Mann zog sich zur�ck.</p><p>Der andere Dieb ging zu einer der niedrigen Mauern der Ruine und setzte sich. �Es ist eine Schande, dass die Diebe dieser Stadt sich nicht mehr treffen und zusammenarbeiten�, begann er. �Wie in alten Tagen.� Er sah Cery an. �Du kennst die alten Traditionen und bist fr�her einmal den alten Regeln gefolgt. Vermisst du sie?�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Ver�nderungen passieren st�ndig. Man verliert etwas und gewinnt etwas anderes.�</p><p>Skellin zog eine seiner elegant geschwungenen Augenbrauen hoch. �Wiegen die Gewinne schwerer als die Verluste?�</p><p>�F�r manche mehr als f�r andere. Ich habe nicht viel von der Spaltung profitiert, aber ich habe immer noch einige �bereink�nfte mit anderen Dieben.�</p><p>�Das ist gut zu h�ren. Denkst du, es besteht eine Chance, dass wir zu einer �bereinkunft kommen k�nnten?�</p><p>�Eine Chance besteht immer.� Cery l�chelte. �Es h�ngt davon ab, worin wir deiner Meinung nach �bereinkommen sollen.�</p><p>Skellin nickte. �Nat�rlich.� Er hielt inne, und seine Miene wurde ernst. �Es gibt zwei Angebote, die ich dir gern machen w�rde. Das erste ist eins, das ich bereits einigen anderen Dieben unterbreitet habe, und sie waren alle damit einverstanden.�</p><p>Ein Prickeln �berlief Cery. <emphasis>Alle? Aber andererseits sagt er auch nicht, wie viele �einige� sind.</emphasis></p><p>�Du hast von dem J�ger geh�rt?�, fragte Skellin.</p><p>�Wer hat nicht von ihm geh�rt?�</p><p>�Ich glaube, dass es ihn tats�chlich gibt.�</p><p>�Eine einzige Person hat all diese Diebe get�tet?� Cery zog die Augenbrauen hoch; er machte sich nicht die M�he, seine Ungl�ubigkeit zu verbergen.</p><p>�Ja�, sagte Skellin entschieden und hielt Cerys Blick stand. �Wenn du dich umh�rst�� die Leute fragst, die etwas gesehen haben��, weisen die Morde �hnlichkeiten auf.�</p><p><emphasis>Ich werde Gol der Sache noch einmal nachgehen lassen m�ssen,</emphasis> �berlegte Cery. Dann kam ihm ein Gedanke. <emphasis>Ich hoffe, Skellin glaubt nicht, dass ich diesen J�ger der Diebe f�r ihn finden kann, nur weil ich dem Hohen Lord Akkarin bei der Suche nach den sachakanischen Spionen geholfen habe.</emphasis></p><p>�Also� was willst du seinetwegen unternehmen?�</p><p>�Ich h�tte gern dein Wort, dass du mir davon berichtest, falls du etwas �ber den J�ger h�ren solltest. Ich habe mir sagen lassen, dass viele Diebe nicht miteinander reden, daher biete ich mich stattdessen selbst als Empf�nger f�r Informationen �ber den J�ger an. Wenn alle zusammenarbeiten, werde ich ihn euch vielleicht vom Hals schaffen k�nnen. Oder ich werde zumindest in der Lage sein, diejenigen zu warnen, die angegriffen werden sollen.�</p><p>Cery l�chelte. �Letzteres ist eine Spur optimistisch.�</p><p>Skellin zuckte die Achseln. �Ja, es besteht immer die Chance, dass ein Dieb eine Warnung nicht weitergibt, wenn er wei�, dass der J�ger einen Rivalen t�ten wird. Aber vergiss nicht, dass jeder get�tete Dieb eine Informationsquelle weniger bedeutet, die uns helfen k�nnte, uns des J�gers zu entledigen und unsere eigene Sicherheit zu gew�hrleisten.�</p><p>�Sie w�rden schnell genug durch andere ersetzt werden.�</p><p>Skellin runzelte die Stirn. �Von jemandem, der vielleicht nicht so viel wei� wie sein Vorg�nger.�</p><p>�Kein Sorge.� Cery l�chelte. �Im Augenblick gibt es niemanden, den ich genug hasse, um das zu tun.�</p><p>Der andere Mann l�chelte ebenfalls. �Also sind wir uns einig?�</p><p>Cery dachte nach. Obwohl ihn die Art von Gewerbe, die Skellin betrieb, nicht gefiel, w�re es dumm gewesen, dieses Angebot abzulehnen. Die einzigen Informationen, die der Mann wollte, bezogen sich auf den J�ger der Diebe, auf nichts sonst. Und er bat nicht um einen Pakt oder ein Versprechen�� wenn Cery au�erstande war, Informationen weiterzugeben, weil sie seine Sicherheit oder sein Gesch�ft gef�hrdeten, konnte niemand behaupten, er habe sein Wort gebrochen.</p><p>�Ja�, antwortete er.</p><p>�Dann haben wir schon eine �bereinkunft erzielt�, sagte Skellin l�chelnd. �Jetzt lass uns sehen, ob wir nicht zwei daraus machen k�nnen.� Er rieb sich die H�nde. �Du wei�t sicher, welches das wichtigste Produkt ist, das ich importiere und verkaufe.�</p><p>Cery machte sich nicht die M�he, seinen Abscheu zu verbergen, und nickte. �Feuel oder �F�ule�, wie manche es nennen. Nichts, woran ich Interesse h�tte. Und wie ich h�re, hast du das Gesch�ft fest in der Hand.�</p><p>Skellin nickte. �Allerdings. Als Faren starb, hinterlie� er mir ein schrumpfendes Territorium. Ich brauchte eine M�glichkeit, mir Geltung zu verschaffen und meine Macht zu st�rken. Ich habe es mit verschiedenen Gewerben versucht. Die Beschaffung von Feuel war neu und unerprobt. Es hat mich erstaunt, wie schnell die Kyralier sich daf�r erw�rmt haben. Es hat sich als sehr profitabel erwiesen, und nicht nur f�r mich. Die H�user beziehen ein h�bsches kleines Einkommen aus der Miete f�r die Gl�hh�user.� Skellin hielt inne. �Du k�nntest ebenfalls Gewinn aus dieser kleinen Industrie ziehen, Cery von der Nordseite.�</p><p>�Nenn mich einfach Cery.� Cery l�chelte, dann lie� er seine Miene wieder ernst werden. �Ich f�hle mich geschmeichelt, aber die Nordseite ist die Heimat von Menschen, die gr��tenteils zu arm sind, um Feuel bezahlen zu k�nnen. Es ist eine Gewohnheit f�r die Reichen.�</p><p>�Aber die Nordseite wird immer wohlhabender, dank deiner Bem�hungen, und Feuel wird billiger, je mehr davon auf den Markt kommt.�</p><p>Cery verkniff sich ein zynisches L�cheln angesichts der Schmeichelei. �Aber noch nicht billig genug. Der Handel w�rde aufh�ren zu wachsen, wenn man zu viel Feuel zu schnell ins Land br�chte.� <emphasis>Und ich k�me zurecht, auch wenn wir �berhaupt keine F�ule h�tten.</emphasis> Er hatte gesehen, was Feuel mit M�nnern und Frauen machte, die sich ihm hingaben�� sie verga�en, zu essen oder zu trinken, verga�en, ihre Kinder zu f�ttern, es sei denn, um ihnen etwas von der Droge zu geben, damit sie aufh�rten, �ber Hunger zu klagen. <emphasis>Aber ich bin nicht t�richt genug zu denken, ich k�nnte es f�r immer von der Nordseite fernhalten. Wenn ich es nicht beschaffe, wird jemand anders es machen. Ich werde einen Weg finden m�ssen, um es zu tun, ohne allzu gro�en Schaden anzurichten.</emphasis> �Es wird einen richtigen Zeitpunkt geben, um Feuel auf die Nordseite zu bringen�, sagte Cery. �Und wenn dieser Zeitpunkt kommt, werde ich wissen, an wen ich mich wenden muss.�</p><p>�Warte nicht zu lange damit, Cery�, warnte Skellin. �Feuel ist beliebt, weil es neu und modisch ist, aber schlie�lich wird es so sein wie Bol�� einfach eine weitere Last der Stadt, angebaut und zubereitet von jedem. Ich hoffe, dass ich bis dahin neue Gewerbe aufgebaut habe, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen.� Er hielt inne und wandte den Blick ab. �Eins der alten, ehrenwerten Diebesgewerbe. Oder vielleicht sogar etwas Gesetzliches.�</p><p>Er drehte sich wieder um und l�chelte, aber in seinen Z�gen lag ein Anflug von Traurigkeit und Unzufriedenheit. <emphasis>Vielleicht steckt in dieser Haut ein ehrlicher Kerl,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Wenn er nicht erwartet hat, dass Feuel sich so schnell ausbreitet, hat er vielleicht auch nicht erwartet, dass es so gro�e Sch�den anrichten lo�rde� Aber das wird mich nicht dazu bewegen, selbst in das Gewerbe einzusteigen.</emphasis></p><p>Skellins L�cheln verblasste, und an seine Stelle trat ein ernstes Stirnrunzeln. �Es gibt Leute, die gern deinen Platz einnehmen w�rden, Cery. Feuel k�nnte deine beste Verteidigung gegen sie sein, wie es das auch f�r mich war.�</p><p>�Es gibt immer Leute, die mich von meinem Platz vertreiben wollen�, erwiderte Cery. �Ich werde gehen, wenn ich so weit bin.�</p><p>Der andere Dieb wirkte erheitert. �Du glaubst wirklich, dass du die Zeit und den Ort wirst w�hlen k�nnen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Und deinen Nachfolger?� �Ja.�</p><p>Skellin lachte leise. �Mir gef�llt dein Selbstbewusstsein. Faren war sich seiner selbst ebenfalls sicher. Er hatte zumindest zur H�lfte recht: Er konnte seinen Nachfolger w�hlen.�</p><p>�Er war ein kluger Mann.�</p><p>�Er hat mir viel von dir erz�hlt.� Ein neugieriger Ausdruck trat in Skellins Augen. �Dass du nicht auf die gewohnte Weise zum Dieb geworden bist. Dass der ber�chtigte Hohe Lord Akkarin es arrangiert hat.�</p><p>Cery widerstand dem Drang, zu der Statue hin�berzusehen. �Alle Diebe gewinnen Macht durch m�chtigen Leuten erwiesene Gef�lligkeiten. Ich habe zuf�llig mit einem sehr m�chtigen Mann Gef�lligkeiten ausgetauscht.�</p><p>Skellin zog die Augenbrauen hoch. �Hat er dich jemals Magie gelehrt?�</p><p>Cery lachte auf. �Sch�n w�r�s!�</p><p>�Aber du bist mit einer Magierin aufgewachsen und hast deine Position mithilfe des ehemaligen Hohen Lords errungen. Gewiss hast du etwas aufgeschnappt.�</p><p>�So funktioniert Magie nicht�, erkl�rte Cery. <emphasis>Aber das wei� er gewiss.</emphasis> �Man braucht die Gabe dazu und einen Lehrer, der einem beibringt, sie zu kontrollieren und zu benutzen. Man kann es nicht lernen, indem man jemanden beobachtet.�</p><p>Skellin nickte, einen Finger ans Kinn, und musterte Cery nachdenklich. �Aber du hast immer noch Verbindungen in die Gilde, nicht wahr?�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Ich habe Sonea seit Jahren nicht mehr gesehen.�</p><p>�Wie entt�uschend nach allem, was du getan hast�� was alle Diebe getan haben��, um ihnen zu helfen.� Skellin l�chelte schief. �Ich f�rchte, dein Ruf als Freund von Magiern ist nicht ann�hernd so aufregend wie die Realit�t, Cery.�</p><p>�So ist das mit dem Ruf. Im Allgemeinen.�</p><p>Skellin nickte. �In der Tat. Nun, ich habe unser Gespr�ch genossen und meine Angebote gemacht. Wir sind zumindest zu einer �bereinkunft gelangt. Ich hoffe, wir werden mit der Zeit zu einer weiteren kommen.� Er stand auf. �Danke, dass du dich mit mir getroffen hast, Cery von der Nordseite.�</p><p>�Danke f�r die Einladung. Viel Gl�ck bei der Suche nach dem J�ger.�</p><p>Skellin l�chelte, nickte h�flich, drehte sich dann um und schlenderte den gleichen Weg zur�ck, �ber den er gekommen war. Cery beobachtete ihn einen Moment lang, dann warf er noch einen schnellen Blick auf die Statue. Es war wirklich kein gutes Abbild.</p><p>�Wie ist es gelaufen?�, murmelte Gol, als Cery sich wieder zu ihm gesellte.</p><p>�Wie erwartet�, antwortete Cery. �Nur dass��</p><p>�Nur dass?�, wiederholte Gol, als Cery den Satz nicht beendete.</p><p>�Wir sind �bereingekommen, Informationen �ber den J�ger der Diebe auszutauschen.� �Dann gibt es ihn also wirklich?�</p><p>�Das glaubt Skellin.� Cery zuckte die Achseln. Sie �berquerten die Stra�e und gingen auf Wildwegen zu. �Das war jedoch nicht das Seltsamste.�</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Er hat gefragt, ob Akkarin mich Magie gelehrt habe.� Gol schwieg einen Moment lang. �Aber das ist eigentlich nicht <emphasis>so</emphasis> seltsam. Faren hat Sonea versteckt, bevor er sie der Gilde auslieferte, und zwar in der Hoffnung, dass sie Magie f�r ihn wirken w�rde. Skellin muss alles dar�ber geh�rt haben.�</p><p>�Glaubst du, er h�tte gern seinen eigenen Scho�magier?�</p><p>�Sicher. Obwohl er dich nat�rlich nicht in Dienst w�rde nehmen wollen, da du ein Dieb bist. Vielleicht denkt er, er k�nnte durch dich die Gilde um Gef�lligkeiten bitten.�</p><p>�Ich habe ihm gesagt, ich h�tte Sonea seit Jahren nicht mehr gesehen.� Cery verzog das Gesicht. �Wenn ich sie das n�chste Mal treffe, werde ich vielleicht fragen, ob sie einem meiner Diebesfreunde helfen w�rde, nur um den Ausdruck auf ihrem Gesicht zu sehen.�</p><p>In der Gasse vor ihnen erschien eine Gestalt, die auf sie zugeeilt kam. Cery verlangsamte seine Schritte und registrierte dabei die m�glichen Ausg�nge und Verstecke um sie herum.</p><p>�Du solltest ihr sagen, dass Skellin Erkundigungen einholt�, riet Gol ihm. �Er k�nnte versuchen, jemand anderen anzuwerben. Und es k�nnte funktionieren. Nicht alle Magier sind so unbestechlich wie Sonea.� Auch Gol wurde jetzt langsamer. �Das ist� das ist Neg.�</p><p>Der Erleichterung dar�ber, dass es kein weiterer Angreifer war, folgte Sorge. Neg hatte Cerys Hauptversteck bewacht. Das tat er lieber, als durch die Stra�en zu streifen, da freie Fl�chen ihn nerv�s machten.</p><p>Etwas auf seinem Gesicht leuchtete selbst im schwachen Stra�enlicht, und Cery sp�rte, wie sein Herz ihm in die Hose, nein, in die Schuhe rutschte. Ein Verband. Neg keuchte, als er die beiden anderen Diebe erreichte.</p><p>�Was ist los?�, fragte Cery mit einer Stimme, die er kaum als seine erkannte.</p><p>�T� tut mir leid�, keuchte Neg. �Schlimme Neuigkeiten.� Er holte tief Luft, dann stie� er den Atem heftig aus und sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� nicht, wie ich es dir sagen soll.�</p><p>�Sag es�, befahl Cery.</p><p>�Sie sind tot. Alle. Selia. Die Jungen. Hab nicht gesehen, wer. Sind an allem vorbeigekommen. Wei� nicht, wie. Kein Schloss aufgebrochen. Als ich zu mir kam��</p><p>W�hrend Neg weiterredete, sich entschuldigte und erkl�rte und seine Worte sich �berschlugen, erf�llte ein Rauschen Cerys Ohren. Sein Verstand versuchte einen Moment lang, eine andere Erkl�rung zu finden. <emphasis>Er muss sich irren. Er hat sich den Kopf angeschlagen und leidet an Wahnvorstellungen. Er hat es getr�umt.</emphasis></p><p>Aber er zwang sich, sich der wahrscheinlichen Wahrheit zu stellen. Was er jahrelang gef�rchtet hatte�� was ihn in Albtr�umen verfolgt hatte��, war geschehen.</p><p>Jemand hatte es an all den Schl�ssern und Wachen und Schutzvorrichtungen vorbeigeschafft und seine Familie ermordet.</p></section><section><title><p>2</p><p>Fragw�rdige Verbindungen</p></title><p>Es war weit vor der Zeit, zu der sie normalerweise erwachte. Der Morgen w�rde erst in einigen Stunden heraufd�mmern. Sonea blinzelte in der Dunkelheit und fragte sich, was sie geweckt hatte. Ein Traum? Oder hatte etwas Reales sie mitten in der Nacht in diesen Zustand pl�tzlicher Wachsamkeit versetzt?</p><p>Dann h�rte sie im Nebenzimmer ein Ger�usch, schwach, aber unleugbar.</p><p>Mit h�mmerndem Herzen und prickelnder Kopfhaut stand sie auf und bewegte sich leise auf die Schlafzimmert�r zu. Sie h�rte einen Schritt hinter der T�r, dann noch einen. Eine Hand auf die Klinke gelegt, zog sie Magie in sich hinein, riss einen Schild empor und holte tief Luft.</p><p>Die Klinke drehte sich lautlos. Sonea zog die T�r ein klein wenig auf und sp�hte hindurch. Im schwachen Mondlicht, das zwischen den Fensterl�den ins G�stezimmer fiel, sah sie eine Gestalt auf und ab gehen. M�nnlich, eher klein von Wuchs und eindeutig vertraut. Erleichterung durchflutete sie.</p><p>�Cery�, sagte sie und zog die T�r ganz auf. �Wer sonst w�rde es wagen, sich mitten in der Nacht in meine R�ume zu schleichen?�</p><p>Er drehte sich zu ihr um. �Sonea�, sagte er. Er atmete tief durch, sagte aber sonst nichts mehr. Eine lange Pause folgte, und Sonea runzelte die Stirn. Es sah ihm nicht �hnlich zu z�gern. War er gekommen, um einen Gefallen zu erbitten, von dem er wusste, dass er ihr nicht gefallen w�rde?</p><p>Sie konzentrierte sich und schuf eine kleine Lichtkugel, gerade gro� genug, um den Raum mit einem sanften Schein zu erf�llen. Einen Moment lang stockte ihr der Atem. Sein Gesicht war voller tiefer Falten. Die Jahre der Gefahr und der Sorge eines Lebens als Dieb hatten ihn schneller altern lassen als jeden anderen, den sie kannte.</p><p><emphasis>Ich trage selbst jede Menge Spuren meiner Jahre,</emphasis> dachte sie, <emphasis>aber die Schlachten, die ich gek�mpft habe, waren nur kleinliche Zankereien zwischen Magiern; ich brauchte nicht in der kompromisslosen und h�ufig grausamen Unterwelt zu �berleben.</emphasis></p><p>�Also� was f�hrt dich mitten in der Nacht in die Gilde?�, fragte sie, w�hrend sie ins G�stezimmer trat.</p><p>Er betrachtete sie nachdenklich. �Du fragst mich nie, wie ich unbemerkt hier hereinkomme.�</p><p>�Ich will es gar nicht wissen. Ich will das Risiko nicht eingehen, dass jemand anderer es erfahren k�nnte, f�r den unwahrscheinlichen Fall, dass ich jemandem erlauben muss, meine Gedanken zu lesen.�</p><p>Er nickte. �Ah. Wie laufen die Dinge hier?�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Wie immer. Reiche und arme Novizen zanken sich. Und jetzt, da einige der ehemals armen Novizen ihren Abschluss gemacht haben und Magier geworden sind, haben wir Gez�nk auf einer neuen Ebene. Eins, das wir ernst nehmen m�ssen. In wenigen Tagen werden wir eine Versammlung haben, bei der wir die Abschaffung der Regel �berdenken, nach der es Novizen und Magiern verboten ist, Umgang mit Verbrechern oder Personen von schlechtem Ruf zu pflegen. Wenn die Zusammenkunft Erfolg hat, werde ich nicht l�nger eine Regel brechen, wenn ich mit dir rede.�</p><p>�Ich kann dann durchs Vordertor kommen und offiziell um eine Audienz ersuchen?�</p><p>�Ja. Nun, das ist ein Szenario, das den H�heren Magiern einige schlaflose N�chte bescheren wird. Ich wette, sie w�nschten, sie h�tten den unteren Klassen niemals gestattet, der Gilde beizutreten.�</p><p>�Wir haben immer gewusst, dass sie es bereuen w�rden�, sagte Cery. Er seufzte und wandte den Blick ab. �Ich w�nsche mir langsam, die S�uberungen h�tten niemals aufgeh�rt.�</p><p>Sonea runzelte die Stirn und verschr�nkte die Arme vor der Brust; ein Stich des �rgers und der Ungl�ubigkeit durchzuckte sie. �Das ist doch gewiss nicht dein Ernst.�</p><p>�Alles hat sich zum Schlechteren gewendet.� Er trat an ein Fenster und sah hinaus. Doch es wurde nichts sichtbar als die Dunkelheit dahinter.</p><p>�Und das liegt daran, dass die S�uberung aufgeh�rt hat?� Sie betrachtete mit schmalen Augen seinen R�cken. �Es hat nichts mit einem gewissen neuen Laster zu tun, das das Leben so vieler Menschen in Imardin zerst�rt, reicher wie armer?�</p><p>�Feuel?�</p><p>�Ja. Die S�uberung hat Hunderte get�tet, aber Feuel hat Tausende geholt�� und noch mehr versklavt.� Jeden Tag sah sie die Opfer in ihren Hospit�lern. Nicht nur jene, die den Verlockungen der Droge verfallen waren, sondern auch deren verzweifelte Eltern, Ehegatten, Geschwister, Kinder und Freunde.</p><p><emphasis>Und nach allem, was ich wei�, k�nnte Cery einer der Diebe sein, die es importieren und verkaufen,</emphasis> konnte sie nicht umhin zu denken, und das nicht zum ersten Mal.</p><p>�Es hei�t, es w�rde daf�r sorgen, dass man aufh�rt, Anteil an den Dingen zu nehmen�, sagte Cery leise und wandte ihr das Gesicht zu. �Keine Probleme oder Sorgen mehr. Keine Furcht. Keine� Trauer.�</p><p>Seine Stimme brach beim letzten Wort, und pl�tzlich sp�rte Sonea, dass all ihre Sinne sch�rfer wurden.</p><p>�Was ist passiert, Cery? Warum bist du hergekommen?�</p><p>Er holte tief Luft. Stie� den Atem langsam wieder aus. �Meine Familie�, antwortete er, �ist heute Nacht ermordet worden.�</p><p>Sonea zuckte zur�ck. Die Sch�rfe eines schrecklichen Schmerzes traf sie wie ein Dolchsto� und erinnerte sie daran, dass manche Verluste niemals vergessen werden konnten�� oder vergessen werden sollten. Aber sie hielt sich zur�ck. Sie w�rde Cery keine Hilfe sein, wenn sie sich von diesem Gef�hl verzehren lie�. Er wirkte so verloren. In seinen Augen standen unverhohlener Schock und Qual. Sie ging auf ihn zu und zog ihn in die Arme. Er versteifte sich einen Moment lang, dann entspannte er sich.</p><p>�Es geh�rt zum Leben eines Diebs�, sagte er. �Du tust alles, was du kannst, um deine Leute zu besch�tzen, aber es besteht immer Gefahr. Vesta hat mich verlassen, weil sie nicht damit leben konnte. Es nicht ertragen konnte, eingesperrt zu sein. Selia war st�rker. Mutiger. Nach allem, was sie ertragen hat, hat sie es nicht verdient� und die Jungen��</p><p>Vesta war Cerys erste Frau gewesen. Sie war klug gewesen, aber widerspenstig und aufbrausend. Mit Wutanf�llen hatte man bei ihr immer rechnen m�ssen. Selia hatte erheblich besser zu ihm gepasst, sie war ruhig gewesen und hatte die stille Weisheit eines Menschen besessen, der die Welt mit offenen und vers�hnlichen Augen betrachtete. Sonea hielt ihn im Arm, w�hrend er von Schluchzen gesch�ttelt wurde. Auch ihre eigenen Augen f�llten sich mit Tr�nen. <emphasis>Kann ich mir vorstellen, wie es sein muss, ein Kind zu verlieren? Ich kenne die</emphasis> Angst, <emphasis>alles zu verlieren, aber nicht den Schmerz des tats�chlichen Verlustes. Ich denke, es w�re schlimmer, als ich es mir jemals vorstellen k�nnte. Zu wissen, dass die eigenen Kinder niemals erwachsen werden� Nur� was war mit seinem anderen Kind? Obwohl sie inzwischen bereits erwachsen sein musste.</emphasis></p><p>�Geht es Anyi gut?�, fragte sie.</p><p>Cery war einen Moment lang ganz ruhig, dann l�ste er sich von ihr. Seine Miene war angespannt. �Ich wei� es nicht. Nachdem Vesta und Anyi gegangen waren, habe ich die Leute glauben lassen, mir l�ge nichts mehr an ihnen, zu ihrem eigenen Schutz�� obwohl ich gelegentlich daf�r gesorgt habe, dass Anyi und ich einander �ber den Weg gelaufen sind, so dass sie mich zumindest weiterhin erkennen w�rde.� Er sch�ttelte den Kopf. �Wer immer das getan hat, hat die besten Schl�sser �berwunden, die man mit Geld kaufen kann, und Leute, denen ich uneingeschr�nkt vertraut habe. Der Betreffende hat seine Hausaufgaben gemacht. Er k�nnte von ihr wissen. Aber er wei� vielleicht nicht, wo sie sich aufh�lt. Wenn ich nach ihr sehe, k�nnte ich ihn zu ihr f�hren.�</p><p>�Kannst du ihr eine Warnung zukommen lassen?�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Ja. Vielleicht�� Er seufzte. �Ich muss es versuchen.�</p><p>�Was wirst du ihr raten?�</p><p>�Sich zu verstecken.�</p><p>�Dann wird es keine Rolle spielen, ob du den M�rder zu ihr f�hrst oder nicht, nicht wahr? Sie wird sich ohnehin verstecken m�ssen.�</p><p>Er wirkte nachdenklich. �Ja, wahrscheinlich.�</p><p>Sonea l�chelte, als ein Ausdruck der Entschlossenheit seine Z�ge verh�rtete. Sein ganzer K�rper war jetzt angespannt vor Zielstrebigkeit. Er sah sie an, und ein entschuldigender Ausdruck trat in seine Z�ge.</p><p>�Geh nur�, sagte sie. �Und warte beim n�chsten Mal nicht so lange, bis du mich besuchst.�</p><p>Er brachte ein schwaches L�cheln zustande. �Ich verspreche es. Oh. Da ist noch etwas anderes. Es ist vermutlich keine gro�e Sache, aber ich sch�tze, einer der anderen Diebe, Skellin, h�tte gern seinen eigenen Magier. Er ist ein Feuel-Lieferant, daher solltest du besser hoffen, dass keiner von deinen Magiern eine Schw�che f�r das Zeug hat.�</p><p>�Sie sind nicht <emphasis>meine</emphasis> Magier, Cery�, rief sie ihm ins Ged�chtnis, und das nicht zum ersten Mal.</p><p>Statt mit seinem gewohnten Grinsen antwortete er mit einer Grimasse. �Ja. Wie dem auch sei. Wenn du nicht wissen willst, wie ich hierher und wieder fortkomme, solltest du besser den Raum verlassen.�</p><p>Sonea verdrehte die Augen, dann ging sie auf die Schlafzimmert�r zu. Bevor sie sie hinter sich schloss, drehte sie sich noch einmal um. �Gute Nacht, Cery. Das mit deiner Familie tut mir so leid, und ich hoffe, dass Anyi lebt und nicht in Gefahr ist.�</p><p>Er nickte, dann schluckte er. �Das hoffe ich auch.�</p><p>Dann schloss sie die T�r hinter sich und wartete. Aus dem G�stezimmer kamen einige leise Ger�usche, und wenige Augenblicke sp�ter war alles still. Sie z�hlte bis hundert, dann �ffnete sie die T�r abermals. Cery war spurlos verschwunden.</p><p>Inzwischen d�mmerte es bereits, und Sonea sp�hte zwischen den L�den hindurch nach drau�en, wo im ersten Morgenlicht Gestalten und Formen gerade erkennbar wurden. War das die m�chtige Silhouette der Residenz des Hohen Lords, oder bildete sie sich das nur ein? So oder so, bei dem Gedanken daran �berlief sie ein Schauer.</p><p><emphasis>H�r auf damit. Er ist nicht dort.</emphasis></p><p>Balkan hatte die letzten zwanzig Jahre dort gelebt. Sie hatte sich oft gefragt, ob er sich vom Schatten des ehemaligen Bewohners der Residenz verfolgt f�hlte, doch sie hatte nie gefragt, denn sie war davon �berzeugt, dass eine solche Frage taktlos gewesen w�re.</p><p><emphasis>Er ist oben auf dem H�gel. Hinter dir.</emphasis></p><p>Sie drehte sich um, den Blick durch die W�nde ihrer Zimmer hindurch in die Ferne gerichtet, und in ihrer Fantasie sah sie auf dem Friedhof die neuen gl�nzenden, wei�en Grabsteine zwischen den alten grauen aufragen. Eine alte Sehnsucht machte sich in ihr breit, aber sie z�gerte. Sie hatte heute viel zu tun. Doch es war noch fr�h�� die D�mmerung hatte gerade erst begonnen. Ihr blieb noch Zeit genug. Und es war schon eine Weile her. Cerys schreckliche Nachricht erf�llte sie mit dem Verlangen zu� was zu tun? Vielleicht, seinen Verlust anzuerkennen, indem sie sich an ihren eigenen erinnerte. Sie musste mehr tun, als nur dem gewohnten Alltagstrott zu folgen und vorzugeben, es sei nichts Schreckliches geschehen.</p><p>Nachdem sie in ihr Schlafzimmer zur�ckgekehrt war, wusch sie sich hastig und kleidete sich an, dann warf sie sich einen Umhang um die Schultern, Schwarz �ber Schwarz. Schlie�lich schl�pfte sie durch die Hauptt�r zu ihrem Zimmer und ging so leise sie konnte durch den Flur der Magierquartiere bis zum Eingang. Dort verlie� sie das Geb�ude und machte sich auf den Weg zum Friedhof.</p><p>Seit sie vor �ber zwanzig Jahren mit Lord Rothen zum ersten Mal dort gewesen war, hatte man neue Pfade angelegt. Das Unkraut wurde gej�tet, aber der Wall sch�tzender B�ume rund um die �u�eren Gr�ber war unver�ndert geblieben. Sie betrachtete die glatten Quader der neueren Grabsteine. Bei der Errichtung einiger von ihnen war sie dabei gewesen. Wenn ein Magier starb, wurde jedwede Magie, die in seinem oder ihrem K�rper verblieben war, freigelassen, und wenn genug davon vorhanden war, wurde der Leichnam davon verzehrt. Also waren die alten Gr�ber ein R�tsel gewesen. Wenn es keine Leiche zu begraben gab, warum waren dann Gr�ber hier?</p><p>Die Wiederentdeckung schwarzer Magie hatte diese Frage beantwortet. Die letzte Magie dieser altert�mlichen Magier war von einem Schwarzmagier aufgesogen worden, und so war eine Leiche zur�ckgeblieben, die man begraben konnte.</p><p>Jetzt, da schwarze Magie nicht l�nger ein Tabu war�� obwohl strikt kontrolliert��, waren Begr�bnisse wieder in Mode gekommen. Die Aufgabe, die letzte Magie eines Magiers in sich aufzunehmen, fiel den beiden Schwarzmagiern der Gilde zu, ihr und Schwarzmagier Kallen.</p><p>Sonea fand, dass sie, wenn sie beim Tod eines Magiers seine letzte Macht genommen hatte, auch bei der Beerdigung zugegen sein sollte. <emphasis>Ich frage mich, ob Kallen sich auf gleiche Weise verpflichtet f�hlt, wenn ein Magier ihn ausw�hlt.</emphasis> Sie ging zu einem schlichten, schmucklosen Stein und trocknete mit magischer Hitze den Tau auf einer Ecke, so dass sie sich setzen konnte. Ihr Blick fand den in den Stein gemei�elten Namen. <emphasis>Akkarin. Es h�tte dich erheitert zu sehen, wie viele der Magier, die so vehement dagegen waren, die Benutzung schwarzer Magie wiederzubeleben, am Ende darin Zuflucht suchen, damit ihr Fleisch nach ihrem Tod im Boden verwesen kann. Vielleicht w�rst du wie ich zu dem Schluss gekommen, dass es f�r einen Magier passender sei, seinen K�rper von seiner letzten Magie verzehren zu lassen, und��</emphasis> sie betrachtete den zunehmend kunstvoller werdenden Schmuck auf den neuen Gr�bern der Gilde�� <emphasis>betr�chtlich weniger kostspielig.</emphasis></p><p>Sie las die Worte auf dem Grabstein, auf dem sie sa�. Ein Name, ein Titel, ein Hausname, ein Familienname. Sp�ter waren in kleinen Buchstaben die Worte �Vater von Lorkin� erg�nzt worden. Doch ihr eigener Name war nicht erw�hnt. <emphasis>Und wird es niemals werden, solange deine Familie etwas damit zu tun hat, Akkarin. Aber zumindest haben sie deinen Sohn akzeptiert.</emphasis></p><p>Sie schob ihre Verbitterung beiseite, dachte f�r eine Weile an Cery und dessen Familie und �berlie� sich der Trauer und dem Schmerz des Mitleids. Gestattete den Erinnerungen zur�ckzukehren, von denen einige willkommen waren, andere nicht. Nach einer Weile riss sie das Ger�usch von Schritten aus ihren Gedanken, und sie stellte fest, dass inzwischen die Sonne aufgegangen war.</p><p>Langsam drehte sie sich zu dem Besucher um und l�chelte, als sie Rothen auf sich zukommen sah. Einen Moment lang war sein runzliges Gesicht eine Maske der Sorge, dann entspannte es sich zu einem Ausdruck der Erleichterung.</p><p>�Sonea�, sagte er, bevor er innehielt, um wieder zu Atem zu kommen. �Ein Bote hat nach dir gesucht. Niemand wusste, wo du warst.�</p><p>�Und ich wette, das hat eine Menge unn�tigen Wirbel und Aufregung verursacht.�</p><p>Er sah sie stirnrunzelnd an. �Dies ist kein guter Zeitpunkt, um die Gilde an ihrem Vertrauen zu einer gemeingeborenen Magierin zweifeln zu lassen, Sonea, wenn man an die Ver�nderung der Regeln denkt, die in K�rze vorgeschlagen werden soll.�</p><p>�Gibt es jemals einen guten Zeitpunkt daf�r?� Sie erhob sich und seufzte. �Au�erdem habe ich gerade doch nicht die Gilde zerst�rt und alle Kyralier zu Sklaven gemacht, nicht wahr? Ich habe nur einen Spaziergang unternommen. �berhaupt nichts Finsteres.� Sie sah ihn an. �Ich habe die Stadt seit zwanzig Jahren nicht verlassen, und das Gel�nde der Gilde verlasse ich nur, um in Hospit�lern zu arbeiten. Ist das nicht genug?�</p><p>�F�r einige Leute nicht. Und gewiss nicht f�r Kallen.�</p><p>Sonea zuckte die Achseln. �Das erwarte ich von ihm. Es ist seine Aufgabe.� Sie legte eine Hand um seinen Ellbogen, und gemeinsam gingen sie den Pfad wieder hinunter.</p><p>�Macht Euch wegen Kallen keine Sorgen, Rothen. Mit dem werde ich schon fertig. Au�erdem w�rde er es nicht wagen, sich dar�ber zu beschweren, dass ich Akkarins Grab besuche.�</p><p>�Du h�ttest Jonna eine Nachricht hinterlassen und ihr mitteilen sollen, wo du hinwolltest.�</p><p>�Ich wei�, aber solche Besuche macht man ja meist ziemlich spontan.�</p><p>Er sah sie an. �Geht es dir gut?�</p><p>Sie l�chelte. �Ja. Ich habe einen Sohn, der lebt und sich pr�chtig macht, Hospit�ler in der Stadt, in denen ich ein wenig Gutes tun kann, und Euch. Was brauche ich mehr?�</p><p>Er hielt inne, um nachzudenken. �Einen Ehemann?�</p><p>Sie lachte. �Ich <emphasis>brauche</emphasis> keinen Ehemann. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich einen <emphasis>will.</emphasis> Ich dachte, ich w�rde mich einsam f�hlen, nachdem Lorkin bei mir ausgezogen ist, aber ich stelle fest, dass es mir gef�llt, ein wenig mehr Zeit f�r mich zu haben. Ein Ehemann w�re� im Weg.�</p><p>Rothen kicherte.</p><p><emphasis>Oder er w�re eine Schw�che, die ein Feind ausnutzen k�nnte,</emphasis> fuhr es ihr unwillk�rlich durch den Kopf. Aber dieser Gedanke ging eher auf Cerys Ungl�ck zur�ck, das ihr noch so gegenw�rtig war, als auf irgendeine reale Bedrohung. Obwohl man kaum sagen konnte, dass sie keine Feinde hatte, missbilligten diese Leute sie lediglich wegen ihrer niederen Herkunft oder f�rchteten die schwarze Magie, �ber die sie gebot. Nichts, was einen von ihnen dazu veranlassen w�rde, jenen, die sie liebte, Schaden zuzuf�gen. <emphasis>Anderenfalls h�tten sie Lorkin bereits ins Visier genommen.</emphasis></p><p>Als sie an ihren Sohn dachte, stiegen Erinnerungen an ihn als Kind in ihr auf, ungeordnet, �ltere und j�ngere, gl�ckliche und entt�uschende, und sie nahm eine vertraute Enge ums Herz wahr, die teils Freude und teils Schmerz war. Wenn er still und gr�blerisch war, angestrengt nachdachte oder sich besonders klug verhielt, erinnerte er sie so sehr an seinen Vater. Aber er hatte auch eine selbstbewusste, charmante, halsstarrige, gespr�chige Seite�� und Rothen behauptete, dieser halsstarrige und gespr�chige Teil seines Wesens sei definitiv ihr Erbe.</p><p>Als sie aus dem Wald traten, hatten sie einen guten Blick �ber das Gel�nde der Gilde. Der ihnen zun�chst gelegene langgestreckte, rechteckige Bau mit den Magierquartieren beherbergte jene Magier, die sich daf�r entschieden hatten, auf dem Gel�nde zu leben. Daran schloss sich ein Innenhof an, hinter dem ein weiteres Geb�ude wie ein Spiegelbild des ersten aufragte�� die Novizenquartiere.</p><p>An der dritten und von ihrem Standpunkt aus jetzt fernsten Seite des Innenhofes lag das pr�chtigste und h�chste Geb�ude der Gilde, die Universit�t. Selbst nach zwanzig Jahren versp�rte Sonea eine Spur von Stolz, dass es ihr und Akkarin gelungen war, die Universit�t zu retten. Und wie immer folgten diesem Gef�hl Traurigkeit und Bedauern angesichts des Preises, den sie daf�r gezahlt hatten, dass sie das Geb�ude verteidigt und jene nicht hatten sterben lassen, die darin verblieben waren. H�tten sie es den Feinden �berlassen und w�hrenddessen die Macht der Arena genommen, w�re Akkarin vielleicht am Leben geblieben.</p><p><emphasis>Aber es h�tte keine Rolle gespielt, wie viel Macht wir gesammelt h�tten. Nachdem er verletzt war, h�tte er sich trotzdem daf�r entschieden, mir all seine Macht zu geben und zu sterben, statt sich selbst zu heilen�� oder mir zu erlauben, ihn zu heilen�� und das Risiko einzugehen, dass wir von den Ichani besiegt werden. Und ganz gleich, wie viel Macht wir genommen h�tten, ich h�tte niemals die Zeit gehabt, Kariko zu besiegen und Akkarin zu heilen.</emphasis> Sie runzelte die Stirn. <emphasis>Vielleicht hat Lorkin seine Halsstarrigkeit ja doch nicht von mir.</emphasis></p><p>�F�hlst du dich versucht, zugunsten des Antrags zu sprechen?�, fragte Rothen, als sie ein paar Schritte gegangen waren. �Ich wei�, dass du daf�r bist, die Regel abzuschaffen.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>Rothen l�chelte. �Warum nicht?�</p><p>�Ich w�rde ihrer Sache mehr schaden als nutzen. Schlie�lich ist jemand, der in den H�ttenvierteln aufgewachsen ist, dann einen Schwur gebrochen, fremdl�ndische Magie erlernt und den H�heren Magiern und dem K�nig in einem solchen Ma� getrotzt hat, dass sie gezwungen waren, ihn ins Exil zu schicken, kaum geeignet, um Vertrauen in Magier von geringerer Herkunft zu wecken.�</p><p>�Du hast das Land gerettet.�</p><p>�Ich habe Akkarin <emphasis>geholfen,</emphasis> das Land zu retten. Das ist ein gro�er Unterschied.�</p><p>Rothen verzog das Gesicht. �Du hast eine ebenso gro�e Rolle gespielt�� und den letzten Schlag gef�hrt. Daran sollten die Menschen sich erinnern.�</p><p>�Und Akkarin hat sich geopfert. Selbst wenn ich nicht aus den H�ttenvierteln k�me und keine Frau w�re, w�rde es mir schwerfallen, damit zu konkurrieren.� Sie zuckte die Achseln. �Ich bin nicht interessiert an Dank und Anerkennung, Rothen. F�r mich z�hlen nur Lorkin und die Hospit�ler. Und Ihr nat�rlich.�</p><p>Er nickte. �Aber was w�re, wenn ich dir erz�hlte, dass Lord Regin sich erboten hat, die Gegner der Petition zu repr�sentieren.�</p><p>Bei dem Namen krampfte sich Soneas Magen zusammen. Obwohl der Novize, ihr Peiniger w�hrend ihrer fr�hen Jahre an der Universit�t, inzwischen ein verheirateter Mann mit zwei erwachsenen T�chtern war und sie seit der Ichani-Invasion stets nur mit H�flichkeit und Respekt behandelt hatte, konnte sie nicht umhin, ein Echo von Misstrauen und Abneigung zu versp�ren.</p><p>�Das �berrascht mich nicht�, sagte sie. �Er hielt sich schon immer f�r etwas Besseres.�</p><p>�Ja, obwohl sich sein Charakter seit euren Novizentagen erheblich verbessert hat.�</p><p>�Er h�lt sich immer noch f�r etwas Besonderes, tr�gt das aber mit besseren Manieren vor.�</p><p>Rothen lachte leise. �F�hlst du dich jetzt versucht?�</p><p>Sie sch�ttelte abermals den Kopf.</p><p>�Nun, du solltest besser damit rechnen, dass man dich nach deiner Meinung zu dem Thema fragen wird�, warnte er. �Viele Leute werden deine Ansichten h�ren wollen und dich um Rat bitten.�</p><p>Als sie den Innenhof erreichten, seufzte Sonea. �Ich bezweifle es. Aber f�r den Fall, dass Ihr recht habt, werde ich dar�ber nachdenken, auf welche Fragen ich gefasst sein muss und wie ich darauf antworten werde. Ich will auch kein Hemmnis f�r die Antragsteller sein.�</p><p><emphasis>Und wenn Regin die Opposition repr�sentiert, sollte ich auf jeden Fall mit seinen R�nken rechnen. Seine Manieren m�gen sich verbessert haben, aber er ist immer noch so intelligent und verschlagen wie eh und je.</emphasis></p><empty-line/><p>In der Gliarstra�e West im Nordviertel gab es eine kleine, ordentliche Schneiderei, die in einigen privaten R�umen im ersten Stock den jungen, reichen M�nnern der Stadt Unterhaltung bot, so sie denn die richtigen Leute kannten, um dort Zugang zu erhalten.</p><p>Lorkin war vor vier Jahren von Dekker, seinem Freund und Mitsch�ler, zum ersten Mal mit hierher genommen worden. Wie immer war es Dekkers Idee gewesen. Er war der Draufg�nger unter Lorkins Freunden�� kein ganz untypischer Charakterzug f�r einen jungen Krieger. Zu ihrem Freundeskreis geh�rten Sherran, Reater und Orion; Sherran hatte stets getan, was immer Dekker vorschlug, w�hrend Reater und Orion sich nicht so leicht zu Unfug hinrei�en lie�en. Vielleicht war es nur nat�rlich, dass Heiler zur Vorsicht neigten. Aus welchem Grund auch immer, Lorkin hatte sich nur bereitgefunden, Dekker zu begleiten, weil die beiden Freunde es ebenfalls getan hatten.</p><p>Vier Jahre sp�ter waren sie alle examinierte Magier, und die Schneiderei war ihr Lieblingstreffpunkt. Heute hatte Perler seine Cousine Jalie aus Elyne zu ihrem ersten Besuch dort mitgebracht.</p><p>�Dies ist also die Schneiderei, von der ich so viel geh�rt habe�, sagte die junge Frau, w�hrend sie sich im Raum umschaute. Die M�bel waren kunstvoll gefertigt, abgelegte St�cke aus den wohlhabenderen H�usern der Stadt. Die Bilder an den W�nden und auf den Fensterl�den dagegen konnte man nur billig nennen, sowohl was ihre Thematik als auch die Ausf�hrung betraf.</p><p>�Ja�, erwiderte Dekker. �Alle Freuden, nach denen es dich vielleicht gel�stet.�</p><p>�Zu einem Preis�, bemerkte sie und sah ihn von der Seite an.</p><p>�Zu einem Preis, den wir um deinetwillen vielleicht zu zahlen bereit sind, um des Vergn�gens deiner Gesellschaft willen.�</p><p>Sie l�chelte. �Du bist so lieb!�</p><p>�Aber nicht ohne Zustimmung ihres �lteren Cousins�, f�gte Perler hinzu und sah Dekker dabei fest an.</p><p>�Nat�rlich�, erwiderte der junge Mann und verbeugte sich leicht in Perlers Richtung.</p><p>�Also, welche Freuden hat man hier zu bieten?�, fragte Jalie.</p><p>Dekker machte eine knappe Handbewegung. �Freuden des K�rpers, Freuden des Geistes.� �Des Geistes?�</p><p>�Ooh! Lasst uns ein Kohlenbecken hereinholen�, sagte Sherran mit gl�nzenden Augen. �G�nnen wir uns ein wenig Feuel, um uns zu entspannen.�</p><p>�Nein�, widersprach Lorkin. Als er eine andere Stimme ebenfalls protestieren h�rte, drehte er sich um, um Orion dankbar zuzunicken, den die Droge ebenso abstie� wie ihn selbst.</p><p>Sie hatten es einmal ausprobiert, und Lorkin hatte die Erfahrung beunruhigend gefunden. Es war nicht der Umstand gewesen, dass das Feuel Dekkers grausame Seite zum Vorschein gebracht hatte, so dass er das M�dchen, das zu jener Zeit in ihn vernarrt gewesen war, gereizt und gequ�lt hatte, sondern vielmehr der Umstand, dass Dekkers Verhalten ihn pl�tzlich nicht mehr gest�rt hatte. Tats�chlich hatte er es witzig gefunden, obwohl er sp�ter nicht mehr verstehen konnte, warum.</p><p>Die Schw�rmerei des M�dchens hatte an jenem Tag geendet, und Sherrans Liebesgeschichte mit Feuel hatte begonnen. Vor jener Zeit h�tte Sherran alles getan, worum Dekker ihn bat. Seit diesem Tag tat er es nur noch dann, wenn es ihn nicht von seinem Feuel abhielt.</p><p>�Lasst uns stattdessen etwas trinken�, schlug Perler vor. �Etwas Wein.� Er betrachtete die Dienstmagd, die z�gernd an der T�r stand, und nickte, woraufhin die Frau l�chelte und davoneilte.</p><p>�Trinken Magier denn?�, fragte Jalie. �Ich dachte, das d�rften sie nicht.�</p><p>�Wir d�rfen durchaus�, erwiderte Reater, �aber es ist keine gute Idee, sich allzu sehr zu betrinken. Wenn man die Kontrolle verliert, wirkt sich das wahrscheinlich auf die Magie genauso aus wie auf den Magen oder die Blase.�</p><p>�Ich verstehe�, sagte sie. �Also muss die Gilde sicherstellen, dass keine der ProIiis, die sie aufnimmt, Trinker sind?�</p><p>Die anderen sahen Lorkin an, und er l�chelte unwillk�rlich. Sie wussten genau, dass er den Raum verlassen w�rde, wenn sie mehr als den gelegentlichen Scherz �ber die einfachen Leute machten.</p><p>�Es gibt wahrscheinlich mehr Schn�sis, die Trinker sind, als ProIiis�, erkl�rte Dekker ihr. �Wir haben Methoden, mit ihnen zu verfahren. Was m�chtest du trinken?�</p><p>Lorkin wandte den Blick ab, als das Gespr�ch sich dem Thema Getr�nke zuwandte. �ProIiis� und �Schn�sis� waren die Namen, die die reichen und die armen Novizen einander gegeben hatten, nachdem die Gilde beschlossen hatte, auch junge Leute au�erhalb der H�user zur Magierausbildung an der Universit�t zuzulassen.</p><p>Lorkin passte in keine der beiden Gruppen. Seine Mutter stammte aus den H�ttenvierteln, und sein Vater war der Spross eines der m�chtigsten H�user Imardins gewesen. Er war in der Gilde aufgewachsen, fernab von den politischen Manipulationen und Verpflichtungen der H�user oder dem harten Leben der H�ttenviertel. Die meisten seiner Freunde waren Schn�sis. Er hatte es nicht mit Absicht vermieden, sich mit ProIiis zu befreunden, aber obwohl die meisten ProIiis f�r ihn nicht die gleiche Abneigung wie f�r die Schn�sis zu empfinden schienen, war es schwierig gewesen, mit ihnen zu reden. Erst nach einigen Jahren, als Lorkin einen festen Kreis von Schn�si-Freunden hatte, war ihm klar geworden, dass die ProIiis sich von ihm�� oder vielmehr von dem Mann, der sein Vater gewesen war�� eingesch�chtert f�hlten.</p><p>�� Sachaka? Halten sie dort wirklich immer noch Sklaven?�</p><p>Lorkin schaltete sich wieder in das Gespr�ch ein. Beim Namen des Landes, aus dem der M�rder seines Vaters gekommen war, �berlief ihn stets ein Schauer. Doch w�hrend es fr�her ein Schauer der Angst gewesen war, r�hrte er jetzt auch von einer seltsamen Erregung. Seit der Ichani-Invasion hatten die Verb�ndeten L�nder ihre Aufmerksamkeit auf den zuvor lange ignorierten Nachbarn gerichtet. Magier und Diplomaten hatten sich nach Sachaka hineingewagt, in der Hoffnung, zuk�nftige Konflikte durch Verhandlungen, Gesch�fte und �bereink�nfte vermeiden zu k�nnen. Wann immer sie zur�ckkehrten, brachten sie Beschreibungen von einer seltsamen Kultur und einer noch seltsameren Landschaft mit.</p><p>�Das tun sie allerdings�, erwiderte Perler. Lorkin setzte sich ein wenig gerader hin. Reaters �lterer Bruder war vor einigen Wochen aus Sachaka zur�ckgekehrt, nachdem er dort ein Jahr lang als Gehilfe des Gildebotschafters gearbeitet hatte. �Obwohl man die meisten von ihnen gar nicht zu sehen bekommt. Deine Roben verschwinden aus deinem Zimmer und tauchen ges�ubert wieder auf, aber du siehst niemals, wer sie holt. Den Sklaven, der abgestellt wurde, dich zu bedienen, siehst du nat�rlich. Wir haben alle einen.�</p><p>�Du hattest einen eigenen Sklaven?�, fragte Sherran. �Verst��t das nicht gegen das Gesetz des K�nigs?�</p><p>�Sie geh�ren uns nicht�, erwiderte Perler achselzuckend. �Die Sachakaner wissen nicht, wie man Dienstboten richtig behandelt, daher m�ssen wir es ihnen erlauben, uns Sklaven zuzuweisen. Entweder das, oder wir m�ssten unsere Kleider selbst waschen und unsere Mahlzeiten selbst zubereiten.�</p><p>�Was <emphasis>entsetzlich</emphasis> w�re�, bemerkte Lorkin mit gespieltem Grauen. Ihre Dienerin war die Tante seiner Mutter, deren Angeh�rige ebenfalls als Dienstboten f�r reiche Leute ihr Geld verdienten. Dennoch besa�en sie eine W�rde und Findigkeit, die er respektierte. Er war fest entschlossen, dass er, sollte er jemals h�usliche Arbeiten verrichten m�ssen, sich durch diese T�tigkeiten niemals so gedem�tigt f�hlen w�rde wie die anderen Magier.</p><p>Perler sah ihn an und sch�ttelte den Kopf. �Daf�r bleibt keine Zeit. Es gibt immer so viel Arbeit zu erledigen. Ah, da sind die Getr�nke.�</p><p>�Welche Art von Arbeit?�, fragte Orion, w�hrend Wein eingeschenkt und Gl�ser herumgereicht wurden.</p><p>�Es m�ssen Gesch�ftsabschl�sse ausgehandelt werden, und es gilt zu versuchen, die Sachakaner dazu zu ermuntern, der Sklaverei abzuschw�ren, um sich den Verb�ndeten L�ndern anzuschlie�en. Au�erdem muss man die sachakanische Politik verfolgen�� es gibt eine Gruppe von Rebellen, von denen Botschafter Maron geh�rt hatte und �ber die er mehr in Erfahrung zu bringen versuchte, bis er zur�ckkehren musste, um die Probleme seiner Familie zu l�sen.�</p><p>�Klingt langweilig�, meinte Dekker.</p><p>�Tats�chlich war es ziemlich aufregend.� Perler grinste. �Ein wenig be�ngstigend bisweilen, aber ich hatte das Gef�hl, als t�ten wir etwas, nun, <emphasis>Historisches.</emphasis> Als bewirkten wir etwas. Als ver�nderten wir die Dinge zum Besseren�� und sei es auch nur mit winzigen Schritten.�</p><p>Ein seltsames Gef�hl der Erregung durchlief Lorkin. �Denkst du, sie werden beim Thema Sklaverei einlenken?�, fragte er.</p><p>Perler zuckte die Achseln. �Einige tun es, aber es ist schwer zu sagen, ob sie es nur vort�uschen, um h�flich zu wirken oder um etwas dadurch zu gewinnen. Maron denkt, man k�nne sie viel eher dazu �berreden, die Sklaverei aufzugeben als die schwarze Magie.�</p><p>�Es wird schwer sein, sie zur Aufgabe der schwarzen Magie zu �berreden, solange wir selbst zwei schwarze Magier haben�, bemerkte Reater. �Kommt mir ein wenig scheinheilig vor.�</p><p>�Sobald sie schwarze Magie verbieten, werden wir es ebenfalls tun.�</p><p>Dekker drehte sich mit einem Grinsen zu Lorkin um.</p><p>�Wenn das geschieht, wird Lorkin das Amt seiner Mutter nicht �bernehmen.�</p><p>Lorkin schnaubte ver�chtlich. �Als ob sie mir das erlauben w�rde. Nein, ihr w�re es viel lieber, wenn ich die Leitung der Hospit�ler �bern�hme.�</p><p>�W�re das so schlimm?�, fragte Orion leise. �Nur weil du Alchemie gew�hlt hast, bedeutet das nicht, dass du den Heilern nicht helfen k�nntest.�</p><p>�Um etwas Derartiges zu tun, muss man von einer absoluten, unbeirrbaren Hingabe angetrieben werden�, erwiderte Lorkin. �Diese Hingabe besitze ich nicht. Obwohl ich beinahe w�nschte, ich h�tte sie.�</p><p>�Warum?�, fragte Jalie.</p><p>Lorkin breitete die H�nde aus. �Ich w�rde gern etwas <emphasis>N�tzliches</emphasis> mit meinem Leben anfangen.�</p><p>�Pah!�, sagte Dekker. �Wenn du es dir leisten kannst, dein Leben in M��iggang zu verbringen, warum solltest du es dann nicht tun?�</p><p>�Langeweile?�, meinte Orion.</p><p>�Wer langweilt sich?�, erklang eine neue Frauenstimme.</p><p>Eine ganz andere Art von Erregung durchlief Lorkin. Ihm stockte der Atem, und sein Magen krampfte sich unangenehm zusammen. Alle drehten sich um und sahen eine dunkelhaarige junge Frau eintreten. Sie l�chelte, als sie sich im Raum umschaute. Als ihr Blick auf Lorkin fiel, geriet ihr L�cheln ins Wanken, aber nur f�r einen Moment.</p><p>�Beriya.� Er sprach ihren Namen, beinahe ohne es zu wollen, und sofort hasste er die Art, wie es geklungen hatte, ein schwaches, j�mmerliches �chzen.</p><p>�Setz dich doch zu uns�, lud Dekker sie ein.</p><p><emphasis>Nein,</emphasis> h�tte Lorkin gern gesagt, aber er war angeblich �ber Beriya hinweg. Es war zwei Jahre her, seit ihre Familie sie nach Elyne gebracht hatte. Als sie Platz nahm, wandte er den Blick ab, als habe er kein Interesse an ihr, und versuchte, die Muskeln zu entspannen, die sich beim ersten Klang ihrer Stimme versteift hatten. Und es waren die meisten seiner Muskeln betroffen.</p><p>Sie war die erste Frau, in die er sich verliebt hatte�� und bisher auch die einzige. Sie hatten sich bei jeder Gelegenheit getroffen, offen und insgeheim. Sie war jeden wachen Augenblick in seinen Gedanken gewesen, und sie hatte behauptet, ihr gehe es umgekehrt genauso. Er h�tte alles f�r sie getan.</p><p>Einige Leute hatten sie ermutigt, andere hatten halbherzige Versuche unternommen, um ihm zu helfen, mit den F��en auf dem Boden zu bleiben�� zumindest soweit es seine magischen Studien betraf. Das Problem war, es gab keinen Grund, warum seine Mutter oder Beriyas Familie etwas gegen die Verbindung h�tte haben k�nnen. Und es stellte sich heraus, dass er der Typ Mann war, der in der Liebe derart aufging, dass kein noch so gro�es Ma� an Mitgef�hl oder strengen Belehrungen, nicht einmal von Lord Rothen, den er wie einen Lieblingsgro�vater respektierte und liebte, ihn in der Realit�t hatte verankert halten k�nnen. Alle hatten beschlossen zu warten, bis er so weit wieder bei Verstand war, dass er sich auf etwas anderes als Beriya konzentrieren konnte, um ihm dann zu helfen, Vers�umtes nachzuholen.</p><p>Irgendwann hatte ihre Cousine sie jedoch zusammen im Bett erwischt, und ihre Familie hatte darauf bestanden, dass die beiden jungen Leute so bald wie m�glich heiraten sollten. Es spielte keine Rolle, dass er als Magier eine Schwangerschaft verhindern konnte. Wenn sie nicht heirateten, w�rde jeder k�nftige Verehrer sie als �besudelt� betrachten.</p><p>Lorkin und seine Mutter waren einverstanden gewesen. Es war Beriya, die nicht mitspielte. Sie hatte sich au�erdem geweigert, ihn zu sehen. Als es ihm eines Tages endlich gelungen war, ihr aufzulauern, hatte sie ihm erkl�rt, dass sie ihn nie geliebt habe. Dass sie ihn ermutigt habe, weil sie geh�rt h�tte, dass Magier Liebe machen k�nnten, ohne Gefahr zu laufen, ein Kind zu zeugen. Dass es ihr leidtue, ihn belogen zu haben.</p><p>Seine Mutter hatte ihm gesagt, dass die schreckliche Art, wie er sich f�hlte, ihm eine winzige Ahnung vermittele, wie es ein Nichtmagier empfinde, krank zu sein. Die beste Kur seien Zeit und die Freundlichkeit von Familie und Freunden. Und dann hatte sie einige Worte benutzt, um Beriyas Verhalten zu beschreiben, die er in der Gesellschaft der meisten Leute, die er kannte, nicht h�tte wiederholen k�nnen.</p><p>Gl�cklicherweise hatte Beriyas Familie sie nach Elyne gebracht, so dass sie au�er Sichtweite gewesen war, als sein Schmerz so weit abgeklungen war, dass er w�tend werden konnte. Er hatte geschworen, sich nicht noch einmal zu verlieben, aber als ein M�dchen in seiner Alchemieklasse Interesse bekundet hatte, war seine Entschlossenheit ins Wanken geraten. Er sch�tzte ihre praktische Natur. Sie war alles, was Beriya nicht gewesen war. Und in der kyralischen Kultur gab es eine seltsame Scheinheiligkeit: Niemand erwartete von weiblichen Magiern, dass sie keusch blieben. Als ihm klar geworden war, dass er sie nicht liebte, war sie zutiefst in ihn vernarrt gewesen. Er hatte alles in seiner Kraft Stehende getan, um diese Liebelei so sanft wie m�glich zu beenden, aber er wusste, dass sie jetzt einen tiefen Groll gegen ihn hegte.</p><p>Liebe, hatte er befunden, war eine unerfreuliche Angelegenheit.</p><p>Beriya ging zu einem Stuhl hin�ber und lie� sich anmutig darauf niedersinken. �Also, wer langweilt sich?�, fragte sie.</p><p>W�hrend die anderen es bestritten, dachte Lorkin �ber sie und die Lektionen nach, die er gelernt hatte. Im vergangenen Jahr war er einigen Frauen begegnet, die sowohl gute Kameradinnen als auch gute Geliebte waren, die aber nicht mehr wollten als das. Er hatte festgestellt, dass er diese Art von Begegnungen bevorzugte. Die st�ndigen Verf�hrungen, auf die Dekker aus war und die nur mit Kr�nkungen und Skandalen�� oder Schlimmerem�� endeten, hatten keinen Reiz f�r ihn. Und die zuneigungslose Ehe, zu der Reater von seinen Eltern gezwungen worden war, klang wie sein schlimmster Albtraum.</p><p><emphasis>Vaters Familie hat jetzt schon seit einer ganzen Weile nicht mehr versucht, eine Braut f�r mich zu finden. Vielleicht fangen sie an zu begreifen, wie viel Vergn�gen es Mutter bereitet, all ihre Pl�ne f�r mich zu durchkreuzen. Obwohl ich mir sicher bin, dass sie nichts hintertreiben w�rde, wenn ich es wollte.</emphasis></p><p>Er richtete seine Gedanken wieder auf die Gegenwart, w�hrend sich das Gespr�ch den Taten gemeinsamer Freunde von Beriya und Dekker zuwandte. Lorkin lauschte und lie� den Nachmittag an sich vorbeirauschen. Irgendwann brachen die beiden Heiler auf, um eine neue Rennbahn zu besuchen, und Beriya machte sich auf den Weg, um einige Kleider anzuprobieren. Dekker, Sherran und Jalie brachen zu Fu� zu den H�usern ihrer Familien auf, die in der gleichen Hauptstra�e des Inneren Rings lagen, so dass Lorkin allein in die Gilde zur�ckkehrte.</p><p>W�hrend er durch die Stra�en des Inneren Rings ging, besah Lorkin sich nachdenklich die pr�chtigen Geb�ude. Dies war sein Leben lang sein Zuhause gewesen. Er hatte niemals au�erhalb dieses Ortes gelebt. Niemals war er in einem fremden Land gewesen. Er hatte nicht einmal die Stadt je verlassen. Vor sich konnte er die Tore der Gilde sehen.</p><p><emphasis>Sind sie f�r mich die Gitterst�be eines Gef�ngnisses oder eine Mauer, um die Gefahr fernzuhalten?</emphasis> Dahinter war die Vorderfront der Universit�t zu sehen, wo seine Eltern einst in einer letzten verzweifelten Schlacht gegen sachakanische schwarze Magier gek�mpft hatten. <emphasis>Diese Magier waren nur Ichani, die sachakanische Version von kriminellen Ausgesto�enen. Wie h�tte die Schlacht damals geendet, w�ren sie Ashaki gewesen, noble Krieger, die schwarze Magie benutzten? Wir k�nnen von Gl�ck sagen, diese Schlacht gewonnen zu haben. Das wei� jeder. Schwarzmagier Kallen und meine Mutter w�ren vielleicht nicht in der Lage, uns zu retten, sollten die Sachakaner sich jemals f�r einen richtigen Krieg entscheiden.</emphasis></p><p>Eine vertraute Gestalt n�herte sich von innen den Toren und entlockte Lorkin unwillk�rlich ein L�cheln. Er kannte Lord Dannyl durch seine Mutter und Lord Rothen. Es war eine Weile her, seit er den Historiker das letzte Mal gesehen hatte. Wie immer trug Dannyl ein leicht geistesabwesendes Stirnrunzeln zur Schau, und Lorkin wusste, dass der �ltere Magier durchaus an ihm vorbeigehen konnte, ohne ihn zu sehen.</p><p><emphasis>Lord Dannyl,</emphasis> rief Lorkin, wobei er seine Gedankenstimme leise hielt. Gedankenrede wurde missbilligt, da alle Magier sie h�ren konnten�� Freunde wie Feinde. Aber den Namen eines anderen Magiers zu rufen wurde als sicher betrachtet, da man damit einem eventuellen Lauscher gegen�ber nur wenig an Information preisgab.</p><p>Der hochgewachsene Magier blickte auf und sah Lorkin, und sein Stirnrunzeln verschwand. Sie gingen aufeinander zu und trafen sich am Eingang der Stra�e, in der Dannyl lebte.</p><p>�Lord Lorkin. Wie geht es Euch?�</p><p>Lorkin zuckte die Achseln. �Recht gut. Wie machen sich Eure Forschungen?�</p><p>Dannyl blickte auf das B�ndel hinab, das er in H�nden hielt. �Die Gro�e Bibliothek hat einige Unterlagen an mich weitergeleitet, von denen ich gehofft hatte, dass sie mir weitere Einzelheiten �ber den Zustand von Imardin nach Tagins Tod liefern w�rden.�</p><p>Lorkin konnte sich nicht daran erinnern, wer Tagin war, aber er nickte trotzdem. Dannyl war schon so lange ganz und gar mit seiner Geschichte der Magie besch�ftigt, dass er h�ufig verga�, dass andere mit den Einzelheiten nicht so vertraut waren wie er. Es <emphasis>muss eine Erleichterung sein zu wissen, welchem Ziel man sein Leben widmen will,</emphasis> dachte Lorkin. <emphasis>Keine dieser Fragen, was man mit sich anfangen soll.</emphasis></p><p>�Wie� wie seid Ihr auf die Idee gekommen, eine Geschichte der Magie zu schreiben?�, erkundigte sich Lorkin.</p><p>Dannyl sah Lorkin an und zuckte die Achseln. �Die Aufgabe hat mich gefunden�, antwortete er. �Ich w�nschte manchmal, sie h�tte es nicht getan, aber dann finde ich eine neue Information, und�, er l�chelte schief, �ich erinnere mich daran, wie wichtig es ist, dass die Vergangenheit nicht verloren geht. Die Geschichte hat uns einiges zu lehren, und vielleicht werde ich eines Tages �ber ein Geheimnis stolpern, von dem wir profitieren k�nnen.�</p><p>�Wie die schwarze Magie?�, meinte Lorkin.</p><p>Dannyl verzog das Gesicht. �Vielleicht etwas, das mit weniger Risiken und Opfern verbunden ist.�</p><p>Lorkins Herz setzte einen Schlag aus. �Eine andere Art von defensiver Magie? Das w�re eine gro�artige Entdeckung.� Es <emphasis>w�rde die Gilde nicht nur davon befreien, schwarze Magie benutzen zu m�ssen, sondern k�nnte entweder als Verteidigung gegen die Sachakaner dienen oder die Sachakaner dazu bewegen, schwarze Magie und Sklaverei aufzugeben und sich den Verb�ndeten L�ndern anzuschlie�en. Wenn ich eine solche Entdeckung machen w�rde� aber dies ist Dannyls Idee, nicht meine�</emphasis></p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �Ich werde vielleicht �berhaupt nichts finden. Aber um die Wahrheit zu sagen, ist es f�r mich Leistung genug, die Geschichte aufzuzeichnen und zu bewahren.�</p><p><emphasis>Nun� wenn es Dannyl nichts bedeutet� Ob er etwas dagegen h�tte, wenn ein anderer nach einer Alternative zur schwarzen Magie suchen w�rde? Ob er etwas dagegen h�tte, wenn ich es t�te?</emphasis></p><p>Lorkin holte tief Luft. �K�nnte� k�nnte ich mir einmal die Arbeit ansehen, die Ihr bisher geleistet habt?�</p><p>Der �ltere Magie zog die Augenbrauen hoch. �Nat�rlich. Ich w�re sehr daran interessiert zu h�ren, was Ihr davon haltet. Euch k�nnte etwas auffallen, das mir entgangen ist.� Er schaute die Stra�e hinunter, dann zuckte er die Achseln. �Warum kommt Ihr nicht zum Abendessen mit zu Tayend und mir? Danach werde ich Euch meine Notizen und Quellen zeigen und Euch die L�cken in der Geschichte erkl�ren, die ich zu f�llen versuche.�</p><p>Lorkin nickte. �Danke.� Wenn er in sein Zimmer in der Gilde zur�ckkehrte, w�rde er am Ende nur abwechselnd �ber Beriya nachgr�beln und sich sagen, dass sein Leben ohne sie besser sei. �Ich bin davon �berzeugt, dass es faszinierend sein wird.�</p><p>Dannyl deutete auf sein Haus, ein pr�chtiges, zweigeschossiges Geb�ude, das er gemietet hatte, nachdem er von seiner Position als Gildebotschafter in Elyne zur�ckgetreten war. Obwohl allenthalben bekannt war, dass Dannyl und Tayend mehr als nur Freunde waren, wurde dieser Tage nur wenig dar�ber gesprochen. Dannyl hatte sich daf�r entschieden, in der Stadt zu leben, statt auf dem Gel�nde der Gilde, weil, wie er sagte, eine Art stillschweigender �bereinkunft bestehe: �Die Gilde heuchelt Blindheit, daher geben wir ihr nichts zu sehen.�</p><p>�M�sst Ihr zuerst in die Gilde zur�ckkehren?�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Nein, aber wenn Ihr Tayend und den Dienern eine gewisse Vorwarnung geben m�sst��</p><p>�Nein, sie werden nichts dagegen haben. Tayend bringt st�ndig unerwartete Besucher mit nach Hause. Unsere Diener sind daran gew�hnt.�</p><p>Er bedeutete Lorkin, ihm zu folgen, und ging auf sein Haus zu, und Lorkin schloss sich ihm an.</p></section><section><title><p>3</p><p>Sichere Orte, gef�hrliche Ziele</p></title><p>Auf seinem Schreibtisch herrscht immer ein solches Chaos�, sagte Tayend zu Lorkin. Dannyl sah den Gelehrten stirnrunzelnd an. Eine Falte zwischen Tayends Brauen hatte sich vertieft und lie� ihn �lter aussehen, als er war. Beinahe so alt wie ich, ging es Dannyl durch den Kopf. Ich verwandle mich in ein runzeliges Skelett, w�hrend Tayend� Tayend sah besser aus denn je, bemerkte er. Er hatte ein wenig zugenommen, aber es stand ihm gut.</p><p>�Es sieht lediglich so aus�, erkl�rte Dannyl nicht zum ersten Mal. <emphasis>�Ich</emphasis> wei�, wo alles ist.�</p><p>Tayend kicherte. �Ich bin davon �berzeugt, es ist nur eine List, um sicherzustellen, dass niemand seine Forschungen und seine Ideen stiehlt.� Er grinste Lorkin an. �Nun, erlaubt ihm nicht, Euch zu Tode zu langweilen. Wenn Ihr das Gef�hl habt, dass Euer Geist zu schrumpeln beginnt, kommt und unterhaltet Euch mit mir, und wir werden noch eine Flasche Wein �ffnen.�</p><p>Lorkin nickte l�chelnd. �Das mache ich.�</p><p>Der Gelehrte hob zum Abschied die Hand, dann schlug er einen bewusst schnellen Schritt an und verlie� den Raum. Dannyl widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen und zu seufzen, und wandte sich wieder Soneas Sohn zu. Der junge Mann betrachtete zweifelnd die Stapel mit Dokumenten und B�chern auf Dannyls Schreibtisch.</p><p>�Dieser Wahnsinn hat Methode�, versicherte ihm Dannyl. �Es f�ngt hinten an. Der erste Stapel enth�lt alles, was sich auf die fr�hesten Aufzeichnungen �ber Magie bezieht. Was bedeutet, dass er voller Beschreibungen von Orten ist wie den Gr�bern der Wei�en Tr�nen und Mutma�ungen dar�ber, was die Glyphen in Bezug auf die Benutzung von Magie andeuten.� Dannyl zog die Skizzen hervor, die Tayend gemacht hatte, als sie vor �ber zwanzig Jahren die Gr�ber besucht hatten. Er zeigte auf die Glyphe eines Mannes, der vor einer Frau kniete, die seine erhobenen Handfl�chen ber�hrte.</p><p>�Diese Glyphe bedeutet �hohe Magie�.�</p><p>�Schwarze Magie?�</p><p>�Vielleicht. Aber es k�nnte auch heilende Magie gemeint sein. Es k�nnte nur ein Zufall sein, dass unsere Vorg�nger die schwarze Magie �h�here Magie� genannt haben.� Dannyl bl�tterte in dem Stapel, und eine andere Zeichnung, diesmal von einem Halbmond und einer Hand, kam zum Vorschein.</p><p>�Was ist das?�, fragte Lorkin.</p><p>�Ein Symbol, das wir in der zerst�rten Stadt Armje gefunden haben. Es war ein Symbol, das f�r die k�nigliche Familie jener Stadt stand, so wie die Incals die kyralischen H�user symbolisieren. Man nimmt an, dass Armje vor mehr als zweitausend Jahren verlassen wurde.�</p><p>�Wo genau habt Ihr das Symbol gefunden?�</p><p>�Es war in den T�rsturz von H�usern eingeritzt, und wir haben es einmal auf etwas gesehen, das ich f�r einen Blutring halte.� Dannyl l�chelte bei der Erinnerung an Dem Ladeiri, den exzentrischen Adligen und Sammler, bei dem er und Tayend in einer alten Burg in den elynischen Bergen gewohnt hatten, in der N�he von Armje. Dann verblasste sein L�cheln, als er sich an das unterirdische Gew�lbe erinnerte, das er unter den Tr�mmern liegend entdeckt hatte. Das Gew�lbe trug den Namen �H�hle der H�chsten Strafe�. Seine seltsamen, kristallinen W�nde hatten ihn mit Magie angegriffen und h�tten ihn get�tet, h�tte Tayend ihn nicht gerade in dem Moment, als sein Schild versagt hatte, hinausgeschleppt.</p><p>Akkarin hatte Dannyl gebeten, die H�hle geheim zu halten, damit nicht andere Magier in ihren Tod stolperten. Nach der Invasion der Ichani hatte Dannyl dem Hohen Lord Balkan von der H�hle erz�hlt, und der Krieger hatte ihm befohlen aufzuzeichnen, was er wusste, diese Aufzeichnungen dann jedoch ebenfalls geheim zu halten. Wenn das Buch fertig war, w�rde Balkan noch einmal dar�ber nachdenken, ob anderen gestattet sein sollte, von dem Ort zu erfahren.</p><p><emphasis>Hat Balkan jemanden dorthin geschickt, um Nachforschungen anzustellen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Krieger der Versuchung widerstehen k�nnte, nach einer M�glichkeit zu suchen herauszufinden, wie die H�hle funktioniert. Vor allem, da sie ein solches Potenzial als Verteidigungswaffe hat.</emphasis></p><p>�Also wusste man schon vor zweitausend Jahren, wie man Blutringe fertigt?�</p><p>Dannyl blickte zu Lorkin auf, dann nickte er. �Und wer wei�, was noch? Aber dieses Wissen ist verloren gegangen.� Er deutete auf den zweiten, kleineren Stapel. �Das ist alles, was ich �ber die Zeit habe, bevor das Sachakanische Reich vor �ber tausend Jahren Kyralia und Elyne eroberte. Die wenigen Unterlagen in unserem Besitz sind nur erhalten geblieben, weil es sich um Kopien handelt, und sie legen die Vermutung nahe, dass es lediglich zwei oder drei Magier gab und dass jene �ber begrenzte F�higkeiten und Macht verf�gten.�</p><p>�Wenn also die Leute, die wussten, wie man Blutringe fertigt und was immer h�here Magie sonst noch bedeutete, gestorben sind, ohne dieses Wissen weiterzugeben��</p><p>�� sei es, weil sie niemandem genug trauten, um ihn zu unterweisen, sei es, dass sie niemals jemanden fanden, der begabt genug f�r eine Unterweisung gewesen w�re��</p><p>��ist es verloren.� Lorkin blickte nachdenklich drein�� und definitiv nicht gelangweilt, wie Dannyl mit Erleichterung feststellte. Der junge Magier richtete seine Aufmerksamkeit auf den dritten Stapel.</p><p>�Drei Jahrhunderte sachakanischer Herrschaft�, erkl�rte Dannyl. �Ich habe die Informationen, die wir �ber diese Zeit haben, mehr als verdoppelt, obwohl das nicht schwer war, weil es vorher so wenig dar�ber gab.�</p><p>�Als Kyralier Sklaven waren�, sagte Lorkin mit grimmiger Miene.</p><p>�Und Sklavenbesitzer�, rief Dannyl ihm ins Ged�chtnis. �Ich glaube, dass die Sachakaner die h�here Magie nach Kyralia gebracht haben.�</p><p>Lorkin sah ihn ungl�ubig an. �Gewiss h�tten sie ihre Feinde nicht schwarze Magie gelehrt!�</p><p>�Warum nicht? Nach der Eroberung Kyralias wurde das Land dem Sachakanischen Reich einverleibt. Die Sachakaner t�teten nicht jeden Adligen, sondern nur jene, die dem Reich keine Treue schw�ren wollten. Nat�rlich gab es Mischehen und Erben gemischten Blutes. Dreihundert Jahre sind eine lange Zeit. Die Kyralier waren damals B�rger Sachakas.�</p><p>�Aber sie haben trotzdem darum gek�mpft, ihr Land zur�ckzugewinnen und sich der Sklaverei zu entledigen.�</p><p>�Ja.� Dannyl klopfte auf den Stapel. �Und das findet sich offenkundig aufgezeichnet in Dokumenten und Briefen, die der Entscheidung des Kaisers, Kyralia und Elyne ihre Unabh�ngigkeit zuzugestehen, vorausgingen und nachfolgten.</p><p>Beide L�nder schworen der Sklaverei ab, obwohl es einigen Widerstand gab.�</p><p>Lorkin betrachtete den Stapel B�cher, Dokumente und Notizen. �Das ist aber nicht das, was man uns in der Universit�t beibringt.�</p><p>Dannyl lachte. �Nein. Und die Version der Geschichte, die man Euch lehrt, ist noch weniger gesch�nt als das, was ich gelernt habe.� Er klopfte auf den n�chsten Stapel. �Meine Generation hat nie erfahren, dass kyralische Magier einst schwarze Magie benutzten und Kraft von ihren Novizen im Austausch gegen magische Unterweisung genommen haben. Dies war f�r uns eine der Wahrheiten, die zu akzeptieren uns am schwersten fiel.�</p><p>Der j�ngere Magier betrachtete den Stapel B�cher mit vorsichtiger Neugier. �Sind das die B�cher, die mein Vater unter der Gilde gefunden hat?�</p><p>�Einige von ihnen sind Kopien der Schriften, die er ausgegraben hat, ja. Aber alle gef�hrlichen Informationen �ber schwarze Magie sind daraus getilgt worden.�</p><p>�Wie wollt Ihr eine Geschichte jener Zeit schreiben, ohne Informationen �ber schwarze Magie einflie�en zu lassen?�</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �Solange nichts dabei ist, was den Gebrauch schwarzer Magie beschreibt, besteht keine Gefahr, dass irgendjemand aufgrund meiner Ausf�hrungen etwas �ber ihre Benutzung erf�hrt.�</p><p>�Aber� Mutter sagt, man m�sse schwarze Magie aus dem Geist eines Schwarzmagiers lernen. Gewiss kann man sie nicht aus B�chern lernen?�</p><p>�Wir glauben nicht, dass man es kann, aber wir gehen kein Risiko ein.�</p><p>Lorkin nickte mit nachdenklicher Miene. �Also kommt� der Sachakanische Krieg als N�chstes? Das ist ein gro�er Stapel B�cher.�</p><p>�Ja.� Dannyl betrachtete die B�cher und Aufzeichnungen neben denen zum Thema Unabh�ngigkeit. �Ich habe bekannt gemacht, dass ich gern Unterlagen aus jener Zeit h�tte, und seither hat mich ein stetiger Strom von Tageb�chern, Berichten und Dokumenten aus den Verb�ndeten L�ndern erreicht.� Oben auf dem Stapel lag ein kleines Buch, das er vor zwanzig Jahren in der Gro�en Bibliothek gefunden und das ihn zum ersten Mal auf die M�glichkeit aufmerksam gemacht hatte, dass die Geschichtsdarstellung der Gilde falsch sein k�nnte.</p><p>�Ihr m�sst eine Menge �ber diese Zeit wissen.�</p><p>�Aber nicht alles. Die meisten dieser Unterlagen stammen aus anderen L�ndern als Kyralia. Es gibt immer noch L�cken in der Geschichte. Wir wissen, dass kyralische Magier die sachakanischen Eindringlinge vertrieben und den Krieg gewonnen haben und dass sie Sachaka anschlie�end erobert und eine Zeit lang regiert haben. Wir wissen, dass das �dland, das das Land geschw�cht hat, erst mehrere Jahre nach dem Krieg geschaffen wurde. Aber wir wissen nicht, wie man die sachakanischen Magier unter Kontrolle gehalten hat oder wie das �dland geschaffen wurde.� <emphasis>Und welches der Schatz ist, von dem die Elyner behaupteten, sie h�tten ihn den Kyraliern geliehen oder geschenkt, jener Schatz, der anschlie�end zusammen mit seinen Geheimnissen verloren ging�</emphasis></p><p>�Warum habt Ihr keine Unterlagen aus Kyralia?�</p><p>Dannyl seufzte. �Es ist m�glich, dass sie zerst�rt wurden, als die Gilde schwarze Magie mit einem Verbot belegte. Oder sie k�nnten w�hrend des Krieges verloren gegangen sein. Ein so gro�er Teil der Geschichte ist durcheinandergeraten. Zum Beispiel: Man lehrt uns, dass Imardin w�hrend des Sachakanischen Krieges dem Erdboden gleichgemacht worden sei, aber ich habe jetzt Karten aus der Zeit vor und nach dem Krieg, die ein �hnliches Stra�enmuster zeigen. Einige Jahrhunderte sp�ter haben wir jedoch ein vollkommen neues Stra�enmuster�� das, das wir heute kennen.�</p><p>�Also� ist das Alter der Karten falsch, oder irgendetwas hat die Stadt sp�ter dem Erdboden gleichgemacht. Ist nach dem Sachakanischen Krieg etwas Dramatisches geschehen?�</p><p>Dannyl griff nach dem obersten Buch des n�chsten, viel kleineren Stapels. Lorkin stie� einen leisen Laut des Erkennens aus.</p><p>�Die Aufzeichnungen aus der Gilde.� Seine Augen weiteten sich. �Es war der verr�ckte Novize!� Lorkin nahm das Buch von Dannyl entgegen und bl�tterte zu den letzten Eintr�gen weiter. �Es <emphasis>ist vor�ber�,</emphasis> las er. <emphasis>�Als Alyk mir die Neuigkeit �berbrachte, wagte ich nicht, es zu glauben, aber vor einer Stunde habe ich die Stufen des Ausgucks erklommen und die Wahrheit mit eigenen Augen gesehen. Es ist wahr. Tagin ist tot. Nur er konnte in seinen letzten Augenblicken solche Zerst�rung anrichten.</emphasis> Sie hat ihn vergiftet. Seine Macht wurde freigesetzt und hat die Stadt zerst�rt.�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf, nahm Lorkin das Buch ab und legte es wieder auf den Stapel. �Tagin hatte gerade die Gilde besiegt. Es konnte ihm nicht mehr viel Macht verblieben sein. Nicht genug, um eine Stadt dem Erdboden gleichzumachen.�</p><p>�Vielleicht untersch�tzt Ihr ihn, so wie es die Gilde jener Zeit offenkundig getan hat.�</p><p>Der junge Magier zog erwartungsvoll die Augenbrauen hoch. Dannyl h�tte angesichts der Herausforderung beinahe gel�chelt. Lorkin war ein intelligenter Novize gewesen, stets bereit, all seine Lehrer zu hinterfragen.</p><p>�Vielleicht tue ich das.� Dannyl blickte auf ein kleines H�ufchen Dokumente und B�cher hinab. �Die Gilde� nun, es ist, als h�tte sie sich nicht nur darangemacht, jedwedes Wissen �ber schwarze Magie auszul�schen, sondern auch die peinliche Tatsache, dass ein blo�er Novize sie um ein Haar zerst�rt h�tte. Und ohne den Meister der Aufzeichnung, Gilken, h�tten wir nicht einmal die B�cher, die Akkarin fand, um zu erfahren, was geschehen war.�</p><p>Gilken hatte Informationen �ber schwarze Magie gerettet und vergraben, aus Furcht, dass die Gilde sie eines Tages zur Verteidigung des Landes ben�tigen w�rde.</p><p><emphasis>Wir hatten f�nfhundert Jahre Frieden, in denen wir den Schatz vergessen konnten, f�nfhundert Jahre, in denen wir �berhaupt keine schwarze Magie benutzt haben und in denen unser uralter Feind jenseits der Berge, Sachaka, sie nach wie vor praktiziert hat. H�tte Akkarin das geheime Versteck nicht gefunden�� und schwarze Magie erlernt��, w�ren wir jetzt entweder tot oder Sklaven.</emphasis></p><p>�Der letzte Stapel�, sagte Lorkin. Dannyl sah, dass Lorkin ein dickes, in Leder gebundenes Notizbuch am Ende des Tisches betrachtete.</p><p>�Ja.� Dannyl nahm es in die Hand. �Es enth�lt die Geschichten, die ich von jenen gesammelt habe, die Zeugen der Ichani-Invasion waren.�</p><p>�Auch die meiner Mutter?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Lorkin nickte, dann l�chelte er schief. �Nun, das muss ein Teil der Geschichte sein, zu dem Ihr keine weiteren Nachforschungen werdet anstellen m�ssen.�</p><p>�So ist es�, stimmte Dannyl ihm zu.</p><p>Der Blick des jungen Magiers wanderte �ber die Stapel von B�chern, Dokumenten und Aufzeichnungen. �Ich w�rde gern lesen, was Ihr habt. Und� kann ich Euch bei den Nachforschungen irgendwie helfen?�</p><p>Dannyl sah Lorkin �berrascht an. Er h�tte nie gedacht, dass Soneas Sohn ein Interesse an Geschichte haben k�nnte. Vielleicht langweilte sich der junge Mann und suchte nach etwas, mit dem er sich besch�ftigen konnte. M�glicherweise w�rde er das Interesse schnell wieder verlieren, vor allem wenn ihm klar wurde, dass Dannyl bereits alle Informationsquellen ersch�pft hatte. Es bestand nur eine geringe Chance, dass einer von ihnen die L�cken in der Geschichte jemals w�rde f�llen k�nnen.</p><p><emphasis>Wenn er das Interesse verliert, ist kein Schaden entstanden. Ich wusste nicht, warum ich ihm nicht erlauben sollte, es zu versuchen.</emphasis></p><p>Und ein frischer Blick, eine andere Herangehensweise w�rde vielleicht neue Entdeckungen zutage f�rdern.</p><p>Und es w�re gut, hier in Kyralia jemanden zu haben, der mit Dannyls bisher geleisteter Arbeit vertraut war, sollte er sich dazu entschlie�en, das Land zu verlassen, um nach neuen Informationsquellen zu suchen.</p><p><emphasis>Was eher fr�her als sp�ter geschehen k�nnte.</emphasis></p><p>Dannyl hatte im Laufe der Jahre die Gildebotschafter befragt und sie gebeten, nach Material f�r sein Buch Ausschau zu halten. Sie hatten ihm einige Informationen geliefert, aber sie wussten nicht, wonach sie suchen sollten, und was sie ihm geschickt hatten, hatte verlockende Hinweise auf unzensierte Unterlagen enthalten, die ein neues Licht auf viele historische Ereignisse werfen konnten, Aufzeichnungen, die sich in Sachaka befanden.</p><p>Seit der Ichani-Invasion hatten Sachaka und Kyralia einander genau beobachtet. Gl�cklicherweise war beiden Seiten offenbar daran gelegen, k�nftig Konflikte zu vermeiden. Beide hatten in das jeweils andere Land einen Botschafter mit einem Gehilfen entsandt. Andere Magier durften die Grenze jedoch nicht �berschreiten.</p><p>Das Amt des Botschafters wurde alle paar Jahre verf�gbar, aber Dannyl hatte sich nicht daf�r beworben. Zuerst, weil er Angst davor gehabt hatte. Der Gedanke, ein Land voller schwarzer Magie zu betreten, war erschreckend. Er war es gewohnt, f�r selbstverst�ndlich zu halten, dass er eine der m�chtigsten Personen in seiner Gesellschaft war. In Sachaka w�rde er nicht nur schwach und verwundbar sein, allen Berichten zufolge betrachteten die sachakanischen Meister der h�heren Magie solche Magier, die sich nicht auf schwarze Magie verstanden, mit Abscheu, Misstrauen oder Geringsch�tzung.</p><p>Aber sie gew�hnten sich langsam an die Idee, hatte man ihm berichtet. Heutzutage behandelten sie Gildebotschafter mit mehr Respekt. Sie hatten sogar protestiert, als der letzte Botschafter aufgrund von Problemen mit dem Verm�gen seiner Familie nach Kyralia zur�ckkehren musste. Sie hatten tats�chlich eine gewisse Zuneigung zu ihm gefasst.</p><p>Wodurch die Stelle des Botschafters frei geworden war, ein Umstand, dem Dannyl kaum widerstehen konnte. Er hatte schon fr�her in der Position gearbeitet, in Elyne, daher war er zuversichtlich, dass die H�heren Magier ihn f�r das Amt in Erw�gung ziehen w�rden. Wenn es nicht funktionierte, konnte er einfach vor der Zeit wieder nach Imardin zur�ckkehren�� und er w�re nicht der Erste, der das tat. Solange er in Sachaka war, konnte er nach Aufzeichnungen suchen, die die L�cken in seiner Geschichte der Magie f�llten, und vielleicht ganz neue Zweige dieser Geschichte entdecken.</p><p>�Lord Dannyl?�</p><p>Dannyl schaute zu Lorkin auf, dann l�chelte er. �Es w�re mir ein Vergn�gen, wenn mir ein Kollege bei meinen Nachforschungen helfen w�rde. Wann m�chtet Ihr anfangen?�</p><p>�W�re morgen genehm?� Lorkin blickte auf den Tisch. �Ich vermute, ich werde eine Menge zu lesen haben.�</p><p>�Nat�rlich ist es genehm�, antwortete Dannyl. �Obwohl � wir sollten Tayend fragen, was er geplant hat. Lasst uns jetzt mit ihm reden�� und diese Flasche Wein trinken.�</p><p>Als er den jungen Magier in das G�stezimmer f�hrte, in dem sich Tayend abends f�r gew�hnlich entspannte, kehrten Dannyls Gedanken nach Sachaka zur�ck.</p><p><emphasis>Mir sind die Quellen ausgegangen. Mir f�llt nichts mehr ein, wo ich die fehlenden St�cke meiner Geschichte noch suchen k�nnte. Die Gelegenheit ist gekommen, und ich denke, ich habe den Mut, sie zu ergreifen.</emphasis></p><p>Aber der andere Grund, warum er nie danach getrachtet hatte, Sachaka zu besuchen, lag darin, dass es bedeutete, Tayend zur�ckzulassen. Der Gelehrte w�rde den elynischen K�nig um die Erlaubnis bitten m�ssen, nach Sachaka zu reisen, und es war unwahrscheinlich, dass er sie bekommen w�rde. Zum Teil lag das daran, dass Tayend weder allgemein bekannt war noch sich der Gunst des Hofes erfreute. Das war schon so gewesen, bevor er nach Kyralia gezogen war, um mit Dannyl zusammenzuleben. Zum Teil lag es daran, dass er ein �Knabe� war�� ein Mann, der M�nner Frauen vorzog. Die sachakanische Gesellschaft war in Bezug auf Knaben nicht so tolerant wie die elynische, sondern �hnelte in diesem Punkt eher der kyralischen Gesellschaft�� solche Dinge wurden verborgen und ignoriert. Der elynische K�nig w�rde ein Land nicht vor den Kopf sto�en wollen, das sein Reich immer noch m�helos besiegen k�nnte, indem er einen Mann dorthin schickte, den die Sachakaner missbilligen w�rden.</p><p><emphasis>Aber was ist mit mir? Warum denke ich, dass der kyralische K�nig oder die Gilde meine Bewerbung nicht aus demselben Grund zur�ckweisen w�rden?</emphasis></p><p>Die Wahrheit war, Tayend verstand sich nicht so gut wie Dannyl darauf zu verbergen, was er war. Nicht lange nachdem er sich in Imardin niedergelassen hatte, hatte der Gelehrte einen Kreis von Freunden um sich geschart. Er war entz�ckt gewesen festzustellen, dass es in den kyralischen H�usern ebenso viele Knaben gab wie in den besten Kreisen Elynes, und sie hatten seine elynische Gewohnheit, Feste zu veranstalten, begeistert willkommen gehei�en. Sie bezeichneten sich als den Geheimen Klub. Doch der Klub war nicht besonders geheim. Viele Mitglieder der kyralischen Gesellschaft wussten von ihm, und etliche hatten ihre Missbilligung zum Ausdruck gebracht.</p><p>Dannyl wusste, dass sein Unbehagen seinen Grund in den langen Jahren hatte, da er seine Natur hatte verbergen m�ssen. <emphasis>Vielleicht bin ich ein Feigling, oder vielleicht bin ich �bervorsichtig, aber ich w�rde mein Privatleben lieber� nun� privat halten. Bei Tayend habe ich niemals die Wahl. Er hat mich niemals gefragt, wie ich leben wolle oder ob es mir recht sei, wenn ganz Kyralia wei�, was wir sind.</emphasis></p><p>Hinter seinem Groll verbarg sich jedoch noch mehr. Im Laufe der Jahre hatte Tayend seine Aufmerksamkeit mehr und mehr auf seine Freunde gerichtet. Obwohl sich in dem Kreis einige fanden, deren Gesellschaft Dannyl genoss, waren die meisten doch nur verzogene B�lger aus den h�heren Klassen. Und manchmal �hnelte Tayend ihnen mehr als dem jungen Mann, mit dem Dannyl vor all jenen Jahren auf Reisen gewesen war.</p><p>Dannyl seufzte. Er wollte nicht mit dem Mann, zu dem Tayend geworden war, auf Reisen gehen. Er hatte ein wenig Angst davor, dass es zu einem dauerhaften Bruch f�hren k�nnte, wenn sie in einem anderen Land aufeinander angewiesen sein w�rden. Auch konnte er nicht umhin, sich zu fragen, ob eine gewisse Zeit der Trennung nicht dazu f�hren w�rde, dass sie die Gesellschaft des anderen mehr zu sch�tzen w�ssten.</p><p><emphasis>Aber auch wenn einige Wochen oder Monate der Trennung uns vielleicht guttun w�rden�� k�nnten wir eine Trennung von zwei Jahren �berleben?</emphasis></p><p>Als er in das G�stezimmer trat und feststellte, dass Tayend die Flasche bereits ge�ffnet und die H�lfte des Inhalts getrunken hatte, sch�ttelte er den Kopf.</p><p>Falls er jemals die L�cken in dieser Geschichte der Magie�� seinem gro�en Lebenswerk�� f�llen wollte, konnte er nicht herumsitzen und hoffen, dass jemand ihm die richtigen Aufzeichnungen oder Dokumente schickte. Er musste selbst nach Antworten suchen, auch wenn das bedeutete, sein Leben aufs Spiel zu setzen oder Tayend zur�ckzulassen.</p><p><emphasis>Einer Sache bin ich mir sicher. Auch wenn es Seiten an Tayend gibt, die mir nicht gefallen, bedeutet er mir doch so viel, dass ich sein Leben nicht riskieren will. Er wird mich begleiten wollen, und ich werde es ablehnen, ihn mitzunehmen.</emphasis></p><p>Und Tayend w�rde nicht gl�cklich dar�ber sein. Ganz und gar nicht gl�cklich.</p><empty-line/><p>Sie war nicht gr��er geworden, seit Cery sie das letzte Mal gesehen hatte. Ihr dunkles Haar war schlecht geschnitten, ungleichm��ig, wo es ihr knapp auf die Schultern fiel. Den Pony trug sie schr�g zur Seite gek�mmt, so dass er eine ihrer geraden Brauen bedeckte. Und ihre Augen� diese Augen, die ihn, seit er sie das erste Mal gesehen hatte, immer schwach gemacht hatten. Gro�, dunkel und ausdrucksvoll.</p><p>Aber im Moment war alles, was sie ausdr�ckten, skrupellose Entschlossenheit, w�hrend sie mit einem Kunden feilschte, der beinahe doppelt so gro� und schwer war wie sie selbst. Cery konnte nicht h�ren, was gesprochen wurde, aber ihr Selbstbewusstsein und ihre trotzige Haltung entfachten in ihm einen t�richten Stolz.</p><p><emphasis>Anyi. Meine Tochter,</emphasis> dachte er. <emphasis>Meine einzige Tochter. Und jetzt mein einziges noch lebendes Kind�</emphasis></p><p>Etwas krampfte ihm die Eingeweide zusammen, als er von Erinnerungen an die zerschlagenen Leiber seiner S�hne �berflutet wurde. Er schob sie beiseite, aber der Schock und die Furcht blieben.</p><p>�Was soll ich tun, Gol?�, murmelte er. Sie befanden sich in einem privaten Raum im oberen Stockwerk eines Bolhauses, von dem aus man einen Blick auf den Markt hatte, zu dem der Stand seiner Tochter geh�rte.</p><p>Sein Leibw�chter machte Anstalten, sich dem Fenster zuzuwenden, hielt dann jedoch mitten in der Bewegung inne. Mit unsicherem Blick sah er Cery an.</p><p>�Ich wei� es nicht. Mir scheint, es ist gef�hrlich, mit ihr zu reden, und gef�hrlich, es nicht zu tun.�</p><p>�Und Zeit auf die Entscheidung zu verschwenden ist das Gleiche, als entscheide man gar nichts.�</p><p>�Ja. Wie weit vertraust du Donia?�</p><p>Cery dachte �ber Gols Frage nach. Die Besitzerin des Bolhauses, die nebenbei verschiedene �Dienste� anbot, war eine alte Kindheitsfreundin. Cery hatte ihr geholfen, das Lokal aufzubauen, nachdem ihr Mann, Cerys alter Freund Harrin, vor f�nf Jahren an einem Fieber gestorben war, und seine M�nner sorgten daf�r, dass niemand ihr Schutzgeld abpressen konnte. Selbst wenn sie diese Verbindung nicht gehabt h�tten oder sie ihm nicht dankbar f�r seine Hilfe gewesen w�re, schuldete sie ihm Geld und kannte die Gepflogenheiten der Diebe gut genug, um zu wissen, dass man sie nicht ohne Konsequenzen verriet.</p><p>�Mehr als irgendjemandem sonst.�</p><p>Gol lachte kurz auf. �Was nicht viel ist.�</p><p>�Nein, aber ich habe ihr bereits aufgetragen, ein Auge auf Anyi zu haben, obwohl sie nicht wei�, warum. Sie hat mich nicht entt�uscht.�</p><p>�Dann wird es nicht seltsam erscheinen, wenn du darum bittest, dass man das M�dchen zu dir f�hrt, oder?�</p><p>�Nicht seltsam, aber� sie w�re neugierig.� Cery seufzte. �Bringen wir es hinter uns.�</p><p>Gol richtete sich auf. �Ich werde alles Notwendige veranlassen und daf�r sorgen, dass niemand lauscht.�</p><p>Cery betrachtete den Mann, dann nickte er. Er schaute aus dem Fenster, w�hrend sein Leibw�chter auf die T�r zuging, und bemerkte, dass ein neuer Kunde an die Stelle des letzten getreten war. Anyi beobachtete, wie der Mann mit einem Finger �ber die Klinge eines ihrer Messer strich, um die Schneide zu pr�fen. �Und sorg daf�r, dass ihr Stand bewacht wird, w�hrend sie hier ist.� �Nat�rlich.�</p><p>Nach einigen Minuten tauchten vier M�nner aus dem Bolhaus auf und n�herten sich Anyis Stand. Cery bemerkte, dass die anderen Standbesitzer so taten, als achteten sie nicht darauf. Einer der M�nner richtete das Wort an Anyi. Sie sch�ttelte den Kopf und funkelte ihn an. Als er nach ihrem Arm griff, trat sie zur�ck und f�rderte blitzschnell ein Messer zutage, das sie auf ihn richtete. Er hob die H�nde, die Innenfl�chen nach au�en.</p><p>Ein langes Gespr�ch folgte. Anyi lie� die Hand mit dem Messer langsam sinken, steckte es aber nicht weg und h�rte auch nicht auf, ihn anzufunkeln. Einige Male blickte sie fl�chtig zum Bolhaus hin�ber. Schlie�lich reckte sie das Kinn vor, und als er von ihrem Stand zur�cktrat, stolzierte sie an ihm vorbei auf das Bolhaus zu, w�hrend sie ihr Messer wieder verschwinden lie�.</p><p>Cery stie� den Atem aus, den er angehalten hatte, und begriff, dass sein Magen in Aufruhr war und sein Herz zu schnell schlug. Pl�tzlich w�nschte er, es w�re ihm in der vergangenen Nacht gelungen, ein wenig zu schlafen. Er wollte hellwach sein. Wollte keine Fehler machen. Wollte keinen Augenblick dieser einen Begegnung mit seiner Tochter vers�umen, von der er hoffte, dass er sie sich erlauben konnte. Er hatte seit Jahren nicht mehr mit ihr gesprochen, und damals war sie noch ein Kind gewesen. Jetzt war sie eine junge Frau. Wahrscheinlich suchten junge M�nner ihre Aufmerksamkeit und ihr Bett�</p><p><emphasis>Denk nicht zu viel dar�ber nach,</emphasis> sagte er sich.</p><p>Er h�rte Stimmen und Schritte im Treppenhaus vor dem Zimmer, und sie kamen langsam n�her. Mit einem tiefen Atemzug wandte er sich der T�r zu. Es folgte ein Moment der Stille, dann sagte eine vertraute M�nnerstimme einige ermutigende Worte, und nach dem Klang der Schritte zu urteilen setzte nur noch eine Person ihren Weg fort.</p><p>Als sie durch die T�r sp�hte, erwog er ein L�cheln, aber er wusste, dass er nicht in der Stimmung war, um damit �berzeugen zu k�nnen. Er begn�gte sich damit, ihren Blick mit einem Ausdruck zu erwidern, von dem er hoffte, dass er freundlichen Ernst �bermittelte.</p><p>Sie blinzelte, dann weiteten sich ihre Augen, dann runzelte sie die Stirn und kam herein.</p><p>�Du!�, sagte sie. �Ich h�tte erraten m�ssen, dass du es sein w�rdest.�</p><p>In ihrem Blick brannten �rger und Anklage. Einige Schritte von ihm entfernt blieb sie stehen. Er zuckte unter ihrem Blick nicht zusammen, obwohl er ein vertrautes Gef�hl der Schuld in ihm heraufbeschwor.</p><p>�Ja. Ich�, erwiderte er. �Setz dich. Ich muss mit dir reden.�</p><p>�Nun, ich will aber nicht mit dir reden!�, erkl�rte sie und wandte sich zum Gehen.</p><p>�Als ob du eine Wahl h�ttest.�</p><p>Sie hielt inne und blickte mit schmalen Augen �ber ihre Schulter. Langsam drehte sie sich wieder zu ihm um und verschr�nkte die Arme vor der Brust.</p><p>�Also, was willst du?�, fragte sie, bevor sie einen dramatischen Seufzer ausstie�. Er h�tte um ein Haar gel�chelt. Die m�rrische Resignation, gepaart mit Verachtung, war etwas, das viele V�ter von jungen Menschen ihres Alters ertragen mussten. Aber ihre Resignation r�hrte eher von dem Wissen, dass er ein Dieb war, nicht von Respekt vor v�terlicher Autorit�t.</p><p>�Dich warnen. Dein Leben ist� in noch gr��erer Gefahr als normalerweise. Es besteht die M�glichkeit, dass bald jemand versuchen wird, dich zu t�ten.�</p><p>Ihre Miene ver�nderte sich nicht. �Tats�chlich? Und warum?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Wegen der blo�en ungl�cklichen Tatsache, dass du meine Tochter bist.�</p><p>�Nun, das habe ich bisher recht gut �berlebt.�</p><p>�Jetzt ist es etwas anderes. Das hier ist erheblich� unb�ndiger.�</p><p>Sie verdrehte die Augen. �Niemand benutzt dieses Wort noch.�</p><p>�Dann bin ich ein Niemand.� Er runzelte die Stirn. �Ich meine es ernst, Anyi. Denkst du, ich w�rde unser beider Leben aufs Spiel setzen, indem ich mich mit dir treffe, wenn ich mir nicht sicher w�re, dass es weit schlimmer sein k�nnte, wenn wir uns nicht treffen w�rden?�</p><p>Alle Verachtung und aller �rger wichen pl�tzlich aus ihren Z�gen, doch jetzt zeigte sie ihm eine Miene, die er nicht deuten konnte. Dann wandte sie den Blick ab.</p><p>�Warum bist du dir so sicher?�</p><p>Er holte tief Atem und stie� die Luft langsam wieder aus. <emphasis>Weil meine Frau und meine S�hne tot sind.</emphasis> Bei dem Gedanken �berflutete ihn Schmerz. <emphasis>Ich bin mir nicht sicher, ob ich es laut aussprechen kann.</emphasis> Er suchte nach Worten, dann holte er abermals tief Luft.</p><p>�Weil du seit gestern Nacht mein einziges lebendes Kind bist�, erkl�rte er.</p><p>Ihre Augen weiteten sich langsam, w�hrend sie die Nachricht aufnahm. Sie schluckte und schloss die Augen. Einen Moment lang blieb sie vollkommen reglos, eine Falte zwischen den Brauen, dann �ffnete sie die Augen wieder und musterte ihn erneut.</p><p>�Hast du es Sonea erz�hlt?�</p><p>Die Frage verwunderte ihn. Warum hatte sie sie gestellt? Ihre Mutter war immer ein wenig eifers�chtig auf Sonea gewesen, vielleicht weil sie gesp�rt hatte, dass er einmal in das H�ttenm�dchen, das sp�ter zur Magierin geworden war, verliebt gewesen war. Gewiss hatte Anyi Vestas Eifersucht nicht geerbt. Oder wusste Anyi mehr �ber Cerys fortgesetzte geheime Verbindung zu der Gilde, als sie wissen sollte?</p><p>Wie beantwortete man eine solche Frage? Sollte er �berhaupt antworten? Er erwog die M�glichkeit, das Thema zu wechseln, war jedoch neugierig zu erfahren, wie sie auf die Wahrheit reagieren w�rde.</p><p>�Ja�, sagte er. Dann zuckte er die Achseln. �Zusammen mit anderen Informationen.�</p><p>Anyi nickte und erwiderte nichts und verriet damit frustrierend wenig �ber den Grund ihrer Frage. Sie seufzte und verlagerte das Gewicht von einem Bein aufs andere.</p><p>�Was soll ich deiner Meinung nach tun?�</p><p>Versp�tet begriff er, dass er sich nicht sicher war, was er ihr raten sollte. �Gibt es einen sicheren Ort, an den du gehen k�nntest? Menschen, denen du vertraust? Ich w�rde dir anbieten, dich zu besch�tzen, nur dass� Nun, sagen wir einfach, es hat sich herausgestellt, dass deine Mutter die richtige Entscheidung getroffen hat, als sie mich verlie�, und�� Er h�rte Bitterkeit in seiner Stimme und konzentrierte sich auf andere Gr�nde. �Meine eigenen Leute k�nnten umgedreht worden sein. Es w�re besser, wenn du dich nicht auf sie verlassen w�rdest. Bis auf Gol nat�rlich. Obwohl� es w�re klug, wenn wir eine M�glichkeit h�tten, miteinander in Verbindung zu treten.�</p><p>Sie nickte, und es ermutigte ihn zu sehen, dass sie sich entschlossen aufrichtete. �Ich werde zurechtkommen�, sagte sie. �Ich habe� Freunde.�</p><p>Sie presste die Lippen zu einer d�nnen Linie zusammen. Das war alles, was sie ihm erz�hlen w�rde, vermutete er. Kluge Entscheidung.</p><p>�Gut�, erwiderte er und stand auf. �Gib acht auf dich, Anyi.�</p><p>Sie musterte ihn nachdenklich, und einen Moment lang zuckten ihre Mundwinkel. Eine j�he Hoffnung stieg in ihm auf, dass sie verstand, warum er sich all die Jahre von ihr ferngehalten hatte.</p><p>Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und stolzierte aus dem Raum, ohne auf eine Erlaubnis zu warten oder Lebewohl zu sagen.</p></section><section><title><p>4</p><p>Neue Verpflichtungen</p></title><p>Die B�ume und B�sche des Gildegartens k�hlten den sp�tsommerlichen Wind zu einer angenehmen Brise ab. In einer der Nischen des Gartens sa�en, gut beschattet von einem gro�en, dekorativen Pachi-Baum, zwei junge Magier. W�hrend die letzten Spuren seines Katers zu verfliegen begannen, lehnte Lorkin sich an die R�ckenlehne des Gartenstuhls und schloss die Augen. Der Gesang von V�geln vermischte sich mit dem Klang ferner Stimmen und Schritte�� und dem schrillen Ger�usch von Verspottungen und Protesten irgendwo hinter ihm.</p><p>Dekker drehte sich zur gleichen Zeit um wie Lorkin. Hinter ihnen war eine Wand aus B�schen und B�umen, so dass sie beide aufstanden, um �ber das Bl�tterwerk hinwegzusp�hen. Auf der anderen Seite hatten vier Jungen einen weiteren umzingelt und stie�en ihr Opfer hin und her.</p><p>�Bl�-der Prol-li�, sangen sie. �Hat keine Fa-mi-lie. Immer schmud-delig. Im-mer stin-kig.�</p><p>�He!�, rief Dekker. �Lasst das! Oder ich werde daf�r sorgen, dass ihr freiwillige Hilfe in den Hospit�lern leistet.�</p><p>Lorkin verzog das Gesicht. Seine Mutter war nie gl�cklich �ber Lady Vinaras Idee gewesen, Novizen zu bestrafen, indem man sie zwang, in den Hospit�lern zu helfen. Sie sagte, sie w�rden diese Arbeit niemals f�r lohnend oder nobel halten, wenn man von ihnen erwartete, dass sie den Wunsch hatten, sie zu meiden. Aber sie hatte nie genug Freiwillige, daher konnte sie sich nicht dazu �berwinden, dagegen zu protestieren. Einige der Novizen, die man ihr zur Strafe geschickt hatte, hatten sich sp�ter tats�chlich f�r die heilende Disziplin entschieden, weil die Arbeit mit ihr sie inspiriert hatte, aber daf�r hatten sie den Spott ihrer Mitsch�ler in Kauf nehmen m�ssen.</p><p>Die Novizen murmelten einige Entschuldigungen und flohen in verschiedene Richtungen. Als Lorkin und Dekker sich wieder setzten, erschienen im Eingang ihrer Nische zwei Magier.</p><p>�Ah! Dachte ich�s mir doch, dass ich deine Stimme geh�rt habe, Dekker�, sagte Reater. Perlers besorgtes Stirnrunzeln verblasste, als er die Freunde seines Bruders erkannte. �Habt ihr was dagegen, wenn wir uns zu euch gesellen?�</p><p>�Ganz und gar nicht�, erwiderte Dekker und deutete auf die gegen�berliegende Bank.</p><p>Lorkin blickte von einem Bruder zum anderen und fragte sich, warum Perler die Stirn gerunzelt hatte. Reater schien sich allzu sehr dar�ber zu freuen, �ber sie gestolpert zu sein.</p><p>�Perler hat heute Morgen schlechte Neuigkeiten bekommen�, verk�ndete Reater. Dann wandte er sich an seinen Bruder. �Erz�hl es ihnen.�</p><p>Perler sah Reater an. �Nicht schlecht f�r dich, hoffe ich.� Sein Bruder zuckte die Achseln und antwortete nicht, daher seufzte er und sah Dekker an. �Lord Maron ist von seinem Botschafterposten zur�ckgetreten. Er wird l�nger als erwartet brauchen, um die Angelegenheiten seiner Familie zu regeln. Also werde ich nicht nach Sachaka zur�ckkehren.�</p><p>�Du wirst dem neuen Botschafter nicht zur Seite stehen?�, fragte Lorkin.</p><p>Perler zuckte die Achseln. �Ich k�nnte, wenn ich wollte. Aber�� Er betrachtete seinen Bruder. �Auch ich habe einige Familienangelegenheiten, um die ich mich k�mmern muss.�</p><p>Reater zuckte zusammen.</p><p>�Wer wird ihn denn ersetzen?�, wollte Dekker wissen.</p><p>�Irgendjemand meinte, Lord Dannyl habe sich beworben.� Reater grinste. �Vielleicht will er sich einmal die sachakanischen M�nner���</p><p>�Reater�, mahnte Perler streng.</p><p>�Was? Jeder wei�, dass er ein Knabe ist.�</p><p>�Weshalb es nicht komisch ist, wenn man r�de Witze dar�ber macht. Werd erwachsen und komm dar�ber hinweg.� Er verdrehte die Augen. �Au�erdem will Lord Dannyl gar nicht nach Sachaka gehen. Er ist zu besch�ftigt damit, Nachforschungen f�r sein Buch anzustellen.�</p><p>Lorkins Herz setzte einen Schlag aus. �Er hat mir gestern Abend erz�hlt, dass seine Forschungen nur langsam vorangehen. Vielleicht� vielleicht hofft er, dort ein wenig forschen zu k�nnen.�</p><p>Reater sah seinen Bruder von der Seite an. ��ndert das etwas an deiner Meinung? Au!� Er rieb sich den Arm, wo Perler ihn soeben geboxt hatte. �Das hat wehgetan.�</p><p>�Was der Sinn der �bung war.� Perler blickte nachdenklich drein. �Es wird interessant sein zu sehen, ob sich irgendjemand freiwillig f�r das Amt seines Gehilfen meldet. Die meisten Leute m�gen bereit sein, Lord Dannyls Gepflogenheiten zu ignorieren, aber die wenigsten werden das Risiko eingehen wollen, dass man Spekulationen dar�ber anstellt, warum sie sich um das Amt seines Gehilfen beworben haben.�</p><p>Lorkin zuckte die Achseln. �Ich w�rde gehen.�</p><p>Die anderen starrten ihn an. Lorkin betrachtete ihre schockierten Gesichter und lachte.</p><p>�Nein, ich bin kein Knabe. Aber man kann mit Lord Dannyl gut auskommen, und seine Nachforschungen sind interessant�� und lohnend. Ich w�re stolz, dazu beitragen zu k�nnen.� Zu seiner �berraschung wirkten sie weiterhin besorgt. Bis auf Perler, wie er bemerkte.</p><p>�Aber� Sachaka�, sagte Reater.</p><p>�W�re das klug?�, fragte Dekker.</p><p>Lorkin blickte von einem zum anderen. �Perler hat es �berlebt. Warum nicht auch ich?�</p><p>�Weil deine Eltern vor einigen Jahren ein paar Sachakaner get�tet haben�, bemerkte Dekker in einem Tonfall, der nahelegte, dass Lorkin dumm war. �Sie neigen dazu, an solchen Dingen Ansto� zu nehmen.�</p><p>Lorkin breitete die Arme aus, wie um die Gilde als Ganzes zu umfassen. �Das Gleiche haben alle Magier w�hrend der Schlacht getan und die Novizen. Warum sollte das, was meine Eltern getan haben, etwas anderes sein?�</p><p>Dekker �ffnete den Mund, aber es kam kein Laut heraus, und er schloss ihn wieder. Dann sah er Perler an, der kicherte.</p><p>�Schau nicht mich an, damit ich dich in dieser Sache unterst�tze�, sagte der �ltere Magier. �Lorkins Herkunft mag ihn f�r die Sachakaner ein wenig interessanter machen als andere Magier, aber solange er nicht st�ndig darauf hinweist, bezweifle ich, dass er in gr��erer Gefahr w�re, als ich es gewesen bin.� Er sah Lorkin an. �Trotzdem, ich w�rde das die H�heren Magier entscheiden lassen. Es k�nnte einen Grund geben, warum du nicht hingehen solltest, �ber den sie bisher nicht gesprochen haben.�</p><p>Lorkin drehte sich um, um Dekker triumphierend anzusehen. Sein Freund erwiderte seinen Blick, runzelte die Stirn und sch�ttelte dann den Kopf.</p><p>�Melde dich blo� nicht freiwillig, um zu beweisen, dass ich unrecht habe.�</p><p>Lorkin lachte. �W�rde ich das tun?�</p><p>�Wahrscheinlich.� Dekker l�chelte schief. �Oder nur um mich zu �rgern. Wenn man wei�, wie deine Familie ist, wirst du eine wichtige Rolle dabei spielen, die Sachakaner dazu zu bringen, die Sklaverei aufzugeben und den Verb�ndeten L�ndern beizutreten, und in wenigen Jahren werde ich sachakanische Novizen in die Kriegskunst einf�hren.�</p><p>Lorkin widerstand dem Drang, eine Grimasse zu schneiden, und zwang sich zu einem L�cheln. <emphasis>Da f�ngt es schon wieder an. Diese Erwartung, dass ich etwas Wichtiges tun werde. Aber das wird niemals geschehen, solange ich in der Gilde herumsitze und gar nichts tue.</emphasis></p><p>�Das wird f�r den Anfang gen�gen�, sagte er. �Gibt es sonst noch etwas?�</p><p>Dekker stie� einen ungehobelten Laut aus und wandte den Blick ab. �Erfinde einen Wein, der keinen Kater verursacht, und ich werde dir alles verzeihen.�</p><empty-line/><p>Nachdem Sonea und Rothen die Universit�t betreten hatten, gingen sie durch die Halle in den Hauptflur. Dieser f�hrte direkt in die Gro�e Halle, einen drei Geschosse hohen Saal im Zentrum des Geb�udes. Glasvert�felungen bedeckten das Dach und lie�en Licht ein.</p><p>Dieser Saal war aus einem �lteren, schlichten Bau hervorgegangen, der Gildehalle. Sie war der erste Sitz der Gilde gewesen, und als man die pr�chtigere Universit�t um diese Halle herum und mit ihr als Zentrum errichtet hatte, war es das Einfachste gewesen, deren Innenmauern abzurei�en und daraus eine einzige gro�e Halle f�r die regelm��igen Versammlungen und gelegentlichen Anh�rungen zu machen.</p><p>Die heutige Zusammenkunft war eine offene Anh�rung, es konnte also neben den H�heren Magiern, die zur Anwesenheit verpflichtet waren, auch jeder andere Magier daran teilnehmen. Sonea fand es gleichzeitig ermutigend und beunruhigend, die gro�e Menge von Magiern zu sehen, die am gegen�berliegenden Ende der Halle wartete. <emphasis>Es ist gut, dass so viele sich daf�r interessieren, aber ich kann nicht umhin zu bezweifeln, dass viele von ihnen dem Antrag positiv gegen�berstehen.</emphasis></p><p>Die H�heren Magier hatten sich am Seiteneingang der Gildehalle versammelt. Der Hohe Lord Balkan stand mit vor der Brust verschr�nkten Armen da und blickte stirnrunzelnd auf den Mann hinab, der mit ihm sprach. Seine wei�en Roben betonten seine K�rpergr��e und die breiten Schultern, verrieten jedoch auch Weichheit und F�lligkeit, wo er einst muskul�s gewesen war. Seine Pflichten als Hoher Lord hielten ihn davon ab, sich in den Kriegsk�nsten zu �ben, vermutete Sonea.</p><p>Der Mann, den er mit einem Stirnrunzeln betrachtete, war Administrator Osen. Sonea konnte das Blau der Robe des Administrators nicht sehen, ohne sich an seinen Vorg�nger zu erinnern und einen Stich des Schuldgef�hls und der Traurigkeit zu versp�ren. Administrator Lorlen war w�hrend der Ichani-Invasion ums Leben gekommen. Obwohl Osen genauso t�chtig war wie Lorlen, mangelte es ihm an der W�rme seines Vorg�ngers. Und er hatte ihr nie verziehen, dass sie schwarze Magie erlernt und sich Akkarin im Exil angeschlossen hatte.</p><p>Eine Gruppe von drei anderen Magiern wartete geduldig, beobachtete die �brigen und bemerkte Sonea und Rothen. Sonea hatte w�hrend der letzten zwanzig Jahre eine gewisse Zuneigung zu Lord Peakin entwickelt, dem Oberhaupt der Alchemisten. Er war f�r Neues offen und einfallsreich, und w�hrend er �lter geworden war und sich in seine Rolle gef�gt hatte, hatte er einen trockenen Humor und gro�es Mitgef�hl offenbart. Lady Vinara hatte den Krieg �berlebt und schien entschlossen, trotz fortgeschrittenen Alters noch f�r viele Jahre das Oberhaupt der Heiler zu bleiben. Ihr Haar war jetzt vollkommen wei�, aber ihre Augen waren scharf und wachsam.</p><p>Der Anblick des Oberhaupts der Krieger weckte in Sonea stets ein s�uerliches, unbehagliches Gef�hl. Lord Garrel hatte die Angelegenheiten seiner Disziplin ohne Skandal oder gr��ere Fehlschl�ge verwaltet und war ihr gegen�ber immer von steifer H�flichkeit, aber sie konnte nicht vergessen, dass er seinem als pers�nlichen Sch�tzling angenommenen Novizen, Regin, erlaubt hatte, sie w�hrend ihrer fr�hen Jahre in der Universit�t zu qu�len; mehr noch, Garrel hatte ihn f�rmlich dazu ermuntert. Sie h�tte diese Geschichte vielleicht vergessen k�nnen, wenn er nicht au�erdem gerade mit den kyralischen H�usern verbunden gewesen w�re, die sich f�r die S�uberungen besonders stark gemacht hatten, in ruchlose politische Machenschaften verstrickt waren und angeblich von Gesch�ften mit den Dieben profitierten.</p><p><emphasis>Wie kann ich ein Urteil f�llen, nachdem heute Morgen erst ein Dieb in meinen R�umen war? Aber Cery ist anders. Zumindest hoffe ich das. Ich hoffe, er hat immer noch</emphasis> einige <emphasis>Prinzipien�� einige Grenzen, die er nicht �berschreitet. Und ich habe nichts mit seinen Gesch�ften zu tun. Ich bin nur eine Freundin.</emphasis></p><p>In der N�he der Oberh�upter der Disziplinen standen drei weitere Magier. Zwei waren die Studienleiter Lord Telano und Lord Erayk, und der andere war Rektor Jerrik. Der alte Leiter der Universit�t hatte sich kaum ver�ndert. Er war noch immer der gleiche m�rrische, s�uerliche Mann, aber jetzt ging er gebeugt, und Falten hatten sein Stirnrunzeln zu etwas Dauerhaftem gemacht, selbst bei den wenigen Gelegenheiten, da er l�chelte. Sie war in den letzten Jahren nicht selten in seine Amtsstube gerufen worden: Lorkin war ebenso oft der Schuldige wie das Opfer bei Novizenstreichen gewesen, die zu weit gegangen waren. <emphasis>Ich m�chte wetten, dass er erleichtert ist, dass Lorkin und seine Freunde ihre Ausbildung beendet haben.</emphasis></p><p>Rothen als Oberhaupt der Alchemistischen Studien hatte offensichtlich die Absicht, sich diesen dreien zuzugesellen. Es erheiterte sie immer, dass die H�heren Magier sich stets zu ihresgleichen hingezogen f�hlten. Doch als sie eine Gestalt auf die kleine Gruppe zuschreiten sah, einen Mann, der die gleichen schwarzen Roben trug wie sie, versp�rte sie keinerlei Verlangen, es ihm gleichzutun.</p><p><emphasis>Schwarzmagier Kallen.</emphasis></p><p>Nachdem die Gilde neue H�here Magier gew�hlt hatte, um jene zu ersetzen, die w�hrend der Ichani-Invasion ihr Leben gelassen hatten, hatte man lange dar�ber debattiert, wie man mit dem Thema schwarze Magie verfahren solle� und mit ihr. Die Magier wussten, dass sie dieses Wissen nicht wieder verlieren durften, f�r den Fall, dass die Sachakaner abermals versuchen sollten, Kyralia zu bezwingen, aber sie f�rchteten, dass jeder, dem sie dieses Wissen gestatteten, versuchen k�nnte, selbst die Kontrolle �ber Kyralia zu ergreifen.</p><p>So war es schlie�lich in der Vergangenheit geschehen, als Tagin, der verr�ckte Novize, schwarze Magie erlernt und die Gilde beinahe zerst�rt hatte. Die Gilde jener Zeit war der Ansicht gewesen, dass man schwarze Magie zur G�nze verbieten m�sse, um zu verhindern, dass eine einzelne Person diese Macht abermals missbrauchte.</p><p>Bedauerlicherweise waren die Gilde und s�mtliche Verb�ndete L�nder dadurch verletzbar geworden.</p><p>Die L�sung der gegenw�rtigen Gilde hatte darin bestanden, nur zwei Magiern Kenntnisse der schwarzen Magie zu gestatten. Einer konnte verhindern, dass der andere die Macht ergriff. Jeder hatte die Aufgabe, den anderen Schwarzmagier zu �berwachen und nach irgendwelchen Anzeichen f�r verderbte Ambitionen bei ihm Ausschau zu halten. Diener wurden regelm��ig befragt, und man las ihre Gedanken, um festzustellen, ob der Magier, dem sie dienten, sich st�rkte.</p><p>Sonea hatte keine andere Wahl gehabt, als zuzustimmen. Es war nicht so, als h�tte sie die einmal erlernte schwarze Magie wieder vergessen k�nnen. Man hatte ihr mehrere der Kandidaten f�r die Position ihres W�chters vorgestellt und sie nach ihrer Meinung befragt. Kallen, dem sie zuvor nie begegnet war, da er vor der Invasion als Botschafter in Lan t�tig gewesen war, hatte sie weder gemocht noch missbilligt. Aber die H�heren Magier hatten in ihm etwas gesehen, das ihnen gefiel, und Sonea hatte bald entdeckt, dass es seine unerm�dliche Hingabe an jedweden Auftrag war, den man ihm zuwies.</p><p>Bedauerlicherweise bestand sein Auftrag nun darin, sie zum Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit zu machen. Obwohl er niemals unh�flich war, waren seine steten Anstrengungen sie betreffend erm�dend. Es w�re schmeichelhaft gewesen, wenn es nicht so l�stig gewesen w�re�� und so absolut notwendig. <emphasis>Es war eine gute Entscheidung. Wenn ich tot bin, muss jemand meinen Platz einnehmen. Hoffentlich wird die Gilde eine kluge Wahl treffen, aber wenn sie es nicht tut, dann wird Kallens Vorsicht sie vielleicht retten.</emphasis></p><p>Ohne Kallen aus den Augen zu lassen, beobachtete sie, wie er n�her kam. Er erwiderte ihren Blick mit leidenschaftsloser Miene. Sie war nicht so hingebungsvoll darin, Kallen zu beobachten, wie er es in ihrer �berwachung war. Es war nicht so einfach, wenn man einen Sohn gro�zuziehen hatte. Aber wann immer Kallen in der N�he war, heuchelte sie aufmerksame Wachsamkeit und hoffte, es w�rde die wenigen Magier beruhigen, denen in den Sinn gekommen sein k�nnte, dass er einer �berwachung ebenso bedurfte wie das ehemalige H�ttenm�dchen, das zu fr�h und weit �ber jedes verdiente Ma� hinaus in eine m�chtige Position aufgestiegen war.</p><p>Das Raunen der Stimmen um sie herum brach kurz ab, und ihre Aufmerksamkeit wurde auf Administrator Osen gelenkt.</p><p>�Novizendirektor Narren ist in Elyne, und die Ratgeber des K�nigs werden nicht an der Anh�rung teilnehmen�, er�ffnete er ihnen. �Da wir �brigen zugegen sind, k�nnen wir genauso gut anfangen.�</p><p>Die H�heren Magier folgten ihm durch den Seiteneingang der Gildehalle und gingen auf ihre Pl�tze in den stufenf�rmigen Sitzreihen am Kopfende des Saals zu. Die Sitzordnung war nach Rang gestaffelt von oben nach unten. Sonea stieg neben dem Hohen Lord Balkan zu ihrem Platz hinauf und sah zu, wie die T�ren am anderen Ende ge�ffnet wurden und der Saal sich mit Magiern f�llte. Zwei kleine Gruppen versammelten sich links und rechts vor den Sitzreihen der H�heren Magier. Es waren Antragsteller und die aktiven Gegner des Antrags. Die �brigen Magier nahmen Pl�tze zu beiden Seiten der Halle ein.</p><p>Sobald alle sa�en, er�ffnete Osen die Anh�rung.</p><p>�Ich rufe Lord Pendel auf, den Sprecher der Antragsteller, damit er ihre Sache darlegen m�ge.�</p><p>Ein gutaussehender junger Mann, dessen Vater ein Unternehmen mit Schmieden, Gie�ereien und Schlossereien betrieb, trat vor.</p><p>�Als vor zwei Jahrzehnten M�nnern und Frauen der unteren Klassen Imardins gestattet wurde, der Gilde beizutreten, wurden viele weise und praktische Regeln erlassen�, las Pendel von einem St�ck Papier ab, das er in der Hand hielt. �Aber eine so unerwartete und zwangsl�ufig hastige Ver�nderung der Praktiken der Gilde schloss, wenig �berraschend, einige Regeln ein, die sich mit der Zeit als unpraktisch erwiesen haben.�</p><p>Die Stimme des jungen Mannes war ruhig und klar, wie Sonea anerkennend feststellte. Er war als Sprecher f�r die Antragsteller eine gute Wahl.</p><p>�Eine solche Regel verf�gt, dass Novizen und Magier keine Verbindung zu Kriminellen und Leuten schlechten Rufes haben d�rfen�, fuhr Pendel fort. �Obwohl es F�lle gegeben hat, bei denen Novizen verdienterma�en aus der Gilde entfernt wurden und ihnen aufgrund fortbestehender Verbindung mit zwielichtigen Personen oder Gruppen in der Stadt der Zugang zur Magie verwehrt wurde, gibt es weit mehr F�lle, da die Auslegung dieser Regel zu Ungerechtigkeit gef�hrt hat. In den vergangenen zwanzig Jahren haben letztere F�lle bewiesen, dass die allgemeine Auslegung von �schlechtem Ruf� jede Person von gemeiner Herkunft einschlie�t. Diese Regel hat ungerechterweise V�ter und M�tter von ihren S�hnen und T�chtern ferngehalten und unn�tigen Kummer und Groll verursacht.�</p><p>Pendel hielt inne, um sich im Raum umzuschauen. �Diese Regel gibt der Gilde den Anstrich der Scheinheiligkeit, denn es sind niemals Magier aus h�heren Klassen f�r einen Versto� dagegen bestraft worden, obwohl man sie regelm��ig in Spielh�usern, Gl�hh�usern und Bordellen antrifft.�</p><p>Pendel blickte zu den H�heren Magiern auf und l�chelte nerv�s.</p><p>�Trotzdem bitten wir nicht darum, dass die Magier und Novizen h�herer Klassen genauer beobachtet und eingeschr�nkt werden. Wir bitten nur um die Aufhebung der existierenden Regel, damit jene von uns, die in niedere Klassen geboren wurden, ihre Familien und Freunde ungestraft besuchen k�nnen.� Er verneigte sich. �Danke, dass Ihr unseren Antrag angeh�rt habt.�</p><p>Osen nickte, dann wandte er sich der anderen kleinen Gruppe von Magiern zu, die vorne im Raum an der Seite standen.</p><p>�Ich rufe Lord Regin auf, den Sprecher der Antragsgegner. Er m�ge vortreten und antworten.�</p><p>Als ein Mann aus der Gruppe der Gegner seinen Platz einnahm, regte sich in Sonea eine alte Abneigung. Mit ihr kamen Erinnerungen daran, verspottet und �berlistet worden zu sein, Erinnerungen an Sabotage ihrer Arbeiten, Erinnerungen daran, als Diebin betrachtet zu werden, nachdem sich ein gestohlener Stift unter ihren Besitzt�mern gefunden hatte. Auch war sie einst Gegenstand von Spekulationen gewesen, als b�sartige Ger�chte ausgestreut worden waren, nach denen ihre Beziehung zu Rothen mehr sei als nur die einer Novizin zu ihrem Lehrer.</p><p>Diese Erinnerungen brachten �rger mit sich, aber es gab noch andere, bei denen sie noch immer schauderte. Erinnerungen daran, durch die Flure der Universit�t gejagt zu werden, von einer Bande von Novizen in die Enge getrieben, gefoltert, gedem�tigt und magisch wie k�rperlich ersch�pft zur�ckgelassen zu werden.</p><p>Der Anf�hrer dieser Bande und Drahtzieher all ihrer Leiden in jenen fr�hen Jahren an der Universit�t war Regin gewesen. Obwohl sie ihn zu einem fairen Kampf in der Arena herausgefordert und dort besiegt hatte, hatte er w�hrend der Ichani-Invasion mutig sein Leben riskiert, und obwohl er sich sogar f�r all das entschuldigt hatte, was er ihr angetan hatte, konnte sie ihn nicht ansehen, ohne ein Echo der Dem�tigung und der Furcht zu versp�ren, die sie einst erlitten hatte. Und diese Gef�hle brachten Wut und Abneigung mit sich.</p><p><emphasis>Ich sollte dar�ber hinwegkommen,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es kann. Geradeso, wie ich nicht denke, dass ich jemals aufh�ren werde, einen Hauch Selbstgef�lligkeit zu versp�ren, wann immer einer der Magier aus den H�usern vorgestellt wird, ohne dass Name und Titel seiner Familie verk�ndet werden.</emphasis></p><p>Neben der Entscheidung, auch Personen von au�erhalb der H�user in die Gilde aufzunehmen, hatte man beschlossen, dass die Namen von Familie und Haus bei Zeremonien der Gilde nicht l�nger benutzt werden sollten. Von allen, die Magier wurden, erwartete man, dass sie ihr Leben f�r die Verteidigung der Verb�ndeten L�nder aufs Spiel setzten, daher sollte allen das gleiche Ma� an Respekt gezollt werden. Da au�erhalb der H�user geborene Imardianer keine Familien- oder Hausnamen hatten, wurde die Gewohnheit, diese Namen f�r jene auszurufen, die sie besa�en, vollkommen fallengelassen.</p><p>Falls Regin sich durch die Weglassung seines Familien- und Hausnamens herabgesetzt f�hlte, lie� er es sich zumindest nicht anmerken. Auch die Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwurde, verst�rte ihn nicht im Mindesten. Er wirkte beinahe gelangweilt. Er hatte keine Notizen mitgebracht, aus denen er vorlesen konnte, sondern lie� lediglich den Blick einmal durch den Raum wandern und begann dann zu sprechen.</p><p>�Bevor wir dar�ber nachdenken, ob diese Regel ver�ndert oder au�er Kraft gesetzt werden sollte, bitten wir darum, dass alle sich daran erinnern m�gen, warum sie geschaffen wurde. Nicht um gute Leute daran zu hindern, ihre Familie zu besuchen, und nicht einmal um das harmlose Vergn�gen eines Abends zu verderben, sondern um Magier jedweder Herkunft oder Stellung daran zu hindern, sich in verbrecherische Machenschaften oder Gesch�fte hineinziehen zu lassen. Die Regel ist ebenso sehr Abschreckungsmittel wie Leitlinie f�r das Verhalten. Wenn wir sie au�er Kraft setzten, w�rden wir damit eine wertvolle Motivation f�r Magier verlieren, jenen zu widerstehen, die danach trachten, sie f�r ihre Zwecke anzuwerben oder zu bestechen.�</p><p>W�hrend Regin fortfuhr, musterte Sonea ihn nachdenklich. Sie erinnerte sich an den jungen Novizen, der sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte, um w�hrend der Invasion einen Ichani zu k�dern. Seit jenem Tag hatte er ihr gegen�ber nichts anderes als Respekt gezeigt, und gelegentlich hatte er sich sogar f�r eines ihrer Anliegen ausgesprochen.</p><p><emphasis>Rothen denkt also, Regins Charakter habe sich verbessert,</emphasis> �berlegte sie. <emphasis>Aber ich w�rde Regin immer noch nicht trauen, weil ich wei�, wie er als Novize war. Wenn er erf�hre, dass ich mich neulich mit einem Dieb getroffen habe, der sich auf das Gel�nde der Gilde geschlichen hat, w�re er gewiss der Erste, der mich wegen eines Versto�es gegen diese Regel anzeigen w�rde.</emphasis></p><p>�Es ist Sache der H�heren Magier festzulegen, ob eine Person ein Verbrecher ist oder in schlechtem Ruf steht, und wir sollten es dabei belassen�, sagte Regin. �Stattdessen sollten wir bei der Beleuchtung der Aktivit�ten aller Novizen und Magier gr�ndlicher und fairer sein.�</p><p><emphasis>Das �rgerliche ist, dass er nicht ganz unrecht hat,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. <emphasis>Eine Au�erkraftsetzung der Regel wird es schwieriger machen, Magier davon abzuhalten, sich in Verschw�rungen der Unterwelt zu verstricken. Aber die Gilde wendet die Regel nicht oft genug an, um viel zu bewirken. Sie ist als Abschreckungsmittel so gut wie nutzlos, weil die reichen Novizen wissen, dass sie in ihrem Fall nicht zur Anwendung gebracht werden wird. Wenn wir uns dieser Regel entledigen, werden wir aufh�ren, Zeit und Aufmerksamkeit an Novizen zu verschwenden, deren M�tter Huren sind, und dann werden wir uns vielleicht jene Magier gr�ndlicher ansehen, deren reiche Familien Gesch�fte mit Dieben machen.</emphasis></p><p>Regin kam zum Ende und verneigte sich. Als er zu den Gegnern der Antragsteller zur�ckkehrte, fragte Sonea sich nicht zum ersten Mal, woran es lag, dass sie ihn nicht mehr so sehr hasste wie fr�her. <emphasis>Ich sch�tze, wir sind beide erwachsen geworden. Aber das bedeutet nicht, dass ich ihn m�gen muss.</emphasis></p><p>�Dies ist eine Angelegenheit, die einer gr�ndlichen Er�rterung bedarf�, erkl�rte Administrator Osen den versammelten Magiern. �Es ist �berdies unklar, ob die Entscheidung durch die H�heren Magier oder durch eine allgemeine Abstimmung getroffen werden sollte. Daher werde ich eine Entscheidung aufschieben, bis ich mich davon �berzeugt habe, welches Vorgehen das beste w�re, und all jenen, die Einblick und Informationen �ber die Angelegenheit w�nschen, die Gelegenheit geben, ein Treffen mit mir zu verabreden.� Er verneigte sich. �Ich erkl�re diese Anh�rung f�r beendet.�</p><p>Sonea brauchte mehrere Minuten, um auf den Boden der Halle hinabzugelangen, da Lady Vinara beschloss, sie nach der Versorgung der Hospit�ler zu befragen. Nachdem sie sich endlich von der Heilerin gel�st hatte, entdeckte sie Rothen in der N�he. Als er auf sie zukam, verkrampfte sich ihr Herz. Er zeigte einen Gesichtsausdruck, den sie lange nicht mehr gesehen hatte, den sie jedoch sofort zu erkennen gelernt hatte. Es war der Gesichtsausdruck, den er zeigte, wenn Lorkin in Schwierigkeiten steckte.</p><p>�Was hat er jetzt wieder angestellt?�, murmelte sie und blickte sich um, um sich davon zu �berzeugen, dass niemand nahe genug stand, um ihr Gespr�ch mit anzuh�ren.</p><p>�Ich habe soeben geh�rt, dass Lord Dannyl sich um die Position des Gildebotschafters in Sachaka beworben hat�, er�ffnete ihr Rothen.</p><p><emphasis>Das ist also alles.</emphasis> Erleichterung durchflutete sie. �Damit h�tte ich nicht gerechnet. Andererseits ist es auch wieder keine so gro�e �berraschung. Er war schon fr�her als Botschafter t�tig. Hat er sein Buch beendet oder das Projekt aufgegeben?�</p><p>Rothen sch�ttelte den Kopf. �Weder das eine noch das andere, vermute ich. Er geht wahrscheinlich dorthin, um irgendeiner neuen Spur zu folgen.�</p><p>�Nat�rlich. Ich frage mich, ob er�� Sie brach ab, als ihr klar wurde, dass Rothen noch immer die Miene eines Menschen zur Schau trug, der drauf und dran war, schlechte Nachrichten zu �bermitteln. �Was?�</p><p>Rothen verzog das Gesicht. �Lorkin hat sich freiwillig f�r das Amt seines Gehilfen gemeldet.�</p><p>Sonea erstarrte.</p><p><emphasis>Lorkin.</emphasis></p><p>In Sachaka.</p><p>Lorkin hatte sich erboten, nach Sachaka zu gehen.</p><p>Sie begriff, dass sie ihn mit offenem Mund angestarrt hatte, und presste die Lippen aufeinander. Ihr Herz h�mmerte. Ihr war �bel. Rothen fasste sie am Arm und f�hrte sie aus der Gildehalle, fort von den Magiern, die in Gr�ppchen herumstanden, um �ber den Antrag zu diskutieren. Sie nahm sie kaum wahr.</p><p><emphasis>Sachakaner und Lorkin. Sie werden ihn t�ten. Nein�� sie w�rden es nicht wagen. Aber Familien sind verpflichtet, Todesf�lle in ihren Reihen zu r�chen. Selbst wenn es sich bei den Toten um Ausgesto�ene handelt. Und wenn sie nicht an dem M�rder Rache nehmen k�nnen, dann an seinen Nachkommen�</emphasis></p><p>Sie straffte sich entschlossen. Die Sachakaner w�rden ihrem Sohn kein Haar kr�mmen. Sie w�rden es nicht tun, weil sie Lorkin nicht gestatten w�rde, zu einer derart dummen und gef�hrlichen Unternehmung aufzubrechen.</p><p>�Osen wird dem niemals zustimmen�, stie� sie hervor.</p><p>�Warum sollte er nicht? Er kann Lorkins Ersuchen nicht lediglich aufgrund seiner Herkunft ablehnen.�</p><p>�Ich werde mich an die H�heren Magier wenden. Sie m�ssen wissen, dass ihm gr��ere Gefahr drohen wird als jedem anderen Magier�� und das bedeutet, dass er eine Belastung ist. Dannyl kann nicht all seine Zeit damit verbringen, Lorkin zu besch�tzen. Und die Sachakaner k�nnten sich weigern, mit Dannyl zu reden, wenn sie erst wissen, wer der Vater seines Gehilfen war.�</p><p>Rothen nickte. �Alles gute Argumente. Aber es k�nnte sein, dass Lorkin, wenn du gar nichts sagst, Zeit haben wird, �ber all die Dinge nachzudenken, die schiefgehen k�nnten, und dann vielleicht seine Meinung �ndert. Je mehr du dich bem�hst, Lorkin aufzuhalten, desto gr��er wird vermutlich seine Entschlossenheit werden, Dannyl zu begleiten.�</p><p>�Ich kann das Risiko nicht eingehen, dass er nicht zu Verstand kommen wird.� Sie sah ihn an. �Wie w�rdet Ihr Euch f�hlen, wenn Ihr ihn ziehen lie�et und ihm etwas zustie�e?�</p><p>Rothen hielt kurz inne, dann verzog er das Gesicht. �Also sch�n. Ich sch�tze, dann haben wir einiges zu tun.�</p><p>Eine Welle der Zuneigung stieg in ihr auf, und sie l�chelte. �Danke, Rothen.�</p><empty-line/><p>Dannyl sah sich im Speisezimmer um und seufzte anerkennend. Ein Vorteil des Verzichts auf sein Zimmer in der Gilde und des Umzugs in ein Haus im Inneren Ring war der pl�tzliche Reichtum an <emphasis>Raum</emphasis> gewesen. Obwohl er jetzt einen gro�en Teil seines Einkommens f�r die Miete brauchte, war der Luxus von eigenen R�umen es wert. Er hatte nicht nur seine eigene gro�z�gige Amtsstube und dieses geschmackvoll eingerichtete Speisezimmer, sondern auch seine pers�nliche Bibliothek und R�ume f�r G�ste. Nicht dass er h�ufig G�ste im Haus hatte�� nur gelegentlich einmal einen Gelehrten, der sich f�r Dannyls Geschichte interessierte, oder Tayends elynische Freunde.</p><p><emphasis>Wie sehen eigentlich sachakanische H�user aus?,</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Ich sollte es in Erfahrung bringen, bevor ich aufbreche.</emphasis> Falls <emphasis>ich aufbreche.</emphasis></p><p>Administrator Osen hatte gesagt, er k�nne keinen Grund sehen, warum man Dannyl die Position nicht geben sollte, da er gute Voraussetzungen mitbrachte und niemand sonst sich f�r das Amt beworben hatte.</p><p><emphasis>Aber ich werde dieses Haus vermissen. Es wird gewiss Zeiten geben, da ich mir w�nschen werde, ich k�nnte mir ein Buch aus meiner Bibliothek holen oder bei dem braven alten Yerak mein Lieblingsessen bestellen oder�</emphasis></p><p>Er blickte auf, als drau�en vor dem Raum Schritte laut wurden. Es folgte eine Pause, dann sp�hte Tayend um den Bogengang. Seine Augen wurden schmal.</p><p>�Wer seid Ihr, und wo ist der echte Lord Dannyl?�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. �Was redest du da?�</p><p>�Ich habe deinen Schreibtisch gesehen.� Der Gelehrte trat ein und sah Dannyl mit gespieltem Argwohn an. �Er ist aufger�umt.�</p><p>�Ah.� Dannyl lachte leise. �Ich werde es dir gleich erkl�ren. Setz dich. Yerak wartet, und ich bin im Augenblick zu hungrig f�r Erkl�rungen.�</p><p>Als Tayend Platz nahm, sandte Dannyl ein wenig Magie in Richtung des Essensgongs, so dass der Kl�ppel sachte gegen die Scheibe tippte.</p><p>�Du warst heute in der Gilde?�, fragte Tayend.</p><p>�Ja.�</p><p>�Neue B�cher?�</p><p>�Nein, ich hatte eine Besprechung mit Administrator Osen.�</p><p>�Wirklich? Worum ging es?�</p><p>Die T�r zur K�che �ffnete sich und ersparte Dannyl eine Antwort. Diener kamen mit dampfenden Platten und Schalen voller Essen herein. Dannyl und Tayend f�llten sich ihre Teller und begannen zu essen.</p><p>�Was hast du heute getan?�, fragte Dannyl zwischen zwei Bissen.</p><p>Der Gelehrte zuckte die Achseln, dann erz�hlte er eine Geschichte, die er von einem anderen im Ausland lebenden Elyner geh�rt hatte. Er hatte den Mann am Morgen besucht, und dieser hatte von einigen Feuelschmugglern aus Vin berichtet, die von ihren Waren gekostet hatten und nackt und mit Wahnvorstellungen an einem Flussufer gefunden worden waren.</p><p>�Also, was hatte Administrator Osen zu sagen?�, erkundigte sich Tayend, als die Teller abger�umt waren.</p><p>Dannyl z�gerte kurz, dann holte er tief Luft. <emphasis>Ich kann es nicht l�nger hinausschieben.</emphasis> Er sah Tayend an und setzte eine ernste Miene auf.</p><p>�Er sagte, es g�be keine anderen Bewerber f�r die Position des Gildebotschafters in Sachaka, daher sei es sehr wahrscheinlich, dass ich die Position bekommen w�rde.�</p><p>Tayend blinzelte, dann klappte ihm der Unterkiefer herunter. �Botschafter?�, wiederholte er. <emphasis>�Sachaka?</emphasis> Das ist nicht dein Ernst.�</p><p>�Oh doch.�</p><p>In Tayends Augen leuchtete Erregung auf. �Ich war noch nie in Sachaka! Und um dort hinzugelangen, braucht man nicht einmal �bers Meer zu reisen.�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Du kommst nicht mit, Tayend.�</p><p>�Ich komme nicht mit?� Tayend starrte ihn an. �Nat�rlich komme ich mit!�</p><p>�Ich w�nschte, ich k�nnte dich mitnehmen, aber�� Dannyl breitete die H�nde aus. �Alle Besucher Sachakas brauchen eine Genehmigung, entweder von der Gilde oder von ihrem K�nig.�</p><p>�Dann werde ich ein Gesuch an meinen K�nig richten.�</p><p>Wieder sch�ttelte Dannyl den Kopf. �Nein, Tayend. Ich� es w�re mir lieber, wenn du es nicht t�test. Zun�chst einmal ist es ein gef�hrliches Land, und obwohl Magier und die meisten H�ndler lebendig zur�ckkehren, wei� noch niemand, wie die Sachakaner auf einen adligen Nichtmagier reagieren, der in ihr Land reist.�</p><p>�Dann werden wir es herausfinden.�</p><p>�Au�erdem w�re da noch die Etikette zu bedenken. Soweit ich bisher in Erfahrung bringen konnte, sind Sachakaner Knaben gegen�ber weder tolerant, noch haben sie die Gewohnheit, uns hinrichten zu lassen. Sie betrachten uns jedoch als Personen von niederem Ansehen, und sie weigern sich h�ufig, Umgang mit Leuten zu pflegen, die in ihren Augen in der gesellschaftlichen Hierarchie zu weit unter ihnen stehen. Das wird weder in meiner Position hilfreich sein noch bei meiner Suche nach historischen Aufzeichnungen.�</p><p>�Sie werden es nicht erfahren, wenn wir diskret sind�, sagte Tayend. Dann runzelte er die Stirn und funkelte Dannyl an. �Das ist der Grund, warum du das tust, nicht wahr? Weitere Nachforschungen!�</p><p>�Nat�rlich. Dachtest du, ich h�tte pl�tzlich das Verlangen, wieder Botschafter zu sein oder in Sachaka zu leben?�</p><p>Tayend erhob sich und begann im Raum auf und ab zu gehen. �Jetzt ergibt es einen Sinn.� Er hielt inne. ��ber welchen Zeitraum sprechen wir?�</p><p>�Zwei Jahre, aber ich kann wenn n�tig fr�her zur�ckkehren. Und ich kann zu Besuch nach Hause fahren.�</p><p>Tayend setzte sein Auf und Ab fort und tippte sich mit einem Finger ans Kinn. Pl�tzlich runzelte er die Stirn.</p><p>�Wer wird dein Gehilfe sein?�</p><p>Dannyl l�chelte. �Lord Lorkin hat Interesse bekundet.�</p><p>Tayends Schultern entspannten sich. �Nun, das ist eine Erleichterung. <emphasis>Er</emphasis> wird dich nicht verf�hrt haben, um dich dazu zu bringen, mich zur�ckzulassen.�</p><p>�Was macht dich da so sicher?�</p><p>�Oh, Soneas Sohn hat einen beachtlichen Ruf unter den Damen. Wahrscheinlich ma�los �bertrieben wie immer. Aber es gibt eine h�bsche Anzahl von Frauen, die es gern selbst herausfinden w�rden.�</p><p>Ein Stich der Neugier durchzuckte Dannyl. �Wirklich? Warum haben sie es dann nicht getan?� �Anscheinend ist er w�hlerisch.�</p><p>Dannyl lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck. �Also, werde ich ihn in Sachaka im Auge behalten m�ssen oder nicht?�</p><p>Ein verschlagener Ausdruck glitt �ber die Z�ge des Gelehrten. �Ich k�nnte auf ihn aufpassen. Dann w�rst du frei f�r deine Forschung.�</p><p>�Nein, Tayend.�</p><p>Tayends Gesicht spiegelte �rger und Frustration wider, dann holte er tief Luft und atmete schnaubend aus.</p><p>�Du solltest deine Meinung besser noch �ndern�, sagte er. �Und du solltest au�erdem wissen, dass ich, wenn du deine Meinung nicht �nderst�� Er hielt inne, dann straffte er die Schultern. �Dann wirst du mich vielleicht nicht l�nger hier vorfinden, wenn du in zwei Jahren nach Kyralia zur�ckkehrst.�</p><p>Dannyl sah seinen Geliebten an, pl�tzlich unsicher, was er sagen sollte. Sein Herz hatte bei der Drohung einen Satz getan, doch irgendetwas veranlasste ihn, Schweigen zu bewahren. Vielleicht war es die Tatsache, dass Tayend nicht versuchte, ihn zum Bleiben zu �berreden. Er suchte lediglich die Chance zu einem weiteren Abenteuer.</p><p>Der Gelehrte erwiderte seinen Blick mit gro�en Augen. Dann sch�ttelte er den Kopf, drehte sich um und stolzierte aus dem Raum.</p></section><section><title><p>5</p><p>Vorbereitungen</p></title><p>Als Cery die Hand ausstreckte, um die Mauer zu ber�hren, versp�rte er eine merkw�rdige Zuneigung. Fr�her einmal war die Befestigung des �u�eren Rings der Stadt ein Symbol f�r die Trennung zwischen Arm und Reich gewesen�� eine Barriere, die nur Diebe und ihre Freunde �berschreiten konnten, wenn die S�uberung alle Heimatlosen und die Bewohner der �berf�llten Schlafh�user jeden Winter aus der Stadt in die H�ttenviertel getrieben hatte.</p><p>Jetzt hatte die Stadtmauer f�r die Bewohner Imardins keine andere Bedeutung mehr als eine Erinnerung an die Vergangenheit. Hier, auf einem von Cerys Grundst�cken, war sie sogar als praktische Au�enmauer f�r ein weitl�ufiges Lagerhaus verwendet worden, in dem H�ndler sowohl legal importierte als auch geschmuggelte Waren lagerten. Es gab noch immer einige Eing�nge zu dem unterirdischen Netzwerk von Tunneln, die als die Stra�e der Diebe bekannt waren, aber sie wurden selten benutzt. Er hatte sie nur als m�gliche Fluchtrouten bewahrt, aber heutzutage war die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dieb, der diese Stra�e benutzte, auf Schwierigkeiten stie�, genauso gro� wie die, dass er unbehelligt fliehen konnte.</p><p>Cery trat von der Mauer weg und setzte sich. Er war zu dem Schluss gekommen, dass die gut eingerichtete Wohnung im Obergeschoss des Lagerhauses zum Leben geradeso gut geeignet war wie jeder andere Ort. Eine R�ckkehr in sein altes Versteck war undenkbar. Selbst wenn es nicht schmerzhafte Erinnerungen beherbergt h�tte, war es doch offenkundig nicht sicher genug gewesen. Nicht dass irgendeins seiner anderen Verstecke besser gesch�tzt w�re, aber es bestand zumindest die Chance, dass der M�rder seiner Familie nicht wusste, wo sie sich befanden.</p><p>Er hatte jedoch nicht die Absicht, sich zu verstecken. Wie immer war er angreifbar, sobald er sich in die Stadt wagte, sei es in seinen eigenen Bezirk oder anderswohin. Was ihn auf die Frage brachte, ob er sich in der Annahme irrte, dass er das wahre Ziel des M�rders gewesen war.</p><p><emphasis>Nein. Obwohl er gewartet hat, bis ich fort war, um meine Familie zu t�ten, war ich doch das wahre Ziel. Selia und die Jungen hatten keine Feinde.</emphasis></p><p>Beim Gedanken an sie schn�rte sich ihm die Brust zusammen, und einen Moment lang konnte er nicht atmen. Wenn der M�rder oder die M�rder oder ihr Auftraggeber beabsichtigt hatten, Cery zu verletzen, dann war es ihnen gelungen. Es war wichtiger herauszufinden, wer seine Familie get�tet hatte und warum, als in Erfahrung zu bringen, wie es ihnen gelungen war, seine Wohnung zu finden und dort einzubrechen.</p><p>Er holte einige Male tief Luft. Gol hatte die Vermutung ge�u�ert, dass der J�ger sie vielleicht get�tet hatte, aber Cery hielt nichts von der Idee. Der legend�re Freisch�rler nahm nicht die Familien aufs Korn und t�tete sie, um Diebe zu verletzen. Er t�tete nur Diebe.</p><p>Ein schwaches L�uten drang an seine Ohren, in einem Muster, das er erkannte, daher stand er auf, ging zu einem Rohr, das aus der Wand ragte, und legte das Ohr daran. Die Stimme, die darin widerhallte, war verzerrt, aber erkennbar. Cery bewegte sich durch den Raum, zog an Hebeln und drehte Kn�ufe, bis ein Teil der Wand aufglitt. Gol trat ein.</p><p>�Wie ist es gelaufen?�, fragte Cery, w�hrend er zu seinem Stuhl zur�ckkehrte. Gol nahm ihm gegen�ber Platz und rieb sich die H�nde.</p><p>�Das Ger�cht macht bereits die Runde. Keine Ahnung, ob jemand von uns etwas ausgeplaudert hat oder ob das Messer geprahlt hat.� Cery nickte. Einige Auftragsm�rder r�hmten sich gern ihrer hochkar�tigen Opfer, als demonstriere das ihre Gerissenheit. �Ich bezweifle, dass Anyi etwas sagen w�rde.�</p><p>�Sie w�rde es vielleicht tun, wenn sie es m�sste. Hast du deine gewohnten Runden gemacht?�</p><p>Gol nickte.</p><p>�Und wie laufen die Gesch�fte?�</p><p>Cery lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck und h�rte zu, w�hrend sein Leibw�chter und Freund berichtete, wo er gewesen war und mit wem er gesprochen hatte, seit er am fr�hen Morgen fortgegangen war. Es kostete ihn einige Anstrengung, den Worten des Mannes zu folgen, aber Cery zwang sich dazu. Zu seiner Erleichterung schienen die Gesch�fte in seinem Bezirk weiterzugehen, wie sie das immer taten. Gol hatte keine Hinweise darauf gefunden, dass jemand jetzt schon Cerys Situation ausnutzte.</p><p>�Also�, sagte Gol. �Was wirst du jetzt tun?�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Gar nichts. Offensichtlich will irgendjemand, dass ich irgendwie reagiere. Ich werde ihm den Gefallen nicht tun. Ich werde meine Gesch�fte wie gew�hnlich weiterf�hren.�</p><p>Gol runzelte die Stirn, �ffnete den Mund und schloss ihn dann wieder, ohne etwas zu sagen. Cery brachte ein freudloses L�cheln zustande.</p><p>�Oh, denk nicht, die Ermordung meiner Familie h�tte mich nicht w�tend gemacht, Gol. Ich werde meine Rache bekommen. Aber wer immer in das Versteck eingebrochen ist, war klug und vorsichtig. Es wird seine Zeit dauern herauszufinden, wer es war und warum.�</p><p>�Sobald wir das Messer haben, werden wir in Erfahrung bringen, wer es bezahlt hat�, versicherte ihm Gol.</p><p>�Wir werden sehen. Ich habe so das Gef�hl, dass mehr dazugeh�ren wird.�</p><p>Gol nickte und runzelte die Stirn.</p><p>�Gibt es sonst noch etwas?�, fragte Cery.</p><p>Der gro�e Mann biss sich auf die Unterlippe, dann seufzte er. �Nun� du wei�t, dass Neg dachte, es m�sse Magie benutzt worden sein, um in dein Versteck einzubrechen?�</p><p>�Ja.� Cery zog die Brauen zusammen.</p><p>�Dern stimmt ihm zu. Er meinte, es gebe keine Spuren eines Versuchs, die T�r zu �ffnen. Er hat ein wenig Kitt in das Schloss gegeben, als er es fertigte, damit er genau das w�rde erkennen k�nnen.�</p><p>Dern war der Schlossmacher, der das Schlie�system von Cerys Versteck entworfen und angebracht hatte.</p><p>�K�nnte es ein sehr geschickter Einbrecher gewesen sein? Oder sogar Dern selbst?�</p><p>Gol sch�ttelte den Kopf. �Er hat mir einen Hebel gezeigt, der sich nur drehen l�sst, wenn das Schloss von innen ge�ffnet wurde�� das hei�t, aus dem Inneren des Schlosses heraus��, was nur mit Magie zu bewerkstelligen ist. Ich habe ihn gefragt, warum er sich diese M�he gemacht hat, und er sagte, er habe es getan, um sich selbst zu sch�tzen. Er verspricht niemals, dass seine Schl�sser vor Magie sicher seien, daher muss er beweisen k�nnen, dass das der Grund ist, falls sie jemals aufgebrochen werden. Ich wei� nicht. Es scheint mir ein wenig �bertrieben. K�nnte sein, dass er es erfunden hat, um seine Spuren zu verbergen.�</p><p><emphasis>Oder vielleicht auch nicht.</emphasis> Ein Kribbeln �berlief Cery. Vielleicht hatte er sich geirrt. Vielleicht <emphasis>war</emphasis> es wichtig, in Erfahrung zu bringen, wie die M�rder an seine Familie herangekommen waren.</p><p>Er w�rde Dern selbst befragen und das Schloss untersuchen, um sicher zu sein. Aber wenn es sich als wahr erwies, dann hatte er immerhin einen Hinweis auf die M�rder seiner Familie. Einen Hinweis, der zwar beunruhigend war, aber immerhin ein Anfang.</p><p>�Ich werde wohl mit unserem Schlossmacher reden m�ssen.�</p><p>Gol nickte. �Ich werde sofort ein Gespr�ch arrangieren.�</p><empty-line/><p>Perler l�chelte und nickte Lorkin zu, als er den Raum betrat. Lord Maron runzelte jedoch die Stirn.</p><p>�Vielen Dank, dass Ihr bereit wart, uns so kurzfristig ins Bild zu setzen�, sagte Lord Dannyl. Er deutete auf die Tische und St�hle, die einzigen M�belst�cke in dem kleinen Raum in der Universit�t, in dem Osen das Treffen arrangiert hatte, und sie alle nahmen Platz.</p><p>Marons Aufmerksamkeit verlagerte sich von Lorkin auf Dannyl, dann l�chelte er. �Ihr m�sst zuversichtlich sein, dass die H�heren Magier Lorkins Bitte, Euch nach Sachaka begleiten zu d�rfen, gew�hren werden�, sagte er. �Und dass Schwarzmagierin Soneas Protest scheitern wird.�</p><p>Dannyl lachte leise. �Nicht g�nzlich zuversichtlich. Ich w�rde niemals den Einfluss seiner Mutter untersch�tzen, und es k�nnte Faktoren geben, die die anderen H�heren Magier umstimmen k�nnten und von denen niemand von uns etwas wei�. Aber wenn wir die Entscheidung abwarten, bevor wir Lorkin �ber die Lage ins Bild setzen, dann wird er vielleicht schlecht informiert sein, wenn wir aufbrechen�� und das w�re ein Fehler.�</p><p>�Ein Ersatzmann w�rde ebenfalls schlecht informiert sein, sollten sie sich entscheiden, dass Lorkin Euch nicht begleiten darf.�</p><p>Dannyl nickte zustimmend. �Ich h�tte einen m�glichen Ersatzkandidaten mitgebracht, aber es hat keine anderen Freiwilligen gegeben.�</p><p>�Nun, falls es dazu kommt, werde ich einen anderen Gehilfen finden, ihn f�r Euch informieren und zu Euch schicken, wenn er so weit ist�, erbot sich Maron.</p><p>�Das w�re sehr freundlich�, erwiderte Dannyl mit einem dankbaren Nicken.</p><p>Lorkin behielt unterdessen einen neutralen Gesichtsausdruck bei. Es war ein wenig �rgerlich, dass sie �ber ihn sprachen, als w�re er nicht zugegen. Andererseits h�tte man ihn ohne Weiteres von der Zusammenkunft ausschlie�en k�nnen, und er war Dannyl dankbar daf�r, dass er ihn mitgenommen hatte.</p><p>�Also, wo soll ich anfangen?�, fragte Maron, w�hrend er eine Tasche �ffnete und mehrere B�gen Papier herausholte. �Dies sind die Notizen, die ich gestern Abend zusammengestellt habe und die die Notizen meiner Vorg�nger erg�nzen. Ihr habt alle Berichte fr�herer Gildebotschafter in Sachaka erhalten?�</p><p>�Ja. Und ich habe sie alle gelesen. Es ist eine faszinierende Lekt�re.�</p><p>Maron lachte trocken. �Sachaka unterscheidet sich sehr von Kyralia. Und von allen anderen Verb�ndeten L�ndern. Die offensichtlichen Unterschiede haben ihren Ursprung in der allgemeinen Benutzung schwarzer Magie und in der Sklaverei, aber es gibt auch feinere Unterschiede. Zum Beispiel, wie sie ihre Frauen betrachten. Obwohl die M�nner den Frauen ihrer Familie gegen�ber einen stark ausgepr�gten Besch�tzerinstinkt haben, betrachten sie doch alle anderen Frauen mit Argwohn und Furcht. Sie leben in dem seltsamen Glauben, dass Frauen sich abseits der M�nner zusammenrotten und alle m�glichen Arten von Unfug planen. Einige Sachakaner glauben sogar, es gebe eine geheime Organisation oder einen Kult, der Frauen von ihren Familien fortholt und mit Magie ihren Geist beeinflusst, um seine Opfer von seinen Ideen zu �berzeugen.�</p><p>�Denkt Ihr, dass das der Wahrheit entspricht?�, erkundigte sich Lorkin.</p><p>Maron zuckte die Achseln. �H�chstwahrscheinlich ist es eine �bertreibung. Eine beunruhigende Geschichte, um Frauen daran zu hindern zusammenzukommen, zu tratschen und Ideen dar�ber auszutauschen, wie sie ihre M�nner manipulieren k�nnen.� Er kicherte, dann seufzte er und wirkte pl�tzlich bek�mmert. �Die wenigen Frauen, denen ich begegnet bin, waren unterw�rfig und einsam. Ich habe die Gesellschaft gebildeter, selbstbewusster Frauen vermisst, obwohl ich den Verdacht habe, dass ich das �berwinden werde, sobald ich mich mit meiner Schwester unterhalten habe.� Er machte eine knappe Handbewegung. �Aber ich schweife vom Thema ab. Wichtig zu wissen ist, dass Ihr Frauen nicht ansprechen d�rft, es sei denn, Ihr werdet dazu aufgefordert.�</p><p>W�hrend der ehemalige Botschafter weitersprach, begann Lorkin, sich in einem unbenutzten, in Leder gebundenen Notizbuch, das aus seinen Novizentagen �brig geblieben war, Anmerkungen zu machen. Maron lie� das Thema Frauen hinter sich und wandte sich den Themen Ehe, Familienleben und Erbschaften zu, bevor er auf die vielschichtigen B�ndnisse und Konflikte zwischen den wichtigsten sachakanischen Familien zu sprechen kam. Zu guter Letzt brachte er die Rede auf die Protokolle, denen es in Bezug auf den K�nig zu folgen galt.</p><p>�Es gab fr�her einen sachakanischen Kaiser�, bemerkte Dannyl. �Jetzt haben sie einen K�nig. Ich konnte diese Ver�nderung lediglich auf die ersten Jahrhunderte nach dem sachakanischen Krieg einengen. Wisst Ihr, wann es zu der Ver�nderung kam und warum die Sachakaner nicht dazu zur�ckgekehrt sind, ihre Anf�hrer �Kaiser� zu nennen, nachdem sie begonnen haben, sich wieder selbst zu regieren?�</p><p>�Ich f�rchte, es ist mir nie in den Sinn gekommen, jemanden danach zu fragen�, gestand Maron. �Ich hielt es f�r das Beste, nicht allzu offen auf die Tatsache anzuspielen, dass die Gilde einmal �ber Sachaka geherrscht hat. Denn deswegen gibt es gro�en Groll�� Er hielt inne und runzelte die Stirn. �Ich vermute allerdings, es hat mehr mit dem �dland zu tun als mit den Ver�nderungen, die die Gilde in ihrer Gesellschaft bewirkt�� oder zu bewirken vers�umt�� hat.�</p><p>�Wissen die Sachakaner, wie das �dland geschaffen wurde?�, hakte Dannyl nach.</p><p>Maron sch�ttelte den Kopf. �Wenn sie es wissen, haben sie es mir gegen�ber nie erw�hnt. Ihr werdet diese Fragen selbst stellen m�ssen. Seid nur vorsichtig damit, wie und wann Ihr es tut. Nach allem, was ich gesehen habe, pflegen sie jede Art von Groll <emphasis>sehr</emphasis> lange.�</p><p>Dannyl sah Lorkin an. �Denkt Ihr, es wird f�r Lorkin gef�hrlich sein, nach Sachaka zu reisen?�</p><p>Lorkin hielt in seiner Mitschrift inne und blickte zu dem ehemaligen Botschafter auf. Sein Herz schlug ein wenig schneller. Seine Haut kribbelte.</p><p>Maron betrachtete Lorkin nachdenklich. �Im Prinzip droht ihm nicht mehr Gefahr als jedem anderen jungen Magier. Ich w�rde allerdings den Namen Eures Vaters nicht allzu oft erw�hnen�, sagte er zu Lorkin. �Sie werden ihn als einen Verteidiger Kyralias respektieren, aber nicht f�r das, was vorher geschehen ist. Doch gleichzeitig r�umen sie ein, dass Dakova, der Ichani, den Akkarin get�tet hat, ein Ausgesto�ener und ein Narr war, dass er einen Magier und Fremdl�nder versklavt hat und dass er sein Schicksal verdient habe. Ich denke nicht, dass irgendjemand au�er Dakovas Bruder sich verpflichtet f�hlen w�rde, Rache zu �ben�� und der ist bei der Invasion gefallen.�</p><p>Lorkin nickte, und Erleichterung l�ste die Anspannung in seinem K�rper.</p><p>�Trotzdem�, beharrte Dannyl. �Sollte Lorkin von den Sachakanern oder ihren Sklaven erwarten, dass sie ihm Steine in den Weg legen werden?�</p><p>�Nat�rlich.� Maron l�chelte und sah Perler an, der das Gesicht verzog. �Sie werden Euch bisweilen Steine in den Weg legen, ganz gleich wer Ihr seid. Abgesehen von den allgemeinen Problemen von Rang und Hierarchie sind die Sklaven ein wenig gew�hnungsbed�rftig. Sie sind vielleicht nicht in der Lage, irgendetwas Bestimmtes f�r Euch zu tun, aber sie werden es nicht sagen, denn das w�re gleichbedeutend mit Befehlsverweigerung. Ihr m�sst lernen zu deuten, was sie sagen und tun�� es gibt Signale und Gesten, die Ihr irgendwann mitbekommen werdet��, und ich werde Euch erkl�ren, wie Ihr einen Befehl am besten ausdr�cken k�nnt.�</p><p>Es folgte ein komplizierter, aber �berraschend logischer Kodex f�r das Verhalten im Umgang mit Sklaven, und Lorkin war �rgerlich, als sie einige Zeit sp�ter von einem Klopfen an der T�r unterbrochen wurden. Dannyl deutete auf die T�r, und sie schwang auf. Lorkin wurde prompt ein wenig flau, als er den Magier erkannte, der dahinter stand.</p><p><emphasis>Oh-oh. Was hat Mutter jetzt wieder getan?</emphasis></p><p>�Entschuldigt die Unterbrechung�, sagte Lord Rothen, dessen verrunzeltes Gesicht sich zu einem L�cheln verzog. �K�nnte ich f�r einen Moment mit Lord Lorkin sprechen?�</p><p>�Nat�rlich, Lord Rothen�, sagte Dannyl mit einem breiten L�cheln. Er sah Lorkin an, dann deutete er mit dem Kopf auf den �lteren Magier. �Geht nur.�</p><p>Lorkin unterdr�ckte ein Seufzen und erhob sich. �Ich werde so schnell wie m�glich zur�ck sein�, sagte er zu den anderen, dann ging er zur T�r und trat an Rothen vorbei in den Flur dahinter. Als die T�r sich schloss, verschr�nkte Lorkin die Arme vor der Brust und wappnete sich f�r den Vortrag, der gewiss folgen w�rde.</p><p>Rothen wirkte wie immer sowohl streng als auch erheitert. �Bist du dir sicher, dass du nach Sachaka gehen willst, Lorkin?�, fragte er leise. �Du tust es nicht nur, um deine Mutter zu �rgern?�</p><p>�Ja�, antwortete Lorkin. �Und nein. Ich will nach Sachaka reisen, und ich versuche nicht, Mutter gegen mich aufzubringen.�</p><p>Der �ltere Magier nickte, und seine Miene wirkte jetzt nachdenklich. �Du bist dir �ber die Risiken im Klaren?� �Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Dann gibst du also zu, dass es Risiken gibt.�</p><p><emphasis>Ha. �berlistet!</emphasis> Lorkin musste sich ein L�cheln verkneifen, als eine Woge der Zuneigung zu dem alten Mann in ihm aufstieg. W�hrend all der Jahre von Lorkins Leben war Rothen da gewesen, er hatte sich um ihn gek�mmert, wenn die Pflichten seiner Mutter sie fortriefen, und ihm geholfen, wenn er Verteidigung oder Unterst�tzung brauchte, er hatte ihn belehrt und gelegentlich bestraft, wenn er etwas T�richtes getan oder Gilderegeln gebrochen hatte.</p><p>Dies war etwas anderes, und Rothen musste es wissen. Lorkin brach keine Regeln. Er brauchte seinen alten Freund und Besch�tzer nur davon zu �berzeugen, dass er nichts T�richtes tat.</p><p>�Nat�rlich gibt es Risiken�� es gibt Risiken bei allem, was ein Magier tut�, wiederholte Lorkin etwas, das Rothen gern zu Novizen sagte.</p><p>Die Augen des alten Magiers wurden schmal. �Aber sind sie zu gro�?�</p><p>�Das zu entscheiden wird bei den H�heren Magiern liegen�, antwortete Lorkin.</p><p>�Und du wirst ihre Entscheidung akzeptieren, ganz gleich wie sie ausf�llt?� �Nat�rlich.�</p><p>Rothen senkte den Blick, dann sah er Lorkin wieder in die Augen, und seine eigenen Augen waren voller Mitgef�hl. �Ich verstehe, dass du etwas mit deinem Leben anfangen willst. Die Erwartungen an dich sind gewiss hoch. Du wei�t, dass Sonea und ich f�r dich niemals etwas anderes wollten als ein sicheres, gl�ckliches Leben?�</p><p>Lorkin nickte.</p><p>�Es wird andere M�glichkeiten geben, wie du etwas bewirken kannst�, erkl�rte Rothen. �M�glichkeiten, die genauso befriedigend sind und erheblich weniger riskant. Du brauchst nur Geduld zu haben und bereit zu sein, M�glichkeiten zu ergreifen, wenn sie sich bieten.�</p><p>�Und das werde ich tun. Ich habe die Absicht, Sachaka zu �berleben und zu irgendwelchen anderen M�glichkeiten zur�ckzukehren, die sich mir bieten�, sagte Lorkin entschlossen. �Aber f�r den Augenblick ist es <emphasis>dies,</emphasis> was ich tun will.�</p><p>Rothen sah Lorkin lange schweigend an, dann zuckte er die Achseln und trat einen Schritt zur�ck. �Solange du dir sicher bist und du die vollen Konsequenzen bedacht hast� Oh, und bevor ich es vergesse, deine Mutter hat mich gebeten, dir auszurichten, dass sie sich freuen w�rde, wenn du dich heute Abend zum Essen zu ihr gesellen w�rdest.�</p><p>Lorkin verkniff sich ein St�hnen. �Danke. Ich werde kommen.�</p><p><emphasis>Als ob ich eine Wahl h�tte,</emphasis> dachte er. Er hatte auf harte Weise gelernt, dass eine Ablehnung einer Einladung zum Abendessen etwas war, das seine Mutter nicht leicht verzieh. Es gab da ein einziges vers�umtes Abendessen vor f�nf Jahren�� was nicht einmal zur G�nze seine Schuld gewesen war��, und sie schaffte es immer noch, ihm deswegen ein schlechtes Gewissen zu machen.</p><p>Rothen wandte sich zum Gehen. Lorkin drehte sich wieder zur T�r um, dann hielt er noch einmal inne und blickte �ber die Schulter.</p><p>�Werdet Ihr mit uns essen, Rothen?�</p><p>Der alte Mann l�chelte. �Oh nein. Heute Abend wird sie dich ganz f�r sich allein haben.�</p><p>Diesmal schaffte Lorkin es nicht, ein St�hnen zu unterdr�cken. Als er Magie aussandte, um den T�rknauf zu drehen, h�rte er Rothen leise lachen, w�hrend er davonging.</p><empty-line/><p>Sonea betrachtete den Mann, der ihr gegen�ber am Tisch sa�, und fragte sich nicht zum ersten Mal an diesem Abend, warum er sich die M�he gemacht hatte, sie aufzusuchen. Es war sowohl f�r Antragsteller als auch ihre Gegner normal zu versuchen, die H�heren Magier zu beeinflussen; es wurde sogar von ihnen erwartet. Aber gewiss musste offensichtlich sein, wie sie abstimmen w�rde, da sie selbst aus der unteren Klasse kam, der ihre ganze Sympathie geh�rte. Warum die Zeit verschwenden, wenn er seine Bem�hungen besser darauf richten sollte, andere H�here Magier dazu zu �berreden, sich auf seine Seite zu schlagen?</p><p>�Die Regel ist offenkundig am h�ufigsten im Fall von Novizen aus den unteren Klassen ungerecht angewandt worden�, r�umte Regin ein. �Aber Tatsache ist, dass einige wirklich aus Familien kommen, die in kriminelle Machenschaften verstrickt sind.�</p><p>�Ich heile regelm��ig Menschen, die in kriminelle Machenschaften verstrickt sind�, erwiderte sie. �Und ich kenne Leute in der Stadt, die ihr Geld nicht auf legale Weise verdienen. Das macht mich nicht zur Verbrecherin. Ebenso wenig wird ein Magier zum Verbrecher, weil ein Verwandter zuf�llig einer ist. Gewiss ist es genug, dass ein Magier�� oder Novize�� sich so benimmt, wie wir es von ihm w�nschen.�</p><p>�Wenn wir nur darauf vertrauen k�nnten, dass sie es tun�, entgegnete Regin. �Aber ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Verm�gens trifft es auf alle Magier und Novizen zu, dass jene, die durch Familie oder Freunde unehrlichen Leuten und Gesch�ften ausgesetzt sind, eher der Versuchung einer kriminellen Verstrickung erliegen als jene, die diesen Einfl�ssen nicht ausgesetzt sind.� Er verzog das Gesicht. �Ich glaube, dass diese Regel ihnen hilft, insbesondere dann, wenn sie sich nicht selbst helfen k�nnen. Es kann eine Ausrede sein, um sich aus einer Situation zur�ckzuziehen, wenn man von anderen unter Druck gesetzt wird.�</p><p>�Oder es kann sie zur Rebellion treiben, wenn sie sehen, dass die Regel ungerecht angewandt wird. Oder wenn sie versehentlich gebrochen wird, k�nnte der Betreffende denken, dass es, wenn man erst eine Regel gebrochen hat, nicht mehr so sehr ins Gewicht fallen wird, wenn er noch eine bricht. Und dann sind da jene, die gerade das Verbotene am aufregendsten finden.�</p><p>�Weshalb wir die abschreckende Wirkung der Regel brauchen.�</p><p>�Ist sie abschreckend oder, verdrehterweise, ermutigend?� Sie seufzte. �Die Schw�che dieser Regel liegt darin, dass sie nicht durchg�ngig angewandt wird�� und ich glaube nicht, dass sich dieses Problem l�sen l�sst.�</p><p>�Ich stimme zu, dass es eine Schw�che ist, aber nicht, dass das Problem sich nicht l�sen l�sst.� Regin lehnte sich auf seinem Stuhl zur�ck und schloss die Augen. �Die Sache ist die, die Dinge haben sich ver�ndert. Das Verbrechen ist in die h�heren Klassen eingesickert wie Feuchtigkeit in W�nde. Sie sind es, f�r die wir die Regel brauchen, nicht die unteren Klassen.�</p><p>Sonea zog die Augenbrauen hoch. �Gewiss glaubt Ihr nicht, dass die h�heren Klassen in der Vergangenheit nicht gespielt und gehurt haben? Ich kann Euch einige Geschichten erz�hlen��</p><p>�Nein.� Regin �ffnete die Augen wieder und sah sie an. �Ich rede nicht von den �blichen Missetaten. Was ich meine, ist gr��er. B�sartiger. Und erheblich besser organisiert.�</p><p>Sonea �ffnete den Mund, um ihn um eine n�here Erkl�rung zu bitten, wurde jedoch von einem Klopfen an der T�r unterbrochen. Sie wandte sich ab und sandte ein wenig Magie aus, um die T�r zu entriegeln, und als sie einw�rtsschwang, hob sich ihre Laune, denn Jonna trat ein, in den H�nden ein gro�es, mit verschiedenen Speisen beladenes Tablett.</p><p>Soneas Tante und Dienerin blickte von ihr zu Regin und verneigte sich dann h�flich. �Lord Regin.� Sie stellte das Tablett ab, schaute Sonea an und trat einen Schritt zur�ck.</p><p>�Geh nicht meinetwegen.� Regin erhob sich und drehte sich zu Sonea um. �Ich werde ein andermal wiederkommen.� Er neigte den Kopf. �Danke, dass Ihr mich angeh�rt habt, Schwarzmagierin Sonea.�</p><p>�Gute Nacht, Lord Regin�, erwiderte sie.</p><p>Jonna trat beiseite, um ihn vorbeizulassen. Als die T�r sich hinter ihm schloss, kam die Frau herbei und stellte das Tablett auf den Tisch.</p><p>�Habe ich gest�rt?�, fragte sie.</p><p>�Ja. Gerade rechtzeitig. Danke.�</p><p>W�hrend ihre Tante die abgedeckten Schalen auf den Tisch stellte, seufzte Sonea und blickte sich im Raum um.</p><p>Als man sie das erste Mal in die R�ume im Magierquartier gef�hrt hatte, hatte der Luxus sie beeindruckt, aber ihr war nichts Ungew�hnliches an der Gr��e dieser R�ume aufgefallen. Sie hatte nicht gewusst, dass sie klein waren im Vergleich zu den H�usern, in denen die meisten M�nner und Frauen der h�heren Klasse lebten. Jede Zimmerflucht umfasste zwei bis vier R�ume, je nach Gr��e der Familie des Magiers, und die R�ume waren von bescheidenen Ausma�en.</p><p>Abgesehen von gelegentlichen Klagen waren die meisten Magier bereit, in solch kleinen Quartieren zu leben, um innerhalb der Gilde wohnen zu k�nnen. Sie hatten sich an die Einschr�nkungen angepasst. So a�en sie zum Beispiel nicht an einem Esstisch; stattdessen wurden Mahlzeiten auf einem niedrigen Tisch serviert, den man vor die St�hle im G�stezimmer gestellt hatte. Die einzigen Ausnahmen waren die formellen Mahlzeiten der Gilde, und diese wurden an einem langen Esstisch im Bankettsaal innerhalb eines zweckm��ig gestalteten Geb�udes serviert.</p><p>Obwohl es noch eine andere Ausnahme gab�� den kleinen Speiseraum in der Residenz des Hohen Lords.</p><p>Eine Erinnerung an diesen Raum flammte in ihr auf und an Speisen, die sie seit Jahren nicht mehr gekostet hatte. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, was aus Takan geworden war, Akkarins Diener, einem ehemaligen sachakanischen Sklaven, der solch wunderbare Gerichte gekocht hatte. Seit der Invasion hatte man nichts mehr von ihm geh�rt oder gesehen. Sie hatte immer gehofft, dass er �berlebt hatte.</p><p>Jonna lie� sich mit einem schweren Seufzer der Erleichterung auf ihren Stuhl sinken. Sonea betrachtete die abk�hlenden Gerichte auf dem Tisch. Es war keine exotische Mahlzeit, nur die gewohnte Kost aus der K�che der Gilde. Sie runzelte die Stirn. Es h�tte Lorkin sein sollen, der Regin unterbrach.</p><p>�Er wird bald hier sein�, versicherte ihr Jonna, die die Quelle ihrer Sorge erraten hatte. �Er w�rde es nicht wagen, eine Mahlzeit mit seiner Mutter zu vers�umen.�</p><p>Sonea stie� einen m�rrischen Laut aus. �Er scheint durchaus bereit, mir zu trotzen und sich in Sachaka umbringen zu lassen. Warum sollte ihn ein blo�es vers�umtes Abendessen k�mmern?�</p><p>�Weil er in diesem Fall auch mir Rede und Antwort stehen m�sste�, antwortete Jonna.</p><p>Sonea sah ihrer Tante in die Augen und l�chelte. �Du kannst ruhig gehen. Ich werde dir ohnehin nur in den Ohren liegen.�</p><p>�Meine Ohren sind recht robust. Au�erdem, wenn er nicht erscheint, d�rfen wir all dieses Essen nicht verderben lassen.�</p><p>�Wei�t du, ich werde ohnehin warten, bis es verdorben ist, daher hat es keinen Sinn, dass wir beide hungrig bleiben. Geh. Ranek hat gewiss auch Hunger.�</p><p>�Er arbeitet heute bis sp�t in den Abend hinein und wird dr�ben in den Dienstbotenquartieren essen.� Jonna erhob sich, betrachtete die B�cherregale und zog dann einen Lumpen aus ihrer Uniform, um eins davon abzuwischen.</p><p><emphasis>Ich werde sie nicht umstimmen k�nnen,</emphasis> dachte Sonea. Nachdem sie in die Gilde umgezogen waren, um Sonea durch Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft zu helfen, hatten Jonna und Ranek sich eingelebt und Stellen als Dienstboten gefunden�� Jonna als Soneas Dienerin und Ranek bei den Robenmachern. Ihre beiden Kinder waren hier aufgewachsen, hatten mit Lorkin gespielt und sp�ter gut bezahlte Stellen als Dienstboten in reichen H�usern in der Stadt gefunden. Jonna war sehr erfreut dar�ber. Es war das Beste, worauf ein Mitglied ihrer Klasse hoffen konnte. Nur indem man Magier wurde, konnten au�erhalb der H�user geborene Menschen in die Adelsklasse des Landes vordringen.</p><p>Ein Klopfen lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die T�r. Sonea holte tief Luft, bevor sie ein wenig Magie zu dem T�rriegel sandte. Der Riegel �ffnete sich mit einem Klicken, und Lorkin trat mit zerknirschter Miene ein. Sie seufzte vor Erleichterung.</p><p>�Entschuldigt, dass ich mich versp�tet habe�, sagte er. �Mutter. Jonna.� Er nickte beiden Frauen zu. �Die Besprechung ist erst vor wenigen Minuten zu Ende gegangen.�</p><p>�Nun, du kommst genau rechtzeitig�, erwiderte Jonna und ging zur T�r. �Wenn es noch l�nger gedauert h�tte, h�tte ich deine Mahlzeit f�r dich gegessen.�</p><p>�Warum bleibst du nicht und leistest uns Gesellschaft?�, fragte er mit einem hoffnungsvollen L�cheln.</p><p>Sie bedachte ihn mit einem absch�tzenden Blick. �Damit wir beide dir sagen, was f�r ein Narr du bist?�</p><p>Er blinzelte, dann grinste er kl�glich. �Gute Nacht, Jonna.�</p><p>Sie schnaubte erheitert, bevor sie zur T�r hinausschl�pfte und sie hinter sich zuzog.</p><p>Sonea schaute ihn an. Er sah ihr f�r einen kurzen Moment in die Augen und blickte sich dann im Raum um.</p><p>�Ist irgendetwas anders als sonst?�, fragte er.</p><p>�Nein.� Sie deutete auf den anderen Stuhl. �Setz dich. Iss. Es hat keinen Sinn, das Essen noch k�lter werden zu lassen.�</p><p>Er nickte, und sie begannen ihre Teller zu f�llen. Sonea bemerkte, dass er mit seiner gewohnten Begeisterung a�. Oder war er in Eile? Wollte er diese Mahlzeit hinter sich bringen? Um seiner herrischen Mutter zu entfliehen und nicht l�nger an Dinge erinnert zu werden, die er lieber ignorieren wollte�� wie die Risiken einer Reise nach Sachaka?</p><p>Sie wartete, bis das Essen vor�ber war und er erheblich entspannter wirkte, bevor sie das Thema anschnitt, von dem er wissen musste, dass es der Grund f�r seine Einladung hierher gewesen war.</p><p>�Also�, begann sie. �Warum Sachaka?�</p><p>Er blinzelte und wandte sich ihr zu. �Weil� weil das das Land ist, in das ich reisen will.�</p><p>�Aber warum willst du dorthin reisen? Von allen Orten ist es der gef�hrlichste�� gerade f�r dich.�</p><p>�Lord Maron denkt das nicht. Ebenso wenig wie Lord Dannyl. Zumindest glauben sie nicht, dass es f�r mich gef�hrlicher sein wird als f�r jeden anderen.�</p><p>Sonea musterte ihn eingehend. �Das liegt nur daran, dass sie nichts glauben, bevor sie einen Beweis daf�r sehen. Die einzige M�glichkeit, ihnen zu beweisen, dass eine Reise nach Sachaka f�r dich gef�hrlich ist, besteht darin, dich dort hinzubringen und zu beobachten, wie dir etwas Schlimmes zust��t.�</p><p>Er kniff die Augen zusammen. �Dann hast du auch keinen Beweis daf�r.�</p><p>�Nicht diese Art von Beweis.� Sie zwang sich zu einem L�cheln. �Ich w�re kaum eine verantwortungsbewusste Mutter, wenn ich dich nach Sachaka br�chte, nur um zu �berpr�fen, ob meine Einsch�tzung der Gefahr zutreffend ist.�</p><p>�Woher wei�t du dann, ob es gef�hrlich ist?�</p><p>�Ich wei� es wegen der Dinge, die dein Vater mir erz�hlt hat. Wegen der Dinge, die Gildebotschafter und H�ndler seither best�tigt haben. Sie alle stimmen darin �berein, dass Sachakaner durch ihren Ehrenkodex verpflichtet sind, Rache f�r den Tod eines Familienmitglieds zu nehmen�� selbst wenn sie dieses Familienmitglied nicht mochten und selbst wenn dieses Familienmitglied ein Ausgesto�ener war.�</p><p>�Aber die Gildebotschafter sind der Sache nachgegangen. Sie haben gesagt, dass die Familie von Kariko und Dakova keine Rache will. Die Br�der waren eine Belastung f�r sie, und sie haben ihren Tod offensichtlich als Erleichterung empfunden.�</p><p>�Sie haben auch gesagt, dass die Familie wegen der tollk�hnen Invasion des Bruders einige Bewunderung gewonnen habe, trotz der Tatsache, dass sie Ausgesto�ene waren und die Invasion gescheitert ist.� Sonea zuckte die Achseln. �Es ist einfacher, Dankbarkeit und Loyalit�t f�r jemanden zu empfinden, nachdem er tot ist. Du kannst die Tatsache nicht von der Hand weisen, dass die Botschafter nur mit einigen Familienmitgliedern gesprochen haben, nicht mit allen. Und dass, wenn das Oberhaupt der Familie eine Meinung �u�ert, andere, die eine abweichende Meinung vertreten, Stillschweigen bewahren w�rden.�</p><p>�Aber sie w�rden auch nicht gegen den Willen des Familienoberhaupts versto�en�, bemerkte er.</p><p>�Nicht auf eine Art und Weise, die man zu ihnen zur�ckverfolgen k�nnte.�</p><p>Lorkin sch�ttelte frustriert den Kopf. �Niemand wird mir Gift ins Essen mischen oder mir im Schlaf die Kehle aufschlitzen. Selbst wenn ich keine Magie benutzen k�nnte, um das eine zu behandeln und mich gegen das andere zu beschirmen, wird niemand das Risiko eingehen, den Frieden zwischen unseren L�ndern zu brechen.�</p><p>�Oder aber sie werden dich als den perfekten Vorwand daf�r ansehen.� Sonea beugte sich vor. �Sie k�nnten Ansto� daran nehmen, dass die Gilde ihnen Akkarins Sohn geschickt hat. Deine kleine Vergn�gungsreise k�nnte alles zerst�ren, wof�r die Gilde seit der Invasion gearbeitet hat.�</p><p>Seine Augen weiteten sich, dann verh�rteten sich seine Z�ge. �Es ist keine Vergn�gungsreise. Ich� ich will Lord Dannyl helfen. Ich denke, was er zu tun versucht, ist� ist� es k�nnte uns helfen. Indem wir in die Vergangenheit schauen, k�nnten wir neues Wissen entdecken�� neue Magie��, die uns helfen k�nnte, uns zu verteidigen. Vielleicht werden wir dann nicht l�nger schwarze Magie benutzen m�ssen.�</p><p>Einen Moment lang konnte Sonea nicht sprechen. Der �berraschung folgte schnell eine Woge des Schuldbewusstseins.</p><p>�Du ziehst doch nicht zu einer Mission aus, um mich zu retten, oder?�, fragte sie, und ihre Stimme klang schw�cher als beabsichtigt.</p><p>�Nein!� Er sch�ttelte den Kopf. �Wenn wir solche Magie f�nden, w�rde sie uns allen helfen. Sie k�nnte sogar den Sachakanern helfen. Wenn sie keine schwarze Magie brauchten, w�re ihr Widerstand gegen eine Beendigung der Sklaverei vielleicht geringer.�</p><p>Sonea nickte. �Mir scheint, dass jeder sich auf die Suche nach dieser neuen Magie machen k�nnte. Lord Dannyl sucht bereits danach. Warum musst <emphasis>du</emphasis> gehen?�</p><p>Lorkin hielt inne. �Lord Dannyl interessiert sich nur daf�r, die L�cken in der Geschichte zu f�llen. Mich interessiert mehr, wie diese Geschichte�� dieses Wissen�� <emphasis>jetzt</emphasis> genutzt werden k�nnte. Und in der Zukunft.�</p><p>Ein kalter Schauer �berlief sie. Eine Reise ins Ungewisse, um magisches Wissen zu gewinnen. Genau das, was Akkarin dazu getrieben hatte, die Welt zu erkunden und zu guter Letzt nach Sachaka zu reisen. Und seine Reise hatte ein sehr, sehr schlimmes Ende genommen.</p><p>�Ein solches Verlangen nach Wissen hat dazu gef�hrt, dass dein Vater zum Sklaven wurde�, erkl�rte sie ihm, �und er konnte von Gl�ck sagen, dass es nur dazu f�hrte und nicht zu seinem Tod.�</p><p>Ein nachdenklicher Ausdruck glitt �ber Lorkins Z�ge, dann straffte er sich und sch�ttelte den Kopf. �Aber dies ist etwas anderes. Ich wandere nicht unwillkommen und schlecht informiert in ein feindseliges Land. Die Gilde wei� heute viel mehr �ber Sachaka. Die Sachakaner wissen mehr �ber uns.�</p><p>�Die Gilde wei� nur, was die Sachakaner uns zu wissen erlaubt haben. Es muss�� es wird�� eine Menge Dinge geben, die man vor unseren Botschaftern geheim gehalten hat. Sie k�nnen nicht mit absoluter Gewissheit sagen, dass du dort sicher sein wirst.�</p><p>Er nickte. �Ich werde nicht behaupten, dass es kein Risiko g�be. Aber es liegt bei den H�heren Magiern zu entscheiden, ob das Risiko f�r mich gr��er w�re als f�r andere.�</p><p><emphasis>Er hat Zweifel,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. <emphasis>Er ist nicht blind gegen die Risiken.</emphasis></p><p>�Und ich bin davon �berzeugt, dass du sie dazu bringen wirst, �ber jede m�gliche Konsequenz genau nachzudenken�, f�gte er hinzu und sah sie eindringlich an. �Wenn ich verspreche, dass ich nach Hause kommen werde, sobald Lord Dannyl oder ich auch nur das leiseste Anzeichen von Gefahr wahrnehmen, wirst du deinen Protest dann zur�ckziehen?�</p><p>Sie l�chelte schief. �Nat�rlich nicht.� Er runzelte die Stirn.</p><p>�Ich bin deine Mutter�, rief sie ihm ins Ged�chtnis. �Es ist meine Aufgabe, dich daran zu hindern, dir Schaden zuzuf�gen.�</p><p>�Ich bin kein Kind mehr. Ich bin zwanzig Jahre alt.�</p><p>�Aber du bist immer noch mein Sohn.� Sie sah ihn an und hielt seinem Blick trotz des �rgers in seinen Augen stand. �Ich wei�, dass du w�tend auf mich sein wirst, wenn es mir gelingt, deine Reise zu verhindern. Das w�re mir lieber, als dich tot zu sehen. Es w�re mir lieber, du w�rdest dem Lonmar-Kult beitreten und ich w�rde dich nie wiedersehen. Dann w�sste ich zumindest, dass du lebst und gl�cklich bist.� Sie hielt inne. �Du sagst, du seist kein Kind mehr. Dann stell dir einmal folgende Fragen: Tust du dies, und sei es auch nur zum Teil, um deiner Mutter zu trotzen? Wie weit beruht dein Wunsch, diese Reise zu machen, auf dem Wunsch, dich als Erwachsener zu beweisen? Wenn du diese beiden W�nsche abziehst, w�rdest du dann immer noch so unbedingt nach Sachaka gehen wollen?�</p><p>Lorkin sagte nichts, aber sein Gesicht war angespannt vor �rger. Pl�tzlich stand er auf.</p><p>�Du verstehst nicht. Endlich finde ich etwas, das sich zu tun lohnt, und du� du musst versuchen, es mir zu verderben. Warum kannst du mir nicht einfach Gl�ck w�nschen und dich dar�ber freuen, dass ich vielleicht mit meinem Leben etwas bewirke, statt herumzusitzen und mich zu betrinken oder Feuel zu nehmen?�</p><p>Mit rotem Gesicht stolzierte er zur T�r und verlie� den Raum.</p><p>Sonea blieb wie gel�hmt zur�ck, au�erstande, etwas anderes zu tun, als die T�r anzustarren. Ihr Herz war hin- und hergerissen zwischen Liebe und Stolz, der Entschlossenheit, ihn zu besch�tzen, und der Angst, dass sie versagen k�nnte.</p></section><section><title><p>6</p><p>Die Anh�rung</p></title><p>Vor der Gildehalle hatte sich eine betr�chtliche Menge versammelt, wie Dannyl sah, als er die Gro�e Halle betrat. Dankenswerterweise hatte Osen beschlossen, dass an der Anh�rung zu der Frage, ob Lorkin nach Sachaka geschickt werden sollte, lediglich die H�heren Magier, Lorkin, er selbst und die fr�heren Gildebotschafter in Sachaka teilnehmen sollten. W�hrend er die neugierigen Gesichter in der Menge betrachtete, fragte sich Dannyl, warum diese anderen Magier sich die M�he gemacht hatten herzukommen, obwohl man sie nicht einlassen w�rde. Was hofften sie zu sehen? Wollten sie m�glichst schnell herausfinden, welche Entscheidung getroffen wurde? Betraf der Ausgang sie in irgendeiner Weise?</p><p>Die Frage, ob Lorkin nach Sachaka reisen durfte oder nicht, konnte Hinweise darauf geben, ob auch andere Magier eine Chance hatten, das Land zu besuchen. <emphasis>Nein, das kann es nicht sein. Es gibt immer nur wenige Freiwillige f�r Positionen dort.</emphasis> Dannyl bemerkte ein vertrautes Gesicht in der Menge. <emphasis>Regin.</emphasis> Was <emphasis>hat er dabei zu gewinnen, ob Lorkin geht oder bleibt?</emphasis> Er runzelte die Stirn. <emphasis>Vielleicht eine gewisse Befriedigung, wenn Soneas Protest �berstimmt wird. Aber Regin hat seit ihrer Novizenzeit keine Anzeichen von Feindseligkeit oder Missbilligung ihr gegen�ber an den Tag gelegt. Wenn er irgendeinen Groll hegt, hat er ihn gut verborgen.</emphasis></p><p>Die �brigen Magier wollten vielleicht einfach Soneas Reaktion sehen, falls es ihr nicht gelang zu verhindern, dass ihr Sohn nach Sachaka ging. Die Tatsache, dass die erste Schwarzmagierin der Gilde im Widerstreit mit dem Sohn des ehemaligen Hohen Lords lag, musste f�r eine Menge Tratsch gesorgt haben. Dannyl bedauerte beinahe, dass er sich abgew�hnt hatte, die geselligen Abende der Gilde im Abendsaal zu besuchen. Dann h�tte er bereits gewusst, was die Menge heute angezogen hatte und was sie zu erleben hoffte und f�rchtete.</p><p>Als Dannyl sich den T�ren der Gildehalle n�herte, trat ein anderer Magier aus einem Nebeneingang.</p><p><emphasis>Schwarzmagier Kallen. Ich frage mich� machen all die Neugierigen sich Sorgen, dass Sonea die Fassung verlieren und schwarze Magie benutzen wird, sollte es ihr nicht gelingen, Lorkin an einer Reise nach Sachaka zu hindern?</emphasis></p><p>Wenn es so war, h�tten sie sich lieber rar machen sollen. Eine zornige Schwarzmagierin konnte f�r jeden fatal sein, der sich in der N�he befand. Aber sie vermuteten wahrscheinlich, dass Kallen sie aufhalten und dass die Konfrontation eher unterhaltsam als gef�hrlich sein w�rde.</p><p>Als Dannyl in die Gildehalle trat, sah er, dass die meisten der H�heren Magier ihre Pl�tze eingenommen hatten. Lorkin wartete bereits auf einer Seite des Raums. Er ging zu dem jungen Mann hin�ber, der ihn mit einem wachsamen L�cheln begr��te.</p><p>�Nerv�s?�</p><p>Lorkin l�chelte schief. �Ein wenig.� �Wie ist das Essen mit Eurer Mutter gestern Abend verlaufen?�</p><p>�Nicht gut.� Lorkins L�cheln verblasste, und er seufzte.</p><p>�Ich hasse es, mich mit ihr zu streiten. Aber ich hasse es auch, immer streiten zu m�ssen, um tun zu k�nnen, was ich tun will.�</p><p>�Immer?�, wiederholte Dannyl.</p><p>Lorkin verzog das Gesicht und wandte den Blick ab. �Nun, ich nehme an, nicht immer. Eigentlich �berhaupt nicht oft. Nur jetzt, da es z�hlt. Da ich endlich etwas Wichtiges gefunden habe, an dem ich Anteil haben m�chte.�</p><p>�Die Reise nach Sachaka ist Euch wirklich ein Anliegen?�, fragte Dannyl, ohne seine �berraschung zu verbergen.</p><p>�Nat�rlich.� Lorkin schaute in Dannyls fragende Augen. �Warum denkt Ihr, dass ich hingehen will? Doch gewiss nicht nur, um meiner Mutter zu trotzen?�</p><p>�Nein.� Dannyl zuckte die Achseln. �Ich dachte, Ihr w�rdet ein Abenteuer wollen. Von der langweiligen Gilde wegkommen, die Euch nur mit Einschr�nkungen belegt.� Er l�chelte. �Ich hatte keine Ahnung, dass Ihr die Arbeit wirklich f�r so wichtig haltet.�</p><p>�Das tue ich�, versicherte Lorkin ihm. �Sowohl die Pflege guter Beziehungen mit Sachaka als auch die Erforschung der magischen Geschichte. Obwohl mich bei Letzterem mehr die Frage interessiert, was wir mit dem, was wir finden, machen k�nnen.�</p><p>Dannyl musterte Lorkin nachdenklich. Er hatte gehofft, dass der junge Magier schlechtestenfalls n�tzlich und bestenfalls ein guter Gef�hrte sein w�rde. Jetzt war er sehr zufrieden mit der Entdeckung, dass er vielleicht nicht nur bei seinen diplomatischen Pflichten, sondern auch bei seinen Forschungen einen Gehilfen haben w�rde, obwohl er sich ein wenig Sorgen machte, dass es ihm vielleicht nicht leichtfallen w�rde, Lorkin die minder wichtigen Pflichten zu �berlassen, wenn er sich ein wenig Zeit w�nschte, seinen eigenen Interessen nachzugehen.</p><p>Ein leises Raunen erf�llte die Halle, und Dannyl blickte sich um, um festzustellen, was es verursacht hatte. Sonea stand im Eingang, um�� ausgerechnet�� mit Lord Regin zu sprechen. Sie schien leicht verwirrt, nickte jedoch und wandte sich ab. Statt die Stufen an der Vorderseite der Halle zu ihrem gewohnten Platz hinaufzugehen, blieb sie Dannyl und Lorkin gegen�ber stehen, w�hrend Regin fortging��</p><p>Sie wirkte gelassen, ja sogar ein wenig erheitert. Die �brigen H�heren Magier waren inzwischen eingetroffen. <emphasis>Zweifellos hat sie ihre Ankunft so berechnet, dass sie eine der Letzten sein w�rde, um ihrem Sohn die Peinlichkeit ihrer Anwesenheit als Gegnerin zu ersparen.</emphasis> Osen begann seinen langsamen Marsch entlang der Stirnseite der Halle, der darauf hinwies, dass er bereit war zu beginnen, und schon bald verstummten die Magier.</p><p>�Wenn es keinen Grund gibt, der dagegen spricht, erkl�re ich die Anh�rung jetzt f�r er�ffnet�, sagte Osen. Er hielt inne, dann nickte er, als keine Stimme laut wurde, um ihm Einhalt zu gebieten. �Als Erstes werde ich unsere Gr�nde f�r die heutige Zusammenkunft umrei�en�, fuhr er fort. �Lord Lorkin hat sich erboten, die Position des Assistenten des Gildebotschafters in Sachaka zu �bernehmen. Als Botschafter wurde k�rzlich Lord Dannyl ernannt. Schwarzmagierin Sonea hat Protest dagegen eingelegt, dass wir Lord Lorkin in dieser Rolle akzeptieren.� Er wandte sich an Sonea. �Aus welchem Grund protestiert Ihr?�</p><p>�Weil f�r Lorkin als meinem und dem Sohn des ehemaligen Hohen Lords Akkarin die Gefahr bestehen wird, dass die Familie von Kariko und Dakova�� Ersteren habe ich selbst w�hrend der Ichani-Invasion get�tet, und Letzteren hat Akkarin viele Jahre zuvor umgebracht�� Rache f�r deren Tod suchen wird. Das Gleiche k�nnte f�r die Familien der anderen Ichani gelten, die w�hrend der Invasion umkamen. Selbst wenn ihre Familien nicht nach Rache trachten, k�nnte es als eine Beleidigung angesehen werden, ihn nach Sachaka zu schicken. In jedem Fall k�nnte seine Anwesenheit die Bem�hungen um Frieden zwischen unseren beiden L�ndern behindern.�</p><p>Osen wandte sich an Lorkin und Dannyl. �Und was sagt Ihr, Lord Lorkin, zur Antwort darauf?�</p><p>�Ich �berlasse die Beurteilung, ob das Risiko so gro� ist wie Mutt� Schwarzmagierin Sonea glaubt, den H�heren Magiern und werde jede Entscheidung akzeptieren, die sie f�llen�, erwiderte Lorkin.</p><p>Ein schwaches L�cheln der Anerkennung glitt �ber Osens Z�ge. Dann wandte er den Blick Lord Dannyl zu.</p><p>�Und was sagt Ihr, Botschafter Dannyl?�</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �Ich vertraue auf die Beobachtungen und die Einsch�tzungen der ehemaligen Gildebotschafter in Sachaka. Sie haben mir erkl�rt, dass Lord Lorkins Anwesenheit in Sachaka ihrer Meinung nach kein Hindernis f�r meine Arbeit und keine Gefahr f�r sein Leben und Wohlergehen darstellen wird. Seine Unterst�tzung w�re mir sehr willkommen.�</p><p>�Dann rufe ich Lord Stanin und Lord Maron auf, ihre Ansichten zu der Angelegenheit zu �u�ern.�</p><p>Als der Administrator sich abwandte, konnte Dannyl Soneas Blick auf sich sp�ren. <emphasis>Sie ist nicht gl�cklich dar�ber, dass ich Lorkin ermutige, aber ich kenne sie zu gut, um mich von ihren Blicken einsch�chtern zu lassen.</emphasis> Er sah auf und schaute ihr in die Augen. Ein verr�terischer Schauder �berlief ihn. Es war nicht so, dass ihr Gesichtsausdruck auch nur eine Spur von Anklage �bermittelt h�tte. Er verriet gar nichts, doch er war von einer solchen Intensit�t, dass Dannyl das Gef�hl hatte, sie streife seine Haut beiseite und lese die Gedanken darunter. Er schaute weg. <emphasis>Na sch�n. Vielleicht sch�chtern ihre Blicke mich doch ein klein wenig ein.</emphasis></p><p>Noch bevor sie Novizin geworden war�� lange bevor sie eine schwarze Magierin wurde��, hatte sie ihn bereits ein wenig nerv�s gemacht. Das war nur vern�nftig, wenn man bedachte, dass sie als blo�es Stra�enkind aus den H�ttenvierteln es fertiggebracht hatte, ihm einen Dolch ins Bein zu rammen. Wenn sie damals zu dieser Tat f�hig gewesen war, bevor man sie dazu ausgebildet hatte, ihre Kr�fte zu benutzen, war es keine �berraschung, dass sie ihn jetzt einsch�chterte.</p><p>Er wollte nicht dar�ber nachdenken, was sie m�glicherweise mit ihm machen w�rde, wenn Lorkin in Sachaka tats�chlich etwas zustie�, daher richtete er seine Aufmerksamkeit auf die ehemaligen Botschafter, die gerade sprachen. Die H�heren Magier stellten ihnen Fragen, und die Antworten waren eindeutig: Obwohl sie einr�umten, dass kein Kyralier in Sachaka jemals ganz sicher sei, dachte keiner der M�nner, dass Lorkin gr��ere Gefahr drohen w�rde als jedem anderen Magier. Falls Lorkin sich �berhaupt deswegen den Kopf zerbrach, sollte er es vermeiden, von seiner Herkunft zu sprechen. Aber da er in einer untergeordneten Rolle erscheinen w�rde, die man normalerweise einem Sklaven �berlie�, war es unwahrscheinlich, dass die Sachaka ihm �berhaupt gro�e Aufmerksamkeit schenken w�rden.</p><p>Jetzt wurde ein H�ndler aufgerufen, der Soneas vorsichtige Position teilte. Er erz�hlte von F�llen von Blutrache zwischen sachakanischen Familien, die jahrzehntelang gedauert hatten, wie er bei seinen allj�hrlichen Besuchen festgestellt hatte. Auch ihn befragten die H�heren Magier eingehend.</p><p>Schlie�lich bat Osen alle bis auf die H�heren Magier mit Ausnahme Soneas, die Halle zu verlassen, damit sie debattieren und zu einer Entscheidung kommen konnten. Dannyl h�rte Lorkin erleichtert aufseufzen, als Sonea sich hastig umdrehte und mit pl�tzlich geistesabwesender Miene den Raum verlie�. Als Dannyl in die �berf�llte Gro�e Halle hinaustrat, hielt er nach ihr Ausschau, aber sie war verschwunden.</p><empty-line/><p>Die Stimmen der Magier drau�en vor der Gildehalle verklangen schnell, w�hrend Sonea in die Flure der Universit�t eilte, und wurden ersetzt durch h�here Stimmen, als sie sich dem Hauptflur zu den Klassenr�umen n�herte. Die Morgenkurse waren gerade zu Ende, und die Novizen waren unterwegs zur Speisehalle, wo sie ihre Mittagsmahlzeit einnahmen.</p><p>Als sie in den Flur hinaustrat, bereit, sich einen Weg durch die Novizen zu bahnen, verstummten die Stimmen abrupt. Sie schaute sich um und stellte fest, dass alle sie ansahen. Die Novizen in der Mitte des Flurs zogen sich hastig zur�ck, dann fiel ihnen allen gleichzeitig pl�tzlich wieder ihr gutes Benehmen ein, und sie verbeugten sich.</p><p>Sonea verkniff sich ein L�cheln und hoffte, dass man ihr den Anflug von Verlegenheit nicht ansah. <emphasis>Ich wei� genau, was sie denken und f�hlen.</emphasis> In ihren Gedanken blitzte eine Erinnerung auf: Ein hochgewachsener, stirnrunzelnder Mann in schwarzen Roben schritt den Universit�tsflur entlang, was unter ihren Mitsch�lern die gleiche furchtsame Erstarrung ausgel�st hatte. <emphasis>Wenn ich zur�ckblicke, erstaunt mich unsere Angst vor Akkarin, als h�tten wir irgendwie gewusst, dass er m�chtiger war, als er sein sollte.</emphasis> Bei der Erinnerung schn�rte sich ihr die Brust zu, dennoch hielt sie daran fest. Sie kostete sie f�r einen Moment aus, dann lie� sie sie verblassen.</p><p>Ihr Schritte f�hrten sie weiter bis zum vorletzten Klassenzimmer, das leer war bis auf einen rot gewandeten Magier, der ihr einst den Weg durch diese Flure zur Qual gemacht hatte.</p><p>�Lord Regin�, sagte sie. �Ich wei� nicht, wie viel Zeit mir bleibt. Was wolltet Ihr mir so dringend mitteilen?�</p><p>Er blickte zu ihr auf und nickte h�flich. �Danke f�r Euer Kommen, Schwarzmagierin Sonea�, sagte er. �Ich werde sofort zur Sache kommen. Jemand, dessen Wort ich vertraue, hat mir berichtet, dass Pendels Anh�nger eine Art �berfall oder einen Hinterhalt planen, mit dem sie die kriminellen Verbindungen reicher Novizen aufdecken wollen.�</p><p>Sonea seufzte. �Narren. Das wird ihrer Sache nicht dienlich sein. Ich h�tte Pendel f�r kl�ger gehalten.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob Pendel davon wei�. Das Problem ist, wenn er es nicht wei�, wird er vielleicht nicht geneigt sein, mir zu glauben, wenn ich es ihm erz�hle, und wenn er es wei�, k�nnte ich unbeabsichtigt meinen Informanten preisgeben.�</p><p>�Ihr wollt, dass ich mit ihm rede?�, fragte Sonea.</p><p>�Ja. Aber�� Regin runzelte die Stirn. �Mein Informant war sich in Bezug auf den Zeitpunkt nicht sicher. Ich f�rchte, es k�nnte sehr bald passieren. Vielleicht schon heute. Es sei davon gesprochen worden, dass man sich den Umstand zunutze machen wolle, dass die Gilde abgelenkt sei. Die Magier, von denen ich vermute, dass sie damit zu tun haben, habe ich heute noch nicht gesehen.�</p><p>Sie blickte ihn an. �Ich muss zu der Anh�rung zur�ckkehren, Lord Regin.�</p><p>�Nat�rlich. Aber�� Er verzog das Gesicht. �Wenn Ihr so bald wie m�glich mit ihm sprechen k�nntet� Ich denke, er w�rde auf Euch h�ren.�</p><p>�Das werde ich tun�, erwiderte sie. �Aber jetzt sollte ich besser in die Halle zur�ckkehren. Ich darf Administrator Osen nicht warten lassen.�</p><p>Seine Mundwinkel zuckten nach oben, aber sein Blick blieb beunruhigt. Sonea wandte sich ab und eilte aus dem Klassenzimmer zur�ck in den Flur, wo die verbliebenen Novizen erstarrten und sich nicht rechtzeitig erholten, um sich zu verbeugen, bis sie schon ein gutes St�ck des Weges zur�ckgelegt hatte. Sobald sie au�er Sicht war, begann sie zu laufen und verlangsamte ihre Schritte nur, wenn sie von einem Flur in den n�chsten einbog, damit sie nicht mit jemandem zusammenstie�. Schlie�lich hatte sie es in die Gro�e Halle zur�ckgeschafft. Zu ihrer Erleichterung standen Dannyl und Lorkin drau�en vor der Gildehalle und warteten noch immer darauf, hineingerufen zu werden.</p><p>Eine von Verlegenheit erf�llte Wartezeit folgte. Sie wollte weder das Unbehagen ihres Sohnes noch vergr��ern, indem sie sich zu ihm und Dannyl gesellte, noch war es geziemend f�r sie, mit den ehemaligen Botschaftern und dem H�ndler zu sprechen, die miteinander plauderten. Niemand aus der Menge schien geneigt zu sein, an sie heranzutreten, und sie entdeckte niemanden, den sie kannte und der im Moment nichts gegen ihre Gesellschaft einzuwenden gehabt h�tte. Pendel war nirgends zu sehen. Also musste sie allein dastehen und warten.</p><p>Nach etlichen langen Minuten wurden die T�ren der Gildehalle endlich ge�ffnet. Erleichtert beobachtete Sonea, wie Osen Dannyl und Lorkin bedeutete einzutreten. Er blickte auf und nickte ihr zu. Ausnahmsweise einmal war seine Miene nicht kalt und abweisend. Er wirkte beinahe mitf�hlend.</p><p><emphasis>Oh-oh. Bedeutet das, dass sie meinen Protest �berstimmt haben?</emphasis></p><p>Ihr Magen krampfte sich zusammen. Dann begann ihr Herz schneller zu schlagen. Sie hielt ihre Miene so neutral wie m�glich, w�hrend sie an der Menge vorbei in die Halle ging. Dort angekommen, konnte sie nicht umhin, die Gesichter der H�heren Magier zu betrachten. Vinaras faltiges Antlitz schien Schuldgef�hle auszudr�cken. Peakin runzelte mit einem Ausdruck die Stirn, den man als Unsicherheit deuten konnte, aber Garrel wirkte selbstgef�llig. Ihr Magen krampfte sich noch weiter zusammen.</p><p>Als sie h�her hinaufschaute, begegnete sie Balkans Blick. Seine Miene verriet nichts. Aber Kallen� Kallen wirkte ver�rgert. Hoffnung stieg in ihr auf.</p><p>Dann sah sie Rothen an, und ihr Herz h�rte auf zu schlagen. Er wusste, dass sie ihn heutzutage nur allzu gut durchschauen konnte, daher versuchte er nicht einmal, etwas zu verbergen. In seinen Augen stand eine ehrliche Entschuldigung, und er sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea, die H�heren Magier haben Euren Protest sorgf�ltig erwogen. Sie sind zu der Feststellung gekommen, dass es keine handfesten Beweise daf�r gibt, dass Lord Lorkin ernsthafte Gefahr droht, wenn er nach Sachaka reist, solange er unter dem Schutz von Lord Dannyl und dem Gildehaus verbleibt und nicht unn�tig mit seiner Herkunft prahlt. Akzeptiert Ihr diese Entscheidung?�</p><p>Sie sah Osen an, holte tief Luft, zwang ihr Gesicht, keine Spuren des Aufruhrs zu zeigen, der in ihr tobte, und nickte.</p><p>�Das tue ich.�</p><p>�Dann erkl�re ich diese Anh�rung f�r beendet.�</p><empty-line/><p>Ungl�ubigkeit und dann Jubel erf�llten Lorkin, nachdem Lord Osen die Entscheidung der H�heren Magier verk�ndet hatte, und er versp�rte den j�hen Drang, in Freudengeheul auszubrechen. Aber das w�re in der w�rdevollen Umgebung der Gildehalle unpassend gewesen und seiner Mutter gegen�ber nicht freundlich.</p><p>Wie immer lie� sie sich wenig von ihren Gedanken oder Gef�hlen anmerken. Wie sie das fertigbrachte, konnte er nicht sagen. Lange �bung? Er hoffte, dass er diese F�higkeit eines Tages erben w�rde. Trotzdem sah er kleine Hinweise, die anderen entgingen. Die leicht gebeugten Schultern. Das Z�gern, bevor sie Osens letzte Frage beantwortet hatte. Und als sie auf ihn zukam, sah er, wie geweitet ihre Pupillen waren. Aber weit vor �rger oder vor Angst?</p><p>�Macht Euch keine Sorgen wegen Lorkin�, sagte Dannyl leise zu ihr. �Ich werde daf�r sorgen, dass ihm nichts zust��t. Das verspreche ich Euch.�</p><p>Sie sah ihn an, und ihre Augen wurden schmal. �Ich werde Euch beim Wort nehmen.�</p><p>Dannyl zuckte tats�chlich zusammen. �Ich wei�.�</p><p>�Und <emphasis>du�,</emphasis> sagte sie und sah j�h zu Lorkin hin�ber. �Du solltest besser vorsichtig sein. Wenn irgendein Sachakaner dich im Schlaf ermordet, werde ich dir erscheinen und dich dazu zwingen zuzugeben, dass du dich geirrt hast.� Das winzige Zucken eines L�chelns hob ihre Mundwinkel an.</p><p>�Ich werde es nicht vergessen�, erwiderte er. �Mich nicht ermorden lassen.�</p><p>Das L�cheln verblasste, und sie musterte ihn einen Moment lang schweigend. Dann drehte sie sich abrupt zu Dannyl um.</p><p>�Wann werdet Ihr aufbrechen?�, fragte sie.</p><p>�So bald wie m�glich, f�rchte ich�, antwortete er entschuldigend. �Der Gilde w�re es lieber gewesen, es h�tte jemand nach Sachaka gehen und sich dort von Lord Maron in seine Pflichten einweisen lassen k�nnen, bevor er sein Amt antritt, aber Maron musste ja in aller Eile nach Kyralia zur�ckkehren. Die Sache ist anscheinend die: Wenn wir das Gildehaus zu lange ohne einen Botschafter lassen, werden sie eine andere Verwendung daf�r finden, und wir werden auf dem Land leben m�ssen.�</p><p>Sie zog die Augenbrauen hoch. �Wie lang ist zu lange?�</p><p>�Das wissen wir nicht. Sie haben es uns nicht gesagt.�</p><p>Sonea schnaubte leise. �Also halten sie Euch an der kurzen Leine. Ich bin froh, dass Ihr hingeht, nicht ich. Nicht dass ich es k�nnte, selbst wenn ich es wollte.� Sie drehte sich zu den H�heren Magiern um, von denen fast alle von ihren Pl�tzen heruntergekommen waren und die nun den Raum verlie�en. Osen schaute zu ihnen hin�ber.</p><p>�Wir sollten besser gehen�, sagte Dannyl.</p><p>�Ja�, pflichtete Sonea ihm bei. Sie runzelte die Stirn, und ein abwesender Ausdruck trat in ihre Z�ge. �Ich muss mich um eine ziemlich dringende Angelegenheit k�mmern.� Sie sah sie beide an und brachte ein d�nnes L�cheln zustande. �Reist nicht ab, ohne Lebewohl zu sagen, ja?�</p><p>Ohne auf eine Antwort zu warten, stolzierte sie in Richtung T�r davon. Dannyl und Lorkin folgten ihr, wenn auch in langsamerem Tempo. Lorkin beobachtete, wie seine Mutter durch die T�r der Gildehalle verschwand.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, in Sachaka zu sterben�, erkl�rte Lorkin. �Tats�chlich werde ich mich so bedeckt wie m�glich halten. Schlie�lich wird sie mich hierher zur�ckholen, sollte auch nur die leiseste Andeutung einer Torheit den Weg hierher finden.�</p><p>�Tats�chlich kann sie genau das nicht tun�, erwiderte Dannyl.</p><p>Lorkin sah den hochgewachsenen Magier stirnrunzelnd an.</p><p>�Vergesst nicht, sie ist eine Schwarzmagierin. Es ist ihr verboten, die Stadt zu verlassen. Wenn sie gegen diese Bedingung verst��t, wird man sie aus den Verb�ndeten L�ndern verbannen.�</p><p>Ein kleiner, aber scharfer Stich der Angst durchzuckte Lorkin. <emphasis>Also kann sie nicht zu meiner Rettung kommen, wenn ich in Schwierigkeiten gerate. Nun, dann sollte ich besser daf�r sorgen, dass es keine Schwierigkeiten gibt. Oder ich sollte vielmehr darauf vorbereitet sein, mich auch wieder aus m�glichen Schwierigkeiten zu befreien.</emphasis> Er setzte ein strahlendes L�cheln auf und wandte sich an Dannyl.</p><p>�Aber ich brauche keine Mutter. Falls etwas geschieht, wei� ich, dass Ihr mich retten werdet.�</p><p>Dannyl zog die Augenbrauen hoch. �Sch�n zu wissen, dass Ihr solches Zutrauen in mich habt.�</p><p>�Oh, nichts dergleichen�, erwiderte Lorkin grinsend. �Ich wei� nur, dass Ihr vor meiner Mutter gr��ere Angst habt als vor den Sachakanern.�</p><p>Der �ltere Magier sch�ttelte seufzend den Kopf. �Was habe ich mir blo� dabei gedacht? Warum musste ich mir von allen Gehilfen, die infrage gekommen w�ren, ausgerechnet den mit der be�ngstigendsten Mutter aussuchen und den, dessen Herkunft die gr��ten Schwierigkeiten mit sich bringen w�rde? Mein Schicksal ist besiegelt.�</p></section><section><title><p>7</p><p>Eine Reise beginnt</p></title><p>Als die Kutsche vor der Universit�t vorfuhr, kamen Sonea und Lorkin, gefolgt von Rothen, aus dem Geb�ude. Eine Gruppe m�nnlicher junger Magier, die im Schutz des Geb�udes herumgelungert hatten, winkten und riefen, und Lorkin wandte sich um, um zur�ckzuwinken. Auf eine weitere Geste hin eilte ein Diener mit einer einzigen kleinen Truhe herbei.</p><p><emphasis>Ah, gut. Der junge Mann reist mit leichtem Gep�ck,</emphasis> dachte Dannyl.</p><p>Fr�hherbstlicher Regen klatschte gegen einen unsichtbaren Schild �ber ihren K�pfen. Als Mutter und Sohn die Kutsche erreichten, h�rte Dannyl, wie das Trommeln des Regens auf dem Dach abbrach, und er vermutete, dass derjenige Magier, der den Schild aufrechterhielt, ihn auf das Gef�hrt ausgedehnt hatte. Er �ffnete die T�r und stieg hinunter, um sie zu begr��en.</p><p>�Botschafter Dannyl�, sagte Sonea mit einem h�flichen L�cheln. �Ich hoffe, Eure Truhen sind wasserdicht. Dieser Regen sieht nicht so aus, als w�rde er demn�chst nachlassen.�</p><p>Dannyl blickte zu den beiden Kisten, die auf der R�ckseite der Kutsche befestigt waren; der Diener und ihr Fahrer banden soeben Lorkins Truhe obenauf. �Sie sind neu und unerprobt, aber der Kistenmacher hatte gute Empfehlungen.� Er drehte sich wieder um, um sie anzusehen. �Ich habe keine Originale dort drin. Nur Kopien. Eingewickelt in �lhaut.�</p><p>Sie nickte. �Sehr klug.� Dann wandte sie sich an Lorkin, der ein wenig blass aussah. �Wenn du irgendetwas brauchst, wei�t du, was zu tun ist.�</p><p>Er schenkte ihr zur Antwort ein schnelles L�cheln. �Ich bin davon �berzeugt, dass ich alles werde kaufen k�nnen, was ich vergessen habe. Die Sachakaner m�gen einige barbarische Sitten haben, aber es h�rt sich so an, als mangele es ihnen weder an Luxus noch an praktischen Dingen.�</p><p>Einen langen, verlegenen Moment sahen sie einander schweigend an.</p><p>�Nun, dann ab mit dir.� Sie deutete auf die Kutsche, als scheuche sie ein Kind, was den Eindruck von einem jungen Mann, der sich unabh�ngig in die Welt hinauswagte, gr�ndlich verdarb. Dannyl vermutete, dass sie ihren Sohn lieber in die Arme geschlossen h�tte, wusste aber, dass es ihm vor seinen Freunden peinlich gewesen w�re. Dannyl tauschte einen wissenden Blick mit Rothen. Sie beobachteten, wie Lorkin in die Kutsche stieg, einen Lederbeutel an die Brust gedr�ckt.</p><p>�Ich werde Euch auf Euer Versprechen festnageln, Dannyl�, sagte Sonea leise.</p><p>Der Drang zum L�cheln verschwand. Er wandte sich um, bereit, ihr noch einmal Mut zuzusprechen, aber in ihren Augen stand ein Funke der Erheiterung. Er dr�ckte den R�cken durch. �Und ich beabsichtige, mein Versprechen zu halten�, erwiderte er. �Obwohl�� wenn er nach seiner Mutter schl�gt, kann man mich nicht zur G�nze daf�r verantwortlich machen, falls er es sich in den Kopf setzen sollte, uns allen zu trotzen.�</p><p>Von Rothen h�rte er ein leises Schnauben der Erheiterung. Sonea zog die Augenbrauen hoch, und er erwartete, dass sie Protest erheben w�rde, aber stattdessen zuckte sie nur die Achseln. �Nun, beklagt Euch nicht bei mir, wenn er Schwierigkeiten macht. Ihr h�ttet ihn nicht als Euren Gehilfen auszuw�hlen brauchen.�</p><p>Dannyl heuchelte Besorgnis. �Ist er wirklich so schlimm? Ich kann meine Meinung immer noch �ndern und ihn zu Hause lassen, nicht wahr?�</p><p>Sonea musterte ihn eingehend. �F�hrt mich nicht in Versuchung, Dannyl.� Dann holte sie tief Luft und seufzte. �Nein, so schlimm ist er nicht. Und ich w�nsche Euch Gl�ck, Dannyl. Ich hoffe, Ihr findet, wonach Ihr sucht.�</p><p>�Noch einmal Lebewohl, alter Freund�, sagte Rothen. Wie damals, als er Dannyl an ebendiesem Ort zu dessen Reise nach Elyne und zu seinem ersten Posten als Botschafter verabschiedet hatte.</p><p><emphasis>Wo ich Tayend kennengelernt habe�</emphasis></p><p>�Gehab dich wohl, noch �lterer Freund�, entgegnete Dannyl. Rothen lachte, und die Runzeln auf seinem Gesicht vertieften sich. <emphasis>Er sieht heutzutage so</emphasis> alt <emphasis>aus,</emphasis> dachte Dannyl. <emphasis>Aber andererseits tue ich das wohl auch.</emphasis> Ein Stich des Bedauerns durchzuckte ihn, weil er seinen alten Mentor und Freund w�hrend der letzten Jahre nicht �fter besucht hatte. <emphasis>Ich werde es wiedergutmachen m�ssen, wenn ich zur�ck bin.</emphasis></p><p>�Dann fort mit dir.� Rothen machte die gleiche Handbewegung wie zuvor Sonea, als scheuche er ihn weg. Dannyl lachte leise und gehorchte und stieg in die Kutsche, um neben Lorkin Platz zu nehmen. Er wandte sich dem jungen Mann zu.</p><p>�Bereit?�</p><p>Lorkin sah ein wenig krank aus, aber er nickte, ohne zu z�gern.</p><p>�Kutscher! Es kann losgehen!�, rief Dannyl.</p><p>Eine Stimme erscholl, und der Wagen setzte sich ruckend in Bewegung. Dannyl blickte aus dem Fenster und sah, dass Sonea und Rothen die Kutsche beobachteten. Beide runzelten die Stirn, doch als sie ihn bemerkten, l�chelten sie und winkten, ebenso wie die jungen M�nner, die sich unter dem Eingang der Universit�t zusammengefunden hatten. Er winkte zur�ck, dann fuhr die Kutsche durch die Tore, und sie waren nicht l�nger zu sehen.</p><p><emphasis>Sie wird sich die ganze Zeit, w�hrend er fort ist, Sorgen machen. So ist das Leben f�r Eltern.</emphasis> Er unterdr�ckte einen Seufzer. <emphasis>Warum diese Melancholie? Die Aussicht auf das bevorstehende Abenteuer sollte mich mit Erregung erf�llen.</emphasis> Als er zu Lorkin hin�berschaute, sah er, dass der junge Mann aus dem anderen Fenster blickte. <emphasis>Ich bin also nicht der Einzige. Ich sch�tze, jede Reise macht es notwendig, irgendeinen Ort zu verlassen, und das bringt h�ufig ein wenig Kummer mit sich. Nun, zumindest hatte Lorkin jemanden, der ihn verabschiedet hat.</emphasis></p><p>Er runzelte die Stirn, als er an die vergangenen Tage zur�ckdachte. Seit ihrem Streit hatte Tayend kein Wort mehr mit ihm gesprochen. Nicht einmal als Dannyl ihm er�ffnet hatte, dass er am n�chsten Tag aufbrechen werde. Nicht ein einziges Wort zum Abschied. Er war auch nicht zugegen gewesen, als Dannyl seine Truhen auf die Kutsche geladen hatte und davongefahren war.</p><p><emphasis>Warum muss er sich so verhalten? Es ist ja nicht so, als wollte er nach wie vor Anteil an den Forschungen nehmen.</emphasis> Tayend hatte im Laufe der Jahre immer weniger Interesse an der Arbeit gezeigt. Er fand den Klatsch und Tratsch des Hofes aufregender.</p><p>Dannyl hatte dem schweigenden Gelehrten erkl�rt, dass er, wenn er Sachaka f�r sicher genug halte, eine Nachricht schicken w�rde, und wenn Tayend dann immer noch darauf brenne, sich ihm anzuschlie�en, k�nne er den elynischen K�nig um seine Zustimmung bitten. Aber der Gelehrte hatte Dannyl nur angefunkelt und den Tisch verlassen, ohne seine Mahlzeit beendet zu haben.</p><p><emphasis>Ich habe ihn noch nie so w�tend gesehen. Es ist unvern�nftig. Meine Forschungen werden keine Fortschritte machen, wenn ich nicht nach Sachaka gehe. Nun, ich hoffe, sie werden Fortschritte machen. Es w�re auch m�glich, dass ich dort nichts finde.</emphasis></p><p>Aber das w�rde er niemals wissen, wenn er es nicht versuchte.</p><p>Die Kutsche fuhr durch die Innere Stadtmauer hinaus ins Nordviertel. Lorkin starrte immer noch aus dem Fenster. Er wirkte in sich gekehrt und nachdenklich, was die �hnlichkeit mit seinem Vater betonte.</p><p><emphasis>Akkarin hat immer �ber irgendetwas nachgegr�belt. Nun, es stellte sich heraus, dass er allen Grund dazu hatte. Wer h�tte gedacht, dass der Mann, dem so viele Magier mit Ehrfurcht begegneten, einst ein Sklave gewesen war?</emphasis> Gewiss hatte niemand Verdacht gesch�pft, dass ihr Hoher Lord schwarze Magie beherrschte und sich in die Stadt hinausgewagt hatte, um sachakanische Spione zu t�ten.</p><p>Waren auch jetzt sachakanische Spione in der Stadt? Er l�chelte. Nat�rlich waren welche da. Nur nicht die Art, die Akkarin gejagt hatte�� ehemalige Sklaven, die von ihren Ichani-Herren nach Kyralia geschickt worden waren. Nein, die heutigen Spione w�rden von der altmodischen Art sein, ausgesandt oder in Dienst genommen von den Herrschern anderer L�nder, um ein Auge auf ihre Nachbarn zu halten. Und sie w�rden sich nicht mit den �rmeren Bezirken abgeben, sondern stattdessen nach n�tzlichen Positionen mit Zugang zu Hof und Handel Ausschau halten.</p><p>Dannyl blickte aus dem Fenster. Er sah zu, wie die adretten Steinh�user des Nordviertels an ihnen vorbeizogen, dann passierte die Kutsche die �u�ere Stadtmauer und erreichte den Stadtteil, in dem einst die H�ttenviertel gelegen hatten.</p><p>Es <emphasis>hat sich so sehr ver�ndert,</emphasis> ging es Dannyl durch den Kopf. Wo fr�her klapprige H�tten das Bild beherrscht hatten, standen jetzt saubere Ziegelsteinh�user. Er wusste, dass manche Gebiete der H�ttenviertel nach wie vor schmutzig und gef�hrlich waren, aber sobald die S�uberung aufgeh�rt hatte, war schnell klar geworden, dass der allj�hrliche, erzwungene Exodus die Ausdehnung der Stadt ebenso blockiert hatte, wie er die Armen an ihrem Betreten gehindert hatte.</p><p>Und die Armen hatten nicht nur Zugang zur Stadt, sondern konnten jetzt auch der Gilde beitreten�� wenn sie �ber ausreichend starke magische F�higkeiten geboten. Der Wohlstand, der mit einem solchen Privileg einherging, hatte mehr als nur wenige Familien aus der Armut befreit. Obwohl der Zustrom von Novizen aus den Klassen der Armen und der Dienstboten der Gilde einige Probleme bereitet hatte. Wie dieses j�ngste Durcheinander, bei dem Magier und Novizen der h�heren Klassen in einem von Schmugglern betriebenen Feuel- und Spielhaus gefunden worden waren. Sie hatten danach behauptet, die �Proliis� h�tten ihnen den Weg zu dem Haus beschrieben. Das Beunruhigendste daran war der Umstand, dass es in einer Gasse im Inneren Ring lag, einem Stadtteil, von dem man immer geglaubt hatte, er sei frei von solch �blen Einrichtungen. Und es war nicht allzu weit entfernt von Dannyls und Tayends Zuhause gewesen.</p><p>Aber das war jetzt die Sorge anderer. W�hrend die Kutsche an den letzten H�usern vorbeifuhr und auf die Nordstra�e einbog, nickte Dannyl vor sich hin. Seine und Lorkins Zukunft lag vor ihnen, in dem uralten Land Sachaka.</p><p><emphasis>Die Gute Gesellschaft</emphasis> war eins der gr��ten Bolh�user im S�den der Stadt. Als Cery und Gol eintraten, schlugen ihnen die warmen Ausd�nstungen der zahlreichen G�ste, das Tosen von Stimmen und der schwere, s��e Geruch von Bol entgegen. Es waren mehr M�nner als Frauen dort, aber beide Geschlechter standen vor am Boden befestigten Tischen. St�hle gab es keine. St�hle hielten nicht lange. Das Lokal war in der ganzen Stadt f�r seine Schl�gereien ber�chtigt.</p><p>W�hrend Cery sich einen Weg durch die Menge bahnte, nahm er die Atmosph�re in sich auf und betrachtete die Kundschaft, ohne eine einzelne Person lange genug anzusehen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Im hinteren Teil des riesigen Raums waren T�ren. Diese f�hrten in den Keller hinunter, wo eine ganz andere Art von Gesellschaft darauf wartete, dass man ihre Dienste mietete.</p><p>Auf einer Bank in der N�he der T�ren sa� eine rundliche Frau mittleren Alters in farbenpr�chtiger, �bertrieben eleganter Kleidung.</p><p>�Wie kommt es, dass Hausm�tter immer gleich aussehen?�, murmelte Gol.</p><p>�Die Verschlagene Lalli ist gro� und schlank�, bemerkte Cery. �Die Brave Sis ist klein und zierlich.�</p><p>�Aber ich nehme an, die �brigen sind sich ziemlich �hnlich. Gro�, vollbusig und���</p><p>�Still. Sie kommt her.�</p><p>Die Frau hatte bemerkt, dass sie sie beobachteten, und sich auf die F��e gehievt. Jetzt kam sie auf sie zu. �Ihr sucht nach Tantchen? Sie ist dort dr�ben.� Sie zeigte mit dem Finger durch den Raum. �He, Tantchen!�, rief sie.</p><p>Beide M�nner drehten sich um und sahen eine hochgewachsene, elegante Frau mit langem, rotem Haar, die sich auf dem Absatz umdrehte, um sie zu betrachten. Auf einen Wink der rundlichen Frau l�chelte sie und kam herbei.</p><p>�Wir sind wohl hier, um ein wenig gute Gesellschaft zu finden, hm?�, fragte sie. Sie sah Gol an, der beobachtete, wie die andere Frau zu ihrem Platz zur�ckkehrte. �Die Leute nehmen immer an, es sei Martia, die das Lokal f�hrt�, sagte sie. �Aber sie ist hier, um ein Auge auf ihren Sohn zu halten, der im Ausschank arbeitet. M�chtet Ihr nach unten gehen?�</p><p>�Ja. Ich bin hier, um eine alte Freundin zu sehen�, erkl�rte Cery.</p><p>Sie l�chelte wissend. �Das sind wir doch alle. Und welche alte Freundin w�re das?� �Terrina.�</p><p>Die Frau zog die Augenbrauen hoch. �Ach, die? Nun, kein Mann fragt nach ihr, der nicht bereits wei�, was er bekommt. Ich werde dich zu ihr bringen.�</p><p>Sie f�hrte sie durch die T�r, eine kleine Treppenflucht hinunter und in einen Raum unter dem Bolhaus. Er war so gro� wie der Raum dar�ber, aber voller Reihen mit kleinen Zellen. Papierne Wandschirme dienten als deren T�ren, und die meisten waren geschlossen, um das Innere zu verbergen�� und nach den Ger�uschen zu urteilen, die von allen Seiten kamen, wurden die meisten zu dem Zweck benutzt, zu dem sie erbaut worden waren.</p><p>Tantchen f�hrte sie zu einer Zelle in der N�he der Mitte des Raums. Die Wandschirme waren offen. In der Zelle stand ein einzelner Sessel. Es war ein gro�z�gig bemessener Sessel mit einer breiten, gepolsterten Sitzfl�che und stabilen Armlehnen. Alle R�ume waren in dieser Art m�bliert. Die Frauen hier wollten nicht, dass ihre Kunden es so bequem hatten, dass sie einschliefen und sie daran hinderten, weitere Kunden zu bedienen. Cery nickte Gol zu, der daraufhin in einigen Schritten Entfernung vor einem anderen leeren Raum Position bezog.</p><p>Als Cery in die Zelle trat, schloss Tantchen die Wandschirme. Er setzte sich, lauschte auf die Ger�usche um ihn herum und konzentrierte sich dann inmitten des St�hnens und des Gel�chters auf Ger�usche, die nicht dort hingeh�rten. Das Ger�usch von Atem. Von Schritten. Das Rascheln von Kleidern.</p><p>Seine Nase fing einen Duft auf, der einen Strom von Erinnerungen heraufbeschwor, Erinnerungen, die viele Jahre alt waren. Er l�chelte.</p><p>�Terrina�, murmelte er und wandte sich der hinteren Seite des kleinen Raums zu.</p><p>Ein Wandpaneel glitt beiseite und offenbarte eine Frau mit kurzem Haar und dunkler Kleidung. <emphasis>Sie sieht aus wie immer. Vielleicht ist diese kleine Falte zwischen ihren Brauen eine Spur tiefer.</emphasis> Sie war ein wenig zu mager und zu muskul�s, um sch�n genannt zu werden, aber Cery hatte ihren athletischen K�rperbau stets attraktiv gefunden. Als sie ihn erkannte, zog sie die Augenbrauen hoch und entspannte sich.</p><p>�Nun, nun. Ich habe dich lange nicht gesehen. F�nf Jahre?�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Ich habe dir gesagt, dass ich heiraten wollte.�</p><p>�Das hast du getan.� Die Auftragsm�rderin lehnte sich an die Wand der Zelle und neigte den Kopf zur Seite. Ihre dunklen Augen waren so undeutbar wie eh und je. �Du hast auch gesagt, du seist der loyale Typ. Ich habe angenommen, du h�ttest ein anderes, sagen wir, Nebeninteresse gefunden.�</p><p>�Du warst niemals ein Nebeninteresse�, erwiderte Cery. �Das Leben ist zu kompliziert f�r mehr als eine Geliebte gleichzeitig.�</p><p>Sie l�chelte. �Lieb von dir, das zu sagen. Ich kann von mir nicht das Gleiche behaupten�� aber das wusstest du.� Dann wurde ihre Miene erst. Sie trat ein und zog das Paneel zu. �Du bist wegen des Gesch�ftes hier, nicht wegen des Vergn�gens.� Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.</p><p>�Du hast mich schon immer allzu leicht durchschaut�, erwiderte er.</p><p>�Nein, ich tue nur so als ob. Wen m�chtest du tot sehen?� Ihre Augen blitzten vor Eifer und Erregung. �Hat dich in letzter Zeit jemand ge�rgert?�</p><p>�Ich brauche Informationen.�</p><p>Ihre Schultern sackten vor Entt�uschung herunter. �Warum, warum, warum? St�ndig wollen sie Informationen.� Sie warf die H�nde hoch. �Oder wenn sie das ganze Paket wollen, machen sie einen R�ckzieher, bevor ich auch nur meine Messer sch�rfen kann.� Sie sch�ttelte den Kopf, dann sah sie ihn hoffnungsvoll an. �Werden die Informationen zu dem ganzen Paket f�hren?�</p><p><emphasis>Sie genie�t ihre Arbeit viel zu sehr,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Hat es immer getan. Es war einer der Gr�nde, warum sie so aufregend war.</emphasis></p><p>�M�glicherweise, aber dann w�rde ich die Sache lieber selbst erledigen.�</p><p>Terrina zog einen Schmollmund. �Typisch.� Dann l�chelte sie und machte eine wegwerfende Handbewegung. �Aber ich kann es dir nicht �bel nehmen, wenn es etwas Pers�nliches ist. Also, was musst du wissen?�</p><p>Cery holte tief Luft und wappnete sich gegen den Stich des Schmerzes, der mit seinen n�chsten Worten einhergehen w�rde.</p><p>�Wer in mein Versteck eingedrungen ist und meine Frau und meine S�hne get�tet hat�, sagte er leise, damit keiner der anderen G�ste es h�rte. �Wenn du es nicht mit Bestimmtheit wei�t, dann gen�gt mir auch Tratsch, den du aufgeschnappt hast.�</p><p>Sie blinzelte und starrte ihn an.</p><p>�Oh�, war alles, was sie sagte. Sie betrachtete ihn nachdenklich. Der Tratsch von Auftragsm�rdern ging nur selten �ber ihre eigenen Reihen hinaus. Alle akzeptierten, dass man ihn zu einem hohen Preis kaufen konnte, aber wenn das dazu f�hrte, dass ein anderer Auftragsm�rder ein Gesch�ft verlor oder get�tet wurde, wurde der Verk�ufer streng bestraft. �Du wei�t, wie viel das kosten wird?�</p><p>�Nat�rlich� Es h�ngt allerdings davon ab, ob du die Information hast, die ich brauche.�</p><p>Sie nickte, ging in die Hocke, so dass sie mit ihm auf gleicher Augenh�he war, und sah ihn ernst an. �Nur f�r dich, Cery. Wie lange ist es her?�</p><p>�Neun Tage.�</p><p>Sie runzelte die Stirn und schaute ins Leere. �Ich habe nichts Derartiges geh�rt. Die meisten Auftragsm�rder h�tten inzwischen davon geredet. Ein Einbruch in das Versteck eines Diebes ist beeindruckend. Er wird versucht haben, dich dort zu t�ten, weil es beweist, wie gerissen er ist. Erz�hl mir, wie er es gemacht hat.�</p><p>Er beschrieb die unangetasteten Schl�sser, die in einen Hinterhalt gelockten Wachen, lie� jedoch aus, was der Schlossmacher �ber Magie gesagt hatte.</p><p>�Ich nehme an, er w�rde den Mund halten, wenn man ihm genug bezahlt hat. Es w�rde einiges kosten. Der Kunde ist also reich oder hat lange gespart. Entweder das, oder er hat es selbst getan, oder es war jemand, der dir nahesteht und der den Weg hinein kannte�� aber ich sch�tze, das hast du �berpr�ft. Oder�� Sie sah ihn j�h an. �Oder es war der J�ger der Diebe.�</p><p>Cery runzelte die Stirn. �Doch warum sollte er warten, bis ich fort war, und dann meine Familie t�ten?�</p><p>�Vielleicht wusste er nicht, dass du ausgegangen warst. Vielleicht wusste er nicht, dass du eine Frau und Kinder hattest. Ich habe niemandem erz�hlt, dass du heiraten wolltest, obwohl das daran lag, dass ich es nicht geglaubt habe. Und wenn du sie gut genug versteckt hast�� Sie zuckte die Achseln. �Er ist reingegangen, sie haben ihn gesehen, er musste sie t�ten, weil sie ihn h�tten erkennen k�nnen.�</p><p>�Wenn es nur eine M�glichkeit g�be, wie ich mir sicher sein k�nnte.� Cery seufzte.</p><p>�Jeder M�rder hinterl�sst seine Spuren. Bestimmte Zeichen. Hat seine eigenen Angewohnheiten und F�higkeiten. Anhand dieser Dinge kannst du sie erkennen, wenn du genug Morde hast, die du vergleichen kannst.� Sie stand auf. �Ich w�rde dir Einzelheiten �ber den J�ger nennen k�nnen, nur dass wir sie f�r den Augenblick f�r uns behalten, f�r den Fall, dass einer von uns der M�rder ist.�</p><p>Cery nickte. Wenn Terrina sagte, dass sie keine weiteren Informationen preisgeben w�rde, konnte man sie ihr mit nichts entlocken. �Hast du irgendeine Ahnung, warum der J�ger uns einen nach dem anderen t�tet?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Tut mir leid, ich war keine gro�e Hilfe. Ich kann nichts anderes tun, als dir Angst vor jemandem zu machen, von dem du bereits wei�t und von dem ich dir nichts N�tzliches berichten kann.� Sie wandte den Blick ab und runzelte die Stirn. �Daf�r kann ich dir wirklich nicht viel berechnen.�</p><p>Cery �ffnete den Mund, um um das Honorar zu feilschen, das er ihr f�r die M�he, sich mit ihm zu treffen, bezahlen w�rde, aber sie blickte pl�tzlich auf.</p><p>�Oh, eines kann ich dir durchaus erz�hlen, weil niemand es ernst nimmt.�</p><p>�Ja?�</p><p>�Die Leute glauben, der J�ger der Diebe benutze Magie.�</p><p>Eine Woge der K�lte schlug �ber Cery zusammen. Er starrte sie an. �Warum sagen sie das?�</p><p>�Ich dachte, die Leute glaubten nur deshalb, er m�sse Magie benutzen, weil er so gut ist. Aber ich habe einmal in einem Bolhaus mit einem Wachsoldaten geplaudert, der f�r einen der ermordeten Diebe gearbeitet hatte, und er sagt, er habe einen Lichtstrahl gesehen und Dinge, die durch die Luft flogen. Nat�rlich meinen alle, es sei der Schlag auf den Kopf gewesen, der dazu gef�hrt hat, dass er Dinge sah, aber� er war sich so sicher, und er ist ein Mann, der durchaus mit gesundem Menschenverstand gesegnet ist.�</p><p>�Wie interessant�, erwiderte Cery. Es <emphasis>k�nnte dennoch blo�e Fantasie sein und die Wirkung von schon umlaufenden Ger�chten. Wenn ich nicht mit eigenen Augen die Beweise des Schlossmachers gesehen h�tte, w�rde ich es nicht glauben.</emphasis> Aber zus�tzlich zu den anderen Ger�chten �ber Magie, die dort auftauchte, wo sie nichts zu suchen hatte, begann er sich langsam zu fragen, wie viel Wahrheit darin steckte.</p><p>Wenn es wahr war, dann besch�ftigt sich entweder ein Gildemagier mit Dingen, von denen er die Finger lassen sollte, oder es gab einen wilden Magier in der Stadt. So oder so, der Betreffende konnte mit der Ermordung seiner Familie durchaus zu tun haben.</p><p>Pl�tzlich musste er an Skellins offenkundigen Wunsch denken, seinen eigenen wilden Magier in Dienst zu nehmen. <emphasis>Wenn dieser J�ger ein wilder Magier ist, wird er keine M�he haben, an Skellin heranzukommen. Hmm, sollte ich Skellin warnen? Aber gewiss hat er bereits von den Ger�chten �ber Magie geh�rt� Ah! Vielleicht ist das der Grund, warum er mich nach Magie gefragt hat. Er wusste, dass ich in der Vergangenheit Beziehungen zur Gilde hatte, und hat mich auf die Probe gestellt, um zu erfahren, ob ich diese Beziehungen immer noch habe. Was bedeuten w�rde, dass er den Verdacht hatte,</emphasis> ich <emphasis>h�tte den J�ger in Dienst genommen.</emphasis></p><p>Dann kam ihm eine andere M�glichkeit in den Sinn.</p><p><emphasis>Ist ein Dieb zu dieser Schlussfolgerung gelangt und hat einen Auftragsm�rder ausgeschickt, der mich t�ten sollte, ohne zu ahnen, dass er ebenden magiebegabten M�rder anheuerte, vor dem alle solche Angst haben?</emphasis> Er runzelte die Stirn. <emphasis>Zumindest wei� ich, dass es nicht Skellin gewesen sein kann, da er mich wohl kaum in sein Haus eingeladen und einen Auftragsm�rder losgeschickt h�tte, der mich gleichzeitig in meinem eigenen Haus t�ten sollte.</emphasis></p><p>Er sch�ttelte den Kopf. Die M�glichkeiten schienen endlos. Aber hier war abermals Magie erw�hnt worden. Sie war benutzt worden, um das Schloss seines Verstecks zu �ffnen, und man glaubte, dass der J�ger Magie benutzte. Zufall? Vielleicht. Aber es war der einzige Hinweis, den er hatte, also konnte er ihm geradeso gut nachgehen.</p><empty-line/><p>Wann immer Sonea die Amtsstube des Administrators betrat, stiegen Erinnerungen in ihr auf. Obwohl Osen die M�bel anders aufgestellt hatte und den Raum stets mit einer Lichtkugel erhellte, konnte sie sich noch immer daran erinnern, wie es hier ausgesehen hatte, als Lorlen noch lebte. Und sie fragte sich stets, ob Osen wusste, dass es hinter der Vert�felung einen Eingang zu den geheimen G�ngen der Universit�t gab.</p><p><emphasis>Lorlen wusste es nicht, daher bezweifle ich, dass Osen es wei�.</emphasis></p><p>�Erz�hlt mir, wie es gekommen ist, dass man Euch im <emphasis>Namenlosen</emphasis> angetroffen hat?�, fragte Osen die beiden jungen Magier, die links von seinem Schreibpult standen.</p><p>Alle drehten sich um, um Reater und Sherran anzusehen. Sonea war entsetzt �ber die Entdeckung gewesen, dass die beiden Magier, die man in dem Haus gefunden hatte, Lorkins Freunde waren. Die beiden sahen zuerst einander an, dann blickten sie zu Boden.</p><p>�Man hat uns einen Zettel gegeben�, antwortete Reater. �Darauf wurde der Weg zu dem besten neuen Spielhaus in der Stadt beschrieben. F�r die ersten f�nfzig Kunden sollte es verschiedene Dinge kostenlos geben.�</p><p>�Und das Haus liegt im Inneren Ring, daher haben wir gedacht, es sei sicher�, erg�nzte Sherran.</p><p>�Wo ist dieser Zettel jetzt?�, fragte Osen.</p><p>Lord Vonel, einer der beiden �lteren Magier, die rechts von Osen standen, trat vor und �berreichte dem Administrator einen winzigen wei�en Papierstreifen. Osen begann stirnrunzelnd zu lesen, dann ertastete er die Dicke des Papiers und drehte es um, um die R�ckseite zu untersuchen.</p><p>�Es ist von guter Qualit�t. Ich werde die Alchemisten, die die Druckmaschinen betreiben, bitten, das Papier zu untersuchen und festzustellen, ob sie uns etwas �ber die Herkunft sagen k�nnen.�</p><p>�Haltet es ins Licht�, schlug Vonel vor.</p><p>Osen folgte dem Vorschlag und kniff die Augen zusammen. �Ist das ein Teil des Wappens der Gilde?�</p><p>�Ich glaube, ja.�</p><p>�Hmm.� Osen legte den Zettel auf den Tisch, dann blickte er wieder zu Vonel auf. �Also, wie habt Ihr von dem <emphasis>Namenlosen</emphasis> erfahren?�</p><p>�Ein Novize hat mir das da gegeben�, antwortete Vonel und deutete mit dem Kopf auf das Papier.</p><p>�Und?�</p><p>�Ich habe Carrin gebeten, mich dorthin zu begleiten, damit wir feststellen konnten, um was f�r ein Lokal es sich bei diesem �Spielhaus� handelte und ob Mitglieder der Gilde das Angebot genutzt hatten.�</p><p>�Und was habt Ihr bei Eurem Eintreffen vorgefunden?�</p><p>�Gl�cksspiel, Alkohol, Gl�hbecken f�r Feuel und Frauen, deren Dienste man kaufen konnte�, erwiderte Carrin. �Lord Reater machte hohe Verluste bei einem neuen Spiel, Lord Sherran war vom Feuelrauch einem Koma nah. Insgesamt haben wir dort diese beiden sowie zw�lf Novizen entdeckt, die die volle Palette der angebotenen Produkte kosteten.�</p><p>Osen griff nach einem Bogen Papier. �Produkte, die hier aufgelistet sind.�</p><p>�Ja.�</p><p>Der Administrator �berflog die Liste, dann legte er sie beiseite und blickte zu Regin und Sonea auf.</p><p>�Und welche Rolle habt Ihr gespielt, Lord Regin und Schwarzmagierin Sonea?�</p><p>�Mich hat ein besorgter Novize informiert, der mitangeh�rt hatte, dass da m�glicherweise irgendwelche Missetaten im Gange waren, obwohl er keine Einzelheiten nennen konnte�, antwortete Regin. �Da ich wei�, dass Schwarzmagierin Sonea sich f�r die Debatte �ber das Verbot f�r Magier, sich mit Kriminellen einzulassen, interessiert, habe ich ihr davon erz�hlt und gehofft, sie h�tte genauere Informationen. Sie hatte keine.�</p><p>�Aber als ich Zeit dazu hatte, habe ich mich auf die Suche nach dem Lokal gemacht�, erg�nzte Sonea. �Und ich bekam eine Adresse. Ich ersuchte um Erlaubnis, die Gilde verlassen zu d�rfen, um der Angelegenheit nachzugehen, aber als ich die Erlaubnis bekam, waren bereits zw�lf Magier in das Spielhaus gelockt worden.�</p><p>�Warum habt Ihr nicht veranlasst, dass jemand anderer hinging?�, hakte Osen nach.</p><p>�rger flammte in Sonea auf. Warum sollte sie das Gel�nde nicht verlassen, wenn sie lediglich versuchte zu verhindern, dass einige Novizen und Magier in eine Falle tappten? Aber sie und Regin hatten nicht genug Beweise daf�r, dass es sich tats�chlich um eine Falle handelte. Viele Magier, Osen eingeschlossen, dachten noch immer, dass sie die Einschr�nkung ihrer Bewegungsfreiheit verdiene, als Strafe daf�r, dass sie vor all jenen Jahren schwarze Magie erlernt und der Gilde getrotzt hatte.</p><p>�Wir dachten, je weniger Personen von diesem Ort Kenntnis h�tten, umso besser w�re es�, erkl�rte Regin. �Nur Ihr selbst, Lord Vonel und Lord Carrin.�</p><p>Dankbarkeit stieg in ihr auf, gefolgt von Erheiterung dar�ber, dass diese Dankbarkeit ausgerechnet Regin galt.</p><p>Osen besah sich abermals die Liste der Novizen. �Daf�r ist es jetzt zu sp�t. Die Wache hat das Spielhaus geschlossen, daher stellt es f�r niemanden mehr eine Versuchung dar. Jetzt gibt es nicht mehr zu tun, als �ber die Bestrafung zu entscheiden.� Er drehte sich zu Reater und Sherran um, die sich wanden und �berall hinschauten, nur nicht zu den anderen Magiern. �Von Euch wird wie von allen Magiern erwartet, dass Ihr jenen gegen�ber, die sich noch in den Jahren ihrer Ausbildung befinden, ein Vorbild an Zur�ckhaltung und geziemendem Verhalten seid. Ihr habt ferner die Pflicht, die Gilde als eine ehrenhafte und vertrauensw�rdige Institution zu repr�sentieren. Aber Euer Abschluss liegt noch nicht lange zur�ck, und wir alle nehmen einige der t�richten Neigungen der Novizenzeit in unsere ersten Jahre als Magier mit. Ich werde Euch beiden noch eine Chance geben, Euch zu bessern.�</p><p>Die beiden jungen M�nner entspannten sich sichtlich. <emphasis>Wenn sie das Missgeschick gehabt h�tten, aus einer der unteren Klassen zu stammen, w�re das Ergebnis ganz anders ausgefallen,</emphasis> dachte Sonea d�ster.</p><p>�Die Novizen�� Osen klopfte auf die Liste. �Sollten nach den Regeln der Universit�t bestraft werden. Ich werde die Angelegenheit dem Universit�tsadministrator �bergeben.�</p><p><emphasis>Oh, wunderbar,</emphasis> dachte Sonea. <emphasis>Wie ich mein Gl�ck kenne, werden sie in den Hospit�lern landen, wo alle Laster, die sie in Schwierigkeiten gebracht haben, nur wenige Stra�enz�ge entfernt zu haben sind. Sie werden sich davonschleichen, sobald sie eine Chance dazu bekommen, und mir wird man die Schuld daran geben.</emphasis></p><p>�Ihr habt getan, wozu man Euch ausgesandt hat�, sagte Osen und nickte Vonel und Carrin zu. �Ich habe einen Brief an die Wache geschickt und mich daf�r bedankt, dass sie so schnell gehandelt hat.� Er sah Regin an. �In Zukunft sollten wir alle zusammenarbeiten, damit etwas Derartiges nicht noch einmal vorkommt. Ihr d�rft gehen.�</p><p>Sonea drehte sich um, ging auf die T�r zu, die sie mit ein wenig Magie �ffnete, und trat in den Flur hinaus. Regin folgte ihr, und vor der T�r blieben sie beide stehen und warteten, bis die zwei j�ngeren Magier erschienen. Sonea vertrat ihnen den Weg. Reater und Sherran sahen sie entsetzt an.</p><p>Sie l�chelte mitf�hlend. �Ihr seid also nur wegen des Feuel dorthin gegangen. Was hat es eigentlich damit auf sich? Was ist so reizvoll daran, dass Ihr Euch daf�r in die H�nde von offenkundigen Verbrechern begeben habt?�</p><p>Reater zuckte die Achseln. �Es gibt einem ein gutes Gef�hl. Man hat keine Sorgen mehr.�</p><p>Sonea nickte, aber ihr war aufgefallen, dass in Sherrans Z�gen ein Ausdruck der Sehnsucht aufgeflackert war, w�hrend Reater lediglich resigniert wirkte. Sie beugte sich vor und senkte die Stimme.</p><p>�Hat Lorkin jemals�?�</p><p>Sherran sah sie an, dann blickte er hastig wieder zu Boden. �Einmal. Es hat ihm nicht gefallen.�</p><p>Sonea richtete sich auf. Er konnte durchaus l�gen, weil er f�rchtete, sie werde ihm Vorw�rfe machen, falls er eine andere Antwort gab. <emphasis>Aber dann h�tte er mir erz�hlt, Lorkin habe es niemals versucht. Ich denke, dies ist die Wahrheit.</emphasis></p><p>�Ihr zwei habt Gl�ck, dass Administrator Osen sich in diesem Fall entschieden hat, Nachsicht zu �ben. Ich w�rde seine Bereitschaft, das wieder zu tun, nicht auf die Probe stellen.�</p><p>Die beiden jungen M�nner nickten schnell. Sie l�chelte und bedeutete ihnen, dass sie gehen k�nnten, woraufhin sie davoneilten.</p><p>�Lorkin ist zu klug, um sich beim Feuelrauchen erwischen zu lassen�, murmelte Regin. �Und der gleiche gesunde Menschenverstand wird verhindern, dass er in Sachaka in Schwierigkeiten ger�t.� Er seufzte. �Ich w�nschte nur, meine eigenen T�chter w�ren halb so reif wie er.�</p><p>Sie sah ihn an, �berrascht und erheitert. �Machen sie Euch immer noch �rger?�</p><p>Er verzog das Gesicht. �Sie schlagen nach ihrer Mutter, obwohl in ihrer Rivalit�t genug Grausamkeit steckt, um mich an mich selbst in ihrem Alter zu erinnern.� Er sch�ttelte den Kopf. �Es ist schlimm genug zur�ckzublicken und seine jugendliche Arroganz zu bedauern, auch ohne dann noch die Arroganz seiner Spr�sslinge bedauern zu m�ssen.�</p></section><section><title><p>8</p><p>Zeichen</p></title><p>Nach zwei Tagen Kutschfahrt �ber zunehmend holprige Stra�en hatte Lorkin das Gef�hl, das vorrangige Ziel dieser Reise m�sse darin bestehen, s�mtliche Knochen in seinem Leib durcheinanderzusch�tteln und in einer m�glichst schmerzhaften Weise vollkommen neu zu arrangieren. Er musste st�ndig die Wehwehchen seines K�rpers heilen und Kopfschmerzen mildern, aber vor allem langweilte er sich. Nach Stunden des Unbehagens war er zu m�de und zu m�rrisch f�r Gespr�che, und er hatte die Entdeckung gemacht, dass das Holpern der Kutsche auf den Stra�en ihm �belkeit bescherte, wenn er zu lesen versuchte.</p><p>Offenkundig hatte die Aufregung des Reisens keinen Anteil an der eigentlichen Reise. Wahrscheinlich war das Ankommen das Interessantere. Obwohl er argw�hnte, dass er, wenn sie Arvice erreichten, eher Erleichterung als Erregung empfinden w�rde.</p><p>Lord Dannyl�� oder Botschafter Dannyl, wie er ihn jetzt zu nennen nicht vergessen durfte�� ertrug die Fahrt mit einer seltsamen Art gl�cklicher Resignation, was Lorkin ein wenig Hoffnung machte, dass das Ganze sich lohnen w�rde. Oder vielleicht war eine holprige Kutschfahrt einfach nur verh�ltnism��ig ertr�glich im Vergleich zu den Unannehmlichkeiten einer Seereise oder langer Stunden im Sattel�� Strapazen, die Dannyl von seinen Reisen vor �ber zwanzig Jahren zur Gen�ge kannte.</p><p>Lorkin wusste, dass der ehemalige Administrator Dannyl damals aufgetragen hatte, auf der Suche nach altem, magischem Wissen Akkarins Reise nachzuvollziehen. Die Geschichten, die Dannyl erz�hlte, waren faszinierend und weckten in Lorkin den Wunsch, die Gr�ber der Wei�en Tr�nen und die Ruinen von Armje selbst zu besuchen.</p><p><emphasis>Aber ich reise an einen Ort, den weder mein Vater noch Dannyl je zuvor gesehen haben: in die Hauptstadt Sachakas.</emphasis></p><p>Es w�rde ein vollkommen anderes Sachaka sein als das, in das sein Vater hineingestolpert war. Es w�rde keine Ichani geben, die darauf warteten, ihn zu versklaven. Wenn �berhaupt, w�rden Perlers Berichten zufolge die m�chtigen M�nner und Frauen der Hauptstadt, insbesondere die Ashaki-Patriarchen, sich nur widerstrebend dazu herablassen, von dem Gehilfen eines Botschafters Notiz zu nehmen.</p><p>Trotzdem fand er das leichte Gewicht des Rings, der tief in der Tasche seiner Robe verborgen lag, beruhigend. Er hatte ihn am Morgen in seiner Truhe gefunden, in einer kleinen Schatulle tief zwischen seinen Besitzt�mern. Es hatte keine Notiz oder Erkl�rung beigelegen, aber er erkannte den schlichten, goldenen Ring und den glatten, darin eingelassenen roten Edelstein. Hatte seine Mutter ihren Blutsteinring heimlich in seine Truhe geschmuggelt, weil sie nicht die Erlaubnis hatte, ihn ihm zu geben, oder weil sie nicht hatte riskieren wollen, dass er sich weigern w�rde, ihn anzunehmen?</p><p>Er und Dannyl begannen jeden Reisetag, indem sie mehrmals die Mitglieder der m�chtigsten sachakanischen Familien aufz�hlten, sich wesentliche Eigenschaften und B�ndnisse ins Ged�chtnis riefen und einander dabei halfen, sich diese Dinge einzupr�gen. Sie waren alles durchgegangen, was sie �ber die sachakanische Gesellschaft wussten, und hatten spekuliert, wo ihr Wissen l�ckenhaft war. Lorkin f�hlte sich dem �lteren Magier beinahe ebenb�rtig, aber er war davon �berzeugt, dass sich das �ndern w�rde, sobald sie Sachaka erreichten und ihre jeweiligen Rollen einnehmen mussten.</p><p>Das Schwanken der Kutsche ver�nderte sich, und Lorkin blickte auf. Nur Dunkelheit lag hinter den Fenstern, aber das dumpfe Klappern der Hufe auf der Stra�e hatte sich verlangsamt. Dannyl richtete sich h�her auf und l�chelte.</p><p>�Entweder liegt ein Hindernis auf der Stra�e, oder wir werden gleich f�r die Nacht aus unserem K�fig befreit�, murmelte er.</p><p>Als die Kutsche zum Stehen kam, schwankte sie sachte auf ihren Federn, dann r�hrte sie sich nicht mehr. Lorkin konnte durch das linke Fenster ein von Lampenlicht erhelltes Geb�ude sehen. Der Fahrer gab einen unverst�ndlichen Laut von sich, den Dannyl irgendwie als ein Zeichen zum Aussteigen deutete. Der Magier �ffnete die T�r und kletterte aus der Kutsche.</p><p>W�hrend Lorkin ihm folgte, atmete er die frische Nachtluft ein und sp�rte, dass sein Kopf klarer wurde. Er sah sich um. Sie waren in einem winzigen Dorf angekommen, das lediglich aus wenigen Geb�uden zu beiden Seiten der Stra�e bestand. Es existierte wahrscheinlich nur zur Bedienung Reisender. Das gr��te Geb�ude, vor dem sie vorgefahren waren, war ein Bleibehaus. Im Eingang stand ein untersetzter Mann, der sie heranwinkte.</p><p>�Willkommen, Mylords, in Ferguns Rasthaus�, sagte er. �Ich bin Fondin. Meine Stallarbeiter werden sich um Eure Pferde k�mmern, wenn Ihr sie nach hinten bringt. Wir haben saubere Betten und gutes Essen, alles dargeboten mit einem L�cheln.�</p><p>Auf Dannyls Gesicht lag ein Ausdruck der �berraschung und Erheiterung, dann zuckte er die Achseln und ging hinein. Lorkin �berlegte, ob der Mann wohl mit Absicht angedeutet hatte, dass seine Betten mit einem L�cheln dargeboten w�rden. <emphasis>Durchaus m�glich. Die Bleibeh�user auf dem Land stehen h�ufig in diesem Ruf.</emphasis></p><p>Dannyl stellte sie vor und bestellte etwas zu essen f�r sie und den Fuhrmann. Der Besitzer f�hrte sie in einen gro�en Speisesaal. Nur eine weitere Gruppe von G�sten befand sich im Raum. H�ndler, wie es aussah. Sie unterhielten sich leise und warfen Lorkin und Dannyl blo� einige wenige neugierige Blicke zu.</p><p>Es dauerte nicht lange, bis das Mahl gebracht wurde: Eine junge Frau erschien mit einem Tablett mit mehreren Sorten Fleisch, wohlschmeckenden Br�tchen, ged�mpftem Gem�se und kleinen, wahrscheinlich einheimischen Fr�chten. Ihr h�fliches L�cheln galt beiden Magiern, aber f�r Lorkin war es um einiges strahlender. Als sie sp�ter mit Bol auf Kosten des Hauses zur�ckkehrte, hielt sie kurz inne, um ihm einen koketten Blick zuzuwerfen, bevor sie ihm seinen Becher reichte. Dann ging sie wieder, mit einladend wiegenden H�ften, und warf noch einen kurzen Blick zur�ck. Lorkin hatte ihr nachgeschaut, und ihr Mienenspiel machte deutlich, dass sie ihm noch weitere Gunst erweisen w�rde.</p><p>�Ich frage mich, ob Sonea von mir erwartet, dass ich Eure Tugend sch�tze, w�hrend Ihr nicht in der Gilde seid�, bemerkte Dannyl.</p><p>Lorkin kicherte und wandte sich wieder dem anderen Magier zu. Dannyl f�llte seinen Teller von dem Tablett und blickte nicht auf.</p><p>�Tugend?�</p><p>�Ja, hm, ich sch�tze, auf Eure Tugend m�sst Ihr selbst achtgeben. Aber als �lterer und weiserer Gef�hrte versp�re ich in diesem Moment einen seltsamen Drang, Euch um Eurer Gesundheit und Eurer Brieftasche willen von der Versuchung abzulenken.�</p><p>�Eure Sorge ist vermerkt�, erwiderte Lorkin l�chelnd. �Soll ich Euch meinerseits den gleichen Dienst anbieten?�</p><p>Dannyl blickte zu Lorkin auf, und seine Miene war f�r einen Moment wachsam und ernst. Dann l�chelte er. �Nat�rlich. Wir werden aufeinander aufpassen.� Er stie� ein kurzes, leises Lachen aus. �Obwohl ich vermute, dass Eure Aufgabe die leichtere sein wird.�</p><empty-line/><p>Der Boden vibrierte auf eine Weise, die in Cery alte Erinnerungen wachrief. Fr�her hatten die Diebe die Abwasserkan�le benutzt, die auch diesen Abschnitt der �u�eren Stadtmauer unterquerten, um von den H�ttenvierteln in die Stadt und zur�ck zu gelangen. Es war eine unangenehme und manchmal gef�hrliche Route gewesen. Die Stadtwache hatte irgendwann entdeckt, dass die Kanalisation als Weg in die Stadt benutzt wurde, und begonnen, sie in regelm��igen Abst�nden zu fluten. Die Diebe waren �bereingekommen, W�chter aufzustellen, die ein Signal gaben, wenn eine Flutung begann, und so war diese Gefahr gebannt worden. Es war ein gr��tenteils verl�ssliches System gewesen, und er hatte es vor vielen Jahren benutzt, um Sonea in die Gilde zu bringen, bevor sie Magierin geworden war.</p><p>Aber jetzt war die Kanalisation unter den Dieben aufgeteilt, durch deren Territorium sie verlief, und viele von ihnen waren Rivalen. Der Wegezoll, den sie f�r die Benutzung der Kan�le erhoben, kostete ein Verm�gen, und die W�chter waren nicht l�nger verl�sslich. Es hie�, der Dieb, der ertrunken war, sei umgekommen, weil der J�ger einen stromaufw�rts postierten W�chter get�tet hatte. Mit dem Dieb waren alle W�chter weiter stromabw�rts ertrunken.</p><p><emphasis>Jetzt, da die S�uberung geendet hat, gibt es nicht mehr viele Gr�nde f�r die Benutzung der Kanalisation,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Sie ist nur dann von Nutzen, wenn man triftige Gr�nde hat, sich ungesehen fortzubewegen.</emphasis></p><p>Da er auch die Stra�e der Diebe nicht mehr benutzte, um lange Strecken zu �berwinden, ging Cery tags�ber wie die meisten B�rger durch die Stra�en von Imardin. Das war immer noch das Sicherste�� trotz der Gefahr, die durch R�uber oder Banden drohte. Erstere schreckte der massige Gol ab, w�hrend Cerys Ansehen ihn noch immer vor Letzteren sch�tzte.</p><p><emphasis>Ich sollte mich wahrscheinlich nicht zu sehr darauf verlassen. Oder darauf, dass der arme Gol m�gliche Angreifer einsch�chtert. Eines Tages wird das eine oder andere nicht mehr reichen, um Angreifer abzuschrecken, und wir werden in Schwierigkeiten geraten. Aber wenn ich nicht auf Schritt und Tritt von einer Truppe von Wachsoldaten umringt sein will, ist das ein Risiko, das ich eingehen muss.</emphasis></p><p>Nachdem er einen der neuen, in die alte Mauer eingelassenen B�gen passiert hatte, machte Cery sich auf den Weg in seinen eigenen Teil der ehemaligen H�ttenviertel. Gol ging neben ihm her.</p><p>�Was h�ltst du von Thims Geschichte, Gol?�</p><p>Der gro�e Mann runzelte die Stirn. �Wir haben nichts Neues erfahren. Niemand hat irgendwelche Informationen, aber daf�r gibt es jede Menge von den gleichen alten Ger�chten.�</p><p>�Ja. Doch zumindest lauten sie gleich. Alle denken, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Alle haben die gleichen Ideen, was die F�higkeiten dieser Person betrifft.�</p><p>�Aber jeder hat einen anderen Grund, auf diese Ideen zu kommen�, bemerkte Gol.</p><p>�Ja. Dinge bewegen sich durch die Luft, die dazu kein Recht haben. Seltsame Brandspuren. Schattenhafte Gestalten, die man nicht erdolchen kann. Blitzende Lichter. Unsichtbare Mauern. Was glaubst du, Gol?�</p><p>�Dass es immer besser ist, �bervorsichtig zu sein als tot.�</p><p>Erheiterung blitzte in Cery auf. Er blieb stehen und drehte sich zu Gol um. �Also benehmen wir uns so, als sei der J�ger der Diebe real, als benutze er Magie und habe bereits einen Anschlag auf mich ver�bt.�</p><p>Gol zog die Brauen zusammen und blickte sich um, um festzustellen, ob jemand Cery geh�rt hatte. �Du hast geh�rt, was ich dar�ber gesagt habe, dass wir �bervorsichtig sein sollten?�, fragte er mit einem Anflug von �rger in der Stimme.</p><p>�Ja.� Cery seufzte. �Aber welchen Unterschied macht es, ob jemand uns h�rt? Wenn mein Feind ein Magier ist, ist mein Schicksal besiegelt.�</p><p>Die Falte zwischen Gols Brauen wurde noch tiefer. �Was ist mit der Gilde? Sie w�rden es wissen wollen, wenn� sie w�rden dies hier wissen wollen. Du k�nntest es� deiner alten Freundin erz�hlen.�</p><p>�K�nnte ich. Aber solange ich nichts Greifbares habe, was ich ihr erz�hlen kann, wird sie nicht in der Lage sein, etwas zu unternehmen. Wir m�ssen uns Gewissheit verschaffen.�</p><p>�Dann m�ssen wir eine Falle stellen.�</p><p>Cery sah Gol �berrascht an, dann sch�ttelte er den Kopf. �Und was denkst du, wie wir diese Art von Gefangenen darin festhalten sollen?�</p><p>�Keine Falle, um ihn zu fangen.� Gol zuckte die Achseln. �Nur um zu best�tigen, dass er ein Magier ist. Indem wir ihn irgendwo hinlocken und dazu verleiten zu benutzen, was er benutzen kann, w�hrend wir ihn beobachten. Das Beste w�re, wenn er gar nicht begriffe, dass es sich um eine Falle handelt.�</p><p>Cery setzte sich wieder in Bewegung und dachte �ber die Idee nach. Sie war nicht schlecht. �Ja. Wir sollten ihn nicht w�tend machen� Und wenn er nicht begreift, dass er beim ersten Mal in eine Falle getappt ist, k�nnten wir ihn abermals in die Falle locken�� w�hrend meine Freundin zugegen ist, um es zu beobachten.�</p><p>�Jetzt begreifst du langsam�, sagte Gol mit einem �bertriebenen Seufzer. �Manchmal dauert es bei dir so lange, bis du verstehst��</p><p>�Nat�rlich m�sste ich der K�der sein�, sagte Cery.</p><p>Gols neckender Ton verschwand. �Nein, wirst du nicht. Nun, du brauchst nicht wirklich der K�der zu <emphasis>sein.</emphasis> Es wird das <emphasis>Ger�cht</emphasis> die Runde machen, dass du dort sein wirst.�</p><p>�Es wird ein ziemlich �berzeugendes Ger�cht sein m�ssen�, erwiderte Cery.</p><p>�Wir werden uns etwas einfallen lassen.�</p><p>Schweigend setzten sie ihren Weg fort. Cery plante im Geiste bereits Einzelheiten. <emphasis>Also, wohin k�nnen wir den J�ger locken? Es wird ein Ort sein m�ssen, an dem man erwartet, mich zu sehen. Terrina sagte, er habe sich das Versteck vorgenommen, weil es als besonderes Kunstst�ck gelte, mich an meinem sichersten Ort zu t�ten. Also muss ich mich in einem neuen Versteck niederlassen und daf�r sorgen, dass einige Leute es ausplaudern und erz�hlen, um wie viel sicherer es sei als mein altes Versteck. Es wird einige gute Guckl�cher haben m�ssen und den einen oder anderen Fluchtweg. Und es muss den J�ger dazu bringen, seine Kr�fte auf eine augenf�llige Weise einzusetzen.</emphasis></p><p>Zum ersten Mal seit Wochen durchdrang ein Kitzel der Erregung die Oberfl�che der D�sternis, die ihn eingeh�llt hatte. Selbst wenn die Falle ihm zun�chst keine Rache f�r den Tod seiner Familie verschaffen sollte, w�rden ihn die Planung und der Aufbau der Falle davon abhalten, �ber ihren Tod nachzugr�beln.</p><empty-line/><p>Die steile, gewundene Bergstra�e, die zum Pass f�hrte, erinnerte Dannyl an jene Stra�en, die er und Tayend vor so vielen Jahren in Armje bereist hatten. Was wenig �berraschend war, da die H�nge hier zu dem gleichen Gebirgszug geh�rten, der Sachaka von den Verb�ndeten L�ndern trennte. Auch hier wurde der Wald am Rand der Berge d�nner und machte verk�mmerten Pflanzen und felsigen H�ngen Platz.</p><p>Die Kutsche fuhr langsam, w�hrend die Pferde sie stetig h�gelaufw�rts zogen. In Lorkins Augen lag ein inzwischen vertrauter Ausdruck der Langeweile, w�hrend er mit d�sterer, resignierter Miene aus dem Fenster starrte. Sie waren beide bereits �ber das Stadium hinaus, in dem sie noch h�tten Gespr�che f�hren m�gen, obwohl es noch nicht einmal Mittag war, und das Schweigen machte das Kriechtempo nur noch unertr�glicher.</p><p>Dann umrundete die Kutsche ohne Vorwarnung abrupt eine Biegung und nahm Geschwindigkeit auf, w�hrend die Stra�e ebener wurde. Sie fuhren jetzt zwischen zwei glatten Felsw�nden hindurch. Lorkin richtete sich auf, entriegelte das Fenster an seiner Seite und sp�hte hinaus.</p><p>�Wir sind da�, sagte er.</p><p>Ein Prickeln der Erregung breitete sich auf Dannyls Haut aus. Er l�chelte erleichtert, und Lorkin grinste. In angespannter Erwartung sa�en sie da, alle Aufmerksamkeit auf die Bewegungen der Kutsche konzentriert, die vorbeiziehenden W�nde und das Ger�usch der Hufschl�ge, bis der Fuhrmann einen Ruf ausstie� und das Gef�hrt langsam zum Stehen kam.</p><p>An dem Fenster neben Lorkin erschien ein Gesicht�� ein Mann in roten Roben blickte zwischen Lorkin und Dannyl hin und her und nickte h�flich.</p><p>�Willkommen im Fort, Botschafter Dannyl und Lord Lorkin. Ich bin W�chter Orton. Werdet Ihr �ber Nacht hierbleiben oder die Reise nach Sachaka fortsetzen?�</p><p>�Bedauerlicherweise k�nnen wir nicht verweilen, da Administrator Osen erpicht ist, uns so schnell wie m�glich in Sachaka niedergelassen zu sehen�, antwortete Dannyl.</p><p>Der Mann l�chelte mitf�hlend. �Dann lade ich Euch ein, Euch die Beine zu vertreten und Euch umzusehen, w�hrend wir Eure Pferde gegen frische austauschen.�</p><p>�Ein Angebot, das wir mit Freuden annehmen.�</p><p>Lorkin entriegelte die T�r und folgte Dannyl dann aus der Kutsche. Sobald der junge Mann einen Fu� auf den Boden gesetzt hatte, blickte er auf und sog scharf die Luft ein.</p><p>�Ah ja. Es ist ein beeindruckendes Geb�ude�, bemerkte Orton, der Lorkins Blick gefolgt war.</p><p>Dannyl schaute ebenfalls hoch, und ein Schauer �berlief ihn. Die Front des Forts ragte �ber ihm auf und spannte sich von einer Seite der schmalen Schlucht zur anderen. Der Stein war glatt und makellos bis auf die Stellen, an denen die Schatten gewaltige, mit weiterem Stein gef�llte Risse in der Fassade zeigten, wo Reparaturen vorgenommen worden waren.</p><p>�Sind das Sch�den, die bei der Ichani-Invasion entstanden sind?�, erkundigte sich Lorkin.</p><p>�Ja, obwohl es drinnen schlimmer aussah�, antwortete Orton. Er setzte sich in Bewegung und f�hrte sie in eine h�hlenartige �ffnung. Dannyls Augen brauchten einige Sekunden, um sich anzupassen, dann konnte er von Lampen beleuchtete Tunnelw�nde vor sich sehen. Geringf�gige Unterschiede in der Farbe zeigten, wo Bereiche mit neuem Stein ausgebessert worden waren. �An einigen Stellen waren L�cken, die mehrere Stockwerke emporreichten.�</p><p>�Haben wir die urspr�nglichen Fallen hier durch neue ersetzt?�, fragte Dannyl.</p><p>�Einige davon.� Orton zuckte die Achseln. �Die meisten waren simple Barrieren, dazu gedacht, Angreifer aufzuhalten und ihre Kr�fte aufzuzehren. Wir haben an ihrer Stelle komplexere Verteidigungssysteme errichtet. Tricks, die einen Eindringling vielleicht zu Fall bringen, wenn er nicht wachsam ist. Illusionen, die seine Macht vergeuden. Aber nichts, was eine Gruppe m�chtiger sachakanischer Schwarzmagier lange aufhalten k�nnte, was der Grund ist, warum wir so viel Zeit und Energie darauf verwenden, auch Fluchtwege aus dem Fort zu schaffen. Zu viele sind bei der Invasion gestorben, die nicht h�tten sterben m�ssen. Ah�� hier haben wir ein Andenken an jene, die bei der tapferen Verteidigung des Passes ihr Leben gelassen haben.�</p><p>Zwischen zwei Lampen war in die Wand eine Liste mit Namen eingemei�elt worden. Dannyl versp�rte eine Mischung aus Beunruhigung und Erheiterung, als sein Blick auf einen vertrauten Namen fiel. <emphasis>Soweit ich mich erinnere, wurde Fergun von den Sachakanern aus irgendeinem Versteck gezerrt. Wohl kaum das, was ich eine tapfere Verteidigung des Passes nennen w�rde. Aber die �brigen� sie starben, ohne zu verstehen, womit sie es zu tun hatten, weil die Gilde Akkarins Warnungen keinen Glauben geschenkt hatte. Sie war nicht in der Lage gewesen, die von ihm geschilderte Bedrohung zu begreifen, da sie vergessen hatte, wozu schwarze Magie einen Magier bef�higen konnte.</emphasis></p><p>Sie standen lange schweigend da, dann hallten Hufgetrappel und das Knarren von R�dern im Tunnel wider. Als Dannyl sich umdrehte, sah er, dass der Fahrer frische, an die Kutsche geschirrte Pferde auf sie zuf�hrte.</p><p>�Gleich werdet Ihr das Fort von der sachakanischen Seite sehen�, sagte Orton, w�hrend er seinen Weg durch den Tunnel fortsetzte.</p><p>Dannyl und Lorkin folgten ihm. Der L�rm der Kutsche war unangenehm in dem beengten Raum, daher sprachen sie kein Wort, bis sie aus dem Tunnel traten. Wiederum erhoben sich zu beiden Seiten steile Felsw�nde. Vor ihnen machte die Schlucht eine Biegung, so dass sie von Sachaka noch nicht viel sahen. Als Orton sich umdrehte und aufblickte, folgten Lorkin und Dannyl seinem Beispiel. Zwischen den W�nden der Schlucht, durchbrochen von vielen kleinen Fenstern, erstreckte sich eine weitere glatte Wand. Zwei riesige Steinquader, die offensichtlich fr�her einmal ein einziger Stein gewesen waren, lagen an einer Seite an der Felswand der Schlucht.</p><p>�Das war einmal eine Art T�r�, erkl�rte Orton. �Sie wurde hinuntergeworfen, um den Tunnel zu versperren.� Er zuckte die Achseln. �Ich frage mich allerdings, warum die Magier, die das Fort erbauten und die selbst Schwarzmagier waren, glaubten, solche Dinge w�rden einen Eindringling aufhalten.�</p><p>�Jedes noch so kleine F�nkchen Macht, das der Feind verbraucht, k�nnte ein gerettetes Leben bedeuten�, meinte Lorkin.</p><p>Orton sah den jungen Mann an und nickte. �Vielleicht.� Die Kutsche tauchte aus dem Tunnel auf, und der Fahrer hielt die Pferde neben ihnen an. Orton wandte sich an Dannyl. �Frische Pferde sowie Futter und Wasser f�r die drei Tage, die Ihr f�r die Durchquerung des �dlands ben�tigen werdet. Au�erdem haben wir Vorr�te f�r Euch selbst eingepackt, und ich habe den Koch gebeten, f�r Eure n�chste Mahlzeit etwas Besonderes zusammenzustellen. Nichts Gro�artiges, aber es k�nnte f�r einige Zeit Eure letzte kyralische Mahlzeit sein.�</p><p>�Vielen Dank, W�chter Orton.�</p><p>Der Mann l�chelte. �Es war mir ein Vergn�gen, Botschafter Dannyl.� Dann sah er Lorkin an. �Ich hoffe, Ihr und Lord Lorkin werdet sicher ans Ziel kommen und k�nnt bei Eurer R�ckkehr nach Kyralia f�r ein Weilchen hier haltmachen.�</p><p>Dannyl nickte. �Wir werden unser Bestes tun, um m�gliche Eindringlinge davon abzuhalten, Eure neuen Verteidigungseinrichtungen zu erproben.�</p><p>Orton lachte leise und drehte sich zu der Kutsche um. �Ich wei�, dass Ihr das tun werdet.�</p><p>Die Kutschent�r schwang auf, ge�ffnet zweifellos durch Ortons Magie. Dannyl stieg ein und setzte sich, dann wappnete er sich gegen das Schaukeln des Gef�hrts, als Lorkin ihm eifrig folgte. Sie winkten Orton zum Abschied zu und riefen noch einige Dankesworte, w�hrend die Kutsche davonrollte und Orton au�er Sicht geriet.</p><p>Dannyl sah Lorkin an, der zur�ckgrinste.</p><p>�Ich nehme an, W�chter Orton bekommt nicht viele Besucher zu Gesicht.�</p><p>�Nein. Ihr seht erheblich besser gelaunt aus als heute Morgen�, bemerkte Dannyl.</p><p>Lorkins Grinsen wurde breiter. �Wir sind in Sachaka.�</p><p>Ein Schauder �berlief Dannyl. <emphasis>Er hat recht. Als wir aus dem Tunnel traten, waren wir nicht l�nger in unserem eigenen Land. Wir sind im exotischen Sachaka, dem Herzen des ehemaligen Reiches, das einst Kyralia und Elyne umschloss. Dem Land der Schwarzmagier. Alle so viel m�chtiger als ich�</emphasis></p><p>So musste sich ein H�ndler oder Diplomat f�hlen, der in den Verb�ndeten L�ndern mit Magiern zu tun hatte und sich stets dar�ber im Klaren war, wie hilflos er im Angesicht von Magie sein w�rde, der sich jedoch auf Diplomatie verlie� und auch die Drohung eines Vergeltungsschlags von Seiten seines Heimatlandes, um sicher vor Schaden zu sein. Dannyl dachte an den Blutring, den Administrator Osen ihm gegeben hatte, geschaffen von Schwarzmagier Kallen aus Osens Blut, damit Dannyl sich mit ihm in Verbindung setzen konnte. <emphasis>F�r allmonatliche Berichte. Davon abgesehen darf er nur in Notf�llen benutzt werden. Als ob er aus dieser Entfernung einen Schwarzmagier daran hindern k�nnte, mich zu t�ten�</emphasis></p><p>Pl�tzlich war die Felswand neben ihm verschwunden und hatte einer gro�en, hellen Fl�che Platz gemacht. Lorkin stie� einen �berraschten Laut aus, wechselte auf den Sitzplatz Dannyl gegen�ber und r�ckte nah ans Fenster, um hinauszuschauen.</p><p>�Das ist also das �dland�, sagte er leise.</p><p>Ein baumloser Hang fiel steil vom Rand der Stra�e zu den felsigen, erodierten H�geln unter ihnen ab. An ihnen z�ngelte wie ein gefrorenes Meer die W�ste, deren D�nen sich durchs Land wellten. Die Luft war trocken, wie Dannyl pl�tzlich bemerkte, und schmeckte nach Staub.</p><p>�Ich sch�tze, so ist es�, erwiderte er.</p><p>�Es ist� gr��er, als ich dachte�, sagte Lorkin.</p><p>�Man lehrt uns, dass das �dland eine Barriere sein soll�, erkl�rte Dannyl. �Aber die �lteren Aufzeichnungen besagen nur, dass es als eine solche dienen <emphasis>k�nne.</emphasis> Das legt die Vermutung nahe, dass das �dland nicht ganz absichtlich geschaffen wurde. Dass es zumindest nicht von der Gilde geplant worden war.�</p><p>�Also wei� niemand mit Bestimmtheit, warum es geschaffen wurde, geschweige denn, wie?�</p><p>�In einigen Unterlagen findet sich der Hinweis, dass die Sch�pfer des �dlandes Sachaka schw�chen wollten, indem sie sein fruchtbarstes Land zerst�rten. Ich habe Briefe gefunden, in denen Magier die Idee unterst�tzten, und andere, wo es f�r eine schreckliche Idee gehalten wurde. Aber die Briefe machen den Eindruck, als drehten sie sich um Ger�chte, nicht um eine offizielle Entscheidung.�</p><p>Lorkin verzog das Gesicht. �Es w�re nicht das erste Mal in der Geschichte, dass jemand unabh�ngig von der Gilde gehandelt h�tte.�</p><p>�Nein.� Dannyl fragte sich, ob Lorkin auf seine Eltern anspielte. Sein Tonfall war trocken gewesen.</p><p>Einige Minuten lang betrachteten sie das �dland, ohne zu sprechen. Dann sch�ttelte Lorkin den Kopf und seufzte.</p><p>�Das Land hat sich nie erholt. Nicht nach siebenhundert Jahren. Hat irgendjemand versucht, es wiederherzustellen?�</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �Das wei� ich nicht.�</p><p>�Vielleicht ist es gut, dass niemand wei�, wie es entstanden ist. Wenn wir es jemals mit einem richtigen Krieg zu tun bek�men�� statt mit einem Haufen Ausgesto�ener��, w�ren wir in ernsten Schwierigkeiten.�</p><p>Dannyl, der �ber das verw�stete Land blickte, musste ihm recht geben. �Nach allem, was man h�rt, waren die Sachakaner furchtbar w�tend �ber die Zerst�rung. Wenn sie gewusst h�tten, wie sie zur�ckschlagen k�nnen, w�re das gewiss geschehen. Ich glaube nicht, dass sie mehr wissen als wir.�</p><p>Lorkin nickte. �Es ist wahrscheinlich besser so.� Dann runzelte er die Stirn und sah Dannyl an. �Aber wenn wir doch etwas finden��</p><p>�Dann werden wir es geheim halten m�ssen. Zumindest bis wir die Information an den Hohen Lord Balkan weiterleiten k�nnen. Es w�re noch gef�hrlicher als die Kenntnis der schwarzen Magie.�</p></section><section><title><p>9</p><p>Auf der Suche nach Wahrheiten</p></title><p>Wie viele niedrig geborene Novizen aus den �rmeren Teilen der Stadt war Norrin von kleinem Wuchs. Und zwischen den beiden Kriegern, die ihn in die Gildehalle eskortierten, wirkte er noch kleiner. Soneas Herz zog sich vor Mitgef�hl zusammen, als er zu den Reihen der Magier emporblickte, die von beiden Seiten auf ihn herabstarrten. Er wurde wei� im Gesicht, dann blickte er zu Boden.</p><p>Es <emphasis>ist grausam, ihn vor die ganze Gilde zu zerren,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Eine Anh�rung vor den H�heren Magiern w�re einsch�chternd und dem�tigend genug gewesen. Aber irgendjemand wollte an ihm ein Exempel statuieren.</emphasis></p><p>Nach den Regeln der Gilde wurde jeder Novize, der nicht am Unterricht in der Universit�t teilnahm oder sich weigerte, auf dem Gel�nde der Gilde zu leben, als potenzieller wilder Magier betrachtet und musste vor die versammelte Gilde gebracht werden, um sein Verhalten zu erkl�ren, selbst wenn nur die H�heren Magier seine Taten beurteilten und �ber eine Strafe entschieden.</p><p><emphasis>Wenn er nicht unmittelbar vor einer Vollversammlung der Gilde erwischt worden w�re, w�re ihm dies vielleicht erspart geblieben. Aber es ist viel leichter, eine Anh�rung am Ende einer Versammlung anzuberaumen, als eigens daf�r eine Versammlung einzuberufen. Wenn Osen nur f�r diese Anh�rung die ganze Gilde h�tte zusammenrufen m�ssen, h�tte er die Regeln wahrscheinlich gebeugt und es bei den H�heren Magiern belassen.</emphasis></p><p>Die Eskorte und Norrin blieben stehen und verneigten sich vor den H�heren Magiern. Administrator Osen schaute zu den H�heren Magiern hin�ber�� zu Sonea. F�r einen Moment trafen sich ihre Blicke, dann sah er weg.</p><p>Andere hatten diesen Blickwechsel bemerkt, und der Hohe Lord Balkan, Lady Vinara und Direktor Jerrik musterten Sonea neugierig. Sie widerstand dem Drang, die Achseln zu zucken, um anzudeuten, dass sie keine Ahnung hatte, warum Osen diesen Moment ausgew�hlt hatte, um sie anzusehen. Stattdessen ignorierte sie die fragenden Blicke und richtete ihre Aufmerksamkeit auf den Novizen.</p><p>Der Administrator n�herte sich Norrin, der die Schultern sinken lie�, aber nicht aufsah.</p><p>�Novize Norrin�, begann Osen. �Ihr seid der Universit�t und dem Gel�nde der Gilde zwei Monate lang ferngeblieben. Ihr habt Bitten um Eure R�ckkehr ignoriert und uns gezwungen, Euch in Gewahrsam zu nehmen. Ihr kennt das Gesetz, dass die Freiz�gigkeit eines Novizen einschr�nkt und festlegt, wo er wohnen darf. Warum habt Ihr es gebrochen?�</p><p>Norrins Schultern hoben und senkten sich, als er tief Luft holte und den Atem wieder ausstie�. Er straffte sich und schaute zu dem Administrator auf.</p><p>�Ich will kein Magier werden�, sagte er. �Ich w�rde es wollen, wenn ich mir nicht noch mehr w�nschte, mich um meine Familie k�mmern zu k�nnen.� Er brach ab und senkte den Blick wieder. Sonea konnte Osens Gesicht nicht sehen, aber seine Haltung verriet nichts als geduldiges Abwarten.</p><p>�Eure Familie?�, hakte er nach.</p><p>Norrin blickte sich um, dann err�tete er. �Meine j�ngeren Geschwister. Mutter kann sich nicht um sie k�mmern. Sie ist krank.�</p><p>�Und niemand sonst kann diese Verantwortung �bernehmen?�, fragte Osen.</p><p>�Nein. Meine Schwester�� nach mir die �lteste�� ist im vergangenen Jahr gestorben. Die �brigen sind zu jung. Ich habe nicht ein einziges Mal Magie benutzt�, f�gte er hastig hinzu. �Ich wei�, dass mir das nicht gestattet ist, wenn ich kein Magier werde.�</p><p>�Wenn Ihr nicht den Wunsch habt, Magier zu werden�� wenn Ihr den Wunsch habt, die Gilde zu verlassen��, m�ssen Eure Kr�fte blockiert werden�, erkl�rte ihm Osen.</p><p>Der Novize blinzelte, dann schaute er mit solcher Hoffnung zum Administrator auf, dass es Sonea einen Stich versetzte. �Das k�nnt Ihr tun?�, fragte Norrin mit kaum h�rbarer Stimme. �Dann kann ich mich um meine Familie k�mmern, und es wird niemanden st�ren?� Er runzelte die Stirn. �Es kostet doch nicht viel, oder?�</p><p>Osen sagte nichts, dann sch�ttelte er den Kopf. �Es kostet gar nichts au�er verlorene M�glichkeiten f�r Euch selbst. K�nnt Ihr nicht noch einige Jahre warten? W�re es f�r Eure Familie nicht besser, wenn Ihr ein Magier w�rt?�</p><p>Norrins Gesicht verd�sterte sich. �Nein. Ich darf sie nicht besuchen. Ich darf ihnen kein Geld geben. Ich kann die� Krankheit meiner Mutter nicht heilen. Und die anderen sind zu jung, um sich selbst �berlassen zu bleiben.�</p><p>Osen wandte sich den H�heren Magiern zu. �Ich schlage vor, dass wir dar�ber diskutieren.�</p><p>Sonea nickte zustimmend, ebenso wie die anderen. Der Administrator bedeutete der Eskorte, den Jungen aus der Halle zu f�hren. Sobald die T�ren sich schlossen, stie� Lady Vinara einen lauten Seufzer aus und wandte sich den �brigen Magiern zu.</p><p>�Die Mutter des Jungen ist eine Hure. Sie ist nicht krank, sie ist s�chtig nach Feuel.�</p><p>�Das ist wahr�, bekr�ftigte Universit�tsdirektor Jerrik. �Aber er hat die Gewohnheiten seiner Mutter nicht �bernommen. Er ist ein vern�nftiger junger Mann, flei�ig und wohlerzogen und mit starken Kr�ften. Es w�re ein Jammer, ihn zu verlieren.�</p><p>�Er ist zu jung, um zu wissen, was er aufgibt�, f�gte Lord Garrel hinzu. �Er wird es bedauern, dass er die Magie um seiner Familie willen geopfert hat.�</p><p>�Aber er w�rde es noch mehr bedauern, wenn er seine Familie um der Magie willen opferte�, konnte Sonea nicht umhin zu bemerken.</p><p>Etliche der Anwesenden wandten sich zu ihr um. Sie hatte es sich w�hrend der vergangenen zwanzig Jahre nicht zur Gewohnheit gemacht, an den Debatten der H�heren Magier teilzunehmen. Zuerst hatte sie es nicht getan, weil sie sich zu jung f�hlte und zu unerfahren in Bezug auf die Politik der Gilde, sp�ter weil ihre Position unter ihnen ihr nicht aus Respekt zugebilligt worden war, sondern weil man widerstrebend ihre Kr�fte und ihre Mitwirkung bei der Verteidigung des Landes anerkannte.</p><p><emphasis>Doch wann immer ich spreche, scheine ich erheblich mehr Aufmerksamkeit zu erregen, als die Angelegenheit es rechtfertigt.</emphasis></p><p>�Ihr habt viel mit Norrin gemeinsam�, begann Osen. �Auch Ihr wolltet der Gilde nicht beitreten�� wenn auch nicht aus famili�ren Gr�nden�, f�gte er hinzu. �Was w�rdet Ihr vorschlagen, das wir tun sollen, um ihn zum Bleiben zu �berreden?�</p><p>Sonea widerstand dem Drang, die Augen zu verdrehen. �Er will seine Familie besuchen und ihr helfen. Gew�hrt ihm das, und ich bin davon �berzeugt, dass er �bergl�cklich w�re, bei uns zu bleiben.�</p><p>Die H�heren Magier tauschten Blicke. Sonea sah Rothen an. Er verzog das Gesicht und �bermittelte ihr mit diesem einen Blick, wie unwahrscheinlich es war, dass die H�heren Magier dem zustimmen w�rden.</p><p>�Aber das w�rde dazu f�hren, dass Geld der Gilde an eine Hure ginge und zweifellos f�r die Befriedigung ihrer Sucht verbraucht werden w�rde�, stellte Garrel fest.</p><p>�Es flie�t erheblich mehr Geld der Gilde jede Nacht in die Bezahlung von Huren, als notwendig w�re, um Norrins Familie �bers Jahr zu ern�hren und mit einem Dach �berm Kopf zu versorgen�, erwiderte Sonea, dann zuckte sie angesichts der Sch�rfe ihres Tonfalls zusammen.</p><p>Die Magier z�gerten abermals. <emphasis>Und auch das scheint immer zu geschehen, wenn ich es wage zu sprechen,</emphasis> �berlegte sie. Lady Vinara hatte sich, wie sie bemerkte, eine Hand vor den Mund gelegt.</p><p>�Es wird Norrins Aufgabe sein sicherzustellen, dass das Geld, das er seiner Mutter gibt, nicht in Feuel umgesetzt wird�, erkl�rte Sonea ihnen in einem Tonfall, von dem sie hoffte, dass er vers�hnlicher klang. �Es ist offensichtlich nicht sein Ziel, seine Mutter umzubringen.� Dann hatte sie pl�tzlich eine Inspiration. �Wenn er sich bereit erkl�rt zu bleiben, schickt ihn zur Arbeit in die Hospit�ler, als Strafe, wenn es sein muss. Ich werde daf�r sorgen, dass seine Familie ihn dort besuchen kann. Auf diese Weise kann er sie sehen, <emphasis>und</emphasis> wir machen deutlich, dass er wegen des Versto�es gegen das Gesetz bestraft wird.�</p><p>Die Magier im Raum nickten.</p><p>�Eine hervorragende L�sung�, sagte Lord Osen. �Vielleicht k�nnt Ihr seine Mutter gleichzeitig dazu �berreden, die Droge aufzugeben.� Er sah sie erwartungsvoll an. Sie erwiderte nichts, sondern schaute ihm nur direkt in die Augen. <emphasis>Ich bin nicht dumm genug, um irgendwelche Versprechungen zu machen, wenn es um Feuel geht.</emphasis></p><p>Osen wandte den Blick ab und drehte sich zu den anderen um. �Hat irgendjemand Einw�nde oder einen anderen Vorschlag?�</p><p>Die H�heren Magier sch�ttelten den Kopf. Osen rief die Eskorte und Norrin herein. Als man ihm Soneas Vorschlag unterbreitete, sah er mit offener Dankbarkeit zu ihr empor. <emphasis>Da ist ein bisschen zu viel Bewunderung,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. <emphasis>Ich sollte besser daf�r sorgen, dass er hart arbeiten muss, damit er nicht anf�ngt, mich zu idealisieren�� oder, wichtiger noch, zu denken, dass das Brechen von Regeln dazu f�hrt, dass er seinen Willen bekommt.</emphasis></p><p>Als Osen die Anh�rung und die Versammlung f�r beendet erkl�rte und Sonea sich erhob und die Stufen hinabsteigen wollte, vertrat Lady Vinara ihr den Weg.</p><p>�Es ist sch�n zu sehen, dass Ihr endlich Eure Meinung sagt�, erkl�rte die �ltere Heilerin. �Ihr solltet das h�ufiger tun.�</p><p>Sonea blinzelte �berrascht und wusste nichts zu erwidern, das nicht abgedroschen geklungen h�tte. Vinaras L�cheln wich einem ernsteren Ausdruck. Sie blickte zu der Stelle hinab, an der Norrin gestanden hatte.</p><p>�Dieser Fall demonstriert eindeutig die Notwendigkeit, eine prompte Entscheidung dar�ber zu treffen, ob die Regel gegen die Verbindung mit Kriminellen und Personen schlechten Rufes ver�ndert oder abgeschafft werden soll.� Sie senkte die Stimme. �Ich bin f�r eine Kl�rung. Die Regel l�sst sich zu leicht auf eine Weise auslegen, die die Arbeit meiner Heiler einschr�nken w�rde.�</p><p>Sonea nickte und brachte ein L�cheln zustande. �In meinem Fall ist es noch schlimmer. Was denkt Ihr, wann der Administrator zu einer Entscheidung rufen wird?�</p><p>Vinara runzelte die Stirn. �Er hat noch nicht festgelegt, ob es eine Entscheidung f�r uns oder f�r die Gilde sein sollte. Es mag als ungerecht angesehen werden, sollte er sich f�r Ersteres entscheiden, da Ihr die einzige H�here Magierin seid, die die Magier und Novizen von niederer Herkunft repr�sentieren w�rde. Aber wenn wir die Frage der ganzen Gilde vorlegen��</p><p>�Dann w�rde das vielleicht keinen allzu gro�en Unterschied machen�, beendete Sonea ihren Satz. �Und es w�rden gewiss Bemerkungen fallen, die, wenn sie �ffentlich gemacht werden, dauerhaften Groll verursachen k�nnten.�</p><p>Vinara zuckte die Achseln. �Oh, ich glaube nicht, dass wir das vermeiden k�nnen. Aber es wird erheblich mehr Aufhebens und Arbeit verursachen, und Osen ist sich nicht sicher, ob das Thema diesen Aufwand rechtfertigt.�</p><p>�Nun denn.� Sonea l�chelte grimmig und trat an der Frau vorbei. �Vielleicht wird Norrins Fall seine Meinung �ndern.�</p><empty-line/><p>Lorkin blickte �ber die Felder neben der Stra�e und fragte sich, wie lange er brauchen w�rde, um sich an all das Gr�n zu gew�hnen. Drei Tage lang waren sie durch das �dland gereist, und es f�hlte sich so an, als h�tte die staubige Trockenheit jede Falte seiner Haut und jeden Hohlraum seiner Lunge gef�llt. Er freute sich mehr als je im Leben auf ein Bad.</p><p>Nachts hatten sie abwechselnd Wache gehalten f�r den Fall, dass sich ihnen Ichani n�herten, oder in der Kutsche geschlafen. Das �dland galt als der gef�hrlichste Teil ihrer Reise�� daher die Vorsichtsma�nahmen��, aber niemand hatte jemals Magier der Gilde �berfallen. Fr�here Gildebotschafter hatten in der Ferne Gestalten gesehen, die sie beobachteten, aber keine davon hatte sich je gen�hert.</p><p>Lorkin bezweifelte, dass sie einem �berfall durch Ichani-Banditen lange h�tten trotzen k�nnen, aber der fr�here Botschafter hatte ihnen erkl�rt, dass sie sich immer darauf verlassen hatten, dass es Abschreckung genug sei, den Eindruck zu erwecken, als seien sie auf einen Kampf vorbereitet. Die Ichani, die im �dland und in den Bergen umherstreiften, wussten, dass die Gilde es geschafft hatte, Kariko und seine Bande zu t�ten, obwohl sie keine Ahnung von dem <emphasis>Wie</emphasis> hatten, und so hielten sie sich von jedweden in Roben gewandeten Besuchern fern.</p><p>Am zweiten Tag hatte ein Sandsturm Dannyl gezwungen, neben dem Fahrer Platz zu nehmen und mit einer magischen Barriere Pferd und Kutsche zu sch�tzen und daf�r zu sorgen, dass die Stra�e sichtbar blieb. Am dritten Tag hatte die Sandfl�che Grasb�scheln und verk�mmerten B�schen Platz gemacht. W�hrend die Pflanzenwelt dichter wurde, waren auch grasende Tiere erschienen. Dann wichen diese Fl�chen den ersten k�mmerlichen Getreidefeldern, die langsam ges�nder und �ppiger wirkten, bis alles angenehm und l�ndlich aussah�� solange man nicht allzu genau zum s�dwestlichen Horizont blickte.</p><p>Ab und zu tauchten Ansammlungen wei�er Geb�ude und Mauern mehrere hundert Schritte von der Stra�e entfernt auf. Es waren die G�ter von Sachakas m�chtigen Landbesitzern, den Ashaki. Erst als sie die ersten dieser G�ter passierten, wurde Lorkin klar, dass die Ruinen im �dland wahrscheinlich einst genauso ausgesehen hatten.</p><p>Heute Abend sollten Lorkin und Dannyl bei einem Ashaki �bernachten. Lorkin war sich nicht sicher, wie viel von seiner nerv�sen Gespanntheit, endlich einem Sachakaner zu begegnen, auf Aufregung zur�ckzuf�hren war und wie viel auf Furcht. Dannyl hatte sich in Imardin mit dem sachakanischen Botschafter getroffen, aber Lorkin war damals offiziell noch nicht sein Gehilfe gewesen und hatte daher nicht an dem Treffen teilgenommen.</p><p><emphasis>Ich will, dass wir uns beeilen und unser Ziel erreichen, aber wie viel davon ist auf Hunger und den Wunsch nach einem bequemen Bett und einer durchgeschlafenen Nacht zur�ckzuf�hren?</emphasis></p><p>Die Kutsche verlangsamte ihr Tempo, dann bog sie von der Hauptstra�e ab. Lorkins Herz begann zu rasen. Als er sich dichter zum Fenster hin�berbeugte, sah er wei�e Geb�ude am Ende der schmalen Stra�e, der die Kutsche folgte. Die W�nde waren glatt und gew�lbt, ohne scharfe Kanten. Als sie n�her kamen, konnte er durch einen Torbogen vor ihnen schlanke, umherhuschende Gestalten sehen. Eine davon blieb im Torbogen stehen, dann drehte sie sich um und winkte den anderen, bevor sie verschwand.</p><p>Als sie durch das Tor fuhren, fanden sie sich in einem beinahe verlassenen Innenhof wieder. Wer immer die Leute waren, sie hatten sich zur�ckgezogen. Ein einzelner Mann trat aus einer schmalen T�r, als die Kutsche zum Stehen kam, und lie� sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden fallen.</p><p>Er war offensichtlich ein Sklave. Lorkin sah Dannyl an, der grimmig nickte und ausstieg. Der Mann auf dem Boden r�hrte sich nicht. Lorkin folgte Dannyl und schaute zu dem Fahrer auf. Der Mann runzelte missbilligend die Stirn.</p><p><emphasis>Nun, man hat uns gesagt, dass wir dies erwarten m�ssten. Das macht es allerdings nicht weniger beunruhigend. Trotzdem, die Dinge werden hier anders gehandhabt. Der Herr des Hauses erscheint nicht, um seine G�ste zu begr��en. Er hei�t sie willkommen, sobald sie eingetreten sind.</emphasis></p><p>�Bring uns zu deinem Herrn�, wies Dannyl den Mann an. Sein Tonfall war weder befehlend, noch klang er wie eine Bitte. Lorkin kam zu dem Schluss, dass dies ein guter Kompromiss sei, und nahm sich vor, das Gleiche zu tun, wenn er einen Sklaven ansprach.</p><p>Der liegende Mann erhob sich, und ohne aufzublicken oder etwas zu sagen, kehrte er durch die T�r in das Geb�ude zur�ck. Dannyl und Lorkin folgten ihm in einen Flur. Die Innenw�nde waren genauso wie die �u�eren Mauern, wenn auch vielleicht eine Spur glatter. Als Lorkin genauer hinschaute, sah er Fingerabdr�cke auf der Oberfl�che. Die W�nde waren mit einer Art Putz bestrichen worden. Er fragte sich, ob sich darunter ein Mauerkern aus massivem Stein oder Ziegelsteinen verbarg oder ob es sich um reine, aus mehreren Schichten aufgebaute Lehmw�nde handelte.</p><p>Am Ende des Flurs angelangt, trat der Sklave beiseite und warf sich zu Boden. Dannyl und Lorkin gingen in einen gro�en Raum, dessen wei�e W�nde mit Wandbeh�ngen und Schnitzereien geschm�ckt waren. Auf einem von drei niedrigen Hockern sa� ein Mann, der jetzt aufstand und sie anl�chelte.</p><p>�Willkommen. Ich bin Ashaki Tariko. Ihr m�sst Botschafter Dannyl und Lord Lorkin sein.�</p><p>�So ist es�, erwiderte Dannyl. �Es ist uns eine Ehre, Euch kennenzulernen, und wir danken Euch f�r die Einladung in Euer Heim.�</p><p>Der Mann war einen Kopf kleiner als Dannyl, aber sein kr�ftiger K�rperbau weckte den Eindruck von St�rke. Seine Haut war von dem typisch sachakanischen Braunton�� heller als die eines Lonmars, aber dunkler als der honigbraune Teint eines Elyners. Aufgrund der Falten um Mund und Augen sch�tzte Lorkin ihn auf ein Alter zwischen vierzig und f�nfzig. Er trug eine mit bunter Stickerei bedeckte kurze Jacke �ber einem schlichten Untergewand sowie eine Hose aus dem gleichen Tuch wie die Jacke, wenn auch nicht so kunstvoll geschm�ckt.</p><p>�Kommt und setzt Euch zu mir�, lud Ashaki Tariko sie ein und deutete auf die Hocker. �Ich habe W�chter auf der Stra�e postiert, die mich �ber Euer Kommen verst�ndigt haben, so dass ich eine Mahlzeit f�r Eure Ankunft bereithalten konnte.� Er wandte sich an den auf dem Boden liegenden Sklaven. �Melde der K�che, dass unsere G�ste eingetroffen sind�, befahl er.</p><p>Der Mann sprang auf und eilte davon. W�hrend Lorkin Dannyl zu den Hockern folgte, sah er ein Aufblitzen von etwas Metallischem an Tarikos H�fte und schaute genauer hin. Der Ashaki trug am G�rtel eine reich verzierte Scheide, aus der der ebenfalls kunstvoll gearbeitete Griff eines Messers ragte. Die Waffe war recht sch�n, mit Juwelen besetzt und mit goldenen Einlegearbeiten versehen.</p><p>Dann �berlief Lorkin ein kalter Schauer.</p><p>Es <emphasis>ist das Messer eines Schwarzmagiers. Ashaki Tariko ist ein Schwarzmagier.</emphasis> Einen Moment lang stieg eine Woge der Furcht in ihm auf, die seltsam berauschend war, aber das Gef�hl verebbte schnell und lie� einen entt�uschenden Zynismus zur�ck.</p><p><emphasis>Ja, und das Gleiche gilt f�r deine Mutter,</emphasis> dachte er, und pl�tzlich wusste er, dass das Leben in einem Land voller Schwarzmagier nicht gar so aufregend und neuartig sein w�rde, wie er es sich vorgestellt hatte.</p><p>Seine Gedanken wurden durch einen Strom von M�nnern und Frauen unterbrochen, die sehr schlicht gekleidet waren: Sie hatten sich ein Tuch um den Leib gewickelt, das von einer Schnur um die Taille zusammengehalten wurde. Jeder trug ein Tablett voller Speisen oder Kr�ge und Kelche. Exotische Ger�che drangen an seine Nase, und sein Magen begann zu knurren. Jeder Sklave ging auf Ashaki Tariko zu, streckte ihm mit gesenktem Kopf seine Last entgegen und kniete dann vor ihm nieder. Der Erste hielt die Utensilien, mit denen der Gastgeber und seine G�ste essen w�rden: f�r jeden einen Teller und ein Messer mit einer gegabelten Spitze. Dann wurden die Kelche dargeboten und mit Wein gef�llt. Zu guter Letzt wurden Schalen dargeboten, von denen der Herr des Hauses die erste ausw�hlte, dann Dannyl, dann Lorkin. Tariko entlie� jeden Sklaven mit einem leisen �Geh�.</p><p><emphasis>Der Herr des Hauses zuerst,</emphasis> sagte Lorkin sich im Stillen vor. <emphasis>Magier vor Nichtmagiern, Ashaki vor landlosen freien M�nnern, Alter vor Jugend, M�nner vor Frauen.</emphasis> Nur wenn eine Frau Magierin <emphasis>und</emphasis> Oberhaupt ihrer Familie war, wurde sie vor den M�nnern bedient. <emphasis>Und Frauen essen ohnehin oft getrennt von den M�nnern. Ich frage mich, oh Ashaki Tariko eine Ehefrau hat.</emphasis></p><p>Das Essen war kr�ftig gew�rzt, manches davon so scharf, dass er innehalten und sich zwischen den Bissen den Mund mit Wein abk�hlen musste. Er widerstand so lange wie m�glich, sowohl in der Hoffnung, dass er sich sp�ter an die Sch�rfe gew�hnen w�rde, als auch, weil er sich nicht bis zur Besinnungslosigkeit betrinken wollte�� schon gar nicht an seinem ersten Abend als Gast im Haus eines sachakanischen Schwarzmagiers.</p><p>W�hrend Dannyl und ihr Gastgeber �ber die Reise durch das �dland, das Wetter, das Essen und den Wein sprachen, beobachtete Lorkin die Sklaven. Diejenigen von ihnen, die als Letzte ihre Lasten pr�sentiert hatten, hatten am l�ngsten gewartet, doch ihre Arme zitterten nicht. Es war sehr seltsam, diese stummen Menschen im Raum zu haben, die praktisch ignoriert wurden, w�hrend Tariko und Dannyl sich unterhielten.</p><p><emphasis>Diese Leute sind Tarikos Besitz,</emphasis> rief er sich ins Ged�chtnis. <emphasis>Man l�sst sie wie Vieh arbeiten und z�chtet sie auch wie Vieh.</emphasis> Er versuchte sich vorzustellen, wie ein solches Leben w�re, und schauderte. Erst als die letzte Speise dargeboten und der letzte Sklave entlassen war, konnte Lorkin seine Aufmerksamkeit auf das Gespr�ch richten.</p><p>�Wie ist es, so nah am �dland zu leben?�, erkundigte sich Dannyl.</p><p>Tariko zuckte die Achseln. �Wenn der Wind aus dieser Richtung kommt, saugt er die Feuchtigkeit aus allen Dingen. Er kann eine Ernte zerst�ren, wenn er zu lange weht. Anschlie�end ist alles von einer feinen Sandschicht bedeckt, drinnen wie drau�en.� Er blickte auf, �ber die Mauern hinweg in Richtung des �dlands. �Die �dl�nder werden mit jedem Jahr ein wenig gr��er. Eines Tages, vielleicht in tausend Jahren, werden die Sandfl�chen sich mit jenen im Norden vereinen, und ganz Sachaka wird eine W�ste sein.�</p><p>�Es sei denn, es l�sst sich umkehren�, sagte Dannyl. �Hat irgendjemand hier versucht, den �dl�ndern das Land wieder abzuringen?�</p><p>�Viele.� <emphasis>Nat�rlich haben wir es versucht,</emphasis> schien Tarikos Gesichtsausdruck zu sagen. �Manchmal mit Erfolg, aber niemals dauerhaft. Jene, die die �dl�nder studiert haben, sagen, dass die fruchtbare obere Schicht des Landes weggerissen wurde, und ohne sie l�sst sich das Wasser nicht festhalten, und Pflanzen k�nnen nicht zur�ckkehren.�</p><p>Interesse glitzerte in Dannyls Blick. �Aber Ihr habt keine Ahnung, wie?�</p><p>�Nein.� Tariko seufzte. �Alle paar Jahre f�llt in der n�rdlichen W�ste Regen, und binnen weniger Tage wird das Land gr�n. Die Erde ist reich an Asche von den Vulkanen. Einzig der Mangel an Regen f�hrt dazu, dass das Land eine W�ste bleibt. Hier haben wir jede Menge Regen, aber es w�chst trotzdem nichts.�</p><p>�Das klingt wie ein Wunder, das man gesehen haben muss�, murmelte Lorkin. �Ich meine, die n�rdliche W�ste in Bl�te.�</p><p>Tariko l�chelte ihn an. �Das ist es auch. Die Duna-St�mme kommen nach S�den, um die W�stenpflanzen abzuernten und die getrockneten Kr�uter, Fr�chte und Samen in Arvice zu verkaufen. Wenn Ihr Gl�ck habt, wird ein solches Ereignis w�hrend Eures Aufenthalts stattfinden, und Ihr werdet die Gelegenheit haben, einige seltene Gew�rze und Delikatessen zu kosten.�</p><p>�Ich hoffe es�, sagte Lorkin. �Obwohl ich mir nichts Exotischeres und K�stlicheres vorstellen kann als die Mahlzeit, die wir gerade genossen haben.�</p><p>Der Sachakaner lachte leise, erfreut �ber die Schmeichelei. �Ich sage immer, dass von allen Sklaven gute K�che die zus�tzlichen Ausgaben am meisten lohnen. Und Pferdeausbilder.�</p><p>Lorkin gelang es nur mit knapper Not zu verhindern, dass er angesichts einer solch l�ssigen Bemerkung �ber den Kauf von Menschen zusammenzuckte, und er war froh, dass Tariko nicht weiter dar�ber sprach. Nach einer Er�rterung der einheimischen sachakanischen Speisen, w�hrend derer Tariko ihnen empfahl, bestimmte Gerichte zu kosten und andere zu meiden, straffte sich der Ashaki.</p><p>�Nun, Ihr m�sst m�de sein, und nachdem Ihr jetzt gegessen habt, will ich Euch nicht l�nger von einem Bad und Eurem Bett fernhalten.�</p><p>Dannyl wirkte entt�uscht, als ihr Gastgeber sich erhob, protestierte jedoch zu Lorkins Erleichterung nicht dagegen. Ein Gong erschallte, und zwei junge Frauen kamen hereingeeilt, um sich auf den Boden zu werfen.</p><p>�Bringt unsere G�ste in ihre Zimmer�, befahl er. Dann l�chelte er Dannyl und Lorkin zu. �Ruht wohl, Botschafter Dannyl und Lord Lorkin. Ich werde Euch morgen fr�h wiedersehen.�</p><empty-line/><p>Cery schob die Kappe dar�ber nach oben, legte ein Auge an das Guckloch hin und sp�hte in den Raum dahinter. Er war schmal, aber sehr lang, so dass er insgesamt ger�umig wirkte. Die Form hatte ihm nicht gefallen, aber man konnte den Raum in eine Reihe kleinerer Zimmer mit zahlreichen Fluchtm�glichkeiten unterteilen.</p><p>Mehrere M�nner arbeiteten in dem Raum; sie bedeckten die Ziegelsteinmauern mit Vert�felung, bauten das Ger�st f�r die Trennw�nde und kachelten den Boden. Zwei arbeiteten am Kamin und beseitigten eine Verstopfung. Sobald sie alle fertig waren und man gr�ndlich sauber gemacht hatte, w�rde es ans Einrichten gehen, und Cerys neues Versteck�� und die Falle f�r den J�ger der Diebe�� w�rde zu einer geschmackvollen, luxuri�sen Wohnung werden.</p><p>�Bist du dir sicher, dass du denselben Schlossmacher benutzen willst?�, fragte Gol.</p><p>Cery drehte sich um und sah das Auge seines Leibw�chters, das von einem kleinen Lichtkreis hinter einem anderen Guckloch erhellt wurde.</p><p>�Warum sollte ich nicht?�</p><p>�Du hast gesagt, du glaubtest nicht, dass Dern dich verraten habe, und wenn niemand dich verr�t, dann wird der Diebesj�ger auch niemals in unsere Falle tappen.�</p><p>Cery, der sich wieder dem Guckloch zuwandte, beobachtete die M�nner bei der Arbeit. �Ich will nicht, dass die Leute denken, ich g�be ihm die Schuld.�</p><p>�Ich bin trotzdem immer noch ein wenig argw�hnisch, was das Schloss betrifft. Warum sollte Dern es so bauen, dass man erkennen kann, ob Magie benutzt wurde, wenn es so unwahrscheinlich ist, dass Magie �berhaupt benutzt werden w�rde?�</p><p>�Vielleicht dachte er, es sei durchaus wahrscheinlich. Schlie�lich bin ich ein Dieb. Diebe werden jetzt schon seit einigen Jahren ermordet.�</p><p>�Dann muss er einen Grund zu der Annahme haben, sie seien durch Magie get�tet worden.�</p><p>�Vielleicht hat er diesen Grund. Vielleicht ist das, was Auftragsm�rder wissen, nicht so geheim, wie sie glauben. Aber mir schien Dern stets gewohnheitsm��ig so gr�ndlich zu sein, dass es schon ans L�cherliche grenzte, und ich denke, das ist der Grund, warum er das Schloss so gebaut hat, nicht der Umstand, dass er etwas �ber den J�ger und dessen Methoden wusste.�</p><p>Gol seufzte. �Ja� manchmal macht er tats�chlich diesen Eindruck. Und obwohl er dankbar daf�r war, weitere Auftr�ge von dir zu erhalten, wirkte er auch, nun ja, nerv�s. Angespannt. Er sagte immer wieder, wenn der J�ger und der wilde Magier tats�chlich real seien und ein und dieselbe Person, welche anderen Legenden k�nnten dann noch wahr sein? Wie die Legende von den Riesen-Ravis, die Menschen bei lebendigem Leib fressen, wenn sie sich in die Kanalisation begeben, oder pl�tzlich daraus auftauchen und Leute von der Stra�e der Diebe wegrei�en.�</p><p>�Es ist nur nat�rlich, dass er sich solche Fragen stellt.� Cery sch�ttelte den Kopf. �Ich habe den wilden Magier auch immer f�r einen Mythos gehalten. Die Leute erz�hlen sich, es habe sich zwanzig Jahre lang ein Magier in der Stadt versteckt, obwohl Senfel sich der Gilde wieder angeschlossen hat, nachdem man ihm Straffreiheit gew�hrt hatte, und er ist an Altersschw�che gestorben� Wann war das noch? Vor neun oder zehn Jahren?�</p><p>�Senfel hat die Leute auf diese Idee gebracht�� genauso wie Sonea. Jetzt ist jedes seltsame Ereignis, das magischer Natur sein k�nnte, Beweis daf�r, dass weitere wilde Magier in der Stadt leben.�</p><p>�Sieht so aus, als k�nnten sie da recht haben.� Cery runzelte die Stirn. �Aber das ist ein Grund mehr, warum wir uns sicher sein m�ssen, bevor wir es Sonea sagen.�</p><p>Gol brummte zustimmend. �Denkst du, wir sollten Skellin erz�hlen, was wir tun?�</p><p>�Skellin?� Einen Moment lang fragte sich Cery, warum, dann fiel ihm die �bereinkunft wieder ein, die er mit dem anderen Dieb geschlossen hatte. �Wir wissen nicht mit Bestimmtheit, ob die Person, die wir in die Falle locken wollen, tats�chlich der J�ger ist. Es k�nnte auch jemand sein, der es einfach auf mich abgesehen hat. Und der Magie benutzt.�</p><p>�Der wilde Magier?�</p><p>�Vielleicht. Wir werden es bald wissen. Und wenn es dann einen guten Grund zu der Annahme gibt, er sei der J�ger, werden wir es Skellin erz�hlen.�</p><p>F�r eine Weile blickten sie beide nur schweigend durch die Guckl�cher, dann lie� Cery die Kappe seines Gucklochs zur�ckschwingen. Die Arbeiter kannten die Fluchtwege, die sie bauten, aber keinen von denen, die bereits existierten. Ebenso wenig wussten sie von den Guckl�chern, durch die Cery und Gol sie beobachteten.</p><p>�Lass uns gehen.�</p><p>Das Loch aus Licht vor Gols Auge verschwand. Cery setzte sich in Bewegung und strich dabei mit einer Hand an der Wand entlang.</p><p><emphasis>Ich frage mich, welcher der Arbeiter, die ich eingestellt habe, den Standort meines neuen Verstecks durchsickern lassen wird.</emphasis> Obwohl Cery Arbeiter immer gut behandelte und sie gerecht und ohne Verzug entlohnte, konnte er sich ihrer Loyalit�t oder ihrer F�higkeit, Geheimnisse zu h�ten, niemals ganz sicher sein. Er brachte so viel wie m�glich �ber sie in Erfahrung: ob sie Familie hatten, ob ihnen diese Familie am Herzen lag, ob sie Schulden hatten, f�r wen sie in der Vergangenheit gearbeitet hatten, wer f�r sie gearbeitet hatte. Ob es jemanden�� insbesondere die Wache�� gab, dem sie lieber nicht begegnen wollten.</p><p><emphasis>Nicht diesmal. Gol hat begonnen, Informationen zusammenzutragen, aber es ist nicht genug Zeit, um gr�ndlich zu sein.</emphasis> Damit die Falle funktionierte, brauchte Cery jemanden, der Informationen dar�ber preisgab. <emphasis>Aber wenn ich nicht gewisse Vorkehrungen treffe, k�nnte der J�ger vielleicht denken, es sei untypisch f�r mich, und argw�hnisch werden.</emphasis></p><p>Der Gang machte eine Biegung und dann noch eine.</p><p>�Du kannst die Lampe jetzt wieder �ffnen�, murmelte Cery.</p><p>Nach einem Moment der Stille folgte ein schwaches Quietschen, und pl�tzlich war der Tunnel sichtbar.</p><p>�Wei�t du, jeder dieser Arbeiter k�nnte der J�ger sein.�</p><p>Cery blickte �ber die Schulter zu seinem Freund hin�ber. �Gewiss nicht.�</p><p>Gol zuckte die Achseln. �Selbst der J�ger muss essen und braucht ein Dach �berm Kopf. Er muss irgendeine Art von Arbeit haben.�</p><p>�Es sei denn, er ist reich�, bemerkte Cery, bevor er sich wieder umdrehte.</p><p>�Es sei denn, er ist reich�, pflichtete Gol ihm bei.</p><p>Fr�her h�tte man mit Sicherheit davon ausgehen k�nnen, dass der J�ger reich war. Nur reiche Leute erlernten Magie. Aber heutzutage konnten alle Klassen der Gilde beitreten. Und wenn der J�ger es sich nicht leisten konnte, Leute zu bestechen, konnte er sie immer noch erpressen und bedrohen�� m�glicherweise noch wirksamer mit Magie, mit der er seine Opfer einsch�chtern konnte.</p><p><emphasis>Ich w�nschte, ich k�nnte Sonea fragen, ob irgendwelche Magier oder Novizen verschwunden sind. Aber ich will kein erneutes Treffen mit ihr riskieren, bis ich Beweise daf�r habe, dass sich ein wilder Magier in der Stadt aufh�lt.</emphasis></p><p>Und in der Zwischenzeit sollte er am besten daf�r sorgen, dass er diesen Beweis bekam, ohne dabei get�tet zu werden.</p></section><section><title><p>10</p><p>Eine neue Herausforderung</p></title><p>Der ehemalige Gildebotschafter in Sachaka hatte Dannyl gesagt, dass Arvice nicht von Mauern umschlossen war. Das hei�t, nicht von Mauern, die zur Verteidigung gedacht waren. Davon abgesehen gab es jede Menge Grenzmauern in Sachaka. H�her als ein Mann oder so niedrig, dass man dar�ber hinwegsteigen konnte, und immer wei� get�ncht, markierten sie die Grenzen von Besitzt�mern. Der einzige Hinweis darauf, dass er und Lorkin die Stadt erreicht hatten, war der Umstand, dass jetzt hohe Mauern die Stra�en s�umten statt niedriger, mit Ausnahme der Stellen, an denen sie eingest�rzt und nicht repariert worden waren.</p><p><emphasis>Wir haben eine Menge Ruinen gesehen,</emphasis> ging es Dannyl durch den Sinn. <emphasis>Drau�en im �dland und dann gelegentlich eingest�rzte Mauern innerhalb von G�tern, die aussahen, als w�ren sie einst Herrenh�user gewesen. Und jetzt dies�</emphasis> Die Kutsche fuhr an einer weiteren eingest�rzten Mauer vorbei, und durch die L�cke konnte er die versengten, verfallenen �berreste eines Geb�udes sehen. Es <emphasis>ist so, als liege der sachakanische Krieg nur wenige Jahre zur�ck und als h�tten sie noch keine Zeit f�r den Wiederaufbau gehabt.</emphasis></p><p>Aber wenn die Erschaffung des �dlands die Nahrungsmittelproduktion Sachakas halbiert hatte, wie Ashaki Tariko behauptete, dann war die Bev�lkerung vielleicht in gleichem Ma�e geschrumpft. H�user w�rden nicht wieder aufgebaut werden, wenn es niemanden gab, der in ihnen leben wollte.</p><p><emphasis>Der Krieg liegt siebenhundert Jahre zur�ck. Gewiss sind die H�user, die damals verlassen wurden, l�ngst verschwunden. Diese Ruinen m�ssen j�ngeren Datums sein. Vielleicht geht die Bev�lkerung immer noch langsam zur�ck. Oder vielleicht sind die Besitzer zu arm, um sich Reparaturen oder einen Wiederaufbau leisten zu k�nnen.</emphasis></p><p>Die Kutsche n�herte sich einer jungen Frau, die barfu� die Stra�e entlangging und das schlichte, geg�rtete Gewand einer Sklavin trug. Beim N�herkommen des Gef�hrts blickte sie auf, dann weiteten sich ihre Augen. Sie ging aus dem Weg, verbeugte sich und richtete den Blick zu Boden, als die Kutsche vor�berfuhr.</p><p>Dannyl runzelte die Stirn, dann beugte er sich n�her zum Fenster vor, damit er nach vorn schauen konnte: Weitere Sklaven waren auf der Stra�e zu sehen. Auch sie reagierten mit Furcht, als die Kutsche n�her kam. Einige drehten sich um und rannten davon. Jene, die in der N�he von Nebenstra�en waren, machten sich diese zunutze. Andere erstarrten und pressten sich gegen die n�chste Mauer.</p><p><emphasis>Ist das ein normales Verhalten f�r Sklaven? Weichen sie vor allen Kutschen zur�ck, oder liegt es daran, dass dies eine Kutsche der Gilde ist? Wenn Letzteres zutrifft, warum f�rchten sie uns? Haben irgendwelche von meinen oder Lorkins Vorg�ngern ihnen Grund zur Furcht gegeben? Oder f�rchten sie Kyralia nur wegen vergangener Ereignisse?</emphasis></p><p>Die Kutsche bog in eine andere Stra�e ein und �berquerte dann eine breitere Durchgangsstra�e. Dannyl bemerkte, dass die Sklaven hier nicht ganz so furchtsam waren, obwohl sie durchaus einen gro�en Bogen um die Kutsche machten. Nach einigen weiteren Biegungen fuhr die Kutsche pl�tzlich zwischen zwei Toren hindurch in einen Innenhof und blieb stehen. Ein Aufblitzen von Gold erregte seine Aufmerksamkeit, und er sah die Tafel an der Seite des Hauses: <emphasis>Gildehaus von Arvice.</emphasis></p><p>Dannyl drehte sich zu Lorkin um. Der j�ngere Mann sa� sehr aufrecht da, und seine Augen leuchteten vor Erregung. Er sah Dannyl an, dann deutete er auf die Kutschent�r.</p><p>�Der Botschafter zuerst�, sagte er grinsend.</p><p>Dannyl �ffnete die T�r und stieg aus. In ihrer N�he lag ein Mann auf dem Boden. Einen Moment lang zuckte Sorge in Dannyl auf, denn er f�rchtete, der Fremde sei zusammengebrochen. Dann fiel es ihm wieder ein.</p><p>�Ich bin Gildebotschafter Dannyl�, sagte er. �Dies ist Lord Lorkin, mein Gehilfe. Du darfst dich erheben.�</p><p>Der Mann rappelte sich hoch, wobei er den Blick weiter zu Boden gerichtet hielt. �Mir wurde aufgetragen, Euch willkommen zu hei�en, Botschafter Dannyl und Lord Lorkin, und Euch ins Haus zu geleiten.�</p><p>�Danke�, erwiderte Dannyl automatisch und erinnerte sich zu sp�t daran, dass derartige gesellschaftliche Gewohnheiten von Sachakanern als erheiternd und t�richt angesehen wurden. �F�hre uns hinein.�</p><p>Der Mann deutete auf eine nahe T�r, dann drehte er sich um und trat hindurch. Er blickte zur�ck, um sich davon zu �berzeugen, dass sie ihm folgten, w�hrend er einen Flur entlangging. Geradeso wie in Ashaki Tarikos Haus f�hrte er zu einem gro�en Raum�� dem Herrenzimmer. Aber in diesem Raum herrschte Stimmengewirr. Es �berraschte Dannyl, dass mindestens zwanzig M�nner dort standen, alle in den �ppig verzierten kurzen Jacken, die offensichtlich unter sachakanischen M�nnern gerade in Mode waren.</p><p>Bei seinem Eintritt drehten sich alle nach ihm um, und die Stimmen verstummten sofort.</p><p>�Botschafter Dannyl und Lord Lorkin�, verk�ndete der Sklave.</p><p>Einer der M�nner trat l�chelnd vor. Er hatte den typischen breitschultrigen K�rperbau seiner Rasse, aber in seinem Haar waren einige graue Str�hnen, und die Falten um Mund und Augen verliehen seinem Gesicht einen fr�hlichen Ausdruck. Seine Jacke war dunkelblau und mit Goldstickerei besetzt, und an seinem G�rtel hing ein Schmuckmesser.</p><p>�Willkommen in Arvice, Botschafter Dannyl, Lord Lorkin�, sagte er und sah Lorkin kurz an, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf Dannyl richtete. �Ich bin Ashaki Achati. Meine Freunde und ich haben darauf gewartet, Euch zu begr��en und Euch sachakanische Gastfreundschaft zuteilwerden zu lassen.�</p><p><emphasis>Ashaki Achati.</emphasis> Erregung durchzuckte Dannyl, als er sich an den Namen erinnerte. <emphasis>Ein wichtiger Mann und Freund des sachakanischen K�nigs.</emphasis></p><p>�Danke�, erwiderte Dannyl. �Ich�� Er sah Lorkin an und l�chelte. �Wir f�hlen uns geschmeichelt und geehrt.�</p><p>Ashaki Achatis L�cheln wurde breiter. �Erlaubt mir, Euch alle anderen vorzustellen.�</p><p>Wieder erf�llten Stimmen den Raum, w�hrend Achati die �brigen M�nner einzeln oder paarweise herbeirief, um sie mit Dannyl bekannt zu machen. Ein f�lliger Mann wurde als k�niglicher Meister des Handels vorgestellt, ein kleiner, gebeugter Mann entpuppte sich als der Meister des Gesetzes. Der Meister des Krieges schien eine eigenartige Wahl f�r dieses Amt zu sein�� d�nn f�r einen Sachakaner und �bertrieben respektlos im Benehmen f�r eine so gewichtige und ernste Rolle. Die Freundlichkeit des Meisters der Dokumente wirkte erzwungen, aber Dannyl sah keine Abneigung in seinem Benehmen, nur eine Spur Langeweile.</p><p>�Und, habt Ihr schon irgendwelche Pl�ne zu Eurer Unterhaltung, falls Ihr von Euren diplomatischen Pflichten einmal nicht beansprucht seid?�, fragte ein Mann namens Ashaki Vikato, nachdem sie miteinander bekannt gemacht worden waren.</p><p>�Ich finde die Vergangenheit faszinierend�, antwortete Dannyl. �Ich w�rde gern mehr �ber Sachakas Geschichte erfahren.�</p><p>�Ah! Nun, dann solltet Ihr mit Kirota sprechen.� Der Mann deutete auf den Meister des Krieges. �Er redet immer �ber irgendwelche obskuren Teile der Vergangenheit oder liest alte B�cher. Was f�r die meisten sachakanischen Jungen eine l�stige Pflicht ist, ist f�r ihn ein angenehmer Zeitvertreib.�</p><p>Dannyl schaute zu dem d�nnen Mann hin�ber, der �ber irgendeine Bemerkung grinste.</p><p>�Nicht mit dem Meister der Dokumente?�</p><p>�Nein�, sagte Ashaki Achati kopfsch�ttelnd. �Es sei denn, Ihr habt Probleme mit dem Einschlafen.�</p><p>Ashaki Vikato lachte leise. �Der alte Richaki hat mehr Interesse daran, die Gegenwart zu dokumentieren, als die Vergangenheit ans Licht zu zerren. Meister Kirota!�</p><p>Der d�nne Mann drehte sich um und l�chelte dann, als Vikato ihn heranwinkte. Er bahnte sich einen Weg durch den Raum.</p><p>�Ja, Ashaki Vikato?�</p><p>�Botschafter Dannyl interessiert sich f�r Geschichte. Was w�rdet Ihr vorschlagen, wie er diesem Interesse nachgehen kann, w�hrend er sich in Arvice aufh�lt?�</p><p>Kirota zog die Augenbrauen hoch. �Wirklich?� Dann runzelte er die Stirn und dachte nach. �Es ist nicht leicht, Zugang zu Aufzeichnungen oder Bibliotheken zu erhalten�, warnte er. �All unsere Bibliotheken befinden sich in Privatbesitz, und Ihr m�sstet Meister Richaki um Erlaubnis bitten, die Palastdokumente einsehen zu d�rfen.�</p><p>Achati nickte. �Ich stehe mit den meisten Bibliotheksbesitzern in Arvice auf gutem Fu�. Wenn Ihr wollt, kann ich Euch mit ihnen bekannt machen und feststellen, ob wir zu einigen der Bibliotheken Zutritt erlangen k�nnen.�</p><p>�Daf�r w�re ich Euch �beraus dankbar�, erwiderte Dannyl.</p><p>Achati l�chelte. �Es wird keine Probleme geben. Sie werden alle den derzeitigen Gildebotschafter kennenlernen wollen. Die einzige Schwierigkeit k�nnte darin bestehen, ihnen die Erlaubnis abzuringen, Euch lange genug allein zu lassen, um etwas zu lesen. Gibt es irgendeinen Aspekt der Geschichte, der Euch besonders interessiert?�</p><p>�Je �lter, desto besser. Und�� Dannyl hielt inne, um dar�ber nachzudenken, wie er sein Anliegen ausdr�cken sollte. �Obwohl ich gerne meine Wissensl�cken in Bezug auf die sachakanische Geschichte f�llen w�rde, interessiert mich doch auch alles, was einige der L�cken in der kyralischen Geschichte f�llen k�nnte.�</p><p>�Ihr habt L�cken?� Kirota zog abermals die Augenbrauen hoch. �Aber andererseits�� haben wir die nicht alle?� Er l�chelte, und die Linien auf seinem d�nnen Gesicht vertieften sich, so dass Dannyl bewusst wurde, dass der Mann �lter sein musste, als er anfangs vermutet hatte. �Vielleicht k�nnt Ihr mir ja helfen, auch einige der L�cken in unserer Geschichte zu f�llen, Botschafter Dannyl.�</p><p>Dannyl nickte. �Ich werde tun, was ich kann.�</p><p>W�hrend Achati sich im Raum umsah, vielleicht um festzustellen, ob er es vers�umt hatte, irgendjemanden mit den Neuank�mmlingen bekannt zu machen, bemerkte Dannyl, dass er sich vollkommen wohlf�hlte, obwohl er von Schwarzmagiern umringt war. Dies waren M�nner von Macht und Einfluss, und mit solchen M�nnern hatte er in der Vergangenheit h�ufig zu tun gehabt. <emphasis>Vielleicht wird meine Aufgabe nicht viel schwerer sein, als sie es in Elyne gewesen war. Nicht dass es dort ein Zuckerschlecken gewesen w�re. Und mir scheint, dass auch schwarze Magie niemanden daran hindert, gelehrten Interessen nachzugehen.</emphasis> Ein Prickeln der Erwartung durchlief ihn bei dem Gedanken an die Dokumente, �ber die er vielleicht in diesen privaten Bibliotheken stolpern w�rde, die Achati erw�hnt hatte. Dann durchzuckte ihn ein Stich des Schuldgef�hls und des Kummers. <emphasis>Es w�re sch�n gewesen, diese Entdeckungen mit Tayend zu teilen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob er sich jetzt noch so sehr daf�r interessiert. Und so freundlich diese M�nner wirken, er ist daheim in Kyralia sicherer aufgehoben.</emphasis></p><empty-line/><p>Die Menschenmenge vor dem Nordseite-Hospital war kleiner als gew�hnlich. Bleiche Gesichter wandten sich der Kutsche zu, und die Augen der Menschen leuchteten vor Hoffnung, obwohl ihre Mienen wachsam blieben. Sonea fuhr mit ihrem Wagen durch das Tor und musste unwillk�rlich seufzen.</p><p>Als die Hospit�ler seinerzeit er�ffnet worden waren, hatten sich Horden kranker Menschen drau�en vor den Toren versammelt und sich zu denen gesellt, die nur gekommen waren, um die legend�re Magierin aus den H�ttenvierteln, die ehemalige Verbannte und Verteidigerin Kyralias zu sehen. Jene Menschen, die ihre schwarzen Roben nicht eingesch�chtert hatten, hatten sie bettelnd umringt und es ihr erschwert, ins Hospital zu gelangen und die Arbeit zu tun, die sie tun musste. Sie hatte sich nicht dazu �berwinden k�nnen, die Bittsteller mithilfe ihrer Magie fortzuschieben. Andere Heiler hatten �hnliche Probleme gehabt, wenn die Kranken, die noch nicht im Hospital aufgenommen worden waren, oder ihre Familien um Hilfe bettelten.</p><p>Daher hatte man geschlossene Kutschenwege neben den Hospit�lern erbaut, mit Wachen an den Toren und einem Nebeneingang. Diese erm�glichten es den Heilern, unbehelligt im Hospital anzukommen und aus der Kutsche zu steigen. Sonea wartete, bis die Wachen ihr zuriefen, dass der Weg frei sei, dann stieg sie aus der Kutsche. Als sie sich den M�nnern zuwandte, um ihnen zum Dank ein L�cheln zu schenken, verbeugten die beiden Wachen sich. Dann h�rte sie, dass die Nebent�r des Hospitals ge�ffnet wurde.</p><p>�� und es wird auch Zeit�� oh!�</p><p>Als Sonea sich umdrehte, sah sie Heilerin Ollia, die sie entsetzt anstarrte.</p><p>�Entschuldigung, �hm, Schwarzmagierin Sonea. Ich war� wir waren��</p><p>�Ich bin diejenige, die sich entschuldigen sollte.� Sonea l�chelte. �Ich bin sp�t dran, weil ich unerwartet f�r Heiler Draven einspringen muss. Seine Mutter ist pl�tzlich erkrankt.� Sie trat beiseite und nickte in Richtung Kutsche. �Fahrt nur. Ihr m�sst m�de sein.�</p><p>��hm. Danke.� Err�tend eilte Ollia an ihr vorbei und stieg in die Kutsche.</p><p>Sonea wandte sich ab und ging hinein. Im Hospital bildete ein gro�er Raum voller Vorr�te mit einem zentralen Sitzbereich f�r ersch�pfte Heiler und Helfer einen Hort der Ungest�rtheit zwischen dem Personaleingang und den �ffentlichen R�umen. Auf einem der St�hle sa� eine junge Frau in gr�nen Roben, deren Mundwinkel zu einem schiefen L�cheln emporzuckten.</p><p>�Guten Abend, Schwarzmagierin Sonea�, begr��te Nikea sie.</p><p>�Heilerin Nikea�, erwiderte Sonea. Sie mochte Nikea. Die junge Heilerin hatte sich, nicht lange nachdem sie der Gilde beigetreten war, freiwillig gemeldet, um im Hospital auszuhelfen, und ihre Liebe sowohl zum Heilen als auch zum Helfen entdeckt. Ihre Eltern waren Dienstboten in einem der weniger m�chtigen H�user. �Sieht still aus heute Abend.�</p><p>�Mehr oder weniger.� Nikea zuckte die Achseln. �Habe ich richtig geh�rt? Ihr springt f�r Heiler Draven ein?� �Ja.�</p><p>Nikea erhob sich. �Dann sollte ich Adrea besser wissen lassen, dass Ihr hier seid.� �Ich werde Euch begleiten.�</p><p>Sonea folgte ihr durch die T�r in den Hauptteil des Hospitals und schloss sie hinter sich mit Magie. W�hrend sie den Flur entlanggingen, lauschte sie auf die Ger�usche, die aus den Behandlungsr�umen drangen. Schnarrendes Keuchen sagte ihr, dass sich in einem Raum ein Patient mit Atemproblemen befand, und St�hnen hinter einer anderen T�r deutete auf Schmerzen hin. Alle R�ume waren wie immer besetzt�� einige sowohl mit einem Patienten als auch den beiden Familienmitgliedern, denen es gestattet war, zu bleiben und bei der Pflege zu helfen.</p><p>Es waren zu wenig Heiler bereit, in den Hospit�lern zu arbeiten, um die Vielzahl der Kranken, die sie besuchten, zu behandeln, und selbst mit vereinten Kr�ften hatten sie nicht genug Macht, um die Nachfrage zu befriedigen. Aber auch wenn alle Heiler der Gilde gezwungen w�rden, t�glich in den Hospit�lern zu arbeiten, w�rde ihre Zahl immer noch nicht ausreichen. Sonea hatte gewusst, dass sie in diesen H�usern mit einem begrenzten Kontingent magischer Heilkraft auskommen m�ssten.</p><p>Daher hatte sie daf�r gesorgt, dass man heilende Magie bei der Behandlung wie eine seltene und machtvolle Medizin einsetzte. Nur jene, die ohne sie nicht �berleben w�rden, wurden mit Magie geheilt. Die �brigen behandelte man mit Medikamenten und Operationen.</p><p>Dadurch indes war offenbart worden, dass die Heiler der Gilde nicht so viel �ber nichtmagische Heilung wussten, wie sie gedacht hatten. Diejenigen Heiler, die Sonea bei der Behandlung der Armen unterst�tzten, hatten begonnen, ihr Wissen auf Gebieten zu erweitern, die lange Zeit vernachl�ssigt worden waren. Einige Heiler betrachteten das Heilen ohne Magie als primitiv und unn�tig, aber Lady Vinara, das Oberhaupt der Heiler, war nicht geneigt, ihnen recht zu geben. Sie schickte Sonea jetzt Novizen, die eine Vorliebe f�r die heilende Disziplin zeigten, damit sie lernten, wie man nichtmagische Heilung anwandte und warum sie immer noch ben�tigt wurde.</p><p>Nikea bog in den Hauptflur ein und f�hrte Sonea in den allgemeinen Eingangsraum des Hospitals. Dort ging eine kleine, rundliche Frau mit grauen Str�hnen im Haar auf und ab und beobachtete mit vor der Brust verschr�nkten Armen und strenger Miene die Menschen, die auf B�nken an den W�nden sa�en. Sonea verkniff sich ein L�cheln.</p><p><emphasis>Adrea. Eine unserer ersten nichtmagischen Helferinnen.</emphasis></p><p>Als die ersten Hospit�ler er�ffnet worden waren, hatten die Heiler zu viel Zeit damit verbracht, mit allen Besuchern zu reden, um herauszufinden, wer krank war und wer nicht. Au�erdem mussten sie entscheiden, wie ernst die Krankheit oder Verletzung war, und den Patienten an einen Heiler mit der entsprechenden Erfahrung und dem notwendigen Wissen weiterleiten. Schon bald klagten Heiler dar�ber, dass sie ihre Zeit damit verbr�chten, Leute hin und her zu schicken, statt sie zu heilen. Sie versuchten, die Aufgabe Novizen zu �bertragen, aber die neuen Novizen waren entweder zu jung oder zu unerfahren, um mit beunruhigten Patienten und ihren Familien fertigzuwerden, und die �lteren mussten mehr lernen, als Krankheiten zu diagnostizieren und Leute hin und her zu schaffen.</p><p>Es war Lady Vinaras Idee gewesen, in den H�usern nach Freiwilligen f�r die Hospit�ler zu suchen. Sonea hatte keine Reaktion darauf erwartet, daher hatte es sie �berrascht, als einige Tage sp�ter drei Frauen an der T�r erschienen waren. Sie hatte sich binnen kurzem n�tzliche Aufgaben ausdenken m�ssen, die f�r Frauen aus den h�heren Klassen nicht zu einfach, aber auch nicht so wichtig waren, dass allzu viele Probleme aufgeworfen oder gr��ere Sch�den angerichtet wurden, wenn man ihnen mehr schlecht als recht nachkam.</p><p>Nur eine dieser Frauen war nach jenem ersten Tag ins Hospital zur�ckgekehrt, aber nach einigen Wochen hatte sie nicht nur bewiesen, dass sie t�chtig war, sie �berredete auch bald drei andere Frauen�� Freundinnen und Verwandte��, es einmal als �Hospitalhelferinnen� zu versuchen.</p><p>Einige Wochen sp�ter waren weitere Helferinnen gekommen. Ger�chte �ber die urspr�nglichen Helferinnen hatten die Runde gemacht, und man fand allenthalben, dass sie Bewunderung f�r ihre noble Bereitschaft verdienten, zum Wohl der Stadt Zeit zu opfern und ihre pers�nliche Sicherheit zu riskieren. Pl�tzlich kam es regelrecht in Mode, in den Hospit�lern zu helfen, und es gab eine Flut von Freiwilligen.</p><p>Die Realit�t der Arbeit d�mpfte aber bald vielfach die Begeisterung der Helfer, und die Zahl neuer Freiwilliger sank wieder. Die Helfer, die verblieben, setzten ihre Arbeit in den Hospit�lern nicht nur fort, sondern organisierten sich zu Schichten und hielten Versammlungen ab, um �ber neue oder bessere M�glichkeiten zu sprechen, wie Nichtmagier den Armen und den Heilern helfen konnten.</p><p>�Adrea!�, rief Nikea.</p><p>Die Frau drehte sich um, und als sie Sonea sah, verneigte sie sich tief. �Schwarzmagierin Sonea�, sagte sie.</p><p>�Adrea�, erwiderte Sonea. �Ich nehme heute Abend den Platz von Heiler Draven ein. Gebt mir ein paar Minuten, und dann schickt den ersten herein.�</p><p>Die Frau nickte. Sonea wandte sich wieder dem Flur zu, machte einen Schritt in Richtung des Untersuchungsraums und blieb dann stehen, um Nikea noch einmal anzusehen.</p><p>�Hier gibt es nichts, was spezieller Aufmerksamkeit bed�rfte?�, fragte sie und deutete den Flur entlang zu den Patientenr�umen.</p><p>Nikea sch�ttelte den Kopf. �Nichts, womit wir nicht fertigwerden k�nnen. Wir k�mmern uns zu dritt um die R�ume. Alle Patienten haben zu essen bekommen, und die H�lfte von ihnen schl�ft wahrscheinlich bereits. Ich werde es Euch wissen lassen, wenn sich etwas ergeben sollte.�</p><p>Sonea nickte. Sie trat vor die erste T�r auf der linken Seite und �ffnete sie. Der Raum dahinter war gro� genug f�r zwei St�hle, einen verschlossenen Schrank und ein schmales Bett an einer der W�nde. Es war dunkel, daher schuf sie eine Lichtkugel und lie� sie in der Mitte des Raums unter der Decke schweben.</p><p>Nachdem sie sich auf einen der St�hle gesetzt hatte, holte sie tief Luft und bereitete sich auf den ersten Patienten vor. Adrea w�rde einen Gong l�uten, wenn jemand kam, der sofort behandelt werden musste. Die �brigen wurden in den Untersuchungsraum geschickt, wo ein Heiler sie befragte, bevor er sie entweder mit Magie heilte oder mit Medikamenten oder einer kleineren Operation behandelte. Wenn gr��ere Operationen vonn�ten waren, baten sie den Patienten, an einem anderen Tag wieder herzukommen.</p><p>Es klopfte an der T�r. Sonea zog ein wenig Magie in sich hinein und sandte sie zur T�r, drehte den Knauf und zog sie nach innen auf. Der Mann auf dem Flur wirkte �berrascht, als er niemanden hinter der T�r stehen sah, obwohl er das Hospital bereits einige Male zuvor besucht hatte. Als sie ihn erkannte, hob sich ihre Stimmung sofort.</p><p>�Steinmetz Berrin�, sagte Sonea. �Kommt herein.�</p><p>Als er sie sah, wirkte er erleichtert. Er verneigte sich, schloss die T�r, ging zu dem Stuhl und setzte sich.</p><p>�Ich hatte gehofft, dass Ihr hier sein w�rdet�, erkl�rte er. Sie nickte. �Wie geht es Euch?�</p><p>Der Mann rieb sich die H�nde und hielt inne, um nachzudenken, bevor er antwortete: �Ich glaube nicht, dass es funktioniert hat.�</p><p>Sonea musterte ihn nachdenklich. Er war vor fast einem Jahr zum ersten Mal ins Hospital gekommen und hatte sich geweigert zu erz�hlen, was ihm fehlte. Sie hatte etwas Peinliches und Privates vermutet, aber was er dann langsam und widerstrebend enth�llt hatte, war eine Abh�ngigkeit von Feuel.</p><p>Es hatte einigen Mut gekostet, das zuzugeben, das wusste sie. Er war der Typ Mann, der hart arbeitete und sich r�hmte, �ehrliche� Arbeit zu tun. Aber als seine Frau bei der Geburt ihres ersten Kindes, das nicht �berlebt hatte, gestorben war, war er so voller Trauer und Schuldgef�hle gewesen, dass er die Ware eines Feuelverk�ufers mit Hingabe gekostet hatte. Als der Schmerz weit genug zur�ckgegangen war, um seine fr�here Arbeit wiederaufzunehmen, hatte er festgestellt, dass er die Droge nicht mehr aufgeben konnte.</p><p>Zuerst hatte sie ihn ermutigt, seinen Verbrauch von Feuel zu reduzieren und die Schmerzen, das st�ndige Verlangen und die �bellaunigkeit, die damit einhergingen, schlicht mannhaft zu ertragen. Er hatte sich gut gemacht, aber es hatte ihn ersch�pft. Und sein Verlangen nach dem bet�ubenden, befreienden Gef�hl des Feuel hatte dadurch nicht im Mindesten nachgelassen. Schlie�lich, nach etlichen Monaten, hatte Sonea Mitleid mit ihm und beschloss zu sehen, ob Magie den Prozess beschleunigen k�nnte.</p><p>Alle Heiler waren �bereingekommen, dass die Abh�ngigkeit von Feuel keine Krankheit sei; daher galt die Benutzung von Magie zur Heilung der Sucht als eine Verschwendung des kostbaren Gutes. Sonea hatte ihnen zugestimmt, aber Berrin war ein guter Mann, den man verleitet hatte, als er am verletzlichsten gewesen war. Sie hatte ihn heimlich geheilt.</p><p>�Warum denkt Ihr, dass es nicht funktioniert hat?�, fragte sie ihn.</p><p>Er senkte den Blick, und seine Augen waren gro� vor Kummer. �Ich will es immer noch. Nicht mehr so sehr wie fr�her. Ich dachte, es w�rde immer weniger werden. Aber so ist es nicht. Es ist wie� ein tropfender Hahn. Leise, aber wenn man inneh�lt und lauscht, ist es da und nagt an einem.�</p><p>Sonea runzelte die Stirn, dann bedeutete sie ihm, n�her zu kommen. Er schob den Stuhl neben ihren. Sie beugte sich vor, legte ihm die H�nde an die Seiten des Kopfes und schloss die Augen.</p><p>Es war eine seltsame Erfahrung gewesen, ihn zu heilen. Es hatte ihm nichts Offenkundiges gefehlt. Kein Bruch, kein Riss und keine Infektion, mit der sein K�rper bereits fertig zu werden versuchte. Meistens konnte ein Heiler aus dem K�rper ersehen, was nicht stimmte, und sich von ihm bei der Anwendung von Magie zur Behebung des Schadens leiten lassen. Manchmal war das Problem zu unterschwellig, aber wenn man dem K�rper erlaubte, Magie zu benutzen, um den Fehler zu bereinigen, funktionierte das fast immer.</p><p>In Berrin hatte sie einen Kummer, einen Schmerz gesp�rt, der an verschiedenen Stellen in ihm wohnte�� in den Pfaden seiner Wahrnehmung und in seinem Gehirn. Aber er war so schwer greifbar gewesen, dass sie nicht verstanden hatte, wie sie das Problem beheben sollte. Also hatte sie sich von seinem K�rper leiten lassen, und als das Gef�hl des Kummers verschwunden war, hatte sie gewusst, dass ihre Arbeit getan war.</p><p>Die Schmerzen waren verschwunden, und seine Stimmung hatte sich gebessert. Er hatte jedoch nichts davon erz�hlt, dass ein schleichendes Verlangen nach Feuel zur�ckgeblieben war. Aber vielleicht war es anfangs zu gering gewesen, als dass er es wahrgenommen h�tte. <emphasis>Oder vielleicht hat er wieder angefangen, es zu inhalieren.</emphasis></p><p>Sonea sandte ihren Geist aus und suchte in seinem K�rper nach dem Gef�hl des Kummers. Zu ihrer �berraschung fand sie nichts. Sie konzentrierte sich angestrengter und nahm einen nat�rlichen Heilungsprozess rund um einige Blasen an seinen H�nden wahr und einige angespannte Muskeln in seinem R�cken. Aber was seinen K�rper betraf, war er gesund und kr�ftig.</p><p>Sie �ffnete die Augen und lie� die H�nde sinken.</p><p>�Euch fehlt nichts�, sagte sie l�chelnd. �Ich kann keinen der Hinweise finden, die ich zuvor versp�rt habe.�</p><p>Er machte ein langes Gesicht und sah sie forschend an. �Aber� ich l�ge nicht. Das Verlangen ist immer noch da.�</p><p>Sonea runzelte die Stirn. �Das ist� seltsam.� Sie betrachtete seinen festen Blick und bedachte, was sie �ber ihn wusste. <emphasis>Er ist nicht der Typ, der l�gt. Die blo�e Vorstellung, jemand k�nne denken, er w�rde l�gen, bereitet ihm Unbehagen. Tats�chlich ahne ich, wie seine n�chste Frage lauten wird�</emphasis></p><p>�Denkt Ihr, ich erfinde es?�, fragte er mit leiser, furchtsamer Stimme.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Aber es ist verwirrend. Und frustrierend. Wie kann ich heilen, was ich nicht wahrnehmen kann?� Sie breitete die H�nde aus. �Ich kann nur sagen, gebt der Sache Zeit. Es k�nnte sein, dass da noch ein Echo des Verlangens ist. Wie die Erinnerung an die Ber�hrung eines Menschen oder an den Klang einer Stimme. Wenn Ihr diese Erinnerung nicht auffrischt, wird Euer K�rper sie mit der Zeit vergessen.�</p><p>Er nickte, und seine Miene war jetzt nachdenklich. �Das kann ich tun. Das ergibt einen Sinn.� Er richtete sich auf und sah sie erwartungsvoll an.</p><p>Sie erhob sich, und er folgte ihrem Beispiel. �Gut. Kommt zur�ck und sprecht mit mir, falls es schlimmer wird.�</p><p>�Vielen Dank.� Er verneigte sich unbeholfen, ging auf die T�r zu, drehte sich noch einmal kurz um und l�chelte nerv�s, als die T�r durch ein Ziehen ihrer Magie aufschwang.</p><p>Als die T�r sich hinter ihm schloss, dachte Sonea �ber das nach, was sie in seinem K�rper gefunden�� oder eben nicht gefunden�� hatte. War es m�glich, dass Magie Sucht nicht heilen konnte? Dass Feuel eine Art k�rperlicher Ver�nderung bewirkte, die dauerhaft und unaufsp�rbar war?</p><p><emphasis>Wenn das der Fall ist, kann der K�rper eines Magiers dann die Wirkung seiner eigenen Feuelsucht heilen?</emphasis> Der K�rper eines Magiers heilte sich selbstt�tig; daher waren Magier selten krank und lebten h�ufig l�nger als Nichtmagier. <emphasis>Wenn der K�rper es nicht heilen kann, dann w�re es m�glich, dass auch ein Magier nach der Droge s�chtig wird.</emphasis></p><p>Aber gewiss nicht sofort. Viele Novizen hatten Feuel probiert und waren nicht s�chtig geworden. Vielleicht waren nur einige Leute anf�llig f�r Sucht. Oder vielleicht sammelte sich das Gift im K�rper�� es musste sich genug davon anh�ufen, bevor dauerhafter Schaden entstand.</p><p><emphasis>So oder so, es konnte sowohl tragische als auch gef�hrliche Konsequenzen haben. Nach Feuel s�chtige Magier konnten von ihren Lieferanten bestochen und beherrscht werden. Und die Lieferanten waren h�chstwahrscheinlich Verbrecher oder mit der Unterwelt verbunden.</emphasis></p><p>Pl�tzlich erinnerte sie sich an Regins Behauptung, dass Novizen und Magier der h�chsten Klassen sich heutzutage h�ufiger mit Kriminellen einlie�en. Sie hatte geglaubt, die Situation sei nicht schlimmer, als sie es immer gewesen war. Hatte er recht? Und war Feuel der Grund? Ein kalter Schauer �berlief sie.</p><p>Als es abermals an der T�r klopfte, holte sie tief Luft und schob den Gedanken beiseite. F�r den Augenblick galt ihre Sorge den Kranken der unteren Klassen. Mit den t�richteren Mitgliedern der H�user w�rde die Gilde fertigwerden m�ssen.</p><p><emphasis>Aber es schadet gewiss nicht festzustellen, ob jemand von den anderen Heilern�� oder sogar den Hospitalhelfern�� von Magiern geh�rt hat, die nach Feuel s�chtig geworden sind oder in die Welt der Verbrecher hineingezogen wurden. Und es wird n�tzlich sein, sie auch einige Fragen an ihre Patienten stellen zu lassen. Es gibt nichts, was gelangweilte Patienten und ihre Familien zum Zeitvertreib lieber tun, als zu tratschen.</emphasis></p><empty-line/><p>Lorkin hatte keine Ahnung, wie sp�t es war, als die Besucher endlich gingen und er und Dannyl frei waren, sich f�r die Nacht zur�ckzuziehen. Sobald der letzte Gast das Haus verlassen hatte, sahen sie einander an und verzogen vor Erleichterung das Gesicht.</p><p>�Sie sind freundlicher, als ich erwartet habe�, bemerkte Dannyl.</p><p>Lorkin nickte zustimmend. �Ich k�nnte eine Woche lang schlafen.�</p><p>�So wie es sich anh�rt, werden wir uns gl�cklich sch�tzen k�nnen, wenn wir einen Tag Zeit haben, um uns von der Reise zu erholen. Am besten wir schlafen, solange wir k�nnen.� Dannyl wandte sich an eine Sklavin�� eine junge Frau, die sich prompt mit dem Gesicht nach unten auf den Boden warf. �Bring Lord Lorkin in seine Zimmer.�</p><p>Sie sprang wieder auf, sah Lorkin kurz an und deutete dann auf eine T�r.</p><p>W�hrend Lorkin ihr durch einen Gang folgte, sank seine Stimmung ein wenig. <emphasis>Wann immer sie das tun, f�hlt es so</emphasis> falsch <emphasis>an. Liegt das nur daran, dass ich wei�, dass sie Sklaven sind? Es verneigen sich auch Leute vor mir, weil ich ein Magier hin, und es macht mir nichts aus. Wo liegt der Unterschied?</emphasis></p><p>Die Leute, die sich vor ihm verneigten, hatten die Wahl. Sie taten es, weil das gute Benehmen es so verlangte. Niemand w�rde sie auspeitschen oder hinrichten lassen oder was immer die Sachakaner mit ungehorsamen Sklaven machten.</p><p>Der Flur bog nach links ab und folgte der merkw�rdigen runden Form des Herrenzimmers. Dann teilte er sich, und die Sklavin w�hlte die rechte Abzweigung. <emphasis>Ich frage mich, warum sie ihre W�nde nicht gerade bauen. Ist es leichter, sie so zu konstruieren? Oder schwerer? Ich wette, dadurch entstehen hier und dort seltsame kleine Nischen.</emphasis> Er streckte die Hand aus, um die glatte Wand zu ber�hren. Es <emphasis>hat einen seltsamen Reiz. Keine scharfen Kanten.</emphasis> Die Sklavin trat abrupt durch eine T�r. Lorkin folgte ihr und blieb in der Mitte eines weiteren, seltsam geformten Raumes stehen.</p><p>Er war beinahe, aber nicht ganz rund. Beleuchtet wurde er von kleinen Lampen, die auf im Raum verteilten St�ndern ruhten. Die W�nde waren mit Stoffbeh�ngen oder in Nischen eingelassenen Schnitzereien geschm�ckt. Zwischen den Nischen befanden sich Durchg�nge. In der Mitte des Raums standen Hocker und lagen gro�e Polster. Seine Reisetruhe stand neben einem der Durchg�nge auf dem Boden. Der Raum dahinter wurde ebenfalls durch Lampen erhellt, und er konnte ein Bett erkennen, das zu seiner Erleichterung nicht anders aussah als ein gew�hnliches kyralisches Bett.</p><p>Die Sklavin blieb neben einer Wand stehen, den Kopf gesenkt und den Blick zu Boden gerichtet. <emphasis>Wird sie hierbleiben oder gehen? Vielleicht wird sie gehen, sobald ich zu erkennen gegeben habe, dass ich mit den R�umen zufrieden bin.</emphasis></p><p>�Danke�, sagte er. �Es gef�llt mir gut.�</p><p>Sie tat nichts, sagte nichts. Ihr Gesichtsausdruck�� das wenige, was er davon sehen konnte�� ver�nderte sich nicht.</p><p><emphasis>Was wird sie tun, wenn ich ins Schlafzimmer gehe?</emphasis> Er trat an ihr vorbei in die Schlafkammer und betrachtete das Bett. <emphasis>Ja, es sieht definitiv aus wie ein normales Bett.</emphasis> Als er sich umdrehte, sah er, dass sie jetzt an der Wand der Schlafkammer stand, in der gleichen Haltung. <emphasis>Ich habe nicht mal geh�rt, dass sie mir gefolgt ist.</emphasis></p><p>Er konnte sie wahrscheinlich wegschicken, aber als er den Mund �ffnete, um zu sprechen, z�gerte er. <emphasis>Ich sollte die Gelegenheit nutzen herauszufinden, wie es zwischen Herren und Sklaven genau zugeht. 1st sie meine pers�nliche Dienerin, oder haben verschiedene Diener unterschiedliche Aufgaben?</emphasis></p><p>�Nun�, begann er, �wie hei�t du?�</p><p>�Tyvara�, antwortete sie. Ihre Stimme war unerwartet tief und melodisch.</p><p>�Und was ist deine Rolle hier, Tyvara?�</p><p>Sie z�gerte kurz, dann blickte sie auf und l�chelte. <emphasis>So ist es schon besser,</emphasis> dachte er. Aber als er in ihre Augen blickte, sah er, dass das L�cheln nicht bis dorthin reichte. Die Augen verrieten nichts. Sie waren so dunkel, dass er kaum erkennen konnte, wo die Pupillen begannen und die Farbe endete. Ihn �berlief ein Gef�hl, das nicht ganz ein kalter Schauder war, noch war es wirklich ein Prickeln der Erregung.</p><p>Sie stie� sich von der Wand ab und kam auf ihn zu. Ihr Blick ruhte auf seiner Brust. Sie streckte eine Hand aus, griff nach der Sch�rpe seiner Robe und begann sie zu �ffnen.</p><p>�Wa-was tust du da?�, fragte er und ergriff ihre Handgelenke, um sie aufzuhalten.</p><p>�Eine meiner Pflichten�, sagte sie stirnrunzelnd und lie� die Sch�rpe los.</p><p>Sein Herz raste. Sein K�rper hatte sich daf�r entschieden, sich eher auf die Seite der Erregung zu stellen. <emphasis>Ich darf hier keine voreiligen Schl�sse ziehen,</emphasis> ermahnte er sich. <emphasis>Au�erdem ist es beunruhigend genug, von jemandem bedient zu werden, der keine Wahl hat; ich sch�tze, es w�re noch absto�ender, das Bett mit einer Frau zu teilen, die keine Wahl hat.</emphasis> Er stellte sich vor, in diese dunklen, leeren Augen zu blicken, und alles Interesse zerstob.</p><p>�Wir Kyralier ziehen es vor, uns selbst auszukleiden�, erkl�rte er und lie� ihre H�nde los.</p><p>Sie nickte und trat zur�ck, und ihre r�tselhaften Augen dr�ckten Verwirrung und Duldung aus. <emphasis>Besser das als gar nichts.</emphasis> Nachdem sie sich an die Wand zur�ckgezogen hatte, nahm sie wieder ihre fr�here Haltung ein. Er unterdr�ckte einen Seufzer.</p><p>�Du darfst gehen�, sagte er zu ihr.</p><p>Sie z�gerte einen winzigen Moment, und ihre Augenbrauen zuckten in die H�he. Dann l�ste sie sich schnell von der Wand und verschwand durch die T�r. Ihre Schritte waren lautlos.</p><p>Lorkin ging zum Bett hin�ber und setzte sich.</p><p><emphasis>Nun, das war peinlich und unangenehm. Und ein wenig seltsam.</emphasis> Sie hatte seine Frage nicht beantwortet. Aber andererseits, wenn man eine Sklavin, die in einem Schlafzimmer stand, nach ihrer Rolle befragte, war das vielleicht ein massiver Hinweis, dass man sie in seinem Bett haben wollte.</p><p><emphasis>Ich bin ein Idiot. Nat�rlich ist es so.</emphasis> Er seufzte. <emphasis>Ich habe noch viel zu lernen,</emphasis> dachte er kl�glich. <emphasis>Und da Dannyl die einzige weitere freie Person hier ist, kann ich nur von den Sklaven lernen. Wenn Tyvara meine pers�nliche Dienerin ist, dann werde ich sie am h�ufigsten von allen Sklaven sehen. Und wenn ich einen Sklaven befragen will, sollte ich das besser an einem Ort tun, wo kein Sachakaner h�ren kann, wie ich meine Unwissenheit offenbare.</emphasis></p><p>Bei der n�chsten sich bietenden Gelegenheit, beschloss er, w�rde er sie nach der Etikette zwischen Herr und Sklave befragen.</p><p><emphasis>Und hoffentlich k�nnen wir einige Regeln f�r unser Miteinander aufstellen. Diese ganze Unterw�rfigkeitsgeschichte auf einen Punkt verringern, an dem es f�r mich nicht so beunruhigend ist, ohne so weit zu gehen, dass sie sich dabei unbehaglich f�hlt.</emphasis></p><p>Einfach ausgedr�ckt, er w�rde sich mit ihr anfreunden m�ssen. Und das sollte nicht zu schwierig sein. Er hatte in der Vergangenheit nie gro�e Probleme gehabt, Frauen f�r sich zu gewinnen, obwohl ihm das gelegentlich mehr Scherereien eingetragen hatte, als es wert war. Herauszufinden, wie man sich mit einer sachakanischen Sklavin anfreundete, mochte eine neue Herausforderung ein, aber gewiss eine, die seine F�higkeiten nicht �berforderte.</p></section><section><title><p>11</p><p>Verlockende Informationen</p></title><p>Allein in dem neuen Versteck lauschte Cery in die Stille. Wenn alles so ruhig war, wenn Gol fort war, um Dinge zu erledigen, konnte Cery die Augen schlie�en und die Erinnerungen an die Oberfl�che steigen lassen. Zuerst kam der Klang der Stimmen und des Gel�chters seiner Kinder. Akki, der �ltere, der Harrin neckte. Dann die sanfte Schelte von Selia.</p><p>Wenn er Gl�ck hatte, sah er sie l�chelnd und lebendig. Aber wenn nicht, stieg die Erinnerung an ihre Leiber in ihm auf, und er verfluchte sich daf�r, sie sich angesehen zu haben, obwohl er gewusst hatte, dass die Bilder ihn f�r immer qu�len w�rden. <emphasis>Aber sie haben es verdient, gesehen zu werden. Verabschiedet zu werden. Und wenn ich sie nicht gesehen h�tte, w�rde ich mich vielleicht an den Gedanken klammern, der mir kommt, wenn ich am Morgen aufwache, dass sie n�mlich noch da sind und auf mich warten.</emphasis></p><p>Ein grobes Klirren unterbrach seine Gedanken, aber als er sich aus seiner Versunkenheit hochrappelte, beschloss er, dass es ihm nichts ausmachte. Trauer war zu erwarten gewesen, aber sich dadurch von seiner Aufgabe ablenken zu lassen konnte dazu f�hren, dass er genauso endete wie seine Familie. Das Ger�usch war ein Signal, dass sich jemand dem Versteck n�herte.</p><p>Cery erhob sich von seinem Stuhl und ging langsam im Raum auf und ab. Das erste Ger�usch war inzwischen erstorben, und ein neues war an seine Stelle getreten. Jede Stufe der Treppe, die von der Bolbrauerei �ber dem Versteck hinabf�hrte, bog sich leicht unter dem Gewicht eines Menschen und l�ste einen Mechanismus aus, der ein Klappern durch die R�ume darunter hallen lie�. Cery z�hlte die Schritte und sp�rte, dass sein Herzschlag sich beschleunigte.</p><p><emphasis>Ist das der J�ger der Diebe?</emphasis> Er betrachtete die Vert�felung, hinter der die n�chste sichere Fluchtroute lag. <emphasis>Ich bin seit �ber einer Woche hier. Das ist nicht sehr lange. Ich w�rde gr�ndlich planen wollen, wenn ich beabsichtigte, einen Dieb zu t�ten. Ich w�rde mir so viel Zeit nehmen, wie ich glaubte, mir leisten zu k�nnen, und mein Opfer auskundschaften.</emphasis> Er runzelte die Stirn. <emphasis>Aber ich will nicht wochenlang hier warten. Vielleicht gibt es eine M�glichkeit, wie wir den J�ger der Diebe auf den Gedanken bringen k�nnen, dass er nicht viel Zeit hat�</emphasis></p><p>Es folgte ein Augenblick der Stille. Dann erklang ein L�uten in vertrautem Rhythmus, und Cery stie� den Atem aus, von dem er gar nicht bemerkt hatte, dass er ihn angehalten hatte. Es war Gols Signal.</p><p>Cery ging zu der anderen Wand hin�ber, schob einen der Papierschirme beiseite, die an den W�nden angebracht waren, um Fenster nachzuahmen und das bedr�ckende Gef�hl zu lindern, unter der Erde zu sein. Dahinter befand sich in einer flachen Nische ein Luftschachtrost. Er klappte den Rost auf und dr�ckte den Hebel in der Nische. Dann sp�hte er durch verdunkeltes Glas, um sich davon zu �berzeugen, dass die herannahende Person tats�chlich Gol war.</p><p>Als die Gestalt in den Flur hinter der Glasscheibe trat, erkannte Cery seinen Freund ebenso sehr an seinen Bewegungen wie an seiner Statur und seinem Gesicht. Der gro�e Mann ging ans Ende des Flurs und wartete. Cery trat wieder an den Rost und dr�ckte den Hebel nach oben.</p><p>Einen Moment sp�ter schwang die T�r des Verstecks auf, und Gol kam herein. Er zog die Augenbrauen hoch.</p><p>�Keine Besucher, w�hrend ich fort war?�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Kein einziger. Ich bin wohl nicht mehr so beliebt wie fr�her.�</p><p>�Ich habe immer gesagt, es sei besser, einige wenige gute Freunde zu haben als viele schlechte.�</p><p>�Jemand wie ich hat keine gro�e Wahl.� Cery trat zu einem der Schr�nke und �ffnete ihn. �Wein?�</p><p>�So fr�h?�</p><p>�Die einzige Alternative ist, dass wir spielen und du wieder verlierst.�</p><p>�Also dann Wein.�</p><p>Nachdem er eine Flasche und zwei Gl�ser aus dem Schrank genommen hatte, trug Cery sie zu dem kleinen Tisch zwischen den luxuri�sen Sesseln in der Mitte des Raums. Gol nahm ihm gegen�ber Platz, ergriff die Flasche und machte sich daran, den Korken herauszuziehen.</p><p>�Ich habe heute einige gute Neuigkeiten aufgeschnappt�, berichtete Gol.</p><p>�Tats�chlich?�</p><p>�Ich habe geh�rt, dass du ein neues Versteck h�ttest und dass es sicherer sei als das eines jeden anderen Diebes in der Stadt.� Der Korken l�ste sich, und Gol begann, ein wenig Wein in die Gl�ser zu gie�en.</p><p>�Ist das so?�</p><p>�Ja, und dass du nicht so klug bist, wie du denkst. Es gibt eine M�glichkeit einzubrechen, wenn man wei�, wie.� Gol hielt Cery ein Glas hin.</p><p>Cery heuchelte Besorgnis, als er es entgegennahm. �Wie schrecklich. Ich muss die Zeit finden, das in Ordnung zu bringen. Irgendwann.� Er trank einen Schluck. Der Wein schmeckte w�rzig und voll. Er wusste, dass er exzellent war, aber es erregte ihn nicht. Er hatte nie echten Gefallen an Wein gefunden und zog einen w�rmenden Becher Bol vor. Aber in mancher Gesellschaft zahlte es sich aus, einen guten Wein von einem schlechten unterscheiden zu k�nnen, und gute Jahrg�nge konnten eine eintr�gliche Investition sein.</p><p>Er stellte das Glas ab und seufzte. �Ich denke, ich wei� jetzt, wie Sonea sich vor all jenen Jahren gef�hlt hat, als sie in Farens Versteck eingesperrt war. Obwohl ich nicht versuche zu lernen, wie man Magie kontrolliert, und stattdessen die M�bel in Brand stecke.�</p><p>�Nein, aber es geht trotzdem nur um Magie.� Gol nippte an dem Wein und machte ein nachdenkliches Gesicht. �Ich habe neulich abends �ber diesen J�ger nachgegr�belt. Was denkst du, wie gut er sich auf seine Magie versteht?�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Gut genug, um ein Schloss zu �ffnen.� Er runzelte die Stirn. �Er muss Kontrolle dar�ber haben, da er die Magie seit Jahren benutzt, wenn die Ger�chte der Wahrheit entsprechen. W�re es anders, h�tte die Magie ihn schon vor langer Zeit get�tet.�</p><p>�Dann muss ihn jemand unterwiesen haben, richtig?�</p><p>�Ja.�</p><p>�In dem Fall gibt es entweder einen anderen wilden Magier, der es ihm beigebracht hat, oder ein Gildemagier war sein Lehrer.� Gol blinzelte, als ihm ein Gedanke kam. �Vielleicht war es Senfel, bevor er starb.�</p><p>�Ich denke nicht, dass Senfel derart vertrauensvoll gewesen w�re.�</p><p>Gols Augen weiteten sich. �Hast du mal in Erw�gung gezogen, dass der J�ger ein Gildemagier sein k�nnte, der versucht, die Stadt von allen Dieben zu befreien?�</p><p>�Nat�rlich.� Ein kalter Schauer �berlief Cery. Der verstorbene Hohe Lord hatte jahrelang in der Stadt sachakanische Schwarzmagier gejagt, ohne dass die Gilde davon wusste. Ein Magier, der versuchte, die kriminellen Unterweltf�hrer auszul�schen, war im Vergleich dazu gar keine so weit hergeholte Idee.</p><p><emphasis>Nun, wenn der J�ger in meine Falle tappt, werden wir es herausfinden.</emphasis></p><p>�Ich w�nschte, es w�rde nicht so lange dauern�, seufzte Cery. Er erwog seinen fr�heren Gedanken, dass er dem J�ger vielleicht Grund zu der Annahme geben k�nnte, dass ihm nicht viel Zeit blieb. Dass die Chance kurzlebig sein w�rde. <emphasis>Vielleicht setze ich das Ger�cht in Umlauf, dass ich Imardin in B�lde verlassen werde.</emphasis></p><p>Doch ein solches Ger�cht w�rde den J�ger der Diebe wahrscheinlich von seinem Vorhaben abhalten. Der Mann musste bereit sein, sich Zeit zu lassen, da er die Diebe im Laufe vieler Jahre get�tet hatte. <emphasis>Ich bin die Art von K�der, die Geduld haben muss. Niemand wird einen Dieb ohne ausgiebige Planung angreifen.</emphasis></p><p>Gab es noch eine andere Art von K�der, bei dem der J�ger vielleicht nicht so vorsichtig oder geduldig w�re? Etwas, das man an einem Ort liegen lassen konnte, der weniger gut gesch�tzt war, ohne dass es untypisch und verd�chtig wirkte?</p><p>Was w�rde einen wilden Magier so in Versuchung f�hren, dass er Jagd darauf machen oder es stehlen wollte?</p><p>Die Antwort wurde von einer Woge der Erregung begleitet, und Cery sog scharf die Luft ein.</p><p><emphasis>Magisches Wissen!</emphasis> Cery richtete sich in seinem Sessel auf. <emphasis>Wenn unser J�ger ein wilder Magier ist, muss er au�erhalb der Gilde Magie gelernt haben. Denn wenn ein Magier die Gilde verlassen h�tte, aber in Imardin geblieben w�re, h�tte die Gilde ihn inzwischen gewiss zur Strecke gebracht. Also muss es ihn nach der gro�en Menge an Wissen gel�sten, �ber das die Gilde verf�gt. Selbst wenn er ein Gildemagier w�re, w�re er verpflichtet, einem solchen Ger�cht nachzugehen und jedwedes magisches Wissen auszul�schen, das in die falschen H�nde geraten war oder geraten k�nnte.</emphasis></p><p>�Was ist los?�, fragte Gol. Er sah sich um. �Ist ein Alarm losgegangen?�</p><p>�Nein�, versicherte ihm Cery. �Aber ich glaube nicht, dass es noch l�nger eine Rolle spielt. Mir ist eine noch bessere�� und schnellere�� M�glichkeit eingefallen, unsere Beute dazu zu verlocken, sich zu offenbaren.� Er begann seine Idee zu erkl�ren und beobachtete, wie Gols Miene von �berraschung zu Aufregung wechselte und dann zu Best�rzung.</p><p>�Du wirkst entt�uscht�, bemerkte Cery.</p><p>Gol zuckte die Achseln und deutete mit einer Handbewegung auf den Raum. �Ich sch�tze, wir werden all das jetzt nicht mehr ben�tigen. So viel Arbeit und Geld sind in dieses Versteck geflossen. Und wir haben all diese M�ngel eingebaut, so dass du sp�ter nicht zur�ckkommen und hierbleiben kannst. Das scheint mir eine Schande zu sein.�</p><p>Cery sah sich nachdenklich um. �Das ist es wohl. Wenn all dies vor�ber ist und die Leute es vergessen haben, k�nnen wir die M�ngel vielleicht beheben. Aber f�r den Augenblick ist es kein guter Ort, um unseren neuen K�der auszulegen. Wir brauchen etwas, das weniger sicher ist, so dass er umso schneller zuschlagen wird.�</p><p>�Dann sollte ich wohl besser gehen und dir einige B�cher �ber Magie kaufen�, meinte Gol und stellte sein Glas weg.</p><p>�So ohne Weiteres wirst du sie nicht finden. Wenn du es k�nntest, h�tte es keinen Sinn, sie als K�der zu benutzen.�</p><p>Gol l�chelte. �Oh, ich habe nie gesagt, dass es echte B�cher sein w�rden. Gute F�lschungen werden viel mehr Gerede verursachen als nicht existente B�cher. Und vielleicht ist alles, was wir brauchen, das <emphasis>Ger�cht,</emphasis> dass irgendwo B�cher zu finden seien.�</p><p>�Also sch�n, dann lass einige F�lschungen herstellen.� Cery verzog das Gesicht. �Nur� sieh zu, dass die F�lscher nicht so lange brauchen wie richtige Buchkopierer, oder ich kann genauso gut hierbleiben und darauf warten, dass der J�ger mich findet.�</p><empty-line/><p>Dannyl �berlie� seinen Teller der Sklavin und widerstand dem Drang, sich zufrieden auf den Bauch zu klopfen. Langsam gewann er Gefallen an der seltsamen Art und Weise, in der man in Sachaka Mahlzeiten servierte. Indem man die G�ste Speisen von den dargebotenen Tabletts w�hlen lie�, gestattete man es ihnen, so viel oder so wenig zu essen, wie sie mochten. Zuerst hatte er sich verpflichtet gef�hlt, jede Speise zu kosten, aber ihm war aufgefallen, dass andere G�ste das nicht taten�� wenn �berhaupt, so trugen sie einen w�hlerischen Geschmack zur Schau, der dem Gastgeber nichts auszumachen schien.</p><p>Au�erdem war ihm aufgefallen, dass niemand hier eine Bemerkung zu dem Essen machte. Was eine Erleichterung war, denn einige der Speisen waren so scharf gew�rzt oder aber unerwartet bitter oder salzig, dass er nicht aufessen konnte, was er sich genommen hatte. In Sachaka gab es anscheinend keinen Nachtisch, obwohl man, wenn man tags�ber Besuch empfing, daf�r Sorge trug, dass auf den Tischen Teller mit N�ssen, s��en Fr�chten oder Konfekt standen.</p><p>An diesem Abend war Dannyls Gastgeber ein wohlbeleibter Sachakaner namens Ashaki Itoki. Er wusste, dass der Mann zu den m�chtigsten in Sachaka z�hlte und ein Cousin des sachakanischen K�nigs war. Anscheinend hatte man Ashaki Achati, dem Mann, der Dannyl und Lorkin bei ihrer Ankunft im Gildehaus begr��t hatte, die Aufgabe �bertragen, daf�r zu sorgen, dass Dannyl den richtigen Leuten in der richtigen Reihenfolge vorgestellt wurde. Obwohl er Dannyl dies nicht offen erkl�rt hatte, hatte er es doch angedeutet.</p><p>�Was wollen wir jetzt tun?�, fragte Itoki und blickte zwischen Dannyl und Achati hin und her. �Trinken oder reden? Meine B�der sind gro� genug, um G�ste aufzunehmen, und meine Sklaven sind gut ausgebildet in der Kunst der Massage.�</p><p>�Botschafter Dannyl interessiert sich vielleicht f�r diese alten Karten, die Ihr sammelt�, schlug Achati vor.</p><p>Hoffnung blitzte in Dannyl auf. Er hatte alte Karten immer faszinierend gefunden, und es war jederzeit m�glich, dass sie f�r seine Forschungen wichtige Informationen enthielten.</p><p>�Ich m�chte meinen Gast nicht gern langweilen�, erwiderte Itoki zweifelnd.</p><p>�Vergesst nicht, ich habe Euch erz�hlt, dass Botschafter Dannyl Historiker ist. Ich bin mir sicher, dass er sie sehr interessant finden wird.�</p><p>Itoki sah Dannyl hoffnungsvoll an. Dannyl nickte zustimmend. �Es w�re mir ein Vergn�gen.�</p><p>Der Mann l�chelte breit, dann rieb er sich die H�nde. �Oh, Ihr werdet beeindruckt sein, davon bin ich �berzeugt. Die fortschrittlichsten Karten, die je gezeichnet wurden.� Er erhob sich, und Achati und Dannyl folgten seinem Beispiel. �Ich werde Euch in die Bibliothek bringen.�</p><p>Sie gingen durch kurvige, wei�e Flure zu einer Flucht von R�umen �hnlich denen, die man Dannyl im Gildehaus zugewiesen hatte oder die er und Lorkin w�hrend ihres Aufenthalts bei Ashaki auf ihrer Reise nach Arvice benutzt hatten. Es war interessant zu sehen, dass andere sachakanische H�user demselben Muster folgten. Waren sie alle gleich? Wie lange bauten die Sachakaner ihre H�user schon so?</p><p>In dem zentralen Raum fanden sich einige Hocker und ein gro�er Stapel Polster in der Mitte, und an den W�nden standen mehrere Schr�nke. Durchg�nge f�hrten zu allen Seiten aus dem Raum, und hinter ihnen sah man weitere T�r�ffnungen. Itoki ging zu einem der Schr�nke hin�ber und nahm einen Schl�ssel aus einer Innentasche seiner Jacke. Er �ffnete das Schloss des Schranks und zog die T�ren auf.</p><p>Darin standen mehrere Metallr�hren. Itoki strich ehrf�rchtig dar�ber, dann w�hlte er eine aus und nahm sie heraus. Er ging zu den Kissen hin�ber, schob mehrere beiseite, um Platz auf dem Boden zu schaffen, und lie� sich schlie�lich mit einem �chzen auf einem Hocker nieder.</p><p>�Wenn Ihr dort und dort Platz nehmen wollt�, sagte er und wies auf andere Hocker, �k�nnen wir jeder eine Ecke festhalten und die vierte beschweren.� Achati schob einen Hocker auf einen der angewiesenen Pl�tze, und Dannyl tat das Gleiche mit dem zweiten Hocker. Sie setzten sich und beobachteten, wie Itoki den Deckel der R�hre abnahm und eine Rolle vergilbten Papiers herauszog.</p><p>�Dies ist nat�rlich nicht das Original�, sagte der Mann. �Es ist eine Kopie, aber sie ist trotzdem �ber vierhundert Jahre alt und ein wenig empfindlich.� Er legte die Rolle auf den Boden und �ffnete sie. Dannyl griff automatisch nach der Kante, die ihm am n�chsten war, damit sie nicht zur�cksprang. Achati tat das Gleiche. Auf einen Blick von Itoki hin erhob sich ein Hocker und schwebte zu der letzten Ecke hin�ber, um sie zu beschweren.</p><p>Eine gro�e kreiselnde Masse von Linien wurde sichtbar. Blaue Fl�sse schl�ngelten sich durch sie hindurch, und neben etlichen von ihnen passten sich Stra�en jeder Biegung an. Winzige Zeichnungen von Geb�uden, Feldern und den niedrigen Grenzmauern bedeckten die Karte. <emphasis>Konturlinien auf einer vierhundert Jahre alten Karte? Die Gilde hat die Benutzung von Konturlinien erst vor zweihundert Jahren entwickelt. Aber� dies ist eine Kopie.</emphasis></p><p>�Wie alt war die urspr�ngliche Karte?�, erkundigte er sich.</p><p>��ber siebenhundert Jahre�, erwiderte Itoki mit einem Anflug von Stolz. �Sie sind seit dem Sachakanischen Krieg in meiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben worden.�</p><p>�Habt Ihr auch die Originale?�</p><p>�Ja.� Itoki grinste. �Aber nur Bruchst�cke, und sie sind zu empfindlich, um sie zu benutzen.�</p><p>Dannyl blickte erneut auf die Karte hinab. �Was zeigt diese Karte?�</p><p>�Eine Region im westlichen Sachaka, in der N�he der Berge. Ich will Euch auch noch die anderen zeigen.� Itoki erhob sich wieder und holte zwei weitere Metallr�hren aus dem Schrank. Die Karte, die er als N�chstes entrollte, zeigte ein K�stengebiet; in die N�he der Gew�sser waren winzige Boote gezeichnet, und neben Felsen und Riffen waren Warnungen geschrieben. Die n�chste Karte zeigte ein weiteres l�ndliches Gebiet.</p><p>�Dies ist�� war�� im S�den�, erkl�rte Itoki ihnen.</p><p>Wo <emphasis>das �dland liegt,</emphasis> dachte Dannyl. <emphasis>Er spricht es nicht aus. Das muss er auch nicht.</emphasis> Die Felder und G�ter deuteten auf fruchtbares, gr�nes Land hin, wo jetzt Sand und Staub vorherrschten.</p><p>Sie betrachteten die Karten einige Zeit lang, bis Itoki auf ein Zeichen von Achati hin begann, sie vorsichtig aufzurollen und zur�ck in ihre R�hren zu schieben.</p><p>�F�r welche Bereiche der Geschichte interessiert Ihr Euch denn?�, fragte er Dannyl.</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �F�r die meisten. Obwohl ich annehme, je �lter, desto besser, und nat�rlich interessieren mich s�mtliche Hinweise auf Magie.�</p><p>�Nat�rlich. Das schlie�t die Geschichte der Gilde mit ein, oder ist diese bereits gut dokumentiert?�</p><p>�Ja und nein. Es schlie�t sie in der Tat mit ein, aber es gibt einige L�cken in der Geschichte der Gilde, die ich zu f�llen versuche.�</p><p>�Ich bezweifle, dass ich Euch dabei helfen k�nnte, obwohl ich durchaus einige Dokumente aus der kurzen Zeit habe, w�hrend derer Kyralia Sachaka regiert hat.� Itoki erhob sich, kehrte zu dem Schrank zur�ck, um die Kartenr�hren wieder hineinzulegen, verschloss den Schrank dann und bedeutete ihnen, ihm in eins der Nebenzimmer zu folgen. Dannyl und Achati taten wie gehei�en. Die hohen, schweren Schr�nke im Raum waren wie Soldaten, die im Dienst Wache standen, still und reglos. Itoki ging zu einem hin�ber und �ffnete die T�ren. <emphasis>Die nicht verschlossen sind,</emphasis> bemerkte Dannyl. <emphasis>Was sich in diesen Schr�nken befindet, ist offensichtlich nicht so wertvoll wie die Kopien der Landkarten.</emphasis></p><p>Der vertraute Geruch von altem Papier und alten Bindungen wehte ihnen entgegen. In dem Schrank fanden sich mehrere alte B�cher mit fehlenden oder zerrissenen Buchdeckeln, au�erdem ausgefranste Papierrollen und Umschl�ge aus Leder, die um Papierstapel gewickelt waren. Itoki durchsuchte sie vorsichtig, dann nahm er einen Stapel Papiere und ein Buch heraus.</p><p>�Dies sind Briefe und Dokumente eines Gildemagiers, der w�hrend der Jahre der Besetzung in Sachaka lebte. Ich habe sie aus einem alten Gut am Rand des �dlands, das in die H�nde des K�nigs gefallen war, nachdem kein legitimer Erbe sich meldete, um es f�r sich zu fordern.�</p><p>Er �berreichte Dannyl das Buch. Dannyl �ffnete es und bl�tterte vorsichtig die ersten br�chigen Seiten durch. Wie viele der alten Dokumente kyralischer Magier enthielten sie sowohl Rechnungslisten als auch Tagebucheintr�ge. In dem Wissen, dass die beiden M�nner ihn beobachteten, begann er, den Inhalt zu �berfliegen.</p><p><emphasis>�� angeboten, unser Haus zu erwerben. Ich habe nat�rlich abgelehnt. Das Geb�ude geh�rt seit �ber zweihundert Jahren meiner Familie. Obwohl der Preis eine Versuchung war. Ich erkl�rte, dass wir, wenn wir kein Haus in Imardin bes��en, das Recht verlieren w�rden, uns Lord und Lady zu nennen. Er sagte, Landbesitz sei auch hier in Sachaka ein wichtiger Faktor von Macht und Einfluss.�</emphasis></p><p>Dannyl runzelte die Stirn. <emphasis>Dies wurde nach dem Krieg geschrieben, und doch findet sich hier ein Hinweis auf ein Geb�ude, das mindestens zweihundert Jahre alt ist und noch steht. Es ist ein Beweis daf�r, dass Imardin w�hrend des Krieges nicht dem Erdboden gleichgemacht wurde, wie unsere Geschichtsb�cher behaupten.</emphasis> Sein Herz setzte einen Schlag aus. Er blickte zu den beiden Sachakanern auf. Offensichtlich w�rde er nicht das ganze Buch lesen und sich Notizen machen k�nnen, w�hrend sie warteten.</p><p>�Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich mir diese Passage abschreibe?�, fragte er.</p><p>Itoki sch�ttelte den Kopf. �Ganz und gar nicht. Ihr habt etwas Bemerkenswertes gefunden?�</p><p>�Ja.� Dannyl zog das Notizbuch und einen eingewickelten Stab aus gepresster Kohle heraus, die er immer in seinen Roben trug. �Es best�tigt, was ich vermutet habe.�</p><p>�Und das w�re?�, hakte Achati nach.</p><p>Dannyl hielt inne, um den Eintrag abzuschreiben, dann blickte er auf. �Dass Imardin w�hrend des Sachakanischen Krieges nicht zerst�rt wurde.�</p><p>Itoki zog die Augenbrauen hoch. �So etwas habe ich noch nie geh�rt. Unseren historischen Dokumenten zufolge ereignete sich die letzte Schlacht vor den Toren, und unsere Armeen wurden besiegt.�</p><p>Dannyl stutzte. �Armeen? Es gab mehr als eine?�</p><p>�Ja. Sie haben sich zu der letzten Schlacht vereint. Ihr m�sstet Meister Kirota nach Einzelheiten fragen, aber ich kann Euch einige Karten zeigen, die nach dem Krieg gezeichnet wurden und die drei Routen der Armeen darstellen. Aber sie sind nicht so alt, und sie haben auch nichts mit Magie zu tun.�</p><p>�Nein, doch es h�rt sich so an, als w�ren sie sehr interessant.�</p><p>Als der Mann Dannyl das Buch abnahm und es zusammen mit dem Stapel Briefe zur�ck in den Schrank legte, durchzuckte Dannyl ein Stich der Entt�uschung. In den wenigen kurzen Augenblicken, die er Zugang zu der Bibliothek dieses Mannes gehabt hatte, hatte er etwas best�tigt gefunden, das jahrelang an ihm genagt hatte. Wie viel mehr konnte er hier noch lernen?</p><p>Aber es war sp�t, und er durfte seinem Gastgeber nicht allzu sehr zur Last fallen. Und zweifellos w�rde Ashaki Achati bald nach Hause zur�ckkehren wollen. <emphasis>Vielleicht kann ich irgendwann einmal hierher zur�ckkommen.</emphasis> Dann verlie� ihn pl�tzlich der Mut. <emphasis>Aber es wird wohl eine ganze Weile dauern, denn ich muss zuerst alle anderen Sachakaner besuchen, die den neuen Gildebotschafter kennenlernen wollen, sonst k�nnte man mir vorwerfen, dass ich einen von ihnen bevorzuge. Verflucht sei die Politik dieses Landes!</emphasis></p><p>Er w�rde sein Bestes tun, um einen weiteren Besuch zu arrangieren. In der Zwischenzeit musste er sich s�mtliche M�glichkeiten zunutze machen, die sich ihm boten. Als Ashaki Itoki ihnen voran den Raum verlie�, um ihm die Schlachtenkarten zu zeigen, schluckte Dannyl seine Ungeduld herunter und folgte ihm.</p><empty-line/><p>Heilerin Nikea erwartete Sonea an der T�r zum Hospital.</p><p>�Ich habe einen Raum f�r uns beschafft, Schwarzmagierin Sonea�, sagte sie l�chelnd und drehte sich um, um Sonea den Weg zu weisen. �Er ist klein, aber wir werden uns alle hineinzw�ngen k�nnen.� �Alle?�</p><p>Nikea blickte �ber die Schulter. �Ja. Einige der Heiler, mit denen ich gesprochen habe, hatten interessante Geschichten zu erz�hlen, und wir waren uns alle einig, dass Ihr sie aus erster Hand h�ren solltet.�</p><p>Sonea bedachte den R�cken der jungen Frau mit einem schiefen L�cheln. <emphasis>Die meiste Zeit ist es eine Erleichterung, mit jemandem zusammen zu sein, der mir nicht mit Furcht oder Argwohn begegnet, aber manchmal hat es auch seine Nachteile. Ich w�nschte, Nikea h�tte mich in dieser Angelegenheit zuerst gefragt. Ich m�chte nicht, dass zu viele Leute erfahren, dass ich mich nach reichen Magiern erkundige, die mit Kriminellen Umgang pflegen.</emphasis></p><p>Der Raum, zu dem die junge Heilerin sie f�hrte, war ein schmaler Lagerraum mit beunruhigend wenigen Vorr�ten darin. Entlang der W�nde waren mehrere St�hle aufgestellt worden. Nikea trat nicht ein, sondern wartete, bis ein anderer Heiler im Flur an ihr vorbeiging, und fragte ihn: �Heiler Gejen, k�nntet Ihr die �brigen zusammenrufen?�</p><p>Er nickte und eilte davon. Einige Minuten sp�ter kehrte er mit f�nf weiteren Frauen zur�ck. Zwei waren Helferinnen, wie Sonea bemerkte. Alle traten in den Raum und setzten sich, dann bedeutete Nikea Sonea, ihnen zu folgen. Schlie�lich schloss sie die T�r hinter sich.</p><p>Eine Lichtkugel mit scharfer Helligkeit leuchtete auf. Alle sahen Sonea erwartungsvoll an, bis auf Nikea.</p><p>�Nun denn�, begann Nikea. �Wer m�chte als Erster sprechen?�</p><p>Nach einer kurzen Pause r�usperte sich eine der Helferinnen. Es war Irala, eine stille Frau in mittleren Jahren. Eine t�chtige Frau, wenn auch bisweilen ein wenig kalt zu den Patienten.</p><p>�Ich werde sprechen�, erbot sie sich. Ihr Blick wanderte zu Sonea hin�ber. �Es wird langsam Zeit, dass die Gilde aufh�rt, dieses Problem zu ignorieren.�</p><p>�Von welchem Problem genau sprecht Ihr?�, fragte Sonea.</p><p>�Feuel. Und jenen, die es verkaufen. Es ist �berall. In den H�usern hei�t es, die Droge habe sich wie eine Seuche von den H�ttenvierteln aus verbreitet, aber hier drau�en hei�t es, die H�user verbreiteten sie, um die Armen zu unterdr�cken und ihre Zahl zu verringern. Niemand wei� wirklich, woher sie kommt. Ich habe jedoch Ger�chte und Geschichten geh�rt, die besagen, dass diejenigen, die Feuel verkaufen, reich sind und so m�chtig wie die H�user, dass sie aber mit den F��en in der Unterwelt verwurzelt seien.�</p><p>�Ich habe viele Leute sagen h�ren, die Diebe benutzten es, um die Stadt zu �bernehmen�, f�gte Gejen hinzu. �Eine Person erz�hlte mir, Feuel w�rde von Fremdl�ndern eingef�hrt, um uns zu schw�chen, bevor sie Kyralia �berfallen wollten. Der Betreffende hatte die Elyner in Verdacht.� Die anderen bel�chelten diese Idee. Offensichtlich glaubte keiner von ihnen daran.</p><p>�Hat einer von euch von Novizen oder Magiern geh�rt, die nach Feuel s�chtig sind? Die nicht aufh�ren k�nnen, es zu nehmen?�</p><p>Die andere Helferin und eine der Heilerinnen nickten. �Ein� ein Verwandter von mir�, sagte die Helferin, dann zuckte sie entschuldigend die Achseln. �Er hat mich schw�ren lassen, es niemals jemandem zu erz�hlen, daher werde ich seinen Namen nicht nennen. Er sagt, ganz gleich, wie lange er widerstehe, das Verlangen gehe nicht weg. Ich erkl�re ihm immer wieder, dass er einfach so lange aufh�ren m�sse, bis sein K�rper wirklich geheilt ist, aber er tut es nicht.�</p><p>Sonea wurde schwer ums Herz. �Wisst Ihr, von wem er das Feuel kauft?�</p><p>�Nein, er will es mir nicht sagen, aus Furcht, dass ich seinen Nachschub irgendwie zum Erliegen bringen k�nnte.� Die Frau runzelte die Stirn. �Und er sagte etwas des Sinnes, dass die Quelle ein Freund sei. Wenn er einen anderen Verk�ufer finden m�sste, w�rde der Betreffende vielleicht mehr als Geld verlangen.�</p><p>Sonea nickte und sah die anderen an. �Habt Ihr je von Novizen oder Magiern geh�rt, die sich mit Verbrechern eingelassen haben�� seien es Feuelverk�ufer oder andere? Ich rede nicht von Besuchen in Freudenh�usern. Ich meine solche Personen, die �ber Verbrecher oder mit ihnen Gesch�fte machen und Magie gegen Geld oder Gef�lligkeiten wirken?�</p><p>�Ich habe etwas Derartiges geh�rt�, sagte die andere Heilerin. Sie war in den Drei�igern und hatte eine junge Familie, �ber die ihr nichtmagischer Ehemann wachte, w�hrend sie im Hospital arbeitete�� ein praktisches Arrangement, das nur die Heiler nicht bemerkenswert zu finden schienen. �Vor einigen Jahren, vor meiner Heirat mit Torken, hat ein Freund, den ich seit unseren Universit�tstagen kannte, sich aus unserer Gesellschaft zur�ckgezogen�� das hei�t von uns und meinen anderen Freunden von der Universit�t. Er bevorzugte einige nichtmagische Freunde in der Stadt, die sich in einem dieser Lusth�user trafen. Er erz�hlte uns, er habe kein Interesse an den Dingen, die die Leute dort kauften; es gehe ihm nur um das Arrangement, das er mit den Besitzern h�tte. Eine Art von Importarrangement. Er wollte uns nie verraten, worum es sich handelte. Jetzt lebt er nicht einmal mehr in der Gilde. Er ist in ein Haus in der Stadt umgezogen und verbringt seine ganze Zeit damit, seinen neuen Freunden zu helfen.�</p><p>�Denkt Ihr, die Gesch�fte sind illegal?�</p><p>Sie nickte. �Aber ich habe keinen Beweis daf�r.�</p><p>�Ist er s�chtig nach Feuel?�</p><p>Die Heilerin sch�ttelte den Kopf. �Daf�r ist er zu klug.�</p><p>Sonea runzelte die Stirn. Das waren schlimme Neuigkeiten und etwas, f�r das Regin sich interessieren w�rde, aber es bewies nicht, dass Feuel benutzt wurde, um Magier zu kriminellen Taten zu verlocken.</p><p>�Nun, es war immer bekannt, dass einige Novizen aus den H�usern mit Dieben zu tun haben�, sagte die andere Frau. Sie war eine d�nne Frau namens Sylia und eine m�chtige und begabte Heilerin.</p><p>�Aber sind das Ger�chte, oder gibt es Beweise?�, fragte Sonea.</p><p>�Es gibt niemals Beweise.� Sylia zuckte die Achseln. �Aber junge Novizen haben immer damit geprahlt. H�ufig um sich aus Schwierigkeiten mit anderen Novizen herauszuwinden, aber wenn man genug Fragen stellte, stie� man immer auf einige Ger�chte, die einen h�heren Wahrheitsgehalt zu haben schienen als andere.�</p><p>Die �brigen Frauen nickten. �Es steckt Wahrheit in diesen Ger�chten�, bekr�ftigte Gejen. �Es ist nur schwierig zu wissen, welches Ger�cht ein K�rnchen Wahrheit in sich tr�gt.�</p><p>�Nun� denkt Ihr, dass die Regel gegen die Verbindung von Novizen oder Magiern mit Verbrechern oder Personen von schlechtem Ruf �berhaupt eine Wirkung auf Novizen h�herer Klassen hat?�</p><p>Sie tauschten erwartungsvolle Blicke.</p><p>�Ja und nein�, antwortete Gejen. �Es besteht kein Zweifel daran, dass die Regel einige daran hindert, das Risiko einzugehen, aber jene, die t�richt sind oder deren Familien bereits mit Verbrechen zu tun haben, wird das nicht abhalten.� Die anderen nickten zustimmend, und einige l�chelten wissend.</p><p>�Und wenn die Regel au�er Kraft gesetzt w�rde, w�rden sich dadurch mehr Novizen versucht f�hlen?�</p><p>Die Frauen sahen einander an.</p><p>�Wahrscheinlich�, sagte Sylia und zuckte die Achseln. �Wenn die Diebe dahinterstecken und reich und m�chtig genug sind, um eine verlockende Entlohnung anzubieten.�</p><p>�Und dann ist da noch das Feuel�, f�gte Irala hinzu.</p><p>�Alles, was die Zahl von Novizen und Magiern verringert, die sich mit Gl�cksspiel, Alkohol und Feuel besch�ftigen, ist in meinen Augen gut�, erkl�rte Gejen. Die anderen murmelten zustimmend.</p><p>�Aber die Regel ist ungerecht und wenig wirksam, so wie sie jetzt besteht�, f�gte Sylia hinzu. �Sie sollte nicht au�er Kraft gesetzt, sondern nur ver�ndert werden.�</p><p>W�hrend die Frauen �ber das Wie diskutierten, einige von ihnen recht leidenschaftlich, �berlief Sonea ein Schauder der Erkenntnis. <emphasis>Sie alle haben �ber dieses Thema nachgedacht. Und es er�rtert. Haben andere Magier der Regel genauso viel Aufmerksamkeit geschenkt? Diskutieren sie alle dar�ber?</emphasis> Dann setzte ihr Herz mit einem Mal einen Schlag aus. <emphasis>Kann ich von ihrer Meinung darauf schlie�en, wie die Gilde vielleicht abstimmen wird, falls die Angelegenheit der gesamten Gilde �bergeben werden sollte?</emphasis></p><p>Sie h�rte genau zu, und w�hrend die Frauen redeten, legte sie sich noch weitere Fragen zurecht, die sie ihnen stellen wollte. Diese Versammlung w�rde mehr n�tzliche Informationen liefern, als sie geplant oder erwartet hatte.</p></section><section><title><p>12</p><p>Entdeckungen</p></title><p>W�hrend Lorkin dem Sklaven durch den Flur in Ashaki Itokis Haus folgte, holte er tief Luft und stie� den Atem langsam wieder aus. Trotz allem, was sein Freund Perler ihm erz�hlt hatte, war Lorkin sich noch immer nicht ganz sicher, wie er sich dem Ashaki gegen�ber verhalten sollte. Magier und Landbesitzer genossen abgesehen vom K�nig das h�chste Ansehen in der sachakanischen Gesellschaft. Ein Magier, der kein Land besa�, jedoch Erbe eines Ashaki war, stand im Ansehen eine Stufe unter dem Ashaki. Ein Magier, der kein Erbe war, kam als N�chster, dann alle freien Nichtmagier�� sie waren in Bezug auf ihr Einkommen abh�ngig von einem Ashaki und auf dessen Vermittlung angewiesen, wenn sie Vertr�ge schlie�en oder heiraten wollten.</p><p>Wenn Sachakaner von niederem Ansehen wichtige Aufgaben zugewiesen bekamen�� wie zum Beispiel Kirota in seiner Rolle als Meister des Krieges��, gewannen sie dadurch genug zus�tzliches Ansehen, um sich unter m�chtigeren M�nnern bewegen zu k�nnen. Dannyl besa� kein Land, aber seine Rolle als Botschafter hob sein Ansehen so sehr, dass die Ashaki mit ihm Umgang pflegen konnten. Lorkin dagegen war ein blo�er Gehilfe�� nicht ganz auf gleicher Stufe mit einem erblosen sachakanischen Magier, weil er keine schwarze Magie beherrschte. Perler hatte ihn gewarnt, dass in den Augen einiger Sachakaner die Rolle eines Gehilfen nicht viel besser war als die eines Dieners. Und dass man ihn tats�chlich mit geringerem Respekt behandeln w�rde als einen freien Nichtmagier.</p><p><emphasis>Ashaki Itoki ist einer der m�chtigsten M�nner Sachakas. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich ihm gegen�ber verhalten soll. Und als w�re das nicht schon genug, kann ich mich noch immer nicht an die Vorstellung gew�hnen, dass diese M�nner Schwarzmagier sind, die m�glicherweise �ber ungeheure magische Macht gebieten und mich, sollte ich sie versehentlich kr�nken, wahrscheinlich zu Asche verbrutzeln k�nnten.</emphasis></p><p>Der Sklave erreichte das Ende des Flurs, trat einige Schritte in den Raum hinein und warf sich auf den Boden. Lorkins Magen krampfte sich zusammen, und ein unbehagliches Gef�hl rieselte ihm den R�cken herunter. <emphasis>Ich kann mich auch nicht daran gew�hnen, Menschen das tun zu sehen. Und es ist schlimmer, wenn sie es mir gegen�ber tun.</emphasis></p><p>Als er aufblickte, sah er einen gro�en Mann, dessen protzige, allzu reich verzierte Kleider sich straff �ber seine �ppige Leibesf�lle spannten. Als der Sklave ihm Lorkins Namen mitteilte, l�chelte der Mann d�nn.</p><p>�Willkommen, Lord Lorkin. Ihr habt eine langwierige Aufgabe vor Euch, also will ich Euch nicht aufhalten. Mein Sklave wird Euch in meine Bibliothek bringen und sein Bestes tun, um Euch alles zu verschaffen, was Ihr braucht.�</p><p>Lorkin neigte den Kopf. �Vielen Dank, Ashaki Itoki.�</p><p>�Okka. Bring Lord Lorkin in die Bibliothek�, befahl der Sachakaner. Der Mann sprang auf die F��e, machte Lorkin mit gesenktem Blick ein Zeichen und ging dann auf eine T�r zu. Lorkin nickte Itoki abermals zu und folgte dem Sklaven aus dem Raum.</p><p>Au�er H�rweite des Ashaki stie� Lorkin einen Seufzer der Erleichterung aus. Er w�rde sich nicht vollauf entspannen, bevor er das Haus des Mannes verlassen hatte. Oder vielleicht auch erst, wenn er zur�ck im Gildehaus war. <emphasis>Aber ich bin nicht hier in Sachaka, um mich zu entspannen oder mich sicher und behaglich zu f�hlen. Ich bin hier, um Dannyl bei seinen Forschungen zu helfen.</emphasis></p><p>Der Sklave f�hrte ihn in einen zentralen gro�en Raum und von dort aus weiter in einen der Nebenr�ume. Vor einem Schrank blieb er stehen.</p><p>�Mein Meister sagt, die Unterlagen, die Ihr sehen wollt, seien hier drin�, erkl�rte er und streckte eine Hand danach aus. Dann ging er zu der Wand neben der T�r und lehnte sich mit dem R�cken dagegen, so wie die Sklaven im Gildehaus es taten, wenn sie nicht besch�ftigt waren oder entlassen wurden.</p><p><emphasis>Er ist bereit, mir zu Diensten zu sein, falls ich es w�nsche. Und vielleicht ein Auge auf mich zu halten und daf�r zu sorgen, dass ich mir nichts ansehe, was ich nicht sehen soll. Oder etwas stehle.</emphasis></p><p>Lorkin �ffnete die Doppelt�ren und untersuchte die Stapel in Leder eingewickelter Papiere, die Pergamentrollen und die B�cher. Er fand das Buch, das Dannyl ihm beschrieben hatte, und nahm es heraus, bevor er sein Notizbuch aus seinen Roben zog. Als er sich umschaute, stellte er fest, dass sich nirgendwo eine Sitzgelegenheit befand oder ein Tisch, an dem er h�tte arbeiten k�nnen. Er wandte sich an den Sklaven.</p><p>�Kann ich mich irgendwo hinsetzen?�</p><p>Der Sklave z�gerte, dann nickte er. <emphasis>Verflucht, ich habe es schon wieder getan. Ich muss daran denken, Bitten wie Befehle zu formulieren und nicht wie Fragen.</emphasis></p><p>�Bring mir eine Sitzgelegenheit�, sagte er und verkniff sich das �Bitte�, das er normalerweise hinzugef�gt h�tte.</p><p>Er hatte herausgefunden, dass es irgendwie unpassend klang und dass sowohl freie Sachakaner als auch Sklaven es seltsam und erheiternd zu finden schienen.</p><p>Der Mann ging in den Hauptraum und brachte einen der schlichten Hocker herein, die die Sachakaner anscheinend bevorzugten. <emphasis>Seltsam, dass ein Volk mit so viel Macht und allem Reichtum seines Landes solch primitive M�bel benutzt. Ich h�tte erwartet, dass sie in Sesseln liegen w�rden, die genauso gro� und �bertrieben schmuckvoll sind wie sie selbst.</emphasis></p><p>Es schien im Hauptraum nichts zu geben, was einem Tisch �hnelte, daher zog Dannyl eins der gr��eren B�cher aus dem Schrank. Er setzte sich, legte das Buch auf die Knie und sein Notizbuch dar�ber. Dann begann er, in den alten Aufzeichnungen zu lesen.</p><p>Binnen weniger Seiten hatte Lorkin mit Unsicherheit zu k�mpfen. Offensichtlich konnte er in der ihm zugebilligten Zeit nicht den ganzen Inhalt kopieren. Dannyl hatte ihm nicht aufgetragen, irgendeine bestimmte Passage zu kopieren, sondern sich einfach alles zu notieren, was von Bedeutung sein k�nnte. Es war schmeichelhaft, dass der Magier darauf vertraute, dass Lorkin zu beurteilen vermochte, was von Bedeutung war�� <emphasis>oder er hatte keine andere Wahl, als die Entscheidung mir zu �berlassen</emphasis>��, aber das machte die Aufgabe nicht leichter.</p><p>Das Buch war auch nicht die reiche Informationsquelle, die Lorkin sich erhofft hatte. Es war zum Teil Rechnungsbuch, zum Teil Tagebuch, wie es die Dokumentenb�cher landbesitzender Magier in jenen Zeiten h�ufig gewesen waren. Er konnte es sich nicht leisten, irgendetwas zu �berfliegen oder sich ablenken zu lassen, sonst w�rde er wom�glich etwas �bersehen. Aber die Listen von Haushaltseink�ufen und die Beschreibungen von Handelsabschl�ssen waren kaum eine faszinierende Lekt�re.</p><p>Er notierte sich jeden Hinweis auf Magie sowie die Namen der Besucher im Haus des Magiers. Als er fertig war, legte er das Buch zur�ck und begann, ein B�ndel Briefe zu lesen. Diese waren alt, aber gut erhalten, geschrieben auf kleinen, quadratischen Papieren, die nicht zusammengefaltet worden waren, so dass sie nicht in St�cke brachen. Ein Freund in Imardin hatte die Briefe an den Magier geschickt. Lorkin konnte nicht ermitteln, ob der Freund ein Magier gewesen war oder nicht, da er wusste, dass der Titel �Lord� zu jener Zeit nur von Landbesitzern und ihren Erben benutzt worden war. Der Freund erkundigte sich in den meisten Briefen nach Fortschritten in dem Bem�hen, der Sklaverei in Sachaka ein Ende zu machen, was ihm und anderen in Imardin ein ernsthaftes Anliegen war.</p><p><emphasis>Wie es sich anh�rt, war das eine Angelegenheit von gr��ter Dringlichkeit,</emphasis> �berlegte Lorkin. <emphasis>Aber ich nehme an, es war damals noch nicht so lange her, seit Kyralier Sklaven gewesen waren.</emphasis></p><p>Als er mit den Briefen fertig war, untersuchte er die Pergamentrollen, die sich als Rechnungsb�cher erwiesen. Andere Mappen enthielten weitere Briefe, diesmal von der Schwester des Magiers. Sie schien sich sehr daf�r zu interessieren, wie es den befreiten Sklaven erging, und Lorkin stellte fest, dass ihm die mitf�hlenden und auch praktischen Vorschl�ge der Frau gefielen.</p><p><emphasis>Ich w�nschte, ich k�nnte seine Erwiderungen lesen. Ich w�rde die Antworten auf die Fragen, die sie nach den Pl�nen der Gilde f�r Sachaka stellte, wirklich gern erfahren. Vielleicht w�rde uns das Hinweise darauf geben, warum die Gilde Sachaka verlassen hat.</emphasis></p><p>Ein Sklave kam mit Essen und Trinken. Lorkin a� schnell, dann machte er sich wieder an die Arbeit. Als er schlie�lich alles im Schrank gelesen hatte, wurde ihm klar, dass mehrere Stunden vergangen waren. Er betrachtete sein Notizbuch und versp�rte eine vage Entt�uschung. <emphasis>Ich bin mir nicht sicher, ob ich etwas besonders N�tzliches gefunden habe, aber vielleicht wird Dannyl ja etwas auffallen, was mir nicht aufgefallen ist.</emphasis></p><p>Als er die Hand ausstreckte, um die Schrankt�ren zu schlie�en, wurde ihm bewusst, dass er noch immer das Buch, das er als St�tze f�r sein Notizbuch benutzt hatte, in H�nden hielt. Er schlug es auf und stellte fest, dass es sich um weitere Aufzeichnungen handelte. Es schien dort einzusetzen, wo das vorige geendet hatte, aber nur ein Drittel der Seiten war beschrieben.</p><p>Nachdem Lorkin den letzten Eintrag erreicht hatte, begann er zu lesen. Sofort begann seine Haut zu kribbeln. Die Eintragung war kurz und hastig hingekritzelt worden.</p><p><emphasis>Schreckliche Neuigkeiten. Der Lagerstein ist verschwunden. Lord Narvelan ist ebenfalls verschwunden, und viele halten ihn f�r den Dieb. Der Narr wei�, dass wir den Stein unbedingt f�r die Kontrolle der Sachakaner ben�tigen. Ich muss jetzt aufbrechen und mich der Suche nach ihm anschlie�en.</emphasis></p><p>Die leeren Seiten nach diesem Eintrag waren pl�tzlich voller Fragen und M�glichkeiten. Warum hatte der Magier seine Aufzeichnungen nicht fortgesetzt? War er gestorben? Hatte er diesen Lord Narvelan zur Rede gestellt und war infolge dieser Begegnung ums Leben gekommen?</p><p><emphasis>Und was hat es mit diesem �Lagerstein� auf sich, der offenbar so wichtig f�r die Kontrolle der Gilde �ber Sachaka war? Wurde er wiedergefunden? Wenn nicht, war das der Grund, warum die Gilde die Kontrolle �ber Sachaka aufgab?</emphasis></p><p>Und wenn der Stein nie wiedergefunden wurde�� was war mit ihm geschehen? Gab es einen magischen Gegenstand, dessen Macht so gro� war, dass man damit eine Nation�� ein gef�rchtetes <emphasis>Reich</emphasis> schwarzer Magier�� unterwerfen konnte? Lorkin setzte sich wieder auf den Hocker und begann den Eintrag zu kopieren.</p><p><emphasis>Ich habe recht. Es</emphasis> gibt <emphasis>eine Art alter Magie, die helfen k�nnte, Kyralia zu sch�tzen. Sie ist seit �ber siebenhundert Jahren verloren, und ich werde sie finden.</emphasis></p><empty-line/><p>Gol hatte bei seinen Nachforschungen gute Arbeit geleistet. Der Laden war auf den Kauf und Wiederverkauf der Besitzt�mer von Schuldnern und Verzweifelten spezialisiert. Au�erdem lag er in einem Stadtteil, in dem man Cery wahrscheinlich nicht erkennen w�rde. An einer Ecke lehnten papierene Fensterschirme aller Gr��en und Formen an der Wand. An St�ndern hingen M�ntel und Umh�nge, und darunter standen zu Paaren angeordnete Schuhe. Alle m�glichen Haushaltsgegenst�nde aus Ton, Glas, Metall und Stein sowie andere Dinge f�llten Regale hinter dem Stuhl und dem Tisch des Besitzers. Und in einem schweren, kunstvollen K�fig aus Schmiedeeisen lagen Tabletts mit Schmuck�� obwohl es sich bei den meisten St�cken allem Anschein nach um F�lschungen handelte oder Dinge, die einfach schlecht gemacht waren.</p><p>Auf weiteren Regalen standen B�cher aller Gr��en. Einige waren in Papier gebunden, und die F�den der Bindung lagen blo� und waren ausgefranst. Mehrere waren in Leder gebunden, und auch von denen waren die meisten abgenutzt und br�chig, aber einige gl�nzten noch immer, als seien sie neu.</p><p>�B�cher �ber <emphasis>Magie?�,</emphasis> fragte der Besitzer des Pfandgesch�fts. Seine Stimme schwoll an, und dann lachte er. �Ich bekomme von Zeit zu Zeit welche herein. Oh, dort werdet Ihr keine finden, junger Mann.�</p><p>Cery drehte sich um und stellte fest, dass der Mann ihn ansah. Sein L�cheln geriet f�r einen Moment ins Schwanken, als er seinen Fehler erkannte.</p><p>�Die Gilde nimmt sie Euch ab?�, fragte Cery.</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf. �Nein, die Wache kommt ab und zu vorbei, um nachzusehen, aber ich bin kein Narr, dass ich derartige Dinge zur Schau stellen w�rde. Au�erdem gehen die B�cher daf�r zu schnell weg.�</p><p>�Wie bringt Ihr sie denn in Euren Besitz�� wenn Ihr mir die Frage gestattet?�</p><p>Der Mann zuckte die Achseln. �Meistens bekomme ich sie von Novizen. Von denjenigen, die hier aus der Gegend stammen. Aus irgendeinem Grund k�nnen sie ihren Familien nicht direkt Geld schicken, daher stehlen sie B�cher und verkaufen sie mir, und ich leite das Geld dann weiter.�</p><p>�Gegen ein Honorar�, erg�nzte Cery.</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf. �Oh, ich mache genug Profit beim Verkauf der B�cher. Ich behandle meine Novizen gut, denn wenn ich es nicht t�te, g�be es jede Menge anderer Leute, an die sie sich wenden k�nnten.� Er runzelte die Stirn. �Nat�rlich versuchen einige von ihnen, mich dazu zu bewegen, das Geld stattdessen an Feuelverk�ufer weiterzuleiten. Das dulde ich nicht. Abscheuliche Leute, diese Feuelverk�ufer. Mit denen will ich nichts zu tun haben.�</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte Cery. �Woher wisst Ihr, ob ein Buch echt ist oder eine F�lschung?�</p><p>Der Mann straffte sich. �Viele Jahre Erfahrung. Und einige davon habe ich f�r die Gilde gearbeitet, als ich noch ein junger Mann war.�</p><p>�Wirklich? Ihr habt f�r die Gilde gearbeitet?� Cery beugte sich zu dem Mann vor. �Weshalb hat man Euch hinausgeworfen?�</p><p>Der Mann verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Habe ich etwa gesagt, dass ich hinausgeworfen wurde?�</p><p>Cery sah den Mann mit hartem Blick an. �Ihr habt eine solche Stellung <emphasis>aufgegeben?�</emphasis></p><p>Der Verk�ufer z�gerte, dann zuckte er die Achseln. �Es gefiel mir nicht, st�ndig gesagt zu bekommen, was ich tun soll. Wie meine verstorbene Frau sagte, es ist nichts f�r jeden. �Makkin der Aufk�ufer�. ist der Name, der am besten zu mir passt.�</p><p>�Kann ich verstehen�, erwiderte Cery. �Ich glaube, ich k�nnte mich auch nicht damit abfinden. Also� was denkt Ihr, wann Ihr vielleicht einige neue B�cher hereinbekommen werdet und welche Art von B�chern ich kaufen kann?�</p><p>Makkins Augen gl�nzten vor Freude. �In ein paar Tagen. Ich kann versuchen, Euch zu beschaffen, was Ihr wollt, aber es ist nicht immer m�glich�� oder aber es wird l�nger dauern. Der Preis h�ngt von der Schwierigkeit ab, und ich muss Euch warnen, manchmal interessiert sich einer meiner, �hm, einflussreicheren Kunden f�r mein Gesch�ft und kauft alles, was ich habe.� Der Mann rieb sich die H�nde. �Worauf seid Ihr denn besonders aus?�</p><p>�Auf etwas� Ungew�hnliches, Seltenes. Zu einem speziellen Thema. Nicht nur Novizenb�cher.�</p><p>Der Mann nickte. �Ich werde sehen, was ich tun kann. Kommt in einigen Tagen wieder her, und ich werde Euch sagen, was meine Jungs haben oder beschaffen k�nnen.� Er strahlte Cery an. �Immer sch�n, einen neuen Kunden zu haben.�</p><p>Cery nickte. �Immer.� Er neigte den Kopf leicht zur Seite. �Ich nehme nicht an, dass Ihr uns verraten k�nnt, wer Eure anderen Kunden sind? Nur damit ich wei�, mit wem ich es zu tun habe.�</p><p>Makkin sch�ttelte den Kopf. �Wenn ich das t�te, w�re ich nicht mehr lange im Gesch�ft.�</p><p>�Ja, da habt Ihr wahrscheinlich recht.� Cery wandte sich der T�r zu, dann drehte er sich noch einmal mit nachdenklicher Miene um. �Nur aus Neugier: Wie viel m�sste ein Mann Euch anbieten, damit es sich f�r Euch lohnen w�rde, das Risiko einzugehen?�</p><p>�Ich lebe zu gern, als dass ich auch nur dar�ber nachd�chte.�</p><p>Cery zog die Augenbrauen hoch. �Ihr m�sst <emphasis>sehr</emphasis> einflussreiche Kunden haben.�</p><p>Der Mann l�chelte. �Ich freue mich darauf, mit Euch Gesch�fte zu machen.�</p><p>Cery verkniff sich ein Lachen und wandte sich ab. Gol �ffnete ihm die T�r, und sie traten auf die Stra�e hinaus.</p><p>Die Sonne w�rde bald untergehen, und die Menschen, die noch drau�en waren, eilten rasch und entschlossen ihrer Wege, zweifellos weil sie begierig darauf waren, ihr Ziel zu erreichen. Als sie sich einige Schritte von dem Laden entfernt hatten, �berquerte Cery die Stra�e und trat in den Schatten der gegen�berliegenden Geb�ude. Dann blieb er stehen und blickte zur�ck.</p><p>�Was geht dir im Kopf herum?�, fragte Gol. �Du hast diesen Blick.�</p><p>�Ich denke, dass Makkin und sein Laden ein guter Platz f�r unsere Falle sein k�nnten.�</p><p>�Was? Willst du daf�r sorgen, dass ihm etwas Besonderes in die H�nde f�llt, und feststellen, wer kommt, um es zu kaufen?�</p><p>�Ja. Obwohl wir unserer Beute einen Grund liefern m�ssen, Magie zu benutzen, um es zu bekommen. Ich frage mich� er sagte, er bewahre diese B�cher an einem anderen Ort auf als die �brigen. Vielleicht in einem Tresor?�</p><p>�Ich werde es herausfinden. Wir werden daf�r sorgen m�ssen, dass Makkin es niemand anderem verkauft. Hoffentlich wird das den J�ger dazu bringen einzubrechen, um es sich zu holen.�</p><p>�Und Magie zu benutzen.� Cery nickte. �Wir werden einen sicheren Ort brauchen, von dem aus wir den Laden beobachten k�nnen. Und Sorge tragen, dass wir wegkommen, falls etwas schiefl�uft oder Makkin herausfindet, was vorgeht.�</p><p>Gol nickte. �Ich werde mich damit besch�ftigen.�</p><empty-line/><p>Es war bereits sp�t, als Dannyl endlich durch die T�r zu seinen R�umen im Gildehaus trat. Er hatte am Abend einen alten Ashaki besucht, der darauf bestanden hatte, Dannyl �ber die gesch�ftlichen Leistungen seiner s�mtlichen Vorfahren ins Bild zu setzen. Au�erdem hatte er mit �bertriebener H�me geschildert, wie seine Familie andere H�ndler durch gro�angelegten Betrug in den Ruin trieb.</p><p>Er schaute ins Nebenzimmer, das er wie fr�here Botschafter als B�ro benutzte, und als er etwas Neues auf dem Schreibtisch liegen sah, blieb er stehen und betrachtete es sich n�her. Ein Notizbuch lag dort. Er ging in den Raum und nahm es in die Hand. Als er die Seiten aufbl�tterte, erkannte er Lorkins Handschrift, und pl�tzlich fiel alle M�digkeit, die er w�hrend der letzten Stunden versp�rt hatte, von ihm ab.</p><p>Irgendwann hatte ein fr�herer Botschafter einen gew�hnlichen Stuhl mit R�ckenlehne f�r das B�ro gekauft oder anfertigen lassen. Dannyl setzte sich mit einem zufriedenen Seufzer darauf und begann zu lesen. Die ersten Passagen, die Lorkin kopiert hatte, stammten aus dem Dokument, das Dannyl bereits �berflogen hatte. Es waren nicht viele Eintr�ge, stellte er fest, und ein Stich der Sorge durchzuckte ihn, als ihm bewusst wurde, dass der junge Mann den Eintrag �ber das Haus in Imardin nicht kopiert hatte. Dannyl hatte ihn nicht erw�hnt, weil er neugierig darauf war zu sehen, ob Lorkin ebenfalls darauf sto�en w�rde.</p><p><emphasis>Aber es war kein augenf�lliger Hinweis. Lorkin wird zweifellos andere Dinge sehen. Obwohl er nicht alles aufnehmen wird, was ich aufgenommen h�tte, k�nnte er einige Dinge finden, die ich nicht finden w�rde.</emphasis></p><p>Die Idee, Lorkin an Dannyls Stelle auszuschicken, war eine brillante L�sung des Problems gewesen, dass er wichtige Sachakaner nicht zweimal hintereinander besuchen konnte, weil er f�rchten musste, ungeb�hrliche politische Bevorzugung an den Tag zu legen. Es w�rde nicht das Gleiche sein, als h�tte er die Nachforschungen pers�nlich angestellt, aber indem er Lorkin damit beauftragte, bekam er zumindest einiges an Material, das er untersuchen und bedenken konnte, bis es ihm freistand, den Ashaki selbst noch einmal aufzusuchen.</p><p>W�hrend er weiterlas, verebbte seine Aufregung langsam. Hier fand sich nur wenig, was von Nutzen war. Dann wurde Lorkins Handschrift pl�tzlich k�hner und eckiger, und ein Wort war wiederholt unterstrichen. Dannyl las den Eintrag und las ihn abermals, ebenso wie Lorkins �berlegungen dazu, und seine Stimmung hob sich wieder.</p><p><emphasis>Lorkin hat recht. Dieser �Lagerstein� ist offensichtlich wichtig. Obwohl er annimmt, dass es sich dabei um einen magischen Gegenstand handelt� Nun, es k�nnte aber auch etwas von�� politischem Wert sein�� ein Gegenstand, der darauf hinweist, dass der Besitzer wichtig ist, wie der Ring eines K�nigs oder der Schatz eines religi�sen F�hrers.</emphasis></p><p>Der Name �Narvelan� kam ihm bekannt vor, aber er konnte sich nicht daran erinnern, warum. Er rieb sich die Stirn und stellte fest, dass sein Kopf zu schmerzen begann und er Durst hatte. Die Mahlzeit war �berm��ig salzig gewesen, und als einziges Getr�nk hatte man ihm Wein angeboten. Als er durch die T�r in den Hauptraum schaute, sah er, dass ein Sklave an der gegen�berliegenden Wand stand.</p><p>�Hol mir etwas Wasser, ja?�, rief er.</p><p>Der junge Mann eilte davon. Dannyl wandte sich wieder Lorkins Notizen zu, las sie noch einmal durch und versuchte, sich daran zu erinnern, wo er den Namen �Narvelan� schon einmal geh�rt hatte. Als er den Sklaven zur�ckkehren h�rte, blickte er auf. Statt des jungen Mannes stand ein Junge da und hielt ihm einen Krug und ein Glas hin.</p><p>Dannyl z�gerte, dann nahm er beides entgegen, wobei er sich fragte, warum er jetzt von einem anderen Sklaven bedient wurde. Der Junge schaute zu Boden und mied seinen Blick. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, wer dar�ber entschied, welche Sklaven was taten. Wahrscheinlich der Sklavenmeister, der sich am ersten Tag vorgestellt hatte. Lord Maron hatte ihm erkl�rt, dass die Sklaven eigentlich dem K�nig geh�rten, aber eine �Leihgabe� an das Gildehaus seien. Dies hinderte die Gilde daran, in Sachaka das Gesetz gegen die Versklavung anderer durch Kyralier zu brechen�� eine Regel, die verhindern sollte, dass Kyralier Gefallen an der Idee fanden und versuchten, sie in ihrem Heimatland einzuf�hren.</p><p>Der Junge biss sich auf die Unterlippe, dann machte er einen Schritt auf Dannyl zu.</p><p>�W�nscht mein Meister heute Nacht Gesellschaft im Bett?�, fragte er.</p><p>Dannyl erstarrte innerlich, dann schlug eine Woge des Entsetzens �ber ihm zusammen.</p><p>�Nein�, sagte er schnell und entschieden. Dann f�gte er hinzu: �Du darfst jetzt gehen.�</p><p>Der Junge tat wie gehei�en und verriet weder durch seinen Gang noch durch seine Haltung Entt�uschung oder Erleichterung. Dannyl schauderte. <emphasis>Gerade als ich mich daran gew�hne, �berall Sklaven zu sehen�</emphasis> Aber vielleicht war es besser, kein allzu gro�es Wohlbehagen zu entwickeln. Vielleicht war es gut, daran erinnert zu werden, wie barbarisch das sachakanische Volk sein konnte.</p><p><emphasis>Aber warum ein Junge? Keine der Sklavinnen ist so keck gewesen.</emphasis> Es war wahrscheinlich, dass die Spione des sachakanischen K�nigs seine Vergangenheit durchleuchtet hatten und auf seine skandal�se, jedoch nicht gar so geheime Vorliebe f�r M�nner in seinem Bett gesto�en waren. <emphasis>Aber das bedeutet nicht, dass ich ein blo�es Kind mit ins Bett n�hme.</emphasis></p><p>Oder einen Sklaven, der in der Angelegenheit keine Wahl hat. Letzteres stie� ihn ab, aber Ersteres erf�llte ihn mit Abscheu.</p><p><emphasis>Hat Lorkin ein �hnliches Angebot erhalten?</emphasis> Die Frage erf�llte ihn f�r einen Moment mit Furcht, aber dann erinnerte er sich an den Gesichtsausdruck, den Lorkin stets zeigte, wenn ein Sklave sich vor dem jungen Mann niederwarf. <emphasis>Wenn er ein solches Angebot erhalten hat, denke ich nicht, dass er es angenommen hat. Trotzdem, ich muss ein Auge auf ihn halten.</emphasis></p><p>Aber nicht heute Nacht. Es war sp�t, und Lorkin schlief wahrscheinlich schon l�ngst. Dannyl sollte sich ebenfalls zur�ckziehen. Morgen Abend w�rde er einen anderen Ashaki besuchen und ihm zuh�ren m�ssen und am Abend darauf ebenfalls, und auch die Liste mit Belangen von Handel und Diplomatie, die es tags�ber abzuarbeiten galt, begann zu wachsen.</p><p>Doch als er endlich im Bett lag, tr�umte er, er habe einen Streit mit Tayend, der sich irgendwie in einen sachakanischen Ashaki verwandelt hatte; in dem Streit ging es um die umwerfend gut aussehenden m�nnlichen Sklaven in seinem Besitz. <emphasis>Tu, was die Einheimischen tun,</emphasis> erkl�rte ihm Tayend. <emphasis>Wir w�rden das Gleiche von ihnen erwarten, wenn sie nach Kyralia k�men. Und denk daran, ich bin nicht der erste Gildemagier, der Sklaven besitzt. Denk daran, morgen fr�h.</emphasis></p></section><section><title><p>13</p><p>Die Falle</p></title><p>Als die Kutsche vor der T�r von Regins Haus stehen blieb, beschlich Sonea ein Gef�hl des Widerstrebens. Sie blieb sitzen, w�hrend Erinnerungen daran in ihr aufstiegen, ersch�pft und hilflos zu sein, sp�tnachts in den Tiefen der Universit�t gepeinigt von einem jungen Novizen und seinen Freunden.</p><p>Dann erinnerte sie sich daran, dass derselbe Novize vor einem sachakanischen Ichani zur�ckgewichen war, nachdem er sich freiwillig erboten hatte, als K�der zu dienen, der leicht auch h�tte verschluckt werden k�nnen. Und sie erinnerte sich an seine Worte: <emphasis>��falls ich all das �berleben sollte, werde ich versuchen, es wiedergutzumachen.�</emphasis></p><p>Hatte er das getan? Sie sch�ttelte den Kopf. Nach dem Krieg hatten viele von Imardins gro�en H�usern darauf gebrannt, Familienmitglieder zu ersetzen, die in der Schlacht gestorben waren, wohl wissend, dass mit der Zahl der Magier eines jeden Hauses auch das Prestige wuchs. Regin hatte kurz nach dem Abschluss geheiratet, und den Ger�chten zufolge, die in der Gilde die Runde machten, mochte er die Ehefrau, die seine Familie f�r ihn ausgew�hlt hatte, nicht besonders.</p><p>Seit jenen fr�hen Tagen an der Universit�t hatte er Sonea nichts Unerfreuliches mehr angetan. Gewiss hatte es keine der sch�bigen Streiche des Novizen mehr gegeben, aber er hatte auch als Erwachsener keine Schritte gegen sie unternommen. Warum also widerstrebte es ihr derart, ihm in seinem eigenen Haus gegen�berzutreten? War sie immer noch auf der Hut vor ihm? Oder machte sie sich Sorgen, dass sie aus alter Abneigung und Misstrauen gegen ihn unh�flich sein w�rde? Es war kindisch, ihm Dinge zu ver�beln, die er ihr angetan hatte, als er jung und t�richt gewesen war. Rothen hatte recht damit, dass Regin zu einem vern�nftigen Mann herangereift war.</p><p><emphasis>Aber alte Gewohnheiten wird man ebenso schwer los wie alte Flecken,</emphasis> dachte sie.</p><p>Schlie�lich zwang sie sich, sich zu erheben, und stieg aus der Kutsche. Wie immer hielt sie kurz inne, um ihre Umgebung in sich aufzunehmen. Da Kallen jedes Mal einen Grund zu h�ren verlangte, wenn sie das Gel�nde der Gilde verlie�, hatte sie nicht h�ufig Gelegenheit, die Stra�en der Stadt zu sehen.</p><p>Nat�rlich lag diese Stra�e im Inneren Ring, da Regins Familie und Haus alt und m�chtig waren und nur die Wohlhabendsten und Einflussreichsten es sich leisten konnten, so nah beim Palast zu leben. Die Stra�e sah ziemlich genauso aus, wie es die Stra�en im Inneren Ring immer getan hatten, mit gro�en zwei- und dreigeschossigen Geb�uden, von denen viele unterschwellige Anzeichen von Reparaturen zeigten oder g�nzlich neu gefertigte Fassaden, Arbeiten, die bald nach der Ichani-Invasion vollendet worden waren.</p><p>Sonea richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Menschen auf der Stra�e. Einige M�nner und Frauen schlenderten vorbei, und ihre Kleidung verriet ihren hohen Rang. Auch einen Magier entdeckte sie. Die �brigen waren Dienstboten. Aber dann bemerkte sie eine Gruppe von vier M�nnern, die ein Geb�ude am Ende der Stra�e verlie�en und in eine Kutsche stiegen. Obwohl sie den Prunkstaat reicher Menschen trugen, hatten ihre Haltung und ihre Bewegungen etwas an sich, das Sonea an die selbstbewusste Brutalit�t von Stra�enbanden erinnerte.</p><p><emphasis>M�glich, dass ich es mir nur einbilde,</emphasis> sagte sie sich. <emphasis>Ich k�nnte die Verbindung herstellen, nur weil ich Regin in letzter Zeit so oft �ber kriminelle Verbindungen in den H�usern habe sprechen h�ren.</emphasis></p><p>Sie wandte sich ab, ging auf die T�r von Regins Haus zu und klopfte an. Einen Moment sp�ter wurde die T�r ge�ffnet, und ein schlanker, s�uerlich dreinblickender Diener begr��te sie mit einer tiefen Verbeugung.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte er mit unerwartet tiefer Stimme. �Lord Regin erwartet Euch. Ich werde Euch zu ihm geleiten.�</p><p>�Danke�, erwiderte sie.</p><p>Er f�hrte sie durch eine gro�e Halle und eine gewundene Treppe hinauf. Nachdem sie eine weitere Halle durchquert hatten, gelangten sie in einen gro�en Raum voller dick gepolsterter Sessel. Durch hohe Fenster an einer Seite fiel Sonnenlicht. Der Stoff, der die Sessel bedeckte, sowie die W�nde und die Papierschirme waren in leuchtenden Farben gehalten.</p><p>Zwei Personen erhoben sich von ihren Pl�tzen�� Regin und eine Frau, die Sonea f�r seine Ehefrau hielt. Die Frau trat mit ausgestreckten Armen auf Sonea zu, als wolle sie ihre Besucherin an sich ziehen, aber im letzten Moment verschr�nkte sie die H�nde.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea!�, rief sie aus. �Es ist eine solche Ehre, Euch in unserem Haus zu haben.�</p><p>�Das ist Wynina, meine Gemahlin�, erkl�rte Regin.</p><p>�Es ist mir eine Freude, Euch kennenzulernen�, sagte Sonea zu Wynina.</p><p>Die Frau strahlte. �Ich habe so viel von Euch geh�rt. Es kommt nicht oft vor, dass wir eine historische Gestalt in unserem Heim begr��en d�rfen.�</p><p>Sonea versuchte, sich auf eine Antwort zu besinnen, brachte aber keine zustande. Die Frau err�tete und schlug die Hand vor den Mund. �Nun�, sagte sie und blickte zwischen Regin und Sonea hin und her. �Ihr zwei habt ernste Dinge zu besprechen. Ich werde Euch allein lassen.�</p><p>Sie ging auf die T�r zu, drehte sich noch einmal um, um Sonea zuzul�cheln, und verschwand dann im Flur dahinter.</p><p>Regin lachte leise. �Sie ist ziemlich eingesch�chtert von Euch�, sagte er mit leiser Stimme und deutete einladend auf die Sessel.</p><p>�Wirklich?�, erwiderte Sonea, w�hrend sie zu einem der Sessel hin�berging und Platz nahm. �Diesen Eindruck machte sie gar nicht auf mich.�</p><p>�Oh, sie ist normalerweise viel redseliger.� Er l�chelte d�nn. �Aber ich nehme an, Ihr seid wegen wichtigerer Dinge hergekommen?�</p><p>�Ja.� Sonea hielt inne, um Luft zu holen. �Ich habe in den Hospit�lern Heiler und Helfer befragt, und das Ergebnis dieser Gespr�che f�hrt mich dazu, Euch recht zu geben: Es w�re sch�dlich, die Regel gegen eine Verbindung mit Kriminellen au�er Kraft zu setzen.�</p><p>Sie hatte beschlossen, nichts von ihrem Verdacht zu erw�hnen, dass Feuel m�glicherweise im K�rper eines Magiers dauerhafte Spuren hinterlassen k�nnte. Als sie ihren Verdacht Lady Vinara gegen�ber erw�hnt hatte, hatte die Frau h�fliche Ungl�ubigkeit zum Ausdruck gebracht. Es w�rde erheblich mehr dazugeh�ren als die Behauptungen eines einzelnen Steinmetzen, um Magier davon zu �berzeugen, dass sie die Wirkung der Droge nicht einfach �heilen� konnten. Bis sie Zeit gefunden hatte, ihre Theorie zu �berpr�fen, w�rde sie die Idee f�r sich behalten. Und selbst wenn sie es beweisen konnte, gab es manch einen in der Gilde, der die Schuld an dem Problem bei den unteren Klassen suchen w�rde, und das w�rde die Situation nur verschlimmern, in die die Regel die �ProIiis� gebracht hatte.</p><p>Er richtete sich auf und zog die Augenbrauen leicht hoch. �Ich verstehe.�</p><p>�Aber ich glaube immer noch, dass die Regel ungerecht gegen�ber Novizen und Magiern aus den unteren Klassen ist und dass wir etwas tun m�ssen, um dieses Problem zu l�sen, oder wir werden talentierte und m�chtige Novizen verlieren oder sie sogar zur Rebellion verleiten.�</p><p>Regin nickte. �Ich gebe Euch in diesem Punkt inzwischen recht. Und aus g�nzlich anderen Gr�nden habe ich das Gef�hl, dass wir einen Punkt gew�hrleisten m�ssen: Die Magier, die damit beauftragt sind, daf�r zu sorgen, dass die Regel befolgt wird, und jene zu bestrafen, die dagegen versto�en, m�ssen dies gerecht und ohne Beg�nstigung tun.�</p><p>Lange Sekunden musterten sie einander, dann l�chelte Sonea. �Nun, das war einfacher, als ich gedacht hatte.�</p><p>Er lachte leise. �Ja. Jetzt kommen wir zu dem schwierigen Teil. Wie sollte die Regel ver�ndert werden, und wie �berzeugen wir die H�heren Magier�� oder den Rest der Gilde��, so abzustimmen, wie wir es wollen?�</p><p>�Hm.� Sonea runzelte die Stirn. �Es w�re vielleicht einfacher, unser Vorgehen zu planen, wenn wir w�ssten, wer abstimmen wird.�</p><p>Regin legte die Fingerspitzen aneinander. �Die Wahrscheinlichkeit, dass Osen in unserem Sinne entscheidet, wird gr��er sein, wenn wir beide das Gleiche vorschlagen. Wir m�ssen getrennt zu ihm gehen und ihn �ber unsere W�nsche in Kenntnis setzen. Oder Ihr m�sst Lord Pendel dazu �berreden, es zu tun, da er der Anf�hrer jener ist, die die Abschaffung der Regel erstreben.�</p><p>Sonea nickte. �Ich denke, er wird auf mich h�ren. Aber ich werde ihm gute Gr�nde nennen m�ssen, warum er das eine oder das andere vorschlagen sollte.�</p><p>�Dann m�ssen wir die Vor- und Nachteile beider M�glichkeiten ausloten.�</p><p>�Angesichts der Entscheidung zwischen einer Abschaffung der Regel, ihrer Beibehaltung oder ihrer Ver�nderung vermute ich, dass die meisten H�heren Magier daf�r stimmen w�rden, die Dinge so zu belassen, wie sie sind.�</p><p>�Wahrscheinlich habt Ihr recht. Wenn wir die ganze Gilde abstimmen lassen, ist der Ausgang vielleicht weniger berechenbar, wird aber h�chstwahrscheinlich zu der Suche nach einem Kompromiss f�hren�� und das wird die Ver�nderung der Regel sein. Der eigentliche Kern der Debatte wird die Frage sein, wie die Regel ver�ndert werden soll.�</p><p>�Ja.� Sonea l�chelte schief. �Was uns zu der schwierigsten Frage zur�ckf�hrt: Wie wollen wir die Regel ver�ndern?�</p><p>Regin nickte. �Nun, ich habe einige Ideen. Soll ich anfangen?� Sie nickte. �Nur zu.�</p><p>W�hrend er begann die Ver�nderungen zu erkl�ren, die ihm vorschwebten, konnte Sonea nicht umhin, eine widerstrebende Bewunderung f�r die Umsicht zu empfinden, mit der er an das Problem herangegangen war. Es war offenkundig, dass er nicht erst w�hrend der wenigen Wochen dar�ber nachgedacht hatte, seit das Thema in der Gilde diskutiert wurde. Doch im Gegensatz zu einigen der Frauen und M�nner, die sie befragt hatte, waren die L�sungen, die er vorschlug, praktisch und unvoreingenommen. Wo <emphasis>ist der arrogante, mit Vorurteilen behaftete Snob, den ich als Novizen gekannt habe? Versteht er sich heute lediglich besser darauf, diese Dinge zu verbergen?</emphasis></p><p>Oder hatte er sich wirklich ver�ndert? Selbst wenn dem so war, w�rde es mehr brauchen als einige kluge L�sungen f�r ein Klassenproblem innerhalb der Gilde, um sie davon zu �berzeugen, dass sie ihm trauen konnte. Ganz gleich, was er sagte, sie w�rde immer darauf warten, dass die grausame Seite, von der sie wusste, dass Regin sie besa�, wieder an die Oberfl�che trat.</p><empty-line/><p>Nachdem Dannyl f�r den Abend ausgegangen war und die Sklaven das Essen serviert hatten, war Lorkin in seine R�ume zur�ckgekehrt. Noch gab es nicht viel f�r ihn zu tun. Abgesehen von dem einen Besuch in Ashaki Itokis Haus hatte er das Gildehaus nicht verlassen. Dannyl konnte von der Arbeit, die er tags�ber erledigte, nur einen kleinen Teil Lorkin �berlassen, so dass dieser die Abende damit verbrachte, zu lesen oder die Sklaven zu befragen.</p><p>Letzteres erwies sich als schwieriger, als er erwartet hatte. Obwohl die Sklaven seine Fragen immer beantworteten, boten sie ihm nie mehr als die grundlegendsten Tatsachen an. Wenn er sie fragte, ob es noch irgendetwas sonst gebe, das er wissen m�sse, wirkten sie verwirrt und �ngstlich.</p><p><emphasis>Aber es ist wahrscheinlich unm�glich f�r sie zu ahnen, was ich wissen muss,</emphasis> dachte er. <emphasis>Und es widerstrebt ihnen, einfach nur zu raten f�r den Fall, dass sie etwas falsch machen und mich ver�rgern. Initiative ist wahrscheinlich eine Eigenschaft, zu der man einen Sklaven nicht gerade ermutigt.</emphasis></p><p>Er hatte das Gef�hl, dass das dunkel�ugige M�dchen, das ihn an ihrem ersten Tag in sein Zimmer gef�hrt hatte�� Tyvara��, vielleicht offener w�re, obwohl er sich nicht sicher war, warum er so dachte. Seit jenem ersten Abend hatte sie ihn jedoch nicht wieder bedient. Heute Abend hatte er nichts Wichtiges zu tun, daher bat er die Sklavin, die ihn bediente, sie zu ihm zu bringen.</p><p><emphasis>Sie denken wahrscheinlich alle, dass ich sie in mein Bett nehmen will,</emphasis> �berlegte er und dachte an ihr Missverst�ndnis an jenem ersten Abend. <emphasis>Tyvara wird wahrscheinlich das Gleiche vermuten. Ich werde ihr versichern m�ssen, dass dies nicht meine Absicht ist. Gibt es irgendeine M�glichkeit, wie ich sie dazu ermutigen kann, frei zu sprechen?</emphasis></p><p>Er schaute sich um, und sein Blick blieb an dem Schrank haften, in dem Wein und Gl�ser f�r seine eigene Benutzung oder f�r eventuelle G�ste bereitstanden. Bevor er den Raum durchqueren konnte, um sie zu holen, sah er eine Bewegung an der T�r. Tyvara kam herein und blieb einige Schritte entfernt stehen, um sich zu Boden zu werfen.</p><p>�Steh auf, Tyvara�, sagte er. Sie erhob sich, hielt den Blick jedoch weiterhin zu Boden gerichtet. Ihr Gesicht war ausdruckslos, und er war sich nicht sicher, ob er sich nur einbildete, dass sie ein wenig angespannt wirkte. �Hol mir zwei Gl�ser und etwas Wein�, befahl er.</p><p>Sie gehorchte; ihre Bewegungen waren schnell, aber anmutig. Er setzte sich auf einen der Hocker in der Mitte des Raums und wartete auf sie. Sie stellte die Gl�ser und eine Flasche auf den Boden, dann kniete sie daneben nieder.</p><p>��ffne die Flasche�, wies er sie an. �Und f�ll beide Gl�ser. Eins ist f�r dich.�</p><p>Sie hatte die H�nde nach der Flasche ausgestreckt, aber dann z�gerte sie. Einen Moment sp�ter tat sie wie gehei�en. Als beide Gl�ser gef�llt waren, reichte sie ihm eins davon. Er nahm es entgegen und deutete auf das andere.</p><p>�Trink. Ich habe einige Fragen an dich. Nur Fragen�, f�gte er hinzu. �Hoffentlich nichts, was dich irgendwie gef�hrden wird. Wenn ich etwas frage, f�r dessen Antwort du Schwierigkeiten bekommen wirst, sag mir das einfach.�</p><p>Sie betrachtete das Glas, dann ergriff sie es mit offenkundigem Widerstreben. Er nippte an dem Wein. Sie folgte seinem Beispiel, und die Muskeln um ihren Mund verzogen sich zu einer schwachen Grimasse.</p><p>�Der Wein schmeckt dir nicht?�, fragte er. Sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Oh.� Er sah sich um. �Dann trink ihn nicht. Stell ihn beiseite.�</p><p>Die Art, wie sie das Glas so weit entfernt von sich wegstellte wie m�glich, verriet deutliche Abneigung. Er nahm noch einen Schluck von seinem eigenen Glas und �berlegte, was er als N�chstes fragen sollte.</p><p>�Sollte� sollte ich mich den Sklaven hier gegen�ber auf eine Art benehmen, die ich bisher vermissen lasse� oder falsch anwende?�</p><p>Sie sch�ttelte schnell den Kopf. Zu schnell. Er �berdachte die Frage.</p><p>�K�nnte ich mein Verhalten gegen�ber den Sklaven hier irgendwie verbessern? Die Dinge einfacher machen?�</p><p>Wieder sch�ttelte sie den Kopf, aber nicht so schnell wie zuvor.</p><p>�Mache ich mich total zum Narren, wenn ich mit Sklaven zu tun habe?�</p><p>Der denkbar winzigste Anflug eines L�chelns umspielte ihre Lippen, dann sch�ttelte sie ein drittes Mal den Kopf.</p><p>�Du hast gerade gez�gert�, bemerkte er und beugte sich vor. �Da ist doch etwas, nicht wahr? Ich mache mich nicht zum Narren, aber stattdessen tue ich etwas Unn�tiges oder Dummes, richtig?�</p><p>Sie z�gerte, dann zuckte sie die Achseln.</p><p>�Was ist es?�</p><p>�Ihr braucht uns nicht zu danken�, sagte sie.</p><p>Ihre melodische, heisere Stimme war eine Offenbarung nach all den schweigenden Gesten. Ein Schauder �berlief ihn. <emphasis>Wenn sie keine Sklavin w�re, denke ich, w�rde ich sie ungeheuer faszinierend finden. Und wenn sie nicht dieses abscheuliche Wickelkleid tr�ge, f�nde ich sie wahrscheinlich auch ziemlich attraktiv.</emphasis></p><p>Aber er hatte sie nicht hergerufen, um sie zu verf�hren.</p><p>�Ah�, erwiderte er. �Das ist eine Angewohnheit�� etwas, das in Kyralia als gutes Benehmen gilt. Aber wenn es die Dinge leichter macht, werde ich versuchen, es nicht zu tun.�</p><p>Sie nickte.</p><p><emphasis>Was jetzt?</emphasis> �Abgesehen davon, dass ich Sklaven unn�tig danke, gibt es irgendetwas, das ich oder Dannyl den Sklaven gegen�ber getan haben und das uns in den Augen von freien Sachakanern wie Narren erscheinen lassen w�rde?�</p><p>Sie runzelte die Stirn, und ihr Mund �ffnete sich, aber dann schien sie zu erstarren. Er sah, wie sie den Blick �ber den Boden gleiten lie� und kurz bei seinen F��en verweilte. <emphasis>Sie hat Angst, wie ich auf ihre Antwort reagieren werde.</emphasis></p><p>�Die Wahrheit wird mich nicht ver�rgern, Tyvara�, sagte er sanft. �Stattdessen k�nnte sie eine gro�e Hilfe f�r uns sein.�</p><p>Sie schluckte, dann senkte sie den Kopf noch weiter.</p><p>�Ihr werdet Ansehen verlieren, wenn Ihr keine Sklavin ins Bett nehmt.�</p><p>Ein Gef�hl des Schocks durchzuckte ihn, gefolgt von Erheiterung. Fragen schossen ihm durch den Kopf. K�mmerte es ihn oder Dannyl, wenn sie aus solch einem Grund Ansehen verloren? Sollte es sie k�mmern? Wie sch�dlich war ihre Unt�tigkeit? Hatten fr�here Gildebotschafter und ihre Assistenten die Sklaven hier in ihr Bett geholt?</p><p>Aber, wichtiger noch, woher erfuhren die anderen Sachakaner, ob der neue Gildebotschafter und sein Gehilfe mit ihren Sklaven das Bett teilten oder nicht?</p><p><emphasis>Gewiss wird eine solche Information nicht geheim gehalten. Schlie�lich sind die Sklaven hier Besitz des sachakanischen K�nigs. Es w�re t�richt zu denken, dass unsere Leistungen im Schlafzimmer nicht er�rtert und bewertet werden w�rden.</emphasis></p><p>Und dann l�chelte er bei dem Gedanken an all die m�chtigen sachakanischen Ashaki, die wie alte Weiber klatschten.</p><p>Er sollte herausfinden, wie die Konsequenzen aussahen, solange Tyvara mit ihm redete.</p><p>�Wie viel an Ansehen werden wir verlieren?�, erkundigte er sich.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Das kann ich nicht sagen. Ich wei� nur, dass sie Euch weniger respektieren werden.�</p><p><emphasis>Bedeutet das, dass keiner der fr�heren Bewohner des Gildehauses dies herausgefunden hat, weil keiner von ihnen die Gelegenheit ausgeschlagen hat?</emphasis> Er sah Tyvara an. <emphasis>Wenn sie mich doch nur anschauen w�rde. Und zwar ohne Z�gern oder Unterw�rfigkeit. Wenn ich sie hoch aufgerichtet mit Selbstvertrauen und ohne Furcht dastehen s�he oder diese dunklen Augen echtes, williges Verlangen ausdr�ckten, w�rde ich sie ohne zu z�gern in mein Bett nehmen. Aber dies� ich k�nnte es nicht tun. Nicht einmal, um Dannyl zu helfen, in den Augen der Ashaki Respekt zu erringen.</emphasis></p><p>Und es war auch unwahrscheinlich, dass Dannyl irgendwelche weiblichen Sklaven in sein Bett holte.</p><p>�Mir ist mein Ansehen gleich�, erkl�rte er Tyvara. �Ein Mann sollte nach seinem Anstand beurteilt werden, nicht nach der Zahl der Frauen, die er in sein Bett nimmt�� Sklavinnen oder Freie, Willige oder Unwillige.�</p><p>Sie sah ihn f�r einen winzigen Moment an, einen brennenden Blick in den Augen, aber dann senkte sie den Kopf hastig wieder. Er sah ihre Z�hne aufblitzen, als sie sich auf die Unterlippe biss, dann verzog sie das Gesicht.</p><p>�Was ist los?�, fragte er. <emphasis>Sie hat Angst. Wie wirkt das auf sie? Nat�rlich! Sie wird bestraft, wenn man denkt, sie habe mir kein Vergn�gen bereitet.</emphasis> �Was werden sie mit dir machen?�</p><p>�Sie werden� sie werden jemand anderen schicken. Und noch jemanden.� <emphasis>Und sie werden alle bestraft werden,</emphasis> schienen ihre Worte anzudeuten.</p><p>Er unterdr�ckte einen Fluch. �Wenn sie das tun, werde ich nach dir fragen. Nat�rlich nur, wenn du es willst�, f�gte er hinzu. �Wir werden reden. Einander von uns selbst und von unseren L�ndern erz�hlen oder irgendetwas. Ich sehe nicht, wie ich sonst etwas �ber Sachaka erfahren soll, eingesperrt im Gildehaus�� und ich w�rde wirklich gern mehr �ber dein Volk erfahren. Und �ber dich selbst. Wie klingt das? Wird es funktionieren?�</p><p>Sie z�gerte kurz, dann nickte sie. Erleichtert holte er tief Luft und stie� den Atem wieder aus. �Also, dann erz�hl mir etwas �ber dich. Wo wurdest du geboren?�</p><p>Noch w�hrend sie die Zuchtstation beschrieb, in der sie aufgewachsen war, sp�rte er, wie das Grauen ihrer Geschichte von etwas Unerkl�rlichem gelindert wurde. Sie redete mit ihm. Endlich erfuhr er von einem Sachakaner �ber Befehle und Antworten hinaus etwas N�heres. W�hrend er ihr zuh�rte, stellte er fest, dass sie pl�tzlich viel menschlicher wirkte�� etwas, das er sp�ter vielleicht bereuen w�rde. Aber f�r den Augenblick entspannte er sich, lauschte der sch�nen, hypnotischen Stimme dieser Sklavin und kostete jedes Wort aus.</p><empty-line/><p>Das Dach des Pfandhauses war �berraschend solide gebaut. Cery und Gol waren vor einigen Stunden hinaufgeklettert, als die volle Dunkelheit der Nacht sich herabgesenkt hatte. Sie hatten die Ziegel abgenommen, die zu lockern sie fr�her am Tag ein Stra�enkind ausgeschickt hatten, und blickten jetzt durch Ritzen in den Raum hinab, in dem Makkin der Aufk�ufer seinen Tresor stehen hatte.</p><p>In dem Tresor befanden sich Makkins wertvollste B�cher, darunter ein Band �ber heilende Magie. Nachdem Cery den Laden besucht, sich das Buch angesehen und sichergestellt hatte, dass Makkin es nicht verkaufte, bevor er mit dem Geld daf�r zur�ckkehren konnte, hatte er einige von ihm kontrollierte Bolh�user aufgesucht, um mit dem besonderen Buch zu prahlen, das er zu kaufen plane, sobald jemand seine Schuld bei ihm beglich�� was wahrscheinlich morgen geschehen w�rde.</p><p><emphasis>Es k�nnte eine lange Nacht werden,</emphasis> dachte Cery, w�hrend er vorsichtig die Steifheit aus seinem Bein sch�ttelte. <emphasis>Aber wenn alles plangem�� verl�uft, werden wir nur eine Nacht hier drau�en in der K�lte ausharren m�ssen. Wir m�ssen einfach hoffen, dass der J�ger tats�chlich ein Magier ist� und den Hunger nach Wissen hat, den wir bei ihm vermuten� und dass ihm meine Prahlerei heute zu Ohren gekommen ist� und dass er heute Nacht nichts Wichtigeres zu tun hat.</emphasis></p><p>Cery musste zugeben, dass er einzig aufgrund von Ger�chten und Vermutungen handelte. Er k�nnte sich in etlichen Dingen durchaus irren. <emphasis>Aber es ist keine so verr�ckte Idee, dass es sich nicht lohnte, den Versuch zu machen.</emphasis></p><p>Er verlagerte sein Gewicht und streckte das andere Bein aus. In Zeiten wie dieser war ihm nur allzu bewusst, dass er �lter wurde. Er konnte nicht mehr mithilfe weniger Steinl�cken im Mauerwerk oder einem Seil an Geb�uden hinaufklettern oder gar furchtlos �ber die L�cken zwischen den D�chern springen. Seine Muskeln wurden in der kalten Luft schnell steif, und es dauerte l�nger, bis er sich davon erholte.</p><p><emphasis>Und ich habe keine sch�ne Sachakanerin bei mir, die mich mit ihrer Magie auff�ngt, sollte das Dach einst�rzen.</emphasis></p><p>Erinnerungen blitzten in ihm auf. <emphasis>Savara.</emphasis> R�tselhaft. Verf�hrerisch. Gef�hrlich. Eine begabte K�mpferin. Die �bungsk�mpfe, die er mit ihr ausgefochten hatte, waren aufregend gewesen und eine Herausforderung, und er hatte mehr als nur eine Handvoll neuer Tricks gelernt. Sie hatte zu viel �ber das Abkommen gewusst, das er mit dem Hohen Lord Akkarin getroffen hatte, um die sachakanischen Sklaven zu t�ten, die die Ichani nach Imardin geschickt hatten, damit sie die Schw�chen der Gilde erprobten. Aber er hatte auch gesp�rt, dass er sie nicht leicht w�rde loswerden k�nnen. Dass es besser war, ihr etwas zu tun zu geben, indem er sie denken lie�, sie helfe ihm, ohne ihr zu erlauben, der Wahrheit zu nahe zu kommen.</p><p><emphasis>Das hatte sie ziemlich schnell begriffen.</emphasis> Und dann war da jene Nacht gewesen, in der sie beobachtet hatten, wie Sonea und Akkarin gegen eine Ichani gek�mpft und sie get�tet hatten. W�hrend des Kampfes war das Dach unter ihnen eingest�rzt, aber Savara hatte seinen Sturz mit Magie gebremst. Und dann waren die Dinge erheblich pers�nlicher geworden�</p><p>Nach der Ichani-Invasion war sie fortgegangen, war zu den Leuten zur�ckgekehrt, f�r die sie arbeitete. Er hatte sie nie wiedergesehen, obwohl er sich oft gefragt hatte, wo sie war und ob sie lebte und in Sicherheit war. H�chstwahrscheinlich hatte sie sich wieder und wieder um ihres Volkes willen in gef�hrliche Situationen begeben, so dass es durchaus m�glich war, dass eine davon zu ihrem Tod gef�hrt hatte.</p><p><emphasis>Ich war nie verliebt in sie,</emphasis> rief er sich ins Ged�chtnis. <emphasis>Ebenso wenig war sie in mich verliebt. Ich habe sie bewundert, sowohl ihren K�rper als auch ihren Verstand. Sie hatte in mir einen n�tzlichen und unterhaltsamen Verb�ndeten und eine Ablenkung gefunden. Wenn sie geblieben w�re, w�ren wir nicht�</emphasis></p><p>Ein Ger�usch unter ihm holte ihn in die Gegenwart zur�ck. Cery sp�hte wieder durch den Ritz zwischen den Dachziegeln und sah zwei Personen die Treppe in den kleinen Raum unter ihm hinaufgehen. Eine erkannte er sofort: Es war Makkin, und er trug eine Lampe. Die andere Person war eine dunkelh�utige Frau.</p><p>�Ist es das?�, fragte sie. Ihre Stimme hatte einen seltsamen Akzent und die Heiserkeit des Alters, aber sie bewegte sich mit der Vitalit�t einer j�ngeren Frau. <emphasis>Der J�ger der Diebe ist eine Frau,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Das ist� interessant. Wie es aussieht, bin ich dazu verurteilt, entweder der Verb�ndete oder die Zielscheibe sehr m�chtiger und gef�hrlicher Frauen zu werden.</emphasis></p><p>�Ja�, antwortete Makkin. �Das ist es. Sie sind dort drin. Aber���</p><p>��ffne es!�, befahl die Frau.</p><p>�Ich kann nicht! Sie haben den Schl�ssel mitgenommen. Sie meinten, auf diese Weise k�nne ich es niemand anderem verkaufen, bevor sie mit dem Geld zur�ckkommen w�rden.�</p><p>�Was? Du l�gst!�</p><p>�Nein! Neinneinneinneinnein!� Der Besitzer des Pfandhauses warf die Arme hoch und wich vor ihr zur�ck. Sein Verhalten war ein wenig extrem f�r jemanden, der einen Kopf gr��er war als die Frau, die drohend auf ihn zukam. <emphasis>Als w�sste er, dass sie gef�hrlicher ist, als sie zu sein scheint.</emphasis></p><p>Die Frau wedelte mit den Armen. �Geh!�, befahl sie. �Lass die Lampe hier, verlass diesen Laden und komm nicht vor morgen zur�ck.�</p><p>�Ja! Danke! Es tut mir leid, dass ich Euch nicht���</p><p>�HINAUS!�</p><p>Er rannte die Treppe hinunter, als sei ihm eine wilde Bestie auf den Fersen. Die Frau wartete, w�hrend sie auf Makkins Schritte lauschte. Das Ger�usch der Ladent�r, die zugeschlagen wurde, hallte zu Cery hinauf.</p><p>Die Frau wandte sich um, um den Tresor zu betrachten, dann straffte sie die Schultern. Sie n�herte sich ihm langsam, ging davor in die Hocke und wurde vollkommen reglos. Cery konnte ihr Gesicht nicht erkennen, aber er sah, wie ihre Schultern sich hoben und senkten, w�hrend sie tief atmete.</p><p>Einen Moment sp�ter sprang das Schloss mit einem Klicken auf.</p><p>Gol keuchte leise. Cery l�chelte grimmig. <emphasis>Schl�sser �ffnen sich nicht einfach von selbst. Sie muss Magie benutzt haben. Ich habe den Beweis, dass wir eine wilde Magierin in der Stadt haben.</emphasis> Das war jedoch nicht der Beweis, dass sie die J�gerin war; was, wenn es sich so verhielt? Bei dem Gedanken �berlief ihn ein Schauer. War die Frau dort unten wirklich der M�rder, der so viele Diebe get�tet hatte?</p><p>Sie betrachtete jetzt die B�cher im Tresor. Er erkannte den Band �ber Magie. Seine Entdeckung hatte Cery und Gol die M�he, die Zeit und die Kosten f�r die Anfertigung einer F�lschung erspart und au�erdem das Risiko, dass Makkin es bemerkt h�tte, aber das Buch war nicht ann�hernd so bemerkenswert, wie er in den Bolh�usern prahlerisch behauptet hatte. Die Frau �ffnete es, bl�tterte die Seiten durch, murmelte dann etwas und warf es beiseite. Danach griff sie nach einem anderen Buch und untersuchte auch dieses gr�ndlich. Als sie sich s�mtliche B�cher angesehen hatte, stand sie langsam auf. Sie ballte die F�uste und sprach ein fremdartiges Wort.</p><p><emphasis>Was hat sie gesagt?</emphasis> Er runzelte die Stirn. <emphasis>Einen Moment mal. Das war eine andere Sprache. Sie ist eine Fremdl�nderin.</emphasis> Aber sie hatte zu wenig gesagt, als dass er die Sprache oder auch nur ihren Akzent h�tte erkennen k�nnen. <emphasis>Wenn sie doch nur noch einmal sprechen w�rde. Einen ganzen Satz, nicht nur ein Fluchwort.</emphasis></p><p>Aber die Frau bewahrte Stillschweigen. Sie erhob sich und wandte dem Tresor und seinem Inhalt, der jetzt im Raum verteilt lag, den R�cken zu. Dann durchquerte sie den Raum, ging zur Treppe und verschwand in der Dunkelheit des Ladens darunter. Wieder schlug die T�r zu. Schwache Schritte verklangen auf der Stra�e.</p><p>Cery blieb stumm und reglos sitzen und wartete, bis sie sicher waren, dass jemand, der den Ausruf der Frau geh�rt hatte und den Laden deshalb beobachtete, inzwischen das Interesse verloren haben w�rde. W�hrenddessen dachte er �ber seinen Plan nach. <emphasis>Wir haben die Information, die wir brauchten. Die einzige �berraschung war der Umstand, dass der wilde Magier eine Frau und eine Fremdl�nderin ist. Das macht sie nicht weniger gef�hrlich, ob sie nun die J�gerin der Diebe ist oder nicht. Und wenn fremdl�ndische Magier in Imardin Quartier beziehen, wird Sonea das definitiv erfahren wollen.</emphasis></p><p>Und Skellin. Sollte er es dem anderen Dieb erz�hlen?</p><p><emphasis>Ich habe keinen Beweis daf�r, dass sie der J�ger ist. Mir w�re es lieber, Skellin w�rde nicht erfahren, dass Sonea und ich immer noch in Verbindung stehen. Wenn die Gilde die wilde Magierin einf�ngt, werden sie ihre Gedanken lesen und endg�ltig feststellen, ob sie die M�rderin ist. Wenn sie es nicht ist, dann habe ich Skellin nichts zu sagen.</emphasis></p><p>Und wenn sie es doch war� Nun, dann brauchte Cery Sonea nur zu erz�hlen, was er wusste, und es w�rde keinen J�ger der Diebe mehr geben, �ber den man etwas zu berichten hatte.</p></section><section><title><p>14</p><p>Unerwartete Verb�ndete</p></title><p>�Also, wen treffe ich heute Abend?�, fragte Dannyl Ashaki Achati, als die Kutsche vor dem Gildehaus losfuhr.</p><p>Der sachakanische Magier l�chelte. �Euer Plan, nicht zu bitten und zu insistieren, den K�nig zu sehen, hat funktioniert. Er hat Euch in den Palast eingeladen.�</p><p>Dannyl blinzelte �berrascht, dann bedachte er alles, was Lord Maron ihm �ber den sachakanischen K�nig und das Protokoll berichtet hatte. Der ehemalige Botschafter hatte gesagt, dass der K�nig eine Audienz geradeso oft ablehnte, wie er eine gew�hrte. �Mir war nicht klar, dass ich etwas h�tte unternehmen sollen. Sollte ich mich daf�r entschuldigen?�</p><p>Achati kicherte. �Nur wenn Ihr das Gef�hl habt, Ihr m�sstet es tun. Da ich der Mittler zwischen dem Gildehaus und dem K�nig bin, liegt es an mir, Euch zu raten, wie und wann Ihr um eine Audienz bei ihm ersuchen solltet. Ich h�tte Euch geraten zu warten, bis er Euch einl�dt. Da Ihr keine Fehler gemacht habt, gab es wenig Grund, das Thema anzusprechen.�</p><p>�Also war es kein Fehler, <emphasis>nicht</emphasis> um eine Audienz zu bitten.�</p><p>�Nein. Obwohl eine Demonstration von Desinteresse irgendwann m�glicherweise als Kr�nkung betrachtet worden w�re.�</p><p>Dannyl nickte. �Als ich Zweiter Gildebotschafter in Elyne war, wurde von mir verlangt, mich einmal dem K�nig zu pr�sentieren, was der Erste Gildebotschafter f�r mich arrangiert hat. Danach folgten nur noch Besprechungen in wichtigen Angelegenheiten, wobei sich der Erste Botschafter in der Regel darum gek�mmert hat.�</p><p>�Das ist interessant. Dann habt Ihr also zwei Botschafter in Elyne?�</p><p>�Ja. F�r eine Person gibt es dort zu viel Arbeit. Irgendwie hatten wir genauso viel Arbeit, die nichts mit der Gilde und Magiern zu tun hatte, wie solche Arbeit, die sich um diese Belange drehte.�</p><p>�Eure Arbeit hier hat noch weniger Bezug zu Magie und Magiern�, bemerkte Achati. �Ihr braucht keine neuen Rekruten zu pr�fen oder den �berblick �ber Magier zu behalten, die ihren Abschluss bereits gemacht haben. Gr��tenteils habt Ihr es hier mit Handelsfragen zu tun.�</p><p>Dannyl nickte. �Die Arbeit hier ist vollkommen anders, doch bisher war sie sehr angenehm. Ich nehme an, sobald ich alle wichtigen Leute kennengelernt habe, wird man mich nicht l�nger mit abendlichen Mahlzeiten und Gespr�chen verw�hnen.�</p><p>Achati zog die Augenbrauen hoch. �Oh, sobald von mir nicht l�nger erwartet wird, Euch zu begleiten, werdet Ihr vielleicht feststellen, dass Ihr noch gefragter seid als zuvor. Es kann eine anstrengende und politisch gef�hrliche �bung sein, einen anderen Sachakaner zu bewirten. Ihr seid sowohl exotisch als auch nicht leicht zu kr�nken und daher ein angenehmer Gast.� Er deutete auf das Kutschenfenster. �Schaut nach drau�en, wenn wir um die Ecke fahren.�</p><p>Die Kutsche wurde langsamer, und die Mauer neben ihnen endete. Eine breite Stra�e kam in Sicht. Langgestreckte Blumenbeete erschienen, beschattet von riesigen B�umen. Wo diese G�rten endeten, stand ein gro�es Geb�ude. Wei�e Mauern beschrieben von einem zentralen Torbogen aus weite Kurven wie sorgf�ltig drapierte Vorh�nge. �ber ihnen erhoben sich flache, im Sonnenlicht gl�nzende Kuppeln. Der Anblick tat Dannyl gut.</p><p>�Es ist wundersch�n�, sagte er und beugte sich vor, um das Geb�ude im Blick zu behalten, w�hrend die Kutsche auf die Stra�e einbog. Aber schon bald konnte er nur noch die wei�en Mauern der Herrenh�user am Stra�enrand sehen. Er wandte sich wieder zu Ashaki Achati um und stellte fest, dass der Mann anerkennend l�chelte.</p><p>�Es ist �ber tausend Jahre alt�, sagte der Sachakaner voller Stolz. �Nat�rlich mussten im Laufe der Jahre einige Teile wieder aufgebaut werden. Die Mauern sind zweifach verst�rkt, so dass Verteidiger sich darin verstecken und Eindringlinge durch L�cher und Luken angreifen k�nnen.� Er zuckte die Achseln. �Nicht dass sie jemals zu diesem Zweck benutzt worden w�ren. Als die kyralische Armee hier eintraf, war unsere Armee bereits besiegt, und der letzte Kaiser hat sich ohne Widerstand ergeben.�</p><p>Dannyl nickte. So viel wusste er bereits aus den grundlegenden historischen Kursen an der Universit�t, und seine Nachforschungen hatten es best�tigt.</p><p>�Der dritte K�nig hat die Kuppeln mit Gold �berziehen lassen�, fuhr Achati fort. Dann sch�ttelte er den Kopf. �Ein frivoler Luxus war das in einer Zeit des Hungers, aber sie sind so sch�n, dass niemand sie je entfernt hat, und von Zeit zu Zeit sorgt ein K�nig daf�r, dass sie gereinigt und neu poliert werden.�</p><p>Die Kutsche wurde langsamer und umrundete eine Kurve, und Dannyl schaute eifrig aus dem Fenster, als der Palast wieder in Sicht kam. Sobald er und Achati ausgestiegen waren, hielten sie inne, um f�r einen Moment voller Bewunderung zu dem Geb�ude aufzublicken, bevor sie auf den zentralen Torbogen zugingen.</p><p>Wachsoldaten zu beiden Seiten des Eingangs behielten ihre starre Haltung und ihren in die Ferne gerichteten Blick bei. Sie waren keine Sklaven, erinnerte sich Dannyl, sondern wurden aus den niedersten R�ngen der sachakanischen Familien rekrutiert. <emphasis>Ich nehme an, es w�re nicht besonders n�tzlich, seinen Palast von Sklaven bewachen zu lassen. Wachen, die sich auf den Boden werfen, wann immer jemand Wichtiges vorbeikommt, werden kaum schnell reagieren, um irgendetwas oder irgendjemanden zu verteidigen.</emphasis></p><p>Sie gingen durch zwei offene T�ren, dann folgten sie einem breiten Flur ohne Nebeneing�nge. Am Ende dieses Flurs befand sich ein gro�er Raum voller S�ulen, dessen Boden und W�nde aus poliertem Stein waren und in dem ihre Schritte widerhallten. Am Ende des Raums stand ein gro�er, steinerner Stuhl, und darauf sa� ein alter Mann, der die kunstvollsten Kleider trug, die Dannyl seit seiner Ankunft bei irgendeinem Sachakaner gesehen hatte.</p><p><emphasis>Und es sieht nicht so aus, als f�hle er sich wohl,</emphasis> bemerkte er. Es <emphasis>wirkt, als w�rde er gern bei der ersten sich bietenden Gelegenheit von diesem Thron aufstehen.</emphasis></p><p>Einige M�nner standen im Raum, allein oder in Gruppen von zwei oder drei Personen. Schweigend beobachteten sie, wie Dannyl und Ashaki Achati n�her kamen. Etwa zwanzig Schritte vom K�nig entfernt blieb Achati stehen und sah Dannyl an.</p><p>Der Blick war ein Signal. Achati machte eine tiefe Verbeugung. Dannyl lie� sich auf ein Knie fallen.</p><p>Lord Maron hatte erkl�rt, dass die traditionelle kyralische und elynische Geste des Gehorsams einem K�nig gegen�ber am passendsten sei, trotz der Tatsache, dass Sachakaner vor ihrem eigenen K�nig nicht niederknieten.</p><p>�Erhebt Euch, Botschafter Dannyl�, erklang eine alte Stimme. �Seid mir gegr��t, Ihr und mein guter Freund, Ashaki Achati.�</p><p>Dannyl war dankbar daf�r, dass die Ber�hrung mit dem Boden kurz ausgefallen war. Der Stein war kalt. Er blickte zum K�nig auf und stellte zu seiner �berraschung fest, dass der Mann vom Thron aufgestanden war und auf sie zukam.</p><p>�Es ist mir eine Ehre, Euch kennenlernen zu d�rfen, K�nig Amakira�, erwiderte er.</p><p>�Und mir ist es eine Freude, endlich den neuen Gildebotschafter kennenzulernen.� Die Augen des alten Mannes waren dunkel und undeutbar, aber die Runzeln darum herum vertieften sich zu einem echten L�cheln. �W�rdet Ihr gern mehr vom Palast sehen?�</p><p>�Ja, Euer Majest�t�, antwortete Dannyl.</p><p>�Kommt. Folgt mir, und ich werde Euch herumf�hren.�</p><p>Ashaki Achati machte eine Handbewegung, um Dannyl zu bedeuten, dass er neben dem K�nig hergehen solle, dann bildete er selbst die Nachhut, w�hrend der Herrscher sie durch einen Nebeneingang aus der Halle f�hrte. Ein breiter Flur verlief entlang der Halle und zweigte dann in eine andere Richtung ab. W�hrend der K�nig wiederholte, was Achati Dannyl �ber das Alter des Palastes erz�hlt hatte, f�hrte er sie durch mehrere gewundene Flure und seltsam geformte R�ume. Schon bald hatte Dannyl jede Orientierung verloren. <emphasis>Ich frage mich, ob das der Sinn all der gewundenen Mauern ist. Und ob der Eingangsflur und die Empfangshalle die einzigen eckigen R�ume im Geb�ude sind.</emphasis></p><p>�Ich h�re, Ihr interessiert Euch f�r Geschichte�, sagte der K�nig und sah Dannyl mit hochgezogenen Augenbrauen an.</p><p>�Ja. Ich schreibe eine Geschichte der Magie, Euer Majest�t.�</p><p>�Ein Buch! Ich w�rde auch gern eines Tages ein Buch schreiben. Wie nahe seid Ihr der Fertigstellung?�</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �Das wei� ich nicht. Es gibt einige L�cken in der kyralischen Geschichte, die ich gern f�llen w�rde, bevor ich das Buch drucken lasse.�</p><p>�Was sind das f�r L�cken?�</p><p>�Gem�� der Geschichte, die an der Universit�t der Gilde gelehrt wird, wurde Imardin w�hrend des Sachakanischen Krieges dem Erdboden gleichgemacht, aber ich habe keine Beweise daf�r gefunden. Tats�chlich habe ich in Ashaki Itokis Sammlung einige Beweise f�r das Gegenteil gefunden.�</p><p>�Nat�rlich wurde die Stadt nicht dem Erdboden gleichgemacht!�, rief der K�nig l�chelnd. �Wir haben die letzte Schlacht verloren!�</p><p>Dannyl breitete die H�nde aus. �Sie k�nnte vor dieser Schlacht zerst�rt worden sein.�</p><p>�Nicht nach unseren Unterlagen. Obwohl� nur wenige Sachakaner �berlebten die letzte Schlacht, und noch weniger kehrten nach Hause zur�ck, daher haben wir die meisten Informationen von den Kyraliern, die uns erobert haben. Ich sch�tze, sie h�tten ein besseres Bild zeichnen k�nnen, als es die Wirklichkeit gewesen war.� Der K�nig zuckte die Achseln. �Also, was glaubt Ihr, woher diese Idee stammt, die Stadt sei dem Erdboden gleichgemacht worden?�</p><p>�Von Karten und dem Alter der Geb�ude�, antwortete Dannyl. �Es gibt keine Geb�ude, die �lter sind als vierhundert Jahre, und die wenigen Karten, die wir aus der Zeit vor dem Sachakanischen Krieg haben, zeigen einen ganz anderen Stra�enplan.�</p><p>�Dann solltet Ihr Euch die Ereignisse vor vierhundert Jahren ansehen�, schlussfolgerte der K�nig. �Gab es zu der Zeit irgendeine Schlacht, die in der Stadt ausgefochten wurde? Oder eine Katastrophe wie eine �berschwemmung oder ein Feuer?�</p><p>Dannyl nickte. �Die gab es, aber nur wenige Magier glauben, dass sie dramatisch genug war, um die Stadt zu zerst�ren. Es wurden jedoch viele Unterlagen aus jener Zeit vernichtet.� Er hielt inne und hoffte, dass der K�nig nicht um Einzelheiten bitten w�rde. Es schien ihm keine gute Idee zu sein, den sachakanischen K�nig daran zu erinnern, dass die meisten Gildemagier keine schwarze Magie erlernten, und die Geschichte von Tagin, dem Verr�ckten Novizen, war die Geschichte, warum schwarze Magie verbannt worden war.</p><p>�Wenn dieses Ereignis bedeutend genug war, um eine Stadt zu zerst�ren, h�tte es auch s�mtliche Unterlagen innerhalb der Stadt vernichtet.�</p><p>Dannyl nickte. �Aber die Gilde wurde nicht zerst�rt. Ich habe viele Hinweise auf die Bibliothek gefunden, die dort untergebracht war. Allen Berichten zufolge war sie gut ausgestattet.�</p><p>�Vielleicht wurden diese B�cher an einen anderen Ort gebracht.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. <emphasis>Ich sch�tze, es ist m�glich, dass Tagin den Inhalt der Gildebibliothek in den Palast bringen lie�. Er war nur ein Novize, daher musste er Wissensl�cken haben, die zu f�llen er erpicht war. Ich hatte angenommen, dass die B�cher alle mit Absicht zerst�rt wurden. Aber wenn sie zerst�rt wurden, als Tagin starb, dann w�re das gar nicht mehr n�tig gewesen.</emphasis></p><p>�Es �berrascht mich, dass die kyralische Geschichte so verworren ist. Aber auch wir haben L�cken in unserer Geschichte. Kommt hier herein.� Der K�nig geleitete Dannyl und Achati in einen kleinen, runden Raum. Die W�nde und der Boden waren ebenso wie die Decke aus poliertem Stein. Es gab nur einen einzigen Eingang. In der Mitte stand eine etwa h�fthohe S�ule.</p><p>�Hier hat einst etwas Wichtiges gelegen�, sagte der K�nig und strich mit einer Hand �ber die flache Oberseite der S�ule. �Wir wissen nicht, was es war, aber zwei Dinge wissen wir durchaus: Es war etwas von gro�er Macht, entweder magischer oder politischer Macht, und die Gilde hat es gestohlen.�</p><p>Dannyl sah zuerst den K�nig an, dann wieder die S�ule. <emphasis>Der Lagerstein, auf den Lorkin Hinweise gefunden hat?</emphasis> Die Miene des K�nigs war ernst, und er beobachtete Dannyl genau.</p><p>�Ich habe einen Hinweis auf ein Artefakt gefunden, das aus diesem Palast entfernt wurde�, erkl�rte Dannyl. �Aber vor meinem Eintreffen in Sachaka hatte ich noch nichts dar�ber geh�rt. Dieser Hinweis klang so, als sei der Gegenstand von den Gildemagiern gestohlen worden.�</p><p>Der K�nig zuckte die Achseln. �Nun, das ist es, was die Palastfolklore behauptet. Unsere Unterlagen besagen nicht mehr, als dass etwas, das man einen �Lagerstein� nannte, von einem Gildemagier gestohlen wurde.� Er trommelte mit beiden H�nden auf die Oberseite der S�ule. �Nicht lange nach seinem Verschwinden entstand das �dland. Manche Leute glauben, dass die Entfernung des Talismans eine Art magischen Schutz vom Land genommen hat, der f�r seine Fruchtbarkeit gesorgt hatte.�</p><p>�Nun, das ist eine neue und interessante Idee�, bemerkte Dannyl. <emphasis>Lorkin wird fasziniert sein, dies zu h�ren. Er scheint �beraus interessiert am �dland und dessen Erschaffung zu sein und m�glicherweise auch an dessen Wiederherstellung.</emphasis> �Man hat mir erz�hlt, es seien Versuche unternommen worden, das �dland in seinen fr�heren Zustand zur�ckzuversetzen, dass diese Versuche jedoch erfolglos gewesen seien.�</p><p>Der K�nig zog die Augenbrauen hoch. �Oh ja. Viele haben es versucht; alle sind gescheitert. Selbst wenn wir w�ssten, wie wir den Schutz, der entfernt wurde, wieder aufbauen k�nnten, vermute ich, dass es eine zu gro�e Aufgabe f�r einige wenige Magier w�re. Es w�rde Tausender bed�rfen.� Er l�chelte schief. �Und Sachaka stehen nicht l�nger Tausende von Magiern zur Verf�gung�� und selbst die zu einen, die wir haben, w�re wie der Versuch, den Aufgang der Sonne zu verhindern oder das Steigen des Meeres bei Flut.�</p><p>Dannyl nickte. �Aber es gab nur einen einzigen Talisman, nicht wahr? Manchmal bedarf es nur eines einzigen Mannes und ein klein wenig Wissens, um gro�e Dinge zu tun.�</p><p>Wieder l�chelte der K�nig. �Ja. Und manchmal bedarf es eines einzigen Mannes und ein wenig Wissens, um gro�en Schaden anzurichten.� Er trat von der S�ule zur�ck und deutete auf die T�r. �Ihr scheint mir nicht diese Art von Mann zu sein, Botschafter Dannyl.�</p><p>�Ich bin froh, dass Ihr das so seht�, erwiderte Dannyl.</p><p>Der K�nig lachte leise. �Genauso wenig wie ich. Kommt, es wird Zeit, dass ich Euch die Bibliothek zeige.�</p><empty-line/><p>Von ihrem Platz hoch oben an der Frontseite der Gildehalle beobachtete Sonea, wie sich der Raum mit Magiern f�llte. Einige Fleckchen aus Purpur, Rot und Gr�n hatten sich gebildet, was ein j�ngeres Ph�nomen war. Magier aus den H�usern neigten dazu, bei Familienmitgliedern und Verb�ndeten zu sitzen, statt bei Mitgliedern ihrer eigenen Disziplin, und das f�hrte zu einer Mischung von Robenfarben. Aber Magier von au�erhalb der H�user neigten dazu, Freundschaften mit Vertretern derselben Disziplin zu schlie�en, und das Ergebnis war eine Ansammlung der gleichen Robenfarbe im Publikum.</p><p>Als die letzten Nachz�gler ihre Pl�tze einnahmen, holte sie tief Luft und stie� den Atem langsam wieder aus. <emphasis>Wie werden sie abstimmen? Werden sie aus der Furcht heraus handeln, dass die �ProIiis� gegen die Regeln der Gilde rebellieren k�nnten, falls sie zu streng sein sollten? Werden sie aus der Furcht heraus handeln, dass kriminelle Gruppen zu viel Einfluss auf Magier gewinnen k�nnten? Oder werden sie die Regel abschaffen wollen, damit sie sich in Freudenh�usern und anderen Lokalen tummeln k�nnen, die von Dieben betrieben werden, ohne Strafe bef�rchten zu m�ssen? Oder um weiterhin von ihren illegalen Unternehmungen zu profitieren, und das mit einer geringeren Gefahr, entdeckt zu werden?</emphasis></p><p>Ein Gong erklang. Als Sonea hinabblickte, sah sie Osen zu seinem Platz im vorderen Teil der Halle gehen. Das Stimmengewirr verebbte sofort, und als es ganz still geworden war, erklang die Stimme des Administrators.</p><p>�Heute haben wir uns versammelt, um zu entscheiden, ob die von Lord Pendel und anderen vorgetragene Bitte gew�hrt werden soll oder nicht. Es geht darum, eine Regel abzuschaffen, die besagt: �Kein Magier oder Novize darf Verbindung zu Kriminellen und Personen von unzutr�glicher Art pflegen. � Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dies eine Entscheidung ist, die von allen Magiern getroffen werden sollte, und zwar durch Abstimmung. Ich bitte jetzt darum, dass die Seite, die f�r die Abschaffung der Regel ist, ihre Position und ihre Argumente zusammenfasst.�</p><p>Lord Pendel hatte am Rand des Raums gestanden und trat nun vor. Er wandte sich der Mehrheit der Magier zu und begann zu sprechen.</p><p>Sonea h�rte genau zu. Es war nicht leicht gewesen, ihn dazu zu �berreden, der Gilde einen Kompromiss anzubieten, und nicht einmal jetzt war sie sich ganz sicher, ob er es tun w�rde. Er begann mit Hinweisen darauf, wo die Regel versagt hatte oder ungerecht angewandt worden war. Dann griff er die Argumente jener an, die gegen eine Abschaffung der Regel waren. Anschlie�end entwarf er als Schlussfolgerung das Bild einer Gilde, in der mehr innere Einheit herrschte, als es jetzt der Fall war. Sonea runzelte die Stirn.</p><p><emphasis>Er wird seine Ansprache beenden, ohne auch nur einen Hinweis darauf zu geben, dass ein Kompromiss m�glich sein k�nnte.</emphasis></p><p>�Wenn es eine Regel geben soll, die Magier und Novizen daran hindert, sich auf kriminelle Unternehmungen einzulassen�� und ich denke tats�chlich, dass es eine solche Regel geben sollte��, dann sollte sie zu diesem Zweck <emphasis>formuliert</emphasis> sein. Die von mir beschriebenen F�lle machen klar, dass die bestehende Regel f�r diesen Zweck ungeeignet ist. Sie ist unwirksam und sollte abgeschafft werden.�</p><p><emphasis>Ich nehme an, die Botschaft ist darin verborgen, wenn auch nur sehr unterschwellig,</emphasis> dachte Sonea. <emphasis>Und jetzt wollen wir sehen, ob Regin seine Seite unserer �bereinkunft einh�lt.</emphasis></p><p>Als Lord Pendel sich vor dem Publikum verneigte und beiseitetrat, kehrte Administrator Osen nach vorn zur�ck.</p><p>�Ich rufe jetzt Lord Regin als Sprecher f�r die Gegner der Abschaffung der Regel auf.�</p><p>Regin ging nach vorn. Wenn er von Pendels Bem�hung, einen Kompromiss vorzuschlagen, entt�uscht war, so lie� er es sich nicht anmerken. Er wandte sich der Halle zu und begann zu sprechen.</p><p>Angesichts dessen, was sie �ber die Korruption unter den Novizen h�herer Klassen wusste, konnte Sonea nicht umhin zu bewundern, wie Regin es fertigbrachte, nichts auszusprechen, was direkt darauf hinwies, wer die Schuldigen und die Opfer waren. Dennoch schreckte er nicht vor der Behauptung zur�ck, dass es eine derartige Korruption tats�chlich gebe, und Sonea h�rte nur einige wenige Protestbekundungen von den in der Halle anwesenden Magiern.</p><p><emphasis>Ich w�nschte, ich h�tte ihm Beweise f�r die dauerhaften Wirkungen von Feuel auf Magier liefern k�nnen. Es h�tte uns vielleicht geholfen, Magier davon zu �berzeugen, dass die Regel nicht abgeschafft, sondern ver�ndert werden sollte.</emphasis></p><p>Als Regin zum Ende seiner Ansprache kam, setzte Soneas Herz einen Schlag aus. Er hatte keinen Kompromiss vorgeschlagen. Aber als er seine Argumente zusammenfasste, begriff sie, dass in seinen Worten der Anflug eines Eingest�ndnisses lag, dass die bestehende Regel unwirksam war. Eine subtile Ver�nderung seiner Position, aber auch nicht st�rker oder schw�cher als die von Pendel.</p><p>Hatte er das vorhergesehen, oder hatte er seine Taktik in Reaktion auf Pendels Ansprache ge�ndert? Oder hatte er f�r den Fall verschiedener M�glichkeiten unterschiedliche Vorgehensweisen geplant? Sie sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Ich hin nur froh, dass ich nicht dort unten stehe und an seiner Stelle spreche.</emphasis></p><p>�Ich gebe jetzt zehn Minuten Zeit f�r Diskussionen�, sagte Osen. Der Gong erklang ein zweites Mal, und sofort f�llte sich die Halle mit Stimmen. Sonea drehte sich um, um den H�heren Magiern zuzuh�ren.</p><p>Zuerst sagte niemand etwas. Alle wirkten z�gerlich und unentschlossen. Dann seufzte der Hohe Lord Balkan.</p><p>�Beide Seiten haben etwas f�r sich�, erkl�rte er. �Bevorzugt einer von euch die eine oder andere?�</p><p>�Ich bin daf�r, die Regel beizubehalten�, erwiderte Lady Vinara. �Dies sind schlechte Zeiten, um die Kontrolle �ber Magier zu lockern. Die Stadt ist verderbter denn je, und jetzt, da wir nicht l�nger alle �hnliche St�rken und Schw�chen haben, ist es noch komplizierter geworden, uns dagegen zu wehren.�</p><p>Sonea verkniff sich ein L�cheln. <emphasis>�St�rken und Schw�chen�. Eine kluge Art, darauf hinzuweisen, dass wir aus unterschiedlichen Verh�ltnissen kommen, ohne das eine besser als das andere klingen zu lassen.</emphasis></p><p>�Aber es ist klar, dass die Regel ungerecht ist, und wir riskieren in der Tat schlimmstenfalls eine Rebellion oder bestenfalls den Verlust dringend ben�tigter Talente�, wandte Lord Peakin ein.</p><p>�Mangelhaft ist nur die Anwendung der Regel�, entgegnete Vinara.</p><p>�Ich glaube nicht, dass die ProIiis ein Versprechen, in Zukunft gerechter zu sein, akzeptieren werden�, bemerkte Lord Erayk. �Sie werden eine echte Ver�nderung wollen.�</p><p>�Ver�nderung klingt f�r mich nach der richtigen L�sung�, sagte Lord Peakin. �Eine Ver�nderung der Regel. Was ist schlie�lich eine �Person von unzutr�glicher Art�?� Er zog die Augenbrauen hoch und sah sich um. �Ich w�rde zum Beispiel jemanden, der schlecht riecht, f�r unzutr�glich befinden. Das ist jedoch kaum eine Rechtfertigung, um einen Magier zu bestrafen.�</p><p>Gekicher wurde laut.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea.�</p><p>Soneas Schultern sanken ein wenig herab, als sie Kallens Stimme erkannte. Sie blickte an dem Hohen Lord Balkan vorbei zu dem Mann hin�ber.</p><p>�Ja, Schwarzmagier Kallen?�, erwiderte sie.</p><p>�Ihr habt Euch mit Vertretern beider Seiten getroffen. Zu welchem Schluss seid Ihr gekommen?�</p><p>Die anderen sahen sie jetzt erwartungsvoll an. Sie hielt inne, um �ber ihre Antwort nachzudenken.</p><p>�Ich bin daf�r, die Regel zu ver�ndern. Die Entfernung des Ausdrucks �Personen von unzutr�glicher Art� lockert nicht nur die Einschr�nkungen und kann helfen, Vorurteile gegen�ber Novizen und Magiern aus �rmeren Schichten abzubauen, es st�rkt auch die Betonung von �Kriminellen� als jenen, zu denen Mitglieder der Gilde keinen Kontakt haben sollten.�</p><p>Zu ihrer Best�rzung wirkte keiner der H�heren Magier �berrascht. Nicht einmal Rothen. <emphasis>Sie haben offenkundig erwartet, dass ich diese Position einnehmen w�rde. Ich hoffe, das liegt daran, dass es gerechter ist, nicht daran, dass ich in den alten H�ttenvierteln aufgewachsen bin.</emphasis></p><p>�Selbst mit dieser Ver�nderung liegt die Schw�che der Regel in der Unklarheit der Frage, was ein Krimineller ist oder ob ein bestimmtes Tun als Verbrechen gilt�, sagte Lord Erayk.</p><p>�Der K�nig wird es vielleicht nicht gern h�ren, wenn Ihr seine Gesetze als �unklar� bezeichnet�, meldete sich Lord Peakin zu Wort.</p><p>�Ich stimme zu, dass gewisse Taten definiert werden m�ssen�, sagte Lady Vinara. �Beim heutigen Stand der Gesetze ist es schwierig f�r uns zu verhindern, dass Verbrecher Magier ausnutzen, wenn diese sich in ihren Lusth�usern aufhalten�� indem sie sie dazu verleiten, Spielschulden zu machen, ihren Geist mit Alkohol verwirren, sie mit kostenlosen Huren belohnen oder sie mit Feuel vergiften. Wenn es nach mir ginge, w�re der Verkauf von Feuel ein Verbrechen.�</p><p>�Warum Feuel?�, hakte Lord Telano nach. �Es unterscheidet sich nur geringf�gig von Alkohol, und ich bin davon �berzeugt, dass keiner von uns es gern s�he, wenn Wein f�r illegal erkl�rt w�rde.� Er blickte in die Runde, l�chelte und bekam von vielen der Anwesenden zur Antwort ein Nicken.</p><p>�Feuel verursacht weit mehr Schaden�, entgegnete Vinara. �Wie das?�</p><p>Sie �ffnete den Mund, sch�ttelte dann jedoch den Kopf, als der Gong abermals erklang. �Kommt in die Heilerquartiere�� oder in die Hospit�ler von Schwarzmagierin Sonea��, und ihr werdet die Wahrheit sehen.�</p><p>Soneas Herz setzte einen Schlag aus. Hatte Vinara die Wirkungen von Feuel untersucht, seit Sonea ihr davon erz�hlt hatte? Sie sah Vinara an, aber die Aufmerksamkeit der Frau galt jetzt Telano. Er hatte sich abgewandt, und Vinara beobachtete ihn mit einem besorgten Stirnrunzeln.</p><p>Auch Lord Telano machte ein finsteres Gesicht, wie Sonea auffiel. <emphasis>Ich frage mich, warum Vinaras Position ihn so sehr st�rt. Und als Heiler hat er gewiss gesehen, welche Wirkung Feuel auf seine Opfer hat�� selbst wenn ihm nicht klar ist, dass die Sch�den dauerhaft sein k�nnten. Ich muss mir unser Oberhaupt der Heilenden Studien und seine Familie einmal genauer ansehen. Au�erdem sollte ich noch einmal mit Lady Vinara sprechen.</emphasis></p><p>Administrator Osen verk�ndete das Ende der Diskussionszeit, und alle kehrten auf ihre Pl�tze zur�ck. �W�nscht irgendjemand noch etwas zu diesem Thema zu sagen, das bisher noch nicht angesprochen wurde?�, fragte er.</p><p>Einige Magier hoben die Hand. Sie wurden nach unten gerufen. Der erste schlug vor, dass Magier denselben Gesetzen unterworfen werden sollten wie gew�hnliche Kyralier und dass es �berhaupt keine Gilderegeln geben solle. Seine Idee traf allenthalben auf ein Gemurr der Missbilligung. Ein zweiter Magier erkl�rte, dass die Regel ver�ndert werden sollte, aber sein Vorschlag sah vor, dass die Regel Magiern jedwede Beteiligung an kriminellen Aktivit�ten oder einen Profit durch solche verbieten sollte. Daraufhin ging ein nachdenkliches Raunen durch die Reihen der anwesenden Magier. Der letzte Sprecher sagte nur, dass die Entscheidung beim K�nig liegen sollte.</p><p>�Der K�nig wei� und hat akzeptiert, dass die Regeln der Gilde im Gegensatz zu den Gesetzen von der Gilde gemacht werden�, versicherte Osen ihnen allen. Dann wandte er sich nach vorn. �M�chte einer der H�heren Magier noch etwas hinzuf�gen?�</p><p>Bisher hatte noch niemand die simple Ver�nderung vorgeschlagen, den Ausdruck �und Personen von unzutr�glicher Art� aus der Regel herauszunehmen. Sonea holte tief Luft und machte Anstalten, sich zu erheben.</p><p>�Ich habe noch etwas zu sagen�, erkl�rte der Hohe Lord Balkan. Sonea sah ihn an, dann entspannte sie sich. Er stand auf. �Eine kleine Ver�nderung kann einen gro�en Unterschied ausmachen. Ich schlage vor, dass wir den Wortlaut der Regel ver�ndern und den Teil �ber Personen von unzutr�glicher Art weglassen, da er unklar ist und zu ungerechter Deutung einl�dt.�</p><p>Osen nickte. �Danke.� Er wandte sich wieder der Halle zu. �Es besteht wohl Einigkeit dar�ber, dass wir vier annehmbare M�glichkeiten haben: Wir k�nnen die Regel als Ganzes abschaffen, sie so belassen, wie sie ist, den Hinweis auf Personen von unzutr�glicher Art streichen oder die Regel dahingehend zuspitzen, dass sie nur die Verstrickung in und Profit durch kriminelle Aktivit�ten verbietet. Formt jetzt eure Lichtkugeln und bringt sie in die richtige Position.�</p><p>Sonea konzentrierte ein wenig Macht, schuf eine Lichtkugel und sandte sie empor zu der kleinen Wolke anderer Lichtkugeln, so dass sie unter der Decke der Gildehalle schwebte. Hunderte weiterer Lichter gesellten sich dazu. Die Wirkung war sinnbet�rend.</p><p>�Diejenigen, die f�r eine Abschaffung der Regel sind, f�rben ihre Lichter blau�, befahl Osen. �Diejenigen, die f�r eine Ver�nderung der Regel sind, machen ihr Licht gr�n. Wer �berhaupt keine Ver�nderung will, l�sst sein Licht rot leuchten.�</p><p>Das blendende Wei� verwandelte sich in eine strahlende Mischung von Farben. Sonea blinzelte nach oben. <emphasis>Viele rote Lichter sind nicht dabei. Ein wenig mehr blaue als rote. Aber die gr�nen Lichter sind eindeutig in der Mehrheit.</emphasis></p><p>�Die Magier, die sich f�r eine Abschaffung der Regel oder einen Verzicht auf jewede Ver�nderung ausgesprochen haben, m�gen ihre Lichtkugeln bitte entfernen�, rief Osen. Die roten und blauen Lichter erloschen. �Jetzt bewegen bitte alle, die f�r die Streichung der �Personen von unzutr�glicher Art� pl�dieren, ihr Licht in den vorderen Teil der Halle, und alle, die die Regel so ge�ndert sehen wollen, dass sie lediglich Verstrickung in und Profit durch kriminelle Machenschaften verbietet, lenken ihr Licht bitte in den hinteren Teil der Halle.�</p><p>B�lle gr�nen Lichts schossen in unterschiedliche Richtungen. Es folgte ein langer Augenblick, w�hrend Osen zur Decke hinaufschaute. Seine Lippen bewegten sich, w�hrend er z�hlte. Dann wandte er sich den H�heren Magiern zu.</p><p>�Wie viele Lichter von jeder Sorte z�hlt Ihr?�</p><p>�F�nfundsiebzig hinten, neunundsechzig vorn�, erwiderte Lord Telano.</p><p>Soneas Herz setzte einen Schlag aus. <emphasis>Aber das bedeutet�</emphasis></p><p>Osen nickte. �Meine Z�hlung stimmt mit der von Lord Telano �berein.� Er wandte sich der Halle zu. �Die Abstimmung ist beendet. Wir werden die Regel ver�ndern. Sie wird fortan Magiern verbieten, sich an kriminellen Aktivit�ten zu beteiligen oder davon zu profitieren.�</p><p>Sonea, die zu den Lichtkugeln hinaufblickte, beobachtete, wie sie erloschen, bis nur noch eine �brig war. Ihre. Sie l�schte sie ebenfalls, dann sah sie zu Regin hinab. Seine Miene spiegelte wider, was sie selbst empfand. �berraschung. Erstaunen. <emphasis>Sie haben eine M�glichkeit gew�hlt, die im letzten Moment eingef�hrt wurde und die die Regel vollkommen ver�ndert hat. Die sie schw�cht und ihre Wirksamkeit enger eingrenzt. Magier und Novizen k�nnen nicht l�nger f�r Besuche in Lusth�usern bestraft werden, weil es ihnen nicht l�nger verboten ist, Umgang mit Verbrechern zu pflegen. Aber zumindest d�rfen sie sich nicht zu kriminellen Taten verleiten lassen, und das zu verhindern war der urspr�ngliche Sinn der alten Regel.</emphasis></p><p>Regin sah zu ihr auf und zog leicht die Augenbrauen hoch. Sie hob die Schultern ein wenig und lie� sie wieder sinken. Er schaute weg, und sie folgte seinem Blick zu Pendel hin�ber. Der junge Mann l�chelte und winkte seinen Anh�ngern zu.</p><p><emphasis>Er hat ein besseres Ergebnis erzielt, als er sich erhofft hatte. Aber Regin wirkt jetzt besorgt,</emphasis> dachte Sonea. <emphasis>Oje. Ich kann nicht glauben, dass ich es tats�chlich kaum erwarten kann, mich abermals mit ihm zu treffen und zu h�ren, was er davon h�lt.</emphasis></p><p>Aber sie h�tte auch nie gedacht, dass sie sich jemals mit ihm beraten und mit ihm Pl�ne schmieden w�rde. <emphasis>Ich sch�tze, das ist der Preis, den man bezahlt, wenn man sich in die Politik der Gilde hineinziehen l�sst. Pl�tzlich muss man zu alten Feinden h�flich sein. Nun, gl�cklicherweise ist jetzt alles entschieden. Ich brauche nicht noch einmal mit Regin zu sprechen.</emphasis></p><p>Sie schaute noch einmal zu ihm hinab. Er wirkte definitiv besorgt. Sie seufzte.</p><p><emphasis>Ich sch�tze, es wird nichts schaden, noch einmal mit ihm zu reden.</emphasis></p></section><section><title><p>15</p><p>N�chtliche Besucher</p></title><p>Die W�nde des Raums waren rund wie das Innere einer Kugel. Wie die Kuppel in der Gilde, dachte Lorkin. Sind wir bereits zu Hause?</p><p>Ein gro�er Stein lag auf dem Boden, an der tiefsten Stelle. Er hatte ungef�hr die Gr��e eines kleinen, zusammengerollten Kindes, aber als Lorkin die Hand danach ausstreckte, stellte er fest, dass der Stein klein genug war, um auf seine Handfl�che zu passen. Als er die Finger um den Stein legte, schrumpfte er schnell und verschwand dann.</p><p><emphasis>Oh nein! Ich habe den Lagerstein gefunden, aber ich habe ihn wieder verloren. Ich habe ihn zerst�rt. Wenn die Sachakaner das herausfinden, werden sie erz�rnt werden! Sie werden mich und Dannyl t�ten!</emphasis></p><p>Doch das Gef�hl der Furcht verblasste schnell. Stattdessen f�hlte er sich gut. Nein, er f�hlte sich <emphasis>sehr</emphasis> gut. Als w�rden die Laken auf seinem Bett �ber seine Haut gleiten und ziemlich pers�nliche Stellen seines K�rpers ber�hren�</p><p>Pl�tzlich war er hellwach.</p><p>Da war noch jemand, ganz nah. Der sich �ber ihn beugte. Glatte Haut strich �ber seine. Ein angenehmer Duft drang an seine Nase. Das Ger�usch von Atem liebkoste sein Ohr.</p><p>Er konnte nichts sehen. Es war vollkommen dunkel im Raum. <emphasis>Tyvara!</emphasis></p><p>Er konnte sp�ren, dass sie nackt war. Und jetzt machte sie es sich auf ihm bequem. Er h�tte entsetzt sein sollen�� h�tte sie wegsto�en sollen��, doch stattdessen durchflutete ihn eine Woge des Interesses. Sie w�hlte diesen Augenblick, um seine Erregung auszunutzen, und er keuchte angesichts der unerwarteten Wonne, die ihr K�rper und ihre nunmehr innige Verbindung ihnen verschafften. <emphasis>Verr�ter,</emphasis> tadelte er seinen K�rper. <emphasis>Ich sollte sie aufhalten.</emphasis> Aber er tat es nicht. Es <emphasis>ist nicht so, als w�re sie nicht willig,</emphasis> kam ihm ein anderer Gedanke.</p><p>Er dachte kurz an die Zeit, die sie im Gespr�ch verbracht hatten, und dass er unter der erzwungenen Unterw�rfigkeit eine kluge, starke Frau gesehen hatte, die er zu m�gen gelernt hatte. <emphasis>Du magst sie,</emphasis> versicherte er sich. Das <emphasis>bedeutet, dass es in Ordnung ist, nicht wahr?</emphasis> Aber es fiel ihm immer schwerer zu denken. Seine Gedanken l�sten sich wieder und wieder unter Wellen puren k�rperlichen Vergn�gens auf.</p><p>Ihre Atmung und ihre Bewegungen begannen sich zu beschleunigen, und das Gef�hl wurde intensiver. Er h�rte auf zu versuchen, an irgendetwas zu denken, und gab nach. Dann versteifte sich ihr K�rper; sie zuckte und b�umte sich �ber ihm auf. Er l�chelte. <emphasis>Nun, das beweist, dass sie es ebenfalls genie�t.</emphasis> Dann stie� sie einen ged�mpften Schrei aus.</p><p>Ged�mpft?</p><p>Pl�tzlich drang grelles Licht an seine Augen. Er blinzelte, w�hrend seine Augen sich an das Licht gew�hnten, dann wurden ihm zwei Dinge klar.</p><p>Eine Hand bedeckte Tyvaras Mund.</p><p>Und es war nicht Tyvara.</p><p>Eine andere Frau ragte �ber ihm und der Fremden auf, und ihn durchzuckte j�hes Begreifen, als er sie erkannte. <emphasis>Dies</emphasis> war Tyvara.</p><p>Aber ihr Gesicht war zu einer grimmigen Maske verzerrt. Sie m�hte sich, die Fremde festzuhalten, die immer noch ged�mpfte Laute von sich gab. Etwas Warmes und Nasses tropfte ihm auf die Brust. Er blickte hinab. Es war rot, und ein Rinnsal davon lief die Seite der Fremden hinunter.</p><p><emphasis>Blut!</emphasis></p><p>Er fror pl�tzlich, dann gab ihm das Entsetzen neue Kraft, und er stie� die Fremde und Tyvara von sich und kroch von den beiden weg. Durch den Sto� hatte Tyvara die Hand vom Mund der Fremden genommen und w�re beinahe vom Fu�ende des Bettes gefallen. Als die Fremde sich auf die Seite rollte, starrte sie Tyvara wild in die Augen.</p><p>�Du! Aber� er muss sterben. Du�� Blut sickerte aus ihrem Mund. Sie hustete. Ihre Miene verzerrte sich vor Hass, w�hrend sie gleichzeitig an Kraft zu verlieren schien. �Du bist eine Verr�terin an deinem Volk�, zischte sie.</p><p>�Ich habe dir gesagt, dass ich dir nicht erlauben w�rde, ihn zu t�ten. Du h�ttest meine Warnung ernst nehmen und verschwinden sollen.�</p><p>Die Frau �ffnete den Mund zu einer Antwort, dann erstarrte sie, als ein Krampf ihre Muskeln erfasste. Tyvara packte den Arm der Frau.</p><p><emphasis>Sie stirbt,</emphasis> durchzuckte es Lorkin. <emphasis>Ich wei� nicht, was hier vorgeht, aber ich kann sie nicht einfach sterben lassen.</emphasis> Er sandte seine Magie aus, umfasste Tyvara damit, um sie wegzusto�en, sprang aufs Bett und griff nach der sterbenden Frau.</p><p>Und sp�rte, dass ihm selbst und seiner Magie m�helos eine andere Kraft entgegengesetzt wurde. Sie zerschmetterte seine magischen Bande und rollte ihn vom Bett, so dass er hart auf dem Boden aufschlug. Benommen lag er da. <emphasis>Sie hat Magie. Tyvara hat Magie. Sie ist nicht, was sie zu sein vorgibt. Und� autsch!</emphasis></p><p>�Es tut mir leid, Lord Lorkin.�</p><p>Als er aufblickte, sah er, dass Tyvara �ber ihm stand. <emphasis>Wie stark ist sie?</emphasis> Er musterte sie zweifelnd. <emphasis>Ist sie eine sachakanische Schwarzmagierin? Aber sie lehren Frauen keine Magie. Nun, ich nehme an, sie w�rden es vielleicht tun, wenn sie einen Spion brauchten�</emphasis></p><p>�Diese Frau stand im Begriff, Euch zu t�ten�, erkl�rte sie ihm.</p><p>Er starrte sie an. �Da habe ich aber einen anderen Eindruck gewonnen.�</p><p>Sie l�chelte, doch es lag keine Freude in diesem L�cheln. �Doch, sie wollte Euch t�ten. Sie ist hierhergeschickt worden, um es zu tun. Ihr habt Gl�ck, dass ich rechtzeitig gekommen bin, um sie daran zu hindern.�</p><p><emphasis>Sie ist wahnsinnig,</emphasis> dachte er. Aber sie war auch eine Magierin, und er hatte keine Ahnung, wie gro� ihre Macht war. In jedem Fall w�re es sicherer, mit ihr zu reden, anstatt zu versuchen, um Hilfe zu rufen. Und wenn er mit ihr reden wollte, w�rde es �berzeugender sein, wenn er nicht unbekleidet auf dem Boden hockte.</p><p>Langsam stand er auf. Sie machte keine Anstalten, ihn daran zu hindern. Er sah, dass die Frau, die sie erstochen hatte, zur Decke emporstarrte. Oder dar�ber hinaus. <emphasis>Und sie sieht absolut nichts�� und wird nie wieder etwas sehen.</emphasis> Er schauderte.</p><p>Dann wich er r�ckw�rts zu den an der Wand h�ngenden Roben zur�ck, die die Sklaven f�r ihn gereinigt und bereitgelegt hatten, und ergriff die Hose. Auf seiner Brust waren Blutflecken. Er wischte das Blut mit einem Tuch ab, das die Sklaven jeden Abend in seinem Zimmer lie�en, zusammen mit einer Schale Wasser, damit er sich am Morgen waschen konnte.</p><p>�Ich entnehme Eurer Skepsis, dass Ihr den �Liebestod� nicht kennt�, sagte Tyvara. �Es ist eine Form h�herer Magie. Wenn ein Mann oder eine Frau w�hrend der Liebe den Gipfel der Lust erreicht, versagt sein oder ihr nat�rlicher k�rpereigener Schutz gegen das Eindringen fremder Magie, und der Betreffende ist so verletzbar, dass man ihm alle Macht�� und sein Leben nehmen kann. Sachakanische M�nner wissen um den �Liebestod� und sind davor auf der Hut, aber sie wissen nicht, wie er praktiziert wird. Fr�her wussten sie es anscheinend, verloren das Wissen jedoch, als sie aufh�rten, Frauen in Magie zu unterweisen.�</p><p>�Du bist eine Frau�, bemerkte Lorkin, w�hrend er seine Hose anzog. �Wie kommt es also, dass du Magie beherrschst?�</p><p>Sie l�chelte. �M�nner haben aufgeh�rt, Frauen in der Magie zu unterweisen. Die Frauen jedoch haben nicht damit aufgeh�rt.�</p><p>�Wei�t du ebenfalls, wie man diesen �Liebestod� wirkt?� Sein Notizbuch und der Blutring seiner Mutter lagen auf dem Tisch. Er hob den Ring auf, w�hrend er nach der Robe an der Wand griff, und hoffte, dass sie nur letztere Bewegung wahrnehmen w�rde. Als er die Robe �berstreifte, hielt er den Ring fest in der Hand. Dann griff er nach seinem Notizbuch, schob es in die Innentasche und lie� gleichzeitig den Ring hineinfallen.</p><p>�Ja. Obwohl es nicht meine bevorzugte Methode des Auftragsmordes ist.� Sie sah die Fremde an. Lorkin, der ihrem Blick folgte, betrachtete den Leichnam. <emphasis>Wenn Tyvara eine Methode h�herer Magie kennt, besteht durchaus die M�glichkeit, dass sie noch andere kennt. Und dass sie viel, viel st�rker ist als ich.</emphasis></p><p>�Was bist du wirklich? Du bist offensichtlich keine echte Sklavin.�</p><p>�Ich bin eine Spionin. Ich wurde hierhergeschickt, um Euch zu besch�tzen.� �Von wem?�</p><p>�Das kann ich Euch nicht sagen.�</p><p>�Aber wer immer es ist, er oder sie will, dass ich am Leben bleibe?� �Ja.�</p><p>Er blickte zu der toten Frau hin�ber. �Du� �h, Ihr habt sie get�tet, um mich zu retten.�</p><p>�Ja. Wenn ich sie nicht hier bei Euch gefunden h�tte, w�rt Ihr die Leiche gewesen, nicht sie.� Sie seufzte. �Ich entschuldige mich. Ich habe einen Fehler gemacht. Ich dachte, Ihr w�rt in Sicherheit. Schlie�lich habt Ihr mir erkl�rt, dass Ihr nicht die Absicht h�ttet, irgendwelche Sklavinnen in Euer Bett zu nehmen. Ich h�tte Euch nicht glauben sollen.�</p><p>Er sp�rte, wie sein Gesicht hei� wurde. �Es war auch nicht meine Absicht.�</p><p>�Ihr habt nicht gerade versucht, sie aufzuhalten.�</p><p>�Es war dunkel. Ich dachte, sie sei�� Er riss sich zusammen. Tyvara war nicht die Person, f�r die er sie gehalten hatte. Sie war eine Schwarzmagierin, wahrscheinlich eine Spionin, und sie hatte zugegeben, bevorzugte Methoden des Auftragsmordes zu haben. Es war vielleicht keine gute Idee, sie denken zu lassen, dass er Gefallen an ihr gefunden hatte. <emphasis>Und ich bin mir nicht sicher, ob mir die Person, die sie wirklich ist, tats�chlich gef�llt.</emphasis></p><p>Ihre Augen waren dunkler denn je. Dann wurden sie schmal. �Ihr dachtet, sie sei was?�</p><p>Er sah weg, dann zwang er sich, ihrem Blick zu begegnen. �Jemand anderer. Ich war nicht richtig wach. Ich dachte, ich w�rde tr�umen.�</p><p>�Ihr m�sst interessante und angenehme Tr�ume haben�, bemerkte sie. �Und jetzt nehmt Eure Sachen.�</p><p>�Sachen?�</p><p>�Was immer Ihr nicht zur�cklassen wollt.� �Ich gehe fort?�</p><p>�Ja.� Wieder schaute sie zu der toten Frau hin�ber.</p><p>�Wenn die Leute, die sie geschickt haben, begreifen, dass es ihr nicht gelungen ist, Euch zu t�ten, werden sie jemand anderen herschicken, der die Aufgabe erledigt. Und sie werden gleichzeitig jemanden ausschicken, der mich t�tet. Es ist f�r keinen von uns sicher hier, und ich brauche Euch lebendig.�</p><p>�Und D� Botschafter Dannyl?�</p><p>Sie l�chelte. �Er ist kein Ziel.�</p><p>�Wie k�nnt Ihr Euch da so sicher sein?�</p><p>�Weil er nicht der Sohn des Mannes ist, der ihnen in die Quere gekommen ist.�</p><p>Er erstarrte vor �berraschung. <emphasis>Hatte Mutter recht? Sie war sich so sicher, dass jemand wegen meiner Eltern einen Groll gegen mich hegen w�rde.</emphasis></p><p>Sie machte einen Schritt auf die T�r zu. �Beeilt Euch. Wir haben nicht viel Zeit.�</p><p>Er bewegte sich nicht. <emphasis>Glaube ich ihr? Habe ich eine Wahl? Sie versteht sich auf schwarze Magie. Sie kann mich wahrscheinlich dazu zwingen, sie zu begleiten. Und wenn sie mich tot sehen will, warum sollte sie mir dann das Leben retten? Es sei denn, es war eine L�ge, und sie hat soeben eine unschuldige Sklavin get�tet, um mich davon zu �berzeugen �um mich von irgendetwas zu �berzeugen.</emphasis></p><p>Dann erinnerte er sich an den Ausdruck auf dem Gesicht der Fremden, als sie Tyvara erblickte. <emphasis>�Aber �er muss sterben�,</emphasis> hatte sie gesagt. Das best�tigte, dass sie die Absicht gehabt hatte, ihn zu t�ten. <emphasis>�Du bist eine Verr�terin an deinem Volk!�,</emphasis> hatte sie au�erdem zu Tyvara gesagt. Bezog sich �an deinem Volk� auf das sachakanische Volk? Pl�tzlich erschienen ihm die Sorgen seiner Mutter allzu real. <emphasis>Zumindest scheint Tyvara mich am Leben lassen zu wollen. Wenn ich hierbleibe, wer wei�, was dann geschehen wird? Nun, Tyvara glaubt, dass jemand anderer versuchen wird, mich zu t�ten.</emphasis></p><p>Er steckte in Schwierigkeiten. Aber er erinnerte sich an das, was er bei der Anh�rung beschlossen hatte. In welche Schwierigkeiten er auch geraten sollte, er musste das Problem selbst l�sen. W�hrend er die M�glichkeiten abwog, die er hatte, entschied er sich f�r das, wovon er hoffte, es sei die beste dieser M�glichkeiten.</p><p>Er blickte sich im Raum um. Brauchte er sonst noch etwas? Nein. Er ging zu Tyvara hin�ber.</p><p>�Ich habe alles, was ich brauche.�</p><p>Sie nickte, wandte sich der T�r zu und sp�hte in den Flur hinaus.</p><p>�Also, was sagtet Ihr noch, wer genau es war, dem mein Vater in die Quere gekommen sei?�, fragte er.</p><p>Sie verdrehte die Augen. �Wir haben keine Zeit f�r Erkl�rungen.�</p><p>�Ich wusste, dass Ihr das sagen w�rdet.�</p><p>�Aber ich werde es Euch sp�ter erkl�ren.�</p><p>�Ich nehme das als Versprechen�, erwiderte er.</p><p>Sie runzelte die Stirn, legte eine Hand auf die Lippen, um ihn zum Schweigen zu ermahnen, dann bedeutete sie ihm, ihr zu folgen, und schl�pfte leise in die dunklen Flure des Gildehauses hinaus.</p><empty-line/><p>Fr�her h�tte Cery sich ohne ein Licht durch die vertrauten Teile der Stra�e der Diebe bewegt. In der Dunkelheit war die Gefahr gering gewesen, einem Messer zu begegnen, da nur jene, die von den Dieben gebilligt wurden, das Netzwerk der G�nge unter der Stadt benutzt hatten, und der Waffenstillstand zwischen den Dieben hatte daf�r gesorgt, dass nur von den Dieben gebilligte M�rder in den Tunneln anzutreffen gewesen waren.</p><p>Jetzt gab es keinen Waffenstillstand, und jeder, der es wagte, konnte die Stra�e benutzen. Es war schnell so gef�hrlich geworden, dass nur wenige es taten, was ironischerweise die verlassenen Teile umso sicherer machte. Und Geschichten �ber �bergro�e Nagetiere und Ungeheuer hielten alle bis auf die K�hnsten von Erkundungsz�gen ab.</p><p><emphasis>Aber ich w�rde trotzdem nicht ohne ein Licht weitergehen,</emphasis> dachte Cery, als er eine Ecke umrundete. Sein Herz hatte, seit sie auf der Stra�e angekommen waren, unbehaglich schnell geschlagen. Er w�rde sich erst wieder entspannen, wenn sie sie verlie�en. Nachdem er um die Biegung geschaut hatte, hob er die Lampe, und eine neuerliche Welle der Erleichterung schlug �ber ihm zusammen, als er sah, dass sich niemand im Tunnel vor ihnen aufhielt. Dann wurde ihm klar, dass das, was er f�r die n�chste Biegung gehalten hatte, tats�chlich Schutt war, der ihm den Weg versperrte. Seufzend drehte er sich zu Gol um.</p><p>�Eine weitere Blockade�, sagte er.</p><p>Gol zog die Augenbrauen hoch. �Die war letztes Mal nicht da.�</p><p>�Nein.� Cery blickte zur Decke auf. Als er den Riss dort sah, wo sich das Mauerwerk aus Ziegeln teilte, zuckte er zusammen. �Niemand k�mmert sich heutzutage noch um die Wartung. Wir werden darum herumgehen m�ssen.�</p><p>Sie gingen ein St�ck zur�ck, und Cery w�hlte einen nach rechts f�hrenden Gang. Gol z�gerte, bevor er ihm folgte.</p><p>�Kommen wir da nicht�?�, begann der gro�e Mann.</p><p>��der Schneckenstadt ziemlich nahe?�, beendete Cery seine Frage. �Ja. Wir sollten besser leise sein.�</p><p>Die Schnecken waren eine Gruppe von Stra�enkindern gewesen, die Zuflucht in den unterirdischen G�ngen gefunden hatten, nachdem ihre Gegend der H�ttenviertel neuen Stra�en und Geb�uden hatte weichen m�ssen. Sie hatten sich unter der Erde eingerichtet und kamen nur nach oben, um Essen zu stehlen. Irgendwie hatten sie �berlebt, waren erwachsen geworden und hatten in der Dunkelheit ihrerseits Kinder bekommen, und jetzt verteidigten sie ihr Territorium mit grimmiger Wildheit.</p><p>Der Dieb, der in dem Gebiet �ber der Schneckenstadt arbeitete, hatte einmal versucht, sie unter seine Kontrolle zu bringen. Sein Leichnam und die seiner M�nner waren einige Tage sp�ter aus der Kanalisation gesp�lt worden.</p><p>Danach hatten die Menschen, die �ber der Schneckenstadt lebten, begonnen, an bekannten Tunneleing�ngen Essen zur�ckzulassen, in der Hoffnung, sich die Schnecken gewogen zu halten.</p><p>An jedem Tunneleingang hob Cery seine Lampe und betrachtete das Steinwerk. Die Schnecken zeichneten an die W�nde an den Grenzen ihres Territoriums stets ein Symbol. Erst als er und Gol die Dom�ne der Unterweltb�rger hinter sich gelassen hatten, h�rte er auf, nach Spuren von ihnen Ausschau zu halten. Ungl�cklicherweise stie� er wiederum auf eingest�rzte Tunnel und Anzeichen von Verfall. Aber schon bald erreichten sie den alten Eingang zu den G�ngen unter der Gilde.</p><p>Der Eingang war nach der Ichani-Invasion zerst�rt worden, aber Cery hatte daf�r gesorgt, dass ein neuer Tunnel gegraben wurde. Als Vorsichtsma�nahme hatte er falsche Eing�nge und kluge T�uschungsman�ver eingerichtet, die m�gliche Entdecker wieder in andere Richtungen f�hrten. Jetzt hielt er inne, um zu lauschen und nach m�glichen Beobachtern Ausschau zu halten, dann schl�pfte er, gefolgt von Gol, durch den richtigen Eingang.</p><p>�Viel Gl�ck�, sagte Gol, als er neben der Nische stehen blieb, wo er normalerweise wartete, wenn Cery eine seiner Wanderungen unternahm, um sich mit Sonea zu treffen.</p><p>�Dir auch�, erwiderte Cery. �Und sprich nicht mit Fremden.�</p><p>Der gro�e Mann stie� ein unverst�ndliches Brummen aus und hob seine Lampe, um die Nische in Augenschein zu nehmen. Nachdem er einige Faren-Netze weggewischt hatte, setzte er sich auf den Vorsprung und g�hnte. Cery wandte sich ab und machte sich auf den Weg in die G�nge unter dem Gel�nde der Gilde.</p><p>Wie gro�e Teile der Stra�e der Diebe waren diese Tunnel verfallen. Sie waren ohnehin nie in gutem Zustand gewesen, au�er an den Stellen, wo der Hohe Lord Akkarin Reparaturen vorgenommen hatte. Aber der heimlichtuerische Magier war nicht imstande gewesen, allzu viele Baumaterialien aufzutreiben, da ein solches Tun Verdacht erregt h�tte, so dass er im Wesentlichen Ziegelsteine aus anderen Teilen des Labyrinths benutzt hatte, um die W�nde auszubessern. Die tiefer liegenden Probleme von Feuchtigkeit und sich bewegender Erde waren nie gel�st worden.</p><p><emphasis>Ich bin davon �berzeugt, der Gilde w�re es lieber, sie w�rden zugesch�ttet. Ich w�rde sie ja selbst in Ordnung bringen, aber wenn die Gilde einen Dieb dabei ertappte, wie er ihre unterirdischen G�nge reparierte, glaube ich nicht, dass sie allzu erfreut w�ren. Ich bezweifle, dass sie die Entschuldigung akzeptieren w�rden, dass ich lediglich die M�glichkeit haben will, mich ab und zu mit Sonea zu treffen.</emphasis></p><p>Cerys Herz h�mmerte noch immer, aber jetzt mehr vor Aufregung als vor Furcht. Es versetzte ihn stets in kindliche Erregung, wenn er sich in die Gilde schlich. Die Notwendigkeit, gef�hrliche Bereiche oder Tunneleinst�rze zu meiden, zwang Cery zu einer komplizierteren Route, aber sobald er sich unter den Grundmauern der Universit�t befand, verbesserte sich die Situation. Am heikelsten war der Gang von der Universit�t zu den Magierquartieren, da dieser die einzige unterirdische Route zwischen den Geb�uden war. Seine Hauptfunktion war die eines Abwasserrohrs, an dessen Seite ein schmaler Gang f�r Wartungsarbeiten verlief. Aber er vermutete, dass hier seit Jahren nichts mehr getan worden war. Wasser floss aus Rissen in den W�nden und sickerte durch die Kuppeldecke.</p><p><emphasis>Eines Tages wird es einen Einsturz geben, und sie werden feststellen, dass die Vernachl�ssigung ihrer Kanalisation einen ziemlich stark riechenden Nachteil hat.</emphasis></p><p>Sobald er unter den Grundmauern der Magierquartiere angekommen war, wurde der Gang ein wenig breiter. Unter rechteckige L�cher in der Decke waren Zahlen eingemei�elt worden. Er fand das Loch, nach dem er suchte, stellte seine Lampe an einer trockenen Stelle ab und kletterte dann die Wand hinauf in die �ffnung.</p><p>Dies war der schwierigste Teil der Reise. Die �ffnungen bildeten das untere Ende von Sch�chten oder Kaminen, die bis zum Dach des Geb�udes dar�ber f�hrten. Durch diese Sch�chte floss st�ndig frische Luft herunter. Cery hatte zwei Lieblingstheorien: Entweder handelte es sich um ein Bel�ftungssystem, um zu verhindern, dass die Luft in der Kanalisation allzu giftig wurde, oder es waren Abfallrohre, die so angelegt waren, dass der Geruch der Kanalisation nicht in ihnen aufsteigen konnte.</p><p>Die Sch�chte waren eng, aber gl�cklicherweise trocken. Er kletterte langsam hinauf, wobei er sich Zeit lie� und h�ufig Pausen einlegte. <emphasis>Eines Tages werde ich zu alt daf�r sein. Dann werde ich vorn durch die Tore gehen m�ssen. Oder Sonea wird zu mir kommen m�ssen.</emphasis></p><p>Endlich erreichte er die Wand hinter ihren R�umen. Er hatte vor langer Zeit einen Teil des Mauerwerks entfernt und die Holzvert�felung dahinter blo�gelegt. Jetzt legte er ein Auge an das Guckloch, das er in das Holz gebohrt hatte.</p><p>Der Raum dahinter war dunkel und leer. Aber das war die gewohnte Situation zu dieser Zeit der Nacht. Vorsichtig und leise legte er die H�nde auf die Griffe, die er an die hintere Seite der Vert�felung angebracht hatte, hob sie hoch und drehte.</p><p>Die Vert�felung quietschte ein wenig, als sie sich l�ste. <emphasis>Ich sollte heim n�chsten Mal etwas Wachs mitbringen, um das zu beheben,</emphasis> dachte er. Er trat durch die �ffnung, dann schob er die Vert�felung wieder an ihren Platz.</p><p>Es erf�llte ihn mit einigem Stolz und Befriedigung, dass Sonea ihn nie auf diese Weise hatte hereinkommen sehen. Sie bestand darauf, nicht zu erfahren, wie er in ihre R�ume gelangte oder sie wieder verlie�. Je weniger sie wusste, desto besser war es f�r sie beide. Es war nicht lebensgef�hrlich hierherzukommen, aber die Konsequenzen f�r Sonea w�rden nicht gut sein, sollten seine Besuche entdeckt werden, und dieses Wissen d�mpfte seine schelmische Freude dar�ber, ihr Quartier unbemerkt erreichen zu k�nnen.</p><p>Er machte bewusst einige Ger�usche, polterte gegen M�belst�cke und trat auf ein Dielenbrett, von dem er wusste, dass es knarrte, dann wartete er ab. Aber sie kam nicht aus dem Schlafzimmer. Also bewegte er sich auf die T�r zu und �ffnete sie einen Spaltbreit. Das Bett war gemacht und unbenutzt. Der Raum war leer.</p><p>Entt�uschung lie� die verbliebene Erregung �ber seine Wanderung durch die Tunnel erl�schen. Er setzte sich. Er hatte sie bisher stets angetroffen. <emphasis>Ich habe nie dar�ber nachgedacht, dass sie nicht hier sein k�nnte. Was mache ich jetzt? Auf sie warten?</emphasis></p><p>Aber wenn sie nicht allein, sondern in Begleitung zur�ckkehrte, k�nnte es ein wenig unangenehm werden. Er w�rde keine Zeit haben, in den Schacht zu entkommen. Und der Schacht war ein zu unbequemer Ort, um dort zu warten und nach ihr Ausschau zu halten.</p><p>Leise fluchend stand er wieder auf und untersuchte sorgf�ltig den Inhalt ihrer M�belst�cke. Schlie�lich fand er Papier und einen Stift. Er riss eine kleine Ecke von einem Blatt ab, zeichnete ein winziges Bild eines Ceryni, des Nagetiers, das sein Namensvetter war, und schob es unter der T�r zu ihrem Schlafzimmer hindurch.</p><p>Dann kehrte er zu der Vert�felung zur�ck und machte sich auf den langen Heimweg.</p><empty-line/><p>Der Sklave, der Dannyl an der T�r des Gildehauses begr��te, hatte es besonders eilig, sich zu erniedrigen. Zu viele aufregende Entdeckungen besch�ftigten Dannyl jedoch, und er nahm nicht wahr, was der Mann sagte. Auf dem R�ckweg vom Palast hatte er in seinem Notizbuch so viel wie m�glich von dem, was der K�nig ihm �ber sachakanische Geschichte erz�hlt hatte, niedergeschrieben, aber noch w�hrend er den Flur entlangging, fiel ihm etwas ein, das er vergessen hatte.</p><p><emphasis>Ich muss mich hinsetzen und all das zu Papier bringen. Es wird eine lange Nacht werden, vermute ich. Ich frage mich, ob Achati morgen f�r mich einen stillen Abend arrangieren k�nnte� Was ist das?</emphasis></p><p>Im Hauptraum bedeckte ein Meer von Sklaven den Boden. Der T�rsklave hatte sich neben sie gelegt. Es war ein so unwirklicher Anblick, dass er f�r einen Moment nicht sprechen konnte.</p><p>�Erhebt euch�, befahl er.</p><p>Wie aufs Stichwort erhob sich die Gruppe langsam auf die F��e. Er sah M�nner und Frauen, die er nicht erkannte: einige in der robusten Kleidung f�r die Arbeit im Freien, andere mit Ledersch�rzen mit Essensflecken darauf.</p><p>�Warum seid ihr alle hier?�, fragte er.</p><p>Die Sklaven tauschten Blicke, dann schauten sie zu dem T�rsklaven hin�ber. Der Mann beugte sich vor, als h�tten ihre Blicke Gewicht.</p><p>�L-Lord Lorkin ist� ist� ist��</p><p>Dannyls Herz setzte einen Schlag aus, dann begann es zu rasen. Nur etwas Schreckliches konnte dieses Ma� an Unterw�rfigkeit rechtfertigen.</p><p>�Er ist was? Tot?�</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf, und eine Welle der Erleichterung schlug �ber Dannyl zusammen. �Was dann?� �W-weg.�</p><p>Der Mann warf sich abermals zu Boden, und der Rest der Sklaven folgte seinem Beispiel. Ver�rgert holte Dannyl tief Luft und zwang sich, gelassen zu bleiben.</p><p>�Wohin weg?�</p><p>�Das wissen wir nicht�, antwortete der T�rsklave mit erstickter Stimme. �Aber� er hat� in seinem Zimmer� gelassen.�</p><p><emphasis>Er hat etwas in seinem Zimmer zur�ckgelassen. H�chstwahrscheinlich einen Brief, in dem er erkl�rt, warum er fortgegangen ist. Und aus irgendeinem Grund denken die Sklaven, dass ich w�tend sein werde. Hat Lorkin es sich in den Kopf gesetzt, nach Hause zu reisen?</emphasis></p><p>�Steht auf�, befahl er. �Ihr alle. Kehrt an eure Arbeit zur�ck. Nein. Wartet.� Die Sklaven hatten begonnen, sich hochzurappeln. <emphasis>M�glicherweise werde ich sie befragen m�ssen.</emphasis> �Bleibt hier. Du�, er zeigte auf den T�rsklaven, �du kommst mit mir.�</p><p>Das braune Gesicht des Mannes nahm eine teigige Farbe an. Stumm folgt er Dannyl durch das Gildehaus zu Lorkins Gem�chern. �berall im Hauptraum waren Lampen entz�ndet worden, und im Schlafzimmer brannte ebenfalls noch eine.</p><p>�Lord Lorkin?�, rief Dannyl, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Wenn Lorkin ihnen gesagt hatte, dass er fortgehe, w�rde er wohl kaum hier sein. Trotzdem ging Dannyl zum Schlafzimmer hin�ber und schaute hinein.</p><p>Bei dem Anblick, der sich ihm bot, gefror ihm das Blut zu Eis.</p><p>Eine nackte Sachakanerin lag dort, so verrenkt, dass ihr Gesicht der Decke zugewandt war, ihr R�cken jedoch zu ihm zeigte. Ihre Augen waren starr. Die Laken um sie herum waren voller dunkelroter Flecken. An manchen Stellen gl�nzten sie noch feucht. Er konnte das Messer sehen, das in ihrem R�cken steckte.</p><p>Einen Moment sp�ter fuhr Dannyl herum und bedachte den T�rsklaven mit einem strengen Blick. �Wie ist das geschehen?�</p><p>Der Mann wand sich. �Ich wei� es nicht. Niemand wei� es. Wir haben Ger�usche geh�rt. Stimmen. Nachdem sie verstummt waren, sind wir hergekommen, um nachzusehen.� Sein Blick wanderte zu der Leiche, dann sah er schnell wieder weg.</p><p><emphasis>Hat Lorkin das getan?,</emphasis> h�tte Dannyl gern gefragt. <emphasis>Aber wenn der Mann sagt, er wisse nicht, was geschehen ist, wird er auch nicht wissen, ob Lorkin daf�r verantwortlich ist.</emphasis></p><p>�Wer ist sie?�, fragte Dannyl stattdessen.</p><p>�Riva.�</p><p>�Ist sie eine der Sklavinnen dieses Hauses?� �J-ja.�</p><p>�Ist sonst noch jemand verschwunden?�</p><p>Der Mann runzelte die Stirn, dann weiteten sich seine Augen. �Tyvara.�</p><p>�Noch eine Sklavin?�</p><p>�Ja. Wie Riva. Eine Dienstsklavin.�</p><p>Dannyl betrachtete noch einmal die Tote. Hatte diese Tyvara irgendwie mit dem Mord zu tun? Oder hatte sie das gleiche Schicksal erlitten?</p><p>�Waren Riva und Tyvara� miteinander befreundet?�, fragte Dannyl. �Hat irgendjemand sie miteinander sprechen sehen?�</p><p>�I-ich wei� nicht.� Der Mann blickte zu Boden. �Ich werde fragen.�</p><p>�Nein�, erwiderte Dannyl. �Bring die Sklaven zu mir. Sie sollen sich drau�en im Flur in einer Reihe aufstellen, und sag ihnen, dass sie nicht miteinander sprechen sollen.� Der Mann eilte davon. <emphasis>Ich nehme an, sie hatten bereits Zeit, ihre Aussagen aufeinander abzustimmen und sich gute Alibis oder Entschuldigungen auszudenken. Aber sie werden ihre Geschichte nicht ab�ndern k�nnen.</emphasis></p><p>Er w�rde unverz�glich eine Nachricht an Ashaki Achati schicken m�ssen. Die Sklaven geh�rten dem K�nig. Dannyl war sich nicht sicher, ob die Ermordung eines dieser Sklaven ein gro�es Problem darstellen w�rde. Aber Lorkins Verschwinden war ein Problem. Vor allem wenn man ihn gegen seinen Willen aus dem Gildehaus weggebracht hatte. Vor allem wenn er die Sklavin ermordet hatte.</p><p><emphasis>Achati wird zweifellos alle Sklaven selbst befragen. Er wird wahrscheinlich ihre Gedanken lesen. Es ist m�glich, dass er Informationen, die er vor mir geheim halten will, verbergen wird. Also muss ich so viel wie m�glich in Erfahrung bringen, bevor Achati eintrifft.</emphasis></p><p>Er richtete sich auf, als ihn ein kalter Schauer �berlief.</p><p><emphasis>Ist es ein Zufall, dass ich in der Nacht in den Palast eingeladen werde, in der eine der Sklavinnen des K�nigs hier ermordet wird?</emphasis></p><p>Hatte Lorkin die Sklavin get�tet? Gewiss nicht. Aber es sah eindeutig so aus. War es Selbstverteidigung gewesen? <emphasis>Ich sollte auch nach Beweisen f�r das eine oder das andere suchen, bevor die M�nner des K�nigs erscheinen.</emphasis> Dannyl ging weiter in den Raum hinein und starrte die Leiche an. Abgesehen von der Messerwunde sah er auf ihrem Arm eine Linie roten, geperlten Blutes entlang eines flachen Schnitts. <emphasis>Interessant. Das sieht aus wie ein Beweis f�r schwarze Magie.</emphasis> Er zwang sich, den Schenkel der Frau zu ber�hren und mit seinen Sinnen zu suchen. Und tats�chlich, jemand hatte die Energie aus dem K�rper gesogen. Es war schwarze Magie benutzt worden. Seine Erleichterung war �berw�ltigend. Es <emphasis>kann nicht Lorkin gewesen sein.</emphasis></p><p>Warum war Lorkin dann verschwunden? War er ein Gefangener eines sachakanischen Schwarzmagiers? Pl�tzlich wurde Dannyl �bel.</p><p><emphasis>Wenn Sonea das herausfindet�</emphasis> Aber w�rde sie es erfahren m�ssen? Wenn es ihm gelang, Lorkin schnell aufzusp�ren, w�rde es keine schlechten Nachrichten zu �berbringen geben.</p><p>Er musste Lorkin finden, und zwar schnell. Ger�usche aus dem Flur verrieten ihm, dass die Sklaven zu der Befragung eingetroffen waren. Er seufzte. Es <emphasis>w�rde</emphasis> eine lange Nacht werden. Aber nicht aus den Gr�nden, die er vorgezogen h�tte.</p></section></section><section><title><p>Zweiter Teil</p></title><section><title><p>16</p><p>Der J�ger </p></title><p>W�hrend Sonea die besudelten Verb�nde mit Magie in der Luft hielt, sandte sie einen Hitzeblitz in den Stoff. Die Verb�nde gingen in Flammen auf und zerfielen schnell zu Asche. Der Geruch von verbranntem Tuch, vermischt mit einem widerw�rtigen Gestank nach gekochtem Fleisch, lag in der Luft. Sonea lie� die Asche in einen Eimer fallen, der eigens zu diesem Zweck im Raum stand, dann erhitzte sie mit Magie ein wenig Duft�l in einer Schale, bis dessen w�rziger Geruch die anderen, weniger angenehmen �berlagerte. Nachdem sie hinter dem letzten Patienten sauber gemacht hatte, lie� sie die T�r zum Untersuchungsraum aufspringen.</p><p>Der Mann, der hereinkam, war in mittleren Jahren, vertraut und eher klein. Ihr Herz machte einen Satz, als sie ihn erkannte.</p><p>�Cery!�, fl�sterte sie. Sie sah sich hastig im Raum um, obwohl sie wusste, dass niemand au�er ihr da war. �Was tust du hier?�</p><p>Er zuckte die Achseln und setzte sich auf einen der St�hle f�r Patienten und ihre Familien. �Ich habe es in deinen R�umen in der Gilde versucht, aber du warst nicht da.�</p><p>�Du h�ttest morgen Nacht zur�ckkommen k�nnen�, sagte sie. Wenn er erkannt wurde und jemand der Gilde seinen Besuch meldete, w�rden alle wissen, dass sie Verbindung zu einem Dieb hatte. <emphasis>Obwohl das jetzt nicht l�nger gegen irgendwelche Regeln verst��t.</emphasis> Aber man w�rde es als verd�chtig ansehen, so kurz nachdem sie auf die Ver�nderung der Regel gedr�ngt hatte. Wenn es so aussah, als benutzte sie das Hospital, um sich mit Dieben zu treffen, konnte das alles gef�hrden, was sie hier erreicht hatte.</p><p>Ironischerweise war die Gefahr, dass er erkannt wurde, im Hospital gr��er als in der Gilde. Sonea bezweifelte, dass irgendjemand au�er Rothen sich nach all den Jahren noch an Cery erinnern w�rde. Aber bei den Patienten im Hospital war es eher wahrscheinlich, dass sie wussten, wie Cery aussah, und sie k�nnten einem Helfer oder einem Heiler erz�hlen, mit wem sie sich traf.</p><p>�Es ist zu wichtig, um zu warten�, erkl�rte Cery.</p><p>Sie blickte ihm direkt in die Augen. Seine ernste Miene lie� ihn so anders aussehen als den Stra�enjungen, mit dem sie als Kind so viel Zeit verbracht hatte. Er wirkte ausgezehrt und traurig, und ein frischer Stich des Mitgef�hls durchzuckte sie. Er trauerte weiter um seine Familie. Sie holte tief Luft und stie� den Atem langsam wieder aus.</p><p>�Wie kommst du zurecht?�</p><p>Er hob die Schultern. �Recht gut. Ich besch�ftigte mich mit der Suche nach einem wilden Magier in der Stadt.�</p><p>Sie blinzelte, dann konnte sie sich ein L�cheln nicht verkneifen. �Ein wilder Magier, hm?�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie lehnte sich auf ihrem Stuhl zur�ck. �Sprich weiter. Fang am Anfang an.�</p><p>Er l�chelte. �Nun, begonnen hat alles, als mein Schlossmacher behauptete, die Schl�sser zu meinem Versteck seien mit Magie ge�ffnet worden.�</p><p>W�hrend er weitersprach, beobachtete sie ihn genau. Bei der Erw�hnung seiner Familie zuckte er zusammen, als litte er Schmerzen. Die Trauer war noch frisch. Aber wann immer er von dem J�ger der Diebe sprach, gl�nzten seine Augen, und sein Kinn verh�rtete sich. <emphasis>Diese Suche ist ebenso sehr eine M�glichkeit, sich von dem Verlust abzulenken, wie sie der Rache gilt.</emphasis></p><p>Schlie�lich erz�hlte er ihr triumphierend, dass er die fremdl�ndische Frau beobachtet habe, wie sie Magie benutzte, um den Tresor zu �ffnen.</p><p>�Eine Frau�, wiederholte er. �Mit dunkler Haut wie ein Lonmar und glattem, schwarzem Haar. Aufgrund ihrer Stimme w�rde ich sagen, dass sie alt war, aber sie bewegte sich nicht wie ein alter Mensch. Und ihr Akzent war fremdl�ndisch, aber keiner, den ich schon einmal geh�rt habe. Ich w�rde wetten, dass sie nicht aus einem der Verb�ndeten L�nder kommt.�</p><p>�Sachakanerin?�</p><p>�Nein. Eine Sachakanerin h�tte ich erkannt.�</p><p>In der Gilde gab es niemanden, auf den diese Beschreibung passte. Cery k�nnte sich geirrt haben, und die Frau war eine Lonmar, aber die Lonmar schickten keine Frauen in die Gilde. <emphasis>Obwohl das der Grund sein k�nnte, warum die Frau der Gilde nicht beigetreten ist. Wenn sie ein Naturtalent war und ihre Macht sich spontan entwickelt hatte, h�tten die Lonmar sie lehren m�ssen, wie sie ihre Macht kontrollieren konnte. Aber danach� Wir sind uns nicht sicher, was die Lonmar tun. Wir nehmen an, dass sie den Frauen einfach verbieten, Magie zu benutzen, aber es ist m�glich, dass sie ihre Kr�fte blockieren. Diese wilde Magierin k�nnte weggelaufen sein, um einem solchen Schicksal zu entgehen.</emphasis></p><p>Aber warum sollte sie nach Imardin kommen? Gewiss wusste sie, dass die Bedingungen des B�ndnisses die Gilde zwangen, Lonmars Gesetze in Bezug auf weibliche Magier zu respektieren. Wenn sie sie fanden, w�rden sie sie nach Hause zur�ckschicken m�ssen.</p><p><emphasis>Cery hat die Antwort darauf erraten: B�cher. Wenn sie weggelaufen ist, um frei zu sein, Magie zu erlernen und zu benutzen, dann war Imardin der Ort, an dem f�r sie die gr��te Wahrscheinlichkeit bestand, an magische Informationen heranzukommen. Aber B�cher �ber Magie k�nnen nicht billig sein. Stiehlt sie sie oder das Geld daf�r den Dieben, die sie t�tet, oder verdingt sie sich als M�rderin von Dieben?</emphasis></p><p>Oder es war keins von beidem. Cery hatte gesagt, dass das Schloss zu seinem Versteck mit Magie ge�ffnet worden sei, nicht dass seine Familie damit get�tet wurde. Sie runzelte die Stirn. �Wie kannst du dir sicher sein, dass diese Frau und der J�ger der Diebe ein und dieselbe Person sind?�</p><p>�Entweder ist sie der J�ger, oder sie arbeitet f�r den J�ger, oder es gibt da drau�en zwei wilde Magier. Sobald du sie gefangen hast, kannst du ihre Gedanken lesen und es herausfinden.�</p><p>�Hast du den Verk�ufer anschlie�end befragt?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Wir brauchen ihn und seinen Laden f�r eine weitere Falle.� Er grinste. �Nur dass du beim n�chsten Mal bei mir sein wirst, und wir werden uns einen wilden Magier fangen.�</p><p>Sonea runzelte die Stirn. �Ich w�nschte, das w�re m�glich, aber heutzutage steht es mir nicht frei, in der Stadt herumzulaufen, Cery.�</p><p>Seine Schultern sackten in beinahe kindlicher Entt�uschung herab. Er wirkte nachdenklich. �Vielleicht wenn ich sie irgendwie hierherlocken k�nnte.�</p><p>�Ich bezweifle, dass sie sich freiwillig in die N�he von Magiern begeben wird, und die Hospit�ler sind immer voll von ihnen.�</p><p>�Es sei denn, du veranlasst, dass an einem Abend alle fortgehen, und wir setzen ein Ger�cht in Umlauf, dass hier B�cher �ber Heilkunst herumliegen.�</p><p>�Ich w�rde den anderen Heilern meine Gr�nde nennen m�ssen, und wenn ich das tue, kann ich geradeso gut der Gilde von der wilden Magierin erz�hlen und es ihr �berlassen, sie zu finden.�</p><p>�Kannst du dir keinen anderen Grund ausdenken?�</p><p>Sonea seufzte. Sie bezweifelte, dass es Cery k�mmerte, ob man es ihm als Verdienst anrechnen w�rde, eine wilde Magierin entdeckt und der Gilde geholfen zu haben, sie zu fangen. Er wollte nur Rache�� und zweifellos wollte er verhindern, dass er selbst zum n�chsten Opfer des J�gers der Diebe wurde.</p><p><emphasis>Ich w�rde ihm gern helfen. Aber wenn die Gilde von mir erwartet, dass ich die Neuigkeit �ber die wilde Magierin an sie weiterleite, und wenn ich das nicht tue, wird es ein Grund mehr sein, mir zu misstrauen.</emphasis></p><p>Ihre makellose Vertrauensw�rdigkeit seit der Ichani-Invasion w�rde durch die L�ge besudelt werden, und die Leute waren bereits so empfindlich, was ihre Vergangenheit und ihre Kenntnis schwarzer Magie betraf. Sie w�rden ihr die Freiheit nehmen, die Hospit�ler zu leiten. Sie w�rden sie zwingen, das Gel�nde der Gilde nicht mehr zu verlassen.</p><p><emphasis>Ich bin besser beraten, die Information an die H�heren Magier weiterzuleiten und es ihnen zu �berlassen, darauf zu reagieren. Es spielt keine Rolle, ob ich diejenige bin, die die wilde Magierin findet, oder jemand anderer. Es z�hlt nur, dass sie gefunden wird. So oder so, Cery wird sowohl seine Rache haben als auch ein gewisses Ma� an Sicherheit.</emphasis></p><p>�Wei�t du, wo die Frau jetzt ist?�, fragte sie.</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Aber ich wei� jetzt, wie sie aussieht, und ihre Erscheinung ist so auff�llig, dass ich andere beauftragen kann, ebenfalls nach ihr Ausschau zu halten.�</p><p>�Lass nicht zu, dass irgendjemand sie anspricht�, warnte sie. �Sie hat offensichtlich die Kontrolle �ber ihre Kr�fte, und sie ist alt genug, um sie mit einiger Geschicklichkeit benutzen zu k�nnen.�</p><p>�Oh, sie ist ganz anders, als du warst�, pflichtete Cery ihr grinsend bei. �Du magst vor all jenen Jahren vielleicht den Wunsch gehabt haben, den einen oder anderen Dieb zu t�ten, aber du bist nie so weit gegangen, sie zu jagen und� oder�� Er wandte den Blick ab, und seine Miene war pl�tzlich grimmig.</p><p><emphasis>� oder ihre Familien zu t�ten,</emphasis> beendete sie seinen Satz im Stillen, und abermals versp�rte sie Mitgef�hl. �Ich muss dar�ber nachdenken, aber ich werde wahrscheinlich die Gilde informieren und es ihr �berlassen m�ssen, nach der wilden Magierin zu suchen.�</p><p>�Nein!�, protestierte er. �Sie werden es einfach verpfuschen, wie sie es bei dir gemacht haben.�</p><p>�Oder sie werden sich das, was sie aus jener Erfahrung gelernt haben, zu Herzen nehmen und diesen Fall anders angehen.�</p><p>Er runzelte finster die Stirn. <emphasis>�Ganz</emphasis> anders, hoffe ich.�</p><p>�Bist du bereit, mit ihnen zusammenzuarbeiten?�, fragte sie, suchte seinen Blick und hielt ihm stand.</p><p>Er verzog das Gesicht, dann seufzte er. �Vielleicht. Ja. Ich sch�tze, ich muss es tun. Ich habe keine gro�e Wahl, oder?�</p><p>�Eigentlich nicht. Sag mir, wie sie sich mit dir in Verbindung setzen k�nnen.�</p><p>Cery seufzte. �K�nntest du� dar�ber schlafen, bevor du es irgendjemandem erz�hlst?�</p><p>Sie l�chelte. �In Ordnung. Ich werde mich vor der heutigen Nachtschicht entscheiden. Du wirst entweder von mir h�ren, oder die Gilde wird an deine T�r klopfen.�</p><empty-line/><p>Die Augen des K�chensklaven waren rund geworden, sobald er den Raum betreten und die Leiche entdeckt hatte, und w�hrend Dannyls gesamtem Verh�r waren sie so gro� geblieben. Doch er hatte gelassen und ohne Z�gern geantwortet.</p><p>�Wann hast du Tyvara zum letzten Mal gesehen?�, fragte Dannyl.</p><p>�Gestern Abend. Ich bin im Flur an ihr vorbeigegangen. Sie war auf dem Weg zu diesen R�umen.� �Hat sie etwas gesagt?� �Nein.�</p><p>�Wirkte sie irgendwie anders als sonst? Vielleicht nerv�s?�</p><p>�Nein.� Der Sklave hielt inne. �Sie wirkte w�tend, denke ich. Es war dunkel.�</p><p>Dannyl nickte und registrierte die kleine Einzelheit. Er hatte inzwischen eine recht ansehnliche Liste von Details, aber andererseits befragte er nun schon seit einigen Stunden die Sklaven.</p><p>�Du sagtest, sie und Riva h�tten einander gekannt. Hast du sie jemals streiten sehen? Ist dir etwas Merkw�rdiges zwischen den beiden Frauen aufgefallen?�</p><p>�Sie haben sich gestritten, ja. Tyvara hat Riva oft gesagt, was sie tun solle. Riva hat das nicht gefallen. Tyvara hatte kein Recht dazu. Aber�, der Mann zuckte die Achseln, �es kommt vor.�</p><p>�Dass einige Sklaven andere herumkommandieren?� Der Mann nickte. �Ja.�</p><p>�Hast du sie gestern irgendwann streiten sehen oder h�ren?�</p><p>Der Mann �ffnete den Mund zu einer Antwort, hielt jedoch inne, als es leise an der T�r klopfte. Dannyl blickte auf. Der Sklave, der stets die T�r des Gildehauses �ffnete, stand nerv�s im Eingang. Im n�chsten Moment warf der Mann sich auf den Boden.</p><p>�Du darfst dich erheben. Was hast du mir zu sagen?�, fragte Dannyl.</p><p>�Ashaki Achati ist soeben eingetroffen.� Der Sklave rang die H�nde, wie er es seit Dannyls R�ckkehr ins Gildehaus jedes Mal getan hatte, wenn Dannyl ihn sah.</p><p>Dannyl wandte sich an den K�chensklaven, den er gerade befragt hatte. �Du darfst gehen.�</p><p>Beide Sklaven huschten davon, w�hrend Dannyl sich erhob und sein Notizbuch ins Gewand steckte. Er sah sich in Lorkins R�umen um, dann verlie� er sie und machte sich auf den Weg in den Hauptraum. Er kam gerade rechtzeitig, um Achati zu begr��en.</p><p>�Willkommen, Ashaki Achati�, sagte er.</p><p>�Botschafter Dannyl�, erwiderte Achati. �Ich f�rchte, Euer Sklave hat einige Zeit gebraucht, um mich aufzusp�ren. Was ist passiert? Er wollte mir nicht mehr erz�hlen, als dass es dringend sei.�</p><p>Dannyl bedeutete Achati, ihm zu folgen. �Kommt mit, und ich werde es Euch zeigen.�</p><p>Der Sachakaner folgte Dannyl durch das Gildehaus, und zu Dannyls Erleichterung schwieg er. Die sp�te Stunde und das langwierige Verh�r der Sklaven forderten ihren Tribut. <emphasis>Aber es ist noch viel zu tun. Ich werde noch eine Weile auf Schlaf verzichten m�ssen.</emphasis> Er zog ein wenig Magie in sich hinein und benutzte sie, um die M�digkeit zu lindern. <emphasis>Ich sch�tze, ich werde das in den kommenden Tagen noch einige Male tun m�ssen.</emphasis></p><p>Sie erreichten Lorkins R�ume. Dannyl f�hrte Achati hinein und weiter zur T�r des Schlafzimmers. Die Lampen waren heruntergebrannt, aber der Anblick der Leiche war immer noch so schockierend wie zuvor.</p><p>�Eine tote Sklavin�, sagte Achati und trat in den Raum, um sie zu betrachten. �Ich verstehe, warum Ihr Euch Sorgen macht.�</p><p>�Gelinde gesagt.� �Hat Euer�?�</p><p>�Nein. Der K�rper ist ohne jede Energie. Wer immer sie get�tet hat, hat h�here Magie benutzt, in die Lorkin niemals eingewiesen wurde.�</p><p>Achati sah ihn an, dann runzelte er die Stirn und ber�hrte den Arm der toten Frau. Obwohl die Gilde nicht wollte, dass die Sachakaner wussten, wie wenige kyralische Magier schwarze Magie benutzen konnten, hatten sie nicht von Dannyl verlangt, so zu tun, als verst�nden sie sich alle darauf. Es w�rde plausibel erscheinen, dass Lorkin als Magier niederen Ranges noch nicht darin unterwiesen worden war. Es <emphasis>wird schwerer sein, die Tatsache zu verbergen, dass ich ebenfalls keine schwarze Magie wirken kann.</emphasis></p><p>�Ihr habt recht�, sagte Achati, w�hrend er mit einer Grimasse des Abscheus die Hand zur�ckzog. �Aber das bedeutet, dass, wer immer sie get�tet hat, in schwarzer Magie unterwiesen wurde.�</p><p>�Eine der anderen Sklavinnen, eine Frau namens Tyvara, ist ebenfalls verschwunden. Ich habe die meisten Sklaven hier befragt, und sie steht als die wahrscheinlichste Schuldige da.�</p><p>Statt �berraschung auszudr�cken, wie Dannyl es erwartete, wirkte Achati besorgt. �Ihr habt ihre Gedanken gelesen?�</p><p>�Nein. Gildemagiern ist es nicht gestattet, ohne Erlaubnis die Gedanken anderer zu lesen.�</p><p>Achati zog die Augenbrauen hoch. �Woher wollt Ihr dann wissen, ob sie Euch die Wahrheit gesagt haben?�</p><p>�Die Sklaven haben damit gerechnet, dass ich ihre Gedanken lesen w�rde. Sie w�rden sich keine falsche Geschichte ausgedacht oder Antworten zurechtgelegt haben, bevor ich begann, sie zu befragen. Ich hatte daf�r gesorgt, dass sie schweigend im Flur warten mussten, damit sie das nicht nachholen konnten, sobald ihnen klar wurde, dass ich ihre Gedanken nicht lesen w�rde.�</p><p>Der Sachakaner wirkte fasziniert. �Aber was k�nnt Ihr durch eine Befragung der Sklaven herausfinden, das Ihr nicht herausfinden w�rdet, indem Ihr ihre Gedanken lest?�</p><p>�Vielleicht gar nichts.� Dannyl zog sein Notizbuch hervor und l�chelte. �Aber es hat m�glicherweise Vorteile. Das werden wir erst wissen, wenn wir unsere Methoden vergleichen.�</p><p>Achati wirkte erheitert. �Soll ich jetzt ihre Gedanken lesen, um festzustellen, welche Methode die bessere ist, oder wollt Ihr mir erz�hlen, was Ihr herausgefunden habt?�</p><p>Dannyl betrachtete den Leichnam. �Es w�re besser, wenn ich es Euch erz�hlte, um Zeit zu sparen. Gebt Ihr mir recht, dass dies eher den Eindruck eines spontanen Mordes macht und nicht den eines geplanten?�</p><p>Achati nickte.</p><p>�Ich habe erfahren, dass Tyvara und die Tote, Riva, h�ufig miteinander gestritten haben. Riva scheint Tyvara unterstellt gewesen zu sein. Riva wollte am Tag von Lorkins Ankunft dessen Dienstsklavin werden, aber Tyvara hat ihren Platz eingenommen. Beide Frauen stammten offiziell aus Ashaki Tikakos Haushalt und erhielten oft Nachrichten von dortigen Sklaven�� aber jede der beiden von einer anderen Person. Sie haben keine Nachrichten von Sklaven aus anderen H�usern erhalten, daher scheint mir Tikakos Haus der wahrscheinlichste Ort zu sein, an dem Tyvara und Lorkin vielleicht zu finden sein k�nnten.�</p><p>Achati runzelte die Stirn. �Wenn wir dort nach ihnen suchen sollen, m�ssen wir unserer Sache sicher sein. K�nnte jemand anders ihn von hier fortgebracht haben?�</p><p>�Lorkin hatte keine anderen Besucher. Wenn er gegen seinen Willen weggebracht wurde, muss es sich bei dem Entf�hrer um einen m�chtigen Magier handeln. Wenn nicht��</p><p>Dannyl zuckte die Achseln. �Dann muss der Betreffende �ber gro�e �berredungskraft verf�gen.�</p><p>Achati seufzte und nickte. �Wenn diese Tyvara tats�chlich �ber h�here Magie verf�gt, ist sie wahrscheinlich keine echte Sklavin. Sie muss eine Spionin sein.�</p><p>�Eine Spionin f�r wen?�, fragte Dannyl.</p><p>�Das wei� ich nicht.� Achati verzog das Gesicht. �Keine Spionin des K�nigs, da er mir davon erz�hlt h�tte. Aber wenn ihr Auftraggeber Lorkin h�tte tot sehen wollen, w�re er tot. Wenn der Betreffende ihn lebendig haben wollte, muss er ein bestimmtes Ziel verfolgen.�</p><p>�Welches Ziel?�</p><p>�Vielleicht Erpressung?� Achati blickte nachdenklich drein. �Die Frage ist: Ist das Ziel K�nig Amakira oder die Gilde�� oder beide?�</p><p>Dannyl l�chelte schief. �Es muss die Gilde sein. Wenn Tyvaras Auftraggeber den K�nig in Verlegenheit st�rzen wollte, h�tte er mich entf�hren lassen. Ein entf�hrter Botschafter ist f�r das Gastland viel peinlicher als ein blo�er Gehilfe.�</p><p>�Aber er ist kein blo�er Gehilfe�, bemerkte Achati und zog die Augenbrauen hoch. �Ihr habt doch nicht geglaubt, wir w�ssten nicht um seine Herkunft, oder?�</p><p>Dannyl seufzte. �Ich sch�tze, es war naiv zu hoffen, Ihr h�ttet es nicht bemerkt.�</p><p>�Wenn es Euch beruhigt, wir dachten nicht, dass ihm deswegen Gefahr drohen w�rde. In Wahrheit glaubten wir, dass die Aussicht, seine Mutter k�nne ihre gerechte Rache �ben, falls ihm etwas zustie�e, genug sei, um t�richte Taten wie diese zu verhindern. Obwohl�� Er brach ab, wandte sich wieder der toten Frau zu und runzelte die Stirn, als sei ihm ein Gedanke gekommen.</p><p>�Ja?�, hakte Dannyl nach.</p><p>Der Sachakaner sch�ttelte den Kopf. �Ich habe �ber eine andere Gruppe nachgedacht, aber sie h�tte nichts von einer Entf�hrung Lord Lorkins. Nein. Wir werden Ashaki Tikako einen Besuch abstatten. Wenn wir Gl�ck haben, werden wir Euren Assistenten dort finden und ihn ins Gildehaus zur�ckbringen, bevor der Tag vor�ber ist.� Er hielt inne. �Obwohl Ihr vielleicht den Wunsch habt, Euch vorher noch des Leichnams der Sklavin zu entledigen.�</p><p>Dannyl nickte zustimmend. �Nicht gerade ein angenehmes Willkommensgeschenk. Wenn Ihr mit Eurer Untersuchung der Toten fertig seid, werde ich den Sklaven befehlen, mit ihr zu tun, was immer sie mit ihren Toten tun.�</p><empty-line/><p>Da sie das neue Versteck nicht als Falle f�r den J�ger der Diebe ben�tigten, hatte Cery Anweisung gegeben, es zu versiegeln. Er und Gol waren in seine Wohnung in dem Lager neben der alten Stadtmauer zur�ckgekehrt.</p><p>Cery hatte Gol bis zum Morgen nichts von seinem Gespr�ch mit Sonea erz�hlt. Ihre Reaktion auf seine Neuigkeiten war so anders ausgefallen, als er erwartet hatte, dass er Zeit zum Nachdenken brauchte, Zeit, um seine Pl�ne noch einmal zu untersuchen und sich zu fragen, ob er bereuen w�rde, wozu er ja gesagt hatte.</p><p>�Warum macht sie sich nicht selbst auf die Suche nach der wilden Magierin?�, fragte Gol einmal mehr.</p><p>Cery seufzte und hob die Schultern. �Sie meinte, es st�nde ihr heutzutage nicht frei, in der Stadt herumzulaufen. Sie muss sich bestimmten Einschr�nkungen f�gen, die festlegen, wohin sie gehen darf und was sie tun kann.�</p><p>Gol runzelte die Stirn. �Undankbare Mistkerle. Nach allem, was sie getan hat, um die Stadt zu retten.�</p><p><emphasis>Ja, aber die meisten Kyralier haben Angst vor ihr,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Sie gehen keine Risiken ein. Sie kennen sie nicht, daher trauen sie ihr nicht. Das kann ich verstehen. Aber es macht die Dinge f�r mich ein wenig unbequem.</emphasis></p><p>�Also werden wir mit der Gilde zusammenarbeiten?�</p><p>�Wir m�ssen.� Cery verzog das Gesicht. �Niemand au�er uns kann die wilde Magierin erkennen. Und vielleicht k�nnen wir helfen zu verhindern, dass sie das Ganze furchtbar vermasseln.�</p><p>Gols Gesichtsausdruck verriet Cery, wie wenig er an diese M�glichkeit glaubte. �Was ist mit Skellin? Wirst du es ihm erz�hlen?�</p><p>�Wir haben keine Beweise daf�r, dass die Frau der J�ger der Diebe ist, nur dass sie Magie benutzt.�</p><p>�Was der Grund ist, warum du sie jetzt �die wilde Magierin� nennst�, bemerkte Gol.</p><p>�Ja. Bis wir mit Bestimmtheit wissen, dass sie der J�ger ist.�</p><p>�Und damit du es Skellin nicht zu erz�hlen brauchst.� Gol verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Du hast Angst, dich zum Narren zu machen.�</p><p>Cery sah seinen Freund tadelnd an. �Ich will seine Zeit nicht verschwenden. Oder ihm irgendetwas schuldig bleiben, wenn ich es vermeiden kann.�</p><p>�Aber du hast gesagt, er sei nicht das, wof�r du ihn gehalten hast.�</p><p>Cery schnitt eine Grimasse. �Aber er ist trotzdem ein Dieb und ein Feuel-H�ndler. Bessere M�nner als du und ich haben aus Gr�nden, die sie f�r gut hielten, schlimme Dinge getan.�</p><p>�Sie sind die Gef�hrlichen�, pflichtete Gol ihm bei. �Sch�tze Familie oder den Stolz eines Hauses oder die Verteidigung des Landes vor, und alles ist entschuldbar.�</p><p>Cery nickte. �Wenn es ums Gesch�ft geht, ziehe ich es vor, mir gegen�ber ehrlich zu sein. Ich wollte wohlhabender sein als die meisten H�ttenbewohner. Ich wollte nicht als Bettler sterben. Und ich werde nicht so tun, als verfolgte ich h�here Ziele als dieses.�</p><p>�Du brauchst also Geld. Und um Geld zu bekommen, brauchst du Macht. Und wenn du nicht aus einem der H�user stammst, hast du keine Chance, durch ein ehrliches Gewerbe Macht zu gewinnen.�</p><p>�Es geht stets ums �berleben. Und ich denke, genau das tut Skellin. Er sagte, er habe versucht, Feuel zu importieren, weil es eine M�glichkeit war, sich als Dieb zu beweisen.�</p><p>�Es hat funktioniert.�</p><p>Cery seufzte. �Das hat es. Und sein Gewissen plagt ihn nicht so sehr, dass er sich von dem Gewerbe abgewandt h�tte.�</p><p>�Aber er sagte, er w�rde es tun.�</p><p>�Das werde ich erst glauben, wenn ich es sehe. Feuel hat ihn zu einem der m�chtigsten M�nner der Stadt gemacht. Die meisten Diebe arbeiten f�r ihn oder schulden ihm Gef�lligkeiten. Ich glaube nicht, dass er das allzu schnell aufgeben wird.� Er sch�ttelte den Kopf. �Wenn ich es irgendwie vermeiden kann, werde ich nicht das Risiko eingehen, in diese Sache hineingezogen zu werden.�</p><p>Gol schnaubte. �Du bist zu klug, um dich von ihm zu irgendetwas �berreden zu lassen, Cery.�</p><p>Cery sah seinen Freund und Leibw�chter an. �Du denkst, ich sollte es ihm erz�hlen?�</p><p>Der gro�e Mann sch�rzte die Lippen. �Wenn dir irgendetwas sagt, dass du es nicht tun sollst, dann lass es. Aber wenn wir Schwierigkeiten haben, den J�ger der Diebe zu finden, sch�tze ich, w�re es interessant zu sehen, wozu Skellin imstande ist.� Er zuckte die Achseln. �Vielleicht ist es nicht viel. Oder vielleicht w�rde er offenbaren, wie m�chtig er wirklich ist.�</p></section><section><title><p>17</p><p>Gejagt</p></title><p>Obwohl er inzwischen mehrere Stunden in dem Raum verbracht hatte, brannten Lorkins Augen noch immer. Die Luft war schwer vom Gestank des Urins, der in offenen F�ssern auf einer Seite des Raums gelagert wurde. Tyvara hatte ihm geraten, in flachen Z�gen zu atmen, um sich nicht die Lunge zu ver�tzen, und die Augen geschlossen zu halten. Sie hatte ihm auch erkl�rt, dass nur Sklaven den Raum betreten w�rden und dass er Stillschweigen bewahren solle. Dann war sie wieder verschwunden.</p><p>Die Zeit verging sehr langsam, wenn jeder Atemzug einem die Kehle mit sauren D�mpfen von Exkrementen versengte. Au�erdem machte es die Flucht in die Nacht hinaus zu einem weit weniger aufregenden Abenteuer, als es zuerst den Anschein gehabt hatte.</p><p><emphasis>Nicht dass ich es um des Kitzels wegen getan h�tte. Ich glaube tats�chlich, dass es meine einzige Chance war. Dass ich in Gefahr war. Und es immer noch sein k�nnte.</emphasis></p><p>War er ein Narr, Tyvara zu glauben? Sein einziger Beweis daf�r, dass sie die Wahrheit sagte, war die Reaktion der Sklavin, die sie get�tet hatte.</p><p><emphasis>�Du! Aber �er muss sterben. Du� Du bist eine Verr�terin!�</emphasis></p><p>Daraus hatte er drei Dinge geschlossen: Die Sklavin hatte Tyvara gekannt, sie hatte geglaubt, dass er get�tet werden sollte, und sie hatte Tyvara f�r eine Verr�terin gehalten. Was hatte Tyvara geantwortet?</p><p><emphasis>�Ich habe dir gesagt, dass ich dir nicht erlauben w�rde, ihn zu t�ten. Du h�ttest meine Warnung ernst nehmen und verschwinden sollen.�</emphasis></p><p>Daraus konnte er den Schluss ziehen, dass Tyvara um die Absicht der Frau gewusst und der Sklavin eine Chance gegeben hatte, von ihrer Mission abzulassen. <emphasis>Oder sie hatte es in der Hoffnung gesagt, dass ich genau das glauben w�rde.</emphasis> Aber welchen Grund k�nnte sie daf�r haben, ihn zu t�uschen? <emphasis>Vielleicht um mich davon zu �berzeugen, dass sie der Frau eine Chance gegeben hatte fortzugehen. Dass sie keine so gnadenlose M�rderin war, wie es den Anschein hatte.</emphasis></p><p>Eines war klar. Wenn Tyvara ihn h�tte t�ten wollen, h�tte sie es getan. Schlie�lich verstand sie sich auf schwarze Magie. Sie konnte ihn m�helos t�ten, wenn sie es wollte.</p><p>Aber in der Frage, ob es notwendig gewesen war, mit ihr zu fliehen, war er sich nicht sicher. Sobald Dannyl erfahren h�tte, was geschehen war, h�tte er gewiss einen besseren Schutz f�r ihn arrangiert. <emphasis>Aber wie sollte er das tun? Es wird mehrere Tage dauern, bis irgendwelche Magier von der Gilde hier ankommen, und keiner von ihnen ist so stark wie die meisten sachakanischen Magier. Nicht einmal Mutter oder Kallen, die sich mit schwarzer Magie w�rden st�rken m�ssen, bevor sie aufbrechen. Was die sachakanischen Magier betrifft� W�rden einige von ihnen sich dazu herablassen, als Leibw�chter f�r den Gehilfen eines Gildebotschafters zu dienen? Wie k�nnten wir wissen, dass nicht gerade sie Riva geschickt hatten, um mich zu t�ten?</emphasis></p><p>Was die Frage betraf, wer ihn tot sehen wollte, konnte er nur vermuten, dass es die Familien der Sachakaner waren, die seine Eltern w�hrend der Ichani-Invasion get�tet hatten. Seine Mutter musste recht haben. Ihre Familien f�hlten sich offensichtlich immer noch verpflichtet, Rache f�r den Tod ihrer Verwandten zu �ben, obwohl diese Verwandten Ausgesto�ene gewesen waren.</p><p><emphasis>Die H�heren Magier waren davon �berzeugt, dass diese Gefahr nicht bestand. Das Gleiche gilt f�r Lord Maron und die anderen Gildebotschafter, die hier gelebt haben. Haben diese Familien ihre Absichten in der Hoffnung verborgen, dass Mutter oder ich eines Tages nach Sachaka reisen w�rden?</emphasis></p><p>Er dachte an den Ring in seiner Tasche. <emphasis>Sollte ich mich mit meiner Mutter in Verbindung setzen? Was wird sie sagen? Wahrscheinlich wird sie verlangen, dass ich ins Gildehaus zur�ckkehre und es Dannyl �berlasse, sich um alles zu k�mmern. Sie wird jetzt keine M�he haben, die Gilde dazu zu �berreden, meine R�ckkehr zu befehlen.</emphasis> Ein Gef�hl der Rebellion stieg in ihm auf, verebbte jedoch schnell wieder. <emphasis>Sie hatte recht,</emphasis> rief er sich ins Ged�chtnis. Es <emphasis>war zu gef�hrlich f�r mich hierherzukommen. Doch irgendetwas sagt mir, dass eine R�ckkehr ins Gildehaus im Augenblick auch nicht sicher w�re. Wenn Tyvara mich gerettet hat, will sie mich am Leben erhalten, und sie denkt offensichtlich nicht, dass ich im Gildehaus��</emphasis></p><p>Die T�r zu dem Raum wurde abrupt ge�ffnet, und Lorkin zuckte zusammen. Es waren immer wieder Sklaven gekommen und gegangen, aber sie schienen nicht �berrascht gewesen zu sein, ihn hier zu sehen. Beim ersten Mal war er gerade drauf und dran gewesen, den Blutring seiner Mutter zu benutzen, und hatte ihn gerade noch im R�cken seines Notizbuches verbergen k�nnen. Danach hatte er es nicht gewagt, es noch einmal zu versuchen, f�r den Fall, dass sie es mitbekamen und den Verdacht sch�pften, dass er versuchte, sie zu verraten, und ihm den Ring wegnahmen.</p><p>Aber es war Tyvara, die in der T�r stand. Wie bei ihrer ersten Begegnung durchzuckte ihn der Gedanke, dass sie verlockend r�tselhaft und exotisch war. Diesmal stand sie jedoch nicht mit gesenktem Blick vor ihm. Noch warf sie sich auf den Boden. Stattdessen musterte sie ihn voller Erheiterung, und ihre Haltung war selbstbewusst und entspannt.</p><p><emphasis>Was definitiv eine Verbesserung ist,</emphasis> befand er.</p><p>�Wie geht es Euch?�, fragte sie und verzog angesichts des Geruchs das Gesicht.</p><p>�Ich atme noch�, antwortete er. �Obwohl ich beinahe w�nschte, ich t�te es nicht. Werdet Ihr mir das alles jetzt erkl�ren?�</p><p>Sie l�chelte schwach. �Ja. Kommt mit nach drau�en.�</p><p>Er erhob sich und ging zur T�r, und als sie beiseitetrat, gelangte er in einen gro�en Arbeitsraum. Vier Sklavinnen sa�en an einem breiten Tisch und beobachteten ihn mit unverhohlener Neugier, jedoch ohne eine Spur Freundlichkeit. Zwei von ihnen waren etwa in Tyvaras Alter, die beiden anderen waren �lter, aber es lie� sich schwer einsch�tzen, ob ihre Falten von harter Arbeit und Sonnenlicht herr�hrten oder von vorger�ckten Jahren. Als er sie anschaute, wandten sie den Blick ab, dann strafften sie sich und richteten ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihn. <emphasis>Als triebe Gewohnheit sie dazu, zun�chst einmal jeden Blickkontakt zu vermeiden. Tyvara muss jedoch so tun, als sei sie eine Sklavin � Ich denke� ich denke, diese Frauen wurden als Sklavinnen erzogen, w�hrend Tyvara als freie Frau zur Welt kam.</emphasis></p><p>�Setzt Euch�, lud Tyvara ihn ein und deutete auf einen Hocker neben dem Tisch. W�hrend er Platz nahm, setzte sie sich auf die Kante eines anderen Hockers. �Ich w�rde Euch ja mit allen bekannt machen, aber es ist immer sicherer, es zu vermeiden, Namen auszutauschen. Ich kann Euch sagen, dass Ihr bei diesen Frauen sicher seid.�</p><p>Lorkin nickte ihnen h�flich zu. �Dann danke ich Euch f�r Eure Hilfe.�</p><p>Die vier sagten nichts, aber sie hatten die Augenbrauen hochgezogen und tauschten einige schnelle Blicke.</p><p>�Wir sind eine Gruppe, die sich die Verr�terinnen nennt�, erkl�rte Tyvara. �Vor einigen hundert Jahren, nachdem die Kyralier Sachaka erobert hatten, taten sich freie Frauen mit Sklavinnen zusammen und entkamen an einen entlegenen, verborgenen Ort. Dort bauten sie ein Zuhause auf, in dem niemand Sklave war und alle einander ebenb�rtig.�</p><p>Lorkin runzelte die Stirn. �Eine Gesellschaft, die ausschlie�lich aus Frauen besteht? Aber wie���</p><p>�Nicht ausschlie�lich aus Frauen.� Tyvara l�chelte. �Es gibt dort auch M�nner. Aber sie f�hren nicht �ber alles das Kommando, wie es �berall sonst auf der Welt der Fall ist.�</p><p><emphasis>Wie faszinierend.</emphasis> Lorkin musterte Tyvara eingehend. <emphasis>Nat�rlich. Es ist nicht nur so, dass sie als freie Frau geboren wurde. Sie ist es gewohnt, das Sagen zu haben.</emphasis> Dann wurde ihm etwas anderes klar. Sie hatte ihn immer an jemanden erinnert, und jetzt wusste er, wer es war. <emphasis>Meine Mutter!</emphasis> Bei diesem Gedanken wurde ihm flau im Magen. <emphasis>Das w�re vielleicht kein guter Gedanke, der mir in den Sinn kommen k�nnte, sollten wir jemals� nein, denk nicht dar�ber nach.</emphasis></p><p>�Irgendwelche Fragen?�, wollte sie wissen.</p><p>�Warum nennt Ihr Euch �die Verr�terinnen�?�</p><p>�Anscheinend wurden wir nach einer sachakanischen Prinzessin benannt, die von ihrem Vater daf�r get�tet wurde, dass einer seiner Verb�ndeten sie vergewaltigt hatte. Er nannte sie eine Verr�terin, und aus Mitgef�hl begannen Frauen jener Zeit, sich ebenfalls so zu nennen.�</p><p>Lorkin dachte daran, was die sterbende Sklavin gesagt hatte. Hatte sie �Verr�terin� gemeint? Nein, das ergab keinen Sinn. Aber wenn Riva gewusst hatte, dass Tyvara eine Spionin war�</p><p>�Wusste Riva, dass Ihr eine Verr�terin seid?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum hat sie gesagt, Ihr w�rt eine Verr�terin an Eurem Volk?�</p><p>Tyvaras Mundwinkel hoben sich zu einem schiefen L�cheln. �Sie meinte das sachakanische Volk. Ich f�rchte, die Tatsache, dass wir weder dem Herrscher noch dem Gesetz folgen und die Gewohnheit haben, uns in die sachakanische Politik einzumischen, bedeutet, dass die meisten Sachakaner uns f�r Verr�ter halten.�</p><p>�Wie verhindert Ihr, dass sachakanische Magier Euch alle finden? Gewiss brauchten sie nur Eure Gedanken zu lesen?�</p><p>�Wir haben eine M�glichkeit, unsere Gedanken vor ihnen verborgen zu halten. Sie werden nur sehen, was wir sie sehen lassen wollen. Es bedeutet, dass wir Leute in den H�usern m�chtiger Ashaki �berall im Land haben k�nnen.�</p><p>Lorkins Herz setzte einen Schlag aus. <emphasis>Magie, von der ich noch nie geh�rt habe!</emphasis></p><p>�K�nnt Ihr mir erz�hlen, wie Ihr das macht?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Wir Verr�terinnen geben unsere Geheimnisse nicht gern preis.�</p><p>Er nickte. <emphasis>Irgendetwas, das den Geist davor bewahrt, entbl��t zu werden�� ganz �hnlich, wie Blutsteine verhindern, dass Gedankenrede zwischen Magiern von anderen Magiern belauscht werden kann.</emphasis></p><p>�Funktioniert es wie ein Blutsteinring?�, fragte er.</p><p>Eine der anderen Frauen lachte. Sie sah ihm kurz in die Augen, dann blickte sie Tyvara an. �Der junge Mann ist klug. Du wirst genau aufpassen m�ssen, was du sagst.�</p><p>Tyvara schnaubte leise. �Ich wei�.� Dann verebbte ihre Erheiterung. Seufzend wandte sie sich wieder an Lorkin. �Wir m�ssen von hier fortgehen. Das Gildehaus ist zu nah, und einige der Sklaven dort wussten, dass ich Verbindungen hierher habe. Ihr werdet diese h�bschen Kleider hergeben und Euch als Sklave tarnen m�ssen. K�nnt Ihr das tun?�</p><p>Lorkin blickte auf seine Roben hinab und unterdr�ckte ein Seufzen. �Wenn es sein muss.�</p><p>�Sein Gesicht ist zu blass�, bemerkte eine der j�ngeren Sklavinnen. �Wir werden es f�rben m�ssen.�</p><p>Eine �ltere Sklavin musterte ihn von Kopf bis Fu�. �Er ist ziemlich mager f�r einen Sachakaner. Aber das ist besser als zu fett. Man findet nicht viele fette Sklaven.� Sie erhob sich. �Ich werde einige Kleider holen.�</p><p>�Ihr braucht auch einen Sklavennamen�, erkl�rte Tyvara. �Wie w�re es mit Ork? Das kommt Eurem wahren Namen so nah, dass die Leute es vielleicht nicht bemerken werden, falls ich Euch versehentlich Lorkin nennen sollte.�</p><p>�Ork�, wiederholte Lorkin achselzuckend. <emphasis>Klingt wie ein Ungeheuer. Meine Freunde zu Hause w�rden das sehr komisch finden.</emphasis> Dann durchzuckte ihn ein Stich des Kummers. <emphasis>Sie werden sich Sorgen um mich machen, wenn sie erfahren, dass ich verschwunden bin. Ich w�nschte, es g�be eine M�glichkeit�� abgesehen davon, mich durch den Blutring mit Mutter in Verbindung zu setzen��, wie ich sie wissen lassen k�nnte, dass es mir gut geht.</emphasis> Er verzog das Gesicht. <emphasis>Nun, dass ich zumindest noch am Leben bin.</emphasis></p><p>Die �ltere Sklavin hatte ein langes, rechteckiges Tuch von einem St�nder gezogen, an dem mehrere solcher T�cher hingen. Mit dem Tuch und einem Seil kam sie auf ihn zu. Die Frauen feixten, w�hrend er sein �bergewand ablegte. Er wickelte den Stoff um seinen K�rper und g�rtete ihn wie gehei�en mit dem Seil, dann zog er seine Hose aus. Er war froh, dass er den Blutring seiner Mutter im R�cken seines Notizbuchs versteckt hatte. Es w�re schwierig gewesen, ihn unbemerkt aus seinen Roben zu klauben.</p><p>�Das k�nnt Ihr nicht mitnehmen�, sagte Tyvara, als sie das Notizbuch bemerkte.</p><p>Lorkin blickte auf das Buch hinab. �Kann man es ins Gildehaus zur�ckschicken?�</p><p>Die Sklavinnen sch�ttelten den Kopf. �Das l�sst sich kaum machen, ohne dass irgendjemand erf�hrt, dass es von dir gekommen ist�, erkl�rte eine der Frauen.</p><p>�Es muss zerst�rt werden�, beschloss Tyvara und streckte die Hand danach aus.</p><p>�Nein!� Lorkin riss es an sich. �Darin habe ich all meine Forschungsergebnisse notiert.�</p><p>�Was kein Sklave bei sich tragen w�rde.�</p><p>�Ich werde es versteckt halten�, erwiderte er. Er stopfte es in den Ausschnitt seines provisorischen Kittels.</p><p>�Und wenn ein Ashaki Eure Gedanken liest, wird er erfahren, dass Ihr es dort versteckt.�</p><p>�Wenn ein Ashaki seine Gedanken liest, wird er erfahren, dass er kein Sklave ist�, bemerkte eine der �lteren Frauen grinsend. �Lass ihn sein Buch behalten.�</p><p>Tyvara runzelte die Stirn, dann seufzte sie. �Also sch�n. Haben wir irgendwelche Schuhe?�</p><p>Eine der anderen Frauen holte ein Paar schlichter Lederschuhe, die aus nicht viel mehr bestanden als einem St�ck Leder, das zu einem fu�f�rmigen Beutel vern�ht war. Den Beutel band man dann mit einem anderen, d�nneren Seil am Kn�chel fest. Tyvara nickte anerkennend.</p><p>�Wir haben es fast geschafft. W�hrend unsere Freundinnen hier die Farbe f�r Eure Haut zubereiten, sollte ich Euch besser erkl�ren, welches Benehmen man von einem Sklaven erwartet�, sagte Tyvara. �Ich vermutete, das wird f�r Euch der schwierigste Teil werden. Wie �berzeugend Ihr seid, k�nnte den Unterschied zwischen �berleben und Tod ausmachen.�</p><p>�Das werde ich im Kopf behalten�, erwiderte er. �Es ist etwas, was ich wohl kaum vergessen werde.�</p><p>Sie l�chelte grimmig. �Man kann es sehr leicht vergessen, wenn man ausgepeitscht wird, nur weil jemand einen schlechten Tag hatte. Glaubt mir. Ich wei� es.�</p><empty-line/><p>W�hrend Sonea den Flur des Magierquartiers hinunterging, g�hnte sie. Die Sonne war bei ihrer R�ckkehr �ber den H�gel hinter der Gilde gekrochen und hatte einen bleichen Schimmer �ber den Himmel geworfen. Jetzt hatte sie sich hinter die Stadt zur�ckgezogen und alles der Dunkelheit, dem Lampenlicht oder, f�r einige wenige Gl�ckliche, magischer Beleuchtung �berlassen.</p><p>Die Nachtschichten im Hospital waren die unbeliebtesten, daher �bernahm sie sie, wann immer sie es einrichten konnte. Trotz der sp�ten Stunde waren viele Patienten da gewesen�� wobei einige der Heiler scherzhaft meinten, dass die n�chtlichen Patienten die interessantesten seien. Sie hatte gewiss w�hrend dieser Schichten einige einzigartige Verletzungen behandelt. Sie argw�hnte, dass erheblich mehr n�chtliche Besucher als jene, die gezwungen waren, aufgrund der Natur ihrer Erkrankung oder Verletzung ihr Gewerbe zuzugeben, in Gesch�fte verstrickt waren, die die meisten Gildemagier und ihre Familien entsetzt h�tten.</p><p>Cerys Neuigkeiten waren ihr viele Male durch den Kopf gegangen. Sie hatte unvern�nftigerweise ein schlechtes Gewissen, weil sie sich nicht bereit erkl�rt hatte, ihm bei der Suche nach der wilden Magierin zu helfen. Aber sie konnte nicht erkennen, wie sie das insgeheim h�tte tun sollen, was ihr das Misstrauen und die Missbilligung der Gilde eingetragen h�tte. Und das wiederum w�rde die Hospit�ler gef�hrden.</p><p>Trotzdem ging sie nicht direkt zu Administrator Osen, als sie in der Gilde ankam. Stattdessen beschloss sie, dar�ber zu schlafen, wie Cery es vorgeschlagen hatte. Und jetzt, da sie wach war und der Schlaf ihr keine Gewissheit gebracht hatte, hatte sie sich vorgenommen, mit Rothen dar�ber zu sprechen. Er war schlie�lich derjenige gewesen, der damals, als sie selbst eine wilde Magierin gewesen war und sich vor der Gilde versteckt hatte, nach ihr gesucht und sie gefunden hatte.</p><p>An seiner T�r angekommen, klopfte sie. Eine vertraute Stimme antwortete ihr von der anderen Seite. Die T�r wurde ge�ffnet, und Rothen l�chelte, als er sie sah.</p><p>�Sonea. Komm herein.� Er zog die T�r weiter auf und lie� sie eintreten. �Setz dich. M�chtest du etwas Raka?�</p><p>Sie lie� ihren Blick durch das G�stezimmer wandern, dann drehte sie sich wieder zu ihm um. �Cery war gestern Nacht bei mir. Er hat eine neue wilde Magierin in der Stadt entdeckt. Eine Frau, die volle Kontrolle �ber ihre Kr�fte hat. Ich kann mich nat�rlich nicht selbst darum k�mmern, aber� denkt Ihr, die Gilde wird es diesmal wieder vermasseln?�</p><p>Rothen sah sie �berrascht an, dann blickte er �ber ihre Schulter.</p><p>�Ich w�re bereit, das Verm�gen meiner Familie darauf zu verwetten, dass sie es genauso vermasseln werden wie beim letzten Mal�, erklang eine vertraute Stimme.</p><p>Soneas Schultern sackten herunter. Sie setzte eine ernste Miene auf und drehte sich um. Ein Mann trat aus dem Raum, der einst ihr Schlafzimmer gewesen war, und in der Hand hielt er eins der vielen B�cher, die Rothen jetzt dort aufbewahrte.</p><p>�Regin und ich haben �ber einige Schwierigkeiten unter den Novizen gesprochen�, sagte Rothen mit einem entschuldigenden Unterton in der Stimme.</p><p>Sonea musterte Regin. <emphasis>Verflucht soll er sein. Das bedeutet, dass ich es sofort den H�heren Magiern werde berichten m�ssen. Hoffentlich werden sie mir verzeihen, dass ich zuerst Rothen um Rat gefragt habe.</emphasis></p><p>�Noch mehr Schwierigkeiten?�, fragte sie ihn.</p><p>�Oh, irgendeine Art von Schwierigkeiten gibt es immer�, antwortete Regin achselzuckend.</p><p>�Was diese wilde Magierin betrifft� Ich stimme Regin zu�, bemerkte Rothen. �Obwohl ich nicht ganz so pessimistisch sein w�rde wie er. Der Hohe Lord Balkan und Administrator Osen w�rden in ihrer Suche subtilere Methoden anwenden, aber sie haben nicht die Einblicke, die Erfahrung und die M�glichkeiten, die wir beide haben.�</p><p>Sonea drehte sich wieder zu ihm um. �Wie kann ich nach einer wilden Magierin suchen, wenn ich mich nicht ohne Erlaubnis in der Stadt bewegen darf?�</p><p>Rothen l�chelte. �Bitte nicht um Erlaubnis.�</p><p>�Aber wenn sie herausfinden, dass ich in der Stadt umhergeschlichen bin oder es vers�umt habe, dies den H�heren Magiern zu melden, oder sogar mit einem Dieb gesprochen habe, wird es die Meinung all jener Leute best�tigen, die sagen, man k�nne mir nicht trauen.�</p><p>�Und wenn Ihr eine wilde Magierin aufsp�rt, werden die Leute, die z�hlen, das �bersehen�, meldete Regin sich zu Wort.</p><p>Sie verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Ich werde auf keinen Fall die Hospit�ler gef�hrden, damit ich etwas tun kann, das andere ebenso gut tun k�nnten.�</p><p>�Lady Vinara und die Heiler w�rden niemals irgendjemanden in die N�he der Hospit�ler lassen�, versicherte ihr Regin.</p><p>�Aber sie k�nnten mich daran hindern, dort zu arbeiten�, konterte Sonea.</p><p>�Das bezweifle ich. Selbst Eure Kritiker mussten zustimmen, dass das eine Vergeudung Eurer Talente w�re.�</p><p>Sie sah Regin einen Moment lang an, dann wandte sie den Blick ab. Er war viel zu entgegenkommend. Das machte sie argw�hnisch. Dr�ngte er sie, heimlich nach der wilden Magierin zu suchen, um ihr Verhalten sp�ter aufzudecken? Es<emphasis> w�rde ihm nichts einbringen bis auf eine sch�bige Befriedigung �ber meinen Niedergang.</emphasis></p><p>�Wenn die Zeit kommt, unsere Methoden zu offenbaren, werde ich allen sagen, dass ich dich beraten und dir geholfen habe�, erkl�rte Rothen. Dann sah er Regin an. �Ich bin davon �berzeugt, Regin wird mit Freuden das Gleiche tun.�</p><p>�Nat�rlich. Ich werde es aufschreiben und unterzeichnen, wenn Ihr das w�nscht.� In Regins Stimme schwang ein leicht sarkastischer Unterton mit. <emphasis>Er wei�, dass ich ihm immer noch nicht traue,</emphasis> dachte sie und versp�rte ein unerwartetes Gef�hl der Schuld. Wenn sie fr�her mit ihm zusammengearbeitet hatte, hatte er keine Spur von Unehrlichkeit gezeigt oder den Drang, sie irgendwie zu manipulieren.</p><p>�Die Leute werden dir auch weiterhin Einschr�nkungen auferlegen, solange du es ihnen gestattest�, erkl�rte Rothen. �Du hast ihnen w�hrend der letzten zwanzig Jahre keinen Grund gegeben, dir zu misstrauen. Es ist���</p><p>�Genau�, unterbrach ihn Regin. �Ich sehe Kallen nicht um Erlaubnis fragen, um in der Stadt umherzustreifen, ebenso wenig wie ich Euch dabei sehe, dass Ihr Eure Lakaien ausschickt, damit sie jede seiner Bewegungen beobachten.�</p><p>�Das liegt daran, dass ich keine Lakaien habe�, entgegnete Sonea. �Oder die Zeit, es selbst zu tun.�</p><p>�Aber wenn Ihr das eine oder das andere h�ttet, w�rdet Ihr es tun?�, fragte Regin.</p><p>Sie sah ihn mit schmalen Augen an. �Wahrscheinlich.�</p><p>Er zog die Augenbrauen hoch. �Ihr haltet ihn f�r gef�hrlich?�</p><p>�Nein.� Stirnrunzelnd blickte sie zum Fenster. �Nicht f�r gef�hrlich. Aber eines Tages k�nnte seine� seine <emphasis>Gr�ndlichkeit</emphasis> mehr Schaden als Nutzen stiften.�</p><p>�Wie zum Beispiel jetzt�, sagte Rothen. �Er hat dich zu gut unter Kontrolle, als dass du tun w�rdest, wozu du die geeignetste Person w�rst: diese wilde Magierin zu finden und sie in die Gilde zu bringen.�</p><p>Sie starrte zum Fenster hinaus. Direkt dahinter lag die Universit�t und dahinter die Stadt und in ihr eine Frau, die Magie benutzte�� wahrscheinlich, um damit zu t�ten. �Es wird nicht so sein wie fr�her. Cery sagte, sie sei �lter, daher hat sie vielleicht schon viele Jahre lang Magie benutzt. Und er vermutet, dass sie der J�ger der Diebe ist.�</p><p>�Dann ist es noch wichtiger, sie schnell zu finden�, bemerkte Regin. �Bevor sie nicht nur Verbrecher t�tet, sondern jeden, der ihr in die Quere kommt.�</p><p>Sonea dachte an Cerys Familie und schauderte. <emphasis>Sie k�nnte es bereits getan haben.</emphasis> Sie wandte sich vom Fenster ab und blickte von Regin zu Rothen. �Aber wenn ich den mir auferlegten Einschr�nkungen offen trotze, werde ich Aufmerksamkeit erregen und Tadel auf mich ziehen, bevor wir sie finden k�nnen.�</p><p>Rothen l�chelte. �Sobald du etwas entdeckt hast, schick an uns beide eine Nachricht. Einer von uns kann der Sache dann auf den Grund gehen, wenn du dich nicht davonstehlen kannst, um es selbst zu tun.�</p><p>Sonea sah Regin an, der nickte. Sie sp�rte, wie die Anspannung von ihr abfiel. Es war ein Kompromiss, aber kein perfekter Kompromiss. Es k�nnte immer noch Missbilligung erregen, wenn sie die Angelegenheit nicht den H�heren Magiern unterbreitete, aber zumindest w�rde sie das Risiko vermeiden, dass sie es, wenn sie sich selbst auf die Suche nach der Frau machten, vermasseln w�rden. Sowohl Cery als auch die Hospit�ler w�rden sicher sein.</p><p>Aber es bedeutete, dass Rothen und Regin sich die Missbilligung der Gilde zuziehen w�rden, wenn offenbar wurde, dass sie diese Information nicht weitergeleitet hatten.</p><p><emphasis>Hoffen wir, dass Regin recht hat und sie diesen Umstand �bersehen werden, wenn sie sich um eine eingefangene wilde Magierin k�mmern m�ssen.</emphasis></p><p>�Ich sollte jetzt besser gehen�, sagte Regin und nickte Sonea zu. �Ich werde bereit sein, Euch meine Unterst�tzung zu gew�hren, wenn Ihr sie braucht.� Er nickte Rothen zu, der die Geste erwiderte, dann ging er zur T�r und verlie� den Raum.</p><p>Sobald er fort war, setzte Sonea sich hin und stie� einen Seufzer aus. <emphasis>Ich wei�, dass die Jagd in den richtigen H�nden ist,</emphasis> dachte sie ironisch. <emphasis>Ich habe bereits genug Sorgen, mit Lorkin in Sachaka und den Hospit�lern voller Feuelbenutzer.</emphasis></p><p>�Du siehst m�de aus�, bemerkte Rothen, w�hrend er zu dem Beistelltisch ging, um Sumi und Raka f�r sie beide zuzubereiten.</p><p>�Ich hatte die Nachtschicht.�</p><p>�Du bist in letzter Zeit sehr lange in den Hospit�lern.�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Auf diese Weise habe ich etwas zu tun.� Dann stie� sie ein kurzes Lachen aus. �Und jetzt habe ich noch mehr zu tun, indem ich Informationen �ber die wilde Magierin an Euch und Regin weiterleiten muss.�</p><p>�Die Hospit�ler werden sich um sich selbst k�mmern�, entgegnete er. Dann ging er zu den St�hlen hin�ber und reichte ihr eine Tasse dampfenden Raka. �Und wir werden uns um dich k�mmern.�</p><p>Sonea zog eine Augenbraue hoch. �Ihr und Regin?�</p><p>Er nickte. �Ich habe es dir gesagt: Er ist zu einem vern�nftigen jungen Mann herangereift.�</p><p><emphasis>�Junger</emphasis> Mann?�, spottete Sonea. �Nur im Vergleich mit Euch selbst, alter Freund. Er ist lediglich ein oder zwei Jahre j�nger als ich und hat zwei erwachsene T�chter.�</p><p>�Trotzdem�, erwiderte Rothen mit einem Lachen. �Er hat sich sehr gut entwickelt, seit du ihn als Novizen in der Arena verpr�gelt hast.�</p><p>Sie wandte den Blick ab. �So musste es wohl kommen, oder? Viel schlimmer h�tte er nicht werden k�nnen.� Sie sah ihn forschend an. �Denkt Ihr, wir k�nnen ihm trauen?�</p><p>Er blickte ihr mit ernster Miene in die Augen. �Ich glaube es. Ihm waren Dinge wie die Gilde und die Rechtschaffenheit seines Hauses und seiner Familie stets teuer. Das war die Quelle seiner Arroganz als junger Mann und ist jetzt als Erwachsener sein Antrieb. Es bek�mmert ihn, dass sich in diesen Bereichen so viel Gesetzlosigkeit breitgemacht hat. Dies ist eine weitere M�glichkeit, wie er helfen kann, die Dinge in Ordnung zu bringen. Und er ist vern�nftig genug, um zu begreifen, dass wir das Problem am besten gemeinsam in Angriff nehmen sollten und im Geheimen. Die Gilde mag die Suche nach der wilden Magierin vielleicht nicht vermasseln, aber daf�r gibt es keine Garantie. Wir k�nnen das Risiko nicht eingehen.�</p><p>�Ihr habt wahrscheinlich recht.� Sonea verzog das Gesicht. �Und Ihr solltet auch in Bezug auf Regin besser recht haben, denn wenn er mir das Leben unangenehm machen will, hat er jetzt gewiss die M�glichkeit dazu.�</p><empty-line/><p>Das Badehaus <emphasis>Zum Schwarzen Zuber</emphasis> war nicht so sauber, wie Cery es gern gehabt h�tte. Es stank nach Moder und dem billigen Parf�m, das diesen Geruch �berlagern sollte, und die Gew�nder, die man ihm und Gol gegeben hatte, wiesen einige interessante Flecken auf. Aber das Badehaus war die einzige Einrichtung in Sichtweite des Pfandleihers, in der sie sich plausiblerweise �ber einen l�ngeren Zeitraum hinweg aufhalten konnten, daher mussten sie es wohl oder �bel einmal in Augenschein nehmen.</p><p>Man hatte sie in einen Umkleideraum gef�hrt und dort allein gelassen. Er lag im Erdgeschoss, und billige, schmucklose Fensterschirme verbargen die Kunden vor Blicken von der Stra�e. Nachdem sie sich umgezogen hatten, war Gol aus dem Raum geschl�pft, um die Nebenr�ume zu erkunden, und Cery hatte einen Stuhl vor eins der Fenster gestellt. Jetzt zog Cery den Fensterschirm auf und l�chelte zufrieden, als er feststellte, dass der Laden des Pfandleihers tats�chlich in Sichtweite war.</p><p>Die T�r wurde wieder ge�ffnet, aber es war nur Gol, der zur�ckkam.</p><p>�Was denkst du?�</p><p>�In den R�umen um uns herum ist niemand, aber f�r das obere Stockwerk kann ich mich nicht verb�rgen. Wir k�nnen reden, sollten es aber leise tun.� Dann verzog er das Gesicht. �Es ist ziemlich heruntergekommen.�</p><p>�Und die Bedienung ist langsam�, pflichtete Cery ihm bei. �Wahrscheinlich haben sie zu wenig Personal.� Er deutete auf das Fenster. �Aber die Aussicht ist gut.�</p><p>Gol trat n�her und sp�hte hinaus. �Das ist sie allerdings.�</p><p>�Wir sollten uns abwechseln. Der eine beobachtet den Laden, w�hrend der andere sich w�scht.�</p><p>Der gro�e Mann schnitt eine Grimasse. �Ich hoffe nur, dass das Wasser nicht so �bel ist wie der Geruch hier.� Er holte sich einen weiteren Stuhl und nahm Platz. �Hat deine Freundin etwas dar�ber gesagt, wie sie vorgehen will?�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. Soneas Nachricht war kryptisch gewesen; sie hatte ihm lediglich mitgeteilt, dass sie sich um die Angelegenheit, auf die er sie aufmerksam gemacht hatte, k�mmern werde. Au�erdem hatte sie ihm f�r die Information gedankt und ihn gebeten, weitere Neuigkeiten ans Hospital zu schicken. <emphasis>Sie hat sich offensichtlich f�r den Fall so kryptisch ausgedr�ckt, dass der Brief abgefangen werden sollte. Wenn sie sich um die wilde Magierin k�mmert, dann ist es unwahrscheinlich, dass sie der Gilde etwas erz�hlt hat. Sie w�rden ihr die Aufgabe, die Frau zu suchen, nicht anvertrauen.</emphasis></p><p>Es klopfte. Cery schob den Fensterschirm wieder vors Fenster.</p><p>�Herein�, rief er.</p><p>Dieselbe d�nne junge Frau, die sie in den Umkleideraum geleitet hatte, �ffnete die T�r und trat ein. Sie sah ihnen nicht in die Augen.</p><p>�Das Bad ist fast fertig. M�chtet Ihr es warm oder hei� haben?�</p><p>�Hei߫, antwortete Cery.</p><p>�Welchen Duft w�nscht Ihr? Wir haben���</p><p>�Nein�, unterbrach Gol sie entschlossen.</p><p>�Hast du ein wenig Salz?�, fragte Cery. Er hatte geh�rt, dass ein Salzbad gut f�r angeschlagene Muskeln sei, und er hatte noch immer Schmerzen von dem �bungsmesserkampf, den er am Morgen ausgefochten hatte. Au�erdem war Salz auch gut zur Reinigung von schlechtem Wasser.</p><p>�Ja.� Sie nannte einen Preis, bei dem Gol die Augenbrauen hochzog.</p><p>�Wir nehmen es�, erkl�rte Cery.</p><p>Das M�dchen nickte h�flich und verlie� den Raum. Cery wandte sich dem Fenster zu, �ffnete abermals den Schirm und schaute hinaus. Auf der Stra�e waren inzwischen mehr Menschen unterwegs.</p><p>�Sollen wir Makkin den Aufk�ufer dazu �berreden, uns zu helfen?�, fragte Gol. �Er hat ohnehin schon Angst vor ihr, daher wird es sie nicht argw�hnisch machen, wenn er ein wenig nerv�s ist.�</p><p>�Er ist der Typ Mann, der sich demjenigen f�gt, vor dem er am meisten Angst hat�, erwiderte Cery. �Wenn er wei�, dass sie �ber Magie gebietet, wird er vor ihr mehr Angst haben als vor uns.�</p><p>�Sie hat ihn aus dem Raum geschickt, bevor sie den Tresor ge�ffnet hat. Das legt f�r mich die Vermutung nahe, dass er nichts von ihrer Magie wei�.�</p><p>�Ja, aber���</p><p>Gol zischte. Cery schaute den Mann an und sah, dass er aus dem Fenster starrte.</p><p>�Was?�</p><p>�Ist sie das? Vor Makkins Laden.�</p><p>Cery wirbelte zum Fenster herum. Eine gebeugte Frau war vor dem Laden stehen geblieben. Ihr Haar war durchzogen von grauen Str�hnen. Einen Moment lang war Cery davon �berzeugt, dass Gol sich irrte�� so sehr, dass er ihn gerade deswegen aufziehen wollte��, doch dann drehte die Frau den Kopf, um die Stra�e zu betrachten. Ein Schauder des Wiedererkennens durchlief ihn.</p><p>Er sah Gol an. Gol starrte ihn an. Dann blickten sie beide auf die T�cher hinunter, die sie trugen.</p><p>�Ich werde hingehen�, sagte Gol. �Du schaust zu.� Er sprang zu dem Stapel Kleider, die er abgelegt hatte, und begann sich hastig anzuziehen. Cery wandte sich wieder dem Fenster zu und beobachtete, wie sie den Laden betrat.</p><p>Sein Herz h�mmerte. Er sp�rte, wie s�mtliche Muskeln in seinem K�rper sich langsam anspannten, und z�hlte jeden Atemzug.</p><p>�Ist sie noch drin?�</p><p>�Ja�, antwortete Cery. �Was immer du tust, lass sie nicht merken, dass du ihr folgst. Selbst wenn du jemanden bezahlen musst, um���</p><p>�Ich wei�, ich wei߫, sagte Gol ungeduldig. Cery h�rte, wie er die T�r �ffnete. Zur gleichen Zeit sah er, dass die Ladent�r ge�ffnet wurde und die Frau herauskam.</p><p>�Sie geht�, sagte er.</p><p>Gol antwortete nicht. Als Cery sich umdrehte, war der gro�e Mann bereits verschwunden, und die T�r stand offen. Er blickte wieder auf die Stra�e hinab und konnte die Frau gerade noch sehen, bevor sie verschwand. Einen Moment sp�ter erschien Gol. Cery stie� einen Seufzer der Erleichterung aus, als sein Freund und Leibw�chter zuversichtlichen Schrittes in die gleiche Richtung ging.</p><p><emphasis>Gib auf dich acht, alter Freund,</emphasis> dachte Cery.</p><p>�Ahm� tut mir leid, dass Ihr warten musstet.�</p><p>Er wandte sich dem Badehausm�dchen zu, das in der T�r stand. Sie sah zuerst ihn an und dann den Fensterschirm, bevor sie zu Boden blickte. Cery schloss den Schirm und stand auf.</p><p>�Das Bad ist bereit?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Gut. Mein Freund musste gehen. Bring mich zu der Badewanne.�</p><p>Bei der Nachrichten, dass sie einen Kunden verloren hatte, sanken ihre Schultern ein wenig herab, dann bedeutete sie ihm, ihr zu folgen, und f�hrte ihn aus dem Raum.</p></section><section><title><p>18</p><p>Der Verr�ter</p></title><p>W�hrend der Sklave wimmerte, sein Kopf eingezw�ngt zwischen den gro�en H�nden von Ashaki Tikako, konnte Dannyl nicht verhindern, dass er zusammenzuckte. Obwohl es Dannyl selbst noch nie passiert war, dass ein Schwarzmagier seine Gedanken gelesen hatte, war es, wenn man nach der Reaktion der Sklaven dieses Mannes urteilen konnte, anscheinend keine angenehme Erfahrung.</p><p>Tikako gab einen ver�rgerten Laut von sich und stie� den Sklaven weg. Der Mann fiel auf eine Schulter, dann huschte er auf allen vieren davon, w�hrend sein Herr ihn anschrie, dass er verschwinden solle. Die Sklaven, die in der N�he knieten und darauf warteten, befragt zu werden, duckten sich, als der Ashaki seine Aufmerksamkeit auf sie richtete.</p><p>Es waren nicht mehr viele Sklaven �brig. Dannyl hatte bisher mehr als achtzig gez�hlt. Keiner von ihnen hatte n�tzliche Informationen �ber Lorkin und Tyvara gehabt. Sie konnten nicht einmal best�tigen, ob Tyvara jemals mit irgendjemandem auf dem Gut gesprochen hatte.</p><p>Der Ashaki deutete mit dem Finger auf eine junge Frau, die widerstrebend auf den Knien herbeigerutscht kam, die von dem langen Verharren auf dem rauen Steinpflaster ger�tet waren. Tikako packte ihren Kopf, bevor sie sich auch nur vor ihm niedergelassen hatte. Sie zog die Brauen zusammen, und Dannyl hielt den Atem an und hoffte, dass sie das Geheimnis um Lorkins Verschwinden w�rde l�sen k�nnen, selbst wenn das bedeutete, dass sie wahrscheinlich get�tet werden w�rde, weil sie die Information nicht preisgegeben hatte, als ihr Herr das erste Mal danach verlangte.</p><p>Nach einen langen Augenblick starrte Tikako sie an, dann warf er sie mit einem wortlosen Br�llen des Zorns von sich. Sie riss die Augen auf, als er sie durch den Raum schleuderte. Sie krachte gegen einen der gro�en Tonkr�ge, die im Raum verteilt waren, und h�bsche, bl�hende Pflanzen quollen aus dem Krug. Nachdem sie sich in eine sitzende Position erhoben hatte, blinzelte sie langsam und mit glasigen Augen.</p><p>Dannyl verkniff sich einen weiteren Fluch. <emphasis>Die Brutalit�t dieser Leute. Sie halten sich gern f�r so w�rdevoll, mit all ihren Ritualen und ihrer Hierarchie, aber darunter sind sie noch immer genauso grausam, wie die Historiker sie stets beschrieben haben.</emphasis> Nach dem heutigen Tag wusste Dannyl, dass er so leicht nicht vergessen w�rde, warum man die Sachakaner so sehr f�rchtete, obwohl seine Gastgeber absolut respektvoll und wohlerzogen waren. Es war nicht die Macht, die sie besa�en, die sie grausam machte, sondern ihre Bereitschaft, sie gegen Menschen einzusetzen, die schw�cher waren als sie selbst.</p><p>Die junge Frau hatte sich nicht erhoben, und es war auch keiner der anderen Sklaven herbeigekommen, um ihr zu helfen. Als Ashaki Tikako einen weiteren Sklaven zu sich rief, verlie� Dannyl verstohlen Ashaki Achati und trat auf sie zu. Sie blinzelte ihn �berrascht an, dann senkte sie hastig den Blick, als er neben ihr in die Hocke ging.</p><p>�Lass mich das sehen�, sagte er. Sie senkte passiv den Kopf, w�hrend er den hinteren Teil ihres Sch�dels untersuchte. Die Kopfhaut blutete und begann anzuschwellen. Er legte eine Hand auf die Wunde, konzentrierte sich und sandte heilende Magie hinein. Ihre Augen weiteten sich, und ihr Blick wurde wieder klar.</p><p>�Besser?�, fragte er, als er fertig war.</p><p>Sie nickte, dann beugte sie sich zu ihm vor. �Diejenigen, die Ihr sucht, sind fort�, sagte sie mit leiser Stimme. �Er ist jetzt wie ein Sklave gekleidet, und seine Haut ist gef�rbt worden, damit er aussieht wie wir. Sie fahren mit einem Karren zu dem Landgut des Herrn im Westen.�</p><p>�Meinst du �?�, begann Dannyl. Aber sie sch�ttelte langsam den Kopf, als versuche sie, ihn frei zu bekommen, und wich vor ihm zur�ck.</p><p>�Verschwendet nicht Eure Kraft, Botschafter.� Als Dannyl aufblickte, sah er, dass Ashaki Tikako ihn angrinste. �Es wird nicht viel kosten, sie zu ersetzen.�</p><p>Dannyl erhob sich. �Euch ein wenig Geld zu sparen ist das Mindeste, was ich tun kann, nachdem Ihr so viel Zeit und M�he darauf verwendet habt, Eure Sklaven zu befragen.�</p><p>�Ohne gro�en Erfolg, wie ich zugeben muss.� Tikako seufzte und betrachtete die letzten f�nf Sklaven. Er winkte sie m�de heran; sein �rger hatte sich inzwischen in Resignation verwandelt.</p><p>W�hrend der Ashaki begann, ihre Gedanken zu lesen, kehrte Dannyl zu Achati zur�ck. Der Mann sah ihn fragend an. Dannyl sch�ttelte schwach den Kopf. Er konnte Achati in Tikakos H�rweite nicht erz�hlen, was er erfahren hatte. Wenn Tikako mitbekam, dass es der Sklavin gelungen war, etwas vor seiner Durchleuchtung ihres Geistes verborgen zu halten, w�rde er sich gedem�tigt f�hlen. Die Sklavin w�rde abermals befragt und wahrscheinlich get�tet werden. Das w�re gewiss keine nette Art, der jungen Frau f�r ihre Information zu danken.</p><p><emphasis>Obwohl es m�glich ist, dass es eine List war.</emphasis> Dannyl runzelte die Stirn. <emphasis>Warum hat sie es ihrem Herrn dann nicht erz�hlt, als er das erste Mal um Informationen gebeten hat? Sie wollte nicht, dass er erfuhr, was sie mir berichtet hat. Warum hat sie ihrem Herrn das Wissen nicht anvertraut? Arbeitet er mit der Frau zusammen, die Lorkin entf�hrt hat?</emphasis></p><p>Welches auch immer der Grund sein mochte, die sachakanische Methode des Gedankenlesens war nicht so gr�ndlich, wie sie dachten. Ashaki Tikako schickte den letzten Sklaven weg und wandte sich Dannyl und Achati zu. Er entschuldigte sich daf�r, dass es ihm nicht gelungen war, Lorkin zu finden. Dennoch klang seine Stimme nicht so, als m�sse er sich verteidigen. Er f�hlte sich best�tigt. Keiner seiner Sklaven hatte Fl�chtlinge versteckt. Keiner hatte gelogen mit seiner Behauptung, nichts zu wissen.</p><p><emphasis>Oder vielleicht wussten sie es durchaus, und er hat nur vorgegeben, nichts herausgefunden zu haben, um seinen Stolz und seine Ehre zu sch�tzen�� oder zu verbergen, dass er an der Entf�hrung beteiligt gewesen war.</emphasis></p><p>Achati schien jedoch zufrieden zu sein. Er dankte Tikako und erkl�rte, dass seine Unterst�tzung belohnt werden w�rde. Schon bald kehrten er und Dannyl zu ihrer Kutsche zur�ck, verabschiedeten sich von ihrem Gastgeber und stiegen ein. Die beiden Sklaven Achatis, zwei junge M�nner, wirkten erleichtert, dass sie aufbrechen konnten.</p><p>Als der Wagen durch die Tore von Tikakos Herrenhaus gerollt war, wandte Achati sich Dannyl zu, die Stirn gerunzelt vor Sorge.</p><p>�Ich muss gestehen, dass ich nicht wei�, wohin wir als N�chstes fahren sollen. Ich���</p><p>�Nach Westen�, unterbrach ihn Dannyl. �Lorkin ist jetzt wie ein Sklave gekleidet, und er und Tyvara fahren in einem Karren zu Ashaki Tikakos Landgut.�</p><p>Achati starrte ihn an, dann l�chelte er. �Das Sklavenm�dchen. Sie hat Euch das erz�hlt?� �Ja.�</p><p>�Eure Untersuchungsmethoden, so unwahrscheinlich sie sein m�gen, scheinen doch zu funktionieren.� Das L�cheln des Mannes verblasste. �Hmm. Das bedeutet� das legt die Vermutung nahe, dass eine der schlimmsten M�glichkeiten, die ich erwogen habe, die zutreffende sein k�nnte.�</p><p>�Dass Ashaki Tikako die Gedanken seiner Sklavin gelesen und uns nichts verraten hat, weil er an Lorkins Entf�hrung beteiligt war, oder dass die sachakanischen Methoden des Gedankenlesens nicht so wirksam sind, wie sie sein sollten?�</p><p>Achati zuckte die Achseln. �Ersteres ist unwahrscheinlich. Tikako ist mit dem K�nig verwandt und einer seiner gr��ten Anh�nger. Letzteres ist schon immer der Fall gewesen. Man braucht Zeit und Konzentration, um einen Geist zur G�nze zu durchsuchen.� Er verzog das Gesicht. �Aber es ist die Natur des Geistes, dass das, was er am dringendsten verbergen will, dazu neigt, die Oberfl�che zu streifen, wenn die Gedanken des Betreffenden gelesen werden. Tikako h�tte diese Information sehen sollen. Die Tatsache, dass es der jungen Frau gelungen ist, es zu verbergen, deutet auf F�higkeiten hin, die sie nicht haben sollte. F�higkeiten, �ber die nur die Mitglieder einer bestimmten Gruppe von Rebellen gebieten.�</p><p>�Rebellen?�</p><p>�Sie nennen sich die Verr�terinnen. Sie benutzen Sklavinnen als Spione und zur Ausf�hrung von Morden und Entf�hrungen. Einige Leute�� gr��tenteils Frauen�� glauben, dass es sich bei den Verr�terinnen um eine ausschlie�lich aus Frauen bestehende Gesellschaft handelt, weil es angeblich vor allem Frauen in schwierigen und ungl�cklichen Umst�nden sind, die sie aufnehmen. Ich habe den Verdacht, dass es sich dabei um ein Ger�cht handelt, mit dessen Hilfe sie sich die F�gsamkeit ihrer Opfer sichern, und dass der wahre Grund f�r die Entf�hrung der Frauen darin liegt, dass sie sie in die Sklaverei verkaufen, hier oder in einem anderen Land.�</p><p>Ein kalter Schauer �berlief Dannyl. �Was wollen sie dann von Lorkin?�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher. Manchmal mischen sie sich in Politik ein. Im Allgemeinen mit Bestechungen oder Erpressung, aber manchmal auch durch einen Auftragsmord. Der einzige Gewinn, den sie durch eine Entf�hrung Lorkins haben k�nnen, ist meiner Meinung nach der, dass sie den K�nig damit in Verlegenheit bringen w�rden.� Er runzelte nachdenklich die Stirn. �Es sei denn, sie wollen einen Krieg zwischen unseren L�ndern heraufbeschw�ren.�</p><p>�Wenn das ihre Absicht w�re, h�tten sie Lorkin gewiss get�tet.�</p><p>Achatis Miene war grimmig, als er Dannyl in die Augen sah. �M�glicherweise haben sie das immer noch vor.�</p><p>�Dann m�ssen wir sie schnell finden. Gibt es viele Stra�en, die nach Westen f�hren, zu Tikakos Landgut?�</p><p>Der Sachakaner antwortete nicht. Seine Miene spiegelte Verwirrung und Geistesabwesenheit wider. �Aber warum es uns erz�hlen?�, fragte er.</p><p>�Wer?�, fragte Dannyl.</p><p>�Das Sklavenm�dchen. Warum hat sie uns erz�hlt, wie wir Lorkin finden k�nnen, wenn sie eine Verr�terin ist? Versucht sie, uns von der richtigen Spur abzubringen?�</p><p>�Vielleicht haben die Verr�terinnen nichts damit zu tun und wollen vermeiden, dass man ihnen die Schuld an Lorkins Entf�hrung gibt.�</p><p>Achati zog die Brauen zusammen. �Nun, es ist der einzige Hinweis, den wir haben. Ob es eine List ist oder nicht, wir haben keine andere M�glichkeit, als der Angelegenheit nachzugehen.�</p><empty-line/><p>Auf der Stra�e zu Tikakos Landgut herrschte ein st�ndiger Verkehrsstrom, der Lorkin zwang, w�hrend des gr��ten Teils des Tages Tyvaras Rat zu befolgen und kein Wort zu sagen, f�r den Fall, dass sein kyralischer Akzent Aufmerksamkeit erregen sollte. Er konnte sie nicht nach dem Ziel ihrer Reise fragen oder um Informationen �ber die Leute bitten, die versucht hatten, ihn zu t�ten. Seine Haut juckte von der Farbe, die sie bedeckte. Wenn er sich kratzte, warf sie ihm einen missbilligenden Blick zu und trat ihm sachte gegen den Kn�chel, wenn er sich verga� und die Leute, an denen sie vorbeikamen, direkt anschaute. Das war ungeheuer frustrierend und machte das langsame Fortkommen des Karrens, der von einem uralt aussehenden Pferd gezogen wurde, fast unertr�glich.</p><p>Von Zeit zu Zeit sah er sie verstohlen an und bemerkte die Anspannung ihres K�rpers und wie sie auf ihrer Unterlippe kaute. Au�erdem konnte er nicht umhin, ihre beinahe makellose braune Haut zu bewundern. Es war das erste Mal, dass er sie drau�en im Freien und im Sonnenlicht sah, statt im Licht einer Lampe oder einer magischen Kugel. Ihre Haut hatte einen gesunden Schimmer, und er ertappte sich bei der Frage, ob sie sich so warm anf�hlen w�rde wie die Haut von Riva. Dann kam die unausweichliche Erinnerung an Rivas Tod, an die blicklosen Augen, und er wandte sich ab.</p><p>Es <emphasis>ist gef�hrlich, sich zu Tyvara hingezogen zu f�hlen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Aber aus irgendeinem Grund machen das R�tsel, das sie umgibt, und der Umstand, dass ich nicht wei�, wie m�chtig sie ist, sie noch reizvoller. Trotzdem, dies ist nicht der Zeitpunkt, um wegen einer Frau den Verstand zu verlieren. Es besteht eine sehr reale Gefahr, dass ich am Ende mehr verlieren k�nnte als nur den Verstand.</emphasis></p><p>Als sie ihm schlie�lich zumurmelte, dass sie in K�rze ihr Ziel erreichen w�rden, schwebte die Sonne direkt �ber dem Horizont. Er versp�rte eine Erleichterung, die sich alsbald in Luft aufl�ste, als sie ihm sagte, was er als N�chstes tun sollte. Sie w�rden ein weiteres Gut erreichen, in dem man sie erwartete. Dort w�rden sie essen und schlafen, aber Tyvara w�rde erst dann wissen, was sie danach tun sollten, wenn sie Verbindung zu ihren Leuten aufgenommen hatte.</p><p>Dies w�rde der erste Test seiner F�higkeit sein, sich wie ein Sklave zu benehmen. Sie hatte ihm eingesch�rft, dass er nicht mehr als n�tig sprechen sollte, dass er den Blick stets gesenkt halten und ohne Z�gern oder Protest gehorchen musste. Au�erdem sollte er sich, wenn irgend m�glich, in der Dunkelheit halten.</p><p>Jetzt deutete sie mit dem Kopf auf eine L�cke in der Mauer vor ihnen und wies ihn an, das Pferd darauf zuzulenken. Es war ein wenig seltsam, dass eine Haussklavin einen Liefersklaven begleitete, daher hatten sie sich eine Ausrede zurechtgelegt: Angeblich zeigte sie ihm den Weg und lehrte ihn, wie man den Karren fuhr, weil keine anderen Sklaven daf�r freigestellt werden konnten. Er hatte die Fahrlektionen genossen, obwohl er nicht viele Fragen stellen konnte, weil sie bef�rchten mussten, belauscht zu werden.</p><p>Sie schafften es ohne Missgeschick durch die L�cke in der Mauer, obwohl der Wagen an einer Seite die Steine ber�hrte. Lorkin schaute zu den Geb�uden hin�ber. Gestalten bewegten sich zwischen ihnen hindurch�� der Kleidung nach allesamt Sklaven. Als der Wagen sich n�herte, blieben die Leute stehen, um einen Moment zuzuschauen, bevor sie ihre Pflichten wieder aufnahmen.</p><p>�Dort hindurch�, sagte Tyvara und deutete auf eine Toreinfahrt. Er lenkte den Karren auf einen kleinen Innenhof. Ein hochgewachsener Sklave, der das Kopfband eines Sklavenmeisters trug, trat aus einer T�r und bedeutete Lorkin anzuhalten.</p><p>Sie brachten den Wagen zum Stehen. Lorkin, der sich des durchdringenden Blicks des Sklavenmeisters vollauf bewusst war, schaute zu Boden. Zwei weitere Sklaven kamen herbei und traten neben den Kopf des Pferdes.</p><p>�Euch zwei habe ich noch nie gesehen�, bemerkte der Mann.</p><p>Tyvara nickte. �Das ist Ork. Er ist neu.�</p><p>�Ein bisschen mager f�r einen Liefersklaven.�</p><p>�Mit ein wenig Arbeit wird er schon Muskeln zulegen.�</p><p>Der Mann nickte. �Und du?�</p><p>�Vara. Ich musste ihm den Weg zeigen.� Sie klang selbstgef�llig. �Niemand sonst war abk�mmlich.�</p><p>�Hm.� Der Sklavenmeister machte ihnen ein Zeichen und wandte sich ab. �Du wirst froh sein, dass du dich ausruhen konntest. Der Herr will, dass der Wagen sofort beladen wird, damit ihr beim ersten Tageslicht aufbrechen k�nnt, und wir bekommen nichts zu essen, bevor die Arbeit getan ist.�</p><p>Tyvara sah Lorkin an, dann zuckte sie die Achseln. �Also komm, Ork.�</p><p>Sie stiegen vom Wagen. Einer der anderen Sklaven griff nach den Z�geln, w�hrend der zweite dem Pferd das Geschirr abnahm. Lorkin folgte Tyvara in einen gro�en, h�lzernen Raum. Der schwere, s��e Geruch von Reberwolle erf�llte die Luft.</p><p>�Das ist die Ladung.� Der Sklavenmeister deutete auf einen Haufen Vliesb�ndel, die in �ltuch eingewickelt waren. Die Fracht schien die doppelte Gr��e dessen zu haben, was der Karren tranportieren konnte. Der Mann blickte von Lorkin zu Tyvara. �Ihr wisst, wie man einen Wagen bel�dt?�</p><p>�Ich habe viele Male zugesehen�, antwortete Tyvara. Sie begann, die Vorgehensweise zu beschreiben.</p><p>Der Mann nickte und stie� ein anerkennendes Brummen aus. �Das Wesentliche hast du verstanden. Ich werde es �berpr�fen, wenn ich zur�ckkomme. Wenn es falsch ist�, er musterte Lorkin vielsagend, �werdet ihr ausladen und richtig wieder aufladen m�ssen, und das bedeutet, dass ihr bis morgen fr�h auf euer Essen werdet warten m�ssen.�</p><p>�In Ordnung�, erwiderte Tyvara und schaute Lorkin an. �Es wird Zeit, etwas Neues zu lernen.�</p><p>Lorkin war froh dar�ber, dass der Sklavenmeister nicht zur�ckblieb, um sie zu beobachten, aber es tauchten jede Menge weiterer Sklaven auf, von denen einige stehen blieben, um ihn und Tyvara zu mustern. Gl�cklicherweise schien sie tats�chlich zu wissen, wie man Karren belud, und gab acht, dass er nichts verkehrt machte. Aber es waren eine Menge B�ndel, und er hatte w�hrend der vergangenen Nacht nur wenig Schlaf gefunden. Obwohl er seine Ersch�pfung geheilt hatte, wann immer sie begann ihn zu behindern, kehrte die M�digkeit mit jedem Mal schneller zur�ck.</p><p>Die B�ndel waren alle gleich, doch irgendwie wurden sie schwerer, w�hrend er arbeitete. Er musste die letzten zu Tyvara hinaufwerfen, die auf dem Stapel im Karren balancierte. Als er Schritte hinter sich h�rte, zuckte er zusammen und verfehlte sein Ziel. Tyvaras H�nde rutschten ab, und das B�ndel fiel zu Boden. Lorkin wich zur�ck, um es aufzuheben, doch stattdessen trat er auf irgendetwas.</p><p>�Narr!�, br�llte eine vertraute Stimme. Eine Hand kam aus dem Nichts und schlug Lorkin so heftig gegen den Kopf, dass ihm die Ohren dr�hnten. Er hielt sich den Kopf und stolperte davon. Da er vermutete, dass es einem Sklaven �hnlicher s�he, sich auf den Boden zu kauern, als aufzustehen, duckte er sich und wartete ab.</p><p>�Sitz nicht da und schmolle. Heb das B�ndel auf und beende die Arbeit�, befahl der Sklavenmeister.</p><p>Lorkin rappelte sich in gekr�mmter Haltung hoch und vermied es, den Mann anzusehen. Dann lief er zu dem letzten B�ndel und hob es vom Boden auf. Er blickte zu Tyvara empor. Sie runzelte besorgt die Stirn, streckte jedoch die H�nde aus zum Zeichen, dass sie bereit war. Er warf und seufzte vor Erleichterung, als sie das B�ndel auffing und geschickt zu den �brigen legte.</p><p>Dann dr�ckte ihm der Sklavenmeister, der Lorkin offensichtlich verziehen hatte, dass er ihm auf den Fu� getreten war, Seile in die Hand und half ihnen, die Vliesballen auf dem Wagen festzubinden. Als sie fertig waren, nickte er anerkennend.</p><p>�Ich werde den K�chenjungen mit Essen und Decken hinausschicken. Ihr k�nnt im Lager schlafen. Haltet euch bereit, fr�h aufzubrechen.�</p><p>Mit diesen Worten drehte er sich um und stolzierte davon. Als Lorkin ihm nachsah, bemerkte er aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Er widerstand der Versuchung, nach der Quelle Ausschau zu halten. Der Innenhof wurde nicht l�nger vom Licht des sp�ten Nachmittags beleuchtet, und die Dunkelheit unter den Veranden war fast undurchdringlich. Schlie�lich tat Lorkin so, als betrachte er in dem verblassenden Licht seine H�nde, dann schaute er dar�ber hinweg und machte eine weibliche Gestalt in einer T�r aus. Sie beobachtete ihn und Tyvara mit schmalen Augen.</p><p>�Ork�, rief Tyvara. Er drehte sich zu ihr um. Sie stand neben dem Karren. �Komm und hilf mir, das hier zu richten.�</p><p>Er trat neben sie. Sie zupfte an einem der B�ndel, an dessen Platzierung nichts auszusetzen schien.</p><p>�Meine gewohnte Kontaktperson ist nicht erschienen�, murmelte sie. �Ich habe keine andere T�r zum Lager entdeckt. Lasst uns f�r den Augenblick hier drau�en bleiben.�</p><p>�Da war vorhin eine Frau, die uns beobachtet hat�, erwiderte er. �Hast du sie gesehen?�</p><p>Sie runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. Als Schritte erklangen, sp�hte sie um den Wagen herum und l�chelte. �Essen!�</p><p>Lorkin folgte ihr, als sie dem Jungen, der auf sie zukam, entgegenging. Seine Augen weiteten sich, dann senkte er hastig den Blick und hielt ihnen zwei faustgro�e, noch dampfende Br�tchen und zwei Becher hin. Die Fl�ssigkeit darin erzitterte, da die Hand des Jungen bebte.</p><p>Tyvara nahm das Essen und reichte Lorkin seinen Anteil. Sobald er frei von seiner Last war, drehte der Junge sich um, rannte zur�ck zu einer T�r und st�rzte hindurch.</p><p>�Er hatte Angst�, murmelte Lorkin.</p><p>�Ja�, pflichtete Tyvara ihm bei. �Und er h�tte keine Angst haben d�rfen.� Sie ging zur�ck zum Wagen. �Au�erdem hat er keine Decken mitgebracht. Folge mir.� Tyvara ging am Wagen vorbei auf das Lager zu. Lorkin schloss sich ihr an, wobei er achtgab, den Inhalt seines Bechers nicht zu versch�tten. Jetzt erhellte eine einzelne Lampe den Raum und warf Schatten an die W�nde. Sobald sie im Lager waren, nahm Tyvara ihm den Becher und das Br�tchen ab und stellte beides zusammen mit ihrem Essen neben einen Eimer, der stark nach Urin roch.</p><p>�Wir k�nnen das nicht essen�, erkl�rte sie ihm, w�hrend sie sich im Raum umblickte. �Es k�nnte mit Drogen versetzt sein.�</p><p>�Drogen?� Er betrachtete das Br�tchen und den Becher. �Sie wissen, wer wir sind?�</p><p>�M�glicherweise. Ah! Gut. Komm her.�</p><p>�Aber wie k�nnen sich die Neuigkeiten so schnell bis hierher rumgesprochen haben?�, fragte er, w�hrend er ihr zur gegen�berliegenden Wand folgte. Sie drehte sich um, und der Blick, den sie ihm zuwarf, besagte deutlich, dass sie seine Frage f�r idiotisch hielt.</p><p>�Benutzen Kyralier keine Blutringe?�</p><p>�Doch, aber���</p><p>�Ich nehme an, ihr habt keine Sklaven, die hinter eurem R�cken schwatzen. Aber gewiss k�nnt ihr euch eines denken: Wenn wir zu Fu� gereist sind, konnte jeder mit einem Pferd die Neuigkeiten schneller verbreiten, als wir unser Ziel erreichen konnten.�</p><p>�Hm, ja��</p><p>Sie verdrehte die Augen, dann wandte sie sich ab und schl�pfte hinter einige Kisten, die voller mit Wachspfropfen verschlossener Tonkr�ge waren. Als er ihr folgte, sah er eine kleine T�r, die mit Brettern dauerhaft vernagelt war. Sie drehte sich zu der Lampe um, dann zu den Kisten mit Kr�gen. Schlie�lich trat sie einen Schritt zur�ck und starrte die Kisten an. Sie begannen sich zu bewegen und schwankten gef�hrlich hin und her, als sie vorw�rtsrutschten, um den Blick zum Eingang des Lagers zu versperren.</p><p>Dann wandte sie sich den Brettern �ber der kleinen T�r zu und starrte sie an, bis sie begannen, sich vom T�rrahmen zu l�sen.</p><p>�L�sch die Lampe�, befahl sie, ohne den Blick von ihrem Werk abzuwenden.</p><p>Lorkin schaute zu der Lampe hin�ber, dann zog er Macht in sich hinein, sandte sie aus und formte sie zu einer kleinen Barriere, die die Flamme ausblies. Als Dunkelheit sich �ber den Raum legte, sp�rte er eine frische Brise und drehte sich um; wo die T�r gewesen war, erstreckte sich jetzt ein dunkelblaues Rechteck mit orangefarbenen Wolken. Er trat darauf zu, aber der Himmel verschwand, als Tyvara die T�r wieder zuschwang, und er sp�rte ihre Hand auf seiner Brust, um ihn aufzuhalten.</p><p>�Warte�, murmelte sie. �Lass dich nicht sehen.�</p><p>Vor der T�r des Hauptlagers ert�nten Ger�usche. Licht fiel in den Raum und bewegte sich, als die Quelle n�her kam. Dann traten der Sklavenmeister und der Junge ein, gefolgt von einer Frau. Sie beide starrten auf die Becher und die Br�tchen, die unber�hrt waren, dann sahen sie sich im Lager um.</p><p>�Sie sind weg�, sagte der Junge.</p><p>�Sie k�nnen nicht weit gekommen sein�, meinte die Frau. �Sollen wir mit der Suche beginnen?�</p><p>�Nein�, antwortete der Sklavenmeister. �Zu gef�hrlich. Wenn sie das sind, was du behauptest, kann nur der Herr mit ihnen fertig werden, und er ist in der Stadt.�</p><p>Die Frau sah aus, als wolle sie Einw�nde erheben, doch stattdessen nickte sie nur steif und verlie� das Lager. Der Sklavenmeister sah sich abermals im Raum um. Einen Moment lang machte er den Eindruck, als w�rde er ihn vielleicht durchsuchen, aber dann sch�ttelte er den Kopf und ging zur T�r.</p><p>Sobald er fort war, versp�rte Lorkin abermals die Brise. Tyvara packte ihn am Arm und zog ihn durch die T�r in eine L�cke zwischen zwei Geb�uden. Sie hielt seine Arme mit starkem Griff umfasst. Ihm wurde flau, als sie sich pl�tzlich in die Luft erhoben.</p><p><emphasis>Levitation,</emphasis> dachte er und blickte hinab, wo die unsichtbare Kraft unter ihren F��en sein musste. <emphasis>Ich hatte jahrelang keinen Grund mehr, das zu tun.</emphasis></p><p>Sie traten auf das Dach des Lagers. Tyvara hockte sich hin und begann, langsam und leise �ber das Dach zu kriechen, wobei sie sich dicht unter dem First hielt, damit die Leute im Innenhof sie nicht sehen konnten. Lorkin folgte ihr und zuckte bei jedem Knarren der h�lzernen Ziegel zusammen. Die Sklavenschuhe waren viel leiser als Magierstiefel und griffen �berraschend gut auf den Dachziegeln.</p><p>Am Ende des Lagerdachs kletterten sie zum Nachbargeb�ude hinunter, dann weiter zum n�chsten und schlie�lich zu einem, das im Schatten eines gro�en Schornsteins ein gutes Versteck bot. Von unten kam ein lautes Knirschen, das s�mtliche Ger�usche, die sie machten, �berdecken w�rde.</p><p><emphasis>Vielleicht kann ich ihr jetzt einige Fragen stellen.</emphasis></p><p>�Wenn es richtig dunkel ist, werden wir zur Stra�e zur�ckkehren�, er�ffnete ihm Tyvara.</p><p>�Und wenn wir jemandem begegnen?�</p><p>�Niemand wird uns allzu genau ansehen. Sklaven auf der Stra�e sind nichts Ungew�hnliches, nicht einmal bei Nacht. Aber wenn wir querfeldein gehen, werden wir zu Eindringlingen. Obwohl die Feldsklaven sich uns nicht n�hern werden, werden sie uns ihrem Herrn melden. Selbst wenn wir wegkommen, bevor er Nachforschungen anstellt, wird jeder, der auf solche Berichte achtet, wissen, in welche Richtung wir uns bewegen.� Sie seufzte. �Ich hatte gehofft, weiter von der Stadt wegzukommen, bevor dies geschieht.�</p><p>�Du hast damit gerechnet?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Sind deine Kontaktpersonen hier sicher?� �Ja.�</p><p>�Also� sie sind hier, aber das Gleiche gilt f�r die Leute, die versucht haben, mich zu t�ten?�</p><p>�Ja.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Aber� es ist noch komplizierter.�</p><p>Er sah sie erwartungsvoll an, doch sie sagte nichts mehr, sondern starrte nur �ber die Felder hinweg. <emphasis>Sie will offensichtlich nicht dar�ber reden. Aber sie kann nicht andeuten, dass mehr dahintersteckt als das, was sie mir erz�hlt hat, ohne damit zu rechnen, dass ich nachhake.</emphasis></p><p>�Warum ist es komplizierter?�, fragte er. Dann runzelte er �berrascht die Stirn. Seine Stimme hatte h�rter geklungen als beabsichtigt.</p><p>Sie musterte ihn, und ihre Augen waren in der wachsenden Dunkelheit kaum sichtbar.</p><p>�Ich sollte nicht� aber ich sch�tze, es hat keinen Sinn, es noch l�nger geheim zu halten.� Sie holte tief Luft, dann stie� sie den Atem wieder aus. �Wir k�nnen jetzt keinen Sklaven mehr vertrauen, nicht einmal jenen, die Verr�terinnen sind. Wir Verr�terinnen� wir sind nicht immer der gleichen Meinung. Aufgrund sehr unterschiedlicher Meinungen zu einigen Fragen haben sich bei uns bestimmte Gruppen gebildet.�</p><p>�Parteien?�, fragte er nach.</p><p>�Ja, ich nehme an, so k�nnte man sie nennen. Die Partei, zu der ich geh�re, glaubt, dass du ein potenzieller Verb�ndeter seist und nicht get�tet werden solltest. Die andere� glaubt das nicht.�</p><p>Lorkin schnappte nach Luft. <emphasis>Ihre Leute wollen mich tot sehen!</emphasis> Ein flaues Gef�hl stieg in ihm auf, aber er schob es beiseite. <emphasis>Nein, nur einige von ihnen wollen das. Tyvara ist ein guter Mensch�</emphasis></p><p>�Meine Partei hat mehr Einfluss auf unsere Leute�, erkl�rte sie ihm. �Wir sagen, dass deine Ermordung zu einem Krieg zwischen Sachaka und Kyralia f�hren k�nnte. Dass wir nur dann t�ten sollten, wenn es sich nicht vermeiden l�sst. Dass es die Denkweise der Sachakaner ist, ein Kind f�r die Taten der Eltern verantwortlich zu machen, nicht unsere. Aber��</p><p>Sie hielt inne, und als sie weitersprach, senkte sie die Stimme. �Aber ich habe etwas getan, das das Machtverh�ltnis ver�ndert haben k�nnte.� Sie holte erneut tief Luft, und diesmal zitterte ihr Atem ein wenig. �Die Frau, die ich get�tet habe, um Euch zu retten�� Riva��, war keine Auftragsm�rderin, die von einer sachakanischen Familie geschickt worden war. Sie war eine Verr�terin. Eine von der anderen Partei.�</p><p>�Du hast gelogen�, stellte Lorkin fest. �Ja. Andernfalls w�rst du nicht mit mir gekommen, und dann w�rst du inzwischen wahrscheinlich tot.�</p><p>Lorkin legte die Stirn in Falten. <emphasis>Welche anderen L�gen hatte sie ihm noch erz�hlt?</emphasis> Aber wenn alles andere, was sie sagte, der Wahrheit entsprach, vor allem in Bezug auf die Verr�terinnen, verstand er die T�uschung. <emphasis>Ich w�re nicht mit ihr fortgegangen. Ich w�re zu verwirrt gewesen.</emphasis></p><p>�Wenn meine Leute erfahren, dass ich sie get�tet habe, wird die andere Partei an Unterst�tzung gewinnen�, fuhr Tyvara fort. �Und nach den Ereignissen hier zu urteilen, w�rde ich sagen, dass die Neuigkeit uns eindeutig �berholt hat. Niemand von der anderen Partei wird uns helfen. Sie k�nnten versuchen, dich zu t�ten. Sie k�nnten versuchen, uns beide zu t�ten.�</p><p>�Und die Verr�terinnen von deiner Partei?�</p><p>�Sie werden sich nicht sicher sein, was sie tun sollen. Sie werden nicht versuchen, uns zu t�ten, aber sie werden uns vielleicht auch nicht helfen, falls sie sich damit der Unterst�tzung einer M�rderin schuldig machen. Irgendwann werden die Nachrichten das Sanktuarium erreichen, und unsere Anf�hrerinnen werden alle Befehle aufheben, die die F�hrungsleute der Kundschafter ausgegeben haben. Dann wird es offizielle Befehle von h�chster Stelle geben.�</p><p>Lorkin schwirrte der Kopf von all diesen neuen Informationen. �berall in Sachaka gab es Leute�� eine ganze Gesellschaft��, die dar�ber befanden, ob er get�tet werden sollte oder nicht. Er sch�ttelte sich. <emphasis>Und was meinte sie mit �ein Kind f�r die Taten der Eltern verantwortlich machen�? Was haben meine Eltern getan, um sie so sehr in Wut zu versetzen?</emphasis> Er hatte zu viele Fragen, und sie konnten jeden Augenblick entdeckt werden. Am besten, er beschr�nkte sich auf die unmittelbareren. Wie zum Beispiel die Frage, welche Gefahr ihm von diesen Verr�terinnen drohte.</p><p>�Also, wenn deine Partei die Oberhand hatte, warum hat Riva dann versucht, mich zu t�ten?�</p><p>Tyvara stie� ein kurzes, bitteres Lachen aus. �Sie hat ihre Befehle nicht befolgt. Sie hat mir nicht gehorcht.�</p><p>�Und niemand wei� das, daher denken sie, du h�ttest sie ermordet?�</p><p>Eine Pause folgte. �Ja, aber selbst wenn sie den Grund erfahren, warum ich sie get�tet habe� Verr�terinnen t�ten keine Verr�terinnen. Es ist ein weit schwerwiegenderes Verbrechen als Befehlsverweigerung. Selbst meine eigene Partei wird mich daf�r bestrafen wollen.�</p><p>�Sie werden dich t�ten?�</p><p>�Ich� ich wei� es nicht.� Sie klang so unsicher, so ver�ngstigt, dass er pl�tzlich dem Drang widerstehen musste, die Arme um sie zu legen und ihr zu versichern, dass alles gut gehen w�rde. Aber die Worte w�ren eine L�ge gewesen. Er hatte keine Ahnung, was geschehen w�rde, wohin sie gehen sollten oder auch nur, wo er war. Sie hatte ihn von allem fortgeholt, was er verstand. Dies war ihre Welt. Sie war diejenige, die sich auskannte. Ob es ihm gefiel oder nicht, sie musste das Kommando f�hren.</p><p>�Wenn uns irgendjemand da rausbringen kann, dann bist du es�, erkl�rte er. �Also, was sollen wir jetzt tun? Nach Arvice zur�ckkehren? Nach Kyralia gehen?�</p><p>�Wir k�nnen weder das eine noch das andere tun. Wir haben fast in jedem Haushalt in Sachaka Verr�terinnen. Jetzt, da meine Leute wissen, was ich getan habe, werden Verr�terinnen den Pass im Auge behalten.� Er h�rte das leise Ger�usch von Fingern, die auf irgendetwas trommelten. �Wir k�nnen nicht weglaufen. Was wir tun m�ssen, ist Folgendes: Wir m�ssen zu meinen Leuten gehen�� zu meiner Partei. Wir werden eine Chance haben, unser Verhalten zu erkl�ren, und du wirst in Sicherheit sein. Ganz gleich was mit mir geschieht, sie werden dich besch�tzen.� Sie lachte leise. �Ich brauche dich nur sicher durch den gr��ten Teil Sachakas und in die Berge zu bringen, ohne dass die andere Partei uns findet. Oder irgendwelche Kyralier und Sachakaner, die gewiss nach dir suchen.� �Die Berge, hm?�</p><p>�Ja. Und jetzt, da es dunkel ist, denke ich, ist es an der Zeit, dass wir aufbrechen. Wir werden an dieser Mauer herunterspringen und dann die Mauern entlang bis zur Stra�e gehen. Bist du bereit?�</p><p>Er nickte, dann grinste er kl�glich, als ihm klar wurde, dass sie ihn nicht sehen konnte.</p><p>�Ja�, sagte er. �Ich bin bereit.�</p><empty-line/><p>Die junge Frau im Untersuchungsraum hatte dunkle Ringe unter den Augen. Auf ihrem Scho� zappelte ein kleines Kind, das das Gesicht verzog, w�hrend es mit beinahe unmenschlicher St�rke heulte.</p><p>�Ich wei� nicht, was ich mit ihm machen soll�, gestand die Frau. �Ich habe alles versucht.�</p><p>�Lass mich mal sehen�, erbot sich Sonea.</p><p>Die Mutter reichte ihr das Kind. Sonea setzte sich den kleinen Jungen auf den Scho� und untersuchte ihn gr�ndlich, sowohl mit den H�nden und den Augen als auch mit ihrer Magie. Zu ihrer Erleichterung gab es keine Anzeichen f�r Verletzungen oder Krankheiten. Sie sp�rte jedoch ein allt�glicheres Problem.</p><p>�Es geht ihm gut�, versicherte sie der Mutter. �Er hat nur Hunger.�</p><p>�Jetzt schon?� Die junge Frau griff sich an die Brust. �Ich scheine nicht genug Milch���</p><p>Pl�tzlich wurde die T�r ge�ffnet, und Heilerin Nikea schl�pfte in den Raum.</p><p>�Es tut mir leid, dass ich st�ren muss�, sagte sie und sah die junge Frau entschuldigend an. Dann blickte sie zu Sonea hin�ber. �Hier ist ein Bote f�r Euch. Er sagt, es sei dringend.�</p><p>Soneas Herz setzte einen Schlag aus. War es Cery? Sie erhob sich und gab das Kind seiner Mutter zur�ck. �Ihr schickt ihn besser herein. Und k�nntet Ihr diese junge Frau zu Adrea bringen?� Sie sah die Mutter an und l�chelte. �Adrea ist eine Expertin, was solche Probleme und alternative Speisen betrifft. Ich w�nschte, ich h�tte sie gekannt, als mein Sohn geboren wurde. Sie wird dir helfen.�</p><p>Die junge Frau nickte und folgte Nikea aus dem Raum. Die T�r schloss sich hinter ihnen. Sonea starrte sie an, w�hrend sie auf Cery wartete. Als die T�r endlich ge�ffnet wurde, war es jedoch ein massiger Mann, der den Raum betrat. Er kam ihr bekannt vor, und nach einem Moment des Nachdenkens fiel ihr wieder ein, wer er war.</p><p>�Gol, nicht wahr?�, fragte sie.</p><p>�Ja, Mylady�, antwortete er.</p><p>Sie l�chelte. Es war lange her, seit jemand sie das letzte Mal �Mylady� genannt hatte statt �Schwarzmagierin�. �Was gibt es Neues?�</p><p>�Wir haben sie gefunden�, sagte der gro�e Mann, dessen Augen sich vor Aufregung weiteten. �Ich habe sie bis zu ihrem Wohnort verfolgt, und jetzt beh�lt Cery sie im Auge, bis Ihr sie erreichen k�nnt.�</p><p>Abermals setzte Soneas Herz kurz aus, aber dann wurde ihr flau im Magen. <emphasis>Ich werde sie nicht erreichen. Ich muss nach Rothen schicken und nach Regin.</emphasis> Konnte sie es einfach unterlassen, Regin zu rufen? <emphasis>Nein, wenn diese Frau eine starke Magierin ist, k�nnte sie Rothen �berw�ltigen. Vielleicht ihn sogar t�ten. Es ist besser, wenn zwei Magier sie zur Rede stellen als nur einer. Oh, ich w�nschte, ich k�nnte mit ihm gehen! Aber wenn ich Regin vertrauen muss, dass er nichts dar�ber verlauten l�sst, dass ich Informationen �ber eine Magierin zur�ckgehalten habe, dann muss er sich ebenfalls die H�nde schmutzig machen.</emphasis></p><p>�Wie viel Zeit haben wir?�, fragte sie.</p><p>Gol zuckte die Achseln. �Als wir sie das letzte Mal gesehen haben, war sie gerade ins Bett gegangen, also� Ich nehme an, es hat keine Eile.�</p><p>�Dann w�rde ich gern nach Hilfe schicken. Zwei Magier sind in dieser Situation besser als einer.� Sie nahm ein St�ck Papier und kritzelte hastig die Wort �Nordseite� und �Jetzt?� darauf. Dann faltete sie das Blatt zusammen, schrieb auf die R�ckseite Regins Namen und Titel und verfasste anschlie�end die gleiche Nachricht f�r Rothen. �Gib dies Heilerin Nikea�� der Frau, die dich hereingef�hrt hat.�</p><p>Gol nahm die Papiere entgegen und schl�pfte aus dem Raum.</p><p>Als die T�r wieder ge�ffnet wurde, erwartete Sonea, dass Gol noch einmal zur�ckgekommen war. Stattdessen war es Heilerin Nikea. Als die junge Frau n�her trat, sah sie Sonea in die Augen und wandte den Blick dann wieder ab. Soneas Haut begann sofort zu kribbeln. <emphasis>Sie wird mich fragen, was es damit auf sich hatte. Vielleicht hat sie Gol erkannt oder herausgefunden, dass er f�r einen Dieb arbeitet. Ich bezweifle, dass sie mich schelten wird, aber Nikea ist nicht die Art Frau, die etwas, das sie missbilligt, unerw�hnt l�sst und ignoriert.</emphasis></p><p>��h� ich wollte sagen��, begann die junge Frau und rieb sich mit untypischer Nervosit�t die H�nde.</p><p>�Ja?�, hakte Sonea nach.</p><p>�Was immer Ihr tut, ich wei�, dass es einem guten Zweck dienen muss.� Nikea straffte sich. �Wenn Ihr hier jemanden braucht, der� der �Eure Spuren verwischt�, wie man so sch�n sagt, k�nnt Ihr Euch auf mich verlassen. Und auch auf einige der anderen Heiler. Wir werden den Leuten erz�hlen, dass Ihr hier wart, falls Ihr ausgehen m�sst.�</p><p>Sonea wurde bewusst, dass ihr vor �berraschung der Unterkiefer heruntergeklappt war, und sie schloss hastig den Mund.</p><p>�Wie viele von euch denken so?�, brachte sie schlie�lich heraus.</p><p>�Wir sind zu viert. Sylia, Gejen, Colea und ich.�</p><p>Erheitert unterdr�ckte Sonea den Drang zu l�cheln. �Ihr habt das bereits besprochen?�</p><p>Nikeas Blick war fest. �Ja. Wir waren uns nicht sicher, was vorgeht, falls �berhaupt etwas vorgeht. Aber wir alle dachten, es m�sse wichtig sein und dass wir bereit w�ren, Euch zu helfen.�</p><p>Sonea sp�rte, dass ihr Gesicht hei� wurde. �Danke, Nikea.�</p><p>Die junge Frau zuckte die Achseln, dann ging sie r�ckw�rts auf die T�r zu. �Nat�rlich w�rden wir liebend gern wissen, was vorgeht, falls Ihr es uns erz�hlen k�nnt.� Sie ber�hrte die Klinke, dann blickte sie noch einmal hoffnungsvoll zur�ck.</p><p>Sonea lachte leise. �Wenn ich es kann, werde ich es tun.� Nikea grinste. �Ich werde den Boten wieder hereinschicken.�</p><p>�Vielen Dank. Noch einmal.�</p><p>Als sich die T�r hinter der Heilerin schloss, konnte Sonea sich ein Grinsen nicht verkneifen. <emphasis>Anscheinend denken nicht alle in der Gilde, dass ich mich, sobald sie mich nicht mehr sehen k�nnen, in eine verr�ckte, schwarze Magie benutzende M�rderin verwandle.</emphasis> Das Vertrauen der Heilerin ber�hrte sie. Vielleicht konnte sie es doch riskieren, das Hospital zu verlassen. Was <emphasis>f�r Rothen und Regin sicherer w�re. Obwohl nichts darauf hindeutet, dass es sich bei der wilden Magierin um eine Schwarzmagierin handelt, k�nnte das Ganze sehr unangenehm werden, falls sich herausstellt, dass sie tats�chlich eine ist.</emphasis></p><p>Und Sonea musste zugeben, dass die Vorstellung, wieder mit Cery in der Stadt umherzuschleichen, sie sowohl mit Wehmut als auch mit Erregung erf�llte. Es w�re nicht gerecht, wenn Rothen und Regin den ganzen Spa� haben w�rden, w�hrend sie nur dasitzen und auf Neuigkeiten warten durfte.</p></section><section><empty-line/></section><section><title><p>19</p><p>Das Versteck</p></title><p>Wie Gol berichtet hatte, war der Stadtteil, in dem die wilde Magierin lebte, �berraschend respektabel und nicht die Art von Ort, an dem man herumlungern konnte, ohne aufzufallen. Cery hatte einige seiner Leute in umliegende L�den geschickt, um festzustellen, ob er die Frau aus einem von ihnen beobachten konnte. Einer seiner M�nner hatte einen Ladenbesitzer sagen h�ren, dass sein Nachbar abgereist sei, um die Familie seiner Frau in Elyne zu besuchen, und einige aufgebrochene Schl�sser sp�ter sa� Cery im G�stezimmer des abwesenden Ladenbesitzers entspannt in einem gem�tlichen Sessel an dem Fenster, das zur Stra�e hinausging, und beobachtete, wie die Nacht sich herabsenkte und Lampenanz�nder die Stra�e nach und nach in helles Licht tauchten.</p><p>Au�erdem hatte er einige Leute ausgeschickt, den Hintereingang des Hauses der wilden Magierin zu beobachten. Sie wohnte im Keller, den man durch den Laden dar�ber und durch eine eingefallene Hintert�r erreichte. Regelm��ige Berichte versicherten ihm, dass sie nicht weggegangen war.</p><p>Doch Gol brauchte l�nger, als er h�tte brauchen d�rfen. <emphasis>Habe ich Soneas Nachricht missverstanden? Sie sagte, sie werde sich um �die Angelegenheit� k�mmern und dass ich Informationen ins Hospital schicken solle. Nun, das habe ich getan.</emphasis></p><p>Im unteren Stockwerk wurde eine T�r ge�ffnet, und Cery straffte sich. Die Schritte von zwei oder drei Leuten waren zu h�ren, die die Treppe heraufgestapft kamen. Waren es seine Leute, oder kehrten der Ladenbesitzer und seine Familie zur�ck? Er versteckte sich schnell hinter der offenen T�r, wo er hoffentlich unbemerkt aus dem Raum schl�pfen konnte, wenn es sein musste. F�r den Fall, dass sie doch etwas bemerkten, schob er eine Hand in seinen Mantel, wo er sein beeindruckendstes Messer aufbewahrte.</p><p>�Cery?�, erklang eine vertraute Stimme.</p><p>Gol. Cery stie� einen Seufzer der Erleichterung aus und trat hinter der T�r hervor. Sein Leibw�chter und zwei Personen in langen Umh�ngen, die ihr Z�ge verbargen, n�herten sich dem oberen Ende der Treppe. Er erkannte Sonea. Mit schmalen Augen betrachtete Cery den anderen Mann. Irgendwie kam er ihm vertraut vor. Als die drei ins Licht traten, stieg eine alte Erinnerung in Cerys Ged�chtnis an die Oberfl�che.</p><p>�Regin�, sagte er. �Oder hei�t es jetzt Lord Regin?�</p><p>�So ist es�, erwiderte der Mann.</p><p>�So hie� er �brigens immer, Cery�, rief Sonea ihm ins Ged�chtnis. �Aber es kommt einem immer ein wenig verfr�ht vor, Novizen �Lord� oder �Lady� zu nennen. Lord Regin und Lord Rothen haben sich erboten, mir zu helfen, die wilde Magierin einzufangen, was sich als �beraus wichtig erweisen k�nnte, sollte ich mich irgendwann einmal nicht unbemerkt aus dem Hospital fortschleichen k�nnen.�</p><p>�Wenn das Gl�ck auf unserer Seite ist, wirst du dich nicht noch einmal davonstehlen m�ssen�, erwiderte Cery. �Kommt Lord Rothen ebenfalls?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Er hielt es f�r �berfl�ssig, wenn ich hingehe.�</p><p>Cery beobachtete Regin, der Sonea in den Raum folgte. <emphasis>Sonea hatte fr�her einmal nicht viel f�r ihn �brig. Er hat ihr das Leben als Novizin schwer gemacht.</emphasis> Aber als Cery Regin w�hrend der Ichani-Invasion kennengelernt hatte, hatte der junge Mann sich freiwillig erboten, als K�der zu dienen, der einen sachakanischen Magier in Soneas und Akkarins Falle gelockt hatte. Es war ein mutiger Schritt gewesen. W�re der Zeitpunkt falsch gewesen, h�tte der Sachakaner Regin alle Magie und alles Leben ausgesaugt�� und soweit Cery sich erinnerte, w�re es tats�chlich beinahe dazu gekommen.</p><p>Wenn er es nicht besser gewusst h�tte, h�tte Cery niemals geglaubt, dass dieser Mann der Novize war, �ber dessen Streiche Sonea sich so bitter beklagt hatte. Lord Regins Gesicht schien zu einem permanenten Ausdruck der Ernsthaftigkeit verzogen zu sein. Obwohl sein K�rperbau das gesunde Gewicht eines Menschen hatte, der ein privilegiertes Leben f�hrte, sprachen die Linien um seine Brauen und seinen Mund von Sorge und Resignation. <emphasis>Aber in diesen Augen liegt unbestreitbar Intelligenz,</emphasis> bemerkte er. <emphasis>Ich w�rde wetten, dass er heute nicht weniger gef�hrlich ist als w�hrend seiner Novizenzeit. Trotzdem, Sonea vertraut ihm genug, um ihn in dieser Angelegenheit hinzuzuziehen.</emphasis> Dann blickte er sie an und sah die Wachsamkeit in ihrer Haltung, w�hrend sie ihren magischen Helfer betrachtete. <emphasis>Oder vielleicht hat sie keine andere Wahl. Ich sollte sie besser nach ihm fragen, sobald ich die M�glichkeit habe, allein mit ihr zu reden.</emphasis></p><p>�Also, wo ist unsere wilde Magierin?�, fragte Sonea.</p><p>Cery trat ans Fenster. �Im Keller des Schuhmachers auf der anderen Seite der Stra�e.�</p><p>Sie sp�hte nach drau�en. �Wie viele Eing�nge?�</p><p>�Zwei. Beide werden beobachtet.�</p><p>�Dann sollten wir uns in zwei Gruppen aufteilen. Mit einem Magier in jeder Gruppe.�</p><p>Cery nickte zustimmend. �Ich werde mit dir durch die Vordert�r gehen. Gol kann Regin durch die Hintert�r hineinbringen. Wir werden uns im Keller treffen, wo ihr tun werdet, was immer ihr tun m�sst.� Er sah die anderen an. Die beiden M�nner nickten. �Irgendwelche Fragen?� Sie tauschten Blicke, dann sch�ttelten alle den Kopf. �Also sch�n, gehen wir.�</p><p>Am Fu� der Treppe angekommen, demonstrierte Cery einige Signale, die er und Gol als Warnungen benutzen w�rden oder um einen R�ckzug zu veranlassen, dann traten sie ins Freie. Es war jetzt vollkommen dunkel. Die Lampen warfen Kreise aus Licht auf den Boden. Gol f�hrte Regin in Richtung des Hintereingangs. Cery und Sonea gaben ihnen Zeit, ins Haus zu gelangen, dann �berquerten sie die Stra�e zur Schuhmacherwerkstatt.</p><p>Sie gingen die Treppe hinauf und n�herten sich der T�r. Cery f�rderte ein �lk�nnchen zutage und schmierte die T�rangeln hastig ein. Dann zog er einige Einbruchwerkzeuge aus seinem Mantel. Sonea, deren Gesicht im Schatten lag, sagte nichts, w�hrend er das Schloss �ffnete. <emphasis>Ich sch�tze, sie k�nnte das mit Magie erledigen�� wahrscheinlich schneller, als ich es kann. Warum schlage ich es dann nicht vor? Gehe ich hier etwa an?</emphasis></p><p>Das Schloss klickte leise. Cery drehte langsam den Knauf, gewappnet f�r den Moment, in dem der B�gel aufsprang. Er zog die T�r auf, erleichtert, als sie nur ein leises Knarren von sich gab. Sonea trat hindurch, dann wartete sie auf ihn, w�hrend er die T�r hinter ihnen schloss.</p><p>Es war dunkel in der Werkstatt, und als seine Augen sich daran gew�hnt hatten, konnte er Reihen von Schuhen auf Regalen und einen Arbeitstisch erkennen. Der T�r gegen�ber f�hrte eine schmale Treppe nach unten und eine weitere nach oben. Seinen Spionen zufolge lag der Schuhmacher im oberen Stockwerk und schlief.</p><p>Sonea ging zur Treppe und betrachtete die Stufen, die nach unten f�hrten. Sie sch�ttelte den Kopf, dann winkte sie Cery heran. Als er n�her kam, fasste sie ihn am Arm und zog ihn an sich. Er starrte sie �berrascht an, als ihm klar wurde, dass sie in dem fahlen Licht aussah wie das junge M�dchen, dem er vor so vielen Jahren geholfen hatte, sich vor der Gilde zu verstecken. Ihr Gesicht zeigte den gleichen eindringlichen, besorgten Ausdruck.</p><p>Dann sp�rte er, wie er in die Luft gehoben wurde, und alle Gedanken an die Vergangenheit waren vergessen. Er blickte hinab. Obwohl er etwas unter seinen F��en f�hlen konnte, konnte er es nicht sehen. Was immer es war, es trug ihn und Sonea die Treppe hinunter.</p><p><emphasis>Ich sch�tze, das bedeutet, dass wir nicht Gefahr laufen, von knarrenden Stufen verraten zu werden.</emphasis></p><p>Ein sp�rlich m�blierter Raum wurde sichtbar, als sie sich dem Boden des Kellers n�herten. Blendendes Licht erf�llte den Keller, als eine leuchtende Kugel �ber Soneas Kopf erschien. Cery suchte nach dem Bett, fand es und wurde dann von Entt�uschung �bermannt. Es war leer.</p><p>Eine T�r �ffnete sich, und sie fuhren beide herum, seufzten dann jedoch, als sie Regin und Gol den Raum betreten sahen. Beide runzelten die Stirn, als sie feststellen mussten, dass die wilde Magierin nirgends zu sehen war.</p><p>�Sucht�, sagte Sonea. �Aber vorsichtig.�</p><p>Sie entschieden sich jeder f�r eine Wand, be�ugten die M�bel, schauten unter dem Bett nach und �ffneten Schr�nke.</p><p>�Dieser Raum wird nicht benutzt�, bemerkte Regin. �Die Kleider in diesem Schrank sind staubig.�</p><p>Cery nickte und stie� gegen eine Schale mit schmutzigen Bechern, Tellern und Besteck darin. �Und diese Sachen sind schon so lange schmutzig, dass sie modrig werden.�</p><p>�Aha!�, rief Gol leise aus. Sie drehten sich um und sahen, dass er auf die Wand deutete. In einem Bereich waren die Ziegelsteine anders angeordnet als im �brigen Teil der Wand und lie�en sich beiseitedrehen, als er gegen ein Ende dr�ckte. Dahinter befand sich ein dunkler Raum. Cery ging hinein und schnupperte.</p><p>�Die Stra�e der Diebe�, erkl�rte er. �Oder ein Tunnel, der dort hinf�hrt.�</p><p>Sonea lachte leise. �Also doch nicht zwei Eing�nge. Es �berrascht mich, dass du nicht nach unterirdischen Eing�ngen gesucht hast.�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Es ist eine neue Stra�e. Wenn der K�nig die alten abrei�t, sorgt er daf�r, dass auch die Stra�e der Diebe verschwindet.�</p><p>�Diesmal war er nicht gr�ndlich genug�, erwiderte sie. Sie trat n�her und strich mit der Hand �ber das Mauerwerk. �Oder vielleicht war er es doch. Dies hier ist neu�� kaum Staub oder Spinnweben darauf. Sollen wir feststellen, wo sie hinf�hrt?�</p><p>�Wenn du die Gegend erkunden willst, nur zu�, entgegnete Cery. �Aber dies ist nicht mein Territorium. Ich darf nicht ohne Genehmigung eintreten. Wenn ich es doch tue, wird der J�ger einen Dieb weniger haben, den er um die Ecke bringen muss.�</p><p>�Ist dieser Tunnel ein Hinweis darauf, dass unsere wilde Magierin mit dem ans�ssigen Dieb zusammenarbeitet?�, fragte Regin.</p><p>Sonea sah Cery an. �Wenn sie der J�ger der Diebe ist, dann bezweifle ich es. Wenn sie es nicht ist, dann hat sie F�higkeiten, die ein Dieb sehr n�tzlich finden w�rde.�</p><p><emphasis>Mit anderen Worten, sie h�lt dies f�r einen Beweis, dass die wilde Magierin nicht der J�ger ist,</emphasis> dachte Cery.</p><p>Regin sp�hte mit konzentrierter Miene in den Tunnel. Er sah aus, als wolle er hineintreten, aber dann zog er sich zur�ck und richtete sich auf.</p><p>�Ich vermute, dass sie schon lange fort ist. Welches Vorgehen empfiehlst du uns jetzt, Cery?�, erkundigte er sich.</p><p>Cery sah den Magier �berrascht an. Ein Magier, der ihn nach seiner Meinung fragte, war ein seltenes Ereignis. �Ich stimme zu, dass Ihr sie wohl kaum in den Tunneln finden werdet.� Er streckte die Hand aus und drehte die Ziegelsteine wieder in ihre fr�here Position. �Wenn sie nicht bemerkt, dass wir in ihren Raum eingedrungen sind, benutzt sie ihn vielleicht weiterhin als Zugang zu den Tunneln. Wir sollten sicherstellen, dass alles genauso ist, wie wir es vorgefunden haben. Ich werde eine Wache vors Haus stellen und es Euch wissen lassen, sollte sie zur�ckkehren.�</p><p>�Und wenn sie doch etwas bemerkt?�, hakte Regin nach.</p><p>�Dann m�ssen wir hoffen, dass ein weiterer Gl�cksfall uns abermals zu ihr f�hren wird.�</p><p>Regin nickte, dann sah er Sonea an. Sie zuckte die Achseln. �Es gibt nicht viel, was wir jetzt noch tun k�nnen. Falls irgendjemand sie wiederfinden kann, dann ist es Cery.�</p><p>Freude stieg in Cery auf, gefolgt von einer nagenden Sorge, dass sie sich irren k�nnte. Er hatte die wilde Magierin durch Zufall entdeckt. Es w�rde vielleicht nicht so einfach sein, sie wiederzufinden. Zu viert bewegten sie sich eilig durch den Raum und sorgten daf�r, dass alles wohlgeordnet war, bevor sie auf dem gleichen Weg wieder gingen, auf dem sie gekommen waren. Sonea verschluss die Vordert�r mit Magie, dann schl�pften sie durch den Hintereingang hinaus. Wieder auf der Stra�e, tauschten sie Blicke, verhielten sich jedoch still. Die beiden Magier hoben zum Abschied die Hand, bevor sie davongingen. Cery und Gol kehrten in das verlassene Haus des Ladenbesitzers zur�ck.</p><p>�Nun, das war entt�uschend�, bemerkte Gol. �Ja�, pflichtete Cery ihm bei.</p><p>�Denkst du, die wilde Magierin wird zur�ckkommen?�</p><p>�Nein. Sie wird irgendeine Vorsichtsma�nahme getroffen haben, die ihr verr�t, ob jemand zu Besuch war.� �Was tun wir dann als N�chstes?�</p><p>�Das Haus beobachten und hoffen, dass ich mich irre.� Er sah sich in dem Raum um. �Und herausfinden, wann der Besitzer des Ladens zur�ckerwartet wird. Wir wollen ihn und seine Familie doch nicht halb zu Tode erschrecken, indem sie einen Dieb im Haus antreffen.�</p><empty-line/><p>Bevor er sich zu ihren F��en auf den Boden warf, wirkte der Sklavenmeister �berrascht, Dannyl und Ashaki Achati zu sehen�� aber nicht weil ein m�chtiger Sachakaner und ein kyralischer Magier zu Besuch gekommen waren. Auf dem Gut war man darauf vorbereitet, dass irgendjemand eintreffen w�rde.</p><p>�Ihr seid schneller gekommen, als wir gehofft hatten�, sagte der gro�e Mann, als Achati erkl�rte, dass sie auf der Suche nach einer entflohenen Sklavin und einem als Sklaven verkleideten Kyralier seien.</p><p>�Hast du die beiden, die ich beschrieben habe, gesehen?�, wollte Achati wissen.</p><p>�Ja. Vor zwei N�chten. Eine der Sklavinnen dachte, es seien Leute, vor denen man uns gewarnt hatte, aber als wir sie befragen wollten, waren sie bereits weggelaufen.�</p><p>�Habt ihr nach ihnen gesucht?�</p><p>�Nein.� Der Mann neigte den Kopf. �Man hat uns gewarnt, dass sie Magier w�ren und dass nur Magier sie fangen k�nnten.�</p><p>�Wer hat euch diese Warnung zukommen lassen?�</p><p>�Der Herr, in einer Nachricht.�</p><p>�Wann ist die Nachricht eingetroffen?�</p><p>�Einen Tag, bevor die beiden hier angekommen sind.�</p><p>Achati sah Dannyl an, die Augenbrauen ungl�ubig hochgezogen. <emphasis>Wenn also Ashaki Tikako die Nachricht nicht geschickt hat, wer war es dann?</emphasis> Dannyls Herz setzte einen Schlag aus. <emphasis>Die Verr�terinnen. Sie m�ssen sehr gut organisiert sein, um so schnell solche Nachrichten an l�ndliche G�ter zu schicken.</emphasis></p><p>�Wie lange ist es her, dass ihr die Nachricht geschickt habt, in der ihr euren Herrn von ihrem Auftauchen hier informiert habt?�</p><p>�Das war vor zwei N�chten�� gleich nachdem die beiden verschwunden waren.�</p><p>Achati drehte sich zu Dannyl um. �Wenn er auf dem Weg hierher ist, wird er erst morgen eintreffen. Ich f�rchte, wir werden warten m�ssen. Ich habe nicht die Befugnis, die Gedanken der Sklaven eines anderen Mannes zu lesen.�</p><p>�Habt Ihr die Befugnis, sie zu befragen?�, erkundigte sich Dannyl.</p><p>Der Magier runzelte die Stirn. �Es gibt keine Sitte und kein Gesetz, die mich daran hindern. Oder Euch.� �Dann sollten wir sie befragen.�</p><p>Achati l�chelte. �Wir machen es auf Eure Weise? Warum nicht?� Er lachte leise. �Wenn Ihr nichts dagegen habt, w�rde ich gern zusehen und von Euch lernen. Ich w�sste nicht, welche Fragen ich stellen m�sste, die einen Sklaven dazu bringen k�nnten, uns mehr zu erz�hlen, als er will.�</p><p>�Es gibt dabei eigentlich keine Tricks�, versicherte ihm Dannyl.</p><p>�Welchen Sklaven wollt Ihr als ersten befragen?�</p><p>�Diesen Mann und jeden, der Lorkin und Tyvara gesehen hat. Und vor allem die Sklavin, die sie gesehen hat und dachte, sie k�nnten die Leute sein, vor denen man sie gewarnt hatte.� Dannyl zog sein Notizbuch heraus und betrachtete den Sklavenmeister. �Und ich brauche ein Zimmer�� nichts Vornehmes��, wo ich sie allein befragen kann, ohne dass andere unsere Gespr�che belauschen k�nnen.�</p><p>Der Mann blickte unsicher zwischen Dannyl und Achati hin und her.</p><p>�Veranlasse es�, befahl Achati. Als der Mann davoneilte, drehte der sachakanische Magier sich mit einem schiefen L�cheln zu Dannyl um. �Ihr m�sst lernen, Eure Bitten wie Befehle zu formulieren, Botschafter Dannyl.�</p><p>�Ihr habt hier die gr��ere Autorit�t�, erwiderte Dannyl. �Und ich bin ein Fremdl�nder. Es w�re unh�flich von mir, mir die Befehlsgewalt anzuma�en.�</p><p>Achati musterte ihn nachdenklich, dann zuckte er die Achseln. �Da habt Ihr wahrscheinlich recht.�</p><p>Der Sklavenmeister kehrte zur�ck und f�hrte sie dann in einen kleinen Raum im Haus, der nach Getreide roch. Der Boden war bedeckt mit feinem Staub, durch den sich die Rillen eines Besens zogen. Staubfl�ckchen hingen in den Sonnenstrahlen, die durch ein hohes Fenster hereinfielen. Unter das Fenster hatte man zwei St�hle gestellt.</p><p>�Nun, es ist definitiv nicht vornehm�, bemerkte Achati, der sich nicht die M�he machte, seine Erheiterung zu verbergen.</p><p>�Was w�rdet Ihr denn vorschlagen, wo wir sie befragen sollen?�, fragte Dannyl.</p><p>Achati seufzte. �Ich sch�tze, es w�re anma�end, wenn wir sie in Tikakos Herrenzimmer befragten, und G�stezimmer w�rden allzu deutlich machen, dass wir hier nichts zu sagen haben. Nein, ich nehme an, dies ist ein passender Ort.� Er ging zu einem der St�hle und setzte sich.</p><p>Dannyl nahm auf dem anderen Stuhl Platz, dann befahl er dem Sklavenmeister einzutreten. Der Mann berichtete, dass die beiden Sklaven mit einem leeren Karren eingetroffen seien. Der Mann sei offensichtlich neu gewesen, aber ein wenig d�nn f�r einen Liefersklaven, und die Frau habe ihn begleitet, um ihm den Weg zu zeigen. W�hrend sie den Wagen beladen hatten, hatte eine der K�chensklavinnen ihn darauf aufmerksam gemacht, dass es sich bei den beiden um die Leute handeln k�nnte, nach denen sie Ausschau halten sollten. Von ihr war auch der Vorschlag gekommen, ihr Essen mit einer Droge zu versetzen, da sie schlafend weniger gef�hrlich sein w�rden.</p><p>Bei der Erw�hnung von Drogen im Essen musste Dannyl sein Entsetzen verbergen. Gl�cklicherweise waren Lorkin und Tyvara nicht in die Falle getappt. Sie waren geflohen.</p><p>Als N�chstes befragte er die Frau, die Verdacht gesch�pft hatte, dass die beiden nicht die waren, die zu sein sie behauptet hatten. Als sie den Raum betrat, bemerkte er, dass ihr Blick scharf war, obwohl sie ihn nur kurz anschaute, bevor sie den Kopf senkte und sich zu Boden warf. Er befahl ihr aufzustehen, doch sie hielt den Blick weiter gesenkt.</p><p>Ihre Ausf�hrungen passten zu denen des Sklavenmeisters, und sie stimmten auch mit dem �berein, was dieser ihnen �ber die Nachricht erz�hlt hatte, die sie vor zwei gef�hrlichen Magiern gewarnt hatte, die sich als Sklaven ausgaben.</p><p>�Was hat dich auf den Gedanken gebracht, sie k�nnten die Leute sein, vor denen man euch gewarnt hatte?�, fragte Dannyl.</p><p>�Sie entsprachen der Beschreibung. Ein hochgewachsener Mann mit heller Haut und eine kleinere Sachakanerin.�</p><p><emphasis>Helle Haut?</emphasis> Dannyl runzelte die Stirn. <emphasis>Der Sklavenmeister hat Lorkins Haut nicht erw�hnt, und gewiss w�re sie ungew�hnlich genug gewesen, um aufzufallen. Moment� hatte die Frau, die ich bei Tikako zu Hause geheilt habe, nicht gesagt, Lorkins Haut sei gef�rbt worden?</emphasis></p><p>Hatte die Farbe sich abgenutzt, oder gab diese Frau ihm die Informationen, von denen sie dachte, er erwarte sie?</p><p>�Hochgewachsen, klein, m�nnlich, weiblich�� gewiss w�rde keine dieser Eigenschaften sie von anderen Sklaven unterscheiden. Was hat dich darauf gebracht, dass sie anders waren?�</p><p>Der zu Boden gerichtete Blick der Frau flackerte. �Die Art, wie sie sich bewegt und gesprochen haben. Als seien sie es nicht gewohnt, Befehle zu befolgen.�</p><p>Also nicht die helle Haut. Dannyl hielt inne, dann schrieb er ihre Antwort auf, w�hrend er �ber seine n�chste Frage nachdachte. Vielleicht war es Zeit, direkter zu sein.</p><p>�Ein Sklave, mit dem ich vor einigen Tagen gesprochen habe, dachte, die Frau sei eine Verr�terin und dass sie vorh�tte, den Mann zu t�ten, den sie entf�hrt hat. H�ltst du es f�r wahrscheinlich, dass sie ihn t�ten wird?�</p><p>Die Frau hielt sich sehr reglos, als sie antwortete: �Nein.�</p><p>�Wei�t du von den Verr�terinnen?�</p><p>�Ja. Das tut jeder Sklave.�</p><p>�Warum h�ltst du es f�r unwahrscheinlich, dass die Verr�terinnen den Mann t�ten wollen?�</p><p>�Einfach deshalb: Wenn sie ihn tot sehen wollten, h�tten sie ihn get�tet und ihn nicht entf�hrt.�</p><p>�Was haben sie deiner Meinung nach dann mit ihm vor?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich bin nur eine Sklavin. Ich wei� es nicht.�</p><p>�Was denken denn die anderen Sklaven, was die Verr�terinnen mit ihm vorhaben?�</p><p>Sie z�gerte kurz und hob leicht den Kopf, bevor sie ihn wieder senkte, als widerstehe sie dem Drang, ihn anzusehen.</p><p>�Ich habe jemanden etwas sagen h�ren�, antwortete sie langsam. �Dass die Frau eine M�rderin sein soll. Dass die Verr�terinnen wollen, dass Ihr sie findet.�</p><p>Ein Schauder �berlief Dannyl. Tyvara hatte eine Sklavin get�tet. Was war, wenn diese Sklavin die Verr�terin gewesen war und nicht Tyvara?</p><p>�Wer hat das gesagt?�, fragte er.</p><p>�Ich� ich erinnere mich nicht.�</p><p>�Gibt es irgendwelche Sklaven, die so etwas eher sagen w�rden als andere?�</p><p>Sie hielt inne, dann sch�ttelte sie den Kopf. �Alle Sklaven tratschen.�</p><p>Nach einigen weiteren Fragen wusste er, dass er von ihr nicht mehr erfahren w�rde. Sie hatte alles gesagt, was sie sagen wollte, und wenn sie Informationen zur�ckhielt, w�rde sie sie nicht freiwillig preisgeben. Er schickte sie weg.</p><p><emphasis>Ich m�chte wetten, dass sie mehr wei�. Und dann ist da die Beschreibung von Lorkins heller Haut. Sie wollte, dass ich mir sicher bin, dass Lorkin hier war. Was Sinn ergibt, wenn dieses Ger�cht, nach dem die Verr�terinnen wollen, dass ich Tyvara und Lorkin finde, wahr ist.</emphasis></p><p>Aber es konnte auch eine List sein. Trotzdem, die Sklavin, der er in Tikakos Haus geholfen hatte, hatte die Wahrheit gesagt. Tyvara und Lorkin waren tats�chlich auf seinem Landgut gewesen.</p><p>Was war, wenn die Verr�terinnen von ihm wollten, dass er die beiden fand? <emphasis>Dann werden sie daf�r sorgen, dass wir das auch tun. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass Tyvara sich kampflos von uns einfangen lassen wird. Und wir m�ssen auf jede erdenkliche Reaktion von Lorkin gefasst sein. Es ist m�glich, dass sie ihn dazu �berredet hat, sie zu begleiten�� vielleicht hat sie ihn sogar verf�hrt��, und er k�nnte sich gegen eine Rettung wehren.</emphasis></p><p>Er wollte glauben, dass Lorkin dazu zu vern�nftig war, aber er hatte in der Gilde die Ger�chte geh�rt, nach denen der junge Mann eine Schw�che f�r h�bsche, kluge Frauen hatte. Als Sohn von Schwarzmagierin Sonea und dem verstorbenen Hohen Lord Akkarin hatte der junge Mann auch nicht zwangsl�ufig die Weisheit seiner Eltern geerbt. Diese Eigenschaften kamen nur mit der Erfahrung. Indem man Fehler machte und Entscheidungen traf und aus den Konsequenzen lernte.</p><p><emphasis>Ich hoffe nur, dass dies kein Fehler ist und dass die Konsequenzen von der Art sind, aus der er lernen kann, nicht solche, die dazu f�hren werden, dass ich den Rest meines Lebens in Sachaka verbringen werde, aus Furcht vor dem, was Sonea mit mir machen k�nnte, sollte ich jemals in die Gilde zur�ckkehren.</emphasis></p><empty-line/><p>Lorkin h�tte gedacht, dass zwei Sklaven, die mitten in der Nacht �ber eine l�ndliche Stra�e gingen, Verdacht erregen w�rden, aber die wenigen Sklaven, an denen sie vorbeigekommen waren, hatten sie kaum angesehen. Einmal hatte eine Kutsche sie �berholt, und Tyvara hatte ihm zugezischt, dass darin wahrscheinlich ein Magier sa� oder ein Ashaki-Lord, aber sie hatte ihm lediglich befohlen, die Stra�e freizumachen und den Blick gesenkt zu halten.</p><p>�Sollte irgendjemand fragen: Man hat uns ausgeschickt, damit wir auf dem Gut von Ashaki Catika arbeiten�, hatte sie ihm zu Beginn der Nacht erkl�rt. �Wir sind beide Haussklaven. Wir reisen nachts, weil er will, dass wir bis morgen Abend dort sind, und das bedeutet, dass wir Tag und Nacht gehen m�ssen.�</p><p>�Ashaki Catika ist f�r diese Art Grausamkeit bekannt?�</p><p>�Daf�r sind alle sachakanischen Magier bekannt.�</p><p>�Gewiss gibt es ein oder zwei gute Magier.�</p><p>�Es gibt einige, die ihre Sklaven besser behandeln als andere, aber die Versklavung einer anderen Person ist eine Grausamkeit an sich, daher w�rde ich keinen von ihnen als gut bezeichnen. W�ren sie gut, w�rden sie ihre Sklaven freilassen und jene bezahlen, die bereit sind, zu bleiben und f�r sie zu arbeiten.� Sie hatte ihn angesehen. �Wie die Kyralier es tun.�</p><p>�Nicht alle Kyralier sind freundlich zu ihren Dienern�, hatte Lorkin erwidert.</p><p>�Zumindest k�nnen diese Diener fortgehen und sich einen neuen Arbeitgeber suchen.�</p><p>�Das k�nnen sie, aber es ist nicht so einfach, wie es klingt. Die Positionen von Dienern sind sehr gefragt, und ein Diener, der seine Stellung k�ndigt, wird vielleicht Schwierigkeiten haben, anderswo Arbeit zu finden. Die meisten H�user neigen dazu, Dienstboten von derselben Familie einzustellen, statt es mit Dienern zu versuchen, die sie nicht kennen. Nat�rlich kann ein Diener sich an einer anderen Arbeit versuchen, wie zum Beispiel dem Handel, aber in diesem Fall m�sste er mit Familien konkurrieren, die dem Gewerbe seit Generationen nachgehen.�</p><p>�Dann denkst du, die Sklaverei sei besser?�</p><p>�Nein. Auf keinen Fall. Ich sage nur, dass die Alternative nicht einfacher ist. Wie gut behandeln die Verr�terinnen ihre Diener?�</p><p>�Wir sind alle Diener. So wie wir alle Verr�terinnen sind�, hatte Tyvara erkl�rt. �Das ist kein Ausdruck wie �Ashaki� oder �Lord�. Es ist ein Wort f�r einen Menschen.�</p><p>�Aber nicht f�r eine Rasse?�</p><p>�Nein. Wir sind Sachakanerinnen, obwohl wir uns nicht h�ufig so nennen.�</p><p>�Also �ben selbst Magierinnen die Arbeiten von Dienern aus? Sie putzen und kochen?�</p><p>�Ja und nein.� Sie hatte das Gesicht verzogen. �Zuerst sollte es so funktionieren. Wir sollten alle die gleiche Arbeit tun. Eine Verr�terin kann in einem Augenblick schmutziges Geschirr waschen und im n�chsten dann bei wichtigen Entscheidungen mitstimmen, wie zum Beispiel der Frage, welche Getreidesorten angebaut werden sollen. Aber es hat nicht funktioniert. Es wurden einige schlechte Entscheidungen getroffen, weil die Leute, die nicht klug oder gebildet genug waren, um die Konsequenzen zu �berblicken, eine schlechte Wahl trafen.</p><p>Wir haben eine Reihe von Pr�fungen eingef�hrt, die dazu gedacht sind, das Talent einer Person zu ermitteln und weiterzuentwickeln, so dass die geeignetste Person am Ende die Aufgaben �bernahm, f�r die ihre jeweiligen F�higkeiten vonn�ten waren. Obwohl das bedeutete, dass wir nicht l�nger alle die gleichen Dinge taten, war es immer noch besser als Sklaverei. Solange die f�r die F�hrung unseres Hauses und die Ern�hrung unserer Leute notwendigen Arbeiten getan wurden, wurde niemand aufgrund seines famili�ren Ansehens oder seiner Klasse dazu gezwungen, eine gewisse Aufgabe zu �bernehmen, oder daran gehindert, etwas zu tun, f�r das er Talent hatte.�</p><p>�Klingt wunderbar�, hatte Lorkin bemerkt.</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Meistens funktioniert es, aber wie alle Systeme ist es nicht perfekt. Es gibt einige Magier, die ihre Zeit lieber damit verbringen w�rden, sich zu beklagen und andere zu manipulieren, als ihre Magie f�r die Bestellung von Feldern oder die Heizung von Eisenerz�fen einzusetzen.�</p><p>�Die meisten Gildemagier w�rden es genauso sehen. Aber wir arbeiten dennoch f�r die Menschen. Wir halten den Hafen betriebsf�hig. Wir bauen Br�cken und andere Geb�ude. Wir verteidigen das Land. Wir heilen die Kranken und���</p><p>Bei dem Blick, den sie ihm zugeworfen hatte, waren ihm die Worte im Hals stecken geblieben. Zuerst hatte sie ihn wild angestarrt, dann hatte sie bek�mmert das Gesicht verzogen, und schlie�lich hatte sie sich von ihm abgewandt.</p><p>�Was ist los?�, hatte er gefragt.</p><p>�Da kommt jemand�, hatte sie geantwortet und die dunkle Stra�e vor ihnen entlanggeschaut. �Jeder, an dem wir vorbeikommen, k�nnte eine Verr�terin sein. Wir sollten nicht reden. Irgendjemand k�nnte uns h�ren und begreifen, wer wir sind.�</p><p>Die herannahende Gestalt entpuppte sich als ein weiterer Sklave. Von da an wollte Tyvara nicht mehr reden und befahl ihm zu schweigen, wann immer er versuchte, ein weiteres Gespr�ch zu beginnen. Als der Himmel heller wurde, begann sie die Umgebung nach einem geeigneten Versteck abzusuchen, wie sie es am vergangenen Morgen getan hatte. Schlie�lich verlie�en sie die Stra�e und gingen zu einer Stelle, an der einige d�nne B�ume nur mit knapper Not eine Feldmauer verdeckten.</p><p>Sie hatten sich am vergangenen Tag zwischen dichten, dornigen B�schen versteckt. Diese B�ume w�rden ihren Zweck jedoch nicht genauso gut erf�llen. Tyvara starrte zu Boden. Er nahm eine Vibration wahr, dann h�rte er ein seltsames, rei�endes Ger�usch, dem ein dumpfer Aufprall und ein Knacken folgten. Eine Staubwolke erhob sich hinter der Mauer, und im n�chsten Moment war die Luft erf�llt von Staub und dem Geruch nach Erde.</p><p>Vor ihren F��en tat sich ein Loch auf.</p><p>�Hinein mit dir�, sagte Tyvara und deutete auf das Loch.</p><p>�Dort hinein?� Lorkin ging in die Hocke und sp�hte in die Dunkelheit. �Hoffst du, mich bei lebendigem Leib begraben zu k�nnen?�</p><p>�Nein, du t�richter Kyralier�, blaffte sie. �Ich versuche, uns beide zu verstecken. Hinein mit dir, bevor uns jemand sieht.�</p><p>Er legte die H�nde an die Seiten des Lochs und lie� die Beine hinabbaumeln. Da war kein Boden, den er erreichen konnte. Die Aussicht, in die Dunkelheit zu fallen, hatte keinen Reiz f�r ihn, daher schuf er einen Lichtfunken. Er erhellte einen gew�lbten Boden nicht weit unter seinen F��en. Er lie� sich fallen, dann hockte er sich hin, so dass er sich in dem Raum darunter bewegen konnte.</p><p>Es war ein kugelf�rmiger Hohlraum, der zum gr��ten Teil unterhalb der Mauer lag. Ein weiteres Loch zeigte einen Kreis heller werdenden Himmels �ber dem Feld auf der anderen Seite. Durch dieses war die Erde entfernt worden, vermutete er. Zweifellos verhinderte Tyvara mit ihrer Magie, dass der ganze Hohlraum in sich zusammenfiel.</p><p>Sie lie� sich fallen und glitt neben ihn, wo sie sich sofort hinsetzte und ihm das Gesicht zuwandte. Der Raum war klein f�r zwei Personen, und ihre Beine ber�hrten die seinen. Er hoffte, dass sich das Aufblitzen von Interesse, das sich in ihm regte, nicht irgendwie zeigte. Sie sah ihm kurz in die Augen, dann seufzte sie und wandte den Blick ab.</p><p>�Entschuldige, dass ich dich angefahren habe. Es kann nicht leicht f�r dich sein, mir zu vertrauen.�</p><p>Er l�chelte kl�glich. <emphasis>Das Problem ist, ich will ihr vertrauen. Ich sollte jeden Schritt, den sie tut, hinterfragen, vor allem nach dem, was sie mir neulich nachts erz�hlt hat. Nun, ich w�rde es tun, aber immer wenn ich sie zum Reden bringe, geschieht etwas, und sie verstummt wieder.</emphasis> Sie betrachtete ihn mit entschuldigender Miene. <emphasis>Vielleicht sollte ich es noch einmal versuchen.</emphasis></p><p>�Schon in Ordnung. Aber es ist nicht das erste Mal, dass ich dich heute Nacht ver�rgert habe. Was habe ich gesagt, als wir heute Abend �ber Diener und die Verr�terinnen sprachen, das dich gest�rt hat?�, fragte er.</p><p>Ihre Augen weiteten sich, dann verzog sich ihr Mund zu einer d�nnen Linie des Widerstrebens. Er dachte, dass sie nicht antworten w�rde, aber sie sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Irgendwann werde ich es dir erkl�ren m�ssen.� Sie verzog das Gesicht und blickte auf ihre Knie hinab. �Vor vielen Jahren bemerkten meine Leute, dass einer der Ichani, die durch das �dland streiften, einen seltsamen Sklaven hatte. Einen blassen Mann, wahrscheinlich einen Kyralier.� Ihr Blick flackerte zu seinen Augen, dann wandte sie sich wieder ab. �Dein Vater. Sie haben ihn lange beobachtet und irgendwann begriffen, dass der Sklave ein Gildemagier war.</p><p>Das war ungew�hnlich, wie du vielleicht bereits wei�t, da Sachakaner es nicht dulden, wenn Sklaven sich auf Magie verstehen. Falls ein Sklave auf nat�rlichem Wege Kr�fte entwickelt, t�ten sie ihn. Die Versklavung eines fremdl�ndischen Magiers�� insbesondere eines Gildemagiers�� war au�erordentlich und verboten. Aber dies war kein gew�hnlicher Ichani. Er war schlau und ehrgeizig.</p><p>W�hrend meine Leute die beiden beobachteten, errieten sie, dass dein Vater nicht �ber h�here Magie gebot. Eines Tages wurde dann die Tochter der Anf�hrerin meiner Leute furchtbar krank, und schon bald war klar, dass sie im Sterben lag. Unsere Anf�hrerin hatte von den F�higkeiten der Gilde geh�rt, mit Magie zu heilen. Wir hatten selbst jahrelang versucht, das Geheimnis zu ergr�nden, doch ohne Erfolg. Also schickte unsere Anf�hrerin eine von uns zu Eurem Vater, um ihm ein Angebot zu unterbreiten.� Tyvaras Miene verd�sterte sich. �Sie wollte ihn im Gegenzug f�r heilende Magie h�here Magie lehren.�</p><p>Sie sah zu ihm auf. Lorkin starrte sie an. Seine Mutter hatte nie erw�hnt, dass sein Vater sich bereitgefunden hatte, eine Gegenleistung f�r schwarze Magie zu erbringen.</p><p>�Und?�, hakte er nach.</p><p>�Er war einverstanden.�</p><p>�Das darf�� durfte�� er nicht tun!�, platzte Lorkin heraus.</p><p>Tyvara runzelte die Stirn. �Warum nicht?�</p><p>�Es ist� es ist eine Entscheidung, die nur die H�heren Magier treffen k�nnen. Und dann wahrscheinlich auch nur mit Zustimmung des K�nigs. Ein so wertvolles Wissen einer anderen Rasse zu geben� einem Volk, das nicht zu den Verb�ndeten L�ndern geh�rt� es ist zu riskant. Und es w�rde etwas im Gegenzug gegeben werden m�ssen.�</p><p>�H�here Magie�, rief sie ihm ins Ged�chtnis.</p><p>�Was sie niemals akzeptiert h�tten. Es ist�� Er riss sich zusammen. Wenn er offenbarte, dass schwarze Magie in Kyralia verboten war, w�rde er die gr��te Schw�che der Gilde preisgeben. �Es stand ihm nicht zu, diese Entscheidung zu treffen.�</p><p>Tyvara presste missbilligend die Lippen zusammen. �Doch hat er das Angebot angenommen�, sagte sie. �Er hat sich bereit erkl�rt, zu uns zu kommen und uns das Heilen beizubringen�� etwas, von dem er sagte, man k�nne es nicht binnen eines Augenblicks lernen, wie man es mit h�herer Magie tun kann. Also lehrte man ihn h�here Magie, und er benutzte sie, um seinen Herrn zu t�ten. Dann verschwand er, kehrte nach Imardin zur�ck und brach sein Versprechen. Die Tochter unserer Anf�hrerin starb.�</p><p>Lorkin konnte ihrem anklagenden Blick nicht standhalten. Er schaute zu Boden, griff nach einer Handvoll Erde und lie� sie zwischen seinen Fingern hindurchrieseln.</p><p>�Ich kann verstehen, warum deine Leute schlecht auf ihn zu sprechen sind�, sagte er matt.</p><p>Sie wandte den Blick ab. �Nicht alle. Eine Frau von meinen Leuten reiste sp�ter nach Imardin, als klar war, dass der Bruder des ehemaligen Herrn deines Vaters sich anschickte, Kyralia zu �berfallen. Sie entdeckte, dass dieser Ichani schon seit einiger Zeit Spione nach Imardin schickte und dass dein Vater sie insgeheim t�tete. Es k�nnte sein, dass dein Vater nach Hause zur�ckgekehrt war, weil er die Gefahr erkannte, die der Bruder seines Herrn darstellte.�</p><p>�Oder er hat angenommen, dass ihr verstehen w�rdet, dass er die Gilde �berreden musste, ihm zu gestatten, euch die Heilkunst zu lehren, bevor er zur�ckkehren konnte.�</p><p>Sie sah ihn an. �Denkst du, das ist wahr?�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Nein. Er h�tte ihnen nicht von euch erz�hlen k�nnen, ohne zu offenbaren, dass er�� Dass <emphasis>er schwarze Magie erlernt hatte.</emphasis> �Dass er hier versklavt worden war.�</p><p>�Er hat aus Stolz sein Versprechen gebrochen?� Ihr Tonfall war missbilligend, wenn auch nicht so sehr, wie er erwartet h�tte. Vielleicht verstand sie, warum es seinem Vater widerstrebt hatte, seine Geschichte zu erz�hlen.</p><p>�Ich bezweifle, dass das der einzige Grund war�, sagte er. �Er hat die Wahrheit durchaus enth�llt, als es notwendig war. Oder den gr��ten Teil der Wahrheit, wie sich jetzt herausstellt�, f�gte er hinzu.</p><p>�Nun�, sagte sie achselzuckend. �Was auch immer der Grund daf�r war, er hat sein Versprechen nicht gehalten. Einige meiner Leute�� die Partei, die ich neulich abends erw�hnte�� wollen dich daf�r bestraft sehen.� Sie l�chelte schief, als er sie entsetzt anstarrte. �Was der Grund ist, warum man Riva ausgeschickt hat, um dich zu t�ten, entgegen den Befehlen unserer Anf�hrerin. Aber die meisten von uns vertreten das Prinzip, dass wir besser sind als unsere barbarischen sachakanischen Vetter. Wir bestrafen das Kind nicht f�r die Verbrechen des Vaters.�</p><p>Lorkin seufzte vor Erleichterung. �Freut mich, das zu h�ren.�</p><p>Sie l�chelte. �Stattdessen geben wir ihm eine Chance zur Wiedergutmachung.�</p><p>�Aber was kann ich tun? Ich bin nur der Gehilfe eines Botschafters. Ich gebiete nicht einmal �ber h�here Magie.�</p><p>Ihre Miene wurde ernst. �Du kannst uns die Heilkunst lehren.�</p><p>Sie sahen einander lange an. Dann senkte sie den Blick.</p><p>�Aber wie du gerade erkl�rt hast, hast du nicht die Befugnis, uns dieses Wissen zu geben.�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Kann ich irgendetwas anderes tun?�, fragte er entschuldigend.</p><p>Sie runzelte die Stirn, den Blick auf die Erdmauer gerichtet, w�hrend sie �berlegte. �Nein.� Sie verzog den Mund. �Das ist nicht gut. Wir haben verhindert, dass die andere Partei an Beliebtheit gewann, indem wir die Vorstellung vertraten, dass du uns geben kannst, was dein Vater versprochen hat. Wenn meine Leute begreifen, dass du ihnen die Heilkunst nicht geben kannst, werden sie entt�uscht sein. Und w�tend.� Sie neigte den Kopf. �Vielleicht w�re es besser, wenn ich dich nicht dorthin br�chte. Vielleicht sollte ich dich nach Hause zur�ckschicken.�</p><p>�Willst du nicht, dass ich dir zu beweisen helfe, dass Riva mich entgegen ihren Befehlen zu t�ten versucht hat?�, fragte er.</p><p>�Es w�rde meine Position verbessern.�</p><p>�Wenn ich ins Sanktuarium ginge, um zu deinen Gunsten zu sprechen, w�rde das mein Ansehen unter deinen Leuten nicht verbessern?�</p><p>Sie runzelte die Stirn und sah ihn an. �Doch� aber zuerst mussten wir das Sanktuarium erreichen.�</p><p>W�hrend Lorkin dar�ber nachdachte, stiegen widerstrebende Gef�hle in ihm auf. <emphasis>Ich habe gehofft, sie nach Hause bringen und mehr �ber ihre Leute erfahren zu k�nnen�� und herauszufinden, was sie �ber Steine mit magischen Eigenschaften wissen. Und was wird mit ihr geschehen? Sie hat eine der ihren get�tet, um mich zu retten. Obwohl Riva Befehlen zuwidergehandelt hat, werden sie Tyvara vielleicht trotzdem bestrafen. M�glicherweise werden sie sie sogar hinrichten. Es scheint mir nicht recht zu sein, nach Hause zu laufen, wenn sie vielleicht daf�r sterben wird, dass sie mir das Leben gerettet hat. Und mir gefallen auch meine Aussichten nicht, �berhaupt nach Hause zu kommen�� sei es allein oder mit Dannyls Hilfe��, solange schwarze Magie benutzende Verr�terinnen in ganz Sachaka versuchen, mich zu t�ten.</emphasis></p><p>�Dann werde ich hierbleiben und mit dir ins Sanktuarium gehen.�</p><p>Ihre Augen weiteten sich, und sie sah ihn an. �Bist du dir sicher?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich bin der Gehilfe eines Botschafters. Vielleicht kein richtiger Botschafter, aber es ist trotzdem meine Aufgabe, dabei zu helfen, freundschaftliche Beziehungen zwischen Kyralia und Sachaka aufzubauen und zu erhalten. Wenn sich herausstellt, dass es einen Teil von Sachaka gibt, in dem wir keine freundschaftlichen Beziehungen aufbauen konnten, ist es meine Pflicht, daf�r zu sorgen, dass dieser Teil nicht ignoriert oder vernachl�ssigt wird.�</p><p>Jetzt starrte sie ihn mit offenem Mund an, obwohl er nicht wusste, ob es aus �berraschung geschah oder weil er in ihren Ohren wie ein kompletter Idiot klang.</p><p>�Und da meine Vorg�nger einen so schlechten Eindruck auf deine Leute gemacht haben, ist es noch wichtiger, dass ich alles in meiner Macht Stehende tue, um ihre Meinung �ber die Gilde und die Kyralier zu verbessern�, fuhr er fort. Dann hatte er pl�tzlich eine Eingebung, die ihn mit einem berauschenden Gef�hl des Schwindels erf�llte. �Und um �ber die M�glichkeit zu reden, einen Austausch von magischem Wissen zu vereinbaren, diesmal unter Beteiligung der entsprechenden Parteien.�</p><p>Tyvara klappte den Mund zu, und einen Moment lang musterte sie ihn mit einer solchen Eindringlichkeit, dass er sie nur mit einem hoffnungsvollen, t�richten L�cheln ansehen konnte. Dann warf sie den Kopf in den Nacken und lachte. Das Lachen hallte in dem Loch wider, und sie schlug die Hand vor den Mund.</p><p>�Du bist verr�ckt�, sagte sie, als ihre Schultern aufgeh�rt hatten zu zittern. �Zu deinem Gl�ck ist es eine Verr�cktheit, die mir gef�llt. Wenn du wirklich dein Leben riskieren willst, indem du mich ins Sanktuarium begleitest, ob nun, um mich zu verteidigen oder um zu versuchen, meine Leute dazu zu �berreden, dir im Gegenzug f�r etwas, das ihnen ihrer Meinung nach bereits zusteht, etwas zu geben � dann habe ich das eigens�chtige Gef�hl, dass ich nicht versuchen sollte, es dir auszureden.�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Es ist das Mindeste, was ich tun kann. Daf�r, dass du mir das Leben gerettet hast. Und dass deine Leute das Leben meines Vaters gerettet haben. Wirst du mich mitnehmen?�</p><p>�Ja.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Und wenn du mir hilfst, dann werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um dir zu helfen zu �berleben, wenn du dort ankommst.�</p><p>�Auch das w�re mir sehr willkommen.�</p><p>Sie sah aus, als wolle sie noch etwas hinzuf�gen, aber dann wandte sie den Blick ab. �Nun, zuerst m�ssen wir unser Ziel erreichen. Es ist ein langer Fu�marsch. Du solltest besser ein wenig schlafen.�</p><p>Er beobachtete, wie sie sich auf dem Boden zusammenrollte und sich einen Arm unter den Kopf schob, dann legte er sich ebenfalls nieder. Es war unm�glich, auf dem gew�lbten Boden eine bequeme Haltung zu finden, und schlie�lich ahmte er sie nach und rollte sich auf der Seite zusammen, wobei er ihr den R�cken zuwandte. Er konnte die W�rme ihres K�rpers sp�ren. <emphasis>Nein, denk nicht daran, oder du wirst niemals einschlafen.</emphasis></p><p>�K�nntest du das Licht ausmachen?�, murmelte sie.</p><p>�Kann ich es stattdessen etwas d�mpfen?� Die Aussicht, von absoluter Dunkelheit umgeben zu sein, behagte ihm �berhaupt nicht.</p><p>�Wenn es sein muss.�</p><p>Er verkleinerte den Lichtfunken, bis er kaum noch sie beide beleuchtete. Dann lauschte er dem Ger�usch ihres Atems und wartete auf den langsamen, tiefen Rhythmus des Schlafs. Er wusste, dass er ihren K�rper so dicht neben seinem zu deutlich wahrnahm, um einschlafen zu k�nnen. Aber er war sehr m�de�</p><p>Es dauerte nicht lange, da trieb er in merkw�rdige Tr�ume, in denen er am Rand einer Stra�e aus Erde entlangging. Die Erde war so weich, dass er hindurchwaten musste, w�hrend Tyvara, die leichter und beweglicher war, den Boden kaum aufw�hlte und ihm immer weiter und weiter vorausging�</p></section><section><title><p>20</p><p>Verb�ndete und Feinde</p></title><p>In der Stra�e unter ihm blieb auf der anderen Seite ein Mann stehen und blickte zum Fenster empor. Cery widerstand dem Drang zur�ckzuweichen. Es war zu sp�t, um es zu vermeiden, gesehen zu werden, und die Bewegung w�rde best�tigen, dass er nicht h�tte hier sein d�rfen.</p><p>�Oh-oh�, sagte Gol. �Das ist der Ladenbesitzer von nebenan.�</p><p>�Sieht so aus, als sei er dahintergekommen, dass sein Nachbar ungebetene G�ste hat.�</p><p>Der Mann schaute weg, auf den Boden. Kurz darauf straffte er sich und schritt �ber die Stra�e auf den Laden zu. Ein lautes Klopfen folgte.</p><p>Gol stand auf. �Ich wimmele ihn f�r dich ab.�</p><p>�Nein.� Cery erhob sich und reckte sich. �Ich werde mich darum k�mmern. Bleib hier und halte Wache. Wie war noch mal sein Name?�</p><p>�Tevan.�</p><p>Als Gol sich wieder hinsetzte, murmelte er etwas des Sinnes, dass das Ganze Zeitverschwendung sei. <emphasis>Er hat wahrscheinlich recht,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Die wilde Magierin wird nicht zur�ckkommen. Aber wir k�nnen geradeso gut Wache halten, denn wir werden ziemlich dumm dastehen, wenn wir uns irren und sie doch zur�ckkommt. Und wir haben keine anderen Hinweise, denen wir folgen k�nnten.</emphasis></p><p>Er verlie� den Raum und ging �ber die Treppe ins Erdgeschoss hinunter. Dann trat er durch die T�r des Ladens und sah sich interessiert um. Sie hatten die Hintert�r benutzt, daher war er noch nie zuvor hier gewesen. Der Raum war voller feiner Keramikschalen. Er blinzelte und schaute genauer hin, dann kicherte er. Es waren allesamt Toilettensch�sseln, so kunstvoll bemalt und gemei�elt wie Vasen oder Essgeschirr.</p><p>Durch die tr�be Glast�r konnte er die gebeugte Silhouette des Ladenbesitzers von nebenan sehen. Der Mann hatte wahrscheinlich versprochen, den Laden und das Haus seines Nachbarn im Auge zu behalten, und f�hlte sich verpflichtet, die Eindringlinge zur Rede zu stellen.</p><p>Die Vordert�r war verschlossen, und es war kein Schl�ssel im Schloss oder irgendwo in der N�he. Cery stellte zu seiner Erheiterung fest, dass er das Schloss aufbrechen musste. Sobald er das getan hatte, �ffnete er die T�r, l�chelte den Ladenbesitzer an und ahmte den kultivierten Akzent nach, mit dem H�ndler gern reiche Kunden zu beeindrucken versuchten.</p><p>�Es tut mir leid, der Laden ist geschlossen.� Cery tat so, als bedenke er den Mann mit einem zweiten Blick. �Aber das wisst Ihr, nicht wahr? Ihr seid� Tevan? Euch geh�rt der Laden nebenan, richtig?�</p><p>Der Mann war von durchschnittlicher Gr��e und trug das �bersch�ssige Gewicht eines Menschen in mittleren Jahren, der seit langer Zeit nicht gezwungen gewesen war, eine Mahlzeit auszulassen�� falls �berhaupt je.</p><p>�Wer seid Ihr, und was tut Ihr in Vendels Haus?�, fragte er scharf.</p><p>�Ich bin Vendels Cousin, Delin, und ich habe mir f�r die Woche sein Haus geliehen.�</p><p>�Vendel hat keinen Cousin. Er hat �berhaupt keine Familie. Er hat es mir erz�hlt.�</p><p>�Cousin zweiten Grades, angeheiratet�, erkl�rte Cery. �Er hat Euch nicht erz�hlt, dass ich hier wohnen werde?� Er runzelte mit gespielter Verwirrung die Stirn. �Ich nehme an, es wurde erst sehr sp�t entschieden.�</p><p>�Er hat nichts davon gesagt. Und es ist etwas, das zu erz�hlen er kaum vers�umt h�tte.� Tevan kniff die Augen zusammen, dann machte er einen Schritt r�ckw�rts. �Ich rufe jetzt die Wache. Wenn Ihr l�gt, verschwindet Ihr besser, solange Ihr noch die Chance dazu habt.� Der Mann drehte sich um und machte einen Schritt in Richtung Gehsteig.</p><p>�Die Wache wird Euch und Vendel wahrscheinlich gr��ere Schwierigkeiten machen als mir�, erwiderte Cery, lie� den Akzent Akzent sein und brachte den Tonfall der H�ttenviertel ins Spiel. �Die Wachen werden hier �berall herumkriechen und auf der Suche nach Beweisen f�r unsere Anwesenheit alle m�glichen Dinge zerbrechen, und am Ende werden sie sagen, Ihr h�ttet es erfunden. Lasst uns das unter uns regeln.�</p><p>Tevan war stehen geblieben und sah Cery jetzt mit einem besorgten Stirnrunzeln an.</p><p>�Ich brauche nur eine Woche hierzubleiben, vielleicht weniger�, erkl�rte Cery. �Vendel wird nichts davon merken, dass ich hier war. Ich w�rde ihm Miete zahlen, wenn er da w�re, aber da er nicht anwesend ist�� Er griff in seinen Mantel, wobei er das Heft eines Messers f�r einen kurzen Moment aufblitzen lie�, und zog einen flachen Beutel mit Goldm�nzen heraus, den er dort f�r Augenblicke wie diesen bereithielt. Die Augen des Mannes weiteten sich.</p><p>�Eine Woche?�, wiederholte er. Er war wie gebannt von all dem Gold. �Oder weniger.�</p><p>Der Mann hob den Blick. �Die Miete hier in der Gegend ist teuer.�</p><p>�Euer Haus w�re billiger�, erwiderte Cery.</p><p>Tevan schluckte. Er schaute abermals auf die M�nzen, dann nickte er. �An was hattet Ihr gedacht?�</p><p>�Ein halbes Goldst�ck pro Tag�, antwortete Cery. Er lie� den Beutel wieder in seinen Mantel gleiten. �Ihr werdet sie vor Eurer Hintert�r finden, nachdem ich fort bin.�</p><p>Der Mann nickte, aber sein Mund war zu einer d�nnen Linie der Ungl�ubigkeit verzogen. Trotzdem brachte er seine Zweifel nicht zum Ausdruck. Stattdessen blickte er �ber die Stra�e.</p><p>�Ihr beobachtet etwas�, sagte er. �Oder Ihr sucht nach jemandem. Irgendetwas, wobei ich helfen kann?�</p><p>�Hofft Ihr, mich fr�her loszuwerden?�, fragte Cery l�chelnd. Ein Ausdruck der Verwirrung trat in die Augen des Mannes. <emphasis>Nein, vielleicht denkt er, er hat noch eine M�glichkeit gefunden, Profit zu machen.</emphasis> �Nun, wenn Ihr dort dr�ben etwas Verd�chtiges beobachtet habt��</p><p>Tevan runzelte die Stirn. �Da ist eine ausl�ndische Frau, die zu seltsamen Stunden kommt und geht. Der Schuhmacher sagt, sie habe seinen Keller gemietet. Wir sind nie dahintergekommen, womit sie sich ihren Lebensunterhalt verdient. Zu alt und zu h�sslich, um herumzuhuren� Meine Frau hat sie freitags morgens bei den Gew�rz- und Kr�uterverk�ufern auf dem Markt gesehen. Wir denken, dass sie vielleicht�� Er kam n�her und senkte die Stimme, ��jungen Frauen aus unerw�nschten Situationen heraushilft.�</p><p>Cerys Herz setzte einen Schlag aus, aber er lie� sich nichts anmerken. Tevan sah ihn erwartungsvoll an.</p><p>�In diese Richtung geht mein Interesse nicht�, sagte er achselzuckend. �Noch irgendetwas anderes?�</p><p>Der Mann sch�ttelte den Kopf. �Dies ist ein sauberes, anst�ndiges Viertel. Wenn etwas im Gange ist, geschieht es wohl im Verborgenen.� Er hielt inne. �Irgendetwas, das ich wissen sollte?�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Nichts, was Ihr w�rdet wissen wollen.�</p><p>�In Ordnung.� Tevan trat wieder zur�ck. �Dann viel Gl�ck.�</p><p>�Gute Nacht.�</p><p>Der Mann drehte sich um und ging auf den Laden nebenan zu. Cery schloss die T�r, verriegelte sie und lief dann die Treppe hinauf, wobei er zwei Stufen gleichzeitig nahm. Als er das obere Stockwerk erreicht hatte, hielt er inne, um wieder zu Atem zu kommen. Das Herz h�mmerte ihm in der Brust.</p><p>�Was ist los?�, fragte Gol.</p><p>�Nichts. Nicht mehr� so jung� wie ich mal war�, keuchte Cery. Dann kehrte er zu seinem Stuhl zur�ck. �Ich sollte h�ufiger rausgehen. Irgendeine Spur von unserer wilden Magierin?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Hat irgendjemand dem nachbarschaftlichen Wortwechsel gro�e Aufmerksamkeit geschenkt?� �Nein, eigentlich nicht.�</p><p>�Gut. Einer von uns muss morgen auf den Freitagsmarkt gehen. Zu den Gew�rzverk�ufern.� �Ach ja?�</p><p>�Unsere wilde Magierin scheint sie regelm��ig zu besuchen.�</p><p>�Das ist Skellins Territorium.�</p><p>Cery fluchte. Gol hatte recht. W�hrend es einigen Dieben nichts ausmachte, wenn andere ohne Genehmigung in ihrem Territorium herumschn�ffelten�� solange das Schn�ffeln nicht ihren Unternehmungen galt��, sahen andere das nicht so. Cery h�tte wetten m�gen, dass Skellin zu letzterer Sorte z�hlte.</p><p>�Ich bezweifle, dass er dir die Erlaubnis verwehren w�rde�, meinte Gol.</p><p>�Ja, aber um seine Erlaubnis zu bekommen, m�sste ich erkl�ren, was ich tue. Und dann w�rde er wissen, dass ich ihn nicht um seine Hilfe bei der Suche nach jemandem gebeten habe, den ich f�r den J�ger der Diebe hielt, obwohl ich ihm genau das zugesagt hatte.�</p><p>�Sag ihm einfach die Wahrheit: Du bist dir nicht sicher, ob es der J�ger ist, und du wolltest ihn nicht behelligen, bevor du Beweise hattest.�</p><p>�Wenn er denkt, es best�nde die Chance, dass ich recht habe, wird er uns bei der Suche nach ihr helfen wollen�, bemerkte Cery.</p><p>�Wir k�nnten Hilfe gebrauchen�, erwiderte Gol.</p><p>Cery seufzte. �K�nnten wir. Aber was wird Sonea von uns halten, wenn wir einen anderen Dieb hinzuziehen?�</p><p>Gol sah ihn ernst an. �Es wird sie nicht k�mmern, solange nur die wilde Magierin gefangen wird.�</p><p>�Was wird Skellin davon halten, mit der Gilde zusammenarbeiten zu m�ssen?�</p><p>�Er wird keine andere Wahl haben.� Gol l�chelte. Und nach dem, was du �ber sein Interesse an Magiern gesagt hast, wird er die Chance vielleicht mit Begeisterung aufnehmen.�</p><p>Cery musterte seinen Freund nachdenklich. �Du willst, dass ich Skellin um Hilfe bitte, nicht wahr?�</p><p>Gol zuckte die Achseln. �Wenn diese Frau der J�ger ist, will ich, dass sie schnell gefangen wird. Je eher sie verschwindet, umso sicherer wirst du sein.�</p><p>�Und du.�</p><p>Der gro�e Mann breitete die Arme aus. �Ist es falsch, das zu wollen?�</p><p>�Hmph.� Cery blickte hinaus und sah die ersten Lampenanz�nder auftauchen. Es wurde bereits dunkel. �Ganz und gar nicht. Sobald Skellin begreift, dass es sich bei dem J�ger um eine Magierin handeln k�nnte, wird ihm klar sein, dass er keine andere Wahl hat, als mit der Gilde zusammenzuarbeiten. Er wird selbst nicht in der Lage sein, sie zu fangen oder zu t�ten.�</p><p>�Also wirst du zu ihm gehen?�</p><p>Cery seufzte. �Ich sch�tze, es muss sein.�</p><empty-line/><p>Da Achati Ashaki Tikako nichts von seiner Absicht erz�hlt hatte, sein Landgut zu besuchen�� damit h�tte er auf die dem�tigende Tatsache hingewiesen, dass der Mann die Gedanken seiner Sklaven nicht ordentlich gelesen hatte��, wollte er ihm nicht l�nger zur Last fallen, indem er die Nacht dort verbrachte. Stattdessen reisten er und Dannyl weiter die Stra�e entlang zu einem anderen Gut, das einem �lteren Ashaki geh�rte, und erbaten im Namen des K�nigs eine Mahlzeit und Betten.</p><p>Der alte Mann und seine Frau waren offensichtlich nicht an Gesellschaft gew�hnt und spielten nur widerstrebend Gastgeber und Gastgeberin. Aber die Tradition machte es unm�glich, dem Abgesandten des K�nigs etwas zu verwehren. Die beiden taten Achati leid, und er a� wenig und hastig, und die beiden Alten waren froh, als er sagte, dass er und Dannyl m�de seien und sich fr�h f�r die Nacht zur�ckziehen wollten.</p><p>Als sie in den G�stezimmern untergebracht waren, gingen sie nicht sofort zu Bett, sondern sa�en noch beisammen und sprachen �ber das, was sie erfahren hatten.</p><p>�Wenn die Verr�terinnen wollen, dass wir sie finden, werden wir sie finden�, sagte Achati.</p><p>�Ihr glaubt, dass sie so viel Macht und Einfluss haben?�</p><p>Der Sachakaner verzog das Gesicht und nickte. �Bedauerlicherweise ja. Sie sind uns jahrhundertelang ausgewichen. Viele fr�here K�nige haben versucht, sie auszul�schen oder ihren St�tzpunkt zu finden, aber sie sind in dem, was sie tun, nur besser geworden. K�nig Amakira hat mir erkl�rt, dass es m�glicherweise besser w�re, wenn wir sie in Ruhe lassen, da sie vielleicht schw�cher werden, wenn sie nichts haben, wogegen sie k�mpfen k�nnen.�</p><p>Dannyl lachte leise. �Er k�nnte recht haben, aber ich bezweifle es.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Ohne Konflikte, die Einzelne von ihnen t�ten und ihre Zeit kosten, werden sie Familien gro�ziehen. Sie werden vielleicht schw�cher werden, was ihre k�mpferischen F�higkeiten betrifft, aber daf�r wird ihre Zahl gr��er werden.�</p><p>Achati runzelte nachdenklich die Stirn. �Irgendwann wird es zu viele M�uler zu f�ttern geben. Sie werden Hunger leiden.� Er l�chelte. �Also hat der K�nig vielleicht doch recht.�</p><p>�Nur wenn die Verr�terinnen im Verborgenen bleiben.�</p><p>�Ihr denkt, sie werden gezwungen sein hervorzukommen? Um Essen zu erbetteln?�</p><p>�Oder sie werden sich daf�r entscheiden, sich auf andere Weise zu offenbaren. Wie stark ist Eure Armee?�</p><p>Achati schnaubte ver�chtlich. �H�chstwahrscheinlich hundert Mal gr��er und st�rker als ihre. Wir wissen, dass ihr St�tzpunkt sich im Gebirge befindet, wo das Land hart und unfruchtbar ist. Sie k�nnen keine Bev�lkerung ern�hren, die es mit dem Rest des Landes aufnehmen kann, daher bezweifle ich, dass ihre Armee genauso gro� ist wie unsere oder sogar noch gr��er.�</p><p>Dannyl nickte zustimmend. �Was der Grund ist, warum sie schlaue, heimlichtuerische Methoden benutzen. Ich frage mich� Denkt Ihr, sie k�nnten einen Umsturz bewirken, einfach indem sie die richtigen Personen ermorden oder manipulieren?�</p><p>Achatis Miene wurde ernst. �Es ist m�glich, aber wenn sie es in der Vergangenheit h�tten tun k�nnen, w�re es gewiss bereits geschehen.�</p><p>�Vielleicht hat sich noch keine Gelegenheit geboten. Es k�nnte eines neuen und au�erordentlichen Faktors bed�rfen.�</p><p>Achati zog die Augenbrauen hoch. �Wie der Chance, den Sohn einer m�chtigen Gildemagierin zu entf�hren?�</p><p>�Denkt Ihr, das w�re au�erordentlich genug?�</p><p>�Nein.� Er sch�ttelte den Kopf und l�chelte. �Es w�re zu riskant, Kyralia und Sachaka dahingehend zu manipulieren, dass sie gegeneinander Krieg f�hren. Was ist, wenn Kyralia siegt? Was, wenn wir uns ihren Manipulationen widersetzten, uns zusamment�ten und die Verr�terinnen gemeinsam angriffen? Die Gilde k�nnte besser darin sein als wir, Jagd auf sie zu machen.� Er hielt inne. �Wobei mir etwas einf�llt. Hat die Gilde bereits auf die Neuigkeit von Lorkins Entf�hrung reagiert?�</p><p>�Nein.� Dannyl wandte den Blick. <emphasis>Ich werde dies nicht l�nger aufschieben k�nnen. Achati wird sich langsam fragen, warum wir so lange brauchen.</emphasis> �Nun� ich sollte schauen, welche Fortschritte sie machen.�</p><p>�Dann werde ich Euch jetzt allein lassen.� Achati erhob sich. �Es ist sp�t, und ich sollte ein wenig schlafen. Erz�hlt mir morgen, was sie gesagt haben.�</p><p>�Das werde ich.�</p><empty-line/><p>Als die T�r zum Raum des Sachakaners sich schloss, griff Dannyl in seine Robe und zog Administrator Osens Blutring hervor. Er betrachtete ihn lange, ging im Geiste alle M�glichkeiten durch, wie er die schlechten Nachrichten formulieren k�nnte, und entschied sich f�r das, wovon er hoffte, es sei das Beste. Dann streifte er den Ring �ber.</p><p>Als Sonea die T�r ihrer Gem�cher �ffnete, fand sie zu ihrer �berraschung Administrator Osen drau�en vor, der gerade eine Hand gehoben hatte, um anzuklopfen. Der verbl�ffte Ausdruck auf seinem Gesicht verblasste, und er straffte sich.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte er. �Ich muss mit Euch sprechen.�</p><p>�Es ist ein Gl�ck, dass wir dich noch erwischt haben, bevor du zu den Hospit�lern aufbrichst.� Als sie sich umdrehte, sah sie Rothen hinter dem Administrator stehen. Sofort wurde ihr flau im Magen, und ihr Herz begann zu rasen. <emphasis>Da ist wieder dieser Blick. Lorkin ist etwas zugesto�en�</emphasis></p><p>�Kommt herein�, erwiderte sie, trat zur�ck und bedeutete ihnen ungeduldig, ihr zu folgen.</p><p>Osen kam herein, gefolgt von Rothen. Sie schloss die T�r und sah den Administrator erwartungsvoll an. Er betrachtete sie ernst.</p><p>�Ich muss Euch davon in Kenntnis setzen, dass Euer Sohn�� Osen hielt inne und runzelte die Stirn. �Ich bin mir nicht sicher, wie ich es formulieren soll. Es scheint, dass Lorkin entf�hrt wurde.�</p><p>Soneas Beine verloren alle Kraft, und sie sp�rte, dass sie ein wenig schwankte. Rothen machte einen Schritt auf sie zu, aber sie bedeutete ihm, stehen zu bleiben. Sie holte tief Luft und wandte sich erneut Osen zu.</p><p>�Entf�hrt?�, wiederholte sie.</p><p>�Ja. Von einer jungen Frau, die sich als Sklavin ausgegeben hat. Botschafter Dannyl glaubt, es bestehe eine gewisse Chance, dass Euer Sohn freiwillig mitgegangen ist, aber er sei sich nicht sicher.�</p><p>�Ah.� Eine verr�terische und verf�hrerische Erleichterung durchlief Sonea. <emphasis>Frauen. Wieso sind es bei Lorkin immer Frauen?</emphasis> Ihr Herzschlag verfiel wieder in einen ruhigeren Rhythmus. �Dies ist also eher eine Frage von gesellschaftlicher Ungeh�rigkeit als eine, bei der es um seinen bevorstehenden und gewissen Tod geht?�</p><p>�Wir hoffen es sehr. Aber es ist komplizierter. Anscheinend sind wir nicht das einzige Volk mit einer geheimen und nicht ganz gesetzm��igen Untergrundgesellschaft, und diese Leute k�nnten damit zu tun haben.�</p><p>�Verbrecher?�</p><p>Osen sch�ttelte den Kopf. �Botschafter Dannyl hat sie als Rebellen beschrieben. Sie nennen sich die Verr�terinnen. Es geht das Ger�cht, dass es sich ausschlie�lich um Frauen handelt.� Osen zog die Augenbrauen hoch und deutete damit an, dass er dies f�r unwahrscheinlich hielt. �Sie sind au�erdem Magierinnen�� Schwarzmagierinnen. Die Frau, die Lorkin entf�hrt hat, ist eindeutig eine. Sie hat in derselben Nacht eine andere Sklavin get�tet und ihr alle Macht genommen. Dannyl ist sich nicht sicher, ob die Entf�hrerin die Verr�terin ist und die Sklavin ihr lediglich in die Quere kam oder ob die tote Sklavin eine Verr�terin war und die Entf�hrerin keine. So oder so, die Verr�terinnen haben durchblicken lassen, dass sie sie und Lorkin finden wollen.�</p><p>Sonea nahm sich einen Moment Zeit, um das Gesagte zu verarbeiten. �Und wann wurde Lorkin weggebracht?� �In der Nacht vor drei Tagen.�</p><p>Soneas Herz blieb stehen. �Vor drei Tagen! Warum hat man mich nicht sofort informiert?�</p><p>�Ihr seid soeben informiert worden.� Osen l�chelte schief. �Als ich dem neuen Botschafter eingesch�rft habe, dass er sich nur im �u�ersten Notfall mit mir in Verbindung setzen d�rfe, hat er mich zu ernst genommen. Er hatte erwartet, Lorkin schnell zu finden, und hat mir erst heute Nacht von der Situation berichtet.�</p><p>�Ich werde ihn umbringen�, murmelte sie und begann im Raum auf und ab zu gehen. �Wenn diese Frau eine Schwarzmagierin ist�� gibt es dort �berhaupt andere Magier?��, wie soll Dannyl sie dann zwingen, Lorkin zur�ckzugeben?�</p><p>�Er hat die Unterst�tzung des Beauftragten des sachakanischen K�nigs.�</p><p>�Was ist, wenn sie nicht gefunden werden will? Ob sie eine Spionin ist oder eine Rebellin, sie wird erwarten, dass der Beauftragte des K�nigs sie t�tet, wenn man sie findet. Wer wei�, was sie tun wird, um zu �berleben? Damit drohen, Lorkin zu t�ten?� Sonea blieb stehen, weil sie pl�tzlich au�er Atem war. Sie hatte das Gef�hl, als stie�e ihre Lunge nicht so viel Luft aus, wie sie einatmete. Ihr Kopf begann sich zu drehen. Sie hielt sich an der R�ckenlehne eines Stuhls fest und zwang sich, langsam ein- und auszuatmen. Als ihr Kopf wieder klar war, wandte sie sich Osen zu. �Ich muss dort hinreisen. Ich muss dort sein, wenn sie ihn finden.�</p><p>Osens Gesichtsausdruck war offen und mitf�hlend gewesen. Jetzt verschloss sich seine Miene und wurde hart.</p><p>�Ihr wisst, dass Ihr das nicht tun k�nnt�, sagte er.</p><p>Sie sah ihn mit schmalen Augen an, und ein tiefer Zorn stieg in ihr auf. �Wer w�rde es wagen, mich aufzuhalten?�</p><p>�Es m�ssen zu allen Zeiten zwei Schwarzmagier in der Gilde zugegen sein�, rief er ihr ins Ged�chtnis. �Der K�nig wird Euch niemals gestatten, Imardin zu verlassen, geschweige denn Kyralia.�</p><p>�Hier geht es um meinen <emphasis>Sohn!�,</emphasis> blaffte sie.</p><p>�Und der sachakanische K�nig w�re vielleicht nicht damit einverstanden, dass wir Euch in sein Land schicken�� oder Euch die Reise dorthin gestatten�, fuhr Osen fort, �was eine politisch gef�hrliche Situation noch verschlimmern und andeuten w�rde, dass seine Leute ein solches Problem nicht selbst l�sen k�nnen.� �Und was ist, wenn sie���</p><p>�Lorkin ist nicht dumm, Sonea�, unterbrach Rothen sie leise. �Und Dannyl ist es auch nicht.�</p><p>Sie funkelte ihn an und bem�hte sich, das Aufwallen von Kr�nkung und �rger dar�ber zu unterdr�cken, dass er gegen sie war. <emphasis>Aber wenn Rothen nicht denkt, dass ich gehen sollte�</emphasis></p><p>�Ich glaube nicht, dass Lorkin mit dieser Frau gegangen w�re, h�tte es daf�r nicht einen guten Grund gegeben.�</p><p>�Was ist, wenn der Grund darin bestand, dass er keine Wahl hatte?�, wandte sie ein.</p><p>�Dann m�ssen wir Dannyl vertrauen. Du wei�t, dass er uns sofort informiert h�tte, wenn die Situation wahrhaft ernst w�re. Wenn Lorkin eine Geisel ist, dann wirst du f�r ihn nicht mehr tun k�nnen als Dannyl. Dannyl versteht sich besser als du auf die Kunst des Verhandeins. Und die Sachakaner helfen ihm.� Seine Stimme wurde h�rter. �Wenn du dich in diese Unternehmung hineinst�rzt, k�nntest du die Situation viel schlimmer machen, nicht nur f�r Lorkin, sondern auch f�r Kyralia und Sachaka.�</p><p>Pl�tzlich f�hlte sie sich schwach und kraftlos. Hilflos. <emphasis>Welchen Nutzen hat all diese Macht, wenn ich sie nicht einsetzen darf, um meinen eigenen Sohn zu retten?</emphasis></p><p>Aber vielleicht braucht er nicht gerettet zu werden, sagte eine schwache Stimme irgendwo in ihrem Hinterkopf.</p><p>Osen seufzte. �Ich f�rchte, ich muss Euch verbieten, die Stadt zu verlassen, Schwarzmagierin Sonea. Und mit irgendjemand anderem �ber diese Angelegenheit zu sprechen als mit mir, dem K�nig, dem Hohen Lord Balkan und Lord Rothen.�</p><p>�Nicht einmal mit Akkarins Familie?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nicht einmal mit ihnen. Als Lorkins Mutter habt Ihr ein Recht zu wissen, was geschieht, und ich werde Euch �ber die Situation auf dem Laufenden halten. Ich werde heute Abend mit dem Hohen Lord Balkan �ber M�glichkeiten sprechen, wie wir Lord Dannyl helfen k�nnen, und es wird auch um die Frage gehen, ob wir jemanden zu seiner Unterst�tzung nach Sachaka schicken sollen. Wenn wir es tun, werde ich Euch so viele Einzelheiten wissen lassen, wie ich es gefahrlos tun kann.�</p><p><emphasis>Das m�chte ich dir auch geraten haben,</emphasis> dachte sie. �Ich werde regelm��ige Berichte erwarten�, sagte sie steif.</p><p>Er bedachte sie mit einem langen, nachdenklichen Blick. �Gute Nacht, Schwarzmagierin Sonea.�</p><p>Sie folgte ihm zur T�r und �ffnete sie mit Magie. Bevor er hindurchtrat, nickte er ihr h�flich zu. Dann war er fort, und als sie h�rte, dass seine Schritte sich den Flur hinunter entfernten, schloss sie die T�r.</p><p>Sie drehte sich zu Rothen um. �Ich werde trotzdem gehen�, erkl�rte sie ihm und machte sich dann auf den Weg in ihr Schlafzimmer. Auf dem Kleiderschrank lag ein kleiner Koffer. Sie hob ihn mit Magie an und stellte ihn auf den Boden.</p><p>�Man wird dich nicht ein zweites Mal zur�ckkehren lassen�, erwiderte Rothen von der T�r aus.</p><p>Sie ging zum Schrank hin�ber und �ffnete ihn. Er war voller schwarzer Roben. �Das ist mir gleich. Ich werde Lorkin finden, dann werden wir auf Reisen gehen. Es wird ihr Verlust sein, nicht meiner.�</p><p>�Ich meinte nicht die Gilde. Ich meinte das Land. Die Verb�ndeten L�nder.�</p><p>�Ich wei�. Aber es gibt auch L�nder jenseits des Bundes.�</p><p>�Ja. Doch w�hrend die Gilde einen anderen Schwarzmagier ausbilden kann, der an deine Stelle treten wird, wirst du keine andere Gilde finden, um sie zu ersetzen.</p><p>Dir mag das gleichg�ltig sein, aber wird Lorkin es genauso sehen?�</p><p>Sie starrte noch immer die Roben an. Sie waren nicht das, was ein Magier tragen sollte, wenn er die Fesseln der Gilde absch�ttelte. Sonea war sich nicht sicher, was ein Magier tragen sollte, wenn er rebellierte und aus dem Land st�rmte, nur dass dies ganz und gar nicht passend war. Aber es war alles, was sie zum Anziehen hatte.</p><p><emphasis>Ich kann nicht glauben, dass ich mir in diesem Moment den Kopf�ber Kleidung zerbreche!</emphasis></p><p>�Du musst die wilde Magierin finden, Sonea.�</p><p>�Regin kann sie finden.�</p><p>�Cery traut ihm nicht.�</p><p>�Da kann ich ihm keine Vorw�rfe machen�, murmelte sie. �Cery wird zurechtkommen m�ssen.�</p><p>Rothen seufzte. �Sonea.� Seine Stimme hatte jetzt einen v�terlichen, strengen Tonfall angenommen.</p><p>Sie verschr�nkte die Arme vor der Brust, setzte ihren besten Komm-mir-nicht-in-die-Quere-ich-habe-es-schon-mit-schlimmeren-Gegnern-als-dir-aufgenommen-Blick auf, der dazu f�hrte, dass Novizen zusammenzuckten und Magier ihre Worte noch einmal �berdachten, und drehte sich zu ihm um. �Was?�</p><p>Wie immer blieb er unbeeindruckt.</p><p>�Du wei�t, dass du nicht gehen kannst�, antwortete er. �Du wei�t, dass du Lorkins Situation h�chstwahrscheinlich verschlimmern wirst, statt sie zu verbessern, und dass er, wenn dies vor�ber ist, eine gut gesch�tzte Gilde braucht, in die er zur�ckkehren kann�� <emphasis>mit seiner Mutter darin.�</emphasis></p><p>Sie starrte ihn lange an, dann fluchte sie.</p><p>�Warum habt Ihr immer recht, Rothen?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich bin �lter und kl�ger als du. Und nun m�ssen wir beide reden und weniger durchschaubare und zerst�rerische Pl�ne schmieden. F�r den Anfang denke ich, dass wir jemanden nach Sachaka schicken sollten, der in deinem Namen handelt.� �Wen?�</p><p>Er l�chelte. �Ich habe da einige Leute im Sinn. Setz dich hin, und ich werde es dir erz�hlen.�</p></section><section><title><p>21</p><p>Willkommene Unterst�tzung</p></title><p>Der Bach sah nicht sauber aus, nicht einmal im weichen Licht der herannahenden Morgend�mmerung. Ein blo�es Rinnsal, das sich tr�ge durch einen schmalen Graben wand, war er ges�umt von gr�nem Schleim und roch nach Moder und fauliger Vegetation. Tyvara war unger�hrt. Sie ging in die Hocke und sch�pfte eine Handvoll Wasser.</p><p>Lorkin beobachtete, wie sie das Wasser einen Moment lang betrachtete und es dann herunterschluckte. �Du wirst krank werden�, sagte er. Sie blickte zu ihm auf. �Keine Sorge. Ich sauge es erst aus.�</p><p>�Du saugst es aus?�</p><p>�Ich ziehe alles Leben darin heraus. Es ist immer noch k�rnig von Ablagerungen, aber das ist unangenehm, nicht gef�hrlich. Das ist viel schneller und wirksamer als das, was ihr tut, da ich Energie nehme, statt welche zu verbrauchen. Willst du nicht trinken? Wir k�nnen nicht wissen, wann wir wieder Wasser finden werden.�</p><p>Lorkin betrachtete ihre H�nde, die noch schmutzig vom Wasser waren. �Ich dachte, Blut sei die einzige Substanz, aus der man Magie ziehen kann.�</p><p>Sie l�chelte und sch�pfte weiteres Wasser. �Du wei�t, dass Menschen und die meisten Tiere einen Schutz gegen eindringende Magie haben, der normalerweise auf der Haut liegt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Um daran vorbeizugreifen, muss man diese Schicht aufbrechen, und das l�sst sich am einfachsten bewerkstelligen, indem man die Haut zerschneidet. Nat�rlich f�hrt das zu einer Blutung, so dass die Menschen denken, das Blut sei von entscheidender Bedeutung. Das ist es nicht.� Ihre Stimme wurde heiser, w�hrend sie sprach. Es war zu lange her, seit sie das letzte Mal Wasser gefunden hatten. Sie hielt inne, um das Wasser in ihren H�nden zu betrachten, dann trank sie, bevor sie wieder zu ihm aufsah. �Es gibt winzige Lebensformen im Wasser�� man kann es sp�ren, auch wenn man es nicht sehen kann��, und sie sind es, die einen Menschen krank machen. Aber sie haben anscheinend keine Schutzschicht, daher ist es einfach, ihre Energie herauszuziehen. Doch auf so eine schw�chliche Quelle w�rde man sich nicht verlassen wollen.� Sie blickte hinab. �Pflanzen scheinen einen schw�cheren Schutz zu haben als Tiere. Es ist m�glich, ihnen die Macht zu entziehen, ohne sie aufzuschneiden, obwohl es langsam geht und man nur so wenig gewinnt, dass man sich die M�he nicht machen w�rde.� Sie tauchte die Hand abermals ins Wasser.</p><p>Lorkin seufzte und setzte sich. Er zog Magie in sich hinein, sammelte etwa so viel Wasser aus dem Bach, wie in eine Tasse hineingepasst h�tte, und hielt es innerhalb einer unsichtbaren Machtkugel. Die Fl�ssigkeit war tr�b und wenig reizvoll. Er sandte weitere Magie aus und erhitzte das Wasser, bis es kochte.</p><p>In den Kursen zum Thema Heilkunst, in denen die Reinigung von Wasser gelehrt wurde, hatte er erfahren, dass man das Wasser am besten mehrere Minuten lang kochte. Aber Tyvara hatte schon bald genug getrunken und beobachtete ihn erwartungsvoll, offensichtlich erpicht darauf, wieder aufzubrechen. Er h�rte auf, das Wasser zu erhitzen, und lie� es auf eine Temperatur abk�hlen, bei der er es ber�hren und trinken konnte. Gl�cklicherweise hatte sich der Schmutz im Wasser auf dem Boden abgelagert, und er konnte saubereres Wasser von oben absch�pfen. Einige Schlucke sp�ter war er fertig, und sie standen auf. Lorkin sah Sonnenstrahlen durch die Wipfel der B�ume scheinen, die sie umringten. Ihm war nicht bewusst gewesen, dass es so sp�t war.</p><p>�Wohin als N�chstes?�, fragte Lorkin.</p><p>�In den Wald. Ich dachte, es w�re dir vielleicht lieb, �ber dem Boden zu schlafen.�</p><p>Er verzog das Gesicht. Obwohl sie tagelang in einem Loch unter der Erde geschlafen hatten, f�hlte er sich mit dem Wissen, dass ihn nur eine magische Barriere davor bewahrte, lebendig begraben zu sein, noch immer nicht wohler. �Das ist allerdings richtig.�</p><p>�Dann komm.�</p><p>Sie verlie� die Stra�e und machte sich auf den Weg in den Wald, und Lorkin folgte ihr. Zuerst stolperte er �ber Hindernisse und wich Zweigen aus, die Tyvara weggeschoben hatte, so dass sie ihm entgegenschlugen. Seine d�nnen Schuhe blieben immer wieder zwischen Steinen h�ngen, und der unebene Boden stellte seinen Gleichgewichtssinn auf die Probe. Er brauchte all seine Konzentration, um nicht hinzufallen. Tyvara entfernte sich immer weiter von ihm, bis sie bemerkte, dass er zur�ckfiel, und stehen blieb, um auf ihn zu warten.</p><p>�Bist du schon jemals in einem Wald gewesen?�, erkundigte sie sich.</p><p>�Nein.�</p><p>�Hast du vor dieser Reise jemals Imardin verlassen?�</p><p>��Nein.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p><emphasis>Weil meine Mutter die Stadt nicht verlassen darf.</emphasis> Aber das konnte er ihr nicht erz�hlen, ohne den Grund daf�r zu erkl�ren, und er durfte nicht offenbaren, wie wenige Kyralier sich auf schwarze Magie verstanden.</p><p>�Ich hatte nie einen Grund dazu.�</p><p>Sie sch�ttelte ungl�ubig den Kopf, dann drehte sie sich um und setzte den Weg durch den Wald fort. Diesmal schien sie ihre Schritte sorgf�ltiger zu w�hlen, und ihr Weg wurde erheblich einfacher. Dann begriff er, dass es ein Weg <emphasis>war.</emphasis> Ein sehr schmaler Pfad, aber offensichtlich war irgendjemand oder irgendetwas oft genug hier vorbeigekommen, um eine Spur im Unterholz zu hinterlassen.</p><p>�Warst du schon einmal hier?�, fragte er.</p><p>�Nein.�</p><p>�Dann wei�t du also nicht, wohin dieser Weg f�hrt.� �Es ist ein Tierpfad.�</p><p>�Ah.� Er senkte den Blick, und sein Herz setzte einen Schlag aus. �Und warum sind dann hier Schuhabdr�cke?�</p><p>Tyvara blieb stehen und folgte seinem Blick.</p><p>�Der Wald geh�rt dem Ashaki, dem auch dieses Land geh�rt. Es wird Sklaven geben, die im Wald etwas sammeln oder die Tiere jagen, die hier leben.� Sie runzelte die Stirn und sah sich um. �Ich nehme an, wir k�nnen es nicht riskieren, noch weiter zu gehen. Wir sollten uns trennen�� aber bleib so nah bei mir, dass du mich sehen und h�ren kannst. Halte Ausschau nach dichter Vegetation. Oder einer Senke im Boden, die wir abdecken k�nnen. Wenn du irgendetwas findest, pfeif.�</p><p>Er ging nach rechts. Nachdem er eine Weile umhergestreift war, fand er eine Stelle, an der vor langer Zeit ein riesiger Baum umgest�rzt war. Alles, was von dem Baum noch �brig war, war ein riesiger Stumpf. Wurzeln ragten wie sch�tzende Arme aus dem Stumpf hervor, und um die aufgew�hlte Erde herum waren dichte, niedrige B�sche gewachsen. In der Annahme, dass dort, wo einst die Wurzeln gewesen waren, eine Senke sein w�rde, zw�ngte er sich durchs Geb�sch. Ein Loch, halb so tief, wie er gro� war, war zur�ckgeblieben.</p><p><emphasis>Dichte Vegetation und eine Senke,</emphasis> dachte er befriedigt. Es <emphasis>ist perfekt.</emphasis></p><p>Als er sich umdrehte, um nach Tyvara Ausschau zu halten, sah er, dass sie etwa zwanzig Schritte von ihm entfernt war. Er pfiff, und als sie aufblickte, winkte er sie heran. Sie kam auf ihn zu und zw�ngte sich durch die B�sche. Dann blieb sie am Rand des Lochs stehen und untersuchte es interessiert. Schlie�lich schnupperte sie.</p><p>�Riecht feucht. Du zuerst.�</p><p>Lorkin zog Magie in sich hinein, schuf eine Barriere in der Form einer Scheibe am Rand des Lochs und trat darauf. Dann lie� er sich in das Loch hinab. Die Erde unter der Barriere wurde flach gedr�ckt, als er unten ankam. Nachdem er die Barriere entfernt hatte, sank er noch weiter ein. Schlammiges Wasser stieg auf und floss ihm in die Schuhe. Mit einem Fu� ber�hrte er festen Boden, aber der andere sank weiter hinab, und Lorkin riss die Arme hoch und versuchte, zur Seite zu treten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.</p><p>Aber der Schlamm hielt ihn fest. Er kippte hinten�ber und landete mit einem lauten Spritzen in dem klebrigen, stinkenden Morast.</p><p>Der Wald hallte wider von Tyvaras Gel�chter.</p><p>Lorkin blickte zu ihr auf und l�chelte kl�glich. <emphasis>Sie hat ein wunderbares Lachen,</emphasis> dachte er. <emphasis>Als w�rde sie nicht oft lachen, aber wenn sie es tut, dann genie�t sie es.</emphasis> Er wartete, bis sie aufgeh�rt hatte, dann klopfte er auf den Schlamm an seiner Seite.</p><p>�Komm herunter. Es ist feucht, aber viel weicher als diese L�cher im Boden�, erkl�rte er.</p><p>Sie kicherte noch ein wenig, sch�ttelte den Kopf und �ffnete dann den Mund, um zu sprechen. Aber irgendetwas erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie blickte auf, dann fluchte sie leise.</p><p>�Du da!�, erklang eine Stimme. �Komm her.�</p><p>Sie sah Lorkin nicht an, sondern zischte mit zusammengebissenen Z�hnen: �Ashaki. Er hat mich gesehen. Bleib in deinem Versteck. Bleib hier.�</p><p>Dann ging sie davon und verschwand durch die B�sche. Lorkin hockte sich hin und stellte fest, dass der Boden des Lochs unter dem Schlamm flach war, wenn auch immer noch glitschig. Er lauschte aufmerksam und h�rte irgendwo hinter sich das Klirren eines Pferdegeschirrs. Hinter dem am Boden liegenden Baum.</p><p>Nachdem er sich zu der Masse von Wurzeln bewegt hatte, richtete er sich auf und sp�hte zwischen ihnen hindurch. Ein Sachakaner stand neben einem Pferd und starrte etwas an, das auf dem Boden war. Seine Kleidung war nicht die kunstvolle Gewandung der Ashaki, die er bisher kennengelernt hatte, aber sie war gut geschneidert und besser f�rs Reiten geeignet.</p><p>Dann sah Lorkin das Messer am G�rtel des Mannes. Sein Mund wurde trocken.</p><p>�Steh auf�, befahl der Ashaki.</p><p>Tyvara erhob sich vom Boden. Lorkin k�mpfte gegen den Drang, ihr zur Seite zu eilen. <emphasis>Sie ist eine Magierin. Eine Schwarzmagierin. Sie kann auf sich selbst aufpassen. Und es wird ihr wahrscheinlich umso leichter fallen, wenn sie nicht noch gleichzeitig mich besch�tzen muss.</emphasis></p><p>�Was tust du hier?�, fragte der Mann scharf.</p><p>Ihre Antwort war unterw�rfig und leise.</p><p>�Wo ist deine Wasserflasche? Deine Vorr�te?�</p><p>�Ich habe sie irgendwo abgelegt. Jetzt finde ich sie nicht wieder.�</p><p>Der Mann musterte sie nachdenklich. �Komm her�, sagte er schlie�lich.</p><p>Mit h�ngenden Schultern ging sie auf den Mann zu. Lorkins Herz erstarrte, als der Mann ihr die H�nde an die Seiten des Kopfes legte. <emphasis>Ich sollte das verhindern. Er wird erfahren, wer wir sind. Aber warum sollte sie ihm gestatten, ihre Gedanken zu lesen? Gewiss h�tte sie, sobald sie begriff, was er beabsichtigte, doch gegen ihn gek�mpft?</emphasis></p><p>Einen Moment sp�ter lie� der Mann sie los.</p><p>�Es scheint, als seist du genauso dumm, wie du sagst. Folge mir. Ich werde dich zur Stra�e zur�ckbegleiten.�</p><p>Als der Mann sich umdrehte, um auf sein Pferd zu steigen, schaute Tyvara zu Lorkin hin�ber und l�chelte. Der Triumph in ihren Z�gen zerstreute seine fr�here Besorgnis. Er beobachtete, wie sie dem Mann unterw�rfig in den Wald folgte. Als die beiden nicht mehr zu sehen waren, drehte Lorkin sich um und setzte sich auf eine der dickeren unteren Wurzeln des Baums.</p><p><emphasis>Bleib in deinem Versteck. Bleib hier, hat sie gesagt. Ich sch�tze, sie meint, dass sie zur�ckkommen wird, sobald der Magier sie zur Stra�e gef�hrt hat und wieder seiner Wege gegangen ist.</emphasis> Er betrachtete die Position des Sonnenlichts, das durch die B�ume fiel, und kam zu dem Schluss, dass er, wenn sie nicht innerhalb einer Zeitspanne von ungef�hr einer Stunde zur�ckkehrte, sich auf die Suche nach ihr machen w�rde.</p><p>Es war eine lange Stunde. Die Zeit schleppte sich dahin. Die Sonnenstrahlen krochen mit qualvoller Langsamkeit �ber das Unterholz. W�hrend der Schlamm trocknete, kratzte er sich und wischte ihn sich von der Haut und den Kleidern. Er versuchte, sich nicht vorzustellen, was ihr zusto�en k�nnte, sollte der Magier entdecken, wer und was sie war, doch es gelang ihm nicht. Er versuchte, sich keine Sorgen dar�ber zu machen, dass der Magier von seinem Versteck erfuhr und zur�ckkam und �</p><p>�Gut zu sehen, dass du Befehle befolgen kannst�, erklang eine Stimme hinter ihm.</p><p>Er fuhr herum und sah sie oben auf dem Stumpf stehen und zu ihm herabl�cheln. Mit h�mmerndem Herzen beobachtete er, wie sie in die Luft trat und herunterschwebte.</p><p>�Wie hast du das gemacht?�, fragte er.</p><p>Sie runzelte die Stirn und betrachtete die schimmernde Scheibe aus Magie, die unter ihren F��en gerade noch sichtbar war. �Genauso, wie du es gemacht hast.�</p><p>�Ich spreche nicht vom Schweben. Ich m�chte wissen, wie du ihn daran gehindert hast, deine Gedanken zu lesen.�</p><p>�Ah, das.� Sie verdrehte die Augen. �Erinnerst du dich nicht, dass ich dir erz�hlt habe, dass wir eine M�glichkeit kennen, Magier das sehen zu lassen, was wir sie sehen lassen wollen?�</p><p>Er dachte an ihr erstes Versteck zur�ck und an die andere Sklavin. �Ah. Ja. Ich verstehe. Irgendeine Art von Blutstein, richtig?�</p><p>Sie l�chelte. �Vielleicht. Vielleicht auch nicht.�</p><p><emphasis>Blutstein.</emphasis> Lorkins Herz schlug schneller. <emphasis>Ich h�tte Mutters Ring benutzen k�nnen, w�hrend sie fort war, aber ich habe ihn vollkommen vergessen!</emphasis> Er hatte sich zu gro�e Sorgen um Tyvara gemacht.</p><p>�Was ist los?�, fragte sie.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Was ist, wenn er mich entdeckt h�tte? Wenn er meine Gedanken gelesen h�tte?�</p><p>�Ich h�tte ihn daran gehindert.� Sie zuckte die Achseln. �Obwohl es grunds�tzlich das Beste ist, eine Konfrontation zu vermeiden, l�sst sich das nicht immer bewerkstelligen.�</p><p>�Du w�rdest gegen ihn k�mpfen? W�rde das nicht Aufmerksamkeit auf uns lenken?�</p><p>�Vielleicht.� Sie deutete auf ihre Umgebung. �Aber wir sind gut versteckt. Ich w�rde versuchen, ihn schnell zu erledigen.�</p><p>�Du w�rdest ihn t�ten?�</p><p>�Nat�rlich. Wenn ich es nicht t�te, w�rde er uns verfolgen.�</p><p>�Und wenn sein Leichnam entdeckt w�rde, w�rde jemand anders uns verfolgen. W�re es nicht alles in allem besser, wenn ich meine Gedanken verbergen k�nnte?�</p><p>Sie kicherte. �Selbst wenn ich bereit w�re, den Verr�terinnen noch einen Grund zu liefern, auf mich w�tend zu sein, selbst wenn ich d�chte, wir k�nnten das Sanktuarium nicht erreichen, ohne dass ich dir dieses Geheimnis offenbare, k�nnte ich es nicht tun. Ich habe einfach nicht die Materialien oder die Zeit dazu.�</p><p>Ihm stockte der Atem. �Es ist wie ein Blutstein, nicht wahr?�</p><p>Wieder verdrehte sie die Augen. �Leg dich hin und schlaf, Lorkin.�</p><p>Er blickte auf den Schlamm hinab, dann sah er sie ungl�ubig an. �Es war nur ein Scherz, als ich sagte, er w�rde ein weiches Bett abgeben.�</p><p>Sie seufzte und machte eine knappe Handbewegung. �Tritt zur�ck.�</p><p>Er gehorchte und setzte sich auf seinen fr�heren Platz, und da er erriet, was sie vorhatte, hob er die F��e und die durchweichten Schuhe aus dem Schlamm. Schon bald begann die Luft �ber dem Matsch zu dampfen. F�r eine Weile wurden sie von hei�em Dampf eingeh�llt, dann kl�rte sich die Luft, und er sah, dass nur rissige, getrocknete Erde zur�ckgeblieben war. Tyvara stieg von der magischen Scheibe unter ihren F��en auf den geh�rteten Boden. Dann klopfte sie mit dem Fu� darauf.</p><p>�Du solltest schlafen, solange du kannst�, bemerkte sie.</p><p>�Ich werde dich in einigen Stunden wecken, dann kannst du Wache halten. Ich denke nicht, dass unser Gastgeber allzu bald zur�ckkehren wird, aber er unternimmt offensichtlich gern Ausritte auf seinem Gut. Wir sollten auf ihn gefasst sein.�</p><p>Seufzend legte Lorkin sich auf den harten Boden und versuchte zu tun, was sie vorgeschlagen hatte.</p><empty-line/><p>Ein sanfter Herbstregen begann auf den Garten des Sonnenhauses zu fallen, aber in der kleinen Steinh�tte sa�en Cery und Skellin im Trockenen. Gol stand in der N�he und blinzelte sich Regen aus den Augen, w�hrend er Skellins Leibw�chter beobachtete, der auf der gegen�berliegenden Seite der H�tte Position bezogen hatte. Sie waren allein, da bei dem trostlosen Wetter kaum jemand seine Behausung verlie�; nur der Eigent�mer des Grundst�cks murmelte in einer anderen Ecke des Gartens vor sich hin.</p><p>Als Cery mit seiner kurzen Beschreibung dessen, was er und Gol vom Dach des Pfandleihers aus gesehen hatten, fertig war, wirkte Skellin nachdenklich.</p><p>�Eine Frau, ja? Konntet Ihr einen guten Blick auf sie werfen?�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Es war dunkel, und wir haben sie von oben beobachtet, aber ich sch�tze, ich w�rde sie wiedererkennen. Sie hat dunkle Haut und dunkles Haar. Sie ist etwa so gro߅� Cery streckte ein Hand aus, um die gesch�tzte Gr��e der Frau zu demonstrieren.</p><p>�Jetzt, da du wei�t, dass sie �ber Magie gebietet, wie willst du sie fangen?�</p><p>�Oh, ich brauche sie nur zu finden.� Cery hob die Schultern. �Es ist Aufgabe der Gilde, wilde Magier zu fangen. Was nur gut ist, denn wenn sie der J�ger ist, d�rfen weder du noch ich hoffen, sie aufhalten zu k�nnen.�</p><p>Skellins Augen blitzten auf. �Du arbeitest f�r die Gilde!�</p><p>�Ich <emphasis>helfe</emphasis> der Gilde. Wenn ich f�r sie arbeitete, w�rde ich erwarten, entlohnt zu werden.�</p><p>�Du wirst nicht entlohnt?� Skellin sch�ttelte den Kopf, und seine Miene wurde wieder ernst. �Aber ich sch�tze, es gibt andere Vorteile. Als ich von deiner Familie h�rte, dachte ich, du w�rdest Rache �ben wollen.� Er lachte leise. �Aber deine Suche nach dem M�rder hat sich in eine Suche nach dem J�ger der Diebe verwandelt, und jetzt hat sich deine Suche nach dem J�ger in eine Suche nach einer wilden Magierin verwandelt.�</p><p>�Es waren ziemlich aufregende Wochen�, erwiderte Cery.</p><p>�Ich hoffe, du wirst mir verzeihen, wenn ich dich darauf hinweise, dass du ein wenig von der Spur abgekommen bist.�</p><p>Cery nickte. �Es k�nnte sich immer noch herausstellen, dass die drei ein und dieselbe Person sind. Ich sch�tze, wir werden es erfahren, sobald wir sie gefangen haben.�</p><p>�Falls du die Wahrheit aus ihr herausholen kannst.�</p><p>Cery �ffnete den Mund, um Skellin ins Ged�chtnis zu rufen, dass die Gilde jetzt im Stande war, die Gedanken von Personen zu lesen, die sich der Prozedur widersetzten. Dann besann er sich jedoch eines Besseren. Es hatte keinen Sinn, diese Information preiszugeben, bevor es unbedingt sein musste. �Bist du daran interessiert, uns zu helfen, sie zu finden?�</p><p>Der andere Dieb sch�rzte die Lippen, w�hrend er nachdachte, dann lachte er abermals. �Nat�rlich bin ich interessiert. Wenn sie sich als wilde Magierin entpuppen sollte, werde ich zumindest die Chance haben, einige Freunde in der Gilde zu gewinnen. Sollte sie sich als der J�ger der Diebe entpuppen, wird das f�r uns alle eine sch�ne Dreingabe sein.� Er rieb sich die H�nde. �Also, erz�hl es mir: Wo hast du sie das letzte Mal gesehen?�</p><p>�Wir haben eine Frau aus dem Laden des Pfandleihers kommen sehen, die aussah wie sie, daher habe ich Gol hinter ihr hergeschickt.� W�hrend Cery den Keller beschrieb, den die Frau benutzt hatte, und den unterirdischen Tunnel, der von dem Keller wegf�hrte, runzelte Skellin die Stirn.</p><p>�Ich wusste gar nicht, dass es dort G�nge gibt�, sagte er. �Sie h�tten eigentlich beim Wiederaufbau zerst�rt werden sollen. Aber ich sch�tze, wenn man �ber Magie gebietet, w�re es einfach, sich einen neuen zu bauen.�</p><p>�Ich bin nicht ganz auf dem Laufenden, was die Grenzen betrifft. Zu wessen Territorium geh�rt das Gebiet gegenw�rtig?�</p><p>Skellin verzog das Gesicht. �Tats�chlich geh�rt es zu meinem.� Er begegnete Cerys �berraschtem Gesicht, dann l�chelte er schief. �Wei�t du zu jeder Zeit, was in jeder Ecke deines Territoriums vor sich geht?�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Wahrscheinlich nicht. Ich habe keine Gebiete, in denen so viel umgebaut wurde. Einer der anderen Ladenbesitzer meinte, sie sei auf dem Markt gesehen worden, wo sie Kr�uter kaufte.�</p><p>�Ich werde es �berpr�fen�, erwiderte Skellin. �Und feststellen, ob einer meiner Verbindungsm�nner von einer Frau geh�rt hat, auf die deine Beschreibung passt. Es klingt, als sei sie die Art Frau, die einem im Ged�chtnis bleibt. Sollte ich etwas h�ren, werde ich es dich wissen lassen. Wir k�nnen ihr eine Falle stellen und nach deinen Gildefreunden schicken.�</p><p>Cery nickte. �Und ich werde es dich wissen lassen, falls ich sie aufsp�re.�</p><p>�Ich werde dich beim Wort nehmen�, sagte Skellin l�chelnd. �Ich m�chte die Chance nicht vers�umen, einige Gildemagier kennenzulernen.� Er zog die Augenbrauen hoch. �Es handelt sich nicht zuf�llig bei einem von ihnen um deine ber�hmte Kindheitsfreundin, oder?�</p><p>�M�glich w�re es. Aber wenn du Sonea kennenlernen willst, brauchst du nur in eins der Hospit�ler zu gehen.�</p><p>�Dann m�sste ich so tun, als sei ich krank.� Skellin zuckte die Achseln. �Und ich glaube nicht, dass sie es gern s�he, wenn ich den Platz von jemandem einn�hme, der ihre Hilfe braucht.�</p><p>�Nein. Wahrscheinlich nicht. Du wirst also niemals krank?� �Niemals.� �Du Gl�ckspilz.�</p><p>Skellin grinste. �Es war sch�n, wieder einmal mit dir zu reden, Ceryni von der Nordseite. Ich hoffe, wir werden das bald wiederholen und dass ich dann gute Neuigkeiten f�r dich habe.�</p><p>Cery nickte. �Ich freue mich darauf, und ich w�nsche dir einen sicheren Heimweg.� �Dir auch.�</p><p>Der andere Dieb wandte sich seinem Leibw�chter zu und ging davon. Cery trat aus der H�tte, stellte seinen Kragen hoch, um den Regen abzuhalten, und ging zu Gol hin�ber. Der gro�e Mann schwieg zuerst und lief stumm neben Cery her. Dann, als das Sonnenhaus bereits weit hinter ihnen lag, fragte er, wie die Besprechung gelaufen sei. Cery berichtete ihm die Einzelheiten.</p><p>�Ich wusste gar nicht, dass Skellins Territorium so weit reicht�, unterbrach er ihn.</p><p>�Ich auch nicht�, erwiderte Cery. �Es ist zu lange her, seit wir in Erfahrung gebracht haben, wo die Grenzen verlaufen.�</p><p>�Ich kann es f�r dich herausfinden.�</p><p>�Ich hatte gehofft, dass du das sagen w�rdest.�</p><p>Gol lachte. �Nat�rlich hattest du das gehofft.�</p><empty-line/><p><emphasis>Warum hat er den Ring nicht benutzt?</emphasis></p><p>Sonea erhob sich von ihrem Stuhl und trat ans Fenster. Sie schob den Papierschirm beiseite, schaute �ber das Gel�nde der Gilde und seufzte. Vielleicht hatte Lorkin den Blutring nicht gefunden. Vielleicht lag er noch immer im Gildehaus in Arvice, tief in seiner Reisetruhe.</p><p>Selbst der Gedanke bereitete ihr Unbehagen. Wenn Dannyl und Lorkin beide nicht im Gildehaus waren, war es dann m�glich, dass ein neugieriger Sklave den Ring fand? Wenn er in die falschen H�nde fiel� Sie schauderte. Einer der sachakanischen Ichani, die vor zwanzig Jahren Kyralia �berfallen hatten, hatte Rothen gefangen und aus seinem Blut einen Ring gemacht, den er danach benutzte, um Rothen geistige Bilder all seiner Opfer zu schicken. Wenn Lorkins Entf�hrer den Ring fand und ihn benutzte, um ihr Bilder zu schicken, wie ihr Sohn gefoltert wurde�</p><p>Ihr stockte das Herz. <emphasis>Ich glaube nicht, dass ich es ertragen k�nnte. Ich w�rde ihren Forderungen zustimmen, ganz gleich worin sie best�nden. Und Rothen hat recht. Es w�rde die Situation noch verschlimmern, wenn ich dort w�re. Ich hoffe nur, dass sie, wenn sie den Ring finden, begreifen, dass der Hersteller zu weit entfernt ist, als dass sie ihn sinnvoll einsetzen k�nnten.</emphasis></p><p>Sie entfernte sich vom Fenster und ging im Zimmer umher. Ihre Schicht im Hospital begann erst in einigen Stunden. Die Heiler waren k�hner geworden, seit sie sich erboten hatten, ihre Abwesenheit zu vertuschen, sollte sie einmal in die Stadt hinausgehen m�ssen. Der Besch�tzertrieb, den sie ihr gegen�ber entwickelt hatten, war inzwischen beinahe l�stig, und sie plagten sie mit Fragen dar�ber, wie viel Schlaf sie bek�me, wann immer sie fr�hzeitig zu einer Schicht erschien oder l�nger blieb.</p><p><emphasis>Aber wenn Cery die wilde Magierin findet, wird er mich im Hospital einfacher und schneller erreichen. Ich w�nschte, er</emphasis> w�rde <emphasis>sich endlich melden. Die Jagd nach dieser Frau w�rde mir zumindest genug zu tun geben, um mich f�r eine Weile daran zu hindern, mich zu sehr um Lorkin zu sorgen.</emphasis></p><p>Sofort tat sich wieder die tiefe Grube der Angst in ihrem Magen auf, und Gedanken an das, was ihrem Sohn zusto�en k�nnte, drohten herauszuquellen. Sie zwang sich, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. <emphasis>Die wilde Magierin,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Denk an die wilde Magierin.</emphasis></p><p>Seit ihrem gescheiterten Versuch, die Frau zu fangen, waren nur wenige Tage vergangen, aber es kam ihr erheblich l�nger vor. Sie gr�belte �ber den Tunneleingang nach, den sie gefunden hatten. Wenn die Frau Zugang zur Stra�e der Diebe hatte, bedeutete das, dass sie Verbindungen zu einem Dieb hatte? Fr�her einmal h�tte es genau das bedeutet, aber die alten Regeln und Einschr�nkungen hatten in Imardins Unterwelt keine G�ltigkeit mehr.</p><p>Eine andere M�glichkeit beunruhigte sie. Wenn die Frau Zugang zur Stra�e der Diebe hatte, wusste sie von den Tunneln unter der Gilde?</p><p>Ein Klopfen an der Hauptt�r unterbrach Soneas Gedanken. Sie erhob sich und eilte darauf zu. Vielleicht war es Rothen. M�glicherweise hatte er Neuigkeiten von Lorkin. Selbst wenn es jemand anderer war, w�rde er sie zumindest ein wenig von ihren Gedanken ablenken. Mit einem kleinen Sto� Magie entriegelte sie die T�r, und sie schwang nach innen auf.</p><p>Regin stand drau�en. Er neigte h�flich den Kopf.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, sagte er.</p><p>�Lord Regin.� Sie hoffte, dass er ihr ihre Entt�uschung nicht ansehen w�rde.</p><p>�Habt Ihr irgendetwas geh�rt?�, fragte er mit gesenkter Stimme.</p><p>�Nein.�</p><p>Er nickte und wandte den Blick ab. In dem Moment kam ihr der Gedanke, dass es unerwartet r�cksichtsvoll von ihm war, vorbeizukommen und sich nach Lorkin zu erkundigen, und sie hatte ein schlechtes Gewissen wegen der Feindseligkeit, die sie ihm gegen�ber empfand. Sie �ffnete den Mund, um ihm zu danken, aber er redete weiter, ohne zu bemerken, dass sie im Begriff gewesen war, etwas zu sagen.</p><p>�Ich habe einige Erkundigungen eingeholt, und sie haben zu ein paar kleinen Ideen gef�hrt�, begann er, dann zuckte er die Achseln und sah sie an. �Wahrscheinlich nicht der M�he wert, und sie k�nnten sich mit den Pl�nen Eures Freundes �berschneiden, aber ich dachte, ich sollte mit Euch dar�ber reden.�</p><p><emphasis>Mit den Pl�nen meines Freundes?</emphasis> Pl�tzlich verstand Sonea. Er sprach nicht von Lorkin, sondern von Cery und der Jagd nach der wilden Magierin. Sie sch�ttelte den Kopf. <emphasis>Nat�rlich, er wei� nicht einmal von Lorkin. Ich bin eine solche N�rrin �</emphasis></p><p>�Nein?� Regin trat einen Schritt zur�ck, zweifellos weil sie den Kopf gesch�ttelt hatte. �Ich kann ein andermal zur�ckkommen, wenn es Euch besser passt.�</p><p>�Nein�� kommt herein. Ich w�rde Eure Ideen gern h�ren�, sagte sie und trat beiseite, um ihn eintreten zu lassen. Er sah sie fragend an, dann l�chelte er schwach und folgte ihr in den Hauptraum. Sie deutete auf die Sessel und lud ihn ein, Platz zu nehmen, dann schloss sie mit Magie die T�r.</p><p>�Sumi?�, fragte sie.</p><p>Er nickte. �Danke.� Er beobachtete sie, w�hrend sie zu einem Schr�nkchen ging, in dem sie ein Tablett mit den Utensilien aufbewahrte, mit denen man Sumi machte. �Ich dachte, Ihr w�rdet keinen Sumi m�gen.�</p><p>�Ich mag ihn auch nicht, aber ich lerne ihn langsam zu sch�tzen. Von Raka werde ich neuerdings ein wenig reizbar. Erz�hlt mir von Euren Ideen.�</p><p>W�hrend er zu sprechen begann, brachte sie das Tablett zu den Sesseln hin�ber und begann, das hei�e Getr�nk zuzubereiten. Sie zwang sich, ihm zuzuh�ren. Er hatte sich mit einigen Magiern getroffen, von denen er vermutete, dass sie Verbindungen zu Unterwelth�ndlern hatten; vor ein paar Monaten hatte er sich mit diesen Magiern angefreundet, um Informationen f�r die Anh�rung zu sammeln.</p><p>Regin verzog das Gesicht. �Sie waren ziemlich erfreut �ber das Ergebnis der Anh�rung. Dadurch, dass es jetzt nur noch verboten ist, f�r Verbrecher zu arbeiten, statt mit ihnen Umgang zu pflegen, k�nnen sie ihren zwielichtigen Freunden ohne Weiteres helfen�� solange sie nicht auf irgendeine offenkundige Art daf�r bezahlt werden.� Er seufzte. �Sie sind ziemlich zufrieden mit uns, was zumindest den Vorteil hat, dass sie immer noch gern mit mir reden. Und sich �ber eine gewisse ausl�ndische Magierin beklagen, die Geld als Gegenleistung f�r die Benutzung von Magie erh�lt.�</p><p>�Eine Ausl�nderin, hm?� Sonea reichte ihm eine Tasse. �Cery sagte, die wilde Magierin sei Ausl�nderin.�</p><p>�Ja.� Regins Miene wurde nachdenklich, und er legte den Kopf leicht schr�g, w�hrend er sie musterte. �Das Gesetz, das jedem au�erhalb der Gilde verbietet, Magie zu erlernen und auszu�ben, ist nicht immer zweckdienlich. Es hat nur deshalb funktioniert, weil die Verb�ndeten L�nder allesamt damit einverstanden waren. Aber was ist mit Magiern aus anderen L�ndern? Wenn sie einen Fu� auf die Erde eines der Verb�ndeten L�nder setzen und zuf�llig Magie benutzen, versto�en sie sofort gegen ein Gesetz. Das scheint kaum gerecht zu sein.�</p><p>�Oder praktikabel�, pflichtete Sonea ihm bei. �Der K�nig und die H�heren Magier diskutieren schon seit Jahren dar�ber. Nat�rlich hoffen wir, dass Sachaka irgendwann den Verb�ndeten L�ndern beitreten wird und dass seine Magier Mitglieder der Gilde werden und damit an unsere Gesetze gebunden sind. Ersteres Ziel zu erreichen mag zu schwierig sein, da sie dazu die Sklaverei aufgeben mussten. Die Erreichung des zweiten Ziels scheint dagegen unm�glich zu sein.�</p><p>�Die andere Alternative besteht darin, das Gesetz zu �ndern.�</p><p>�Ich bezweifle, dass die Gilde ihre Kontrolle �ber Magier aufgeben w�rde, insbesondere ihre Kontrolle �ber ausl�ndische Magier.�</p><p>�Nur jene, die in den Verb�ndeten L�ndern leben�, sagte Regin. �Aber es k�nnte <emphasis>Besuchern</emphasis> gestattet werden, unsere L�nder zu bereisen ohne die Verpflichtung, der Gilde beizutreten.�</p><p>�Ich hoffe, dass ihrem Besuch in diesem Fall eine zeitliche Beschr�nkung auferlegt werden w�rde.�</p><p>�Nat�rlich. Und kein Gebrauch von Magie aus Gewinnsucht.�</p><p>Sonea l�chelte. �Wir k�nnen nicht zulassen, dass die Gilde noch �rmer wird.�</p><p>Regin lachte. �Wenn die Reaktionen meiner Magierfreunde mit zweifelhaften Verbindungen ein Ma�stab sind, w�rde kein fremdl�ndischer Magier f�r lange Zeit die Erlaubnis erhalten, Handel zu treiben.�</p><p>�Wissen sie, wo diese fremdl�ndische Magierin ist?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Ich k�nnte sie nach Informationen graben lassen, wenn Ihr glaubt, dass das nicht Cerys Pl�nen zuwiderlaufen wird.�</p><p>Sie nippte an ihrem Sumi und dachte nach. Dann nickte sie schlie�lich. �Ich werde ihn fragen. In der Zwischenzeit wird es nicht schaden, wenn sie die Ohren offen halten und Informationen an Euch weitergeben.�</p><p>Regin verzog das Gesicht und stellte seine leere Tasse ab. �Es wird nur meinem Sinn f�r guten Geschmack schaden. Das ist kaum die Art Gesellschaft, die ich bevorzuge. Ihre Vorstellung von Unterhaltung ist�� Er r�mpfte die Nase. �R�de.�</p><p>Sonea setzte eine neutrale Miene auf. Regin war immer ein Snob gewesen. Aber andererseits gab es viele Magier aus den H�usern und nicht nur aus den unteren Klassen, deren Vorliebe f�r Rauschmittel, Huren und Gl�cksspiel wohlbekannt war und missbilligt wurde. <emphasis>Wie einige von Lorkins Freunden, wie es scheint,</emphasis> dachte sie und erinnerte sich an den jungen Magier, den man in einem Bordell gefunden hatte. <emphasis>Vielleicht ist es ganz gut, dass Lorkin nicht in Imardin ist.</emphasis></p><p>Dann kehrte die ganze schmerzliche Wahrheit �ber seine Abenteuer in Sachaka zur�ck, und sie zuckte zusammen. Sie erhob sich und brachte die Sumi-Utensilien und die leeren Tassen wieder zu dem Schr�nkchen.</p><p>�Hoffentlich wird Cery sie bald finden, und Ihr werdet Euch nicht um sie k�mmern m�ssen�, sagte sie. Als sie sich Regin wieder zuwandte, war sie erleichtert zu sehen, dass er den Fingerzeig verstanden hatte und aufgestanden war. �Danke, dass Ihr vorbeigekommen seid.�</p><p>Er neigte den Kopf. �Ich danke Euch, dass Ihr mich angeh�rt habt. Ich werde es Euch wissen lassen, sobald ich weitere Informationen habe.� Er drehte sich zur T�r um, und als sie sie mit Magie �ffnete, verlie� er den Raum.</p><p>Sie schloss die T�r, st�tzte sich auf die R�ckenlehne eines Sessels und seufzte. <emphasis>Zumindest einige Minuten der Ablenkung. Ist es noch zu fr�h, um ins Hospital zu gehen?</emphasis> Sie betrachtete das mechanische Zeitger�t, das Rothen ihr im vergangenen Jahr geschenkt hatte. <emphasis>Ja.</emphasis></p><p>Mit einem neuerlichen Seufzer begann sie abermals im Raum auf und ab zu gehen und sich um ihren Sohn zu sorgen.</p></section><section><title><p>22</p><p>Ein Wiedersehen</p></title><p>Nach einer Nacht im Haus des alten Ashaki waren Achati und Dannyl einen halben Tag lang in Richtung Nordwesten gereist und hatten dann auf dem Gut des Vetters von Achati, Ashaki Tanucha, Halt gemacht. Wenn auch nicht viel j�nger als ihr vorheriger Gastgeber, war Tanucha offensichtlich ein weit wohlhabenderer und geselligerer Mann. Seine erheblich j�ngere Gemahlin, eine Frau in mittleren Jahren, erschien nur beim Abendessen und war ansonsten damit besch�ftigt, sich um ihre sieben Kinder zu k�mmern, darunter f�nf Jungen.</p><p>�Sieben! Ich wei�, es ist eher die Auffassung eines St�dters, aber es scheint mir doch eine Spur verantwortungslos zu sein�, hatte Achati leise zu Dannyl gesagt, als sie sich nach dem Abendessen in die G�stezimmer zur�ckgezogen hatten. �Nur einer kann erben. F�r die �brigen muss er eine Besch�ftigung finden. Die T�chter werden nat�rlich so gut wie m�glich verheiratet. Aber die S�hne�� Er seufzte. �Ohne Land und abh�ngig von ihrem Bruder, ebenso wie ihre S�hne es sein werden�� falls sie �berhaupt Ehefrauen anlocken k�nnen.� Er sch�ttelte den Kopf. �So werden Ichani gemacht.�</p><p>�Sie rebellieren gegen ihre Br�der?�</p><p>�Gegen das ganze Land. Es ist besser, die j�ngeren S�hne nicht in Magie ausbilden zu lassen, aber nur selten versagt ein Vater, der sein Kind liebt, ihm dieses Wissen, wenn es bedeutet, dass j�ngere S�hne einen noch geringeren Status haben werden.�</p><p>�In Kyralia ist es gerade bei den j�ngeren S�hnen am wahrscheinlichsten, dass sie Magier werden�, hatte Dannyl ihm erz�hlt. �Ein Magier sollte sich nicht in die Politik einmischen, und man h�lt es f�r besser, wenn der Sohn, der dazu bestimmt ist, eines Tages Oberhaupt der Familie zu sein, derjenige mit politischem Einfluss ist.�</p><p>Achati hatte nachdenklich genickt. �Ich denke, mir gef�llt Eure Methode besser. Sie gibt sowohl den �lteren als auch den j�ngeren S�hnen Macht.�</p><p>Den n�chsten Tag verbrachten sie mit Ausritten auf Tanuchas Gut und den Abend damit, zu essen und zu reden. Anschlie�end plauderten Achati und Dannyl bis sp�t in die Nacht hinein. Am n�chsten Tag schliefen sie lange, dann erkundeten sie Tanuchas Bibliothek, die entt�uschend klein und vernachl�ssigt war. Obwohl Dannyl dankbar f�r die Ruhe war, konnte er sich nicht entspannen. Als sie sich f�r die Nacht in die G�stezimmer zur�ckzogen, fragte er Achati, wann sie Weiterreisen w�rden.</p><p>�Das h�ngt von den Verr�terinnen ab, nicht wahr?�, erwiderte Achati, w�hrend er sich auf die Kissen im Raum legte.</p><p>�Gewiss werden wir nicht einfach darauf warten, dass sie Lorkin und Tyvara bei uns abgeben?�, hakte Dannyl nach und nahm auf einem der Hocker Platz. Er konnte sich nicht daran gew�hnen, auf dem Boden zu liegen, wie die Sachakaner es taten.</p><p>�Warum nicht? Wenn wir keinen festen Standort haben, werden sie vielleicht nicht wissen, wo wir zu finden sind.</p><p>Oder wir k�nnten am Ende in die falsche Richtung reisen��weg von jenen, die sie zu uns bringen wollen.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn. �Ich bin mir nicht sicher, warum, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Verr�terinnen mit Lorkin und Tyvara in Ketten am Tor von Tanuchas Gut erscheinen werden. Sie w�rden sich nicht auf solche Weise offenbaren.�</p><p>�Was denkt Ihr dann, was sie tun werden?�</p><p>Dannyl �berlegte. �Wenn ich an ihrer Stelle w�re� ich w�rde uns zu Lorkin und Tyvara f�hren. Ich w�rde uns Hinweise zuspielen�� wie sie es bereits getan haben��, damit wir den beiden irgendwann �ber den Weg laufen.�</p><p>�Haben sie uns in letzter Zeit irgendwelche Fingerzeige gegeben?�</p><p>�Nein�, sagte Dannyl. �Aber sie haben uns auch nicht aufgetragen zu bleiben, wo wir sind.�</p><p>Achati lachte. �Ich entwickle langsam eine echte Zuneigung zu Euch, Botschafter Dannyl. Ihr habt einen einzigartigen Verstand.� Er wandte sich einem seiner Sklaven zu, einem gutaussehenden jungen Mann, der sich haupts�chlich um seine Bed�rfnisse k�mmerte, w�hrend die Rolle des anderen Sklaven darin zu bestehen schien, schwere Arbeiten zu verrichten und die Kutsche zu fahren. �Hol uns noch etwas Wasser, Varn.�</p><p>Der Sklave griff nach einem Krug und eilte davon.</p><p>�Nat�rlich k�nnte es eine List von ihnen sein, uns zu sagen, sie wollten, dass wir Lorkin finden�, bemerkte Dannyl.</p><p>�Wenn es so w�re, wohin w�rden wir dann als N�chstes gehen?�</p><p>Dannyl sch�ttelte seufzend den Kopf. �Ich wei� es nicht. Wenn die Verr�terinnen tats�chlich wollten, dass wir das M�dchen und Lorkin nicht finden, wohin w�rden sie sie bringen?�</p><p>�In ihr Zuhause in den Bergen.�</p><p>�Und in welche Richtung waren die zwei unterwegs?� �In Richtung der Berge.�</p><p>�Sie sind wahrscheinlich vor uns.� Er warf Achati einen Blick zu. �Das ist die Richtung, in die ich gehen w�rde.�</p><p>Achati nickte, dann zog er warnend eine Augenbraue hoch. �Wir wissen nicht, wo ihr Zuhause ist�, rief er Dannyl ins Ged�chtnis. �Nur dass es in den Bergen liegt.�</p><p>�Das habe ich nicht vergessen. Habt Ihr jemals F�hrtensucher benutzt?�</p><p>�Gelegentlich. Wenn wir einer Sklavin folgen mussten, von der wir mit Sicherheit wussten, dass sie zu den Verr�terinnen geh�rt.�</p><p>�Und weshalb ist es schiefgegangen?�</p><p>�Die Spuren brechen immer ab.� Achati zuckte die Achseln. �Die Verr�terinnen sind keine Narren. Sie verstehen sich darauf, ihre Spuren zu verwischen. Was nicht schwierig ist, wenn das Land aus glattem Stein besteht und man in der Lage ist zu schweben.�</p><p>Dannyl runzelte die Stirn, dann sch�ttelte er den Kopf. �Wenn die Verr�terinnen wollten, dass wir an einem bestimmen Ort bleiben oder in eine andere Richtung Weiterreisen, h�tten sie es uns wissen lassen.�</p><p>�Diese ganze Reise und all die Hinweise, denen wir gefolgt sind, k�nnten eine List gewesen sein�, bemerkte Achati. �Dazu gedacht, uns etwas zu tun zu geben und uns in die falsche Richtung zu schicken.�</p><p>�Dann spielt es keine Rolle, ob wir Weiterreisen. Sie haben uns bereits zu Narren gemacht. Aber wenn es eine Chance gibt, dass sie es nicht getan haben und wir auf der richtigen Spur sind, dann bin ich bereit, das Risiko einzugehen, einen noch gr��eren Narren aus mir zu machen, indem ich weiter in Richtung der Berge reise. Die Chance, Lorkin zu finden, ist es wert.�</p><p>Achati musterte Dannyl nachdenklich, dann nickte er. Der Sklave kehrte zur�ck und reichte ihm den Krug. �Dann werden wir aufbrechen. Reicht Euch morgen fr�h?� Er f�llte seinen Kelch nach, hielt jedoch inne, um Dannyls Antwort abzuwarten.</p><p>Dannyl betrachtete den Mann und bemerkte Anzeichen von Widerstreben. <emphasis>Ich sollte ihn nicht zu sehr bedr�ngen,</emphasis> dachte er. Er nickte. �Nat�rlich. Aber eine Abreise am fr�hen Morgen w�re das Beste.�</p><p>Der Achati seufzte, nickte und leerte dann seinen Kelch. �Ich werde einen Sklaven ausschicken, damit er Tanucha davon in Kenntnis setzt, dass wir Weiterreisen werden, und um einige Vorr�te f�r die Reise zu erbitten. Im Gebirge gibt es weniger G�ter, und sie sind in der Regel nicht allzu wohlhabend. Au�erdem werden wir einige magische Unterst�tzung ben�tigen. Ich werde mich mit dem K�nig in Verbindung setzen und ihn bitten, uns jemanden zu schicken.� Mit einem �chzen erhob er sich. �Wartet nicht auf mich. Geht zu Bett. Dies k�nnte einige Zeit dauern.�</p><p><emphasis>Magische Unterst�tzung. Mit dem K�nig in Verbindung setzen.</emphasis> Ein Stich der Sorge durchzuckte Dannyl. <emphasis>Er h�lt diese Verr�terinnen wirklich f�r gef�hrlich.</emphasis></p><p>�Ashaki Achati?�, sagte Dannyl.</p><p>Der Mann drehte sich zu ihm um. �Ja?�</p><p>Dannyl l�chelte. �Danke.�</p><p>Achatis Stirnrunzeln verschwand, und in seine Augen trat ein warmer Ausdruck der Gutm�tigkeit. �Ich denke, ich k�nnte mich an das kyralische Benehmen gew�hnen.� Dann wandte er sich um und verschwand durch die T�r in sein Zimmer.</p><empty-line/><p>Lorkin �ffnete die Augen. Orangefarbene Wolken zogen �ber den Himmel. Er runzelte die Stirn. Er hatte getr�umt, aber er konnte sich nicht an den Traum erinnern. Irgendetwas hatte ihn geweckt. Er hatte dieses unangenehme, beunruhigende Gef�hl, gest�rt worden zu sein. Aus dem Schlaf gerissen worden zu sein, bevor er dazu bereit gewesen war.</p><p>Er sp�rte eine Ber�hrung, und pl�tzlich h�mmerte sein Herz.</p><p>Als er den Kopf hob, sah er, dass Tyvara im Sitzen eingeschlafen war. Gegen die Mauer der alten Ruine gelehnt, war sie zur Seite gerutscht und hatte instinktiv das rechte Bein angewinkelt, um nicht umzukippen. Ihr Knie war auf seinen Arm gesunken.</p><p>Ihre Haut war wunderbar warm�� ein scharfer Kontrast zu dem kalten Boden unter ihm und der wachsenden K�hle der hereinbrechenden Nacht. Obwohl Sachaka tags�ber warm war, konnten die Abende �berraschend kalt sein.</p><p><emphasis>Was soll ich tun? Wenn ich mich bewege, wird sie aufwachen. Aber sie sollte Wache halten, und es ist ohnehin beinahe Zeit, wieder aufzubrechen.</emphasis> Doch sie brauchte den Schlaf. Sie hatte nachts l�nger Wache gehalten als er, obwohl er einwandte, dass er durchaus in der Lage war, die Last mit ihr zu teilen. Er brachte es nicht �bers Herz, ihr zu sagen, dass er die Ersch�pfung auf magische Weise heilen konnte. Es w�re unsensibel gewesen, wenn man bedachte, was sein Vater den Verr�terinnen versprochen und dann nicht gehalten hatte.</p><p>Die kalte Luft verriet ihm, dass sie auch den magischen Schild, der sie sch�tzte, hatte fallen lassen, daher zog er einen eigenen Schild hoch und w�rmte dann die Luft darin. Er hielt sich m�glichst reglos, um sie nicht zu st�ren, und beobachtete sie im Schlaf. Die dunklen Ringe unter ihren Augen und die kleine Falte auf ihrer Stirn machten ihm Sorgen. Aber sie so eindringlich betrachten zu k�nnen, ohne sie zu beunruhigen oder in Verlegenheit zu st�rzen� Er konnte die weibliche W�lbung ihres Kinns bewundern und den exotischen Schnitt ihrer Augen, die W�lbung ihrer Lippen�</p><p>Die pl�tzlich zuckten. Hastig wandte er den Blick ab.</p><p>Er sp�rte, wie sie schnell einen Schild hochriss, als sie aufwachte und feststellte, dass sie ihren alten Schild hatte sinken lassen, daher zog er seinen so weit zur�ck, dass er nur noch ihn selbst umgab. W�hrend er lauschte, wie sie tief einatmete und dann g�hnte, musterte er die Ruinen, in denen sie sich versteckten. Hoch oben auf einem felsigen H�gel gelegen, boten sie einen Blick auf die Stelle, an der die Stra�e, der sie gefolgt waren, auf eine weitere Stra�e stie�. Da die Sonne kurz nach ihrer Ankunft aufgegangen war, hatte er Einzelheiten des Gebirges erkennen k�nnen, das zuvor nur eine neblige, ungleichm��ige blaugraue Linie am Horizont gewesen war.</p><p>Jetzt, w�hrend die Nacht sich vertiefte, konnte er niedrige H�gel ausmachen. Hinter ihnen lag gr��tenteils ebenes Bauernland, hier und da unterbrochen von Obstplantagen oder kleinen W�ldern f�r das Wild und kreuz und quer durchzogen von niedrigen Mauern.</p><p>�Wie weit sind wir noch entfernt?�, hatte er gefragt.</p><p>�Wir werden noch drei oder vier N�chte durch die Vorh�gel wandern und dann noch einige weitere, um in die Berge hinaufzuklettern.�</p><p>Obwohl Tyvara schon fr�her hier gewesen war, wusste sie nichts �ber die Ruine. Er sah sie an und stellte fest, dass sie wach war, wenn auch anscheinend noch ein wenig m�de.</p><p>�Hast du etwas dagegen, wenn ich mich umsehe?�, fragte er.</p><p>Sie blickte zum Himmel empor, der jetzt von einem dunklen Scharlachrot war, aber die Nacht war noch nicht dunkel genug, um sich weit vorzuwagen. �Geh nur. Aber sorg daf�r, dass man dich von der Stra�e aus nicht sehen kann.�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Sie hatten in einem offenen Geviert von Mauern Zuflucht gesucht. Er steuerte eine der L�cken an, um sich das Geb�ude von au�en n�her anzusehen.</p><p>Eine Frau trat in die L�cke.</p><p>Er blieb wie angewurzelt stehen. Die Frau war wie eine Sklavin gekleidet, aber ihr Benehmen war vollkommen falsch. Sie l�chelte ihn an, doch das L�cheln war nicht freundlich. Instinktiv st�rkte er seinen Schild. Sie machte einen Schritt auf ihn zu und kniff die Augen zusammen.</p><p>Sein Schild vibrierte heftig, als Magie dagegenschlug. Die Luft zwischen ihnen schimmerte. Er wich zur�ck. Der Blick der Frau war kalt und eindringlich. Er zweifelte nicht daran, dass sie ihn zu t�ten beabsichtigte. Sein Herz begann vor Furcht schneller zu schlagen. Er sp�rte den wachsenden Drang, die Flucht zu ergreifen. <emphasis>Was vern�nftig w�re,</emphasis> dachte er. <emphasis>Sie muss eine Verr�terin sein, was bedeutet, dass sie eine Schwarzmagierin ist, was bedeutet, dass sie erheblich st�rker ist als ich.</emphasis> Aber bevor er diesen Gedanken auch nur zu Ende gedacht hatte, trat Tyvara an ihm vorbei. Der Blick der Frau wanderte zu ihr hin�ber. Eine schwindelerregende Woge der Erleichterung schlug �ber ihm zusammen. Sie blieb einen Schritt vor ihm stehen, und er sp�rte, wie ihr Schild den seinen umschlang. Obwohl der magische Angriff abbrach, sorgte er daf�r, dass sein Schild innerhalb dem von Tyvara stark blieb, f�r den Fall, dass ihrer ins Wanken geriet.</p><p>�Lass das, Rasha�, sagte Tyvara. �Nur wenn du es auch l�sst�, erwiderte die Frau. �Schw�rst du, dass du mich oder Lorkin nicht angreifen wirst?�</p><p>�Ich schw�re, dass ich dich nicht angreifen werde. Aber er�� Der Blick der Frau wanderte zu ihm her�ber. �Er muss sterben.�</p><p>Lorkin schauderte. Doch er bemerkte auch, dass die Frau aufgeh�rt hatte, Tyvara anzugreifen.</p><p>�Die K�nigin hat verboten, ihn zu t�ten.�</p><p>�Sie hat kein Recht, uns zu sagen, dass wir keine Rache �ben d�rfen�, zischte Rasha.</p><p>�Ishira war die Erste.�</p><p>Die Augen der Frau blitzten vor Wut auf. �Die Erste oder die Letzte, welche Rolle spielt das?�</p><p>�Sie war auch meine Spielkameradin. Denkst du, ich w�rde sie nicht vermissen? Denkst du, ich habe nicht getrauert?�</p><p><emphasis>�Du wei�t nicht, wie es ist, ein Kind zu verlieren!�,</emphasis> rief die Frau.</p><p>�Nein�, antwortete Tyvara mit einem scharfen Unterton. �Aber ich w�rde die K�nigin als ein Beispiel daf�r ansehen, wie man mit dem Verlust lebt, nicht jene, die das Kind eines anderen wegen dessen Fehlern oder Verbrechen ermorden w�rden.�</p><p>Rasha starrte Tyvara an, ihr Gesicht eine Maske des Hasses. �Nicht jeder kann so vers�hnlich sein. Nicht in einem solchen Fall. Und nicht, wenn es darum geht, dass du eine von uns ermordet hast.� Die Augen der Frau gl�nzten. �Du verschwendest deine St�rke auf seinen Schutz. �berlass ihn mir.�</p><p>�Was wirst du mit mir machen, nachdem du ihn get�tet hast?� Tyvara klang bemerkenswert gelassen, wie Lorkin feststellte. Aber ihre Haltung war angespannt, als erwarte sie jeden Augenblick einen weiteren Angriff. <emphasis>Sie versucht, die Frau am Reden zu halten. Nun, ich hoffe, sie tut das. Sie k�nnte auch im Begriff stehen, mein Leben gegen das ihre einzutauschen.</emphasis></p><p>�Du kommst mit mir zur�ck ins Sanktuarium. Alle Verr�terinnen m�ssen wissen, dass es der K�nigin lieber ist, dass eine der unseren stirbt als der Sohn des Mannes, der ihre Tochter get�tet hat.�</p><p>�Tats�chlich w�re es der K�nigin lieber, man w�rde ihre Befehle befolgen. Dann w�rde niemand get�tet werden�, erklang eine hohe Stimme. �Es ist ein ziemlich vern�nftiger Befehl und gut f�r alle.�</p><p>Rasha trat beiseite und drehte sich mit der gleichen Bewegung um. Eine weitere wie eine Sklavin gekleidete Frau stand hinter ihr und lehnte sich in einer bewusst l�ssigen Pose an die Mauer.</p><p>�Chari�, sagte Tyvara, in deren Stimme jetzt Erleichterung und W�rme lagen.</p><p>Sie schenkte ihnen allen ein fr�hliches L�cheln, dann trat sie mit der ganzen W�rde einer jungen Kyralierin, die bei einem Ball einen gro�en Auftritt hinlegte, in das Geb�ude.</p><p>�Ich habe neue Befehle von der K�nigin�, er�ffnete sie ihnen. �Lord Lorkin wird kein Haar gekr�mmt. Tyvara soll ins Sanktuarium gebracht werden, um wegen der Ermordung Rivas vor Gericht gestellt zu werden.� Sie wandte sich an Rasha. �Da ich im Rang �ber dir stehe, f�llt diese kleine Aufgabe mir zu. Du solltest besser loslaufen, bevor dein Herr feststellt, dass du fort bist, und einen Suchtrupp mit Peitschen hinter dir her schickt.�</p><p>Rasha starrte Chari einen Moment lang an, dann zischte sie und stolzierte durch die L�cke in der Mauer. Man konnte das Knacken und Knistern h�ren, als die Frau durch die stacheligen B�sche auf dem H�gel stapfte.</p><p>Chari wandte sich Tyvara zu. �Du steckst so tief in Schwierigkeiten.�</p><p>Tyvara zuckte die Achseln. �Danke, dass du eingegriffen hast. Woher wusstest du, wo wir sind?�</p><p>Die junge Frau zuckte mit den Schultern. �Ich wusste es nicht. Ich habe nat�rlich nach dir Ausschau gehalten, aber ich h�tte nicht gedacht, dass du hierherkommen w�rdest. Es ist das offensichtlichste Versteck in diesem Gebiet. Was hast du dir nur dabei gedacht?�</p><p>Tyvara zuckte erneut die Achseln. �Ich wei� es nicht.� Sie rieb sich das Gesicht, und ihre Ersch�pfung war ihr pl�tzlich deutlich anzumerken. �Wir hatten unsere Sache so gut gemacht� Ich dachte, die Leute w�rden vielleicht annehmen, dass wir gar nicht zum Sanktuarium gehen w�rden.�</p><p>Chari sch�ttelte den Kopf. �Nur gut, dass ich ein Auge auf Rasha gehalten habe. Sie ist auf dem Nachbargut die oberste W�chterin, und sie war �beraus erpicht darauf, euch zu fangen. Als ich h�rte, dass sie eine Gruppe zusammengestellt hatte und auf dem Weg war, euch zu holen, bin ich da vongeschl�pft und ihr gefolgt.�</p><p>�Eine Gruppe?� Tyvara runzelte die Stirn. �Wo sind denn die anderen?�</p><p>�Zu eurem Gl�ck hat sie ihnen aufgetragen zu warten, damit sie vorgehen und deinen neuen Freund hier erledigen konnte.� Chari sah Lorkin an und l�chelte. �Ich habe sie zuerst erwischt und nach Hause geschickt.�</p><p><emphasis>�Ich stehe im Rang �ber dir�,</emphasis> hatte Lorkin sie zu Rasha sagen h�ren. <emphasis>Sie ist offensichtlich eine ziemlich m�chtige Verr�terin. Und wenn sie R�nge haben, dann sind sie doch nicht so gleichberechtigt, wie Tyvara behauptet.</emphasis></p><p>�Nun� ich danke dir daf�r.� Tyvara hielt inne. �Also, was hast <emphasis>du</emphasis> mit uns vor?�</p><p>Chari antwortete nicht. Sie senkte den Blick, sch�rzte die Lippen und kam n�her. Einige Schritte entfernt blieb sie stehen. Dann sah sie Tyvara forschend an. �Ist es wahr?�</p><p>�Ja.�</p><p>Chari nickte und seufzte. �Riva war eine Unruhestifterin. Wenn dir irgendjemand einen Grund dazu geben w�rde, dann war sie es.�</p><p>Tyvara sch�ttelte den Kopf. �Wenn es irgendeine andere M�glichkeit gegeben h�tte��</p><p>�Nun, es ist gut, dass du es nicht abstreitest. Wie sehen deine Pl�ne aus?�</p><p>�Nach Hause gehen und es regeln.�</p><p>Charis Blick wanderte zu Lorkin, und sie musterte ihn von Kopf bis Fu�. �Was ist mit ihm?�</p><p>Lorkin beschloss, die Initiative zu ergreifen. Er neigte h�flich den Kopf. �Es ist mir eine Ehre, dich kennenzulernen, Chari von den Verr�terinnen.�</p><p>Die Frau grinste und trat vor ihn hin. �Ich mag ihn. Es ist mir ebenfalls eine Ehre, dich kennenzulernen.�</p><p>�Er hat sich erboten, mit mir zur�ckzukehren, um bei der Verhandlung zu meiner Verteidigung zu sprechen.�</p><p>Chari zog die Augenbrauen hoch. �Du willst mit ihr gehen?�, fragte sie ihn.</p><p>�Ja.�</p><p>Ein anerkennender und absch�tzender Ausdruck trat in ihre Z�ge. �Du bist ein mutiger Mann. Wirst du uns geben, was dein Vater uns nicht gegeben hat?�</p><p>�Wir werden das besprechen, wenn wir dort angekommen sind�, erwiderte Tyvara, bevor er reagieren konnte.</p><p>Die Frau kicherte. �Davon bin ich �berzeugt. Nat�rlich ist es nicht das, was eigentlich geschehen sollte. Du solltest nach Arvice zur�ckgebracht werden. Gewiss sollen wir dich nicht mit in unser geheimes Zuhause bringen. Daf�r werde ich mir eine Erlaubnis einholen m�ssen.�</p><p>�Wie lange wird das dauern?�</p><p>Chari �berlegte. �Sechs oder sieben Tage. Wir k�nnen die Zeit abk�rzen, indem wir uns bei den Gerberh�tten mit Sprecherin Savara treffen.� Sie wandte sich an Lorkin. �Sie war Tyvaras Mentorin�� und meine�� und ist eine unserer Anf�hrerinnen. Wenn du immer noch ins Sanktuarium mitkommen willst, wirst du sie dazu �berreden m�ssen, dich aufzunehmen.�</p><p>�Wie sollte ich das am besten angehen?�</p><p>Chari zuckte die Achseln.</p><p>�Mit deinem gewohnten Charme und deiner Begeisterung�, erwiderte Tyvara. �Aber mach keine Versprechen. Meine Leute w�rden dergleichen mit Argwohn betrachten, wenn sie dir �berhaupt Glauben schenken. Du brauchst lediglich anzudeuten, dass du bereit w�rst, dar�ber nachzudenken, Entsch�digung f�r den Verrat deines Vaters zu leisten. Du brauchst nicht zu erw�hnen, wie du das anstellen willst.�</p><p>Er nickte. �Das kann ich tun.�</p><p>Tyvara l�chelte. �Ich freue mich darauf zu beobachten, wie du es versuchst.�</p><p>�Ich auch�, bemerkte Chari. Dann blickte sie auf seine Schuhe hinab. �Wie geht es deinen F��en?�</p><p>�Sie sind viel benutzt worden.�</p><p>�Lust auf eine Fahrt im Wagen? Wir haben eine Fuhre Futter, die morgen zu einem der entlegenen G�ter gebracht werden muss. Ich bin davon �berzeugt, dass da noch Platz f�r zwei weitere Sklaven ist.�</p><p>Lorkin sah Tyvara an. �K�nnen wir ihr trauen?�</p><p>Sie nickte. �Chari ist eine alte Freundin von mir. Wir sind zusammen ausgebildet worden.�</p><p>Er l�chelte Chari an und neigte den Kopf. �Dann nehme ich dein Angebot an. Tats�chlich klingt es so, als sei es zu gut, um es abzulehnen.�</p><p>�Dann tut es auch nicht.� Chari l�chelte strahlend. �Ich kann euch auf meinem Gut bequemere Betten anbieten als einen Flecken Erde in einer alten Ruine. Und�, sie beugte sich zu Lorkin vor und schnupperte, �es riecht, als h�ttest du dich seit Tagen nicht mehr gewaschen.�</p><p>Lorkin sah Tyvara an. Sie runzelte die Stirn.</p><p>�Was ist los?�, fragte er.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Nichts.� Seufzend sah sie Chari an. �Bist du dir sicher, dass Lorkin auf deinem Gut keine Gefahr droht?�</p><p>Die junge Frau grinste. �Der Herr ist ein lieber alter Trinker. Ich treffe alle Entscheidungen dort, und das bezieht sich auch darauf, welche Sklaven er kauft. Es gibt nicht einen einzigen Sklaven dort, den ich nicht billigen w�rde, und die wenigen Male, dass Sprecherin T�ckisch versucht hat, eins ihrer M�dchen auf das Gut zu bringen, habe ich andere Pl�tze f�r sie gefunden.�</p><p>Tyvara sch�ttelte langsam den Kopf. �Du wirst eine sehr be�ngstigende Frau sein, solltest du jemals beschlie�en, dir einen Platz in der F�hrungsriege zu sichern.�</p><p>�Darauf kannst du wetten.� Chari grinste. �Also solltet ihr euch besser gut mit mir stellen. Und so wie es riecht, werdet ihr beide, was das betrifft, bessere Chancen haben, wenn ihr erst einmal ein Bad nehmt. Kommt jetzt. Lasst uns nach Hause gehen, bevor der Herr mich vermisst.�</p><empty-line/><p>�Sie w�rde nicht um ein Treffen mit dir bitten, wenn sie keinen guten Grund dazu h�tte�, sagte Gol, w�hrend er hinter Cery hereilte.</p><p>�Soll ich mich jetzt besser f�hlen?�, entgegnete Cery.</p><p>�Nun� ich sage nur, dass sie ein vern�nftiges M�dchen ist.�</p><p>�Mir w�re es erheblich lieber, sie w�re <emphasis>nicht</emphasis> vern�nftig und h�tte <emphasis>keinen</emphasis> Grund, sich mit mir zu treffen.� Cery runzelte die Stirn. �Wenn sie vern�nftig ist und einen guten Grund hat, dann besteht eine gr��ere Chance, dass etwas Schlimmes geschehen ist.�</p><p>Gol seufzte und erwiderte nichts mehr. Cery schl�ngelte sich in der Gasse an Kisten mit verfaulendem Essen vorbei. <emphasis>Zumindest wei� ich, dass Anyi noch lebt,</emphasis> dachte er. Gol hatte gelegentlich versucht, sie zu finden, und Cery war erfreut gewesen, dass es ihm nicht gelungen war�� und er hatte versucht sich einzureden, dass sein Freund sie deshalb nicht gefunden hatte, weil sie sich erfolgreich versteckte, und nicht, weil ihre Leiche niemals gefunden oder erkannt worden war.</p><p>Kurz vor dem Ende der Gasse blieb er stehen und h�mmerte gegen eine T�r. Nach einem kurzen Moment der Stille schwang die T�r nach innen auf, und ein Mann mit einem vernarbten Gesicht geleitete sie hinein. Eine bekannte Frau trat aus einer Nebent�r, um ihn zu begr��en.</p><p>�Donia�, sagte Cery und brachte ein schwaches L�cheln zustande. �Was machen die Gesch�fte?�</p><p>�Das �bliche�, antwortete sie und hob den Mundwinkel zu einem schiefen L�cheln. �Sch�n, dich wiederzusehen. Ich habe die R�ume so eingerichtet, wie es dir gef�llt. Sie wartet dort oben.�</p><p>�Danke.�</p><p>Er und Gol gingen die Treppe hinauf. Die Sorge machte ihn reizbar, und er konnte nicht umhin, durch T�ren und um Ecken zu sp�hen, auf der Suche nach einem m�glichen Hinterhalt. Obwohl Cery nicht glaubte, dass Donia ihn freiwillig verraten w�rde, hielt er es doch niemals f�r ausgeschlossen, dass jemand sich daran erinnern k�nnte, dass sie in ihrer Jugend Freunde gewesen waren, und ihm in ihrem Bolhaus eine Falle stellte. Oder ihm nachspionierte. Wenn er Versammlungen abhielt, lie� er Donia stets die R�ume im oberen Stock zu beiden Seiten seines Zimmers und darunter freimachen, damit niemand lauschen konnte.</p><p>Als er die T�r zu demselben Raum erreichte, in dem er sich das letzte Mal mit Anyi getroffen hatte, sah er sie zu seiner Erheiterung in genau der gleichen Position dasitzen wie bei ihrer vorangegangenen Begegnung. Ohne sich eine Regung anmerken zu lassen, folgte er Gol hinein. Der gro�e Mann sah sich im Raum um, dann schloss er die T�r. Cery betrachtete seine Tochter genauer.</p><p>Unter ihren Augen lagen dunkle Ringe, und sie schien noch d�nner geworden zu sein, aber ihr Blick war scharf und furchtlos.</p><p>�Anyi�, sagte er. �Ich freue mich zu sehen, dass du dich aus Schwierigkeiten heraushalten konntest.�</p><p>Ihre Mundwinkel zuckten. �Es ist auch sch�n zu sehen, dass du noch lebst. Hattest du Gl�ck bei der Suche nach dem M�rder meiner Br�der?�</p><p>Ein vertrauter Stich des Kummers durchzuckte ihn. �Ja und nein.�</p><p>�Und das bedeutet was?�</p><p>Cery unterdr�ckte einen Seufzer. Auch ihre Mutter hatte nichts �brig gehabt f�r ausweichende Antworten.</p><p>�Ich habe jemanden verfolgt, aber bevor ich ihn gefangen habe, kann ich mir nicht sicher sein, ob es die richtige Person ist.�</p><p>Sie sch�rzte die Lippen und nickte. �Warum hast du zugelassen, dass auf der Nordseite Gl�hh�user er�ffnet wurden?�</p><p>Er blinzelte �berrascht. �Das habe ich nicht getan.�</p><p>�Du wei�t nichts davon?� Sie zog die Augenbrauen hoch und richtete ihre Aufmerksamkeit auf Gol. <emphasis>�Er</emphasis> wei� es nicht?�</p><p>�Nein.� Cery sah Gol an. �Aber jetzt wissen wir es.�</p><p>�Du wirst sie schlie�en lassen?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Sie runzelte die Stirn. �Aber du wirst es nicht selbst tun, nicht wahr? Nicht pers�nlich.�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Wahrscheinlich nicht. Warum fragst du?�</p><p>�Eins hat neben dem Haus ge�ffnet, in dem ich gewohnt habe. Das ist der Grund, warum ich jetzt nicht mehr dort wohne. Sehr, sehr unangenehme Leute. Ich habe sie mit den fr�heren Bewohnern reden h�ren. Die W�nde sind so d�nn, dass es schwer war, nicht zu lauschen.� Sie kniff die Augen zusammen. �Sie haben dem Mann erkl�rt, dass sie sein Haus und den Laden �bernehmen w�rden. Sie sagten, wenn er irgendjemandem davon erz�hle, w�rden sie ihm und seiner Familie Dinge antun. Da war eine Frau mit einem seltsamen Akzent�� nichts, was ich je zuvor geh�rt habe. Sie sagte etwas, woraufhin der Stiefelmacher zu br�llen begann. Anschlie�end, als sie fort waren, h�rte ich den Schuhmacher seiner Frau erz�hlen, was geschehen war, als sie nach Hause kam. Er sagte, sie h�tten ihm mit Magie Schmerzen zugef�gt.� Anyi sah Cery durchdringend an. �H�ltst du das f�r m�glich, oder haben sie nur eine List angewandt?�</p><p>Cery hielt ihrem Blick stand. <emphasis>Wenn das die wilde Magierin ist� wenn sie der J�ger ist� schl�ngelt sie sich dann n�her an Skellin heran, indem sie f�r seine Feuelverk�ufer arbeitet?</emphasis> �Ein seltsamer Akzent�, wiederholte er.</p><p>�Ja.�</p><p>�Konntest du einen Blick auf sie werfen?�</p><p>�Nein. Aber in der Stadt kursieren schon seit Jahren Ger�chte �ber wilde Magier. Es ergibt durchaus Sinn, wenn es sich dabei um Fremdl�nder handelt. Magier, die nicht aus den Verb�ndeten L�ndern stammen, werden nicht Teil der Gilde sein.� Sie hielt inne, dann zuckte sie die Achseln. �Nat�rlich h�tte sie einen falschen Akzent annehmen k�nnen.�</p><p>Cery nickte und l�chelte anerkennend. �Es war richtig von dir, von dort wegzugehen. Hast du ein anderes Versteck?�</p><p>Sie zog die Brauen zusammen. �Nein. Ich hatte einige, aber sie sind alle auf die eine oder andere Weise unbrauchbar gemacht worden.� Sie blickte zu ihm auf. �So wie es aussieht, geht es dir gut.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, wie viel davon auf mein Tun zur�ckgeht oder auf blo�es Gl�ck�, gab er zu.</p><p>�Trotzdem, mit deinem Geld und deinen Verbindungen musst du eine bessere Chance haben als ich.�</p><p>Cery nickte. �Diese Dinge helfen.�</p><p>�Ja, nicht wahr? Nun, wie w�re es dann, wenn ich bei dir bliebe? Denn mit Verstecken verdiene ich kein Geld, und ich habe all meine Ersparnisse aufgebraucht, ebenso wie meine Beziehungen.�</p><p>Als Cery den Mund �ffnete, um zu protestieren, sprang sie auf.</p><p>�Erz�hl mir nicht, ich w�re sicherer, wenn ich mich nicht in deiner N�he aufhielte. Niemand au�er dir und Gol wei�, dass wir verwandt sind, und ich habe nicht die Absicht, es zu �ffentlichem Klatsch zu machen. Ich werde nicht st�ndig bei dir sein, weil ich deine Tochter bin.� Sie straffte sich und stemmte die H�nde in die H�ften. �Ich werde als deine Leibw�chterin da sein.�</p><p>Gol gab einen erstickten Laut von sich.</p><p>�Anyi��, begann Cery.</p><p>�Sieh den Tatsachen ins Auge, du brauchst einen Leibw�chter. Gol wird alt und langsam. Du brauchst jemand Junges, dem du genauso vertrauen kannst wie ihm.�</p><p>Aus dem erstickten Laut, den Gol von sich gegeben hatte, wurde ein Prusten.</p><p>�Jugend und Vertrauensw�rdigkeit sind nicht alles, was ein Leibw�chter haben muss�, bemerkte Cery.</p><p>Sie l�chelte und verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Du glaubst nicht, dass ich k�mpfen kann? Ich kann k�mpfen. Ich hatte sogar eine gewisse Ausbildung. Ich werde es beweisen.�</p><p>Cery verkniff sich die skeptische Bemerkung, die er normalerweise gemacht h�tte. <emphasis>Sie ist meine Tochter. Wir haben seit Jahren nicht mehr so viele Worte gewechselt. Ich werde nichts gewinnen, indem ich sie wegschicke. Und� vielleicht hat sie tats�chlich ein wenig von dem Talent ihres Vaters.</emphasis></p><p>�Nun denn�, sagte er. �Wie w�r�s, wenn du das t�test? Zeig mir, wie alt und langsam Gol ist.�</p><p>Bei dem Ausdruck auf dem Gesicht seines Leibw�chters h�tte er beinahe laut aufgelacht. Gols gekr�nkter, entsetzter Blick machte Wachsamkeit Platz, als Anyi sich ihm zuwandte und in die Hocke ging. In einer Hand blitzte Metall auf. Cery hatte sie nicht nach dem Messer greifen sehen. Er bemerkte, wie sie das Messer hielt, und nickte anerkennend.</p><p><emphasis>Das k�nnte interessant werden.</emphasis></p><p>�Aber t�te ihn nicht�, erkl�rte er ihr.</p><p>Gol hatte sich inzwischen von seiner �berraschung erholt und n�herte sich Anyi mit den vorsichtigen, gut ausbalancierten Schritten, die Cery so vertraut waren, und langsam zog er ein Messer. Der gro�e Mann mochte nicht schnell sein, aber er war so massig wie eine Mauer und wusste, wie er den Schwung und das Gewicht eines Gegners gegen ihn einsetzen konnte.</p><p>Anyi bewegte sich ebenfalls auf Gol zu, aber Cery stellte zu seiner Freude fest, dass sie nichts �berst�rzte. Doch sie umkreiste Gol, und das war nicht gut. Ein Leibw�chter sollte sich zwischen einem Angreifer und seinem Schutzbefohlenen halten. <emphasis>Das werde ich ihr noch beibringen m�ssen.</emphasis></p><p>Dann fasste Cery sich wieder und runzelte die Stirn. <emphasis>Werde ich das tun? Sollte ich sie �berhaupt in meiner N�he halten, geschweige denn sie in eine Position bringen, in der die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf sie noch gr��er wird? Ich sollte ihr Geld geben und sie wegschicken.</emphasis></p><p>Irgendwie wusste er, dass sie damit nicht zufrieden sein w�rde. Ob er sie wegschickte oder sie bei sich behielt, sie w�rde irgendetwas <emphasis>tun</emphasis> wollen. <emphasis>Und sie hat kein Versteck. Wie kann ich sie wegschicken?</emphasis></p><p>Aber sie war z�h. Wenn er sie aus der Stadt schickte�� vor allem wenn er ihr Geld gab��, w�rde sie neue Orte finden und sich dort verstecken. <emphasis>Oder sie wird zu dem Schluss kommen, dass sie es nicht l�nger ertragen kann, eingesperrt zu sein, und alle Vorsicht in den Wind schlagen.</emphasis></p><p>Ein Wirbel von Bewegungen lenkte seine Aufmerksamkeit auf den Kampf. Anyi hatte Gol angegriffen, wie er bemerkte. Wiederum nicht der beste Schritt f�r einen Leibw�chter. Gol war ihrem Messer geschickt ausgewichen, hatte ihren Arm gepackt und ihren Sprung genutzt, um sie hinter sich auf den Boden zu bef�rdern. Sie stie� ein Heulen des Protestes und des Schmerzes aus, als er ihr den Arm hinter den R�cken drehte und sie damit daran hinderte, sich zu erheben.</p><p>Cery trat vor, wand ihr das Messer aus der Hand und wich dann zur�ck.</p><p>�Lass sie aufstehen.�</p><p>Gol lie� sie los und zog sich zur�ck. Er begegnete Cerys Blick und nickte knapp. �Sie ist schnell, aber sie hat einige schlechte Angewohnheiten. Wir werden sie neu ausbilden m�ssen.�</p><p>Cery sah den Mann stirnrunzelnd an. Er <emphasis>hat bereits beschlossen, dass ich sie behalten werde!</emphasis></p><p>Anyi erhob sich, musterte Gol mit zusammengekniffenen Augen, sagte jedoch nichts. Sie sah Cery an, dann blickte sie zu Boden.</p><p>�Ich werde lernen�, sagte sie.</p><p>�Du hast eine Menge zu lernen�, entgegnete Cery.</p><p>�Also wirst du mich als Leibw�chterin zu dir nehmen?�</p><p>Er hielt inne, bevor er antwortete: �Ich werde dar�ber nachdenken, sobald du richtig ausgebildet bist, und wenn ich dich f�r gut genug halte. So oder so, du arbeitest jetzt f�r mich, und das bedeutet, dass du tun musst, was ich dir befehle. Keine Widerrede. Selbst wenn du nicht wei�t, warum.�</p><p>Sie nickte. �Das ist gerecht.�</p><p>Er ging auf sie zu und gab ihr das Messer zur�ck. �Und Gol ist nicht alt. Er ist ungef�hr im gleichen Alter wie ich.�</p><p>Anyi zog die Augenbrauen hoch. �Wenn du glaubst, das bedeute, dass er nicht alt ist, dann brauchst du wirklich einen neuen Leibw�chter.�</p></section><section><title><p>23</p><p>Neue Helfer</p></title><p>Heilerin Nikea kam in den Untersuchungsraum, als Soneas letzte Patientin ging�� eine Frau, die erfolglos versuchte, Feuel aufzugeben. Sonea hatte die Frau geheilt, aber ihr Verlangen war dadurch nicht gestillt worden. �Ich muss Euch etwas zeigen�, sagte Nikea. �Ja?� Sonea blickte von den Notizen auf, die sie sich gemacht hatte. �Und was?�</p><p>�Etwas�, antwortete Nikea. Sie l�chelte und riss vielsagend die Augen auf.</p><p>Irgendwie brachte Soneas Herz es fertig, einen Schlag auszusetzen und ihr direkt danach in die Magengegend zu sinken. Wenn Cery eine Nachricht geschickt hatte, h�tte Nikea sie ihr �berbracht. Dieser vielsagende Blick legte die Vermutung nahe, dass mehr als eine Notiz angekommen war, und Sonea vermutete, dass dieses �Etwas� Cery war.</p><p>Er wusste, dass es ihr nicht recht war, wenn er hierherkam. Trotzdem, er musste einen guten Grund daf�r haben.</p><p>Sie stand auf, verlie� den Raum und folgte Nikea den Flur entlang. Sie kamen in den nicht �ffentlichen Teil des Hospitals. Zwei Heiler standen im Gang und hatten tuschelnd die K�pfe zusammengesteckt. Ihr Blick ruhte auf der T�r zu einem Lagerraum, wanderte jedoch zu Sonea hin�ber, als sie erschien. Sofort richteten sie sich auf und nickten ihr h�flich zu.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, murmelten sie, bevor sie davoneilten.</p><p>Nikea f�hrte Sonea zu der T�r, die die beiden so interessant gefunden hatten, und �ffnete sie. Darin sa� auf einer kurzen Leiter eine vertraute Gestalt zwischen Regalreihen voller Bandagen und anderer Krankenhausvorr�te. Er l�chelte und stand auf. Seufzend trat Sonea ein und zog die T�r hinter sich zu.</p><p>�Cery�, sagte sie. �Gibt es gute Neuigkeiten oder schlechte?�</p><p>Er lachte leise. �Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Wie geht es dir?�</p><p>Sie verschr�nkte die Arme vor der Brust. �Bestens.� �Du wirkst ein wenig reizbar.�</p><p>�Es ist mitten in der Nacht, doch aus irgendeinem Grund haben wir genauso viele Patienten wie tags�ber, nichts, was ich versuche, heilt die Feuelsucht, in der Stadt streunt eine wilde Magierin umher, und statt der Gilde davon zu erz�hlen, riskiere ich das wenige an Freiheit, was ich habe, indem ich mit einem Dieb zusammenarbeite, der darauf besteht, mich an einem �ffentlichen Ort aufzusuchen, und mein Sohn ist noch immer in Sachaka verschollen. Und da soll ich guter Laune sein?�</p><p>Cery verzog das Gesicht. �Wohl eher nicht. Also� keine Neuigkeiten �ber Lorkin?�</p><p>�Nein.� Sie seufzte abermals. �Ich wei�, dass du nicht hergekommen w�rst, wenn du keinen guten Grund h�ttest, Cery. Erwarte nur nicht von mir, dass ich dein Erscheinen hier vollkommen ruhig und gelassen aufnehme. Was gibt es Neues?�</p><p>Er setzte sich wieder. �Was w�rdest du davon halten, wenn noch ein Dieb dir helfen w�rde, die wilde Magierin zu finden?�</p><p>Sonea sah ihn �berrascht an. �Ist es jemand, den ich kenne?�</p><p>�Das bezweifle ich. Er ist einer von den Neuen. Farens Nachfolger. Sein Name ist Skellin.�</p><p>�Er muss eine Menge zu bieten haben, wenn du sein Angebot in Erw�gung ziehst.�</p><p>Cery nickte. �Das hat er. Er ist einer der m�chtigsten Diebe in der Stadt. Er hat ein spezielles Interesse am J�ger der Diebe. Vor einer Weile hat er mich gefragt, ob ich ihn auf dem Laufenden halten w�rde, sollte mir etwas zu Ohren kommen. Er wei�, dass die wilde Magierin vielleicht nicht der J�ger der Diebe ist, h�lt es aber f�r lohnend, sie aufzusp�ren, um es herauszufinden.�</p><p>�Was hat er davon?�</p><p>Er l�chelte. �Er w�rde dich gern treffen. Es klingt, als h�tte Faren ihm Geschichten erz�hlt, daher versp�rt er den Wunsch, die Legende kennenzulernen.�</p><p>Sonea stie� einen wenig damenhaften Laut aus. �Solange er nicht die gleichen Vorstellungen hat wie Faren, was die Frage betrifft, wie n�tzlich ich ihm sein k�nnte��</p><p>�Ich bin davon �berzeugt, die hat er, aber er wird nicht erwarten, dass du diese Ideen mit ihm teilst.�</p><p>�Hat er eine bessere Chance als du, die wilde Magierin zu finden?�</p><p>Cery wurde ernst. �Es hat sich herausgestellt, dass sie einem Feuelh�ndler Gef�lligkeiten erwiesen hat. Der Mann hatte sein Gesch�ft in meinem Gebiet aufgezogen, bis ich der Sache Einhalt geboten habe. Skellin kontrolliert den gr��ten Teil des Handels, daher hoffe ich, er kann���</p><p>�Der Dieb, mit dem wir zusammenarbeiten, ist die Hauptquelle von Feuel?�, unterbrach ihn Sonea.</p><p>Cery nickte und r�mpfte angewidert die Nase. �Ja.�</p><p>Sie wandte sich ab. �Oh, das ist einfach wunderbar.� �Wirst du seine Hilfe annehmen?�</p><p>Sie sah ihn an. Sein Blick war hart und herausfordernd. Doch was hatte er gesagt? <emphasis>��hatte sein Gesch�ft in meinem Gebiet aufgezogen, bis ich der Sache Einhalt geboten habe.�</emphasis> Vielleicht gefiel ihm genauso wenig wie ihr, was Feuel den Menschen antat. Aber er hatte keine andere Wahl, als mit Leuten wie Skellin zusammenzuarbeiten. <emphasis>�Er ist einer der m�chtigsten Diebe in der Stadt.�</emphasis> Wenn die wilde Magierin f�r einen Feuelh�ndler arbeitete, dann machte es Sinn, sich der Hilfe eines Importeurs der Droge zu versichern. Vielleicht war sie s�chtig nach der Droge, und der Verk�ufer zwang sie, ihre Magie f�r Verbrecher einzusetzen, um Nachschub zu bekommen.</p><p>Sonea massierte sich die Schl�fen, w�hrend sie nachdachte. <emphasis>Ich breche bereits einen ganzen Haufen Regeln. Ironischerweise wird dies die Dinge nicht schlimmer machen, soweit es die Gilde betrifft. Es wird sich nur f�r mich schlimmer anf�hlen.</emphasis></p><p>�Dann rekrutiere ihn. Solange er begreift, dass eine Begegnung mit mir nicht mehr bedeutet, als dass wir beide ein einziges Mal am selben Ort sein und uns f�r eine vern�nftig bemessene Zeitspanne freundlich unterhalten werden�� und solange du es f�r notwendig h�ltst, ihn mit einzubeziehen��, habe ich nichts dagegen einzuwenden.�</p><p>Cery nickte. �Ich denke tats�chlich, dass wir ihn brauchen. Und ich werde daf�r sorgen, dass er versteht, dass man deine Dienste nicht mieten kann.�</p><empty-line/><p>Nachdem Dannyl und Achati aus der Kutsche gestiegen waren, drehten sie sich um, um ihre Umgebung zu betrachten. Die Stra�e, auf der sie in Richtung Norden unterwegs gewesen waren, endete an einer von Osten nach Westen verlaufenden Durchgangsstra�e, die neben einem Fluss herf�hrte. H�gel umgaben sie, und Felsbrocken ragten aus wilder Vegetation hervor.</p><p>�Wir werden hier warten�, sagte Achati.</p><p>�Was denkt Ihr, wie lange es dauern wird?�, fragte Dannyl.</p><p>�Eine Stunde, vielleicht zwei.�</p><p>Achati hatte veranlasst, dass die Gruppe einheimischer Magier, die ihnen magische Unterst�tzung gew�hren wollten, sie an der Kreuzung traf. Sie brachten einen F�hrtensucher mit. Er hatte ihnen erkl�rt, wie er die Dinge sah: Wenn sie bis zu den Bergen kamen und die Stra�e verlassen mussten, w�rde das Risiko, von den Verr�terinnen angegriffen zu werden, dramatisch steigen.</p><p>Der Sachakaner drehte sich um und sprach mit seinen Sklaven, die er anwies, f�r ihn, Dannyl und sie selbst Wasser und Essen zu holen. Als die beiden jungen M�nner gehorchten, ging Dannyl nicht zum ersten Mal durch den Kopf, dass Achati seine Sklaven gut behandelte. Er schien sie beinahe zu m�gen.</p><p>W�hrend sie die kleinen, flachen Pasteten verzehrten, die man ihnen auf dem letzten Gut mitgegeben hatte, betrachtete Dannyl abermals die H�gel. Die Felsvorspr�nge erregten seine Aufmerksamkeit. Stirnrunzelnd bemerkte er, dass einige eher wie Mauern aus Felsbl�cken wirkten. Und dass diese Felsbl�cke sich so perfekt einer an den anderen f�gten, dass es kaum noch allein auf eine Laune der Natur zur�ckgef�hrt werden konnte.</p><p>�Ist das eine Ruine dort oben?�, fragte er, an Achati gewandt.</p><p>Der Mann folgte Dannyls ausgestreckter Hand und nickte.</p><p>�Wahrscheinlich. Davon gibt es einige in diesem Gebiet.�</p><p>�Wie alt sind sie?�</p><p>Achati zuckte die Achseln. �Alt.�</p><p>�Habt Ihr etwas dagegen, wenn ich sie mir ansehe?�</p><p>�Nat�rlich nicht.� Achati l�chelte. �Ich werde Euch ein Zeichen geben, wenn die anderen eintreffen.�</p><p>Dannyl a� die letzte Pastete, dann �berquerte er die Stra�e und begann h�gelaufw�rts zu gehen. Der H�gel war steiler, als es von der Stra�e aus den Anschein gehabt hatte, und als Dannyl den ersten Haufen Felsbrocken erreichte, war er au�er Atem. Bei deren Untersuchung kam er zu dem Schluss, dass es sich um einen Teil einer Mauer handelte. Eine Weile ging er auf dem Hang umher, fand weitere Mauerabschnitte und ruhte sich aus, um wieder zu Atem zu kommen. Als er sich erholt hatte, beschloss er festzustellen, was diese Befestigungsanlage umgab, und machte sich erneut auf den Weg h�gelaufw�rts.</p><p>Je n�her er dem Gipfel kam, desto dichter und h�her wurde die Vegetation. Nachdem sein �rmel sich an einem Dornenstrauch verfangen hatte und es ihm gelungen war, den Stoff zu zerrei�en, machte er um solche Pflanzen einen gro�en Bogen. Es war nicht weiter schwierig, Stoff mit Magie zu trocknen und sogar einige Flecken zu entfernen, aber das Flicken von Rissen �berstieg sein Verm�gen. Es mochte irgendwie m�glich sein, die feinen F�den wieder zusammenzuf�gen, aber das w�rde Zeit und Konzentration erfordern.</p><p>Entt�uscht stellte er fest, dass er zwar vor sich die �berreste weiterer Mauern sehen konnte, dass sie jedoch inmitten eines anscheinend undurchdringlichen G�rtels miteinander verwachsener Dornenstr�ucher emporragten. Er schuf einen magischen Schild, damit er sich zwischen ihnen hindurchzw�ngen konnte. Oben befand sich ein flacher Bereich innerhalb der niedrigen Mauern, der alles war, was von einem Geb�ude �brig geblieben war, aber dar�ber hinaus gab es nichts zu sehen als verwitterte Steine.</p><p><emphasis>Hier werde ich nichts Neues erfahren,</emphasis> �berlegte er. <emphasis>Nicht ohne all das auszugraben.</emphasis> Er verlie� das Geb�ude und machte sich auf den R�ckweg zur Stra�e.</p><p>Ein kleines St�ck weiter den Hang hinunter teilte sich die Vegetation, und er hatte einen unverstellten Blick auf die Kutsche und die Stra�e unter ihm. Achati sa� in der schmalen T�r des Wagens. Der gutaussehende Sklave namens Varn kniete vor dem Magier und hielt die H�nde hoch, die Innenfl�chen nach au�en gekehrt. Etwas in Achatis Hand fing das Licht auf.</p><p><emphasis>Ein Messer.</emphasis></p><p>Dannyls Magen krampfte sich zusammen, und er blieb stehen. Achati hob die kunstvoll geschm�ckte Klinge, die normalerweise in ihrer Scheide an seiner Seite ruhte, und ber�hrte damit leicht die Handgelenke des Sklaven. Er steckte das Messer weg und legte beide H�nde um das Gelenk des Mannes. W�hrend Dannyl das Schauspiel beobachtete, raste sein Herz. Nach kurzer Zeit lie� Achati den Sklaven los.</p><p><emphasis>Ich sch�tze, das bedeutet, dass Varn Achatis Quellsklave ist,</emphasis> dachte Dannyl. Dann wurde ihm klar, dass sein Herz nicht vor Furcht raste. <emphasis>Eher vor Aufregung. Ich habe soeben ein uraltes schwarzmagisches Ritual beobachtet.</emphasis> Magie war vom Sklaven an seinen Herrn weitergereicht worden. Und dazu war es nicht vonn�ten gewesen, jemanden zu ermorden. Das Ganze war bemerkenswert ruhig und w�rdevoll abgelaufen.</p><p>Der junge Mann stand nicht auf, sondern r�ckte n�her an seinen Herrn heran. Statt den Blick wie �blich gesenkt zu halten, sah er zu Achati auf. Dannyl starrte den Mann an, fasziniert von seinem Gesichtsausdruck. <emphasis>Falls ich aus dieser Entfernung keinem Trugschluss erliege, w�rde ich sagen, dass es ein Ausdruck der Bewunderung ist.</emphasis> Er l�chelte. <emphasis>Ich sch�tze, es w�re einfach, einen Herrn zu lieben, der einen gut behandelt.</emphasis></p><p>Dann l�chelte der Sklave und trat <emphasis>sehr</emphasis> nah an Achati heran. Der Magier legte dem jungen Mann eine Hand auf die Wange und sch�ttelte den Kopf. Dann beugte er sich vor und k�sste Varn auf die Lippen. Der Sklave bewegte sich wieder von ihm weg, immer noch l�chelnd.</p><p>Dannyl wurden mehrere Dinge gleichzeitig klar. Erstens, dass die beiden M�nner sich als N�chstes umschauen w�rden, um festzustellen, ob jemand sie gesehen hatte. Er wandte den Blick ab und ging weiter den Hang hinunter, damit sie ihn nicht dabei ertappten, dass er sie beobachtet hatte. Zweitens, dass der Sklave seinen Herrn nicht nur mochte�� er <emphasis>liebte</emphasis> seinen Herrn. Und drittens, dass die Art, wie Achati den jungen Mann liebkost hatte, vermuten lie�, dass es f�r ihn um mehr ging, als einen Sklaven zu seinem Vergn�gen zu haben.</p><p><emphasis>Ist das die einzige Art, wie es hier funktioniert,</emphasis> fragte er sich. <emphasis>Was ist mit M�nnern �hnlichen Ranges?</emphasis></p><p>Aber er hatte keine Zeit, dar�ber nachzudenken. Als er durch die dichte Vegetation brach, blieb er stehen, um in westlicher Richtung auf die Stra�e hinabzuschauen, und sah nicht weit entfernt f�nf M�nner und einen Karren. Sie w�rden die Kreuzung bald erreichen. Dannyl eilte den H�gel hinunter, blieb auf der Stra�e stehen und winkte, als Achati ihn entdeckte. Der Sachakaner erhob sich und kam auf ihn zu.</p><p>�Ihr kommt genau zur richtigen Zeit, Botschafter Dannyl�, sagte er und schaute blinzelnd zu den Gestalten in der Ferne hin�ber. �Habt Ihr dort oben etwas gefunden?�</p><p>�Jede Menge Dornenb�sche�, erwiderte Dannyl kl�glich. �Ich f�rchte, Eure Freunde werden in K�rze einen sch�bigen Kyralier kennenlernen.�</p><p>Achati betrachtete Dannyls zerrissene Robe. �Ah ja. Die sachakanische Vegetation kann genauso widerborstig sein wie das Volk. Ich werde Varn auftragen, Eure Robe f�r Euch zu flicken.�</p><p>Dannyl nickte. �Vielen Dank. Und nun, gibt es irgendetwas Spezielles, was ich bei der Begr��ung unserer neuen Gef�hrten sagen oder tun sollte?�</p><p>Achati sch�ttelte den Kopf. �Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, �berlasst das Reden mir.�</p><empty-line/><p>Der Bauernkarren war gro� und bewegte sich langsam. Er war hoch beladen mit Viehfutterballen, und seine Ladung war mit vielen Seilen gesichert. Vier Gorin zogen den Wagen�� das erste Mal, dass Lorkin die gro�en Tiere in Sachaka sah. Der Fuhrmann war ein kleiner, schweigsamer Sklave, der auf dem einzigen Sitz des Gef�hrts hockte.</p><p>Die drei anderen Passagiere sa�en in einer H�hle innerhalb der Ballen. L�cken zwischen den Ballen, die das Dach bildeten, lie�en ein wenig Luft in den engen Raum, aber die W�nde der H�hle waren dicht gepackt. Drei kleine B�ndel hatten sie dabei, und er vermutete, dass sie voller Essen und Vorr�te f�r die Reise in die Berge waren. Sie sa�en so, dass er Chari den R�cken zuwenden musste, um Tyvara anzusehen, und umgekehrt.</p><p>Chari stie� ihn mit dem Ellbogen an. �Definitiv bequemer als zu gehen, richtig?�</p><p>�Definitiv. War das deine Idee?�</p><p>Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. �Nein, wir machen das schon seit Jahrhunderten so. Irgendwie muss man die Sklaven ja von einem Ort zum anderen bringen.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �W�rden da nicht Verr�terinnen, die einen solchen Karren sehen, Verdacht sch�pfen, dass jemand darin reist?�</p><p>Chari zuckte die Achseln. �Ja, aber solange sie keinen guten Grund haben, werden sie sich uns nicht n�hern. Erst recht nicht tags�ber. Sklaven halten die Karren anderer G�ter nicht auf. Das geht sie nichts an. Wenn ein Ashaki sie dabei erwischte, w�rde er das seltsam finden und der Sache nachgehen.� Sie runzelte die Stirn. �Indem wir dich versteckt halten, gewinnen wir noch den zus�tzlichen Vorteil, Begegnungen wie die, die du mit Rasha hattest, zu vermeiden. Ich habe die Autorit�t, Verr�terinnen wie sie aufzuhalten�� keine Sorge, wir wollen dich nicht alle tot sehen��, aber es w�rde eine Verz�gerung darstellen. Wenn andere Verr�terinnen tats�chlich Verdacht sch�pften, dass du hier drin bist, werden sie zu Recht vermuten, dass du nicht ohne Wissen anderer Verr�terinnen hier bist. Das ist etwas, das du unm�glich allein arrangiert haben k�nntest.�</p><p>�Und lasst uns nicht die Leute vergessen, die nach Lorkin suchen�, f�gte Tyvara hinzu. �Botschafter Dannyl und der Abgesandte des K�nigs, Ashaki Achati.�</p><p>�Diese beiden?� Chari machte eine absch�tzige Handbewegung. �Wir haben daf�r gesorgt, dass sie von der richtigen F�hrte abgelenkt werden, wenn sie das n�chste Mal auf einem Gut herumschn�ffeln.� Sie l�chelte. �Sie k�nnten an uns vorbeireiten, ohne zu ahnen, dass wir hier sind.� Sie blickte zu den Ballen �ber ihnen auf. �Obwohl es an hei�en Tagen ein wenig stickig werden kann. Nur gut, dass ihr zwei gestern Abend ein Bad genommen habt, hm?�</p><p>Lorkin nickte und blickte an sich hinab. Der letzte Rest der Farbe war von seiner Haut verschwunden. Er klopfte auf das saubere Sklavengewand. �Und ich danke dir auch f�r die neuen Kleider.�</p><p>Sie sah ihn an und verzog das Gesicht. �Wir werden sie dir bald abnehmen und dich vern�nftig einkleiden.�</p><p>�Ich h�tte nie gedacht, dass ich das einmal sagen w�rde, aber ich vermisse meine Gilderoben�, lamentierte er.</p><p>�Warum hast du sie fr�her nicht gemocht?�</p><p>�Weil jeder Magier sie tr�gt. Es wird ein wenig langweilig. Die einzige Abwechslung, die man bekommt, erlebt man bei seinem Abschluss, wenn man vom Novizen zum Magier aufsteigt�� es sei denn, man wird eines Tages einer der H�heren Magier, und die meisten von denen tragen lediglich eine Sch�rpe von anderer Farbe.�</p><p>�Ein Novize ist ein Sch�ler, richtig? Wie lange bleiben sie Novizen?�</p><p>�Ja. Alle Neuzug�nge der Gilde sind Novizen. Sie verbringen etwa f�nf Jahre an der Universit�t, bevor sie ihren Abschluss machen.�</p><p>�Welcher Art von Magie lernt ihr an der Universit�t?�</p><p>�Zuerst handelt es sich um eine ganze Palette von Dingen�, antwortete er. �Nat�rlich Magie, aber auch nichtmagische Studien wie Geschichte. Die meisten von uns sind in irgendeiner Disziplin besser als in den anderen, und am Ende d�rfen wir uns eine der drei Disziplinen aussuchen, der wir folgen wollen: Heilkunst, Kriegskunst oder Alchemie.�</p><p>�Wof�r habt Ihr Euch entschieden?�</p><p>�Alchemie. Man kann erkennen, wer die Alchemisten sind, weil wir Purpur tragen. Heiler tragen Gr�n und Krieger Rot.�</p><p>Chari runzelte die Stirn. �Was tun Alchemisten denn?�</p><p>�Alles, was Heiler und Krieger nicht tun�, erl�uterte Lorkin. �Meistens geht es um Magie, aber manchmal auch nicht. Botschafter Dannyl, der Magier, mit dem ich hierhergekommen bin und dem ich behilflich sein sollte, ist Historiker, und bei diesem Fach ist �berhaupt keine Magie im Spiel.�</p><p>�Kann man auch zwei Disziplinen w�hlen? Alchemist sein und Krieger�� oder Alchemist und Heiler? Oder���</p><p>�Das wissen wir bereits, Chari�, unterbrach Tyvara sie.</p><p>Lorkin drehte sich zu ihr um. Sie sah ihn entschuldigend an. �Wir lernen w�hrend unserer Ausbildung die Kultur vieler anderer L�nder kennen und auch einiges �ber die Gilde�, erkl�rte sie ihm.</p><p>�Ja, aber ich habe damals nicht besonders gut aufgepasst�, erwiderte Chari. �Und es ist um so vieles interessanter, wenn man es von einem kyralischen Magier h�rt.�</p><p>Lorkin drehte sich wieder zu ihr um und sah, dass sie ihn erwartungsvoll musterte. �Was wolltet Ihr sagen?�, hakte sie nach.</p><p>Er sch�ttelte den Kopf. �Nein, wir d�rfen nicht mehr als eine Disziplin w�hlen, aber wir erhalten ohne Ausnahme eine grundlegende Ausbildung in allen drei Disziplinen.�</p><p>�Dann kannst du also heilen?�</p><p>�Ja, aber nicht mit dem Geschick und dem Wissen eines voll ausgebildeten Heilers.�</p><p>Chari �ffnete den Mund, um eine weitere Frage zu stellen, aber Tyvara kam ihr zuvor.</p><p>�Du kannst auch Fragen stellen�, sagte sie zu Lorkin. �Chari mag bei einigen davon nicht in der Lage sein, sie zu beantworten, aber wenn du alle Fragen ihr �berl�sst, wird sie dich den ganzen Weg bis zu den Bergen aushorchen.�</p><p>Er sah Tyvara �berrascht an. W�hrend ihrer Reise von Arvice hatte es ihr widerstrebt, seine Fragen zu beantworten. Als sie seinen Blick bemerkte, presste sie die Lippen zu einer d�nnen Linie zusammen und schaute zu Chari hin�ber. Er drehte sich zu der anderen Frau um. Chari betrachtete Tyvara mit einiger Erheiterung.</p><p>�Nun denn�, sagte sie an Lorkin gewandt. �Was w�rdest du gern wissen?�</p><p>Obwohl es Hunderte von Dingen gab, die er �ber die Verr�terinnen und ihr geheimes Zuhause wissen wollte und Chari Fragen gegen�ber viel aufgeschlossener wirkte, vermutete er, dass Tyvaras Neigung zur Heimlichkeit schon bald dazu f�hren w�rde, dass sie jedes Gespr�ch zwischen Chari und ihm unterbinden w�rde. Aber wie konnte er das vermeiden, wenn so viele Informationen �ber die Verr�terinnen geheim waren?</p><p><emphasis>Ich sollte definitiv nicht fragen, wie sie das Gedankenlesen abwehren. Obwohl ich immer noch den Verdacht habe, dass dazu ein Prozess geh�rt, �hnlich dem, der f�r die Herstellung eines Blutsteins vonn�ten ist.</emphasis> Pl�tzlich erinnerte er sich an die Hinweise auf einen Lagerstein in den Unterlagen, die er f�r Dannyl gelesen hatte. Vielleicht war es das Beste, �berhaupt nicht �ber die Verr�terinnen zu reden.</p><p>War es ein Risiko, den Lagerstein zu erw�hnen? Es war nicht so, als w�sste er, wo er zu finden war oder wie man einen herstellte, daher w�rde er niemandem eine Waffe in die Hand geben.</p><p>�Erinnerst du dich, dass ich gesagt habe, Botschafter Dannyl sei Historiker?�, fragte er.</p><p>Chari nickte.</p><p>�Er arbeitet an einer Geschichte der Magie. Wir haben hier in Sachaka beide ein wenig Nachforschungen angestellt. Dannyl interessiert sich mehr daf�r, die L�cken in unserer Geschichte zu f�llen�� wie das �dland geschaffen oder wann und wie Imardin zerst�rt und wieder aufgebaut wurde. Ich interessiere mich dagegen mehr daf�r, wie alte Arten von Magie funktioniert haben.�</p><p>Er hielt inne, um ihre Reaktion einzusch�tzen. Chari musterte ihn eindringlich, w�hrend Tyvara ihn mit hochgezogenen Augenbrauen ansah, was er dahingehend deutete, dass sie interessiert war und auch ein wenig �berrascht.</p><p>�Als ich f�r Dannyl Notizen machte, fand ich einen Hinweis auf einen Gegenstand, der als Lagerstein bezeichnet wurde�, fuhr er fort, �und der sich in Arvice befand. Es war offensichtlich ein Gegenstand von gro�er Macht. Einige Jahre nach dem sachakanischen Krieg ging er verloren�� anscheinend hat ein kyralischer Magier ihn gestohlen. Wisst ihr etwas dar�ber?�</p><p>Chari sah Tyvara an, die die Achseln zuckte und den Kopf sch�ttelte.</p><p>�Ich wei� zwar nichts �ber dieses Exemplar im Besonderen, wohl aber ein wenig �ber die Lagersteine im Allgemeinen. Schon der Name legt nahe, dass es sich um Steine handelte, die Macht aufspeicherten�, antwortete Chari. �Und das muss eine sehr n�tzliche Eigenschaft gewesen sein. Aber sie waren selten. So selten, dass man fr�her den einzelnen Steinen Namen gab und ihre Geschichte aufzeichnete, als seien sie Menschen. Aber alle Lagersteine, von denen wir geh�rt haben, wurden vor langer Zeit zerst�rt. Seit es das letzte Mal einen solchen Stein gegeben hat, sind wahrscheinlich tausend Jahre vergangen oder eher noch mehr. Sollte dieser Lagerstein kurz nach dem sachakanischen Krieg existiert haben, w�re er der j�ngste, von dem etwas bekannt ist. Also habt ihr bisher nichts dar�ber gewusst?�</p><p>Er sch�ttelte den Kopf.</p><p>Sie machte ein nachdenkliches Gesicht. �Dann hat der Dieb ihn entweder zu gut versteckt, oder er wurde zerst�rt. Du sagtest, Imardin sei zerst�rt und wieder aufgebaut worden?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Die Zerst�rung eines Lagersteins ist angeblich gef�hrlich. Sie entfesselt die Magie darin auf eine unkontrollierte Art und Weise. Vielleicht war es das, was Imardin zerst�rte.�</p><p>Lorkin runzelte die Stirn. �Ich halte das f�r m�glich.�</p><p><emphasis>Das Einzige, was mich an der Theorie st�rt, dass die Entfesselung von Tagins Macht hei seinem Tod die Stadt dem Erdhoden gleichgemacht haben soll, war die Frage, wie er nach dem Sieg �ber die Gilde noch m�chtig genug sein konnte, um solche Zerst�rung �ber das Land zu bringen. Aber wenn er den Lagerstein hatte?</emphasis></p><p>�Wir k�nnten die Dokumentenh�ter im Sanktuarium danach fragen�, sagte Chari. �Ich meine, nach �lteren Lagersteinen. Ich bezweifle, dass sie etwas �ber Imardins Geschichte wissen.�</p><p>�K�nigin Zarala k�nnte etwas wissen�, bemerkte Tyvara.</p><p>Chari zog die Augenbrauen hoch. �Ich nehme an, wenn sie ihn in die Stadt l�sst, wird sie ihn �berpr�fen wollen.�</p><p>�Das wird sie.� Tyvara musterte ihn mit einer seltsamen, selbstgef�lligen Erheiterung. �Definitiv.�</p><p>Chari kicherte und wandte sich zu Lorkin um. �Bist du dir sicher, dass du ins Sanktuarium kommen willst?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Tyvara hat dir erz�hlt, dass es von Frauen geleitet wird, nicht wahr? M�nner k�nnen dort niemanden herumkommandieren. Nicht einmal Magier wie du.�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich versp�re keinerlei Verlangen, irgendjemanden herumzukommandieren.�</p><p>Sie l�chelte. �Du bist ein so vern�nftiger Mann. Ich dachte immer, Kyralier seien arrogant und unehrlich. Ich sch�tze, ihr k�nnt nicht alle gleich sein. Tyvara w�rde dich nicht dorthin bringen, wenn du so w�rst. Und es ist so lieb von dir, den ganzen weiten Weg zu machen und dein Leben f�r Tyvara zu riskieren.�</p><p>�Nun, sie hat mir das Leben gerettet.�</p><p>�Das ist wahr.� Chari streckte die Hand aus und t�tschelte ihm sachte den Arm. �Ehrenhaft und gutaussehend. Ich sch�tze, du wirst deine Sache gut machen. Meine Leute werden ihre Meinung �ber die Kyralier �ndern, sobald sie dich kennengelernt haben.�</p><p>�Ja, und im Nu werden wir Geschenke und Rezepte austauschen�, murmelte Tyvara trocken.</p><p>Lorkin drehte sich zu ihr um. Sie sah ihm kurz in die Augen, dann wandte sie stirnrunzelnd den Blick ab. <emphasis>Irgendetwas missf�llt ihr,</emphasis> dachte er. Sein Herz setzte einen Schlag aus. <emphasis>Denkt sie, dass Chari uns verraten wird?</emphasis></p><p>�Also, erz�hl mir mehr �ber die Gilde�, sagte Chari hinter ihm.</p><p>Tyvara verdrehte seufzend die Augen. Erleichterung und Erheiterung traten an die Stelle des besorgten Ausdrucks. Sie fand Charis Geplapper einfach l�stig. <emphasis>Nun, ich hoffe, das ist es. Ich w�nschte, ich k�nnte mit ihr reden.</emphasis> Seit Chari sie gefunden hatte, hatten sie keinen ungest�rten Augenblick mehr zusammen gehabt.</p><p>Ein Stich der Frustration durchzuckte ihn. <emphasis>Ich w�nschte, ich k�nnte mit vielen Leuten reden. Angefangen mit Mutter und Dannyl.</emphasis> Er dachte an den Blutstein, der noch immer im R�cken seines Notizbuchs verborgen war. Er hatte keine Chance gehabt, ihn zu benutzen, ohne ihn Tyvara zu offenbaren. Und jetzt, da Chari bei ihnen war, w�rde es erst recht keine Gelegenheit dazu geben. Vielleicht sollte er Tyvara wissen lassen, dass er diesen Stein besa�. <emphasis>Aber er ist meine einzige Verbindung zur Gilde. Wenn ich schon das Risiko eingehen muss, ihn zu verlieren, sollte ich warten, bis das Risiko sich nicht mehr vermeiden l�sst. Und wenn ich irgendeine Art von Handel oder B�ndnis zwischen der Gilde und den Verr�terinnen aushandeln soll, werde ich eine M�glichkeit brauchen, um zwischen ihnen zu vermitteln.</emphasis></p><p>In der Zwischenzeit konnte er genauso gut sein Bestes tun, um eine Grundlage f�r gute Beziehungen zwischen seinem Land und den Verr�terinnen zu schaffen. Er wandte sich wieder Chari zu und l�chelte.</p><p>�Mehr �ber die Gilde? Was w�rdest du denn gern erfahren?�</p></section><section><title><p>24</p><p>Die Verb�ndeten, die man braucht</p></title><p>Das Sonnenhaus machte seinem Namen alle Ehre. Warmes Sonnenlicht umh�llte den Garten und die Ruinen und lie� die farbenfrohen Blumen in dem Meer aus gr�ner Vegetation leuchten. Skellin erwartete Cery in derselben H�tte, in der sie sich beim letzten Mal getroffen hatten, und sein Wachposten stand in der N�he.</p><p>Gol blieb ebenso weit von der H�tte entfernt wie der andere W�chter. Cery ging weiter, wobei er dem Drang widerstand, sich umzudrehen und hinter sich zu blicken, aber nicht wegen seines Freundes und Leibw�chters. Wie immer hatte er daf�r gesorgt, dass einige seiner Leute ihm folgten und Wache hielten, bereit zu helfen, falls er sie brauchte, oder um ihn vor nahenden Gefahren zu warnen. Er nannte sie seine �Schattenwache�. Nur dass diesmal ein neues Gesicht unter den vertrauten war.</p><p>Anyi. Sie lernte schnell. Sie war flink und beweglich und bisweilen ein wenig zu verwegen. Es hatte sich jedoch herausgestellt, dass die Risiken, die sie einging, h�ufiger auf Unwissenheit beruhten als auf Torheit, und sie nahm seine und Gols Unterweisung und Ratschl�ge mit beruhigender Begeisterung und Intelligenz auf. Ihm zu folgen und zu beobachten war die sicherste Methode, um ihr das Gef�hl zu geben, dass sie die Arbeit machte, die sie wollte, ohne das Risiko einzugehen, irgendjemandem ihre Identit�t zu offenbaren oder sie wirklich in Gefahr zu bringen.</p><p>Doch die Stra�en, durch die sie gegangen waren, waren niemals vollkommen sicher, und er konnte nicht umhin, sich zu sorgen, dass irgendein t�richter Stra�enschl�ger sie provozieren und das dann zu einem Kampf f�hren k�nnte.</p><p>Als Cery die H�tte erreichte, stand Skellin auf, um ihn zu begr��en.</p><p>�Was hast du mir zu sagen, Freund?�, fragte der andere Dieb.</p><p>�Neuigkeiten, die ich gestern bekommen habe.�</p><p>Die Geschichte von dem Feuelverk�ufer und seiner fremdl�ndischen Helferin trieb ein Stirnrunzeln auf das exotische Gesicht des Mannes. Cery log, was die Quelle der Information betraf, und behauptete, es sei eine W�scherin gewesen, die das Gespr�ch belauscht hatte. Es war besser, Anyis Namen aus dieser Geschichte herauszuhalten.</p><p>�Hmm�, war alles, was Skellin von sich gab. Er wirkte verstimmt. Vielleicht sogar w�tend.</p><p>�Ich habe meine Freundin au�erdem dar�ber in Kenntnis gesetzt, dass du sie gern treffen w�rdest�, f�gte Cery hinzu. �Sie ist damit einverstanden.�</p><p>Skellins Miene hellte sich auf, und er straffte die Schultern. �Ach ja?� L�chelnd rieb er sich die H�nde. �Nun, das ist etwas, worauf ich mich freuen kann. Was deine ziemlich schlechten Neuigkeiten betrifft� Ich werde der Sache nachgehen.� Er seufzte. �Es sieht nicht gut aus, nicht wahr? Zuerst wird sie auf meinem Territorium gesehen, und jetzt arbeitet sie f�r meine Feuelh�ndler.�</p><p>�Es sei denn, es w�ren die Feuelh�ndler eines anderen.�</p><p>Der Mund des Diebes verzog sich zu einem schiefen L�cheln. �Was die Nachrichten nur noch schlimmer machen w�rde. Ich werde der Sache definitiv nachgehen.� Seine Stimme nahm einen h�rteren, beinahe drohenden Unterton an. <emphasis>Das ist eher das, was ich von einem Mann mit seiner Macht und seinem Gewerbe erwarte,</emphasis> dachte Cery. �Ich werde dich wissen lassen, was ich herausfinde.�</p><p>Cery nickte. Sie verabschiedeten sich h�flich und gingen in verschiedene Richtungen davon. <emphasis>Nach all der M�he, die ich hatte, um hierherzukommen, finde ich diese Treffen immer zu kurz. Aber es gef�llt mir andererseits auch nicht, herumzusitzen und zu plaudern. Ich bin mir nicht sicher, warum. Wahrscheinlich weil ich immer darauf warte, dass er versucht, mich dazu zu bringen, f�r ihn Feuel zu verkaufen.</emphasis></p><p>Gol gesellte sich zu ihm, und sie machten sich auf den Weg in die Stadt. Das Sonnenhaus lag mehrere Stra�en hinter ihm, als eine Gestalt aus einer T�r trat und auf sie zukam. Cery straffte sich, dann entspannte er sich wieder, als er Anyi erkannte. Dann verh�rteten sich seine Muskeln abermals, als ihm klar wurde, dass sie seinen Befehlen zuwiderhandelte. Sie sollte sich ihm eigentlich nicht n�hern, bis sie wieder im Versteck waren.</p><p><emphasis>Vielleicht muss sie mich vor irgendetwas warnen.</emphasis></p><p>Anyi nickte ihm h�flich und mit ernster Miene zu, dann ging sie neben ihm her.</p><p>�Also�, sagte sie mit leiser Stimme. �Du hast einen guten Grund, um mit dem K�nig der F�ule zusammenzuarbeiten?�</p><p>Cery musterte sie erheitert. �Wer nennt ihn so?� �Die halbe Stadt�, antwortete sie. �Welche H�lfte?� �Die untere.�</p><p>�Ich komme aus der unteren H�lfte, warum habe ich also nichts davon geh�rt?�</p><p>Sie zuckte die Achseln. �Du bist alt und nicht mehr auf dem Laufenden. Also. Hast du einen guten Grund?�</p><p>�Ja.�</p><p>Schweigend gingen sie einige Schritte weiter.</p><p>�Denn ich hasse diesen Mann�, f�gte sie pl�tzlich hinzu.</p><p>�Tats�chlich? Warum?�</p><p>�Bevor er kam, hatten wir hier keine F�ule.�</p><p>Cery verzog das Gesicht. �Wenn er sie nicht mitgebracht h�tte, h�tte ein anderer es getan.�</p><p>Sie zog die Stirn in Falten. �Warum verkaufst du es nicht?�</p><p>�Ich habe Ma�st�be. Ziemlich niedrige Ma�st�be, aber das war zu erwarten. Ich bin ein Dieb.�</p><p>�Es gibt einen gro�en Unterschied zwischen dem, was du tust, und dem, was er tut.�</p><p>�Du hast keine Ahnung davon, was ich tue.�</p><p>�Das ist wahr.� Sie runzelte die Stirn. �Und ich habe es nicht eilig, es herauszufinden. Aber� warum handelst du nicht mit Feuel?�</p><p>Er zuckte die Achseln. �Feuel macht Menschen unzuverl�ssig. Wenn sie das Interesse daran verlieren, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wollen sie keine Darlehen. Wenn sie nicht arbeiten k�nnen, k�nnen sie die Darlehen nicht zur�ckzahlen. Wenn sie pleite sind, k�nnen sie nichts kaufen. Wenn sie sterben, sind sie niemandem mehr zu etwas n�tze. F�ule ist nicht gut f�rs Gesch�ft�� es sei denn, es <emphasis>ist</emphasis> das Gesch�ft. Und wenn es nicht schlimmer w�re als Bol, w�rde ich Schlange stehen, um damit Handel treiben zu k�nnen.�</p><p>Anyi nickte, dann stie� sie einen langen Seufzer aus. �Es macht die Menschen tats�chlich unzuverl�ssig. Da war� ich hatte einen Freund. Wir haben zusammen gearbeitet, wir wollten� Dinge zusammen unternehmen. Mein Freund hat mir geholfen, als du mir gesagt hast, ich m�sse mich verstecken.</p><p>Aber das Geld ging uns erheblich schneller aus, als es h�tte der Fall sein d�rfen. Ich wusste, dass mein Freund Feuel nahm, aber er war deshalb nie von Sinnen. Als ihm das Feuel ausging, verlie� mein Freund das Versteck, um Nachschub zu besorgen. Ich ging nach nebenan, um mit der Frau des Nachbarn zu sprechen, daher war ich nicht zu Hause, als mein Freund zur�ckkehrte. Mit zwei Schl�gern. Ich habe sie streiten h�ren. Mein sogenannter Freund wollte mich verkaufen.�</p><p>Cery fluchte. �Wusste er, warum du dich versteckt hattest?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann wussten die Schl�ger es ebenfalls.�</p><p>�Ich nehme es an.�</p><p>Cery schaute zu Gol hin�ber.</p><p>�Sie wollten sie wahrscheinlich an jemanden verkaufen, der in einer besseren Position war, um sie gegen dich zu benutzen�, sagte der gro�e Mann. �Ihr Freund wird nur schnelles Geld gewollt haben.�</p><p>�Es gibt also zwei Schl�ger da drau�en, die zu viel wissen�, murmelte Cery und wandte sich zu Anyi um. �M�chtest du, dass dieser fr�here Freund get�tet wird?�</p><p>Sie sah ihn scharf an. �Nein.�</p><p>Er l�chelte. �H�ttest du etwas dagegen, wenn ich die Schl�ger t�ten lie�e?�</p><p>Ihre Augen weiteten sich, dann wurden sie schmal. �Nein.�</p><p>�Gut, denn ich h�tte sie in jedem Fall get�tet, ob du etwas dagegen gehabt h�ttest oder nicht, aber ich m�chte mir lieber sicher sein, dass wir die Richtigen erwischen, und das wird sich leichter machen lassen, wenn du sie uns herauspickst.�</p><p>Sie nickte. Dann warf sie ihm einen Seitenblick zu. �Wei�t du, niemand nennt das heute noch �rauspicken�. Das ist die Sprache der H�ttenviertel vergangener Zeiten.�</p><p>�Ich bin ein altmodischer Mann.� Sie bogen in eine breitere Stra�e ein, die voller Wagen, Menschen und L�rm war. Er senkte die Stimme. �Nur damit du Bescheid wei�t, der Grund f�r das heutige Treffen besteht darin, die Person zu finden, vor der du dich versteckt hast.�</p><p>Anyi, die sich auf der Stra�e umgeschaut hatte, hielt inne, um ihn anzusehen. �Ich sch�tze, das ist ein guter Grund. Darf ich zuschauen, wenn du ihn t�test?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Weil ich sie nicht t�ten werde. Ich bezweifle, dass ich es k�nnte, selbst wenn ich es versuchte.�</p><p>�Eine Frau. Warum kannst du sie nicht t�ten?� Sie warf ihm noch einen schnellen Blick zu, diesmal voller Verwirrung.</p><p>Er kicherte. �Keine Bange. Ich werde es dir erkl�ren, wenn der rechte Zeitpunkt kommt.�</p><empty-line/><p><emphasis>Ich wette, Regin w�nscht, er w�re hier,</emphasis> dachte Sonea, als die junge Heilerin an die Stirnseite der Gildehalle geleitet wurde. Die Frau war keine von den Heilerinnen, die in den Hospit�lern arbeiteten, daher kannte Sonea sie nicht gut. Vinara hatte berichtet, dass sie aus einem der weniger m�chtigen H�user der Stadt stammte�� eine j�ngere Tochter, die man in die Gilde geschickt hatte, damit sie der Familie zu h�herem Ansehen und zu kostenlosen Heilungen verhalf.</p><p>Die Heilerin war belauscht worden, wie sie berichtete, dass sie Magie f�r einen Schmuggler benutzt h�tte, und als die Information weitergeleitet worden war, hatten die H�heren Magier sie zu einer Anh�rung bestellt. Die Ger�chte behaupteten, bei dem Schmuggler h�tte es sich um ihren Vetter gehandelt. Es war das erste Mal, dass jemand angeklagt wurde, weil er gegen die neue Regel versto�en hatte, die es Magiern untersagte, f�r Verbrecher zu arbeiten.</p><p><emphasis>Es d�rfte interessant werden zu sehen, wie die H�heren Magier damit umgehen. Regin wird es gewiss in den Fingern jucken zu erfahren, was entschieden wird. Ich vermute, dass er mir heute Abend einen Besuch abstatten wird, um die Einzelheiten zu h�ren.</emphasis></p><p>Sie stellte fest, dass die Aussicht auf seinen Besuch ihr nicht allzu sehr zu schaffen machte. Obwohl sie sich in Regins Gesellschaft niemals ganz entspannen konnte, schien er ehrlich besorgt zu sein wegen der neuen Regel und ihrer Auswirkung auf das Wohlergehen von Magiern. Und er war nat�rlich erpicht darauf, mehr �ber die wilde Magierin zu erfahren. Aber er ritt nicht darauf herum, wie einige Magier es vielleicht getan h�tten, und er blieb niemals l�nger, als er willkommen war.</p><p><emphasis>Weil er ein Mann ist, der lieber zur Tat schreiten w�rde, als sich in Gejammer zu verlieren.</emphasis></p><p>Sie verharrte �berrascht. Hatte sie gerade etwas Bewundernswertes an Regins Charakter entdeckt? Gewiss nicht.</p><p>�ber die wilde Magierin hatte es keine Neuigkeiten gegeben. In den meisten N�chten arbeitete Sonea im selben Hospital auf der Nordseite, da sie wusste, dass ein Bote von Cery sie dort am einfachsten w�rde finden k�nnen. Aber seit er sie pers�nlich aufgesucht hatte, um ihr mitzuteilen, dass er sich die Hilfe eines anderen Diebes gesichert habe, hatte es keine Nachrichten von ihm gegeben.</p><p>Unter ihr wandte Administrator Osen sich den H�heren Magiern zu.</p><p>�Lady Talie wird angeklagt, die neue Regel gebrochen zu haben, nach der es einem Magier verboten ist, Anteil zu haben an verbrecherischem Tun oder davon zu profitieren�, begann er. �Wir m�ssen entscheiden, ob dies der Wahrheit entspricht und wenn ja, wie sie bestraft werden soll.� Er wandte sich zwei Magiern zu, die an einer Seite des Raums standen. �Ich rufe Lord Jawen als Zeugen auf.�</p><p>Einer der beiden, ein Heiler in mittleren Jahren, trat vor. Er runzelte die Stirn, und sein Bem�hen, Lady Talie nicht anzusehen, machte offenbar, dass es ihm Unbehagen bereitete, die Stimme gegen sie zu erheben.</p><p>�Erz�hlt uns bitte, was Ihr geh�rt habt�, forderte Osen den Mann auf.</p><p>Der Heiler nickte. �Eines Abends vor einigen Tagen holte ich Heilmittel aus einem Lagerraum, als ich im hinteren Teil des Raums Stimmen h�rte. Eine der Stimmen geh�rte Lady Talie. Ich h�rte sie ziemlich deutlich sagen, dass das, was sich in einigen Kisten bef�nde, illegal sei. Nun, das erregte meine Aufmerksamkeit, und ich hielt inne, um zu lauschen. Sie sagte ferner, dass sie nicht wissen wolle, was sich in diesen Kisten bef�nde. Dass sie sie transportiert und einen Mann geheilt habe, bevor sie nach Hause ging.� Die Falte zwischen seinen Brauen vertiefte sich. �Und dass irgendjemand dumm sei zu denken, ein einziger Mann k�nne etwas so Schweres und Gro�es von der Stelle bekommen.�</p><p>�Was habt Ihr danach getan?�, fragte Osen.</p><p>Jawen verzog das Gesicht. �Ich verlie� den Raum und machte mich wieder an die Arbeit. Ich brauchte Zeit, um dar�ber nachzudenken, was ich tun sollte. Einige Stunden sp�ter kam ich zu dem Schluss, dass ich Lady Vinara mitteilen m�sse, was ich geh�rt hatte.�</p><p>�Das ist alles, was Ihr geh�rt habt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann soll uns das f�r den Augenblick gen�gen.� Als der Mann zu seinem fr�heren Platz zur�ckkehrte, wandte Osen sich der jungen Heilerin zu. �Lady Talie, tretet bitte vor.�</p><p>Sie gehorchte. Ihr Mund war zu einer d�nnen Linie zusammengepresst, und zwischen ihren Augenbrauen stand eine Falte.</p><p>�Erkl�rt uns bitte, was Lord Jawen da mitangeh�rt hat.�</p><p>Talie holte tief Luft und stie� den Atem wieder aus, bevor sie antwortete. �Er hat das Wesentliche verstanden�, erkl�rte sie. �Ich habe tats�chlich gewisserma�en eine Kiste transportiert, die vermutlich voller illegaler Waren war�� obwohl ich das nicht mit Bestimmtheit wei�. Als Lord Jawen mich belauschte, machte ich mir Sorgen, ob das bedeutete, dass ich gegen eine Regel oder ein Gesetz versto�en hatte, und fragte eine Freundin nach ihrer Meinung.�</p><p>�Wie seid Ihr in eine Situation gelangt, in der Ihr die Legalit�t Eures Tuns hinterfragen musstet?�</p><p>Sie blickte zu Boden. �Ich wurde �berlistet. Nun, nicht �berlistet� aber ich hatte das Gef�hl, als k�nnte ich nicht nein sagen.� Sie sch�ttelte den Kopf. �Was ich meine, ist, dass jemand, von dem ich w�nschte, ich w�rde ihn nicht kennen, mich an den Ort brachte, an dem die Kisten waren; er hatte gesagt, jemand sei verletzt und brauche meine Hilfe. Er hat nicht wirklich gelogen. Es war tats�chlich jemand verletzt. Eine der Kisten war auf einen Mann gefallen, und sein Oberschenkelknochen war zerquetscht worden. Ich musste die Kiste von ihm herunterheben, damit ich ihn heilen konnte. Sobald ich das getan hatte, brachten sie mich wieder nach Hause.�</p><p>Ein Stich des Mitgef�hls durchzuckte Sonea. Die junge Frau h�tte den verletzten Mann unm�glich sich selbst �berlassen k�nnen. Nat�rlich h�tte sie erst gar nicht mit dem Schmuggler mitgehen d�rfen, aber sie war nicht aufgefordert worden, etwas Kriminelles zu tun. <emphasis>Doch obwohl das Heilen kein kriminelles Tun ist, k�nnte das Bewegen einer Kiste mit illegalen Waren als ein solches betrachtet werden.</emphasis></p><p>�Eure einzige Tat bestand also darin, eine Kiste zu versetzen und einen Mann zu heilen?�, hakte Osen nach.</p><p>�Ja.�</p><p>�Und Ihr wisst nicht mit Bestimmtheit, ob die Waren darin illegal waren.�</p><p>Sie verzog das Gesicht und sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>�Habt Ihr eine Entlohnung f�r Eure Hilfe bekommen?�</p><p>�Er versuchte, mir etwas zu geben, aber ich habe mich geweigert, es zu nehmen.�</p><p>�Ist das alles, was Ihr uns sagen k�nnt?�</p><p>Sie hielt inne, dann warf sie Lady Vinara einen unsicheren Blick zu. �Ich h�tte diesen Mann auf jeden Fall geheilt. Und die Kiste von ihm heruntergenommen. Ich h�tte ihn nicht so liegen lassen k�nnen.�</p><p>Osen nickte, dann wandte er sich an die H�heren Magier. �Habt Ihr irgendwelche Fragen an Lady Talie oder Lord Jawen?�</p><p>�Ich habe eine Frage an Lady Talie. Hat dieser Mann Euch schon fr�her um Gef�lligkeiten oder Dienstleistungen gebeten?�, meldete Lord Garrel sich zu Wort.</p><p>�Nein.�</p><p>�In welcher Verbindung steht Ihr dann zu ihm?�</p><p>Talie sah Osen an und biss sich auf die Unterlippe. �Er hat f�r meine Familie gearbeitet und ihr gelegentlich Gef�lligkeiten erwiesen, was allerdings Jahre zur�ckliegt. Es war, bevor irgendjemand wusste, dass er in illegale Gesch�fte verstrickt war.�</p><p>�K�nntet Ihr jemanden zu dem Geb�ude bringen, in dem diese Waren gelagert wurden?�</p><p>�Nein. Er hat daf�r gesorgt, dass die Fenster der Kutsche verh�ngt waren. Als wir ankamen, befand sich die Kutsche in einem gro�en Raum. Und selbst wenn ich w�sste, wo es war, ich bezweifle, dass die Waren noch dort sind.�</p><p>Bei dieser Bemerkung musste Sonea l�cheln. Die junge Heilerin hatte wahrscheinlich recht. Aber indem sie das sagte, hatte sie auch angedeutet, dass sie mehr �ber Schmuggelgesch�fte wusste, als eine Magierin aus einem der H�user wissen sollte.</p><p>Es kamen keine weiteren Fragen, daher schickte Osen Lord Jawen und Lady Talie aus der Halle. Als sie fort waren, stie� Lord Telano einen Seufzer aus.</p><p>�Das ist doch l�cherlich�, sagte er. �Sie hat nur getan, was alle Heiler tun sollten. Daf�r sollte sie nicht bestraft werden.�</p><p>�Sie wurde nicht bezahlt�, erg�nzte Garrel. �Sie hat nicht davon profitiert. Ich sehe hier kein Unrecht.�</p><p>�Die Regel verbietet eine Beteiligung an kriminellen Taten ebenso wie den Profit daraus�, bemerkte Vinara. �Aber ich gebe Euch recht. Das Umsetzen einer Kiste kann man kaum als Beteiligung an einem Verbrechen bezeichnen.�</p><p>�Trotzdem sollten wir Magier nicht ermutigen, sich mit solchen Leuten einzulassen�, sagte Lord Peakin.</p><p>�Was, wie wir j�ngst festgestellt haben, zu schwierig ist, um es zu erzwingen, und anscheinend ungerecht gegen�ber einigen Mitgliedern der Gilde�, rief Garrel ihm ins Ged�chtnis.</p><p>�Hat sie offenkundig eine Regel gebrochen?�, fragte Osen.</p><p>Keiner der Magier antwortete.</p><p>�Glaubt irgendjemand, dass sie bestraft werden sollte?�</p><p>Wieder meldete sich keiner der Magier zu Wort. Osen nickte. �Dann werde ich, sofern niemand mir widerspricht, erkl�ren, dass sie gegen keine Regel versto�en hat. Ich werde au�erdem bekannt geben, dass Lord Jawen sich richtig verhalten hat, indem er das Geh�rte meldete, und feststellen, dass Pr�fungen der neuen Regel sinnvoll sind und ermutigt werden sollen. Wir wollen nicht, dass irgendjemand die heutige Entscheidung als Hinweis darauf deutet, dass Gef�lligkeiten f�r zwielichtige Charaktere immer �bersehen werden.�</p><p>�Denkt Ihr, Lady Talie w�rde diesen Mann f�r die Wache identifizieren und seine Gesch�fte best�tigen?�, fragte Rothen, an Lady Vinara gewandt.</p><p>�Ich k�nnte mir vorstellen, dass ihr das widerstreben w�rde�, antwortete Vinara. �Wenn er genug Einfluss hatte, um sie dazu zu zwingen, dieses Lager zu betreten, dann hat er vielleicht auch genug Einfluss, um sie daran zu hindern, die Stimme gegen ihn zu erheben. Ich werde sie fragen, aber nur wenn die Wache ihrer Hilfe tats�chlich bedarf.�</p><p>�Sollte sie sich dazu bereitfinden und eine Verurteilung erzielt werden, wird das Verbrechern zur Abschreckung dienen, sich Magier zunutze zu machen�, sagte Osen. Er rief die junge Heilerin wieder herein und teilte ihr die Entscheidung mit. Sie wirkte erleichtert.</p><p><emphasis>Und vielleicht ein wenig ver�rgert, dass sie dies �ber sich ergehen lassen musste,</emphasis> bemerkte Sonea. Osen erkl�rte die Versammlung f�r beendet, und die H�heren Magier schickten sich an, die Halle zu verlassen. Als sie von ihrem Platz herabgestiegen war, wartete Rothen auf sie.</p><p>�Was denkst du?�, murmelte er ihr zu.</p><p>�Ich denke, die neue Regel wird wirkungslos sein, was den Versuch betrifft, Magier und Verbrecher voneinander fernzuhalten�, erwiderte sie.</p><p>�Aber in der Vergangenheit w�re jemand von ihrem Rang niemals angezeigt worden, nicht einmal dann, wenn ihre Tat offensichtlich unrecht gewesen w�re.�</p><p>�Nein, aber nichts wird verhindern, dass diese Art von Vorurteilen zur�ckkehrt, w�hrend die Magier die Einschr�nkungen der neuen Regel begreifen. Ich werde erst dann davon �berzeugt sein, dass es eine Verbesserung ist, wenn die Schikanen, denen Magier von niederer Herkunft ausgesetzt sind, nachlassen.�</p><p>�Denkst du, sie h�tte dem Verletzten geholfen, wenn es keinen Anreiz gegeben h�tte, dem Mann zu Gefallen zu sein, der sie darum gebeten hat?�</p><p>Sonea dachte �ber die Frage nach. �Ja, wenn auch nicht ohne eine gewisse Geringsch�tzung.�</p><p>Er lachte leise. �Nun, das ist jedenfalls eine Verbesserung gegen�ber der Vergangenheit. Dank deiner Hospit�ler h�lt man es nicht l�nger f�r akzeptabel, eine Heilung zu verwehren, weil der Patient sie sich nicht leisten kann.�</p><p>Sie sah ihn �berrascht an. �So sehr haben die Dinge sich ver�ndert? Aber gewiss hat Vinara nicht aufgeh�rt, Geld von Patienten zu verlangen, die zu den Heilerquartieren kommen.�</p><p>�Nein.� Er l�chelte. �Es ist eher eine Ver�nderung der Einstellung. Es ist nicht, nun ja, <emphasis>heilerm��ig,</emphasis> jemanden zu ignorieren, �ber den man zuf�llig stolpert und der dringend der Heilung bedarf. Das hei�t, wenn der Betreffende verletzt ist oder im Sterben liegt�� nicht wenn er einen Kater hat oder den Winterhusten. Es ist so, als sei das Ideal, nach dem ein Heiler jetzt strebt, eine Person mit Vinaras Klugheit und deinem Mitgef�hl.�</p><p>Sie starrte ihn ungl�ubig und best�rzt an.</p><p>Er lachte. �Ich w�rde liebend gern das Ende meines Lebens in dem Wissen erreichen, dass ich eine Ver�nderung zum Guten bewirkt habe, doch trotz all meiner Arbeit glaube ich nicht, dass es dazu kommen wird. Aber jetzt, da ich sehe, wie unbehaglich du dich bei dem Thema f�hlst, frage ich mich, ob ich daf�r nicht dankbar sein sollte.�</p><p>�Ihr <emphasis>habt</emphasis> etwas bewirkt, Rothen�, protestierte sie. �Ohne Euch w�re ich niemals Magierin geworden. Und was ist das f�r ein Gerede vom Ende Eures Lebens? Es wird noch Jahre�� Jahrzehnte�� dauern, bis Ihr anfangen m�sst, einen Grabstein zu planen, der die Steine aller anderen in den Schatten stellt.�</p><p>Er verzog das Gesicht. �Ein schlichter Stein wird vollauf gen�gen.�</p><p>�Das ist gut, denn bis dahin wird es kein Gold mehr in den Verb�ndeten L�ndern geben. Nun haben wir aber genug �ber Tod geredet. Regin geht zweifellos vor meiner T�r auf und ab und will wissen, wie wir uns entschieden haben, und ich w�rde dieses kleine Gespr�ch gern hinter mich bringen, damit ich vor der heutigen Nachtschicht noch ein wenig schlafen kann.�</p><empty-line/><p>Neun M�nner ritten jetzt jeden Tag neben Achatis Kutsche her�� vier sachakanische Magier, ihre Quellsklaven und einer der grauh�utigen M�nner vom Stamm der D�na aus dem Norden, dessen Dienste als F�hrtensucher man sich versichert hatte.</p><p>Dannyl war sich st�ndig bewusst, dass diese m�chtigen M�nner ihre behaglichen H�user verlassen und sich der Suche aufgrund der blo�en Vermutung angeschlossen hatten, dass Lorkin und Tyvara auf dem Weg in die Berge waren und dass die Verr�terinnen weiter versuchen w�rden, die beiden einzufangen. Wenn er sich irrte� es w�re �beraus peinlich.</p><p>Falls die vier Magier an Dannyls �berlegungen zweifelten, wussten sie es gut zu verbergen. Sie und Achati hatten dar�ber gesprochen, wie sie sich den Bergen n�hern und versuchen sollten, die F�hrte aufzunehmen. An diesem Gespr�ch hatten sie Dannyl zwar beteiligt, ohne jedoch Zweifel daran zu lassen, dass er hier nicht das Kommando f�hrte. Er kam zu dem Schluss, dass es das Beste sei, das zu akzeptieren, sie in allen Belangen um Rat zu fragen, aber stets klarzustellen, dass er entschlossen war, seinen Gehilfen zu finden, und sich nicht so leicht davon w�rde abbringen lassen.</p><p>Einer der Magier hatte Unh, den D�na, gefragt, ob er glaube, dass Lorkin und Tyvara auf dem Weg zu der Heimat der Verr�terinnen seien. Der Mann hatte genickt und auf die Berge gezeigt.</p><p>Der D�na sprach nur selten, und wenn er es tat, benutzte er so wenige Worte wie m�glich, um sich auszudr�cken. Er trug nur einen Rock aus Tuch, �ber den er einen G�rtel gebunden hatte. An dem G�rtel hingen kleine Beutel, fremdartige Schnitzereien und ein Messer in einer h�lzernen Scheide. Nachts schlief er im Freien, und obwohl er das Essen annahm, das die Sklaven ihm brachten, sprach er doch niemals mit ihnen oder kommandierte sie herum.</p><p><emphasis>Ich frage mich, ob all seine Leute so sind. Still, wachsam�</emphasis></p><p>�Woran denkt Ihr gerade?�</p><p>Dannyl blinzelte und sah Achati an. Der Sachakaner musterte ihn nachdenklich von dem gegen�berliegenden Sitz in der Kutsche.</p><p>�An Unh. Er hat so wenige Besitzt�mer und scheint so wenig zu brauchen. Und doch benimmt er sich nicht wie ein armer Mann oder ein Bettler. Er hat� W�rde.�</p><p>�Die D�na leben seit Jahrtausenden auf die gleiche Art und Weise�, erkl�rte Achati. �Sie sind Nomaden und ununterbrochen auf Reisen. Ich nehme an, Ihr w�rdet ebenfalls lernen zu behalten, was Ihr am dringendsten braucht, wenn Ihr es st�ndig bei Euch tragen m�sstet.�</p><p>�Warum reisen sie so viel?�</p><p>�Ihr Land ist unfruchtbar, versengt von der Asche der Vulkane im Norden. Alle paar hundert Jahre haben meine Leute versucht, das Land der D�na in ihren Besitz zu bringen, sei es durch Gewalt oder durch die Gr�ndung von St�dten und den Anspruch auf das Land, indem sie darauf siedelten. Im ersten Fall sind die D�na in den gef�hrlichen Schatten der Vulkane verschwunden, und in letzterem haben sie lediglich mit den Siedlern Handel getrieben und abgewartet. Es wird schnell klar, dass Ernten hier nicht wachsen und Tiere sterben, und jedes Mal hat mein Volk die D�rfer verlassen und ist nach Sachaka zur�ckgekehrt. Die D�na haben ihre alten Gepflogenheiten wieder aufgenommen und �� Achati brach ab, als die Kutsche um eine Biegung fuhr, und schaute aus dem Fenster. �Sieht so aus, als h�tten wir unser Ziel erreicht.�</p><p>Sie beobachteten, wie niedrige wei�e Mauern an der Kutsche vorbeiglitten, dann schlie�lich ein offenes Tor. Sobald die Kutsche anhielt, �ffnete Achatis Sklave die T�r. Dannyl folgte Achati ins Freie und betrachtete den Innenhof des Gutes und die mit dem Gesicht nach unten auf dem staubigen Boden liegenden Sklaven. Der Rest der Magier, ihre Sklaven und der D�na sa�en ab, und Achati trat vor, um nach dem obersten Sklaven zu fragen.</p><p><emphasis>Ich frage mich, wie viele dieser Sklavinnen Verr�terinnen sind,</emphasis> �berlegte Dannyl. Auf jedem Gut, auf dem sie abgestiegen waren, hatten die Sachakaner mit Erlaubnis der Besitzer die Gedanken der Sklaven gelesen. Sie hatten erfahren, dass viele glaubten, dass einige der von Sklaven und auch einige der von Ashaki gef�hrten Landg�ter in Wahrheit unter der Kontrolle der Verr�terinnen standen.</p><p>Dieses Gut wurde einem Ashaki geleitet. Dannyls Helfer waren zu dem Schluss gekommen, dass man hier am gefahrlosesten Nachforschungen anstellen konnte. Trotzdem �berlief Dannyl bei dem Gedanken, dass sie sich an einem Ort befinden k�nnten, der von Verr�terinnen kontrolliert wurde, ein kleiner Schauer der Erregung. Wenn die Sklaven alle Verr�terinnen waren, bedeutete das, dass sie auch Magierinnen waren? Wenn dem so war, waren sie den Besuchern zahlenm��ig �berlegen.</p><p>Aber selbst wenn sie alle Spioninnen und Schwarzmagierinnen waren, w�rden sie einen sehr guten Grund brauchen, um eine Gruppe zu Besuch weilender Ashaki anzugreifen. Die unausweichliche Vergeltung w�rde sie dazu zwingen, ihre Kontrolle �ber das Gut preiszugeben.</p><p>Der oberste Sklave brachte sie alle ins Herrenzimmer. Der Besitzer des Gutes, ein alter Mann, der humpelte, begr��te sie herzlich. Als sie den Grund ihres Besuches erl�uterten und erkl�rten, dass sie die Gedanken seiner Sklaven lesen mussten, stimmte er widerstrebend zu.</p><p>�Es ist wahrscheinlich, dass unter meinen Sklaven einige Verr�terinnen sind�, gab er zu, �wenn man bedenkt, wie nah wir den Bergen sind. Aber sie scheinen eine M�glichkeit zu haben, diesen Umstand aus ihren Gedanken fernzuhalten.� Er zuckte die Achseln und deutete damit an, dass er den Versuch, sie zu entdecken, aufgegeben hatte.</p><p>Nach einer Stunde waren die Gedanken s�mtlicher Sklaven bis auf einige Feldarbeiter gelesen worden. Die Ashaki in Dannyls Gefolge zogen sich in die G�stezimmer zur�ck, wo sie sich auf Kissen legten und �ber das Geh�rte sprachen, nachdem sie zuerst die Sklaven weggeschickt hatten, die sie bedienen sollten.</p><p>�Gestern Abend war eine Sklavin von einem anderen Gut zu Besuch�, sagte einer der Ashaki. �Sie wollte etwas zu essen f�r vier Personen.�</p><p>Ein anderer nickte. �Einer der Feldarbeiter hat eine einzelne Frau ankommen und wieder weggehen sehen. Sie hat die Verpflegung zu einem Wagen mit Viehfutter gebracht.�</p><p>�Wir haben gestern Abend von diesem Karren geh�rt�, bemerkte Achati. �Ist es derselbe? Ist es ungew�hnlich, dass ein Karren mit Viehfutter eine solche Reise unternimmt?�</p><p>�Es ist f�r wohlhabendere G�ter nichts Ungew�hnliches, Futter an weniger fruchtbare am Fu� der Berge zu schicken.�</p><p>�Sie sind in dem Karren�, erkl�rte eine neue Stimme. Alle blickten auf und sahen Unh in der T�r stehen. Er wirkte in dem Geb�ude seltsam deplatziert, wie Dannyl bemerkte. <emphasis>Wie eine Pflanze, von der man wei�, dass sie wegen Mangel an Sonnenlicht sterben wird.</emphasis></p><p>�Ein Sklave hat es mir soeben erz�hlt�, fuhr der Mann fort. Dann wandte er sich ab und ging davon.</p><p>Die Ashaki tauschten nachdenkliche Blicke. Keiner von ihnen hinterfragte Unhs Behauptung, wie Dannyl auffiel. <emphasis>Welchen Grund zu l�gen h�tte der D�na? Er wird daf�r bezahlt, Lorkin und Tyvara zu finden.</emphasis></p><p>Achati wandte sich an Dannyl. �Ihr hattet recht, Botschafter. Die Verr�terinnen wollen in der Tat, dass wir sie finden, und sie haben uns endlich einen Hinweis gegeben.�</p></section><section><title><p>25</p><p>Die Nachrichten des Boten</p></title><p>Die schlichten Lederschuhe, die Sklaven trugen, waren zwar nicht so stabil wie die Stiefel, mit denen die Gilde Lorkin sein Leben lang versorgt hatte, aber daf�r machten sie nur wenig L�rm. Das B�ndel, das er bei sich trug, war ihm zu Anfang zu klein und zu leicht vorgekommen, aber das Gewicht schien gewachsen zu sein, seit er es das erste Mal geschultert hatte. Tyvara hatte die F�hrung �bernommen und ging mit stetigen, gemessenen Schritten voran, w�hrend der Weg immer steiler und schwieriger wurde. Chari bildete mit untypischer Schweigsamkeit die Nachhut hinter Lorkin.</p><p>Sie hatten ihm geraten, nicht auf irgendeine offenkundige Art Magie zu benutzen, jetzt, da er sich in einem Gebiet befand, das von den Verr�terinnen kontrolliert wurde. Wenn sie die Barriere wahrgenommen hatten, die er errichtet hatte, um sich zu sch�tzen und die Luft um ihn herum warm zu halten, mussten sie zu dem Schluss gekommen sein, dass es keine offenkundige Benutzung von Magie war, da keine der Frauen etwas dar�ber bemerkt hatte. Obwohl er zuversichtlich war, dass die Verr�terinnen ihn nicht angreifen w�rden, solange er mit zwei Frauen aus ihren Reihen zusammen war, h�tte er doch nicht sein Leben darauf verwettet.</p><p>Sie hatten den Karren und die Stra�e vor einigen Stunden verlassen und wanderten zu Fu� �ber H�gel und durch T�ler, die zunehmend steiler und steiniger wurden. Keine der Frauen sprach. Lorkin stellte fest, dass er Charis Geplapper und ihre st�ndigen Fragen vermisste. Tyvara zog sich immer mehr in sich zur�ck, je weiter sie kamen. Ihre finsteren Blicke hatten ihn mit einem vage schlechten Gewissen erf�llt, aber er war sich nicht sicher, warum.</p><p><emphasis>Sie erwartet die Verurteilung durch ihre Leute, weil sie eine der ihren get�tet hat, was nicht geschehen w�re, h�tte sie mir nicht das Lehen gerettet.</emphasis></p><p>Abrupt verlangsamte Tyvara ihren Schritt, und er blieb stehen, um nicht mit ihr zusammenzusto�en. Als er �ber ihre Schulter blickte, sah er, dass hinter einer Anh�he eine Gruppe von Leuten vor zwei kleinen H�tten stand. Sie beobachteten, wie er, Tyvara und Chari n�her kamen.</p><p>Die H�tten waren klein und alt und von einem niedrigen Zaun umgeben. Von den Dachsparren hingen Tierh�ute, und an den Mauern lehnten mehrere Tragen, aber keiner der Versammelten sah aus wie ein J�ger. Alle trugen schlichte Kleidung aus feinem Tuch. Die meisten waren Frauen. Er bemerkte zwei M�nner unter ihnen und versp�rte einen Anflug von �berraschung. Nach allem, was Tyvara und Chari �ber ihre Leute gesagt hatten, hatte er beinahe erwartet, �berhaupt keine M�nner zu sehen.</p><p>Etwa hundert Schritte von der wartenden Gruppe entfernt blieb Tyvara stehen. Dann drehte sie sich zu Lorkin um und runzelte nachdenklich die Stirn.</p><p>�Ich kann f�r dich sprechen, wenn du willst�, erbot sich Chari.</p><p>Tyvara funkelte sie an. �Ich kann f�r mich selbst sprechen�, blaffte sie. �Bleibt hier.� Dann drehte sie sich um und stolzierte auf ihre Leute zu, w�hrend Chari und Lorkin zur�ckblieben und einen verwunderten Blick tauschten.</p><p>�Habt ihr zwei euch wegen irgendetwas gestritten?�, fragte er.</p><p>Chari sch�ttelte den Kopf und l�chelte. �Nein. Warum fragst du?�</p><p>�Sie hat sich nicht so benommen, als w�rt ihr Freundinnen.�</p><p>�Oh, zerbrech dir dar�ber nicht den Kopf.� Chari kicherte und schaute zu der Gruppe hin�ber. �Sie ist nur eifers�chtig. Und sie wei� es nicht.�</p><p>�Eifers�chtig weshalb?�</p><p>Chari sah ihn hochm�tig an. �Du wei�t es wirklich nicht? Ich habe mich immer gefragt, wie es kommt, dass im Rest der Welt M�nner das Sagen haben, obwohl sie doch st�ndig so begriffsstutzig sind.�</p><p>Er schnaubte leise. �Und ich brenne darauf zu erfahren, wie es den weiblichen Verr�terinnen gelingt, an der Macht zu bleiben, wenn sie genauso wie Frauen �berall sonst geneigt sind, sich mit indirekten Hinweisen und Anspielungen mitzuteilen.�</p><p>Sie warf den Kopf in den Nacken und lachte. �Oh, ich mag dich, Lorkin. Wenn Tyvara nicht zu sich kommt und�� Eine Stimme erklang, und sie wurde sofort wieder ernst. Sie schenkte ihm ein schiefes L�cheln. �Sieht so aus, als sei es an der Zeit, dich vorzustellen.�</p><p>Er folgte ihr zu den wartenden Verr�terinnen hin�ber. Tyvara beobachtete sie mit sorgenvoll gerunzelter Stirn. Chari sah ihre Freunde nicht an, sondern richtete ihre Aufmerksamkeit auf eine Frau in mittleren Jahren, deren langes Haar von grauen Str�hnen durchzogen war.</p><p>�Sprecherin Savara�, sagte sie respektvoll. Dann deutete sie mit einer anmutigen Bewegung auf Lorkin. �Lorkin, Gehilfe des Gildebotschafters Dannyl aus dem Land Kyralia.�</p><p>Die Frau l�chelte. <emphasis>�Lord</emphasis> Lorkin�, sagte sie. �Falls ich mich nicht irre.�</p><p>�Du irrst dich nicht�, erwiderte er und neigte den Kopf. �Es ist mir eine Ehre, dich kennenzulernen, Sprecherin Savara.�</p><p>Die Frau zog die Augenbrauen hoch. �Es ist h�flich von dir, das zu sagen nach allem, was du durchgemacht hast.� Sie holte tief Luft. �Zuerst m�chte ich dir von der K�nigin, aber auch von mir selbst, eine von Herzen kommende Entschuldigung wegen der St�rung, der Furcht und der Bedrohung f�r dein Leben zukommen lassen. Ob Tyvaras Taten f�r gerechtfertigt gehalten werden sollten oder nicht, du hast eine Menge erdulden m�ssen, und daf�r f�hlen wir uns verantwortlich.�</p><p>Es schien kein guter Augenblick zu sein, um Tyvara zu verteidigen, daher nickte er nur. �Danke.�</p><p>�Wenn du zum Gildebotschafter zur�ckkehren willst, k�nnen wir dich seinem sicheren Schutz �berstellen. Ich kann auch veranlassen, dass F�hrer dich an die kyralische Grenze bringen. Was w�rdest du vorziehen?�</p><p>�Noch einmal danke�, erwiderte Lorkin. �Ich bin mir dar�ber im Klaren, dass es eine Verhandlung geben wird, bei der Tyvaras Tun beurteilt werden wird, und ich w�rde wenn m�glich gern zu ihrer Verteidigung aussagen.�</p><p>Savara zog die Augenbrauen hoch, und ein �berraschtes Raunen ging durch die Reihen der Versammelten.</p><p>�Das w�rde bedeuten, dass man ihn ins Sanktuarium bringen m�sste�, bemerkte jemand.</p><p>�Die K�nigin w�rde dem niemals zustimmen.�</p><p>�Es sei denn, wir halten die Verhandlung au�erhalb des Sanktuariums ab.�</p><p>�Nein, das w�re zu gef�hrlich. Sollte es einen Hinterhalt geben, w�rden wir zu viele wertvolle Leute verlieren.�</p><p>�Niemand wird uns in einen Hinterhalt locken�, sagte Savara entschieden.</p><p>Sie drehte sich zu ihren Leuten um, und diese verfielen in Schweigen. Nachdem sie sich wieder Lorkin zugewandt hatte, musterte sie ihn nachdenklich. �Was du dir vorgenommen hast, ist bewundernswert. Ich werde dar�ber nachdenken. Wie viel wei� die Gilde �ber uns?�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. ��berhaupt nichts. Nun, zumindest haben sie von mir nichts erfahren. Ich habe mich mit niemandem dort in Verbindung gesetzt.�</p><p>�Und was ist mit dem anderen Gildemagier hier?�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Botschafter Dannyl?�</p><p>�Ja. Er ist euch gefolgt, seit ihr Arvice verlassen habt. Zusammen mit einem sehr m�chtigen sachakanischen Ashaki.�</p><p>�Ich hatte auch keine Verbindung zu Dannyl�, erwiderte Lorkin mit fester Stimme. �Aber es �berrascht mich nicht, dass er nach mir sucht. Er ist klug, und es ist unwahrscheinlich, dass er aufgeben wird.� Er hielt inne, w�hrend ihm die Wahrheit seiner Worte bewusst wurde. War Dannyl scharfsinnig und entschlossen genug, um ihm bis zum Sanktuarium zu folgen? �Wenn er mich bisher nicht aus den Augen verloren hat, dann geschah es ohne mein Zutun.�</p><p>�Aber zweifellos mit reichlich Hilfe von Verr�terinnen�, murrte Tyvara.</p><p>Savara sah sie an. �Du hast den wahrscheinlichen Preis f�r das Betreten der Stadt erl�utert?�</p><p>Tyvara z�gerte kurz, dann wandte sie den Blick ab. �Nein. Ich hatte gehofft, dass wir eine M�glichkeit finden w�rden, das zu umgehen.�</p><p>Die Sprecherin runzelte die Stirn, dann seufzte sie und nickte. �Ich werde sehen, was ich tun kann. Ruht euch aus und esst.�</p><p>Daraufhin zerstreute sich die Gruppe; einige der Leute gingen in die H�tten, andere setzten sich auf grobe, schmale Holzb�nke, die er f�r einen primitiven Zaun gehalten hatte. Er, Chari und Tyvara gingen zu einer der B�nke und streiften ihre B�ndel ab. Eine junge, wie eine Sklavin gekleidete Frau brachte ihnen kleine, mit Beeren gebackene Kuchen. Als er ihr dankte, l�chelte sie.</p><p>�Lorkin�, sagte Tyvara.</p><p>Er wandte sich zu ihr um. �Ja?�</p><p>�Du solltest Savaras Angebot annehmen. Kehr nach Kyralia zur�ck.�</p><p>�Nicht nach Arvice?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich� ich vertraue der anderen Partei nicht. Sie k�nnten abermals versuchen, dich zu t�ten.�</p><p>�Und wie willst du beweisen, dass sie es schon einmal versucht haben?�</p><p>Sie presste die Lippen zusammen. �Ich werde ihnen erlauben, meine Gedanken zu lesen.�</p><p>Er h�rte, wie Chari scharf die Luft einsog. �Das kannst du nicht tun�, zischte sie. �Du hast es versprochen�� Sie sah Lorkin an, dann biss sie sich auf die Unterlippe.</p><p>Tyvara seufzte. �Wir werden eine M�glichkeit finden, es zu vermeiden�, sagte sie zu Chari. An Lorkin gewandt, f�gte sie hinzu: �Der Preis, von dem Savara gesprochen hat� Wenn du ins Sanktuarium kommst, besteht die M�glichkeit, dass man dir nicht gestatten wird, wieder fortzugehen. W�rst du bereit, den Rest deines Lebens dort zu bleiben?�</p><p>Er starrte sie ungl�ubig an. <emphasis>Den Rest seines Lebens? Niemals Mutter oder Rothen oder seine Freunde wiedersehen?</emphasis></p><p>�Du hast es ihm nicht gesagt?�, fragte Chari, und ihre Stimme klang schockiert und ungl�ubig.</p><p>Tyvara wandte sich err�tend ab. �Nein. Ich konnte ihn nicht nach Arvice zur�ckschicken. Irgendjemand h�tte versucht, ihn zu t�ten. Ich wusste, sobald ich jemanden von unserer Partei fand, w�rde er in Sicherheit sein.� �Partei?�</p><p>�Lorkin hat den Ausdruck verwendet. Ich spreche von jenen von uns, die der gleichen Meinung sind wie die K�nigin und Savara, was die� meisten Dinge betrifft.�</p><p>Chari nickte. �Eigentlich kein schlechter Ausdruck.� Sie sah ihn an. �Wir haben es vermieden, uns irgendeinen Namen zu geben, weil das bedeutete, dass es einen Riss innerhalb der Verr�terinnen gibt, und wenn wir den beiden Seiten Namen g�ben, w�rde das die Leute nur dazu ermutigen, nun, f�r eine Seite Partei zu ergreifen.� Sie drehte sich zu Tyvara um. �Sie werden vielleicht nicht wollen, dass Lorkin bleibt, da er einer der Gr�nde f�r den Riss ist.�</p><p>�Niemand von der anderen Seite wird ihm genug vertrauen, um ihn gehen zu lassen, sobald er wei�, wo die Stadt sich befindet. Und ich denke, das Gleiche wird f�r die meisten Vertreter unserer Seite gelten.�</p><p>�Dann verbinden wir ihm die Augen und sorgen daf�r, dass er die Stadt nicht wiederfinden kann.�</p><p>Tyvara seufzte. �Wir wissen alle, wie gut das beim letzten Mal funktioniert hat.�</p><p>�Beim letzten Mal war es ein Sachakaner, und er war ein Spion�, bemerkte Chari. �Bei Lorkin liegt der Fall anders. Und wie soll das Sanktuarium jemals B�ndnisse mit anderen Nationen schlie�en und Handelsabkommen treffen, wenn wir niemals Besucher in die Stadt hinein- und wieder herauslassen?�</p><p>Tyvara �ffnete den Mund, dann schloss sie ihn wieder. �Es ist noch zu fr�h daf�r�, sagte sie. �Wir k�nnen nicht einmal einander trauen, geschweige denn Fremdl�ndern.�</p><p>�Nun, irgendwann m�ssen wir damit anfangen.� Chari wandte den Blick ab. �Du hast ihn bis hierher gebracht, und jetzt willst du ihn wegschicken. Ich denke, du hast zu gro�e Angst, f�r irgendjemanden die Verantwortung zu �bernehmen.�</p><p>Tyvara riss den Kopf hoch und funkelte ihre Freundin an. �Das ist�� Aber sie unterbrach sich. Ihre Augen wurden schmal. Sie stand auf, stolzierte davon und nahm einige Schritte entfernt wieder Platz. Chari seufzte.</p><p>�Keine Sorge�, sagte sie zu Lorkin. �Sie ist nicht immer so m�rrisch.� Sie sah ihn an und l�chelte. �Ich meine es ernst. Wenn sie nicht gerade krank vor Sorge ist, ist sie klug, witzig und recht liebenswert. Und anscheinend ziemlich gut unter der Decke, wie wir hier sagen.� Sie zwinkerte, dann wurde sie wieder ernst. �Wenn auch w�hlerisch. Nicht irgendein Mann f�r unsere Tyvara. Zerbrich dir dar�ber nicht den Kopf.�</p><p>Er sah sie an, �berrascht �ber diesen pl�tzlichen und unerwarteten Strom pers�nlicher Informationen, dann blickte er zu Boden und hoffte, dass seine Erheiterung und Verlegenheit nicht allzu offenkundig waren. <emphasis>Also, dies ist noch ein Punkt, in dem sich Verr�terinnen von kyralischen Frauen unterscheiden.</emphasis> Er dachte an einige der Frauen zur�ck, mit denen er im vergangenen Jahr das Bett geteilt hatte. <emphasis>Nun, vielleicht sind sie doch nicht so anders, aber gewiss gehen sie offener damit um.</emphasis></p><p>Was allerdings die Frage betraf, warum Chari versuchte, ihn zu beruhigen�</p><p>Pl�tzlich verstand er, was Chari ihm zu sagen versucht hatte. Sie dachte, zwischen ihm und Tyvara gebe es eine Art romantischer Beziehung. Sein Herz setzte einen Schlag aus. <emphasis>Nun, es hat tats�chlich einen Anflug davon gegeben, auf eine bedauerlich einseitige Weise.</emphasis> Seit er Tyvara das erste Mal begegnet war, hatte er sie reizvoll gefunden. In der Nacht, in der er beinahe ermordet worden w�re, hatte er gedacht, sie sei die Frau in seinem Bett, und der Gedanke hatte ihm sehr gefallen.</p><p><emphasis>Chari scheint nicht zu glauben, dass es einseitig ist. Hat sie recht?</emphasis></p><p>Er warf einen verstohlenen Blick auf Tyvara. Sie hatte sich wieder erhoben und schaute, die Stirn in Sorgenfalten gelegt, in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Als er sich umdrehte, sah er, was sie betrachtete. Zwei Frauen liefen den Pfad hinauf. Als sie vorbeikamen, h�rte Lorkin, dass sie vor Anstrengung keuchten.</p><p>Sie verschwanden in einer H�tte, und ein Augenblick angespannten Schweigens folgte, w�hrend alle abwarteten, dann kam Savara heraus, gefolgt von einer Handvoll Verr�terinnen und den beiden Frauen. Sie sagte etwas, und sofort verblassten die Lichtkugeln zu einem schwachen Schimmer.</p><p>�Wir m�ssen alle sofort aufbrechen�, erkl�rte sie. Sie schaute von einem zum anderen, bis ihr Blick schlie�lich auf Lorkin ruhte. �Die Magier, die Lord Lorkin suchen, kommen in diese Richtung, und sie sind jetzt zu sechst, einschlie�lich des Kyraliers. Teilt euch in drei Gruppen auf. Jede Gruppe wird von hier aus einer anderen Route folgen. Tyvara, Lorkin und Chari, ihr solltet mit mir kommen.�</p><p>Lorkin erhob sich und eilte auf sie zu. �Wenn ich mit Botschafter Dannyl rede, kann ich ihn gewiss davon �berzeugen, die Suche einzustellen.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ihn k�nntest du vielleicht �berzeugen, aber bei den anderen wird dir das nicht gelingen, wenn sie denken, dass sie uns diesmal vielleicht fangen k�nnen. Au�erdem haben sie einen Mann bei sich�� einen F�hrtensucher��, der Erfolg haben k�nnte, wo andere gescheitert sind.� Sie l�chelte grimmig. �Es tut mir leid. Ich wei� dein Angebot zu sch�tzen, aber das Risiko ist zu gro�.�</p><p>Lorkin nickte. Die Leute um ihn herum packten hastig zusammen und r�umten alle Spuren ihrer Anwesenheit fort. Eine Frau begann den Boden zu fegen, aber Savara hielt sie auf.</p><p>�Es hat keinen Sinn, s�mtliche Spuren zu verbergen. Wir wollen, dass sie sich entweder aufteilen oder der falschen F�hrte folgen.� Sie musterte Lorkin von Kopf bis Fu�. �Findet jemanden, dessen F��e von �hnlicher Gr��e sind wie seine, und lasst sie die Schuhe tauschen.�</p><p>Schon bald hatten die Verr�terinnen drei Gruppen von beinahe gleicher Gr��e gebildet. Savara befahl ihnen, bis zum Morgen zu wandern, ohne ihre Spuren zu verwischen, und sich dann mit den �blichen Vorsichtsma�nahmen auf den Weg zum Sanktuarium zu machen. Leise verabschiedeten sie sich von den anderen Gruppen, dann brachen sie auf. Lorkin kletterte mit Savaras Gruppe die steile Seite des Tals empor. Seine Aufmerksamkeit galt verschiedenen Fragen gleichzeitig: Er �berlegte, ob sein Verdacht in Bezug auf Tyvara der Wahrheit entsprach, er brannte darauf zu erfahren, wie Savaras Entscheidung ausfallen w�rde, und er machte sich Sorgen, dass Dannyl und die Sachakaner sie einholen w�rden.</p><p>Und wenn letzterer Fall eintraf, was w�rden die Sachakaner dann tun? Was w�rden die Verr�terinnen tun? W�rde es zu einem Kampf kommen? Er wollte nicht, dass jemand seinetwegen starb. <emphasis>Nun, nicht noch jemand,</emphasis> r�umte er ein.</p><p>Wenn es zum Kampf kam, was sollte er tun? W�rde er sich Dannyl anschlie�en, um eine Schlacht zu vermeiden, oder w�rde er sich auf die Seite der Verr�terinnen stellen, damit er Tyvara vor einer Hinrichtung retten konnte?</p><empty-line/><p>Cery drehte sich zu langsam, um dem Messer schnell und weit genug auszuweichen, das sich nun in seine Rippen dr�ckte. Er h�rte, dass Anyi ein leises Schnauben des Triumphs von sich gab.</p><p>�Gut�, sagte er und verkniff sich ein L�cheln, als er sie loslie� und zur Seite trat. �Jetzt hast du�s begriffen.�</p><p>Sie grinste und nahm das h�lzerne �bungsmesser wieder in die linke Hand.</p><p>�Obwohl du ein wenig zu hoch gezielt hast�, erkl�rte er ihr. �Du bist es gewohnt, mit Gol zu �ben.�</p><p>�Ich h�tte dich trotzdem geschnitten�, bemerkte sie.</p><p>�Ja, doch dein Messer w�re vielleicht an meinen Rippen abgeglitten.� Cery klopfte auf den unteren Teil seiner Brust, wo kurz zuvor ihr Messer gewesen war. �Was keine der f�nf Schwachstellen ist. Augen, Kehle, Magen, Lenden, Knie.�</p><p>�Manchmal ist es besser, einem Angreifer die Knie zu zerschmettern und wegzulaufen, statt zu versuchen, ihm einen Dolch ins Herz zu rammen�, sagte Gol. �Es kann schwierig sein, das Herz zu treffen. Rippen k�nnten die Waffe ablenken. Wenn du dein Ziel verfehlst, kann er dich verfolgen. Wenn du seine Knie erwischt hast, kann er das nicht mehr. Und er wird es vielleicht nicht erwarten.�</p><p>�Ein Stich in die Eingeweide wird ebenfalls langsam t�ten�, erg�nzte Cery. �Es macht nicht viel Spa�, verschafft dir aber genug Zeit, um es in Ruhe noch einmal zu versuchen.�</p><p>�Und du solltest nur dann t�ten, wenn du den Befehl dazu hast�, f�gte Gol hinzu.</p><p>�Ich sollte dich mit kleineren Personen �ben lassen.�</p><p>�Und mit j�ngeren�, sagte Anyi. Gol schnaubte, und sie wandte sich zu ihm um. �Komm schon. Ihr seid beide nicht mehr so schnell, wie ihr mal wart, und wenn irgendjemand jemanden auf deine F�hrte hetzt, wird er wohl kaum einen alten Auftragsm�rder aus dem Ruhestand holen, um dir eine faire Chance zu geben.�</p><p>Gol kicherte. �Sie hat nicht unrecht.�</p><p>Es klopfte an die T�r, und sie drehten sich alle um. Sie befanden sich in einem der oberen Lagerr�ume eines Bolhauses, das Cery geh�rte und das als �Die M�hle� bekannt war. Es war ein Ort, an dem er sich mit Personen aus seinem Territorium treffen konnte, die eine Audienz erbeten hatten. Die Gesch�fte mussten weitergehen, und das bedeutete, dass er ab und zu zur Verf�gung stehen musste. Wie bei all seinen H�usern gab es auch aus diesem jede Menge Fluchtwege.</p><p>Cery nickte Gol zu, der durch den Raum schritt, um die T�r zu �ffnen. Der gro�e Mann hielt inne, dann trat er beiseite. Im Eingang stand ein untersetzter, massiger Mann, der schon seit Jahren f�r Cery arbeitete.</p><p>�Ein Bote ist hier, um mit dir zu sprechen�, sagte er. �Von Skellin.�</p><p>Cery nickte. �Schick ihn herein.�</p><p>Gol nahm links von Cery Aufstellung, die Arme in seiner typischen besch�tzenden Pose �ber der Brust verschr�nkt. Anyi kniff die Augen zusammen, dann ging sie an Cery vorbei, um rechts von ihm Position zu beziehen. Als er sie ansah, erwiderte sie seinen Blick voller Trotz und forderte ihn heraus, ihr Tun infrage zu stellen. Er erstickte ein Lachen.</p><p>�Habe ich gesagt, der Unterricht sei vor�ber?�, fragte er und blickte zwischen ihr und Gol hin und her. Sein Leibw�chter blinzelte, dann sah er Anyi an. �Zur�ck an die Arbeit�, befahl Cery.</p><p>Er beobachtete, wie sie dorthin zur�ckkehrten, wo sie ge�bt hatten. Gol sagte etwas, worauf Anyi die Achseln zuckte und dann in Kampfstellung ging. <emphasis>Gut,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Falls Skellins Bote berichtet, dass ich einen neuen, weiblichen Leibw�chter habe, kann er geradeso gut auch �ber ihre F�higkeiten Bericht erstatten. Ich kann sie nicht f�r immer verstecken. Wenn irgendjemand mitbekommt, dass ich jemanden versteckt halte, wird er annehmen, dass es einen Grund daf�r gibt, und anfangen, Fragen zu stellen.</emphasis></p><p>Trotzdem kribbelte seine Haut, als eine Gestalt in die T�r trat. Es war eine Sache zu wissen, dass geliebte Menschen in Gefahr waren, weil man war, wer man war, aber eine ganze andere, sie tats�chlich in eine Position zu bringen, in der betr�chtliche Gefahr herrschte.</p><p>Skellins Bote war hager und hochgewachsen und hielt sich mit der st�ndigen Gespanntheit eines L�ufers. Er sah Cery in die Augen und nickte h�flich. Dann wanderte sein Blick zu Gol und Anyi, wobei Letztere gerade zu einem Angriff losgesprungen war. Gol konterte geschickt, aber sie brachte sich anmutig au�er Reichweite.</p><p>Wie Cery erwartet hatte, leuchtete in den Augen des Boten ein Funke Interesse auf, aber in seiner Miene stand mehr als nur professionelle Einsch�tzung. Pl�tzlich bedauerte Cery, dass er Anyi und Gol aufgetragen hatte, an die Arbeit zur�ckzukehren. Es kostete ihn gro�e Anstrengung, einen gelassenen Gesichtsausdruck und eine entspannte Haltung beizubehalten.</p><p>�Du hast eine Nachricht f�r mich?�, fragte er.</p><p>�Du bist Cery von der Nordseite?�, fragte der Mann zur�ck, obwohl in seiner Stimme kein Zweifel lag. Es war eine Formalit�t.</p><p>�Ja.�</p><p>�Skellin hat mir aufgetragen, dir mitzuteilen, dass er die Beute gefunden hat und eine Falle stellen will. Wenn du heute Abend bei Sonnenuntergang deine Freunde in die alte Schlachterei in der Inneren Westseite bringst, k�nnen sie ihr neues Scho� tier in Besitz nehmen.�</p><p>Cery nickte. �Danke. Wir werden dort sein. Du kannst gehen.�</p><p>Der Mann machte eine leichte Verbeugung, dann verlie� er den Raum. Gol ging zur T�r und schloss sie, bevor er sich umdrehte und Cery ernst betrachtete. �Du hast nur wenige Stunden Zeit.�</p><p>�Ich wei�.� Cery runzelte die Stirn. �Und meine Freundin wird noch nicht an ihrem Arbeitsplatz sein.�</p><p>�Sie werden von dort eine Nachricht an die Gilde schicken.�</p><p>�Die Gilde?�, wiederholte Anyi. Sie sah Cery durchdringend an. �Was geht hier vor? Ist das die Angelegenheit, von der du mir noch nichts erz�hlen konntest?�</p><p>Cery und Gol tauschten einen Blick. Der Leibw�chter nickte knapp.</p><p>Sie hatten seit dem Treffen mit Skellin dar�ber gesprochen, wann sie Anyi einweihen sollten. Wenn sie ihr von der wilden Magierin erz�hlten�� insbesondere, dass sie vermuteten, sie sei der J�ger der Diebe und die M�rderin seiner Familie��, w�rde sie mitkommen und zusehen wollen, wie die Frau gefangen wurde. Wenn er ihr befahl zur�ckzubleiben, w�rde sie ihm wahrscheinlich zuwiderhandeln und akzeptieren, dass er sie sp�ter daf�r bestrafte.</p><p>Sie hatte es sich keineswegs zur Gewohnheit gemacht, ihm zu trotzen, aber bei etwas so Gro�em w�rde sie es tun. Er an ihrer Stelle w�rde es jedenfalls. Er konnte ihr einfach nicht von der wilden Magierin erz�hlen, aber es bestand trotzdem die M�glichkeit, dass sie sich davonschleichen und ihm folgen w�rde, nur um es herauszufinden. Und wiederum, es war das, was er selbst getan h�tte.</p><p>Also waren er und Gol zu dem Schluss gekommen, dass ihnen nichts anderes �brig blieb, als sie bei der Gefangennahme der wilden Magierin einzubeziehen, indem sie ihr eine relativ ungef�hrliche Aufgabe zuwiesen. Einmal mehr w�rde sie eine seiner Schattenwachen sein. Diesmal w�rde sie um die Natur der Beute, auf die sie Jagd machten, wissen m�ssen. Bei diesem Feind half es nicht, sich einfach in den Kampf zu st�rzen, falls etwas schiefging. Einen Magier mit dem Messer anzugreifen war sinnlos und selbstm�rderisch.</p><p>�Ja, die Gilde. Es wird Zeit, dass du erf�hrst, womit wir es zu tun haben�, er�ffnete ihr Cery. �Aber zuerst muss ich einige Nachrichten ausschicken. Es gibt drei Dinge, die du aus der heutigen Nacht lernen wirst: Selbst der m�chtigste Dieb hat Grenzen, es zahlt sich aus, Freunde an hoher Stelle zu haben, und es gibt einige Dinge, die man am besten Magiern �berl�sst.�</p><empty-line/><p>Zwischen dem Moment, in dem Sonea an die T�r von Administrator Osens B�ro klopfte, und dem, als sie endlich aufschwang, geschah lange Zeit gar nichts. Als Osen sie hereinbat, war sein Blick leicht abwesend.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea, Lord Rothen�, sagte er z�gernd. �Ich habe Euch hierhergerufen, weil Botschafter Dannyl und die Sachakaner, die sich erboten haben, ihm zu helfen, kurz davor stehen, Lord Lorkin und seine Entf�hrer einzufangen.�</p><p>Soneas Herz h�rte zu schlagen auf, dann begann es zu rasen. Sie �ffnete den Mund, um zu fragen� Was? Was sollte sie als Erstes fragen? Wo war Lorkin? Verstanden die Sachakaner, dass sie ihn nicht t�ten durften?</p><p>�Wie lange wird es noch dauern, bis sie es tun?�, fragte Rothen.</p><p>�Dannyl kann es nicht genau sagen. Eine halbe Stunde. Vielleicht weniger. Ihr solltet es Euch besser bequem machen.�</p><p>Osen setzte sich hinter seinen Schreibtisch, und sie und Rothen benutzten Magie, um zwei Armsessel vor den Schreibtisch zu bewegen. Osen blickte ins Leere.</p><p><emphasis>Er ist durch einen Blutring mit Dannyl verbunden,</emphasis> vermutete sie. <emphasis>Was kann er sehen?</emphasis> Sie wollte verlangen, dass er alles, was er beobachtete, detailliert beschrieb, doch stattdessen holte sie tief Luft und stie� den Atem langsam wieder aus.</p><p>�Ihr habt von Entf�hrern im Plural gesprochen�, bemerkte sie. �Ist mehr als eine Person an der Entf�hrung beteiligt?�</p><p>Osen hielt inne, und sein Blick wanderte zu einem Punkt weit jenseits der W�nde des B�ros. �Ja. Mehrere Verr�terinnen. Unh denkt, es sind acht.�</p><p>�Unh?�</p><p>Der Administrator konzentrierte seinen Blick mit einiger M�he auf Sonea. �Ein Mann vom Stamm der D�na. Er ist ihr F�hrtensucher. Anscheinend macht er seine Sache ziemlich gut. Einen Moment�� Seine Miene ver�nderte sich, und ein eifriger Ausdruck trat in seine Z�ge. �Sie k�nnen sie sehen. Nur ganz fl�chtig��</p><p>Er schwieg und starrte qualvoll lange Augenblicke das Schreibpult an, ohne es zu sehen. Sonea wurde bewusst, dass sie die Armlehnen ihres Sessels umklammert hielt. Sie zwang sich, sich zu entspannen, und faltete stattdessen die H�nde im Scho�.</p><p>�Ah.� Osen lie� vor Entt�uschung die Schultern sinken.</p><p>�Was?�, fragte Rothen. Sonea sah ihn an. Er beugte sich mit gro�en Augen vor.</p><p>Osen sch�ttelte den Kopf. �Er ist nicht da. Nicht bei dieser Gruppe. Sie folgen der falschen Spur�� den falschen Leuten.� Er holte Luft, hielt den Atem an und seufzte schlie�lich. �Es gab anscheinend drei Spuren. Sie dachten, er sei bei dieser Gruppe, aber sie haben sich geirrt. Sie werden umkehren und es mit einer anderen Spur versuchen m�ssen.�</p><p>Sonea stie� einen frustrierten Seufzer aus. Rothen st�hnte und lehnte sich in seinen Sessel zur�ck. Schweigen erf�llte den Raum. Niemand sprach. Osens Blick war wieder in die Ferne gerichtet. Rothen massierte sich die Stirn.</p><p>Dann zuckten sie alle zusammen, als ein lautes Klopfen an der T�r ert�nte.</p><p>Osen machte eine Handbewegung. Die T�r wurde ge�ffnet, und ein Heiler trat ein. Der junge Mann sah Sonea an, l�chelte und eilte dann auf sie zu. In der Hand hielt er ein St�ck Papier.</p><p>�Verzeiht die St�rung, Administrator�, sagte er. �Ich habe eine dringende Nachricht f�r Schwarzmagierin Sonea.�</p><p>Sie nahm das Papier von ihm entgegen und nickte zur Antwort, als er eine knappe Verbeugung machte. Dann eilte er aus dem Raum. Als die T�r geschlossen war, blickte sie auf die Notiz hinab und faltete sie auseinander.</p><p><emphasis>Euer Freund in der Stadt sagt, sein Freund habe gefunden, worauf Ihr aus seid. Ihr m�sst bis Sonnenuntergang bei der alten Schlachterei in der Inneren Westseite sein. Bringt Euren anderen Freund mit.</emphasis></p><p>W�re sie in besserer Stimmung gewesen, h�tte sie �ber die vage und recht t�richte Formulierung gelacht. Aber dies war das Letzte, was sie brauchte. Wie konnte sie in die Stadt davonst�rmen, um die wilde Magierin zu fangen, wenn Lorkin jeden Augenblick gefunden werden konnte?</p><p>Eine Hand bewegte sich vor ihrem Gesicht und nahm ihr die Nachricht ab. Ihr Herz setzte einen Schlag aus, aber es war nur Rothen. Er �berflog die Notiz, sah Sonea an und kniff nachdenklich die Augen zusammen.</p><p>�Wie lange dauert es, bis sie an die Stelle zur�ckgekehrt sind, an der die Spuren sich getrennt haben?�</p><p>�Einige Stunden�, antwortete Osen, den Blick immer noch auf weit entfernte Dinge gerichtet.</p><p>�Und dann noch einige weitere, bevor sie die gleiche Strecke auf der anderen Spur zur�ckgelegt haben. Sollen wir dann zur�ckkehren?�</p><p>�Nat�rlich.� Osen sch�ttelte sich aus seiner Trance und sah seine beiden Besucher an. �Es tut mir leid. Diese Blutsteine erfordern eine bemerkenswert gro�e Konzentration. Ich sollte Dannyl den Ring abnehmen lassen, bis er abermals kurz davorsteht, Lorkin zu finden.� Er machte eine Handbewegung. �Geht.�</p><p>Rothen erhob sich, dann sah er sie erwartungsvoll an. Sonea stand widerstrebend auf. <emphasis>Wie kann ich jetzt fortgehen? Aber es wird noch Stunden dauern. Ich kann nicht hier herumsitzen und abwarten, w�hrend die wilde Magierin entkommt. Und wenn wir nicht auftauchen und Cery die wilde Magierin selbst stellt, k�nnte er verletzt werden.</emphasis></p><p>Sie zwang sich, sich zu bewegen, und folgte Rothen zur T�r und dann in den Flur hinaus. Lange Schatten zeichneten das Gel�nde der Gilde vor den T�ren der Universit�t. Der Heiler wartete auf sie und l�chelte nerv�s, als er sie bemerkte. Rothen winkte dem Mann zu.</p><p>�Hat jemand Lord Regin verst�ndigt?�, murmelte er.</p><p>Der junge Mann runzelte die Stirn und sch�ttelte den Kopf. Rothen wandte sich an Sonea. �Die Sonne wird bald untergehen. Du solltest dich besser sofort auf den Weg machen. Ich werde Regin finden und ihn zu dir ins Hospital schicken.�</p><p><emphasis>Das Hospital. Nat�rlich. Ich kann nicht direkt zur Inneren Westseite gehen. Das bedeutet, dass wir</emphasis> wirklich <emphasis>nicht viel Zeit haben�</emphasis></p><p>Endlich wurde ihr die Dringlichkeit ihrer Mission bewusst, und sie scheuchte Rothen weg. �Sagt ihm, er soll direkt dorthin gehen.� Dann wandte sie sich an den Heiler. �Seid Ihr mit einer Kutsche gekommen?�</p><p>Er nickte. �Sie steht drau�en f�r Euch bereit.�</p><p>�Guter Mann.� Sie l�chelte und rieb sich die H�nde. �Dann sollten wir aufbrechen.�</p></section><section><title><p>26</p><p>Eine lange Nacht</p></title><p>Es war Unh gewesen, der die verstreuten Halme neben der Stra�e bemerkt hatte. Er sagte, es k�nne sich dabei um Futter handeln, das aus einem Karren gefallen war, als er an dieser Stelle Halt gemacht hatte. Die Ashaki hatten der Angelegenheit nicht weiter nachgehen wollen, weil sie darauf erpicht waren, dem Karren zu folgen, aber Achati hatte sich auf die Seite des D�na geschlagen und die anderen scherzhaft daran erinnert, dass sie Unh nicht eingestellt hatten, um jemanden zu haben, den sie ignorieren konnten.</p><p>Der D�na fand die F�hrten von drei Personen�� eines Mannes und zweier Frauen in Sklavenschuhen��, die von der Stra�e wegf�hrten.</p><p>�Diesen Abdruck habe ich auch am letzten Ort gesehen�, erkl�rte Unh ihnen und deutete auf eine leichte Vertiefung in dem sandigen Boden. �Die Form ist l�nger und schm�ler als bei einem sachakanischen Fu�.�</p><p>Sie waren alle von Unh beeindruckt gewesen. Jetzt waren sie nicht so zufrieden mit ihm. Sie hatten die Kutsche und die Pferde mit Achatis Fahrer zum n�chsten Gut vorausgeschickt und den Weg zu Fu� fortgesetzt. Nachdem sie die Gerberh�tten gefunden hatten, waren sie einer der drei klaren Spuren gefolgt, die von dort wegf�hrten. Sie hatten es eilig gehabt, weil die Sonne dem Horizont entgegengesunken war. Lange Schatten und Zwielicht h�tten es schwierig f�r den F�hrtensucher gemacht, die feineren Einzelheiten der Fu�abdr�cke und anderer Spuren zu erkennen, denen er folgte. Die Sachakaner schufen kein Licht f�r ihn, da man sie in dieser offenen Landschaft schon von weitem h�tte sehen k�nnen. Niemand machte sich jedoch Sorgen, da die F�hrte noch klar genug war, um ihr folgen zu k�nnen.</p><p>Mit einem Aufwallen von Triumph hatte Dannyl die Gestalten in der Ferne ausgemacht. Aber das Gef�hl war nicht von langer Dauer gewesen. Es hatte sich in Best�rzung verwandelt, als ihm klar geworden war, dass Lorkin nicht zu dieser Gruppe geh�rte.</p><p>Viele Fl�che waren gefolgt. Die Verr�terinnen, die sie aufgesp�rt hatten, waren zu weit entfernt, als dass sie sie h�tten fangen und befragen k�nnen. Das h�tte zu viel Zeit gekostet, so dass Dannyl und seine sachakanischen Helfer zu den H�tten zur�ckgeeilt waren. Inzwischen war es Nacht, und es lie� sich nicht l�nger vermeiden, ein Licht f�r den F�hrtensucher zu schaffen. Um das Licht dorthin zu richten, wo er es brauchte, mussten sie dicht hinter Unh bleiben, und mehrmals zertrampelten sie die Spuren, nach denen der F�hrtensucher Ausschau hielt. Auf diese Weise kamen sie nur langsam und unter M�hen vorw�rts, und als Unh einige Stunden sp�ter die F�hrte vollends verlor, beschloss Achati, dass sie f�r die Nacht ein Lager aufschlagen und nach Sonnenaufgang weitergehen sollten.</p><p>Die Sklaven lie�en ihre Lasten mit offenkundiger Erleichterung fallen. Aber obwohl sie augenscheinlich ersch�pft waren, waren ihre Herren noch anspruchsvoller als gew�hnlich. Die Ashaki st�hnten und jammerten und lie�en sich von ihren Sklaven Beine und F��e massieren. Zuerst war Dannyl verwirrt, dann erinnerte er sich daran, dass die eine Art von Magie, �ber die die Sachakaner nicht verf�gten, die Kenntnis der Heilkunst war. W�hrend er seine Schmerzen und zahlreiche Blasen geheilt hatte, war ihnen nichts anderes �brig geblieben, als zu leiden.</p><p><emphasis>Mir war �berhaupt nicht klar, was f�r ein gro�er Vorteil das f�r uns ist. Es k�nnte ein bedeutsamer Vorteil sein, sollten unsere L�nder jemals wieder gegeneinander k�mpfen. Wenn wir beide einen langen Marsch auf uns nehmen m�ssen, um unseren Feind zu treffen, werden die Sachakaner diejenigen sein, die m�de von der Anstrengung sind und unter Schmerzen leiden.</emphasis></p><p>Der D�na erhob sich abrupt und verk�ndete, dass er versuchen wolle, die F�hrte wiederzufinden. Dannyl stand auf.</p><p>�M�chtest du ein wenig Hilfe?�</p><p>Der Mann l�chelte schwach und zuckte die Achseln. �Zwei Augenpaare sehen mehr als eins�, erwiderte er r�tselhaft.</p><p>Dannyl sah Achati an. �Braucht Ihr mich hier?�</p><p>Der Magier sch�ttelte den Kopf. �Geht nur. Ich w�rde Euch raten, einen Schild um Euch beide herum aufrechtzuerhalten. Die Verr�terinnen k�nnten uns beobachten. Sie werden es vielleicht nicht wagen, jemanden zu t�ten, aber wenn sie einen von uns verletzten, mussten wir uns aufteilen oder k�men langsamer voran.�</p><p>Als Dannyl Unh aus dem Lager folgte, schuf er eine Lichtkugel und lie� sie �ber dem Kopf des Mannes schweben. Er versuchte immer genau dort hinzutreten, wo der D�na hintrat, damit er auf keinen Fall irgendwelche anderen Spuren als die von Unh zertrampelte. Au�erdem blieb er mehrere Schritte hinter dem Mann. Der Abstand zwischen ihnen machte es zu einer betr�chtlichen Herausforderung, sie beide innerhalb eines Schildes zu behalten.</p><p>Die Sachakaner hatten ihr Lager in einer Senke zwischen zwei H�henz�gen aufgeschlagen. Unh ging um den k�rzeren Ausl�ufer einer Anh�he herum, ohne den Blick vom Boden zu heben. Nach einigen Schritten hockte er sich hin, starrte auf die Erde, blickte dann zu Dannyl auf und winkte ihn heran.</p><p>Dannyl trat n�her und betrachtete die Stelle, auf die Unh deutete.</p><p>�Seht her�, sagte der Mann. �Auf diesen Stein ist jemand getreten, dann hat er ihn zur�ck in die Erde gesto�en. Ihr k�nnt erkennen, in welche Richtung er ging. In Gehrichtung vorn ist eine kleine Rinne in der Erde zur�ckgeblieben, und hinten ist etwas Erde aufgeworfen.�</p><p>Jetzt, da der Mann ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, war es ziemlich offenkundig.</p><p>�Woher wei�t du, dass es ein Mensch war und kein Tier?�</p><p>Unh zuckte die Achseln. �Ich wei� es gar nicht. Aber es m�sste ein gro�es Tier gewesen sein, und die meisten von denen sind schon vor langer Zeit ausgerottet worden.�</p><p>Er erhob sich und machte sich auf die Suche nach weiteren Spuren. Dannyl folgte ihm, ganz darauf konzentriert, den Schild aufrechtzuerhalten, die Lichtkugel zu lenken und nur dort hinzutreten, wo der D�na hintrat. Wieder und wieder machten sie Halt, und Unh deutete auf ein Stofffetzchen, das sich an einem der wenigen verkr�ppelten B�ume verfangen hatte, oder auf deutliche Fu�abdr�cke an einer sandigen Stelle. Manchmal verbrachte Unh lange Augenblicke damit, den Boden zu untersuchen, und Dannyl nutzte die Gelegenheit, um sich umzuschauen, wobei er versuchte, sich nicht vorzustellen, dass jemand sie aus der Dunkelheit heraus beobachtete. W�hrend eines dieser Augenblicke schaute Dannyl zur Seite, und ihn �berlief ein Schaudern.</p><p>�Ist das eine H�hle?�, fragte er und deutete auf einen Spalt in dem steilen Hang.</p><p>Unh erhob sich und n�herte sich der dunklen �ffnung im Fels. Dabei fuhr er fort, den Boden abzusuchen.</p><p>�Hier ist noch niemand entlanggegangen�, sagte er. Er ber�hrte eine Seite der �ffnung. �Dies ist vor nicht allzu langer Zeit geschehen.�</p><p>Er winkte, und Dannyl eilte herbei. Gemeinsam sp�hten sie in die Dunkelheit. Dannyl zog Magie in sich hinein und schuf ein weiteres Licht, das er in die H�hle sandte. Steine f�llten den unteren Teil des Spalts aus, der nach unten abfiel, bevor er wieder eben wurde. Von den Seitenw�nden war nur ein kurzes St�ck zu sehen, bevor sie im Dunkeln verschwanden.</p><p>�Dort drin ist ein gr��erer Raum. Wollt Ihr nachsehen?�, fragte Unh.</p><p>Dannyl blickte zur�ck in Richtung Lager, das weit au�erhalb ihrer Sichtweite war, dann nickte er. Unh grinste, ein Gesichtsausdruck, der so gar nicht zu seiner gewohnten w�rdevollen Zur�ckhaltung passte. Ein Kribbeln durchlief Dannyl, nicht un�hnlich der Erregung, die er vor so langer Zeit versp�rt hatte, als er mit Tayend die Verb�ndeten L�nder erkundet hatte.</p><p>Unh deutete auf die �ffnung. �Ihr zuerst.�</p><p>Dannyl lachte leise. Nat�rlich. Sollten sie ein wildes Tier �berraschen oder auf Verr�terinnen sto�en, waren seine �berlebenschancen h�her als die des D�na.</p><p>Die Steine auf dem Boden waren locker, so dass er halb in den Spalt hineinrutschte. Als er sich umschaute, sah er nur Dunkelheit und die Andeutung von W�nden �berall um sich herum. Er hielt inne, als Unh sich zu ihm gesellte, dann machte er sein Licht heller.</p><p>Und duckte sich, als W�nde glitzernder Edelsteine vor ihm aufleuchteten. Ein Ger�usch hallte in dem Raum wider, und ihm wurde klar, dass er einen wortlosen Ausruf der Furcht ausgesto�en hatte.</p><p>Keine unbarmherzigen magischen Angriffe kamen. Ihm wurde bewusst, dass er schwer atmete und dass sein Herz in der Brust h�mmerte.</p><p>�Ihr habt so etwas schon einmal gesehen�, stellte Unh fest. Er musterte Dannyl interessiert.</p><p>Dannyl sah ihn an. �Ja.� Es hatte keinen Sinn, es abzustreiten. Seine Reaktion war offenkundig gewesen.</p><p>�Das hier ist nicht gef�hrlich.�</p><p>Der Mann sprach mit Zuversicht und Autorit�t. Jetzt war es an Dannyl, seinen Gef�hrten neugierig zu betrachten. �Du wei�t, was das ist?�</p><p>Unh nickte und sah sich um, und seine Miene war wissend und gl�cklich. �Ja. Diese Steine haben keine Macht. Sie sind nicht dazu geschaffen worden, Macht zu haben. Sie sind nat�rlich. Sicher.�</p><p>�Also wurden die Steine an dem Ort, an dem ich fr�her war, dazu geschaffen, gef�hrlich zu sein?�</p><p>�Ja. Von Menschen. Wo war dieser Ort?�</p><p>�In Elyne. Unter einer uralten Ruinenstadt.�</p><p>Unh nickte abermals. �In den Bergen hier lebte einst ein Volk. Es wusste um das Geheimnis der Steine. Aber es ist fort. Alle Dinge enden.� Er sch�ttelte den Kopf. �Nicht alle�, korrigierte er sich. �Einige Geheimnisse haben die D�na bewahrt.�</p><p>�Du <emphasis>wei�t,</emphasis> wie man Edelsteine mit Magie darin macht?�</p><p>�Nicht ich. Einige von meinem Volk. Die Vertrauensw�rdigen.� Seine Miene verd�sterte sich. �Und die Verr�terinnen. Vor langer Zeit kamen sie und schlossen einen Pakt. Aber sie haben ihn gebrochen und die Geheimnisse gestohlen. Das ist der Grund, warum ich den Sachakanern helfe, trotz der Dinge, die sie meinem Volk angetan haben. Die D�na haben den Verr�terinnen nicht vergeben.�</p><p>�Wissen die Verr�terinnen, wie man H�hlen wie die in Elyne macht?�, fragte Dannyl. Wenn er das gewusst h�tte, w�re er in diese H�hle niemals eingetreten wie ein Kind, das aus Spa� umherstreifte.</p><p>�Nein�, antwortete Unh. �Das wei� niemand. Selbst die D�na vergessen einige Dinge.�</p><p>�Das ist etwas, das man wahrscheinlich tats�chlich am besten vergisst.�</p><p>�Ja.� Unh grinste. �Ich mag Euch, Kyralier.�</p><p>Dannyl blinzelte �berrascht. �Danke. Ich mag dich auch.�</p><p>Der Mann wandte sich ab. �Wir gehen jetzt zur�ck zum Lager. Ich habe die F�hrte gefunden.�</p><p>Es war viel schwieriger, die H�hle zu verlassen, als sie zu betreten, da die Steine unter ihren F��en wegrutschten, aber der D�na bohrte die Zehen in die raue Oberfl�che an einer Seite der �ffnung und kletterte hindurch. Dannyl schuf eine kleine magische Scheibe unter seinen F��en und schwebte darauf aus der H�hle. Unh schien das sehr komisch zu finden.</p><p>Auf dem R�ckweg zum Lager waren sie viel schneller, da Unh nicht l�nger stehen bleiben und den Boden untersuchen musste. Dannyl stellte zu seiner Erleichterung fest, dass die Magier ihren Sklaven erlaubt hatten zu schlafen und diese hinter ihnen auf dem Boden lagen. Sie tranken irgendeine Art von Schnaps aus den kunstvollen Bechern, die sie mitgebracht hatten. Dannyl nahm ein Glas von der feurigen Fl�ssigkeit entgegen. Nur mit halbem Ohr lauschte er ihrem Gespr�ch �ber den Sohn eines Ashaki, der keinerlei Talent als H�ndler besa� und seine Familie in den Ruin treiben w�rde.</p><p>Im Geiste kehrte er immer wieder zu der Furcht zur�ck, die ihn befallen hatte, als er die Wand aus Edelsteinen gesehen hatte. <emphasis>Ich bin gar nicht auf den Gedanken gekommen, �ber den Wert dieser Steine als blo�e Juwelen nachzudenken, nicht einmal, nachdem ich mich beruhigt hatte. Hm. Ich glaube, beim letzten Mal ist mir dieser Gedanke auch nicht gekommen. Aber andererseits war ich ziemlich abgelenkt�</emphasis></p><p>Eine Erinnerung blitzte in ihm auf, die Erinnerung daran, dass er damals beim Aufwachen hatte feststellen m�ssen, dass alle Macht aus ihm gewichen war. Die Erinnerung an Tayend und die Erkenntnis dessen, was er w�hrend des gr��ten Teils seines Lebens vor sich selbst verborgen gehalten hatte. Dass er ein �Knabe� war. Dass er Tayend liebte.</p><p>Eine Welle der Traurigkeit �berflutete ihn. <emphasis>Ein Jammer, dass wir uns so sehr ver�ndern mussten. Statt umeinander herumzuwachsen in dieser romantischen Vorstellung von Paaren, die ineinander verschlungenen B�umen �hneln, haben wir uns unbehaglich ineinander verheddert und wetteifern jetzt um Wasser und Erde.</emphasis></p><p>Er schnaubte leise. Solch t�richte Bilder entsprachen eher dem Geschmack von Tayends Dichterfreunden. Er betrachtete die Sachakaner und Unh. Sie w�rden solche Ideen t�richt finden, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise.</p><p><emphasis>Wissen die Verr�terinnen von der H�hle? Unh sagte, die �ffnung sei erst unl�ngst entstanden. Ich bezweifle, dass die Sachakaner davon wissen. Soweit ich mich erinnere, ist der wesentliche Handelszweig der D�na der Verkauf von Edelsteinen. Ich frage mich, ob Unh vorhat, mit einigen seiner Leute zur�ckzukommen und sie zu ernten, bevor die Verr�terinnen sie entdecken.</emphasis></p><p>Dann erinnerte er sich an etwas, das Unh gesagt hatte. Die D�na verstanden sich darauf, Edelsteine mit magischen Eigenschaften zu fertigen. Es war schwer vorstellbar, dass ein solches Volk Zugang zu derart seltenem Wissen hatte und doch ein einfaches Nomadenleben f�hrte.</p><p><emphasis>Vielleicht ist es gar nicht so einfach.</emphasis></p><p>Wie kam es, dass die Verr�terinnen solche Macht besa�en, aber ihre verborgene Stadt niemals verlie�en? Offensichtlich hatten die Edelsteine Einschr�nkungen. <emphasis>Vielleicht mussten sie, um zu funktionieren, an einer Oberfl�che befestigt sein, in einer H�hle und in gro�er Zahl.</emphasis></p><p>Die Dokumente �ber den Lagerstein haben nicht besagt, dass er an irgendetwas befestigt war. Wenn er es gewesen w�re, h�tte es ihn wertlos gemacht, wenn man ihn davon entfernt h�tte. Warum also machten sie sich die M�he, den Dieb zu jagen?</p><p>Was er heute Nacht in Erfahrung gebracht hatte, w�rde Lorkin sehr interessieren. Aber Lorkin war bei den Verr�terinnen �</p><p>� und die Verr�terinnen hatten Kenntnis von magischen Edelsteinen.</p><p>Dannyl schnappte nach Luft.</p><p>Pl�tzlich begriff er etwas, das ihn in eine sehr unangenehme Lage bringen w�rde, was die M�nner betraf, mit denen er zusammen war, den sachakanischen K�nig, die Gilde und nicht zuletzt Lorkins Mutter.</p><p>Ihm war mit einem Mal klargeworden, dass durchaus die M�glichkeit bestand, dass Lorkin nicht gefunden werden wollte.</p><empty-line/><p>Nicht lange nach Sonnenaufgang hatte Savara auf einem hohen, den Elementen preisgegebenen Felskamm Halt machen lassen. Der Weg war im Laufe der Nacht immer steiler und zerkl�fteter geworden, und sie alle hatten winzige, schwache Lichter benutzt, die dicht �ber dem Boden schwebten und den Weg erhellten. Nachdem sie Wachen postiert und Sp�her ausgesandt hatten, gab Savara dem Rest der Gruppe Anweisung, sich direkt unterhalb des Gipfels des Felsenkamms, wo man sie nicht sehen konnte, niederzulassen und zu versuchen, ein wenig zu schlafen.</p><p>�Unsere Verfolger sind jetzt mehrere Stunden hinter uns�, sagte sie. �Sie werden ebenfalls Rast machen m�ssen, und sie sind im Gegensatz zu uns nicht daran gew�hnt, in solch unwirtlichem Territorium zu reisen. Wir werden unseren Weg nach Sonnenuntergang fortsetzen.�</p><p>Die �brigen Verr�terinnen trugen kleine B�ndel wie die, die Lorkin, Tyvara und Chari getragen hatten, seit sie den Wagen verlassen hatten. Jetzt stellte er fest, worum es sich bei dem B�ndel aus dickem Tuch handelte. Die Verr�ter entrollten ihre B�ndel, um sie als Matratze zu benutzen. Er hatte angenommen, es handele sich um eine Art Decke. Aber es ergab Sinn, dass sie eine Matratze einer Decke vorzogen: Ein Magier konnte die Luft erhitzen, aber er konnte den Boden nicht weicher machen.</p><p><emphasis>Gewiss nicht in dieser Gegend,</emphasis> dachte er, w�hrend er sich neben Chari und Tyvara ausstreckte. Das Gebiet bestand ganz aus Fels und Stein, und nur gelegentlich sah man einen verk�mmerten Baum. Als er Schritte h�rte, drehte er sich um und stellte fest, dass es Savara war. Hastig stand er wieder auf.</p><p>�Ich habe deinen Vorschlag �berdacht und mich mit der K�nigin beraten�, erkl�rte sie ihm. <emphasis>Zweifellos mithilfe eines Blutrings,</emphasis> dachte er. �Wenn du immer noch w�nschst, uns zum Sanktuarium zu begleiten, wird sie es gestatten. Aber nicht sie wird diejenige sein, die dar�ber entscheidet, ob man dir gestattet, wieder fortzugehen. Diese Entscheidung wird durch eine Abstimmung getroffen, was es wahrscheinlich macht, dass du wirst bleiben m�ssen. Es gibt viele, die f�rchten werden, dass du die Lage der Stadt verraten wirst, wenn man dich gehen l�sst.�</p><p>Lorkin nickte. �Ich verstehe.�</p><p>�Nimm dir ein wenig Zeit, um dar�ber nachzudenken�, sagte sie. �Aber ich werde deine Entscheidung brauchen, bevor wir heute Nacht wieder aufbrechen.�</p><p>Sie ging davon, kletterte die Anh�he hinauf und setzte sich in den Schatten eines gro�en Felsens. <emphasis>Sie h�lt Wache,</emphasis> �berlegte Lorkin. Er legte sich wieder nieder, obwohl er wusste, dass er aufgrund der Entscheidung, die er treffen musste, nicht w�rde schlafen k�nnen.</p><p>�Niemand w�rde schlecht von dir denken, wenn du nach Hause gehen w�rdest�, erklang eine Stimme in der N�he.</p><p>Er rollte sich herum und sah, dass Chari ihn beobachtete.</p><p>�Diese andere Partei�� die, die jemanden ausgeschickt hat, um mich zu t�ten��, wird sie es noch einmal versuchen, wenn ich ins Sanktuarium gehe?�, fragte er.</p><p>�Nein�, antwortete sie, ohne zu z�gern. �Eine unserer K�niginnen hat vor langer Zeit entschieden, dass es so etwas wie Morde im Sanktuarium nicht geben d�rfe. Ich denke, sonst w�ren einige unserer Leute zu dem Schluss gekommen, dass Mord, wenn er au�erhalb des Sanktuariums ein n�tzliches politisches Werkzeug ist, das auch innerhalb des Sanktuariums w�re. Im Sanktuarium ist Mord Mord, es sei denn, es handelt sich um eine Hinrichtung, was die Strafe f�r Mord ist.�</p><p>Lorkin nickte. <emphasis>Und das ist es, was Tyvara droht.</emphasis></p><p>�Besteht die M�glichkeit, dass eine Verr�terin meine Gedanken wird lesen wollen?�</p><p>�Sie werden alle einen Blick in deinen Kopf werfen wollen. Aber das ist ihnen nicht gestattet, es sei denn mit deiner Zustimmung. Es ist auch ein schwerwiegendes Verbrechen, die Gedanken eines anderen mit Gewalt zu lesen. Wenn wir das t�ten, h�tten wir zu gro�e �hnlichkeit mit den Ashaki.�</p><p>�Wenn ich mich also weigere� Gewiss werden sie sich davon �berzeugen wollen, dass ich gute Absichten habe, bevor sie mich in die Stadt lassen.�</p><p>�Sie w�rden es liebend gern tun. Aber Gesetz ist Gesetz. Einige der Gesetze sind ein wenig verr�ckt. Wie zum Beispiel das, nach dem die K�nigin entscheiden darf, ob ein Fremder die Stadt betreten darf, aber sie kann nicht entscheiden, ob der Betreffende die Stadt wieder verlassen darf.�</p><p>�Wenn ich nicht fortgehen darf, was wird man dann von mir erwarten?�</p><p>�Nat�rlich, dass du unsere Gesetze befolgst.� Sie zuckte die Achseln. �Dazu geh�rt auch, dass du dich an der Arbeit in der Stadt beteiligst. Du kannst nicht erwarten, dass man dir zu essen und ein Bett gibt, wenn du nicht in irgendeiner Weise mithilfst.�</p><p>�Das klingt gerecht.�</p><p>Chari l�chelte. �Noch weitere Fragen?�</p><p>�Nein.� Lorkin rollte sich auf den R�cken. �Zumindest jetzt nicht.�</p><p>Er hatte viel nachgedacht, seit er sich Sprecherin Savara und ihren Gef�hrtinnen angeschlossen hatte, und er wusste jetzt, dass er das Sanktuarium vielleicht nicht wieder w�rde verlassen d�rfen. W�hrend dieser Zeit hatte er Gr�nde aufgelistet, die f�r ein Betreten des Sanktuariums sprachen, und solche, die dagegen sprachen. Die Liste der Gr�nde, warum er es nicht tun sollte, war kurz:</p><p><emphasis>Ich bin nach Sachaka gekommen, um Dannyl zur Hand zu gehen, nicht um eigene Abenteuer zu verfolgen�� selbst wenn diese Abenteuer zu einem g�nstigen B�ndnis f�r die Gilde f�hren k�nnten.</emphasis></p><p>Er besa� nicht die Vollmacht, um ein B�ndnis auszuhandeln. Aber er brauchte die Verr�terinnen nur dazu zu bringen, dass sie Verhandlungen �berhaupt w�nschten. Dann konnte die Gilde jemanden schicken, der besser geeignet war. Jemanden wie Dannyl.</p><p><emphasis>Mutter wird das nicht gefallen.</emphasis></p><p>Aber dies war eine Entscheidung, die er selbst treffen musste. Trotzdem, bei dem Gedanken an sie versp�rte er Sehnsucht und Schuldgef�hle. Ihm gefiel die Vorstellung nicht, sie nie wiederzusehen. Oder nie wieder mit ihr zu sprechen. Er hatte noch immer keine Gelegenheit gehabt, ihren Blutring zu benutzen, ohne seine Existenz preiszugeben. W�rde man ihn durchsuchen, wenn er das Sanktuarium betrat? W�rden die Verr�terinnen ihm den Ring abnehmen, wenn sie ihn fanden? Wenn sie ihm mit solchem Argwohn begegneten, w�rden sie gewiss nicht wollen, dass er eine magische Vorrichtung benutzte, die es ihm gestattete, all seine Erkenntnisse der Gilde zu �bermitteln.</p><p>Er begann zu denken, dass er den Ring bald benutzen sollte, und sei es auch nur, um seine Mutter zu beruhigen. Und er sollte einen Platz suchen, an dem er ihn verstecken konnte.</p><p><emphasis>Ich will den Ring behalten, und damit ist das ein Grund, nicht in das Sanktuarium zu gehen. Aber es ist nur ein kleiner Grund. Und einer, den ich ausr�umen kann.</emphasis></p><p>Es gab jedoch viel mehr Gr�nde, die f�r ein Betreten des Sanktuariums sprachen. Zun�chst einmal war da Tyvara. Er konnte nicht einmal dar�ber nachdenken, sie im Stich zu lassen. Wenn er bei der Verhandlung nicht zu ihren Gunsten sprach, w�rde man sie vielleicht hinrichten. Sie hatte ihm das Leben gerettet und w�rde daf�r wom�glich sterben. Und das w�re dann ganz und gar seine Schuld.</p><p><emphasis>Selbst wenn ich w�sste, dass ihr nichts passieren wird, der Gedanke, sie nie wiederzusehen�</emphasis> Ihm wurde eng um die Brust, und sein Herz begann schneller zu schlagen. Er runzelte die Stirn. <emphasis>Dahinter steckt mehr als die Verpflichtung, ihr zu helfen. Ich mag sie wirklich. Sehr sogar. Aber ich wei� nicht, ob sie meine Gef�hle erwidert.</emphasis></p><p>Er dachte an die Andeutung, die Chari gemacht hatte. Die Frau glaubte, dass Tyvara tats�chlich Gefallen an ihm gefunden hatte. Aber Tyvara benahm sich nicht so. Sie schien entschlossen, ihn zur�ckzuweisen, sie setzte stets eine finstere Miene auf, wenn er mit ihr sprach, und sie versuchte, ihn dazu zu �berreden, nach Hause zur�ckzukehren. Wann immer sie das tat, versicherte ihm Chari, dass Tyvara ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie ihm nicht schon fr�her von dem Preis f�r das Betreten des Sanktuariums erz�hlt hatte, und dass sie nicht wollte, dass er um ihretwillen seine Freiheit opferte.</p><p><emphasis>Aber wenn ich mich von ihr dazu �berreden lasse, nach Hause zur�ckzukehren, h�tte sie mich nicht nur gerettet, sondern m�glicherweise auch ihr Leben f�r meines geopfert. Das kann ich nicht zulassen.</emphasis></p><p>Tyvara war nicht der einzige Grund, warum er ins Sanktuarium gehen sollte. Da war auch die M�glichkeit von Handel und B�ndnissen. So weit gekommen zu sein, diesen Verr�terinnen so nahe gekommen zu sein und nicht zu versuchen, irgendeine Art von �bereinkunft mit ihnen auszuhandeln, w�re eine gro�e Verschwendung gewesen. Er bezweifelte, dass Fremde h�ufig die Chance hatten, die Stadt der Verr�terinnen zu betreten und solche Vorschl�ge zu machen. Selbst wenn die Verr�terinnen keinen Gefallen an der Idee fanden, h�tte er sie zumindest darauf aufmerksam gemacht.</p><p>Aber wie realistisch war es zu hoffen, dass Leute, die in solcher Heimlichkeit lebten, eines Tages beschlie�en w�rden, mit der Gilde Handel zu treiben?</p><p><emphasis>Nun, wenn sie Kenntnisse �ber die Heilkunst erlangen wollen, wird ihnen nichts anderes �brig bleiben.</emphasis></p><p>Es war m�glich, dass die Verr�terinnen entscheiden w�rden, es sei sicherer, auf die Heilkunst zu verzichten und weiter verborgen vor der Welt zu leben. Aber das Risiko war es wert. Er musste zugeben, dass er sich irgendwie verpflichtet f�hlte, den Verrat seines Vaters wiedergutzumachen. Obwohl er ihnen Kenntnisse der Heilkunst niemals ohne Erlaubnis der Gilde geben w�rde, konnte er darauf hinwirken, diese Erlaubnis zu erhalten. Er hatte das Gef�hl, es den Verr�terinnen schuldig zu sein.</p><p><emphasis>Und wenn alles plangem�� verl�uft, werden wir als Gegenleistung auch etwas bekommen. Vielleicht nur diese F�higkeit, den Geist gegen das Lesen von Gedanken zu beschirmen, aber ich habe das Gef�hl, dass sie noch mehr zu bieten haben. Ich bin davon �berzeugt, dass diese Blockade mit irgendeinem Stein�� �hnlich einem Blutstein�� bewerkstelligt wird. Das k�nnte ein ganzes neues Gebiet von Magie sein, das erkundet werden m�sste.</emphasis></p><p>Auf keinen Fall w�rde die Gilde einem Handel mit den Verr�terinnen zustimmen, solange diese Lorkin gefangen hielten. Wenn die Verr�terinnen Kenntnisse der Heilkunst wollten, w�rden sie ihn irgendwann gehen lassen m�ssen. In der Zwischenzeit� Chari hatte Dokumente erw�hnt? Da sie mehrere Jahrhunderte lang im Verborgenen gelebt hatten, mussten die Verr�terinnen �ber historische Informationen verf�gen, auf die Dannyl noch nie zuvor gesto�en war. Dokumente, die zur Wiederentdeckung alter Magie f�hren k�nnten. Magie, die die Gilde zu ihrer Verteidigung benutzen konnte.</p><p><emphasis>Angenommen, es gibt diese Magie tats�chlich und sie kann zur Verteidigung benutzt werden, und es gelingt mir, die Information der Gilde zukommen zu lassen�</emphasis></p><p>Lorkin seufzte. Vielleicht war er zu optimistisch zu denken, dass die Verr�terinnen eines Tages ein B�ndnis mit der Gilde und den Verb�ndeten L�ndern eingehen w�rden und er seine Freiheit zur�ckgewinnen w�rde. Vielleicht war es reines Wunschdenken.</p><p>Und doch waren die Verr�terinnen viel bessere Menschen als jene, die den Rest von Sachaka regierten. Zum einen hassten sie Sklaverei. F�r sie waren alle gleich, M�nner und Frauen, Magier und Nichtmagier.</p><p>Au�erdem hatten sie durch ihre Spione ein unglaubliches Ma� an Einfluss auf das Land. Er musste zugeben, dass die M�glichkeit, sie k�nnten eines Tages Sachaka �bernehmen, reizvoll war. Das Erste, was sie tun w�rden, w�re zweifellos die Abschaffung der Sklaverei. Aber er glaubte nicht, dass sie die schwarze Magie aufgeben w�rden. Trotzdem, es w�re ein gro�er Schritt hin zu dem Ziel, dass Sachaka eins der Verb�ndeten L�nder wurde.</p><p><emphasis>Wie kann ich nach Arvice zur�ckkehren, nach allem, was ich dort gesehen habe? Die Sklaven, die furchtbare, auf Erbe und schwarzer Magie beruhende Hierarchie. Schlimmer kann die Gesellschaft der Verr�terinnen nicht sein.</emphasis></p><p>So viele Gr�nde, um ins Sanktuarium zu gehen. So wenige, um nach Arvice zur�ckzukehren.</p><p>Erst als er auf den F��en stand, wurde ihm klar, dass er sich erhoben hatte. Das Gef�hl der Entschlossenheit war berauschend. Er ging vorbei an den schlafenden Frauen zu Savara, die mit geschlossenen Augen an der Felswand lehnte.</p><p>�Ich werde ins Sanktuarium mitkommen�, er�ffnete er ihr, denn er vermutete, dass sie nicht schlief.</p><p>Sie riss die Augen auf und starrte ihn an; ihr Blick war beunruhigend intelligent. Er ertappte sich bei dem Gedanken, dass sie in ihrer Jugend eine bemerkenswerte Sch�nheit gewesen sein musste.</p><p>�Gut�, sagte sie.</p><p>�Aber du wirst mir erlauben m�ssen, mit Botschafter Dannyl zu reden�, f�gte er hinzu. �Er wird nicht aufgeben. Wenn du meine Mutter kennen w�rdest, dann w�rdest du verstehen, warum. Irgendwann wird er entweder das Sanktuarium finden, oder ihr werdet ihn t�ten m�ssen. Ich mag ihn recht gern und w�sste es zu sch�tzen, wenn ihr ihn nicht t�ten w�rdet. Und wenn ihr es t�tet, w�rde es wahrscheinlich Konsequenzen geben, die nicht gut f�r die Verr�terinnen w�ren.�</p><p>�Wie willst du ihm ausreden, dir weiter zu folgen?�</p><p>Er l�chelte grimmig. �Ich wei�, was ich ihm sagen werde. Aber ich werde allein mit ihm sprechen m�ssen.�</p><p>�Ich bezweifle, dass die Ashaki dich gehen lassen werden, wenn sie dich sehen.�</p><p>�Wir werden ihn von ihnen weglocken m�ssen.� Stirnrunzelnd dachte sie dar�ber nach. �Ich nehme an, das l�sst sich arrangieren.� �Danke.�</p><p>�Jetzt schlaf weiter. Wir werden ihnen erlauben m�ssen, uns wieder einzuholen, daher k�nnen wir uns in der Zwischenzeit genauso gut ein wenig ausruhen.�</p><p>Er kehrte zu seiner Matratze zur�ck und stellte fest, dass Tyvara sich hingesetzt hatte. Sie funkelte ihn an.</p><p>�Was?�, fragte er.</p><p>�Du solltest besser nicht auf die Idee kommen, zwischen dir und mir sei mehr, als tats�chlich da ist, Kyralier�, sagte sie mit leiser Stimme.</p><p>Er musterte sie, und Zweifel beschlichen ihn. Sie wandte sich ab und legte sich, mit dem R�cken zu ihm, wieder nieder. Er lie� sich ebenfalls auf seine Matratze sinken, obwohl Sorgen an ihm nagten.</p><p><emphasis>Vielleicht ist es tats�chlich einseitig�</emphasis></p><p>�Zerbrich dir nicht den Kopf dar�ber�, fl�sterte Chari. �Das tut sie immer. Je mehr sie jemanden mag, umso energischer st��t sie ihn weg.�</p><p>�Halt den Mund, Chari�, zischte Tyvara.</p><p>Lorkin, der auf dem harten Boden lag, wusste, dass an Schlaf nicht zu denken war. Es w�rde ein sehr langer Tag werden. Und er fragte sich langsam, ob es nicht vielleicht einen betr�chtlichen Nachteil hatte, in einer Stadt voller Frauen wie dieser zu leben.</p><empty-line/><p>W�hrend Regin �ber die letzten Stadien der Ichani-Invasion berichtete, verfluchte Sonea Cery noch einmal und versuchte, nicht zuzuh�ren.</p><p>Nachdem sie die Gilde verlassen hatte, waren sie und der Heiler, der ihr die Nachricht �berbracht hatte, mit einer Kutsche ins Hospital geeilt. Es kam ihr wie etwas vor, das sich am vergangenen Tag ereignet hatte, nicht nur wenige Stunden zuvor. Es hatte eine Verz�gerung gegeben, erinnerte sie sich. Ein Heiler, der neu im Hospital war, hatte sie mit Fragen bez�glich des Protokolls bombardiert. Sonea hatte dem Mann erkl�rt, dass er jeden der anwesenden Heiler fragen k�nne und sogar einige der Helferinnen, aber er schien ihnen nicht zu vertrauen. Als Sonea endlich weggekommen war, wartete Regin bereits auf sie.</p><p>Er kam in einem geschlossenen Wagen, der Vorr�te zu dem Haus seiner Familie transportierte. Sie hatte sich seltsam deplatziert auf der Ladefl�che eines alten Karrens gef�hlt, auf der sie beide leere Kisten als Sitzfl�chen benutzt hatten. Aber es war ein kluger Schritt gewesen. Wenn sie in einer Kutsche der Gilde ankamen, w�rden sie zu viel Aufmerksamkeit erregen.</p><p>Er hatte einige fadenscheinige alte M�ntel mitgebracht, die sie �ber ihren Roben tragen konnten. Daf�r war sie ungeheuer dankbar, obwohl sie sich auch ein wenig sch�mte, dass sie nicht dar�ber nachgedacht hatte, wie sie sich tarnen konnten.</p><p><emphasis>Nun, ich habe eine Menge im Kopf. Viel mehr, als Regin wei�. Und obwohl Cery von Lorkins Entf�hrung Kenntnis hat, hatte ich noch keine Chance, ihm zu erz�hlen, dass Dannyl bereits auf der Suche nach Lorkin ist.</emphasis></p><p>Als sie ihr Ziel erreicht hatten, war ein Mann auf sie zugekommen und hatte ihnen mitgeteilt, dass ihr Gastgeber sie erwarte�� sie brauchten nur an die letzte T�r auf der linken Seite der Gasse zu klopfen. Sie betraten die alte Schlachterei in der N�he des Hafens und des Marktes, deren Besitzer gezwungen worden war, sein Gesch�ft zu verlegen, als das Viertel wohlhabender geworden war und seine Bewohner w�hlerischer, was ihre Nachbarn betraf.</p><p><emphasis>Die Sonne ging unter. Wir haben uns Sorgen gemacht, dass wir zu sp�t kommen w�rden.</emphasis></p><p>Man hatte sie in einen gut eingerichteten Raum gef�hrt. Ein ungew�hnlich aussehender Mann hatte sich von einem der teuren Sessel erhoben, um sich vor ihnen zu verneigen. Er war dunkelh�utig wie ein Lonmar, aber seine Haut hatte einen r�tlichen Ton, und seine seltsamen, l�nglichen Augen hatten sie an Zeichnungen der gef�hrlichen Raubtiere erinnert, die durch die Berge streiften.</p><p>Er hatte jedoch v�llig akzentfrei gesprochen, sich als Skellin vorgestellt und ihnen ein Getr�nk angeboten. Sie hatten abgelehnt. Sie nahm an, dass es Regin ebenso wie ihr widerstrebte, seine Sinne vor einer m�glichen magischen Auseinandersetzung zu benebeln.</p><p><emphasis>Vielleicht h�tte ich doch etwas trinken sollen.</emphasis></p><p>Skellin war sichtlich aufgeregt, sie kennenzulernen. Als er endlich aufgeh�rt hatte, lautstarke Bemerkungen dar�ber zu machen, dass er echte Magier zu Besuch habe�� und die ber�hmte Schwarzmagierin Sonea pers�nlich��, erz�hlte er ihnen seine Geschichte. Er und seine Mutter hatten ihr Heimatland verlassen�� ein Land hoch oben im Norden��, als er noch ein Kind gewesen war. Faren, der Dieb, f�r den sie einst Magie benutzt hatte als Gegenleistung daf�r, dass er sie vor der Gilde verbarg, hatte ihn als seinen Erben gro�gezogen. Er erinnerte sich kaum noch an sein Heimatland und betrachtete sich als Kyralier.</p><p>Sonea hatte sich an dieser Stelle langsam f�r ihn zu erw�rmen begonnen, obwohl sie nicht vergessen hatte, dass er ein Feuel-Importeur war. Schlie�lich war Cery eingetroffen, und Skellin war ernst geworden. Er hatte seine Falle erkl�rt. Die wilde Magierin arbeitete, wie er erfahren hatte, f�r einen Feuel-Verk�ufer, der seine Ware in einem Lager in diesem Geb�ude einkaufte. Es sollte bald weiteres Feuel abgeholt werden. Was den Zeitpunkt betraf, konnte man sich niemals sicher sein. Manchmal kamen sie am fr�hen Abend vorbei, manchmal erst sehr sp�t.</p><p>Skellin hatte M�nner bereitstehen, die ihm mitteilen sollten, wann sie und der H�ndler eintrafen. Sie brauchten nur zu warten.</p><p><emphasis>Und gewartet haben wir,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Stunden und Stunden. Ich will jetzt nur noch zu Osen zur�ckkehren und herausfinden, ob Dannyl Lorkin schon eingeholt hat.</emphasis></p><p>Stattdessen hatte man sie und Regin dazu gedr�ngt, Geschichten �ber die Gilde zu erz�hlen. Skellin wusste, wie sie zur Magierin geworden war, aber nicht, wie Regin zur Gilde gelangt war. Obwohl Regins Geschichte kaum aufregend oder ungew�hnlich war, faszinierte sie Skellin dennoch. Danach hatte er wissen wollen, wie ihr Studium an der Universit�t aufgebaut war. Welche Regeln sie befolgen mussten. Welche Disziplinen es gab und wie sie aussahen.</p><p>Weniger angenehm wurde es, als er sie dr�ngte, die Ichani-Invasion zu beschreiben. �Ihr m�sst erstaunliche Geschichten zu erz�hlen haben�, hatte der Dieb grinsend gesagt. �Ich war nat�rlich nicht dabei. Meine Mutter und ich waren noch nicht in Kyralia eingetroffen.�</p><p>Regin hatte es ihr erspart, die schmerzhaftere Zeit ihrer Vergangenheit noch einmal zu durchleben, indem er an diesem Punkt das Erz�hlen �bernommen hatte. Sie fragte sich, ob er erraten hatte, wie schwierig es f�r sie gewesen w�re. So oder so, sie war ihm noch dankbarer als zuvor.</p><p><emphasis>Das sind schon drei Dinge, f�r die ich ihm heute Nacht danken muss,</emphasis> dachte sie. <emphasis>Der Wagen, der Mantel und dass er mich davor gerettet hat, unangenehme Erinnerungen noch einmal durchleben zu m�ssen. Ich sollte mich besser konzentrieren, bevor wir dieser Frau gegen�bertreten, oder ich werde�</emphasis></p><p>Ein Klopfen an der T�r unterbrach ihre Gedanken. Skellin rief einige leise Worte, und ein hagerer Mann in schwarzen Kleidern �ffnete die T�r.</p><p>�Sie sind da�, erkl�rte der Mann, dann verlie� er den Raum wieder.</p><p>Sonea seufzte vor Erleichterung, so leise sie es fertigbrachte. Sie alle erhoben sich. Skellin sah sie der Reihe nach an.</p><p>�Wenn Ihr es w�nscht, k�nnt Ihr Eure M�ntel hierlassen. Niemand au�er meinen M�nnern und der Frau wird Euch sehen.� Er l�chelte. �Ich freue mich darauf, Eure ber�hmten Kr�fte aus erster Hand mitzuerleben. Folgt mir.�</p><p>Sie gingen durch eine weitere T�r in einen langen Flur. Die Fenster am gegen�berliegenden Ende leuchteten schwach.</p><p><emphasis>Die Sonne wird bald aufgehen. Wir waren die ganze Nacht auf.</emphasis> Ein Stich der Furcht durchzuckte sie. <emphasis>Hat Dannyl Lorkin schon gefunden? Was ist, wenn Osen jemanden geschickt hat, um mich zu holen, und sie entdeckt haben, dass ich verschwunden bin? Selbst wenn er niemanden geschickt hat, wird es meinen Verb�ndeten im Hospital schwergefallen sein, den neuen Heiler daran zu hindern, nach mir zu suchen, um mir noch mehr Fragen zu stellen.</emphasis></p><p>Mittlerweile muss irgendjemand meine Abwesenheit bemerkt haben.</p><p>Aber wenn das der Fall war, w�rde es dennoch keine Rolle spielen. Wenn sie und Regin mit der wilden Magierin zur Gilde zur�ckkehrten, brauchte sie nicht l�nger zu verbergen, dass sie gelegentlich heimlich die Hospit�ler verlie�. Wenn Rothen recht hatte, w�rde sich niemand darum scheren. Alle w�rden sich auf die Entdeckung einer Magierin konzentrieren, die in der Stadt gelebt hatte und die nicht nur kein Mitglied der Gilde war, sondern auch aktiv f�r Verbrecher gearbeitet hatte.</p></section><section><title><p>27</p><p>Die Falle ist zugeschnappt</p></title><p>W�hrend Cery Skellin, Sonea und Regin aus dem Raum gefolgt war, hatte er sich vorgenommen, sich bei Sonea f�r die lange Nacht zu entschuldigen, die sie hatte ertragen m�ssen. Vielleicht hatte er nur deshalb bemerkt, wie unbehaglich sie sich bei Skellins Fragen nach der Ichani-Invasion gef�hlt hatte, weil er sie schon so lange kannte.</p><p><emphasis>Obwohl ich gedacht h�tte, dass jemand, der klug genug ist, um in so kurzer Zeit ein so m�chtiger Dieb zu werden wie Skellin, begreifen w�rde, dass sie wohl kaum �ber die Schlacht w�rde reden wollen, die zum Tod des Mannes gef�hrt hatte, den sie liebte.</emphasis></p><p>Cery war Regin unendlich dankbar gewesen, dass er an diesem Punkt �bernommen und es Sonea erspart hatte, die Geschichte zu erz�hlen oder Skellins Bitte abzuschlagen. Die Ironie des Ganzen lie� Cery schmunzeln. Regin war der letzte Mensch, von dem er je gedacht h�tte, dass er ihm einmal wegen seiner R�cksichtnahme dankbar sein w�rde.</p><p>Am Ende des langen Flurs gingen sie eine Treppe zum oberen Stockwerk des alten Geb�udes hinauf. Skellin f�hrte sie zu einer geschlossenen T�r. Er hielt inne, w�hrend er eine Hand auf den T�rknauf legte und Sonea und Regin ansah. �Bereit?�</p><p>Die beiden Magier nickten.</p><p>Skellin �ffnete die T�r und ging hindurch, dann trat er beiseite, als sei er erpicht darauf, nicht zwischen die Magier und ihre Beute zu geraten. Cery folgte Sonea und Regin in einen riesigen Raum voller Kisten, der von etlichen Lampen erhellt wurde. Er bemerkte vier Personen, die sich umgedreht hatten, um festzustellen, wer eingetreten war. Drei waren M�nner, und eine war eine Frau in einem Umhang; sie hatte die Kapuze hochgezogen, die alles bis auf die dunkle Haut ihres Kinns verbarg. Zwei der M�nner wirkten angesichts der St�rung sorglos und wenig �berrascht. Der dritte schaute von Skellin zu den Magiern und senkte den Blick auf ihre Roben. Er wirkte erschrocken und ver�ngstigt.</p><p>Aber die Reaktion der Frau war die dramatischste. Sie wich zur�ck, dann hob sie die Arme, als wolle sie einen Schlag abwehren. Die Luft vibrierte schwach. Sonea und Regin tauschten einen wissenden Blick. Dann wandten sie ihre Aufmerksamkeit wieder der Frau zu. Sie heulte �berrascht auf und presste die Arme an den K�rper.</p><p><emphasis>Oder ist das eine unwillk�rliche Bewegung?,</emphasis> �berlegte Cery. Es <emphasis>sieht aus, als h�tte sich etwas Unsichtbares um sie gelegt.</emphasis></p><p>Die Magier hielten inne, als warteten sie auf etwas, aber nichts geschah. Sonea sah wieder zu Regin hin�ber, dann ging sie auf die Frau zu.</p><p>�Wie ist Euer Name?�, fragte sie.</p><p>�F-Forlie�, antwortete die Frau, die Sonea mit gro�en Augen anstarrte.</p><p>�Wusstet Ihr, Forlie, dass alle Magier in den Verb�ndeten L�ndern Mitglieder der Magiergilde sein m�ssen?�</p><p>Die Frau zuckte nicht mit der Wimper. Sie schluckte h�rbar und nickte.</p><p>�Warum seid Ihr dann kein Mitglied der Gilde?�, hakte Sonea nach. Es lag keine Anklage in ihrer Stimme, nur Neugier.</p><p>Die Frau blinzelte, dann sah sie Skellin an. �Ich� ich wollte es nicht.�</p><p>Sonea l�chelte, und obwohl es ein beruhigendes L�cheln war, lag doch auch Traurigkeit darin. �Wir m�ssen Euch jetzt in die Gilde bringen. Sie werden Euch nichts zuleide tun, aber Ihr habt ein Gesetz gebrochen. Sie werden entscheiden m�ssen, was mit Euch zu geschehen hat. Wenn Ihr keine Schwierigkeiten macht, wird das auf lange Sicht besser f�r Euch sein. Werdet Ihr still und leise mit uns kommen?�</p><p>Forlie sah abermals Skellin an, dann nickte sie. Sonea streckte eine Hand nach ihr aus. Welche Macht Sonea oder Regin auch immer benutzt hatte, um ihr die Arme an den Leib zu pressen, jetzt wurde sie zur�ckgenommen, und die Schultern der Frau entspannten sich. Zaghaft ergriff sie Soneas Hand. Die beiden gingen zu Regin hin�ber. Alle im Raum entspannten sich, wie Cery bemerkte. Die drei M�nner wirkten erleichtert. Skellin wirkte zufrieden. Sonea und Regin wirkten grimmig, aber ebenfalls erleichtert. Forlie�</p><p>Cery runzelte die Stirn, dann ging er auf die Frau zu und zog ihr die Kapuze vom Kopf. Als er ihr Gesicht sah, erschrak er.</p><p>�Das ist sie nicht. Das ist nicht die wilde Magierin.�</p><p>Es folgte ein Moment der Stille, dann h�stelte Skellin. �Nat�rlich ist sie es. Sie hat Magie benutzt, nicht wahr?� Er sah Sonea und Regin an.</p><p>�Ja�, stimmte Regin zu.</p><p>�Dann muss es zwei wilde Magierinnen geben�, sagte Cery. �Es mag dunkel gewesen sein, als ich sie gesehen habe, aber Forlie hat keinerlei �hnlichkeit mit der Frau, die ich Magie habe wirken sehen.�</p><p>�Sie hat dunkle Haut und ist im richtigen Alter. Du hast sie nur von oben gesehen. Wie kannst du dir so sicher sein?�</p><p>�Die Form ihres Gesichts ist vollkommen falsch.� Au�erdem war auch die Haut der Frau zu hell. Sie hatte Lonmar als Vorfahren, vermutete er, und den typischen K�rperbau dieses Volkes. Aber die Frau, die er im Laden des Pfandleihers gesehen hatte, war von ganz anderem Wuchs gewesen. �Sie ist zu gro�.�</p><p>�Das hast du mir bisher noch nicht erz�hlt�, bemerkte Skellin.</p><p>Cery musterte ihn. �Ich sch�tze, ich hielt es nicht f�r lohnend, Einzelheiten zu berichten, solange es nur eine Frau in der Stadt gab, die Magie wirkte.�</p><p>�Es w�re n�tzlich zu wissen gewesen.� Einen Moment lang trat eine Falte zwischen Skellins Brauen, dann zuckte er seufzend die Achseln. �Nun, ich sch�tze, es ist nach wie vor n�tzlich. Du kannst die andere Magierin f�r uns identifizieren.�</p><p>Als Cery Sonea anblickte, sah er, dass sie den Kopf sch�ttelte. Er erinnerte sich daran, welche Sorgen sie sich gemacht hatte, dass sie dabei ertappt werden k�nnte, wie sie ohne Erlaubnis durch die Stadt streifte.</p><p>�Wird das ein Problem f�r Euch sein?�, fragte er.</p><p>�Nein�, antwortete Regin entschieden. �Aber es k�nnte ein Problem f�r dich sein. Sobald sich herumspricht, dass wir diese� dass wir Forlie gefangen haben, wird die andere wilde Magierin vorsichtiger sein. Es wird nicht leicht sein, sie zu finden.�</p><p>�Es war von vornherein nicht leicht, sie zu finden�, bemerkte Skellin.</p><p>Regin sah den Dieb an. �Wirst du uns abermals behilflich sein?�</p><p>�Selbstverst�ndlich.� Skellin l�chelte.</p><p>Als der Blick des Magiers in seine Richtung wanderte, verneigte sich Cery. �Wie immer.�</p><p>�Dann werden wir auf deine n�chste Nachricht warten�, sagte Sonea. �In der Zwischenzeit m�ssen wir so schnell wie m�glich in die Gilde zur�ckkehren.� Sie schaute weg. Als Cery ihrem Blick folgte, sah er, dass �berall in dem riesigen Raum Fenster waren und dass das Licht der Morgend�mmerung sie bereits erhellte.</p><p>�Ja�, ergriff Skellin das Wort. Er machte eine absch�tzende Handbewegung in Richtung der drei M�nner, die noch immer vor den Kisten standen und das Geschehen verwundert verfolgten. �Geht wieder an die Arbeit�, befahl er ihnen. �Und nun lasst mich Euch nach drau�en geleiten�, sagte er zu den Magiern. �Hier entlang.�</p><p>Forlie sagte nichts, w�hrend sie die Magier und Diebe begleitete. Sie gingen wieder die Treppe hinunter, durch den breiten Flur und in den Raum, in dem sie den gr��ten Teil der Nacht verbracht hatten. Die Magier holten sich ihre M�ntel und traten nach drau�en in die Gasse. Skellin w�nschte ihnen alles Gute und f�gte hinzu, dass er sich melden werde, sobald er ihnen etwas zu berichten habe. Am Ende der Gasse blieb Cery stehen.</p><p>�Viel Gl�ck und all das�, sagte er zu Sonea. �Ich melde mich.�</p><p>Sie l�chelte. �Danke f�r deine Hilfe, Cery.�</p><p>Er zuckte die Achseln, dann wandte er sich ab und ging zu Gol hin�ber, der, verborgen in der Dunkelheit eines T�reingangs gegen�ber der alten Schlachterei, auf ihn wartete.</p><p>�Wer war das?�, fragte der gro�e Mann, als er Cery entgegenkam.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea und Lord Regin.� �Nicht <emphasis>sie.�</emphasis> Gol verdrehte die Augen. �Die Frau.� �Die wilde Magierin.�</p><p>�Nein, das ist sie nicht.�</p><p>�Nicht unsere wilde Magierin. Eine andere.�</p><p>�Du nimmst mich auf den Arm?�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Ich w�nschte, es w�re so. Anscheinend sind wir immer noch auf der Jagd nach unserer wilden Magierin. Ich werde es dir sp�ter erkl�ren. Lass uns nach Hause gehen. Es war eine lange Nacht.�</p><p>�Und ob�, murmelte Gol. Er drehte sich um. Cery, der seinem Blick folgte, sah, dass Regin und Sonea immer noch vor ihrem Wagen standen und redeten.</p><p>�Das ist seltsam. Sonea hatte es eilig, in die Gilde zur�ckzukehren�, sagte Cery.</p><p>�Die ganze Angelegenheit war von Anfang an seltsam�, jammerte Gol.</p><p><emphasis>Er hat recht,</emphasis> dachte Cery. <emphasis>Und nichts ist seltsamer als der Umstand, dass Sonea Forlie �gefangen� hat. Die Art, wie die Frau Skellin ansah, als Sonea ihr eine Frage stellte� als erwarte sie Anweisungen von ihm.</emphasis></p><p>Es gab keinen Zweifel. Irgendetwas stimmte da nicht. Aber sie hatten eine wilde Magierin gefangen. Vielleicht nicht die wilde Magierin, von der er vermutete, dass sie etwas mit dem Tod seiner Familie zu tun hatte, aber zumindest gab es eine wilde Magierin weniger, die skrupellose Typen wie er selbst anheuern konnten. Das Leben in der Unterwelt der Stadt war gef�hrlich genug, auch ohne dass Magier ihre Dienste feilboten.</p><p><emphasis>Obwohl es n�tzlich w�re, einen Magier zu haben, den man ab und zu in Dienst nehmen konnte. Es k�nnte die Suche nach dem M�rder meiner Familie erheblich vereinfachen.</emphasis></p><p>Aber eines wusste er mit Bestimmtheit: Die n�chste wilde Magierin w�rde sich nicht so leicht fangen lassen.</p><empty-line/><p>Lorkin sa� auf einem ausgetrockneten alten Baumstamm und wartete. Irgendwo vor ihm waren mehrere sachakanische Magier und ihre Sklaven, ein D�na und der kyralische Botschafter auf dem Weg zu ihm. Irgendwo hinter ihm warteten Tyvara und Chari. Und �berall um ihn herum machten Verr�terinnen sich bereit, die Falle zuschnappen zu lassen, die sie geplant hatten. Er war allein.</p><p>Trotz der Zuversicht, die Sprecherin Savara zur Schau trug, wusste er, dass ihr Plan gef�hrlich war. Sie wollte ihm nicht erz�hlen, wie sie Dannyl von seinen Gef�hrten trennen wollten. Sie hatte nichts gesagt, als er gefragt hatte, ob sie beabsichtigten, jemanden zu t�ten. Er vermutete, dass dem nicht so war, denn sie schienen �ngstlich darauf erpicht zu sein, dem sachakanischen K�nig keinen Grund zu liefern, ihr Territorium zu betreten, und die Verpflichtung, f�r den Tod mehrerer Ashaki Vergeltung zu suchen, w�rde diesen Wunsch gewiss durchkreuzen.</p><p>Savara hatte ihm erkl�rt, dass er nicht viel Zeit haben w�rde. Sobald die Ashaki begriffen, dass man Dannyl bewusst von ihnen getrennt hatte, w�rden sie entschlossen sein, ihn zu finden. Und falls Lorkin dann immer noch bei Dannyl war, w�rde er gefangen werden.</p><p>Lorkin seufzte und betrachtete die kahle, felsige Landschaft. Er f�hlte sich allein. Er war seit Wochen nicht mehr allein gewesen. Es h�tte eine angenehme Abwechslung darstellen k�nnen, w�ren die Umst�nde andere gewesen. Aber er bezweifelte, dass er unbeobachtet war.</p><p><emphasis>Wenn das nicht w�re, w�rde ich versuchen, mich mit Mutter in Verbindung zu setzen.</emphasis></p><p>Der Blutring war inzwischen eine beunruhigende Last. Es w�rde ihn nicht �berraschen, wenn die Verr�terinnen ihn durchsuchten, bevor er in das Sanktuarium eingelassen w�rde. Obwohl sie ihn nicht so behandelten, als stelle er eine gro�e Bedrohung dar, erwartete er auch nicht von ihnen, dass sie ihm vollkommen vertrauten.</p><p><emphasis>Und wenn sie mich durchsuchen, werden sie Mutters Ring finden. Es ist zu offensichtlich, dass etwas in den R�cken meines Notizbuches geschoben wurde. Sie werden der Sache nachgehen. Sie werden den Ring finden und ihn mir wegnehmen, damit ich sie nicht wissen lassen kann, wo ich bin. Kann ich darauf vertrauen, dass sie den Ring sicher aufbewahren werden?</emphasis></p><p>Er war nicht bereit, das Risiko einzugehen. Bisher waren ihm nur zwei L�sungen eingefallen: Er musste den Ring irgendwo verstecken oder ihn Dannyl geben.</p><p><emphasis>Einen Moment mal� Wenn ich ihn jetzt benutze, kann ich ihn Dannyl geben, wenn wir miteinander reden. Es wird keine Rolle spielen, ob irgendjemand mich sieht und dahinterkommt, was ich tue. Dannyl wird ihn mitnehmen.</emphasis></p><p>Die Erleichterung, die ihn durchflutete, �berraschte ihn, jedoch nicht das j�he Widerstreben, das ihr folgte. Obwohl er seiner Mutter sein Tun erkl�ren und ihr versichern wollte, dass es ihm gut ging, w�rde es einiges kosten, sie davon zu �berzeugen.</p><p>Trotzdem, er musste es versuchen. Und er hatte nicht viel Zeit.</p><p>Er griff in seine Kleidung und holte das Notizbuch hervor. Nachdem er ein wenig geschoben und gedr�ckt hatte, hielt er den Ring in der Hand. Er holte tief Luft, dann streifte er ihn �ber.</p><p><emphasis>Mutter?</emphasis></p><p>Lorkin!</p><p>Erleichterung und Sorge durchstr�mten ihn wie ged�mpfte Musik.</p><p><emphasis>Geht es dir gut?,</emphasis> fragte sie.</p><p><emphasis>Ja. Ich habe nicht viel Zeit f�r Erkl�rungen.</emphasis></p><p>Nun� dann komm zur Sache.</p><p>Jemand hat versucht, mich zu t�ten, aber ich wurde von einer Frau gerettet, die zu einer Gruppe geh�rt, die sich die Verr�terinnen nennt. Wir mussten Arvice verlassen, weil es wahrscheinlich war, dass irgendjemand abermals versuchen w�rde, mich zu t�ten, jetzt sind wir auf dem Weg zu der geheimen Stadt, aus der sie kommt. Ich gehe mit ihr, aber es besteht die M�glichkeit, dass sie mir nicht erlauben werden, die Stadt wieder zu verlassen, f�r den Fall, dass ich verrate, wo sie liegt. Musst du gehen?</p><p>Ja. Sie h�tte die Person, die mich zu t�ten versuchte, nicht umbringen d�rfen. Wenn ich nicht zu ihrer Verteidigung spreche, werden sie sie vielleicht wegen Mordes hinrichten. Sie hat dich gerettet, und jetzt m�chtest du sie retten. Das ist gerecht. Aber ist es auch das Risiko wert, eingekerkert zu werden?</p><p>Ich denke, ich kann ihre Meinung �ndern. Aber es k�nnte ein Weilchen dauern. In der Zwischenzeit� Wir wissen nichts �ber sie. Ich m�chte so viel wie m�glich lernen. Sie haben Magie, die wir noch nie zuvor gesehen haben.</p><p>Die Magie, um deretwillen du �berhaupt nach Sachaka gereist bist?</p><p>Vielleicht. Ich werde es nicht wissen, bevor ich dort ankomme. Sie schwieg lange.</p><p><emphasis>Ich kann dich nicht aufhalten�� werde dich nicht auftauen��, falls es das ist, was du tun willst. Du solltest besser recht mit deiner Behauptung haben, dass du sie �berreden kannst, dich gehen zu lassen. Andernfalls werde ich dich pers�nlich holen kommen.</emphasis></p><p>Gib mir vorher ein paar Jahre Zeit. Jahre!</p><p>Nat�rlich werde ich versuchen, fr�her zur�ckzukehren. Nun� dann solltest du besser daran denken, ab und zu den Ring �berzustreifen.</p><p>Ah, das wird ein Problem sein. Ich vermute, dass sie mich durchsuchen werden. Wenn sie einen Blutring bei mir finden, werden sie ihn mir wegnehmen. Sie sind ganz versessen darauf, die Lage ihrer Stadt geheim zu halten, und eingedenk dessen, wie der Rest von Sachaka aussieht, kann ich ihnen keinen Vorwurf daraus machen. Ich werde den Ring Dannyl gehen.</p><p>Du hast noch nicht mit Dannyl gesprochen?</p><p>Nein. Aber ich werde es bald tun. Ich werde daf�r sorgen, dass er aufh�rt, mir zu folgen, oder die Verr�terinnen werden ihn t�ten. Ich nehme nicht an, dass du Osen dazu bewegen k�nntest, ihm zu befehlen, die Verfolgung aufzugeben?</p><p>Nicht sofort. Ich bin in der Stadt.</p><p>Eine Bewegung erregte Lorkins Aufmerksamkeit.</p><p><emphasis>Ich muss Schluss machen.</emphasis></p><p>Ich auch. Viel Gl�ck, Lorkin. Sei vorsichtig. Ich hob dich sehr lieb.</p><p>Ich hob dich auch lieb.</p><p>Er streifte den Ring ab und stand auf. Die Bewegung, die er wahrgenommen hatte, war eine der Verr�terinnen, die langsam am oberen Rand einer Schlucht entlangging. Sie schien auf etwas unter ihr konzentriert zu sein. Lorkins Herz setzte einen Moment aus. <emphasis>Ich hoffe nur, dass Dannyl einen starken Schild errichtet hat.</emphasis> Vor ihm blickte der D�na sich um, machte ein paar Schritte in eine andere Richtung und kehrte dann zum Ausgangspunkt zur�ck. Er sch�ttelte den Kopf, drehte sich um und winkte Dannyl. Aus irgendeinem Grund war der D�na jetzt eher geneigt, mit Dannyl zu sprechen, wann immer es etwas zu berichten gab.</p><p>�Die Spuren h�ren hier auf�, sagte der Mann und deutete zu Boden. Er schaute zu der Felswand empor, die an einer Seite vor ihnen aufragte. �Versuchen wir es dort?�</p><p>Dannyl blickte auf und sch�tzte die Entfernung ab. Der obere Rand der Wand war nicht allzu weit entfernt. Er zog Magie in sich hinein und schuf eine Scheibe der Macht unter ihren F��en. Dann fasste er den Mann an den Oberarmen, und der F�hrtensucher erwiderte die Geste. Sie hatten dies heute schon viele Male getan, entweder um sich zum Rand eines Felsenkamms oder einer Wand zu erheben oder um hinabzusteigen.</p><p>Aus solcher N�he roch der D�na nach Schwei� und Gew�rzen, eine Mischung, die nicht unbedingt angenehm war, aber auch nicht allzu st�rend. Dannyl konzentrierte sich und lie� die Scheibe mitsamt ihnen beiden in die H�he steigen.</p><p>Die Felswand schoss vor�ber und verschwand dann, als sie sich �ber den oberen Rand hinausbewegten. Sie endete oben in einem schmalen Grat. Dannyl brachte sie in dessen Mitte und landete dort. Jenseits der Felswand ragten hohe Berggipfel schroff in den Himmel.</p><p>�Wenn Magier das k�nnen, warum fliegen sie dann nicht �ber die Berge und suchen die Stadt der Verr�terinnen?�, wollte Unh wissen.</p><p>Dannyl sah den Mann �berrascht an. Er hatte bisher seine F�higkeiten nicht hinterfragt. �Das Schweben erfordert Konzentration�, antwortete er. �Je weiter man sich vom Boden entfernt, desto mehr Konzentration ist vonn�ten. Ich bin mir nicht sicher, warum das so ist. Aber je h�her man gelangt, umso leichter ist es, die Orientierung zu verlieren, und umso tiefer kann man fallen.�</p><p>Der Mann sch�rzte die Lippen, dann nickte er. �Ich verstehe.�</p><p>Er wandte sich ab und schaute suchend zu Boden. Augenblicke sp�ter stie� er ein zufriedenes Schnauben aus. Er beugte sich �ber den Rand des Grats und blickte auf die Sachakaner hinab, die verwirrt zu ihnen emporstarrten.</p><p>�Die Spur geht hier weiter�, rief er. Dann machte er sich auf den Weg den Felsgrat entlang.</p><p>Dannyl wartete und sah zu, wie die Sachakaner sich selbst und ihre Sklaven der Reihe nach an der Felswand emporschweben lie�en.</p><p>�Wir kommen immer tiefer in die Berge�, sagte einer der Ashaki und sah sich um. �Ist irgendjemand schon einmal so weit vorgedrungen?�</p><p>�Wer wei�?�, antwortete ein anderer Ashaki. �Wir versuchen seit Jahrhunderten, sie zu finden. Ich bin davon �berzeugt, dass vor uns schon jemand hier gewesen sein muss.�</p><p>�Ich bezweifle, dass wir ihnen schon so nahe sind�, warf ein dritter Magier ein. �Sonst h�tten sie mittlerweile versucht, uns aufzuhalten.�</p><p>Achati klopfte sich den Staub von der Kleidung. �Sie werden das Risiko nicht eingehen, dass unser kyralischer Freund verletzt werden k�nnte. Es w�rde ihnen nichts ausmachen, uns anzugreifen, aber sie werden es nicht wagen, einen Gildemagier zu t�ten, f�r den Fall, dass das unsere Nachbarn dazu treibt, sich uns anzuschlie�en, um Sachaka von seinem Verr�terinnenproblem zu befreien.�</p><p>�Dann sollten wir uns besser dicht bei dem Botschafter halten�, sagte der erste Ashaki. Dann senkte er die Stimme. �Wenn auch nicht so dicht, dass wir den Gestank unseres F�hrtensuchers ertragen m�ssen.�</p><p>Die anderen lachten leise. Dannyl blickte an ihnen vorbei und sah, dass Unh etwa hundert Schritte entfernt stand und ihn heranwinkte. Es war offensichtlich, dass der D�na seine Hilfe der der Sachakaner vorzog. <emphasis>Ich kann ihm keinen Vorwurf machen. Diese letzte Bemerkung hat klargemacht, dass sie auf sein Volk hinabblicken. Obwohl ich zugeben muss, dass der Mann tats�chlich nicht allzu gut riecht. Trotzdem, ich wette, ich rieche auch nicht besonders gut, nachdem ich tagelang ohne ein Bad oder frische Kleider durch die Berge gewandert bin.</emphasis></p><p>Er schloss zu Unh auf, und sie setzten ihren Weg fort. Schon bald mussten sie auf der anderen Seite des Felskamms nach unten schweben und dann zwei weitere W�nde hinauf. Jedes Mal fand Unh die Spur wieder. Die Zeit verstrich, und schon bald n�herte sich die Sonne dem Horizont. Sie kamen in eine schmale Schlucht. Unh z�gerte am Eingang, dann bedeutete er Dannyl, dass er neben ihm hergehen solle.</p><p>�Haltet Euren magischen Schild hoch�, sagte er. �Haltet ihn stark.�</p><p>Dannyl befolgte den Rat des Mannes. Er sp�rte einen Schauder im Nacken, als er und der D�na langsam durch die Mitte der Schlucht gingen. Als er sich umschaute, sah er, dass die Sachakaner ihnen mit grimmiger Miene folgten. Sie warfen argw�hnische Blicke auf die W�nde der Schlucht.</p><p>Nach mehreren hundert Schritten zogen sich die W�nde zur�ck, und der Boden der Schlucht verbreiterte sich und wurde vor ihnen zu einem kleinen Tal. Unh stie� einen Seufzer aus und murmelte etwas.</p><p>Dann ersch�tterte ein Krachen die Luft. Das Ger�usch kam von irgendwo hinter ihnen. Dannyl und Unh fuhren herum und rissen die H�nde hoch, als Steine auf sie zuflogen, trotz der Barriere, die sie sch�tzte. Sie wichen zur�ck. Ein Staubnebel hatte die Schlucht erf�llt.</p><p>Langsam legte sich der Dunst, und ein riesiger Haufen Steine wurde sichtbar.</p><p><emphasis>Wo sind die Sachakaner? Sind sie begraben?</emphasis> Dannyl machte einen Schritt vorw�rts und wurde am Arm festgehalten. Er drehte sich zu Unh um, doch der Mann sah nicht ihn an, sondern schaute zum Tal hin�ber. Als Dannyl seinem Blick folgte, sah er eine einzelne Gestalt auf sie zukommen. Sein Herz setzte einen Schlag aus.</p><p><emphasis>Lorkin!</emphasis></p><p>�Ihnen wird nichts geschehen�, sagte der junge Magier. �Sie hatten starke Barrieren. Es wird nur einige Minuten dauern, bis sie sich befreien und herausfinden, wie sie zu Euch durchkommen k�nnen, daher kann ich nicht lange bleiben.� Er l�chelte und blieb einige Schritte entfernt von Dannyl stehen. �Wir m�ssen reden.�</p><p>�Das m�ssen wir allerdings�, stimmte Dannyl ihm zu.</p><p>Lorkin sah gesund aus. Er war sogar ein wenig braun geworden. Und obwohl er Sklavenkleidung trug, schien er sich darin seltsam wohl zu f�hlen. Vielleicht lag das nur daran, dass er sie nun schon seit einigen Tagen trug.</p><p>�Setzen wir uns�, sagte Lorkin. Er ging zu einem niedrigen Steinbrocken und hockte sich hin. Dannyl suchte sich einen anderen Felsen. Unh blieb stehen. Der D�na beobachtete Lorkin mit neugieriger, wissender Miene.</p><p>Pl�tzlich verstummten alle Ger�usche in der Schlucht. Dannyl vermutete, dass Lorkin eine Barriere geschaffen hatte, um zu verhindern, dass ihr Gespr�ch belauscht wurde. <emphasis>Belauscht von Unh oder auch von anderen?</emphasis></p><p>�Ihr m�sst viele Fragen haben�, begann Lorkin. �Ich werde mein Bestes tun, sie zu beantworten.�</p><p>Dannyl nickte. Wo sollte er anfangen? Vielleicht an dem Punkt, an dem alles begonnen hatte schiefzugehen.</p><p>�Wer hat die Sklavin in Eurem Zimmer get�tet?�</p><p>Lorkin l�chelte schief. �Die Frau, mit der ich gereist bin. Sie hat mir das Leben gerettet.�</p><p>�Tyvara?�</p><p>�Ja. Die Frau, die Ihr tot in meinem Zimmer aufgefunden habt, hat versucht, mich zu t�ten. Tyvara sagte, andere w�rden versuchen, ihre Aufgabe zu vollenden, und sie hat sich erboten, mich in Sicherheit zu bringen.�</p><p>�Wer will Euren Tod und warum?�</p><p>Lorkin verzog das Gesicht. �Das ist ziemlich kompliziert. Ich kann Euch nicht sagen, wer, aber ich kann Euch sagen, warum. Es liegt nicht daran, dass mein Vater irgendeinen Ichani get�tet hat. Es geht um etwas anderes, das er getan hat. Oder vielmehr um etwas, das er <emphasis>nicht</emphasis> getan hat. Erinnert Ihr Euch daran, dass jemand ihm bei seiner Flucht aus Sachaka geholfen hat, indem er ihn schwarze Magie lehrte?�</p><p>Dannyl nickte.</p><p>�Nun, diese Person war eine Verr�terin. Er hat sich bereit erkl�rt, ihnen etwas als Gegenleistung zu geben, aber er hat es nie getan. Tats�chlich war es etwas, das zu geben er nicht befugt war, aber ich sch�tze, er war verzweifelt darauf bedacht, nach Hause zur�ckzukehren, und h�tte allem zugestimmt.� Lorkin zuckte die Achseln. �Ich muss das mit den Verr�terinnen kl�ren. Und� es gibt noch andere Dinge. Ich musss ihnen sagen, was mit Riva geschehen ist�� der Sklavin, die Tyvara get�tet hat��, oder Tyvara wird wegen Mordes angeklagt und hingerichtet werden. Also m�sst Ihr aufh�ren, mir zu folgen.�</p><p>�Woher wusste ich nur, dass Ihr das sagen w�rdet?�, bemerkte Dannyl seufzend.</p><p>�Sie werden Euch t�ten, wenn Ihr es nicht tut�, erkl�rte Lorkin. Die Miene des jungen Mannes war ernster, als Dannyl sie je zuvor gesehen hatte. �Sie wollen es nicht tun. Ich glaube auch nicht, dass sie die Sachakaner t�ten wollen � Nun, ich vermute, sie w�rden sie liebend gern t�ten, nur nicht hier und jetzt. Ihnen ist eines absolut klar: Je mehr Menschen sie t�ten, um ihren Standort geheim zu halten, desto mehr Menschen werden versuchen, sie zu finden.�</p><p>Dannyl nickte. �Ihr wollt also, dass Unh und ich so tun, als h�tten wir die Spur verloren.�</p><p>�Ja. Oder was immer Ihr sagen m�sst, um der Suche ein Ende zu bereiten.�</p><p><emphasis>Irgendwie glaube ich nicht, dass die Sachakaner nach diesem Zwischenfall gro� �berredet werden m�ssen,</emphasis> �berlegte er und betrachtete die Felsen, die die Schlucht versperrten. <emphasis>Was ist mit Unh? Ich sch�tze, er wird Befehle befolgen.</emphasis> Dannyl dachte an die Edelsteine und sah Lorkin forschend an.</p><p>�Ihr tut das nicht nur wegen Eures Vaters und dieser Frau, nicht wahr?�</p><p>Der junge Mann blinzelte, dann l�chelte er. �Nein. Ich will mehr �ber die Verr�terinnen in Erfahrung bringen. Sie haben keine Sklaven, und ihre Gesellschaft ist vollkommen anderes strukturiert als unsere. Ich denke, sie haben m�glicherweise Formen von Magie, von denen wir nie geh�rt haben�� oder die wir seit Tausenden von Jahren nicht mehr gesehen haben. M�glicherweise w�re es n�tzlich, freundschaftliche Bande mit ihnen zu kn�pfen. Ich denke� ich denke, dass wir uns gut mit ihnen stellen m�ssen, weil wir es eines Tages mit ihnen zu tun haben werden statt mit den Leuten, die heute �ber Arvice herrschen.�</p><p>Dannyl fluchte. �Wenn es zu einem Krieg kommt, bezieht auf keinen Fall Stellung�, warnte er. �Falls sie verlieren, seid Ihr m�glicherweise nicht immun gegen die Konsequenzen.�</p><p>�Das w�rde ich auch nicht erwarten.� Lorkin zuckte die Achseln. �Aber mir sind die Probleme, die das der Gilde bereiten w�rde, durchaus bewusst. F�r den Augenblick w�re es besser, wenn alle so t�ten, als h�tte ich die Gilde verlassen. Ich bin mir nicht sicher, wie lange ich hier werde bleiben m�ssen.� Er runzelte die Stirn. �Es besteht die M�glichkeit, dass sie mich nicht wieder fortlassen, falls ich anderen erz�hle, wie sie zu finden sind. Ich habe das alles �brigens auch schon Mutter erkl�rt.�</p><p>�Oh. Gut.� Dannyl stie� einen Seufzer der Erleichterung aus. �Ist Euch klar, wie sehr ich mich davor gef�rchtet habe, ihr von Eurem Verschwinden zu berichten?�</p><p>�Ja.� Lorkin lachte leise. �Das tut mir wirklich leid.� Dann wich die Erheiterung aus seinen Z�gen, und er verzog das Gesicht. Er blickte hinab und �ffnete die Finger einer Hand. Darin lag ein Blutring. Er hielt ihn Dannyl mit offensichtlichem Widerstreben hin. �Nehmt ihn. Ich wage nicht, ihn l�nger bei mir zu tragen. Wenn sie ihn bei mir f�nden, w�rde sie das wohl kaum ermutigen, mir zu vertrauen, und ich will das Risiko nicht eingehen, dass er in andere H�nde f�llt.�</p><p>Dannyl nahm den Ring. �Er geh�rt Sonea?�</p><p>�Ja.� Aus dem Haufen Steine hinter ihnen kam ein ged�mpftes Rumoren. Lorkins Blick wanderte in diese Richtung, und er stand auf. �Ich muss gehen.�</p><p>Als Unh die Bewegung wahrnahm, drehte er sich zu ihnen um. Einmal mehr musste Dannyl an die H�hle voller Edelsteine denken.</p><p>�Mein Freund hier�� er kommt �brigens vom Stamm der D�na�� hat mir gestern etwas Interessantes erz�hlt. Er sagte, sein Volk wisse, wie man Edelsteine wie jene schaffen k�nne, die in der H�hle der H�chsten Strafe zu finden sind.�</p><p>Lorkins Augen leuchteten vor Interesse.</p><p>�Er sagte auch�, fuhr Dannyl fort, �dass die Verr�terinnen seinem Volk dieses Wissen gestohlen h�tten. Ihr solltet das vielleicht im Kopf behalten. Eure neuen Freunde haben m�glicherweise auch einige unangenehme Eigenschaften.�</p><p>Der junge Magier l�chelte. �Wer h�tte denn keine? Aber ich werde es im Kopf behalten. Es ist eine interessante Information. Sehr interessant.� Seine Augen wurden f�r einen Moment schmal, dann sah er Dannyl an und umfasste seinen Oberarm. �Lebt wohl, Botschafter. Ich hoffe, Euer neuer Gehilfe wird Euch von gr��erem Nutzen sein, als ich es gewesen bin.�</p><p>Dannyl erwiderte die Geste. Dann zuckte er zusammen, als das Ger�usch von vorhin abermals laut wurde. Lorkin trat zur�ck und hielt inne, um im Vorbeigehen etwas zu dem D�na zu sagen. Dannyl erhob sich und stellte sich neben Unh, und gemeinsam beobachteten sie, wie der Magier davonschritt.</p><p>�Was hat er dir gesagt?�, fragte Dannyl, als Lorkin schlie�lich au�er Sicht war.</p><p>�Er sagte: �Du bist der Einzige, dem Gefahr droht��, antwortete Unh. �Die Verr�terinnen f�rchten, ich k�nnte Euch zu ihrer Stadt f�hren.�</p><p>�Nicht ohne die Hilfe eines Magiers, nehme ich an.�</p><p>Der D�na sah ihn an und l�chelte. �Nein.�</p><p>�Also schaffen wir dich wohl besser so fr�h wie m�glich hier weg. Wie w�re es, wenn wir �ber diesen Haufen Steine schweben und nachsehen, ob irgendwelche von unseren sachakanischen Gef�hrten sich bereits ausgegraben haben?�</p><p>�Eine gute Idee�, stimmte der D�na ihm zu.</p><empty-line/><p>Als sie sich endlich von Skellin verabschiedet hatten, hatte Sonea gleichzeitig vor Frustration schreien und vor Erleichterung jubeln wollen.</p><p><emphasis>Aber inzwischen k�nnte Dannyl Lorkin nicht nur gefunden haben,</emphasis> hatte sie gedacht, <emphasis>es k�nnte auch eine Schlacht stattgefunden haben, Beerdigungen f�r die Toten k�nnten arrangiert und eine Siegesfeier abgehalten worden sein. Osen muss inzwischen aufgeh�rt haben, sich zu fragen, wo ich stecke. Au�erdem hat er sicher erfahren, dass ich nicht im Hospital war, und jetzt wird er Kallen Anweisung geben, sich zu st�rken, um sich f�r die Suche nach mir bereit zu machen.</emphasis></p><p>Und alles umsonst. Nun, nicht ganz umsonst. Sie hatten eine wilde Magierin gefunden. Nur nicht diejenige, nach der sie gesucht hatten. Aber zumindest war sie von Skellin weggekommen, hatte sie �berlegt, und endlich auf dem R�ckweg zur Gilde.</p><p>Dann war etwas geschehen, das ihr Verlangen zur�ckzueilen, um Neuigkeiten zu h�ren, vollkommen ausgel�scht hatte. Sie hatte Lorkins Stimme in ihrem Kopf vernommen. Und Hinweise darauf empfangen, was er empfunden hatte.</p><p>Es war sehr erhellend gewesen.</p><p>Sie hatte ganz vergessen, wie gut ein Blutring den Gem�tszustand des Tr�gers �bermitteln konnte. Binnen kurzer Zeit hatte sie nicht nur erfahren, dass Lorkin noch lebte, sondern auch, dass er nicht um sein Leben bangte. Obwohl er sich nicht ganz sicher gewesen war, wie seine Begleiterinnen ihn behandeln w�rden, respektierte er sie doch im Allgemeinen und glaubte, dass sie wohlmeinend waren. Er war hingerissen von der Frau, die ihn gerettet hatte, aber das Gef�hl der Verpflichtung, das er ihr gegen�ber hatte, basierte nicht allein auf Verlangen oder Zuneigung.</p><p><emphasis>Ah, Lorkin. Warum muss immer eine Frau im Spiel sein?</emphasis></p><p>Lorkin war so sicher, wie sie nur hoffen konnte, wenn man die Situation bedachte. Sie h�tte ihn lieber zu Hause gehabt, und ihr gefiel die Andeutung nicht, dass diese Verr�terinnen ihn nicht aus ihrer Stadt lassen w�rden, aber er hatte beschlossen, das Risiko einzugehen, und sie konnte nichts tun, um ihn daran zu hindern.</p><p><emphasis>Zumindest ist er weit entfernt von den Leuten, die versucht haben, ihn zu t�ten.</emphasis></p><p>Als sie in den Wagen gestiegen waren, hatte sie sich schon viel besser gef�hlt. Aber sie waren noch nicht weit gekommen, als Forlie begonnen hatte zu st�hnen, um sich Kopf und Magen zu halten. Eine schnelle Untersuchung sagte Sonea, dass die Frau besonders anf�llig f�r Reisekrankheit war, daher hatten sie dem Fahrer Anweisung geben m�ssen, das Tempo zu drosseln.</p><p>Sie fragte sich, ob Lorkin schon auf Dannyl getroffen war. Und ob Osen nach ihr suchte, um ihr von den guten Neuigkeiten zu erz�hlen.</p><p>Die Kutsche wurde noch langsamer. Drau�en rief eine Frau irgendetwas. Sonea tauschte einen besorgten Blick mit Regin, als der Wagen stehen blieb. Forlie begann vor Furcht zu wimmern.</p><p>Sie alle zuckten zusammen, als jemand an die Seite des Wagens h�mmerte.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, rief jemand. Eine junge Frau, vermutete Sonea. �Ihr m�sst herauskommen. Ihr habt die Falsche erwischt.�</p><p>Sonea rutschte zur hinteren Lasche der Bedeckung der Kutsche und zog sie beiseite. Die Stra�e dahinter war leer bis auf einige Personen in der Ferne. Wieder klopfte jemand an den Wagen.</p><p>�Ich arbeite f�r Cery�, sagte die Frau. �Ich���</p><p>�Wir wissen, dass sie die falsche Magierin ist�, rief Sonea zur�ck. �Cery hat es uns gesagt.�</p><p>Eine schlanke junge Frau erschien und eilte um den Wagen herum, um Sonea stirnrunzelnd zu mustern.</p><p>�Dann� habt Ihr nicht� wisst Ihr nicht�� Das M�dchen brach ab und holte tief Luft. �Ich wei�, wo die wahre wilde Magierin ist. Ich habe Euch und Cery vom Dach eines der anderen Geb�ude aus beobachtet und gesehen, wie sie aufgetaucht ist, um das Gleiche zu tun. Ich denke, sie ist immer noch dort.�</p><p>Regin stie� einen Fluch aus. Sonea drehte sich zu ihm um.</p><p>�Geht�, sagte er. �Ich werde Forlie ins Hospital bringen und zur�ckkommen.�</p><p>�Aber�� <emphasis>Aber was ist, wenn die Frau bereits fortgegangen ist? Meine Abwesenheit ist vielleicht noch nicht bemerkt worden. Wenn es so ist, werde ich weiter nach ihr suchen k�nnen.</emphasis></p><p>�Ihr solltet gehen�, sagte sie zu Regin. �Wenn ich gehe und sie bereits fort ist und ich erkannt werde, dann wird die Gilde nicht zulassen, dass ich weiter nach ihr suche��</p><p><emphasis>�Ihr m�sst diejenige sein, die sie f�ngt.�</emphasis> Regin sah sie an, und sein Blick war eindringlich und unerwartet w�tend. �Die Leute m�ssen sehen, wie Ihr es tut. Sie m�ssen sich daran erinnern, dass Ihr mehr seid als eine Heilerin. Dass die Einschr�nkungen, die man Euch auferlegt, eine <emphasis>Verschwendung</emphasis> sind.� Er streckte die Hand aus. <emphasis>�Geht!</emphasis> Bevor sie davonkommt!�</p><p>Sonea sah ihn einen Moment lang an, dann zog sie die Lasche weit auf und sprang auf die Stra�e. Ihr Mantel ging auf, und die Augen der jungen Frau weiteten sich, als sie die schwarzen Roben sah. Sonea kn�pfte den Mantel zu. �Wie hei�t du?�</p><p>�Anyi.� Das M�dchen straffte die Schultern. �Folgt mir.� Sie lief los, zur�ck in Richtung der alten Schlachterei.</p><p>�Hast du es Cery schon gesagt?�, fragte Sonea.</p><p>Das M�dchen sch�ttelte den Kopf. �Ich konnte ihn nicht finden.�</p><p>Sie gelangten in ein Labyrinth aus Gassen und liefen von Schatten zu Schatten. Sonea stellte fest, dass eine seltsame Mischung aus lang vergessener Erregung und etwas Urt�mlicherem ihr Herz schneller schlagen lie�. <emphasis>Ich bin wie ein J�ger, der im Begriff steht, seine Beute zu fangen,</emphasis> ging es ihr durch den Kopf. Dann fiel ihr wieder ein, wie es sich anf�hlte, Angst zu haben und von m�chtigen Magiern gejagt zu werden, und dieser Gedanke ern�chterte sie. <emphasis>Trotzdem, diese Frau ist kein unausgebildetes Kind. Warum hat sie uns beobachtet? Wusste sie von Skellins Falle?</emphasis></p><p>Die Frau musste davon gewusst haben. Wie hatte sie es herausgefunden? Hatte sie Forlie an ihrer Stelle dort hingeschickt? In der N�he der alten Schlachterei bog Anyi in eine Gasse ein. Am entgegengesetzten Ende konnte Sonea eine belebte Hauptstra�e sehen.</p><p>�Sie war auf dem Dach dieses Geb�udes�, erkl�rte sie. �Da ist eine Stelle, die man von hier aus nicht sieht, wo man hinaufklettern kann��</p><p>Das M�dchen war im Begriff gewesen, in eine kleine Sackgasse zu laufen, aber pl�tzlich blieb es stehen und wich zur�ck.</p><p><emphasis>�Das ist sie!�,</emphasis> zischte sie und streckte die Hand aus.</p><p>Ihr Finger zeigte nach oben. Sonea blickte auf, nahm eine Bewegung wahr und sp�rte, wie ihr ein Schauer den R�cken hinunterlief. Sie zog Magie in sich hinein und riss einen Schild um sie beide herum hoch. Eine Frau schwebte in die Seitengasse hinab und verschwand in der Dunkelheit.</p><p>�K�nnt Ihr sie dort drin fangen?�, fragte Anyi. Pl�tzlich erklang das Ger�usch von eilig n�her kommenden Schritten.</p><p>�Es gibt nur eine M�glichkeit, das herauszufinden�, antwortete Sonea und sah Anyi an. �Wenn Regin zur�ckkommt, bring ihn hierher.�</p><p>Anyi nickte und rannte davon. Sonea ver�nderte ihren Schild so, dass das M�dchen hinausgelangen konnte. Als sie sich wieder umdrehte, stand die Frau kurz davor, aus der Gasse zu erscheinen.</p><p>Sonea trat vor und riss eine Barriere hoch, um der Frau den Weg zu versperren.</p><p>�berraschung, Schock und Unwillen huschten �ber das dunkle Gesicht der Frau. Dann wurden ihre seltsamen, l�nglichen Augen schmal. Eine Macht h�mmerte gegen die Barriere. Es war kein Testangriff, sondern ein Sto�, der st�rker war, als Sonea erwartet hatte, und zur gleichen Zeit schoss ein weiterer Machtstrahl auf sie zu. Die Barriere schwankte und fiel, bevor Sonea eine Chance hatte, sie zu st�rken.</p><p>Die Frau huschte aus der Sackgasse und rannte auf die Hauptstra�e zu. Sonea lief hinter ihr her und warf eine weitere, st�rkere Barriere aus, die sie umschlingen sollte, aber die Frau zerschmetterte dieses Hindernis mit einem heftigen Angriff. Einen Moment sp�ter hatte die wilde Magierin sich unter die Menschen gemischt, die auf der Stra�e ihrer Wege gingen.</p><p>Sonea erreichte den Eingang der Gasse einen Moment sp�ter. Sie sah die Frau innehalten und sich umdrehen, doch sie war bereits tief in den Strom der Menschen vorgedrungen. Als sie ihre unverkennbare r�tlich braune Haut sah, begriff sie, warum Cery sich so sicher gewesen war, dass es sich bei Forlie nicht um die Frau handelte, die er gesehen hatte. Als Skellins Gesicht in Soneas Erinnerung aufblitzte, lief ihr ein Schauer �ber den R�cken. Die gleiche r�tliche dunkle Haut. Die gleichen seltsamen Augen.</p><p><emphasis>Diese Frau ist von derselben Rasse!</emphasis></p><p>Ein L�cheln umspielte die Lippen der Frau. Ein gef�hrliches, triumphierendes L�cheln.</p><p><emphasis>Sie denkt, ich werde es wegen all der Menschen hier nicht wagen, Magie zu benutzen, und sie hat recht. Au�erdem will ich nicht das Risiko eingehen, ihr etwas anzutun. Obwohl es die Dinge f�r die Gilde gewiss vereinfachen w�rde, wenn die Frau zu Tode k�me.</emphasis></p><p>Um dieses Schicksal zu verdienen, m�sste sie etwas viel Schlimmeres tun, als eine wilde Magierin zu sein, die als Erpresserin f�r Feuelverk�ufer arbeitet.</p><p>Und es w�re viel schwieriger f�r Sonea, Verzeihung f�r diesen Versto� gegen die Regeln zu erhalten, wenn ihr Ungehorsam dazu f�hrte, dass jemand starb.</p><p><emphasis>Au�erdem brauchen wir sie lebend, um herauszufinden, woher sie gekommen ist und ob es dort weitere Magier wie sie gibt. Und um zu erfahren, warum sie uns dabei beobachtet hat, wie wir Forlie gefangen haben.</emphasis></p><p>Sonea zog Magie in sich hinein. Unmengen von Magie. Sie hatte keine Ahnung, f�r wie lange sie die Frau aufhalten konnte. Obwohl sie �ber schwarze Magie gebot�� und wusste, wie man Macht von Magiern, gew�hnlichen Menschen und sogar Tieren nahm und sie speicherte, bis sie ben�tigt wurde��, hatte Sonea dies doch seit �ber zwanzig Jahren nicht mehr getan. Es war ihr verboten, es sei denn, die H�heren Magier befahlen es ihr.</p><p>Sie war nicht m�chtiger als zu der Zeit, bevor sie schwarze Magie erlernt hatte. Nicht m�chtiger, als sie es als Novizin gewesen war.</p><p>Aber sie war eine au�erordentlich m�chtige Novizin gewesen.</p><p>Mit der angesammelten Magie griff Sonea �ber die K�pfe der Menschen zwischen ihr und der wilden Magierin hinweg und umgab die Frau mit einer Kugel aus Macht. Sofort begann die Frau in alle Richtungen anzugreifen, aber obwohl ihre Angriffe m�chtig waren, hatte Sonea dies doch erwartet und sorgte daf�r, dass die sie umgebende Barriere stark blieb.</p><p>Beim Aufblitzen und den Vibrationen von Magie waren die Menschen von der Frau weggehuscht. Sonea schl�pfte aus dem alten Mantel und warf ihn beiseite. Wenn die Menschen sich hinreichend erholt hatten, um innezuhalten und zuzuschauen, wollte sie nicht, dass sie sich fragten, warum sie den Mantel getragen hatte.</p><p>Der schwarze Stoff ihrer Roben regte sich in einer leichten Brise, als sie aus dem Eingang der Gasse trat und auf die wilde Magierin zuging. Sie h�rte Ausrufe von beiden Seiten, wo sich zweifellos Zuschauer versammelten, hielt ihre Aufmerksamkeit jedoch auf die Frau gerichtet. Die wilde Magierin fauchte und griff die Barriere mit neuer Wucht an. Sonea st�rkte sie weiter und versuchte, sich keine Sorgen dar�ber zu machen, wie schnell sie ihre magischen Reserven aufbrauchte.</p><p><emphasis>Wie lange kann ich noch so weitermachen? Wie lange kann sie so weitermachen?</emphasis></p><p>Links und rechts von ihr brandete L�rm auf. Zuerst begriff Sonea nicht, was es war, und als sie es begriff, geriet ihre Konzentration vor Erstaunen f�r einen Moment ins Wanken.</p><p>Die Menge jubelte.</p><p>Durch das Ger�usch drang eine andere Art von Ausrufen. Aus dem Augenwinkel sah sie jemanden herannahen. Jemanden, der Purpur trug.</p><p>�Braucht Ihr Hilfe?�, erklang eine junge M�nnerstimme.</p><p>Ein Alchemist. Jedoch niemand, den sie kannte.</p><p><emphasis>5i8</emphasis></p><p>�Ja�, sagte sie. �Kommt her.� Sie lie� ihn in ihre Barriere ein und hielt ihm eine Hand hin. �Sendet mir Eure Magie.�</p><p>�Auf die altmodische Weise?�, fragte er �berrascht.</p><p>Sie lachte. �Nat�rlich. Ich denke, mit vereinten Kr�ften werden wir mit einer einzelnen wilden Magierin schon fertig.�</p><p>Er ergriff ihre Hand, und sie sp�rte, wie Magie in sie hineinstr�mte. Sie leitete sie in die Barriere. Der Alchemist stie� einen Ruf aus, und sie sah, dass eine weitere Magierin n�her kam. Diesmal war es eine Heilerin. Als die Frau Soneas andere Hand ergriff, erwartete Sonea beinahe, dass die wilde Magierin aufgeben w�rde. Aber die Fremdl�nderin k�mpfte weiter.</p><p>Doch ihre Angriffe wurden immer schw�cher und schw�cher. Sonea versp�rte unerwartetes Mitgef�hl, als die Frau ihre gesamte St�rke gegen die Barriere schleuderte, bis sie schlie�lich innehalten musste, magisch und k�rperlich ersch�pft. Die Schultern der wilden Magierin sackten herunter. Sie wirkte ausgezehrt und resigniert.</p><p>Sonea lie� die H�nde der beiden Magier los und sah sie an.</p><p>�Danke.�</p><p>Der Alchemist zuckte die Achseln, und die Heilerin murmelte etwas wie �Das ist doch selbstverst�ndlich�. Sonea richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die wilde Magierin. Mit langsamen, gemessenen Schritten ging sie auf sie zu. Der Alchemist und die Heilerin begleiteten sie. Die wilde Magierin musterte Sonea m�rrisch, als sie vor ihr stehen blieb.</p><p>�Wie ist Euer Name?�, fragte Sonea.</p><p>Die Frau gab keine Antwort.</p><p>�Kennt Ihr das Gesetz bez�glich der Magier in den Verb�ndeten L�ndern? Das Gesetz, das besagt, dass alle Magier Mitglied der Magiergilde sein m�ssen?�</p><p>�Ich kenne es�, erwiderte die Frau.</p><p>�Und doch seid Ihr hier, eine Magierin, die kein Mitglied der Gilde ist. Warum?�</p><p>Die Frau lachte. �Ich brauche Eure Gilde nicht. Ich habe Magie gelernt, lange bevor ich in dieses Land kam. Warum sollte ich vor Euch katzbuckeln?�</p><p>Sonea l�chelte. �In der Tat, warum?�</p><p>Die Frau funkelte sie an.</p><p>�Also�, fuhr Sonea fort. �Wie lange lebt Ihr schon innerhalb der Verb�ndeten L�nder?� �Zu lange.� Die Frau spuckte aus.</p><p>�Wenn es Euch hier nicht gef�llt, warum bleibt Ihr dann?� Die Frau starrte Sonea hasserf�llt an. �Wie lautet der Name Eures Heimatlandes?� Die wilde Magierin presste halsstarrig die Lippen zusammen.</p><p>�Also sch�n.� Sonea zog die Barriere um die Frau n�her zu sich heran. �Ob es Euch gef�llt oder nicht, die Magiergilde ist von Gesetzes wegen verpflichtet, sich um Euch zu k�mmern. Wir bringen Euch jetzt in die Gilde.�</p><p>Wut verzerrte das Gesicht der Frau, und ein neuer Schwall von Macht h�mmerte gegen die sie umgebende Barriere, aber es war ein schwacher Angriff. Sonea erwog die M�glichkeit abzuwarten, bis die Frau m�de wurde, doch dann entschied sie sich dagegen. Sie lie� die Barriere um die Frau zusammenschrumpfen, bewegte sie in die Mitte der Stra�e und begann anschlie�end, sie energisch, aber sanft vorw�rtszudr�ngen. Die Heilerin und der Alchemist gaben ihr Geleit.</p><p>Und auf diese Weise eskortierten sie die zweite wilde Magierin, die sie an diesem Tag gefunden hatten, durch mit neugierigen Zuschauern ges�umte Stra�en zur Gilde.</p></section><section><title><p>28</p><p>Fragen</p></title><p>Die Binde �ber Lorkins Augen juckte, aber seine Arme wurden von zwei Verr�terinnen festgehalten. �Wir bleiben stehen�, sagte eine der Frauen und hielt ihn an. �Jetzt gehen wir weiter.�</p><p>Die andere Frau lie� seinen Arm los, und er nutzte die Gelegenheit, um sich zu kratzen. Als sie einen Augenblick sp�ter aufw�rtsgingen, wappnete er sich. Sein Magen schlingerte. Lange Momente sp�rte er wieder den unebenen Boden unter den F��en. Die Frau zog an ihm.</p><p>�Sei vorsichtig, der Boden hier steigt stark an. Zieh den Kopf ein.�</p><p>Er sp�rte eine pl�tzliche K�hle und vermutete, dass sie aus dem Sonnenlicht in die Dunkelheit getreten waren. Aber das war nicht alles. Es lag Feuchtigkeit in der Luft und ein schwacher Geruch nach faulender Vegetation oder Moder. Seine F�hrerin blieb stehen.</p><p>�Wir kommen jetzt zu einigen Stufen, die nach unten f�hren. Es sind vier.�</p><p>Er fand mit den Zehen die Kante und trat dann vorsichtig nach unten. Die Stufen waren breit und flach, und an der Art, wie die Ger�usche widerhallten, erkannte er, dass sie eine H�hle oder einen Raum betreten hatten. Einige Schritte entfernt h�rte er das Pl�tschern von Wasser. �Von jetzt an bleibt alles flach.�</p><p>Es war nicht die Wahrheit, wie er erkennen konnte, als er weiterging. Der Boden war glatt, aber er stieg definitiv allm�hlich an. Er lauschte auf das Ger�usch der Schritte der Gruppe und auf das Flie�en von Wasser. Falls es irgendwelche Biegungen gab, lagen sie zu weit auseinander, als dass er sie h�tte wahrnehmen k�nnen.</p><p>Irgendwo vor ihm machte er das Ger�usch von Wind aus. Von raschelnder Vegetation und fernen Stimmen. Nach einigen weiteren Schritten schloss er aus der Art, wie die Ger�usche ihn umringten, dass er jetzt im Freien war. Er sp�rte die W�rme von Sonnenlicht auf dem Gesicht und eine k�hle Brise auf der Haut. Dann h�rte er jemanden Savaras Namen sagen.</p><p>Ohne Vorwarnung wurde ihm die Binde abgenommen, und er blinzelte in das grelle Licht der Mittagssonne. Bevor seine Augen sich angepasst hatten, zog die Verr�terin, die ihn gef�hrt hatte, ihn am Arm, um ihm zu bedeuten, dass er weitergehen solle.</p><p>Savara f�hrte die Gruppe an und nahm einen Weg zwischen hohen, sich wiegenden Halmen hindurch. Ihm wurde klar, dass dies der Rand eines Getreidefelds war, und aus den obersten Bl�ttern ragten gro�e Samenk�pfe. Der Pfad stieg steil an, und schon bald schaute er auf ein breites Tal hinab.</p><p>Zu beiden Seiten erhoben sich steile W�nde, die sich am anderen Ende des Tals trafen. Felder zogen sich �ber den Boden, ein jedes in einer anderen H�he, wie schlecht verlegte Fliesen, aber alle in sich eben. Die gr�nen Terrassen f�hrten Stufe um Stufe zu einem langgestreckten, schmalen See hinab, dort, wo das Tal am tiefsten war. <emphasis>Nicht ein Fleckchen wird verschwendet,</emphasis> dachte er. <emphasis>Wie sonst sollten sie eine ganze Stadt ern�hren? Aber wo sind die Geb�ude?</emphasis></p><p>Eine Bewegung an der Talwand, die ihm am n�chsten war, beantwortete diese Frage. Jemand blickte durch ein Loch im Felsen. Einen Moment sp�ter erkannte er, dass die ganze Wand von L�chern durchsetzt war, von einem Ende des Tals zum anderen.</p><p><emphasis>Eine in den Fels gehauene Stadt.</emphasis> Er sch�ttelte staunend den Kopf.</p><p>�Das war bereits hier, als wir das Tal fanden�, erklang eine vertraute Stimme an seiner Seite.</p><p>Er sah Tyvara �berrascht an. Sie hatte kaum ein Wort gesagt, seit sie sich Savaras Gruppe angeschlossen hatten.</p><p>�Nat�rlich haben wir die Stadt erheblich vergr��ert�, fuhr sie fort. �Vieles von dem alten Teil ist eingest�rzt und musste, sechzig Jahre nachdem die ersten Verr�terinnen sich hier niederlie�en, ersetzt werden.�</p><p>�Wie tief sind die H�hlen?�</p><p>�Meistens nur ein oder zwei R�ume tief. Die Stadt ist ungef�hr halb so gro� wie Arvice. Wir haben hier ab und zu Beben, und einzelne Teile st�rzen ein. Obwohl wir erheblich besser darin geworden sind zu beurteilen, ob der Fels sicher ist, bevor wir neue R�ume schaffen und sie dann mit Magie verst�rken, f�hlen die Menschen sich doch wohler, wenn sie in der N�he der Au�enw�nde leben.�</p><p>�Ich kann verstehen, warum sie so empfinden.�</p><p>Jetzt konnte er erkennen, dass ein Teil des Sockels der Wand durch stabile Torb�gen unterbrochen wurde, durch die Menschen die Stadt betraten und verlie�en. Anderenorts gab es kleinere, in gr��eren Abst�nden verteilte �ffnungen. Die B�gen deuteten einen formelleren, �ffentlichen Eingang an, und es �berraschte ihn nicht, als Savara darauf zuhielt.</p><p>Aber nicht lange danach war sie gezwungen, stehen zu bleiben. Eine Menschenmenge hatte sich gebildet. Lorkin wunderte sich nicht dar�ber, dass viele von ihnen ihn anstarrten. Einige waren offensichtlich neugierig, aber andere wirkten argw�hnisch. Manche hatten eine zornige Miene aufgesetzt, aber ihr Zorn galt nicht ihm. Er galt Tyvara.</p><p>�M�rderin!�, riefen einige von ihnen. Es folgten hier und da zustimmende Laute. Aber andere Leute runzelten bei der Anklage die Stirn, und manche protestierten sogar.</p><p>�Aus dem Weg�, befahl Savara entschieden, aber nicht w�tend.</p><p>Die Leute, die ihnen den Weg verstellten, gehorchten. Lorkin las Respekt in ihren Gesichtern, wenn sie Savara ansahen. <emphasis>Sie ist definitiv eine Verr�terin, mit der man sich gutstellen sollte,</emphasis> ging es ihm durch den Kopf, w�hrend die Gruppe ihrer Anf�hrerin zu den B�gen und hinein in die Stadt folgte.</p><p>Eine breite, aber niedrige Halle, die von mehreren S�ulenreihen getragen wurde, lag vor ihnen.</p><p>�Sprecherin Savara�, erklang eine Stimme. �Es freut mich zu sehen, dass du sicher zur�ckgekehrt bist.�</p><p>Die Sprecherin war eine kleine, rundliche Frau, die vom hinteren Teil der Halle auf sie zukam. Ihre Stimme klang befehlsgewohnt. Savara verlangsamte ihre Schritte, w�hrend sie ihr entgegenging.</p><p>�Sprecherin Kalia�, erwiderte sie. �Hat die Tafel sich versammelt?�</p><p>�Alle, bis auf dich und mich.�</p><p>Lorkin sp�rte, dass etwas gegen seinen Arm stie�. Tyvara. Sie formte mit den Lippen einige Worte, aber er konnte sie nicht verstehen, daher beugte sie sich n�her zu ihm.</p><p><emphasis>�Andere Partei�,</emphasis> fl�sterte sie. <emphasis>�Anf�hrerin.�</emphasis></p><p>Er nickte zum Zeichen, dass er verstand, dann musterte er die Frau eingehender. <emphasis>Das ist also diejenige, die befohlen hat, mich zu t�ten.</emphasis> Sie war �lter als Savara, wahrscheinlich �lter als seine Mutter, da die Rundheit ihres Gesichts die Falten gl�ttete, die eine Frau ihres Alters normalerweise haben w�rde. Die Sch�rfe ihres Blicks und die Form ihrer Lippen straften ihr sanftes Auftreten L�gen. Sie verliehen ihr etwas Gemeines, befand er. Aber vielleicht wurde seine Wahrnehmung von dem Wissen getr�bt, dass sie ihn tot sehen wollte. Vielleicht fanden andere sie anziehend und m�tterlich.</p><p>Kalia lie� den Blick �ber die Mitglieder von Savaras Gruppe gleiten, und ihre Nase zuckte. Lorkin wurde bewusst, dass die Sklavengewandung, die er und einige der anderen trugen, jetzt deplatziert wirkte. Savara wandte sich an zwei ihrer Begleiterinnen.</p><p>�Bringt Tyvara in ihr Zimmer und bewacht die T�ren.�</p><p>Sie nickten, und als sie Tyvara ansahen, trat diese ihnen entgegen. Ohne ihn anzuschauen oder ein Wort zu sagen, schritt sie davon. Savara blickte eine andere Verr�terin an.</p><p>�Such Evana und Nayshia und lass sie so bald wie m�glich Ishiya und Raiana ersetzen.� Sie sah die beiden letzten Frauen an. �Geht. Ruht euch etwas aus.�</p><p>Als die Frauen fort waren, wandte Savara sich an Lorkin. �Ich hoffe, du bist bereit, eine Menge Fragen zu beantworten.�</p><p>Er l�chelte. �Das bin ich.�</p><p>Aber als sie und Kalia ihn flankierten und aus der Halle in einen breiten Flur f�hrten, wurde ihm klar, dass er sich keineswegs bereit f�hlte. Er wusste, dass es hier eine K�nigin gab, aber es war pl�tzlich klar, dass Tyvara und Chari vers�umt hatten, ihm zu erz�hlen, wie die Macht unterhalb der k�niglichen Ebene aufgeteilt war. Er wusste, dass seine beiden Begleiterinnen Sprecherinnen waren, aber er hatte keine Ahnung, wie genau sie in die Hierarchie hineinpassten.</p><p><emphasis>Savara hat gefragt, ob eine Tafel sich versammelt habe. Ich sch�tze, damit ist kein M�belst�ck gemeint. Sie sind beide Teil davon, daher vermute ich, dass es sich um eine Art von Gruppe handelt wie die H�heren Magier. Mit jemandem, der die Formalit�ten und Zeremonien leitet, wie Administrator Osen es bei Versammlungen der Gilde tut.</emphasis></p><p>Das Licht im Flur war ged�mpft, aber hell genug, um den Weg zu beleuchten. Au�erdem hatte es Farbe�� eine Farbe, die sich bewegte und ver�nderte. Auf der Suche nach der Quelle blickte er sich um und stellte fest, dass es von hellen, ins Dach eingelassenen Lichtpunkten kam.</p><p><emphasis>Edelsteine! Magische Edelsteine!</emphasis> Er versuchte, im Vorbeigehen ihre Form auszumachen, aber sie waren zu hell, um direkt hineinzuschauen. Sie hinterlie�en Flecken, die vor seinen Augen trieben, daher zwang er sich, den Blick abzuwenden.</p><p>Der Flur war nicht lang, und Savara und Kalia f�hrten ihn durch eine breite T�r in einen gro�en Raum. An einem Ende stand ein runder steinerner Tisch. Daran sa�en vier Frauen, und zwei leere St�hle warteten. Am entgegengesetzten Ende des Tisches sa� eine grauhaarige Frau, die den gleichen m�den Blick hatte, den Osen immer zu haben schien.</p><p><emphasis>Sie ist das Gegenst�ck der Verr�terinnen zu unserem Administrator, m�chte ich wetten.</emphasis></p><p>Am n�her gelegenen Ende stand ein weiterer leerer Stuhl, gr��er und mit Edelsteinen besetzt. Der Rest des Raums war f�cherf�rmig mit dem Tisch als Zentrum. Der Boden erhob sich, von der Tafel ausgehend, in Stufen und war mit Polstern ausgelegt. <emphasis>F�r die Zuh�rer, obwohl heute keine hier sind.</emphasis></p><p>Savara bedeutete ihm, vor den Tisch zu treten, dann nahmen sie und Kalia ihre Pl�tze ein.</p><p>�Willkommen, Lorkin von der Magiergilde Kyralias�, begann die m�de Frau. �Ich bin Riaya, Vorsitzende der Tafel. Dies sind Yvali, Shaiya, Kalia, Lanna, Haiana und Savara, Sprecherinnen f�r die Verr�terinnen.�</p><p>�Danke, dass ihr mir Einlass in eure Stadt gew�hrt habt�, antwortete er mit einer schwachen Verbeugung, die er an alle Frauen richtete.</p><p>�Man hat mir zu verstehen gegeben, dass du aus freien St�cken ins Sanktuarium gekommen bist�, fuhr Riaya fort.</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>�In erster Linie, um bei Tyvaras Verhandlung zu ihren Gunsten zu sprechen.� �Und warum noch?�</p><p>Er hielt inne, um dar�ber nachzudenken, wie er beginnen sollte. �Man hat mir berichtet, dass mein Vater eurem Volk ein Versprechen gab, das er nicht h�tte geben sollen. Wenn ich kann, w�rde ich die Angelegenheit gern bereinigen.�</p><p>Die Sprecherinnen tauschten einen Blick. Einige wirkten skeptisch, andere hoffnungsvoll. �Ist das alles?�</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Obwohl ich nur ein Gehilfe des Gildebotschafters in Sachaka war, ist mir doch bewusst, dass ein Teil der Aufgabe�� ein Teil des Grundes, warum man �berhaupt Botschafter hat�� darin besteht, friedliche Verbindungen mit anderen V�lkern anzustreben und aufrechtzuerhalten. Die Verr�terinnen sind ein Teil Sachakas; wenn wir also keine Verbindungen mit ihnen anstreben, vernachl�ssigen wir einen wichtigen Teil des Landes. Selbst nach dem wenigen, was ich �ber die Verr�terinnen wei�, ist mir klar, dass eure Werte eher zu denen der Verb�ndeten L�nder passen. Ihr lehnt zum Beispiel Sklaverei ab.� Er holte tief Luft. �Wenn eine Chance besteht, auf eine vorteilhafte Verbindung zwischen uns hinzuarbeiten, f�hle ich mich verpflichtet, der M�glichkeit nachzugehen.�</p><p>�Welchen m�glichen Vorteil h�tte ein solches B�ndnis f�r uns?�, fragte Kalia, in deren Stimme deutliche Ungl�ubigkeit mitschwang.</p><p>Lorkin l�chelte. �Handel.�</p><p>Kalia stie� ein scharfes, freudloses Lachen aus. �Wir haben bereits ehrlichen Handel mit euresgleichen angestrebt und es bedauert.�</p><p>�Du beziehst dich nat�rlich auf meinen Vater�, erwiderte er. �Mir wurde gesagt, dass Verr�terinnen sich bereitfanden, ihn schwarze Magie im Gegenzug f�r heilende Magie zu lehren?�</p><p>Die sieben Frauen runzelten die Stirn.</p><p>�Schwarze Magie?�, wiederholte Riaya.</p><p>�H�here Magie�, erkl�rte Lorkin.</p><p>�Dann entspricht das der Wahrheit�, sagte Riaya.</p><p>Lorkin sch�ttelte den Kopf. �Einzig die H�heren Magier der Gilde h�tten mit Erlaubnis der H�upter der Verb�ndeten L�nder diese Entscheidung treffen k�nnen. Das Heilen ist ein zu gro�es Geheimnis. Mein Vater hatte kein Recht, es anzubieten.�</p><p>Die Frauen begann pl�tzlich alle durcheinanderzureden, aber obwohl Lorkin nicht verstehen konnte, was jede einzelne von ihnen sagte, war die allgemeine Meinung klar. Sie waren w�tend, aber auch verwirrt.</p><p>�Warum sollte er dann das Versprechen geben? Hatte er die Absicht, sein Wort zu brechen?�</p><p>�Es ist offenkundig, warum er getan hat, was er tat�, antwortete Lorkin. �Er war���</p><p>Aber Kalia und die Frau neben ihr redeten noch immer�� nach den Wortfetzen, die er auffing, stimmten sie einander darin zu, dass man Kyraliern nicht trauen k�nne.</p><p>�Lasst ihn sprechen�, befahl Riaya, deren Stimme die der anderen �bert�nte. Die beiden Frauen schwiegen. Kalia verschr�nkte die Arme vor der Brust und sah ihn hochm�tig an.</p><p>�Mein Vater war verzweifelt�, rief Lorkin ihnen ins Ged�chtnis. �Er war viele Jahre lang ein Sklave gewesen. Er wusste, dass sein Land in Gefahr war. Wahrscheinlich fand er, dass seine pers�nliche Ehre ein geringer Preis f�r die Sicherheit seines Landes war. Und wenn ihr jahrelang� ein Sklave gewesen w�rt, wie viel W�rde w�re euch dann noch verblieben?�</p><p>Er brach ab, als er begriff, dass er zu viel Gef�hl in seine Worte gelegt hatte. �Ich habe eine Frage an euch�, sagte er.</p><p>�Du hast uns keine Fragen zu stellen�, h�hnte Kalia. �Du musst warten, bis���</p><p>�Ich w�rde seine Frage gern h�ren�, unterbrach Savara. �Stimmt mir irgendjemand zu?�</p><p>Die �brigen Frauen z�gerten kurz, dann nickten sie.</p><p>�Sprich weiter, Lorkin�, forderte Riaya ihn auf.</p><p>�Man hat mir berichtet, euer Volk habe gewusst, dass mein Vater eine Zeit lang ein Sklave war, bevor ihr ihm diesen Handel angeboten habt. Warum habt ihr gewartet, bis es f�r euch vorteilhaft war, bevor ihr ihm eure Hilfe angeboten habt? Warum habt ihr einen so hohen Preis f�r diese Hilfe verlangt, obwohl ihr eure eigenen Leute doch st�ndig vor einer Tyrannei dieser Art rettet?�</p><p>Seine letzten Worte gingen in Protestrufen unter.</p><p>�Wie kannst du es wagen, unsere Gro�z�gigkeit in Zweifel zu ziehen?�, schrie Kalia.</p><p>�Er war ein Mann und ein Fremdl�nder!�, rief eine andere.</p><p>�Die einzige Tochter der K�nigin ist seinetwegen gestorben!�</p><p>�Und Hunderte weitere h�tten gerettet werden k�nnen, h�tte er sein Wort gehalten.�</p><p>Sein Blick wanderte �ber ihre w�tenden Gesichter, und pl�tzlich bedauerte er seine Worte. Er musste diese Frauen bezaubern und umgarnen, statt sie gegen sich aufzubringen. Aber dann begegnete er Savaras Blick. Er sah sie anerkennend nicken.</p><p>�Wirst du uns geben, was dein Vater versprochen hat?�, verlangte Kalia zu erfahren.</p><p>Sofort wurden die Frauen still. Sie starrten ihn eindringlich an. <emphasis>Sie wollen die Heilkunst unbedingt,</emphasis> dachte er. <emphasis>Und warum auch nicht? Das Verlangen, gesch�tzt zu sein vor Verletzungen und Krankheiten, ist sehr m�chtig. Aber sie begreifen nicht, wie m�chtig das Wissen wirklich ist. Welchen Vorteil es einem �ber einen Feind gibt. Dass es ebenso gut dazu benutzt werden kann, Schaden anzurichten.</emphasis></p><p>�Ich bin nicht befugt, das zu tun�, antwortete er ihnen. �Aber ich bin bereit, euch zu helfen, dieses Wissen zu erwerben, indem ich mit der Gilde und den Verb�ndeten L�ndern einen Austausch aushandele.�</p><p>�Einen Austausch?� Riaya runzelte die Stirn. �Wof�r?�</p><p>�F�r etwas von gleichem Wert.�</p><p>�Wir haben euch h�here Magie gegeben!�, rief Kalia.</p><p>�Ihr habt meinem Vater schwarze Magie gegeben�, stellte Lorkin fest. �Sie ist weder neu f�r die Gilde, noch w�rde man sie als angemessene Gegenleistung f�r die Heilkunst ansehen.�</p><p>Lorkin hatte daraufhin mehr Proteste erwartet, aber die Frauen waren in nachdenkliches Schweigen verfallen. Savara musterte ihn mit schmalen Augen. War das Argwohn, den er darin las?</p><p>�Was haben wir, das als gleichwertig betrachtet werden w�rde?�, fragte Riaya.</p><p>Er zuckte die Achseln. �Ich wei� es nicht. Ich bin gerade erst hier angekommen.�</p><p>Kalia stie� einen lauten Seufzer aus. �Es hat keinen Sinn, Zeit und Energie auf Fantasien �ber Gesch�fte und B�ndnisse zu verschwenden. Der Standort des Sanktuariums ist ein Geheimnis. Wir dulden kein Kommen und Gehen von Fremdl�ndern, sei es zu Zwecken des Handels oder zu anderen Zwecken.�</p><p>Riaya nickte. Sie sah zuerst die Frauen an, dann Lorkin. �Wir sind noch nicht in einer Position, um �ber solche Dinge nachzudenken. Hat Savara dich gewarnt, dass man dir nicht gestatten w�rde, wieder fortzugehen, wenn du das Sanktuarium betrittst?�</p><p>�Das hat sie getan.�</p><p>Sie wandte sich an die Sprecherinnen. �Sieht eine von euch einen Grund daf�r, warum dieses Gesetz nicht auf Lorkin angewandt werden sollte?�</p><p>Alle Frauen sch�ttelten den Kopf. Selbst Savara, wie er bemerkte. Ihm wurde flau im Magen.</p><p>�Akzeptierst du das?�, fragte Riaya ihn.</p><p>Er nickte. �Ja.�</p><p>�Dann bist du jetzt den Gesetzen des Sanktuariums Untertan. Also solltest du besser herausfinden, wie sie aussehen, und ihnen den geziemenden Respekt erweisen. Diese Versammlung ist vor�ber.� Riaya sah Savara an. �Da du ihn mitgebracht hast, f�llt es in deine Verantwortung sicherzustellen, dass er gehorsam und n�tzlich ist.�</p><p>Savara nickte, dann stand sie auf und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Als sie den Raum verlie�en, stieg in Lorkin eine seltsame Schwermut auf. Er hatte gewusst, dass es einen Preis haben w�rde, Savara ins Sanktuarium zu folgen. Obwohl er bereit war, ihn zu akzeptieren, rebellierte ein Teil von ihm trotzdem dagegen.</p><p>Und dann fiel ihm wieder ein, was Riaya gesagt hatte. <emphasis>�Wir sind noch nicht in einer Position, um �ber solche Dinge nachzudenken.�</emphasis> Noch nicht. Das bedeutete nicht �niemals�. Es k�nnte Jahre dauern, bis sie genug Kraft und Mut hatten, um sich �ber ihre Berge hinauszuwagen, aber sie w�rden es tun m�ssen, wenn sie wollten, was die Verb�ndeten L�nder zu bieten hatten.</p><p><emphasis>Obwohl sie die Edelsteinmagie von den Duna-St�mmen gestohlen haben,</emphasis> durchzuckte es ihn. <emphasis>Dann sollte ich besser gut achtgeben, dass sie nicht versuchen, etwas Ahnliches mit mir zu machen.</emphasis></p><empty-line/><p>Anyi streckte die Hand aus, um das feine Leder des Kutschensitzes zu streicheln, dann strich sie �ber die goldenen Einlegearbeiten, die in den h�lzernen Sockel der Sitzbank eingelassen waren. Als Cery auf den Boden sah, stellte er erheitert fest, dass auch dort das Symbol der Gilde�� ein Y in einem Diamanten�� zu erkennen war, diesmal in verschiedenfarbigem Holz ausgef�hrt.</p><p>�Wir sind da�, erkl�rte Gol mit gro�en Augen.</p><p>Cery schaute aus dem Fenster. Die Tore der Gilde schwangen auf. Die Kutsche verlangsamte ihr Tempo, als sie hindurchglitt, dann beschleunigte sie wieder, um sie zum Vordereingang der Universit�t zu bringen. Vor der Treppe hielt sie an, und der Fahrer sprang hinab, um ihnen die T�r zu �ffnen. Als Cery ausstieg, tauchte aus dem Geb�ude eine Gestalt in schwarzen Roben auf.</p><p>�Cery von der Nordseite�, sagte Sonea und grinste ihn an.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea�, erwiderte er und machte eine �bertriebene Verbeugung. Um seine Augen bildeten sich winzige Falten der Erheiterung. �Das ist Anyi�, fuhr er fort. �Und Gol kennst du bereits.�</p><p>Sonea nickte seiner Tochter zu. �Mir war nicht bewusst, dass du <emphasis>die</emphasis> Anyi bist�, murmelte sie. �Aber andererseits habe ich dich nicht mehr gesehen, seit du mir nur bis zu den Knien gereicht hast.�</p><p>Anyi verneigte sich. �Lasst uns das nicht weiter er�rtern�, sagte sie. �Ich bin Cerys Leibw�chterin, mehr nicht.�</p><p>�Und das ist alles, was die Gilde erfahren wird�, versicherte Sonea ihnen. Dann blickte sie zu Gol auf. �Du bist seit neulich nicht gr��er geworden, wie ich mit Freude feststelle.�</p><p>Der Mann machte eine hastige Verbeugung. Er �ffnete den Mund und schloss ihn wieder, eindeutig zu �berw�ltigt von seiner Umgebung, um sich auf eine witzige Antwort zu besinnen.</p><p>�Kommt herein.� Sonea machte ihnen ein Zeichen und stieg die Treppe empor. �Alle freuen sich schon darauf, eure Geschichten zu h�ren.�</p><p>Als Cery ihren trockenen Tonfall bemerkte, sah er sie forschend an. Als sie ihn in die Gilde gerufen hatte, um die wilde Magierin zu identifizieren, war er gleichzeitig erfreut und entsetzt gewesen, aber sie hatte ihm versichert, dass sie ihn lediglich als einen alten Freund bezeichnet hatte. Es bestand die M�glichkeit, dass einige der �lteren Magier ihn aus der Zeit vor zwanzig Jahren erkennen w�rden und dass sie wussten, dass er ein Dieb geworden war. Eine Identifikation k�nnte die Dinge sp�ter f�r ihn erschweren.</p><p>Aber wie er wusste, machte Sonea sich Sorgen, dass die Gilde ihrer Bewegungsfreiheit noch gr��ere Einschr�nkungen auferlegen w�rde, nachdem sie jetzt wusste, dass sie ohne Erlaubnis durch die Stadt gestreift war. Die Tatsache, dass sie Verbindungen zu einem Dieb unterhalten hatte, w�rde ihre Situation nicht besser machen, obwohl das nicht l�nger gegen irgendwelche Gilderegeln verstie�. Wenn er ihr helfen konnte, indem er getarnt als ein alter Freund in die Gilde kam, w�rde er dieses Risiko auf sich nehmen.</p><p>Obwohl die Jagd nach der wilden Magierin vor�ber war, war die Angelegenheit, soweit es die Gilde betraf, keineswegs beigelegt.</p><p>�Wie ist die Versammlung bisher gelaufen?�, erkundigte er sich.</p><p>�Es war eine endlose Diskussion�, begann sie.</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>�Schlimmer als gew�hnlich. Ich hatte immer schon den Verdacht, dass dies geschehen w�rde, wenn ein Magier von au�erhalb der Verb�ndeten L�nder in einem unserer L�nder leben wollte: Es w�rde dazu f�hren, dass wir unsere Gesetze hinterfragen m�ssen. Aber ich habe immer angenommen, dass es sich dann um einen sachakanischen Magier handeln w�rde.�</p><p>�Hat die wilde Magierin euch etwas dar�ber erz�hlt, woher sie kommt?�</p><p>�Nein. Sie weigert sich zu sprechen. Das Gleiche tut Forlie, obwohl ich denke, dass sie mehr aus Furcht handelt denn aus Halsstarrigkeit.�</p><p>Sie erreichten das obere Ende der Treppe, und Sonea f�hrte ihn durch die Eingangshalle voller Wendeltreppen, an die Cery sich von seinem letzten, mehr als zwanzig Jahre zur�ckliegenden Besuch noch erinnern konnte. Gol und Anyi schauten sich beide mit vor Staunen offenem Mund um, und Cery musste ein Kichern unterdr�cken. Sonea z�gerte nicht, sondern f�hrte sie in einen breiten Flur. Dieser endete in der gewaltigen Gro�en Halle, in der sich die alte Gildehalle befand. Cery glaubte nicht, dass Gol und Anyi den Mund noch weiter aufrei�en k�nnten.</p><p>�Werdet ihr ihre Gedanken lesen?�, fragte Cery Sonea.</p><p>�Ich nehme an, dass wir das irgendwann tun werden. Das ist einer der Punkte, �ber den diskutiert worden ist. Da wir nichts �ber das Land wissen, aus dem sie kommt, wissen wir auch nicht, ob es als ein unverzeihlicher Versto� gewertet werden w�rde, wenn wir ohne Erlaubnis ihre Gedanken lesen.�</p><p>�Aber ohne ihre Gedanken zu lesen, k�nnt ihr nicht herausfinden, woher sie gekommen ist�, sagte Anyi.</p><p>�Nein.�</p><p>�Und das ist der Grund, warum wir hier sind. Ihr braucht einen Beweis daf�r, dass sie etwas Ungesetzliches getan hat.�</p><p>Sonea hatte die T�ren zur Gildehalle erreicht, die sich langsam �ffneten. Sie sah Anyi an und l�chelte schief. �Ja.�</p><p>Als die T�ren weit aufschwangen, schnappte Cery nach Luft. Die Halle war voller Magier. Es war ein Bild, von dem Cery vermutete, dass nur wenige Nichtmagier es je sehen w�rden, ohne sich eingesch�chtert zu f�hlen.</p><p><emphasis>Sieht so aus, als h�tten sie die Magier, die sie w�hrend der Ichani-Invasion verloren haben, m�helos durch andere ersetzt,</emphasis> bemerkte er. Die in Reihen angelegten Sitze zu beiden Seiten waren besetzt, aber die Stuhlreihen in der Mitte des Raums waren leer. <emphasis>Diese Pl�tze sind f�r die Novizen,</emphasis> erinnerte er sich. <emphasis>Das ist gut. Unter ihnen finden sich wahrscheinlich mehr Leute von niederem Stand, die mich erkennen k�nnten.</emphasis></p><p>Sonea schritt mit wehenden schwarzen Roben vor. Cery, der ihr folgte, sah Gol und Anyi an, die links und rechts neben ihm gingen. Beide schauten geradeaus auf die Szene vor ihnen.</p><p>Am entgegengesetzten Ende des Raums wartete ein Magier in blauen Roben. <emphasis>Der Administrator.</emphasis> Es war ein anderer Mann als der, den Cery vor langer Zeit diese Roben hatte tragen sehen. Hinter dem Administrator befanden sich weitere Sitzreihen. <emphasis>Die H�heren Magier.</emphasis> Cery betrachtete die Gesichter. Einige kamen ihm bekannt vor, andere nicht. Er erkannte Rothen, den Magier, der Sonea durch ihre fr�hen Jahre an der Universit�t gef�hrt hatte. Der alte Mann begegnete Cerys Blick und nickte knapp.</p><p>Zwei Frauen standen vor den H�heren Magiern. Cery erkannte Forlie, die aussah, als sei sie von Sinnen vor Angst. Die andere Frau drehte sich um, um festzustellen, wer da n�her kam, und Cerys Herz setzte einen Schlag aus.</p><p><emphasis>Ja, das ist sie.</emphasis></p><p>W�hrend sie ihn anfunkelte, gefror Cery das Blut in den Adern. Im schwachen Licht des Dachbodens im Haus des Pfandleihers hatte er sie nicht allzu deutlich gesehen, wenn auch deutlich genug, um sie zu erkennen, als er ihr das n�chste Mal begegnete. Und als er sie drau�en auf der Stra�e vor dem Pfandleiher gesehen hatte, hatte einige Entfernung zwischen ihnen gelegen. Aber hier, im hellen Schein vieler magischer Lichtkugeln, bemerkte er etwas, das zu sehen er zuvor nicht die Gelegenheit gehabt hatte.</p><p>Sie hatte die gleichen seltsamen Augen wie Skellin. Sie geh�rten derselben Rasse an.</p><p><emphasis>Das ist etwas, das die Gilde nicht zu wissen braucht,</emphasis> entschied er. <emphasis>Skellin w�re nicht gl�cklich, wenn ich die Aufmerksamkeit der Gilde auf ihn lenke. Obwohl ich bezweifle, dass Sonea die �hnlichkeit entgangen ist. Aber sie hat vielleicht noch mit niemandem dar�ber gesprochen�</emphasis></p><p>Als Sonea vor den H�heren Magiern stehen blieb, verneigten sich Cery, Anyi und Gol. Sie stellte ihn und seine Leibw�chter vor und erkl�rte, dass Cery der Freund sei, von dem sie gesprochen hatte, der Mann, der die wilde Magierin das erste Mal gesehen und sie darauf hingewiesen hatte. Als sie zum Ende gekommen war, sah der Administrator Cery an.</p><p>�Zun�chst einmal m�chte die Gilde dir f�r deine Unterst�tzung bei der Gefangennahme dieser wilden Magierin danken�, begann er. �Und zum Zweiten danken wir dir daf�r, dass du uns heute hilfst.� Er deutete auf die beiden Frauen. �Erkennst du eine dieser beiden?�</p><p>Cery wandte sich Forlie zu. �Forlie habe ich vor einigen Tagen das erste Mal gesehen, als sie gefangen wurde.� Er deutete auf die andere Frau. �Die da habe ich vor einigen Monaten gesehen. Gol und ich waren auf der F�hrte eines M�rders, und die Hinweise, die wir bekommen hatten, veranlassten uns, einen Ladenbesitzer und seine Kundin auszuspionieren�� diese Frau. Wir haben gesehen, dass sie Magie benutzte, um einen Tresor zu �ffnen.�</p><p>Die wilde Magierin starrte ihn immer noch an, und als sein Blick in ihre Richtung wanderte, kniff sie die Augen zusammen.</p><p>�Denkst du, dass diese Frau die M�rderin ist, die ihr sucht?�</p><p>Cery zuckte die Achseln. �Ich wei� es nicht. Bei dem Mord ist Magie benutzt worden. Sie verf�gt �ber Magie. Aber ich habe keine Beweise daf�r, dass sie es war.�</p><p>Der Administrator richtete seine Aufmerksamkeit auf Gol. �Du warst in der Nacht zugegen, als dein Auftraggeber dieser Frau nachspionierte.�</p><p>Gol nickte. �Ja.�</p><p>�War es so, wie er berichtet hat? Sind dir irgendwelche Einzelheiten aufgefallen, die ihm entgangen sind?�</p><p>�Er hat alles richtig erz�hlt�, antwortete der gro�e Mann.</p><p>Jetzt sah der Administrator Anyi an. �Und warst du zugegen?�</p><p>�Nein�, erwiderte sie.</p><p>�Hast du beobachtet, dass diese Frau Magie gewirkt hat?�</p><p>�Ja. Ich habe sie das erste Mal ungef�hr eine Stunde vor ihrer Gefangennahme gesehen�� bevor Schwarzmagierin Sonea sie �berw�ltigte. Sie hat beobachtet, wie Forlie gefangen wurde. Ich fand das ein wenig seltsam. Dann habe ich sie Magie benutzen sehen, um einige V�gel zu t�ten, die miteinander k�mpften und so viel L�rm machten, dass sie m�glicherweise Aufmerksamkeit auf sie gelenkt h�tten. Ich bin fortgegangen, um� um Schwarzmagierin Sonea zu holen.�</p><p>Der Administrator wirkte nachdenklich, dann sah er Cery, Anyi und Gol der Reihe nach an. �K�nnt ihr uns sonst noch etwas �ber die eine oder andere dieser Frauen erz�hlen?�</p><p>�Nein�, antwortete Cery. Er sah seine Tochter und seinen Leibw�chter an. Beide sch�ttelten den Kopf.</p><p>Der Administrator wandte sich an die H�heren Magier. �Irgendwelche Fragen?�</p><p>�Ich habe eine�, sagte der Magier in den wei�en Roben. Dies war der Hohe Lord, erinnerte sich Cery. Sonea hatte ihm erz�hlt, dass die Farbe der Roben des Hohen Lords ver�ndert worden war und er jetzt Wei� trug, nachdem man beschlossen hatte, dass die Schwarzmagier logischerweise Schwarz tragen sollten. �Habt ihr jemals jemanden mit den gleichen k�rperlichen Besonderheiten wie diese Frau gesehen?� Der Mann deutete auf die wilde Magierin. �Abgesehen nat�rlich von ihrem Geschlecht.�</p><p>�Vielleicht ein oder zwei Mal�, erwiderte Cery.</p><p>�Wisst ihr, woher diese Leute kommen?�</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Nein.�</p><p>Der Magier nickte, dann bedeutete er dem Administrator, dass er keine weiteren Fragen habe. Erleichtert stellte Cery fest, dass er froh sein w�rde, wenn er diesen Ort verlassen konnte. Er mochte in der Unterwelt der Stadt ein m�chtiger Mann sein, aber er war es nicht gewohnt, von so vielen Menschen einer Pr�fung unterzogen zu werden. <emphasis>Ein Dieb arbeitet am besten unbeachtet. Es ist immer besser, durch seinen Ruf bekannt zu sein als dadurch, dass man im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.</emphasis></p><p>�Danke f�r eure Unterst�tzung, Cery von der Nordseite, Anyi und Gol�, sagte der Administrator. �Ihr d�rft jetzt gehen.�</p><p>Sonea geleitete sie wieder hinaus. Sobald sich die T�ren der Gildehalle hinter ihnen geschlossen hatten, stie� Cery einen Seufzer der Erleichterung aus.</p><p>�Hat das geholfen?�, fragte Anyi.</p><p>Sonea nickte. �Ich denke, ja. Sie haben jetzt Zeugenaussagen, die belegen, dass die Frau das Gesetz gebrochen hat.</p><p>Die einzige Magie, die sie in Anwesenheit von Magiern benutzt hat, galt wohl ihrer Verteidigung, als ich sie eingefangen und in die Gilde gebracht habe.�</p><p>�Wenn sie das Gesetz gebrochen hat, ist es also entschuldbar, ihre Gedanken zu lesen?�</p><p>�Das war es ohnehin schon.� Sonea l�chelte grimmig. �Aber jetzt werden sie deswegen kein allzu schlechtes Gewissen haben.�</p><p>�Wirst du es tun?�, fragte Cery.</p><p>Ihr L�cheln verschwand. �Entweder ich oder Kallen. Ich vermute, dass sie sich f�r Kallen entscheiden werden, da er bei der Suche viel weniger stark beteiligt war und keine Regeln gebrochen hat.�</p><p>Cery runzelte die Stirn. �Werden sie dir deshalb Schwierigkeiten machen?�</p><p>�Ich glaube nicht�, antwortete sie mit einem besorgten Stirnrunzeln. �Kallen scheint nicht allzu begeistert zu sein. Er hatte bisher noch keine Zeit, das Thema zur Sprache zu bringen, aber irgendwann wird er es tun.� Sie seufzte und machte einen Schritt r�ckw�rts in Richtung der Halle. �Ich sollte besser wieder hineingehen. Ich werde euch wissen lassen, was geschieht.� Sie hielt inne, dann l�chelte sie. �Oh, und Lorkin hat sich mit mir in Verbindung gesetzt. Er lebt und ist wohlauf. Ich werde dir ein anderes Mal alles erz�hlen.�</p><p>�Wunderbare Neuigkeiten!�, sagte Cery. �Auf Wiedersehen.�</p><p>Sie winkte, dann dr�ckte sie eine der T�ren gerade weit genug auf, um hindurchzugelangen. Cery blickte zwischen Anyi und Gol hin und her. �Lasst uns feststellen, ob die Kutsche auf uns wartet.�</p><p>Sie grinsten und folgten ihm zur�ck durch die Halle.</p><empty-line/><p>Als sie die Stra�e erreichten, hielten Sklaven, die vorausgelaufen waren, die Kutsche und die Pferde schon bereit.</p><p>Die sachakanischen Helfer wandten sich zu Dannyl um, um ihm Lebewohl zu sagen.</p><p>�Ihr habt unser Mitgef�hl�, bemerkte einer von ihnen. �Es muss �rgerlich f�r Euch sein, dass man Euren Gehilfen von Euch fortgelockt hat.�</p><p>�Ja�, erwiderte Dannyl. �Aber zumindest wei� ich, dass er freiwillig mitgegangen ist und ihm keine Gefahr droht�� oder zumindest glaubt er, dass es so ist. Und� ich entschuldige mich noch einmal f�r sein Benehmen. Er hat Euch alle unn�tig in Gefahr gebracht.�</p><p>Ein anderer Mann zuckte die Achseln. �Es hat sich schon f�r die Chance gelohnt, endlich etwas wegen dieser Verr�terinnen unternehmen zu k�nnen. Und vielleicht ihren St�tzpunkt zu finden.�</p><p>�Aber� gewiss h�ttet Ihr den Verr�terinnen nicht viel weiter folgen k�nnen, ohne sie dazu zu zwingen, Euch zu t�ten�, wandte Dannyl ein.</p><p>Die Ashaki tauschten einen Blick, und pl�tzlich verstand Dannyl ihren scheinbaren Mangel an Besorgnis. Sie wollten nicht eingestehen, dass sie hoffnungslos in der Minderzahl gewesen waren oder in ihrer Aufgabe versagt hatten. In Wahrheit war ihnen das Risiko, das sie eingegangen waren, vollauf bewusst. Es w�re jedoch unh�flich gewesen, sie dazu zu zwingen, es laut auszusprechen.</p><p>�Nun, von Ashaki Achati wei� ich, dass wir weiter in ihr Territorium vorgedrungen sind, als das bisher irgendjemandem gelungen ist�, sagte er und legte Stolz und Bewunderung in seinen Tonfall.</p><p>Die Ashaki l�chelte und nickten. �Wenn Ihr Eure Meinung �ndert, und Euren Gehilfen zur�ckholen wollt, lasst es uns wissen�, erwiderte der redseligere der M�nner. �Der K�nig h�tte keine gro�en Schwierigkeiten, f�r diesen Zweck eine kleine Armee zusammenzustellen. Wir suchen immer nach einem Vorwand, um sie zu jagen.�</p><p>�Das ist gut zu wissen�, versicherte er ihnen. �Und ich bin Euch sehr dankbar.� Er drehte sich zu Unh um. �Ich wei�, dass er auch gute F�hrtensucher hat, die ihn unterst�tzen.�</p><p>Der D�na neigte leicht den Kopf, aber sein Gesicht blieb ausdruckslos. Die Sachakaner sagten nichts, dann r�usperte sich der stillere der M�nner. �Was denkt Ihr, was die Gilde seinetwegen unternehmen wird?�</p><p>Dannyl sch�ttelte den Kopf. �Ich wei� es nicht�, gab er zu. �Aber sie werden mir einen neuen Gehilfen schicken m�ssen. Hoffentlich werden sie eine kl�gere Wahl treffen, als ich es getan habe.�</p><p>Die Sachakaner lachten leise. Dann rieb sich der redselige Ashaki die H�nde. �Wir sollten uns jetzt wohl besser auf den Weg machen.�</p><p>Also verabschiedeten sie sich, und die Sachakaner ritten davon. Unh nickte Dannyl knapp zu, was irgendwie ein bedeutungsvolleres Lebewohl war als das der Sachakaner. Als die Gruppe aufbrach, wirbelte sie Staub auf.</p><p>Dannyl und Achati stiegen in die Kutsche, und die beiden Sklaven Achatis nahmen drau�en ihre Positionen ein. Der Wagen setzte sich ruckartig in Bewegung und begann sachte zu schwanken, w�hrend er die andere Stra�e entlangrollte.</p><p>�So ist es besser�, bemerkte Achati. �Bequemlichkeit. Ungest�rtheit. Regelm��ige B�der.�</p><p>�Ich freue mich schon auf dieses Bad.�</p><p>�Ich nehme an, unsere Helfer sind genauso versessen darauf, wieder nach Hause zu kommen, obwohl sie keine Chance hatten, Sachaka von einigen Verr�terinnen zu befreien.�</p><p>Dannyl zuckte zusammen. �Ich entschuldige mich noch einmal, dass ich Euch ohne Grund so viel Unbehagen bereitet und Euch einer gro�en Gefahr ausgesetzt habe.�</p><p>�Ihr habt das nicht ohne Grund getan�, korrigierte ihn Achati. �Ihr wart dazu verpflichtet, nach ihm zu suchen; meine Pflicht war es, Euch zu helfen. Ein junger Mann h�tte in Gefahr sein k�nnen. Die Tatsache, dass er es nicht war, machte unsere Reise nicht weniger wichtig.�</p><p>Dannyl nickte, dankbar daf�r, dass der Sachakaner sein Verhalten verstand. �Ich nehme an, ich entschuldige mich in Lorkins Namen. Ich bin davon �berzeugt, dass er uns seine Entscheidung fr�her mitgeteilt h�tte, h�tte er die Gelegenheit dazu gehabt.�</p><p>�Er hat vielleicht erst kurz vor seinem Gespr�ch mit Euch entschieden, was er tun wollte.� Achati zuckte die Achseln. �Es war keine vergeudete Reise. Tats�chlich war es sehr informativ, sowohl was die Frage betrifft, wie Kyralier denken, als auch was <emphasis>Eure</emphasis> Denkweise betrifft. Ich habe zum Beispiel Mutma�ungen �ber Eure Entschlossenheit angestellt, Euren Gehilfen zu finden. Ich dachte, es w�rde vielleicht� �ber blo�e Loyalit�t gegen�ber einem anderen Magier und Kyralier hinausgehen.�</p><p>Dannyl sah Achati an. �Ihr dachtet, wir w�ren�?�</p><p>Die Miene des Mannes war jetzt wieder ernst. Er wandte den Blick ab. �Mein Sklave ist jung, gutaussehend und recht talentiert. Er bewundert mich. Aber es ist die Bewunderung, die ein Sklave f�r einen guten Herrn empfindet. Ich habe Euch um Euren Gehilfen beneidet.�</p><p>Au�erstande, an sich zu halten, starrte Dannyl Achati �berrascht an, w�hrend er vergeblich nach einer geziemenden Antwort suchte.</p><p>Achati lachte. �Gewiss wusstet Ihr das von mir.�</p><p>�Nun� ja, aber ich gestehe, dass ich recht lange gebraucht habe, um es zu bemerken.�</p><p>�Ihr wart besch�ftigt.�</p><p>�Ich nehme an, Ihr habt keine gro�en Mutma�ungen �ber mich angestellt?�</p><p>Achati sch�ttelte den Kopf. �Wir sorgen daf�r, dass wir so viel wie m�glich �ber die Botschafter in Erfahrung bringen, die die Gilde zu uns schickt. Und Eure Wahl von Gef�hrten ist in Imardin nicht gerade ein Geheimnis.�</p><p>�Nein�, pflichtete Dannyl ihm bei und dachte an Tayend und seine Feste.</p><p>Achati seufzte. �Ich kann mir einen Gef�hrten kaufen�� tats�chlich habe ich es viele Male getan. Jemanden, der sch�n ist, jemanden, der gut darin ausgebildet ist, einem Herrn zu gefallen. Ich mag vielleicht sogar jemanden finden, der intelligent und witzig genug ist, um mit ihm ein Gespr�ch zu f�hren. Ich mag sogar so viel Gl�ck haben, von diesem Sklaven geliebt zu werden. Aber etwas wird immer fehlen.�</p><p>Dannyl musterte Achati eingehend. �Und was ist das?�</p><p>Der Mund des Mannes verzog sich zu einem schiefen L�cheln. �Risiko. Nur wenn man wei�, dass der andere einen ohne Weiteres verlassen k�nnte, wei� man es zu sch�tzen, wenn er bleibt. Nur wenn es f�r ihn einfacher ist, Euch nicht zu m�gen, als Euch wirklich zu m�gen, wisst Ihr es zu sch�tzen, wenn er es tut.�</p><p>�Ein Gleichgestellter.�</p><p>Achati zuckte die Achseln. �Oder jemand, der ann�hernd gleichgestellt ist. Wenn ich nach einem Gef�hrten suchte, der mir wahrhaft gleichgestellt ist, w�rde das meine Auswahl zu sehr einschr�nken. Als Beauftragter des K�nigs bin ich schlie�lich einer der m�chtigsten M�nner im Land.�</p><p>Dannyl nickte. �Ich musste niemals �ber solche Unterschiede im Rang nachdenken. Obwohl ich es vielleicht getan h�tte, wenn mein Gef�hrte ein Dienstbote w�re.�</p><p>�Aber ein Dienstbote kann fortgehen.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Machen Dienstboten gute Konversation?� �Ich nehme an, einige w�rden es vielleicht tun.�</p><p>Achati lie� die Schultern kreisen, dann entspannte er sich. �Ich genie�e unsere Gespr�che.�</p><p>Dannyl l�chelte. �Was nur gut ist. Ihr werdet zwischen hier und Arvice nur mich zum Reden haben.�</p><p>�In der Tat.� Die Augen des anderen Mannes wurden schmal. �Ich denke, ich w�rde mehr als nur Gespr�che mit Euch genie�en.�</p><p>Einmal mehr war Dannyl sprachlos. �berraschung folgte Verlegenheit und wurde dann von Neugier �berlagert und einem nicht geringen Gef�hl des Geschmeicheltseins. <emphasis>Dieser Sachakaner�� der gerade darauf hingewiesen hat, dass er einer der m�chtigsten M�nner im Land ist�� macht mir tats�chlich einen Antrag! Was soll ich tun? Wie weise ich jemanden wie ihn ab, ohne unh�flich zu sein oder politischen Aufruhr zu verursachen? Und will ich es �berhaupt?</emphasis></p><p>Ein Schauer �berlief ihn. <emphasis>Er ist j�nger als ich, aber nicht um viele Jahre. Er sieht gut aus auf eine sachakanische Art und Weise. Es ist angenehm, ihn um mich zu haben. Er ist nett zu seinen Sklaven. Aber oh, eine solche Aff�re w�re politisch gef�hrlich!</emphasis></p><p>Achati lachte abermals. �Ich erwarte nichts von Euch, Botschafter Dannyl. Ich bringe nur eine Meinung zum Ausdruck. Und eine M�glichkeit. Etwas, wor�ber Ihr nachdenken k�nnt. F�r den Augenblick wollen wir uns auf Gespr�che beschr�nken. Schlie�lich w�re es mir gr�sslich, unsere Freundschaft ruiniert zu haben, indem ich etwas vorschlage, das Euch Unbehagen bereitet.�</p><p>Dannyl nickte. �Wie ich schon sagte, ich bin ein wenig langsam.�</p><p>�Ganz und gar nicht.� Achati grinste. �Andernfalls w�rde ich Euch nicht so sehr m�gen. Ihr wart besch�ftigt. Auf ein Ziel konzentriert. Diese Ablenkung existiert nicht mehr. Jetzt k�nnt Ihr an andere Dinge denken. Wie zum Beispiel die Frage, wie lange die Gilde brauchen wird, um einen neuen Gehilfen auszuw�hlen und zu Euch zu schicken.�</p><p>�Ich bin mir nicht sicher, ob sich jemand nach dem, was Lorkin zugesto�en ist, freiwillig f�r die Position melden wird.�</p><p>Achati kicherte. �Da w�rt Ihr vielleicht �berrascht. Es k�nnte jemand in der Hoffnung kommen, an einen geheimen Ort, der von exotischen Frauen regiert wird, entf�hrt zu werden.�</p><p>Dannyl st�hnte. �Oh, das hoffe ich nicht. Das hoffe ich ganz eindeutig nicht.�</p></section><section><title><p>29</p><p>Antworten und neue Fragen</p></title><p>Sonea lehnte sich auf ihrem Platz zur�ck und wartete darauf, dass die H�heren Magier aufh�rten, dem Unvermeidlichen auszuweichen.</p><p>Sie hatte versucht zu verhindern, dass Cery in die Gilde kam, aber sobald bekannt wurde, dass sie und Regin bei der Suche nach den wilden Magierinnen Hilfe gehabt hatten, machte die Gewohnheit der Gilde, alle Seiten einer Situation zu erkunden, es unvermeidlich. Sie hatte ihnen erz�hlt, Cery sei ein alter Freund, nicht dass er ein Dieb war. Einige wenige w�rden vielleicht die Verbindung zu einem Dieb namens Cery herstellen, der ihr und Akkarin w�hrend der Ichani-Invasion geholfen hatte, aber die meisten hatten diese Einzelheiten gewiss vergessen. Jene, die es vorzogen, ihren Anteil an dem Sieg �ber die Eindringlinge zu ignorieren, hatten wohl kaum auf die Namen ihrer Helfer geachtet, und die wenigen, die ihre Rolle bei der Invasion nicht ignorierten, verstanden, wie sie hoffte, warum sie keine allzu gro�e Aufmerksamkeit auf ihren alten Freund lenken wollte.</p><p>Einzig Kallen, der ihr ohnehin bereits zu viel Aufmerksamkeit schenkte, w�rde die Verbindung vielleicht herstellen und darauf zu sprechen kommen. Aber wenn er irgendetwas war, dann diskret. Er w�rde es nicht der ganzen Gilde gegen�ber verk�nden. Er w�rde sich mit anderen H�heren Magiern besprechen.</p><p>Was Sonea �rgerte, war die Tatsache, dass Cerys Besuch in der Gilde nichts bewiesen hatte, was sie nicht ohnehin bereits wussten. Die Frau war offensichtlich eine wilde Magierin. Sie hatte vor Hunderten von Zeugen Magie benutzt, darunter auch der Alchemist und die Heilerin, die Sonea geholfen hatten. Au�erdem hatte die Frau Magie in einem vergeblichen Versuch benutzt, sich den Magiern zu widersetzen, die sie in die Kuppel gebracht hatten, in ihr vor�bergehendes Gef�ngnis.</p><p>Aber die Gildemitglieder�� und h�chstwahrscheinlich auch der K�nig�� machten sich Sorgen, dass sie ein fremdes Land gegen sich aufbringen k�nnten.</p><p>Zu Beginn der Versammlung hatte ein Berater des K�nigs Karten vorgelegt und einige der fernen L�nder darauf beschrieben. Die Frau hatte Stillschweigen bewahrt und sich zu antworten geweigert, als man sie fragte, woher sie stamme. Der Berater hatte aufgrund ihrer Erscheinung einige Vermutungen angestellt. Falls er recht gehabt hatte, hatte sie sich nichts anmerken lassen.</p><p>�Ich sehe keine andere M�glichkeit�, sagte der Hohe Lord Balkan, und in seinem Tonfall lag etwas Endg�ltiges. �Wir m�ssen ihre Gedanken lesen.�</p><p>Administrator Osen nickte. �Dann bitte ich Schwarzmagier Kallen und Schwarzmagierin Sonea herunterzukommen. Schwarzmagier Kallen wird die Gedanken der wilden Magierin lesen, deren Namen wir nicht kennen, und Schwarzmagierin Sonea wird Forlies Gedanken lesen.�</p><p>Obwohl sie das erwartet hatte, versp�rte Sonea einen Anflug von Entt�uschung. Es gab viele Antworten, die sie gern von der fremdl�ndischen Frau gehabt h�tte, aber sie konnte Kallen nicht bitten, danach zu suchen. Zum Beispiel interessierte sie die Frage, ob die Frau Cerys Familie get�tet hatte.</p><p>W�hrend sie Kallen die Treppe hinunterfolgte, hielt sie den Blick auf Forlie gerichtet. Die Frau war erbleicht und starrte Sonea mit gro�en Augen an.</p><p>�Ich werde Euch alles erz�hlen�, stie� Forlie hervor. �Ihr braucht meine Gedanken nicht zu lesen.�</p><p>�T�richte Frau�, erklang eine Stimme mit einem seltsamen Akzent. �Wisst Ihr denn nicht, dass sie Eure Gedanken nicht lesen k�nnen, wenn Ihr es nicht wollt?�</p><p>Sonea wandte sich der ausl�ndischen Magierin zu und stellte fest, dass alle Magier das Gleiche getan hatten. Die Frau schaute von Gesicht zu Gesicht, und ihre Miene ver�nderte sich, als sie Erheiterung und Mitgef�hl bei den anderen Magiern las. Als Kallen vor ihr stehen blieb, stahl sich zuerst Zweifel in ihre Augen, dann Furcht.</p><p>Als er die H�nde nach ihr ausstreckte, wurden seine Arme von Magie weggeschlagen.</p><p>Sonea, die den Kampf nicht beobachten wollte, konzentrierte sich wieder auf Forlie, die vor ihr zur�ckwich. �Ich bin keine Magierin�, sagte die Frau und blickte von Sonea zu den H�heren Magiern hin�ber. �Man hat mich dazu gebracht zu l�gen. Sie sagten� sie sagten, sie w�rden meine Tochter und ihre Kinder t�ten, wenn ich es Euch verrate.� Sie holte bebend Atem, dann brach sie in Tr�nen aus.</p><p>Sonea legte ihr eine Hand auf die Schulter. �Wei�t du, wo sie sind?�</p><p>�Ich� ich glaube, ja.�</p><p>�Sie wissen noch nicht, dass du uns irgendetwas verraten hast. Wir werden die Kinder holen, bevor sie es herausfinden.�</p><p>�D-danke.�</p><p>�Ich f�rchte, dass ich trotzdem �berpr�fen muss, ob du uns die Wahrheit gesagt hast. Ich verspreche dir, das Gedankenlesen tut nicht weh. Tats�chlich wirst du �berhaupt nichts sp�ren. Du wirst nicht einmal wissen, dass ich da bin. Und ich mache so schnell, wie ich nur kann.�</p><p>Forlie sah Sonea an, dann nickte sie.</p><p>Sonea ber�hrte die Frau sachte an den Schl�fen und sandte ihren Geist aus. Furcht und Sorge �berfluteten sie, als sie den Geist der Frau ber�hrte. Sie lie� sich in Forlies Gedanken hineintreiben, Gedanken, die ihrer Tochter und zwei Enkelkindern galten und den M�nnern, die sie fortgeholt hatten. Sonea erkannte den Mann, der Forlie erpresst hatte�� er war der Feuelverk�ufer, mit dem Forlie bei ihrer Gefangennahme zusammen gewesen war.</p><p>Als Sonea an diesen Augenblick dachte, erinnerte sie sich an die magische Kraft, die sie bei Forlie gesp�rt hatte. Jemand anderer musste sie ausgesandt haben. Vielleicht die wahre wilde Magierin, die sie durch die Fenster beobachtet hatte.</p><p><emphasis>Wer hat Magie benutzt, als wir dich fanden?</emphasis></p><p>Ich wei� es nicht.</p><p>Wo sind deine Tochter und deine Enkelkinder jetzt?</p><p>Ein Labyrinth von Gassen und provisorischen H�usern blitzte in Soneas Geist auf, bis ein spezielles Haus in den Vordergrund trat. Forlies Familie war in einem der verbliebenen Armenviertel der Stadt.</p><p><emphasis>- Wir werden sie finden, Forlie. Wir werden die Leute, die das getan haben, bestrafen.</emphasis></p><p>Sonea �ffnete die Augen und lie� die H�nde sinken. Forlies Gesichtsausdruck war jetzt hoffnungsvoll und entschlossen.</p><p>�Danke�, fl�sterte sie.</p><p>An die H�heren Magier gewandt, berichtete Sonea, was sie erfahren hatte. �Ich empfehle, dass einer oder mehrere von uns Forlie begleiten, um ihre Kinder so bald wie m�glich zu befreien.�</p><p>Viele Magier nickten zustimmend. Ein leises Ger�usch lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Fremdl�nderin. Ihr Gesicht, gefangen zwischen Kallens H�nden, dr�ckte eine Mischung von �berraschung und Entsetzen aus.</p><p>Alle schauten schweigend zu, und als Kallen sie endlich loslie�, h�rte Sonea ein allgemeines Seufzen der Erleichterung. Kallen trat zur�ck und wandte sich an die H�heren Magier.</p><p>�Ihr Name ist Lorandra�, erkl�rte er. �Sie stammt aus Igra, dem Land jenseits der gro�en W�ste im Norden. Es ist ein seltsamer Ort, an dem jedwede Magie tabu ist und mit dem Tod bestraft wird. Doch jene, die nach Magiern Ausschau halten und sie bestrafen, sind selbst Magier. Sie stehlen die Kinder jener, die sie hinrichten, um sich Nachwuchs zu sichern.� Er sch�ttelte erstaunt den Kopf angesichts dieser Scheinheiligkeit und Grausamkeit.</p><p>�Lorandra hat als junge Frau Magie erlernt und war gezwungen, mit ihrem neugeborenen Sohn aus ihrem Land zu fliehen. Es ist ihnen gelungen, durch die W�ste nach Lonmar zu wandern und dann weiter durch Elyne nach Kyralia. Hier wurden sie von einem Dieb aufgenommen, der sie als Gegenleistung f�r magische Gef�lligkeiten besch�tzte. Der Dieb adoptierte den Jungen schlie�lich und machte ihn zu seinem Erben. Er bildete ihn in seinem Gewerbe aus, w�hrend seine Mutter ihn in Magie unterwies.�</p><p>Kallen sah Sonea an und runzelte die Stirn. �Der Name des Sohnes ist Skellin, einer der Diebe, deren Hilfe Schwarzmagierin Sonea und Lord Regin sich gesichert haben, um die wilde Magierin zu finden. Nat�rlich wollte er nicht, dass sie seine Mutter fanden. Daher hat er daf�r gesorgt, dass Forlie an ihrer Stelle gefangen wurde. Er hat sogar seine eigene Magie benutzt, damit es so aussah, als h�tte sie sie angegriffen.�</p><p>Er blickte wieder zu den H�heren Magiern auf. �Seit Skellin an die Macht gekommen ist, hat er seine Mutter ausgeschickt, um rivalisierende Diebe zu t�ten. Mit Hilfe von Mord und B�ndnissen wollte er sich zum K�nig der Unterwelt der Stadt machen.�</p><p>Soneas Herz begann schneller zu schlagen. <emphasis>Diese Frau ist die J�gerin der Diebe!</emphasis></p><p>Kallen hielt inne, und die Falte zwischen seinen Brauen vertiefte sich. �Und er hat Feuel importiert, um Menschen an sich zu binden. Nicht nur die Armen, sondern auch die Reichen. Und Magier. Er schien zu denken, dass wir leicht zu manipulieren sein w�rden, sobald wir alle Bekanntschaft mit der Droge gemacht h�tten.�</p><p>Ein Raunen erhob sich, als die Magier begannen, �ber das Geh�rte zu sprechen. Sonea fing einige absch�tzige Bemerkungen �ber Skellins Trugschl�sse auf, aber bei der Erw�hnung von Feuel hatte sie ein Schauder �berlaufen. Sie dachte an den Steinmetz Berrin, dessen Sucht sie vergeblich zu heilen versucht hatte. Wenn die Feuelsucht nicht geheilt werden konnte und Skellin das wusste, dann h�tte sein gro�artiger Plan vielleicht Erfolg haben k�nnen.</p><p>�Was <emphasis>seid</emphasis> Ihr?�, fragte die Fremdl�nderin. Sie starrte Kallen an, dann wanderte ihr Blick zu Sonea hin�ber. �Und <emphasis>Ihr?�</emphasis></p><p>Sonea beantwortete die Frage mit einem kleinen L�cheln. Skellin und seine Mutter waren Magier, aber sie waren offensichtlich keine Schwarzmagier. <emphasis>Das ist immerhin etwas, wof�r wir dankbar sein k�nnen. Hoffentlich k�nnen wir davon ausgehen, dass Igra nicht auch ein Land von Schwarzmagiern ist. Wir brauchen kein weiteres Sachaka, um das wir uns sorgen m�ssen.</emphasis></p><p>Administrator Osen wandte sich der Halle zu und hob die Arme. Die Stimmen verebbten, bis es beinahe still im Raum war.</p><p>�Wir kennen jetzt die Wahrheit. Eine unserer Gefangenen ist unschuldig, die andere ist eine M�rderin und eine wilde Magierin, und wir haben noch einen wilden Magier in unserer Stadt, den wir finden und um den wir uns k�mmern m�ssen. Lorandra wird eingekerkert und verurteilt werden, sobald ihr Sohn gefunden ist. Die Suche muss unverz�glich eingeleitet werden, daher erkl�re ich diese Versammlung hiermit f�r beendet.�</p><p>Im n�chsten Moment war die Halle erf�llt vom Ger�usch von Hunderten von Magiern, die aufstanden und zu reden begannen. Osen ging auf Sonea zu.</p><p>�Nehmt Forlie und findet ihre Kinder�, befahl er leise. �Bevor Lorandra daran denkt, Skellin von ihrem Verrat in Kenntnis zu setzen.�</p><p>Sonea sah ihn �berrascht an, dann nickte sie. <emphasis>Nat�rlich. Sie braucht sich lediglich mittels Gedankenrede mit ihm in Verbindung zu setzen und ihm mitzuteilen, was hier geschehen ist.</emphasis> �Ich werde Lord Regin als Verst�rkung mitnehmen, falls das akzeptabel ist.�</p><p>Er nickte. �Ich werde Kallen auf Skellins F�hrte setzen, sobald sie in Sicherheit sind.�</p><p>Sonea wurde warm ums Herz vor Dankbarkeit. Osen mochte ihr gegen�ber kalt sein, aber er war ein Mann, der durchaus Mitgef�hl mit anderen empfand. Als er davonging, sah sie sich im Raum um und entdeckte Regin, der an einer der Treppen stand und sie beobachtete. Sie winkte ihn heran.</p><p>�Ist das wirklich angebracht?�</p><p>Kallens Stimme erreichte sie �ber den L�rm der Gespr�che und Schritte der H�heren Magier hinweg. Sie schaute zu ihm hin�ber und sah, dass er Osen stirnrunzelnd musterte.</p><p>�Wenn Ihr innerhalb der n�chsten f�nf Minuten eine Mehrheit von H�heren Magiern zusammenbringen k�nnt, die dagegen sind, dass Sonea ausgeschickt wird, werde ich in Erw�gung ziehen, jemand anderen mit dem Auftrag zu betrauen.�</p><p>Kallen betrachtete die Magier, die das Geb�ude verlie�en, dann sah er Sonea an, und seine Lippen wurden schmal.</p><p>�Es ist Eure Entscheidung�, erwiderte er. �Nicht meine.�</p><p>Als Regin neben sie trat, l�chelte Sonea vor sich hin und kostete einen Moment lang ihren Triumph aus. Wenn Osen ihr jetzt genug vertraute, um sie in die Stadt zu schicken, w�rde der Rest der Gilde ihr vielleicht verzeihen, dass sie w�hrend der letzten Wochen so h�ufig die Regeln gebrochen hatte.</p><p>�Habt Ihr Lust, mir bei meinem n�chsten Auftrag zu helfen?�, fragte sie Regin.</p><p>Er zog die Augenbrauen hoch und brachte beinahe ein L�cheln zustande. �Immer.�</p><p>Sie hakte Forlie unter. �Lass uns gehen und deine Familie suchen.�</p><empty-line/><p>Lorkin war sich nicht ganz sicher, wie viel Zeit verstrichen war, seit man ihn in den Raum gef�hrt hatte. Es gab kein Fenster, daher hatte er kein Sonnenlicht, anhand dessen er die Tageszeit h�tte feststellen k�nnen. Er hatte in letzter Zeit manchmal bei Nacht und manchmal bei Tag geschlafen, daher war auch der Schlaf kein Hinweis auf die Tageszeit. Er konnte es ebenso wenig aufgrund seines Hungers feststellen, da er gegessen hatte, wann immer sich die Gelegenheit bot, und nicht zu regelm��igen Zeiten.</p><p>Es wurden ihm jedoch in regelm��igen Abst�nden Mahlzeiten gebracht, und sie schienen einem Muster zu folgen, daher z�hlte er die Tage auf diese Weise. Ein simpler, k�rniger s��er Brei und Fr�chte, gefolgt von einer gr��eren Mahlzeit mit Fleisch und Gem�se, gefolgt von einem leichten Mahl aus Fladenbrot und einer Tasse gew�rmter Milch.</p><p>Einfache Speisen, gewiss, aber wunderbar nach der kargen Kost, die er w�hrend der Wochen, in denen er mit Tyvara auf Reisen gewesen war, zu sich genommen hatte.</p><p>Man hatte ihm gesagt, dass er bis zu Tyvaras Verhandlung w�rde dort bleiben m�ssen. Nach seiner Sch�tzung waren inzwischen zweieinhalb Tage vergangen. Er vertrieb sich die Zeit, indem er in seinem Notizbuch las und sich alles notierte, was er bisher �ber die Verr�terinnen in Erfahrung gebracht hatte. Au�erdem listete er Fragen auf, auf die er Antworten zu finden versuchen w�rde, falls es ihm freistand. Wann immer ihm Essen gebracht wurde, erblickte Lorkin die Verr�terin, die an seiner T�r Wache hielt. Es war stets eine Frau, aber nicht immer dieselbe. Gab es hier keine m�nnlichen Magier? Oder vertrauten sie einem Mann die Aufgabe nicht an, einen anderen Mann zu bewachen?</p><p>Au�erdem hatte er viel Zeit damit verbracht zu schlafen. Obwohl er k�rperliches Ungemach und Ersch�pfung hatte heilen k�nnen, war es immer besser, einen K�rper seine Energie und Gesundheit auf nat�rlichem Wege wiedererlangen zu lassen.</p><p>Licht kam von einem in die Decke eingelassenen Edelstein. Wenn er auf das Bett stieg, konnte er sich den Stein genauer ansehen. Er war allerdings zu hell, um ihn lange zu betrachten. Er streckte die Hand danach aus und stellte fest, dass er keine Hitze abgab. Die Oberfl�che war in Facetten geschliffen wie Steine in Schmuckst�cken.</p><p>War die Form des Steins nat�rlich, oder hatte ein Mensch ihn bearbeitet? W�rde er f�r immer weiterleuchten oder irgendwann verblassen?</p><p>Die unbeantworteten Fragen vermehrten sich in seinem Kopf und seinem Notizbuch ziemlich rasch.</p><p>Er fragte sich, wie er etwas �ber die Gesetze des Sanktuariums herausfinden sollte, wie Riaya es vorgeschlagen hatte. Erwartete man von ihm, dass er um jemanden bat, der ihn darin unterwies? Was w�rde geschehen, wenn er klopfte, um die Aufmerksamkeit seiner W�chterin auf sich zu ziehen und dann um eine Lehrerin zu bitten?</p><p>Er dachte eine Weile dar�ber nach. Bevor er die Entschlossenheit aufbringen konnte, es zu versuchen, h�rte er Stimmen drau�en vor der T�r. Er richtete sich auf und wandte sich der T�r zu, als diese ge�ffnet wurde.</p><p>Eine Frau, die er noch nie zuvor gesehen hatte, musterte ihn von Kopf bis Fu�.</p><p>�Lord Lorkin!�, sagte sie. �Du sollst mit mir kommen.�</p><p>Die Atmosph�re in der Stadt war jetzt anders, bemerkte er. Es waren mehr Menschen unterwegs, und viele sahen so aus, als warteten sie auf etwas. Wenn sie ihn bemerkten, musterten sie ihn voller Neugier, aber die Erwartung, die in der Luft lag, galt offensichtlich etwas anderem.</p><p><emphasis>Tyvaras Verhandlung?,</emphasis> �berlegte er. <emphasis>Nun, warum sonst h�tten sie kommen und mich holen sollen?</emphasis></p><p>Seine Annahme erwies sich als richtig, als sie denselben Raum betraten, in dem er Bekanntschaft mit der Tafel der Sprecherinnen gemacht hatte. Dieselben sieben Frauen wie zuvor sa�en an dem runden Tisch, aber diesmal hatte auch jemand auf dem mit Edelsteinen besetzten Stuhl Platz genommen. Eine alte Frau sa� dort und beobachtete ihn nachdenklich.</p><p>Der Rest des Raums war voller Menschen. Die Polster auf den Stufen waren dicht besetzt, und viele weitere M�nner und Frauen standen an den W�nden. Dem Eingang gegen�ber befand sich eine kleinere T�r, die ihm beim letzten Mal nicht aufgefallen war. Darin standen Tyvara und zwei andere Frauen.</p><p>�Du verbeugst dich nicht vor K�nigin Zarala�, murmelte seine F�hrerin ihm zu. �Du legst eine Hand auf die Brust und siehst Zarala an, bis sie dir zunickt. Jetzt tritt vor die Tafel und beantworte ihre Fragen.�</p><p>Er tat wie gehei�en. Die K�nigin l�chelte und nickte, als er die vorgeschriebene Geste machte. Dann richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf Riaya.</p><p>�Lord Lorkin, ehemaliger Gehilfe des Gildebotschafters in Sachaka, Dannyl�, sagte die Vorsitzende, deren Stimme den Raum erf�llte. �Du bist ins Sanktuarium gekommen, um bei dieser Verhandlung zu Tyvaras Verteidigung zu sprechen. Die Zeit ist gekommen. Erz�hl uns, wie du Tyvara kennengelernt hast.�</p><p>�Sie war eine Sklavin im Gildehaus.�</p><p>�Wo du auch Riva kennengelernt hast.�</p><p>�Ich bin Riva erst in der Nacht begegnet, in der sie starb.�</p><p>Riaya nickte. �Wie ist Riva in jener Nacht in dein Zimmer gelangt?�</p><p>Lorkin biss sich auf die Unterlippe. �Sie ist hereingeschlichen, w�hrend ich schlief.� �Und was hat sie getan?�</p><p>�Mich geweckt.� Er schob das Widerstreben beiseite, das er dabei empfand, das Wie beschreiben zu m�ssen. �Indem sie in mein Bett kam und� �h� erheblich netter zu mir war, als notwendig gewesen w�re.�</p><p>Ein schwaches L�cheln glitt �ber Riayas Lippen. �Du hattest also nicht die Gewohnheit, Sklavinnen mit in dein Bett zu nehmen?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Aber du hast sie nicht weggeschickt?� �Nein.�</p><p>�Was ist als N�chstes geschehen?�</p><p>�Es wurde hell im Zimmer. Ich sah, dass Tyvara Riva erstochen hatte.� �Und dann?�</p><p>�Tyvara erkl�rte mir, dass Riva beabsichtigt habe, mich zu t�ten.� Er sp�rte, dass sein Gesicht hei� wurde. �Mit einer Art von Magie, von der ich noch nie zuvor geh�rt hatte. Sie sagte, wenn ich im Gildehaus bliebe, w�rden andere versuchen, mich zu ermorden.�</p><p>�Du hast ihr geglaubt?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Die andere Sklavin�� Riva�� sagte etwas.� Er dachte zur�ck. �Sie sagte: �Er muss sterben.��</p><p>Riaya zog die Augenbrauen hoch. Sie betrachtete die sechs Frauen und die K�nigin und wandte sich schlie�lich wieder Lorkin zu.</p><p>�Was ist dann geschehen?�</p><p>�Wir sind aufgebrochen und zu einem Gut gegangen�� zu den Sklavenquartieren. Die Sklaven dort waren hilfsbereit. Aber auf dem Gut, das wir als n�chstes besuchten, hatten die Sklaven uns eine Falle gestellt. Sie versuchten, uns unter Drogen zu setzen. Danach vertrauten wir niemandem mehr�� bis wir Chari trafen.�</p><p>Riaya nickte, dann wandte sie sich dem Tisch zu. �Irgendwelche Fragen an Lord Lorkin?�</p><p>Die erste Frau nickte. Lorkin rief sich ihren Namen von der letzten Begegnung ins Ged�chtnis. <emphasis>Yvali, denke ich.</emphasis> Sie bedachte Lorkin mit einem direkten Blick.</p><p>�Hast du jemals das Bett mit Tyvara geteilt?�</p><p>�Nein.�</p><p>Ein Raunen durchlief die Reihen der Zuschauer. Es klang wie ein Protest, bemerkte Lorkin. Yvali �ffnete den Mund, um noch eine Frage zu stellen, besann sich dann jedoch eines anderen. Sie sah die �brigen an.</p><p>�Hat Tyvara noch irgendjemanden get�tet, w�hrend ihr zusammen auf Reisen wart?�, fragte Lanna. �Nicht soweit ich wei�.�</p><p>�Warum bist du nicht nach Kyralia gegangen?�, erkundigte sich Shaiya.</p><p>�Tyvara sagte, es sei das Naheliegendste, daher w�rden wir dort gewiss auf Auftragsm�rder sto�en, die auf uns warteten.�</p><p>�Was hast du Botschafter Dannyl gegeben, nachdem du ihn dazu �berredet hattest, die Verfolgung einzustellen?�, fragte Savara.</p><p>Lorkin sah sie �berrascht an, aber seine �berraschung galt nicht dem pl�tzlichen Themenwechsel. Wenn sie das beobachtet hatte, warum hatte sie ihn nicht vorher deswegen befragt? Ihre Miene war undeutbar. Er befand, dass es das Beste war, die Wahrheit zu sagen.</p><p>�Den Blutring meiner Mutter. Ich wusste, dass man ihn mir wahrscheinlich wegnehmen w�rde, wenn ich hierherkam, und ich denke nicht, dass es ihr gefallen h�tte, wenn er in fremde H�nde gefallen w�re.�</p><p>Wiederum ging ein Raunen durch den Raum, das jedoch schnell verebbte.</p><p>�Hast du ihn irgendwann, nachdem Tyvara Riva get�tet hatte, benutzt?�</p><p>�Nein. Tyvara wusste nicht, dass ich ihn hatte� denke ich.� Er widerstand der Versuchung, in ihre Richtung zu schauen.</p><p>�Hast du noch andere Blutringe?�</p><p>�Nein.�</p><p>Savara nickte zum Zeichen, dass sie keine weiteren Fragen hatte.</p><p>�Wirst du einwilligen, dass jemand deine Gedanken liest, um die Wahrheit deiner Worte zu best�tigen?�, fragte Kalia. Pl�tzlich herrschte tiefes Schweigen im Raum.</p><p>�Nein!�, erwiderte Lorkin.</p><p>Gemurmelte Worte und Ausrufe folgten. Er begegnete Kalias Blick und hielt ihm stand. <emphasis>F�r wie dumm h�lt sie mich? Wenn ich jemandem erlaube, meine Gedanken zu lesen, werden sie nach dem Geheimnis der Heilkunst suchen, und dann kann ich meine Hoffnung vergessen, jemals wieder von hier fortzukommen.</emphasis></p><p>Es gab keine weiteren Fragen. Riaya tauschte einen Blick mit allen Frauen am Tisch, dann sah sie Lorkin an.</p><p>�Vielen Dank, Lorkin, dass du uns Auskunft gegeben hast. Bitte, tritt an den Eingang.�</p><p>Er nickte ihr gewohnheitsm��ig respektvoll zu, dann nickte er auch den sechs Frauen und der K�nigin zu, damit man seine Geste nicht dahingehend deutete, dass er der Vorsitzenden eine ungeh�rige Gunst erwies. Als er in der N�he des Eingangs die F�hrerin entdeckt hatte, die ihn in den Raum gebracht hatte, ging er zu ihr hin�ber.</p><p>Sie musterte ihn nachdenklich, dann nickte sie. �Das hast du gut gemacht�, murmelte sie.</p><p>�Danke�, erwiderte er. Er schaute durch den Raum zu Tyvara hin�ber. Sie runzelte die Stirn, aber als er ihrem Blick begegnete, schenkte sie ihm ein angespanntes L�cheln.</p><p>�Wir werden jetzt beraten�, erkl�rte Riaya.</p><p>W�hrend die acht Frauen am Tisch sich zu unterhalten begannen, schwiegen auch die Zuschauer nicht l�nger. Lorkin versuchte, einzelne Gespr�che in dem Stimmengewirr auszumachen, konnte aber nicht mehr auffangen als hier und da einige Worte. Die Anf�hrerinnen am Tisch hatten offensichtlich eine magische Barriere errichtet, die sie gegen den L�rm abschirmte. Also betrachtete er, statt zu lauschen, die Menschen im Raum in der Hoffnung, so viel wie m�glich in Erfahrung zu bringen, bevor man ihn in den fensterlosen Raum zur�ckbrachte.</p><p>Auf den Stufen sa�en viele Paare, wie ihm auffiel, aber alle anderen waren ausschlie�lich Frauen. Die Menschen, die an den W�nden standen, waren dagegen gr��tenteils m�nnlichen Geschlechts. Die Kleidung aller Anwesenden war schlicht, obwohl einige der Verr�terinnen�� M�nner wie Frauen�� praktischere Hosen und Tuniken trugen, w�hrend andere mit langen, geg�rteten Gew�ndern aus feinerem Tuch bekleidet waren. Es �berraschte ihn zu sehen, dass sowohl M�nner als auch Frauen diese langen Kleider trugen.</p><p>Die Farbe des Stoffs reichte von ungef�rbtem Wei� zu dunklen Farben, aber keine davon war leuchtend oder kr�ftig. Er vermutete, dass es schwer war, Farbstoffe in die Stadt zu bringen, und angesichts des begrenzten Raums, um Getreide anzubauen, hatten gewiss Pflanzen Vorrang, die der Ern�hrung dienten.</p><p>Obwohl er versuchte, seine Aufmerksamkeit auf das Publikum zu richten, konnte er nicht umhin, ab und an zu Tyvara hin�berzuschauen. Wann immer er das tat, ertappte er sie dabei, dass sie ihn beobachtete. Sie l�chelte jedoch nicht noch einmal. Sie wirkte nachdenklich und besorgt.</p><p>Schlie�lich erhob sich Riayas Stimme �ber den L�rm im Raum. �Wir haben unsere Beratungen beendet�, verk�ndete sie.</p><p>Stille kehrte ein. Riaya sah die anderen Frauen am Tisch an, dann wandte sie sich Tyvara zu.</p><p>�Du hast angeboten, Sprecherin Savara zu gestatten, deine Gedanken zu lesen. Wir haben, wie das Gesetz es verlangt, alle anderen M�glichkeiten in Betracht gezogen, aber ich kann keinen anderen Weg entdecken, deine Behauptungen zu best�tigen. Tritt bitte vor.�</p><p>Aus den Reihen der Zuschauer kamen leise Stimmen und Getuschel. Lorkin dachte an ein Bruchst�ck eines Gespr�chs zwischen Chari und Tyvara zur�ck, von der Reise in die Berge. Tyvara hatte gesagt, sie werde den Verr�terinnen erlauben, ihre Gedanken zu lesen. Chari war schockiert gewesen. �D�s <emphasis>kannst du nicht�,</emphasis> hatte sie gezischt. �Dw <emphasis>hast es versprochen��</emphasis></p><p>Lorkin beobachtete, wie die Frau, die ihm das Leben gerettet hatte, mit hocherhobenem Kopf vor ihre Anf�hrerinnen trat. Eine Woge j�her, schwindelerregender Zuneigung schlug �ber ihm zusammen. <emphasis>Sie ist so stolz. So sch�n.</emphasis> Dann verdarben ihm ein vertrauter Zweifel und �rger den Augenblick. <emphasis>Ich w�nschte, ich w�sste, ob Chari recht hat oder nicht. Wenn sie unrecht hat, m�chte ich mich nicht zum Narren machen, indem ich versuche, Tyvara f�r mich zu gewinnen. Aber wenn sie recht hat� wenn Tyvara mich mag �es sich aber zur Gewohnheit macht, jene wegzusto�en, die sie bewundern� habe ich die Entschlossenheit, weiter um sie zu werben?</emphasis></p><p>Jede Faser seines Wesens war davon �berzeugt, dass er in der Tat genug Entschlossenheit besa�.</p><p>Er beobachtete, wie Savara aufstand und ein Zeichen machte. Tyvara trat an den Tisch und neigte den Kopf. Die �ltere Frau umfasste Tyvaras Kopf und schloss die Augen.</p><p>Eine lange Pause folgte, w�hrend derer alle die beiden erwartungsvoll beobachteten. Als Savara schlie�lich die H�nde sinken lie�, sagte sie nichts. Sie setzte sich, und Tyvara kehrte an ihren fr�heren Platz zur�ck.</p><p>�Was hast du erfahren?�, fragte Riaya.</p><p>�Alles, was Tyvara uns erz�hlt hat, ist wahr�, antwortete Savara.</p><p>Ein allgemeines Seufzen lief durch den Raum. Riaya legte die H�nde auf den Tisch.</p><p>�Dann wird es Zeit abzustimmen.� Sie sah zuerst Tyvara an, dann die Zuschauer. �Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Tyvara Riva nicht h�tte t�ten m�ssen. Sie h�tte Riva von Lorkin wegsto�en oder die beiden auf andere Weise trennen sollen. Aber wir r�umen auch ein, dass kaum Zeit zum Nachdenken war. Tyvara handelte, um sicherzustellen, dass die W�nsche der K�nigin erf�llt wurden, und um eine Situation zu verhindern, die vielleicht zu einer Bedrohung f�r das Sanktuarium gef�hrt und unsere Leute in Sachaka noch mehr gef�hrdet h�tte.� Sie hielt inne und sah die Sprecherinnen an. �Soll <emphasis>Tyvara</emphasis> f�r die Ermordung Rivas hingerichtet werden?�</p><p>Von den sechs Frauen am Tisch hoben zwei die Hand. Die �brigen hielten die H�nde unten. Da Kalia die Hand gehoben hatte, vermutete Lorkin, dass dies das Zeichen der Zustimmung war.</p><p>�Vier dagegen, zwei daf�r�, fasste Riaya zusammen. Sie betrachtete die Zuschauer. Zu Lorkins �berraschung machten auch sie die eine oder andere Geste. �Die Mehrheit ist dagegen�, erkl�rte Riaya. Sie sah die K�nigin an, die jetzt die Hand ausstreckte, die Innenfl�che nach unten geneigt. �Wir sind alle der gleichen Meinung.�</p><p>Die H�nde wurden heruntergenommen. Riaya wirkte erfreut, wie Lorkin bemerkte.</p><p>�Der Tod einer Mitverr�terin ist eine ernste Angelegenheit�, fuhr sie fort. �Und ganz gleich was der Grund daf�r war, eine Strafe muss folgen. Tyvara muss f�r die n�chsten drei Jahre im Sanktuarium bleiben; danach darf sie eine Stellung als Sp�herin oder W�chterin annehmen und darauf hinarbeiten, die Verantwortung, die sie fr�her hatte, erneut zu �bernehmen. W�hrend dieser drei Jahre soll sie einen Tag von jeweils sechs dem Wohl von Rivas Familie widmen.� Riayas Blick wanderte wieder zu Tyvara hin�ber. �Akzeptierst du dieses Urteil?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Dann ist es entschieden. Es steht dir frei zu gehen. Diese Verhandlung ist beendet, und die Gesetze des Sanktuariums wurden gewahrt. M�gen die Steine weiter singen.�</p><p>�M�gen die Steine weiter singen�, erwiderten die Zuschauer.</p><p>Unruhe brach im Raum aus, als alle sich erhoben. Lorkin beobachtete Tyvara. Sie blickte zu Boden. Sie sch�ttelte schwach den Kopf, dann sah sie Savara an. Die �ltere Frau l�chelte wohlwollend. Dann zog sie fragend die Augenbrauen hoch, und ihr Blick wanderte zu Lorkin hin�ber. Er blinzelte und sah, dass Tyvara die Augen verdrehte. Dann wandte sie sich um und schritt auf die T�r an der gegen�berliegenden Seite des Raumes zu. Er konnte Chari dort stehen sehen. Die junge Frau grinste. Sie blickte zu ihm her�ber und zwinkerte ihm zu.</p><p>Jemand zupfte an seinem �rmel. Die F�hrerin l�chelte ihn an.</p><p>�Ich soll dich als N�chstes in dein Quartier geleiten.� Ihr L�cheln wurde breiter. �In dein neues Quartier.�</p><p>Die Niedergeschlagenheit, die sich gerade in ihm hatte breitmachen wollen, verschwand wieder. �Es hat nicht zuf�llig ein Fenster, oder?�</p><p>Sie bedeutete ihm, ihr zu folgen. �Nein. Aber du wirst Gesellschaft haben, und es steht dir frei, zu kommen und zu gehen, wie es dir gef�llt�� nat�rlich solange du das Sanktuarium nicht verl�sst. Ich bin �brigens Vytra.�</p><p>�Freut mich, dich kennenzulernen, Vytra.�</p><p>Sie kicherte. �Ihr Kyralier habt komische Sitten�, sagte sie. �So h�flich.�</p><p>�Wenn du willst, kann ich auch unfreundlich sein.�</p><p>Sie lachte. �Das w�re eine Schande. Nun, unterwegs sollte ich dir einige Hinweise geben, wie du mit den Leuten hier zurechtkommen kannst.�</p><p>Lorkin, der aufmerksam zuh�rte, folgte der Frau hinaus in die Stadt.</p><empty-line/><p>Cery beobachtete seine Tochter mit nachdenklicher Miene. Sie hielt sich bei ihren heutigen Lektionen nicht besonders gut, aber andererseits waren auch Gol einige untypische Schnitzer unterlaufen. Beide waren noch immer zu erregt von ihrem morgendlichen Besuch in der Gilde, um sich ganz auf die �bungsstunde zu konzentrieren.</p><p><emphasis>Sie d�rften nicht zulassen, dass das ihre Konzentration beeintr�chtigt,</emphasis> dachte er. <emphasis>Ich sch�tze, ich werde daf�r sorgen m�ssen, dass ich mich selbst sch�tzen kann, wenn meinen Leibw�chtern jemals wieder ein Blick auf das Leben der Reichen und M�chtigen gestattet werden sollte.</emphasis></p><p>Ein Klopfen an der T�r erregte ihrer aller Aufmerksamkeit. Sie befanden sich im �M�hle�-Bolhaus, und Cery hatte seine Leute ausgeschickt, um die Personen, die um ein Treffen mit ihm gebeten hatten, dar�ber in Kenntnis zu setzen, dass er jetzt f�r sie zu sprechen war.</p><p>Auf ein Nicken von Cery hin ging Gol zur T�r und �ffnete sie einen Spaltbreit, bevor er sie ganz aufzog. Der Mann, der drau�en im Flur stand, zeigte den gleichen ehrf�rchtigen Gesichtsausdruck, den Anyi und Gol noch Stunden nach ihrem Besuch bei der Gilde zur Schau gestellt hatten.</p><p>�Schwarzmagierin Sonea, Lord Regin und zwei Frauen sowie zwei Kinder m�chten dich sprechen�, sagte der Mann.</p><p>�Schick sie herauf.�</p><p>Der Mann nickte und eilte davon. Anyi und Gol grinsten einander an.</p><p>�Nun kommt. Nehmt eure Pl�tze ein�, befahl Cery.</p><p>Sie beeilten sich, zu beiden Seiten seines Stuhls ihre Posten zu beziehen. Gol nahm eine Haltung ein, die eher l�cherlich als imposant wirkte. Anyi bog die Finger durch, wie sie es immer tat, wenn sie nerv�s war. Cery seufzte kopfsch�ttelnd und wartete ab.</p><p>Das Ger�usch von Schritten wurde lauter, dann schien sich der Raum mit Magierroben zu f�llen. Zuerst kamen Soneas schwarze Roben, dann Regins rote. Den beiden folgte Forlie, die sehr unterw�rfig wirkte, sowie eine j�ngere Frau. Letztere trug ein kleines M�dchen auf einem Arm, w�hrend sich ein um eine Spur �lterer Junge an ihre andere Hand klammerte.</p><p>Anyi und Gol verneigten sich unbeholfen, aber mit Begeisterung.</p><p>�Cery�, sagte Sonea, dann nickte sie seiner Tochter und seinem Freund zu. �Anyi und Gol. Danke, dass ihr in die Gilde gekommen seid. Ich habe versucht, es zu verhindern, aber wenn die Gilde eine so ernsthafte Angelegenheit wie einen wilden Magier untersucht, neigt sie zu �bertriebener Gr�ndlichkeit.�</p><p>�Schon in Ordnung�, erwiderte Cery und wandte sich dann an Gol. �Hol ihnen St�hle.�</p><p>Die klobigen alten Sessel, die normalerweise in der Mitte des Raums standen, waren an die Seite ger�umt worden, um Platz f�r die �bungsstunden zu schaffen. Gol machte einen Schritt darauf zu, aber Sonea hob eine Hand, um ihn daran zu hindern.</p><p>�Ich werde es tun.�</p><p>Anyi, Forlie und die andere Frau sogen scharf die Luft ein, als die schweren Sessel sich erhoben und in die Mitte des Raums schwebten, wo sie sich in einem Viereck rund um Cerys Platz gruppierten. Gol grinste lediglich mit wissender Befriedigung. Damals, als Cery f�r den fr�heren Hohen Lord gearbeitet hatte, hatte er jede Menge Magie zu sehen bekommen.</p><p>�Wir sind hier, um euch von den Ergebnissen unserer Nachforschungen zu erz�hlen�, erkl�rte Sonea, w�hrend sie Platz nahm. �Und um einen Gefallen zu erbitten.�</p><p>�Einen Gefallen?� Cery verdrehte mit gespielter Ver�rgerung die Augen. �Da geht es schon wieder los.�</p><p>Sie l�chelte. �Ja. Kannst du f�r Forlie, ihre Tochter und ihre Enkelkinder ein sicheres Versteck finden?�</p><p>Cery sah die Frauen an. Sie l�chelten ihm zaghaft zu. Die j�ngere Frau hatte keins der beiden Kinder losgelassen, als sie sich gesetzt hatte. Das M�dchen lag auf ihrem Scho�, und der Junge sa� auf der Armlehne des Sessels. �Sie sind in Gefahr?�</p><p>�Ja. Ihr wurde befohlen, den Platz von Lorandra einzunehmen�� der wahren wilden Magierin.�</p><p>�Aber ihr habt die wahre wilde Magierin� nicht wahr?�</p><p>�Allerdings.� Sonea hielt inne und betrachtete ihn einen Moment lang. �Lorandra ist Skellins Mutter.�</p><p>Ein Fr�steln befiel Cery, das von irgendwo hinter seinem Sessel kam und durch seinen ganzen K�rper floss. Das Herz begann ihm in der Brust zu h�mmern. <emphasis>Skellins Mutter. Deshalb war er ver�rgert dar�ber, dass ich die wilde Magierin gesehen und ihm nicht davon erz�hlt hatte. Es h�tte ihm verraten, dass sein Plan, Forlie vorzuschieben, nicht funktionieren w�rde. Nun, der Plan w�re ohnehin gescheitert, weil er nicht wusste, dass einige der Gildemagier Gedanken lesen k�nnen.</emphasis></p><p>�Ich kann mir nicht vorstellen, dass er im Augenblick ein besonders gl�cklicher Mann ist�, erwiderte Cery trocken.</p><p>Regin lachte leise. �Nein. Zu unser aller Pech ist er den Magiern ausgewichen, die ihn gefangen nehmen sollten, daher haben wir jetzt einen wilden Magier auf freiem Fu� in der Stadt, der wei�, dass wir hinter ihm her sind.�</p><p>Cery starrte ihn an. <emphasis>�Skellin</emphasis> ist ein Magier?�</p><p>Sonea nickte. �Was der Grund ist, warum du Forlie helfen musst. Er hat sie erpresst, indem er ihre Tochter und ihre Enkelkinder entf�hrt und gedroht hat, sie zu t�ten. Wir hoffen, dass er zu sehr damit besch�ftigt sein wird, sich vor uns zu verstecken, als dass er sich Gedanken �ber eine m�gliche Rache an ihr machen w�rde, aber wir m�chten dieses Risiko lieber nicht eingehen.�</p><p>Er sah Forlie an und zuckte die Achseln. �Nat�rlich werde ich ihr helfen.�</p><p>�Du solltest auch einige zus�tzliche Vorsichtsma�nahmen ergreifen�, f�gte Regin hinzu.</p><p>Cery l�chelte angesichts dieser Untertreibung. Es <emphasis>ist erheblich wahrscheinlicher, dass er sich wegen der Gefangennahme seiner Mutter an mir zu r�chen versucht als an Forlie. Vielleicht sollte ich feststellen, ob ein anderer Dieb sich f�r mich um sie k�mmern kann, jemand, der Skellin nicht mag�</emphasis></p><p>�Es kommt noch mehr�, fuhr Sonea fort. �Lorandra ist�� war�� der J�ger der Diebe. Skellin hat sie ausgeschickt, um seine Rivalen zu t�ten. Er hatte gro�e Pl�ne f�r sich selbst. Er wollte zum K�nig der Unterwelt werden. Und er wollte F�ule benutzen, um alle in Schach zu halten.�</p><p>Als Cery daran dachte, wie m�chtig Skellin bereits geworden war, erschien ihm dies nicht so unm�glich, wie es klang. <emphasis>Wie viele Leute hatte er schon unter seiner Kontrolle? Ich werde sehr vorsichtig sein m�ssen, mit wem ich jetzt Gesch�fte mache.</emphasis></p><p>�Wisst Ihr, ob Lorandra Cerys Familie get�tet hat?�, fragte Anyi.</p><p>Cerys Herz krampfte sich zusammen. Er sah seine Tochter an; er war ihr dankbar, dass sie es ihm erspart hatte, die Frage selbst zu stellen, aber er f�rchtete auch die Antwort.</p><p>Sonea verzog das Gesicht. �Ich wei� es nicht. Nicht ich war diejenige, die ihre Gedanken gelesen hat, und ich konnte Kallen nicht in aller �ffentlichkeit darum bitten, es herauszufinden.�</p><p><emphasis>Was mehr �ber mich enth�llt h�tte, als mir lieb gewesen w�re.</emphasis></p><p>�Ich werde versuchen, es herauszufinden�, versprach sie. �Selbst wenn sie sie nicht get�tet hat und es nur ihre Aufgabe war, mithilfe von Magie in dein Versteck einzubrechen, wird sie doch wissen, wer deine Familie ermordet hat. Oder wer den Befehl dazu gegeben hat.�</p><p>�H�chstwahrscheinlich Skellin�, sagte Regin. �Es sei denn, sie hat nebenbei gelegentlich f�r andere Kunden gearbeitet.�</p><p>�Zumindest wissen wir, dass Skellin nicht der M�rder gewesen sein kann�, erkl�rte Gol. �Er hat zu der Zeit mit Cery geredet.�</p><p>Anyi schnaubte leise. �Es ergibt keinen Sinn. Warum jemanden ausschicken, die Familie eines anderen Diebs zu t�ten, w�hrend man ihn gleichzeitig einl�dt, ein B�ndnis einzugehen?�</p><p>F�r einen langen Augenblick verfielen sie alle in nachdenkliches Schweigen.</p><p>�Vielleicht wei� Lorandra es�, �berlegte Gol laut.</p><p>Cery sch�ttelte den Kopf. �Nun, eines wei� ich mit Bestimmtheit. Wir m�ssen noch einen wilden Magier fangen.�</p><p>�Falls er sich noch in Kyralia aufh�lt�, sagte Regin.</p><p>�Oh, er ist immer noch hier�, versicherte ihm Cery. �Er hat nicht so viel Zeit und M�he auf sein kleines Reich verwandt, um die Flucht zu ergreifen. Nein, es gibt Leute hier, reiche wie arme, die sich �berschlagen werden, ihm zu helfen, einige, weil sie es tun m�ssen, viele, weil sie davon profitieren werden. Das wird er anderswo nicht haben.�</p><p>Sonea nickte. �Sein Einfluss auf die Stadt ist bereits gef�hrlich stark, aber ich vermute, wenn man ihn aus dem Spiel nimmt, wird sein Reich in sich zusammenst�rzen. Wir m�ssen ihn finden.� Sie sah Cery an. �Wirst du uns abermals helfen?�</p><p>Er nickte. �Den Spa� w�rde ich mir nicht entgehen lassen.�</p><p>Sie l�chelte und stand dann auf. Regin folgte ihrem Beispiel. �Wir m�ssen in die Gilde zur�ckkehren. Danke, dass du dich um Forlie und ihre Familie k�mmerst.�</p><p>Cery sah die Frau an, die ihn erwartungsvoll beobachtete. �Ich werde f�r euch alle einen sicheren Platz finden. Wo ist der Vater der Kinder?� Beide Frauen runzelten so grimmig die Stirn, dass Cery sich ein Lachen nicht verkneifen konnte. �Das ist also kein Problem.� Er wandte sich wieder an Sonea und geleitete sie zur T�r. �Ich wette, ihr habt auf dem Weg hierher eine Menge Aufmerksamkeit erregt.�</p><p>Sie lachte kl�glich. �Ja. Und die Kunden unten werden noch monatelang dar�ber reden.�</p><p>�Was vielleicht gar nicht schlecht ist�, warf Regin ein, w�hrend er ihr zur T�r hinaus folgte. �Das wird die Leute, die es vielleicht erw�gen, Skellin zu helfen, daran erinnern, dass du m�chtige Freunde hast.�</p><p>�Nun, es w�rde nicht schaden, wenn sie d�chten, dass ihr immer noch hier seid, so dass wir vor unserem Aufbruch Pl�ne schmieden k�nnen. Der privatere Weg f�hrt durch die K�che und durch den Nebeneingang.�</p><p>�Dann werden wir dort entlanggehen. Danke f�r deine Hilfe�, sagte Sonea. �Und passt auf euch auf.�</p><p>�Das tue ich doch immer�, rief er ihnen nach, w�hrend sie durch den Flur zur Treppe gingen. Nachdem er die T�r geschlossen hatte, wandte er sich den verbliebenen Personen im Raum zu. Bei einem Blick auf die Kinder tat ihm das Herz weh, und er schob die schmerzlichen Erinnerungen beiseite. �Gol, bring Forlies Familie nach unten und sorge daf�r, dass sie und die Kleinen zu essen bekommen.�</p><p>�In Ordnung�, erwiderte Gol. Er gab den beiden Frauen ein Zeichen, und sie folgten ihm mit den Kindern aus dem Raum. Cery kehrte zu seinem Sessel zur�ck und stie� einen Seufzer aus.</p><p>Er blickte Anyi an. Sie runzelte die Stirn. Es war kein besorgtes Stirnrunzeln, sondern ein verwirrtes. �Was gibt es?�, fragte er.</p><p>Sie sah ihn an, dann wandte sie den Blick wieder ab. �Erinnerst du dich an diesen Magier in der Gilde, der genauso gekleidet war wie Sonea?�</p><p>�Ja. Schwarzmagier Kallen.�</p><p>�Er kam mir bekannt vor. Zuerst habe ich ihn wegen der Roben nicht erkannt.� �Du hast ihn ohne Roben gesehen?� Sie blickte zu ihm auf und lachte. �Nicht so, wie du es gerade ausgedr�ckt hast. Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, konnte ich nicht erkennen, was er anhatte.� �Was hat er getan?�, fragte er.</p><p>Eine Falte erschien zwischen ihren Brauen, dann gl�ttete sich ihre Stirn, und sie riss die Augen auf. �Ah! Das ist es. Ich war eines Tages mit meinem Freund unterwegs, um F�ule zu kaufen. Nat�rlich nicht f�r mich.� Ihr Blick flackerte, ernst und besorgt, zu seinem Gesicht hin�ber. �Inmitten der Verhandlung fuhr eine Kutsche vor. Der Mann darin wollte F�ule, aber er wollte nicht warten. Ich konnte einen Blick auf sein Gesicht werfen.�</p><p>�Kallen?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Bist du dir sicher?�</p><p>�Oh ja.� Ihre Augen funkelten. �Ich merke mir jeden, der so aussieht, als t�te er vielleicht etwas, das er nicht tun darf.�</p><p>Cery schnaubte. �Das w�rde so ziemlich auf jeden in der Stadt zutreffen.�</p><p>Sie grinste. �Und ganz besonders dann, wenn es so aussieht, als k�nnte das, was ich �ber die betreffende Person in Erfahrung bringe, eines Tages n�tzlich sein�, r�umte sie ein. �Denkst du, dass Sonea sich daf�r interessieren w�rde? Viele Magier nehmen F�ule, habe ich geh�rt.�</p><p>�Oh, ich denke, sie wird das interessant finden�, antwortete Cery. �Ich denke, sie wird es <emphasis>sehr</emphasis> interessant finden. Es wird ein guter Vorwand sein, um mich abermals in ihr Hospital zu schleichen. Oder vielleicht werde ich warten, bis ich ihr etwas N�tzliches �ber Skellin zu berichten habe.� Er sah Anyi an und verzog das Gesicht. �Wir m�ssen sehr vorsichtig sein, wem wir vertrauen. Skellin hat viele Freunde, und ich bezweifle, dass ich jetzt noch einer davon bin. Wir m�ssen bei der Suche nach ihm helfen, ohne selbst geschnappt zu werden. Auf uns kommen st�rmische Zeiten zu.�</p></section></section><section><title><p>Epilog</p></title><p>Mit einem letzten magischen Sto� kehrte Lorkin den �brigen Staub, Haare, Essensreste und nicht identifizierbare Br�ckchen zu einem kleinen Haufen, dann holte er einen Eimer, um den Unrat hineinzukippen. Einige Wochen waren verstrichen, seit man ihm ein Quartier im M�nnerraum zugewiesen hatte, und er kannte inzwischen die Namen der meisten seiner Mitbewohner.</p><p>Es war ein gro�er Raum, gef�llt mit Reihen schmaler Betten. Die meisten davon waren jetzt leer, aber die unter die Bettrahmen geschobenen Besitzt�mer machten klar, dass alle Betten normalerweise besetzt waren.</p><p>�Sie sind f�r M�nner, die nicht l�nger bei ihrer Familie bleiben wollen und die nicht zu einer Frau geh�ren�, hatte Vytra ihm erkl�rt. �Wir haben nicht genug Platz, als dass jeder sein eigenes Zimmer haben k�nnte.�</p><p>�Gibt es auch Frauenr�ume?�, hatte Lorkin sich erkundigt.</p><p>�Sozusagen.� Sie hatte die Achseln gezuckt. �Manchmal teilen sich Freundinnen und Schwestern ein Zimmer.�</p><p>Zuerst war er etwas Neues f�r die M�nner bei den Verr�terinnen gewesen, und er hatte viele Fragen �ber Kyralia beantworten m�ssen, Fragen, wie er ins Sanktuarium gekommen sei und was er dort zu tun beabsichtige. Letztere Frage konnte er nicht zu ihrer Befriedigung beantworten. Er konnte ihnen kaum von seinem Interesse an Tyvara erz�hlen oder von seinen Pl�nen, B�ndnisse zwischen ihren Leuten und den Verb�ndeten L�ndern auszuhandeln.</p><p>�Du bist ein Magier�, hatte einer bemerkt. �Gewiss wird man dir etwas zu tun geben, das sich irgendwie um Magie dreht.�</p><p>Obwohl Savara den anderen Sprecherinnen gegen�ber beteuert hatte, dass sie eine Arbeit f�r ihn finden w�rde, hatte man ihm bisher noch keine Aufgabe zugewiesen. Also hatten die M�nner ihn damit betraut, ihr Zimmer ordentlich zu halten. Sie waren �berrascht gewesen zu entdecken, dass er nicht wusste, wie man das machte, und es hatte sie beeindruckt, dass er in der Gilde f�r solch niedere Arbeiten Dienstboten gehabt hatte. Dies trug ihm jedoch keine andere Arbeit ein. Sie gaben ihm einige grobe Anweisungen, dann �berlie�en sie es ihm, sich allein zurechtzufinden.</p><p>Er hatte seinerseits viele Fragen gestellt und mehr �ber die Regeln und Gesetze des Sanktuariums erfahren, einschlie�lich jener subtilen Regeln in Bezug auf Manieren und Gerechtigkeit, an die Menschen sich halten, um die Konflikte zu verringern, die sich ergeben, wenn man in engem Kontakt zueinander lebt.</p><p>Wie Chari ihn gewarnt hatte, wurde das Sanktuarium von Frauen beherrscht. Aber auch wenn M�nnern der Zugang zu den h�chsten Machtpositionen verwehrt war, waren sie doch an allen anderen Aktivit�ten in der Stadt beteiligt. Die Gr�nderinnen hatten beschlossen, dass das Sanktuarium in erster Linie ein Ort war, an dem Frauen das Sagen hatten, dass es aber dar�ber hinaus ein Ort sein m�sse, an dem die Menschen einander ebenb�rtig waren.</p><p>Es beeindruckte Lorkin, dass die M�nner hier gr��ere Freiheit und h�heres Ansehen genossen als Frauen in Kyralia. Er hatte sich Sorgen gemacht, dass ihre Gesellschaft das genaue Gegenteil sein k�nnte. Dies lie� ihn auf eine Weise, die er noch nie zuvor bedacht hatte, erkennen, wie ungerecht die kyralische Gesellschaft Frauen behandelte. Obwohl sie erheblich besser war als die Gesellschaft einiger anderer L�nder� wie die Lonmars zum Beispiel. Und wie der Rest von Sachaka.</p><p>Trotzdem gab es einige auff�llige Punkte, in denen die Frauen hier den M�nnern vorgezogen wurden. M�nner lehrte man Magie, aber nicht schwarze Magie. Nur Frauen wussten, wie man eine Schwangerschaft verhinderte, und alle Kinder geh�rten ihnen.</p><p>In dem kleinen Lager abseits des Hauptraums fand Lorkin, wonach er gesucht hatte. Selbst hier lieferten in die Decke eingelassene Edelsteine Licht. Lorkin griff sich einen der stabilen K�rbe, untersuchte ihn auf L�cher und wandte sich dann wieder der T�r zu.</p><p>�Ich sch�tze, es wird bald passieren.�</p><p>Die Stimme war m�nnlich und kam aus dem Hauptraum. Lorkin z�gerte.</p><p>�Nein�, erwiderte ein anderer Mann. �Es k�nnte noch Jahre dauern, bevor wir bereit sind.�</p><p>�Aber sie haben die �bungsstunden in Kampfkunst verdoppelt. Wir haben mehr Sp�her dort drau�en als je zuvor.�</p><p>�Und wir haben Hunderte von Edelsteinen, die erst halb gewachsen sind. Bevor sie gereift sind, wird es nicht zum Krieg kommen, und das wird noch Monate dauern, wenn nicht sogar ein ganzes Jahr.� Der Mann seufzte. �Ich habe Hunger.�</p><p><emphasis>Krieg?</emphasis> Lorkin betrachtete den Korb. Er wusste, wenn er hier verweilte und einer der M�nner in den Lagerraum kam, um sich etwas zu essen zu holen, w�rden sie erfahren, dass er gelauscht hatte. Er zwang sich, den Raum zu verlassen, dann richtete er sich auf und l�chelte, als er die M�nner sah. Sie musterten ihn �berrascht.</p><p>�Seid mir gegr��t�, sagte er, obwohl er wusste, dass sie diese Begr��ungsformel seltsam fanden. �Ihr seid fr�h zur�ck. Kann ich euch irgendetwas holen?�</p><p>Die beiden M�nner sahen einander an, dann ging derjenige, der gesagt hatte, dass er Hunger habe, auf das Lager zu. �Nein, aber danke f�r das Angebot.�</p><p>Lorkin begann den Unrat in den Korb zu kehren. Es war nicht einfach, die Staubpartikel in das Gef�� zu bekommen, und er konzentrierte sich so heftig, dass er den �berblick verlor, wo die anderen M�nner sich aufhielten.</p><p>�Lorkin�, erklang dicht hinter ihm eine scharfe Frauenstimme.</p><p>Er erstarrte, was besser war, als sichtlich zusammenzuzucken, befand er. Nachdem er sich aufgerichtet hatte, drehte er sich mit einem h�flichen L�cheln zu der Frau um.</p><p>�Sprecherin Kalia�, erwiderte er.</p><p>Sie musterte ihn von Kopf bis Fu�. Er trug die schlichte Hose und die Tunika, die die anderen M�nner bevorzugten�� jene, die sich nicht f�r das Kleid entschieden, das sowohl M�nner als auch Frauen trugen.</p><p>�Folge mir�, sagte sie.</p><p>Sie machte auf dem Absatz kehrt und schritt auf die T�r zu. Lorkin stellte den Korb ab und eilte hinter ihr her. Er schaute zu den beiden M�nnern hin�ber, die mitf�hlend das Gesicht verzogen.</p><p>Kalia ging sehr schnell f�r eine Frau mit kurzen Beinen und einem rundlichen Leib. Lorkin stellte fest, dass er f�r zwei Schritte von ihr nur einen einzigen machen musste. Er �berlegte, dass jeder, der sie beide sah, sofort wissen w�rde, wer das Sagen hatte. <emphasis>Definitiv nicht ich. Ah, wie tief bin ich gesunken, seit ich von zu Hause fortgegangen bin�</emphasis></p><p>Weder ihr Schritt noch ihre Miene luden zu einem Gespr�ch ein, aber diese Frau hatte sich f�r eine Hinrichtung Tyvaras ausgesprochen. Er w�rde sich von ihr nicht einsch�chtern lassen. Oder zumindest w�rde er sie nicht wissen lassen, dass er eingesch�chtert war.</p><p>�Wohin gehen wir?�, fragte er vorsichtig.</p><p>�Dorthin, wo man dir angemessenere Pflichten zuweisen kann als die S�uberung deines Zimmers.� Sie sah ihn an, und ihre Augen waren scharf und berechnend. �Hier im Sanktuarium versuchen wir, den Leuten Aufgaben zuzuweisen, die ihrem Temperament und ihren Talenten entsprechen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Aufgabe, die ich f�r dich habe, deinem Temperament entsprechen wird, aber sie wird definitiv deinen Talenten entsprechen.�</p><p>Irgendwie gelang es ihr, ihren Schritt noch weiter zu beschleunigen, womit sie andeutete, dass weitere Gespr�chsversuche nicht willkommen waren. Als sie einen gro�en Torbogen erreichten, blieb sie stehen, ein wenig au�er Atem. Sie sog tief die Luft ein und stie� sie wieder aus, dann deutete sie auf den Inhalt des gro�en Raums vor ihnen.</p><p>Wie im M�nnerraum fanden sich auch hier Reihen von Betten. Aber sie waren zu dieser Zeit nicht leer. Stattdessen waren viele von ihnen besetzt, mit M�nnern, Frauen und Kindern. Vertraute Ger�che drangen an Lorkins Nase, zusammen mit einigen, die er nicht erkannte.</p><p>Die Ger�che von Krankheit und Arzneimitteln.</p><p>Ihm wurde flau, aber nicht wegen der Anwesenheit so vieler kranker Menschen. Stattdessen war es die Erkenntnis, dass die Verr�terinnen die beste Methode gefunden hatten, um sich an ihm f�r den Verrat seines Vaters zu r�chen. Und um seine eigene Entschlossenheit auf die Probe zu stellen, sie nur dann in der Heilkunst zu unterrichten, wenn sie ihm als Gegenleistung etwas gleicherma�en Wichtiges gaben.</p><p>�Dies ist der Pflegeraum�, erkl�rte ihm Kalia. �Hier wirst du von jetzt an arbeiten.�</p></section><section><image l:href="#0"/><empty-line/></section></body><binary id="cover" 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