<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><FictionBook xmlns="http://www.gribuser.ru/xml/fictionbook/2.0" xmlns:l="http://www.w3.org/1999/xlink"><description><title-info><genre>prose_contemporary</genre><author><first-name>John</first-name><last-name>Jakes</last-name></author><book-title>Liebe und Krieg</book-title><annotation><p>Ein Drama aus Blut und Tr�nen, Ha� und Verrat, Leid und Tod � nur wenig gemildert durch Liebe und Leidenschaft, Hingabe und Treue � nimmt seinen Lauf, als der schwelende Konflikt in der Sklavereifrage sich zum offenen Krieg zwischen den S�d- und den Nordstaaten entz�ndet. Amerika erlebt den blutigen B�rgerkrieg, mu� Hunderttausende von Toten beklagen, fast jede Familie erleidet Entsetzliches. Mitbetroffen sind auch die Familien von Orry Main, dem Plantagenbesitzer aus dem S�den, und George Hazard, dem Gro�industriellen aus dem Norden. Auf Gedeih und Verderb ist das Schicksal der Mains mit dem der Hazards verbunden, verketten unl�sbare Bande die Familien, die alle Stadien des Kriegsverlaufes durchmachen: die anf�ngliche Begeisterung, die Zerm�rbung und Entt�uschung, das Elend und das Entsetzen vor dem, wozu Menschen f�hig sind. Und schlie�lich das Ende des Krieges mit dem Zusammenbruch des S�dens, eines Zusammenbruchs, der kein strahlender Sieg und auch kein folgenloser Triumph des Nordens sein wird �</p><p>Die amerikanische Originalausgabe erschien 1984 unter dem Titel �Love and War� bei Harcourt Brace Jovanovich, Publishers, San Diego, New York, London</p><empty-line/><p>� 1984 by John Jakes</p><p>� 1986 der deutschsprachigen Ausgabe</p></annotation><date/><coverpage><image l:href="#cover"/></coverpage><lang>de</lang><src-lang>en</src-lang><sequence name="Fackeln im Sturm" number="2"/></title-info><document-info><author><first-name/><last-name/></author><program-used>FictionBook Editor Release 2.6.6, fb2cut 2.5.4, fb2cut 2.6.2</program-used><date value="2015-08-31">31.08.2015</date><id>7E5A84E9-7EEB-4BBE-BEAF-9A1A68139FD2</id><version>1.0</version></document-info></description><body><section><empty-line/><p>F�r Julian Muller, Kein Schriftsteller hatte je einen besseren Freund</p><empty-line/><p>Mit Ausnahme der historischen Gestalten sind s�mtliche Figuren in diesem Roman frei erfunden. Jede �hnlichkeit zu realen Personen aus Vergangenheit oder Gegenwart ist rein zuf�llig.</p><empty-line/><empty-line/><p><emphasis>Es gibt zwei Dinge, die gr��er sind als alle andern: Das eine ist die Liebe, das andere der Krieg.</emphasis></p><p>Kipling</p></section><section><title><p><strong>Personenverzeichnis</strong></p></title><subtitle><emphasis>Die Hazards (Norden)</emphasis></subtitle><p><emphasis>George</emphasis> Stahlindustrieller in Pennsylvania, West-Point-Absolvent.</p><p><emphasis>Constance</emphasis> Georges Frau, stammt aus dem S�den.</p><p><emphasis>Stanley</emphasis> Ein farbloser Beamter in Washington.</p><p><emphasis>Isabel</emphasis> Stanleys ehrgeizige Frau.</p><p><emphasis>William, genannt Billy</emphasis> Berufsoffizier, West-Point-Absolvent.</p><p><emphasis>Brett, geb. Main</emphasis> Billys Frau, stammt aus dem S�den.</p><p><emphasis>Virgilia</emphasis> Militante Abolitionistin, das schwarze Schaf der Familie.</p><subtitle><emphasis>Die Mains (S�den)</emphasis></subtitle><p><emphasis>Orry</emphasis> Plantagenbesitzer in South Carolina, Klassenkamerad von George Hazard in West Point und dessen engster Freund.</p><p><emphasis>Cooper</emphasis> Ingenieur, entschiedener Gegner der Sklaverei, setzt sich trotzdem f�r die Sache des S�dens ein.</p><p><emphasis>Judith</emphasis> Coopers Frau.</p><p><emphasis>Ashton</emphasis> Eine sch�ne Frau, die vor nichts zur�ckschreckt, um ihren gesellschaftlichen Ehrgeiz zu befriedigen.</p><p><emphasis>James Huntoon</emphasis> Ashtons Ehemann, ein gl�ckloser Anwalt.</p><p><emphasis>Brett</emphasis> Verheiratet mit Billy Hazard in Pennsylvania.</p><p><emphasis>Charles</emphasis> Ein verwaister Cousin, der mit den Main-Geschwistern aufwuchs, Berufsoffizier, Klassenkamerad von Billy Hazard in West Point und dessen engster Freund.</p><p><emphasis>Clarissa Gault Main</emphasis> Das greise Familienoberhaupt.</p><subtitle><emphasis>Weitere wichtige Personen</emphasis></subtitle><p><emphasis>Elkanah Bent</emphasis> Untalentierter Berufsoffizier, West-Point-Absolvent, Intimfeind von George Hazard und Orry Main.</p><p><emphasis>Madeline LaMotte</emphasis> Justins Frau, floh vor dessen Gewaltt�tigkeit zu Orry Main, mit dem sie eine langj�hrige Liebe verbindet.</p><p><emphasis>Justin LaMotte </emphasis>Nachbar der Mains, ein brutaler Sklavenhalter.</p><empty-line/><empty-line/></section><section><title><p>Der Schauplatz</p></title><empty-line/><image l:href="#1"/><empty-line/></section><section><title><p><strong>Prolog.</strong></p><p><strong>Aprilasche</strong></p></title><p>Am letzten Tag im April, eine Stunde vor Mitternacht, brannte das Haus. Das ungest�me L�uten der fernen Feuerglocken weckte George Hazard. Er stolperte den dunklen Flur entlang, die Treppen hoch zum Turm des Wohnhauses und trat auf den schmalen Balkon hinaus. Ein kr�ftiger, warmer Wind fachte die Flammen an und verst�rkte ihr Licht. Selbst von seinem Standort aus, hoch oben �ber der Stadt Lehigh Station, erkannte er das brennende Haus � das einzige ordentliche Haus, das in der sch�bigen Gegend nahe beim Kanal noch �briggeblieben war.</p><p>Er rannte hinunter in sein schwach erleuchtetes Schlafzimmer und schnappte sich seine Kleider, ohne mehr als einen fl�chtigen Blick darauf zu werfen. Er versuchte sich leise anzuziehen, konnte aber nicht vermeiden, da� Constance, seine Frau, aufwachte. Sie war beim Lesen der Heiligen Schrift eingeschlafen � nicht ihre eigene Douay-Version, sondern eine der Familienbibeln der Hazards, in die sie ihren Rosenkranz gelegt hatte, ehe sie das Buch geschlossen und George einen Gutenachtku� gegeben hatte. Seit dem Fall von Fort Sumter und dem Kriegsausbruch hatte Constance mehr Zeit als �blich �ber der Bibel verbracht.</p><p>�George, wohin rennst du?�</p><p>�Es brennt in der Stadt. H�rst du nicht den Feueralarm?�</p><p>Immer noch schl�frig rieb sie sich die Augen. �Aber du springst doch nicht immer gleich an die Pumpen, wenn die Glocken l�uten.�</p><p>�Das Haus geh�rt Fenton, einem meiner besten Vorm�nner. In seinem Haushalt hat es k�rzlich �rger gegeben. Vielleicht ist das Feuer kein Zufall.� Er beugte sich �ber sie und k��te ihre warme Wange. �Schlaf weiter. In einer Stunde bin ich wieder im Bett.�</p><p>Er drehte das Gaslicht aus und begab sich schnell nach unten zum Stall. Er sattelte sich selbst ein Pferd; das ging bei weitem schneller, als wenn er einen Stallknecht geweckt h�tte. Die Besorgnis spornte ihn zur Eile an. Seine spontane Anteilnahme verwirrte ihn geradezu, denn seit Orry Mains Besuch vor genau zwei Wochen hatte sich George in einem merkw�rdig dumpfen Zustand befunden. Er f�hlte sich fern vom Leben um sich herum und vor allem fern vom Leben einer Nation, deren eine H�lfte sich losgel�st und die andere H�lfte angegriffen hatte. Die Union war abgetrennt; Truppen wurden zusammengestellt. Und George hatte sich in die Isolation zur�ckgezogen, als h�tte das keinerlei Auswirkungen auf sein Dasein oder seine Gef�hle.</p><p>Kaum im Sattel, galoppierte er weg vom Herrschaftshaus, das er auf den Namen Belvedere getauft hatte, die gewundene H�gelstra�e hinunter auf das Feuer zu. Die starken Windst��e bliesen wie die fauchenden �fen des Hazard-Eisenwerks; das Haus des Vormanns mu�te sich in ein Inferno verwandelt haben. War die freiwillige Werksfeuerwehr schon am Schauplatz? Er betete darum.</p><p>Auf der holprigen Stra�e mu�te er sein Pferd fest unter Kontrolle halten. Sein Weg f�hrte ihn an den zahlreichen Geb�uden des Eisenwerks vorbei, wo selbst zu dieser Stunde noch Licht brannte und Rauch und L�rm aufstiegen. Hazard war rund um die Uhr in Betrieb und produzierte Schienen und Bleche f�r die gerade anrollenden Kriegsanstrengungen der Union. Jetzt jedoch waren Gesch�fte das letzte, was der an den Terrassen der besseren Heime vorbeihetzende Mann im Sinn hatte. Durch die ebenen Stra�en des Handelsviertels galoppierte er der grellen Hitze des Feuers entgegen.</p><p>Seit einiger Zeit schon wu�te George von den Problemen in Fentons Haus. F�r gew�hnlich h�rte er immer, wenn ein Arbeiter Schwierigkeiten hatte. Er wollte es so. Gelegentlich war Disziplin n�tig, aber er bevorzugte den Einsatz von Diskussion. Verst�ndnis und Rat, erw�nscht oder nicht erw�nscht.</p><p>Im vergangenen Jahr hatte Fenton seinen herumstreunenden Cousin aufgenommen, einen kraftstrotzenden Burschen, zwanzig Jahre j�nger als er. Da ihm das Geld ausgegangen war, brauchte der junge Mann einen Job. Der Vorarbeiter verschaffte ihm einen bei Hazard, und der Neuank�mmling f�hrte sich einige Monate recht ordentlich.</p><p>Obwohl verheiratet, hatte Fenton keine Kinder. Seine gutaussehende, aber nicht mit besonderer Intelligenz gesegnete Frau stand altersm��ig dem Cousin n�her als ihm. Bald schon bemerkte George, da� der Vorarbeiter an Gewicht verlor. Er schien seine Arbeit mit ungewohnter Gleichg�ltigkeit zu verrichten. Schlie�lich wurde George Bericht erstattet von einem teuren Fehler, der zu Lasten des Vorarbeiters ging. Und eine Woche sp�ter wiederholte sich das.</p><p>Letzte Woche hatte ihn George, sowohl um neuerliches Versagen zu verhindern als auch um dem Mann zu helfen, zu einem Gespr�ch geholt. Normalerweise locker und entspannt, sogar im Gespr�ch mit dem Besitzer, hatte Fenton nun einen kalten, angespannten, gequ�lten Ausdruck in den Augen und lie� sich nur ein Zugest�ndnis entlocken: Er hatte mit h�uslichen Schwierigkeiten zu k�mpfen. Mehrfach betonte er die beiden Worte � h�usliche Schwierigkeiten. George dr�ckte sein Mitgef�hl aus, stellte aber klar, da� die Fehler aufh�ren m��ten. Fenton versprach, daf�r zu sorgen, indem er die �Schwierigkeiten� behob und den Cousin aus seinem Haus warf. Mit einem unbehaglichen Gef�hl belie� es George dabei, da er die Natur der �h�uslichen Schwierigkeiten� ahnte.</p><p>Vor sich sah er nun Silhouetten, die vor den Flammen hin und her sprangen; Wasserstrahlen spritzten wirkungslos �ber das bereits eingest�rzte Haus. Das rote Licht spiegelte sich im Metall der veralteten Pumpe und f�rbte die vier Pferde, die Pumpe und Schlauchwagen vor Ort gezogen hatten; wie schreckliche Bestien aus der H�lle scharrten sie mit den Hufen und schnaubten.</p><p>Als er aus dem Sattel sprang, h�rte er einen Mann in der dunklen Stra�e links vom brennenden Haus br�llen. George dr�ngte sich schnell durch die Zuschauer. �Bleib zur�ck, verdammt noch mal!� schrie der Freiwilligenchef durch seinen Schalltrichter, als George aus der Menge auftauchte. Der Chef liess seinen Arm sinken und entschuldigte sich sogleich: �Oh, Mr. Hazard, Sir. Hab� Sie nicht erkannt.�</p><p>Was bedeuten sollte, da� er den reichsten Mann der Stadt, vielleicht des ganzen Tales, nicht erkannt hatte, bis er beinahe vor ihm stand; jedermann kannte den st�mmigen George Hazard, der in diesem Jahr sechsunddrei�ig geworden war. Georges windzerzaustes Haar wies die ersten von der Sonne gebleichten Stellen auf, die es im Fr�hling und Sommer aufzuhellen pflegten; aber auch einige graue Str�hnen zeichneten sich schon ab. Die Augen, eisfarben, wie es in der Hazardfamilie �blich war, widerspiegelten das Feuer von au�en und Georges Besorgnis von innen. �Was ist hier passiert?�</p><p>Den Worten folgte eine gestammelte Zusammenfassung vom Chef, w�hrend die Freiwilligen, die sich vor Jahren den Namen �Die Unentwegten� gegeben und ihr Motto, <emphasis>Officium Pro Periculo,</emphasis> auf jedes Ausr�stungsst�ck gepr�gt hatten, weiterhin an den Pumpen arbeiteten. F�r das zerst�rte Haus war das Wasser die pure Verschwendung. Man konnte nichts weiter tun als die nahegelegenen Schuppen und H�tten vor dem Funkenregen sch�tzen. Deshalb hatte der Chef Zeit, sich mit dem wichtigsten Mann der Stadt zu unterhalten.</p><p>Er sagte, es sehe so aus, als h�tte Fenton am Abend zuvor seine Frau mit seinem Cousin im Bett �berrascht. Der Vorarbeiter hatte ein gro�es K�chenmesser genommen und seine Frau und ihren Liebhaber niedergestochen, bevor er das Haus in Brand steckte. W�hrend dieser Zeit hatte der t�dlich verwundete Cousin es geschafft, das Messer gegen seinen Angreifer zu richten und ihm vier Stiche zuzuf�gen. Tr�nen f�llten Georges Augen, und mit harten Fingerkn�cheln rieb er dr�ber. Fenton war einer seiner umg�nglichsten M�nner gewesen; belesen, flei�ig, intelligent, freundlich zu allen, die er beaufsichtigte.</p><p>�Der da br�llt, das ist er�, sagte der Chef. �Aber er glaubt selber nicht, da� er noch lange zu leben hat. Die anderen beiden waren tot, als wir ankamen. Wir haben sie rausgezogen und zugedeckt. Sie liegen dort dr�ben, wenn Sie einen Blick darauf werfen wollen.�</p><p>Wie unter Zwang ging George auf die beiden Leichen zu, die unter einer Plane mitten auf der Stra�e lagen; ein unangenehmer Geruch str�mte von ihnen aus. Das Schreien hielt an. Der Wind fachte das Feuer an, verlieh ihm eine fauchende Stimme und wirbelte Funken und gl�henden Schutt durch die Luft. Die Freiwilligen pumpten weiter mit aller Kraft; die genieteten Lederschl�uche liefen quer durch den leeren Kanal zum Wasser des Flusses.</p><p>George stoppte einen Schritt vor der Plane und hob sie an. Unl�ngst hatte er sich �ber die Kosten einer modernen Latta-Dampfpumpe f�r die Stadt informiert, deshalb wu�te er einigerma�en Bescheid �ber Br�nde und ihre Auswirkungen. Das aber reichte nicht aus, um ihn auf den Anblick des toten Liebespaares vorzubereiten.</p><p>Die Frau war schlimmer verkohlt als der Mann, ihre geschw�rzte Haut war aufgebrochen und hatte sich an vielen Stellen zusammengerollt. Die versengte Kleidung des Cousins enth�llte Hunderte von Brandblasen, aus denen wie Tr�nen eine leuchtend gelbe Fl�ssigkeit sickerte, in der sich das Licht spiegelte. Die Gesichter, H�lse und heraush�ngenden Zungen der beiden Opfer waren in letzter qualvoller Agonie auf der Suche nach frischer Luft angeschwollen, als nur noch sengender Rauch in ihre Lungen drang. W�hrend sich bei der Frau schwer sagen lie�, ob die Flammen sie get�tet hatten oder ob sie erstickt war, bestand beim Cousin kaum Zweifel; seine Augen quollen vor, gro� wie �pfel.</p><p>George lie� die Plane fallen und schaffte es, sich nicht zu �bergeben, als es ihm hei� in der Kehle hochstieg. Der Anblick hatte bei ihm nicht nur den Gedanken an Feuer heraufbeschworen. Tod. Leiden. Verlust. Und in letzter, alles �berw�ltigender Konsequenz: Krieg.</p><p>Erschauernd ging er zur�ck zum Feuerwehrchef; tief in ihm kamen unerwartete Gef�hle in Bewegung.</p><p>�Kann ich helfen, Tom?�</p><p>�M�chtig nett von Ihnen, Sir, aber es ist zu sp�t, noch irgendwas zu tun. Wir k�nnen blo� nebenan alles na� halten.� Ein Feuerwehrmann kam auf sie zugerannt, um zu sagen, da� Fenton gestorben sei. Wieder schauderte George; warum h�rte er immer noch dieses Schreien? Er sch�ttelte den Kopf. Der Chef fuhr fort: �Es war schon zu sp�t, als wir kamen.�</p><p>George nickte voller Trauer und ging zur�ck zu seinem Pferd.</p><p>Was mit George geschah, als er, das Pferd im Schritt gehen lassend, den Schauplatz verlie�, war nur als Reaktion auf den Schrecken zu erkl�ren: Der Zustand dumpfer Bet�ubung, in den er in letzter Zeit abgetrieben war, l�ste sich endlich auf.</p><p>Er hatte gewu�t, da� in diesem Land ein B�rgerkrieg tobte. Aber Wissen hie� nicht Verstehen. Er hatte alles gewu�t und nichts verstanden, obwohl er einstmals in Mexiko gek�mpft hatte. Aber der Mexiko-Feldzug lag weit zur�ck. Als er langsam den H�gel hochritt, w�hrend der Wind Asche �ber ihn hinwegtrieb, holte ihn endlich die Realit�t ein. Die Nation befand sich im <emphasis>Krieg.</emphasis> Sein j�ngerer Bruder Billy, ein Offizier des Pionier-Corps, war im <emphasis>Krieg.</emphasis> Sein bester Freund und Klassenkamerad in West Point, Kamerad in Mexiko, war im <emphasis>Krieg.</emphasis> Er erinnerte sich nicht mehr an den Schriftsteller, aber er erinnerte sich an die Zeilen: Niemand ist eine Insel �</p><p>Er lie� seine Gedanken �ber die letzten zwei Wochen zur�ckschweifen, versuchte, in der nationalen Stimmung eine Erkl�rung f�r seine eigene zu finden. Nach drei Jahrzehnten der Spannung war f�r viele, vielleicht f�r die meisten B�rger des Nordens, die Bombardierung von Fort Sumter ein willkommenes, wenn nicht freudiges Ereignis gewesen. George hatte diese Gef�hle nicht teilen k�nnen; die Waffen bedeuteten, da� M�nner guten Willens es nicht geschafft hatten, ein schmerzvolles menschliches Problem zu l�sen, das am ersten Tag entstanden war, an dem wei�e H�ndler Neger und Negerinnen an der K�ste des wilden Amerikas verkauft hatten.</p><p>Ein Problem, das schon seit so langer Zeit unl�sbar erschien � und zum Schlu� nicht einmal mehr analysiert werden konnte, so dicht umgab der rhetorische Stacheldraht die gegnerischen Stellungen. Andere, die stets nur an sich dachten und f�r sich sorgten, nahmen die ganze Angelegenheit weniger tragisch; sie fanden es nicht bedrohlich, f�r sie war es lediglich ein �rgernis, das zu umgehen war � so wie man schlafenden Bettlern in der Gosse auswich.</p><p>Aber in den Jahren, in denen der Kriegskessel zum Kochen gebracht worden war, hatte Amerika nicht nur aus zwei Klassen bestanden, den Fanatischen und den Gleichg�ltigen. Es gab auch M�nner und Frauen mit anst�ndigen Absichten. George z�hlte sich dazu. H�tten sie den Kessel umsto�en, die gl�henden Kohlen l�schen und ein Konzil der Vern�nftigen einberufen sollen? Oder klafften so tiefe Abgr�nde, da� die Hei�sporne auf beiden Seiten das niemals zugelassen h�tten? Wie auch immer die Antwort lauten mochte, die M�nner guten Willens hatten sich nicht durchsetzen k�nnen, hatten den anderen das Kommando �berlassen, und die gespaltene Nation befand sich im <emphasis>Krieg.</emphasis></p><p>Trauer. Orry Main hatte sie geteilt, als er Lehigh Station besuchte. Das war gerade zwei Wochen her. Auf seiner mutigen Reise von South Carolina nach Pennsylvania hatte er sich zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt; sein Aufenthalt selbst war extrem gef�hrlich geworden, als eines Nachts Georges Schwester Virgilia, eine heftige Gegnerin der Sklaverei und besessene Hasserin von allem und jedem, was aus dem S�den kam, einem aufgebrachten P�bel Orrys Anwesenheit verraten hatte. Nur mit gezogener Waffe hatte George seinen guten, aufrichtigen Freund aus der Stadt bringen k�nnen.</p><p>Danach war � was gekommen? Nicht Apathie, nicht ganz. Er hatte sich mit den t�glichen Problemen befa�t: Vertragsangebote; Unbehagen �ber Fentons h�usliche Schwierigkeiten; hundert Dinge, gro�e und kleine. Bis heute nacht hatte er sich vor der Bedeutung des Krieges gleichsam hinter einer Mauer versteckt. Feuer und Messer hatten diese Mauer zerst�rt und ihm wieder eine grunds�tzliche Lektion ins Ged�chtnis gerufen. Zum Teufel mit den Narren, die ganz fr�hlich �nur� einen Neunzig-Tage-Konflikt voraussagten. F�r Tod und Ruin reichten kurze Augenblicke aus.</p><p>Sein Herz h�mmerte. Ihm war schlecht. Jenseits der niedergerissenen Mauer erkannte er die Drohung, der er sich in den vergangenen beiden Wochen zu entziehen gesucht hatte. Die Bedrohung betraf das Leben jener, die ihm am meisten auf dieser Welt bedeuteten, das langsam und sorgf�ltig geschmiedete Band zwischen seiner Familie und der Familie der Mains in South Carolina. Das Feuer hatte ihm gezeigt, wie zerbrechlich dieses Band war. Zerbrechlich wie Fenton und die anderen beiden und das Haus, das sie mit all ihren Leidenschaften, Unzul�nglichkeiten und Tr�umen beherbergt hatten. Von all dem war nur Asche �briggeblieben, die der Wind um ihn herumwirbelte.</p><p>Wie er so nach Mitternacht am 1. Mai diesen H�gel in Pennsylvania hochritt, da konnte er der Glut einer kleinen, bald vergessenen h�uslichen Trag�die den R�cken zuwenden � ein Klischee in ihrer H�ufigkeit und Gew�hnlichkeit; und so gottverdammt erschreckend und herzzerbrechend, wenn man es vor Augen hatte. Physisch konnte er sich abwenden, aber nicht psychisch. Seine Vision griff �ber die vergangenen zwei Wochen hinaus und umfa�te zwei Dekaden.</p><p>Die Hazards, Eisenh�ttenbesitzer aus Pennsylvania, und die Mains, Reispflanzer aus South Carolina, hatten ihre ersten Bande gekn�pft, als sich je ein Sohn aus jedem Haus an einem Sommernachmittag des Jahres 1842 auf einem Pier im New Yorker Hafen begegneten. An diesem Tag schlossen George Hazard und Orry Main Bekanntschaft, auf einem Schiff, das den Hudson River Richtung Norden hochfuhr. Als sie an Land gingen, wurden aus ihnen Kadetten in West Point.</p><p>Dort erlebten und �berlebten sie so vieles, was ihr spontanes Zusammengeh�rigkeitsgef�hl verst�rkte. Da war einmal die Kopfarbeit � leicht f�r George, der keine gro�e Sehnsucht nach einer milit�rischen Karriere hatte; schwer f�r Orry, der nichts anderes anstrebte. Sie schafften es, die Schindereien eines hinterlistigen � einige behaupteten: verr�ckten � Studenten in h�herem Semester namens Elkanah Bent zu ertragen, sie erreichten sogar nach einer Serie besonders abscheulicher Taten, die er begangen hatte, seinen Rausschmi�. Doch Washingtoner Einflu� hatte Bent wieder auf die Milit�rakademie zur�ckgebracht, und bei seiner Graduierung hatte er George und Orry versprochen, da� er nichts vergessen und ihnen ihre s�mtlichen S�nden zur�ckzahlen werde.</p><p>Die Mains und die Hazards lernten einander kennen, w�hrend die lange Z�ndschnur des Partikularismus zum Pulver der Sezession niederbrannte. Besuche waren abgestattet worden, B�ndnisse hatten sich geformt � auch Ha� hatte es gegeben. Selbst George und Orry hatten ernsthaft miteinander gestritten. George weilte gerade zu Besuch auf der Main-Plantage, Mount Royal, als ein Sklave fl�chtete, der gefa�t und auf Befehl von Orrys Vater grausam bestraft wurde. Der anschlie�ende Streit stellte die gr��te Belastungsprobe ihrer Freundschaft dar, und beinahe w�re sie durch die Entzweiung, die wie ein langsam wirkendes Gift in den Blutkreislauf des Landes sickerte, zerst�rt worden.</p><p>Der Mexikanische Krieg, bei dem die beiden Freunde im gleichen Infanterieregiment als Lieutenants dienten, trennte sie schlie�lich auf unerwartete Art und Weise. Captain �Butcher� Bent schickte George und Orry an der Churubusco Road in den Kampf, wo ein Bombensplitter Orrys linken Arm wegri� und seine Tr�ume von einer milit�rischen Laufbahn zerst�rte. Kurz darauf rief George die Nachricht vom Tode von Hazard senior heim, weil seine Mutter, mit gesundem Instinkt ausgestattet, Georges �lterem Bruder Stanley nicht zutraute, das gewaltige Familiengesch�ft vern�nftig zu lenken. Bald nachdem er das Kommando bei Hazard �bernommen hatte, entri� George seinem ehrgeizigen, verantwortungslosen Bruder die F�hrung �ber die Eisenwerke.</p><p>Die Amputation seines linken Arms versetzte Orry zeitweilig in br�tende, einsiedlerische Stimmung. Aber nachdem er erst einmal gelernt hatte, mit einer Hand Arbeiten auszuf�hren und die Plantage zu leiten, stand er dem Leben wieder optimistischer gegen�ber, und seine Freundschaft mit George erneuerte sich von selbst. Orry war Trauzeuge, als George Constance Flynn heiratete, das r�misch-katholische M�dchen, das er auf dem Weg nach Mexiko in Texas kennengelernt hatte. Dann beschlo� Georges j�ngerer Bruder Billy, die Akademie zu besuchen, w�hrend Orry, verzweifelt auf der Suche nach einer M�glichkeit, seinen verwaisten Cousin Charles vor dem Leben eines Taugenichts zu bewahren, diesen �berredete, sich bei der Akademie zu bewerben. Bald schon entsprach die Freundschaft von Charles Main und Billy Hazard, die sich zuvor schon gekannt hatten, derjenigen der beiden �lteren West-Point-Absolventen.</p><p>In der letzten Friedensdekade blieben viele Nord- und S�dstaatler pers�nliche Freunde, trotz der immer heftiger werdenden Rhetorik, den immer sch�rferen Drohungen der politischen F�hrer auf beiden Seiten. Auch diese beiden Familien hielten es so. Mains kamen nach Norden, Hazards reisten gen S�den � allerdings in keinem Fall ohne Schwierigkeiten.</p><p>Georges Schwester Virgilia, deren leidenschaftliche Sklavenbefreiungsideen l�ngst die Grenze zum Extremismus �berschritten hatten, h�tte beinahe das Band der Freundschaft gel�st, als sie w�hrend eines Hazard-Besuches auf der Plantage einem Main-Sklaven zur Flucht verhalf.</p><p>Orrys wundersch�ne, aber charakterlose Schwester Ashton hatte eine Zeitlang an Billy Gefallen gefunden, aber bald schon erkannte dieser die G�te und Aufrichtigkeit von Ashtons j�ngerer Schwester Brett. In vielerlei Hinsicht ebenso halsstarrig und verr�ckt wie Virgilia, hatte die zur�ckgewiesene Ashton auf ihren Moment der Rache gewartet; sie zettelte eine Verschw�rung an, um Billy in einem an den Haaren herbeigezogenen Duell ermorden zu lassen, keine zwei Stunden nach seiner Hochzeit mit Brett in Mont Royal. Cousin Charles hatte das Komplott in seiner direkten Kavallerieoffiziersart angepackt � das hei�t, ziemlich gewaltt�tig �, und Orry hatte Ashton und ihren Mann, den extremistischen S�dstaatler James Huntoon, f�r immer vom Land der Mains verbannt.</p><p>Virgilias schwarzer Geliebter, der Sklave, bei dessen Flucht sie geholfen hatte, war als Mitglied von John Browns m�rderischer Bande bei Harpers Ferry erschossen worden. Virgilia, die das miterlebt hatte, war voller Panik nach Hause geflohen und befand sich deshalb in jener Nacht, in der Orry seinen gef�hrlichen Besuch abstattete, auf Belvedere. Dieser Besuch und die Umst�nde, die dazu gef�hrt hatten, gingen einem nachdenklichen George durch den Kopf, als er das letzte steile Stra�enst�ck nach Belvedere hochritt.</p><p>Orrys bilderst�rmender �lterer Bruder Cooper war f�r gew�hnlich anderer Meinung gewesen als die meisten S�dstaatler, wenn es um ihre ganz spezielle Institution ging. Als Gegenbeispiel einer auf Landarbeit basierenden �konomie, die den Besitz von Menschen erforderlich machte, hatte er den Norden angef�hrt keineswegs perfekt, aber ein Schritt in das neue, weltweit angebrochene Zeitalter der Industrialisierung. Im Norden strebten freie Arbeiter unter dem Dr�hnen der Maschinen einer bl�henden Zukunft entgegen, ohne die Last �beralterter Methoden und Ideologien, die so schwer waren wie Handschellen und ebenso hinderlich. Was die traditionelle Ausrede von Coopers Staat und Region anbelangte, da� die Sklaven mehr Sicherheit besa�en und deshalb gl�cklicher waren als die Fabrikarbeiter in den Nordstaaten, die mit unsichtbaren Ketten an riesige, h�mmernde Maschinen geschmiedet waren, so lachte er nur dar�ber. Ein Fabrikarbeiter konnte tats�chlich bei dem Lohn verhungern, den die Unternehmer ihm zahlten. Aber er konnte weder gekauft noch verkauft werden wie gew�hnliches Hab und Gut. Er konnte jederzeit gehen, und niemand w�rde ihn verfolgen; kein Arbeiter w�rde wieder eingefangen, ausgepeitscht und am Schwungrad seiner gro�en Maschine aufgeh�ngt werden.</p><p>Cooper versuchte in Charleston eine Schiffsbauindustrie zu etablieren und hatte sogar mit der Konstruktion eines gewaltigen Eisenschiffs begonnen, entworfen nach den Pl�nen, die der geniale britische Konstrukteur Brunei ausgearbeitet hatte. George hatte Geld in das waghalsige Unternehmen gesteckt, mehr um ihrer Freundschaft willen und weil er Coopers Glauben teilte, als um eines schnellen Profits willen, f�r den die Aussichten gering waren.</p><p>In den letzten Tagen von Fort Sumter, als der Krieg zur Gewi�heit wurde, hatte Orry Hypotheken auf den Familienbesitz aufgenommen und soviel Bargeld wie nur m�glich zusammengekratzt. Die Summe belief sich auf sechshundertf�nfzigtausend Dollar, einen Bruchteil der urspr�nglich von George investierten Million und neunhunderttausend Dollar. Trotz seines deutlichen S�dstaatenakzents hatte Orry es auf sich genommen, das Geld in einer kleinen, unscheinbaren Tasche per Zug nach Lehigh Station zu bringen. Das Risiko war gewaltig, aber er kam trotzdem. Aus Freundschaft und weil es um eine Ehrensache ging.</p><p>In der Nacht, in der sich die beiden Freunde trafen, hatte Virgilia heimlich den Mob zusammengetrommelt � mit ziemlicher Sicherheit, um den Besucher lynchen zu lassen. Aber der Versuch war fehlgeschlagen, Orry konnte sich mit dem Sp�tzug in Sicherheit bringen und befand sich nun � wo? South Carolina? War er sicher nach Hause gelangt, so besa� er wenigstens eine Chance, gl�cklich zu werden. Madeline LaMotte, die Frau, die Orrys Liebe besa�, wie sie ihn trotz ihrer Gefangenschaft in einer unheilvollen Ehe liebte, war nach Mont Royal geeilt, um vor einer Verschw�rung gegen Billy zu warnen. Einmal dort, blieb Madeline gegen den Willen ihres Mannes, der sie seit Jahren systematisch gequ�lt hatte.</p><p>Der Fall von Fort Sumter erzwang neue Entscheidungen. Charles hatte sich, nach seinem Ausscheiden aus der Armee der Vereinigten Staaten, der Kavallerie von South Carolina angeschlossen. Sein bester Freund, Billy, blieb bei den Pionieren der Union. Und Billys in den S�dstaaten geborene Frau Brett lebte in Lehigh Station. Die pers�nliche Welt der Mains und der Hazards befand sich in einem h�chst unsicheren Gleichgewicht, w�hrend sich massive, bedrohliche, unvorhersehbare Gefahren zusammenbrauten.</p><p>Das war es, was George w�hrend der vergangenen vierzehn Tage verdr�ngt hatte. Das Leben war eine zerbrechliche Angelegenheit. Freundschaft ebenso. Vor ihrer Trennung hatten er und Orry sich geschworen, da� der Krieg niemals das Band zwischen ihnen zerschneiden k�nnte. Als er sich an die Schrecken dieser Nacht, an die Schmerzensschreie und Glutkaskaden erinnerte, fragte sich George, ob sie sich nicht naiv verhielten. Ein fast wildes Gef�hl durchpulste ihn, da� er etwas unternehmen mu�te, um sich selbst seine Hingabe an die Verteidigung ihrer Freundschaft zu best�tigen.</p><p>Er brachte sein Pferd in den Stall und ging direkt in die Bibliothek von Belvedere, ein ger�umiges Zimmer mit dem Geruch von Leder und Papier.</p><p>Als er auf seinen Schreibtisch zuging, sah er aus den Augenwinkeln ein Erinnerungsst�ck, das auf einem ansonst stets leeren Tisch aufbewahrt wurde. Es war ein konischer Gegenstand, aus grobem Material, ungef�hr f�nfzehn Zentimeter hoch. Die dunkelbraune Farbe deutete auf schweres Eisenerz hin.</p><p>Ihm wurde klar, weshalb seine Aufmerksamkeit erregt worden war. Irgendjemand � m�glicherweise das Hausm�dchen � hatte den Gegenstand aus seiner gewohnten Position ger�ckt. Er nahm den Meteoriten in die Hand und hielt ihn fest, w�hrend er den Ort vor sich sah, wo er ihn vor langer Zeit gefunden hatte in den H�geln um West Point w�hrend seiner Kadettenzeit.</p><p>Was in seiner Hand lag, war der Splitter eines Meteoriten, der aus unvorstellbaren Fernen durch die bestirnte Finsternis gekommen war. Sternen-Eisen, so nannten es die alten M�nner seines Fachs, seine Vorfahren. Als die Pharaonen ihr Reich am Nil regiert hatten, war es bereits bekannt gewesen.</p><p>Eisen. Der m�chtigste Stoff des Universums. Das Rohmaterial f�r den Aufbau und die Zerst�rung von Zivilisationen. Daraus wurden die gewaltigen Todeswaffen geschmiedet, die George aus einer ganzen Reihe von Gr�nden zu produzieren beabsichtigte: Patriotismus, Ha� auf die Sklaverei, Profit, ein v�terliches Verantwortungsgef�hl f�r jene, die bei ihm arbeiteten.</p><p>Was hier in seinen H�nden lag, war, in gewissem Sinne, Krieg. Schnell legte er das St�ck auf den Tisch zur�ck, genau an die Stelle, wo es hingeh�rte.</p><p>Er z�ndete das Gaslicht �ber seinem Schreibtisch an und �ffnete die untere Schublade, in die er die kleine, einfache Tasche getan hatte zur Erinnerung. Eine Weile betrachtete er die Tasche. Dann, aus einem tiefen Gef�hl heraus, tauchte er die Feder ein und schrieb mit gro�er Geschwindigkeit:</p><p><emphasis>Mein lieber Orry,</emphasis></p><p><emphasis>als Du diese Tasche zur�ckgabst, hast du eine Tat von h�chstem Mut und Anstand vollbracht. Es ist eine Tat, die ich eines Tages hoffentlich wiedergutmachen kann. Falls ich es nicht tue � nicht tun kann �, so nimm diese Worte hier, damit Du meine Absichten kennst.</emphasis></p><p><emphasis>Vor allem sollst Du wissen, da� ich unbedingt das Band der Zuneigung zwischen unseren beiden Familien bewahren m�chte, das seit so vielen Jahren gewachsen und immer st�rker geworden ist. Das ist mein aufrichtigster Wunsch, und danach habe ich gestrebt, trotz Virgilia, trotz Ashton, trotz der Lektionen �ber die Natur des Krieges, die ich einst in Mexiko gelernt, aber bis heute nacht vergessen hatte.</emphasis></p><p><emphasis>Ich wei�, da� Du an den Wert dieses Bandes ebenso glaubst wie ich. Aber es ist so zerbrechlich wie ein Weizenhalm vor der Eisensense. Sollte es uns nicht gelingen, das zu bewahren, was so sehr Bewahrung verdient oder falls ein Hazard oder Main f�llt, was, m�ge Gott Erbarmen mit uns haben, durchaus der Fall sein kann, wenn dieser Konflikt l�nger andauert �, so wirst Du wissen, da� ich unsere Freundschaft �ber alles andere stellte und sie nie aufgegeben habe. So, wie ich wei�, da� Du es auch tun wirst. Ich bete darum, da� wir uns sehen, wenn alles vorbei ist, doch falls nicht, so rufe ich Dir � aus meinem tiefsten Herzen � ein liebevolles auf Wiedersehen zu. Dein Freund �</emphasis></p><p>Er wollte gerade den ersten Buchstaben seines Vornamens schreiben, doch dann schrieb er statt dessen mit einem feinen, traurigen L�cheln seinen Spitznamen von West Point: <emphasis>Stumpf.</emphasis></p><p>Langsam faltete er die Bl�tter; langsam legte er sie in die Tasche und schnallte sie zu; langsam schlo� er die Schublade und erhob sich, begleitet von einigen irritierenden Ger�uschen seiner Gelenke. Wegen der warmen Nacht standen die Fenster �berall in Belvedere offen. Er roch den schw�cher werdenden Brandgeruch, den der Wind herbeitrug. Ihn fror, und er f�hlte sich alt, als er das Gaslicht ausdrehte und m�de die Treppe hochstieg.</p></section><section><title><p><strong>Erstes Buch.</strong></p><p><strong>Eine Vision von Scott</strong></p></title><p><emphasis>Die Flagge, die jetzt noch hier in der Brise flattert, wird vor dem 1. Mai �ber dem Dom des alten Kapitols von Washington wehen.</emphasis></p><p>Leroy P. Walker, Kriegsminister der Konf�derierten, bei einer Rede in Montgomery, Alabama, April 1861</p><p><strong>1</strong></p><p>Die Morgensonne �berflutete die Weide. Pl�tzlich tauchten hinter einem H�gel drei schwarze Pferde auf. Zwei weitere Pferde, mit herrlich gl�nzendem Fell und wehenden M�hnen und Schweifen, folgten ihnen hinunter in das windgepeitschte Gras. Dicht dahinter erschienen zwei berittene Sergeants in reichlich mit Tressen versehenen Husarenjacken. Die Sergeants, breites Grinsen auf den Gesichtern, ritten im Galopp, br�llend und ihre M�tzen in Richtung der schwarzen Pferde schwenkend.</p><p>Der Anblick lenkte sofort Captain Charles Mains Truppe ab. Die jungen Freiwilligen aus South Carolina ritten auf ihren Braunen eine Stra�e entlang, die sich durch W�lder und Farmland des Prince William County schl�ngelte. Die Drei-Tage-�bung hatte sie ein ganzes St�ck nordw�rts zwischen Richmond und Ashland gef�hrt, aber Charles glaubte, da� ein langer Ritt n�tig war, um die M�nner einzugew�hnen. Alle waren sie geborene Reiter und J�ger; andere Leute h�tte Colonel Hampton f�r die Kavallerietruppe, die er in Columbia zusammengestellt hatte, gar nicht genommen. Aber ihre Reaktion auf die <emphasis>Poinsett Tactics,</emphasis> so der inoffizielle Name f�r das Handbuch, das seit 1841 die Bibel des Kavalleristen war, reichte von unterdr�ckter Gleichg�ltigkeit bis zu lauter Verachtung.</p><p>�Verschone mich vor Gentlemen-Soldaten�, murmelte Charles, als einige seiner M�nner ihre Pferde dem Zaun zuwandten, der Stra�e und Wiese trennte. Die schwarzen Pferde schwenkten um und galoppierten neben dem Zaun her. Die schwitzenden Sergeants waren ihnen hart auf den Fersen; sie donnerten an der langen Reihe der Kavalleristen in ihren schmucken, mit gl�nzenden Goldkn�pfen verzierten Jacken vorbei.</p><p>�Wer seid ihr, Jungs?� rief Charles� Senior-Lieutenant, ein untersetzter, fr�hlicher junger Mann mit rotem Kraushaar.</p><p>Die Junibrise trug, von Hufschl�gen �berdeckt, die Antwort zur�ck. �Black Horse. Fauquier County.�</p><p>�Zeigen wir ihnen, wie man reitet, Charlie�, schrie First-Lieutenant Ambrose Pell seinem Vorgesetzten zu. Um ein Chaos zu vermeiden, bellte Charles einen Befehl: �In Zweierreihen � Trab � <emphasis>Vorw�rts!�</emphasis></p><p>Das Man�ver wurde so schlampig ausgef�hrt, da� es fast schon an Befehlsverweigerung grenzte. Die Truppe schaffte es, sich in der richtigen Gangart zu Zweierreihen zu formieren, und reagierte dann mit viel Geschrei auf Charles� Befehl zum Galopp. Aber es war schon zu sp�t, um die Sergeants noch einholen zu k�nnen, die die f�nf schwarzen Pferde nach links trieben, �ber eine Wiese hinweg, und dann in einem W�ldchen verschwanden.</p><p>Neid bohrte seinen Stachel in Charles. Wenn die Unteroffiziere tats�chlich zur Black-Horse-Kavallerie geh�rten, von der er schon so viel geh�rt hatte, dann hatten sie sich ein paar edle Tiere eingefangen. Mit seinem eigenen Pferd Dasher, in Columbia gekauft, war er unzufrieden. Die Stute stammte aus guter Carolina-Zucht, scheute aber h�ufig. Bis jetzt hatte �die St�rmerin� ihrem Namen noch keine Ehre gemacht.</p><p>Die Stra�e bog nach Nordosten ab, weg von der eingez�unten Weide. Charles reduzierte die Gangart auf Trab und ignorierte eine weitere frivole Frage von Ambrose, den er, beruflich gesehen, ungl�ckseligerweise mochte. Er fragte sich, wie um alles in der Welt er aus dieser Ansammlung von Aristokraten, die einen beim Vornamen nannten, West Point verachteten und einen niederzuschlagen versuchten, wenn man ihnen einen unliebsamen Befehl gab, eine Kampfeinheit formen sollte. Seit ihrer Ankunft im Biwak unten in Hanover County hatte Charles zweimal seine F�uste zu Hilfe nehmen m�ssen, um Disziplin herzustellen.</p><p>In der Hampton-Truppe hatte er so eine Art zusammengew�rfelte Einheit bekommen, mit M�nnern, die aus allen Teilen South Carolinas stammten. Fast alle anderen unter Hamptons Kommando stehenden Einheiten, egal ob zu Fu� oder zu Pferd, waren in einem County, manche sogar in einer einzigen Stadt, zusammengestellt worden. Der Mann, der eine Kompanie formte, gewann f�r gew�hnlich auch die Wahl, mit der die Freiwilligen sich ihren Captain suchten. In Charles� Truppe gab es weder derartige Bekanntschaften noch Freundschaften; in seinem Dienstverzeichnis standen Jungs aus den Bergen, vom Fu�e des Gebirges, ja sogar aus seinem eigenen Flachland. Dieses bunte Gemisch forderte einen F�hrer, der nicht nur aus guter Familie stammte, sondern auch �ber ausreichende Erfahrung in milit�rischen Dingen verf�gte. Ambrose Pell, Charles� Gegenkandidat bei der Wahl, besa� das erstere, aber nicht das letztere. Und Wade Hampton hatte noch vor der Abstimmung klar gemacht, wer f�r ihn in Frage kam.</p><p>Trotzdem hatte Charles nur mit einer Mehrheit von zwei Stimmen gewonnen. Allm�hlich w�nschte er, er h�tte Ambrose gew�hlt.</p><p>Jetzt jedoch, wo die laue Sommerbrise sein Gesicht streichelte und Dasher auf jeden Schenkeldruck reagierte, hatte er das Gef�hl, da� er zu gro�en Wert auf Disziplin legte. Bis jetzt war der Krieg ein einziger Jux. Ein Yankee-General, Butler, war bereits in einem heftigen Gefecht bei Bethel Church verm�belt worden. Die Yankee-Hauptstadt, die der Politiker aus dem Westen pr�sidierte, den viele South Caroliner nur den �Gorilla� nannten, sollte sich in ein schreckenstarres D�rfchen verwandelt haben. Das Hauptproblem der vier Truppen der Hampton-Kavallerie schien sich auf epidemische Bauchschmerzen zu beschr�nken, erzeugt durch zu viele Feste in Richmond.</p><p>S�mtliche Freiwilligen hatten sich f�r zw�lf Monate verpflichtet, aber keiner von ihnen glaubte daran, da� dieser Hickhack zwischen den beiden Regierungen neunzig Tage dauern w�rde. W�hrend er den Duft des sonnenwarmen Grases und des Pferdeleibes einsog, fiel auch Charles, f�nfundzwanzig Jahre alt, gro� und tief gebr�unt und auf eine etwas rauhe Art gut aussehend, der Gedanke schwer, da� sie sich im Krieg befanden. Noch gr��ere Schwierigkeiten bereitete ihm die Erinnerung an das mulmige Gef�hl in den Eingeweiden, wenn man ernst gemeinte Kugeln pfeifen h�rt, obwohl ihm schon einige um die Ohren geflogen waren, bevor er zu Beginn des Jahres bei der Zweiten U.S.-Kavallerie in Texas ausgetreten und heimgekehrt war, um sich den Konf�derierten anzuschlie�en.</p><p><emphasis>�Oh, Jung-Lochinvar kam aus dem Westen � �</emphasis> Charles l�chelte; Ambrose sang das Gedicht mit monotoner Stimme. Andere fielen schnell ein: �� <emphasis>�berall entlang der weiten Grenze war sein Streitro� am besten.�</emphasis></p><p>Sympathie f�r diese jungen Hei�sporne d�mpfte Charles� professionelle Vorbehalte. Er h�tte das Singen unterbinden m�ssen, aber er tat es nicht, sondern geno� schweigend seine pers�nliche Isolation. Er war lediglich ein paar Jahre �lter als die meisten von ihnen, kam sich aber wie ihr Vater vor.</p><p><emphasis>�So treu in der Liebe und so furchtlos im Krieg � nie gab es einen Ritter, der Jung-Lochinvar glich!�</emphasis></p><p>Wie sie ihren Scott liebten, diese S�dstaaten-Jungs. Die Frauen waren da nicht anders. Alle beteten sie Scotts ritterliche Visionen an und lasen unerm�dlich jeden Roman und jedes Gedicht, das er geschrieben hatte. Vielleicht lag in dieser seltsamen Bewunderung des alten Sir Walter einer der Schl�ssel zu diesem eindeutig seltsamen Krieg verborgen, der noch gar nicht richtig begonnen hatte. Cousin Cooper, der Ketzer der Main-Familie, sagte oft, der S�den blicke zuviel zur�ck, anstatt sich auf die Gegenwart zu konzentrieren � oder auf den Norden, wo Fabriken wie die Eisenwerke der Hazard-Familie die geographische und politische Landschaft dominierten. Voller Anbetung zur�ckzublicken zu der �ra von Scotts federgeschm�ckten Rittern war eine Angewohnheit, die Cooper h�ufig und voller Leidenschaft kritisierte.</p><p>Ganz pl�tzlich, voraus, zwei Sch�sse. Ein Ruf von hinten. Sich im Sattel umdrehend, sah Charles, da� der Kavallerist, der aufgeschrien hatte, noch aufrecht sa� � nur �berrascht, nicht getroffen. Lautlos seine Unaufmerksamkeit verfluchend, wandte er sich wieder nach vorn und konzentrierte seinen Blick auf ein dichtes Nu�baumw�ldchen rechts von der Stra�e. Blaue Rauchschlieren zwischen den B�umen verrieten die Stelle, wo die Sch�sse abgefeuert worden waren.</p><p>Ambrose und einige andere grinsten. �Kn�pfen wir uns die Bande vor�, br�llte ein Kavallerist begeistert.</p><p>Du Idiot, dachte Charles, w�hrend sich seine Magengegend zusammenkrampfte. Er ersp�hte Pferde in dem W�ldchen und h�rte das Knallen weiterer Gewehre, �bert�nt vom Br�llen seiner eigenen Stimme, die den Befehl zum Angriff gab.</p><p><strong>2</strong></p><p>Der Angriff von der Stra�e auf die B�ume zu war ungeordnet, aber wirkungsvoll. Eine Yankee-Patrouille von einem halben Dutzend Reiter galoppierte davon, als Charles� M�nner das W�ldchen st�rmten.</p><p>Charles war der erste, sein doppell�ufiges Schrotgewehr in der Armbeuge. Die Akademie und Texas hatten ihm beigebracht, da� erfolgreiche Offiziere f�hren; sie feuern nicht ihre Leute an. Der reiche und kr�ftig gebaute Pflanzer, der die Truppe zusammengestellt hatte, war das beste Beispiel daf�r. Hampton war einer jener seltenen M�nner, die kein West Point n�tig hatten, um zu wissen, wie man Soldaten f�hrt.</p><p>Zwischen den Walnu�b�umen dr�hnten Schrotgewehre, beantwortet von Gewehrfeuer; der Rauch wurde dichter, und Charles� Truppe ri� auseinander. Jeder suchte sich seinen eigenen Weg, verh�hnte den jetzt kaum noch sichtbaren fl�chtenden Feind.</p><p>�Wohin rennt ihr Yankee-Jungs so schnell?�</p><p>�Na los, dreht euch um. und k�mpft gegen uns!�</p><p>�Die sind unsere Zeit gar nicht wert, Jungs!� schrie Ambrose Pell. �Ich w�nschte, unsere Nigger w�ren hier. Die k�nnten sie jagen.�</p><p>Ein einzelner Schu� aus einem dunklen Teil des W�ldchens unterstrich seine letzten Worte. Instinktiv duckte sich Charles auf Dashers Hals hinunter. Die Stute schien nerv�s, unsicher, obwohl sie wie alle anderen Truppenpferde auch im Camp von Columbia an Gewehr- und Artilleriefeuer gew�hnt worden war.</p><p>Eine Kugel zischte vorbei. Sergeant Peterkin Reynolds br�llte. Sofort feuerte Charles beide L�ufe in Richtung der B�ume ab. Augenblicklich ert�nte ein Schmerzensschrei.</p><p>Er ri� Dashers Kopf hart zur�ck, drehte sich um. �Reynolds?� Bleich, aber grinsend hielt der Sergeant seinen grauen Kadetten�rmel hoch, mit einem Ri� unten am Aufschlag und lediglich einem kleinen Blutfleck.</p><p>Freunde von Reynolds nahmen die Verwundung weniger leicht. �Verfluchte Schneider und Schuster zu Pferd�, schrie ein Mann, als er an Charles vorbeigaloppierte, der ihn vergeblich zur�ckbefahl.</p><p>Durch eine Bauml�cke sah Charles einen Nachz�gler der Unions-Patrouille, ein plumper blonder Bursche ohne jede Kontrolle �ber sein Pferd, einen jener schweren Klepper, wie sie f�r die eilig zusammengew�rfelte Nordstaaten-Kavallerie typisch waren. Der Mann gab seinem Pferd die Sporen und fluchte. Ein Deutscher.</p><p>Der Deutsche war ein derart schlechter Reiter, da� der Kavallerist, der an Charles vorbeigedonnert war, keine M�he hatte, ihn einzuholen und seitlich aus dem Sattel zu zerren. Er schlug schwer zu Boden und kreischte, bis er seinen Stiefel aus dem linken Steigb�gel befreit hatte.</p><p>Der junge Mann aus South Carolina hatte seinen langen, sechs Pfund schweren S�bel mit der zweischneidigen, geraden Klinge gezogen, der nach den Anweisungen des Colonels in Columbia geschmiedet worden war und �ber die den Vorschriften entsprechende L�nge hinausging. Hampton hatte seine Truppe aus eigener Tasche ausger�stet.</p><p>Ambrose ritt an Charles� Seite. Er deutete nach vorn. �Schau dir das an. Charlie, ja? Verschreckt wie �n Waschb�r.�</p><p>Ambrose �bertrieb nicht. Der Yank kniete zitternd auf dem Boden, als der Kavallerist aus dem Sattel stieg, seinen S�bel mit beiden H�nden packte und weit ausholte. Charles schrie: �Cramm! Nein!�</p><p>Kavallerist Cramm wirbelte herum und funkelte ihn an. Charles schob dem Lieutenant seine Schrotflinte in die Hand und sprang mit einem Satz vom Pferd. Er rannte auf den Kavalleristen zu und packte den noch immer erhobenen Arm.</p><p>�Ich sagte nein.�</p><p>Trotzig wehrte sich der Kavallerist gegen Charles� Griff. �La� mich los, du verdammtes Scho�h�ndchen, du verfluchter West-Point-Hundesohn, du verdammter ��</p><p>Charles lie� los, donnerte dann seine rechte Faust in Cramms Gesicht. Aus der Nase blutend, knallte der junge Mann r�cklings gegen einen Baumstumpf. Charles entwand ihm den Kavalleristens�bel und drehte sich um, schaute die finster blickenden M�nner zu Pferd an.</p><p>�Wir sind Soldaten, keine Metzger, und ihr tut besser daran, das nicht zu vergessen. Der n�chste Mann, der sich meinem Befehl widersetzt oder mich verflucht oder mich mit dem Vornamen anredet, marschiert vors Kriegsgericht. Nachdem ich pers�nlich mit ihm fertig bin.�</p><p>Er lie� seine Blicke �ber einige feindselige Gesichter gleiten, warf dann den S�bel zu Boden und lie� sich seine Schrotflinte zur�ckgeben. �Lassen Sie antreten, Lieutenant Pell.�</p><p>Ambrose wich seinem Blick aus, kam aber dem Befehl nach. Charles h�rte Gemurre. Die freudige Stimmung des Morgens war verschwunden; es war ohnehin dumm von ihm gewesen, daran zu glauben.</p><p>Entmutigt fragte er sich, wie seine M�nner im echten Kampf �berleben sollten, wenn sie ein Scharm�tzel weniger ernst nahmen als eine Fuchsjagd. Wie konnten sie siegen, wenn sie sich weigerten, als Einheit k�mpfen zu lernen � was in allererster Linie hie�, Gehorsam zu lernen?</p><p>Sein langj�hriger Freund aus West-Point-Tagen, Billy Hazard von den Bundes-Pionieren, wu�te, wie wichtig es war, den Krieg ernst zu nehmen. Cousin Orry Main und dessen engster Freund, Billys �lterer Bruder George, wu�ten es ebenfalls. Alle M�nner von der Akademie wu�ten es. Vielleicht erkl�rte das die Kluft, die zwischen den Berufsoffizieren der alten, regul�ren Armee und den Amateur-Hei�spornen klaffte. Selbst Wade Hampton machte sich manchmal �ber die M�nner von West Point lustig.</p><p>�Nicht schlimmer als Bienengesumm, nicht wahr?� h�rte Charles einen Kavalleristen sagen, w�hrend Ambrose die Truppe auf der Stra�e wieder zu Zweierreihen formte.</p><p>Charles enthielt sich jeglichen Kommentars und ritt zu dem sich windenden, dreckverschmierten Gefangenen. �Du wirst einen weiten Weg mit uns zur�ckmarschieren m�ssen. Aber dir wird nichts geschehen. Verstehst du?�</p><p>�Ja, versteh.� Der Deutsche sprach ein m�hsames Englisch.</p><p>Die Kavalleristen hielten alle Yankees f�r P�bel oder Arbeiter; unw�rdige Gegner. Als Charles den armseligen, dickb�uchigen Gefangenen musterte, konnte er diesen Standpunkt verstehen. Der Jammer dabei war lediglich der, da� es im Norden hunderttausendmal mehr armseliges Volk gab als im S�den. Das machten sich die Jungs aus Carolina nie klar.</p><p>Sein Freund Billy kam ihm in den Sinn. Wo war er? W�rde Charles ihn jemals wiedersehen? W�rden sich die Hazards und Mains je wieder nahestehen? Trotz der Ehe von Cousine Brett mit Billy?</p><p>Zu viele Fragen. Zu viele Probleme. Auf einmal war die Sonne f�r diese Sommerzeit viel zu kalt. Eine halbe Meile vom Schauplatz des Scharm�tzels entfernt h�rte Charles sein Pferd Dasher husten. Ihre N�stern waren �berm��ig feucht, als er ihren Kopf herumzog.</p><p>Beginnender Ausflu�? Ja. Der Husten hielt an. Gott, nicht die Druse, dachte er. Das war eine Winterkrankheit.</p><p>Aber sie war ein junges Pferd, sehr empfindlich. Ihm wurde klar, da� er ein weiteres Problem hatte, mit m�glicherweise katastrophalen Folgen.</p><p><strong>3</strong></p><p>Jeder Schulterstreifen des jungen Mannes wurde von einer einzelnen Silbertresse geziert. Sein Revers zeigte das Schlo� mit den T�rmen innerhalb eines Lorbeerkranzes, das Ganze goldgeschm�ckt auf einem kleinen schwarzen Samtoval. Sehr elegant, diese Uniform aus dunkelblauem Waffenrock und R�hrenhosen.</p><p>Der junge Mann wischte sich den Mund mit einer Serviette. Er hatte ein k�stliches Mahl aus Beefsteak, R�stzwiebeln und Austern verspeist, dem er eine Mandels��speise folgen lie� morgens um zehn nach zehn. Fr�hst�ck konnte man hier bis elf Uhr bestellen. Washington war eine bizarre Stadt. Aber auch eine erschreckende Stadt. Jenseits des Potomac auf Arlington Heights entwarf Brigadegeneral McDowell Kriegspl�ne in dem Herrschaftshaus, das die Lees verlassen hatten. W�hrend er auf neue Befehle wartete, hatte der junge Mann vorgestern ein Pferd gemietet und war hin�bergeritten. Es hatte ihn nicht gerade aufgemuntert, als Armee-Hauptquartier einen �berf�llten, l�rmenden Ort mit deutlichen Anzeichen von allgemeiner Verwirrung vorzufinden. Hier schien man sich ziemlich bewu�t zu sein, da� die Konf�derierten-Posten nicht allzu viele Meilen entfernt standen.</p><p>Bundestruppen hatten den Potomac �berquert und Ende Mai die Virginiaseite besetzt. Regimenter aus New England dr�ngten sich nun in die Stadt. Ihre Anwesenheit schw�chte das Entsetzen ab, das in der ersten Woche nach Fort Sumters Fall �ber Washington gelegen hatte; zu jener Zeit waren Telegraphen- und Eisenbahnverbindungen nach Norden f�r eine Weile unterbrochen gewesen. Jeden Moment hatte man mit einem Angriff gerechnet. Das Kapitol war eiligst befestigt worden. Einige der Ersatztruppen wurden vor�bergehend dort untergebracht. Die Anspannung hatte sich etwas gelegt, aber der junge Mann sp�rte auch hier noch die gleiche Verwirrung, die er in McDowells Hauptquartier entdeckt hatte. Zu viele neue und alarmierende Dinge ereigneten sich zu schnell.</p><p>Gestern abend hatte er im B�ro des alten Generals Totten, des Befehlshabers der Pioniere, seine Befehle entgegengenommen. First Lieutenant William Hazard wurde dem Department von Washington zugeteilt und hatte sich bei einem Captain Melanchton Elijah Farmer zum einstweiligen Dienst zu melden, bis seine regul�re Einheit, die Kompanie A � und aus mehr bestand das Pionier-Corps der Armee der Vereinigten Staaten nicht � von einem anderen Auftrag zur�ckkehrte. Billy hatte den Aufbruch der A-Kompanie verpa�t, da er sich zu der Zeit zu Hause in Lehigh Station, Pennsylvania, erholte, wohin er seine junge Braut Brett gebracht hatte. Er hatte sie auf der Main-Plantage in South Carolina geheiratet und w�re anschlie�end um ein Haar von einem ihrer fr�heren Verehrer ermordet worden.</p><p>Charles Main hatte ihm das Leben gerettet. Billys linker Arm schmerzte noch gelegentlich von der Derringer-Kugel, die ihn genausogut h�tte umbringen k�nnen. Der Schmerz diente einem guten Zweck. Er erinnerte ihn daran, da� er auf ewig in Charles Mains Schuld stehen w�rde.</p><p>Das Fr�hst�ck hatte seinen Hunger gestillt, ihn aber nicht von seinen Vorahnungen erl�st. Billy war ein guter Ingenieur. Er war ausgezeichnet in Mathematik und liebte die Berechenbarkeit von Gleichungen und �hnlichen Dingen als Standardverfahren f�r Konstruktionen. Jetzt sah er sich einer Zukunft gegen�ber, die weder geordnet noch berechenbar war.</p><p>Mehr noch, er f�hlte sich isoliert. Er war von seinen Berufskollegen getrennt; von seiner Frau, die er von ganzem Herzen liebte; und, aus eigenem Entschlu�, von einem seiner �lteren Br�der. Stanley Hazard lebte mit seiner unangenehmen Frau und ihren beiden Zwillingss�hnen in dieser Stadt. Stanley war von seinem politischen Mentor, Simon Cameron, mit ins Kriegsministerium genommen worden.</p><p>Billy liebte seinen �lteren Bruder George, aber f�r Stanley hegte er namenlose, zwiesp�ltige Gef�hle, die sich aus fehlendem Respekt, Schuldgef�hlen und fehlender Zuneigung zusammensetzten. Er kannte keinen Menschen in Washington, aber das brachte ihn nicht dazu, Stanley zu besuchen. Tats�chlich hatte er deswegen im National Hotel sein Fr�hst�ck eingenommen, weil ein Gro�teil der G�ste hier immer noch f�r den S�den war; Stanley w�rde daher mit ziemlicher Sicherheit hier nicht anzutreffen sein.</p><p>Er hatte die Rechnung bezahlt und gab dem Kellner ein Trinkgeld. �Danke Sir � ich danke Ihnen. Das ist viel mehr, als ich von diesen billigen Westerntypen bekomme, die hier in der Stadt auftauchen, um sich von ihrem niggerliebenden Pr�sidenten einen Job vermitteln zu lassen. Zum Gl�ck haben wir hier nicht so viele von dem Westernpack. Sie trinken kaum, v�geln werden sie vermutlich auch nicht, und alle schleppen sie ihr Gep�ck selber. Einige meiner Freunde in anderen Hotels verdienen nicht mal � �</p><p>Billy lie� ihn mit seinem Gejammer stehen; der Akzent des Mannes deutete darauf hin, da� er aus dem S�den oder aus einem der Grenzstaaten stammte. Es schien massenhaft solche Leute in der Hauptstadt zu geben. Yankees, aber nur dem Namen nach. Fiel die Stadt, was durchaus der Fall sein mochte, dann w�rden sie in den Stra�en die Stars-and-Bars-Fahne zur Begr��ung von Jeff Davis schwenken.</p><p>Drau�en stellte er fest, da� es mittlerweile aus schlammig grauem Himmel zu nieseln begonnen hatte. Er st�lpte seinen schwarzen Filzhut auf; eine Seite der tressenbesetzten Krempe war hochgebogen und wurde von einem gl�nzenden Messingadler gehalten.</p><p>Billy, ein Jahr �lter als sein Freund Charles, war ein sehr kr�ftig gebauter junger Mann mit dunklen Haaren und den farblosen, eisigen Augen, wie sie in der Hazard-Familie �blich waren. Das derbe Kinn verlieh ihm einen Ausdruck von Zuverl�ssigkeit und St�rke. K�rzlich hatte er der neuen Schnurrbart-Mode nachgegeben; seiner, aus dem er jetzt gerade ein Fr�hst�cksbr�sel klaubte, war dicht und noch dunkler als sein Haar.</p><p>Da Billy vermutete, da� es sich bei Captain Farmer um einen politischen G�nstling handelte, hatte er es mit seiner Meldung nicht eilig. Er beschlo�, sich noch einige Stunden zu g�nnen, um die Stadt zu erforschen � die Viertel, die weitab vom respektablen, modernen Teil lagen.</p><p>Bald schon bereute er seinen Entschlu�. Der Krieg hatte die Stadtbev�lkerung auf das Dreifache der urspr�nglichen Vierzigtausend anschwellen lassen. Man konnte nicht �ber die Stra�e gehen, ohne Kutschen ausweichen zu m�ssen, betrunken schwankenden Soldaten, Fuhrleuten, die auf ihre Maultiere eindroschen und sie verfluchten, eleganten Gentlemen, die einem die Adresse eines Quacksalbers zufl�sterten, der die Franz�sische Krankheit in vierundzwanzig Stunden kurierte � sogar Schweine und schnatternde G�nse waren unterwegs.</p><p>Schlimmer noch, die Stadt stank. Die schlimmsten D�fte stammten von den Abw�ssern, die voll schleimiger Klumpen im Stadtkanal trieben. Billy stoppte auf einer der Fu�g�ngerbr�cken, die zum S�dwestteil f�hrten, bekannt als �die Insel�. Er schaute hinunter, wo ein toter Hund zwischen Salatbl�ttern und Exkrementen dahintrieb.</p><p>Er schluckte Reste seines Fr�hst�cks hinunter und ging schnell davon, in Richtung Osten auf das Kapitol zu, dessen Dom immer noch fehlte. �berall schw�rmten Soldaten und Politiker herum. Arbeiter flitzten um gro�e Stapel von Holz, Eisenplatten und Marmorbl�cken. Billy bog um einen solchen Block und kollidierte mit einer alten, �bergewichtigen Hure in federgeschm�cktem, schmutzigem Samt. Sie lie� ihm die Wahl zwischen sich und ihrer graugesichtigen Tochter, nicht �lter als vierzehn, die sich an ihre Seite dr�ckte.</p><p>Billy bem�hte sich um H�flichkeit. �Ma�am, ich habe eine Frau in Pennsylvania.�</p><p>Die Hure hatte f�r seine H�flichkeit nicht viel �brig. �Leck mich am Arsch�, sagte sie, als er weiterging. Er lachte, aber nicht aus vollem Herzen. Ein paar Minuten sp�ter strebte er nach Norden in das �berf�llte Gebiet, wo er ein Zimmer in einer Pension genommen hatte. Unterwegs kaufte er sich noch ein Schreibheft.</p><p>Sp�ter, in der zunehmenden D�mmerung, spitzte er eine Feder an. In Hemds�rmeln beugte er sich �ber die erste leere Seite seines Heftes, das von einer Lampe erhellt wurde. Er trug das Datum ein und schrieb:</p><p><emphasis>Meine geliebte Frau � ich beginne dieses Tagebuch und werde es weiterf�hren, damit Du wei�t, was ich, au�er Dich st�ndig zu vermissen, heute getan habe und an den kommenden Tagen tun werde. Heute habe ich die Hauptstadt erkundet � kein angenehmes oder herzerw�rmendes Erlebnis, aus Gr�nden, die der Anstand mir verbietet, dieser Seite anzuvertrauen �</emphasis></p><p>Bei dem Gedanken an Brett � an ihr Gesicht, ihre H�nde, ihren Duft in der Intimit�t ihres Bettes � sp�rte er ein k�rperliches Bed�rfnis nach ihr. F�r einen Moment schlo� er die Augen. Als er sich wieder unter Kontrolle hatte, kritzelte er weiter.</p><p><emphasis>Die Stadt ist bereits schwer befestigt, was ich als Anzeichen eines langen Krieges deuten w�rde, w�re es nicht allgemeine �berzeugung, da� er nur kurz sein wird. Ein kurzer Krieg ist aus vielerlei Gr�nden w�nschenswert � nicht zuletzt aus dem offensichtlichsten Grund, da� wir als Mann und Frau zusammenleben k�nnen, wo immer auch mein Dienst mich in Friedenszeiten hinf�hren wird. Aber abgesehen von pers�nlichen Dingen l��t uns ein kurzer Krieg mehr Hoffnung, die Dinge wieder in die alte Ordnung zu bringen. Heute begegnete ich auf einem �ffentlichen Weg einem Neger � entweder ein Freigelassener oder Konterbande, wie General Butler S�dstaaten-Fl�chtlinge bezeichnet. Der schwarze Mann gab den Gehsteig nicht frei, um mich passieren zu lassen. Die Erinnerung an diesen Vorfall hat mich den ganzen Tag beunruhigt. Ich bin ebenso sehr wie jeder andere B�rger darauf bedacht, die Schande der Sklaverei zu beenden, aber die Freiheit des schwarzen Mannes darf nicht zum Freibrief werden. Und ich glaube, ich stehe mit dieser Ansicht nicht allein. F�r die Armee, das wei� ich, trifft es mit absoluter Sicherheit zu. Es hei�t sogar, selbst unser Pr�sident spreche immer noch von der Notwendigkeit, die befreiten Schwarzen wieder in Liberia anzusiedeln. Deshalb meine Furcht vor einem sich l�nger hinziehenden Krieg, der sehr wohl das Chaos zu vieler schneller Ver�nderungen in der sozialen Ordnung mit sich bringen k�nnte.</emphasis></p><p>Er hielt inne, die Feder auf gleicher H�he wie die stetige Flamme. Wie feucht, wie schwer die Luft auf ihm lastete; jeder tiefe Atemzug kostete Anstrengung.</p><p>Die Worte erzeugten unerwartete Schuldgef�hle. Jetzt schon verdammte er beinahe die ideologische Konfusion des Krieges. Vielleicht w�rden sich klarere Antworten abzeichnen, wenn er und Brett erst wieder vereint waren und sie dieses Tagebuch las.</p><p><emphasis>Verzeih die merkw�rdige Philosophiererei. Die Atmosph�re hier erzeugt eigenartige Zweifel und Reaktionen, und ich habe niemanden, mit dem ich das teilen k�nnte, mit Ausnahme desjenigen Menschen, mit dem ich alles teile � mit Dir, meine geliebte Frau. Gute Nacht, und m�ge Gott Dich segnen � � �</emphasis></p><p>Mit einem langen Federstrich beendete er den Absatz und schlug das Heft zu. Kurz darauf zog er sich aus und l�schte die Lampe. Der Schlaf wollte nicht kommen. Das Bett war hart, und vor lauter Sehnsucht nach Brett w�lzte er sich ruhelos herum, w�hrend drau�en in den Stra�en Rowdies Scheiben zerbrachen und Pistolensch�sse abfeuerten.</p><p>�Lije Farmer? Gleich dort, Kamerad.�</p><p>Der Corporal deutete auf ein Sibley-Zelt, wei� und kegelf�rmig, eines von vielen. Er gab Billy einen aufmunternden Klaps und schlenderte pfeifend davon. Bei den Freiwilligen war eine solche Disziplinlosigkeit derart weit verbreitet, da� Billy gar nicht darauf achtete. Vor dem Eingang zum Zelt r�usperte er sich. Er faltete seine Handschuhe �ber der Sch�rpe und trat ein, den Marschbefehl in der linken Hand.</p><p>�Lieutenant Hazard meldet sich zur Stelle, Captain � Farmer��</p><p>Die Verbl�ffung zog das letzte Wort in die L�nge. Der Mann mochte f�nfzig oder mehr sein. Schlohwei�es Haar; patriarchalischer Ausdruck. Er stand im Unterhemd da, die Hosentr�ger �ber den H�ften, und hielt eine Bibel in der rechten Hand. Auf einem gebrechlichen Tisch entdeckte Billy einige technische Texte von Mahan. Er war zu verwirrt, um irgend etwas anderes wahrzunehmen.</p><p>�Ein herzliches Willkommen, Lieutenant. Ich habe Ihrer Ankunft mit gro�er Freude, nein, Erregung entgegengesehen. Sie �berraschen mich gerade dabei, wie ich dem Allm�chtigen im Morgengebet Dank sagen m�chte. Wollen Sie sich mir nicht anschlie�en, Sir?�</p><p>Er kniete nieder. Best�rzung verdr�ngte sein Erstaunen, als Billy erkannte, da� es sich bei Captain Farmers Frage um einen Befehl handelte.</p><p><strong>4</strong></p><p>W�hrend Billy sich in Alexandria zum Dienst meldete, fand eine der routinem��igen Regierungsversammlungen im Geb�ude des Kriegsministeriums an der Westseite des President�s Park statt. Simon Cameron, der fr�here politische Bo� von Pennsylvania, f�hrte von seinem unglaublich �berh�uften Schreibtisch aus den Vorsitz, obwohl der Minister selbst die Versammlung nicht einberufen hatte; das hatte der �ltliche, selbstgef�llige Luftballon veranla�t, der vorgab, die Armee zu kommandieren. Von einem Stuhl in einer Ecke aus, in die Cameron zwei Assistenten als Beobachter befohlen hatte, beobachtete Stanley Hazard General Winfield Scott mit einer Verachtung, die zu verbergen ihm M�he bereitete.</p><p>Stanley, der auf die Vierzig zuging, war ein blasser Mensch. Zwar mit Bauch, aber beinahe zierlich im Vergleich zu dem General, der schon vor langer Zeit den Spitznamen �Alter Schaumschl�ger� bekommen hatte. F�nfundsiebzig Jahre alt, mit einem Rumpf, der einem aufgequollenen Klumpen Brotteig glich, so lie� Winfield Scott den oberen Teil des gr��ten Stuhles, der im Geb�ude aufzutreiben gewesen war, unter seiner K�rpermasse verschwinden. Tressen �berzogen seine Uniform.</p><p>Au�erdem nahmen noch an der Versammlung der gutaussehende, pomp�se Finanzminister, Mr. Salmon Chase, teil und ein Mann in einem schlicht geschnittenen grauen Anzug, der in der Stanley gegen�berliegenden Ecke sa�. Seit Beginn der Versammlung hatte der Mann kaum ein Wort gesprochen. Mit h�flicher, aufmerksamer Miene lauschte er Scotts Geschwafel. Als Stanley den Pr�sidenten das erstemal auf einem Empfang getroffen hatte, entschied er, da� es nur ein passendes Wort f�r ihn gab: absto�end. Es war mehr eine Sache des pers�nlichen Stils als der �u�eren Erscheinung, obwohl letztere sicherlich schon schlimm genug war. Stanley hatte eine Liste weiterer, gleicherweise treffender Beschreibungen zusammengestellt. Dazu geh�rten albern, t�lpelhaft und tierisch.</p><p>Unter Druck h�tte Stanley zugegeben, da� er f�r die Teilnehmer an dieser Versammlung, allenfalls mit Ausnahme seines Vorgesetzten, nichts �brig hatte. Nat�rlich verlangte sein Job, da� er Cameron bewunderte, der ihn als Belohnung f�r viele freigiebige Beitr�ge zu dessen politischen Kampagnen nach Washington gebracht hatte.</p><p>Obwohl loyal eingestellt, hatte Stanley schnell die gr�bsten Schw�chen des Ministers erkannt. Beweis daf�r sah er vor sich in den Aktent�rmen und den Stapeln von Zeitungen aus Richmond und Charleston � wichtige Quellen f�r Kriegsinformationen �, die von jedem verf�gbaren Pl�tzchen des Schreibtischs in die H�he ragten. Vom Teppich ragten �hnliche S�ulen empor. Chaos hie� der Gott, der Simon Camerons Kriegsministerium regierte.</p><p>Hinter dem gro�en Schreibtisch sa� der Meister von all dem, den Mund zusammengepre�t, das graue Haar lang, die grauen Augen ein R�tsel. In Pennsylvania hatte man ihm den Spitznamen �Boߋ gegeben, aber niemand ben�tzte ihn mehr, zumindest nicht in seiner Gegenwart. Seine Finger waren st�ndig mit den wichtigsten B�routensilien besch�ftigt, einem schmutzigen Papierfetzen und einem Bleistiftstummel.</p><p>�� zu wenig Waffen, Herr Minister�, schnaufte Scott. �Mehr h�re ich nicht von unseren Ausbildungslagern. Uns fehlt das Material, um Tausende von M�nnern auszubilden und auszur�sten, die so tapfer dem Aufruf unseres Pr�sidenten gefolgt sind.�</p><p>Chase beugte sich vor. �Und der Ruf, voranzust�rmen, Richmond zu st�rmen, wird mit jeder Stunde dr�ngender. Sie verstehen sicherlich den Grund daf�r.�</p><p>Cameron sagte trocken, aber mit diskreter Zurechtweisung: �Der Kongre� der Konf�derierten tagt bald dort.� Er konsultierte einen weiteren winzigen Papierfetzen, den er in seiner Jacke entdeckt hatte. �Um genau zu sein � am 20. Juli. Der gleiche Monat, in dem die meisten unserer Neunzig-Tage-Verpflichtungen auslaufen.�</p><p>�Also mu� McDowell was unternehmen�, schnappte Chase. �Auch er ist unzul�nglich ausger�stet.�</p><p>Heimlich notierte Stanley eine kurze Botschaft. <emphasis>Wahres Problem sind die Leute.</emphasis> Er erhob sich und reichte die Notiz �ber den Schreibtisch. Cameron packte sie, las sie, kn�llte sie zusammen und deutete ein sparsames Nicken in Stanleys Richtung an. Er verstand McDowells Hauptsorge, bei der es nicht um die Ausr�stung ging, sondern um die Notwendigkeit, sich auf Freiwillige verlassen zu m�ssen, deren Verhalten er nicht voraussagen und deren Mut er nicht trauen konnte.</p><p>Cameron zog es jedoch vor, diesen Punkt unerw�hnt zu lassen. Er erwiderte dem kommandierenden General mit schlammiger Nachgiebigkeit: �General, ich vertrete weiterhin die Meinung, da� unser Hauptproblem nicht in zu wenig Waffen, sondern in zu vielen M�nnern besteht. Wir haben bereits dreihunderttausend unter Waffen. Das sind weitaus mehr, als wir f�r die gegenw�rtige Krise ben�tigen.�</p><p>�Nun, ich hoffe, Sie haben recht damit�, sagte der Pr�sident aus seiner Ecke. Niemand beachtete ihn. Wie gew�hnlich war Lincolns Stimme hoch und schrill, ein Quell zahlreicher Witze hinter seinem R�cken.</p><p>Chase entschied sich gegen eine klare Antwort und f�r Rhetorik. �Wir m�ssen mehr tun als nur hoffen, Herr Pr�sident, und unsere Eink�ufe in Europa massiver vorantreiben. Wir haben zu wenig Artillerie im Norden, jetzt, wo wir unter dem Verlust von Harpers Fer��</p><p>�Europ�ische Eink�ufe werden gepr�ft�, sagte Cameron. �Aber meiner Meinung nach ist sowas unn�tig extravagant.�</p><p>Scott stampfte auf den Boden. �Verdammt, Cameron, Sie reden von Extravaganz angesichts der Rebellion von Verr�tern?�</p><p>�Vergessen Sie nicht den Zwanzigsten des n�chsten Monats�, erg�nzte Chase.</p><p>�Mr. Greeley und gewisse andere Leute lassen kaum zu, da� ich es vergesse.�</p><p>Aber die gereizten Worte gingen unter, als Chase weiter dr�hnte: �Wir m�ssen Davis und sein Pack zerquetschen, bevor sie von Frankreich und England anerkannt werden. Wir m�ssen sie vollkommen zerquetschen. Ich stimme mit dem Kongre�abgeordneten Stevens aus Ihrem Staat �berein. Wenn die Rebellen nicht aufgeben und zur�ckkehren � �</p><p>�Das werden sie nicht.� Scott sprach von oben herab. �Ich kenne die Virginier. Ich kenne die S�dstaatler.�</p><p>Chase fuhr unger�hrt fort: �� dann sollten wir Thad Stevens Rat wortgetreu befolgen. Verwandeln wir den S�den in ein Schlammloch.�</p><p>Nach diesen Worten r�usperte sich der Pr�sident.</p><p>Es war ein dezenter Laut, aber zuf�llig fiel er in eine Pause, und niemand konnte ihn ignorieren, ohne unh�flich zu sein. Lincoln erhob sich und schob seine H�nde in die Taschen, was seine Magerkeit betonte. Er sah ausgemergelt und ersch�pft aus. Und doch war er erst Anfang F�nfzig. Von Ward Lamon, einem Vertrauten des Pr�sidenten, hatte Stanley geh�rt, Lincoln glaube nicht daran, da� er je wieder nach Springfield zur�ckkehren w�rde. Jeden Tag trafen anonyme Morddrohungen in seinem B�ro ein.</p><p>�Nun�, sagte Lincoln. Dann sprach er schnell weiter, nicht laut, aber mit eindeutiger Autorit�t. �Ich m�chte nicht sagen, da� ich mit Stevens Reaktion auf den Aufstand �bereinstimme. Ich war stets sorgf�ltig darauf bedacht, da� die Politik dieser Regierung nicht in einen gewaltt�tigen, erbarmungslosen Kampf ausartet. Eine soziale Revolution, die eine auf Dauer zerrissene Union mit sich bringen w�rde. Ich will wieder eine geeinte Nation, und aus diesem und keinem anderen Grund hoffe ich auf eine schnelle Kapitulation der gegenw�rtigen Regierung in Richmond. Nicht um Mr. Greeley zufriedenzustellen, vergessen Sie das nicht. Wir wollen diese Sache hinter uns bringen und irgendeine L�sung f�r die Beendigung der Sklaverei finden.�</p><p>Mit Ausnahme der n�rdlichen Grenzstaaten, dachte Stanley zynisch. Dort lie� der Pr�sident die Institution unangefochten, aus Furcht, diese Staaten w�rden sich sonst auf die Seite des S�dens schlagen.</p><p>Zu Cameron sagte er: �Ich �berlasse Ihnen die Eink�ufe, Herr Minister. Aber ich w�nsche gen�gend Waffen, um General McDowells Armee auszur�sten <emphasis>und</emphasis> die Ausbildungslager <emphasis>und</emphasis> die Streitkr�fte, die unsere Grenzen sch�tzen.�</p><p>Sie alle verstanden den letzten Hinweis: Kentucky und den Westen. Lincoln wollte jedes zuf�llige Mi�verst�ndnis ausschlie�en. �Treiben Sie die europ�ischen Eink�ufe etwas energischer voran. Um die Dollars soll sich Mr. Chase k�mmern.�</p><p>Rote Flecken tauchten auf Camerons runzligen Wangen auf. �Sehr wohl, Herr Pr�sident.� Er schrieb einige Worte auf das schmuddelige Papier und stopfte den Fetzen in eine Seitentasche.</p><p>Das Treffen endete mit Camerons Versprechen, einen Assistenten zu bestimmen, der augenblicklich mit Vertretern ausl�ndischer Waffenhersteller Kontakt aufnehmen w�rde.</p><p>�Und beraten Sie sich, wenn es angebracht erscheint, mit Colonel Ripley�, sagte der Pr�sident im Hinausgehen. Er bezog sich damit auf den Leiter des Waffenamtes der Armee mit Hauptquartier im Winder Building; wie Scott, so war auch Ripley ein Relikt des Krieges von 1812.</p><p>Auch Chase und Scott gingen, jeder von ihnen in besserer Stimmung wegen Camerons scheinbarer Nachgiebigkeit. Au�erdem waren die Nachrichten aus dem westlichen Virginia in letzter Zeit recht gut. George McClellan hatte Robert Lee dort drau�en Anfang Juni geschlagen.</p><p>Die M�nner, die heute konferiert hatten, repr�sentierten zwei unterschiedliche Strategien. Scott hatte vor einigen Wochen vorgeschlagen, eine Blockade �ber die gesamte K�stenlinie der Konf�derierten zu verh�ngen und dann Kanonenboote und eine gro�e Armee schnurstracks den Mississippi hinunterzuschicken, um New Orleans zu erobern und damit den Golf zu kontrollieren. Scotts Absicht war, den S�den vom Rest der Welt zu isolieren: Schneide sie von allen lebenswichtigen G�tern ab, die sie nicht selbst produzieren k�nnen, und die Kapitulation wird schnell und unvermeidlich folgen. Scott verst�rkte seinen Standpunkt mit dem Versprechen, da� der Sieg mit einem Minimum an Blutvergie�en gesichert werden k�nnte.</p><p>Einige Teile des Planes gefielen Lincoln; die Blockade war im April verwirklicht worden. Doch der Gesamtplan, von dem die Presse Wind bekommen und den sie �Scotts Anaconda� getauft hatte, stie� auf scharfe Kritik von Radikalen wie Chase � in der republikanischen Partei zahlreich vertreten �, die einen schnellen Triumph auf einen Streich bevorzugten. Diese Haltung kam am besten zum Ausdruck in dem �Auf nach Richmond!� � dem Slogan, der �berall zu h�ren war, von den Kirchenkanzeln bis in die Bordelle; zumindest hatte man das Stanley erz�hlt. Obwohl er sich st�ndig nach Sex sehnte und seine Frau es ihm selten gew�hrte, war er zu sch�chtern f�r Bordellbesuche.</p><p>W�rde die Union weiter auf die Hauptstadt der Konf�derierten dr�ngen? Stanley blieb kaum Zeit, dar�ber Spekulationen anzustellen, weil Cameron schnell zur�ckkehrte, nachdem er seine Besucher hinausbegleitet hatte. Er sammelte Stanley und vier weitere Assistenten um sich, zerrte merkw�rdig geformte, kleine Papierchen aus jeder Tasche und rasselte Befehle herunter. Der Fetzen, auf den der Minister den eindeutigen Befehl des Pr�sidenten niedergekritzelt hatte, flatterte unbeachtet zu Boden.</p><p>�Und Sie, Stanley�, Cameron fixierte ihn mit Augen, so grau wie die winterlichen H�gel seiner schottischen Vorfahren, �wir haben heute noch dieses Treffen. Wegen der Uniformen.�</p><p>�Jawohl, Herr Minister.�</p><p>�Wir treffen diesen Burschen bei � warten Sie mal�� Er klopfte seine Jacke auf der Suche nach einem weiteren Informationsschnipsel ab.</p><p>�Willard�s, Sir. Die Saloon-Bar. Sie haben es f�r sechs Uhr abends angesetzt.�</p><p>�Ja, sechs. So viele Einzelheiten kann ich nicht im Kopf behalten.� Sein s�uerliches L�cheln besagte, da� ihm das keine �bertriebenen Sorgen bereitete.</p><p>Kurz vor sechs verlie�en Stanley und der Minister das Kriegsministerium und wechselten hin�ber zur gepflegteren Seite der Avenue. Der gestrige Regen hatte die Stra�e wieder in einen Schlammt�mpel verwandelt. Obwohl Stanley sehr vorsichtig ging, bekam er einige Spritzer auf seine Hosen. �rgerlich. In Washington z�hlte der Schein mehr als die Realit�t. Das hatte ihm seine Frau beigebracht, wie so viele andere wertvolle Dinge in ihrem Eheleben. Ohne Isabel, das wu�te Stanley sehr wohl, w�re er nichts weiter als ein Fu�abtreter f�r seinen j�ngeren Bruder George.</p><p>�� schickte ich eine telegraphische Botschaft nach unserer Versammlung heute morgen�, h�rte er Cameron sagen.</p><p>�Oh, tats�chlich, Sir? An wen?�</p><p>�An Ihren Bruder George. Wir k�nnten einen Mann mit seinen Erfahrungen im R�stungsministerium brauchen. Wenn er einverstanden ist, dann h�tte ich ihn gern hier in Washington.�</p><p><strong>5</strong></p><p>Stanley hatte das Gef�hl, einen Fu�tritt bekommen zu haben. �Sie telegraphierten �? Sie m�chten �? Meinen Bruder George �?�</p><p>�Ich m�chte, da� er f�r das Kriegsministerium arbeitet�, sagte der Minister mit der Andeutung eines Grinsens. �Geht mir seit Wochen im Kopf herum. Der Anpfiff heute morgen hat die Sache entschieden. Ihr Bruder ist einer der M�nner von Gewicht in unserem Staat, Stanley. Spitze auf seinem Gebiet � vergessen Sie nicht, ich kenne die Stahlbranche. Ihr Bruder bringt die Dinge in Schwung. Er steht neuen Ideen aufgeschlossen gegen�ber. Er ist der Mann, der frischen Wind in die R�stung bringen kann. Ripley kann das nicht; er ist eine Mumie. Und sein Assistent, dieser andere Offizier � �</p><p>�Maynadier�, fl�sterte Stanley mit unglaublicher Anstrengung.</p><p>�Ja � nun, ihretwegen bekomme ich vom Pr�sidenten schlechte Noten verpa�t. Die beiden sagen zu allem nein. Lincoln ist an Gewehren mit gezogenem Lauf interessiert, aber Ripley meint, die taugen nichts. Wissen Sie warum? Weil er in seinen Lagerh�usern nichts weiter hat als eine Menge alter Gewehre mit glattem Lauf.�</p><p>Obwohl sich Cameron oft genug ebenso heftig gegen neue Ideen str�ubte wie Colonel Ripley, war Stanley daran gew�hnt, da� sein Mentor die Schuld kunstvoll weiterschob. Die Politik in Pennsylvania hatte ihn darin zum Meister werden lassen. Stanley raffte schnell seinen Mut zusammen, um Cameron aus anderer Richtung anzugreifen. �Herr Minister, ich gebe zu, es ist notwendig, neue Leute zu holen. Aber warum haben Sie telegraphiert? Ich meine, wir haben nie dar�ber gesprochen��</p><p>Ein scharfer Blick stoppte ihn. �Kommen Sie, mein Junge. Ich brauche nicht Ihre Erlaubnis, um irgendwas zu tun. Und Ihre Reaktion kannte ich bereits im voraus. Ihr Bruder hat die F�hrung der Hazard-Eisenwerke an sich gerissen, hat sie Ihnen einfach weggenommen, und das fri�t seitdem an Ihnen.�</p><p>Ja, bei Gott, das stimmte. Seit sie kleine Kinder waren, hatte er in Georges Schatten gelebt. Jetzt stand er endlich auf eigenen Beinen, und schon kam dieser Kerl wieder an. Er w�rde das nicht zulassen.</p><p>Nichts davon sagte Stanley laut. Noch einige Schritte, und die M�nner bogen in den Haupteingang von Willard�s. Cameron sah fr�hlich, Stanley elend aus.</p><p>Die Hotelhalle und die Aufenthaltsr�ume waren mit Leuten vollgestopft. Nahe bei einer mit Seilen abgesperrten Wand stritt sich einer der Willard-Br�der mit einem Maler herum. Das ganze Hotel roch nach Farbe, M�rtel � und nach schweren Parf�ms. Unter den L�stern plauderten M�nner und Frauen mit Augen wie Glas und Gesichtern so steif wie Partymasken.</p><p>Stanley hatte sich gen�gend erholt, um hervorzubringen: �Nat�rlich ist es Ihre Entscheidung, Sir.�</p><p>�Richtig, das ist es.�</p><p>�Aber ich m�chte Sie daran erinnern, da� mein Bruder keiner unserer st�rksten Anh�nger ist.�</p><p>�Er ist Republikaner, genau wie ich.�</p><p>�Ich bin sicher, er hat die Zeit noch nicht vergessen, als Sie auf Seiten der Demokraten waren.� Stanley wu�te, da� George ganz besonders erbost �ber die Ereignisse beim Konvent in Chicago gewesen war, der den Pr�sidenten nominiert hatte. Lincolns Wahlhelfer hatten die Stimmen ben�tigt, die Cameron kontrollierte. Der Bo� hatte sie nur f�r einen Kabinettposten verschachern wollen. Deshalb sagte Stanley mit Bestimmtheit: �Wahrscheinlich wird er gegen Sie arbeiten.�</p><p>�Er wird f�r mich arbeiten, wenn ich ihn richtig anpacke. Ich wei�, da� er mich nicht mag, aber wir befinden uns im Krieg, und er hat in Mexiko gek�mpft � ein Mann wie er kann der alten Flagge nicht den R�cken zuwenden. Au�erdem�, die grauen Augen nahmen einen verschlagenen Ausdruck an, �kann man einen Mann wesentlich leichter kontrollieren, wenn man ihn direkt unterm Daumen hat.�</p><p>Cameron beschleunigte seinen Schritt, um das Ende der Diskussion zu markieren.</p><p>Stanley blieb hartn�ckig. �Er wird nicht kommen.�</p><p>�Doch, wird er. Ripley ist ein d�mlicher alter Ziegenbock. Ich brauche George Hazard. Und ich kriege, was ich will.�</p><p>Mit seinem Stock stie� der Minister eine der Schwingt�ren zur Saloon-Bar auf. Kochend vor Wut folgte ihm Stanley.</p><p>Der Gesch�ftsmann, der um die Unterredung ersucht hatte, irgendein Freund eines Freundes von Cameron, war ein gedrungener Bursche namens Huffsteder. Er bestellte und bezahlte die erwartete Runde Drinks � Lager f�r Stanley, Whisky f�r Cameron �, und das Trio lie� sich an einem Tisch nieder, der eben von einigen Offizieren verlassen worden war.</p><p>�Lassen Sie mich gleich zur Sache kommen�, begann Huffsteder.</p><p>Cameron lie� ihm keine Chance. �Sie wollen einen Kontrakt. Da sind Sie nicht der einzige, das kann ich Ihnen sagen. Aber ich w�re nicht hier, wenn Sie nicht � oh, nennen wir es einen kleinen Bonus verdient h�tten.� Ihre Blicke trafen sich. �Wegen fr�herer Gef�lligkeiten. Wollen das nicht weiter ausf�hren. Also, was haben Sie anzubieten?�</p><p>�Uniformen. Schnelle Lieferung zum richtigen Preis.�</p><p>�Wo hergestellt?�</p><p>�In meiner Fabrik in Albany.�</p><p>�Oh, das ist gut. New York. Ich erinnere mich.�</p><p>Der Gesch�ftsmann holte ein St�ck groben Stoffes aus seiner Jackentasche, dunkelblau gef�rbt, und legte das Muster auf den Tisch. Stanley griff mit beiden H�nden danach und ri� es leicht mittendurch. �Schund�, sagte er. Huffsteder sagte nichts. Cameron befingerte eines der St�cke. Genau wie Stanley wu�te er, da� keine Uniform aus diesem Material l�nger als zwei oder drei Monate halten w�rde. Aber schlie�lich war Krieg; die Aktionen der Rebellen erforderten gewisse Kompromisse.</p><p>Cameron machte das sehr schnell deutlich. �Was die Beschaffung anbelangt, Mr. Hoffsteder�, der Mann murmelte seinen korrekten Namen, aber Cameron ignorierte ihn, �so ist das Gesetz klar wie Kristall. Mein Ministerium h�lt sich an dieses Gesetz. Es werden versiegelte Gebote abgegeben, wenn der Kontrakt �ffentlich ausgeschrieben wird. Andererseits habe ich gewisse Summen zu meiner pers�nlichen Verf�gung, und ich kann dieses Geld weiterleiten an autorisierte Agenten des Kriegsministeriums f�r geheime K�ufe, die nicht �ffentlich ausgeschrieben werden. Verstehen Sie, worauf ich hinauswill?� Huffsteder nickte. �Wenn unsere tapferen Jungs M�ntel oder Pulver brauchen, dann k�nnen wir nicht zu pingelig sein, was das Gesetz betrifft. Mit den Rebellen dr�ben in Virginia, die m�glicherweise jeden Moment hier einfallen, k�nnen wir nicht auf versiegelte Gebote warten, oder? Also�, Cameron hob beredt eine Hand. �Spezialvertr�ge, bezahlt aus einem Spezialfonds.�</p><p>Und nur f�r ganz spezielle Freunde. Schon nach diesen wenigen Monaten verstand Stanley das System recht gut.</p><p>Cameron lie� die redselige Pose fallen. �Stanley, schreiben Sie Namen und Adressen unserer Agenten im Staat New York f�r diesen Gentleman auf. Nehmen Sie Kontakt mit irgendeinem von ihnen auf, und ich bin sicher, Sie werden ins Gesch�ft kommen.�</p><p>�Sir, ich kann Ihnen gar nicht genug danken.�</p><p>�Aber das haben Sie doch bereits getan.� Wieder fixierten die grauen Augen den aufgeregten Mann. �Ich erinnere mich an den genauen Betrag der Spende. Reichlich, tats�chlich reichlich. Genau die Art von Spende, die ich von jemandem erwarte, der die Kriegsanstrengungen unterst�tzen will.�</p><p>�Ich schreibe besser unseren Agenten�, warf Stanley ein.</p><p>�Ja, k�mmern Sie sich darum.� Cameron brauchte seinen Sch�ler nicht darauf aufmerksam zu machen, da� er sich auch vage genug ausdr�ckte; Stanley hatte �ber ein Dutzend Briefe dieser Art geschrieben. �Nun, Sir, wenn Sie mich jetzt entschuldigen, ich esse mit meinem Bruder zu Abend. Auch er dient unserer Sache. Kommandeur der Seventy-Ninth, New York. Haupts�chlich Schotten. Aber mich werden Sie nicht in einem Kilt erwischen. Nicht mit diesen Knien.�</p><p>In der Hotelhalle unternahm Stanley einen letzten Versuch. �Sir, ehe Sie gehen � denken Sie bitte noch einmal �ber George nach. Vergessen Sie nicht, er ist einer dieser West-Point-Pfauen.�</p><p>�Ich mag ihn oder die Institution kein bi�chen besser als Sie, mein Junge. Ich sch�tze, wenn ich das Baby will, dann werd� ich schon die Wehen durchstehen m�ssen.�</p><p>�Herr Minister, ich bitte Sie!�</p><p>�Das reicht! Haben Sie mich nicht verstanden?�</p><p>Einige K�pfe drehten sich in ihre Richtung. Err�tend packte Cameron Stanleys �rmel und zerrte ihn zu einem leeren Sofa. �Kommen Sie her. James wird ver�rgert sein, wenn ich mich versp�te, aber ich m�chte eines klarstellen.�</p><p><emphasis>Oh, mein Gott, er wird mich entlassen �</emphasis></p><p>Camerons Gesichtsausdruck lie� durchaus auf diese M�glichkeit schlie�en. Er dr�ckte Stanley in die Kissen. �Jetzt h�ren Sie mir mal zu. Ich mag Sie, Stanley. Mehr noch, ich vertraue Ihnen, und das kann ich nicht von vielen sagen, die f�r mich arbeiten. H�ren Sie auf, sich wegen Ihres Bruders Sorgen zu machen. Ich werde schon mit ihm fertig. Sie w�rden verdammt viel kl�ger handeln, wenn Sie die Vergangenheit verg��en und sich die Gegenwart zunutze machten.�</p><p>Stumpfsinnig sagte Stanley: �Wie meinen Sie das?�</p><p>Ruhiger setzte sich Cameron hin. �Ich meine, schneiden Sie sich eine Scheibe von dem Dieb ab, mit dem wir es eben zu tun hatten. Suchen Sie sich eine g�nstige Gelegenheit, und schlagen Sie Kapital daraus. Ich leite mein Ministerium genau nach Vorschrift�, Stanley war zu verwirrt, um �ber diese Absurdit�t zu lachen, �aber das hei�t nicht, da� ich was dagegen h�tte, da� gute, vertrauensw�rdige Bekannte etwas verdienten. Viele kleine Aufgaben m�ssen erledigt werden, wenn wir die gro�e Aufgabe schaffen wollen.�</p><p>Endlich d�mmerte es. �Sie meinen, ich sollte um einen Kontrakt nachsuchen?�</p><p>Cameron schlug Stanley aufs Knie. �Genau.�</p><p>�F�r was?�</p><p>�Was unsere Jungs brauchen. Dies hier zum Beispiel.� Er griff nach unten, klopfte gegen seinen Schuh und richtete dann seinen Blick sinnierend zur frisch gestrichenen Decke empor. �Die Schuhindustrie ist die zweitgr��te im Norden, blo� ist es ihr in letzter Zeit ziemlich dreckig gegangen. Ich m�chte wetten, in New England stehen eine Menge kleiner Fabriken zum Verkauf.�</p><p>�Aber ich verstehe rein gar nichts von der Schuhindu��</p><p>�Lernen, mein Junge.� Wie eine Schlange scho� Camerons Kopf auf ihn zu. �Lernen!�</p><p>�Nun, ich vermute, ich k�nnte � �</p><p>�Aber sicher.� Cameron, jetzt wieder ganz leutselig, gab Stanleys Knie einen zweiten Klaps und erhob sich. �Der Vorrat an Schuhen ist verdammt knapp. Eine �u�erst g�nstige Gelegenheit f�r irgend jemanden.�</p><p>�Ich wei� die Anregung zu sch�tzen. Ich danke Ihnen.�</p><p>Cameron strahlte. �Gute Nacht, mein Junge.�</p><p>�Gute Nacht, Sir.�</p><p>Nachdem der Minister das Hotel verlassen hatte, starrte Stanley lange vor sich hin. Wie sollte er Isabels Zorn ertragen, wenn sie erfuhr, da� der Mann, der sie aus Lehigh Station gejagt hatte, erneut zu Stanleys Rivalen geworden war?</p><p><strong>6</strong></p><p>�Ohne die Nigger w�rd�s diesen Krieg gar nicht geben.�</p><p>�Stimmt nicht. Die Rebs, die von der Union abgefallen sind, haben ihn angefangen. Ich sage, k�mpfen wir f�r die Flagge, aber nicht f�r die Schwarzen.�</p><p>�Genau. Meiner Meinung nach lie�e sich das Problem am besten l�sen, wenn man sie alle erschie�en w�rde.�</p><p>Andere Zivilisten in der Willard-Bar stimmten lauthals zu. Ein einsamer Offizier war der gleichen Meinung, aber da er sich in Uniform befand, enthielt er sich jeden Kommentars.</p><p>Der Offizier wog zweihundertdrei�ig Pfund. Ein Bauch w�lbte seinen makellosen Uniformrock. In dem wachswei�en Gesicht, das die Sonne in einer halben Stunde verbrennen konnte, huschten die Blicke der dunklen Augen zu einem Ecktisch. Ein Mann, der soeben von zwei anderen verlassen worden war, sa� noch dort. Der j�ngere der beiden anderen hatte ein qu�lend vertrautes Gesicht gehabt.</p><p>Der Offizier schl�rfte seinen Whisky und durchforstete sein Ged�chtnis. Er war siebenunddrei�ig, aber sein schwarzes Haar zeigte bereits seit sechs Monaten graue Str�hnen. Er f�rbte sie jeden Tag, um eine jugendliche Erscheinung pr�sentieren zu k�nnen. Brevet Colonel Elkanah Bent w�nschte nur, er k�nnte das vor sich selbst ebenso leicht verbergen.</p><p>Dieses Grau lie� ihm seine eigene Sterblichkeit bewu�t werden und verst�rkte seine Frustrationen. W�hrend des gr��ten Teils seines Erwachsenenlebens hatte er unter Karrierefrustrationen gelitten. Im vergangenen Monat war es noch schlimmer geworden, w�hrend er die Tage in dieser pro-s�dstaatlichen, umnachteten Stadt vertr�delte. Bent ha�te die S�dstaatler fast genauso wie die Schwarzen. Am meisten ha�te er einen S�dstaatler namens Orry Main; Main und dessen Yankee-Klassenkameraden George Hazard. Dazu kam noch, da� in Washington der einzige Mensch wohnte, dem Bent eine gewisse Zuneigung entgegenbrachte; und ihn durfte er nicht sehen.</p><p>Das Gesicht des Fremden ging ihm nicht aus dem Kopf. Bent winkte den Barkeeper heran. �Haben Sie den Herrn gesehen, der gerade gegangen ist?�</p><p>�Minister Cameron.�</p><p>�Nein, sein Begleiter.�</p><p>�Oh, das war einer seiner Untergebenen. Stanley Hazard.�</p><p>Bents Hand ballte sich zur Faust. �Aus Pennsylvania?�</p><p>�Ich denke schon. Cameron hat eine Menge politische Freunde mit ins Kriegsministerium genommen.� Ein Nicken zu dem leeren Glas. �Noch einen?�</p><p>�Oh ja. Einen Doppelten.�</p><p>Stanley Hazard. Bestimmt George Hazards Bruder. Das w�rde die �hnlichkeit erkl�ren, trotz des weichen, schlaffen Gesichts. F�r einen Moment �berw�ltigten ihn derartige Emotionen, da� er sich ganz benommen f�hlte.</p><p>Auf der Milit�rakademie waren Orry Main und George Hazard einen Jahrgang unter Elkanah Bent gewesen. Von Anfang an hatten sie sich gegen ihn verschworen und andere gegen ihn aufgehetzt. Sie waren f�r seine ausgebliebenen Bef�rderungen verantwortlich.</p><p>Ende der f�nfziger Jahre war Bent zur Zweiten Kavallerie in Texas versetzt worden. Dort hatte Orry Mains Cousin Charles, ein draufg�ngerischer Lieutenant, neu im Regiment, seinen Ruf weiter beschmutzt.</p><p>Nat�rlich standen die Mains in diesem Krieg auf Seiten der S�dstaaten-Verr�ter. George Hazard hatte die Armee vor Jahren verlassen, aber sein j�ngerer Bruder Billy war bei den Bundespionieren. Bent hatte keine Ahnung von ihrem Verbleib, er wu�te nur eines mit absoluter Gewi�heit: Elkanah Bent war zu Gro�em bestimmt; er sah sich als amerikanischer Bonaparte, mit aller Macht ausgestattet; und damit der M�glichkeit, die Mains und die Hazards zu vernichten.</p><p>Er st�rzte seinen Whisky hinunter und rief sich Stanleys Erscheinungsbild ins Ged�chtnis. Noch einen Drink, dann w�rde er gehen. Er schl�rfte ihn, w�hrend er gl�ckselige Visionen heraufzubeschw�ren suchte, wie er Stanley Hazard erw�rgte oder ihm seinen S�bel in den Bauch bohrte. Aber viel n�tzte ihm das nicht. George war es, dem er weh tun wollte. George und dieser verfluchte Orry Main.</p><p>Seinen S�belgriff umklammernd schlurfte er aus der Willard-Bar hinaus. Er konnte die feuchte Luft sp�ren und riechen; bald w�rde stinkender Nebel vom Flu� aufsteigen. Er stie� mit einem Austernverk�ufer zusammen, der gerade seinen Karren wegrollen wollte. Bent verfluchte die verschwommene Gestalt und schwankte weiter, vorbei an zwielichtigen Schatten, die ihm mit fremden, lockenden Stimmen zufl�sterten. Wirkliche Stimmen? Phantome? Er war verwirrt.</p><p>Drei Blocks hielt diese Qual an, dann hatte er die Sicherheit seines Gasthauses erreicht. Keuchend kletterte er die Stufen zur erleuchteten Veranda hoch. Im Aufenthaltsraum traf er auf einen weiteren Pensionsgast, mit dem er sich ein wenig angefreundet hatte. Colonel Elsmdale, ein Mann aus New Hampshire mit gewaltigen Ohren, kaute an seiner Zigarre, w�hrend er auf einige Papiere deutete.</p><p>�Hab� heute meine Befehle abgeholt. Ihre auch. Da liegen sie. Nicht gerade die erfreulichsten Nachrichten.�</p><p>�Nicht � erfreulich?� Sich die bereits feuchten Lippen leckend, schnappte sich Bent die Befehle. Die Handschrift schien sich zu winden, als w�ren Schlangen im Papier gefangen. Aber er verstand jedes Wort. Er war so ver�ngstigt, da� ihm unkontrollierbare Bl�hungen entwichen. Elmsdale verzog keine Miene.</p><p>�Gebiet von � Kentucky?�</p><p>Ein grimmiges Nicken. �Armee von Cumberland. Wissen Sie, wer dort das Kommando hat? Anderson. Der gleiche sklavenhaltende St�mper, der in Sumter die Fahne runtergeholt hat. Ich wei�, da� ihn eine Menge Leute als Helden bezeichnet haben, aber ich will verdammt sein, wenn ich dazugeh�re.�</p><p>�Wo liegt dieses Camp Dick Robinson?�</p><p>�In der N�he von Danville. Ausbildungscamp f�r Freiwillige.�</p><p>Ungl�ubig sagte Bent: �Ich habe Frontdienst gezogen � im Sezessions-Gebiet?�</p><p>�Ja, und ich ebenfalls. Ich bin dar�ber kein bi�chen gl�cklicher als Sie, Bent. Wir werden Gr�nschn�bel zu kommandieren haben, Heckensch�tzen hinter jedem Baum, niemand k�mpft den Vorschriften entsprechend. Ich m�chte wetten, die Bauern, die wir auszubilden haben, k�nnen nicht mal die gottverdammten Vorschriften lesen.�</p><p>�Da mu� ein Irrtum vorliegen�, fl�sterte Bent, drehte sich um und stolperte auf die Treppe zu.</p><p>�Ganz sicher. Typisch f�r die Armee.� Elmsdale seufzte. �Gibt nichts, was wir dagegen tun k�nnten.�</p><p>Bent h�rte nichts mehr; er schleppte sich die Stufen hoch, einen staubigen Flur entlang, in dem es nach Hammelfleisch und Zwiebeln roch. Bei dem Gedanken an das Abendessen drehte es ihm schon den Magen um. Endlich gelangte er zu seinem Zimmer. Er knallte die T�r zu. Sank auf die Bettkante. Frontdienst. Analphabeten in der Wildnis kommandieren, wo man jederzeit riskierte, eine Kugel von einem S�dstaatensympathisanten einzufangen.</p><p>Was war geschehen? In der abgestandenen Dunkelheit, in der es nach Uniformbaumwolle und seinem eigenen Schwei� roch, kamen ihm fast die Tr�nen. Wo war sein Besch�tzer? Seit Bents Jugendzeit hatte dieser Mann insgeheim f�r ihn gearbeitet. Hatte f�r die Akademieberufung von Ohio aus gesorgt und dann, nach den Machenschaften von Hazard und Main und seiner Entlassung, mit einem Gesuch beim Kriegsminister seine erneute Zulassung erwirkt. Bis auf den unvermeidlichen Dienst im Mexikanischen Krieg und der einen Abkommandierung nach Texas hatte man ihn immer auf einen ruhigen, sicheren Posten gesetzt. Die Armee hatte ihn behalten, ungef�hrdet von �</p><p>Bis jetzt.</p><p>Mein Gott, sie schickten ihn ins Exil. Angenommen, er landete bei den Kampftruppen? Er k�nnte sterben. Warum hatte ihn sein Besch�tzer im Stich gelassen? Sicher war es ohne Absicht geschehen. Sicher wu�te bis auf einige Schreibstubenhengste niemand was von diesen Befehlen. Das mu�te die Erkl�rung sein.</p><p>Immer noch zitternd entschied er, was zu tun war. Es war eine Verletzung der schon lange bestehenden Vereinbarung, da� er nie in direkte Verbindung zu seinem Besch�tzer treten durfte. Aber diese Krise, diese absolute Katastrophe hatte Vorrang.</p><p>Er rannte aus dem Zimmer, die Treppe hinunter, und erschreckte Elmsdale, der gerade hochkam. �Der Nebel da drau�en ist m�chtig dicht geworden. Wenn Sie rausm�ssen, vergessen Sie Ihren Revolver nicht.�</p><p>�Ich brauche von Ihnen keinen Rat.� Bent schob ihn beiseite. �Aus dem Weg!� Mit wild schwingender S�belscheide torkelte er zur T�r hinaus. Elmsdale fluchte und dachte f�r sich: Wie hat es ein Verr�ckter wie der da blo� geschafft, in der Armee zu bleiben?</p><p><strong>7</strong></p><p>Die Mietkutsche bog in die Nineteenth, wo der Abstand zwischen den einzelnen H�usern immer gr��er wurde. Die Reichen bauten in diesem abgelegenen Teil, um dem Dreck und den Gefahren der Innenstadt zu entrinnen.</p><p>�Welches Haus zwischen K und L?� rief der Kutscher.</p><p>�Da gibt�s nur eins. Nimmt den ganzen Block ein.�</p><p>Bent hing am inneren Haltegriff, als w�re es eine Rettungsleine im Ozean. Sein Mund f�hlte sich hei� und ausged�rrt an, sein restlicher K�rper kalt. Der Nebel vom Potomac h�ngte selbst �ber die hellsten Fenster schmutzige Gazevorh�nge.</p><p>Bents Ziel war die Residenz eines Mannes namens Heyward Starkwether. Im �blichen Sinne besa� Starkwether, der aus Ohio stammte, weder einen Beruf noch ein B�ro noch eine erkennbare Einkommensquelle, obwohl er seit f�nfundzwanzig Jahren in dieser Stadt lebte. Neue, unerfahrene Reporter in Washington bezeichneten ihn manchmal als Lobbyisten. Elkanah Bent wu�te nicht viel �ber Starkwethers Angelegenheiten, aber er wu�te zumindest soviel, da� die Bezeichnung Lobbyist zu dem Mann genauso pa�te, als h�tte man Alexander den Gro�en einen gemeinen Soldaten genannt.</p><p>Das Ger�cht ging um. da� Starkwether gewaltige New Yorker Geldinteressen repr�sentierte, M�nner, deren Einflu� und Reichtum von olympischen Dimensionen war. M�nner, die jedes Gesetz ignorieren konnten, wenn es ihnen in den Sinn kam, und die Regierungspolitik nach ihren pers�nlichen Absichten formten. Auf ihr Gehei�, so wurde gemunkelt, unterhielt Starkwether seit zwei Jahrzehnten Freundschaften auf h�chster Regierungsebene.</p><p>�Biegen Sie hier ein�, rief er. Der Kutscher h�tte beinahe die Einfahrt zu dem Herrschaftshaus verpa�t, das einem griechischen Tempel glich. Nebel verbarg die weitl�ufigen Fl�gel und oberen Stockwerke; die leere Einfahrt und das Fehlen erleuchteter Fenster verwirrten Bent.</p><p>�Warten Sie auf mich�, sagte Bent und ging die weiten Marmorstufen zum Eingang hoch. Er lie� einen der T�rklopfer, einen gewaltigen L�wenkopf, zweimal fallen. Der Ton dr�hnte auf und verhallte. War sein Besch�tzer verreist? Erneut klopfte er. Ein �ltlicher Diener mit ger�teten Augen �ffnete ihm. Bevor er den Mund aufmachen konnte, sprudelte der Besucher heraus: �Ich bin Colonel Elkanah Bent. Ich mu� Mr. Starkwether sehen. Es ist dringend.�</p><p>�Ich bedaure sehr, Colonel, aber das ist unm�glich. Heute nachmittag hatte Mr. Starkwether einen unerwarteten�, der alte Mann hatte Schwierigkeiten, das Wort auszusprechen, �Anfall.�</p><p>�Sie meinen einen Schlaganfall.�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Aber er lebt, es geht ihm soweit gut, ja?�</p><p>�Der Schlaganfall war t�dlich, Sir.�</p><p>Bent ging zur Kutsche zur�ck; er sah nichts, h�rte nichts, und er fragte sich, wie er selbst �berleben sollte, jetzt, da er seinen Vater verloren hatte.</p><p><strong>8</strong></p><p>�Er kommt hierher? Mit dieser katholischen H�ndin, die �ber uns thront, als w�re sie eine K�nigin? Stanley, du Schwachkopf! Wie konntest du das zulassen?�</p><p>�Isabel�, begann er mit schwacher Stimme, w�hrend sie an das Wohnzimmerfenster st�rzte. Sie zeigte ihm die R�ckseite ihres eint�nig grauen Reifrocks und der dazu passenden Jacke, die sie t�glich trug. Sie st�hnte so laut, da� man h�tte meinen k�nnen, irgendein Mann w�rde sie vergewaltigen. Verdammt geringe Chance, da� sie das zul��t, dachte Stanley m�rrisch.</p><p>Seine Frau warf die Reifen hoch, um sich schnell umdrehen zu k�nnen, zu einer weiteren Konfrontation. �Warum um Himmels willen hast du keine Einw�nde dagegen erhoben?�</p><p>�Hab� ich doch! Aber Cameron will ihn haben.�</p><p>�Aus was f�r einem Grund?�</p><p>Stanley bot einige von Camerons Erkl�rungss�tzen an, so gut er sie noch im Ged�chtnis hatte. Hingestreckt auf einem Stuhl endete er lahm: �Die Chancen stehen recht gut, da� er gar nicht kommt.�</p><p>�Ich wollte, wir w�ren auch nicht gekommen. Ich verabscheue diese verfluchte Stadt.�</p><p>Er sa� schweigend da, w�hrend sie dreimal das Wohnzimmer durchschritt und einen Teil ihrer Wut abreagierte. Er wu�te, da� ihre letzte Bemerkung nicht ernst gemeint war. Sie liebte Washington, weil sie die Macht liebte und die N�he zu jenen, die sie aus�bten.</p><p>Ihre gegenw�rtigen Umst�nde waren freilich nicht ideal. Ein anst�ndiges Quartier war schwer zu finden, und so waren sie gezwungen gewesen, diese staubige, alte Suite in dem h�hlenartigen National Hotel zu mieten, ein Versammlungsort von S�dstaaten-Anh�ngern. Stanley w�nschte, sie k�nnten umziehen. Von der Politik mal abgesehen war ein Hotel einfach nicht der richtige Ort, um zwei eigensinnige heranwachsende S�hne zu erziehen. Manchmal blieben Laban und Levi in dem Irrgarten der Korridore f�r Stunden verschwunden. Als Stanley um sieben gekommen war, hatte ihm Isabel berichtet, da� sie Laban dabei �berrascht hatte, wie er mit einem der jungen Zimmerm�dchen herumsch�kerte. Stanley hatte seinem Sohn eine Ermahnung erteilt � f�r ihn qu�lend und f�r den trotzigen Jungen langweilig. Dann hatte er den Zwillingen befohlen, f�r eine Stunde lateinische Verben zu lernen, und hatte ihre Schlafzimmert�r zugesperrt.</p><p>Isabel beendete ihren letzten Rundgang und hielt vor ihm an, die Arme �ber ihrem kleinen Busen verschr�nkt. Zwei Jahre �lter als Stanley, war sie mit zunehmendem Alter immer absto�ender geworden.</p><p>Als Antwort auf ihren funkelnden Blick sagte er: �Isabel, versuch doch zu verstehen. Ich habe widersprochen, aber � �</p><p>�Nicht eindringlich genug. Du machst nie etwas eindringlich genug.�</p><p>Sein R�cken versteifte sich. �Das ist unfair. Ich wollte mein gutes Verh�ltnis zu Simon nicht gef�hrden. Ich hatte den Eindruck, da� du das als Aktivposten betrachtest.�</p><p>Isabel Hazard war eine Expertin, was die Manipulation von Menschen anbelangte. Sie merkte, da� sie zu weit gegangen war. Die Einsicht d�mpfte ihren �rger.</p><p>�Das tue ich auch. Was ich gesagt habe, tut mir leid. Es ist nur so, da� ich George und Constance wegen all der Dem�tigungen, mit denen sie dich �bersch�ttet haben, so verabscheue.�</p><p>Der Waffenstillstand war hergestellt, und er ging zu ihr. �Und dich.�</p><p>�Ja. Das w�rde ich ihnen gern zur�ckzahlen.� L�chelnd legte sie den Kopf schief. �Wenn sie tats�chlich herkommen, k�nnte ich vielleicht einen Weg finden. Wir kennen hier einflu�reiche Leute, und du besitzt jetzt einigen Einflu�.�</p><p>Er legte den Arm um ihre Schultern. �La� mich einen Whisky trinken, w�hrend ich dir ein paar gute Nachrichten erz�hle.�</p><p>�Was ist es? Eine Bef�rderung?�</p><p>�Nein, nein � es ist ein Vorschlag von Simon, eine Art Bonus, um mich wegen George zu bes�nftigen.� Er beschrieb das Treffen mit dem Gesch�ftsmann und die folgende Unterhaltung mit Cameron. Isabel erkannte sofort die M�glichkeiten. Sie klatschte in die H�nde.</p><p>�F�r diesen Einfall w�rde ich zehn George Hazards in die Stadt kommen lassen. Wegen unseres Lebensunterhaltes w�ren wir nicht auf die Fabrik � oder auf die Launen deines Bruders � angewiesen. Stell dir blo� vor, was f�r ein Geld wir mit einem garantierten Kontrakt verdienen k�nnten!�</p><p>�Simon bietet keine Garantien�, mahnte Stanley. �Solche Dinge werden nicht genau festgelegt. Aber ich bin mir sicher, das ist es, was er meint. Das Ministerium arbeitet so. Gerade jetzt arbeite ich beispielsweise an einem Plan, der Regierung Geld bei Soldatentransporten von New York nach Washington zu ersparen. Die momentanen Kosten liegen bei sechs Dollar pro Kopf. Wenn wir die Truppen �ber Harrisburg bef�rdern, mit der Northern Central, k�nnen wir die Kosten auf vier Dollar senken.�</p><p>�Aber die Northern Central geh�rt Cameron.�</p><p>Der Whiskey w�rmte ihn angenehm, und Stanley zwinkerte. �F�r gew�hnlich machen wir damit keine Reklame.�</p><p>Isabel plante bereits. �Wir m�ssen augenblicklich nach New England reisen. Simon wird dir freigeben, nicht wahr?�</p><p>�Oh, ja. Aber wie ich ihm schon sagte, ich habe nicht die geringste Ahnung von Schuhfabrikation.�</p><p>�Das lernen wir. Zusammen.�</p><p>�Gib mir mein Kissen zur�ck, du kleiner Hundesohn!�</p><p>Dem pl�tzlichen Geschrei hinter der T�r des kleineren Schlafzimmers folgte weiteres Gefluche und Kampfget�mmel.</p><p>�Stanley, bring diese Jungs auf der Stelle zur Besinnung!�</p><p>Der General hatte gesprochen; der Untergebene war klug genug, keine Einw�nde zu erheben. Er stellte seinen Drink ab und begab sich widerwillig zum Schauplatz des Bruderkriegs.</p><p><strong>9</strong></p><p>In Pennsylvania verlie� Billys Frau Brett am n�chsten Tag Belvedere, um eine Besorgung zu machen. Genausogut h�tte ein Diener nach Lehigh Station gehen k�nnen, aber sie wollte f�r eine Weile dem �berhitzten N�hzimmer und der Freiwilligenarbeit entrinnen, die dort von den Damen des Hauses geleistet wurde. Die Arbeit f�r die Jungs der Union beunruhigte ihr Gewissen.</p><p>Belvedere, ein L-f�rmiges Steingeb�ude im italienischen Stil, erhob sich neben einer zweiten Residenz auf dem Gipfel eines H�gels mit Blick �ber den Flu�, die Stadt und die Hazard-Eisenwerke. Die andere Residenz war doppelt so gro� � vierzig Zimmer. Sie geh�rte Stanley Hazard und dessen f�rchterlichen Frau, die hier einen Hausverwalter zur�ckgelassen hatten, als sie nach Washington gegangen waren.</p><p>Brett wartete auf der schattigen Veranda von Belvedere, bis ein Stallknecht den Buggy brachte. Sie ri� ihm praktisch die Peitsche aus der Hand und donnerte in einer Staubwolke los, auf sich selbst �rgerlich wegen ihrer unberechtigten Unfreundlichkeit.</p><p>Brett war dreiundzwanzig, mit den dunklen Haaren und Augen, wie sie in der Main-Familie �blich waren. Sie war attraktiv, aber auf eine frischere, schlichtere Weise als ihre �ltere Schwester Ashton, die von allen, Ashton eingeschlossen, als Sch�nheit angesehen wurde. Ashtons Lieblichkeit pa�te zu Abendgesellschaften, zu s��em Duft und nackten Schultern bei Kerzenschein. Brett war mehr f�r Tageslicht und frische Luft geschaffen. Jegliche Koketterie lag ihr fern. Ihr L�cheln war offen und freundlich, eine Seltenheit bei jungen Frauen in ihrem Alter.</p><p>Aber das schien sich in der Heimatstadt ihres Gatten allm�hlich zu �ndern. Die Leute wu�ten, da� sie aus South Carolina stammte, und behandelten sie mit der Vorsicht, die man einer welkenden exotischen Blume angedeihen l��t. Nicht wenige, so vermutete sie, hielten sie f�r eine heimliche Verr�terin.</p><p>Je l�nger Billy wegblieb, je l�nger die schrecklichen Ungewi�heiten dieses Krieges andauerten, desto isolierter und ungl�cklicher f�hlte sie sich. Sie bem�hte sich, diese Gef�hle vor George und seiner Frau Constance zu verbergen, aber das gelang ihr bei weitem nicht perfekt, und sie wu�te es.</p><p>Schwei� tr�nkte die Innenfl�che ihrer Netzhandschuhe. Weshalb hatte sie die Handschuhe erst angezogen? Das Einsp�nner-Pferd brauchte einen scharfen Z�gel, um auf der holprigen Stra�e gehalten werden zu k�nnen, die sich neben der Fabrik den H�gel hinabschl�ngelte. Die gewaltigen Hazard-Werke rauchten und l�rmten vierundzwanzig Stunden t�glich, produzierten unerm�dlich Eisenbahnschienen und Grobbleche f�r die Kriegsanstrengungen der Union. K�rzlich hatte die Fabrik auch noch einen Kontrakt f�r Kanonen bekommen.</p><p>Wohin sie auch blickte, der Krieg war allgegenw�rtig. Sie kam an einigen Jungs vorbei, die auf einem unbebauten Grundst�ck zum Klang von L�ffeln exerzierten, die gegen einen Eimer geschlagen wurden; keiner der kleinen Soldaten war �ber zehn. Die Vorderfront des besten Hotels am Platz war mit vielen roten, wei�en und blauen Flaggen geschm�ckt; heute nachmittag sprach George anl��lich einer patriotischen Versammlung im Hotel.</p><p>Sie fuhr zu Herberts Kaufhaus und band das Pferd an einem Eisenpfosten an. Als sie den B�rgersteig �berquerte, bemerkte sie zwei M�nner, die sie von einer schattigen Bank aus beobachteten. Ihre muskul�sen Arme und die eint�nige Kleidung deuteten darauf hin, da� sie wahrscheinlich im Hazard-Werk arbeiteten.</p><p>Der eine Mann sagte etwas zum anderen, der dar�ber so heftig lachte, da� er beinahe sein Bier versch�ttet h�tte. Trotz der Hitze schauderte Brett.</p><p>Im Kaufhaus roch es nach Lakritze und Roggenmehl und anderen Dingen, die Mr. Pinckney Herbert verkaufte. Der Besitzer war ein zartknochiger Mann mit hellen Augen, der Brett an einen Rabbi erinnerte, den sie einst in Charleston kennengelernt hatte. Herbert war in Virginia aufgewachsen, wo seine Familie vor der Revolution gelebt hatte. Mit zwanzig hatte ihn sein Gewissen nach Pennsylvania getrieben: aus dem S�den hatte er nichts weiter als seinen Abscheu vor der Sklaverei und den Namen Pinckney mitgebracht, der ihm gefiel und den er statt seines echten Namens Pincus angenommen hatte.</p><p>�Guten Tag, Mrs. Hazard. Womit kann ich Ihnen heute dienen?�</p><p>�Mit kr�ftigem wei�em Faden. Pinckney. Wei�. Constance und Patricia und ich haben M�tzen gen�ht.�</p><p>�M�tzen. Gut, gut.� Er wich ihrem Blick aus. Als Georges Frau und Tochter mit dem N�hen begannen, hatte sich Brett ihnen angeschlossen, denn es schien nicht gerade ein Verrat zu sein, einem anderen menschlichen Wesen zu helfen, seinen Nacken vor Regen oder Sonnenbrand zu sch�tzen. Warum hielt sich dann so hartn�ckig dieses unterschwellige Gef�hl der Treulosigkeit, w�hrend sie n�hte?</p><p>Sie zahlte ein halbes Dutzend Spulen und verlie� den Laden. Beim Klang einer quietschenden Bohle drehte sie sich abrupt nach links; sofort w�nschte sie sich, sie h�tte es nicht getan. Da standen die beiden M��igg�nger und wirbelten Bier in ihren Blechkr�gen herum.</p><p>�Was gibt�s Neues von Jeff Davis, Lady?�</p><p>Sie wollte ihn einen Idioten nennen, entschied aber, da� es sicherer war, die Bemerkung zu ignorieren. Mit klopfendem Herzen eilte sie zu ihrem Buggy. Niemand war auf der Stra�e zu sehen. Sie h�rte Ger�usche hinter sich, schweren Atem, Stiefel auf harter Erde und sp�rte den Mann schon, noch ehe er sie an der Schulter packte und herumri�. Sie roch seine dreckige Kleidung und den Alkoholgestank.</p><p>�M�cht� wetten, du betest drum, da� Old Abe eines Nachts der Schlag trifft und er tot umf�llt, he?� Der Begleiter des Mannes fand das so komisch, da� er losgr�hlte. Das erregte die Aufmerksamkeit von zwei M�nnern auf der anderen Stra�enseite. Als sie sahen, wer da bel�stigt wurde, gingen sie weiter.</p><p>Mit schwerer Zunge sagte der Mann: �Hast immer noch ein paar Nigger daheim in Carolina?�</p><p>�Ihr betrunkenen Idioten�, sagte Brett. �La�t eure Pfoten von mir.�</p><p>Der zweite Mann kicherte. �Das ist der alte Rebellengeist, nich�, Lute?�</p><p>Der erste Mann grub seine Finger in Bretts �rmel. Ihr Gesicht verzerrte sich. �Mit deinen Augen stimmt was nicht, Frau. Ich bin ein Wei�er. Mit mir kannst du nicht wie mit deinen verdammten Sklaven reden. Krieg das in deinen Sch�del, und das auch. Wir woll�n keine Sezessions-Verr�ter in der Stadt haben.� Er sch�ttelte sie. �Kapiert?�</p><p>�Fessenden, la� sie los, sofort.�</p><p>Pinckney Herbert war aus seinem Laden aufgetaucht. Der zweite Mann rannte auf ihn zu. �Rein mit dir, alter Jude!� Ein harter Schlag lie� den H�ndler zusammenklappen und warf ihn durch die T�r zur�ck. Er versuchte, sich zu erheben, w�hrend Fessenden seinen Bierkrug fallen lie�, Bretts Schultern packte und sie so hart sch�ttelte, da� es ihr weh tun mu�te; vielleicht wollte er dabei auch ihre Br�ste ber�hren.</p><p>Herbert packte den T�rrahmen und versuchte sich hochzuziehen. Der zweite Mann schlug ihn unter das Kinn. Mit einem unwillk�rlichen Aufschrei krachte Herbert auf den R�cken. Brett wu�te, da� sie um Hilfe h�tte rufen k�nnen, aber das ging ihr gegen den Strich. Auf einmal schien die Furcht sie zu �berw�ltigen. Mit halb geschlossenen Augen sackte sie unter Fessendens Griff zusammen.</p><p>�Bitte, lassen Sie mich los!� Kamen Tr�nen? �Oh, bitte � ich bin nur eine arme Frau. Nicht so stark wie Sie.�</p><p>�Na, genau so soll sich ein S�dstaaten-M�del anh�ren.� Lachen. Fessenden schlang einen Arm um ihre Taille, pre�te sie gegen das Rad des Buggys, beugte sich �ber sie; sein Bart kratzte �ber ihre Wange. �Sag bittesch�n und warte, was passiert.�</p><p>Anscheinend verstand sie ihn nicht. �Ich bin nicht � gro� und stark wie Sie � Sie m�ssen freundlich sein � h�flich � Das k�nnten Sie doch? Ja?� Kleine, verzweifelte Seufzer mischten sich zwischen die zitternden Worte der Bitte.</p><p>�Ich werde dr�ber nachdenken, Missy�, versprach Fessenden. Seine andere Hand griff nach ihrem Rock und den Petticoats darunter und dem Bein unter den Petticoats. Dadurch hatte sie die H�nde frei.</p><p>�Du Yankeedreck.� Mit dem Bein, das er nicht festhielt, trat sie ihm in die Geschlechtsteile. W�hrend er aufkreischte und rot anlief, stie� sie ihn in den Staub. Obwohl Pinckney Herbert immer noch mit blassem, schmerzverzerrtem Gesicht im T�rrahmen stand, brach er �ber das unerwartete Wiederaufbl�hen der welkenden Blume in Gel�chter aus.</p><p>Fessenden umklammerte seine Genitalien. Sein Freund belegte Brett mit einem �blen Schimpfnamen und ging auf sie los. Sie ri� die Peitsche aus der Halterung und knallte sie ihm �ber die Backe.</p><p>Er sprang zur�ck, als h�tte man ihm Feuer unter dem Hintern gemacht, und stolperte mit einem Schrei �ber Fessenden. Er landete auf dem Kopf, wobei er es gleichzeitig schaffte, Fessenden ins Gesicht zu treten.</p><p>Brett warf ihr P�ckchen mit den Garnrollen auf den Boden des Einsp�nners, band das Pferd los und kletterte flink auf den Sitz. Als sie nach den Z�geln griff, st�rmte der zweite Rowdy, wieder auf den Beinen, erneut auf sie los. �ber ihren linken Arm hinweg versetzte sie ihm mit der rechten Hand einen zweiten Peitschenschlag ins Gesicht.</p><p>Mittlerweile waren einige B�rger, deren Gewissen sich doch noch ger�hrt hatte, in den T�ren aufgetaucht und forderten ein Ende der P�belei. <emphasis>Ein bi�chen zu sp�t, besten Dank.</emphasis> Sie jagte den Buggy auf die H�gelstra�e zu; wie b�sartige Wolken, die den Sommerst�rmen vorausgingen, stieg hinter ihr der gelbe Staub auf. Wie ich diese Stadt hasse, diesen Krieg � alles, dachte sie, als die Wut der Verzweiflung wich.</p><p><strong>10</strong></p><p>Auf der provisorisch errichteten B�hne am Ende des gro�en Saales litt George Hazard furchtbar; Hitze, Redeschw�lle und der h�rteste je von Menschenhand hergestellte Stuhl qu�lten ihn. Vor sich sah er feuchte Gesichter, wedelnde Papiere, Palmblattf�cher und F�hnchen in jeder Wand.</p><p>Hinter George und den anderen W�rdentr�gern hing eine Lithographie des Pr�sidenten. B�rgermeister Blane, der bei Hazards als Vorarbeiter der Nachtschicht t�tig war, hatte sich von seinem �blichen Tagesschlaf erhoben, um den Vorsitz der Versammlung zu �bernehmen. Blane trommelte auf der Rednertrib�ne herum.</p><p>�Unsere Fahne ist gesch�ndet worden! Entweiht! Niedergerissen von Davis und seinem verr�terischen Mob von Pseudo-Aristokraten! Auf eine solche Mi�handlung der geheiligten Fahne kann es nur zwei Antworten geben: eine Gescho�salve und einen Henkersstrick f�r jene, die es gewagt haben, diese Nation und ihr geliebtes, ehrw�rdiges Wahrzeichen zu zerrei�en!�</p><p>Allm�chtiger, dachte George. Wie lange will er noch weitermachen? Blane sollte lediglich die beiden Hauptredner vorstellen; George war der widerwillige erste Redner, und ein f�hrender Republikaner aus Bethlehem der zweite. Der Politiker stellte ein Freiwilligenregiment im Tal zusammen.</p><p>Der B�rgermeister redete und redete. George h�tte es vorgezogen, an seinem Schreibtisch zu sitzen, die Produktion bei Hazard zu �berwachen oder die Details f�r die Er�ffnung einer Bank in Lehigh Station, der ersten in der Stadt, auszuarbeiten.</p><p>F�r die Hazard-Werke und die meisten ihrer Angestellten war es zu unbequem geworden, die Bankgesch�fte in Bethlehem abzuwickeln. George vertraute darauf, da� eine �rtliche Bank sinnvoll w�re und mit der Zeit sogar Profit abwerfen w�rde. Die neue Bank w�rde unter Pennsylvanias �berarbeiteter Bankverordnung von 1824 eingerichtet werden, mit einer Zulassung von zwanzig Jahren und dreizehn Direktoren, die alle B�rger der Vereinigten Staaten und Aktienbesitzer zu sein hatten. Er und sein �rtlicher Anwalt, Jupiter Smith, hatten alle H�nde voll zu tun, die von der Zulassungsbeh�rde, der staatlichen Legislatur, verlangten Papiere vorzubereiten.</p><p>Statt dessen sa� er hier, weil er der einzige Einwohner der Stadt war, der im Mexikanischen Krieg gek�mpft hatte, und das Publikum nach einigen flammenden Bemerkungen �ber die Glorie des Krieges lechzte. Nun, er w�rde ihnen geben, was sie ersehnten, und sich bem�hen, sich deswegen nicht allzu schuldig zu f�hlen. Er wagte nicht laut zu sagen, was er wirklich in Mexiko gelernt hatte. Krieg war niemals glorreich, niemals gro�artig � au�er in Aufrufen und Verk�ndigungen von Leuten, die nie dabei gewesen waren.</p><p>�Auf nach Richmond! Hoch lebe der alte Ruhm! An den Galgen mit den nichtsw�rdigen, gottlosen Konf�derierten!�</p><p>George verdeckte mit einer Hand seine Augen, um eine sichtbare Reaktion zu vermeiden. Sein bester Freund Orry nichtsw�rdig und gottlos, ein solcher Gedanke war f�r ihn einfach absurd. Ebensowenig pa�te diese Beschreibung auf viele andere S�dstaatler, die er auf der Milit�rakademie kennengelernt und an deren Seite er in Mexiko gek�mpft hatte. Tom Jackson, dessen milit�risches Genie schon fr�hzeitig erkannt worden war, als er seinen Kadettenspitznamen �Der General� verpa�t bekommen hatte. Ob er immer noch an der Milit�rschule in Virginia unterrichtete, oder hatte er sich gemeldet? George Pickett, zuletzt in der Bundesgarnison in Kalifornien. Gute M�nner, auch wenn sie unf�hig oder unwillig waren, einen Ausweg aus der bestehenden Krise zu finden, die zum offenen Krieg entbrannt war. Nun, er trug genauso Schuld wie sie, da� man die Krise politischen Abenteurern und Bar-Rowdies �berlassen hatte. Diese Formulierung stammte nicht von ihm, sondern von Braxton Bragg, einem weiteren West Pointler aus dem S�den.</p><p>�� vielfach ausgezeichneter Veteran des Krieges in Mexiko, zugleich �u�erst erfolgreicher Industrieller, der vielen von uns ein vertrauensw�rdiger Freund, guter Nachbar und gro�z�giger Arbeitgeber ist � �</p><p><emphasis>So bekommst du keine Lohnerh�hung, Blane.</emphasis></p><p>Scham vermischte sich mit diesem Gedanken. Was f�r ein verdammter Zyniker er doch geworden war.</p><p>�� Mr. George Hazard!�</p><p>Schnell befreite er seinen Kopf von der Last der telegraphischen Nachricht, die er heute morgen erhalten hatte. Er wedelte eine Fliege von seiner Nase und trat unter lautem Applaus vor, bereit, um der Sache willen ein paar gro�artige L�gen �ber die Freuden des Krieges vom Stapel zu lassen.</p><p><strong>11</strong></p><p>Auf halber H�he des H�gels verlangsamte Brett das Tempo des Einsp�nners. Die Kraft, die ihr bei dem Zusammentreffen mit den Rowdies geholfen hatte, versickerte. Wieder, und diesmal schmerzhafter, empfand sie die Abwesenheit des einzigen Menschen, dessen gesunder Verstand und physische Gegenwart ihr durch diese schlechten Zeiten h�tten helfen k�nnen.</p><p>Schon fr�her war sie in Lehigh Station das Ziel von Feindseligkeiten gewesen. Einige waren heimt�ckischer Natur � kleine Stiche, die sie zuf�llig bei gesellschaftlichen Anl�ssen bekam. Andere waren offen � h�hnische Rufe, wenn sie durch die Stra�en fuhr. F�r gew�hnlich traf sie so etwas nicht. Genau wie ihr Bruder Orry war sie stolz auf diese Art von St�rke.</p><p>Aber dieser j�ngste Vorfall hatte ihre R�stung angekratzt. Weitere unwillkommene Gedanken folgten; Gedanken an ihre Schwester Ashton, die sich mit einem M�chtegernverehrer von Brett verschworen hatte, Billy an ihrem Hochzeitstag zu ermorden. Die Erinnerung war so deprimierend, da� sie nie lange dar�ber gr�beln konnte, aber nun war sie da und belastete sie schwer.</p><p>Sie lie� das Pferd im Schritt gehen; ein Gef�hl der Niederlage und der Einsamkeit �berschwemmte sie. Mit einem leichten Schauder sp�rte sie Tr�nen hinter ihren geschlossenen Augenlidern. Sie hielt das Pferd an und blieb bewegungslos im glei�enden Sonnenschein sitzen. Sie w�nschte, die Feindseligkeit der �rtlichen Einwohnerschaft w�rde sie nicht aufregen, aber sie konnte es nicht verhindern.</p><p>Bald darauf hatte sie sich wieder unter Kontrolle. Sie sch�ttelte die Z�gel, und als sie am gro�en Stall von Belvedere ankam, war sie wieder ganz beherrscht. Sie war fest entschlossen, kein Wort �ber den Vorfall zu verlieren, und hoffte nur, George w�rde nicht zuf�llig davon h�ren.</p><p>Als er heimkam, hatte sich der Rest der Familie zum Abendessen versammelt. Er betrat den Speisesaal, als Constance gerade zu ihrer Tochter in jenem freundlichen, aber festen Ton sprach, der f�r disziplinarische Angelegenheiten reserviert war.</p><p>�Nein, Patricia, du wirst daf�r kein Taschengeld ausgeben. Wie du sehr wohl wei�t, dient ein Glas- oder Marmorei nur einem einzigen Zweck � die Handfl�chen einer �berm��ig aufgeregten jungen Dame bei einem Tanz oder einer Party zu k�hlen. Es wird noch einige Jahre dauern, ehe du so weit bist.�</p><p>Patricia schob die Lippe vor. �Carrie King hat eins.�</p><p>�Carrie King ist dreizehn, zwei Jahre �lter als du. Wobei noch hinzukommt, da� sie wie zwanzig aussieht.�</p><p>�Und sich auch so benimmt, wie ich h�re�, bemerkte William mit einem unz�chtigen Grinsen. George am�sierte sich dar�ber, aber der Vater in ihm durfte sich das nicht anmerken lassen. Er warf seinem kr�ftigen, gutaussehenden Sohn stirnrunzelnd einen Blick zu.</p><p>Er beugte sich von hinten �ber den Stuhl seiner Frau, um ihre Wange zu k�ssen. �Tut mir leid, da� ich so sp�t komme. Ich habe noch im B�ro vorbeigeschaut.� Eine vertraute Erkl�rung in diesen Tagen angestrengter Kriegsproduktion.</p><p>�Erz�hl mir von deiner Rede�, sagte Constance, w�hrend er an seinen Platz auf der anderen Seite des langen Tisches ging. �War sie ein Erfolg?�</p><p>�Umwerfend.� Er setzte sich.</p><p>�George, ich m�chte es wirklich wissen.� Er reagierte mit einem m�den Schulterzucken. �Die Versammlung. Wie ist sie gelaufen?�</p><p>�Wie zu erwarten war.� Eines der Hausm�dchen stellte die Schildkr�tensuppe vor ihm ab. �Die Rebellen sind dem Untergang geweiht, die Fahne wurde verbal einige hundertmal geschwungen, und dann rief dieser Politiker aus Bethlehem zu Freiwilligenmeldungen auf. Acht meldeten sich.�</p><p>Die Suppe half ihm ein bi�chen, sich zu entspannen und seinem bequemen h�uslichen Universum anzupassen. �ber seinen L�ffel sp�hte er zu Constance hin�ber. Was f�r ein Gl�ckspilz er doch war. Ihre Haut hatte immer noch die weiche Gl�tte frisch geschlagener Sahne, und ihre Augen leuchteten unver�ndert in dem gleichen lebhaften Blau, das ihn schon an dem Abend entz�ckt hatte, an dem sie sich kennenlernten, anl��lich eines Tanzes in Corpus Christi, veranstaltet f�r Armeeoffiziere auf dem Weg nach Mexiko. Nach dem Krieg hatte er sie nach Lehigh Station mitgenommen, um sie zu heiraten.</p><p>Constance war f�nf Zentimeter gr��er als ihr Mann. Er nahm das als symbolischen Anreiz, sich ihrer w�rdig zu erweisen. Die Jahre geteilter Intimit�ten und gemeinsam getragener Sorgen hatten ihre Liebe vertieft und die k�rperliche Anziehungskraft in der Ehe sehr lebendig gehalten.</p><p>Patricia zappelte herum. Sie spie�te ihren Fisch mit der Gabel, als sei er schuld, da� sie keinen Handk�hler bekam.</p><p>�Hat die Fabrik heute eine Menge M�tzen produziert?� fragte George, mehr an Brett gerichtet. Sie sa� zu seiner Linken, die Augen niedergeschlagen, das Gesicht m�de. Sie hatte noch kein Wort mit ihm gesprochen.</p><p>�Ganz sch�n, ja�, sagte Constance, w�hrend gleichzeitig ihr linker Arm vorschnellte. Sie zwickte Patricias Ohr und beendete so das Fischspie�en.</p><p>Die Mahlzeit schleppte sich ihrem Ende entgegen. Brett verhielt sich ruhig. Nachdem George die Tafel aufgehoben hatte, folgte er seiner Schw�gerin in die Bibliothek. Er schlo� die T�r, bevor er sagte: �Ich hab� geh�rt, da� du heute �rger hattest.�</p><p>Sie blickte m�de auf. �Ich hatte gehofft, du w�rdest nichts davon erfahren.�</p><p>�Es ist eine kleine Stadt. Bedauerlicherweise stehst du ziemlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.�</p><p>Sie seufzte. George z�ndete eine seiner starken, dunkelbraunen Zigarren an, ehe sie sagte: �Vermutlich war es albern von mir, anzunehmen, das alles sei unbemerkt geblieben.�</p><p>�Vor allem, weil Fessenden und sein Cousin wegen t�tlicher Bedrohung gegen dich unter Arrest stehen.�</p><p>�Wer hat sie angezeigt?�</p><p>�Pinckney Herbert. Du siehst, du hast doch einige Freunde in Lehigh Station.� Er erz�hlte ihr, da� er die beiden Angreifer bereits entlassen habe, und sagte dann mit sanfter Stimme: �Ich kann dir gar nicht sagen, wie w�tend ich �ber die ganze Sache bin und wie leid es mir tut. Mir und Constance bedeutest du genausoviel wie jedes andere Familienmitglied. Wir wissen, wie schwer es f�r dich ist, so weit von zu Hause und von deinem Mann getrennt.�</p><p>Das war der Tropfen, der das Fa� zum �berlaufen brachte. Sie sprang auf und schlang ihre Arme um seinen Hals, wie eine Tochter, die Trost beim Vater sucht. �Ich vermisse Billy ganz schrecklich � ich sch�me mich zu sagen wie sehr.�</p><p>�Mu�t du nicht.� Er t�tschelte ihren R�cken. �Mu�t du nicht.�</p><p>�Der einzige Trost ist, da� ich bald zu ihm kann, wo immer er dann auch ist. Alle sagen, der Krieg wird keine neunzig Tage dauern.�</p><p>�Das sagen sie.� Er lie� sie los und wandte sich ab, damit sie seine Reaktion nicht sah. �Schauen wir zu, da� diese neunzig Tage schnell vorbeigehen � ohne weiteren Vorfall. Ich wei�, da� es nicht der erste war. Du bist eine tapfere junge Frau, Brett. Aber k�mpfe nicht jeden Kampf allein.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �George, ich mu�. Ich habe schon immer auf mich aufgepa�t.� Sie m�hte sich ein L�cheln ab. �Ich bin schon wieder in Ordnung. So lange sind neunzig Tage auch wieder nicht.�</p><p>Was konnte er noch tun? Resigniert entschuldigte er sich und verlie� den Raum, ein blaues Rauchband hinter sich herziehend.</p><p>Oben marschierte sein Sohn im Flur auf und ab und bellte das beliebte Lied, wie sie Jeff Davis an einem Apfelbaum aufh�ngen w�rden. George schickte William auf sein Zimmer, wo er dann eine halbe Stunde mit dem Jungen Rechnen �bte. Die n�chsten f�nfzehn Minuten verbrachte er mit Patricia und versuchte sie davon zu �berzeugen, da� sie schon zur rechten Zeit ihren Handk�hler bekommen w�rde. Es mi�lang ihm.</p><p>Im Bett, in seinem Nachthemd, war es unangenehm warm, trotz der wehenden Sommerbrise; er griff nach der tr�stenden Rundung der Brust seiner Frau und dr�ckte sich an ihren R�cken, w�hrend er ihr die Ereignisse beim Kaufladen schilderte. �Sie rechnet mit einem kurzen Krieg, damit solche Dinge nicht mehr passieren.�</p><p>�Ich auch, George. Von Vater habe ich seit Monaten nichts mehr geh�rt, und ich mache mir Sorgen um ihn, da unten in Texas. Du wei�t, da� er mit seinem Ha� gegen die Sklaverei und die Sklavenbesitzer nie hinterm Berg hielt. Ganz sicher wird das alles bald ein Ende haben.�</p><p>�Wie Orry sagte, wir hatten drei�ig Jahre lang Zeit, es zu verhindern, aber wir haben es nicht verhindert. Ich hasse es, Bretts oder deinen Hoffnungen einen D�mpfer zu versetzen � � Er brach ab.</p><p>�George, beende bitte den Satz.�</p><p>Widerstrebend sagte er: �Brett hat vergessen, da� Lincoln im Mai weitere zweiundvierzigtausend Mann einberufen hat. Aber nicht f�r kurze Zeit. Die Jungs haben sich bei dieser Kampagne f�r drei Jahre verpflichtet.�</p><p>Ihre Stimme wurde schwach. �Ich habe es ebenfalls vergessen. Du hast keine gro�en Hoffnungen auf einen kurzen Krieg?�</p><p>Er wartete einen Moment, gestand aber schlie�lich: �H�tte ich diese Hoffnungen, so h�tte ich Bo� Camerons telegraphische Nachricht in dem Augenblick weggeworfen, in dem ich sie bekam.�</p><p><strong>12</strong></p><p>W�hrend Brett ihre Probleme in den Vereinigten Staaten hatte, n�herten sich ihr Bruder Cooper und dessen Familie dem Ende einer Eisenbahnfahrt in Gro�britannien. Rauch und Asche flogen in das Erste-Klasse-Abteil der Familie, weil die Kinder, Judah und Marie-Louise, sich abwechselnd aus dem Fenster lehnten. Cooper erlaubte das, doch seine Frau Judith hielt es f�r gef�hrlich; in angespannter Haltung sa� sie sprungbereit da und hielt die Kinder an der Taille fest.</p><p>Wie gew�hnlich schaffte es Cooper, in seiner tadellosen Kleidung unordentlich zu erscheinen, was an seiner Gr��e, seiner Schlaksigkeit, seinem gedankenverlorenen Gelehrtenbenehmen lag.</p><p>�Pa, da ist ein Flu�!� rief Judah, halb aus dem Abteil h�ngend. Sein Haar gl�nzte in der hei�en Julisonne.</p><p>�La� mich sehen, la� mich sehen!� Marie-Louise zw�ngte sich neben ihm in das Fenster.</p><p>�Auf der Stelle kommt ihr rein�, sagte Judith. �Wollt ihr, da� euch die Br�cke die K�pfe abschl�gt?� Zwei kr�ftige Rucke stellten sicher, da� dies nicht passieren w�rde. Der Expre� von London ratterte �ber die Runcorn-Br�cke; darunter blitzte der Merseyflu� auf wie ein Feld aus zersplitterten Spiegeln.</p><p>Judah sprang �ber den Gang und dr�ckte sich gegen seinen Vater. �Sind wir bald in Liverpool?�</p><p>�Ja, in einer knappen halben Stunde.� Er begann die Pl�ne zusammenzurollen, um sie im Gep�ck verstecken zu k�nnen.</p><p>Marie-Louise kletterte an seine rechte Seite. �Werden wir eine Weile bleiben, Papa?�</p><p>�Auf jeden Fall einige Monate.� Er l�chelte und t�tschelte sie.</p><p>�Wird uns Captain Bulloch besuchen?� fragte Judah.</p><p>�Das war die Bedeutung der Annonce in der <emphasis>Times.</emphasis> Nat�rlich ist es m�glich, da� ihn irgendein Agent der Union in den letzten drei Tagen erledigt hat.�</p><p>�Cooper, ich glaube, du solltest �ber diese Arbeit keine Scherze machen. Geheime Botschaften �ber Zeitungsannoncen, feindliche Spione, die �berall lauern � meiner Meinung nach ist das kein Thema f�r Witze.� Sie blickte vielsagend von ihrem Mann zu den Kindern, doch die waren vollkommen mit den langsam vor�berziehenden Schatten besch�ftigt.</p><p>�Vielleicht nicht. Aber wir k�nnen nicht die ganze Zeit finster und grimmig sein, und obwohl ich meine Pflichten ernst nehme � und ich bin f�r die Warnungen durchaus empf�nglich, die Bulloch in seinem Brief zum Ausdruck brachte �, wehre ich mich dagegen, da� wir uns von alle dem unseren Englandaufenthalt verderben lassen.� Er beugte sich vor, l�chelte und ber�hrte sie. �Das gilt vor allem f�r dich.�</p><p>Sie dr�ckte seine Hand. �Du bist so ein lieber Mann. Tut mir leid, da� ich bissig war. Ich f�rchte, ich bin m�de.�</p><p>�Kein Wunder�, sagte er mit einem Nicken. Mitten in der Nacht hatten sie King�s Cross verlassen und sp�ter die Sonne �ber den friedvollen Kan�len und der sommergr�nen Landschaft aufgehen sehen; kein Wort war gefallen �ber Ungewi�heit, Heimweh und m�gliche Gefahren.</p><p>Die Familie hatte Savannah mit dem letzten Schiff verlassen, das die Ausfahrt geschafft hatte, bevor die Union die S�dk�ste blockierte. Das Schiff hatte Hamilton, Bermuda, angelaufen, ehe es weiter nach Southampton dampfte. Nach ihrer Ankunft in London hatten sie in engen, �berf�llten Quartieren in Islington gehaust. Jetzt jedoch bestand Aussicht auf bessere, gr��ere R�umlichkeiten in Liverpool, wo Cooper dem Chefagenten der Konf�derierten-Marine zur Hand gehen sollte, der bereits vor einigen Wochen hier angekommen war. Ihre Mission bestand darin, die Konstruktion von seet�chtigen Sturmbooten anzukurbeln, um die Yankee-Schiffahrt zu st�ren. Hinter dem Programm steckte eine vern�nftige Strategie. Konnte die Konf�deration gen�gend Handelsschiffe vernichten oder kapern, dann w�rden die Versicherungsquoten in unerme�liche H�hen steigen; dadurch w�re der Feind gezwungen, Blockadeschiffe abzuziehen, um seinen Handel zu sch�tzen.</p><p>F�r Cooper waren maritime Angelegenheiten nichts Neues. Seine Liebe zur See ging weit zur�ck. Der ewigen Streitereien mit seinem mittlerweile verstorbenen Vater �ber Sklaverei und B�rgerrechte m�de, unf�hig, die Familienplantage noch l�nger zu ertragen, war er nach Charleston gegangen, um eine heruntergekommene kleine Handelsreederei zu leiten, die mehr zuf�llig in Tillet Mains Besitz gelangt war. Mit Hilfe von Studien, Entschlossenheit und harter Arbeit hatte Cooper die Carolina Shipping Company in die modernste Schiffslinie des S�dens verwandelt, mit einer Gewinnspanne, die nur unwesentlich unter der ihrer gr��eren, aber konservativeren Rivalin im Hafen der Stadt lag, der John Fr�ser &amp; Company. Diese Company wurde nun von einem anderen Selfmademan, dem Million�r George Trenholm, geleitet. Das Baumwoll-B�ro in Liverpool, das unter dem Namen Fr�ser &amp; Trenholm operierte, w�rde heimlich die illegale Arbeit, die Cooper vor sich hatte, mit Geldmitteln unterst�tzen.</p><p>Vor dem Krieg hatte Cooper im Hafen von Charleston begonnen, seinen gro�en Traum zu verwirklichen � ein Schiff nach dem Muster der gewaltigen Eisenschiffe von Isambard Kingdom Brunei, dem genialen britischen Konstrukteur, den er zweimal besucht hatte. Er wollte beweisen, da� Schiffsbauindustrie in den S�dstaaten eine durchaus realistische M�glichkeit darstellte, da� der Reichtum des Staates nicht ausschlie�lich aus dem Schwei� schwarzer Haut gepre�t werden mu�te.</p><p>W�hrend die Schreih�lse nach der Sezession br�llten, arbeitete er still und leise weiter, zu still und zu leise � was ein Fehler war. Er arbeitete zu langsam � was ein weiterer Fehler war. Kaum war mit dem Bau der <emphasis>Star of Carolina</emphasis> begonnen worden, da hatten die Batterien das Feuer auf Fort Sumter er�ffnet; er hatte das Schiff der Konf�derierten-Marine �berschrieben, und jetzt war es, falls er richtig informiert war, demontiert worden, weil das Metall f�r andere Zwecke ben�tigt wurde.</p><p>Coopers Begeisterung f�r den Schiffsbau war st�rker als seine Zweifel an der Sache, die er vertrat. Lange schon war er der Meinung, da� der ignorante S�den sich auf einem Irrweg befand, weil er nicht in der Lage war, die Bedeutung der Industrialisierung zu erkennen, und sich an ein auf Sklaverei basierendes Agrarsystem klammerte. Ihm war die Vielschichtigkeit dieses Problems durchaus bewu�t. Beide Seiten hatten Schuld an der Konfrontation, die von anst�ndigen M�nnern wie etwa seinem Bruder Orry oder dessen altem Kriegskameraden George Hazard nicht gew�nscht worden war, die sie aber auch nicht zu verhindern gewu�t hatten. Cooper glaubte daran, da� es den M�nnern guten Willens auf beiden Seiten � er selbst z�hlte sich ebenfalls dazu � an Macht, aber auch an Initiative gefehlt hatte. Und so war es zum Krieg gekommen.</p><p>In diesem apokalyptischen Augenblick ging mit Cooper ein merkw�rdiger Wandel vor: Er machte die Feststellung, da� er zwar den Krieg und jene, die ihn provoziert hatten, verachtete, da� er aber sein South Carolina um so mehr liebte. Also �bergab er seine Schiffahrtsgesellschaft der neuen konf�derierten Regierung und teilte seiner Familie mit, da� sie nach England reisen w�rden, um der Marine zu dienen.</p><p>Die Situation in England war, was die Konf�deration anbelangte, sehr komplex, um nicht zu sagen verwirrend. Falls die volle Anerkennung durch England ausschlie�lich von den drei Abgesandten des Au�enministers Toombs abhing, so bezweifelte Cooper, da� dieser Mission je ein Erfolg beschieden sein w�rde. Rost und Mann kamen kaum �ber einen gewissen Grad an Mittelm��igkeit hinaus, w�hrend der dritte Abgesandte, Yancey, einer der urspr�nglichen Raufbolde, war ein derartiger Extremist, da� die Konf�deriertenregierung ihn nicht haben wollte. Seine Englandmission lief auf Abschiebung ins Exil hinaus. Ein j�hzorniger Bauernl�mmel war kaum der richtige Verhandlungspartner f�r Lord Russell, den englischen Au�enminister.</p><p>Au�erdem besa� der Washingtoner Botschafter, Mr. Charles Francis Adams, Nachkomme von Pr�sidenten, einen Ruf als schlauer, aggressiver Diplomat. Er �bte Druck auf die Regierung der K�nigin aus, um die Anerkennung der Konf�deration hinauszuz�gern. Und Cooper war davor gewarnt worden, da� Adams und seine Leute ein Spionagenetz aufgebaut h�tten, um genau die Art von illegaler Bet�tigung zu verhindern, die ihn nach Liverpool gebracht hatte.</p><p>�Lime Street! Lime Street Station!�</p><p>�Judith, Kinder, folgt mir!� Er verlie� als erster das Abteil und winkte einen Tr�ger heran. W�hrend das Gep�ck ausgeladen wurde, k�mpfte sich ein Mann mit mehr Haaren auf Oberlippe und Wangen als auf seinem runden Kopf durch die dicht gedr�ngten Fahrg�ste, Tr�ger und Stra�enh�ndler zu den Neuank�mmlingen durch. Der Mann hatte etwas Aristokratisches an sich und war gut, aber nicht extravagant gekleidet.</p><p>�Mr. Main?� Der Mann sprach leise, obwohl laute Stimmen und entweichender Dampf sehr wirkungsvoll verhinderten, da� sie belauscht werden konnten.</p><p>�Captain Bulloch?�</p><p>James D. Bulloch aus Georgia, im Dienste der Marine der Konf�derierten, tippte an seinen Hut. �Mrs. Main � Kinder! Ein ganz herzliches Willkommen in Liverpool. Ich hoffe, die Reise war nicht zu anstrengend?�</p><p>�Die Kinder haben die Fahrt genossen, als die Sonne herauskam�, erwiderte Judith mit einem L�cheln.</p><p>�Ich habe die meiste Zeit damit zugebracht, die Zeichnungen zu studieren, die Sie nach Islington geschickt haben�, f�gte Cooper hinzu. Ein Mann hatte sie gebracht, der angeblich Tapetenmuster lieferte.</p><p>�Gut � fein. Kommen Sie alle gleich mit. Eine Mietkutsche wartet, um uns r�ber zu Mrs. Donley in die Oxford Street zu bringen. Nur ein provisorisches Quartier � ich wei�, Sie werden etwas Gr��eres und Passenderes w�nschen.�</p><p>Mit leichter Drehung richtete er diese Bemerkung an Judith. Als Bulloch ihr zul�chelte, fielen Cooper seine Augen auf. Sie waren st�ndig in Bewegung, seine Blicke streiften �ber Gesichter, Abteilfenster, suchten die m�ll�bers�ten Ecken der gro�en Halle ab. Das war kein T�lpel.</p><p>�Vielleicht gef�llt Ihnen die Crosby-Gegend�, fuhr Bulloch fort, w�hrend er Familie und Tr�ger hinausgeleitete. Die Mains kletterten in die Kutsche, w�hrend Bulloch auf dem B�rgersteig stehenblieb und die Menschenmenge beobachtete. Schlie�lich sprang er herein, klopfte mit seinem Stock gegen die Wand, und sie fuhren los.</p><p>�Hier gibt�s viel zu tun, Main, aber ich will Sie nicht hetzen. Ich wei�, Sie m�ssen sich erst mal einrichten � �</p><p>Cooper sch�ttelte den Kopf. �Die Wartezeit in London war schlimmer als zuviel Arbeit. Ich kann�s kaum erwarten anzufangen.�</p><p>�Gut f�r Sie. Der erste Mann, den Sie kennenlernen werden, ist Prioleau. Er leitet Fr�ser &amp; Trenholm am Rumford Place. Au�erdem m�chte ich Sie John Laird und dessem Bruder vorstellen. Bei diesem Zusammentreffen m�ssen wir allerdings vorsichtig sein. Mrs. Main, Sie sind �ber die Probleme informiert, mit denen wir es hier zu tun haben, nicht wahr?�</p><p>�Ich denke schon, Captain. Die Neutralit�tsgesetze verbieten es, da� auf britischen Werften Kriegsschiffe gebaut und bewaffnet werden, falls diese Schiffe in den Dienst einer Macht gestellt werden sollen, mit der England in Frieden lebt.�</p><p>�Meine G�te, genau das ist es. Eine kluge Frau haben Sie da, alter Junge.� Cooper l�chelte; Bulloch hatte sich schnell angepa�t. Energisch fuhr er fort. �Die Gesetze gelten nat�rlich in jeder Hinsicht. Auch die Yankees k�nnen keine Kriegsschiffe bauen � mit dem Unterschied, da� sie das auch nicht n�tig haben, wir aber schon. Der Trick besteht darin, ein Schiff zu bauen und zu bewaffnen, ohne da� es auff�llt oder die Regierung sich einmischt. Gl�cklicherweise gibt es eine L�cke in den Gesetzen � durch die wir glatt durchschl�pfen k�nnen, wenn wir den Nerv dazu haben. Ein �rtlicher Anwalt, den ich angeheuert habe, hat das herausgefunden. Ich werde es zur rechten Zeit erkl�ren.�</p><p>�Sind die lokalen Schiffsbauer bereit, die Neutralit�tsgesetze zu verletzen?� fragte Judith.</p><p>�Auch Briten sind nur Menschen, Mrs. Main. Einige werden es tun, wenn damit gen�gend Profit zu machen ist. Tatsache ist, da� sie mehr Auftragsangebote haben, als sie bew�ltigen k�nnen. Es sind einige Gentlemen in der Stadt, die nichts mit unserer Marine zu tun haben, die aber Schiffe gebaut oder umgebaut haben wollen.�</p><p>�Blockadebrecher?� sagte Cooper.</p><p>�Ja. �brigens, haben Sie den Mann getroffen, f�r den wir arbeiten?�</p><p>�Staatssekret�r Mallory? Bis jetzt noch nicht. Alles ist brieflich geregelt worden.�</p><p>�Kluger Bursche, dieser Mallory. Allerdings ein bi�chen ein Kompromi�ler.�</p><p>Coopers Charakter lie� eine Irref�hrung in einem derart wichtigen Punkt nicht zu. �Ich habe auch dahin tendiert, Captain.�</p><p>Zum erstenmal runzelte Bulloch die Stirn. �Wollen Sie damit sagen, Sie w�rden auch gern wieder die alte Union zusammengeflickt sehen?�</p><p>�Ich sprach in der Vergangenheitsform, Captain. Aber da wir eng zusammenarbeiten werden, will ich offen sein.� Er legte einen Arm um seine zappelnde Tochter. Die Kutsche schwankte. �Ich verabscheue diesen Krieg. Ganz besonders verabscheue ich die Narren auf beiden Seiten, die ihn verursacht haben. Aber mein Entschlu�, auf der Seite des S�dens zu bleiben, ist gefa�t. Meine pers�nlichen �berzeugungen werden mein Pflichtgef�hl nicht beeintr�chtigen, das verspreche ich.�</p><p>Bulloch r�usperte sich. Sein Gesicht gl�ttete sich. �Mehr kann man nicht verlangen.� Aber es war deutlich, da� er dieses gef�hrliche Thema verlassen wollte. Er gratulierte den Eltern zu ihren h�bschen Kindern und zeigte dann stolz ein kleines, gerahmtes Foto seines neugeborenen Neffen Theodore. Die Mutter des Jungen, Bullochs Schwester, hatte in eine alteingesessene New Yorker Familie namens Roosevelt eingeheiratet.</p><p>�Zwar hat sie jetzt Grund, es zu bedauern�, f�gte er dieser Geschichte hinzu. �Ah, da sind wir schon bei Mrs. Doley.�</p><p>Sie hielten vor der Nummer 6; die Ziegelh�user klebten aneinander und sahen alle gleich aus. Sie waren kaum ausgestiegen, da kam hinter der Kutsche eine altersschwache Gestalt in schmuddeligem Rock und geflicktem Sweater hervorgeschwankt.</p><p>Haare, die einem grauen Besen glichen, schauten unter einem Halstuch hervor. Die Frau umklammerte einen stinkenden Lumpenbeutel, den sie �ber der Schulter trug, und schielte Cooper mit einer Intensit�t an, die ebenso seltsam war wie ihr faltenloses Gesicht.</p><p>��tschuldigung�, murmelte sie und rempelte ihn im Vorbeihuschen an. Bulloch lie� seinen Stock vorschnellen und packte mit der anderen Hand die Lumpensammlerin an den Haaren. Die Bewegung geschah so abrupt, da� Marie-Louise aufschrie und an die Seite ihrer Mutter sprang. Bulloch zerrte; graue Haare und Halstuch l�sten sich, und darunter kamen kurze, blonde Locken zum Vorschein.</p><p>�Das Haar hat dich verraten, Betsy. Sag Dudley, er soll das n�chste Mal nicht so eine billige Per�cke kaufen. Und jetzt verschwinde!�</p><p>Drohend schwenkte er seinen Stock. Die junge Frau wich zur�ck, Schm�hungen aussto�end � auf englisch, vermutete Cooper, obwohl er kein Wort verstand. Bulloch trat einen Schritt vor. Die Frau raffte ihre R�cke hoch, flitzte um die Ecke und war verschwunden.</p><p>�Wer zum Teufel war das?� rief Cooper.</p><p>�Betsy Cockburn, eine Hure, �h, eine Frau, die sich in einer Kneipe in der N�he vom Rumford Place herumdr�ckt. Kam mir bekannt vor. Sie ist von Dudleys Spionen, denke ich.�</p><p>�Wer ist Dudley?�</p><p>�Der Yankee-Konsul in Liverpool.�</p><p>�Was war das f�r ein Kauderwelsch, mit dem sie uns �bersch�ttet hat?� wollte Judith wissen.</p><p>�Scouse. Das Liverpooler �quivalent zu Cockney. Ich hoffe, keiner von Ihnen hat sie verstanden.�</p><p>�Keine Silbe�, beruhigte ihn Judith. �Aber ich kann kaum glauben, da� diese elende Kreatur eine Spionin sein soll.�</p><p>�Dudley stellt ein, was er kriegen kann. In erster Linie Abschaum vom Hafen. Sie werden nicht aufgrund ihrer Intelligenz angeheuert.� Staub von seinem �rmel wedelnd, sagte er zu Cooper: �Es spielt keine Rolle, da� wir ihre l�cherliche Verkleidung durchschaut haben. Das diente nur dem Zweck, Sie aus der N�he zu sehen. Dudley hat irgendwie Wind von Ihrer Ankunft bekommen. Das hat mir gestern einer meiner Informanten berichtet. Aber ich hatte nicht erwartet, da� Sie so schnell blo�gestellt werden w�rden � �</p><p>Der Satz verlor sich in einem entt�uschten Seufzer. Dann: �Nun ja, das war gleich eine gute Lektion, wie es in Liverpool zugeht. Dudley ist kein Gegner, den man auf die leichte Schulter nehmen k�nnte. Diese Schlampe ist harmlos, was man von einigen seiner anderen Mietlinge nicht sagen kann.�</p><p>Judith warf ihrem Ehemann einen besorgten Blick zu. Coopers Mund war pl�tzlich unerkl�rlich trocken geworden. Der Sommertag lie� ihn auf einmal fr�steln. �Sollten wir nicht hineingehen und unser Quartier ansehen?� Judah neben sich, ging er auf den Eingang zu. Er l�chelte, aber seine Blicke suchten abwechselnd beide Seiten des Blocks ab.</p><p><strong>13</strong></p><p>Am gleichen Nachmittag fand in Washington Starkwethers Beerdigung statt. Es regnete. Die �rtlichkeit war ein kleiner, privater Friedhof in der Vorstadt von Georgetown, hinter Rock Creek, abseits der Tummelpl�tze politischer Karrieremacher.</p><p>Wasser tropfte von Elkanah Bents Hutkrempe und machte seinen dunkelblauen Waffenrock na�. F�r gew�hnlich freute er sich, wenn er den Rock mit dem daran befestigten kurzen Umhang tragen konnte, der 1851 nach franz�sischem Muster �bernommen worden war; er glaubte, da� er darin weniger fett wirkte, sondern schneidiger und flotter. Aber an diesem dunklen, deprimierenden Tag konnte keine Freude aufkommen.</p><p>Ungef�hr f�nfzig Trauernde hatten sich versammelt. Bent war zu weit weg, um viele von ihnen identifizieren zu k�nnen � er hatte sein Pferd eine Viertelmeile entfernt angebunden und war bis zu seinem jetzigen Standort hinter einem gro�en Marmorkreuz marschiert �, aber die wenigen, die er erkannte, unterstrichen die Bedeutung seines Vaters. Ben Wade, Ohios m�chtiger republikanischer Senator, war gekommen. Scott hatte einen hohen Stabsoffizier geschickt, und der niggerliebende Chase seine h�bsche Tochter. Als Repr�sentant des Pr�sidenten war Lamon erschienen, der langhaarige, schnurrb�rtige Vertraute des Wei�en Hauses.</p><p>Bents Laune war mehr von Abneigung als von Trauer bestimmt. Selbst im Tod lie� sein Vater keine N�he zu. Er wollte sich zu den anderen Trauernden gesellen, wagte es aber nicht.</p><p>Am sp�ten Vormittag, so hie� es in den Zeitungen, hatte f�r seinen Vater ein Trauergottesdienst in einer Washingtoner Kirche stattgefunden. Auch daran hatte Bent nicht teilnehmen k�nnen. All diese Arrangements waren zweifellos von Dills, dem kleinen alten Anwalt, der direkt neben dem Grab stand, veranla�t worden.</p><p>Bent duckte sich neben dem Kreuz, halb so gro� wie er, zusammen. Er verachtete Dills, wollte ihn aber nicht gegen sich einnehmen, indem er sich unbeabsichtigt zeigte. Durch Dills hatte Heyward Starkwether mit seinem illegitimen Sohn Verbindung gehalten und ihn mit Geld versorgt. Dills war es gewesen, an den sich Bent in Notf�llen gewandt hatte. Nach ihrem ersten Gespr�ch nie mehr pers�nlich, nur schriftlich.</p><p>Der feierliche Geistliche hob die Hand. Der Sarg versank in der Erde. Bent hatte seinen Vater w�hrend seines Erwachsenenlebens zweimal sehen d�rfen. Bei beiden Treffen war das Gespr�ch stockend und peinlich verlaufen, mit langen Pausen. Er erinnerte sich an Starkwether als einen gutaussehenden, reservierten Mann, offensichtlich intelligent. Niemals hatte er seinen Vater l�cheln sehen.</p><p>Der Regen schien in Bents Augen zu laufen, als der Sarg verschwand. Die Trauergesellschaft bereitete sich zum Aufbruch vor. Warum hatte Starkwether nicht genug f�r ihn �brig gehabt, um ihn anzuerkennen? In diesen modernen Zeiten war ein unehelicher Sohn keine so gro�e S�nde mehr. Warum also? Er ha�te seinen Vater, um den er nun weinte, daf�r, da� er diese und viele andere Fragen unbeantwortet gelassen hatte.</p><p>An erster Stelle: Wer war Bents Mutter? Keinesfalls Starkwethers l�ngst verstorbene Frau; soviel hatte ihm Dills mitgeteilt, zusammen mit der Warnung, kein zweites Mal danach zu fragen. Wie konnte es der Anwalt wagen, ihn so zu behandeln? Wie konnte es Starkwether wagen, die Wahrheit zu unterdr�cken?</p><p>Bei Bents einzigem Gespr�ch mit Dills hatte sich der Anwalt um eine Erkl�rung bem�ht, weshalb eine enge Beziehung zu Starkwether unm�glich war. Jene, die Starkwether bezahlten, w�nschten, da� er in vollkommener Zur�ckgezogenheit lebte und nie die Aufmerksamkeit der �ffentlichkeit erregte. Bent glaubte die glatte Geschichte nicht. Starkwether besa� keine legitimen Kinder. Wahrscheinlich geh�rte er zu jenen egoistischen Karrieremachern, die f�r eine Vaterschaft keine Zeit hatten.</p><p>Bent atmete scharf ein. Hatte ihn jemand bemerkt? Dills? Nein, niemand kam, das Rattern der abfahrenden Kutschen ging weiter. Er holte tief Luft und stolperte zu dem Baum, an dem er sein Pferd angebunden hatte. Das Pferd wich zur Seite, als es Bents volles Gewicht zu sp�ren bekam.</p><p>Bald befand er sich in sicherer Entfernung, trabte eine schlammige Stra�e am Rande des College-Campus von Georgetown entlang, wo verlorene Wachen um die Zelte der Sixty-Ninth New York Militia auf Posten standen. Der Verlust schmerzte ihn weiterhin, wurde aber mehr und mehr von seiner wachsenden Wut verdr�ngt. Verflucht sei der Mann, gerade jetzt zu sterben. Irgendjemand mu�te intervenieren, um zu verhindern, da� er nach Kentucky geschickt wurde.</p><p>Selbst ein gewaltiges Dinner mitten am Nachmittag bei Willard�s bes�nftigte ihn heute nicht. Voller Groll sah er Starkwethers Bild vor sich. Er hatte Bent sogar seinen eigenen Namen verweigert und darauf bestanden, da� der Junge den Namen der Familie annahm, die ihn in pflege bekommen hatte.</p><p>Die Bents waren abgek�mpfte, kaum des Lesens und Schreibens m�chtige Leute, die eine kleine Klitsche in der N�he des gottverlassenen Weilers Felicity in Clermont Country, Ohio, betrieben. Fulmer Bent war siebenundvierzig gewesen, als man ihm Starkwethers Sohn �bergeben hatte. Bent war noch sehr klein gewesen und konnte sich nicht mehr daran erinnern. Vielleicht hatte er es auch nur verdr�ngt; nur einige der schmerzlichsten Szenen waren ihm im Ged�chtnis geblieben.</p><p>Mrs. Bent, die zahlreiche Verwandte auf der anderen Seite des Flusses in Kentucky besa�, war eine merkw�rdige Frau mit einem Glasauge. Wenn sie ihn nicht zu Besuchen bei der Verwandtschaft schleppte, las sie ihm laut aus der Bibel vor oder unterwies ihn im Fl�sterton, wie schmutzig der menschliche Leib und die menschlichen Begierden seien. Mit dreizehn erwischte sie ihn mit der Hand unter der Bettdecke und peitschte ihn mit einem Seil, bis er schrie und alle Laken blutig waren.</p><p>Die Jahre in Felicity waren die dunkelsten in Bents gesamtem Leben, nicht nur, weil er seine Stiefeltern ha�te, sondern auch, weil er mit f�nfzehn Jahren erfuhr, da� sein richtiger Vater in Washington lebte und ihn nicht anerkannte. Zuvor hatte er angenommen, sein Vater sei ein verstorbener Verwandter der Bents, der Schande �ber die Familie gebracht hatte; wann immer der Junge Fragen stellte, hatte er nur ausweichende Antworten erhalten.</p><p>Dills war es gewesen, der die lange Fahrt mit Kutsche und Schiff auf sich genommen hatte, um sich von Bents Wohlergehen zu �berzeugen und ihm die Wahrheit zu sagen. Dills Ausf�hrungen �ber Starkwether waren weitschweifig, die S�tze taktvoll, sogar sanft, aber er hatte keine Ahnung, wie tief er seinen Zuh�rer verletzte. Seitdem schwang in Bents Liebe zu seinem Vater stets unterdr�ckte Wut und Gewaltt�tigkeit mit, ganz gleich, wie sehr ihn dieser mit Einflu� oder Geld unterst�tzte.</p><p>Bent war sechzehn � kurze Zeit sp�ter stellte Starkwether die Zulassung des Jungen zur Milit�rakademie sicher �, als Fulmer Bent Schweine zum Markt nach Cincinnati brachte und dort bei einer Schie�erei in einem Haus mit �blem Ruf starb. Im gleichen Herbst weckte eine junge Angestellte vom Kr�merladen in Felicity Bents sexuelle Begierde, aber erst zwei Jahre sp�ter hatte Bent seine erste Frau.</p><p>Lange bevor Starkwether jedoch die Akademie-Zulassung durchsetzte, hatte Elkanah Bent schon von einer Milit�rkarriere zu tr�umen begonnen. Der Traum nahm seinen Anfang in einem unordentlichen Buchladen in Cincinnati, in den der Junge eines Tages spazierte, w�hrend Fulmer Bent anderswo seinen Gesch�ften nachging. F�r f�nf Cent kaufte er ein zerfleddertes, wasserfleckiges Buch �ber Bonapartes Leben. Das war der Beginn.</p><p>Er sparte sich etwas von dem Taschengeld ab, das Dills ihm zweimal j�hrlich schickte. Er kaufte und las mehrmals die Biographien von Alexander, Caesar, Scipio Africanus. Aber es war Napoleon, zu dessen Erbe und amerikanischem Gegenst�ck er in seiner lebhaften Phantasie wurde.</p><p>Der Bonaparte von Kentucky? Mit gr��erer Wahrscheinlichkeit w�rde er als Leiche enden. Der Staat war umstrittenes Gebiet; die eine H�lfte der M�nner hatte sich auf Seiten der Union, die andere auf Seiten der Konf�deration geschlagen. Lincoln lie� die Finger von den Sklavenbesitzern, damit sie nicht die Sezession unterst�tzten. Niemals w�rde er an einen solchen Ort gehen.</p><p>Der Schwei� lief ihm �ber die Wangen, als er dem Kellner winkte. �Bringen Sie mir noch ein St�ck Kuchen.� Er stopfte es in sich hinein und lehnte sich zur�ck. Ein drittes St�ck f�hrte ihn in Versuchung, aber sein Magen schmerzte, und so konzentrierte er sich auf sein Problem. Er glaubte immer noch an eine gro�e milit�rische Zukunft f�r sich; allerdings durfte er in dem Fall nicht in Kentucky sterben.</p><p>Er wu�te, da� jetzt nur noch ein Mann intervenieren konnte. Bent war davor gewarnt worden, mit ihm pers�nlichen Kontakt aufzunehmen, aber eine verzweifelte Lage rechtfertigte verzweifelte Ma�nahmen.</p><p>Das B�ro von Jasper Dills, Esquire, ging zur Seventh Street hinaus, dem Handelszentrum der Stadt. Der mit B�chern vollgestopfte Raum war klein und eng und deutete auf eine mi�ratene Kanzlei hin; kein Hinweis auf Reichtum und Status seines Inhabers.</p><p>Nerv�s senkte Bent sein Hinterteil in den Besucherstuhl, zu dem ihn der Angestellte gef�hrt hatte. Er mu�te sich reinquetschen, so eng war der Sitz. Er hatte seine Ausgehuniform angezogen, aber Dills Gesichtsausdruck besagte deutlich, da� die M�he umsonst gewesen war.</p><p>�Ich dachte, Sie h�tten begriffen, da� Sie hier nicht zu erscheinen haben, Colonel.�</p><p>�Es handelt sich um au�ergew�hnliche Umst�nde.�</p><p>Dills hob eine Augenbraue, was seinen verst�rten Besucher beinahe v�llig aus dem Gleichgewicht gebracht h�tte.</p><p>�Ich brauche dringend Ihre Hilfe.�</p><p>Dills hielt seinen Schreibtisch sauber. In der Mitte lagen einige Notizbl�tter. Er tauchte eine Feder ein und begann, Sterne zu malen.</p><p>�Sie wissen doch, Ihr Vater kann Ihnen nicht mehr helfen.� Die Feder kratzte; ein weiterer Stern erschien. �Ich habe gesehen, wie Sie sich gestern auf dem Friedhof herumdr�ckten � Sie brauchen es gar nicht abzustreiten. Der Fehltritt ist verzeihlich.� <emphasis>Kratz; kratz.</emphasis> Mit den Sternen fertig, malte der Anwalt ein gro�es B. Dann warf er seinem Besucher einen scharfen Blick zu. �Dieser hier nicht.�</p><p>Bent wurde rot, gleichzeitig vor Furcht und vor �rger. Wie konnte ihn dieser Mann derart einsch�chtern? Jasper Dills war �ber siebzig und keine eins sechzig gro�. Er hatte die H�nde und F��e von einem Kind. Doch weder Gr��e noch Alter minderten die Kraft seiner Stimme oder die einsch�chternde Art und Weise, in der er einen Mann anblicken konnte.</p><p>�Ich bitte � �, er schluckte, �� ich bitte zu unterscheiden, Sir. Ich bin verzweifelt.� In ein paar herausgesprudelten S�tzen beschrieb er seine Situation. Dills malte weiter und lie� ihn am Ende seines Vortrags schweigend zehn Sekunden zappeln. �Aber ich begreife immer noch nicht, weshalb Sie zu mir gekommen sind. Ich besitze weder die Macht noch einen Grund, Ihnen zu helfen. Meine einzige Verpflichtung als Testamentsvollstrecker Ihres Vaters besteht darin, seinen m�ndlichen Instruktionen Folge zu leisten und daf�r zu sorgen, da� Sie weiterhin Ihre gro�z�gig bemessene j�hrliche Geldzuwendung erhalten.�</p><p>�Das verdammte Geld bedeutet mir gar nichts, wenn ich nach Kentucky geschleppt werde, um dort zu sterben!�</p><p>�Aber was kann ich dagegen tun?�</p><p>�Lassen Sie meinen Marschbefehl �ndern. Sie haben es fr�her schon getan � Sie oder mein Vater. Oder taten das jene M�nner, die ihn besch�ftigten?� Das hatte gesessen; Dills versteifte sich sichtbar. Hier lie� sich der entscheidende Bluff ansetzen. �Oh ja, ich wei� einiges �ber sie. Ich hab� ein paar Namen geh�rt. Ich habe meinen Vater zweimal gesehen, vergessen Sie das nicht. Jedesmal einige Stunden. Ich hab� Namen geh�rt�, wiederholte er.</p><p>�Colonel, Sie l�gen.�</p><p>�Wirklich? Testen Sie mich doch. Verweigern Sie mir Ihre Hilfe. Ich werde mich sehr schnell mit gewissen Leuten unterhalten, die an den Namen der Auftraggeber meines Vaters interessiert sind. Oder meiner wahren Herkunft.�</p><p>Schweigen. Bent atmete laut. Er hatte gewonnen, davon war er �berzeugt.</p><p>Dills seufzte. �Colonel Bent, Sie haben einen Fehler gemacht. Zwei, um genau zu sein. Ihr erster Fehler war, wie ich bereits erw�hnte, Ihr Entschlu�, mich aufzusuchen. Ihr zweiter ist Ihr Ultimatum.� Er legte seine Feder auf die hingekritzelten Sterne. �Ich m�chte nicht melodramatisch werden, ich m�chte lediglich einen Punkt so klar wie m�glich machen. In dem Augenblick, in dem ich erfahre, da� Sie irgendeinen Versuch unternommen haben, Ihre Beziehung zu meinem verstorbenen Klienten an die �ffentlichkeit zu bringen, oder irgend etwas tun, was seinem Ruf schaden k�nnte, von dem Augenblick an sind Sie innerhalb von vierundzwanzig Stunden ein toter Mann.� Dills l�chelte. �Guten Tag, Sir.�</p><p>Er erhob sich und ging zu seinen B�cherregalen. Bent scho� aus seinem Stuhl hoch, um den Schreibtisch herum. �Verdammt noch mal, wie k�nnen Sie es wagen, so mit Starkwethers eigenem � �</p><p>Dills wirbelte herum, schlug ein Buch mit einem Laut wie ein Gewehrschu� zusammen. �Ich sagte: guten Tag.�</p><p>W�hrend Bent die lange Treppe zur Stra�e hinabstolperte, kreischte eine innere Stimme: <emphasis>Er meint es ernst. Der Mann meint es ernst. Was soll ich nun tun?</emphasis></p><p>In seinem B�ro stellte Dills das Buch wieder an seinen Platz und kehrte zum Schreibtisch zur�ck. Er bemerkte, da� seine gefleckten H�nde zitterten. Die Reaktion �rgerte und besch�mte ihn. Au�erdem war sie unn�tig.</p><p>Ganz sicher w�nschten die Auftraggeber seines fr�heren Klienten, da� ihre Namen im dunkeln blieben. Doch Dills vertraute darauf, da� Bent ihre Identit�t nicht kannte. Abgesehen davon war Bent eindeutig ein Feigling und deshalb leicht einzusch�chtern. Nat�rlich konnte Dills �ber Starkwethers Verbindungen leicht daf�r sorgen, da� Bent eine t�dliche Kugel traf. In Kentucky lie� sich das sogar so arrangieren, da� es sich bei dem Killer scheinbar um einen Rebellen handelte. Aber solch ein Plan w�rde f�r den Anwalt lediglich finanzielle Nachteile mit sich bringen, was wiederum Bent nicht wu�te.</p><p>Da� zwei Elternteile mit so positiven Charakterz�gen einen derart schw�chlichen Sohn wie Elkanah Bent hervorbringen konnten, st�rte Dills Ordnungssinn empfindlich. In der schlimmsten Armut des westlichen Hinterlandes geboren, hatte Starkwether Geschick und Ehrgeiz besessen. Bents Mutter war von erstklassiger, reicher Herkunft gewesen. Und jetzt brauchte man sich nur das traurige Ergebnis anzusehen.</p><p>Unf�hig, die Gedanken von seinem Besucher abzuwenden, holte Dills einen kleinen Messingschl�ssel aus seiner Weste. Er �ffnete eine Schreibtischschublade, griff nach einem Ring mit neun gr��eren Schl�sseln und schlo� den Wandschrank des B�ros auf. In der staubigen Dunkelheit �ffnete ihm ein weiterer Schl�ssel den Eisensafe. Er holte den Inhalt heraus. Eine einzige d�nne Akte.</p><p>Er betrachtete den alten Brief, den er vor vierzehn Jahren zum erstenmal gelesen hatte. Der kr�nkelnde Starkwether hatte ihm den Brief im letzten Dezember auf Dauer �bergeben. Beide Seiten des Briefblattes waren beschrieben. Sein Blick fiel auf die Unterschrift. Die Wirkung beim Lesen dieses sofort erkennbaren Namens war immer die gleiche: Dills war sprachlos, verbl�fft, beeindruckt. In dem Brief hie� es auszugsweise:</p><p><emphasis>Du hast mich benutzt, Heyward. Dann hast Du mich verlassen. Aber ich gebe zu, da� auch ich ein gewisses Vergn�gen dabei empfunden habe; ich kann mich nicht dazu durchringen, das Resultat meines Fehltritts v�llig im Stich zu lassen. Da ich wei�, was f�r eine Art Mann Du bist und was Dir am meisten bedeutet, bin ich bereit, Dir j�hrlich eine betr�chtliche Summe auszuzahlen, vorausgesetzt, Du �bernimmst die v�terliche Verantwortung f�r das Kind � sorge f�r ihn, hilf ihm in vern�nftigem Rahmen �, das Wichtigste aber, sorge unter allen Umst�nden daf�r, da� er nichts unternimmt oder von anderen unternehmen l��t, was zur Entdeckung seiner Herkunft f�hren k�nnte. Mu� ich hinzuf�gen, da� er niemals meine Identit�t von Dir erfahren darf? Sollte das, ganz gleich aus welchem Grund, je geschehen, so werden die Zahlungen sofort eingestellt.</emphasis></p><p>Dills befeuchtete seine Lippen mit der Zunge. W�re er dieser Frau doch nur einmal begegnet, und wenn es nur f�r eine Stunde gewesen w�re. Ein Bastard h�tte ihren Namen in den Schmutz gezogen und ihr s�mtliche Zukunftsm�glichkeiten verbaut, und sie war bereits mit achtzehn klug und erfahren genug gewesen, um das zu wissen. Sie hatte sich gro�artig verheiratet. Wieder wendete er das Blatt, um die Unterschrift zu betrachten. Der arme, rachs�chtige Bent w�rde h�chstwahrscheinlich zusammenbrechen, wenn er diesen Namen sehen k�nnte.</p><p>Der letzte Absatz �ber dem Namen war f�r ihn von gr��tem Interesse:</p><p><emphasis>Im Falle Deines Todes schlie�lich wird die gleiche Summe an jeden von Dir Bevollm�chtigten weitergezahlt, solange der Junge lebt und die oben aufgef�hrten Bedingungen erf�llt werden.</emphasis></p><p>An seinem Schreibtisch tauchte ein nachdenklicher Dills erneut seine Feder ein. Lebend bedeutete Starkwethers Sohn eine Menge Geld f�r ihn; tot war er gar nichts wert. Vielleicht sollte er, ohne zu direkt einzugreifen, daf�r sorgen, da� Bent der gef�hrliche Dienst im Westen erspart blieb.</p><p>Ja, das war eindeutig eine gute Idee. Morgen w�rde er mit einem Kontaktmann im Kriegsministerium sprechen. Er machte sich eine Notiz und stopfte sie tief in seine Westentasche. Soweit Bent. Andere Pflichten riefen.</p><p>Starkwethers Auftraggeber waren die seinen geworden, und sie interessierten sich f�r die M�glichkeit, da� New York City von der Union abfiel. Es war ein atemberaubendes Konzept: ein separater Stadtstaat, der freien Handel mit beiden Seiten in einem Krieg betrieb, dessen Dauer die Gentlemen bis zu einem gewissen Grad kontrollieren konnten. M�chtige Politiker, B�rgermeister Fernando Wood eingeschlossen, hatten die Sezession bereits �ffentlich gutgehei�en. Dills suchte Pr�zedenzf�lle heraus und bereitete einen Bericht �ber die m�glichen Konsequenzen vor. Er legte den Brief in den Safe zur�ck und kehrte nach drei Drehungen von drei Schl�sseln in drei Schl�ssern an seine Arbeit zur�ck.</p><p><strong>14</strong></p><p>�Was zum Teufel haben wir falsch gemacht?� sagte George und schleuderte seinen Zigarrenstummel weg. Er landete vor dem kleinen, schlichten B�rogeb�ude im Herzen des gewaltigen Komplexes des Hazard-Eisenwerks.</p><p>�Ich wei� es beim besten Willen nicht, George�, erwiderte Christopher Wotherspoon mit d�sterem Blick.</p><p>Hunderte von M�nnern, die die unbefestigte Stra�e in beiden Richtungen entlangstr�mten, konnten von Georges Gesicht deutlich seinen Zorn ablesen; die Fr�hschicht ging, die n�chste Schicht kam. George k�mmerte sich nicht darum, ob sie seinen �rger sahen oder nicht. Die meisten hatten ohnehin die Detonation geh�rt, als der Prototyp auf dem Testgel�nde explodierte. Die gro�e Acht-Inch-Kanone, nach Rodmanns Methode mit einem wassergek�hlten Kern, hatte ihren groben Holzunterbau zerst�rt und Eisenfragmente, gro� wie Dolche, in die dicken Planken getrieben, die zum Schutz der Testbeobachter aufgebaut worden waren.</p><p>�Ich wei� es einfach nicht�, wiederholte Georges Werksinspektor, es war der zweite Fehlschlag in dieser Woche.</p><p>�In Ordnung, wir passen die Temperatur an und probieren es erneut. Wir probieren es, bis die H�lle zufriert. Sie schreien nach Artillerie, um die Ostk�ste zu besch�tzen, und eines der �ltesten Eisenwerke in Amerika ist nicht in der Lage, eine einzige funktionierende Kanone zu produzieren. Es ist unglaublich.�</p><p>Wotherspoon r�usperte sich. �Nein, George, das sehen Sie falsch. Das ist Kriegsproduktion. Soweit mir bekannt ist, hat dieses Werk nie zuvor Kanonen hergestellt.�</p><p>�Aber, bei Gott, wir sollten doch in der Lage sein, die � �</p><p>�Wir werden in der Lage sein, George.� Er betonte das zweite Wort. �Wir werden den Liefertermin einhalten, wie er im Kontrakt steht, mit einwandfrei funktionierendem Material.� Er riskierte ein L�cheln. �Ich garantiere das, weil Mr. Stanley unsere Offerte unterst�tzt hat und ich keineswegs scharf darauf bin, ihn zu entt�uschen.�</p><p>�Ich w��te nicht, warum�, knurrte George. �Sie k�nnten ihn mit einem Schlag ausknocken.�</p><p>�Das ist wahr, aber man sollte mit seiner Zeit sparsam umgehen. Und das w�re Zeitverschwendung.�</p><p>Der trockene, steife Scherz verbesserte Georges Laune keineswegs. Immerhin erkannte er die Bem�hungen des jungen Schotten an. Und er wu�te, da� Wotherspoon den Grund f�r seine Ungeduld verstand. Er konnte Hazards nicht verlassen oder auch nur ernsthaft �ber Camerons Angebot nachdenken, solange er nicht sicher war, da� die Firma den Kontrakt erf�llen w�rde.</p><p>Er hegte keinen Zweifel, da� Hazards dazu in der Lage war. Wotherspoon arbeitete mehr als gr�ndlich � das war einer der Gr�nde, weshalb George den Junggesellen so schnell bef�rdert hatte. Wotherspoon war drei�ig, ein schlanker, langsam sprechender Mann mit traurigen Augen und welligem, braunem Haar, hinter dessen tadellosen Manieren sich gnadenloser Ehrgeiz verbarg. Er hatte seine Lehre in einem sterbenden Eisenwerk absolviert, das von den Nachfolgern der gro�en Darbyfamilie in Coalbrookdale geleitet wurde, im gleichen Teil von England, aus dem der Gr�nder der Hazardfamilie Ende des siebzehnten Jahrhunderts geflohen war. Vor vier Jahren war Wotherspoon auf der Suche nach einem Job, einer Frau und einem Verm�gen angekommen. Ersteres hatte er, hinter den beiden anderen war er noch her. Wenn er das R�tsel des fehlerhaft gegossenen Eisens l�ste, davon war George �berzeugt, dann konnte er beruhigt die tagt�gliche Kontrolle der Hazard-Werke in die H�nde des Schotten legen.</p><p>Er war sich dar�ber im klaren, da� er Lehigh Station verlassen und dienen mu�te; die simple Frage blieb lediglich: Wo? Wenn er einige seiner Verbindungen spielen lie�, konnte er sicherlich ein Kampfkommando bekommen, ein Regiment �bernehmen. Aber nicht Furcht vor dem Kampf, den er ha�te, lie� ihn davor zur�ckschrecken, sondern seine �berzeugung, da� er mit seiner Erfahrung im R�stungsministerium von gr��tem Nutzen sein k�nnte; und das bedeutete Cameron und Stanley und Isabel. Was f�r eine elende Wahl.</p><p>Wotherspoon ri� ihn aus seinen d�steren Betrachtungen. �Warum gehen Sie nicht nach Hause, George?� Bis vor einem Jahr hatte ihn der j�ngere Mann mit Sir angeredet. Dann waren sie zum Vornamen �bergegangen, auf Georges Aufforderung hin. �Ich werde noch mal die Rodman-Notizen durchsehen. Ich habe den Verdacht, da� der Fehler in irgendeiner Form bei uns liegt. Der Erfinder dieses Prozesses hat Ihre Schule absolviert.�</p><p>�Stimmt, die Klasse von 1841.�</p><p>�Dann wird er sich kaum t�uschen, was?�</p><p>Diesmal lachte George. Er z�ndete sich die n�chste Zigarre an und sagte: �Versuchen Sie diese Meinung nicht in Washington zu verkaufen. Die H�lfte der Politiker dort glaubt, West Point habe den Krieg verursacht. Stanley schreibt in seinem letzten Brief, da� Cameron West Point in einem Bericht, den er herausbringt, ans Kreuz nageln will. Und ich denke daran, f�r ihn zu arbeiten. Ich mu� verr�ckt sein.�</p><p>Wotherspoon pre�te die Lippen zusammen, seine Version eines L�cheln. �Nein, nein � wir leben in einer unvollkommenen Welt, das ist alles. Sie sollten auch das ber�cksichtigen: Wahrscheinlich k�nnen Sie dort f�r West Point mehr tun als hier.�</p><p>�Das ist mir auch durch den Kopf gegangen. Gute Nacht, Christopher.�</p><p>�Gute Nacht.�</p><p>Er ging die staubige Stra�e entlang, durch die Menge der M�nner. �ber seinen Augen setzte heftiger Kopfschmerz ein. So viele Probleme in letzter Zeit. Die Fehlschl�ge bei den Kanonenrohren. Bretts ungl�ckliche Verfassung. Die M�glichkeit eines Angriffs des Kriegsministeriums auf West Point�</p><p>Stanleys Brief, vordergr�ndig informativ, war in Wirklichkeit als Irritation gedacht gewesen, und George wu�te das. Die Akademie als �Keimzelle des Verrats� anf�hrend, hatte Stanley geschrieben, der Minister habe sich auf lasche Disziplin und eine vage, aber unheilvolle �S�dstaaten-Tendenz� als Erkl�rung f�r den Abfall so vieler regul�rer Offiziere bezogen. Er sollte nicht mal im Traum daran denken, f�r solch einen Schmierfink zu arbeiten.</p><p>Der Anstieg nach Belvedere war in der feuchten, stickigen Luft des Sp�tnachmittags erm�dend. Auf dem staubigen Weg blieb er stehen, um zu den Bergen hochzublicken. Er erinnerte sich an die Lehren, die seine tote Mutter an ihn weiterzugeben versucht hatte. Das bedeutendste Emblem daf�r sah er �ber sich auf den Gipfeln � den im Wind wehenden Berglorbeer.</p><p>Seine Mutter, Maude, hatte ihr eigenes mystisches Gef�hl f�r den Lorbeer auf ihn �bertragen. Die schlimmste Witterung konnte dem Lorbeer nichts anhaben. Den Hazards ebenfalls nicht, sagte sie. Lorbeer war aus Liebe geborene St�rke, sagte sie. Nur die Liebe konnte die M�nner �ber die Niedrigkeit erheben, die in ihrer Natur lag.</p><p>Sie hatte �ber den Lorbeer gesprochen, als er sich fragte, ob es klug w�re, Constance nach Lehigh Station zu bringen, wo man die Katholiken verachtete. Er hatte ihre Worte wiederholt, als Billy verzweifelte, weil Orry Main anf�nglich gegen seine Heirat mit Brett war.</p><p>Ausdauer und Liebe. Vielleicht w�rde sich das als ausreichend erweisen. Er betete darum.</p><p>Auf Belvederes langer, breiter Veranda verschnaufte er sich. Schwei� lief ihm den Nacken herab und tr�nkte sein Hemd. Er war fr�her als gew�hnlich zu Hause. Vielleicht konnte er den Grund f�r das Bersten des Kanonenrohres herausfinden. Leise ging er in die Bibliothek, um seine Notizen �ber das Rodman-Verfahren zu holen.</p><p>�George? Du bist fr�h dran. Was f�r eine �berraschung.�</p><p>Er wandte sich der T�r zu.</p><p>�Ich h�rte dich hereinkommen�, fuhr Constance fort, als sie eintrat. Sie wollte ihm einen Ku� geben, hielt aber inne. �Liebling, was ist passiert?�</p><p>�Die Hitze. Es ist h�llisch hei� drau�en.�</p><p>�Nein, es ist was anderes. Ah � der Test. Das ist es, nicht wahr?�</p><p>Betont l�ssig warf er seine Jacke �ber seine Schulter. �Ja. Wir hatten wieder einen Fehlschlag.�</p><p>�Oh, George, es tut mir so leid.�</p><p>Sie kam zu ihm, dr�ckte sich fest an ihn. Ein k�hler Arm schlang sich um seinen schwei�feuchten Nacken, w�hrend ihr s��er Mund ihn k��te. Erstaunlich, wie das half. Sie war der Lorbeer.</p><p>�Ich habe eine gute Nachricht�, sagte sie anschlie�end. �Ich habe endlich was von Vater geh�rt.�</p><p>�Ein Brief?�</p><p>�Ja. Heute ist er gekommen.�</p><p>�Gut. Ich wei�, da� du dir Sorgen gemacht hast. Ist alles in Ordnung mit ihm?�</p><p>�Ich wei� nicht, was ich darauf antworten soll. Komm, trink einen kalten Apfelwein, und ich werd�s dir erkl�ren.�</p><p>Als George den Brief las, verstand er ihre r�tselhafte Antwort. �Ich begreife seine Abscheu vor Texas, Patrick Flynn liebt viele Dinge des S�dens, doch die Sklaverei geh�rt nicht dazu. Aber Kalifornien? Ist das die Antwort?�</p><p>�Meiner Meinung nach nicht. Stell dir vor, in seinem Alter eine neue Anwaltskanzlei aufzubauen.�</p><p>�Ich bezweifle, da� er damit Schwierigkeiten haben wird�, sagte George und sah den frischen, rotwangigen Anwalt vor sich, der aus County Limerick an die Golfk�ste gekommen war. Er merkte, da� seine Antwort Constance nicht beruhigt hatte, und f�gte hinzu: �Er ist ein z�her, anpassungsf�higer Bursche, dein Vater.�</p><p>�Aber er wird dieses Jahr sechzig. Und Kalifornien ist kein sicherer Ort. In der Morgenzeitung habe ich von einem S�dstaatenplan gelesen, an der Pazifikk�ste eine Art zweite Konf�deration zu errichten.�</p><p>�Das �bliche Ger�cht heutzutage. In der einen Woche ist es Kalifornien, in der n�chsten Chicago.�</p><p>�Trotzdem bin ich der Meinung, da� die Reise zu lang und gef�hrlich ist. Vater ist alt und ganz allein.�</p><p>Er l�chelte. �Nicht ganz. Er reist mit einem ungemein zuverl�ssigen Begleiter. Ich meine seinen Paterson-Colt, der Lauf einen Fu� lang. Nie hab ich ihn ohne den Colt gesehen. Wei�t du noch, wie er ihn zu unserer Hochzeit trug? Au�erdem versteht er es, ihn zu ben�tzen.�</p><p>Constance wollte sich nicht bes�nftigen lassen. �Ich wei� einfach nicht, was ich tun soll.�</p><p>George trank seinen Apfelwein aus und sah erst in die blauen Augen, die er so liebte. �Verzeihen Sie meine Impertinenz, Mrs. Hazard, aber ich glaube, Sie k�nnen gar nichts tun. In dem Brief ist mir eine Bitte um Genehmigung nicht aufgefallen. Da steht lediglich, da� er aufbricht, und das war am 13. April. Ich nehme an, da� er mittlerweile die Sierras zur H�lfte durchquert hat.�</p><p>�Oh, guter Gott das Datum. Ich war zu besorgt, um es zu bemerken.� Jetzt nahm er sie in die Arme, um ihr zu helfen, so wie sie ihm geholfen hatte. Sie verlie�en die K�che und gingen nach oben, wo er sich auszog, um ein Bad zu nehmen.</p><p>�Tut mir leid, da� ich schlecht gelaunt war�, sagte sie, w�hrend er sich aus seiner verschwitzten Kleidung pellte. Nackt schlang er erneut die Arme um sie.</p><p>�Nicht schlecht gelaunt. Verst�ndlicherweise besorgt. Ich f�rchte, ich war sarkastisch. Ich bitte um Verzeihung.�</p><p>�Wir sind quitt.� Sie verschr�nkte die H�nde hinter seinem Kopf und gab ihm einen Ku�. So blieben sie eine Weile regungslos stehen; Trost str�mte von einem zum anderen. Nie war George dichter daran, die Natur der menschlichen Liebe zu erfassen, als in solchen Momenten.</p><p>Sein K�rper begann zu reagieren. �Wenn wir so weitermachen, komme ich nicht zu meinem Bad.�</p><p>Sie schn�ffelte. �N�tig hast du�s.�</p><p>Mit gespielter Gewalt warf er sie aufs Bett und kitzelte sie, bis sie um Gnade flehte. Er ging ins Bad, drehte sich an der T�r noch mal um. �Aber wir haben auch Probleme, wo wir durchaus was tun k�nnen. Camerons Einladung, zum Beispiel.�</p><p>�Die Entscheidung liegt bei dir, George. Ich will Stanley und Isabel nicht n�her sein als unbedingt notwendig. Aber ich wei�, da� es f�r dich wichtigere Dinge zu ber�cksichtigen gibt.�</p><p>�Ich w�nschte, es w�re nicht so. Der Kongre�abgeordnete Thad Stevens meinte, Cameron w�rde auch einen rotgl�henden Ofen klauen.�</p><p>�Ich mache dir einen Vorschlag. Warum f�hrst du nicht nach Washington und sprichst mit einigen Leuten von der R�stung? Das k�nnte dir bei der Entscheidung behilflich sein.�</p><p>�Gro�artige Idee. Aber ich kann erst weg, wenn wir das Problem mit den Kanonenrohren gel�st haben.� Er dachte einen Augenblick nach. �Glaubst du, ich k�nnte es ertragen, in Stanleys N�he zu arbeiten? Ich habe ihm die F�hrung der Hazard-Werke weggenommen, seine Frau aus diesem Haus gejagt � ich habe ihn sogar einmal geschlagen. Das hat er nicht vergessen. Und Isabel ist rachs�chtig.�</p><p>�Das wei� ich nur zu gut. Du mu�t all das ber�cksichtigen. Aber wenn du annimmst, dann werde ich dir mit den Kindern so bald wie m�glich folgen.�</p><p>Auch w�hrend des Abendessens ging die Diskussion �ber Camerons Angebot weiter. George, der in einem sauberen wei�en Hemd erfrischt wirkte, erz�hlte Brett, da� Constance einen sehr praktischen Vorschlag gemacht habe. Er w�rde nach Washington fahren, bevor er seine endg�ltige Entscheidung traf.</p><p>�W�rdest du mich mitnehmen?� rief Brett. �Ich k�nnte Billy sehen.�</p><p>�Ich kann nicht sofort los.� Er erkl�rte ihr den Grund und beobachtete, wie die hell lodernde Hoffnung in sich zusammenfiel. Schuldbewu�t suchte er hastig nach einem Ausweg. Keine zehn Sekunden waren vergangen, als er fortfuhr: �Aber es gibt noch eine andere M�glichkeit. Zwei wichtige Vertr�ge m��ten dort zu meinem Anwalt. Ich nehme an, ich k�nnte im B�ro einen vertrauensw�rdigen �lteren Mitarbeiter finden, der sie hinbringt. Du k�nntest ihn begleiten.�</p><p>�Du erlaubst mir immer noch nicht, alleine zu fahren?�</p><p>�Brett, dieses Thema haben wir bereits vor Wochen ausdiskutiert.�</p><p>�Nicht zu meiner Zufriedenheit.�</p><p>�Werde nicht �rgerlich. Du bist eine intelligente und t�chtige junge Frau. Aber Washington ist eine Jauchegrube. Allein hast du dort nichts verloren � selbst wenn wir mal deinen unverkennbaren S�dstaatenakzent unber�cksichtigt lassen, was dich zum Ziel von Feindseligkeiten aller Art machen w�rde. Nein, so ist es besser. Ich suche einen Mann aus, der in einigen Tagen reisefertig ist. Pack deinen Koffer, und halt dich bereit.�</p><p>�Oh, ich danke dir�, sagte sie und eilte um den Tisch, warf die Arme um ihn. �Kannst du mir meine schlechte Laune verzeihen? Ihr wart beide so freundlich zu mir, aber ich habe so wenig von Billy gehabt, seit wir heirateten.�</p><p>�Ich verstehe das.� Er t�tschelte ihre Hand. �Es gibt nichts zu verzeihen.�</p><p>Mit Tr�nen in den Augen dankte sie ihm nochmals. F�r Constance war es eine der seltenen Gelegenheiten, George verlegen und leicht nerv�s zu erleben.</p><p>Sp�ter in ihrem Schlafzimmer sagte sie, bevor sie sich liebten: �Hast du wirklich Papiere, die nach Washington m�ssen?�</p><p>�Ich werd� schon welche finden.�</p><p>Sie lachte und k��te ihn und zog ihn voller Freude an ihre Brust.</p><p><strong>15</strong></p><p>�Diese Reisetasche ist schwerer als ein Sack voll Steine�, st�hnte Billy, als er sie absetzte.</p><p>�Ich habe dir eine Menge Kleinigkeiten mitgebracht, von denen ich annahm, da� du sie brauchen kannst: B�cher, drei M�tzen�berz�ge, die ich selbst gen�ht habe, Socken, Unterhosen, eine neue Kasserolle, eines dieser kleinen N�hk�stchen f�r Soldaten � �</p><p>�Bei der Armee nennt man sie Hausfrauen.� Er nahm seine M�tze ab und griff mit der anderen Hand nach hinten, um die T�r zu schlie�en.</p><p>Beide sprachen sie leise, als m��ten sie vor Lauschern auf der Hut sein. Es war ein schw�ler Nachmittag, so gegen drei, und sie waren allein in einem Pensionszimmer. Obwohl sie verheiratet waren, kam es Brett herrlich verrucht vor.</p><p>Der kleine Raum besa� nur ein mickriges Fenster, durch das der L�rm der unsichtbaren Stra�e drang. Aber Billy hatte Gl�ck gehabt, da� er �berhaupt etwas gefunden hatte, nachdem ihre telegraphische Nachricht angekommen war.</p><p>�Ich hab mich so nach dir gesehnt, Brett. Dich zu sehen, zu lieben.� Seine Stimme klang fremd; scheu, fast �ngstlich. �Ich habe mich so danach gesehnt, da� es richtig schmerzt.�</p><p>�Oh, ich wei�, Liebling. Ich f�hle genauso. Aber wir haben nie � �</p><p>�Was?�</p><p>Err�tend wandte sie den Kopf ab. Er ber�hrte ihr Kinn.</p><p>�Was, Brett?�</p><p>Sie wagte es nicht, ihm in die Augen zu sehen. Ihr Gesicht brannte. �Fr�her� Wir haben uns immer � im Dunkeln geliebt.�</p><p>�Ich kann nicht so lange warten.�</p><p>�Nein, ich � ich auch nicht.�</p><p>Er half ihr beim Ausziehen, schnell, aber ohne grob zu werden. Dann kam der schreckliche Moment, wo es nichts mehr zu verbergen gab; sie wu�te, da� der Anblick ihres K�rpers ihn absto�en w�rde.</p><p>Ihre Furcht schmolz dahin, als er seine H�nde ausstreckte. Er ber�hrte ihre Schultern und lie� langsam seine Handfl�chen �ber ihre Arme gleiten, eine Liebkosung, die sie beide zart und erregend fanden. Sein liebevolles L�cheln wechselte langsam zu einem Ausdruck �ber, der fast schon an Verz�ckung grenzte. Ihr L�cheln wurde strahlend, und ihr freudig erregtes Lachen wurde von ebenso freudigen Tr�nen begleitet. Ihre Vereinigung, nur Augenblicke sp�ter, war um so s��er, da sie von beiden so hei� ersehnt worden war.</p><p>Captain Farmer hatte ihm �ber Nacht Urlaub gegeben. Am sp�ten Nachmittag f�hrte Billy seine Frau in die Gegend nahe beim Pr�sidentenpark. Die Menge der Soldaten in den Stra�en verbl�ffte sie. Sie trugen Marine-Uniform, sie trugen Grau, und einige waren so buntgemischt ausger�stet, da� sie den Hoftruppen irgendeines arabischen Prinzen �hnelten. Au�erdem spazierten viele Neger herum.</p><p>Ungef�hr eine Stunde vor Sonnenuntergang �berquerten sie einen �belriechenden Kanal, in Richtung eines noch unvollendeten Parkes nahe der phantastischen roten T�rme der Smithsonian Institution. Aus vornehmen Kutschen beobachteten gut gekleidete B�rger, wie ein Freiwilligen-Regiment, die First Rhode Island, exerzierte. Billy zeigte Brett den kommandierenden Offizier, Colonel Burnside, einen Mann mit herrlichem Backenbart.</p><p>Billy erkl�rte, da� milit�rische Schauspiele zum �ffentlichen Leben der Stadt geh�rten. �Aber sicherlich wird es bald zum Kampf kommen. Es hei�t, Lincoln will ihn, und Davis anscheinend auch. Sein popul�rster General kommandiert die Alexandriafront.�</p><p>�Du meinst General Beauregard?�</p><p>Er nahm ihren Arm, w�hrend sie weiterschlenderten. �Ja. Es gab mal eine Zeit, da stand Old Bory bei dieser Armee in hohem Ansehen. Jetzt nennt ihn unsere Seite nur noch einen �ngstlichen kleinen Gockel.�</p><p><emphasis>Unsere Seite.</emphasis> Durch Heirat war es auch ihre Seite geworden. Wann immer ihr das in den Sinn kam, empfand sie Verwirrung und ein vages Gef�hl von Untreue. Heute war es nicht anders.</p><p>�Wei� Captain Farmer, wann der Kampf beginnen wird?�</p><p>�Nein. Manchmal frage ich mich, ob das �berhaupt irgend jemand wei� � einschlie�lich unserer vorgesetzten Offiziere.�</p><p>�Du hast nicht viel f�r sie �brig?�</p><p>�Die meisten der Berufsoffiziere sind in Ordnung. Die M�nner von der Akademie. Aber es gibt auch Gener�le, die ihre Schulterstreifen durch politische Beziehungen bekommen haben. Die sind ziemlich �bel. So arrogant es klingt, ich bin froh, da� ich nach West Point und zu den Pionieren gegangen bin. Das ist die beste Truppe.�</p><p>�Und die erste in der Schlacht.�</p><p>�Manchmal.�</p><p>�Das erschreckt mich zu Tode.�</p><p>Er wollte ihr gestehen, da� es auch ihn erschreckte, aber das h�tte ihre Sorge nur verst�rkt.</p><p>Die Stadt begann f�r Brett ihren Glanz zu verlieren, als sie zu dem Hotel spazierten, in dem sie zu Abend essen wollten. Sie kamen an zwei Soldaten vorbei, �blen Typen, und sie h�rte die h�mische Bemerkung, da� alle Offiziere Arschl�cher seien.</p><p>Billy versteifte sich, hielt aber weder an, noch drehte er sich um. �Beachte sowas gar nicht. Wenn ich bei solchen Bemerkungen jedesmal was unternehmen w�rde, h�tte ich keine Minute Zeit f�r meine anderen Pflichten. Die Disziplin der Armee ist schrecklich � allerdings nicht in Lije Farmers Kompanie. Ich kann�s kaum erwarten, da� du ihn kennenlernst.�</p><p>�Wann wird das sein?�</p><p>�Morgen. Ich bringe dich raus zum Camp und zeige dir die Befestigungen, die wir bauen. Den Pl�nen nach sollten es Ringe sein, vielleicht f�nfzig bis sechzig St�ck, die sich um die Stadt herumziehen.�</p><p>�Magst du deinen Captain?�</p><p>�Sehr. Er ist ein au�ergew�hnlich religi�ser Mensch. Betet viel. Die Offiziere und Soldaten beten gemeinsam mit ihm.�</p><p>�Du? Beten? Billy, hast du �?� Sie wu�te nicht, wie sie die Frage taktvoll beenden sollte.</p><p>Er ersparte es ihr. �Nein, ich bin immer noch der gleiche gottlose Kerl, den du geheiratet hast. Ich bete aus einem einzigen Grund. Man verweigert Lije Farmer nicht den Gehorsam. Fairerweise mu� ich sagen, da� M�nner mit diesem festen Glauben in der Armee durchaus nicht ungew�hnlich sind.�</p><p>Abrupt steuerte er sie vom B�rgersteig weg, wo zwei Wei�e einen zerlumpten Neger zusammenschlugen. Billy ignorierte auch das.</p><p>Doch Brett konnte das nicht. �Wie ich sehe, ist Sklavenmi�handlung nicht allein auf den S�den beschr�nkt.�</p><p>�Wahrscheinlich ist er ein Freigelassener. Sklave oder frei, Neger sind hier nicht sonderlich beliebt.�</p><p>�Warum um alles in der Welt f�hrt ihr dann ihretwegen einen Krieg?�</p><p>�Brett, dar�ber haben wir doch bereits diskutiert. Wir haben Krieg, weil ein paar Verr�ckte in deinem Heimatstaat das Land in zwei H�lften zerbrochen haben. Niemand k�mpft f�r die Neger. Sklaverei ist falsch, davon bin ich �berzeugt. Aber praktisch gesehen sollte man sie vielleicht nicht auf einen Schlag abschaffen. Der Pr�sident glaubt das auch, hei�t es. Die meisten Soldaten ebenfalls.�</p><p>Er f�hlte sich nicht wohl bei dem Versuch, seine Ansicht zu rechtfertigen. Von einer Minderheit in der Armee abgesehen glaubte niemand daran, da� sie wegen dieser speziellen Institution in den Krieg zogen. Sie hatten sich freiwillig gemeldet, um die Narren und Verr�ter zu bestrafen, die glaubten, die Union zerbrechen zu k�nnen.</p><p>In der hellen, betriebsamen Hotelhalle bemerkte er Bretts immer noch gr�belnden Gesichtsausdruck. �Komm jetzt keine Politik und keine d�steren Schatten. Du bist nur zwei Tage hier. Ich m�chte, da� wir die Zeit genie�en.�</p><p>�M�ssen wir Stanley und seiner Frau einen Besuch abstatten?�</p><p>�Nur, wenn du mir einen Revolver vor die Nase h�ltst. Es ist eine Schande, aber ich habe sie nie gesehen, seit ich mich hier zum Dienst gemeldet habe. Lieber w�rde ich Old Borys gesamter Armee entgegentreten.�</p><p>Sie lachte; die Stimmung besserte sich wieder. Am Eingang zum Speisesaal sagte er: �Ich bin hungrig. Du auch?�</p><p>�Wie ein Wolf. Aber wir sollten mit dem Abendessen nicht zuviel Zeit verschwenden.�</p><p>Von der Seite warf sie ihm ein L�cheln zu, das er sofort verstand, und folgte dem Oberkellner. Billy eilte ihr nach, den R�cken kerzengerade, innerlich jubilierend:</p><p>�Auf gar keinen Fall.�</p><p>In der Nacht erwachte Brett, aufgeschreckt von einem fernen, r�tselhaften Rumpeln. Billy bewegte sich, rollte zu ihr hin�ber.</p><p>�Was ist los?�</p><p>�Was ist das f�r ein L�rm?�</p><p>�Armee-Fuhrwerke.�</p><p>�Vorher hab� ich das nicht geh�rt.�</p><p>�Es ist dir blo� nicht aufgefallen. Wenn es in dieser Stadt oder diesem Krieg ein beherrschendes Ger�usch gibt, dann die Wagen. Sie rollen Tag und Nacht. Komm � ich dr�cke mich an dich. Vielleicht schl�fst du dann wieder ein.�</p><p>Sie schlief nicht ein. �ber eine Stunde lag sie da und lauschte den schwerf�lligen Hufen, den quietschenden Achsen, den knirschenden R�dern � der Donner jenseits des Horizonts als Warnung vor dem unvermeidlichen Sturm. Am Morgen f�hlte sie sich ersch�pft. Ein umfangreiches Fr�hst�ck munterte sie etwas auf. Billy hatte eine elegante Kutsche gemietet, in der sie �ber den Potomac fuhren. Der Himmel sah bedrohlich aus, und gelegentlich ert�nte echter Donner.</p><p>Als sie �ber die Long Bridge fuhren, erz�hlte ihr Billy mehr von Farmer. Er stammte aus Indiana, war Junggeselle und hatte vor f�nfunddrei�ig Jahren die Milit�rakademie absolviert. �Gerade als der Ort von einer gewaltigen religi�sen Welle �berschwemmt wurde. Der Captain und ein Klassenkamerad, Leonidas Polk, f�hrten die Bewegung im Kadettencorps an. Drei Jahre nach der Abschlu�pr�fung nahm Farmer seinen Abschied, um ein berittener methodistischer Reiseprediger zu werden. Ich habe ihn mal gefragt, wo er all diese Jahre gelebt habe, und er sagte, auf einem Pferder�cken. Tats�chlich ist eine kleine Stadt namens Greencastle sein Zuhause.�</p><p>�Ich glaube, ich habe von Polk geh�rt, ein Bischof der Episkopalkirche im S�den.�</p><p>�Das ist der Mann.�</p><p>�Warum ist Farmer wieder in die Armee eingetreten? Ist er daf�r nicht zu alt?�</p><p>�Kein Mann, der Pionier-Erfahrung hat, ist zu alt. Und Old Mose ha�t die Sklaverei.�</p><p>�Wie nanntest du ihn?�</p><p>�Mose � wie im Buch Moses. Der Captain bekam das Kommando �ber diese Freiwilligen-Kompanie, bis die regul�ren Pioniere aus Florida zur�ckkehren. Die M�nner hielten Farmer f�r einen guten F�hrer, also tauften sie ihn Old Mose. Der Name pa�t zu ihm. Er k�nnte direkt aus dem Alten Testament herausgetreten sein. Ich nenne ihn immer noch Lije � ah, da sind wir.� Er deutete mit einer Hand. �Das ist eines der gro�artigen Projekte, f�r das ich verantwortlich bin.�</p><p>�Die Dreckhaufen?�</p><p>�Erdarbeiten�, korrigierte er am�siert. �Da hinten sollen wir ein gezimmertes Pulvermagazin bauen.�</p><p>Sie fuhren weiter. Alexandria, eine kleine Stadt aus Backsteinh�usern und zahlreichen Handelsgeb�uden, schien fast genauso �berf�llt zu sein wie Washington. Billy zeigte Brett das Marshall House, wo Lincolns enger Freund Colonel Ellsworth erschossen worden war. �Es passierte an dem Tag, an dem die Armee die Stadt besetzte. Ellsworth versuchte eine Rebellenflagge herunterzuholen.�</p><p>Weiter fuhren sie, durch eine Landschaft aus Zelten, Pferden, Artillerieausr�stung, flatternden Fahnen zum Schlag von Trommeln und zum Gesang von M�nnern � alles war neu, verbl�ffend und festlich, wenn auch ein bi�chen erschreckend angesichts der tieferen Bedeutung.</p><p>Sie kamen an einer unfertigen Redoute vorbei und hielten vor einem Zelt, das sich in nichts von den anderen unterschied. Billy geleitete sie hinein und salutierte. �Sir? Wenn ich nicht ungelegen komme, d�rfte ich Ihnen dann meine Frau vorstellen? Mrs. William Hazard � Captain Farmer.�</p><p>Der wei�haarige Offizier erhob sich von dem gebrechlichen, mit Diagrammen von Befestigungen �bers�ten Tisch. �Eine Ehre, Mrs. Hazard. Eine Ehre und ein Privileg.�</p><p>Er nahm ihre Hand und sch�ttelte sie in langsamer Formalit�t. Der Druck seiner Hand war kr�ftig und fest. Billy hat recht, dachte sie entz�ckt. Auf der B�hne k�nnte er einen der Propheten verk�rpern.</p><p>�Ich bin entz�ckt, Ihre Bekanntschaft zu machen, und m�chtig erfreut, Ihren Gatten in meinem Kommando zu haben. Ich hoffe, an dieser gl�cklichen Konstellation wird sich nie etwas �ndern�, sagte der Captain. �Ah, wie unaufmerksam ich bin. Bitte setzen Sie sich doch � hier, auf meinen Hocker.� Er stellte ihn vor den Schreibtisch. �Ich bedaure zutiefst, da� meine M�blierung der Gelegenheit nicht angemessen ist.�</p><p>Brett bemerkte die Wahrheit seiner Worte, als sie sich im Zelt umsah. Ein Tisch, ein Feldbett, f�nf Kisten mit der Aufschrift �Amerikanische Bibelgesellschaft�; auf einer lag ein Paket mit Traktaten. In Charleston hatte sie �hnliche Flugbl�ttchen gesehen. Dies hier trug die �berschrift �Warum fluchst du?�</p><p>Farmer bemerkte ihren Blick. �Wir m�ssen Br�cken zum Himmel bauen, selbst wenn wir gleichzeitig Verteidigungsanlagen gegen die Gottlosen errichten.�</p><p>�Es ist traurig�, teilte ihm Brett mit, �aber ich wurde unter den Gottlosen geboren.�</p><p>�Ja, dessen bin ich mir bewu�t. Seien Sie versichert, ich meinte es nicht pers�nlich. Allerdings m�chte ich Sie nicht t�uschen. Es ist meine �berzeugung, da� der Allm�chtige jene verachtet, die unsere schwarzen Br�der in Ketten halten.�</p><p>Seine Worte �rgerten sie; sie h�tten jeden aus South Carolina ge�rgert. Und doch schien es paradox. Sie fand seine Stimme und seine Beredsamkeit unerwartet anr�hrend. Billy schaute unbehaglich drein, als w�rde er denken: <emphasis>Meine</emphasis> schwarzen Br�der sind sie nicht.</p><p>Brett sagte: �Ich respektiere Ihre Offenheit, Captain. Ich bedaure lediglich, da� die Angelegenheit durch einen Krieg gel�st werden mu�. Billy und ich m�chten unser Leben leben, eine Familie gr�nden. Statt dessen sehe ich nur Gefahren vor uns.�</p><p>Lije Farmer verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken. �Wenn gefahrvolle Zeiten vor uns liegen, so wird unser Herr diesen jungen Mann sicher durch sie geleiten. Trotzdem werde auch ich ein Auge auf ihn haben. Wenn Sie wieder heimfahren, dann tragen Sie meine Versicherung in Ihrem Herzen. Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, damit William unverletzt und so bald wie m�glich wieder bei Ihnen sein kann.�</p><p>In diesem Moment verga� Brett s�mtliche politischen Angelegenheiten und brachte Lije Farmer nichts weiter als aufrichtige Liebe entgegen.</p><p><strong>16</strong></p><p>Weit entfernt im Flachland von South Carolina lebte ein anderer Mann mit Rachetr�umen, die ebenso intensiv waren wie die von Elkanah Bent.</p><p>Justin LaMotte, Besitzer der Plantage Resolute und verarmter Spr��ling einer der �ltesten Familien des Staates, verzehrte sich danach, seine Frau Madeline zu bestrafen. Sie war auf die Main-Plantage geflohen, um den Plan zur Ermordung des Yankees, der Orry Mains Schwester geheiratet hatte, zu enth�llen.</p><p>Aber Justins Ha� reichte viel weiter zur�ck. Seit Jahren hatte ihm Madeline mit ihrer Offenherzigkeit und ihrer Mi�achtung allgemein anerkannten weiblichen Betragens Schande gemacht. Aber, so erinnerte er sich mit einiger Befriedigung, sie war auch unterw�rfig, wenn schon nicht gerade aufregend gewesen, wenn er seine ehelichen Rechte in Anspruch nahm. F�r eine Weile hatte er ihre herausfordernden Aktivit�ten ged�mpft, indem er ihrem Essen heimlich Laudanum beigemischt hatte. Jetzt lebte sie ganz offen mit ihrem Geliebten zusammen, um sich f�r vergangene Dem�tigungen zu r�chen. Der gesamte Distrikt wu�te, da� sie Orry in dem Augenblick zu heiraten gedachte, in dem sie die Scheidung bekam. Nie w�rde das der Fall sein. Aber das war noch l�ngst nicht genug. T�glich brachte Justin Stunden damit zu, Pl�ne auszuhecken, wie Orry zu ruinieren w�re, oder sich an Phantasien zu erg�tzen, in denen er Madeline mit Messern oder Feuer strafte.</p><p>Im Moment lag er untergetaucht in lauwarmem Wasser, das einer seiner Nigger in die schwere Zinkwanne in seinem Schlafzimmer gegossen hatte. An seinem Nacken l�sten sich Spiralen dunkelbrauner Farbe von seinem feuchten Haar. Das Fehlen jeglichen grauen Haares lenkte eher die Aufmerksamkeit auf sein Alter, anstatt es zu verbergen; die eindeutig k�nstliche Farbe seines Haares verlieh ihm das Aussehen einer Wachsfigur, obwohl ihm das nicht bewu�t war.</p><p>Justin versuchte die Anspannung loszuwerden, die ihm in letzter Zeit das Leben schwermachte. Seine Frau war nicht der einzige Grund daf�r. Es gab auch Probleme mit den Ashley Guards, dem Regiment, das er und sein Bruder Francis aufzustellen versuchten, indem sie die territoriale Verteidigungseinheit vergr��erten, die sie w�hrend der kritischen Monate der Sumter-Konfrontation organisiert hatten.</p><p>Wei�e Seide mit braunen Flecken, zu mehreren Schichten zusammengefaltet und senkrecht umgebunden, verbarg die linke Seite von Justins Gesicht. Als er Madeline hatte daran hindern wollen, Resolute zu verlassen, hatte sie einen S�bel, ein altes Familienerbst�ck, von der Wand gerissen und sich damit verteidigt. Ein Schlag mit der gekerbten Klinge ri� eine rotklaffende Wunde von seiner linken Braue �ber seine Oberlippe bis zum Kinn. Die schlecht heilende Verletzung schmerzte emotional genauso wie physisch. Er hatte Grund, dieses Mistst�ck zu hassen.</p><p>Es war sp�ter Nachmittag; dr�ckend hei�. Unten auf dem Platz br�llte sein Bruder Drillkommandos. F�r die Ausr�stung des Regiments hatte sein Bruder an nichts gespart, trotzdem hatten s�mtliche Gentlemen des Distrikts bei anderen Einheiten angemustert. Justin kam die Galle hoch, wenn er daran dachte, da� nicht mehr wei�e M�nner den Wert dieser Uniform und die einmalige Chance, von LaMottes gef�hrt zu werden, zu sch�tzen wu�ten. Der verdammte Wade Hampton hatte seine Truppe so eint�nig wie Kuhhirten eingekleidet, und die M�nner rannten einander �ber den Haufen, um sich bei ihm zu melden.</p><p>Justin ha�te den Columbia-Pflanzer auch noch aus anderen Gr�nden. Die LaMottes waren Jahre vor dem ersten Hampton nach Carolina gekommen, doch heute war der Name Hampton viel angesehener. Justin lebte von der Hand in den Mund, w�hrend Hampton seinen Reichtum m�helos zu vermehren schien; jedermann sagte, er sei der reichste Mann im Staate.</p><p>Hampton hatte sich geweigert, bei der Sezessions-Versammlung anwesend zu sein � hatte sich sogar �ffentlich dagegen ausgesprochen �, und jetzt war er ein Held. Er befand sich bereits in Virginia, mit mehreren Kompanien zu Fu�, mit Artillerie und Kavallerie, die ergeben hinter ihm her keuchten, w�hrend Justin daheim schmachtete, von seiner Frau H�rner aufgesetzt bekam und nicht in der Lage war, mehr als zwei Kompanien aufzustellen � und diese M�nner waren nichts weiter als Raufbolde, die st�ndig soffen, sich pr�gelten oder gegenseitig mit Messern abstachen.</p><p>Gott, wie ihn all das deprimierte. Er sank noch ein St�ckchen tiefer ins Wasser. Dann fiel ihm auf, da� Francis keine Befehle mehr bellte. Statt dessen drang von unten Geschrei hoch, vermischt mit Keuchen und Obsz�nit�ten. �Zum Teufel mit ihnen.� Diese T�lpel pr�gelten sich schon wieder. Naja, sollte Francis sich darum k�mmern.</p><p>Er rechnete damit, da� der L�rm schnell ein Ende finden w�rde. Doch das Gel�chter und die Anfeuerungsrufe wurden lauter, ebenso wie das Fluchen und das Klatschen der Schl�ge. Die Schlafzimmert�r �ffnete sich. Ein junger Neger namens Mem � Kurzform f�r Agamemnon � streckte den Kopf herein.</p><p>�Mr. Justin? Ihr Bruder sagen kommen, bitte. Viel �rger.� W�tend stemmte sich Justin aus dem Zuber. �Wie kannst du es wagen, ohne Erlaubnis einfach reinzukommen!� Mit geballter Faust versetzte er Mem einen harten Schlag.</p><p>Der Junge schrie auf. Seine Augen wurden weit, und einen Moment lang erkannte Justin darin solche Wut, da� er einen Angriff bef�rchtete. Ein neuer, ungesunder Geist war unter den Sklaven im Distrikt wach geworden, jetzt, wo die schwarzen republikanischen Yankees ihren Krieg begonnen hatten, um anst�ndige M�nner ihres Eigentums zu berauben. In letzter Zeit hatte die Anzahl der Niggerbeerdigungen unerkl�rlich stark zugenommen; einige behaupteten, die S�rge, die da vergraben wurden, enthielten Waffen f�r einen Aufstand. Die alte wei�e Furcht vor schwarzer Haut wehte durch das flache Land wie die Pestbrisen der Sommerzeit.</p><p>�Raus�, br�llte Justin seinen Sklaven an. Mem rannte, jeden rebellischen Gedanken vergessend, hinaus und knallte die T�r hinter sich zu. Justin griff nach dem Korsett, das seinen Bauch formen sollte. Francis rief seinen Namen; er klang ver�ngstigt.</p><p>Fluchend warf Justin das Korsett zur Seite und zerrte seine gelben engen Hosen hoch; sofort tauchten an Schenkeln, Schritt und Hinterteil feuchte Flecken auf. Er kn�pfte sein Hosent�rchen zu, w�hrend er die Haupttreppe hinunterrannte; unterwegs ri� er nur noch schnell den alten S�bel vom Haken.</p><p>Er eilte hinaus ins Sonnenlicht, wo am Ende des bauf�lligen Hauses der Kampf tobte. Die Ashley Guards, ihre sch�nen Uniformen achtlos verdreckt, bildeten einen Kreis um zwei M�nner, die um den Besitz eines uralten Hall-Hinterladers k�mpften. Die Lemke-Cousins, hitzk�pfige Kretins, die ganz in der N�he eine florierende Farm betrieben.</p><p>Francis, ein verschrumpeltes M�nnchen, eilte zu seinem Bruder. �Besoffen wie die Schweine, alle beide. Hol besser ein paar von den Niggers � die Jungs haben zu viel Spa� dran, um einzugreifen.�</p><p>Zweifellos. Einige der Guards kicherten h�misch �ber Justins durchweichte Hosen und den dar�ber sichtbar werdenden Wanst. �Herr im Himmel, kannst du sie nicht disziplinieren?� fl�sterte er Francis zu. �Mu� ich immer alles machen?�</p><p>Diesmal w�rde er sich nicht opfern. Ein Lemke rammte seinen Kopf vor und bi� den anderen so tief in die Schulter, da� Blut durch die Uniform sickerte. Nein danke, dachte Justin und entfernte sich; vier oder f�nf Niggers sollten gef�lligst das Risiko eingehen.</p><p>Ein Lemke �nderte den Griff seiner H�nde, w�hrend der andere den Lauf nach unten dr�ckte. Die M�nner in der N�he der M�ndung wichen zur Seite. Mit Rauch und Donner ging das Ding los.</p><p>Justin sp�rte einen schweren Schlag, der schon zu brennen begann, als er nach vorn zu Boden st�rzte. Er schlug mit dem Kinn auf, und br�llte vor Schmerz und Wut. Eine gro�e, rote Blume bl�hte auf den Feldern seines Hinterteils auf.</p><p><strong>17</strong></p><p>In Mont Royal, der gro�en Reisplantage am Westufer des Ashley River �ber Charleston, sah sich das gegenw�rtige Oberhaupt der Mainfamilie einer �hnlichen Entscheidung wie sein Freund George Hazard gegen�ber.</p><p>Von Kindheit an hatte Orry Main Soldat werden wollen. Er hatte mit der West-Point-Klasse von 1846 graduiert und an einigen der hei�esten Gefechte des Mexikanischen Krieges teilgenommen. Bei Churubusco, au�erhalb von Mexico City, hatte er seinen linken Arm verloren, teilweise wegen der Feigheit und Feindseligkeit von Elkanah Bent. Die Verwundung hatte Orry gezwungen, seinen Traum von einer milit�rischen Karriere aufzugeben.</p><p>Nach seiner R�ckkehr nach South Carolina folgten schwierige Jahre. Er verliebte sich rettungslos in Justin LaMottes Frau, ebenso wie sie sich in ihn verliebte; Ehrgef�hl beschr�nkte ihre Aff�re auf gelegentliche heimliche Treffen, ohne die k�rperliche Vereinigung, die sie beide ersehnten.</p><p>Nun hatte der Wirrwarr der Ereignisse Madeline auf Dauer in sein Haus gef�hrt. Ob sie legal heiraten konnten, war eine andere Frage. Das Scheidungsgesetz des Staates war komplex, und LaMotte w�rde alles in seiner Macht Stehende tun, um Madeline ihre Freiheit zu verweigern. Er tat das trotz eines Umstandes, der die meisten S�dstaatenm�nner entgegengesetzt h�tte handeln lassen. Madelines Mutter war eine wundersch�ne Viertelnegerin aus New Orleans gewesen. Madeline war zu einem Achtel schwarz, was f�r Orry ohne Bedeutung war. Obwohl die Wahrheit eine m�chtige Waffe gegen Justin gewesen w�re, mangelte es ihr an der n�tigen Grausamkeit, sie auch einzusetzen. Aber oft genug hatte sie sich die Enth�llungsszene, vor allem seine Reaktion darauf, vorgestellt.</p><p>In dem kleinen B�rogeb�ude, von dem aus sein Vater und der Vater seines Vaters die Plantage geleitet hatten, sa� Orry an dem alten, �berladenen Schreibtisch und sah sich vor ein weiteres Problem gestellt: Papiere, die er unterzeichnen mu�te, wollte er seine Loyalit�t beweisen und die neue Regierung der Konf�deration mit einem Teil seines Einkommens unterst�tzen.</p><p>Dunstiger Sonnenschein lag an diesem schw�len Nachmittag �ber den Fenstern des B�ros. Die Luft roch nach Veilchen und dem Duft der s��en Olive, ein Geruch, an den er sich stets erinnern konnte, egal, wie weit er von Mont Royal entfernt war. Irritiert �ber sich selbst sch�ttelte er den Kopf, aber seine Stimmung wollte sich nicht �ndern. Melancholische Zeiten brachten melancholische Gef�hle mit sich.</p><p>Gespr�chsfetzen, gelegentliches Gel�chter oder Singen erreichten ihn aus dem nahegelegenen K�chengeb�ude. Er nahm nichts von dem auf was er h�rte. Seine Gedanken wanderten von den Papieren zu dem Posten, der ihm angeboten worden war � Stabsdienst in Richmond im B�ro von Bob Lee, dem verdienten Offizier, den die Loyalit�t zu seinem Geburtsstaat Virginia gezwungen hatte, die Bundesarmee zu verlassen. Lee war gegenw�rtig der Sondermilit�rberater von Jefferson Davis.</p><p>Die Aussicht auf einen Schreibtischposten versetzte Orry nicht gerade in Erregung, obwohl es vermutlich alles andere als realistisch war, ein Kampfkommando zu erwarten. Allerdings bestand ein Funken Hoffnung, falls Richmond dem Beispiel des Feindes folgte. Ein Offizier namens Phil Kearny, von dem Orry geh�rt hatte, dem er aber nie in Mexiko begegnet war, hatte ebenfalls dort seinen linken Arm verloren und nun kommandierte er als Brigadier Unionsfreiwillige.</p><p>Trotz seines starken Pflichtgef�hls z�gerte er aus mehreren Gr�nden, das Angebot anzunehmen. Davis, so hie� es, war recht schwierig. Als tapferer Soldat � ein West-Point-Absolvent � war er daf�r ber�chtigt, da� er selbst Truppen f�hren oder jene, die das taten, unter strenger Kontrolle halten wollte.</p><p>Au�erdem befanden sich Orrys Schwester Ashton und ihr Ehemann James Huntoon in Richmond, wo Huntoon irgendeinen Regierungsposten bekleidete. Als Orry hinter die �ble Rolle gekommen war, die Ashton bei dem fast gegl�ckten Mordversuch an Billy Hazard gespielt hatte, hatte er ihr und ihrem Mann befohlen, Mont Royal zu verlassen und niemals zur�ckzukehren. Der Gedanke, ihnen irgendwo nahe zu sein, stie� ihn ab. Dazu kam noch, da� er keinen Aufseher hatte. Und vor allem ging es seiner Mutter gesundheitlich schlecht. Und er ha�te es, Madeline allein zu lassen. Das war nicht nur selbsts�chtig gedacht. Wenn er weg war, k�nnte Justin versuchen, Rache zu nehmen.</p><p>Auch die Sklaven konnten sich zu einer Bedrohung auswachsen. Er hatte mit Madeline nicht dar�ber gesprochen � er wollte sie nicht unn�tig aufregen �, aber in letzter Zeit hatte er im Benehmen einiger Neger verschiedene, wenn auch vage Ver�nderungen bemerkt. In der Vergangenheit war auf Mont Royal harte Disziplin selten notwendig gewesen; in der gegenw�rtigen Situation war Cousin Charles� Jugendfreund Cuffey der auff�lligste Rebell. Man mu�te ein Auge auf ihn haben.</p><p>Widerstrebend richtete Orry seine Aufmerksamkeit wieder auf das umfangreiche, blaugebundene, mit einer Anzahl von Wachssiegeln verzierte Dokument. Unterschrieb er, so erkl�rte er sich damit einverstanden, einen betr�chtlichen Teil seiner Reisprofite j�hrlich gegen Regierungsobligationen im gleichen Wert einzutauschen. Diese sogenannten Produktionsdarlehen waren ins Leben gerufen worden, um den Krieg finanzieren zu helfen, f�r den Orry genausowenig Begeisterung aufbrachte wie sein Freund George. Orry sah die Aussichtslosigkeit des milit�rischen Abenteuers der S�dstaaten, weil ihm sein Bruder Cooper einige schlichte Zahlen vor Augen gef�hrt hatte.</p><p>Ungef�hr zweiundzwanzig Millionen lebten im Norden. Dort befand sich auch der gr��te Teil der Industrieunternehmen, der Telegraphenleitungen, der Bodensch�tze und des Geldes der alten Union. Die elf Staaten der Konf�deration besa�en eine Bev�lkerung von ungef�hr neun Millionen; ein Drittel davon, die Sklaven, brauchte man f�r den Krieg gar nicht mitzurechnen.</p><p>Zweifelhafte, um nicht zu sagen gef�hrliche Einstellungen zum Krieg waren jetzt �berall zu finden. Narren wie die Br�der LaMotte lachten h�hnisch �ber jede Andeutung, der S�den k�nnte angegriffen werden � oder, falls doch, da� dabei etwas anderes als ein glorreicher S�dstaatensieg herauskommen k�nnte. Von den Aristokraten bis zu den freien Bauern besa�en die meisten S�dstaatler einen stolzen Glauben an ihre eigenen F�higkeiten, was sie zu der unrealistischen �berzeugung verleitete, ein guter Mann aus Dixie k�nnte zehn Yankeekr�mer schlagen, jederzeit und �berall auf der Welt. Amen.</p><p>In seinen seltenen chauvinistischen Momenten teilte Orry diese �berzeugung bis zu einem gewissen Grad. Sein j�ngerer Cousin Charles konnte es mit jedem anderen Offizier aufnehmen. Den gleichen Mut sah er in Charles� Kommandanten, Wade Hampton. Und er fand ein wenig Wahrheit in der Maxime, die sich ihm in seinen jungen, hoffnungsvollen Jahren ins Ged�chtnis gebrannt hatte. Im Krieg, sagte Bonaparte, sind M�nner gar nichts; ein Mann ist alles.</p><p>Doch auch so war die Vorstellung, der Norden besitze keine Soldaten, die es mit den Soldaten des S�den aufnehmen k�nnten, pure Idiotie. Selbstm�rderisch. Orry konnte sich an beliebig viele erstklassige Yankees von der Akademie erinnern, einschlie�lich eines Mannes, den er pers�nlich gekannt und sehr gern gehabt hatte. Wo mochte Sam Grant jetzt dienen?</p><p>Keine Antwort auf all die Fragen. Er zwang sich, seine Aufmerksamkeit wieder auf die gelegentlich verwirrenden juristischen Formulierungen der Anleihen zu konzentrieren. Je fr�her er mit seiner Tagesarbeit fertig war, desto eher w�rde er Madeline sehen.</p><p>Gegen vier kehrte Orry von seiner Aufsichtsrunde �ber die Felder zur�ck. Er trug Stiefel, Reithosen und ein loses wei�es Hemd, dessen leerer, linker �rmel mit einer gl�nzenden Nadel an der Schulter festgesteckt war. Mit f�nfunddrei�ig war Orry so schlank wie mit f�nfzehn Jahren und bewegte sich trotz seines Handicaps voller Selbstvertrauen und Anmut. Seine Augen und sein Haar waren braun, sein Gesicht eher lang. Madeline sagte, er sehe mit zunehmendem Alter immer besser aus, was er allerdings bezweifelte.</p><p>Er hatte den Anleihen-Vertrag unterschrieben. Sofort h�rte er auf, sich Sorgen wegen der R�ckzahlung zu machen. Eine von Patriotismus geleitete Entscheidung sollte keine Bedingungen beinhalten.</p><p>Er ging die halbe Meile hinunter zur Flu�stra�e. Bemooste Eichen schirmten das Tageslicht ab. Er bog um die Ecke des gro�en Hauses, vor dem ein sauberer Garten und die Mole des langsam dahinflie�enden Ashleys lagen. Leichte Schritte ert�nten auf der gro�en Veranda �ber seinem Kopf, verstummten aber, als er hervortrat. �ber sich sah er eine kleine, rundliche Frau, Ende Sechzig, die zufrieden den wolkenlosen Himmel betrachtete.</p><p>�Guten Tag, Mutter.�</p><p>Auf seinen Ruf hin schaute Clarissa Gault Main nach unten und l�chelte auf h�fliche, verwirrte Weise. �Guten Tag. Wie geht es dir?�</p><p>�Gro�artig. Und dir?�</p><p>Das freundliche L�cheln verst�rkte sich. �Oh, ausgezeichnet � besten Dank.� Sie wandte sich ab und ging hinein. Er sch�ttelte den Kopf. Er hatte sich ihr als ihr Sohn zu erkennen gegeben, aber das war verlorene Liebesm�h; sie kannte ihn nicht mehr. Gl�cklicherweise liebten die Schwarzen von Mont Royal Clarissa, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Unauff�llig wurde sie von allen �berwacht und besch�tzt.</p><p>Wo war Madeline? Im Garten? Er fand sie im Wohnzimmer, wo sie gerade ein fast f�nf Fu� langes, zylindrisches Paket untersuchte. Sie rannte mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu.</p><p>�Vorsicht�, sagte er und lachte. �Ich bin verstaubt und verschwitzt wie ein Maultier.�</p><p>�Verstaubt, verschwitzt � ich liebe dich in jedem Zustand.� Sie dr�ckte einen langen, s��en Ku� auf seinen trockenen Mund, erfrischend wie Wasser aus einem Bergquell. Sie schlo� ihre H�nde hinter seinem Nacken, w�hrend sie sich umarmten, und er sp�rte ihren vollen, weichen K�rper, der sich gegen ihn pre�te. Obwohl ihnen eine legale Ehe noch verwehrt war, teilten sie die zwanglose physische Intimit�t eines bereits seit vielen Jahren verheirateten Paares, das sich immer noch liebte. Nachts schliefen sie nackt � Madelines freundliche, offene Art hatte ihm schnell jede Verlegenheit wegen seines Stumpfes genommen.</p><p>Sie lehnte sich zur�ck. �Wie ist der Tag gewesen?�</p><p>�Gut. Krieg hin, Krieg her, die vergangenen Wochen waren die gl�cklichsten meines Lebens.�</p><p>Sie seufzte eine gemurmelte Zustimmung und nahm seine Hand, w�hrend sie dastanden, die K�pfe aneinandergelehnt. Madeline war eine vollbusige Frau mit gl�nzenden, dunklen Augen und Haaren und wei�er Haut. �Justin hat es in der Hand, mich noch ein kleines bi�chen gl�cklicher zu machen, das mu� ich gestehen.�</p><p>�Ich bin sicher, wir werden auch dieses Hindernis �berwinden.� In Wirklichkeit war er keineswegs sicher, aber das gab er nie zu. �ber ihre Schulter hinweg betrachtete er das Paket. �Was ist das?�</p><p>�Ich wei� nicht. Es ist an dich adressiert. Vor einer Stunde kam es vom Kai hoch.�</p><p>�Das ist richtig, das Flu�boot war heute f�llig � �</p><p>�Captain Asnip hat zusammen mit dem Paket eine Nachricht geschickt. Er sagt, es sei mit dem letzten Schiff vor Beginn der Blockade nach Charleston gelangt. Ich habe gesehen, da� es den Namen einer Schiffsgesellschaft in Nassau tr�gt. Wei�t du, was es ist?�</p><p>�Vielleicht.�</p><p>�Dann hast du es also bestellt. Packen wir es aus.�</p><p>Unerwartete Panik wischte sein L�cheln weg. Wenn der Anblick des Inhalts sie verst�rte? Er klemmte sich das Paket unter den rechten Arm. �Sp�ter. Ich zeig�s dir beim Abendessen. Ich m�chte es dir richtig vorf�hren.�</p><p>�Ein Geheimnis, ein Geheimnis.� Sie lachte, als er die Treppe hochstieg.</p><p>Es d�mmerte bereits, als sie sich zum Abendessen niedersetzten.</p><p>�Riecht gro�artig�, sagte Orry. �Krebse?�</p><p>�Gestern im Atlantik gefangen. Ich hab� zwei Fa� auf Eis bestellt. Sie sind mit dem Paketboot gekommen. Soviel zum gastronomischen Teil, Mr. Main. Jetzt m�chte ich das Paket sehen.� Es lag neben ihm mit dem Boden, ohne die �u�ere Verpackung; �ltuch war sichtbar.</p><p>Er machte sich lustig �ber sie, pickte umst�ndlich an den Krebsen herum und sagte mit ernstem Gesicht und leiser Stimme: �K�stlich.�</p><p>�Orry Main, du bist unm�glich! Zeigst du�s mir, wenn ich dir was Neues �ber Justin erz�hle?�</p><p>Pl�tzlich ern�chtert legte er die Gabel beiseite. �Gute Neuigkeiten?�</p><p>�Oh, nichts, was die Scheidung betrifft, f�rchte ich. Eine Kleinigkeit nur, ein bi�chen komisch und ein bi�chen traurig.� Sie berichtete, was sie von einem der K�chenm�dchen geh�rt hatte, das heute auf Resolute gewesen war.</p><p>�Ins Hinterteil�, sinnierte Orry. �Ein direkter Treffer in den Sitz des Familienprestiges der LaMottes, eh?�</p><p>Sie lachte. �Jetzt bist du dran.� Er l�ste zwei rote Wachssiegel und die weitere Verpackung. Als sie sah. was das �ltuch bis jetzt verborgen hatte, atmete sie scharf ein.</p><p>�Es ist wundersch�n. Wo kommt das her?�</p><p>�Aus Deutschland. Ich hab�s f�r Charles bestellt und hoffte, es w�rde durchkommen.�</p><p>Er reichte ihr die Waffe in der Scheide. Mit gro�er Vorsicht fa�te sie den mit Messingdraht umwundenen Ledergriff. Sie zog das geschwungene Blatt heraus; die Augen des F�cherboys wurden gro�, als er sah, wie sich das Kerzenlicht in dem edlen Stahl spiegelte. Orry erkl�rte, da� es sich hier um einen leichten Kavalleries�bel handle, das genehmigte Modell von 1856, mit einer L�nge von insgesamt einundvierzig Inches.</p><p>Madeline neigte die Klinge, um die Gravur auf der Vorderseite zu lesen: <emphasis>F�r Charles Main, in Liebe von seiner Familie, 1861.</emphasis> Sie warf ihm einen langen, liebevollen Blick zu, dann untersuchte sie die andere Seite. �Ich kann das nicht lesen. Hei�t es Cluberg?�</p><p>�Clauberg aus Solingen. Der Hersteller. Einer der besten in Europa.�</p><p>�Da sind viele winzige Blumen und Kurven eingraviert sogar Medaillons mit den Buchstaben C.S. darin.�</p><p>�Bei gewissen Versionen dieses Modells lauten die Buchstaben U.S.�, sagte er trocken und l�chelte.</p><p>Den S�bel immer noch wie Glas behandelnd, steckte sie ihn wieder in die goldverzierte, blaumetallische Scheide zur�ck. Dann sagte sie, seinem Blick ausweichend: �Vielleicht h�ttest du auch f�r dich sowas bestellen sollen.�</p><p>�Falls ich das Angebot annehme?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Oh, das ist aber ein Kavalleries�bel. Ich k�nnte ihn nicht tragen, selbst wenn ich mich entschlie�en w�rde � �</p><p>�Orry�, unterbrach sie, �du weichst aus. Du weichst mir aus, und du weichst einer Entscheidung aus.�</p><p>�In letzterem Fall bekenne ich mich schuldig�, gab er mit schnell wechselndem Gesichtsausdruck zu, der doch alles verriet. Er verbarg etwas vor ihr, ein f�r ihn sehr ungew�hnliches Benehmen. �Ich kann jetzt noch nicht nach Richmond. Es gibt noch zu viele Hindernisse. Zuallererst deine Situation.�</p><p>�Ich kann ausgezeichnet auf mich aufpassen wie du sehr wohl wei�t.�</p><p>�Geh jetzt nur nicht auf mich los. Nat�rlich wei� ich das. Aber ich mu� auch an Mutter denken.�</p><p>�Auch um sie kann ich mich k�mmern.�</p><p>�Nun, ohne Aufseher kannst du die Plantage nicht leiten. Der <emphasis>Mercury</emphasis> hat wieder mein Stellenangebot gedruckt. Hat das Paketboot irgendwelche Antworten gebracht?�</p><p>�Ich f�rchte nein.�</p><p>�Dann mu� ich weiter suchen. Ich brauche dieses Jahr eine gute Ernte, wenn ich einen Beitrag zu den Regierungsbem�hungen leisten will � wozu ich mich heute mit der Unterzeichnung dieser Papiere einverstanden erkl�rt habe. Ich werde nicht mal an Richmond denken, bis ich den richtigen Mann zur �bernahme gefunden habe.�</p><p>Sp�ter gingen sie in die Bibliothek. Aus den Regalen, die Tillet Main mit guter Literatur gef�llt hatte, w�hlten sie einen wundersch�n gebundenen Band von <emphasis>Das verlorene Paradies.</emphasis> W�hrend der Jahre ihrer heimlichen Treffen hatten sie h�ufig laut Gedichte gelesen; der Rhythmus der Verse wurde manchmal zu einem unzul�nglichen Ersatz f�r k�rperliche Liebe. Seit sie zusammenlebten, hatten sie entdeckt, da� diese Lesungen ihnen immer noch Vergn�gen bereiteten.</p><p>Sie setzten sich auf ein Sofa, das Orry nur zu diesem Zweck angeschafft hatte. Er sa� stets links von Madeline, damit er eine Seite des Buches halten konnte. Madeline lie� das Buch in ihrem Scho� sinken, und Orry sagte: �Cooper behauptet, wir h�tten deswegen Krieg, weil der S�den sich weigere, die Ver�nderungen, die in diesem Land stattfinden, anzuerkennen. Ich erinnere mich vor allem an seine Worte, da� wir weder mit der Notwendigkeit f�r Ver�nderungen noch mit ihrer Unvermeidlichkeit umgehen k�nnten.�</p><p>�Wird der Krieg wirklich etwas �ndern? Wenn er vorbei ist, wird dann nicht fast alles beim alten sein?�</p><p>�Einige unserer F�hrer m�chten das gerne glauben. Ich glaube es nicht.�</p><p>Aber er wollte den Abend nicht mit melancholischen Spekulationen verderben; er k��te ihre Wange und schlug vor, Gedichte zu lesen. Sie �berraschte ihn damit, da� sie sein Gesicht zwischen ihre k�hlen Handfl�chen nahm und ihn mit Augen anblickte, in denen gl�ckliche Tr�nen gl�nzten.</p><p>�Dies hier wird sich nicht �ndern. Ich liebe dich mehr als mein Leben.�</p><p>Ihr Mund pre�te sich auf seinen, �ffnete sich leicht; der Ku� war lang und voll s��er Gemeinsamkeit. Er fuhr mit der Hand hoch, zerzauste ihr Haar. Sie lehnte sich gegen seine Schulter und fl�sterte: �Ich habe das Interesse an britischen Poeten verloren. La� uns die Lichter l�schen und nach oben gehen.�</p><p>Am n�chsten Tag, als Orry auf den Feldern war, suchte Madeline nach einem Schal. Sie und Orry teilten sich einen gro�en, begehbaren Garderobenschrank, der an sein Schlafzimmer grenzte; dort suchte sie nach dem Schal.</p><p>Hinter einer Reihe von Gehr�cken, die er nie trug, ersp�hte sie ein vertrautes Paket. Zuletzt hatte sie den S�bel unten in der Bibliothek gesehen. Warum um alles in der Welt hatte er ihn hinaufgebracht und hier versteckt?</p><p>Sie hielt den Atem an, griff dann hinter die Gehr�cke und hob das Paket hervor. Die roten Wachssiegel waren unbesch�digt. Kein Wunder, da� es ihn nicht erheitert hatte, als sie ihn mit der M�glichkeit eines zweiten S�bels aufgezogen hatte.</p><p>Sorgf�ltig legte sie das Paket wieder an Ort und Stelle. Sie w�rde ihre Entdeckung f�r sich behalten; wenn er es f�r richtig erachtete, w�rde er mit ihr dar�ber sprechen. Doch was seine Absichten anbelangte, gab es keinen Zweifel mehr.</p><p><strong>18</strong></p><p>Der blutrote Schein der sinkenden Sonne ergo� sich am n�chsten Abend durch die B�rofenster. Orry schwitzte an seinem Schreibtisch; er war m�de, aber die Einkaufsliste f�r seinen Agenten in Charleston mu�te fertig werden. Er war gezwungen gewesen, seine Gesch�fte wieder von der Fraser-Company abwickeln zu lassen, die schon f�r seinen Vater t�tig gewesen war, weil Cooper die eigene Schiffsfirma an die Marine �bergeben hatte. Cooper hielt s�mtliche CSC-Aktien und war deshalb durchaus dazu berechtigt. Aber es war verdammt umst�ndlich, und Orry mu�te sich auch dieser Situation erst anpassen.</p><p>Aus fr�heren Transaktionen war Fr�ser ihm noch eine R�ckzahlung schuldig gewesen. Einen Teil der Summe hatten sie in neuen Konf�derierten-Banknoten bezahlt, sehr h�bsch gemacht mit Gravuren von einer G�ttin der Landwirtschaft und fr�hlichen, auf einem Baumwollfeld arbeitenden Negern. In winziger Schrift stand auf den Banknoten <emphasis>Southern Bank Note Co.</emphasis> Dazu in Fr�sers Brief der Kommentar: �Die Banknoten sind in N. Y. gedruckt � fragen Sie uns nicht warum.� Ein kluger Mann h�tte das aus der beiliegenden Tausend-Dollar-Note schlie�en k�nnen. Die Portr�ts von John Calhoun und Andrew Jackson waren darauf zu sehen. Offensichtlich hatten die verdammten Yankees, von denen der Entwurf der Banknote stammte, keine Ahnung von Geschichte.</p><p>Auch St�dte druckten Papiergeld. Orrys Repr�sentant bei Fr�ser hatte ein Muster beigelegt, eine bizarre Banknote der Corporation von Richmond mit einem heroischen Portr�t des Gouverneurs auf rosa Papier im Werte von f�nfzig Cents. Wenige Sezessionisten hatten sich ihre Wirrk�pfe �ber die praktischen Konsequenzen ihrer Tat zerbrochen.</p><p>�Orry � oh, Orry � solche Neuigkeiten!�</p><p>Madeline platzte ins B�ro, raffte ihren krinolinverst�rkten Rock und tanzte, f�r sie ganz untypisch, durch den Raum, w�hrend er sich von seiner �berraschung erholte. Sie kicherte <emphasis>kicherte! �</emphasis> w�hrend sie herumh�pfte. Tr�nen str�mten �ber ihr Gesicht und widerspiegelten das dunkelrote Licht.</p><p>�Ich sollte nicht gl�cklich sein � Gott wird mich strafen, aber ich bin�s. Ich bin�s!�</p><p>�Madeline, was �?�</p><p>�Vielleicht wird Er mir dies eine Mal vergeben.� Sie pre�te einen Zeigefinger unter ihre Nase, konnte aber nicht aufh�ren zu kichern.</p><p>�Hast du den Verstand verloren?�</p><p>�Ja!� Sie ergriff seine Hand, zog ihn hoch, schwenkte ihn herum. �Er ist tot!�</p><p>�Wer?�</p><p>�Justin! Ich wei�, es ist sch�ndlich, so zu empfinden. Er�, sie sch�ttelte sich, �war ein menschliches Wesen � �</p><p>Nur im weitesten Sinne des Wortes, dachte Orry. �Kein Irrtum m�glich?�</p><p>�Nein, nein � einer der Hausangestellten sah Dr. Lonzo Sapp auf der Flu�stra�e. Dr. Sapp kam gerade von Resolute. Mein Ehemann�, sie beruhigte sich etwas, wischte die Tr�nen fort, schluckte und sprach nun zusammenh�ngender weiter, �hat heute morgen seinen letzten Atemzug getan. Die Schu�wunde l�ste irgendwie eine Infektion aus, die seinen ganzen K�rper vergiftete. Ich bin ihn los.� Sie warf ihre Arme um Orrys Nacken, lehnte sich �bersprudelnd vor Freude zur�ck. �Wir sind ihn los. Ich bin unertr�glich gl�cklich, und ich sch�me mich deswegen.�</p><p>�Das mu�t du nicht. Francis wird um ihn trauern, sonst niemand.� Beschwingtheit stieg in ihm auf, der Drang zu lachen. �Gott wird auch mir vergeben m�ssen. Auf grimmige Art und Weise ist es komisch. Der kleine Gockel, von einem seiner eigenen M�nner in den Arsch geschossen.�</p><p>�An Justin war nichts Komisches.� Ihr R�cken war dem Fenster zugewandt, und in dem Aufflammen des roten Abendlichts lie� sich ihr Gesicht kaum erkennen. �Er war ein b�ser Mann. Sie k�nnen mich in die H�lle stecken, ich werde trotzdem nicht zu seinem Begr�bnis gehen.�</p><p>�Ich auch nicht.� Orry legte die Hand auf die Liste f�r Fr�ser; jetzt schien sie nicht mehr wichtig zu sein. �Wie bald k�nnen wir heiraten?�</p><p>�Sehr bald. Ich weigere mich zu warten und die trauernde Witwe zu spielen. Nach der Hochzeit k�nnen wir die Dinge organisieren, damit du deine Kommission annehmen kannst.�</p><p>�Ich bin immer noch entschlossen, einen Aufseher zu finden, ehe ich eine endg�ltige Entscheidung treffe.� Sie blickte zur Seite, als er fortfuhr: �Hier ist alles in Bewegung geraten. Geoffrey Bull kam heute nachmittag recht aufgeregt von seiner Plantage r�ber. Zwei seiner Neger, seiner Meinung nach die loyalsten und vertrauensw�rdigsten, sind gestern weggerannt.�</p><p>�Nach Norden?�</p><p>�Er vermutet es. Lies den <emphasis>Mercury,</emphasis> und du wirst feststellen, da� sowas st�ndig passiert. Zum Gl�ck nicht bei uns.�</p><p>�Aber an Problemen mangelt es uns auch nicht. Blo� eines � der junge Mann, den du zum Vorarbeiter gemacht hast, als Rambo letzten Winter an Lungenentz�ndung starb.�</p><p>�Cuffey?�</p><p>Sie nickte. �Ich bin noch nicht lange hier, aber ich habe eine Ver�nderung bemerkt. Er ist nicht blo� frech; er ist w�tend. Und er macht sich nicht die M�he, es zu verbergen.�</p><p>�Ein Grund mehr, jede Entscheidung zur�ckzustellen, bis ich einen Aufseher gefunden habe.� Er zog sie an sich. �Geh�n wir ins Haus, schenken uns einen Schluck Wein ein und sprechen �ber die Hochzeit, ja?�</p><p>Madeline schlief l�ngst schon in dieser Nacht, da lag Orry noch wach. Er hatte die Probleme mit den Sklaven heruntergespielt, weil er es ha�te, zugeben zu m�ssen, da� eine so human gef�hrte Plantage wie Mont Royal Schwierigkeiten haben k�nnte.</p><p>Orry sp�rte einen Wechsel in der Atmosph�re der Plantage. Einige Tage nach Beginn der Feindseligkeiten hatte es angefangen. W�hrend er vom Pferd aus die Feldarbeiten beaufsichtigte, h�rte er, wie ein Name gemurmelt wurde, und kam sp�ter zu dem Schlu�, er sollte ihn auch h�ren. Der Name war Linkum.</p><p>Kurz nach Madelines Ankunft waren ernste Probleme aufgetreten, die ihre Wurzeln in einer Trag�die hatten. Im letzten November war Cuffey, Mitte Zwanzig und noch nicht zum Vorarbeiter ernannt, Vater von Zwillingsm�dchen geworden. Cuffeys Frau Anne hatte eine schwere Entbindung; einer der Zwillinge lebte nur drei�ig Minuten.</p><p>Das andere M�dchen, ein zartes, kleines Ding, nach Orrys Mutter auf den Namen Clarissa getauft, war am 3. Mai dieses Jahres beerdigt worden. Orry hatte davon erfahren, als er und Madeline von einem zweit�gigen Aufenthalt in Charleston zur�ckkehrten, wo die Stimmungswogen hochschlugen und L�den und Restaurants �berf�llt waren. W�hrend eines heftigen Gewitters lenkte Orry ihre Kutsche zur�ck nach Mont Royal, �ber die fast unpassierbare, schlammige Uferstra�e. Als sie bei Einbruch der Nacht ankamen, brannten im gro�en Haus �berall Kerzen und Lampen, und Orrys Mutter wanderte mit einem verlorenen Gesichtsausdruck durch die R�ume.</p><p>�Ich glaube, es hat einen Todesfall gegeben�, sagte sie.</p><p>Nachdem er von einem Hausgehilfen die Einzelheiten erfahren hatte, machte er sich auf den Weg zu der Sklavenansiedlung. In den wei�get�nchten H�tten brannten Lichter, aber sonst war alles be merkenswert still. V�llig durchn��t kletterte er zu Cuffeys H�tte hoch und klopfe.</p><p>Die T�r ging auf. Orry war schockiert vom Schweigen des gutaussehenden jungen Sklaven und seinem m�rrischen Starren. Im Hintergrund h�rte er das leise Weinen einer Frau.</p><p>�Cuffey, ich habe gerade von deiner Tochter erfahren. Es tut mir schrecklich leid. Darf ich hereinkommen?�</p><p>Unglaublicherweise sch�ttelte Cuffey den Kopf. �Meine Anne f�hlt sich jetzt nicht gut.�</p><p>Ver�rgert �berlegte Orry, ob die Ursache daf�r ihr Verlust oder etwas anderes war. Er hatte Ger�chte geh�rt, da� Cuffey seine Frau mi�handelte. Sich beherrschend sagte er: �Auch das tut mir leid. Auf jeden Fall m�chte ich zum Ausdruck bringen, da� � �</p><p>�Rissa starb, weil Sie nicht da waren.�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Keiner von diesen hochn�sigen Hausnegern wollte einen Doktor holen, und Ihre Momma konnte nich� begreifen, da� ich sie brauchte, um Ausweis zu schreiben, damit ich selber Doktor holen kann. Ich bettelte eine Stunde, aber sie sch�ttelte blo� Kopf wie Verr�ckte. Ich hab�s versucht, bin zu Doktor gerannt, kein Ausweis, nichts. Wir kamen zur�ck, und es war zu sp�t; Rissa war tot. Der Doc schaute einmal, sagte Typhusfieber, und weg war er. Mu�te sie ganz allein beerdigen. Kleine Rissa. Tot wie ihre Schwester. Sie w�ren hier gewesen, mein Baby w�rde leben.�</p><p>�Verdammt, Cuffey, du kannst mir nicht die Schuld geben � �</p><p>Cuffey knallte die T�r zu. Der Regen tropfte vom Verandadach. Die Nacht fiel herab, stickig und voller wachsamer Augen.</p><p>Irgendwo begann eine Altstimme kaum h�rbar eine Hymne zu singen. Orry bedauerte, was er nun zu tun hatte, aber er konnte die Herausforderung nicht auf sich beruhen lassen, nicht bei so vielen Zuschauern. Er klopfte ein zweitesmal kr�ftig.</p><p>Keine Antwort.</p><p>Er h�mmerte gegen die T�r. �Cuffey, mach auf!�</p><p>Quietschend �ffnete sich die T�r einen Spalt. Mit seinem schlammbedeckten Stiefel trat Orry dagegen. Cuffey mu�te zur Seite springen, um nicht getroffen zu werden.</p><p>�H�r mir zu�, sagte Orry. �Es tut mir aufrichtig leid, da� deine Tochter gestorben ist, aber deswegen lasse ich nicht zu, da� du dich mir widersetzt. Jawohl, w�re ich hier gewesen, ich h�tte augenblicklich den Ausweis geschrieben oder selbst den Doktor geholt. Aber ich war nicht hier, und ich konnte von dem Notfall nichts wissen. Wenn du deines Postens nicht enthoben werden willst, halte deine Zunge im Zaum und knall mir nie wieder eine T�r vor der Nase zu.�</p><p>Schweigen, angef�llt mit dem Rauschen des Regens. Orry packte den T�rrahmen. �Hast du mich verstanden?�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>Zwei leblose Worte. Im schwachen Schein der Hauslampe erkannte Orry die vor Wut funkelnden Augen Cuffeys. Er hegte den Verdacht, da� seine Warnung verschwendet war; er konnte nur hoffen, da� Cuffey bald wieder zur Vernunft kommen w�rde.</p><p>�Richte deiner Frau mein Beileid aus. Gute Nacht.� Er stampfte von der Veranda, traurig �ber den Tod des Kindes, �rgerlich �ber Cuffeys Auslegung, mit Schuldgef�hlen beladen wegen seines Auftritts vor dem unsichtbaren Publikum. Die Rolle lag ihm nicht, aber er mu�te sie spielen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Cooper hatte einmal bemerkt, da� sowohl die Herren als auch Sklaven Opfer der gleichen seltsamen Institution seien. In dieser schrecklichen Nacht verstand Orry, wie er das gemeint hatte.</p><p>Und das war der Anfang, dachte er, den sanften Druck von Madelines Schenkel neben sich sp�rend. Damit wurde die erste Karte aus dem Kartenhaus gerissen. Das hat die anderen ins Rutschen gebracht.</p><p>Vier Tage nach der Konfrontation bei der H�tte kam Anne. Cuffeys Frau, in der D�mmerung in sein B�ro. Unter einem Auge zeigte sich eine h��liche Schwellung, und die braune Haut darum herum f�rbte sich schwarz. Z�gernd brachte sie ihre Bitte vor: �Bitte, Sir, verkaufen Sie mich.�</p><p>�Anne, du bist hier geboren. Ebenso deine Mutter und dein Vater. Ich wei�, der Verlust von Rissa hat � �</p><p>�Verkaufen Sie mich, Mr. Orry�, unterbrach sie ihn aufweinend und ergriff sein rechtes Handgelenk. �Ich hab� solche Angst vor Cuffey, ich m�cht� sterben.�</p><p>�Hat er dich geschlagen? Ich bin sicher, er ist nicht er selbst. Rissa � �</p><p>�Rissa hat nichts zu tun damit. Er schl�gt mich immer. Macht er seit Heirat. Ich hab� Ihnen nicht gesagt, aber Leute wissen Bescheid. Letzte Nacht hat er mich mit Stock und Faust geschlagen, dann hat er mich mit Pfanne geschlagen.�</p><p>Knapp eins neunzig gro�, so ragte der wei�e Mann �ber dem zerbrechlichen schwarzen M�dchen auf und schien vor �rger noch gr��er zu werden. �Ich bin weggerannt, hab� mich versteckt�, sagte sie, immer noch weinend. �Er h�tte mir Sch�del eingeschlagen, so verr�ckt w�tend war er. Ich hab� versucht zu ertragen wie eine gute Frau, aber ich hab� zuviel Angst. Ich m�chte hier weg.�</p><p>Ihre Augen bettelten weiter, nachdem sie ihre traurige Geschichte beendet hatte. Sie war eine gute Arbeiterin, aber er konnte nicht zusehen, wie sie kaputtgemacht wurde. �Wenn das dein Wunsch ist, Anne, dann werde ich ihn erf�llen.�</p><p>Annes Gesicht leuchtete auf, als sie ausrief: �Sie schicken mich zum Markt nach Charleston?�</p><p>�Dich verkaufen? Auf keinen Fall. Aber ich kenne eine Familie in der Stadt, gute, freundliche Leute, die letzten Herbst ihr Hausm�dchen verloren haben und sich kein anderes leisten k�nnen. N�chste oder �bern�chste Woche werde ich dich einfach zu ihnen bringen.�</p><p>�Morgen. Bitte!�</p><p>Ihre Furcht erschreckte ihn. �Also gut. Ich werde sofort einen Brief schreiben. Geh deine Sachen holen, und halt dich bereit.�</p><p>Sie klammerte sich an ihm fest, ihr Gesicht gegen sein Hemd gepre�t. �Ich kann nicht dorthin zur�ck. Er bringt mich um. Ich brauche nur dies Kleid, das ist alles. Machen Sie nicht, da� ich zur�ck mu�, Mr. Orry. Nicht.�</p><p>Er hielt sie fest, gl�ttete ihr Haar, beruhigte sie, so gut es ging. �Wenn du solche Angst hast, such Aristotle im Haus. Richte ihm von mir aus, er soll dir einen Platz f�r die Nacht geben.�</p><p>Diesmal weinte sie vor Gl�ck, umarmte ihn, zuckte dann entsetzt zur�ck. �Oh, Mr. Orry, ich war � ich wollte nicht � �</p><p>�Ich wei�. Du hast nichts Unrechtes getan. Geh nun ins Haus.�</p><p>Das war das letzte Mal, da� er Anne sah, abgesehen von den f�nf Minuten am n�chsten Morgen, als er den Pa� f�r den Sklaven ausschrieb, der sie zusammen mit dem Brief zu der Familie nach Charleston bringen sollte. Noch im Fortfahren dankte sie ihm �berschwenglich und segnete seinen Namen.</p><p>An Nachmittag ritt Orry hinaus, um die Felder zu inspizieren, die f�r die Bepflanzung im Juni vorbereitet wurden. Als Cuffey das Pferd h�rte, hob er im glei�enden Sommerlicht den Kopf und starrte seinen Besitzer lange und durchdringend an. Dann wandte er sich ab und ging auf einen Neger los, der nicht zu seiner Zufriedenheit arbeitete. Cuffey schlug den Sklaven, der zur�cktaumelte.</p><p>�Das reicht�, rief Orry. Der Vorarbeiter starrte ihn erneut an. Orry achtete darauf, nicht zu blinzeln. Nach zehn Sekunden ri� er den Kopf seines Pferdes so hart herum, da� das Tier schnaubte. Der Blick zwischen Sklave und Herrn war sehr deutlich gewesen. Cuffey hatte jemanden get�tet, und jeder von ihnen wu�te, um wen es sich dabei handelte.</p><p>Orry erw�hnte den Vorfall Madeline gegen�ber nicht, aus dem gleichen Grund, aus dem er ihr Einzelheiten �ber Cuffeys herausforderndes Benehmen in jener regnerischen Nacht erspart hatte. Nat�rlich wu�te Madeline, da� Anne auf eigene Bitte nach Charleston geschickt worden war. Sie war auch Augenzeugin, als die n�chste Karte fiel.</p><p>Es geschah Anfang Juni. Cuffey war mit Arbeitstrupps drau�en, um die Sommerpflanzung vorzunehmen, falls die Reisv�gel oder salziges Flu�wasser die Fr�hernte zerst�rten.</p><p>Jedes kultivierte Feld war durch hohe D�mme von dem umliegenden Land getrennt. H�lzerne Kan�le lie�en das Wasser des Ashley von Feld zu Feld flie�en und bei Ebbe wieder abflie�en, wenn die Kanalgatter gehoben wurden. Madeline ritt den D�mmen entlang und n�herte sich dem Feld, wo die Sklaven schufteten. Der Tag war klar und angenehm, mit einer leichten Brise und einem intensiv blauen Himmel. Wie gew�hnlich bei ihren Ausritten trug sie Hosen und sa� v�llig undamenhaft im M�nnersitz im Sattel, aber spielte das noch eine Rolle? Schlechter konnte ihr Ruf im Distrikt kaum werden.</p><p>Vor sich sah sie Cuffey zwischen den gebeugten R�cken der Sklaven mit seinem Kn�ppel prahlen, den er als Zeichen seiner Autorit�t trug. Ein �lterer Neger, der in der N�he des Dammes arbeitete, erregte das Mi�fallen des Vorarbeiters, als Madeline bereits dicht bei ihnen war.</p><p>�Unn�tzer Nigger�, schimpfte Cuffey. Er schlug den grauhaarigen Neger mit seinem Kn�ppel, und der Mann sackte zusammen. Seine neben ihm arbeitende Frau schrie auf. Cuffey verlor die Beherrschung und sprang mit erhobenem Kn�ppel auf sie zu. Die pl�tzliche, heftige Bewegung erschreckte Madelines Pferd. Wiehernd brach der Wallach nach rechts aus und w�re vom Damm gest�rzt, h�tte ihn nicht ein anderer Neger, ungef�hr in Cuffeys Alter, am Halfter erwischt.</p><p>Das Gewicht und die Kraft des Sklaven verhinderten, da� das Pferd ins n�chste Feld st�rzte. Schnell bekam Madeline das scheuende Tier wieder unter Kontrolle, doch Cuffey mi�fiel die Rettungsaktion.</p><p>�Du, geh runter an deine Arbeit!�</p><p>Der Sklave ignorierte den Befehl. Er schaute Madeline eher besorgt als unterw�rfig an. �Sie sind in Ordnung. Ma�am?�</p><p>�Ja, danke. Ich � �</p><p>�Du h�rst mich, Nigger?� br�llte Cuffey. Er kletterte halb den Damm hoch und deutete mit seinem Kn�ppel auf den anderen Schwarzen, dessen gro�e, leicht schr�g stehende Augen zum erstenmal Gef�hl verrieten. Es war nicht schwer, sich vorzustellen, was er f�r den Vorarbeiter empfand.</p><p>�Sei still, wenn ich mich bei diesem Mann bedanke�, sagte Madeline. �Du hast den Vorfall verursacht, nicht er.�</p><p>Cuffey schaute erst verbl�fft, dann w�tend drein. Hinter ihm erklang Kichern, und er wirbelte herum, doch die schwarzen Gesichter unter ihm waren leer und ausdruckslos. Lauter denn je tobend stampfte er den Damm hinunter.</p><p>Die Neger nahmen die Arbeit wieder auf, w�hrend Madeline zu ihrem Retter sagte: �Ich habe dich schon gesehen, aber ich wei� deinen Namen nicht.�</p><p>�Andy, Ma�am. Ich wurde nach Pr�sident Jackson genannt.�</p><p>�Bist du auf Mont Royal geboren?�</p><p>�Nein, Mr. Tillet kaufte mich im Fr�hling, bevor er starb.�</p><p>�Nun, Andy, ich danke dir f�r dein schnelles Eingreifen. Es h�tte einen schlimmen Unfall geben k�nnen.�</p><p>�Bin froh, hat es keinen gegeben, Cuffey hatte keinen Grund, den Alten zu qu�len � � Mit einem kleinen, scharfen Atemzug hielt er inne. Er hatte impulsiv gesprochen, und sowas stand ihm nicht zu.</p><p>Sie dankte ihm noch einmal. Mit einem schnellen Nicken sprang er vom Damm hinunter; das L�cheln und Murmeln einiger Leute zeigte, da� er bei ihnen genauso beliebt wie der Vorarbeiter unbeliebt war. Vor Wut kochend lie� Cuffey den Kn�ppel in seine andere Handfl�che klatschen. Sein Blick war dabei starr auf Andy gerichtet.</p><p>Andy erwiderte das Starren. Cuffey schaute schlie�lich weg, wahrte aber das Gesicht, indem er gleichzeitig Befehle schrie. Eine �ble Situation, dachte Madeline im Weiterreiten � und so erz�hlte sie es auch Orry. Bei Dunkelheit schickte er einen Boten zur Sklavenansiedlung. Kurz darauf klopfte es an der offenen B�rot�r.</p><p>�Komm herein. Andy.�</p><p>Der barf��ige Sklave trat �ber die Schwelle. Seine Hosen waren so h�ufig gewaschen worden, da� sie wei� gl�nzten, ebenso wie sein geflicktes kurz�rmeliges Hemd. Orry hatte ihn schon immer f�r einen gutaussehenden jungen Burschen gehalten, muskul�s, h�flich, ohne unterw�rfig zu sein.</p><p>�Setz dich.� Orry deutete auf einen alten Schaukelstuhl neben dem Schreibtisch. �Ich m�chte, da� du es bequem hast, w�hrend wir uns unterhalten.�</p><p>Diese unerwartete Behandlung entwaffnete und verwirrte den jungen Mann. Er setzte sich vorsichtig, angespannt; der Schaukelstuhl bewegte sich keinen Millimeter.</p><p>�Du hast Miss Madeline vor einer schweren Verletzung bewahrt. Ich wei� das zu sch�tzen. Ich m�chte dir einige Fragen �ber die Ursache des Mi�geschicks stellen. Ich erwarte ehrliche Antworten. Du brauchst deswegen vor niemandem Angst zu haben.�</p><p>�Sie meinen den Vorarbeiter?� Andy sch�ttelte den Kopf. �Ich hab� keine Angst vor ihm oder irgendeinem Neger, der schlagen und fluchen mu�, um seinen Willen zu bekommen.� Sein Ton und sein Blick zeigten, da� er auch keinen Wei�en von dieser Sorte f�rchtete. Orrys g�nstiger Eindruck verst�rkte sich.</p><p>�Hinter wem war Cuffey her? Miss Madeline sagte, der Mann hatte graues Haar.�</p><p>�Es war Cicero.�</p><p>�Cicero! Er ist fast sechzig.�</p><p>�Jawohl, Sir. Er und Cuffey � sie haben zuvor schon �rger miteinander gehabt. Kaum war die Herrin weg, da schwor Cuffey. der alte Mann w�rde daf�r b��en m�ssen.�</p><p>�Gibt es sonst noch etwas, was ich wissen sollte?� Andy sch�ttelte den Kopf. �In Ordnung. Ich m�chte dir danken f�r das, was du getan hast. Besitzt du einen Garten? Baust du f�r dich selbst etwas an?�</p><p>�Ja, Sir. Dieses Jahr Gumbo und ein paar Erbsen. Und drei H�hner hab� ich.�</p><p>Orry zog eine Schreibtischschublade auf und holte drei Geldscheine heraus. �F�r diese drei Dollar kannst du dir Saatgut und neues Werkzeug kaufen, wenn du welches brauchst. Sag mir, was du willst, und ich werde es in Charleston bestellen.�</p><p>�Danke, Sir. Ich denke dar�ber nach und sage es Ihnen.�</p><p>�Kannst du lesen und schreiben, Andy?�</p><p>�Ist gegen das Gesetz, da� Neger lesen oder schreiben. Ich kann ausgepeitscht werden, wenn ich ja sage!�</p><p>�Nicht hier. Beantworte die Frage.�</p><p>�Ich kann beides nicht.�</p><p>�W�rdest du es lernen, wenn du die M�glichkeit h�ttest?�</p><p>Andy sch�tzte das Risiko ab, ehe er antwortete. �Ja. Sir, das w�rde ich. Lesen, schreiben � das hilft einem Mann, in der Welt voranzukommen.� Ein tiefer Atemzug, dann platzte er heraus: �Vielleicht bin ich eines Tages frei. Dann brauch� ich es noch viel mehr.�</p><p>Orry l�chelte, um die Bef�rchtungen des schwarzen Mannes zu zerstreuen. �Das ist weise Voraussicht. Freut mich, da� wir uns unterhalten haben. Ich habe nicht viel von dir gewu�t, aber ich glaube, du kannst f�r diese Plantage gute Dienste leisten. Du wirst vorankommen.�</p><p>�Ich danke Ihnen�, sagte Andy und hielt das Geld hoch. �Auch daf�r.�</p><p>Orry nickte und beobachtete, wie der kr�ftige junge Mann sich der T�r zuwandte. Mancher h�tte Andy f�r seine Offenheit ausgepeitscht; Orry w�nschte, er h�tte ein weiteres Dutzend mit �hnlicher Bereitschaft zur Initiative.</p><p>W�hrend ihres Gespr�chs war die Nacht hereingebrochen. In der Ferne quakten die gro�en Fr�sche, w�hrend Orry beobachtete, wie der Sklave den Pfad hinabging; Andy war nicht gro�, aber sein Gang und seine ganze Art lie�en ihn wesentlich gr��er erscheinen.</p><p>Am n�chsten Morgen ritt Orry zu der Stelle, wo gearbeitet wurde, auf der Suche nach Cicero. Er sah ihn nicht. Cuffey d�mpfte sein Getobe, bis Orry vorbei war. dann verdoppelte er die Lautst�rke. Orry ritt weiter zu den Sklavenh�tten und stieg vor dem H�uschen ab, das Cicero und dessen Frau geh�rte. Ein nackter f�nfj�hriger Junge mit einem lustigen Gesicht pinkelte gegen einen der Pfosten. Ciceros Frau scheuchte den Jungen weg und eilte hinaus, als sie Orry h�rte.</p><p>�Wo ist dein Mann, Missy?�</p><p>�Drinnen. Mist� Orry. Er, �h, heut nicht arbeitet. Blo� bi�chen krank.�</p><p>�Ich m�chte ihn sehen.�</p><p>Ihre Reaktion � ein Ausbruch fast unverst�ndlichen Gestammels, der fast an Weigerung grenzte, best�tigte ihm, da� etwas nicht stimmte. Er schob sie sanft beiseite und betrat die saubere, kahle H�tte, gerade als Cicero st�hnte.</p><p>Orry fluchte unterdr�ckt. Der alte Sklave lag auf einem Strohsack. Arme �ber dem Bauch verschr�nkt, das Gesicht verzerrt. Getrocknetes Blut war auf seinen geschlossenen, farblosen Augenlidern zu sehen. Seine Stirn trug �hnliche Spuren. Zweifellos hatte Cuffey seinen Kn�ppel ben�tzt.</p><p>�Ich laߒ den Arzt holen, damit er nach ihm sieht, Missy�, sagte er, als er wieder zu ihr auf die Veranda heraustrat. �Ich werde diese Sache in Ordnung bringen, noch ehe der Tag vorbei ist.�</p><p>Sie griff nach seiner Hand und dr�ckte sie. Ihre Tr�nen erstickten jedes Wort.</p><p>Am Nachmittag herrschte br�tende Hitze. Trotzdem machte Orry ein Feuer in dem Eisenofen, bevor er Cuffey von den Feldern ins B�ro kommen lie�. Als Cuffey eintrat, mit seinem Kn�ppel, wie Orry es erwartet hatte, gab es keine langen Umst�nde.</p><p>�Ich h�tte dich statt Anne verkaufen sollen. Ich nehme dir das weg.�</p><p>Er entri� Cuffey den Kn�ppel, �ffnete die Ofent�r und warf den Stock ins Feuer.</p><p>�Du bist nicht l�nger Vorarbeiter. Du bist wieder einfacher Feldarbeiter. Ich sah, was du mit Cicero gemacht hast, Gott wei�, aus was f�r l�cherlichen Gr�nden. Raus mit dir.�</p><p>Am n�chsten Morgen, eine Stunde nach Sonnenaufgang, sprach Orry wieder mit Andy in seinem B�ro.</p><p>�Ich mache dich zum Vorarbeiter.� Andy zeigte ein schnelles, zustimmendes Nicken. �Ich setze viel Vertrauen in dich, Andy. Ich kenne dich nicht besonders gut, und die Zeiten sind schwierig. Ich wei�, da� einige Leute den starken Drang haben, sich auf Yankeegebiet zu fl�chten. Ich werde nicht nachsichtig sein, wenn jemand das versucht und ich ihn oder sie erwische � was ziemlich sicher der Fall sein wird. Ich habe nichts �brig f�r Grausamkeit, aber ich werde auch nicht nachsichtig sein. Klar?�</p><p>Wieder nickte Andy.</p><p>�Noch eines. Du erinnerst dich, da� euer fr�herer Vorarbeiter, Salem Jones, den ich beim Stehlen erwischt und rausgeworfen habe, einen Stock trug. Cuffey hat sich anscheinend von dem mittlerweile verstorbenen Mr. Jones beeindrucken lassen. Er hat die Idee �bernommen. Ich h�tte Cuffey gleich beim erstenmal seinen Kn�ppel wegnehmen sollen.�</p><p>Andys Augenlider zuckten kurz, w�hrend er aufmerksam lauschte. Orry schlo� seine Ansprache: �Ein Mann, der einen Stock tr�gt, zeigt damit, da� er schwach ist, nicht stark. Ich m�chte bei dir keinen Stock sehen.�</p><p>�Ich brauche keinen�, sagte Andy, ihn offen anblickend.</p><p>Und so war das empfindliche Kartenhaus zusammengebrochen. Orry hatte mit dem Bau eines neuen Hauses begonnen, als er Cuffey durch Andy ersetzte.</p><p>Bald schon merkte er, da� die meisten Leute den Wechsel begr��ten. Auch Orry war zufrieden. Andy besa� nicht nur eine schnelle Auffassungsgabe, sondern auch das Talent, die anderen mehr zu f�hren, anstatt anzutreiben. Das Vertrauen, das Orry intuitiv in ihn gesetzt hatte, erzeugte eine stillschweigende Bindung zwischen den beiden M�nnern. Einige Male hatte Orry seinen Vater davon sprechen h�ren, da� er manche seiner Leute wie seine eigenen Kinder liebte. Zum erstenmal ahnte Orry, was Tillet Main damit gemeint haben mochte.</p><p>All dies ging Orry durch den Kopf, w�hrend er neben Madeline lag.</p><p>Zum Schlu� aber tauchte das st�rende Bild von Cuffeys Gesicht auf. Zorn- und ha�erf�llt � besonders nach dem Ende seiner kurzen Amtszeit als Vorarbeiter. Cuffey mu�te nun im Auge behalten werden; Orry h�tte ein halbes Dutzend Leute aufz�hlen k�nnen, die er mit seiner Unzufriedenheit h�tte anstecken k�nnen.</p><p>Eine Woche sp�ter erhielt er einen �berraschenden Brief.</p><p><emphasis>Verehrter Herr,</emphasis></p><p><emphasis>Mein Cusin, der in Charleston, S. C, ist, zeigde mir Ihr Gesuch f�r Aufseher-Job. Ich habe die Ere, ihre Auf mergsamkeid auf mir zu lenken, Philemon Meek, Alter 64, aber sehr gesund und mit vil Erfarung</emphasis></p><p>�Na, einiges hat er ja richtig geschrieben.� Orry lachte, als er am Abend des Tages, an dem der Brief gekommen war, mit Madeline durch den Garten zum Flu� schlenderte.</p><p>�K�nntest du es mit so einem ungebildeten Mann riskieren?�</p><p>�Ich k�nnte schon, wenn er �ber die richtige Erfahrung verf�gt. Und der Rest des Briefes scheint darauf hinzudeuten. Er schreibt, ich w�rde noch einen Referenzbrief von seinem gegenw�rtigen Arbeitgeber bekommen, einem �lteren Witwer mit einer Tabakplantage in der N�he von Raleigh, ohne Kinder und ohne Interesse, die Plantage weiterzuf�hren. Meek w�rde sie gerne kaufen, kann es sich aber nicht leisten. Die Plantage wird in kleine Farmen aufgeteilt.�</p><p>�Es gibt da nur ein Problem mit Mr. Meek�, fuhr Orry fort und setzte sich auf ein altes Fa� am Flu�. �Er ist erst irgendwann im Herbst abk�mmlich. Er will seinen Arbeitgeber erst verlassen, wenn dieser ordentlich bei einer Schwester untergebracht ist.�</p><p>�Diese Einstellung spricht f�r ihn.�</p><p>�Eindeutig�, stimmte Orry zu. �Ich glaube nicht, da� ich jemanden mit besseren Qualifikationen finden werde. Ich sollte ihm schreiben und mit den Gehaltsverhandlungen anfangen.�</p><p>�Ja, tu das. Besitzt er Frau oder Familie?�</p><p>�Weder noch.�</p><p>Ruhig, ihre Augen auf das Wasser gerichtet, sagte sie: �Ich wollte es dich die ganze Zeit �ber schon fragen � wie stehst du zu letzterem?�</p><p>�Ich m�chte Kinder, Madeline.�</p><p>�Auch unter Ber�cksichtigung dessen, was du �ber meine Mutter wei�t?�</p><p>�Es ist viel wichtiger, was ich �ber dich wei�.� Er k��te ihren Mund. �Ja. ich will Kinder.�</p><p>�Ich bin froh, da� du das sagst. Justin hielt mich f�r unfruchtbar, w�hrend ich immer annahm, da� der Fehler bei ihm lag. Wir sollten das bald herausfinden � ich kann mir keine zwei Menschen vorstellen, die an der Beantwortung dieser Frage h�rter gearbeitet haben als wir, oder?� Sie dr�ckte seinen Arm, und sie lachten gemeinsam.</p><p>�Ich bin so froh, da� sich dieser Mr. Meek gemeldet hat�, fuhr sie fort. �Selbst wenn du nicht vor Herbst weg kannst, so kannst du doch Richmond schreiben, da� du den Posten annimmst.�</p><p>�Ja, ich glaube, das k�nnte ich jetzt tun.�</p><p>�Also hast du dich entschlossen!�</p><p>�Nun � � So wie er das Wort aussprach, war es schon ein Eingest�ndnis.</p><p>�Die M�cken werden hier unten ein bi�chen zu aufdringlich�, sagte sie. �Gehen wir ins Haus, auf ein Glas Wein. Vielleicht entdecken wir noch eine zweite M�glichkeit, deine Entscheidung zu feiern.�</p><p>�Im Bett?�</p><p>�Oh, nein, das meinte ich nicht.� Madeline err�tete und f�gte dann hinzu: �Gleich jetzt.�</p><p>�Was denn?�</p><p>Sie konnte ihr L�cheln nicht l�nger verbergen. �Ich glaube, es ist an der Zeit, den S�bel auszupacken, den du so sorgf�ltig versteckt hast.�</p><p><strong>19</strong></p><p>�Unser Rom�, so wurde es von langj�hrigen Einwohnern genannt. Als M�dchen hatte Mrs. James Huntoon zwar lieber junge M�nner als alte St�dte studiert, aber ein gewisser Grad an aufgezwungener klassischer Bildung versetzte sie doch in die Lage, den Vergleich als weiteres Beispiel f�r virginische Arroganz einzustufen. Auf der ersten Privatparty, zu der Ashton und ihr Mann eingeladen worden waren � um ihre Personen und ihren Stammbaum zu beschn�ffeln, davon war sie �berzeugt �, h�rte eine wei�haarige Dame, eindeutig eine wichtige Pers�nlichkeit, zuf�llig Ashtons gereizte Bemerkung, da� sie das Temperament der Virginier einfach nicht verstehen k�nne.</p><p>Die Dame schenkte ihr ein L�cheln, in dem eine ganze Menge Hohn verborgen lag. �Das liegt daran, da� wir weder Yankees noch S�dstaatler sind � der S�den ist hier eine Bezeichnung, die ganz allgemein f�r Staaten mit einer gro�en Anzahl von Baumwollpflanzerempork�mmlingen verwendet wird. Wir sind Virginier. Das ist das einzig passende Wort.�</p><p>Die Dame segelte davon. Ashton kochte vor Wut; der schlimmste Teil des Abends schien �berstanden. Darin allerdings t�uschte sie sich. James Chesnuts Frau Mary aus South Carolina, mit spitzer Zunge und einem sicheren Platz in Mrs. Davis� Zirkel, hatte sie mit Namen begr��t, sie aber keiner Unterhaltung wert befunden. Ashton bef�rchtete, da� der Klatsch �ber ihre Verbindung zu Forbes LaMotte und den Versuch, Billy Hazard zu t�ten, den Huntoons bis nach Virginia gefolgt war.</p><p>In einer Nacht hatte sie zwei Tests nicht bestanden. Aber sie war fest entschlossen, in Zukunft zu triumphieren. Sie verachtete die Gentlemen bester Herkunft, die in der Regierung sa�en, und deren Frauen, die die Gesellschaft beherrschten, aber sie verf�gten �ber Macht. F�r Ashton gab es kein st�rkeres Aphrodisiakum.</p><p>Richmond, mit einer Bev�lkerung von knapp �ber vierzigtausend, besa� wie Rom seinen Tiber � den James, der sich erst nach S�den schl�ngelte und dann nach Osten, dem Atlantik zu � aber sicherlich hatte es auf dem Kapitol nach besserem gerochen als nach Tabak. Richmond stank danach; die ganze Stadt roch wie ein gro�es Lagerhaus.</p><p>Montgomery war die erste Hauptstadt gewesen, wenn auch nur f�r anderthalb Monate. Dann hatte der Kongre� f�r den Umzug nach Virginia gestimmt. Jene, die seit langem in Richmond wohnten, sprachen voller Stolz von den sch�nen, alten H�usern und Kirchen, erw�hnten aber mit keinem Wort die �bersch�umenden Kneipenbezirke. Sie prahlten mit erhabenen Ahnenreihen und unterschlugen die degenerierten Kreaturen beiderlei Geschlechts, die sich an den Nachmittagen auf den schattigen Gehwegen am Capitol Square herumdr�ckten und sich schweigend zum Kauf anboten. Es hie�, die Frauen, eine abgebr�hte Truppe und selten jung, k�men von Baltimore, sogar von New York herbeigeeilt, um sich ein St�ck von dem gro�en Kuchen abzuschneiden, den eine Hauptstadt in Kriegszeiten anzubieten hatte. Nur Gott allein mochte wissen, aus welcher Gosse ihre m�nnlichen Gegenst�cke gekrochen waren.</p><p>Das alte Rom � mit den Goten aus Carolina und den Vandalen aus Alabama bereits innerhalb der Stadtmauern. Selbst der provisorische Pr�sident � der seine einmalige sechsj�hrige Amtszeit offiziell noch nicht angetreten hatte � wurde als Primitiver vom Mississippi angesehen. Zus�tzlich hatte er noch das Mi�geschick, in Kentucky geboren zu sein, dem gleichen Staat, der dieser Welt die Inkarnation der Vulgarit�t, Abe Lincoln, beschert hatte.</p><p>Obwohl Ashton froh dar�ber war, dem Zentrum der Macht nahe zu sein, war sie doch keineswegs gl�cklich. Ihr Mann, obwohl ein f�higer Anwalt und �berzeugter Sezessionist, konnte keinen besseren Job finden als den eines Angestellten bei einem der ersten Sekret�re im Finanzministerium. Das pa�te zu der Verachtung, die den Leuten aus South Carolina von der neuen Regierung entgegengebracht wurde. Sehr wenige aus dem Palmetto-Staat waren f�r hochgestellte Posten ber�cksichtigt worden; die meisten hielt man f�r zu radikal. Und die einzige Ausnahme, Finanzminister Memminger, war auch nicht in Carolina geboren worden.</p><p>Ashton und James Huntoon mu�ten sich in ein einziges gro�es Zimmer quetschen, in einer der Pensionen in der N�he der Main Street; auch das mi�fiel ihr. Irgendwann w�rden sie schon ein passendes Haus finden, aber die Wartezeit war schrecklich � vor allem, weil sie im gleichen Bett wie ihr Mann schlafen mu�te. Bei den seltenen Gelegenheiten � von ihr in Szene gesetzt, wenn sie wollte, da� er etwas tat oder ihr etwas kaufte �, bei denen sie es zulie�, da� er mit seinem j�mmerlichen, schlappen Schw�nzchen in ihr herumstocherte, blieb sie stets unbefriedigt zur�ck.</p><p>Richmond mochte eine blinde M�nze sein, aber es besa� auch positive Seiten. Es gab hier ein paar recht attraktive M�nner, mit und ohne Uniform. Irgendwie w�rde sie all das zu ihrem Vorteil nutzen � und vielleicht heute abend damit anfangen. Sie und James besuchten ihren ersten offiziellen Empfang. Als sie mit dem Ankleiden fertig war, f�hlte sie sich ganz schwach vor Aufregung.</p><p>Orrys Schwester war eine wundersch�ne junge Frau mit einer �ppigen Figur und einem untr�glichen Gesp�r, wie sie diese Attribute zu ihrem Vorteil einsetzen konnte. Sie hatte darauf bestanden, eine Kutsche zu mieten, um bei ihrer Ankunft gleich den richtigen Eindruck zu machen. James jammerte, sie k�nnten sich das nicht leisten; f�r drei Minuten gestand sie ihm eheliche Privilegien zu. und er �nderte seine Meinung. Und wie froh war sie jetzt dar�ber, als er ihr vor dem Spotswood Hotel aus der Kutsche half und sie das anerkennende Gemurmel der Gaffer auf dem Gehsteig h�rte.</p><p>Es war ein hei�er Juliabend, aber Ashton trug all das, was die Mode einer eleganten Frau vorschrieb, angefangen von vier Stahlreifen, von vertikalen B�ndern zusammengehalten, die ihre Unterr�cke aufbauschten, bis zu dem feinsten Seidenkleid dar�ber. Modische Damen trugen viel Schmuck, aber das Einkommen ihres Mannes beschr�nkte sie auf ein Paar schwarze Onyxtr�nen, die an winzigen Golddr�hten von ihren Ohrl�ppchen baumelten. Sie wollte durch Schlichtheit und ihr eigenes blendendes Aussehen die Blicke auf sich ziehen.</p><p>�Jetzt pa� auf, Darling�, sagte sie, als sie die Halle auf der Suche nach Salon 83 durchquerten. �La� mir die M�glichkeit, heute abend alleine herumzuschlendern. Mach du es ebenso. Je mehr Leute wir kennenlernen, desto besser � und das sind doppelt so viele, wenn du mir nicht st�ndig am Rockzipfel h�ngst.�</p><p>�Oh, das werde ich nicht�, sagte Huntoon mit jener Selbstgerechtigkeit, die ihn Freundschaften kostete und seiner Karriere schadete. James war sechs Jahre �lter als seine Frau, ein blasser, starrsinniger Mann mit Bauch. �Hier � diesen Flur entlang. Ich w�nschte, du w�rdest mich nicht wie einen dummen Jungen behandeln.�</p><p>Ihr Herz raste beim Anblick der offenen T�ren von Salon 83, wo Pr�sident Davis regelm��ig diese Empf�nge abhielt; er besa� noch keine offizielle Residenz. Ashton erhaschte einen Blick auf Frauen in langen Abendkleidern, die mit Gentlemen in Uniformen oder eleganten Anz�gen plauderten. Sie legte ihr sch�nstes L�cheln auf und fl�sterte: �Benimm dich wie ein Mann, und ich werd� dich nicht wie einen dummen Jungen behandeln. Ich bring� dich um, wenn du jetzt eine Szene anf�ngst � <emphasis>Mrs. Johnston!�</emphasis></p><p>Die Frau, die vor ihnen gerade den Salon betreten wollte, wandte sich mit h�flichem, aber verwirrten Gesichtsausdruck um. �Ja?�</p><p>�Ashton Huntoon � darf ich Ihnen meinen Gatten vorstellen, James? James, dies ist die Gattin unseres ber�hmten Generals, der die Alexandria-Front kommandiert. James ist im Finanzministerium t�tig, Mrs. Johnston.�</p><p>�Eine �u�erst wichtige Position. Erfreut, Sie beide kennenzulernen.� Und damit begab sie sich in den Salon.</p><p>�Ich glaube nicht, da� sie sich an dich erinnert�, fl�sterte Huntoon.</p><p>�Warum sollte sie? Wir haben uns nie getroffen.�</p><p>�Mein Gott, bist du verwegen.� Sein Keckem war sowohl bewundernd als auch mi�billigend.</p><p>S��lich sagte sie: �Deine Tr�gheit erfordert es, Liebling � oh, Herr im Himmel, schau. Sie sind beide hier � Johnston und Bory.� Und auf einer Woge freudiger �berraschung schwebte Ashton in die Menge, nickte, murmelte Begr��ungsworte, l�chelte Leuten zu, ganz gleich, ob sie ihr bekannt waren oder nicht. Auf der anderen Seite des �berf�llten Raumes ersp�hte sie Pr�sident Davis und Varina Davis. Aber sie waren zu dicht umlagert.</p><p>Memminger begr��te die Huntoons. Er brachte Ashton Champagnerpunsch und stellte sie dann, auf ihre Bitte hin, dem Offizier vor, den jeder kennenlernen wollte � einem drahtigen kleinen Kerl mit gelblicher Haut, melancholischen Augen und unverkennbar gallischen Z�gen. Brigadegeneral Beauregard beugte sich �ber ihre behandschuhte Hand und k��te sie.</p><p>�Ihr Gatte hat einen Schatz entdeckt, Madam. <emphasis>Vom �tes plus belle que lejour!</emphasis> Ich f�hle mich geehrt.�</p><p>Ihr Blick wies die Schmeichelei zur�ck und erkannte sie gleichzeitig als wahr an; zumindest in Koketterie kannten sich die Frauen aus Carolina aus. �Die Ehre liegt ganz auf meiner Seite, General. Unserem neuen Napoleon vorgestellt zu werden, dem Mann, der den ersten Schlag der Konf�deration f�hren wird � f�r mich wird das der H�hepunkt des Abends sein.�</p><p>Geschmeichelt erwiderte er: <emphasis>�Pr�s de vom, j�aipass� les moments les plus exquis de ma vie.�</emphasis> Mit einer Verbeugung entwischte der Kreolen-General; viele weitere Bewunderer warteten.</p><p>Inzwischen �berflog Huntoon mit �ngstlichen Blicken die Menge. Er f�rchtete, jemand k�nnte Ashtons Worte geh�rt haben. War sie so dumm, da� sie nicht wu�te, da� der H�hepunkt des Abends eine Vorstellung bei Pr�sident und Mrs. Davis zu sein hatte? James Huntoon verbrachte einen Gro�teil seines Lebens damit, sich �ber solche Kleinigkeiten zu entsetzen.</p><p>Huntoons Studie der Menge rief bald ein neues Gef�hl hervor � �rger. �Nichts als West-Point-Gockel und Ausl�nder. Oh, oh, dieser kleine Jude hat uns entdeckt. Hier lang, Ashton.�</p><p>Er nahm sie am Ellbogen. Sie ri� sich los und schickte ihn dann mit einem funkelnden Blick und einer Kopfbewegung in die Menge. Dann begr��te sie den kleinen, rundlichen Mann, der sich ihr n�herte, mit aufrichtigem L�cheln und ausgestreckter Hand.</p><p>�Mrs. Huntoon, nicht wahr? Judah Benjamin. Ich habe Sie einige Male im Finanzministerium gesehen. Ich glaube, Ihr Mann arbeitet dort.�</p><p>�Das tut er, Mr. Benjamin. Allerdings kann ich kaum glauben, da� Sie mich bemerkt haben.�</p><p>�Es ist keine Treulosigkeit meiner Frau gegen�ber, die momentan in Paris weilt, wenn ich sage, da� der Mann, der Sie nicht bemerkt hat, ein Mann ist, der Sie noch nie gesehen hat.�</p><p>�Wie nett Sie das gesagt haben. Aber ich habe schon geh�rt, der Justizminister ist ber�hmt f�r sowas.�</p><p>Benjamin lachte, und sie stellte fest, da� er ihr sympathisch war �teilweise deswegen, weil James ihn nicht leiden konnte. Eine gewisse Opposition gegen den Pr�sidenten und seine Amtsf�hrung hatte sich bereits formiert; Davis wurde vor allem deswegen angegriffen, weil er angeblich Ausl�nder und Juden in seiner Administration bevorzugte. Der Justizminister, der �ber ein nicht existierendes Gerichtssystem herrschte, war beides. Als Rechtsanwalt war er problemlos vom Senat der Vereinigten Staaten, wo er Louisiana repr�sentierte, zur Konf�deration �bergewechselt. Seine Kritiker bezeichneten ihn als billigen und opportunistischen Politiker � unter anderem.</p><p>Benjamin geleitete sie zum B�fett und legte kleine Leckerbissen auf einen Teller, den er ihr reichte. Sie sah, da� James, im Begriff sich zum Pr�sidenten vorzuk�mpfen, ihr einen w�tenden Blick zuwarf. Ganz reizend.</p><p>�Sie und Ihr Mann m�ssen mich einmal besuchen�, bemerkte Benjamin. �Werden Sie kommen?�</p><p>�Selbstverst�ndlich�, log sie; James w�rde bestimmt nicht kommen.</p><p>Er bat sie um ihre Adresse, die sie ihm widerstrebend gab. Es war klar, da� er den Hotelbezirk erkannte, aber das schien seiner Freundlichkeit keinen Abbruch zu tun. Er versprach, bald eine Einladungskarte zu schicken, und machte sich dann auf, den General und Mrs. Johnston zu begr��en. Sie standen ganz allein, was ihnen ebenso mi�fiel wie die Menge, die sich um Old Bory dr�ngte.</p><p>Ashton wollte Benjamin folgen, hielt aber inne, als sie Mrs. Davis auf den Justizminister und die Johnstons zugehen sah. Sie besa� nicht den Nerv, sich einer so ehrfurchtgebietenden Gruppe anzuschlie�en; noch nicht.</p><p>Sie studierte die First Lady. Varina, die zweite Gattin des Pr�sidenten, war eine gutaussehende Frau Mitte drei�ig, die gerade ein weiteres Kind erwartete. Es hie�, sie sei ein Mensch ohne Arg, offen und ehrlich; �ber �ffentliche Fragen �u�erte sie ohne zu z�gern ihre Meinung, was keineswegs traditionelles Benehmen f�r eine S�dstaatenfrau war.</p><p>Ashton schob sich an drei Offizieren vorbei, die einen vierten begr��ten, einen lebhaft aussehenden Burschen mit herrlichem Schnurrbart und Lockenkopf; seine Pomade roch fast so stark wie ihr Parf�m. �Kalifornien ist ein ganzes St�ck von hier entfernt, Colonel Pickett�, sagte einer der anderen zu ihm. �Wir sind froh, da� Sie die Reise sicher hinter sich gebracht haben. Willkommen in Richmond, auf der Seite der Gerechten.�</p><p>Der so angesprochene Offizier bemerkte Ashton und schenkte ihr ein ga lantes, leicht flirtendes L�cheln. Dann runzelte er die Stirn, als versuchte er sie einzuordnen. Einer von Orrys Klassenkameraden hatte Pickett gehei�en. K�nnte das der Mann sein? Hatte er vielleicht eine gewisse �hnlichkeit entdeckt? Schnell ging sie weiter; sie versp�rte nicht die geringste Lust, �ber einen Bruder zu sprechen, der sie aus ihrem Elternhaus verbannt hatte.</p><p>Sie suchte ein bekanntes Gesicht und entdeckte schlie�lich eines. Sie st�rzte sich auf Mary Chesnut und erwischte sie allein, so da� sie ihr nicht entrinnen konnte. Mrs. Chesnut schien heute abend freundlicher und zu Klatsch aufgelegt.</p><p>�Jedermann ist v�llig erschlagen, da� General und Mrs. Lee fehlen, ohne jede Erkl�rung. Ein h�uslicher Zwist, meinen Sie nicht auch? Ich wei�, da� sie ein Paradepaar sind � es hei�t, da� er niemals flucht oder die Beherrschung verliert. Aber gewi� erlebt selbst ein Mann mit seinem hochmoralischen Charakter einen Einbruch. W�re er hier, wir k�nnten vielleicht ein Treffen alter Kameraden von West Point erleben. Armer alter Bob � die Yankeepresse hat ganz sch�n auf ihn eingepr�gelt, als er seinen Abschied nahm und unserer Seite beitrat.�</p><p>�Ja, ich wei�.� Es hie�, die Frau f�hre ein Tagebuch und es sei angebracht, sich in ihrer Gegenwart vorsichtig zu �u�ern.</p><p>Ironisch l�chelnd tippte Mrs. Chesnut mit ihrem F�cher auf Ashtons Handgelenk. �Man sollte meinen, das w�rde ihn bei den Truppen beliebt machen, nicht wahr?�</p><p>�Ist das nicht der Fall?�</p><p>�Kaum. Gemeine und Corporals aus den besten Familien nennen ihn Spatenk�nig, weil sie aufgrund seiner Befehle graben und schwitzen mu�ten wie die gew�hnlichsten Feldarbeiter.�</p><p>Ashton folgte ihren Worten mit vorget�uschtem Interesse, hatte aber nichtsdestoweniger den gro�en, gut gekleideten Gentleman in blauem Samt bemerkt, der sie vom Punschtisch aus beobachtete. Er lie� seinen Blick �ber die Seide gleiten, die sich straff zwischen ihren Br�sten spannte. Ashton wartete, bis sich ihre Blicke wieder trafen, dann wandte sie sich ab. Sie verlie� Mary Chesnut und pirschte sich n�her an ihren Mann heran, der es geschafft hatte, mit dem Pr�sidenten ins Gespr�ch zu kommen.</p><p>Jefferson Davis sah um einige Jahre j�nger als einundf�nfzig aus; seine milit�rische Haltung und seine schlanke Figur verhalfen ihm zu diesem Eindruck, ebenso sein volles Haar und sein kleiner Kinnbart, in denen fast kein Wei� zu sehen war.</p><p>�Aber Mr. Huntoon�, sagte er, �ich bestehe darauf, da� eine Zentralregierung in Kriegszeiten gewisse Ma�nahmen ergreifen mu�. Einberufung, zum Beispiel.�</p><p>Sie waren in eine liebensw�rdige philosophische Diskussion verstrickt; Huntoon, der leise sprechende Pr�sident und ein dritter Mann, Au�enminister Toombs. Von Toombs hie� es, er sei ein Unruhestifter. Vor allem kritisierte er West Point, weil Davis, Angeh�riger der Klasse von �28, gro�es Vertrauen in einige der Absolventen setzte.</p><p>�Sie meinen, Sie w�rden ein derartiges Gesetz erlassen?� forderte Huntoon ihn heraus. Er besa� starke �berzeugungen und geno� die Chance, sie allgemein bekannt zu machen.</p><p>�Falls notwendig, w�rde ich darauf dr�ngen, jawohl.�</p><p>�Sie w�rden M�nner aus den verschiedenen Staaten einberufen, so wie es dieser niggerliebende Pavian getan hat?�</p><p>Davis brachte es fertig, allein durch sein Seufzen Ver�rgerung auszudr�cken. �Mr. Lincoln hat nach Freiwilligen gefragt, weiter nichts. Wir haben das gleiche getan. Zur Zeit stellt die Einberufung auf beiden Seiten einen rein theoretischen Fall dar.�</p><p>�Aber ich setzte voraus. Sir � bei allem Respekt vor Ihnen und Ihrem Amt �, da� es sich dabei um eine Theorie handelt, die nie erprobt werden darf. Es widerspricht der Doktrin der Oberhoheit der Staaten. Sollten sie diese Oberhoheit einer Zentralgewalt gegen�ber aufgeben m�ssen, dann bekommen wir ein Duplikat vom Zirkus in Washington.�</p><p>Jetzt funkelten die grauen Augen; und das fast blinde linke Auge schaute genauso zornig drein wie das rechte. Huntoon hatte Ger�chte �ber das Temperament des Pr�sidenten geh�rt; schlie�lich arbeiteten sie im gleichen Geb�ude. Es hie�, Davis fasse jeden abweichenden Standpunkt als pers�nlichen Angriff auf und verhalte sich auch dementsprechend.</p><p>�Wie dem auch sei, Mr. Huntoon, meine Verantwortlichkeit ist klar: Ich sehe mich der Herausforderung gegen�ber, diese neue Nation lebensf�hig und erfolgreich zu machen.�</p><p>Genauso hitzig sagte Huntoon: �Und wie weit wollen Sie dabei gehen? Ich habe geh�rt, da� gewisse Leute der West-Point-Clique vorgeschlagen haben, Schwarze auf unserer Seite k�mpfen zu lassen. Wollen Sie das bef�rworten?�</p><p>Davis lachte �ber die Vorstellung, aber Toombs rief aus: �Niemals. An dem Tag, an dem die Konf�deration einem Neger Zutritt zu den Reihen ihrer Armee gew�hrt, an dem Tag wird die Konf�deration in Schande geraten und ruiniert sein.�</p><p>�Ich stimme zu�, schnappte Huntoon. �Nun, was die allgemeine Wehrpflicht selbst anbelangt � �</p><p>�Reine Theorie�, wiederholte Davis scharf. �Ich hoffe, diese Regierung wird ohne gro�es Blutvergie�en anerkannt werden. Verfassungsm��ig gesehen sind wir vollkommen im Recht mit dem, was wir tun. Ich will keinen Krieg f�hren, als w�rden wir uns im Unrecht befinden. Nichtsdestoweniger mu� eine Zentralregierung st�rker sein als ihre einzelnen Teile, sonst � �</p><p>�Nein, Sir�, unterbrach Huntoon. �Das werden die Staaten niemals tolerieren.�</p><p>Davis schien bla� zu werden, seine Konturen undeutlich; dann erst bemerkte Huntoon, da� seine Stahlrandbrille angelaufen war.</p><p>�In diesem Fall, Mr. Huntoon, wird die Konf�deration kein Jahr �berdauern. Sie k�nnen die Doktrin der Rechte der Staaten haben, oder Sie k�nnen ein neues Land haben. Beides zusammen geht nicht. Also w�hlen Sie.�</p><p>In seinem �rger v�llig unbesonnen platzte Huntoon heraus: �Meine Wahl ist, nicht Teil autokratischen Denkens zu sein, Herr Pr�sident. Au�erdem � �</p><p>�Wenn Sie mich entschuldigen w�rden.� Farbflecken zeigten sich auf den Wangen des Pr�sidenten, als er herumwirbelte und davonging. Toombs folgte ihm.</p><p>Huntoon kochte vor Wut. Wenn der Pr�sident bei fundamentalen Prinzipien keinen Widerspruch duldete, dann zum Teufel mit ihm. Der Mann war hier eindeutig fehl am Platz. Blo� gut, da� er Davis die Meinung gesagt hatte �</p><p>�Du st�mperhafter, minderbemittelter � �</p><p>�Ashton!�</p><p>�Ich kann einfach nicht glauben, was ich da eben geh�rt habe. Du h�ttest ihm schmeicheln m�ssen, und was tust du? Du verspritzt politisches Gew�sch.�</p><p>Mit puterrotem Gesicht packte er ihr Handgelenk; unter seinen schwitzigen Fingern gab das Samtband nach. �Die Leute behaupten, er benehme sich wie ein Diktator. Das wollte ich nur best�tigt haben. Und das hab� ich. Ich habe meine feste �berzeugung dar�ber zum Ausdruck gebracht, da� � �</p><p>Mittlerweile hatte sie sich dicht an ihn gedr�ngt, l�chelte ihr s��estes L�cheln, h�llte ihn in ihren zarten Duft. �Schei� auf deine festen �berzeugungen. Anstatt mich vorzustellen, damit ich dir helfen kann, dich durch eine kritische Situation bringen kann, hast du geschw�tzt und gestritten und die Totenglocke f�r deine bereits beendete unbedeutende Karriere gel�utet.�</p><p>Sie st�rzte davon, stie� gegen andere G�ste; sie zog viele Blicke auf sich, als sie mit Tr�nen in den Augen zu den Erfrischungen st�rmte.</p><p>Idiot! Mit beiden H�nden umklammerte sie eine gek�hlte Punschschale; ihre schwei�getr�nkten Handschuhe hatte sie ausgezogen. Dieser Idiot. Alles hatte er kaputtgemacht.</p><p>Schnell wich ihr �rger einem Gef�hl der Depression. Eine gro�e gesellschaftliche Chance war dahin; ganze Gruppen von Leuten machten sich bereits zum Aufbruch fertig. Auf der Suche nach der Macht, die sie ersehnte, war sie nach Richmond gekommen, und mit einigen wenigen S�tzen hatte er daf�r gesorgt, da� er diese Macht nie f�r sie erringen w�rde. Nun gut � sie w�rde einen anderen finden. Einen Mann, intelligenter und taktvoller als James; mehr dem Erfolg zugewandt und geschickter darin, ihn zu erringen.</p><p>Und so fa�te Ashton in weniger als einer Minute im Salon 83 des Spotswood Hotel einen Entschlu�. Huntoon hatte als Ehemann nie viel getaugt, deshalb w�rde er von nun an nur noch dem Namen nach ihr Mann sein. Vielleicht w�rde er nicht mal das sein, wenn sie den richtigen Ersatz f�r ihn finden konnte.</p><p>Sie hob die leere Schale. �K�nnte ich richtigen Champagner haben?� Schon wieder fr�hlich l�chelnd, reichte sie dem Neger hinter dem Tisch die Schale. �Ich kann schal gewordenen Punsch nicht ausstehen.�</p><p>Der gro�e Mann im blauen Samtgehrock l�schte seine lange Zigarre in einer Sandurne. Nach ein paar gezielten Fragen schlenderte er durch die schwindende Menge auf sein Zielobjekt zu � den schwitzenden, brillenbewehrten T�lpel, der eben einen heftigen Streit mit seiner Frau gehabt hatte. Zuvor hatte der gro�e Mann die Frau beim Betreten des Salons bemerkt, und in seinen engen braunen Hosen hatte sich sein Penis versteift. Solch eine schnelle Reaktion l�sten nur wenige Frauen bei ihm aus.</p><p>Der gro�e Mann war um die f�nfunddrei�ig, muskul�s gebaut, mit feingliedrigen H�nden. Er bewegte sich leichtf��ig und trug seine elegante Kleidung mit einer gewissen Selbstverst�ndlichkeit; und doch wirkte er ein bi�chen derb, was vielleicht an den Pockennarben aus Kindertagen liegen mochte. Glattes, leicht pomadisiertes, dunkelbraunes, mit Grau vermischtes Haar hing ihm nach der Davis-Mode bis auf den Kragen. Er glitt dicht neben Huntoon. Verwirrt und aufgeregt stand der Anwalt und polierte immer wieder seine Brillengl�ser mit einem feuchten Taschentuch.</p><p>�Guten Abend, Mr. Huntoon.�</p><p>Die vollt�nende Stimme erschreckte Huntoon; der Mann hatte sich ihm von hinten gen�hert. �Guten Abend. Sie kennen mich, aber � �</p><p>�Ganz richtig. Man hat mich auf Sie aufmerksam gemacht. Ihre Familie z�hlt zu den �ltesten und ber�hmtesten in unserem Teil der Welt, m�chte ich sagen.�</p><p>Auf was ist der Bursche aus, fragte sich Huntoon. Wollte er ihm vielleicht irgendeine Investition abluchsen? Da hatte er Pech � Ashton kontrollierte den einzigen Geldbetrag, �ber den sie verf�gten, die vierzigtausend Dollar, die sie als Mitgift bekommen hatte.</p><p>�Stammen Sie aus South Carolina, Mr. �?�</p><p>�Powell. Lamar Hugh Augustus Powell. Lamar f�r meine Freunde. Ich komme nicht aus Ihrem Staat, aber ganz aus der N�he. Die Leute meiner Mutter stammen aus Georgia. Die Familie hat viel mit Baumwolle zu tun, nahe bei Valdosta. Mein Vater war Engl�nder. Nahm meine Mutter als Braut mit nach Nassau, wo ich aufwuchs. Er war als Rechtsanwalt t�tig, bis er vor einigen Jahren starb.�</p><p>�Die Bahamas. Das ist eine Erkl�rung.� Huntoons Versuch zu l�cheln und sich einzuschmeicheln kam Powell geschmacklos und komisch vor. Dieser kleine Dreckskerl w�rde kein Problem darstellen. Aber wo �?</p><p>Ah. Ohne sich umzudrehen, entdeckte Powell einen sich n�hernden Schatten. �Eine Erkl�rung wof�r, Sir?�</p><p>�F�r Ihre Sprache. Ich dachte, ich h�tte Charleston herausgeh�rt � und doch nicht ganz.� F�r ein paar Augenblicke fiel Huntoon keine weitere Bemerkung ein. Verzweifelt sagte er: �Gro�artige Party � �</p><p>�Ich habe Sie nicht angesprochen, um �ber die Party zu reden.� Huntoons Grinsen verzerrte sich unter der Zur�ckweisung. �Um offen zu sein, ich organisiere eine kleine Gruppe zur Finanzierung eines vertraulichen Unternehmens, das sich als unglaublich lukrativ erweisen k�nnte.�</p><p>Huntoon blinzelte. �Sie sprechen von einer Investition?�</p><p>�Einer maritimen Investition. Diese verdammte Blockade schafft phantastische M�glichkeiten f�r M�nner, die den Willen und die n�tigen Geldmittel haben, sie zu nutzen.� Er beugte sich vor.</p><p>Nach all den entmutigenden Wendungen, die der Abend genommen hatte, f�hlte sich Ashton zumindest ein bi�chen durch den Anblick des attraktiven Fremden entsch�digt, der mit ihrem Mann sprach. Wie j�mmerlich James neben ihm aussah. War der Mann so wohlhabend, wie seine �u�ere Erscheinung andeutete? Und so m�nnlich?</p><p>Sie eilte auf die beiden M�nner zu. Nachdem er sie gestraft hatte, war James nun bereit, h�flich zu sein.</p><p>�Meine Liebe, darf ich dir Mr. Lamar Powell aus Valdosta und den Bahamas vorstellen? Mr. Powell, meine Gattin Ashton.�</p><p>Mit dieser Vorstellung beging er einen der schlimmsten Fehler seines Lebens.</p><p><strong>20</strong></p><p>Charles band Ambrose Pells Braunen an die oberste Stange des Zauns. Leichter Regen fiel auf ihn, den Farmer mit der Glatze, und das entt�uschende Pferd, das zu sehen er zw�lf Meilen geritten war. Die fernen Blue-Ridge-Berge verloren sich im Nebel, so tr�be wie seine Stimmung.</p><p>�Ein Grauer?� fragte Charles. �Nur die Musiker reiten Graue.�</p><p>�Vermutlich hab ich ihn deswegen noch�, erwiderte der Farmer. �Alle anderen hab� ich schnell verkauft � obwohl, wenn Sie�s interessiert: Ich mach� nicht gern Gesch�fte mit euch Buttermilchkavalleristen. Paar von denen sind erst letzte Woche hier durchgeritten, mit Papieren, auf denen stand, sie seien M�nner von der Verpflegungsabteilung.�</p><p>�Wie viele H�hner haben sie Ihnen gestohlen?�</p><p>�Ah, Sie kennen die Jungs?�</p><p>�Nicht pers�nlich, aber ich wei�, wie einige von ihnen vorgehen.� Diese Diebst�hle, offiziell �Fourage� genannt, trugen zu dem schlechten Ruf bei, den sich die Kavallerie bereits erworben hatte, ebenso wie der weitverbreitete Glaube, berittene Soldaten w�rden ihre Pferde lediglich dazu ben�tzen, sich m�glichst schnell vom Schlachtfeld zu entfernen.</p><p>�Das Pferd � �</p><p>�Preis hab� ich Ihnen bereits gesagt.�</p><p>�Der ist zu hoch. Aber ich zahle ihn, wenn der Graue was taugt.�</p><p>Was Charles bezweifelte. Der zweij�hrige Wallach war ein schlichtes, unauff�lliges Tier; klein � ungef�hr vierzehn Hand hoch � und bestimmt nicht mehr als tausend Pfund schwer. Er besa� die Schultern und die langen, abfallenden Fesseln eines guten Renners. Aber man begegnete selten einem grauen Sattelpferd. Was mochte mit diesem hier nicht stimmen?</p><p>�Sie lassen euch Jungs nicht reiten, wenn ihr nicht mit eigenen Pferden ankommt, so ist�s doch, oder?� fragte der Farmer.</p><p>�Ja. Mir fehlt ein Pferd, seit zwei Wochen bin ich hinter einem Ersatz her. Gegenw�rtig bin ich in Kompanie Q, wenn die Ger�chte stimmen.�</p><p>�Geben sie euch was zur Versorgung eurer eigenen Pferde?�</p><p>�Vierzig Cents pro Tag, Futter, Hufeisen und die Dienste eines Hufschmieds, wenn man einen finden kann, der n�chtern ist.� Es war eine d�mmliche Regelung, zweifellos von irgendeinem Regierungsangestellten erfunden, der h�chstens mal in Kindertagen auf einem Steckenpferd gesessen hatte. Je mehr Charles vom Armeeleben mitbekam, desto weniger konnte er entscheiden, ob die Konf�derierten-Armee nun komisch oder tragisch war. Wahrscheinlich tragikomisch.</p><p>�Wie ist Ihr Pferd gestorben?�</p><p>Neugieriger alter Querkopf, was? �Drusenkrankheit.� Er h�tte Dasher erschie�en m�ssen, aber er hatte es nicht gekonnt. Er hatte sie sterben lassen und hinterher vor Kummer und Erleichterung geweint, ganz allein f�r sich.</p><p>�Hu�, sagte der Farmer schaudernd. �Die Druse ist ein schlimmes Ende f�r ein gutes Tier.�</p><p>�Ich m�chte lieber nicht dr�ber sprechen.� Charles mochte den Farmer nicht, und der Mann hatte eine Abneigung gegen ihn gefa�t. Er wollte das Gesch�ft hinter sich bringen. �Warum haben Sie den Grauen nicht verkauft? Zu teuer?�</p><p>�Nee, der andere Grund. Wie Sie sagen � nur die Jungs von der Musik wollen Graue.�</p><p>�H�ren Sie, in der Ecke von Virginia stehen nicht mehr viel Pferde zum Verkauf. Also, was stimmt mit ihm nicht? Eingeritten ist er, oder?�</p><p>�Oh, klar doch, mein Cousin hat ihn einwandfrei eingeritten. Da hab� ich ihn her � von meinem Cousin. Ich will ehrlich zu Ihnen sein, Soldat � �</p><p>�Captain.�</p><p>Das gefiel dem Farmer nicht. �Er ist ein guter, schneller kleiner Kerl, aber er hat was an sich, was vielen nicht gef�llt. Zwei andere Jungs haben ihn angesehen und fanden ihn ein bi�chen simpel und, na ja, irgendwie unangenehm. Vielleicht ist das Floridablut.�</p><p>Augenblicklich wurde Charles aufmerksam. �Ist er zum Teil Chickasaw?�</p><p>�Gibt keinen Beweis daf�r, aber mein Cousin behauptet es.�</p><p>Dann k�nnte der Graue eine Entdeckung sein. Die besten Carolina-Rennpferde entstammten einer Kombination von englischem Vollblut und dem spanischen Pony aus Florida.</p><p>�L��t er sich schwer reiten?�</p><p>�Einige waren der Meinung, jawohl, Sir.� Der Farmer bekam die Fragerei langsam satt. Charles mu�te sich schnell entscheiden.</p><p>�Hat er einen Namen?�</p><p>�Cousin nannte ihn Sport. Wollen Sie ihn nun oder nicht?�</p><p>�Legen Sie ihm das Halfter an, und bringen Sie ihn r�ber�, erwiderte Charles und schnallte seine Sporen ab. Der Farmer ging auf die Weide, und Charles beobachtete, da� Sport seinen Besitzer zweimal zu bei�en versuchte, w�hrend ihm dieser das Halfter anlegte. Aber dann folgte der Graue gehorsam, als ihn der Mann zum Zaun f�hrte.</p><p>Charles ging zu Ambrose Pells Braunem und zog seine Schrotflinte aus dem Futteral. Schnell �berpr�fte er die Waffe. Aufgeschreckt sagte der Farmer: �Was zum Teufel haben Sie vor?�</p><p>�Ihn ein bi�chen zu reiten.�</p><p>�Kein Sattel? Keine Decke? Wo haben Sie das gelernt?�</p><p>�Texas.� Der alte Mann hing ihm zum Hals raus, und Charles schenkte ihm ein b�sartiges Grinsen. �Wenn ich beim Comanchen-Killen mal Pause machte.�</p><p>�Killen? Verstehe. In Ordnung. Aber die Schrotflinte � �</p><p>�Wenn er den Krach nicht vertr�gt, dann taugt er f�r mich nichts. Bringen Sie ihn dichter an den Zaun.�</p><p>Er bellte es wie einen Befehl; der Farmer wurde sofort weniger l�stig. Charles kletterte auf den Zaun und glitt so sanft wie m�glich auf den Wallach. Er wickelte das Seil um seine rechte Hand, sp�rte bereits den mutwilligen Widerstand des Grauen. Er richtete die Schrotflinte nach oben und feuerte beide L�ufe ab. Der Graue bockte nicht, sondern raste los � schnurstracks auf den Zaun am anderen Ende der Weide zu.</p><p>Charles schluckte und sp�rte, wie ihm der Hut vom Kopf geweht wurde. Regentropfen klatschten ihm ins Gesicht. Der Zaun raste auf ihn zu. <emphasis>Wenn er nicht springt, dann kann ich mir das Genick brechen.</emphasis> Mit wehender M�hne �ber dem sch�nen, langen Bogen seines Nackens flog Sport in hohem, sauberem Sprung �ber den obersten Balken.</p><p>Charles lachte und gab Sport den Kopf frei. Und dann erlebte er mit dem Grauen einen der wildesten Galoppritte, die er je mitgemacht hatte. �ber Stock und Stein, einen steilen H�gel hoch und hinunter in einen kalten Bach; was der Regen nicht geschafft hatte, erledigte das hoch aufspritzende Wasser. Charles hatte das Gef�hl, da� nicht er den Grauen testete, sondern der Graue ihn.</p><p>Er lachte. Mit diesem unhandlichen kleinen Tier hatte er vielleicht gerade ein bemerkenswertes Kriegsro� entdeckt.</p><p>�Ich nehme ihn�, sagte er, als er zum Zaun zur�ckkehrte. Er griff nach einem B�ndel Banknoten. �Sie sagten hundert � �</p><p>�W�hrend Sie noch mit ihm Ihren Spa� hatten, hab� ich beschlossen, ich kann ihn nicht f�r weniger als hundertf�nfzig weggeben.�</p><p>�Als Preis nannten Sie hundert, und mehr kriegen Sie auch nicht.� Charles fingerte an der Schrotflinte herum. �Ich w�rde nicht feilschen � Sie kennen doch uns Buttermilchkavalleristen. Diebe und Killer.�</p><p>Das Gesch�ft wurde ohne weitere Verhandlungen abgeschlossen.</p><p>�Charlie, du hast dich �bers Ohr hauen lassen�, erkl�rte Ambrose, kaum da� Charles mit dem Grauen zur�ck ins Camp gekommen war. �Jeder Narr kann sehen, da� der Gaul nichts drauf hat.�</p><p>�Der erste Blick sagt nicht immer die Wahrheit, Ambrose.� Mit einer Hand fuhr er �ber Sports leicht gebogene Nase. Der Wallach stupfte ihn kr�ftig mit den N�stern an. �Abgesehen davon glaub� ich, da� er mich mag.�</p><p>�Er hat die falsche Farbe. Jeder wird dich f�r einen verdammten Hornbl�ser halten anstatt f�r einen Gentleman.�</p><p>�Ich bin kein Gentleman. Mit sieben hab ich den Versuch aufgegeben, einer zu werden. Danke, da� du mir dein Pferd geliehen hast. Ich mu� jetzt meins f�ttern und tr�nken.�</p><p>�Das kann auch mein Nigger f�r dich machen.�</p><p>�Toby ist dein Diener, nicht meiner. Au�erdem hab� ich, seit ich auf der Akademie war, diese komische Einstellung, da� ein Kavallerist selber f�r sein Pferd sorgen sollte. Es ist sein zweites Ich, wie es so sch�n hei�t.�</p><p>�Ich h�re Mi�billigung heraus�, murrte Ambrose. �Was soll falsch daran sein, einen Sklaven mit ins Camp zu bringen?�</p><p>�Nichts � bis der Kampf beginnt. Das nimmt dir keiner ab.�</p><p>Diese Bemerkung fand Ambrose �berfl�ssig. Er schwieg einige Sekunden, ehe er murmelte: ��brigens, Hampton will dich sehen.�</p><p>Charles runzelte die Stirn. �Weshalb?�</p><p>�Keine Ahnung. Der Colonel wollte sich mir nicht anvertrauen. Vielleicht bin ich ihm daf�r nicht professionell genug. Zum Teufel, ich streit�s ja gar nicht ab. Ich habe mich nur gemeldet, weil ich gern reite und die Yankees hasse. Und weil ich nicht will, da� man mir irgendwann nachts ein B�ndel Petticoats vor die T�rschwelle legt, damit jeder wei�, hier wohnt ein Dr�ckeberger.� Er seufzte. �Denk dran, da� wir heute abend mit Old Princey-Prince speisen.�</p><p>�Danke, da� du mich daran erinnert hast. Ich hatte es vergessen.�</p><p>�Sag Hampton, er soll dich nicht zu lang aufhalten, weil Seine Hoheit P�nktlichkeit von uns erwartet.�</p><p>Charles l�chelte, als er Sport wegf�hrte. �Das ist richtig. In dieser Armee rangieren Dinnerparties vor der Pflicht. Ich werde auf keinen Fall vergessen, den Colonel darauf aufmerksam zu machen.�</p><p>Obwohl Camp Hampton das Biwak eines Eliteregiments war, hatte es doch unter den �blichen Mi�st�nden zu leiden, wie Charles vierzig Minuten sp�ter auf seinem Weg ins Regimentshauptquartier bemerkte. Anstatt in den extra zu diesem Zweck ausgehobenen Gruben lag der M�ll �berall in der Gegend herum. Der Gestank war um so schlimmer, weil der Nachmittag windstill war.</p><p>Er sah zwei Soldaten, trunken vom billigsten Fusel, aus dem unvermeidlichen Zelt des unvermeidlichen Marketenders gestolpert kommen. Er sah drei grell gekleidete Ladies, die eindeutig keine Offiziersfrauen oder W�scherinnen waren. Charles hatte seit Monaten mit keiner Frau mehr geschlafen, aber er war noch nicht soweit, da� er sich mit diesen Sch�nheiten eingelassen h�tte; jetzt, wo im Lager soviel �ber Tripper gejammert wurde.</p><p>Er kam an zwei jungen Gentlemen vorbei, deren Gru� so kurz war, da� es fast schon an Beleidigung grenzte. Noch ehe Charles ebenfalls salutiert hatte, stritten die M�nner bereits wieder �ber den Preis eines Ersatzmannes, wenn einem selbst eine Wache ungelegen kam. F�nfundzwanzig Cents pro Woche war der �bliche Betrag.</p><p>Das n�chste �rgernis begegnete ihm, als er an einen gro�en Pavillon gelangte, dessen Seiten wegen der starken Hitze und der Feuchtigkeit nach dem Regen hochgeschlagen waren. Drinnen lagen jene, die der Krieg schon gef�llt hatte, noch ehe ein Schu� gefallen war. �berall breiteten sich Krankheiten aus; schlechtes Wasser verursachte schlimme Magenkr�mpfe; kleine Opiumkl�mpchen linderten die Schmerzen nur unwesentlich. Charles hatte die Ruhr in Texas �berlebt, was ihn keineswegs davon abhielt, noch eine weitere Woche in Virginia darunter zu leiden. Nun gab es eine neue Epidemie in der Armee: die Masern.</p><p>Er wehrte sich gegen den Wunsch, da� endlich der Kampf losgehen m�ge, doch als er das Gel�nde des Hauptquartiers betrat, konnte er nicht leugnen, da� er das Lagerleben satt hatte. Vielleicht w�rde es gar nicht mehr lange dauern, bis sich sein Wunsch erf�llte. General Patterson hatte Joe Johnston und dessen M�nner aus Harpers Ferry rausgeworfen, und das Ger�cht ging um, da� McDowell demn�chst mindestens drei�igtausend Mann zu der strategischen Eisenbahnkreuzung von Manassas Gap verlagern w�rde.</p><p>Barker, der Regimentsadjutant, hatte noch beim Colonel zu tun, und so mu�te Charles warten. Pl�tzlich kratzte er sich. Mein Gott, er hatte sie, er hatte sie tats�chlich.</p><p>Gegen sechs kam der Captain heraus, und Charles meldete sich bei dem Colonel, den er ungemein bewunderte � Wade Hampton: ein Million�r, ein guter F�hrer und trotz seines Alters ein ausgezeichneter Kavallerist. �R�hren, Captain�, sagte Hampton nach den Formalit�ten. �Setzen Sie sich!�</p><p>Charles nahm den Hocker vor Hamptons ordentlichem Schreibtisch, dessen eine Ecke f�r ein kleines Samtk�stchen mit ge�ffnetem Deckel reserviert war. In dem K�stchen stand ein kleiner Silberrahmen, der eine Miniatur von Hamptons zweiter Frau Mary enthielt.</p><p>Der Colonel stand auf und streckte sich. Er war eine imponierende Erscheinung, �ber eins achtzig gro�, breitschultrig und offensichtlich mit gewaltigen Kr�ften ausgestattet. Obwohl ein blendender Reiter, hatte er nichts �brig f�r diese Art von Spielchen, wie sie bei der First Virginia an der Tagesordnung waren. Dort f�hrte Beauty Stuart das Kommando, den Charles auf der Akademie kennengelernt und sympathisch gefunden hatte. Jeb besa� Schneid, Hampton eine kraftvolle Entschlossenheit. Keiner von ihnen bezweifelte den Mut des anderen, doch ihr pers�nlicher Stil war so unterschiedlich wie ihr Alter, und Charles hatte geh�rt, da� ihre wenigen Treffen in k�hler Atmosph�re verlaufen waren.</p><p>�Bedaure, da� ich nicht anwesend war, als Sie nach mir schickten, Colonel. Captain Barker wu�te Bescheid. Ich brauchte ein Pferd.�</p><p>�Haben Sie eins gefunden?�</p><p>�Zum Gl�ck ja.�</p><p>�Sehr gut. Ich w�rde Sie ungern f�r l�ngere Zeit bei der Kompanie Q missen.� Hampton zog ein Papier aus einem Stapel auf seinem Schreibtisch. �Ich wollte Sie wegen eines weiteren Versto�es gegen die Disziplin sprechen. Heute hat sich einer Ihrer M�nner ohne Erlaubnis von der Truppe entfernt. Beim Morgenappell war er anwesend, fehlte aber beim zweiten Appell eine halbe Stunde sp�ter. Durch puren Zufall wurde er zehn Meilen von hier aufgegriffen. Ein Offizier erkannte die Uniform, hielt ihn an und fragte ihn nach seinem Ziel. Der junge Idiot sagte die Wahrheit. Er erkl�rte, er sei unterwegs, um an einem Pferderennen teilzunehmen.�</p><p>Charles knirschte mit den Z�hnen. �Wom�glich mit einigen First-Virginia-Kavalleristen?�</p><p>�Genau.� Mit den Fingerkn�cheln rieb Hampton seinen buschigen Backenbart, so dunkel wie sein gewelltes Haar; der Backenbart ging nahtlos in einen pr�chtigen Schnurrbart �ber. �Das Rennen soll morgen abgehalten werden, in Sichtweite der feindlichen Linien � vermutlich um die W�rze der Gefahr hinzuzuf�gen.� Er gab sich keine M�he, seine Verachtung zu verbergen. �Der Soldat wurde unter Aufsicht zur�ckgebracht. Als Sergeant Reynolds ihn fragte, weshalb er die Truppe verlassen hatte, erwiderte er�, Hampton warf einen Blick auf das Papier, ��Ich wollte ein bi�chen Spa� haben. Die First Virginia sind ein schneidiger Haufen mit guter F�hrerschaft. Sie wissen, die erste Pflicht eines Kavalleristen besteht darin, tapfer zu sterben.�� K�hle, graublaue Augen richteten sich auf Charles. �Ende des Zitats.�</p><p>�Ich ahne, von welchem Mann Sie sprechen, Sir.� Der gleiche Mann, der den Unions-Gefangenen hatte t�ten wollen, den sie vor einigen Wochen gemacht hatten. �Cramm?�</p><p>�Richtig. Kavallerist Custom Dawkins Cramm der Dritte. Ein junger Mann aus einer reichen und bedeutenden Familie.�</p><p>�Und au�erdem, der Colonel m�ge mir verzeihen, ein aristokratischer Splitter im Arsch.�</p><p>�Wir haben reichlich davon. Tapfere Jungs, denke ich, aber als Soldaten ungeeignet. Bis jetzt.� Der Zusatz deutete seine Absicht an, das zu �ndern. Der Handr�cken seiner anderen Hand klatschte auf das Papier. �Diese n�rrische Dummheit! �Tapfer zu sterben�. Das mag Stuarts Stil sein, aber ich ziehe es vor, zu siegen und zu leben. Zur�ck zu Cramm � ich bin erm�chtigt, ein spezielles Kriegsgericht einzuberufen. Er ist jedoch Ihr Mann. Sie verdienen das Recht, die Entscheidung zu treffen.�</p><p>�Berufen Sie�, sagte Charles ohne Z�gern. �Ich stelle mich zur Verf�gung, wenn Sie erlauben.�</p><p>�Ich �berlasse Ihnen den Vorsitz.�</p><p>�Wo ist Cramm jetzt. Sir?�</p><p>�In der Unterkunft. Er steht unter Arrest.�</p><p>�Ich denke, ich werde ihm die guten Nachrichten pers�nlich �berbringen.�</p><p>�Tun Sie das bitte�, sagte Hampton; seine Augen straften seinen emotionslosen Ton L�gen. �Dieser Mann ist mir zu h�ufig unangenehm aufgefallen. Ein Exempel mu� statuiert werden. McDowell wird bald losschlagen, und wir k�nnen unsere Kr�fte nicht konzentrieren und den Feind �berw�ltigen, wenn jeder einzelne Soldat das tut, was er will und wann er es will.�</p><p>�Stimmt genau, Colonel.� Charles salutierte und begab sich auf k�rzestem Weg zu Gramms Zelt. Ein Soldat stand davor Wache. Ganz in der N�he polierte Cramms schwarzer Leibdiener, alt und krumm, die Messingbeschl�ge eines gro�en Koffers.</p><p>�Corporal�, sagte Charles, �w�hrend der n�chsten beiden Minuten h�ren und sehen Sie nichts!�</p><p>�Jawohl, Sir!�</p><p>Drinnen r�kelte sich Kavallerist Custom Dawkins Cramm III. zwischen den vielen B�chern, die er mit ins Camp gebracht hatte. Er trug eine weitgeschnittene, wei�e Seidenbluse � gegen die Vorschriften � und erhob sich nicht, als sein Vorgesetzter eintrat, sondern warf ihm lediglich einen ver�rgerten Blick zu.</p><p>�Stehen Sie auf!�</p><p>Cramm explodierte wie eine Bombe, schleuderte den teuren Band von Coleridge zu Boden. �Den Teufel werd� ich. Ich war ein Gentleman, bevor ich mich eurer verdammten Truppe anschlo�, ich bin immer noch ein Gentleman, und ich will verflucht sein, wenn ich mich weiterhin von Ihnen wie irgendein Niggersklave behandeln lasse.�</p><p>Charles packte ihn bei der eleganten Bluse und zerri� sie, als er Cramm auf die F��e stellte. �Cramm, Colonel Hampton hat mir vor f�nf Minuten den Vorsitz �ber ein Sonderkriegsgericht �bertragen. Ich werde mein Bestes tun, Ihnen die H�chststrafe zu verpassen � einunddrei�ig Tage harte Arbeit. Sie werden jede Minute davon ableisten, au�er wir ziehen vorher gegen die Yankees los; und die werden Ihnen den Sch�del wegblasen, weil Sie zu d�mlich sind, um Soldat zu sein. Aber wenigstens werden Sie tapfer sterben.�</p><p>Er stie� Cramm so hart zur�ck, da� der junge Mann gegen sein Bibliotheksschr�nkchen knallte und im Fallen die hintere Zeltstange umri�. Auf einem Knie, die Stange umklammernd, funkelte ihn Cramm an. �Wir h�tten einen Gentleman zu unserem Captain w�hlen sollen. Beim n�chsten Mal werden wir das nachholen.� Mit rotem Gesicht marschierte Charles hinaus.</p><p>�Jetzt kommt�s, Gentlemen. Herrliche hei�e Austern, wunderbar zubereitet, genau das Richtige f�r Sie.�</p><p>Mit einer umwerfenden H�flichkeit, die fast schon an Spott grenzte, beugte sich Ambrose Pells Sklave Toby vor, um kleine Appetith�ppchen auf einem Silbertablett anzubieten. Toby war geholt worden, um den angeheuerten Dienern des Gastgebers behilflich zu sein; er war ungef�hr vierzig, und im Gegensatz zu seiner unterw�rfigen Haltung schimmerte in seinen Augen eine Art verschlagene Abneigung. Zumindest hatte Charles diesen Eindruck.</p><p>Das gro�e, gestreifte Zelt des Gastgebers war angef�llt mit Kerzenschein und Musik � Ambrose spielte irgendein St�ck von Mozart auf der besseren seiner beiden Fl�ten. Er spielte gut. Charles, gebadet und in sauberer Kleidung, f�hlte sich jetzt schon wesentlich wohler. Der �rger mit Cramm hatte ihn in schlechte Laune versetzt, aber die Entdeckung eines Paketes von Mont Royal hatte sie wieder vertrieben. Die Inschrift des leichten Kavalleries�bels ber�hrte ihn. Die mit vergoldeten Beschl�gen verzierte Scheide schlug nun leicht gegen sein linkes Bein. Obwohl der S�bel nicht so praktisch war wie das in Columbia hergestellte Exemplar von Hampton, sch�tzte Charles ihn doch viel h�her ein.</p><p>Mit einer winzigen Silbergabel r�ckte er der Auster zu Leibe. Er a� ein St�ckchen und sp�lte dann mit dem ausgezeichneten Whiskey ihres Gastgebers und neuen Freundes, Pierre Serbakovsky, nach. Er und Ambrose hatten den untersetzten, gro�st�dtischen jungen Mann w�hrend einer Zechtour durch Richmonds bessere Saloons kennengelernt.</p><p>Serbakovsky besa� den Rang eines Captains, zog es aber vor, mit �Prinz� angeredet zu werden. Er geh�rte zu einer Anzahl von europ�ischen Offizieren, die sich der Konf�deration angeschlossen hatten. Der Prinz war Adjutant von Major Rob Wheat, Kommandant eines Zuavenregiments aus Louisiana mit dem Spitznamen �Die Tiger�. Das Regiment bestand aus dem Abschaum der Stra�en von New Orleans; es gab keine Einheit in Virginia, die ber�chtigter f�r Raub und Gewaltt�tigkeit gewesen w�re.</p><p>�Ich glaube, das ist genug Whiskey�, erkl�rte der Prinz Toby. �Frag Jules, ob der Mumm�s k�hl genug ist, und falls ja, serviere ihn auf der Stelle.�</p><p>Serbakovsky hatte gern das Kommando, doch seine Art war selbst f�r einen Sklaven zu hochm�tig. Charles beobachtete, wie Toby zweimal schluckte und im Hinausgehen die Lippen zusammenpre�te.</p><p>Er trank mehr Whiskey, um seine Schuldgef�hle zu unterdr�cken. Er und Ambrose sollten nicht hier beim Abendessen sitzen, sondern ihren Unteroffizieren Unterricht erteilen, wie sie es fast jeden Abend taten, damit die Unteroffiziere diese Lektionen auf dem Exerzierplatz weitergeben konnten. Ach was, dachte er dann, zum Teufel mit den Schuldgef�hlen f�r diesen einen Abend.</p><p>Abrupt ri� Ambrose die Fl�te von seinen Lippen und kratzte sich heftig unter dem rechten Arm. �Verdammt noch mal, ich habe sie schon wieder.� Sein Gesicht wurde so rot wie seine Locken. Er war ein heikler Mensch; das war dem�tigend.</p><p>Serbakovsky lehnte sich am�siert in seinen Polsterstuhl zur�ck. �Erlaube mir ein Wort des Rates, <emphasis>mon fr�re�,</emphasis> sagte er in stark akzentgef�rbtem Englisch. �Bade. So h�ufig du kannst, egal wie �bel die Seife, wie kalt der Flu� oder wie absto�end das Gef�hl ist, nackt vor seinen Untergebenen zu stehen.�</p><p>�Ich bade, Princey. Aber die verdammten Viecher kommen immer wieder.�</p><p>�In Wahrheit gehen sie erst gar nicht weg�, sagte Charles, als Toby und der j�ngere der beiden angeheuerten Diener, ein Belgier, mit einem Tablett eintraten, auf dem sich geriffelte Gl�ser, eine dunkle Flasche und ein Silbereimer mit gesto�enem Eis befanden, eine im S�den derart seltene Ware, da� sie gut und gern zehnmal soviel gekostet haben mochte wie der Champagner. �Sie stecken in deiner Uniform. Du mu�t das Ungeziefer total loswerden.�</p><p>�Was denn, ich soll den Rock wegwerfen?�</p><p>�Und alles andere, was du tr�gst.�</p><p>�Und auf meine eigenen Kosten ersetzen? Verdammt will ich sein, wenn ich das tu, Charlie. Uniformen fallen unter die Zust�ndigkeit des Kommandanten und nicht der Gentlemen, die unter ihm dienen.�</p><p>Charles zuckte die Schultern. �Gib Geld aus oder kratz. Liegt bei dir.�</p><p>Der Prinz lachte, schnippte dann mit den Fingern. Der junge Belgier trat sofort vor, w�hrend Toby langsamer folgte. War Charles der einzige, der die Widerspenstigkeit des Sklaven bemerkte?</p><p>�K�stlich�, sagte er nach seinem ersten Schluck Champagner. �Leben alle europ�ischen Offiziere so?�</p><p>�Nur wenn ihre Vorfahren Reicht�mer angeh�uft haben, mit Methoden, die man besser unerw�hnt l��t.�</p><p>Charles mochte Serbakovsky, dessen Geschichte ihn faszinierte. Der Gro�vater des Prinzen v�terlicherseits, ein Franzose, war als Oberst mit der Armee Bonapartes nach Ru�land gezogen. Unterwegs begegnete er einer jungen russischen Aristokratin; politische Feindschaft wurde von physischer Anziehungskraft �berwunden, und sie empfing ein Kind, das zur Welt kam, w�hrend der Oberst in dem grausamen Winterr�ckzug zugrunde ging.</p><p>Serbakovskys Gro�mutter hatte dem illegitimen Sohn ihren Nachnamen als Symbol f�r Familien- und Nationalstolz gegeben und nie geheiratet. Der junge Serbakovsky war seit seinem achtzehnten Geburtstag Soldat gewesen, zuerst im Lande seiner Mutter, dann in �bersee.</p><p>Vergeblich bem�hte sich Ambrose, gleichzeitig zu trinken und sich zu kratzen. �Ich w�nschte, wir w�rden endlich dieses verfluchte Camp verlassen und in den Kampf ziehen�, sagte er.</p><p>�W�nsch dir nichts, wovon du keine Ahnung hast, mein guter Freund�, sagte der Prinz, pl�tzlich ernst und d�ster; er war im Krimkrieg verwundet worden und hatte Charles von einigen der Greuel erz�hlt, die er dort erlebt hatte. �Es ist ohnehin ein m��iger Wunsch, glaube ich. Eure Konf�deration � sie ist in der gleichen gl�cklichen Position wie mein Heimatland 1812.�</p><p>�Erkl�r das n�her, Prinz�, sagte Charles.</p><p>�Einfach genug. Das Land selbst wird den Krieg f�r euch gewinnen. Es ist von so gewaltiger Ausdehnung, da� der Feind bald verzweifeln und jeden Gedanken an eine Eroberung aufgeben wird. Wenige oder gar keine K�mpfe werden f�r einen Sieg n�tig sein. Das ist meine professionelle Prophezeiung.�</p><p>�Hoffentlich ist sie falsch�, sagte Charles. �Ich w�rde gern mal die M�glichkeit haben, das hier zu tragen, um die Kapitulation einiger Yankees entgegenzunehmen.� Er ber�hrte die S�belscheide. Die verschiedenen Drinks taten ihre Wirkung; sie lie�en ihn vergessen, was Krieg wirklich war, und erzeugten ein angenehmes Gef�hl der Unverwundbarkeit.</p><p>�Der S�bel ist ein Geschenk deines Cousins, sagtest du. Darf ich ihn mal betrachten?�</p><p>Charles zog den S�bel; die Reflexe der Kerzen liefen wie schnelle Blitze �ber die Klinge, als er Serbakovsky die Waffe reichte, der sie genau inspizierte. �Solingen. Sehr gut.� Er reichte die Waffe zur�ck. �Wundersch�n. Ich w�rde ein wachsames Auge darauf haben. Bei diesen Louisiana-Ratten habe ich die Feststellung gemacht, da� die Soldaten in Amerika sich in nichts von den Soldaten �berall in der Welt unterscheiden. Was immer gestohlen werden kann, das stehlen sie.�</p><p>In seinem Stadium der Trunkenheit schaffte es Charles, die Warnung sofort wieder zu vergessen. Auch das merkw�rdige Ger�usch aus dem Dunkel hinter dem Zelt nahm er kaum wahr; es konnte sich um einen Mann, vielleicht auch um mehrere M�nner gehandelt haben.</p><p><strong>21</strong></p><p>Stanley entnahm dem auf dem schmutzigen Boden stehenden Koffer die Muster und stellte sie auf den Schreibtisch, der bis auf ein einziges Blatt Papier leer und sauber war. Die Fabrik produzierte nicht; sie war geschlossen. Ein Makler hatte die Hazards gleich nach ihrer Ankunft in der Stadt Lynn dorthin geschickt.</p><p>Der Mann hinter dem Schreibtisch war vor�bergehend als eine Art Verwalter der Fabrik t�tig. Er war ein kr�ftiger, derber Kerl, wei�haarig und ziemlich rundlich. Stanley sch�tzte ihn auf f�nfundf�nfzig. Mit einer Schnelligkeit, die verriet, da� er seinen unt�tigen Zustand ha�te, nahm er mit je einer Hand ein Musterexemplar auf.</p><p>�Der Jefferson-Stil�, sagte er und tippte mit einem freien Finger gegen den verh�ltnism��ig hohen Schaft des Schuhs. �Ausgegeben an die Kavallerie ebenso wie an die Infanterie.�</p><p>�Sie verstehen Ihr Gesch�ft, Mr. Pennyford�, sagte Stanley mit kriecherischem L�cheln. Er traute Neuengl�ndern nicht � Leute, die mit so komischem Akzent sprachen, konnten nicht normal sein �, aber er brauchte diesen Mann auf seiner Seite. �Ein Kontrakt f�r Stiefel dieser Art w�rde einen ausgedehnten, lukrativen Markt vorfinden. K�nnten diese rostigen Maschinen da unten gro�e Mengen dieses Stiefels produzieren? Und vor allem billig und schnell?�</p><p>�Schnell? Jaah � sobald ich einige Reparaturen habe machen lassen, die sich der jetzige Besitzer nicht leisten konnte. Billig?� Mit einem Finger schnippte er gegen eines der Muster. �Nichts k�nnte billiger als das hier sein. Zwei �sen, Sohle und Oberteil nur angeheftet � � Ein Ruck seiner starken H�nde trennte den rechten Schuh in zwei H�lften. �Eine Schande f�r alle Schuhmacher. Ich m�chte nicht der arme Soldat sein, der sie bei Schlamm oder Schnee tragen mu�. Wenn Washington bereit ist, solchen Schund an unsere tapferen Jungs auszugeben, dann pfui Teufel.�</p><p>�Verschonen Sie mich bitte mit Ihrer Moral�, sagte Stanley und schien dabei zu schrumpfen. �Kann die Lashbrook-Schuhfabrik diese Art von Stiefel herstellen?�</p><p>Widerwillig: �Jaah.� Er beugte sich vor, und Stanley erschrak. �Aber wir k�nnen viel Besseres leisten. Da gibt�s diesen Burschen Lyman Blake, dessen Erfindung der gr��te maschinelle Fortschritt ist, den ich je gesehen habe, und ich bin in der Branche, seit ich mit neun meine Lehre angefangen habe. Blakes Maschine n�ht Oberteil und Sohle zusammen, schnell sauber � sicher. Ein anderer Mann wird bald die Maschine herstellen. Blake fehlte es an Kapital, und so hat er seine Erfindung verkauft, aber ich wette, da� seine Erfindung innerhalb eines Jahres diese Industrie und diesen Staat wieder zum Leben erweckt.�</p><p>�Nicht ganz. Mr. Pennyford�, sagte Isabel vom Fenster her. mit einem L�cheln, das ihn an seinen Platz verweisen sollte. �Was den Wohlstand zur�ck nach Massachusetts und zur Schuhindustrie bringen wird, das sind ein langer Krieg und Kontrakte, die von M�nnern mit guten Beziehungen erreichbar sind, wie sie mein Gatte hat.�</p><p>Pennyfords Backen f�rbten sich dunkel wie reife �pfel. Alarmiert sagte Stanley: �Mr. Pennyford versuchte lediglich, hilfreich zu sein, Isabel. Sie werden bleiben, nicht wahr, Dick? Und die Fabrik so weiterf�hren wie vor der Schlie�ung?�</p><p>Pennyford schwieg eine ganze Weile. �Ich mache diese Art von Arbeit nicht gern, Mr. Hazard. Aber, offen gesagt, ich mu� neun Kinder f�ttern, und in Lynn gibt es viele geschlossene Fabriken und wenige Jobs. Ich werde bleiben � unter einer Bedingung. Sie m�ssen mir erlauben, die Dinge so zu machen, wie ich es f�r richtig halte, ohne Einmischung, solange ich nur das vereinbarte Produkt in der vereinbarten Menge zum vereinbarten Zeitpunkt liefere.�</p><p>Stanley schlug auf den Schreibtisch. �Abgemacht!�</p><p>�Ich denke, der ganze Platz hier ist f�r ungef�hr zweihunderttausend zu haben�, f�gte Pennyford hinzu. �Lashbrooks Witwe braucht verzweifelt Bargeld.�</p><p>�Wir werden die Repr�sentanten dieses Besitzes sofort aufsuchen.�</p><p>Praktisch ohne jedes Gefeilsche wurde der Kauf gegen Mittag des n�chsten Tages abgeschlossen. Mit einem euphorischen Gef�hl half Stanley Isabel in den Zug Richtung S�den. W�hrend er in dem �berhitzten Speisewagen Schinken mit Ei geno� � Isabel beschimpfte ihn stets wegen seines plebejischen E�geschmacks �, konnte er seine Begeisterung nicht l�nger f�r sich behalten.</p><p>�In diesem Dick Pennyford haben wir einen Schatz gefunden. Wie w�r�s wenn wir nun einige dieser neuen Maschinen kaufen w�rden, von denen er gesprochen hat?�</p><p>�Wir sollten das sorgf�ltig abw�gen.� Was bedeutete, da� sie das W�gen �bernehmen w�rde. �Wir brauchen uns keine Sorgen dar�ber zu machen, da� unsere Schuhe haltbar sind, wir m�ssen lediglich gen�gend liefern, um Geld zu machen. Wenn die neuen Maschinen die Produktion beschleunigen � nun ja, dann vielleicht.�</p><p>�Wir werden Geld machen�, rief Stanley, gerade als der Zug schwankend um eine Kurve fuhr. Der Sommersturm lie� den Regen gegen die Scheibe neben ihrem Tisch klatschen. �Ich bin da sehr zuversichtlich.� Er schaufelte Eier in den Mund und kaute heftig. Isabel blieb nachdenklich. Sie lie� ihren gekochten Fisch unber�hrt und sa� da, die behandschuhten H�nde unter dem Kinn, die Augen auf die vorbeiziehende, trostlose Landschaft gerichtet. �Wir d�rfen nicht zu beschr�nkt planen, Stanley.�</p><p>�Wie meinst du das?�</p><p>�Bevor wir Washington verlie�en, habe ich faszinierende Ger�chte geh�rt. Gewisse Industrielle suchen angeblich nach M�glichkeiten, im Falle eines langen Krieges mit der Konf�deration Handel zu treiben.�</p><p>Stanleys Gabel klirrte auf den Teller. Sein Unterkiefer fiel herunter. �Du willst doch nicht andeuten � �</p><p>�Stell dir ein Arrangement vor�, fuhr sie mit leiser Stimme fort, �wo privat Milit�rschuhe gegen Baumwolle getauscht werden. Wie viele Schuhfabriken gibt es da unten im S�den? Sehr wenige oder gar keine, m�chte ich wetten. Stell dir den Bedarf vor � und den Preis, den du hier oben beim Wiederverkauf f�r einen Ballen Baumwolle bekommen kannst. Denk an den gewaltigen Profit.�</p><p>Der Tisch dr�ckte in Stanleys Bauch, als er sich vorbeugte und fl�sterte: �Aber es w�re auch gef�hrlich, Isabel. Schlimmer als das, es w�re Verrat.�</p><p>�Es k�nnte auch eine M�glichkeit darstellen, nicht nur einen Profit, sondern ein Verm�gen zu machen.� Sie t�tschelte seine Hand wie eine Mutter dem etwas zur�ckgebliebenen Kind. �Tu es aber nicht vollkommen aus deinen �berlegungen streichen, mein Liebling.�</p><p>Das tat er nicht.</p><p>�Und i� deine Eier auf, bevor sie kalt werden.�</p><p>Das tat er.</p><p><strong>22</strong></p><p>Schwache Ger�usche. Weit entfernt, dachte er in den ersten Sekunden, als er in die Dunkelheit hinein erwachte. Von der anderen Seite des Zeltes ert�nte einer von Ambroses typischen Schnarchlauten.</p><p>Charles lag auf der rechten Seite. Seine Leinenunterw�sche war schwei�getr�nkt. Gerade als er Ambrose ansto�en und zum Schweigen bringen wollte, l�ste sich das Ger�usch in identifizierbare Einzelt�ne auf: Nachtinsekten und noch etwas anderes. Charles hielt den Atem an und r�hrte sich nicht.</p><p>Auch vom Feldbett aus konnte er den Zelteingang sehen. Offen. Ganz kurz tauchte eine Silhouette im Schein einer Wachlaterne auf. Er h�rte den Eindringling atmen.</p><p><emphasis>Er ist hinter dem S�bel her.</emphasis></p><p>Dieser lag, in Wachstuch eingewickelt, oben auf dem kleinen Koffer am Fu�e seines Bettes. <emphasis>H�tte einen sicheren Platz suchen sollen.</emphasis> Er unterdr�ckte das aufsteigende Furchtgef�hl. Aus seiner Position war es schwer, pl�tzlich hochzuschnellen, aber es versuchte es. Als er auf die F��e kam, br�llte er los, in der Hoffnung, den Dieb zu verwirren und zu erschrecken.</p><p>Statt dessen weckte er Ambrose, der einen wilden Schrei ausstie�, als Charles sich auf den Schatten des Mannes st�rzte, der gerade nach dem S�bel griff. �Gib her, verdammt noch mal.�</p><p>Der Dieb rammte Charles einen Ellbogen ins Gesicht. Blut spritzte aus seinem linken Nasenfl�gel. Er taumelte zur�ck, und der Dieb tauchte in der Stra�e der ordentlich aufgebauten Zelte unter, rannte dann nach links, weg von dem Zaunpfosten, wo die Laterne leuchtete; Charles, blutend und fluchend, hinter ihm her.</p><p>Ein bi�chen was konnte er von dem Dieb erkennen. Er war schwer und trug wei�e Gamaschen. Einer von Bob Wheats Tigern, bei Gott. Serbakovskys Warnung kam ihm in den Sinn. An dem Abend war er zu guter Stimmung gewesen, um die Warnung ernst zu nehmen.</p><p>Seine Arme und Beine pumpten. Blut lief �ber seine Oberlippe. Steine und Bodenunebenheiten schnitten schmerzhaft in seine nackten F��e, aber er kam n�her. Der Dieb drehte sich um, sein Gesicht ein runder, verwaschener Fleck. Charles h�rte Ambrose br�llen, gerade als er sich vorwarf und den Dieb an der Taille erwischte.</p><p>Der Mann fluchte; beide fielen sie zu Boden. Charles landete auf den Kniekehlen des Mannes. Der Dieb lie� den S�bel fallen, trat wild um sich und k�mpfte sich unter Charles hervor. Ein Gamaschenstiefel stie� Charles� Kopf zur�ck. Der Tiger sprang auf.</p><p>Benommen packte Charles das linke Bein des Mannes und zog ihn wieder zu Boden � zusammen mit dem gewaltigen Bowiemesser, das der Mann aus der G�rtelscheide gerissen hatte. Charles warf den Kopf zur Seite, um dem Stich zu entgehen, der ihm die ganze Backe aufgerissen h�tte.</p><p>Der Tiger stie� Charles zur�ck. Mit dem Sch�del knallte er gegen einen Stein. �Wachunteroffizier! Wachunteroffizier!� bellte Ambrose. Charles konnte l�ngst tot sein, bis Hilfe kam; er hatte einen Blick auf den Dieb werfen k�nnen, also w�re es f�r den Mann sicherer, ihn als Leiche zur�ckzulassen.</p><p>Zwei Knie bohrten sich in Charles� Brust. Der Dieb hatte ein rundes Gesicht, Knollennase, Schnurrbart. Er stank nach Zwiebeln und Dreck. �Verfluchter Carolina-Stutzer�, grunzte er, das Bowiemesser mit beiden H�nden umklammernd; langsam wurde die Spitze nach unten gedr�ckt, auf Charles� Kehle zu.</p><p>Verzweifelt stemmte sich Charles dagegen. Gott, war der Bastard stark! Er schob ein Knie in Charles� Leistengegend und verlagerte sein Gewicht. Von Schwei� und Schmerz geblendet, merkte Charles kaum, da� die Klinge sich seinem Kinn bis auf wenige Zentimeter gen�hert hatte.</p><p>F�nf Zentimeter. Zwei �</p><p>�Jesus�, st�hnte Charles; Tr�nen traten ihm in die Augen, weil das Knie seine Hoden quetschte. Noch eine Sekunde, und das Messer w�rde ihm die Kehle zerfetzen. Seine linke Hand bewegte sich. Die Messerspitze fuhr nach unten. Charles fand die Haare des Diebes und zerrte. Der Mann kreischte auf, sein Angriff geriet ins Wanken. Glitschige Finger lie�en das Bowiemesser los. Im Fallen schrammte es leicht �ber Charles� linke Rippen. Als der Dieb aufzustehen versuchte, packte Charles das Messer und stie� es tief in dessen Oberschenkel.</p><p>Der Tiger schrie lauter. Er fiel nach hinten und landete in einem Gestr�pp, einige Yards hinter dem letzten Zelt; das Messer ragte aus seinen feinen, gestreiften Hosen. �Alles in Ordnung, Captain Main?�</p><p>Im Aufstehen nickte Charles dem Unteroffizier zu, der als erster bei ihm angekommen war; andere M�nner str�mten herbei und umringten ihn. Der Dieb st�hnte und schlug um sich.</p><p>�Bringen Sie ihn zum Arzt, damit sein Bein versorgt wird. Und schauen Sie zu, da� er ans andere Bein eine Kette und eine Eisenkugel bekommt, damit er nicht verschwunden ist, wenn ihn das Kriegsgericht seines Regiments erwartet.�</p><p>Der Unteroffizier fragte: �Was hat er getan, Sir?�</p><p>Mit dem nackten Handgelenk wischte sich Charles das Blut von der Nase. �Hat versucht, meinen Parades�bel zu stehlen.� Keine Ehre unter diesen Rekruten, dachte er bitter. Vielleicht bin ich ein Narr, da� ich auf einen Krieg nach Vorschriften hoffe.</p><p>Hellwach und aufgeregt wollte Ambrose �ber den Vorfall reden. Charles pre�te sich einen Lumpen gegen die Nase, bis die Blutung aufh�rte, dann bestand er darauf, da� sie schliefen. Er war erledigt.</p><p><strong>23</strong></p><p>Am 1. Juli, einem Montag, kam George in Washington an. Er trug sich in seinem Hotel ein und fuhr dann mit einer Mietkutsche in eine Gegend gro�er H�user auf riesigen Grundst�cken. Der Fahrer zeigte ihm die Residenz, die �der Kleine Riese� f�r so kurze Zeit bewohnt hatte. Stephen Douglas war im Juni gestorben; den Pr�sidenten, gegen den er im letzten Jahr noch als Gegenkandidat angetreten war, hatte er nach Kr�ften unterst�tzt.</p><p>Wohnraum war knapp in Washington. Stanley und Isabel hatten das Gl�ck gehabt, von einer kr�nkelnden Witwe zu h�ren, die ihr Haus nicht l�nger halten konnte. Sie zog zu einer Verwandten, und Stanley unterschrieb einen Mietvertrag �ber ein Jahr. In einer Nachricht an George hatte er diese Information und die Adresse in so steifen Formulierungen mitgeteilt, da� George sicher war, da� Cameron aus Gr�nden der Harmonie innerhalb des Departments darauf bestanden hatte. Warum hatte der alte Bandit sich da eingemischt? dachte George irritiert. Die Nachricht hatte diese Reaktion erzwungen, er mu�te einen Pflichtbesuch abstatten.</p><p>�M�chtig feines Pl�tzchen�, rief der Kutscher, als sie vorfuhren. �M�chtig fein� war kaum die richtige Bezeichnung daf�r. Stanleys Heim war ein Herrschaftshaus wie die anderen H�user in der Nachbarschaft auch.</p><p>Ein Butler informierte ihn, da� sich Mr. und Mrs. Hazard in New England bef�nden. Der Diener wirkte verschlagen und herablassend. Vielleicht gab ihm Isabel Anschauungsunterricht, dachte George wohlgelaunt.</p><p>Drinnen ersp�hte er unge�ffnete Packkisten. Offensichtlich waren sie gerade erst eingezogen. George lie� seine Karte zur�ck und sprang l�chelnd in die Kutsche. Kein Grund f�r einen zweiten Besuch; nicht bei dieser Reise.</p><p>Er a� allein im Speisesaal des Hotels. In seinem Zimmer versuchte George die neueste Ausgabe des <emphasis>Scientific American</emphasis> zu lesen, konnte sich aber nicht darauf konzentrieren. Die f�r n�chsten Morgen geplanten Gespr�che besch�ftigten ihn und machten ihn nerv�s.</p><p>Gegen halb zehn erreichte er das f�nfst�ckige Winder-Geb�ude gegen�ber von President�s Park. Der urspr�ngliche Backsteinbau war durch einen M�rtelanstrich und einen Eisenbalkon im zweiten Stock belebt worden. Er ging an den diensttuenden Wachen vorbei, die die wichtigen Regierungsoffiziellen in ihrem Hauptquartier zu besch�tzen hatten; einer davon war General Scott. Beim Betreten des Geb�udes hatte man das Gef�hl, als w�rde man an einem sonnigen Tag ins Meer tauchen. Auf der d�steren Eisentreppe bemerkte er, in welch schlechtem Zustand die Holzverarbeitung war und da� �berall Farbe abbl�tterte.</p><p>George hielt einen Captain an und wurde durch eine weitere T�r in ein entsetzlich unordentliches B�ro mit Steinfu�boden gewiesen. An Reihen von Schreibtischen stellten Angestellte Papiere aus oder w�hlten darin herum. Zwei Lieutenants stritten sich �ber das Tonmodell einer Kanone.</p><p>George und Wotherspoon hatten endlich den Fehler beim Gu�proze� entdeckt, und die Organisation der Bank lief reibungslos, also hatte er wegen seines Besuches ein reines Gewissen � obwohl ihn im Moment nur ein wilder Fluchtdrang beseelte.</p><p>Ein Bedeutsamkeit ausstrahlender Offizier mittleren Alters n�herte sich. �Hazard?� George bejahte. �Der Artilleriechef ist noch nicht hier. Ich bin Captain Maynadier. Vielleicht setzen Sie sich und warten � dort, neben Colonel Ripleys Schreibtisch. Ich bedaure, keine Zeit zum Plaudern zu haben. Ich bin seit f�nfzehn Jahren in diesem Department und habe es noch nie geschafft, meinen Papierkram aufzuarbeiten. Papier ist der Fluch Washingtons.�</p><p>Er trottete davon und begann einige Papierberge auf seinem Schreibtisch zu inspizieren. Irgend jemand hatte George erz�hlt, da� Maynadier ein Mann der Akademie war. Obwohl alle Absolventen von West Point Br�der, Freunde sein sollten, war George durchaus bereit, in diesem Fall eine Ausnahme zu machen.</p><p>Er nahm Platz. Nach zwanzig Minuten h�rte er Geschrei im Vorraum.</p><p>�Colonel Ripley!�</p><p>�Wenn ich nur eine Sekunde � �</p><p>�D�rfte ich Ihnen das zeigen � �</p><p>�Hab� keine Zeit.�</p><p>Die gereizte Stimme k�ndigte einen gleichfalls gereizten Lieutenant-Colonel an, einen scharfgesichtigen alten Burschen aus Connecticut, Akademiejahrgang �14. Der Chef des Waffenamtes trug seine offiziellen B�rden und die Last seiner Sechsundsechzig Jahre mit offensichtlichem Mi�vergn�gen.</p><p>�Hazard, nicht wahr?� bellte er, als George sich erhob. �F�r Sie hab� ich auch nicht viel Zeit. Wollen Sie den Job oder nicht? Bringt den Rang eines Captain, bis wir einen h�heren Titularrang f�r Sie haben. All meine Offiziere brauchen Titularr�nge. Cameron will Sie hier haben, also nehm� ich an, die Sache ist abgeschlossen, wenn Sie ja sagen.�</p><p>Hut und Handschuhe wurden dabei auf den Schreibtisch geklatscht. Seit Ripleys Eintritt hatte sich ein betontes Schweigen � Furcht? � �ber den Raum gesenkt.</p><p>�Setzen Sie sich, setzen Sie sich�, sagte der Colonel. �Die Hazard-Werke haben einen Kontrakt von diesem Department hier, nicht wahr?�</p><p>�Jawohl, Sir. Wir werden termingem�� liefern.�</p><p>�Gut. Das ist mehr, als man von den meisten unserer Lieferanten sagen kann. Nun, stellen Sie mir Fragen. Reden Sie. In einer halben Stunde haben wir im Park zu sein. Der Minister will Sie sehen, und da er mir vor zwei Monaten den Job hier gegeben hat, denke ich, wir werden hingehen.�</p><p>�Ich habe tats�chlich eine wichtige Frage, Colonel Ripley. Wie Sie wissen, bin ich von Beruf Eisenproduzent. Wie k�nnte ich mich da n�tzlich machen? Was h�tte ich zu tun?�</p><p>�Beispielsweise Artilleriekontrakte �berwachen. Sie leiten au�erdem ein gewaltiges Werk, was vermutlich organisatorische F�higkeiten voraussetzt. So was k�nnen wir brauchen. Schauen Sie sich den Saustall an, den ich geerbt habe�, rief er mit weit ausholender Armbewegung. �Ich w�rde Ihre Anwesenheit begr��en, Hazard � solange Sie mich nicht mit neumodischem Firlefanz bel�stigen. Hab� keine Zeit f�r solche Sachen. Erprobte Waffen sind die besten Waffen.�</p><p>Ein weiterer Stanley. Fest und unersch�tterlich gegen jeden Wandel eingestellt. Das war ein eindeutig negativer Punkt. George begann zu verstehen, weshalb seine Kritiker den Colonel Ripley van Winkle nannten.</p><p>Sie diskutierten Bezahlung und Dienstantritt � Details, die er als zweitrangig betrachtete. Seine Stimmung war ebenso schlecht wie die von Ripley, als der Colonel eine Taschenuhr zu Rate zog und feststellte, da� sie sich f�r ihr Treffen mit Cameron versp�ten w�rden.</p><p>Im Eiltempo durchbrachen sie die Barrikaden aus menschlichen Leibern. Verschiedene Kontraktsuchende folgten Ripley die Treppen hinab, schrill wie M�wen, die ein Fischerboot jagen.</p><p>�Erfinder�, sch�umte Ripley, als sie die Avenue �berquerten. �Sollte jeden von ihnen in die Irrenh�user zur�ckverfrachten lassen, aus denen sie entsprungen sind.�</p><p>Eine weitere Erfindung, die den Colonel zweifellos in Wut versetzte, schwebte �ber den B�umen des Pr�sidentenparks. Seile hielten den leeren Beobachtungskorb am Boden fest. George erkannte die <emphasis>Enterprise,</emphasis> den Ballon, den s�mtliche Illustrierten letzten Monat abgebildet hatten. Hier an Ort und Stelle war er erst vor wenigen Tagen vorgef�hrt worden, und es hie�, Lincoln h�tte sich f�r seinen potentiellen Einsatz als Luftaufkl�rer interessiert.</p><p>Ripley paradierte durch die den Ballon angaffende Menschenmenge in einer Haltung, die deutlich zum Ausdruck brachte, da� er Autorit�t verk�rperte. Sie entdeckten Simon Cameron, der sich mit einem drei�igj�hrigen Mann in langem Leinenrock unterhielt. Noch ehe die Vorstellung beendet war, sch�ttelte der junge Mann Georges Hand.</p><p>�Dr. Thaddeus Sobieski Constantine L�we, Sir. Eine Ehre, Sie kennenzulernen! Obwohl ich von New Hampshire komme, kenne ich ihren Namen und Ihr hohes Ansehen in der Welt der Industrie. Darf ich Ihnen meinen Plan f�r ein Spionagenetz aus der Luft beschreiben? Ich hoffe auf Unterst�tzung interessierter B�rger, damit der kommandierende General �berredet werden kann � �</p><p>�General Scott wird dem Plan seine Aufmerksamkeit schenken�, unterbrach Cameron. �Sie brauchen sich nicht um weitere Vorf�hrungen dieser Art zu k�mmern.� Hinter dem L�cheln des alten Politikers steckte die Andeutung, da� sie auf Regierungsgel�nde auch gar nicht zugelassen w�rden. �Wenn Sie mich entschuldigen, Doktor, ich habe mit unserem Besucher Gesch�ftliches zu besprechen.�</p><p>Und damit zog er George beiseite, als w�ren sie schon immer politische Partner und nicht Gegner gewesen. Ripley trabte hinter ihnen her. �Haben Sie sich mit dem Colonel angenehm unterhalten, George?�</p><p>�Das hab� ich, Herr Minister.�</p><p>�Simon. Wir sind doch alte Freunde. H�ren Sie � ich wei�, da� Sie und Stanley nicht immer gut miteinander auskommen. Aber jetzt ist Krieg; pers�nliche Dinge m�ssen da im Hintergrund bleiben. Ich denke niemals an die Vergangenheit. Wer damals zu Hause f�r mich gearbeitet und mich gew�hlt hat und wer nicht � � Nach dieser listigen Einf�hrung begann Cameron zu predigen. �Ripley ben�tigt dringend einen Mann f�r die Artilleriebeschaffung. Jemand, der die M�nner der Eisenindustrie versteht, der ihre Sprache spricht.�</p><p>Er sah George an und kniff die Augen gegen das grelle Julilicht zusammen. �Wenn wir diese Nation nicht auseinanderbrechen sehen wollen, dann m�ssen wir alle einen Teil der Last tragen, um sie zu erhalten.�</p><p>Halt mir keine Moralpredigten, du verdammter Gauner, dachte George. Gleichzeitig reagierte er merkw�rdigerweise auf den Appell.</p><p>Ripley mischte sich ein, r�usperte sich. �Nun, Hazard? Irgendeine Entschuldigung?�</p><p>�Sie waren mit ihren Informationen sehr entgegenkommend, Sir. Aber ich w�rde mir gern alles noch mal durch den Kopf gehen lassen.�</p><p>�Das ist nur fair�, stimmte Cameron zu. �Ich freue mich, bald von Ihnen zu h�ren, George. Ich wei�, Ihre Entscheidung wird eine gute Nachricht sein.� Noch einmal klopfte er seinem Besucher auf die Schulter, dann eilte er davon.</p><p>In Wirklichkeit hatte sich George bereits entschieden. Er w�rde nach Washington kommen, aber mit einer ganzen Menge Vorbehalte als Gep�ck. Er f�hlte sich nicht edel, lediglich albern und, folgerichtig, ein bi�chen deprimiert.</p><p>Dann mietete sich George ein Pferd und ritt hin�ber zur anderen Seite des Potomac, den Anweisungen folgend, die Brett ihm gegeben hatte. Captain Farmers Kompanie konnte er nicht finden. Da seine Gesch�fte es erforderten, da� er den Zug um 7 Uhr abends nahm, kehrte er widerstrebend um. �berall um die Befestigungen herum sah er Zelte und exerzierende M�nner. Es erinnerte ihn an Mexiko, mit einem Unterschied: Die Soldaten, die da so ungeschickt marschierten, waren sehr jung.</p><p><strong>24</strong></p><p>Mehrere Tage sp�ter nahm Isabel den Tee in dem Herrschaftshaus in der I-Street ein, in einem Raum, den sie gleich bei der ersten Hausinspektion f�r sich beansprucht hatte. Ab vier Uhr durfte sie eine Stunde lang von niemandem gest�rt werden, w�hrend sie ihren Tee schl�rfte und die Zeitungen las.</p><p>Es war ein t�gliches Ritual, das sie in diesem Stadtlabyrinth f�r lebenswichtig hielt, wenn man Erfolg haben wollte. Schnell von Begriff, kannte Isabel bereits gewisse Grunds�tze des �berlebens. Man war besser ausweichend als aufrichtig. Enth�lle niemals deine wahre Meinung; die falsche Person k�nnte es h�ren. Auch eine gewisse Sensibilit�t f�r wechselnde Machtverh�ltnisse war bedeutsam. Stanley besa� ungef�hr die Sensibilit�t eines K�selaibes.</p><p>Heute entdeckte sie die gedruckte Rede des Pr�sidenten vor dem Kongre� zum Unabh�ngigkeitstag. Haupts�chlich Wiederholungen der Kriegsursachen. Nat�rlich schob Lincoln die ganze Schuld auf den S�den und stellte erneut fest, da� die Konf�deration keinen strategischen Grund besessen hatte, Fort Sumter einzunehmen.</p><p>Isabel ha�te den affen�hnlichen Mann aus dem Westen, am meisten aber verabscheute sie ihn, als sie las, da� er nach legalen Mitteln suchte, um diesen Konflikt kurz und entscheidend auszutragen.</p><p>Legal, wo er gerade Scott befohlen hatte, die Habeas-Korpus-Akte in gewissen Milit�rbezirken zwischen Washington und New York au�er Kraft zu setzen? Die Erkl�rungen des Mannes waren reines Geschw�tz. Er benahm sich bereits wie ein absoluter Herrscher.</p><p>Zwei Abs�tze der Rede erfreuten sie. Obwohl Lincoln auf einen kurzen Krieg hoffte, hatte er den Kongre� gebeten, ihm vierhunderttausend Mann zur Verf�gung zu stellen. Isabel sah achthunderttausend Jefferson-Stiefel vor sich.</p><p>Weiterhin sprang der Pr�sident nicht sehr sanft mit den Milit�rakademien um:</p><p><emphasis>Es verdient auch Beachtung, da� in dieser Stunde der Bew�hrung eine gro�e Anzahl von M�nnern, die in der Armee und der Marine zu Offizieren auserw�hlt worden waren, ihren Abschied genommen und die Hand weggesto�en haben, die sie gro�gezogen hat.</emphasis></p><p>Gro�artig. Wenn ihr selbstgef�lliger Schwager erschien, dann konnte sie vielleicht aus der wachsenden Anti-West-Point-Stimmung Kapital schlagen. Als sie und Stanley aus New England zur�ckkehrten, hatte sie die Nachricht erwartet, da� George in die Stadt kommen w�rde. George blieb ein West-Point-Loyalist, aber viele einflu�reiche Leute wollten diese Institution abgeschafft sehen. Die meisten, die dieses Ziel verfolgten, geh�rten zu einer sich neu formierenden Clique: einer Allianz aus Senatoren. Kongre�abgeordneten und Kabinettsoffizieren vom extremen Abolitionistenfl�gel der Republikanischen Partei. Kate Chases Vater geh�rte dazu, so hie� es, ebenso das alte Wrack aus Isabels Heimatstaat, der Kongre�abgeordnete Thad Stevens. Ihr war noch nicht klar, wie sie diese Information gegen George einsetzen w�rde, aber tun w�rde sie es auf jeden Fall. Sie wu�te bereits gewisse Fakten �ber diese neue radikale Gruppe; zu den wichtigsten Fakten geh�rte, da� der verschlagene Mr. Cameron hier nicht viel z�hlte.</p><p>Die Radikalen lieb�ugelten mit einem aggressiven Krieg und harten Bedingungen, sobald er gewonnen war. Lincoln hatte andere Ansichten, was Krieg und Sklaverei anbelangte. Er wollte nicht alle Neger befreit haben, damit sie herumw�teten und vergewaltigten und den Wei�en die Stellen wegnahmen. Isabel wollte das genausowenig. Das aber hinderte sie nicht daran, die Frauen der Radikalen zu hofieren, falls ihr das einen Vorteil einbrachte.</p><p>Beim Abendessen sprach sie �ber Lincolns Rede. �Er sagt genau das gleiche, was wir von verschiedenen Kongre�abgeordneten geh�rt haben. West Point hat auf Kosten der �ffentlichkeit Verr�ter ausgebildet und sollte geschlossen werden. Diese Stimmung lie�e sich vielleicht gegen deinen Bruder einsetzen.�</p><p>Stanleys ungew�hnlich gute Laune machte sie w�tend � er hatte nicht aufgeh�rt zu grinsen, seit er heimgekommen war �, und seine stumpfsinnige Antwort reizte sie noch mehr. �Warum sollte ich George jetzt etwas antun?�</p><p>�Hast du all seine Beleidigungen vergessen? Und die seiner Frau?�</p><p>�Nein, nat�rlich nicht, aber � �</p><p>�Angenommen, er kommt her und f�ngt an, sich breitzumachen, wie es seine Art ist?�</p><p>�Na und? Das Waffenamt ist dem Kriegsministerium unterstellt. Ich besitze einen h�heren Rang als er. Und ich stehe Simon nahe, vergi� das nicht.�</p><p>Hielt der Narr das vielleicht f�r einen sicheren Platz? Bevor sie ihn anfahren konnte, sprach er weiter: �Genug von George. Ich habe mit der heutigen Post zwei gute Nachrichten erhalten. Diese Anw�lte, die wir in Lynn beauftragt haben � absolute Scharlatane, aber sie haben den richtigen Leuten Geld zugesteckt. Der Besitztransfer wird schnell und reibungslos �ber die B�hne gehen. Auch von Pennyford hab� ich geh�rt. Noch in diesem Monat hat er die Fabrik f�r den Betrieb mit Doppelschicht bereit und die Hilfskr�fte sind gar kein Problem. F�r jede Stelle gibt es zwei oder drei Bewerber. Kinder k�nnen wir sogar noch billiger anheuern.�</p><p>�Wie wunderbar�, sagte sie h�hnisch. �Wir haben alles, was wir brauchen. Bis auf einen Kontrakt.�</p><p>Seine Hand scho� in die Tasche. �Auch den haben wir.�</p><p>Isabel war selten sprachlos, aber jetzt war sie es. Stanley reichte ihr das von einem Band zusammengehaltene Dokument, als h�tte er es in der Schlacht erbeutet. �Wie � sehr sch�n.� Sie sagte es schwach, weil sie es nicht so meinte; er hatte den Kontrakt aus eigener Kraft erhalten. Verwandelte diese Stadt oder diese Stelle ihn in etwas, was er nie zuvor gewesen war? In einen richtigen Mann? Allein die blo�e M�glichkeit war sehr verwirrend.</p><p><strong>25</strong></p><p>Serbakovsky war tot.</p><p>In der ersten Juliwoche legten ihn Offizierskameraden in einen schlichten Piniensarg. Zwei b�rtige M�nner in reichlich mit Tressen besetzten Uniformen erschienen mit einem Wagen und einem Zivilkutscher. Zwei Russen, die nur sehr gebrochen englisch sprachen, trugen einen Geleitbrief bei sich, von der Union ebenso unterzeichnet wie von der Konf�deration. Die Leichtigkeit, mit der sie aufgrund einer Kurierbotschaft von Washington aus angereist waren, best�tigte, was Charles bereits h�ufiger geh�rt hatte: Die feindlichen Linien zu �berwinden, egal in welcher Richtung, war keineswegs schwierig.</p><p>Der fr�hliche Prinz, der dem Tod schon auf vielen Schlachtfeldern ins Auge geschaut hatte, war von einer Kinderkrankheit dahingerafft worden. Die Soldaten starben daran in epidemischen Ausma�en. Die Opfer standen zu fr�h auf, glaubten, die Masern �berwunden zu haben, und wurden dann von t�dlichem Fieber befallen. Die �rzte schienen hilflos.</p><p>Der Wagen quietschte in der hei�en D�mmerung davon, und Ambrose und Charles gingen zum Marketender, um sich zu besaufen.</p><p>Wieder bei ihrem Zelt, erwartete sie eine unangenehme �berraschung. Toby war verschwunden, zusammen mit den besten Stiefeln seines Herrn und vielen pers�nlichen Habseligkeiten. W�tend marschierte Ambrose zum Hauptquartier, w�hrend Charles rein auf Verdacht zum nicht weit entfernten Lager der Tiger ritt. Und nat�rlich war auch das Pavillonzelt des Prinzen mitsamt dessen Dienern verschwunden.</p><p>�Ich wette mit dir um meinen Jahreslohn, da� Toby und dieses P�rchen zusammen abgehauen sind�, sagte er sp�ter zu Ambrose.</p><p>�Eindeutig. Die Belgier k�nnen so tun, als w�re Toby ihr Nigger, und ihn �ber den Potomac geradewegs in Old Abes Scho� schmuggeln. Der Colonel hat mir Erlaubnis gegeben, das Camp zu verlassen und mein Eigentum zur�ckzuholen. Aber er sagte, ich brauchte auch deine Erlaubnis.� Sein Gesichtsausdruck deutete an, da� Charles ihm die besser nicht vorenthalten sollte.</p><p>Charles sank auf sein Bett und kn�pfte sein Hemd auf. Der Tod, die Diebst�hle, das Warten � all das deprimierte ihn. Er glaubte nicht, da� Toby gefunden werden konnte, er war sich nicht mal sicher, ob man �berhaupt den Versuch unternehmen sollte, aber er brauchte Tapetenwechsel.</p><p>�Verdammt, wenn es irgendwie geht, komm� ich mit dir.�</p><p>�Bei Gott, Charlie, du bist ein echter wei�er Mann.�</p><p>�Gleich morgen fr�h spreche ich mit dem Colonel�, versprach er, voller Sehnsucht nach Schlaf und Vergessen.</p><p>�Ich habe nichts dagegen, da� Sie Pell helfen�, sagte der Colonel am n�chsten Morgen, �vorausgesetzt, Ihr anderer Offizier und Ihr Erster Sergeant kommen mit der Ausbildung zurecht.�</p><p>�Problemlos. Sir � obwohl ich ungern fehlen w�rde, wenn wir in den Kampf ziehen.�</p><p>�Ich wei� nicht, wann und ob wir k�mpfen werden�, erwiderte Hampton ungew�hnlich zornig. �Niemand sagt mir irgendwas. Wenn Sie nach Norden reiten, dann sind Sie den Yankees n�her als ich � vielleicht erleben Sie ein paar Aktionen. Lassen Sie sich von Captain Barker einen Pa� ausstellen, und kommen Sie so schnell wie m�glich zur�ck.�</p><p>Dunkle Ringe der M�digkeit zeigten sich um Hamptons Augen. Tags�ber ein Regiment zu kommandieren und abends die Empf�nge in Richmond zu besuchen forderte seinen Preis.</p><p>Er und Ambrose brachen um acht Uhr auf. Sport t�nzelte durch den k�hlen Morgen. Der Wallach war ausgeruht und gesund; dem Regiment stand Korn im �berflu� zur Verf�gung, und in der N�he des Lagers gab es reichlich Weiden.</p><p>Charles hatte sich nie f�r f�hig gehalten, irgend jemanden oder irgend etwas tief und aufrichtig zu lieben, aber er empfand eine immer st�rker werdende Zuneigung f�r den munteren kleinen Grauen. Er merkte es, als er f�r das Geld, das er normalerweise vertrank, Melasse kaufte, um sie in Sports Futter zu mischen; Melasse verlieh einem Pferd zus�tzliche Energie. Er merkte es daran, da� er den Grauen eine Stunde lang mit dem weichsten Tuch abrieb, das er finden konnte; f�nfzehn Minuten w�ren ausreichend gewesen. Vor allem merkte er es, als ein achtloser Unteroffizier zur F�tterung Sport mit den braunen Stuten der Truppe zusammenbrachte. Ein Kampf brach aus, und Charles st�rzte sich zwischen die schnaubenden Pferde, um den Grauen in Sicherheit zu bringen. Er erteilte dem Unteroffizier eine Lektion und machte ihm dann klar, da� zur F�tterung niemals Stuten und Wallache zusammenkommen d�rften.</p><p>Heute wehte eine milde, sanfte Brise, die Luft war einfach zu herrlich, als da� irgendwo Krieg h�tte sein k�nnen. Bei kleinen Farmen forschten sie nach den Fl�chtlingen; es war leicht, der Spur zu folgen. Verschiedene Patrouillen wollten ihre P�sse sehen, und Charles bestand darauf, da� sie den Pferden h�ufig Wasser gaben; im Sommer brauchte ein Tier mindestens zw�lf Gallonen t�glich.</p><p>Und weiter ritten sie, die Blue-Ridge-Berge und den Sonnenuntergang zur Linken. Als Ambrose seine monotone Version von �Young Lochinvar� begann, stimmte Charles begeistert ein.</p><p>Am n�chsten Morgen �berschritten sie die Grenze zum Fairfax County, n�herten sich Old Borys Basis bei Manassas Junction, einer kleinen Station ohne wirklichen Wert, aber von betr�chtlicher strategischer Bedeutung; hier traf die vom Shenandoah kommende Manassas-Gap-Bahnlinie auf die Orange und Alexandria-Linie. Die Spur hatte sich einfach im Nichts verloren. Sie trafen niemanden, der zwei Wei�e und einen Schwarzen entsprechend ihrer Beschreibung gesehen hatte. Hier oben in der N�he von Linkumland gab es einfach zuviel winzige Str��chen und Verstecke.</p><p>Gegen zwei sagte Charles: �Kein Sinn, weiterzureiten. Wir haben sie verloren.�</p><p>Ambrose seufzte. �Verdammt will ich sein, wenn ich es zugebe, aber ich glaube, du hast recht.� Er blinzelte in das grelle Licht. �Was h�ltst du von einem Halt bei dieser Farm an der Biegung? Meine Feldflasche ist leer.�</p><p>�In Ordnung, aber danach kehren wir um. Ich dachte, ich h�tte vorhin eben auf diesem Kamm was Blaues aufblitzen sehen.� Er hatte keine Ahnung, wie nahe sie den Yankee-Linien waren. Zuverl�ssige Karten existierten nicht.</p><p>Sie ritten die letzte Viertelmeile auf das saubere, wei�e Haus zu, mit dem gr�nen W�ldchen dahinter. Ordentliche Felder erstreckten sich nach Norden. Charles lie� Sport im Schritt gehen. �Halt scharf Ausschau, Ambrose. Da ist schon ein Besucher vor uns da.�</p><p>Er deutete mit dem Kopf zu Pferd und Buggy, die an einer Ulme angebunden waren. Als sie in den Hof einbogen und abstiegen, glaubte Charles eine Bewegung des Fenstervorhangs wahrzunehmen. Sein Nacken begann zu jucken.</p><p>Er band Sport an und ging mit seiner Schrotflinte zur Veranda hoch; seine Sporen klingelten in der Stille des Sommers. Er klopfte. Wartete. H�rte drinnen Bewegung; ged�mpfte Stimmen.</p><p>�Bleib auf der Seite, und halt deine Kanone bereit�, fl�sterte er. Ambrose glitt an die Wand, seine Schrotflinte schu�bereit; Schwei� lief ihm �bers Gesicht. Charles h�mmerte gegen die T�r.</p><p>�Was zum Teufel soll das, solch einen L�rm zu machen?� sagte der �rmlich gekleidete Farmer, der schlie�lich �ffnete. Er versperrte den Eingang, als wollte er verbergen, was immer sich im Schatten hinter ihm befand.</p><p>�Bitte um Entschuldigung, Sir�, sagte Charles, sich beherrschend. �Captain Main, Wade Hampton Legion. First Lieutenant Pell und ich suchen einen fl�chtenden Neger und zwei Wei�e, Belgier, die m�glicherweise auf ihrem Weg nach Washington hier durchgekommen sind.�</p><p>�Wie kommen Sie drauf? Die Stra�e f�hrt nach Benning�s Bridge, aber es gibt noch eine Menge andere ganz in der N�he.�</p><p>Charles, nun noch mehr auf der Hut, sagte: �Ich begreife Ihre mangelnde H�flichkeit nicht, Sir. Auf welcher Seite stehen Sie?�</p><p>�Ihrer. Aber ich hab� zu tun.� Er trat zur�ck, um die T�r zu schlie�en.</p><p>Charles rammte seine Schulter dagegen. Der alte Mann taumelte zur�ck. Eine Frau stie� einen kleinen, spitzen Schrei aus, der �berhaupt nicht zu ihrer Gr��e pa�te. Eine �ltere Person mit der Figur eines kleinen Walfisches verstopfte den Wohnzimmereingang, um Charles die Sicht zu verwehren, aber daf�r war er zu gro�.</p><p>Entsetzt sagte die Frau: �Wir sind entdeckt, Miz Barclay.�</p><p>�Wir h�tten nicht versuchen sollen, ihn abzuwimmeln. Wenn er nicht gerade McDowell in Verkleidung ist, dann geh�rt er zu unseren Leuten.�</p><p>Die leisen, schnippischen Worte der zweiten Sprecherin verwirrten Charles f�r einen Moment. Sie klang, als k�me sie aus Virginia, aber was er von der jungen Frau sehen konnte, wirkte eindeutig verd�chtig. Ihr oberster Rock war hochgezogen, und darunter kam ein zweiter Rock zum Vorschein, krinolinversteift und in viele Taschen unterteilt, die sich alle leicht w�lbten. Auf einem Stuhl sah er vier in Wachstuch gewickelte, verschn�rte P�ckchen. Auf einmal d�mmerte es ihm, und er h�tte beinahe aufgelacht. Er war noch nie einem Schmuggler begegnet, geschweige denn einem so attraktiven.</p><p>�Captain Charles Main, Ma�am. Von � �</p><p>�Der Wade Hampton Legion. Sie haben eine laute Stimme, Captain. Versuchen Sie uns die Yankees auf den Hals zu hetzen?�</p><p>Sie l�chelte dabei, aber ohne Freundlichkeit. Er wu�te nicht recht, was er von ihr halten sollte. Ihre Kleidung war nicht �rmlich, aber schlicht und von der Reise zerdr�ckt. Sie mochte ungef�hr in seinem Alter sein, zehn Zentimeter kleiner, mit breiten H�ften, einem vollen Busen, blauen Augen und blonden Locken; eine junge Frau, die es fertigbrachte, gleichzeitig robust und verdammt h�bsch auszusehen. F�r wenige Sekunden f�hlte er sich leichtherzig und beschwingt wie ein Junge. Dann erinnerte er sich an seine Pflichten.</p><p>�Ich stelle besser die Fragen, Ma�am. Darf ich Ihnen First Lieutenant Pell vorstellen?� Ambrose betrat das Wohnzimmer. Der alte Mann duckte sich neben seine Frau.</p><p>�Ich hab� gesehen, wie er sich im Flurspiegel bewundert hat. Ich h�tte Sie f�r Jungs aus South Carolina gehalten, auch wenn Sie es nicht verk�ndet h�tten.�</p><p>�Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?�</p><p>�Mrs. Augusta Barclay aus Spotsylvania County. Meine Farm liegt in der N�he von Fredericksburg, falls Sie das was angeht.�</p><p>Er fing an: �Aber dies hier ist Fairfax � �</p><p>�Meine G�te. Ein Spezialist in Geographie, ebenso wie in schlechten Manieren.� Sie beugte sich vor, um weitere Pakete aus ihrem Unterrock zu zerren. �Ich kann keine Zeit mit Ihnen verschwenden, Captain. Ich f�rchte, ein paar Reiter sind dicht hinter mir her. Yankees.� <emphasis>Plop!</emphasis> fiel das n�chste Paket auf den Stuhl, und <emphasis>plop!</emphasis></p><p>�Die Witwe Barclay war in Washington City�, sagte die Frau des Farmers. �Ein geheimer Botengang der Wohlt�tigkeit f�r � �</p><p>�Psst, kein Wort mehr�, unterbrach der alte Farmer.</p><p>�Oh, warum nicht?� fauchte die junge Frau und zerrte P�ckchen heraus. �Wenn er wei�, was wir tun, dann hilft er uns vielleicht, anstatt hier wie eine pr�chtige F�hre herumzustehen, die darauf wartet, bewundert zu werden.�</p><p>Die blauen Augen schossen solch einen ver�chtlichen Blick auf Charles ab, da� er kein Wort mehr herausbrachte. An das alte P�rchen gewandt, fuhr die junge Witwe fort: �Es war ein Fehler von mir, das Rendezvous so nahe am Potomac zu arrangieren. Ich f�rchtete schon, jemand w��te Bescheid, als sie an der Br�cke zehn Minuten lang meine Papiere untersuchten. Ein Sergeant bohrte mit seinen Blicken L�cher in meinen Rock und so attraktiv bin ich auch nicht.�</p><p>�Ich m�chte wissen, was in den P�ckchen ist�, sagte Charles.</p><p>�Chinin. In Washington massenhaft vorhanden, aber in Richmond knapp. Es wird verzweifelt ben�tigt werden, wenn erst mal die richtigen K�mpfe begonnen haben. Ich bin nicht die einzige Frau, die diese Arbeit verrichtet, Captain. Weit gefehlt.�</p><p>Langsam durchquerte Ambrose das Zimmer. Sch�nheit und Patriotismus der Witwe Barclay gefielen Charles, aber nicht ihre spitze Zunge. Sie erinnerte ihn an Billy Hazards Schwester Virgilia.</p><p>Er war ein bi�chen rauh mit den beiden Alten umgesprungen. Zu der Frau sagte er: �Wenn Sie m�gen, k�nnen Sie ihr nat�rlich helfen.� Die Frau kniete sich hinter Augusta Barclay und steckte ihren Kopf unter den oberen Rock der Witwe. Die Pakete tauchten nun doppelt so schnell auf.</p><p>An Charles gewandt, sagte die junge Frau mit dem gleichen Sarkasmus: �Wie gro�z�gig von Ihnen. Ich meinte es ernst, als ich sagte, vielleicht werde ich verfolgt.�</p><p>�Ich will verdammt sein, wenn das nicht stimmt�, rief Ambrose vom Nordfenster. Nerv�s winkte er Charles heran, der �ber seine Schulter sp�hte; hinter einem H�gel, ein oder zwei Meilen die Stra�e hinunter, stieg Staub auf.</p><p>�M�ssen Yanks sein, wenn sie so schnell reiten.� Er lie� den Vorhang fallen. Zu den mit den P�ckchen k�mpfenden Frauen sagte er: �Ich bedaure meine scharfen Worte, Ladies.� Er hoffte, die Witwe Barclay verstand, da� dies an ihre Person gerichtet war; ein leichtes Neigen des Kopfes deutete ein Vielleicht an. �Ich m�chte diese lobenswerte Arbeit nicht zunichte machen, aber sie ist hochgradig gef�hrdet, wenn wir uns nicht beeilen.�</p><p>�Nur noch ein paar�, keuchte die dicke Frau. P�ckchen flogen nach rechts und links.</p><p>Charles bedeutete dem Farmer, sie einzusammeln, und fragte: �Wo ist das sicherste Versteck daf�r?�</p><p>�Dachstube.�</p><p>�Machen Sie das. Ambrose, geh raus, und fahr den Einsp�nner zwischen die B�ume. Schaffst du es nicht zur�ck, bevor die Reiter in Sichtweite kommen, dann bleib in Deckung. Sind Sie fertig, Mrs. Barclay?�</p><p>Sie gl�ttete ihren obersten Rock. �Man braucht lediglich zwei Augen, um das zu beantworten, Captain.�</p><p>�Ersparen Sie mir Ihren Spott, und gehen Sie nach hinten in den Holzschuppen. Bleiben Sie drin, und geben Sie keine Silbe von sich. Falls das m�glich ist.� �berraschenderweise l�chelte sie �ber den Seitenhieb.</p><p>Der Farmer schwankte vollbeladen nach oben. Drau�en quietschten R�der, als Ambrose den Einsp�nner fortfuhr. Augusta Barclay eilte hinaus.</p><p>Erneut rannte Charles zum Nordfenster. Er konnte nun die sich im Galopp n�hernden Reiter deutlich erkennen. Ein halbes Dutzend M�nner, alle dunkelblau gekleidet. Unter seiner grauen Jacke begann der Schwei� zu laufen.</p><p>Der Farmer kam wieder herunter. �Gibt es in der K�che Wasser?� fragte Charles die Frau.</p><p>�Ein Eimer und eine Sch�pfkelle.�</p><p>�F�llen Sie die Sch�pfkelle, und her damit. Dann verhaltet euch beide still.�</p><p>Augenblicke sp�ter schlenderte er hinaus auf die Veranda, Schrotflinte in der linken Armbeuge, Sch�pfkelle in der rechten Hand. Die Reiter reagierten auf seinen Anblick, indem sie S�bel und Seitengewehre zogen. Der Lieutenant, der das Kommando f�hrte, hielt die Hand hoch.</p><p>Der Moment, in dem Charles h�tte erschossen werden k�nnen, ging so schnell vor�ber, da� er es gar nicht richtig mitbekam. Er lehnte sich gegen einen der Verandapfosten; in seinen Ohren dr�hnte das H�mmern seines Herzens.</p><p><strong>26</strong></p><p>Die Reiter dr�ngten von der Stra�e heran; die leichte Brise wehte den aufgewirbelten Staub davon. Die M�ndungen mehrerer Armeerevolver zeigten auf Charles� Brust.</p><p>In der Hitze rot wie ein Apfel, dirigierte der Lieutenant sein Pferd zur Veranda. Charles trank von der Sch�pfkelle, lie� dann seine Hand fallen. Er pre�te seinen rechten �rmel gegen die Rippen, um ein Zittern zu verbergen. Er hatte den jungen Unionsoffizier zuvor schon gesehen.</p><p>�Guten Tag, Sir�, sagte der Lieutenant. Seine Stimme kippte �ber, wurde hoch und schrill. Charles verkniff sich jedes Lachen oder L�cheln. Ein nerv�ser Mann oder ein gedem�tigter � reagiert oft un�berlegt.</p><p>�Guten Tag�, erwiderte er mit freundlichem Nicken. Sein Blick wanderte von Gesicht zu Gesicht. Vier der Yanks waren kaum alt genug, um sich rasieren zu m�ssen. Zwei wichen seinem Blick aus; sie stellten keine Gefahr dar.</p><p>Charles wartete und zwang so den anderen zur Vorstellung. �Zweiter Lieutenant Prevo. Georgetown Berittene Dragoner, Department von Washington, zu Ihren Diensten.�</p><p>�Captain Main, Wade-Hampton-Legion. Ihr Diener.�</p><p>�Darf ich fragen, Sir, was ein Rebellenoffizier so nahe am Potomac zu suchen hat?�</p><p>�Ich lege keinen gro�en Wert auf die Bezeichnung Rebell, Sir, doch die Antwort auf Ihre Frage ist simpel. Mein Negersklave, den ich aus South Carolina mitgebracht hatte, ist mir vorgestern fortgelaufen � in Richtung der gesegneten Freiheit des Yankeeterritoriums, wie ich vermute. Ich bin gerade zu dem Schlu� gelangt, da� ich ihn nicht mehr erwischen werde. Die Spur ist kalt geworden.�</p><p>Der Lieutenant deutete auf die beiden angebundenen Pferde. �Wie ich sehe, haben Sie sich nicht allein auf die Verfolgung gemacht.�</p><p>�Mein Erster Lieutenant ist drinnen und schl�ft.� Wo zum Teufel hatte er diesen gr�nen J�ngling schon mal getroffen?</p><p>�Sie sagen, Ihr Niggersklave ist weggerannt?�</p><p>�Diese Rebs genie�en allen Luxus, was. Lieutenant?� sagte ein bissiger Corporal mit einer gewaltigen Dragonerpistole. Damit konnte er Charles in St�cke schie�en. Ein �bler Bursche. Er mu�te ein Auge auf ihn haben.</p><p>Charles� Taktik bestand darin, den Corporal zu ignorieren, und so sagte er zu dem Offizier: �Ja, und ich bin verdammt �rgerlich deswegen.�</p><p>Der Corporal blieb hartn�ckig. �Darum dreht sich doch der ganze Krieg, oder? Ihr Jungs wollt eure Schuhputzer nicht verlieren, oder diese Niggerm�dels, die Ihr jederzeit v�geln k�nnt.�</p><p>Der Lieutenant wollte den Unteroffizier zurechtweisen. Ehe er dazu kam, warf Charles die Sch�pfkelle in den Dreck, �Lieutenant Prevo, lassen Sie Ihren Mann absteigen, dann werde ich ihm die Antwort auf seine Bemerkung geben, in einer Weise, die er versteht.� Er starrte den Corporal an, w�hrend seine Hand zum S�belgriff fuhr. Es w�re dumm, wenn er sich in einen Kampf hineinman�vrieren w�rde, doch wenn sie Lunte rochen, abstiegen und �berall herumschn�ffelten, dann war Mrs. Barclay erledigt.</p><p>�Nicht notwendig. Sir�, sagte Prevo. �Mein Corporal wird den Mund halten.� Der Unteroffizier starrte Charles murrend an. Der Yank-Offizier entspannte sich etwas. �Ich gestehe, da� ich Ihren Gef�hlen nicht verst�ndnislos gegen�berstehe, Captain. Ich komme aus Maryland. Mein Bruder hat dort auf seiner Farm zwei Sklaven, die ebenfalls weggerannt sind. Als diese Einheit zusammengestellt wurde, weigerte sich ein Drittel der Jungs, den Eid abzulegen, und nahm den Abschied. Auch ich geriet in Versuchung. Da ich es nicht tat, habe ich meine Pflicht zu erf�llen.� Wieder wechselte seine Stimmung. �Aber ich kann mich des Gef�hls nicht erwehren, da� wir uns schon mal begegnet sind.�</p><p>�Nicht in Maryland?� Pl�tzlich funkte es bei ihm. �West Point?�</p><p>�Bei Gott, das ist es. Sie waren �?�</p><p>�Jahrgang �57.�</p><p>�Ich fing kurz vor Ihrer Graduierung an.� Prevo machte eine Pause. �Mir hat es dort sehr gefallen. � Nun, das Geheimnis w�re gekl�rt. Wenn Sie uns nun entschuldigen, dann k�mmern wir uns wieder um unsere Arbeit.�</p><p>�Sicher.�</p><p>�Wir verfolgen eine Schmugglerin. Wir glauben, sie hat Medizin aus dem Bezirk geschmuggelt und diesen Weg eingeschlagen. Entlang dieser Stra�e durchsuchen wir jede Farm.� Er machte sich daran, abzusteigen.</p><p>�Schmugglerin?� Charles hoffte, sein unterdr�cktes Lachen klang �berzeugend. �Sparen Sie sich die M�he, Lieutenant. Ich bin seit einer Stunde hier, und ich gebe Ihnen mein Wort, da� keine solche Person im Haus ist.�</p><p>Prevo blieb im Sattel, z�gerte. Die M�ndungen der Gewehre blieben auf Charles gerichtet.</p><p>�Mein Wort als Offizier und Mann der Akademie�, sagte Charles l�ssig und ungezwungen, was die sorgf�ltig eingeschr�nkte Wahrheit, wie er hoffte, �berzeugend klingen lie�.</p><p>Sekunden vergingen. Prevo atmete tief durch. Es hatte nicht funktioniert. Was w�rden sie nun �?</p><p>�Captain Main, ich akzeptiere Ihr Wort und danke Ihnen f�r Ihre Kooperation, die Kooperation eines Gentleman. Wir haben noch viel vor uns, und Sie haben uns Zeit erspart.�</p><p>Er schob seinen S�bel in die Scheide, br�llte Befehle, und der Trupp donnerte zur�ck zur Stra�e und dann weiter nach S�den. Das entt�uschte Gesicht des Corporals tauchte im Staub unter. Charles hob die Sch�pfkelle auf und lehnte sich gegen den Pfosten, vor Erleichterung ganz benommen.</p><p><strong>27</strong></p><p>Charles wartete zehn Minuten, f�r den Fall, da� die Soldaten zur�ckkehrten, dann rief er Augusta Barclay zu, sie k�nne aus ihrem Versteck kommen, und pfiff hin�ber zum W�ldchen nach Ambrose. �La� den Buggy dort. Diese Yankees k�nnten den gleichen Weg zur�ck nehmen.�</p><p>�Ich vermute, Ihre Beredsamkeit war sehr �berzeugend, Captain�, sagte Augusta, w�hrend sie Holzsplitter von ihrem Rock b�rstete.</p><p>�Ich gab ihnen mein Wort, da� sich keine Schmugglerin im Haus befindet.� Er sch�tzte die Entfernung zwischen dem wei�en Geb�ude und dem Holzschuppen ab. �Einer direkten L�ge bin ich um ungef�hr sieben Fu� entgangen.�</p><p>�Klug von Ihnen.�</p><p>�Dieses Kompliment versch�nt mir den Tag, Ma�am.�</p><p>Er wollte nicht bissig klingen, aber es kam so heraus, als die Spannung der letzten halben Stunde in ihm nachlie�. Er drehte sich um und beugte sich schnell �ber den Wassertrog, um sich das Gesicht zu waschen. Warum zum Teufel war es ihm nicht vollkommen egal, was sie sagte oder nicht sagte?</p><p>Eine Ber�hrung an seiner Schulter. �Captain?�</p><p>�Ja?�</p><p>�Es steht Ihnen zu, �rgerlich zu sein. Ich habe mich zuvor mehrmals im Ton vergriffen. Sie waren tapfer und haben uns einen wertvollen Dienst erwiesen. Ich schulde Ihnen Dank und eine Entschuldigung.�</p><p>�Sie schulden mir weder das eine noch das andere, Mrs. Barclay. Es ist auch mein Krieg. Und jetzt w�rde ich vorschlagen, Sie gehen hinein und bleiben drinnen, bis es dunkel ist.� Sie reagierte mit einem leichten Nicken und hielt mit ihren blauen Augen seinen Blick fest. Tief in sich sp�rte er einen unvertrauten Widerhall, beunruhigend.</p><p>Gegen vier tr�nkte er Sport und Ambroses Braunen, als L�rm und Staub sich n�hernde Reiter ank�ndigten. Prevos Trupp galoppierte Richtung Norden vorbei. Der Lieutenant winkte. Charles winkte zur�ck. Dann waren die blauen Reiter hinter dem Haus verschwunden.</p><p>Der Farmer und seine Frau luden die Kavalleristen zum Abendessen ein. Sie stimmten zu, um so bereitwilliger, als Augusta Barclay den Vorschlag unterst�tzte. Charles wusch sich, gerade als die Sonne versank und die Hitze des Tages nachlie�. Eine erfrischende Brise wehte durchs Haus, als sie sich zu einem schlichten Mahl niedersetzten.</p><p>Der alte Farmer versuchte sch�chtern, ein Gespr�ch in Gang zu bringen, und sagte zu Ambrose: �Ein sch�nes Pferd, das Sie da reiten.�</p><p>�Jawohl, Sir. Die Reitpferde aus South Carolina sind die besten der Welt.�</p><p>�Lassen Sie das keinen Virginier h�ren�, meinte Augusta.</p><p>�Amen�, sagte Charles. �Ich hab� langsam das Gef�hl, gewisse Leute in diesem Teil des Landes glauben, Virginia h�tte das Pferd erfunden.�</p><p>�Wir sind m�chtig stolz auf M�nner wie Turner Ashby und Colonel Stuart�, sagte die Frau des Farmers und reichte die Bohnen herum. Es war ihre einzige Bemerkung w�hrend des Essens.</p><p>Ambrose lie� seine zweite Kartoffel verschwinden. �Da stimme ich mit Charlie �berein. Die Leute aus Virginia bringen es leicht fertig, da� man sich wie ein Au�enseiter vorkommt, da ben�tigen sie nicht mehr als ein Wort oder einen Blick dazu.�</p><p>Augusta l�chelte. �Ich kenne den Typ. Aber wie der Dichter sagte, Lieutenant, Irren ist menschlich. Vergeben g�ttlich.�</p><p>�Sie m�gen Shakespeare, nicht wahr?� fragte Charles.</p><p>�Das tue ich, aber ich habe eben Alexander Pope zitiert, den klassischen Satiriker. Er ist mein Lieblingsschriftsteller.�</p><p>�Oh.� Seine Dummheit bereuend, spie�te Charles mit seiner Gabel schnell ein St�ck Schinken auf. �Die beiden verwechsle ich immer. Ich f�rchte, ich komme nicht dazu, viele Gedichte zu lesen.�</p><p>�Ich besitze fast alles, was Pope je geschrieben hat�, sagte sie. �Er war unglaublich witzig und geistreich, aber in vieler Hinsicht auch sehr traurig. Er war nur knapp eins vierzig gro�, mit einem deformierten R�ckgrat. Er wu�te �ber das Leben Bescheid, aber er konnte den Schmerz verdr�ngen, indem er sich dar�ber lustig machte.�</p><p>�Ich verstehe.� Die beiden gemurmelten Worte blieben in dem Schweigen h�ngen. Er kannte Pope nur dem Namen nach, aber nun glaubte er, die Frau besser zu kennen. Welcher Schmerz versteckte sich hinter ihrem Spott und ihren Sticheleien?</p><p>Der Farmer erkundigte sich bei Augusta, wann und wie das Chinin nach Richmond gebracht werden w�rde. �Morgen fr�h soll es von einem Mann geholt werden�, erwiderte sie.</p><p>�Nun, im leerstehenden Zimmer ist Ihr Bett gemacht�, rief die Frau aus der K�che. �Captain, bleiben Sie ebenfalls �ber Nacht hier? Ich kann Strohs�cke ins Wohnzimmer legen.�</p><p>Pflichtgef�hl und pers�nliche W�nsche zogen ihn in verschiedene Richtungen. Ambrose wartete einen Hinweis seines Vorgesetzten ab, aber da nichts kam, sagte er: �Gegen eine gute Nachtruhe h�tte ich nichts einzuwenden. Vor allem, wenn Sie mir erlauben, dieses Melodium im Wohnzimmer auszuprobieren.�</p><p>�Aber nat�rlich�, sagte der Farmer erfreut.</p><p>�Also gut�, sagte Charles. �Wir bleiben.�</p><p>Augustas L�cheln blieb zur�ckhaltend. Aber es schien aufrichtig gemeint.</p><p>Die Farmersfrau brachte einen Steinkrug mit ausgezeichnetem Apfelschnaps. Charles trank davon, Augusta ebenfalls. Sie sa�en sich auf St�hlen gegen�ber, w�hrend Ambrose mit dem alten Instrument herumexperimentierte. Bald schon stimmte er eine lebhafte Melodie an.</p><p>�Sie spielen gut�, sagte Augusta. �Ich mag diese Melodie, kenne sie aber nicht.�</p><p>�Sie hei�t �Dixie�s Land�.�</p><p>�Letzten Herbst, als Abe zur Wahl stand, haben sie es �berall im Norden gespielt�, erg�nzte der Farmer. �Die Republikaner sind dazu marschiert.�</p><p>�Kann sein�, stimmte Ambrose zu. �Aber die Yankees verlieren das Lied genauso schnell, wie sie den Krieg verlieren werden. In den Camps um Richmond singt und spielt das jeder.�</p><p>Die lebhafte Musik ging weiter. Augusta sagte: �Erz�hlen Sie mir ein bi�chen was �ber sich, Captain Main.�</p><p>Er w�hlte seine Worte mit Bedacht, auf der Hut vor ihren l�chelnden Sarkasmen. Er erw�hnte West Point, fa�te mit wenigen S�tzen seinen Dienst in Texas, seine Freundschaft mit Billy Hazard und seine Zweifel bez�glich der Sklaverei zusammen.</p><p>�Nun, ich habe auch nie an diese Institution geglaubt. Als mein Mann vor einem Jahr starb, da stellte ich Freibriefe f�r seine beiden Sklaven aus. Gott sei Dank blieben sie bei mir. Sonst w�re ich gezwungen gewesen, die Farm zu verkaufen.�</p><p>�Was bauen Sie an?�</p><p>�Hafer. Tabak. Ich erledige einen Teil der Feldarbeit; mein Mann hatte mir das stets verboten, weil es nicht weiblich sei.�</p><p>Wie blond und sanft sie im Schein der Lampe aussah. Nicht weiblich? Hatte sie einen Verr�ckten geheiratet?</p><p>�Ihr Mann war Farmer, nehme ich an?�</p><p>�Ja. Er hat sein ganzes Leben auf dem gleichen Besitz verbracht � wie sein Vater vor ihm. Er war ein anst�ndiger Mann, freundlich mit mir, obwohl er B�chern, Poesie, Musik sehr mi�trauisch gegen�berstand.� Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: �Sieben Monate, nachdem seine Frau gestorben war, nahm ich seinen Antrag an. Er starb auf die gleiche Weise wie sie. Influenza. Er war dreiundzwanzig Jahre �lter als ich.�</p><p>�Aber auch so m�ssen Sie ihn geliebt haben.�</p><p>�Ich mochte ihn; geliebt hab� ich ihn nicht.�</p><p>�Wie konnten Sie ihn dann heiraten?�</p><p>�Ah � ein weiterer J�nger des romantischen Sir Walter. Die Virginier beten ihn kaum weniger an als den Herrn und George Washington.� Schnell leerte sie ihr Glas. Das k�mpferische Funkeln kehrte in ihre Augen zur�ck. <emphasis>Er hatte ein deformiertes R�ckgrat. Er konnte den Schmerz verdr�ngen, indem er sich dar�ber lustig machte.</emphasis></p><p>�Die Antwort auf Ihre Frage ist schlicht und unromantisch, Captain. Mein Vater und meine Mutter waren tot, und mein einziger Bruder ebenfalls. Ein Jagdunfall kostete ihn das Leben, als er sechzehn und ich zw�lf war. Als Barclay mit seinem Antrag kam, dachte ich eine Stunde dar�ber nach und sagte dann ja.� Sie starrte in ihr leeres Glas. �Ich dachte, kein anderer w�rde je um meine Hand anhalten.�</p><p>�Wieso, nat�rlich w�rde jemand�, sagte er sogleich. �Sie sind eine h�bsche Frau.�</p><p>Sie sah ihn an. Wie Blitze funkelten die Gef�hle zwischen ihnen auf.</p><p>Ihr kleiner Mund kr�uselte sich, ein L�cheln der Verteidigung, dann erhob sie sich abrupt. Ihre gro�en Br�ste spannten den Stoff ihres Kleides. �Das ist sehr galant von Ihnen, Captain. Ich wei�, da� ich nicht h�bsch bin, aber ich habe es mir immer gew�nscht. Und jetzt bin ich m�de. Gute Nacht.�</p><p>Er stand auf. �Gute Nacht.� Als sie au�er Sicht war, sagte er zu Ambrose: �Die tollste Frau, der ich je begegnet bin.�</p><p>Ambrose legte das Akkordeon beiseite und grinste. �La� dich nicht hinrei�en, Charlie. Der Colonel w�nscht, da� du dich um die Gesch�fte k�mmerst.�</p><p>�Sei kein Idiot�, sagte er, wie er hoffte, voller �berzeugung.</p><p>Charles schlief gut und erwachte bei Anbruch der Morgend�mmerung, voll ungewohnter Energien. Seit Monaten hatte er sich nicht mehr so gut gef�hlt. Augusta half der Farmersfrau in der K�che, Eier und Schinken zu braten. �Guten Morgen, Captain Main.� Ihr L�cheln schien herzlich und aufrichtig. Er antwortete ebenso.</p><p>Bald sa�en sie alle beim Fr�hst�ck. Ambrose reichte Charles einen noch warmen Laib Brot, als sie einen Reiter im Hof h�rten. In seiner Hast stie� Charles seinen Stuhl um. Augusta, die zu seiner Rechten sa�, ber�hrte sein Handgelenk.</p><p>�Ich nehme an, es ist der Mann aus Richmond. Kein Grund zur Besorgnis.�</p><p>Ihre Finger, schnell zur�ckgezogen, lie�en ihn innerlich erbeben. Ich benehme mich wie ein verdammter Schuljunge, dachte er, als der Farmer den Besucher einlie�. Augusta starrte mit ger�teten Wangen auf ihren Teller, als k�nnte er jeden Moment wegfliegen.</p><p>Der Mann aus Richmond kannte ihren Namen, nannte aber seinen eigenen nicht. Er war ein schlanker Mann in braunem Anzug, der wie ein Angestellter in mittleren Jahren wirkte. Er nahm die Einladung des Farmers an und zog sich einen Stuhl an den Tisch. �Das Chinin ist also hier? In Sicherheit?�</p><p>�Im Dachgescho߫, sagte Augusta. �In Sicherheit dank der schnellen Reaktion von Captain Main und Lieutenant Pell.� Sie schilderte die gestrigen Ereignisse. Der Mann aus Richmond stattete seinen Dank ab und machte sich dann �ber sein Essen her. Er a� f�r sechs und sagte kein weiteres Wort mehr.</p><p>Charles und die Witwe unterhielten sich nun unverkrampfter als am Abend zuvor. Ihre Fragen in bezug auf Billy beantwortete er, indem er das Ungl�ck der Hazards und Mains beschrieb, als sie sich pl�tzlich auf gegnerischen Seiten wiederfanden. �Unsere Familien stehen sich seit langem nahe.�</p><p>Ein sanftes Neigen ihres Kopfes. �Meine Familie ist ebenfalls durch den Krieg geteilt.�</p><p>�Ich dachte, Sie sagten, Sie h�tten keine Familie mehr.�</p><p>�Keine in Spotsylvania County. Ich habe einen Onkel, den Bruder meiner Mutter, in der Armee der Union, Brigadier Jack Duncan. Er hat West Point besucht. Er graduierte 1840, wenn ich mich recht entsinne.�</p><p>�George Thomas war in dieser Klasse�, rief Charles. �Ich diente unter ihm bei der Zweiten Kavallerie. Er ist ein Virginier � �</p><p>�Der auf Seiten der Union geblieben ist.�</p><p>�Das stimmt. Mal sehen, wer ist da noch? Bill Sherman. Ein guter Freund von Thomas namens Dick Ewell � er ist auf unserer Seite General. Er hat gerade den Befehl �ber eine der Brigaden bei Manassas Junction erhalten.�</p><p>Ambroses Hand scho� vor und schnappte dem Kurier aus Richmond die letzte Scheibe Schinken weg. Nachdem alle fertig waren, fuhr Ambrose den Einsp�nner von Augusta vor, w�hrend Charles ihren Reisekoffer auf die Veranda trug.</p><p>�Werden Sie so ganz allein den restlichen Weg sicher sein?� fragte er.</p><p>�In der Tasche, die sie gerade eingeladen haben, steckt eine Pistole. Ich reise nie ohne sie.�</p><p>Nur zu gern ergriff er die Chance, ihre Hand zu nehmen und ihr auf den Sitz zu helfen. �Nun, Captain, ich m�chte noch einmal meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Wenn Ihre Pflichten Sie mal nach Fredericksburg f�hren, bitte besuchen Sie mich. Barclays Farm liegt nur wenige Meilen au�erhalb der Stadt.� Ihr fiel etwas ein. �Die Einladung gilt nat�rlich auch f�r Sie, Lieutenant Pell.�</p><p>�Oh, gewi� � ich habe es auch so aufgefa�t�, sagte er mit einem verschlagenen Seitenblick zu seinem Freund.</p><p>�Auf Wiedersehen, Captain Main.�</p><p>�Es kommt ein bi�chen sp�t, aber sagen Sie bitte Charles zu mir.�</p><p>�Dann m�ssen Sie mich Augusta nennen.�</p><p>Er grinste. �Das ist ziemlich formell. In West Point hatten wir Spitznamen. Wie w�r�s mit Gus?�</p><p>Er hatte es einfach so dahingesagt. Sie richtete sich auf, als h�tte man sie mit einem hei�en Eisen ber�hrt.</p><p>�Rein zuf�llig hat mein Bruder diesen Namen benutzt. Ich habe ihn verabscheut.�</p><p>�Warum denn? Er pa�t zu Ihnen. Gus w�rde auf ihren eigenen Feldern arbeiten, was ich bei Augusta bezweifle.�</p><p>�Auf Wiedersehen, Captain.�</p><p>�Warten Sie�, rief er, aber die Chance zur Entschuldigung verschwand so schnell wie ihr Buggy. Sie scho� aus dem Hof und bog nach S�den ab. Ambrose n�herte sich mit gespielter Betr�bnis.</p><p>�Charlie, diesmal bist du aber bis zum Hals ins Fettn�pfchen getreten. War ganz sch�n aufgebracht, die kleine Witwe. Nat�rlich halte ich ein M�del auch nicht f�r sehr weiblich, das eine spitze Zunge hat oder Gus hei�t, was das anbelangt.�</p><p>�Halt blo� die Klappe, Ambrose. Ich sehe sie ohnehin nie wieder, also was soll�s? Zum Teufel mit ihr.�</p><p>Er sattelte Sport, gr��te die Farmersleute und galoppierte Richtung S�den davon. Ambrose mu�te seinem Braunen die Sporen geben, blo� um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.</p><p>Nach ungef�hr f�nf Meilen beruhigte sich Charles allm�hlich und verlangsamte sein Tempo. Trotz allem, er w�nschte, er k�nnte sie wiedersehen, die Dinge in Ordnung bringen. Aber das stand au�er Frage, nicht jetzt, wo eine Schlacht sich abzeichnete. Vielleicht lie� sich die ganze Angelegenheit mit einem einzigen, gewaltigen Schlag bereinigen (die Handlungsweise von Lieutenant Prevo hatte seinen Glauben an die M�glichkeit eines Krieges unter Gentlemen wieder hergestellt), und dann konnte er die junge Witwe aufsuchen, an die er unseligerweise nur in Verbindung mit dem Namen Gus denken konnte.</p><p><strong>28</strong></p><p>Der 13. Juli fiel auf einen Samstag. Einen Tag blieb Constance noch, um mit dem Packen f�r die Reise nach Washington fertig zu werden.</p><p>Mit offensichtlichem Widerstreben war George bereits Anfang der Woche gefahren. Die Nacht vor seiner Abfahrt hatte er rast- und ruhelos verbracht; schlie�lich war er aufgesprungen und zehn Minuten weggeblieben. Mit mehreren Lorbeerzweigen von den H�geln hinter Belvedere war er zur�ckgekehrt. Er schob den Lorbeer in einen Koffer, ohne jede Erkl�rung, aber Constance ben�tigte auch keine.</p><p>Brett w�rde den Haushalt leiten, Wotherspoon die Eisenwerke, und Georges lokaler Anwalt, Jupiter Smith, w�rde die Organisation der Bank vorantreiben. Alle drei hatten den Auftrag, in Notf�llen sofort zu telegraphieren, also konnte Constance beruhigt fortfahren.</p><p>Doch an diesem sonnigen Samstag war sie schlecht gelaunt. Es gab zuviel zu packen, und ihre beiden besten Partykleider, die sie seit einem Monat nicht mehr angehabt hatte, pa�ten nicht mehr. Sie hatte es nicht bemerkt, aber in ihrer Zufriedenheit hatte sie trotz des Krieges das Leben in letzter Zeit zu sehr genossen. George hatte kein Wort dar�ber verloren. Doch die Beweise � das kleine B�uchlein, die neue F�lle ihrer Schenkel � sah sie im Spiegel deutlich vor sich.</p><p>Sp�tmorgens betrat Bridgit z�gernd das mit Gep�ck �bers�te Schlafzimmer. �Mrs. Hazard? Da ist�, das normalerweise offene M�dchen fl�sterte und war merkw�rdig bla�, �ein Besuch in der K�che, der Sie sprechen will.�</p><p>�Um Himmels willen. Bridgit, bel�stige mich nicht mit irgendeinem H�ndler, wenn ich so besch�ftigt bin.�</p><p>�Ma�am, bitte. Es � es ist kein H�ndler.�</p><p>�Wer dann? Du benimmst dich, als h�ttest du Beelzebub pers�nlich gesehen.�</p><p>Ged�mpft: �Es ist Mr. Hazards Schwester.�</p><p>Nur der pl�tzliche Tod von George oder einem der Kinder h�tte Constance h�rter treffen k�nnen. W�hrend sie mit fliegendem rotem Haar die Treppe hinabst�rzte, zerbrach ihre gewohnte Ruhe. Sie war verbl�fft, verwirrt, emp�rt. Es war nicht zu fassen, da� Virgilia Hazard es wagte, nach Belvedere zur�ckzukehren.</p><p>Virgilia war schon immer sehr auf ihre Unabh�ngigkeit bedacht gewesen. Sie hatte sich der Abolitionistenbewegung angeschlossen und war langsam auf den extremsten Fl�gel abgetrieben. Sie hatte sich in aller �ffentlichkeit mit Negern gezeigt, die nicht blo� Verb�ndete oder Freunde, sondern ihre Liebhaber gewesen waren.</p><p>Bei einem Besuch auf Mont Royal hatte sie die Gastfreundschaft der Main-Familie verraten, indem sie einem Sklaven zur Flucht verholfen hatte. Sp�ter hatte sie mit diesem Grady in Armut in den Slums von Philadelphia zusammengelebt. Sie hatte ihrem Mann geholfen, an dem �berfall auf Harpers Ferry teilzunehmen, unter dem Kommando des ber�chtigten John Brown, dessen Ansichten genauso extrem und gewaltt�tig waren wie ihre eigenen.</p><p>Virgilia ha�te alles, was aus dem S�den kam. Bei Orrys Besuch hatte sie den P�bel nach Belvedere geholt, und nur George und ein Revolver hatten den Mob zur�ckhalten k�nnen. Noch in der gleichen Nacht hatte George seiner Schwester f�r immer das Haus verboten. Und jetzt war sie unglaublicherweise zur�ckgekommen. Sie verdiente �</p><p>Stop, dachte Constance, immer noch vor der geschlossenen K�chent�r stehend. Kontrolle. Mitgef�hl. <emphasis>Versuch es.</emphasis> Sie gl�ttete ihre Haarstr�hnen, atmete tief durch, betete lautlos, bekreuzigte sich dann und �ffnete die T�r.</p><p>Virgilias Kleid war fast so schmutzig wie ihre Reisetasche. Der Schal um ihre Schultern war durchl�chert. Wie kannst du es wagen, dachte Constance und verlor vor�bergehend wieder die Fassung.</p><p>Virgilia, siebenunddrei�ig Jahre alt, besa� ein viereckiges Gesicht, mit einigen wenigen, aus der Kindheit zur�ckgebliebenen Pockennarben. In der Vergangenheit stramm und kr�ftig, wirkte sie nun d�nn, fast abgezehrt. Ihre Haut war gelblich, und ihre Augen lagen tief in den dunklen H�hlen. Sie roch nach Schwei� und anderen abscheulichen Dingen. Constance war froh, da� Brett mit der K�chin in Lehigh Station beim Einkaufen war. Sie h�tte Virgilia m�glicherweise in St�cke gerissen. Constance war ebenfalls danach zumute. �Was tust du hier?�</p><p>�Darf ich auf George warten? Ich mu� ihn sehen.� Wie j�mmerlich ihre Stimme klang. Die st�ndige Arroganz, an die sich Constance voller Abscheu erinnerte, war daraus verschwunden. Sie erkannte den Schmerz und die Wunden in Virgilias Augen. Freude z�ngelte in ihrem Inneren wie eine Flamme hoch, ehe Scham und ihr besseres Ich sie zum Verl�schen brachten.</p><p>�Dein Bruder ist nach Washington gegangen, um f�r die Regierung zu arbeiten.�</p><p>�Oh.� F�r einen Moment schlo� sie die Augen.</p><p>�Wieso bist du hier, Virgilia?�</p><p>�Darf ich mich auf den Hocker setzen? Ich f�hle mich nicht sonderlich gut.�</p><p>�Ja, gut. setz dich�, sagte Constance nach kurzem Z�gern. Unwillk�rlich ging sie zu dem gro�en Holzblock und legte ihre Hand auf das Hackmesser. Mit der Langsamkeit einer viel �lteren Person sank Virgilia auf den Hocker. Mit Schrecken erkannte Constance. was sie ber�hrte, und zog ihre Hand zur�ck. Drau�en im Hof jubelte William auf und rannte zum Ziel, um drei Pfeile aus dem Zentrum der Zielscheibe zu ziehen.</p><p>Constance deutete auf die Reisetasche. �Hast du die im April mitgenommen? Nachdem du mein bestes Tafelsilber hineingetan hattest? Du hast der Familie in jeder nur denkbaren Weise Schande gemacht, und dann ist dir noch eine weitere M�glichkeit eingefallen. Du hast gestohlen.�</p><p>Virgilia faltete die H�nde im Scho�. Wieviel Gewicht mochte sie verloren haben? Vierzig Pfund? F�nfzig? �Ich mu�te leben�, sagte sie.</p><p>�Das mag ein Grund sein, eine Rechtfertigung ist es nicht. Wo bist ein seitdem gewesen?�</p><p>�An Orten, �ber die zu reden ich mich sch�me.�</p><p>�Und doch erdreistest du dich, zur�ckzukommen.�</p><p>Glitzernde Tr�nen tauchten in Virgilias Augen auf. Unm�glich, dachte Constance. Bis auf ihren schwarzen Geliebten hatte sie nie um etwas geweint.</p><p>�Ich bin krank�, fl�sterte Virgilia. �Mir ist so hei� und schwindelig, da� ich mich kaum auf den Beinen halten kann. Den Weg von der Station den H�gel hoch dachte ich, ich werde ohnm�chtig.� Sie schluckte, dann folgte die Erkl�rung f�r alles. �Ich wei� nicht, wo ich sonst hin k�nnte.�</p><p>�Wollen deine sauberen Abolitionistenfreunde dich nicht aufnehmen?�</p><p>Die h�mische Bemerkung kam unbewu�t, sofort gefolgt von noch mehr Scham. Virgilia war eine geschlagene Kreatur.</p><p>Nach langer Pause antwortete sie: �Nein. Nicht mehr.�</p><p>�Was willst du hier?�</p><p>�Ich will bleiben. Mich erholen. Ich wollte George bitten � �</p><p>�Ich sagte dir bereits, er hat einen Posten der Armee in Washington angenommen.�</p><p>�Dann bitte ich dich, wenn es das ist, was du willst, Constance.�</p><p>�Sei still!� Constance wirbelte herum und bedeckte die Augen. Sie war ernst, aber gefa�t, als sie sich nach einer Minute wieder zu Virgilia umdrehte. �Du kannst nur kurz bleiben.�</p><p>�Gut.�</p><p>�H�chstens ein paar Monate.�</p><p>�Ja. Ich danke dir.�</p><p>�Und George darf es nicht erfahren. Hat William dich gesehen, als du ankamst?�</p><p>�Ich glaube nicht. Ich war vorsichtig, und er war mit seinem Bogen besch�ftigt.�</p><p>�Ich fahre morgen zu George und nehme die Kinder mit. Sie d�rfen dich nicht sehen. Also wirst du in einem Zimmer der Dienerschaft bleiben, bis wir weg sind. Dann mu� lediglich ich l�gen.�</p><p>Virgilia schauderte; die Worte kamen schneidend scharf. Auch wenn sie sich M�he gab, konnte Constance nicht alles unter Kontrolle halten. Sie f�gte hinzu: �Wenn George dich hier entdecken sollte, w�rde er dich hinauswarfen.�</p><p>�Ja, ich glaube schon.�</p><p>�Brett wohnt auch hier. W�hrend Billy in der Armee ist.�</p><p>�Ich erinnere mich. Ich bin froh, da� Billy k�mpft. Und auch, da� George seinen Teil leistet. Der S�den mu� vollkommen � �</p><p>Constance packte das Hackmesser und knallte die Flachseite auf den Block. �Virgilia, wenn du auch nur ein Wort von diesem ideologischen M�ll von dir gibst, den du seit Jahren auf uns gekippt hast, dann werfe ich dich auf der Stelle eigenh�ndig raus. Andere m�gen das moralische Recht haben, �ber Sklaverei und Sklavenbesitzer zu sprechen, aber du nicht. Du bist nicht die Richtige, um auch nur �ber ein einziges menschliches Wesen zu Gericht zu sitzen.�</p><p>�Tut mir leid. Ich habe gesprochen, ohne zu �berlegen. Es tut mir leid. Ich werde nicht � �</p><p>�Das ist richtig, du wirst nicht. Ich werde Schwierigkeiten genug haben, Brett zu �berreden, dich auf Belvedere bleiben zu lassen, w�hrend ich weg bin und sie das Haus f�hrt. Aber wenn du meine Bedingungen in Frage stellst��</p><p>�Nein, das tu ich nicht.�</p><p>Mit der Handfl�che schlug sie auf den Block. �Du mu�t jede einzelne akzeptieren.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Oder du fliegst auf dem gleichen Weg raus, auf dem du reingekommen bist. Habe ich mich klar und verst�ndlich ausgedr�ckt?�</p><p>�Ja. Ja.� Virgilia senkte den Kopf. �Ja.�</p><p>Wieder bedeckte Constance ihre Augen, immer noch verwirrt, immer noch zornig. Virgilias Schultern begannen zu beben. Sie weinte, zuerst fast lautlos, dann lauter. Es war eine Art Wimmern; wie ein Tier. Auch Constance f�hlte sich benommen und schwindelig, als sie zur Hintert�r eilte, um sich zu vergewissern, da� sie fest verschlossen war und ihr Sohn nichts h�rte.</p><p><strong>29</strong></p><p>�Fordere ich euch beide auf, so wie ihr Zeugnis ablegen werdet am Tage des J�ngsten Gerichts � �</p><p>Die Stimme von Reverend Mr. Saxton, Pfarrer der Episkopalgemeinde, wurde pl�tzlich von anderen Stimmen �bert�nt. Orry, der in seinem besten und vor allem w�rmsten Anzug neben Madeline stand, blickte schnell zu den offenen Fenstern hin�ber.</p><p>Madeline trug ein schlichtes, aber elegantes Sommerkleid aus wei�em Batist. Die Sklaven hatten einen Tag frei bekommen und waren eingeladen worden, der Zeremonie von der Piazza aus beizuwohnen. Ungef�hr vierzig Neger und Negerinnen hatten sich im Sonnenschein versammelt. Das Hauspersonal, das sich als h�here Kaste betrachtete und auch dementsprechend behandelt werden wollte, war im Vorraum zugelassen, obwohl dort im Moment nur noch eine einzige Person sa�: Clarissa.</p><p>�� wenn einer von euch einen Hindernisgrund wei�, warum ihr nicht rechtm��ig in den heiligen Bund der Ehe � �</p><p>Der Streit drau�en wurde lauter. Jemand schrie.</p><p>�� dann leget jetzt Zeugnis ab. Denn seid versichert � �</p><p>Der Pfarrer z�gerte, verlor den Faden, hustete zweimal, wobei er eine Duftfahne des Sherrys verbreitete, den er zuvor in Gesellschaft der nerv�sen Braut und des Br�utigams getrunken hatte. Kurz vor ihrer Ankunft hier hatte Orry noch scherzend zu Madeline gesagt, da� vielleicht Francis LaMotte auftauchen k�nnte, um Einspruch gegen ihre Eheschlie�ung so kurz nach Justins Beerdigung einzulegen. �Denn seid versichert � �, fuhr der Reverend Mr. Saxton fort, als das Geschrei noch st�rker wurde. Ein Mann begann zu fluchen. Orry erkannte die Stimme. Mit dunkelrotem Gesicht beugte er sich zu dem Pfarrer vor.</p><p>�Entschuldigen Sie mich einen Moment.�</p><p>Seine Mutter schenkte ihm ein strahlendes L�cheln, als er vorbeimarschierte, hinaus in den grellen Sonnenschein. Ein Halbkreis aus schwarzen Gesichtern umgab die K�mpfenden. Orry h�rte Andy.</p><p>�La� ihn in Ruhe, Cuffey. Er hat dir nichts getan � �</p><p>�Pfoten weg, Nigger. Er hat mich gesto�en.�</p><p>�Du hast gesto�en�, erwiderte ein Sklave namens Percival schwach.</p><p>Unbemerkt von den Zuschauern hatte sich Orry gen�hert und br�llte: �Schlu� jetzt!�</p><p>Die Menge wich zur�ck, und er sah Cuffey, zerlumpt und m�rrisch, breitbeinig �ber Percivals Beinen stehend. Der zierliche Sklave war gegen ein Wagenrad gefallen oder gesto�en worden. Andy stand einen Meter hinter Cuffey. Er trug saubere Kleidung, wie alle anderen auch. F�r Mont Royal war es ein besonderer Tag. Orry ging geradewegs auf Cuffey zu.</p><p>�Heute ist mein Hochzeitstag, und ich dulde keine St�rungen. Was ist hier passiert?�</p><p>�Dieser Nigger hat Schuld�, erkl�rte Percival und zeigte auf Cuffey. Andy half ihm noch. �Kam rein, da hatte der Prediger schon angefangen, und wir h�rten alle zu. Er kam zu sp�t, aber er wollte besser sehen, da stie� und schob er mich.�</p><p>Cuffey sa� in der Falle, was ihn noch w�tender machte. Ha� leuchtete in seinen Augen auf, bevor er den Blick abwandte. �Hab� nich� gesto�en. Hab� mich nich� gut gef�hlt � so schwindelig. Bin blo� gestolpert, hab� ihn umgesto�en. Hab� mich nich� gut gef�hlt�, wiederholte er lahm.</p><p>�ber die sp�ttischen Zurufe der anderen hinweg sagte Percival: �Hat schon Gef�hle, blo� gemein und b�sartig, wie an jedem anderen Tag. Sonst ist alles in Ordnung mit ihm.� Wie es das Protokoll verlangte, blickte Orry seinen Vorarbeiter an.</p><p>�Percival hat recht�, sagte Andy.</p><p>�Cuffey, schau mich an.� Als er es tat, fuhr Orry fort: �Doppelte Arbeit eine Woche lang. Die n�chste Woche das Anderthalbfache. Sorg daf�r, da� er es macht, Andy.�</p><p>�Werd� ich, Mr. Orry.�</p><p>Cuffey kochte vor Wut, wagte aber nichts zu sagen. Orry wirbelte herum und stampfte zur�ck ins Haus.</p><p>Kurz darauf reichten er und Madeline sich die H�nde, w�hrend der Pfarrer sagte: �M�get ihr in diesem Leben so zusammenleben, auf da� euch in der kommenden Welt das ewige Leben geschenkt werde. Amen.�</p><p>In ihrem Schlafzimmer griff Madeline durch die Dunkelheit nach ihm. �Meine G�te, man k�nnte glauben, der Br�utigam sei noch nie zuvor mit der Braut zusammengewesen.�</p><p>�Als Ehemann ist er das auch noch nicht�, sagte Orry neben ihr; seine behaarten Beine ber�hrten ihre weichen, glatten Schenkel. Die Spitzen ihrer Br�ste waren so dunkel wie ihr Haar und ihre Augen; ihr restlicher K�rper war wie aus Marmor.</p><p>Sie legte beide Arme um ihn und k��te ihn. �Oh Gott, ich liebe dich so.�</p><p>�Ich liebe Sie, Mrs. Main.�</p><p>�Es ist Wirklichkeit, nicht wahr? Ich h�tte nie gedacht � � Sie lachte leise. �Mrs. Main. Wie gro�artig das klingt.�</p><p>Ein weiterer, gl�hender Ku�, seine Hand an ihrer Brust.</p><p>�Tut mir leid, was heute w�hrend der Trauung passiert ist. Ich sollte Cuffey verkaufen, damit er keinen �rger macht, wenn ich in Richmond bin.�</p><p>�Dann wird Mr. Meek da sein. Er wird schon mit ihm fertig werden.�</p><p>�Ich wei�, aber � �</p><p>�Liebling, mach dir doch nicht solche Sorgen.� Sie ber�hrte ihn mit ihrer H�fte; ihr Mund murmelte dicht an seinem Gesicht: �Nicht heute nacht. Ein Ehemann hat gewisse Pflichten, wei�t du.�</p><p>Hinterher, schon fast im Halbschlaf, ri� sie ein wilder, rauher Ton drau�en in der Nacht hoch. �Guter Gott, was war das?� Wieder ert�nte der Schrei, rollte als Echo davon. Unten rief ein Hausm�dchen eine �ngstliche Frage. Der Schrei wiederholte sich nicht.</p><p>Madeline schauderte. �Klang wie irgendein wildes Tier.�</p><p>�Es ist Panthergebr�ll. Das hei�t, die Imitation davon. Gelegentlich machen das die Neger, um die Wei�en zu erschrecken.�</p><p>�Hier gibt es niemanden, der sowas machen w�rde � � Sie hielt inne und pre�te sich, erneut schaudernd, gegen seinen R�cken.</p><p><strong>30</strong></p><p>Erregung erf�llte Washington an diesem Abend. Das Knirschen und Rumpeln von Wagen schallte durch die Stadt, der Klang donnernder Hufe, die gebr�llten Lieder der Regimenter, die zu den Virginia-Br�cken marschierten. Es war Montag, der 15. Juli.</p><p>George hatte den Tag damit zugebracht, hundert pers�nliche Kleinigkeiten zu regeln, die zur Vorbereitung der Ankunft von Constance und den Kindern n�tig schienen. Gegen halb zehn betrat er den Hauptspeisesaal bei Willard�s. Sein Bruder winkte von einem ziemlich in der Mitte stehenden Tisch.</p><p>George kam sich steif und l�cherlich vor in dem Aufzug, der f�r Generalstabsoffiziere vorgesehen war: Goldstreifen, zus�tzliche Tressen, Messingadler, schwarze Kokarde. Er hatte den billigsten vorschriftsm��igen S�bel gekauft, eine Blechwaffe, nur gut zu Dekorationszwecken. Das machte nichts, er w�rde ihn ohnehin so selten wie m�glich tragen; genau wie den verdammten Hut.</p><p>Es schien merkw�rdig, wieder in Uniform zu stecken. Und noch merkw�rdiger, seinen eigenen Bruder in Kriegszeiten in einem Hotel zu begr��en. George hatte eine Nachricht hin�ber nach Alexandria geschickt, und sie war tats�chlich durchgekommen.</p><p>�Gott bewahre � welche Eleganz!� sagte Billy, als George sich setzte. �Und wie ich sehe, besitzen Sie einen h�heren Rang als ich, Captain.�</p><p>�Kein Wort mehr davon, oder ich bringe dich zur Meldung�, knurrte George gutgelaunt. �N�chsten Monat werde ich wahrscheinlich schon Major sein. Jeder im Ministerium soll um ein oder zwei R�nge bef�rdert werden.�</p><p>�Wie gef�llt�s dir bis jetzt im Waffenamt?�</p><p>�Gar nicht.�</p><p>�Warum um alles in der Welt?�</p><p>�Wir alle m�ssen gelegentlich Dinge tun, die uns nicht gefallen. Ich glaube, ich kann mich im Ministerium n�tzlich machen. Sonst w�r� ich nicht dort.�</p><p>Sie gaben ihre Bestellung auf, und dann sagte Billy: �Vielleicht, George, bekommst du gar nicht erst die Chance, irgendwas im Ministerium zu tun. Ein schneller Schlag gegen Richmond, und alles k�nnte vorbei sein. McDowell marschiert heute nacht.�</p><p>George nickte: �Man m��te taub und blind sein, um das nicht zu merken. Ich bekam von Stanley eine Vorwarnung. Wir haben heute mittag zusammen gespeist.�</p><p>Billy schaute schuldbewu�t drein. �H�tten wir ihn heute abend einladen sollen?�</p><p>�Ja, aber ich bin froh, da� wir es nicht getan haben. Davon abgesehen w�rde ihn Isabel wahrscheinlich gar nicht aus dem Haus lassen.�</p><p>George paffte an seiner Zigarre.</p><p>�Mit wie vielen M�nnern marschiert McDowell in Virginia ein?� fragte Billy.</p><p>�Ich h�rte was von drei�igtausend.� Wieder paffte er. �Ich bin sicher, die genaue Zahl wird morgen in den Zeitungen stehen. Wir k�nnen Old Bory um Best�tigung anschreiben. Man sagte mir, er bekomme die Lokalzeitungen t�glich per Kurier geliefert.�</p><p>Der Kellner brachte dampfende Sch�sseln mit gro�en Austern in einer milchigen Br�he.</p><p>�Ich sag� dir was�, fuhr George fort, w�hrend er seine Zigarre beiseite legte und zu l�ffeln begann. �Um den Krieg schneller zu beendigen, w�rde ich s�mtliche Schwarzen bewaffnen, die vom S�den hereinstr�men.�</p><p>�Du w�rdest ehemalige Negersklaven bewaffnen?�</p><p>Billys Emp�rung �berraschte George. Er zuckte die Schultern. �Warum nicht? Ich denke, sie w�rden h�rter k�mpfen als mancher der wei�en Gentlemen, die sich hier in der Stadt herumdr�cken.�</p><p>�Aber sie sind keine B�rger. Der Fall Dred Scott hat das klargestellt.�</p><p>�Stimmt � wenn du diese Entscheidung f�r richtig h�ltst. Ich tue das nicht.� Er beugte sich �ber den Tisch. �Billy, Sezession war das Pulver, das hochging und diesen Krieg ausl�ste, aber die Z�ndschnur dazu war die Sklaverei. Sollte es den Schwarzen nicht erlaubt sein, f�r ihre eigene Sache zu k�mpfen?�</p><p>�Vielleicht. Ich meine, du magst politisch recht haben, aber ich kenne die Armee. Es w�rde zu Gewalttaten kommen, wenn du Negertruppen einf�hrst. Der Wechsel w�re zu drastisch.�</p><p>�Du meinst, wei�e Soldaten h�tten kein Vertrauen zu farbigen Soldaten?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Du eingeschlossen?�</p><p>Seine Verlegenheit hinter leichtem Trotz verbergend, erwiderte Billy: �Ja. Es mag falsch sein, aber so empfinde ich eben.�</p><p>�Dann wechseln wir vielleicht besser das Thema.�</p><p>Die restliche Mahlzeit verlief erfreulich. Hinterher gingen sie hinaus auf die Avenue, um ein vorbeimarschierendes Regiment zu beobachten.</p><p>�Pa� auf dich auf, Billy�, sagte George ruhig. �Die gro�e Schlacht kommt � vielleicht schon in der Woche.�</p><p>�Mir passiert schon nichts. Ich bin sowieso nicht sicher, ob unsere Einheit zusammen mit den anderen nach Richmond geschickt wird.�</p><p>�Wieso ist jedermann so sicher, da� wir Richmond erreichen? Die Leute benehmen sich, als w�rden die Rebs nur aus Narren und Stutzern bestehen. Ich kenne einige der M�nner von West Point, die sich dem S�den angeschlossen haben. Die besten. Und was die Mannschaften anbelangt, die S�dstaatenjungs sind an das rauhe Leben im Freien gew�hnt. Also untersch�tze sie nicht. Und h�r auf meinen Rat. Sei vorsichtig, um Bretts willen, wenn schon nicht aus einem anderen Grund.�</p><p>�Ich werde vorsichtig sein�, versprach Billy.</p><p>George breitete die Arme aus. Sie umarmten sich, und Billy verschwand in der Dunkelheit, dem Glitzern der Bajonette und dem Dr�hnen unsichtbarer Trommeln folgend.</p><p>Constance und die Kinder kamen gut an. Sie brachten haufenweise Gep�ck mit und ein E�paket und Lesestoff von Brett f�r Billy.</p><p>Patricia war ganz aufgeregt beim Anblick der Stadt; der Gedanke, im Herbst hier die Schule zu besuchen, versetzte sie in beschwingte Stimmung. Ihr Bruder, um genau zehn Monate �lter, teilte ihre Begeisterung, streckte ihr aber nichtsdestoweniger die Zunge heraus, was ihm einen Klaps von seiner Mutter einbrachte.</p><p>George meinte, im Herbst k�nnten sie vielleicht alle schon wieder zu Hause sein. Die kommende Schlacht w�rde jedenfalls einen Hinweis darauf geben. Die Mietpreise f�r Pferde und Wagen waren in den letzten Tagen in die H�he geschossen; Hunderte von Leuten wollten nach Virginia fahren, um die aufregenden Ereignisse von einem sicheren Aussichtspunkt aus zu genie�en. Obwohl George die wahre Natur des Krieges kannte, war auch er dieser Sucht erlegen; falls sie davon Gebrauch machen wollten, hatten sie eine Kutsche zur Verf�gung.</p><p>�Wenn ich dir den Preis daf�r sagen w�rde, Constance, dann h�ltst du mich vielleicht f�r verr�ckt.�</p><p>Am Mittwochabend kehrte George in die Hotel-Suite zur�ck, nachdem er stundenlang das Chaos in Ripleys Abteilung zu bew�ltigen versucht hatte. Mit grimmiger Miene reichte ihm Constance eine Visitenkarte.</p><p>�Das hat jemand abgegeben, als ich beim Einkaufen war. Ich dachte, wir h�tten vielleicht das Gl�ck, von Stanley und Isabel geschnitten zu werden.�</p><p>Voller Widerwillen las er auf der R�ckseite der Karte in Isabels Handschrift die Einladung zum Dinner am n�chsten Abend. �Gehen wir dies eine Mal hin. damit wir�s hinter uns haben. Ansonsten laden sie uns weiterhin ein, und wir schieben das wie eine Verabredung beim Zahnarzt vor uns her.�</p><p>Constance seufzte. �Wenn du�s ertragen kannst, dann kann ich�s auch.�</p><p>George kratzte sich am Kinn. �M�chte mal wissen, womit sie diesmal angeben will?�</p><p>Mit einer ganzen Liste, wie sich herausstellte. Als Appetitanreger diente das gemietete Haus in der I-Street. F�nfzehn Minuten lang mu�ten sie es besichtigen. Isabel lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die wertvolle Einrichtung und sagte mitf�hlend: �Ich bedaure euch wirklich, so eng, wie ihr�s im Willard habt. Wir hatten solch ein Gl�ck, dem National zu entrinnen und dieses Haus hier zu bekommen, nicht wahr?�</p><p>�Oh, ja.� Constance beflei�igte sich einer makellosen H�flichkeit. �Es war nett von dir. uns einzuladen, Isabel.�</p><p>�Vergangenes sollte vergangen bleiben � vor allem in Zeiten wie diesen.� Isabel warf den Brocken George zu, der ihn jedoch nicht schlucken mochte. Pl�tzlich f�hlte er sich m�de, k�nstlich und herausgeputzt � ein Spielzeugsoldat.</p><p>Beim Dinner kamen dann langsam die gewetzten Messer zum Vorschein. Stanley und Isabel lie�en die Namen wichtiger Pers�nlichkeiten in ihr Gespr�ch einflie�en, taten so, als w�ren sie mit allen sehr vertraut � Chase, Stevens, Welles, General McDowell und nat�rlich Cameron.</p><p>�Hast du seinen letzten Monatsbericht gesehen, George?�</p><p>�Ich bin nicht in der Position, den Bericht zu sehen. Ich lese dar�ber, Stanley.�</p><p>�Die Bemerkungen �ber die Akademie?�</p><p>�Ja.� Allein das zuzugeben erforderte Beherrschung.</p><p>�Was genau hat er denn gesagt. Lieber?� fragte Isabel.</p><p>George h�rte eine Phantomt�r zuknallen; er sa� in ihrer Falle. �Nun, er sagte lediglich, da� die Rebellion nicht m�glich gewesen w�re � zumindest nicht in diesem Ausma� �, ohne den Verrat von Offizieren, die in West Point auf Kosten der �ffentlichkeit ausgebildet worden waren.�</p><p>Kosten der �ffentlichkeit. Verrat. �Geschw�tz�, sagte er, sich nach einem kr�ftigeren Ausdruck sehnend.</p><p>�Erlaube mir zu widersprechen, George�, sagte Isabel. �Die gleiche Ansicht hab� ich von vielen Frauen von Kongre�- und Kabinettsmitgliedern geh�rt. Selbst der Pr�sident brachte es in seiner Botschaft am 4. Juli zum Ausdruck.�</p><p>Stanley t�uschte eine bek�mmerte Miene vor, sch�ttelte den Kopf. �Ich f�rchte, deiner Schule stehen harte Zeiten bevor.�</p><p>�ber die Terrine mit Schildkr�tensuppe hinweg scho� George seiner Frau einen funkelnden Blick zu. Ihre Augen spiegelten seine Empfindungen, baten aber um Geduld.</p><p>Das n�chste Messer wurde gez�ckt, als die Diener Platten mit gekochtem Fisch und Wildbret anboten. L�chelnd sagte Isabel: �Wir haben noch eine gute Nachricht. Erz�hl ihnen von der Fabrik, Stanley.�</p><p>Stanley tat es, wie ein Schuljunge, der eine auswendig gelernte Lektion aufsagt.</p><p>George sagte: �Armeestiefel, ja? Ich nehme an, ihr habt bereits einen Kontrakt?�</p><p>�Das haben wir�, sagte Isabel. �Profit ist jedoch nicht der Hauptgrund, weshalb wir Lashbrook�s gekauft haben. Wir wollten unseren Teil zu den Kriegsanstrengungen leisten. Au�erdem ist Stanley damit nicht mehr ausschlie�lich auf Hazard angewiesen, um den Hungerlohn, den das Kriegsministerium zahlt, aufzubessern. Er wird nun auf eigenen F��en stehen.�</p><p><emphasis>Mit gr��erer Wahrscheinlichkeit wird er in Bo� Camerons Tasche stecken.</emphasis></p><p>Isabel fuhr l�chelnd fort: �Nat�rlich erwarten wir, da� Stanleys Gewinnanteil an Hazards weiterhin ausbezahlt wird.�</p><p>�Du brauchst keine Angst zu haben, da� dich irgendjemand betr�gen will, Isabel.� Constance h�rte das Grollen in der Stimme ihres Mannes und ber�hrte sein Handgelenk.</p><p>�Wir d�rfen nicht solange bleiben. Du sagtest, morgen wird ein anstrengender Tag.�</p><p>Falsche H�flichkeit legte sich wieder �ber die Tafel. Isabel war bester Stimmung, als h�tte sie einen oder mehrere Tr�mpfe ausgespielt und gewonnen.</p><p>In der Mietkutsche, auf dem R�ckweg zum Hotel, brach es aus George heraus: �Durch Stanleys Schuhkontrakt komme ich mir ebenfalls wie ein verdammter Profitgeier vor. Wir verkaufen Blech an die Navy und an das Kriegsministerium, f�r das ich arbeite.�</p><p>Constance t�tschelte seine Hand. �Oh, ich glaube, da gibt es Unterschiede.�</p><p>Zweifelnd sch�ttelte George den Kopf. �Ich wei� nicht recht. Eines allerdings wei� ich mit Sicherheit. Unsere Kanonen sind ein ganzes St�ck besser als Stanleys Schuhe.�</p><p>Constance lachte und umarmte ihn. �Das ist der Grund, weshalb sich Stanley m�glicherweise in einen Profitgeier verwandelt, aber du wirst � immer und ewig � George Hazard bleiben.� Sie k��te ihn auf die Wange. �Wof�r ich sehr dankbar bin.�</p><p>Im Hotel stellte sie mit Erleichterung fest, da� ihr Sohn sicher aus den Lagern dr�ben in Virginia zur�ckgekehrt war.</p><p>�McDowell ist auf dem Marsch�, erz�hlte er ihnen voller Begeisterung. �Onkel Billy sagt, wahrscheinlich werden wir Samstag oder Sonntag gegen die Rebs k�mpfen.�</p><p>Stanley hatte angek�ndigt, hinauszufahren, um das Spektakel anzusehen. W�hrend sie sich auszogen, besprachen George und Constance die m�glichen Risiken eines solchen Ausflugs. Sie wollte fahren und hatte, sein Einverst�ndnis voraussetzend, einen Lunchkorb bei Gautier�s bestellt.</p><p>�Also gut�, sagte er. �Wir fahren.�</p><p>In dieser Nacht schrieb Billy in sein Journal:</p><p><emphasis>Heute kam mein Neffe und Namensvetter aus der Stadt her�ber. Ich holte die Erlaubnis des Captains ein und nahm ihn mit zum Fairfax Courthouse, um den Anmarsch zu beobachten. Es war ein gro�artiger Anblick, wehende Fahnen, funkelnde Bajonette, dr�hnende Trommeln. Unsere Kompanie bleibt zur�ck, zusammen mit den Distrikt-Truppen</emphasis>, <emphasis>was mich entt�uscht. Gleichzeitig mu� ich ein gewisses Ma� an Erleichterung eingestehen. Auf Schusters Rappen � diesmal fanden wir keinen Versorgungswagen � kehrten wir zum Lager zur�ck und kamen an Captain F.�s Zelt vorbei. Capt. F. lud William ein, unserer Messe beizuwohnen, und behandelte ihn sehr herzlich, machte ihm wegen seiner intelligenten Fragen Komplimente. William blieb, bis die Wachfeuer in der Landschaft aufleuchteten, dann bestieg er sein Mietpferd und ritt nach Washington zur�ck, wo, wie ich h�rte, ebenfalls gro�e Aufregung herrscht. W�hrend ich schreibe, kann ich immer noch in der Ferne die Armee h�ren � Wagen, Kavallerie, singende Freiwillige und all das. Obwohl ich noch nicht in der Schlacht war und sicherlich Angst h�tte, w�nsch� ich mir nun, wir w�ren auch dabei.</emphasis></p><p><strong>31</strong></p><p>Brett vermi�te Constance. Dieses Gef�hl wurde noch dadurch verst�rkt, da� eine andere Frau sie auf Belvedere ersetzt hatte. Eine Frau, die Brett verabscheute.</p><p>In den Tagen seit Constances Abfahrt hatte Brett mehrfach versucht, ihre Schw�gerin in ein h�fliches Gespr�ch zu verwickeln. Jedesmal reagierte Virgilia einsilbig. Sie benahm sich weder selbstgerecht noch ver�rgert, wie es vor dem Krieg stets der Fall gewesen war, hatte jedoch eine neue Methode gefunden, grob und unh�flich zu sein.</p><p>Trotzdem sp�rte die j�ngere Frau die Verpflichtung, freundlich zu sein. Virgilia war nicht nur eine Verwandte; sie war eine verwundete Kreatur. Brett beschlo�, eine neue Ann�herung zu wagen.</p><p>Sie konnte sie nicht finden. Auf ihre Frage hin erwiderte eines der Hausm�dchen mit offensichtlicher Abneigung: �Ich sah sie in den Turm gehen, mit der Zeitung, Mum.�</p><p>Brett kletterte die eiserne Wendeltreppe hoch, die George selbst entworfen und im Hazard-Werk hergestellt hatte. Sie trat auf den schmalen Balkon hinaus, der sich um den Turm zog. Unter ihr lagen die Lichter von Lehigh Station. �Virgilia?�</p><p>�Oh. Guten Abend.�</p><p>Sie wandte sich nicht um. Haarstr�hnen flatterten in der Brise; im verblassenden Tageslicht h�tte man sie f�r Medusa halten k�nnen. Brett sah, da� sie unterm Arm ein Exemplar vom <emphasis>Lehigh Station Ledger</emphasis> hatte, der sich nun aus patriotischen Gr�nden in <emphasis>Ledger-Union</emphasis> umgetauft hatte.</p><p>�Gibt es irgendwelche wichtigen Nachrichten?�</p><p>�Es hei�t, in wenigen Tagen wird in Virginia eine Schlacht geschlagen.�</p><p>�Vielleicht wird uns das einen schnellen Frieden bringen.�</p><p>�Vielleicht.� Sie klang gleichg�ltig.</p><p>�Kommst Du zum Abendessen?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Virgilia, erweise mir die H�flichkeit und schau mich an.�</p><p>Langsam gehorchte Billys Schwester; das Licht des Himmels fing sich in ihren Augen, und Brett glaubte etwas von der alten Virgilia aufblitzen zu sehen � m�rtyrerhaft, w�tend. Dann wurden die Augen stumpf. Brett zwang sich zu einer Sanftmut, die sie nicht empfand.</p><p>�Man sieht dir an, da� du einige schreckliche Erfahrungen gemacht hast.�</p><p>�Ich liebte Grady�, sagte Virgilia. �Jedermann ha�t mich, weil er ein Farbiger war. Aber ich liebte ihn.�</p><p>�Ich kann verstehen, wie verloren du dir ohne ihn vorkommen mu�t.� Es war eine L�ge; es ging �ber ihren Horizont, wie eine wei�e Hau einen Neger lieben konnte.</p><p>Virgilia versank in Selbstmitleid. �Dies hier ist mein Zuhause, und niemand will mich.�</p><p>�Du irrst dich. Constance hat dich aufgenommen. Und ich w�rde dir auch gern helfen.�</p><p>Endlich, die alte Virgilia, �tzend: �Wie?�</p><p>�Nun � � Verzweifelt griff Brett nach einem Strohhalm. �Als erstes m�ssen wir mal was mit deinem Kleid tun. Das steht dir nicht. Um genau zu sein, es ist gr��lich.�</p><p>�Warum sollte ich mir die M�he machen? Kein Mann wird mich ansehen wollen.�</p><p>�Niemand versucht dich vor den Altar oder zu Gesellschaftsempf�ngen zu schleppen�, der leichte Ton brachte ihr einen weiteren harten Blick ein, �aber du f�hlst dich vielleicht selbst besser, wenn du das Kleid ablegst, ein ausgiebiges Bad nimmst und dein Haar richtest. Warum soll ich dir nach dem Essen nicht bei deiner Frisur behilflich sein?�</p><p>�Weil es darauf nicht ankommt.�</p><p>Wie n�rrisch zu glauben, sie w�rde Hilfe annehmen, dachte Brett. Sie ist so verdammt undankbar wie �</p><p>Der Gedanke blieb unvollendet, als Brett die Frau betrachtete. Virgilias Haare wehten nach allen Richtungen, und ihre Schultern waren wieder runder geworden. Obwohl sie viel Gewicht verloren hatte, besa� sie immer noch einen vollen Busen. Aber er hing nach unten, wie bei einem alten Weib. Wieder fingen ihre Augen das Licht des schwindenden Tages ein. Schmerz. So viel Schmerz.</p><p>�Komm � versuchen wir�s.� Wie eine Mutter ihr Kind nahm sie Virgilia am Handgelenk. Da sie keinen Widerstand sp�rte, zog sie sanft.</p><p>�Es ist mir egal�, sagte Virgilia schulterzuckend. Aber sie lie� sich von der J�ngeren hineinbringen und die Eisentreppe hinabf�hren.</p><p>Nach dem Essen lie� Brett von zwei M�dchen hei�es Wasser in einen Zuber f�llen. Dann schob sie Virgilia, schlaff und widerstandslos, ins Badezimmer. �Wirf all deine Kleidung hinaus. Alles. Ich such� dir was Neues heraus.�</p><p>Sie sa� in dem d�steren Schlafzimmer � Virgilia hatte s�mtliche Vorh�nge zugezogen � und lie� f�nf Minuten verstreichen. Nach zehn Minuten war sie nicht mehr nur irritiert, sondern alarmiert. Hatte diese Irre sich umgebracht?</p><p>Sie pre�te ein Ohr gegen die T�r. �Virgilia?�</p><p>Ihr Herz h�mmerte. Endlich h�rte sie Ger�usche. Sie trat zur�ck, als sich die T�r �ffnete. Eine Hand hielt einen Packen Kleidung heraus, den Brett am liebsten gar nicht angefa�t h�tte. Mit ausgestreckten Armen trug sie ihn hinunter.</p><p>�Verbrennt das�, sagte sie zu einem der M�dchen.</p><p>Oben legte sie ein Nachthemd aufs Bett und reichte einen Morgenrock durch die Badezimmert�r. Sie drehte alle Gaslichter hoch, so da� es im Schlafzimmer hell war, als Virgilia schlie�lich fast scheu heraustrat, den Morgenrock fest um sich gewickelt. Haut und Haare waren feucht, aber sie war sauber.</p><p>�Du siehst gro�artig aus! Komm, setz dich her.�</p><p>Virgilia setzte sich auf den Stuhl, den Brett vor den gro�en, ovalen Spiegel gestellt hatte. Mit einem frischen Handtuch trocknete Brett Virgilias Haare � tats�chlich wie bei einem Kind � und begann dann mit einer B�rste hindurchzufahren. Sie b�rstete und b�rstete, w�hrend eine Uhr auf dem Kaminsims tickte. Virgilia blieb steif sitzen, starrte in den Spiegel, hatte Gott wei� welche Visionen.</p><p>Als sie mit dem B�rsten fertig war, teilte sie Virgilias Haar nach der gegenw�rtigen Mode, dann wickelte sie eine Str�hne um ihren Finger und dr�ckte sie �ber Virgilias linkem Ohr fest. Die Prozedur wiederholte sie auf der anderen Seite. Sie hob den Rest an. Virgilia besa� wundersch�ne, dichte Haarflechten. �Den Rest binden wir am Morgen mit einem Netz zusammen. Du wirst sehr modisch sein.�</p><p>Im Spiegel sah sie ihr eigenes l�chelndes Gesicht �ber Virgilias leblosem Gesicht. Sie versuchte ihre Entmutigung zu verbergen.</p><p>�Auf dem Bett liegt ein Nachthemd. Gleich morgen fr�h fahren wir in die Stadt und kaufen dir neue Kleidung.�</p><p>�Ich hab� nichts anzuziehen.�</p><p>�Wir borgen uns ein Kleid f�r dich.�</p><p>�Ich habe �berhaupt kein Geld.�</p><p>�Macht nichts. Ich hab� welches. Betrachte es als Geschenk.�</p><p>�Du brauchst nicht � �</p><p>�Doch, doch. Und jetzt sei still. Ich m�chte, da� du dich besser f�hlst. Du bist eine attraktive Frau.�</p><p>Das brachte schlie�lich ein L�cheln hervor � voll von ver�chtlichem Zweifel. �rgerlich wandte sich Brett ab. �Schlaf gut. Bis morgen.�</p><p>Virgilia blieb regungslos sitzen, wie eine Gartenstatue. Brett kam zu dem Schlu�, da� sie umsonst einen Abend geopfert hatte.</p><p>Noch lange nachdem sich die T�r geschlossen hatte, sa� Virgilia mit im Scho� gefalteten H�nden da. Nie hatte jemand das Wort <emphasis>attraktiv</emphasis> auf sie angewendet. Niemand hatte sie je als h�bsch bezeichnet. Sie war weder das eine noch das andere, und sie wu�te es. Und doch, wie sie so ihr vom Gaslicht erhelltes Bild anstarrte, sah sie eine neue, wunderbare Frau vor sich. Ein Klumpen formte sich in ihrer Kehle.</p><p>Als Brett sagte, sie wolle ihr helfen, da war Virgilias erste Reaktion Mi�trauen, dann nur noch ersch�pfte Gleichg�ltigkeit gewesen. Nun, vor dem Spiegel, r�hrte sich etwas tief in ihr. Kein Gl�cksgef�hl; dazu war sie selten f�hig und jetzt schon gar nicht. Man h�tte es Interesse nennen k�nnen. Neugier. Egal, was f�r einen Namen man daf�r benutzte, es war eine kleine Knospe des Lebens, die unerwartet durch harten Boden brach.</p><p>Sie erhob sich, �ffnete den Morgenrock, um sich zu betrachten.</p><p>Mit einem Korsett w�ren ihre Br�ste gar nicht �bel. Die schlimme Hungerszeit, die sie nach dem Verkauf des letzten St�cks von dem gestohlenen Tafelsilber hatte erdulden m�ssen, hatte sie schlank gemacht.</p><p>Sie lie� den Morgenrock fallen. Ganz pl�tzlich �berw�ltigt machte sie einen kleinen Schritt nach vorn. Eine zitternde Hand kam hoch, streckte sich, ber�hrte das wunderbare Spiegelbild. Ihre Augen f�llten sich mit Tr�nen.</p><p>In dieser Nacht fand sie nur schwer Schlaf. Gegen Mitternacht zog sie die Vorh�nge auf, damit das Morgenlicht sie wecken w�rde. Mit Nachthemd und Morgenrock bekleidet sa� sie wartend im Speisezimmer, als Brett erschien.</p><p><strong>32</strong></p><p>Am Sonntagmorgen erwachte George um f�nf. Er schl�pfte aus dem Bett � nicht unbedingt leise. Seine Aktivit�ten weckten bald schon Constance und die Kinder. �Du bist aufgeregt wie ein Junge�, sagte Constance, w�hrend sie sich in ihre Kleider k�mpfte.</p><p>�Ich m�chte die Schlacht sehen. Die halbe Stadt rechnet damit, da� es die erste und letzte dieses Krieges ist.�</p><p>�Du auch, Pa?� fragte sein Sohn, genauso aufgekratzt und aufgeregt wie sein Vater.</p><p>�Ich w�rde keine Prognose wagen.� Er schnallte sich den alten Armeewaffengurt um und �berpr�fte, ob der Colt, Modell 1847, sicher im Halfter steckte.</p><p>�William, hol meine Reiseflasche Whiskey, und pa� auf sie auf. Patricia, hilf deiner Mutter mit dem Lunchkorb. Ich hole die Kutsche.�</p><p>Patricia zog ein Gesicht. �Ich m�chte lieber bleiben und lesen und die K�he auf der Promenade f�ttern.�</p><p>�Komm, komm�, sagte Constance. �Dein Vater hat alle Vorbereitungen getroffen. Wir fahren.�</p><p>Und mit ihnen, wie es schien, der gr��te Teil der Bev�lkerung von Washington. Selbst zu dieser fr�hen Stunde wartete eine lange Schlange von Reitern und Fahrzeugen am Stadtrand von Long Bridge, w�hrend die Wachen die P�sse kontrollierten. Endlich waren die Hazards ganz vorn angekommen. George zeigte seinen Pa� vom Kriegsministerium. �Ganz sch�ner Verkehr heute morgen.�</p><p>�Und noch mehr vor Ihnen, Captain. Seit Stunden kommen sie schon durch.� Der Wachtposten salutierte und winkte ihre Kutsche weiter.</p><p>Sie �berquerten den Flu�; George ging geschickt mit den beiden G�ulen um, die zu dem Mietwagen geh�rten, der ihn unversch�mte drei�ig Dollar pro Tag kostete. Er hatte ohne zu protestieren bezahlt und konnte sich noch gl�cklich sch�tzen; auf der schlechten Stra�e waren noch viel schlimmere Vehikel unterwegs.</p><p>Der Weg war nicht gerade kurz; sie mu�ten ungef�hr f�nfundzwanzig Meilen Richtung S�dwest zur�cklegen, um die Armeen zu entdecken. Nach zwei bis drei Stunden Fahrt kamen sie an Maisfeldern, kleinen Farmen und bauf�lligen H�tten vorbei. Wei�e und Schwarze beobachteten die Kavalkade gleicherma�en erstaunt.</p><p>McDowells Marsch hatte die Stra�e aufgerissen. Constance und die Kinder schwankten und h�pften; Patricia jammerte laut �ber die Unbequemlichkeit und den weiten Weg.</p><p>Ein Reiter galoppierte an der linken Seite der Kutsche vorbei. George erkannte einen Senator. Er hatte bereits drei bekannte Senatsangeh�rige gesehen. Sie waren immer noch einige Meilen von Fairfax entfernt, als William aufgeregt an Georges �rmel zupfte. �Pa, h�r doch!�</p><p>Inmitten all des L�rms hatte George das ferne Grollen �berh�rt. �Das ist Artillerie.� Constance legte ihren Arm um Patricia. Georges R�ckgrat kribbelte, und er erinnerte sich an Mexiko. Berstende Geschosse. St�rzende M�nner. Die durchdringenden Schreie der Verwundeten; die verlorenen Schreie der Sterbenden. Er erinnerte sich an die Granate, die die H�tte an der Churubusco Road wegfegte � und den Arm seines Freundes Orry. Er schlo� die Augen, um die Erinnerungen auszul�schen.</p><p>Weiter vorne schien es irgendwelche Schwierigkeiten zu geben, die Kolonne staute sich. Riesige Staubwolken wogten.</p><p>�Guter Gott, was ist das?� sagte er, als Unionstruppen in Richtung Washington anmarschiert kamen und Fahrzeuge, einschlie�lich der Kutsche, an den Stra�enrand dr�ngten.</p><p>�Wer seid ihr?� br�llte George einem Corporal zu, der einen hochaufget�rmten Gep�ckkarren fuhr.</p><p>�Fourth Pennsylvania.�</p><p>�Ist die Schlacht vorbei?�</p><p>�Keine Ahnung, aber wir gehen heim. Unsere Verpflichtungszeit ist gestern abgelaufen.�</p><p>Der Corporal fuhr weiter, gefolgt von Haufen von daherschlendernden Freiwilligen, die viel lachten und ihre Waffen wie Spielzeuge behandelten. In mehr als einer M�ndung steckten Feldblumen.</p><p>Hinter Fairfax hielten die Picknicker aus Washington auf einen d�nnen blauen Dunst zu, der �ber der noch Meilen entfernten Kammlinie dahintrieb. Das Donnern der Artillerie wurde lauter. Gegen Mittag begann George auch das Krachen von Gewehren zu h�ren.</p><p>Sie fuhren durch Centreville und den Warrenton Turnpike hinunter, bis sie auf viele andere Kutschen und Pferde trafen. Ein Armeekurier galoppierte vorbei und br�llte, sie sollten besser nicht weiterfahren.</p><p>�Ich kann nichts sehen, Pa�, beschwerte sich William, als George die Pferde nach links zog, auf der Suche nach einem freien Pl�tzchen. Er sah so viele ausl�ndische Uniformen und h�rte so viele Fremdsprachen, da� es leicht f�r einen Diplomatenball gereicht h�tte. Immer noch erkannte er viele Washingtoner, einschlie�lich Senator Trumball aus Illinois, der in gro�er Gesellschaft anwesend war.</p><p>Er seufzte auf, als er an einer bekannten Gruppe vorbeikam. �Guten Morgen, Stanley�, rief er und fuhr weiter. Er war dankbar, da� auf keiner Seite von Stanleys Wagen Platz war.</p><p>�Ich kann immer noch nichts sehen�, protestierte William.</p><p>�Das mag sein, aber n�her gehen wir nicht heran�, sagte George. �Hier ist ein Pl�tzchen.� M�de und erhitzt bog er am Ende der Fahrzeugreihe ein. Auf seiner Uhr war es zehn nach eins. Ihr Ausblick auf die Schlacht bestand aus einem Panorama ferner, dichter Rauchwolken.</p><p>�Sie schie�en nicht mehr.� Constance klang erleichtert, als sie die Decke ausbreitete. Konnte es schon vorbei sein? George sagte, er versuche, einige Informationen einzuholen. Zu Fu� machte er sich auf den Weg.</p><p>Er erreichte die Stra�e und hielt Ausschau nach jemandem, der halbwegs vertrauensw�rdig aussah. Nach ein paar Minuten kam ein leichter Zweiradwagen von der Br�cke �ber den Cub Run den H�gel hochgerattert.</p><p>Der Wagen hielt an der gegen�berliegenden Stra�enseite. Ein stattlicher, gutgekleideter Zivilist setzte seinen an einer Kette h�ngenden Kneifer auf. Unter dem Sitz holte er Schreibblock und Bleistift hervor. George �berquerte die Stra�e.</p><p>�Sind Sie Reporter?�</p><p>�Das ist richtig, Sir.� Der korrekte britische Akzent verbl�ffte George. �Russell ist mein Name.� Er wartete auf eine Reaktion und f�gte dann k�hler hinzu: �Von der <emphasis>Times</emphasis> in London.�</p><p>�Ja, nat�rlich � ich habe Ihre Berichte gelesen. Sind Sie vorn gewesen?�</p><p>�Soweit es Vorsicht und Klugheit zugelassen haben.�</p><p>�Wie ist die Lage?�</p><p>�L��t sich unm�glich mit Sicherheit feststellen, aber die Unionstruppen scheinen die Oberhand zu behalten. Ein Konf�deriertengeneral hat sich in einem hei�en Gefecht um ein Farmhaus nahe der Sudley Road ausgezeichnet. Ein Kavallerieposten der Union hat mir Einzelheiten mitgeteilt; der Bursche hei�t � �, er bl�tterte zwei Seiten zur�ck, �� Jackson.�</p><p>�Thomas Jackson? Stammt er aus Virginia?�</p><p>�Kann ich nicht sagen, alter Junge. Wirklich � ich mu� weitermachen. Beide Seiten sammeln sich gerade. Bald wird es weitergehen, kein Zweifel.�</p><p>George war �berzeugt davon, da� es sich bei dem Helden im Kampf um das Farmhaus um seinen alten Freund und Klassenkameraden von West Point handeln mu�te; diesen seltsamen, besessenen Virginier, mit dem ihn gemeinsame Studienzeiten und viele Gespr�che in sonnigen Cantinas nach dem Fall von Mexico City verbanden. Vor dem Krieg hatte Jackson an irgendeiner Milit�rschule gelehrt. Selbst damals auf der Akademie hatte es zwei eindeutige Meinungen �ber Tom Jackson gegeben: er sei brillant und er sei verr�ckt.</p><p>George marschierte zu seiner Familie zur�ck. Gegen zwei, w�hrend sie gerade a�en, begann eine Kanonade, die den Boden erbeben lie� und William begeisterte und Patricia entsetzte. Hunderte von Zuschauern sp�hten durch Ferngl�ser, aber bis auf gelegentliche blaue Schlierenwolken gab es wenig zu sehen. Eine Stunde verging. Noch eine. Das Bellen der Handfeuerwaffen h�rte nie auf. Da selbst der beste Soldat einen Vorderlader nicht �fter als viermal pro Minute abfeuern konnte, wu�te George, da� hier eine gro�e Anzahl von M�nnern Salven abgaben.</p><p>Pl�tzlich brachen aus dem Dunst, der �ber der Stra�e hing, Pferde hervor; ein Wagen tauchte auf, gefolgt von zwei weiteren. Alle rasten auf die Cub Run Br�cke zu � viel zu schnell. Bei jedem R�tteln h�rten die Zuschauer unsichtbare Verwundete aufschreien.</p><p>Constance beugte sich zu ihm. �George, das alles ist irgendwie nichtsw�rdig. M�ssen wir bleiben?�</p><p>�Auf keinen Fall. Wir haben genug gesehen.�</p><p>Das fand seine Best�tigung, als eine Wagenladung Offiziere mit Pferdeschweifen an den kunstvoll verzierten Helmen sich aus der Reihe l�ste und auf die Stra�e zuhielt. Ein Offizier schwankte trunken und fiel hinaus. Der Wagen stoppte. Als seine Kameraden ihm wieder hereinhalfen, kotzte er sie voll.</p><p>�Ja, das ist eindeutig nicht � �</p><p>Ein Aufruhr unterbrach George. Ein Soldat in blauer Uniform rannte die Stra�e hinunter, auf die Br�cke zu. Dann noch einer. Dann mehr als ein Dutzend. George h�rte den ersten Mann etwas Unverst�ndliches br�llen. Die hinter ihm warfen ihre M�tzen, Tornister � Allm�chtiger �, sogar ihre Musketen weg.</p><p>Dann verstand George den Schrei des Jungen auf der Br�cke.</p><p>�Wir sind geschlagen. Wir sind geschlagen!�</p><p>Georges Magen verkrampfte sich. �Constance, in die Kutsche. Kinder, ihr auch. La�t das Essen liegen.� Etwas Schreckliches lag in der pulvergeschw�ngerten Luft. Er schob seinen Sohn und seine Tochter hinein. �Beeilt euch.�</p><p>Sein Ton alarmierte sie. Weiter unten schwangen sich zwei Reiter in den Sattel, aber ansonsten reagierte niemand besorgt. George man�vrierte die Kutsche auf die Stra�e zu; er sah, da� jenseits von Cub Run immer mehr Soldaten aus den rauchigen W�ldern gestr�mt kamen, ein Junge in Blau br�llte: �Black Horse Cavalry! Black Horse Cavalry direkt hinter uns!�</p><p>George hatte von dem gef�rchteten Regiment aus Fauquier County geh�rt. Er sch�ttelte die Z�gel, um die Stallg�ule anzutreiben; Stanley und Isabel, an denen er gerade vorbeikam, schienen von seiner Hast verbl�fft. �Ich w�rde mich ranhalten, wenn ihr nicht mittendrin erwischt � �</p><p>Das Jaulen einer Granate �bert�nte den Rest der Warnung. Sich den Hals verrenkend beobachtete George, wie eine weitere Ambulanz die H�ngebr�cke erreichte, kurz bevor die Granate explodierte. Die Pferde b�umten sich auf, der Wagen kippte um � die Br�cke war blockiert.</p><p>Die Unionsfreiwilligen befanden sich auf der Flucht; die Br�cke war unpassierbar; Ambulanzen und Versorgungswagen stauten sich in dem rauchigen Tal dahinter; und schnell wie Buschfeuer breitete sich Panik unter den Zuschauern aus.</p><p>Ein Zivilist sprang auf die Kutsche und versuchte die Z�gel zu packen. Seine Fingern�gel rissen Georges Handr�cken blutig. George trat den Mann in die Leisten. Er fiel zu Boden.</p><p>�Black Horse, Black Horse!� schrien die rennenden Soldaten, von denen die Landstra�e nun �bers�t war. Constance weinte leise und umklammerte die Kinder, als eine Granate rechts von ihnen im Feld explodierte. Erde regnete auf sie herab.</p><p>George zog seinen Colt, nahm ihn in die Linke und zerrte die nerv�sen Tiere lediglich mit der rechten Hand herum. Er hielt sich von der Landstra�e fern; zu viele fl�chtende M�nner machten ein schnelles Vorw�rtskommen unm�glich. Uniformen vermischten sich, das normale Blau mit der grellen Zuavenausr�stung � die gesamte Streitmacht der Union mu�te zusammengebrochen sein.</p><p>�Festhalten�, br�llte er, w�hrend er das Gespann �ber ein Stoppelfeld s�dlich der Stra�e jagte. George war au�er sich �ber die wilde Flucht, die rennenden Soldaten und die Zuschauer. Jenseits der Landstra�e sah er, wie drei Frauen von zwei Zivilisten von ihrem Buggy geworfen wurden. Er hob den Colt, um auf sie zu feuern, erkannte dann die Sinnlosigkeit und lie� es bleiben.</p><p>Das grobe Geholper �ber die Felder fuhr ihm in schmerzhaften St��en durch den K�rper. Der Rauch lie� seine Augen tr�nen; Granaten explodierten dicht hinter ihnen. Er �berquerte einen weiteren kleinen Flu�, und die Hinterr�der der Kutsche versanken im Schlamm der Uferbank. George befahl seiner Familie auszusteigen und beorderte William ans Hinterrad. In dem Moment sah er Stanleys Gespann vorbeirasen, genau in der Mitte der Landstra�e. Soldaten mu�ten aus dem Weg springen. Isabel ersp�hte die Kutsche, aber ihr angstverzerrtes Gesicht brachte deutlich zum Ausdruck, da� sie nichts und niemanden erkannte.</p><p>Ein Sergeant und zwei einfache Soldaten planschten auf das festh�ngende Fahrzeug zu. George bemerkte den glasigen Blick des Sergeants und war auf der Hut. Bis zu den Oberschenkeln im schlammigen Wasser stehend, spannte George den Colt.</p><p>�Helft uns schieben, oder geht zum Teufel, aber schnell!�</p><p>Der Sergeant belegte ihn mit einem Schimpfnamen und winkte seine M�nner weiter. Von Schwei� fast blind stemmte sich George mit der Schulter gegen das Rad und rief seinem Sohn zu: �Sto�!�</p><p>Sie m�hten sich und spannten alle Kr�fte an; Constance zerrte vorn um Zaumzeug des einen Pferdes. Endlich schob sich die Kutsche aus dem Schlamm. Verdreckt, ver�rgert und sehr besorgt nahm George die Fahrt nach Washington wieder auf; er fragte sich, ob sie die Stadt je wiedersehen w�rden.</p><p>M�nner und Wagen, Wagen und M�nner. Das Sommerlicht wurde schw�cher, und der Rauch schr�nkte die Sichtweite ein. Der Gestank wurde unertr�glich: uringetr�nkte Wolle, blutende Tiere, die Eingeweide eines toten Jungen, der mit offenem Mund in einem Graben lag.</p><p>Die W�lder vor ihnen sahen unpassierbar aus; George brachte die Kutsche zur�ck auf die Stra�e. Er h�rte Weinen. �Die Black Horse Cavalry hat uns in St�cke gerissen!� Wiederholt versuchten Soldaten in die Kutsche zu klettern. George gab den Colt an Constance weiter und bewaffnete sich mit der Peitsche.</p><p>Mitten auf der Stra�e lag ein sterbendes Pferd. Ein junger Soldat in Zuavenuniform hob pl�tzlich seinen Vorderlader und lie� den Kolben auf den Kopf des Pferdes krachen. Wieder und wieder. George sprang von der Kutsche. W�hrend das Tier um sich schlug und Georges emp�rter Schrei ungeh�rt verhallte, hob der Soldat seine Muskete zu einem weiteren Schlag. Tr�nen str�mten �ber die tiefe Wunde an seiner Wange.</p><p>George br�llte: �Ich gebe dir den Befehl, zu � �</p><p>Der Rest ging in den geschluchzten Obsz�nit�ten des Jungen unter. George rannte zu dem Pferd, warf einen zuf�lligen Blick auf den Sch�del; beinahe h�tte er erbrochen. Er ri� den Vorderlader aus den H�nden des wahnsinnigen Jungen und bedrohte ihn damit.</p><p>�Los, verschwinde. Verschwinde!�</p><p>Der Junge warf George einen leeren Blick zu, stolperte dann in den Graben hinunter und wandte sich Richtung Washington. Schnell �berpr�fte George die Muskete, stellte fest, da� sie geladen war, und beendete mit einem Schu� die Agonie des Pferdes.</p><p>Schwer atmend, den Geschmack von Erbrochenem im Mund, suchte er nach der Kutsche. Er ersp�hte Constance, am Stra�enrand stehend, einen Arm um jedes Kind geschlungen und in der rechten Hand den Colt. George sah die Kutsche, vollgepackt mit M�nnern in blauer Uniform, auf Centreville zufahren.</p><p>�Sie haben sie genommen, George. Ich konnte nicht auf unsere eigenen Soldaten schie�en.�</p><p>�Nat�rlich nicht. Es ist meine Schuld, ich h�tte euch nicht allein lassen d�rfen � Patricia, weinen hilft uns jetzt auch nicht weiter. Wir kommen schon durch. Alles wird gut werden. Gib mir den Colt. Und jetzt marschieren wir.�</p><p>In Mexiko hatte George gelernt, da� eine Schlacht unvermeidlich gr��er war als das Blickfeld eines einzelnen Soldaten; selbst Generale �berblickten manchmal nicht das Gesamtmuster. Georges Wissen von der Schlacht bei Bull Run beschr�nkte sich auf das, was er als Zuschauer mitbekommen hatte. F�r ihn w�rde Bull Run f�r immer aus einer endlosen Stra�e von Wagenwracks und weggeworfener Ausr�stung bestehen, das Bett eines blauen Sturzbachs, der nach beiden Seiten �ber die Ufer trat.</p><p>Constance zupfte ihn am �rmel seiner Uniform. �George, schau dort, vor uns.�</p><p>Stanleys Kutsche lag umgekippt auf der Seite. Die Pferde waren verschwunden; wahrscheinlich gestohlen. Isabel und die Zwillinge dr�ngten sich um Georges Bruder, der auf einem Stein sa�; die gel�ste Krawatte baumelte zwischen seinen Beinen. Die H�nde hatte er vors Gesicht gepre�t. George kannte den Grund; vor Jahren hatte er einen �hnlichen Moment erlebt.</p><p>�Herr im Himmel, mu� ich mich wieder um ihn k�mmern?�</p><p>�Ich wei�, wie dir zumute ist. Aber wir k�nnen sie nicht hierlassen.�</p><p>�Warum nicht?� sagte Patricia. �Laban und Levi sind abscheulich. Sollen die Rebs sie kriegen.� Constance schlug sie, wurde rot, umarmte sie und entschuldigte sich.</p><p>George schaute Isabel nicht an, als er vor seinen Bruder trat. �Steh auf, Stanley!� Stanleys Schultern hoben und senkten sich. George packte Stanleys rechte Hand und ri� sie nach unten. �Auf die F��e. Deine Familie braucht dich.�</p><p>�Er ist einfach � zusammengebrochen, nachdem die Kutsche umkippte�, sagte Isabel. George beachtete sie nicht; er zerrte seinen Bruder hoch und stie� ihn in die richtige Richtung. Stanley begann zu laufen.</p><p>Stanleys Zusammenbruch versetzte seine Frau in Wut, aber merkw�rdigerweise konzentrierte sich ihr �rger auf George. Die Zwillinge jammerten und machten ver�chtliche Bemerkungen �ber George, bis die halbe Dunkelheit sie von den anderen im Feld trennte. Nach f�nf Minuten verzweifelten Gebr�lls fanden die Zwillinge die Erwachsenen wieder. Von da an marschierten sie schweigend dicht hinter George her.</p><p>Der Schutt der Niederlage war �berall zu sehen: Feldflaschen, H�rner und Trommeln, Bajonette. Die Dunkelheit fiel herab, und die unheimlichen Schreie der Verwundeten und Sterbenden lie�en George an ein Vogelhaus in der H�lle denken. Aus der vorbeistr�menden Woge der Schatten drangen Stimmen:</p><p>�� verfluchte Captain rannte. <emphasis>Rannte �</emphasis> w�hrend wir die Stellung hielten � �</p><p>�� meine F��e bluten. Kannst du nicht � �</p><p>�� Black Horse. Das waren mindestens tausend � �</p><p>�� Shermans Brigade zerbrach, als Hamptons <emphasis>Voltigeurs</emphasis> angriffen � �</p><p>Hampton? George griff den Namen aus dem Stimmengemurmel heraus, dem Quietschen der R�der, dem Gejammer der Kinder. Ritt nicht Charles Main mit Hamptons Legion? Hatte er heute gek�mpft? Hatte er �berlebt?</p><p>In Centreville sahen sie endlich wieder Lichter � und �berall Verwundete. Einige New Yorker Freiwillige mit einem Versorgungswagen bemerkten die Kinder und anerboten sich, sie bis nach Fairfax Courthouse mitzunehmen. F�r die Erwachsenen hatten sie keinen Platz. George sprach ernsthaft mit William, dem er vertrauen konnte, und als er sich vergewissert hatte, da� sein Sohn den Treffpunkt kannte, halfen er und Constance den Kindern in den Wagen. Isabel erhob Einw�nde; Stanley starrte den verwaschenen Mond an.</p><p>Der Wagen verschwand. Die Erwachsenen setzten ihren Marsch fort. Auf der Stra�e hinter Centreville trafen sie auf weitere Opfer. Der Anblick der verwundeten Gesichter, der blutigen Gliedma�en, der mondhellen Augen von viel zu jungen Burschen erinnerten George st�ndig an Mexiko und an das brennende Haus in Lehigh Station.</p><p>�Stanley? Bleib nicht zur�ck!� Die Augen des Sch�fers, der seine Herde zusammenhalten mu�te, begannen vor Staub und M�digkeit zu tr�nen. Der Mond schmolz, und Streifen davon tropften vom Himmel herab. Statt der Stra�e sah er den jungen Soldaten vor sich, der auf das gest�rzte Pferd eingeschlagen hatte. Ein unglaublicher Akt. Ein Wandel, den er nicht begreifen konnte, hatte seinen Anfang genommen. Irgendein schrecklicher Wandel.</p><p>�Isabel? Alles in Ordnung? Komm schon. Du mu�t dran bleiben.�</p></section><section><title><p><strong>Zweites Buch.</strong></p><p><strong>Der Weg nach unten</strong></p></title><p><emphasis>Niemand, kein Mensch, kann dieses Land retten. Unsere M�nner sind keine guten Soldaten. Sie prahlen, aber sie leisten nichts, sie jammern, wenn sie nicht all das kriegen, was sie wollen, und ein Marsch �ber wenige Meilen ersch�pft sie. Es wird lange dauern, bis das �berwunden ist; ich wei� nicht, was die Zukunft uns bringen wird.</emphasis></p><p>Col. William T. Sherman, nach der ersten Schlacht bei Bull Run, 1861</p><p><strong>33</strong></p><p>Die ganze Nacht �ber schwirrten Ger�chte durch die Stadt. Elkanah Bent konnte, wie Tausend andere auch, nicht schlafen. Er dr�ckte sich in Bars oder auf den Stra�en herum, wo schweigende Mengen auf neue Nachrichten warteten. Er betete darum, da� ein Sieg gemeldet werden w�rde. Nichts anderes konnte ihn retten.</p><p>Gegen drei Uhr gaben er und Elmsdale, der Colonel aus New Hampshire, die Nachtwache auf und kehrten in ihre Pension zur�ck. Bent d�ste mehr vor sich hin als da� er schlief; vor Tagesanbruch h�rte er das Klatschen des einsetzenden Regens. Dann h�rte er M�nner auf den Stra�en. Schnell kleidete er sich an, ging hinaus auf die Veranda und sah auf einer freien Fl�che nebenan acht oder zehn Soldaten im Unkraut liegen. Drei andere, sichtlich verdreckt, rissen einen Bretterzaun ab, um ein Feuer zu machen.</p><p>G�hnend schlo� sich ihm Elmsdale mit einem Vorrat an Zigarren an. �Schaut �bel aus, was?� sagte er. Bent sp�rte, wie Hysterie in ihm aufstieg.</p><p>Die beiden Colonels eilten zur Pennsylvania Avenue. Bent versuchte, sein Zittern zu beherrschen. Auf der Avenue sahen sie Ambulanzen, herumlaufende M�nner, denen die Niederlage ins Gesicht geschrieben stand. Dutzende lagen schlafend im President�s Park. Bent sah blutige Gesichter, Arme und Beine.</p><p>�Nun�, Elmsdale z�ndete sich unter seiner Hutkrempe eine Zigarre an, �das ist ein Vorgeschmack von dem, was uns im Westen erwartet.�</p><p>Bent war noch nie religi�s veranlagt gewesen, aber gestern hatte er Gott um einen Sieg der Union angefleht. Er und Elmsdale besa�en bereits ihre Fahrkarten nach Kentucky. Jetzt w�rde er auch fahren m�ssen. Der Krieg konnte Monate dauern. Vielleicht w�rde er in Kentucky umkommen, sein Genie verschwendet�</p><p>Er wollte diesem Schicksal entrinnen, wu�te aber nicht wie. An Dills wagte er sich nicht noch einmal zu wenden; der Anwalt mochte seine Drohung wahr machen. Von Fahnenflucht abgesehen, was seine Tr�ume von milit�rischem Ruhm zu einem abrupten Ende bringen w�rde, sah er keine Alternative.</p><p>Am Tag nach Manassas lagerten Charles und seine Truppe mit der Legion nicht weit vom Konf�derierten-Hauptquartier, ziemlich nahe dem Schlachtzentrum und weniger als eine Meile von Bull Run entfernt, wo r�tlich verf�rbtes Wasser immer noch Leichen von beiden Seiten mit sich f�hrte.</p><p>Als das Licht verbla�te, machte sich Charles daran, Sport abzureiben. Er freute sich �ber den Sieg, �rgerte sich aber �ber die Umst�nde, die ihn um die Teilnahme gebracht hatten. Nach seiner R�ckkehr aus Fairfax County war die Legion am Freitag von Ashland zur Verst�rkung von Beauregard abkommandiert worden. Doch die Richmond, Fredericksburg- und Potomac-Bahnlinie hatte lediglich gen�gend Waggons f�r Hampton und seine sechshundert Mann Fu�truppen. F�r die vier Kompanien Kavallerie und die Artillerie-Batterie war kein Platz mehr vorhanden.</p><p>Nach zahlreichen Verz�gerungen kam Hampton am Morgen der Schlacht in Manassas an; seine Kavallerie m�hte sich da immer noch �ber hundertdrei�ig Meilen sich dahinschl�ngelnder Stra�e; viele Fl�sse und Fl��chen waren zu �berwinden. Charles spr�hte auf diesem langen Ritt geradezu vor Zuversicht. Er glaubte, da� sich seine M�nner im Kampf bew�hren w�rden; trotz ihrer Disziplinlosigkeit ritten sie als Einheit gut zusammen.</p><p>Charles bekam keine Chance, dieses neue Gef�hl auf seinen Wahrheitsgehalt zu �berpr�fen; die Kavalleristen erreichten den Schauplatz, nachdem der Sieg errungen worden war. Sie erfuhren, da� der Colonel sich ausgezeichnet und eine leichte Kopfwunde empfangen hatte, als er seine Infanterie gegen die zerbr�ckelnde Front der Bundesregimenter gef�hrt hatte.</p><p>Pr�sident Davis war pers�nlich von Richmond gekommen, um den verschiedenen Kommandanten zu gratulieren, zu denen auch Hampton z�hlte, den Davis und Old Bory in seinem Zelt aufsuchten. Gegen Montagabend jedoch h�rten Charles und viele andere, da� sich gewisse Regierungsmitglieder beklagt h�tten; Beauregard habe seinen Vorteil nicht genutzt und Washington nicht erobert.</p><p>Charles behielt seine Meinung f�r sich. Woher sollten fett�rschige B�rokraten wissen, da� eine Schlacht harte Arbeit war und da� selbst der gr��te Mut, der festeste Wille und das st�rkste Herz sich der alles �berw�ltigenden Ersch�pfung beugen mu�ten.</p><p>Aber von diesen Klagen abgesehen war Manassas zu einem Triumph geworden, ein Beweis f�r den unersch�tterlichen Glauben, da� Gentlemen jederzeit den P�bel schlagen konnten.</p><p>Die Verluste waren gering gewesen. Der Stellvertreter des Kommandanten der Legion, Lieutenant Colonel Johnson aus Charleston, war von der ersten feindlichen Salve get�tet worden. Barnard Bee, einer von Cousin Orrys Freunden von der Akademie, war t�dlich getroffen worden, kurz nachdem er die M�nner zu den Fahnen des verr�ckten Professors vom Virginia Military Institute, dem Narren Tom Jackson, gef�hrt hatte. Jackson stand wie ein Steinwall nahe des Henry-Hauses, und es schien so, als w�rde �Tom der Narr� ab sofort einen h�flicheren Spitznamen erhalten.</p><p>W�hrend Charles Sports Hufe vom Dreck s�uberte, n�herte sich Calbraith Butler, ein weiterer Truppenkommandant. Butler war ein gutaussehender Bursche mit angenehmen Manieren in Charles� Alter. Er war mit der Tochter von Gouverneur Pickens verheiratet und hatte eine lukrative Anwaltspraxis aufgegeben, um die Edgefield-Husaren aufzustellen, eine der Einheiten, die Hampton zu seiner Legion zusammengefa�t hatte. Obwohl Butler �ber keine milit�rische Erfahrung verf�gte, vermutete Charles, da� er sich im Kampf gut schlagen w�rde; er mochte Butler.</p><p>�Du solltest einen Neger f�r sowas haben�, riet Butler.</p><p>�Wenn ich so reich wie ihr Anw�lte w�re, dann vielleicht.�</p><p>Butler lachte.</p><p>�Wie geht�s dem Colonel?� fuhr Charles fort.</p><p>�Guter Laune, angesichts des Todes von Johnson und der Verluste, die wir hinnehmen mu�ten.�</p><p>�Wie hoch?�</p><p>�Steht noch nicht genau fest. Ich h�rte was von zwanzig Prozent.�</p><p>�Zwanzig�, wiederholte Charles mit einem leichten Nicken, um seine Befriedigung auszudr�cken. Am besten dachte man an die Toten und Verwundeten nicht als Menschen, sondern berechnete sie in Prozenten; man schlief nachts besser.</p><p>Butler kauerte sich hin. �Wie ich h�re, sind die Yankees nicht nur vor unseren Black Horses davongerannt, sondern allein schon beim blo�en Gedanken an sie. Sie rannten vor Braunen, Grauen, Rotschimmeln � jeder nur denkbaren Farbe. Hielten sie alle f�r Black Horse. Ich bedaure wirklich, da� wir das verpa�t haben. Aber wenigstens werden wir von den Fr�chten des Sieges kosten d�rfen, so ungef�hr in einer Woche.�</p><p>Er berichtete, da� dankbare B�rger in Richmond bereits einen Galaball angek�ndigt hatten, zu dem bevorzugte Offiziere von Manassas eingeladen waren. �Und wei�t du was, Charlie, Kavallerieoffiziere sind die bevorzugtesten. Wir m�ssen den Ladies ja nicht erz�hlen, da� wir meilenweit von der Schlacht entfernt waren. Das hei�t, bei mir f�llt das ja flach. Meiner Frau zuliebe werde ich wohl nicht hingehen.�</p><p>�Warum nicht? Beauty Stuart ist verheiratet, und ich m�chte wetten, er ist dabei.�</p><p>�Verdammte Virginier. M�ssen �berall in vorderster Front sein.� W�hrend der Schlacht hatte Stuart einen vieldiskutierten Angriff die Sudley Road entlang gef�hrt, was seinen Ruf, ein tapferer Mann zu sein � oder ein tollk�hner Mann, je nachdem, wer die Geschichte erz�hlte �, weiter festigte.</p><p>�Ein Ball. Das klingt tats�chlich recht verlockend.� Charles gab sich M�he, die Ambulanzen, die langsam vor der flammenden Scheibe der Sonne vorbeizogen, nicht zu beachten.</p><p>�Charmante weibliche G�ste aus der ganzen Gegend sind eingeladen. Die Gastgeber m�chten nicht, da� es unseren tapferen Jungs an Tanzpartnerinnen mangelt.�</p><p>Nachdenklich sagte Charles: �Ich werde vielleicht gehen, wenn ich eine Einladung erbeuten kann.�</p><p>�Na also! Endlich ein Hauch von Leben in dem m�den K�mpfer. Gut f�r dich.� Butler schlenderte davon; Charles nahm seine Arbeit wieder auf, und Sport stupfte z�rtlich seinen Arm. Er �berraschte sich selbst dabei, da� er vor sich hinpfiff, nachdem ihm klar geworden war, da� er mit etwas Gl�ck Augusta Barclay auf dem Ball finden konnte.</p><p><strong>34</strong></p><p>Gegen sieben Uhr morgens waren sie in der Hauptstadt angekommen, durchn��t und kurz vor dem Umfallen. George, Constance und die Kinder gingen direkt zum Willard-Hotel, Stanley, Isabel und die Zwillinge zu ihrem Herrschaftshaus; wortlos, gru�los.</p><p>George wusch und rasierte sich, wobei er sich zweimal schnitt, trank einen kr�ftigen Schluck Whiskey und meldete sich noch ganz benommen im Winder-Geb�ude. Die Verzweiflung �ber die Niederlage war so gro�, da� an diesem Morgen nichts erledigt wurde; gegen halb zw�lf schlo� Ripley das B�ro. George h�rte, der Pr�sident habe wieder einen seiner Depressionszust�nde. Kein Wunder, dachte George, als er sich zum Hotel zur�ckk�mpfte.</p><p>Er fiel in einen tiefen Schlaf der Bet�ubung, aus dem er gegen neun Uhr abends sanft wachger�ttelt wurde. Constance meinte, er m�sse etwas essen. Im Speisesaal des Hotels, der vollbesetzt war, in dem aber eine unnat�rliche Stille herrschte, erkundigte sich George nach dem Stand der Dinge; die Antworten lie�en ihn zusammenzucken. Am n�chsten Tag stellte er weitere Fragen. Ausma� und Konsequenzen der Trag�die bei Bull Run zeichneten sich langsam ab.</p><p>Die Verlustquoten waren noch vage, obwohl einige Zahlen bereits feststanden; Simon Camerons Bruder, Kommandant eines Highlander-Regiments, der Seventy-Ninth New York, war get�tet worden. Scott und McDowell standen als Schuldige fest. W�hrend George den gr��ten Teil des Montags verschlief, war McDowell seines Postens enthoben worden; Georges alter Klassenkamerad McClellan war aus dem westlichen Virginia herbeigeordert worden und hatte den Oberbefehl �ber die Armee erhalten, um sie zu einer Einheit zu formen, die diesen Namen auch verdiente.</p><p>Am Dienstag wurde die B�roarbeit wieder aufgenommen. George erhielt einen kurzfristigen Reisebefehl, um sich mit der Produktion der Cold-Spring-Gie�erei, am Flu� gegen�ber von West Point gelegen, vertraut zu machen. Sein Vater hatte die Gie�erei w�hrend Georges Kadettenjahren besichtigt. Die Gie�erei produzierte jetzt gro�artige, von Robert Parker Parrott entworfene Artilleriewaffen. Der Verbindungsoffizier des Waffen-Departments war ein Captain Stephen V. Benet.</p><p>Dienstagnacht, nachdem George gepackt hatte, unterhielten er und Constance sich vor dem Einschlafen �ber den Wechsel im Oberkommando. �Lincoln und das Kabinett und der Kongre�, sie alle haben McDowell angetrieben. Sie zwangen ihn, schlecht ausgebildete Amateure in die Schlacht zu schicken. Die Freiwilligen k�mpften nat�rlich nicht wie Berufssoldaten, und McDowell bekommt daf�r die Schuld in die Schuhe geschoben � von Lincoln und dem Kabinett und dem Kongre�.�</p><p>�Ah�, murmelte sie. �Das erste M�dchen auf der Tanzkarte des Pr�sidenten hat sich als ungeschickt erwiesen, also Partnertausch.�</p><p>�Partnertausch. Das dr�ckt es richtig aus.� Er schob sein Nachthemd hoch, um sich am Oberschenkel zu kratzen. �Ich m�chte wissen, wie oft er das noch tun wird, bis der Ball vorbei ist?�</p><p>George war froh, die hoffnungslose Washingtoner Atmosph�re gegen die Sch�nheit des Hudson-Tales eintauschen zu k�nnen; das herrlich sonnige Wetter machte alles nur noch sch�ner. Old Parrott, Absolvent von 1824, leitete die Fabrik, und er bestand darauf, seinem Besucher alles pers�nlich vorzuf�hren. In Hitze und Licht der Gie�erei zubaden, war eine Art freudige Heimkehr. George war fasziniert von der Pr�zision, mit der die Arbeiter die Kanonenrohre ausbohrten, Vier-zehn-Inch-Eisenbarren erhitzten und zu den B�ndern h�mmerten, die das Markenzeichen von Parrott-Kanonen waren.</p><p>Parrott schien es zu begr��en, da� jemand im Waffenamt t�tig war, der etwas von seinen Problemen als Hersteller und Manager verstand. George mochte den �lteren Mann, aber die wirkliche Entdeckung, sowohl pers�nlich als auch beruflich, war Captain Stephen V. Benet, an den sich George als Angeh�rigen der Klasse von 1849 erinnerte.</p><p>Benet, in Florida geboren und so dunkel, da� man ihn f�r einen Spanier h�tte halten k�nnen, teilte seine Zeit zwischen der Gie�erei und West Point, wo er Waffentheorie und Gesch�tzwesen lehrte. Gemeinsam �berquerten die beiden M�nner eines Nachmittags den Flu�, um auf alten Spuren zu wandeln. Sie redeten �ber alles, von ihren alten Klassen angefangen bis zu den immer heftiger werdenden Angriffen auf die Institution.</p><p>Beim Abendessen im Post-Hotel sagte Benet: �Ich bewundere den Patriotismus, der Sie zur Annahme Ihres Postens bewegt hat. In Ripleys Department t�tig zu sein � das verlangt nach Beileidsbezeugungen.�</p><p>�Die ganze Abteilung ist ein furchtbares Chaos�, best�tigte George. �Verr�ckte Erfinder in jeder Spalte, Papierst��e, ein Jahr alt, keine Standardisierung. Ich versuche, eine Liste der verschiedenen Typen von Artilleriemunition aufzustellen, die wir verwenden. Es ist ein echter Kampf.�</p><p>Benet lachte. �Das kann ich mir vorstellen. M��ten mindestens f�nfhundert sein.�</p><p>�Vielleicht schlagen wir uns selbst und ersparen den Rebs die Arbeit.�</p><p>�F�r Ripley zu arbeiten mu� jeden entmutigen. Er sucht nur nach Gr�nden, um neue Ideen abzulehnen. Er sucht nach Schwachstellen. Ich w�rde nach Positivem suchen, nach Gr�nden, um ja sagen zu k�nnen.� Benet warf seinem Besucher einen forschenden Blick zu und beschlo�, ihm zu vertrauen. �Vielleicht schickt der Pr�sident deswegen Prototypen direkt zur Beurteilung hierher. Wu�ten Sie davon � da� Ripley umgangen wird?�</p><p>�Nein, aber es �berrascht mich nicht. Andererseits mu� ich Ihnen gestehen, da� Lincoln im Kriegsministerium gerade wegen seiner st�ndigen Einmischungen sehr unpopul�r ist.�</p><p>�Verst�ndlich, aber�, wieder dieser Blick, �wie sollen wir ohne das die Ripleys ausschalten?�</p><p>Mit dieser pessimistischen Frage im Gep�ck kehrte George in die Stadt zur�ck.</p><p>Der hei�e Juli tr�pfelte dahin, und George sa� bis sp�t abends an seinem Schreibtisch. Stanley sah er selten, Lincoln dagegen recht h�ufig. Der storch�hnliche, leicht komisch wirkende Pr�sident eilte st�ndig von einem Regierungsb�ro zum anderen, mit B�ndeln von Pl�nen und Papieren und Memoranden und einigen gelegentlich recht obsz�nen Scherzen.</p><p>Obwohl der Leerlauf im Department �berwog, konnte man Ripley nicht nur Schlechtes nachsagen. George entdeckte, da� der alte Mann den Kauf von hunderttausend europ�ischen Gewehren gefordert hatte, um die antiquierten Vorr�te in den Lagerh�usern der Union zu erg�nzen. Cameron hatte darauf bestanden, da� die Armee nur in Amerika hergestellte Waffen ben�tzte, was George auf die zynische Vermutung brachte, da� einige Freunde des Ministers Waffenkontrakte besitzen mu�ten. Nach dem Manassas-Debakel sammelten sich noch mehr dunkle Wolken �ber Camerons Haupt, und sein Einkauf wurde nun als Fehlentscheidung angeprangert. Der Krieg w�rde nicht mit dem Sommer enden, und es waren nicht gen�gend Gewehre vorhanden, um die Rekruten zu bewaffnen und zu instruieren, die sich bereits in den Ausbildungslagern von der Ostk�ste bis zum Mississippi gemeldet hatten.</p><p>George wurde von der Arbeit am Entwurf f�r einen M�rser-Kontrakt abgezogen und damit beauftragt, ein neues Ripley-Angebot �ber den Ankauf von hunderttausend ausl�ndischen Waffen zu erstellen. Das Angebot ging ans Kriegsministerium, mit einem halben Dutzend Unterschriften versehen, wobei Georges Unterschrift gleich nach der von Ripley kam. Nach drei Tagen des Schweigens ging er pers�nlich hin�ber, um sich nach dem Schicksal des Angebots zu erkundigen.</p><p>�Ich hab� es auf irgendeinem Schreibtisch entdeckt�, berichtete er bei seiner R�ckkehr. �Mit der Bemerkung: abgelehnt.�</p><p>Ohne mit seinem ewigen Papiergew�hle aufzuh�ren, schnappte Maynadier: �Aus welchen Gr�nden?�</p><p>�Der Minister w�nscht das Angebot auf die H�lfte reduziert.�</p><p>Ripley horchte auf. �Was? Nur f�nfzigtausend St�ck?� Er brach in eine Schimpfkanonade aus, vor der seine sonstigen Wutanf�lle verbla�ten.</p><p>George berichtete an diesem Abend Constance: �Cameron genehmigte die Ablehnung, aber Stanley hat unterzeichnet. Ich bin sicher, er tat es mit dem gr��ten Vergn�gen.�</p><p>Ripley setzte George und einige andere davon in Kenntnis, da� sie alle im August bef�rdert werden w�rden; Ripley selbst zum Brigadier. George w�rde dann drei Schleifen aus schwarzer Seide an seinem Waffenrock tragen und den Goldstern eines Majors. Aber die S�nden des Departments, die sich t�glich wie die Bl�tenbl�tter einer Rose entfalteten, entmutigten ihn zu sehr, als da� er sich dar�ber h�tte freuen k�nnen.</p><p>Seine Pflichten f�hrten George h�ufig zum Washingtoner Arsenal in Greenleaf�s Point, einer sumpfigen Ebene am Zusammenflu� von Potomac und Anacostia, im S�den der Stadt. Dort standen zwischen den alten Geb�uden, sauber aufgereiht unter den B�umen, Gesch�tze aller Art. George entdeckte, w�hrend er auf der Suche nach Munition in den Lagerr�umen des Arsenals herumst�berte, eine merkw�rdige Waffe mit einer seitlichen Kurbel und einem Trichter obendrauf. Er fragte Colonel Ramsay, den Kommandanten des Arsenals, danach.</p><p>�Drei Erfinder haben es Anfang des Jahres gebracht. Der offizielle Name in unseren B�chern lautet .58-Kaliber-Union-Repetiergewehr. Der Pr�sident taufte es Kaffeem�hle. Es feuert sehr schnell � die Munition wird mit diesem Trichter nachgeladen �, und nach den ersten Tests wollte Mr. Lincoln die Waffe nehmen. Man sagte mir, er habe ein Memorandum an Ihren kommandierenden Offizier geschickt�, endete Ramsay mit deutlicher Betonung.</p><p>�Mit welchem Ergebnis?�</p><p>�Ohne Ergebnis.�</p><p>�Keine weiteren Tests?�</p><p>�Meines Wissens nicht.�</p><p>�Warum nicht?� George ahnte die Antwort bereits, die Ramsay prompt in b�ser Imitation des neuen Brigadegenerals lieferte: �Hab� keine Zeit!�</p><p>Zu Constance sagte George sp�ter: �So eine vielversprechende Waffe vermodert, w�hrend wir unsere Zeit mit idiotischen Pl�nen verschwenden.�</p><p>Die n�chsten schlechten Nachrichten f�r Ripleys B�ro lie�en nicht lange auf sich warten. Camerons Entscheidung gegen ausl�ndische Waffen hatte den Agenten der Konf�deration neunzig Tage Zeit gelassen, um die besten Waffen in England und auf dem Kontinent aufzukaufen. Als einige Musterexemplare vom verf�gbaren Rest im Winder-Geb�ude eintrafen, sank die Stimmung augenblicklich auf den Nullpunkt.</p><p>In der dunstigen D�mmerung nahm George ein Muster mit hinunter zum Arsenal. Bei der Waffe handelte es sich um ein�.54-Kalibergewehr mit Z�ndh�tchen der �sterreichischen J�gerbataillone, entwickelt nach dem Lorenzmodell von 1854; die Waffe war h��lich, sperrig und besa� einen brutalen R�ckschlag. Nach drei Sch�ssen f�hlte sich seine Schulter an, als h�tte ihn ein Maultier getreten.</p><p>Er h�rte, wie sich eine Kutsche n�herte. Er befand sich gerade am Ende eines Piers, und so marschierte er zur�ck, um zu sehen, wer da kam. Die Kutsche war nicht genau zu erkennen, bis sie sich der Mole gen�hert hatte. George kannte den Fahrer, William Stoddard, einen von Lincolns Sekret�ren. In dessen B�ro stapelten sich die Muster von Waffen, die von Erfindern in der Hoffnung, Ripley umgehen zu k�nnen, direkt an den Pr�sidenten geschickt wurden.</p><p>Mit einem Gewehr in der Hand stieg der Pr�sident aus der Kutsche, w�hrend Stoddard das Gespann an einem Pflock anband. In der D�mmerung wirkte Lincoln noch blasser als gew�hnlich, aber er schien guter Laune zu sein. Er lie� seinen Zylinder zu Boden fallen und nickte George zu, der salutierte.</p><p>�Guten Abend, Herr Pr�sident.�</p><p>�Abend, Major � bitte um Entschuldigung, aber ich kenne leider Ihren Namen nicht.�</p><p>�Aber ich�, sagte Stoddard. �Major George Hazard. Sein Bruder Stanley arbeitet f�r Cameron.� Lincoln blinzelte und schien sich leicht zu versteifen; anscheinend tat Georges Beziehung zu diesen M�nnern nichts f�r seinen Ruf.</p><p>Nichtsdestoweniger blieb Lincoln freundlich. �Es ist meine Gewohnheit, im Treasury Park zu schie�en, obwohl die Polizei den L�rm ha�t. Heute abend konnte ich nicht, weil dort ein Baseballspiel stattfindet.� Er sp�hte zu der Waffe, mit der George geschossen hatte. �Was haben wir da?�</p><p>�Eines der J�gergewehre, die wir vielleicht von der �sterreichischen Regierung kaufen werden, Sir.�</p><p>�Zufriedenstellend?�</p><p>�Kaum, obwohl ich kein Experte f�r Handfeuerwaffen bin. Allerdings bef�rchte ich, da� wir kaum was Besseres kriegen werden.�</p><p>�Ja, Mr. Cameron hat sich ein bi�chen sp�t dem Tanz zugesellt, nicht wahr? Wir k�nnten diese Waffe als Ersatz nehmen�, Lincolns gro�e, knochige Hand hob das Gewehr, das er mitgebracht hatte, als w�re es federleicht, �aber Ihr Chef hat f�r Hinterlader nichts �brig, ganz abgesehen davon, da� ein ver�ngstigter Rekrut in der Hitze des Gefechts ordentliche Probleme mit einem Vorderlader kriegen kann. Vielleicht stopft er versehentlich die Kugel vor dem Pulver hinein. Oder er vergi�t den Ladestock, und die Kugel fliegt wie ein Speer los.�</p><p>Seine freie Hand beschrieb einen Bogen. George studierte den Hinterlader. Auf der rechten Verschlu�platte konnte er gerade noch den Namen des Herstellers entziffern: C. Sharps.</p><p>�Mir ist auch klar, da� <emphasis>neu</emphasis> ein verp�ntes Wort im Vokabular des Brigadiers darstellt�, fuhr Lincoln l�chelnd fort. �Aber Hinterlader sind ja nicht gerade brandneu, oder? Ich pers�nlich bevorzuge einsch�ssige Hinterlader, und die Armee wird einige davon kriegen.�</p><p>Stoddard fragte George: �Sind in Europa welche bestellt worden?�</p><p>�Ich glaube nicht.�</p><p>�Keine�, unterbrach Lincoln, mehr melancholisch als gereizt klingend. Dann ging die Bombe hoch: �Deshalb habe ich k�rzlich meinen eigenen Eink�ufer mit zwei Millionen Dollar und unbeschr�nkter Vollmacht hin�bergeschickt. Wenn ich nichts Befriedigendes von Cameron &amp; Co. bekommen kann, dann mu� ich es mir anderweitig besorgen, denke ich.�</p><p>Peinliches Schweigen. Stoddard r�usperte sich. �Sir, es wird bald dunkel.�</p><p>�Dunkel. Ja. Die Stunde zum Tr�umen � ich beeile mich wohl besser mit dem Schie�en.�</p><p>�Wenn Sie mich entschuldigen w�rden, Herr Pr�sident � � George bef�rchtete, da� seine Stimme seltsam klang; die schlechte Nachricht hatte seinen Mund ausgetrocknet.</p><p>�Gewi� doch, Major Hazard. Hat mich gefreut, Sie hier unten zu treffen. Ich bewundere M�nner, die so viel wie m�glich zu lernen versuchen. Ich gebe mir auch M�he.�</p><p>Mit dem �sterreichischen Gewehr unterm Arm zog sich George in die hereinbrechende Nacht zur�ck. Er f�hlte sich, als h�tte er einen Schlag auf den Kopf bekommen. Cameron &amp; Co. steckte in gr��eren Schwierigkeiten, als er sich vorgestellt hatte. Und er arbeitete f�r Cameron &amp; Co.</p><p>Es hatte Stanley Freude bereitet, das von seinem Bruder ausgearbeitete Angebot zur�ckzuweisen. Stanley besa� einige wenige klare Erinnerungen an den langen, schrecklichen R�ckmarsch von Manassas � da� er am Stra�enrand geweint hatte, wu�te er nicht, lediglich Isabel erinnerte ihn h�ufig genug daran �, und dazu geh�rte, da� George ihn gesto�en und angetrieben hatte wie irgendeinen Plantagennigger. Nun hatte er noch einen weiteren Grund, um George seine Arbeit so schwer wie m�glich zu machen.</p><p>Stanley sorgte sich wegen seiner Position als Camerons Trabant. Kneipenger�chte besagten, da� Camerons Stern bereits im Sinken war. Doch im Ministerium schien sich nichts ver�ndert zu haben. Der Minister war aus Trauer um seinen Bruder f�r einige Tage seinem Schreibtisch ferngeblieben, aber danach gingen die Gesch�fte und das Durcheinander wie gew�hnlich weiter.</p><p>Wichtige Kongre�abgeordnete hatten sich m�ndlich, brieflich und mittels Presseverlautbarungen nach den Einkaufsmethoden des Kriegsministeriums erkundigt. Da� Lincoln seinen eigenen Mann zu Waffenk�ufen nach Europa gesandt hatte, zeigte kein gro�es Vertrauen zu ihnen, um es gelinde auszudr�cken. Die Ausbildungslager klagten st�ndig �ber Mangel an Kleidung, Handfeuerwaffen und Ausr�stung. Mit zunehmender Offenheit wurde dar�ber gesprochen, da� Cameron eine Mi�wirtschaft f�hrte und da� der Armee nur die H�lfte von dem zur Verf�gung stand, was sie ben�tigte.</p><p>Mit Ausnahme von Stiefeln, konnte Stanley sich selbst begl�ckw�nschen. Pennyford produzierte in gro�en Mengen und termingem��. Lashbrooks Profite, aufs Jahresende hochgerechnet, machten Stanley fassungslos und entz�ckten Isabel, die behauptete, mit dieser Goldgrube gerechnet zu haben.</p><p>Bedauerlicherweise konnte Stanleys pers�nlicher Erfolg ihm nicht bei der Krise im Ministerium helfen. Schriftliche und m�ndliche Anfragen waren nun von schneidender Sch�rfe. <emphasis>Skandal�ser Mangel. Unregelm��igkeiten festgestellt.</emphasis> War eine Unkorrektheit tats�chlich nachgewiesen worden, so leugnete Cameron sie nicht. Er nahm sie nicht mal zur Kenntnis. Eines Tages h�rte Stanley zuf�llig, wie sich zwei Angestellte �ber diese Technik unterhielten.</p><p>�Heute morgen ist wieder ein sehr scharfer Brief gekommen. Diesmal vom Finanzministerium. Man mu� die Art bewundern, wie der Bo� damit umgeht. Steht schweigend wie ein Steinwall da � so wie der verr�ckte Jackson bei Bull Run.�</p><p>�Ich dachte, die Schlacht w�re bei Manassas geschlagen worden�, sagte der zweite Angestellte.</p><p>�Wenn�s nach den Rebs geht, schon. Wenn�s nach uns geht, bei Bull Run.�</p><p>Der andere st�hnte. �Wenn die anfangen, die Schlachten nach den Orten zu benennen und wir nach den Fl�ssen, wie zum Teufel sollen die Schuljungs in f�nfzig Jahren damit klarkommen?�</p><p>�Wen k�mmert das? Mir macht das Heute Sorgen. Selbst der Bo� kann seinen Steinwall nicht ewig aufrechterhalten. Mein Rat ist, spar dein Gehalt und � � Er bemerkte Stanley, der sich mit einem Band von Kontrakten besch�ftigte. Er stie� seinen Kollegen an, und sie gingen gemeinsam weg.</p><p>Stanley kehrte an seinen Schreibtisch zur�ck, konnte sich aber nicht auf seine Arbeit konzentrieren. Er mu�te eine gewisse Distanz zwischen sich und seinen alten Mentor legen. Wie? Ihm fiel nichts ein. Er mu�te das Problem mit Isabel besprechen. Sie w�rde wissen, was er zu tun hatte.</p><p>Doch an diesem Abend war sie nicht in der Laune daf�r. Er fand sie beim Zeitungslesen, kochend vor Wut.</p><p>�Was �rgert dich so, mein Liebes?�</p><p>�Unsere s��e, durchtriebene Schw�gerin. Sie schmeichelt sich genau bei den Leuten ein, mit denen wir Umgang pflegen sollten.�</p><p>�Stevens und dieses Volk?�</p><p>Isabel nickte heftig.</p><p>�Was hat Constance getan?�</p><p>�Sie hat wieder mit ihrem Abolitionistenwerk begonnen. Sie und Kate Chase fungieren als Gastgeberinnen bei einem Empfang f�r Martin Delany.� Der Name sagte ihm nichts, was seine Frau nur noch w�tender machte. �Oh, sei doch nicht so schwerf�llig, Stanley. Delany ist der Niggerdoktor, der diesen Roman schrieb, der vor ein paar Jahren jedermann so in Begeisterung versetzte. <emphasis>Blake;</emphasis> so hie� der Roman. Er rennt in afrikanischer Kleidung herum und h�lt Vorlesungen.�</p><p>Jetzt erinnerte sich Stanley. Vor dem Krieg hatte Delany die Idee eines neuen afrikanischen Staates vertreten, in den seiner Meinung nach die amerikanischen Neger emigrieren sollten. Delanys Plan rief die Schwarzen dazu auf, in Afrika Baumwolle anzupflanzen und dann im freien Marktwettbewerb den S�den in den Bankrott zu treiben.</p><p>Stanley griff nach der Zeitung, fand die Ank�ndigung des Empfangs und las die G�steliste. Seine feuchten, dunklen Augen reflektierten das helle Gaslicht, als er vorsichtige sagte: �Ich wei�, da� du die Farbigen und ihre F�rderer nicht ausstehen kannst. Aber du hast recht, wir sollten vielleicht den wichtigen Pro-Abolitionisten, die diese Party besuchen, mehr Aufmerksamkeit schenken. Mit Simon geht es bergab. Wenn wir nicht aufpassen, dann rei�t er uns mit hinunter.� Eine ungewohnte Kraft lag in seiner Stimme, als er fortfuhr: �Wir m�ssen etwas tun, und wir m�ssen es bald tun.�</p><p><strong>35</strong></p><p>Die dunstige Hitze des Augusts senkte sich �ber die Alexandriafront. N�rdlich von Centreville lagernd, wartete die Legion auf Ersatz und auf die Enfields, die der Colonel aus eigener Tasche bezahlt hatte. Die Gewehre sollten von einem Blockadebrecher von England gebracht werden.</p><p>Die Legion wurde aufgrund der Verluste bei Manassas umorganisiert. Calbraith Butler, zum Major bef�rdert, �bernahm das Kommando �ber die vier Kavalleriez�ge. Charles reagierte auf den Wechsel mit anf�nglichem Groll, den er vern�nftigerweise f�r sich behielt. Wenn er dar�ber nachdachte, kam die Wahl nicht �berraschend. Butler war ein Gentleman-Freiwilliger, ohne den Anstrich des Berufssoldaten, der Charles charakterisierte. Und mit der Tochter des Gouverneurs verheiratet zu sein, war auch nicht gerade ein Nachteil.</p><p>Au�erdem wu�te Charles, da� er sich mit seinem hartn�ckigen Beharren auf Disziplin nicht beliebt gemacht hatte. Er besa� ein weniger hitziges Temperament als viele andere Akademie-Absolventen � ein Yankee-Hei�sporn namens Phil Sheridan kam ihm in den Sinn �, aber er br�llte immer noch im allgemein �blichen Stil von West Point.</p><p>Zum Teufel damit. Er hatte sich gemeldet, um den Krieg zu gewinnen, nicht um bef�rdert zu werden. Butler war ein ausgezeichneter Reiter und ein instinktiv guter Offizier; er f�hrte seine M�nner, indem er ihnen mit gutem Beispiel voranging. Charles gratulierte seinem neuen Vorgesetzten mit ehrlich gemeinter Aufrichtigkeit.</p><p>�Anst�ndig von dir, Charles�, sagte der neue Major. �Von der Erfahrung her h�ttest du es mehr verdient als ich.� Er l�chelte. �Ich sage dir was. Mit all diesen neuen Verantwortungen und noch dazu fest verheiratet, wie ich nun mal bin, wirst wohl du nach Richmond m�ssen, um mich dort auf dem Ball zu vertreten. Nimm Pell mit, wenn du magst.�</p><p>Charles ben�tigte keine weitere Einladung. Er m�belte seine Uniform auf und erledigte schnell seine Aufgaben. Er wurde gerade rechtzeitig zum Abendappell fertig. Bei der Zeremonie nahm der Colonel offiziell die neueste Kriegsflagge des Regiments entgegen, von den Damen zu Hause gen�ht. Ein Palmenkranz und die Worte <emphasis>Hampton�s Legion</emphasis> zierten die scharlachrote Seide.</p><p>Anschlie�end traf Charles die letzten Vorbereitungen f�r Richmond. Er wurde von einem Kavalleristen namens Nelson Gervais gest�rt, der einen langen Brief von seinem M�dchen zu Hause in Rock Hill bekommen hatte. Der neunzehnj�hrige Farmer trat von einem Bein auf das andere und raschelte mit dem Briefpapier, w�hrend er eine Erkl�rung abgab.</p><p>�Ich habe drei Jahre um Miss Sally Mills geworben, Captain. Ohne Erfolg. Und jetzt ganz pl�tzlich�, das Papier raschelte, �sagt sie, wo ich nun zur Armee bin und nicht mehr zu Hause, da sei ihr klar geworden, was sie f�r mich f�hlt. Sie sagt hier, da� sie einen Heiratsantrag annehmen w�rde.�</p><p>�Gratuliere, Gervais.� Vor lauter eigener Ungeduld bekam Charles den flehenden Blick des Kavalleristen nicht mit. �Ich glaube nicht, da� Sie in n�chster Zeit Urlaub bekommen, aber das sollte Sie nicht daran hindern, das M�dchen um ihre Hand zu bitten.�</p><p>�Jawohl, Sir, das hab� ich auch vor.�</p><p>�Sie brauchen dazu nicht meine Einwilligung.�</p><p>�Ich brauche Ihre Hilfe, Sir. Miss Sally Mills schreibt richtig sch�n, aber�, sein Gesicht f�rbte sich so rot wie die neue Fahne, �ich kann�s nicht.�</p><p>��berhaupt nicht?�</p><p>�Nein, Sir.� Lange Pause. �Lesen kann ich auch nicht.� Rascheln. �Einer meiner Kameraden hat mir das vorgelesen. Wo Sally geschrieben hat, sie liebt mich und all das � �</p><p>Charles begriff; er klopfte leicht auf den Schreibtisch. �Lassen Sie das hier, und wenn ich von Richmond zur�ck bin, werd� ich einen Brief mit einem Antrag verfassen, und den gehen wir dann gemeinsam durch, bis Sie damit einverstanden sind.�</p><p>�Danke, Sir! Ich danke Ihnen. Ich kann Ihnen kaum genug danken.�</p><p>Die Nachtfahrt in den Waggons der Orange &amp; Alexandria wurde durch unvorhergesehene Verz�gerungen recht beschwerlich. Charles d�ste auf dem harten Sitz vor sich hin und gab sich M�he, Ambroses Gespr�chsversuche zu ignorieren. Sein Freund war dar�ber ver�rgert, da� sie von Hampton und anderen Senior-Offizieren im Waggon vor ihnen getrennt waren.</p><p>Charles f�hlte sich ersch�pft und dreckig, als sie sp�t am n�chsten Morgen in Richmond ankamen. Bei einer Mississippi-Einheit war f�r sie Unterkunft vorbereitet worden, so da� er schnell in eine Zinkwanne springen konnte; dann warf er sich auf einen Strohsack und versuchte, eine Stunde zu schlafen. Die Aufregung machte das unm�glich.</p><p>Der Spotswood Ballsaal gl�nzte und glitzerte vor Tressen und Juwelen und Lichtern, die Unmengen von Konf�deriertenflaggen beleuchteten. Hunderte dr�ngten sich in den Saal und die angrenzenden Salons und Flure. Charles war gerade eingetreten, da entdeckte er auf der anderen Seite der Tanzfl�che seine Cousine Ashton. Sie und ihr blasser Wurm von einem Ehemann lauerten in der N�he von Pr�sident Davis. Charles w�rde sich M�he geben, nicht in ihre N�he zu geraten.</p><p>Junge Frauen in langen Abendkleidern, die meisten von ihnen sch�n und lebhaft, lachten und tanzten mit den Offizieren, die sie an Zahl um das Dreifache �bertrafen. Charles war nicht begierig auf irgendeine beliebige Gesellschaft; er suchte die richtige Person, konnte sie aber nirgendwo entdecken. Seine Hoffnungen waren albern gewesen. Fredericksburg war viele Meilen entfernt.</p><p>Doch es gab unerwartete Ablenkungen. Ein st�mmiger Erster Lieutenant l�ste sich aus einer Gruppe um Joe Johnston und umarmte Charles heftig.</p><p>�Bison! Dacht� mir�s doch, da� du auch hier bist.�</p><p>�Fitz, du schaust gro�artig aus. Ich h�rte, du bist in General Johnstons Stab.�</p><p>Fitzhugh Lee, Neffe von Robert E. war ihm in West Point und Texas ein guter Freund gewesen. �Nicht so gro�artig wie du, Captain.� Er betonte das letzte Wort mit �bertriebener Ehrerbietung. Charles lachte.</p><p>�H�r blo� auf damit. Ich wei�, wer hier den h�heren Rang hat. Du geh�rst zur regul�ren Armee. Wir sind blo� Staatstruppen.�</p><p>�Nicht mehr lang, da bin ich sicher. Oh-oh � da ist noch eine Visage, die du erkennen solltest. Und genau dort, wo man mit ihr rechnet � inmitten eines Schwarms bewundernder Damen.�</p><p>Charles schaute hin, und sein Herz schlug h�her beim Anblick eines alten Freundes, der eigentlich der Rivale seines Colonels war. Jeb Stuarts rostbrauner Bart war voll und gl�nzend. Eine gelbe Rose schm�ckte sein Knopfloch. Seine blauen Augen blitzten, w�hrend er mit den Damen, die sich um ihn dr�ngten, flirtete.</p><p>Der Kommandant der First Virginia Kavallerie war Student im ersten Semester gewesen, als Charles zur Akademie kam. Stuart hatte dem unerfahrenen Neuling einen Haarschnitt verpa�t � genauer gesagt einen halben Haarschnitt �, den Charles nie vergessen w�rde. Gemeinsam bahnten er und Fitz sich einen Weg zu Stuart. Er ersp�hte sie und entschuldigte sich bei den entt�uschten Damen, gerade als Charles einen Major der First Virginia entdeckte, der eine vollbusige Blondine in bla�blauer Seide zum Tanz aufforderte. Es war Augusta.</p><p>Abseits der Menge wurden Stuarts Stiefel sichtbar; da waren die Goldsporen, �ber die jedermann redete. �Bison Main! Jetzt ist die Party perfekt!�</p><p>Charles Begr��ung war zur�ckhaltend und korrekt. �Colonel!�</p><p>�Komm, komm � du wirst doch deinen alten Barbier nicht so begr��en.�</p><p>�Also gut, Beauty. Gro�artig, dich zu treffen. Du und General Beauregard, ihr seid die Helden der Stunde.�</p><p>�Wie ich geh�rt hab�, denken diese Yankees, wir reiten alle schwarze Hengste, aus deren N�stern Feuer und Schwefel faucht. Gut! Wir schlagen sie um so eher, je mehr sie die Hosen voll haben. Komm mit und trink einen Whiskey.�</p><p>Die drei gingen zur Erfrischungsbar, wo Schwarze ehrerbietig den Bestellungen nachkamen.</p><p>Charles� Blick kehrte immer wieder zu Augusta zur�ck. Sie tanzte immer noch mit dem gleichen Major, der in Charles� eifers�chtiger Phantasie zum Musterbeispiel eines pomp�sen Langeweilers geworden war.</p><p>Er schreckte zusammen, als Fitz sagte: �H�bscher kleiner Leckerbissen.�</p><p>�Kennst du sie?�</p><p>�Nat�rlich. Sie ist eine reiche Frau � jedenfalls ziemlich reich, dank ihres verstorbenen Mannes. Die Verwandten ihrer Mutter, die Duncans, z�hlen zu den �ltesten und besten Familien am Rappahannock.�</p><p>�Bis auf ihren verr�terischen Onkel�, sagte Stuart. �Der hat sich an die Afrikanergruppe verkauft, genau wie mein Schwiegervater.�</p><p>�Aber du hast deinen Sohn nach Old Cooke benannt�, sagte Fitz.</p><p>�Ich hab� darauf bestanden, da� Flora den Namen des Jungen �ndert. Er hei�t nicht mehr Philip; er hei�t James � jetzt und f�r immer.� Eisst�cke lagen in Stuarts L�cheln, und seine Augen leuchteten fanatisch. Es beunruhigte Charles.</p><p>Andere Bewunderer warteten auf Stuart. Sie trennten sich in bestem Einvernehmen, und doch blieb bei Charles das Gef�hl zur�ck, da� Rivalit�ten in Rang und Status sie nun trennten. Er verfiel in leichte Melancholie, die sich steigerte, als das Orchester ein neues St�ck spielte und der Major erneut Augusta zum Tanz aufforderte.</p><p>�Wenn du hinter ihr her bist, dann nichts wie los�, fl�sterte Fitz.</p><p>�Er ist rangh�her als ich.�</p><p>�Kein S�dstaatler mit einem Schu� Selbstachtung w�rde das f�r einen Hinderungsgrund halten. Au�erdem�, die Stimme von Fitz wurde noch leiser, �kenne ich den Mann. Er ist ein Narr.�</p><p>Er klopfte Charles auf die Schulter. �Los, Bison, oder die Nacht ist vorbei, und du hast nichts davon gehabt.�</p><p>Z�gernd man�vrierte sich Charles an den Rand der Tanzfl�che, wo die Paare herumwirbelten. Er merkte, da� Augusta ihn beobachtete, freudig und erleichtert, falls er sich das nicht einbildete. Schnell plante er seine Strategie und st�rzte dann auf sie zu, als die Musik endete.</p><p>�Cousine Augusta! Major, entschuldigen Sie die St�rung, ich hatte ja keine Ahnung, da� ich meine Verwandte heute abend hier sehen w�rde.�</p><p>�Ihre Verwandte?� wiederholte der First Virginia Offizier mit einer Stimme, die aus der Tiefe eines Fasses zu kommen schien. �Sie erw�hnten nichts von Verwandten in South Carolina, Mrs. Barclay.�</p><p>�Hab� ich nicht? Die Duncans haben einen ganzen Schwarm davon. Und ich habe den lieben Charles sei zwei � nein, seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Major Beesley � Captain Main. Wenn Sie uns entschuldigen w�rden, Major?� Sie l�chelte, nahm Charles� Arm und zog ihn von dem finster blickenden Virginier fort.</p><p>�Beastly, sagten Sie?� fl�sterte er. Vom Whiskey brannte er innerlich und reagierte auf den Druck ihrer Brust gegen seinen Arm.</p><p>�So m��te er hei�en. Federn im Gehirn und Blei in den F��en. Ich dachte schon, mein Schicksal sei f�r den restlichen Abend besiegelt.�</p><p>�Federn und Blei � das stammt nicht von Mr. Pope, nicht wahr?�</p><p>�Nein, aber Sie haben jedenfalls ein gutes Ged�chtnis.�</p><p>�Gut genug, um mich daran zu erinnern, da� ich Sie auf keinen Fall Gus nennen darf.�</p><p>Mit ihrem F�cher versetzte sie ihm einen leichten Schlag auf die Hand. �Seien Sie vorsichtig, oder ich gehe zur�ck zu Beastly.�</p><p>�Das w�rde ich niemals zulassen.� Er warf einen Blick �ber die Schulter. �Er belauert uns. Holen wir uns was zu essen.�</p><p>Charles reichte Augusta einen Becher mit Punsch und begann dann zwei kleine Teller zu beladen. Er trug sie hinaus auf einen Balkon, von wo aus man die belebte Stra�e �berblicken konnte. Augusta seufzte. �Eigentlich geh�re ich gar nicht auf diese Party. Die Reise ist zu weit, und die Gesellschaft ist gr��tenteils unertr�glich.� Sie nahm eine kleine Scheibe Toast vom Teller; der Kaviar gl�nzte. �Gr��tenteils�, wiederholte sie und blickte zu ihm auf.</p><p>�Warum sind Sie dann gekommen?�</p><p>�Es hie�, sie ben�tigten mehr Frauen. Ich kam zu dem Schlu߫, sie legte eine Pause ein, �da� es meine patriotische Pflicht sei, der Party beizuwohnen. Einer meiner freigelassenen Neger machte die Reise mit. Nat�rlich h�tte ich auch alleine fahren k�nnen � warum l�cheln Sie?�</p><p>�Weil Sie so verdammt � �h, verflucht � �</p><p>�Schon gut, ich hab das Wort �verdammt� auch schon geh�rt.�</p><p>�So selbstbewu�t sind. Sie haben mehr Schneid als Jeb Stuart.�</p><p>�Und das ziemt sich nicht f�r eine Frau?�</p><p>�Das habe ich nicht gesagt, oder?�</p><p>�Weshalb erw�hnen Sie es dann extra?�</p><p>�Nun, es ist � �berraschend.�</p><p>�Ist das alles � �berraschend? Wie denken Sie wirklich dar�ber, Captain?�</p><p>�Gehen Sie nicht gleich wieder auf mich los. Wenn Sie es unbedingt wissen wollen, es gef�llt mir.�</p><p>Sie err�tete, was ihn verbl�ffte. �Ich wollte nicht auf Sie losgehen. Das ist eine schlechte Angewohnheit von mir. Wie ich Ihnen schon beim erstenmal erz�hlte, war ich nie eine Sch�nheit und benehme mich nicht immer so, wie es sich geh�rt.�</p><p>�Nichtsdestoweniger, es gef�llt mir von ganzem Herzen.�</p><p>�Besten Dank, verehrter Sir.� Die Barriere war wieder da. Hatte er sie mit seiner Aufmerksamkeit beunruhigt? Ihn beunruhigte es mit Sicherheit, wie sehr er sich von dieser h�bschen, aber unkonventionellen Witwe angezogen f�hlte.</p><p>Das Orchester setzte wieder ein. �W�rden Sie mit mir tanzen, Augusta?�</p><p>Sie lag genau richtig in seinen Armen, weich und sanft. Er war so lange ohne Frau gewesen, da� er ganz bewu�t Abstand halten mu�te, sonst h�tte sie gesp�rt, wie es um ihn stand. Sie tanzten zu Walzerkl�ngen, immer weiter und weiter; Augusta lachte und pre�te sich f�r einen Moment gegen ihn.</p><p>Nur zu bereitwillig blieb sie f�r den Rest des Abends seine Tanzpartnerin, dann begleitete er sie zu der Pension, in der sie ein Zimmer bekommen hatte. Charles war froh, mit ihr noch etwas allein sein zu k�nnen. Sein Zug fuhr um drei; bis dahin war es fast noch eine ganze Stunde.</p><p>�Ich mu� Ihnen die Wahrheit sagen, Charles�, erkl�rte sie, als sie vor der dunklen Veranda der Pension ankamen. Sie trat auf die unterste Stufe, ihre Augen nun auf gleicher H�he mit den seinen. �Heute abend haben wir uns �ber alles unterhalten, angefangen von meiner Ernte bis zu General Lees Charakter, nur das eine Thema, �ber das wir sprechen sollten, haben wir ausgelassen.�</p><p>�Und das w�re?�</p><p>�Den wirklichen Grund, weshalb ich so weit gereist bin. Ich bin eine Patriotin, aber so sehr nun auch wieder nicht.� Sie atmete tief durch, als bereite sie sich auf einen Sprung ins kalte Wasser vor. �Ich hoffte, Sie seien hier.�</p><p>�Ich � � <emphasis>Verstrick dich nicht in irgendwas.</emphasis> Er ignorierte die innere Warnung. �Ich hoffte das gleiche von Ihnen.�</p><p>�Ich bin ziemlich offen und direkt, nicht wahr?�</p><p>�Ich bin froh dar�ber. Ich h�tte es nicht als erster sagen k�nnen.�</p><p>�Sie haben nicht gerade einen sch�chternen Eindruck auf mich gemacht, Captain.�</p><p>�Im Umgang mit M�nnern wie Beastly, nein. Aber bei Ihnen � �</p><p>Von einem fernen Kirchturm schlug die Glocke die Viertelstunde. Die Nacht war immer noch warm, und ihm war hei�. Ihre rechte Hand schlo� sich fest um seine Linke.</p><p>�Werden Sie mich auf der Farm besuchen kommen, wenn Sie es erm�glichen k�nnen?�</p><p>�Selbst wenn ich mich vergesse und Sie Gus nenne?�</p><p>Sie schaute ihn an, beugte sich ihm entgegen. Blonde Locken streichelten sanft sein Gesicht. �Selbst dann.� Sie k��te ihn auf die Wange und rannte hinein.</p><p>Pfeifend machte er sich zur Bahnstation auf. Die innere Stimme blieb hartn�ckig. <emphasis>Sei vorsichtig, Kavalleristen reisen mit leichtem Gep�ck.</emphasis> Er wu�te, er sollte auf diese innere Stimme h�ren, aber er f�hlte sich riesengro� und stark, und so tat er es nicht.</p><p><strong>36</strong></p><p>Im Finanzministerium kam James Huntoon aus einer Notsitzung, die der Minister einberufen hatte, um das F�lschungsproblem zu besprechen. Huntoon trat an seinen vom Herbstlicht �berfluteten Schreibtisch und legte eine Zehn-Dollar-Banknote darauf, die echt aussah, es aber nicht war. Er hatte den Auftrag bekommen, sie Pollard, dem Herausgeber vom <emphasis>Examiner,</emphasis> zu zeigen, damit die Zeitung ihre Leser vor allen im Umlauf befindlichen F�lschungen warnen konnte � Banknoten, die besser gedruckt waren als jene von Hoyer und Ludwig, der offiziellen Regierungsdruckerei.</p><p>Pollard w�rde Gefallen an der Story finden, und Huntoon geno� den Gedanken, sie ihm zu berichten; er teilte die Abneigung des Herausgebers gegen den Pr�sidenten, seine Politik und �berhaupt gegen die gesamte Regierung. Im Augenblick hatte es die Zeitung auf Colonel Northrop abgesehen, den Generalkommissar der Armee, der im Begriff stand, aufgrund seiner falschen Nahrungsbeschaffung und -Verteilung schnell zum bestgeha�ten Mann der Konf�deration aufzusteigen. Pollards Anti-Northrop-Leitartikel verga�en nie zu erw�hnen, da� Davis wieder mal mit einem West-Point-Kumpel gemeinsame Sache machte. Der einzige Akademie-Absolvent, den der <emphasis>Examiner</emphasis> unterst�tzte, war Joe Johnston; und zwar deswegen, weil der Pr�sident und der General sich heftig wegen des Ranges in den Haaren lagen, zu dem sich Johnston berechtigt f�hlte.</p><p>In Privatgespr�chen �u�erte sich Herausgeber Pollard sogar noch b�sartiger. Er bezeichnete Davis als �einen Mississippi-Parvenu�. Beschuldigte ihn, von seiner Frau Befehle entgegenzunehmen, �er ist Wachs in ihren H�nden�. Erinnerte Zuh�rer daran, da� Davis gegen die Kongre�entscheidung, die Hauptstadt nach Richmond zu verlegen, sein Veto eingelegt hatte � �Zeigt das nicht �berdeutlich, was er f�r unsere geliebte Stadt �brig hat?� � und da� er �vor Kummer wie bet�ubt gewesen war�, nach Aussage seiner Frau, als er erfahren hatte, da� er zum Pr�sidenten gew�hlt worden war.</p><p>Pollard stellte keinen Einzelfall dar. Ein Zyklon der Feindseligkeit stieg im S�den auf. Stephens, der �ltliche Vizepr�sident, bezeichnete seinen Vorgesetzten ganz offen mit Worten wie <emphasis>Tyrann</emphasis> und <emphasis>Despot.</emphasis> Viele forderten Davis� R�cktritt � doch die Wahl, mit der seine vorl�ufige Pr�sidentschaft best�tigt werden sollte, w�rde erst im November abgehalten werden.</p><p>Huntoons Unzufriedenheit mit der Regierung war ein Grund f�r seinen deprimierten Zustand. Ashton war ein weiterer. Sie brachte ihre gesamte Zeit damit zu, sich auf der sozialen Leiter h�her zu man�vrieren. Zweimal hatte sie ihn zum Besuch von Dinnerparties gezwungen, die dieser verschlagene kleine Jude Benjamin gegeben hatte. Die beiden hatten viel gemeinsam. Immer auf der Hut, versuchten sie es allen recht zu machen und niemandem auf die F��e zu treten � denn wer konnte wissen, aus welcher Richtung der Zyklon n�chste Woche blasen w�rde?</p><p>Ein offener, heftiger Streit hatte Huntoon den Sommer verdorben. Zwei Wochen nach dem Empfang im Spotswood hatte der elegante Gentleman mit Verbindungen nach Valdosta und den Bahamas seine Aufwartung in der Residenz gemacht, in die Huntoon und Ashton vor wenigen Tagen eingezogen waren. Der Gentleman bot Huntoon einen Anteil an seiner Maritim-Gesellschaft zum Kauf an. In Liverpool, so sagte er, habe er ein schnelles Dampfschiff entdeckt, die <emphasis>Water Witch,</emphasis> die zu vern�nftigen Preisen zum Blockadebrecher zwischen Nassau und der Konf�deriertenk�ste umger�stet werden konnte.</p><p>�Und was soll sie bef�rdern?� fragte Huntoon. �Gewehre, Munition, Sachen dieser Art?�</p><p>�Oh nein�, erwiderte Mr. Lamar H.A. Powell. �Luxusg�ter. Damit l��t sich wesentlich mehr Geld verdienen. Die Risiken f�r das Schiff sind betr�chtlich, wie Sie wissen. Deshalb planen wir eher kurzfristig als langfristig. Meine Berechnungen besagen, da� bei sorgf�ltig ausgew�hlter Fracht allein mit zwei erfolgreichen Fahrten ein Profit von f�nfhundert Prozent erzielt werden kann � Minimum. Danach k�nnen die Yankees das Schiff versenken, wann es ihnen pa�t. Macht die <emphasis>Water Witch</emphasis> noch mehr Fahrten, dann steigt der potentielle Gewinn der Anteilhaber ins Astronomische.�</p><p>In dem Augenblick bemerkte Huntoon, da� seine Frau den Besucher intensiv musterte. Huntoon f�rchtete gutaussehende M�nner, weil er selbst keiner war, aber er konnte nicht entscheiden, ob der gewagte Plan des Fremden oder dessen gutes Aussehen Ashton reizte. Wie auch immer, er jedenfalls wollte nichts mit Mr. L.H.A. Powell zu tun haben, mit dessen Vergangenheit er sich ein wenig besch�ftigt hatte, nachdem Powell in einer Nachricht um ein Treffen gebeten hatte.</p><p>Es hie�, Powell sei S�ldner in Europa und sp�ter Freibeuter in S�damerika gewesen. Regierungsberichte zeigten, da� er Befreiung von jeglichem Milit�rdienst beantragt hatte, aufgrund eines Gesetzes, wonach Besitzer von mehr als zwanzig Sklaven freigestellt wurden; in Powells Erkl�rung war die Rede von f�nfundsiebzig Sklaven auf der Familienplantage in der N�he von Valdosta. Huntoon erhielt auf Anfrage von Atlanta die telegraphische Nachricht, da� die �Plantage� aus einem heruntergekommenen Farmh�uschen und einigen Schuppen bestand, bewohnt von drei Leuten namens Powell: ein Mann und eine Frau, beide �ber siebzig, und ein vierzigj�hriger Kolo� mit dem Gehirn eines Kindes. Ein dritter Bruder war in den Westen auf und davon.</p><p>�Ich m�chte mit solch� einem Plan nichts zu tun haben, Mr. Powell.�</p><p>�D�rfte ich den Grund erfahren?�</p><p>�Es gibt mehrere, aber der Hauptgrund d�rfte gen�gen. Es ist unpatriotisch.�</p><p>�Ich verstehe. Sie sind lieber ein armer als ein reicher Patriot, nicht wahr?�</p><p>�Parf�m und Seide und Sherry f�r Minister Benjamin zu importieren deckt sich nicht mit meiner Vorstellung von Patriotismus.�</p><p>�Aber James, Liebling�, fing seine Frau an.</p><p>Geleitet von einer nicht genau definierten, aber deutlich empfundenen Bedrohung, die der elegante Gentleman f�r ihn darstellte, unterbrach er sie. �Die Antwort lautet nein, Ashton.�</p><p>Nachdem Powell gegangen war, br�llten sie sich bis sp�t in die Nacht hinein an.</p><p>Huntoon: �Nat�rlich meinte ich, was ich sagte. Mit einem derartigen prinzipienlosen Opportunismus will ich nichts zu tun haben. Wie ich dem Kerl schon sagte, habe ich gen�gend Gr�nde daf�r.�</p><p>Mit geballten F�usten pre�te Ashton hervor: �Dann sag sie.�</p><p>�Nun � da ist einmal das pers�nliche Risiko. Stell dir die Folgen einer Entlarvung vor.�</p><p>�Du bist ein Feigling.�</p><p>Er wurde rot. �Gott, wie ich dich manchmal hasse.� Aber er hatte sich abgewandt, bevor er es sagte.</p><p>Sp�ter dann, wieder Ashton, wilder als zuvor: �Es ist mein Geld, von dem wir leben, vergi� das nicht. Du verdienst ja kaum soviel wie baumwollpfl�ckende Nigger. Ich kontrolliere unsere Mittel � �</p><p>�Mit meiner Erlaubnis.�</p><p>�Das glaubst du! Ich kann das Geld ausgeben, wie ich will!�</p><p>�M�chtest du das vor Gericht feststellen lassen? Das Gesetz besagt, da� diese Mittel in dem Moment, in dem wir heirateten, in meinen Besitz �bergingen.�</p><p>�Immer der selbstgef�llige kleine Anwalt, was?� Sie ri� Decken von ihrem Bett, �ffnete die T�r, und warf das B�ndel in den Flur. �Schlaf auf dem Sofa, du Bastard � wenn du daf�r nicht zu fett bist.�</p><p>Sie stie� ihn hinaus. Bes�nftigend hob er die Hand; hinter den Brillengl�sern tr�nten seine Augen. �Ashton!� Die zuknallende T�r schlug gegen seine Handfl�che. Er lehnte sich gegen die Wand und schlo� die Augen.</p><p>Am n�chsten Tag hatten sie wieder Frieden geschlossen � das taten sie stets �, obwohl sie ihm zwei Wochen lang jeden k�rperlichen Kontakt verweigerte. Danach besserte sich ihre Laune betr�chtlich. Sie war so fr�hlich, als w�rden Powell und sein Plan gar nicht existieren.</p><p>Doch die Erinnerung an diesen Streit wollte nicht von ihm weichen; eine weitere dunkle Wolke am Horizont. Mit der gef�lschten Banknote sa� Huntoon an seinem Schreibtisch, die Augen leer, mit ungl�cklichem Gesichtsausdruck. Ein Angestellter mu�te ihn recht deutlich auffordern, endlich zur Zeitung zu gehen.</p><p>An den meisten Wochentagen kam James erst nach halb acht nach Hause, der �blichen Stunde f�r ein leichtes Abendessen. Auch an diesem Herbstnachmittag rechnete Ashton mit ihm erst am fr�hen Abend. Eine ganze Stunde brachte sie damit zu, sich attraktiv herzurichten; um zwei Uhr war sie bereit, aufzubrechen, und Homer fuhr die Kutsche vor.</p><p>Der Tag war mild, aber Ashton war hei�. Sie ging ein enormes Risiko ein. W�rde sie die Sache allein durchstehen? Allein eine Woche hatte es sie gekostet, die Adresse des Mannes aufzusp�ren, eine weitere, um eine entsprechende Nachricht zu formulieren, mit der sie ihm Tag und Zeitpunkt ihres Besuches mitteilte, �um eine kommerzielle Angelegenheit von beidseitigem Interesse� zu besprechen. Sie konnte sich das am�sierte Aufleuchten seiner Augen vorstellen, wenn er das las.</p><p>Wenn er das las. Sie hatte keine Antwort erhalten. Falls er nun nicht in der Stadt war?</p><p>In das Pfeifen eines Zuges an der Broad Street Station hinein rief Homer: �Hier ist die Ecke, wo Sie hinwollten, Miz Huntoon. Soll ich Sie in einer Stunde abholen?�</p><p>�Nein. Ich wei� nicht, wie lange ich mit Eink�ufen zu tun habe. Wenn ich fertig bin, nehme ich eine Mietkutsche, oder ich schaue bei Mr. Huntoon vorbei und komme mit ihm heim.�</p><p>�Sehr wohl, Ma�am.� Schnell betrat Ashton den n�chsten Laden und kam wenige Minuten sp�ter mit zwei �berfl�ssigen Garnrollen heraus. Sie vergewisserte sich, da� Homer verschwunden war, dann winkte sie die erstbeste Kutsche heran.</p><p>Schwitzend, mit klopfendem Herzen, stieg sie vor einem der h�bschen H�user mit hoher Veranda auf Church Hill aus. Es lag an der Franklin Street. Aus Furcht, sie k�nnte jemanden sehen, der sie beobachtete, stieg sie, ohne nach rechts und links zu blicken, die Stufen hoch und l�utete. W�rden Diener da sein?</p><p>Lamar Powell �ffnete pers�nlich. Vor lauter Erregung w�re sie beinahe in Ohnmacht gefallen.</p><p>Er trat zur�ck in den Schatten. �Bitte, kommen Sie herein, Mrs. Huntoon.�</p><p>Im Foyer war es k�hl. Durch die offenstehenden T�ren zu jeder Seite wurden andere Zimmer sichtbar, Zimmer mit verschwenderischen Holzarbeiten, �ppiger M�blierung und passenden L�stern. Vor kurzem hatte James erneut Powells Namen erw�hnt und gesagt, er habe Nachforschungen �ber ihn angestellt. �Scheint so, als ob der Kerl von Unversch�mtheit, Eigenreklame und Kredit lebt.� Falls die h�mische Bemerkung auch nur teilweise stimmte, dann mu�te Powells Kredit gewaltig sein.</p><p>Er l�chelte ihr zu. �Ich gestehe, da� mich Ihre Nachricht �berrascht hat. Ich war mir nicht sicher, ob Sie die Verabredung einhalten w�rden. Allein auf die M�glichkeit hin hab� ich meinen Hausdiener zum Fischen geschickt und bin zu Hause geblieben. Wir sind ganz allein.� Er machte eine Geste mit seinen schlanken, merkw�rdig sinnlichen H�nden. �Sie brauchen also nicht zu bef�rchten, kompromittiert zu werden.�</p><p>Ashton f�hlte sich so verlegen wie ein Kind. Er war gro� � so gro� � und machte in seinen dunklen Hosen und dem weiten Baumwollhemd einen vollkommen entspannten Eindruck. Er war barfu�. �Es ist ein wunderbares Haus�, rief sie. �Wieviele Zimmer bewohnen Sie?�</p><p>Am�siert von ihrer Nervosit�t sagte er: �Alle, Mrs. Huntoon.� Sanft griff er nach ihrem Arm. �Als wir im Spotswood einander vorgestellt wurden, wu�te ich, da� Sie irgendwann zu mir kommen w�rden. Sie sehen wunderbar aus in diesem Kleid. Ich vermute, ohne das Kleid w�rden Sie noch wunderbarer aussehen.�</p><p>Ohne zu z�gern nahm er ihre Hand und f�hrte sie zur Treppe.</p><p>Schweigend stiegen sie die Stufen hoch. In einem Zimmer, in dem eine Jalousie Lichtstreifen auf das Bett warf � sie bemerkte, da� die Bettdecke bereits zur�ckgeschlagen war �, zogen sie sich aus; er ruhig, sie mit hektischen, nerv�sen Bewegungen. Nie zuvor hatte ein Mann sie in solch einen Zustand versetzt.</p><p>Das Schweigen dehnte sich. Er half ihr mit den Miederkn�pfen, k��te sie sehr sanft auf die linke Wange. Dann k��te er ihren Mund, fuhr langsam mit seiner Zunge �ber ihre Unterlippe. Sie hatte das Gef�hl, in einem Freudenfeuer zu versinken.</p><p>Er schob die Spitzenb�nder von ihren Schultern, entbl��te sie bis zur Taille. Vorsichtig, zart hob er erst die eine Brust heraus, dann die andere, pre�te sanft seinen Daumen gegen ihre Brustwarzen. Er beugte sich vor, immer noch auf seine merkw�rdig entr�ckte Weise l�chelnd. Sie warf den Kopf zur�ck, mit geschlossenen Augen, feuchten Schenkeln, erwartete, seine Zunge zu sp�ren.</p><p>Mit der Handfl�che schlug er gegen ihren Kopf und warf sie aufs Bett. Sie war zu entsetzt, um zu schreien. L�chelnd stand er �ber ihr.</p><p>�Warum �?�</p><p>�Damit es keinen Zweifel gibt, wer in dieser Liaison das Kommando f�hrt, Mrs. Huntoon. Ich wu�te nach dem ersten Blick, da� Sie eine starke Frau sind. Reservieren Sie diese Eigenschaft f�r andere.�</p><p>Dann b�ckte er sich und begann sie vollst�ndig zu entkleiden.</p><p>Ihr Entsetzen verwandelte sich in eine so intensive Erregung, da�es an Wahnsinn grenzte. Sie war so feucht wie ein Flu�, als er seine Baumwollunterhosen herunterzog. Er war seltsam geformt, kleiner, als sie es aufgrund seiner Statur erwartet hatte. Er spreizte ihre Beine und bohrte sich in sie, ohne die Augen zu schlie�en.</p><p>Sie konnte nicht glauben, was mit ihr geschah. Sie h�mmerte auf die zerw�hlten feuchten Laken, bis zum Wahnsinn erregt von seinem Schlag. Sie begann zu schreien, als er sein Tempo steigerte; bei anderen Liebhabern war ihr das nie passiert. Tr�nen str�mten �ber ihre Wangen, und als er ihr den letzten rammenden Sto� versetzte, schluchzte sie auf, st�hnte und fiel in Ohnmacht.</p><p>Als sie erwachte, lag er l�chelnd da, auf einen Ellbogen gest�tzt. Sie war verschwitzt, ersch�pft, erschreckt von ihrem Ohnmachtsanfall. �Ich war weg � �</p><p><emphasis>�La petite mor!</emphasis> Der kleine Tod. Du meinst, es ist das erste Mal��?�</p><p>Sie schluckte. �Noch nie.�</p><p>�Nun, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Du hast fast f�nfundzwanzig Minuten geschlafen. Genug Zeit f�r einen Mann, sich zu erholen.� Er machte eine entschiedene Geste. �Los, mach�s mit dem Mund.�</p><p>�Aber ich habe noch nie � bei niemandem � �</p><p>Er packte sie an den Haaren. �Hast du geh�rt, was ich gesagt hab�? Tu es.�</p><p>Sie gehorchte.</p><p>Viel sp�ter fanden sie ein erneut Erf�llung. Wieder schlief sie, und bei ihrem zweiten Erwachen sp�rte sie nichts mehr von dem fr�heren Entsetzen.</p><p>Die Lichtstreifen �nderten sich, wurden dunkler. Der Nachmittag ging zu Ende. Es war ihr egal. Was heute in diesem Zimmer geschehen war, die geheimen Dinge, hatte sie emotional ver�ndert. Sie hatte schon gen�gend Liebhaber gehabt, das bewies ihre Sammlung an Souvenirs, aber Lamar Powell hatte sie gelehrt, da� sie eine Novizin, ein Kind war.</p><p>Allm�hlich jedoch fiel ihr der zweite Grund ihres Besuches wieder ein. �Mr. Powell � �</p><p>Sein Lachen dr�hnte auf. �Man sollte meinen, wir kennen uns gut genug, um uns beim Vornamen zu nennen.�</p><p>�Ja, das stimmt.� Mit rotem Gesicht schob sie eine feuchte, schwarze Haarstr�hne aus der Stirn. In seinem Humor lag eine geh�rige Portion Grausamkeit. �Ich wollte mit dir �bers Gesch�ft sprechen. In unserem Haushalt kontrolliere ich das Geld. Ist in deinem Maritim-Syndikat noch Platz f�r einen weiteren Kapitalanleger?�</p><p>�Schon m�glich.� Augen wie undurchsichtiges Glas verbargen seine Gedanken. �Wieviel kannst du anlegen?�</p><p>�F�nfunddrei�igtausend Dollar.� Bei einer Investition in dieser H�he w�rden nur noch wenige Tausender �brigbleiben, falls der Plan fehlschlug.</p><p>�Diese Summe wird dir einen ordentlichen Anteil an dem Schiff sichern�, sagte er. �Und am Profit. Bedeutet deine Entscheidung, da� dein Mann seine Meinung ge�ndert hat?�</p><p>�James wei� nichts davon, und er wird auch nichts davon erfahren, bis ich es f�r richtig halte. Er wird auch nichts von meinem heutigen Besuch hier erfahren � oder von zuk�nftigen Besuchen.�</p><p>�Falls es zuk�nftige Besuche geben wird.� Sie sollte sich ruhig ein bi�chen kr�mmen.</p><p>�Das wird es, falls du das Geld willst.�</p><p>L�chelnd lehnte er sich zur�ck. �Ich brauche es. Sobald ich es habe, kann es losgehen.�</p><p>�Bei unserem n�chsten Treffen bringe ich einen Wechsel mit.�</p><p>�Abgemacht. Bei Gott, du bist eine Entdeckung. Es gibt verdammt wenige M�nner in der Stadt mit deinen Nerven. Wir passen gut zusammen�, sagte er, rollte sich zu ihr und k��te ihren nackten Bauch. Diesmal war er es, der hinterher einschlief.</p><p>Ashton besa� ein K�stchen, das ihr Mann noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Darin bewahrte sie Erinnerungsst�cke an romantische Aff�ren auf, die einen Monat oder eine Woche oder eine Nacht gedauert hatten. Das aus Japan stammende K�stchen war aus lackiertem Holz, mit kleinen Perlensplittern besetzt. Den Deckel zierte ein Tee schl�rfendes P�rchen. Die Innenseite des Deckels zeigte das gleiche Paar, doch hier hatten sie ihre Kimonos hochgerafft und kopulierten mit breitem L�cheln. Der K�nstler hatte sein Werk so dargestellt, da� die Genitalien beider Partner deutlich zu sehen waren. Der gewaltige Penis des Mannes lie� Ashton den gl�cklichen Gesichtsausdruck der Frau nachf�hlen.</p><p>Die Souvenirs, die sie in diesem K�stchen aufbewahrte, bestanden aus Hosenkn�pfen. Lange vor dem Krieg hatte sie mit ihrer Sammlung begonnen, nach einem Besuch bei Cousin Charles, als dieser noch Kadett in West Point war. Zu der Zeit war es Sitte, da� ein M�dchen dem Kadetten in ihrer Begleitung ein kleines Geschenk machte � f�r gew�hnlich irgendwelche S��igkeiten � als Gegenleistung f�r einen Knopf von seinem Waffenrock. Ashton unterhielt an einem einzigen Abend nicht einen, sondern sieben Kadetten in der muffigen Finsternis des Pulvermagazins. Von jedem verlangte sie ein unkonventionelles Souvenir: einen Knopf von seinem Hosent�rchen.</p><p>Jetzt, w�hrend Powell schlief, kroch sie leise aus dem Bett, suchte seine Hosen, die er auf den Boden geworfen hatte, und zerrte, bis sich ein Knopf l�ste. Dann legte sie sich zufrieden wieder ins Bett. War der Knopf erst sicher in ihrem K�stchen untergebracht, dann w�rde sich ihre Sammlung auf achtundzwanzig Kn�pfe belaufen � einen f�r jeden Mann, der ihre Gunst genossen hatte. Unber�cksichtigt blieben dabei der Junge, der sie als M�dchen entjungfert hatte, und ein Matrose mit viel Erfahrung, mit dem sie Beziehungen unterhalten hatte, bevor der West-Point-Besuch sie zu ihrer Sammlung anregte. Der einzige durch keinen Knopf repr�sentierte Partner war ihr Ehemann.</p><p><strong>37</strong></p><p>Washington war in diesem Herbst auf der Suche nach S�ndenb�cken. Auf McDowell wurde weiterhin eingepr�gelt, aber auch Scott bekam nun einen Teil der Schuld an Bull Run in die Schuhe geschoben. Und fast jeden Abend kehrte Stanley mit neuen Horrorstories �ber Cameron heim. Der Bo� wurde generell von B�rokraten, der Presse und der �ffentlichkeit gegei�elt.</p><p>�Selbst Lincoln hat sich der Claque angeschlossen. Unser Spion hat ein paar Notizen seines Sekret�rs Nicolay entdeckt.� Er zog einen Zettel hervor, auf den er die alarmierenden Zitate gekritzelt hatte: <emphasis>Pr�sident sagt, Cameron sei vollkommen unwissend. Selbsts�chtig. Verha�t im ganzen Land. Unf�hig, irgend etwas zu organisieren oder allgemeine Pl�ne auszuf�hren.</emphasis> Er gab ihr den Zettel. �Gibt noch mehr davon.�</p><p>Sie studierte das Papier, dann sagte sie: �Wir haben zu lange gewartet, Stanley. Du mu�t dich von Cameron trennen, bevor sie ihm den Kopf abschlagen.�</p><p>�Nur zu gern. Ich wei� blo� nicht, wie.�</p><p>�Ich habe lange dar�ber nachgedacht. Es existiert eine eindeutige Spaltung, und wir m�ssen daraufsetzen, da� eine der Seiten gewinnt.�</p><p>Verbl�fft sch�ttelte Stanley den Kopf. �Aber welche?� sagte er, den Mund vollgestopft mit Hummer.</p><p>�Das kann ich dir am besten beantworten, wenn ich dir erz�hle, wer mich heute nachmittag besucht hat. Caroline Wade.�</p><p>�Die Frau des Senators? Isabel, du erstaunst mich immer wieder. Ich wu�te gar nicht, da� du mit ihr bekannt bist.�</p><p>�Bis vor einem Monat war ich das auch nicht. Ich habe daf�r gesorgt, da� wir einander vorgestellt wurden. Heute war sie recht herzlich, und ich glaube, ich habe sie davon �berzeugen k�nnen, da� ich ein Anh�nger ihres Mannes und seiner Clique bin � Chandler, Grimes und all die anderen. Au�erdem deutete ich an, wie ungl�cklich du �ber Simons Management des Kriegsministeriums seiest, aus Loyalit�tsgr�nden aber nichts dagegen unternehmen k�nntest.�</p><p>Er wurde augenblicklich bla� und sagte: �Du hast doch nicht Lashbrook erw�hnt?�</p><p>�Stanley, du machst die Fehler, nicht ich. Mrs. Wade hat es nicht ausdr�cklich betont, aber jedenfalls vermittelte sie mir den Eindruck, da� der Senator einen neuen Kongre�ausschu� bilden m�chte, der die diktatorische Macht des Pr�sidenten beschneidet und die Kriegsf�hrung beaufsichtigt. Solch ein Ausschu� w�rde sicherlich als erstes Simon seines Postens entheben.�</p><p>�Glaubst du? Ben Wade ist einer von Simons engsten Freunden.�</p><p>�War, mein Lieber. War. Alte Allianzen sind in Bewegung geraten.� Sie beugte sich zu ihm. �Ist Simon immer noch verreist?�</p><p>Er nickte; der Minister besuchte den Westen.</p><p>�Dann ist es eine einmalige Gelegenheit. Du wirst nicht so genau beobachtet werden. Besuche Wade, und ich schicke die Einladungen zu einem Empfang ab, den ich f�r seine Frau und den Senator und ihren Kreis plane. Vielleicht lade ich, um den Schein zu wahren, auch George und Constance ein. Einen Abend werde ich ihre Arroganz schon ertragen k�nnen.�</p><p>�Sch�n und gut, aber was soll ich dem Senator sagen?�</p><p>�Sei still, und h�r zu; ich werd�s dir erkl�ren.�</p><p>Das Essen war vergessen; er sa� lauschend da, bis ins Mark erschreckt von dem Gedanken, dem gef�hrlichsten der Radikalen gegen�berzutreten. Doch je l�nger Isabel sprach, desto �berzeugter wurde er, da� Wade f�r sie ein Mittel zum �berleben werden konnte.</p><p>Am n�chsten Tag traf er die Verabredung, allerdings erst zum Wochenende. Die Verz�gerung brachte seine Verdauung durcheinander und ruinierte seinen Schlaf.</p><p>Am Freitag endlich sa� Stanley auf einer Bank in Senator Benjamin Franklin Wades Vorzimmer. Sein Magen schmerzte. Die verabredete Stunde des Treffens, elf Uhr, verstrich. Gegen viertel nach elf schwitzte Stanley heftig. Um halb zw�lf war er fluchtbereit. In diesem Augenblick �ffnete sich Wades B�rot�r. Ein untersetzter Mann mit Brille und herrlichem Bart kam herausmarschiert. Vor lauter Entsetzen war Stanley zu keiner Bewegung f�hig.</p><p>�Morgen, Mr. Hazard. Sind Sie in ministeriellen Angelegenheiten hier?�</p><p><emphasis>Sag was! Geh in Deckung!</emphasis> Er war �berzeugt davon, da� sein schlechtes Gewissen deutlich erkennbar war. �Es ist � eigentlich ist es mehr pers�nlich, Mr. Stanton.� Der kleine, aber einsch�chternd wirkende Mann stammte wie Wade aus Ohio; ein Demokrat, seit langem einer der besten und teuersten Anw�lte Washingtons und eine Zeitlang Buck Buchanans Justizminister. Au�erdem war er Simon Camerons pers�nlicher Anwalt.</p><p>�Bei mir ebenfalls�, sagte Edwin Stanton. �Ich bedaure, da� mein Termin sich mit dem Ihren �berschnitten hat. Wie geht es meinem Klienten? Schon wieder aus dem Westen zur�ck?�</p><p>�Nein, aber ich erwarte ihn bald.�</p><p>�Wenn er zur�ckkehrt, richten Sie ihm meine Gr��e aus. Ich stehe ihm f�r die Abfassung seines Jahresberichts zur Verf�gung.� Und damit verschwand Stanton in den Fluren des Kapitols.</p><p>�Gehen Sie bitte hinein�, forderte ihn Wades Verwaltungsassistent von seinem Schreibtisch aus auf.</p><p>�Was? Oh, ja � danke.�</p><p>Stanley stolperte auf den gro�en Walnu�schreibtisch des Senators zu; Wades ver�chtlich h�ngende Oberlippe und das Glitzern der kleinen, schwarzen Augen sch�chterten ihn ein. Wade, einst Staatsanwalt im nord�stlichen Ohio, war mindestens sechzig, strahlte aber eine Energie aus, die ihn jugendlich wirken lie�.</p><p>�Setzen Sie sich, Mr. Hazard.�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Ich erinnere mich, wir haben uns schon mal bei einem Empfang f�r Mr. Cameron getroffen. Was kann ich f�r Sie tun?� Er feuerte die Worte wie Kugeln ab.</p><p>�Senator, es ist schwierig, einen Anfang zu finden.�</p><p>�Fangen Sie an, oder lassen Sie es bleiben, Mr. Hazard. Ich bin ein vielbesch�ftigter Mann.�</p><p><emphasis>Falls Isabel sich t�uscht �</emphasis></p><p>Wade verschr�nkte seine H�nde auf dem Schreibtisch und funkelte ihn an. �Mr. Hazard?�</p><p>Sich wie ein Selbstm�rder f�hlend, st�rzte sich Stanley kopf�ber hinein. �Sir, ich bin hier, weil ich Ihren Wunsch nach einer wirkungsvollen Kriegsf�hrung und angemessener Bestrafung des Feindes vorbehaltlos unterst�tze.�</p><p>�Die einzig angemessene Bestrafung hat gnadenlos und total zu sein. Fahren Sie fort.�</p><p>�Ich � � Zu sp�t f�r einen R�ckzug; die Worte �berst�rzten sich. �Ich glaube nicht, da� der Krieg richtig gef�hrt wird. Weder von der Exekutive�, Wades Augen erw�rmten sich leicht, �noch von meinem Ministerium.� Sofort verdeckte eine Maske die W�rme. �Im ersteren Fall kann ich nichts tun.�</p><p>�Der Kongre� kann und wird. Fahren Sie fort.�</p><p>�Im letzteren Fall w�rde ich gern tun, was in meinen Kr�ften steht. Es gibt�, mit schmerzendem Magen zwang er sich, Wades schwarzem Blick standzuhalten, �Unregelm��igkeiten bei der Versorgung, von denen Sie sicherlich geh�rt haben, und � �</p><p>�Einen Moment. Ich dachte, Sie seien einer der Auserw�hlten?�</p><p>Verwirrt sch�ttelte Stanley den Kopf. �Sir? Ich � �</p><p>�Einer aus dem Pennsylvania-Haufen, den unser gemeinsamer Freund mit nach Washington brachte, weil sie ihm bei der Finanzierung seiner Wahlkampagnen geholfen hatten. Ich hatte den Eindruck, da� Sie zu dem Rudel geh�ren � Sie und Ihr Bruder, der f�r Ripley arbeitet.�</p><p>Kein Wunder, da� Wade so m�chtig und gef�hrlich war. Er wu�te alles. �Ich kann nicht f�r meinen Bruder sprechen, Senator. Ja, es stimmt, ich kam hierher, um unseren, �h, gemeinsamen Freund zu unterst�tzen. Aber Menschen ver�ndern sich.� Ein schwaches Grinsen. �Der Minister war einst ein Demokrat � �</p><p>�Er wird von Zweckm��igkeit geleitet, Mr. Hazard.� Der mitleidlose Mund zuckte � Wades Version eines L�chelns. �Wie wir alle in dieser Branche. Was haben Sie anzubieten? Wollen Sie ihn verkaufen?�</p><p>Stanley erbleichte. �Sir, diese Ausdrucksweise ist � �</p><p>�Grob, aber korrekt. Hab� ich recht.� Der ver�ngstigte Besucher blickte zur Seite. �Nat�rlich hab� ich recht. Also, dann lassen Sie mal Ihr Angebot h�ren. Gewisse Kongre�mitglieder k�nnten daran interessiert sein� Vor zwei Jahren waren Simon, Zach Chandler und ich unzertrennlich, aber die Zeiten �ndern sich.�</p><p>Stanley leckte sich die Lippen und �berlegte, ob sich der Senator �ber ihn lustig machte.</p><p>Wade fuhr fort: �Die Kriegsanstrengungen sind mangelhaft, das wei� jeder. Pr�sident Lincoln ist mit Simon unzufrieden. Auch das wei� jeder. Falls Lincoln nicht handelt, werden es andere tun.� Eine kurze Pause. �Was k�nnten Sie ihnen anbieten, Mr. Hazard?�</p><p>�Informationen �ber unrechtm��ig vergebene Kontrakte�, fl�sterte Stanley. �Namen. Daten. Alles. M�ndlich. Kein schriftliches Wort.�</p><p>�Und was w�rden Sie als Gegenleistung f�r diese Hilfe verlangen? Eine Immunit�tsgarantie f�r Sie?�</p><p>Stanley nickte.</p><p>Wade lehnte sich zur�ck; sein Blick nagelte seinen Besucher fest, dr�ckte Verachtung aus. Stanley wu�te, er war erledigt. Cameron w�rde bei seiner R�ckkehr alles erfahren. Zum Teufel mit seinem d�mlichen Weib.</p><p>�Ich bin interessiert. Aber Sie m�ssen mich davon �berzeugen, da� Sie keine F�lschungen anzubieten haben.� Der Staatsanwalt beugte sich dem Zeugen entgegen. �Geben Sie mir zwei Beispiele. Mit allen Details.�</p><p>Stanley w�hlte in seinen Taschen nach Notizen, die er auf Isabels Vorschlag hin vorbereitet hatte. Nachdem er Wade einige kleine Geheimnisse serviert hatte, verhielt sich der Senator erkennbar herzlicher. Wade forderte ihn auf, sich drau�en vom Assistenten den Termin f�r ein neues Treffen an sicherem Ort geben zu lassen. Ganz benommen erkannte Stanley, da� alles vor�ber war.</p><p>An der T�r sch�ttelte ihm Wade kr�ftig die Hand. �Ich erinnere mich, da� meine Frau einen Empfang in Ihrem Hause erw�hnte. Ich freue mich darauf.�</p><p>Sich wie ein schlachterprobter Held f�hlend, schwankte Stanley hinaus. Gesegnet sei Isabel. Sie hatte schlie�lich doch recht behalten. Es gab eine Verschw�rung, um den Bo� seines Postens zu entheben. Geh�rte Stanton vielleicht auch zu den Eingeweihten?</p><p>Egal. Was z�hlte, war seine Abmachung mit dem alten Gauner aus Ohio. Wie Daniel hatte er sich unter die L�wen gewagt und �berlebt. Am sp�ten Nachmittag war er davon �berzeugt, da� alles sein Werk war und Isabel nur eine zuf�llige Nebenrolle gespielt hatte.</p><p><strong>38</strong></p><p>Sein Name war Arthur Scipio Brown. Er war siebenundzwanzig, ein Mann mit breiten Schultern, einer Taille wie ein M�dchen, H�nden gewaltig wie Waffen und einer bernsteinfarbenen Haut. Doch seine Stimme war sanft und leise, mit dem leicht nasalen Klang von New England. Er war in Roxbury geboren, au�erhalb von Boston, von einer schwarzen Mutter, deren wei�er Geliebter sie verlassen hatte.</p><p>Zu Beginn seiner Bekanntschaft mit Constance Hazard sagte Brown, seine Mutter habe sich geschworen, nicht dem Mann nachzutrauern, der versprochen hatte, sie ewig zu lieben, und der sie dann verlassen hatte. Mit ihrem Verstand und ihrer Energie � mit ihrem ganzen Leben, sagte er � hatte sie ihrer Rasse gedient. Sechs Tage in der Woche hatte sie die Kinder von freien schwarzen M�nnern und Frauen in einem Schuppen unterrichtet; jeden Sonntag hatte sie Sch�lern einer Negergemeinde Unterricht erteilt. Vor einem Jahr war sie gestorben, schwer krebskrank, aber die Hand ihres Jungen haltend und mit klarem Blick; bis zum Schlu� hatte sie sich geweigert, Laudanum zu nehmen.</p><p>�Sie war zweiundvierzig. Hat nie viel vom Leben gehabt�, sagte Brown. Es war eine Feststellung, keine Bitte um Mitleid.</p><p>Constance traf Scipio Brown bei dem Empfang f�r Dr. Delany, den Pan-Afrikaner. Delany hatte den jungen Brown mitgebracht. Im Gespr�ch mit Brown waren George und Constance von seinem Benehmen ebenso fasziniert wie von seiner Geschichte und seinen Ansichten.</p><p>Als Brown sagte, er sei ein J�nger von Martin Delany, fragte Constance: �Sie meinen, Sie w�rden das Land verlassen und nach Liberia oder einen �hnlichen Ort gehen, wenn Sie die Chance bek�men?�</p><p>Brown trank einen Schluck Tee. �Vor einem Jahr h�tte ich auf der Stelle ja gesagt. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher. Amerika ist aufs sch�rfste gegen Neger eingestellt, und ich denke, so wird es auch noch f�r einige Generationen bleiben. Aber ich rechne trotzdem mit Verbesserungen.�</p><p>George sagte: �Ich gebe zu, da� Ihre Rasse uns�gliche Leiden erdulden mu�te. Aber w�rden Sie nicht auch meinen, da� Sie pers�nlich Gl�ck gehabt haben? Sie wuchsen in Freiheit auf, und Sie haben Ihr ganzes Leben so verbracht.�</p><p>�berraschenderweise verriet Browns Miene �rger. �Glauben Sie ehrlich, das macht irgendeinen Unterschied, Major Hazard? Jeder Farbige in diesem Land wird von den �ngsten der Wei�en versklavt und der Art und Weise, wie diese �ngste das Verhalten der Wei�en beeinflussen. Ich bin ein schwarzer Mann. Dieser Kampf ist mein Kampf.�</p><p>Leicht gereizt sagte George: �Wenn Ihnen dieses Land so �bel erscheint, was h�lt Sie dann davon ab, es zu verlassen?�</p><p>�Ich dachte, das h�tte ich Ihnen gesagt. Die Hoffnung auf Ver�nderung.�</p><p>�Also die Hoffnung auf Ver�nderung h�lt Sie hier�, fing Constance an.</p><p>�Das und meine Verantwortung. Haupts�chlich die Kinder halten mich hier fest.�</p><p>�Ah, Sie sind verheiratet.�</p><p>�Nein, das bin ich nicht.�</p><p>�Aber wessen �?�</p><p>Ein Ruf von Kate Chase unterbrach den Satz. Dr. Delany hatte sich bereiterkl�rt, kurz zu sprechen. Die attraktive Tochter des Ministers �u�erte den Wunsch, die G�ste m�chten ihre Tassen und Teller f�llen und sich einen Platz suchen.</p><p>Am Serviertisch, wo ein junges schwarzes Dienstm�dchen Brown einen bewundernden Blick zuwarf, sagte George: �Ich w�rde gern mehr von Ihren Ansichten h�ren. Wir wohnen im Willard.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>�W�rden Sie dort abends mal mit uns zusammen speisen?�</p><p>�Besten Dank, Major, aber ich glaube, die Gesch�ftsleitung w�rde das gar nicht gern sehen. Die Willardbr�der sind anst�ndige M�nner, aber schlie�lich bin ich einer ihrer Angestellten.�</p><p>�Sie sind was?�</p><p>�Ich bin Portier im Willard-Hotel. Der beste Job, den ich hier finden konnte.�</p><p>�Willard�s�, murmelte George. �Ich bin sprachlos. Sind wir uns mal in der Halle oder in den Fluren begegnet?�</p><p>Brown f�hrte sie zu den St�hlen. �Dutzende von Malen. Sie m�gen mich anschauen, aber Sie sehen mich nie. Das ist ein Privileg der Farbe. Mrs. Hazard, m�chten Sie hier Platz nehmen?�</p><p>Zu weiterer Unterhaltung fanden sie keine Gelegenheit. Aber seine Anspielung auf die Kinder hatte Constances Neugier geweckt. Am n�chsten Nachmittag suchte sie ihn im Hotel; sie fand ihn, wie er die Sandurnen von Abfall und Zigarrenstummeln reinigte. Die starrenden Leute in der Hotelhalle ignorierend, bat sie Brown um eine Erkl�rung.</p><p>�Die Kinder sind Fl�chtlinge, das, was dieser schiel�ugige General Butler als Konterbande bezeichnet. Zur Zeit ergie�t sich ein schwarzer Strom aus dem S�den. Manchmal fl�chten Kinder zusammen mit ihren Eltern, und dann gehen die Eltern verloren. Manchmal geh�ren die Kinder zu niemandem, sondern sind einfach nur mit irgendwelchen Erwachsenen gefl�chtet. M�chten Sie einige der Kinder sehen, Mrs. Hazard?�</p><p>Seine Augen hielten ihren Blick fest. �Wo?� konterte sie.</p><p>�Drau�en, wo ich wohne, auf der n�rdlichen Tenth Street.�</p><p>�Negro Hill?� Ihr kurzes Atemholen vor der Frage verriet sie. Er reagierte darauf nicht �rgerlich.</p><p>�Kein Grund zur Angst, blo� weil es sich um eine schwarze Gemeinde handelt. Auch wir haben unseren Anteil an �belt�tern, genau wie hier unten � nein, ich nehme es zur�ck, hier gibt es mehr.� Er grinste. �Sie haben ja auch die Politiker. Ich arbeite am Dienstag nicht. Wir k�nnten w�hrend des Tages gehen.�</p><p>�Einverstanden�, sagte Constance, in der Hoffnung, da� George zustimmen w�rde, was er �berraschenderweise auch tat.</p><p>Am Dienstag ratterten sie im Wagen durch die Hitze des Herbstes hoch nach Negro Hill, einer deprimierenden Enklave winziger H�uschen, die meisten ungestrichen, und elender, aus Lattenkisten und Segeltuch zusammengenagelter Schuppen. Constance sah H�hnerst�lle, Gem�sebeete, Blument�pfe.</p><p>Die Schwarzen, an denen sie vorbeifuhren, warfen ihnen neugierige, gelegentlich mi�trauische Blicke zu. Bald schon bog Brown in einen ausgefahrenen Weg ein. Am Ende stand eine frisch gestrichene H�tte, so gelb wie Sonnenblumen.</p><p>Das leuchtende kleine Haus roch herrlich nach Holz und Rauch und im Inneren nach Seife. Es gab zwei R�ume; im vorderen Zimmer sa� eine kr�ftige schwarze Frau auf einem Hocker, die Bibel in der Hand; zu ihren F��en hatten sich zw�lf �rmlich gekleidete Kinder in allen Schattierungen versammelt. Das j�ngste Kind mochte vier oder f�nf sein, das �lteste zehn oder elf. Durch den T�rbogen konnte Constance genau ausgerichtete Reihen von Strohs�cken sehen.</p><p>Ein wundersch�nes kupferfarbenes M�dchen rannte auf den gro�en Mann zu. �Onkel Scipio, Onkel Scipio!�</p><p>�Rosalie.� Er hob sie hoch und dr�ckte sie an sich. Andere Kinder umklammerten seine Beine. Er t�tschelte K�pfe, Gesichter, Schultern, fand f�r jedes Kind die richtigen aufmunternden Worte.</p><p>Constance a� mit Brown, den herrenlosen Kindern und der schwarzen Frau, Agatha, die sich um die Kinder k�mmerte, w�hrend Brown seinem Job nachging. Die meisten Kinder lachten und kicherten und stupften einander, aber zwei waren dabei, die traurig und ernst dasa�en, kein Wort sagten und lediglich in der ersch�pften Manier der Alten ihre Suppe schl�rften. Constance mu�te den Blick abwenden, um nicht in Tr�nen auszubrechen.</p><p>Trotzdem f�hlte sie sich von dem Ort und den Kindern fasziniert. Es fiel ihr schwer, sich von ihnen zu trennen. Auf dem R�ckweg zu Willard�s fragte sie: �Was haben Sie f�r Pl�ne mit den Kindern?�</p><p>�Zuerst mal mu� ich sie f�ttern, damit sie nicht verhungern. Die Politiker tun nichts f�r sie, das wei� ich nur zu gut.�</p><p>�Sie haben eine starke Abneigung gegen Politiker, Mr. Brown.�</p><p>�Warum sagen Sie nicht Scipio? Es w�re sch�n, wenn wir Freunde sein k�nnten. Ja, ich verachte diese Brut.�</p><p>Die Kutsche holperte eine Weile weiter. Dann sagte sie: �Vom �berleben abgesehen, haben Sie noch weitergehende Pl�ne f�r die Kinder?�</p><p>�Von der Notwendigkeit zum Ideal. Wenn ich noch einen passenden Ort finden k�nnte, dann w�re es m�glich, weitere zw�lf aufzunehmen. Aber bei meinem Gehalt ist das unm�glich. Es lie�e sich nur mit Hilfe eines G�nners einrichten.�</p><p>�Haben Sie mich deswegen nach Negro Hill gebracht?�</p><p>�Weil ich Hoffnungen hegte?� Er l�chelte sie an. �Selbstverst�ndlich.�</p><p>�Und selbstverst�ndlich wu�ten Sie, da� ich ja sagen w�rde � obwohl mir die Einzelheiten noch nicht klar sind.�</p><p>�Tun Sie es nicht, wenn Sie blo� Ihre wei�en Schuldgef�hle bes�nftigen wollen.�</p><p>�Zum Teufel mit Ihrer Impertinenz, Brown � meine Gr�nde, weshalb ich das tue, suche ich mir selbst. Ich habe mein Herz an diese Waisen verloren.�</p><p>�Gut�, sagte er.</p><p>Constance wu�te nicht, wie George auf ihren Wunsch, Brown zu helfen, reagieren w�rde. Zu ihrem Entz�cken ging er weit �ber blo�e Zustimmung hinaus. �Wenn er einen Platz f�r die Kinder braucht, warum besorgen wir den nicht? Und Nahrung, Kleidung, B�cher � das wird uns nicht gerade arm machen. Und die Sache scheint es mehr als wert zu sein.�</p><p>Er blinzelte durch den Rauch seiner Zigarre. Sein Gesichtsausdruck verbarg wirkungsvoll einen sentimentalen Zug, den Constance vor Jahren bei ihm entdeckt und seitdem geliebt hatte. �Ja, ich bin eindeutig der Meinung, du solltest Brown einladen, sein Werk bei uns zu Hause fortzusetzen.�</p><p>�Wo genau?�</p><p>�Wie w�r�s mit dem Schuppen oberhalb von Hazards? Das alte Fl�chtlingsdepot?�</p><p>�Die Lage ist gut, aber das Geb�ude ist zu klein.�</p><p>�Wir vergr��ern es. Ein paar zus�tzliche Schlafr�ume, ein Klassenzimmer, ein Speisesaal. Die Werksschreiner k�nnen die Arbeit machen.�</p><p>Die Realit�t dr�ngte sich in seine Begeisterung, als sie sagte: �Werden sie es tun?�</p><p>�Sie arbeiten f�r mich � ich m�chte es ihnen geraten haben.� Er �berlegte stirnrunzelnd. �Ich verstehe nicht, wieso du fragst.�</p><p>�Die Kinder sind schwarz, George.�</p><p>�Glaubst du, das spielt eine Rolle?�</p><p>�Bei den meisten Einwohnern von Lehigh Station w�rde ich meinen, ja, sehr sogar.�</p><p>�Mmm. Ist mir nie in den Sinn gekommen.� Er marschierte zum Kamin, drehte die Zigarre in den Fingern, wie so oft, wenn er an einem Problem arbeitete. �Trotzdem � die Idee ist gut. Wir machen es.�</p><p>Begeistert klatschte sie in die H�nde. �Vielleicht k�nnten Mr. Brown und ich heimfahren, um die Dinge in Gang zu bringen. M�glicherweise nehmen wir ein paar Kinder mit.�</p><p>�Ich k�nnte Kurzurlaub nehmen und mitkommen.�</p><p>Hell wie eine Warnleuchte der Eisenbahn in der Nacht leuchtete vor ihr ein Name auf: Virgilia.</p><p>�Das ist sehr nett von dir, aber du hast zuviel zu tun. Mr. Brown und ich werden es schon schaffen.�</p><p>�Fein.� Seine Worte und sein Achselzucken erleichterten sie. �Ich werde Christopher einen Brief schreiben, da� alle deine W�nsche zu befolgen seien. �brigens, da wir gerade bei Briefen sind, hast du das gesehen?� Vom Kaminsims nahm er ein verknittertes, versiegeltes Schreiben.</p><p>�Von Vater�, rief sie, als sie die Handschrift sah. �Er hat Houston erreicht, st�ndig eine Hand am Revolver, wie er schreibt. Oh, ich hoffe so sehr, er schafft den Rest der Reise auch noch.�</p><p>George ging zu ihr, legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter.</p><p>Constance und Brown verlie�en wenige Tage sp�ter Washington. Brown hatte drei Kinder f�r die Reise ausgew�hlt: Leander, einen st�mmigen Elfj�hrigen mit herausforderndem Benehmen; Margaret, ein scheues, kohlschwarzes Kind; und Rosalie, die h�bsche Kleine, die mit ihrer Fr�hlichkeit das Schweigen der anderen �berspielte.</p><p>Die Furcht, die sie George gegen�ber zum Ausdruck gebracht hatte, war nicht unbegr�ndet, wie sie bald schon entdeckte. Ein Schaffner am Bahnhof von Washington bestand darauf, da� Brown und die Kinder in der f�r Farbige reservierten zweiten Klasse fuhren. Browns Augen zeigten seine Erbitterung, aber er machte keine Szene. Die Kinder den Gang entlangf�hrend, sagte er: �Ich sehe Sie sp�ter, Mrs. Hazard.�</p><p>Als sie den Wagen verlassen hatten, sagte der Schaffner: �Ist der Nigger Ihr Diener, Ma�am?�</p><p>�Dieser Mann ist mein Freund.�</p><p>Kopfsch�ttelnd entfernte sich der Schaffner.</p><p>In Baltimore stiegen sie um und fuhren durch die goldene Landschaft weiter nach Philadelphia. Das Lehigh-Tal, von den roten und gelben Farben des Herbstes bemalt, wirkte erfrischend friedlich auf die m�den Reisenden. Constance hatte ihre Ankunft telegraphiert. Ein Stallknecht wartete mit einer Kutsche auf sie. Der schnelle Wechsel in seinem Gesichtsausdruck, als er bemerkte, da� Brown und die Kinder ihre Begleitung darstellten, entging ihr keineswegs.</p><p>Die Kutsche ratterte die Stra�e entlang. Die beiden kleinen M�dchen quietschten und umarmten Brown, als der Wind ihnen durch Haar und Kleidung fuhr. Pinckney Herbert winkte von seiner Ladent�r aus, aber die Gesichter einiger anderer B�rger zeigten Feindseligkeit, vor allem das eines gefeuerten Hazardarbeiters namens Lute Fessenden.</p><p>Brett wartete auf der Veranda des Herrschaftshauses, zusammen mit einer Frau, die Constance erst in der Einfahrt erkannte. Die Kutsche stoppte; Constance rannte die Stufen hoch. �Virgilia? Wie h�bsch du aussiehst! Ich traue meinen Augen nicht.�</p><p>�Das ist das Werk unserer Schw�gerin�, sagte Virgilia, in Richtung Brett nickend. Sie sprach so, als w�re ihre Verwandlung ohne jede Bedeutung, aber ihr lebhafter Gesichtsausdruck verriet sie.</p><p>Constance staunte voller Bewunderung. Virgilias Kleid aus rostfarbener Seide schmeichelte ihrer Figur. Ihr Haar, ordentlich zu einem Knoten zusammengebunden, gl�nzte so sauber, wie Constance es bei ihr noch nie gesehen hatte. Virgilias Wangen besa�en Farbe, aber Rouge und Puder waren dezent und geschickt aufgetragen worden.</p><p>�Ich vernachl�ssige meine Pflichten�, sagte Constance. Sie stellte die Leute vor und erkl�rte mit wenigen S�tzen, weshalb sie Scipio und die Kinder nach Belvedere gebracht hatte.</p><p>Brett war Brown gegen�ber h�flich, aber k�hl; auch ihm war ihr Akzent nicht entgangen. Constance beobachtete, wie Virgilias Blick von Browns Gesicht �ber seine Brust wanderte. Schnell besch�ftigte er sich mit den Kindern. Brown verlegen zu sehen stellte eine neue Erfahrung f�r Constance dar. Sie erinnerte sich an Virgilias Vorliebe f�r Schwarze; in gewissen grunds�tzlichen Dingen schien sich Georges Schwester nicht ver�ndert zu haben.</p><p>Die Besucher wurden ins Haus gef�hrt, verk�stigt und f�r die Nacht untergebracht. Am n�chsten Morgen, w�hrend Virgilia nach den Kindern sah, fuhren Constance und Brown zu dem Schuppen hoch.</p><p>Brown besichtigte alles. �Nach einigen Reparaturen wird das genau das Richtige sein.� Sie besprachen Einzelheiten, w�hrend sie zum Haupttor zur�ckfuhren. Die Arbeiter machten der Kutsche respektvoll Platz, ihre Augen verrieten aber Mi�billigung dar�ber, da� sich die Frau des Besitzers �ffentlich mit einem Schwarzen zeigte.</p><p>Gegen Mittag hatten sie mit Wotherspoon gesprochen; er stellte M�nner ab, die eine Wand des Schuppens abbrachen und die anderen wei� t�nchten. Der Vorarbeiter der Maler, ein Bursche namens Abraham Fouts, war seit f�nfzehn Jahren bei Hazard besch�ftigt. Sonst stets freundlich, nickte er an diesem Nachmittag Constance lediglich gru�los zu. Am Abend, w�hrend die Erwachsenen und die Kinder a�en, warf jemand einen Stein durch das vordere Fenster.</p><p>Fr�hmorgens fuhr Constance allein zum Schuppen; sie kam gleichzeitig mit Abraham Fouts und seinen vier M�nnern an. Beim Anblick der gro�en, groben Buchstaben, die jemand mit schwarzer Farbe �ber eine Schuppenwand geschmiert hatte, unterdr�ckten Fouts und ein zweiter Mann ein Grinsen: Wir sind f�r den Krieg, aber wir sind NICHT F�R DIE .</p><p>Traurig und w�tend zugleich wischte Constance �ber die letzten Buchstaben. Sie waren trocken. �Mr. Fouts, �bermalen Sie bitte diese Gemeinheit. Wenn sowas noch mal passiert, dann tun Sie es wieder, so lange, bis das aufh�rt oder dieses Geb�ude unter hundert Anstrichen zusammenbricht.�</p><p>Der blasse Mann zupfte nerv�s an seiner Unterlippe. �Gibt viel Gerede �ber den Ort hier bei den M�nnern, Miz Hazard. Sie sagen, das wird so �ne Art Zuhause f�r Niggerbabys. Gef�llt ihnen gar nicht.�</p><p>�Was ihnen gef�llt, ist mir v�llig egal. Das hier geh�rt meinem Mann, und ich werde damit tun, was ich f�r richtig halte.�</p><p>Fouts bohrte einen Zeh in den Dreck, aber ein anderer Mann war k�hner. �Wir sind nicht gew�hnt, Befehle von einer Frau zu empfangen, selbst wenn sie die Frau vom Bo� ist.�</p><p>�Gut.� Ver�rgerung und Unsicherheit wallten in Constance auf, aber sie wagte es nicht zu zeigen. �Ich bin sicher, es gibt eine Menge Fabriken, wo es nicht n�tig ist. Holen Sie sich Ihren Lohn bei Mr. Wotherspoon ab.�</p><p>Der verbl�ffte Mann hob eine Hand. �Warten Sie, ich � �</p><p>�Sie sind fertig hier.� Sie deutete auf ein paar Farbflecken an der Hand des Mannes. �Wie ich sehe, haben Sie letzte Nacht schwarze Farbe ben�tzt. Wie mutig von Ihnen, Ihre Meinung unter dem Schutzmantel der Dunkelheit zu �u�ern.� Ihre Stimme brach, als sie schnell vortrat. �Verschwinden Sie, und holen Sie Ihren Lohn ab.�</p><p>Der Mann rannte.</p><p>�Ich bedaure diesen Vorfall, Mr. Fouts, aber mein Entschlu� steht fest. Wollen Sie weitermachen oder k�ndigen?�</p><p>�Ich arbeite�, murrte Fouts. �Aber f�r einen Haufen Nigger? Ist nicht richtig.�</p><p>�Abscheulich�, sagte Virgilia, als Constance ihr von der Schmiererei berichtete. �Wenn wir in Washington einen richtigen F�hrer h�tten, dann st�nden die Dinge anders. Ich glaube, das wird auch bald der Fall sein.�</p><p>�Weshalb?� fragte Brett �ber den mit gewaltigen Sch�sseln beladenen Tisch hinweg. Rosalie, Margaret und Leander a�en nicht; sie schlangen in sich hinein, was nur hineinging. Selbst Brown schien nicht genug kriegen zu k�nnen.</p><p>�Der Pr�sident ist ein Schw�chling.� Virgilia gab die Erkl�rung im gleichen herablassenden Tonfall ab, der schon in der Vergangenheit so viel �rger verursacht hatte. �Aber Thad Stevens und einige andere werden ihn schon auf Trab bringen. Wenn die richtigen Republikaner die Macht haben, dann wird Lincoln das kriegen, was er so reichlich verdient. Ebenso wie die Rebs.�</p><p>�Bitte entschuldigt mich�, sagte Brett und verlie� den Raum.</p><p><strong>39</strong></p><p>Gegen Ende Oktober war Mrs. Burdetta Halloran aus Richmond eine Frau in Not und Bedr�ngnis. Sie war dreiunddrei�ig, seit zwei Jahren kinderlose Witwe, besa� eine �ppige Figur, herrliches kastanienbraunes Haar, ein umwerfendes Hinterteil und die dazu passenden Br�ste. Das hatte ausgereicht, um den Weinh�ndler zu kapern, der sie geheiratet hatte, als sie einundzwanzig war. Sechzehn Jahre �lter als sie, war Halloran im Kampf, ihren starken sexuellen Appetit zu befriedigen, an Herzversagen gestorben.</p><p>Armer Kerl, sie hatte ihn gern gehabt, auch wenn es ihm an Stehverm�gen gefehlt hatte, um sie physisch gl�cklich zu machen. Er hatte sie jedoch gut behandelt, und sie hatte ihm lediglich zweimal H�rner aufgesetzt: Das erste Verh�ltnis hatte vier Tage gedauert, das zweite eine einzige Nacht. Sein Dahinscheiden hatte sie in guten Verh�ltnissen zur�ckgelassen � zumindest hatte sie das geglaubt, bis dieser elende Krieg ausgebrochen war.</p><p>Wenn sich jetzt der Rest der Stadt �ber einen Sieg beim Potomac begeisterte, dann mu�te sie sich �ber die steigenden Preise aufregen. Ihr Pfund Schinken hatte f�nfzig Cent gekostet, ihr Pfund Kaffee emp�rende anderthalb Dollar. Bei einer derartigen Inflation w�rde sie nicht mehr lange im gewohnten Stil weiterleben k�nnen.</p><p>Eine geborene Soames � ihr Stammbaum ging �ber vier Generationen zur�ck �, beklagte sie jeden Wandel in ihrer Stadt, ihrem Staat und in der gesellschaftlichen Rangordnung. Die Stadt platzte aus allen N�hten. Huren und Spekulanten str�mten aus jedem ankommenden Zug. Horden von Niggern, viele zweifellos Fl�chtlinge, lie�en den P�belhaufen der Nichtstuer in den Stra�en anschwellen. Gefangene Yankees f�llten die improvisierten Gef�ngnisse. Ihre unvergleichliche Arroganz und ihre Verachtung allen Dingen des S�dens gegen�ber emp�rte aufrechte B�rger wie Burdetta Halloran, die jede freie Minute damit zubrachte, Socken und immer noch mehr Socken f�r die Truppen zu stricken.</p><p>Vor zwei Wochen hatte sie mit dem Stricken aufgeh�rt, als ihr Kummer die Ausma�e einer echten Krise angenommen hatte. Heute nachmittag war sie mit einer Kutsche zum Church Hill unterwegs. Seit Tagen hatte sie diesen Besuch erwogen. Schlaflosigkeit und wachsende Verzweiflung hatten sie schlie�lich dazu getrieben.</p><p>Die Kutsche verlangsamte das Tempo. Schnell nahm sie noch einen verstohlenen Schluck von dem Whiskey in ihrer Reiseflasche.</p><p>�Soll ich warten?� fragte der Fahrer, nachdem er Ecke Twenty-Forth gehalten hatte. Eine unangenehme Vorahnung lie� Mrs. Halloran nicken.</p><p>Ihr Herz schlug schmerzhaft. Das schr�g einfallende Oktoberlicht k�ndigte den Winter an � Trauer und Einsamkeit. Oh Gott, war er nicht da? Wieder klopfte sie, diesmal fester und ausdauernder.</p><p>Die T�r �ffnete sich ein paar Zentimeter. Vor Erleichterung w�re sie beinahe in Ohnmacht gefallen. Dann betrachtete sie ihren Geliebten genauer. Ungek�mmte Haare, Morgenrock zu dieser Stunde?</p><p>Zuerst dachte sie, er sei krank. Dann erkannte sie die Wahrheit und das ganze Ausma� ihrer Dummheit.</p><p>�Burdetta.� In dem Wort lag weder �berraschung noch Willkommen, noch machte er die T�r weiter auf.</p><p>�Lamar, du hast keinen einzigen meiner Briefe beantwortet.�</p><p>�Ich dachte, du w�rdest die Bedeutung meines Schweigens verstehen.�</p><p>�Guter Gott, du willst damit doch nicht sagen � du w�rdest mich nicht einfach hinauswerfen � nicht nach sechs Monaten unglaublicher � �</p><p>�Das wird peinlich�, sagte er, seine Stimme so laut und so hart wie sein Penis, wenn er sie auf die verschiedensten Weisen nahm, bis sie schlie�lich nach vier oder f�nf Stunden vollkommen befriedigt war. �F�r uns beide.�</p><p>�Wen hast du jetzt? Irgendeine junge Schlampe? Ist sie drinnen?� Sie schn�ffelte. �Mein Gott, tats�chlich. Du mu�t ja in ihrem Parf�m gebadet haben.� Tr�nen f�llten ihre Augen. Sie streckte die Hand durch die �ffnung. �Darling, la� mich wenigstens rein. Reden wir dar�ber. Sollte ich dich irgendwie gekr�nkt haben � �</p><p>�Nimm die Hand raus, Burdetta�, sagte er l�chelnd. �Sonst tust du dir weh. Ich mach� jetzt die T�r zu.�</p><p>�Du unglaublicher Bastard.� Ihr Fl�stern blieb ohne Wirkung; langsam begann sich die T�r zu schlie�en. Er h�tte ihr das Handgelenk oder die Finger gebrochen, h�tte sie nicht schnell die Hand zur�ckgezogen. Die T�r fiel ins Schlo�. Sechs Monate lang hatte sie ihren guten Ruf aufs Spiel gesetzt, hatte alles f�r ihn getan, und das sollte nun das Ende sein? Voller Gleichg�ltigkeit? Abserviert, wie ein Mann eine Hure abservieren w�rde?</p><p>Burdetta Soames Halloran war im Stil der S�dstaaten erzogen worden; sie brauchte weniger als zehn Sekunden, um sich zu fassen. Als sie sich umdrehte und vorsichtig die erste Stufe hinabstieg, ihren Reifrock in der behandschuhten Hand gerafft, l�chelte sie.</p><p>�Fertig?� fragte der Kutscher �berfl�ssigerweise, da sie darauf wartete, da� er abspringen und ihr die T�r �ffnen w�rde.</p><p>�Ja, das bin ich. Es hat nur einen Augenblick in Anspruch genommen, um die Angelegenheit zu erledigen.� In Wirklichkeit hatte sie erst begonnen.</p><p><strong>40</strong></p><p>Aufruhr �berflutete die K�ste von Carolina in diesem Herbst. Am7. November dampfte Commodore Du Ponts Flottille in den Port Royal Sound und er�ffnete das Feuer auf Hilton Head Island. Das Bombardement von Du Ponts Kanonenbooten zwang die kleine Konf�derierten-Garnison noch vor Sonnenuntergang zum R�ckzug aufs Festland. Zwei Tage sp�ter fiel der historische kleine Hafen von Beaufort. Ger�chten zufolge wurden die H�user der Wei�en von raubgierigen Yankee-Soldaten und rachs�chtigen Schwarzen gepl�ndert und gebrandschatzt.</p><p>Jeder neue Tag brachte neue Ger�chte. Charleston w�rde bald niedergebrannt und an seiner Stelle eine neue Stadt f�r schwarze Fl�chtlinge aufgebaut; Harriet Tubman befand sich im Staat oder w�rde in den Staat kommen oder dachte daran, den Staat zu besuchen, um die Sklaven zur Revolte oder zur Flucht zu dr�ngen; wegen seiner Mi�erfolge im westlichen Virginia war Lee strafversetzt worden und hatte das Kommando �ber das neue Department von South Carolina, Georgia und East Florida �bertragen bekommen.</p><p>Letzteres erwies sich als richtig. V�llig �berraschend erschienen der ber�hmte Milit�r und drei seiner Stabsoffiziere zu Pferd auf dem Weg nach Mont Royal. Eine Stunde sa�en sie mit Orry in dessen Wohnzimmer zusammen.</p><p>Lee brachte das Gespr�ch auf die Ursache seines Besuchs. Er wollte, da� Orry den Posten in Richmond annahm, auch wenn er selbst dort nicht l�nger sein Hauptquartier haben w�rde und Orry ihm nicht direkt unterstellt w�re. �Sie k�nnen dem Kriegsministerium jedoch von gro�em Nutzen sein. Es stimmt nicht, da� sich Pr�sident Davis st�ndig einmischt oder da� in Wirklichkeit er das Ministerium leitet.� Lee machte eine Pause. �Zumindest stimmt es nicht ganz, m�chte ich sagen.�</p><p>�Ich werde so bald wie m�glich kommen, General. Ich warte lediglich auf die Ankunft eines neuen Aufsehers, der die Plantage leitet. Er m��te jeden Tag kommen.�</p><p>�Gute Nachrichten. Ausgezeichnet! West-Point-M�nner wie Sie sind f�r die Armee von unsch�tzbarem Wert. Nur die Macht der Waffen wird uns die Unabh�ngigkeit bringen. Die M�nner der Akademie verstehen diesen Krieg und werden ihn so f�hren, wie er gef�hrt werden mu�, falls wir nicht vorhaben, aufzugeben oder uns mit der Niederlage abzufinden.�</p><p>�K�mpfen�, grollte einer der Stabsoffiziere. Orry nickte zustimmend.</p><p>�Das ist der richtige Geist�, sagte Lee, sich erhebend. Er sch�ttelte Orry die Hand, sprach auf der Piazza ein paar verbindliche Worte mit Madeline, dann ritt er los, den Pflichten seines obskuren Kommandos entgegen. Orry zog seine Frau an sich. Die Trennung war nun unvermeidlich. Allein der Gedanke schmerzte.</p><p>Am n�chsten Tag kam der Aufseher aus North Carolina, Philemon Meek, auf dem R�cken eines Maultiers. Orrys erste Reaktion war Entt�uschung. Er hatte wohl mit einem Mann in den Sechzigern gerechnet, aber nicht mit jemandem, der wie ein alternder Schullehrer wirkte. Vorn auf seiner Nasenspitze sa� sogar eine Brille mit halben Gl�sern.</p><p>Orry unterhielt sich mit Meek eine Stunde lang in der Bibliothek, und der erste Eindruck begann sich zu �ndern. Meek beantwortete die Fragen seines neuen Arbeitgebers knapp, aber ehrlich. Wenn er etwas nicht wu�te oder verstand, dann sagte er das auch. Er erz�hlte Orry, da� er kein Anh�nger �bertrieben scharfer Disziplin und religi�s eingestellt sei. Er besa� und las nur ein Buch, die Heilige Schrift.</p><p>�Ich bin mir �ber ihn noch nicht ganz im klaren�, sagte Orry abends zu Madeline. In der n�chsten Woche wurde seine Einstellung positiver. Trotz des Alters war Meek physisch stark und lie� sich von niemandem auf der Nase herumtanzen. Andy schien Meek nicht sonderlich zu m�gen, kam aber mit ihm aus. Also packte Orry seine Koffer und holte endlich seinen Solingen-S�bel hervor.</p><p>Am Tag vor Abfahrt des Zuges machten er und Madeline einen Spaziergang.</p><p>�Du kannst es kaum erwarten, nicht wahr?� sagte Madeline.</p><p>Orry blinzelte in das Sonnenlicht. �Ich bin nicht begierig darauf, dich zu verlassen, obwohl mir jetzt, wo Meek hier ist, wohler zumute ist.�</p><p>�Das ist keine Antwort auf meine Frage, Sir.�</p><p>�Ja, ich kann es kaum erwarten. Den Grund wirst du nie erraten. Es ist mein alter Freund Tom Jackson. In sechs Monaten ist er zum Nationalhelden geworden.�</p><p>�Du �berraschst mich. Ich h�tte nie gedacht, da� dein Ehrgeiz in diese Richtung geht.�</p><p>�Oh, nein. Jedenfalls nicht mehr seit Mexiko. Bei Jackson ist die Sache die, da� wir Klassenkameraden waren. Er ist sofort zu den Fahnen geeilt, um seine Pflicht zu tun, w�hrend ich ein halbes Jahr gez�gert habe. Nicht ohne guten Grund � aber trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen.�</p><p>Sie schlang die Arme um ihn. �Das mu�t du nicht. Deine Wartezeit ist vorbei. Und in einigen Wochen, wenn Meek sich eingelebt hat, komme ich nach Richmond.�</p><p>�Gut.� Orry betastete sein Kinn. �Letzte Woche habe ich eine Lithographie von Tom gesehen. Er tr�gt einen sch�nen Vollbart. Alle Offiziere scheinen einen zu haben. M�chtest du, da� ich mir auch einen wachsen lasse?�</p><p>�Das kann ich nicht sagen, bevor ich nicht wei�, wie schlimm das kratzt, wenn wir � �</p><p>Sie hielt inne. Der Hausdiener, Aristotle, winkte eindringlich von einem Seiteneingang her; sie eilten zu ihm.</p><p>�Haben zwei Besucher, Mr. Orry. Hochn�siges Niggerpaar. Wollen nur Ihnen oder Miss Madeline sagen, was sie wollen. Hab� sie in der K�che warten lassen.�</p><p>Orry fragte: �Sind es M�nner von einer anderen Plantage?�</p><p>Der verwirrte Sklave murmelte: �Es sind zwei Frauen.�</p><p>Orry und Madeline gingen ins K�chengeb�ude. Eine �ltere Negerin sa� auf einem Hocker neben der T�r; ihr rechtes Bein, grob mit St�cken und Lumpen verbunden, ruhte auf einer leeren Nagelkiste.</p><p>�Tante Belle�, rief Madeline, w�hrend Orry sich �ber die Identit�t ihrer Begleiterin Gedanken machte, ein erstaunlich attraktives junges M�dchen im heiratsf�higen Alter, dunkel wie Mahagoni.</p><p>Madeline umarmte die zerbrechliche alte Frau. �Wie geht�s dir? Was ist mit deinem Bein passiert? Ist es gebrochen?� Seit einer Generation hatte Tante Belle Nin, freigelassen und alleine lebend, als Hebamme im Distrikt gearbeitet.</p><p>�Viele Fragen auf einmal�, sagte Tante Belle und verzog das Gesicht. �Ja, es ist gebrochen, zweimal oder dreimal. Kein Segen in meinem Alter. Wollte gestern abend in unseren Wagen klettern und bin gefallen.� Helle, tiefliegende Augen studierten Orry, als w�re er ein Ausstellungsst�ck. �Sehe, Sie haben sich einen anderen Mann gesucht.�</p><p>�Ja, Tante Belle, das ist Orry Main.�</p><p>�Ich wei�, wer er ist. Ganzes St�ck besser als der andere. Das h�bsche Ding hier ist meine Nichte Jane. Geh�rte der Witwe Milsom, aber die alte Dame starb letzten Winter an Lungenentz�ndung. In ihrem Testament schenkte sie Jane die Freiheit. Seitdem hat sie bei mir gelebt.�</p><p>�Erfreut, Sie kennenzulernen�, sagte Jane ohne jede Ehrerbietung. Orry fragte sich, ob er Tante Belle glauben sollte; genausogut konnte das M�dchen ein Fl�chtling sein.</p><p>�Tante Belles Gesundheit ist in letzter Zeit nicht gut gewesen�, sagte Jane nach einer Pause. �Aber sie wollte ihr Haus nicht aufgeben, bis ich sie �berzeugt hatte, da� es einen besseren Ort gibt.�</p><p>�Sie meinen doch nicht hier?� fragte Orry.</p><p>�Nein, Mr. Main. Virginia. Dann der Norden.�</p><p>�Das ist eine lange, gef�hrliche Reise, vor allem f�r Frauen in Kriegszeiten.� Beinahe h�tte er schwarze Frauen gesagt.</p><p>�Was uns erwartet, lohnt das Risiko. Wir wollten gerade aufbrechen, als Tante Belle sich das Bein brach. Sie braucht Pflege und einen Ort, wo sie sich ausruhen kann.�</p><p>Tante Belle sagte zu Madeline: �Ich hab� Jane erz�hlt, da� Sie eine gute Christin seien. Ich dachte, Sie w�rden uns f�r eine Weile aufnehmen.�</p><p>Orry und Madeline warfen sich gegenseitig fragende Blicke zu. Da Orry abreiste, lag die Entscheidung bei Madeline. �Nat�rlich helfen wir. Liebling, w�rdest du Andy suchen, damit er sie zu den H�tten bringen kann?� Orry, der zu verstehen schien, da� sie noch eine andere Absicht verfolgte, nickte und entfernte sich.</p><p>�Tante Belle, mein Mann geht morgen nach Richmond zur Armee. Ich f�hre hier das Kommando, bis ich ihm nachfahre. Ich gebe dir nur zu gern Unterkunft, mit einer Einschr�nkung. Richtig oder falsch, die Leute auf Mont Royal haben keine Erlaubnis, nach Norden zu gehen, wie ihr es plant. Es k�nnte f�r mich oder f�r euch �rger geben.�</p><p>�Ma�am?� sagte Jane, um Madelines Aufmerksamkeit zu erregen. �An der Sklaverei gibt es nichts Richtiges, nur Falsches.�</p><p>Madelines Antwort klang scharf. �Selbst wenn ich in dem Punkt mit dir �bereinstimmen w�rde, die praktische L�sung ist eine andere Sache.�</p><p>Jane dachte mit sichtbarem Trotz, den Madeline zwar bewunderte, aber nicht tolerieren konnte, dar�ber nach. Schlie�lich stie� Jane eine kleinen Seufzer aus. �Ich glaube nicht, da� wir bleiben k�nnen, Tante Belle.�</p><p>�Denk noch mal dr�ber nach. Diese Lady hier ist anst�ndig. Sei du es auch. Benimm dich nicht wie ein Ziegenbock.�</p><p>Jane z�gerte. Tante Belle funkelte sie an. Das junge M�dchen sagte: �K�nnten wir uns so einigen, Mrs. Main? Ich arbeite f�r Sie, um unseren Unterhalt zu verdienen. Ich erz�hle niemandem, wohin wir gehen. Sobald Tante Belle reisen kann, packen wir unsere Sachen.�</p><p>�Das ist fair�, sagte Madeline.</p><p>�Jane h�lt ihr Wort�, sagte Tante Belle.</p><p>�Ja, den Eindruck hab� ich auch.� Madeline nickte, den Blick auf das M�dchen gerichtet. Keine der beiden Frauen l�chelte, aber in diesem Augenblick begannen sie, einander sympathisch zu finden. �Unser neuer Verwalter wird vielleicht f�r diese Vereinbarung nicht viel �brig haben, aber ich glaube, er akzeptiert � �</p><p>Stimmen in der Dunkelheit unterbrachen sie. Orry und der Vorarbeiter traten in den orangen Schein der Laterne neben der K�chent�r.</p><p>�Ich habe Andy die Sache erkl�rt�, sagte Orry. �Eine leerstehende H�tte w�re verf�gbar. Das hei�t � � Eine fragende Pause.</p><p>�Ja, wir haben die Einzelheiten besprochen�, erkl�rte ihm Madeline. �Andy, das ist Tante Belle Nin und ihre Nichte Jane.� Sie schilderte kurz die getroffene Abmachung.</p><p>�In Ordnung�, sagte Andy. �Mr. Orry meint, ihr habt einen Wagen. Ich fahr euch zur H�tte.�</p><p>�Nimm ein bi�chen Barbecue aus der K�che mit�, sagte Orry. �Die beiden werden wahrscheinlich hungrig sein.�</p><p>�Ausgehungert�, sagte die winzige Alte. �Ich kenne Sie nicht, Mr. Main, aber Sie h�ren sich auch wie ein guter Christ an.�</p><p>Als der Wagen sich langsam der Sklavensiedlung n�herte, warf Andy einen sch�chternen Blick �ber die Schulter in Richtung Jane. Noch nie hatte er ein sch�neres M�dchen gesehen.</p><p>Er sammelte gen�gend Mut und brachte dann heraus: �Du sprichst m�chtig gut, Miss Jane. Kannst du lesen?�</p><p>�Und schreiben�, erwiderte sie. �Rechnen kann ich auch. Mrs. Milsom wu�te ein Jahr, bevor sie starb, da� es bald mit ihr zu Ende gehen w�rde, und begann mich zu unterrichten.�</p><p>�Das war gegen das Gesetz.�</p><p>�Sie sagte, zum Teufel mit dem Gesetz. Sie war eine mutige alte Dame. Sie sagte, ich m�sse bereit sein, meinen Weg allein zu machen.� Das Maultier trottete dahin. �Kannst du lesen und schreiben?�</p><p>�Nein.� Dann, verzweifelt bem�ht, einen guten Eindruck zu machen, platzte er heraus: �Aber ich w�rd�s gern k�nnen. Ein Mann kann sich nicht verbessern, wenn er nichts lernt.�</p><p>�Ein Mann kann sich nie verbessern, wenn er das Besitztum von � � Tante Belle schlug ihrer Nichte aufs Handgelenk. �Ich w�rde dir gern Unterricht geben, aber ich mu� erst Mrs. Main um Erlaubnis fragen.�</p><p>�Ausgezeichnet�, sagte Andy jubilierend.</p><p>Mit Hut, Gehrock und Krawatte, passend zu einer Beerdigung, k��te Orry am n�chsten Morgen seine vage l�chelnde Mutter. �Dank f�r Ihren Besuch, Sir. Besuchen Sie uns bald wieder, ja?� sagte sie.</p><p>Als er seine Frau k��te, klammerte sie sich an ihn und fl�sterte: �Beh�t dich Gott, Liebster. Als ich noch klein war, da kam eines Tages pl�tzlich der Moment, wo ich die Bedeutung des Wortes <emphasis>Tod</emphasis> verstand. Ich fing an zu weinen und rannte zu meinem Vater. Er nahm mich in die Arme und sagte, ich solle mich davon nicht zu sehr �ngstigen lassen, weil wir alle von diesem Problem betroffen seien. Er sagte, der Gedanke, da� wir alle sterblich sind, bes�nftige Herz und Geist. Ich hab� Jahre gebraucht, um ihn zu verstehen und ihm zu glauben. Ich tu es jetzt, aber � ich m�chte nicht, da� es dir fr�her als unbedingt notwendig zust��t. Das Leben ist so wundersch�n geworden.�</p><p>�Mach dir keine Sorgen�, beruhigte er sie. �Bald sind wir wieder vereint. Und ich glaube nicht, da� jemand auf Offiziere feuert, die hinter Schreibtischen sitzen.�</p><p>Er k��te und umarmte sie noch einmal, und dann rollte er, mit Aristotle auf dem Kutschbock, die Stra�e hinunter.</p><p><strong>41</strong></p><p>Gewisse amerikanische B�rger erinnerten sich, da� Dreck und Krankheit der britischen Armee im Krimkrieg am meisten zugesetzt hatten. Kurz nach dem Fall von Sumter beschlossen diese Leute, nach M�glichkeit eine Wiederholung dieser Fehler in den Lagern der Union zu verhindern.</p><p>Nach Bekanntwerden dieses Plans begannen die Armee�rzte bald schon zu spotten und die Zivilisten als Amateure zu bezeichnen, die sich blo� einmischen wollten; die meisten Regierungsbeamten teilten diese Meinung. Die Zivilisten blieben hartn�ckig und gr�ndeten die United States Sanitary Commission, die Hygiene-Kommission. Im Hochsommer hatte die Organisation einen Direktor, Frederick Law Olmsted; dieser Mann hatte 1856 den Central Park in New York entworfen und in einem viel gelesenen Reisebericht die Sklaverei mit �u�erst unfreundlichen Bezeichnungen bedacht.</p><p>Lincoln und das Kriegsministerium wollten die Kommission nicht anerkennen, waren aber schlie�lich dazu gezwungen, weil wichtige Leute damit in Verbindung standen, einschlie�lich Mr. Bache, ein Enkel von Ben Franklin, und Samuel Gridley Howe, der ber�hmte Arzt und Humanist aus Boston.</p><p>Die Kommission scharte Unmengen von Frauen im ganzen Norden um sich; die in den ersten Kriegswochen gr��tenteils individuell geleistete freiwillige Hilfe verlief nun konzentrierter und zielgerichteter. Wie anderswo auch organisierten die Damen den ersten von vielen Gesundheitsm�rkten, um Geld und G�ter f�r die Organisation zu sammeln.</p><p>W�hrend Scipio Brown seine restlichen Waisenkinder zu dem neu ausgebauten Geb�ude brachte und sie der Obhut eines zur Beaufsichtigung angestellten ungarischen Paars anvertraute, war Constance damit besch�ftigt, einen Gesundheitsmarkt f�r den zweiten Freitag und Samstag im November zu planen, unten in Hazards Lagerhaus bei den Eisenbahnschienen neben dem Kanal.</p><p>Wotherspoon lie� Arbeitstrupps zwei Tage und N�chte schuften, um eine gewaltige Schiffsladung Eisenblech aus dem Geb�ude auf eine Reihe von Spezialz�gen zu verladen. Virgilia half als Kommissionsmitglied, ebenso wie Brett, die das vor sich selbst aus zwei Gr�nden rechtfertigte: Ihr Ehemann war ein Unionsoffizier, und abgesehen davon �berwog in jedem Fall das humanit�re Anliegen. Die Kommission wollte letzten Endes nichts weiter als Leben retten. Bretts wirkliches Problem in Verbindung mit dem Markt war die Zusammenarbeit mit Virgilia; sie gestaltete sich schwierig.</p><p>Ihre T�tigkeit erregte Virgilia; sie f�hrte einen kleinen, aber sinnvollen Schlag gegen den S�den. Au�erdem war sie mit ihrem �u�eren Erscheinungsbild recht zufrieden. Constance hatte ihr einen Schal geliehen und Brett eine Ansteckbrosche f�r ihr dunkelbraunes Kleid. Ein Seidennetz hielt ihr Haar zusammen. Wegen ihrer Redegewandtheit, bei Auftritten an Abolitionistenversammlungen erworben, war sie das beste Zugpferd in der Halle. Sie bekam ein Kompliment von ihrem Sektionsvorsitzenden und ein noch bedeutsameres von einem Mann, den sie nicht kannte.</p><p>Es handelte sich dabei um einen Major von der Forty-seventh. W�hrend Virgilia als Demonstration den schlechten Uniformstoff buchst�blich und verbal zerri�, beobachtete er sie �ber den Gang hinweg, von dem Parf�mstand aus; die Soldaten bettelten geradezu um Duftw�sserchen, um sich vor dem Gestank der Camplatrinen zu sch�tzen.</p><p>Der Offizier betrachtete Virgilia w�hrend ihrer Vorf�hrung genau. Sie verlor den Faden, als sein Blick von ihrem Gesicht zu ihren Br�sten und zur�ck wanderte. Dann ging er, am Arm einer Frau, m�glicherweise seiner Ehefrau, aber diese wenigen Momente, in denen er Virgilia angeblickt hatte, waren f�r sie von ungeheurer Wichtigkeit.</p><p>Nach dem letzten Tag des Marktes sank Virgilias Stimmung abrupt. Sie streifte durch Haus und Stadt, wohl wissend, da� ihre Zeit hier abgelaufen war, aber ohne sich zu einem Entschlu� durchringen zu k�nnen. Die Tage vergingen, und nichts �nderte sich.</p><p>Fast zwei Wochen nach dem Markt kam Constance mit einem Brief an den Abendbrottisch. �Er ist von Dr. Howe, von der Gesundheitskommission. Ein alter Freund.�</p><p>�Ist er das? Von wo kommt er?� fragte Virgilia.</p><p>�Newport. Er und seine Frau haben dort zur gleichen Zeit wie wir den Sommer verbracht. Erinnerst du dich nicht?� Virgilia sch�ttelte den Kopf und beugte sich �ber ihren Teller; sie hatte diese Jahre fast vollkommen verdr�ngt.</p><p>Brett sagt: �Erw�hnt der Doktor unseren Markt?�</p><p>�Das tut er. Er schreibt, unserer sei bis jetzt einer der erfolgreichsten gewesen. Bei einer Dinnerparty habe er das Miss Dix pers�nlich berichtet � hier, lies selbst.�</p><p>Brett �berflog den Brief und murmelte dann: �Miss Dix, ist das die Frau aus New England, von der ich gelesen habe? Die so schwer um die Reform der Asyle gek�mpft hat?�</p><p>Constance nickte. �Du hast wahrscheinlich den langen Artikel �ber sie in <emphasis>Leslie�s</emphasis> gelesen. Es hei�t da, Florence Nightingale habe sie dazu inspiriert, bei Kriegsausbruch nach Washington zu gehen. Seit dem Sommer hat sie Oberaufsicht �ber die Armeekrankenschwestern.�</p><p>Virgilia blickte auf. �Sie verwenden Frauen als Pflegepersonal?�</p><p>�Mindestens hundert�, erwiderte Brett. �Billy hat�s mir erz�hlt. Die Frauen bekommen ein Gehalt, Kostgeld, freien Transport � und das Privileg, Soldaten baden zu d�rfen, wor�ber die meist gar nicht begeistert sind, wie mir Billy sagte.�</p><p>Constance war Virgilias pl�tzliche Aufmerksamkeit nicht entgangen. �W�rde dich die Arbeit einer Krankenschwester interessieren?�</p><p>�Ich glaube schon � obwohl ich wahrscheinlich nicht �ber die n�tigen Qualifikationen verf�ge.�</p><p>Constance erschien es gn�diger, Virgilia gewisse Details des Artikels in <emphasis>Leslie�s</emphasis> vorzuenthalten. Miss Dix verlangte weder medizinische noch wissenschaftliche Ausbildung; die Bewerberinnen sollten lediglich �ber drei�ig und nicht attraktiv sein. Also konnte Constance wahrheitsgem�� sagen: �Da bin ich anderer Meinung. Soll ich Dr. Howe um ein Empfehlungsschreiben bitten?�</p><p>�Ja.� Dann entschlossener: �Ja, bitte!�</p><p>In dieser Nacht konnte Virgilia vor Erregung nicht schlafen. Als sie schlie�lich doch die Augen schlo�, �berfielen sie gespenstische Tr�ume. Gradys Grab �ffnete sich; er streckte seine Hand aus, flehte, da� ihn jemand r�chen m�ge. Das Bild verschwamm, dann tauchte eine lange Reihe von M�nnern in grauer Uniform auf; sie beobachtete, wie jeder von ihnen erschossen wurde, dann noch einmal, dann ein drittes und viertes Mal. Blutspritzer tr�nkten den Stoff, w�hrend ein einzelner Mann im Blau der Union endlos feuerte. Sie kannte den M�rder. Sie hatte ihn in einem Feldlazarett gepflegt, bis er wieder seinen Dienst verrichten konnte.</p><p>Schwei�gebadet wachte sie auf.</p><p>Seinem Empfehlungsschreiben legte Dr. Howe zwei Ratschl�ge bei: Virgilia sollte sich zu einem Gespr�ch mit Miss Dix nicht zu sehr herausputzen, und obwohl die Leiterin der Krankenschwestern plumpe Schmeichelei schnell durchschauen w�rde, konnte ein kleines Lob f�r <emphasis>Gespr�che �ber allgemeine Dinge</emphasis> nicht schaden. Miss Dix� kleiner Haushaltsratgeber hatte sich seit seiner Publikation im Jahre 1824 stetig verkauft und war jetzt in der sechzehnten Auflage. Die Autorin war stolz auf ihr Kind.</p><p>Anfang Dezember, gerade w�hrend eines W�rmeeinbruchs, kam Virgilia in Washington an. Als sie auf den sonnenhellen Bahnsteig trat, r�mpfte sie die Nase �ber den Gestank, der von den acht Pinienkisten im Gep�ckwagen aufstieg. Sie fragte den Gep�ckmann, was die Kisten enthielten.</p><p>�Soldaten. Bei solchem Wetter h�lt sich das Eis nicht.�</p><p>�Hat es eine Schlacht gegeben?�</p><p>�Nichts Gro�es, soviel ich wei�. Diese Jungs sind wahrscheinlich an der Ruhr oder �hnlichem gestorben. Wenn Sie l�nger hier sind, sehen Sie Hunderte von diesen Kisten.�</p><p>Am n�chsten Morgen betrat sie um zehn Uhr das B�ro von Dorothea Dix. Miss Dix, eine sechzigj�hrige Jungfer, war in Kleidung, Gesten und Sprache sauber und ordentlich.</p><p>�Eine Freude, Sie zu sehen, Miss Hazard. Sie haben einen Bruder in Minister Camerons Amt, nicht wahr?�</p><p>�Genaugenommen zwei. Der zweite arbeitet f�r General Ripley. Und mein j�ngster Bruder ist bei den Pionieren in Virginia. Seine Frau hat mir Ihr Buch empfohlen, das ich sehr genossen habe.� Sie betete, Miss Dix m�ge keine Fragen �ber den Inhalt stellen, da sie sich nicht die M�he gemacht hatte, ein Exemplar zu kaufen.</p><p>�Freut mich zu h�ren. Werden Sie Ihre Br�der w�hrend Ihres Aufenthalts in der Stadt sehen?�</p><p>�Oh, selbstverst�ndlich, wir stehen uns sehr nah.� Klang das zu �bertrieben? �Allerdings hoffe ich, da� mein Aufenthalt hier von Dauer sein wird. Ich w�rde gern als Krankenschwester arbeiten, obwohl ich keine offizielle Ausbildung besitze.�</p><p>�Jede intelligente Frau kann die technischen Aspekte schnell lernen. Was sie nicht erwerben kann, falls sie es nicht bereits besitzt, ist ein Charakterzug, den ich f�r unverzichtbar erachte.�</p><p>Miss Dix faltete die H�nde und betrachtete Virgilia aus graublauen Augen.</p><p>�Ja?� sagte Virgilia.</p><p>�Seelenst�rke. Die Frauen in meinem Schwesterncorps werden mit Dreck, Blut, Verderbtheit konfrontiert und einer Rohheit, die zu beschreiben mir die gute Erziehung verbietet. Meine Schwestern sind das Ziel von Feindseligkeiten, sowohl von Seiten der Patienten als auch der �rzte, die zumindest in der Theorie unserer Verb�ndeten sein m��ten. Das sind die Herausforderungen, denen wir uns gegen�bersehen. Wenn Sie sich uns anschlie�en, Miss Hazard, dann werden Sie nicht nur einen Blick in die H�lle werfen, Sie werden mitten hindurch marschieren.�</p><p>Leicht zischend atmete Virgilia ein, versuchte die sinnliche Erregung zu verbergen, die sie erneut erfa�te. Eine blendende Vision tauchte auf, von jungen M�nnern in Kadettengrau, die blutend und schreiend st�rzten. Grady grinste zu dem Spektakel, die sch�nen k�nstlichen Z�hne zeigend, die sie ihm gekauft hatte, um jene zu ersetzen, die man ihm gezogen hatte, um ihn als Sklaven zu markieren.</p><p>�Miss Hazard?�</p><p>�Tut mir leid. Bitte verzeihen Sie. Eine vor�bergehende Benommenheit.�</p><p>Stirnrunzeln. �Haben Sie das �fters?�</p><p>�Oh nein � nein! Es ist die Hitze.�</p><p>�Ja, au�ergew�hnlich f�r Dezember. Was halten Sie von dem, was ich Ihnen gesagt habe?�</p><p>Virgilia betupfte ihre Oberlippe mit dem Taschentuch. �Ich war in der Abolitionistenbewegung aktiv, Miss Dix. Als Folge davon sah ich h�ufig�, sie zwang mehr Festigkeit in ihre Stimme, �die verst�mmelten Leichen gefl�chteter Sklaven, die von ihren Herren ausgepeitscht worden waren. Ich sah Narben, gr��liche Verst�mmelungen. Ich hab� es ertragen. Ich kann auch die H�rten der Krankenpflege ertragen.�</p><p>Endlich l�chelte die Frau aus Boston ihrer Besucherin zu. �Ich bewundere Ihre Sicherheit. Das ist ein gutes Zeichen. Ihr Erscheinungsbild ist passend und Dr. Howes Empfehlung enthusiastisch. Sollen wir uns den Einzelheiten Ihres Gehalts und Ihrer Lebensumst�nde zuwenden?�</p><p><strong>42</strong></p><p>Lieutenant Colonel Orry Mains Ankunft und seine ersten achtundvierzig Stunden in Richmond waren voller Hektik. Er fand eine Unterkunft in einer Pension, unterschrieb verschiedene Papiere, leistete den Eid, kaufte seine Uniformen und meldete sich bei Colonel Bledsoe, der in den B�ros des Kriegsministeriums das Kommando f�hrte, in der Ninth Street neben dem Capitol Square.</p><p>Ein Angestellter namens Jones aus Maryland mit m�rrischem, geheimnistuerischem Benehmen zeigte Orry seinen Schreibtisch hinter einer der d�nnen Trennw�nde, die das B�ro unterteilten. Am n�chsten Tag empfing ihn Minister Benjamin. Der rundliche, kleine Mann hatte Walker abgel�st, den offenen, direkten Anwalt aus Alabama, dem man angelastet hatte, nicht mehr Kapital aus dem Sieg von Manassas geschlagen zu haben.</p><p>�Entz�ckt, Sie endlich bei uns zu sehen, Colonel Main.� Der Minister strahlte, von seinen unlesbaren Augen abgesehen, Kameraderie aus. �Wenn ich recht informiert bin, speisen wir Samstagabend zusammen.�</p><p>Orry dr�ckte �berraschung aus. Benjamin sagte: �Die Einladung ist m�glicherweise jetzt erst in Ihrer Unterkunft abgegeben worden. Angela Mallory f�hrt eine ausgezeichnete Tafel, und die Eisdrinks des Ministers sind ber�hmt. Mr. Mallory ist voll des Lobes �ber die Arbeit, die Ihr Bruder und Bulloch in Liverpool leisten � ah, aber ich kann mir vorstellen, Sie sind mehr daran interessiert, etwas �ber Ihre eigenen Pflichten zu erfahren.�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Der Platz, den Sie auszuf�llen haben, ist viel zu lange unbesetzt gewesen. Der Job ist sowohl notwendig als auch, wie ich eingestehen mu�, schwierig, denn er erfordert Kontakt mit einer recht verha�ten Person. Sagt Ihnen der Name Winder etwas?�</p><p>Orry dachte kurz nach. �In West Point wurde �ber General William Winder geredet. Er verlor die Schlacht von Bladensburg im Jahre � 1814, ja?� Benjamin nickte. �Jetzt erinnere ich mich. Winder k�mpfte aus �berlegener Stellung mit �berlegenen Kr�ften, aber die Briten schlugen ihn trotzdem, marschierten dann unbehelligt nach Washington und brannten es nieder. Sp�ter, beim Wiederaufbau der Stadt, wurde ein Geb�ude nach ihm benannt.�</p><p>�Ich spreche von Winders Sohn. Er war eine gewisse Zeit taktischer Offizier in West Point.�</p><p>�Das wu�te ich nicht.�</p><p>Sorgf�ltig die Worte w�hlend, fuhr Benjamin fort: �Tats�chlich war er dort Ausbilder, als Pr�sident Davis diese Institution besuchte. Deshalb hatte ihn der Pr�sident in guter Erinnerung, als Major Winder zu Beginn des Jahres hier ankam. Er ernannte ihn zum Brigadegeneral und Kommandeur der Milit�rpolizei. Seine B�ros liegen ganz in der N�he. Im Grunde ist er ein besserer Polizist � was an sich kein Problem darstellen w�rde, wenn ihn sein zunehmendes Alter nicht so unflexibel gemacht h�tte. Und schlie�lich ist er bedauerlicherweise auch noch ein Leuteschinder. Aber trotz allem genie�t er die Gunst des Pr�sidenten.� Benjamin sah Orry direkt in die Augen. �Jedenfalls zur Zeit.�</p><p>Benjamin erkl�rte ihm, da� der Kommandeur der Milit�rpolizei eine Anzahl von M�nnern angeheuert hatte, die in seinen Dienstlisten als professionelle Detektive gef�hrt wurden. �Ich w�rde sie eher als Totschl�ger bezeichnen. Importierte auch noch. Yankeeabschaum, die keine Ahnung vom S�den haben. Sie scheinen besser geeignet zu sein, Rowdies aus Kneipen rauszuwerfen als ordentliche Detektivarbeit zu leisten. Aber wie ich schon sagte, sie sind verantwortlich f�r die Aufkl�rung von milit�rischen wie von zivilen Vergehen und Verbrechen. Aufgrund des, �h, Charakters des Generals neigen sie dazu, die Grenzen ihrer Autorit�t zu �berschreiten. Ich kann nicht zulassen, da� sie die Befugnisse dieses Amtes beschneiden. Wenn sie es versuchen, dann m�ssen wir ihnen auf die Finger schlagen. Der letzte Mann, der daf�r verantwortlich war, zeigte sich der Aufgabe nicht gewachsen. Daher meine Freude �ber Ihre Ankunft.�</p><p>Wieder dieser direkte, starre Blick. Benjamins weitere Worte l�sten einen kleinen Schock bei Orry aus.</p><p>�Au�erdem beansprucht Winder die Aufsicht �ber die lokalen Gef�ngnisse. Wenn er bei der Behandlung der Gefangenen nicht wenigstens ein Minimum an Humanit�t einf�hrt, dann kann uns das auf diplomatischer Ebene Schaden zuf�gen, vor allem, weil die europ�isc he Anerkennung immer noch zweifelhaft ist. Kurz gesagt, Colonel, es gibt viele M�glichkeiten, wie der General der Konf�deration schaden kann; wir m�ssen ihn daran hindern.�</p><p>�Der Herr Minister wird mir die Bemerkung gestatten, da� General Winder rangh�her ist als ich.�</p><p>�Das ist er � au�er er stellt eine direkte Bedrohung des Wohlergehens dieses Ministeriums dar. Dann werden wir sehen, wessen Rang h�her ist.� Benjamin schob seinen Stuhl vor und warf Orry einen Blick zu, der das Eisen unter der Seide enth�llte. �Ich hoffe zuversichtlich, da� Sie Ihren Aufgaben mit Takt und K�nnen nachkommen werden, Colonel.�</p><p>Das war keine Hoffnung; das war ein Befehl.</p><p>Am n�chsten Morgen stattete Orry dem Milit�rpolizeikommandeur einen H�flichkeitsbesuch ab; das B�ro war in einem h��lichen Geb�ude in der Broad Street nahe Capitol Square untergebracht. Schon bei seinem Eintritt begannen sich die ersten negativen Eindr�cke anzusammeln. Ein paar von Winders Rowdies, Zivilisten mit schlammigen Stiefeln und gewaltigen Revolvern, l�mmelten auf B�nken herum und starrten ihn an, als er zu den B�roangestellten hin�berging.</p><p>Brigadegeneral John Henry Winder lie� ihn eine Stunde warten. Als Orry schlie�lich eintreten durfte, sah er einen st�mmigen Offizier vor sich, der wesentlich �lter als sechzig wirkte. Str�hnenweise stand ihm das wei�e Haar, das anscheinend schon l�ngere Zeit nicht mehr gek�mmt, geschnitten und gewaschen worden war, vom Kopf ab. Winders Haut schuppte sich, so trocken war sie, und sein st�ndig zu einem auf den Kopf gestellten U verzogener Mund deutete darauf hin, da� L�cheln nicht zu seinen Angewohnheiten z�hlte.</p><p>Orry wollte sich freundlich vorstellen und seiner Hoffnung auf gute Zusammenarbeit Ausdruck verleihen. Der Kommandeur war daran nicht interessiert.</p><p>�Ich wei�, Ihr Bo� ist ein Freund von Davis, aber das bin ich auch. Wir werden gut miteinander auskommen, wenn Sie zwei Regeln befolgen: Kommen Sie mir nicht in die Quere, und stellen Sie meine Autorit�t nicht in Frage.�</p><p>Weniger freundlich sagte Orry: �Ich glaube, der Minister hat ebenfalls Regeln, General. In Dingen, die in irgendeiner Form die Armee betreffen, bin ich angewiesen, daf�r zu sorgen, da� die Vorschriften � �</p><p>�Zum Teufel mit den Vorschriften. Wir haben Krieg. Ganz Richmond steckt voller Feinde.� Uralte Schildkr�tenaugen fixierten Orry. �Mit und ohne Uniform. Ich werde sie ausrotten und mich dabei den Teufel um <emphasis>Vorschriften</emphasis> scheren. Ich habe zu tun. Sie sind entlassen.�</p><p>�Zu Ihren Diensten, General.� Er salutierte, aber Winder hatte sich bereits �ber seine Akte gebeugt und erwiderte den Gru� nicht. Mit rotem Gesicht marschierte Orry hinaus.</p><p>Nur noch wenige Angestellte hielten sich in den B�ros des Ministeriums auf, unter ihnen Jones. Orry beschrieb sein Zusammentreffen, und Jones lachte h�hnisch. �Typisches Benehmen. In der ganzen Regierung gibt es keinen Mann, den ich mehr verachte. Sie werden bald ebenso empfinden.�</p><p>�Ich will verdammt sein, wenn das nicht bereits der Fall ist.�</p><p>Jones kicherte und machte sich wieder daran, in eine Art Journal zu schreiben. Sp�ter sah Orry, wie Jones das Journal in eine untere Schreibtischschublade zur�cklegte und dabei verstohlen um sich blickte. F�hrte er ein Tagebuch? Man h�tete wohl besser seine Zunge in Gegenwart dieses Burschen.</p><p>Bei der Dinnerparty im Hause des Marineministers Stephen Mallory am Samstagabend herrschte eine bessere Atmosph�re. Mallory, in Florida geboren, Eltern Yankees, hatte das gro�e Gl�ck � oder Pech, je nach Perspektive �, ein Ministerium zu leiten, das von Jefferson Davis fast vollkommen ignoriert wurde. Schnell machte der Minister seinen Gast mit seiner Einstellung bekannt.</p><p>�Ich habe die Sezession immer nur als Synonym f�r Revolution betrachtet. Aber jetzt, da wir k�mpfen, will ich nicht das Zugest�ndnis des Feindes gewinnen, da� wir als Nation existieren d�rfen, sondern ich will ihn schlagen. In diesem und in vielen anderen Punkten haben der Pr�sident und ich unterschiedliche Ansichten. Noch einen Julep, Colonel?�</p><p>In Orrys Kopf wirbelte es bereits, vom ersten Drink und vom Glanz der Versammlung. Das strahlendste Schmuckst�ck war Mallorys spanische Gattin Angela, eine anmutige, sch�ne Frau. Sie lobte Cooper und stellte Orry ihren kleinen T�chtern vor, ehe sie sie zu Bett brachte.</p><p>W�hrend des ausgezeichneten Mahles wurden viele Toasts auf die Konf�deration und vor allem auf ihre gefangenen Repr�sentanten, Mason und Slidell, ausgebracht, beide Favoriten der Erzsezessionisten. Auch Benjamin z�hlte dazu, obwohl Orry die Ernsthaftigkeit des glatten, kleinen Mannes bezweifelte; auf Orry machte er nicht den Eindruck eines Eiferers, sondern eher eines Mannes, der es vorzieht zu �berleben. Trotzdem brachte der Minister Witz und Fr�hlichkeit in die Runde. Der Tisch war derma�en �berladen mit K�stlichkeiten, da� Orry M�he hatte, sich daran zu erinnern, da� sie sich im Krieg befanden. F�r eine kurze Weile verga� er sogar, wie sehr er Madeline vermi�te.</p><p>Als die Party ihrem Ende zuging, lud Benjamin ihn zu einem seiner Lieblingspl�tze ein. �Johnny Worsham�s. Ich m�chte gegen seine Faro-Bank gewinnen. Johnny hat da eine feine Sache am Laufen. Man trifft die richtigen Leute, ebenso wie die richtigen Damen, aber man kann sich auch der Diskretion des Hauses sicher sein und wird nicht betrogen.�</p><p>Benjamin liebte abendliche Spazierg�nge, und Orry erhob keine Einw�nde. Als sie am Spotswood vorbeikamen, wo gerade eine l�rmende Menge von einer anderen Party aufbrach, rannte jemand zuf�llig gegen Orry. �Ashton!�</p><p>Die �berraschung lie� ihn freundlicher als beabsichtigt klingen. Seine Schwester hing am Arm ihres Ehemannes; sie schenkte ihm ein L�cheln, so warm und herzlich wie ein Januartag. �Lieber Orry! Ich h�rte, da� du hier bist � und auch noch verheiratet. Ist Madeline ebenfalls hier?�</p><p>�Nein, aber sie wird bald kommen.�</p><p>�Wie gro�artig du in Uniform aussiehst.� Ashtons L�cheln f�r den Minister war erkennbar herzlicher. �Arbeitet er f�r Sie, Judah?�</p><p>�Ich bin froh, das bejahen zu k�nnen.�</p><p>�Welches Gl�ck. Orry, mein Lieber, sobald wir die Zeit finden, m�ssen wir einmal zusammen essen. James und ich werden ja vollkommen von gesellschaftlichen Verpflichtungen aufgefressen. In manchen Wochen haben wir kaum f�nf Minuten f�r uns.�</p><p>�Ganz richtig�, sagte Huntoon. Seine Brillengl�ser beschlugen in der K�lte. Ashton winkte und warf Benjamin flirtende Blicke zu, w�hrend ihr Mann ihr in die Kutsche half.</p><p>�Attraktive junge Frau�, murmelte Benjamin im Weitergehen. �Angenehm f�r Sie, eine Schwester in Richmond zu haben.�</p><p>Sinnlos, etwas zu verschweigen, das ohnehin bald allgemein bekannt sein d�rfte. �Wir stehen nicht auf gutem Fu� miteinander, f�rchte ich.�</p><p>�Ein Jammer�, sagte Benjamin mit einem kleinen, perfekten und leeren Beileidsl�cheln. Ich segle mit einem Meisternavigator der politischen Gew�sser, dachte Orry. Er wu�te, da� er von Ashton nichts mehr wegen des Essens h�ren w�rde. Das pa�te ihm ausgezeichnet.</p><p>�Ashton?�</p><p>�Nein.�</p><p>Sie wandte sich von seiner Hand und seinem bettelnden Gejammer ab und schob ihr Kopfkissen so weit wie m�glich an den Rand des Bettes. Gerade als sich k�stliche Gedanken an Powell in ihrem Kopf zu formen begannen, bel�stigte er sie erneut.</p><p>�Ziemliche �berraschung, deinen Bruder zu sehen.�</p><p>�Eine unangenehme �berraschung.�</p><p>�Hast du wirklich vor, f�r uns drei ein Essen zu geben?�</p><p>�Nachdem er mich aus dem Haus geworfen hat, in dem ich aufgewachsen bin?� Ein ver�chtlicher Laut beantwortete die Frage. �Ich wollte, du w�rst still. Ich bin ersch�pft.�</p><p>Ashton sah Powell mindestens einmal die Woche, sogar zweimal, wenn Huntoons Arbeitszeit g�nstig war. Sie trafen sich auf Church Hill. Nat�rlich war es f�r sie immer noch ein Risiko, aber im Grunde liebte sie die Gefahr, bei Tageslicht in die Franklin Street zu kommen; einmal im Inneren des Hauses, befand sie sich in vollkommener Sicherheit, was in irgendeiner Absteige nicht der Fall gewesen w�re.</p><p>Powell brachte Ashton nicht nur Erf�llung mit seinen gelegentlich grausamen Liebesspielen, er faszinierte sie auch als Mensch. Er war ein hitziger Patriot, gleichzeitig aber skrupellos auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Das war kein Widerspruch. Er liebte die Konf�deration, ha�te aber �King Jeff�. Er beabsichtigte, den schicksalhaften Krieg zu �berleben und dabei reich zu werden.</p><p>�Daf�r bleibt mir ungef�hr ein Jahr. Davis wird noch f�r eine Weile seine unkontrollierten St�mpereien begehen. Wir k�mpfen f�r eine gerechte Sache � wir sollten und wir k�nnten gewinnen. Wenn uns der richtige Mann f�hrt, dann k�nnte ich zum Prinzen eines neuen K�nigreiches werden. Unter den gegenw�rtigen Umst�nden und dem gegenw�rtigen Diktator kann ich, so f�rchte ich, lediglich reich werden.�</p><p>Ein Patriot, ein Spekulant, ein unvergleichlicher Liebhaber � nie zuvor hatte sie einen solch vielschichtigen Mann gekannt. Im Vergleich schnitt Huntoon noch schlechter ab, als er es in der Vergangenheit ohnehin schon getan hatte.</p><p>Ihre Gewi�heit, da� sie Powell liebte, wurde immer st�rker. Ashton bezweifelte, da� Powell sie liebte. Sie hielt ihn f�r unf�hig, jemand anders als sich selbst zu lieben. Es st�rte sie nicht. Was sie zu geben hatte, w�rde f�r beide reichen �</p><p>�Ashton?�</p><p>Ihr R�cken war immer noch ihrem Mann zugewandt. Sie knurrte ein Schimpfwort und schlug mit der Faust auf das Kissen. Warum konnte er sie nicht in Ruhe lassen? �Was ist?�</p><p>Eine schlaffe, widerliche Hand kroch �ber ihre Schulter. �Warum bist du so kalt zu mir? Es ist schon Wochen her, seit du mir das letzte Mal meine ehelichen Rechte zugestanden hast.�</p><p>Gott, selbst wenn er nach Liebe jammerte, h�rte er sich wie ein Anwalt an. Er w�rde daf�r bezahlen, da� er sie gest�rt hatte. Sie rollte sich zur Seite, suchte ein Streichholz, z�ndete es an, ri� den Schirm von der Lampe und steckte den Docht an. Auf die Ellbogen gest�tzt, zerrte sie ihr Nachthemd �ber die H�ften hoch.</p><p>�Also gut, dann mach.�</p><p>�W-Was?�</p><p>�Zieh dieses stinkende Nachthemd aus, und nimm dir, was du willst, solange du es noch kriegen kannst.� Die Lampe entz�ndete kleine Feuer in ihren Augen. Sie beugte die Knie, �ffnete die Schenkel, bi� die Z�hne zusammen. �Komm schon.�</p><p>Er k�mpfte mit dem langen Flanellnachthemd. �Ich bin mir nicht sicher, ob ich auf Kommando kann.� Er entbl��te seinen wei�en K�rper, und sie sah, da� er nur zu recht hatte. Huntoon schien jeden Moment in Tr�nen auszubrechen. Ashton lachte ihn aus.</p><p>�Du kannst ja nie. Selbst wenn dieses k�mmerliche kleine Ding ein bi�chen Leben zeigt, dann sp�re ich nicht mehr als einen Fingerhut in mir. Wie konntest du je erwarten, eine Frau zu befriedigen? Du bist l�cherlich.�</p><p>Und damit klappte sie ihre Beine zusammen, zerrte ihr Nachthemd herunter, ergriff die Lampe und verlie� das Schlafzimmer.</p><p>Huntoon lauschte ihren Schritten, die nach unten f�hrten. �Du gemeine H�ndin�, br�llte er. Doch sein �rger schmolz so schnell dahin wie die leichte Versteifung seines Gliedes, die er zustandegebracht hatte, als sie ihn anschrie. Ihre Grausamkeit tat mehr, als ihn nur zu verletzen. Sie best�tigte einen Verdacht, den er schon seit einigen Tagen hegte. Es gab einen anderen Mann.</p><p>Huntoon warf sich aufs Bett. Eine Stunde lang blieb er so liegen und stellte sie sich nackt mit einem anderen Mann vor. Irgendein Offizier vielleicht? Dieser verschlagene kleine Jude mit seinem Kabinettsposten und seinen feinen Manieren? Oder konnte es ein Mann wie dieser glatte, hinterlistige Powell aus Georgia sein? Mit trockenem Mund stellte sich Huntoon vor, wie seine Frau sich verschiedenen Verd�chtigen hingab. Er konnte sie zur Rede stellen, konnte verlangen, da� sie ihm den Namen �</p><p>Er konnte es nicht; das Wissen w�rde ihn wahrscheinlich umbringen.</p><p>Nach zwei Stunden raffte er sich aus dem Bett hoch, zog einen Morgenrock an und ging nach unten.</p><p>�Ashton? Ich wollte mich entschuldigen � �</p><p>Der Satz verlor sich. Er schnitt eine Grimasse. Fest schlafend lag sie zusammengerollt in einem gro�en Ledersessel; sie atmete leicht und gleichm��ig. Auf ihrem Gesicht lag ein sinnliches, zufriedenes Trauml�cheln.</p><p>Er drehte sich um und stolperte die Treppe hoch; dieses L�cheln brannte sich wie S�ure in sein Ged�chtnis. Die Tr�nen kamen ihm. Er ha�te sie, wu�te aber, da� er machtlos war, etwas gegen sie zu unternehmen. Wie ein alter Mann stieg er die Stufen hoch; die Uhr im Flur schlug drei.</p><p><strong>43</strong></p><p>Auf Belvedere setzte Brett ihren t�glichen Kampf gegen die Einsamkeit fort.</p><p>Ein Trost: Billys Briefe klangen fr�hlicher. Seine alte Einheit, die Pionierkompanie A, war nach Washington zur�ckgekehrt und hatte auf dem Gel�nde des Bundesarsenals Quartier bezogen, zusammen mit zwei der drei neuen Freiwilligenkompanien, die der Kongre� im August bewilligt hatte � B aus Maine und C aus Massachusetts.</p><p>Das neugegr�ndete Pionierbataillon geh�rte nun zu McClellans Potomac-Armee und wurde von Captain James Duane kommandiert, einem Offizier, den Billy respektierte. Um bei dem Bataillon bleiben zu k�nnen, hatte Billys Freund Lije Farmer als Captain der Freiwilligen zur�cktreten und ein Patent der regul�ren Armee als Erster Lieutenant annehmen m�ssen. Der �lteste in der Potomac-Armee, behauptete er, aber Billy war zufrieden und froh, da� er bei ihnen war.</p><p>Brett fragte sich, ob es eine Hoffnung auf Urlaub f�r ihn gab. Sie vermi�te ihn so sehr; es gab viele N�chte, in denen sie nur wenige Stunden schlief. Sie half im Haus soviel sie konnte, aber trotzdem blieben ihr noch viele leere Stunden. Constance war wieder zu George nach Washington zur�ckgekehrt. Dieser seltsame, hitzige Farbige, Brown, war ebenfalls dort und sammelte weitere verirrte Sch�fchen ein. Virgilia hatte eine Stelle bei Miss Dix� Krankenschwestern bekommen und w�rde nicht zur�ckkehren. Brett war ganz allein, in d�sterer Stimmung und einsam.</p><p>An einem stahlgrauen Dezembertag spazierte sie zum Tor von Hazards, dann den H�gel zum Brown-Geb�ude hoch. Sie entdeckte zwei der Kinder, einen Jungen und ein M�dchen, die mit Mr. Czorna, dem Ungarn, an einer Tafel lernten. Seine Frau r�hrte die Suppe am Ofen. Brett gr��te beide.</p><p>�Morgen, Madam�, erwiderte die grauhaarige Frau, ehrerbietig, aber nicht besonders freundlich. Jede von ihnen sprach mit Akzent: Mrs. mit deutlich europ�ischem, Brett mit deutlich s�dstaatlichem. Brett wu�te, da� ihr das Paar kein Vertrauen entgegenbrachte � nicht gerade neu in Lehigh Station.</p><p>Sie wollte etwas sagen, bemerkte dann aber ein Kind im angrenzenden Raum. Auf einem Strohsack sitzend, starrte das kleine, kupferfarbene M�dchen mit gesenktem Kopf auf seine H�nde.</p><p>�Ist das Kind krank, Mrs. Czorna?�</p><p>�Nicht krank, nicht diese Art von Krankheit. Vor seiner Abreise hat Mr. Brown ihr eine Schildkr�te gekauft. Vor zwei N�chten, als wir den Schnee hatten, kroch die Schildkr�te aus dem Fenster und erfror. Sie will nicht, da� ich das Tier beerdige. Sie will nicht essen, nicht sprechen oder lachen � ich vermisse ihr Lachen. Ich wei� nicht, was ich tun soll.�</p><p>Ger�hrt vom Anblick der hoffnungslosen Gestalt im anderen Raum, sagte Brett impulsiv: �Darf ich einen Versuch machen?�</p><p>�Nur zu.�</p><p>�Ihr Name ist Rosalie, nicht wahr?�</p><p>�Ja, das stimmt.�</p><p>Brett ging in den Schlafsaal und setzte sich neben das kleine M�dchen, das sich nicht bewegte. In der offenen Handfl�che des Kindes lag die tote Schildkr�te � nicht sonderlich gut riechend.</p><p>�Rosalie? Darf ich deine Schildkr�te nehmen und ihr ein warmes Pl�tzchen geben?�</p><p>Das Kind starrte Brett mit leeren Augen an. Es sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Bitte, Rosalie. Sie verdient es, warm und gem�tlich zu liegen, w�hrend sie schl�ft. Hier drinnen ist es kalt. Kannst du es nicht sp�ren? Komm, hilf mir drau�en. Danach gehen wir zu mir, zu Kuchen und Kakao. Du kannst die gro�e Mamakatze sehen, die letzte Woche Junge gekriegt hat.�</p><p>Sie faltete die H�nde, wartete. Das Kind starrte sie an. Langsam griff Brett nach der Schildkr�te. Das Kind schaute hinunter, sagte aber nichts. Brett bat Mrs. Czorna um einen gro�en L�ffel, dann gingen sie zusammen hinter das wei�get�nchte Geb�ude. Mit dem L�ffel grub Brett ein Loch in den winterlichen Boden. Sie wickelte die Schildkr�te in ein sauberes Tuch, legte sie hinein und h�ufte vorsichtig Erde dar�ber. Als sie aufblickte, sah sie Rosalie weinen.</p><p>�Oh, armes Kind. Komm her.�</p><p>Sie breitete die Arme aus. Das kleine M�dchen rannte auf sie zu. W�hrend der kalte Wind pfiff, hielt Brett das zitternde K�rperchen. In diesem Augenblick, an diesem grauen Morgen, wurde ihr etwas bewu�t. Rosalie f�hlte sich nicht anders an als jedes andere verletzte Kind auch.</p><p>Brett schlo� sie fest in die Arme, sp�rte, wie die H�nde des kleinen M�dchens um ihren Nacken glitten, und dann f�hlte sie die feuchte K�lte seiner Wange, die sich w�rmesuchend gegen die ihre pre�te.</p><p><strong>44</strong></p><p>Tante Belle Nin starb am 10. Oktober. Seit Tagen war es mit ihr langsam zu Ende gegangen, Opfer einer Blutvergiftung, wie es der Arzt der Mains bezeichnete. Sie war bis zuletzt bei klarem Bewu�tsein, rauchte eine Maiskolbenpfeife, die Jane ihr gestopft hatte, und gab Kommentare zu Tr�umen ab, die ihr Szenen aus dem Leben nach dem Tod gezeigt hatten. �Es macht mir nichts aus zu gehen, abgesehen von einem Detail�, sagte sie durch die Rauchwolken hindurch. �Wahrscheinlich werd� ich meine beiden Ehem�nner auf der anderen Seite treffen, und darauf k�nnt� ich gut verzichten.�</p><p>Tante Belle paffte einige kr�ftige Z�ge, l�chelte ihrer Nichte zu, reichte ihr die Pfeife und schlo� die Augen.</p><p>Madeline war sofort damit einverstanden, da� Tante Belle am n�chsten Tag auf Mont Royal begraben wurde � der gleiche Tag, an dem ein Feuersturm durch Charleston raste. Viele H�userbl�cke weit verbrannte Erde, sechshundert zerst�rte Geb�ude, Besitz im Wert von Millionen Dollars vernichtet. Schwarze Brandstifter sollten daf�r verantwortlich sein. Die Neuigkeiten erreichten Mont Royal am Abend nach der Beerdigung; ein Kurier, unterwegs zur Ashley-Plantage, warnte vor einem m�glichen Aufstand.</p><p>W�hrend der Kurier sich mit Madeline und Meek unterhielt, schlenderte Jane allein durch das k�hle Mondlicht am Flu� entlang. Ein Knirschen von Planken ganz vorn am Dock erschreckte sie. Cuffey beobachtete sie jetzt st�ndig, und als sie sich umwandte und die drohende Silhouette eines Mannes sah, dachte sie, er sei ihr gefolgt.</p><p>�Ich bin�s blo�, Miss Jane.�</p><p>�Oh, Andy. Hallo!� Sie entspannte sich, zog an ihrem Schal. Der Wintermond erhellte sein Gesicht, als er sich ihr scheu n�herte.</p><p>�Wollte dir nur sagen, wie sehr der Tod deiner Tante mich bek�mmert hat. Dachte, bei der Beerdigung ist nicht der richtige Ort daf�r.�</p><p>�Ich danke dir, Andy.� Zu ihrer eigenen �berraschung stellte sie fest, da� sie ihn l�nger als n�tig ansah.</p><p>�M�chtest du dich einen Moment hinsetzen?� fragte er. �Hab� nicht viel M�glichkeiten, dich zu sehen, den ganzen Tag die Arbeit und � �</p><p>�Ist dir nicht kalt? Du hast nur dieses Hemd an.�</p><p>�Oh, das ist schon in Ordnung.� Er l�chelte. �Warte, ich helfe dir � �</p><p>Er nahm ihre Hand, damit sie nicht fiel, als sie sich an den Rand des Docks setzte, und lie� sie dann fast erschrocken wieder los. Im Grunde genommen war Jane genauso nerv�s wie er. In Rock Hill hatte sie nie viel mit M�nnern zu tun gehabt. Sie war noch Jungfrau, und die Witwe Milsom hatte ihr den eindringlichen Rat gegeben, das auch zu bleiben, bis sie einen Mann gefunden hatte, den sie liebte und heiraten wollte.</p><p>�Schrecklich, dieses Feuer in Charleston.�</p><p>�Schrecklich�, stimmte sie zu, obwohl sie nichts f�r die wei�en Besitzer �brig hatte. Sie w�nschte sich keine Toten, h�tte aber nichts dagegen gehabt, wenn jede Plantage im Staat niedergebrannt w�re.</p><p>�Ich denk�, du wirst jetzt bald nach Norden aufbrechen.�</p><p>�Ja, ich glaub� schon. Nun, wo Tante Belle beerdigt ist, bin ich � � Sie hielt inne, verbi� sich das Wort �frei�, falls es ihn verletzen w�rde. Es war ein m�chtiges Wort, <emphasis>frei.</emphasis> �-- kann ich tun, was ich will.�</p><p>Er studierte seine Finger; schlie�lich brach es aus ihm heraus. �Hoffentlich st�rt es dich nicht, wenn ich noch was sag�.�</p><p>�Kann ich erst wissen, wenn du�s gesagt hast, oder?�</p><p>Er lachte, nun etwas lockerer. �Ich wollt�, du w�rdest bleiben, Miss Jane.�</p><p>�Du mu�t mich nicht dauernd Miss nennen.�</p><p>�Scheint angebracht. Du bist eine feine, h�bsche Frau � kl�ger, als ich�s je sein werde.�</p><p>�Du bist klug, Andy. Ich kann das beurteilen. Und es wird noch besser, wenn du lesen und schreiben gelernt hast.�</p><p>�Das ist ein Teil von dem, was ich meine, Mi� Jane. Wenn du weg bist, wird niemand mehr hier sein, der mich unterrichtet. Niemand, der irgendeinen von uns unterrichten k�nnte.� Er beugte sich vor. �Die Soldaten von Lincoln kommen immer n�her. Aber so wie ich jetzt bin, komme ich in der Welt der Wei�en nicht zurecht. Wei�e schreiben Briefe, Rechnungen, machen Gesch�fte. Ich bin nicht besser auf die Freiheit vorbereitet als irgendein alter Hund, der den ganzen Tag in der Sonne liegt.�</p><p>Sie f�hlte einen Schu� �rger. �Du meinst, ich soll mich sch�men, weil ich nicht bleibe und unterrichte. Das ist nicht meine Aufgabe. Das ist nicht meine Pflicht.�</p><p>�Bitte sei nicht b�se. Das ist nicht alles.�</p><p>�Was meinst du, das ist nicht alles? Ich versteh� nicht.�</p><p>Er schluckte. �Nun � Miss Madeline geht bald zu Mr. Orry. Meek ist kein b�sartiger Verwalter, aber er ist hart. Die Leute brauchen jetzt eine andere st�tzende Hand, eine Freundin wie Miss Madeline.�</p><p>�Und du glaubst, ich k�nnte sie ersetzen?�</p><p>�Du bist � bist keine Wei�e, aber du bist frei. Ist das N�chstbeste.�</p><p>Woher kam so pl�tzlich diese Woge der Entt�uschung? Sie wu�te es nicht. �Tut mir leid, da� ich dich falsch verstanden hab�. Und danke f�r dein Vertrauen, aber � � Sie stie� einen kleinen Schrei aus, als er ihre Hand packte.</p><p>�Ich will nicht, da� du gehst, weil ich dich mag.�</p><p>Er sprudelte den Satz so schnell heraus, da� er wie ein einziges Wort klang. Kaum fertig, klappte er den Mund zu und schaute drein, als w�rde er im n�chsten Moment vor Scham in den Boden versinken. Er war fast nicht zu h�ren, als er hinzuf�gte: �Ich entschuldige mich.�</p><p>�Nein, das brauchst du nicht. Was du sagtest, war � �, wie schwer, sowas auszusprechen, �� lieb.� Sie neigte den Kopf, und ihre Lippen streiften seine Wangen. Noch nie war sie so k�hn gewesen; sie war nun ebenso verlegen wie Andy. �Es ist kalt. Wir sollten gehen.�</p><p>�Darf ich dich begleiten?�</p><p>�Gern.�</p><p>Schweigend legten sie die dreiviertel Meilen zu den H�tten zur�ck. Mit merkw�rdig erstickter Stimme sagte Andy: �Gute Nacht, Miss Jane.� Ohne anzuhalten, steuerte er auf seine eigene H�tte zu. Ein letzter Satz trieb zu ihr her�ber. �Hoffentlich hab� ich dich nicht zu w�tend gemacht.�</p><p>Nein, aber er hatte sie aus dem Gleichgewicht gebracht. M�chtig sogar. Still und heimlich hatte sie ein romantisches Interesse an Andy entwickelt. Mein Gott, nach den vergossenen Tr�nen bei der Beerdigung war sie sich ihres n�chsten Schrittes ganz sicher gewesen. Jetzt war sie vollkommen durcheinander und �</p><p>�Blo� der Nigger vom Bo� ist wohl gut genug f�r dich, huh?�</p><p>�Wer ist da?�</p><p>Erschreckt von der Stimme aus der Dunkelheit schaute sie sich suchend um; eine Gestalt l�ste sich von einer dunklen Veranda zu ihrer Linken. Cuffey kam auf sie zugeschlendert.</p><p>�Wirst schon wissen, wer.� Er stie� einen angsteinfl��enden kleinen Zischlaut aus. �Ich war mal Vorarbeiter. Bin ich damit gut genug f�r �nen Mondscheinspaziergang? Ich wei�, wie man �nem M�del was Gutes tut. Hab�s gelernt, seit ich neun oder zehn war.�</p><p>Sie machte einen Bogen um ihn. Er umklammerte ihren Unterarm so fest, da� es schmerzte. �Hab� dich was gefragt. Bin ich gut genug f�r dich oder nicht?�</p><p>Jane bem�hte sich, ihre Furcht zu verbergen. �Nichts auf dieser Welt k�nnte dich gut genug machen. Du l��t mich jetzt los, oder ich kratz dir die Augen aus, und dabei kann ich auch gleich nach Mr. Meek rufen.�</p><p>�Meek wird sterben.� Cuffey schob sein Gesicht dicht an das ihre. �Er und all die Wei�en, die uns unser Leben lang getreten und geschlagen und rumkommandiert haben. Ihre Niggerlieblinge werden auch sterben. Also, du H�ndin, �berleg dir, auf welche Seite du � �</p><p>�La� los, du ignoranter, stinkender Wilder. Ein Mann wie du verdient die Freiheit nicht. Auf dich kann man nur spucken, zu was anderem taugst du nicht.�</p><p>Auf dunklen Veranden sa�en Zuh�rer. Eine Frau kicherte, ein Mann lachte laut heraus. Cuffey wirbelte nach links herum, dann nach rechts, auf der Suche nach den unsichtbaren Sp�ttern. Jane ri� sich los, rannte in ihre H�tte und blieb keuchend mit dem R�cken gegen die T�r stehen.</p><p>Sie beschlo�, die Lampe brennen zu lassen. In der Flamme sah sie die Gesichter zweier M�nner. Sie w�rde so bald wie m�glich von hier fortgehen.</p><p>Morgen.</p><p>Das Kr�hen der H�hne weckte sie am n�chsten Morgen nach einer Nacht voller unruhiger Tr�ume. Tante Belle hatte den Tr�umen immer Bedeutung zugemessen, obwohl man hart arbeiten mu�te, um sie wirklich zu durchschauen. Jane machte sich ans Werk und hatte nach einer Stunde einen Entschlu� gefa�t.</p><p>Zu bleiben w�rde schwerer werden als wegzugehen. Aber trotz Cuffey: Sie w�rde auch ihren Lohn empfangen; sie konnte ihre eigenen Leute auf den Tag der Befreiung vorbereiten, an die sie so sicher glaubte.</p><p>Und dann war da noch Andy. Doch auch ohne ihn mu�te sie dem Ruf ihres Gewissens folgen. Sie zog sich an, richtete ihr Haar und eilte, auf der Suche nach Madeline, zu dem gro�en Haus.</p><p>Orrys Frau fr�hst�ckte gerade. �Setz dich, Jane. Magst du etwas Biskuit und Marmelade? Tee?�</p><p>Die Einladung, mit der wei�en Herrin den Tisch zu teilen, machte sie sprachlos. Sie dankte Madeline, setzte sich ihr gegen�ber, a� aber nichts. Sie fing den emp�rten Blick des Hausm�dchens auf, das in die K�che zur�ckkehrte.</p><p>�Ich wollte �ber meine Abreise reden, Miss Madeline.�</p><p>�Ja, das dacht� ich mir. Wird es bald sein? Wann immer du gehst, ich werde dich vermissen. Viele andere auch.�</p><p>�Dar�ber wollte ich mit Ihnen sprechen. Ich hab� mir�s anders �berlegt. Ich w�rde gerne noch eine Weile in Mont Royal bleiben.�</p><p>�Oh, Jane � das w�rde mich sehr gl�cklich machen. Du bist eine intelligente junge Frau. Ich hoffe, Ende des Monats nach Richmond aufbrechen zu k�nnen. Dann k�nntest du Mr. Meek eine gro�e Hilfe sein.�</p><p>�Ich m�chte meinen eigenen Leuten helfen. Sie m�ssen bereit sein, wenn die Befreiung kommt.�</p><p>Madelines L�cheln verschwand. �Du glaubst, der S�den wird verlieren?�</p><p>�Ja.�</p><p>Madeline warf einen vorsichtigen Blick zur K�chent�r. �Ich gestehe, ich bef�rchte das auch, obwohl ich es nicht zuzugeben wage, weil es Meeks Autorit�t zerst�ren w�rde. Und Gott allein wei�, wie mein Mann die Plantage hier leiten will, ohne � �</p><p>Sie brach ab, suchte Janes Blick. �Ich habe zuviel gesagt. Ich mu� dir vertrauen, da� du nichts davon weitererz�hlst.�</p><p>�Das werd� ich nicht.�</p><p>�Wie, glaubst du, k�nntest du deinen Leuten helfen?�</p><p>Es war zu fr�h, von Unterricht zu sprechen; ein erstes Zugest�ndnis mu�te erreicht werden. �Ich bin mir nicht sicher, aber ich kenn� einen Ort, wo ich nach der Antwort suchen k�nnte. Ihre Bibliothek. Ich h�tte gern Ihre Erlaubnis, mir dort B�cher auszuleihen.�</p><p>Mit einem winzigen L�ffel tippte Madeline gegen den Goldrand ihrer Teetasse. �Du wei�t, da� das gegen das Gesetz verst��t?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Was hoffst du, in B�chern zu finden?�</p><p>�Ideen � M�glichkeiten, den Leuten auf dieser Plantage zu helfen.�</p><p>�Jane, wenn ich dir die Erlaubnis dazu geben und irgend jemand, Wei� oder Schwarz, kommt dadurch zu Schaden, dann bekommst du es nicht mit Mr. Meek zu tun. Das erledige ich dann mit meinen eigenen H�nden. Ich dulde nicht, da� Unruhe oder Gewalt ges�t wird.�</p><p>�Das w�rde ich nicht tun.� Ihren restlichen Gedankengang behielt Jane f�r sich: <emphasis>Aber ein anderer vielleicht schon.</emphasis></p><p>Madeline blickte sie fest an. �Ich nehme das als weiteres Versprechen.�</p><p>�Das k�nnen Sie. Und das erste gilt auch noch. Ich werde keinen der Leute ermutigen, wegzurennen.�</p><p>�Du bist eine sehr offene junge Frau�, sagte Madeline; es war alles andere als eine Verurteilung. Sie erhob sich. �Komm mit.�</p><p>Jane folgte ihr zum sonnenbeschienenen Foyer. Madeline griff nach den Klinken der Bibliothekst�ren. �Daf�r k�nnte ich ausgepeitscht und aus diesem Staat gejagt werden.� Aber es schien sie mit Stolz zu erf�llen, die T�ren aufzusto�en und zur Seite zu treten.</p><p>Langsam ging Jane hinein. Madeline folgte ihr und schlo� lautlos die T�ren.</p><p>�Ideen haben mir nie Angst eingejagt, Jane. Sie sind die Erl�sung und Rettung dieses Planeten. Lies von all dem soviel, wie du willst.�</p><p>Lederner Duft stieg von den Regalen auf, in denen keine einzige freie Stelle zu finden war. Jane hatte das Gef�hl, in einer Kathedrale zu sein. Sie blieb weiter schweigend stehen, wie ein Bittsteller. Dann legte sie den Kopf etwas zur�ck und hob den Blick zu den B�chern, zu all den B�chern; ein inneres Leuchten lie� ihr Gesicht erstrahlen.</p><p><strong>45</strong></p><p>�George, du darfst nicht so toben. Du wirst noch einen Schlaganfall kriegen.�</p><p>�Aber � aber � �</p><p>�Rauch eine Zigarre. Ich gie�e dir einen Whiskey ein. Es ist jeden Abend dasselbe. Du kommst w�tend heim. Die Kinder haben es auch schon bemerkt.�</p><p>�Nur eine Statue k�nnte in diesem Saustall ruhig bleiben.� Er ri� sich den Uniformkragen auf und stampfte zum Fenster, wo die Schneeflocken an der Scheibe schmolzen. �Wei�t du, womit ich den Nachmittag verbracht habe? Ich hab� diesem Schwachkopf aus Maine zugesehen, wie er seinen Wassertreter vorf�hrte: unter je einen Schuh ein kleines Kanu. Genau das Richtige f�r die Infanterie! �ber die Fl�sse von Virginia im Stil der Bibel!�</p><p>Constance hielt sich eine Hand vor den Mund. George drohte ihr mit dem Finger. �Wage nicht zu lachen. Was noch schlimmer ist, im letzten Monat hatte ich es mit <emphasis>vier</emphasis> Erfindern von Wassertretern zu tun.�</p><p>Er raufte sich das Haar und starrte hinaus in den Dezemberschnee, ohne ihn wirklich zu sehen. Dunkelheit und Mutlosigkeit lagen �ber der Stadt.</p><p>�Bestimmt tauchen gelegentlich auch mal intelligente Erfinder auf�, fing Constance an.</p><p>�Nat�rlich. Mr. Sharps � dessen Hinterladergewehre Ripley nicht haben will, obwohl Colonel Berdans Sonderregiment die kleinen Extrakosten aus eigener Tasche bezahlen wollte. Die Sharps ist neumodisch, sagt Ripley. Vor elf Jahren hat ein Armeeausschu� das Gewehr getestet und f�r gut befunden, aber es ist neumodisch.� Er trat so heftig gegen ein Hockerbein, da� er sich die Zehe verstauchte und losfluchte.</p><p>�Kann Ripley nicht �berstimmt werden? Kann denn nicht Cameron eingreifen?�</p><p>�Der hat mit seinen eigenen Problemen genug zu tun. Ich glaube nicht, da� er den Monat �bersteht. Aber selbstverst�ndlich kann man was unternehmen. Das wurde bereits im Oktober getan. Allerdings nicht von uns. Lincoln hat f�nfundzwanzigtausend Hinterlader bestellt.�</p><p>�Er hat �ber den Kopf des Ministeriums hinweg gehandelt?�</p><p>�Kann man ihn deswegen tadeln?� George lie� sich aufs Sofa sinken. �Ein anderes Beispiel. Es gibt da einen jungen Burschen aus Connecticut namens Christopher Spencer. War unter anderem bei Colt�s in Hartford. Er hat sich ein raffiniertes Schnellfeuergewehr patentieren lassen, bei dem man ein Magazin mit sieben Patronen in den Schaft f�hrt. Wei�t du, was Ripley dagegen einzuwenden hatte?� Sie sch�ttelte den Kopf. �Unsere Jungs w�rden zu schnell feuern und Munition verschwenden.�</p><p>�George, es f�llt einem schwer, das zu glauben.�</p><p>Seine Hand scho� hoch, zum Eid bereit. �Die reine Wahrheit. Wir wagen es nicht, die Infanterie mit Gewehren auszur�sten, die vielleicht den Krieg verk�rzen w�rden. Bei den Hinterladern mu�te Ripley nachgeben, aber bei den Repetiergewehren bleibt er steinhart. Also erledigt weiterhin der Pr�sident unsere Arbeit. Heute nachmittag erz�hlte mir Bill Stoddard, vom Regierungsb�ro seien zehntausend Spencers geordert worden. Gegen Weihnachten k�nnen Hiram Berdans Scharfsch�tzen sie ausprobieren.�</p><p>George st�rmte wieder hoch, den Rauch einer neuen Zigarre hinter sich herziehend. Vor dem Fenster blieb er stehen, den Kopf gesenkt. Oft genug hatte Constance die Temperamentsausbr�che ihres Mannes erlebt, aber diese Art von Verzweiflung noch nicht. Von hinten legte sie die Arme um ihn, dr�ckte ihre Brust gegen seinen R�cken.</p><p>�Ich versteh schon, da� du dich elend f�hlst.� Sie lehnte ihre Wange gegen seine Schulter. �Ich hab� auch eine Neuigkeit. Eigentlich zwei. Vater hat das Territorium von New Mexico erreicht und versucht dort, den Armeen von Union und Konf�deration aus dem Weg zu gehen. Er ist zuversichtlich, gegen Ende des Winters in Kalifornien zu sein.�</p><p>�Gut.� Die Antwort klang teilnahmslos. �Was noch?�</p><p>�Wir sind zu einem Empfang bei deinem alten Freund, dem Oberbefehlshaber der Armee, eingeladen.�</p><p>�Little Mac? Jetzt, wo er der Mann an der Spitze ist, wird er m�glicherweise gar nicht mehr mit mir reden.� McClellan war am 1. November ernannt worden; Scott war am Ende.</p><p>�George, George � � Sie drehte ihn zu sich und blickte ihm in die Augen. �Das ist nicht der Mann, den ich kenne. Mein Ehemann. Du bist so bitter.�</p><p>�Es war eine Katastrophe, herzukommen. Ich verschwende nichts als meine Zeit. Ich sollte zur�cktreten und mit dir und den Kindern heimfahren.�</p><p>�Halt noch eine Weile durch. Ich glaube, es ist deine Pflicht. Krieg ist nie leicht, f�r niemanden. Das hab� ich gelernt, als ich jede Nacht wach lag und Angst um dich hatte, als du in Mexiko warst.�</p><p>Sie k��te ihn, nur eine hauchzarte Ber�hrung von Mund zu Mund. Ein Teil seiner Anspannung verfl�chtigte sich.</p><p>�Was w�rde ich ohne dich anfangen, Constance? Ich h�tte keine Chance zu �berleben.�</p><p>�Oh doch. Du bist stark. Aber ich bin froh, da� du mich brauchst.�</p><p>Er zog sie fest an sich. �Mehr denn je. Also gut, ich werde noch bleiben. Aber du mu�t versprechen, mir einen guten Anwalt zu besorgen, falls ich die Nerven verliere und Ripley ermorde.�</p><p>Der Dezember wurde zu einem Monat, in dem verschiedene Str�me verborgener, aber aufrichtiger Verzweiflung in der Regierung zusammenliefen. Sie bedrohten Stanleys Unternehmen, dessen Wert in weniger als sechs Monaten um f�nfzig Prozent gewachsen war. Zus�tzlich trieb ihn seine steigende Panik zu extremen Ma�nahmen. Sp�tabends knackte er die Schubladen bestimmter Schreibtische, las die vertraulichen Berichte und kopierte Schl�ssels�tze. H�ufig traf er sich in Parks und Saloons mit einem Mann aus Wades Stab und �bergab ihm eine Unzahl von Informationen, ohne wirklich zu wissen, ob er damit seiner Sache tats�chlich half. Er setzte alles auf eine Karte: auf Camerons Sturz.</p><p>Selbst Lincoln wurde von der Militanz von Wade und dessen Leuten bedroht. Das neue Kongre�komitee sollte bald ins Leben gerufen werden. Von den wahren Gl�ubigen unter den Republikanern beherrscht, w�rde es die Unabh�ngigkeit des Pr�sidenten beschneiden und den Krieg so f�hren, wie ihn die Radikalen gef�hrt haben wollten.</p><p>Aus all diesen Gr�nden war die Atmosph�re im Kriegsministerium gespannt. So war Stanley an diesem Montagmorgen, nachdem ihn gerade eine weitere schlechte Nachricht erschreckt hatte, nur zu froh, das Haus verlassen zu k�nnen. Er eilte durch den leichten Schneefall zur 352 Pennsylvania, wo �ber einer Bank und einem Drogisten das erste Portr�t-Studio der Stadt und der Nation ans�ssig war, Brady�s Photographic Gallery of Art. Stanleys Uhr zeigte, da� er sich zu dem Termin um fast eine halbe Stunde versp�tet hatte.</p><p>Die Empfangsdame sagte ihm, da� Isabel und die Zwillinge bereits im Studio seien. �Danke�, keuchte Stanley und eilte die Stufen hoch, wegen seines zunehmenden Gewichts schnell au�er Atem. Noch ehe er das oberste Stockwerk erreicht hatte, h�rte er schon, wie sich seine S�hne stritten.</p><p>Das Studio war ein gro�z�giger, von Oberlichtern beherrschter Raum. Isabel begr��te ihn, indem sie ihn anfauchte: �Die Verabredung war f�r Mittag.�</p><p>�Amtsgesch�fte haben mich aufgehalten. Wir haben Krieg, falls dir das noch nicht bekannt ist.� Er klang noch b�sartiger als seine Frau, was sie �berraschte.</p><p>�Mr. Brady, ich bitte um Entschuldigung. Laban, Levi � h�rt sofort damit auf.� Stanley versetzte erst dem einen, dann dem anderen Zwilling einen Schlag. Die J�nglinge erstarrten, von dem ungewohnten Ausbruch ihres Vaters v�llig �berrascht.</p><p>�Bei jemandem in Ihrer Position mu� man mit Verz�gerungen rechnen�, sagte Brady geschmeidig. Er war nicht dadurch erfolgreich und wohlhabend geworden, da� er wichtige Kunden beleidigte. Er war ein schlanker, b�rtiger Mann nahe der Vierzig mit Brille.</p><p>�Das Licht ist heute gerade an der Grenze�, bemerkte Brady. �Ohne Sonne mach� ich ungern Portr�ts. Die Belichtungszeiten sind zu lang. Aber da es f�r Weihnachten sein soll, werden wir es versuchen. Chad?� Er schnippte mit den Fingern. �Ein bi�chen nach links.� Der Assistent sprang, um das Dreibein mit der wei�en Reflektortafel etwas zu verschieben.</p><p>Die Sitzung dauerte eine dreiviertel Stunde. Wiederholt tauchte Brady unter die schwarze Haube oder fl�sterte seinem Assistenten Anweisungen zu. Zum Schlu� dankte ihnen Brady und schlug vor, sie sollten mit der Empfangsdame �ber die Lieferung des Portr�ts sprechen, das die ganze Familie in sch�ner Eintracht zeigte. Dann eilte er hinaus. �Offensichtlich sind wir nicht wichtig genug, um ihn mehr als einmal zu Gesicht zu bekommen�, beklagte sich Isabel im Hinausgehen.</p><p>�Mein Gott, kannst du dir nicht mal um was anderes Sorgen machen als um deinen Status?�</p><p>Mehr �berrascht als ver�rgert sagte sie: �Stanley, du hast heute morgen eine furchtbare Laune. Was ist los?�</p><p>�Etwas Schreckliches ist geschehen. Schicken wir die Jungs in einer Mietkutsche heim, und ich erkl�r�s dir beim Essen im Willard�s.�</p><p>Die Seezunge mit Mandeln war wunderbar zubereitet, aber Stanley war nur darauf bedacht, seine Besorgnisse loszuwerden. �Ich hab� die Kopie eines Entwurfs von Simons Jahresbericht �ber die Aktivit�ten des Ministeriums in die H�nde bekommen. Darin hei�t es unter anderem � angeblich von Stanton verfa�t �, da� die Regierung das Recht und m�glicherweise die Pflicht hat, Feuerwaffen an Konterbande auszugeben und sie in den Kampf gegen ihre fr�heren Herrn zu schicken.�</p><p>�Simon schl�gt vor, gefl�chtete Sklaven zu bewaffnen? Das ist bizarr. Wer soll denn glauben, da� sich der alte Gauner pl�tzlich in einen moralischen Kreuzfahrer verwandelt hat?�</p><p>�Er ist anscheinend davon �berzeugt, da� es schon jemand glauben wird.�</p><p>�Er hat den Verstand verloren.�</p><p>Stanley warf vorsichtige Blicke auf die umliegenden Tische; niemand achtete auf sie. �Das Schreckliche kommt erst noch. Der ganze Bericht ist zum Regierungsdrucker gegangen � aber nicht zu Lincoln.�</p><p>�Liest der Pr�sident f�r gew�hnlich solche Berichte?�</p><p>�Er liest sie und gibt die Genehmigung zur Ver�ffentlichung.�</p><p>�Warum dann �?�</p><p>�Weil Simon wei�, da� der Pr�sident diesen Bericht ablehnen w�rde. Simon will seine �u�erungen unbedingt gedruckt sehen. Verstehst du nicht, Isabel? Er ertrinkt und glaubt, die Radikalen seien die einzigen, die ihm eine Rettungsleine zuwerfen k�nnten. Ich glaube aber nicht, da� sie es tun werden, Simons Taktik ist zu durchsichtig.�</p><p>�Du hast Wade geholfen � wird dir das nicht helfen, wenn Simon untergeht?�</p><p>Mit der Faust schlug er in die Handfl�che. �Ich wei� es nicht!�</p><p>Sie ignorierte seinen Ausbruch und �berlegte. Nach wenigen Augenblicken murmelte sie: �Was immer auch geschieht, la� dich blo� nicht einwickeln, diese widerspr�chliche Passage zu unterst�tzen.�</p><p>�Um Himmels willen, warum denn nicht? Ganz sicher wird Wade die Sache guthei�en. Und Stephens und was wei� ich wieviele andere ebenfalls.�</p><p>�Das glaube ich nicht. Simon ist ein Opportunist, und das wei� die ganze Stadt. Im Mantel des Moralisten wirkt er l�cherlich. Niemals wird man ihm erlauben, ihn zu tragen.�</p><p>Sie behielt recht. Kaum hatte der Pr�sident von dem Bericht erfahren, da ordnete er die Entfernung der umstrittenen Passage an. An dem Tag, an dem das geschah, br�llte Cameron nur noch im Ministerium herum. Um halb zehn schickte er einen Boten zu den B�ros von Mr. Stanton. Kurz nach Mittag schickte er den Jungen noch mal los und gegen drei erneut. Man ben�tigte keine gro�e Intelligenz, um zu merken, da� Camerons Anwalt, nun als Verfasser dieser Passage bekannt, seinem Klienten nicht helfen wollte.</p><p>�Der Schaden ist angerichtet�, sagte Stanley am n�chsten Abend zu Isabel. Mit bleichem Gesicht reichte er ihr ein Exemplar von Mr. Wallachs <emphasis>Evening Star,</emphasis> die eindeutig demokratische � manche behaupteten pro-s�dstaatliche � Zeitung der Stadt. �Irgendwie haben sie von dem Bericht erfahren.�</p><p>�Du hast mir erz�hlt, die Passage sei entfernt worden.�</p><p>�Sie haben die Originalversion in die Hand bekommen.�</p><p>�Wie?�</p><p>�Keine Ahnung. Fehlt nur noch, da� man mir das in die Schuhe schiebt.�</p><p>Isabel ignorierte seine Bef�rchtungen. �Wir h�tten selber den Bericht an die Zeitungen weitergeben k�nnen. Netter Einfall. Ich wollte, ich h�tte daran gedacht.�</p><p>�Wie kannst du da l�cheln, Isabel? Wenn der Bo� untergeht, dann zieht er mich vielleicht mit. Ich wei� nicht, ob meine Informationen f�r Wade n�tzlich oder ausreichend waren. Ich hab� ihn seit der Party hier nicht mehr gesehen. Nichts ist gesichert!� Mit der Faust schlug er auf den E�tisch; seine Stimme wurde hoch und schrill. �Nichts!�</p><p>Ihre Fingern�gel pre�ten sich in sein Handgelenk. �Das Schiff befindet sich in einem Sturm, Stanley. Wenn ein Schiff im Sturm ist, dann bindet sich der Kapit�n ans Ruder und h�lt durch. Er versteckt sich nicht wimmernd unter Deck.�</p><p>Ihre Verachtung dem�tigte ihn. Aber sie nahm ihm nicht seine Furcht. Unruhig w�lzte er sich im Bett; richtigen Schlaf fand er kaum.</p><p>Am n�chsten Morgen schreckte er auf seinem Stuhl zusammen, als Cameron mit einer Akte � Kontrakte �ber Schuhe und Bekleidung, die er eben erst abgesegnet hatte � ins B�ro geschossen kam. Der hagere Minister erledigte das Gesch�ftliche in wenigen S�tzen, dann fragte er: �Haben Sie Mr. Stanton irgendwo in der Stadt gesehen, mein Junge?�</p><p>Stanleys Herz h�mmerte. Merkte man es ihm an? �Nein, Simon. Es w�re auch unwahrscheinlich. Wir bewegen uns nicht in den gleichen Kreisen.�</p><p>�Oh?� Cameron warf seinem Sch�ler einen merkw�rdigen Blick zu. �Na ja, ich erwische ihn nirgends, und auf Botschaften antwortet er nicht. Seltsam. Der Kerl, der genau die Worte geschrieben hat, die mir zum Verh�ngnis geworden sind, will kein verdammtes Wort zu ihrer Verteidigung sagen. Oder zu meiner. Ich habe gezeigt, da� ich auf der Seite von Wades Bande bin, aber sie wollen mich nicht. Stanton benimmt sich, als w�re er auf Seiten des Pr�sidenten, aber letzte Woche h�rte ich, wie er Abe als den Urgro�vater aller Gorillas bezeichnete. Little Mac hat ganz sch�n dar�ber gelacht. Ich versuche immer noch herauszufinden, wie der Bericht zum <emphasis>Star</emphasis> kommen konnte.� Wieder fixierte sein Blick Stanley. Er wei� es. <emphasis>Er wei� es.</emphasis></p><p>Cameron sch�ttelte den Kopf. Irgendwie wirkte er nun traurig, weniger selbstsicher. Nur ein Sterblicher, und ein m�der noch dazu. Ein bitteres L�cheln erschien auf seinem Gesicht. �Ich w�rde das alles als �u�erst merkw�rdige Angelegenheit bezeichnen, wenn ich nicht den richtigen Namen daf�r w��te. Politik. �brigens � haben Sie und Isabel eine Einladung zum Pr�sidentenempfang f�r McClellan bekommen?�</p><p>�J-ja, Sir, ich glaube, Isabel sagte sowas.�</p><p>�Hmm. Meine ist nicht gekommen. Fehler bei der Postzustellung, meinen Sie nicht auch?� Mit einem Gesicht, als h�tte er Alaun im Mund, scho� er einen weiteren Blick auf seinen Untergebenen ab. �Sie m�ssen mich entschuldigen, Stanley. Hab� noch eine Menge zu tun, bevor ich mein Portefeuille zur�ckgebe. Von jetzt an ist jeden Tag damit zu rechnen, da� man meinen R�cktritt fordert.�</p><p>Flotten Schrittes marschierte er hinaus. Stanley pre�te seine Handfl�chen gegen den Schreibtisch und schlo� benommen die Augen. Hatte er es geschafft? Hatte Isabel es geschafft?</p><p><strong>46</strong></p><p>Ich bin ein zu verdammter Zyniker, dachte George.</p><p>Keineswegs, argumentierte eine zweite Stimme in ihm. Du bist lediglich in k�rzester Zeit ein Washingtoner geworden.</p><p>Die Hinterr�der der Kutsche rumpelten in ein Schlammloch. Noch ein paar H�userblocks, und er war wieder im Willard�s, wo ein kleines Dinner zu Ehren des Besuchers aus Braintree gegeben wurde.</p><p>Es schneite leicht. George kam gerade vom Arsenal, wo Billy mit seinem Bataillon lagerte. Billy schien recht zufrieden zu sein, wenn er auch beim geringsten Anla� in die Luft ging, aber George wu�te, da� dieses Symptom bei Winterquartieren weitverbreitet war. Constance war gestern von einem Kurzausflug nach Lehigh Station zur�ckgekehrt; Brown war mit ihr gefahren und plante einige Tage zu bleiben, um weitere Kinder einzugew�hnen. Brett hatte Constance einige Weihnachtspakete mitgegeben. Billys Paket hatte er als Vorwand f�r seine Fahrt zum Arsenal ben�tzt.</p><p>Die Br�der hatten �ber den Besucher aus Braintree diskutiert. Billy hatte von der Privatparty geh�rt, war aber nicht eingeladen worden. In dem Versuch, ihn dar�ber hinwegzutr�sten, sagte George: �Zum Teufel, ich werd� wahrscheinlich dort der unterste Dienstrang sein. Man hat mich gewarnt, da� die H�lfte von Little Macs Stab anwesend ist, wenn auch nicht der General pers�nlich.�</p><p>�Bist du je dem Ehrengast begegnet?�</p><p>�Einmal, nach der Graduierung. K�nnte nicht behaupten, da� ich ihn kenne.�</p><p>Im Hotel eilte George in die Suite, k��te seine Frau, umarmte die Kinder, b�rstete Haar und Schnurrbart und rannte wieder runter; mit Versp�tung kam er zu dem Empfang, der dem Dinner f�r Superintendent Emeritus Sylvanus Thayer vorausging. Sechsundsiebzig Jahre alt und l�ngst schon im Ruhestand, war Thayer von Massachusetts heruntergekommen, um dem Empfang f�r McClellan beizuwohnen.</p><p>Sechzig oder siebzig Offiziere, die meisten von ihnen Colonels oder Brigadiers, f�llten den Salon. Eine gro�e Menge dr�ngte sich um den schlanken, ungemein gesund aussehenden Thayer. George unterhielt sich mit einem anderen Major und einem Colonel, die er beide von Mexiko her kannte. Die H�lfte der regul�ren Armeeoffiziere hatte dort gedient.</p><p>Zwei Brigadiers schlossen sich der Gruppe an, M�nner, die George kannte, da sie einen Jahrgang vor ihm auf der Akademie gewesen waren. Baldy Smith und Fitz-John Porter f�hrten beide Divisionen. Bourbon entspannte die M�nner; bald schon schwelgten sie wie Gleichrangige in Erinnerungen. Thayer kam auf die Gruppe zu und begr��te jeden einzelnen Offizier herzlich. Er besa� ein ph�nomenales Ged�chtnis; ein umfangreiches Verzeichnis von Namen und Karrieren.</p><p>�Hazard � ja, nat�rlich�, sagte Thayer. �Wo sind Sie jetzt?� George erz�hlte es ihm. �Ein Jammer. Auf der Akademie besa�en Sie einen ausgezeichneten Ruf. Sie geh�ren ins Feld.�</p><p>George, der den Gast nicht kr�nken wollte, antwortete mit Vorsicht. �Ich hatte nie das Gef�hl, Talent f�rs Milit�rische zu haben, Sir.� Womit er meinte, da� es nicht nach seinem Geschmack war.</p><p>Baldy Smith schnaubte. �Was wir in Virginny tun, hat nichts mit milit�rischen Dingen zu tun; das ist Viehtreiberei.�</p><p>Ins Schlachthaus? dachte George; Bull Run bereitete ihm immer noch Alptr�ume. Er l�chelte und zuckte mit den Schultern. �Ich bin dorthin gegangen, wo man mich haben wollte.�</p><p>�Das klingt nicht gerade sehr �berzeugt.� Direktheit geh�rte zu Thayers Eigenschaften.</p><p>�Ich glaube nicht, da� ich dazu einen Kommentar abgeben sollte, Sir.�</p><p>�Diese Antwort zeigt, da� Sie das Zeug zum General haben�, sagte ein weiterer Brigadier, ein jovialer Pennsylvanier namens Winfield Hancock. Bald sa�en sie alle um einen gro�en Tisch und verzehrten ein gewaltiges Mahl; Whiskey und Port und verschiedene Tafelweine flossen in Str�men. Thayers Stimme klang d�nn, aber er sprach voller Leidenschaft. Er bat jeden Mann, pers�nlich f�r West Point einzutreten, da der Kongre�, wie er bef�rchtete, die Schule zu zerst�ren versuchte, indem er ihr die Zulassung entzog.</p><p>�Ich bin erfreut�, sagte Thayer, �da� so viele von Ihnen der Nation dienen, die sie ausgebildet und Ihnen einen stolzen Beruf gegeben hat. Ich wei�, da� Sie das n�tige Durchhalteverm�gen besitzen. Es dauert drei Jahre, um eine schlagkr�ftige Armee aufzubauen. Und selbst dann mu� eine solche Armee zu gro�en Opfern bereit sein, um zu siegen. Der Krieg ist kein Sommerpicknick. Diejenigen unter Ihnen, die in Mexiko oder im Westen gek�mpft haben, werden sich daran erinnern. Krieg fordert einen gewaltigen Zoll an menschlichem Leben und menschlichem Kummer. Verge�t das nie. Seid stark. Seid geduldig. Aber seid euch eurer Sache auch gewi�. Ihr werdet euch durchsetzen.�</p><p>Als er sich wieder setzte, ert�nte ohrenbet�ubendes Stampfen und Br�llen. Sie sangen �Benny Haven�s, Oh!� und selbst George, der Zyniker, bekam beim letzten Vers feuchte Augen.</p><p>W�hrend das Jahr in einer konstanten Atmosph�re von Zweifeln und verborgenen K�mpfen seinem Ende entgegenging, fand der gro�e Empfang f�r Generalmajor George Brinton McClellan statt. Das Regierungsgeb�ude erstrahlte im hellen Lichterglanz; ein Streicherensemble spielte, als die hohen G�ste ankamen. George versprach, Constance seinem alten Klassenkameraden vorzustellen, allerdings erst, nachdem er die Lage aus der Ferne abgesch�tzt hatte.</p><p>McClellan sah kaum �lter aus als zu der Zeit, als er und George zusammen f�r das Examen geb�ffelt hatten. Er hatte sich einen m�chtigen, kastanienbraunen Schnurrbart wachsen lassen, war aber ansonsten immer noch der gleiche untersetzte, selbstsichere Bursche, an den sich George aus der Klasse von 1846 erinnerte. Alles an ihm, von der k�hnen Nase bis zu den breiten Schultern, schien nur eines ausdr�cken zu wollen: hier ist St�rke, hier ist Kompetenz. Er war aus dem Eisenbahngesch�ft in Illinois wieder zur Armee zur�ckgekehrt, und sein brillanter Aufstieg erzeugte bei George mehr als nur ein leichtes Unterlegenheitsgef�hl.</p><p>Brillant war das einzig passende Wort. Eine Aura der Ber�hmtheit umgab die McClellans, als sie sich durch die Menge bewegten. Dicht hinter dem General trotteten zwei seiner zahlreichen europ�ischen Adjutanten, die fr�hlichen jungen Franzosen, der Comte de Paris und der Duc de Chartres, beide im Exil. Alberne Gastgeberinnen hatten sie in Captain Parry und Captain Chatters umgetauft.</p><p>Alle lauschten angespannt, als McClellan und seine Frau den Pr�sidenten und Mrs. Lincoln in ein Gespr�ch verwickelten. McClellan hatte noch nie den geringsten Zweifel daran gelassen, wer wichtiger war, der Pr�sident oder der kommandierende General. Ein Vorfall im November war immer noch Stadtgespr�ch. Eines Abends waren Lincoln und einer seiner Sekret�re, der junge John Hay, in Regierungsgesch�ften zur H Street gegangen � McClellans Wohnsitz, den er dem Leben im Camp vorzog. Der General war noch nicht zu Hause. Eine Stunde sp�ter kam er heim. Er ging, ohne seine Besucher zu sehen, schnurstracks nach oben, wurde informiert, da� der Pr�sident wartete, und ging zu Bett. Es hie�, Lincoln sei w�tend gewesen, aber er neigte dazu, solche Emotionen mit einem gewissen Humor zu �berspielen. Anders als bei McClellan geh�rte Arroganz nicht zu seinen Eigenschaften.</p><p>�Massenhaft Politiker hier�, raunte George. �Da ist Wade � er soll das neue Komitee leiten. Dort ist Thad Stevens.�</p><p>�Seine Per�cke ist verrutscht. Sie ist immer verrutscht.�</p><p>�Spielst du heute abend Isabel?�</p><p>Sie gab seinem tressenbesetzten �rmel einen Schlag mit ihrem F�cher. �Du bist schrecklich.�</p><p>�Weil wir gerade bei schrecklich sind � ich sehe die Lady h�chstpers�nlich. Und meinen Bruder.�</p><p>Stanley und Isabel hatten George und Constance noch nicht bemerkt. Ihre ganze Aufmerksamkeit war auf Wade gerichtet, dann auf Cameron, der alleine gekommen war und sich nun mit einer Miene durch die Menge schob, die Stanley nur als verschw�rerisch bezeichnen konnte. Wie war er zu einer Einladung gekommen? Cameron sah sie, ging ihnen aber aus dem Wege. Was hatte das zu bedeuten?</p><p>Stanton sprach vertraulich mit Wade, ohne die Anwesenheit seines Klienten �berhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Stanley kam sich weniger wie ein Judas vor; wie es schien, hatten auch andere verkauft. Aber was? An wen? Zu welchem Zweck?</p><p>�Ich m�chte wetten, Stanton will Simons Job�, sagte Isabel hinter ihrem F�cher hervor. �Das w�rde erkl�ren, weshalb du ihn um Wades B�ro hast herumschleichen sehen und weshalb er den urspr�nglichen Bericht weder verteidigt noch die Verantwortung daf�r �bernommen hat.�</p><p>Diese v�llig neue Perspektive machte Stanley sprachlos.</p><p>�Mach den Mund zu. Du schaust wie ein Kretin aus.�</p><p>Er gehorchte und sagte: �Meine Liebe, du verbl�ffst mich immer wieder. Ich glaube, du k�nntest recht haben.�</p><p>Sie zog ihn in eine Ecke, wo sie ungest�rter waren. �Angenommen, ich habe recht. Was f�r eine Art Mann ist Stanton?�</p><p>�Er stammt ebenfalls aus Ohio. Brillanter Anwalt. Entschiedener Abolitionist.� Stanleys Augen huschten hin und her. Er beugte sich noch n�her. �Eigensinnig, hei�t es. Auch verschlagen. Man mu� sehr auf der Hut vor ihm sein.�</p><p>Sie griff nach seinem Arm. �Ihre Unterhaltung ist zu Ende. Du mu�t mit Wade sprechen. Versuch herauszufinden, wo du stehst.�</p><p>�Isabel, ich kann nicht einfach auf ihn zugehen und ihn fragen � �</p><p>�Wir werden ihn begr��en. Wir beide. Jetzt.�</p><p>Es gab keine Widerrede. Ihre Hand umklammerte seine, und sie zerrte ihn mit. Als sie Ben Wade erreichten, f�rchtete Stanley, seine Blase nicht mehr kontrollieren zu k�nnen. Isabel l�chelte in ihrer besten Imitation einer B�hnenkokette. �Ich bin entz�ckt �ber das Wiedersehen, Senator. Wo ist Ihre charmante Gattin?�</p><p>�Irgendwo hier in der Gegend. Ich mu� sie suchen.�</p><p>�Ich nehme an, mit dem neuen Komitee, von dem wir so viel h�ren, steht alles zum besten?�</p><p>Isabels Frage war eine unwiderstehliche Versuchung. �Ja, das kann man sagen. Bald schon werden wir die Kriegsbem�hungen auf eine solidere Grundlage stellen. Einen klareren Kurs steuern.�</p><p>Der Seitenhieb auf Lincoln war offensichtlich, und so sagte sie schnell: �Eine Absicht, die ich und mein Mann voll unterst�tzen.�</p><p>�Oh, ja.� Wade l�chelte; Stanley sp�rte, da� darin Verachtung lag, gegen ihn gerichtete Verachtung. �Die Loyalit�t Ihres Mannes und seine hingebungsvollen Dienste sind vielen Komiteemitgliedern bekannt. Wir hoffen, Ihr kooperativer Geist wird weiterhin anhalten, Stanley.�</p><p>�Mit absoluter Sicherheit, Senator.�</p><p>�Freut mich zu h�ren. Guten Abend.�</p><p>Wade ging davon, und Stanley f�hlte sich einer Ohnmacht nahe. Er hatte die S�uberungsaktion �berlebt. �Isabel, ich glaube, ich werde mich heute abend betrinken. Mit oder ohne deine Erlaubnis.�</p><p>Das unvermeidliche Aufeinandertreffen der beiden Br�der und ihrer Frauen fand wenige Minuten sp�ter in der N�he der glitzernden Punschschalen statt. Auf beiden Seiten war die Begr��ung h�flich, aber nichts weiter.</p><p>�Unseren jungen Napoleon schon getroffen?� Stanleys Frage kam undeutlich; er konsumierte reichlich Rumpunsch, wie George feststellte.</p><p>�Bis jetzt hab ich noch nicht mit ihm gesprochen, aber ich werd�s noch tun. Ich kenne ihn von Mexiko und West Point.�</p><p>�Oh, tats�chlich?� Isabels Gesicht lie� fl�chtig erkennen, da� sie in irgendeinem Spiel einen Punkt verloren hatte.</p><p>�Wie ist er? Pers�nlich, meine ich�, fragte Stanley. �Soviel ich wei�, stammt er aus erstklassiger Familie. Aber er ist ein Demokrat. Komische Wahl, die der Pr�sident da getroffen hat, findest du nicht?�</p><p>�Weshalb? Sollen politische Differenzen in Krisenzeiten nicht an zweiter Stelle kommen?�</p><p>Isabel r�mpfte die Nase. �Wenn du das wirklich glaubst, dann bist du naiv, George.�</p><p>Er sah, da� sich die Wangen seiner Frau rosa f�rbten. Er nahm ihre Hand und dr�ckte sie, bis er sp�rte, da� sie sich wieder entkrampfte. �Um deine Frage zu beantworten � McClellan ist ungemein intelligent. Hat unsere Klasse als zweitbester absolviert. In Mexiko ist er dreimal wegen Tapferkeit bef�rdert worden. Billy erz�hlte mir, die Truppen liebten ihn. Wir brauchen einen Mann, dem das Fu�volk vertraut, und ich w�rde sagen, wir haben einen gefunden. Meiner Meinung nach hat der Pr�sident eine intelligente Wahl getroffen, keine politische.�</p><p>�Der Pr�sident selbst h�tte es nicht besser ausdr�cken k�nnen.�</p><p>Isabel sah aus, als w�re sie beim Anblick des Sprechers hinter George am liebsten in den Boden versunken. Lincolns langer Arm hob sich; seine Hand legte sich auf Georges Schulter. �Wie geht�s Ihnen, Major Hazard? Ist diese attraktive Lady Ihre Frau? Sie m�ssen mich vorstellen.�</p><p>�Mit Vergn�gen, Herr Pr�sident.� George stellte Constance vor und erkundigte sich dann, ob der Pr�sident seinen Bruder und Isabel kenne. Der gro�e Mann mit dem Aussehen einer Vogelscheuche bejahte das h�flich, aber ohne jede Begeisterung.</p><p>Constance benahm sich dem Regierungschef gegen�ber angemessen ehrerbietig, blieb aber ruhig und entspannt. �Mein Mann erz�hlte mir, er habe Sie eines Abends beim Arsenal getroffen, Herr Pr�sident.�</p><p>�Das stimmt. Der Major und ich haben �ber Gewehre gesprochen.�</p><p>George sagte: �Ich hoffe, ich verhalte mich meinem Amt gegen�ber nicht illoyal, wenn ich Ihnen sage, da� es mich gefreut hat, vom Kauf einiger Spencers und Sharps-Repetierer zu h�ren.�</p><p>�Ihr Chef wollte sie nicht kaufen, da mu�te es halt jemand anders tun. Aber wir d�rfen die Damen heute abend nicht mit blutr�nstigem Gerede langweilen. Erz�hlen Sie mir ein bi�chen was von sich, Mrs. Hazard.� Das tat sie; eine Weile plauderten sie �ber Texas. Dann kam eine aufgetakelte, dickliche Frau angest�rmt und ri� ihn mit sich fort. Das war f�r Isabel die Chance, ebenfalls zu gehen. Stanley folgte ohne Anweisung.</p><p>�George, das war eines meiner aufregendsten Erlebnisse�, sagte Constance. �Aber es ist schrecklich � ich habe zuviel zugenommen. Es macht mich h��lich.�</p><p>Er t�tschelte ihre Hand. �Ein oder zwei Pfund m�gen es tats�chlich sein, aber der Rest existiert lediglich in deinem Kopf. Hast du gesehen, wie aufmerksam Lincoln jedem deiner Worte folgte? Er hat einen Blick f�r h�bsche Damen � deshalb ist seine Frau auch so �ber uns hereingebrochen. Ah, dort ist Thayer. Gehen wir zu ihm.�</p><p>Constance bezauberte auch den pensionierten Direktor. Das Trio n�herte sich McClellan, der im Augenblick gerade von keiner Menschenmenge umringt war. �Ein alter Klassenkamerad von � � fing Thayer an.</p><p>�Stumpf Hazard! Vorhin hab� ich dich aus einiger Entfernung gesehen � hab� dich sofort erkannt.� McClellans Begr��ung war herzlich, aber George glaubte eine gewisse K�nstlichkeit zu entdecken. Es konnte aber auch nur an ihm und seiner Phantasie liegen. McClellan war eine nationale Pers�nlichkeit geworden; die Leute betrachteten ihn jetzt mit anderen Augen, das wu�te George. Seine eigene Reaktion zeigte das nur zu deutlich.</p><p>�Guten Abend, General.�</p><p>�Nicht doch, nicht doch � immer noch Mac. Sag mal, was ist aus diesem Burschen geworden, mit dem wir durch dick und d�nn gegangen sind? S�dstaatler, nicht wahr?�</p><p>�Ja. Orry Main. Ich wei� nicht, was aus ihm geworden ist. Das letzte Mal sah ich ihn im April.�</p><p>McClellans Frau Neil schlo� sich ihnen an, und sie unterhielten sich �ber Washington und den Krieg. McClellan wurde ernst. �Die Union ist in N�ten, und der Pr�sident scheint machtlos. Die Rolle des Erretters ist mir zugefallen. Ich werde sie nach bestem Wissen und Gewissen ausf�llen.�</p><p>Nicht einmal die Andeutung eines leichten Untertones schwang in dieser Aussage mit. George sp�rte, wie sich die Hand seiner Frau um seinen �rmel krampfte; reagierte sie �hnlich wie er? Kurz darauf entschuldigten sich die McClellans und gesellten sich zu General und Mrs. Meade. Constance wartete, bis sie au�er H�rweite waren.</p><p>�Sowas hab� ich noch nie geh�rt. Mit einem Mann, der sich selbst als Retter bezeichnet, stimmt irgendwas nicht.�</p><p>�Nun ja, Mac war noch nie ein Durchschnittstyp. Wir sollten mit unserem Urteil nicht zu voreilig sein. Die Aufgabe, die sie ihm �bertragen haben, ist wei� Gott schrecklich.�</p><p>�Ich behaupte trotzdem, da� mit ihm was nicht stimmt.�</p><p>Insgeheim mu�te George zugeben, da� McClellan bei ihm den gleichen Eindruck hinterlassen hatte.</p><p>Die Party ging weiter, und George und Constance fanden sich in einem Kreis mit Thad Stevens, dem Anwalt aus Pennsylvania, der das m�chtigste Mitglied in Wades Aufsichtskomitee sein w�rde.</p><p>�Ich stimme mit dem Pr�sidenten nicht in allen Punkten �berein, aber in einem schon. Wie er sagt, ist die Union kein auf freier Liebe basierender Zusammenschlu�, den jeder Staat nach eigenem Gutd�nken aufk�ndigen kann. Die Rebellen sind keine fehlgeleiteten Schwestern, sondern Feinde, b�sartige Feinde des Tempels der Freiheit, der unser Land ist. F�r b�sartige Feinde darf es nur eine Bestrafung geben: Wir sollten jeden Sklaven befreien, jeden Verr�ter niedermetzeln, jedes Rebellenhaus niederbrennen. Wenn den Leuten in der Regierung der Mumm f�r diesen Job fehlt, unserem Komitee fehlt er nicht.� Seine Augen blitzten fanatisch. �Ich gebe Ihnen das feierliche Versprechen, meine Damen und Herren � dem Komitee fehlt er nicht.� Mit seinem Klumpfu� hinkte er davon.</p><p>�Constance�, sagte George, �la� uns heimgehen.�</p><p>Madeline und Hettie, das Hausm�dchen, wischten eine vom Mehltau befallene gro�e Truhe aus, als Schritte die Mansardentreppe hochgepoltert kamen. �Miss Madeline? Sie kommen besser schnell.�</p><p>Augenblicklich lie� sie den feuchten Lappen fallen. �Was gibt�s, Aristotle?�</p><p>�Miss Clarissa. Sie machte nach dem Fr�hst�ck ihren Spaziergang. Haben sie im Garten gefunden.�</p><p>Furcht krallte sich in ihr fest, so scharf wie die Luft des Wintermorgens. Sie rannten hinunter zum Garten, wo Clarissa zwischen zwei Azaleenb�schen auf dem R�cken lag. Clarissa starrte Madeline und den Sklaven mit glitzernden Augen an.</p><p>Ihre linke Hand streckte sich ihnen entgegen. Die rechte Hand lag unnat�rlich schlaff da.</p><p>�Es ist ein Schlaganfall�, sagte Madeline zu dem erschrockenen Schwarzen. Am liebsten w�re sie in Tr�nen ausgebrochen; vor Neujahr w�rde sie jetzt doch nicht wegkommen. Sie konnte nicht fort, ehe sich Clarissa erholt hatte.</p><p>Um halb zw�lf kam der Doktor aus Clarissas Schlafzimmer. �u�erlich ruhig und gefa�t nahm Madeline die Nachricht entgegen, da� die rechte Seite fast vollst�ndig gel�hmt war; die Genesung w�rde m�glicherweise das ganze n�chste Jahr dauern.</p><p><strong>47</strong></p><p>Der Heilige Abend fiel auf einen Dienstag. George konnte die d�stere Stimmung nicht absch�tteln, die ihn seit dem Empfang f�r McClellan gefangenhielt. Der Krieg, die Stadt, selbst die Jahreszeit deprimierten ihn, er wu�te selbst eigentlich nicht, warum.</p><p>Ein Feuer im Herd w�rmte das Wohnzimmer nach dem Abendessen. Patricia schlug ein Buch mit Chor�len auf, setzte sich an das Harmonium, das George gekauft hatte, und begann zu spielen. Constance kam mit drei gro�en Geschenken aus dem Schlafzimmer.</p><p>�Sing mit mir, Papa�, sagte seine Tochter. Er sch�ttelte den Kopf und blieb auf seinem Stuhl sitzen. Constance ging zum Harmonium und sang zusammen mit ihrer Tochter. Gelegentlich warf sie einen Blick auf ihren Mann. Seine Mutlosigkeit beunruhigte sie. �Willst du nicht, George?� fragte sie schlie�lich.</p><p>�Nein.�</p><p>William kam herein und sang mit; die Pubert�t lie� seine Stimme umkippen, und Patricia kicherte so heftig, da� Constance sie ermahnen mu�te. Nach dem Choral sagte William: �Pa, kann nicht heute abend jeder von uns ein Geschenk aufmachen?�</p><p>�Nein. Du bist mir damit schon den ganzen Abend auf die Nerven gegangen, und ich hab�s satt.�</p><p>�Entschuldige, George�, sagte Constance. �Er hat lediglich einmal davon gesprochen.�</p><p>�Einmal oder hundertmal, die Antwort ist nein.� Er wandte sich an seinen Sohn. �Morgen fr�h werden wir in die Kirche gehen, und danach gibt�s die Geschenke.�</p><p>�Nach der Kirche?� rief William. �So lange warten, das ist nicht fair. Warum nicht nach dem Fr�hst�ck?�</p><p>�Die Entscheidung liegt bei deinem Vater�, sagte Constance sanft. Ihr leichtes Stirnrunzeln beachtete George nicht.</p><p>William wollte sich nicht bes�nftigen lassen. �Das ist nicht fair!�</p><p>�Ich werde dir schon zeigen, was fair ist, du impertinenter � �</p><p><emphasis>�George!�</emphasis> Er war schon fast bei seinem Sohn, als Constance dazwischentrat. �Denk dran, es ist Heiligabend. Wir sind deine Familie, und du tust, als w�ren wir deine Feinde. Was ist los mit Dir?�</p><p>�Nichts � ich wei� nicht � wo sind meine Zigarren?� Er lehnte sich an den Kaminsims, mit dem R�cken zu den anderen. Sein Blick fiel auf den Lorbeerzweig, den er von Lehigh Station mitgebracht hatte. Der Zweig war verdorrt und braun. Er packte ihn und schleuderte ihn ins Feuer.</p><p>�Ich geh� zu Bett.�</p><p>Der Lorbeer rauchte, rollte sich zusammen und war verschwunden.</p><p>Er hatte keine Ahnung, wann Constance ins Schlafzimmer kam, so tief war er in seinen Alptr�umen gefangen. Sie strich ihm das Haar aus der schwei�feuchten Stirn, k��te ihn. Wie warm sie sich anf�hlte. Seine H�nde umfa�ten sie und hielten sie fest; er sch�mte sich seiner Schw�che, war aber dankbar f�r ihren Trost. �Was hast du getr�umt? Es mu� ja schrecklich gewesen sein.�</p><p>�Mexiko � nein, Bull Run. Tut mir leid, da� ich mich heute abend so scheu�lich benommen habe. Ich werde gleich morgen fr�h mit den Kindern sprechen. Wir machen die Geschenke auf. Sie sollen wissen, da� es mir leid tut.�</p><p>�Sie wissen, da� du ein guter Vater bist. Sie lieben dich und wollen dich gl�cklich sehen, vor allem an Weihnachten.�</p><p>�Der Krieg macht Weihnachten zu einem schlechten Witz.� Er pre�te sein Gesicht gegen das ihre.</p><p>�Ist es der Krieg, der dir solche Sorgen bereitet?�</p><p>�Wahrscheinlich. So ein kleines Wort, <emphasis>Krieg,</emphasis> und wieviel Elend verbirgt sich dahinter. Ich ertrage die Unehrlichkeit in dieser Stadt nicht mehr. Die Gier hinter den fahnenschwenkenden Spr�chen. Wei�t du was? In dem Tempo, in dem Stanley Stiefel an die Infanterie verkauft, wird er innerhalb eines Jahres einen gewaltigen Profit gemacht haben. Praktisch ein kleines Verm�gen. Und wei�t du auch, da� die Schuhe, die er liefert, nach einer Woche auseinanderfallen?�</p><p>�Von solchen Dingen wei� ich lieber nichts.�</p><p>�Was mich am meisten beunruhigt, ist etwas, was Thayer w�hrend des Essens sagte. Man baut keine schlagkr�ftige Armee in neunzig Tagen auf. Dazu braucht man zwei oder drei Jahre.�</p><p>�Du meinst, er h�lt es f�r m�glich, da� der Krieg so lange dauert?�</p><p>�Ja. Der Fr�hlingskrieg � kurz und sauber � war eine grausame Illusion. Krieg ist nicht so, niemals. Jetzt �ndert sich alles. Andere M�nner �bernehmen das Kommando, M�nner wie Stevens, die auf Gemetzel aus sind. Kann Billy das �berleben? Was ist mit Orry und Charles? Wenn ich Orry je wiedersehe, wird er dann noch mit mir sprechen? Lange Kriege erzeugen endlosen Ha�. Ein langer Krieg wird die Menschen ver�ndern, Constance. Die Verzweiflung wird sie umbringen, wenn sie nicht schon vorher sterben. All dem hab� ich schlie�lich ins Auge gesehen � und schau dir an, was es bei mir bewirkt hat.�</p><p>Sie dr�ckte ihn an ihre Brust. Ihr Schweigen besagte, da� sie seine �ngste verstand und teilte und keine Antworten auf seine Fragen hatte. Schlie�lich erhob er sich und schlo� das Fenster. Drau�en hatte es wieder zu schneien begonnen.</p><p><strong>48</strong></p><p>W�hrend des Herbstes hatte Charles seine Schrotflinte nur dreimal gegen den Feind abgefeuert. Jedesmal hatte er dabei einen Sp�htrupp angef�hrt; jedesmal hatte er auf fliehende Yanks zu Pferd geschossen. Einen hatte er verwundet, die anderen hatte er verfehlt.</p><p>Das war typisch f�r die Monate nach Manassas: ereignislos, mit Ausnahme des aufmunternden Sieges bei Ball�s Bluff Ende Oktober. Shanks Evans aus South Carolina, der in Texas bei Pferderennen gegen Charles geritten war, hatte sich bei Ball�s Bluff ausgezeichnet, so wie er es bereits bei Manassas getan hatte. Seine Bef�rderung war allerdings zweifelhaft; er trank zuviel und war zu unbeherrscht.</p><p>Die Ernennung des Colonels andererseits zum Brigadier schien sicher zu sein. Er verstand sich gut mit Johnston, dem man nach Ball�s Bluff das ganze Department Virginia zur Umorganisation gegeben hatte. Old Bory war weiterhin in Ungnade und kommandierte nun den Potomac-Distrikt, der zu dem Department geh�rte. In der Praxis trug Hampton seit November die Verantwortung eines Brigadiers, nachdem ihm drei weitere Infanterieregimenter unterstellt worden waren. Calbraith Butler kommandierte die Kavallerie.</p><p>W�hrend des Herbstes hatte Charles lediglich zwei freie Tage gefunden, in denen er das Spotsylvania County besuchen konnte. Nach einem schnellen, erm�denden Ritt hatte er Barclays Farm problemlos gefunden, um feststellen zu m�ssen, da� die Besitzerin abwesend war. Der �ltere ihrer beiden freigelassenen Sklaven, Washington, sagte, sie sei mit dem j�ngeren, Boz, nach Richmond gefahren, um den Rest ihrer Maisernte und einige K�rbisse, Eier und K�se zu verkaufen. Charles ritt in bitterer Stimmung zur�ck, die durch den heftigen Regen auch nicht besser wurde.</p><p>Die Legion hatte ihr Winterquartier in der N�he von Dumfries gemacht. Heute, am Heiligen Abend, befand sich Charles allein in der H�tte, die er und Ambrose mit �xten, Schwei� und ohne Negerhilfe zusammengezimmert hatten. Bis auf einige Unentwegte hatten die meisten Kavalleristen ihre Sklaven nach Hause geschickt.</p><p>Vor einer halben Stunde war zum Zapfenstreich geblasen worden. Ambrose hatte Patrouillendienst gezogen, routinem��ige Beobachtung der Unionstruppen in Richtung Fairfax Courthouse. Ein kleines Feuer brannte in der Feuerstelle der H�tte und verbreitete Gem�tlichkeit, aber trotzdem war Charles� Laune nicht die beste. Das Abendessen war ungenie�bar gewesen. F�r Weihnachten war ihnen Truthahn, s��e Kartoffeln und frisches Maisbrot versprochen worden. Charles glaubte erst an ein Festmahl, wenn er es vor sich stehen hatte. Seine M�nner ha�ten das Verpflegungsamt. Sie verfluchten den Leiter, Northrop, ebenso blumig wie Old Abe � manchmal sogar noch heftiger. Das Rindfleisch, wie Colonel Hampton letzte Woche bemerkt hatte, wurde allm�hlich so z�h, da� er daran dachte, einige Feilen zum Sch�rfen der Z�hne anzufordern.</p><p>P�ckchen von zu Hause tr�steten ein bi�chen �ber die in letzter Zeit deutlich schlechter gewordene Qualit�t der Rationen hinweg. Charles hatte solch ein P�ckchen, oder besser die Reste davon, vor sich auf dem Tisch liegen. Es war heute nachmittag aus Richmond gekommen, mit einem Begleitbrief von Orry, der berichtete, da� er es mittlerweile im Kriegsministerium zum Lieutenant Colonel gebracht und einen Job bekommen hatte, den er verabscheute.</p><p>Charles zog seine Taschenuhr hervor. Halb neun. Er hatte heute abend Pflichten zu erf�llen, einige offizieller Natur, andere nicht; er konnte genausogut jetzt schon damit beginnen. Er kratzte seinen Bart, den er sich wachsen lassen durfte, da er das Gesicht warm hielt. Er war schon ein paar Zentimeter lang, die ideale Heimstatt f�r Ungeziefer aller Art, aber bis jetzt hatte er eine ernsthafte Verseuchung vermeiden k�nnen. Anders als seine Kavalleristen wusch er sich so h�ufig wie m�glich. Er ha�te es, sich schmutzig zu f�hlen, und abgesehen davon wollte er, falls er je das Gl�ck haben sollte, mit Gus Barclay allein zu sein und sie f�r einen Ann�herungsversuch empf�nglich war, keine L�use in seinen intimen K�rpersph�ren nisten haben. Das w�rde jeder Romanze den Todessto� versetzen.</p><p>Zur Zeit sah er ihr Gesicht oft vor sich. Heute abend wirkte es besonders lebendig. Er f�hlte sich einsam und w�nschte, er w�re auf Barclays Farm. Energisch sch�ttelte er den Kopf. Er durfte sich seinen Zustand nicht anmerken lassen; anderen, die ihm anvertraut waren, erging es sicherlich ebenso oder noch schlimmer. Es war seine Pflicht, sich um sie zu k�mmern.</p><p>Er erhob sich und st�lpte sich seinen Hut auf den Kopf, als ganz in der N�he eine Tenorstimme �Sweet Hour of Prayer� zu singen begann. Er mochte die Melodie und summte sie mit, w�hrend er den Revolver umschnallte und nach seinen Handschuhen griff. Sein Atem wurde sichtbar, als er geduckt aus der T�r trat; es hatte leicht zu schneien begonnen. Ambrose wollte gegen Mitternacht zur�ckkehren; anschlie�end hatten sie vor, eine Flasche zu �ffnen. Vielleicht sollten sie zuvor eine Schneeballschlacht organisieren; vor lauter Inaktivit�t wurden die M�nner streits�chtig.</p><p>Charles ging die Reihe der winterfesten Zelte entlang. Aus einem schmalen Weg zwischen den Zelten drang ein vertrauter, blubbernder Laut. �rgerlich folgte er ihm. Und nat�rlich sa� da der �belt�ter, Hose und Unterhose um die Kn�chel und das Hinterteil hinausgereckt.</p><p>�Verdammt noch mal, Pickens, ich hab�s Ihnen oft genug gesagt � ben�tzen Sie die Latrinen. M�nner wie Sie bringen die Krankheiten ins Lager.�</p><p>Der erschrockene Junge sagte: �Ich wei�, Cap�n, aber ich hab�n schrecklich�n Durchfall.�</p><p>�Die Latrinen�, sagte Charles mitleidlos. �Ab mit Ihnen.�</p><p>Der Kavallerist zerrte ungeschickt seine Kleidung hoch und hinkte in einer Art seitlichem Krebsgang davon. Charles kehrte zur Stra�e zur�ck und marschierte auf den Lagereingang zu, zwei kunstvolle S�ulen und ein Bogen aus ineinander verflochtenen, gesch�lten jungen B�umchen. Direkt ein Kunstwerk, dieses Tor. Bis zum Fr�hling w�rde es stehenbleiben; dann w�rden sie bestimmt gegen McClellan ins Feld ziehen.</p><p>Charles kam an Wache stehenden M�nnern vorbei und erwiderte ihren Gru�, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Gus Barclays Gesicht verdeckte alles andere. Vor einer H�tte, doppelt so gro� wie seine eigene, sagte er zu dem diensttuenden Corporal: �Was ist mit dem Arrestanten?�</p><p>�Hat eine halbe Stunde lang geflucht, Captain. Hielt dann die Klappe, als ich ihn nicht beachtete.�</p><p>�Lassen wir ihn frei. Niemand sollte am Heiligen Abend unter Strafe stehen.�</p><p>Der Corporal nickte, wischte sich die Schneeflocken aus den Augenbrauen und duckte sich in die H�tte. Charles folgte ihm. Ein gewisses Widerstreben regte sich jedoch gegen seine menschenfreundlichen Impulse; bei dem Mann, der kurz vor dem Abendappell hier eingesperrt wor den war, handelte es sich um den ewig renitenten Kavalleristen Cramm. First Sergeant Reynolds hatte wieder mal einen Befehl gegeben, der Cramm nicht pa�te, und als der Sergeant davonging, spuckte Cramm lautstark aus. Charles hatte angeordnet, ihn f�r die Nacht zu fesseln und zu knebeln. Manchmal w�nschte er, Cramm w�re ein Yankee; dann k�nnte er ihn wenigstens erschie�en.</p><p>Cramm sa� auf dem Erdboden der Wachh�tte, einem kahlen, von einer Lampe schwach erhellten Raum. M�rrische Augen �ber dem zugebundenen Mund starrten Charles an. Cramms Handgelenke waren vor den hochgezogenen Knien zusammengebunden worden; ein kr�ftiger Pinienstock war zwischen Knie und Unterarme gesteckt worden.</p><p>�Verdient haben Sie es nicht, Cramm, aber ich lasse Sie raus, weil Weihnachten ist.� Der Wachposten kniete nieder und l�ste den Knebel. �Bringen Sie ihn zu seinem Zelt, Corporal. Sie bleiben dort bis zur Reveille, Cramm. Verstanden?�</p><p>�Jawohl, Sir.� Cramm schnitt �bertriebene Grimassen und verdrehte den Kopf, als w�re er schlimm verletzt. Sein Gesicht zeigte keine Spur von Dankbarkeit, lediglich seine st�ndige Verachtung. Charles sp�rte, wie der �rger in ihm hochstieg, und ging schnell hinaus.</p><p>Vor einem der winterlichen Zelte stoppte er; aus dem Inneren drang eine jugendliche Stimme: �Oh Gott. Oh Gott. Oh, oh.�</p><p>Charles erkannte die Stimme; sie geh�rte Reuven Sapp, dem neunzehnj�hrigen Neffen des Arztes, der Madeline LaMotte so lange mit Laudanum bet�ubt hatte. Der Junge hatte das Zeug zu einem guten Kavalleristen, wenn er aufh�rte, sich von seinen lauteren, aber weniger kompetenten Kameraden einsch�chtern zu lassen.</p><p>�Oh Gott � oh.� Charles klopfte an die T�r und trat ein, ohne eine Aufforderung abzuwarten. Der Kopf des strohhaarigen Jungen, der auf einer der vier Schlafkojen sa�, fuhr nach oben. Ein Brief flatterte zu Boden. �Captain! Ich wu�te nicht, da� jemand in der N�he � �</p><p>�Ich w�re nicht reingekommen, aber ich h�rte eine Stimme, die ziemlich angeknackst klang.� Charles nahm seinen Hut ab, sch�ttelte den Schnee herunter und stieg die drei aus Bohlen gebauten Stufen nach unten. Der Herd war dunkel, im Zelt war es eiskalt. �Wo sind Ihre Kameraden?�</p><p>�Die schauen drau�en, ob sie vielleicht ein paar Hasen erschlagen k�nnen.� Sapp bem�hte sich, ganz normal zu klingen, aber seine Augen verrieten ihn. �Das Essen heute abend war ganz sch�n mies.�</p><p>�Beschissen. Darf ich mich setzen?�</p><p>�Oh, selbstverst�ndlich, Captain. Tut mir leid � � Er sprang auf, als Charles sich einen Stuhl nahm. Er winkte Sapp wieder auf seine Koje und wartete, in der Annahme, da� der Junge ihm schon erz�hlen w�rde, weshalb er sich so elend f�hlte. Er hatte recht. Sapp hob den Brief auf und begann z�gernd zu sprechen.</p><p>�Letzten August hab ich allen Mut zusammengenommen und einem M�dchen geschrieben, das ich wirklich gern mag. Ich fragte sie, ob ich um sie werben d�rfe. Sie hat mir einen Weihnachtsgru� geschickt.� Er deutete auf den Brief. �Sie schreibt, es tue ihr leid, aber das gehe nicht, weil ich nicht ehrbar sei. Ich gehe nicht in die Kirche.�</p><p>�Da w�ren wir schon zu zweit. Es ist ein Jammer, da� Sie die Nachricht ausgerechnet zu Weihnachten bekommen haben. Ich w�nschte, ich k�nnte was tun.�</p><p>Hervorschie�ende Tr�nen unterbrachen ihn. �Oh, Captain, ich hab� solches Heimweh, ich sch�me mich so, aber ich kann�s nicht �ndern. Ich hasse diesen verdammten Krieg.� Er knickte nach vorn ab, verbarg sein Gesicht in den H�nden. Charles atmete tief durch, ging zu der Koje und fa�te die Schulter des weinenden Jungen.</p><p>�H�r zu, mir geht�s oft genug ebenso. In der Beziehung unterscheidest du dich in nichts von anderen Soldaten, Reuven. Also geh nicht so hart mit dir ins Gericht.� W�rgend und schluckend hob der Junge sein nasses, rotes Gesicht. �Ich w�rde sagen, wir vergessen das Ganze und vergessen auch die Vorschrift, da� Mannschaftsdienstgrade nicht mit Offizieren trinken d�rfen. Komm nachher bei meiner H�tte vorbei, und ich schenke dir was ein, um dich aufzumuntern.�</p><p>�Ich trinke keinen Alkohol, aber � trotzdem vielen Dank, Sir. Danke.�</p><p>Charles nickte und ging hinaus, in der Hoffnung, ein bi�chen geholfen zu haben.</p><p>Er ging weiter auf die Unterst�nde zu, die die Pferde vor dem schlimmsten Wetter sch�tzen sollten. Er h�rte die Tiere, bevor er sie sah. Sie benahmen sich nerv�s. Sein Magen verkrampfte sich, als er einen Mann ersp�hte, der sich dicht neben Sport zusammenduckte. Der Mann griff nach etwas.</p><p>Mit drei langen Schritten war Charles �ber ihm. Er erwischte den Mann am Kragen, erkannte ihn; ein Adjutant von Calbraith Butler.</p><p>�Das ist mein Eigentum, das Sie hier zu stehlen versuchen, Sergeant. Ich habe diese Bretter besorgt, damit mein Pferd nicht den ganzen Winter durch auf feuchtem Untergrund stehen mu�. Suchen Sie anderswo nach Brennholz f�r Major Butler � und danken Sie Gott, da� ich Sie bei ihm nicht zur Meldung bringe.�</p><p>Charles packte den Dieb mit beiden H�nden am Kragen, ri� ihn von den nerv�sen Pferden weg und gab ihm dann noch einen gezielten Tritt ins Hinterteil mit auf den Weg. Der Unteroffizier verschwand im Schneegest�ber, ohne sich umzublicken.</p><p>Sport erkannte ihn. Charles zog seine Handschuhe aus, gl�ttete die schwere, graue Decke und kniete sich in den Dreck, um sich zu vergewissern, da� die Hufe des Wallachs auch sicher auf den Brettern standen. Liebevoll rieb Charles �ber Sports Fell. Er nahm eine Laterne vom Nagel, entz�ndete sie und ging langsam an den Pferden vorbei. Jetzt, wo der St�renfried verschwunden war, wurden sie allm�hlich wieder ruhig. Er hielt nach Anzeichen von Krankheiten Ausschau, konnte aber nichts Beunruhigendes entdecken. Ein kleines Wunder.</p><p>Was f�r eine Ansammlung von Kleppern die Truppe doch jetzt ritt. Noch vor dem Sommer war die gute Absicht, die Farben aufeinander abzustimmen, zusammengebrochen. Die meisten der Braunen von jenem ersten Fr�hlingsscharm�tzel waren dahin; Krankheiten, mangelnde Pflege und, in vier F�llen, feindliches Feuer waren die Ursachen daf�r. Sie waren durch alle m�glichen Tiere ersetzt worden, aber die Yanks lebten immer noch in st�ndiger Furcht vor der satanischen, gr��tenteils nicht mehr existierenden schwarzen Kavallerie. Komisch.</p><p>Er inspizierte die restlichen Unterst�nde; in die L�cken geh�rten die Pferde der M�nner, die mit Ambrose auf Patrouille waren. Die Pferde hatten alle Farben, ein Beweis f�r das, was in letzter Zeit so h�ufig behauptet wurde: In Virginia war ein Kavalleriepferd gut f�r sechs Monate.</p><p>�Wir werden ihnen das Gegenteil beweisen, was?� sagte er auf dem R�ckweg zu Sport. Er streichelte den Kopf des Wallachs. �Bei Gott, das werden wir. Ich w�rde meinen gro�artigen S�bel und alles andere wegwerfen, bevor ich dich aufgebe, mein Freund.�</p><p>Eine vorbeikommende Wache hielt an. �Wer da?�</p><p>�Captain Main.�</p><p>�Sehr wohl, Sir. Entschuldigung.� Die Schritte entfernten sich. Der Schnee fiel, lautlos und wundersch�n gegen die Lichter des Lagers.</p><p>Charles trottete zur�ck zu seiner H�tte und holte die Flasche Schnaps hervor. Elf Uhr. Er wickelte sich, immer noch angekleidet, in Decken, �berzeugt davon, da� Ambrose bald zur�ck sein w�rde. F�r ein kurzes Nickerchen legte er sich in seine Koje und tr�umte von Gus. Er erwachte, fuhr ruckartig hoch, rieb sich die Augen und zog seine Uhr hervor.</p><p>Viertel nach drei.</p><p>�Ambrose?�</p><p>Schweigen.</p><p>Steif vor K�lte rollte er sich hinaus. Er wu�te, da� die andere Koje leer war, noch bevor er einen Blick hingeworfen hatte. Der Schnaps stand dort, wo er ihn hingestellt hatte.</p><p>Er konnte nicht mehr schlafen, und so machte er eine Runde, um die Wachen zu kontrollieren. Er fand einen Jungen schlafend, ein Vergehen, das mit Erschie�en geahndet werden konnte. Aber es war der Weihnachtsmorgen. Er stie� den Jungen an, ermahnte ihn und ging weiter. Wie eine Krankheit fra� sich die Sorge in ihn.</p><p>Vorn am Torbogen fragte er einen Wachposten, ob was von Leutnant Pells Trupp zu sehen gewesen sei.</p><p>�Nichts, Sir. Sie sind sp�t dran, nicht wahr?�</p><p>�Ich bin sicher, sie werden bald da sein.� Ein tiefsitzender Instinkt in ihm sagte, da� dies nicht stimmte.</p><p>Er �berpr�fte die Pferdeunterst�nde, machte eine zweite Wachrunde. Es hatte aufgeh�rt zu schneien; eine dichte Schneedecke lag �ber der Landschaft. Er wartete und schaute sich die Augen aus, bis er einen ersten Schimmer des eisig orangen Tageslichts sah. Der Weg vom Tor, der sich in blassen Fernen verlor, blieb leer, nichts r�hrte sich. Ambrose w�rde nicht zur�ckkommen. Keiner von ihnen w�rde zur�ckkommen.</p><p>Wer sollte zur Bef�rderung empfohlen werden? Ihm fiel ein, da� Nelson Gervais bei Ambrose gewesen war. Zusammen mit den Briefen an die Familien der M�nner mu�te noch ein weiterer Brief geschrieben werden, an Miss Sally Mills.</p><p>Die Dinge ver�nderten sich so unvermeidlich wie die Jahreszeiten. Old Scott war beiseitegeschoben worden. McClellan wartete. Bevor er sich umsah, w�rde einer seiner Kavalleristen zur Q-Kompanie gehen und mit einem Maultier zur�ckkommen. Ihm war elend zumute.</p><p>In seiner H�tte, vor Beobachtern gesch�tzt, senkte er den Kopf, schluckte ein paarmal, richtete sich dann wieder auf. Er ging zum Sims, starrte eine Weile auf das Foto, das ihn und seinen fr�hlichen Lieutenant zeigte; beide schauten sie vor der gro�artigen, stolzen Fahne sehr zuversichtlich drein. Er legte das Foto mit dem Gesicht nach unten hin.</p><p>Ohne den Handschuh auszuziehen, griff er nach der Flasche Schnaps, zog den Korken mit den Z�hnen heraus. Noch vor Reveille leerte er die Flasche.</p></section><section><title><p><strong>Drittes Buch.</strong></p><p><strong>Ein Ort, schlimmer als die H�lle</strong></p></title><p><emphasis>Die Leute sind ungeduldig; Chase hat kein Geld; der kommandierende General hat Typhus. Das Fa� hat keinen Boden. Was soll ich tun?</emphasis></p><p>Abraham Lincolnzu Quartiermeister General Montgomery Meigs, 1862</p><p><strong>49</strong></p><p>�Reiter voraus, Sir.�</p><p>Charles, der unter einem tropfenden Baum auf Sport sa�, atmete scharf ein. Sie hatten hier angehalten, um den Bericht des Scouts abzuwarten. Sie waren zu sechst, auf dem R�ckweg von Stuarts Hauptquartier an diesem dritten Tag im Jahre 1862: Charles; der Lieutenant, der Ambrose ersetzt hatte; der Junior Lieutenant, der farblose Julius Wanderly; zwei Unteroffiziere; und der Scout, Lieutenant Abner Woolner, der gerade aus dem wei�lichen Dunst geritten gekommen war, um diese drei Worte auszusto�en, die ein brennendes Gef�hl in Charles� Magen ausl�sten.</p><p>Er zog das Tuch herunter, das er um seine untere Gesichtsh�lfte gebunden hatte. Der Winter in Virginia zeigte sich grausam � Schnee, Wind, eiskalter Regen. Obwohl die Temperaturen an diesem Morgen �ber dem Gefrierpunkt lagen, bi� die K�lte durch s�mtliche Kleidungsschichten. Es war kurz nach sieben. Die Sichtweite war auf wenige Meter beschr�nkt. Die Welt bestand aus schlammigem Boden, den schwarzen S�ulen dreier B�ume und dem Nebel.</p><p>�Wieviele, Ab?� fragte Charles.</p><p>�K�nnt� ich in der Suppe nicht sehen, Cap, aber bestimmt ein ganzer Trupp.� Der Scout, ein schlaksiger drei�igj�hriger Mann, trug schlammbespritzte Kordhosen, einen Farmerrock und einen zerknautschten Filzhut. Er wischte sich die tropfende Nase, ehe er fortfuhr: �Sind schnell und leise unterwegs, direkt auf der anderen Seite der Schienen.�</p><p>Die Orange &amp; Alexandria. Charles� Trupp mu�te sie auf dem R�ckweg von Camp Qui Vive �berqueren. �In welche Richtung?�</p><p>�Richtung Potomac.�</p><p>Die Hoffnung st�rzte in sich zusammen. Die Richtung lie� mit einiger Sicherheit auf Yanks schlie�en. Vielleicht waren sie durch die Linien geschl�pft, um w�hrend der Nacht Schienen aufzurei�en. Die M�glichkeit eines Scharm�tzels deprimierte ihn, vielleicht weil er damit am wenigsten gerechnet hatte. Calbraith Butler hatte den Trupp aus drei Gr�nden in Stuarts Camp geschickt. Zwei waren milit�rischer, einer pers�nlicher Natur. Der Kavallerie ging allm�hlich der Mais aus, und der Major wollte eine Anleihe machen; er vermutete, da� eine direkte Bitte von einem alten Freund des Brigadiers � Stuart hatte seine Bef�rderung bekommen, w�hrend Hampton noch auf seine wartete � mehr Aufmerksamkeit finden w�rde als ein Kurierbrief.</p><p>Der Trupp war zwei N�chte geblieben, und Beauty, der in der Atmosph�re des Krieges geradezu aufzubl�hen schien, bewirtete Charles in seinem kleinen Haus in Warrenton, wo er seine Frau Flora und seinen Sohn und seine Tochter untergebracht hatte. Nat�rlich konnte er ein bi�chen Mais f�r Kavalleriekameraden in Not er�brigen; er hatte im Herbst einen ganzen Waggonzug mit Futter von Dranesville gebracht, allerdings nicht, ohne einen Preis daf�r zahlen zu m�ssen. Pennsylvania-Infanterie hatte ihm einen Hinterhalt gelegt und ihm eine zweist�ndige Schlacht geliefert, in deren Verlauf der Zug beinahe verloren gegangen w�re.</p><p>Calbraith Butlers zweiter Grund betraf den Ersatz f�r Ambrose Pell. Der neue Mann war zwei Tage vor Neujahr von Richmond gekommen, nachdem er sechzig Tage auf seine Frontversetzung gewartet hatte, wie er sagte. Butler wollte wissen, wie er sich im Feld benehmen w�rde. Am Tag nach seiner Ankunft sprach Butler privat mit Charles.</p><p>�Er ist uns angedreht worden, weil er irgendwie mit Old Pete oder dessen Familie in Verbindung steht�, Old Pete war Generalmajor Longstreet, in South Carolina geboren, �und nachdem ich Pell als vermi�t gemeldet hatte, tauchte er so schnell auf, da� ich den Verdacht hege, irgendjemand hat blo� auf eine Gelegenheit gewartet, ihn loszuwerden. Ich habe mit dem Neuen keine halbe Stunde geredet, aber eines ist mir dabei klar geworden. Er ist ein Dummkopf und ein Intrigant. Eine �ble Kombination, Charles. Hab ein Auge auf ihn.�</p><p>First Lieutenant Reinhard von Helm kam aus Charleston, ein Deutscher, ungef�hr acht oder neun Jahre �lter als Charles. Er war ein kleiner, schlanker Mann, kahl bis auf einen dunklen Haarkranz. Seine k�nstlichen Z�hne pa�ten schlecht. Zweimal bereits hatte ihn Charles dabei ertappt, wie er ganz allein dastand und in irgendeine private H�lle starrte. Jedesmal hatte er sich f�r eine halbe Minute nicht von der Stelle ger�hrt, dann war er wie ein erschrecktes Kaninchen davongeschossen.</p><p>Von Helm sagte, er habe eine Anwaltspraxis aufgegeben, um dem Ruf zu den Waffen zu folgen. Das, zusammen mit den Namen bekannter Leute aus Charleston, die er gelegentlich fallenlie�, beeindruckte Wanderly ungemein. Der junge Lieutenant und von Helm wurden vom ersten Tag an ein Freundespaar.</p><p>Am Neujahrstag hatte ein Offizier einer anderen Truppe, Chester Moore aus Charleston, Charles auf einen Schluck in seine H�tte eingeladen und seine Bef�rchtungen �ber Lieutenant von Helm best�tigt.</p><p>�Er war tats�chlich Anwalt, aber er machte nicht viel her. Sein Vater besa� eine florierende Kanzlei, zusammen mit drei Partnern. Er zwang sie, das S�hnchen in die Kanzlei aufzunehmen. B�ser Fehler. All das geerbte Geld und das gute Leben ruinierten ihn. Wenn er einen Brief schreiben oder einen unwichtigen Fall �bernehmen durfte, war er f�r gew�hnlich betrunken. Als sein Vater zu Grabe getragen wurde, wiesen die Partner dem Sohn die T�r. Keine andere Firma wollte ihn. Er taugt nichts, Charles. Schlimmer noch, er wei� es selber. Versagertypen sind oft b�sartig. Sei vorsichtig.�</p><p>Der pers�nliche Grund f�r die Mission war Charles� eigene Geistesverfassung; seit Weihnachten hatte ihn Schwermut befallen, und Calbraith Butler war das nicht entgangen. Doch die ber�hmten Festlichkeiten in Stuarts Lager hatten diese Stimmung kaum verscheuchen k�nnen, obwohl der Brigadier sich pers�nlich um Charles gek�mmert hatte.</p><p>Das andere Geschlecht war zu jeder Stunde zahlreich im Camp vertreten; Stuarts h�ufige Parties und sein Ruf f�r Frohsinn zogen sie an. Charles wurde einer Miss Belle Arnes aus Front Royal vorgestellt. Er war ausgehungert nach einer Frau, und so arrangierte er im nahegelegenen Landgasthaus, wo Miss Arnes �bernachtete, ein Rendezvous.</p><p>Sie schliefen zweimal miteinander, ungest�m, aber irgendwie blieb alles leer und unbefriedigend. Nie h�tte Miss Arnes geahnt, da� ihr Geliebter sich mitten in der Hitze der Ereignisse durch eine Vision von Gus Barclay gest�rt f�hlte.</p><p>�Sir?� sagte der Scout. �Soll ich zur�ckreiten und sie mir mal n�her anschauen?�</p><p>�Wozu?� sagte von Helm. �K�nnen ja blo� unsere Jungs sein.�</p><p>Charles f�hlte sich m�de; ihm war k�lter denn je. �Sind Sie sich da ganz sicher, Lieutenant?�</p><p>Von Helms seltsam leere Augen richteten sich auf einen Punkt irgendwo hinter ihm. �Nat�rlich. Sie nicht?� Die Frage unterstellte Charles eine geh�rige Portion Dummheit. �Am besten rufen wir sie an, damit sie nicht irrt�mlich auf uns feuern. Ich mach� das schon.�</p><p>�Einen Moment�, sagte Charles, aber von Helm galoppierte bereits in den Nebel hinein.</p><p>Wanderly strahlte voller Bewunderung. �Hat einen Schu� von dem Stuart-Mumm, was?�</p><p>Charles bekam keine Chance, eine andere, nicht ganz so wohlwollende Meinung zu vertreten. Von Helms Stimme drang durch den wei�en Dunst, der die Schienen verbarg. Andere Stimmen, keine davon mit einem S�dstaatenklang, antworteten.</p><p>�Wer ist da, ein Reb?�</p><p>�Aber sicher ein Reb. H�rst du das nicht?�</p><p>�He, wieviele Niggerweiber hast du?�</p><p>Und dann Gewehrfeuer. Charles ri� seine Schrotflinte hoch, ohne sich den Luxus eines einzigen Fluches zu g�nnen. �Trab � Marsch.�</p><p>Hinter ihm lie� Wanderly einen langen, jaulenden Schrei der Erregung los. Eine Kugel traf einen Zweig, der Charles ins Auge peitschte, was seine Sicht noch weiter beeintr�chtigte. Vor ihm dr�hnte von Helms Gewehr. Angesichts des Nebels und des Gel�ndes ging Charles ein gewaltiges Risiko ein, f�hlte sich aber dazu verpflichtet, um diesen Trottel von einem Lieutenant zu retten.</p><p>�Galopp � <emphasis>haaaa!�</emphasis></p><p>Er duckte sich unter den �ber ihn hinwegpeitschenden Zweigen hindurch, h�rte Explosionen, deren Schnelligkeit unglaublich war. Falls sie nicht auf wesentlich mehr M�nner gesto�en waren, als Woolner gesch�tzt hatte, mu�te irgendein Yank fast ohne Pause schie�en.</p><p>Einen Moment hatte er nicht aufgepa�t und den gewaltigen Stamm einer gest�rzten Ulme direkt vor sich �bersehen. Zum Wenden war es zu sp�t. Der Scout galoppierte hinter ihm, Z�gel zwischen den Z�hnen, in jeder Hand einen Revolver.</p><p>�Woolner, nach links!� br�llte er. �Da liegt ein Baum.�</p><p>Das Hindernis war fast schon vor ihm; er mu�te sich auf den Instinkt des Grauen verlassen.</p><p>Jesus, der Stamm war gute f�nf Fu� hoch �</p><p>Charles lehnte sich vor, als Sport zum Sprung ansetzte. Er hob sein Hinterteil aus dem Sattel und pl�tzlich, weg vom Boden und hoch, segelten Mann und Tier durch den milchigen Nebel. Am h�chsten Punkt des Sprunges ging ihm vor lauter Liebe fast das Herz �ber. Er besa� das st�rkste, tapferste Pferd auf Gottes Erde.</p><p>Zwischen Sports zur�ckgelegten Ohren sah Charles die Yanks auftauchen. Sie waren abgesessen, drei oder vier Mann, und feuerten hinter dem Bahndamm hervor. Von Helm, ebenfalls abgestiegen, lag in Deckung und scho� abwechselnd mit Gewehr und Revolver.</p><p>Wer immer die Yankees kommandierte, gab pl�tzlich Befehl zum Aufsitzen und zum R�ckzug. Eine Kugel pfiff an Charles� Ohr vorbei; ein ihm folgender Unteroffizier schrie auf, umklammerte seinen Arm und w�re beinahe vom Pferd gefallen, ehe er die Z�gel wieder erwischte. Der Verwundete hing auf seinem Pferd, das nach links davongaloppierte.</p><p>Charles suchte die Reihe der feindlichen Soldaten nach der Quelle der schnell aufeinanderfolgenden Sch�sse ab. Er entdeckte sie; der einzelne Sch�tze befand sich innerhalb seiner Schu�weite. Er z�gelte Sport, zielte sorgf�ltig mit der Schrotflinte und feuerte beide L�ufe ab. Der Yank wurde nach hinten geschleudert. Woolner erledigte zwei weitere Yanks und von Helm einen dritten. Der Rest, ihre Gesamtzahl immer noch ein R�tsel, verschwand im Nebel.</p><p>Als die Hufschl�ge verklangen, stampfte von Helm auf die Schienen zu, schwang sein Gewehr und br�llte: �Erz�hlt dem Gorilla, wir vergessen unsere Niggerweiber, wenn wir Yanks verpr�geln k�nnen!�</p><p>�Whoo-ee!� schrie der Corporal anerkennend. Offensichtlich war er vom Mut des Deutschen beeindruckt, obwohl dessen Unbesonnenheit sie alle h�tte umbringen k�nnen.</p><p>Charles glitt aus dem Sattel. Er sollte sich um seinen verwundeten Kavalleristen k�mmern, aber der Gedanke an die Waffe, die mit solcher Geschwindigkeit gefeuert hatte, lenkte ihn ab; von Helm lenkte ihn ab, der ihm den R�cken zuwandte und eine kippende Bewegung machte, wie ein trinkender Vogel. Charles sah etwas Silbernes aufblitzen und wieder in einer Seitentasche verschwinden.</p><p>Charles ritt nach hinten und br�llte in den Nebel: �Was ist mit Loomis?�</p><p>�Blo� ein Kratzer, Sir. Ich verbinde ihn.�</p><p>Charles ging auf den Damm zu. Der Nebel lichtete sich, je h�her die Sonne stieg. �Ein Gl�ck, da� wir nicht wirklich einem ganzen Trupp gegen�berstanden, obwohl es sich so anh�rte�, sagte er zu von Helm.</p><p>�Haben wir aber nicht.� Der Deutsche klang herausfordernd.</p><p>Sie fanden drei tote Kavalleristen der Union und einen st�hnenden Sergeant mit einer blutenden Bauchwunde. Sie w�rden ihn zur Behandlung mitnehmen m�ssen, aber er w�rde nicht lange durchhalten; Bauchwunden waren in der Regel t�dlich.</p><p>Charles trat auf die Eisenbahnschwellen. Ein Kavallerist kniete auf der Brust eines Toten und durchsuchte emsig s�mtliche Taschen. Er fand nichts bis auf etwas Tabak und eine Pfeife und sagte: �Schei�e.� Im gleichen Augenblick entdeckte Charles das, was er suchte, in dem abgestorbenen gelblichen Unkraut jenseits des Bahndamms. Von Helm sah es ebenfalls und versuchte, an seinem Captain vorbeizukommen. Charles wirbelte herum.</p><p>�Das geh�rt mir�, sagte er. �Und noch eins. Das n�chstemal warten Sie meine Befehle ab, oder Sie sind dran.�</p><p>Von Helm pre�te seine k�nstlichen Z�hne zusammen und wandte sich ab; seine Alkoholfahne hatte Charles bereits gerochen. All die Warnungen waren berechtigt gewesen. Er hatte ein faules Ei erwischt.</p><p>�Beweist nur, was sie immer sagen�, beklagte sich der Kavallerist und beugte sich �ber die F��e des toten Soldaten. �Diese verdammten Yanks sind nicht mehr wert als ein Paar Schuhe.� Er zog den rechten Schuh runter und fluchte, als er die gel�ste Sohle sah. Er sp�hte hinein. �Lashbrook von Lynn. Was hei�t das?�</p><p>Niemand machte sich die M�he, ihm zu antworten. Charles glitt den Damm hinunter und holte die Waffe aus dem Unkraut. Sie sah vollkommen neu aus, ungef�hr vier Fu� lang, mit einer merkw�rdigen �ffnung am Kolben. Oben war der Herstellername eingepr�gt.</p><p>Spencer Repeating-Rifle Co.</p><p>Boston, Mass.</p><p>Pat�D. March 6, 1860</p><p>In Charles� Ged�chtnis klickte es; ein Absatz einer der vielen Washingtoner Zeitungen, die man hinter den S�dstaaten-Linien las, tauchte vor seinem inneren Auge auf. Ein spezielles Scharfsch�tzenregiment, gef�hrt von irgendeinem ber�hmten New Yorker Scharfsch�tzen, hatte das neue Modell eines schnell repetierenden Gewehrs empfangen. Konnte es sein, da� er ein Exemplar davon in H�nden hielt � vielleicht ein gestohlenes? Soweit er wu�te, befanden sich die Scharfsch�tzen immer noch in Washington.</p><p>Charles suchte den Mann, der mit dem Gewehr geschossen hatte; ohne die dazugeh�rige Munition w�rde er hier nicht verschwinden. Woolner hatte dem Mann bereits die Taschen geleert und die Schuhe ausgezogen, aber drei merkw�rdig r�hrenf�rmige Magazine hatte er zur�ckgelassen. Charles �ffnete eines und entdeckte sieben Randfeuerkupferpatronen, eine hinter der anderen. Jetzt begriff er die Funktion der �ffnung im Kolben.</p><p>Woolner tauchte auf. �Hat dieses Ding da so schnell geschossen? Noch nie sowas gesehen.�</p><p>�Hoffen wir, da� wir nicht mehr viele davon zu sehen bekommen. Ich habe Munition gefunden. Ich will damit schie�en.�</p><p>Die Sonne brach in langen, leuchtenden Streifen durch den Nebel. Sie banden den verwundeten Yank hinter Loomis auf dessen Pferd und ritten, die Toten zur�cklassend, auf das Camp zu. Der Yank blutete das ganze Pferd voll. Als sie im Lager ankamen, griff Loomis hinter sich und ber�hrte den Mann. �He, Yank, wach auf.� Er hatte einen Toten ber�hrt. Loomis wurde urpl�tzlich bleich, verlor das Bewu�tsein und fiel von seinem Pferd.</p><p>Ersch�pft und immer noch ein bi�chen zittrig entlie� Charles die M�nner und k�mmerte sich dann um Sport. Von Helm war mit seinem Gaul in einem Drittel der Zeit fertig.</p><p>Charles t�tschelte den Grauen und ging los, um seinen knurrenden Magen zu f�llen. Von Helm war zu dem Quartier gegangen, das er nun mit Charles teilte. Ihre ersten paar gemeinsamen Tage als H�ttengenossen hatten lediglich einige h�fliche oder notwendige Bemerkungen hervorgebracht. Wenn es nach Charles ging, w�rden es jetzt noch weniger werden.</p><p>Es war schon sp�t am Tag, als er endlich Calbraith Butler fand, um ihm Bericht von dem Scharm�tzel zu erstatten. �Meiner Meinung nach eine v�llig sinnlose Aktion, die wir h�tten vermeiden m�ssen.�</p><p>Butler lehnte sich in seinem Campstuhl zur�ck. �Du hast mir noch nicht alles erz�hlt. Woolner ist vorhin vorbeigekommen. Er teilt deine Meinung, aber er hat mir auch berichtet, wie der Trupp in dieses Schlamassel geraten ist. Der Deutsche hat dich reingezogen.�</p><p>�Zum ersten und zum letzten Mal�, versprach Charles.</p><p>�Ich hab� dich gewarnt�, sagte Butler, nicht vorwurfsvoll, sondern mitf�hlend. �Vielleicht kann ich dir die kleine Ratte erneut versetzen lassen.�</p><p>�Ich werd� mit Lieutenant von Helm schon fertig�, sagte Charles mit gek�nstelter Zuversicht. �Ist vom Hauptquartier noch irgendwas �ber Ambrose gekommen?�</p><p>�Nein, nichts. Ich bin �berzeugt davon, da� wir nie erfahren werden, was passiert ist.�</p><p>Charles nickte zustimmend und sehr ernst. Dann beschrieb er die Waffe, die er konfisziert hatte. �Ich m�chte sie morgen auf den Exerzierplatz mitnehmen und testen. Sp�ter nutzt sie mir sowieso nichts � au�er den drei Magazinen hab� ich keine Munition. Einundzwanzig Schu�.�</p><p>�Ich w�re beim Test ganz gern dabei.�</p><p>�Ich geb� dir Bescheid.�</p><p>Da er immer noch keine Lust versp�rte, zu von Helm in die H�tte zu gehen, marschierte Charles zur�ck zu den Pferdeunterst�nden, um sich zu vergewissern, da� Sport ordentlich auf seinen Planken stand und nicht auf dem schlammigen Boden. Langsam lie� er seine Hand �ber den warmen Hals des Grauen gleiten. Er f�hlte sich miserabel, besorgt und w�tend zugleich.</p><p>Der Knall dr�hnte �ber das Gel�nde. Die an einen Baum geheftete Papierzielscheibe zuckte im blassen Licht des Nachmittags, genau in der Mitte getroffen.</p><p>Charles zog den Hebel nach unten und warf die verbrauchte Patrone aus. Durchladen, zielen, feuern. Durchladen, zielen, feuern. Ein halbes Dutzend M�nner schauten zu. Nach jedem Schu� klappten ihre Unterkiefer etwas weiter herunter. Ab Woolner zerrte an seiner Hose und murmelte: �Guter Gott.�</p><p>Dichter werdender Rauch kr�uselte sich hoch. Calbraith Butler hatte im Takt mit seiner Reitpeitsche gegen sein Bein geschlagen. Als die letzte Explosion verhallte, flatterte der untere Teil der Zielscheibe zu Boden. Butler blickte Charles an.</p><p>�Ich hab� sieben Schu� in ungef�hr dreizehn Sekunden gez�hlt.�</p><p>Einige Zuschauer hoben die leeren Kupferpatronen als Souvenirs auf. Charles nickte d�ster. Der Scout sprach das aus, was sie alle dachten: �Hoffen wir, da� die Yanks nicht viele solche Gewehre haben. Sie k�nnten sie am Montag laden, und den Rest der Woche k�nnten sie uns damit abschie�en.�</p><p>Charles trottete zu seiner H�tte zur�ck und legte das Repetiergewehr ins Regal. Von Helm war nicht da � angesichts der d�steren Stimmung nach dem Test um so besser. Charles verstaute die ihm verbliebenen beiden Magazine in der Feldtruhe, wobei ihm Cousin Coopers Warnungen �ber die industrielle �berlegenheit des Nordens einfielen. War dieses neue Gewehr nicht ein weiterer Beweis f�r diese �berlegenheit? Warum hatte niemand darauf geh�rt?</p><p>Oder war nur er aus dem Takt geraten, war er zum Pessimisten geworden. War er der Zyniker, der sich dem allgemeinen Glauben in der Armee nicht anschlie�en konnte � da� Mut und geistige Einstellung zahlenm��ige �berlegenheit und bessere Waffen �berwinden konnten? Das mochte gelegentlich zutreffen. Aber jedesmal?</p><p>Ermutigende Ger�chte hatten das Lager auch aus Norfolk erreicht. Irgendein furchterregendes neues Schlachtschiff stand kurz vor der Fertigstellung. Die <emphasis>Virginia</emphasis> war ein umgebautes Schiff der Union, die <emphasis>Merrimack,</emphasis> die die Yanks versenkt hatten, als sie den Hafen aufgaben. Sie war gehoben und mit einer Panzerung ausger�stet worden; jetzt bezeichnete man sie als Panzerschiff. Die Leute sprachen von ihr, als k�nnte sie den Krieg dadurch beenden, da� sie ein paar Salven abscho�. Der Skeptiker in Charles� sah das ein bi�chen anders.</p><p>Am n�chsten Tag brachte die Post eine angenehme �berraschung, ein Ende November in Fredericksburg aufgegebenes P�ckchen. Darin fand Charles ein schmales, ledergebundenes Buch: <emphasis>An Essay on Man</emphasis> von Alexander Pope. Auf das Deckblatt hatte die Absenderin geschrieben:</p><p><emphasis>F�r Captain Charles Main</emphasis></p><p>= = An der Front = =</p><p>Weihnachten, 1861</p><p>Sie hatte mit <emphasis>A. Barclay</emphasis> unterschrieben und zus�tzlich noch eine Karte hineingesteckt, auf der stand: <emphasis>Tut mir sehr leid, da� ich Deinen Besuch verpa�t habe; hoffentlich kommst Du bald wieder.</emphasis> In den Linien und Schlaufen ihrer grazi�sen Schrift sah er sie deutlich vor sich.</p><p>Viele Soldaten trugen kleine Bibeln in ihren Rocktaschen bei sich. Das brachte Charles auf eine Idee. Er suchte sich ein St�ck weiches Leder und n�hte daraus einen kleinen Beutel mit einem Riemen dran. Er tat den kleinen Band in den Beutel und streifte ihn �ber den Kopf. Er trug ihn unter dem Hemd auf seiner Brust. Es f�hlte sich da gut an.</p><p>Das Geschenk munterte ihn einige Tage lang auf, trotz der Gegenwart von Lieutenant von Helm. Der Deutsche sagte kaum ein Wort, verlor aber nur selten diesen irren Glanz in seinen Augen. Eines Abends, als Charles Magenschmerzen hatte und keine Lust versp�rte, einer Vorstellung von <emphasis>Box and Cox</emphasis> beizuwohnen, dargeboten von einigen Schauspielern des Camps, schaute �berraschend sein Erster Sergeant bei ihm vorbei.</p><p>�Was f�hrt Sie her, Reynolds?�</p><p>�Sir, es ist�, der Mann err�tete, �ich glaube, es ist meine Pflicht, mit Ihnen zu sprechen.�</p><p>�Nur zu.�</p><p>�Es handelt sich um Lieutenant Wanderly und Private Cramm, Sir. Die beiden geben eine Menge von ihrem eigenen Geld beim Marketender aus und halten die anderen Jungs frei. Sie, �h, machen Wahlkampf.�</p><p>�F�r was?�</p><p>Der Sergeant antwortete mit einem gewaltigen W�rgen. �F�r Lieutenant von Helm.�</p><p>Charles, von Magenschmerzen gepeinigt, war m�de und gereizt. �Ich verstehe immer noch nicht. Verdammt noch mal, Mann, reden Sie offen.�</p><p>Peterkin Reynolds warf ihm einen ungl�cklichen Blick zu. �Sie wollen ihn zum Captain w�hlen, Sir.�</p><p>Eine Stunde sp�ter kehrte von Helm mit einer Bourbonfahne zur�ck. �Heute abend haben Sie eine feine Show verpa�t. Die Schauspieler � � Seine braunen Augen wurden leer, zeigten dann �berraschung, als er den Zustand der H�tte wahrnahm. �Was ist hier passiert? Wo sind meine Sachen?�</p><p>�Ich hab� sie fortschaffen lassen.� Charles lag in seiner Koje und sprach mit einem Zigarrenstummel zwischen den Z�hnen. �Zur H�tte Ihres Wahlhelfers.�</p><p>�Mein �?� Von Helm zwinkerte. �Oh.� Charles� Blicke schienen ihn nicht einzusch�chtern; vielleicht war er daf�r zu betrunken. Seine Mundwinkel gingen nach oben, als h�tte man wie bei einer Puppe an einer Schnur gezogen. �Sehr wohl. Guten Abend, Captain.� Er ging.</p><p>Charles ri� die Zigarre aus dem Mund und gab sich einer Schimpfkanonade hin, deren Inbrunst seine deprimierte Ersch�pfung verbarg. Er war noch in den Zwanzigern und f�hlte sich doppelt so alt. Zumindest waren jetzt die Fronten gekl�rt. Captain Main gegen diesen posierenden Intriganten aus Charleston.</p><p><strong>50</strong></p><p>Stanley klopfte und betrat mit vibrierenden Nerven das B�ro des Ministers. Er war �berzeugt davon, da� man ihn angeschw�rzt hatte und da� er degradiert oder entlassen werden w�rde.</p><p>Er war erstaunt, einen gutgelaunten Bo� vorzufinden, der in seinem B�ro Kisten und K�sten inspizierte, die mit pers�nlichen Akten angef�llt waren. Camerons Wangen hatten einen rosigen Schein von frischer Rasur; er roch nach Lavendel. Sein Schreibtisch war leer, ein bis jetzt noch nie dagewesenes Ereignis.</p><p>�Stanley, mein Junge, setzen Sie sich. Ich verschwinde hier so schnell wie m�glich, aber ich wollte noch ein bi�chen mit Ihnen plaudern, bevor ich gehe.� Mit einer Handbewegung bot er dem J�ngeren einen Platz an, w�hrend er sich wie gewohnt hinter seinen Schreibtisch setzte.</p><p>Zitternd lie� Stanley seinen schweren K�rper auf den Stuhl sinken. �Ich war ersch�ttert, als ich letzten Samstag von Ihrem R�cktritt h�rte, Sir.�</p><p>�Von mir aus wieder Simon � oder Bo�. Ich bin da nicht w�hlerisch. Nur Herr Minister pa�t nicht mehr.�</p><p>�Ein tragischer Verlust f�r die Kriegsanstrengungen, Sir.�</p><p>Die letzte Bemerkung erzeugte bei Cameron ein schmales L�cheln. �Oh ja, eine ganze Menge von Kontraktpartnern wird durchaus dieser Meinung sein. Doch ein loyaler Bursche geht dorthin, wo ihn seine Vorgesetzten haben wollen. Ru�land ist ein ganzes St�ck von zu Hause weg, aber um Ihnen die Wahrheit zu sagen, Stanley � ich werde die Unruhe und die ganze niedertr�chtige Bissigkeit dieser Stadt nicht vermissen.�</p><p>Eine L�ge, dachte Stanley; der Bo� hatte mit am besten zugebissen. Doch all die ministeriellen Unregelm��igkeiten hatten Lincoln schlie�lich zum Handeln gezwungen, auch wenn man Cameron erlaubt hatte, das Gesicht zu wahren; der Posten als Gesandter der Vereinigten Staaten in Ru�land galt als Bef�rderung.</p><p>�Ich nehme an, Sie werden mit dem neuen Mann zurechtkommen�, fuhr Cameron entspannt fort. �So locker wie ich wird er es allerdings nicht angehen lassen. Er ist ein Favorit der Farbigen und springt ganz sch�n hart mit denen um, die seinen Erwartungen nicht entsprechen. Sie werden sich auf den n�chsten Inhaber dieses B�ros einstellen m�ssen.�</p><p>Stanley nagte an seiner Unterlippe. �Sir, ich tappe im dunkeln. Ich kenne nicht mal den Namen des neuen Ministers.�</p><p>�Oh, tats�chlich?� Die wei�en Brauen schnellten nach oben. �Ich dachte, Senator Wade h�tte es Ihnen anvertraut. Wenn nicht, dann werden Sie wohl auf die �ffentliche Bekanntmachung warten m�ssen.�</p><p>Dabei belie� er es, und Stanley zappelte an dem Haken, den Cameron ausgeworfen hatte. �berraschenderweise lachte der �ltere Herr, ehe er fortfuhr: �Ich trage Ihnen nichts nach, Stanley. An Ihrer Stelle h�tte ich es genauso gemacht. Sie haben sich als gelehriger Sch�ler erwiesen. Sie haben gelernt, jede Lektion anzuwenden, die ich Ihnen beigebracht habe. Obwohl, wenn ich es jetzt im Nachhinein �berdenke, hab� ich Ihnen vielleicht eine Lektion zuviel beigebracht.�</p><p>Das L�cheln wurde breiter, vermischte sich mit fr�hlicher Bosheit. �Nun, mein Junge, lassen Sie mich Ihnen einen letzten Rat erteilen, bevor wir uns zum Abschied die H�nde sch�tteln. Verkaufen Sie soviele Schuhe, wie Sie k�nnen, so teuer wie m�glich und so lange wie m�glich. Und sparen Sie das Geld. Sie werden es brauchen, denn in dieser Stadt liegt immer jemand auf der Lauer. Jemand, der Sie verkaufen will. Jemand, der Sie verkaufen <emphasis>wird.�</emphasis></p><p>Stanley stand kurz vor einem Herzanfall. Cameron eilte um seinen Schreibtisch, umklammerte Stanleys Hand so fest, da� es schmerzte, und sagte: �Sie m�ssen mich jetzt entschuldigen.� Damit wandte er ihm den R�cken zu. Als Stanley ging, w�hlte er schon wieder fr�hlich in den zusammengepackten Ruinen seines Reiches.</p><p>Am n�chsten Abend kehrte George mit Neuigkeiten f�r Constance heim. �Es ist Stanton.�</p><p>�Aber er ist doch Demokrat!�</p><p>�Er ist au�erdem ein Fanatiker nach dem Herzen der Radikalen. Die f�r ihn sind, bezeichnen ihn als Patrioten. Die Gegenseite ben�tzt Bezeichnungen wie dogmatisch und verschlagen. Er will seine Ziele um jeden Preis erreichen. Lincoln mag ihn ernannt haben, aber er ist das Produkt von Wade und dessen Bande.� Sein am�siertes L�cheln lockerte den Ernst auf. �Wu�test du, da� Stanton mal mit einem Fall zu tun hatte, in dem es um McCormicks M�hmaschine ging und Lincoln als Junior-Anwalt beteiligt war? Stanton nannte ihn dabei einen T�lpel. Unglaublich, wie die Leute sich �ndern. Diese verr�ckte Welt � �</p><p>�Nicht du und ich�, sagte sie und k��te ihn sanft.</p><p>General McClellan erholte sich von seinem schweren Typhusanfall, blieb aber weiterhin das Opfer einer anderen Krankheit, wegen der ihn bis auf seine treuesten Anh�nger alle heftig kritisierten. Lincoln bezeichnete die Krankheit als Schwerf�lligkeit. Unter zunehmendem Druck erlie� der Pr�sident am 31. Januar den Kriegssonderbefehl Nr. 1. Darin wurde dem Kommandierenden General befohlen, die Armee bis sp�testens 22. Februar vom Potomac in Richtung Manassas in Bewegung zu setzen.</p><p>Die Februarausgabe des <emphasis>Atlantic</emphasis> druckte neue Verse f�r �John Brown�s Body�, geschrieben von Mrs. Howe; George und seine Frau und sein Sohn sangen die aufr�hrende �Battle Hymn�, w�hrend Patricia spielte. Das Lied pa�te zu der neuen, aggressiveren Stimmung in der Hauptstadt. Stanton, klein und grimmig, lie� sich st�ndig in den Geb�uden um den President�s Park sehen. George bemerkte ihn mehrfach im Waffenamt, sah aber keinen Grund, ihn anzusprechen.</p><p>Aus dem Westen drangen so glorreiche Nachrichten, da� sich vor den Zeitungsgeb�uden, wo die letzten telegraphischen Neuigkeiten aushingen, eine jubelnde, trunkene Menge versammelte. Fort Henry, eine Schl�sselbastion der Rebellen am Tennessee, knapp unterhalb der Grenze zu Kentucky, hatte sich einer kombinierten Offensive von Land und Flu� her ergeben.</p><p>Zehn Tage sp�ter fiel Fort Donelson. Theoretisch waren beide Siege das Werk des Department-Kommandeurs General Halleck. Aber der Mann, dem die Korrespondenten den Siegerkranz aufsetzten, war ein Akademie-Absolvent, der schon seit langem aus Georges Gedanken verschwunden war. Zu Beginn hatte Sam Grant in West Point Orrys Rolle �bernommen, als er von Elkanah Bent schikaniert wurde.</p><p>Sam Grant. Erstaunlich. Nach dem Feldzug gegen Mexiko City hatten er und George zusammen in den Cantinas getrunken. Ein sympathischer Offizier und durchaus tapfer. Aber ihm fehlte die Brillanz, die beispielsweise Tom Jackson besa�. Das letzte, was George �ber ihn geh�rt hatte, war, da� er in der Armee im Westen versagt und aufgrund von Alkoholproblemen seinen Abschied genommen habe.</p><p>Und hier war er, frisch bef�rdert vom Brigadier zum Generalmajor der Freiwilligen und mit dem Spitznamen �Bedingungslose Kapitulation� ausgestattet, weil er auf eine Anfrage nach den �bergabebedingungen des Kommandanten von Donelson geantwortet hatte, er w�rde nichts anderes akzeptieren. Und dann befreite er das westliche Kentucky aus dem Griff der Konf�derierten, das westliche Tennessee und den oberen Teil von Mississippi. Der S�den taumelte, der Norden jubelte, und Grants Name wurde f�r jeden Schuljungen, dessen Eltern eine Zeitung lasen, zu einem Begriff.</p><p>Nichtsdestoweniger drangen aus dem Regierungsgeb�ude schlimme Ger�chte. Der Pr�sident sollte an derart starken Depressionen leiden, da� es schon an Wahnsinn grenzte. Nachts streifte er schlaflos herum oder lag stundenlang bewegungslos da; dann erhob er sich und erz�hlte merkw�rdig prophetische Tr�ume. Die Washingtoner Klatschtanten hatten eine Menge anzubieten. Lincoln wurde wegen der Union verr�ckt. Mary Lincoln, die eingestandenerweise eine Menge Verwandte in Kentucky und der Konf�deriertenarmee besa�, war eine Spionin. Der zw�lfj�hrige William Lincoln hatte Typhus. Das stellte sich als wahr heraus; der Junge starb zwei Tage, bevor McClellan Manassas h�tte einnehmen sollen.</p><p>McClellan nahm Manassas nicht ein; die Armee r�hrte sich nicht vom Fleck. Und Lincoln tauchte auf keiner der offiziellen Feierlichkeiten zu Ehren von Washingtons Geburtstag auf, obwohl die Armeen auf beiden Seiten den Tag feierten, wie es vor dem Krieg Brauch gewesen war.</p><p>Eines Abends machte Billy einen �berraschungsbesuch. Noch vor dem Essen tauschten die Br�der �ber einem Glas Whiskey Klagen aus.</p><p>Billy: �Was zum Teufel ist mit Mac los? Er sollte doch die Union retten � vorletzte Woche, oder?�</p><p>George: �Woher soll ich wissen, was los ist? Ich bin nichts weiterals ein besserer Angestellter. Ich h�re nur den Stra�entratsch. Du solltest mehr wissen als ich; er ist dein Kommandeur.�</p><p>�Er ist dein Klassenkamerad.�</p><p>�Also gut�, sagte George, �ich hab� lediglich geh�rt, da� Little Mac dem Feind zahlenm��ig um das Zwei- bis Dreifache �berlegen ist, aber trotzdem fordert er weiterhin Aufschub und Verst�rkung. Sonst, so sagt er, k�nne er den Erfolg nicht garantieren � der, so f�hrt er mit dem n�chsten Atemzug fort, garantiert sei, sobald er erst mal losmarschiere. Gott wei�, was in seinem Kopf vor sich geht. Erz�hl mir von deinen neuen M�nnern.�</p><p>�Sie haben fast sieben Trainingswochen hinter sich, aber nat�rlich sind gute Trainingsleistungen kein Gradmesser f�r ihr Verhalten im Kampf. Letzte Woche haben wir � �</p><p>Beide blickten auf, als Constance mit blassem Gesicht hereinkam.</p><p>�An der T�r ist eine Ordonnanz von deinem Bataillon.�</p><p>Billy eilte aus dem Raum. George schritt auf und ab, versuchte etwas von den ged�mpften Stimmen zu verstehen. Sein Bruder kehrte zur�ck, seine M�tze aufsetzend. �Wir werden ins Camp zur�ckbefohlen, um unsere Abreise in Waggons vorzubereiten.�</p><p>�Wohin fahrt ihr?�</p><p>�Keine Ahnung.�</p><p>Hastig umarmten sie sich. �Pa� auf dich auf, Billy.�</p><p>�Das werd� ich. Vielleicht schl�gt Mac endlich los.�</p><p>Und damit ging Billy in die Dunkelheit hinaus.</p><p><strong>51</strong></p><p>Charles wu�te, da� es nichts Gutes zu bedeuten hatte, als Calbraith Butler ihn nach dem Zapfenstreich zu sich befahl, wo ihn der Colonel und der Major erwarteten.</p><p>�Sie k�nnen sich setzen, Charles�, sagte Hampton, nachdem Charles milit�risch gegr��t hatte.</p><p>�Nein danke, Sir.�</p><p>Hampton fuhr fort: �Ich bin hergeritten, weil ich mit Ihnen pers�nlich sprechen wollte. Ich sehe mich einer heiklen Situation in Major Butlers Kommando gegen�ber.�</p><p>Butler sagte: �Sir, ich w�rde das Wort �bel vorziehen.�</p><p>Hampton seufzte: �Das mag durchaus zutreffen.�</p><p>Bewundernd dachte Charles, wie fit der Colonel wirkte, in einem Winter, der die Gesundheit wesentlich j�ngerer M�nner ruinierte. Er bemerkte den S�bel des Colonels � schmaler als der sonst bei ihm �bliche. War das der S�bel, den Joe Johnston ihm als Zeichen der Freundschaft gegeben hatte � bis er tats�chlich den Rang eines Brigadiers verliehen bekam?</p><p>�Wir brauchen keine Worte zu verschwenden, Charles. Major Butler hat eine Petition von M�nnern Ihrer Truppe erhalten. Sie fordern eine neue Offizierswahl.�</p><p>Ganz pl�tzlich wurden seine Wangen taub. �Von wievielen M�nnern unterzeichnet, Sir?� fragte Charles.</p><p>Beunruhigt sagte Butler: �Von �ber der H�lfte der Truppe.�</p><p>�Herr im Himmel.� Charles brachte ein Lachen zustande. �Mir war klar, da� ich nicht gerade hei� und innig geliebt werde, aber damit lauf ich ja einem Yankee den Rang ab. Ich hatte keine Ahnung � �</p><p>�Sie sind ein ungew�hnlich guter Offizier�, begann Hampton.</p><p>�Genau meine Meinung�, sagte Butler.</p><p>�Aber das hat nichts mit Beliebtheit zu tun. Wie Sie wissen, Charles, sind die M�nner erst zu Neuwahlen berechtigt, wenn ihre einj�hrige Verpflichtung zur Verl�ngerung ansteht. Ich dachte jedoch, ich sollte Sie davon in Kenntnis setzen, wie die Dinge stehen, und fragen � �</p><p>Diesmal unterbrach er Hampton. �Lassen Sie ihnen ihren Willen. Morgen � mir ist es egal.� Es war ihm nicht egal, aber er verbarg es.</p><p>Stirnrunzelnd fragte Butler: �Und wenn Sie verlieren?�</p><p>�Pardon, Major � warum dr�cken Sie es so aus? Sie wissen, da� ich verlieren werde. Die Anzahl der Unterschriften auf der Petition garantiert daf�r. Ich sage trotzdem, sie sollen ihre Wahl haben. Ich werde eine andere M�glichkeit finden zu dienen.�</p><p>Die beiden h�heren Offiziere tauschten einen Blick. Charles erkannte, da� hier schon mit einiger Sorgfalt vorausgeplant worden war.</p><p>Ruhig sagte Hampton: �Ich sch�tze den Geist, in dem Sie das gesagt haben, Charles. Ich sch�tze all die Qualit�ten, die Sie zu einem guten Offizier machen. Ihre Tapferkeit steht au�er Frage. Sie sorgen wie ein Vater f�r Ihre M�nner. Ich vermute, Ihre Vorstellung von Disziplin hat diese Situation herbeigef�hrt, da sich viele in dieser Legion lieber f�r Carolina-Gentlemen halten als f�r Soldaten, die dem Angriff von General McClellan trotzen m�ssen. Au�erdem hat m�glicherweise Ihre Akademie-Ausbildung gegen Sie gearbeitet.�</p><p>Gegen Stuart oder Jackson oder eine ganze Menge andere hat sie nicht gearbeitet, dachte Charles voller Bitterkeit. Aber es war dumm, anderen die Schuld f�r die eigenen Fehler in die Schuhe zu schieben.</p><p>Hamptons Stimme wurde laut und betont. �Ich will Sie unter diesem Kommando nicht verlieren, genausowenig wie Major Butler. Wenn Sie also nicht gegen Ihren, �h, Gegner antreten wollen � �</p><p>�Ich w�rde keine Minute auf diesen d�mlichen Deutschen verschwenden!� Charles stockte. �Tut mir leid, Sir.� Hampton wedelte die Entschuldigung beiseite.</p><p>�Wir haben einen anderen Vorschlag�, sagte Butler. �Sie sind ein Einzelg�nger, Charles, aber das kann sich als wertvoll erweisen. W�rden Sie es in Erw�gung ziehen, Abner Woolner und einige meiner besten M�nner in einer Scoutstruppe zu f�hren?�</p><p>Hampton beugte sich vor, sein Gesicht halb in der Dunkelheit verborgen. �Im gesamten berittenen Dienst ist das die wichtigste und gef�hrlichste Aufgabe. Der Scout ist st�ndig in Gefahr. Nur die Besten k�nnen damit fertig werden.�</p><p>Charles �berlegte, aber nicht lange. �Ich akzeptiere unter einer Bedingung. Bevor ich anfange, h�tte ich gern einen kurzen Urlaub.�</p><p>Ein weiteres Stirnrunzeln des Majors. �Aber die ganze Armee setzt sich bald in Bewegung.�</p><p>�Nach hinten, wie ich h�rte. Zum Rapidan und Rappahannock. Die Lady lebt nahe des Rappahannock. Fredericksburg. Falls notwendig, bin ich sofort wieder bei der Legion.�</p><p>Hampton l�chelte. �Die Bitte sei gew�hrt. Einverstanden, Major Butler?�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Dann�, sagte Charles, �nehme ich den Posten als Scout an. Mit Vergn�gen.�</p><p>Obwohl ihn die Ablehnung seiner Truppe schmerzte, f�hlte er sich gleichzeitig befreit. Empfand ein freigelassener Schwarzer �hnlich? fragte er sich, als er pfeifend zu seiner H�tte zur�ckging.</p><p>W�hrend er Meile um Meile nach Spotsylvania County zur�cklegte, durch Regenst�rme mit anschlie�endem K�lteeinbruch, der die toten Felder und kahlen B�ume mit einem wei�en Anstrich versah, wuchs seine Begierde, Barclays Farm zu erreichen, zusammen mit der Furcht, Augusta wieder nicht anzutreffen. Endlich sah er das wuchtige Steinhaus und die h�lzernen Schuppen und Nebengeb�ude auftauchen.</p><p>�Und Rauch kommt aus dem Kamin�, br�llte er dem Wallach zu.</p><p>Es war eine saubere Farm, trotz des Krieges gut gef�hrt. Ihre Felder erstreckten sich anscheinend auf beiden Seiten der Stra�e. Das Haupthaus vermittelte den Eindruck von Alter und St�rke, festungsgleich hinter zwei gewaltigen Roteichen verborgen, deren dicke �ste sich bis �ber das Holzdach reckten. Wundervolle B�ume, zum Klettern wie geschaffen, die in ihm den Wunsch wach werden lie�en, wieder ein Junge zu sein.</p><p>Im Hof zog er die Z�gel. Zu seiner Rechten sah er im dunklen Inneren eines Nebengeb�udes etwas aufblitzen. Er stieg ab, und die Pedale des Schleifsteins h�rten auf zu quietschen. Ein ungef�hr zwanzigj�hriger Neger tauchte aus dem Geb�ude auf. Er trug schwere Ackerschuhe, alte Hosen, ein gestopftes Hemd. In beiden H�nden hielt er die geschwungene Sense, die er gerade gesch�rft hatte.</p><p>�K�nnen wir was f�r Sie tun, Sir?�</p><p>�Der Mann ist in Ordnung, Boz.�</p><p>Die neue Stimme geh�rte dem anderen Schwarzen, �lter, mondgesichtig, mit wenigen Z�hnen; er kam hinter dem Haus hervor, einen Sack mit H�hnerfutter �ber der Schulter. Charles hatte ihn am Ballabend in Richmond getroffen.</p><p>�Wie geht�s Ihnen, Captain?� fragte der �ltere Schwarze. �Seh�n aus, als w�r�n Sie durch�n Haufen Schlamm geritten.�</p><p>�Das bin ich. Ist sie zu Hause, Washington?�</p><p>Er lie� ein keckerndes Lachen h�ren. �Das ist sie. Bi�chen fr�h f�r Besuch, aber sie ist immer vor Tagesanbruch auf. Macht wahrscheinlich grad unseren Morgenschinken.� Washingtons Kopf ruckte nach rechts. �Hintert�r ist schneller.�</p><p>Charles ging mit klingelnden Sporen an ihm vorbei, hatte nichts anderes mehr im Sinn, als an diese T�r zu klopfen; hoffentlich sah er nicht zu verdreckt aus oder roch zu unangenehm. Er konnte selbst kaum glauben, wie aufgeregt er war.</p><p>Die T�r �ffnete sich. Gus schnappte nach Luft, und eine mehlwei�e Hand flog zu ihrem Kinn. �Charles Main. Bist du�s wirklich?�</p><p>�So steht�s in meinem Pa�.�</p><p>�Im ersten Moment hast du mich ganz verwirrt. Der neue Bart � �</p><p>�Steht er mir?�</p><p>�Ich werd� mich dran gew�hnen.�</p><p>Er grinste. �Nun, er h�lt wenigstens warm.�</p><p>�Bist du irgendwohin unterwegs?�</p><p>�Mir war gar nicht klar, da� der Bart derma�en absto�end wirkt.�</p><p>�Antworte mir.� Seine schlagfertige Erwiderung hatte ihr gefallen.</p><p>�Ma�am, das hier ist meine Reaktion auf Ihre freundliche Einladung. Darf ich eintreten?�</p><p>�Ja, ja � nat�rlich. Ich bitte um Verzeihung, da� ich dich hab� in der K�lte stehen lassen.�</p><p>Ihr altes Baumwollkleid, so oft gewaschen, da� es fast farblos wirkte, stand ihr gut. Sie sah noch ein bi�chen schl�frig aus, doch gleichzeitig erfreut und aufgeregt. �ber der Rundung ihrer Br�ste bemerkte er einen fehlenden Knopf; in einer Falte sah er kurz nacktes Fleisch aufblitzen.</p><p>Sie hatte gerade Teig anger�hrt. Sie legte den L�ffel beiseite und stemmte die F�uste in die H�ften. �Eine Frage, bevor wir mit dem Besuch ernst machen. Hast du vor, mich mit diesem elenden Namen anzureden?�</p><p>�H�chstwahrscheinlich. Die Kriegszeiten. Wir alle m�ssen uns mit einigen Unannehmlichkeiten abfinden.�</p><p>�Dann werde ich meinen patriotischen Beitrag leisten. Das Fr�hst�ck ist gleich fertig. Wenn du dich vorher waschen willst, mache ich Wasser warm.�</p><p>�War� wohl besser, sonst sieht dein Haus wie ein Schlammloch aus.�</p><p>Sie �berraschte ihn damit, da� sie ihn am linken �rmel festhielt. �La� dich anschauen. Geht�s dir gut? Wie ich h�re, soll es bald zu schweren K�mpfen kommen. Bis jetzt hast du den Winter �berlebt � eine gro�e Anzahl anderer M�nner hat das nicht, so hei�t es.� Sie sch�ttelte ver�rgert den Kopf. �Lachst du �ber mich?�</p><p>�Nein, Ma�am. Aber eben sind ein halbes Dutzend Feststellungen und Fragen an mir vorbeigepfiffen. Worauf soll ich zuerst eingehen?�</p><p>Sie err�tete, zumindest kam es ihm so vor.</p><p>�Zuerst?� wiederholte sie, die Schinkenst�cke in der schwarzen Eisenpfanne wendend. �Wie�s dir geht. Ich habe nichts von dir geh�rt. Ich habe mir Sorgen gemacht.�</p><p>�Hab� ich dir nie erz�hlt, da� ich ein schlechter Briefeschreiber bin? Au�erdem � die Armeepost ist so langsam wie eine Schnecke. Dein Geschenk kam mit Versp�tung an. Ich danke dir, da� du an mich gedacht hast.�</p><p>�Wie k�nnte ich nicht?� Dann hastig, mit abgewandtem Gesicht: �Zu Weihnachten.�</p><p>�Das Buch ist h�bsch.�</p><p>�Aber du hast es nicht gelesen.�</p><p>�Hatte noch keine Zeit.�</p><p>�Wenn das keine Ausrede ist. Wie lange kannst du bleiben?�</p><p>�Bis morgen fr�h, falls ich dich damit nicht kompromittiere. Ich kann im Stall bei meinem Pferd schlafen.�</p><p>Wieder eine Hand in der H�fte: �Vor wem sollte es mich kompromittieren? Washington? Bosworth? Sie sind beide diskrete, tolerante M�nner. Ich habe ein Ersatzzimmer mit einem Bett, und kein Nachbar ist weniger als eine Meile entfernt.�</p><p>�Schon gut, aber ich mu� mir trotzdem Sorgen um dich machen. Hier wird�s wahrscheinlich zu K�mpfen kommen, und du bist � �</p><p>Ein sanftes Klatschen. Ein Schlammklumpen hatte sich von seiner Hose gel�st und lag nun auf dem Boden. Ungeschickt und verlegen b�ckte er sich danach. Sie wedelte mit dem L�ffel.</p><p>�Runter mit dem Zeug, danach essen und reden wir. Geh in mein Zimmer. Ich schicke dir einen der M�nner mit Wasser f�r die Wanne und einem Nachthemd von Barclay. La� die Uniform im Flur, ich b�rste sie dir dann aus.�</p><p>Gus Barclays blo�e Anwesenheit lockte ihn aus den dunklen H�hlen seines Inneren, wo er in letzter Zeit gehaust hatte. Er sank in das hei�e Wasser der Zinkwanne und schrubbte sich mit selbstgemachter Seife ab. Dann zog er das Nachthemd an und kehrte in die K�che zur�ck, wo sie ihm ein schlichtes, herzhaftes Essen vorsetzte. Auch die befreiten Sklaven a�en hier. Charles erkannte schnell, da� die beiden und Gus eine Familie bildeten; eine Familie, in der er auf der Stelle willkommen gehei�en wurde.</p><p>Nachdem er seine ges�uberte Kleidung wieder angezogen hatte, machten sie einen gem�tlichen Spaziergang, und sie zeigte ihm ihre Felder und Geb�ude. Eis und Schnee schmolzen, die Temperaturen stiegen, und ein Hauch von Fr�hling lag in der Luft. Sie sprachen �ber viele Dinge. Von Richmond, wo sie im Herbst zweimal Produkte ihrer Farm verkauft hatte. �Ich hatte den Eindruck, da� in der Stadt alle damit besch�ftigt sind, sich gegenseitig in irgendeiner Form �bers Ohr zu hauen.�</p><p>�ber seine verlorenen Illusionen bei der Armee. �Stabsoffiziere sind ganz sch�n besch�ftigt. Ich sch�tze, sie verbringen f�nfzig Prozent ihrer Zeit mit politischen Machenschaften, f�nfzig Prozent mit Papierkrieg und f�nfzig Prozent mit K�mpfen.�</p><p>�Das sind hundertf�nfzig Prozent.�</p><p>�Eben. Deshalb ist auch nicht viel gek�mpft worden.�</p><p>�ber ihren Onkel, Brigadier Jack Duncan. Sie h�tte gern gewu�t, wo er sich aufhielt, damit sie ihm schreiben konnte. Inoffizielle Kuriere � Schmuggler � konnten fast alles �ber die Grenzen zwischen Konf�deration und Union bef�rdern.</p><p>Dann sprach sie, �bergangslos, von vergangenen Dingen. �Ich wollte ein Kind, Barclay ebenfalls. Aber ich wurde nur einmal schwanger, unter gr��ten Schwierigkeiten.�</p><p>Sie schlenderten an einem kleinen Baumgarten entlang. Sie blickte ihn nicht an, w�hrend sie �ber das Kinderkriegen sprach, aber ansonsten war ihr keine Spur von Verlegenheit anzumerken, ebensowenig wie ihm.</p><p>�W�hrend der ersten viereinhalb Monate war mir fast st�ndig schlecht. Eines Nachts verlor ich dann ganz pl�tzlich das Kind. Ich mag Pope zitieren k�nnen, aber in einfachen Dingen bin ich nicht so gut wie die alte Kuh im Stall, die uns mit Milch und K�lbern versorgt.�</p><p>Sie machte einen Witz daraus, aber ihr Kopf blieb gesenkt.</p><p>Zum Abendessen bereitete sie Roastbeef. Washington sagte, er und Boz h�tten zu tun und k�nnten nicht am Essen teilnehmen. Gus akzeptierte das M�rchen, ohne nachzufragen. Sie und Charles a�en im Scheine des K�chenherdes � eine der besten Mahlzeiten, die er je gekostet hatte.</p><p>Sie brachte einen Krug mit Rum auf den Tisch und schenkte Charles und sich einen Becher ein.</p><p>Jeder von ihnen sp�rte, wie einsam das Haus gelegen war, sp�rte die aufquellenden Emotionen des anderen. Charles schlug unter dem Tisch die Beine �bereinander. Sie begann mit Tellern, Gabeln, L�ffeln herumzuhantieren, machte sauber. �Du mu�t m�de sein � und du hast morgen einen weiten Ritt vor dir, nicht wahr?�</p><p>�Zweimal ja.� Er wollte zu ihr gehen, sie in die Arme nehmen, wollte die Nacht in ihrem Schlafzimmer verbringen. Es war nicht der Sinn f�r Anstand, der ihn daran hinderte, oder die Furcht, sie k�nnte nein sagen, obwohl das durchaus der Fall sein mochte. Es war eine innere Warnung, die er fr�her schon vernommen hatte; eine Warnung bez�glich der Zeit und des Ortes und der Umst�nde, die sie zusammengef�hrt hatten.</p><p>Er schob sich vom Tisch weg. �Ich leg� mich wohl besser hin.� Er f�hlte sich angenehm m�de. �Es ist ein wunderbarer Tag gewesen.�</p><p>�Ja, f�r mich auch. Gute Nacht, Charles.�</p><p>Er beugte sich zu ihr hinunter und k��te sie zart auf die Stirn. �Gute Nacht.� Er drehte sich um und ging in das leerstehende Zimmer.</p><p>Eine Stunde lang lag er unter der Decke und beschimpfte sich: <emphasis>Ich h�tte sie in die Arme nehmen sollen. Sie wollte es. Ich hab� es in ihren Augen gesehen.</emphasis> Er schleuderte die Decke beiseite, tappte zur T�r. Lauschte auf n�chtliche Ger�usche im Haus. Griff nach der T�r. Hielt inne, die Fingerspitzen nur einige Zentimeter entfernt. Fluchte und ging zur�ck zum Bett.</p><p>Mit klopfendem Herzen erwachte er, ganz pl�tzlich auf der Hut. Er h�rte Ger�usche im Flur, untypische Ger�usche. Licht drang unter der T�r herein. Barfu�, im geborgten Nachthemd, ri� er die T�r auf. Augusta Barclay stand lauschend an der Treppe. Sie trug einen leichten Morgenmantel aus Baumwolle, oben offen; ihr blondes Haar hatte sie zu Z�pfen geflochten.</p><p>�Was ist los?� sagte er.</p><p>Sie eilte den Flur entlang, in einer Hand ein altes Gewehr, in der anderen eine Lampe, die schr�ge Schatten warf. �Ich hab� drau�en was geh�rt.� Dicht vor ihm blieb sie stehen. Deutlich sah er, wie ihre Brustwarzen unter dem weichen Stoff hart wurden. Jegliche Vernunft und Beherrschung lie�en ihn im Stich. Er legte seine rechte Hand auf ihre Brust, beugte sich zu ihr, atmete tief die Nachtw�rme ihrer Haut und ihres Haares ein.</p><p>Sie pre�te sich gegen ihn, mit geschlossenen Augen und ge�ffneten Lippen. Ihre Zunge ber�hrte die seine. In dem Moment klopfte es.</p><p>Sie wich zur�ck. �Was hast du aus mir gemacht, Charles Main?�</p><p>Das Klopfen wurde lauter, dazu kam noch Washingtons dr�ngende Stimme. Charles holte seinen Revolver aus dem Schlafzimmer und rannte ihr nach zur Hintert�r, wo die beiden aufgeregten Freigelassenen standen.</p><p>�Tut mir m�chtig leid, mitten in der Nacht, Miz Barclay�, sagte Washington. �Aber da ist m�chtig viel Aufruhr auf der Stra�e.� Jetzt h�rte Charles es auch: quietschende Achsen, klappernde Hufe, fluchende M�nner.</p><p>Gus winkte mit dem Gewehr. �Komm rein und schlie� die T�r.� Sie stellte die Lampe ab.</p><p>Charles eilte ins Wohnzimmer, duckte sich neben das dunkle Fenster und kam bald darauf beruhigt zur�ck. �Ich sah die Buchstaben CSA auf zwei Wagenplanen. Sie bewegen sich in Richtung Fredericksburg. Ich glaube nicht, da� wir bel�stigt werden.�</p><p>Wieder im Wohnzimmer standen Charles und Gus nebeneinander am Fenster, sorgf�ltig darauf bedacht, einander nicht zu ber�hren, und beobachteten die im hellen Mondlicht vor�berziehenden Fahrzeuge. Als sie schlie�lich verschwanden, sah Charles das erste Aufblitzen des Tageslichts. Nun war keine Zeit mehr, ins Bett zur�ckzukehren, aus welchem Grund auch immer.</p><p>Gus begann Kaffee aufzubr�hen. Und so endete die Nacht und der Besuch. Nach dem Fr�hst�ck brach er auf. Sie begleitete ihn bis zur Stra�e. Sport, gut ausgeruht, t�nzelte, konnte es kaum erwarten.</p><p>Sie ber�hrte seine behandschuhte Hand, dort, wo sie auf seinem linken Bein ruhte. �Wirst du wiederkommen?�</p><p>�Wenn ich kann. Ich m�chte es.�</p><p>�Bald?�</p><p>�General McClellan wird da ein geh�riges W�rtchen mitzusprechen haben.�</p><p>�Charles, sei vorsichtig.�</p><p>�Du auch.�</p><p>Sie hob seine Hand und pre�te sie gegen ihre Lippen, dann trat sie zur�ck. �Du mu�t kommen. Ich bin seit Jahren nicht mehr so gl�cklich gewesen.�</p><p>�Ich auch nicht�, sagte er und trieb Sport auf die Stra�e, in die die Wagen tiefe Furchen gepfl�gt hatten.</p><p>Er winkte, starrte �ber die Schulter zu der kleiner werdenden Gestalt. Unm�glich, seine Gef�hle l�nger zu verleugnen.</p><p><emphasis>Du versuchst es besser.</emphasis> In Kriegszeiten konnte kein Mann einer Frau ein Versprechen geben und sicher sein, es auch halten zu k�nnen.</p><p>Er erinnerte sich an die W�rme ihres Busens, ihres Mundes, er dachte an ihr Haar, an die k�stliche Ber�hrung ihrer Zungen, bevor Washington geklopft hatte.</p><p>Er durfte sich in nichts verstricken.</p><p>Er <emphasis>hatte</emphasis> sich bereits verstrickt.</p><p>Er stand nicht im Begriff, sich zu verlieben.</p><p>Das war bereits geschehen.</p><p>Was zum Teufel sollte er nun tun?</p><p><strong>52</strong></p><p>Am ersten Samstag im April war die Stimmung in James Bullochs Liverpooler B�ro so beschwingt wie die Fr�hlingsluft. Captain Bulloch war erst k�rzlich von einer schnellen, aber ereignislosen Blitzfahrt durch die Blockade zur�ckgekehrt; in Savannah hatte er mit einigen von Mallorys M�nnern konferiert, obwohl er Cooper dar�ber keine Einzelheiten mitgeteilt hatte.</p><p>Das B�ro sonnte sich immer noch im Erfolg des ersten Projekts. Am 22. M�rz hatte der Schraubendampfer <emphasis>Oreto</emphasis> von den Toxteth-Docks abgelegt, ohne da� die Krone eingegriffen h�tte; lediglich zwei von Konsul Dudleys Detektiven hatten vom Dock aus fluchend zugeschaut, aber das war auch schon alles gewesen.</p><p>Bulloch hatte den Namen <emphasis>Oreto</emphasis> erfunden, um die Beh�rden zu verwirren. W�hrend sie bei William Miller gebaut wurde, hatte die Werft sie in ihren B�chern als Mittelmeer-Handelsschiff gef�hrt, bestimmt f�r Palermo. Tats�chlich war ihr erstes Ziel Nassau. Der f�r die Atlantik�berquerung angeheuerte britische Kapit�n w�rde dort das Kommando an Captain Maffitt von der Marine der Konf�derierten �bergeben. Die Bewaffnung, einem Kanonenboot entsprechend, folgte getrennt auf Bark <emphasis>Bahama.</emphasis></p><p>Niemand wu�te, wie lange diese Methode, die britischen Gesetze zu umgehen, funktionieren w�rde. Hoffentlich lange genug, da� ihr zweites Schiff noch zu Wasser gelassen werden konnte. Die Fertigstellung des zweiten Kanonenbootes mu�te mit allen Mitteln vorangetrieben werden, da aus Lincolns l�cherlicher, nur auf dem Papier bestehender Blockade sehr schnell eine echte, gro�en Schaden anrichtende wurde, je mehr Yankee-Kriegsschiffe Stellung bezogen. Die <emphasis>Florida</emphasis> � so w�rde die <emphasis>Oreto</emphasis> nach ihrer Indienststellung hei�en � hatte eine genau definierte Mission: Sie sollte Handelsschiffe des Nordens kapern oder versenken und damit die Kosten der Schiffahrtsversicherungen in schwindelnde H�hen treiben. Als n�chstes, so die Annahme der Konf�deration, w�rden die Besitzer von Handelsschiffen Lincoln mit ihrem Gejammer in den Ohren liegen und Schutz verlangen. Lincoln w�re gezwungen, daf�r Schiffe von der Blockade abzuziehen.</p><p>Ein zweites Schiff, schnell und gut bewaffnet, konnte den Druck verst�rken. Dieses Schiff ging dr�ben bei Lairds seiner Vollendung entgegen. Bullochs Codename daf�r lautete <emphasis>Enrica.</emphasis> Und die Arbeiten an der <emphasis>Enrica</emphasis> mu�ten beschleunigt werden; diese Botschaft hatte Cooper an diesem Fr�hlingssamstag weiterzugeben. Das war nicht so einfach, wie es sich anh�rte, denn weder er noch Bulloch noch sonst jemand vom B�ro wagte es, Laird-Gel�nde zu betreten. Dudley hatte �berall seine Spione. Entdeckten sie S�dstaatler auf der Werft oder im Gespr�ch mit einem der Eigent�mer, dann w�rde der Yankee-Gesandte eine Untersuchung fordern, und die ganze Sache w�rde auffliegen. Aus diesem Grund war der Vertrag f�r die <emphasis>Enrica</emphasis> in geheimen Treffen in Number 1 Hamilton Square, Birkenhead, der Residenz von John Laird junior, ausgehandelt worden.</p><p>Cooper warf einen Blick auf seine Taschenuhr, sammelte seine Sachen zusammen und ging auf die Treppe zu. Bulloch tauchte aus der abgeteilten Ecke auf, die sein winziges B�ro bildete.</p><p>�Richten Sie Judith meine besten Gr��e aus.�</p><p>�Und gr��en Sie Harriott von mir.�</p><p>�Ich nehme an, Sie werden einen erholsamen Sabbat verbringen.�</p><p>�Das werde ich, nach dem Kirchgang.�</p><p>�Haben Sie unsere Spende dabei?�</p><p>�Ja.� Cooper tippte an seinen hohen Hut. Hinter Blicken und halben L�cheln hatten sie weitere Fragen, Antworten, versteckte Bedeutungen verborgen. Es gab zwei neue Angestellte im B�ro; man konnte sich ihrer Loyalit�t noch nicht ganz sicher sein.</p><p>Im Hinabgehen gr��te er Prioleau, den Manager von Fr�ser &amp; Trenholm, der gerade zum Geb�ude zur�ckkehrte. Drau�en wandte er sich nach links, gerade als die Glocken der Kirche von St. Nicholas die Viertelstunde schlugen. Die 4-Uhr-F�hre w�rde er leicht schaffen.</p><p>An der Ecke blickte er sich unauff�llig nach allen Seiten um. konnte aber im Fr�hlingssonnenschein keine verd�chtige Person entdecken. Er ging nach rechts auf den Mersey zu. Ein auslaufender Frachter fuhr vorbei. Er h�rte das schwache L�uten der Schiffsglocke.</p><p>Cooper vermi�te gelegentlich South Carolina. Er war keineswegs �berzeugt davon, da� die Konf�deration �berleben w�rde. Die Anerkennung durch die beiden wichtigsten europ�ischen Nationen, England und Frankreich, war immer noch nichts weiter als eine Hoffnung, und milit�risch schien sich auch nicht viel zu ereignen. Ein kluger Mann, ein Mann, der sich seine geistige Gesundheit bewahren wollte, tat, was er nun tat: sich auf die vor ihm liegende Aufgabe zu konzentrieren, nicht auf die bedrohlichen Hintergr�nde.</p><p>Der warme Sonnenschein tat ihm gut; entspannt lehnte er sich an die Reling der F�hre und dachte an seine Frau und andere erfreuliche Dinge. Die F�hre, vollgepackt mit Familien, Einkaufenden und Angestellten, deren B�ros am Samstag schon fr�hzeitig schlossen, legte eine Minute nach vier vom City-Kai ab und hielt auf den Woodside-Kai zu, auf der anderen Seite des Merseys.</p><p>Cooper liebte den Betrieb im Hafen. Er liebte Liverpools dunkle, viereckige Geb�ude, so solide wie die freundlichen Menschen, die sie bewohnten. Er liebte das bequeme Stadthaus, das er und Judith gefunden hatten, direkt gegen�ber von Prioleaus Haus, nur durch den Abercromby Square getrennt. Er hatte sogar gelernt, schwarzen Pudding zu essen, eine einheimische Spezialit�t, die er allerdings ganz sicher niemals lieben w�rde.</p><p>Abends schlenderte Cooper gern an den Toxteth-Docks entlang, schaute sich die Sterne �ber dem Mersey und den Wirralbergen an und sagte sich, da� es eine gute Zeit, ein guter Ort war, wenn auch weit weg von zu Hause.</p><p>W�hrend seine Gedanken wanderten und sein Blick �ber das Panorama der Docks am Liverpoolufer streifte, �berfiel ihn pl�tzlich ein unangenehmes Gef�hl. Er drehte sich um und sah den Mann zum erstenmal.</p><p>Ungef�hr f�nfzig, sch�tzte Cooper. Knollennase. Schnurrbart von gewaltigen Ausma�en. Billiger Anzug, f�r das Wetter zu warm. Papiersack in einer Hand. Der Mann hielt hartn�ckig das Ende einer Bank belegt, die bereits mit einer mageren Frau und ihren f�nf Kindern �berladen war. Aus dem Sack zog der Mann einen Porree. Mit gro�em Genu� bi� er in die wei�e Knolle.</p><p>Kauend warf der Mann Cooper einen Blick zu � nicht unfreundlich, blo� neugierig. Aber Cooper besa� mittlerweile Erfahrung im Aufsp�ren von Leuten, die zu Dudleys Rowdies geh�ren konnten. Gut m�glich, da� es sich hier um einen neuen Mann handelte.</p><p>Er war nerv�s, als die alten, ru�geschw�rzten Geb�ude von Birkenhead vor ihm aufragten. Die F�hre schlug an, und Cooper ging als einer der ersten von Bord, schnell, aber nicht panikartig. Er dr�ngte sich durch die Reihen der wartenden Kutscher und kletterte die gepflasterte Stra�e hoch, die zu einem Weg hinter dem Hamilton Square f�hrte. Er flitzte hinein und drehte sich auf halber Strecke um. Keine Spur von dem Mann, der Porree a�.</p><p>Erleichtert betrat er das Wirtshaus <emphasis>Pig and Whistle,</emphasis> wo der Weg als Sackgasse endete.</p><p>Zu dieser Stunde hielten sich hier wie �blich nur ein paar Matrosen und Dockarbeiter auf. Cooper setzte sich an einen kleinen, runden Tisch, und die grauhaarige Frau des Besitzers brachte ihm einen Krug Bier, ohne eine Bestellung abzuwarten.</p><p>�Tag, Mr. Main. Evensong kommt zwei Stunden sp�ter.�</p><p>�So sp�t?� Er konnte seine Besorgnis nicht unterdr�cken. �Warum?�</p><p>�Keine Ahnung, Sir.�</p><p>�Schon gut, Maggie. Danke.�</p><p>Verdammt. Zwei Stunden Zeit, die er totschlagen mu�te. Der Mann auf der F�hre und jetzt das � gab es �rger? Hatte Charles Francis Adam die Krone irgendwie �berredet, die <emphasis>Enrica,</emphasis> Konstruktionsnummer 209, zu beschlagnahmen? Ein Schwarm alarmierender Phantasien wirbelte ihm im Kopf herum. Er zuckte zusammen, als die Glocke �ber der T�r bimmelte. Eine bullige Gestalt f�llte das helle Rechteck.</p><p>Der Mann mit dem Porreesack kam schnurstracks auf seinen Tisch zu. �Mr. Cooper Main, wenn ich richtig informiert bin?� Ein schmieriges L�cheln; eine fleischige Hand wurde ausgestreckt. �Marcellus Dorking. Agent f�r private Nachforschungen.� Er zog seine Hand zur�ck. �Kann ich kurz mit Ihnen sprechen?�</p><p>Was zum Teufel sollte das? Matt Maguire, Broderick � keiner von Dudleys anderen Detektiven operierte derart k�hn. Mit klopfendem Herzen sagte Cooper: �Ich kenne Sie nicht.�</p><p>Dorking glitt auf die lange Bank unter dem Fenster. Er legte den Sack auf den Tisch, rief nach einem Gin, holte einen Porree aus dem Sack und begann damit zu spielen, ein breites L�cheln auf dem Gesicht.</p><p>�Aber wir kennen Sie, Sir. Bullochs Bursche � richtig, eh? Kein Problem. Wir bewundern einen Mann mit Gewissen.�</p><p>�Wer ist wir?�</p><p>�Nun, wir, das sind die Parteien, die mich baten, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, Sir.� Er bi� den Porree mittendurch und kaute lautstark. Mit vollem Mund sagte er: �Parteien, die sich durch Captain Bullochs Interpretation des Auslandsanwerbungsgesetzes gest�rt f�hlen.�</p><p>Cooper sp�rte, da� er sich in Schwierigkeiten befand. W�rde er durchsucht werden? W�rde die Nachricht in seinem Hut entdeckt werden? Unklug, so was schriftlich festzuhalten, erkannte er mit einiger Versp�tung, aber keiner in Bullochs B�ro war ein berufsm��iger Spion.</p><p>W�rde er verhaftet werden? Eingesperrt? Wie konnte er Judith benachrichtigen?</p><p>Dorking griff nach dem n�chsten Porree. �Sie steh�n auf der falschen Seite, Sir. Dieses Niggersklavenzeugs � meine Frau ist sehr dagegen. Ich �brigens auch.�</p><p>�Entspringt Ihre �berzeugung Ihrem Gewissen oder Ihrem Geldbeutel, Dorking?�</p><p>Der Mann machte ein finsteres Gesicht. �Ich w�rd� keine Witze rei�en, Sir. Sie sind Ausl�nder, in schwere Gesetzes�bertretungen verwickelt. Oh, ich kenn� den Trick, Sir � Werften d�rfen f�r kriegf�hrende L�nder, mit denen Gro�britannien sich im Frieden befindet, keine Kriegsschiffe bewaffnen und ausr�sten. Aber nichts in dem Gesetz besagt, es sei illegal, ein Schiff <emphasis>hier</emphasis> zu bauen�, er wedelte mit dem gr�nen Stengel vor Coopers Nase herum, �und Kanonen und Pulver und Granaten <emphasis>dort</emphasis> zu kaufen�, der Porree flog davon, als er den Arm ausstreckte, �um sie dann drei oder mehr Seemeilen von unserer K�ste entfernt zusammenzubringen.�</p><p>Cooper schwieg. Dorking beugte sich drohend vor. �In Ihrem Fall k�nnte man jedoch dar�berwegseh�n � vielleicht sogar ein kleines S�mmchen zahlen �, wenn meine Klienten einige kurze Berichte �ber Ziel und Zweck eines Schiffes, das als 209 oder auch <emphasis>Enrica</emphasis> identifiziert wurde, erhalten w�rden. Wir sind doch immer noch auf gleichem Kurs, nicht wahr, Sir?�</p><p>Trotz seiner Furcht bleich vor Wut sagte Cooper: �Sie bieten mir Bestechungsgeld an, ja, Mr. Dorking?�</p><p>�Nein, nein! Lediglich etwas mehr finanzielle Sicherheit, Sir. Nur einige hilfreiche Fakten � zum Beispiel eine Erkl�rung f�r das merkw�rdige Benehmen einiger Matrosen, die k�rzlich in der Canning Street gesehen wurden. Sie marschierten mit Pfeifen und Trommeln und spielten eine Melodie namens �Dixie�s Land�. Die gleichen Jungs waren kurz zuvor bei John Lairds gesichtet worden. Innerhalb des Tores. Hab� ich mich klar ausgedr�ckt? Na, was hat das f�r Sie zu bedeuten, Mr. Main?�</p><p>�F�r mich bedeutet das, den Jungs gef�llt die Melodie von �Dixie�s Land�, Mr. Dorking. Und f�r Sie?�</p><p>�Da� Laird vielleicht eine Mannschaft anheuert, Sir. F�r den Probelauf des neuen Kriegsschiffs der Konf�deration, k�nnte das nicht sein?� Der Agent f�r Nachforschungen warf den halben Porree auf den Tisch und br�llte zu Maggie hin�ber: �Wo bleibt mein verdammter Gin, Frau?� Er gab Cooper Gelegenheit, seine schmalen Augen und seine zusammengebissenen Z�hne zu bewundern, ehe er sagte: �Ich will offen zu Ihnen sein, Sir. Wenn Sie uns helfen, dann ist mehr als nur ein kleines Honorar f�r Sie drin. Sie haben auch noch die Gewi�heit, da� Ihre Frau und die Kleinen in Sicherheit sind.�</p><p>Maggie war am Tisch angekommen. Cooper ri� ihr das Glas aus der Hand und sch�ttete Dorking den Gin ins Gesicht. Der Mann fluchte; mit der linken Hand packte ihn Cooper an der Kehle.</p><p>�Wenn ihr meine Frau oder Kinder anr�hrt, dann find� ich dich und bring� dich pers�nlich um.�</p><p>�Ich hole Percy�, sagte Maggie und ging schon los. �Meinen Mann. Der wiegt zwei Zentner.�</p><p>Als Dorking das h�rte, scho� er zur T�r, hielt dort nur lange genug, um zur�ckzurufen: �Niggerpr�gelnder Bastard. Wir werden dich aufhalten.� Er sch�ttelte den Papiersack. �Verla� dich drauf!� Die Glocke bimmelte noch lange, nachdem die T�r zugefallen war.</p><p>�Alles in Ordnung, Sir?� fragte Maggie.</p><p>�Ja.� Cooper schluckte; der Schock setzte ein. Er konnte es nicht fassen, da� er gegen Dudleys Mann so gewaltt�tig vorgegangen war. Die Drohung gegen seine Familie hatte das provoziert.</p><p>Der Vorfall hatte ihn ersch�ttert. Er trank sein Bier aus und anschlie�end noch ein zweites, blieb aber stockn�chtern; hier war keine Erleichterung zu finden. Die Schatten auf dem Weg wurden l�nger und l�nger, und schlie�lich war es an der Zeit, zur Kirche von St. Mary, Birkenhead, aufzubrechen. Die Kirche lag nahe am Mersey, praktisch direkt neben Lairds und dem Schiff, das er noch nie gesehen hatte.</p><p>Innerlich angespannt, aber ohne Zwischenfall erreichte er die Kirche. Ein unauff�lliger Mann l�ste sich von der Seite des Geb�udes. Er entschuldigte sich und lieferte eine kurze Erkl�rung f�r die Versp�tung. Dann, nachdem beide die Umgebung nach m�glichen Beobachtern abgesucht hatten, setzte Cooper seinen Hut ab und �bergab dem Mann die zusammengefaltete Botschaft, der sich damit schnell entfernte. Das war alles.</p><p>Cooper rannte den gr��ten Teil des Weges zur Anlegestelle der F�hre, verpa�te sie aber um drei Minuten und mu�te eine Stunde auf die n�chste warten. Wieder lehnte Cooper an der Reling, ohne allerdings das Wasser oder die Stadt wahrzunehmen; er sah nur Augen und Schnurrbart und malmende Z�hne von Marcellus Dorking vor sich.</p><p><emphasis>Wir werden dich aufhalten.</emphasis></p><p>In seinem Kopf formte sich eine Frage, die ihn noch vor einer Woche in schallendes Gel�chter h�tte ausbrechen lassen. Aber nun �</p><p>�Sir?�</p><p>�Was ist?� Er erschrak, wurde dann verlegen; der Mann, der sich von hinten angeschlichen hatte, geh�rte zur Mannschaft der F�hre.</p><p>�Wir haben angelegt, Sir. Alle anderen sind schon von Bord.�</p><p>�Oh. Danke.�</p><p>Stirnrunzelnd ging er in die Abendd�mmerung des Fr�hlingstages hinein; lautlos die Frage wiederholend, die nichts L�cherliches mehr an sich hatte: Soll ich mir eine Waffe besorgen?</p><p><strong>53</strong></p><p>��bernehmen Sie das Regiment, Colonel Bent!�</p><p>Wieder und wieder hallte das Kommando in seinem Kopf nach. Er h�rte es trotz des Krachens der Artillerie in der k�hlen Sonntagsluft. H�rte es trotz des Knatterns der Gewehre, h�rte es trotz der erschreckten Schreie der untrainierten M�nner aus Ohio, mit denen er die Stellung halten sollte. H�rte es trotz des H�llenl�rms dieses Aprilmorgens.</p><p>��bernehmen Sie das Regiment, Colonel Bent!� Der Blick des Divisionskommandeurs war im Stabshauptquartier nahe des kleinen Shiloh-Versammlungshauses auf ihn gefallen, eine Stunde nach den ersten leichten Gefechten, nachdem die Sp�htrupps d�stere Gewi�heit gebracht hatten. Da drau�en im S�dwesten lag Albert Sidney Johnstons Armee, und sie hatten sich von ihr �berraschen lassen.</p><p>Bent war in dieser Klemme, weil ihn der Divisionskommandeur nicht leiden konnte. Der Kommandeur h�tte einen Junior-Offizier mit der F�hrung des Ohio-Regiments beauftragen k�nnen, nachdem der Colonel, der Lieutenant Colonel und der Adjutant als gefallen gemeldet worden waren. Statt dessen schickte er einen Colonel vom Stab � einen, dem gegen�ber er sich seit ihrer ersten Begegnung schroff und unfreundlich benommen hatte.</p><p>Hatte je ein Offizier unter schlimmeren Bedingungen dienen m�ssen? Der General war ein versoffener Narr, der Divisionskommandeur ein kleiner Leuteschinder, der aus lauter Angst vor Albert Sidney Johnston im letzten Herbst einen Nervenzusammenbruch erlitten hatte. Bent war �berzeugt davon, da� es sich bei William Tecumseh Sherman um einen Irren handelte. Und rachs�chtig war er auch noch. ��bernehmen Sie das Regiment, Colonel Bent!�</p><p>Dann sagte Sherman etwas, wof�r ihn Bent mehr ha�te als je einen anderen Menschen zuvor, mit Ausnahme von Orry Main und George Hazard: �Und lassen Sie sich nicht von mir erwischen, da� Sie mit ausgestreckter Hand hinter einem Baum stehen und sich freiwillig f�r einen Urlaub melden. Ich kenne Sie und Ihre Washingtoner Verbindungen.�</p><p>Diese Verbindungen hatten Elkanah Bent gerettet; zumindest hatte er das bis zu diesem Morgen angenommen. An dem Tag, an dem er zusammen mit Elmsdale in den Zug nach Westen gestiegen war, hatte er einen h�flichen, entschuldigenden Brief � einen letzten Bittappell � an Rechtsanwalt Dills geschrieben und abgesandt. Als er in Kentucky ankam, lagen neue Befehle vor; eine Versetzung vom Frontdienst zum Stabsdienst bei Anderson.</p><p>Dann wechselten die Kommandos, wie es st�ndig der Fall war. Anderson wurde durch Sherman ersetzt, dessen Bruder ein einflu�reicher Ohio-Senator war. Hatte der kleine Irre irgendwie Wind davon bekommen, da� hinter den Kulissen an den F�den gezogen worden war? Bent wu�te es nicht; er wu�te lediglich, da� der Kommandeur auf eine Gelegenheit gewartet hatte, ihn zu bestrafen.</p><p>Gegen den Rauch blinzelnd sah Bent jetzt seine schlimmsten Bef�rchtungen best�tigt: eine neue Angriffswelle formierte sich dort in den W�ldern. Hardees M�nner, ein dreckiger Haufen in sch�bigen Uniformen. Auf der Anh�he des sanften Hanges, den die Rebellen erst�rmen wollten, lagen Bents unerfahrene Ohio-M�nner hinter B�umen und Str�uchern. Die Bundestruppen waren an ihren Fr�hst�cksfeuern �berrascht worden; sie hatten nicht geschanzt, weil General Grant das nicht f�r n�tig befunden hatte. Halleck hatte guten Grund, Grant zu mi�trauen.</p><p>Zitternd sah Bent dem Ansturm der Rebellen entgegen. �Haltet die Stellung, Jungs�, rief er und zwang sich, hinter einer dicken Eiche hervorzutreten und sein Fernglas anzusetzen. Viel lieber h�tte er sich hinter dem Baum zusammengeduckt und den Kopf eingezogen.</p><p>Die erste graue Welle begann zu feuern. Bent jaulte auf und sprang in den Schutz des Baumes zur�ck. Der S�dstaatenabschaum stie� wilde Schreie aus, diese Schreie, die zu einem Markenzeichen bei Konf�deriertenangriffen geworden waren. F�r Bent h�rte es sich wie das Geheul wahnsinniger Hunde an.</p><p>�berall h�rte er die Kugeln pfeifen. Links von ihm zuckte ein Soldat pl�tzlich hoch, als w�re er angehoben worden. Ein St�ck seines Gesichts flog davon, dann kippte er nach hinten weg, als die Kugel sein Gehirn traf.</p><p>Die Rebs waren bis auf f�nfzig Yards herangekommen, zimtfarben und grau; B�rte und Lumpen; riesige brennende Augen und riesige aufgerissene M�nder. Granateinschl�ge befleckten den blauen Himmel; Rauch wehte aus den Baumwipfeln; die Erde bebte, und Bent h�rte einen noch viel lauteren Schrei.</p><p>�Oh nein, mein Gott � nein.�</p><p>Die ersten Rebs erreichten die M�nner aus Ohio, die noch nie in einer Schlacht gestanden hatten. Ungeschickt versuchten sie die zustechenden Bajonette der Angreifer abzuwehren. Bent sah, wie Stahl in einen blauen Waffenrock drang und auf der anderen Seite rotgef�rbt herauskam. Wieder ert�nte der Schrei.</p><p>�Oh, Gott, nein!�</p><p>Mit seinem S�bel schlug er auf den R�cken eines Ohio-Soldaten ein. Wild rudernd stolperte er durch das hohe Gras, direkt auf den Fersen des Soldaten. Die Rebs st�rmten den H�gel, die M�nner aus Ohio fl�chteten, gaben ihre Stellung auf. Bent schlug auf den blauen Rock vor sich ein, bis der Mann stolperte und hinfiel. Bent raste vorbei, schnell trotz seiner Massigkeit.</p><p>Er warf seinen Feldstecher und seinen S�bel fort. Hunderte rannten zwischen den B�umen durch, auf Pittsburg Landing am Tennessee River zu. Ein Regiment nach dem anderen geriet ins Wanken und l�ste sich auf. Er mu�te sich selbst retten, auch wenn dabei jeder andere Soldat unter seinem Kommando draufging; er war mehr wert als sie alle zusammen.</p><p>Die vor ihm Fliehenden hatten bereits einen Pfad getrampelt. Ein kleiner, hinkender Soldat, der den Rand einer Trommel umklammerte, blockierte seinen Weg. Bent packte die schmalen Schultern des Trommlers und schleuderte ihn zur Seite; der Blick des Jungen traf ihn, ver�ngstigt und vernichtend zugleich. Dann verlor der Junge die Balance und fiel neben dem Pfad zu Boden. Bent rannte weiter.</p><p>Seine Panik wuchs noch, als er sich durch einen Bach k�mpfen mu�te. Er h�rte das Jaulen einer Granate, warf seine Arme um einen Baum, schlo� die Augen und verbarg sein Gesicht. Kurz vor dem Moment, in dem die ganze Welt in die Luft flog, erkannte er, wer �Oh Gott, nein� geschrien hatte.</p><p>Er selbst hatte geschrien.</p><p>Er erwachte im prasselnden Regen. In den ersten verst�ndnislosen Augenblicken glaubte er, tot zu sein. Dann h�rte er die Schreie in der Dunkelheit. St�hnen. Pl�tzliches Aufbr�llen. Schn�ffelnd tastete er sich von den Kn�cheln �ber den Unterleib bis zur Kehle nach Verletzungen ab. Er war durchn��t, steif, alles tat ihm f�rchterlich weh. Aber er war unverletzt. <emphasis>Unverletzt.</emphasis> Herr im Himmel. Er hatte den Tag �berlebt.</p><p>Ein Blitz zuckte �ber den �sten auf. Als der Donner folgte, begann er zu kriechen. Er glaubte Wasser zu riechen, kroch schneller.</p><p>Wieder ein Blitz; Donner; und dazu der unaufh�rliche Chor der Verwundeten. Tausende mu�ten in den Wiesen und W�ldern um das Shiloh-Versammlungshaus liegen. Wer hatte die Schlacht gewonnen? Er wu�te es nicht und k�mmerte sich auch nicht darum.</p><p>Seine H�nde versanken im Schlamm. Er streckte sie aus, klatschte ins Wasser. Sein Mund war ausged�rrt. Mit beiden H�nden sch�pfte er, trank und h�tte sich beinahe �bergeben. Was war mit dem Wasser los?</p><p>Ein Blitz erhellte treibende K�rper. Rote Fl�ssigkeit tropfte aus seinen Handschalen. Er kr�mmte sich zusammen und w�rgte. Nichts kam hoch. Er war verwirrt, hatte die Orientierung verloren. <emphasis>Ich bin in Mexiko. Das ist Mexiko.</emphasis></p><p>Er durchquerte den Bach, taumelte gegen B�ume, stolperte �ber einen Felsen, st�rzte keuchend zu Boden. Seine Hand ber�hrte etwas, tastete den Gegenstand ab. Ein Bajonett. Ein grellwei�er Blitz tauchte alles in blendende Helligkeit. Das Bajonett steckte im Genick eines weiteren Trommlers, hatte ihn am Boden festgespie�t. Bent schrie, bis er keine Kraft mehr hatte.</p><p>Er taumelte weiter. Die rasch aufeinanderfolgenden Schocks begannen eine unerw�nschte Wirkung auszu�ben: Sein Verstand wurde klar, begann wieder zu funktionieren. Er wehrte sich dagegen, aber es half ihm nichts; er war gezwungen, die Realit�ten zur Kenntnis zu nehmen.</p><p>Obwohl er sich genau so wie die anderen benommen hatte, war sein Verbrechen schlimmer, weil er das Kommando gehabt hatte. Au�erdem war er als einer der ersten geflohen. Er wu�te, die M�nner aus Ohio w�rden die Geschichte verbreiten. Dieses Schandmal w�rde ihn ruinieren. Das durfte nicht geschehen.</p><p>Schluchzend kehrte er um, tr�nkte seine Hosen mit seinem eigenen Urin; es war ihm egal. Er suchte so lange, bis er den kleinen Trommler gefunden hatte.</p><p>Ich kann es nicht, dachte er.</p><p><emphasis>Nur so kannst du dich retten.</emphasis></p><p>Schwitzend und keuchend packte er das Bajonett und zog sanft, drehte sanft, befreite es sanft vom Fleisch des Jungen. Dann stemmte er sich mit dem R�cken gegen einen Baumstamm und sammelte Mut.</p><p>Noch einmal drehte er den Kopf zur Seite und schlo� die Augen. Rein nach Gef�hl richtete er die Spitze des Bajonetts gegen seinen linken Oberschenkel.</p><p>Dann stie� er zu.</p><p>Beide Seiten beanspruchten den Sieg bei Shiloh f�r sich. Doch Grant hatte am zweiten Tag die Offensive gef�hrt, und die konf�derierte Armee hatte sich nach Corinth zur�ckgezogen; einer ihrer gro�en Helden, Albert Sidney Johnston, war in der Schlacht gefallen. Diese Tatsachen dr�ckten mehr aus als die von beiden Seiten abgegebenen Erkl�rungen.</p><p>Im Hospital erfuhr Elkanah Bent, da� die Ohio-M�nner kein Einzelfall gewesen waren. Tausende waren geflohen. Versprengte Regimenter waren �berall am Ufer des Tennessee gefunden worden, wo sie in Sicherheit dem Schlachtget�se am Sonntag lauschten; diese Schlacht ging verloren, bis die Union am Montag den Spie� umdrehte und einen Sieg an ihre Fahnen heften konnte.</p><p>Damit war die Bedrohung, der sich Bent gegen�bersah, jedoch nicht aus der Welt geschafft. Sein Verhalten war bald schon Gegenstand einer Untersuchung. Er wurde ein Experte darin, seine Geschichte wieder und wieder zu erz�hlen. �Ich bin tats�chlich gerannt, Sir. Um meine M�nner aufzuhalten. Um die Flucht zu stoppen.�</p><p>Auf die Frage nach dem Ort, wo er bewu�tlos aufgefunden worden war � am Owl Creek, fast eine Meile von der Stellung seines Regiments entfernt �, erwiderte er: �Der Reb, gegen den ich k�mpfte � der mir den Bajonettstich zuf�gte �, erwischte mich in der N�he unserer urspr�nglichen Front. Die Lage meiner Wunde beweist das. Meine Erinnerung an das, was nach dem Stich geschah, ist sehr l�ckenhaft; ich wei� nur noch, da� ich den Reb niedermachte und dann losrannte, um die allgemeine Flucht zu stoppen.�</p><p>Die Untersuchung landete schlie�lich bei Sherman, zu dem er sagte: �Ich rannte, um meine M�nner aufzuhalten. Um die Flucht zu stoppen.�</p><p>�Laut einigen Zeugen�, sagte der General kalt, �geh�rten Sie zu den ersten, die fl�chteten.�</p><p>�Ich bin nicht gefl�chtet, Sir. Ich versuchte die Fl�chtenden aufzuhalten. Das werde ich vor jedem Kriegsgericht wiederholen � und vor jedem Zeugen, der mich zu beschuldigen versucht. Das Regiment, das Sie mir zuteilten, bestand aus M�nnern, die noch nie in einer Schlacht gewesen waren. Wie so viele andere bei Shiloh rannten sie. Ich rannte ihnen nach, um sie zu stoppen. Um die Flucht zu stoppen.�</p><p>�Herr im Himmel, k�nnten Sie mir das vielleicht ersparen?� sagte Sherman und spuckte auf den Boden neben seinem Feldschreibtisch. �Ich will Sie nicht l�nger unter meinem Kommando haben.�</p><p>�Bedeutet das, Sie beabsichtigen � �</p><p>�Sie werden herausfinden, was es bedeutet, wenn ich es f�r richtig halte. Abtreten!�</p><p>Bent salutierte und hoppelte mit seiner Kr�cke hinaus.</p><p>Seine Nerven waren in schlimmerem Zustand als seine Wunde. Was w�rde dieser kleine Wahnsinnige tun, um ihn zu bestrafen?</p><p>Auf der Halbinsel s�d�stlich von Richmond f�hrte McClellan ein paar folgenlose Scheingefechte mit Joe Johnston auf. Am Shenandoah schlug Stonewall Jackson die Yankees mit brillanten Man�vern und tilgte damit einen Teil der Schmach von Shiloh. Unten am Mississippi dampfte Admiral Farragut an den Batterien der Konf�derierten vorbei nach New Orleans. Die praktisch schutzlose Stadt ergab sich ihm am 25. April. Fast einen Monat nach seinem ungem�tlichen Zusammentreffen mit Sherman bekam Bent einen neuen Posten zugewiesen.</p><p>�Stabsdienst bei der Golf-Armee?� sagte Elmsdale, als Bent ihm bei einer zuf�lligen Begegnung davon erz�hlte. �Das ist im Grunde eine Besatzungsarmee. Ein sicherer Posten, aber nicht gerade ein Gewinn f�r Ihre Karriere.�</p><p>�Das hier auch nicht�, grollte Bent und deutete auf sein Hosenbein. Der Stoff war von der Wundabsonderung durch den Verband hindurch feucht geworden.</p><p>Elmsdale sch�ttelte ihm die Hand und w�nschte ihm alles Gute, aber Bent entdeckte eine gewisse Selbstzufriedenheit in den Augen des Colonels. In einem Schlachtfeldabschnitt, der auf den Namen Hornet�s Nest getauft worden war, hatte Elmsdale eine Schulterwunde empfangen; er war daf�r �ffentlich geehrt worden. Bent hatte sich mit Schimpf und Schande bedeckt, wof�r er andere verantwortlich machte, angefangen von Sherman bis zu dem betrunkenen Baumeister des Shiloh-Sieges, Grant.</p><p>Elkanah Bent sp�rte, da� sein Stern im Sinken war, und er konnte wenig dagegen tun.</p><p><strong>54</strong></p><p>�Bringt die Wagen hoch�, br�llte Billy. �Wir brauchen Boote!�</p><p>Bis zur halben Stiefelh�he im Schlamm stehend, stie� Lije Farmer den j�ngeren Mann am Arm an. �Nicht so laut, mein Junge. Auf der anderen Seite k�nnten feindliche Posten stehen.�</p><p>�Die k�nnen mich nicht besser sehen, als ich sie sehen kann. Wie breit ist dieser verdammte dunkle Flu� �berhaupt?�</p><p>�Das Oberkommando l��t uns derartige Informationen nicht zukommen und gibt keine topographischen Karten aus. Lediglich Befehle. Wir sollen den Black Creek �berbr�cken.�</p><p>�Verdammt passender Name�, sagte Billy finster.</p><p>Der Br�ckenzug � Pontonwagen, Balken- und Schienenwagen, Werkzeugwagen und die fahrbare Schmiede � hatte sich �ber schmierige Stra�en gequ�lt, nachdem es nachts zu regnen begonnen hatte. F�r eine Weile hatte der Regen nachgelassen, aber jetzt go� es wieder in Str�men, und der Wind hatte aufgefrischt. Im Schein von drei Laternen, die an in den Schlamm gesteckten Stangen schwankten, betrachtete Billy die unvollendete Br�cke. Es war riskant, auf diese Weise ihre Position zu verraten, aber sie brauchten unbedingt Licht; der Flu� war tief, das Wasser ging hoch, und die Str�mung war schnell.</p><p>Niemand antwortete auf Billys Ruf, und er konnte keine weiteren Bootswagen in der Dunkelheit erkennen.</p><p>�Ich vermute, die sind im Schlamm steckengeblieben�, sagte Farmer. �Vielleicht schau�n Sie mal nach. Ich erledige das hier schon.� Er lie� seine alte Flinte in die Beuge seines linken Ellbogens gleiten. Die f�r diesen Dienst abgestellten Infanteristen hatten zwar die Aufgabe, das Baugel�nde abzuschirmen und zu bewachen, aber die Pioniere der Potomac-Armee hatten zu sich selbst gr��eres Vertrauen als zu diesen Greenhorns und arbeiteten selten ohne Waffen. Auch an Billys H�fte lag ein Revolver.</p><p>Schlammbedeckt k�mpfte er sich das Ufer zum Werkzeugwagen hoch. Er war sich nicht mal sicher, welches Datum sie schrieben; vielleicht den 10. April. General McClellans gewaltige Armee, angeblich doppelt so gro� wie die kombinierten Konf�deriertenstreitkr�fte von Joe Johnston und Prince John Magruder, war per Schiff nach Fort Monroe gekommen, an der flachen Spitze der Halbinsel zwischen den Fl�ssen York und James. Die Einschiffung begann am 17. M�rz, sieben Tage, nachdem Little Mac seiner Pflichten als Oberbefehlshaber enthoben worden war. Als Grund daf�r wurde seine Weigerung, gegen Manassas zu ziehen, angesehen. Andere erw�hnten lediglich den Namen Stanton; die Generale erstatteten ihm jetzt direkt Bericht.</p><p>Obwohl McClellans Kommando auf die Potomac-Armee reduziert worden war, k�mpfte er weiter um das, was er wollte: mehr Artillerie, mehr Munition, McDowells Corps, das zur Verteidigung von Washington zur�ckgehalten wurde. Als die Regierung die meisten seiner Forderungen ablehnte, beschlo� McClellan, Magruder zu belagern, anstatt ihn anzugreifen, eine Entscheidung, mit der viele, einschlie�lich Lije Farmer, nicht einverstanden gewesen waren.</p><p>�Was ist los mit ihm? Es hei�t, er nimmt die Anzahl der Feindtruppen, die seine Pinkertonspione durchgeben, und verdoppelt sie � aber selbst dann sind unsere Streitkr�fte noch �berlegen. Wovor hat er solche Angst?�</p><p>�Davor, seinen Ruf zu verlieren? Oder vielleicht die n�chsten Pr�sidentenwahlen?� Es war kein reiner Scherz, wie Billy das sagte.</p><p>Der Feldzug gegen Yorktown begann am 4. April. Die Aufgabe des Pionierbataillons bestand darin, Kn�ppeld�mme zu bauen und Br�cken �ber Fl�sse zu schlagen, damit M�nner und Artillerie gegen Magruders Linien vorr�cken konnten, die sich �ber fast dreizehn Meilen zwischen Yorktown und dem Warwick River erstreckten. Scouts berichteten von zahlreichen gro�en Gesch�tzen in den feindlichen Stellungen.</p><p>Er erreichte die Reihe der Pontonwagen, eine gute halbe Meile oberhalb der Br�cke. Wie sie vermutet hatten, war es der Schlamm: Der erste Wagen steckte bis zu den Achsen drin.</p><p>Da war nichts zu machen; der Wagen blockierte die anderen. Eine Ausweichm�glichkeit bestand nicht. �Okay, Fahrer � ich schicke euch ein paar M�nner, und wir tragen die Boote zum Wasserplatz. Wir sind sp�t dran.�</p><p>Irgendwo in der Finsternis br�llte eine Phantomstimme: �Wer hat den Mist gebaut?�</p><p>Ein anderer klagte: �Tragen? Vom letzten Wagen kommt das einer Meile verdammt nahe.�</p><p>�Mir egal, und wenn�s f�nfzig sind�, sagte Billy und st�rmte zur�ck zu Lije Farmer.</p><p>An der unvollendeten Br�cke tr�delten die ersch�pften Infanteristen herum. Es gab nichts zu tun, bis das n�chste Boot zu Wasser gelassen und an die Spitze geschoben worden war. �Ich brauche M�nner, um die Boote zu tragen, Lije. Ich habe versucht, den Wagen herauszuholen, aber der h�ngt fest. Niemand kommt vorbei.�</p><p>Ein Gewehr blitzte in den W�ldern jenseits des Flusses auf. Auf der Br�cke schrie ein Soldat und griff sich ans Bein. Langsam kippte er nach vorn, aber die anderen zerrten ihn zur�ck, ehe er ins Wasser fallen konnte. Gleichzeitig packte Farmer seine Flinte am Lauf und schlug die n�chste Laterne vom Pfosten. Mit einem Satz war Billy bei der anderen Laterne, w�hrend Sch�sse und Geschrei aus der Dunkelheit drangen. Nachdem sie s�mtliche Laternen gel�scht hatten, zogen sie sich ans Ufer zur�ck und erwiderten das Feuer. Nach f�nfzehn Minuten h�rten die Hinterhaltssch�sse der Rebellen auf. Nach weiteren f�nfzehn Minuten z�ndeten Billy und Lije die Laternen wieder an, und die Arbeit ging weiter.</p><p>Gegen halb drei hatten sie gen�gend Boote im Wasser und gen�gend Bohlen und Planken gelegt, um das andere Ufer zu erreichen. Billy schrieb eine kurze Meldung, da� die Br�cke fertig sei und schickte sie mit einem Kurier zum Hauptquartier zur�ck. Lije ordnete eine Pause an. Die M�nner schliefen im Freien, in bestm�glicher Deckung f�r sich selbst und ihr Schie�pulver. Billy nieste zum vierten Mal, w�hrend ihm beunruhigende Gedanken durch den Kopf gingen.</p><p>�Lije? Haben Sie das von den Shiloh-Gefallenen geh�rt, bevor wir gestern abend loszogen?�</p><p>�Ja�, kam die Antwort von der anderen Seite des Baumes, an dem Billy lehnte. �Es hei�t, jede Armee habe ein Viertel ihrer M�nner verloren.�</p><p>�Es ist unglaublich. Der Krieg ver�ndert sich, Lije.�</p><p>�Und wird das auch weiterhin tun.�</p><p>�Und wohin f�hrt das?�</p><p>�Zum endg�ltigen Sieg der gerechten Sache.�</p><p>Da bin ich mir gar nicht sicher, ob wir das alle erleben werden, dachte Billy und schlo� die Augen. Seine Z�hne klapperten, und er fing an zu zittern. Trotzdem schlief er, im Regen sitzend, irgendwie ein.</p><p>Am fr�hen Morgen befestigten die Pioniere die letzten Kabel an der Br�cke und suchten die W�lder auf der anderen Seite nach Rebellen ab; als sie keine finden konnten, machten sie Pause und warteten ab. Bald genug schon w�rden sie woandershin geschickt werden.</p><p>In einem n�chtlichen Biwak in der N�he von Yorktown sagte Charles zu Abner Woolner: �Wir reiten nun schon seit ein paar Wochen zusammen, aber ich wei� kaum was von dir.�</p><p>�Gibt nicht viel, Charlie. Ich kann nicht gut lesen, noch schlechter schreiben, und rechnen gar nicht. Bin nicht verheiratet. War mal, aber sie starb. Sie und das Baby.� Es n�tigte Charles Bewunderung ab, wie er das so geradeheraus sagte, ohne jedes Selbstmitleid.</p><p>�Hab� eine Farm in der N�he der North Carolina Front�, fuhr der Scout fort. �Kleine Klitsche.�</p><p>�Was h�ltst du von diesem Krieg?�</p><p>Ab schob seine Zunge hin und her. �K�nnte deine Gef�hle verletzen, wenn ich�s sag�.�</p><p>Charles lachte. �Warum?�</p><p>�Weil ich euch Plantagennabobs und euer gottloses, verschwenderisches Leben da unten an der K�ste nicht ausstehen kann. Ihr habt uns in dieses Schlamassel gezogen. Ein paar von euch hier sind ganz in Ordnung, aber nicht viele.�</p><p>�Besitzt du Sklaven, Ab?�</p><p>�Nein, Sir. Hab� nie welche gehabt und w�rd� nie welche haben. K�nnt� nicht sagen, da� ich besonders viel f�r die Schwarzen �brig hab�, aber ich w�rd� schon meinen, da� niemand gegen seinen Willen Ketten tragen soll. Ich wei�, was f�r Leute ich mag. Dich. Major Butler. Hampton � ich hab� gemerkt, als ich mich bei ihm meldete, da� ich f�r den Gentleman nicht gro� genug war, um in seiner regul�ren Truppe zu dienen, aber er hat�s mit keinem Wort erw�hnt. Ich zieh� ihn diesem tollen Jeb Stuart jederzeit vor.�</p><p>�Ich auch. Beauty ist ein alter Klassenkamerad von mir, aus West Point, aber ich hab� nicht mehr die Achtung vor ihm, die ich einst hatte. Ich teile deine Gef�hle �ber Hampton. �ber die meisten Plantagenbesitzer �brigens auch.�</p><p>Ab Woolner l�chelte. �Ich wu�te, da� es einen Grund gibt, weshalb ich dich mag, Charlie.�</p><p>In sein Journal schrieb Billy:</p><p><emphasis>Der General ist ein Paradoxon. Er verlangt von uns, seine Belagerungsartillerie, alle zweiundsiebzig Gesch�tze, in Stellung zu bringen, um eine Feindstellung zu beschie�en, die man, wie viele glauben, mit einem einzigen kompakten Angriff einnehmen k�nnte. Ein Laie w�rde glauben, hier werde eine mindestens einj�hrige Belagerung vorbereitet.</emphasis></p><p><emphasis>Fragen werden gestellt. Warum wird das alles so gehandhabt? Warum ist Richmond das Ziel und nicht die konf�derierte Armee, deren Vernichtung zweifellos die vollst�ndige Kapitulation nach sich ziehen w�rde? Aber solche Fragen, obwohl weit herum in der Luft, werden keineswegs in H�rweite der ultraloyalen Offiziere gestellt, die der General um sich geschart hat.</emphasis></p><p><emphasis>Das Paradoxon, von dem ich schrieb, besteht darin, da� der General wenig tut, jedoch ungemein geliebt wird. Die M�nner, die von seiner Hand zur besten Kampftruppe, die es auf diesem Planeten gibt, geschmiedet wurden, warten m��ig � und jubeln ihm zu, sobald er sich bei ihnen blicken l��t. Bejubeln sie ihn, weil er sie vor den Risiken des Kampfes bewahrt?</emphasis></p><p><emphasis>Brett, ich werde allm�hlich bitter. Aber in dieser Armee herrscht nun mal Vetternwirtschaft. Einige nennen den General �McNapoleon�. Es ist nicht als Lob gedacht.</emphasis></p><p>Als sich die Konf�derierten Anfang Mai aus Yorktown zur�ckzogen, geh�rten die Pioniere zu den ersten, die die verlassenen Befestigungen st�rmten. Billy rannte zu einer Gesch�tzstellung, nur um bei diesem Anblick in lautes Fluchen auszubrechen. Das gro�e, schwarze, in die Luft ragende Feldgesch�tz war nichts weiter als ein angestrichener Baumstamm. Die Stellung enthielt f�nf weitere Attrappen.</p><p>�Gesch�tzattrappen�, sagte er angewidert.</p><p>Lije Farmers wei�er, lang gewordener Bart wehte in der Maibrise. �Du hast mich get�uscht, und ich wurde get�uscht. Dem t�glichen Spott bin ich preisgegeben � ein jeder macht sich lustig �ber mich.�</p><p>�Prince John ist ein Meisterartillerist. Amateurtheater liebt er auch noch. Eine t�dliche Kombination. Ich frage mich, ob es noch mehr von den Dingern gibt?�</p><p>Es gab. Um die Dem�tigung zu vollenden, berichtete ein Deserteur, Magruder h�tte in Yorktown ein paar Einheiten auf und ab marschieren lassen, um dem Feind zu suggerieren, er w�rde die Stellung mit wesentlich mehr als den dreizehntausend Mann halten, die er nun zur�ckgezogen hatte. W�hrend Magruder den Feind mit Tricks und guten Nerven hingehalten hatte, war der Gro�teil der Rebellenarmee weiter oben auf der Halbinsel in Stellung gegangen, eine heimlich vorbereitete und leichter zu verteidigende Position. Little Macs Z�gern hatte Johnston einen weiteren Vorteil verschafft � zus�tzliche Zeit, um Verst�rkungen aus dem westlichen Teil des Staates heranzuholen.</p><p>�Dieser verdammte Krieg mag sich eine ganze Weile hinzieh�n�, sagte Billy. �Unsere Seite mag mehr Fabriken haben, aber ich werde das Gef�hl nicht los, die andere Seite hat mehr Hirn.�</p><p>Darauf hatte Lije keinen Bibelspruch parat.</p><p>Die Maiw�lder rochen nach Regen. Charles, Ab und ein dritter Scout namens Doan sa�en, zwischen den B�umen versteckt, bewegungslos auf ihren Pferden und beobachteten den Trupp auf der Landstra�e: zw�lf Yankees in Zweierreihe, die von Tunstall�s Station in Richtung Bottom�s Bridge am Chickahominy ritten. Johnston hatte sich auf die andere Seite des Flusses zur�ckgezogen. Pessimisten stellten fest, da� diese Demarkationslinie an manchen Stellen nicht mehr als zehn Meilen von Richmond entfernt war.</p><p>Die drei Scouts waren zwei Tage lang auf der Yankeeseite des Chickahominy gewesen, ohne greifbare Ergebnisse. Sie hatten die Richmond &amp; York-Bahnlinie auf Anzeichen von Verkehr hin kontrolliert, hatten nichts entdecken k�nnen und waren auf eigener F�hrte zur�ckgeritten, auf das flache Flu�land zu, als sie die Yanks geh�rt hatten. Sofort versteckten sich die Scouts im Wald.</p><p>Charles hatte seinen .44 Colt gezogen, seine Schrotflinte war griffbereit. Er war nicht scharf auf einen Kampf; viel lieber h�tte er die Identit�t dieser Yanks gekannt und gewu�t, was sie auf dieser Stra�e zu suchen hatten.</p><p>�Berittene Sch�tzen?� fl�sterte er, nachdem er die orangefarbenen Quasten an den H�ten der beiden Offiziere entdeckt hatte.</p><p>�Unwahrscheinlich, bis auf die zwei Schulterstreifen�, erwiderte Ab. �Wenn einer der anderen Jungs in seinem Leben mehr als zwei Stunden auf �nem Pferd gesessen hat, bin ich Varina Davis.�</p><p>Doan beugte sich n�her heran. �Wer zum Teufel sind sie dann? Ihre Uniformen sind so verdammt dreckig, man kann ja gar nichts erkennen.�</p><p>Charles strich seinen Bart. Er brachte Schlamm mit Flu�b�nken in Verbindung, und Flu�b�nke mit seinem Freund Billy. �M�cht� wetten, das sind Pioniere.�</p><p>�K�nnte sein�, sagte Ab. �Aber was tun sie? Die S�mpfe erkunden?�</p><p>�Ja. F�r Br�cken. Suchen Stellen zum �berqueren. Das kann das erste Anzeichen vom Vormarsch sein.�</p><p>Sport scheute. Charles beruhigte den Grauen mit den Knien, w�hrend ein Teil seines Gehirns ein seltsam fl�sterndes Ger�usch am Boden registrierte. Er verfolgte das nicht weiter, weil Doan sprach.</p><p>�K�nnen wir sie nicht ein bi�chen abschie�en, Cap?�</p><p>�Nichts dagegen einzuwenden, aber ich halte es f�r kl�ger, wenn wir zur n�chsten Stra�e weiterreiten. Je eher wir mit dieser Meldung �berm Flu� sind, desto besser.�</p><p>�Klapperschlange�, fl�sterte Ab. Die Schlange glitt zwischen den Vorderbeinen seines Pferdes hindurch. Das Pferd t�nzelte zur�ck und wieherte lang und laut.</p><p>�Das w�r�s�, sagte Charles. Rufe auf der Stra�e, jemand bellte Befehle. Die erschreckte Schlange verschwand. �Los, weg von hier.�</p><p>Ab hatte Schwierigkeiten mit seinem Pferd. �Komm schon, Cyclone, verdammt noch mal!� An Gewehrfeuer, aber nicht an Reptilien gew�hnt, b�umte sich das Pferd auf und h�tte beinahe seinen Reiter abgeworfen. Charles packte es vorn am Halfter, die Vorderhufe knallten auf den Boden, und Ab blieb im Sattel. Aber wertvolle Sekunden waren verloren gegangen; das scheuende Pferd war dabei in einen Lichtstreifen zwischen den B�umen geraten. Zwei Yankees am Ende der Kolonne entdeckten Ab und brachten ihre Gewehre in Anschlag.</p><p>Charles zog seine Schrotflinte, feuerte beide L�ufe ab, scho� dann noch dreimal mit dem Revolver. Die Yanks rutschten aus dem Sattel, br�llten: �Deckung.�</p><p>�Los, Jungs�, schrie Charles, sich an die Spitze setzend. Die Yanks w�rden wahrscheinlich in den Stra�engr�ben Deckung suchen; die Scouts konnten so einen Vorsprung gewinnen.</p><p>Nach einem kurzen, scharfen Ritt galoppierte Charles auf die Stra�e zu, dicht gefolgt von Ab und Doan. Ein Blick zur�ck zeigte ihm zwei auf der Stra�e stehende Yanks. Der Rest lag in Deckung.</p><p>Beide Yanks feuerten auf die Scouts. Eine Kugel streifte die seitliche Krempe von Charles� Hut. Nach einigen Sekunden waren sie au�er Schu�weite. Charles schob seinen Revolver ins Halfter und konzentrierte sich auf den Ritt. Die Stra�e schl�ngelte sich durch W�lder, in denen sumpfige T�mpel glitzerten.</p><p>Hinter ihnen brach die Stra�e auf, ein Ausbruch von Feuer mit einem Schrapnellschauer. Ab war so entnervt, da� er beinahe in einen der T�mpel galoppiert w�re. Charles zerrte an den Z�geln, wendete, sah einen rauchenden Krater vor sich und Doan, der sich unter seinem gest�rzten Pferd hervorw�hlte.</p><p>Doan gab erstickte Laute von sich. Das Pferd war erledigt. Die vergrabene Granate, ausgel�st durch eine Friktionsz�ndvorrichtung, hatte t�dliche Fragmente in Schulter und Brust des Tieres geschleudert.</p><p>Doan befreite sich aus dem linken Steigb�gel. Das Pferd glitt mit dem Schwanz voran in das Loch. Wie ein verwirrtes Kind marschierte Doan im Kreis herum. Hinter den Biegungen der Stra�e verborgen konnte man die Yanks h�ren, die sich im Galopp n�herten.</p><p>Charles begann zu schwitzen. Er trieb Sport an den Rand des Loches, doch der Graue scheute vor dem sterbenden Pferd zur�ck. �Steig auf�, sagte Charles und klatschte hinter sich auf Sports Rumpf. Doans Verwirrung hielt an. Ab feuerte einen Schu� die Stra�e runter, obwohl noch kein Yank in Sicht war.</p><p>Pl�tzlich begann Doan zu weinen. �Ich kann ihn nicht verlassen.�</p><p>�Er ist erledigt, und die Kompanie Q ist ein besserer Platz als irgendein Yankee-Lager.� Der erste blaugekleidete Reiter kam um die Biegung. Charles packte Doan am Kragen. �Steig auf, verdammt, oder wir werden alle geschnappt.�</p><p>Doan schaffte es, auf den Grauen zu klettern und sich an Charles� Taille festzuklammern. Charles zog Sports Kopf herum, und sie galoppierten auf den Chickahominy zu. Ab dr�ckte sein Pferd beiseite, um den Grauen vorbeizulassen, und feuerte seine Waffe auf die anst�rmenden Reiter ab. Seine Chance zu treffen war gering, aber er bremste die Verfolger.</p><p>Selbst mit dem doppelten Gewicht benahm sich Sport gro�artig. Charles f�hlte, wie Doan hinter ihm zitterte. Pl�tzlich br�llte der Scout: �Verfluchte Wilde.�</p><p>�Wer?�</p><p>�Die Yanks, die dieses verdammte Ding in der Stra�e vergraben haben.�</p><p>�Du mu�t Brigadier Rains oder sonst jemandem von unserer Seite die Schuld geben. Bevor wir aus Yorktown abzogen, pflanzte Rains diese Minen �berall in Stra�en und Docks. Wie sieht�s aus, Ab?� rief er dem aufschlie�enden Scout zu.</p><p>�Wir sind diesen Kr�merseelen ein gutes St�ck voraus. Schaut dort dr�ben � die Br�cke.�</p><p>Als sie auf die Bottom�s Bridge zudonnerten, wurde Charles schlagartig klar, da� es genausogut Sport h�tte treffen k�nnen. Eine vergrabene Bombe w�hlt sich ihr Opfer nicht aus.</p><p>Eifersucht hatte dabei eine ebenso gro�e Rolle gespielt wie Politik, entschied Billy sp�ter. Es war einfach f�llig gewesen, als er an diesem Abend Ende Mai in das Marketenderzelt marschierte.</p><p>Seit Tagen waren die Armeen auf der Halbinsel von angespannter Nervosit�t ergriffen. Die Rebs hatten sich hinter dem Chickahominy verschanzt, bereit, f�r Richmond zu sterben. Auf Unionsseite herrschte Unsicherheit statt der Erwartung, mit einem gewaltigen Schlag alles beenden zu k�nnen. Ger�chte vermischten sich mit Fakten zu einem widerw�rtigen Gebr�u. Jackson dem�tigte die Union in Shenandoah. Little Mac bestand weiterhin darauf, �ber nicht gen�gend M�nner zu verf�gen, obwohl er mehr als hunderttausend hatte. Au�erdem beharrte er darauf, da� die Hunde von Washington ihn zerfleischen wollten, angef�hrt von diesem tollw�tigen Stanton.</p><p>An dem Abend, an dem er den Marketender besuchte, war ein Junior-Offizier anwesend, den er zwar nicht pers�nlich kannte, aber trotzdem nicht ausstehen konnte. Der junge Mann, ein weiterer Akademie-Absolvent, geh�rte zum Stab; Billy hatte ihn zu Pferd hinter Little Mac hertraben sehen. Der Offizier war bla� wie ein M�dchen und trug die l�ssige Arroganz eines Clubmitglieds zur Schau. Selbst die Uniform des Burschen irritierte Billy. Mitten in der Schlammsaison war sie so makellos wie die blitzenden Schuhe. Mit den langen, hellen Locken und dem roten Halstuch �hnelte er mehr einem Zirkusartisten als einem Soldaten.</p><p>Was Billy, der mit einem dreckigen Glas am Tresen stand, am meisten �rgerte, war die Haltung des Offiziers. Er war drei oder vier Jahre j�nger als Billy und hatte aufgrund seines Junior-Ranges noch keine Schulterstreifen. Aber er benahm sich wie ein Senior. Und ein sehr lautstarker noch dazu.</p><p>�Der General w�rde im Handumdreh�n siegen, wenn nicht diese Abolitionistenschufte in Washington w�ren. Ich verstehe nicht, weshalb er sie toleriert. Selbst unser verehrter Pr�sident dem�tigt ihn. Letzte Woche wagte er es, den General einen Verr�ter zu nennen. Ins Gesicht!�</p><p>Billy trank; es war sein zweites Glas. Der Marketender behauptete fromm, da� er lediglich Apfelwein ausschenken w�rde. Aber dieser Apfelwein hatte es in sich. Er tat auch nicht sonderlich gut, wenn man seit Mittag nichts mehr gegessen hatte. Irgendwie war Billy zu besch�ftigt gewesen, um zu einer Mahlzeit zu kommen.</p><p>Der Offizier machte eine Pause, um einen doppelten Apfelwein zu kippen. Seine kleine Gefolgschaft, f�nf Captains und Lieutenants, warteten mit gespannter Aufmerksamkeit darauf, da� er fortfuhr.</p><p>�Habt ihr die letzte Sch�ndlichkeit geh�rt? Der ehrenwerte Stanton greift die Ehre des Generals an und stellt seinen Mut in Frage � selbstverst�ndlich hinter seinem R�cken �, w�hrend er gleichzeitig den Original-Gorilla beeinflu�t, die M�nner zur�ckzuhalten, die wir so verzweifelt ben�tigen.�</p><p>�H�rt sich wie eine Verschw�rung an�, murmelte ein anderer Lieutenant.</p><p>�Genau. Sie kennen den Grund daf�r, nicht wahr? Der General mag und respektiert die Leute aus dem S�den. Das tun viele in dieser Armee. Ich ebenfalls. Der ehrenwerte Stanton bevorzugt jedoch nur eine gewisse Klasse von S�dstaatlern � solche mit dunkler Hautfarbe. Er ist wie alle anderen Republikaner.�</p><p>Billy knallte sein Glas auf den Tresen. �Aber er ist ein Demokrat.�</p><p>Der langhaarige Lieutenant teilte seine Gruppe, wie Moses die See teilte. �Haben Sie eine Bemerkung an mich gerichtet, Sir?�</p><p>Halt die Klappe, sagte Billy zu sich. Aber aus irgendeinem Grund konnte er es nicht. �Das tat ich. Ich sagte, Mr. Stanton ist Demokrat, kein Republikaner.�</p><p>Ein kaltes L�cheln von dem Junior-Offizier. �Da hier kein �ffentlicher Versammlungsort ist, d�rfte ich das Vergn�gen haben zu erfahren, wer diese wertvolle Information anbietet?�</p><p>�Erster Lieutenant Hazard. Gegenw�rtig bei der B-Kompanie, Pionierbataillon.�</p><p>�Zweiter Lieutenant Custer, Stabshauptquartier, zu Ihren Diensten.� Davon war seiner Stimme allerdings nichts anzumerken, nur eitle Selbst�bersch�tzung und Verachtung. �Dann m�ssen Sie von der Akademie sein. Allerdings einige Jahre vor meiner Zeit. Ich war bei der Bande, die vergangenen Juni graduierte. Der Letzte unter den Letzten sechsunddrei�igster unter sechsunddrei�ig.� Er schien es zu genie�en. Seine Kumpel kicherten pflichtschuldig. �Was Ihre Aussage anbelangt, so ist sie nur bedingt korrekt. Soll ich Ihnen sagen, was Stanton wirklich ist?�</p><p>Der junge Offizier kam auf Billy zu. Sein Haar roch nach Zimt�l. Ein Dutzend Offiziere an den wackeligen Tischen hielten in ihrer Unterhaltung inne, um Custer zu lauschen.</p><p>�Stanton ist ein derartig b�sartiger Mann, ein so verkommener Heuchler, da� � h�tte er zur Zeit des Erl�sers gelebt � im Vergleich zu ihm Judas ein anst�ndiger Mann gewesen w�re.�</p><p>Einige der zuh�renden Offiziere reagierten �rgerlich. Einer wollte sich erheben, aber sein Gef�hrte hielt ihn zur�ck. Lediglich Billy, in dessen leerem Magen der Alkohol brodelte, war gen�gend gereizt, um zu antworten.</p><p>�Diese Art von Gerede geh�rt nicht in die Armee. Es wird schon viel zuviel politisiert.�</p><p>�Zuviel? Nicht genug!� Seine Clique reagierte mit Nicken und Klopfen.</p><p>Billy blieb hartn�ckig. �Nein, Lieutenant Custer, wir sollten uns um den Sieg Sorgen machen, nicht ob � �, ein Beispiel blitzte in seinem Kopf auf, �� eine Singgruppe in einem unserer Lager auftreten kann oder nicht.�</p><p>�Oh, Sie meinen diese verdammte Hutchinsonfamilie?�</p><p>�Richtig. Mein Bruder ist im Kriegsministerium; er schrieb mir, da� es eine schlechte Entscheidung war. Erstens war es trivial, und zweitens ver�rgerte es einige wichtige Kabinettsmitglieder und Kongre�abgeordnete.�</p><p>�ber Custers Schulter hinweg prahlte ein Captain: �Ihr Bruder sitzt hinter einem Schreibtisch, was? Tapferer Bursche.�</p><p>Billys Selbstbeherrschung schwand. �Er ist Major im Waffenamt. Seine Arbeit ist verdammt wichtig.�</p><p>�Was f�r eine Arbeit?� fragte Custer feixend. �Stantons Stiefel putzen? Stantons schwarzen Besuchern Erfrischungen servieren?�</p><p>Der Captain sagte: �Auf Befehl das Hinterteil des Ministers k�ssen?�</p><p>�Zum Teufel mit dir�, sagte Billy und ging auf ihn los.</p><p>Selbst Custer reagierte angewidert. �Captain Rawlins, das geht ein bi�chen zu weit.� Billy stie� Custer beiseite und schlug mit der Faust nach dem einen Kopf gr��eren Captain. Die Faust rutschte am Kinn des Mannes ab. Andere im Zelt sprangen auf und br�llten wie die Zuschauer bei einem Hahnenkampf.</p><p>�Macht dem Gentlemen Platz!�</p><p>�Nicht hier�, protestierte der Marketender. Niemand beachtete ihn. Der Captain l�ste seinen Kragen, w�hrend ein breites Grinsen seine Backen aufplusterte. Dumm von mir, sagte sich Billy, w�hrend seine H�nde sich zu F�usten ballten. Schlicht und einfach d�mlich.</p><p>Jemand betrat das Zelt und rief seinen Namen. Aber seine Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf den Captain, der sich n�her schob.</p><p>�Dir zeig ich�s, du kleines republikanisches Dreckst�ck.� Seine Faust scho� vor und landete mitten in Billys Gesicht, w�hrend dieser noch die H�nde hob.</p><p>Er taumelte zur�ck und fiel �ber den Tresen; aus jedem Nasenloch tr�pfelten Blutf�den. Der gr��ere Mann holte zum n�chsten Schlag aus. Billy k�mpfte sich hoch und schlug mit verschr�nkten H�nden den Unterarm seines Gegners zur Seite, so dem Schlag ausweichend. Der Captain stie� ein Knie in Billys Leiste, und Billy fiel nach hinten auf den R�cken. Grinsend hob der Captain seinen Stiefel �ber Billys Gesicht.</p><p>�Da bist du�, sagte die vertraute Stimme hinter den sich dr�ngelnden M�nnern.</p><p>Custer rief: �Das reicht, Rawlins. Er mag ein Niggerrepublikaner sein, aber er verdient faire Behandlung.�</p><p>�Zum Teufel damit.� Runter kam der Stiefel. Billy versuchte sich wegzurollen, wu�te aber, da� er zu langsam war.</p><p>Pl�tzlich, unerkl�rlich, kippte Rawlins nach hinten. Der Stiefel, der auf Billys Gesicht abzielte, beschrieb eine komische, ruckartige Bewegung mitten in der Luft. Billy stemmte sich mit den Ellbogen aus dem Dreck, zwinkerte und sah den Grund daf�r. Lije Farmer hielt den Captain an den Schultern fest, das Gesicht voller Zorn. Er schleuderte Billys Gegner zur�ck. Captain Rawlins knallte so hart zu Boden, da� er aufschrie.</p><p>Lije zog Billy auf die Beine. �Mach dich fort aus dieser frevelhaften Gesellschaft.� Niemand l�chelte. In Anbetracht von Lijes Gr��e und der Art und Weise, wie seine Blicke �ber den Kreis der McClellan-Anh�nger schweiften, hatte keiner den Mut dazu. Zu Rawlins sagte er: �Es w�re albern, in dieser Angelegenheit den Dienstgrad ins Spiel zu bringen. Wenn Sie es versuchen, werde ich gegen Sie aussagen.�</p><p>Billy nahm seine M�tze vom Tresen und ging hinaus. Sein verschrammtes, blutiges Gesicht f�hlte sich hei� an. Lije ber�hrte seinen �rmel. �Wer dich auf die rechte Backe schl�gt, dem wende die linke zu.�</p><p>�Tut mir leid, Lije, ich konnte es nicht. Er hat einen Tiefschlag gelandet und versuchte dann, mir das Gesicht zu zertreten. Na ja, vielleicht h�tte sich mein Aussehen dadurch verbessert � was meinst du?�</p><p>Farmer blieb ernst und stumm. Ern�chtert sagte Billy: �Ich wei�, ich war ein Narr, so in die Luft zu gehen. Aber sie machten Bemerkungen �ber meinen Bruder George, die ich nicht hinnehmen konnte. Danke, da� du mir den Captain vom Hals gehalten hast. Etwas sp�ter und von meinem Gesicht w�re nicht viel �brig geblieben. Dein Zeitgef�hl ist beachtlich.�</p><p>�Kein reiner Zufall. Ich habe dich gesucht. Wir haben Befehl, vor Tagesanbruch aufzubrechen. Sollen die anderen die politischen Kriege ausfechten. Wir haben mit unserem mehr als genug zu tun.�</p><p>�Ja. Trotzdem danke ich dir, Lije�, sagte Billy von ganzem Herzen. Er empfand f�r Farmer den gleichen liebevollen Respekt, den er f�r seinen verstorbenen Vater empfunden hatte. Der �ltere Mann gab ihm einen Klaps auf den R�cken und begann dann, �Amazing Grace� zu summen.</p><p>Kein Wunder, da� die Atmosph�re auf der Halbinsel so vergiftet war, dachte Billy bei sich. Sie standen praktisch vor der T�r der Hauptstadt der Konf�derierten, die von unterlegenen Kr�ften verteidigt wurde, doch der Feldzug zog sich hin, unentschlossen und kostspielig. Billy f�rchtete, noch viele M�nner w�rden, bevor der Feldzug zu Ende war, dem Ehrgeiz und Verfolgungswahn des Generals sinnlos geopfert werden. Er legte keinen gro�en Wert darauf, einer von ihnen zu sein.</p><p><strong>55</strong></p><p>In der letzten Maiwoche schien das Ende nah. Jeden Morgen, wenn Orry aufstand und das �ble Gebr�u trank, das in der Pension statt Kaffee serviert wurde, sah er sich mit dieser Tatsache konfrontiert. Seit dem Fall von New Orleans gab es nicht einmal Zucker zum S��en.</p><p>Wie jedermann in Richmond lauschte Orry, w�hrend er seiner t�glichen Arbeit nachging, dem schweren Artilleriefeuer, das die Fensterscheiben in der ganzen Stadt erzittern lie�. Er war froh, da� es Madeline noch nicht m�glich gewesen war, zu ihm zu kommen; die Genesung seiner Mutter machte nur langsame Fortschritte. Die Nachricht von ihrem Schlaganfall hatte ihn hart getroffen.</p><p>Nach dem Fall der Forts Henry und Donelson war Orrys Freund und Vorgesetzter, Benjamin, ins Au�enministerium abgeschoben worden, weil man irgend jemandem schlie�lich die Schuld in die Schuhe schieben mu�te. Benjamin war nur ganz knapp davongekommen.</p><p>George Randolph ersetzte ihn: ein ernster Mann, ein Virginier von untadeliger Herkunft, hervorragendem Ruf und mit erst k�rzlich erworbener Milit�rerfahrung � unter Magruder hatte er die Artillerie kommandiert. Er trug die W�rde des Kriegsministers, konnte aber wenig damit anfangen. Mittlerweile wu�te jeder, da� der wahre Kriegsminister im Pr�sidentenhaus sa�.</p><p>Insel Nr. 10 war letzten Monat verlorengegangen und damit die Kontrolle �ber den unteren Mississippi. Und Norfolk hatten die Yankees auch; in ihrer Verzweiflung hatte die Marine die bereits legend�re <emphasis>Virginia</emphasis> versenkt, um sie nicht in die H�nde des Feindes fallen zu lassen.</p><p>Der April machte die Zwangslage der Konf�deration noch deutlicher. Davis billigte ein Gesetz, mit dem alle M�nner wei�er Rasse im Alter zwischen achtzehn und f�nfunddrei�ig f�r drei Jahre einberufen wurden. Orry wu�te, da� es sich um eine notwendige Ma�nahme handelte und wurde �rgerlich, als der Pr�sident von Landstreichern ebenso wie von Staatsgouverneuren verflucht wurde. Zwei Gouverneure sagten, sie w�rden so viele M�nner zur Eigenverteidigung zur�ckbehalten, wie sie f�r richtig hielten, Gesetz hin oder her.</p><p>McClellan stand nun dicht vor der Stadt. Obwohl sein strategischer Plan unklar blieb, st�rzte seine blo�e Anwesenheit Richmond in eine Zeit der Pr�fung. Davis hatte seine Familie bereits nach Raleigh fortgeschafft. Fl�chtlinge str�mten in die Stadt, zu Fu� und in jedem nur denkbaren Transportmittel. Sie schliefen auf dem Capitol Square oder brachen in die Heime jener ein, die bereits gefl�chtet waren. Orry h�rte, da� Ashton zu denen geh�rte, die sich weigerten, die Stadt zu verlassen. Das d�mpfte seine Abneigung gegen sie ein bi�chen, aber nicht sehr.</p><p>Auch Soldaten lie�en die Bev�lkerungszahl anwachsen. Verwundete, zur�ckgeschickt von den Chickahominy-Linien; Deserteure, die sich selbst eine Schu�- oder Stichwunde beigebracht hatten � wer sollte sie auseinanderhalten? Tag und Nacht rumpelten die Wagen und Karren hinein und hinaus, die Fensterscheiben klirrten und knallten, und jeder Schlaf wurde unm�glich.</p><p>Orry machte weitere schlechte Erfahrungen in dem Geb�ude, in dem General Winder mit seinen M�nnern residierte. Diesmal kam er auf Bitte von Minister Randolph, der eine gro�e Familienfarm in der N�he von Richmond betrieb. Randolph hatte einen Freund, ebenfalls Farmer, der sich geweigert hatte, seine Produkte zu dem niedrigen, vom Kommandeur der Milit�rpolizei festgesetzten Preis zu verkaufen. In einem polemischen Brief an den <emphasis>Richmond Whig</emphasis> nannte der Farmer Winder eine schlimmere Bedrohung f�r die Bev�lkerung als McClellan. Nachdem er diese Meinung zum Ausdruck gebracht hatte, wurde er eines Abends direkt aus einer Bar geschleift. Und ab ging�s in die �ble Fabrik in der Cary Street, wo Winder jene einsperrte, deren �u�erungen ihm aufr�hrerisch erschienen.</p><p>Orry ging in das Holzgeb�ude, um die Freilassung des Gefangenen zu fordern. Er nannte seinen Namen, aber der General wollte ihn nicht empfangen. Statt dessen mu�te er mit einem der Zivilangestellten sprechen, einem gro�en, schlaksigen, vollkommen schwarz gekleideten Mann.</p><p>Der Name des Mannes war Israel Quincy. Er sah eher aus wie ein Geistlicher aus Massachusetts denn wie ein Eisenbahndetektiv aus Maryland; offensichtlich geno� er es, in seinem sch�bigen kleinen Kasten einen Bittsteller von Orrys Rang zu haben. Seine Antwort kam schnell.</p><p>�Von hier aus wird keine Entlassungsanweisung ergehen. Dieser Mann hat General Winder ver�rgert.�</p><p>�Der General hat Minister Randolph ver�rgert, Mr. Quincy, so wie er die meisten Leute von Richmond mit seinen absurden Tarifen ver�rgert hat. Die Stadt ben�tigt verzweifelt Nahrungsmittel von den umliegenden Farmen, aber niemand wird zu den von diesem B�ro festgesetzten Preisen verkaufen.� Orry atmete tief durch. �Ihre Antwort ist nein?�</p><p>Quincy l�chelte seinem Besucher freundlich zu. Dann schien das L�cheln zu zersplittern, und das darunterliegende Gift kam zum Vorschein. �Eindeutig nein, Colonel. Der Freund des Ministers wird in Castle Thunder bleiben.�</p><p>Orry erhob sich. �Nein, das wird er nicht. Der Minister besitzt die Autorit�t, �ber den Kopf des Generals hinweg zu handeln, und genau das wird er auch tun. Er zog es vor, dem Protokoll zu folgen, aber Sie haben das unm�glich gemacht. Innerhalb einer Stunde hab� ich den Gefangenen aus diesem Pestloch heraus.�</p><p>Im Hinausgehen wurde er von Quincys scharfer, harter Stimme gestoppt. �Colonel. �berlegen Sie es sich noch mal, bevor Sie das tun.�</p><p>Ungl�ubig drehte sich Orry um und sah die Arroganz im Gesicht des Mannes. Er kochte �ber. �Wer glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid, freie B�rger zu terrorisieren und jede Meinung zu unterdr�cken, die von eurer abweicht? Bei Gott, wir lassen keine verdammten Pinkertons in der Konf�deration herumschn�ffeln.�</p><p>Mit leiser Stimme sagte Quincy: �Ich warne Sie noch mal, Colonel. Mi�achten Sie die Autorit�t dieses Amtes nicht. Irgendwann brauchen Sie vielleicht mal eine Gef�lligkeit von uns.�</p><p>�Drohen Sie mir, Mr. Quincy, und ich schlage Sie mit dieser einen Hand in den Boden.�</p><p>F�nfundvierzig Minuten sp�ter verlor Castle Thunder einen Insassen. Aber da gab es noch viele andere, f�r die er nichts tun konnte. An die Warnung dieser machttrunkenen Dreckschleuder im schwarzen Anzug verschwendete er keinen zweiten Gedanken.</p><p>Im Kriegsministerium �berwachte Orry, wie B�cher, Akten und Aufzeichnungen in Kisten verpackt wurden, als der Mai sich mit der Schlacht von Fair Oaks, praktisch an der Hausschwelle der Stadt, seinem schrecklichen Ende zuneigte. McClellan wehrte den Angriff der Konf�derierten ungeschickt ab, wobei Joe Johnston schwer verwundet wurde und innerhalb von vierundzwanzig Stunden durch den fr�heren milit�rischen Berater des Pr�sidenten, aus dem Exil zur�ckgekehrt, ersetzt wurde.</p><p>Granny Lee �bernahm zum ersten Mal das Kommando �ber die Armee von Nordvirginia. Das Vertrauen in ihn war nicht gro�. Kisten wurden in noch gr��erer Hast gepackt, und ein Sonderzug blieb rund um die Uhr unter Dampf, um sofort das Gold des Schatzamtes abzutransportieren, falls Lees Linien durchbrochen wurden. Orry schwitzte und packte weitere Kisten und lauschte einem Ger�cht, da� in Winders Amt ein Plan gegen ihn ausgebr�tet wurde. Quincys vergessene Drohung kam ihm in den Sinn und verst�rkte die Anspannung, unter der er stand. Er dankte dem Allm�chtigen, da� Madeline nicht hier war und nicht unter diesem ganzen Wahnsinn zu leiden hatte.</p><p>Wieder donnerte es. An diesem schw�len Abend waren im oberen Stock s�mtliche Fenster ge�ffnet. Powell ruhte auf seinen Ellbogen; Ashton bem�hte sich, ihm eine gewaltige Erektion zu verschaffen, auf die Art und Weise, wie er es gern hatte. Dann drang er wie ein Bulle in sie ein. Sie rissen das Bettzeug los, verstreuten es in dem heftigen Get�mmel in der ganzen Gegend. Er war gro�artig, er ri� sie mit, wie er es immer tat, lie� eine Ekstase in ihr aufsteigen, die sie nur durch Schreie abreagieren konnte.</p><p>Von Erf�llung und Ersch�pfung �berw�ltigt schlief sie ein. Nachdem sie wieder erwacht war, sprach Powell nachdenklich, mehr zu sich, wie er es gern tat, nachdem sie sich geliebt hatten.</p><p>�Gestern hab� ich das allgemeine Wehrpflichtgesetz mit einigen anderen Gentlemen diskutiert. Wir waren uns alle dar�ber einig, da� es einfach emp�rend ist. Sind wir Affen im K�fig, die auf Jeffs Befehl jederzeit zu springen haben? Wenigstens gibt es M�glichkeiten, das Gesetz zu umgehen.�</p><p>Ashton legte ihre Wange auf sein krauses Brusthaar und fuhr mit dem Fingernagel um eine seiner Brustwarzen. �Was f�r M�glichkeiten?�</p><p>�Zum Beispiel die Befreiung, wenn man hundertzwanzig Sklaven besitzt. Ich bezweifle, da� King Jeff sich Richtung Valdosta in Bewegung setzt, um festzustellen, da� von meinen Sklaven hundertachtzehn reine Phantasie sind.� Er lachte leise.</p><p>�Ich liebe dich�, fl�sterte Ashton, �aber manchmal versteh� ich dich wirklich nicht.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Du schimpfst auf die Wehrpflicht und King Jeff, wie du ihn nennst, aber du bist in Richmond geblieben, w�hrend die meisten st�ndigen Bewohner l�ngst um ihr Leben gerannt sind.�</p><p>�Ich m�chte das sch�tzen, was mir geh�rt. Was dich einschlie�t, liebste Partnerin.�</p><p>�Und erfolgreiche Partnerin, m�chte ich hinzuf�gen.�</p><p>�Sehr erfolgreich.�</p><p>�Du bist der Grund, weshalb ich geblieben bin, Lamar.� Das stimmte, wenn auch nur teilweise. Manchmal �ngstigte sie das Artilleriefeuer zu Tode, und am liebsten w�re sie auf den n�chsten Zug gesprungen, der die Stadt verlie�. Sie tat es nicht, weil sie glaubte, Powell w�rde sie beim geringsten Anzeichen von Schw�che fallenlassen.</p><p>Dazu brauchte sie ihn zu sehr. In Lamar Powell hatte sie endlich einen Mann gefunden, der es in der Welt zu etwas bringen w�rde. Sie weigerte sich, das Risiko einer Trennung einzugehen.</p><p>Sie dr�ckte einen zarten Ku� auf seine Brust. �Du ha�t Davis wirklich, nicht wahr, Lamar?�</p><p>�Sei so nett und tu nicht so, als w�re das was Merkw�rdiges. Ja, ich hasse ihn � und es gibt gen�gend M�nner, die meine Meinung teilen. Wenn er stark w�re, sogar ein Diktator, ich w�rde ihn unterst�tzen. Aber er ist schwach. Ein Versager. Ist die Gegenwart von General McClellan, weniger als ein Dutzend Meilen von diesem Bett entfernt, nicht Beweis genug daf�r? King Jeff wird sich beim Begr�bnis des S�dens hervortun, wenn man ihn nicht stoppt.�</p><p>�Stoppt?�</p><p>�Genau das sagte ich.� Eine schw�le Dunkelheit hatte sich ins Schlafzimmer geschlichen, eine Dunkelheit, die nach Garten roch. Trotz seiner leidenschaftlichen Gef�hle blieb Powells Stimme kontrolliert. �Und mit Beredsamkeit wird niemand die Konf�deration retten und der st�mperhaften Karriere von Mr. Davis ein Ende bereiten. Dazu wird schon etwas Entschiedeneres notwendig sein. Endg�ltigeres.�</p><p>Ashton dr�ngte ihren nackten Leib gegen den seinen; wie eine pl�tzliche Vision tauchte der Revolver vor ihrem geistigen Auge auf, mit dem er h�ufig hantierte. Sicherlich meinte er nichts in dieser Art.</p><p>Sicherlich nicht.</p><p>James Huntoon ha�te den Mann, von dessen Existenz er etwas ahnte, dessen Namen er aber nicht kannte, und genauso ha�te er den Pr�sidenten der konf�derierten Staaten von Amerika. Er h�tte ihn gern seines Amtes enthoben, am liebsten aber tot gesehen. Nach den Ereignissen dieses Junis zu urteilen, mochten die Yankees bald beides erreicht haben.</p><p>Auch im Finanzministerium waren die Kisten gepackt. Huntoon mu�te wie ein Sklave schuften, was ihn �rgerte. Die Spekulationen �ber Ashtons h�ufige Abwesenheit machten sein Ungl�ck voll. Diese Abwesenheiten wurden jetzt immer h�ufiger, dauerten immer l�nger und blieben ohne jede Erkl�rung.</p><p>Huntoon w�nschte verzweifelt, dieser Stadt zu entrinnen. Er hatte zwei Eisenbahnfahrkarten gekauft � nach langen Bem�hungen hatte er einen Mann sogar f�r das Privileg bestechen m�ssen, den dreifachen Preis bezahlen zu d�rfen �, aber Ashton weigerte sich glatt, die Stadt zu verlassen. Allein weil er die Fahrkarten besa�, unterstellte sie ihm, er sei ein Feigling. Glaubte sie das wirklich, oder war das nur eine Ausflucht? Woher stammte dieser neue Mut, dieser Patriotismus, den er nie zuvor an ihr bemerkt hatte? Von ihrem Liebhaber?</p><p>Eines fr�hen Abends, als sie noch nicht zu Hause war, ging er ganz unschuldig an ihren Schreibtisch. Auf der Suche nach einem Ersatz f�r seine abgebrochene Feder fand er einen Packen Kontoausz�ge und Briefe.</p><p>�Was ist das f�r ein Bankkonto in Nassau?� In Hemds�rmeln, mit nassen Ringen unter den Achseln, hielt er ihr das P�ckchen eine Stunde sp�ter unter die Nase. �Wir haben kein Bankkonto in Nassau.�</p><p>Sie entri� ihm das P�ckchen. �Wie kannst du es wagen, in meinem Schreibtisch herumzuschn�ffeln?�</p><p>Er zuckte zusammen. �Ich � ich hab� nicht herumgeschn�ffelt. Ich brauchte eine Feder � verdammt noch mal, habe ich dir eine Erkl�rung abzugeben oder du mir?� schrie er mit ungewohntem Mut. �Du betr�gst mich doch. Was haben diese Papiere zu bedeuten? Ich verlange eine Erkl�rung.�</p><p>�James, beruhige dich.� Sie merkte, da� sie zu weit gegangen war. Das mu�te geschickt gehandhabt werden, sonst w�rde es ihre Liaison mit Powell bedrohen. �Bitte setz dich. Ich werde es dir erkl�ren.�</p><p>Er fiel in einen Stuhl, der protestierend aufquietschte. Drau�en an den offenen Fenstern strich Homers Schatten vorbei. Der Sklave machte sie mit seiner Flinte nerv�s.</p><p>�Hast du die Kontoausz�ge durchgelesen? Die Summen studiert?� Von Hitze und Anspannung ger�tet, entnahm sie dem P�ckchen ein Blatt Papier und reichte es ihm. �Das ist unser Kontostand vom letzten Monat.�</p><p>Die zierliche Handschrift verschwamm vor seinen Augen. <emphasis>Unser</emphasis> Konto, hatte sie gesagt. Trotzdem war er verwirrt. �Das sind Pfund Sterling � �</p><p>�Ganz richtig. Beim momentanen Umtauschkurs besitzen wir eine Viertelmillion Dollars � gesunde Yankeedollars, kein bedrucktes Konf�deriertenpapier.� Mit raschelnden R�cken eilte sie auf ihn zu und kniete nieder � dem�tigend, aber vielleicht lenkte es ihn ab, wenn sie zur heikelsten Stelle kam. �Wir haben einen Profit von ann�hernd siebenhundert Prozent gemacht, bei nur zwei Fahrten zwischen Nassau und Wilmington.�</p><p>�Fahrten?� Er glotzte. �Wovon in Gottes Namen redest du?�</p><p>�Von dem Schiff, Liebling. Mr. Lamar Powell wollte doch, da� du in den schnellen, kleinen Dampfer investierst, erinnerst du dich nicht? Du hast dich geweigert, aber ich bin das Risiko eingegangen. Er wurde letzten Herbst in Liverpool umgebaut und hat uns bereits ein Verm�gen eingebracht. Wenn er morgen auf den Grund des Meeres geschickt wird, dann haben wir unsere Investition schon mehrfach hereingeholt.�</p><p>�Powell � dieser nichtsw�rdige Abenteurer?�</p><p>�Ein kluger Gesch�ftsmann, Liebster.�</p><p>Hinter der Drahtbrille blinzelten seine winzigen Augen. �Siehst du ihn?�</p><p>�Oh nein. Die Profitauszahlung erfolgt in Nassau, und wir erhalten diese Berichte mit der Post, die von Blockadebrechern gebracht wird. Die <emphasis>Water Witch</emphasis> hat sich so gut gehalten, weil sie kein Kriegsgut bef�rdert. Sie bringt Kaffee, Spitzen, h�bsche Sachen, die selten und wahnsinnig teuer sind, und beim Auslaufen ist sie mit Baumwolle beladen. Jetzt habe ich dir alles erkl�rt, nicht wahr? Du kannst nun beruhigt schlafen und von deinem neuen Verm�gen � �</p><p>�Du hast mich hintergangen, Ashton�, unterbrach er sie und fuchtelte mit dem Papier vor ihr herum. �Ich sagte nein zu Powell, und heimlich, hinter meinem R�cken, nahmst du unseren Spargroschen � �</p><p>Ihr s��es L�cheln verschwand; es hatte nicht funktioniert. �Das Geld, vergi� das nicht, hat mir geh�rt.�</p><p>�Juristisch war es meins. Ich bin dein Ehemann.�</p><p>�James�, sagte sie, �was ist los mit dir? Ich habe unser Verm�gen vermehrt � �</p><p>�Illegal�, schrie er. �Unpatriotisch. Was hast du sonst noch Unmoralisches getan?�</p><p>Ihr Instinkt sagte ihr, da� sie schnell zum Angriff �bergehen mu�te, sonst w�rde er Verdacht sch�pfen. �Was meinst du mit dieser beleidigenden Bemerkung?�</p><p>�Ni�� Er schob sich das Haar aus der fettigen Stirn. �Nichts.� Er wandte sich ab.</p><p>Ashton ri� ihn herum. �Ich verlange eine bessere Antwort.�</p><p>�Ich�, er wich ihrem Blick aus, �ich habe mich blo� gefragt � ist Powell in Richmond?�</p><p>�Ich glaube schon. Beschw�ren k�nnte ich�s nicht. Ich sagte dir doch, ich sehe ihn nicht. Ich habe die urspr�ngliche Investitionssumme einem Anwalt �bergeben, der das alles erledigt. Powell war ebenfalls dort, aber seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen.�</p><p>Ihre Brust schmerzte, so heftig schlug ihr Herz. Aber sie hatte schon vor langer Zeit gelernt, da� man, um erfolgreich betr�gen zu k�nnen, starke Nerven, einen kontrollierten Gesichtsausdruck und einen durchdringenden Blick brauchte. Sie wu�te, da� sie gewonnen hatte, als Huntoons Schultern wie gewohnt nach vorn sackten. Sein Anfall von M�nnlichkeit war kurz und erfolglos gewesen.</p><p>�Ich glaube dir�, sagte Huntoon. �Aber ist dir auch klar, in was f�r einen Ruf du dich gebracht hast? Du bist jetzt eine Spekulantin. Eine verachtete Spezies. Einige sagen, man sollte sie alle einsperren, verurteilen und aufh�ngen.�</p><p>�Zu sp�t, sich dar�ber Sorgen zu machen, mein Lieber. Ich w�rde deshalb vorschlagen, du bewahrst ebenfalls Diskretion �ber das Thema <emphasis>Water Witch.</emphasis> Au�erdem k�nntest du froh sein, da� ich die Voraussicht aufbrachte, die dir fehlte.�</p><p>Das rutschte ihr sehr scharf heraus, aber sie hatte es satt, sich mit einem Kind abgeben zu m�ssen. Dieses Kind brauchte Schl�ge, keine Z�rtlichkeit.</p><p>�Aber Ashton � ich wei� nicht, ob ich Geld annehmen kann, das von � �</p><p>�Du kannst. Und du wirst.� Sie deutete auf das P�ckchen. �Du hast es bereits.�</p><p>Pl�tzlich pre�te er die Augenlider zusammen und umklammerte den Sims des hohen Fensters, als drau�en die letzte Ambulanz wegrollte. Selbstvergessen fl�sterte Huntoon: �Jesus, du bist so hart.� Tr�nen sickerten aus seinen Augenwinkeln. �So hart � du l��t mir nichts. Ich f�hle mich wie ein Mann, der diesen Namen nicht verdient.�</p><p>Wie kurzsichtig und pathetisch er war. Erneut wurde sie w�tend, hatte den Wunsch, ihn zu verletzen.</p><p><emphasis>�Kastriert,</emphasis> ist das das Wort, das du suchst, Liebling?�</p><p>Zitternd beobachtete er, wie sie sich ihre eigene Frage mit einem kleinen Nicken best�tigte. Gesch�ftsm��ig fuhr sie fort: �In dieser Sache und in einigen anderen, die wir beide kennen, bist du genau das. Wir wissen das ja schon seit Jahren, nicht wahr?�</p><p>Rote Blitze; feuernde Kanonen. �Du H�ndin.�</p><p>Ashton lachte ihn aus.</p><p>Huntoons Gesicht wechselte von rot zu ann�hernd purpurfarben. Er zwinkerte unaufh�rlich, als er auf sie zueilte, ihre Hand packte und sie streichelte. �Es tut mir leid. Es tut mir so leid, mein Schatz. Kannst du mir verzeihen? Ich bin sicher, da� du eine intelligente Entscheidung getroffen hast. Was immer du tust, es ist mir recht. Gott, ich liebe dich. Bitte, sag, da� du mir verzeihst, ja?�</p><p>Sie tat es, nachdem sie ihn noch einige Augenblicke hatte zappeln lassen. Sie duldete es sogar, da� er mit ihr zu schlafen versuchte, als sie zu Bett gingen. Sie war erleichtert, als er nicht in der Lage war, es zu Ende zu bringen, und sich schlaff zur�ckzog, wobei er ihr versicherte, wie gl�cklich er war, da� sie ihm verziehen hatte.</p><p>Dummkopf, dachte sie, in die Dunkelheit hineinl�chelnd.</p><p><strong>56</strong></p><p>�Noch nie habe ich so einen seltsamen Unabh�ngigkeitstag erlebt�, sagte George zu Constance.</p><p>William ragte aus dem Wohnzimmerfenster und holte Flaggen ein, die er und Patricia am Abend zuvor hinausgeh�ngt hatten. �Warum, Pa?�</p><p>�Weil�, sagte George, w�hrend er den dreifarbigen Stoff zusammenlegte und in einer Kiste verstaute, �die Reden so tapfer und voller Hoffnung waren�, am Nachmittag hatten sie an einer endlosen �ffentlichen Feier teilgenommen, �und unten auf der Halbinsel werden wir geschlagen.�</p><p>�Ist es wirklich vorbei?� fragte Constance.</p><p>�Fast. Der telegraphischen Meldung zufolge zieht sich die Armee an den James zur�ck. McClellan hatte Richmond fast schon in der Hand und konnte es nicht nehmen.�</p><p>�Weil Lee es schaffte, Stonewall zu Hilfe zu holen�, sagte William. George nickte d�ster. Sein Sohn klang wie ein Bewunderer von Old Jack.</p><p>Im Winder-Geb�ude gab es davon keine. Wie oft hatte George anh�ren m�ssen, wie sich die Trottel im Ministerium �ber Jackson lustig machten. Aber Tom Jackson war klug und gnadenlos wie Josua. Seine Infanteristen waren in Eilm�rschen den ganzen Weg aus dem Tal hochgekommen und hatten Richmond gerettet.</p><p>Trotz Fehlern und kleineren Erfolgen auf beiden Seiten stand nach sieben Tagen der Verteidigungsring um Richmond immer noch, den Bob Lee in einem Monat errichtet und verst�rkt hatte. Old Bob hatte Little Mac und seine Kommandeure mit jedem Zug �berlistet. In den ersten Kriegsmonaten hatte er Fehler gemacht und daf�r geb��t, doch diese sieben Tage l�schten das alles aus. George f�rchtete um das Schicksal der Union, wenn Lee das Kommando �bernahm.</p><p>Ein Hindernis stellte sich dem Aufbau der Bank von Lehigh Station in den Weg. Rechtsanwalt Jupiter Smith eilte nach Washington, um zu berichten, da� die Legislative respektvoll vorgeschlagen habe, der Staat solle doch an den Bankprofiten, falls vorhanden, partizipieren. �Sie schlagen vor, George, da� wir dem Staat Aktien im Wert von vierzigtausend Dollar geben und eine zehnj�hrige Option, die gleiche Menge noch mal zum Nennwert zu kaufen.�</p><p>George bellte: �Oh, ist das alles?�</p><p>�Nein, noch nicht. Eine Spende in H�he von zwanzigtausend Dollar f�r den Stra�en- und Br�ckenfonds w�rde begr��t werden. Aber ich wiederhole � die Vorschl�ge wurden �u�erst respektvoll gemacht, George. Die Legislatoren erkennen, da� du ein bedeutender Mann bist.�</p><p>�Ich bin ein Mann, der einen gro�en Kn�ppel �ber den Sch�del kriegt. Verdammt, Jupe, es ist Bestechung.�</p><p>Der Anwalt zuckte die Achseln. �Ich bezeichne es lieber als Gef�lligkeit. Oder die �bliche Praxis. Die Banken in Philadelphia und Pittsburgh mu�ten �hnliche Vereinbarungen treffen, um ihre Zulassungen zu bekommen. Mich st�rt es nicht, wenn du nein sagst. Ich kann dann einen gewaltigen Papierberg zu den Akten legen.�</p><p>�Und ein gewaltiges Honorar.�</p><p>Smith schaute gekr�nkt drein.</p><p>George kaute an seiner Zigarre. �Ich bezeichne es trotzdem als Bestechung.� Er kaute heftiger. �Sag ihnen zu.�</p><p>George erwies sich als schlechter Prophet in Milit�rangelegenheiten. McClellan blieb auf seinem Posten, da f�r ihn anscheinend kein kompetenter Ersatz zu finden war. Die einzigen erfolgreichen West-Point-Offiziere hatten sich auf die Seite des S�dens geschlagen, was den Angriffen gegen die Akademie wieder Auftrieb gab. Mitte Juli erhielt George einen Brief mit der Bitte, dem Aufsichtskomitee von West Point als Ersatz f�r ein pl�tzlich verstorbenes Mitglied beizutreten. Die immer heftiger werdenden Angriffe bewogen ihn, anzunehmen, allerdings erst nach einer Unterredung mit Stanton. Der Minister erteilte ihm die Erlaubnis dazu, solange es nicht mit seinen momentanen Pflichten kollidierte.</p><p>George steckte bis zum Hals in Arbeit, aber er versicherte Stanton, da� es keine Probleme geben w�rde. Dem kurzen Gespr�ch konnte er nicht den leisesten Hinweis auf die Einstellung des Ministers zur Akademie entnehmen. Stanton war wie eine kreisf�rmige Festung konstruiert � sicher vor Angriffen aus jeder Richtung.</p><p>Obwohl die Berufung ins Aufsichtskomitee mehr Druck bedeutete, war George dankbar daf�r. Sein Job war derma�en frustrierend geworden, da� er morgens nur noch �u�erst ungern die Augen aufschlug. Seine Arbeit an den Artilleriekontrakten wurde st�ndig durch zahllose andere Termine unterbrochen. Sollte das Ministerium die Einf�hrung von Gewehrkugeln empfehlen � Patronen mit Zeitz�ndern, die erst nach dem Abschu� explodierten? Sollte das Amt Chlorgranaten testen, die beim Aufschlag ein schweres, t�dliches Gas verstr�mten? George hatte au�erdem weiterhin mit den Erfindern schwachsinniger Waffen zu tun.</p><p>Nur eines half ihm, im Winder-Geb�ude zu �berleben. F�r Ripley war es unm�glich, sich in alles einzumischen, und mittlerweile schien er bereit zu sein, sich aus dem Artillerieprogramm herauszuhalten. Trotzdem f�hlte sich George wie ein Mann, der an einer Klippe baumelte. Wie lange seine H�nde sich noch festklammern konnten, wu�te er nicht.</p><p>Von Billy kamen keine Briefe � ein weiterer Grund zur Sorge. Oft genug lag George, nachdem er sich lange den Kopf �ber Ripley und die Armee zerbrochen hatte, nachts wach und sorgte sich um seinen j�ngeren Bruder oder seinen alten Freund Orry.</p><p>Bis auf Brett, die weiterhin in Lehigh Station wohnte, waren die Bande zwischen den Hazards und den Mains zerschnitten. Wo war Orry? Wo Charles? Ein Briefschmuggler w�rde es nicht leicht haben, einen von ihnen zu finden, obwohl es, falls unbedingt notwendig, wahrscheinlich zu schaffen war. Doch wichtiger noch als Briefe war, da� sie alle diese dunklen Zeiten unverletzt �berstanden.</p><p>Wegen Stanley machte er sich niemals Sorgen. Sein �lterer Bruder kleidete sich gut und lebte �ppig. Er und Isabel standen mit den m�chtigsten M�nnern Washingtons auf vertrautem Fu�e und wurden bei den wichtigsten gesellschaftlichen Veranstaltungen der Stadt gesehen. George begriff nicht, wie ein derart unf�higer Mann es so weit bringen konnte.</p><p>�Es gibt wechselnde Zeiten, George�, sagte Constance. �Zyklen f�r alle Dinge � das steht in der Bibel. Stanley stand lange Zeit in deinem Schatten.�</p><p>�Und jetzt steh ich in seinem?�</p><p>�Nein, damit wollte ich nicht sagen � �</p><p>�Es ist die Wahrheit. Und es macht mich w�tend.�</p><p>�Ich bin selbst ein bi�chen eifers�chtig, wenn du es unbedingt wissen willst. Andererseits bin ich �berzeugt davon, da� haupts�chlich Isabel f�r den Erfolg verantwortlich ist, und ich w�rde mich lieber aufh�ngen, als mit ihr zu tauschen.�</p><p>George paffte seine Zigarre. �Wei�t du, ich kann nicht vergessen, da� ich Stanley geschlagen habe. Vielleicht ist das nur die ausgleichende Gerechtigkeit. Vielleicht ist das meine Strafe.�</p><p>�Hast du bemerkt, wie freundlich der Minister war?� sagte Stanley eines sp�ten Abends im Juli. Nach einer Shakespeare-Auff�hrung in Leonard Grovers neuem Theater fuhren sie in ihrer Kutsche nach Hause. �Hast du das bemerkt, Isabel?�</p><p>�Warum sollte Stanton nicht freundlich sein? Du bist einer seiner besten Angestellten. Er wei�, da� er dir vertrauen kann.�</p><p>Stanley strahlte. Konnte es wahr sein? Lediglich einige wenige Aspekte in seiner Rolle als �berzeugter Republikaner behagten ihm nicht so ganz. Einen davon erw�hnte er Isabel gegen�ber, als sie zu Bett gingen.</p><p>�Das Konfiszierungsgesetz soll diese Woche verabschiedet werden. Die Sklaven der eroberten Gebiete werden befreit, und der Einsatz farbiger Truppen wird gebilligt. Aber das ist noch nicht alles. Stanton hat es mir in der zweiten Pause erz�hlt, als du auf der Toilette warst.�</p><p>�Ich w�re dir dankbar, wenn du dieses Wort in meiner Gegenwart nicht ben�tzen w�rdest. Sag mir, was du von Stanton erfahren hast.�</p><p>�Der Pr�sident arbeitet an einem Regierungserla�.� Stanley legte eine Kunstpause ein, um die Wirkung zu steigern. �Er will alle Sklaven freisetzen.�</p><p>�Mein Gott. Bist du sicher?�</p><p>�Nun, zumindest alle Sklaven der Konf�deration. Ich glaube nicht, da� er sich an die Sklaverei in Kentucky oder den beiden anderen Grenzstaaten wagt.�</p><p>�Ah. F�r so einen gro�en Idealisten h�tte ich ihn nicht gehalten. Es wird sich dabei nicht um eine humanit�re Ma�nahme, sondern um eine Strafma�nahme handeln.� Widerstrebend fuhr sie fort: �Lincoln hat den Charme eines Schweines, aber eins mu� man ihm lassen: Er ist ein schlauer Politiker.�</p><p>�Wie kannst du sowas sagen, Isabel? Willst du, da� ganze Horden befreiter Nigger in den Norden schw�rmen? Denk an die Unruhe, an all die Jobs, die anst�ndige wei�e M�nner verlieren werden. Die ganze Idee ist ein einziger Skandal.�</p><p>�Du beh�ltst diese Meinung besser f�r dich, wenn du dir die Freundschaft von Stanton und Ben Wade bewahren willst.�</p><p>�Aber � �</p><p>�Stop, Stanley. Wenn du im Hause des Teufels speist, dann kannst du nicht das Men� bestimmen. Spiel deine Rolle. Den loyalen Republikaner.�</p><p>Er tat es, obwohl ihm h�ufig bei all dem pl�tzlichen Gerede �ber Emanzipation, das durch die B�ros und Flure, durch die Salons und Kneipen des offiziellen und inoffiziellen Washingtons schwirrte, die Galle �berlief. Lincolns radikaler Vorschlag stie� viele Wei�e vor den Kopf, die davon Wind bekamen; ganz sicher w�rde bei Inkrafttreten eines solchen Gesetzes ein sozialer Aufruhr die Folge sein. Stanley gehorchte jedoch seiner Frau und behielt seine Ansichten f�r sich.</p><p>Mit einer Ausnahme. Er lud seinen Bruder zu Willard�s zum Essen ein, damit er seinen Triumph auskosten konnte.</p><p>�Ich w�rde diesem Aufsichtskomitee nicht zuviel Zeit widmen, George. Wenn es nach Ben Wade und einigen anderen geht, dann besteht West Point n�chstes Jahr um diese Zeit aus ein paar verlassenen Geb�uden und Erinnerungen.�</p><p>�Wovon zum Teufel sprichst du?�</p><p>�Es werden keine Mittel mehr f�r diese Institution bereitgestellt. Man hat dort f�r kostenlose Ausbildung von Verr�tern gesorgt, aber was hat unsere Seite davon? Ein General, bei Shiloh erwiesenerma�en stockbesoffen, ein anderer so unf�hig, da� er nicht mal gegen eine halb so gro�e Armee wie seine eigene siegen kann. Ich k�nnte au�erdem � noch � anf�hren � �</p><p>Der Satz verlor sich in Gemurmel; George hatte seine Gabel niedergelegt und funkelte ihn an.</p><p>�Du sagtest was von einem freundschaftlichen Treffen. Keine Politik. Ich h�tte es besser wissen m�ssen.�</p><p>Er ging hinaus, lie� Stanley mit der Rechnung sitzen.</p><p>Stanley st�rte es nicht. Er f�hlte sich gro�artig an diesem Tag. Gerade eben hatte er einen h�bschen kleinen Triumph errungen. Die kostbare Institution seines hochm�tigen Bruders war dem Untergang geweiht, und er hatte nicht den Hauch einer Chance, etwas dagegen zu unternehmen.</p><p>Sie war schwarz und wundersch�n. Kupferbeschlagene Eiche, L�nge von Bugspriet bis Heck �ber zweihundert Fu�. Ein einziger flacher Schornstein mittschiffs betonte noch ihr schnittiges Aussehen.</p><p>Cooper kannte sie in- und auswendig und liebte sie ohne jede Einschr�nkung. Sie war eine Schonerbark, tausendundf�nfzig Tonnen, mit zwei Maschinen von dreihundertf�nfzig Pferdest�rken, die eine einzige Schraube antrieben. Diese konnte aus dem Wasser gehoben werden, um den Widerstand zu verringern. Ihre drei Masten fa�ten eine Menge Segeltuch. An diesem 29. Juli lag sie ausger�stet und vollbemannt im Mersey.</p><p>Aus zahlreichen Kutschen stiegen die Fahrg�ste auf das Pierpflaster. Bulloch begr��te jeden �rtlichen Gesch�ftsmann und Amtsinhaber mit Namen; alle waren sie �berst�rzt zu einer Nachmittagsfahrt auf Nummer 209 eingeladen worden.</p><p>Captain Butcher, ehemaliger Zweiter Offizier auf dem Postschiff Ihrer Majest�t, der <emphasis>Arabia,</emphasis> hatte die Kessel unter Dampf und wartete auf die letzten G�ste. Vielleicht kamen sie noch vor dem Befehl an Bord, der laut Bullochs Spionen von Whitehall unterwegs war: Das Schiff sollte am Auslaufen gehindert werden, da seine endg�ltige Bestimmung gegen britisches Gesetz verstie�.</p><p>Ein neben Bulloch stehender Angestellter zeigte ihm eine Liste. �Bis auf diese beiden Gentlemen sind alle da, Sir.�</p><p>�Wir fahren ohne sie.�</p><p>Damit ging er die Gangway hoch, vorbei an den f�r die erste Fahrt von Cunard und anderen Linien angeheuerten Seeleuten. Pl�tzlich sah Cooper hinter den Dockarbeitern eine Kutsche durch die Canning Street auf das Schiff zugerast kommen. Vom Fu�e der Gangway aus rief er: �Vielleicht kommen da unsere letzten G�ste, James.�</p><p>Schnell trat Bulloch ans Ruder und sprach zu dem jungen Captain Butcher, dessen heller Schnurrbart in der Merseybrise wehte. Die Kutsche ratterte den Pier entlang. Noch bevor sie hielt, sprang ein Mann heraus. Coopers Magen verkrampfte sich, als er Maguire erkannte. Hinter ihm tauchte Marcellus Dorking auf.</p><p>Der Anblick des Mannes machte Cooper w�tend. Seit jenem Nachmittag waren ihm h�ufig Spione gefolgt, die alle zweifellos f�r Tom Dudley arbeiteten. Von Dorking hatte er jedoch nichts mehr gesehen. Die Drohung gegen Coopers Familie war nichts als hei�e Luft gewesen. Damit sank Dorking noch tiefer in Coopers Achtung.</p><p>Maguire und Dorking kamen auf Cooper zugest�rzt, der die Gangway versperrte. Dorkings rechte Hand verschwand in seiner Jackentasche. �Kleine Vergn�gungsfahrt, Sir?� fragte er mit seinem gewohnten, schmierigen L�cheln.</p><p>�Richtig. Wie Sie sehen k�nnen, haben wir lokale W�rdentr�ger an Bord.�</p><p>�Das mag sein, aber wir m�ssen Sie trotzdem auffordern, Ihre Abfahrt hinauszuschieben. Gerade jetzt m��te ein Zug in der Lime Street einfahren, mit einem Gentleman, der mit dem Captain �ber gewisse Unregelm��igkeiten zu sprechen w�nscht.�</p><p>�Sie m�ssen mich entschuldigen�, unterbrach Cooper. Er begann die Gangway hochzugehen.</p><p>�Einen Moment.� Dorking packte Cooper an der Schulter und drehte ihn grob herum. Ein paar Matrosen riefen Butcher Warnungen zu. Unter den geladenen G�sten erhob sich Gemurmel.</p><p>Bulloch wollte Cooper zu Hilfe kommen, aber es war bereits zu sp�t. Marcellus Dorking holte eine kleine, silberbeschlagene Pistole hervor und rammte sie Cooper in den Magen.</p><p>�Beiseite, w�hrend wir mit dem Herrn dieses Schiffes sprechen.�</p><p>Cooper war noch nie so direkt mit dem Tode bedroht worden. Noch nie hatte er soviel Angst gehabt, doch irgendwie schien das nicht so wichtig zu sein; die Nummer 209 ihrer Bestimmung zu �bergeben war viel wichtiger. Dorking merkte, da� seine Pistole von den an Deck Stehenden gesehen werden konnte, und versuchte sie zu verbergen. Als sich die M�ndung senkte, stampfte Cooper auf Dorkings Schuh.</p><p>�Oh, verdammt�, schrie Dorking auf und taumelte. Maguire schlug nach Cooper, der ihm einen Sto� gab, dann Dorking ein Knie in die Leiste rammte. Konsul Dudleys Agenten purzelten auf die Pflastersteine wie schlecht trainierte Akrobaten.</p><p>Cooper sprang die Gangway hoch, br�llte zu Dorking und Maguire hinunter: �Bei dieser Fahrt sind nur geladene G�ste zugelassen, Gentlemen.�</p><p>Captain Butcher bellte Befehle. Die Dockarbeiter, die dem Streit mit verbl�ffter Erheiterung gefolgt waren, machten die Leinen los. Unter den G�sten herrschte Best�rzung.</p><p>Braunes Wasser tauchte zwischen Schiffsrumpf und Pier auf. Der Flu� gl�nzte wie Gold; die Luft war salzig und nicht zu hei�; ein perfekter Nachmittag. Bulloch versprach, sofort alle Fragen zu beantworten, aber zuerst sollten sich die G�ste mit dem franz�sischen Champagner und den Delikatessen bedienen, die er bereitgestellt hatte, um die Illusion eines unschuldigen Vergn�gungsausflugs zu st�tzen. Als wieder einigerma�en Ruhe eingekehrt war, bat er h�flich um Aufmerksamkeit.</p><p>�Wir hoffen, da� Sie alle die kleine Kreuzfahrt auf diesem Schiff, das bis jetzt in Liverpool und Birkenhead unter dem Namen <emphasis>Enrica</emphasis> oder <emphasis>Laird�s 209</emphasis> bekannt war, genie�en werden. Bald schon wird sie ihren richtigen Namen tragen. Machen Sie sich einen angenehmen Nachmittag. Essen und trinken Sie, soviel Sie wollen, und lassen Sie sich von diesem kleinen Zwischenfall am Pier nicht beunruhigen. Ich will ehrlich sein und Ihnen gestehen, da� Sie an Bord eines Schleppers zur�ckkehren werden, der unten an der K�ste bei Anglesey auf uns wartet.�</p><p>�Was soll das?�</p><p>�Verdammt, Bulloch, was f�r Ausfl�chte haben Sie �?�</p><p>�Ein verfluchter Trick, das ist es, was � �</p><p>�Eine bedauerliche Notwendigkeit, Gentlemen�, sagte Bulloch, mit seiner tiefen Stimme die Proteste �bert�nend. �Sonntags wurden wir gewarnt, da� dieses Schiff beschlagnahmt werden w�rde, wenn es noch weitere achtundvierzig Stunden auf dem Mersey bliebe. F�r uns und unsere Sache verloren. Sie werden keine Schwierigkeiten mit den Beh�rden bekommen, wenn Sie einfach die Wahrheit sagen.�</p><p>�Die Ger�chte entsprechen also der Wahrheit? Dieses Schiff wurde illegal gebaut?�</p><p>�Sie wurde unter peinlichster Einhaltung der britischen Gesetze gebaut, Sir.�</p><p>�Das ist keine Antwort�, sagte ein anderer. �Was ist ihr Bestimmungsort?�</p><p>�Sie f�hrt durch den irischen Kanal und steuert dann einen Hafen an, dessen Namen zu nennen ich nicht befugt bin. Schlie�lich wird sie mit anderer Mannschaft in amerikanischen Gew�ssern kreuzen.�</p><p>Cooper f�hlte eine merkw�rdige Erregung sein R�ckgrat hochkriechen. Welch erstaunliche, kaum bemerkte Ver�nderung war doch seit jenen Tagen mit ihm vorgegangen, als er mit jedem �ber die Dummheit der Sezession und des Krieges debattiert hatte. Er war stolz auf dieses Schiff und auf seinen Anteil daran. Er war stolz auf ihren Namen, den Bulloch ihm anvertraut hatte. Sie w�rde <emphasis>Alabama</emphasis> hei�en. Er war stolz darauf, auf dem brandneuen Deck zu stehen, w�hrend sie ihrer Bestimmung entgegenfuhr, die Bulloch den verbl�fften G�sten verk�ndete.</p><p>�Sie zieht in den Krieg.�</p><p>W�hrend das Konf�deriertenschiff die Isle of Anglesey ansteuerte, war George nach Massachusetts unterwegs, nach einem anderthalbt�gigen Zwischenaufenthalt in Lehigh Station. Er hatte mit Jupe Smith konferiert, der ihn davon in Kenntnis setzte, da� die Legislative ihrem Antrag auf Bankzulassung nun sehr positiv gegen�berstand. �Welch eine �berraschung�, murmelte George. Anschlie�end war er mit Wotherspoon sieben Stunden lang die B�cher durchgegangen, hatte den Betrieb inspiziert und Hazards gegenw�rtige Produktion �berpr�ft. Bevor er abreiste, besuchte er das ungarische Paar und ihre schwarzen Z�glinge � mittlerweile f�nfzehn. Um ihrer Einsamkeit zu entgehen, sagte Brett, helfe sie manchmal Mr. und Mrs. Ozorna und k�mmere sich um die Kinder. Das war das einzige Mal, da� George bei seinem Besuch eine Spur von Lebhaftigkeit bei seiner Schw�gerin entdecken konnte.</p><p>Nachdem er im Zug keinen Schlaf hatte finden k�nnen, kam George ersch�pft in Braintree an. Old Sylvanus Thayer gestand ihm drei Stunden in einem bequemen Bett zu, weckte ihn dann und servierte ihm ein �ppiges Fr�hst�ck. George, f�r gew�hnlich ein spartanischer Esser, verdr�ckte an diesem hei�en Sommernachmittag sechs Spiegeleier, vier Scheiben Schinken und sechs Biskuits. W�hrend er a�, redete Thayer.</p><p>�S�ndenb�cke, George. Man braucht sie am n�tigsten, wenn die Dinge au�er Kontrolle geraten. Im Krieg gab man der Armee die ganze Schuld, und zwar gerechterweise.� F�r Thayer existierte stets nur ein Krieg: der letzte, der Kampf gegen England. �Jetzt jedoch flie�t die Str�mung in die andere Richtung. Ich nehme die Warnung Ihres Bruders ernst.�</p><p>George trank seinen Kaffee aus und z�ndete sich eine Zigarre an.</p><p>�Die st�ndige Behauptung, wir h�tten den Feind ausgebildet, h�ngt mir langsam zum Halse raus.�</p><p>�Ich wei�, ich wei�.� Thayers H�nde, so wei� wie das feine Tischtuch, ballten sich. Dunkelblaue Adern traten am Handr�cken hervor. �Wir haben auch viele Offiziere ausgebildet, die loyal geblieben sind. Trotz all seiner ernsthaften Bem�hungen kann der Pr�sident sie anscheinend nicht nutzbar einsetzen. Vielleicht mischt er sich zu sehr ein, was auch von Davis behauptet wird. Das ist eine Beobachtung, keine Entschuldigung f�r mangelnde Aktion. Wir k�nnen dem Unvermeidlichen nicht entgehen, George. West Point befindet sich im Krieg.�</p><p>Er nahm die Zigarre aus dem Mund. �Was soll das hei�en, Sir?�</p><p>�Im Krieg. Diejenigen unter uns, die diese Institution lieben, m�ssen k�mpfen, als w�rden wir einem �berm�chtigen Feind gegen�berstehen � was auch der Fall ist.� Eine Hand fuhr klatschend auf einen Stapel Zeitungen. �Wir m�ssen mit Intelligenz, Energie, mit unserer ganzen Seele k�mpfen � und d�rfen uns niemals auch nur die leiseste M�glichkeit einer Niederlage eingestehen. Wir d�rfen nicht passiv darauf warten, bis unsere Stellungen �berrannt werden. Wir werden zur Offensive �bergehen.�</p><p>�Ich stimme dieser Strategie zu, Colonel. Aber mit welcher Taktik?�</p><p>Die Augen des alten Mannes funkelten. �Wir stellen unser Licht nicht unter den Scheffel. Wir machen mit unserer Vergangenheit Reklame � unseren Leistungen f�r die Republik in Mexiko und an der Grenze. Mit Trompetenst��en verk�nden wir unseren Fall. Wir fl�stern in einflu�reiche Ohren. Wir brechen die Arme, die sich gegen uns erheben, wir schlagen ihnen die widerspenstigen Sch�del ein. Wir greifen an, George � �</p><p>Donnernd krachte die Faust auf den Tisch.</p><p>�Angriff! Angriff! Angriff!�</p><p>Sie redeten bis in die Nacht. Absolventen und Freunde mu�ten dazu gebracht werden, f�r West Point einzutreten. Spontan entschlo� sich George, auf dem Heimweg die Akademie zu besuchen. Erst gegen halb vier sank er ins Bett, doch Thayer war bereits eine Stunde vor ihm wieder auf, um halb sieben, und begleitete ihn zum Bahnhof. Selbst auf dem l�rmerf�llten Bahnsteig arbeitete Thayers Verstand auf Hochtouren.</p><p>�Was f�r einflu�reiche Verb�ndete haben wir im Kongre�? Haben wir �berhaupt welche?�</p><p>�In erster Linie f�llt mir da nur Wades Senatorkollege aus Ohio ein � Sherman�s Bruder John. Er und Wade m�gen sich nicht besonders.�</p><p>�K�mmern Sie sich um Senator Sherman�, dr�ngte Thayer, w�hrend er George die Hand sch�ttelte. George kam es vor, als h�tte er seine Marschbefehle erhalten.</p><p>Nach einem kurzen Halt in Cold Spring und gemeinsamen Klagen mit Benent �berquerte George den Hudson und begann anschlie�end seinen Feldzug. Professor Mahan versprach, seine Schriften �ber die Institution rasch herauszubringen. Captain Edward Boynton, ein Klassenkamerad von George und Orry, der als Adjutant zur�ckgekehrt war, sagte, er werde sein Manuskript �ber die Geschichte West Points so schnell wie m�glich vollenden und dabei die lau gewordenen Kritiken im endg�ltigen Text widerlegen. Als George dann in dem �berf�llten, rauchigen Zug nach Washington sa�, f�hlte er sich ein bi�chen besser; die Offensive war gestartet.</p><p>Er hoffte, sie sei nicht zu sp�t in Gang gebracht worden. Anfang n�chsten Jahres w�rde der Bewilligungsantrag dem Kongre� vorliegen. Ihnen blieben weniger als sechs Monate, um ihren kleinen Krieg zu gewinnen, w�hrend der gro�e Krieg eine d�stere Stra�e entlangrumpelte, deren Ende niemand absehen konnte.</p><p>Zu seinem Dienst zur�ckgekehrt, mu�te George feststellen, da� die Kritik an der Armee heftiger denn je geworden war. Old Brains Halleck war aus dem Westen geholt worden, um den Oberbefehl zu �bernehmen. McClellan f�hrte immer noch die Potomac-Armee, die mittlerweile in erster Linie zur Verteidigung von Washington diente, und John Pope hatte die Armee von Northern Virginia nach seinem Erfolg bei Insel Nr. 10 �bernommen. Pope stie� gleich zu Beginn die meisten seiner M�nner mit der Bemerkung vor den Kopf, da� die Soldaten des westlichen Kriegsschauplatzes z�her waren und h�rter k�mpften.</p><p>Lincolns Negerpolitik verursachte Schl�gereien in Saloons und Armeelagern. Lediglich der Abschnitt des Konfiszierungsgesetzes, in dem die freigesetzten Sklaven zur Emigration in ein nicht n�her bestimmtes tropisches Land ermutigt wurden, fand allgemeinen Beifall. �All dieses Gerede von Emanzipation, auf die wir noch gar nicht vorbereitet sind�, sagte George zu seiner Frau. �Niemand glaubt daran.�</p><p>�Das sollte man aber.�</p><p>�Ja, nat�rlich. Aber du kennst die Realit�ten, Constance. Die meisten Nordstaatler scheren sich den Teufel um den Neger, und ganz sicher glauben sie nicht, da� er die gleichen Rechte haben sollte wie ein Wei�er. Wenn die Emanzipation kommt, dann hab� ich Angst vor den Konsequenzen.�</p><p>Ende August wurde die zweite gro�e Schlacht in der N�he von Bull Run geschlagen, mit �hnlichem Ausgang wie die erste. Geschlagene Einheiten der Union zogen sich nach Washington zur�ck, wo sich die Furcht vor einem direkten Angriff wie ein Pr�riebrand ausbreitete. Kriegsgegner forderten sofortige Friedensverhandlungen.</p><p>An einem st�rmischen Tag Anfang September rief der Minister Stanley in sein B�ro. Stanton hatte die Kontrolle �ber die Armee an Halleck �bergeben, aber still und heimlich sammelte er die F�den der Macht auf anderen Gebieten in seinen H�nden. Einst hatte er Lincoln mit Verachtung betrachtet, aber mittlerweile hatte er sich beim Pr�sidenten eingeschmeichelt und war zu einem vertrauensw�rdigen Ratgeber und erkl�rten Freund geworden. Edwin McMasters Stanton, noch keine f�nfzig, mit runder Brille, parf�miertem Bart und Buddhagesicht, hatte sich, wie es hie�, zum zweitm�chtigsten Mann im Lande entwickelt.</p><p>Er hatte sehr entschiedene Ansichten �ber die wachsende Unzufriedenheit:</p><p>�Wir m�ssen das ausrotten. Wir m�ssen diese Friedensdemokraten hart an die Kandare nehmen und ihnen klar machen, da� sie ins Gef�ngnis wandern, ja selbst Hochverratsprozesse zu f�rchten haben, wenn sie weiterhin die Regierung und die Regierungsma�nahmen angreifen.�</p><p>Regen klatschte gegen die B�rofenster; zu Mittag schien es bereits zu d�mmern. An die emsige Produktion bei Lashbrooks denkend, nickte Stanley heftig. �Ich stimme voll mit Ihnen �berein, Sir.�</p><p>�Minister Seward war fr�her f�r die Sicherheit der Regierung verantwortlich.� Es war Legende, wie Seward diesen Pflichten nachgekommen war; er prahlte damit, da� er nur mit der kleinen Handglocke auf seinem Schreibtisch zu l�uten brauchte, um jeden Mann jederzeit f�r beliebig lange hinter Gittern verschwinden zu lassen. �Aber ich f�hre nun das Kommando.�</p><p>Stanley �berlegte, weshalb der Minister derartige Selbstverst�ndlichkeiten von sich gab. Stanley verschr�nkte seine plumpen H�nde auf dem Schreibtisch. �Ich brauche einen Stellvertreter, dem ich vertrauen kann. Einer, der mit ganzer Kraft meine Politik vertritt und meine speziellen Befehle schnell und ohne zu z�gern ausf�hrt.�</p><p>Stanley umklammerte den Besucherstuhl, um sich zu beruhigen. Die Machtm�glichkeiten, die Stanton da mit einem Satz vor ihm ausgebreitet hatte, waren �berw�ltigend.</p><p>�Wir m�ssen den Sicherheitsbereich vollkommen umorganisieren und streng gegen die Feinde in unserem eigenen Lager vorgehen.�</p><p>�Zweifellos, Sir. Aber ich frage mich, wie leicht dieses Ziel erreicht werden kann. Die Habeas-Corpus-Sache hat einen Sturm der Entr�stung wegen Verletzung der Verfassungsrechte erzeugt.�</p><p>Stantons Mundwinkel schnellten nach oben, ein Hohnl�cheln. Stanleys Knie zitterten. Er hatte den Minister ver�rgert anstatt wie erhofft bewiesen, da� er die Situation erfa�t hatte.</p><p>�Ist das Land f�r die Verfassung erschaffen worden, Stanley? Ich glaube nicht. Eher wohl das Gegenteil. Ich kenne jedoch die verdrehten Ansichten unserer Feinde. Wenn das Land in Schutt und Asche sinkt, dann werden sie es sicherlich ungemein tr�stlich finden, da� die Verfassung unangetastet geblieben ist.�</p><p>Schnell beugte sich Stanley vor. �Solche Leute sind nicht nur fehlgeleitet, sie sind gef�hrlich. Mehr wollte ich damit nicht zum Ausdruck bringen, Sir.�</p><p>Stanton lehnte sich, seinen Bart streichend, zur�ck. �Gut. Einen Moment lang glaubte ich, ich h�tte sie falsch eingesch�tzt. Sie haben mir loyal gedient, und absolute Loyalit�t ist eine Voraussetzung f�r den Job, den ich anzubieten habe. Ich ben�tige einen Mann, der diskret, aber unerbittlich unsere Feinde zum Schweigen bringt � und daf�r sorgt, da� dieses Amt nicht damit belastet wird.�</p><p>�Das kann ich einrichten, Sir. Ich kann alles tun, was Sie verlangen, und ich werde es auch tun.�</p><p>�Ausgezeichnet�, murmelte Stanton. Dann blinzelte er verschlagen �ber seine runde Brille. �Ich w�rde meinen, Sie verf�gen immer noch �ber gen�gend Zeit, Fu�bekleidung an die Armee zu verkaufen, wenn Sie Ihren neuen Pflichten wirkungsvoll nachgehen.�</p><p>Stanley sa� still, wagte nicht zu antworten.</p><p>Das Gemurmel des Ministers dauerte noch weitere f�nfzehn Minuten, dann �bergab er Stanley eine Mappe mit seinem vertraulichen Plan, wie der Polizeiarm des Kriegsministeriums zu st�rken sei. Auf Stantons Anregung hin bl�tterte Stanley das halbe Dutzend Seiten durch, wobei er der philosophischen Einleitung besondere Aufmerksamkeit widmete.</p><p>�Diese Aussage zu Beginn ist genau richtig, Sir. Wir m�ssen die Z�gel straffen. Das wird sogar noch bedeutsamer werden, wenn der Pr�sident seinen Plan durchf�hrt, die Nig� die Schwarzen in den Rebellenstaaten zu befreien.�</p><p>Stanleys Hand schlo� sich um die Mappe � sein Schl�ssel zu erweiterter Autorit�t und Macht. Der Minister hatte es sehr deutlich gemacht. Er w�nschte keinen brillanten Denker, sondern einen gehorsamen Soldaten.</p><p>Nachdem sie die Gegend um Frederick, Maryland, ausgekundschaftet hatten, kehrten Charles und Ab zur�ck nach White�s Ford am Potomac. Es war der 4. September; der Herbst stand vor der T�r.</p><p>Die Scouts, beide wie Farmer gekleidet, trabten langsam eine von Fahrrillen durchzogene Stra�e zwischen steilen, baumbestandenen H�geln entlang. Die Bl�tter waren noch gr�n, aber Charles war bereits von der Melancholie der kommenden Jahreszeit angesteckt. Trotz seiner Aversion gegen das Schreiben hatte er in den letzten Monaten drei Briefe nach Barclays Farm geschickt und keine Antwort erhalten. Er hoffte, da� dies nur ein weiteres Beispiel f�r die Unzuverl�ssigkeit der Armeepost war und kein Anzeichen daf�r, da� Gus ihn vergessen hatte.</p><p>Gestern hatten sie sich direkt nach Frederick hineingewagt � zwei unangenehme Stunden f�r Charles, da er wegen seines Akzentes stumm bleiben und Ab das Reden �berlassen mu�te. Eine Weile trieb er sich auf eigene Faust in der Stadt herum; er sprach mit niemandem und erregte so auch keinen Verdacht. Ab besuchte einen Saloon und kam mit beunruhigenden Nachrichten zur�ck.</p><p>�Charlie, sie sind verflucht noch mal kein bi�chen daran interessiert, befreit zu werden. Glaubst du, Bob Lee hat falsche Informationen bekommen? Mir hat man gesagt, wir k�nnten mit einem gro�en Aufstand der Einheimischen rechnen, die uns zu Hilfe kommen w�rden, wenn wir in diesen Staat einmarschieren.�</p><p>�Mir hat man das gleiche gesagt.�</p><p>�Na ja, die meisten Kerle in dieser Kneipe taten so, als w�r�s ihnen vollkommen egal, ob ich aus der H�lle oder aus Huntsville komme. Ich wurde ein bi�chen angestarrt, bekam eine Einladung zum Kartenspiel, kaufte mir selber ein Glas Whiskey und konnte �ne Menge R�cken betrachten. Die Leute hier, die werden sich einen Furz um uns scheren.�</p><p>Charles runzelte die Stirn. Hatte sich die Armee wieder mal versch�tzt? Wenn ja, dann war es bereits zu sp�t; der Vormarsch war schon im Gang. Mr. Davis und die Generale schienen sich �ber den Status von Maryland nicht einig zu sein. Der Pr�sident beharrte darauf, da� der Staat zum S�den geh�re und sie als Befreier kommen w�rden � eine Beurteilung, der Abs Report widersprach.</p><p>Wie immer auch die richtige Antwort lauten mochte, sie hatten jedenfalls ihre Mission beendet. Sie hatten hinter Frederick in einem abgelegenen W�ldchen �bernachtet, mit ihren Schrotflinten �berm Bauch und um die Handgelenke gewickelten Leinen.</p><p>Jetzt sagte Ab: �Kann ich dich was fragen, Charlie?�</p><p>�Nur zu.�</p><p>�Hast du ein M�dchen? Bin neugierig, weil du nie was sagst.�</p><p>Er dachte an Private Gervais und Miss Sally Mills. �Das ist die falsche Zeit und der falsche Ort, um ein M�dchen zu haben.�</p><p>Der andere Scout lachte. �Das stimmt wei� Gott, aber es beantwortet meine Frage nicht. Hast du eins?�</p><p>Charles schob seinen dreckigen Filzhut in die Stirn und beobachtete die Stra�e. �Nein.�</p><p>Es war eine ehrliche Antwort. Er hatte kein M�dchen, au�er in seiner Phantasie. Wenn man ein M�dchen hat, dann schreibt sie einem auch. Gus hatte ihn gek��t, aber was bedeutete das? Eine Menge Frauen verschenkten ihre K�sse wie selbstgebackenen Kuchen.</p><p>Die Gegend ver�nderte sich schnell. Die H�gel wurden h�her, steiler. In den wenigen Lichtungen tauchten keine H�tten mehr auf. Charles vermutete, da� sie nahe am Flu� waren, und h�rte kurz darauf zur Best�tigung die fernen Ger�usche � der L�rm einer Armee von f�nfundf�nfzigtausend M�nnern, die Virginia auf dem Weg durch die Furt verlie�en. Wenn Little Mac von der Invasion Wind bekam, dann w�rden die Yanks sich aus Washington herauswagen und k�mpfen.</p><p>Sie erreichten den Flu� rechtzeitig, um die sich n�hernde Kavallerie beobachten zu k�nnen � f�nftausend Pferde, behauptete Ab, einschlie�lich neuer Brigaden mit alten Kameraden. Sein alter Freund Beauty Stuart war Generalmajor der Division � und noch keine drei�ig. Hampton war sein Senior-Brigadier, Fitz Lee sein Junior. Charles� alter Freund hatte schnell Karriere gemacht; in f�nfzehn Monaten vom Lieutenant zum General.</p><p>Ab stie� einen Schrei aus, als er Hamptons M�nner auf der Virginiaseite ersp�hte. Zu der Brigade geh�rte die neu aufgestellte Second South Carolina Kavallerie, die mit den vier urspr�nglichen Truppen der Legion als Kern gebildet worden war. Calbraith Butler war Colonel des Regiments. Er sah die beiden Scouts auf ihren im Flachwasser stehenden Pferden hocken und gr��te sie mit einem Winken seiner silberbeschlagenen Peitsche. Neben Butler ritt sein Stellvertreter, Hamptons j�ngerer Bruder Frank.</p><p>Charles kam sich wie der Klassentrottel vor. Er war immer noch Captain, und dies war einer der Momente, wo es schmerzte. Andererseits konnte er nicht leugnen, da� er das gef�hrliche, aber unabh�ngigere Leben eines Scouts vorzog.</p><p>Er machte Ab darauf aufmerksam, da� sie sich auf die Suche nach Stuarts Hauptquartier machen und Bericht erstatten sollten. Ganz pl�tzlich trieb Hampton sein Pferd vom Virginiaufer aus in den Potomac. Er ersp�hte die Scouts und kam auf sie zugeritten. Er beantwortete ihren Gru� mit einem herzlichen L�cheln und sch�ttelte beiden die Hand.</p><p>�Ich habe geh�rt, Ihnen macht das Spa�, was Sie gerade tun, Captain Main.�</p><p>�Ich bin daf�r besser geeignet als zum F�hren einer Truppe, General. Es gef�llt mir ausgezeichnet.�</p><p>�Freut mich zu h�ren.�</p><p>�Sie sehen gesund aus, Sir. Es ist sch�n, da� Sie sich so schnell erholt haben.� Hampton war zu Pferd, w�hrend er die Infanterie bei Seven Pines kommandierte, von einer Feindeskugel am Fu� getroffen worden.</p><p>�Gut, da� Sie mir zuf�llig �ber den Weg laufen�, sagte der General. �Da kann ich Ihnen gleich zwei kleine Neuigkeiten �berbringen, die Sie als nachtr�gliche Rechtfertigung betrachten k�nnen.� Verst�ndnislos wartete Charles, da� er fortfuhr. �Bei dem Versuch, seine M�nner zu drillen, fiel Captain von Helm vor kurzem vom Pferd und brach sich das Genick. Er war betrunken. Weiterhin ist Ihr spezieller Liebling, Private Cramm, ohne Erlaubnis verschwunden.�</p><p>�Wahrscheinlich h�ngt er mit einigen Hundert anderen zwanzig Meilen zur�ck.�</p><p>�Cramm ist kein Nachz�gler. Er ist desertiert. Er lie� uns eine Nachricht zur�ck, da� er sich gemeldet habe, um Grund und Boden des S�dens zu verteidigen, nicht um einen Feldzug gegen den Norden zu unternehmen.�</p><p>�Herr im Himmel. Ich bin �berrascht, da� er zur Abfassung dieser Erkl�rung keinen Anwalt angeheuert hat.� Charles hatte ebenso wie Ab M�he, ein Lachen zu unterdr�cken.</p><p>�Ich dachte, die Nachrichten sind ein kleiner Trost f�r Sie.�</p><p>�Ich sollte es nicht zugeben, General, aber das sind sie.�</p><p>�Das ist keine Schande. Die Schande bestand darin, da� ein guter F�hrer wie Sie diese Wahl verlor. H�tten wir nur Cramms und von Helms, dann w�ren wir erledigt. Viel Erfolg, Captain. Ich bin sicher, ich werde bald schon Ihre und Lieutenant Woolners Dienste in Anspruch nehmen.� Er galoppierte los, um sich wieder seinem Stab anzuschlie�en.</p><p>Nachdem sie Bericht erstattet hatten, verbrachten Charles und Ab den Abend damit, auf neue Befehle zu warten. Es kamen keine. Sie a�en, versorgten ihre Pferde, versuchten zu schlafen und schauten Borgens zu, wie Old Jack seine M�nner nach Maryland f�hrte.</p><p>Abner schenkte Jackson eine gewisse Aufmerksamkeit, interessierte sich aber mehr f�r die lange Infanteriekolonne, die ihm folgte. Jacksons M�nner sahen aus, als h�tten sie jahrelang in ihren Kleidern geschlafen und gek�mpft, ohne sie je zu waschen. Bis auf ihre Waffen hatten sie fast nichts dabei. Verschwunden waren die prallen Tornister und Rucks�cke von 1861.</p><p>Das waren die legend�ren Soldaten, bekannt als Jacksons Fu�kavallerie, weil sie innerhalb von zwei Tagen sechzig Meilen marschieren konnten. Charles starrte verbl�fft auf die Reihen der wilden B�rte, irre glitzernden Augen und von der Sonne furchtbar verbrannten Wangen und Stirnen.</p><p>�Mein Gott, Ab, eine ganze Menge von ihnen hat nicht mal Schuhe.�</p><p>Es stimmte. Die �berbleibsel des Schuhwerks waren zerrissen oder in Fetzen zusammengebunden. Charles beobachtete, wie die Kolonne vorbeimarschierte; sch�tzungsweise f�nfzig Prozent von Jacksons M�nnern marschierten mit nackten, zerschnittenen, blutverschmierten F��en. Bei warmem Wetter mochte das noch ertr�glich sein, aber wenn der Winter kam?</p><p>Charles studierte einen Soldaten mit zerknittertem Gesicht, der durch das Flachwasser schlurfte; er sch�tzte ihn auf vierzig, erkannte dann, da� er sich get�uscht hatte. �Sie sehen wie alte M�nner aus.�</p><p>�Wir auch�, sagte Ab, �ber Cyclones Nacken h�ngend. �Hast du in letzter Zeit das Grau in deinem Bart bemerkt? Es hei�t, Bob Lee sei fast wei�. Eine Menge Sachen haben sich in einem Jahr ge�ndert, Charlie. Und es ist noch nicht das Ende.�</p><p>Pl�tzlich und unerwartet lief Charles ein Schauder �ber den R�cken. Er beobachtete die dreckigen F��e, die hin�ber nach Maryland marschierten, und fragte sich, wieviele davon zur�ckkehren w�rden.</p><p><strong>57</strong></p><p>9. September. Der hei�e Dunst des Sp�tsommers hing �ber dem h�geligen Land. Das Gr�n wurde nun gelb, vertrocknete und verdorrte; Zeit, die Ernte einzubringen.</p><p>Die Kavallerie zog sich �ber eine L�nge von fast zwanzig Meilen hin. Dahinter kamen Lees Divisionen, bereit, in Pennsylvania einzufallen, wie manche behaupteten. Hinter der Linie, jenseits der dunstigen H�gel � McClellan, der mit seiner gesamten Streitmacht aus Washington anmarschierte. Langsam wie immer, aber er kam.</p><p>Hampton lagerte bei Hyattstown, einige Meilen s�dlich von Urbana. Charles packte nur das Notwendigste in seine Feldkiste, aus der er seinen grauen Waffenrock im Range eines Captains herausholte. Man brauchte nicht viel Phantasie, um zu ahnen, da� die Invasion zu schweren K�mpfen f�hren w�rde, und er wollte sichergehen, da� seine eigene Seite ihn identifizieren konnte. Er beobachtete, wie seine Kiste in einen der Gep�ckwagen gehoben wurde, als s�he er sie zum letztenmal.</p><p>Am Abend beschwerte sich Ab. �Hier gibt�s wohl niemanden, der uns was zu futtern besorgt. F�r die Zweibeiner wie f�r die Vierbeiner das gleiche Futter, Charlie, mein Junge.�</p><p>Charles sagte nichts, kontrollierte lediglich seine Patronen, damit er noch ein bi�chen schlafen konnte. Bald schon w�rden sie sich vielleicht nach einem bi�chen Schlaf sehnen, w�rden sie darum beten.</p><p>10. September. Nach Anbruch der Nacht gingen Charles und acht andere Scouts auf Kundschaft. Um ein Haar w�ren sie mitten in die Blaur�cke geritten. Auf der Stra�e griffen sie an und h�rten keine Schreie: <emphasis>Black Horse, Black Horse!</emphasis></p><p>Gewehrfeuer. Ein Scout aus dem Sattel geschossen � und der gl�cklose Doan verlor einen weiteren Gaul. Mit zwei Verwundeten galoppierten die Scouts los. Charles hatte Doan bei sich. Waren sie auf Pleasontons M�nner gesto�en? Diese Kavalleristen hatten genauer geschossen und waren besser geritten als alle Yankees, die er bis jetzt gesehen hatte. Vielleicht lernten die Schuhverk�ufer und die Maschinisten allm�hlich, wie man zu Pferd k�mpfte.</p><p>In Urbana begab sich eine ganze Schar Hampton-Reiter in der Akademie oben auf dem H�gel in Behandlung, wo General Stuart ein Fest gab. Einen gottverdammten Ball, wovon der prahlerische Virginier anscheinend nicht genug bekommen konnte. Der Anblick der blutenden M�nner verdarb die Festlichkeit ein bi�chen. Die meisten der M�dchen gingen heim; einige wenige blieben, um zu helfen. Aber auch ihre h�bschen, runden Augen gl�nzten im Kerzenschein, voller Angst vor dem Dreck und dem Geruch der fremden, wilden M�nner, die hier angeritten gekommen waren und gemeldet hatten, jenseits des n�chtlichen Horizonts marschiere eine gro�e Streitmacht.</p><p>Neunzigtausend waren es, obwohl sie schnell einen hohen Blutzoll zahlen mu�ten. Bob Lee kannte die St�rke seines Gegners noch nicht. Und diese Armee bewegte sich zur Abwechslung mal nicht mit der bei McClellan �blichen Langsamkeit. Sie st�rmte nicht gerade voran, aber sie schlief auch nicht unterwegs ein. Auch das wu�te Old Bob nicht.</p><p>12. September. Auf dem Weg nach Westen teilte Lee, k�hn, ja geradezu verr�ckt, seine Armee � soviel erfuhr Charles; den Rest mu�te er erraten. Old Bob wollte seine Nachschublinien runter nach Winchester gesichert sehen, bevor er gegen Hagerstown losschlug; Teufel auch, vielleicht sogar gegen Philadelphia. Das hie� Neutralisierung der Garnison in Harpers Ferry. Das hie� Teilung seiner Kr�fte. Der Befehl war am 9. September erlassen worden, aber das wu�te Charles nicht.</p><p>Old Bob war allgemein als h�flicher Mensch bekannt, der nur schwer zu �rgern war � und wer hatte ihn je fluchen h�ren oder h�tte ihn einer Tat bezichtigen k�nnen, die eines Gentlemans nicht w�rdig war? Aber der Klang der Kanonen brachte sein Blut in Wallung, und wenn er milit�rische Risiken einging, dann setzte er manchmal alle Chips, die er besa�, wie ein Spieler auf einem Mississippiboot. Charles und Ab kamen zu dem Schlu�, da� er es erneut getan hatte.</p><p>An diesem Morgen marschierte Stuart in westlicher Richtung aus Frederick, hinter Lee her. Charles und Ab und Hamptons Kavalleristen hingen zur�ck, sicherten nach hinten ab und hielten Ausschau nach den M�nnern in Blau � und bei Gott, da kamen sie, in unglaublichem Tempo marschierend. Was war mit Macs Langsamkeit passiert?</p><p>F�r eine Antwort blieb jetzt keine Zeit. Die Nachhut wich �ber die Catoctin Ridge aus; Charles litt bereits unter der M�digkeit, die, wie er wu�te, in den kommenden Tagen, m�glicherweise Wochen, immer schlimmer werden w�rde.</p><p>Die Bedrohung, das Gef�hl sich sammelnder M�chte, stieg wie die Temperatur. Irgend etwas stimmte nicht, aber was?</p><p>Die Befreier wurden keineswegs �berm��ig freudig begr��t. In der N�he von Burkittsville, w�hrend deutlich sichtbare blaue Reiter hinter ihnen herjagten, fegte Charles an einem winzig kleinen M�dchen mit blonden Z�pfen vorbei, das von einem Farmzaun aus mit einer kleinen Konf�deriertenfahne winkte, aber das war auch schon der einzige Ausbruch patriotischer Begeisterung, den er miterlebte. Doan, der sich das Pferd eines Toten angeeignet hatte, br�llte dem M�dchen zu, es solle blo� diesen verfluchten Blaub�uchen aus dem Weg gehen, die da �ber den n�chsten H�gel kamen. Das Kind schwenkte weiterhin sein winziges F�hnchen.</p><p>13. September. Old Bobs M�nner bewegten sich schnell durch die Schluchten der herrlichen Berge der n�rdlichen Blue Ridge, die die einheimischen South Mountains nannten. Jetzt war die Armee wirklich geteilt; Jackson ging �ber den Potomac und schlug dann einen Haken, und seine D�monen marschierten mit verschorften F��en, um Harpers Ferry von S�dwesten her zu belagern, w�hrend McLaws Division direkt auf die Anh�hen von Maryland abzielte und Walkers auf Loudoun Heights, einen Dreizack, der sich auf das Land am Zusammenflu� von Potomac und Shenandoah richtete.</p><p>Charles und die Scouts hatten ein kleines Gefecht mit marschierenden M�nnern, die sie f�r Jacob Cox�s Ohio-Soldaten hielten, aber nat�rlich lie� sich das kaum mit Sicherheit feststellen. Die Hitze nahm ebenso zu wie die M�digkeit.</p><p>Und es war der Tag der Zigarren, der alles �nderte. Aber das erfuhr Charles erst sp�ter.</p><p>Drei Zigarren � von einem Yankee durch Zufall auf dem Grund und Boden gefunden, wo Daniel Harvey Hills M�nner bei Frederick gelagert hatten. Interessanter als die Zigarren war das Papier, in das sie gewickelt waren: eine wundersch�n geschriebene, offensichtlich authentische Kopie des Befehls 191. Wer das Papier zur�ckgelassen hatte, wu�te niemand. Klar war, wer es bald schon zu lesen bekam. McClellan las es und erfuhr so, da� Lee seine Armee geteilt hatte. Angefeuert von dieser Information, begann Little Mac wie ein Blizzard vorzust�rmen. Der �berraschungseffekt, die Initiative, der Zeitvorteil, all das zerrann wie Wasser zwischen Old Bobs Fingern.</p><p>14. September. Im Verlauf des Morgens leerte Charles seinen Revolver viermal innerhalb von f�nfundvierzig Minuten beim Kampf um Crampton�s Gap, den s�dlichsten der drei Bergp�sse, die die Konf�derierten zu halten versuchten. Nachdem ihm die Munition f�r den Colt ausgegangen war und er sich ernsthafte Sorgen zu machen begann, da� Sport getroffen werden k�nnte, zog er seine Schrotflinte. Auch daf�r ging ihm langsam die Munition aus.</p><p>Stuart kommandierte Hampton eiligst zur Unterst�tzung von McLaws ab, da Lee verzweifelt Zeit zu gewinnen suchte, um die geteilte Armee wieder zu vereinigen, da Little Mac ansonsten die einzelnen Einheiten fast m�helos h�tte vernichten k�nnen. Der Befehl: Grabt euch ein, haltet die P�sse um jeden Preis.</p><p>Aber die P�sse gaben langsam nach, die Granaten schlugen L�cher in die H�nge und die grauen Linien, und Lee hatte nicht mehr als einen Tag gewonnen.</p><p>Die P�sse waren mit Sicherheit verloren; auch der Vorteil, den sie gehabt hatten. Konnte Lee jetzt noch etwas retten, seine Armee eingeschlossen?</p><p>15. September. Keine Gefahr lauerte bei Harpers Ferry. Statt dessen fanden sie singende, feiernde M�nner vor. Old Jack hatte die bedingungslose Kapitulation erreicht.</p><p>Die Sieger brachen die T�ren der Magazine und Kornspeicher auf. Sie fanden dreizehntausend Faustfeuerwaffen und Futter f�r die halb verhungerten Pferde. Elftausend Mann gingen in Gefangenschaft, zweihundert einsatzf�hige Wagen und siebzig oder mehr Kanonen wurden erbeutet. Und massenhaft Munition; auch f�r Charles� Colt war was dabei.</p><p>Als die Nacht hereinbrach, band Charles Sport an seinem Handgelenk fest, kauerte sich mit dem R�cken gegen die Wand des Arsenals und schlief. Nach einer halben Stunde weckte ihn Ab.</p><p>�Ich glaube, sie wollen zu irgendeinem Ort n�rdlich von hier aufbrechen. Old Jack l��t Rationen f�r zwei Tage kochen.�</p><p>Mit der Dunkelheit senkte sich Ruhe herab; der eigenartige Frieden dieser Stunden, wenn die Schlacht zur Gewi�heit wird. Gegen elf � so sp�t wie m�glich, um das Pulver trocken zu halten � begann die Munitionsausgabe. Hundert Schu� pro Mann, wurde Charles erz�hlt, obwohl er keine Ahnung hatte, ob es tats�chlich zutraf. Bald schon w�rden die Trommeln zum Aufbruch geschlagen, das wu�te er; jetzt schlief Ab, beide Pferde an sein Handgelenk gebunden.</p><p>Neben den gurgelnden Fl�ssen waren gewaltige Feuer entfacht worden; hier richteten die Colonels ihre Ansprache an die M�nner.</p><p>�Denkt dran, M�nner, es ist besser zu verwunden als zu t�ten, da es Zeit und oftmals gleich zwei feindliche Soldaten braucht, um den Verwundeten nach hinten zu tragen.�</p><p>In der Dunkelheit ging Charles weiter.</p><p>�Und wenn wir auf dem Kriegsschauplatz aufmarschieren, dann werden wir den entscheidenden Sieg an unsere Fahnen heften und die S�ldner vernichten, die unsere Freiheiten, unseren Besitz und unsere Ehre zerst�ren wollen. Verge�t keinen Moment, da� die Blicke und die Hoffnungen von mehr als acht Millionen auf euch ruhen. Alle Frauen der S�dstaaten sind auf euren Schutz angewiesen. Mit festem, unersch�tterlichem Vertrauen in eure F�hrer und in Gott werdet ihr Erfolg haben. Ein Fehlschlag ist nicht m�glich.�</p><p>16. September. Jackson lie� die Trommeln schlagen und marschierte um ein Uhr morgens los.</p><p>Charles und die anderen stiegen in den Sattel. Brigadier Hampton wirkte frisch und energiegeladen, als er seine Regimenter hinter der Hauptkolonne zum Aufmarsch zusammenstellte. Wie macht er das in seinem Alter, fragte sich Charles. Ich wollte, ich w�re so munter.</p><p>�Wohin geht�s, Charlie?�</p><p>�Hinter Old Jack her. Wir sch�tzen wieder mal seinen R�cken.�</p><p>�Ich wei�. Wohin ist er unterwegs?�</p><p>�Frank Hampton hat mir was von Sharpsburg erz�hlt. Kleine Stadt, f�nfzehn, vielleicht sechzehn Meilen die Stra�e hoch. Ich glaub�, nach Old Jacks Sieg hat sich Old Bob entschlossen, in Stellung zu gehen und zu k�mpfen.�</p><p>�So, wie wir aufgeteilt waren, ist ihm wohl nichts anderes �briggeblieben�, stimmte Charles zu. Nach einer Pause sagte Ab: �Die Fu�kavallerie schaut ersch�pft aus.�</p><p>�Die Fu�kavallerie hat da �ne Menge Gesellschaft.�</p><p>Sharpsburg erwies sich als kleines, gr�nes Dorf, eingebettet in eine freundliche H�gellandschaft. Lees Hauptquartier war Oak Grove, ein St�ckchen s�dwestlich der Stadt. Seine Hauptlinie erstreckte sich von Sharpsburg aus �ber fast drei Meilen nach Norden, in groben Z�gen der Stra�e nach Hagerstown folgend. Stuarts Kavallerie deckte die �u�erste linke Seite ab, dicht bei einer Flu�schleife. John Hood grub sich mit seinen zwei und Harvey Hill mit seinen f�nf Brigaden ein. Little Mac w�rde von Osten her mit seinen f�nfundsiebzigtausend Mann anmarschiert kommen. Auch Little Mac hatte Nachz�gler, aber er war der Spieler mit den meisten Chips; er konnte sie mit vollen H�nden hinauswerfen und immer noch das Spiel beherrschen.</p><p>W�hrend Old Jack mit seinen Truppen den Nordsektor der Front besetzte, war Charles voll damit besch�ftigt, Stuart und den anderen Au�enposten Befehle zu �berbringen. Als er sp�ter vor dem Hauptquartier Ab begegnete, erkl�rte ihm der andere Scout: �Es hei�t, die Linien steh�n sich so dicht gegen�ber, da� die eine Seite es riechen kann, wenn auf der anderen Seite einer furzt.�</p><p>Es hatte gelegentliche Scharm�tzel gegeben und w�hrend der D�mmerung ein schweres Bombardement. In der Dunkelheit ert�nte dann nur noch ab und zu ein Ruf oder ein Schu�. Vor Tagesanbruch begann es zu nieseln; als der Morgen aufd�mmerte, brach die H�lle los.</p><p>17. September. Die blauen Wellen st�rmten fr�hzeitig aus den W�ldern. Zuerst eine Doppelreihe, dann die Hauptstreitmacht, feuernd und ladend, feuernd und ladend � so kamen sie n�her und n�her. Ein S�dstaatensoldat schrie: �Joe Hooker!�</p><p>Joe Hooker, ein gutaussehender Teufelskerl, setzte zwei Corps der Union wie einen Hammer gegen die linke Flanke der Konf�derierten ein. Die Yankee-Fu�truppen stie�en durch die Kornfelder vor, die K�pfe gesenkt, als wollten sie einem Regengu� ausweichen.</p><p>Die K�mpfe begannen um sechs; die Fronten wechselten so schnell, und die Schlacht war derart gewaltig, da� Charles nur einzelne F�den davon mitbekam, niemals das ganze Muster.</p><p>Vom Nicodemus Hill zur�ckreitend, den Kopf gesenkt, den Revolver in der Hand, geriet er in einen w�tenden Angriff der Bundestruppen gegen Old Jacks M�nner, die sich zwischen den B�umen auf den Felsk�mmen verschanzt hatten. Ein Colonel, der mehrere Offiziere verloren hatte, beorderte Charles mit gezogenem Revolver vom Pferd und br�llte: �Halten Sie diese Position um jeden Preis.�</p><p>Also k�mpfte er f�nfzehn unglaubliche Minuten lang mit den Fu�truppen, scho� auf Yankees, die �ber die Stra�e gest�rmt kamen, mit immer heller gl�nzenden Bajonetten, als die Sonne den Dunst aufl�ste und warmes, heiteres Licht �ber das Schlachtfeld warf.</p><p>Inmitten von Old Jacks M�nnern feuerte Charles, lud nach, br�llte, trieb die M�nner an � half mit, den Angriff zur�ckzuwerfen, der die Yankees in weniger als einer halben Stunde fast f�nftausend Mann kostete. Als die triumphierenden Fu�truppen br�llend zum Gegenangriff auf das Kornfeld ansetzten, rannte Charles, in dem Gef�hl, dem unbekannten Colonel gegen�ber seine Pflicht erf�llt zu haben, zur�ck, band Sport los und machte sich, immer noch vor Erregung zitternd, wieder auf den Weg.</p><p>Gegen elf hatte sich das Zentrum der Schlacht auf eine verfallene Stra�e etwas s�d�stlich von dem Kornfeld verlagert, durch das Charles zu der Zeit gerade ritt. In den letzten drei Stunden waren mindestens ein Dutzend Angriffe hin und her gewogt; von den gestern noch so stolz erhobenen Halmen war nichts mehr zu sehen.</p><p>Er hatte das Gef�hl, in irgendein d�monisches Kaleidoskop zu starren: jede gr��liche Szene eine neue Variation des Horrors. Bei dem Anblick sp�rte Charles, wie ihm seine Selbstkontrolle entglitt. Immer heftiger umklammerten seine H�nde die Z�gel. W�hrend der Himmel explodierte und er instinktiv den Kopf einzog, dachte er an ein Gesicht. An einen Namen. Hielt sich an beiden wie an einem Rettungsanker fest.</p><p>Der Impuls, abzusteigen und sich zu verstecken, war stark. Es ging vor�ber, und er hielt weiterhin auf die verfallene Stra�e zu, wo Old Bobs Offiziere und M�nner nicht nur um die Rettung der Armee, sondern vielleicht auch der ganzen Konf�deration k�mpften.</p><p>Charles spornte Sport an. Er war ein Mann, der in einem endlosen, zerst�rerischen Meer trieb. Keine gerechte Sache konnte sein Leben retten; kein Slogan. Nur Erinnerungsfetzen.</p><p>Name.</p><p>Gesicht �</p><p>Sie.</p><p>Nahe der umgepfl�gten Stra�e war er unter lauter Wahnsinnigen � graue Soldaten in ihrer ersten Schlacht, die vor Angst Amok liefen. Er beobachtete, wie einer seine Feldflasche wegwarf; ein anderer stopfte zwei, drei, vier Kugeln in seine Gewehrm�ndung, ohne zu z�hlen, ohne es zu bemerken; ein Dritter stand mit geballten F�usten da und schrie wie ein verlassenes Kind. Ein Granatsplitter schnitt sein linkes Bein und seinen Schrei mit einem sauberen Schlag ab. Blut spritzte wie der vorangegangene Regen auf den Boden.</p><p>�Steh auf, steh auf, verdammt!�</p><p>Der da br�llte, war ein rotgesichtiger, rotb�rtiger Lieutenant, der nach einem gest�rzten Pferd trat. Die M�nner des Lieutenants duckten sich um eine Blakely-Kanone, die in einer Wagenspur festhing. Charles glitt aus dem Sattel, schlang den Z�gel um einen Stein, rannte vor und stie� den hysterischen Offizier mit beiden H�nden weg.</p><p>�Schlu�. Das Pferd kann nichts mehr ziehen. Das Bein ist gebrochen.�</p><p>�Aber � aber � die Kanone wird oben an der Stra�e gebraucht. Ich habe Befehl, sie zur Stra�e zu bringen.� Der Lieutenant weinte jetzt.</p><p>�Beiseite, ihr M�nner�, Charles hob die Hand, �schneidet die Str�nge durch. Wir ziehen vorn an der Deichsel. Ein paar von euch schieben an jedem Rad. Einer pa�t auf mein Pferd auf.�</p><p>Die Kugeln summten so dicht wie Bienenschw�rme, Granatexplosionen schleuderten Schrapnelle durch die Gegend, aber sie zerrten fluchend und schwitzend die kleine Feldkanone voran, bis sie auf einen Major trafen, der sie mit gezogenem S�bel gr��te. �Gut, Jungs. Rollt sie dorthin.�</p><p>�Der Captain hat das geschafft�, sagte einer der Artilleristen. �Unser Lieutenant hat sich die Hosen voll gemacht.�</p><p>�Wer sind Sie, Captain?� fragte der Major.</p><p>�Charles Main, Sir. Scout bei Hamptons Brigade.�</p><p>�Ich werde Sie lobend erw�hnen, falls einer von uns den Tag �berleben sollte.�</p><p>Charles rannte geduckt �ber das Feld zur�ck zu dem Soldaten, der Sport bewachte. Der b�rtige Lieutenant sa� auf dem Boden neben dem lahmen Pferd. Charles erl�ste das Tier mit einer Kugel. Der Lieutenant starrte ihn mit nassen Augen an, als w�nschte er sich dieselbe Gnade.</p><p>�Los, Sport�, fl�sterte Charles mit rauher Stimme. Er mu�te zur�ck zum Hauptquartier.</p><p>Es war ein hartes St�ck Arbeit. Hinter einer Rauchwand verborgen kanonierte die Bundes-Artillerie von den Anh�hen jenseits des Flusses. Charles bekam den Mann nie zu Gesicht, der auf ihn scho�. Etwas schlug gegen seine Brust, es ri� ihn seitlich herum, und er w�re beinahe aus dem Sattel gest�rzt.</p><p>Verwirrt schaute er an sich herunter und entdeckte ein rundes Loch links neben seinem Hemdknopf. Er �ffnete das Hemd und holte den Lederbeutel hervor. Auch darin war ein Loch, wenn auch nicht durchgehend. Eine t�dliche Kugel hatte ihn getroffen und war von dem Buch aufgehalten worden.</p><p>Er geriet in Andersons Brigade, die in dem Versuch, die Stellung zu halten, an die Stra�e geworfen wurde. Gegen den Strom der M�nner kam er nur langsam voran. Was allm�hlich eine dauerhafte Ver�nderung in ihm ausl�ste, war nicht der einzelne Tod, den er oft genug gesehen hatte, sondern die �berw�ltigende Multiplikation des Todes. Leichen t�rmten sich aufeinander. Ein Mann hatte keinen Kopf mehr; Fliegen krochen auf dem fleischigen Stumpf herum. K�rper hingen mit dem Bauch nach unten �ber Farmz�unen.</p><p>Rauch h�llte ihn ein. Sport b�umte sich auf, wieherte zum erstenmal an diesem Morgen. Pl�tzlich ersp�hte Charles in dem ger�teten Gras zu seiner Rechten einen gefallenen Mann, der ihm bekannt erschien. Der Mann lag still da, das Gesicht in seinem breitkrempigen Hut verborgen.</p><p>Zitternd stieg Charles ab. �Doan?�</p><p>Der Scout r�hrte sich nicht. Auf beiden Seiten der Stra�e lagen verstreute K�rper, aber Doans Pferd war nirgendwo zu sehen. �Doan?� Diesmal sagte er es sanft, als w��te er bereits, was er vorfinden w�rde, wenn er den Scout umdrehte.</p><p>Es war schlimmer als erwartet. Eine Kugel hatte Doans linke Gesichtsh�lfte weggerissen; sein ganzes Gesicht tropfte, als Charles den Kopf anhob. Blut lief aus den Augen und den Nasenl�chern �ber Zunge und Z�hne. Der ganze Hut war voll davon. Doan war in seinem eigenen Blut ertrunken.</p><p>18. September. Im Dunkel der Nacht zog sich Bob Lees Armee �ber den Potomac nach Virginia zur�ck.</p><p>Dreiundzwanzigtausend Mann waren in der Schlacht gefallen, die den ganzen Tag gedauert hatte. Die verzweifelten Verteidigungsbem�hungen hatten gewaltige Opfer gefordert; ein massierter Frontalangriff auf die Unionsstellungen h�tte kaum blutiger verlaufen k�nnen.</p><p>Es hatte Augenblicke gegeben, wo alles verloren schien. Am Nachmittag hatten die Yankees eine halbe Meile vor Sharpsburg gestanden; noch eine halbe Meile, dann h�tten sie einschwenken und Lee den Fluchtweg abschneiden k�nnen. Der Kampftag hatte beide Seiten ersch�pft zur�ckgelassen, doch noch hatten sie die lange, schreckliche Nacht mit Schreien und St�hnen und der Suche nach �berlebenden vor sich. Kerzen flackerten �ber den Feldern und durch die W�lder, wie die Leuchtk�fer des vergangenen Sommers. Die Feldwachen schossen nicht; beide Seiten suchten.</p><p>In dieser Nacht sah Charles die Ambulanzen mit ihrer st�hnenden Fracht rollen. Er sah improvisierte Operationszelte, wo die Chirurgen die �rmel aufkrempelten, ihre S�gen rausholten und verst�mmelte Arme und Beine zu Hunderten amputierten. Er sah Leichen, die anschwollen, die sich mit den Gasen des Todes aufbl�hten. Kurz vor der Morgend�mmerung sah er, wie ein Toter explodierte.</p><p>Am n�chsten Tag begann sich die allgemeine Lage abzuzeichnen.</p><p>McClellan hatte eine Verteidigungsposition bezogen, sonst h�tte er die Konf�deration f�r immer ausl�schen k�nnen. Angesichts der Gelegenheit, Lees Armee zu vernichten, hatte er lediglich die Invasion gestoppt. Lee war nicht geschlagen worden, aber er hatte auch nicht gesiegt. Er hatte einfach seine Verteidigungseinheiten von einem Ort zum anderen gehetzt und zwischen Tagesanbruch und Dunkelheit f�nf aufeinanderfolgende apokalyptische Angriffe zur�ckgeworfen.</p><p>In den fr�hen Morgenstunden des 18. September erhielt McClellan Verst�rkung und beschlo�, die Stellung zu halten. Das Oberkommando der Konf�derierten beschlo� den R�ckzug. Mittlerweile besa� Charles nur noch bruchst�ckhafte Erinnerungen an den vorangegangenen Tag. Er konnte sich nicht mehr an all die Orte erinnern, an die man ihn geschickt hatte, oder an all die M�nner, auf die er geschossen hatte. Er wu�te, da� er die Erinnerung an seine st�ndige Furcht um Sport f�r immer bei sich tragen w�rde; nie w�rde er das Gef�hl vergessen, da� dieser Septembernachmittag ewig dauern w�rde, da� die Sonne an den Himmel genagelt war und nie versinken und allem ein Ende machen w�rde.</p><p>Die Erinnerungen pflanzten eine neue �berzeugung in Charles� Herz und Geist: Der Krieg w�rde l�nger dauern, als je irgendeiner von ihnen sich h�tte tr�umen lassen.</p><p>Wer hatte gesiegt, wer hatte eine Niederlage erlitten? Wen k�mmerte das schon, dachte er in jener merkw�rdig leichtfertigen, benommenen Stimmung, die ihn �berkam, als er und Ab, wieder zusammen, auf den Potomac zu ritten. Sie befanden sich ungef�hr eine Meile hinter der Kavallerie der Second South Carolina, die relativ frisch war, da sie w�hrend der gesamten Schlacht auf der �u�ersten linken Seite in Reserve gehalten worden war.</p><p>Im Mondschein, nahe am Flu�, kamen sie an einigen rastenden Infanteristen vorbei. Einer rief ihnen in bitterem Schmerz zu: �M�cht� wetten, ihr Jungs von der Kavallerie habt von dem ganzen Theater nichts mitgekriegt.�</p><p>�Ganz richtig�, sagte ein anderer, �bei der Kavallerie, das ist so, als h�tt� man �ne Lebensversicherung, die keiner einkassiert.�</p><p>Ab sah d�ster und fiebrig aus. Er zog seine Waffe, spannte den Hahn und zielte auf den letzten Sprecher, der entsetzt aufsprang und rannte. Charles packte Abs Arm und zog ihn langsam nach unten. Er f�hlte, wie Ab zitterte.</p><p>Am n�chsten Tag verhielt sich Charles so wie viele andere auch, die einer gro�en Schlacht lebend entronnen waren. Er l�chelte nicht; er sprach kaum ein Wort. Eine immer dr�ckender werdende Depression pre�te seine Seele zusammen. Er funktionierte, f�hrte Befehle aus, aber das war auch schon alles. Und wenn jemand Ab Woolner fragte, weshalb sein Freund solch einen fernen, verlorenen Ausdruck in den Augen hatte, erkl�rte Ab: �Wir waren bei Sharpsburg dabei. Charlie ist immer noch dort.�</p><p><strong>58</strong></p><p>�ber die Schlacht schrieb Billy nur eine Zeile in sein Tagebuch:</p><p><emphasis>Horror jenseits aller Vorstellungskraft.</emphasis></p><p>Eine erste Ahnung �berfiel ihn, als sie sich dem Schlachtfeld n�herten. Die Pioniere kamen in Maryland nur schwer voran, weil die Stra�en mit Ambulanzen verstopft waren. Von den Ambulanzen drangen Ger�usche her�ber, die Billy zwar auch schon geh�rt hatte, an die er sich aber nie gew�hnen w�rde.</p><p>Er sah den Rauch und h�rte den Gefechtsl�rm von South Mountain, erreichte aber an diesem 15. September den Gipfel von Turner�s Gap nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Reveille weckte das Bataillon um vier, und als es d�mmerte, entdeckten sie, da� sie zwischen Toten von beiden Seiten biwakiert hatten. Selbst M�nner mit eisernen M�gen konnten ihr Fr�hst�ck nicht bei sich behalten.</p><p>Am sp�ten Nachmittag wurde das Bataillon von Keedysville aus an die Front gejagt. Um f�nf organisierten Billy und Lije Suchtrupps, die auf dem umliegenden Farmland jeden verf�gbaren Stein einsammeln sollten. Andere M�nner schleppten die Steine zum Antietam Creek. In Hemds�rmeln schuftete Billy bis Sonnenuntergang, um eine Furt zu schaffen, wo die Artillerie den Flu� �berqueren konnte. Eine �hnliche Furt wurde f�r die Infanterie vorbereitet.</p><p>Um halb elf war die Arbeit beendet. Obwohl Billy zum Umfallen m�de war, hielt ihn die innere Unruhe den gr��ten Teil der Nacht wach. Morgen w�rde es eine Schlacht geben. W�rde Bison dabei sein? In den letzten Tagen hatte er h�ufig an Charles gedacht. War er noch am Leben?</p><p>Es war �blich, da� an die Pioniere Munition ausgegeben wurde � vierzig Schu� f�r die Patronentasche, zwanzig als Reserve � sowie Rationen, aber aus den eigentlichen K�mpfen wurden sie herausgehalten. Billy und Lije und die anderen sa�en an diesem blutigen Tag auf einem Kamm, mit Blick �ber die in der vergangenen Nacht konstruierten Furten. Angesichts dessen, was er zu sehen bekam, w�nschte sich Billy weit weg. Der Anblick der Toten und Verwundeten l�ste eine illoyale Reaktion bei ihm aus: Wie konnte irgendeine Sache so viele Menschenleben wert sein?</p><p>Am n�chsten Tag wurden die Pioniere nach vorn geworfen und dienten als Infanterieunterst�tzung f�r eine Batterie nahe dem Zentrum der Front. Am Tag danach zog sich das Bataillon �ber die untere Flu�br�cke nach Sharpsburg zur�ck.</p><p>Die Pontonbr�cke der Bundestruppen bei Harpers Ferry war von den Rebellen zerst�rt worden; die Pioniere marschierten dorthin und machten sich am 21. September zu bereits fortgeschrittener Tageszeit an den Wiederaufbau.</p><p>Billy empfand die Arbeit wie ein st�rkendes Mittel: Mit Hirn, Herz, Verstand und einer Menge Schwei� schuf das Bataillon Dinge, anstatt sie zu zerst�ren. Er baute sich eine geistige Sperre auf und versteckte dahinter den Zweck dieser Sch�pfungen.</p><p>Er sehnte sich nach Brett. Die lange Trennung von seiner Frau brachte ihm n�chtliche Tr�ume, deren Folgen peinlich und beunruhigend waren. Nach vier Stunden erwachte er, a� etwas und f�hlte sich besser. Einige der Pioniere gaben Lose ab; jeder Mann zog einen Zettel mit einem Datum darauf. Das Datum sollte den Zeitpunkt bezeichnen, an dem McClellan abgel�st werden w�rde.</p><p>Zwei Tage sp�ter erfuhren sie, was Lincoln �ffentlich am vierundzwanzigsten verk�ndet hatte. An den abendlichen Feuern diskutierten die M�nner dar�ber und verf�lschten, wie bei jeder Armee zu jeder Zeit �blich, die Einzelheiten.</p><p>�Mit der Unterschrift unter diesen Fetzen Papier befreit er jeden gottverdammten Nigger in diesem gottverdammten Land.�</p><p>�Stimmt nicht. Nur in den Staaten, die am 1. Januar noch rebellieren. Kentucky oder so hat er nicht anger�hrt.�</p><p>�Jedenfalls�, sagte einer der New Yorker Freiwilligen, �ist die ganze Sache eine Beleidigung des wei�en Mannes. Keiner wird ihn unterst�tzen. Nicht in dieser Armee.� Viel Zustimmung.</p><p>�Ich denke, es wird eine verteufelte Menge �rger mit sich bringen � innerhalb und au�erhalb der Armee�, sagte Billy.</p><p>Er hatte seine Meinung nicht ge�ndert, als er in der D�mmerung am Potomac entlangschlenderte. Er versuchte seine innere Verwirrung �ber den neuesten Kriegskurs abzusch�tteln und konzentrierte seine Gedanken auf Brett.</p><p>Ein melancholisches Signalhorn ert�nte unten am Steilufer � ein neuer Klang, in Virginia zum erstenmal im Juni oder Juli gespielt. Er wu�te nicht, wer es komponiert hatte. Ein letzter Gru� an einen Soldaten. F�r wen war dieser Gru� bestimmt, wer war gestorben, fragte er sich. Und was war mit dem Schwung von Lincolns Feder gestorben? Was war neu geboren worden? All diese Fragen pa�ten zu der einfallenden Herbstdunkelheit.</p><p>Bewegungslos blieb er stehen, lauschte dem Murmeln des Flusses, den vertrauten Lagerger�uschen und den schwindenden letzten T�nen von �Taps�.</p><p>Charles zeigte Ab in Virginia das Buch <emphasis>An Essay on Man.</emphasis> Ab ber�hrte die in der Mitte eingebettete Bleikugel, dann das Buch selbst und fragte: �Wer hat dir das gegeben?�</p><p>�Augusta Barclay.�</p><p>�Du hast mir doch gesagt, du habest kein M�dchen.�</p><p>�Ich hab� eine Freundin, die mir ein Weihnachtsgeschenk geschickt hat.�</p><p>�Wirklich?� Ab befingerte erneut die platte Kugel. �Die Religion hat dich gerettet, Charlie. Du hast keine Bibelwunde abgekriegt�, dauernd h�rte man, da� eine Taschenbibel eine Kugel aufgefangen und damit einem Soldaten das Leben gerettet hatte, �aber das hier ist fast genauso heilig.�</p><p>Schweigen.</p><p>�Du hast eine Pope-Wunde abgekriegt. Direkt vom Papst. Hier steht�s.�</p><p>Charles l�chelte nicht, sch�ttelte blo� den Kopf. Ab schaute ungl�cklich drein. Charles steckte das Buch wieder hinein, zog den Riemen zu und verbarg den Beutel unter seinem Hemd.</p><p>Cooper verlie� mit seiner Frau das Haus, um ihr die Geschichte zu erz�hlen.</p><p>Es war die Stunde der sanften, grauen D�mmerung, mit den ersten funkelnden Sternen am Himmel. Eine Herbstbrise wehte �ber den Abercromby Square und schickte die Schw�ne zu ihren Schlafpl�tzen unter den Trauerweiden am Rande des Teiches. Ein paar Bl�tter, vertrocknet und rot, wirbelten um die Stra�enlaternen.</p><p>�Sie wollen, da� wir nach Hause zur�ckkehren. Die Nachricht kam mit dem heutigen Postsack aus Richmond.�</p><p>Judith antwortete nicht gleich. Hand in Hand schlenderten sie �ber den Platz zu der Bank, auf der er so gern die Ereignisse des Tages diskutierte. Der Wind war scharf. Der Mersey roch nach Salz und einem gerade eingelaufenen Gew�rzschiff. �Das ist eine �berraschung�, sagte Judith schlie�lich. �Wurde ein Grund angegeben?�</p><p>�Der Krieg l�uft nicht gut f�r die Yankees, aber f�r unsere Seite ebensowenig. Der Blutzoll in Maryland war f�rchterlich.�</p><p>Und Menschenleben waren dabei nicht der einzige Verlust. Als die Schlachtberichte Europa erreichten, wurde der Ausgang als Niederlage der Konf�derierten hingestellt. Trotz falschen Jubels begriffen die Leute in Bullochs Abteilung die tiefere Wahrheit von Sharpsburg. Der S�den w�rde niemals die diplomatische Anerkennung erreichen.</p><p>�Man will mich im Marineministerium haben�, berichtete er ihr. �Mallory braucht Hilfe und glaubt anscheinend, da� ich sie ihm geben kann. James hat hier alles gut in der Hand, und ich wei�, da� er in seinem Bericht meinen Einsatz beim Stapellauf der <emphasis>Alabama</emphasis> hervorgehoben hat.�</p><p>Nach Beendigung der geheimen Mission war Cooper damals mit einem Passagierdampfer nach Liverpool zur�ckgekehrt. Judith erkundigte sich sanft: �Was h�ltst du von Mallorys Aufforderung?�</p><p>Er pre�te seine Schulter gegen die ihre. Der Wind war kalt; die Sterne leuchteten. �Ich werde diese alte Stadt vermissen, aber ich habe keine Wahl. Ich mu� gehen.�</p><p>�Wie bald?�</p><p>�Sobald ich mit einigen laufenden Projekten fertig bin. Ich sch�tze gegen Ende des Jahres sind wir auf dem Weg.�</p><p>Sie hob seinen Arm und legte ihn sich um die Schultern; wegen der W�rme und weil sie die Ber�hrung liebte. �Eine Atlantik�berquerung im Winter macht mir Sorgen.�</p><p>Mehr Sorgen bereitete ihm der letzte Teil der Reise, die Fahrt von Hamilton oder Nassau durch die Blockade. Aber er sprach es nicht aus, um sie nicht aufzuregen.</p><p>�Solange wir vier zusammen sind, ist alles in bester Ordnung. Gemeinsam k�nnen wir allem trotzen.�</p><p>Sie stimmte ihm zu, �berlegte dann einen Moment. �Ich frage mich, was dein Vater sagen w�rde, wenn er dich so ergeben dem S�den dienen s�he.�</p><p>Er hoffte, sie w�rden sich wegen dieses Themas nicht wieder in die Haare kriegen wie auch schon. Vorsichtig erwiderte er: �Er w�rde sagen, das sei nicht der Sohn, den er aufgezogen habe. Er w�rde sagen, ich h�tte mich ver�ndert, aber das haben wir ja alle.�</p><p>�Nur in gewissen Punkten. Ich verabscheue die Sklaverei so stark wie eh und je.�</p><p>�Du wei�t, da� ich ebenso empfinde. Wenn wir unsere Unabh�ngigkeit gewinnen, dann wird die Sklaverei eingehen und eines nat�rlichen Todes sterben.�</p><p>�Unabh�ngigkeit? Cooper, die Sache ist verloren.�</p><p>�Sag sowas nicht.�</p><p>�Aber es stimmt. In deinem Herzen wei�t du es. Du hast von den Hilfsmitteln des Nordens gesprochen und wie sehr es dem S�den daran fehlt, lange bevor dieser schreckliche Krieg begann.�</p><p>�Ich wei�, aber � ich kann die Niederlage nicht eingestehen. Wenn ich es t�te, weshalb sollten wir heim? Weshalb sollte ich �berhaupt ein Risiko eingehen? Und doch mu� ich es � der S�den ist mein Heimatland. Deins auch.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich habe es verlassen, Cooper. Es ist mein Land, weil es deins ist, das ist alles. Der Krieg ist falsch, auch die Sache, um die es geht � weshalb sollten du oder Bulloch oder sonst jemand weiterk�mpfen?�</p><p>�Wir m�ssen f�r einen noch auszuhandelnden Frieden k�mpfen.�</p><p>�Und du glaubst, es lohnt sich, daf�r heimzukehren?�</p><p>Er nickte.</p><p>�Gut, Liebster. K�� mich, und wir werden es tun.�</p><p>Sie gingen zur�ck. Im gaslichterhellten Flur wurde Cooper bleich und deutete auf einen Tropfen Blut auf dem gekachelten Boden. �Guter Gott, schau doch.�</p><p>Ihre Augen wurden gro�. �Judah?�</p><p>Marie-Louise steckte den blonden Kopf aus dem Wohnzimmer. �Er ist verletzt, Mama.�</p><p>Cooper st�rzte die Treppe hoch; sein Magen zog sich zusammen wie ein Seemannsknoten, sein Kopf dr�hnte, seine Handfl�chen wurden feucht. War sein Sohn einem Unhold in die H�nde gefallen? Er rannte auf die halb offene Zimmert�r des Jungen zu. �Judah!�</p><p>Er stie� die T�r auf. Judah lag auf dem Bett; seine Jacke war zerrissen, seine Wange aufgeschlagen, seine Nase blutig.</p><p>Cooper rannte zum Bett, wollte seinen Sohn in die Arme nehmen, hielt sich dann aber zur�ck. Judah war elf und erachtete solche Kontakte als weibisch. �Sohn � was ist passiert?�</p><p>�Ich bin in ein paar Toxteth-Dockjungen gelaufen. Sie wollten mein Geld, und als ich sagte, ich h�tte keins, fielen sie �ber mich her. Mir fehlt nichts.� Er gab die Erkl�rung mit offensichtlichem Stolz ab.</p><p>�Du hast dich verteidigt?�</p><p>�So gut ich konnte, Pa. Sie waren zu f�nft.�</p><p>Er konnte sich nicht l�nger beherrschen, ber�hrte Judahs Stirn, strich eine Haarstr�hne zur�ck, k�mpfte gegen das eigene Zittern an. Judiths Schatten fiel �ber seinen Arm. �Ihm fehlt nichts�, sagte Cooper; wie Ebbe wich die Furcht aus ihm.</p><p><strong>59</strong></p><p>Das Wetter war warm an diesem Morgen in der besetzten Stadt New Orleans. Colonel Elkanah Bents emotionale Temperatur war ebenfalls gestiegen und hatte sich dem Stimmungsbarometer der Einheimischen angepa�t, die mit ihm an der Ecke Chartres und Canal Street standen und den greifbaren Beweis f�r General Ben Butlers Radikalismus betrachteten.</p><p>Bent, fetter denn je, eine Zigarre paffend, war ebenso w�tend wie die Zivilisten, obwohl er es nicht zu zeigen wagte. Dr�hnende Trommeln, schrille Querpfeifen, vornweg schlaffe Fahnen, so paradierten die First Louisiana Native Guards am Kanal entlang. Generalmajor Butler hatte das Regiment im Sp�tsommer aufgestellt, im Kielwasser anderer Abscheulichkeiten, wozu die Hinrichtung Mumfords durch den Strang z�hlte, des Mannes, der es gewagt hatte, eine amerikanische Flagge von der M�nzst�tte zu rei�en, sowie eines Befehls vom 15. Mai, der die Verhaftung von Frauen, die Unionssoldaten beleidigt hatten, und ihre Behandlung als Prostituierte anordnete.</p><p>Im Vergleich zu dem hier waren das Schuljungenstreiche, dachte Bent. Die blo�e Existenz der Niggertruppe, offiziell am 27. September angemustert, erschien ihm unglaublich und absto�end. Er bedauerte die Offiziere dieses Regiments, die ehemalige Baumwollpfl�cker und Hafenarbeiter zu kommandieren hatten.</p><p>Das Negerregiment war kein Ger�cht mehr, er hatte es direkt vor Augen � gelbe Gesichter, braune Gesichter, ebenholzschwarze Gesichter. Wie sie grinsten und mit den Augen rollten, w�hrend sie an ihren alten Unterdr�ckern vorbeistolzierten, die vor lauter Unglauben und Abscheu wie zu Statuen erstarrt dastanden.</p><p>Bents H�nde begannen zu zucken, als er an ein Glas Schnaps dachte. Zu fr�h. Viel zu fr�h. Aber er konnte den Wunsch nicht unterdr�cken, dem er in letzter Zeit immer h�ufiger nachgab. Seit Pittsburg Landing war es mit ihm abw�rts gegangen. Nach einer m�hsamen Reise an die Ostk�ste und einer Dampferfahrt um die Spitze Floridas hatte er Butlers Hauptquartier in New Orleans erreicht. Nach einer zweimin�tigen Unterredung mit dem schiel�ugigen kleinen Politiker aus Massachusetts fand sich Bent bei der Milit�rpolizei wieder. F�r ihn der ideale Dienst, weil er dadurch sowohl Zivilisten als auch Soldaten Befehle erteilen konnte.</p><p>Bent hatte New Orleans bereits gekannt. Er geno� die gepflegte Atmosph�re der Stadt und die Freuden, die sie einem Gentleman mit Geld zu bieten hatte. In den Bordellen hatte er eine gewisse Leidenschaft f�r Gleichberechtigung entwickelt; er war bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um mit einem Niggerm�dchen, vor allem einem sehr jungen, schlafen zu k�nnen. Letzte Nacht hatte er ein solches Erlebnis genossen.</p><p>Bent sp�hte hinter dem Regiment her � dem Corps d�Afrique, wie sich die �berheblichen Nigger selbst bezeichneten. Bent marschierte los, auf den alten Platz zu; auf den Gehsteigen �berall unfreundliche Gesichter. Ah, aber die Zivilisten traten beiseite. Jawohl, das taten sie.</p><p>Seine Gedanken wandten sich wieder den Bordellen zu. Es gab da ein Haus, das er bei passender Gelegenheit besonders gern besucht h�tte. Vor dem Krieg war er zuf�llig dort gewesen, auf dem R�ckweg von dem h�llischen Dienst in Texas. In den R�umen der Hausherrin hingen viele wundersch�ne Gem�lde, einschlie�lich eines Frauenportr�ts, das in irgendeinem Zusammenhang, den er noch nicht ganz durchschaut hatte, mit der Main-Familie stand. Der Zusammenhang allerdings war klar. In Charles Mains Quartier in Texas hatte er das Foto einer Frau mit praktisch identischen Gesichtsz�gen gesehen.</p><p>Was Bents Phantasie auf Touren brachte, waren die Fakten, die ihm die Besitzerin des Bordells, Madame Conti, mitgeteilt hatte. Das Bild stellte eine Terzeronin dar, eine Viertelnegerin, die einst in diesem Etablissement gearbeitet hatte. Anders ausgedr�ckt: eine Niggerhure.</p><p>Das Gem�lde bildete einen der wenigen positiven Aspekte in Bents gegenw�rtigem Exil. Er glaubte es m�glicherweise als Waffe gegen die Mains einsetzen zu k�nnen. Er wu�te, da� das Bordell immer noch unter Madame Contis Leitung stand, und nahm an, da� sich das Gem�lde noch dort befinden w�rde.</p><p>Als er Bienville erreichte, wu�te er, da� er so schnell wie m�glich einen Drink haben mu�te. In dem Moment bemerkte er eine gutgekleidete wei�e Frau, die hinter der Kreuzung der schmalen Stra�en aus einer Kutsche stieg. Sie entlie� den Fahrer und ging, genau wie Bent, auf die Kathedrale zu. Aus der anderen Richtung n�herten sich, lachend und einander rempelnd, zwei schwarze Soldaten. Gelbe Streifen an den hellblauen Hosen zeigten, da� sie zu der von Ben Butler aufgestellten Kavallerie geh�rten.</p><p>Die Frau blieb stehen. Die Soldaten, den Gehsteig blockierend, ebenfalls. Bent sah den Hut der Frau wippen, als sie etwas sagte. Die Soldaten reagierten mit Gel�chter. Bent zog seinen Parades�bel und w�lzte sich �ber die Stra�e.</p><p>�Aus dem Weg, M�nner.�</p><p>Sie blieben stehen.</p><p>�Das war ein Befehl. Runter vom Gehsteig, la�t die Lady vorbei.�</p><p>Sie blockierten weiterhin den Gehsteig. Es war eine Art von Ungehorsam, die ihm nicht unbekannt war, aber wegen der Hautfarbe der M�nner �rgerte er sich mehr dar�ber. W�ren Butler und Old Abe nicht gewesen, sie h�tten es nicht gewagt, ihm zu trotzen.</p><p>Bent h�rte einen der Kavalleristen etwas Abf�lliges �ber wei�e Offiziere murmeln. Wie dumm von ihm, sich mit solchen Rowdies einzulassen. Wenn sie ihn nun attackierten?</p><p>Die Rettung nahte in Gestalt von drei wei�en Soldaten. Der Sergeant trug einen Revolver. Bent winkte mit seinem S�bel. �Sergeant! Sofort hierher.�</p><p>Das Trio kam angerannt. Bent stellte sich vor. �Bringen Sie diese beiden Befehlsverweigerer zur Milit�rpolizei. Ich komme nach, um Anklage zu erheben.� Sein Atem ging nun langsamer; nun konnte er die Nigger mit Verachtung �bersch�tten. �Wenn ihr zur Armee der Union geh�ren wollt, Gentlemen, dann m��t ihr euch wie menschliche Wesen und nicht wie Affen auff�hren. Abtreten, Sergeant.�</p><p>Der Unteroffizier zog seinen Revolver. Er und seine M�nner begannen den Auftrag zu genie�en. Sie stie�en die beiden Schwarzen herum und traten ihnen gegen die Schienbeine.</p><p>�Colonel?�</p><p>Er zog seinen Hut; die attraktive Frau war in ihren mittleren Jahren. �Ma�am? Ich bitte um Entschuldigung wegen der Art und Weise, wie Sie von diesen � Soldaten bel�stigt wurden.�</p><p>�Ich bin sehr dankbar f�r Ihr Eingreifen.� Ihr Akzent klang st�dtisch, ihre Stimme melodisch und warm. �Hoffentlich nehmen Sie es mir nicht �bel, wenn ich sage, da� Sie kein typisches Mitglied der Besatzungsarmee sind. F�r einen Mann mit Ihrer Sensibilit�t w�re es nat�rlicher, Grau zu tragen. Ich danke Ihnen nochmals. Guten Tag.�</p><p>�berw�ltigt murmelte er: �Guten Tag�, w�hrend sie in dem Eingang verschwand, der ihr Ziel gewesen war.</p><p>Vielleicht hatte die Frau recht. Die Seiten zu wechseln war nat�rlich unm�glich, aber m�glicherweise war es ein Irrtum gewesen, da� er sein Leben lang die S�dstaatler verflucht hatte. In gewisser Weise mochte er mehr Reb als Yank sein. Ein Jammer, da� er das erst so sp�t merkte.</p><p>Pl�tzlich wurde seine Aufmerksamkeit von zwei M�nnern auf dem Platz gefangengenommen. Einer war der Bruder des Kommandierenden Generals, ein Armeeoffizier, den man �berall in New Orleans sah. Der andere �</p><p>Er w�hlte in seinem Ged�chtnis, dann hatte er es. Stanley Hazard. Bent hatte ihn vor �ber einem Jahr bei Willard�s gesehen. Was tat er hier?</p><p>Der �berraschende Anblick von Stanley erinnerte ihn an George und Orry. Er durfte keine der beiden Familien vergessen und was er ihnen alles heimzuzahlen hatte. Bevor er New Orleans verlie�, mu�te er das Gem�lde in dem Bordell an sich bringen.</p><p>Der h�fliche, zur�ckhaltende Gentleman, der den Tisch mit Stanley teilte, trug die Abzeichen eines Colonels, obwohl der Ursprung dieses Dienstgrades ein Geheimnis blieb. Stanley hatte einige Nachforschungen angestellt, bevor er Washington verlassen hatte. In einer Gruppe von Berichten wurde der Offizier st�ndig als Captain Butler bezeichnet. Andere im Kriegsministerium archivierte Berichte f�hrten ihn als Colonel Butler, obwohl diese Berichte meist von seinem Bruder stammten. Anders ausgedr�ckt: Wenn ein Gentleman einen Posten im Stab seines Bruders bekam, dann war sein Aufstieg unaufhaltsam. Ob das legal zustande kam, spielte keine Rolle; nur Macht und Einflu� des Mannes z�hlten. Er verf�gte reichlich �ber beides, und so �bersah Stanley gern die Unkorrektheiten.</p><p>Stanley achtete darauf, nicht zuviel Champagner zu trinken, den die livrierten Kellner nachschenkten; schwierige Verhandlungen lagen vor ihm. W�hrend des Essens behandelten sie harmlose Themen. Butler erkundigte sich nach seiner Reise.</p><p>�Oh, bestens. Seeluft soll ja sehr gesund sein.� Er hatte nicht viel davon mitbekommen. Er war nur aus seiner Koje aufgestanden, um sich in einen Eimer zu �bergeben.</p><p>�Nun, Sir�, Stanleys Gast lehnte sich zur�ck, �ich danke Ihnen f�r das herrliche Mahl. Aber da Sie nur kurz hier sind, kommen wir vielleicht besser gleich zum Anla� Ihres Besuches.�</p><p>�Mit Freuden, Colonel. Damit Sie sich ein allgemeines Bild machen k�nnen, m�chte ich Ihnen sagen, da� ich der Eigent�mer der Fabrik Lashbrooks in Lynn, Massachusetts, bin.�</p><p>�Armeeschuhwerk�, bemerkte Colonel Andrew Butler mit einem Nicken. �ber Stanleys R�cken lief ein kleiner Schauder. Der Mann wu�te alles �ber ihn.</p><p>Mit der Serviette betupfte sich Stanley nerv�s die Lippen. �Dies hier ist ein ziemlich �ffentlicher Ort. Sollten wir nicht?�</p><p>�Nein, hier sind wir bestens aufgehoben.� Butler f�hrte ein Streichholz an eine gro�e Havanna. �An der H�lfte der Tische in diesem Restaurant werden, �h, �hnliche Arrangements abgeschlossen. Wenn auch nicht in der Gr��enordnung, die Sie vorschlagen. Bitte fahren Sie fort.�</p><p>Stanley sammelte all seinen Mut und st�rzte sich ins kalte Wasser. �Soviel ich wei�, werden Schuhe verzweifelt ben�tigt.�</p><p>�Verzweifelt�, murmelte Butler und stie� eine Rauchwolke aus.</p><p>�Im Norden wird dringend Baumwolle ben�tigt.�</p><p>�Ist zu haben. Man mu� nur kooperative Quellen kennen und wissen, wie man sie in die Stadt und auf die Docks bekommt.� Butler l�chelte. �Ihnen ist klar, da� ich bei jeder Transaktion sowohl vom K�ufer als auch vom Verk�ufer eine Provision erhalte?�</p><p>�Ja, ja � das spielt keine Rolle, wenn Sie mir beim Transport von Schuhen zu den Kon�, �h, zu denen, die sie ben�tigen, helfen k�nnen und gleichzeitig Baumwolle in ausreichender Menge liefern, so da� der Wiederverkauf das nicht unbetr�chtliche Risiko lohnt. Es gibt Gesetze gegen den Handel mit dem Feind.�</p><p>�Tats�chlich? Ich bin zu besch�ftigt gewesen, um das zu bemerken.� Er lachte herzlich, und Stanley stimmte ein.</p><p>Sie begaben sich auf einen Spaziergang und arbeiteten die Einzelheiten aus. Stanley f�hlte sich gro�artig in dem milden Sonnenschein des Fr�hwinters. Unglaublich, da� an irgendwelchen fernen Orten M�nner ihre Leben f�r Slogans hingaben.</p><p>Bei seiner dritten Zigarre begann Andrew Butler �ber seinen Bruder zu philosophieren. �Sie haben ihm den Spitznamen �Beast� gegeben, weil er gedroht hat, die Frauen der Stadt wie Huren zu behandeln, wenn Sie abf�llige Bemerkungen �ber unsere Jungs machen sollten. Au�erdem gaben sie ihm den Spitznamen �L�ffel�, weil sie meinen, er pl�ndere Privath�user aus. Glauben Sie mir, Stanley, wenn Ben stehlen m�chte, dann w�rde er sich nicht mit L�ffeln abgeben. Schlie�lich kommt er aus der Massachusetts-Politik � und ist zus�tzlich Anwalt.� Sie gingen Richtung Flu�, wo ein Raddampfer angelegt hatte. Butler fuhr fort: �Die Leute in dieser Stadt haben ja keine Ahnung. Zum Gl�ck werden wir es bei unserem kleinen gesch�ftlichen Abenteuer mit Gentlemen zu tun haben, die pers�nlichen Profit �ber alberne Slogans stellen.�</p><p>�Sie meinen die Baumwollpflanzer?�</p><p>�Ja. Ihr Wunsch, sich als umg�nglich zu erweisen, wurde durch die Erfahrung einiger weniger verst�rkt, die mir urspr�nglich ihre Kooperation verweigert hatten � und ihre Baumwolle. Die Sklaven dieser Gentlemen waren ganz pl�tzlich abwesend. Als sie sich schlie�lich bereit erkl�rten, ihre Ernte auf dem allgemeinen Markt anzubieten, tauchten die Sklaven selbstverst�ndlich wieder auf, um die schwere Arbeit zu tun.�</p><p>Arbeit unter den Bajonetten der Soldaten der Vereinigten Staaten, dachte Stanley. Die skandal�sen Geschichten waren bis nach Washington gedrungen. Doch das erw�hnte er nicht.</p><p>�Selbst in Kriegszeiten�, schlo� Butler, �ist eine praktische Einstellung h�ufig kl�ger als Patriotismus.�</p><p>�Ja, eindeutig�, stimmte Stanley zu. Champagner und Sonnenschein und Erfolg erzeugten ein Selbstwertgef�hl, wie er es noch nie im Leben empfunden hatte. Isabel sollte stolz auf das sein, was er heute vollbracht hatte. Verdammt stolz sogar. Er jedenfalls war es.</p><p>Ende November wu�ten die meisten Offiziere der Golf-Armee, da� sie gegen Jahresende einen neuen Kommandeur haben w�rden. Die Proteste gegen Butlers Stil waren zu zahlreich geworden. Ein neuer Kommandeur hatte f�r gew�hnlich viele Versetzungen zur Folge. Elkanah Bent erkannte, da� er das Gem�lde sofort an sich bringen mu�te.</p><p>An drei Abenden beobachtete er Madame Contis Eingang. Das Bordell war sowohl bei Offizieren als auch bei Unteroffizieren beliebt, obwohl es gegen die Vorschriften verstie�, da� sie erstens gemeinsam und zweitens �berhaupt einen solchen Ort besuchten. Die M�nner gingen still und heimlich hinein und kamen stockbesoffen wieder hinaus. Innerhalb einer halben Stunde beobachtete Bent zwei Schl�gereien, was ihn zus�tzlich aufheiterte.</p><p>In seinem Zimmer setzte er sich hin und entwickelte einen Plan. Die Frau, die das Bordell leitete, w�rde ihm niemals das Portr�t verkaufen. Er war nicht gewillt, einen Einbruch sp�t nachts zu riskieren; sehr lebhaft erinnerte er sich an Madame Contis schwarze Helfer. Er mu�te das Bild stehlen, w�hrend andere mit dem besch�ftigt waren, was in Milit�rkreisen als Ablenkungsman�ver bekannt war. Bei dem angeheiterten Zustand der Bordellbesucher sollte das nicht schwierig zu erreichen sein.</p><p>Am n�chsten Samstagabend stieg Bent in voller Ausgehuniform die wundersch�ne schwarze Eisentreppe hoch. Im Wohnzimmer fand er eine gro�e, l�rmende Menge Soldaten vor, von denen er keinen kannte. Gl�ck.</p><p>Er bestellte sich einen Bourbon, nahm gelegentlich einen Schluck und h�rte zu. Wenn die M�nner nicht vor den Huren angaben, dann faselten sie von zu Hause oder beschimpften den S�den. Ideal.</p><p>Er bestellte einen zweiten Drink. Pl�tzlich begann es in seinem Nacken zu kribbeln. Beobachtete ihn jemand?</p><p>�Guten Abend, Colonel. Ich dachte, ich h�tte einen alten Kunden erkannt.� Sie war gute sechzig; die Masse ihres wei�en Haares war zu einer verbl�ffenden Frisur get�rmt.</p><p>Er fing an zu schwitzen; sein L�cheln war unaufrichtig. �Sie haben ein gutes Ged�chtnis, Madame Conti.�</p><p>�Ich erinnere mich lediglich an Ihr Gesicht, nicht an Ihren Namen.� Klugerweise erw�hnte sie ihren Streit �ber den Preis f�r gewisse Spezialleistungen nicht, die ihm die Hure, mit der er zu Bett gegangen war, erwiesen hatte.</p><p>�Bent.� Bei seinem ersten Besuch hatte er seinen wirklichen Namen noch sch�tzen wollen und sich Benton genannt, weil er da noch an eine Armeekarriere geglaubt hatte. Zu der Zeit war ihm noch nicht klar gewesen, da� die Gener�le niemals Talent, sondern nur Einflu� anerkannten.</p><p><emphasis>Und du verf�gst �ber keinerlei Einflu�. Du wei�t, wer daf�r verantwortlich ist: dein Vater, der dich im Tode noch verraten hat. Die Mains und die Hazards, General Billy Sherman und Unmengen unbekannter Feinde, die sich verschworen haben �</emphasis></p><p>�Colonel? Geht es Ihnen nicht gut?�</p><p>Eine pochende Ader an seiner Stirn gl�ttete sich. Sein Atem beruhigte sich. �Nur eine kleine Benommenheit. Nichts Ernstes.�</p><p>Sie entspannte sich. �Colonel Bent. Richtig.� Vergeblich suchte er den Schatten eines Zweifels in ihren Augen.</p><p>�Ich erinnere mich an einen Neger, der f�r Sie gearbeitet hat � ein riesiger, wilder Bursche.� <emphasis>Bereit, auf Befehl zu t�ten.</emphasis> �Ich hab� ihn heute abend noch gar nicht gesehen. Ist er immer noch bei Ihnen?�</p><p>Voller Bitterkeit: �Nein. Pomp wollte zur Armee. Er war ein freier Mann, und ich konnte ihn nicht davon abbringen. Zum Gesch�ft, Colonel. Was k�nnen wir Ihnen heute abend bieten? Sie kennen unsere speziellen Angebote, wenn ich mich recht entsinne.�</p><p>Er h�tte gern einen ihrer jungen Boys gehabt, wagte aber inmitten all der Soldaten nicht, danach zu fragen. �Ein wei�es M�dchen, denke ich. Mit Fleisch auf den Knochen.�</p><p>�Kommen Sie, lernen Sie Marthe kennen. Eine Deutsche, aber sie lernt englisch. Eine Bitte: Marthes j�ngerer Bruder dient in einem Louisiana-Regiment. Wir sind zwar unparteiisch, aber Sie erw�hnen besser den Krieg nicht.�</p><p>�Nat�rlich, nat�rlich.� Besorgnis beschleunigte seine Antwort. W�rde er es durchstehen? Er mu�te.</p><p>Er bestellte eine Magnumflasche franz�sischen Champagners und watschelte dann mit, um sich der Hure vorstellen zu lassen.</p><p>�Sehr sch�n, Liebling�, sagte Marthe zwanzig Minuten sp�ter. �Sehr befriedigend.� Sie hatte einen schweren Akzent und porzellanblaue Augen, die sie w�hrend der ganzen Zeit auf die Decke gerichtet hatte. Rundlich und rosig angehaucht von der kurzen Anstrengung lag sie da und spielte mit ihren Korkenzieherl�ckchen.</p><p>Bent hatte ihr den R�cken zugewandt und k�mpfte sich in seine Hosen. Jetzt, sagte er zu sich. Jetzt. Er nahm die Flasche und leerte den letzten Tropfen des abgestandenen Champagners.</p><p>Die mollige Hure erhob sich und griff nach ihrem blauseidenen Kimono. �Zeit zu zahlen, Liebling. Der Junge unten an der Bar nimmt dein Geld un��</p><p>Bent wirbelte herum. Sie sah seine erhobene Faust, aber vor lauter Verwirrung brachte sie keinen Schrei heraus. Er traf sie hart. Ihr Kopf ruckte zur�ck. Sie fiel, vor Wut und Schmerz aufkreischend, aufs Bett zur�ck.</p><p>Er wandte sich ab, damit sie ihn nicht beobachten konnte, und fuhr sich mit den Fingern�geln �ber die linke Backe, bis er Blut sp�rte. Dann packte er seinen Uniformrock und schwankte zur T�r.</p><p>Die Hure fiel von hinten �ber ihn her, h�mmerte mit den F�usten auf ihn ein und bellte deutsche Fl�che. Bent schlug zweimal zur�ck, dann st�rzte er auf den schwach erhellten Flur hinaus. �berall gingen T�ren auf, verschwommene Gesichter tauchten auf. Was hatte der Aufruhr zu bedeuten?</p><p>Sein S�bel fiel ihm ein, den er zur�ckgelassen hatte.</p><p>Er taumelte die Treppe hinunter; Blut tropfte von seinem Kinn. �Die verfluchte Rebellenhure hat mich angegriffen! Sie hat mich angegriffen!�</p><p>Er st�rzte durch den Torbogen in den Salon. �Schaut her, was die Hure mir angetan hat!� Bent deutete auf seine blutige Backe. �Sie nannte General Butler einen verpi�ten Stra�enk�ter, spuckte auf meine Uniform, dann ist sie mit Fingern�geln auf mich losgegangen. In diesem Verr�ternest zahl� ich keinen Penny.�</p><p>�Recht haben Sie, Colonel�, sagte ein Captain mit dunklem Bart. Mehrere M�nner standen auf. Marthe kam die Treppe heruntergerannt; ihre hinausgeheulten deutschen Fl�che erh�hten noch die Wirkung von Bents Geschichte. Durch den dichten Rauch hindurch sah er die Hand des Barmannes unter dem Tresen verschwinden. Hinter ihm �ffnete sich die T�r, und Madame Conti kam herausgeeilt; das B�ro � genau so, wie er es in Erinnerung gehabt hatte.</p><p>�Ich bitte um Ruhe. Ich erlaube keinen derartigen � �</p><p>�Und das machen wir mit Leuten, die die Armee der Vereinigten Staaten beleidigen.� Bent packte den n�chsten Stuhl und knallte ihn auf die Marmorbar.</p><p>�Aufh�ren, aufh�ren�, rief Madame Conti mit einem Unterton von Verzweiflung. Einige M�dchen flohen quietschend. Er nahm einen weiteren Stuhl und schleuderte ihn zur Seite, in einen dekorativen Spiegel hinein. Begeistert wie kleine Jungs machten die betrunkenen Soldaten mit. Tische st�rzten um. St�hle zerbrachen. Madame Conti versuchte die Zerst�rung ihres Salons zu verhindern, gab dann auf und st�rzte davon, als das Zerst�rungswerk auf die anderen R�ume �bergriff. Ein Offizier erwischte sie, hob sie hoch und schleppte sie auf seiner Schulter au�er Sicht.</p><p>Vor Aufregung und Angst keuchend, rannte Bent ins B�ro. Da war die rotget�nte Tapete, die genaue Anordnung der Gem�lde � und da war das Portr�t der Terzeronin. Bent holte ein Klappmesser hervor und begann die Leinwand aus dem Rahmen zu schneiden. Nach anderthalb Minuten hatte er das Portr�t fast herausgel�st.</p><p>�Was tun Sie da?�</p><p>Ein Schnitt, ein Ruck � das Bild geh�rte ihm. Er begann es zusammenzurollen. �Sie haben es ruiniert�, rief Madame und kam auf ihn zugeeilt. Bent lie� das Gem�lde fallen und schlug ihr die Faust an den Kopf. Sie w�re gest�rzt, h�tte sie sich nicht an der Schreibtischkante angeklammert.</p><p>Ihre Frisur war dahin; durch wirre graue Str�hnen hindurch starrte sie ihn an. �Beim erstenmal war Ihr Name nicht Bent; er war � �</p><p>Wieder schlug er sie. Wimmernd blieb sie am Boden liegen, w�hrend er das zusammengerollte Bild nahm und hinauseilte; sollten seine Armeekameraden das Werk vollenden. Dem Geschrei und Get�se nach zu urteilen, das hinter ihm langsam in der Dunkelheit verklang, machte ihnen ihre Arbeit offensichtlich Spa�.</p><p>F�r alle war es ein netter Abend gewesen.</p><p><strong>60</strong></p><p>Burnside brachte die Potomac-Armee Mitte November zum Rappahannock. Die Pioniere kamen in dem riesigen Lager von Falmouth in H�tten unter und warteten. Selten hatte Billy so viele Klagen geh�rt.</p><p>�Wir z�gern so lange, bis sie ihre besten Einheiten gegen uns aufgestellt haben.�</p><p>�Schlechtes Terrain, Fredericksburg. Was sollen wir tun, die Anh�hen hochst�rmen wie die Rotr�cke bei Breed�s Hill, blo� um genauso niedergem�ht zu werden?�</p><p>�Der General ist ein Hosenschei�er, der kann gerade seinen Bart k�mmen, sonst nichts. In diesem Land ist kein Offizier in der Lage, diese Armee zum Sieg zu f�hren.�</p><p>Trotz Lije Farmers Dr�ngen, er solle Vertrauen haben und die Unzufriedenen ignorieren, begann Billy den Unzufriedenen zu glauben. Das Vertrauen in Burnside wurde nicht gerade gr��er, als die Geschichte die Runde machte, er bitte seinen Koch um strategische Ratschl�ge.</p><p>Das Wetter, na� und scheu�lich, verst�rkte Billys Elend und griff ihn schlie�lich physisch an. Am 9. Dezember begann er zu niesen, dann folgten �belkeit und Kopfschmerzen. Am n�chsten Abend, als der Ponton-Zug sich zu einem vor kurzem erkundeten Feld am Flu� in Bewegung setzte, gl�hte seine Stirn, und er konnte nur mit M�he ein heftiges Zittern unterdr�cken. Er sagte nichts davon.</p><p>Sie bewegten sich so leise wie m�glich. Der einsetzende Nebel d�mpfte jeden Laut. Um drei Uhr morgens wurden die Boote abgeladen. Jeder wu�te, was die farbigen Flecken im Nebel zu bedeuten hatten: Zwischen den B�umen und gro�en H�usern am anderen Ufer brannten die Wachfeuer der Konf�derierten.</p><p>�Leise�, sagte Billy alle paar Minuten. Das Fieber wirbelte seine Gedanken durcheinander und verschleierte sein Blickfeld, aber Billy machte weiter. Es fing an zu nieseln. Dann setzten bei ihm die Schmerzen ein.</p><p>W�hrend einer Arbeitspause schlang er die Arme um seinen Leib, in dem vergeblichen Versuch, sich etwas aufzuw�rmen. Lije tauchte auf, ber�hrte ihn an der Schulter.</p><p>�Es sind gen�gend M�nner hier. Geh zum Arzt, wo du hingeh�rst.�</p><p>Billy sch�ttelte die Hand seines Freundes ab. �Ich bin in Ordnung.�</p><p>Lije stand still, sagte nichts, aber Billy wu�te, da� er ihn verletzt hatte. Er wollte sich entschuldigen, aber Lije wandte sich ab und ging zur�ck zu seinen M�nnern.</p><p>Kurz vor Tagesanbruch wurden die ersten Boote zu Wasser gelassen. Die M�nner lie�en ein Boot fallen, und es klatschte laut wie ein Schu� ins Flachwasser.</p><p>�ber den Warnschrei des Wachpostens hinweg rief Lije: �Vorw�rts, Jungs. Jetzt braucht ihr nicht mehr leise zu sein.�</p><p>Mit Balken und Pfosten rannten sie vor, als dr�ben eine kleine Signalkanone losging. Vor den Wachfeuern zeichneten sich laufende Gestalten ab. Eine Abteilung Infanterie tauchte hinter den Pionieren auf. Artillerie wurde oben am Steilhang in Stellung gebracht. Billy vermutete, all das zusammen w�rde lediglich einen d�rftigen Schutz abgeben.</p><p>Sie hatten f�nf Boote verankert und zwei �berplankt, als der Feind das Feuer er�ffnete. Billy arbeitete am Ende der Br�cke, die bald schon bis in die Mitte des Flusses ragte. Er h�rte das Gewehrfeuer.</p><p>Eine Kugel klatschte rechts von ihm ins Wasser; eine andere traf das Pontonboot, �ber dem er kniete.</p><p>�Wenn ich nur mein verfluchtes Gewehr h�tte�, sagte jemand.</p><p>�Spar dir den Atem�, sagte Billy. �Arbeite.�</p><p>M�nner rannten mit Bohlen nach vorn. Ein Mann zuckte zusammen und kippte seitlich in den Rappahannock. H�nde griffen nach ihm, zerrten den Verwundeten heraus. Nie war Billy Wasser so eisig erschienen. Lije rannte vor zur Br�cke. �Mut, Jungs. Unsere Seele wartet auf den Herrn. Er ist unsere Hilfe und unser Schutz.�</p><p>Den Mann in Sicherheit bringend � Blut und Wasser str�mten aus seinem Gesicht � drehte sich Billy herum und sagte: �Halt die Klappe, Lije. Der Herr, unser Schutz, hat dem Mann nicht geholfen, und Er wird auch uns nicht helfen, also halt die Klappe, ja?�</p><p>Der wei�b�rtige Mann schien zu schrumpfen. �rger blitzte in seinen Augen auf, wurde schnell von Trauer verdr�ngt. Billy h�tte sich am liebsten die Zunge abgebissen. �ber die schl�pfrige Br�cke rannte er auf Lije zu und packte ihn am Arm.</p><p>�Ich hab�s nicht so gemeint. Tut mir unendlich leid, da� ich sowas gesagt � �</p><p>�Deckung�, br�llte Lije, als die Rebellen dr�ben eine Salve abfeuerten. Er gab Billy einen Sto� und warf sich �ber ihn.</p><p>Billys Kopf knallte gegen die Br�cke. Er versuchte aufzustehen, aber zuviel dr�ckte ihn nieder. Zuviel Krankheit, M�digkeit, Verzweiflung. Besch�mt, wie er war, lie� er sich in die tr�stende Finsternis sinken.</p><p>Am gleichen Tag noch � dem 11. Dezember � lag Billy im Feldhospital in Falmouth. Dort erfuhr er, da� die Pioniere den ganzen Morgen unter st�ndigem Beschu� gearbeitet und gegen Mittag zwei von f�nf geplanten Br�cken �ber den Rappahannock beendet hatten.</p><p>Zu schwach, um den Dienst wieder aufzunehmen, verbrachte er den Samstag damit, der Kanonade zu lauschen. Am Sonntag besuchte ihn Lije und erkundigte sich nach seinem Befinden.</p><p>�Ich sch�me mich, Lije. Ich sch�me mich f�r das, was ich gesagt hab� und wie ich�s gesagt hab�.�</p><p>�Nun, Sir�, erwiderte der �ltere etwas formell, �ich habe es mir eine Weile zu Herzen genommen.�</p><p>�Du hast mich vor einer Kugel gerettet.�</p><p>�Niemand ist vollkommen. Du warst krank, wir waren alle ersch�pft, und die Situation war gef�hrlich. Wem kann man unter solchen Umst�nden ein grobes Wort �belnehmen?�</p><p>Sein Prophetengesicht wurde sanft. �Du wirst zweifellos die letzten Neuigkeiten h�ren wollen. Ich f�rchte, deine d�steren Vorahnungen haben sich voll best�tigt. Selbst mein Vertrauen und mein Glaube werden durch die gestrigen Ereignisse aufs �u�erste beansprucht.�</p><p>Zwischen den Reihen der Kranken, Verwundeten und Sterbenden erz�hlte Lije seinem Freund, wie die Bundestruppen den Flu� �berquert hatten und was ihnen dort zugesto�en war.</p><p><strong>61</strong></p><p>Am gleichen Samstagabend hielten drei M�nner in Minister Stantons B�ro eine Nachtwache ab.</p><p>Drau�en trieb der Potomacnebel an den Fenstern vorbei. Stanley w�nschte, die Nachtwache w�rde bald enden, damit er heimgehen, damit er die letzten Berichte von Lashbrooks durchsehen konnte; die gewaltigen Gesch�fte hatten sich dank des geheimen, von Butler arrangierten Vertrages verdoppelt.</p><p>Major Albert Johnson, der arrogante junge Mann, der fr�her Stantons Kanzleiangestellter gewesen und nun zu dessen vertrauensw�rdigstem Gehilfen geworden war, marschierte im B�ro auf und ab. Der Pr�sident lag auf der Couch, wo er den gr��ten Teil des Tages zugebracht hatte. Sein altmodischer Anzug war zerknittert. Seine Augen, auf irgendeinen Punkt auf dem Teppich gerichtet, pa�ten zu einem Trauernden. Seine Gesichtsfarbe lie� auf Gelbsucht schlie�en.</p><p>Lincoln hatte ihnen ver�rgert mitgeteilt, da� ein Mr. Villard, Korrespondent von Greeleys <emphasis>Trib�ne,</emphasis> am Samstag von der Front zur�ckgekehrt und um zehn Uhr abends ins Regierungsgeb�ude gebracht worden war. Dort hatte er berichtet, was er wu�te, und gegen die Weigerung des Milit�rzensors protestiert, seine Meldung �ber den vergeblichen Angriff von Burnside auf Fredericksburg durchzugeben. �Ich bot ihm eine Entschuldigung an und sagte, die Nachrichten w�rden hoffentlich nicht so schlimm sein, wie es ihm erschienen war.�</p><p>Keiner von ihnen wu�te etwas Genaues. Der Minister kontrollierte, was ver�ffentlicht wurde � die Milit�rzensoren waren ihm unterstellt und au�erdem kontrollierte er den Telegraphen von der Front. Nichts gelangte nach Washington, ohne da� Stanton zuerst davon erfuhr. Er behandelte Lincoln nun als guten Freund, obwohl er die Beziehung so manipuliert hatte, da� der Pr�sident der abh�ngige und nicht der dominierende Partner war.</p><p>Die T�r zum Chiffre-Raum �ffnete sich. Johnson hielt inne. Stanley sprang auf. Stanton tauchte mit ein paar d�nnen gelben Bl�ttern auf � dechiffrierten Kopien von Frontmeldungen. Der Minister roch nach K�lnischwasser und kr�ftiger Seife, was bedeutete, da� er heute einen �ffentlichen Auftritt gehabt hatte. Stanton pflegte sich nach jedem Kontakt mit der �ffentlichkeit zu schrubben und zu salben.</p><p>�Wie sind die Nachrichten?� fragte Lincoln.</p><p>Das Gaslicht verwandelte die Gl�ser von Stantons Brille in schimmernde Spiegel. �Nicht gut.�</p><p>�Ich wollte die Nachrichten haben, keine Beschreibung von ihnen.� Die Stimme des Pr�sidenten war rauh vor M�digkeit.</p><p>Stanton bog die Ecken der ersten beiden Bl�tter um. �Bedauerlicherweise scheint der junge Villard recht zu haben. Es hat wiederholte Angriffe in der Stadt gegeben.�</p><p>�Was war das Ziel?�</p><p>�Marye�s Heights. Eine so gut wie uneinnehmbare Stellung.�</p><p>Lincoln starrte ihn mit diesem hoffnungslosen Gesicht an. �Sind wir geschlagen?�</p><p>Stanton wich dem Blick nicht aus. �Jawohl, Herr Pr�sident.�</p><p>Langsam, als w�rde er unter Arthritis leiden, setzte sich Lincoln auf. Stanley h�rte ein Kniegelenk knirschen. Stanton reichte ihm die Kopien und fuhr ruhig fort: �Eine Meldung, die gerade kopiert wird, deutet darauf hin, da� General Burnside heute morgen erneut die Rebellenstellungen angreifen wollte. Seine Offiziere haben ihn von diesem unbesonnenen Vorgehen abgebracht.�</p><p>Lincoln bl�tterte die Kopien durch und warf sie dann auf die Couch. �Zuerst hatte ich einen General, der die Potomac-Armee als seine Leibwache besch�ftigte. Jetzt habe ich einen, der eine Niederlage damit feiert, da� er die n�chste anstrebt.� Kopfsch�ttelnd ging er zum Fenster und sp�hte hinaus in den Nebel, als w�ren dort alle Antworten zu finden.</p><p>Stanton r�usperte sich. Nach einem angespannten Schweigen drehte sich Lincoln um. Sein Gesicht war voll gekr�nkter Wut. �Ich nehme an, die Dampfer werden uns bald noch mehr Verwundete bringen?�</p><p>�Das haben sie bereits, Herr Pr�sident. Das erste Schiff vom Aquia Creek hat letzte Nacht angelegt.�</p><p>�Vermutlich sind die Zahlen hoch und die Verluste schwer?�</p><p>�Jawohl, Sir, die ersten Berichte deuten daraufhin.�</p><p>Bleicher denn je wandte sich der Pr�sident erneut dem Fenster zu und starrte in die Nacht hinaus. �Stanton, ich habe es zuvor schon gesagt. Wenn es einen schlimmeren Ort als die H�lle gibt, dann bin ich dort.�</p><p>�Wir teilen dieses Gef�hl, Herr Pr�sident.�</p><p>Stanley achtete darauf, ein entsprechend sorgenvolles Gesicht zu machen.</p><p>Ferne Schreie weckten Virgilia am Dienstagmorgen. Sie wandte den Kopf dem kleinen Fenster zu. Schwarz. Noch kein Tageslicht.</p><p>Die Scheibe war nicht zerbrochen, eine Seltenheit in dem alten Union-Hotel. Neue Hospit�ler � Pavillons nach dem Nightingale-Plan befanden sich im Bau, in einer Gr��enordnung von f�nfzehntausend Betten. Das Geld daf�r war im Juli letzten Jahres bewilligt worden. Bis zur Beendigung der Bauarbeiten mu�ten jedoch alle m�glichen ungeeigneten Geb�ude als Ersatz herhalten, angefangen von �ffentlichen Bauten und Kirchen bis zu Lager- und Privath�usern � vor allem in diesem trostlosen Dezember, der durch Burnsides st�mperhaftes Verhalten �ber zw�lftausend Opfer gebracht hatte.</p><p>Die Schreie hielten an. Schnell setzte sich Virgilia auf und griff nach der Lampe auf dem Boden. Sie war in ihrem schlichten, grauen Kleid und der langen, wei�en Sch�rze zu Bett gegangen. Sie hatte nicht gewu�t, wann sie gebraucht werden w�rde, da niemand gesagt hatte, ob die f�r das Union-Hotel-Hospital bestimmten Verwundeten mit der Bahn oder mit dem Dampfschiff in Washington ankommen w�rden.</p><p>Die flimmernde Lampe enth�llte die billige M�blierung des Zimmers und die zerfetzte Tapete. Das ganze Hotel war so, eine einzige Ruine. Ironischerweise befand sie sich weniger als eine halbe Meile vom Haus von George und Constance entfernt. Sie hatte keine Ahnung, ob ihr Bruder wu�te, da� sie als Krankenschwester in Washington arbeitete, hatte aber auch nicht die Absicht, ihn davon in Kenntnis zu setzen.</p><p>Sie empfand eine widerwillige Dankbarkeit Constance gegen�ber, ja sogar gegen�ber Billys Frau, die ihr geholfen hatte, ihr �u�eres Erscheinungsbild zu verbessern. Abgesehen davon w�rde es sie nicht besonders st�ren, wenn sie keine von beiden je wiedersah.</p><p>Virgilia gl�ttete ihr Haarnetz und verlie� das Zimmer, eine ordentliche, vollbusige Frau mit einer Aura von Autorit�t, die nachSeife roch. Station eins war ihr bereits unterstellt worden. Virgilia nahm das �bliche Gehalt von zw�lf Dollars pro Monat an, was nicht alle Freiwilligen taten. F�r sie war es eine Notwendigkeit, ein Schutz vor zuk�nftigem Ungl�ck.</p><p>Im Hotel wurde es lebendig. Aus der K�che drang der Duft von Kaffee und Suppe. Soldaten, die w�hrend ihrer Genesungszeit als Krankenpfleger arbeiteten, erhoben sich in Hallen und Fluren von ihren nicht allzu sauberen Strohs�cken. Ihr Stationsgehilfe, ein jugendlicher Artillerist aus Illinois namens Bob Pip, g�hnte und blinzelte, als sie sich ihm n�herte.</p><p>�Morgen, Oberin.�</p><p>�Auf, Bob, auf � sie sind da.�</p><p>Virgilia hatte den Nerv f�r die Krankenschwesterarbeit. Viele der Freiwilligen waren nicht geeignet und kehrten schnell nach Hause zur�ck. In ihrer Station hatte sie gerade so eine Person. Die junge Frau, erst drei Tage in Washington, f�hlte sich offensichtlich von ihren Pflichten abgesto�en. Trotzdem mochte Virgilia sie.</p><p>Sie klopfte laut an die T�r eines Salons, der in einen Schlafsaal f�r Krankenschwestern umgewandelt worden war; die Oberschwestern hatten kleine, getrennte R�ume.</p><p>�Meine Damen? Aufstehen, bitte. Sie sind da. Beeilt euch, ihr werdet auf der Stelle gebraucht.�</p><p>Virgilia schritt in den Krankensaal, inspizierte die Betten rechts und links. Als sie fertig war, trat ihre Assistentin ein. Sie war eine kr�ftige, einfache Frau von ungef�hr drei�ig Jahren, mit freundlichem Gesicht und dichtem, braunem zu Z�pfen geflochtenem Haar, das mit einem Netz zusammengehalten wurde. Sie hatte Virgilia erz�hlt, da� sie Schriftstellerin werden wollte und bereits einige Artikel und Verse publiziert hatte.</p><p>�Guten Morgen, Miss Alcott. Kommen Sie, helfen Sie mir bitte, die Verwundeten hereinzubringen.�</p><p>�Nat�rlich, Miss Hazard.�</p><p>Virgilia erteilte ihre Kommandos und rief: �Bob � Lloyd � Casey � bitte in die Halle.�</p><p>Sie setzte sich an die Spitze ihrer Gruppe. Louisa Alcotts Gesichtsausdruck ver�nderte sich. Die Halle war noch nicht in Sicht, aber schon konnten sie die kr�ftigen Ger�che wahrnehmen � vertraute Ger�che, von denen Virgilia beim erstenmal schlecht geworden war.</p><p>Sie hoffte, Miss Alcott w�rde durchhalten; irgend etwas sagte ihr, da� diese Frau alle Voraussetzungen f�r eine gute Krankenschwester hatte. Sie stammte aus einer ber�hmten Familie, aber das half ihr nicht viel. Virgilia war best�rzt, als Miss Alcott w�rgte und �Lieber Himmel� stammelte, als die Gruppe von Station eins die Halle betrat.</p><p>Und da waren sie, mit und ohne Kr�cken oder auf Bahren, die tapferen Jungs von Fredericksburg, manche so verkrustet von Schlamm und blutigen Verb�nden, da� man ihre Uniformen kaum noch erkennen konnte. Sie h�rte Louisa Alcott w�rgen und sagte schnell: �Tragen Sie von nun an immer ein mit Salmiak oder K�lnischwasser getr�nktes Taschentuch bei sich. Sie werden feststellen, da� Sie es bald nicht mehr ben�tigen.�</p><p>�Sie meinen, Sie haben sich daran gew�hnt?�</p><p>Aber Virgilia befand sich schon mitten unter den Bahrentr�gern. �Bringen Sie vierzig da lang, zum Ballsaal.�</p><p>Das Herz brach ihr bei dem Anblick. Ein Junge, die rechte Hand abges�gt, der Stumpf bandagiert. Ein Mann in ihrem Alter, am Fu� verwundet, der mit seiner Kr�cke k�mpfte und mit Augen wie Fensterglas um sich starrte. Ein Soldat auf einer Bahre, um sich schlagend, dem die Tr�nen in den schlammverkrusteten Bart tropften, w�hrend er st�ndig wiederholte: �Mutter. Mutter.� Virgilia nahm seine Hand und ging neben der Bahre her. Er wurde ruhiger; sie hielt seine Hand bis zum Eingang des Ballsaals.</p><p>Gestank von Dreck, eiternden Wunden, Kot und Kotze breitete sich aus. Der t�chtige Bob Pip legte Handt�cher, Schw�mme, braune Seife bereit.</p><p>�Wo zum Teufel sind wir hier?� Die dr�hnende Stimme hatte einen irischen Akzent. Hinter dem Ofen sah Virgilia einen breitschultrigen Soldaten, Mitte Zwanzig, mit roten Haaren und rotem Bart, der auf seinem Feldbett um sich schlug.</p><p>�Schaut nicht aus wie Erie, Pennsylvania � �</p><p>Pip erkl�rte dem Soldaten, da� er im Union-Hotel-Hospital sei. Der Mann begann aus dem Bett zu klettern. Pip hielt ihn zur�ck. Der Soldat fluchte und unternahm einen zweiten Versuch. Fangen wir mit ihm an, dachte Virgilia. Andere sahen zu, und es war wichtig, in der Station Autorit�t zu etablieren.</p><p>Sie ging auf das Feldbett des Iren zu. �H�ren Sie mit diesem schmutzigen Gerede auf. Wir sind hier, um Ihnen zu helfen.�</p><p>Der b�rtige Soldat starrte sie mit zusammengekniffenen Augen an. �Sparen Sie sich die Hilfe, Frau, und geben Sie mir was zu essen. Hatte nichts mehr zu bei�en, seit Burny mich den verdammten H�gel zum Sterben hochgejagt hat.� Er wackelte mit dem linken, in fleckige Bandagen gewickelten Fu�.</p><p>Die Bewegung hatte geschmerzt; er reagierte �rgerlich. �Jesus, Frau, steh�n Sie nicht rum. Ich will was zu essen.�</p><p>�Sie werden nichts bekommen, bevor wir nicht diese dreckigen Kleider entfernt und Sie gewaschen haben. Das ist die �bliche Krankenhauspraxis.�</p><p>�Und wer zum Teu� � wer soll mich waschen, wenn ich fragen darf?�</p><p>�Eine meiner Schwestern wird das tun. Miss Alcott.�</p><p>�Eine Frau? Mich baden? Bei Gott, niemals!�</p><p>�ber seinem Bart wurden seine Backen rot. Pip stellte eine Sch�ssel mit Wasser neben das Feldbett, gab dann Miss Alcott zwei Handt�cher, Schwamm und braune Seife. Der Soldat versuchte sich von den Frauen fortzurollen. Virgilia machte eine Geste.</p><p>�Bob, helfen Sie mir.�</p><p>Sie packte den Iren bei den Schultern und dr�ckte ihn mit einiger Anstrengung ins Bett. �Wir wollen Ihnen nicht noch mehr Schmerzen zuf�gen, Corporal. Wir wollen Ihnen lediglich alles bis auf die Unterhosen ausziehen und Sie gr�ndlich abschrubben.�</p><p>��berall?�</p><p>�Ja. Jeden Zentimeter.�</p><p>�Heilige Mutter Gottes.�</p><p>�Schlu� damit. Wir m�ssen uns auch noch um die anderen M�nner k�mmern. Wir k�nnen keine Zeit mit der falschen Scham von Narren verschwenden.�</p><p>Und damit ri� sie ihm den Kragen auf. Kn�pfe sprangen ab.</p><p>Der Ire leistete kaum noch Widerstand; er war zu schwach, zu verletzt. Virgilia zeigte der sprachlosen Miss Alcott, wie man mit einem seifigen Schwamm und einem Handtuch umgeht. Das Handtuch war dunkelgrau, nachdem sie damit zweimal �ber die Haut des Corporals gefahren war.</p><p>Der K�rper des Iren blieb stocksteif. Virgilia hob seinen rechten Arm und wusch seine Achselh�hle. Er wand sich und kicherte.</p><p>�Jesus, wer h�tt� das gedacht? Eine fremde Frau, die mich wie meine Mutter behandelt.� Etwas einf�ltig dann: �Ich f�hl� mich gar nicht mal so �bel, nach allem, was ich hinter mir hab�. Gar nicht �bel.�</p><p>�Ihre neue Einstellung ist sehr hilfreich. Ich wei� das zu sch�tzen. Miss Alcott, �bernehmen Sie, ich mache mit dem n�chsten Mann weiter.�</p><p>�Aber Miss Hazard�, sie schluckte, das Gesicht so rot wie das des Iren, �kann ich mit Ihnen allein sprechen?�</p><p>�Gewi�. Kommen Sie, dort hin�ber.�</p><p>Sie wu�te, was kommen w�rde, h�rte sich aber pflichtbewu�t die gefl�sterte Frage an. �hnlich leise antwortete sie, um Miss Alcott nicht in Verlegenheit zu bringen: �Bob Pip oder einer der anderen Soldaten w�scht dann jeden Mann fertig.�</p><p>Miss Alcott war ungemein erleichtert. Sie pre�te eine Faust gegen ihre Brust und atmete tief durch. �Oh, das freut mich zu h�ren. Ich glaube, mit der anderen Arbeit komme ich schon zurecht. Ich gew�hne mich langsam an den Geruch. Aber ich glaube nicht, ich k�nnte mich �berwinden, die � die � � Sie brachte es nicht einmal fertig, es auszusprechen.</p><p>�Sie machen Ihre Sache gro�artig�, sagte Virgilia und gab ihr einen aufmunternden Klaps auf die Schulter.</p><p>Louisa Alcott hielt sich wirklich gut. Innerhalb von zwei Stunden hatten sie mit Hilfe einer dritten freiwilligen Krankenschwester die gesamte Belegschaft der Station ges�ubert. Die Krankenpfleger brachten Kaffee, Rindfleisch und Suppe.</p><p>W�hrend die M�nner a�en, tauchten die �rzte auf. Zwei betraten den Ballsaal; einer davon war ein �lterer Mann, den Virgilia noch nicht kannte. Er stellte sich vor und sagte, er werde alle F�lle �bernehmen, die keinen chirurgischen Eingriff ben�tigten.</p><p>Es gab, so hatte Virgilia festgestellt, Armee�rzte unterschiedlichster Art. Einige waren hingebungsvolle, talentierte M�nner; andere Quacksalber ohne professionelle Schulung, die lediglich einige Wochen in einer Arztpraxis assistiert hatten. Gerade die letztere Gruppe kam sich ungemein bedeutend und erfahren vor und ging brutal mit den Patienten um.</p><p>Der Neue war kein Quacksalber, sondern ein praktischer Arzt aus Washington mit solidem Ruf. Dr. Erasmus Foyle reichte Virgilia kaum bis zur Schulter, aber er hielt sich sehr aufrecht. Bis auf einen �ligen, schwarzen Haarkranz war er kahl wie ein Ei, hatte einen gepflegten Schnurrbart und w�rzte seinen Atem mit Nelken. Schon bei ihrer ersten Begegnung lie� er durchblicken, da� Virgilia ihn nicht allein aus beruflichen Gr�nden interessierte.</p><p>Nach einer einleitenden Verbeugung sagte er: �Guten Morgen, Miss Hazard. K�nnte ich Sie mal drau�en sprechen?�</p><p>Der letzte Soldat, den Foyle untersucht hatte und dessen beide Beine von den Knien bis zu den Lenden bandagiert waren, begann sich hin und her zu rollen und zu st�hnen. Das St�hnen ging in schrilles Schreien �ber. Miss Alcott lie� ihre Sch�ssel fallen, die Pip gerade noch auffangen konnte.</p><p>Virgilia rief: �Opium f�r den Mann, Bob!�</p><p>�Und zwar reichlich�, sagte Foyle und nickte heftig. Er legte seine rechte Hand um ihren linken Arm; seine Fingerkn�chel versuchten die Rundung ihrer Brust zu streifen. Sie wollte ihn gerade zur Ordnung rufen, als etwas mit ihr geschah.</p><p>Die M�nner sahen sie jetzt anders an als in der Vergangenheit. Wie n�tzlich konnte das sein? Vielleicht sollte sie das herausfinden. Sie lie� Doyles Hand an Ort und Stelle. Er err�tete vor Freude.</p><p>�Gleich hier lang.� Er f�hrte sie durch einen Eingang, dann nach links in einen sch�bigen Flur; von der Station aus konnte sie jetzt niemand mehr sehen. Er stand dicht vor ihr, seine kleinen, hellen Augen auf gleicher H�he mit ihren Br�sten. Auch Grady hatte ihre Br�ste geliebt.</p><p>�Miss Hazard, in welchem Zustand befindet sich Ihrer Meinung nach der arme Kerl, der gerade geschrien hat?�</p><p>�Dr. Foyle, ich bin keine �rztin.�</p><p>�Bitte, bitte � ich respektiere Ihre Sachkenntnis.� Er h�pfte dabei praktisch von einem Fu� auf den anderen. �Seit unserer ersten Begegnung habe ich Sie respektiert und, wenn ich das sagen darf, bewundert. Sagen Sie mir bitte Ihre Meinung.�</p><p>Der kleine Mann griff dabei nach ihrem rechten Arm. <emphasis>Jetzt wei� er, wie sich die andere anf�hlt.</emphasis> Sie am�sierte sich, war aber auch leicht verbl�fft �ber diese unerwartete Macht.</p><p>�Also gut. Ich glaube nicht, da� das linke Bein zu retten ist.� Es fiel ihr schwer, das auszusprechen; sie hatte es miterlebt, wie M�nner das Bewu�tsein wiedererlangt hatten, nachdem sie unter die S�ge gekommen waren.</p><p>�Amputation � ja, das war auch meine Schlu�folgerung. Und das rechte Bein?�</p><p>�Nicht ganz so schlimm, aber der Unterschied ist minimal. Wirklich, Doktor, sollten Sie nicht lieber mit Ihrem Kollegen anstatt mit mir dar�ber sprechen?�</p><p>�Bah! Der ist nicht besser als ein Apotheker. Sie aber, Miss Hazard, besitzen ein wirkliches, intuitives Verst�ndnis f�r medizinische Dinge.�</p><p>Wieder pre�ten sich seine Kn�chel in ihren Busen. �Der Mann mu� so bald wie m�glich operiert werden. K�nnten wir vielleicht die anderen F�lle heute abend beim Essen besprechen?�</p><p>Dieses Machtgef�hl berauschte sie. Foyle war physisch gesehen nicht gerade der Gr��te, aber er war ein respektierter Mann, und er begehrte sie. Ein wei�er Mann wollte sie haben. Es konnte nicht klarer sein. Sie hatte sich ver�ndert; ihr Leben hatte sich ver�ndert. Sie war Dr. Erasmus Foyle dankbar.</p><p>Allerdings nicht so dankbar, wie er es gern gesehen h�tte.</p><p>�Liebend gern, aber was wird Ihre Frau dazu sagen?�</p><p>�Meine �? Meine Liebe, ich erw�hnte mit keinem Wort��</p><p>�Nein, Sie nicht. Eine andere Krankenschwester tat das.�</p><p>Seine Gesichtsfarbe wechselte von Rosa zu Rot. �Zum Teufel mit ihr. Welche?�</p><p>�Um genau zu sein, es waren mehrere. In diesem Hospital und im vorhergehenden. Ihr Ruf, den guten Namen Ihrer Frau zu sch�tzen, ist weitverbreitet. Es hei�t, sie w�rden ihn so eifrig sch�tzen, da� kaum jemand etwas von ihrer Existenz wei�.�</p><p>Mit boshaftem Vergn�gen betrachtete sie seine Reaktion. Sie nahm seine Hand und lie� sie fallen, als w�re sie schmutzig.</p><p>�Ich f�hle mich durch Ihre Aufmerksamkeiten geschmeichelt, Dr. Foyle, aber ich glaube, wir sollten zu unserer Arbeit zur�ckkehren.�</p><p>�Aufmerksamkeiten? Was f�r Aufmerksamkeiten?� schnarrte er. �Ich wollte eine private Diskussion �ber medizinische Angelegenheiten, weiter nichts.� Er zog seinen Uniformrock zurecht, richtete seine Sch�rpe und marschierte eiligst in den Ballsaal zur�ck. Unter anderen Umst�nden h�tte Virgilia gelacht.</p><p>�Nun, Miss Alcott?� fragte Virgilia, als die ersch�pften Schwestern um acht Uhr abends ihre erste volle Mahlzeit zu sich nahmen. �Was halten Sie von der Arbeit einer Krankenschwester?�</p><p>Louisa Alcott, v�llig erledigt und mit den Nerven am Ende, sagte: �Wie offen darf ich sein?�</p><p>�So offen, wie Sie wollen. Wir sind alle Freiwillige � alle gleich.�</p><p>�Also dann � gleich zu Anfang � dieser Ort hier ist ein Pestloch. Die Matratzen sind hart wie Stein, das Bettzeug ist verdreckt, die Luft faulig, und das Essen � haben Sie das Rindfleisch gekostet? Das mu� noch f�r die Jungs von 1776 gedacht gewesen sein. Beim Schweinefleisch f�rs Abendessen mu� es sich um eine Geheimwaffe des Feindes gehandelt haben.�</p><p>Sie sagte es so nachdr�cklich, da� die Frauen an beiden Seiten des Tisches in Gel�chter ausbrachen. Sie schien den Tr�nen nahe, lachte dann aber ebenfalls.</p><p>Virgilia sagte: �Das wissen wir alle, Miss Alcott. Die Frage ist � werden Sie bleiben?�</p><p>�Oh ja, Miss Hazard. Ich mag nicht �ber viel Erfahrung im Baden nackter M�nner verf�gen � zumindest nicht bis heute �, aber ich werde auf jeden Fall bleiben.�</p><p>Als wollte sie das nachdr�cklich unter Beweis stellen, stopfte sie sich ein St�ck Rindfleisch in den Mund und begann zu kauen.</p><p><strong>62</strong></p><p>Am Dienstag, an dem in New Orleans General Butler durch General Banks abgel�st werden sollte, wurde Elkanah Bent um elf Uhr zum alten Kommandeur befohlen. Er hatte sich auf eine Untersuchung wegen des Aufruhrs bei Madame Conti vorbereitet, h�tte aber nie gedacht, da� es sich bei dem untersuchenden Offizier um den General pers�nlich handeln w�rde.</p><p>�Eine sch�ne Schweinerei, um die ich mich da an meinem letzten Tag k�mmern mu�.� M�rrisch klatschte Butler auf eine vor ihm liegende Akte. Bent war wie bet�ubt; er hatte noch kein Wort gesagt, und schon herrschte dicke Luft.</p><p>�Vermutlich ist Ihnen nie in den Sinn gekommen, da� die Besitzerin des Etablissements sowohl bei den Zivilbeh�rden als auch bei mir Klage erheben k�nnte?� Ben Butler war ein kompakter, rundlicher Mann, bei dem jedes Auge in eine andere Richtung blickte.</p><p>�General, ich � � Bent versuchte seiner Stimme Kraft zu geben, schaffte es aber nicht. �Sir, ich bekenne mich schuldig, der Gerechtigkeit auf etwas grobe Weise zum Sieg verholfen zu haben. Doch diese Frau ist eine Prostituierte, ganz gleich, wie gro�artig sie tut. Ihre Angestellten beleidigten mich und griffen mich dann an.� Er betastete die Nagelspuren in seinem Gesicht. �Als ich und andere protestierten, hat sie uns mit weiteren Beleidigungen provoziert. Ich gebe zu, da� die Dinge etwas au�er Kontrolle gerieten.�</p><p>�Das ist wohl mehr als untertrieben�, unterbrach Butler und schielte mehr denn je. Seine Stimme besa� diesen nasalen Klang, den Bent mit New England in Verbindung brachte. �Sie haben den Platz vollkommen zerst�rt. Den Vorschriften entsprechend m��te ich verlangen, da� General Banks ein Kriegsgericht einsetzt.�</p><p>Beinahe w�re Bent in Ohnmacht gefallen. Sekunden verstrichen. Dann sagte Butler: �Ich pers�nlich w�rde es vorziehen, Sie vollkommen zu entlasten.� Bents Freude wurde schnell ged�mpft. �Kann ich aber nicht machen. Sie sind der eine Grund, sie ist der andere.�</p><p>Verwirrt murmelte Bent: �Sir?�</p><p>�Einfach genug, oder? Wegen Ihrer Personalakte kann ich keine Nachsicht walten lassen.� Er schlug die Akte auf und entnahm ihr mehrere Bl�tter. �Makel und Schande, weiter nichts, und jetzt kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Was die Frau anbelangt, haben Sie nat�rlich recht; sie ist eine Prostituierte, und ich wei�, da� sie mich mehr als einmal verunglimpft hat. Aber wenn ich jeden h�ngen w�rde, der das getan hat, w�rde es in der n�rdlichen Hemisph�re keinen Hanfstrick mehr geben.�</p><p>Bents Stirn begann zu gl�nzen. Mit einem Grunzen stemmte sich Butler aus seinem Stuhl und marschierte in kleinen Kreisen herum.</p><p>�Ungl�cklicherweise gehen Madame Contis Anschuldigungen �ber Vandalismus hinaus, was schon schlimm genug ist. Sie beschuldigt Sie des Diebstahls eines wertvollen Gem�ldes. Dazu kommt noch Angriff auf ihre Person, um diesen Diebstahl ausf�hren zu k�nnen.�</p><p>�Beides � gottverdammte L�gen.� Er w�rgte.</p><p>�Sie bestreiten die Anschuldigungen?�</p><p>�Bei meiner Ehre, General. Mit meinem heiligen Eid als Offizier der Armee der Vereinigten Staaten.�</p><p>Butler kaute an seiner Lippe. �Das wird ihr gar nicht gefallen. Sie deutete an, sie w�rde m�glicherweise die Anklage fallen lassen, wenn sie ihr Eigentum zur�ckbek�me.�</p><p>Ein Gef�hl warnte Bent, da� sie am kritischen Punkt angelangt waren; er mu�te zum Angriff �bergehen, sonst war er erledigt. �General � falls ich mir die Bemerkung erlauben darf �, weshalb ist es notwendig, einer Frau in irgendeiner Form entgegenzukommen, die sowohl eine Verr�terin als auch �u�erst verrufen ist?�</p><p>�Genau darum geht�s!� rief Butler gereizt. �Sie ist gar nicht so verrufen, wie man erwarten m��te. Ihre Familie l��t sich in dieser Stadt �ber Generationen zur�ckverfolgen. Haben Sie nie die Stra�e im alten Viertel bemerkt, die ihren Nachnamen tr�gt?� Nat�rlich war sie ihm aufgefallen; allerdings hatte er keine Schlu�folgerungen daraus gezogen. �Was ich Ihnen klarzumachen versuche, Colonel, Madame Conti besitzt hochgestellte Freunde in der Stadtverwaltung. Ich mu� ihr also einen Knochen zuwerfen, verstehen Sie?�</p><p>Butler sank auf seinen Stuhl zur�ck, ein kleiner Mann aus einer komischen Oper. Aber er verf�gte �ber gef�hrliche Macht.</p><p>�Ich denke, ich k�nnte Ihnen das Kommando �ber ein schwarzes Regiment geben�, Bent war einer zweiten Ohnmacht nahe, �aber ich bezweifle, ob Madame Conti den tieferen Sinn dieser Strafe erkennen w�rde. Bedauerlicherweise mu� ich eine deutlichere Alternative finden.�</p><p>Unter der Akte holte Butler ein neues, mit schwarzer Tinte beschriebenes Blatt hervor. Er drehte den Erla� herum, damit Bent ihn lesen konnte, der daf�r allerdings zu benommen und zu verwirrt war.</p><p>�Mit Wirkung ab heute wird Ihr Brevet aufgehoben. Das wird die H�ndin vom Bellen abhalten, bis ich aus der Stadt verschwunden bin. Jemand von General Banks Stab wird sich mit Ihnen �ber die finanzielle Wiedergutmachung unterhalten. Ich f�rchte, Sie werden den Rest Ihrer Armeekarriere damit zubringen, f�r diese kleine Eskapade zu zahlen, Lieutenant Bent. Abtreten.�</p><p>Lieutenant Bent? Nach sechzehn Jahren hatte er wieder den Rang, den er nach Beendigung der Akademie eingenommen hatte? �Nein, bei Gott!� rief er in dem unordentlichen Zimmer nahe der M�nzst�tte. Er zerrte seine Reisekiste hervor und trat den Deckel auf. Er packte ein paar B�cher, eine Miniatur von Starkwether und zum Schlu� das sorgf�ltig zusammengerollte, in �lpapier gewickelte Gem�lde ein. In die Kiste stopfte er anschlie�end seine s�mtlichen Besitzt�mer, bis auf einen Zivilanzug, einen breitkrempigen Hut, den er eine Stunde nach dem Auftritt bei Butler gekauft hatte; alle seine Uniformen lie� er in einem Haufen auf dem Fu�boden zur�ck.</p><p>Regenschauer peitschten den Uferdamm, der Sturm lie� den Boden erbeben, verdunkelte die gelb leuchtenden Fenster der Stadt.</p><p>�Pa� auf die Kiste auf, Boy�, schrie Bent einem alten Neger zu, der sie vor ihm die Gangway hochzerrte. Regen tropfte von seiner Hutkrempe, als er an Bord der <emphasis>Galena</emphasis> schwankte, in dem schwindligen Zustand, der ihn seit dem gestrigen Gespr�ch nicht mehr losgelassen hatte. Seine milit�rischen Tr�ume lagen in Scherben, ruiniert von eifers�chtigen, rachs�chtigen Feinden. Er hatte sich entschlossen, lieber zu desertieren, als in einer Armee zu dienen, die jahrelange Loyalit�t und harte Arbeit mit Degradierung belohnte.</p><p>Eine erschreckende Gestalt versperrte ihm oben an der Gangway den Weg. <emphasis>Beruhige dich, sonst werden sie mi�trauisch, man wird dich erwischen, und Banks wird dich h�ngen.</emphasis></p><p>�Sir?� grollte eine Stimme. Erleichtert erkannte Bent, da� er lediglich den Zahlmeister des Dampfers vor sich hatte. �Ihr Name?�</p><p>�Benton. Edward Benton.�</p><p>�Freut mich, Mr. Benton. Sie sind der letzte Passagier. Kabine drei, am Oberdeck.�</p><p>Der Wind pfiff. Bent schrie: �Wann legen wir ab?�</p><p>�In der n�chsten halben Stunde.�</p><p>Eine halbe Stunde. Jesus. W�rde er das durchhalten?</p><p>�Der Sturm wird uns nicht aufhalten?�</p><p>�Wir sind fahrplangem�� im Golf, Sir.�</p><p>�Gut. Ausgezeichnet.� Er brauchte beide H�nde an dem schl�pfrigen Gel�nder, um seinen m�den K�rper die Treppe hochzuziehen, in die Sicherheit seiner Kabine. Was war ihm noch geblieben? Nichts als das Gem�lde, Ha� und die Entschlossenheit, sich von seinen Feinden nicht vernichten zu lassen.</p><p>Nein � Blitz; seine Augen gl�nzten wie nasse Steine, als er sich gegen den Regen hochzerrte � oh nein! Er w�rde �berleben und sie zuerst vernichten. Irgendwie.</p><p>Von seiner Krankheit immer noch geschw�cht, begab sich Billy wieder zum Flu� hinunter. Unter dem Schutz von Gewehren und Artillerie half er bei der Demontage der Br�cke, die er mitgebaut hatte. Er hatte das Gef�hl, einen Akt der Entweihung zu begehen.</p><p>Die Pontonwagen verschwanden in der winterlichen Dunkelheit. Erneut im Lager von Falmouth untergebracht, h�tte er Brett gern einen Brief geschrieben, f�rchtete sich aber davor. Statt dessen schrieb er in sein Journal.</p><p><emphasis>Heute abend wieder bittere K�lte. Jemand singt �Home, Sweet Home�, ein merkw�rdiger, trauriger Refrain angesichts unserer Lage. Allein in dieser Woche haben unsere Regimenter eine ganze Menge M�nner durch Desertion verloren. �berall das gleiche in der gesamten Armee. Entmutigt stehlen sie sich nach Hause. Selbst Lije F. betet f�r sich allein und zitiert nur noch selten die Bibel. Burnside ist erledigt, so hei�t es. Es gibt viele Spekulationen �ber seinen Nachfolger. Die Verbittertsten sagen Sachen wie: �Oh, werdet nicht schwankend in eurem Glauben, Jungs, in Washington warten noch Dutzende von genauso d�mlichen Gener�len.� Meine M�nner haben seit sechs Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Wenn man den Zeitungen aus Richmond Glauben schenken darf, dann sind General Butler und sein Bruder unten in New Orleans eifrig damit besch�ftigt, Baumwolle aus pers�nlicher Gewinnsucht zu stehlen. General Grant ist damit besch�ftigt, alle Juden aus seinem Milit�rbezirk zu werfen � unter der allgemeinen Beschuldigung, sie spekulierten und br�chen die Gesetze. Wer in Gottes Namen k�mmert sich auch nur die Spur um diese gesch�ndete Armee?</emphasis></p><p><emphasis>Wenn du je dieses Gekritzel liest, geliebte Frau, dann wirst du wissen, wie sehr ich dich in diesem Augenblick liebe und brauche. Aber ich wage es nicht, das alles in einem Brief auszudr�cken, weil sich dann bestimmt noch andere Dinge einschleichen w�rden und du gezwungen w�rst, einen Teil der Last zu tragen, die mir zusteht � die B�rde von M�nnern, die sich im Stich gelassen f�hlen, die es nicht laut auszusprechen wagen, da� sie keine Hoffnung mehr haben.</emphasis></p><p><strong>63</strong></p><p>Zwei N�chte vor Weihnachten ritt Charles in der D�mmerung zu Barclays Farm. Von seinem Sattel hing ein gro�es, grobes Netz. Darin befand sich ein feiner Schinken, bei einem der letzten n�chtlichen �berf�lle n�rdlich vom Flu� in einem Yankee-Laden erbeutet.</p><p>Der Abend hatte etwas Unheimliches an sich. Die kahlen Zweige, B�sche und die Z�une am Stra�enrand glitzerten wie Glas. Letzte Nacht hatte es geregnet, w�hrend die Temperaturen gefallen waren.</p><p>Sport ging im Schritt; die Stra�e war t�ckisch. Dies war Charles� erste Gelegenheit seit Monaten, die Farm zu besuchen, obwohl die Kavallerie mehrere Wochen lang nicht weit entfernt, in Stevensburg dr�ben, gelagert hatte. Doch Hampton war mit seinen Scouts und einem ausgew�hlten Kavallerietrupp fast st�ndig im Sattel gewesen.</p><p>Wie Nachtgespenster hatten sie sich hinter den feindlichen Linien herumgetrieben und bei Hartwood Church hundert Pferde und fast ebensoviele M�nner gefangengenommen; hatten die feindliche Telegraphenleitung nach Washington zerst�rt und die Wagen einer Versorgungsbasis bei Dumfries entf�hrt; waren von einem ganzen Kavallerieregiment der Yankees gehetzt worden. Mit zwanzig Wagen, voll von Marketenderdelikatessen, waren sie entkommen: Austern, Zucker und Zitronen, N�sse, Brandy und die Schinken, von denen er einen als Geschenk f�r Gus abgezweigt hatte.</p><p>Mitten auf der Stra�e �berrollte ihn eine Woge der Erleichterung. Sie war da. Durchsichtiger Rauch stieg zu den Sternen empor. Lampen erhellten den hinteren Teil des Hauses; Lichtschein drang aus der halb offenen T�r der kleinen Scheune.</p><p>�Sport�, knurrte er und z�gelte den Wallach auf einer Eiskruste scharf durch. Vorn�bergebeugt atmete er die bei�ende Luft ein. Lichtschein im Stall zu dieser Stunde?</p><p>An der Wasserpumpe, die ein glitzernder Eiszapfen zierte, waren zwei Pferde angebunden. H�chstwahrscheinlich gab es eine ganz unschuldige Erkl�rung daf�r, doch die N�he der feindlichen Linien auf der anderen Seite des Flusses machte ihn vorsichtig. Auf der Stra�e stieg er ab, f�hrte Sport beiseite und band ihn an einem Zaunpfahl fest.</p><p>Zu Fu� ging Charles auf das Farmhaus zu. In der Stille klingelten seine Sporen wie winzige Gl�ckchen. Er b�ckte sich und entfernte sie mit einiger M�he. All das erschien ihm leicht albern; mit keinem Wort w�rde er das Gus gegen�ber erw�hnen, wenn sich die Besucher als Nachbarn herausstellten.</p><p>Trotzdem � weshalb stand die Scheunent�r offen? Und warum waren Washington und Boz nirgendwo zu sehen?</p><p>Charles schlich auf das Haus zu; er achtete auf jedes Knirschen und Knacken unter seinen F��en, aber trotz aller Vorsicht lie�en sich Ger�usche nicht vermeiden.</p><p>Die Pferde wurden auf ihn aufmerksam, schoben sich herum und stampften leise. In der N�he des Hauses blieb er lauschend stehen.</p><p>Er h�rte Gel�chter. Das kam nicht von ihr. Das stammte von den Besitzern der Pferde.</p><p>Eines der Tiere trat zur Seite und wieherte. Charles hielt den Atem an. Das Gel�chter brach ab. Das mu�te in keiner Verbindung zueinander stehen. Vielleicht bildete er sich das Ganze nur ein.</p><p>Die Pferde �nderten ihre Stellung und gaben ihm den Blick in den Stall frei. Ausgestreckte Beine ragten in sein Blickfeld. Die Kn�chel waren mit einem Seil zusammengeschn�rt. Bei einem Nachbarschaftsbesuch fesselte man niemand, oder?</p><p>Er lehnte sich gegen das Haus; sein Herz h�mmerte wie verr�ckt. Gus war in Gefahr. Die Frau, die ihm am Herzen lag � in Gefahr.</p><p>Jetzt erst wurde ihm klar, wie sehr er sie liebte. Seine Gedanken wirbelten wild durcheinander. Angenommen, er handelte unbesonnen und sie wurde get�tet?</p><p>Eine weitere Minute verstrich. Tu was, verdammt noch mal. <emphasis>Tu was!</emphasis></p><p>Er schlich zum Baum, reckte sich, warf ein Bein �ber den untersten Ast und zog sich hoch. Jetzt wurde es schwieriger. Er klammerte sich nicht an Baumrinde, sondern an eine glitschige, vereiste Oberfl�che. Dreimal w�re er ums Haar abgest�rzt. Endlich erreichte er einen gro�en, �ber das Dach ragenden Ast.</p><p>Er griff nach einem dar�berliegenden d�nneren Ast, richtete sich auf und schob sich Fu� um Fu� den eisigen Ast hinaus, auf das Haus zu. Nahe einem der Dachfenster studierte er die Situation. Er mu�te sich vorbeugen, den Giebel packen und sich festklammern. Auf dem Dach selbst konnte er wegen der Neigung und der Vereisung unm�glich Fu� lassen.</p><p>Er schluckte. Streckte die Hand aus. Reckte sich �</p><p>Seine Finger verfehlten den Giebel um ein paar Zentimeter.</p><p>Immer noch den Zweig �ber sich festhaltend, schob er sich weiter auf das Haus zu. Der Ast, auf dem er stand, sackte und knackte. �Oh, verflucht�, fl�sterte er, setzte alles auf eine Karte und warf sich mit ausgestreckten Armen vor. Er fiel, erwischte gerade noch den Giebel. Das pl�tzliche Gewicht ri� schmerzhaft an seinen Armen. Seine Knie knallten gegen das Dachfenster; bis Florida mu�te das zu h�ren sein. Mit beiden H�nden hing er am Giebel, griff dann mit einer Hand hinunter ans Fenster. Er zerrte. Nichts. Noch einmal. Wieder nichts.</p><p>Abgesperrt, verdammt noch mal. W�tend st�hnte er auf und zog ein drittesmal; wahrscheinlich w�rde er mit der Faust die Scheibe einschlagen �</p><p>Das Fenster hob sich ein St�ckchen.</p><p>Seine linke Hand begann abzugleiten, aber keuchend klammerte er sich fest. Mit der anderen Hand griff er unter das Fenster und zog es langsam, so furchtbar langsam weit genug hoch, da� er sich in die spinnwebenhafte Dunkelheit dahinter schwingen konnte. Mit geschlossenen Augen blieb er auf den Knien liegen; sein linker Arm zitterte unkontrolliert.</p><p>Wieder h�rte er das Gel�chter, dann undeutliche Worte von Gus. Sie klang �rgerlich. Dann kam ein klatschendes Ger�usch. Sie gab eine scharfe, w�tende Erwiderung. Ein zweiter Schlag brachte sie zum Schweigen. Fast glaubte er den Schlag selbst zu sp�ren.</p><p>Er beherrschte seinen Zorn und richtete sich vorsichtig auf. Er zog seine Handschuhe aus, bewegte seine Finger, bis sie wieder geschmeidig waren. Er kn�pfte seine alte Farmerjacke auf und holte seinen geladenen Colt hervor.</p><p>Lautlos schlich er die Treppe hinunter. Wut und Ha� steigerten sich. Unten dr�ckte er vorsichtig die T�r auf � kein Quietschen, Gott sei Dank � und glitt durch den warmen Flur.</p><p>Rechts von ihm lag der K�cheneingang. Die Stimmen waren deutlich zu h�ren.</p><p>�Was ich dich fragen wollte, Bud. Hast du�s schon mal mit �ner Frau gemacht?�</p><p>�Nein, Sarge.� Die Stimme klang hell; der Sprecher mu�te j�nger sein.</p><p>�Okay, Junge, das werden wir schnell �ndern.�</p><p>Mit dem R�cken zur Wand schob sich Charles auf die K�che zu.</p><p>�Hast je ein sch�neres Paar Titten gesehn, Bud?�</p><p>�Nein, <emphasis>Sir.�</emphasis></p><p>�Willst einen Blick draufwerfen, bevor wir uns an die richtigen Sachen machen?�</p><p>�Wenn du willst, Sarge.�</p><p>�Oh, und ob ich will. Sitz still, Missy!�</p><p>�La� die Finger von mir.� Charles war einen Meter von der T�r entfernt, als Gus das sagte.</p><p>�Du bist ruhig, Missy. Ich will so�n h�bsches kleines Ding wie dich nicht verpr�geln, aber ich werd� jetzt das Kleid aufmachen und mir diese h�bschen runden Dinger � �</p><p>Charles st�rzte durch die T�r, den Revolver im Anschlag. Von den beiden Yanks trug keiner Uniform � Scouts also, wie er selbst auch. Der Junge, mit blauen Augen und d�rftigem blondem Schnurrbart, sah ihn zuerst. �Sarge!�</p><p>Der �ltere Yankee versperrte ihm die Sicht auf Gus, die offensichtlich auf einem Stuhl sa�. Charles trat in das Zimmer und machte einen Fehler; er sprang nach rechts, um zu sehen, ob sie verletzt war.</p><p>�Gus, bist du �?�</p><p>Fast zu sp�t sah er, was ihm zuvor entgangen war � die gro�e Sattelpistole im G�rtel des j�ngeren Yanks. Riesig gro� schwang sie hoch. Charles lie� sich auf die Knie fallen und feuerte im gleichen Moment auf den j�ngeren Mann.</p><p>Die Yankeekugel pfiff �ber seinen Kopf. Seine eigene Kugel traf den aufgerissenen Mund des Jungen und ri� ihm den hinteren Teil des Sch�dels weg. Gus schrie auf. Mit hervorquellenden Augen starrte der Sergeant auf den Jungen, den der Schu� gegen den Ofen geschleudert hatte. Dann starrte er Charles und dessen rauchenden Colt an.</p><p>Der Sergeant, nun voller Angst, griff nach seinem Revolver, merkte aber, da� er zu langsam war. Er taumelte zur Hintert�r.</p><p>Charles sprang vor, stand neben dem Stuhl, zielte auf den R�cken des Mannes. �Du St�ck Yankeeschei�e.� Er dr�ckte ab, und gleichzeitig zog Gus an seinem Arm.</p><p>Die Kugel traf das linke Bein des Sergeants. Mit einem Schrei fiel er durch die T�r, die er eben ge�ffnet hatte, und rutschte auf dem Bauch �ber die Veranda.</p><p>�Ich bring� das Schwein um.�</p><p>�Charles!�</p><p>Mit bleichem Gesicht packte sie ihn am Arm, starrte ihn an, konnte nicht fassen, was sie sah; das Fieber in seinen Augen, den Totenkopfausdruck �</p><p>�Charles, mir ist nichts passiert. La� ihn laufen.�</p><p>�Aber vielleicht � �</p><p>Sie h�rten ein Pferd wiehern, dann klapperten Hufe in Richtung Stra�e davon. Boz und Washington riefen aus dem Stall. Langsam legte Charles den Colt auf den Tisch. Er zitterte.</p><p>Er packte sie bei den Schultern und beugte sich zu ihr hinunter. �Noch nie hab� ich einen Mann in den R�cken geschossen, aber bei dem h�tt� ich�s getan. Bist du wirklich in Ordnung?�</p><p>Ein kleines Nicken. �Und du?�</p><p>�Auch.� Das wahnsinnige Glitzern verschwand aus seinen Augen. Ja, sagte sie, es seien Scouts gewesen, die einem warmen Pl�tzchen nicht hatten widerstehen k�nnen.</p><p>�Ich dachte, ich sei nicht mehr bei Sinnen, als du durch die T�r gest�rmt kamst.� Sie brachte ein br�chiges Lachen zustande, erhob sich, streckte sich. �Ich hielt es f�r eine Vision. Es ist so lange her, seit ich dich das letztemal gesehen hab.�</p><p>�Ich hab dir Briefe geschickt.�</p><p>�Ich hab� sie bekommen. Ich hab� auch welche geschrieben. Ein halbes Dutzend.�</p><p>�Wirklich?� Der Beginn eines L�chelns.</p><p>�Du hast sie doch bekommen, oder?�</p><p>�Keinen einzigen. Aber das ist schon in Ordnung. Ich gehe besser in den Stall und binde deine M�nner los.�</p><p>Eine Stunde sp�ter lag er in seiner Unterw�sche, eingeh�llt in drei Decken, am gro�en Herd. Der Schinken thronte auf dem Hackklotz. Gus hatte die Wand geschrubbt, die Leiche des Jungen war verschwunden; Washington und Boz hatten sich darum gek�mmert, nachdem sie wiederholt Charles die Hand gesch�ttelt und ihm gedankt hatten, da� er ihre Herrin und sie gerettet hatte.</p><p>Zitternd starrte Charles in das Feuer, immer noch von seinem eigenen Verhalten verbl�fft und verwirrt. Ohne Z�gern hatte er t�ten, hatte einen Mann in den R�cken schie�en wollen. Alarmierende Anzeichen. Was passierte in diesem verdammten Krieg? Was passierte mit ihm?</p><p>Gus kehrte in die K�che zur�ck und kam auf ihn zu. �Was ist los?�</p><p>�Nichts.�</p><p>�Du sahst erschreckend aus, als ich hereinkam.�</p><p>�Mir ist kalt, das ist alles.�</p><p>�Kannst du Weihnachten da bleiben?�</p><p>�Wenn es dir recht ist.�</p><p>�Mir recht ist � oh, Charles�, rief sie. �Ich hatte solche Angst w�hrend der K�mpfe in der Stadt. Ich lag wach, lauschte den Kanonen und fragte mich, wo du wohl bist.� Sie kniete vor ihm nieder, ihr Gesicht weich, ohne jeden Schutz. �Was hast du mit mir getan, Charles Main? Ich liebe dich � oh mein Gott, ich kann nicht fassen, wie sehr ich dich liebe�, rief sie, zog ihn an sich, k��te ihn.</p><p>Den Arm um sie gelegt, f�hrte er sie den Flur entlang, machte sich Gedanken wegen seiner schmutzigen Unterw�sche. Ihr Zimmer war kalt. Sie fielen aufs Bett, umklammerten sich.</p><p>�Gus, ich brauch� erst ein Bad, bevor � �</p><p>�Sp�ter. Halt mich fest, Charles. Ich will vergessen, wie dieser arme Junge gestorben ist.�</p><p>�Er war ein verdammt �bler Bursche.�</p><p>�Er glaubte, den Feind zu bestrafen.�</p><p>�Das, was sie dir antun wollten, steht in keinem Handbuch.�</p><p>�Es war schrecklich, aber es ist vorbei. Sprich nicht mehr dr�ber, und liebe mich so sehr � was ist das?�</p><p>Ihre Finger hatten den Lederbeutel ertastet. Sie bestand darauf, eine Kerze anzuz�nden, w�hrend er seine Unterw�sche aufkn�pfte, den Lederriemen �ber den Kopf zog und ihr den Beutel reichte.</p><p>Freude breitete sich �ber ihrem Gesicht aus, als sie ihn �ffnete. �Du hast das Buch die ganze Zeit bei dir gehabt?� Das L�cheln erlosch. �Das Buch ist getroffen worden. Du bist getroffen worden. Das ist eine Kugel.�</p><p>�Der Rest davon. Mr. Pope rettete mir bei Sharpsburg das Leben.�</p><p>Sie brach in Tr�nen aus, griff nach ihm, �bersch�ttete ihn mit K�ssen. Sie zogen einander aus. Ihre Vereinigung war schnell, fast verzweifelt, weil der Schock der vorangegangenen Ereignisse noch �ber ihnen lag. In weniger als f�nf Minuten rollte er von ihr weg und schlief ein.</p><p>Eine Stunde sp�ter erwachte er, als sie an seiner Schulter r�ttelte. �In der Wanne ist hei�es Wasser.� Ihr offenes Haar reichte ihr fast bis zur Taille. �Ich wasch� dir den R�cken, dann gehen wir wieder ins Bett.�</p><p>Dann lag Charles, diesmal weniger benommen, mit ihr in der warmen H�hle unter der Decke. Sie k��te seine Augen und seinen Bart. Seine Hand spielte mit ihren vollen Br�sten, glitt dann tiefer.</p><p>Beide atmeten sie schneller. Und doch ert�nten Warnsignale in seinem Kopf.</p><p>�Bist du sicher, da� wir weitermachen sollen? Ich bin ein Soldat � vielleicht dauert es Monate, bis ich wiederkommen kann.�</p><p>�Ich wei�, was du bist�, sagte sie, ihn z�rtlich streichelnd in der Dunkelheit.</p><p>�Wirklich? Ich k�nnte wegreiten und nie zur�ckkommen.�</p><p>�Sag nicht solche Sachen.�</p><p>�Ich mu�, Gus. Wenn du es f�r besser h�ltst, dann springe ich noch in dieser Minute aus dem Bett.�</p><p>�M�chtest du?�</p><p>�Bei Gott, nein.�</p><p>�Ich auch nicht.� Sie k��te ihn, ber�hrte ihn, erregte ihn so, da� es fast schmerzte. �Liebe mich, Charles!�</p><p>Er tat es, und kurz vor dem H�hepunkt warf sie den Kopf zur�ck und hauchte: �Ich will dich. F�r immer. Immer, immer.�</p><p>�Ich liebe dich, Gus.�</p><p>�Ich liebe dich, Charles.�</p><p>�� liebe dich � �</p><p>�� liebe dich � �</p><p>�� liebe � �</p><p>Das Wort stieg empor wie menschliche Musik, als er in ihren Mittelpunkt vordrang, und sie b�umte sich auf und schrie ihre Freude hinaus, mit einer Stimme, die den Raum erbeben lie�.</p><p>Sp�t nachts schlief sie an seiner Schulter, gab gelegentliche kleine Laute von sich. Sie hatten sich ein drittesmal vereinigt, und danach hatte sie die Augen geschlossen. Er konnte nicht schlafen; was er heute abend getan, gelernt hatte, hielt seine Augen offen und lie� sein Herz viel zu schnell schlagen.</p><p>Er steckte voller �ngste, weil seine Gef�hle nicht l�nger verborgen waren. <emphasis>Du solltest nicht hier sein.</emphasis> Aber wie k�nnte er anderswo sein? Bei ihrer ersten Begegnung hatte er sich in sie verliebt.</p><p>Wie war es m�glich, so erf�llt und gleichzeitig so zerrissen zu sein? Er liebte Gus. Sie bedeutete Leidenschaft, Frieden, Freude, Nachdenklichkeit, Gesellschaft. Er bewunderte ihre Art, er begehrte sie k�rperlich, sie war all das, was er sich von einer Frau ertr�umt hatte � ohne jede Hoffnung, es je zu finden.</p><p>Aber da war Hampton; und die Yankees.</p><p>Das Problem bestand darin, da� er weder Gus noch seinen Dienst aufgeben konnte. Liebe und Krieg waren feindliche M�chte, und er war unentrinnbar zwischen beiden gefangen. Ihm blieb keine andere Wahl, als sich von diesen ungleichen Kr�ften vorantreiben zu lassen, wohin immer sie ihn auch tragen mochten � ihn und sie.</p><p>Voll dunkler Vorahnungen schob er seinen Arm unter ihre warmen Schultern und dr�ckte sie an sich.</p></section><section><title><p><strong>Viertes Buch.</strong></p><p><strong>�La�t uns sterben, um die Menschheit zu befreien�</strong></p></title><p><emphasis>Ich m�chte, da� der Norden siegt, aber ich will, wie jeder andere Offizier und Soldat in der Armee, nichts mit der Emanzipations-Proklamation zu tun haben. Ich wollte f�r die Wiederherstellung der Union k�mpfen� und nicht f�r die Befreiung der Nigger.</emphasis></p><p>Ein Soldat der Union, 1863</p><p><strong>64</strong></p><p>�Gesellschaftlicher Selbstmord�, sagte er, als sie ihm den Vorschlag machte. �Selbst f�r eine Abolitionistin, wie du es bist.�</p><p>�Glaubst du, das k�mmert mich? Morgen abend ist genau der richtige Zeitpunkt.�</p><p>�Einverstanden. Ich nehme dich mit.�</p><p>Und so sa�en sie nun, George und seine r�misch-katholische Frau, in der presbyterianischen Kirche. Nur wenige Kerzen brannten in den Leuchtern, denn es war die Stunde der Besinnung.</p><p>Mitternacht war nah. Obwohl kein religi�ser Mann, war es f�r George ein bewegendes Erlebnis, hier zu sitzen und die erhobenen schwarzen Gesichter zu sehen, von denen nicht wenige mit Tr�nen bedeckt waren. �berall im Norden wurden �hnliche Gottesdienste zum neuen Jahr abgehalten. Morgen fr�h w�rde Lincoln die Proklamation unterzeichnen. George f�hlte die Spannung wachsen, als die letzte Minute verstrich. Der Chor verstummte, in der Kirche wurde es still. Dann kam der erste Glockenschlag.</p><p>Der Geistliche hob Kopf und H�nde. �Der Herr, unser Gott, ist erschienen. Du hast uns geboren.�</p><p>�Amen!�</p><p>�Lobet den Herrn!� In der ganzen Kirche gaben M�nner und Frauen ihrer Freude Ausdruck, und der Klang der Glocke schien anzuschwellen. George lief ein Schauer �ber den R�cken. Constance hatte Tr�nen in den Augen.</p><p>Andere Kirchenglocken stimmten ein. Die Freudenrufe wurden lauter. Auch George war dicht daran, in die Rufe einzustimmen. Dann pl�tzlich, wie ein Hagelsturm, prasselten Steine gegen die Kirche. Er h�rte Schm�hungen, Obsz�nit�ten.</p><p>Mehrere M�nner, unter ihnen George, sprangen auf. Er, zwei andere Wei�e und ein halbes Dutzend Schwarze st�rmten den Kirchengang vor. Die Rowdies waren nur noch als fl�chtende Schatten zu sehen, als die M�nner die Stufen erreichten.</p><p>Obwohl die Stimmung des Gottesdienstes gest�rt worden war, konnte nichts den m�chtigen Bann zerbrechen. Das lie� sich deutlich an den Gesichtern der Frauen und M�nner ablesen, die sich zwischen denKutschen verstreuten, die in der Obhut kleiner schwarzer Jungs zur�ckgeblieben waren.</p><p>Als sie durch die verlassenen Stra�en nach Georgetown heimw�rts ratterten, schmiegte sich Constance an ihn und sagte: �Bist du froh, da� wir gegangen sind?�</p><p>�Sehr sogar.�</p><p>�Gegen Ende des Gottesdienstes schautest du so ernst drein. Warum?�</p><p>�Ich habe nachgedacht. Ich frage mich, ob irgend jemand, Lincoln eingeschlossen, genau wei�, was diese Proklamation f�r das Land bedeutet.�</p><p>�Ich wei� es sicherlich nicht.�</p><p>�Ich auch nicht. Aber als ich so dort sa�, hatte ich ein ganz eigenartiges Gef�hl wegen des Krieges. Ich bin mir nicht sicher, ob die Bezeichnung Krieg noch l�nger zutrifft.�</p><p>�Wenn es kein Krieg ist, was ist es dann?�</p><p>�Eine Revolution.�</p><p>Schweigend hielt sich Constance an seinem Arm fest. Die Glocken schlugen weiter, l�uteten Ver�nderungen ein in der Stadt und in der ganzen Nation.</p><p>Washington hatte sich in den Monaten, in denen die Hazards hier gelebt hatten, drastisch ver�ndert. Nie waren die Gesch�fte besser gelaufen, aber das traf auf den gesamten Norden zu. Hazards lief auf vollen Touren, und die Bank von Lehigh Station, im Oktober er�ffnet, war ein gro�er Erfolg.</p><p>Zu Beginn des Krieges h�tten alle darin �bereingestimmt, da� Washington eine Stadt des S�dens war. Vor wenigen Monaten jedoch war Richard Wallach, Bruder des Besitzers vom <emphasis>Star,</emphasis> zum B�rgermeister gew�hlt worden. Wallach war ein bedingungsloser Unions-Demokrat, der nichts mit dem Friedensfl�gel in seiner Partei im Sinn hatte, sondern den Krieg bis zum Ende durchgestanden sehen wollte.</p><p>Im letzten April hatte die Emanzipation im Bezirk Einkehr gehalten. Stanley und Isabel f�rderten sie an vorderster Front, obwohl bei einem der seltenen und schwierig zu arrangierenden gemeinsamen Essen der Hazard-Familien Isabel die Feststellung gemacht hatte, die Emanzipation w�rde die Stadt �f�r die wei�e Rasse in die H�lle auf Erden� verwandeln. Aber es war anders gekommen. Fast t�glich fielen wei�e Soldaten �ber irgendwelche Schwarzen her und verpr�gelten sie, ohne Strafe bef�rchten zu m�ssen.</p><p>In der demoralisierten Armee standen mit Sicherheit Ver�nderungen an. Im Lager am Rappahannock plante Burnside gegen alle Ratschl�ge eine Winteroffensive. Er war wild darauf versessen, seinen Fehlschlag bei Fredericksburg wiedergutzumachen. Mehr als einmal hatte George von hohen Offizieren geh�rt, da� Burnside den Verstand verloren habe.</p><p>Fighting Joe Hooker wurde am h�ufigsten als Burnsides Nachfolger ins Gespr�ch gebracht. Wer immer auch das Kommando �bernahm, sah sich einer gigantischen Aufgabe gegen�ber: Die Armee mu�te neu organisiert und Stolz und Disziplin wiederhergestellt werden. Mittlerweile gab es einige Schwarze in der Armee. Genau wie die ehemals gefl�chteten Sklaven wurden sie h�ufig verpr�gelt und erhielten f�r den gleichen Dienst drei Dollars weniger im Monat als die Wei�en.</p><p>Auch im Regierungsbereich standen im neuen Jahr Ver�nderungen bevor. Die Kongre�wahlen waren f�r die Republikaner schlecht ausgegangen, und der melancholische Pr�sident litt unter wachsender Unbeliebtheit. Man gab Lincoln die Schuld an den milit�rischen Niederlagen und belegte ihn mit allen m�glichen Namen, angefangen von �Dorftrottel� bis zu �kriecherischer Negrophiler�.</p><p>Ver�nderung lag also in der Luft � notwendig, unerw�nscht. Sich allein blo� die verschiedenen Zukunftsm�glichkeiten auszumalen, verursachte George Kopfschmerzen.</p><p>Zu Hause angekommen schaute Constance nach den schlafenden Kindern und bereitete dann einen hei�en Kakao f�r George. Dabei las sie noch einmal den Brief ihres Vaters, den sie gestern erhalten hatte.</p><p>Patrick Flynn hatte Kalifornien im Herbst erreicht. Er fand ein Land der sonnigen Schl�frigkeit vor, fern des Krieges. Flynn berichtete, da� ihm seine Anwaltskanzlei in Los Angeles praktisch kein Geld einbrachte, aber er war gl�cklich.</p><p>Sie brachte den Kakao in die Bibliothek, wo George eine Anzahl von Papieren vor sich ausgebreitet hatte.</p><p>Sie stellte den Kakao ab. �Wird es lange dauern?�</p><p>�Bis ich das hier fertig habe. Ich mu� es morgen Senator Sherman zeigen � das hei�t, heute � beim Pr�sidentenempfang.�</p><p>�M�ssen wir hin? Diese Empf�nge sind schrecklich. So viele Leute, da� man sich kaum noch bewegen kann.�</p><p>�Ich wei�, aber Sherman erwartet mich. Er hat versprochen, mich mit Senator Wilson aus Massachusetts bekanntzumachen. Wilson ist Vorsitzender des Komitees f�r milit�rische Angelegenheiten. Ein Verb�ndeter, den wir dringend n�tig haben.�</p><p>�Wann wird die Gesetzesvorlage zur Bewilligung der Gelder behandelt?�</p><p>�Im Haus innerhalb von zwei Wochen. Der wirkliche Kampf findet erst im Senat statt. Wir haben nicht viel Zeit.�</p><p>Sie beugte sich �ber ihn, strich ihm z�rtlich �bers Haar. �F�r einen Mann, der das Soldatenleben nie gemocht hat, bist du bemerkenswert eifrig.�</p><p>�Ich mag es immer noch nicht, aber ich liebe West Point.�</p><p>Sie k��te seine Braue. �Komm ins Bett, sobald du kannst.�</p><p>Abwesend nickte er, bemerkte schon gar nicht mehr, da� sie hinausging. Er tauchte die Feder ein und nahm seine Arbeit an dem Artikel wieder auf, den er f�r die <emphasis>New York Times</emphasis> schrieb, die zu den standhaftesten Verteidigern der Akademie z�hlte.</p><p>George schrieb in den ersten Morgen des neuen Jahres hinein, bis er gegen f�nf �ber seinem Manuskript einschlief; eine Haarstr�hne fiel �ber seine abgelegte Feder und wurde tintig.</p><p>�Ja, ich freue mich, sagen zu k�nnen, da� sie bald bei mir sein wird�, erkl�rte Orry dem Pr�sidenten. In seiner rechten Hand hielt er eine Punschtasse. �Es ist gut m�glich, da� sie sich bereits auf den Weg gemacht hat.�</p><p>Das Aussehen des Pr�sidenten beunruhigte Orry; bleicher denn je, hager, mit der leicht gebeugten Haltung eines Mannes, der unter Schmerzen litt. Aber in diesen Tagen plagten Jefferson Davis mehr als nur k�rperliche Schmerzen. Sein Baumwollembargo hatte sich als Fehlschlag erwiesen. Diplomatische Anerkennung in Europa war nicht einmal mehr eine ferne Hoffnung. Kritiker machten ihn herunter, weil er weiterhin den unpopul�ren Bragg im Westen unterst�tzte. In Richmond gab es fast nur noch �blen Kaffee-Ersatz. Botschaften wurden an Stadtmauern geschmiert: Stoppt den Krieg. Zur�ck zur Union!</p><p>An diesem Neujahrsnachmittag bev�lkerten Offiziere, Zivilisten und viele Frauen die offizielle Residenz in der Clay Street. Davis bem�hte sich, jedem Gast, wenn auch nur f�r kurze Zeit, seine volle Aufmerksamkeit zu widmen. Trotz seiner Leiden waren sein L�cheln und seine Manieren voller W�rme.</p><p>�Das sind ja wirklich gute Nachrichten, Colonel. Ich erinnere mich, da� Ihre Frau schon viel fr�her nach Richmond kommen sollte.�</p><p>�Anfang letzten Jahres, aber die Plantage war von einer Reihe von Ungl�cksf�llen betroffen.� Er erw�hnte den Schlaganfall seiner Mutter, nicht aber das wachsende Problem fl�chtender Sklaven.</p><p>Dann erkundigte sich Davis: �Wie kommen Sie mit Mr. Seddon aus?�</p><p>�Gut, Sir. Er besitzt hier in Richmond einen hervorragenden Ruf als Anwalt.�</p><p>Mehr wollte Orry dazu nicht sagen. James Seddon von Goochland County hatte General Gustavus Smith als Kriegsminister ersetzt. Smith hatte nach Randolphs R�cktritt im November diesen Posten lediglich vier Tage lang bekleidet. Orry mochte die fanatischen sezessionistischen Ansichten des finstern Seddon nicht. Seddon und seine Frau befanden sich hier auf diesem Empfang. Er wechselte das Thema.</p><p>�Erlauben Sie mir eine andere Frage, Herr Pr�sident. Der Feind bewaffnet schwarze Truppen. Sollten wir vielleicht den gleichen Kurs einschlagen?�</p><p>�Sind Sie daf�r?�</p><p>�Ja, m�glicherweise.�</p><p>Davis� Mund wurde zu einem schmalen Strich. �Ein verderblicher Einfall, Colonel. Wie Mr. Cobb von Georgia bemerkte: Wenn Neger gute Soldaten abgeben, dann ist unsere ganze Theorie der Sklaverei falsch. Entschuldigen Sie mich.�</p><p>Und damit ging er zu einem anderen Gast. Orry war irritiert; es war eine Schw�che, die Davis schadete, diese Unf�higkeit, abweichende Meinungen zu akzeptieren.</p><p>Langsam arbeitete er sich in die Eingangshalle vor, wo er Judah Benjamin mit drei Frauen entdeckte. Der Au�enminister begr��te ihn so fr�hlich, als h�tte er in letzter Zeit keine Unannehmlichkeiten gehabt, obwohl die sich mittlerweile �berall herumgesprochen hatten. Benjamin war erwischt worden, als Winders Detektive in einen Spielsalon in der Main Street eingedrungen waren. Bei der Razzia, die auf Deserteure abgezielt hatte, waren nur bek�mmerte Zivilisten im Netz h�ngengeblieben, einschlie�lich eines Kabinettmitglieds.</p><p>�Wie geht es Ihnen, Orry?� fragte Benjamin und sch�ttelte ihm die Hand.</p><p>�Besser, wenn Madeline erst hier ist. Endlich ist sie unterwegs.�</p><p>�Gro�artig. Sobald sie ankommt, m�ssen wir zusammen essen.�</p><p>�Ja, gewi߫, murmelte Orry; er nickte und ging weiter. Die Erkenntnis durchfuhr ihn, da� es verdammt unfair w�re, von Madeline gleich bei ihrer Ankunft einen erneuten Umzug zu verlangen, nachdem sie sich �ber ein Jahr abgem�ht hatte, endlich nach Richmond zu kommen. Sie w�rde es verstehen, aber es w�re unfair. Vielleicht konnte er noch einige Monate durchhalten. Er mu�te die Schuld f�r seine Fehlschl�ge im Umgang mit den M�nnern der Milit�rpolizei bei sich selbst suchen. Er mu�te sich mehr M�he geben.</p><p>Als er am Fu�e der gro�en Treppe vorbeikam, verkrampfte er sich beim Anblick von drei Personen, die gerade das Haus betraten: seine Schwester, mit von der K�lte ger�tetem Gesicht und wundersch�n gekleidet; Huntoon; und ein dritter Mann, gekleidet nach der Mode, die so typisch war f�r diese Sorte.</p><p>�Guten Tag, Ashton � James�, sagte Orry, als der Fremde seinen Hut abnahm. Seit Monaten hatte Orry sie nicht mehr zu Gesicht bekommen.</p><p>Huntoon murmelte etwas mit abgewandtem Blick. Mit einem winterlichen L�cheln sagte Ashton: �Wie sch�n, dich zu sehen�, und eilte weiter zu Benjamin. Sie machte sich nicht die M�he, ihm den gutaussehenden Burschen mit den schl�frigen Augen vorzustellen, aber Orry legte auch keinen Wert darauf. Der Kleidung nach zu urteilen war dies einer der M�nner, die sich wie Parasiten in der Konf�deration eingenistet hatten: ein Spekulant. Ashton und ihr Mann bewegten sich in eigent�mlicher Gesellschaft.</p><p>Er st�lpte sich den Hut auf den Kopf und verlie� das Wei�e Haus in �bler Laune.</p><p><strong>65</strong></p><p>Endlich jubelte Madelines Herz, endlich � der Tag des Wunders. �ber ein Jahr lang hatte sie das Gef�hl gehabt, als w�rde dieser Tag nie kommen.</p><p>Jetzt, an dem gleichen Neujahrsnachmittag, an dem sich ihr Mann im Wei�en Haus in Richmond befand, klappte sie das letzte Hauptbuch zu, verschlo� den letzten Reisekoffer, kontrollierte zum letztenmal die gr�nen Fahrkarten und begab sich auf ihre letzte Runde durch das Haus.</p><p>Als sie die Runde beendet hatte, klopfte sie an Clarissas T�r. Das weitr�umige, sch�n m�blierte Zimmer l�ste bei Madeline unweigerlich Trauer aus. Heute war es nicht anders. Clarissa sa� am Fenster; milder Sonnenschein fiel auf einen Block Papier mit einer kaum erkennbaren Kohlezeichnung, wie von Kinderhand gemalt.</p><p>�Guten Tag.� Clarissa l�chelte h�flich, erkannte aber ihre Schwiegertochter nicht. Leichte Anzeichen des Schlaganfalls waren zur�ckgeblieben: Ihr rechter �u�erer Augenwinkel hing leicht nach unten, ihre Sprache war langsam geworden, vereinzelte W�rter klangen verzerrt.</p><p>Ansonsten hatte sie sich gut erholt, obwohl sie nur selten ihre rechte Hand ben�tzte.</p><p>�Clarissa, ich fahre jetzt bald nach Richmond. Ich sehe dort deinen Sohn.�</p><p>�Meinen Sohn. Oh, ja. Wie nett.� Ihre Augen blieben leer.</p><p>�Das Hauspersonal und Mr. Meek k�mmern sich um dich, aber ich wollte dir selber sagen, da� ich abfahre.�</p><p>�Sehr freundlich von dir. Ich habe deinen Besuch genossen.�</p><p>Ganz pl�tzlich den Tr�nen nahe schlang Madeline ihre Arme um die alte Frau; die j�he Handlung �berraschte und erschreckte Orrys Mutter. Ihre wei�en Brauen schossen in die H�he.</p><p>Unten sprach Madeline kurz mit Jane, der sie im letzten Sommer gegen Bezahlung das Hauspersonal unterstellt hatte. Dann ging sie den gewundenen Weg hinunter zu dem kleinen Geb�ude, in dem nacheinander Tillet, Orry und sie gelebt hatten. Nun wurde es von dem Verwalter bewohnt.</p><p>Unter einem Baum lungerte ein Sklave herum, zerbrach Borkenrinde in kleine St�cke. Er starrte sie unversch�mt an. Sie hielt inne.</p><p>�Hast du nichts zu tun, Cuffey?�</p><p>�Nein, Ma�am.�</p><p>�Ich werde Andy sagen, da� er das �ndert.� Sie ging weiter.</p><p>Im letzten Jahr, der Proklamation folgend, war Cuffey einer der ersten gewesen, die fl�chteten. Philemon Meek hatte bereits eine heftige Abneigung gegen den Sklaven gefa�t � die meisten anderen Sklaven verachteten ihn ebenfalls � und wandte besondere M�he auf, Cuffey wieder einzufangen. Meek, Andy und drei weitere Schwarze hatten Cuffey bewu�tlos in einem Sumpf gefunden, die Beine unter Wasser. Er hatte hohes Fieber gehabt und w�re m�glicherweise ertrunken.</p><p>Meek brachte Cuffey in Eisen nach Mont Royal zur�ck. Er wurde �rgerlich, als Madeline zus�tzliche Bestrafung untersagte. Die Krankheit w�hrend der Flucht sei ausreichende Strafe, sagte sie.</p><p>Es beunruhigte sie, da� Cuffey keine zweite Flucht versucht hatte. Er war hinter Jane her, aber Jane konnte ihn nicht ausstehen. Blieb Cuffey, weil er irgendeinen wirren Plan hatte, der Plantage nach ihrer Abreise Schaden zuzuf�gen?</p><p>Zehn Minuten sp�ter klopfte sie an die B�rot�r und trat ein. Meek legte seine Bibel beiseite � er las jeden Tag ein bi�chen darin � und r�ckte seine Brille zurecht. Ein Gl�ck, da� wir ihn gefunden haben, dachte Madeline. Er war jenseits der Altersgrenze, die das im September erlassene zweite Einberufungsgesetz vorschrieb, und sollte beliebig lange auf Mont Royal bleiben k�nnen � nat�rlich vorausgesetzt, da� Jeff Davis nicht aus Verzweiflung Gro�v�ter einzuziehen begann.</p><p>�Sind Sie bereit, Miss Madeline? Ich rufe Aristotle, damit er das Gep�ck aufl�dt.�</p><p>�Danke, Philemon. Noch eines, bevor ich fahre. Sollte es zu einem Notfall kommen, z�gern Sie nicht zu telegraphieren. Falls das nicht m�glich ist, schreiben Sie. Ich komme dann sofort nach Hause.�</p><p>�Hoffe, das wird nicht n�tig sein � zumindest nicht, bevor Sie nicht wenigstens eine Stunde bei Ihrem Mann sein konnten.�</p><p>Sie lachte. �Das hoffe ich auch. Um die Wahrheit zu sagen, ich kann�s kaum erwarten, ihn zu sehen.�</p><p>�Wundert mich nicht. Schweres Jahr f�r Sie gewesen. Sollte alles glatt laufen, falls die Blaub�uche nicht n�her r�cken. Hab� gestern geh�rt, da� ein Steuereintreiber unten in Beaufort Lincolns Proklamation vorgelesen hat. Gro�e Mengen von Negern hatten sich um einen Baum versammelt, den sie bereits auf den Namen Emanzipations-Eiche getauft haben.�</p><p>Sie beschrieb kurz ihr Zusammentreffen mit Cuffey. Meek fuhr auf. �Nichts zu tun, eh? Werd� daf�r sorgen, da� sich das �ndert.�</p><p>�Nicht n�tig. Andy k�mmert sich schon darum.�</p><p>��bler Bursche, dieser Cuffey�, erkl�rte Meek.</p><p>�Ich wei�, da� Sie mit ihm fertig werden. Sie haben gro�artige Arbeit geleistet, Philemon � bei den Leuten, mit dem Pflanzen und der Ernte.�</p><p>Er setzte zum Sprechen an, z�gerte, sprach es dann doch aus. �W�r� gut, wenn Sie Jane sagen w�rden, sie kann nicht mehr unterrichten. Lernen ist schlecht f�r die Neger, vor allem in solchen Zeiten.� Er r�usperte sich. �Ich bin unbedingt dagegen.�</p><p>�Das ist mir bewu�t. Sie kennen auch meine Lage. Ich habe Jane gegen�ber ein Versprechen abgegeben. Und ich glaube, auf Mont Royal bleibt es ruhiger, wenn sie hier unterrichtet, als wenn sie nach Norden gehen w�rde.�</p><p>�Eins ist sicher � wenn sie geht, dann verlieren wir Andy.� Der Verwalter sp�hte unter seinen buschigen Brauen hervor. �Trotzdem nicht richtig, wenn Neger lernen. Ist au�erdem gegen das Gesetz.�</p><p>�Die Zeiten �ndern sich, Philemon. Die Gesetze m�ssen sich ebenfalls �ndern. Ich �bernehme die volle Verantwortung f�r Janes Aktivit�ten und ihre Folgen.�</p><p>Meek machte einen letzten Versuch. �Wenn Mr. Orry �ber Jane Bescheid w��te, w�rde er vielleicht nicht � �</p><p>�Er wei� Bescheid. Ich habe es ihm letztes Jahr geschrieben.�</p><p>Meek gab auf. �Ich w�nsche Ihnen eine sichere Reise. H�rte, die Eisenbahnschienen sind in ziemlich �blem Zustand.�</p><p>�Danke f�r Ihre Besorgnis.� Nach kurzem Z�gern eilte sie auf ihnzu und umarmte ihn; er hustete und err�tete. �Passen Sie auf sich auf.�</p><p>�Das werd� ich. Gr��en Sie den Colonel von mir.�</p><p>Er holte, das Gesicht immer noch scharlachrot, Aristotle f�r die kurze Fahrt zu der wenige Meilen entfernten kleinen Eisenbahnstation. Madeline fuhr los, den ungef�hr vierzig Sklaven zuwinkend, die sich zu ihrem Abschied in der Einfahrt versammelt hatten.</p><p>Ein St�ck abseits stand Cuffey mit �ber der Brust verschr�nkten Armen und beobachtete sie ebenfalls.</p><p>An diesem Abend hielt Jane im Krankenzimmer Unterricht ab.</p><p>Zweiunddrei�ig Schwarze dr�ngten sich in den wei�get�nchten, von Kerzen erhellten Raum. Andy sa� mit gekreuzten Beinen in der ersten Reihe. Cuffey lehnte mit verschr�nkten Armen in einer Ecke; selten nur wich sein Blick von Janes Gesicht. Diese Art von Aufmerksamkeit war ihr unangenehm, aber sie versuchte sie nach M�glichkeit zu ignorieren.</p><p>�Versuch es, Ned�, bat sie einen schlaksigen Feldarbeiter. Mit ihrem Schreibinstrument, einem St�ck Kreide, tippte sie gegen ihre Tafel, eine Kiste. �Drei Buchstaben.� Nacheinander zeigte sie darauf.</p><p>Ned sch�ttelte den Kopf. �Wei� nich�.�</p><p>Sie stampfte mit dem nackten Fu� auf. �Vor zwei Tagen hast du�s noch gewu�t.�</p><p>�Ich vergeߒ! Ich arbeit� schwer ganzen Tag, werd� m�d. Bin nich� klug genug f�r solche Sachen.�</p><p>�Doch, das bist du, Ned. Ich wei�, da� du es bist, und du mu�t selber auch dran glauben. Versuch es noch mal.� Sie beherrschte ihre Ungeduld. Sie tippte gegen die Tafel. �Drei Buchstaben: <emphasis>N, E, D.</emphasis> Das ist dein Name, erinnerst du dich?�</p><p>�Nein.� �rgerlich. �Tu ich nich�.�</p><p>Jane stie� die Luft aus; sie f�hlte sich m�de und ersch�pft. Madelines Abreise hatte sie st�rker ber�hrt, als sie vorher geahnt hatte.</p><p>�Machen wir Schlu� f�r heute�, sagte sie. Das brachte ihr Proteste ein. Ihr �ltester Sch�ler, Cicero, protestierte am heftigsten. Cicero, vor kurzem Witwer geworden, war mit seinen neunundsechzig Jahren zu alt f�r die Feldarbeit, hatte aber geschworen, da� er noch vor seinem n�chsten Geburtstag lesen und schreiben konnte. Er sagte, er w�rde als gebildeter Mann sterben, falls er nicht lange genug lebte, um als freier Mann zu sterben.</p><p>Cuffey, der Abend f�r Abend auf demselben Fleck stand, sagte schlie�lich: �Sollten f�r immer Schlu� machen, denk� ich.�</p><p>Andy erhob sich. �Wenn du nichts lernen willst, dann bleib doch weg.�</p><p>Andy machte gute Fortschritte in seinen Studien, was einer der Gr�nde war, weshalb sich Janes Gef�hle f�r ihn �nderten. Ein Grund, aber nicht der einzige. Zweimal hatte er sie scheu gek��t. Das erstemal auf die Stirn, das zweitemal auf die Wange. Dieser ernste, entschlossene junge Mann ver�nderte ihr Leben auf eine Art und Weise, die sie selbst nicht ganz verstand.</p><p>Als Antwort auf Andys Worte grollte Cuffey: �Werd� ich vielleicht. Keiner von uns mu� hier bleiben. Geh�n wir runter nach Beaufort, da sind wir frei.�</p><p>�Sicher�, sagte Cicero und fuchtelte mit einem Finger vor Cuffey herum. �Du geh runter nach Beaufort � du verhungerst, weil du ein dummer Nigger bist, der seinen Namen nicht lesen oder schreiben kann.�</p><p>�Pa� auf, was du sagst, alter Mann.�</p><p>Cicero wich keinen Millimeter zur�ck. Cuffey starrte wild um sich und wandte sich an die ganze Gruppe. �Werd� nicht verhungern in Beaufort. Die geben den Freigelassenen Land. St�ck Land und ein Maultier.�</p><p>�Du baust also was an�, sagte Andy, �und die wei�en Agenten betr�gen dich, weil du ihre Zahlen nicht zusammenrechnen kannst.�</p><p>Cuffey reagierte auf Vernunft mit Zorn. �Jemand hat dich zu �nem guten Besitzst�ck erzogen, Nigger. Hast ja kein R�ckgrat.�</p><p>Andy st�rzte sich auf ihn. Cicero trat dazwischen; er keuchte vor Anstrengung, die beiden viel j�ngeren M�nner auseinanderzuhalten.</p><p>�Ich hasse es so sehr wie du, Besitz zu sein�, schleuderte Andy zur�ck. �Meine Momma wurde verkauft, meine kleine Schwester auch. Glaubst du, ich lieb� die Leute, die das getan haben? Tu ich nicht, aber ich hab� Besseres zu tun, als sie zu hassen. Ich werd� frei sein, Cuffey, und ich kann nicht aus eigener Kraft leben, wenn ich dumm bleib� wie du.�</p><p>Schweigen.</p><p>Blicke glitten von Mann zu Mann. Schatten huschten �ber die wei�get�nchte Decke. F��e scharrten �ber den Boden. Cuffey hob die geballte Faust.</p><p>�Eines Tages werd� ich dir deine Zunge direkt aus dem Sch�del schneiden.�</p><p>�Schande�, sagte Cicero leise, aber fest. Andere wiederholten das Wort � �Schande, Schande.� Cuffey reckte den Kopf vor und spuckteauf den Boden; ein gro�er, wei�licher Schleimklumpen zeigte, was er von ihnen hielt.</p><p>�Ich will eure B�cher nicht�, sagte er. �Will diesen Platz niederbrennen. Will die verfluchten Leute umbringen, die meine Babys get�tet haben, die mich mein ganzes Leben lang angekettet haben.�</p><p>�Du bist verr�ckt�, sagte Jane und stellte sich neben Andy. �Verr�ckt. Miss Madeline ist die beste Herrin, die du haben kannst. Sie will jedem in diesem Zimmer helfen, sich auf die Freiheit vorzubereiten. Sie ist eine gute Frau.�</p><p>�Sie ist eine Wei�e, und ich will sie tot seh�n. Ich brenn� alles nieder, bevor ich hier fertig bin.� Cuffey wirbelte herum, trat die T�r auf und st�rmte in die Dunkelheit hinaus.</p><p>Auch Janes Sch�ler schoben sich hinaus. Andy blieb. Jane schaute ihn an. �Cuffey ist nicht zu helfen, oder? Er ist b�sartig geworden.�</p><p>�Denk� schon.�</p><p>�Ich wollt�, er w�r� noch mal davongerannt. Hab� noch nie einen Neger getroffen, der mir so viel Angst einjagt wie er.�</p><p>Ohne nachzudenken lehnte sie ihren Kopf gegen Andys Hemd. Er legte eine Hand um ihre Taille, streichelte mit der anderen ihr Haar. Es war ganz selbstverst�ndlich und tr�stend.</p><p>�Brauchst keine Angst vor Cuffey zu haben�, sagte er. �Ich pa� auf dich auf. Immer, wenn du mich l��t.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich sagte � immer. Wenn du mich l��t.�</p><p>Langsam beugte er sich zu ihr hinunter und k��te sanft ihren Mund. Etwas ging mit ihr vor, dr�ckte sich in einem erstaunten kleinen Lachen aus. Sie wu�te, da� sie ihre Zukunft besiegelt hatten. Mit diesem einen Ku�. Sie gestand sich ein, da� sie sich schon w�hrend der letzten Wochen in ihn verliebt hatte.</p><p>Visionen �berfielen sie, befleckten den Augenblick. Statt Andys Gesicht sah sie Cuffey vor sich, und in den zuckenden Schatten an der Zimmerdecke erblickte sie Mont Royal in Flammen.</p><p>�Resolution Nummer 611 des Hauses�, sagte Senator Sherman und tippte auf das Dokument auf seinem Schreibtisch. �Wie Sie sehr wohl bissen, wird die Akademie kein Geld mehr haben, wenn sie nicht in beiden H�usern durchkommt.�</p><p>George nieste. Drau�en fegte der Schnee waagrecht vorbei. George Putzte sich die Nase mit einem gewaltigen Taschentuch und fragte dann: �Wann wird die Bewilligungsvorlage behandelt?�</p><p>�Morgen.�</p><p>Das B�ro roch nach alten Zigarren. Eine Golduhr tickte. Um zwanzig nach zehn lagen die meisten Einwohner der Stadt daheim im Bett. George w�nschte sich auch dorthin. Trotz seines dicken Armeemantels konnte er nicht warm werden.</p><p>�Was wird das Haus damit machen?�</p><p>�Herumspielen�, erwiderte der j�ngere Bruder des Generals. �Die Zehntausend f�r die Dacherneuerung der Akademiegeb�ude k�rzen. Vielleicht die Vergr��erung der Kapelle streichen. Die Mitglieder des Finanzausschusses m�chten ihre Autorit�t zeigen, aber ich bezweifle, da� sie wesentlichen Schaden anrichten werden. Das Kriegsbeil wird erst ausgegraben, wenn die Vorlage zu uns kommt.�</p><p>�Wade ist immer noch fest entschlossen?�</p><p>�Absolut. Er benimmt sich wie ein Verr�ckter, wenn es um dieses Thema geht. Sie kennen seinen Ha� auf den S�den.�</p><p>�Verdammt noch mal, John, West Point ist nicht der S�den.�</p><p>�Das ist Ihre Ansicht, George, die leider nicht von allen Senatsangeh�rigen geteilt wird.�</p><p>�Wie stehen die Chancen, da� die Vorlage abgeschmettert wird?�</p><p>�Kommt darauf an, wer spricht und wie �berzeugend. Wade wird jede erdenkliche Anstrengung unternehmen und jeden nur vorstellbaren Grund anf�hren, um die Sache zu Fall zu bringen. Lane wird sich ihm anschlie�en.�</p><p>�Das ist keine Antwort�, unterbrach ihn George. �Wie stehen die Chancen?�</p><p>Sherman starrte ihn an. �Bestenfalls � f�nfzig zu f�nfzig.�</p><p>�Wir h�tten mehr tun m�ssen. Wir � �</p><p>�Wir haben alles nur Erdenkliche getan�, warf der Senator ein. �Jetzt k�nnen wir nur noch den Ausgang abwarten.� Er kam um seinen Schreibtisch herum. �Gehen Sie nach Hause, George. Wir brauchen keine Offiziere, die an Lungenentz�ndung sterben.�</p><p>Mit grauem Gesicht schlurfte George hinaus.</p><p>In dem Schneesturm brauchte er eine dreiviertel Stunde, um einen Fahrer aufzutreiben, der bereit war, die lange Fahrt nach Georgetown zu unternehmen. Mit klappernden Z�hnen sackte er in der Kutsche in sich zusammen. Mit der Hand h�mmerte er gegen die Wand der Kutsche. �Wir h�tten einfach mehr tun m�ssen!�</p><p>�Was ist da los?�</p><p>�Nichts�, br�llte er zur�ck. Als er endlich in sein Haus taumelte, war er schwei�gebadet und halb bewu�tlos.</p><p><strong>66</strong></p><p>Judah beugte sich �ber die Steuerbordreling. �Schau mal, Pa. Ist das ein Yankee?�</p><p>Cooper sp�hte in den morgendlichen Dunst und entdeckte den Dampfsegler, auf den sein Sohn gezeigt hatte. Er lag mit gerefften Segeln auf Reede. Die Flagge hing schlaff im hellen Licht. Er konnte nur die Farben erkennen � rot, wei�, mit einem tiefblauen Teil. Er bezweifelte, da� es sich dabei um die Nationalflagge der Konf�deration handelte. �Ich denke schon.�</p><p>Ein kleines Boot brachte den Lotsen an Bord. Kurz darauf wurden die Maschinen lauter, und die <emphasis>Isle of Guernsey</emphasis> dampfte in den gesch�tzten Hafen, der mit Dampfern und Segelschiffen �berf�llt war. Dahinter erkannte Cooper das gr�nliche Flirren von New Providence Island.</p><p>Der Dampfer hatte sie durch die gewaltige See und winterliche St�rme in diese schl�frige W�rme gebracht. Unterwegs hatte der britische Lademeister Cooper die haupts�chliche Schiffsfracht gezeigt: lange und kurze Enfield-Gewehre, Kugelgu�formen, Patronen, Patronentaschen, Sergeballen. Das alles mu�te f�r die gef�hrliche Fahrt durch die Blockade auf ein anderes Schiff umgeladen werden.</p><p>Judith, h�bsch und freudig erregt in dem neuen Hut, den er ihr als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk �berreicht hatte, gesellte sich mit ihrer Tochter zu ihm. �Hier haben wir ein weiteres Argument f�r das, was ich dir gestern nacht zu erkl�ren versuchte�, sagte Cooper zu seiner Frau. �Dort dr�ben h�lt ein Yankeeschiff Wache. Ich w�rde mich wesentlich wohler f�hlen, wenn ich ein Haus in Nassau mieten k�nnte, wo � �</p><p>�Cooper Main�, unterbrach sie ihn. �Das Thema ist f�r mich erledigt.�</p><p>�Aber � �</p><p>�Die Diskussion ist beendet. Ich werde nicht mit den Kindern hier bleiben, w�hrend du fr�hlich nach Richmond segelst.�</p><p>�Daran ist nichts Fr�hliches�, grollte er. �Es ist eine sehr gef�hrliche Reise. Die Blockade wird st�ndig sch�rfer. Es ist fast unm�glich, nach Savannah und Charleston hineinzukommen, und in Wilmington sieht�s nicht viel besser aus. Ich hasse es, da� du dieses Risiko eingehen mu�t.�</p><p>�Ich habe mich entschieden, Cooper. Wenn du es riskierst, dann riskieren wir�s auch.�</p><p>�Hurra�, rief Judah, sprang herum und klatschte in die H�nde. �Ich will ins Dixie-Land und General Jackson sehen.�</p><p>�Ich will auf kein Boot, auf das geschossen wird�, sagte Marie-Louise. �Ich m�chte lieber hier bleiben. Schaut h�bsch aus. Kann ich mir hier einen Papagei kaufen?�</p><p>�Still�, sagte ihre Mutter.</p><p>Abfall suchende M�wen bildeten eine l�rmende Wolke am Bug. Innerhalb einer Stunde lag die <emphasis>Isle of Guernsey</emphasis> vor Anker; ein Leichter brachte die Mains und ihr Gep�ck zum �berf�llten Prince-George-Kai. Hier wimmelte es nur so von wei�en Matrosen, schwarzen Schauerleuten, bunt gekleideten Frauen, die keiner erkennbaren Besch�ftigung nachgingen, glitzernden Bergen von Cardiff-Kohle und Baumwolle � endlos viele Ballen, jeder mit Dampf auf sein halbes Volumen zusammengepre�t.</p><p>Die gepflasterte Uferstra�e konnte kaum all die Menschen und den Verkehr fassen. Der Krieg mochte den S�den aushungern, aber dieser Insel hatte er ungez�geltes Wachstum und Reichtum beschert.</p><p>Nachdem er seine Familie in ihrer Suite untergebracht hatte, begab sich Cooper zum Hafenmeister, wo er seine W�nsche in vorsichtigen Umschreibungen zum Ausdruck brachte. Der schnurrb�rtige Beamte k�rzte seine Weitschweifigkeit ab.</p><p>�Im Augenblick keine Blockadebrecher im Hafen. Ich rechne morgen mit der <emphasis>Phantom.</emphasis> Sie wird allerdings keine Passagiere mitnehmen. Lediglich die Fracht von der <emphasis>Guernsey.�</emphasis></p><p>�Warum keine Passagiere?�</p><p>Der Hafenmeister schaute ihn an, als w�re er geistig minderbemittelt. �Die <emphasis>Phantom</emphasis> geh�rt dem Waffenbeschaffungsamt Ihrer Regierung, Sir.�</p><p>�Ah, ja. Es gibt vier solcher Schiffe. Ich hatte die Namen vergessen. Ich geh�re zum Marineministerium. Vielleicht wird die <emphasis>Phantom</emphasis> eine Ausnahme machen.�</p><p>�Sie k�nnen ja mit dem Kapit�n sprechen, aber andere offizielle Gentlemen der Konf�deration haben das auch schon vergeblich versucht.�</p><p>In der Nacht glitt die <emphasis>Phantom</emphasis> unter britischer Flagge in den Hafen. Cooper f�hrte ein kurzes, unbefriedigendes Gespr�ch mit dem Kapit�n. Der Hafenmeister hatte recht: Selbst ein Beauftragter von Minister Mallory wurde nicht auf einem Schiff des Waffenamtes als Passagier zugelassen.</p><p>�Ich bin schon f�r wertvolle Fracht verantwortlich�, sagte der Kapit�n. �Ich m�chte nicht noch zus�tzlich Verantwortung f�r Menschenleben �bernehmen.�</p><p>Der Nieselregen h�rte auf, und die Sonne schien. Zwei dr�ckende Tage verstrichen. Die <emphasis>Phantom</emphasis> lief aus � wieder nachts �, und der Yankeesegler verschwand, zweifellos in Verfolgung des kleineren Schiffes. Gegen Ende der Woche hatte Cooper es satt, zu warten und alte Zeitungen zu lesen. Endlich, nachdem sie fast schon eine Woche in der Stadt waren, brachte der <emphasis>Nassau Guardian</emphasis> am Montag in seiner Schiffskolumne die Wochenendank�nfte, darunter die �<emphasis>Water Witch</emphasis> aus New Providence Is. gesamte Fracht Baumwolle von St. George�s Is. Bermuda.�</p><p>�Sie mu� ein Blockadebrecher sein�, rief Cooper beim Fr�hst�ck. �Baumwolle ist nicht gerade ein Haupterwerbszweig auf den Bermudas.� Und so machte er sich mit Judah wieder zum Hafen auf.</p><p>Sie erreichten den Liegeplatz des Schiffes. �Teufel auch�, sagte Judah, wieder in seine Liverpooler Phase verfallend, �schau dir blo� all die verfluchte Baumwolle an.�</p><p>�Red nicht so�, schnappte Cooper. Aber er war genauso fasziniert. Die <emphasis>Water Witch</emphasis> war ein bemerkenswerter Anblick; ein vielleicht dreihundert Tonnen schwerer, gepanzerter Dampfer mit einer L�nge von ungef�hr zweihundert Fu�. Jedes verf�gbare Fleckchen war mit Baumwollballen vollgestopft.</p><p>Cooper und sein Sohn zw�ngten sich an Bord; er erkundigte sich nach dem Kapit�n, bekam aber nur den Maat zu Gesicht.</p><p>�Kapit�n Ballantyne ist an Land. Ging gleich als erster. Sch�tze, er wird bereits auf irgendeinem Flittchen � � Er entdeckte Judah hinter seinem Vater. �Vor morgen fr�h, wenn wir mit dem Laden beginnen, werden Sie ihn nicht an Bord finden.� Eine mi�trauische Pause. �Was woll�n Sie �berhaupt von ihm?�</p><p>�Ich bin Mr. Main, vom Marineministerium. Ich brauche dringend f�r mich, meinen Sohn hier, meine Frau und meine Tochter eine Passage zum Festland.�</p><p>Der Maat kratzte seinen Bart. �Wir woll�n wieder nach Wilmington. Verdammt gef�hrliche Fahrt, bis wir wieder in Deckung der Kanonen von Fort Fisher sind. Glaub nicht, da� der Kapit�n Zivilisten mitnimmt, vor allem so junge.�</p><p>�Sagen Sie, Mr. � �</p><p>�Soapes.�</p><p>�Wo sind sie zu Hause, Mr. Soapes?�</p><p>�Hafen von Fernandina. Liegt in Florida.�</p><p>�Ich wei�, wo es liegt. Sie sind also S�dstaatler, ja?�</p><p>�Jawohl, Sir, genau wie Sie und Kapit�n Ballantyne. Sie sagten, Ihr Name sei Main?� Cooper nickte. �Irgendeine Verbindung zu den Mains von South Carolina?�</p><p>�Ich bin ein Angeh�riger dieser Familie. Warum fragen Sie?�</p><p>�Oh, ich hab� blo� von ihnen geh�rt, das ist alles.� Mr. Soapes log, da war sich Cooper sicher. Nerv�s geworden br�llte der Maat einen Schauermann an. �Wenn einer von euch Niggern �nen Ballen Baumwolle ins Wasser fallen l��t, dann hungert er so lange, bis er daf�r bezahlt hat. Sechzig Cents das Pfund. Marktpreis.�</p><p>Cooper r�usperte sich. �Sagen Sie, Mr. Soapes, welche Ladung nehmen Sie mit nach Wilmington?�</p><p>�Oh, Sie wissen schon, das �bliche.�</p><p>�Nein, ich wei� es nicht. Was ist das �bliche?�</p><p>Soapes kratzte sich am Bauch und vermied es, Cooper anzusehen. �Sherry. Havannazigarren. Ich glaub�, wir haben diesmal auch noch �ne Lieferung K�se dabei. Dann Tee und Fleischb�chsen und massenhaft Kaffee.� W�hrend er die Liste aufz�hlte, wurde seine Stimme immer leiser und Coopers Gesicht immer r�ter. �Au�erdem haben wir noch Rum und � �</p><p>�Die Konf�deration ben�tigt dringend Kriegsmaterial, und Ihr bef�rdert Luxusg�ter?�</p><p>�Wir laden, was Profit bringt.� Nach dieser Antwort schwand der Mut des Maats. �Ich jedenfalls bin nicht der Lademeister. Das macht der Kapit�n. Sprechen Sie mit ihm.�</p><p>�Das werd� ich, verlassen Sie sich drauf.�</p><p>�Vor morgen fr�h ist er aus dem Hurenhaus nicht zur�ck.�</p><p>Cooper juckte es in den F�usten. Soapes hatte nur deswegen Hurenhaus gesagt, um Judah in Verlegenheit zu bringen.</p><p>Der Junge begriff es und grinste. �Mein Pa nimmt mich st�ndig zu solchen Orten mit. Vielleicht treffen wir ihn dort.�</p><p>Cooper gab seinem Sohn einen Klaps. Der Maat schaute verbl�fft drein, bis er merkte, da� man sich �ber ihn lustig machte. Dann wurde er so rot wie Cooper, der seinen Sohn auf die Gangway zuschob.</p><p>Als er am n�chsten Morgen zur�ckkehrte, hatte Cooper bereits eine heftige Abneigung gegen den Kapit�n und die Eigent�mer des Schiffes, seinen gestrigen Erkundigungen nach ein S�dstaatenkonsortium, gefa�t. In Ballantynes Kabine im Heck roch es �berw�ltigend nach Tabak; kleine Kisten f�llten jede freie Ecke. Die Kisten trugen spanische Aufschriften, bei denen das Wort <emphasis>Habana</emphasis> hervorragte.</p><p>�Zigarren�, sagte Ballantyne offen, als er die Neugier seines Besuchers bemerkte. �Mein Privatunternehmen. Setzen Sie sich auf diesen Hocker, ich hab� gleich f�r Sie Zeit. Mu� nur noch unser Ladeverzeichnis fertig machen. Danach sind die Bermudas unser Bestimmungsort.�</p><p>Er strahlte wie ein Cherub. William Ballantyne war ein mondgesichtiger Mann, dem nur noch wenige Haare geblieben waren, mit Ausnahme von denen in seinen Ohren. Er hatte eine Brille und ein kleines B�uchlein.</p><p>�Also gut, das w�r� erledigt�, sagte Ballantyne, nachdem sie die Passage ausgehandelt hatten. �Tut mir leid, da� ich gestern nicht hier war. Mr Soapes erz�hlte mir, sie h�tten einige, �h, Bedenken wegen unserer Fracht.�</p><p>�Da Sie es erw�hnen, das hab� ich tats�chlich.�</p><p>Ballantyne grinste; ein ziemlich unangenehmes Grinsen. �Ich erw�hnte es, Sir, weil ich annahm, da� Sie es ohnehin tun w�rden.�</p><p>�Ich w�rde es nicht Bedenken nennen. Es handelt sich dabei um sehr ernste, moralische Einw�nde. Warum bef�rdert dieses Schiff nichts weiter als Luxusg�ter?�</p><p>�Aber, Sir, weil die Besitzer es so w�nschen. Das l��t die Kasse klingeln.�</p><p>W�tend sagte Cooper: �Sie sind ein verdammter Schurke, Ballantyne. M�nner und Jungs sterben, weil es ihnen an Waffen und Munition fehlt, und Sie bef�rdern Schinken und Zigarren.�</p><p>�H�ren Sie. Ich sagte Ihnen schon, ich bef�rdere das, was mir aufgetragen wird. Plus kleine Extras, um f�r mein Alter vorzusorgen.� Das L�cheln wurde rissig, und die Kreatur dahinter kam zum Vorschein. �Mir geht�s nicht so gro�artig wie Ihnen, Sir. Ich wuchs in den Bergen von North Carolina auf. Meine Leute waren dumm und unwissend. Ich hab� nichts gelernt bis auf das hier, und ich mu� das beste draus machen. Abgesehen davon verstehe ich gar nicht, wor�ber Sie sich aufregen. Die Art von Handel ist weitverbreitet. Macht doch jeder.�</p><p>�Nein, Ihr eigener Mangel an Skrupeln und Patriotismus sind keineswegs allgemeing�ltig. Ganz bestimmt nicht.�</p><p>Ballantynes L�cheln verschwand. �Ich mu� Sie nicht mitnehmen, das wissen Sie.�</p><p>�Ich glaube doch. Au�er Sie wollen, da� die Regierung sich n�her um dieses Schiff k�mmert. Das l��t sich einrichten.�</p><p>Ballantyne raschelte mit den Papieren in seiner Hand. Zum erstenmal klang seine Stimme unsicher. �Versuchen Sie mich zu versenken, und Sie versenken auch jemanden, der Ihnen nahesteht.�</p><p>�Was zum Teufel soll das hei�en?�</p><p>�Mr. Soapes sagte, Sie stammen aus South Carolina. Eine unserer Eignerinnen ebenfalls. Ihr mittlerer Name ist derselbe wie Ihr Nachname, sie besitzt zwanzig Prozent der <emphasis>Water Witch</emphasis> und hat einen Bruder im Marineministerium.�</p><p>Das Hafenwasser klatschte gegen den Rumpf. Cooper konnte kaum schlucken, geschweige denn sprechen. Schlie�lich brachte er hervor: �Was sagen Sie da?�</p><p>�Kommen Sie, Sir � tun Sie nicht so, als w��ten Sie von nichts. Zu den Eignern geh�rt eine Lady namens Huntoon � Mrs. Ashton Main Huntoon aus Richmond und dem Palmetto-Staat. Ist sie � ist sie keine Verwandte?�</p><p>Als er Coopers angeekelten Gesichtsausdruck sah, grinste er. �Dacht� mir�s doch. Hab� zwei und zwei zusammengez�hlt, nachdem ich mit Mr. Soapes gesprochen hatte. Sie haben eine Passage auf einem Schiff der Familie gebucht, Mr. Main.�</p><p><strong>67</strong></p><p>George lehnte am Gel�nder der Galerie und blickte in den Senatssaal hinunter. Es war der 15. Januar. Er hatte schlecht geschlafen, war oft aufgewacht, zwischen Hoffnungen und Bef�rchtungen hin und her gerissen.</p><p>Wade, der Initiator des Angriffs, erhob sich zuerst.</p><p>�Ich habe so oft meine ablehnende Haltung gegen Vorlagen dieser Art zum Ausdruck gebracht, da� ich jetzt keine Zeit mehr verschwenden m�chte, Gegenargumente anzuf�hren.�</p><p>Nach weltweit �blicher Politikerart tat er dann genau das.</p><p>�Ich wei�, da� diese Institution dem Lande keinen Nutzen gebracht hat. H�tte es keine West-Point-Milit�rakademie gegeben, so h�tte es keine Rebellion gegeben. Von dort kamen die Hauptverr�ter und Verschw�rer.�</p><p>Es gab Zwischenrufe und Einspr�che. Die Debatte wurde scharf, dann z�gellos, als sich die Minuten zu einer Stunde dehnten.</p><p>Senator Wilson, der Vorsitzende des Ausschusses f�r milit�rische Angelegenheiten, den George hofiert hatte, gestand Schw�chen der Akademie ein, widerlegte dann aber Wade mit eindeutigen Beweisen � den gleichen Zahlen, die George in seinem Brief an die <emphasis>Times</emphasis> ben�tzt hatte. Wilson hielt West Point keineswegs f�r eine �Brutst�tte des Verrats�.</p><p>Senator Nesmith versuchte den Angriff zu schw�chen, indem er die Namen von Absolventen anf�hrte, die ihr Leben f�r die Union gegeben hatten � Mansfield und Reno z�hlten zu den Bekanntesten �, und versuchte zum Schlu� seiner Rede die Emotionen seiner Kollegen zu wecken, indem er zw�lf Zeilen eines Heldengedichts zitierte.</p><p>Sofort konterte Wade mit einem Flankenangriff. Gnadenlos verdrehte er die Wahrheit immer weiter und weiter. �Ich bin daf�r, diese Institution abzuschaffen.� Vereinzelter Beifall. �Wir wollen nicht, da� sich die Regierung in die milit�rische Ausbildung einmischt, genausowenig, wie sie sich in irgendeine andere Ausbildung einzumischen hat.�</p><p>John Sherman verlie� seinen Platz, sp�rte, da� die Str�mung in die falsche Richtung ging, eilte von einem Kollegen zum anderen. Foster aus Connecticut widersprach Wade. Hatten nicht Yale und Harvard ebensoviele S�dstaatler ausgebildet wie West Point?</p><p>H�misch sagte Wade: �Yale wird nicht von der Regierung der Vereinigten Staaten finanziert.�</p><p>Es ging weiter und weiter: West Point besitze ein �Monopol�; weitere Anklagen, da� es die M�nner ungen�gend ausbilde. Hier ergriff der m�chtige Lyman Trumbull zum erstenmal das Wort.</p><p>�Weil sie Festungswerke zu errichten verstehen, soll man sie deshalb f�r Napoleons halten? Hier liegt der Fehler. Was wir f�r unsere Armeen brauchen, sind Gener�le, die auf die St�rke unserer Armeen vertrauen! Lassen wir die Soldaten dieses Landes auf die Rebellion los! Werft jeden Mann, der eine Befestigung zu bauen versteht, aus der Armee, und la�t die M�nner des Nordens, mit ihren starken Armen und ihrem unbez�hmbaren Geist, �ber die Rebellen kommen. Ich sage euch, sie werden sie zu Staub zermahlen!�</p><p>Der Applaus, sowohl von unten als auch von den Galeriebesuchern oben, klang diesmal wesentlich lauter. Georges Handfl�chen waren kalt und feucht, sein Herz klopfte viel zu schnell.</p><p>Lane z�ckte einen ganz neuen Satz verbaler Messer. �Diese Institution wird seit mehr als drei�ig Jahren eindeutig von den Aristokraten des S�dens beherrscht. Ein junger Mann, der sich in West Point einschreibt, wird vor allem angehalten, die elende, sklavenhalterische Aristokratie des S�dens zu bewundern � ihm wird die Doktrin der S�dstaatensezession als Wissenschaft beigebracht.�</p><p>Links von George klatschte jemand. Er wu�te, wer es war, wagte aber nicht hinzuschauen. Senator Sherman und mehrere seiner Verb�ndeten hoben den Kopf; das Klatschen h�rte auf.</p><p>Die Debatte ging weiter; endlich wurde zur Abstimmung gerufen.</p><p>�Wer ist daf�r?�</p><p>Die Ja-Rufe waren laut, inbr�nstig.</p><p>�Wer dagegen?�</p><p>Die Nein-Rufe waren ebenfalls laut, aber � gaukelte ihm die Hoffnung etwas vor? � weniger.</p><p>�Ich schreite zur Abz�hlung�, sagte Vizepr�sident Hamlin. �Neunundzwanzig Ja, zehn Nein.�</p><p>Ein Aufst�hnen, in das sich herzlicher Applaus mischte. John Sherman warf George einen ersch�pften Blick zu. Erst jetzt wagte es George, sich umzudrehen und dem bleichen, w�tenden Stanley einen Blick zuzuwerfen.</p><p>George erhob sich, in der Absicht, ein vers�hnliches Wort mit seinem Bruder zu wechseln. Stanley stand ebenfalls auf, drehte ihm den R�cken zu, und verlie� die Galerie, als George zwei Meter von ihm entfernt war.</p><p>George feierte bei Willard�s, hielt andere Offiziere frei, bis niemand mehr da war.</p><p>�Ich glaube, Sie sollten jetzt heimgehen�, sagte der Kellner. Er ging heim.</p><p>Als er ins Haus geschwankt kam, sagte er zu Constance: �Wir haben gewonnen.�</p><p>�Aber du schaust so grimmig drein. Setz dich hin, bevor du umf�llst.� Sie schlo� die Wohnzimmert�ren, damit die Kinder ihn nicht sahen.</p><p>�Heute hab� ich das wahre Gesicht dieser Stadt gesehen, Constance. Ignoranz, Vorurteile, Mi�achtung der Wahrheit � das ist das wahre Washington. Einige dieser verdammten Schurken im Senat warfen mit L�gen um sich, als w�rden sie die Zehn Gebote zitieren. Ich ertrag� diesen Ort nicht l�nger. Ich mu� irgendwie raus, irgend � �</p><p>Sein Kopf rollte zur�ck, sackte auf seine Schulter. Constance trat hinter ihn, strich ihm �ber die Stirn. Sein Mund �ffnete sich, und er begann zu schnarchen.</p><p>Im Gegensatz dazu schien Stanley in der byzantinischen Atmosph�re der Stadt aufzubl�hen. Er f�hlte sich l�ngst nicht mehr als Neuank�mmling und geno� die wachsende Verantwortung, die er als Assistent von Mr. Stanton zu tragen hatte. Au�erdem verdiente er zum erstenmal in seinem Leben aus eigener Kraft gewaltige Summen.</p><p>Nat�rlich stellte die Genehmigung der Bewilligungsvorlage f�r West Point einen R�ckschlag dar, der ihn auch f�r mehrere Tage m�rrisch stimmte. Dazu kam die Verdrie�lichkeit des Ministers, die gleichzeitig mit General Burnsides Feldzug gegen Lee am 20. Januar begonnen hatte; der Feldzug war dann auch bereits zwei Tage sp�ter steckengeblieben, nachdem schwere Regenf�lle die Stra�en von Virginia in ein einziges Morastmeer verwandelt hatten.</p><p>Burnsides Anh�nger sahen einen Akt Gottes in dem Fehlschlag, der ansonsten h�misch als �der Schlamm-Marsch� bezeichnet wurde. Die Befehlshaber gaben dem General die Schuld und ersetzten ihn durch Joe Hooker. Fighting Joe verk�ndete seine Entschlossenheit, die Armee neu zu organisieren und alles zu verbessern, angefangen von sanit�ren Einrichtungen bis zur Hebung der Moral (er begann sofort damit, Urlaub zu bewilligen), und vor allem versprach er, die Rebellen im Fr�hling auszul�schen.</p><p>Stanleys Verdru� nahm zu, als Isabel ihren Sohn Laban mit heruntergelassenen Hosen �berraschte, sein Geschlechtsorgan in einem nur zu willigen Hausm�dchen. Stanley sah sich gezwungen, seinem Sohn den Hintern zu versohlen, dann das Flittchen zu entlassen, was ihm keineswegs schwerfiel, und ihr zus�tzlich hundert Dollars zu zahlen, was ihm durchaus schwerfiel.</p><p>An einem d�steren Tag gegen Monatsende zu rief ihn Stanton zu sich. �Schauen Sie sich das an�, sagte der Minister und warf etwas Metallisches auf den Schreibtisch.</p><p>Es war einer dieser gro�en Kupferpennies, zuletzt 1857 gepr�gt, in dessen Mitte man den Kopf von Lincoln grob hineingeschnitten oder gefeilt hatte. Stanley drehte den Penny um und entdeckte eine kleine, angel�tete Sicherheitsnadel.</p><p>�Die Feinde dieser Regierung tragen das�, sagte der Minister. �Ganz offen!� Er br�llte, aber Stanley hatte sich mittlerweile an Stantons Ausbr�che gew�hnt.</p><p>�Ich h�rte, da� man die Friedensdemokraten als �Kupferk�pfe� bezeichnet, aber ich wu�te nicht, da� solch ein Abzeichen der Grund daf�r ist. Darf ich fragen, woher das stammt?�</p><p>�Colonel Baker hat es besorgt. Sie sind weitverbreitet, sagt er. Ich m�chte, da� Sie sich h�ufiger mit Baker treffen. Er soll seine Aktivit�ten in der Hinsicht verst�rken. Baker ist ein ignoranter, sturer Mann, aber er kann n�tzlich sein. Ich �bertrage Ihnen pers�nlich die Aufgabe, diese N�tzlichkeit zu vergr��ern.�</p><p>�Jawohl, Sir�, sagte Stanley begeistert. �Gibt es etwas Bestimmtes, worum er sich k�mmern soll?�</p><p>�Momentan noch nicht. Aber ich bereite Listen vor.� Stanton strich sich den Bart. �Noch eins. Der Pr�sident braucht davon nichts zu wissen. Wie ich zuvor schon sagte, Bakers Abteilung darf mit uns nicht in Verbindung gebracht werden. Seine Bem�hungen sind jedoch lebenswichtig, und wir werden ihn mit soviel Geld unterst�tzen, wie er ben�tigt.� Er l�chelte. �In bar. Ohne Spuren zu hinterlassen.�</p><p>�Ich verstehe. Ich werde heute nachmittag Colonel Baker aufsuchen.�</p><p>Baker leitete seine merkw�rdige Organisation, die Stanton im privaten Kreis h�ufig als das Detektivb�ro des Kriegsministeriums bezeichnete, von einem kleinen Backsteingeb�ude aus, gegen�ber von Willard�s.</p><p>Stanley befingerte das Kupferabzeichen. Eine engere Verbindung mit Baker konnte ihre Vorteile haben. Vielleicht konnte er das B�ro heimlich anweisen, die Aktionen seines Bruders George im Auge zu behalten.</p><p>Im Februar begegnete George zuf�llig einem Mann, der die Methoden und Irrwege der Regierung ebensosehr verachtete wie er selbst.</p><p>Hazard hatte einen Auftrag �ber F�nfzehn-Inch-Rodman-Gesch�tze mit glattem Lauf f�r die Rappahannockfront fertiggestellt. Christopher Wotherspoon verlud sie auf einen G�terzug, der sie schlie�lich zur Inspektion und Abnahme ins Washingtoner Arsenal brachte. Wotherspoon fuhr in einem Passagierwagen mit.</p><p>An zwei langen Abenden besprach er mit George Angelegenheiten der Eisenh�tte. Dann �berwachte Wotherspoon die Verladung der riesigen, flaschenf�rmigen Kanonen auf Lastk�hne, die sie den Potomac hinunter nach Aquia Creek Landing bringen w�rden. George nahm sich frei und fuhr auf einem Kanonenboot ebenfalls flu�ab; in einem f�r den elenden Winter typischen nassen Schneesturm kam er bei der Landestelle an. Der kurze Ausflug war sowohl eine Sache des pers�nlichen Interesses als auch Flucht vor einem Job, den er nicht l�nger ertragen konnte.</p><p>Die Temperaturen stiegen, und Regen schmolz den Schnee. Das Ausladen der Kanonen dauerte fast den ganzen Tag. George stampfte im Regen umher, bis die Arbeit beendet war. Mit unverhohlenem Stolz stand er neben einem der Plattformwagen, w�hrend die M�nner die letzte Kanone festzurrten. Eine gl�nzende, neue Mason-Lokomotive stand unter Dampf. Auf dem F�hrerstand war in vergoldeten Lettern zu lesen: GEN. HAUPT. Die Inschrift auf dem Tender lautete U.S. MILITARY R.RDS. Dampfwolken h�llten George ein, w�hrend der Regen von seiner Hutkrempe tropfte. Deshalb sah er nicht sofort den strengen, schnurrb�rtigen Mann in schlammigen Stiefeln und Drillichhosen, der sich neben ihn stellte. George dachte, er m��te den Mann kennen, wu�te aber nicht, wohin er ihn stecken sollte.</p><p>Der Mann war mehr als einen Kopf gr��er; f�r gew�hnlich reizte George schon die blo�e Existenz solcher Leute. Das, zusammen mit seinem Stolz, lie� ihn sprechen, ohne sich umzuschauen.</p><p>�Meine Kanonen.�</p><p>�Auf meinem Zug.�</p><p>George wandte sich um. Jetzt kannte er den Mann. �Auf meinen Schienen�, sagte er.</p><p>�Tats�chlich? Sie sind Hazard?�</p><p>�Das bin ich.�</p><p>�Wei� ich zu sch�tzen. Dachte, wenn eine wirkliche Person hinter dem Namen steckt, dann ist das irgendein dickb�uchiger Buchhalter, der niemals an einen Ort wie den hier kommen w�rde. Sind gute Schienen, die Sie machen. Hab� schon einige davon verlegt.�</p><p>Die Pfeife ert�nte, der Dampf zischte. �ber den L�rm hinweg fragte George: �Sind Sie General Haupt?�</p><p>�Nein, Sir. Bin kein General. Als ich letzten Mai die Ernennung annahm, stellte ich die Bedingung, da� ich keine Uniform tragen mu�. Letzten Herbst versuchte mich Stanton zum Brigadegeneral der Freiwilligen zu machen, aber ich hab�s nie offiziell akzeptiert. Wenn man erst mal richtiger General ist, dann verbringt man seine ganze Zeit damit, B�cklinge zu machen und Formulare auszuf�llen. Ich bin Haupt, das ist alles.�</p><p>Er betrachtete George, wie ein Staatsanwalt einen Zeugen mustert. �Trinken Sie was? Ich hab� eine Flasche in dem Bau dort dr�ben.�</p><p>�Ich trinke schon, ja.�</p><p>�Also, wollen Sie nun einen Whiskey oder nicht?�</p><p>�Wenn ich noch jemanden mitbringen kann � meinen Arbeitsaufseher dort.�</p><p>�In Ordnung, tun Sie�s, und Schlu� mit dem Gequatsche.�</p><p>Und auf diese Weise begann, mitten im heftigen Regen, Georges Freundschaft mit Herman Haupt.</p><p>Tropfen gl�nzten in Haupts Bart, als er Whiskey in zwei schmutzige Gl�ser go�. Wotherspoon hatte die Einladung abgelehnt; vor seiner Abreise wollte er noch den gewaltigen Milit�rkomplex besichtigen.</p><p>�Von Beruf bin ich Bauingenieur.� Das war sehr bescheiden ausgedr�ckt; Haupt z�hlte zu den besten Ingenieuren der Nation. �Ich soll die Eisenbahnlinien, die die Armee mit Beschlag belegt hat, in Ordnung halten und neue bauen. Mit all ihren Vorschriften und Regeln machen sie einem das verdammt schwer. Was tun Sie?�</p><p>�Ich arbeite in Washington.�</p><p>�W�rde ich nicht mal einem Mann w�nschen, den ich hasse. Was tun Sie dort?�</p><p>�Artilleriebeschaffung f�r das Waffenamt. Wenn Sie eine genauere Beschreibung haben wollen, ich gebe mich die meiste Zeit mit Narren ab.�</p><p>�Erfinder?�</p><p>�Das sind noch die harmlosesten.� George nahm einen Schluck. �In erster Linie meinte ich die Gener�le und Politiker.�</p><p>Haupt lachte und beugte sich vor. �Was haben Sie f�r eine Meinung von Stanton?�</p><p>�Hab� nicht viel mit ihm zu tun. Politisch ist er unflexibel, ein Fanatiker, und einige seiner Methoden sind recht anr�chig. Aber ich glaube, er ist kompetenter als die meisten anderen.�</p><p>�Er kapierte die Lektion von Bull Run schneller als die anderen. Als dieser Krieg anfing, begriffen die wenigsten, da� man Truppen mit der Bahn schneller und einfacher transportieren kann als auf dem Wasser.�</p><p>�Geschwindigkeit�, sagte George nickend.</p><p>�Wie bitte?�</p><p>�Geschwindigkeit � eine von Dennis Mahans Lieblingsideen. Vor mehr als zehn Jahren sagte er, da� Geschwindigkeit und Kommunikation den n�chsten Krieg gewinnen w�rden. Die Eisenbahn und der Telegraph.�</p><p>�Falls ihn die Gener�le nicht zuvor verlieren. Nehmen Sie noch einen Drink?�</p><p>�Danke, nein. Ich mu� meinen j�ngeren Bruder suchen. Er ist beim Pionierbataillon.�</p><p>Er erhob sich, um zu gehen. Haupt streckte die Hand aus. �War nett, unser Gespr�ch. Gibt nicht viele in dieser Armee, die so klug und offen sind wie Sie.� Das am�sierte George. Er hatte kaum etwas anderes getan, als Haupt zuzuh�ren.</p><p>�Ich mu� gelegentlich nach Washington�, fuhr Haupt fort. �Beim n�chstenmal schaue ich bei Ihnen herein.�</p><p>�W�rde mich freuen, General.�</p><p>�Herman, Herman�, sagte er, als George hinausging.</p><p>George erkundigte sich nach den Pionieren und sprang schlie�lich eine Weile sp�ter bei Brooks Station von einem langsam fahrenden Waggon; hier fand er Billy, der die Konstruktion einer Pfahlsperre zum Schutz der Station �berwachte. Eine Stunde lang unterhielten sie sich an der Baustelle. George erfuhr, da� sein Bruder gerade erst einen Wochenendurlaub auf Belvedere verlebt hatte. Billy war mitten in der Nacht durch Washington gekommen � nicht die richtige Zeit f�r einen Besuch in Georgetown.</p><p>George grinste. �Ich kann deinen Eifer ja verstehen, deine Frau zu sehen, aber nicht diese Hast, wieder zum Dienst zur�ckzukommen.�</p><p>�Ich will diesen Krieg hinter mich bringen. Ich hab�s satt, von Brett getrennt zu sein. Ich habe diese ganze verdammte Sache satt.�</p><p>Das war die Grundstimmung des Treffens: wenig Humor und eine dr�ckende Melancholie. George konnte nichts tun, um seinen Bruder aufzuheitern. Er machte sich Vorw�rfe deswegen, als er zur Stadt zur�ckkehrte.</p><p>Zu seiner Freude und �berraschung kam noch vor Ablauf einer Woche Herman Haupt in das Winder-Geb�ude marschiert. Sie gingen auf ein Bier und ein gewaltiges Nachmittagsmahl zu Willard�s. Haupt war geladen; er kam gerade von einem Treffen im Kriegsministerium. George erkundigte sich nach dem Grund.</p><p>�Egal. Wenn ich dr�ber rede, gehe ich gleich wieder in die Luft.�</p><p>�Naja, ich hatte heute morgen wieder mal einen Zusammensto� mit Ripley, da geht�s mir nicht viel besser. Ich sage schon st�ndig meiner Frau, da� ich�s hier nicht mehr lange aushalte.�</p><p>Haupt kaute an seiner kalten Zigarre. �Wenn�s soweit ist, sagen Sie mir Bescheid. Ich bringe Sie beim Eisenbahnbau unter.�</p><p>�Ich kann Schienen produzieren, aber ich habe nicht die geringste Ahnung vom Verlegen.�</p><p>�Vierundzwanzig Stunden beim Bau-Corps, und Sie haben eine Ahnung. Das garantiere ich Ihnen.�</p><p>George l�chelte unvermittelt; eine Last war von ihm gewichen. �Ich wei� Ihr Angebot zu sch�tzen. Vielleicht nehme ich es fr�her in Anspruch, als Sie erwarten.�</p><p>Rauhe Winde, eiskalte Temperaturen und pl�tzliche Schneest�rme peinigten weiterhin die auf den Fr�hling wartenden Armeen. Charles schaffte es, f�r drei n�chtliche Besuche zu Barclays Farm zu reiten. Beim erstenmal brachte er zwei Karabiner und Munition mit, die von toten Yankees stammten, und �bergab sie Boz und Washington; in seinem Heimatstaat w�re er daf�r ausgepeitscht worden.</p><p>Der zweite Besuch h�tte ihn beinahe das Leben gekostet. Er hatte gerade mit Ab einen Zweitagesritt hinter den feindlichen Linien hinter sich gebracht und trug noch die f�r solche Missionen �bliche Uniform � hellblaue Hosen mit breiten gelben Streifen, einen konfiszierten unionsblauen Umhang und die M�tze mit den gekreuzten S�beln. Es schneite, als er sich der Farm n�herte. Boz hielt ihn f�r einen feindlichen Soldaten und scho� auf ihn. Die erste Kugel verfehlte ihn nur knapp. Als Boz wieder feuerte, hatten Charles und Sport hinter einer Roteiche Deckung gesucht. Die Kugel traf den Baum. Charles br�llte seinen Namen, und Boz entschuldigte sich fast zehn Minuten lang.</p><p>Charles konnte von der blonden, blau�ugigen Witwe nicht genug bekommen; er war uners�ttlich darin, mit ihr zu reden, mit ihr zu schlafen, sie zu ber�hren oder auch einfach sie zu beobachten.</p><p>In der angenehmen Schl�frigkeit, die sie �berfiel, nachdem sie sich geliebt hatten, erz�hlte er ihr aus seiner Vergangenheit. Er beschrieb, wie sie ihm am Tage seiner Ankunft in West Point den halben Sch�del rasiert hatten; er berichtete ihr von den Soldaten, die er in der Zweiten Kavallerie kennengelernt und bewundert hatte, unter ihnen George Thomas aus Virginia, der nun auf der anderen Seite stand; von seinen Schwierigkeiten mit einem Captain namens Bent, der aus irgendeinem Grund die ganze Familie ha�te. Und er lie� Bilder von Texas vor ihr auferstehen, so gut es mit unzul�nglichen Worten ging: die Grasebenen, das Glitzern der Pecanob�ume und der Pfahleichen nach einem Regen, w�hrend die Lerchen sangen.</p><p>�In diesem Staat gibt es die herrlichsten Fleckchen auf Gottes Erde.�</p><p>�M�chtest du dorthin zur�ckkehren?�</p><p>�Das hatte ich mal vor.� Er nahm ihre Hand. �Jetzt nicht mehr.�</p><p>Am Ende seines dritten Besuchs k��te ihn Gus viermal auf den Mund, ehe sie fl�sterte: �Wann kommst du wieder?�</p><p>�Wei� nicht. Wir werden uns bald Richtung S�den aufmachen, Pferde jagen. Wir haben eine Menge verloren.�</p><p>�Sag General Hampton, ich will nicht, da� dir was zust��t.�</p><p>�Und du, sag Boz und Washington, sie sollen sich nur noch mit diesen Karabinern schlafen legen � geladen.�</p><p><strong>68</strong></p><p>Es ging Virgilia gegen den Strich, den Besucher zum Gehen bewegen zu m�ssen. Er war ein merkw�rdiger Mensch, aber die Patienten mochten ihn und rechneten mit seinen Sonntagsbesuchen, obwohl er es nicht immer schaffte, sich von einem Milit�rdampfer nach Aquia Creek Landing mitnehmen zu lassen.</p><p>Seine Taschen und ein Rucksack waren vollgestopft mit Hustenbonbons, billigen Federn und Schreibpapier, Kautabak, Marmeladedosen und Kleingeld, damit sich die Verwundeten frische Milch bei den vorbeikommenden H�ndlern kaufen konnten. Virgilia hegte den Verdacht, da� sich der Mann mit diesen Geschenken selbst arm machte. Sein Job konnte nicht viel einbringen; er war lediglich Schreiber im B�ro des Generalzahlmeisters. Mehr als das und seinen Vornamen wu�te sie von ihm nicht, au�er da� er einen inneren Drang zu versp�ren schien, die Verwundeten zu tr�sten.</p><p>Es war fr�her Nachmittag. Eine kraftlose Februarsonne schien. In der Empfangshalle h�rte Virgilia Stimmen. Sie n�herte sich dem Sonntagssamariter, der neben einem schlafenden Soldaten sa�, die Hand des jungen Mannes zwischen seinen weichen, zarten H�nden haltend. Der Besucher, Mitte Vierzig, war b�rtig und st�mmig wie ein Dockarbeiter gebaut. Er hatte sanfte Augen und helle Haut.</p><p>�Walt, die Besucher sind da.�</p><p>Mit langsamen, b�renartigen Bewegungen erhob er sich von dem Hocker. Der Soldat �ffnete ruckartig die Augen. �Geh nicht!�</p><p>�Ich komme wieder�, sagte Walt, beugte sich hinunter und gab dem Jungen einen kleinen Ku� auf die Wange. Einige der Krankenschwestern bezeichneten ein solches Benehmen als unnat�rlich, aber die meisten der Patienten, die unter st�ndigen schrecklichen Schmerzen litten oder die auf die S�ge des Chirurgen warteten, begr��ten Walts streichelnde H�nde und seine K�sse. F�r manche von ihnen war das die einzige Liebe, die sie vor ihrem Tod erfahren w�rden.</p><p>�N�chste Woche, Miss Hazard, wenn ich kann�, versprach der Sonntagsmann und schulterte den Rucksack. Er schob sich am einen Ende des Ganges zur T�r hinaus, w�hrend die W�rdentr�ger von der anderen Seite eintraten. Die Delegation bestand aus zwei Frauen und vier M�nnern der Gesundheitskommission, sowie einer siebenten Person, der die anderen mit Ehrerbietung entgegenkamen.</p><p>�Eine typische Krankenstation, Kongre�abgeordneter. Gut gef�hrt von der freiwilligen Schwesterntruppe, wie Sie sehen k�nnen.� Der Sprecher, einer der Herren der Kommission, winkte Virgilia heran. �Oberschwester? D�rften wir kurz Ihre Zeit in Anspruch nehmen?�</p><p>Der Mann, der als Kongre�abgeordneter angeredet worden war, hielt sich leicht gebeugt; er war gro� und bla� und reizlos. Trotzdem beeindruckte er sie, als er seinen hohen Hut abnahm und mit einem schnellen Blick ihr Gesicht und ihre Figur �berflog.</p><p>Die wei�b�rtige Vogelscheuche, die sie hergewinkt hatte, sagte: �Sie sind Miss �?�</p><p>�Hazard, Mr. Turner.�</p><p>�Nett von Ihnen, da� Sie sich an mich erinnern. Wir haben einen Ehrengast, der einige unserer Hospit�ler zu besichtigen w�nschte. Darf ich Ihnen Herrn Samuel G. Stout vorstellen, Repr�sentant von Indiana?�</p><p>�Miss Hazard, nicht wahr?� sagte der Kongre�abgeordnete, Virgilia f�r einen Moment sprachlos machend. Aus diesem etwas mickrigen K�rper rollten die tiefsten, vibrierendsten T�ne, die sie je vernommen hatte � die Stimme eines geborenen Redners, der jede Menschenmenge aufputschen oder zu Tr�nen r�hren kann. Er sprach diese vier Worte, betrachtete sie aus kleinen, eher eng zusammenstehenden Augen und schickte dabei Schauer �ber ihren R�cken.</p><p>Sein Blick machte sie �berm��ig nerv�s. �Das ist richtig, Kongre�abgeordneter. Wir freuen uns �ber Ihren Besuch.�</p><p>�Nach dem Frontdienst�, sagte Stout, �ist dies hier die wichtigste Arbeit. Ich stimme mit Mr. Lincoln nicht �berein, da� wir die Verr�ter gut behandeln m�ssen. Ich stehe in Mr. Stevens Lager und bin der Meinung, wir sollten sie gnadenlos bestrafen. Sie helfen dabei, diese Aufgabe zu vollenden.�</p><p>Zustimmendes Gemurmel der anderen.</p><p>�Sie geh�ren zum Corps von Miss Dix? Vielleicht erz�hlen Sie uns etwas von Ihren Aufgaben.� Stout l�chelte. Seine Z�hne waren krumm � ihr erster Eindruck war richtig gewesen; rein k�rperlich war er nicht gerade beeindruckend �, doch sie sp�rte St�rke und Entschlossenheit in ihm. �Dieser junge Bursche zum Beispiel.�</p><p>Der Junge im Bett starrte die Besucher mit fiebrigen Augen an. �Henry hatte Wachdienst am Rappahannock�, sagte sie. �Rebellenscouts kamen nahe an seinem Posten vorbei. Sch�sse wurden gewechselt.� Der Junge wandte den Kopf ab und schlo� die Augen. Virgilia zog die Besucher au�er H�rweite. �Ich f�rchte, sein rechtes Bein ist nicht mehr zu retten.�</p><p>�F�r diese Verst�mmelung eines jungen Mannes m��ten zehn Rebellen ihr Leben lassen�, sagte Stout. �Ich w�rde sie kreuzigen, wenn unsere Gesellschaft diese Form der Strafe nicht abgeschafft h�tte, nichts ist grausam genug f�r jene, die diesen Krieg der Grausamkeit begonnen haben.�</p><p>Ein Kommissionsmitglied sagte: �Bei allem n�tigen Respekt, Kongre�abgeordneter, finden Sie das nicht ein bi�chen zu hart?�</p><p>�Nein, Sir, das finde ich nicht. Ein lieber Verwandter von mir, Adjutant von General Rosecrans, wurde bei Murfreesboro niedergemetzelt. Das ist noch keine sechzig Tage her. Von seinem K�rper blieben keine �berreste, die man seiner Frau und seinen kleinen Kindern h�tte �berbringen k�nnen. Er wurde so verst�mmelt, da� gewisse Teile � �</p><p>Er hielt inne, r�usperte sich; er wu�te, da� er �ber das Ziel hinausgeschossen war. Allerdings nicht, soweit es Virgilia betraf. Dieser Mann erregte sie, wie es seit ihrer Bekanntschaft mit dem vision�ren John Brown nicht mehr vorgekommen war.</p><p>Mit einem leichten Schwindelgef�hl f�hrte sie die Besucher durch die Station; unbewu�t dehnte sie die Beschreibung der Diagnose eines jeden Patienten, bis Turner seine gro�e, goldene Uhr hervorzog. �Ich f�rchte, wir m�ssen uns beeilen, Miss Hazard. Der Quartiermeister erwartet uns.�</p><p>�Aber gewi�, Mr. Turner.� Sie z�gerte; wenn Stout jetzt hinausging, ohne etwas davon bemerkt zu haben, wie sie auf ihn reagierte, dann sah sie ihn vielleicht nie wieder. �K�nnte ich vielleicht mit dem Kongre�abgeordneten kurz unter vier Augen sprechen? Dieses Hospital ben�tigt verschiedene Dinge ganz dringend. Vielleicht k�nnte er uns behilflich sein.�</p><p>Das klang fadenscheinig, aber ihr fiel nichts Besseres ein. Die Besucher entfernten sich, w�hrend Stout ihr folgte. Zwischen den Betten zweier schlafender Patienten blieb sie stehen.</p><p>�Ich habe eben gelogen. Wir sind mit allen Dingen wohl versorgt.�</p><p>Sein Blick wanderte zu ihren Br�sten und wieder zur�ck. Er erlaubte sich ein L�cheln. �Um ehrlich zu sein, das habe ich gehofft.�</p><p>�Ich � � Sie glaubte kaum, da� hier Virgilia Hazard nach Worten suchte, aber es war die neue Virgilia, an jenem Abend geboren, als Brett ihr Haar geb�rstet hatte. �� Ich wollte lediglich meine Bewunderung f�r Ihre Bemerkungen �ber den Feind zum Ausdruck bringen. Ich kann die Aussicht auf einen milden Frieden, wie ihn Mr. Lincoln anstrebt, nicht tolerieren.�</p><p>Stouts Lippen pre�ten sich zusammen. �Es wird keinen milden Frieden geben, wenn es nach einigen von uns im Kongre� geht.� Er beugte sich vor, seine Stimme so wunderbar wie die tiefen Register einer Orgel. �Wenn Sie Gelegenheit haben, Washington zu besuchen, dann w�rde ich mich freuen, wenn wir uns ausgiebiger �ber dieses Thema unterhalten k�nnten.�</p><p>�Ich � w�rde mich freuen, Kongre�abgeordneter. Ich kann Ihre Einstellung zum Krieg gut verstehen, wo doch ein Verwandter von Ihnen vom Feind verst�mmelt wurde.�</p><p>�Es war der �ltere Bruder meiner Frau.�</p><p>Er lie� den Satz zwischen ihnen h�ngen. Sie f�hlte sich, als h�tte sie einen Schlag erhalten. Der Ausdruck seiner Augen zeigte, da� diese Enth�llung nicht zuf�llig erfolgt war.</p><p>�Ihre �?�</p><p>�Frau�, wiederholte er. �Seit wir von Muncie kamen, ist sie mit Frauensachen besch�ftigt � humanit�re Komitees, solche Dinge. Wenn es unbedingt notwendig ist, begleite ich sie in der �ffentlichkeit. Ich erw�hne das nur, um zu zeigen, da� wir nur wenig gemeinsam haben.�</p><p>�Bis auf eine Heiratsurkunde.�</p><p>�Das ist ziemlich engherzig, Miss Hazard. Ich bin kein Mann, der zur Falschheit neigt � au�er wenn ich mich an die W�hler wende.� Sein Versuch zu l�cheln schlug fehl. �Bitte, seien Sie nicht �rgerlich. Ich finde Sie ungemein attraktiv. Ich wollte lediglich offen sein. H�tten Sie mich bei einer L�ge ertappt, dann h�tten Sie nur schlecht von mir gedacht.�</p><p>Ihr Kopf begann zu schmerzen. Die unangenehme �berzeugung dr�ngte sich ihr auf, da� er all das nicht zum erstenmal sagte. Das kam alles zu routiniert, zu glatt heraus.</p><p>�Meine Ehe sollte kein Hindernis f�r ein diskretes Treffen und ein anschlie�endes stimulierendes Gespr�ch sein.�</p><p>Sie trat einen Schritt zur�ck. �Ich f�rchte, es ist eindeutig ein Hindernis.�</p><p>Er runzelte die Stirn. �Meine liebe Miss Hazard, lassen Sie sich doch nicht von alberner Pr�derie � �</p><p>�Sie m�ssen mich entschuldigen, Kongre�abgeordneter.� Sie wirbelte herum und ging davon.</p><p>Virgilia war w�tend, weil sie sich von ihren Emotionen hatte fortrei�en und dem�tigen lassen. Sie hatte diesen Mann k�rperlich st�rker begehrt als jeden anderen Mann, seit Grady gestorben war. Dieses Begehren wurde noch dadurch versch�rft, da� Stout ein Mann von Macht und Einflu� war.</p><p>Das Bild seiner Augen, die Erinnerung an seine hallende Stimme hetzte einen schmerzlichen Ausdruck �ber ihr Gesicht, als sie durch die Schwingt�ren am Ende der Station st�rmte.</p><p>�Verdammt soll er sein, <emphasis>verdammt soll er sein �</emphasis> warum ist er nur verheiratet?�</p><p><strong>69</strong></p><p>Der Kneipenraum war unappetitlich und lag in einer �blen Gegend, unten in der Q-Street nahe Greenleaf�s Point. Es wimmelte hier nur so von prahlerischen Offizieren, geilen Zivilisten, herumlungernden Totschl�gern und Prostituierten � Wei�e, Schwarze, sogar eine Chinesin war darunter. Jasper Dills war nur �u�erst widerwillig hierher gekommen und nur darum, weil an den �blichen Orten kein Treffen abgehalten werden konnte. Schlie�lich hatte er der Bitte eines Armeedeserteurs entsprochen.</p><p>Dills Fahrer, der eine versteckte Pistole bei sich trug, wartete an der kupferbeschlagenen Bar, was den kleinen Anwalt etwas beruhigte. In Washington konnte man nicht vorsichtig genug sein.</p><p>�ber den Tisch hinweg sagte Bent: �Ich bin verzweifelt, Mr. Dills. Ich verf�ge �ber keinerlei Mittel.�</p><p>Mit manik�rten Fingern�geln klopfte Dills gegen sein Glas mit Mineralwasser. �Ihr etwas wirrer Brief hat zumindest das klar zum Ausdruck gebracht. Ich spreche ganz offen, und ich erwarte, da� Sie jedes meiner Worte genau beachten. Falls ich die Vereinbarungen treffe � und ich die Nachricht schreibe, an die ich denke �, dann d�rfen Sie mich keinem Risiko aussetzen. Sie m�ssen mit dem Gentleman, bei dem ich Sie einzuf�hren beabsichtige, verhandeln, als w�rde die Vergangenheit nicht existieren. Sie m�ssen Ihre Probleme in West Point aus Ihrem Ged�chtnis streichen. Ihre eingebildeten Kr�nkungen � �</p><p>Bent schlug auf den Tisch. �Sie sind nicht eingebildet.�</p><p>�Wenn Sie das noch mal tun�, fl�sterte Dills, �stehe ich auf und gehe.�</p><p>Mit zitternder Hand bedeckte Bent seine Augen. Was f�r ein verachtenswerter Fleischklotz, dachte der Anwalt.</p><p>�Bitte, Mr. Dills � es tut mir leid. Ich kann die Vergangenheit vergessen.�</p><p>�Das w�re auch besser. Aufgrund Ihrer Handlungsweise in New Orleans stehen Ihnen keine legalen Wege mehr offen. Dieser hier bewegt sich bestenfalls im Randgebiet.�</p><p>�Wie � wie haben Sie von New Orleans erfahren?�</p><p>�Ich habe gewisse M�glichkeiten. Ich interessiere mich nun mal f�r Ihre Karriere, aber das spielt f�r unsere Diskussion keine Rolle. Zur Sache. Sie versichern mir nach bestem Wissen und Gewissen, da� Sie dem fraglichen Gentleman noch nie begegnet sind?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Aber er kennt m�glicherweise Ihren richtigen Namen. Darum und weil er Zugang zu Milit�rakten hat, m�ssen wir Sie mit einem neuen Namen ausstatten. Was sollen wir nehmen?�</p><p>Bent befingerte sein Kinn. �Irgendwas aus Ohio? Wie w�r�s mit Dayton? Ezra Dayton.�</p><p>�Das sollte gehen�, erwiderte Dills achselzuckend. �Zum ersten Treffen werden Sie ins Kriegsministerium m�ssen. K�nnen Sie das?�</p><p>�Gibt es keine andere �?� Unter Dills starrem Blick hielt er inne. �Ja, sicher kann ich das.�</p><p>Dills war keineswegs sicher, sagte aber nichts. �Ausgezeichnet. Bevor Sie desertierten, haben Sie sich eine Reputation f�r Brutalit�t erworben � oh, tun Sie nicht so unschuldig, ich habe Kopien Ihrer Akten gesehen. In diesem speziellen Fall wird Ihnen das sogar zugute kommen. Schreiben Sie die Adresse Ihres Pensionszimmers auf dieses St�ck Papier. Morgen schicke ich einen Boten mit einem Umschlag, adressiert an Ezra Dayton, Esquire. Der Umschlag wird einen zweiten, versiegelten Umschlag enthalten, den Sie nicht �ffnen d�rfen. Das ist mein Einf�hrungsschreiben, mit dem ich Sie beim zust�ndigen Assistenten f�r innere Sicherheit, Stanley Hazard, f�r eine Besch�ftigung empfehle.�</p><p>In einem weitr�umigen B�ro im ersten Stock f�hrte eine Ordonnanz Bent zu dem sch�nen Walnu�schreibtisch von Stanley Hazard. Wie er so davorstand, sp�rte er den Stachel der Vergangenheit. Doch Mr. Stanley Hazard besa� wenig �hnlichkeit mit seinem j�ngeren Bruder. Er war teuer gekleidet, mit Spitzenhemd und zu seinem Gehrock passender Krawatte.</p><p>Nachdem Stanley seinen Besucher hatte warten lassen, w�hrend er einen Brief �ffnete und las, lie� er sich schlie�lich zu einer gn�digen Handbewegung herab. �Setzen Sie sich. Meine Zeit ist heute morgen knapp bemessen.�</p><p>Stanley legte den Brief vor sich hin. Bent mu�te sein Hinterteil in den Stuhl hineinquetschen. Die Vergangenheit �berw�ltigte ihn. An seiner Schl�fe begann eine Ader zu pochen, aber er zwang sich, gewaltt�tige Gedanken zu unterdr�cken. Dieser Mann stellte vielleicht die einzige M�glichkeit dar, sich vor Armut und totalem Niedergang zu retten. Er mu�te die Familie des Mannes vergessen.</p><p>Es wurde leichter f�r ihn, als Stanley l�chelte, ein langsames, angenehm schmieriges L�cheln. �Dieser Brief von Rechtsanwalt Dills besagt, da� Ihr Name Dayton ist � das ist aber nicht Ihr wirklicher Name.�</p><p>Bent zwinkerte vor Entsetzen. �Was soll das?� Hatte ihn der Anwalt verraten?</p><p>�Sie wissen �ber den Inhalt des Schreibens nicht Bescheid?�</p><p>�Nein, nein.�</p><p>Stanley las laut vor. �Dayton ist ein Pseudonym. Seine wahre Identit�t kann aufgrund von Verbindungen mit hochgestellten Pers�nlichkeiten nicht enth�llt werden. Seine erzwungene Anonymit�t mindert jedoch keinesfalls seine F�higkeit, Ihnen behilflich zu sein, noch meine nachdr�ckliche Empfehlung f�r ihn.�</p><p>�Sehr � sehr freundlich von dem Anwalt�, japste Bent erleichtert.</p><p>Stanley faltete die H�nde und studierte seinen Besucher. �Der Anwalt pr�sentiert Sie als Kandidaten f�r den Dienst in einer Abteilung dieses Ministeriums, die offiziell gar nicht existiert. Der Chef dieser Abteilung ist Colonel Baker, der gelegentlich auch mit gewissen vertraulichen Missionen hinter den feindlichen Linien beauftragt wird. Ab und zu schicke ich ihm einen vielversprechenden Mann. Anscheinend war es das, was Dills vorschwebte.�</p><p>Stanley wartete auf eine Antwort. Schwitzend sprudelte Bent hervor: �Das h�rt sich nach einer ungeheuer wichtigen Arbeit an, Sir. Arbeit, die ich mit Begeisterung verrichten w�rde. Ich stehe fest hinter dem Programm dieser Regierung und � �</p><p>�Das scheint bei Jobsuchern stets der Fall zu sein.� Bent kr�mmte sich unter Stanleys Grinsen.</p><p>Einen Augenblick sp�ter �berfiel Bent ein neuer Gedanke. Dieses spezielle Mitglied des Hazard-Clans war vielleicht aus dem gleichen Holz geschnitzt wie er selbst � und verdiente m�glicherweise seine Feindschaft gar nicht. Stanley Hazard war hochm�tig, lie� einen seine Bedeutung sp�ren; das waren Eigenschaften, die Bent bewunderte.</p><p>�Vergessen Sie nicht, Dayton, Colonel Baker entscheidet �ber die Einstellung eines Agenten. Ich kann jedoch meine Empfehlung der von Dills hinzuf�gen.�</p><p>�Das w�re sehr freundlich von Ihnen � �</p><p>�Ich habe nicht gesagt, da� ich es tun werde�, unterbrach Stanley. Eine weitere genaue Musterung. �Weshalb sind Sie nicht in der Armee?�</p><p>Terror. Er hatte sich auf die Frage vorbereitet, aber das z�hlte jetzt nicht mehr. �Ich war, Mr. Hazard.�</p><p>�Nat�rlich k�nnen wir das wegen des Problems mit Ihrer Identit�t nicht �berpr�fen. Sehr h�bsch ausgedacht.� Ein schwaches L�cheln milderte Stanleys Strenge. �Zumindest die Umst�nde Ihrer Trennung k�nnen Sie verraten.�</p><p>�Ja, sicher. Ich habe um meine Entlassung gebeten. Ich weigerte mich, das Kommando �ber eine Niggereinheit zu �bernehmen.�</p><p>Stanley ballte seine Hand zur Faust. �Behalten Sie in diesem Ministerium diese Art von Bemerkungen f�r sich. Der Minister ist ein entschiedener Anh�nger der Emanzipation.�</p><p>Bent starrte in einen Abgrund von Fehlschl�gen. �Es tut mir schrecklich leid, Mr. Hazard. Ich verspreche � �</p><p>Stanley winkte ab. �Nehmen Sie noch einen kleinen Rat von mir an. Colonel Baker ist ein entschiedener Abstinenzler. Wenn Sie trinken, dann nicht vor der Begegnung mit ihm.�</p><p>Bents Hoffnung stieg wieder an. Vertraulicher fuhr Stanley fort: �Davon abgesehen will der Colonel keine Heiligen, er verlangt lediglich zwei Eigenschaften. Seine M�nner m�ssen erstens vertrauensw�rdig und zweitens bereit sein, Befehlen zu gehorchen. Allen Befehlen, ganz gleich, wie sie lauten.� Er beugte sich so schnell vor, da� es aussah, als w�rde er sich auf ein Opfer st�rzen. �Habe ich mich klar ausgedr�ckt, Sir?�</p><p>�Absolut. Ich verf�ge �ber all diese Eigenschaften.�</p><p>�Dann werde ich meine Empfehlung der von Dills hinzuf�gen. Wie ich schon sagte, Baker wird die endg�ltige Entscheidung treffen. Aber ich kann Charaktere sehr gut beurteilen. Ich w�rde sagen, Ihre Aussichten sind sehr gut.�</p><p>Er griff zur Feder. Dann reichte er seinem Besucher den versiegelten Umschlag. �Bringen Sie das zu Colonel Baker in 217 Pennsylvania Avenue.�</p><p>�Danke, Sir, ich danke Ihnen.� Bent wuchtete sich hoch, streckte die Hand, merkte, da� er den Brief hielt, und lie� ihn fallen. Stanley erhob sich ebenfalls und verschr�nkte die H�nde hinter dem R�cken.</p><p>Kochend vor Wut �ber die Zur�ckweisung b�ckte sich Bent nach dem Brief, was ihm wegen seines Bauches nicht gerade leicht fiel. Stanley sagte scharf: �Noch eins.�</p><p>�Sir?�</p><p>�Ihr Name taucht auf meinem heutigen Terminkalender nicht auf. Unser Gespr�ch hat nie stattgefunden. Wenn Sie diese Anweisung mi�achten, dann k�nnen Sie gro�e Schwierigkeiten bekommen.� Er machte eine Geste. �Guten Tag.�</p><p>Was w�rden Sie tun, wenn er redete? Ihn ermorden? Die M�glichkeit jagte ihm Angst ein, aber nicht f�r lange. Er konnte seine Erregung kaum unterdr�cken. Endlich hatte er eine T�r zu den Korridoren der Macht gefunden, auch wenn sie nur einen Spalt breit offen stand.</p><p>Er eilte die Treppen hinunter und schwor sich, bei Colonel Baker um jeden Preis einen guten Eindruck zu machen. Vielleicht konnte er durch dieses Sonderb�ro George und Billy Hazard aufsp�ren. Er stellte sich vor, wie er eine weibliche Verd�chtige verh�rte. Sah sich, wie er ihr die Kleider vom Leib ri�. Wie er nach unten griff, sie ber�hrte. Und sie konnte nichts dagegen tun.</p><p>Wie neugeboren trat er in den Sonnenschein hinaus. Angestellte und einige Offiziere sahen verbl�fft dem fetten Mann nach, der fast �ber die Gehsteige am President�s Park tanzte.</p><p><strong>70</strong></p><p>Von der Steuerbordreling aus beobachtete Cooper den Himmel. War es Einbildung, oder wurde die dichte Wolkendecke tats�chlich d�nner? So d�nn, da� die Strahlen des Mondes hindurchdringen konnten?</p><p>Ballantyne hatte ihm erkl�rt, da� eine erfolgreiche Fahrt von zwei Bedingungen abh�ngig war: dem richtigen Stand der Flut und totaler Dunkelheit. Die Flut stimmte, aber jetzt, sp�t nachts, hatte der Wind auf das Land zu gedreht und trieb die Wolken vor sich her. Der Ausguck, vor zehn Minuten noch unsichtbar, zeichnete sich deutlich gegen den Himmel ab.</p><p>Ohne irgendwelche Zwischenf�lle war die <emphasis>Water Witch</emphasis> in drei Tagen von Nassau hochgedampft. Seit sie den Hafen verlassen hatten, war Cooper bem�ht gewesen, mit der Enth�llung fertigzuwerden, da� Ashton Mitbesitzerin dieses Schiffes war.</p><p>�Big Hill auf Steuerbord�, rief der Ausguck leise. Ein Mann rannte nach achtern, um es dem Ruderhaus weiterzusagen. Cooper strengte sich an, die Landmarke auf dem flachen, verlassenen Strand zu entdecken. Ganz pl�tzlich sah er sie, mit erschreckender Deutlichkeit; ein gro�er, hoher H�gel, der den Blockadebrechern sagte, da� sie sich in der N�he von Fort Fisher und sicheren Gew�ssern befanden.</p><p>Ballantyne und der Lotse hatten sich �ber den Kurs des endg�ltigen Durchbruchs geeinigt. Sie liefen ungef�hr zwanzig Meilen n�rdlich von Cape Fear vorbei, schwangen dann nach Backbord herum und passierten das n�rdlichste Schiff der Blockadelinie. Nachdem das Man�ver im Zwielicht ausgef�hrt worden war, warteten sie praktisch bewegungslos die v�llige Dunkelheit ab und glitten dann der K�ste entlang bis zur M�ndung des Flusses.</p><p>Die langsame Fahrt zerrte an den Nerven. St�ndig leuchteten auf ihrer Backbordseite die blauen Laternen der Blockadeschiffe. Jetzt, bei zunehmendem Licht, entdeckte Cooper Masten und einen Rumpf, gro� genug f�r einen Kreuzer.</p><p>Wie weit entfernt? Eine halbe Meile? Wenn er den Yankee sehen konnte, weshalb sollte der Yankeeausguck nicht sie sehen k�nnen?</p><p>Er eilte auf das Ruderhaus zu, wo er im schwachen Mondschein Ballantyne, den Lotsen und den Steuermann erkennen konnte, die in einen gro�en Blechkegel sp�hten. Der Kegel deckte das schwache Kompa�licht ab. Cooper sagte: �Herr Kapit�n, sicherlich haben Sie bemerkt, da� es aufklart.�</p><p>�Jaah.� Ballantynes Grinsen, sein universelles Verteidigungsmittel gegen alle Feinde und Widerw�rtigkeiten, wirkte verzerrt in dem Silberlicht. Der Steuermann und der Lotse fl�sterten miteinander. �Pech, sowas�, f�gte Ballantyne hinzu.</p><p>�Ist die Durchfahrt jetzt nicht zu riskant? Sollten wir nicht besser umkehren?�</p><p>�Was, abhauen? Dann w�rden uns die Yankees jagen.�</p><p>�Und wenn? Wir k�nnen davonkommen, oder � Sie sagten mir, wir seien schneller als jedes dieser Schiffe.�</p><p>�Das sind wir auch.�</p><p>�Und je n�her wir dem Flu� kommen, desto mehr Feindschiffe � ist das richtig?�</p><p>�Das ist es.�</p><p>�Dann sollten wir es nicht riskieren.�</p><p>�Oh, sind Sie pl�tzlich Kapit�n der <emphasis>Water Witch</emphasis> geworden?� fragte Ballantyne unfreundlich. �Ich glaube nicht. Sie sind lediglich Passagier. Nat�rlich ist es gef�hrlicher geworden, weil die Wolkendecke unerwartet aufgebrochen ist. Aber die Eigner haben mir genaue Anweisungen gegeben. Keine unn�tigen Verz�gerungen.�</p><p>W�tend trat Cooper dichter an den Kapit�n heran, dessen Angstschwei� er pl�tzlich riechen konnte. �Die Konf�deration wird nicht zusammenbrechen, wenn eine Schiffsladung Havannazigarren versp�tet eintrifft. Ich werde es nicht zulassen, da� meine Familie in Gefahr ger�t, blo� wegen Ihrer Habsucht und der meiner Schwe� Zeigen Sie ein bi�chen gesunden Menschenverstand, Mann. Drehen Sie um!�</p><p>�Verlassen Sie die Br�cke�, sagte Ballantyne. �Verschwinden Sie, bevor ich Sie runterschmei�en lasse.�</p><p>Cooper griff nach Ballantynes Arm. �Zum Teufel mit Ihrer gierigen Seele. H�ren Sie � � Der Kapit�n gab ihm einen Sto�. Cooper stolperte und w�re beinahe gefallen.</p><p>Der Lotse stie� einen ellenlangen, verzweifelten Fluch aus. �Der Herr sei uns gn�dig � da ist der Mond.�</p><p>Voll und wei� kam er hinter einer leuchtenden Wolke hervorgesegelt. Cooper sah die Masten von vier gewaltigen Schiffen wie das B�hnenbild eines Hafens auftauchen. Eine durch ein Sprachrohr verst�rkte Baritonstimme rief die <emphasis>Water Witch</emphasis> an.</p><p>�Hier ist der Bundes-Kreuzer <emphasis>Daylight.</emphasis> Drehen Sie bei, und warten Sie, bis wir an Bord kommen.�</p><p>�H�llenfeuer, aus dem Weg�, rief Ballantyne, stie� den Steuermann beiseite und beugte sich �ber das Sprachrohr zum Maschinenraum. �Maschinen volle Kraft voraus. Gebt mir allen Dampf, den Ihr habt.� Cooper konnte sich die Bedingungen unten lebhaft vorstellen; bei geschlossenen Luken mu�ten die Heizer in einem Inferno arbeiten.</p><p>�Oh, mein Gott�, sagte er, als ein Schwarm kleiner Boote hinter dem Kreuzer zum Vorschein kam. Wie silbrige Wasserwanzen jagten die Bundes-Barkassen den Blockadebrecher.</p><p>�ber das Sprachrohr dr�hnte die gewaltige, k�rperlose Stimme. �Drehen Sie bei, oder ich er�ffne das Feuer!�</p><p>�Ballantyne�, fing Cooper an, �Sie m�ssen � � Fl�che und Rufe der ver�ngstigten Matrosen �bert�nten seine Worte, ebenso wie Ballantynes lautes �Schafft ihn raus!� Die T�r des Ruderhauses knallte vor Coopers Nase zu.</p><p>�Dampffregatte�, rief der Ausguck. �Genau achtern.� Und da war sie, machte sich ein paar Meilen hinter ihnen an die Verfolgung; Dampfwolken stiegen im Mondlicht auf, all ihre Segel waren gesetzt, um ihrer von den Kesseln erzeugten Geschwindigkeit noch zwei oder drei Knoten hinzuzuf�gen.</p><p>Coopers Eingeweide verkrampften sich. Ein, zwei, drei glitzernde Spuren stiegen �ber der <emphasis>Daylight</emphasis> in den Himmel; das wei�e Kalziumlicht ihrer Leuchtraketen lie� den Mond verblassen. Selbst die Gewehre der M�nner in den Barkassen konnte man erkennen.</p><p>Die Kanone auf dem verfolgenden Kreuzer begann zu krachen. Einmal, zweimal. Die Sch�sse waren zu kurz, lie�en Wasserfont�nen aufsteigen, die in dem grellen Licht wie Diamanten funkelten. Beim ersten Knall rannte Cooper nach unten.</p><p>Ihre Kabinent�r stand offen; Judith war da, die Arme um die Kinder gelegt. Sie versuchte, ihre Angst zu verbergen. Cooper packte ihre feuchte Hand. �Los, kommt, hier entlang.�</p><p>Eine weitere Granate explodierte, diesmal viel n�her. Das Schiff ruckte und bockte.</p><p>�Pa, was ist das?� rief Judah.</p><p>�Der Mond ist rausgekommen, und Ballantyne wollte nicht umkehren. Er denkt nur dran, seine Waren nach Wilmington zu bringen. Kommt schon!� Er ri� so hart an Judiths Hand, da� sie aufschrie. Er bedauerte es sofort, aber er mu�te sie in Sicherheit bringen.</p><p>�Wohin gehen wir?� fragte seine Tochter, als das Schiff sich schief legte.</p><p>�Zu den Booten. Ballantyne wird sie mittlerweile zu Wasser gelassen haben. Unsere einzige Chance ist, an Land zu rudern.�</p><p>Als die Familie an Deck auftauchte, konnte Cooper nicht fassen, was er sah: Alle Boote schwangen noch wild an ihren Davits. Er packte einen vorbeieilenden Mann der Crew.</p><p>�Lassen Sie die Boote runter, damit wir weg k�nnen!�</p><p>�Niemand verl��t das Schiff, Mister. Wir halten auf den Flu� zu.�</p><p>Weitere Lichter erstrahlten in wei�em Glanz. Eine Granate jaulte heran, traf das Heck und ri� es in die H�he. Judith schrie auf, ebenso die Kinder. Alle fielen sie gegen Cooper, nagelten ihn an der Reling fest.</p><p>�Papa, ich hab� Angst.� Marie-Louise warf die Arme um ihn. �Sinkt das Boot? Werden wir Gefangene der Yankees?�</p><p>�Nein�, keuchte er. Eine Kanone dr�hnte. Unter Deck erfolgte eine heftige Detonation. Jemand schrie: �Der Rumpf ist getroffen.�</p><p>Sofort legte sich der Blockadebrecher scharf nach Steuerbord �ber. Cooper sah Ballantyne aufgeregt an Deck herumrennen, auf der Suche nach M�nnern, die ihm helfen w�rden, ein Boot zu Wasser zu lassen. �Bastard�, sagte Cooper. �Habgieriger, d�mlicher Bastard. Kommt, Kinder, Judith, wir steigen in dieses Boot, und wenn ich daf�r jeden Mann dieses Schiffes umbringen mu�.�</p><p>Wenn alles fehlschlug, dachte Cooper, konnten sie immer noch an den Strand schwimmen. Seine Tochter festhaltend, arbeitete er sich �ber das stark geneigte, schl�pfrige Deck auf den Kapit�n zu, der sich mit einem Boot abm�hte.</p><p>�Ballantyne!� � Bevor Cooper noch was br�llen konnte, schlug die n�chste Granate unterhalb der Wasserlinie ein. Der Explosion folgte ein entsetzlicher L�rm � das Kreischen rei�enden Metalls, das w�tende Zischen von Dampf und Schreie, wie sie Cooper noch nie geh�rt hatte.</p><p>In all dem L�rm, dem Kreischen, dem Krachen von Brandung und Kanonen, verschaffte sich Ballantyne unglaublicherweise Geh�r.</p><p>�Die Kessel sind geplatzt. Jeder Mann � � Zwischen Ballantynes Beinen ri� das Deck auf; laut aufbr�llend wurde er von einer Dampfwolke verschluckt. Der Maat, Soapes und zwei andere Mannschaftsmitglieder sprangen als erste �ber Bord. Sterbende M�nner schrien im Maschinenraum. Cooper wurde heftig gegen die Reling geschleudert. Er kletterte hin�ber; mit einem Arm umklammerte er die Schulter seiner Tochter, mit der anderen Hand tastete er nach Judiths Hand und hielt sie fest. Der Dampfer holte noch weiter �ber, der Kiel stieg aus dem Meer. Die Mains flogen �ber die Reling in wei�en Dampf.</p><p>Wassertretend keuchte Cooper: �Wo ist � Judah?�</p><p>�Ich wei� nicht�, rief Judith zur�ck.</p><p>Dann, mitten unter den Tr�mmern der berstenden <emphasis>Water Witch,</emphasis> entdeckte er einen treibenden K�rper, dessen Kleider er erkannte. Er stie� Marie-Louise zu seiner Frau und k�mpfte sich das kurze St�ck gegen die Wellen vor. Die d�stere Vorahnung �berfiel ihn, da� sein Sohn tot war, von den platzenden Kesseln erschlagen. Judah trieb mit dem Gesicht nach oben auf dem Wasser. Cooper griff nach der Schulter seines Sohnes, verfehlte sie und erwischte ihn am Kopf, der langsam herumrollte; an mehreren Stellen kamen die Knochen durch. Judah war kaum zu erkennen.</p><p>�Judah!� Er kreischte den Namen hinaus. Der leichte K�rper trieb weg und ging unter. �Judah! Judah!� Er zerrte ihn zur�ck; Wogen schleuderten ihn hin und her, das Wasser schlug �ber ihm zusammen, vermischte sich mit seinen Tr�nen. �Judith, er ist tot, er ist tot!�</p><p>�Schwimm, Cooper!� Sie packte ihn am Kragen, ri� daran. �Schwimm mit uns, oder wir kommen alle um!�</p><p>Ein Mastteil krachte dicht hinter ihr ins Wasser. Cooper begann mit dem linken Arm zu rudern, w�hrend seine rechte Hand die hysterisch heulende Marie-Louise st�tzte. Judith half von der anderen Seite. Cooper sp�rte den Schmerz in seiner Brust, dann in seinen Muskeln; jede Welle, die von hinten �ber ihn hereinbrach, brachte ihn dem Ertrinken n�her.</p><p>Einen Augenblick sp�ter stie� er gegen treibende Gegenst�nde. Er spuckte Salzwasser und einen Teil seines Mageninhalts; neben ihnen schwammen runde, eingewickelte Scheiben und kleine Holzkistchen mit spanischen Aufschriften. Sherry und K�se, K�se und Sherry � auf und ab, auf und ab, an der K�ste des Krieges.</p><p>Der Anblick verschmolz Coopers Gedanken und �ngste und Gef�hle, sperrte sie in ein solides schwarzes Delirium. Er schrie noch einmal auf und schwamm dann weiter und weiter. An nichts anderes erinnerte er sich mehr.</p><p><strong>71</strong></p><p>Im Halbdunkel eilte Orry an einer Mauer vorbei, auf die jemand drei Worte geschmiert hatte: Tod f�r Davis. Weder diese Botschaft � nichts Ungew�hnliches in diesen Zeiten � noch sonst etwas, sein verha�ter Job eingeschlossen, konnten ihm die Laune verderben. Er beeilte sich, weil das Abendessen l�nger als beabsichtigt gedauert hatte. Er und sein alter Freund George Pickett hatten eine Vierzig-Dollar-Flasche zu ihrem Mahl geleert.</p><p>Pickett, der in West Point Orrys Klassenkamerad gewesen war, zog seinen Freund damit auf, da� er seine Zeit auf einen Job als Wachhund f�r General Winder verschwendete. �Obwohl der arme Irre wei� Gott von jemandem im Auge behalten werden mu�, damit er uns vor der Welt keine Schande macht.� Orry konterte, da� t�glich Waggonladungen Gefangene in die Stadt kamen und in die �berf�llten Gef�ngnisse gesteckt wurden.</p><p>�Winder verwaltete diese �rtlichkeiten ebenfalls, verstehst du. Die Yankees w�rden noch viel schlimmer behandelt werden, wenn das Kriegsministerium nicht ab und zu hineinschauen und die �belsten Exzesse verhindern w�rde.�</p><p>Das sah Pickett ein. Als sie am Grund der Weinflasche angelangt waren, gestand er ein, da� er trotz seiner Bef�rderung zum Generalmajor im Herbst ungl�cklich war. W�hrend der letzten Monate hatte er das Mittelst�ck der Fredericksburg-Linie kommandiert; es hatte sich kaum was ereignet. Zwischen den alten Freunden schien eine unausgesprochene Wahrheit in der Luft zu h�ngen. Der Krieg lief nicht gut f�r die Konf�deration.</p><p>Arm in Arm marschierten sie hinaus und trennten sich auf der Stra�e; Pickett ging mit seiner Frau in das elegante neue Theater von Richmond, und Orry holte Madeline vom Zug ab.</p><p>Er eilte durch den �berf�llten, d�steren Bahnhof; auf einer gro�en Tafel stand in Kreide, da� der Richmond &amp; Petersburg-Zug anderthalb Stunden Versp�tung hatte.</p><p>Die Nacht fiel herab. Die Wartezeit erschien ihm viel l�nger als angek�ndigt. Endlich tauchte jenseits des Bahnsteigs ein Licht auf; zischend und fauchend und Rauchwolken aussto�end fuhr der Zug ein. Aus den Wagen, die meisten mit zerbrochenen Fensterscheiben, dr�ngten sich M�nner, die nach ihrem Urlaub wieder zum Dienst antreten mu�ten, und Zivilisten jeder Schattierung. Aufgrund seiner Gr��e ragte Orry aus der Menge heraus. Er sah niemanden, der ihm bekannt vorgekommen w�re.</p><p>Hatte sie den Anschlu� verpa�t? War sie nicht fahrplanm��ig weggekommen? Fahrg�ste winkten wartenden Freunden zu, verschwommene, gl�ckliche Gesichter huschten vorbei. Angst und Sorge vertieften sich. Und dann stieg sie aus dem letzten Wagen.</p><p>�Madeline!� Er br�llte und winkte wie ein Schuljunge. Sie sah ersch�pft und wundersch�n aus.</p><p>�Oh, Orry � mein Liebling. Mein Liebling.� Sie lie� einen Handkoffer und zwei Hutschachteln fallen und warf die Arme um seinen Hals, k��te ihn, weinte. �Ich dachte, ich w�rde nie hier ankommen.�</p><p>�Das dachte ich auch.� Gl�cklich wie ein junger Br�utigam trat er zur�ck. �Geht�s dir gut?�</p><p>�Ja, ja � und dir? Wir m�ssen meinen gro�en Koffer aus dem Gep�ckwagen holen.�</p><p>�Und dann besorgen wir uns drau�en eine Kutsche. Ich traue mich gar nicht, dir meine Zimmer zu zeigen. Sie sind scheu�lich, aber was Besseres konnte ich nicht kriegen.�</p><p>�Um bei dir sein zu k�nnen, w�rde ich auf einem M�llhaufen schlafen. Guter Gott, Orry � es ist so lange her. Oh, mein Liebling, du hast an Gewicht verloren.�</p><p>Die S�tze �berst�rzten sich. Auf der Fahrt zum Quartier sa� er links neben Madeline, damit er seinen Arm um sie legen konnte.</p><p>�Ich konnte es nicht erwarten, bis du kommst, aber es ist eine schlechte Zeit f�r einen Besuch in Richmond. Den Leuten geht es elend, jeden Tag werden sie gereizter. Alles wird knapp.�</p><p>�Eines bestimmt nicht. Meine Liebe f�r dich.� Sie k��te ihn. Sie tat so, als w�ren seine R�umlichkeiten in der Pension der reinste Palast. Er geno� im Scheine der einzigen schwachen Gaslampe ihren Anblick und fragte sie: �Hast du Hunger?�</p><p>�Nur nach dir. Ich brachte alle B�cher � �</p><p>�Hurra! Wir k�nnen an den Abenden lesen � �</p><p>Madeline l�chelte. Er legte seinen Arm um ihre Taille, ver�nderte dann seine Haltung, so da� er die Hand auf ihre Brust legen konnte. Er k��te sie mit solcher Leidenschaft, da� ihr R�cken zu schmerzen begann. Lachend l�ste sie sich aus seiner Umarmung. Sie begann, die Kn�pfe ihres Mieders zu �ffnen.</p><p>Nackt mit ihr im k�hlen Schlafzimmer betrachtete er ihr Haar auf dem Kopfkissen und drang zart, ganz zart ein kleines St�ckchen in sie ein; er empfand eine fast unertr�gliche Gl�ckseligkeit.</p><p>�Wir d�rfen uns nie wieder trennen�, schluchzte Madeline. �Nie, nie wieder. Ich k�nnte es nicht ertragen.�</p><p>Washington und Boz rochen den nahenden Fr�hling in der feuchten Erde und dem Nachtwind. Als die Schneeh�gel im Hof kleiner und kleiner wurden, fielen den beiden Schwarzen Reitertrupps auf der Stra�e zu jeder Tages- und Nachtzeit auf. Artilleriefeuer dr�hnte am Flu�; gelegentlich lie�en die Explosionen die Fensterscheiben erzittern. Washington und Boz diskutierten h�ufig den Ernst der Lage und beschlossen schlie�lich, sich an ihre Herrin zu wenden. Nachdem sie sich eine Stunde herumgestritten hatten, fiel die Aufgabe dem j�ngeren Mann zu. Abends ging Boz in die K�che.</p><p>�F�hrt kein Weg drum herum, Miss Augusta. Wird bald K�mpfe geben. Unionsarmee rollt vielleicht geradewegs �ber die Farm. Ist nicht mehr sicher hier. Washington und ich, wir sterben f�r Sie. Aber Sie d�rfen nicht sterben, und wenn�s geht, dann sterben wir lieber auch nicht.� Er atmete tief durch. �Sie geh�n nach Richmond City, bitte.�</p><p>�Boz, ich kann nicht.�</p><p>�Warum nicht?�</p><p>�Er w�rde ja gar nicht wissen, wo er mich suchen soll, wenn er mich hier nicht mehr findet. Ich k�nnte ihm schreiben, aber die Post ist so unzuverl�ssig, da� er den Brief vielleicht niemals bekommt. Tut mir leid, Boz. Du und Washington, ihr k�nnt gehen, wann immer ihr wollt. Ich mu� bleiben.�</p><p>�Bleiben ist gef�hrlich, Miss Augusta.�</p><p>�Ich wei�. Aber viel schlimmer w�re es, zu gehen und ihn nie wiederzusehen.�</p><p>Als Billy nach seinem kurzen Urlaub Lehigh Station verlie�, trieb Brett wieder in diese d�stere Stimmung hinein. Teilweise war das die direkte Folge der Besch�ftigung ihres Mannes mit der Armee. Er sagte, die sinkende Moral ber�hre ihn nicht; er sei Berufssoldat. Aber sie erkannte die Ver�nderungen in ihm � die M�digkeit, den Zynismus, die schwelende Wut.</p><p>Nur eines schien sie aus ihrer Depression herauszurei�en: die langen Stunden, in denen sie den Czornas und Scipio Brown bei den Kindern half, waren Medizin f�r sie. Fu�b�den schrubben, Mahlzeiten kochen, den Kleinsten Geschichten vorlesen und den �lteren Schreiben und Rechnen beibringen, das alles z�hlte zu ihren Aufgaben.</p><p>Mit Brown kam sie mittlerweile gut zurecht; sie mochte ihn, obwohl er allein aufgrund ihrer Herkunft gern Streitgespr�che mit ihr vom Zaun brach. Eines davon fand an einem Nachmittag im M�rz statt, als sie und Brown gemeinsam das Geb�ude auf dem H�gel verlie�en, um Maismehl und andere Lebensmittel bei Pinckney Herbert zu kaufen. Brown fuhr den Einsp�nner, und sie sa� neben ihm � was auf Mont Royal nichts Besonderes gewesen w�re, da man ihn f�r einen Sklaven gehalten h�tte. In Lehigh Station brachte es ihnen feindselige Blicke und manchmal auch h��liche Bemerkungen ein, vor allem von Leuten wie Lute Fessenden und seinem Cousin. Beide hatten sich bis jetzt vor dem Milit�rdienst gedr�ckt.</p><p>Das w�rde ihnen allerdings nicht mehr lange gelingen. Lincoln hatte k�rzlich ein Gesetz unterzeichnet, wonach jeder taugliche Mann zwischen zwanzig und sechsundvierzig auf drei Jahre dienstverpflichtet wurde. Ein Mann konnte einen Ersatz stellen oder sich f�r dreihundert Dollar freikaufen. Dieses Hintert�rchen f�r die Reichen hatte die Armen des Nordens bereits in Rage gebracht.</p><p>Bei sch�nem Wetter � so wie heute � trieben sich die beiden M�nner fast immer auf der Stra�e herum. Als Brett und der breitschultrige Schwarze sich gerade auf den R�ckweg machen wollten, ersp�hte sie der rotb�rtige Fessenden und br�llte eine Beleidigung.</p><p>Brown seufzte. �Ich frage mich, ob sich dieses Land je �ndern wird. Wenn ich solchen Abschaum sehe, dann habe ich meine Zweifel.�</p><p>�Sie haben sich seit unserer ersten Begegnung bestimmt ver�ndert.�</p><p>�Wieso?�</p><p>�Zum einen reden Sie kaum noch von Auswanderung.�</p><p>Brown warf ihr einen Blick zu. �Warum sollten die Neger auf Schiffen abtransportiert werden, jetzt, wo der Pr�sident uns die Freiheit garantiert hat? Oh, ich wei� � die Proklamation war in Wirklichkeit nichts weiter als eine Kriegsma�nahme, die nur im S�den Bedeutung haben soll. Aber Mr. Lincoln nennt es Freiheit, und wir werden mehr damit anfangen, als selbst er sich vorstellen kann. Warten Sie nur ab.�</p><p>�Ich glaube nicht, da� Lincoln seine Absichten �ber Neuansiedlung ge�ndert hat, Scipio. Im <emphasis>Ledger-Union</emphasis> steht, er plane, in diesem Fr�hling eine Schiffsladung Schwarze zu einer neuen Kolonie zu bringen. Fast f�nfhundert. Auf irgendeine winzige Insel in der N�he von Haiti.�</p><p>�Nun, Old Abe wird mich dort nicht hinkriegen � und Dr. Delany ebenfalls nicht. Ich sah ihn in Washington � hab� ich Ihnen das erz�hlt? Keine langen Roben mehr f�r Martin. Er will eine Uniform. Er bem�ht sich um das Kommando �ber ein schwarzes Regiment.�</p><p>�ber das Klappern der Pferdehufe hinweg sagte sie: �Billy hat mir erz�hlt, da� Neger in der Armee alles andere als willkommen sind.�</p><p>�Schauen Sie mich an, Brett, und beantworten Sie mir eine Frage: Glauben Sie, Freiheit ist nur f�r Menschen Ihrer Hautfarbe da?�</p><p>�Die Verfasser der Unabh�ngigkeitserkl�rung hatten das im Sinn.�</p><p>�Nicht alle Verfasser! Au�erdem haben wir jetzt das Jahr 1863. Also antworten Sie. Ist Freiheit nur f�r die Wei�en und sonst niemanden da?�</p><p>�Man hat mir beigebracht � �</p><p>�Ich will nicht wissen, was man Ihnen beigebracht hat, ich will wissen, was Sie glauben.�</p><p>�Verdammt noch mal, Scipio, Sie sind so verdammt � �</p><p>�Unversch�mt?� Ein schmales L�cheln. �Das bin ich.�</p><p>�S�dstaatler sind nicht die einzigen S�nder. In Wirklichkeit wollen die Yankees die Schwarzen auch nicht frei sehen. Vielleicht einige Abolitionisten, aber nicht die Mehrheit.�</p><p>�Zu sp�t.� Er zuckte die Schultern. �Mr. Lincoln hat die Anordnung unterschrieben. Und um ehrlich zu sein, mir ist es egal, was <emphasis>ist.</emphasis> Ich k�mmere mich mehr darum, was sein sollte.�</p><p>�Diese Haltung k�nnte das ganze Land in Brand setzen.�</p><p>�Es brennt bereits � oder haben Sie in letzter Zeit keine Meldungen gelesen?�</p><p>�Manchmal verabscheue ich Sie, so arrogant sind Sie.�</p><p>�Ich verabscheue Sie aus dem gleichen Grund. Manchmal.� Er wollte ihre Hand t�tscheln, hielt sich aber aus Angst, sie k�nnte es falsch verstehen, zur�ck. Ruhiger fuhr er fort: �Ich w�rde keine Minute auf Sie verschwenden, wenn ich nicht sicher w�re, da� sich irgendwo in Ihnen eine sensible, anst�ndige Frau verbirgt, die darum k�mpft, das Tageslicht zu erblicken. Ich glaube, der Grund, weshalb Sie mich manchmal nicht ausstehen k�nnen, besteht darin, da� ich ein Spiegel bin. Ich zwinge Sie, einen Blick auf sich selbst zu werfen.�</p><p>Ruhig, aber angespannt sagte sie: �Sie haben recht. Vermutlich verabscheue ich Sie deswegen manchmal. Niemand l��t sich gern seine Fehler vorhalten.� Warum mu�te er nur immer auf ihr Gewissen einh�mmern. Was Brown nicht wu�te: Sie sp�rte bereits die Schmerzen, die mit der Trennung von alten �berzeugungen verbunden waren. Sie nahm es ihm �bel, da� er diesen Proze� sch�rte.</p><p>Feinf�hlig sagte Brown: �Wir h�ren besser mit diesem Gespr�ch auf, bevor wir aufh�ren, Freunde zu sein.�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich m�chte weiterhin Ihr Freund bleiben, das wissen Sie. Sie sind nicht nur eine gute Frau, sondern es gibt auch noch zwei weitere W�nde in der Schule zu t�nchen. Niemand geht besser mit Pinsel und B�rste um. Sind Sie sicher, da� Sie nicht irgendwo ein bi�chen Sklavenblut in sich haben?�</p><p>Sie mu�te lachen. �Sie sind unm�glich.�</p><p>Er nahm die Z�gel, sagte �H�h�, und der Wagen setzte sich wieder in Bewegung.</p><p>�So�, sagte der Mann mit dem roten Bart und den beiden Pistolen unter dem Gehrock. �Sie glauben also, Sie k�nnten unserer Sonderabteilung bei der Arbeit behilflich sein, die ich Ihnen kurz umrissen habe?�</p><p>�Mit absoluter Sicherheit, Colonel Baker.�</p><p>�Ich glaube es auch, Mr. Dayton. Ich glaube es auch.�</p><p>Bent f�hlte sich ganz schwach, und das nicht nur, weil ihm nach wochenlangem Warten endlich Erfolg beschieden war. Mittlerweile war M�rz � Baker hatte wegen dringender Angelegenheiten das Gespr�ch dreimal verschoben. Bent war schwindlig, weil er kurz vor dem Verhungern stand. Nachdem sich seine eigenen Geldmittel ersch�pft hatten, war er gezwungen gewesen, sich von Dills einen kleinen Betrag zu borgen. Aus Sparsamkeitsgr�nden a� er nur zwei Mahlzeiten pro Tag.</p><p>Lafayette Baker hatte die Statur eines Dockarbeiters und die Augen eines Wiesels. Bent sch�tzte ihn auf f�nfunddrei�ig. Die vergangene Stunde hatte aus einigen wenigen Fragen und einem endlosen Monolog �ber Bakers Vergangenheit bestanden.</p><p>�Die Hauptaufgabe dieses B�ros ist, und das kann ich nicht oft genug betonen, die Entlarvung und Bestrafung von Verr�tern. Dazu verwende ich die Methoden des Mannes, dessen Karriere ich studiert und mir zum Vorbild genommen habe. Der gr��te Detektiv von allen: Vidocq, von der Pariser Polizei. Kennen Sie ihn?�</p><p>�Nur dem Namen nach.�</p><p>�In seinen Anfangszeiten war er ein Krimineller. Aber er wandelte sich und wurde zum verha�ten Feind genau der Klasse, der er entstammte. Sie m�ssen seine Memoiren lesen, Dayton. Sie sind nicht nur aufregend, sie sind sehr lehrreich. Vidocq besa� eine schlichte, aber wirkungsvolle Philosophie, an die ich mich peinlich genau halte.� Bakers Hand glitt �ber den Knauf seines Spazierstocks. �Es ist bei weitem besser, hundert Unschuldige zu verhaften, als einen Schuldigen laufen zu lassen.�</p><p>�Da stimme ich mit Ihnen �berein, Sir.� Eifrige Bereitschaft, f�r Baker zu arbeiten, war an Stelle der Berechnung getreten.</p><p>Bakers kleine, undeutbare Augen richteten sich auf Bent. �Bevor ich Sie in Washington besch�ftige, w�rde ich gerne Ihren Mut testen. M�chten Sie immer noch f�r mich arbeiten?�</p><p>Dem ver�ngstigten Bent blieb keine andere Wahl, als zu nicken.</p><p>�Ausgezeichnet. Sergeant Brandt wird die Details erledigen und Sie auf unsere Lohnliste setzen. Zuerst aber werde ich Ihnen Ihren ersten Auftrag beschreiben.� Einsch�chterndes Starren. �Sie werden nach Virginia gehen, Mr. Dayton. Hinter die feindlichen Linien.�</p><p><strong>72</strong></p><p>Fast einen Monat lang hausten sie in einem einzigen kleinen Zimmer; Judith h�ngte Decken um Marie-Louises Strohsack und schuf so eine etwas ungest�rtere Atmosph�re.</p><p>Sie hatten Gl�ck gehabt, in der �berf�llten Stadt �berhaupt ein Zimmer zu bekommen � noch dazu mit Fenstern, die zum Flu� hinausgingen. Cooper sa� stundenlang vor dem Fenster, eine Decke �ber den Beinen, die Schultern gekr�mmt, das Gesicht grau und abgemagert von der Lungenentz�ndung, die ihn zwei Wochen lang dem Tode sehr nahegebracht hatte.</p><p>In der Nacht, in der Judah gestorben war, hatten sich die Mains durch die Brandung an den Strand gek�mpft. Auf einer mondhellen D�ne, zwei Meilen oberhalb der Stellungen, die die Flu�m�ndung bei Confederate Point sch�tzten, waren sie zusammengebrochen. Weitere �berlebende waren am Strand nicht zu finden.</p><p>Cooper hatte alles ausgekotzt, all das Salzwasser, das er geschluckt hatte; dann war er am Strand auf und ab gewandert und hatte Judahs Namen gerufen. Marie-Louise lag halb bewu�tlos in den Armen ihrer Mutter. Judith hielt ihre Tr�nen zur�ck, bis sie es nicht l�nger ertragen konnte. Dann brach es in lauter Klage aus ihr heraus, und sie k�mmerte sich nicht im geringsten darum, ob die ganze verdammte Blockadeflotte sie h�rte.</p><p>Als der schlimmste Kummer sich gel�st hatte, nahm sie Cooper bei der Hand und f�hrte ihn nach S�den, wo sie Fort Fisher vermutete. Er war f�gsam und brabbelte wie ein Verr�ckter vor sich hin. Endlich taumelten sie in das Fort, und am n�chsten Morgen wurde ein Suchtrupp in die D�nen geschickt. Judahs Leiche fanden sie nicht.</p><p>Und so waren sie schlie�lich die achtundzwanzig Meilen den Flu� hoch in die Stadt gekommen, wo Cooper krank geworden war und Judith um sein Leben gezittert hatte. Jetzt hatte er sich zumindest physisch erholt, aber er sprach nur, wenn es unbedingt notwendig war. Blauschwarze Ringe lagen unter seinen Augen, w�hrend er das Glitzern der M�rzsonne auf dem Flu� beobachtete, das rege Treiben �berall. Wilmington erlebte eine Bl�tezeit.</p><p>Beim Gedanken an Judah weinte Judith nachts h�ufig; nicht mal ein anst�ndiges Begr�bnis hatten sie ihm geben k�nnen. Coopers Verhalten verst�rkte ihre Sorge noch. Er legte nun nicht mehr den Arm um sie, ber�hrte sie nicht und sprach kein einziges Wort, wenn sie nebeneinander in dem harten Bett lagen. Judith weinte lediglich heftiger, sch�mte sich ihrer Tr�nen, konnte aber nichts dagegen tun.</p><p>Eines Tages gegen Ende M�rz zu platzte Marie-Louise heraus: �Bleiben wir f�r den Rest unseres Lebens jetzt in diesem schrecklichen Zimmer?� Das fragte sich Judith auch. In der ersten Woche hatte sie Cooper nicht zum Aufbruch dr�ngen wollen; er war immer noch sehr schwach und erm�dete schnell. Angeregt durch die Frage ihrer Tochter schlug sie ihm vor, Minister Mallory zu telegraphieren und ihm ihren Aufenthaltsort mitzuteilen. Er reagierte darauf mit einem trostlosen Nicken und einem dieser Blicke, die so eigent�mlich starr und gleichg�ltig wirkten.</p><p>Einige Tage sp�ter rannte Judith mit einem d�nnen, gelblichen Blatt Papier die Treppe hoch. Cooper sa� wie �blich am Fenster und beobachtete die Piers. �Liebling, gute Nachrichten�, sagte sie. Drei Schritte trugen sie durch den vollgestopften Raum. �Im Telegraphenamt war eine Nachricht vom Minister.�</p><p>In der Hoffnung, ihn aufzuheitern, hielt sie ihm die gelbliche Kopie entgegen. Er nahm sie nicht. Sie legte das Blatt in seinen Scho�. �Du mu�t es lesen. Stephen dr�ckt sein Beileid aus und bittet dich, so bald wie m�glich nach Richmond zu kommen.�</p><p>Cooper zwinkerte. Sein hageres Gesicht, das ihr in letzter Zeit so merkw�rdig fremd vorkam, wurde etwas weicher. �Braucht er mich?�</p><p>�Ja! Lies das Telegramm.�</p><p>Mit gesenktem Kopf tat er es.</p><p>Als er wieder aufblickte, w�nschte sie fast, er h�tte es nicht getan. Sein L�cheln hatte nichts Menschliches an sich. �Ich sch�tze, es ist Zeit zu gehen. Ich mu� mit Ashton abrechnen.�</p><p>�Ich wei�, da� du dar�ber gebr�tet hast. Aber sie ist nicht wirklich verantwortlich f�r � �</p><p>�Sie ist�, unterbrach er sie. �Ballantyne sagte es deutlich � die Eigner w�nschen keine Verz�gerungen. Sie wollten die Fracht um jeden Preis geliefert haben. Er setzte Judahs Leben aus reiner Gier aufs Spiel. Er und Ashton. Sie trifft die gleiche Schuld.�</p><p>Ein Schauder lief Judith �ber den R�cken. Sie begann die Konsequenzen seines Hasses und seiner Wut zu f�rchten.</p><p>�Hilf mir hoch�, sagte er unvermittelt, die Decke zur Seite schleudernd.</p><p>�Bist du kr�ftig genug?�</p><p>�Ja.� Er schwankte und griff nach ihrem Arm, so fest, da� sie aufst�hnte.</p><p>�Cooper, du tust mir weh.�</p><p>Ohne Entschuldigung lockerte er seinen Griff. �Wo ist mein neuer Anzug? Ich will zum Bahnhof gehen. Fahrkarten kaufen.�</p><p>�Das kann ich doch tun.�</p><p>�Ich will! Ich will nach Richmond. Wir sind schon viel zu lange hier.�</p><p>�Du warst krank. Du mu�test dich ausruhen.�</p><p>�Ich mu�te auch nachdenken. Den Kopf klar bekommen. Ein Ziel finden. Das habe ich. Ich beabsichtige, den Minister bei der Kriegsf�hrung voll zu unterst�tzen. Nichts anderes z�hlt.�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Ich h�re deine Worte, aber ich glaube sie nicht. Als der Krieg begann, hast du ihn verabscheut.�</p><p>�Jetzt nicht mehr. Ich teile Mallorys Ansichten. Wir m�ssen siegen, keinen Frieden aushandeln. Ich m�chte gern siegen auf Kosten vieler toter Yankees.�</p><p>�Liebling, sprich nicht so.�</p><p>�Geh beiseite, damit ich an meine Kleidung herankomme.�</p><p>�Cooper, h�r mir zu. La� dir durch Judahs Tod nicht deine Menschenfreundlichkeit und deinen Idealismus rauben, die immer � �</p><p>Er ri� die Schrankt�r auf. Sie erschrak. Herumwirbelnd starrte er sie mit furchterregenden Augen an.</p><p>�Warum nicht?� sagte er. �Mit Menschenfreundlichkeit war das Leben unseres Sohnes nicht zu retten. Idealismus konnte Ballantyne und meine Schwester nicht daran hindern, ihn zu ermorden.�</p><p>�Aber du kannst nicht dein restliches Leben lang um ihn trauern � �</p><p>�Ich m��te �berhaupt nicht trauern, wenn du mit den Kindern in Nassau geblieben w�rst, wie ich dich gebeten habe.�</p><p>Sie zuckte zur�ck. Sehr bleich sagte sie: �Das ist es also. Du mu�t irgendwelchen Leuten die Schuld geben, und ich bin einer dieser Leute.�</p><p>�Bitte entschuldige mich, ich mu� mich anziehen.� Er wandte ihr den R�cken zu.</p><p>Lautlos weinend schl�pfte Judith zur T�r hinaus und wartete zusammen mit Marie-Louise, bis er zwanzig Minuten sp�ter herunterkam.</p><p><strong>73</strong></p><p>Ashton h�rte das Ger�usch, die Rufe vieler Stimmen, bevor ihr deren Bedeutung klar wurde.</p><p>Sie betrat gerade Franzblau�s Epicurean, einen Feinkostladen auf der Main Street, in dem nur die Reichsten einkauften, diejenigen, welche nicht so taktlos waren, sich nach der Herkunft der Waren zu erkundigen. Einen Teil davon hatte die <emphasis>Water Witch</emphasis> auf ihrer letzten erfolgreichen Fahrt gebracht. Solche Fahrten w�rde es nun nicht mehr geben. Der Dampfer war nahe der M�ndung des Cape Fear River versenkt worden, sagte Powell. Es spielte keine Rolle. Die bis dahin erzielten Gewinne waren gigantisch.</p><p>Gestern abend, als Huntoon wieder einmal sp�t arbeitete, hatte ein Bote eine Nachricht von Ashtons Partner gebracht. In verschlungenen Formulierungen forderte er sie auf, ihn morgens zu besuchen, damit sie ihrem Schiff die letzte Ehre erweisen und ihre weitere Strategie planen konnten. Powell liebte es, sie mit solchen Vorw�nden zu foppen � als ob sowas bei ihr n�tig gewesen w�re.</p><p>Obwohl man bereits den 2. April schrieb, war dieser Donnerstagmorgen k�hl. Sie war kurz nach halb elf in den Feinkostladen gekommen und wandte sich nun an den zierlichen, grauhaarigen Besitzer.</p><p>�Mumm�s, wenn Sie welchen haben, Mr. Franzblau. Und ein T�pfchen � nein, zwei � von dieser k�stlichen G�nseleberpastete.�</p><p>W�hrend sie hundertzwanzig Konf�deriertendollar abz�hlte, ert�nte wieder dieses Ger�usch. Franzblau hob den Kopf, ebenso wie der schwarze Mann, der neben der T�r sa�, um unerw�nschte Kunden abzuwehren.</p><p>Franzblau legte die Flasche Champagner in Ashtons Korb, neben die eingewickelte G�nseleberpastete. �Was rufen diese Leute?�</p><p>Sie lauschte. ��Brot!� Wieder und wieder ��Brot!� Wie merkw�rdig.� Der Schwarze sprang auf, als Homer durch die T�r gest�rzt kam. �Mrs. Huntoon, wir gehen hier besser weg�, sagte der �ltliche Hausdiener. �Eine Menge Menschen kommen da um die Ecke. M�chtig viel und m�chtig w�tend.�</p><p>Franzblau wurde bla�, fl�sterte etwas auf deutsch und griff dann unter den Tresen nach einem Revolver. �Sowas hab� ich bef�rchtet. Will, la� die Jalousien herunter.�</p><p>Ashtons Abs�tze klapperten �ber die schwarzwei�en Keramikfliesen. Auf halbem Weg zum Ausgang h�rte sie das Klirren von Glas. Oft genug hatte sie die m�rrischen Gesichter der armen wei�en Frauen von Richmond gesehen, h�tte aber nie gedacht, da� sie auf die Stra�e gehen w�rden.</p><p>Vom zur�ckgesetzten Eingang aus sah Ashton zwanzig Frauen, dann doppelt so viele, die mitten in der Main Street angest�rmt kamen. Dahinter folgten weitere Frauen. Drinnen sagte Franzblau: �Versperr die T�r, Will!�</p><p>�Ich renne zur Kutsche�, sagte Homer. Einige der Frauen hatten die gleiche Idee.</p><p>�Ich komme nach�, fl�sterte Ashton, von Panik �berw�ltigt beim Anblick Hunderter von Frauen, die stie�en, kreischten, Steine warfen, Schuhe und Kleider aus Schaufenstern rissen. �Brot�, sangen sie. �Brot.� Gleichzeitig bedienten sie sich mit Kleidung und Schmuck.</p><p>Ein Bauernkarren wurde von einer Meute Frauen umringt und umgekippt. Aus den zerbrechenden Lattenkisten flatterten wild mit den Fl�geln schlagende Hennen. Der Farmer kauerte unter dem Wrack seines Karren. Ashton, in die offene Kutsche springend, sah voller Entsetzen, wie die Frauen den Mann hervorzerrten und mit H�nden und F��en auf ihn losgingen.</p><p>Homer hantierte ungeschickt mit Peitsche und Z�geln. Ein halbes Dutzend Frauen kam auf die Kutsche zugerannt, die H�nde ausgestreckt, die h��lichen M�uler verzerrt. �Da ist eine Reiche.�</p><p>�Gutes Essen in dem Korb, m�cht� ich wetten.�</p><p>�Gib her, Liebste � �</p><p>�Beeil dich, Homer�, rief Ashton, gerade als eine grauhaarige Frau in stinkenden Lumpen auf das Trittbrett der Kutsche sprang. Eine dreckige Hand zerrte an Ashtons Handgelenk.</p><p>�Holt sie raus, holt sie raus�, jubelten die anderen Frauen, dr�ngten sich n�her an die Frau in Lumpen. Ashton kr�mmte sich, k�mpfte, aber es n�tzte nichts. Sie beugte sich vor und bi� in die schmutzige Hand der Frau, die aufschrie und nach hinten fiel.</p><p>Die Stra�e befand sich in h�chstem Aufruhr. Ashton schlug einer Frau die Champagnerflasche auf den Kopf; nach links und rechts hieb sie mit dem Flaschenhals um sich, schnitt Handr�cken auf. Blut quoll heraus. �Homer, verdammt noch mal, fahr los!�</p><p>Homer peitschte wie ein Verr�ckter auf Pferde und Menschen ein. Er drehte die Kutsche und raste auf eine weitere Frauengruppe zu, die auseinanderstob. Viele rannten, bemerkte Ashton, als die Kutsche in die Eleventh Street hineinschleuderte. Sie h�rte schrille Pfiffe, Sch�sse. Die Polizeitruppe griff ein.</p><p>Der Aufruhr hatte Ashtons morgendlichen Plan durcheinandergebracht. Als sie sich schlie�lich gewaschen und zurechtgemacht hatte, fuhr sie in die Franklin Street. Gegen halb eins kam sie dort an, in ihrem Korb die beiden T�pfchen mit G�nseleberpastete.</p><p>�Ich hatte auch noch eine Flasche Mumm, aber ich mu�te sie jemandem �ber den Sch�del schlagen, um dem Mob zu entkommen�, erkl�rte sie Powell im Wohnzimmer. Er war barfu�, trug nur seine Hosen.</p><p>�Als du nicht rechtzeitig da warst, beschlo� ich, dir die T�r nicht mehr aufzumachen�, sagte er. �Dann h�rte ich einen Kutscher was von Aufruhr in der Stadt br�llen. Also verzieh ich dir.�</p><p>�Es war der totale Wahnsinn. Hunderte von h��lichen, vollkommen verdreckten Weibern � �</p><p>�Ich m�chte alles dar�ber wissen.� Er nahm ihre Hand. �Aber nicht jetzt.�</p><p>Die Uhr schlug zwei, als Ashton aus tiefer, schl�friger Befriedigung wieder an die Oberfl�che trieb. Das Bettzeug war zerw�hlt und losgerissen. Powell d�ste neben ihr. Sie strich sich das Haar aus den Augen und studierte die beiden Gegenst�nde nahe seiner rechten Schulter: eine Karte der Vereinigten Staaten und darauf seine Lieblingswaffe � eine Randfeuer-Sharps-Taschenpistole, deren vier stumpfe M�ndungen ihr ein bedrohliches Aussehen verliehen.</p><p>Er erwachte und erkundigte sich nach dem Aufruhr. Seine Hand spielte m��ig zwischen ihren Beinen, w�hrend sie die Ereignisse beschrieb. �Sie schrien nach Brot, aber sie stahlen alles, was ihnen unter die Augen kam.�</p><p>�Sie werden mehr tun als nur stehlen, wenn King Jeff weiterhin Amok l�uft. Die Situation in Richmond � in der ganzen Konf�deration � ist eine einzige Katastrophe.�</p><p>�Aber wir besitzen gen�gend Geld, um die <emphasis>Water Witch</emphasis> zu ersetzen und vielleicht ein zweites Schiff zu kaufen. Wir brauchen uns wegen des Pr�sidenten keine Sorgen zu machen.�</p><p>�Das k�nnten wir, wenn uns der S�den schei�egal w�re.� Er sagte es leise, aber voller Leidenschaft. Erschrocken erkannte sie, da� sie ihn ver�rgert hatte. �Mir ist er das nicht. Zum Gl�ck gibt es eine M�glichkeit, Davis zu stoppen und die Prinzipien des S�dens zu bewahren.�</p><p>�Was meinst du damit?�</p><p>Powells schmaler, starker Mund zog sich nach oben, doch seine Augen blieben kalt.</p><p>�Wie sehr liebst du mich, Ashton?�</p><p>Sie lachte nerv�s. �Wie sehr �?�</p><p>�Es ist eine ganz einfache Frage. Beantworte sie.�</p><p>�Mein Gott � du kennst die Antwort. Bei keinem Mann hab� ich das empfunden, was ich bei dir empfinde.�</p><p>�Ich kann dir also vertrauen?�</p><p>�Hat dir das unsere Partnerschaft nicht schon bewiesen?�</p><p>�Ja, ich glaube, ich kann dir vertrauen. Aber wenn ich ein Geheimnis teile und dann feststellen mu�, da� ich einen Fehler gemacht habe�, er packte die Sharps und stie� die M�ndungen in ihre Brust, �dann mache ich diesen Fehler wieder gut.�</p><p>Ashtons Mund klappte auf, als sie seinen Finger wei� werden sah. L�chelnd dr�ckte er ab. Der Hammer fiel � auf eine leere Kammer.</p><p>�Was � Lamar � was soll das?� Verwirrt und zitternd vor Furcht pre�te sie die Worte heraus. �Was steckt hinter all dem?�</p><p>Er legte die Pistole beiseite und breitete die Landkarte auf dem zerw�hlten Bett aus. In der S�dwestecke der Karte hatte er eine vertikale Linie durch das Territorium von New Mexico gezogen; links davon waren mit gepunkteten Linien kleine Quadrate eingetragen, die sich nirgendwo �berschnitten.</p><p>�Hier siehst du alles vor dir, Liebes. Unsere unf�higen Gener�le in Texas haben den S�dwesten verloren. Das geh�rt jetzt alles der Union. Einschlie�lich des neuen Territoriums von Arizona. Der Yankee-Kongre� hat im Februar das Gesetz erlassen. Ein paar Berufssoldaten aus Kalifornien und einige Freiwillige aus New Mexico sollen das ganze Gebiet bewachen, was nat�rlich unm�glich ist. Es ist zu gro�, und au�erdem sind die Soldaten st�ndig unterwegs, um isolierte Ansiedlungen vor den roten Wilden zu sch�tzen. Das neue Territorium ist geradezu perfekt f�r einen Plan geeignet, den ich und einige andere Gentlemen entwickelt haben. Uns allen ist klar, da� King Jeff uns ruinieren wird, wenn wir es zulassen.�</p><p>Das entnervende L�cheln blieb auf seinem Gesicht, als er die Karte zusammenrollte. Ashton sprang mit wippendem Hinterteil aus dem Bett. Sie verschr�nkte die Arme vor ihrem Busen.</p><p>�Du dr�ckst dich so geheimnisvoll aus, um mich zu qu�len, Lamar. Wenn du nicht erkl�ren willst, was du meinst, dann ziehe ich mich an und gehe.�</p><p>Er lachte bewundernd. �Daran gibt es nichts Geheimnisvolles, Liebes. Diese Quadrate auf der Landkarte umfassen die m�gliche Anordnung einer neuen Konf�deration.�</p><p>Sie wirbelte herum, eine Figur so wei� wie Milch bis auf die Schw�rze ihres Haares. �Eine neue �?� Sie sch�ttelte den Kopf. �Mein Gott. Du meinst es ernst, nicht wahr?�</p><p>�Absolut. Die Idee ist gewi� nicht neu.� Sie nickte. Sie hatte von einem dritten Staat reden h�ren, der im Nordwesten aufgebaut werden sollte, und von einer Konf�deration an der Pazifikk�ste. �Ich habe nichts weiter getan, als die ideale Lage f�r einen neuen Staat zu finden, klein, aber uneinnehmbar. Ein Ort, wo jeder seinen W�nschen und F�higkeiten entsprechend reich werden kann und wo die Sklaverei unterst�tzt wird.�</p><p>Die Vorstellung war so �berw�ltigend, da� sie es noch gar nicht fassen konnte. Sie ging zur�ck zum Bett und setzte sich auf die Kante. �Wie lange arbeitest du schon an dem Plan?�</p><p>�Seit �ber einem Jahr. Der eigentliche Ansto� war Sharpsburg, als die europ�ische Anerkennung hoffnungslos geworden war.�</p><p>�Aber Davis w�re f�r einen solchen Plan nicht zu gewinnen, Lamar. Er w�rde seine gesamte Regierungsgewalt einsetzen, um ihn zu verhindern.�</p><p>�Meine arme, gedankenlose Ashton�, sagte er und streichelte sie. �Nat�rlich w�rde er das. Was glaubst du, weshalb ich mich vergewissern wollte, da� du vertrauensw�rdig bist? Wenn wir den neuen Staat errichten, dann wird die Regierung ohne F�hrung sein. Mr. Jefferson Davis wird seinen Lohn erhalten � in der H�lle, wie ich hoffe.�</p><p>�Du meinst � ihn ermorden?�</p><p>�Den Pr�sidenten und die wichtigsten Kabinettsmitglieder. Jene, die uns vielleicht Widerstand leisten k�nnten.�</p><p>�Wie � wieviele andere Personen sind an der Sache noch beteiligt?�</p><p>�Du brauchst nur zu wissen, da� ich das Kommando f�hre und da� wir es ernst meinen. Jetzt, wo dir der Plan bekannt ist�, sein Daumen pre�te sich in ihre Wange; seine Finger schlossen sich um ihren Nacken, verursachten einen Hauch von Schmerz, �geh�rst du dazu.�</p><p>Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, schossen ihr Unmengen von Fragen durch den Kopf. Sie stellte die n�chstliegende davon: Wie sollte dieser neue Staat finanziert werden? Er war zwar klein, mu�te aber trotzdem verteidigt werden. Wie sollte die Armee bezahlt werden? Erregt lief Powell im Schlafzimmer herum. �Zuerst einmal mit meinem Anteil an den Profiten der <emphasis>Water Witch.</emphasis> Aber nat�rlich wird in den ersten paar Jahren f�r die Ausr�stung unserer Verteidigungsarmee wesentlich mehr Geld ben�tigt. So lange, bis die Yankees erkennen, da� sie uns nicht �berw�ltigen k�nnen, und uns unsere Souver�nit�t best�tigen.�</p><p>�Woher willst du die M�nner f�r eine solche Armee bekommen?�</p><p>�Mein Liebes, jetzt in diesem Moment gibt es in der Konf�deration Tausende von ihnen. Unzufriedene Offiziere und Mannschaften. Einige unserer besten Leute sind desertiert, von all den st�mperhaften Fehlern desillusioniert. Falls notwendig, k�nnen wir auch noch S�ldner aus Europa anheuern. Soldaten zu finden ist kein Problem.�</p><p>�Aber du mu�t sie trotzdem noch bezahlen.�</p><p>Er grinste breit. �Wir haben die Mittel. Habe ich je meinen Bruder Atticus erw�hnt?�</p><p>�Fl�chtig. Erz�hlt hast du nie was �ber ihn.�</p><p>Powell setzte sich neben sie und begann ihr Bein zu streicheln. Sie studierte sein Profil, f�r einen Moment um seine geistige Gesundheit besorgt. Er sprach voller Leidenschaft, aber mit der Klarheit eines Mannes, der sein Vorgehen seit langer Zeit genau geplant hatte. Ihr Zweifel schwand.</p><p>Verachtung schlich sich in Powells Stimme. �Mein Bruder besa� dem S�den gegen�ber keine Loyalit�t. Er verlie� Georgia im Fr�hling 1856 und ging in den Westen auf die Goldfelder. Viele Georgier taten das. In Colorado, wo Atticus sich seinen Claim absteckte, gab es eine ganze Kolonie davon. Er bearbeitete ihn bis Sommer 1860 und holte in der Zeit zweitausend Dollar heraus � ganz anst�ndig, aber auch nicht mehr. Ungef�hr zu der Zeit, als South Carolina abfiel, �berkam ihn wieder die Wanderlust. Atticus verkaufte seinen Claim f�r weitere tausend und machte sich mit seinem Kapital nach Kalifornien auf. Er kam bis zu den Sch�rfgebieten am Carson River, an der Westgrenze des Nevada-Territoriums.�</p><p>�Ich habe von den Carson-River-Minen geh�rt. James redete davon, Anteile zu kaufen.�</p><p>�Mein Bruder kam gerade zur rechten Zeit. Im Jahr zuvor hatten einige Goldgr�ber ein paar vielversprechende Stellen am Mount Davidson entdeckt. Von Anfang an machten sie einen ordentlichen Profit. Doch die ganze Mine war reicher, als sie sich ertr�umt hatten. Erzadern zogen sich durch den ganzen Berg. Zus�tzlich zu dem Gold kam auch noch ein weiteres Edelmetall hinzu. Silber.�</p><p>�Steckte sich dein Bruder einen Claim ab?�</p><p>�Nicht direkt. Goldgr�ber sind eine merkw�rdige Rasse � st�ndig schachern sie mit ihren Claims herum, kaufen und verkaufen. Reines Gl�cksspiel, wieviel Erz noch im Boden ist. Einem der urspr�nglichen Entdecker, einem Burschen namens Penrod, geh�rte ein Sechstel der Ophir-Mine, das er f�r 5.500 Dollar verkaufen wollte. Mein Bruder konnte den Betrag nicht aufbringen, aber Penrod machte ein zweites Angebot � halbe Beteiligung an einer Mine, genannt �Der Mexikaner�, f�r 3.000 Dollar. Atticus kaufte.�</p><p>Powell wanderte erneut durch das Schlafzimmer, erkl�rte, da� Virginia City sich w�hrend der ersten beiden Kriegsjahre rapide ver�ndert hatte. Die Goldgr�ber waren �bereingekommen, da� sich jeder von ihnen einen Erz-Claim abstecken konnte, der wesentlich gr��er war als der �bliche f�nfzig auf vierhundert Fu� gro�e Goldw�scher-Claim, da man sich bei einem Erz-Claim in den Berg hineingraben und s�mtliche abzweigenden Erzg�nge ausbeuten durfte.</p><p>�Bald schon holten Atticus und sein Partner aus jeder Tonne Erz f�r dreitausend Dollar Silber und dreimal soviel Gold heraus. Im letzten Jahr kam ein gro�er Zustrom aus Kalifornien, aber nat�rlich waren die besten Claims schon vergeben, und die Neuank�mmlinge bezeichneten Virginia City als Schwindel. Atticus� Partner lie� sich von dem Gerede beeinflussen. Mein Bruder zahlte ihn zu einem g�nstigen Preis aus. Im letzten Sommer, als die Stadt schon auf f�nfzehntausend Einwohner angewachsen war, fand der arme Atticus ein vorzeitiges Ende.�</p><p>�Oh, welch ein Jammer.�</p><p>�Ich sehe, du bist tief getroffen�, sagte er l�chelnd.</p><p>�Wie ist dein Bruder gestorben?�</p><p>�An einer Kugel�, sagte Powell achselzuckend. �Im Fahrstuhl vom International Hotel. Als Motiv wurde Raub angenommen. Der Mann wurde nie gefa�t oder identifiziert. Rein zuf�llig hatte Atticus eine Woche zuvor ein Dokument ausgestellt, das ich verschlossen aufbewahre. Darin vermacht er mir die Ertr�ge der Mexikaner-Mine, da ich der einzige noch lebende Verwandte bin. Er schickte die Urkunde einem Kontaktmann in Washington. Mit einem der �blichen Postschmuggler gelangte sie dann nach Richmond.�</p><p>Atticus Powells gro�z�gige Handlungsweise war mit einem am�sierten Unterton erz�hlt worden. Bei Ashton begann es allm�hlich zu d�mmern. Powell sah es und best�tigte ihre Vermutungen.</p><p>�Beachte, was es hei�t, da� Atticus und ich die einzigen noch lebenden Familienmitglieder waren. Es gibt niemanden, der best�tigen k�nnte, da� die Schrift in dem Testament der Handschrift meines Bruders nur sehr oberfl�chlich �hnelt.</p><p>Jetzt habe ich einen guten Verwalter, der die Minenarbeiten f�r mich beaufsichtigt und dem es egal ist, wem die Mine geh�rt, solange er sein Geld bekommt. Ich bin froh, sagen zu k�nnen, da� die Mine im Rekordtempo f�rdert. Es gibt gen�gend Gold und Silber, um eine Privatarmee bezahlen zu k�nnen.�</p><p>Auf der Suche nach einer Zigarre verschwand er im n�chsten Zimmer. Ashton wu�te, da� Powell den M�rder seines Bruders angeheuert hatte, ebenso wie den F�lscher f�r das Testament. Anstatt entsetzt zu sein, empfand sie neue Bewunderung.</p><p>�Du siehst also�, sagte Powell, als er mit Streichh�lzern und Zigarre zur�ckkam, �mein Vorhaben ist gar nicht so phantastisch. Nicht mit der Mexikaner-Mine als Finanzierungsquelle. Deshalb mu� ich dir eine Frage stellen.�</p><p>�Und die w�re?�</p><p>Umst�ndlich z�ndete er seine Zigarre an. �M�chtest du die First Lady dieser neuen Konf�deration sein?�</p><p>�Ja. Ja!�</p><p>Powell ber�hrte ihre Brust; mit dem Daumen zog er einen Kreis um ihre Brustwarze. �Das dachte ich mir.� Aus seinem L�cheln sprach Selbstzufriedenheit und ein Hauch von Verachtung.</p><p>Am fr�hen Nachmittag wanderte Huntoon �ber die mit Glasscherben bedeckten Gehsteige der Main Street. Er konnte nicht in sein B�ro zur�ck; nicht nach dem, was heute morgen passiert war.</p><p>Wie die meisten anderen Regierungsangestellten war auch er hinausgeeilt, als er von dem Aufruhr erfuhr. Er beobachtete, wie der hagere, graue Pr�sident auf einen Wagen kletterte und um Respektierung der Gesetze bat. Davis sagte, jeder B�rger m��te um ihrer gemeinsamen Sache willen Entbehrungen ertragen. Die Leute buhten ihn aus. Mit einer letzten pathetischen Geste st�lpte er seine Taschen nach au�en und warf dem Mob ein paar M�nzen zu.</p><p>Es �nderte nichts; der Anblick von Bajonetten war n�tig, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. W�hrend der Aufruhr noch in vollem Gange war, bog Huntoon in die Main Street ein und sah eine vertraute Kutsche vor einem eleganten Feinkostladen. Voller Neugier ging er in Deckung.</p><p>Seine Frau war in der Kutsche, k�mpfte mit sch�big gekleideten Weibern; er konnte nicht viel sehen, bis die Kutsche wegrollte, aber das wenige reichte bereits. Der Korb und der Laden, den sie besucht hatte, versch�rften seine seit Monaten wachsende Gewi�heit, da� sie ein Verh�ltnis hatte. F�r ihren eigenen Tisch kaufte Ashton niemals Franzblaus Delikatessen. Er hatte den Verdacht, da� Powell, der Mann, der ihn reich machte und den er sowohl beneidete als auch f�rchtete, ihr Liebhaber war. Huntoon kehrte wieder in sein B�ro zur�ck, war aber nicht f�hig zu arbeiten. Also dr�ckte er sich weiter auf den Stra�en herum.</p><p>Wie die ganze Nation, so lag auch Huntoons privates Leben in Scherben. W�hrend der vergangenen Monate hatte er v�llig den Appetit verloren und ein Dutzend Pfund abgenommen. In seinem verwirrten Zustand vermischte sich die Wahrheit �ber Ashtons Untreue mit dem Krebsgeschw�r der Verzweiflung �ber die Regierung. Mit jedem Tag wurden seine Frustrationen schlimmer. Wenn es nur eine M�glichkeit g�be, sich Luft zu verschaffen, ein Ziel, auf das er einschlagen k�nnte.</p><p>�Was soll ich tun?� murmelte er, in die Glasscherben tretend. �Was in Gottes Namen soll ich denn tun? Sie umbringen? Mich umbringen? Beide?� Zwei Negerinnen h�rten ihn und gingen ihm schnell aus dem Wege.</p><p><strong>74</strong></p><p>Der Wind wurde w�rmer, die Erde weicher. Die Jahreszeit wechselte. Im Brigade-Lager in Sussex County ritten Ab und Charles im Schritt �ber eine schlammige Wiese zur Schmiede. Die Stiefel beider M�nner waren �ber und �ber mit Schlamm bedeckt.</p><p>Charles war gut gelaunt. Zum einen freute er sich, da� er Sport, der krank gewesen war und beinahe das linke Vorderbein verloren h�tte, durch den harten Winter gebracht hatte. Der Hauptgrund f�r seine gute Stimmung lag zusammengefaltet in seiner Hemdtasche.</p><p>W�hrend der Hufschmied einen Kavalleristengaul fertig machte s�uberten die beiden Scouts mit St�cken die Hufe ihrer Pferde.</p><p>Ab fragte: �Hast deinen Pa� gekriegt?� Charles klopfte auf seine Tasche. �Sei vorsichtig, wenn du dich da ganz allein in Spotsylvania County rumtreibst. Wenn du auf Unionskavalleristen st��t, verzieh dich in die andere Richtung. Ich habe bei diesen verdammten Schreiberlingen das gleiche Gef�hl wie du. Sie lernen langsam reiten und schie�en.�</p><p>Sp�ter am Tag verabschiedete sich Charles von Ab und ritt nach Norden los. In Richmond besuchte er Orry und Madeline, die ein gr��eres Quartier gefunden hatten � vier Zimmer, die ganze obere Etage eines Hauses im Court-End-Bezirk. Orry war so froh, aus der Pension drau�en zu sein, da� er die unversch�mt hohe Miete klaglos zahlte.</p><p>Charles erz�hlte ihnen zum erstenmal von Gus. Orry reagierte voraussagbar, als er h�rte, wo Barclays Farm lag. Lee lag bei Fredericksburg Jackson gegen�ber, aber Hooker befand sich mit doppelt sovielen M�nnern direkt am anderen Flu�ufer. Orry sagte, es w�re verr�ckt, wenn Gus in Spotsylvania County bleiben w�rde.</p><p>Charles stimmte zu. Sie redeten noch lange, bis gegen vier Uhr morgens. Charles schlief schlecht, in einer Decke zusammengerollt auf dem Fu�boden, und verlie� am n�chsten Morgen die Stadt.</p><p>Weiter nach Norden durch den Fr�hling von Virginia. Die Luft roch nach feuchter Erde, und hier und da erkannte er auch noch etwas anderes: verwesendes Pferdefleisch. Am Geruch der toten Pferde konnte man erkennen, wo die Armeen langgezogen waren.</p><p>Je weiter er kam, desto mehr graugekleidete Nachz�gler wanderten �ber die frisch umgegrabenen Felder; Gott allein mochte wissen, wohin sie unterwegs waren. So viele versprengte Soldaten waren keine gute Sache f�r eine allein lebende Frau, selbst wenn diese Soldaten die richtige Uniform trugen. Das zeigte sich wieder, als er in Sichtweite von Barclays Farm kam. Ein Intendanturwagen mit wei�er Plane stand auf der Stra�e; zwei rauh aussehende Kutscher be�ugten das Haus, als Charles sich n�herte. Er legte seine Hand auf die Schrotflinte, und sie beschlossen, weiterzufahren.</p><p>Als er in den Hof geritten kam, warf Boz seine Axt hin, sprang �ber einige gespaltene Holzscheite und rannte auf ihn zu. �Hallo, hallo! Miss Augusta � Captain Charles ist hier!�</p><p>Boz h�rte sich mehr als gl�cklich an. Er klang sehr erleichtert.</p><p>�Irgend etwas beunruhigt dich�, sagte sie. �Was ist es?�</p><p>Nebeneinander lagen sie in der Dunkelheit. Sie hatten gegessen und geredet, gebadet und miteinander geschlafen. Und anstatt sich jetzt angenehm m�de zu f�hlen, k�mpfte er gegen die Spinnweben seiner eigenen Gedanken.</p><p>�Wo soll ich anfangen?� fragte er.</p><p>�Wo du willst.�</p><p>�Es l�uft schlecht, Gus. Der ganze verfluchte Krieg. Vicksburg bedroht � Grant f�hrt dort das Kommando. Orry kennt ihn von der Akademie und Mexiko her. Er sagt, der Mann sei wie ein Terrier mit einem Knochen. L��t nicht los, selbst wenn er daran erstickt. Orry meint, Grant wird Vicksburg im Herbst eingenommen haben. Dann ist da Davis, der immer noch zweitklassige Gener�le wie Bragg h�tschelt. Und die Kavallerie kann nicht gen�gend Pferde auftreiben, geschweige denn sie f�ttern.�</p><p>�Die Farmen hier sind ausgepl�ndert. Und wenn man jetzt ein Feld pfl�gt, dann zieht zehn Minuten sp�ter eine Artillerie-Batterie dar�ber, und du kannst wieder von vorn anfangen.�</p><p>Charles zitterte in der Dunkelheit. Bes�nftigend strich sie �ber seine nackte Schulter. �Ich w�rde sagen, das alles sind ungemein ehrbare Sorgen.�</p><p>�Da ist noch eine.�</p><p>�Welche?�</p><p>Er rollte zur Seite, konnte sie nur als blassen Umri� sehen.</p><p>�Du.�</p><p>�Mein Liebling, verschwende keine Minute darauf, dich um mich zu sorgen. Ich kann schon auf mich aufpassen.� Ihre Stimme klang stolz und beruhigend. Aber er h�rte auch eine Spur von �rger heraus.</p><p>�Nun, ich mache mir trotzdem Sorgen. Beim Gedanken an dich hier ganz alleine kann ich nicht schlafen.�</p><p><emphasis>Und deshalb sollte sich ein Mann in Kriegszeiten nicht verlieben.</emphasis> Diese �berzeugung ruhte wie ein Felsblock in ihm, unerw�nscht, st�rend � und zweifellos wahr.</p><p>�Das ist albern, Charles.�</p><p>�Den Teufel ist es das. Hooker wird mit Sicherheit Fredericksburg angreifen � vielleicht schon in den n�chsten Tagen. Die Potomac-Armee k�nnte das ganze Land �berrennen.�</p><p>�Boz und Washington und ich k�nnen � �</p><p>�Ihr k�nnt euch gegen Blaub�uche verteidigen, die seit Monaten keine h�bsche Frau mehr gesehen haben? Jetzt h�r aber auf.�</p><p>�Du bist streits�chtig.�</p><p>�Du auch. Ich habe gute Gr�nde. Ich kann nicht aufh�ren, mir Sorgen zu machen.�</p><p>�Du m��test nur nicht mehr hierherkommen, dann h�ttest du �berhaupt keine Sorgen.�</p><p>Kalt und hart fielen die Worte zwischen sie. Er warf sich aus dem Bett, kratzte sich w�tend den Bart. Sie ber�hrte ihn an der Schulter.</p><p>�Glaubst du vielleicht, ich mache mir deinetwegen keine Sorgen? St�ndig? Manchmal glaube ich, ich habe mich zum falschen Zeitpunkt verliebt � in einen Mann, der � �</p><p>�Dann sollte ich vielleicht nicht mehr kommen.�</p><p>�Ist es das, was du willst?�</p><p>�Ich � �</p><p>Schweigen. Dann zerbrach etwas in ihm, er wirbelte herum, umarmte ihren nackten K�rper, streichelte ihr Haar. �Oh Gott, nein<strong>,</strong> Gus. Ich liebe dich so sehr, ich wei� manchmal gar nicht mehr, was ich tue.� Zitternd umklammerten sie einander. �Geh nach Richmond�, bat er.</p><p>Sie l�ste sich aus der Umarmung. �Charles, das hier ist mein Zuhause. Ich werde nicht wegrennen.�</p><p>�Es hat nichts mit Feigheit zu tun, wenn du die Farm f�r ein oder zwei Wochen verl��t. Bis Hooker losschl�gt und eine Entscheidung f�llt.�</p><p>�Und wenn die Yankees kommen, und ich bin nicht hier? Wenn sie pl�ndern und alles niederbrennen? Das hier ist alles, was ich habe.�</p><p>�Sie k�nnen pl�ndern und brandschatzen, w�hrend du in der K�che stehst.�</p><p>�Richmond ist zu �berf�llt. Es gibt keinen Platz � �</p><p>�Mein Cousin und dessen Frau werden dich aufnehmen. Boz und Washington auch.�</p><p>Sie sank zur�ck, verschr�nkte die Arme vor ihrer Brust, als w�re ihr kalt. �Es w�rde viel Umst�nde machen, alles zu packen und � �</p><p>�H�r auf, Gus. Du bist eine stolze Frau. Stark. Deswegen liebe ich dich. Aber verflucht noch mal � �</p><p>�Ich wollte, du w�rdest nicht st�ndig fluchen.�</p><p>Die leisen Worte dr�ckten ihren �rger deutlicher als alles andere aus. Er atmete tief durch und umklammerte den Bettpfosten, als m��te er sich festhalten.</p><p>�Tut mir leid. Aber die Gr�nde sind nach wie vor stichhaltig. Stolz und St�rke und zwei Neger reichen als Schutz gegen Joe Hookers Armee nicht aus. Du mu�t nach Richmond gehen; wenn du es nicht f�r dich tust, dann tu es f�r mich.�</p><p>�F�r dich?�</p><p>�Ja.�</p><p>�Ich verstehe.�</p><p>�Wenn du den Ton beibeh�ltst, dann schlafe ich im anderen Zimmer � �</p><p>�Das tust du wohl besser.�</p><p>Und drau�en war er, eingewickelt in eine Decke; die T�r knallte hinter ihm zu.</p><p>Beim ersten Tageslicht schlich er zu ihr hinein, fl�sterte ihren Namen, erschrak, als sie sich hellwach aufrichtete. Ihr Gesicht zeigte ihm, da� sie kaum geschlafen hatte.</p><p>Er hielt ihr die Hand hin. �Es tut mir leid.�</p><p>Sie umarmten sich, beendeten den Streit, und beim Fr�hst�ck sagte sie, sie w�rde noch vor Ablauf der Woche nach Richmond gehen, wenn er ihr einen Pa� besorgen k�nnte. Er versprach es. Er schrieb ihr den Weg zu Orrys und Madelines Haus auf. Alles war wieder in Ordnung. An der Oberfl�che.</p><p>Sp�ter am Morgen bereitete er sich zum Aufbruch vor. �Ich schau in Richmond vorbei und sage ihnen, da� du kommst.�</p><p>Sie standen im Hof. Sie legte ihre Arme um ihn, k��te ihn und sagte: �Ich liebe dich, Charles Main. Du darfst dir keine Sorgen um mich machen.�</p><p>�Oh nein, niemals. Und Old Abe wird morgen in Atlanta die Stars and Bars-Fahne hochziehen.�</p><p>Er stieg in den Sattel, winkte und trabte auf die Stra�e zu. Nach einer halben Meile blickte er zur�ck, aber eine ratternde Kolonne Munitionswagen wirbelte Staub auf. Er konnte nur schwitzende Pferde und knirschende R�der sehen. Als die Kolonne ihn passiert hatte, war der Hof leer.</p><p>Wieder bei der Brigade in Sussex County log er Ab vor, der Besuch sei gro�artig gewesen.</p><p><strong>75</strong></p><p>�Miss Jane, ich mu� gestehen � �</p><p>In der D�mmerung hatte er sie zur Veranda ihrer H�tte gebracht, hatte unterwegs versucht, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Sie l�chelte ihm ermutigend zu.</p><p>�Ich liebe dich. Ich sehne den Tag herbei, wo ich ein freier Mann bin und dich um deine Hand bitten kann.�</p><p>Schon lange hatte er sich das zurechtgelegt, es aber nie auszusprechen gewagt. Seine Worte machten sie gl�cklich. Sie sah Andy an. Die versteckte Sonne lie� den leichten Nebel in staubig r�tlicher Farbe aufleuchten. Sanft sagte sie: �Der Tag wird kommen. Dann werde ich voller Stolz ja sagen.�</p><p>�Gro�er Gott! Ich w�rde dich k�ssen, wenn nicht so viele Leute zuschauen w�rden.�</p><p>Lachend sagte sie: �Ich sehe niemanden.� Sie gab ihm einen kleinen Ku� auf die Wange und rannte hinein. Sie lehnte sich gegen die T�r<strong>,</strong> pre�te ihre H�nde gegen ihre Br�ste.</p><p>Und dann bemerkte sie den Geruch. Den Geruch eines schmutzigen K�rpers und eines schmutzigen Geistes. Er r�kelte sich an der wei�get�nchten Wand, die Augen tr�be. Wo hatte er den Whiskey her bekommen? Wie hatte er sich ins Haus geschlichen?</p><p>�Wie kannst du es wagen, Cuffey. Raus hier.�</p><p>Er r�hrte sich nicht. Mit einem verschlagenen L�cheln griff er nach unten und fingerte an sich herum. �Hab� geh�rt, was der Nigger sagte. Er <emphasis>liebt</emphasis> dich.� Die dunkelbraune Hand �ffnete einen Knopf nach dem anderen, bis er ihr zeigen konnte, was darunter war. �Ich kann�s dir viel besser machen als er.�</p><p>�Du betrunkener, dreckiger � �</p><p>Cuffey h�rte auf, an sich herumzuspielen, und kam auf sie zu. Jane schrie auf und griff nach der T�r. Er erwischte sie an der Schulter und ri� sie so hart herum, da� sie stolperte. Dann knallte jemand von der anderen Seite gegen die T�r. Jane flog gegen die andere Wand, schlug schwer auf, sah nicht, wie die T�r aufkrachte und Andy im Rahmen stand. �ngstliche Schwarze dr�ngten sich auf der kleinen Veranda.</p><p>Cuffey sagte: �Mach die T�r zu, Nigger. Hau ab, tu das, was du am besten kannst � Ol� Meeks Arsch k�ssen.�</p><p>Mit einem Blick erfa�te Andy die Situation: Jane, die sich an der Wand wieder hochstemmte, Cuffey, der sein baumelndes Geschlechtsorgan zur�ck in seine Hose stopfte. Andy senkte leicht den Kopf und kam in die H�tte marschiert.</p><p>Cuffey packte einen alten Hocker und schwang ihn im Bogen herum, streifte Andys Kopf. Ein Bein des Hockers brach, das gesplitterte Ende ri� Andys Schl�fe auf. Das Blut lief ihm ins Auge, als er Cuffey ansprang und zu einem m�chtigen Schlag ansetzte. Cuffey wich leicht aus und stach mit dem gesplitterten Bein nach Andys Auge.</p><p>�La� ihn. Warte auf Hilfe�, bat Jane. Falls Andy sie h�rte, so achtete er nicht auf sie. Wie ein Soldat marschierte er vor, aufrecht, ohne zu z�gern. Cuffey trat ihn zwischen die Beine. Andy kr�mmte sich zusammen, stie� einen verbissenen Laut aus. Aber er blieb auf den F��en. Er hob seine verschr�nkten H�nde und h�mmerte sie Cuffey seitlich ins Genick; der Schlag schleuderte Cuffey gegen die Wand.</p><p>�Du wolltest es nicht anders�, sagte Andy, �ber dem anderen Mann aufragend und mit beiden H�nden auf ihn einh�mmernd. Jetzt schrie Cuffey auf. Andy begann ihn wie einen Nagel zu bearbeiten, schlug ihn tiefer, brachte ihn auf die Knie. Cuffey begann aus dem Ohr zu bluten.</p><p>�Pa� auf, Andy. Mist� Meek kommt�, rief jemand von drau�en. Jane stand auf, sah die Schwarzen von der Veranda verschwinden; der Verwalter tauchte auf, eine Pistole aus seinem breiten G�rtel ziehend.</p><p>�Wer k�mpft da drinnen?�</p><p>�Cuffey und Andy�, antwortete eine Frau, gerade als Cuffey an seinem verdreckten Hemd von Andy hochgezerrt wurde. Auch aus Cuffeys Nase lief jetzt das Blut.</p><p>�Ich bring dich um, Nigger. Dich und alle andern hier.�</p><p>�La� ihn los�, befahl Meek vom Eingang her. Andy drehte sich zu dem Verwalter um. Cuffey erkannte seine Chance und gab seinem Gegner einen Sto�.</p><p>Andy taumelte gegen den Verwalter. Cuffey ri� die Mehlsackvorh�nge herunter, die Jane �ber das hintere Fenster geheftet hatte. Er schwang ein Bein �ber den Rand.</p><p>�Platz zum Schie�en�, br�llte Meek und stie� Andy beiseite.</p><p>Cuffey packte Jane und schwang sie in die Schu�linie. Meek ri� die M�ndung der Pistole nach oben, und Cuffey lie� sich aus dem Fenster fallen. Er tauchte in dem Nebel unter, der sich zu einem tiefen grau verdichtete.</p><p>�Stop, Nigger!� kommandierte Meek, einen Schu� abgebend. Cuffey verschwand hinter einer Eiche.</p><p>�Andy, was ist passiert?�</p><p>�Ich war drau�en � und h�rte Jane schreien.� Die Worte kamen m�hsam; er atmete immer noch schwer.</p><p>�Ich kam rein, und er hatte sich hier versteckt�, sagte Jane. �Er sagte schmutzige Sachen zu mir und kn�pfte dann seine Hose auf.�</p><p>Meek, immer noch w�tend, da� ihm der �belt�ter entgangen war, schnaubte: �Wenn wir euch Hengste alle zu Wallachen machen w�rden, dann h�tten wir�s hier um einiges friedlicher.�</p><p>Andy funkelte ihn an. �H�ren Sie � �</p><p>Der Verwalter war zu w�tend, um ihn zu beachten. Genau in dem Moment dr�hnte eine Stimme aus dem dichten Nebel hinter der H�tte: <emphasis>�Ich bring euch alle um, h�rt ihr?�</emphasis></p><p>�Hol ein paar M�nner�, sagte Meek zu Andy. �Mindestens acht oder zehn. Eine �ble Nacht, um Ausrei�er zu fangen, aber den kriegen wir. Dann werd� ich�s ihm heimzahlen.�</p><p>Die Verfolgung endete drei Stunden sp�ter, als der leichte Nebel dicht und schwer geworden war. Im Lichte einer Fackel berichtete Andy Jane von dem Fehlschlag. �Ich denke, er ist weg f�r immer. Nach Beaufort wahrscheinlich.�</p><p>�Gute Reise�, sagte sie.</p><p>�Vielleicht sollte ich bis zum Morgen hier drau�en auf der Veranda Wache halten�, schlug er vor.</p><p>�Er wird nicht zur�ckkommen.�</p><p>�Du hast geh�rt, was er br�llte, nachdem er aus dem Fenster gesprungen war.�</p><p>�Cuffey war ein Angeber, seit ich ihn kenne. Wir werden ihn nie wiedersehen.�</p><p>�Hoffentlich hast du recht. Also dann � gute Nacht.�</p><p>�Gute Nacht, Andy.� Sie ber�hrte sein Gesicht unter dem Leinenstreifen, den er sich um den Kopf gebunden hatte, um den blutverkrusteten Ri� zu sch�tzen. �Du bist ein mutiger Mann. Ich habe es ernst gemeint, als ich sagte, ich sei stolz darauf, deine Frau zu werden.�</p><p>Seine Augen leuchteten in dem flackernden Licht. �Ich danke dir.�</p><p>Er ging die knarrenden Stufen hinunter und in den Nebel hinaus. Kaum hatte sich ihre T�r geschlossen, da l�schte er seine Fackel, drehte um und bezog Posten auf ihrer Veranda, wo er bis zum Morgen auszuharren beabsichtigte.</p><p>Obwohl Jane einige Zeit wach lag, hatte sie keine Ahnung, da� er ihr so nahe war. Sie h�rte die vielen Ger�usche der Fr�hlingsnacht. Und in ihrer Phantasie h�rte sie eine Stimme, die Rache schwor. Sie versuchte, die Stimme zum Schweigen zu bringen, aber es wollte ihr nicht gelingen.</p><p><strong>76</strong></p><p>Am fr�hen Morgen des 28. Aprils schrieb Billy beim Schein einer Kerze:</p><p><emphasis>Lije F. und ich sind mit einer Freiwilligenkompanie den drei Corps von Gen. Slocum zugeteilt. Morgen marschieren wir stromaufw�rts. Einige glauben, da� wir einen gro�en Bogen um Lee schlagen und seine Nachhut angreifen. Es werden Rationen f�r acht Tage gekocht. 2.000 Packmaulesel ersetzen die meisten Versorgungswagen, ein weiterer Beweis f�r den Wunsch nach Schnelligkeit und �berraschung.</emphasis></p><p><emphasis>Das Wetter hat sich gebessert � der Regen ist vorbei, auch wenn Stra�en und Uferb�nke an manchen Stellen noch sehr schlammig sind.</emphasis></p><p><emphasis>Die meisten der Freiwilligen, die jetzt zur Armee kommen, sind Ersatz f�r Deserteure oder Gefallene, Verwundete oder Kranke. Die meisten der Greenhorns freuen sich �ber die Aussicht auf eine Schlacht. Ich habe den Dreck und das T�ten so satt und kann nicht die geringste Freude an dem empfinden, was auf uns zukommt. Aber die Freiwilligen sind ja noch Jungs. Noch ehe dieser Fr�hling vorbei ist, werden sie etwas anderes sein.</emphasis></p><p>Sp�t am n�chsten Tag entdeckten Billy und ein Trupp von zw�lf Freiwilligen-Pionieren ein Farmhaus mit einem soliden Stall und einem kleineren Au�engeb�ude; die leichte Brise trug ihnen den kr�ftigen Duft von H�hnermist zu.</p><p>�Was meinen Sie, Sir?� fragte der Unteroffizier der Gruppe, ein Junge aus Syracuse namens Spinnington. Er war zum Corporal ernannt worden, weil er weniger faul und weniger d�mlich als die anderen zu sein schien.</p><p>Von der Stra�e aus studierte Billy die ordentlich gehaltenen Geb�ude, sich insgeheim w�nschend, den Befehl zum Weitermarsch geben zu k�nnen. Spinnington zappelte ungeduldig herum. Billy sagte: �In Ordnung.�</p><p>Mit Hurragebr�ll griffen die Neuank�mmlinge das Haus an; die tiefstehende Sonne glei�te wie eine Axtschneide. Ihre langen Schatten kletterten an der Hauswand empor.</p><p>Die Vordert�r �ffnete sich; ein Mann trat heraus. Ein winziger Mann mit einem kleinen, wei�en Bart, aber kr�ftigen, starken H�nden.</p><p>Billy n�herte sich der Veranda. Bevor er etwas sagen konnte, tauchte hinter dem Mann eine Frau auf. Sie war einen Kopf gr��er als er und dreimal so schwer.</p><p>�Mr. Tate�, sagte sie, �geh rein. General Hookers M�nner sagten, wir werden erschossen, wenn wir einen Fu� ins Freie setzen.�</p><p>�Ein Bluff�, sagte der alte Farmer. �Sie haben Angst, wir geh�n �ber den Rapidan und warnen Bob Lee. W�rde ich nicht tun. Ich mu� diesen Platz hier besch�tzen. Deshalb mu� ich mit diesen Jungs reden.�</p><p>�Mr. Tate � �</p><p>�Was wollt ihr, Jungs?� �bert�nte der alte Farmer die st�ndigen Einw�nde seiner Frau.</p><p>Billy nahm sein K�ppi ab. �Sir, ich bedaure, Ihnen mitteilen zu m�ssen, da� wir Befehl haben, Holz zu organisieren. Wir brauchen es, weil die Germanna-Furt ein Sumpf ist und �berplankt werden mu�, damit General Hookers Streitkr�fte den Flu� �berqueren k�nnen. Ich w�re Ihnen dankbar, wenn Sie und Ihre Frau wieder hineingingen und uns unsere Arbeit machen lassen w�rden.�</p><p>�Was f�r Arbeit?� rief der alte Mann. �Was f�r Arbeit?�</p><p>Er wu�te Bescheid. Billy sch�mte sich, ihm in die Augen zu sehen, und wandte sich an Spinnington. �An die Arbeit, Corporal. Zuerst den Stall, vielleicht kriegen wir damit den Wagen voll. Vielleicht brauchen wir den H�hnerstall gar nicht.�</p><p>�Ich habe mein Leben lang gebraucht, um das hier aufzubauen�, sagte der alte Mann; Tr�nen des Zorns rannen aus seinen Augenwinkeln. �Bedeutet Ihnen das gar nichts?�</p><p>�Es tut mir leid, Sir. Wirklich leid.�</p><p>Ein Nagel quietschte, ein durchdringender, kreischender Laut. Zwei Freiwillige brachen das erste Brett heraus, ein Dritter rannte zum Wagen.</p><p>Der alte Farmer torkelte von der Veranda. Billy zog seinen Revolver. Der Farmer z�gerte, setzte sich auf die Stufen und warf Billy einen Blick zu, den dieser nie vergessen w�rde. Dann starrte der Farmer auf seine Schuhe, w�hrend die Pioniere den Stall auseinanderrissen. Bei Einbruch der Dunkelheit waren sie fertig; die jetzt nicht mehr eingepferchten Milchk�he und Ackerg�ule wanderten um den H�hnerstall herum. Billy setzte sich auf den anrollenden Wagen; er gestattete sich keinen Blick zur�ck.</p><p>Ein Eintrag in seinem Tagebuch, irgendwann zwischen Sonnenuntergang und der Morgend�mmerung des 30. Aprils geschrieben, lautete:</p><p><emphasis>Ich hasse den Menschen, den dieser Krieg aus mir macht.</emphasis></p><p>�Es sind die Deutschen�, schnarrte Spinnington. �Die verfluchten Deutschen haben sich verschanzt.�</p><p>�Maul halten�, sagte Billy, nackt bis zur H�fte; mit beiden H�nden schwang er die Axt.</p><p>Es war gerade Tag geworden. Vor einer Stunde, als die von Granaten in Brand gesetzte Wildnis in Flammen stand, war Billys Trupp im Eiltempo zu dem relativ sicheren Gel�nde bei der Chancellorsville-Kreuzung beordert worden. Den vielen Wachposten und Kurieren nach zu urteilen mu�te General Hooker in dem wei�en Herrschaftshaus stecken. Niemand schien zu wissen, was er im Schilde f�hrte, aber eines schien gewi�: Fighting Joes gro�er Plan hatte gar nichts gebracht.</p><p>Hooker hatte seine angestrebte Position in der Wildnis eingenommen, war bereit gewesen, Lee von hinten anzugreifen � und hatte den Vorteil aus der Hand gegeben. Warum? dachte Billy, die Axtschl�ge zur Bekr�ftigung der w�tenden Wiederholung der Frage einsetzend. <emphasis>Warum?</emphasis></p><p>Gestern hatte Fighting Joe seine M�nner weiter nach vorn in eine bessere Angriffsposition gebracht � auf h�heres und offeneres Gel�nde. Als seinen M�nnern feindliches Feuer entgegenschlug, stoppte er den Vormarsch. Die Corps-Kommandeure hatten ihren Zorn nicht verborgen. Billy hatte geh�rt, was General Meade sagte; es breitete sich aus wie das Feuer in den W�ldern: <emphasis>�Wenn er eine Bergspitze nicht halten kann, wie kann er dann erwarten, sich im Tal zu halten?�</emphasis></p><p>Mittlerweile aber bereiteten sie sich genau darauf vor. Vormarsch; <emphasis>warum?</emphasis> R�ckmarsch; <emphasis>warum?</emphasis></p><p>Gestern, w�hrend Hooker seine Chance auf eine �berlegene Position vergab, waren Bob Lee und Old Jack damit besch�ftigt gewesen, ihn zu �berlisten. Jackson hatte seine M�nner auf einen ihrer ber�hmten Blitzm�rsche gef�hrt, diesmal eine verdammt riskante Flankenbewegung. Aber er hatte es geschafft, ohne entdeckt zu werden, und stand bei Anbruch der Nacht bereit, die rechte Flanke der Union anzugreifen. Howards Deutsche genossen dort gerade in aller Ruhe ihr Abendessen. Old Jacks br�llende, kreischende Farmerjungen �berraschten sie vollkommen.</p><p>Das war der Anfang vom Ende von Hookers gro�artigem Plan. �berall im Wald befanden sich die Rebs jetzt in der Offensive. Gott allein mochte wissen, wo sie im n�chsten Moment auftauchen w�rden � was der Grund war, weshalb die Soldaten der Union so verzweifelt Sch�tzenl�cher aushoben, um das offene Gel�nde bei der Stra�enkreuzung verteidigen zu k�nnen, w�hrend andere, einschlie�lich Billys Trupp, noch vor den Linien B�ume f�llten.</p><p>Die �xte bissen in das Holz. Spinnington arbeitete links neben Billy<strong>;</strong> Lije dicht hinter ihm. Schwei�tropfen gl�nzten in seinem wei�en Bart, als Lije die schwere Axt mit der rechten Hand anhob, als w�re sie ein Strohhalm. Er deutete auf einen gr��eren Baum, eine Eiche von ungef�hr einem Fu� Durchmesser.</p><p>�Den als n�chsten, Jungs. Der f�llt nach rechts, wenn wir ihn richtig schlagen.� Lije mu�te laut sprechen, um den st�ndigen L�rm zu �bert�nen: Trommeln und H�rnerklang, br�llende M�nner, Gewehrfeuer, verirrte, laut muhende K�he von der Herde. Gegen drei Uhr morgens hatte Billy ein Nickerchen gemacht und war von einer Kuh, die ihm auf den Bauch trat, unsanft hochgeschreckt worden.</p><p>Billy und Lije nahmen die Eiche von zwei Seiten in Angriff. Lije fing seinen Blick auf, l�chelte auf m�de, v�terliche Weise. Billy w�nschte sich den Glauben des �lteren Mannes. Wenn Gott auf Seiten der Union stand, warum �berraschte und schlug sie Lee jedesmal? Sie hatten eine wei�e Kerbe in den Stamm geschlagen, als Billy hinter all den anderen Ger�uschen einen unheilvolleren Laut vernahm: das Heulen einer Granate.</p><p>�Die K�pfe runter�, br�llte er, �die kommt m�chtig � �</p><p>Um ihn herum schleuderte Erde hoch, ri� ihn in einer Wolke von Dreck und Gras von den Beinen. Benommen landete er auf dem R�cken. Etwas lag auf seiner nackten Brust: ein gro�es, gelblichwei�es St�ck Holz vom Kern der Eiche.</p><p>Zwinkernd richtete er seinen Blick auf den Baum, der gerade zu st�rzen begann. M�nner, genauso benommen wie er, taumelten hoch.</p><p>Lije stand ein gutes St�ck hinter dem Baum, und auch er sah ihn fallen, genau auf Spinnington zu.</p><p>�Spinnington, weg dort�, br�llte Billy. Spinnington drehte sich um, das Gesicht stumpf und verst�ndnislos. Das weitere lief blitzschnell ab.</p><p>Lije hechtete vor, rammte den Corporal mit der Schulter, in der Absicht, ihn beiseite zu sto�en. Sein linker Stiefel verfing sich in einer Ranke. Er st�rzte auf die Brust, hob den Kopf, krallte sich mit beiden H�nden in die Erde, einen Augenblick, bevor ihm die Eiche auf den R�cken krachte.</p><p>�Oh Gott�, fl�sterte Spinnington, der unverletzt daneben stand.</p><p>Billy rannte vor, br�llte Lijes Namen. M�nner warfen sich zu Boden; eine weitere Granate schlug zwanzig Meter entfernt ein. Billy knallte mit dem Rumpf auf, Erde und Steine prasselten in sein Gesicht.</p><p>Er raffte sich wieder hoch, taumelte auf die gest�rzte Eiche zu. Langsam schlug Lije die Augen auf. Ein ganzes St�ck links hinter ihnen explodierte die n�chste Granate. Ein Mann wurde buchst�blich zerfetzt; Schreie und St�hnen erh�hten das l�rmende Chaos. Billy wu�te, welche Schmerzen Lije erdulden mu�te, doch die Augen des �lteren Mannes bekamen lediglich einen feuchten Schimmer.</p><p>�Ich hole dich raus, Lije.� Er sprang zum Baum, griff mit den H�nden darunter, zerrte und zog. Schmerz scho� durch seinen R�cken. Die Eiche bewegte sich nicht.</p><p>Er wirbelte herum. �Los, M�nner, helft mir!�</p><p>�Sinnlos�, murmelte Lije. Er schlo� die Augen, leckte sich die Lippen, wiederholte das Wort, sagte dann, �R�ckzug. Das Feindfeuer wird zu stark. R�ckzug � das ist ein direkter � Befehl.�</p><p>Trotz ihrer Angst kamen einige Freiwillige angerannt und versuchten die Eiche anzuheben. Der Stamm ruckte ein paar Zentimeter nach oben. Dann rutschten die H�nde eines Mannes ab, und der Stamm sackte nach unten. Billy h�rte Lijes Z�hne knirschen.</p><p>�R�ckzug�, fl�sterte er.</p><p>�Nein�, sagte Billy, langsam die Beherrschung verlierend.</p><p>�William Hazard, ich befehle � �</p><p>�Nein, nein.� Er weinte. �Ich lasse dich hier nicht sterben.�</p><p>�Wessen das Leben ist � soll der den Tod nicht schau�n?�</p><p>�H�r auf mit der Bibel!� schrie Billy. �Du bleibst nicht hier, so einsam und verlassen.�</p><p>�Das werde ich nicht sein.� Lijes Stimme war schwach, aber er sprach jede Silbe deutlich aus. �Ich vertraue dem Wort des Herrn. �Der, welcher mein Wort h�ret � und an mich glaubet � soll nicht der Verdammnis anheimfallen.� Es war mir vorherbestimmt, hier zu fallen. Dein Schicksal � ist es zu leben � und diese M�nner � �</p><p>Eine weitere Granate schlug in den Wald, schleuderte Erde in den Rauch und Qualm, verwischte mit ihrer Explosion Lijes schwache Stimme.</p><p>�� in Sicherheit zu bringen. Ich befehle es dir.�</p><p>�Jesus.� Billy weinte. �Jesus Christus.�</p><p>�Vers�ndige dich nicht. Ich <emphasis>befehle</emphasis> es dir. Lebe und � k�mpfe weiter. Ich liebe dich wie einen Sohn. Das war mir � vorbestimmt.�</p><p>Das war es nicht, schrie eine Stimme tief in Billys Innerem. Es war nicht Gottes Wille, sondern Zufall und eine d�mliche christliche Opferbereitschaft.</p><p>�Kommen Sie, Sir.� H�nde zogen ihn. �Er ist tot, Sir.�</p><p>Billy senkte den Blick; Lijes Augen waren geschlossen, sein Gesicht war glatt.</p><p>�Kommen Sie, Sir�, wiederholte Spinnington. �berraschend sanft griffen er und ein weiterer bartloser Freiwilliger nach Billys Armen. Er war benommen, murmelte vor sich hin. �Wir holen seine Leiche, wir kommen zur�ck�, sagte eine ferne Stimme, die er nicht erkannte. Er bohrte seine schmutzigen F�uste in seine feuchten Augen und lie� sich wegf�hren.</p><p>In der N�he des Hauptquartiers machte ein Arzt eine Flasche Whiskey auf. Zwei Schlucke r�ttelten Billy wach, versetzten ihn in die Lage, wieder einigerma�en zu funktionieren. Er wu�te nun etwas, das er zuvor nicht gewu�t hatte. Gott regierte einen solchen Krieg nicht � falls er �berhaupt irgendwo regierte.</p><p>Der R�ckzug zum Flu� begann am Vormittag; Soldaten, Kanonen, Ambulanzen, alles zog sich in wirrem Durcheinander zur�ck, w�hrend die Rebelleninfanterie vorr�ckte und die Rebellenartillerie weiter aus allen Rohren scho�. Billy, Spinnington und zwei andere schlichen sich vor, um Lijes Leiche zu bergen. Aber das Gesch�tzfeuer von Hazel Grove war zu schwer gewesen; zuviele B�ume hatten sich entz�ndet, und die Flammen hatten sich so schnell ausgebreitet, da� Lijes K�rper nichts Menschen�hnliches mehr an sich hatte. Keiner von ihnen, nicht mal Billy, konnte l�nger als ein paar Sekunden hinsehen. Sie verlie�en die verkohlte Gegend und zogen sich zur�ck.</p><p>Mitten im R�ckzug traf Billy die Erkenntnis: Nun, zumindest war er an einem Sonntag zur ewigen Ruhe gegangen.</p><p><strong>77</strong></p><p>Die ganze Montagnacht hindurch blieb der Milit�rtelegraph �ber lange Zeitspannen hinweg still. Im Kriegsministerium konnte man ein st�ndiges Kommen und Gehen �berm�deter M�nner beobachten; einige blieben eine Stunde, andere wollten warten, bis neue Nachrichten eintrafen. Zu ihnen geh�rte Stanley, Mitglied einer kleinen Gruppe, deren Status es erlaubte, da� sie in Stantons B�ro warteten. Der Pr�sident hielt sich ebenfalls dort auf, ausgestreckt auf seiner Lieblingscouch; alle paar Minuten drehte er sich rastlos hin und her.</p><p>�Wo ist Hooker jetzt? Wo steckt General Stoneman? Warum zum Teufel schicken sie keine Nachricht?�</p><p>Stanley hielt sich die Schl�fen und rieb sich mit zwei Fingern die schmerzenden Augen. Er hatte die ungeduldigen rhetorischen Fragen des Pr�sidenten satt. Stanton offensichtlich auch; seine Stimme klang rauh, als er sagte: �Sie werden ihr Schweigen brechen, wenn es angebracht erscheint, Herr Pr�sident. Ich nehme an, die Gener�le sind damit besch�ftigt, unseren Sieg zu festigen.�</p><p>Es war Dienstag, kurz vor Sonnenaufgang. W�hrend der letzten zw�lf Stunden, in denen nur v�llig unzul�ngliche Nachrichten eingetroffen waren, hatte sich ein Ger�cht wie eine ansteckende Erk�ltung ausgebreitet: Hooker hatte einen Sieg errungen, wenn auch zu einem hohen Preis.</p><p>Stanley hoffte bei Gott, da� Hooker einen Sieg errungen hatte. Die Partei ben�tigte mehr als nur diesen einen. Die Pr�sidentenwahlen fanden in etwas �ber einem Jahr statt, und wenn Lincoln st�rzte, dann ri� er viele andere mit sich. Stanley kr�mmte sich allein beim Gedanken an diese M�glichkeit. Er hatte an seinem Job und der damit verbundenen Macht Geschmack gefunden. Falls Isabel f�r den Rest ihres Lebens zur�ck nach Lehigh Station mu�te, dann w�rde sie ihm die Schuld daran geben und ihm das Leben noch schwerer machen. Ein Jammer, da� er �ber keinen Ersatz f�r Isabel verf�gte � irgendeine j�ngere und weniger kluge Frau, die seinen Problemen mit einem gewissen Verst�ndnis und Mitgef�hl gegen�berstehen w�rde.</p><p>Als Stanley Willard�s Speisesaal betrat, sah er seinen Bruder ganz allein an einem Tisch fr�hst�cken. Stanleys erster Impuls war, den Raum wieder zu verlassen. Seit Wades Niederlage im Senat hatte er George nicht mehr gesehen, und George w�rde zweifellos seinen Triumph auskosten.</p><p>Doch die lange Nachtwache hatte Stanley in eine f�r ihn untypische Verfassung gebracht: Er sehnte sich nach der Gesellschaft eines Menschen von au�erhalb des Kriegsministeriums. Also steuerte er auf den Tisch zu, an dem George sa� und mit einem sehr merkw�rdigen Gesichtsausdruck auf seine Bratkartoffeln starrte. Erst als Stanley sich r�usperte, hob George den Kopf.</p><p>�Hallo, Stanley. Wo kommst du her?�</p><p>�Aus dem Telegraphenraum. Ich habe dort die ganze Nacht auf Nachrichten aus Virginia gewartet.�</p><p>�Und? Gibt es welche?�</p><p>�Sehr wenige. Darf ich mich zu dir setzen?�</p><p>George deutete auf einen Stuhl. Noch immer ging ihm nicht aus dem Kopf, was er vorhin auf der Stra�e gesehen zu haben glaubte. Stanley legte seinen Hut ab und zog seine Weste �ber die st�ndig gr��er werdende Rundung seines Bauches. �Stimmt was nicht, George? Probleme mit Constance oder den Kindern?�</p><p>Bastard, dachte George. Es geh�rte zu Stanleys Stil, solche Fragen mit hoffnungsvollem Unterton zu stellen. �Ja, es stimmt was nicht. Vor zehn Minuten hab� ich einen Geist gesehen.�</p><p>�Ich bitte dich.�</p><p>�Sir?� sagte der Kellner, der auf Stanleys Bestellung wartete.</p><p>�Kommen Sie sp�ter noch mal�, schnappte Stanley. �Erkl�r mir, was du damit meinst, George.�</p><p>�Ich habe Virgilia gesehen. In einem der Wagen auf der Stra�e.�</p><p>Vor Verbl�ffung verschlug es Stanley f�r einen Moment die Sprache. �Ich dachte, Virgilia sei weit weg von diesem Teil des Landes. Ich habe seit zwei oder drei Jahren nichts mehr von ihr geh�rt.�</p><p>�Ich bin sicher, da� sie es war � nun, jedenfalls so gut wie sicher. Du wei�t, da� sie nie Wert auf ihre Kleidung legte, und diese Frau war elegant gekleidet. Ihr Haar war modisch frisiert. Aber selbst diese �nderungen � �</p><p>�Offensichtlich bist du dir alles andere als sicher�, unterbrach ihn Stanley. �Aber angenommen, es war Virgilia. Was geht dich das an? Was f�r einen Unterschied w�rde es machen? F�r mich und Isabel keinen, das kann ich dir sagen. Bis auf den Nachnamen und die Verachtung des S�dens verbindet mich nicht das geringste mit meiner Schwester.�</p><p>�Hast du dich nie gefragt, wie es ihr geht?�</p><p>�Nie. Sie ist eine Diebin und eine Hure � und das sind noch die freundlichsten Bezeichnungen, die ich finden kann. Ich versp�re keine gro�e Lust, �ber Virgilia oder ein �hnlich unangenehmes Thema zu sprechen. Ich bin die ganze Nacht auf gewesen und m�chte in Ruhe und Frieden mein Fr�hst�ck verzehren. Wenn du willst, kann ich das auch an einem anderen Tisch tun.�</p><p>�Beruhige dich, Stanley. Bestell etwas, und ich bin still.�</p><p>Danach lie� die Unterhaltung zu w�nschen �brig. Stanley verzehrte ein gewaltiges Fr�hst�ck, w�hrend George diffuse Phantasiebilder eines Frauengesichts vor sich sah. Auf eine seltsame Weise waren beide Br�der �ber die Gesellschaft des anderen froh.</p><p>Gemeinsam verlie�en sie den Speisesaal. �Gehst du jetzt zur Arbeit?� erkundigte sich Stanley drau�en. George meinte, er w�rde die drei Blocks zum <emphasis>Evening Star</emphasis> gehen, um zu sehen, ob dort neue Nachrichten angeschlagen worden waren.</p><p>�Wenn�s um genaue Nachrichten geht, verlasse ich mich lieber auf die Korrespondenten. Ihr Burschen in Stantons B�ro ver�ffentlicht anscheinend nur das, was g�nstig ist, und unterdr�ckt den Rest.�</p><p>Die Beleidigung �rgerte Stanley, aber ihm fiel keine passende Antwort ein; ungl�cklicherweise hatte sein Bruder recht. Er begleitete ihn zur <emphasis>Star</emphasis>-Redaktion. Eine Menge von fast hundert Leuten dr�ngte sich um die langen, handbeschriebenen Papierstreifen, die drau�en hingen.</p><p>Das Neueste vom Kriegsschauplatz � � � � � � � � � � General Lee �berrascht General Stoneman f�llt den Rebellen mit seiner Kavallerie in den R�cken � � � � � � � � � � Feind bedroht Fredericksburg Unsere Virginia-Korrespondenten berichten von schrecklichen K�mpfen Samstag &amp; Sonntag bei Chancellorsville</p><p>M�rrisch sagte George: �Altes Zeug. Hab� ich alles gestern schon gelesen. Ich mu� los � �</p><p>�Wart einen Moment�, sagte Stanley. �Sie bringen gerade eine neue Nachricht raus.�</p><p>Die Menge fl�sterte erwartungsvoll, als ein Mann in Hemds�rmeln mit einem langen Bogen Papier in der Hand erschien. Er kletterte eine Leiter hoch und befestigte das Bulletin.</p><p>Erregende Neuigkeiten von der Armee! Hooker okay!!! � � � � � � � � � � Unsere M�nner vollbringen Wunder an Tapferkeit � Tausende von feindlichen Soldaten gefangen � � � � � � � � � � General Stonewall Jackson angeblich schwer verwundet</p><p>Fast augenblicklich kam die Reaktion.</p><p>�Wir haben gesiegt! Fighting Joe hat�s geschafft!�</p><p>�Soll�n nur diese Gefangenen herbringen, wir h�ngen sie schon auf.�</p><p>�Schau dir das an � Jackson hat gekriegt, was er verdient hat.�</p><p>Stanley zog an seiner Weste. �Wenn diese Berichte stimmen � �</p><p>George h�rte ihn nicht. Er dachte an Jackson, an den seltsamen, scheuen Presbyterianerjungen aus den H�geln von West-Virginia, der sein Freund geworden war. Er erinnerte sich daran, da� er ihn Tom genannt hatte und wie er mit ihm und Orry und Sam Grant nach der Eroberung von Mexico City zusammengesessen hatte.</p><p>Das Bulletin flatterte in der Brise. Die Erfahrung hatte George gelehrt, da� viele solcher Bulletins sich als v�llig oder teilweise falsch erwiesen. Bei diesem hier hatte er allerdings ein ungutes Gef�hl.</p><p>Er wandte sich an Stanley: �Was sagtest du?�</p><p>�Ich sagte, es wird ein Segen sein f�r die Union, wenn die Nachricht �ber Jackson stimmt. Sogar noch gr��er, wenn die Verwundung t�dlich sein sollte.�</p><p>�Halt die Klappe, Stanley. Spar dir deine d�mlichen Bemerkungen f�r die rachs�chtige Menge, mit der du auf so vertrautem Fu� stehst.�</p><p>�Ich sage �ber einen verdammten Verr�ter, was ich will und � �</p><p>�Nein, das tust du nicht. Er war mein Freund.�</p><p>Stanley �ffnete den Mund, schlo� ihn aber schnell wieder. Mit leicht gesenktem Kopf starrte ihn George noch einen Moment drohend an, dann drehte er sich mit steifem R�cken um und verschwand hinter der n�chsten Stra�enecke.</p><p>Jemand in der Menge hatte den Wortwechsel geh�rt. Ein Mann reckte Stanley sein Kinn entgegen. �Was sagte dieser Offizier eben? Dieser Stonewall war sein Freund?�</p><p>�Jeden, der sowas zugibt, sollte man lynchen�, sagte eine fette Frau.</p><p>�Ich teile diese Meinung�, erkl�rte Stanley. Er bedauerte, mit George gefr�hst�ckt zu haben, und �berlegte wieder einmal, ob er nicht Colonel Bakers Aufmerksamkeit auf George lenken sollte.</p><p><strong>78</strong></p><p>Sie w�rde daf�r b��en m�ssen, da� sie nach Washington fuhr, das wu�te Virgilia. Bei ihrer R�ckkehr nach Aquia Creek w�rde sie von der Frau, die erst k�rzlich als Leiterin der Krankenschwestern eingesetzt worden war, eine strenge R�ge erhalten; man konnte nicht einfach verschwinden, wenn so viele Verwundete von Chancellorsville eingeliefert wurden. General Hookers gro�er Vorsto� war zur�ckgeworfen worden, was in der Hauptstadt kaum bekannt war, wie Virgilia bemerkte.</p><p>Virgilias Gewissen hielt sie im Dienst fest, aber einige anderen Umst�nde waren st�rker. Fast vier Wochen hatte sie auf einen Gespr�chstermin bei Miss Dix warten m�ssen. Und sie mu�te etwas wegen ihrer immer unertr�glicher werdenden Situation unternehmen.</p><p>W�hrend ihres Interviews an dem Morgen, an dem George sie gesehen hatte, lobte sie die neue Oberschwester, Elvira Neal, die eine ordentliche Ausbildung genossen hatte. Dann kam sie zum eigentlichen Zweck des Gespr�chs. Sie bat um ihre Versetzung in ein anderes Krankenhaus. Ihre Worte sorgf�ltig w�hlend, sagte sie, da� anscheinend ihre Pers�nlichkeit und die der verwitweten Mrs. Neal nicht ganz zueinander pa�ten. Sie �u�erte ihre Meinung, da� sie getrennt voneinander wirkungsvoller arbeiten k�nnten.</p><p>�Und deswegen haben Sie zu solch einem kritischen Zeitpunkt Ihren Posten verlassen?� fragte Miss Dix. �Aus pers�nlicher Bequemlichkeit?�</p><p>Virgilias Temperament ging mit ihr durch. �Ich kann nichts Unrechtes dabei finden, so lange es besser � �</p><p>�Daran ist vieles unrecht, wenn man die Bedeutung des gegenw�rtigen Feldzugs in Virginia ber�cksichtigt. Ich werde Ihren Antrag in Erw�gung ziehen, aber das wird weder schnell gehen, noch stehe ich der Angelegenheit positiv gegen�ber. Sie haben sich bis jetzt gut gef�hrt, Miss Hazard, aber mit dieser Sache haben Sie sich einen schlechten Dienst erwiesen. Guten Morgen.�</p><p>Virgilia ging; lautlos verfluchte sie Miss Dix als eine verdammt sture Kuh.</p><p>Sie stieg wieder in die Kutschbahn und beruhigte sich nach und nach. Sie f�hlte sich wohl im Schwesterndienst. Deswegen war sie jetzt froh, da� sie nicht alle Anschuldigungen gegen Mrs. Neal vorgebracht hatte, die sie auf Lager hatte. Sie waren ohnehin mehr pers�nlicher als beruflicher Natur. Diese Frau war sentimental, eine Friedensdemokratin, die McClellan gar nicht genug loben oder M�nner wie Stevens und Stanton gar nicht genug kritisieren konnte.</p><p>Ich h�tte mir denken k�nnen, da� es so ausgeht, dachte sie. Ein kleiner Seufzer brachte ihr einen Blick von dem neben ihr sitzenden Mann ein. Er bemerkte ihren Busen und setzte zum Sprechen an. Ihre Augen funkelten gef�hrlich, und er wechselte den Sitz.</p><p>Eine wachsende Leere erinnerte sie daran, da� sie nichts mehr gegessen hatte, seit sie in dem billigen Hotel, in dem sie die Nacht verbracht hatte, erwacht war. Sie sah Willard�s an der n�chsten Ecke und stieg aus dem Wagen. Sie befand sich an der T�r zum Speisesaal, als eine Gruppe M�nner herauskam.</p><p>�Kongre�abgeordneter Stout � �</p><p>Er wandte sich um. Sie hielt den Atem an � w�rde er sie erkennen?</p><p>Ja! Er zog den Hut, den er gerade auf sein welliges, dunkles Haar hatte dr�cken wollen.</p><p>�Gentlemen, entschuldigen Sie mich. Eine alte Freundin. Ich danke Ihnen; wir werden die Angelegenheit weiterverfolgen.�</p><p>Sam Stout ignorierte das leicht unz�chtige Gekicher einiger seiner Freunde und sch�ttelte ihr die Hand.</p><p>�Miss Hazard. Wie geht es Ihnen?�</p><p>�Freut mich, da� Sie sich an meinen Namen erinnern.�</p><p>�Hatten Sie das Gegenteil angenommen? Was tun Sie in der Stadt?�</p><p>�Ich hatte einen Termin bei Miss Dix �ber dringende Verwaltungsangelegenheiten. Ich habe sehr ungern das Hospital verlassen, aber es ging nicht anders. Gibt es irgendwelche Nachrichten von General Hooker?�</p><p>�Nur das, was die Zeitungen bringen. Mein Freund Stanton bewacht den Telegraphen sehr sorgf�ltig.� Stout blickte sich um, musterte schnell alle M�nner und Frauen in der betriebsamen Halle. Er tat es ganz beil�ufig, ohne Aufmerksamkeit zu erregen, was Virgilias Bewunderung f�r ihn nur noch erh�hte.</p><p>Die Begegnung mit ihm versetzte sie in beschwingte Stimmung. Bei einem vorangegangenen Besuch in Washington hatte sie einige Nachforschungen �ber sein Privatleben angestellt. Er hatte keine Kinder; seine Frau, eine Jugendfreundin aus Indiana, war offensichtlich unfruchtbar. Au�erdem war sie mager, mit einer Brust so flach wie ein Brett.</p><p>Mit ernstem Gesicht sagte Stout: �Es w�re �u�erst interessant f�r mich, noch etwas �ber die gegenw�rtigen Zust�nde in den Hospit�lern zu h�ren. Ob sie �ber die n�tige Ausr�stung verf�gen, gen�gende Mengen von Bet�ubungsmitteln.�</p><p>Kluger Mann. Er sprach, den gleichen Vorwand wie sie damals benutzend, laut und deutlich, um gleich jeden Hauch von Unschicklichkeit abzubiegen. Ein Angestellter am Empfang hatte Stout erkannt und lauschte. �Ich glaube, hier entlang kommen wir zu einem ruhigen Salon, Miss Hazard. Wir k�nnten dort ein wenig plaudern, falls das Ihren Zeitplan nicht durcheinanderbringt.�</p><p>Sein direkter Blick dr�ckte aus, was er wirklich im Sinn hatte. Virgilia f�hlte sich schwindlig und begann, von ihrer Kleidung beengt, zu transpirieren. H�flich griff er nach ihrem Ellbogen und f�hrte sie den verlassenen Flur entlang. Der Salon, in dem verstreut kleine Tische und St�hle standen, war leer.</p><p>Stout war kein Narr; er lie� die T�r weit offen, obwohl er einen Tisch w�hlte, an dem sie von au�en nicht gesehen werden konnten.</p><p>�Ich mu� gestehen, Miss Hazard, Sie sehen wunderbar aus.� Die vibrierende Stimme klang tief in ihr nach, r�hrte etwas an.</p><p>Sei vorsichtig! sagte eine innere Stimme zu ihr. La� dich auf keinen beil�ufigen Handel ein. Er ist ein verheirateter Mann. Er kann nicht wie ein reifer Apfel gepfl�ckt werden.</p><p>�Danke, Kongre�abgeordneter.�</p><p>Mit beredter Geste zu einem pl�schigen Sessel: �M�chten Sie sich nicht setzen? Wie sind die Zust�nde in Aquia Creek?�</p><p>�Die Arbeit ist m�hsam, aber Sie wissen ja, wie sehr mir unsere Sache am Herzen liegt.�</p><p>�Das wei� ich noch sehr gut�, erwiderte er nickend. �Das ist einer der vielen Gr�nde, weshalb ich Sie bewundere.� Er studierte ihren Mund und l�chelte ein wenig. Sie f�hlte sich schwach. Er dr�ngte nicht.</p><p>�Unsere Vorr�te scheinen nie auszureichen�, fuhr sie fort.</p><p>�Trotzdem ist es eine bemerkenswerte Leistung, die Sie und die anderen Damen vollbringen.�</p><p>�Nie gut genug, um mich zu befriedigen, Kongre�abgeordneter.�</p><p>�Sam, wenn es Ihnen nichts ausmacht.�</p><p>�Gut. Mein Vorname ist � �</p><p>�Virgilia. Ein sch�ner Name.�</p><p>�Sie besitzen solch eine wunderbare Stimme, da� da jeder Name gro�artig klingt.�</p><p>Sein Blick wanderte zur Salont�r. Der Flur lag leer und still da. Er schien sich seinen n�chsten Zug zu �berlegen. Virgilias Augen ermutigten ihn. Schlie�lich sagte er: �Ich bedaure, da� unser erstes Treffen so entmutigend endete.�</p><p>�Ich glaubte, offen zu Ihnen sein zu m�ssen, obwohl ich Ihre Militanz den Rebellen gegen�ber sehr bewundere.� Sie war selbst von der Leichtigkeit �berrascht, mit der sie einen Unterton in ihrer Stimme mitschwingen lie�. Sie w�rde zwar nie so perfekt flirten k�nnen wie diese strohk�pfige Ashton Main, aber einiges hatte sie bereits gelernt.</p><p>Wieder wanderte sein Blick zum Flur. Nur das ferne Gemurmel aus der Hotelhalle war zu h�ren. Langsam hob er die rechte Hand von seinem Scho�. Wie tr�ge diese Hand schien, die sich da wie ein durch Luftstr�mungen segelnder wei�er Vogel auf ihr Mieder zubewegte. Sie begann zu zittern, pre�te die Beine zusammen, als sich sein Daumen auf ihre linke Brust legte und seine Finger die schwellende Rundung umfa�ten.</p><p>Sie legte ihre rechte Hand �ber die seine. Leise fl�sterte sie seinen Vornamen, schlo� dann die Augen. �Oh!�</p><p>Im Flur klapperte jemand mit einem Eimer. Schnell zog Stout die Hand zur�ck. Das alles hatte nicht l�nger als f�nf Sekunden gedauert, aber damit war all das gekl�rt worden, was zuvor nur unausgesprochen in der Luft gehangen hatte.</p><p>Ein �lterer Neger in Hotellivree tauchte mit einem Eimer in der Hand auf und begann eine Sandurne vor der Salont�r zu s�ubern. Als er fertig war, gl�ttete er den Sand und verschwand wieder.</p><p>Virgilias Gesicht f�hlte sich an, als h�tte jemand hei�es Wasser dar�ber gesch�ttet.</p><p>Stout beugte sich vor. �Ich m�chte Sie wiedersehen.�</p><p>�Mir geht es ebenso.�</p><p>�Unser n�chstes Treffen sollte in einer mehr privaten Atmosph�re stattfinden, meinen Sie nicht auch?�</p><p>Einen schwindelnden Augenblick lang geriet sie in Versuchung. Dann erinnerte sie sich daran, was sie zu verlieren � oder zu gewinnen hatte. Sie sch�ttelte den Kopf. Stouts polierte Fassade zeigte Risse.</p><p>�Ich sagte lediglich � �</p><p>�Auch ich f�hle � eine starke Anziehungskraft, Sam. Aber ich weigere mich, irgendeine � irgendeine Hinterhofaff�re anzufangen.�</p><p>Er legte einen Arm �ber seinen Sessel und betrachtete sie aufmerksam. �Ist immer noch meine Frau das Problem?�</p><p>�Ich f�rchte ja.�</p><p>Kalt sagte er: �Wenn Sie glauben, ich w�rde sie Ihretwegen oder wegen irgendeiner anderen Frau �ber Bord werfen, dann haben Sie sich get�uscht.�</p><p>�Ich habe nichts verlangt � �</p><p>�Das ist auch gar nicht notwendig, meine Liebe. Ihr Plan ist vollkommen klar. Ich nehme an, ich kann Ihnen nicht vorwerfen, da� Sie sich irgendwelche Hoffnungen machen, aber diese Hoffnung ist fehl am Platz. Ich w�rde nie aufs Spiel setzen, was ich in dieser Stadt erreicht habe � und noch erreichen will �, indem ich mich moralisch ins Abseits begebe. Haben Sie eine Ahnung, was einige meiner Anh�nger tun w�rden, wenn ich in einen Skandal verwickelt w�re? Sie w�rden mich abw�hlen � und Teer und Federn am Bahnhof bereithalten, wenn ich heimkomme.�</p><p>Nachdem er den erw�nschten Effekt erzielt hatte, griff er nach ihrer Hand. �Warum mu� Konvention ein Hindernis sein, Virgilia? Wir versp�ren doch beide den gleichen Wunsch und k�nnen ihn insgeheim befriedigen, ohne die Interessen irgendeiner Partei dabei zu verletzen.�</p><p>�Woher wollen Sie wissen, ob es so funktioniert, Kongre�abgeordneter? Sind Sie ein Experte in solchen Dingen?�</p><p>Seine Augen wurden frostig. Er griff nach Stock, Hut und Handschuhen. �Ich habe eine Verabredung. Hat mich gefreut, Sie zu sehen, Miss Hazard. Leben Sie wohl.�</p><p>�Leben Sie wohl.�</p><p>Er erreichte die T�r. Abrupt stand sie auf. �Sam � �</p><p>�Ja?�</p><p>Wie schwer es ihr doch fiel, das zu sagen, was gesagt werden mu�te. �Nichts. Ich kann von meinen Bedingungen nicht abr�cken.�</p><p>�Sie sind zu hoch, f�rchte ich. Viel zu hoch.� Er schenkte ihr ein weiteres L�cheln; ein ver�chtliches L�cheln diesmal, das sie treffen sollte. Seine gebeugte Gestalt verschwand den Flur hinunter.</p><p>Niedergeschlagen blieb sie sitzen. Wie dumm von ihr, mit solch schlechten Karten bluffen zu wollen. Zweifellos h�tte er die H�lfte der Washingtoner Frauen haben k�nnen.</p><p>Und doch, wenn sie an seine Augen dachte, dann wu�te sie, da� er sie haben wollte. <emphasis>Ihre</emphasis> Br�ste, <emphasis>ihre</emphasis> Person.</p><p>Was spielte es jetzt noch f�r eine Rolle? Sie hatte alle Tr�mpfe ausgespielt und trotzdem verloren. Oder war es vielleicht doch ein bi�chen voreilig, die Niederlage als endg�ltig zu betrachten? Wenn sie ihre Gunst so teuer anbot, dann konnte das m�glicherweise den Effekt haben, da� Stout sie nur um so st�rker begehrte.</p><p>Bei diesem Gedanken �berfiel sie die feste �berzeugung, da� sie Sam Stout nicht zum letztenmal gesehen hatte. Wo w�rden sie sich das n�chste Mal treffen? Das lie� sich nicht sagen. Aber ganz egal wo, es w�rde geschehen. Sie verlie� den Salon und eilte zuversichtlich den fernen Ger�uschen entgegen. Sie bemerkte, da� sie die verstohlenen Blicke der Gentlemen auf sich zog, als sie die Halle durchquerte.</p><p><strong>79</strong></p><p>�Es ist alles da�, sagte der Albino. �Wo ist das Geld?�</p><p>�Alles zu seiner Zeit � alles zu seiner Zeit!�</p><p>Bents kleine, dunkle Augen �berflogen die eng beschriebenen Seiten. Der Albino, ein sanfter, verletzlich aussehender Junge von achtzehn oder neunzehn Jahren, ging mit m�rrischem Gesichtsausdruck ein St�ck beiseite; er ri� einen Strohhalm aus einem der im Schuppen aufget�rmten Ballen und kaute darauf herum.</p><p>Bent las weiter. �Sie finden alles wie versprochen�, sagte der Albino. Es klang wie eine Beschwerde. �Komplettes Verzeichnis der Produktion bei Tredegar � Kanonen, Granath�lsen, Gesch�tzlafetten, Panzerplatten f�r Mr. Mallorys Panzerschiffe. Dazu eine lange Liste mit der jeweiligen Menge. Mein, �h, Freund, der die Informationen zusammengestellt hat, war einer von Joe Andersons Spitzenassistenten.�</p><p>Bent, aufmerksam geworden, r�usperte sich. �Sagtest du: war?�</p><p>�Jawohl, Mr. Bascom.� Geziert strich er sich mit der linken Hand das sch�ne, wei�e Haar von der Schulter. �Leider wurde er letzte Woche entlassen. Einige Unregelm��igkeiten bei Zahlungen.�</p><p>�Was f�r Unregelm��igkeiten?�</p><p>�Das hat was mit der Beg�nstigung von gewissen Lieferanten zu tun. Auf diesen Bericht wirkt es sich nicht aus. Der ist hundert Prozent zuverl�ssig.�</p><p>�Oh ja, das glaube ich auch�, sagte Bent nickend. Er faltete die Bl�tter zusammen und steckte sie in die Seitentasche seines zelt�hnlichen Rockes. In seinem neuen schwarzen Alpacca-Anzug, den schweren Stiefeln und dem breitkrempigen Hut �hnelte er einem respektablen Gesch�ftsmann.</p><p>Seine Gedanken rasten. Diese arme Kreatur hatte eben versehentlich eine verderbliche Information ausgeplaudert, als Kontaktmann war er nun nutzlos. Bent wu�te, da� er nun handeln mu�te, und er w�rde auch nicht z�gern; Baker hatte ihm viel Handlungsspielraum gelassen.</p><p>�Ich habe das Geld dabei.� Er w�hlte in einer Tasche. Der Albino leckte sich die Lippen. Eine Glocke ert�nte auf einem n�chtlichen Paketboot. Ein kurzes St�ck flu�ab, jenseits des Kanals, aber noch auf dieser Seite des Flusses, r�tete die ausgedehnte Tredegar-Gie�erei die Nacht und f�llte sie mit dem L�rm ihrer Maschinen.</p><p>Bent befand sich noch nicht lange in dieser Abteilung, aber einige der Feinheiten hatte er bereits gelernt. Ein inaktiver Kontaktmann war potentiell gef�hrlich. Der Albino wu�te, da� Bent ein Spion der Union war. Er konnte Bent jederzeit den Beh�rden melden. Oder er konnte, nachdem Bent Richmond verlassen hatte, ein bi�chen zuviel reden und so Bents Risiko bei einer m�glichen R�ckkehr erh�hen.</p><p>Der Albino sagte: �Wie Sie wissen, mu� ich den Betrag mit meinem Freund teilen, der die Informationen geliefert hat. In so schweren Zeiten wie diesen ist jeder zus�tzliche Dollar willkommen. Was meinen Freund anbelangt, so geh�re ich nicht ausschlie�lich ihm, falls Sie also Lust haben sollten � �</p><p>�Ein andermal�, sagte Bent, nur kurzfristig in Versuchung gef�hrt. Er mu�te Pflicht und Vergn�gen getrennt halten. Abgesehen davon hatte der kleine Schweinehund vielleicht eine Krankheit. �Ich glaube, damit w�re unser Gesch�ft beendet.� Er reichte dem Albino das Geld. �Geh du zuerst. Ich l�sche die Laternen und folge in wenigen Minuten nach.�</p><p>�In Ordnung, Mr. Bascom.� Der Albino klang entt�uscht.</p><p>��brigens � befindet sich dein Freund noch in Richmond?� Sein Entschlu� stand zwar fest, aber die Antwort k�nnte die L�nge seines Aufenthalts in der Stadt beeinflussen.</p><p>Unerwarteterweise sagte der Albino: �Nein, Sir. Er ist f�r ein paar Tage nach Charlottesville heimgefahren, um sich zu fassen. Es war ein schwerer Schlag f�r ihn, von Joe Anderson rausgeworfen zu werden. Er hat zehn Jahre bei Tredegar gearbeitet.�</p><p>�Traurig�, erkl�rte Bent. Die Nervenanspannung lie� sein Herz jetzt schnell schlagen. Der Albino warf ihm einen letzten bittenden Blick zu.</p><p>�Also dann � gute Nacht, Mr. Bascom.�</p><p>�Gute Nacht.�</p><p>W�hrend der Albino zur T�r schlenderte und nach dem Haken griff, �ffnete Bent lautlos sein Klappmesser. Die lange Klinge blitzte im Schein der Laternen auf.</p><p>Der Albino h�rte den schnellen, schweren Schritt und sp�hte �ber die Schulter. Bevor er aufschreien konnte, lag Bents linker Ellbogen um seine Gurgel. Mit aller Kraft stie� er dem Albino das Messer in den R�cken. Die Klinge traf auf Widerstand. Er stie� weiter, drehte das Messer erst in die eine, dann in die andere Richtung. Der Albino zerrte an Bents linkem Arm, aber es fehlte ihm an Kraft. Seine Schuhe scharrten �ber den Boden. Schlie�lich fiel der leichte K�rper schlaff in sich zusammen.</p><p>Bent zog sein blutiges Messer heraus und w�rgte nur einmal kurz. Er war �berrascht und erfreut, da� er sich zu dieser Art von Arbeit eignete. Da er den Freund des Albinos nie getroffen hatte, war er sicher, da� dieser nie Mr. Bascom mit einem gewissen Mr. Dayton aus Raleigh, North Carolina, in Verbindung bringen konnte, der vor�bergehend in einem der billigeren Logierh�user der Stadt abgestiegen war.</p><p>Er verbarg die Leiche unter Strohballen, nachdem er die Taschen des toten Jungen geleert hatte; Baker w�rde froh sein, das Bargeld anderweitig einsetzen zu k�nnen. Nach einer nochmaligen sorgf�ltigen Inspektion der Umgebung l�schte Bent die Laternen und trat in die laue Mainacht hinaus. Er ging ein kurzes St�ck am Kanal entlang und bog dann nach links ab, in Richtung des Zentrums der Stadt, die um eine Legende trauerte.</p><p>Der n�chste Tag war Mittwoch, der 13. Mai. In voller Uniform, einschlie�lich der Sch�rpe und des S�bels aus Solingen, marschierte Orry mit vielen anderen Offizieren der Konf�deration in der Beerdigungsprozession mit.</p><p>Hinter den Offizieren folgten Hunderte von Angestellten und untergeordneten Offiziellen aus Parlament und Stadtverwaltung. Direkt vor Orry ging sein Chef, Seddon, sein Freund Benjamin und andere Kabinettsmitglieder; noch davor die schwarz geschm�ckte Kutsche des Pr�sidenten und Mrs. Davis.</p><p>Ganz vorn wurde von einem einzelnen Soldaten das Lieblingsstreitro� des Generals, Old Sorrel, gef�hrt. Vor Old Sorrel der schwarze Leichenwagen mit den sterblichen �berresten von Thomas Jonathan Jackson, die Pferde mit schwarzen Federb�schen geschm�ckt; als Ehrengarde ging je ein General neben den vier R�dern.</p><p>Jackson war am Sonntag gestorben, nachdem die Wunde seinen ganzen K�rper vergiftet hatte; in einem vergeblichen Versuch, sein Leben zu retten, hatten die �rzte seinen linken Arm amputiert. Den ganzen gestrigen Tag hatte er aufgebahrt im Gouverneursgeb�ude gelegen, die Nationalflagge �ber den Sarg drapiert. Als sein K�rper f�r die Prozession zum Capitol Square fertig gemacht wurde, war Jacksons Witwe zusammengebrochen und weggef�hrt worden. Auf jeder Seite der Marschroute sah Orry tr�nen�berstr�mte Gesichter. Nichts hatte die Konf�deration in letzter Zeit so tief getroffen wie Jacksons Tod. Seddon hatte Orry gestern zugefl�stert, als sie neben der Totenbahre standen, da� Lee fast untr�stlich sei.</p><p>Die Prozession betrat Capitol Square durch die Westtore; Orry entdeckte seine Frau bei einer Gruppe von Damen, zu der auch Mrs. Stanard geh�rte, eine der <emphasis>Grandes Dames</emphasis> der �rtlichen Gesellschaft. Benjamin hatte f�r eine Empfehlung gesorgt, und Mrs. Stanard hatte sofort Gefallen an Madeline gefunden und ihr mitgeteilt, da� sie f�r Orrys Schwester, Mrs. Huntoon, nichts �brig habe.</p><p>Madelines Anblick heiterte ihn ein bi�chen auf. Ansonsten gab es kaum Anla� zur Heiterkeit. Im Westen ging Sam Grant erbarmungslos gegen Vicksburg vor. M�nner senkten nicht mehr die Stimmen, wenn sie �ber die Absetzung von Davis diskutierten. Und unter General Winders Beamten herrschten weiterhin furchtbare Zust�nde in den �berf�llten Gef�ngnissen, trotz h�ufiger Proteste von Orry und anderen.</p><p>Cooper befand sich seit fast einem Monat in Richmond. Sein B�ro lag in einem anderen Geb�ude, so da� Orry ihm nur selten begegnete. Als Folge des Todes seines Sohns hatte sich Cooper auf tragische Weise ver�ndert. Er k�mmerte sich um nichts weiter als um seine Arbeit f�r Marineminister Mallory, dem Orry nicht �ber den Weg traute.</p><p>Vor kurzem war bei Orry und Madeline ein Besucher aus Spotsylvania County eingetroffen: die intelligente, elegante, gelegentlich scharfz�ngige Witwe, der Cousin Charles romantische Gef�hle entgegenbrachte. Mit ihren beiden Negern war Augusta Barclay von Fredericksburg gekommen und hatte sich auf dem Sofa im Wohnzimmer h�uslich niedergelassen, zumindest f�r die Zeit, bis Hookers R�ckzug �ber den Rapidan zur Gewi�heit werden w�rde.</p><p>Charles war eindeutig verliebt. Die Witwe Barclay sagte das zwar nicht direkt, aber aus der Art, wie sie �ber seinen Cousin sprach, ging das f�r Orry ziemlich klar hervor. Und Orry stand ebenso wie Madeline der Witwe ziemlich positiv gegen�ber. Bevor sie wieder reiste, sagte Augusta Barclay dreimal, da� sie sich nur zu gern f�r die gro�z�gige Gastfreundschaft erkenntlich zeigen w�rde und sie sollten nicht z�gern, sie zu besuchen. Orry hielt das Angebot f�r aufrichtig.</p><p>Die Halle im Repr�sentantenhaus war mit Blumend�ften erf�llt. Widerstrebend stellte sich Orry in die Reihe der Offiziere, die sich auf den offenen Sarg zuschoben. Als es an ihm war, einen Blick auf den b�rtigen Kopf auf dem Satinkissen zu werfen, w�re er dazu beinahe nicht in der Lage gewesen. Inmitten der Lilien senkte Orry den Kopf und weinte.</p><p>Irgendwie dr�ngte sich Madeline durch die Menschenmenge, nahm seinen Arm und hielt ihn ganz fest, bis er sich wieder gefa�t hatte.</p><p>Wie ein Elefant w�hlte sich Bent an diesem Nachmittag gegen ein Uhr aus seinem Bett. Gestern nacht hatte er ein Hurenhaus besucht und eine Schwarze ordentlich hergenommen. In der Morgend�mmerung war er in die Pension zur�ckgekehrt, zu einer Zeit, wo ihn bestimmt niemand fragen w�rde, ob er an Jacksons Beerdigungsparade teilzunehmen gedachte. Er jedenfalls hatte ganz gewi� nicht die Absicht, den Tod des Verr�ters durch seine Anwesenheit zu w�rdigen.</p><p>Bent seifte sein Gesicht ein und holte sein Rasiermesser hervor. Er war erstaunt �ber die Leichtigkeit, mit der er bis jetzt seine Mission erf�llt hatte. Nat�rlich hatte er Vorsichtsma�nahmen getroffen � er war mit zwei Pistolen und einem versteckten Messer nach Richmond gekommen �, aber der Rest war geradezu l�cherlich einfach gewesen. Wann immer er angehalten wurde, zeigte er lediglich den von Bakers Spezialisten gef�lschten Pa�. Die Sprache bereitete ihm keine Schwierigkeiten, weil er sich in einem Teil des S�dens befand, in dem der gequetschte Akzent der Baumwollstaaten fremdl�ndisch klang. Abgesehen davon waren �berall in der Stadt Yankees � vor allem Huren und Spekulanten � zu finden.</p><p>Was die weiblichen Eindringlinge anbelangte, so hatte ihm ein Barmann einen guten Rat gegeben: �K�mmern Sie sich keine Minute um die Sicherheit von Richmond, bis Sie die Huren aus Baltimore Fahrkarten kaufen sehen. Dann sollten Sie sich Sorgen machen.�</p><p>Die Informationen �ber Tredegar in einer Spezialtasche in seinem Jackenfutter verborgen, trottete er zum Capitol Square und stellte sich in die Reihe der vorw�rts schlurfenden Leute, die in einer absto�enden Art und Weise um den toten Verr�ter weinten. Als er die Totenbahre erreichte, erkannte er kaum den Mann, der da lag. Aber er bem�hte sich um einen trauernden Gesichtsausdruck und wischte sich �ber ein Auge, bevor er weiterging.</p><p>Beim Anblick von zwei Leuten, die weiter hinten in der Reihe standen, fuhr er zusammen: ein Mann mit runden Brillengl�sern, fast so schwer wie er selbst, und eine Frau, deren dunkle Sch�nheit vage Erinnerungen in ihm weckte. Er n�herte sich einem Offizier.</p><p>�Entschuldigung, Major � kennen Sie zuf�llig das Paar dort dr�ben? Ich glaube, die Dame k�nnte eine entfernte Verwandte meiner Frau sein.�</p><p>Der Offizier konnte ihm nicht helfen, aber ein Mann mit dem gelackten Aussehen eines hohen Regierungsbeamten hatte die Worte geh�rt und sagte: �Oh, das ist Huntoon. Aus South Carolina. Er bekleidet eine untergeordnete Stelle im Schatzamt.�</p><p>Bent zitterte fast vor Erregung. �South Carolina, sagen Sie? Ist der M�dchenname seiner Frau zuf�llig Main?�</p><p>Die Frage kam mit solcher Intensit�t, da� der Zivilist Verdacht sch�pfte. �Das kann ich Ihnen nicht sagen.� Der Zivilist entschuldigte sich und ging davon.</p><p>Bent eilte auf den Platz und dr�ckte sich herum, bis das Paar auftauchte und in eine viersitzige Kutsche stieg, die von einem alten Neger gefahren wurde. Die Kutsche rollte an Bent vorbei; die Frau beachtete weder ihn noch ihre Umgebung. Sie kam Bent ungemein arrogant vor, aber sie �hnelte eindeutig Orry Main. Das war schon eine Nachforschung wert.</p><p>Jetzt, wo er seine erste Mission problemlos hinter sich gebracht hatte, steckte er voller Selbstvertrauen. Spontan beschlo� er, noch einen weiteren Tag in der Hauptstadt der Konf�deration zu riskieren.</p><p>In dieser Nacht ging er im Bett seinen Plan durch. Am n�chsten Morgen besuchte er in aller Fr�he das Postamt. Er stellte sich als Mr. Bell aus Louisville vor und �berredete den Angestellten mit einem zusammengefalteten Schein, ihm aus einem dicken Buch die Adresse von James Huntoon herauszusuchen.</p><p>In einer Mietkutsche fuhr Bent zweimal an der Residenz in der Grace Street vorbei. Dann suchte er in der Stadt nach einem Laden, in dem er viel zu teures Leinen kaufte, das sich f�r Verb�nde und Bandagen verwenden lie�. Die n�chsten paar Stunden tr�delte er in seiner Pension herum. Er wollte erst sp�t am Tag seinen Besuch machen, kurz bevor die Regierungsb�ros schlossen.</p><p>Gegen vier marschierte er zur Grace Street. In einer Gasse, zwei H�userblocks vor seinem Ziel, band er das Leinen zu einer Schlinge zusammen und steckte seinen linken Unterarm hindurch. Ein paar Minuten sp�ter lie� ihn der gleiche Schwarze, der die Kutsche gefahren hatte, ins Foyer.</p><p>�Ja, Miz Huntoon zu Haus, aber erwartet keinen Besuch.�</p><p>�Ich bin nur kurz in der Stadt. Sag ihr, es sei wichtig.�</p><p>�Wie war Name, Sir?�</p><p>�Bellingham, Captain Erasmus Bellingham, auf Urlaub von General Longstreets Corps.�</p><p>Homer f�hrte Bent in einen kleinen Salon und trottete davon. Bent war zu nerv�s, um sich hinzusetzen. Er marschierte auf und ab; der Schwei� lief ihm �ber den R�cken. Gerade, als er sich entschlossen hatte zu verschwinden, kam Ashton Huntoon hereingerauscht; sie machte einen verschlafenen und m�rrischen Eindruck. �Captain Bellingham?�</p><p>�Erasmus Bellingham, zur Zeit bei General � �</p><p>�Das hat mir mein Nigger bereits erz�hlt.�</p><p>�Es ist mir sehr unangenehm. Sie ohne Vorwarnung st�ren zu m�ssen, Ma�am � � Ihr Gesichtsausdruck machte deutlich, da� es ihr mindestens genauso unangenehm war. Obwohl die �hnlichkeit mit ihrem Bruder ihn automatisch in Rage brachte, behielt Bent sein �liges L�cheln bei. �Meine Zeit hier in Richmond ist jedoch knapp bemessen. Ich habe mich fast von der Verwundung erholt, die ich bei der Belagerung von Suffolk erhielt. Bevor ich zu Longstreets Kommando zur�ckkehre, wollte ich einige Nachforschungen �ber einen alten Bekannten anstellen.�</p><p>�Sie klingen nicht wie ein S�dstaatler, Captain.�</p><p>Mistst�ck. Sein L�cheln wurde breiter. �Oh, es gibt alle m�glichen s�dlichen Akzente, finde ich. Tats�chlich bin ich am Ostufer von Maryland aufgewachsen. Ich meldete mich sofort, als die Konf�deration zu den Waffen rief.�</p><p>�Wie interessant.� Ashton verbarg ihre Langeweile nicht.</p><p>Bent erkl�rte, er habe geh�rt, da� einer seiner Klassenkameraden aus West Point in Richmond stationiert sei. �Gestern abend unterhielt ich mich in meiner Pension mit einem Gentleman, und als ich meinen Klassenkameraden erw�hnte, brachte er sie und Ihren Gatten ins Gespr�ch. Er meinte, Sie stammten ebenfalls aus South Carolina und Ihr M�dchenname sei mit dem seinen identisch.�</p><p>�Hei�t Ihr Klassenkamerad Orry Main?�</p><p>�Ja.�</p><p>Sie reagierte, als h�tte er einen Spucknapf �ber ihr ausgeleert. �Er ist mein �lterer Bruder.�</p><p>�Ihr Bruder�, echote Bent. �Nein, welch ein au�ergew�hnlicher Zufall! Ich hab� ihn seit Jahren nicht mehr gesehen. Ich glaube mich zu erinnern, da� er sehr liebevoll von Ihnen gesprochen hat.�</p><p>Mit einem Spitzentaschentuch betupfte Ashton ihre Oberlippe. �Das bezweifle ich.�</p><p>�Bitte, sagen Sie mir, ist Orry in Richmond?�</p><p>�Ja, zusammen mit seiner Frau. Ich sehe sie beide nicht. Aus eigenem Entschlu�.�</p><p>�Ist er zuf�llig in der Armee?�</p><p>�Er ist Lieutenant-Colonel im Kriegsministerium.� Ihre R�cke raffend, erhob sich Ashton. �Sonst noch was?�</p><p>�Nur noch seine Privatadresse, wenn Sie so freundlich sein � �</p><p>�In der Marshall Street, nahe beim Wei�en Haus. Ich bin nie dort gewesen. Guten Tag, Captain Bellingham.�</p><p>Bent schaffte es trotz des groben Rausschmisses, die Stra�e zu erreichen, ohne sich seine Wut anmerken zu lassen. Er hatte eine kurze, schwindelerregende Vision, wie er Ashton Huntoon die Kleider vom Leibe ri� und sie gewissen Bestrafungen unterwarf, die auch ihm ein perverses Vergn�gen bereiten w�rden.</p><p>Die geh�ssige Stimmung verflog. In einer Seitengasse warf er die Armschlinge weg. Orry Main war hier. Er sollte schnurstracks ins Kriegsministerium marschieren, Main an seinem Schreibtisch �berraschen und ihm einen Schu� direkt zwischen die �</p><p>Nein. Das w�rde nicht nur sein Leben gef�hrden, es w�rde ihn um den Genu� seiner Rache bringen. Au�erdem mu�te er an seinen neuen Job denken. Baker w�rde ihn in Washington erwarten. Er sollte sein Pferd aus dem Stall holen und auf der Stelle aufbrechen.</p><p>Statt dessen beschlo� er, noch eine Nacht zu bleiben. Er wollte mit dem Terrain vertraut sein, wenn er, was zweifellos der Fall sein w�rde, in anderer Mission nach Richmond zur�ckkehrte. Er wollte genau wissen, wo er Orry Main finden konnte.</p><p>Es bereitete ihm keine Schwierigkeiten, am n�chsten Tag die B�ros des Kriegsministeriums zu finden. Eine halbe Stunde lang beobachtete Bent das Geb�ude, ging aber nicht hinein. Die Wohnung in der Marshall Street im eleganten Court-End-Bezirk zu finden, erwies sich als schwieriger. Mit ein paar M�nzen mu�te er nachhelfen, bis ihm ein kleiner Negerjunge endlich das Haus zeigte.</p><p>Er n�herte sich von der gegen�berliegenden Stra�enseite. Unter der Krempe seines schwarzen Hutes hervor beobachtete er das Haus und bekam einen Schock, als eine sehr h�bsche Frau mit einem Sonnenschirm heraustrat und sich nach links wandte.</p><p>Bent hatte das Gef�hl, ein Blitzschlag habe ihn getroffen. Die Frau, die da vorbeiging, war ihm sofort vertraut, weil er sie � oder eine ihr sehr �hnliche Person � schon oft betrachtet hatte: auf der in New Orleans gestohlenen Leinwand. Diese Frau hier, Mund, Nase, Farbe der Augen und des Haares, war nicht identisch mit der Frau auf dem Gem�lde. Aber an der gro�en �hnlichkeit gab es nicht den geringsten Zweifel.</p><p>Schwitzend stolperte Bent die Stufen zu dem Haus hoch und klingelte. Eine kleine, gebrechliche alte Frau �ffnete. Er zog den Hut.</p><p>�Bitte um Entschuldigung, Ma�am, ich habe gesch�ftlich mit einer Mrs. Wadlington zu tun, die ich nicht pers�nlich kenne. Man hat mir erz�hlt, sie wohne in diesem Block hier. Ich bin eben an einer Lady vorbeigekommen, auf die ungef�hr die grobe Beschreibung zutrifft, die ich erhalten habe. Die Lady kam aus dieser T�r hier, deshalb frage ich mich � �</p><p>�Das ist Colonel Mains Frau. Nie was geh�rt von einer Mrs. Wadlington, und ich kenne jeden. Sie kenne ich nicht.� <emphasis>Wumm.</emphasis></p><p>Au�er Atem, aber in Hochstimmung walzte Bent davon. Endlich hatte sich das Gl�ck ihm zugewandt. Zuerst die Verbindung mit Baker und jetzt das. Orry Main, ein hoher Offizier, war mit einer Niggerhure verheiratet � und er besa� den Beweis daf�r. Wie er diesen Beweis einsetzen w�rde, das konnte er jetzt noch nicht entscheiden; daf�r war er viel zu erregt. Aber in irgendeiner Form w�rde er ihn verwenden, da war er sich ganz sicher.</p><p>�Mord! Geheimnisvolle Messerstecherei am Kanal!�</p><p>Der Ruf des Zeitungsjungen auf der Broad Street unterbrach seine rachs�chtigen Tr�umereien. Er kaufte eine Zeitung und �berflog sie. Die K�lte der Panik verdr�ngte sein freudiges Delirium. Sie hatten die Leiche von Bents Informanten gefunden.</p><p>In weniger als einer Stunde hatte Bent seinen Koffer gepackt, sein Zimmer aufgegeben, sein Pferd gesattelt und die Stadt auf der Stra�e nach Norden verlassen.</p><p><strong>80</strong></p><p>Am gleichen Abend stand Cooper knietief im James River und nieste vor sich hin.</p><p>Er hatte sich erk�ltet. Es spielte keine Rolle, genauso wenig wie der elende, ersch�pfte Zustand seines Assistenten und der beiden Helfer. �Noch mal�, sagte er. �Richtet die Granate her.�</p><p>�Mr. Main, es ist fast dunkel�, sagte sein Assistent, ein ernsthafter, aber vollkommen untalentierter Junge namens Lucius Chickering. Der neunzehnj�hrige Chickering, ein Aristokrat aus Charleston, hatte sich an Mallorys Marineakademie eingeschrieben und war in schneller Folge nacheinander in Astronomie, Navigation und Seemannskunst durchgefallen und schlie�lich entlassen worden. Nur der Einflu� seines Vaters hatte ihn vor der absoluten Schande bewahrt; im verachteten Marineministerium fand man einen Job f�r ihn. Cooper mochte Chickering, auch wenn er wu�te, da� der Junge keinem Menschen seinen Arbeitsplatz verriet.</p><p>Lucius Chickering besa� eine gewaltige Nase mit einem H�cker in der Mitte. Seine oberen Z�hne ragten �ber seine Unterlippe, und er hatte mehr Sommersprossen, als ein einzelner Mensch verkraften konnte. Seine H��lichkeit machte ihn irgendwie sympathisch. Und mit der sp�ten Stunde hatte er durchaus recht.</p><p>Cooper gab seinem Assistenten zur Antwort: �Wir haben Zeit. Wenn ihr alle zu faul seid, dann mach� ich das selber.�</p><p>Seit Tagesanbruch hatte er nichts mehr gegessen. Den ganzen Tag waren sie schon hier unten in dem Binsengel�nde, eine Meile von der Stadtgrenze entfernt, und m�hten sich mit diesen Treibholztorpedos ab. Sie hatten keinen einzigen Erfolg verbuchen k�nnen, und Cooper wu�te auch, warum. Das Konzept war falsch.</p><p>Das Hauptproblem bestand darin, da� die Bewegung des Treibholzes, in dem der Metallkanister mit dem Pulver befestigt war, in der Flu�str�mung � und damit auch im Gezeitenstrom eines Hafens � unberechenbar war. Sehr h�ufig knallte das falsche Torpedoende gegen das Testziel. Kein einziger ihrer Versuchstorpedos war detoniert.</p><p>Als Cooper sich ans Werk machte, explodierte Chickering. �Mr. Main, ich mu� protestieren. Sie haben uns den ganzen Tag wie Arbeitssklaven schuften lassen, und jetzt sollen wir weitermachen, obwohl wir kaum noch was sehen k�nnen.�</p><p>�Richtig�, sagte Cooper, sein K�rper ein schwarzes Schilfrohr gegen den dunkelroten Himmel. �Wir haben Krieg, Mr. Chickering. Wenn Ihnen die Arbeitsbedingungen nicht zusagen, dann bitten Sie um Ihre Entlassung und gehen zur�ck nach Charleston.�</p><p>Lucius Chickering blickte seinen Vorgesetzten finster an. Cooper Main sch�chterte ihn ein und brachte ihn gleichzeitig in Wut.</p><p>�Sir, bei allem Respekt�, nachdem er sich etwas Luft verschafft hatte, war Chickering nun ruhiger, �weshalb machen wir mit diesen sinnlosen Experimenten weiter? Unsere Arbeit ist so albern, da� sich alle anderen Abteilungen �ber uns lustig machen.�</p><p>�Seien Sie dankbar, Lucius. H�mische Bemerkungen k�nnen einen nie so treffen, wie es bei Kugeln der Fall ist.�</p><p>Chickering verf�rbte sich bei der Andeutung, er k�nnte sich vor gefahrvollem Dienst dr�cken. Cooper begann seine scharfen Worte zu bedauern. Junge Leute lie�en sich nun mal von anderen beeinflussen. Chickering hegte eine verst�ndliche Abneigung gegen eine Abteilung, die st�ndig angegriffen wurde wegen Mi�wirtschaft und Projekten, die den Gehirnen von Idioten entsprungen zu sein schienen. Doch der Junge, wie so viele andere auch, begriff einfach nicht, da� man allen Dreck durchsieben mu�te, wenn man einen Goldnugget zu finden hoffte.</p><p>Cooper hatte sich mit blindw�tiger Energie in die Suche nach diesem Goldnugget gest�rzt. H�tte er seine Abteilung nicht gehabt, er w�rde wohl kaum �berlebt haben. Hinzu kam noch, da� er an seine Arbeit glaubte; er und Mallory �hnelten sich in diesem und anderen Punkten. Beide hatten sie anfangs die Idee der Sezession verabscheut � zu Beginn des Krieges. Mallorys Worte waren h�ufig zitiert worden: �F�r mich ist das lediglich ein anderer Name f�r Revolution�, aber nun waren sie beide Falken geworden.</p><p>Als der Wagen auf die von Lampen erhellten H�gel zuratterte, fragte sich Cooper, wie sp�t es wohl sein mochte. Er w�rde ziemlich sp�t nach Hause kommen. Judith w�rde �rgerlich sein. Wieder einmal. Nun, ihm war es egal.</p><p>Der Wagenfahrer lie� ihn vor dem Mechanics Institute aussteigen und w�nschte ihm mit m�rrischer Stimme eine gute Nacht. Cooper st�rte sich nicht an der Mi�billigung; der Kerl kapierte nichts vom verzweifelten Kampf der Konf�deration oder von den Problemen des Ministeriums, die Mallory in zwei Worten zusammenfa�te: �nie genug�. Nie genug Zeit. Nie genug Geld. Nie genug Kooperation. Sie improvisierten und lebten von ihrem Geschick. Das erzeugte zwar einen gewissen Stolz, aber daf�r brachte einen die Arbeit auch fast um. Cooper nahm an, da� sich Mallory noch in den B�ros im zweiten Stock befand, und so war es auch. Alle waren schon gegangen bis auf den stets entgegenkommenden Mr. Tidball, einen der drei Assistenten des Ministers, der gerade seinen Schreibtisch absperrte, als Cooper eintrat.</p><p>�Guten Abend�, sagte Tidball und zog der Reihe nach an jeder Schreibtischschublade. Tidball besa� nicht die geringste Phantasie, daf�r aber au�erordentliche organisatorische F�higkeiten. Er erg�nzte die anderen beiden Mitglieder des Trios � Commodore Forrest, ein aufbrausender alter Fahrensmann, der viel von Seemannskunst verstand, und Cooper, der eine Art Verl�ngerung von Mallorys eigener erfinderischer Natur darstellte. Diese beiden M�nner zogen ein �Versuchen wir�s� einem �Aus diesem oder jenem Grund k�nnen wir das nicht� jederzeit vor.</p><p>�Er wartet auf Sie�, sagte Tidball mit einem Nicken zum inneren B�ro. Tidball ging hinaus, und Cooper betrat das B�ro, in dem der Minister beim Schein einer Lampe mit gr�nem Glasschirm Ingenieurszeichnungen betrachtete.</p><p>�Hallo, Cooper�, sagte Mallory. Er war ein rundlicher Mann von f�nfzig, in Trinidad geboren und gr��tenteils in Key West von einer irischen Mutter und einem Yankeevater aus Connecticut aufgezogen. Er besa� eine schiefe Nase, dicke Backen und helle, blaue Augen, die oft vor Erregung funkelten.</p><p>�Gl�ck gehabt?�</p><p>Cooper nieste. �Nicht die Spur. Das Hauptproblem haben wir ja bereits bei der ersten Untersuchung der Pl�ne festgestellt. Ein Torpedo, an Treibholz befestigt, tut nur eines mit Sicherheit � treiben. Ohne F�hrung brennt das Ding eher ein Loch in Fort Sumter, als da� es einen Yankee versenkt. Die Wahrscheinlichkeit, da� es Wochen und Monate im Hafen von Charleston rumtreibt, stets eine potentielle Gefahr, ist am gr��ten. Wird alles in meinem Bericht stehen.�</p><p>�Sie empfehlen, wir sollen die Sache vergessen?� Cooper fiel auf, da� der Minister heute abend ungemein ersch�pft wirkte.</p><p>�Auf jeden Fall.�</p><p>�Na, wenigstens das ist eindeutig. Ich wei� es zu sch�tzen, da� Sie den Test durchgef�hrt haben.�</p><p>�General Rains hat den Wert von Torpedos bei Landoperationen nachgewiesen�, sagte Cooper und setzte sich auf einen harten Stuhl. �Die Yankees m�gen das f�r unmenschlich halten, aber es funktioniert. Wir k�nnen sie einsetzen, wenn wir die richtige Methode finden, sie ins Ziel zu bringen, und wenn wir daf�r sorgen, da� sie explodieren.�</p><p>�Stimmt alles. Aber wir kommen damit verdammt langsam voran.�</p><p>�Die Abteilung ist �berfordert, Stephen. Vielleicht ben�tigen wir eine Extra-Gruppe zur Weiterentwicklung auf systematischer Basis.�</p><p>�Eine Torpedo-Abteilung?�</p><p>Cooper nickte. �Captain Maury w�re der ideale Leiter daf�r.�</p><p>�Ausgezeichneter Gedanke. Vielleicht kann ich die n�tigen Mittel auftreiben.� Cooper schniefte, und Mallory f�gte hinzu: �H�rt sich ja schrecklich an.�</p><p>�Ich habe eine Erk�ltung, das ist alles.�</p><p>Mallory schaute skeptisch drein. Schwei� gl�nzte auf Coopers Stirn. �Zeit f�r Sie, heimzugehen und eine warme Mahlzeit zu essen. Dabei f�llt mir ein, Angela dr�ngt darauf, da� Sie und Judith endlich mal mit uns zusammen zu Abend essen.�</p><p>Cooper sackte noch tiefer auf seinem Stuhl zusammen. �Wir haben schon drei Einladungen von meinem Bruder ausgeschlagen.�</p><p>�Ich wei� Ihren Einsatz zu sch�tzen. Aber Sie m�ssen sich auch etwas Freizeit g�nnen. Sie k�nnen nicht st�ndig arbeiten.�</p><p>�Warum nicht? Ich habe offene Rechnungen zu begleichen.�</p><p>Mallory r�usperte sich. �Also gut. Ich wollte Ihnen noch was anderes zeigen, aber das kann bis morgen warten.�</p><p>Cooper schob seinen langen K�rper in die H�he. �Es geht jetzt auch.� Er ging um den Schreibtisch und betrachtete die oberste Zeichnung, die ein seltsames Schiff mit einer L�nge von vierzig Fu� zeigte; Heck und Bug waren wie eine Zigarre geformt. �Was zum Teufel soll das sein? Schon wieder ein Tauchboot?�</p><p>�Ja�, sagte Mallory und deutete auf einen dekorativen Streifen in der unteren rechten Ecke, wo in Zierschrift <emphasis>H. L. Hunley</emphasis> stand. �Das ist der Name des Schiffes. Im Begleitbrief steht, da� Mr. Hunley, ein gutsituierter Zuckermakler, f�r das Konzept und einen Teil des Konstruktionsgeldes verantwortlich zeichnet. Sie wurde in New Orleans gebaut. Ihre Konstrukteure transportierten sie nach Mobile, bevor die Stadt fiel. Diese Gentlemen hier machen die Sache fertig.� Er tippte auf eine Zeile darunter: <emphasis>McClintock &amp; Watson, Marine Engineers.</emphasis></p><p>�Sie nennen sie das Fisch-Schiff�, fuhr der Minister fort. �Sie soll wasserdicht und in der Lage sein, mit einem Torpedo im Schlepp unter einem feindlichen Schiff hindurchzutauchen. Der Torpedo detoniert, wenn das Fisch-Schiff sicher auf der anderen Seite angelangt ist.�</p><p>�Ah�, sagte Cooper, �darin unterscheidet sie sich von der <emphasis>David.�</emphasis> Das Ministerium m�hte sich seit l�ngerem damit ab, ein Tauchschiff f�r K�sten- und Hafenoperationen zu entwickeln. Das eben erw�hnte kleine Torpedoboot trug seine Explosivladung vor sich her, an einem langen Bugausleger.</p><p>Nach einem Moment des Z�gerns sagte Cooper: �Ich denke, nur die Tests werden uns zeigen, welcher Entwurf der beste ist.�</p><p>�Richtig. Wir m�ssen die Vollendung dieses Schiffes ermutigen. Ich beabsichtige, den Gentlemen in Mobile einen herzlichen und begeisterten Brief zu schreiben � und Kopien der gesamten Korrespondenz an General Beauregard nach Charleston zu schicken. Und jetzt gehen Sie heim und ruhen sich aus.�</p><p>�Ich w�rde gern noch ein bi�chen mehr sehen von � �</p><p>�Morgen. Gehen Sie heim. Und seien Sie vorsichtig. Ich nehme an, Sie haben ebenfalls von all den Morden und Raub�berf�llen in letzter Zeit gelesen.� Cooper nickte ernst. Die Zeiten waren schwer, die Leute verzweifelt.</p><p>Er w�nschte Mallory eine gute Nacht und hatte das Gl�ck, auf der Main Street eine Kutsche zu erwischen. Judith sa� mit einem Buch im Scho� da und hob den Kopf, als er eintrat. Halb mitf�hlend, halb ver�rgert sagte sie: �Du schaust elend aus.�</p><p>�Wir haben den ganzen Tag im James herumgeplantscht. Ohne Ergebnis.�</p><p>�Der Torpedo � �</p><p>�Taugt nichts. Gibt�s was zu essen?�</p><p>�Kalbsleber. Du w�rdest nicht glauben, was das kostet. Ich f�rchte, es wird kalt und fettig sein. Ich habe dich schon l�ngst erwartet.�</p><p>�Oh, um Himmels willen, Judith, du wei�t doch, da� ich eine Menge Arbeit habe.� Er schniefte. �Wo ist Marie-Louise?�</p><p>�Wo soll sie zu dieser Stunde sein? Im Bett nat�rlich. Cooper � �</p><p>�Ich w�nsche keine Diskussion.� Er wandte sich ab.</p><p>�Aber mit dir ist etwas geschehen. Du scheint �berhaupt kein Gef�hl mehr �brig zu haben f�r mich, f�r deine Tochter � nur deine verdammte Abteilung z�hlt noch.�</p><p>Er schniefte wieder, den Kopf leicht gesenkt. Die Art und Weise, wie er sie unter seinen Brauen hervor ansah, �ngstigte sie.</p><p>�Mit mir ist etwas geschehen�, sagte er leise. �Mein Sohn ist ertrunken. Wegen dieses Krieges, der Gier meiner Schwester und deiner Weigerung, in Nassau zu bleiben. Und jetzt la� mich bitte in Ruhe, damit ich essen kann.�</p><p>Er setzte sich neben den kalten Ofen in der K�che, a� drei Bissen und warf den Rest weg. Er ging ins Schlafzimmer, z�ndete die Gaslampe an und schlo� die T�r. Nachdem er sich ausgezogen hatte, t�rmte er zwei Zudecken �ber sich, fror aber immer noch.</p><p>Bald darauf kam Judith herein. Sie zog sich aus, l�schte die Lampe und kam zu ihm ins Bett gekrochen. Er lag mit dem R�cken zu ihr, das Gesicht zur Wand. Sie achtete sorgf�ltig darauf, ihn nicht zu ber�hren. Er glaubte sie weinen zu h�ren, drehte sich aber nicht um. Er schlief ein, mit seinen Gedanken bei den Zeichnungen des Fisch-Schiffes.</p><p>Einmal pro Woche wiederholte Madeline ihre Dinner-Einladung. Gegen Ende Mai setzte Judith es schlie�lich durch, da� Cooper sich f�r einen Abend vom Marineministerium freimachte. An diesem Tag schickte er um vier Uhr eine Nachricht, da� er sp�ter kommen w�rde. Erst gegen halb neun kam seine Kutsche in der Marshall Street an.</p><p>In der gro�en Wohnung in der oberen Etage umarmten sich die Br�der. �Wie geht�s dir, Cooper?� Orry roch Whiskey; der Anblick des blassen, heruntergekommenen Gastes entsetzte ihn.</p><p>�Viel Arbeit im Ministerium.� Die Antwort rief bei Judith ein Stirnrunzeln hervor.</p><p>Sie setzten sich zu Tisch. �Orry wird euch Rotwein einschenken, oder Wasser, falls ihr das vorzieht�, sagte Madeline. �Ich weigere mich, dieses �ble Gebr�u aus gemahlenen Erdn�ssen zu servieren, das sie als Kaffee verkaufen.�</p><p>�Sie verkaufen eine Menge merkw�rdiger Sachen�, sagte Judith. �Kermesbeerensaft als Tinte � � Sie hielt inne, als Cooper seinem Bruder das Glas entgegenstreckte. Orry schenkte es halbvoll mit Wein, aber Cooper zog seine Hand nicht zur�ck. Orry r�usperte sich und f�llte das Glas ganz.</p><p>�Einige � � Cooper st�rzte die H�lfte des Weines hinunter; dunkle Tropfen befleckten sein bereits schmutziges Hemd. �� einige Leute in dieser Stadt trinken richtigen Kaffee und schreiben mit richtiger Tinte. Einige k�nnen diese Sachen bezahlen.� Er starrte seinen Bruder an. �Unsere Schwester zum Beispiel.�</p><p>�Tats�chlich?� sagte Madeline mit bem�hter Leichtigkeit. Coopers starrer Blick war m�rrisch, seine Sprache schleppend. Etwas H��liches lag in der Luft.</p><p>�Ich gebe zu, Ashton lebt in einem sch�nen Haus�, sagte Orry. �Und die paar Mal, die ich sie auf der Stra�e gesehen habe, war sie stets gut gekleidet � Pariser Schick oder sowas. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie sich das bei Huntoons Gehalt leisten kann.�</p><p>Cooper atmete tief und rauh ein. Judiths H�nde verkrampften sich unter dem Tisch. �Ich kann dir sagen, wie sie sich den Luxus leisten k�nnen, Orry. Sie sind Kriegsgewinnler.�</p><p>Orry legte die Gabel ab. �Das ist eine schwere Beschuldigung.�</p><p>�Ich war auf ihrem Schiff, gottverdammt!�</p><p>�Lieber�, fing Judith an, �wir sollten vielleicht besser � �</p><p>�Es ist an der Zeit, da� sie Bescheid wissen.�</p><p>�Welches Schiff meinst du?� fragte Orry. �Der untergegangene Blockadebrecher? Auf dem du �?�</p><p>�Ja, ich meine die <emphasis>Water Witch.</emphasis> Ashton und ihr Mann sind zu einem Gro�teil an dem Schiff beteiligt. Die Eigner erteilten dem Kapit�n den grunds�tzlichen Befehl, die Blockade um jeden Preis und zu jedem Risiko zu durchbrechen. Wir taten es, und ich verlor meinen Sohn.�</p><p>Merklich erregt f�llte Orry das Glas von Cooper auf. �Wer wei� sonst noch �ber Ashton und James Bescheid?�</p><p>�Die anderen Eigner, nehme ich an. Ihre Namen habe ich nie geh�rt. Der einzige Mann an Bord mit diesen Informationen schien der Kapit�n zu sein, und der ertrank wie � � Coopers Gesicht zuckte.</p><p>Er trank, starrte vor sich hin in die Kerzenflamme. �Ich m�chte sie umbringen�, sagte er und stellte sein Kelchglas so hart ab, da� der Stiel brach.</p><p>�Entschuldigt mich�, sagte Cooper, von seinem Stuhl aufspringend, der krachend umst�rzte. Er streckte die Hand aus, um eine Kollision mit der Wand zu vermeiden, und schwankte ins Wohnzimmer. Er erreichte gerade noch die Couch, bevor er zusammensackte.</p><p>Judith entschuldigte sich noch einmal f�r Coopers Benehmen. Orry, selbst aufgew�hlt, sagte, eine Entschuldigung sei unn�tig. �Ich hoffe blo�, er meinte die letzte Bemerkung nicht ernst.�</p><p>�Sicher nicht. Der Verlust von Judah war f�r uns beide tragisch, aber ihn scheint es besonders getroffen zu haben.�</p><p>Orry seufzte. �Sein ganzes Leben lang hat er die Welt stets f�r besser gehalten, als sie tats�chlich ist. Menschen mit dieser Art von Idealismus werden am schlimmsten verletzt. Hoffentlich handelt er nicht �bereilt, Judith. Ashton hat bereits in dem Punkt, der ihr in Richmond am meisten bedeutete, einen Fehlschlag erlitten � zu den besten Kreisen zu geh�ren. Die Bestrafung f�r ihre Profitmacherei wird sie schon noch ereilen. Wenn er sie zu richten versucht�, er warf einen Blick �ber die Schulter auf die traurige Vogelscheuche auf dem Sofa, �dann wird er nur sich selbst weh tun.�</p><p>Ein Windsto� bl�hte die Wohnzimmervorh�nge, strich �ber das graustr�hnige Haar in Coopers Stirn. Judith sagte: �Das versuche ich ihm ja beizubringen. Es n�tzt nichts. Er trinkt stark, wie ihr sicher bemerkt habt. Ich habe Angst vor dem, was er vielleicht mal tut, wenn er zuviel hat.�</p><p>Die Worte, leise und sanft gesprochen, l�sten tiefe Best�rzung bei Orry aus. Schweigend sa�en die drei da und lauschten dem Regen, der auf das Dach und die Tr�mmer dieses Abends fiel.</p><p>Jede Woche gelangten einige Exemplare vom <emphasis>Richmond Enquirer</emphasis> ins Winder-Geb�ude. Eine Ausgabe, die George mit einem Gemisch aus Neugier und Trauer las, enthielt mehrere lange Artikel �ber Jacksons Beerdigung. Auf einer Seite war eine Liste mit hohen Offizieren abgedruckt, die bei der Prozession mitmarschiert waren. Darunter entdeckte George den Namen seines besten Freundes.</p><p>�Da ist es � Colonel Orry Main�, sagte er zu Constance, als er ihr am Abend die Zeitung zeigte. �Er ist zusammen mit anderen vom Kriegsministerium aufgef�hrt.�</p><p>�Bedeutet das, er ist in Richmond?�</p><p>�Ich denke schon. Was immer er tut, ich bin sicher, es ist wichtiger, als Gespr�che mit Verr�ckten zu f�hren und in Vertr�gen das Kleingedruckte zu lesen.�</p><p>Mit einer Spur Bedauern in der Stimme sagte sie: �Du l��t dich schon wieder von deinen Schuldgef�hlen �berw�ltigen.�</p><p>Er faltete die Zeitung zusammen. �Ja, das tue ich. Jeden Tag.�</p><p>Homer betrat das Speisezimmer und machte Meldung.</p><p>Huntoon nahm seine Brille ab. �Mr. Main? Welcher? Orry?�</p><p>Wie stets wandte sich der alte Neger mit seiner Antwort an Ashton. �Nein. Der andere.�</p><p>�Cooper? Na sowas. Ich hatte keine Ahnung, da� er sich in Richmond befindet, James.�</p><p>Im Nordwesten donnerte es; bl�uliches Licht zuckte und glei�te. Es war ein schw�ler Juni, und die Stadt kochte �ber mit Ger�chten von einem bevorstehenden Einfall in den Norden durch General Lee.</p><p>�Er ist hier, er ist eindeutig hier�, drang eine belegte Stimme aus dem Schatten vor dem Speisesaal. Eine erschreckende Gestalt trat durch die T�r � tats�chlich Cooper, aber gealtert, seit Ashton ihn das letztemal gesehen hatte. Schrecklich gealtert und grau. Seine Wangen waren w�chsern, und seine Whiskeyfahne rollte wie eine Woge �ber den Tisch. �Er ist hier und kann es kaum erwarten zu sehen, wie seine liebe Schwester und ihr Ehemann ihren neuerworbenen Reichtum genie�en.�</p><p>�Cooper, Lieber � �, fing Ashton an; sie witterte Gefahr, versuchte sie mit einem sirupartigen L�cheln beiseitezuwischen. Cooper lie� sie nicht weiter reden.</p><p>�Sehr sch�nes Haus habt ihr hier. Gro�artige M�bel. Die Geh�lter im Finanzministerium m�ssen h�her sein als im Marineministerium. M�ssen ja geradezu gewaltig sein.�</p><p>Zitternd umklammerte Huntoon die Armlehnen seines Stuhles. Beil�ufig griff Cooper in ein offenes Regal nach einem der wundersch�nen, leicht bl�ulich get�nten Porzellanteller.</p><p>�H�bsches Zeug, das. Habt ihr sicher nicht hier gekauft. Hat es ein Blockadebrecher gebracht? Vielleicht statt Gewehre und Munition f�r die Armee?�</p><p>Mit gro�er Wucht schmetterte er den Teller zu Boden. Ein Splitter traf Huntoons Handr�cken; niemand beachtete seinen gemurmelten Protest.</p><p>Ashton sagte: �Lieber Bruder, ich kann mir weder deinen Besuch noch dein flegelhaftes Benehmen erkl�ren. Abgesehen davon, da� du so unangenehm wie eh und je bist, bin ich sehr erstaunt, von dir patriotische Phrasen zu h�ren. Du klingst wie einer der eifrigsten Parteig�nger von Mr. Davis.�</p><p>Sie zwang sich zu einem L�cheln, in der Hoffnung, die darunterliegende Furcht verbergen zu k�nnen. Sie befand sich in Gesellschaft eines Irren, dessen Absichten sie nicht erraten konnte. Ohne sich etwas anmerken zu lassen, sah sie, wie sich Homer von hinten auf Cooper zuschob. Gut.</p><p>Ashton st�tzte ihre Ellbogen auf den Tisch. Ihr L�cheln wurde h�misch. �Wann fand diese bemerkenswerte Transformation zum Patrioten statt, wenn man fragen darf?�</p><p>�Sie fand statt�, sagte Cooper �ber die Ger�usche des Sturmes hinweg, �kurz nachdem mein Sohn ertrunken war.�</p><p>Ashtons Beherrschung verwandelte sich in Verbl�ffung. �Judah � ertrunken? Oh, Cooper, wie absolut � �</p><p>�Wir befanden uns an Bord der <emphasis>Water Witch.</emphasis> Kurz vor Wilmington. Der Mond kam raus, die Blockadeflotte war in voller St�rke vertreten. Ich bat Captain Ballantyne, den Durchbruch nicht zu riskieren, aber er bestand darauf. Die Eigner hatten klare Befehle erteilt. Maximales Risiko f�r maximale Profite.�</p><p>Ashtons Hand fiel nach unten. Ihre Haut f�hlte sich wie erfroren an.</p><p>�Den Rest kennst du, Ashton. Wegen deiner intensiven Hingabe an unsere Sache wurde mein Sohn geopfert.�</p><p>�Halt ihn auf, Homer�, kreischte sie, als Cooper vortrat. Huntoon wollte sich von seinem Stuhl erheben. Cooper traf ihn seitlich am Kopf, schlug ihm die Brille herunter.</p><p>Homer packte Cooper von hinten und schrie um Hilfe. Cooper rammte ihm den Ellbogen in den Magen, �berbr�llte das Gewitterdonnern: �Die Sache des Profits. Deine verfluchte, dreckige Gier.�</p><p>Mit beiden H�nden griff er nach dem Schrank und zog. Die herrlichen blauen Teller und Tassen und Untertassen und Sch�sseln begannen zu rutschen. Erneut kreischte Ashton auf, als die Wedgwood-Sachen zu Boden st�rzten. Der Schrank krachte auf den E�tisch, der auf Huntoons Seite zusammenbrach. Zwei Hausdiener kamen Homer zu Hilfe und zerrten den fluchenden, tobenden Cooper zur T�r. Sie stie�en ihn in den str�menden Regen hinaus.</p><p>Ashton h�rte das Knallen der T�r; ihr erster Gedanke war: �Wenn er herumerz�hlt, was er wei�?�</p><p>�Na und?� schnarrte Huntoon. �Wir haben nichts Gesetzwidriges getan. Und jetzt sind wir ja raus aus dem Gesch�ft.�</p><p>�Hast du gesehen, wie wei� seine Haare geworden sind? Ich glaube, er ist verr�ckt geworden.�</p><p>�Ganz sicher ist er gef�hrlich�, sagte Huntoon. �Morgen m�ssen wir Pistolen kaufen, f�r den Fall � f�r den Fall � �</p><p>Er konnte den Satz nicht beenden. Ashton betrachtete die Scherben. Eine einzige Tasse hatte �berlebt. Am liebsten h�tte sie vor Wut geheult. Ein Blitz zuckte auf; ihre Lippen pre�ten sich zusammen.</p><p>�Ja, Pistolen�, stimmte sie zu. �F�r jeden von uns.�</p><p><strong>81</strong></p><p>Am gleichen Abend, einem Donnerstag in der ersten Juniwoche, meldete sich Bent wie befohlen in Colonel Bakers B�ro. Baker war nicht da. Ein Detektiv sagte, er sei ins Old-Capitol-Gef�ngnis gegangen, um einen unbequemen Journalisten, der verhaftet worden war, pers�nlich zu verh�ren. �Von dort wird er zum Pistolentraining gehen. Die Stunde vers�umt er keinen Tag.�</p><p>Bent setzte sich und bes�nftigte seine Nerven mit einem der �pfel, die er bei einem Stra�enh�ndler gekauft hatte. Nach zwei Bissen blickte er wieder auf das kleine silberne Abzeichen an seinem Revers. Es trug die Worte NATIONAL DETECTIVE BUREAU; Baker hatte es ihm nach seiner R�ckkehr aus Richmond verliehen. Sein dortiger Erfolg hatte ihm die offizielle Aufnahme in Bakers Organisation gebracht.</p><p>Bent verzehrte gerade seinen dritten Apfel, als Baker, fr�hlich summend, ins B�ro marschiert kam.</p><p>�O�Dell ist letzte Nacht aus Richmond zur�ckgekommen. Er sah eine Menge Truppenbewegungen westlich von Fredericksburg. An den Ger�chten ist was dran. Lee hat was vor � ah!� Unter der Post fand er einen Umschlag, den er sofort einsteckte. �Ein Brief von Jennie.� Bakers Frau lebte bei ihren Eltern in Philadelphia.</p><p>Der Mann, den Baker erw�hnt hatte, Fatty O�Dell, war ein weiterer Agent. �Ich wu�te gar nicht, da� noch jemand von uns unten war.�</p><p>�Doch, doch�, erwiderte Baker, f�hrte das aber nicht weiter aus. Nur er kannte alle Agenten und ihre Auftr�ge.</p><p>Baker lehnte sich zur�ck und verschr�nkte die H�nde hinter dem Kopf. �Fatty hat noch was von dritter Stelle erfahren. Ein Spekulant aus Richmond namens Powell agitiert ziemlich offen gegen Davis.�</p><p>Bent klaubte sich ein Apfelst�ckchen von der Lippe. �Das geht schon �ber ein Jahr so, nicht wahr?�</p><p>�Vollkommen richtig. Diesmal jedoch gibt es eine neue Perspektive. Fatty sagte, Mr. Powells Ank�ndigungen beinhalteten Gerede �ber die Gr�ndung eines unabh�ngigen Konf�deriertenstaates in einer noch nicht n�her bezeichneten Gegend.�</p><p>�Wie war der Name des Spekulanten doch gleich?� fragte Bent.</p><p>�Lamar Powell.�</p><p>�Hab� ich in Richmond nie geh�rt. Auch nichts von einer neuen Konf�deration.�</p><p>�Vielleicht handelt es sich blo� um Stra�enklatsch. Wenn sie Davis aufh�ngen w�rden, dann w�re uns schon viel geholfen. Und ich w�re der erste, der Beifall klatschen w�rde. Aber wahrscheinlich ist das eine vergebliche Hoffnung.�</p><p>Er zog eine Schreibtischschublade auf und holte einen der Hefter mit den pers�nlichen Dossiers heraus. In sch�ner, flie�ender Handschrift stand vorne der Name Randolph darauf.</p><p>Baker reichte den Hefter �ber den Schreibtisch. Bent schlug ihn auf und sah mehrere Seiten handschriftliche Notizen und eine Anzahl Zeitungsausschnitte vor sich. Unter einem der Berichte stand: <emphasis>Von unserem Capitol-Korrespondenten Mr. Eamon Randolph.</emphasis></p><p>�Mr. Randolph steht, wie Sie bald feststellen werden, wenn Sie diese p�belhaften Artikel lesen, nicht auf Seiten derer, f�r die wir arbeiten. Auch hat er nichts f�r Senator Wade und den Kongre�abgeordneten Stevens �brig. Sie werden merken, da� Mr. Randolphs Zeitung, der <emphasis>Cincinnati Globe,</emphasis> gegen die Regierung und pro-demokratisch eingestellt ist. Zus�tzlich verdient sich nur der Friedensfl�gel dieser Partei seine Bewunderung. In Krisenzeiten k�nnen wir derartige Ansichten nicht tolerieren. Ich bin von gewissen offiziellen Regierungskreisen gedr�ngt worden, ihn � �, Baker strich sich seinen �ppigen Bart, �� zu z�chtigen. Ihn kurz zum Schweigen zu bringen, womit auch gleich eine Warnung f�r seine Zeitung und andere mit �hnlicher Einstellung verbunden ist. Ihre Arbeit in Richmond hat mich beeindruckt, Dayton. Deshalb habe ich Sie f�r diesen Fall ausgew�hlt.�</p><p><strong>82</strong></p><p>Die drei �rzte sa�en in dreckigen Uniformen um den wackligen Tisch. Auch ihre H�nde waren dreck- und blutbeschmiert.</p><p>Einer der drei bohrte in der Nase. Der zweite rieb sich mit d�mmlichem L�cheln zwischen den Beinen. Der dritte Arzt leerte eine f�r die Verwundeten bestimmte Flasche Alkohol. Eine Ordonnanz, die sich wie ein Wahnsinniger benahm, f�hrte einen j�mmerlich hinkenden Verwundeten herein.</p><p>�Was haben wir denn da?� sagte der Arzt, der den Alkohol getrunken hatte; anscheinend war er der Chef.</p><p>�Ich bin verletzt, Sir�, sagte der Soldat. �Kann ich heim?�</p><p>�Nicht so schnell! Zuerst m�ssen wir eine Untersuchung durchf�hren. Gentlemen? Darf ich bitten.�</p><p>Die �rzte umringten den Soldaten, bohrten an ihm herum, beratschlagten im Fl�sterton. Der Chef verk�ndete den gemeinsamen Beschlu�: �Tut mir leid, aber Ihre Arme m�ssen amputiert werden.�</p><p>�Oh.� Der Patient schaute bedr�ckt drein, doch einen Moment sp�ter grinste er wieder. �Dann bekomme ich Urlaub?�</p><p>�Auf gar keinen Fall�, sagte der Arzt, der sich die Geschlechtsteile gerieben hatte. �Das linke Bein mu� auch ab.�</p><p>�Oh.� Diesmal war es ein St�hnen. Der Patient m�hte sich um ein L�cheln. �Aber danach bekomme ich doch bestimmt Urlaub?�</p><p>�Bestimmt nicht�, sagte der Nasenbohrer. �Wenn Sie wieder gesund sind, k�nnen Sie eine Ambulanz fahren.�</p><p>Dr�hnendes Gel�chter.</p><p>�Gentlemen � eine weitere Beratung�, rief der Chef, und wieder steckten sie die K�pfe zusammen. Diesmal ging es schnell. Der Chef sagte: �Ein letzter Eingriff ist noch notwendig. Wir m�ssen Ihren Kopf amputieren.�</p><p>Der Patient bem�hte sich, die Sache positiv zu sehen. �Nun, aber danach, das <emphasis>wei�</emphasis> ich, habe ich Anrecht auf Urlaub.�</p><p>�Keineswegs�, sagte der Chef. �Wir sind so knapp an M�nnern, da� wir Ihren K�rper an die Feldschanzen stellen m�ssen, um den Feind zu t�uschen.�</p><p>Wieder dr�hnte br�llendes Gel�chter aus der Dunkelheit. Charles, mit untergeschlagenen Beinen im zertrampelten Gras sitzend, lachte so sehr, da� ihm die Tr�nen kamen. Auf der winzigen, von Laternen und Fackeln erhellten B�hne, rannte der Soldat, der den Patienten spielte, kreischend herum, w�hrend ihn die wahnsinnigen �rzte mit Mei�eln, S�gen und �xten verfolgten. Schlie�lich jagten sie ihn hinter einen Vorhang.</p><p>Applaus, Japsen und Pfiffe zeigten das Ende des Programms an, das ungef�hr vierzig Minuten gedauert hatte. Alle Darsteller und Schauspieler verbeugten sich. Ein anonymer Schreiber der Stonewall-Brigade hatte <emphasis>Der �rzte-Ausschu�</emphasis> geschrieben, und es hatte sich zu einem Lieblingsst�ck der Lagerprogramme entwickelt.</p><p>Viele undeutliche Schatten erhoben sich und gingen auseinander. Charles rieb sich den steifen R�cken. Ab sagte: �Mu� noch meine Stiefel polieren. Verdammt will ich sein, wenn mir je in den Sinn gekommen w�re, ich m��te mich bei den Scouts so aufputzen.�</p><p>�Du kennst Stuart�, sagte Charles mit resigniertem Schulterzucken.</p><p>�Bei manchen Gelegenheiten w�nschte ich, das w�re nicht der Fall. Verdammt will ich sein, falls ich auch nur die geringste Lust versp�re, am Samstag f�r die Ladies zu paradieren.�</p><p>Die beiden M�nner �berquerten die Eisenbahnschienen, holten ihre Pferde aus dem Pferch und machten sich zu dem Feld auf, wo ihre Zelte bei dem Regiment von Calbraith Butler standen. Unterhalb des Rappahannock fanden massive Verschiebungen der Streitkr�fte statt; Ewell und Longstreet standen mit ihrer Infanterie bereits bei Culpeper. Charles wu�te nichts vom eigentlichen Ziel der Armee, aber es wurde viel �ber eine zweite Invasion in Richtung Norden geredet.</p><p>Irgendwo �ber dem Flu� gab es mit Sicherheit Yankees, die Lees Armeebewegungen ausspionierten, aber niemand schien sich deswegen Sorgen zu machen. Stuart lagerte bei Culpeper mit mehr Reitern, als er seit langem zur Verf�gung gehabt hatte � fast zehntausend. Die meisten davon bereiteten sich auf Stuarts gro�e Parade am Samstag vor geladenen G�sten vor. Viele Frauen w�rden aus Richmond und den umliegenden St�dten mit Bahn und Kutsche anreisen. Charles w�nschte, er h�tte Zeit gehabt, Gus einzuladen.</p><p>Der Duft s��en Klees hing in der Juninacht. Entlang des ganzen s�dlichen Horizonts leuchteten die Feuer. Im Camp gab es nur wenige M�nner, die sich ausruhten, Briefe schrieben oder Karten spielten. Die meisten Kavalleristen hatten daf�r keine Zeit. Sie n�hten und putzten, weil Stuart befohlen hatte, da� jeder in anst�ndiger Uniform zur Parade zu erscheinen hatte. Charles hatte zwar f�r den ganzen Einfall nichts �brig, aber er wollte sich doch so ordentlich wie m�glich pr�sentieren. Wenn Jeb eine gro�e Show abziehen wollte, dann w�rde er seinen Teil dazu beitragen.</p><p>Brandy Station hatte ihren Namen von einer alten Postkutschenhaltestelle bekommen, die f�r ihren Apfelbrandy ber�hmt war. Jetzt betrieb die Orange &amp; Alexandria-Bahnlinie die Station. Am Samstag rollten schon fr�hzeitig die Sonderz�ge ein, die Wagen vollgepackt mit Politikern und bunt gekleideten Damen, die sowohl an der Parade als auch an General Stuarts Ball in Culpeper am gleichen Abend teilnehmen w�rden.</p><p>Auf den offenen Wiesen nahe des langgestreckten, relativ flachen Fleetwood Hill f�hrte Stuarts Kavallerie den Besuchern ihre Darbietungen vor. Nach der langen, erm�denden Parade kehrte Charles zu seinem Lager zur�ck und freute sich auf eine gute Mahlzeit und einen gesunden Schlaf. Morgen mu�te er den Flu� in der N�he von Kelly�s Furt erkunden. Er versorgte gerade Sport, als eine Ordonnanz erschien.</p><p>�Captain Main? General Fitzhugh Lee sendet seine Gr��e und bittet heute abend in seinem Hauptquartierszelt um die Gesellschaft des Captains. Das Essen wird vor dem Ball serviert, den der General nicht besuchen wird.�</p><p>�Weshalb nicht?�</p><p>�Der General war krank, Sir. Kennen Sie die Lage seines Hauptquartiers?�</p><p>�Oak Shade Church?�</p><p>�Richtig, Sir. Darf der General mit Ihnen rechnen?�</p><p>�Ich habe ebenfalls nicht vor, auf den Ball zu gehen. Sagen Sie Fitz � dem General, ich nehme mit Vergn�gen an.�</p><p>Das ist eine verdammte L�ge, dachte er, nachdem die Ordonnanz gegangen war. Jeder wu�te, da� Fitz immer noch eifers�chtig auf Hampton war, weil dieser aufgrund seiner fr�heren Ernennung rangh�her war. Hamptons Partisanen machten h�mische Bemerkungen �ber Fitz und behaupteten, er sei nur so schnell bef�rdert worden, weil er Old Bobs Neffe war. Da mochte was dran sein. Zwei der f�nf Kavallerie-Brigaden wurden von Lees gef�hrt � von Fitz und von Rooney, dem Sohn des Generals.</p><p>Die Einladung bereitete Charles ein unbehagliches Gef�hl. Die n�chsten paar Stunden brachte er damit zu, seine Uniform zu s�ubern. Schlie�lich sattelte er Sport und ritt der untergehenden Sonne entgegen. Im Norden verschwammen die H�gel von Fleetwood in blauem Dunst.</p><p>Ich w�nschte, ich k�nnte hier weg und Gus besuchen, dachte er. Irgendwas l�uft bei diesem Feldzug verdammt verkehrt.</p><p>�Freut mich, da� du die Einladung angenommen hast, Bison. Hab� mich in letzter Zeit ziemlich schlecht gef�hlt. Rheumatismus. Ich brauche ein bi�chen aufmunternde Gesellschaft.�</p><p>Fitz sah tats�chlich bla� und krank aus. Sein Bart war gro� und buschig wie stets, seine Uniform makellos, aber ihm fehlte seine gewohnte Energie.</p><p>Der Feuerball der Sonne senkte sich auf die flachen H�gel im Westen. Durch das offene Zelt wehte eine leichte, angenehme Brise. Ein Negerdiener servierte Whiskey, und einer von Fitz� Offizieren schlo� sich ihnen an; Colonel Tom Rosser, ein gutaussehender junger Texaner, der im Mai �61 graduiert h�tte, sich aber zuvor schon dem S�den angeschlossen hatte. Die drei Kavalleristen plauderten zwanglos. Zweimal erw�hnte Rosser einen Kadetten der Juni-Klasse von �61, der auf Seiten der Union stand.</p><p>�Hei�t George Custer. Ein Lieutenant. Adjutant von Pleasanton. Ich hab ihn mal f�r einen Freund gehalten, aber das ist wohl nicht l�nger m�glich.�</p><p>Beim Gedanken an Hampton und Freundschaften warf Charles dem General einen versteckten Blick zu. Weshalb hatte Fitz ihn eingeladen? Aus dem offiziellen Grund � Gesellschaft? Oder aus einem anderen Grund?</p><p>Zum Thema Custer sagte Fitz: �Ich h�re, sie nennen ihn Crazy Curly.�</p><p>�Warum das?� fragte Charles.</p><p>Rosser lachte. �Wenn man ihn sieht, ist einem das sofort klar. Haare bis hierhin.� Er zeigte zur Schulter. �Tr�gt ein gro�es, scharlachrotes Halstuch � schaut aus wie ein verdammter Zirkusreiter, der verr�ckt geworden ist.� Nachdenklich f�gte er hinzu: �An Mut fehlt�s ihm allerdings nicht.�</p><p>Der Abend zog sich hin, und Charles wurde immer deprimierter. Er sagte wenig und beobachtete seinen Freund Fitz mit einem Gef�hl wachsenden Neides. F�r einen jungen Mann hatte es Fitz weit gebracht � und nicht nur aufgrund seiner Familienbeziehungen.</p><p>Schlie�lich erhob sich Rosser, st�lpte sich seinen Hut auf. �Ich mu� los. Hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, Captain Main. Hab� viel Gutes von ihnen geh�rt. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder.�</p><p>Rossers letzte Bemerkung schien eine verschl�sselte Botschaft f�r Fitz zu enthalten. Als der Neger des Generals Teller mit Fleisch und Brot vor ihnen abstellte, sagte Fitz: �Du verschwendest deine Zeit beim alten Hampton, das wei�t du. Ich habe vor einer Woche einen Colonel verloren. Wenn du willst, kannst du sein Regiment haben.�</p><p>V�llig �berrascht stotterte Charles: �Fitz, das � nun, das ist sehr schmeichelhaft.�</p><p>�Zum Teufel damit. Dieser Krieg bringt zuviele Probleme mit sich, meinen Rheumatismus eingeschlossen, als da� ich eine Minute auf Schmeicheleien verschwenden w�rde. Du bist ein gro�artiger Kavallerist, ein f�higer F�hrer, und, wenn ich das so sagen darf, du dienst unter einem Kommandeur, der nicht ganz das ist, was er sein sollte � Moment, reg dich nicht auf.�</p><p>�Aber ich bin seit zwei Jahren bei General Hampton. Ich trat bei ihm ein, als er seine Legion in Columbia zusammenstellte. Er hat Anspruch auf meine Loyalit�t.�</p><p>�Richtig. Jedoch � �</p><p>�Er ist ein f�higer und tapferer Offizier.�</p><p>�An Wade Hamptons Mut besteht kein Zweifel. Aber der Mann ist � nun � nicht mehr jung. Und gelegentlich hat er eine gewisse Zaghaftigkeit an den Tag gelegt.�</p><p>�Fitz, bei allem Respekt, red bitte nicht weiter. Du bist mein Freund, aber Hampton ist der beste Offizier, unter dem ich je gedient habe.�</p><p>Fitz�s Stimme wurde merklich k�hler. �Schlie�t diese Aussage auch General Stuart ein?�</p><p>�Ich m�chte das lieber nicht weiter ausf�hren, bis auf einen Punkt. Was manche Zaghaftigkeit nennen, bezeichnen andere als Vorsicht � oder Klugheit. Hampton konzentriert seine Kr�fte, bevor er angreift. Er will den Sieg, keine gro�en Opfer oder Schlagzeilen.�</p><p>Entt�uscht und ver�rgert betrachtete Fitz seinen Besucher. �Deine Loyalit�t mag lobenswert sein, Charles, aber ich behaupte nach wie vor, da� du deine Talente verschwendest.� Keine Spitznamen mehr; das Freundschaftstreffen hatte einen sauren Beigeschmack bekommen. �Fast jeder Offizier unseres West-Point-Jahrgangs ist Colonel oder Major � mindestens.�</p><p>Das tat weh. Charles atmete tief durch. �Ich war vor zwei Jahren zur Bef�rderung dran. Ich habe einige Fehler gemacht.�</p><p>�Ich wei� alles �ber das, was du als deine Fehler bezeichnest. Sie sind bei weitem nicht so ernst, wie du dir einbildest. Grumble Jones und Beverly Robertson achten auch sehr auf Disziplin. Beide verloren deswegen die Wahlen zum Colonel. Aber man fand neue Kommandos f�r sie.�</p><p>�Fitz�, unterbrach Charles, �habe ich mich nicht klar ausgedr�ckt? Was ich tue, gef�llt mir. Ich will und brauche kein neues Kommando.�</p><p>Schweigen senkte sich �ber das Zelt. Drau�en konnte man den schwarzen Diener am Campofen hantieren h�ren. �Tut mir leid, da� du es so siehst, Charles. Wenn du dich nicht an den Platz stellen willst, wo du am n�tzlichsten bist, weshalb k�mpfst du dann �berhaupt f�r den S�den?�</p><p>Die leise Verachtung �rgerte Charles. �Ich k�mpfe nicht f�r den S�den, wenn das Sklaverei oder ein getrenntes Land bedeutet. Ich k�mpfe f�r den Ort, wo ich lebe. Mein Land. Mein Zuhause. Deswegen haben sich die meisten M�nner zur Armee gemeldet. Manchmal frage ich mich, ob Mr. Davis das versteht.�</p><p>Fitz zuckte mit den Schultern und begann hastig zu essen. �Tut mir leid, dich dr�ngen zu m�ssen, aber ich mu� mich beim Ball sehen lassen. �brigens, General Lee hat sich f�r Montag ebenfalls angek�ndigt. General Stuart hat eine Parade angeordnet.�</p><p>�Noch eine? Wie stellt er sich das vor? Nach der heutigen Parade sind die M�nner gereizt und die Pferde ersch�pft. Wir sollten die Yankees n�rdlich vom Flu� im Auge behalten, nicht unsere gesamte Energie auf milit�rischen Tand verschwenden.�</p><p>Fitz r�usperte sich. �Tun wir so, als w�ren diese Worte nie gefallen. Ich danke dir f�r dein Kommen, Charles. Ich f�rchte, du wirst mich jetzt entschuldigen m�ssen.�</p><p>Der Abend hatte Charles eine deprimierende Lektion gelehrt. Er und Fitz konnten nicht l�nger Freunde sein. Rang und unterschiedliche Meinungen trennten sie. In letzter Zeit durchschaute er mehr und mehr die eigenartige Institution, die die Sklaverei war und schon immer gewesen war. Die Wirklichkeit � vom Standpunkt der Versklavten aus � war eine tr�gerische Maske, hinter der sich Angst und Wut verbargen. Die Art von Maske, die getragen werden mu�te, wenn der Sklave �berleben wollte.</p><p>Gus w�rde seine Gef�hle �ber die Sklaverei verstehen; sie Ab oder einem anderen seiner Kameraden gegen�ber zum Ausdruck zu bringen wagte er allerdings nicht. Der Gedanke schlich sich bei ihm ein, da� er f�r seine Heimat k�mpfte, w�hrend die Politiker f�r Slogans und Rhetorik k�mpften, f�r eine �gerechte Sache�. Und sich damit, was das anbelangte, im Unrecht befanden.</p><p>Der Parade am Montag wohnten keine Damen bei; deshalb stellte sie ein unerfreuliches Ereignis dar. Noch unerfreulicher war, da� irgendein Idiot John Hood eingeladen hatte, der seine gesamte Infanteriedivision mitbrachte. Die Kavalleristen stie�en w�ste Drohungen aus, was sie tun w�rden, wenn ein Infanterist sie mit dem �blichen: �Mister, wo hast du dein Maultier gelassen?� aufziehen w�rde.</p><p>Wie Charles bef�rchtet hatte, ersch�pfte die Parade jedermann � und am Dienstagmorgen sollten sie zum Abmarsch bereit sein. Er und Ab ritten direkt vom Paradeplatz zu Hamptons Lager. Charles schlief sehr unruhig und schreckte abrupt hoch, als die H�rner und Trommeln erklangen.</p><p>Es war gerade Tagesanbruch. Das Camp war ein einziges Chaos. Ab rannte durch den dichten Nebel, der sich w�hrend der Nacht �ber die Landschaft gelegt hatte. Er trug ihren Kaffeetopf auf eine Art und Weise, da� Charles wu�te, da� er keine Chance gehabt hatte, ihn hei� zu machen.</p><p>�Hoch mit deinem Arsch, Charlie. General Stuart hat den Damen zuviel Aufmerksamkeit geschenkt und den Blaub�uchen zuwenig. Eine ganze Kavalleriedivision ist bei Beverly Ford auf der anderen Flu�seite.�</p><p>�Welche?�</p><p>�Bufords, hei�t es. Er hat Infanterie und Gott wei� was noch. Vielleicht kommen sie auch bei Kelly�s r�ber. Niemand wei� was Genaues.�</p><p>Der Hornist rief in den Sattel. �Sollen Tausende von ihnen sein�, sagte Ab und lie� den Kaffeetopf fallen. �Sie kamen aus dem Nebel. Unsere Wachposten lie�en sich total �berraschen. Wir sollen zusammen mit Butler los, die Nachhut bilden und kundschaften.�</p><p>Peitschen knallten. Wie gro�e Schiffe im Meer des weichen, grauen Nebels ragten Stuarts Hauptquartierwagen am Rande des Camps hoch. Verdammt, dachte Charles, im Schlaf �berrascht. Unter Hamptons Kommando w�re das nicht passiert. Er packte Schrotflinte und Decke, schwang seinen Sattel �ber die Schulter und rannte wie der Teufel hinter Ab Woolner her.</p><p>Charles merkte, da� Ab eine sehr schlechte Nacht gehabt haben mu�ten. Zuerst br�llte er ein paar Hospitalratten an, die mit eingebildeten Beschwerden zum Arzt rannten; ein vertrauter Anblick vor Kampfbeginn. Dann fluchte Ab das Blaue vom Himmel herunter, als er ein Paar einwandfreie Stiefel im Unkraut liegen sah. M�nner ohne Stiefel, genau wie Pferde ohne Hufeisen, konnten nicht k�mpfen � und irgendein verfluchter feiger Hund, wie Ab ihn charakterisierte, hatte seine Stiefel weggeworfen, um einem �u�erst unangenehmen Tag zu entgehen.</p><p>In dem d�nner werdenden Nebel entfernten sich Charles und Ab bald schon von Butlers Truppe. In einem kleinen Pinienw�ldchen oberhalb von Stevensburg zog Charles pl�tzlich scharf die Z�gel an.</p><p>Jenseits der B�ume n�herten sich auf einem Weg neben einem Weizenfeld ein halbes Dutzend Unions-Kavalleristen. Charles konnte kein Anzeichen der ber�hmten Berge von Ausr�stung entdecken, die die S�dstaaten-Kavallerie ver�chtlich als �Yankee-Festungswerke� bezeichnete. Die feindlichen Reiter hatten weiter nichts als Waffen bei sich.</p><p>�Machen wir einen Bogen um sie, Ab. Wir kommen so schneller nach Stevensburg.�</p><p>Wild, fast feindselig starrte Ab ihn an. �Schie�en wir ein paar Yanks ab. Danach kommen wir um so sicherer nach Stevensburg.�</p><p>�H�r zu, wir sollen uns nur umschauen und � �</p><p>�Was ist los mit dir, Charlie? Hast wegen dieses M�dels keinen Mut mehr?�</p><p>�Du verdammter Hundesohn � �</p><p>Aber Ab galoppierte bereits aus dem W�ldchen; seine doppell�ufige Schrotflinte dr�hnte.</p><p>Die Yankees hatten verk�ndet, da� sie jeden S�dstaatler, den sie mit einer solchen Waffe erwischten, aufh�ngen w�rden. Aber die beiden, die Ab aus den S�tteln geblasen hatte, w�rden keine Meldung mehr gegen ihn machen. Mit trockenem Mund trieb Charles Sport voran.</p><p>Kugeln zischten vorbei. Sobald er in Schu�weite war, feuerte er beide L�ufe ab. Damit waren vier Yanks erledigt. Die beiden letzten fl�chteten sich in das Weizenfeld. Ab galoppierte auf Stevensburg zu, ohne einen Blick zur�ckzuwerfen. Charles ha�te seinen Freund, weil er die Wahrheit gesagt hatte.</p><p>An diesem Nachmittag k�mpfte Jeb Stuarts Kavallerie auf dem sonnigen Fleetwood Hill eine neue Art von Krieg. Sie bekamen es mit Unions-Kavalleristen zu tun, die mit ihren S�beln und Pferden so geschickt umgingen wie die besten S�dstaatenjungs. Die Yanks trieben Stuart vom H�gel runter, und als Charles und Ab von Stevensburg zur�ckkehrten, wurde jeder verf�gbare Kavallerist in den Kampf geworfen. Hampton war von Beverly Ford zur�ck, wo er den erfolglosen Versuch unternommen hatte, Buford aufzuhalten.</p><p>Auch Stevensburg hatte sich zur Katastrophe ausgewachsen. Dort hatte Frank Hampton einen S�belhieb abbekommen und war anschlie�end von einer Kugel t�dlich getroffen worden. Calbraith Butler hielt seine Position gegen die angreifenden Yankees, aber auf Kosten seines rechten Fu�es, der ihm von einem Granatschrapnell fast abgerissen wurde.</p><p>Bei Fleetwood sammelten sich die Schwadronen, und Stuart br�llte: �Zeigt ihnen die S�bel, Jungs!� Die Hornisten bliesen Trab und Galopp und schlie�lich Angriff. H�gelauf st�rmten sie, im Sonnenschein, der schnell hinter Schleiern von Rauch und Staub verschwand.</p><p>Obwohl Charles ihn nicht sehen konnte, wu�te er, da� Ab ganz in seiner N�he ritt. Seit dem Vorfall bei dem Pinienw�ldchen hatten sie nur das N�tigste gesprochen. Charles wu�te, da� sein Freund mit der Anschuldigung nur herausgeplatzt war, weil er �berm�det und angespannt war. Aber das machte es nicht weniger wahr.</p><p>Dann waren sie auf den H�hen von Fleetwood. Artillerie wurde herumgezerrt. S�bel schepperten aufeinander. Pistolen blitzten. Pferde und M�nner verkeilten sich ineinander. Formationen l�sten sich auf. Charles k�mpfte mit einer Verbissenheit wie nie zuvor. Er mu�te sich in Abs Augen bew�hren.</p><p>Bluttropfen sammelten sich in seinem Bart. Er tauschte den S�bel gegen die Schrotflinte, die Schrotflinte gegen den Revolver, wechselte dann wieder zur�ck zu der Waffe, die stets seine letzte Zuflucht darstellte, wenn keine Zeit zum Nachladen blieb.</p><p>Er stie� auf einen Mann in Grau ohne Pferd, streckte ihm die Hand entgegen, um ihm zu helfen. Der Mann schlug nach ihm mit einem Ladestock, h�tte ihm beinahe den Sch�del eingedroschen; Charles konnte gerade noch ausweichen und stie� dem Yank seinen S�bel in die Brust. Der dichte Staub machte an diesem Nachmittag viele blaue Uniformen grau. Ein Mann konnte sterben, weil er die Farben nicht rechtzeitig auseinandergehalten hatte.</p><p>Wie bei den meisten Schlachten l�ste sich auch der Kampf um den H�gel in viele kleine, h��liche Gefechte auf. Sie erk�mpften die Anh�hen, verloren sie, st�rmten erneut an. Beim zweiten Angriff w�re Charles beinahe in einen ganzen Trupp Unions-Kavalleristen geritten. Er hob seinen S�bel, um den Schlag eines wild blickenden Offiziers mit wehendem Haar und einem scharlachroten Halstuch zu parieren.</p><p>S�bel gegen S�bel, schiebend und sto�end, h�hnte der Lieutenant: �Dein ergebener Diener, Reb � �</p><p>�Aber ich nicht der deine.� Charles spuckte dem Yank ins Gesicht, um einen Vorteil zu erringen; er h�tte ihn auch durchbohrt, w�re nicht das Pferd des Offiziers gestolpert. <emphasis>Wahnsinnig gewordener Zirkusreiter,</emphasis> hallte eine Stimme in ihm nach, als sich ihre Blicke f�r einen Augenblick ineinander krallten.</p><p>Das Pferd st�rzte; der Yankee verschwand. Keiner der beiden M�nner w�rde den anderen vergessen.</p><p>�Pa� auf, Charlie�, br�llte Ab �ber den Schlachtenl�rm hinweg � Durch Staubwolken erkannte Charles undeutlich, da� Ab hinter ihn deutete. Er drehte sich um, sah, wie ein Yank-Sergeant eine gewaltige Pistole in Anschlag brachte.</p><p>Ab raste auf den Yank zu. Seinen leeren Revolver als Keule benutzend, schlug er auf den Arm des Sergeants. Der Sergeant �nderte sein Ziel und scho� Ab aus zwei Fu� Entfernung in die Brust.</p><p><emphasis>�Ab!�</emphasis> Der Schrei n�tzte nichts mehr. Ab war bereits tot, rutschte seitlich aus dem Sattel, die Augen offen, aber ohne jedes Bewu�tsein. Der Sergeant tauchte in dem Get�mmel unter.</p><p>Mit zusammengebissenen Z�hnen parierte Charles den Schlag eines Unions-Kavalleristen, der mit seinem Pferd Sport rammte. Dann ein zweiter Schlag. Funken stoben, wo Metall auf Metall traf.</p><p>Der Kavallerist k�mpfte mit seinem bockenden Pferd; ein Rotschopf, noch keine zwanzig, mit einem n�rrischen Grinsen unter seinem gro�en, roten Schnurrbart.</p><p>�Hast den Mut verloren?� Mit diesem Gedanken war Ab gestorben. <emphasis>Und trotzdem hat er mich gerettet �</emphasis></p><p>�Diesmal krieg ich dich�, br�llte der Rotschopf. Mit einer geschickten Drehung entging Charles dem S�bel und bohrte seinen eigenen in die Kehle des Jungen. Ohne Bedauern zog er ihn wieder heraus. Ab hatte recht gehabt: Gus hatte ihn weich und schwach gemacht. Dieser blutige Junitag war n�tig gewesen, um das ans Licht zu bringen.</p><p>Charles k�mpfte weiter mit dem S�bel wie ein Wahnsinniger, t�uschte und schlug so schnell, da� er nicht zu treffen war. Schlie�lich siegten die S�dstaatler und hielten den H�gel. Doch die Unions-Aufkl�rung hatte ihr Ziel erreicht: Lees Armee war gestellt.</p><p>Und noch etwas hatten die Yanks erreicht, ungeplant und unbeabsichtigt: sie hatten einen S�belhieb tief in das Selbstvertrauen der konf�derierten Kavallerie gef�hrt.</p><p>Noch vor Einbruch der Dunkelheit befahl Pleasanton den allgemeinen R�ckzug. Als die Sonne versank und der Wind den Rauch und Staub von Fleetwood wegwehte, lie�en sich Legionen von gl�nzenden blauen Schmei�fliegen auf dem zertrampelten roten Gras nieder. Truthahngeier kamen aus dem Zwielicht des Himmels angesegelt. Charles suchte so lange, bis er Abs Leiche gefunden hatte, hundert Meter von der Stelle entfernt, an der er gestorben war. Die Aasgeier waren bereits bei seinem Gesicht angelangt. Charles verscheuchte die V�gel, aber einer kam mit einem St�ck rosigen Fleisches im Schnabel hoch. Charts zog seinen Colt und t�tete den Vogel.</p><p>Er begrub Ab in einem W�ldchen s�dlich der Eisenbahnlinie. W�hrend er grub, versuchte er Trost zu finden beim Gedanken an die guten Zeiten, die er und Ab zusammen erlebt hatten; er fand keinen.</p><p>Er legte Ab in das Loch, kauerte sich am Rand hin. Eine Minute verstrich. Er kn�pfte sein Hemd auf und zog den Lederriemen �ber den Kopf. Er betrachtete das Buch mit der eingebetteten Kugel. Das Buch hatte ihn nicht besch�tzt, es hatte ihn verweichlicht. Er warf den Beutel in das Grab und begann, Erde hineinzuschaufeln.</p><p>W�hrend des Kampfes hatte er General Hampton mehrmals gesehen, seinen gro�en S�bel schwingend und vor seinen M�nnern galoppierend, wie das gute Kavalleriegener�le stets taten. An diesem Abend sah Charles ihn erneut. Der Verlust seines Bruders lie� Hampton wie einen alten Mann aussehen.</p><p>Charles h�rte, da� die �rzte Calbraith Butlers Fu� wahrscheinlich nicht retten konnten. Soviel war an diesem Tag bei Fleetwood geschehen � so viele Tote und kleine Heldentaten, einige bemerkt, andere unbemerkt. Charles hatte seinen einzigen guten Freund verloren; daf�r hatte er etwas wiedergewonnen, was er aufgegeben hatte.</p><p>Er rieb Sport ab, f�tterte ihn und streichelte seinen Hals. �Wir haben�s wieder mal geschafft, alter Freund.� Der Graue reagierte mit einem kleinen Sch�tteln des Kopfes; er war ebenso ersch�pft wie Charles.</p><p>Brandy Station begr�ndete den Ruf der Unions-Kavallerie. Stuarts Reputation bekam einige Flecken ab. Und mit einiger Versp�tung wurde Charles klar, wie sehr er doch mit seiner Angst vor einer Beziehung mit Gus recht gehabt hatte. Solch eine Verbindung war in Kriegszeiten falsch. Falsch f�r sie, falsch f�r ihn.</p><p>Charles war w�hrend der Angriffe auf Fleetwood beobachtet worden. Er wurde von Hampton lobend erw�hnt und erhielt die Ernennung zum Major. Und er selbst hatte sich ein neues Ziel gesteckt. Zuerst mu�te er an seine Pflicht denken. Er liebte Gus; daran w�rde sich nichts �ndern. Aber Spekulationen �ber Heirat, eine gemeinsame Zukunft, durften im Kopf eines Soldaten keinen Platz finden. Das schl�ferte seine Konzentration ein, machte ihn verletzbar, weniger tatkr�ftig.</p><p>Er mu�te Gus sagen, wie es um ihn stand. Das war nur fair. Doch jetzt war er zu m�de, um sich dar�ber Gedanken zu machen, wann und wie er ihr das mitteilen w�rde.</p><p><strong>83</strong></p><p>�Pack sofort�, sagte Stanley.</p><p>Verschwitzt und gereizt von der Hitze an diesem Montag, dem 15. Juni, schnappte Isabel zur�ck: �Wie kannst du es wagen, einfach mitten am Tag bei mir hereinzuplatzen und Befehle zu erteilen?�</p><p>Er wischte sich das Gesicht, war aber sofort wieder schwei��berstr�mt. �Also gut, bleib hier. Ich bring die Jungs mit dem Vier-Uhr-Zug �ber Baltimore nach Lehigh Station. Ich habe das Dreifache des normalen Preises f�r die Fahrkarten gezahlt, und da habe ich noch Gl�ck gehabt.�</p><p>Ganz pl�tzlich sp�rte sie Beklommenheit � nie sprach er in diesem scharfen Ton zu ihr � und m��igte sich. �Was ist der Grund daf�r, Stanley?�</p><p>�Den Grund schreien die Zeitungsjungs an jeder Stra�enecke heraus. �Washington in Gefahr�. Ich habe geh�rt, da� Lee in Hagerstown ist � da� er in Pennsylvania ist �, morgen fr�h haben die Rebs die Stadt vielleicht schon eingeschlossen. Ich habe beschlossen, da� es Zeit f�r einen Urlaub ist. Wenn du keinen Wert darauflegst, dann ist das deine Angelegenheit.�</p><p>Es hatte Ger�chte �ber Milit�rbewegungen in Virginia gegeben, aber bis jetzt hatte man nichts Genaues erfahren. Konnte sie seiner Beurteilung der Lage trauen? Sie roch seine Whiskeyfahne; in letzter Zeit trank er viel.</p><p>�Wieso hast du die Erlaubnis zur Abreise bekommen?�</p><p>�Ich erz�hlte dem Minister, zu Hause sei meine Schwester schwer erkrankt.�</p><p>�Kam ihm der Zeitpunkt nicht ein bi�chen sehr merkw�rdig vor?�</p><p>�Sicher. Aber das ganze Ministerium ist ein einziges Irrenhaus. Niemand tut etwas. Und Stanton hat gute Gr�nde, mich bei Laune zu halten. Ich hab seine Instruktionen an Baker weitergegeben. Ich wei�, wieviel Dreck an seinen H�nden klebt.�</p><p>�Trotzdem k�nnte es deiner Karriere schaden, wenn � �</p><p>�H�r auf�, schrie er. �Lieber ein lebender Feigling als ein toter Patriot. Glaubst du, ich bin der einzige Regierungsbeamte, der verschwindet? Hunderte sind bereits weg. Wenn du mit mir kommen willst, dann fang an zu packen. Ansonsten verhalte dich ruhig.�</p><p>Eine bemerkenswerte, nicht ganz willkommene Ver�nderung war in den letzten Monaten mit ihrem Mann vorgegangen. Sie hatte diesen neuen Mann geschaffen. Und sie liebte einige Aspekte dieser Sch�pfung � den Reichtum, die Macht, die Unabh�ngigkeit von seinem �blen Bruder. Wenn sie ihn weiterhin kontrollieren wollte, dann mu�te sie ihren eigenen Stil �ndern und subtilere Methoden anwenden.</p><p>Von der T�r her funkelte er sie an. Mit gesenktem Blick und vorget�uschter Unterw�rfigkeit sagte sie: �Ich entschuldige mich, Stanley. Es war klug von dir, auf die Abreise zu dr�ngen. In einer Stunde bin ich fertig.�</p><p>�chzend und grunzend kletterte Elkanah Bent, der in seinem wei�en Leinenanzug wie ein Berg Schweineschmalz auf Beinen aussah, vom Kutschbock; der Fahrer hatte genau vor Mrs. Devores Privatresidenz f�r junge Damen gehalten, deren Gesch�fte den Ger�uschen nach zu urteilen trotz der Panik in der Stadt sehr gut zu gehen schienen. Zwei weitere M�nner der Abteilung schoben die hinteren Vorh�nge der geschlossenen Kutsche beiseite und sprangen hinaus. Bent signalisierte einen zu einem Durchgang, der zur Hintert�r des Hauses f�hrte. Der andere folgte ihm die Steinstufen hoch.</p><p>Die Detektive hatten nach der besten M�glichkeit gesucht, wie sie ihr Opfer zu fassen bekommen k�nnten. Es schien nicht ratsam, einen bekannten Journalisten bei hellem Tageslicht von der Stra�e zu zerren. Sie hatten sein Logierhaus in Erw�gung gezogen, aber Bent, der das Kommando f�hrte, hatte sich schlie�lich f�r das Bordell entschieden. Allein die Umgebung w�rde vielleicht die unvermeidlichen Proteste des Mannes d�mpfen.</p><p>Er l�utete die Glocke. Der Schatten einer Frau mit hochget�rmten Haaren fiel auf das Milchglas. �Guten Abend, Gentlemen�, sagte die elegante Mrs. Devore. �M�chten Sie nicht eintreten?�</p><p>L�chelnd folgten Bent und sein Begleiter der Frau in einen hell erleuchteten Salon, in dem sich Huren im Abendkleid und eine fr�hliche Menge aus Offizieren und Zivilisten dr�ngten. Einer der Zivilisten, ein d�rrer, satanischer Mensch, n�herte sich Bent.</p><p>�Abend, Dayton.�</p><p>�Abend, Brandt. Wo?�</p><p>Der Mann blickte zur Decke. �Zimmer 4. Heute hat er zwei im Bett. Gemischte Farben.�</p><p>Bents Herz klopfte rasend, eine Mischung aus Furcht und Erregung � Jetzt erst entdeckte Mrs. Devore die Ausbuchtung an Bents rechter H�fte.</p><p>�Sie halten hier unten alles unter Kontrolle, Brandt. Niemand verl��t den Raum, bis ich ihn geschnappt habe.� Brandt nickte. �Los�, sagte Bent zu dem anderen Detektiv. Sie gingen auf die Treppe zu.</p><p>Alarmstimmung leuchtete in Mrs. Devores Augen auf. �Gentlemen, wohin wollen �?�</p><p>�Verhalten Sie sich ruhig�, sagte Bent und wandte sein Revers, um sein Abzeichen zu zeigen. �Wir sind vom National Detective Bureau. Wir wollen einen Ihrer Kunden. Mischen Sie sich nicht ein.�</p><p>Die Stufen hochwalzend, zog Bent seinen Revolver, einen nagelneuen LeMat .40-Kaliber, in Belgien hergestellt. Es war eine durchschlagskr�ftige Waffe, die meist von den Rebellen benutzt wurde.</p><p>Im oberen Flur konnte der starke Parf�mduft nicht ganz den Geruch nach Desinfektionsmitteln verdecken. Bents Stiefel trampelten �ber den Teppich, vorbei an geschlossenen T�ren; hinter einer T�r st�hnte eine Frau in rhythmischen Ausbr�chen. Seine Lenden bebten.</p><p>Vor Zimmer 4 postierten sich die Detektive auf beiden Seiten der T�r. Bent dreht den T�rknauf mit der linken Hand und st�rzte hinein. �Eamon Randolph?�</p><p>Ein Mann in mittleren Jahren mit weichlichen Gesichtsz�gen lag nackt im Bett; ein h�bsches schwarzes M�dchen sa� rittlings �ber ihm, eine �ltere wei�e Frau, deren schwere Br�ste �ber seiner Nase baumelten, hinter seinem Kopf. �Wer zum Teufel sind Sie?� rief der Mann, w�hrend die Huren aufsprangen.</p><p>Wieder lie� Bent sein Abzeichen aufblitzen. �National Detective Bureau. Ich habe einen Haftbefehl gegen Sie, unterzeichnet von Colonel Lafayette Baker.�</p><p>�Oh-oh�, sagte Randolph und richtete sich mit kampflustigem Gesichtsausdruck auf. �Ich soll wohl wie Dennis Mahoney beiseite geschafft werden?� Mahoney, ein Journalist mit �hnlicher Einstellung wie Randolph, hatte letztes Jahr drei Monate im Gef�ngnis gesessen.</p><p>�Sowas in der Art�, sagte Bent. Die wei�e Hure grapschte nach ihrem Morgenrock. Die junge Schwarze, weniger ver�ngstigt, beobachtete alles vom offenen Fenster aus. �Die Anklage lautet auf illoyale Praktiken.�</p><p>�Aber nat�rlich�, scho� Randolph mit hoher Stimme zur�ck, gegen die Bent sofort eine heftige Abneigung empfand. Das fliehende Kinn und die hervorquellenden Augen des Reporters erweckten den falschen Eindruck von Schw�che. Anstatt sich zu kr�mmen, schwang er recht munter die Beine aus dem Bett.</p><p>�Meine Damen, wenn Sie mich entschuldigen w�rden. Ich mu� mich ankleiden und diese Totschl�ger begleiten. Ihr k�nnt gehen.�</p><p>Einen Blick auf die schwarze Hure werfend, wedelte Bent mit dem LeMat. �Jeder bleibt an seinem Platz. Ihr kommt alle in den Wagen.�</p><p>�Oh Gott�, sagte die Wei�e und bedeckte ihre Augen. Das schwarze M�dchen schl�pfte in ein elfenbeinfarbenes Seidenkleid; jetzt sah sie aus wie eine in die Enge getriebene Ratte.</p><p>�Er blufft, M�dels�, sagte Randolph. �Geht.�</p><p>�Ein schlechter Rat�, konterte Bent. �Ich m�chte eure Aufmerksamkeit auf diese Waffe lenken. Sie ist mit Schrotkugeln geladen. Ihr k�nnt euch sicher vorstellen, wie ein Gesicht aussieht, das ich mir zum Ziel genommen habe?�</p><p>�Er wird nicht schie�en�, sagte Randolph, auf die nackten F��e springend. �Diese Regierungsleute sind alle feige Hunde. Und was den Haftbefehl anbelangt, den k�nnen Sie ins gleiche Feuer werfen, in dem Sie und Baker und Stanton schon ihre Verfassungskopien verbrannt haben. Und jetzt treten Sie bitte beiseite, und st�ren Sie mich nicht beim Ankleiden.�</p><p>�Bewach die T�r�, knurrte Bent seinem Helfer zu. Er holte mit dem LeMat aus und schlug zu. Randolph, nicht darauf gefa�t, bekam den Schlag voll ins Gesicht. Seine Haut platzte auf; Blut tropfte auf sein wei�es Brusthaar.</p><p>Die wei�e Frau schluchzte melodramatisch. Im Korridor erklangen Schritte, Fl�che, Fragen. Bent rammte den LeMat in Randolphs nackten Bauch, schlug dann erneut auf seinen Kopf ein. Mit hervorquellenden Augen kippte Randolph aufs Bett, machte die Laken blutig.</p><p>Bent am �rmel fassend, sagte der andere Detektiv: �H�r auf, Dayton. Wir wollen ihn nicht umbringen.�</p><p>Bent schlug mit dem linken Arm nach hinten, sch�ttelte die Hand des anderen ab. �Halt�s Maul. Ich befehle hier. Und was dich anbelangt, du Dreckst�ck � � Er knallte Randolph den Revolverkolben auf den Sch�del. �F�r dich haben wir ein Spezialzimmer im Old-Capitol-Gef�ngnis reserviert � <emphasis>Pa� auf sie auf!�</emphasis></p><p>Der Detektiv sprang auf das schwarze M�dchen zu. Aber sie hatte bereits ein nacktes Bein �ber den Fenstersims geschwungen und war blitzschnell verschwunden. Bent h�rte einen scharfen Aufschrei, als sie landete.</p><p>F�uste h�mmerten gegen die T�r. Der andere Detektiv streckte den Kopf zum Fenster raus. �Harkness! Eine haut ab.�</p><p>�La� sie gehen. Nichts weiter als Niggergeschmei߫, sagte Bent. Mit dem Revolver versetzte er Randolphs Schulter einen harten Sto�. �Anziehen.�</p><p>F�nf Minuten sp�ter zerrte er zusammen mit seinem Helfer den halb bewu�tlosen Journalisten die Treppe runter. Sie warfen den in eine Decke gewickelten K�rper hinten in die Kutsche. �Du hast ihn hart geschlagen�, sagte der andere Detektiv.</p><p>�Du sollst das Maul halten, hab� ich gesagt.� Bent schnaufte laut; er f�hlte sich, als h�tte er eben eine Frau gehabt. �Ich habe die Sache erledigt. Das ist alles, was Colonel Baker will.�</p><p>Brandt stieg zu ihnen in die Kutsche. Detektiv Harkness setzte sich neben den Kutscher. �Die Niggerin ist entwischt, Dayton�, sagte er. Bent grunzte; allm�hlich wurde er ruhiger. Am Boden gab der Gefangene wimmernde Laute von sich. Bent begann sich Sorgen zu machen; hatte er ihn wirklich zu hart getroffen?</p><p>L�cherlich, sich dar�ber Gedanken zu machen. Oft genug war bei Bakers Verh�ren wesentlich Schlimmeres passiert. Er hatte nichts weiter als seine Arbeit getan.</p><p>�Los, sonst kriegen wir noch die st�dtische Polizei auf den Hals�, br�llte er. Der Fahrer sch�ttelte die Z�gel; die Kutsche ruckte an.</p><p>Brett trat auf die vordere Veranda hinaus; sie hatte sich zum Abendessen umgekleidet, aber schon brach ihr wieder der Schwei� aus. Kein Lufthauch r�hrte sich.</p><p>�Brett? Hallo! Wichtige Neuigkeiten!�</p><p>Die belegte Stimme geh�rte dem fett gewordenen Stanley, der in Hemds�rmeln mit aufgeschlagener Zeitung auf der Veranda seines eigenen Hauses sa�. Seit er und Isabel mit ihren widerw�rtigen S�hnen nach Belvedere zur�ckgekehrt waren, hatte Brett nach M�glichkeit einen Bogen um sie gemacht. Auch jetzt �berlegte sie, ob sie grob und unh�flich sein sollte, brachte es aber nicht �ber sich. Gleich w�rde die Glocke zum Abendessen rufen; solange konnte sie es schon mit ihm aushalten.</p><p>Sie ging die paar Schritte nach nebenan, ihr Schatten auf dem messingfarbenen Rasen dreimal so gro� wie sie. �Was gibt�s?� fragte sie vom Fu�e der Treppe aus. Sie roch seine Ginfahne und bemerkte seinen glasigen Blick. Im oberen Stock konnte sie die Zwillinge fluchen und streiten h�ren.</p><p>Schwankend streckte Stanley ihr den <emphasis>Ledger-Union</emphasis> entgegen. �Zeitung hat telegraphisch Nachricht aus Washington bekommen. Am Samstag�, Zischlaute mischten sich in seine schon undeutliche Aussprache, �Pr�s�dent Lincoln ersetzt Gen�ral Hooker. Gen�ral Me�s hat�s Kommando jetzt.�</p><p>�General wer?�</p><p>�Me. M-e-a-d-e. Me.�</p><p>Betrunken, dachte sie. Von der Dienerschaft des anderen Hauses hatte sie zuf�llig einigen Klatsch �ber Stanleys neues Laster aufgeschnappt. Sie sagte zu ihm: �Ich f�rchte, ich wei� so gut wie nichts �ber diese M�nner oder ihre F�higkeiten.�</p><p>�Gen�ral Me is� ein Fels. Wenn einer die Reb-Invasion stoppn kann, dann er.� Ein nerv�ser Blick Richtung S�den. �Gott, ich w�nscht�, wir h�tt�n das alles hinter uns.�</p><p>Mit der Zeitung klatschte er sich gegen das Bein. Bei der pl�tzlichen Bewegung verlor er die Balance und konnte sich gerade noch an einen Verandapfosten klammern. F�r einen kurzen Moment hatte Brett Mitleid mit ihm. �Ich w�nsche es mir mindestens so sehr wie du�, sagte sie.</p><p>Er blinzelte, zerrte an seinem feinen Leinenhemd. �Wei� schon, du h�ttest Billy gern daheim. Ich auch. Aber der verfluchte Krieg sollt nich� blo� wegen der Familie vorbei sein. Hab auch noch�n paar politische Gr�nde. Nich� pers�nlich gemeint, jetzt�, ein schmieriges Grinsen, �aber wir Republikaner werd�n das alte Dixie-Land f�r immer umkrempeln.�</p><p>Gereizt von seiner alkoholisierten Selbstzufriedenheit, aber doch neugierig geworden, fragte sie: �Oh, wirklich? Wie denn?�</p><p>Geheimnistuerisch legte er den Finger an die Lippen, fl�sterte dann: �Ganz einfach. Rep�likanische Partei wird so tun, als war sie der Freund von all�n befreit�n Niggern da unten. Dummes Pack, Niggers. Wir geb�n ihnen das Wahlrecht, dann w�hl�n sie, was wir ihnen sagn. Mit den Niggerstimmen kriegt unsre Partei die Mehrheit, bevor du <emphasis>piep</emphasis> sagen kannst.�</p><p>�Stanley, das ist ein ziemlich kaltbl�tiger Plan. Bist du sicher, da� du ihn nicht erfunden hast?�</p><p>Das schmierige Grinsen wurde noch breiter. �W�rd� ich meine eigne Verwandte anl�g�n? Pl�ne sind schon lange gemacht. Von einer gewissen � inneren Gruppe.� Er verdrehte die Augen. �Ich sag� besser nichts mehr.�</p><p>Emp�rt erwiderte Brett: �Du hast schon genug gesagt. Ihr n�tzt die gleichen Leute schamlos aus, die ihr angeblich unterst�tzen wollt?�</p><p>Er kicherte. �Nigger kapier�n sowas nicht, kapier�n auch nicht, da� wir sie benutzen.�</p><p>�Das ist absolut skrupellos.�</p><p>�Nein, blo� Pol�tik. Ich � �</p><p>�Entschuldige mich�, sagte sie, mit ihrer Geduld am Ende. �Ich mu� zum Essen.�</p><p>Sie a� allein, erhitzt und ver�rgert. Maude, eines der Servierm�dchen, nahm ihren Mut zusammen und fragte: �Alle reden von einer gro�en Schlacht. Werden sie hier auch k�mpfen?�</p><p>�Ich wei� nicht�, antwortete Brett. �Niemand wei� genau, wo die Armeen stehen.�</p><p>In der Hoffnung auf etwas K�hlung spazierte Brett den H�geln entgegen, in die von Hazards Licht ger�tete Dunkelheit hinein. Wo war Billy? Seit fast drei Wochen hatte sie keinen Brief mehr bekommen. Sie stieg h�her, durch den Lorbeer auf den Anh�hen hindurch. Gedankenverloren brach sie einen Lorbeerzweig. Sie erinnerte sich daran, da� Billy ihre Liebe mit dem Lorbeer verglichen hatte. Beide w�rden sie diese schrecklichen Zeiten �berleben, hatte er gesagt. W�rden sie wirklich?</p><p>Wo mochte ihr Mann heute abend sein? Wo die Armeen? Konnte es sein, da� Harrisburg brannte, und sie hatte in diesem friedlichen Tal keine Ahnung davon? Sie schauderte unter den r�tlichen Sternen, starrte nach S�dwesten in die Dunkelheit, stellte sich die unsichtbaren Armeen vor, die sich in der hei�en Nacht gegenseitig belauerten.</p><p>Verst�rt und verschreckt warf sie den Lorbeerzweig weg und eilte den H�gel hinab. Erst in der Morgend�mmerung schlief sie ein.</p><p><strong>84</strong></p><p>Lee war im Feindesland untergetaucht. Eine Stadt, eine Regierung, ein ganzes Land hielt den Atem an in der Hoffnung auf gute Nachrichten.</p><p>Keine guten Nachrichten aus dem Westen, teilte Orry Madeline mit. Rosecrans war in Tennessee in Bewegung, und Grant hielt Vicksburg in einem st�ndlich enger werdenden W�rgegriff. Orrys Arbeit bestand aus einem Alptraum von Konferenzen, Memoranden und st�ndigen Zusammenst��en mit Winder und dessen Gef�ngnispersonal �ber die laufend steigende Zahl der Toten unter den Kriegsgefangenen.</p><p>Sie lasen und erwiderten die gelegentlichen Briefe von Philemon Meek. Augusta Barclay besuchte sie f�r einen Tag und erkundigte sich sehr besorgt nach Cousin Charles. Seit zwei Monaten hatte sie keinen Brief mehr von ihm erhalten; ihre Angst, er k�nnte bei dem Kavalleriegefecht bei Brandy Station gefallen sein, war gro�.</p><p>Orry versicherte ihr, da� er die Verlustlisten genau beobachtete; bis jetzt sei der Name von Major Charles Main nirgendwo aufgetaucht. Gus wu�te noch nichts von seiner Bef�rderung. Sie sagte, sie freue sich dar�ber, aber es klang nicht sonderlich begeistert.</p><p>Kurz vor ihrer Abreise brachte sie den Mains gegen�ber erneut ihre Dankbarkeit f�r deren Gastfreundschaft w�hrend der K�mpfe bei Chancellorsville zum Ausdruck; sie w�rde sich gern f�r die erwiesenen Freundlichkeiten revanchieren. Madeline dankte ihr, und die beiden Frauen umarmten sich; sie hatten Gefallen aneinander gefunden.</p><p>Nachdem Gus gegangen war, sagte Madeline: �Irgendwas stimmt nicht zwischen ihr und Charles, ich wei� blo� nicht, was.�</p><p>Orry war der gleichen Meinung; genau wie seine Frau hatte er eine gewisse Traurigkeit in den Augen der Besucherin entdeckt.</p><p>Auch mit Cooper stimmte etwas nicht. Orry traf seinen Bruder gelegentlich am Capitol Square. Cooper war kurz angebunden und lehnte weitere Essenseinladungen mit einem schroffen �Im Augenblick zu besch�ftigt� ab.</p><p>Seit einigen Monaten wu�te Orry, da� Beauchamps Oyster House in der Main Street als illegaler Briefkasten f�r Post nach dem Norden diente. Ende Juni schrieb er George einen langen Brief, adressiert an Hazards in Lehigh Station. Er erkundigte sich, wie es Constance und Billy und Brett ging, berichtete von seiner Eheschlie�ung mit Madeline und erw�hnte, da� Charles Dienst bei den Iron Scouts tat. An einem schw�len Abend betrat er in dem einzigen Zivilanzug, den er von Mont Royal mitgebracht hatte, Beauchamps und �bergab dem Barmann den versiegelten Umschlag, zusammen mit vierzig Konf�deriertendollar. Es gab keine Garantie, da� der Brief weiter als bis zur n�chsten M�lltonne kommen w�rde. Doch Orry vermi�te seinen alten Freund, und nachdem er es auf Papier zum Ausdruck gebracht hatte, f�hlte er sich besser.</p><p>Die Junihitze hielt an. Das Warten auch.</p><p>�Ich mache mir Sorgen�, sagte Ashton am gleichen Abend, an dem Orry seinen Brief abschickte.</p><p>�Wor�ber?� fragte Powell. Nackt bis auf die Unterhosen sa� er da und las die Besitzurkunde �ber eine kleine Farm durch, die er und seine Partner gekauft hatten. Die Farm lag am Ufer des James, unterhalb der Stadt in der N�he von Wilton�s Bluff. Powell hatte nicht erkl�rt, weshalb dieser Besitz einen Vorteil bot, doch Ashton wu�te, da� es etwas mit dem Plan, Davis zu eliminieren, zu tun hatte.</p><p>Powells Desinteresse brachte Ashton dazu, �rgerlich zu erwidern: ��ber meinen Mann.� Er h�rte den Zorn in ihrer Stimme und legte die Urkunde beiseite. �Jeden Morgen erkundigt er sich nach meinen Pl�nen f�r den Tag. Als ich gestern in der Stadt einkaufen war, hatte ich das komische Gef�hl, beobachtet zu werden � und dann entdeckte ich James auf der anderen Stra�enseite, wie er hinter einem Wasserwagen lauerte und m�glichst unverd�chtig dreinzuschauen versuchte.�</p><p>�Hat er dir an dem Abend Fragen gestellt?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Er war noch an der Arbeit, als ich das Haus verlie�.�</p><p>�Aber du glaubst, er wei� Bescheid?�</p><p>�Er hat einen Verdacht. Ich will es nicht, aber ich glaube, ich mu� es sagen, Lamar. Vielleicht w�re es besser, wenn wir uns eine Weile nicht mehr sehen w�rden.�</p><p>Seine Augen wurden eisig. �Wenn ich dich richtig verstehe, willst du damit zum Ausdruck bringen, da� ich dich langweile, ja, meine Liebe?�</p><p>Sie rannte auf ihn zu, pre�te ihre Handfl�chen gegen seine harte Brust. �Oh, mein Gott, nein, mein Schatz. Nein! Aber James ist so � es l�uft schlecht f�r ihn, und er ist v�llig durcheinander. Egal, wie vorsichtig du bist, er k�nnte dich eines Abends �berraschen. Dich verletzen.� Sie begann sich an seiner H�fte zu reiben. �Es w�rde mich umbringen, wenn ich f�r sowas verantwortlich w�re.�</p><p>Powell f�hrte ihre Hand tiefer und murmelte: �Nun � vielleicht hast du recht.�</p><p>Er erlaubte ihr, noch etwas weiterzumachen, dann schob er abrupt ihre Hand weg und nickte in Richtung eines anderen Stuhls. Gehorsam setzte sie sich hin. �Meine pers�nliche Sicherheit k�mmert mich am wenigsten. Ein gewaltiges Werk ist in Gang gebracht worden. Ich will nicht, da� es durch irgendeine idiotische, vermeidbare Gewalttat gest�rt wird. Um dir die Wahrheit zu sagen, ich habe mir auch schon Gedanken wegen deines Mannes gemacht.� Er legte die Fingerspitzen gegeneinander. �Letzte Woche bin ich auf eine M�glichkeit gesto�en, sicher zu gehen, da� er keine Bedrohung f�r uns darstellt. Ich habe dar�ber nachgedacht und bin jetzt �berzeugt davon, da� die Idee vern�nftig ist.�</p><p>�Was hast du vor? Willst du f�r seine Entlassung sorgen und ihn heimschicken?�</p><p>Powell ignorierte den Sarkasmus. �Ich beabsichtige, ihn f�r unsere Gruppe zu rekrutieren.�</p><p><emphasis>�Ihn zu rekrutieren?�</emphasis> Sie sprang auf. �Das ist die l�cherlichste, um nicht zu sagen gef�hrlichste � �</p><p>�Sei still, und la� mich ausreden.� Seine kalte Stimme brachte sie zum Schweigen. �Nat�rlich klingt es so � anfangs. Aber denk mal dr�ber nach. Es sprechen ganz logische, zwingende Argumente daf�r.�</p><p>�Tut mir leid, ich kann keine entdecken�, konterte sie.</p><p>�Bei jedem derartigen Unternehmen braucht man immer eine gewisse Anzahl von � sagen wir mal, Soldaten. M�nner, die die gef�hrlichsten Phasen des Plans ausf�hren. In unserem Fall m�ssen diese M�nner mehr als vertrauensw�rdig sein; sie m�ssen fanatisch gegen die Freiheit der Nigger sein, denn nur das bringt absolute Loyalit�t. Unsere Soldaten m�ssen Davis und seine West-Point-St�mper und die Judenb�rokraten hassen und f�r die Errichtung unserer neuen Konf�deration sein. Vom letzten Aspekt abgesehen, von dem er noch nichts wei�, gehe ich davon aus, da� dein Mann all diese Bedingungen erf�llt.�</p><p>�Nun, so betrachtet, mag es vielleicht zutreffen.�</p><p>Powells verschlagenes L�cheln verst�rkte sich. �Und schlie�lich, w�re es nicht besser, ihn ganz in der N�he und unter Kontrolle zu haben, als ihn frei herumlaufen zu lassen?� Er kam um den Tisch und wickelte eine Locke ihres Haares um seinen Finger. �Bei einer aktiven Beteiligung deines Mannes k�nnten wir uns auch wesentlich leichter sehen.�</p><p>�Da stimme ich dir zu � vor allem jetzt, wo er sich wegen der Fehlschl�ge des Pr�sidenten in einem solchen Zustand befindet.�</p><p>�Siehst du? So verr�ckt ist der Einfall also doch nicht.�</p><p>Mit dem Finger strich er an ihrem Nacken auf und ab. �Blo� mal angenommen, er kommt uns, trotz aller Vorsichtsma�nahmen, auf die Schliche. Ger�t aus dem Gleichgewicht, ist daher nicht mehr vertrauensw�rdig.� Er lie� ihre Haarstr�hne los und legte seine Hand auf den Sharps-Revolver mit den vier L�ufen. �Auch damit k�nnen wir fertig werden.�</p><p>Ashtons Blick ging von seinem Gesicht zu der gl�nzenden Waffe und zur�ck. Erschreckt, erfreut und ganz pl�tzlich erregt schlang sie die Arme um seinen Hals, k��te ihn und fl�sterte: �Oh, mein liebster Lamar. Du bist so klug.�</p><p>�Dann hast du nichts gegen meinen Plan einzuwenden?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Nicht das geringste?�</p><p>�ber seine Schulter hinweg sah sie den gl�nzenden Sharps-Revolver. �Nein � <emphasis>nein.</emphasis> Ich bin mit allem einverstanden, was du willst, so lange ich nur f�r immer bei dir bleiben kann.�</p><p>Sie sp�rte ihn gegen ihr Kleid, gro� und potent. Sie hatte das Gef�hl, mehr als nur etwas Physisches zu ber�hren. Sie ber�hrte seine St�rke; seine Ambitionen; die Macht, die sie schlie�lich miteinander teilen w�rden.</p><p>�F�r immer�, wiederholte Powell und hob sie wie ein Kind hoch. �Daf�r m�ssen wir allerdings darin �bereinstimmen, da� James Huntoon, Esquire, n�tigenfalls geopfert wird.�</p><p>Ihr leidenschaftlicher Ku� gab ihm die Antwort.</p><p>Sp�t am Mittwoch, dem 1. Juli, trat Stanley aus dem Erste-Klasse-Abteil des Zuges von Baltimore. Selbst durch den Schleier von einigen kr�ftigen Schlucken aus der Bourbonflasche hindurch konnte er kaum fassen, was ihm w�hrend der letzten vierundzwanzig Stunden alles zugesto�en war.</p><p>Ger�chte von einer bevorstehenden Schlacht hatten Lehigh Station erreicht. Er und Isabel hatten gerade gepackt, um sich auf den Familiensommersitz Fairlawn in Newport zur�ckzuziehen, als Stantons scharf formuliertes Telegramm eintraf. Stanley war fast die ganze gestrige Nacht und den heutigen Tag unterwegs gewesen. Ersch�pft und halb betrunken hatte er schlie�lich gegen halb sieben das Heiligtum des Ministers betreten und zehn Minuten lang Stantons Zorn �ber sich ergehen lassen, bevor er mit einer Mietkutsche zur Nordseite des Capitol Square fuhr. Hier stand das Geb�ude, das seit 1861 als Gef�ngnis diente.</p><p>Stanley hatte seine Ankunft angek�ndigt. Bakers Brauner, Slasher, war am Ringpfosten beim Eingang angebunden. Der Colonel wartete drau�en, in b�sartiger Stimmung, aber eindeutig nerv�s. Bei ihm befand sich der Gef�ngnisdirektor Wood.</p><p>�Wo ist er?� wollte Stanley von Wood wissen.</p><p>�Raum 16. Wo wir alle Reporter unterbringen.�</p><p>�Haben Sie die anderen aus dem Raum entfernt? Es ist wichtig, da� mich niemand erkennt. Zeitungsleute w�rden mich bestimmt erkennen.� Man versicherte ihm, da� das erledigt worden sei. �Sie haben das versaut, Baker � das wissen Sie?�</p><p>�Nicht meine Schuld�, beschwerte sich Baker, als Stanley die Stufen hochzusteigen begann.</p><p>�Der Minister sieht das anders. Wenn wir das nicht wieder hinbiegen, dann kann es Sie Ihr kostbares Spielzeug kosten � diese vier Kavallerietruppen, zu denen Sie Mr. Lincoln �berredet haben.�</p><p>Raum 16 war eine lange, trostlose Kammer mit einem dreckigen Fenster am Ende. Spinnweben verklebten die Ecken. Merkw�rdige Flecken f�rbten die W�nde; auf Feldbetten h�uften sich schmutzige Decken und Gep�ck. Die M�blierung bestand aus zwei dreckigen Tischen und B�nken. Mit Kohle hatte jemand an die Wand geschmiert: Hier wird Maultierfleisch serviert.</p><p>�Untere Koje, links�, fl�sterte Wood.</p><p>Der Fu�boden knarrte, als sie auf Zehenspitzen zu dem kleinen, fast zwergenhaften Mann schlichen, der mit dem R�cken zu ihnen schnarchte. Die sichtbare Seite seines Gesichts war �bel zerschlagen, sein Auge nur noch ein verquollener Schlitz.</p><p>�Guter Gott�, sagte Stanley.</p><p>Randolph bewegte sich, wachte aber nicht auf. Stanley schob Baker beiseite und ging hinaus. Unten in Woods B�ro knallte er die T�r zu und sagte: �Folgendes ist geschehen. Eine schwarze Hure entkam, als Randolph bei Mrs. Devores geschnappt wurde. Die Hure telegraphierte Cincinnati. Die Besitzer von Randolphs Zeitung sind Demokraten, aber sie besitzen gen�gend Einflu� in Ohio, um eine Antwort von der republikanischen Regierung verlangen zu k�nnen � womit speziell Mr. Stanton gemeint ist. Habeas Corpus hin oder her, Randolph wird morgen fr�h entlassen.�</p><p>Baker seufzte. �Damit w�re das also erledigt.�</p><p>�Den Teufel ist es. Wer hat ihn so schlimm zugerichtet?�</p><p>�Der Mann, den Sie mir geschickt haben, Dayton.�</p><p>�Werden Sie ihn los.�</p><p>Baker strich sich achselzuckend den Bart. �Nichts leichter als das.�</p><p>�Und die Zeugen.�</p><p>�Nicht ganz so einfach.�</p><p>�Warum nicht? Eine ist in Haft.�</p><p>�Die wei�e Prostituierte�, sagte Wood. �Sie war bei der anderen Frau.�</p><p>�Besorgen Sie sich den Namen der Niggerin bei Mrs. Devore�, befahl Stanley. �Finden Sie sie, und bringen Sie beide Frauen aus Washington raus. Drohen Sie ihnen, geben Sie ihnen Bestechungsgeld, aber auf jeden Fall will ich sie f�nfhundert oder tausend Meilen von hier entfernt haben. Sie sollen falsche Namen annehmen, wenn ihnen ihr Fell lieb ist.� Baker wollte Einw�nde erheben, aber Stanley plusterte sich auf: �Tun Sie, was ich Ihnen sage, Colonel, oder Sie haben die l�ngste Zeit den Ersten Bezirk der Columbia Cavalry kommandiert.�</p><p>Mit undeutlichem Gemurmel wandte sich Baker ab. Wood kratzte sich am Kinn. �Da ist immer noch Randolph. Niemand hat ihm die Zunge rausgeschnitten.�</p><p>Stanley warf dem Direktor einen vernichtenden Blick zu; zu einem solchen Zeitpunkt scherzte man nicht.</p><p>�Randolph unterliegt Mr. Stantons Verantwortlichkeit. Der Minister spricht gerade mit Senator Wade, und man kann davon ausgehen, da� einige angesehene Kongre�abgeordnete Randolphs Verlegern einen guten Rat geben werden. Die Botschaft wird ganz simpel sein. Es wird nur zu ihrem Vorteil sein, wenn sie sich ruhig verhalten; wenn nicht, dann werden sie sehr viel �rger bekommen. Ich nehme an, sie werden sich f�r ersteres entscheiden. Wenn Randolph dann redet, wer soll seine wilde Geschichte best�tigen? Seine Zeitung wird es nicht tun. Die Frauen auch nicht, die werden verschwunden sein. Dayton ebenfalls. Viele haltlose Geschichten �ber Regierungsexzesse sind heutzutage in Umlauf. Da kommt es auf eine mehr nicht an.�</p><p>�Ich rede morgen mit Dayton�, versprach Baker.</p><p>�Heute abend�, sagte Stanley und ging die Treppe hinunter, hinaus auf den Platz.</p><p>�Ich bedaure das�, sagte Lafayette Baker zu Elkanah Bent, der sich noch im Halbschlaf befand. Es war halb zw�lf. Bent war von Detektiv O�Dell geweckt und ins B�ro geschleppt worden.</p><p>Baker r�usperte sich. �Aber Tatsachen sind Tatsachen, Dayton. Sie haben Randolph durch mehrfache Schl�ge verletzt.�</p><p>Bent umklammerte die Armlehnen seines Stuhls und schob sich vor. �Er hat sich der Verhaftung widersetzt.�</p><p>�Selbst dann ist offensichtlich, da� Sie mehr Gewalt als n�tig angewendet haben.�</p><p>Bent schlug auf den Schreibtisch. �Und was tun Sie und Wood, wenn Sie jemanden befragen? Ich bin im Gef�ngnis gewesen. Ich habe die Schreie geh�rt � �</p><p>�Das reicht�, sagte Baker mit unheilverk�ndender Stimme.</p><p>�Sie wollen einen S�ndenbock � �</p><p>�Ich will gar nichts, Dayton. Sie sind ein f�higer Agent, und wenn ich Sie behalten k�nnte, dann w�rde ich das auch tun, glauben Sie mir das.� Bent stie� einen Fluch aus. Baker verf�rbte sich, kontrollierte aber seine Stimme. �Ich stehe unter Befehl vom Kriegsministerium. Der Minister h�chstpers�nlich. Aber f�r das, was Randolph geschehen ist, mu� eine gewisse Wiedergutmachung angeboten werden, und ich bedaure � �</p><p>�� da� ich der Knochen bin, der den W�lfen zum Fra� vorgeworfen wird�, rief Bent; es war mehr ein Kreischen. Jemand klopfte an die T�r.</p><p>�Alles in Ordnung, Fatty�, rief Baker zur�ck. Und leiser: �Ich verstehe Ihre Gef�hle. Aber es wird zu Ihrem Vorteil sein, wenn Sie das mit Anstand tragen.�</p><p>�Den Teufel werd� ich. Ich lasse mich nicht von Ihnen auf den M�llhaufen werfen, auch nicht von Stanton oder sonst jemandem � �</p><p>�Halten Sie den Mund!� Baker sprang auf, deutete auf den anderen Mann. �Sie haben vierundzwanzig Stunden, um aus Washington zu verschwinden. Das ist endg�ltig.�</p><p>Wie ein harpunierter Wal stie� sich Bent von seinem Stuhl hoch. �Behandelt die Regierung loyale Angestellte so? Belohnt sie so treue Dienste?�</p><p>Abrupt setzte sich Baker. Seine H�nde begannen emsig, Dossiers durchzubl�ttern. Ohne den Blick zu heben, sagte er: �Vierundzwanzig Stunden, Mr. Dayton. Oder Sie werden unter Arrest gestellt.�</p><p>�Auf wessen Betreiben? Auf wessen Befehl?�</p><p>W�tend sagte Baker: �M��igen Sie Ihre Stimme. Eamon Randolph wurde �bel zusammengeschlagen. Ihnen wird viel Schlimmeres passieren, falls Sie �rger machen. Sie werden im Old Capitol verschwinden und einen grauen Bart kriegen, bevor Sie das Tageslicht wieder erblicken. Und jetzt raus hier, und morgen um diese Zeit sind Sie aus Washington verschwunden. <emphasis>O�Dell!�</emphasis></p><p>Die T�r flog auf. Der Detektiv kam hereingeschossen, die rechte Hand unter der Jacke.</p><p>�Bring ihn raus. Verschlie� die T�r, wenn er drau�en ist.�</p><p>Augenblicklich verwandelte sich Bent in einen blinzelnden, keuchenden Haufen Hilflosigkeit. Er brachte ein einziges, schwaches �Aber � � hervor.</p><p>�Dayton�, sagte Fatty O�Dell und trat beiseite, um den Weg freizugeben. Bent stolperte hinaus.</p><p>Einige Stunden zuvor rollte ein eleganter, offener Einsp�nner die Hollywood Cemetery Stra�e westlich von Richmond entlang. Lichtschein drang aus entfernt stehenden H�usern. Belaubte Zweige strichen dicht �ber die K�pfe von James Huntoon und Lamar Powell, dem Fahrer des Einsp�nners.</p><p>�Ich kann nicht glauben, was Sie mir da erz�hlt haben, Powell.�</p><p>�Genau deshalb habe ich Sie hierher gebracht�, erwiderte Powell. �Ich m�chte Sie gern f�r unsere Gruppe rekrutieren, aber ich konnte nicht riskieren, an einem Ort dar�ber zu sprechen, wo wir vielleicht belauscht werden.�</p><p>Huntoon zog ein Taschentuch hervor, um seine beschlagene Brille zu putzen. �Das verstehe ich nat�rlich.�</p><p>Powell sch�ttelte die Z�gel, um das Tempo auf einem geraden Stra�enst�ck zu beschleunigen. �Ich wei�, da� wir unsere, �h, Gesch�ftsverbindungen nicht gerade in bestem Einvernehmen begannen, Huntoon. Aber letzten Endes hat Ihnen die <emphasis>Water Witch</emphasis> einen ordentlichen Profit eingebracht.�</p><p>�Das stimmt. Ungl�cklicherweise hat mich meine Frau deswegen hintergangen.�</p><p>�Das tut mir leid. Ich habe das Gef�hl, Ihre Frau ist �u�erst charmant, aber ich kenne sie kaum, und so w�re es wohl mehr als unpassend, wenn ich mich zu Ihrer h�uslichen Situation �u�ern w�rde.�</p><p>Er hielt den Blick auf die Stra�e gerichtet. Dann sagte ihm ein fl�sterndes Seufzen, da� sich die Gedanken des Anwalts wieder dem Plan zugewandt hatten, den er ihm eben umrissen hatte. �Sind Sie entsetzt von dem, was ich Ihnen eben sagte?�</p><p>�Ja.� Entschlossener: �Ja � wie auch nicht? Meuchelmord ist � nun nicht nur ein Verbrechen; es ist ein Akt der Verzweiflung.�</p><p>�F�r die einen. Nicht f�r meine Gruppe. Wir unternehmen lediglich einen genau geplanten und absolut notwendigen Schritt zur Errichtung einer neuen Konf�deration im S�dwesten. Nat�rlich wird es auch dort eine Regierung geben. Sie k�nnten dabei eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Das Talent dazu besitzen Sie sicherlich. Ich habe mich �ber Ihre Arbeit im Finanzministerium informiert.�</p><p>Entz�ckt wie ein Junge sagte Huntoon: �Tats�chlich?�</p><p>�Glauben Sie, ich w�rde jetzt so offen mit Ihnen sprechen, wenn das nicht der Fall w�re? Sie sind einer von diesen �beraus f�higen M�nnern, die King Jeff auf untergeordneten Posten verk�mmern l��t, um seine verdammten Virginier f�rdern zu k�nnen. F�r Sie k�nnte ich mir sehr wohl einen wichtigen Posten in unserem Finanzministerium vorstellen, wenn Ihnen das zusagt. Falls nicht, k�nnen wir Sie sicherlich mit einem anderen hohen Amt, h�chstwahrscheinlich auf Kabinettsebene, zufriedenstellen.�</p><p><emphasis>Kabinettsebene.</emphasis> W�re Ashton da nicht begeistert? Vielleicht w�rde sie ihn dann nicht mehr f�r so unzul�nglich halten.</p><p>Aber es war gef�hrlich. Und Powell sprach so leichtfertig von Mord. Z�gernd sagte er: �Ehe ich mich entscheide, brauche ich weitere Details.�</p><p>�Details, ohne da� Sie zu uns geh�ren? Ich f�rchte, das ist unm�glich, James.�</p><p>�Dann Bedenkzeit. Die Risiken��</p><p>�Sind gewaltig, daran ist nicht zu r�tteln�, unterbrach ihn Powell. �Aber mutige M�nner mit Zukunftsvisionen k�nnen damit fertig werden. Vorhin eben haben Sie ein sehr zutreffendes Wort gebraucht � Verzweiflung. Aber es trifft auf die anderen weit mehr zu als auf uns. Die Konf�deration von Davis und seiner Bande ist verloren, und sie wissen das. Dem Volk wird das ebenfalls langsam klar. Die einzige Regierung, die Erfolg haben kann, ist eine neue Regierung. Unsere. Also ist die Frage ganz simpel: Wollen Sie sich uns anschlie�en oder nicht?�</p><p>In Huntoons Kopf wirbelten Erinnerungen durcheinander: Ashtons hingebungsvolle Augen, als sie seinen Heiratsantrag annahm; die jubelnden, klatschenden Mengen, vor denen er in seinem Heimatstaat f�r die Sezession pl�diert hatte. Seit er in diese verfluchte Stadt gekommen war, hatte er diese Art von Anerkennung schmerzlich vermi�t.</p><p>�Ihre Antwort, James?�</p><p>�Ich bin � geneigt, mich Ihnen anzuschlie�en. Aber vor der endg�ltigen Entscheidung mu� ich noch einmal dar�ber nachdenken.�</p><p>�Nat�rlich. Allerdings nicht zu lange�, murmelte Powell. �Die Vorbereitungen sind bereits im Gange.�</p><p>Wieder sch�ttelte er die Z�gel. Das Klappern der Hufe wurde schneller. Powell l�chelte. Der Fisch hing fest am Haken.</p><p>Nach seiner Entlassung durch Lafayette Baker zerbrach Elkanah Bents m�hsam bewahrte Selbstbeherrschung wie ein trockener Zweig. Schnurstracks fuhr er zur Residenz von Jasper Dills.</p><p>Wie einst bei Starkwether h�mmerte Bent jetzt gegen die T�r von Dills Haus; h�mmerte dagegen, bis seine Faust schmerzte und ein hochm�tiger Diener endlich �ffnete. �Mr. Dills hat die Stadt f�r einige Tage verlassen.�</p><p>�Feigling�, murmelte Bent, w�hrend ihm die T�r vor der Nase zugeknallt wurde. Wie so viele andere auch war der Anwalt bei der ersten Drohung einer Invasion geflohen.</p><p>Ohne die Hilfe des Anwalts wagte Bent es nicht, in Washington zu bleiben. Ein pl�tzlicher Einfall kam ihm. Weshalb sollte er �berhaupt im Norden bleiben? Er ha�te diese Armee, weil sie seine milit�rischen Talente nicht erkannt und ihm die Karriere verweigert hatte, die er verdiente. Er ha�te den Pr�sidenten, weil er die Neger h�tschelte. Und am meisten ha�te er diese Regierung, weil sie ihn benutzt und dann weggeworfen hatte.</p><p>In seinem Zimmer warf er Kleidung und einige wenige Besitzt�mer in zwei Koffer. Zuletzt packte er das Gem�lde aus New Orleans ein. W�hrend er arbeitete, stieg erneut der Ha� in ihm auf.</p><p>Er drehte sich um und starrte sein Bild in dem alten, fleckigen Spiegel an. Wie h��lich er war; aufgedunsen vom Fett. Mit einem Aufschrei packte er den Porzellanwasserkrug und schmetterte ihn in den Spiegel.</p><p>Augenblicke sp�ter klopfte die Vermieterin gegen die T�r. �Mr. Dayton, was tun Sie da?�</p><p>Um das Zimmer zu verlassen, mu�te er die T�r aufsperren und die alte Frau beiseitesto�en. Sie fiel hin. Er beachtete sie nicht. Den gro�en Koffer auf der Schulter, den kleinen Koffer in der Hand, so polterte er die Treppe hinunter, w�hrend die Frau hinter ihm her bl�kte.</p><p>In einem gemieteten Einsp�nner ratterte er nach S�den in die Morgend�mmerung hinein. Sein kleines silbernes Abzeichen und eine Portion Frechheit brachten ihn durch die Befestigungslinien. Er hielt geradewegs auf Port Tobacco zu, wo gewisse Matrosen loyal zur Konf�deration standen, vorausgesetzt, diese Loyalit�t wurde mit Bargeld unterst�tzt.</p><p>Bent achtete kaum auf die Landschaft. Vielleicht waren die S�dstaatenf�hrer gar nicht so schlimm, wie er immer geglaubt hatte. Und w�hrend seiner Zeit in Richmond hatte er gemerkt, da� er sich, ohne Verdacht zu erregen, anpassen konnte. Es <emphasis>mu�te</emphasis> einen Platz f�r ihn in der Konf�deration geben; im Norden gab es keinen mehr. Er mu�te einen Weg finden, um zu �berleben.</p><p>Als der Morgen hei�er und der Stra�enstaub dichter wurde, fiel ihm eine M�glichkeit ein. Baker hatte einen Mann erw�hnt, der eine zweite Konf�deration zu erreichen versuchte. Wie war sein Name? Nach einigen Minuten erinnerte er sich: Lamar Powell. Wie Baker gesagt hatte, handelte es sich vielleicht nur um ein Ger�cht. Aber ein paar Fragen konnten nicht schaden.</p><p>In dem verschlafenen Nest Port Tobacco sagte ein alter Binnenschiffer, dessen eine Gesichtsh�lfte von einem Schlaganfall gel�hmt war, zu Bent: �Ja, f�r die Summe kann ich Sie r�ber nach Virginny schmuggeln. Wann kommen Sie zur�ck?�</p><p>�Hoffentlich nie.�</p><p>�Dann lade ich Sie zur Feier des Tages zu einem Glas ein�, sagte der alte Mann mit einem halben Grinsen. �Wir machen die Fahrt, sobald die Sonne untergegangen ist.�</p><p><strong>85</strong></p><p>�Ihnen nach�, schrie Charles und trieb Sport die Landstra�e entlang. Die Schrotflinte in der linken Hand donnerte er auf die vier erschrockenen Yankees zu, die eben aus dem eine halbe Meile entfernten W�ldchen geritten waren. �Wir schnappen uns einen�, br�llte Charles seinem Begleiter zu, der zwei L�ngen hinter ihm ritt; ein achtzehnj�hriger Farmerjunge, der zweihundertdrei�ig Pfund wog. Er war ein fr�hlicher, f�gsamer junger Mann mit lediglich zwei Ambitionen: <strong>�</strong>Ich m�chte eine Menge S�dstaatengirls lieben und einen Haufen Yankeesch�del einschlagen.�</p><p>Jim Pickles war sein Name. Er war den Scouts zugeteilt worden, weil er f�r den normalen Dienst zu bullig und nicht elegant genug schien. Er hatte sich dem Senior-Scout angeschlossen � der darauf bestand, Charlie und nicht Major Main genannt zu werden �, seit Stuart und seine M�nner ihren Ritt nach Norden begonnen hatten, hinaus aus Virginia und weg von der eigentlichen Armee, die Longstreet in Feindesland f�hrte.</p><p>Drei Brigaden � diejenige von Hampton, Fitz Lee und die des verwundeten Rooney Lee unter dem Kommando von Colonel Chambers � hatten in der Nacht des 27. Juni den Potomac �berquert. Reichlich vagen Befehlen von General Lee folgend, f�hrte sie ihre Route �stlich der Bergketten fast genau nach Norden. Sie ritten drauflos, ohne eine Ahnung vom Standort der Unionsstreitkr�fte zu haben.</p><p>Charles h�rte Beschwerden und Gemurmel, da� General Jeb im Begriff sei, eine weitere spektakul�re Show abzuziehen � �hnlich dem Ritt auf der Halbinsel um McClellan herum, der ihm soviel Ruhm eingebracht hatte. Stuarts Ruf hatte bei Brandy Station einige Flecken abbekommen; vielleicht glaubte er, mit einem zweiten Umgehungsman�ver der Unionsarmee diese Flecken wieder tilgen zu k�nnen.</p><p>Nun schrieben sie den 2. Juli. Ungef�hr f�nf Meilen s�dlich der Stelle, wo Charles und Jim Pickles auf die vier Yankees gesto�en waren, dr�hnten Kanonen. Hinter dem W�ldchen, aus dem die blauen Kavalleristen aufgetaucht waren, stieg eine beachtliche Staubwolke auf. Ein gro�er Reitertrupp, wie Charles annahm, in Richtung Hunterstown unterwegs. Aber er wollte die genaue Ursache f�r diese Staubwolke wissen; General Hampton ebenfalls, davon war er �berzeugt. Deshalb sein Wunsch, einen Yankee zu erwischen.</p><p>Er f�hlte, wie die Ersch�pfung von ihm abfiel, als er auf die vier zugaloppierte. Letzte Nacht hatte er �berhaupt nicht geschlafen, und obwohl er in letzter Zeit h�ufig geglaubt hatte, er w�rde keine einzige Meile mehr schaffen, ohne vom Pferd zu fallen, war er auch heute morgen wieder mit Pickles losgeritten � und jetzt war er hellwach, angespannt und nur noch darauf aus, einen der Blaub�uche zu schnappen.</p><p>Es gab einiges Durcheinander bei den Yanks, dann begannen sie mit ihren Karabinern zu schie�en. Charles h�rte links von sich eine Kugel vorbeipfeifen. Er stie� einen dieser jaulenden Rebellenschreie aus, bei denen sich die Yanks in die Hosen machten. Sein Bart, in dem sich nun vereinzelte wei�e Stellen zeigten, flatterte �ber seine linke Schulter.</p><p>Pickles schlo� hinter ihm auf; sein Gewicht brachte Schaum auf die Flanken seines Rotschimmels. Charles galoppierte br�llend weiter. Eine Kugel schlug gegen seine Hutkrempe, und dann gingen die Yanks mit Revolvern und gezogenen S�beln zum Gegenangriff �ber.</p><p>�Jetzt�, br�llte Charles, als die Entfernung stimmte. Seine Schrotflinte kam hoch, er feuerte beide L�ufe ab und ri� dann Sport zur Seite. Pickles, der nun freies Schu�feld hatte, feuerte ebenfalls. Sie holten zusammen zwei Yanks aus dem Sattel. Die anderen beiden galoppierten auf das W�ldchen zu.</p><p>�Hoffentlich lebt einer noch�, schrie Charles im Weiterreiten. Bald schon konnte er die Fliegen sehen, die sich am offenen Mund des auf der Stra�e liegenden Kavalleristen sammelten. Hier waren keine Informationen mehr zu holen. Der andere Yank war nirgendwo zu sehen.</p><p>In dem hohen Unkraut zu seiner Linken h�rte Charles schlagende Ger�usche, dann ein St�hnen. Er stieg ab und n�herte sich vorsichtig dem Stra�enrand. Schwei� tropfte von seiner Nasenspitze, als er sich vorbeugte und den Unionskavalleristen entdeckte, einen b�rtigen Burschen, der unten im Graben sa�, seinen Revolver noch in der H�fttasche. Sein linker Oberschenkel war blutdurchtr�nkt.</p><p>Den Mann im Auge behaltend, zog Charles mit der rechten Hand seinen Colt, richtete ihn auf den Yank, w�hrend er in den Graben kletterte. Pickles, ein eifriger Sch�ler, beobachtete alles.</p><p>�Zu welcher Einheit geh�rst du?�</p><p>�General � Kilpatrick�s � Dritte Division.�</p><p>�Wohin unterwegs?�</p><p>Der Yank z�gerte. Charles dr�ckte ihm die Revolverm�ndung gegen die schwitzende Stirn. �Wohin?�</p><p>�Lees linke Flanke � wo immer die auch sein mag.�</p><p>Schnell richtete sich Charles auf. Aus dem S�den rollte weiterhin Kanonendonner heran. Nach einem weiteren Blick auf den Verwundeten kletterte Charles aus dem Graben heraus. Als er sich nach seiner Schrotflinte b�ckte, lie� er den Yank f�r eine Sekunde aus den Augen. Jim Pickles rief: �He, Charlie, pa� auf!�</p><p>Herumwirbelnd sp�rte er mehr die Abw�rtsbewegung der Hand des Yankees, als da� er sie wirklich sah. Sofort scho� er. Die Kugel ri� den Mann zur Seite. W�hrend Charles in die M�ndung seines Colts blies, bemerkte er, da� der Yank mit der linken Hand nach seiner Wunde gegriffen hatte, nicht mit der rechten Hand nach dem Revolver.</p><p>�In Ordnung, Jim. Bringen wir Hampton die Nachricht. Die Staubwolke geh�rt zu Kilpatrick, der ein Flankenman�ver versucht.�</p><p>Sie ritten die verlassene Stra�e entlang; Pickles zeigte ein gewaltiges Grinsen. �Guter Gott, Charlie, du bist schon einer. Kalt wie ein Eisblock. Obwohl mir der Yank irgendwie leid tut. Hat blo� nach unten gegriffen, weil er Schmerzen hatte.�</p><p>�Manchmal mu� deine Hand schneller sein als dein Gehirn�, sagte Charles achselzuckend. �H�tte ich gewartet, vielleicht h�tte er doch den Revolver gezogen. Lieber einen Fehler machen als im Grab liegen.�</p><p>�Du bist schon einer. Ihr Jungs bei den Scouts, ihr seid die reinsten Killermaschinen.�</p><p>�So ungef�hr ist�s gedacht. Jeder Tote auf ihrer Seite bedeutet weniger Tote auf unserer Seite.�</p><p>Jim Pickles schauderte, nicht nur aus reiner Bewunderung. Im S�den ging das Donnern der Kanonen bei Gettysburg weiter.</p><p>Pechschwarze Finsternis vor ihnen, pechschwarze Finsternis hinter ihnen. Regenb�che rannen von Charles� Hut. Sein Umhang war bereits seit Stunden durchweicht.</p><p>In vieler Hinsicht war es die schlimmste Nacht, die er je w�hrend seiner Soldatenzeit verbracht hatte. Sie befanden sich auf dem R�ckzug, hielten auf das Gebiet s�dlich vom Potomac zu, eine Kolonne konfiszierter Farmwagen. An jedem Wagen hing eine bleiche Laterne; die Prozession erstreckte sich �ber Meilen.</p><p>Hamptons M�nner bildeten die ehrenvolle Nachhut. F�r Charles war es mehr die Vorpostenlinie der H�lle. Ironischerweise war der Tag, dessen letzte Stunden jetzt gerade verstrichen, der 4. Juli.</p><p>Gestern hatte Hampton seine dritte Verwundung durch ein Schrapnellfragment erlitten, nach einem vergeblichen Versuch, Meade zu umgehen und von hinten anzugreifen. Manche gaben Stuart ganz offen die Schuld an dem Debakel von Gettysburg. Kritiker behaupteten weiterhin, er habe die Armee ihrer Augen und Ohren beraubt, weil er sich zu weit von Lee entfernt hatte.</p><p>Bei einem Besuch bei seiner alten Einheit, der Second South Carolina, hatte Charles erfahren, da� Calbraith Butler, als Invalider nach Brandy Station heimgeschickt, sein restliches Leben mit einem Korkfu� verbringen mu�te. Der Gedanke daran wollte ihm heute nacht nicht aus dem Kopf gehen; hinzu kamen noch die Rufe und Schreie der Verwundeten, die wie Sardinen in die ungefederten Wagen gepackt worden waren; jedes Schwanken und jedes R�tteln vergr��erte ihre Schmerzen. Ihre Stimmen f�llten die regnerische Finsternis.</p><p>�La�t mich sterben. La�t mich sterben.�</p><p>�Jesus Christus, schafft mich aus dem Wagen. Habt Mitleid mit mir. T�tet mich.�</p><p>�Bitte, warum kommt denn niemand? Hier, der Name meiner Frau, schreibt ihr.�</p><p>Das kam von dem Wagen, der Charles am n�chsten war. Unter ihm rutschte Sport in dem Schlamm weg; er versuchte, nicht hinzuh�ren. Aber es ging weiter und weiter: das Rauschen des Regens; das Quietschen der Achsen; die M�nner, die wie die Kinder weinten. Es brach ihm das Herz.</p><p>Jim Pickles kam an seine Seite geritten. �Wir halten. Sch�tze, irgendein Hindernis weiter vorn.�</p><p>�Kommt denn niemand? Ich schaff�s nicht. Ich mu� Mary sagen � �</p><p>Vor Wut kochend schwang Charles sein rechtes Bein �ber den Sattel; am liebsten h�tte er seinen Colt gezogen und dem Schreier das Gehirn aus dem Sch�del geblasen. Er sprang ab, klatschte in tiefen Schlamm. Sports Z�gel dr�ckte er Pickles in die Hand. �Halt ihn.�</p><p>�ber das Hinterrad des Ambulanzwagens kletterte er unter die Leinwand, hinein in den Gestank. Er dachte an Weihnachten 1861. Damals hatte es geschneit. Jetzt regnete es. Aber die gleiche Arbeit mu�te getan werden.</p><p>Seine Seele war wundgescheuert. Er hatte den ganzen Wahnsinn satt, die Idiotie, M�nner der anderen Seite t�ten zu m�ssen, um ein Paar M�nner auf seiner Seite zu retten. Warum hatten sie das damals auf der Akademie mit keinem einzigen verfluchten Wort erw�hnt?</p><p>H�nde zupften an seinen Hosen, die scheuen, sanften Ber�hrungen ver�ngstigter Kinder. Der Regen trommelte auf das Leinwanddach. Er hob seine Stimme, um geh�rt zu werden, aber sein Ton war sanft.</p><p>�Wo ist der Mann, der seiner Frau schreiben m�chte? Er soll sich Melden, ich helfe ihm.�</p><p>Vom Wohnzimmerfenster aus schaute Orry die Marshall Street hinunter, zu den vom Sonnenuntergang ger�teten D�chern und Reihenh�usern. Seit Tagen war die Stadt in ungew�hnliches Schweigen geh�llt, aus Gr�nden, die der normalen Bev�lkerung noch nicht aufgegangen waren. Aber er verstand es.</p><p>�Einige der Narren im Ministerium behaupten, Lee sei erfolgreich gewesen � er habe seine Absicht verwirklicht: die Armee im Feindesland neu zu verproviantieren.� Grau gekleidet, ernst und schweigsam sa� Madeline da und wartete darauf, da� er weitersprach. �Die Wahrheit ist, da� sich Lee auf dem R�ckzug befindet. Seine Verluste m�gen bis an die drei�ig Prozent gehen.�</p><p>�Guter Gott�, fl�sterte sie. �Wann wird das bekannt werden?�</p><p>�Du meinst, wann die Zeitungen davon erfahren? Ein Tag, zwei Tage, sch�tze ich.� Er rieb sich die Schl�fen, die ihn in der Gluthitze pl�tzlich schmerzten. �Es hei�t, Pickett habe die Unionsstellungen am Cemetery Hill im hellen Tageslicht angegriffen. Ohne jede Deckung. Wie Weizen, in den die Sense f�hrt, so fielen seine M�nner. Armer George � warum haben wir diese verfluchte Sache nur angefangen?�</p><p>Sie ging zu ihm, schlang die Arme um ihn und pre�te ihre Wange gegen seine Schulter. Sie w�nschte, sie k�nnte ihm eine Antwort darauf geben. So hielten sie sich fest, w�hrend das r�tliche Licht schw�cher und schw�cher wurde.</p><p>In einer armseligen Kneipe unten am Flu�becken bestellte Elkanah Bent ein Bier, das warm und abgestanden schmeckte. Angewidert stellte er es ab, gerade als ein wei�haariger Mann hereingerannt kam, dem die Tr�nen �ber die Backen liefen.</p><p>�Pemberton hat aufgegeben. Am 4. Juli. Der <emphasis>Enquirer</emphasis> hat eben eine Extraausgabe rausgebracht. Grant hat ihn ausgehungert. Die Yanks haben Vicksburg und vielleicht den ganzen verdammten Flu�. Wir k�nnen nicht mal unser eigenes gottverfluchtes Territorium halten.�</p><p>Bent stimmte in die mitf�hlenden Fl�che der anderen ein. In der Ferne begann eine Kirchenglocke zu l�uten. War er genau in dem Moment nach Richmond gekommen, als alles auseinanderzufallen begann? Ein Grund mehr, diesen Powell so schnell wie m�glich zu finden.</p><p>Mr. Jasper Dills litt unter Kopfschmerzen, die noch schlimmer waren als die von Orry Main. Die Kopfschmerzen begannen am Unabh�ngigkeitstag, einem Samstag, als die Nachricht von einem gro�artigen Sieg bei Gettysburg die Stadt erreichte. Washington hatte seit Tagen auf gute Nachrichten gewartet. Dadurch bekam die Feierlichkeit etwas mehr Saft und Kraft.</p><p>Die erfreulichen Neuigkeiten konnten die zerm�rbenden Auswirkungen des allgemeinen L�rms auf Anwalt Dills nicht ausgleichen, konnten ihn nicht mit dem vertrauten Muster vers�hnen, das sich in den Tagen nach der Feier abzeichnete. Wie alle Gener�le vor ihm schien Meade zu zaudern. Er verfolgte Lee nicht aggressiv und vertat so die Chance, den Kern der Konf�deriertenarmee zu vernichten. Die Festbeleuchtung erlosch in den Fenstern der Herrschaftsh�user und der �ffentlichen Geb�ude. Die Freudenfeuer spr�hten Funken, brannten nieder; bei�ender Rauch stieg auf.</p><p>Mit immer noch schmerzendem Kopf gr�belte Dills �ber zwei weiteren unangenehme Informationen. Sein Butler hatte ihm mitgeteilt, da� Bent an der Haust�r wie ein Verr�ckter getobt habe. Und ein scharfer Brief von Stanley Hazard setzte Dills davon in Kenntnis, da� der von ihm empfohlene Mann beinahe eine Katastrophe ausgel�st habe, indem er einen demokratischen Reporter zusammenschlug, obwohl niemand ihm ein solches Verbrechen befohlen hatte.</p><p>Stanton hatte verlangt, da� jemand zur Verantwortung gezogen wurde. �Ezra Dayton� wurde entlassen, mit der Anweisung, Washington zu verlassen � und Mr. Dills m�chte doch so nett sein und niemanden mehr der Sonderabteilung empfehlen, besten Dank.</p><p>Zwei Tage und zwei N�chte hatten von Dills Firma besch�ftigte Boten die Stadt abgesucht. Es stimmte � Bent war verschwunden. Niemand wu�te, wohin. Dills sa� in seinem B�ro; in seinem Kopf h�mmert es, w�hrend er an das feste Gehalt dachte, das ausbleiben w�rde, wenn er die Spur von Starkwethers Sohn verlor. Was sollte er tun? Was konnte er tun?</p><p>�Der Tag war eine einzige Katastrophe�, beklagte sich Stanley beim Abendessen. Es war der Dienstag nach dem Unabh�ngigkeitstag. �Der Minister ist w�tend, weil Meade nicht losschl�gt, und mir gibt er die Schuld an dem Schlamassel mit Randolph.�</p><p>�Ich dachte, du h�ttest es geschafft, das zu vertuschen.�</p><p>�Bis zu einem gewissen Grad. Randolph wird nichts publizieren. Das hei�t, seine Zeitung in Cincinnati wird nichts bringen. Aber Randolph l�uft wieder frei auf den Stra�en rum, und seine Verletzungen sind die beste Reklame f�r das, was man ihm angetan hat. Und heute nachmittag bekamen wir weitere schlechte Nachrichten. Laurette?�</p><p>Er deutete auf sein leeres Glas. Isabel betupfte ihre Oberlippe mit einem Taschentuch. �Du hattest bereits vier, Stanley.�</p><p>�Nun, dann will ich eben noch eins. Laurette!� Das M�dchen f�llte das Glas mit rotem Bordeaux. Er nahm einen kr�ftigen Schluck, w�hrend seine Frau die Hand an die Stirn f�hrte. Merkw�rdige Ver�nderungen gingen mit ihrem Mann vor. Die berufliche Verantwortung, die auf seinen Schultern lastete, und die gewaltigen Summen, die sich auf ihren Bankkonten ansammelten, schienen irgendwie zuviel f�r ihn zu sein.</p><p>�Was ist sonst noch schiefgelaufen?� fragte sie.</p><p>�Einer von Bakers M�nnern war in Port Tobacco. Er h�rte, da� Mr. Dayton, der Bursche, der Randolph zusammengeschlagen hat, anscheinend zum Feind �bergelaufen ist, nachdem ihn Baker aus der Stadt gejagt hat. Gott wei�, was f�r wichtige Informationen er mitgenommen hat.� Er kippte den restlichen Wein hinunter und lie� sich nachschenken. �Zus�tzlich ist jetzt noch die allgemeine Wehrpflicht in Kraft. Die Leute hassen das Gesetz. Wir erhielten bereits Berichte von Protesten, von Gewaltt�tigkeit � �</p><p>�Hier?�</p><p>�Haupts�chlich in New York.�</p><p>�Nun, mein Lieber, das ist ein gutes St�ck entfernt von diesem Haus; und ausnahmsweise k�nntest du deinem Gl�ck mal dankbar sein. Du k�nntest einberufen werden � jung genug bist du noch �, wenn du nicht im Kriegsministerium w�rst oder reich genug, um einen Ersatzmann bezahlen zu k�nnen.�</p><p>Immer noch m�rrisch dreinschauend, schl�rfte Stanley seinen Wein. Isabel schickte Laurette aus dem Zimmer und trat hinter ihren Mann. �Trotz all deiner Sorgen haben wir noch Gl�ck, Stanley. Wir sollten dankbar sein, da� der Kongre� die Weisheit hatte, die Ersatzklausel einzubauen. Dankbar, da� es der Krieg des reichen Mannes, aber der Kampf des armen Mannes ist, wie es so sch�n hei�t.�</p><p>�Constance?� Sie lag neben George im Bett, an diesem schw�len Mittwoch nach Gettysburg, und deutete mit einem Murmeln an, da� sie zuh�rte. �Was soll ich tun?�</p><p>Seit Monaten hatte sie diese Frage erwartet; gef�rchtet.</p><p>�Du meinst wegen des Ministeriums?� fragte sie, obwohl das kaum n�tig war.</p><p>�Ich kann die Dummheit und die Politisiererei nicht l�nger ertragen. Und all das Geld, das aus Tod und Leiden gemacht wird � Gott sei Dank habe ich nichts mit Stanleys Kontrakten zu tun. Ich w�rde sie ihm in die Kehle stopfen, bis er daran erstickt.�</p><p>Ihre linke Brust begann zu schmerzen. In letzter Zeit hatte sie h�ufig diese dumpfen Schmerzen versp�rt, in ihren Beinen, im ganzen Brustbereich, hinter der Stirn. Sie vermutete einen ganz einfachen Grund dahinter � Sorge. Sie sorgte sich um ihre Kinder, um ihren Vater im fernen Kalifornien, um ihr Gewicht, das sich jeden Monat um ein oder zwei Pfund vergr��erte. Am meisten Sorgen machte sie sich um George.</p><p>Vor allem Ripleys Starrsinn war nicht mehr zu ertragen; es gab unz�hlige Beispiele daf�r. Seine wachsende Verbitterung dar�ber hatte George zu der Frage heute abend veranla�t. Sie lag regungslos in der Dunkelheit ihres Bettes.</p><p>�Was w�rdest du gerne tun, George?�</p><p>�Welche Antwort m�chtest du h�ren, die Idealvorstellung oder die realistische?�</p><p>�Gibt es zwei? Dann die Idealvorstellung zuerst.�</p><p>�Ich w�rde gern f�r Lincoln arbeiten.�</p><p>�Ehrlich? Bewunderst du ihn so sehr?�</p><p>�Ja. Seit dem Abend, als wir uns beim Arsenal trafen, habe ich das Gef�hl, ich kenne ihn gut. Der Mann besitzt Qualit�ten, die in dieser Stadt verdammt knapp sind. Ehrlichkeit. Idealismus. St�rke. Ja, ich w�nschte, ich k�nnte in irgendeiner Form f�r ihn arbeiten, aber da ist kein Platz.�</p><p>�Du hast dich erkundigt?�</p><p>�Sehr diskret. Ich habe dir nichts davon erz�hlt, weil ich es ohnehin f�r unm�glich hielt.�</p><p>�Und wie lautet die realistische Antwort?�</p><p>�Ich kann zu den Milit�reisenbahnen gehen, wenn Herman Haupt mich will. Es ist eine gute Alternative. Und ich bin begierig darauf.�</p><p>Seine prompte Antwort machte ihr klar, da� er diesen Gedanken schon seit einiger Zeit hegte. Betont ruhig sagte sie: �Das ist Felddienst. Dicht bei den Schlachtlinien.�</p><p>�Manchmal, ja. Aber es ist eine Arbeit, von der ich glaube, da� ich sie tun kann und da� ich stolz darauf sein kann.�</p><p>Schweigen, nur vom ewigen Gerumpel der n�chtlichen Wagen unterbrochen. Er sp�rte ihre Spannung und rollte sich auf die Seite, streichelte ihren Busen, so wunderbar tr�stend in seiner Vertrautheit.</p><p>�M�chtest du, da� ich es nicht tue?�</p><p>�George, in � �, sie r�usperte sich, �� in unserer Ehe stellt keine Seite solche Fragen, das wei�t du.�</p><p>�Ich m�chte trotzdem gerne wissen � �</p><p>�Tu, was du tun mu�t�, sagte sie und k��te ihn. Sie zwinkerte schnell, in der Hoffnung, er m�ge ihre Tr�nen nicht sp�ren, die ihr die Angst in die Augen getrieben hatte.</p><p>�Also Herman � brauchst du einen neuen Mann?�</p><p>Sp�t am n�chsten Tag stellte George diese Frage, als er und der b�rtige Brigadier an Willards Bar lehnten. Haupt sah ersch�pft aus. Er war quer durch Pennsylvania gehetzt, um die Bahnlinien von Gettysburg zu reparieren.</p><p>�Du kennst die Antwort darauf. Die Frage ist, wird der Minister dich gehen lassen?�</p><p>�Bei Gott, das m�chte ich ihm geraten haben. Ich ertrage es nicht, innerhalb einer Meile von diesem Mann zu arbeiten.� Er schl�rfte eine rohe Auster von der Platte vor ihm. �Vermutlich hast du von dem Randolph-Skandal geh�rt?�</p><p>�Wer nicht? Ich denke, er darf nicht dar�ber schreiben, aber er sammelt Zuh�rer und wiederholt die Geschichte bei jeder sich bietenden Gelegenheit.�</p><p>�Damit hat er verdammt recht. Es ist eine Schande.�</p><p>�Nun, solche philosophischen �berlegungen mal beiseite, ich rate dir dringend, schnell zu handeln. Ich glaube, Stanton will meinen Kopf. Ich verabscheue ihn genauso wie du, und er wei� das. Wie willst du den Wechsel bewerkstelligen?�</p><p>�Morgen habe ich eine Verabredung mit dem Kommandierenden General.�</p><p>�Mit Halleck? Dem Meister des Papierkriegs? Ich wu�te nicht, da� du mit Old Brains bekannt bist.�</p><p>�Ich bin ihm zweimal auf gesellschaftlicher Ebene begegnet. Er ist ein Mann der Akademie.�</p><p>�Die Klasse von �39. Vier Jahre nach mir. West Pointler halten zusammen � verl��t du dich darauf?�</p><p>�Ja�, sagte George. �Ein bi�chen habe ich kapiert, wie diese Stadt funktioniert, Herman.�</p><p>Henry Halleck, der George zehn Minuten in seinem Terminkalender einr�umte, war mehr Gelehrter als Soldat, jedoch ein f�higer Verwalter.</p><p>Vom Fenster aus, wo er in seiner �blichen Pose stand, die H�nde hinter dem R�cken auf seiner makellosen, sauber gekn�pften Uniform verschr�nkt, sagte er: �Als ich Ihren Namen in meinem Kalender las, habe ich mir Ihre Akte kommen lassen, Major. Sie ist au�erordentlich. Sie sind fest entschlossen, das Waffenamt zu verlassen?�</p><p>�Jawohl, General. Ich m�chte mich n�tzlicher machen. Der Dienst am Schreibtisch ist schal geworden.�</p><p>�Ich vermute, Sie meinen, Ripley ist schal geworden�, sagte Halleck mit einem seltenen Anflug von Humor. �Wie Sie wissen, ist er Ihr Vorgesetzter. Wegen eines Transfers m��ten Sie sich an ihn wenden.�</p><p>Wohl wissend, was er riskierte, sch�ttelte George den Kopf. �Bei allem Respekt, Sir, das kann ich nicht. General Ripley w�rde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit meine Bitte abschlagen. Wenn ich allerdings mit Ihrer Genehmigung direkt zum Generaladjutanten gehen k�nnte � �</p><p>�Nein, das ist nicht statthaft.�</p><p>George wu�te, er hatte verloren. Aber Halleck sprach weiter: �Ich verstehe allerdings Ihre Zwangslage und f�hle mit Ihnen. Ich wei�, Sie kamen nur auf Camerons Betreiben nach Washington, motiviert von einem starken patriotischen Pflichtgef�hl. Ich begr��e Ihren Wunsch, sich mehr dem Kern der Dinge zuzuwenden. Wenn Sie das schaffen wollen, dann mu� es ordentlich gemacht werden.�</p><p>Er reckte seinen gro�en, fast kahlen Sch�del vor und senkte die Stimme, wie jeder gute Washingtoner, wenn er einen kleinen Plan ausheckt.</p><p>�Lassen Sie Ihre Bitte um einen Transfer dem Generaladjutanten durch die entsprechenden Kan�le zukommen � und achten Sie darauf, da� eine Kopie an General Ripley geht. In der Zwischenzeit werde ich mich f�r Sie einsetzen. Inoffiziell, versteht sich. Falls wir Erfolg haben, bereiten Sie sich auf einen Kampf mit Minister Stanton vor.� Er streckte die Hand aus. �Ich w�nsche Ihnen Gl�ck.�</p><p>George hatte die von Halleck angesprochenen Papiere bereits vorbereitet. Er schickte sie augenblicklich los und wurde viel fr�her als erwartet zum Minister zitiert.</p><p>Im Geb�ude des Kriegsministeriums, in dem George sich am Montag um halb drei meldete, herrschte eine eindeutig d�stere Atmosph�re. Meade hatte getr�delt; Lee war ihm glatt entwischt; die allgemeine Wehrpflicht l�ste mehr Gewalt in den Stra�en von New York City aus. Vom Pr�sidenten hie� es, da� er nach einer Periode intensiver Aktivit�t und Hoffnung in eine weitere Depression gest�rzt sein sollte.</p><p>�Sie m�chten f�r Haupt arbeiten? Mein lieber Major�, sagte Stanton m�rrisch, �wissen Sie, da� er niemals offiziell den Rang eines Brigadiers nach seiner Ernennung im letzten September akzeptiert hat? Wer kann schon sagen, wie lange er noch das Kommando �ber die Milit�reisenbahnen hat?�</p><p>Aus der Stimme des b�rtigen, buddha�hnlichen Mannes h�rte George Abneigung und eine Warnung heraus. �Nichtsdestoweniger, Sir�, sagte er, �w�nsche ich diesen Transfer. Ich kam auf Minister Camerons Bitte ins Waffenamt, und ich habe mich bem�ht, meinen Pflichten ordnungsgem�� nachzukommen, obwohl ich mir dabei nie sehr n�tzlich vorgekommen bin. Ich m�chte in direkterer Weise dienen.�</p><p>�W�rde es Ihre Meinung �ndern, wenn ich Ihnen sage, da� General Ripley vielleicht bald aus dem Dienst ausscheidet?� Ein unaufrichtiges L�cheln. �Der General ist immerhin bereits neunundsechzig.�</p><p>�Nein, Sir, das h�tte keine Auswirkungen auf meine Bitte.�</p><p>�Wollen wir offen sein, Major Hazard. Seit Ihrem Eintritt hier habe ich eine gewisse Feindseligkeit in Ihrer Stimme entdeckt � nein, bitte, ersparen Sie mir irgendwelche Einw�nde.� George err�tete; er hatte nicht erkannt, da� seine Gef�hle so durchsichtig waren. �Ich glaube, Sie m�gen dieses ganze Ministerium nicht. Habe ich recht?�</p><p>�Sir � � <emphasis>Sag besser nichts, geh hinaus, und die Sache ist erledigt.</emphasis> Aber sein Charakter und sein Gewissen wollten das nicht zulassen. �Bei allem Respekt, Herr Minister � jawohl, Sie haben recht. Ich stimme mit einigen Verfahrensweisen des Kriegsministeriums nicht �berein.�</p><p>�K�nnten Sie etwas deutlicher werden, Sir?�</p><p>�Da ist diese Sache mit Eamon Randolph � �</p><p>Laut unterbrach ihn Stanton. �Dar�ber wei� ich nichts.�</p><p>�Soviel ich wei�, wurde der Mann von Angeh�rigen Ihres Detective Bureau zusammengeschlagen, einzig und allein deswegen, weil er die Politik dieses Ministeriums kritisiert hat � was ich f�r das gute Recht eines jeden B�rgers gehalten hatte.�</p><p>�Nicht in Kriegszeiten.� Stantons L�cheln wurde kalt. �Darf ich hinzuf�gen, Major, falls Sie sich je Hoffnungen auf eine dauerhafte milit�rische Karriere gemacht haben, so k�nnen Sie die begraben. Sie sind �ber das Ziel hinausgeschossen.�</p><p>�Bedaure�, sagte George, was keineswegs den Tatsachen entsprach. �Die Sache hat mir auf dem Gewissen gelegen, und es ist allgemein bekannt, da� Lafayette Baker f�r Sie arbeitet.�</p><p>Immer noch dieses L�cheln, t�dlich und verschlagen. �Durchsuchen Sie das gesamte Ministerium einschlie�lich der Papierk�rbe, Sie werden nicht den Hauch eines Beweises finden, der diese Behauptung st�tzt. Und jetzt verlassen Sie freundlicherweise mein B�ro. Ich werde mit Freude Ihr Gesuch bef�rworten � Sie und dieser verr�ckte Haupt sind aus dem gleichen Holz geschnitzt.�</p><p>�Sir � �</p><p>Stanton h�mmerte auf seinen Schreibtisch. �Hinaus.�</p><p>George h�rte, wie sich hinter ihm die T�r �ffnete. Jemand kam hereingest�rzt. �Ihr Bruder m�chte gehen�, sagte der Minister. George wandte sich um und sah Stanley vor sich, bleich vor Sorge und Angst. �Sorgen Sie bitte daf�r, da� er es mit dem n�tigen Tempo tut.�</p><p>Stanley packte Georges �rmel. �Komm.�</p><p>�Stanley�, Georges Stimme senkte sich um eine halbe Oktave, �vor langer Zeit hab� ich dich schon mal niedergeschlagen. Nimm deine Hand weg, oder ich tu�s wieder.�</p><p>Zwinkernd gehorchte Stanley, das Gesicht schwei��berstr�mt. Was bin ich doch f�r ein Idiot, dachte George, ein halsstarriger, gro�m�uliger Idiot. Und doch hatte ihm sein kleines Spr�chlein ein Gef�hl des Stolzes und der Erleichterung vermittelt � und er war noch nicht fertig.</p><p>�Wenn diese Regierung den Krieg nur dann gewinnen kann, wenn sie jeden, der die leiseste Kritik �u�ert, zusammenschlagen l��t oder einsperrt, dann m�ge Gott uns gn�dig sein. Dann haben wir es verdient, zu verlieren.�</p><p>Sanft, ganz sanft strich sich Stanton durch den Bart. Aber er war fahl vor Wut. �Major Hazard�, sagte er, �ich w�rde vorschlagen, Sie verschwinden, falls Sie nicht wegen Aufruhrs vors Kriegsgericht gestellt werden m�chten.�</p><p>Als sich die B�rot�r geschlossen hatte, fl�sterte Stanley: �Ist dir eigentlich klar, wen du beleidigt hast?�</p><p>�Jemanden, der es verdient hat.�</p><p>�Wei�t du, wie sehr das deiner Karriere schaden kann?�</p><p>�Meine sogenannte Karriere ist eine Farce. Von mir aus k�nnen sie mich morgen aus der Armee schmei�en. Ich w�rde mit Freuden zur�ck nach Lehigh Station gehen und Kanonen bauen.�</p><p>�Du k�nntest wenigstens an mich denken, George.�</p><p>�Das tue ich�, erwiderte er, immer noch w�tend. �Ich hoffe, Stanton grillt dich bei lebendigem Leib, weil du so einen aufr�hrerischen Verwandten besitzt. Dann kannst du nach Massachusetts gehen und Milit�rstiefel verkaufen � an beide Seiten, wie ich geh�rt habe.�</p><p>�Du verdammter, l�gnerischer � �, fing Stanley an und versuchte gleichzeitig, George mit einem wilden Schwinger zu treffen. Aber Stanley war schw�chlich und seine Bewegung matt. George brauchte nur die linke Hand zu heben, um die Faust seines Bruders beiseite zu wischen. Er st�lpte sich den Hut auf den Kopf und marschierte aus dem Geb�ude.</p><p>Er eilte in Haupts B�ro, fand niemanden vor und hinterlie� eine Nachricht:</p><p><emphasis>Habe mit Minister S. gesprochen und meine Armeekarriere ruiniert. Plane, mich zur Feier des Tages zu besaufen. Transfer scheint gewi�.</emphasis></p><p><strong>86</strong></p><p>Der Arbeitszug mit zwei Plattformwagen ratterte nach S�den auf Manassas zu. Der schwere Duft des Regens hing �ber dem grauen Tag.</p><p>Pinienzweige reckten sich neben den Schienen und strichen �ber Billys Gesicht. Mit baumelnden Beinen, den Karabiner neben sich, sa� er auf der Seite eines der Wagen. Unter seinem Hemd steckte ein kleines Schreibheft f�r seine Tagebucheintragungen. Seine staubigen Hosen verbargen teilweise die am Rand des Wagens wei� aufgemalte Inschrift U.S.M.R. NO. 19.</p><p>Im sch�ttelnden Rhythmus des langsam fahrenden Zuges dachte er an eine ganze Anzahl von Dingen: Brett, nach deren Gesellschaft er sich sehnte, und wenn es nur f�r eine einzige Nacht gewesen w�re; Lije, dessen Tod eine so sinnlose Verschwendung schien; die beunruhigenden telegraphischen Nachrichten von New York, die sie gerade noch vor ihrer Abfahrt geh�rt hatten. Die Stadt war bereit f�r Demonstrationen, vielleicht sogar f�r Aufruhr, als die ersten Namen zur Einberufung gezogen wurden.</p><p>Die Pioniere hatten am Gettysburg-Feldzug teilgenommen, dabei allerdings nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Jetzt befanden sie sich wieder in Virginia, und Billy und sechs Mannschaftsdienstgrade waren zur Orange &amp; Alexandria abkommandiert worden, um eine neue Linie nahe der Bull-Run-Bockbr�cke zu �berwachen. Guerillas hatten die Bockbr�cke in letzter Zeit zum sechsten oder siebten Mal zerst�rt.</p><p>Rauch strich �ber die entspannt auf der offenen Plattform liegenden Soldaten. Ru� und Asche prasselte gegen sie, aber das war auch schon das Schlimmste, bevor die Sch�sse explodierten. Der erste Schu� lie� die Glocke der Lokomotive aufklingen. Eine Salve folgte.</p><p>�Wo zum Teufel stecken sie?� rief ein blonder Corporal, warf sich auf den Bauch und schnappte sich seinen Karabiner. Billy tat es ihm nach. Er h�rte den Feind, bevor er ihn sah. Sie kamen hinter dem Eisenbahnerwagen vorgesprengt, acht zerlumpte M�nner mit langen B�rten auf sehnigen Pferden.</p><p>�Bleib unten�, br�llte Billy, als der blonde Soldat n�rrischerweise aufsprang und, die Beine gespreizt, sein Ziel suchte, w�hrend der Plattformwagen schwankte. Ein d�rrer Mann in einem verstaubten, schwarzen Anzug, der die Reiter auf Billys Seite anf�hrte, b�ckte sich unter einem Ast hindurch, feuerte dann seinen Revolver ab und blies Johnson �ber den Rand des Wagens.</p><p>Billy fiel auf ein Knie, versuchte sich im Gleichgewicht zu halten. Der Heizer war auf den Tender geklettert. Billy sp�rte den Zug rucken, als der Pionier den Dampf aufdrehte. Einer der Pioniere scho� einen Guerilla auf der anderen Seite aus dem Sattel, was dem Grinsen und Schreien der Partisanen ein Ende bereitete.</p><p>Der Zug wurde schneller. Der Himmel verdunkelte sich; Regen begann auf die Plattformen zu klatschen. Die Guerillas schoben sich seitlich neben den Wagen, auf dem die Pioniere fuhren. Billy wirbelte herum, um einen Schu� in Richtung der entfernten Seite abzugeben, als jemand seinen Arm umklammerte, an ihm zerrte.</p><p>Benommen vor Furcht taumelte er �ber den Wagenrand, gezogen von dem Mann im dunklen Anzug, der dicht genug an ihn heran geritten war, um ihn zu erreichen. Billy schlug keuchend auf dem Boden auf; die Luft blieb ihm weg.</p><p>Billys Karabiner lag neben der n�chsten Eisenbahnschiene. Zwei der Partisanen kamen herangetrabt. Der sich entfernende Zug wurde langsamer, die Pioniere sorgten sich um die heruntergefallenen M�nner. Die Partisanen feuerten mehrere Salven auf den Zug, der wieder Tempo aufnahm.</p><p>Auf H�nden und Knien griff Billy nach dem Karabiner.</p><p>�Lang hin, und ich bring dich um�, sagte eine fr�hliche Stimme. Er hob den Kopf, sah den gebrechlichen Mann im schwarzen Anzug vor sich. In der Hand hielt er eine gewaltige Pistole.</p><p>�Wir haben zwei, den Captain hier mitgez�hlt�, rief Schwarzkittel. �Lebt der andere noch?�</p><p>�Nein, der ist erledigt�, rief jemand von hinten. Billy schnitt eine Grimasse; Johnson hatte auf die Nachricht von der Geburt seines zweiten Kindes in Albany gewartet.</p><p>�Sicher?� erkundigte sich Schwarzkittel bei dem Mann, der mit Johnsons Leiche angeritten kam.</p><p>�Toter als das Hirn von �nem Niggerkind.�</p><p>�Irgendwelche Wertsachen?�</p><p>�Wir k�nnen ihm das Gold aus den Z�hnen holen, aber das w�r�s auch schon.�</p><p>�Teufel auch�, sagte Schwarzkittel. �Das hier scheint der einzige Preis zu sein, den wir erwischt haben. Steh auf, Yank! Gib mir deinen Namen und deine Einheit, damit wir die Beerdigungspapiere richtig ausf�llen k�nnen.�</p><p>Billy konnte nicht glauben, da� es der Mann ernst meinte. Er konnte nicht glauben, da� all das geschehen war � der �berraschende Angriff, die zuf�llige Gefangennahme. Aber die Kugel, die einen verfehlte � oder t�tete �, tat das ebenfalls zuf�llig.</p><p>�Captain William Hazard. Pionier-Bataillon, Potomac-Armee. Wer seid ihr?�</p><p>Gel�chter, am�siertes Gefl�ster, dann eine dr�hnende Stimme: �Er ist mittendrin im Fairfax County und fragt, wer wir sind.�</p><p>Der Mann mit der tiefen Stimme, h��lich und fett, ritt heran, damit Billy ihn sehen konnte. �Major John S. Mosbys Partisan Rangers, vom Kongre� der Konf�deration ordnungsgem�� zu unabh�ngigen Aktionen autorisiert. Das sind wir, du St�ck Yankeeschei�e.� Mit dem Kolben seiner Schrotflinte schlug er nach Billys Kopf.</p><p>W�tend griff Billy nach dem Kolben. Schwarzkittel langte nach unten und ri� an seinem Haar. Billy japste und lie� los. Er roch die ungewaschenen M�nner, bemerkte ihre dreckige Kleidung, abgelegte Uniformst�cke � und wu�te, da� sie nicht logen. John Mosby hatte eine Weile f�r Stuart als Scout gearbeitet, sich aber vor kurzem als Guerilla-Kommandant etabliert. Er kam und ging bei Nacht, ri� Schienen auf, verbrannte Versorgungsdepots, scho� aus dem Hinterhalt Wachen ab � um so mehr gef�rchtet, als er und seine kleine Bande kaum zu sehen waren. Graue Gespenster.</p><p>Und er hielt sich nicht an die Kriegsgesetze, erinnerte sich Billy mit einem Klumpen in der Magengegend. Schwarzkittel ri� erneut an seinem Haar und brachte seine Pistole in Anschlag.</p><p>�H�nde auf den Kopf, Junge.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich sagte, leg beide H�nde auf deinen Kopf. Ich m�chte das schnell erledigen.�</p><p>�Was schnell erledigen?�</p><p>H�hnisches Gel�chter. Einer der lautesten Lacher sagte: �Er ist wirklich d�mlich, was?�</p><p>�Nun, Ihre milit�rische Exekution, Captain Hazard. Sir�, sagte Schwarzkittel, jedes Wort sarkastisch betonend. �Wenn Sie nichts dagegen haben, dann gestatten Sie vielleicht, da� ich mit der Sache fortfahre, damit ich mich dringenderen Pflichten zuwenden kann.�</p><p>Ungl�ubig starrte Billy die dunkle Gestalt auf dem Pferder�cken an. Der Wind pfiff durch die Pinien. Warum kam der Zug nicht zur�ck? Sie mu�ten ihn f�r tot halten, wie Johnson.</p><p>�H�nde auf den Kopf!� sagte Schwarzkittel. �Und dreh dich um, damit ich deinen R�cken sehen kann.�</p><p>�Unter � �, Billy gab sich M�he, damit seine Stimme nicht brach, �� unter Kriegsgesetz habe ich das Recht, als Gefangener behandelt zu werden und � �</p><p>Aufrichtig w�tend sagte Schwarzkittel: �Zum letztenmal, Yank � <emphasis>tu deine H�nde auf den Kopf.�</emphasis></p><p>Billy legte seine linke Handfl�che auf seine nassen Haare, die rechte obendrauf. Er sch�mte sich, die Augen zu schlie�en, aber vielleicht war es auf diese Weise leichter.</p><p>Schwarzkittel salutierte mit der Pistole. �Also dann, Captain Pionier. <emphasis>Sir!�</emphasis></p><p>In Billys Innerem verkrampfte sich alles, w�hrend er auf die Kugel wartete.</p><p>Reiter. Dieses Ger�usch drang langsam in sein Gehirn. Reiter trabten zwischen den Pinien neben der Eisenbahnlinie hindurch. Billy schlug die Augen auf, die H�nde auf dem Kopf.</p><p>Sechs M�nner, zwei davon in Uniform, z�gelten ihre Pferde neben den anderen. Schwarzkittel und der Rest wandten sich sofort mit einer gewissen Ehrerbietung einem schm�chtigen, schlanken Offizier mit sandfarbenem Haar zu, das unter einem Hut mit Strau�enfeder zu sehen war. Der Offizier mochte ungef�hr drei�ig sein; sein glatt rasiertes Gesicht wirkte streng, aber nicht unfreundlich. Er schien mehr an Schwarzkittel als an Billy interessiert zu sein.</p><p>�Was geht hier vor?�</p><p>�Wir haben diesen Yank von einem Arbeitszug gezogen, Sir. Wir waren gerade dabei � � Schwarzkittel schluckte, warf seinen Kameraden nerv�se Blicke zu.</p><p>�Den Gefangenen zu erschie�en?� sagte der Offizier.</p><p>Schwarzkittel wurde rot, sagte leise: �Jawohl, Sir.�</p><p>�Das verst��t gegen die Gesetze eines zivilisierten Krieges, das wei�t du genau. Ganz egal, was f�r Greuel die Yankeezeitungen uns andichten, mit Mord haben wir nichts zu tun. Du wirst daf�r Strafe zahlen.�</p><p>Ver�ngstigt steckte Schwarzkittel seine Pistole weg. Billys Herzschlag verlangsamte sich. �Die H�nde runter�, sagte der Offizier zu ihm. Billy gehorchte. �Nennen Sie mir Namen und Einheit, bitte.�</p><p>�Captain William Hazard, Pionier-Bataillon, Potomac-Armee.�</p><p>�Nun, Captain, Sie sind Gefangener der Partisan Rangers.�</p><p>Billy hielt den Atem an. �Sind Sie �?�</p><p>Der Stulpenhandschuh ber�hrte die Hutkrempe. �Major John Mosby. Zu Ihren Diensten.� Er unterdr�ckte ein L�cheln. �Man hat Sie vom Zug gezogen, was? Na, wenigstens sind Sie noch an einem St�ck. Ich werde veranlassen, da� Sie ins Richmond-Gef�ngnis f�r Unionsoffiziere gebracht werden.�</p><p>Mosbys unerwartete Ankunft hatte Billy beschwingt und verwirrt. Er h�tte ihn sofort erkennen m�ssen; gleich nach dem von Stuart war sein Federbusch der ber�hmteste in der ganzen Konf�deration. Mosby wandte sich an den anderen Mann in Uniform, einen Sergeanten. �Sorg daf�r, da� er zu essen bekommt und nicht mi�handelt wird. Wir m�ssen weiter.�</p><p>Sie ritten los; einer von ihnen blieb zur�ck, um sich um den Gefangenen zu k�mmern. Schnell fl�sterte Schwarzkittel Billy zu: �Du kommst ins Libby-Gef�ngnis. Wenn du siehst, wie ihr Yankeejungs dort behandelt werdet, dann wirst du dir noch w�nschen, ich h�tte abgedr�ckt. Wart nur ab.�</p><p><strong>87</strong></p><p>Der August brachte Richmond eine alles niederdr�ckende Hitze mit hoher Luftfeuchtigkeit; staubige Bl�tter und die regungslose Luft warteten auf den gro�en befreienden Sturm, der nordwestlich vom Potomac hing, sich aber nicht von der Stelle zu r�hren schien. Eine durchdringende Verzweiflung folgte den beiden Erkenntnissen: Der Mississippi war verloren; und Gettysburg war nicht der Triumph gewesen, als den das Oberkommando ihn ausgegeben hatte. Ein deutliches Zeichen daf�r war der illegale Wechselkurs. Ein Yankeedollar, von denen sich Tausende in Umlauf befanden, hatte vor dem Debakel in Pennsylvania zwei Konf�deriertendollar gekostet. Jetzt kostete er vier.</p><p>Vicksburg spuckte Tausende von neuen Gefangenen in die bereits �berf�llten Camps und in die in Gef�ngnisse umgewandelten Lagerh�user. Gettysburg brachte den �berbelegten Hospit�lern Tausende von frischen Verwundeten. Huntoon nahm das alles am Rande zur Kenntnis, w�hrend er seine Arbeit erledigte, die ihn nicht l�nger interessierte. Memminger hatte ihm die verha�te Aufgabe aufgeb�rdet, Listen jener fast zahllosen Gesch�ftsunternehmen zu erstellen, die mit Druck und Verteilung illegaler Cent-Noten zu tun hatten.</p><p>Die Konf�deration besa� kein Silber f�r kleine M�nzen, und so hatte das Schatzamt Staaten und St�dte bevollm�chtigt, Papiergeld von f�nf bis f�nfzig Cents als Wechselgeld herauszugeben. An diesem Morgen schrieb Huntoon von Informanten des Schatzamtes in Florida und Mississippi zur Verf�gung gestellte Namen ab � verha�te Arbeit, auf die sein Schwei� wie Tr�nen tropfte.</p><p>Es interessierte ihn nicht mehr, was diese Regierung tat. Aber eine neue Konf�deration � das konnte einen in Versuchung f�hren, das elektrisierte ihn. Nachts lag er wach und dachte dar�ber nach. An seinem Schreibtisch hing er Tagtr�umen nach, bis ihn irgendein Vorgesetzter ermahnte. Eines hei�en Mittags schlie�lich schreckte er seine schl�frigen Kollegen auf, als er pl�tzlich seinen Hut packte und mit verz�cktem Gesichtsausdruck aus dem B�ro st�rmte.</p><p>In den Saloons hatte er bereits Nachforschungen angestellt. Die meisten Barkeeper kannten Powell recht gut, und bald schon wu�te Huntoon die Adresse des Georgiers. Ashton hatte er nicht fragen wollen, aus Furcht, sie w��te Bescheid.</p><p>Huntoon wollte Powell einige zus�tzliche Fragen stellen. Er ben�tigte mehr Details, wollte sich aber gleichzeitig auch nicht unbeliebt machen. So hatte er das eine Weile hinausgez�gert. Sein angeregter Zustand trieb ihn schlie�lich an diesem kochendhei�en Mittag aus dem B�ro und in eine Mietkutsche.</p><p>�Church Hill�, rief er. �Ecke Twenty-fourth und Franklin.�</p><p>Mit Staub bedeckte Bl�tter hingen regungslos �ber dem Gehsteig. Aufgeregt stolperte Huntoon die Stufen hoch und klopfte. Eine Minute sp�ter klopfte er erneut. Endlich ging die T�r auf.</p><p>�Powell, ich habe beschlossen � �</p><p>�Was zum Teufel tun Sie hier?� fragte Powell und zog den G�rtel seines Samtmorgenmantels zu.</p><p>Die St. John�s-Kirche begann die halbe Stunde einzul�uten. Huntoon hatte das unbehagliche Gef�hl, da� es die Totenglocke f�r seine Chance war. �Ich wollte nicht st�ren.�</p><p>�Aber das tun Sie. Ich bin ungemein besch�ftigt.�</p><p>Huntoon blinzelte, von Furcht �berw�ltigt. �Bitte nehmen Sie meine Entschuldigung an. Ich bin nur gekommen, weil Sie eine schnelle Entscheidung von mir wollten. Heute morgen habe ich sie getroffen.� Ein hastiger Blick die Stra�e hinunter. Dann glaubte er die Bewegung einer unsichtbaren Person hinter der T�r zu h�ren.</p><p>�In Ordnung. Reden Sie.�</p><p>�Ich � ich m�chte mitmachen, wenn Sie mich haben wollen.�</p><p>Ein Teil des Zorns schwand aus Powells Gesicht. �Nat�rlich. Das sind gute Neuigkeiten.�</p><p>�K�nnten wir �ber die Einzelheiten sprechen, wann und wie?�</p><p>�Nicht jetzt. Ich nehme Verbindung auf.� Als er Huntoons Reaktion auf seine schroffe Antwort sah, l�chelte Powell. �Sehr bald schon. Ich w�rde es gerne heute machen, aber ungl�cklicherweise mu� ich mich um viele andere Dinge k�mmern. Ich bin froh, Sie bei uns zu haben. Wir brauchen einen Mann mit Mut und Visionen im neuen Schatzamt. Sie werden bald von mir h�ren, das verspreche ich.�</p><p>Er schlo� die T�r. Huntoon blieb drau�en in der Hitze stehen. Nat�rlich war er ohne Voranmeldung gekommen, und S�dstaatler mochten solche Unh�flichkeiten nicht. Er hatte kein Recht, verstimmt zu sein, obwohl er sich fragte, welche Privatangelegenheit es n�tig machte, da� Powell mitten am Tag einen Morgenmantel trug. Huntoon hegte einen Verdacht, der zu schmerzhaft war, als da� er ihn lange h�tte aufrechterhalten k�nnen.</p><p>W�hrend er sich auf die Suche nach einer Kutsche machte, vollf�hrte er eine emotionale Kehrtwendung. Powell wurde zu der Person, der eine Kr�nkung widerfahren war; er selbst wurde zum Angreifer. Sein Geist vollf�hrte den Umschwung, weil er das Gef�hl brauchte, ein echter Bestandteil von Powells Plan zu sein.</p><p>Am meisten aber w�nschte er sich, seiner Frau von seiner tapferen Entscheidung zu berichten.</p><p>�Knappe Sache�, sagte Powell im Foyer und schl�pfte aus der hei�en Samtrobe. Huntoon watschelte auf dem Gehsteig davon, und Ashton, splitternackt, gab sich dem Gel�chter hin, das sie m�hsam unterdr�ckt hatte, w�hrend sie hinter der T�r versteckt gewesen war.</p><p>�Ums Haar h�ttest du uns verraten.�</p><p>�Aber � ich mu�te lauschen, Lamar.� Sie lachte so sehr, da� ihr die Tr�nen kamen. �Es war � so k�stlich � mein Ehemann auf der einen Seite der T�r � mein Liebhaber auf der anderen.� Sie hielt sich die Seiten; ihre Br�ste bebten.</p><p>�Ich habe nicht geh�rt, wie du runtergeschlichen bist. Bei deinem Anblick h�tte mich beinahe der Schlag getroffen.� Mit der linken Hand umklammerte er ihr Kinn und hob es grob an. �Tu sowas nie wieder.�</p><p>Ihr L�cheln verbla�te. �Nein, nein � es tut mir leid � ich werd�s nie wieder tun. Aber ich bin so froh, da� er ja gesagt hat. Seit Tagen k�mpft er mit der Entscheidung. Er hat kein Wort davon zu mir gesagt, aber es war offensichtlich.� Sie griff nach seinem Arm. �Du bist erfreut, nicht wahr? Jetzt haben wir ihn da, wo wir ihn im Auge behalten k�nnen.�</p><p>�Vor allem wollen wir nicht, da� er seinen Entschlu� noch mal umst��t. Also mu�t du irgendwelche Zweifel, die er noch haben mag, zerstreuen. Mach ihn stolz auf seine Entscheidung, indem du ihn belohnst.� Er dr�ckte ihr Kinn zusammen; ein Zucken ihrer Mundwinkel zeigte den Schmerz. �Du verstehst, Liebes?�</p><p>�Ja. Ja. Ich tue, was du sagst.�</p><p>�Wie immer.� Er lie� los. Der Abdruck seiner Finger verbla�te. L�chelnd dr�ckte er einen kurzen, v�terlichen Ku� auf ihre Wange. �Deshalb liebe ich dich.�</p><p>Nachdem an diesem Abend die Dienerschaft entlassen und die T�ren zum Speisezimmer geschlossen worden waren, r�usperte sich Huntoon auf eine Art und Weise, die eine Ank�ndigung verhie�.</p><p>L�chelnd sagte sie: �James, was ist los? Du bist so aufgeregt.�</p><p>�Mit gutem Grund. K�rzlich f�hrte ich einige pers�nliche Gespr�che mit Mr. Lamar Powell.� Er schob die Terrine mit der dampfenden Fischsuppe beiseite, sprang auf. �Oh, ich kann nicht sitzen!� Er eilte zu ihr. �Er unterbreitete mir einen h�chst erstaunlichen Plan, Ashton � ein Angebot, das ich akzeptiert habe, weil ich es f�r meine patriotische Pflicht halte, weil ich es f�r moralisch richtig halte und weil ich glaube, da� es uns gro�e Vorteile bringen wird.�</p><p>�Meine G�te�, murmelte sie mit der richtigen Mischung aus �berraschung und Zur�ckhaltung. �Will er Geld f�r ein weiteres Schiff?�</p><p>�Guter Gott, nein, nichts so Weltliches, Profanes. Ich werde es dir sagen, aber mach dich auf einiges gefa�t. Z�gere nicht, nun ja, tollk�hn zu denken. Unkonventionell. Liebling � Mr. Powell und einige Verb�ndete, die ich noch nicht kennengelernt habe, beabsichtigen�, er packte ihren Arm, beugte sich zu ihr nieder, �einen neuen Konf�deriertenstaat zu gr�nden.�</p><p><emphasis>�Was?�</emphasis></p><p>�Bitte nicht so laut. Du hast mich richtig verstanden. Eine neue Konf�deration. La� dir erz�hlen.�</p><p>Es dauerte eine halbe Stunde, bis er alles herausgesprudelt hatte. Die Fischsuppe war l�ngst zusammengeklumpt, als er fragte: �Jetzt sag mir � hab� ich falsch gehandelt? Ich habe keines der Fakten zur�ckgehalten, einschlie�lich meines starken Wunsches, mich Powells Gruppe anzuschlie�en. Ich m�chte sein neuer Finanzminister werden, und ich glaube, es ist m�glich. Der S�dwesten ist weit von unserem Heimatstaat entfernt, aber denk nur an den Lohn, der uns erwartet, wenn wir eine neue Regierung etablieren. Die Aufmerksamkeit, der Respekt der ganzen Welt wird auf uns gerichtet sein.�</p><p>�Daran denke ich gerade. Es ist einfach nur ein bi�chen � nun � �berw�ltigend.�</p><p>�Aber du bist nicht w�tend auf mich?�</p><p>�James � James!� Sie begann sein wabbeliges Gesicht mit kleinen K�ssen zu �bersch�tten. �Selbstverst�ndlich nicht. Deine Vision erregt mich, ich bin stolz auf deinen Mut, stolz darauf, da� du soviel Intelligenz und Initiative zeigst. Ich wu�te schon immer, da� du �ber diese Eigenschaften verf�gst. Ich bin so gl�cklich, da� diese elende Arbeit in Richmond dich nicht deines Ehrgeizes beraubt hat.�</p><p>�Der Hauptgrund meines Ehrgeizes bist du, Ashton. Ich m�chte, da� du in der neuen Konf�deration eine der bedeutendsten Frauen wirst.�</p><p>�Oh, Liebling!� Sie legte ihre H�nde um sein feuchtes Gesicht, dr�ckte es, k��te ihn, schob ihre Zunge tief in seinen Mund. Er stie� ein St�hnen aus, als sie ihre rechte Hand auf seinen Schenkel gleiten lie�. �Ich bin so stolz auf dich.�</p><p>Jemand klopfte leise; in der K�che schien man sich �ber den endlosen Suppengang zu wundern. Ashton gl�ttete ihr Kleid, blickte in Huntoons Kuhaugen � sie wu�te, was heute nacht unvermeidlich kommen w�rde � und tr�llerte: �Komm herein, Della.�</p><p>Huntoon kehrte an seinen Platz zur�ck. Aber kaum war das Essen beendet, da war er schon wieder an ihrer Seite, fummelte an ihrem Kleid herum und flehte sie an, ins Schlafzimmer zu kommen. Sie gab vor, ebenso atemlos zu sein wie er, streckte schwach die Hand aus, um sich von ihm f�hren zu lassen.</p><p>Nackt gurrte sie �ber seinem K�rper und verhalf ihm zu einer gewaltigen Erektion. Das zumindest war etwas Neues; sie konnte es kaum erwarten, Lamar davon zu erz�hlen.</p><p>N�rdlich von Richmond, unter den B�umen eines W�ldchens, unterhielten sich zwei M�nner, von denen keiner den anderen sehen konnte, obwohl dunstiger Mondschein die umliegende Landschaft erhellte.</p><p>�ber die leisen Ger�usche der sich unruhig bewegenden Pferde sagte der eine: �Ich mu� dir mitteilen, zum besten von uns allen, da� du zu oft und zu offen gesprochen hast. Es hei�t, selbst dieser verdammte Lafayette Baker habe von uns geh�rt.�</p><p>�Von mir aus. M�nner meines Staates machen kein Geheimnis aus ihren �berzeugungen. Gouverneur Brown tut das nicht, und ich tue es auch nicht.�</p><p>�Aber du hast Aufmerksamkeit auf dich gelenkt und damit m�glicherweise auch auf uns andere.�</p><p>�Oh, ich bezweifle, da� man einem weiteren Verschw�rungsm�rchen viel Glauben schenken wird � es gibt so viele davon. Au�erdem habe ich keine andere M�glichkeiten M�nner mit dem n�tigen Nerv zu rekrutieren. Ich kann nur den K�der auswerfen und warten. Bei dir hat�s funktioniert.�</p><p>Widerwillig: �Stimmt.�</p><p>�Befinden wir uns in unmittelbarer Gefahr?�</p><p>�Ich glaube nicht. Davis hat von dem Gerede geh�rt und einen Brief geschickt, in dem er den General zu Nachforschungen auffordert. Ich habe mich daf�r freiwillig gemeldet, patriotischer Eifer, der Ha� auf Verr�ter, die �blichen Phrasen.�</p><p>�Sehr clever. Kannst du die Nachforschungen abblocken?�</p><p>�In die L�nge ziehen�, korrigierte der andere. �Wir haben nicht mehr soviel Zeit wie zuvor.�</p><p>�Dann werden wir schneller vorgehen. In wenigen Monaten wird Jeff Davis tot sein.�</p><p>�Wenn nicht, dann werden wir tot sein.�</p><p>�Wir werden den Sonnenschein und die freie Luft des S�dwestens genie�en. Inzwischen � bin ich f�r die Warnung sehr dankbar.�</p><p>�Ich wei�, es ist ein weiter Ritt bis hier heraus, aber es ist der sicherste Ort, der mir eingefallen ist, und ich dachte, es k�nnte dich interessieren.�</p><p>�Vollkommen richtig. Besten Dank. Ich bleibe in Verbindung.�</p><p>Sie sch�ttelten sich die H�nde, w�nschten einander gute Nacht und wandten ihre Pferde in entgegengesetzte Richtungen. Fahles Mondlicht strich �ber das Gesicht von Lamar Powell, als er auf der einen Seite aus dem W�ldchen getrabt kam, und �ber die freundlichen Gesichtsz�ge des Agenten des Kommandeurs der Milit�rpolizei, Israel Quincy, der auf der anderen Seite aus dem W�ldchen trabte.</p><p><strong>88</strong></p><p>LIBBY &amp; SONSchiffs- &amp; Kolonialwarenh�ndler</p><p>Von einem Gewehrlauf aus dem Planwagen getrieben, sah Billy das Schild, das noch aus der Zeit stammte, als das quadratische Geb�ude ein Warenhaus und kein Gef�ngnis gewesen war. Ungef�hr drei Dutzend Offiziere kletterten aus Billys Wagen und den zwei Wagen dahinter. Wie die anderen war Billy ersch�pft, hungrig und vor allem nerv�s.</p><p>Kurz vor dem Libby-Gef�ngnis waren die Wagen an Handelsh�usern und unbebauten Grundst�cken vorbeigekommen. Zuerst fielen Billy die uniformierten Wachen auf, die in Abst�nden um das Backsteingeb�ude postiert waren.</p><p>Im Morgenlicht wirkte das Gef�ngnis streng. Die Wagen hatten an der unteren Seite gehalten, wo das Geb�ude vier Stockwerke hoch war. Auf der gegen�berliegenden Seite waren es nur drei. Die Warnung, die �ber einer der T�ren eingeschnitzt sein sollte, war in der ganzen Unionsarmee bekannt: <emphasis>Die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren.</emphasis></p><p>�Antreten, in Einerreihen antreten�, sagte ein gelangweilter Sergeant. Die meisten der Gefangenen nahmen ihre Lage recht gelassen hin. Einige hatten w�hrend der Fahrt nach Richmond in einem dreckigen G�terwaggon die unvermeidlichen Witze machen m�ssen. Aber als der Zug in der feindlichen Hauptstadt einfuhr, war Schlu� mit den Witzen. Von all den Offizieren schien nur ein stattlicher Artillerie-Captain, vielleicht zwei oder drei Jahre �lter als Billy, tief getroffen von diesem Erlebnis; seine Augen waren feucht, als er seinen Platz in der Reihe einnahm.</p><p>�Schaut euch das an�, sagte ein Offizier und deutete auf eine Barkasse, die von einem nicht weit vom Gef�ngnis entfernten Pier ablegte. Die ganze offene Decksfl�che war von ausgemergelten M�nnern in schmutzigen blauen Uniformen belegt. Vom Dach des Ruderhauses hing ein wei�es Tuch. Die Barkasse fuhr flu�abw�rts.</p><p>Ein Wachmann bemerkte, da� die Gefangenen zuschauten, und sagte: �Das Schiff mit der Parlament�rflagge. Bringt eine Ladung von euren Jungs aus diesem Geb�ude hier zum Tausch. Viele Boote legen heutzutage nicht mehr ab. Wird lange dauern, bis einer von euch f�r den Trip dran ist. Und jetzt los.�</p><p>Sie gingen durch das Tor und schoben sich die �chzenden Stufen hoch. Die Ger�che brachten die M�nner zum Husten: Fisch, Tabak, etwas Bei�endes.</p><p>�Was zum Teufel ist das f�r ein Gestank?�</p><p>Von einer sarkastischen Wache bekam der Gefangene Antwort. �Brennender Teer. Ihr Yanks riecht so scheu�lich, da� wir den Ort regelm��ig ausr�uchern m�ssen.�</p><p>Sie gelangten in einen gro�en, unm�blierten Raum mit hohen Fensterschlitzen, die nur wenig Tageslicht zulie�en. Ein Mannschaftsdienstgrad befragte jeden Gefangenen, trug Name, Rang und Einheit in ein Schreibheft. Dann �bergab er sie einem Corporal, der mit hinter dem R�cken verschr�nkten H�nden unter einem Fenster stand. Bei seinem Anblick verkrampften sich Billys Eingeweide. �Aufstellen � acht Mann in einer Reihe � hier anfangen.� Der Corporal war ein gesunder, rosagesichtiger Junge mit blonden Locken und Augen, so strahlend und klar wie der Oktoberhimmel. Als die Gefangenen Reihen gebildet hatten � Billy befand sich in der zweiten � trat der Corporal vor sie.</p><p>�Ich bin Corporal Clyde Vesey und habe den Auftrag, euch Gentlemen hier im Libby-Gef�ngnis zu begr��en, von dessen Gastfreundschaft ihr zweifellos schon geh�rt habt. Ihr werdet euch nun bis auf die Haut ausziehen, damit Private Murch und ich eine Suche nach Geld und anderen illegalen Materialien, die ihr vielleicht bei euch habt, durchf�hren k�nnen.�</p><p>Hemden wurden ausgezogen, Hosen fielen; dreckige H�nde m�hten sich mit den Kn�pfen der Unterw�sche. Es gab keine Beschwerden; die Zugwachen hatten sie vor der Durchsuchung gewarnt und gemeint, oft h�nge es von der Laune der durchsuchenden Soldaten ab, was man behalten k�nne. Veseys blaue Augen und seine Ansprache stimmten Billy nicht optimistisch.</p><p>�Mach den Mund auf�, fuhr Vesey einen Major in der vordersten Reihe an. Der Major weigerte sich. Vesey schlug ihm zweimal hart mit dem Handr�cken ins Gesicht. Zwei Pl�tze weiter nach links stie� der dicke Artillerie-Captain einen h�rbaren Aufschrei des Abscheus aus.</p><p>�Aufmachen�, wiederholte Vesey. Der w�tende Major gehorchte. Vesey griff hinein und holte eine kleine, spuckebedeckte Papierr�hre heraus. Vesey rollte die Zehn-Dollar-Note auf, wischte sie an seiner Bluse ab, steckte sie ein und ging weiter.</p><p>Er erreichte den Artilleristen, l�chelte, sp�rte dessen Schw�che. Nach einer Routinedurchsuchung von Mund und Achselh�hlen trat er zur�ck. �Umdrehen und Arschbacken spreizen.�</p><p>�W-was? H�ren Sie, das ist weder anst�ndig noch � �</p><p>Vesey l�chelte ein s��liches L�cheln. �Du hast nicht zu beurteilen, was im Libby-Gef�ngnis anst�ndig oder unanst�ndig ist. Solche Beurteilungen liegen in den H�nden des Gef�ngnisdirektors, Lieutenant Turner, und derjenigen Leute, die das Privileg haben, ihm zu dienen.� Seine Hand schnellte hoch, packte das Ohr des Captains und verdrehte es. Der Artillerist kreischte wie ein M�dchen. Vesey l�chelte. �Dreh dich um, pack deine Arschbacken, und spreize sie.�</p><p>Die Gefangenen wechselten w�tende Blicke. Mit rotem Gesicht drehte sich der Artillerist um und griff nach seinem Hinterteil. In dieser Position lie� ihn Vesey stehen, f�nfzehn Sekunden � zwanzig � drei�ig. Der Captain begann vor Anstrengung zu zittern. Vesey schlug ihm seitlich ins Gesicht. Der Captain quietschte und fiel nach vorn. M�nner in der n�chsten Reihe stie�en ihn zur�ck. Der Captain begann zu heulen. Billy machte einen halben Schritt nach vorn.</p><p>Vesey sagte zu ihm: �Oh, ich w�rde mich nicht einmischen. Das zahlt sich nicht aus.�</p><p>Billy z�gerte, trat wieder zur�ck. Die Suche ging weiter. Billys Mund wurde trocken, als der Corporal die zweite Reihe abschritt. Vesey b�ckte sich und durchw�hlte den Kleiderstapel neben Billys nackten F��en.</p><p>�Was ist das?� fragte Vesey erfreut. Aus Billys Jacke zog er das Schreibheft.</p><p>�Das ist mein Tagebuch�, sagte Billy. �Es ist rein pers�nlich.�</p><p>Vesey erhob sich und wedelte mit dem Heft dicht vor Billys Nase herum. �In Libby ist nichts pers�nlich, au�er wir machen es dazu. Dies ist ein Buch. Regelm��iger Kirchgang hat mich gelehrt, B�chern zu mi�trauen, vor allem Romanen, und all jenen, die sie lesen. Es ist nicht nur meine Christenpflicht, euch als Gefangene zu halten, sondern euch auch von euren Irrwegen abzubringen. �Ich will euch vor den Heiden retten�, sagte der Prophet Ezechiel. Das ist genau das, was ihr Yankees seid. Heiden.�</p><p>Er ist verr�ckt, dachte Billy. �Murch?� Vesey schleuderte das B�chlein dem anderen Soldaten zu, der es auffing und einsteckte. Vesey schenkte Billy ein fl�chtiges L�cheln und ging weiter zum n�chsten Mann.</p><p>Billys Beine begannen zu schmerzen. Endlich war Vesey fertig und baute sich wieder, die H�nde hinten verschr�nkt, vor ihnen auf. Jetzt k�nnen wir wenigstens hier weg und uns hinsetzen, dachte Billy.</p><p>�Es ist meine Pflicht und mein Privileg, euch Gentlemen einige moralische Instruktionen zu geben.� Vesey stellte sich breitbeinig hin. Ein Offizier fluchte. Vesey funkelte ihn an. Der Artillerist weinte immer noch leise. �Die Instruktionen betreffen euren Status in diesem Gef�ngnis. Wie ich schon zu dem Mann mit dem versteckten Tagebuch sagte, wir betrachten euch nicht nur als Feinde; wir betrachten euch als Heiden. Ihr seid keine Offiziere mehr. Ihr seid keine Gentlemen mehr. Euer Status hier ist der eines Niggers. Nein, ich bin zu gro�z�gig. Ihr seid niedriger als Nigger, und ihr werdet lernen, das zu sp�ren � in jeder Minute, die ihr unter meiner Obhut seid, werdet ihr das einatmen. Jetzt!�</p><p>Ein tiefer Atemzug. Dann l�chelte er.</p><p>�Zeigt mir, da� ihr verstanden habt, was ich euch gerade gesagt habt. Zeigt mir, wer ihr seid. Runter auf die Knie!�</p><p>�Was zum Teufel?� grollte Billy. Hinter ihm sagte ein anderer Offizier: �Du verfluchter Rebellenaffe!�</p><p>�Murch?� Vesey winkte. Mit seinem Revolver schlug der Soldat dem Offizier �ber den Hinterkopf. Der Mann taumelte. Ein zweiter Schlag warf ihn fast bewu�tlos nieder.</p><p>Vesey l�chelte erneut. �Ich sagte�, murmelte er, �kniet nieder. Heidennigger. Kniet � <emphasis>nieder!�</emphasis></p><p>Der Artelleriecaptain lie� sich als erster keuchend fallen. Jemand verfluchte ihn. Vesey flitzte zur dritten Reihe und schlug den Frevler, packte ihn dann an den Schultern und zwang ihn auf die Knie. Besorgte Blicke flackerten zwischen den Gefangenen auf, m�de M�nner, die sich vor diesem Irren in Sicherheit bringen wollten. Einer nach dem anderen sank langsam auf die Knie, bis nur noch drei nackte Offiziere standen. Vesey studierte das Trio und ging zum n�chsten � Billy.</p><p>�Knie nieder�, schnorrte Vesey.</p><p>Mit h�mmerndem Herzen sagte Billy: �Ich verlange, da� diese Gefangenengruppe entsprechend den Kriegsregeln behandelt wird. Regeln, die Ihr Vorgesetzter sicher versteht, selbst wenn das bei Ihnen nicht der Fall � �</p><p>Er sah die Hand auf sein Gesicht zufliegen, versuchte auszuweichen, aber die M�digkeit machte seine Bewegungen langsam. Der Schlag mit der offenen Hand schmerzte mehr, als er erwartet hatte. Er taumelte zur Seite, w�re beinahe gest�rzt.</p><p>�Ich hab� es bereits gesagt. Hier existieren nur die Regeln, die ich aufstelle. Auf die Knie.�</p><p>Makellose Fingern�gel gruben sich in Billys nackte Schulter. �Jesus�, sagte Billy, Tr�nen in den Augen. Veseys N�gel rissen ihm die Haut auf; Blut tropfte, als er tiefer bohrte.</p><p>�Das ist Blasphemie. <emphasis>Runter!�</emphasis></p><p>Billy wollte stehenbleiben, aber seine Beine gaben nach. Sein Kopf begann zu vibrieren wie der fehlerhafte Teil einer Maschine. Er bi� die Z�hne zusammen, widerstand dem stetigen Druck nach unten.</p><p>Unerwartet zog Vesey. Billy verlor das Gleichgewicht, st�rzte nach vorn, knallte mit den Knien auf den Boden, rutschte mit den Handfl�chen dar�ber, ein langer Splitter fuhr ihm in die rechte Hand. Er hob den Kopf und sah, wie sich der Corporal abwandte.</p><p>�Murch?�</p><p>�Sir?�</p><p>�Wie hei�t er?�</p><p>�Hazard. William Hazard. Pionier.�</p><p>�Danke. Ich m�chte sichergehen, da� ich den Namen nicht vergesse�, sagte Vesey; seine Lippen waren vor Wut so schmal, da� sie alle Farbe verloren hatten.</p><p>Sein Blick glitt zu den beiden anderen noch stehenden Offizieren. Erst kniete der eine nieder, dann der andere. �Gut�, sagte Vesey.</p><p>Billy kauerte sich hin. Blut tr�pfelte von seinem Arm. Er beobachtete, wie sich die strahlenden Oktoberaugen wieder auf ihn richteten und Ma� nahmen.</p><p>Gegen f�nf Uhr nahm der Wind zu, der Himmel f�rbte sich schwarz, der Hitzeschild zerbrach unter dem Ansturm des peitschenden Regens und des prasselnden Hagels. Orry ging gerade durch den Kapitol-Rundbau, als der Sturm losbrach; die Gaslichter brannten noch nicht, und er fand sich pl�tzlich in fast v�lliger Dunkelheit wieder. Er prallte gegen einen anderen Offizier, trat verbl�fft zur�ck.</p><p>�George? Ich wu�te nicht, da� du in Richmond bist.�</p><p>�Doch�, sagte sein alter Freund Pickett mit seltsam entr�ckter Stimme. Picketts langes Haar war ungek�mmt, seine Augen hatten dunkle Ringe. �Ja, f�r eine Weile � ich bin vor�bergehend abkommandiert. Freut mich, dich zu sehen. Wir m�ssen uns mal zusammensetzen�, sagte er �ber die Schulter und eilte in die Dunkelheit hinein. Donnerschl�ge lie�en den Marmorboden vibrieren.</p><p><emphasis>Er hat mich nicht erkannt. Was ist los mit ihm?</emphasis></p><p>Doch Orry glaubte Bescheid zu wissen, er hatte die Geschichten geh�rt. Einst fr�hlich und unbek�mmert, hatte Pickett seine Jungs den Cemetery Hill hochgef�hrt, wo sie abgeschlachtet worden waren. Als er wieder herunterkam, war er ein gebrochener Mann. Orry blieb regungslos stehen. Das ganze Geb�ude erzitterte, als wollten die Elemente es auseinanderrei�en.</p><p>Am gleichen Tag erhielt George einen zerknitterten Briefumschlag, der von Lehigh Station mit einer zus�tzlichen Drei-Cent-Marke nachgeschickt worden war. Er �ffnete ihn, faltete den Briefbogen auf, sah die Unterschrift und stie� einen Begeisterungsruf aus.</p><p>Orry befand sich nicht nur in Richmond, er war mit Madeline dort, die mittlerweile seine Frau geworden war. George sch�ttelte voller Erstaunen den Kopf, als er den Brief durchlas, der offensichtlich per illegalem Kurier nach Pennsylvania gelangt war. Ironischerweise hatte das Schicksal die Freunde auf �hnliche Pfade gef�hrt. Genau wie George waren auch Orry seine Pflichten im Kriegsministerium fast unertr�glich.</p><p>Trotz des melancholischen Tons mu�te George l�cheln, wann immer er den Brief las. Und er las ihn oft, er las ihn laut Constance vor und wieder und wieder f�r sich allein, bevor er ihn zu seinen anderen Erinnerungsst�cken tat.</p><p>Keiner der G�ste an der Hotelbar lachte; wenige hoben ihre Stimme �ber ein Murmeln. Weshalb sollte man fr�hlich sein? Nicht einmal das Wetter gab Anla� daf�r. Die Hitzewelle war gebrochen, aber der Sturm, der Erleichterung gebracht hatte, war so heftig gewesen, da� man h�tte meinen k�nnen, er wolle ganz Richmond dem Erdboden gleichmachen.</p><p>Lamar Powell, der an einem Briefentwurf f�r den Vorarbeiter der mexikanischen Mine arbeitete, versuchte all die unzufriedenen Stimmen zu ignorieren. Er hatte sich einen Tisch hinten in der Ecke ausgesucht, um ungest�rt zu sein, und k�ndete dem Vorarbeiter gerade an, da� er innerhalb der n�chsten zw�lf Monate pers�nlich erscheinen w�rde, um das Kommando zu �bernehmen.</p><p>Einen Augenblick zu sp�t h�rte er das Quietschen der nassen Stiefel. Schnell faltete er den Briefentwurf zusammen und schaute zu dem Mann auf, dessen Schatten auf den Tisch gefallen war. Der Mann war fett, gewaltig, sein verstaubter Anzug so gro� wie ein Zelt. Er hatte dunkles Haar, verschlagene Augen, eine verschw�rerische Art.</p><p>�Habe ich die Ehre mit Mr. Lamar Powell?�</p><p>Powell w�nschte sich, er h�tte seine vierl�ufige Sharps heute abend mitgenommen. Konnte es sich bei diesem feisten Burschen um einen von Winders Spionen handeln, auf der Suche nach Kritikern des Pr�sidenten?</p><p>�Was wollen Sie?� entgegnete Powell.</p><p>Etwas irritiert r�usperte sich der Fremde. �Man hat mir gesagt, da� Sie Mr. Powell sind. Ich suche Sie seit einigen Tagen. Ich interessiere mich f�r, �h, gewisse Pl�ne von Ihnen. Darf ich mich setzen und mich n�her erkl�ren? Oh, verzeihen Sie � mein Name ist Captain Bellingham.�</p><p>An diesem Abend feierte Bent, indem er sich in seiner Pension bis zur Bewu�tlosigkeit vollaufen lie�. Mr. Lamar Powell war raffiniert. Mit keiner Silbe hatte er best�tigt, da� er an einer Verschw�rung gegen die Regierung beteiligt sei, und ebensowenig hatte er den leisesten Hinweis gegeben, da� eine solche Verschw�rung existierte. Doch seine Blicke und Gesten lie�en keinen Zweifel daran. Er war daran beteiligt, und er konnte vertrauensw�rdige Rekruten gebrauchen � vor allem einen in Maryland geborenen S�dstaatensympathisanten, der k�rzlich in Diensten von General Longstreet verwundet worden war.</p><p>Powell befragte ihn eingehend, wie und wo er seinen Namen geh�rt hatte. Bent verweigerte die Antwort. Nat�rlich war es ein Risiko, in diesem Punkt auf stur zu schalten. Doch wenn Powell ihn f�r zu weich und nachgiebig hielt, dann verzichtete er m�glicherweise auf seine Dienste. Also grub sich Bent ein und sagte wiederholt, nein, er k�nne seine Quellen nicht enth�llen.</p><p>Er verabschiedete sich in der Hotelbar von Powell, betrank sich in seiner Pension und machte sich auf eine Wartezeit gefa�t. Eine Woche, einen Monat � wie lang immer es dauern mochte. In der Zwischenzeit konnte er einen weiteren kleinen Plan verfolgen, nun, da er sich in der gleichen Stadt wie Orry Main befand, der von seiner Anwesenheit keine Ahnung hatte. Er konnte ihn �berraschen.</p><p>Am n�chsten Abend verlie� Ashton das Haus in der Grace Street um halb sieben. Die Luft war merklich k�hler; von Nordwesten her zogen weiterhin h��liche, schwarze Wolken herauf.</p><p>Sie zog ihre Handschuhe an und war in Gedanken so mit dem gemeinsamen Abend mit Powell besch�ftigt, da� sie den hinter einer S�ule am Fu�e der Treppe halb verborgenen Mann gar nicht bemerkte.</p><p>�Mrs. Huntoon?�</p><p>�Wie k�nnen Sie es wagen, mich derart zu erschrecken � oh!� Sie erkannte ihn: ein gewaltiger Fleischberg in dunklem Wollstoff, ein fettes Gesicht unter einem breitkrempigen Hut. Er hatte sie zuvor schon einmal aufgesucht, obwohl sein Name ihr entfallen war. Er trug eine �lleinwandrolle unter dem Arm.</p><p>�Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht �ngstigen�, sagte er, schnelle Blicke auf das Haus werfend. �Gibt es hier in der N�he einen Ort, wo wir uns ungest�rt unterhalten k�nnen?�</p><p>�Wie war Ihr Name?�</p><p>�Captain Erasmus Bellingham.�</p><p>�Richtig. General Longstreets Corps.�</p><p>�Nun Invaliden-Corps, f�rchte ich�, erwiderte Bent mit seinem gef�hlvollsten Gesichtsausdruck. �Ich bin nicht mehr bei der Armee.�</p><p>�Beim erstenmal sagten Sie, mein Bruder sei ein Freund von Ihnen.�</p><p>�Es tut mir leid, wenn ich diesen Eindruck erweckt habe. Ich bin kein Freund, lediglich ein Bekannter. Bei dieser Gelegenheit brachten Sie zum Ausdruck, da� Ihre Gef�hle Colonel Main gegen�ber etwas, nun, sagen wir, etwas weniger als herzlich seien? Deswegen bin ich heute abend vorbeigekommen � die erste Gelegenheit nach meiner Entlassung aus dem Chimborazo Hospital.�</p><p>�Captain, ich habe es eilig. Kommen Sie zur Sache.�</p><p>Seine plumpen Finger trommelten auf die Leinwandrolle. �Ich habe hier ein Gem�lde. Ich w�rde es Ihnen gerne zeigen, das ist alles. Ich will es nicht verkaufen, Mrs. Huntoon � ich w�rde mich nicht davon trennen. Aber ich glaube, Sie werden es trotzdem sehr interessant finden.�</p><p>Charles erreichte am gleichen Abend Barclays Farm. Er hatte Jim Pickles eingeladen und ihm unterwegs erkl�rt, da� er zur Witwe Barclay in romantischer Beziehung stehe.</p><p>Gus umarmte und k��te ihn herzlich, und als sie hinausging, um zwei H�hner f�rs Abendessen schlachten zu lassen, stie� Jim seinen Gef�hrten an. �Du bist ein Gl�ckspilz. Sie ist eine echte Sch�nheit.� Charles paffte weiter schweigend seine Maiskolbenpfeife und r�stete seine nackten F��e am K�chenherd; der Regen unterwegs war peitschend und kalt gewesen.</p><p>Das Essen verlief fr�hlich, aber der Krieg lie� sich nicht ganz ausklammern. Gus bemerkte, da� sie �ber die k�rzlichen Aufst�nde in New York City, die Schwarzen und Wei�en das Leben gekostet hatten, keine Freude empfinden k�nne. Besitztum im Wert von �ber zwei Millionen Dollar war zerst�rt worden, ehe Einheiten von Meades Armee aus Pennsylvania anr�ckten und den Aufruhr stoppten. Diese Bemerkung l�ste einen Streit aus.</p><p>�Du solltest gl�cklich dar�ber sein, Gus. Wir brauchen Hilfe, wo wir sie finden k�nnen.�</p><p>�Das kann nicht dein Ernst sein. Das war Gemetzel, kein Krieg. Frauen mit Messern erstochen. Kleine Kinder gesteinigt.�</p><p>�Scheu�lich, das gebe ich zu. Aber wir k�nnen uns keine weichen Herzen mehr leisten. Selbst wenn wir siegen, verlieren wir. In jeder Schlacht verbrauchen beide Seiten M�nner, Pferde, Munition. Die Yanks k�nnen es sich leisten � sie haben von allem reichlich. Wir nicht. Wenn sie je einen General finden, der das mitkriegt, dann ist es mit unserer Seite aus.�</p><p>Sie schauderte. �Du klingst so blutr�nstig.�</p><p>Seine Laune ging mit ihm durch. �Und du so mi�billigend.�</p><p>Ihre alte Verteidigung, ein spr�des L�cheln, tauchte auf. �Mr. Pope und ich, wir fragen uns, was die Ursache deiner schlechten Verfassung ist.�</p><p>�Meine Verfassung geht dich nichts an.�</p><p>Sie zitierte trotzdem: �War vielleicht krank�, ein Augenblick des Z�gerns, �verliebt oder hatte nicht gespeist?�</p><p>An einem H�hnerfl�gel nagend fragte Jim: �Wer ist Mr. Pope? Ein Farmer hier aus der Gegend?�</p><p>�Ein Dichter, von dem Mrs. Barclay sehr viel h�lt, du Dummkopf.�</p><p>�Charles, du bist unh�flich�, sagte sie.</p><p>Er seufzte. �Ja. Tut mir leid, Jim.�</p><p>�Oh � schon vergessen�, antwortete Jim, sein H�hnchen im Auge behaltend.</p><p>�Ich m�chte trotzdem wissen, weshalb du so ungem�tlich bist, Charles.�</p><p>�Ich bin ungem�tlich, weil wir verlieren, verdammt noch mal.� Beim letzten Wort schlug er seine Pfeife so kr�ftig gegen den Herd, da� der Stiel brach.</p><p>Sp�ter gl�tteten sie die Wogen � sie ergriff die Initiative � und schliefen zwischen Mitternacht und Morgen zweimal miteinander. Aber der Schaden war da.</p><p>Am n�chsten Nachmittag rissen die Wolken auf, als die M�nner zu ihrem Ritt zur�ck zum Camp unterhalb vom Rapidan aufbrachen, wohin sich die Infanterie hinter den Schutzschild der Kavallerie zur�ckgezogen hatte. Alle Kommandos im berittenen Dienst sollten neu beurteilt und m�glicherweise neu organisiert werden. Als ob das Charles nicht v�llig egal gewesen w�re.</p><p>Der Himmel, der sich gegen Abend tief orange f�rbte, wirkte verloren und hoffnungslos. Herbstlicht. Charles trabte neben dem j�ngeren Scout; er bemerkte, da� die Truthahnfeder an Jims Hutband, vor ein paar Minuten noch nach hinten geneigt, nun auf die Stra�e vor ihnen zeigte.</p><p>Jim bemerkte den starren Blick seines Gef�hrten. �Stimmt was nicht, Charlie?�</p><p>�Der Wind hat gedreht.�</p><p>So war es; jetzt kam er scharf und kalt aus Nordwesten. Viel zu kalt f�r die Sommerzeit. Jim wartete auf weitere Erkl�rungen, aber es kam nichts mehr. Er kratzte sich seinen stoppligen Bart. Seltsamer Mann, Charlie. Tapfer wie der Teufel. Aber momentan m�chtig ungl�cklich.</p><p>Gegen den steifen Nordwind ank�mpfend, der die Gr�ser der Felder flach pre�te und die B�ume �chzen lie�, ritten sie in den orangefarbenen Abend.</p></section><section><title><p><strong>F�nftes Buch.</strong></p><p><strong>Die Metzgersrechnung</strong></p></title><p><emphasis>Ich kann die Wandlung nicht beschreiben, auch nicht, wann sie stattgefunden hat, und doch wei� ich, da� sich etwas ver�ndert hat, denn ich schaue die Leiche eines Mannes mit den gleichen Gef�hlen an wie die eines Pferdes oder Schweines.</emphasis></p><p>Konf�derierter Soldat, 1862</p><p><strong>89</strong></p><p>Ein milder Winter d�mpfte den Anblick des gepeinigten Landes von Virginia, konnte ihn aber nicht zudecken. Zu viele Felder lagen nackt und blo� da. Zu viele B�ume zeigten die rohen Kreise, wo �ste abgehackt worden waren. Zu viele Stra�en wiesen Krater und tiefe Furchen von Hufen und R�dern auf. Die Mauern zu vieler Farmen waren mit Gewehrkugeln gepflastert, Fenster waren ausgeschlagen, �berall frische Gr�ber.</p><p>Heub�den und St�lle waren leer. Die Speisekammern waren leer, ebenso wie die St�hle, auf denen einst Onkel und Br�der, V�ter und S�hne gesessen hatten.</p><p>Drei Jahre lang hatte man zu viel von der Erde gefordert, und das hatte seine Spuren hinterlassen. Von Feldern und Schluchten, von B�chen und Teichen, von H�geln und blauen Bergen stieg im blassen Sonnenschein d�nner Dunst empor. Es war der Atem eines kranken Landes.</p><p>In der Kavallerie der Armee von Nordvirginia war Charles zu einer Art Legende geworden. Sein Mut und seine Sorge f�r andere hoben ihn aus der Masse der M�nner heraus, w�hrend sein mangelnder Ehrgeiz ihn andererseits zur�ckwarf. Hinter seinem R�cken erz�hlte man sich, da� der Krieg Spuren in seinem Kopf hinterlassen habe.</p><p>Er entwickelte merkw�rdige Angewohnheiten. Er verbrachte viele Stunden bei seinem grauen Wallach, striegelte und b�rstete ihn. Manchmal unterhielt er sich lange mit dem Tier. Den Winter �ber galoppierte er gelegentlich los, um ein M�dchen in der N�he von Fredericksburg zu besuchen, kehrte aber jedesmal in m�rrischem Schweigen zur�ck. Regelm��ig durchst�berte er die Camps nach gelbgebundenen Beadle-Romanen. Er las nur eine Sorte, wie Jim Pickles bemerkte � jene, die von den Ebenen im Westen handelten und den Scouts und Trappern, die sie bev�lkerten.</p><p>�Wie lang bist du in dem Teil des Landes gewesen?� fragte Jim an einem Januarabend an ihrem Lagerfeuer.</p><p>�Lang genug, um mich in das Land zu verlieben.� Charles ben�tzte sein Bowiemesser, um sich Stew in den Mund zu schaufeln. Jim hatte daf�r nur einen Stock; aus Armeequellen war kein L�ffel zu bekommen.</p><p>Nach einem weiteren Bissen f�gte Charles hinzu: �Ich w�rde morgen dorthin, wenn dieser Krieg nicht w�re.�</p><p>�berrascht sagte Jim: �Was ist mit Miss Augusta?�</p><p>�Ja, das kommt dazu�, sagte Charles. Eine Weile starrte er ins Feuer.</p><p>Aus der Dunkelheit rief einer der Scouts: �Charlie? Ich glaube, dein Grauer ist los.�</p><p>Er sprang auf, versch�ttete sein Essen. Durch blattloses Gestr�uch st�rmte er in die Richtung, in die der andere Mann gedeutet hatte. Richtig, da war sein Pferd und malmte heftig an einem St�ck grauen Tuches; Sport hatte seinen Haltestrick zerrissen.</p><p>�rgerlich zerrte Charles die Decke aus Sports Maul. Der Graue wieherte, entbl��te die Z�hne, stie� nach Charles� Hand. �Verdammt noch mal, Sport, was ist los mit dir?� Nat�rlich wu�te er, was los war. Es gab kein Futter mehr; der Hunger machte die Pferde wild.</p><p>Charles stie� heftige Fl�che aus, als er im Schein eines anderen Feuers die Rippen des Grauen sah, so gleichm��ig wie Eisenbahnschwellen. Seit Wochen schon wu�te er, da� Sport an Gewicht verlor. Er sch�tzte, da� der Graue drei�ig oder vierzig Pfund weniger wog als damals, als er ihn gekauft hatte. Dieses Dahinsiechen erf�llte Charles mit Wut und Schmerz, genau wie das Schicksal der anderen Tiere. Viele starben. Warum nicht? Auch ihre Sache starb. Fast jeden Tag schickte Hampton Reitertrupps auf die Suche nach Futter; nur selten fanden sie was. Beide Seiten hatten den Staat leer gefegt.</p><p>Charles� Zustand blieb auch Hampton nicht verborgen, der zum Generalmajor ernannt worden war und bei der letzten Neuorganisation eine Division bekommen hatte. Fitz Lee hatte die gleiche Bef�rderung und die andere Division erhalten. Eines Abends lud Hampton Charles in sein Zelt ein.</p><p>In dem tiefgoldenen Licht der Laternen sah Wade Hampton immer noch fit aus, ein kleines Wunder angesichts der ernsten Wunden, von denen er sich hatte erholen m�ssen. Doch Charles bemerkte auch Linien in seinem Gesicht, die noch nicht da gewesen waren, als Hampton die Legion aufgestellt hatte. Ein neuer, feierlicher Ernst h�llte den General wie einen Mantel ein.</p><p>Sie plauderten eine Weile �ber alles m�gliche, doch Charles hatte das Gef�hl, da� dies nur der Vorbereitung auf etwas anderes diente. Er t�uschte sich nicht.</p><p>�Ich m�chte Ihnen etwas sagen, das Sie, wie ich wei�, schon von vielen anderen geh�rt haben, einschlie�lich Ihres Freundes Fitz.�</p><p>Charles wartete, auf der Hut. Hampton wirbelte einen kleinen Rest Whiskey in seiner Blechtasse herum. �Sie sollten nichts Geringeres sein als Brigadier, Charles. Sie verf�gen �ber die Erfahrung. Und �ber die F�higkeit � �</p><p>�Aber nicht �ber den Wunsch, Sir.� Warum nicht die Wahrheit sagen? Er hatte es satt, es f�r sich zu behalten, und wenn ihn jemand verstehen w�rde, dann der General. �Ich bin soweit, da� ich den Krieg verabscheue.�</p><p>Kein Anzeichen einer Zurechtweisung; nur ein kurzes Seufzen. �Niemand w�nscht sich den Frieden sehnlicher als ich, aber wir d�rfen uns keinen T�uschungen hingeben, wie das bei einigen der Fall ist. Vizepr�sident Stephens und viele andere in der Regierung glauben, Frieden bedeute lediglich ein Ende des Krieges. Das stimmt nicht. Dar�ber sind wir hinaus, zuviel Blut ist geflossen. Wir werden hinterher genauso erbittert k�mpfen, auf andere Weise, wie wir jetzt k�mpfen.�</p><p>Der Gedanke war Charles noch nicht gekommen. Er �berlegte sich das einige Sekunden lang, fand es sowohl realistisch als auch deprimierend.</p><p>�Dann werd� ich mich vielleicht nach Texas aufmachen und mir eine H�tte und ein St�ck Farmland suchen.�</p><p>�Das will ich nicht hoffen. Der S�den wird starke M�nner mit gesundem Menschenverstand n�tig haben. In diesem Leben m�ssen wir unsere Talente verantwortlich einsetzen.�</p><p>Hampton hatte es ruhig gesagt, aber es hatte getroffen, so wie er es beabsichtigt hatte. Der General lie� seine Bemerkungen einsinken. Er streckte seine kr�ftigen Beine aus und l�chelte auf die Art und Weise, mit der er so viele Freunde gewonnen hatte; selbst Stuart war ihm gegen�ber aufgetaut. Fitz Lee allerdings, das wu�te jeder, w�rde dem �lteren General stets eifers�chtig und mi�g�nstig gegen�berstehen.</p><p>�Ah, ich nehme aber an, da� wir noch lange auf den Frieden warten m�ssen�, sagte Hampton nun. �Und ich glaube daran, da� wir siegen werden.�</p><p>Charles verzog keine Miene; solche L�gen wurden von den hohen Offizieren gefordert. Hampton jedoch diskutierte weiter �ber den Sieg. Sinnierend strich er seinen gewaltigen braunen Bart. �Sie werden in den Westen gehen, wenn wir es geschafft haben, sagen Sie. Was h�lt diese junge Lady in Fredericksburg von Ihren Pl�nen? Ich habe geh�rt, Ihre Herzenssache ist recht ernst.�</p><p>�Oh, nein, Sir. In Zeiten wie diesen kann ich mich kaum richtig um mein Pferd k�mmern. Ich habe nicht die Absicht, mich auch noch um eine Frau k�mmern zu m�ssen.�</p><p>Bald verabschiedete er sich; Hampton sch�ttelte ihm herzlich die Hand, dr�ngte ihn nochmals, �ber die Brigade nachzudenken. Charles versprach es, allerdings nur aus H�flichkeit.</p><p>Sein Atem stand in kleinen Wolken in der Dunkelheit, als er durch den ewigen Schlamm zu Sport trottete. Obwohl er in scherzhaftem Ton �ber Gus gesprochen hatte, war es ihm durchaus ernst gewesen. Er liebte Gus mehr, als er je zuvor eine Frau geliebt hatte, aber er mu�te die Beziehung abbrechen, um ihrer beider willen.</p><p>Mit dem immer st�rker werdenden Gef�hl, da� der Tod der Konf�deration unvermeidlich war, stand Charles in seiner Familie nicht allein. Cooper glaubte es ebenfalls, obwohl er es nie laut aussprach, nicht einmal Judith gegen�ber.</p><p>Cooper und seine Familie befanden sich in Charleston, wohin Minister Mallory sie im vergangenen Herbst geschickt hatte. Lucius Chickering hatte seinen Vorgesetzten begleitet.</p><p>Die Stadt, in die Cooper kam, war nicht l�nger der charmante Hafen mit Lichtern, guten Manieren und dem hellen Klang der Kirchenglocken, in den er sich verliebt hatte, als ihn sein Vater hierher, ins Exil schickte. Charleston trug noch die Wunden und Narben des Gro�feuers von 1861, die Stadt war ersch�pft von Blockade und Belagerung, vom Feind bedroht zu Lande und zu Wasser. Die anmutige alte Stadt war im ganzen Norden verha�t wie keine andere. Vor allem anderen wollten die Yankees Fort Sumter zur�ckerobern oder dem Erdboden gleichmachen, mehr aus symbolischen denn aus strategischen Gr�nden.</p><p>Cooper stellte fest, da� die alte Firma der Main-Familie, die Carolina Shipping Company, nicht mehr in dieser Form existierte. Das Milit�r hatte das Kommando �bernommen, hatte die Lagerh�user erweitert und die Piers verrotten lassen, weil Charleston von der See her nicht mehr versorgt werden konnte. Das k�hle, hohe Haus in der Tradd Street war vom Feuer verschont geblieben; Cooper und Lucius waren allerdings gezwungen, sich zu bewaffnen, um ein halbes Dutzend wei�e Hausbesetzer die sich hier eingenistet hatten, zu vertreiben. Dann brauchte es Besen, Farbe und Desinfektionsmittel, um das Haus wieder halbwegs in seinen fr�heren Zustand zu versetzen. Nicht da� sich diese Anstrengung gelohnt h�tte, dachte Judith knapp eine Woche nach ihrer Ankunft. Ihr Mann verbrachte den gesamten Tag und einen guten Teil der Nacht in seinem B�ro oder dem von General Beauregard; an beiden Orten versuchte er, System in die Tests mit dem Tauchboot <emphasis>Hunley</emphasis> zu bringen.</p><p>Ein zentraler Existenzfaktor in Charleston war die Bundesblockade, die ihre grausame Wirkung zeigte, und das nicht nur, indem sie den S�den weiterhin von lebenswichtigen Versorgungsg�tern abschnitt. Da die Yankees buchst�blich die Kontrolle �ber den Atlantik von Chesapeake bis Florida besa�en, mu�ten die Truppen entlang der gesamten K�ste bereitgehalten werden, um jeden m�glichen Angriffspunkt abzudecken. Scotts Anakonda war nicht l�nger eine Theorie, �ber die man sich lustig machen konnte. Ihre Schlingen w�rgten den S�den zu Tode.</p><p>Eine zweite nervenzerfetzende Realit�t in dem neuen Charleston waren die anhaltenden, heftigen Versuche der Yankees, die Stadt zu erobern oder wenigstens teilweise zu zerst�ren. Nach tagelangem Einschie�en er�ffneten die massiert aufgebauten Kanonen Mitte August das Bombardement. Seitdem hatte es drei schwere, mehrere Tage anhaltende Bombardements gegeben. Sumter glich nun einem Steinhaufen, obwohl sich in den Ruinen noch eine Garnison von f�nfhundert Mann mit achtunddrei�ig Kanonen hielt.</p><p>Die Stadt widerstand den Bombardements und nahm relativ geringen Schaden. Sumter zeigte immer noch die Konf�deriertenflagge. Doch der Feind hatte weder aufgegeben, noch war er abgezogen; die Yanks steckten da drau�en im Dunst jenseits von James Island, wo Cooper seine noch in den Kinderschuhen steckende Werft aufbaute. Zur St�tzung der Moral hatte Pr�sident Davis letzten November die Stadt besucht. Bei jedem Auftauchen war Mr. Davis von Menschenmengen herzlich begr��t worden. Cooper war zu keiner Kundgebung gegangen. Jetzt halfen nur noch Taten, keine patriotischen Predigten. Sein Job war die <emphasis>Hunley.</emphasis></p><p>Das �Fisch-Schiff� war im letzten Sommer von Mobile aus antransportiert und seitdem vom Mi�geschick verfolgt worden. Mit einer offenstehenden Luke war sie von einem viel gr��eren, dicht vorbeifahrenden Schiff zum Sinken gebracht worden. Die gesamte Acht-Mann-Crew, einschlie�lich des Kapit�ns, Lieutenant Payne, befand sich an Bord. Bis auf Payne ertranken alle.</p><p>W�hrend eines Tests des Tauchschiffs mit einer Ersatz-Crew verloren weitere f�nf Mann ihr Leben. Daraufhin gab Old Bory die <emphasis>Hunley</emphasis> auf, �nderte aber seine Meinung, als Mallory versprach, zwei seiner vertrauensw�rdigsten Mitarbeiter zur �berwachung zu schicken.</p><p>Mittlerweile hatte das Torpedoboot <emphasis>David</emphasis> am 5. Oktober bei der U.S.S. <emphasis>New Ironsides</emphasis> einen Treffer gelandet. Der Torpedo detonierte erfolgreich sechs Fu� unter der Wasserlinie des Feindschiffes, und obwohl die Sechzig-Pfund-Ladung nicht ausreichte, das Schiff zu versenken, mu�te es sich doch zur Reparatur nach Port Royal zur�ckziehen.</p><p>Das war der Zeitpunkt, zu dem Cooper und Lucius ankamen. Sie wiesen Beauregard auf einen Vorteil hin, den die <emphasis>Hunley</emphasis> gegen�ber der <emphasis>David</emphasis> aufzuweisen hatte: Lautlosigkeit. Die offiziellen Berichte zeigten, da� die Maschine der <emphasis>David</emphasis> die <emphasis>New Ironsides</emphasis> bereits auf die Gefahr aufmerksam gemacht hatte, noch bevor das Torpedoboot zugeschlagen hatte. Beauregard versprach Unterst�tzung, die auch dringend ben�tigt wurde. Die <emphasis>Hunley</emphasis> hatte bereits den Spitznamen �Der schwimmende Sarg� bekommen.</p><p>Hunley selbst kam einige Tage sp�ter in Charleston an, um den n�chsten Test am 15. Oktober zu leiten. Er und die gesamte Ersatz-Crew aus Mobile kamen dabei ums Leben. �Sie hatte sich in den Grund gebohrt, neun Faden tief, in einem Winkel von ungef�hr f�nfunddrei�ig Grad�, sagte Cooper am Abend danach. Er hockte vor einem Teller, von dem er noch nichts gegessen hatte.</p><p>Seine Tochter fragte: �Wie tief sind neun Faden, Papa?�</p><p>�F�nfundvierzig Fu�.�</p><p>�Brr. Nichts als Haie in der Finsternis da drunten.�</p><p><emphasis>Und dieser schwimmende Sarg.</emphasis></p><p>�Aber du hast sie bereits gehoben�, begann Judith.</p><p>�Gehoben und ge�ffnet. Die K�rper lagen furchtbar verkr�mmt herum.�</p><p>�Marie-Louise�, sagte ihre Mutter, �du darfst den Tisch verlassen.�</p><p>�Aber, Mama, ich m�chte mehr h�ren �ber � �</p><p>�Geh.�</p><p>Nachdem ihre Tochter das Zimmer verlassen hatte, bedeckte Judith kurz ihren Mund mit der Serviette. �Wirklich, Cooper, mu�t du dich vor ihr so drastisch ausdr�cken?�</p><p>�Warum soll ich die Wahrheit verzuckern? Sie ist praktisch eine junge Frau. Das Ungl�ck ist geschehen, obwohl es nicht h�tte sein m�ssen.� Er schlug auf den Tisch. �Es h�tte nicht sein m�ssen! Wir haben die Leichen sorgf�ltig studiert. Die von Hunley zum Beispiel � sein Gesicht war schwarz, und seine rechte Hand war �ber seinem Kopf. Nahe der vorderen Luke, die er offensichtlich zu �ffnen suchte, als er starb. Zwei andere hielten Kerzen in den H�nden. Sie waren bei den Riegeln, mit denen die Eisenst�be unten am Rumpf gesichert sind. Diese St�be sind zus�tzlicher Ballast, die gel�st und abgeworfen werden, wenn der Kapit�n auftauchen will. Aber kein einziger Riegel war losgemacht worden, obwohl die armen Hunde es mit Sicherheit probiert haben. All das war ein R�tsel, bis wir die wirklich wichtige Entdeckung machten: das Bodenventil f�r den Ballasttank am Bug war noch offen.�</p><p>�Und was hat euch das verraten?� Ihr Ton und ihr Blick sagten, da� sie nicht sicher war, ob sie es wissen wollte.</p><p>�Wie sie runtergegangen ist! Ein anderer Mann bediente die Pumpe, mit der die Tanks geleert werden. Panik mu� ausgebrochen sein. Vielleicht ging die Luft zu Ende, und die Kerzen erloschen. Das war genug auf diesem begrenzten Raum. Sie haben versucht, sie hochzubringen, verstehst du nicht? Aber das Bodenventil war offen, und in der Finsternis, bei der Panik, verga� Hunley, den Befehl zum Schlie�en zu geben. Deshalb starben sie. Ordnungsgem�� betrieben ist das Schiff seet�chtig. Es kann eine Menge Yankeematrosen umbringen, und wir werden es testen und eine Mannschaft trainieren, bis alles bereit ist.�</p><p>Judith warf ihm einen seltsamen Blick zu; traurig, aber nicht unterw�rfig. �Offen gesagt, ich habe es satt, von deinem heiligen Kreuzzug gegen Menschenleben zu h�ren.�</p><p>Er starrte sie wild an. �Judah bedeutet dir nichts?�</p><p>�Judah starb wegen Leuten von unserer Seite. Einschlie�lich deiner Schwester.�</p><p>Cooper schob seinen Stuhl vom Tisch zur�ck. �Erspar mir deinen zimperlichen Pazifismus. Ich gehe ins B�ro.�</p><p>�Heute abend? Noch einmal? Du bist jeden � �</p><p>�Du tust so, als w�rde ich mich in irgendein Bordell oder eine Spielh�lle schleichen.� Er schrie nun. �Ich versuche dringende und lebenswichtige Arbeit zu leisten. General Beauregard wird nicht, ich wiederhole, wird <emphasis>nicht</emphasis> die <emphasis>Hunley</emphasis> in Dienst stellen, wenn wir nicht nachweisen k�nnen, da� sie seet�chtig ist, und wenn wir sie nicht mit einer Bugladung ausr�sten, mit der man ein Panzerschiff versenken und nicht blo� besch�digen kann. Daf�r braucht man wenigstens neunzig Pfund Pulver. Wir pr�fen Material und Entw�rfe.�</p><p>Mit langsamen, betonten Bewegungen erhob er sich und verbeugte sich. �Sollte es mir gelungen sein, wieder einmal mein Verhalten und meine Motivation zu deiner Zufriedenheit zu erkl�ren, und solltest du keine weiteren trivialen Fragen haben, d�rfte ich dann mit deiner g�tigen Erlaubnis gehen?�</p><p>�Oh, Cooper � �</p><p>Er wirbelte herum und ging.</p><p>Nachdem die Haust�r zugeschlagen war, blieb sie regungslos sitzen. Sein h��licher Abgang erinnerte sie vage an sein Verhalten zu der Zeit, als er mit dem Bau der <emphasis>Star of Carolina</emphasis> gek�mpft hatte. Aber damals, obwohl in einem Zustand st�ndiger Ersch�pfung, war er sanft und liebevoll gewesen. Der Mann, den sie geheiratet hatte. Jetzt lebte sie mit einem rachs�chtigen Fremden zusammen, den sie kaum kannte.</p><p>Das waren Judiths Gedanken im letzten Oktober gewesen, nach dem fatalen Test. Die Feiertage n�herten sich, und nichts �nderte sich � au�er man betrachtete einen Wandel zum Schlechteren als �nderung. Die Verh�ltnisse in der Tradd Street wurden schlimmer, die Verh�ltnisse in Charleston wurden schlimmer.</p><p>Die Stadt erbebte weiterhin unter dem feindlichen Granatfeuer. Manchmal kr�chzten die Papageien die ganze Nacht hindurch, und reflektierendes rotes Licht an der Schlafzimmerdecke weckte sie h�ufig. Wie gern h�tte sie sich umgedreht und ihren Mann umarmt, aber f�r gew�hnlich war er nicht da. Selten blieb er l�nger als zwei Stunden im Bett. Kurz vor Weihnachten schlug sie vor, sie k�nnten vielleicht nach Ashley fahren, um zu schauen, wie es um die Plantage stand.</p><p>�Wozu? Der Feind ist hier. Soll das Zeugs doch verfaulen.�</p><p>Eines Abends brachte er Lucius Chickering mit zum Essen, um zus�tzliche Arbeitszeit zu gewinnen, nicht aus Gastfreundschaft, und die zw�lfj�hrige Marie-Louise warf dem jungen Mann w�hrend des ganzen Essens bewundernde Blicke zu. Sie stie� mehrere Seufzer aus, die unm�glich mi�zuverstehen waren.</p><p>Als sie und Judith die M�nner beim Brandy allein lie�en, sagte Lucius: �Ich glaube, Ihre charmante Tochter hat sich in mich verliebt.�</p><p>�Ich bin nicht in der Stimmung f�r billige Witze.�</p><p>Als ob du das je w�rst, dachte Lucius. Mit �berraschendem Mut r�usperte er sich. �H�ren Sie, Mr. Main. Ich wei�, ich bin blo� Ihr Assistent, j�nger als Sie, mit weitaus weniger Erfahrung. Trotzdem wei� ich, was ich empfinde. Und ein bi�chen Lockerheit ist auch in Kriegszeiten nicht unangebracht. Vielleicht hilft es sogar.�</p><p>�Vielleicht in Ihrem Krieg, nicht in meinem. Trinken Sie Ihren Brandy aus, damit wir uns an die Arbeit machen k�nnen.�</p><p>Jetzt war Januar. Old Borys schwindendes Vertrauen in die <emphasis>Hunley</emphasis> war durch Coopers Bitten und die Begeisterung des neuen Kapit�ns und der neuen Crew am Leben gehalten worden. Der Kapit�n war ein Armeeoffizier, Lieutenant George Dixon, zuletzt bei den Twenty-first Alabama Volunteers. Die Mannschaft war von dem Schiff <emphasis>Indian Chief</emphasis> angeworben worden, und jeder einzelne Mann hatte die Geschichte der <emphasis>Hunley</emphasis> erz�hlt bekommen. Darauf hatte General Beauregard bestanden.</p><p>Und so fuhren Cooper und Lucius jeden Morgen mit ihrem Ruderboot nach Sullivan�s Island, wo das Schiff vert�ut war. Es war eine beschwerliche Fahrt, aber sie hatten es immer noch leichter als Kapit�n Dixon und seine Mannschaft, die schon zu Tagesbeginn von ihren Baracken aus sieben Meilen anmarschieren mu�ten.</p><p>Auf dem knarrenden Dock, das aus dem Sandstrand hinausragte, lie� es sich im winterlichen Sonnenschein aushalten. Die beiden M�nner vom Marineministerium und Mr. Alexander, der knorrige britische Maschinist, der beim Bau des Schiffes geholfen hatte, beobachteten mehrmals, wie die Crew mit der <emphasis>Hunley</emphasis> f�r kurze Zeit unter Wasser ging, ohne jeden Zwischenfall.</p><p>Ende Januar schlie�lich, an einem milden Nachmittag, verk�ndete Dixon: �Wir sind bereit, Mr. Main. Wird General Beauregard einen Angriff genehmigen?�</p><p>Coopers d�nner werdendes Haar flatterte im Wind. Sein Gesicht, normalerweise schon bla�, hatte die Farbe eines Eisst�cks. �Ich bezweifle es. Jetzt noch nicht. Sie sind jedesmal nur einige Minuten unten geblieben. Wir m�ssen demonstrieren, da� das Schiff viel l�nger unten bleiben kann.�</p><p>�Nun, Sir, wie lang ist viel l�nger?� fragte Alexander.</p><p>�Bis die Luft ausgeht. Bis die Mannschaft an der Grenze des Ertr�glichen angekommen ist. Diese Grenze m�ssen wir finden, Dixon. Ich m�chte, da� Sie beim n�chsten Test einen Mann an Land lassen. Ich werde ihn ersetzen � gestern hab ich Old Borys Erlaubnis erhalten. Ich tat es, weil das seine Zweifel zerstreuen wird. Ich mu� beweisen, da� das Marineministerium Vertrauen in dieses Schiff hat.�</p><p>�Aber Mr. Main�, protestierte Lucius, �das k�nnte �u�erst gef�hrlich f�r Sie werden.�</p><p>Als ihm bewu�t wurde, da� die anderen ebenfalls gef�hrdet waren, err�tete er. Den m�rderischen Blicken seines Vorgesetzten wich er aus. Nixons Reaktion darauf �berraschte Cooper.</p><p>�Mr. Chickering hat recht, Sir. Sie sind ein verheirateter Mann mit Familie. Ist Ihre Frau einverstanden?�</p><p>�Ich brauche General Beauregards Einverst�ndnis, nicht das ihre. Vergessen Sie das bitte nicht. Ich m�chte die <emphasis>Hunley</emphasis> in Dienst sehen, ich m�chte, da� sie Yankeeschiffe versenkt und Yankeeseeleute ersaufen l��t, ohne weitere Verz�gerung. Ich werde an dem Tauchtest teilnehmen. Morgen abend.�</p><p>Seine geduckte Haltung, die zusammengepre�ten Lippen, die zornigen Augen lie�en Widerspruch nicht ratsam erscheinen. Die Papageien fingen an zu kr�chzen, als das Tagesbombardement begann. Ein Dutzend gro�e, schwarzk�pfige M�wen stieg erschrocken vom Strand hoch.</p><p><strong>90</strong></p><p>Gegen Ende des sechsten Monats im Libby-Gef�ngnis wog Billy achtundzwanzig Pfund weniger als am Tag seiner Ankunft. Sein Bart hing ihm bis auf die Brust. Sein Gesicht sah grau und eingefallen aus, aber er hatte gelernt, wie man �berlebt.</p><p>Man stocherte mit dem Finger im Essen herum, auf der Suche nach Getreidek�fern. Dann roch man am Essen. Besser hungern als den verdorbenen Schweinefra� hinunterschlingen, der den Gefangenen vorgesetzt wurde. Schlechtes Essen konnte die Ruhr ausl�sen und einen zwingen, st�ndig zu den stinkenden Holzklosetts zu rennen. Man konnte tot sein, bevor man mit dem Rennen aufh�rte.</p><p>Man hatte besser einen leichten Schlaf, f�r den Fall, da� Gefangene aus einem anderen Teil des Geb�udes einen Beutezug unternahmen und alles stahlen, was zu stehlen war. Leichter Schlaf war kein Problem. Jeder der gro�en Gef�ngnisr�ume beherbergte zwischen drei- und f�nfhundert Mann; das Gef�ngnis platzte aus allen N�hten, weil der Austausch fast zum Erliegen gekommen war. Billys Raum im obersten Stock war so �berf�llt, da� sie in L�ffelstellung schliefen. Ohne Decken. Das verhalf zu noch leichterem Schlaf, nun, da der Winter gekommen war.</p><p>Man hielt sich von den Fenstern fern, ganz gleich, wie sehr man sich nach einem Hauch frischer Luft sehnte. Die Wachen drau�en, manchmal sogar Zivilisten, schossen gelegentlich auf Gefangene, die am Fenster auftauchten. Diese Sch�tzen bekamen keinen R�ffel vom Direktor.</p><p>Man tat alles nur Denkbare, um keine depressiven Gedanken aufkommen zu lassen. Schachspielen. Gefechtsstories austauschen. Man lernte Franz�sisch oder Musiktheorie, was inoffiziell von anderen Gefangenen unterrichtet wurde. Hatte man ein St�ckchen Papier �brig, dann kritzelte man einen kleinen Artikel darauf und gab es an den Herausgeber vom <emphasis>Libby Chronicle</emphasis> weiter, der zweimal die Woche im gr��ten Raum vor einer gewaltigen Menge eine ganze Zeitung vorlas.</p><p>Vor allem aber vermied man, wenn man Billy Hazard hie�, jeden Kontakt mit Corporal Clyde Vesey.</p><p>In den ersten Wochen von Billys Gefangenschaft war das nicht schwierig. Vesey tat immer noch im Erdgescho� Dienst, wo er weiterhin die neuen Gefangenen in Empfang nahm. In der Nacht nach Weihnachten jedoch tauchte Vesey in dem eiskalten Raum auf, in dem Billy inmitten all der rastlosen M�nner zu schlafen versuchte. In der Hand trug er eine Laterne, wie ein Gespenst.</p><p>�Da bist du, Hazard�, sagte er l�chelnd. �Ich konnte es kaum erwarten, dich zu finden und dir zu erz�hlen, da� ich hier nach oben versetzt worden bin, nachts. Das hei�t, da� ich dir endlich die Aufmerksamkeit widmen kann, die du verdienst.�</p><p>Billy hustete in seine Hand; er hatte sich erk�ltet. Nach dem Anfall sagte er: �Wunderbare Neuigkeiten. Jeder herrliche Augenblick deiner Gegenwart wird mir unverge�lich bleiben, Vesey.�</p><p>Immer noch sanft l�chelnd blickte Vesey auf die Hand, mit der Billy sich am Boden abst�tzte. Mit einer schnellen Bewegung verlagerte Vesey sein Gewicht und trat mit seinem genagelten Schuh auf die Hand.</p><p>�Ich habe nicht die Absicht, mir im Dienst deinen arroganten Collegestil bieten zu lassen.� Er trat kr�ftiger zu. �Ist das klar, Sir?�</p><p>Billy bi� die Z�hne zusammen und zwinkerte mehrmals. Tr�nen sammelten sich in seinen Augenwinkeln; ein d�nner Blutfaden rann unter Veseys Stiefel hervor. �Du Hundesohn�, fl�sterte Billy. Zum Gl�ck redete Vesey schon weiter.</p><p>�Was? Seh� ich den tapferen Yankee weinen? Ausgezeichnet. Ausgezeichnet!� Er drehte den Stiefel hin und her. Billy konnte einen leisen, erstickten Laut nicht unterdr�cken. Vesey hob den Stiefel, und Billy konnte im Schein der Laterne die blutenden Wunden sehen. �Ich mu� meine Runden weitermachen. Aber von nun an werde ich oft kommen. Wir werden regelm��ig Lektionen in Demut nehmen. Niedriger als der niedrigste Nigger. Guten Abend, Hazard!�</p><p>Eine Hymne summend marschierte er ab.</p><p>Anfang Januar war Billys Hand infiziert, und seine Erk�ltung hatte sich stark verschlimmert. Vesey besuchte ihn jede Nacht mindestens dreimal, um ihn zu schm�hen; manchmal lie� er ihn zwei Stunden lang die Gef�ngnistreppen rauf und runter steigen oder in einer Ecke auf Zehenspitzen stehen, w�hrend Vesey davor auf einem Stuhl sa�, ein Bajonett auf seinem Gewehr, die Stahlspitze nur ein paar Millimeter von Billys zitterndem R�cken entfernt.</p><p>�Gestehe�, pflegte Vesey l�chelnd zu sagen. �Inzwischen mu�t du dir deiner Minderwertigkeit bewu�t sein. Deiner heidnischen Natur. Deinem falschen Denken. Gestehe, da� du Pr�sident Davis bewunderst und General Lee f�r den gr��ten Soldaten der ganzen Christenheit h�ltst.�</p><p>Billys Beine zitterten. Seine Zehen f�hlten sich wie gebrochen an. Er sagte: �Leck mich am Arsch.�</p><p>Vesey zerri� Billys Hemd und fuhr ihm einmal mit dem Bajonett �ber den R�cken. Gl�cklicherweise begann die Wunde nicht zu eitern wie seine Hand; die Hand war gelb und braun vom Schorf und Eiter. �Wir machen damit weiter�, versprach Vesey, als der diensttuende Sergeant ihn holte. �Verla� dich drauf, Heide.�</p><p>Billys Einstellung, wenn es darum ging, anderen Gefangenen behilflich zu sein, �nderte sich bald. Bei den n�chsten Neuank�mmlingen war ein blasser, krausk�pfiger Junge mit hoher Stirn dabei, der den Platz neben Billy bekam. Er hie� Timothy Wann und hatte sich nach seinem ersten Jahr in Harvard gemeldet. In Wanns zweiter Nacht im Libby gingen Offiziere eines anderen Raumes auf Beutezug. Billy erwachte aus seinem leichten Schlaf, als drei b�rtige M�nner den Jungen aus Massachusetts zum gemeinsamen Waschraum schleppten. Ein vierter Soldat l�ste Wanns G�rtel und sagte: �Knochiger kleiner Arsch an dem H�hnchen, aber wird schon gehen.�</p><p>Billy wu�te, da� solche Dinge passierten, obwohl er es nie miterlebt hatte. Doch eine derartige Behandlung eines jungen Offiziers, kaum �lter als ein Schuljunge, konnte er nicht hinnehmen. Er taumelte auf die F��e und dr�ngte sich durch die d�senden Gefangenen, bis er das Quartett, das den entsetzten Wann mit sich schleppte, eingeholt hatte.</p><p>�La�t ihn los�, sagte Billy. �Ihr k�nnt das in eurem Raum machen, aber nicht hier.�</p><p>Der grauhaarige Mann, der Wanns G�rtel aufgemacht hatte, zog den G�rtel ganz heraus. �Hast du einen Anspruch auf den Jungen, was? Ist er dein V�gelchen?�</p><p>Billy griff nach Wann und wollte ihn von den Schultern der drei zerren, die ihn wie eine Rinderh�lfte abtransportierten. Der andere Soldat trat zur�ck, um Platz zu bekommen, schlug dann Billy den G�rtel ins Gesicht. Krank wie er war � seit vierundzwanzig Stunden tobte das Fieber in ihm �, machte die Wut neue Kr�fte in ihm frei. Er entri� dem �lteren Mann den G�rtel, packte ihn an beiden Enden, warf ihn wie eine Schlinge �ber den Kopf des Soldaten und zog.</p><p>Der Soldat w�rgte. Billy zog st�rker.</p><p>Die Freunde des Mannes lie�en Wann zu Boden fallen. �Geh zur�ck zu deinem Platz�, sagte Billy zu Tim. Im Korridor ersp�hte er eine Laterne.</p><p>�Was ist das f�r ein Aufruhr? Was geht hier vor?� Vesey tauchte mit erhobener Laterne auf; in der anderen Hand hielt er einen Revolver. Billy lie� ein Ende des G�rtels los. Der grauhaarige Offizier taumelte zur�ck, rieb sich die ger�tete Kehle. �Der Verr�ckte hier hat mich angegriffen. Fing an, mich zu w�rgen � blo� weil wir hier mit ein paar Freunden sprachen und er sich in seinem Schlaf gest�rt f�hlte.�</p><p>�Ihre Anschuldigung �berrascht mich nicht, Sir�, erwiderte Vesey mit mitf�hlendem Nicken. �Dieser Offizier ist ein gewaltt�tiger Mann. Verursacht st�ndig �rger. Ich �bernehme das. Die anderen kehren in ihre Quartiere zur�ck.�</p><p>�Sehr wohl.� Sie verschwendeten keine Zeit.</p><p>�Was sollen wir jetzt mit dir machen, Hazard?� Vesey schaffte es, gleichzeitig zu sprechen, zu seufzen und zu l�cheln. �Mit meinen Lektionen hier oben konnte ich diesen ewigen Rebellionen kein Ende bereiten. Vielleicht ist eine Lektion an der frischen Luft wirkungsvoller.�</p><p>�Ich will meine Schuhe, wenn wir hinausgehen � �</p><p>�Marsch�, sagte Vesey, zerrte ihn am Kragen. Billy fragte sich, weshalb er so dumm gewesen war und Tim geholfen hatte. Der junge Gefangene machte eine Bewegung, um aufzustehen. Billy sch�ttelte den Kopf und marschierte vor Vesey aus dem Raum.</p><p>Auf der Flu�seite des Geb�udes gab Vesey der Wache am Tor seine Laterne und stie� Billy die Treppe hinunter auf die Knie. Vesey band Billy die Handgelenke und Fu�kn�chel hinter dem R�cken zusammen, zog das Seil immer fester, bis Billys Schultern ganz verkr�mmt waren. Nach wenigen Sekunden begannen seine Beinmuskeln zu schmerzen.</p><p>Leichter Regen setzte ein. Vesey stopfte einen stinkenden Knebel in Billys Mund und schn�rte ihn mit einem zweiten Lumpen um den Kopf herum fest.</p><p>Als Vesey fertig war, regnete es in Str�men. Kalter Regen, eiskalter Regen. Er nieste und rannte in den Schutz des Tores zur�ck.</p><p>�Ich hole nur meinen Mantel, Hazard, dann komme ich wieder. Es ist ziemlich k�hl hier drau�en, aber eine Weile mu� ich schon zuschauen, wie du deine Strafe verb��t. Wenn wir deinen Geist nicht brechen k�nnen, dann k�nnen wir dir vielleicht das Kreuz brechen.�</p><p>Viele Meilen entfernt in Charleston sagte Judith in dieser Nacht: �Ich verstehe dich nicht mehr, Cooper.�</p><p>Am anderen Ende des E�tisches runzelte er die Stirn. Er sa� in seiner �blichen, angespannten Haltung da. Seinen unber�hrten Teller hatte er beiseite geschoben.</p><p>�Falls dies wieder eine deiner Beschwerden wegen meines Versagens beim Vollzug meiner ehelichen Pflichten � �</p><p>�Nein, verdammt noch mal.� Ihre Augen funkelten, aber sie beherrschte sich. �Ich wei�, da� du st�ndig m�de bist � obwohl es nett w�re, wenn du mich wenigstens gelegentlich wie eine Ehefrau behandeln w�rdest. Das aber war nicht der Grund meiner Bemerkung.�</p><p>Eine Brise bauschte die Vorh�nge zur Veranda. �Dann ist es der Test�, sagte Cooper unvermittelt. �Warum mu�te dieser verdammte Lucius auch soviel Wein trinken.�</p><p>�Gib dem armen Lucius nicht die Schuld. Heute abend hast du ihn wieder eingeladen. Du hast doch all den Wein eingeschenkt. F�r ihn und f�r dich genauso.�</p><p>Au�er Sicht begann Marie-Louise im Wohnzimmer <emphasis>The Bonnie Blue Flag</emphasis> auf dem Klavier zu spielen. Auf Judiths Dr�ngen hin hatte sie den h�ufigen Gast der Mains mit ins andere Zimmer genommen, nachdem er versehentlich mit der Bemerkung �ber den Test, der nun f�r Montag n�chste Woche angesetzt war, herausgeplatzt war.</p><p>Feindselig fragte er: �Was hast du damit gemeint, du verstehst mich nicht?�</p><p>�Der Satz war in schlechtem Englisch gehalten. Ist das so schwer zu entschl�sseln? Du bist nicht der Mann, den ich geheiratet habe. Nicht mal der Mann, mit dem ich nach England gegangen bin.�</p><p>Sein Gesicht zuckte vor Wut. Seine H�nde umklammerten den Tisch so hart, da� es knirschte. �Und ich erinnere dich daran, da� wir nicht l�nger in der Welt leben, in der diese Ereignisse stattfanden. Die Konf�deration ist in f�rchterlicher Not. Verzweifelte Ma�nahmen sind notwendig. Es ist meine Pflicht, an diesem Test teilzunehmen. Meine Pflicht. Wenn es dir an Verstand fehlt, das einzusehen, oder an Mut, das zu ertragen, dann bist du auch nicht die Frau, die ich geheiratet habe.�</p><p>Judith strich sich die dunkelblonden Locken aus der Stirn. �Oh�, sagte sie mit einem kleinen, bitteren L�cheln, �wie sehr du mich doch mi�verstehst. Es ist nicht das Risiko, das du eingehst, was mich jetzt aufregt, obwohl diese Art von Aufregung mittlerweile wei� Gott ein Dauerzustand geworden ist. Ich rege mich �ber die herzlose Weise auf, in der du dieses verfluchte Projekt vorangetrieben hast. Ich rege mich �ber die Hartn�ckigkeit auf, mit der du auf einem weiteren Test beharrst. Ich rege mich dar�ber auf, da� du sieben unschuldige M�nner zwingst, diesen eisernen Sarg noch einmal zu versenken, weil du glaubst, es m�sse getan werden. Es hat eine Zeit gegeben, da du diesen Krieg von ganzem Herzen ha�test. Jetzt bist du ein � ein Barbar geworden, den ich nicht einmal mehr erkenne.�</p><p>Eisig fragte er: �Bist du fertig?�</p><p>�Nein, das bin ich nicht. Setz den Test ab. Spiel nicht mit Menschenleben, blo� um dein eigenes verdrehtes Ziel zu erreichen.�</p><p>�Mein Ziel ist also verdreht, was?�</p><p>�Ja.� Sie schlug auf den Tisch.</p><p>�Patriotismus ist verdreht, ja? Meinen Heimatstaat zu verteidigen ist verdreht? Oder zu verhindern, da� diese Stadt niedergebrannt und dem Erdboden gleichgemacht wird? Denn genau das wollen die Yankees, verstehst du � von Charleston soll nichts als Schutt und Asche �brigbleiben. Das wollen sie!� schrie er.</p><p>�Das ist mir egal � <emphasis>das ist mir egal!�</emphasis> Weinend sprang sie auf. �Du bist nicht der alleinige Retter der Konf�deration, obwohl du so tust. Nur zu, mach weiter, bring dich um in deinem heiligen Krieg, wenn du willst. Aber es ist hassenswert und unmoralisch, zu verlangen, da� andere ihr Leben opfern, um deinen Zorn zu bes�nftigen. Der fr�here Cooper h�tte das verstanden. Der Cooper, den ich liebte � so sehr liebte � �</p><p>Ihre Stimme brach; Schweigen breitete sich aus. Drau�en im Garten rauschten die Palmwedel im Wind. Wie eine gro�e Schlange schraubte sich Cooper von seinem Stuhl hoch. Mit ausdruckslosem Gesicht sagte er: �Der Test wird wie geplant durchgef�hrt.�</p><p>�Ich wu�te es. Nun, von jetzt an kannst du dich mit dir selbst dar�ber unterhalten.�</p><p>�Was soll das hei�en?�</p><p>�Das hei�t, du kannst deine Mahlzeiten in diesem Haus einnehmen, aber erwarte nicht, da� ich dabei anwesend bin. Es hei�t, du kannst in dem anderen Schlafzimmer schlafen. In meinem will ich dich nicht mehr haben.�</p><p>Sie starrten sich an. Dann marschierte Cooper hinaus.</p><p>Judiths Fassade zerbrach. Stimmen drangen aus dem Wohnzimmerzu ihr; zuerst die Stimme ihres Mannes, kurz angebunden.</p><p>�Lucius, hol deinen Mantel. Wir k�nnen heute abend noch einiges schaffen.�</p><p>Marie-Louise, �rgerlich: �Oh, Papa! Mama hat gesagt, da� wir uns alle zusammensetzen und singen.�</p><p>�Sei still.�</p><p>Judith senkte den Kopf, pre�te die H�nde gegen die Augen und begann lautlos zu weinen.</p><p><strong>91</strong></p><p>Noch Tage nach seiner Marter � Billy hatte bis zum Morgen in dem Hagelsturm knien m�ssen � hoppelte er mehr, als da� er ging. Meist lag er zusammengerollt auf dem Boden, die H�nde um die hochgezogenen Knie, in dem vergeblichen Versuch, die K�ltewellen abzuwehren, die abrupt mit hohem Fieber abwechselten, das ihn toben lie�. Und jede Nacht kam Vesey, um ihn zu beleidigen, mit dem Gewehr anzusto�en, mit dem Stiefel leicht auf die Hand zu treten, die f�r immer von den N�geln gezeichnet sein w�rde.</p><p>Das einzig Positive war Tim Wanns. Der Junge aus Massachusetts war zwar nicht kr�ftig, besa� aber eine schnelle Auffassungsgabe. Unter Billys Anleitung lernte er schnell die �berlebenstricks. Tim wurde Billys ergebener Freund, weil dieser ihn gerettet hatte, bereit, alles mit ihm zu teilen, was er besa�. Und er besa� etwas, das Billy nicht hatte: gr�ne Dollarscheine. Ungef�hr zwanzig. Das Geld hatte er bei seiner Gefangennahme in der Tasche, und zwei Dollars hatten den Wachposten bei der Einweisung dazu gebracht, ihm den Rest zu lassen.</p><p>Mit Geld konnte man sich etwas Luxus von den entgegenkommenderen Wachen kaufen. H�ufig dr�ngte Tim darauf, da� Billy sich etwas von ihm kaufen lie�. Billy lehnte all diese Angebote ab, bis er in einem Punkt nicht mehr widerstehen konnte.</p><p>�Also gut, Tim � ein bi�chen Schreibpapier. Und einen Bleistift. Damit ich ein neues Tagebuch anfangen kann.�</p><p>Zehn Minuten sp�ter gab Tim die Bestellung auf. Um neun Uhr abends kam die Lieferung. Tim erhob Einspruch.</p><p>�Das ist ja Tapetenpapier! Schau dir blo� diese h��lichen blauen Blumen an. Wie soll man auf die Seite was schreiben k�nnen?�</p><p>�Gar nicht�, sagte der Wachposten. �Aber wenn du was schreiben willst, dann da drauf oder gar nicht. Selbst Jeffy Davis h�chstpers�nlich kriegt heutzutage nichts Besseres.�</p><p>Und so fing Billy an.</p><p><emphasis>12. Jan. � Libby-Gef�ngnis. Ich schw�re, lebend hier rauszukommen. Mein n�chstes, dringlichstes Ziel ist es, meiner lieben Frau einen Brief zu schicken.</emphasis></p><p>Er wollte noch hinzuf�gen, da� man ihn aufgefordert hatte, sich dem Fluchtunternehmen anzuschlie�en, das gegenw�rtig geplant wurde, hielt es dann aber doch f�r besser, so etwas nicht dem Papier anzuvertrauen, f�r den Fall, da� man das Journal entdeckte. Au�erdem besa� er so wenig Papier � Tim hatte f�r drei Bl�tter drei Dollars gezahlt �, da� er sehr sparsam damit umgehen mu�te.</p><p>Tim bestand darauf, einen Umschlag f�r den Brief zu kaufen. Geliefert wurde ein schmieriger Fetzen, gefaltet und mit Kleister zusammengehalten. Billy adressierte ihn sorgf�ltig und steckte ein St�ckchen Tapete mit einer kurzen, liebevollen Botschaft hinein: Es ging ihm gut, er war gesund, er liebte sie, sie sollte sich keine Sorgen machen.</p><p>Der Umschlag blieb f�r den Zensor offen; gegen Mittag �bergab er ihn der Wache. In der gleichen Nacht noch brachte ihn Vesey zur�ck.</p><p>�Ich f�rchte, der Zensor hat diesen Brief nicht durchgelassen.� L�chelnd �ffnete er die rechte Hand. Der Umschlag und sein Inhalt, alles in kleinen Fetzen, flatterte zu Boden.</p><p>Schwach und benommen stemmte sich Billy vom Boden hoch, kam langsam auf die F��e, stand dem Corporal Auge in Auge gegen�ber.</p><p>�In diesem Brief stand nichts Illegales.�</p><p>�Oh, das bestimmt der Zensor. Der Zensor ist ein Kumpel von mir. Vor einigen Wochen bat ich ihn, ein Auge darauf zu haben, falls du einen Brief schreibst. Ich f�rchte, keiner deiner Briefe wird je seine Zustimmung finden. Deine liebe Frau wird einfach weiterhin leiden und sich gr�men m�ssen�, er zwinkerte l�chelnd, �sie wird glauben, du liegest tot in deinem Heidengrab.�</p><p>�Die Vorschriften � �</p><p>Veseys Hand krallte sich in Billys langes Haar. �Ich hab�s dir gesagt � <emphasis>ich hab�s dir gesagt�,</emphasis> fl�sterte er. �Hier gibt�s nur meine Vorschriften. Ich hoffe, der Kummer deiner Frau wird unertr�glich. Ich hoffe, es juckt sie ganz gewaltig in ihren weiblichen Gegenden. Eine Sehnsucht, so heftig, so hartn�ckig � �</p><p>Er beugte sich n�her, das Gesicht riesig, die porzellanblauen Augen voll h�mischer Freude.</p><p>�� da� sie gezwungen ist, wie verr�ckt zu v�geln, um sich Erleichterung zu verschaffen. Vielleicht v�gelt sie mit irgendeinem wei�en Tramp. Vielleicht sucht sie sich einen Niggerhengst aus.�</p><p>Billy zitterte am ganzen Leib, versuchte sich zu beherrschen, versuchte das Gesicht vor sich nicht zu sehen, das Fl�stern nicht zu h�ren.</p><p>�Stell dir blo� vor, einer dieser gro�en Nigger � sie sind euch gleichgestellt, nicht wahr? Old Abe sagt, da� sie�s sind. Stell dir vor, wie er sich auf dem wei�en K�rper deiner Frau w�lzt. Wie er seinen schwarzen Rammbock so hart in ihre zarte �ffnung st��t, da� sie blutet. Denk dran, wenn du ihr all diese Briefe schreibst, die du nie aus diesen Mauern herauskriegen wirst, du Heide, du gottloser � �</p><p>Mit einem Aufschrei schlug Billy zu. Als drei andere Wachen mit Laternen angerannt kamen, um ihn wegzuzerren, hatte er Vesey am Boden, h�mmerte mit beiden H�nden auf dessen Kopf ein. Einer der Wachposten ri� Billy am Jackett hoch, ein zweiter trat ihm zwischen die Beine, zweimal. Keuchend kippte er zur Seite, kr�mmte sich zusammen. Der dritte Wachposten sagte: �Jetzt bist du dran, Yank.�</p><p><strong>92</strong></p><p>Obwohl es im Westen noch hell war, sah Cooper �ber dem Atlantik nur Dunkelheit und Wintersterne. W�rde er diesen Anblick je wieder zu Gesicht bekommen? Seine Tochter? Judith? Im gleichen Moment, in dem diese Fragen auftauchten, schob er sie als unw�rdige Sentimentalit�ten beiseite.</p><p>Lucius Chickering war zusammen mit Alexander, dem Maschinisten, herunter zum Dock gekommen. Der junge Mann sch�ttelte Cooper die Hand. �Viel Gl�ck, Sir. Wir warten auf Ihre R�ckkehr.�</p><p>Alexander stieg durch die vordere Luke der <emphasis>Hunley.</emphasis> Nachdem Cooper bei Bory die Genehmigung f�r den Test durchgesetzt hatte, hatte der Maschinist darauf bestanden, teilzunehmen.</p><p>Cooper trat vom Pier auf den Rumpf und beugte sich �ber die Luke. �Kann ich runterkommen, George?�</p><p>�Alles bereit, Mr. Main�, erwiderte Lieutenant Dixon.</p><p>Cooper lie� sich in das dunkle Innere hinunter, quetschte sich an Dixon vorbei, der vor den Instrumenten stand: ein Tiefenmesser und ein Kompa� f�r die Steuerung unter Wasser. In einer Nische dazwischen stand in einer Tasse die brennende Kerze, die den Luftvorrat ma� und f�r die einzige Beleuchtung sorgte.</p><p>Cooper brachte sich schr�g hinter dem Kapit�n in einem kleinen, am Rumpf befestigten Eisensitz unter. Die sechs Mann der Crew hatten �hnliche Sitze, drei auf jeder Seite der Antriebswelle, aus der Sektionen in Form von breiten, flachen U�s herausragten. Die M�nner drehten damit die Welle, um das Tauchboot mit seiner maximalen Geschwindigkeit von vier Knoten voranzutreiben.</p><p>�Mr. Main�, sagte Dixon, �k�nnten Sie unserer Mannschaft den Testablauf erkl�ren?�</p><p>�Ganz einfach�, sagte Cooper. Sein R�cken, der sich der Rumpfkr�mmung anpassen mu�te, schmerzte bereits. �Heute abend wird diese Kerze nicht der einzige Bestimmungsfaktor daf�r sein, wie lange wir unter Wasser bleiben k�nnen. Wir werden Sie, meine Herren, daf�r ben�tzen. Wir werden auf Tauchstation bleiben f�r eine Stunde, anderthalb Stunden�, beunruhigtes Gemurmel erhob sich, �vielleicht l�nger. Wir werden erst auftauchen, wenn der erste Mann an seiner Grenze angekommen ist und erkl�rt, da� er ohne frische Luft nicht weitermachen k�nne. Jeder Mann mu� diese Grenze f�r sich selbst herausfinden, wobei er seine eigenen M�glichkeiten nicht �bersch�tzen darf, aber auch nicht gleich aufgeben sollte, wenn es ein bi�chen ungem�tlich wird.�</p><p>Bei den letzten Worten schwang ein deutlicher Unterton von Verachtung mit, was Dixon zu einer Reaktion veranla�te. Aber sein Gesicht war den Instrumenten zugewandt; so entging Cooper das Stirnrunzeln.</p><p>�Wenn der erste Mann ein Wort ruft � <emphasis>hoch! �,</emphasis> dann ist das unser Signal zum Leeren der Tanks und zum Auftauchen. Irgendwelche Fragen?�</p><p>�Ich hoffe blo�, wir k�nnen auftauchen�, erkl�rte einer mit nerv�sem Lachen. �Manche sagen, dieser Fisch sollte besser <emphasis>Jonas</emphasis> hei�en statt <emphasis>Hunley.�</emphasis></p><p>�Schlu� mit dem Gerede�, sagte Dixon und kletterte die kurze Leiter hoch, streckte seinen Kopf aus der Vorderluke. Cooper konnte aus seiner verkrampften Position einen kleinen Ausschnitt der Luke erhaschen: ein ovales St�ck Himmel, mit blassen Sternen dekoriert.</p><p>�Macht die Bug- und Heckleinen los.�</p><p>Dockarbeiter rannten l�rmend los, um Dixons Befehl auszuf�hren. Cooper konnte sp�ren, wie die <emphasis>Hunley</emphasis> pl�tzlich frei schwamm. Dixon kletterte wieder herunter und wandte sich an den Maat.</p><p>�Luftschacht offen, Mr. Fawkes?�</p><p>�Offen, Sir.�</p><p>�Achtung an der Kurbel. Halbe Kraft.�</p><p>�Halbe Kraft � kurbelt�, wiederholte der Maat. Grunzend begannen die M�nner, die Welle zu drehen.</p><p>Es war m�hsame Arbeit, aber Dixon hatte die M�nner gut trainiert. Die Kerze flackerte. Mit seltsam hohlem Klang klatschte Wasser gegen den Rumpf.</p><p>Wieder stieg Dixon die Leiter nach oben, rief dem Maat, der das Ruder �bernommen hatte, Kommandos zu. Kaum waren sie ein St�ck vom Dock entfernt, wechselten sie die Richtung und nahmen Geschwindigkeit auf. Schwei� tropfte Cooper vom Kinn. Er f�hlte sich wie in einem Grab, w�nschte, er w�re �berall, nur nicht hier. Er k�mpfte gegen die aufsteigende Panik an.</p><p>�Fertig zum Tauchen.�</p><p>Coopers Herz h�mmerte so sehr, da� sein ganzer Brustkorb schmerzte. Er empfand aufrichtigen Respekt f�r die M�nner, die sich freiwillig zu diesem Dienst gemeldet hatten, und konnte die Agonie jener nachvollziehen, die bei fr�heren Tauchversuchen gestorben waren. Dann schalt er sich selbst: Er gab sich schon wieder Sentimentalit�ten hin.</p><p>�Luftschacht schlie�en.�</p><p>�Luftschacht geschlossen�, rief der Maat.</p><p>�Bordventil Bugtank �ffnen.�</p><p>Cooper h�rte das Gurgeln und Rauschen des Wassers. Der Rumpf schwankte und neigte sich. Er umklammerte eine St�tze, als der Bug der <emphasis>Hunley</emphasis> nach vorn abkippte. Er konnte nicht anders, er mu�te an Judith, an Marie-Louise denken.</p><p>Leicht sch�ttelnd kam das Boot mit einem weichen Sto� auf dem Grund zur Ruhe. Die M�nner lehnten sich gegen den Rumpf. Dixon studierte die Quecksilbers�ule des Tiefenmessers. Cooper k�mpfte gegen pl�tzliche, schreckliche Phantasievorstellungen an. Jemand spannte ein Metallband um seinen Kopf. Jemand schlo� ihn in einem lichtlosen Schrank ein, der sich von innen nicht �ffnen lie�.</p><p>Alexander klopfte seine Jacke ab. �Hat einer der Herren eine Uhr dabei? Schaut so aus, als h�tte ich meine in der Aufregung vergessen.�</p><p>�Ich hab� eine.� Cooper tastete nach der flachen Golduhr, die er stets bei sich trug. Er klappte den Deckel auf. �Zehn nach sieben.�</p><p>Die Flamme der Kerze flackerte nicht.</p><p>Um halb acht brannte die Kerze deutlich schw�cher. Ein Mann murmelte: �Luft wird schlecht.�</p><p>�Jemand hat einen fahren lassen�, sagte ein anderer Mann. Das Lachen war nur halbherzig. Coopers Augen begannen zu schmerzen. Dixon strich stetig seinen Backenbart mit Zeige- und Mittelfinger.</p><p>�Wie lange?� fragte Alexander abrupt. Cooper schreckte hoch. Entweder er sah schlecht, oder die Kerze war noch schw�cher geworden. Er mu�te die Uhr bis in Kinnh�he heben.</p><p>�Wir sind jetzt dreiunddrei�ig Minuten unten.�</p><p>Er behielt die Uhr offen in der Hand. Wie laut sie tickte! Die Intervalle zwischen dem Ticken schienen immer gr��er zu werden; eine halbe Stunde schien es zu dauern, bis das n�chste Tickger�usch ert�nte, das lange in der Stille nachhallte.</p><p>Cooper hatte Sehnsucht nach Liverpool, nach der Tradd Street, selbst nach dem Deck der <emphasis>Water Witch.</emphasis> Gedanken an den Blockadebrecher f�hrten zu Gedanken an den armen Judah, dessen �berreste irgendwo auf dem Grunde des Atlantiks lagen. Cooper sp�rte Feuchtigkeit auf seinen Wangen, drehte den Kopf zur Seite, damit niemand es sah.</p><p>Die Kerze ging aus.</p><p>Ein Mann atmete tief ein, ein panikerf�lltes Zischen. Ein anderer fluchte. Dixon ri� ein Streichholz an einer Eisenplatte an, aber es brannte nicht, sondern flackerte nur kurz auf.</p><p>Alexanders Stimme: �Wie lange, Mr. Main?�</p><p>�Einige Minuten, bevor die Kerze erlosch, waren es ungef�hr f�nfundvierzig Minuten.�</p><p>�Die Luft ist noch einigerma�en atembar�, sagte Dixon. Ein Grunzer widersprach ihm.</p><p>In der Finsternis konnte Cooper die Zeit nicht sch�tzen. Benommenheit, Schl�frigkeit, �bertriebenes Selbstvertrauen, die Gewi�heit �ber seinen unmittelbar bevorstehenden Tod, all das wechselte in rascher Folge.</p><p>Er zerrte seine Krawatte los, ri� den Hemdknopf auf. Er erstickte.</p><p><emphasis>�Hoch!�</emphasis></p><p>Lachen, dann redeten alle durcheinander. Einen Augenblick lang war Cooper fast davon �berzeugt, er habe gerufen. Ruhig sagte Dixon: �Mr. Alexander, �bernehmen Sie die Heckpumpe, bitte. Ich �bernehme diese hier. Mr. Fawkes, Mr. Billings, entriegeln Sie die Ballaststangen.�</p><p>Cooper lehnte seinen Kopf gegen den Rumpf, stellte sich die k�stliche Nachtluft vor, die ihn oben erwartete. Er h�rte das Knarren und Quietschen der Pumpen.</p><p>�Ballaststangen sind gel�st, Sir.�</p><p>�Der Bug kommt hoch�, grunzte Dixon, an der Pumpe schuftend. �Wir m��ten jeden Moment aufsteigen.�</p><p>Jedermann sp�rte, wie sich der Bug hob. Die M�nner lachten und pfiffen, aber das hielt nicht lange an. Einer rief: �Was ist los, Alexander? Warum kommt das Heck nicht auch hoch?�</p><p>�Kapit�n Dixon?� Der kleine Engl�nder klang ver�ngstigt. �Der Tank ist immer noch voll. Es liegt an der Pumpe.�</p><p>�Wir werden alle sterben�, sagte der Mann direkt hinter Cooper.</p><p>Dixon: �Was ist los mit ihr?�</p><p>�Verstopft, sch�tze ich. M�glicherweise dieser verfluchte Seetang.�</p><p>�Wenn wir das nicht in Ordnung bringen, kommen wir nicht mehr an die Oberfl�che.� Dixons Worte hatten eine schlimme Wirkung auf den Mann, der zuvor gesprochen hatte.</p><p>�Wir werden ersticken. Oh Gott, oh Gott � ich will so nicht sterben.� Seine Baritonstimme wurde schrill, sein Schluchzen unterstrich die einzelnen Worte. �Wir werden sterben. Ich wei�, da� wir sterben.�</p><p>Cooper drehte sich um und griff in die Finsternis. Die Uhr fiel zu Boden; er h�rte das splitternde Glas, als er den Arm des hysterischen Mannes erwischte. Mit der freien Hand schlug er dem Mann zweimal ins Gesicht. �Aufh�ren. Das n�tzt niemandem was.�</p><p>�Verdammt, la� los � wir alle � wir werden � �</p><p>�Ich sagte aufh�ren.� Er schlug ein drittes Mal zu, so fest, da� der Kopf des Mannes gegen den Rumpf knallte. Cooper lie� den Arm los. Der Mann weinte weiter, erstickte es mit seinen H�nden, schrie aber wenigstens nicht mehr.</p><p>�Danke, Mr. Main�, sagte Dixon.</p><p>Alexander sprach: �Sir? Ich werde die Pumpe auseinandernehmen, einen Teil nach dem anderen. Ich glaube, ich schaffe das im Dunkeln. Vielleicht kann ich reingreifen und erreiche das, was die Pumpe verstopft.�</p><p>�Wenn Sie das tun, str�mt das Wasser rein.�</p><p>�Machen Sie einen besseren Vorschlag!�</p><p>Leise sagte Dixon: �Tut mir leid, ich habe keinen. Tun Sie, was immer uns Ihrer Meinung nach helfen k�nnte, Mr. Alexander.�</p><p>Und so ging der Alptraum weiter, intensiver als zuvor. Cooper glaubte, nicht mehr atmen zu k�nnen. Kein bi�chen. Und doch tat er es irgendwie: flache Atemz�ge, von denen jeder schmerzte. Oder waren die Schmerzen auch nur eingebildet? Ein Schweigen, das fast weh tat, senkte sich �ber das Tauchboot. Jeder lauschte. Was bedeutete dieses Ger�usch? Und jenes?</p><p>Cooper tastete neben seinen F��en nach seiner Uhr. Gerade als er sie ber�hrte, h�rte er ein blasiges Rauschen. Ein Mann schrie: �Gott sch�tze uns�, und Wasser rauschte durch die Pumpe herein, spritzte �ber den Boden.</p><p>Alexander rief: �Einen Moment noch � jetzt � <emphasis>da.</emphasis> Ich hab eine gro�e Handvoll Tang, Sir. Ich glaube, das ist alles. Jetzt mu� ich die Pumpe gegen den Druck wieder zusammenpressen.�</p><p>Das Wasser str�mte weiterhin herein. Cooper wartete auf das Ende. Sein vergangenes Leben zog schnell an ihm vor�ber; die sch�ndlichen Momente �bersprang er und geno� die sch�nen Augenblicke � beispielsweise, als er das erstemal Miss Judith Stafford an Deck des Schiffes gesehen hatte, das sie beide nach Charleston brachte. Er verfa�te eine kleine Abschiedsrede, um ihr zu sagen, wie dankbar er war, da� sie ihn geheiratet hatte.</p><p>�Geschafft�, br�llte Alexander. Cooper schaute automatisch in Richtung Heck, obwohl er nichts sehen konnte. Er h�rte das langgezogene Quietschen des Pumpenkolbens. Dann wieder Alexander.</p><p>�Sie funktioniert!�</p><p>�Hurra�, rief Dixon. Die Crew klatschte Beifall. Tr�nen traten Cooper in die Augen, w�hrend er m�hsam nach Luft schnappte. Er glaubte zu sp�ren, wie sich das Heck hob. Dixon best�tigte es.</p><p>�Da kommt sie hoch!�</p><p>Minuten sp�ter badete die <emphasis>Hunley</emphasis> im Mondschein.</p><p>Wie Verr�ckte gingen Dixon und Alexander auf die Bolzen der vorderen und hinteren Luke los. Ganz pl�tzlich sah Cooper die Sterne, atmete herrliche, kalte Luft ein. Innerhalb k�rzester Zeit kurbelten die M�nner an der Welle, als w�re nichts geschehen.</p><p>Dixon kletterte hoch und sp�hte hinaus. �Nur noch eine Person da. Kann nicht erkennen, wer�s ist.�</p><p>Langsam schob sich das Tauchboot auf den Pier zu, wo Lucius Chickering auf und nieder sprang und klatschte und sich mit erhobenen Armen drehte wie ein gl�cklicher Vogel. Dixon befahl ihm, mit den Luftspr�ngen aufzuh�ren und beim Festmachen des Schiffes zu helfen.</p><p>�Ich vollf�hre keine Luftspr�nge, ich feiere�, rief Lucius, als Dixon sich zum Bug vorarbeitete und ihm eine Leine zuwarf. �Die Soldaten und die Leute aus der Stadt sind nach vierzig Minuten nach Hause gegangen. Alle sagten sie, ihr w�rt tot, aber ich hatte diese verr�ckte Idee, ich m�sse nur bleiben � ich d�rfe nicht aufgeben �, dann h�tten alle anderen unrecht, und das Boot w�rde schlie�lich auftauchen. Allm�chtiger, Lieutenant, ihr habt meinen Glauben auf eine harte Probe gestellt. Wissen Sie, wie sp�t es ist?�</p><p>Alexander, der hinter Cooper hinauskletterte, fragte: �Wie lange waren wir unten?�</p><p>Cooper hob seine Uhr ans Ohr. Guter Gott, sie tickte immer noch! Er sprang an Land, hielt die Uhr ins Mondlicht, glaubte sich versehen zu haben.</p><p>�Es ist f�nfzehn Minuten vor zehn. Wir waren zwei Stunden und f�nfunddrei�ig Minuten getaucht.�</p><p>�Ich hab�s gesagt, ich hab�s gesagt�, rief Lucius, packte Cooper bei den Schultern und wirbelte ihn herum. �Ist das nicht unglaublich? Sie hatten recht. Es funktioniert.�</p><p>Alexander murmelte etwas; Dixon brachte ihn zum Schweigen. �Sie kann sich jetzt jederzeit rausschleichen, Yankees abschie�en � oh.� Lucius stoppte seinen Tanz. �Hab� ich ganz vergessen, Mr. Main. Ein Soldat sagte, er werde in General Beauregards Hauptquartier gehen, um zu melden, die <emphasis>Hunley</emphasis> sei erneut gesunken. Alle Mann seien tot. Ich m�chte wetten, Ihre Frau hat das mittlerweile auch geh�rt.�</p><p>�Oh Gott. Lieutenant Dixon, gute Arbeit. Ich melde mich ab.�</p><p>Er hatte den Satz noch nicht ganz beendet, da lief er schon los, eilte wie ein gro�er Strandvogel �ber den Sand auf das Ruderboot zu. Lucius st�lpte sich den Hut auf den Kopf. �Warten Sie auf mich, Mr. Main!�</p><p>Als Cooper nach seinem unglaublichen Abenteuer in der Tradd Street ankam, weinte Judith vor Erleichterung, auch wenn Lucius Chickerings Voraussage sich als nicht richtig erwies; sie hatte noch nichts davon geh�rt, da� das Boot untergegangen sein sollte.</p><p>Sie umarmte ihren Mann lange und fest. Aber sie zog es trotzdem vor, in dieser Nacht allein zu schlafen.</p><p><strong>93</strong></p><p>�Herr Direktor�, sagte Vesey, �dieser Yank hat sich wie ein wildes Tier auf mich gest�rzt. Er tat das ohne jede Provokation. Es ist Ihre Pflicht, wenn ich so k�hn sein darf � Ihre Pflicht als verantwortlicher Kommandant und Christenmensch, mir das Recht zuzugestehen, ihn zu bestrafen.�</p><p>Der junge Turner, im Zweifel dar�ber, dachte eine Weile nach. �Ich w�rde es tun, kann aber sowas aus mehreren Gr�nden im Libby nicht zulassen. Zum einen haben wir zuviel verfluchte Rechtsanw�lte aus Philadelphia unter den Insassen. Zum anderen schenkt uns dieser verdammte Wichtigtuer, der f�r Seddon arbeitet, zuviel Aufmerksamkeit.�</p><p>�Sie meinen diesen einarmigen Colonel, Herr Direktor?�</p><p>�Richtig. Main. Das selbsternannte Gewissen unserer Gef�ngnisse. Er schn�ffelte st�ndig hier herum.� Vesey nickte. �In letzter Zeit sind uns seine Besuche erspart geblieben � ich hab� geh�rt, er hat einen schlimmen Anfall von Ruhr und kann das Bett nicht verlassen. Aber kaum sage ich, machen Sie nur zu, da erholt er sich und steht hier schon in der T�r.�</p><p>Vesey schaute d�ster drein. Dann bemerkte er den Ansatz eines L�chelns. �Wenn Sie nat�rlich eine M�glichkeit sehen, gewisse disziplinarische Ma�nahmen au�erhalb dieses Geb�udes durchzuf�hren, dann k�nnte ich eine vor�bergehende Entlassung ausstellen, die sie hinterher wieder vernichten.�</p><p>Vesey beugte sich vor, sein L�cheln doppelt so breit wie das von Turner.</p><p>�Sollten Sie dabei Helfer brauchen � ich meine, falls es Zeugen gibt�, fuhr der Gef�ngnisdirektor fort, �dann m�ssen sie absolut vertrauensw�rdig sein.�</p><p>�Kein Problem, Sir.�</p><p>�Wenn Sie Spuren an ihm hinterlassen, dann mu� es so aussehen, als w�re es ein Unfall gewesen.�</p><p>�Daf�r garantiere ich.�</p><p>�Dann werde ich den Pa� vorbereiten. Bevor ich Ihnen den Pa� aush�ndige, m�chte ich �ber Ihren Plan im Detail informiert werden.�</p><p>�Jawohl, Sir. Danke, Sir!� sagte Vesey und knallte salutierend die Hacken zusammen.</p><p>�Freut mich, behilflich sein zu k�nnen.� Turner l�chelte immer noch. �Sie sind ein beispielhafter Soldat, Vesey. Ich w�nschte, ich h�tte mehr von Ihrer Sorte.�</p><p>Diese Unterhaltung fand am 13. Januar statt. Einige Tage sp�ter meldete sich ein sehr aufgeregter Vesey wieder. Die Stimmung des Corporals erfassend, fragte Turner: �Nun? Wie wollen Sie es machen?�</p><p>�Mit einem Munitionswagen, den sich mein Cousin bei der Artillerie ausborgt. Ein Munitionswagen und die schlimmste Stra�e, die wir finden k�nnen. Mein Cousin hatte die Idee. Er sagte, die Yanks bestraften st�ndig �belt�ter auf diese Weise. Was gut genug f�r sie ist, sollte auch gut genug f�r uns sein.�</p><p>Er fuhr fort, redete �ber eine Minute. Zum Schlu� lachte Turner laut auf. �Erstklassig! In einer Stunde haben Sie den Entlassungsbefehl. Am besten bringen Sie ihn sp�t abends raus, da sind weniger Leute wach. Offiziell sagen wir, er werde wegen eines dringenden Verh�rs in General Winders B�ro gebracht.�</p><p>�Das ist perfekt, Sir.� Vesey konnte sein Frohlocken nicht verbergen. �Ich mu� Ihnen das in aller Offenheit sagen. Bei diesem Ereignis wird eine kleine Gruppe anwesend sein � mein Cousin und einige seiner Kumpels. Aber ich schw�re, Direktor, jedem einzelnen Mann kann man voll vertrauen.�</p><p>�Sie haften mir daf�r�, sagte Turner mit sanftem L�cheln. �Ich w�nschte, ich k�nnte selbst dabei sein.�</p><p>�Das ist General Winders B�ro?� Nach der Frage spuckte Billy aus, aber die Spucke tr�pfelte wegen der merkw�rdigen Neigung seines Kopfes blo� auf die Speichen.</p><p>�Halt�s Maul, Yank�, sagte Clyde Veseys Cousin. Er zog Billys Kopf zur�ck, stie� ihn dann vor gegen das Rad. Die Pferde stampften und schnaubten. Es war ein strahlender, windiger Morgen, f�r Februar recht warm. Kahle B�ume rauschten zu beiden Seiten der verlassenen, von tiefen Rillen durchzogenen Stra�e, die sich �ber mehrere kleine H�gel hinzog.</p><p>Mit gespreizten Armen und Beinen hing Billy an dem Ersatzrad, das hinten an dem Artilleriemunitionswagen in einem Winkel von f�nfundvierzig Grad befestigt war. Sein nackter R�cken war von einer G�nsehaut �berzogen, die Radnabe bohrte sich in seinen Magen. Zwei Pferde statt der �blichen sechs waren eingespannt worden.</p><p>�Crawford?� Veseys Cousin trat vor. �Dir f�llt die ehrenvolle Aufgabe des Vorreiters zu.� Der t�lpelhafte Bursche bestieg eifrig das n�chste Pferd. Mit vom winterlichen Sonnenschein ger�teten Wangen trat Vesey zur Seite, damit der Gefangene ihn sehen konnte.</p><p>�Gentlemen, k�nnen wir anfangen?� Nicken, Grinsen. �Sollten wir nicht mit einer Hymne beginnen? Besser noch, vielleicht sollten wir f�r die Seele beten, die uns bald verlassen wird.�</p><p>Dem Beispiel seines Cousins folgend, packte er Billys Haar, ri� den Kopf weit zur�ck, bis er Billys schmerzverzerrtes Gesicht sehen konnte.</p><p>�Eins ist sicher, Junge. Diese Fahrt wirst du nie vergessen.�</p><p>Billy spitzte seine Zunge zwischen aufgerissenen Lippen und spuckte. Diesmal verfehlte er sein Ziel nicht.</p><p>Vesey rammte Billys Kopf gegen eine Speiche, rannte dann zum n�chststehenden Pferd. �Zwei Meilen die Stra�e runter und zur�ck, Crawford.�</p><p>Veseys Cousin peitschte auf das Gespann ein. �Los, ihr Schindm�hren, tut eure Pflicht!� Billys Gesicht knallte gegen eine Speiche. Seine Wange ri� innen auf, Blut begann seinen Mund zu f�llen. Eine Beule wuchs an seiner Schl�fe, als er damit mehrfach gegen das Rad knallte. Vesey, dieser Bastard, hatte genau gewu�t, wie locker er ihn anbinden mu�te.</p><p>Die Fahrt zur�ck schien viel l�nger zu dauern. Er hatte das Gef�hl, da� jeder einzelne seiner Knochen mindestens ein paarmal gebrochen war. Blut lief ihm aus dem Mundwinkel. Der Munitionswagen verlangsamte sein Tempo, hielt gn�digerweise.</p><p>�Nun, Cousin, was meinst du?� fragte Crawford und kratzte sich.</p><p>Vesey stolzierte vor seinem Opfer auf und ab. �Oh, ich glaube es geht ihm noch viel zu gut. Ich kann nicht das leiseste Anzeichen von Reue f�r sein heidnisches Benehmen entdecken. Machen wir ihn los, und binden wir ihn mit dem R�cken aufs Rad. Und diesmal, Crawford, f�hrst du den ganzen Weg bis zur Br�cke, bevor du wendest.�</p><p>Und so ging es wieder los; Crawford donnerte die Stra�e entlang, als w�rde es in die Schlacht gehen. Die Radnabe h�mmerte gegen seinen R�cken, brach ihm fast das R�ckgrat. Besch�mt, aber machtlos, es zu unterdr�cken, schrie er schlie�lich auf.</p><p>Und verlor das Bewu�tsein.</p><p>Der Doktor, ein sechzigj�hriger S�ufer, in Virginia geboren, verachtete zuf�llig den jungen Direktor des Libby-Gef�ngnisses. Sp�t am n�chsten Tag stampfte er in Turners B�ro und teilte ihm mit, da� Gefangene vom dritten Stock ihm einen Mann gebracht h�tten, einen gewissen Hazard, dessen K�rper grauenhaft zerschlagen worden war. Ein Mann, der weder stehen noch zusammenh�ngend sprechen konnte und jetzt lebensgef�hrlich verletzt in der Chirurgie lag.</p><p>�Sein R�ckgrat ist nicht gebrochen, aber das hat er denen, die ihn zusammengeschlagen haben, bestimmt nicht zu verdanken.�</p><p>�Machen Sie ihn einfach wieder gesund, und ich werde disziplinarisch gegen die Person oder die Personen vorgehen�, versprach Turner. �Vielleicht aber, Dr. Arnold, war es auch ein Unfall. Ausrutschen auf der Treppe, ein Sturz � manche Gefangene sind recht schwach, und ich kann nicht viel dagegen tun. Jawohl, Sir, ich m�chte wetten, ein Ungl�ckssturz ist die L�sung.�</p><p>�Wenn Sie das glauben, dann sind Sie sogar noch d�mmer, als ich dachte. Wenn er aus einem dieser Erkundungsballons gest�rzt w�re, h�tte er sich nicht so schlimm verletzt.� Der Doktor stemmte beide H�nde auf den Schreibtisch. �Vergessen Sie eins nicht, B�rschchen. Wir m�gen uns im Krieg befinden, aber wir sind hier nicht beim Stab des Gro�inquisitors von Spanien. Das sind Amerikaner, die hier in diesem Geb�ude eingesperrt sind � und S�dstaatenehre bedeutet immer noch was. Finden Sie den Schuldigen, oder ich gehe zu Pr�sident Davis pers�nlich. Ich sorge daf�r, da� Sie rausgeschmissen werden.�</p><p>Vielleicht w�re es so gekommen, h�tte nicht die gro�e Flucht f�r allgemeinen Aufruhr gesorgt.</p><p>Das Fluchtunternehmen fand am 9. Februar statt. Ein Colonel namens Rose aus Pennsylvania war einen Gef�ngniskamin hinabgeklettert und hatte einen verlassenen Raum im Keller entdeckt. Dort arbeiteten er und andere in mehreren Schichten, um einen Tunnel unter der Wand des alten Lagerhauses hindurch zu graben. Der Tunnel hatte eine L�nge von fast sechzig Fu�. Sie kamen auf der anderen Seite wieder an die Oberfl�che und fl�chteten, hundertneun Mann.</p><p>Im Libby brach das Chaos aus, Turner steckte bis zum Hals in Schwierigkeiten. Er schrieb verzweifelt Berichte, um die Schuld auf andere abzuschieben und sich vor einer Anklage zu retten. Die ganze Zeit �ber lag Billy auf seinem Feldbett in der Krankenabteilung, zu sehr von Schmerzen gepeinigt, um sich daran zu erinnern, da� man ihn zur Flucht eingeladen hatte.</p><p>Tim Wann kam mindestens zweimal am Tag zu Besuch, stellte Dr. Arnold Fragen, eine davon besonders h�ufig: �Wer hat es getan, Doktor?�</p><p>�Ich kann�s nicht herausfinden. Ich hab�s auf Teufel komm raus probiert, aber die Wachen hier sind eine �ble Bande. Die decken sich gegenseitig.�</p><p>Tim glaubte den Anf�hrer zu kennen. Er sagte: �Jemand trug ihn mitten in der Nacht raus. Ich schlief � ich bin gar nicht aufgewacht.� Ganz bla� vor lauter Schuldgef�hlen blickte der Junge aus Massachusetts auf das verquollene, verf�rbte Gesicht auf dem d�nnen, grauen Kissen. Selbst im Schlaf st�hnte Billy gelegentlich vor Schmerz auf.</p><p>�Und in Ihrem Raum hat sonst niemand was gesehen?�</p><p>�Sie sagen nein. Es war sp�t. Dunkel. Die m�ssen leise zu Werke gegangen sein.�</p><p>�M�ge Gott uns alle verdammen f�r das, was wir im Namen des Patriotismus tun. Sie haben wirklich ganze Arbeit bei ihm geleistet. Sie m�ssen etwas viel Schlimmeres als F�uste ben�tzt haben, obwohl mir die Methode immer noch nicht klar ist.�</p><p>�Kann Billy uns das nicht sagen? Uns die Namen oder wenigstens die Beschreibung der Schuldigen geben?�</p><p>Billy schlug um sich, kr�mmte den R�cken, st�hnte leise. Aus seinem linken Nasenloch begann Blut zu tr�pfeln. Der Doktor wischte es weg, warf Tim einen d�steren Blick zu.</p><p>�Falls er durchkommt�, sagte er.</p><p>Sonnenuntergang. Seev�gel kreisten. Die Luft war still und kalt, obwohl sich im Norden schnell massive Wolkenb�nke auft�rmten. Cooper, in seinen gro�en Kapuzenmantel geh�llt, beobachtete, wie sich auf dem Wasser Nebel bildete.</p><p>George Dixon beendete seinen Rundblick �ber den Hafen und schob das Teleskop zusammen. �Der Nebel wird helfen. Auf der R�ckfahrt wird uns die Str�mung der Ebbe unterst�tzen. Bis jetzt ist das unsere beste Gelegenheit. Ich denke, wir fahren.�</p><p>Er drehte sich um und rief nach dem Maat. �Mr. Fawkes? Machen Sie bitte den Torpedobaum fertig, ich m�chte gleich los.�</p><p>�Aye, aye, Captain�, sagte der fr�here Alabama-Soldat. All die Landratten hatten die nautische Sprache schnell und mit Vergn�gen gelernt. Nachdem sie den Unterwassertest �berlebt hatten, waren sie stolz darauf, sich wie erfahrene Teerjacken zu benehmen.</p><p>�Welches Schiff wollen Sie sich zum Ziel nehmen?� fragte Cooper.</p><p>�Ich glaube, am besten entscheide ich das erst, wenn wir aus dem Hafen raus sind.�</p><p>�Ich beabsichtige, nach Sumter r�berzurudern und zuzuschauen.� Er streckte die Hand aus. �Viel Erfolg, George. Gegen Mitternacht erwarte ich Sie zur�ck.�</p><p>�Auf jeden Fall�, erwiderte der junge Kapit�n mit einem sparsamen L�cheln. �Ich bin sehr stolz darauf, mit ihr hinausfahren zu k�nnen. Sie sollten ebenfalls stolz sein. Wenn wir Erfolg haben, wird diese Nacht in die Geschichte eingehen.�</p><p>�Sie werden Erfolg haben�, sagte Lucius hinter seinem Vorgesetzten hervor.</p><p>�Also dann � leben Sie wohl�, sagte Dixon und schritt so selbstbewu�t den Pier entlang wie irgendein Kapit�n, der schon als Junge in den Masten herumgeturnt war. �Vorsicht mit dem Pulver, Jungs. Damit wollen wir einen Yankee versenken, nicht uns.�</p><p>Ein Schauder lief Cooper �ber den R�cken � was nichts mit der sinkenden Temperatur zu tun hatte. Dieser Augenblick war all die Gefahren, die Sorge, die Bitten bei Beauregard wert � selbst die K�lte seiner Frau, die ihn oder die Bedeutung seiner Arbeit einfach nicht Erstehen konnte.</p><p>Von Fort Sumter aus beobachteten sie, wie Dunkelheit und Nebel schnell die Blockadeflotte verbarg. Nur einige Signallaternen zeigten an, wo die Schiffe lauerten. Die Nacht blieb sehr still, sehr kalt. Cooper wurde nerv�s. Gerade eben hatte er wieder seine Uhr kontrolliert � 8 Uhr 47 �, als Feuer und L�rm durch den Nebel �ber dem Wasser brachen.</p><p>Cooper hielt den Atem an. �Welches Schiff ist es?�</p><p><emphasis>�Housatonic�,</emphasis> sagte der Major vom Fort, der sich ihnen angeschlossen hatte. Er gab das Teleskop weiter; Cooper sp�hte gerade hindurch, als eine Flammenwand Holzteile und Masten in den Himmel schleuderte. Der Donner rollte dr�hnend in den Hafen hinein.</p><p>�Ihr Rumpf ist auf der Steuerbordseite getroffen�, frohlockte Cooper. �Dicht vor dem Hauptmast, glaube ich � oh � sie hat bereits schwere Schlagseite!� Fast schleuderte er seinem Assistenten das Teleskop zu. �Schauen Sie durch, solange es noch was zu sehen gibt, Lucius. Sie sinkt.�</p><p>Die anderen Schiffe der Feindflotte setzten schnell neue Laternen. Das Dampfkriegsschiff neben dem sinkenden Schiff setzte Rettungsboote aus, w�hrend die M�nner der Sumter-Garnison aus ihren Quartieren geeilt kamen, um zu erfahren, welche Batterie der Konf�derierten gefeuert und den Dampfsegler t�dlich verwundet hatte.</p><p>�Keine�, sagte Cooper. �Sie wurde von unserem Tauchboot, der <emphasis>Hunley,</emphasis> versenkt.�</p><p>�Sie meinen, dieses Sargschiff von Sullivan�s Island?�</p><p>�Diesen Namen verdient sie nicht l�nger. Lieutenant Dixon und seine Crew werden als Helden gefeiert werden.�</p><p>Aber die R�ckkehr der Helden zog sich hin. Gegen elf Uhr ruderten Cooper und Lucius zum Pier zur�ck und hielten kalte, grimmige Nachtwache. Um sechs Uhr morgens sagte Cooper: �Fahren wir zur�ck nach Charleston.�</p><p>Das Tauchboot blieb verschwunden. Einige Tage sp�ter, nach der Kaperung eines Wachbootes der Union, konnte Cooper General Beauregard best�tigen, da� die <emphasis>Housatonic</emphasis> tats�chlich versenkt worden war. Zu seiner Entt�uschung mu�te er erfahren, da� dabei wegen des schnellen Einsatzes der Rettungsboote nur f�nf Mann ihr Leben verloren hatten.</p><p>�Zwei weniger als die Anzahl der Leute an Bord der <emphasis>Hunley�,</emphasis> sagte er zu Lucius.</p><p>In der Hoffnung, Schlaf zu finden, trank Cooper in den n�chsten Tagen gewaltige Mengen Whiskey und Gin. Der Schlaf wollte nicht kommen. Jede Nacht strich er durchs Haus oder sa� in dem hohen, wei�en Schaukelstuhl und starrte durch das Fenster in den Garten, der im Winterregen ertrank. Vom Garten sah er nichts. Statt dessen sah er seinen ertrinkenden Sohn. Dixons Gesicht, so voller Mut, kurz bevor die <emphasis>Hunley</emphasis> bei Sonnenuntergang ablegte. Das Seltsamste war, da� er die Finsternis vor sich sah, die ihn w�hrend des Testes umgeben hatte. Er sah sie, roch sie, schmeckte sie, in dem vollen, schmerzlichen Bewu�tsein, wie sich Dixon und die anderen gef�hlt haben mu�ten, als sie starben.</p><p>Eines Nachts brachte Judith, mittlerweile fast ebenso ersch�pft wie ihr Mann, eine Lampe in das Zimmer mit dem wei�en Schaukelstuhl.</p><p>�Cooper, so kann�s nicht weitergehen � du sitzt da, bist auf, schl�fst nie.�</p><p>�Weshalb sollte ich zu Bett gehen? Ich kann nicht schlafen. Die Nacht des 17. Februar war ein Meilenstein in der Geschichte des Seekriegs. Ich versuche, Frieden bei diesem Gedanken zu finden, und kann es nicht.�</p><p>�Weil du � � Sie schwieg.</p><p>�Ich wei�, was du sagen wolltest. Ich bin verantwortlich f�r diesen Meilenstein. Ich wollte es so unbedingt, da� ich damit sieben Menschen get�tet habe.�</p><p>Sie drehte ihm den R�cken zu, konnte seinen ha�spr�henden Blick nicht ertragen. Doch er hatte recht. Sie fl�sterte: �Du h�ttest sie verrosten lassen sollen. Ich habe keinem dieser armen Jungs etwas Schlechtes gew�nscht, aber ich bin froh, da� die <emphasis>Hunley</emphasis> weg ist. M�ge Gott mir verzeihen, ich bin froh. Vielleicht befreit dich das endlich von einem Teil des Wahnsinns, der dich peinigt.�</p><p>Sein Kopf ruckte hoch. �Was f�r eine eigenartige Wortwahl � Wahnsinn. Ich bin meinen Pflichten nach bestem Wissen und Gewissen nachgekommen, das ist alles. Ich habe meine Arbeit gemacht. Und noch viel, viel mehr Arbeit wartet auf mich. Ich werde sie genauso anpacken.�</p><p>�Dann hat sich nichts ge�ndert. Ich hatte gehofft � �</p><p>�Was h�tte sich �ndern sollen?�</p><p>Sie hob die Stimme. �Willst du mich nicht einmal mehr einen Satz zu Ende reden lassen?�</p><p>�Wozu? Ich frage dich noch einmal, Judith: Was h�tte sich �ndern sollen?�</p><p>�Du bist so voll von diesem schrecklichen Ha�.�</p><p>�Mehr denn je. Sie werden f�r das Leben des armen Dixon zahlen m�ssen und f�r das Leben eines jeden Mannes, der mit ihm war.� Seine Lippen wurden wei�. �Den zehnfachen Preis.�</p><p>Ein Schauder lief durch ihren Arm, brachte die Lampe zum Erzittern. �Cooper, wann wirst du verstehen? Der S�den kann diesen Krieg nicht gewinnen. Er kann nicht.�</p><p>�Ich weigere mich, dar�ber zu diskutieren.�</p><p>�H�r mir zu! Diese � Hingabe an das Gemetzel, das zerst�rt dich. Es zerst�rt uns.�</p><p>Er wandte den Kopf ab, steif und schweigend.</p><p>�Cooper?�</p><p>Keine Bewegung. Nichts.</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf, nahm die Lampe und lie� ihn sitzen. Er starrte in den verregneten Garten; die Wut in seinem Gesicht grub sich in so tiefen Linien ein, da� er f�r immer damit gezeichnet war.</p><p>Tim Wann ging oben an der Treppe vorbei und bemerkte die regungslose Gestalt auf dem Treppenabsatz darunter. Tim schaute ein zweitesmal, um sicherzugehen.</p><p>�Billy?�</p><p>Der ausgemergelte Gefangene hob den Kopf. Tim entdeckte neue wei�e Str�hnen in dem ungeschnittenen Haar. �Billy!� Mit einem Freudenschrei sprang er zu seinem Freund hinunter, der sich auf eine gepolsterte Kr�cke st�tzte. �Du bist wieder gesund!�</p><p>�Gesund genug, um in unser herrliches Quartier zur�ckzukehren. Einige Rippen m�ssen noch heilen, und ich stehe ein bi�chen unsicher auf den Beinen � wenn du zu laut sprichst, dann bl�st du mich wom�glich um. Ich bin auch noch etwas langsam. Vom Erdgescho� bis hierher habe ich zehn Minuten gebraucht.�</p><p>�Jemand h�tte dir helfen m�ssen.�</p><p>�Ich glaube, Turner h�lt nichts davon, seine G�ste zu verw�hnen. Du kannst mir das restliche St�ck helfen, wenn du willst.�</p><p>Sie schafften es bis in ihren Raum, wo Billy mit Willkommensgeschrei begr��t wurde. Selbst einer von den Tageswachen sagte, er sei froh, da� Billy es durchgestanden hatte.</p><p>Ganz pl�tzlich war Billys Bart schwei�getr�nkt. �Ich mu� mich setzen. Hilft mir jemand?�</p><p>Tim half ihm. Andere dr�ngten heran. Billy fragte: �Haben wir noch Februar? Da unten hab� ich den �berblick verloren.�</p><p>�Wir haben den 1. M�rz�, sagte ein Mann. �Drau�en sind die Wachposten verdoppelt worden. Eine Kolonne unserer Kavallerie steht n�rdlich von Richmond � praktisch vor der T�r. Drei- oder viertausend Pferde. Die Rebs f�rchten, die wollen uns befreien und die Stadt schleifen.�</p><p>�Wei�t du von der Flucht?� fragte jemand. Billy sch�ttelte den Kopf und lie� es sich erz�hlen. Mehr als vierzig Gefangene waren wieder geschnappt worden, aber der Rest hatte es wahrscheinlich geschafft. Weiter erfuhr er, da� Vesey zum gemeinen Soldaten degradiert worden war und unangenehmeren Dienst au�erhalb des Gef�ngnisses verrichten mu�te.</p><p>Sie stellten Fragen, wie er zu seinen Verletzungen gekommen war, und er beantwortete jede Frage mit Schweigen oder einem Kopfsch�tteln. Als er aufs Klo mu�te, halfen ihm Tim und ein weiterer Soldat.</p><p>Tim sagte: �Es war Vesey, nicht wahr? Vesey hat dich gefoltert, und deswegen wurde er degradiert und versetzt, richtig?�</p><p>Schweigen war f�r Billy eine Sache des Stolzes. �Egal�, sagte er. �Ich wei�, wer�s war, und wenn ich je die Chance bekomme, dann begleiche ich die Rechnung mit ihm.�</p><p>Tim hatte Billys improvisiertes Tagebuch in Sicherheit gebracht. In dieser Nacht, w�hrend fernes Gesch�tzfeuer durch das Libby-Gef�ngnis hallte, schrieb Billy mit seinem Bleistiftstummel:</p><p><emphasis>1. M�rz � Zwei bemerkenswerte Umst�nde. Ich lebe, obwohl Dr. Arnold, der alte S�ufer in der Krankenstation, erwartet hatte, ich w�rde sterben. Au�erdem � der Reb, der es f�r seine Pflicht hielt, mich zu verletzen, hat mich eine Lektion gelehrt, so �berw�ltigend, da� ich es noch nicht ganz erfasse. Hier drinnen, gezwungen, jeden Befehl zu befolgen, ganz gleich, wie dem�tigend oder verletzend, habe ich endlich verstanden, wie der versklavte Neger empfinden mu�. Ich habe eine Weile in der Seele eines angeketteten schwarzen Mannes gehaust und ein bi�chen davon f�r immer in meine eigene Seele hin�bergenommen.</emphasis></p><p><strong>94</strong></p><p>Stanley fand es zunehmend schwieriger, mit all den Ver�nderungen in seinem Leben zurechtzukommen. Pennyford schickte weiterhin die Monatsreporte mit den gewaltigen Profiten, die Lashbrook machte. Stanley las sie voller Unglauben. Die Zahlen konnten einfach nicht stimmen. Kein Mensch verdiente solchen Reichtum; er ganz bestimmt nicht. Auch dem schnellen Wandel der �ffentlichen Ereignisse konnte er nur schwer folgen. Wegen seines wachsenden Engagements f�r die Neger und seiner Unf�higkeit, den Krieg erfolgreich zu beenden, war Lincoln ein verachteter Mann. Die Hauptstadt vibrierte nur so von Ger�chten, da� er entf�hrt oder ermordet werden sollte. Ungef�hr einmal pro Woche h�rte Stanley von einem neuen Plan.</p><p>Dazu kam, da� der Pr�sident nach Meinung einflu�reicher Republikaner der Partei durch die Einberufung einer weiteren halben Million M�nner zum 1. Februar schweren Schaden zugef�gt hatte. Mitte M�rz w�rden weitere ein- oder zweihunderttausend Mann einberufen werden, hatte ihm Stanton anvertraut. Der verzweifelte Kongre� hatte jetzt den Rang eines Lieutenant General reaktiviert und ihn einem von Lincoln ausgew�hlten Mann verliehen � diesem Trunkenbold Grant. Als Oberkommandierender w�rde er bald auf dem �stlichen Kriegsschauplatz das Kommando �bernehmen; Old Brains war zum Stabschef degradiert worden.</p><p>Stanleys �berzeugung nach konnte nichts davon den Pr�sidenten retten. Lincoln w�rde die Herbstwahl verlieren � kein Anla� zur Trauer. Aber die Anzahl der Republikaner, die er mit in den Abgrund rei�en konnte, erschreckte Stanley und seine Freunde. Stanley empfand immer st�rker den Wunsch, Washington zu verlassen. Er geno� immer noch die Macht, die sein Job mit sich brachte, aber er f�hlte sich nicht wohl beim Gedanken an jene, mit denen er sich verb�ndet hatte, um die Cameron-S�uberung zu �berleben. Im Januar hatte der Senat einen zus�tzlichen Verfassungsartikel zur Aufhebung der Sklaverei vorgeschlagen � nach Stanleys Ansicht ein viel zu radikaler Schritt. Viel zu viele Neger waren bereits frei und au�er Kontrolle. �berall in der Stadt stolzierten sie herum.</p><p>Doch er wu�te, da� er gegen eine Flutwelle anschwamm. War sein B�ro vor�bergehend leer, so schlo� er schnell die unterste Schublade auf und holte eine Flasche Bourbon heraus. Am ersten Arbeitstag des neuen Jahres hatte er die erste Flasche in die Schublade getan; jetzt war er bei der vierten Flasche angelangt.</p><p>Ein schneller Blick auf seine Umgebung. Sicher. Das Sonnenlicht brach sich in der Flasche, als er sie ansetzte. Die laut tickende Uhr zeigte auf zwanzig vor zehn.</p><p>Der Blitzschlag � <emphasis>�Im Kampf vermi�t� �</emphasis> hatte die Hazards Ende letzten Jahres getroffen. Mitte Februar erfuhr George endlich etwas Verbindliches �ber Billys Schicksal, und mit einer Mischung aus Erleichterung und Widerstreben telegraphierte er nach Lehigh Station: DEIN MANN STEHT AUF LETZTEM NAMENSVERZEICHNIS LIBBY-GEF�NGNIS RICHMOND.</p><p>Brett packte in dem Augenblick, in dem sie die Nachricht erhielt, und nahm den ersten Zug nach Washington. Als sie � d�nner jetzt; nerv�s von monatelanger Angst und Besorgnis � in dem Haus in Georgetown ankam, war ihre erste Frage: �Was k�nnen wir tun?�</p><p>�Offiziell sehr wenig�, sagte George. �Das Austauschsystem ist fast v�llig zum Erliegen gekommen. Zuviel Ha� auf beiden Seiten. Jede Seite erh�lt Berichte, da� die anderen Gefangene aushungern und mi�handeln.�</p><p>Brett emp�rte sich: �Du hast recht, das ist nicht viel.�</p><p>�Hast du geh�rt, da� ich das Wort <emphasis>offiziell</emphasis> voransetzte?� erwiderte George. �Ich habe noch einen anderen Vorschlag.�</p><p>Constance trat hinter seinen Stuhl und massierte ihm sanft die Schultern. Er schlief schlecht, sorgte sich um seinen Bruder und �ber seine Versetzung zu den Milit�reisenbahnen, die noch nicht genehmigt war.</p><p>Brett wartete. Er r�usperte sich. �In seiner Position im Kriegsministerium in Richmond kann Orry uns vielleicht helfen. Old Winder ist direkt f�r Libby und die anderen Gef�ngnisse verantwortlich. Aber Seddon �berwacht Winder. Und Orry arbeitet f�r Seddon.�</p><p>Eifrig sagte Constance: �Du glaubst, Orry k�nnte Billys Entlassung arrangieren?�</p><p>�Ich bin sicher, er hat einen Eid geleistet, loyal zu dienen. Ich w�rde ihn nicht bitten, diesen Eid zu brechen. Noch wichtiger, er ist mein bester Freund. Ich w�rde ihn niemals durch die Bitte, direkt zu intervenieren, in Gefahr bringen.�</p><p>Bretts Faust krallte sich in ihren Rock. �Billy ist dein eigener Bruder!�</p><p>�Und Orry ist deiner. Sei so nett und la� mich ausreden, ja?� George machte sich von der Hand seiner Frau los, erhob sich und ging vor dem Fr�hst�ckstisch auf und ab. �Ich kann Orry bitten, alles �ber Billys Zustand und seinen genauen Aufenthaltsort im Libby herauszufinden.�</p><p>�Wie willst du das anstellen?� erkundigte sich Constance skeptisch.</p><p>George schaute sie an. �Indem ich das tue, was er tat, als er mir letztes Jahr schrieb. Indem ich das Gesetz breche.�</p><p>In Zivil, in einen dunklen Mantel geh�llt, ritt er zwei N�chte sp�ter im Schneefall nach S�den. Er kam nach acht in Port Tobacco an und zahlte dem verschlagenen zahnlosen Mann, der auf ihn wartete, die Summe von zwanzig Dollar in Gold. Er gab dem Mann den an Orry adressierten Brief und eine Warnung mit auf den Weg.</p><p>�Sie m�ssen Colonel Main den Brief �bergeben, ohne irgendwelche Aufmerksamkeit zu erregen.�</p><p>�Blo� keine Aufregung, Major Hazard. Ich liefere geheime Post in alle B�ros dort. Sie w�ren �berrascht, wenn Sie w��ten, wieviel.�</p><p>Und damit schl�pfte er zur Hintert�r der Kneipe in den Schneesturm hinaus.</p><p>Am Ersten des Monats war Grant nach Washington gekommen. Seine harte Hand wurde bereits sp�rbar. Ein gewaltiger Feldzug, vielleicht der endg�ltige, w�rde im Fr�hjahr anlaufen. Inzwischen warteten George und Brett und Constance. George hatte Stanley gegen�ber den illegalen Brief nicht erw�hnt. Letzten Herbst von Billys Gefangennahme in Kenntnis gesetzt, hatte Stanley nur oberfl�chliche Besorgnis zum Ausdruck gebracht.</p><p>Als sich der Fr�hling n�herte, wurde George einer seiner Sorgen enthoben. Er erhielt Befehl, sich zum Ersten des Monats bei den Milit�reisenbahnen zum Dienst zu melden.</p><p>�Ich werde f�r Old McCallum von Erie anstatt f�r Herman arbeiten, aber zumindest ist es Felddienst. Keine Kontrakte mehr, keine verr�ckten Erfinder, Wasserl�ufer � kein Winder-Geb�ude mehr!� Er umarmte Constance, als sie an diesem Abend nach Erhalt der Nachricht im Bett lagen. Er sp�rte ihr Zittern und f�gte schnell hinzu: �Mach dir deswegen keinen Kummer. Ich werde nicht in Gefahr sein.�</p><p>�Nat�rlich wirst du in Gefahr sein�, sagte sie in fremdem Tonfall. Er ber�hrte ihre Wange; sie war feucht. �Aber ich werde pflichtgem�� unsere Sachen zusammenpacken, nach Lehigh Station zur�ckkehren und so tun, als ob du�s nicht w�rst.�</p><p>Sie �berraschte ihn damit, da� sie seine Hand an ihre Brust dr�ckte. �Wenn du mich jetzt lieben w�rdest, dann k�nnte ich vielleicht heute nacht schlafen.�</p><p>Er lachte sanft, knabberte an ihrem Nacken. �Es wird mir ein Vergn�gen sein, Lady.�</p><p>�Oh, George, du bist so ein liebenswerter Mann. Und es ist mir unm�glich, dich nicht zu lieben.�</p><p>Er r�usperte sich, hielt inne, r�usperte sich noch einmal. Er l�chelte, als er nach ihrer Taille griff und sie zu sich zog.</p><p>�Nun�, sagte er, �das m�chte ich dir auch geraten haben. Und zwar auf der Stelle.�</p><p>George ging in die Luft, als der zahnlose Mann am n�chsten Morgen im Winder-Geb�ude auftauchte.</p><p>�Guter Gott, Mann, sind Sie wahnsinnig, hier aufzutauchen?� Er schob den Kurier auf die Treppe zu, vorbei an der �blichen Versammlung von Kontraktsuchern und Rettern der Union, die das Ministerium weiterhin als zweites Zuhause betrachteten.</p><p>�Hab� gedacht, Sie woll�n das auf der Stelle.� Der Mann schwenkte einen verdreckten, zerknitterten Briefumschlag vor seinem Kunden. �Hat an der Richmond-Station vorgestern auf Sie gewartet.�</p><p>�Nicht so laut�, fl�sterte George mit scharlachrotem Gesicht. Ein die Treppe hochkommender Brigadier warf dem Besucher einen mi�trauischen Blick zu. �Ich nehme an, Sie sind auch hergekommen, weil Sie zus�tzliche Bezahlung erwarten.�</p><p>�Jawohl, das ging mir durch den Kopf. Darum dreht sich doch das alles, oder? Eine Chance f�r den Unternehmertyp, sich�s f�r die Zukunft bequem zu machen.�</p><p>�Raus hier�, sagte George, dem Kurier Geldscheine in die Hand dr�ckend.</p><p>�He, das sind Greenbacks. Ich nehme nur � �</p><p>�Entweder das oder gar nichts.� Er schnappte sich Orrys Brief und eilte zur�ck in sein B�ro.</p><p>Er wagte es nicht, ihn hier zu lesen. George setzte seinen Hut auf und fl�chtete sich zu Willard�s. An einem der hinteren Tische �ffnete er mit zitternden H�nden den Brief.</p><p><emphasis>Stumpf,</emphasis> so fing er an. Nur die alten Namen aus Akademiezeiten, keine Zivilen. Orry war so clever wie eh und je. F�r einen Moment traten George Tr�nen in die Augen; er wischte sie weg und begann zu lesen.</p><p><emphasis>Die Person, nach der Du Dich erkundigt hast, befindet sich hier im Libby. Ich sah ihn vorgestern, allerdings nur aus der Ferne, weil ich keine Aufmerksamkeit erregen wollte. Zu meinem Kummer mu� ich Dir berichten, da� er anscheinend von einem der Totschl�ger, die hier als Gef�ngnispersonal besch�ftigt werden, mi�handelt wurde. Vermutlich wurde er geschlagen; er humpelt auf eine Kr�cke gest�tzt herum.</emphasis></p><p><emphasis>Aber er lebt und ist an einem St�ck. Sch�pfe daraus Mut. Ich werde Verbindung zu einem gewissen Kavalleristen aufnehmen und sehen, was sich tun l��t. Die alten Bande der Zuneigung m�ssen doch zu etwas gut sein, selbst in diesen Zeiten der allgemeinen Vernichtung. Es w�re unklug, wenn wir noch einmal Kontakt aufnehmen w�rden, au�er im �u�ersten Notfall. Sorge Dich nicht. Alle Anstrengungen werden unternommen.</emphasis></p><p><emphasis>Meine liebe Frau sendet ebenfalls die herzlichsten Gr��e an Dich und Deine Familie, und ein Gebet, da� wir alle diesen schrecklichen Kampf �berleben m�gen. Der S�den ist geschlagen. Verknappung, innere Zerrissenheit, Fahnenflucht ganzer Armeeeinheiten, all das beweist die Wahrheit dieser Aussage, obwohl ich wahrscheinlich aufgeh�ngt w�rde, wenn der Brief in falsche H�nde k�me.</emphasis></p><p><emphasis>Ich hoffe von ganzem Herzen, da� die Kluft, die nach der Kapitulation aufrei�en wird, nie so breit sein kann, da� unsere beiden Familien sie nicht wieder �berbr�cken k�nnen.</emphasis></p><p>Tief aufgew�hlt von dem, was er gelesen hatte, st�rzte George das Bier, das er gar nicht gewollt hatte, hinunter. Es vergingen einige Augenblicke, bevor er den Brief zu Ende lesen konnte.</p><p><emphasis>Gott sch�tze Dich und die Deinen. F�r die betreffende Person werden wir alles tun, was in unseren Kr�ften steht.</emphasis></p><p><emphasis>Herzlichst</emphasis></p><p><emphasis>Dein Stiel</emphasis></p><p>�Alle Anstrengungen werden unternommen.� Brett dr�ckte den Brief an ihre Brust. �Oh, George, da steht es, in Orrys Handschrift. Alle Anstrengungen werden unternommen!�</p><p>�Vorausgesetzt, er kann Charles finden. Er warnt uns, da� es eine Weile dauern wird.�</p><p>Ihr L�cheln erlosch. �Ich wei� nicht, wie ich die Zeit bis dahin �berleben soll.�</p><p>�Wenn Orry das Risiko ertr�gt, dann kannst du die Wartezeit auch ertragen�, sagte George, streng wie ein Vater, der ein gedankenloses Kind zurechtweist. Er ahnte, da� es sehr lange dauern w�rde, bis sie wieder etwas h�ren w�rden. Und er betete, da� es sich dann um keine tragische Nachricht handeln w�rde.</p><p><strong>95</strong></p><p>George k��te die Kinder nach kurzen Verhaltensma�regeln f�r seine Abwesenheit. Dann umarmte er Constance, die mit den Tr�nen k�mpfte. Sie schenkte ihm einen getrockneten, offensichtlich in einem Buch gepre�ten Lorbeerzweig. Er k��te sie noch einmal, sanft und z�rtlich, schob den Zweig in die Tasche, versprach, bald zu schreiben und marschierte los, um sich eine Transportm�glichkeit nach Alexandria zu suchen.</p><p>Der Tag war grau und warm. Ein Platzregen ging nieder, als der Zug �ber die Long Bridge ratterte. Er lehnte sich hinaus in den Regen und betrachtete die gr�nen H�gel und die soliden Backsteinh�user des Flu�st�dtchens. Das war Virginia. Das war der Krieg. Gespenstische Erinnerungsbilder an Mexiko und Manassas und das brennende Haus seines Vorarbeiters tauchten vor seinem geistigen Auge auf. Er war immer noch froh, da� es mit der Versetzung geklappt hatte.</p><p>Nach einer Suche von fast einer Stunde entdeckte er Colonel Daniel McCallum, Haupts Nachfolger, im rauchigen Lokomotivschuppen. McCallum, ein Schotte mit einem ausgezeichneten Ruf als Eisenbahnmanager, trug einen f�cherf�rmigen Bart, wie er bei h�heren Offizieren �blich war. Au�erdem hatte George den Eindruck, er sei �u�erst schlecht gelaunt. Georges Ankunft � die Unterbrechung � kam zu einem ung�nstigen Zeitpunkt.</p><p>�Ich habe nicht viel Zeit f�r Sie�, sagte der Colonel und bedeutete George, ihm zu folgen.</p><p>Sie marschierten zwischen aufgestapelten Eisenbahnschienen hindurch, einige davon von Hazard�s, und betraten eines der vielen provisorischen Geb�ude. McCallum knallte die T�r in einer Art und Weise zu, die seine Geistesverfassung mehr als deutlich machte.</p><p>Er setzte sich auf den einzigen Stuhl in dem winzigen B�ro und �berflog Georges Papiere. George ben�tigte keine gro�e Intelligenz, um zu erkennen, da� er nicht willkommen war.</p><p>Verst�ndlicherweise; die Papiere enthielten einen Empfehlungsbrief von Haupt. In Washington hie� es, da� McCallum gegen Georges Freund intrigiert und sich bei Stanton beliebt gemacht habe, um das Kommando �bernehmen zu k�nnen.</p><p>Mit einer ver�chtlichen Bewegung schob McCallum die Papiere zur�ck. �Sie besitzen weder in Br�ckeninstandsetzung noch in Schienenbau praktische Erfahrungen, Major. Soweit ich das beurteilen kann, scheint Ihre einzige Qualifikation f�r das Konstruktions-Corps in Ihrer Freundschaft mit meinem Vorg�nger zu liegen.�</p><p>George stand dicht davor, dem Colonel ins Gesicht zu schlagen. McCallum r�mpfte die Nase und sp�hte zu einem kleinen, dreckigen Fenster hinaus. Fr�hlingsregen klatschte auf einen Schienenstapel.</p><p>Schlie�lich geruhte er, seine Aufmerksamkeit wieder dem vor ihm stehenden Mann zuzuwenden. �General Grant w�nscht, da� die Orange &amp; Alexandria-Linie offen bleibt, in gutem Zustand, die ganze Strecke bis Culpeper runter, seinem Basislager f�r die Fr�hjahrsoffensive. Das ist eine gewaltige Sache � wegen der konf�derierten Partisanen. Die Ger�stbr�cke bei Bull Run ist sieben Mal wieder aufgebaut worden. Was ich damit sagen will: Wir haben keine Zeit, Anf�nger zu unterrichten.�</p><p>�Ich kann einen Pickel schwingen, Colonel, oder mit einer Schaufel umgehen. Dazu braucht es kein Training.� Der Mann lehnte George ab, weil er seine Abneigung gegen Haupt auch auf Haupts Freunde ausdehnte. George wollte mit sowas nichts zu tun haben. Er wollte arbeiten, und es war ihm verdammt egal, ob er jemanden beleidigen mu�te, um den Platz einnehmen zu k�nnen, der ihm aufgrund seines Marschbefehls zustand.</p><p>Der Regen trommelte. Eine Pfeife ert�nte, Glocken l�uteten. Hinter McCallums Schweigen verbarg sich zunehmende Streitlust. Ganz pl�tzlich erkannte George, da� er vielleicht doch einen Trumpf im �rmel hatte.</p><p>�Ich wei�, da� Sie f�r das Konstruktions-Corps Offiziere ben�tigen, Colonel. Viele wei�e M�nner wollen keine ehemaligen Negersklaven kommandieren. Ich schon.�</p><p>McCallums m�rrischer Mund zuckte. �Ein guter Vorschlag, aber bedauerlicherweise l��t unser Organisationsschema sowas nicht zu. Die Grundeinheit beim Corps ist ein Zehn-Mann-Trupp. Zwei solcher Trupps werden von einem Offizier gef�hrt. Einem Ersten Lieutenant.� Das Zucken wurde zu einem Grinsen. �Sie sind zu gebildet � �</p><p>George erkannte eine Stichelei gegen die Akademie, wenn er sie vorgesetzt bekam. Diesmal mu�te er sich wirklich beherrschen, um den alten Bastard nicht zu schlagen.</p><p>�� �berqualifiziert, wenn Sie verstehen, was ich meine. Haben Sie schon erwogen, sich f�r den Stabsdienst bei General Grant zu bewerben?�</p><p>George spielte seine h�chste Karte aus. �Ich besuchte West Point zusammen mit Sam Grant. Ich k�mpfte mit ihm zusammen von Vera Cruz bis Mexico City. Vielleicht sollte ich mich an ihn wenden, um dieses Schlamassel hier auszub�geln.� Er sch�ttelte die Papiere. �Man hat mir einen Transfer zu den Milit�reisenbahnen zugesagt, und nun mu� ich feststellen, da� ich zur�ckgewiesen werde.�</p><p>McCallum wurde so grau wie das Wetter. �Na, na � wir m�ssen doch keine Vorgesetzten in dieser Sache bem�hen. Kein Problem ist un�berwindlich. Man kann die Vorschriften ja ein bi�chen zurechtbiegen. Wir k�nnen bestimmt einen Platz finden � �</p><p>Der �ltere Mann sah, da� George etwas bes�nftigt war, und musterte ihn mit einem verschlagenen L�cheln.</p><p>�Sie w�ren tats�chlich bereit, Farbige zu kommandieren?�</p><p>�Genau das sagte ich, Colonel. Ich bin bereit.�</p><p>Vierundzwanzig Stunden sp�ter lernte George auf dem Musterungsplatz seine beiden Trupps kennen und fragte sich, ob die Sicherheit, mit der er zuvor gesprochen hatte, berechtigt gewesen war. Angespannt musterte er die Neger, w�hrend sie wiederum ihn musterten. Falls seine Betrachtung Interesse und Neugier widerspiegelte, so war es bei ihnen Mi�trauen, in einigen F�llen Feindseligkeit.</p><p>Sie unterschieden sich physisch nicht mehr als jede andere zuf�llig zusammengew�rfelte M�nnergruppe, mit einer Ausnahme: Bis auf einen der Schwarzen waren sie alle gr��er als George.</p><p>George machte sich bereit, die M�nner anzusprechen, legte die H�nde hinter dem R�cken zusammen und stellte sich dabei unbewu�t auf die Zehenspitzen. Jemand bemerkte das und fing an zu kichern. George sprach sofort mit lauter Stimme.</p><p>�Mein Name ist Hazard. Ich bin gerade zum Konstruktions-Corps versetzt worden. K�nftig werdet ihr f�r mich arbeiten.�</p><p>�Nein, Sir�, sagte der Neger, der kleiner als George war, ein dunkelfarbiges Kerlchen mit d�nnen Handgelenken. �Ich nehme Befehle von Ihnen an, aber arbeiten tue ich f�r mich.�</p><p>Die Schnelligkeit, mit der das kam, am�sierte George, aber es war wohl besser, er lie� sich das nicht anmerken. �Mal sehen, ob ich das richtig verstanden habe. Du sagst, du bist ein freier Mann, deshalb ist dieser Dienst hier dein eigener Entschlu�.�</p><p>Der dunkle Mann grinste. �Sie sind ganz sch�n schlau � f�r einen wei�en Bo�.�</p><p>Gel�chter. George konnte nicht anders, er stimmte ein. Die Spannung l�ste sich. Mit diesen M�nnern w�rde er zurechtkommen.</p><p><strong>96</strong></p><p>Burdetta Halloran hatte ihre Nachforschungen so weit vorangetrieben, wie es ihr m�glich war. Jetzt mu�te sie die Beh�rden einbeziehen. Aber an wen sollte sie sich mit ihren Informationen wenden? Wie sollte sie das R�derwerk der Vergeltung in Gang setzen? Wartete sie zu lange, dann mochte der Belagerungszustand �ber Richmond verh�ngt werden, und die Regierungsbeamten hatten anderes zu tun, als ihr zuzuh�ren. Ihr Opfer k�nnte entkommen. <emphasis>Mit wem sollte sie sprechen?</emphasis></p><p>Sie hatte darauf immer noch keine Antwort gefunden, als eine Freundin damit prahlte, sie habe eine Einladung zu einem der zunehmend seltener werdenden Empf�nge im Wei�en Haus erhalten. Mrs. Halloran erbettelte sich ebenfalls eine Einladung. Mittlerweile hatte sie die Idee zur�ckgewiesen, sich an die am ehesten in Frage kommende Person, den alten Winder, zu wenden.</p><p>Mehrere Gr�nde sprachen dagegen. Er besa� ein b�sartiges Naturell und verachtete Frauen. Und sein Vorgehen war so scharf und anma�end, da� viele seiner Verhaftungen und Anklagen wieder aufgehoben worden waren. Dem Klatsch zufolge w�rde er keine drei Monate mehr im Amt sein. Mrs. Halloran wollte es mit einem Beamten zu tun haben, der ihre Information ordnungsgem�� behandelte.</p><p>Am Abend des Empfangs gegen Ende M�rz f�llten mehr als hundert Leute das Wei�e Haus. Mrs. Halloran trennte sich schnell von ihrer Freundin, um mehr Bewegungsfreiheit zu haben. Ihre Blicke schweiften �ber die Menge aus Regierungsbeamten und hohen Milit�rs mit ihren Frauen. Eine fr�hliche Menge, dachte sie, angesichts der Umst�nde. Dann ersp�hte sie Varina Davis.</p><p>Obwohl erst Ende Drei�ig, machte die Pr�sidentengattin den Eindruck einer zwanzig Jahre �lteren Frau. Die B�rde ihres Mannes war zu der ihren geworden. Der Pr�sident selbst schien deutlich ersch�pft. Kein Wunder, dachte Mrs. Halloran. Davis stand von allen Seiten unter Beschu�; weil er an Bragg festhielt und Joe Johnston ablehnte; wegen des wertlosen Geldes und der galoppierenden Preise; weil seine Regierung seit drei Jahren versagt hatte und weiterhin versagte.</p><p>Burdetta Halloran versuchte sich nicht deprimieren zu lassen, w�hrend sie sich unter die Leute mischte. Sie behielt ihr Ziel im Auge.</p><p>Sie schlo� sich einer Gruppe um Minister Seddon an. Dann bemerkte sie auf der anderen Seite des Raumes einen gro�en, in seiner hageren Art gutaussehenden Offizier. Er fiel ihr auf, weil sein leerer linker �rmel oben an der Schulter festgesteckt war.</p><p>Vorsichtig pirschte sie sich heran. Er sprach gerade mit drei anderen Leuten �ber die milit�rische Lage; eine sch�ne Frau mit dem Aussehen einer Spanierin oder Kreolin umklammerte den gesunden Arm des Offiziers. Seine Frau?</p><p>Der Mann beeindruckte sie. Sie glitt davon, erkundigte sich da und dort und bekam bald die richtige Antwort.</p><p>�Das ist Colonel Main, einer von Mr. Seddons Assistenten. Seine Aufgaben? Zahlreich. Ich kenne sie nicht alle, aber eine davon ist die Rolle eines Wachhunds f�r diese Bestie Winder.�</p><p>Burdetta Halloran strahlte. �Ich danke Ihnen sehr f�r diese Auskunft. W�rden Sie mich so lange entschuldigen, bis ich diese leere Tasse gegen ein Glas Wei�wein umgetauscht habe?�</p><p>Die Suche war vorbei.</p><p>Am n�chsten Morgen gegen halb zw�lf f�hrte man sie an Orrys Schreibtisch im Kriegsministerium. Trotz seiner Behinderung r�ckte er ihr h�flich und �berrascht geschickt den Besucherstuhl zurecht. �Setzen Sie sich bitte, Mrs. � Halloran, sagten Sie?�</p><p>�Jawohl, Colonel. Gibt es einen Platz, wo wir ungest�rter sprechen k�nnen? Ich komme in einer ungemein schwerwiegenden Angelegenheit, die au�erdem �u�erst vertraulich ist.�</p><p>Skepsis blitzte in Orrys dunklen Augen auf. Trotz seiner guten Manieren befand er sich in h�chster Anspannung, und das bereits seit zwei Wochen. Jeden Morgen erwachte er in der Hoffnung, da� er heute von seinem Schreibtisch aufschauen und Cousin Charles eintreten sehen w�rde. Nachdem er Georges Brief erhalten hatte, hatte er sofort an Charles geschrieben und ganz dringend ein Treffen verlangt.</p><p>Nat�rlich war Charles besch�ftigt gewesen, um es milde auszudr�cken, als die Yanks zugeschlagen hatten. Aber das war vorbei; wenigstens h�tte er eine Nachricht schicken k�nnen. Bedeutete sein Schweigen, da� er verwundet worden war? In diesem Fall fiele ihm die gesamte Verantwortung zu �</p><p>Mit M�he richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf Mrs. Halloran. �Ich will mal sehen, ob unser kleiner Konferenzraum frei ist.�</p><p>Er war frei. Orry f�hrte sie hinein und schlo� die T�r. Aus ihrer Handtasche holte sie ein zusammengefaltetes Papier. Ausgebreitet erwies es sich als eine Skizzenkarte vom James-Flu� unterhalb der Stadt. Sie hatte verschiedene Landmarken angedeutet und vier kleine Quadrate am Ufer in der Gegend von Wilton Bluffs eingezeichnet.</p><p>Sie zeigte auf die Quadrate. �Das sollen die Geb�ude einer verlassenen Farm sein, Colonel. Das hei�t, verlassen, wenn man von den n�chtlichen Aktivit�ten absieht, die dort vor sich gehen. Wenn Sie Nachforschungen anstellen, werden Sie herausfinden, da� diese Farm einer Clique, angef�hrt von einem gewissen Mr. Lamar Hugh Augustus Powell aus Georgia, als Hauptquartier dient.�</p><p>Orry klopfte mit seinem langen Finger auf den Tisch. Was wollte diese attraktive Frau? Sie war von einer eisernen, verzweifelten Entschlossenheit beseelt. Das hatte er sofort an ihrer Haltung, ihren Augen, ihrer beherrschten Stimme erkannt.</p><p>�Powell�, sagte er. �Ich glaube, den Namen habe ich schon geh�rt. Spekulant, nicht wahr?�</p><p>�Von Berufs wegen. Nebenbei besch�ftigt er sich mit Verrat.� Schnell erz�hlte sie den Rest. Powells Bande sammelte und lagerte Waffen auf der Farm bei Wilton Bluffs. Mit ihrem Fingernagel ber�hrte sie ein Quadrat direkt neben der Klippe. �Dies hier war einst der Ger�teschuppen. Auf dieser Seite f�hrt ein Steilabhang fast senkrecht zum James, aber durch dieses Feld kann man sich dem Schuppen ungef�hrdet von Norden her n�hern. Oder wom�glich � �</p><p>�Einen Moment, bitte. Ich unterbreche Sie ungern, aber bevor Sie fortfahren, m�ssen Sie mir etwas �ber die Absichten dieser Bande erz�hlen. Es ist nicht illegal, Waffen zu besitzen oder zu lagern.�</p><p>�Diese Bande hat die Absicht�, sagte sie, �Pr�sident Davis und ein oder mehrere Mitglieder seines Kabinetts zu ermorden.�</p><p>Orry lachte nicht, nachdem seine Verbl�ffung verflogen war. �Mrs. Halloran, bei allem Respekt vor ihrem Patriotismus, der sie her gef�hrt hat, haben Sie eine Ahnung, wieviele Meldungen �ber Morddrohungen gegen Mr. Davis w�chentlich hier eingehen?�</p><p>�Daran kann ich nichts �ndern. Meine Information ist korrekt. Wenn Sie dieses Geb�ude durchsuchen, dann garantiere ich Ihnen, Sie werden Gewehre, Revolver, H�llenmaschinen � �</p><p>�Bomben?� Das schreckte ihn auf; es war nicht typisch. �Was f�r ein Typ? Wie werden sie eingesetzt?�</p><p>�Das wei� ich nicht. Aber ich versichere, da� es explosive Sachen auf dem Gel�nde gibt. Vielleicht erwischen Sie dabei auch gleich die Verschw�rer. Sie treffen sich h�ufig.�</p><p>�Wann soll der Anschlag ausgef�hrt werden?�</p><p>�Das konnte ich nicht in Erfahrung bringen.�</p><p>Er r�usperte sich. �Ich bezweifle Ihre Angaben nicht im geringsten. Nichtsdestoweniger w�re es ungemein hilfreich, wenn ich eine Ahnung h�tte, wie Sie an diese Information gelangt sind.�</p><p>�Das meiste davon habe ich selbst gesammelt. Eine Person meines Vertrauens hat weitere Details hinzugef�gt � zum Beispiel die n�chtliche Beobachtung der Farm. Mehr kann ich dazu nicht sagen, es ist eine vertrauliche Angelegenheit. Weshalb spielen solche Details eine Rolle? Was wirklich z�hlt, ist doch der Plan. Das Komplott!�</p><p>�Da stimme ich Ihnen bei. Erlauben Sie mir eine andere Frage.�</p><p>Der pl�tzlich maskenhafte Ausdruck ihrer Augen erinnerte ihn an jemanden, an den er lange nicht mehr gedacht hatte: Elkanah Bent. �Bitte.�</p><p>�Ist Ihnen nicht in den Sinn gekommen, da� der Chef der Milit�rpolizei der richtige Mann f�r das ist, was Sie mir eben erz�hlt haben? Oh, vielleicht haben Sie bereits � �</p><p>�Nein.� Sie machte ein Gesicht, als h�tte sie in verdorbenes Fleisch gebissen. �Ich bin General Winder nie begegnet, aber ich verachte ihn wie jeder gerecht denkende B�rger. Die Zivilbev�lkerung hat nicht gen�gend Nahrungsmittel, und er beharrt auf seiner l�cherlichen Preispolitik, mit der er die Farmer ver�rgert und die Situation nur verschlimmert. Ich w�rde niemals mit einem Mann zu tun haben wollen, der unserer Sache soviel Schaden zugef�gt hat wie irgendein General der anderen Seite.�</p><p>Mit dieser Meinung stand Mrs. Halloran nicht allein. Es h�rte sich �berzeugend an.</p><p>�Gibt es noch etwas?�</p><p>�Keine weiteren Fakten, Colonel. Nur dies noch: Ich verspreche Ihnen, Sie werden sehen, da� jedes meiner Worte wahr ist, wenn Sie Nachforschungen anstellen. Falls Sie nicht nachforschen, meine Worte nicht beachten, aus was f�r Gr�nden auch immer, dann wird der Tod des Pr�sidenten auf Ihrem Gewissen lasten.�</p><p>�Das ist eine schwere B�rde.� Zum erstenmal klang er unfreundlich.</p><p>�Jetzt ist es Ihre B�rde, Colonel. Guten Tag.�</p><p>�Einen Moment.�</p><p>Sie hatte sich bereits halb vom Stuhl erhoben. �Wir sind noch nicht fertig. Ich werde Sie zu einem meiner Angestellten bringen. Sie m�ssen ihm Ihren vollen Namen, Ihren Wohnsitz und andere sachdienliche Informationen geben. Das ist die �bliche Routine f�r jedermann, der dem Kriegsministerium behilflich ist.�</p><p>Sie l�chelte. �Ich danke Ihnen, Colonel. Ich werde Ihnen voll und ganz zur Verf�gung stehen, so lange ich dabei anonym bleiben kann.�</p><p>�Ich werde mein Bestes tun, Ihren Wunsch zu respektieren, aber versprechen kann ich Ihnen nichts.�</p><p>Sie z�gerte, dachte an Powell, murmelte: �Ich verstehe. Ich bin mit den Bedingungen einverstanden. Was werden Sie zuerst unternehmen?�</p><p>�Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Aber ich versichere Ihnen eines: Ihre Aussagen werden bestimmt nicht ignoriert werden.�</p><p>Sie sah den eisernen Vorhang, der sich vor seine Augen schob, und wu�te, da� weitere Fragen zwecklos waren. Es spielte keine Rolle. Sie hatte die Maschinerie in Bewegung gesetzt. Powell war erledigt.</p><p>�Nat�rlich habe ich ihr gesagt, da� ihre Aussagen nicht ignoriert w�rden�, erkl�rte er Madeline an diesem Abend. �Was sonst k�nnte ich jemandem sagen, der vorgibt, vollkommen aufrichtig zu handeln.�</p><p>Madeline erfa�te die Bedeutung des Wortes �vorgibt�. Er fuhr fort: �Ich habe sie �ber den n�chsten Schritt nicht informiert, weil ich ihn verdammt noch mal selbst nicht kenne. Auch jetzt noch nicht. Ich glaube, sie will mit jemandem abrechnen. Wahrscheinlich mit Powell. Was mich dabei st�rt: Warum sollte sie so viele konkrete Details erfinden, wenn doch vollkommen klar ist, da� man ihr dabei sofort auf die Schliche kommt? Ist sie dumm? Nein. Diese Geschichte ist vielleicht ihre Form der Rache, aber m�glicherweise stimmt die Geschichte trotzdem.�</p><p>�Powell�, wiederholte Madeline. �Der gleiche Powell, der Ashtons Investitionspartner war?�</p><p>�Genau der.�</p><p>�Falls eine Verschw�rung existiert, k�nnte sie darin verwickelt sein?�</p><p>Orry �berlegte einen Moment. �Nein, ich glaube nicht. Ashton ist unserer Sache gegen�ber nicht gerade fanatisch eingestellt. Ashton hat niemals was von Selbstaufopferung geh�rt, und wenn, dann hat sie h�chstens dar�ber gelacht. Ashton sorgt sich ausschlie�lich um Ashton.�</p><p>Sie nickte. �Beunruhigt dich noch etwas anderes?�</p><p>�Ja. Was mich beunruhigt, sind diese verdammten Details. Wir h�ren von einer Verschw�rung nach der anderen, aber selten erfahren wir etwas Genaueres. Hier wird das Zentrum der Verschw�rung genau festgenagelt. Sie zeichnete eine Karte, die ich in meinen Schreibtisch eingeschlossen habe. Ein letztes Detail st�rt mich am allermeisten.�</p><p>�Und?�</p><p>�Bomben. Es ist das erstemal, da� ich in Verbindung mit Meuchelmord von H�llenmaschinen h�re. Messer, Pistolen, ja. Aber keine Bomben.�</p><p>Die Hand hebend, schob Orry langsam Daumen und Zeigefinger zusammen. �Das ist genau die winzige Kleinigkeit, die mir eine G�nsehaut verursacht � dazu h�tte es des Hinweises gar nicht bedurft, da� ich es auf dem Gewissen habe, wenn etwas passiert, weil ich nichts unternommen habe.�</p><p>�Wirst du zum Minister gehen?�</p><p>�Jetzt noch nicht. Und zu Winder auch nicht. Aber vielleicht fahre ich bald schon mal allein den Flu� runter.�</p><p>Sie kniete neben ihm nieder, legte ihre Wange an seinen rechten �rmel. �Wenn du das tust � es k�nnte gef�hrlich werden.�</p><p>�Es k�nnte katastrophal werden, wenn ich es nicht tue.�</p><p><strong>97</strong></p><p>�Und dann � �</p><p>Charles unterbrach seine Geschichte, um an seiner Zigarre zu paffen. Der Qualm war fast zuviel f�r Gus. Sie schob sich zur Seite, fort von seiner nackten H�fte, und zog die leichte Decke h�her �ber ihren Bauch. Das Gl�hen der Zigarre verbla�te, die bleiche Fl�che von Charles� Brust verschwand in der Dunkelheit.</p><p>�Hugh Scott und Dan und ich schoben einige St�mme in den Flu�. Wir klammerten uns dran und paddelten r�ber. Das Wasser war eiskalt, und die Dunkelheit machte es noch schlimmer.� Er sprach ruhig, nachdenklich, fast so, als w�re er mit seinen Gedanken alleine; was in gewissem Sinne nicht weit von der Wahrheit entfernt war.</p><p>Den gr��ten Teil des Winters �ber hatte er bei Hamilton�s Crossing biwakiert, nicht weit von ihrer Farm entfernt, was aber keineswegs bedeutete, da� sie ihn h�ufiger sah. Meistens war er dienstlich unterwegs. Heute abend hatte er sie wie �blich mit seinem pl�tzlichen Auftauchen �berrascht. Nach Einbruch der Dunkelheit kam er an, schlang sein Abendessen hinunter, und mit der gleichen Schroffheit, mit der er zu Tisch gesessen hatte, zog er sie anschlie�end ins Bett.</p><p>Er berichtete gerade vom �berfall auf Richmond im letzten Monat. Sie munterte ihn zum Weitersprechen auf. �Ihr habt also den Flu� zur Windseite hin �berquert?�</p><p>�Als Scout macht man das f�r gew�hnlich. Du kennst mich lange genug, um zu wissen, wie die Sache l�uft.�</p><p>�Verzeih mir bitte mein schwaches Ged�chtnis.�</p><p>Sofort bereute sie ihre Bitterkeit. Er wandte den Kopf ab und starrte zum offenen Fenster hinaus. Die Aprilnacht roch nach der Erde, die Washington und Boz heute gepfl�gt hatten.</p><p>�Wir haben in dieser Nacht noch eine ganze Menge mehr gemacht, als blo� �ber den Rappahannock zu schwimmen � � Die Erinnerung lie� ihn leise auflachen, was sie erfreute und erleichterte; es war lange her, da� sie ihn hatte lachen h�ren. �Total durchn��t gingen wir weiter, bis wir die Yankee-Kolonne fanden. Es war tats�chlich Kilpatrick. Wir versteckten uns, bis wir uns drei vor�berlaufende Ersatzpferde schnappen konnten. Wir sa�en auf und ritten eine Weile mit.�</p><p>�Mitten in der Unions-Kavallerie?�</p><p>�In der Dunkelheit hat niemand was bemerkt. Und mittendrin konnten wir leichter die Nasen z�hlen. Wir �berquerten sogar mit General Kilpatrick und seinen Jungs den Flu�. Ich wollte, wir h�tten ein paar von den Hundes�hnen abschie�en k�nnen, aber wir mu�ten unsere Informationen zur�ck zur Division bringen. Das war der Grund, weshalb General Hampton schon wartete, als Little Kil auftauchte.�</p><p>Sie wollte die H�rte in seiner Stimme beschwichtigen. �Das ist vielleicht eine Geschichte�, sagte sie und t�tschelte seinen nackten Arm.</p><p>Sofort rollte er sich weg von ihr. �Hab� noch ein paar von der Sorte�, ein kr�ftiges G�hnen, �aber die heb� ich f�r morgen auf.�</p><p>Er zog die Bettdecke hoch, gab ihr ein K��chen auf die Wange und begann nach einer knappen halben Minute zu schnarchen.</p><p>Am n�chsten Morgen hatte er andere Dinge im Sinn. Kurz nach Sonnenaufgang kam er in die K�che und stopfte sich das graue Hemd in die Hose. Sie hatte ihn noch nicht ganz begr��t, da verk�ndete er schon: �Ich wollte gestern nacht noch was �ber Richmond sagen. Jeden Tag nun � �</p><p>�Es wird weitere K�mpfe geben. Du mu�t mich f�r eine Idiotin halten, stets auf Instruktionen von dem allwissenden Papa angewiesen. Mir ist bekannt, da� die Streitkr�fte der Union bei Culpeper Court House stehen und bald marschieren werden � zweifellos in diese Richtung. Aber du entscheidest nicht, wann ich Schutz in der Stadt zu suchen habe.� Sie klopfte mit ihrem Holzl�ffel gegen den Ofenrand. �Ich werde entscheiden.�</p><p>Sein Gesicht �ber seinem wei�gesprenkelten Bart wurde lang. Er setzte sich hin und z�ndete sich eine Zigarre an. �Was zum Teufel ist pl�tzlich in dich gefahren?�</p><p>Sie warf den L�ffel auf den Ofen und kam auf ihn zu. �Ich versp�re den dringenden Wunsch, einige Dinge in Ordnung zu bringen. Wenn du was f�r mich �brig hast, dann benimm dich auch entsprechend. Ich habe es satt, da� du hier hereinplatzt, wann immer dir danach ist. Du nimmst dir eine Mahlzeit � und was immer du sonst noch willst, knurrst und grummelst dabei st�ndig wie ein Bauernl�mmel.�</p><p>Er nahm die Zigarre aus dem Mund. �Meine Anwesenheit hier entspricht also nicht Ihren W�nschen, Mrs. Barclay?�</p><p>�Fang nicht so an. Du behandelst mich wie eine Mischung aus K�chin, W�scherin und Hure.�</p><p>Er sprang auf. �Mitten im Krieg haben die Leute nun mal keine Zeit f�r all die kleinen Nettigkeiten.�</p><p>�In diesem Hause schon, Charles Main. Andernfalls betreten sie es nicht. Jedesmal, wenn du hier bist, benimmst du dich, als w�rst du lieber woanders. Wenn das stimmt, dann sag es, und fertig. Glaub mir, in deiner Verfassung bist du nicht gerade ein Goldst�ck.�</p><p>Charles starrte Gus an, seine Augen gro� �ber den dunklen Halbkreisen, die da waren, seit er im letzten Sommer aus Pennsylvania zur�ckgekommen war. Ganz pl�tzlich erkannte sie eine Art �berraschte Unschuld in seinem Blick.</p><p>Sie f�hlte sich beschwingt, wagte aber nicht zu l�cheln. Aber sie war durchgedrungen. Jetzt konnten sie miteinander reden, die Sache bereinigen.</p><p>Ein heftiges Klopfen. Washington an der K�chenschwelle.</p><p>�Reiter grad eingebogen. Kommt jetzt hinten rum.�</p><p>Drau�en ert�nten Hufschl�ge. Charles ri� seinen Colt aus dem �ber dem Stuhl h�ngenden G�rtel. Geduckt stand er da, als das runde Gesicht des Reiters am Seitenfenster auftauchte.</p><p>Charles hing sich den Revolvergurt �ber die Schulter und �ffnete die K�chent�r. �Was machst du hier, Jim?�</p><p>�St�r dich ungern, Charles, aber der Brief hier f�r dich kam gestern abend gegen zehn. Morgen, Miz Barclay.� Jim Pickles ber�hrte mit dem zerknitterten Briefumschlag seine Hutkrempe und reichte ihn Charles.</p><p>�Guten Morgen, Jim.� Langsam wischte sich Gus die H�nde an der Sch�rze ab. Die Chance war vertan.</p><p>Jim deutete auf den Brief. �Steht Kriegsministerium drauf. Pers�nlich und vertraulich.�</p><p>�Schaut aus, als w�re er sechs Fu� tief in der Erde vergraben gewesen.�</p><p>�Stimmt fast. Der Mann, der ihn gebracht hat, sagte, sie h�tten einen ganzen Packen Briefe und Meldungen in den W�ldern bei Atlee�s Station gefunden. Der Kurier war erschossen worden, schon vor einiger Zeit, und seine Tasche stand offen, und alles war verstreut.�</p><p>Charles erbrach das Siegel, faltete das Blatt auf. Sein Bart wehte in der Morgenbrise. �Du hast recht, Jim; der Brief ist im Februar geschrieben worden. Von meinem Cousin Orry, dem Colonel.�</p><p>Verbl�fft las er weiter. Dann gab er Gus den Brief. Er bestand aus einem langen Absatz, in sch�ner, flie�ender Handschrift geschrieben. Als sie mit Lesen fertig war, sagte Charles zu Jim: �Billy Hazard ist im Libby-Gef�ngnis. Halb tot, wenn das hier stimmt.�</p><p>�Du redest von irgendeinem Yank?�</p><p>�Mein alter Freund aus West-Point-Zeiten. Ich habe dir von ihm erz�hlt.�</p><p>�Oh, ja�, sagte der j�ngere Scout unbeeindruckt. �Was sollst du da unternehmen?�</p><p>�Ich werde sofort Orry in Richmond aufsuchen. Ich hole meine Sachen.�</p><p>Auf dem Weg zur K�che fiel Charles noch etwas ein. Er drehte sich um und zeigte auf Jim. �Und du vergi�t, was ich eben gesagt habe, verstanden? Du hast nie ein Wort geh�rt.�</p><p>Er verschwand und tauchte kurz darauf mit Hut, Jacke und dem kleinen Leinenbeutel, in dem er Rasierzeug und Zigarren aufbewahrte, wieder auf. Sanft dr�ckte er ihren Arm und gab ihr einen Ku� auf die Wange.</p><p>�Denk dran, was ich dir wegen Richmond gesagt habe.�</p><p>Ungl�cklich �ber die verpa�te Chance, die Dinge ins Lot zu bringen, platzte sie heraus: �Ich bin keiner deiner Rekruten, die du herumkommandieren kannst. Ich sagte dir schon, ich treffe meine eigenen Entscheidungen.�</p><p>Der grelle Sonnenaufgang widerspiegelte sich in seinen Augen. �In Ordnung. Wir reden das n�chstemal �ber dieses ganze Durcheinander.� Es war mehr Warnung als Bitte. Sie verschr�nkte die Arme �ber ihrem Busen.</p><p>�Falls ich hier bin.�</p><p>�Mein Gott, hast du heute morgen eine spitze Zunge.�</p><p>�Nicht anders als du. Und ich bin verbl�fft �ber deine zarte Besorgnis f�r deinen Yankeefreund. Ich dachte, du willst auch noch den letzten Mann auf der anderen Seite umbringen.�</p><p>�Ich gehe lediglich nach Richmond, weil Orry mich darum bittet. Reicht dir diese Erkl�rung? Los, Jim.�</p><p>Sie st�rmte hinein und knallte die T�r zu. Als das Hufgeklapper drau�en verklang, rannte sie zum Fenster; die Tr�nen der Niederlage liefen ihr �ber die Wangen. Sie zwinkerte und blinzelte, aber sie konnte nichts weiter sehen als Staub, dort, wo die Stra�e nach Fredericksburg in der gr�nen Landschaft verschwand.</p><p>Auf halbem Weg zur Hauptstadt g�nnte Charles, einen Passierschein in der Tasche, Sport eine kurze Rast an einem Fl��chen. W�hrend der Graue trank, las er noch einmal Orrys Brief. Was ging es ihn an? Nicht mehr als seine Beziehung zu Gus. Der Krieg �nderte vieles.</p><p>Er sa� auf einem Felsblock neben dem murmelnden Fl��chen und las den Brief ein drittes Mal. Alte Erinnerungen, Emotionen begannen sein unbeugsames Pflichtgef�hl aufzuweichen. Hatten die Mains und die Hazards � nun ja, die meisten von ihnen � nicht geschworen, da� die Bande der Freundschaft und der Zuneigung zwischen ihnen die Hammerschl�ge des Krieges �berleben w�rden? Dies war nicht einfach blo� ein weiterer Yank, von dem Orry schrieb. Das war sein bester Freund, der Ehemann seiner eigenen Cousine Brett.</p><p>Das war das eine Band; das andere, an der Akademie geschmiedet, konnte gleichfalls nicht mit leichter Hand zerbrochen werden. Viele Offiziere, die ihre Truppen gegen alte Klassenkameraden f�hren mu�ten, hatten diese Wahrheit einsehen m�ssen.</p><p>Er steckte den Brief in die Tasche und sch�mte sich seines ersten Impulses, ihn einfach zu ignorieren. Aus vielen Gr�nden war er sich l�ngst nicht mehr sonderlich sympathisch. Er rauchte eine weitere Zigarre und galoppierte weiter auf Richmond zu.</p><p><strong>98</strong></p><p>Hinterher erkannte Judith, da� sie auf die Katastrophe h�tte vorbereitet sein m�ssen. Die Warnsignale waren un�bersehbar.</p><p>Cooper schlief selten mehr als zwei Stunden pro Nacht. Oft kam er �berhaupt nicht nach Hause, breitete sich nur eine Decke auf dem B�rofu�boden aus. Mit Lucius ging es ebenfalls bergab. Schlie�lich fa�te sich der ersch�pfte junge Mann ein Herz und wandte sich insgeheim an Judith � konnte sie nicht etwas tun, irgend etwas, um das Wahnsinnige Tempo ihres Mannes abzuschw�chen? Lucius deutete an, da� es sich bei einigen der Aufgaben, die Cooper ihm aufb�rdete, um reine Besch�ftigungstherapie handelte. Judith stellte das nicht in Frage, da ihr l�ngst klar war, da� der �berm�dete Verstand ihres Mannes Bewegung mit Ziel verwechselte.</p><p>Sie versprach Lucius, f�r eine Besserung der Situation zu sorgen, redete auch mit Cooper sehr vorsichtig und taktvoll dar�ber, provozierte damit aber lediglich einen Ausbruch, der ihn zwei ganze Tage von der Tradd Street fernhielt.</p><p>Da er ohne Sinn und Logik explodierte, konnte sie nichts weiter tun, als das Haus w�hrend seiner Anwesenheit m�glichst ruhig zu halten. Marie-Louise durfte weder singen noch spielen, und sie selbst lud weder jemanden ein, noch nahm sie eine der wenigen Einladungen an, die sie erhielten.</p><p>So bewahrte sie eine unbehagliche Ruhe bis Mitte April, als verk�ndet wurde, da� General Beauregard das Kommando �ber das Department von North Carolina und Southern Virginia �bernehmen w�rde. In Wirklichkeit wurde ihm damit die Verantwortung f�r die Verteidigungslinien von Richmond �bertragen. Schnell wurde ein Abschiedsempfang im Mills House arrangiert. Cooper teilte ihr mit, da� sie hingehen w�rden. Am Tage des Empfangs versuchte Judith, es ihm auszureden � in der letzten Nacht hatte er nicht einmal eine Stunde geruht �, aber er griff nach seinem hohen, grauen Hut und den dazu passenden Handschuhen, und sie wu�te, da� sie geschlagen war.</p><p>Sie erreichten die Broad-Street-Kreuzung und pausierten neben zwei Soldaten nahe den Stufen von St. Michael. Ungef�hr einen halben Block entfernt tauchte eine Gruppe von achtzehn oder zwanzig Gefangenen auf. Die Yanks waren h�chstwahrscheinlich drau�en auf Morris Island gefangen worden. Drei Jungs in Grau, keiner von ihnen �lter als achtzehn Jahre, bewachten die �lteren M�nner, die lachten und sich unterhielten, als w�rden sie ihre Gefangenschaft genie�en.</p><p>Das Gaslicht blitzte auf den Bajonetten der jungen Wachen und lie� Coopers Augen spr�hen. Sein Kopf dr�hnte vom lauten L�uten der Glocken im Kirchturm �ber ihnen. Er beobachtete die Yanks, die auf die Stra�enecke zugeschlurft kamen, wo er mit seiner Frau stand. Ein Sergeant mit blauer Jacke und dickem Bauch bemerkte Judith, l�chelte und sagte etwas zu seinem Nebenmann.</p><p>Cooper sch�ttelte Judiths Hand von seinem Arm und rannte auf die Stra�e. Sie rief seinen Namen, aber er zerrte bereits den Sergeant aus der Reihe. Der jugendliche Wachposten vorn und die beiden anderen hinten schauten verbl�fft drein. Cooper sch�ttelte den erstaunten Gefangenen.</p><p>�Ich habe gesehen, wie du meine Frau angestarrt hast. Behalt deine Blicke und deine dreckigen Bemerkungen f�r dich.�</p><p>Stimmen redeten durcheinander. Judith: �Ich bin sicher, der Mann wollte nicht � �</p><p>Der Wachhabende: �Sir, Sie d�rfen sich hier nicht einmischen � �</p><p>Der Ire neben dem Sergeant: �H�ren Sie, er sagte nicht ein einziges Wort � �</p><p>�Ich wei� es besser.� Coopers Stimme klang schrill. Er stie� mit seinem Stock nach dem Sergeant. �Ich hab�s gesehen.�</p><p>�Mister, Sie sind ja verr�ckt.� Der Sergeant wich zur�ck und stie� gegen die M�nner hinter sich. �Helft mir doch, mir diesen verr�ckten Reb vom � �</p><p>�Ich hab� deinen Gesichtsausdruck gesehen. Du hast was Dreckiges �ber sie gesagt.�</p><p>�Bitte, Sir, h�ren Sie auf�, bat der Wachposten.</p><p>�Ich wei�, da� du�s getan hast, und bei Gott, du wirst dich entschuldigen.�</p><p>Dem Sergeant reichte es. �Du kriegst nichts weiter als meine Faust, du verfluchter Verr�ter, du � �</p><p>Der niedersausende Stock schimmerte im Gaslicht. Judith schrie auf, als Cooper den Sergeant am Kopf traf, dann an der Schl�fe. Der Sergeant versuchte sich mit erhobenen Armen vor den Schl�gen zu sch�tzen. �Haltet ihn mir vom Leib!� Cooper zerrte eine Hand des Yanks runter und traf ihn noch zweimal. Der Sergeant sank auf ein Knie, sch�ttelte benommen den Kopf.</p><p>Der Ire versuchte einzugreifen. Cooper rammte dem Mann das Stockende in die Kehle, schlug erneut auf den Sergeant ein. Der Stock zerbrach. �Oh mein Gott, Cooper, h�r auf.� Judith zerrte an ihm, sah Speichel auf seinen Lippen. Er sch�ttelte sie ab.</p><p>Er drehte das Stockst�ck, das er noch in der Hand hielt, um. Mit dem Silberknauf h�mmerte er auf den Kopf des Sergeants ein. Blut f�rbte das Haar des Gefangenen. Judith versuchte noch einmal, Coopers Arm festzuhalten. Er rammte ihn nach hinten, schnaubte wie ein Tier. Sein Ellbogen traf schmerzhaft ihre Brust. Er stie� Obsz�nit�ten aus, die sie in all den Jahren nie von ihm geh�rt hatte.</p><p>�Du hast meinen Sohn get�tet�, kreischte Cooper und landete einen weiteren Schlag. Endlich griffen kr�ftige H�nde nach ihm, konnten ihn zur�ckrei�en, ihm den Stock entwinden. Der geschockte Sergeant begann zu weinen. Die Gefangenen und der Wachhabende umringten Cooper, zerrten ihn zur�ck. Er trat, bi�, warf sich von einer Seite zur anderen.</p><p>�La�t mich los � er hat meinen Jungen get�tet � mein Sohn ist tot � er hat ihn get�tet!�</p><p>Die Masse der M�nner rang Cooper auf den Gehsteig nieder, als die acht Kirchturmglocken die volle Stunde zu schlagen begannen. Der Klang hallte in Coopers Kopf nach. Einer der Yanks trat nach ihm.</p><p>�Bitte, la�t mich durch. Er ist nicht bei sich � �</p><p>Niemand beachtete Judith. Sie sah, wie ein anderer Gefangener auf Coopers ausgestreckte Hand trat. Verzweifelt schlug sie auf blaue Uniformen ein.</p><p>�Ich bin seine Frau. La�t mich durch!�</p><p>Endlich �ffnete sich eine Gasse, und sie warf sich �ber ihn, wiederholte seinen Namen in der Hoffnung, ihn zu beruhigen. Er rollte den Kopf hin und her, Schaum in den Mundwinkeln.</p><p>�Stoppt die Glocken � sie sind zu laut � ich ertrag�s nicht.�</p><p>�Was f�r Glocken?�</p><p>�Im Kirchturm�, br�llte er. �Dort � dort.�</p><p>�Jene Glocken sind nicht mehr da, Cooper.� Sie fa�te ihn an den Schultern und begann ihn zu sch�tteln. �Schon vor Monaten haben sie die Glocken von St. Michael abgeholt und nach Columbia gebracht, damit sie den Yankees nicht in die H�nde fallen k�nnen.�</p><p>Sein Mund �ffnete sich; er starrte sie an, dann den Kirchturm, dann wieder sie. �Aber ich h�re sie.� Ein Aufschrei wie von einem Kind. �Ich h�re sie, Judith!�</p><p>Er tastete nach ihrer Hand, versteifte sich pl�tzlich. Seine Augen schlossen sich, sein K�rper wurde schlaff. Sein Kopf fiel zur Seite auf den Gehsteig.</p><p><emphasis>�Cooper?�</emphasis></p><p><strong>99</strong></p><p>Andy glaubte, ein Ast habe geknackt, bis er die Kugel vorbeizischen h�rte.</p><p>Der Schu� kam aus dem Dickicht zu seiner Linken. Andy versuchte, die Person mit dem Gewehr zu entdecken, w�hrend er sein Maultier mit den schweren Arbeitsschuhen antrieb. Der Mann stand auf, ein gutes St�ck drinnen im schattigen Unterholz. Er brachte eine Muskete in Anschlag, pre�te den Kolben gegen die unionsblaue Uniformjacke, unter der seine schwarze Brust zu sehen war. Das linke Auge des Mannes schlo� sich, w�hrend er das rechte Auge zusammenkniff, um zu zielen. Es traf Andy wie ein Hammerschlag, als er das aufgedunsene, fette Gesicht erkannte.</p><p>�Los, Maultier!� Wieder trat er das Tier.</p><p>Das Maultier rannte auf eine Stra�enbiegung zu. Das Gewehr dr�hnte auf, aber die Kugel war schlecht gezielt. Augenblicke sp�ter befanden sich Reiter und Maultier hinter der Biegung in Sicherheit.</p><p>In Mont Royal angekommen, ging Andy geradewegs ins B�ro von Meek. Der Verwalter schob mit leicht verwirrter Miene Rechnungen hin und her, als w��te er nicht genau, was er mit dem schnell schwindenden Inflationsgeld der Plantage noch bezahlen sollte. Mit trockenem Mund berichtete Andy.</p><p>�Er wollte mich t�ten, Mr. Meek. Und er hatte zwei Musketen. Er h�tte die zweite Kugel nicht so schnell abschie�en k�nnen, wenn er h�tte nachladen m�ssen.�</p><p>�ber den Rand seiner Halbbrille hinweg richtete sich Meeks w��riger Blick auf Andy. Die Aufgabe, eine Plantage zu leiten, wenn man die Ernten unter Preis an die Regierung verkaufen mu�te und st�ndig Sklaven verschwanden, hatte tiefe Falten in sein Gesicht gegraben. Er sah zehn Jahre �lter aus als am Tag seiner Ankunft.</p><p>�Bist du sicher, da� es Cuffey war?�</p><p>�Bei dem Gesicht k�nnt� ich mich nie t�uschen. Er trug die Uniform eines Yankeesoldaten; er ist fett wie eine Fr�hlingskr�te. Diese Bande mu� verdammt gut essen.�</p><p>Er begann zu l�cheln, aber Meeks �rger vertrieb das L�cheln.</p><p>�Das tun sie. Diebe, das sind sie. Was glaubst du, wer die sechs Hennen vor einer Woche gestohlen hat? Sch�tze, wir bereiten uns lieber auf einen Empfang vor, falls sie noch mal kommen. Wir m�ssen ein paar Gewehrkugeln gie�en und die beiden Pulverf��chen auf Feuchtigkeit inspizieren.�</p><p>�Das mach� ich�, versprach Andy.</p><p>Meek rieb sich die Nase. �Du hast nichts von dem R�uchersalz gesagt.�</p><p>Andy sch�ttelte den Kopf. �Nichts zu kriegen, Mr. Meek. Ich bin sogar in die Tradd Street gegangen, habe gehofft, was von Mr. Cooper zu borgen. Niemand da. Zumindest hat niemand aufgemacht. Ich habe lange und kr�ftig geklopft. Tut mir m�chtig leid, mit leeren H�nden zur�ckzukommen.�</p><p>�Ich wei�, da� du dein Bestes getan hast. Morgen kannst du r�ber zu Francis LaMotte reiten. Ich hasse es, diesen eingebildeten kleinen Gockel um eine Gef�lligkeit bitten zu m�ssen, aber ich habe geh�rt, er habe ein bi�chen Salz aus Wilmington mitgebracht, als er auf Urlaub da war.� Er machte eine m�de, abwesende Handbewegung. �Ich danke dir, Andy. Ich bin froh, da� dir nichts passiert ist.�</p><p>Das aufgedunsene Gesicht �ber dem Gewehrlauf haftete in Andys Erinnerung, als er sich in dem gro�en Haus auf die Suche nach Jane machte. Die Bande der Fl�chtlinge, Cuffey eingeschlossen, verlie� die S�mpfe, um Nahrung zu stehlen oder einsame Reisende zu t�ten und zu berauben. Zwei wei�e M�nner von Plantagen am Ashley waren letzten Monat ermordet aufgefunden worden.</p><p>�Guten Abend�, sagte Andy, als er beim Haus angelangt war. Orrys Mutter reagierte nicht. Bewegungslos sa� sie auf der Veranda und starrte mit sanftem, verwirrtem L�cheln zu den B�umen hin�ber. Kopfsch�ttelnd betrat er das Haus und folgte dem Klang der Hammerschl�ge, bis er Jane gefunden hatte. Sie nagelte mit einem Hausdiener Abfallbretter �ber ein Fenster, das der letzte Sturm zerbrochen hatte.</p><p>Sie l�chelte, als sie ihn sah, aber sein Gesichtsausdruck machte ihr klar, da� etwas nicht stimmte. Er nahm sie beiseite und erz�hlte ihr von dem Vorfall auf der Stra�e, wobei er die Gefahr herunterspielte. �Ich m�chte wetten, dieser verr�ckte Cuffey wartet blo� darauf, hier Unheil anrichten zu k�nnen. Vielleicht�, er senkte die Stimme, damit der Hausdiener ihn nicht h�ren konnte, �vielleicht sollten wir beide uns auch in einer dunklen Nacht davonmachen.�</p><p>�Nein. Ich habe Miss Madeline mein Wort gegeben, da� ich bleibe. Und eine Sklavenhochzeit will ich auch nicht. Du und ich, wir werden als freie Menschen heiraten.� Sie dr�ckte seine Hand. �Es wird nicht mehr lange dauern. Ein Jahr. Vielleicht weniger.�</p><p>�Nun, ich sch�tze, ich bin damit einverstanden, da ich noch keine Frau gefunden habe, die mir besser gef�llt als du. Bis jetzt.�</p><p>Sie wollte ihm einen Klaps geben, und er wich lachend aus. Er hoffte, da� er hinter dem Lachen seine d�stere Stimmung verbergen konnte. Er war sicher, da� sie in n�chster Zeit Besuch von der Abtr�nnigenbande bekommen w�rden.</p><p>Er schlief schlecht diese Nacht; im Traum erschien ihm Cuffeys aufgedunsenes Gesicht. Am n�chsten Morgen, als er gerade zu Francis LaMottes Plantage aufbrechen wollte, nahm ihn Philemon Meek beiseite und schob einen kleinen Revolver in seine braune Hand. �Der ist geladen. Sorg daf�r, da� er au�er Sicht ist, wenn du irgendwelchen Wei�en unterwegs begegnest. Versteck ihn im Unterholz, solange du auf LaMottes Besitz bist. F�r das Tragen eines Revolvers k�nnten sie dich h�ngen.�</p><p>�Sie k�nnte man h�ngen, weil Sie ihn mir gegeben haben, Mr. Meek.�</p><p>�Das Risiko geh� ich ein. Ich m�chte nicht, da� dir was passiert.�</p><p>Andys L�cheln wurde spr�de. �Wollen Ihren Nummer-eins-Nigger nicht verlieren?�</p><p>Ver�rgert sagte Meek: �Ich m�chte keinen guten Mann verlieren. Und jetzt setz dich auf dein Maultier, bevor ich dich in dein hochn�siges Hinterteil trete.�</p><p>Andy atmete tief durch. �Tut mir leid, da� ich das gesagt habe. Da brechen die alten Zeiten durch.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>Sie sch�ttelten sich die H�nde.</p><p><emphasis>Dixie�s Land</emphasis> vor sich hin pfeifend, ritt Andy einen fast zugewachsenen Weg entlang, eine Abk�rzung zu Francis LaMottes Anwesen. Er dachte gerade, da� Old Meek gar nicht so �bel sei, als er mitten auf dem Weg auf einen dunklen Haufen stie�, wie ein B�ndel abgelegter Kleider.</p><p>�Whoa, Muli�, fl�sterte er; lauschend sa� er da. Er h�rte V�gel, die �blichen Ger�usche im Unterholz, aber nichts Alarmierendes. Er stieg von dem Muli ab und ging, Meeks Revolver in der Hand, langsam vor.</p><p>Das B�ndel war ein regungsloser schwarzer Mann. Die Taschen seiner Hosen waren umgedreht. Zwei rotrandige L�cher markierten seine Stirn wie ein zweites Augenpaar.</p><p>Andy schauderte, schluckte und studierte den Busch zu beiden Seiten des Weges. Rechts war ein ganzes St�ck niedergetrampelt. Er ging hin, den Atem anhaltend. In der feuchten Brise baumelte eine Gestalt von einem Ast. Andy erkannte Francis LaMotte, in der Uniform der Ashley Guards � oder vielmehr das, was von ihm �brig geblieben war. LaMotte hing an einem um seine Handgelenke geschlungenen Seil. Stiefel und Socken waren ihm gestohlen worden. Seine F��e waren nackt.</p><p>Andy h�tte auch genausogut einen phantastisch gef�rbten Vogel vor sich haben k�nnen. LaMottes strahlend gr�ne J�gerjacke war an so vielen Stellen zerrissen, da� sie wie ein Federkleid wirkte. Die Jacke und die kanariengelben Hosen wiesen rote Flecke auf, die gl�nzten, weil sie immer noch feucht waren.</p><p>Der durchh�ngende Ast knirschte. Langsam drehte sich LaMottes K�rper. Andy h�rte auf, die Wunden zu z�hlen, als er bei drei�ig angelangt war.</p><p>Am gleichen Aprilabend n�herte sich Orry der Farm, deren Lageskizze ihm Mrs. Halloran aufgezeichnet hatte. D�nne Wolken verschleierten Mond und Sterne. Das erleichterte es ihm, die ungepfl�gten Felder zu �berqueren, wie seine Informantin es vorgeschlagen hatte.</p><p>In einiger Entfernung band er sein Pferd an einen Baum. Der Nachtwind trug ihm ein Schnauben zu. Mit dem Handr�cken fuhr er sich �ber die feuchte Oberlippe und ging langsam und leise in Richtung des erleuchteten Geb�udes.</p><p>Es gab keine Deckung, keine M�glichkeit, sich ungesehen zu n�hern, au�er man kroch. Auf halbem Weg glaubte er ein Streichholz jenseits des Hauses aufflackern zu sehen, ein gutes St�ck zu seiner Linken. Eine Wache auf der Stra�e? Mehr als wahrscheinlich.</p><p>Jetzt h�rte er das sanfte Stampfen der Pferde. Ein Streifen dichten, hohen Grases trennte das Geb�ude von dem Feldrand, wo er kauerte und die Tiere z�hlte: vier Sattelpferde; ein Tier stand vor einem Einsp�nner. Wenn man davon ausging, dann war Mr. Lamar Powells Revolutionsarmee nicht gerade �berw�ltigend. Aber Orry hatte als Junge seinen <emphasis>Julius Caesar</emphasis> gelesen und wu�te, da� keine Heerscharen n�tig waren, um einen politischen Mord zu begehen.</p><p>Geduckt kroch er auf das Licht zu; das Unkraut raschelte und knisterte. Auf halbem Weg zur Mauer h�rte er ged�mpfte Unterhaltung. Einen Augenblick lang traute er seinen Sinnen nicht: Zwischen den m�nnlichen Stimmen h�rte er eine Frauenstimme heraus.</p><p>Vor lauter �berraschung verlagerte er sein Gewicht zu schnell. Mit lautem Knacken zerbrach sein rechter Stiefel einen Zweig.</p><p>�Warte, Powell. Ich glaube, ich hab� drau�en was geh�rt.�</p><p>�Vielleicht ein Kaninchen � oder eine Ratte. Hier wimmelt�s nur so davon.�</p><p>�Soll ich nachschauen?�</p><p>�Nicht n�tig. Wilbur h�lt an der Stra�e Wache.� Die Stimme des Mannes, der als Powell angesprochen worden war, verk�rperte absolute Autorit�t. So schnell er es wagte, kroch Orry das restliche St�ck zur Wand und pre�te sein Auge gegen einen Spalt.</p><p>Verdammt. Powell drehte ihm den R�cken zu. Orry konnte nichts weiter als rehfarbene Hosen, eine dunkelbraune Samtjacke und ergrauende, pomadisierte Haare sehen. Von links ragten Stiefel in Orrys Blickfeld.</p><p>�Unsere wichtigsten Waffenlieferungen sind gestern eingetroffen�, sagte Powell, ging auf einen Kistenstapel zu und drehte sich um.</p><p>Lamar Powell, Ende Drei�ig, besa� ein Gesicht, das die meisten Frauen vermutlich als gutaussehend bezeichnen w�rden. Er posierte auf theatralische Weise, deutete auf eine rechteckige Kiste, auf die das Wort WHITWORTH aufgemalt war.</p><p>�Wie Ihr sehen k�nnt, sind wir mit dem Besten ausger�stet.�</p><p>�Whitworth ist verflucht teuer�, fing einer an. Powells Augen blitzten in pl�tzlicher Wut auf. Der Sprecher murmelte: �Bitte um Entschuldigung.�</p><p>�Teuer schon�, stimmte Powell zu. �Aber auch die besten Scharfsch�tzengewehre der Welt. Die .45-Kaliber-Whitworth hat auf achthundert Yards eine Abweichung von weniger als einem Fu�. Wenn nur einige wenige von uns auf den Feind zielen�, sein Mund verzog sich zu einem humorlosen L�cheln, �dann mu� jeder h�chste Treffsicherheit erreichen.�</p><p>Mit diesen wenigen S�tzen schaffte es Powell, Orry in Alarmzustand zu versetzen. Diesen Mann umgab, anders als die meisten Fanatiker, eine Aura der Kompetenz. Durch eigene Dummheit w�rde er nicht scheitern, vermutete Orry.</p><p>Powell fuhr fort: �Ich glaube nicht, da� einer von euch daran interessiert ist zu erfahren, wieviele illegale Ma�nahmen � teure Bestechungen � notwendig waren, um diese Schiffsladung zu erhalten. Je weniger ihr wi�t, desto sicherer seid ihr. Und so, wie die Dinge stehen, riskieren wir schon bald genug den Hanfstrick.�</p><p>�Ich habe den langen Ritt hier heraus nicht gewagt, um mir Scherze anzuh�ren, Lamar.�</p><p>Der Schreck ging Orry durch und durch. Die Stimme geh�rte zu James Huntoon.</p><p>�Ich will zum Kern der Sache kommen�, sagte er. �Wann und wie t�ten wir Davis?�</p><p>Dann glaubte Orry wirklich den Verstand zu verlieren. Der n�chste Sprecher, der sich an Powell wandte, war eine Frau.</p><p>�Und wer stirbt mit ihm?�</p><p>Ganz deutlich sah er, dicht neben Powell, seine Schwester Ashton.</p><p>Er mu�te auch die anderen Verschw�rer identifizieren. Er ver�nderte seine Stellung, um einen anderen Teil des Inneren �berblicken zu k�nnen. Ein Mann lehnte an der Wand, zur Flu�seite hin. Der Mann war ein grober, bulliger Typ, den Orry noch nie gesehen hatte.</p><p>Er legte seine Hand gegen die Wand und pre�te sein anderes Auge gegen den Spalt. Die Holzverkleidung knackte unter seiner Hand. Huntoon sagte: �Drau�en ist jemand.�</p><p>Powell rannte durch Orrys Blickfeld. Orry kroch zur�ck, w�hrend Powell br�llte: �L�scht die Laternen!�</p><p>Die senkrechten gelben Schlitze wurden schwarz. Orry sprang auf und rannte geduckt auf das Feld zu. Eine T�r ging auf. Er h�rte Stimmen au�erhalb des Ger�teschuppens; Powells Stimme klang am lautesten.</p><p>�Wilbur? Wir brauchen dich. Wir sind ausspioniert worden.�</p><p>Orrys Brust schmerzte bereits vom Rennen. Auf halbem Weg durchs Feld h�rte er ein Pferd herangaloppieren; der Reiter feuerte einen Schu� ab. Die Kugel schlug zwei Fu� links von Orry ein. Er rutschte aus, fiel auf die Knie, stie� sich wieder hoch; er erreichte sein Pferd, als sein Verfolger in der Mitte des Feldes angekommen war.</p><p>Er trieb seinen Gaul den Weg entlang, den er hergekommen war. Tiefh�ngende Zweige peitschten seine Wangen und seine Stirn. Der Mann hinter ihm scho� ein zweitesmal und verfehlte ihn erneut. Orry galoppierte auf die breitere Hauptstra�e, die im Bogen vom Flu� wegf�hrte. Er lie� seinen Verfolger hinter sich, atmete tief durch. Er entfernte sich von dem Ort des Schocks � ritt aber auf eine unvermeidliche Auseinandersetzung mit seinem eigenen Gewissen zu. Um Mitternacht war es soweit. Madeline sa� auf dem Bettrand, w�hrend er auf und ab marschierte.</p><p>Nachdem er ihr alles erz�hlt hatte, waren ihre ersten Worte: �Wie um alles in der Welt konnte sie in eine solche Sache geraten?�</p><p>�Im ersten Moment dachte ich, wegen James. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Au�erdem spielt das wohl kaum eine Rolle. Ich bin der einzige Mensch, der Kenntnis hat von einem Anschlag auf das Leben des Pr�sidenten. Und auch andere Leben sind gef�hrdet.� Er umklammerte den Bettpfosten. �Ich mu� mit der Information zu Seddon. Und zu Winder. Er kann die Verschw�rer still und heimlich verhaften.�</p><p>�Alle Verschw�rer?� fragte Madeline. �Einschlie�lich deiner Schwester?�</p><p>�Sie ist eine von ihnen. Weshalb sollte sie besondere Ber�cksichtigung verdient haben?�</p><p>�Du wei�t, Orry, da� ich nicht mehr f�r sie �brig habe als du. Aber sie geh�rt zur Familie.�</p><p><emphasis>�Familie!</emphasis> Lieber h�tte ich Beast Butler als Verwandten. Madeline, meine Schwester wollte Billy Hazard ermorden lassen.�</p><p>�Das habe ich nicht vergessen, aber es �ndert nichts an dem, was ich eben gesagt habe. Du h�rst es nicht gern, aber es stimmt. Dazu kommt noch: Bis jetzt ist noch kein Verbrechen begangen worden.�</p><p>�Bestenfalls k�nnte ich � und ich will verdammt sein, wenn sie es verdient hat � ihren Namen verschweigen oder die Tatsache, da� ich sie gesehen habe.�</p><p>�Du m��test f�r James das gleiche tun.�</p><p>�Ich schulde ihm nichts.�</p><p>�Er ist Ashtons Ehemann.�</p><p>Ein langes Schweigen, dann ein angewidertes Seufzen. �In Ordnung. Aber auf weitere Kompromisse lasse ich mich nicht ein. Ich werde Powell und niemanden sonst identifizieren. Wenn er Huntoon oder meine Schwester mit hineinzieht, so ist das seine Sache.�</p><p>�Wir sind entdeckt � man wird uns verhaften �, was in Gottes Namen sollen wir tun, Lamar?�</p><p>Huntoons Gejammer machte Ashton krank. Drau�en vor dem Ger�teschuppen scho� Powells Hand vor, packte Huntoon am Kragen. �Ganz bestimmt werden wir nicht wie die Kinder heulen.� Er stie� Huntoon zur�ck, als Wilbur, der Wachposten, �ber das Feld zur�ckgetrabt kam.</p><p>�Habe ihn aus den Augen verloren.�</p><p>�Aber du hast ihn erkannt.�</p><p>�Nein.�</p><p>�Zum Teufel mit dir.� Powell wandte Wilbur den R�cken zu, der sich den Farmerhut �ber die Augen zog und sich schweigend setzte.</p><p>Powell rieb sich mit den Fingerkn�cheln das Kinn, dachte nach.</p><p>Einer der Verschw�rer r�usperte sich. �Gegen Morgen werden sie hier drau�en sein, was?�</p><p>Huntoon sagte: �Vielleicht war�s blo� ein Niggerjunge, der H�hner stehlen wollte.� Er versuchte sich selbst zu beruhigen.</p><p>�Es war ein Wei�er. Soviel hab� ich gesehen�, sagte Wilbur.</p><p>�Aber vielleicht will er uns nichts B�ses � �</p><p>�Bist du schwachsinnig?� sagte Powell. �Er hat sich heimlich angeschlichen. Er hat uns durch einen Spalt in dieser Wand beobachtet. Aber davon abgesehen, glaubst du ernsthaft, ich setze mich erst mal hin und warte ab, ob er harmlos ist oder nicht?�</p><p>Er schob den gedem�tigten Huntoon beiseite und �berflog die Klippe, das Feld, die anderen Geb�ude mit pr�fenden Blicken. �Wir ben�tigen eine vern�nftige Taktik, um mit dieser Situation fertig zu werden. Wenn wir k�hlen Kopf behalten, dann kommen wir ohne jede Schramme da durch.�</p><p>Voller Angst klammerte sich Ashton an ihren Glauben in Powells Intelligenz und Mut. Aber auch dieser Glauben wurde ersch�ttert, als er l�chelnd sagte: �Als erstes m�ssen wir uns die Hilfe von Mr. Edgar Allan Poe sichern. Mein Lieblingsautor. Kennt jemand von euch seine Geschichte des gestohlenen Briefes?�</p><p>�Du bist ein Schwachsinniger!� � tobte Huntoon. �Jetzt von irgendeinem billigen Schreiberling zu reden.�</p><p>Ausnahmsweise war Ashton insgeheim auf Seiten ihres Mannes. Ihr Geliebter gab keinerlei Erkl�rung ab, sondern stie� Huntoon ein zweitesmal beiseite und ging lachend an ihm vorbei.</p><p>Bei Tageslicht marschierte Orry zu Minister Seddons Residenz hoch und bet�tigte den Klopfer so kr�ftig, da� er damit wahrscheinlich die ganze Nachbarschaft weckte. Innerhalb von Minuten wurde der m�rrische Winder herbeizitiert. Nach seinem Erscheinen leistete er eine halbe Stunde lang Widerstand � Orry geh�rte schlie�lich nicht gerade zu den Kollegen, denen er bedingungslos vertraute �, gab dann aber unter Druck von Seddon nach. Vor Mittag noch w�rde er M�nner nach Wilton�s Bluff schicken.</p><p>�Ich werde sofort zum Pr�sidenten gehen�, sagte der Minister, nachdem er sich vom Schock erholt hatte. �Alle Kabinettsmitglieder werden gewarnt. Inzwischen steht Ihnen, Colonel Main, das Privileg zu, das Netz f�r den gr��ten Fisch auszuwerfen.�</p><p>�Es wird mir ein Vergn�gen sein, Sir.�</p><p>Einige Minuten nach zehn raste eine geschlossene Kutsche nach Church Hill und bog in die Franklin Street ein. Orry sprang hinaus und f�hrte einen bewaffneten Trupp die Eingangsstufen hoch. Ein zweiter Trupp hatte sich bereits im Garten postiert.</p><p>Die Eingangst�r bot keinen Widerstand. Verbl�fft sagte er zu seinen M�nnern: �Sie ist unverschlossen.�</p><p>Die Inneneinrichtung war unber�hrt, aber Kleidung und pers�nlicher Besitz fehlten.</p><p>Lamar Powell war verschwunden.</p><p>An diesem Abend kam ein zweiter Schock, und zwar drinnen in Winders Heiligtum.</p><p>�Ich habe nichts gefunden�, sagte Winder. �Kein Anzeichen, da� jemand dort gewesen ist. Und vor allem keine Spur der Waffenkisten, von denen Sie berichteten, Colonel. Meiner Meinung nach ist seit Monaten niemand mehr dort gewesen. Die Nachbarn, die ich befragt hab�, sind der gleichen Ansicht.�</p><p>Orry sprang auf. �Das kann nicht sein.�</p><p>Feindselig sagte der andere Mann: �Wirklich? Nun�, eine sp�ttische Geste zur T�r, �befragen Sie die beiden Detektive, die ich mitgenommen habe. Sie haben meinen Bericht geh�rt. Wenn er Ihnen nicht pa�t, reiten Sie zur�ck, und machen Sie Ihren eigenen Bericht.�</p><p>�Bei Gott, das werd� ich�, sagte Orry, als Israel Quincy ans Fenster trat und den Sonnenuntergang betrachtete.</p><p>Orry, der sein k�rgliches Abendessen aus Reis und Maisbrot nicht anger�hrt hatte, sagte zu Madeline: �Quincy ist gekauft worden. Winder auch, soweit ich das beurteilen kann. Mrs. Halloran ist unbeabsichtigt �ber eine Verschw�rung gestolpert, die sich bis in h�chste Kreise zieht. Ich beabsichtige herauszufinden, bis wohin.� Am fr�hen Abend hatte er die Farm noch einmal pers�nlich abgesucht und nicht die geringste Spur entdecken k�nnen.</p><p>�Aber der Pr�sident ist jetzt in Sicherheit, nicht wahr? Er ist gewarnt worden.�</p><p>�Ja, aber ich mu� es trotzdem herausfinden. Ich w�re nicht �berrascht, wenn sich gerade jetzt Seddon und seine Frau Gedanken �ber meinen Geisteszustand machen w�rde. Bin ich ein Trunkenbold? Nehme ich Opium? Hatte ich Visionen auf der Farm? Ich schw�re dir�, er ging um den Tisch herum zu ihr, �nichts davon trifft zu.�</p><p>�Ich glaube dir, Liebster. Aber was kannst du tun? Es scheint so, als w�re der Fall an einem einzigen Tag aufgetaucht und wieder verschwunden.�</p><p>�F�r mich nicht. Und ich kenne jemanden, der auf der Farm war. Sie ist immer noch in Richmond � das habe ich �berpr�ft. Gleich morgen fr�h werde ich mich um meine Schwester k�mmern.�</p><p>Aber dazu kam es nicht. Um halb elf l�utete es. Orry rannte nach unten. Es mu�te f�r ihn sein; die Vermieterin empfing nie so sp�t noch Besuch.</p><p>�ber und �ber mit Schmutz bedeckt stand Charles vor ihm; wie ein Berggipfel �ber Wolken ragte sein Kopf aus dem Zigarrenqualm heraus.</p><p>�Dein Brief hat einen Umweg �ber Atlee�s Station gemacht, aber endlich hab� ich ihn doch noch bekommen. Ich bin hier, um was f�r Billy zu tun.�</p><p><strong>100</strong></p><p>Stephen Mallory kam am gleichen Abend in Charleston an, nach einer beschwerlichen Fahrt in einem der dreckigen, ungeheizten Wagen der allm�hlich verrottenden S�dstaaten-Eisenbahn. Eine telegraphische Nachricht von Lucius Chickering hatte ihn auf den Weg gebracht.</p><p>Cooper wu�te davon nichts. Nach dem Vorfall in der Meeting Street hatten ihn Soldaten der Milit�rpolizei nicht gerade �bertrieben sanft heimgeschafft, und seitdem hatte er das Bett nicht mehr verlassen, hatte sich nicht bewegt, nicht gesprochen, das Essen nicht ber�hrt, das Judith ihm brachte.</p><p>Cooper drehte seinen Kopf um ein paar Millimeter, als Judith die T�r �ffnete, nachdem sie sanft geklopft hatte.</p><p>�Liebling? Du hast einen Besucher. Dein Freund Stephen. Der Minister.�</p><p>Er sagte nichts, lag nur unter den f�r das milde Wetter zu dicken Decken.</p><p>�K�nnte ich einen Moment mit ihm allein sein, Judith?�</p><p>Sie betrachtete ihren Mann. Seine Augen waren rund und leer, wie jeden Tag. Sorgf�ltig verbarg sie ihren Schmerz vor dem Besucher.</p><p>�Nat�rlich. Wenn Sie mich brauchen, auf dem Tisch dort ist eine kleine Handglocke.�</p><p>Mallory nickte und zog sich einen Stuhl neben das Bett. Er setzte sich. Judith schlo� die T�r.</p><p>Der Minister starrte seinen Assistenten an. Coopers Augen waren auf die Zimmerdecke gerichtet. Mallory begann mit der Abruptheit eines Gewehrschusses.</p><p>�Es hei�t, du bist erledigt. Stimmt das?�</p><p>Seiner Stimme fehlte der �bliche, s��liche Krankenzimmertonfall. Cooper zwinkerte einmal, r�hrte sich aber nicht.</p><p>�H�r zu, Cooper. Wenn du mich verstehst, dann bring wenigstens die H�flichkeit auf, mir in die Augen zu schauen. Ich habe nicht den weiten Weg von Richmond gemacht, um mich mit einer Leiche zu unterhalten.�</p><p>Langsam kippte Coopers Kopf in Richtung des Besuchers, die Wange ruhte auf dem Kissen, d�nnes, graues Haar breitete sich dar�ber. Aber die Augen blieben leer.</p><p>Hartn�ckig fuhr Mallory fort: �Das war skandal�s, was du da getan hast. Skandal�s, es gibt kein anderes Wort daf�r. Der Feind h�lt uns bereits f�r eine Nation von Barbaren � bedauerlich, aber nicht ganz ungerechtfertigt. Doch wenn sich ein Regierungsbeamter wie ein wahnsinnig gewordener Gef�ngnisw�rter auff�hrt, noch dazu in aller �ffentlichkeit�� Er sch�ttelte den Kopf. �Du hast unserer Sache geschadet, Cooper, und du hast dir selbst geschadet.�</p><p>Diese Worte l�sten schlie�lich eine Reaktion aus: Coopers Augenlider flatterten, und seine Lippen pre�ten sich zusammen. Mallorys Gesicht sah fast so grau aus wie das des Mannes im Bett.</p><p>�Ich konnte in dem verdammten Zug nicht schlafen, da habe ich �ber irgendeine h�fliche Formulierung nachgedacht, mit der ich deinen sofortigen R�cktritt fordern k�nnte. Es gibt keine. Deshalb � �</p><p>�Sie haben meinen Sohn get�tet.�</p><p>Die pl�tzlichen Worte lie�en Mallory zusammenfahren. �Was soll das? Die Gefangenen, die du angegriffen hast? Unsinn.�</p><p>Coopers H�nde zuckten �ber die Decke, ziellose wei�e Spinnen ohne Netz. Er zwinkerte wieder schnell und sagte heiser: �Die Profitler haben meinen Sohn get�tet. Der Krieg hat ihn get�tet.�</p><p>�Das war tragisch, das streite ich gar nicht ab. Aber in diesen Zeiten war es auch nichts Au�ergew�hnliches.�</p><p>Coopers Kopf ruckte hoch. In den tiefen H�hlen seiner Augen flackerte �rger. Mallory dr�ckte ihn sanft zur�ck.</p><p>�Nichts Au�ergew�hnliches, au�er f�r dich und deine Familie. Hast du keine Ahnung von den Zahlen? Wieviele V�ter ihre S�hne verloren haben? Das sind Hunderttausende, �ber den ganzen S�den verteilt. Und �brigens auch �ber den ganzen Norden. Nach einer angemessenen Zeit der Trauer nehmen die meisten dieser V�ter wieder ihr Leben auf. Sie legen sich nicht ins Bett und heulen.�</p><p>Der Minister sackte ein bi�chen in sich zusammen. Seine Bem�hungen waren anstrengend und, schlimmer noch, erfolglos. Mit einem Taschentuch fuhr er sich �bers Gesicht. Ein letzter Versuch noch.</p><p>�Du hast dem Marineministerium mehr als zuverl�ssig gedient, Cooper. Im Fall der <emphasis>Hunley</emphasis> hast du gro�en Mut bewiesen. Wenn du der gleiche Mann bist, der auf dem Grunde des Hafens von Charleston zweieinhalb Stunden lang verbrauchte Luft und Todesangst ertragen hat, dann ben�tige ich deine Dienste immer noch. Dieser Krieg ist noch nicht beendet. Die Soldaten und Matrosen k�mpfen immer noch, genau wie ich. Deshalb w�re ich bereit, auf ein R�cktrittsgesuch zu verzichten. Aber um die Arbeit wieder aufzunehmen�, streng wie ein Vater erhob er sich, �m��test du dich aus dem Bett erheben. Bitte teile mir deine Entscheidung innerhalb von zweiundsiebzig Stunden mit.�</p><p>Er achtete sorgf�ltig darauf, die T�re lauter als notwendig zu schlie�en.</p><p>Unten bei Judith wischte er sich erneut das schwitzende Gesicht ab. �Das war das Schwerste, was ich je getan habe � mein Mitgef�hl f�r diesen armen Mann zu verbergen. Es bricht mir das Herz, ihn so zu sehen.�</p><p>�Es hat sich schon lange angedeutet, Stephen. Eine Anh�ufung von M�digkeit, Frustration, Kummer; ich habe keine M�glichkeit, dagegen anzuk�mpfen. Weder freundliche noch �rgerliche Worte n�tzen etwas. Ich dachte, ein Schock w�re vielleicht notwendig. Deshalb bat ich Sie um dieses Vorgehen.�</p><p>�Ich habe das nicht nur gespielt. Wichtige M�nner haben von mir seinen R�cktritt gefordert.�</p><p>�Oh, das glaube ich.�</p><p>Sie k��te seine Wange, und Mallory err�tete. �Ich schulde Ihnen Dank.�</p><p>�Was ich sagte, war brutal � zumindest f�r mich. Ich hoffe nur, da� es etwas gen�tzt hat.�</p><p>Nachdem er gegangen war, k�mmerte sich Judith um ihre h�uslichen Angelegenheiten, bis sie von einem Ger�usch aufgeschreckt wurde. Sie blickte zur Decke. Hatte sie sich das eben nur eingebildet?</p><p>Nein. Schwach, aber unmi�verst�ndlich klingelte das kleine Gl�ckchen erneut.</p><p>Vor Hoffnung weinend, rannte sie die Treppe hoch, ri� die T�r auf und trat in die abgestandene Luft des Zimmers. Sehen konnte sie ihn nicht in der Dunkelheit, aber h�ren konnte sie ihn deutlich.</p><p>�Judith, k�nntest du vielleicht die Vorh�nge �ffnen, damit etwas Licht hereinkommt?�</p><p>Der salzige Wind wehte vom Meer her in das Schlafzimmer an der Tradd Street. Am Nachmittag nahm Cooper etwas Fleischbr�he zu sich. Dann ruhte er sich aus, den Kopf den hohen Fenstern zugewandt, vor denen die gro�e Eiche und das Dach des Nachbarhauses zu sehen waren.</p><p>Er f�hlte sich schwach, als h�tte er gerade einen schweren Fieberanfall �berwunden. �Mein Kopf ist klar. Ich f�hle � wie soll ich es ausdr�cken? Ich f�hle mich nicht mehr so wie vor Stephens Besuch. Nicht mehr so w�tend.�</p><p>Sie zog ihn sanft an ihren kleinen Busen, legte den linken Arm um seine Schulter. �Als du diesen Gefangenen angegriffen hast, da ist etwas in dir wie ein Kessel geplatzt. Du hast die Sklaverei verachtet, aber als du vor drei Jahren deinen Platz einnahmst, da tatest du das mit all der Entschlossenheit, mit der du dich zuvor dagegen gewandt hattest. Das war lobenswert, aber ich glaube, schreckliche Kr�fte gerieten dadurch in dir in Widerstreit. Judahs Tod machte alles noch schlimmer.� Sie dr�ckte ihn an sich. �Was immer auch die Gr�nde gewesen waren, ich danke Gott, da� es dir besser geht. W�re ich katholisch, ich w�rde sie bitten, Stephen heiligzusprechen.�</p><p>�Ich hoffe, ich bin wieder bei Vernunft. Ich sch�me mich furchtbar. Wie geht es dem Sergeant, den ich angegriffen habe?�</p><p>�Eine Gehirnersch�tterung. Aber er erholt sich wieder.�</p><p>Ein erleichterter Seufzer. �Du hast recht mit dem Kampf in mir. Das ist noch nicht vor�ber. Ich wei�, der Krieg ist verloren, aber ich denke, ich sollte mich trotzdem wieder an die Arbeit machen, wenn das Ministerium mich will. �brigens, wo ist Stephen?�</p><p>�Er ruht sich im Mills House aus. Was die Arbeit anbelangt � ich w�rde eine Weile dar�ber nachdenken. Meine Gef�hle dem Krieg gegen�ber haben sich nicht ge�ndert. Als Sumter fiel, waren das auch deine Gef�hle. Dieser Krieg ist nicht nur falsch, Cooper, weil alle Kriege falsch sind, sondern auch, weil f�r eine unmoralische Sache gek�mpft wird � nein, bitte, la� mich ausreden. Wir haben die Freiheit anderer menschlicher Wesen gestohlen und aus diesem Diebstahl Verm�gen angeh�uft.�</p><p>Er nahm ihre Hand; seine Stimme klang wie die eines verwirrten Kindes. �Ich wei�, da� du recht hast. Aber ich wei� nicht, was ich als N�chstes tun soll.�</p><p>��berlebe den Krieg. Arbeite f�r Stephen, wenn du mu�t. Was immer du entscheidest, es wird richtig sein. Dein Kopf ist jetzt klar. Aber verspreche dir � und mir �, da� du nach dem Fall des S�dens genauso hart f�r den Frieden arbeiten wirst. Du wei�t, was der Ha� einem Mann antun kann.�</p><p>�Ha� bringt immer mehr Ha� hervor, und aus dem Schmerz dar�ber erwacht neuer Ha� und � �</p><p>Sie lie� ihren Tr�nen freien Lauf, dr�ckte ihn fester an sich. �Oh, Cooper, wie ich dich liebe. Der Mann, den ich geheiratet habe � er ging f�r eine Weile weg � aber ich glaube � ich habe ihn wiedergefunden.�</p><p>Er hielt sie fest, w�hrend sie Freudentr�nen vergo�.</p><p>Schlie�lich fragte sie ihn, ob er mit Mallory sprechen wollte. Cooper bejahte. Er w�rde ein frisches Nachthemd und einen Morgenmantel anziehen und ihnen beim Abendessen Gesellschaft leisten. Judith klatschte in die H�nde und rannte los, um Marie-Louise zu suchen.</p><p>Cooper sp�lte sich den Mund aus und zuckte beim Anblick des ausgemergelten Mannes im Rasierspiegel zusammen. Er wechselte das Nachthemd, zog einen alten Morgenmantel an und suchte seine Hausschuhe. Dann ging er nach unten.</p><p>Marie-Louise war sprachlos, als sie ihn sah. Dann weinte sie auf und warf sich in seine Arme. Judith hielt Coopers Hand, als Mallory kam und Cooper mit ihm sprach.</p><p>�Stephen, ich werde f�r den Rest meines Lebens in deiner Schuld stehen. Dein Besuch heute hat mich gerettet. Du besitzt meine h�chste Bewunderung und wirst sie immer haben. Aber ich kann nicht mehr f�r dich arbeiten. Etwas hat sich ver�ndert. Ich habe mich ver�ndert. Ich m�chte, da� der Krieg ein Ende findet. Ich m�chte, da� das Sterben aufh�rt. Deshalb plane ich, meine Zeit mit Schreiben und Reden zu verbringen, f�r ehrenvolle Friedensverhandlungen in Verbindung mit der Emanzipation eines jeden Negers, der noch im S�den in Sklaverei gehalten wird.�</p><p>Mallorys ge�ffneter Mund zeigte einige verwirrte Reaktionen: Unglauben, Spott, �rger. Schlie�lich murmelte er: �Oh?� Seine Stimme wurde sch�rfer. �Und von wo aus willst du diesen neuen, anspruchsvollen Kreuzzug leiten?�</p><p>�Von Mont Royal aus. Meine Familie und ich gehen heim.�</p><p><strong>101</strong></p><p>W�hrend das �l in der Lampe niederbrannte, machten Orry und Charles Pl�ne.</p><p>�Wir k�nnen den Befehl schreiben, ihn aus dem Libby-Gef�ngnis zu entlassen.�</p><p>�Mit schreiben meinst du f�lschen�, unterbrach Charles und nahm f�r einen Moment den Zigarrenstummel aus dem Mund.</p><p>�Also gut, f�lschen. Vermutlich hast du rein technisch gesehen recht, da die Entlassung illegal ist.�</p><p>�Was brauchen wir sonst noch?�</p><p>�Eine graue Jacke und Hosen als Ersatz f�r seine Uniform. Ein Pferd.�</p><p>�Das Pferd besorge ich.�</p><p>Orry nickte. �Schlie�lich braucht er noch einen Pa�. Darum kann ich mich auch k�mmern. Wie er �ber den Rapidan kommt, ist seine Sache. Noch einen Whiskey?�</p><p>Charles leerte sein Glas und schob es seinem Cousin zu, der betroffen war von der Art und Weise, wie die Zeit und der Krieg ihr Verh�ltnis zueinander ge�ndert hatte. Sie waren nicht l�nger Mann und Junge, Lehrer und Sch�ler, sondern Erwachsene, Gleichgestellte. Orry schenkte wieder ein und sagte: �Ich habe vor, dich ins Gef�ngnis zu begleiten. Ich werde dir nicht allein das Risiko aufhalsen.�</p><p>Charles nahm seine F��e vom Schreibtisch und knallte sie auf den Boden. �Oh doch, das wirst du, Cousin. Du hast einen h�heren Rang als ich, aber ich gehe allein, und damit hat sich�s.�</p><p>�Ich kann nicht zulassen � �</p><p>�Den Teufel kannst du nicht�, unterbrach ihn Charles hart. �Ich f�rchte, du hast eine wichtige Kleinigkeit vergessen. Es ist nicht deine Schuld, aber f�r die Wachen ist es zu leicht, sich sp�ter an dich zu erinnern und dich zu beschreiben. Ich bin nicht scharf darauf, da� die Beh�rden eine Woche, nachdem sie dich geschnappt haben, hinter mir her sind. Dies mu� ein Soloauftritt bleiben.�</p><p>Ihm war keine andere M�glichkeit eingefallen, Orry zus�tzliche Gefahren zu ersparen, aber er versteckte seine Motive hinter einem kalten L�cheln, w�hrend er auf Orrys hochgesteckten �rmel schaute.</p><p>�In diesem Punkt, Cousin, mu� ich auf meiner Methode bestehen.� Charles drehte sich in seinem Stuhl. �Was meinst du dazu, Madeline?�</p><p>Von der Kommode aus, wo sie gestanden und zugeh�rt hatte, sagte Madeline: �Ich glaube, du hast recht.�</p><p>�Verflucht noch mal�, sagte Orry. �Noch eine Verschw�rung.�</p><p>Charles paffte schon wieder an seiner Zigarre. �Noch eine? Was war die erste?�</p><p>�Blo� so eine Redensart�, sagte Orry, der Madelines besorgten Blick bemerkte. �Wir h�ren st�ndig von eingebildeten Verschw�rungen gegen die Regierung.� Er hatte bereits beschlossen, weder Powells Gruppe noch Ashtons Beteiligung daran zu erw�hnen. Charles verachtete Ashton, und wenn diese Verachtung neu gesch�rt wurde, konnte ihn das von seiner Aufgabe ablenken.</p><p>Nur ein Detail mu�te noch gekl�rt werden. Charles sprach es an.</p><p>�Wann?�</p><p>Orry sagte: �Ich kann die notwendigen Schreibarbeiten am Morgen erledigen.�</p><p>�Dann bringe ich ihn morgen abend raus.�</p><p>Charles band Sport an einen der Eisenpfosten in der Twenty-first, gerade um die Ecke von Libbys Haupteingang. Ein steifer Wind trieb Fischgestank vom Kanal hoch. Weiter unten konnte er einen Wachposten sehen. Er wu�te, da� sie um das ganze Geb�ude herum standen.</p><p>Charles streichelte den Grauen. Ohne die Zigarre aus dem Mund zu nehmen, sagte er: �Ruh dich aus, solange du noch kannst. Bald schon wirst du doppelte Last schleppen m�ssen.�</p><p>Zumindest hoffte er das. Er war sich keineswegs sicher, und die Kr�mpfe in seinem Magen machten ihm das schmerzhaft klar.</p><p>Der Wind wirbelte Staubwolken auf. Charles stemmte sich dagegen und stieg die Gef�ngnisstufen hoch, vorbei an einer bewaffneten Wache, einem rotgesichtigen Jungen mit blonden Locken und porzellanblauen Augen. Der Soldat starrte ihn scharf an.</p><p>Drinnen r�mpfte Charles die Nase �ber den Gestank, w�hrend er dem diensttuenden Corporal den gef�lschten Befehl gab. �Gefangener Hazard. William Hazard. Ich soll ihn zum Verh�r in General Winders B�ro bringen.�</p><p>Ohne dem Befehl einen zweiten Blick zu g�nnen, bl�tterte der Corporal einen Stapel zerknitterter Bl�tter durch, las die mit Tinte geschriebenen Namen. Andere Wachen kamen vorbei. Einer starrte Charles lange an, ging aber weiter.</p><p>�Hazard, Hazard � da haben wir�s. Sie finden ihn im obersten Stock. Fragen Sie im Wachraum.�</p><p>Der Corporal zog die Schreibtischschublade auf und wollte den �berstellungsbefehl weglegen. Charles schnippte mit den Fingern. �Geben Sie mir das. Ich will oben nicht aufgehalten werden.�</p><p>Der Unteroffizier reagierte, ohne nachzudenken � womit Charles gerechnet hatte. Er dankte dem Corporal, indem er mit dem gef�lschten Befehl eine Art Salut andeutete, dann wandte er sich ab und stieg die quietschenden Stufen hoch.</p><p>Bevor er den obersten Stock erreichte, zog er die Hutkrempe tiefer, um sein Gesicht ein wenig zu verbergen. Dann trat er in das Lichtrechteck an der T�r des Wachraums. Wieder zeigte er seinen Befehl vor, wiederholte das, was er unten schon gesagt hatte.</p><p>�H�tten eine Tragbahre mitbringen sollen�, teilte ihm der gelangweilte Wachposten mit. �Hazard l�uft zur Zeit nicht besonders gut.� Er wandte sich an den anderen Soldaten im Raum. �Such ihn, Sid.�</p><p>�Zum Teufel. Du bist dran.�</p><p>Knurrend trat der erste Soldat an Charles vorbei. �M�chtig komisch, ihn zu dieser Nachtzeit zum Verh�r zu schleppen.�</p><p>�Wenn Sie Ihre Einw�nde General Winder zukommen lassen m�chten, dann erledige ich das f�r Sie, Soldat. Zusammen mit Ihrem Namen.� Charles sagte es rauh und grob, verlie� sich auf das, was ihn lange Dienstjahre gelehrt hatten: Auf Einsch�chterung reagieren M�nner f�r gew�hnlich sofort. Es hatte unten funktioniert, und es funktionierte auch hier.</p><p>Am Eingang eines gro�en Raumes, in dem Hunderte von Gefangenen dicht gedr�ngt sa�en oder lagen, hielt der Wachposten an. �Hazard? Wo ist William Hazard?�</p><p>�Billy�, sagte jemand und stie� den Gefangenen neben sich an. Charles hielt den Atem an, als eine abgezehrte Gestalt sich langsam aufsetzte, dann mit Hilfe anderer auf die F��e kam.</p><p>Charles wartete, sp�rte, wie sein Herzschlag schneller wurde. Dies war der erste kritische Moment: wenn der Gefangene mit seiner Kr�cke nahe genug herangehumpelt war, um ihn zu erkennen.</p><p>Ein Schwei�tropfen fiel von Charles� Nase. Sein Mund f�hlte sich an wie eine Tasse Staub. Billy taumelte. Mein Gott, wie schwach er aussah, nur Lumpen und Bart. Charles entdeckte Sch�rfungen und einen verheilten Ri� am Ohr. Sein Freund war geschlagen worden.</p><p>Der Wachposten zeigte mit dem Daumen auf Charles. �Dieser Offizier hier bringt dich f�r �ne Weile runter in Old Winders B�ro. Was hast du diesmal angestellt?�</p><p>�Gar nichts.� Durch die Hagerkeit des Gesichts noch gr��er wirkende Augen schauten Charles an, der insgeheim betete: <emphasis>Sag kein Wort!</emphasis></p><p>Billys Unterkiefer klappte herunter. �Bison?� An seinem Gesicht lie� sich ablesen, da� er seinen Fehler sofort erkannte.</p><p>Mi�trauisch beobachtete der Wachposten Charles. �Wie hat er Sie genannt?�</p><p>�Nichts, was Sie Ihrer Mutter gegen�ber wiederholen w�rden.� Er packte Billys dreckigen �rmel. �Noch ein verfluchtes Wort, und ich liefere dich beim Chef der Milit�rpolizei in kleinen St�cken ab. Wegen euch Yankeedreck hab� ich bei Malvern Hill einen Bruder verloren.�</p><p>Beruhigt sagte der Wachmann: �Wei� auch nicht, warum wir sie so h�tscheln. Sollten den ganzen Bau niederbrennen � mit ihnen drinnen.�</p><p>�Ganz Ihrer Meinung.� Charles versetzte Billy einen so harten Sto� gegen die Schulter, da� er beinahe gest�rzt w�re. Mit der Kr�cke, eine Hand gegen die Wand gestemmt, richtete er sich auf und warf Charles einen forschenden, vorsichtigen Blick zu. Gut, dachte Charles. Er schob den Gefangenen vorw�rts.</p><p>Der Wachposten dr�ckte sich noch an der T�r seines Zimmers herum, beobachtete Charles, der Billy die ersten Stufen hinabschob. Billy war langsam und unsicher, ben�tigte offensichtlich die Kr�cke. Der Abstieg zum Erdgescho� w�rde lange dauern. Je l�nger sie im Libby blieben, desto gr��er war das Risiko einer Entdeckung.</p><p>�Bison?� fl�sterte Billy, lehnte sich gegen die fleckige Wand. �Ist es wirklich �?�</p><p>�Sei um Gottes willen still�, fl�sterte Charles zur�ck. �Wenn du hier raus willst, dann benimm dich, als w�rden wir uns nicht kennen.� Zwei Wachen kamen die Treppe hoch. Charles stie� Billy an, sagte laut: �Beweg dich, Blaubauch.�</p><p>Der zweite Stock. Billy schwitzte und atmete schwer. Mehrere M�nner beobachteten sie. Charles ri� seinen Revolver unter dem Poncho hervor. �Etwas schneller, oder ich blas dir Hundesohn den Sch�del von den Schultern.�</p><p>Erdgescho�. Der Corporal vom Dienst stand da, streckte die Hand aus. �Bitte um den �berstellungsbefehl.�</p><p>Charles fischte das Papier aus seiner Tasche. Jetzt waren sie nur noch ein paar Schritte von den T�ren entfernt, die hinaus zur Cary f�hrten, wo der Wind fast Sturmst�rke angenommen hatte. Der Corporal schlo� den Befehl in die Schublade und blieb mit einem undeutbaren Ausdruck stehen.</p><p>Sechs Schritte bis zu den T�ren.</p><p>Vier.</p><p>Zwei.</p><p>Billy lehnte seinen Kopf gegen die dreckige Wand. �Blo� einen Moment � �</p><p><emphasis>Beeil dich.</emphasis> Ein lautloser Schrei von Charles, der zu den T�ren eilte, damit er sich umdrehen und den Corporal im Auge behalten konnte. Der Corporal runzelte die Stirn, sp�rte, da� etwas nicht stimmte.</p><p>�Mach vorw�rts, oder ich schleif dich an den Beinen raus.�</p><p>Billy stie� sich von der Wand ab, k�mpfte sich die n�chste Stufe hinunter. Charles ri� die T�r auf, sp�rte die Macht des Sturms auf der anderen Seite. Unter der Hutkrempe hervor beobachtete er weiterhin den Corporal. Dieser stellte die gr��te Bedrohung dar, f�hlte Charles � und merkte, da� er sich get�uscht hatte, als er sich an der T�r umdrehte. Da stand der blonde Wachposten mit erhobenem Gewehr und flammenden blauen Augen.</p><p>�Wohin bringen Sie diesen Gefangenen?�</p><p>�Mu� dir jeder Antwort geben, Vesey?� murmelte Billy und verriet damit Charles, da� zwischen den beiden eine besondere Feindschaft bestand.</p><p>�Ich stehe nicht jedem hergelaufenen Soldaten Rede und Antwort�, sagte Charles. �Zur Seite.�</p><p>�He, Bull, wohin bringen sie diesen Yank?� rief Vesey dem Corporal vom Dienst zu.</p><p>�B�ro Milit�rpolizei. Zum Verh�r.�</p><p>�Milit�rpolizei?� wiederholte Vesey, w�hrend Charles nach Billys Ellbogen griff, um ihm die erste Stufe hinunterzuhelfen. �Mr. Quincy war vor nicht ganz einer Stunde hier, w�hrend du beim Essen warst. Er hat nichts davon gesagt, da� ein Gefangener �berstellt werden soll.�</p><p>Er ri� die bla�blauen Augen auf. �Du!� Das Gewehr richtete sich auf Charles. �R�hr dich nicht. Ich kenne jeden von General Winders Jungs, du geh�rst nicht dazu. Irgendwas stimmt an der Sache nicht � �</p><p>Charles knallte den Lauf seines Colts gegen Veseys Kopf.</p><p><strong>102</strong></p><p>Vesey schrie auf und prallte gegen die Mauer. Sein Gewehr polterte �ber das Treppengel�nder. Drinnen gab der Corporal Alarm. �Los, um die Ecke�, rief Charles Billy zu, einen Moment, bevor sich Vesey mit ausgestreckten H�nden auf ihn st�rzte.</p><p>Charles schlug die H�nde weg, schleuderte Vesey gegen die T�r, so da� der Corporal, der sich von innen dagegen stemmte, sie nur schwer aufbekam. Charles wollte die Stufen runterrennen. Wieder versuchte Vesey, ihn zu packen. Zwei Fingern�gel rissen blutige Bahnen in Charles� Wange. Vor Schmerz, Wut und Verzweiflung rammte Charles seinen Colt in Veseys Bauch und dr�ckte ab.</p><p>Vesey kreischte auf und kippte vorn�ber. Der Wind trug das Ger�usch des Schusses davon. Charles sah, da� Billy am Fu�e der Treppe auf H�nde und Knie gefallen war. Charles rannte zu ihm hinunter. Obwohl er jetzt dazu in der Lage gewesen w�re, machte der Corporal die T�r nicht auf; statt dessen br�llte er drinnen weiter.</p><p>�Los�, sagte Charles und ri� Billy grob auf die F��e. Billy schrie leise auf. Im Libby ert�nten mehr und mehr Stimmen, ein ganzer bellender Chor. An der Ecke tauchte ein Wachposten mit erhobenem Gewehr auf. Er war jung, unerfahren, z�gerte. Das brachte einige weitere Sekunden. Charles schleppte Billy schnell zur gegen�berliegenden Ecke, wo sie beinahe mit einem anderen Wachposten zusammengesto�en w�ren. Charles richtete den Colt auf das Gesicht des Jungen.</p><p>�Renn, oder du bist tot, Junge.�</p><p>Der Wachposten lie� sein Gewehr fallen und rannte.</p><p>Aber ein weiterer Posten kam von der Flu�seite des Geb�udes die Stra�e hochgerannt. Charles band hastig Sport los, schwang sich in den Sattel und feuerte einen Schu� ab, um den rennenden Posten zur�ckzujagen. Die Z�gel des nerv�sen Grauen fest packend, streckte er seine freie Hand nach unten.</p><p>�Halt dich fest, und tritt in den Steigb�gel. Schnell!�</p><p>Billy st�hnte vor Anstrengung. Charles feuerte erneut, um den Posten in Deckung zu halten. Als er Billy hinter sich sp�rte, br�llte er: �Nicht loslassen, Bunk!� und spornte den Grauen an, das kurze St�ck zur Cary hoch. Der Spitzname seines Freundes aus Akademiezeiten war ihm ganz automatisch �ber die Lippen gekommen.</p><p>Drei Wachposten an der Ecke schossen auf sie, als Sport vorbeidonnerte. Billy schlang seine Arme um Charles� Poncho und klammerte sich fest. Alle drei Sch�sse gingen fehl. Der Graue galoppierte davon, in den heulenden Sturm hinein.</p><p>Eine Meile vom Gef�ngnis entfernt zog Billy die zimtfarbene Hose und das Kordhemd aus der Sattelrolle an.</p><p>�Jesus�, sagte Charles, als er Billy die graue Jacke reichte.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Ich habe diesen Wachposten get�tet. Ohne zu �berlegen.�</p><p>�Du hast einen Orden verdient.�</p><p>�Daf�r, da� ich einen Jungen erschossen habe?�</p><p>�Du hast damit jedem Mann im Libby-Gef�ngnis einen Dienst erwiesen. Dieser Posten war der Bastard, der mich so zugerichtet hat.�</p><p>�Tats�chlich? Dann bin ich froh, da� ich�s getan habe.� Charles l�chelte auf eine Art, die Billy schaudern lie�. �Also weiter.�</p><p>Billy wartete in der Dunkelheit bei Sport, w�hrend Charles den Stall betrat, wo er f�r die Nacht ein Maultier angemietet hatte. �Bringen Sie ihn gegen acht Uhr morgens zur�ck�, sagte der schl�frige Stallmann. �Ich habe noch einen Kunden.�</p><p>�Versprochen�, sagte Charles und zerrte das st�rrische Tier in die Dunkelheit.</p><p>Er trug seinen eigenen Pa� auf sich und Billy den von Orry gef�lschten; so kamen sie problemlos durch die n�rdlichen Verteidigungslinien. In einem Obstgarten stiegen sie ab, und Charles gab seinem Freund ein zweites, kleineres B�ndel.</p><p>�Madeline hat dir ein bi�chen Zwieback und Schinken zurechtgemacht. Ich w�nschte, ich h�tte eine Waffe f�r dich oder mehr Ausr�stung, damit du wie ein Soldat auf Urlaub wirkst.�</p><p>�Ich schaff�s so auch�, versprach Billy. �Ich w�nschte blo�, wir h�tten ein bi�chen mehr Zeit, �ber alles zu reden.� Sie hatten fast pausenlos geredet, nachdem sie den letzten Wachposten hinter sich gelassen hatten; die Schicksale der meisten Mitglieder beider Familien waren durchdiskutiert worden.</p><p>Jetzt sagte Charles: �Ich w�rde dich gerne zu Orry und Madeline bringen, aber es ist besser, wenn du noch vor Tagesanbruch einige Meilen zwischen dich und Richmond legst. Der Pa� wird dich durchbringen. Und vergi� nicht, M�tze und Jacke abzulegen, wenn du bei deinen Linien ankommst.�</p><p>�Werd� ich nicht � und glaub mir, ich werde mich mit hoch erhobenen H�nden n�hern.�</p><p>Beide versuchten sie herunterzuspielen, was vor ihm lag: ein stundenlanger Ritt, Patrouillen auf der Stra�e, Hunger, Furcht. Und sein geschw�chter Zustand machte all das noch schlimmer. Aber es gab jetzt auch Hoffnung. Ein Ziel. Die Sicherheit seiner eigenen Seite.</p><p>�Bison!�</p><p>Den Blick auf die Richmond-Stra�e gerichtet, sagte Charles, �Hm?�</p><p>�Du hast mich schon mal gerettet. Jetzt werd� ich immer in deiner Schuld stehen, da komme ich nicht mehr � �</p><p>�Schau zu, da� du aus der Konf�deration herauskommst, das reicht.�</p><p>�Mein schlimmstes Problem ist wahrscheinlich mein Akzent. Wenn ich Fragen beantworten mu� � �</p><p>�Sprich langsam. So ungef�hr. Verschluck ein paar von dienen g�s, und sag, du kommst aus dem Westen. Niemand in Virginia wei� wirklich, wie ein Missourirebell redet.�</p><p>Billy l�chelte. �Gute Idee. Ich war in St. Louis stationiert.� Ernster f�gte er hinzu: �Du hast mir von Orrys Heirat und einer Menge anderer Sachen erz�hlt, aber von dir kein Wort. Wie ist es dir ergangen? Bei welchem Kommando bist du?�</p><p>�Ich bin Scout f�r General Wade Hamptons Kavallerie, ich komme gut zurecht�, log Charles. �Ich w�rde noch weit besser zurechtkommen, wenn dieser Krieg vor�ber w�re. Sch�tze, das wird bald der Fall sein.�</p><p>Er wollte was �ber Gus sagen, aber wozu eine Beziehung erw�hnen, die ohnehin enden mu�te? �Ich w�rde gern die ganze Nacht reden, �ber du solltest jetzt los.�</p><p>�Ja, ich glaube auch.� Mit langsamen Bewegungen, von Schmerzen geplagt, bestieg er das Maultier. Charles half ihm nicht; Billy mu�te es selbst schaffen.</p><p>Als Billy im Sattel sa�, trat Charles vor. Sie sch�ttelten einander die H�nde.</p><p>�Gute Reise. Richte Cousine Brett meine besten Gr��e aus, wenn du sie siehst.�</p><p>�Dasselbe von mir an Orry und Madeline. Ich wei�, was er riskiert hat, um mir zu helfen. Du nat�rlich auch.�</p><p>Das Lachen klang gezwungen. �West Point k�mmert sich um seine Leute, nicht wahr?�</p><p>�Mach keine Witze, Bison. Ich werde nie in der Lage sein, dir das zur�ckzuzahlen.�</p><p>�Das erwarte ich auch nicht. Weich blo� die n�chsten acht oder zehn Monate unseren Kugeln aus, dann k�nnen wir einander in Pennsylvania oder South Carolina besuchen. Und jetzt los.�</p><p>�Gott segne dich, Bison.�</p><p>Mit �berraschend kr�ftiger Stimme trieb Billy das Maultier an und war bald schon in der Dunkelheit verschwunden.</p><p>Charles f�hlte sich leer und ausgebrannt. Er h�tte einen Whiskey dringend n�tig gehabt. �Na komm�, sagte er zu dem Grauen und schwang sich in den Sattel.</p><p>Die Uhr schlug vier. Charles wirbelte, die nackten F��e auf einem Kissen ausgestreckt, den letzten Schluck Bourbon im Glas herum und trank dann aus.</p><p>�Ich hab�s mit der Angst bekommen und ihn erschossen. Panik � das ist das einzig passende Wort daf�r.�</p><p>Madeline sagte: �Ich glaube, es ist nicht leicht, jemanden zu t�ten, selbst wenn es ein Feind ist.�</p><p>�Oh, man gew�hnt sich dran�, sagte Charles. Sie und Orry tauschten einen schnellen Blick, aber das sah er nicht. �Der Posten war sowieso derjenige, der Billy gefoltert hatte. Was mich beunruhigt, ist die Tatsache, da� ich die Beherrschung verloren habe. Ich dachte, ich h�tte genug hinter mir, um mit solchen Situationen fertig zu werden.�</p><p>�Wie viele Gef�ngnisausbr�che hast du denn schon durchgef�hrt?� fragte Orry leicht sarkastisch.</p><p>�Ja, das ist was neues�, nickte Charles gedankenverloren.</p><p>�Wie sah Billy aus?� fragte Madeline.</p><p>�Wei� und krank. Schwach wie sonstwas. Ich habe keine Ahnung, ob er auch nur den halben Weg zum Rapidan schafft.�</p><p>�Wie geht�s Brett? Hat er was von ihr gesagt?�</p><p>Charles sch�ttelte den Kopf. �Von Brett hat er seit Monaten nichts mehr geh�rt. Dieser Wachposten, Vesey, hat jeden Brief vernichtet, den Billy schrieb, also wird er wohl auch die ankommenden Briefe vernichtet haben. Orry, hast du ein bi�chen Geld f�r den Stallmann �brig? Sein Maultier wird er nie wiedersehen.�</p><p>�Ich k�mmere mich drum�, versprach Orry.</p><p>Charles g�hnte. �Habt ihr was dagegen, wenn ich mich schlafen lege?� Er griff nach einer Decke. Orry drehte das Gas ab und w�nschte ihm eine gute Nacht. Voll angekleidet rollte sich Charles in die Decke und schlo� die Augen.</p><p>Der Schlaf wollte nicht kommen. Zu viele Geister waren aufgewacht und strichen durch die Nacht.</p><p>Er fiel in Schlaf, als ein ferner Kirchturm f�nf Uhr schlug. Er schlief eine Stunde, tr�umte von Gus und von Billy, der in einem sonnenhellen Feld lag, von Kugeln durchsiebt und von fetten, schwarzen Fliegen umschw�rmt.</p><p>Madeline schenkte ihnen Kaffee-Ersatz ein, und Charles setzte sich seinem Cousin gegen�ber, nachdem er sich zuvor Wasser �ber Gesicht und H�nde gespritzt hatte.</p><p>Orrys Gesichtsausdruck zeigte, da� ihm etwas Ernstes durch den Kopf ging. Charles wartete, bis sein Cousin damit herausr�ckte.</p><p>�Wir hatten gestern nacht soviel zu bereden, da� ich gar nicht zu den anderen schlechten Nachrichten gekommen bin.�</p><p>��rger zu Hause?�</p><p>�Nein, direkt hier in der Stadt. Ich habe eine Verschw�rung aufgedeckt. Der Pr�sident und Mitglieder seines Kabinetts sollten ermordet werden.� Charles l�chelte ungl�ubig. �Jemand, der uns beiden gut bekannt ist, ist in die Sache verwickelt.�</p><p>�Wer?�</p><p>�Deine Cousine. Meine Schwester.�</p><p>�Ashton?�</p><p>�Ja.�</p><p>�G�tiger Himmel�, sagte Charles. Er war selbst �berrascht, wie wenig ihn diese Mitteilung verwunderte; kaum mehr als mildes Erstaunen. Sein Inneres verh�rtete sich mehr und mehr, konnte kaum noch von etwas ber�hrt werden.</p><p>Orry erz�hlte der Reihe nach, was sich alles ereignet hatte.</p><p>�Ein paar Tage danach glaubte ich wirklich, ich sei verr�ckt. Aber das hab� ich jetzt hinter mir. Sie m�gen Freunde in hohen Positionen haben, die ihnen geholfen haben, die Spur zu verwischen, aber ich wei�, was ich gesehen habe. Die Verschw�rung existiert wirklich, Huntoon ist daran beteiligt, genau wie Ashton.�</p><p>�Was wirst du unternehmen?�</p><p>Orrys Blick machte Charles klar, da� er nicht der einzige war, der sich einen Panzer zugelegt hatte.</p><p>�Ich werde sie mir schnappen.�</p><p><strong>103</strong></p><p>Sie �berraschten ihn beim ersten Tageslicht am Bachufer, schlichen sich an, w�hrend er schlief. Keiner der drei stellte sich vor. In Gedanken gab er ihnen Namen � Narbengesicht, Eind�umige, Hundegesicht. Alle trugen sie zerfetzte Konf�deriertenuniformen.</p><p>Um ihr Mi�trauen zu zerstreuen, teilte er seinen letzten Zwieback und Schinken mit ihnen. Sie berichteten von ihren Erlebnissen w�hrend der letzten Tage, wohl mehr, wie Billy vermutete, um das Schweigen des Maimorgens zu f�llen.</p><p>�Grant schickte hunderttausend in die Wildnis gegen unsere sechzigtausend. Es wurde so hei� gek�mpft, da� die B�ume Feuer fingen. Unsere Jungs erstickten entweder am Rauch oder wurden von brennenden �sten erschlagen.�</p><p>�Wie weit ist die Front noch entfernt?� fragte Billy.</p><p>Hundegesicht antwortete: �Zwanzig, drei�ig Meilen. Was meint ihr?� Seine Gef�hrten nickten. �Aber wir gehen in die andere Richtung. Zur�ck nach Alabama.� Er warf Billy einen forschenden Blick zu, wartete auf eine Reaktion; Verachtung vielleicht.</p><p>�Die Omen sind schlecht�, sagte der Eind�umige. �Old Pete Longstreet, er wurde von einer Kugel von unserer Seite verwundet, gerade so wie vor einem Jahr Stonewall. Und ich habe geh�rt, der kleine Junge von Jeff Davis ist vor ein paar Tagen vom Balkon des Wei�en Hauses gest�rzt. Tot. Wie ich schon sagte � schlechte Omen.�</p><p>Narbengesicht, der �lteste, wischte sich Fett vom Mund. �M�chtig nett von dir, Missouri, deinen Vorrat mit uns zu teilen. Wir haben fast nichts, was uns auf unserm Heimweg helfen k�nnte�, mit einer glatten Bewegung zog er seinen Revolver und richtete ihn auf Billy, �also sind wir dir dankbar, wenn du kein Theater machst und uns ein bi�chen unterst�tzt.�</p><p>F�nf Minuten sp�ter verschwanden sie mit seinem Maultier und seinem Pa�.</p><p>Laternenschein fiel auf die nackten, schwarzen Oberk�rper. Rufe klangen durch die Dunkelheit, das Klirren und Klappern der Schienen, die von den Waggons abgeladen wurden, Geh�mmer, das Gequak der Fr�sche aus den Sumpfgebieten nahe des Potomac. Eine Gruppe von Georges M�nnern packte eine Schiene, rannte damit vor und lie� sie auf die ein paar Augenblicke zuvor gelegten Eisenbahnschwellen fallen. Es war die Nacht des 9. Mai; oder genauer, der Morgen des 10. Mai. Seit der gestrigen Morgend�mmerung waren die Reparaturarbeiten an der besch�digten Aquia &amp; Fredericksburg-Linie bis hinunter nach Falmouth in Gang.</p><p>Die Metzgersrechnung aus den W�ldern hatte schwindelnde H�hen erreicht. Lee hatte sich bei Spotsylvania verschanzt, und vermutlich marschierte die Unionsarmee auf seine Stellungen zu. Ohne da� man es ihm erkl�rt h�tte, wu�te George, weshalb am gleichen Morgen, an dem Grant seine Kriegsmaschinerie �ber den Rapidan gebracht hatte, der gr��te Teil der Orange &amp; Alexandria aufgegeben und weshalb das Konstruktions-Corps nach Osten zu diesem Dienst abkommandiert worden war. Auf diesen Schienen w�rden bald schon Tote und Verwundete transportiert werden.</p><p>George sah, da� einer seiner besten Arbeiter, ein riesiger brauner Junge namens Scow, pl�tzlich stolperte. Die M�nner hinter ihm wurden zum Halten gezwungen. Eine Laterne an einem Pfahl spiegelte sich in Scows Augen wieder, als er seinen Kommandanten anstarrte.</p><p>�Fall gleich um.�</p><p>George trat hinter ihn und nahm die Schiene auf seine Schultern. �Ruh dich zehn Minuten aus, dann komm wieder. Wenn wir mit diesen Schienen fertig sind, wird die Potomac-Br�cke repariert.�</p><p>�Sie geb�n ein von diese Niggers zehn Minuten, Ihn� gehn bald die Minuten aus.�</p><p>�La� das meine Sorge sein. Los.�</p><p>Scow rieb sich den Mund; Bewunderung und Mi�trauen mischten sich auf seinem Gesicht. �Sind schon verflucht� Bo߫, sagte er, marschierte davon und �berlie� es George, wie er das auffassen sollte. Mit grimmiger Erheiterung �berlegte er, was Scow wohl sagen w�rde, wenn er w��te, da� sein Kommandant ein gewaltiges Eisenwerk und eine florierende Bank f�hrte. Er nahm Scows Platz in dem Team ein, das die Schienen schleppte. Er versuchte seine Benommenheit und die sich im Magen ausbreitende �belkeit zu verbergen. �Macht schon�, br�llte er den anderen M�nnern zu. Er wu�te, da� sie sich genauso schlimm f�hlten wie er. Aber gemeinsam schleppten sie im Eiltempo die n�chste Schiene vor, legten sie ab, sprangen beiseite, w�hrend die ersten H�mmer zuschlugen, und rannten zur�ck, um die n�chste zu holen.</p><p>Auf der Brock Road fiel Billy auf die Knie und kroch in einen Graben, als eine Granate vorbeizischte und explodierte. Scharfkantige Felsbrocken und Dreck regneten auf seinen nackten Hals und h�mmerten die letzte Kraft aus ihm.</p><p>Von Westen, Norden, Osten drangen die zahllosen Schlachtger�usche zu ihm. Am lautesten schienen sie im Osten zu sein. Ohne Zwischenfall hatte er sich durch die raucherf�llten Stra�en von Spotsylvania Court House gek�mpft. Aber gerade, als er wieder etwas gleichm��iger zu atmen begann und vor M�digkeit und Hunger und Schmerzen taumelnd zur Stra�e zur�ckkehrte, tauchte aus dem Rauch, der das Grau des Morgens noch vertiefte, ein Captain zu Pferd auf � einer von Jubal Earlys Kommando, wie Billy vermutete.</p><p>Der b�rtige Offizier war schon an Billy vorbei, ehe er ihn richtig zur Kenntnis nahm. Er ri� sein Pferd herum, stieg ab und zog seinen S�bel. �Hier wird nicht desertiert�, br�llte er und schlug Billy mit der Flachseite des S�bels �ber den R�cken. �Die Linien sind dort.�</p><p>Mit der Klinge deutete er nach Osten. Ein um seinen rechten �rmel gebundenes schwarzes Seidenband flatterte in der Brise. Um seinen Akzent zu verbergen, murmelte Billy undeutlich, �Sir, ich habe mein Gewehr verloren � �</p><p>�Hier wirst du keinen Ersatz finden.� Ein zweiter Schlag. �Beweg dich, Soldat.�</p><p>Billy zwinkerte, dachte: <emphasis>Irgendwo mu� ich durch die Linien. Kann�s genauso gut hier versuchen.</emphasis></p><p>�Du und deine Sorte, ihr ekelt mich an�, sagte der Captain. �Wir verlieren einen gro�en Mann, und ihr tragt zu seiner Erinnerung nichts weiter als Feigheit bei.�</p><p>Billy wollte nicht, hatte aber das Gef�hl, er m��te etwas sagen. �Versteh nicht, Sir.� Das stimmte. �Wen haben wir verloren?�</p><p>�General Stuart, du verdammter Narr. Sheridans Reiterei schlug einen Bogen um unsere Flanke nach Richmond. Vorgestern t�teten sie den General bei Yellow Tavern. Und jetzt beweg dich, oder du stehst unter Arrest.�</p><p>Billy taumelte los. Eine Granate explodierte �ber ihm wie eine schwarze Blume. Er bedeckte seinen Kopf und stolperte weiter; jeder Schritt bereitete ihm gr��ere Schmerzen.</p><p>Jetzt. Jetzt. <emphasis>Jetzt.</emphasis></p><p>Seit zehn Minuten sagte er das zu sich, um seinem zu schwachen K�rper die n�tige Kraft abzuringen. Schlie�lich wu�te er, da� er dem lautlosen Kommando gehorchen mu�te. Mit einer Hand umkrallte Billy das Gewehr, das man ihm gegeben hatte, mit der anderen zerrte er sich �ber die Verschanzung, w�hrend der Sturzbachregen ihn durchweichte.</p><p>�He, Missouri, sei nicht verr�ckt. Noch bi�chen n�her, und du gehst mit Sicherheit drauf.�</p><p>Irgendein Reb-Unteroffizier br�llte ihm das aus der Verschanzung nach, die er gerade eben verlassen hatte. Billy taumelte hoch und hinkte durch hohes, schl�pfriges Gras. Ein Lichtblitz der Union zuckte auf, und als die Dunkelheit zur�ckkehrte, warf er sein Gewehr und seine M�tze weg. Der n�chste Blitz �berraschte ihn dabei, wie er seine graue Jacke herunterzerrte. Der gleiche Reb, der zuvor sein Erscheinen ohne weitere Fragen hingenommen hatte, entdeckte ihn. Die Stimme des Unteroffiziers klang zu ihm her�ber.</p><p>�Der Schei�kerl greift niemand an. Der rennt auf die andere Seite. Erschie�t den Bastard.�</p><p>Hinter ihm krachten die Gewehre. Mit schmerzenden Lungen bewegte er sich vorw�rts, fort von ihnen. Donner grollte im Kielwasser des letzten Blitzes, dann zuckte ein neuer Lichtschein auf, lie� ein Unionsbajonett wie wei�gl�hendes Metall aufleuchten.</p><p>Der Wachposten hinter dem Bajonett, einer von Burnsides M�nnern, entdeckte die zerlumpte Gestalt. Hinter dem Wachposten begannen Gewehre zu krachen, so laut wie die der Rebs.</p><p>�Nicht schie�en�, br�llte Billy mit erhobenen H�nden in das Kreuzfeuer. �Nicht schie�en. Ich bin ein Unionsoffizier, gefl�chtet von � �</p><p>Auf einem halb in der Erde verborgenen Stein knickte er um, st�rzte. Er warf die Arme in die Luft, verlor die Orientierung. So erfuhr er nie, wer den Schu� abgefeuert hatte, der ihn traf; mit einem unterdr�ckten Aufschrei fiel er vorn�ber aufs Gesicht.</p><p>Aus den Washingtoner Zeitungen erfuhr George mehr �ber die Fr�hjahrsoffensive als an Ort und Stelle. Jeder nannte es Grants Kampagne und pries Grants tapfere M�nner, obwohl der tats�chliche Kommandeur der Potomac-Armee Generalmajor Meade war. Grant jedoch war ein Armeegeneral, der ins Feld zog. Meade bekam mehr oder weniger die Rolle eines Corps-Kommandeurs zugewiesen. Es wurde Grants Krieg und Grants Plan. Richmond ignorieren, Lees Armee vernichten. Dann w�rde das Kartenhaus von selbst zusammenfallen.</p><p>Aber immer h�ufiger tauchte in den Zeitungen ein anklagender Satz auf: Grants Verluste. Die dezimierte Armee f�llte ihre Reihen wieder auf und marschierte bei Nacht in Verfolgung des sich zur�ckziehenden Lees. Die Schlagzeilen wiederholten sich wie dumpfer Trommelschlag: UNGEHEURE VERLUSTE DER REBELLEN und EIGENE VERLUSTE ZW�LFTAUSEND und SCHWERE VERLUSTE AUF BEIDEN SEITEN.</p><p>George und der Junge namens Scow beobachteten einen der Todesz�ge, die auf der wiederer�ffneten Aquia Creek &amp; Fredericksburg von Falmouth aus Richtung Norden fuhren. Die Z�ge mit den Toten von Falmouth konnten sie stets daran erkennen, da� sie deutlich schneller fuhren als die Z�ge mit Verwundeten oder Gefangenen. Die Reihe der Waggons war so lang, da� sie gar nicht mehr aufzuh�ren schien.</p><p>�Zwanzig, einundzwanzig � zweiundzwanzig�, sagte Scow. �Das sind m�chtig viele S�rge.�</p><p>�Der General t�tet auch m�chtig viele M�nner, aber er wird noch mehr umbringen.�</p><p>George schlug Scow freundlich auf die Schulter, in einer f�r einen Offizier unpassenden Weise, aber das war ihm egal. Das Corps war eine eigenartige Truppe; eigenartig und stolz. �Suchen wir uns was zu essen.�</p><p>Kurz darauf sa� George mit untergeschlagenen Beinen am Campfeuer und l�ffelte Bohnen von einem Blechteller, als ein Pfeifton einen weiteren Falmouth-Zug ank�ndigte. Er beobachtete, wie der wei�e Scheinwerferkegel die Biegung nahm.</p><p>�Verwundete�, sagte George, nachdem er die Geschwindigkeit abgesch�tzt hatte. Dann widmete er sich wieder seinen Bohnen, w�hrend der Waggon mit seinem Bruder vorbei ratterte.</p><p><strong>104</strong></p><p>Im Gewittersturm fuhren Virgilia und acht weitere Krankenschwestern mit dem Zug von Aquia Creek nach Falmouth. Dort war ein Nothospital zur Erg�nzung der Kirchen, St�lle und Privatheime, die dem gleichen Zweck dienten, errichtet worden. Der hart umk�mpfte Grund und Boden um Spotsylvania herum lieferte einen stetigen Strom an Opfern. Die schlimmsten F�lle, die nicht mal eine kurze Eisenbahnfahrt �berleben w�rden, wurden in Falmouth behandelt.</p><p>Die Krankenschwester, die das Kommando f�hrte, war Mrs. Neal, der Virgilia bereits dreimal zu entkommen versucht hatte. Miss Dix hatte ihre Versetzungsgesuche jedesmal knapp und b�ndig abgelehnt. Miss Hazards Dienste waren zu wertvoll. Miss Hazard war ein Gewinn f�r ihr gegenw�rtiges Hospital. Auf Miss Hazards Dienste konnte nicht verzichtet werden.</p><p>Virgilia hegte den Verdacht, da� Mrs. Neal hinter diesen Ablehnungen steckte. Die �ltere Frau erkannte Virgilias F�higkeiten, aber es machte ihr Spa�, sie zu frustrieren. Virgilia hingegen verachtete ihre Vorgesetzte weiterhin, konnte sich aber nicht dazu bringen, den Dienst zu quittieren. Die Arbeit befriedigte sie immer noch ungemein. Sie brachte einer Vielzahl von schmerzgepeinigten M�nnern Trost und Genesung. Der Anblick der Verst�mmelten und Sterbenden hielt ihren Ha� auf die S�dstaatler in voller St�rke am Leben.</p><p>�Es hei�t, die K�mpfe um Spotsylvania seien f�rchterlich gewesen.� Das kam von einer vollbusigen Jungfer namens Thomasina Kisco. Der Rand ihres schwarzen Hutes warf einen scharfen Schatten �ber ihr Gesicht. �Mit gewaltigen Verlusten.�</p><p>�Das wird daf�r sorgen, da� Mr. Lincoln im November aus dem Amt entfernt wird�, sagte Mrs. Neal. �Er weigerte sich, die Schl�chterei zu beenden, also mu� die Wahl daf�r sorgen.� Sie vers�umte es selten, f�r McClellan und die Friedensdemokraten einzutreten.</p><p>�Stimmt es, da� sie auch konf�derierte Verwundete in dieses Hospital bringen?� fragte Virgilia.</p><p>�Ja.� Mrs. Neals Ton war so kalt wie ihr Blick. Virgilia war an beides gew�hnt. Sie schauderte.</p><p>�Ich werde keine feindlichen Soldaten pflegen, Mrs. Neal.�</p><p>�Sie werden tun, was Ihnen gesagt wird, Miss Hazard.� Ihr �rger erzeugte mitf�hlende Blicke der anderen � f�r Virgilia. Mrs. Neal machte einen R�ckzieher. �Wirklich, meine Liebe � Sie sind eine ausgezeichnete Krankenschwester, aber Sie akzeptieren offensichtlich keine Disziplin. Warum bleiben sie eigentlich im Dienst?�</p><p><emphasis>Weil ich auf meine Art ebenfalls ein Soldat bin, du d�mliche Kuh.</emphasis> Statt es laut zu sagen, wandte sie lediglich den Blick ab.</p><p>Der Waggon schwankte, der Wind heulte, der Regen peitschte durch die zerbrochenen Scheiben. Miss Kisco schaute �ngstlich zur Decke hoch.</p><p>�Dieser Donner ist wahnsinnig laut.�</p><p>�Das sind die Kanonen von Spotsylvania�, sagte Virgilia.</p><p>Der Sturm hielt an, lie� die Leinwand der Zelte des Nothospitals flattern. Virgilia und Miss Kisco wurden einem Pavillon zugeteilt, in den M�nner kamen, die zwar schwer verwundet waren, aber nicht sofort operiert werden mu�ten. Das Schneiden und S�gen fand im n�chsten Pavillon statt, wo Mrs. Neal das Kommando �bernommen hatte. St�ndlich kam sie zur Inspektion bei Virgilia vorbei.</p><p>�Und jetzt hier her�ber, Miss Hazard�, sagte der Chefarzt des Pavillons, ein dicklicher Mann mit schnaufender Stimme. Er ri� sie fast mit zu einem Feldbett, auf das die Sanit�ter einen schlanken Lieutenant mit seidig braunem Haar gelegt hatten. Der junge Mann war bewu�tlos. Obwohl das Feldbett in der dunkelsten Ecke stand, erkannte Virgilia sofort die Farbe der Uniform.</p><p>�Dieser Mann ist ein Rebell.�</p><p>�Das hab� ich mir beim Anblick des grauen Rocks auch gedacht�, sagte der Arzt gereizt. �Zuf�llig ist er auch noch verwundet.� Er deutete auf den rechten Oberschenkel. �Entfernen Sie bitte diesen Verband.�</p><p>Der Arzt ri� einen gro�en Papierfetzen los, der an die Decke geheftet war. �Kugel nahe der Oberschenkelarterie. Gef�� zerrissen, aber nicht verklammert. Er ist ein Mississippi-Junge. Brigade von General Nat Harris. Seinen Namen kann ich nicht entziffern � �</p><p>Er hielt das Papier unter die n�chste Laterne. Inzwischen zwang sich Virgilia, den Verband zu entfernen. Ein Junge in der n�chsten Reihe w�rgte und weinte. Aus dem Operationszelt h�rte sie das Raspeln von S�gen, die sich durch Knochen fra�en. So viel Leiden � und hier pflegte sie einen von denen, die f�r all dies Leiden verantwortlich waren. Ihre Wut flammte auf wie Feuer in trockenem Unterholz.</p><p>Die Wunde des Rebellen war von den Ambulanz-Sanit�tern ordentlich versorgt worden. Die blasse Haut des Beines f�hlte sich k�hl an. Das erkl�rte die fehlende Blutung; es hatte aufgeh�rt zu bluten, als die Temperatur sank.</p><p>�O�Grady.�</p><p>Virgilias Kopf ruckte hoch. �Wie bitte?�</p><p>�Ich sagte�, knurrte der Doktor, �sein Name scheint O�Grady zu sein. Thomas Aloysius O�Grady. Ich wu�te gar nicht, da� es irische Kartoffelfresser am Mississippi gibt. Lassen Sie mich mal sehen.�</p><p>O�Grady. Ihr Ha� auf den Jungen mit den seidigen Haaren verdoppelte sich, weil er diesen Namen trug. Sie krallte sich an ihrer Sch�rze fest, begann zu drehen, sanft zuerst, dann mit zunehmender Heftigkeit.</p><p>�Miss Hazard, sind Sie krank?�</p><p>Seine schnaufende Frage ri� sie aus ihrer privaten H�lle. �Tut mir leid. Doktor � was sagten Sie?�</p><p>�Ich wei� nicht, wo Sie mit Ihren Gedanken sind, aber richten Sie bitte freundlicherweise Ihre Aufmerksamkeit auf diesen Patienten. Wir m�ssen diese Arterie abklemmen und versuchen, die � �</p><p>�Doktor�, rief Miss Kisco von der anderen Seite des Pavillons. �Bitte, schnell ein Notfall.�</p><p>Im Weglaufen sagte der Arzt: �Ich k�mmere mich um ihn, sobald ich kann. Legen Sie einen neuen Verband an, und behalten Sie ihn im Auge.�</p><p>Virgilia holte Gaze und kehrte ans Feldbett von Leutnant O�Grady zur�ck. Wieviele Unionssoldaten mochte der Mississippi-Junge get�tet haben, fragte sie sich. Sie wu�te nur eines: Er w�rde niemanden mehr t�ten. Wie passend, da� er fast den gleichen Namen trug wie ihr toter Geliebter.</p><p>Sie bemerkte Mrs. Neal, die sich am Zelteingang mit einem anderen Arzt unterhielt. Auch die Oberschwester beobachtete Virgilia f�r einige Momente. Sie versuchte sie st�ndig bei einem Fehler zu ertappen, aber es gelang ihr nie. Als Mrs. Neal ihre Aufmerksamkeit wieder dem Doktor zuwandte, machte sich Virgilia daran, den verwundeten Oberschenkel sorgf�ltig neu zu verbinden.</p><p>Nichts in ihrem Gesichtsausdruck deutete auf ihre Erregung hin, als sie die Wolldecke �ber den jungen Lieutenant zog. Als sie noch eine zweite Decke dar�berlegte, konnte sie ein kleines L�cheln nicht unterdr�cken. Zart strich sie dem Jungen �ber die k�hle Stirn und glitt davon.</p><p>W�hrend der n�chsten zwanzig Minuten hatte der Chefarzt keine Zeit, sich um Lieutenant O�Grady zu k�mmern. Aber Virgilia fand die Zeit, ging zu dem Feldbett, frische Gaze �ber dem Arm.</p><p>Vorsichtig hob sie die Decken an. Helles, arterielles Blut hatte den Verband ger�tet. Der Soldat atmete jetzt laut und m�hsam � wie erwartet. Sie tastete nach seinem Puls; er war schneller � ebenfalls wie erwartet. Die Decken hatten seine Temperatur nach oben getrieben, und eine zweite Blutung hatte eingesetzt. Auch wie erwartet.</p><p>Sie zog die Decken herunter und legte zwei neue Verb�nde �ber den ersten. Es w�rde einige Zeit dauern, bis das pumpende Blut durch diese Lagen gedrungen war. Sollte jemand die Decken aufheben, dann w�rde ihm wahrscheinlich gar nichts auffallen. Erneut zog Virgilia die Decken hoch und steckte sie ordentlich unter dem Kinn des Jungen fest. Sie sp�rte keinen Hauch von Gewissensbissen. Dies war der Feind. Sie war ein Soldat. Grady wartete schon lange darauf, ger�cht zu werden.</p><p><emphasis>�Miss Hazard!�</emphasis></p><p>Der Ruf des Chefarztes lie� sie in die Zeltmitte laufen. Ein Captain mit einer schlimmen Brustwunde wurde auf einer Tragbahre hereingebracht. Das einzig freie Feldbett war das neben O�Grady.</p><p>Mit klopfendem Herzen schob sie sich vor O�Gradys Bett, um dem Arzt zumindest teilweise das Blickfeld zu verstellen. Der Arzt, mit lauter dringenden F�llen besch�ftigt, nickte lediglich zu O�Grady und fragte: �Wie geht�s dem?�</p><p>�Zufriedenstellend, als ich das letztemal nach ihm sah, Sir.�</p><p>�Scheint schwer zu atmen. Sehen Sie nach ihm.�</p><p>�Jawohl, Sir.� Voller Panik wollte sie sich umwenden.</p><p>�Ich meine, nachdem Sie mir hier geholfen haben.�</p><p>Virgilias Anspannung schwand dahin. Sechs Minuten lang besch�ftigten sie sich mit dem Captain, dann taumelte der ersch�pfte Arzt weiter zu Miss Kisco, die am Eingang gerade eine neue Ambulanzladung Verwundeter in Empfang nahm. Virgilia holte neue Gaze aus der Vorratskiste und eilte zur�ck zu O�Grady. Sie hob die Decken und sah die kleinen, leuchtend roten Sterne in dem wei�en Feld. Sie l�chelte, ein fast sinnliches L�cheln.</p><p>Sie legte einen weiteren Verband dar�ber und zog wieder die Decken hoch. Er verblutete unbemerkt. In einer halben Stunde w�rde es soweit sein, sch�tzte sie. Mit einem gl�cklichen, warmen Gef�hl widmete sie sich ihren anderen Arbeiten.</p><p>Nach einer dreiviertel Stunde entfernte sie die durchweichten Verb�nde und ersetzte sie durch einen neuen, letzten Verband. Sie legte die Decken �ber den K�rper. Trotz des L�rms und der schlechten Luft schwebte sie w�hrend der n�chsten zwanzig Minuten fast euphorisch durch den Pavillon. Dann wurde sie aufgeschreckt.</p><p>Von Virgilia unbemerkt, war Mrs. Neal zur�ckgekehrt, um nach verschiedenen Patienten zu sehen. Ihr scharfer Aufschrei ri� Virgilia herum. In der dunklen Ecke entdeckte sie die Oberschwester, ihr kompakter K�rper als Silhouette gegen die vom Licht des neuen Tages erhellte Leinwand. Mit der rechten Hand hielt Mrs. Neal die Decken hoch, die Lieutenant O�Gradys K�rper bedeckt hatten.</p><p>�Doktor � <emphasis>Doktor!</emphasis> Der Junge hier ist tot. Wer sollte sich um ihn k�mmern?�</p><p><strong>105</strong></p><p>�Name und Rang des Gefangenen?�</p><p>�Soldat Stephen McNaughton.�</p><p>�Wo gefangen?�</p><p>�Ungef�hr drei Meilen n�rdlich von hier, Sir.� Der Sergeant hatte eine Froschstimme.</p><p>Der Schein der Laterne spiegelte sich in den Augen des Regimentsadjutanten wieder; ein Major, halb so alt wie der Gefangene. �Vortreten�, befahl er mit leicht rollendem R. Salem Jones, die Kappe in der Hand, machte zwei Schritte auf den Schreibtisch zu.</p><p>�Stra�engesindel � was anderes kriegen wir nicht mehr. So ein heruntergekommenes, �bles Gesindel hat noch keine Armee der Welt ertragen m�ssen.�</p><p>Trotz seiner Besorgnis war Jones im Grunde der gleichen Meinung wie der Major. Als er sich bei seinem letzten Regiment verpflichtet hatte, einer Pennsylvania-Reserveeinheit, hatte man ihn dreieinhalb Tage lang in einem Pferch gehalten, st�ndig von bewaffneten Wachen beobachtet. Die anderen Rekruten entsetzten ihn: Kriminelle, die ihn abgestochen oder erw�rgt und seine Taschen gepl�ndert h�tten, wenn er seine Freiwilligenpr�mie nicht bereits in einem Pokerspiel verloren gehabt h�tte.</p><p>�Was war dein urspr�nglicher Beruf, Soldat McNaughton? Kartenhai? Dieb? M�rder?� Die n�chsten Worte des Majors klangen wie Pistolensch�sse. �Egal, ich kenne die wirklichen Antworten. Opportunist. Feigling. Du bist eine Schande f�r dieses Regiment, f�r die Armee der Vereinigten Staaten, den Staat New York, Amerika und das Land deiner Vorfahren.�</p><p>Heuchlerischer kleiner Sack, dachte Jones, und malte sich verschiedene schmerzvolle M�glichkeiten aus, wie er den Major ermorden w�rde. Ah, aber er durfte keine Zeit auf Phantasien verschwenden, sondern mu�te sich auf seine Rettung konzentrieren. Er hatte das Pech gehabt, sich einen falschen schottischen Namen auszusuchen, und der Adjutant war ein Schotte. Jones hatte das Gef�hl, bei diesem Offizier w�rde er nicht so leicht davonkommen wie bei anderen zuvor.</p><p>Der Major schien nicht in der Lage zu sein, sein Temperament zu z�geln � verst�ndlich bei der gewaltigen Anzahl von Galgenv�geln, die zusammengeschaufelt wurde, um Grants Kriegsmaschinerie zu sch�ren. Der Offizier kam um seinen Schreibtisch herum und pflanzte sich unmittelbar vor Jones auf.</p><p>�Wie oft hast du schon die Freiwilligenpr�mie eingesteckt und bist dann abgehauen? Mehrmals, m�chte ich wetten. Nun, McNaughton, in Zukunft wird das nicht mehr so einfach sein.�</p><p>Salem Jones bekam weiche Knie. Sein Magen begann zu zucken, als der Major zu dem Sergeant sagte: �Holen Sie den Barbier und lassen Sie ihn das Eisen ansetzen. Und schaffen Sie mir dieses St�ck Dreck aus den Augen.�</p><p>Zuerst kam die Schere, dann das Rasiermesser. Jones sa� auf einem Hocker, w�hrend der Unteroffizier, der als Barbier fungierte, ihm die letzten Haare vom fast schon kahlen Sch�del kratzte. Ungef�hr drei�ig Soldaten sahen der Bestrafung zu. Die grinsenden Gesichter versetzten ihn in Wut. Sie geh�rten M�nnern, die sich genau wie er unter falschem Namen gemeldet hatten, um die Pr�mie einzustreichen und dann sofort zu desertieren. Jones war viermal desertiert, aber er kannte M�nner, die es sieben oder acht Mal gemacht hatten und nie erwischt worden waren. Dieses Gl�ck hatte er nicht gehabt, so wie ihm sein ganzes Leben lang das Gl�ck ausgewichen war.</p><p>Die Mainacht war warm. Vom gro�en Feuer aus rief der Sergeant: �Fertig.�</p><p>Der Ring der Zuschauer �ffnete sich. Jones wurde zu dem Feuer gesto�en, aus dem der Sergeant, dessen rechte Hand durch einen dicken Stulpenhandschuh gesch�tzt war, ein Brandeisen zog. Das Ende war wei�gl�hend.</p><p>Sie hielten ihn fest: der schwitzende Sergeant hob das Eisen. <emphasis>Bastarde!,</emphasis> schrie Jones lautlos. <emphasis>Ich bring euch um.</emphasis></p><p>Das wei�gl�hende Eisen n�herte sich seinen Augen, wurde gr��er und gr��er. Jones kr�mmte sich, begann zu betteln. �Nein � nein, <emphasis>nicht!�</emphasis> Auf einer Seite des grellen Lichtes tauchte ein bekanntes Gesicht auf. Der Major war herausgekommen, um zuzusehen.</p><p>�Ich sagte, haltet ihn fest�, schnarrte der Sergeant. H�nde umklammerten Salem Jones� Kopf. Er begann zu kreischen, einige Sekunden, bevor der Sergeant das Eisen gegen sein Gesicht stie�.</p><p>Er schleuderte das brennende Holzscheit gegen das Zelt und rannte los.</p><p>Einen grasbewachsenen Damm hinunter, dr�ben wieder hoch, in einen Garten mit Apfelb�umen hinein. Dort wirbelte er schlie�lich herum, beobachtete, wie die Flammen am Zelt hochz�ngelten. Rufe, Fl�che schallten von drinnen heraus. Er hoffte nicht wirklich, der Major w�rde in den Flammen umkommen, aber zumindest konnte er ihm einen Schrecken einjagen. Er wandte sich ab und rannte weiter.</p><p>Drei Tage nach seiner Strafe war Jones wieder zum Dienst eingeteilt worden, weil die Armee sich zum Aufbruch vorbereitete (Nachtmarsch, was mittlerweile die Regel zu sein schien) und weil die Narren glaubten, der rasierte Kopf und das Brandzeichen h�tten ihn zerbrochen. Au�erdem brauchten sie Leiber, mit denen sie die Kriegsmaschine f�ttern konnten.</p><p>Er hatte sich auf seine letzte Fahnenflucht vorbereitet. Selbst wenn er sich noch mal um einer Pr�mie willen verpflichten k�nnte, w�rde er es nicht mehr tun. Der Krieg war zu grausam geworden. Lee hatte Metzger Grant in den W�ldern standgehalten und ihm bei Spotsylvania einen hohen Blutzoll abverlangt. Aber Grant w�rde nicht aufgeben. Seine Maxime, in allen Zeitungen des Nordens abgedruckt, lautete: <emphasis>�Ich habe vor, hier an dieser Front auszuk�mpfen, und wenn es den ganzen Sommer dauert.�</emphasis></p><p>Nun, jedenfalls w�rde er das ohne Salem Jones tun. Er w�rde sich nach S�den absetzen, so schnell und so weit es ging. Vielleicht sollte er nach South Carolina. Er w�rde gern dort sein, wenn die Konf�deration fiel, was sicherlich bald der Fall sein mu�te. Genu�voll gab sich Jones der Vorstellung hin, was er Mont Royal und den Leuten antun konnte, die ihn hinausgeworfen hatten, wenn Carolina zu einer besetzten Provinz werden w�rde�</p><p>Jetzt aber mu�te er sich erst mal darum k�mmern, da� er gut durch die Linien der Union und weiter s�dlich dann durch die Linien der Konf�derierten kam. Beim Biwak des anschlie�enden Regiments huschte er durch eine L�cke in der Postenkette. Wenige Augenblicke sp�ter tauchte der Mond hinter einer Wolke auf und �bersch�ttete ihn mit Licht. Ganz deutlich war das gro�e, schwarze D unter seinem rechten Auge zu erkennen.</p><p>Innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach Ankunft der Krankenschwestern besserten sich die Zust�nde im Feldhospital. Inmitten all der Aktivit�t und gelegentlichen Verwirrung bereitete sich Virgilia auf die unvermeidliche Auseinandersetzung mit Mrs. Neal vor. Sie vermutete, die Oberschwester w�rde sich zuerst an sie pers�nlich wenden, anstatt zu dem leitenden Arzt zu gehen; auf diese Befriedigung w�rde sie nicht verzichten.</p><p>Gegen Ende von Virgilias erstem vollem Arbeitstag wurde es ruhiger. Sie trank einen Schluck Kaffee, schlenderte dann in die Abendd�mmerung hinaus, vorbei an der Ecke ihres Pavillons. Als sie das Rascheln von R�cken hinter sich h�rte, setzte sie sich, ohne sich umzudrehen, angespannt auf einen Baumstumpf.</p><p>�Miss Hazard?�</p><p>Mit ausdruckslosem Gesicht nahm Virgilia die Gegenwart der �lteren Frau zur Kenntnis.</p><p>�Ich habe mit Ihnen eine ungemein ernste Angelegenheit zu besprechen. Ich f�rchte, wir wissen beide, worum es sich dabei handelt.�</p><p>Die Oberschwester ging zu einem anderen Baumstumpf, ihre Untergebene wie ein Vorsitzender Richter musternd.</p><p>�Sie haben es zugelassen, da� dieser junge S�dstaatler verblutet ist, nicht wahr? Mit anderen Worten, Sie haben ihn umgebracht.�</p><p>�Von allen l�cherlichen, beleidigenden � �</p><p>�Es wird Ihnen nichts n�tzen, mit Aufgebrause und Protesten zum Angriff �berzugehen�, unterbrach Mrs. Neal. �Sie haben mir im Zug erkl�rt, sehr deutlich und vor Zeugen, da� Sie keinen verwundeten Feind pflegen w�rden. Ihr extremer Ha� auf den S�den ist allgemein bekannt. Sie bedeckten diesen jungen Mann mit Decken, obwohl Ihnen vollkommen klar war, da� erh�hte Temperatur zu einer erneuten Blutung f�hren w�rde.�</p><p>�Ja, ich habe ihn zugedeckt. Diesen Fehler geb� ich zu. In der Verwirrung � so viele brauchten Hilfe � die �rzte schrien durcheinander � �</p><p>�Unsinn. Sie sind eine der besten Schwestern, die ich je getroffen habe. Ich habe Sie noch nie leiden k�nnen, aber ich spreche Ihnen Ihre F�higkeiten nicht ab. Sie w�rden niemals so einen Fehler machen, h�chstens mit Absicht.�</p><p>Ohne ihre Vorgesetzte anzublicken, bluffte Virgilia: �Wenn ich den Irrtum eingestehe, wird es Ihnen schwerfallen, das Gegenteil zu beweisen.�</p><p>�Ich kann�s versuchen. Ich werde melden, da� Sie den Patienten im vollen Bewu�tsein der Konsequenzen mit Decken zugedeckt und dann die Blutung durch neue Verb�nde verborgen haben.�</p><p>�Ich gebe die Decke zu, sonst nichts.�</p><p>�Dann ist jede weitere Diskussion sinnlos. Aber ich wei�, was Sie getan haben, und ich werde Miss Dix die Beweise vorf�hren. Ich werde daf�r sorgen, da� Sie bestraft werden.�</p><p>Und damit rauschte sie davon.</p><p>Die Dunkelheit senkte sich herab. Ersch�pft gab sich Virgilia wilden Phantasien hin. Eine vergitterte Zelle. Hoch �ber ihr ein Mann in Robe, der das Urteil verk�ndete.</p><p>�Oh Gott�, weinte sie leise auf.</p><p>Sie ri� sich zusammen, rieb sich die Angsttr�nen aus den Augen. <emphasis>Behalt die Nerven. Denke klar. Du hast kein Verbrechen begangen. Es war f�r Grady. Millionen w�rden es patriotisch nennen. Es war der Feind.</emphasis></p><p>Aber all diese Vernunftgr�nde �nderten nichts an der Tatsache, da� Mrs. Neal sie melden w�rde. Es w�rde eine Untersuchung geben. Es lag an ihr, das zu verhindern und den m�glichen Konsequenzen auszuweichen: Anklage, Gef�ngnis �</p><p>Aber wie? <emphasis>Wie!</emphasis></p><p>�Da bist du ja, Virgilia.�</p><p>Die Frauenstimme erschreckte sie. Sie sah Miss Kisco am Zelteingang. Jetzt erst fiel ihr auf, da� noch etwas in der Stimme der anderen Schwester mitschwang: Feindseligkeit.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Der Chefarzt m�chte dich sprechen.�</p><p>�Sag ihm, ich komme sofort. Ich bin noch etwas benommen von der Luft drinnen.�</p><p>�Gut.� Miss Kisco verschwand.</p><p>Virgilia drehte sich um und ging in entgegengesetzter Richtung in die Dunkelheit hinein.</p><p>Ihr Pa� war in Ordnung; sie hatte keine Schwierigkeiten, den ersten Zug zu nehmen, der Aquia Landing verlie�. Bei Sonnenaufgang dampfte sie auf einem Boot den Potomac hinauf.</p><p>Nie wieder w�rde sie zu diesem Feldhospital oder sonst einem Hospital zur�ckkehren. Aber sie w�rde sich auch nicht verstecken. Vor dem Pavillon war ihr der Einfall gekommen, da� sie einer Untersuchung nur durch Intervention einer einflu�reichen Person ausweichen konnte. Eine Person, m�chtig genug, um Mrs. Neal und selbst Miss Dix an die Wand zu dr�cken.</p><p>Sie bedauerte nichts, obwohl es ihr leid tat, da� sie nicht mehr als Krankenschwester arbeiten konnte. Aber wenigstens hatte sie ihre Karriere im Stile eines guten Soldaten beendet: Sie hatte einen Feind vernichtet.</p><p>In der K�hle des fr�hen Morgens ging sie am City-Pier an Land, entschlossen und ruhig. Sobald sie ein Zimmer gefunden und sich ges�ubert hatte, w�rde sie Kontakt mit dem Kongre�abgeordneten Sam Stout aufnehmen.</p><p><strong>106</strong></p><p>In seinem Bett im Harewood Convalescent Hospital schrieb Billy:</p><p><emphasis>Sonntag, 5. Juni. Wetter warm. Nachts m�ssen wir in Moskitonetze geh�llt werden, sonst werden wir aufgefressen. B�ume geben diesem Pavillon w�hrend der hei�esten Stunden Schatten, aber nichts kann den Leichengeruch vertreiben, der �ber der Stadt h�ngt, seit General G. in die Schlacht gezogen ist. �berall Tote; man kann sie nicht mehr z�hlen.</emphasis></p><p><emphasis>Erhalte keine verl��lichen Nachrichten, aber die Sanit�ter erz�hlten mir, da� eine weitere gro�e Schlacht vor Richmond geschlagen wird. Vielleicht f�hrt das zum Ende, und ich kann zu Dir heimkehren, meine geliebte Frau. Wenn nicht, dann werde ich in wenigen Tagen auf dem Weg zur�ck nach Virginia sein � die Kugel, die mich traf, hat den Unterschenkel glatt durchschlagen, ohne gro�en Schaden anzurichten.</emphasis></p><p><emphasis>Old Abe l��t sich n�chste Woche in Baltimore wieder als Kandidat der sogenannten Nationalen Unions-Partei aufstellen, die anscheinend pl�tzlich ins Leben gerufen wurde, um Einigkeit zwischen gem��igt radikalen Republikanern und Pro-Unions-Demokraten zu demonstrieren. Es ist keineswegs sicher, da� L. diesmal siegen wird. Viele sind gegen ihn, und es werden jeden Tag mehr. Ein Offizier meinte gestern hier zu diesem Thema, da� der Nation besser gedient w�re, wenn jemand den Pr�sidenten ermorden w�rde. Wie tief m�ssen wir noch im Wahnsinn versinken, bis all das ein Ende findet?</emphasis></p><p>An dem Tag, an dem Lincoln erneut als Kandidat aufgestellt wurde, mit Gouverneur Johnson von Tennessee, einem Demokraten, als Vize, packte Isabel die Zwillinge und verlie� das Haus f�r einen langen Urlaub in Newport. Washington war unertr�glich geworden. Stanley erhob keine Einw�nde gegen die Abreise seiner Frau, denn sie erm�glichte ihm, eine junge Dame h�ufiger zu besuchen, deren Bekanntschaft er in einer Aprilnacht gemacht hatte, als er und einige republikanische Kumpels stockbetrunken das gro�e Theater in der Ninth Street besucht hatten.</p><p>Das Publikum f�r die Show bestand fast ausschlie�lich aus M�nnern. Vor den Variet�-K�nstlern trat eine sp�rlich bekleidete Tanztruppe auf. Eine der T�nzerinnen, ein vollbusiges M�dchen von ungef�hr zwanzig Jahren, war so h�bsch, da� Stanley genau wie die schwitzenden Soldaten um ihn herum auf die Bank sprang und br�llte.</p><p>Stanley lie� kein Auge von dieser T�nzerin und verwickelte sie anschlie�end hinter der B�hne in ein Gespr�ch � was nicht schwierig war, nachdem die junge Dame seine teure Kleidung bemerkt und vernommen hatte, da� er unter anderem ein Vertrauter von Minister Stanton, Senator Wade und dem Kongre�abgeordneten Davis war.</p><p>Miss Jeannie Canary � den Nachnamen hatte sie als Ersatz f�r den unaussprechlichen Namen ihres levantinischen Vaters angenommen � war von Stanleys Freunden fast genauso beeindruckt wie von seinem unersch�pflichen Geldvorrat. In der Nacht nach der erneuten Nominierung lagen sie in Miss Canarys billiger Wohnung auf der Insel � er hatte versprochen, ihr bald eine neue Wohnung zu besorgen � nackt im Bett.</p><p>Vom Bourbon angenehm benebelt, lag Stanley auf seinem stattlichen Bauch und spielte mit den Fingerspitzen an Miss Canarys dunklen Brustwarzen herum. F�r gew�hnlich l�chelte sie st�ndig. Nicht so heute abend.</p><p>�Liebling, ich will das Feuerwerk sehen. Ich m�chte die Marinekapelle <emphasis>Tramp! Tramp! Tramp!</emphasis> spielen h�ren.�</p><p>�Jeannie�, er sprach mit ihr wie mit einem zur�ckgebliebenen Kind, �diese Feierlichkeiten bedeuten f�r meine engsten Freunde einen Schlag ins Gesicht. Wie k�nnte ich daran teilnehmen?�</p><p>�Oh, das ist nicht der Grund, weshalb du nein sagst�, erwiderte sie, warf sich herum und zeigte ihm ihr rundliches Hinterteil. �Du willst nur nicht mit mir zusammen gesehen werden.�</p><p>�Das darf dich doch nicht kr�nken. Man kennt mich in dieser Stadt. Au�erdem bin ich ein verheirateter Mann.�</p><p>�Dann hast du hier bei mir auch nichts verloren, oder? Wenn du mich nicht ausf�hrst, brauchst du auch keine neue Wohnung f�r mich zu mieten. Oder hinter die B�hne zu kommen � niemals mehr.�</p><p>Ihren dunklen Augen und ihrem Schmollen war er nicht gewachsen. Er schob seinen farblosen K�rper aus dem Bett, suchte die Flasche und trank den letzten Schluck. �Also gut. Ich denke, f�r eine Stunde k�nnten wir gehen. Hoffentlich ist dir klar, was f�r ein Risiko ich f�r dich auf mich nehme.� Er griff nach seinen �bergro�en Unterhosen.</p><p>�Oh, Liebling, das tue ich, das tue ich�, quietschte sie, schlang duftende Arme um seinen Nacken und pre�te ihre Br�ste gegen sein schwabbeliges Fleisch. Das waren die Momente, in denen er sich wieder wie ein junger Mann f�hlte.</p><p>Sie nahmen eine Kutsche, und er versuchte ihr unterwegs zu erkl�ren, weshalb er und seine Freunde Lincoln verachteten.</p><p>�Der Pr�sident hat auf Grant gesetzt, aber Grants Kampagne ist praktisch zum Stehen gekommen. Cold Harbor war eine Katastrophe, deren Ausma�e uns erst jetzt langsam klar wird. Der General hat ungef�hr f�nfzigtausend Mann verloren � fast die H�lfte der urspr�nglichen Streitmacht, mit der er den Rapidan �berquerte, fast genausoviel wie Lees gesamte Armee. Die Nation wird eine derart hohe Metzgersrechnung nicht hinnehmen � vor allem jetzt, wo Richmond immer noch nicht erobert ist.�</p><p>�Ich bin mir nicht ganz sicher, wo Richmond liegt, Lieber. Irgendwo da unten in North Carolina?�</p><p>Seufzend t�tschelte er ihre Hand und gab auf. Jeannie Canary war s�� und niedlich, doch ihre k�stlichen Talente waren begrenzt. Von einer Schauspielerin sollte man vermutlich nicht mehr erwarten, dachte er.</p><p>�Ich will aussteigen�, beharrte sie, als die Kutsche Ecke Seventh und F von der Menschenmenge aufgehalten wurde. Er versuchte sie zu �berreden, in der Kutsche zu bleiben, aber sie �ffnete trotzdem die T�r. Mit einem �ngstlichen Schauder folgte er ihr.</p><p>Feuerwerksk�rper explodierten krachend �ber ihren K�pfen. Die Menge bejubelte die roten, wei�en und blauen Sterne. Miss Canary quietschte und klammerte sich an seinen Arm; er bemerkte, da� Fremde sie anschauten. Eine G�nsehaut jagte ihm �ber den R�cken. Die Gefahr war bis zu einem gewissen Grad pikant, so wie die Erregung, die seiner Meinung nach ein Soldat empfinden mu�te.</p><p>�Guten Abend, Stanley.�</p><p>Erbleichend drehte er sich schnell um und sah den Kongre�abgeordneten Henry Davis aus Maryland, der an seinen Hut tippte, Miss Canary mit einem schiefen Blick streifte und weiterging.</p><p>Oh Gott, oh mein Gott, das war alles, was Stanley in den n�chsten paar Augenblicken denken konnte. Was f�r ein Narr er doch war, was f�r ein absolutes Arschloch. Die Gefahr hier war nicht pikant; sie war t�dlich.</p><p>Und er z�hlte nun zu den Opfern.</p><p>Charles versuchte um Beauty Stuart zu trauern, aber die Tr�nen wollten nicht kommen. Als dienst�ltestem Brigadier h�tte nun Hampton das Kommando �ber die Kavallerie zufallen m�ssen. Er erhielt sofort einen Gro�teil der Verantwortung, aber nicht die Bef�rderung. Charles und Jim Pickles und jeder andere Veteran kannten den Grund. Lee hielt Hampton f�r zu alt. War er fit genug, um die Belastungen des Kommandos ertragen zu k�nnen?</p><p>Charles hielt das f�r l�cherlich. Hampton hatte schon seit langem bewiesen, da� er alles ertragen konnte, schlechte Witterung, lange Ritte und Feldz�ge, die manchen um Jahre j�ngeren Mann aus dem Sattel geworfen h�tten. Charles hatte dabei das unangenehme Gef�hl, da� die Verz�gerung etwas damit zu tun hatte, da� Fitz Lee die Bef�rderung f�r sich selbst beanspruchen wollte.</p><p>Nach seiner R�ckkehr von Richmond hatte Charles keine Chance mehr gehabt, Gus zu besuchen, obwohl er oft an sie dachte. Er hatte beschlossen, da� ihre Liebesaff�re zwar nicht vollkommen beendet, aber abgek�hlt werden mu�te. Der Krieg half dabei.</p><p>Als jedoch die heftigen K�mpfe in den W�ldern begannen, sorgte er sich, da� ihr etwas passieren k�nnte. Er wu�te, da� die Bundestruppen Fredericksburg erneut �berrannt hatten und viele der Einwohner geflohen waren. Eine Nachricht von Orry auf seine Anfrage hin besagte, da� sich Gus und ihre freigelassenen Neger nicht in Richmond befanden; zumindest hatten sie nicht bei Orry und Madeline Unterschlupf gesucht. Aus diesem Grund nahm Charles an, da� sie sich noch auf der Farm befand. Er wollte feststellen, ob mit ihr alles in Ordnung war, konnte es aber nicht.</p><p>Was war besser, zu wissen oder nichts zu wissen? Jim Pickles erhielt Briefe von Zuhause, und jeder deprimierte ihn mehr. Seine Mutter war krank. Ein Arzt vermutete Krebs und gab ihr kein Jahr mehr.</p><p>�Ich mu� nach Hause�, verk�ndete Jim eines Tages.</p><p>�Das kannst du nicht�, sagte Charles sehr bestimmt.</p><p>Jim dachte eine Weile nach. �Sch�tze, du hast recht.� Aber wirklich �berzeugt klang er nicht.</p><p>Die Bundestruppen standen im Begriff, sich mit Wagen, Ambulanzen und ungef�hr achthundert Pferden davonzumachen. Calbraith Butlers Brigade k�mpfte anderswo, also schickte Hampton Texas Tom Rosser los. Charles ritt mit Rossers M�nnern; dabei ersp�hte er den jugendlichen General, den er zuerst an seinem scharlachroten Halstuch erkannte. Charles feuerte einen Schu� ab, verfehlte ihn. Custer scho� zur�ck und ritt davon. Es war zweifelhaft, ob er Charles erkannt hatte, der mittlerweile eher einem b�rtigen Banditen als einem Soldaten �hnelte.</p><p>Am n�chsten Nachmittag k�mpfte Charles zu Fu� hinter eilig errichteten Verschanzungen auf einer Seite der Virginia-Central-Schienen. Er und Jim waren wieder bei Butlers Kavalleristen. Jenseits der Eisenbahnschienen formte sich Sheridans Kavallerie, r�ckte zu Fu� vor, w�hrend Blechinstrumente dr�hnend <emphasis>Garryowen</emphasis> spielten.</p><p>�Hast du je so �nen Krach geh�rt?� br�llte Jim und duckte sich, als eine Kugel knapp �ber ihm pfiff. Seine Bemerkung bezog sich nicht auf das Gewehrfeuer.</p><p>�Little Phil l��t immer m�chtig aufspielen�, erwiderte Charles, leerte seinen Revolver und duckte sich dann, um nachzuladen. �Es hei�t, er will damit die Rebellenschreie �bert�nen.�</p><p>�Das hier ist bestimmt der musikalischste Krieg, der je gef�hrt wurde�, bemerkte Jim. �Eins ist sicher � es ist nicht die Art von Krieg, mit der ich gerechnet habe.�</p><p>�Niemand hat damit gerechnet�, sagte Charles und scho� einem Jungen ein Loch ins Bein.</p><p>Und weiter st�rmten sie vor, mit ihren Gewehren aus der H�fte schie�end. Kurz vor Sonnenuntergang fand der letzte Angriff statt. Als er verebbt war, zog Sheridan seine M�nner aus der Schlacht zur�ck. W�hrend der Nacht zogen sie sich Richtung North Anna zur�ck. Charles und die anderen Scouts befanden sich an der Spitze der Verfolger. Deshalb entdeckten auch sie die Horrorszene.</p><p>Jim stie� zuerst darauf, in der N�he eines verlassenen Bundescamps. Er galoppierte zu Charles und meldete, was er gefunden hatte. Dann kotzte er, bevor er sich weit genug zur Seite beugen konnte, �ber eine Schrotflinte, seinen Sattel und sein �berraschtes Pferd.</p><p>Charles ritt zu der sonnigen Weide. Er roch das Gemetzel, bevor er es sah. Er h�rte es auch � Aasfresser und Millionen von Fliegen. Mit zusammengepre�ten Lippen ritt er Augenblicke sp�ter zum vor�bergehenden Hauptquartier des Generals.</p><p>Hampton verlor seine charakteristische Gentleman-Haltung, als er zu der Stelle ritt. Eine Brise wehte durch seinen wei�en Bart, w�hrend er die phantastischen Skulpturen der aufeinandergeh�uften, fliegenbedeckten Pferde anstarrte. �Haben Sie gez�hlt?� fl�sterte er.</p><p>�Es sind so viele, so dicht zusammen, es l��t sich kaum feststellen, General. Ich sch�tze, mindestens achtzig oder neunzig. Jim hat dort dr�ben bei den B�umen noch mal soviel oder mehr entdeckt. Ich habe nach Verletzungen gesucht � ich meine Verletzungen, die nicht von den Kugeln stammen, mit denen sie get�tet wurden. Ich hab keine gefunden. Die Yanks m�ssen zu dem Schlu� gekommen sein, da� eine Pferdeherde ihren R�ckzug verlangsamt.�</p><p>�Ich habe verletzte Pferde erschossen, aber noch niemals lahmende. Gesunde Tiere zu t�ten, mit voller Absicht, das ist noch viel schlimmer. Das ist eine S�nde.�</p><p><emphasis>Und einen Nigger in Ketten zu legen ist keine S�nde?</emphasis> Laut erwiderte er: �Jawohl, Sir.�</p><p>�Gott verdamme sie�, sagte Hampton.</p><p>Angesichts dessen, was sich die Menschen bereits angetan hatten und was aus ihm selbst geworden war, hatte Charles das Gef�hl, der General sei ein bi�chen sp�t dran mit seiner Forderung. Gott hatte bereits f�r den gr��ten Teil der Bev�lkerung ordentliche Arbeit geleistet.</p><p>Cold Harbor lie� die Fenster von Richmond erneut erzittern. Nachts hielten sich Orry und Madeline eng umschlungen, unf�hig, in diesem Kanonendonner Schlaf zu finden.</p><p>Jetzt tobten die K�mpfe um Petersburg. Nach viert�gigen fruchtlosen Versuchen, die Befestigungen der alten Dimmock-Linie zu �berrennen, hatte die Potomac-Armee ihre Attacke beendet und begonnen, Petersburg zu belagern.</p><p>�Lee sagte stets, da� wir erledigt sind, wenn die Belagerung beginnt�, erkl�rte Orry Madeline. �Wenn sie wollen, dann k�nnen die Bundestruppen �ber die Flu�basis bei City Point M�nner und Nachschub bis zum Ende des Jahrhunderts heranbringen. Wir werden kapitulieren m�ssen.�</p><p>�Vor langer Zeit hat Cooper gesagt, das sei unvermeidlich, nicht wahr?�</p><p>�Cooper hatte recht�, murmelte er und k��te sie.</p><p>Nur noch wenige Blockadebrecher gelangten nach Wilmington. Der nationale Geldvorrat verwandelte sich immer schneller in wertloses Papier. Der Widerstand brach in sich zusammen. Die m�chtigen Gener�le waren gefallen: Orrys alter Klassenkamerad Old Jack; Stuart, der singende Kavalier. Und der Gr��te von allen, Bob Lee, konnte nicht siegen.</p><p>Eines Morgens nach Cold Harbor erschien Pickett im Kriegsministerium. Abgezehrt, mit stumpfen Augen, glich er einer wandelnden Leiche. Er trug sein parf�miertes Haar immer noch in schulterlangen Locken, aber �berall mischten sich wei�e L�ckchen darunter.</p><p>In der staubigen Hitze teilte Orry dem Freund seine pers�nliche Unzufriedenheit mit. Pickett entgegnete: �In meinem Divisionsstab wird es immer einen Platz f�r dich geben, wenn die Zeit kommt, wo du dir ein Feldkommando w�nschst.� Ein d�sterer Unterton deutete an, da� Orry sich eine solche Entscheidung zweimal �berlegen sollte. Dachte er an den fehlgeschlagenen Angriff bei Gettysburg, der ihn an einem einzigen Tag um Jahre hatte altern lassen?</p><p>�In letzter Zeit hab� ich mir tats�chlich sowas gew�nscht, George. Ich habe noch nicht mit Madeline dar�ber gesprochen, aber ich werde dein Angebot nicht vergessen. Ich wei� das wirklich zu sch�tzen.�</p><p>Pickett sagte nichts, sondern hob lediglich seine Hand und lie� sie wieder fallen. Durch die schr�gen Lichtbahnen der Sonne schlich er davon.</p><p>Mallory stattete einen Besuch ab, informierte ihn steif, da� Cooper aus dem Dienst geschieden war und erkl�rt hatte, er beabsichtige, Charleston zu verlassen und nach Mont Royal zur�ckzukehren.</p><p>�Er hat sich drastisch ver�ndert�, sagte Mallory. �Ein abrupter und meiner Meinung nach tadelnswerter Wandel zu einer Position Frieden-um-jeden-Preis.�</p><p>Gereizt entgegnete Orry: �Sein Wandel zum Bef�rworter des Krieges war drastisch und tadelnswert, Mr. Mallory. Vielleicht ist der Bruder, den ich einst kannte, wieder zum Vorschein gekommen.�</p><p>Das gefiel dem Minister gar nicht, und prompt ging er hinaus. Orry war froh, da� Cooper nach Hause zur�ckgekehrt war. Doch die m�gliche Bedeutung dieses Vorgehens beunruhigte ihn genauso wie ein Vorfall am n�chsten Morgen.</p><p>�Wer ist diese Frau, die einen Pa� beantragt hat?� fragte Orry einen Angestellten.</p><p>�Mrs. Manville. Kam �61 von Baltimore, um hier ein Freudenhaus zu er�ffnen. Jetzt hat sie zugemacht.�</p><p>�Sie geht zur�ck nach Maryland?�</p><p>�Ja, sie versucht es irgendwie. Sie ist fest entschlossen, und wir haben keinen Anla�, sie aufzuhalten.�</p><p>�Ist sie die erste Prostituierte, die einen Pa� will?�</p><p>�Oh nein, Colonel. Mindestens ein Dutzend seit Cold Harbor.�</p><p>In der Marshall Street sagte er an diesem Abend zu Madeline: �Die sogenannten leichten M�dchen verschwinden. Es gibt keinen Zweifel, der Vorhang f�llt.�</p><p>Ein pers�nliches Problem plagte Orry weiterhin: das Geheimnis der Verschw�rung, die sich anscheinend in Luft aufgel�st hatte. Wann immer er Madeline gegen�ber seine Frustration zum Ausdruck brachte, bes�nftigte sie ihn und bedr�ngte ihn, das Problem als unl�sbar beiseite zu schieben. Seine Antwort war immer die gleiche: �Unm�glich.�</p><p>Seine Gef�hle explodierten schlie�lich zu unerwarteter Zeit und an unerwartetem Ort: einem abendlichen Empfang im Finanzministerium zu Ehren von Minister Memminger, der nach Erledigung einiger wichtiger Aufgaben zur�ckzutreten gedachte. Im Juli sollte das der Fall sein.</p><p>Die G�steliste schlo� alle in Memmingers Ministerium Besch�ftigten und die Leute aus seinem Heimatstaat ein. Auf Huntoon traf beides zu. Er brachte Ashton zu dem Empfang mit.</p><p>Orry brachte Madeline mit.</p><p>Orry, an einem Sandwich w�rgend, lie� Madeline im Gespr�ch mit einigen Damen zur�ck und schlenderte zu seiner Schwester hin�ber. Nat�rlich war sie die einzige Frau in einer Gruppe von f�nf M�nnern, wozu auch Huntoon geh�rte, der mit dicken Kr�tenbacken der Erkl�rung eines �lteren Beamten lauschte: �Zum Teufel mit Gouverneur Brown und seiner Meinung. Ich behaupte nach wie vor, da� wir nur mit farbigen Truppen diesen Krieg weiterf�hren k�nnen.�</p><p>Huntoon ri� sich die Brille von der Nase, um seine eindeutige Haltung zu unterstreichen. �Dann ist es besser zu kapitulieren.�</p><p>�L�cherlich�, sagte ein anderer Mann. �Die Yankees sind nicht so pingelig. Bei Petersburg vagieren die Niggertruppen wie Fliegenschw�rme herum.�</p><p>Ashton, die recht verh�rmt aussah und sichtlich an Gewicht verloren hatte, entgegnete: �Was sonst k�nnte man von einer Bastard-Nation erwarten? Ich bin einer Meinung mit James. Besser alles verlieren als faule Kompromisse schlie�en.�</p><p>Wo stammte dieser Fanatismus her, fragte sich Orry. Von Huntoon? Nein, mit gr��erer Wahrscheinlichkeit von Powell.</p><p>Sie sah ihn und l�ste sich aus der Gruppe der Diskutierenden.</p><p>�Guten Abend, Orry. Ich sah dich und deine sch�ne Frau hereinkommen. Wie geht es euch?� Eine Routinefrage, weiter nichts.</p><p>�Den Umst�nden entsprechend gut. Und dir?�</p><p>�Oh, ich bin mit tausend Dingen besch�ftigt. Hast du geh�rt, da� Cooper aus dem Marineministerium ausgeschieden ist?� Er nickte. �Es hei�t, Minister Mallory sei emp�rt gewesen. Wirklich, Orry, wir k�nnten genausogut die Sphinx zum Bruder haben. Die w�rde ich noch eher verstehen als Cooper.�</p><p>�So schwer ist das gar nicht zu verstehen. Cooper ist stets ein Idealist gewesen, hochherzig und grunds�tzlich gegen jede Form von Demagogie. Und Betrug.�</p><p>Ashton war clever genug, um zu erkennen, da� hier ein Element ins Spiel kam, das mit dem bisherigen Gespr�ch nichts zu tun hatte.</p><p>�Soll das Wort Betrug eine Anspielung sein, die ich verstehen m��te?�</p><p>�M�glicherweise. Es k�nnte zum Beispiel auf deinen Gesch�ftspartner, Mr. Powell, passen.�</p><p>Sie hatte sich bei ihm untergehakt; jetzt lie� sie seinen Arm wie ein St�ck faules Fleisch fallen. �Cooper hat�s dir erz�hlt? Pa�t genau zu diesem Moralapostel.�</p><p>�Das hat mit Cooper gar nichts zu tun. Als ich Powell erw�hnte, spielte ich damit nicht auf dein kleines maritimes Unternehmen an, sondern auf die Gruppe, die sich fr�her auf der Farm unten am Flu� traf.�</p><p>Vor lauter �berraschung zeigte ihre Fassade Risse, die sie schnell zu maskieren suchte. Er prellte weiter vor. �Sicher kennst du den Ort, von dem ich spreche. Wilton�s Bluff - wo die Scharfsch�tzengewehre gelagert waren? Die .45 Kaliber-Whitworths?�</p><p>Ein verzweifeltes Lachen. �Wirklich, Orry, ich habe noch nie solch einen Unsinn geh�rt. Wovon um alles in der Welt sprichst du?�</p><p>�Es geht um diese Verschw�rerbande. Ich war auf der Farm. Ich sah James dort, und ich sah dich.�</p><p>�Quatsch�, schnarrte sie durch ihr L�cheln hindurch, machte einen schnellen Schritt an ihm vorbei. �Da kommt Mr. Benjamin.�</p><p>Orry wandte sich um. Der rundliche, verbindliche kleine Mann war bereits von Bewunderern umgeben. Er schien mehr daran interessiert, Madeline zu begr��en, und marschierte geradewegs auf sie zu.</p><p>Ashtons letzte Worte waren recht laut gewesen. Huntoon wurde aufmerksam, entschuldigte sich und n�herte sich Orry von links. Ashton wirbelte zu ihrem Bruder zur�ck, rief: �Was du da sagst, ist absurd. L�cherlich.�</p><p>�Nenn es, wie du willst�, sagte er schulterzuckend. �Ich habe genug gesehen und geh�rt, um das Ziel dieser Versammlungen mitzubekommen. Gott wei�, wie du in sowas verwickelt werden konntest�, Huntoon blieb neben ihm stehen; die Augen quollen ihm heraus, als ihm klar wurde, worum sich das Gespr�ch drehte, �und ich habe durchaus bemerkt, da� ihr die Spuren verwischt habt. Aber das ist nur vor�bergehend. Wir werden euch erwischen.�</p><p>Orry hatte seine Schwester untersch�tzt. Er h�tte niemals mit einem ernsthaften Gegenangriff gerechnet. Sie l�chelte charmant.</p><p>�Falls wir dich nicht vorher erwischen, mein Lieber. Ich habe ohnehin auf eine g�nstige Gelegenheit gewartet, um mit dir �ber die Niggerin in deinem Haus zu sprechen. Oder ist es dein Schlafzimmer?�</p><p>Orrys Gesicht wurde eisig. Er blickte sich unauff�llig um. Die Party wurde merklich leiser, als einige G�ste bemerkten, da� ein Streit im Gang war, obwohl au�er Huntoon niemand wirklich etwas verstehen konnte. Er sah aus, als w�rde er in den n�chsten paar Sekunden tot umfallen.</p><p>Ashton tippte mit ihrem F�cher gegen Orrys Handgelenk. �Machen wir ein Gesch�ft, lieber Bruder. Du bewahrst diskretes Schweigen, und ich ebenso.�</p><p>Eine Ader begann an Orrys Schl�fe zu pochen. �Droh mir nicht, Ashton. Ich will wissen, wo sich Powell aufh�lt.�</p><p>S��liches Gift: �Geh zum Teufel.�</p><p>Benjamin h�rte das ebenso wie Madeline. Sie warf ihrem Mann einen �berraschten, besorgten Blick zu. K�pfe drehten sich in jene Richtung.</p><p>�Ashton!� warnte Orry mit vor Zorn rauher Stimme. �Ich wollte dich fragen, Lieber�, tr�llerte sie, �wie du es geschafft hast, die ganze Zeit die Wahrheit so geschickt zu verbergen? Aber ein Captain Bellingham hat mir einen unwiderlegbaren Beweis gezeigt. Ein Portr�t, das anscheinend fr�her in New Orleans in einem � �</p><p>Bellingham? Portr�t? Der Name sagte ihm nichts, aber bei dem Portr�t blitzte eine pl�tzliche Erinnerung auf und traf ihn wie ein Schlag. Madelines Vater Fabray hatte ihr vor seinem Tod erz�hlt, da� ein Gem�lde ihrer Mutter existierte, auch wenn sie es selbst nie gesehen hatte.</p><p>Siegestrunken stellte sich Ashton auf Zehenspitzen, packte Orrys Unterarm und fl�sterte: �Du siehst, ich wei� alles �ber sie. Deine s��e Frau ist mehr als nur einmal kurz mit der Teerb�rste gestrichen worden. Du warst ein Narr, mich zu beschuldigen.� Sie grub ihre Fingern�gel in seinen grauen �rmel, lie� dann los.</p><p>Ihre R�cke hochraffend, rannte Ashton den Gang entlang auf Madeline, Benjamin und den Kreis der Frauen zu und plapperte fr�hlich drauflos: �Liebling, sag uns doch die Wahrheit. Als mein Bruder dich heiratete, wu�te er da, da� deine Mutter eine Terzeronin aus New Orleans war?� Benjamin, der Madelines Hand gehalten hatte, lie� sie los. �Besch�ftigt in einem Haus von schlechtem Ruf?�</p><p>Eine rechts neben Madeline stehende Frau trat stirnrunzelnd zur�ck. Madeline warf Orry einen weiteren Blick zu. Tr�nen schimmerten in ihren dunklen Augen. Nie hatte er sie so die Beherrschung verlieren sehen. Er hatte den Wunsch, an ihre Seite zu eilen und seine Schwester auf der Stelle umzubringen.</p><p>�Komm, Liebes�, beharrte Ashton. �Vertrau uns alles an. War deine Mutter nicht eine Niggerprostituierte?�</p><p>Orry packte Huntoon an der Schulter. �Bring sie hier raus, bevor ich sie verpr�gle.�</p><p>Mit seinem rechten Arm stie� er Huntoon den Gang hinunter. Huntoons Brille fiel zu Boden, beinahe w�re er darauf getreten. Ashton sch�umte vor Wut; bis jetzt hatte sie die B�hne ganz allein f�r sich gehabt.</p><p>Mit schiefer Brille schwankte Huntoon auf sie zu. �Wir gehen.�</p><p>�Nein. Ich bin noch nicht fertig.�</p><p>�Wir <emphasis>gehen.�</emphasis> Sein Schrei wirkte wie ein Schock auf all die anderen. Er stie� Ashton an. Sie merkte, da� Huntoon sich in einem gef�hrlichen Zustand der Hysterie befand. Sie schenkte Orry ein schnelles, kaltes L�cheln, sch�ttelte Huntoons Hand ab und ging hinaus.</p><p>In Petersburg begann die Artillerie zu feuern. Der Kronleuchter schwankte. Memminger beobachtete Orry mit ausdruckslosen, berechnenden Augen, w�hrend Benjamin, schon wieder verbindlich l�chelnd, Madeline tr�stete.</p><p>�Nie zuvor hab� ich ein derart sch�ndliches Benehmen erlebt. Sie besitzen mein volles Mitgef�hl. Ich setzte nat�rlich voraus, die Anschuldigung dieser flegelhaften jungen Frau entbehrte jeglicher Grundlage.�</p><p>Madeline zitterte. Orry eilte auf sie zu, angewidert von der Wandlung, die mit Benjamin vorging. Der Minister schl�pfte vollends aus seiner Freundesrolle in die eines Regierungsoffiziellen, indem er noch hinzuf�gte:</p><p>�Oder?�</p><p>Orry hatte seine Frau nie mehr geliebt oder bewundert als in dem Moment, wo sie sagte: �Herr Minister, erfordert das Gesetz, da� ich Ihre unh�fliche Frage beantworte?�</p><p>�Das Gesetz? Selbstverst�ndlich nicht.� Benjamins Augen glichen denen einer pirschenden Katze. �Und ganz sicher wollte ich nicht unh�flich erscheinen. Aber eine Weigerung k�nnte von einigen als Eingest�ndnis gewertet werden.�</p><p>Eine Frau mit Muttermal zischte: �Ich zum Beispiel w�rde gern eine Antwort h�ren. Es w�re eine Schande, wenn ein Angeh�riger unseres eigenen Kriegsministeriums mit einer Farbigen verheiratet w�re.�</p><p>�Schert euch doch mitsamt eurer verdammten Bigotterie zum Teufel�, rief Madeline. Die Frau fuhr zur�ck, als h�tte sie einen Schlag bekommen. Orry griff nach seiner Frau; irgendwie schaffte er es, all die chaotischen Emotionen der letzten Minuten � �berraschung, Besorgnis, Zorn, schlichte Verwirrung � in den Griff zu bekommen. Mit ruhiger, starker Hand ber�hrte er sie.</p><p>�Hier entlang, Liebling. Es ist an der Zeit, da� wir heimgehen.� Sanft legte er seinen Arm um sie. Er sp�rte, da� sie dicht vor dem Zusammenbruch stand.</p><p>Irgendwie kamen sie an den Frauen in ihren Abendkleidern vom letzten Jahr vorbei. Ein hei�er Wind wirbelte Papierfetzen und anderen Abfall �ber den Capitol Square.</p><p>�Wie hat sie es herausgefunden?�</p><p>�Das wei� Gott allein. Sie sagte etwas �ber einen Captain Bellingham. Noch nie von ihm geh�rt. Ich werde in den Akten nachsehen, obwohl die in einem derartigen Durcheinander sind, da� wir nicht mal die Namen der H�lfte der jetzt Diensttuenden wissen. Aber du kannst sicher sein, da� ich�s versuchen werde. Den Bastard w�rde ich zu gern finden.�</p><p>�Ich mu�te dem Minister nicht antworten. Er hatte kein Recht zu fragen!�</p><p>�Nein, das hatte er nicht.�</p><p>�Wird es dir im Ministerium schaden?�</p><p>�Nat�rlich nicht�, log er.</p><p>�War es ein Eingest�ndnis, als ich mich weigerte zu antworten?�</p><p>Als er schwieg, packte sie ihn und sch�ttelte ihn; ihre Haarnadeln l�sten sich, ihre dunklen Locken flatterten, als sie gegen den Wind schrie: �War es das, Orry? Sag die Wahrheit. Die Wahrheit!�</p><p>Das Heulen des Windes f�llte das Schweigen.</p><p>�Ja. Ich f�rchte, das war es.�</p><p>Obwohl ihr langsam das Geld ausging, verlangte Virgilia eines der besseren Zimmer bei Willard�s. �Wir haben auch preisg�nstigere Zimmer�, sagte der Angestellte am Empfang. �Mit kleineren Betten.�</p><p>�Nein, danke. Ich brauche ein gro�es Bett.�</p><p>Um zu sparen, ging sie an diesem Abend nicht in den Speisesaal. Hunger und Nervosit�t lie�en sie nur schwer einschlafen. Am n�chsten Morgen nahm sie kein Fr�hst�ck zu sich. Sie machte sich auf den Weg, viel zu warm angezogen f�r diesen Tag.</p><p>Sie war schwei�gebadet, als sie die Stufen zum Kapitol hochstieg und in das Geb�ude schl�pfte. Nach einigem Suchen entdeckte sie Sam Stout an seinem Schreibtisch im Erdgescho�; die d�nnen Beine weit ausgestreckt, sortierte er Dokumente.</p><p>W�rde er kommen, fragte sie sich, als sie wieder hinausschl�pfte. Wenn nicht, dann war sie verloren.</p><p>Sie gab den versiegelten Umschlag in seinem B�ro ab. Auf den Umschlag hatte sie seinen Namen und die Worte <emphasis>Vertraulich! Nur vom Empf�nger pers�nlich zu �ffnen</emphasis> geschrieben. Nerv�s spazierte sie auf der sch�bigen Promenade eine halbe Stunde lang auf und ab. Schlie�lich kehrte sie zu Willard�s zur�ck und warf sich aufs Bett.</p><p>Gegen Mittag kaufte sie zwei alte Br�tchen bei einem Stra�enverk�ufer. Eines davon a� sie als Mittagessen auf ihrem Zimmer. Gegen drei entkleidete sie sich und badete. Danach zog sie einen dunklen Rock und eine h�bsche Leinenbluse an. Eine dreiviertel Stunde lang besch�ftigte sie sich mit ihrer Frisur, dann a� sie das zweite Br�tchen. Ger�usche aus dem Nebenzimmer erregten ihre Aufmerksamkeit: ein quietschendes Bett, der st�hnende Aufschrei einer Frau, der sich rhythmisch wiederholte. Ihr Zimmer erschien ihr hei� wie ein Ofen. Mit einem Taschentuch tupfte sie sich die Oberlippe ab.</p><p>In ihrer Nachricht hatte sie ihn gebeten, um sieben zu kommen. Um halb zehn sa� sie an dem kleinen Tisch, rieb sich mit der linken Hand langsam die Stirn. Ihre Hoffnung und ihre Energie waren der Verzweiflung gewichen. Sie war verr�ckt gewesen, anzunehmen �</p><p>�Was?� sagte sie; ihr Kopf fuhr hoch. Ihr Herz begann zu rasen. Sie erhob sich, zog hastig ihre zerknitterte Bluse �ber ihren Br�sten straff. Sie richtete ihre Frisur, eilte zur T�r. �Ja?�</p><p>�Schnell, la� mich rein. Ich m�chte nicht gesehen werden.� Der Klang der tiefen Stimme machte sie ganz schwach. Endlich bekam sie die T�r auf.</p><p>Er hatte sich ver�ndert. In dem wei�en Gesicht wirkten die schweren Brauen immer noch wie schwarze Haken. Sein welliges Haar gl�nzte, als er sich unn�tigerweise b�ckte, um durch die T�r zu treten; er betonte gern seine Gr��e.</p><p>�Ich entschuldige mich f�r meine Versp�tung�, sagte er und schlo� die T�r.</p><p>�Das brauchst du nicht, Samuel. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue.� Es fiel ihr schwer, ihn nicht zu ber�hren.</p><p>Sein Blick wanderte von ihrer Bluse zu ihrem Gesicht. �Ich wollte dich wiedersehen. Und in deiner Nachricht stand etwas von einem Notfall.�</p><p>Er setzte sich, schlug seine mageren Beine �bereinander, l�chelte ihr zu. Sie hatte vergessen, wie krumm seine Z�hne waren. Trotzdem erschien er ihr wundersch�n; die Sch�nheit der Macht.</p><p>�Ich bin so sp�t dran, weil das Komitee so hart arbeitet. Aber erz�hl von deinem Notfall. Ist etwas in Aquia Creek passiert?�</p><p>�Falmouth. Ich � � Sie holte tief Luft; der Leinenstoff spannte sich noch mehr. Er spielte mit der Kette seiner Taschenuhr. �Ich mu� ganz offen sein. Ich habe den Dienst verlassen. Sie brachten einen schwer verwundeten konf�derierten Offizier in das Feldhospital bei Falmouth. Ich lie� ihn sterben. Absichtlich.�</p><p>Er zog seine Uhr hervor, �ffnete sie und warf einen Blick darauf. Lie� sie wieder einschnappen, steckte sie weg. Das Schweigen wurde unertr�glich.</p><p>�Ich dachte, ich w�rde unserer Sache einen guten Dienst erweisen! Er w�re zur�ckgekehrt, h�tte noch mehr von unseren Jungs get�tet � � Ihre Stimme brach.</p><p>�Erwartest du, da� ich dich verdamme?� Er sch�ttelte den Kopf. �Ich mu� dich loben, Virgilia. Du hast richtig gehandelt.�</p><p>Sie eilte auf ihn zu, lie� sich neben seinem Stuhl auf die Knie fallen. �Aber sie wollen mich bestrafen.� Unbewu�t streichelte sie seine Beine, w�hrend sie die Geschichte von Mrs. Neal und deren Drohungen heraussprudelte. Er h�rte so ruhig zu, da� sie von Panik �berw�ltigt wurde. Es schien ihn nicht zu interessieren.</p><p>Doch genau das Gegenteil traf zu. �Ist das alles, wor�ber du dich sorgst, die Witwe eines verdammten S�dstaatensympathisanten? So eine Person wird keine Untersuchung in Gang bringen. Ich werde mit ein paar Leuten reden.� Seine Hand kroch in ihr Haar. �Vergi� die ganze Angelegenheit.�</p><p>�Oh, Sam, ich danke dir.� Sie legte ihre Wange auf seinen Oberschenkel. �Ich w�re dir so dankbar, wenn du mir diese Schwierigkeiten ersparen k�nntest.� Alles entwickelte sich genau so, wie sie es erhofft hatte. Bei der Planung war sie traurig gewesen, weil sie sich den Umst�nden entsprechend mit weniger zufrieden geben mu�te, aber vielleicht konnte sie eines Tages den Kompromi� zu ihrem Vorteil �ndern.</p><p>Er hob ihr Kinn an; sein L�cheln reichte nicht bis zu seinen Augen. �Ich freue mich, helfen zu k�nnen, Virgilia. Aber ich bin immer noch ein verheirateter Mann. Auch wenn ich pers�nlich das gern �ndern m�chte, ist es unm�glich, wenn ich im Kongre� bleiben m�chte. Und ich m�chte bleiben � ich habe vor, Sprecher des Hauses zu werden, bevor ich abtrete. Wenn du also meine Unterst�tzung m�chtest, dann zu meinen Bedingungen, nicht zu deinen.�</p><p>Einst hatte sie handeln wollen, aber nun war sie zur Aufgabe gezwungen. Nun, warum nicht? Sam Stout w�rde Karriere machen. Anteil an so einem Mann zu haben war besser als gar nichts.</p><p>Er t�tschelte ihre Hand. �Nun? Wie ist deine Antwort?�</p><p>�Meine Antwort lautet ja, Liebling�, sagte sie, erhob sich und begann, ihre Bluse zu �ffnen.</p><p><strong>107</strong></p><p>Nachdem sein Verh�ltnis bekannt geworden war, schrieb Stanley am n�chsten Tag einen Brief an Jeannie Canary. Er teilte ihr mit, da� er wegen dringender Gesch�fte die Stadt verlassen m��te, und legte ihr eine Bankanweisung �ber hundert Dollar bei, um ihren Kummer zu lindern. Dann fl�chtete er nach Newport.</p><p>Zu seiner Verbl�ffung zeigte sich Isabel �ber sein pl�tzliches Auftauchen in Fairlawn kaum erstaunt. Sie fragte, wie er es geschafft habe, fortzukommen, und er sagte, er habe eine Geschichte erfunden, wonach sich einer der Zwillinge verletzt hatte. Die Geschichte konnte durchaus wahr werden: Drau�en auf dem Rasen versuchten sie, sich gegenseitig mit Hufeisen den Sch�del einzuschlagen. Mein Gott, wie er diese widerw�rtigen Jungs ha�te.</p><p>W�hrend der Nacht erwachte er und sah Isabel an seiner Schlafzimmert�r vorbeigehen, auf dem Weg zu ihrem Zimmer. �War da eben jemand unten an der T�r?�</p><p>�Ja. Jemand hat sich in der Haust�r geirrt.� Ihre Stimme klang angestrengt.</p><p>Am n�chsten Morgen, noch vor dem Fr�hst�ck, reichte sie ihm seine Jacke. �Bitte mach mit mir einen Spaziergang zum Strand, Stanley.� Obwohl sie es h�flich sagte, lie� ihr Tonfall ihm keine Wahl. Bald waren sie allein am Strand. Die Luft war k�hl, das Wasser ruhig; Ebbe hatte eingesetzt.</p><p>Isabel sagte mit pl�tzlicher und �berraschender Wildheit: �Ich w�rde gern mit dir �ber deine neue Freundin sprechen.�</p><p>Ein d�mmliches L�cheln. �Was f�r eine Freundin?�</p><p>Sie zeigte die Z�hne. �Dein Flittchen. Die im Variet� auftritt. Die Person, die letzte Nacht zum Haus kam, besa� die richtige Adresse.� Sie zog ein zusammengekn�lltes Blatt aus ihrer Rocktasche. �Und dieses Telegramm.�</p><p>So schnell? �Mein Gott, wer � wer informierte �?�</p><p>�Das ist nicht wichtig. Ich habe seit Wochen �ber die Frau Bescheid gewu�t und dazu auch keine Erkl�rung abgegeben. Soviel ich wei�, ist sie kaum talentiert genug, um Schauspielerin genannt zu werden, obwohl sie vermutlich andere, weniger �ffentliche Talente besitzt.� Isabel blieb vollkommen beherrscht, wodurch ihr Angriff noch bedrohlicher wirkte.</p><p>Er bi� sich auf die Fingerkn�chel, marschierte im Kreis herum. �Isabel, wenn du es wei�t, dann m�ssen es auch andere wissen. Wie viele?� Sie antwortete nicht. �Ich bin ruiniert.�</p><p>�Unsinn. Wie �blich begreifst du nicht, wie die Welt funktioniert. Du zitterst wegen nichts. Niemand k�mmert sich darum, ob du eine Geliebte hast, solange du diskret und einigerma�en wohlhabend bist.� Sie entfernte sich einige Schritte von ihm. Mit leeren Augen schaute er zu, wie der Wind den Sand aufwirbelte. �Anderen ist es egal, und mir ist es egal. Du wei�t, da� ich diesen Teil der Ehe sowieso verabscheue. Und jetzt m�chte ich, da� du meinen n�chsten Worten deine volle Aufmerksamkeit schenkst. <emphasis>Stanley!�</emphasis></p><p>Sie hob eine Faust und senkte sie wieder, ehe sie fortfuhr: �Privat kannst du tun, was du willst. Aber wenn du dich jemals wieder mit diesem Flittchen in der �ffentlichkeit zeigst � eine Stunde nach deiner Parade mit ihr wu�te die ganze Stadt Bescheid �, dann engagiere ich ein ganzes Regiment Rechtsanw�lte und kn�pfe dir den letzten Penny ab. Hast du das kapiert?�</p><p>Ein feiner Spr�hregen aus ihrem Mund traf ihn. Mit dem Handr�cken wischte er sich die Backe ab. Sie hatte ihn w�tend gemacht.</p><p>�Ja, ich habe kapiert, wie die Dinge stehen. Ich bin dir vollkommen gleichg�ltig. Nur mein Geld h�lt dich. Mein Geld, meine Position � �</p><p>Trauer schien in Isabels Stimme mitzuschwingen, als sie mit einem Schulterzucken erwiderte: �Ja. Der Krieg hat viele Dinge ver�ndert. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.�</p><p>Er war zu erregt, um zu bemerken, wie unsicher sie ging, als sie ihn verlie�. Sie hielt einen Moment inne, um zur�ckzuschauen, und das reflektierende Sonnenlicht lie� ihre Augen aufstrahlen.</p><p>�Als wir uns kennenlernten, habe ich dich gern gehabt.�</p><p>Stanley wanderte eine Weile am Strand auf und ab. Pl�tzlich wurde ihm bewu�t, da� er seinen k�nigsblauen Gehrock trug. Er griff in die gro�e Innentasche � ah! Vor Erleichterung zitternd, zog er eine Taschenflasche hervor und entkorkte sie. Er st�rzte die H�lfte des Bourbon hinunter, taumelte dann zu einem gro�en Felsen und setzte sich hin.</p><p>Es gab so viele �nderungen, da� er sie kaum alle aufz�hlen konnte. Sein Reichtum verschaffte ihm v�llige Unabh�ngigkeit. Er war der Vertraute von Politikern, die innerhalb weniger Jahre die Nation beherrschen w�rden. Er war verliebt oder glaubte es zumindest. Er war als Ehebrecher entlarvt. Und er war auf dem besten Weg, ein Trinker zu werden, und k�mmerte sich einen Dreck darum.</p><p>Er trank den restlichen Bourbon aus und schleuderte die Flasche ins Meer. Er mu�te der Wahrheit ins Auge sehen. Er war unf�hig, mit so vielen Ver�nderungen fertig zu werden. Er beugte sich vor, die Ellbogen auf die Knie gest�tzt, das Gesicht in den H�nden verborgen, und begann zu weinen.</p><p>Stanley w�re �berrascht gewesen, h�tte er gewu�t, da� seine Frau, die er f�r eiskalt und b�sartig hielt, an diesem Morgen ebenfalls weinte. In Fairlawn, hinter verschlossenen T�ren, weinte Isabel viel l�nger und heftiger als er. Als sich schlie�lich ihre Tr�nen ersch�pft hatten, setzte sie sich hin, dachte nach und wartete darauf, da� ihre ger�teten Augen wieder normale Farbe annahmen, damit sie sich vor dem Personal sehen lassen konnte.</p><p>Bis auf den Namen verband sie nichts mehr mit ihrem Mann. Nun gut, daran lie� sich nichts �ndern. Sie hatte ihn als Instrument benutzt, um Reichtum anzuh�ufen, und damit konnte sie ihren Aufstieg zu �berw�ltigender gesellschaftlicher Bedeutung in Washington, ihrem Heimatstaat und der ganzen Nation finanzieren. Wie sehr sie ihre Phantasie auch strapazieren mochte, Stanley besa� einfach nicht die F�higkeit, eine nationale politische Figur zu werden. Aber er besa� bereits gen�gend Geld, um solche M�nner zu kaufen und zu verkaufen. Da sie stets seine Entscheidungen leiten w�rde, war in Wirklichkeit sie im Besitz der Macht.</p><p>Isabel schob ihren kurzen Abstieg in die Sentimentalit�t, der sie sich hier und am Strand hingegeben hatte, beiseite und dachte �ber all die glorreichen Tage nach, die vor ihr lagen. Sie war sicher, da� all das Wahrheit werden w�rde, wenn sie Stanley halbwegs n�chtern hielt und daf�r sorgte, da� er weiterhin die Gunst der Republikaner geno�. Der Erfolg hatte ihn ruiniert, aus Gr�nden, die sie weder verstand noch benennen konnte.</p><p>Es spielte keine Rolle. Manche starke K�nigin hatte durch einen schwachen K�nig regiert.</p><p><strong>108</strong></p><p>Am Ende des Tages, an dem er seinen Dienst im Pionierbataillon wieder aufnahm, schrieb Billy in sein Journal:</p><p><emphasis>16. Juni � Petersburg (4 Meilen entfernt). Dampferfahrt nach City Point ereignislos, aber sehr hei�. Sah die grandiose Pontonbr�cke bei Broadway Landing. Ich w�nschte, ich w�re rechtzeitig zur�ckgekommen und h�tte bei der Erschaffung eines solchen Wunders helfen k�nnen. Maj. Duane, der mich bei meiner Ankunft in diesem Lager herzlich begr��te, meinte, keine Armee der Welt habe je eine gr��ere Pontonbr�cke gebaut. Sie erstreckt sich fast �ber eine halbe Meile von Ufer zu Ufer; wo der Kanal verl�uft, erlaubt eine Ziehbr�ckensektion die Passage von Kanonenbooten.</emphasis></p><p><emphasis>Kurz vor meiner Ankunft �berquerte das Bataillon die Br�cke. Unser Camp liegt beim Bryant House, dem gegenw�rtigen Hospital der Zweiten Div. aber wir bleiben nicht hier. Wurde von vielen alten Kameraden herzlich begr��t; alle wollten von meiner Flucht aus dem Libby h�ren. Ich sagte, unbekannte Unionssympathisanten h�tten das arrangiert. Selbst jetzt noch k�nnte C. in irgendeiner Form durch die Wahrheit gef�hrdet werden; er ist so ein gro�artiger Freund &amp; hat so viel riskiert, da� ich auf keinen Fall zulassen werde, da� ihm meinetwegen etwas zust��t.</emphasis></p><p><emphasis>Die Gedanken an C. stimmen mich traurig. Meine br�derliche Zuneigung bleibt davon unber�hrt, &amp; ich stehe nun doppelt in seiner Schuld, weil er mir zweimal das Leben gerettet hat. Aber er ist nicht mehr der fr�hliche Bursche, den ich zum erstenmal in Carolina getroffen &amp; sp�ter in W.P. kennengelernt habe. Der Krieg hat ihn in irgendeiner Weise verletzt. Ich habe es �berdeutlich gesp�rt. W�re ich literarisch begabt, ich w�rde nach metaphorischen Wendungen suchen. Irgendein Zauber hat das B�renjunge in einen Wolf verwandelt.</emphasis></p><p><strong>109</strong></p><p>Diejenigen, die am Ashley wohnten und alt genug waren, um sich an den Mexikanischen Krieg und an Orry Mains Heimkehr zu erinnern, glaubten, die Geschichte w�rde sich mit Orrys �lterem Bruder wiederholen. Orry hatte einen Arm verloren, Cooper einen Sohn. Kaum dasselbe, aber die Folgen waren fast die gleichen. Beide waren ver�ndert, in sich gekehrt. Einige sprachen von ernsthafter geistiger Verwirrung.</p><p>Cooper zwang die gelegentlichen Besucher von Mont Royal nicht mehr, sich seine radikale Meinung anzuh�ren. Man nahm an, da� er immer noch solche Ansichten vertrat, obwohl man da nicht sicher sein konnte. Er beschr�nkte seine Gespr�che mit Au�enstehenden auf Allgemeinheiten. Und obwohl Shermans gewaltige Armee auf Atlanta zurollte, weigerte er sich, �ber den Krieg zu sprechen.</p><p>Aber der Krieg war ihm stets gegenw�rtig, auch an diesem hei�en Juniabend, als er sich nach dem Essen in die Bibliothek zur�ckzog. Obwohl der Sonnenuntergang die Zimmerwand noch orange f�rbte, z�ndete er eine Lampe an und sa� bald schon an seinem Schreibtisch. Die Metallfeder kratzte so laut, da� er nicht h�rte, wie sich die T�r �ffnete. Judith trat mit einer Zeitung ein.</p><p>�Du mu�t dir den <emphasis>Mercury</emphasis> anschauen, Liebster. Eine Nachricht aus �bersee, vorgestern �ber Wilmington hereingekommen.�</p><p>�Ja?� sagte er und blickte von dem Memorandum auf, das er an die Regierung zu schicken beabsichtigte. Er pl�dierte daf�r, weitere Verluste an Menschenleben durch einen Waffenstillstand und sofortige Friedensverhandlungen zu vermeiden.</p><p>Er schien kein gro�es Interesse zu haben, seine Arbeit zu unterbrechen, also fuhr Judith fort: �Der Artikel betrifft die <emphasis>Alabama.</emphasis> Sonntag vor einer Woche fuhr sie durch den englischen Kanal. Ein Unionsschiff namens <emphasis>Kearsarge</emphasis> hat sie dort versenkt.�</p><p>Sofort erkundigte er sich: �Was ist mit der Mannschaft?�</p><p>�Diesem Artikel zufolge haben viele �berlebt. Der Captain der <emphasis>Kearsarge</emphasis> fischte siebzig Mann aus dem Wasser, und eine britische Yacht, die den Hafen von Cherbourg verlassen hatte, um den Kampf zu beobachten, nahm weitere drei�ig Offiziere und Matrosen auf.�</p><p>�Irgendwas �ber Semmes?�</p><p>�Er wurde von der <emphasis>Deerhound,</emphasis> der Yacht, gerettet.�</p><p>�Gut. Die M�nner sind wichtiger als das Schiff.�</p><p>Er gab diese Erkl�rung mit so viel Gef�hl ab, da� Judith gar nicht anders konnte, als zu ihm zu eilen und ihn zu umarmen.</p><p>�Cooper, ich liebe dich so sehr. Um uns herum nur Chaos, aber ich bin so dankbar und gl�cklich, mit dir zusammen hier zu sein.�</p><p>�Ich auch.�</p><p>�Ich hoffe, ich habe dich nicht gest�rt. Ich dachte nur, die Nachricht �ber das Schiff w�rde dich interessieren.�</p><p>Er griff nach ihrer Hand. �Sie war ein wundersch�nes Schiff. Aber sie diente den falschen Herren.�</p><p>Unvermittelt erhob er sich von seinem Stuhl und k��te sie lang und feurig. Seine Umarmung nahm ihr den Atem.</p><p>�Und wenn du mich wirklich liebst, Judith, dann l��t du mich jetzt wieder an meine Arbeit. Ich mu� dieses Memorandum beenden, auch wenn unsere heroischen Gesetzgeber es in Fetzen rei�en und darauf herumtanzen werden. Und diejenigen, die noch nie einen Kanonenschu� geh�rt haben, werden am heftigsten rei�en und tanzen.�</p><p>�Sicher hast du recht. Und ich bin stolz auf dich, da� du es versuchst.�</p><p>Mit einem leichten, beschwingten Gef�hl schlo� Judith die T�r zur Bibliothek. Zum erstenmal seit Charleston empfand sie Gewi�heit: Ihr geliebter Gatte war ein neuer, geheilter Mann.</p><p>Es war Benjamin, der mit Samthandschuhen das Messer sch�rfte. Aufgrund seines verbindlichen Diplomatenstils war er der geeignete Mann daf�r. Einige Tage nach dem Empfang im Finanzministerium wurde Orry vorgeladen.</p><p>�Zuerst m�chte ich zum Ausdruck bringen, da� ich stellvertretend f�r den Pr�sidenten spreche�, sagte Benjamin zu Orry, der steif vor dem Schreibtisch sa�. �Er h�tte sie gern pers�nlich empfangen, aber dringende Dienstgesch�fte � � Eine geschmeidige Geste beendete den Satz.</p><p>�Der Pr�sident m�chte Ihnen seine tiefe Dankbarkeit f�r Ihre Sorge um sein Wohlergehen ausdr�cken � vor allem wegen Ihrer Warnung vor einer m�glichen Verschw�rung gegen sein Leben.�</p><p>Orry sp�rte den Schwei� in seinen Kragen rinnen. Stimmen jenseits der geschlossenen T�r klangen schl�frig in der Sommerhitze.</p><p>�Die Verschw�rung �hnelte zweifellos vielen anderen, von denen wir h�ren � Wunschdenken, angefeuert von Kneipenmut. Nichtsdestoweniger wei� Mr. Davis Ihre Loyalit�t zu sch�tzen. Er � stimmt etwas nicht?�</p><p>Orrys angespannter Gesichtsausdruck lieferte die Antwort. Die Regierung glaubte ihm immer noch nicht. In diesem Moment beschlo� er, einen Schritt zu unternehmen, den er bis jetzt lediglich erwogen hatte. Aus eigenen Mitteln w�rde er einen Agenten zur Ausf�hrung des Planes anheuern, den er im Sinn hatte. Sofort.</p><p>Er zwang sich zu sagen: �Alles in Ordnung. Fahren Sie fort.�</p><p>�Ich habe Ihnen sinngem�� die Botschaft des Pr�sidenten �bermittelt. Jetzt habe ich noch einige Fragen pers�nlicher Natur. Sind Sie mit Ihrem Posten im Kriegsministerium zufrieden?� Als Orry z�gerte, dr�ngte Benjamin: �Seien Sie ganz offen. Es bleibt unter uns.�</p><p>�Nun, also � nein. Ich denke, wir kennen beide den wahrscheinlichen Ausgang dieses Krieges.� Er erwartete keine Zustimmung und erhielt auch keine. �Der Gedanke, w�hrend der letzten Monate P�sse f�r Prostituierte auszustellen und die Untaten eines Leuteschinders zu kontrollieren, ist mir verha�t.�</p><p>�Ah, ja, Winder. Sie w�rden also einen Kampfeinsatz vorziehen?�</p><p>�Ich habe es erwogen. Generalmajor Pickett hat mir einen Posten in seinem Divisionsstab angeboten.�</p><p>�Armer Pickett. Ich habe nie erlebt, da� ein einziges Ereignis einen Mann so ver�ndert hat.� Benjamin klang aufrichtig, fuhr aber gleich darauf im alten Stil fort: �Da ist ein weiteres Thema, das ich zu meinem Bedauern mit Ihnen besprechen mu�. Die Anschuldigung Ihrer Schwester gegen Ihre bezaubernde Gattin.�</p><p>Die Worte glitten in ihn hinein wie ein Stilett. Er hatte darauf gewartet, da� die Angelegenheit in irgendeiner Form auf den Tisch kam. Er hatte mit sich gek�mpft und war zu einer Entscheidung gelangt, die ihn schmerzte, weil sie sein Gewissen belastete. Aber Madeline war wichtiger.</p><p>Er sa� sehr aufrecht, in fast herausfordernder Haltung da. �Ja? Was ist damit?�</p><p>�Um es ganz direkt auszudr�cken � entspricht es der Wahrheit?�</p><p>�Nein.�</p><p>Benjamin zeigte weder Erleichterung noch sonst eine Reaktion. Er studierte weiterhin seinen Besucher. Bin ich solch ein miserabler L�gner? fragte sich Orry.</p><p>�Ihnen ist klar, da� mich die Regierung zu dieser Frage gezwungen hat�, sagte Benjamin. �Das Kabinett � im Grunde die gesamte Konf�deration � befindet sich in einem schrecklichen Zwiespalt, was die Einberufung von Negern zur Armee anbelangt. Die blo�e Erw�hnung dieser Idee treibt einige unserer einflu�reichsten Leute an den Rand der Unzurechnungsf�higkeit. Sie k�nnen sich die ungemein peinliche Lage vorstellen, wenn wir feststellen m��ten, da� ein hoher Beamter unseres Kriegsministeriums � �</p><p>Mehr konnte er nicht ertragen. �Verdammt noch mal, Judah, und was ist mit Madelines peinlicher Lage?�</p><p>Unger�hrt stellte sich Benjamin dem Angriff. �Ich kann ihr das durchaus nachf�hlen. Aber diese Beschuldigung geht weit �ber den pers�nlichen Bereich hinaus. W�rde sie stimmen, dann k�nnte dadurch die Glaubw�rdigkeit der gesamten Regierung befleckt werden. Mr. Davis verweigert die Rekrutierung von nichtwei�en � �</p><p>�Ich kenne die Einstellung von Mr. Davis�, sagte Orry und erhob sich. �Bei allem n�tigen Respekt, es geht hier nicht um die Ansichten des Pr�sidenten, es geht um eine Beschuldigung, die meine Schwester nur aus einem einzigen Grund erhoben hat. Sie hegt seit langem einen Groll gegen mich.�</p><p>Wie ein Staatsanwalt fragte Benjamin: �Weshalb?�</p><p>�Das spielt keine Rolle. Es handelt sich um eine Familienangelegenheit.�</p><p>�Und Sie behaupten, da� dieser sogenannte Groll Mrs. Huntoons einziges Motiv ist?�</p><p>�Das ist richtig. Kann ich jetzt gehen?�</p><p>�Orry, beruhigen Sie sich. Es ist besser, wenn Sie schlechte Nachrichten von einem Freund h�ren. Ich bin Ihr Freund, bitte glauben Sie mir das.� Eine Handbewegung. �Setzen Sie sich wieder.�</p><p>�Ich bleibe stehen, besten Dank.�</p><p>Benjamin seufzte. Einige Sekunden lang herrschte Schweigen.</p><p>�Um f�r alle Betroffenen eine potentiell peinliche Situation zu entsch�rfen, verlangt der Pr�sident, da� Mrs. Main so bald wie m�glich Richmond verl��t.�</p><p>Orrys Hand umklammerte den Besucherstuhl so fest, da� seine Kn�chel kalkwei� wurden. �Damit die Regierung von der Teerb�rste unber�hrt bleibt, nicht wahr? Sie glauben meiner Antwort nicht � �</p><p>�Ich glaube Ihnen. Aber ich bin ein Beamter dieser Regierung, und es ist meine Pflicht, den W�nschen des Pr�sidenten Folge zu leisten, und nicht, sie in Frage zu stellen.�</p><p>�Damit sie Ihren Job behalten und weiterhin Ihren Sherry genie�en k�nnen, w�hrend die Konf�deration zusammenbricht?�</p><p>Die olivfarbenen Wangen wurden fahl. Benjamins Stimme senkte sich, klang durch das kleine, kalte L�cheln hindurch noch t�dlicher. �Ich werde so tun, als h�tten Sie diese Bemerkung nie ge�u�ert. Der Pr�sident erwartet, da� seiner Bitte innerhalb einer vern�nftigen Zeitspanne nachgekommen wird.�</p><p>�Seinem Befehl, wollten Sie sagen?�</p><p>�Es ist ein h�flicherweise als Bitte formulierter Befehl.�</p><p>�Das dachte ich mir. Guten Tag.�</p><p>�Mein lieber Orry, Sie d�rfen mich doch nicht pers�nlich verantwortlich machen � �</p><p>Die T�r knallte zu, bevor er den Satz beendet hatte.</p><p>Gegen Mittag legte sich Orrys wilder Zorn etwas. Er konnte wieder seinen Routineaufgaben nachgehen und Fragen seiner Kollegen einigerma�en zusammenh�ngend beantworten. Auf dem Weg zum Mittagessen kam Seddon an Orrys Schreibtisch vorbei, aber der Minister wich Orrys Blick aus. <emphasis>Er wei�, was Davis verlangt. Wahrscheinlich wu�te er es schon, bevor Judah es mir sagte.</emphasis> Auf der Stelle entschlo� sich Orry, auf Picketts Angebot zur�ckzukommen.</p><p>Madelines Reaktion stand f�r Orry au�er Zweifel. Falls sie �berhaupt �ber seine Entscheidung sprachen, durfte er nur vorsichtige Umschreibungen verwenden, mu�te so tun, als w�re es noch l�ngst nicht endg�ltig. An erster Stelle aber kam jetzt nicht seine Versetzung, sondern er mu�te gegen�ber Judah, Seddon, dem Pr�sidenten selbst den Beweis erbringen, da� die Verschw�rung tats�chlich existierte.</p><p>Er blickte zu einem Eckschreibtisch hin�ber, an dem ein junger Zivilist, Josea Pilbeam, sa�, der einen Klumpfu� hatte. Pilbeam, ein Junggeselle, hatte im vergangenen Jahr einige Nachforschungen f�r das Ministerium durchgef�hrt. Orry ging hin�ber, begr��te ihn liebensw�rdig und traf f�r den Abend eine Verabredung mit ihm. Au�erhalb des Ministeriums.</p><p>Den restlichen Tag besch�ftigte er sich mit der Forderung des Pr�sidenten. Seine erste, von gekr�nkter Ehre getragene Reaktion war, sich einfach zu weigern. Andererseits w�rde Madeline ge�chtet werden, wenn sie in Richmond blieb. Und nachdem sich Grant bei Petersburg festgesetzt hatte, war Richmond nicht mehr sicher. Orry w�nschte keinesfalls, da� seine Frau hier war, wenn die Stadt kapitulierte. Und das konnte nicht mehr lange dauern.</p><p>So sehr es ihm auch zuwider war, er mu�te zugeben, da� Madeline besser dran war, wenn sie die Stadt verlie�.</p><p>Was ein weiteres Problem mit sich brachte. Wohin konnte sie gehen? Die n�chstliegende Antwort schien ihm bei weitem nicht die beste oder einfachste M�glichkeit darzustellen. Sorgf�ltig dachte er dar�ber nach und hatte am sp�ten Nachmittag einen Plan entwickelt, der das geringste Risiko zu beinhalten schien.</p><p>Bei B�roschlu� verlie�en er und Josea Pilbeam gemeinsam das Geb�ude. An einem ruhigen Tisch in der Spotswood-Bar kam Orry sofort zur Sache.</p><p>�Ich verd�chtige meine Schwester Ashton � Mrs. James Huntoon � verr�terischer Aktivit�ten. Ich m�chte, da� Sie ihr Haus in der Grace Street abends beobachten, ihr folgen und mir alles melden. Ich zahle gut. Zehn Dollars pro Nacht.�</p><p>Pilbeam trank einen Schluck Bier. �Danke f�r das Angebot, Colonel. Aber ich mu� nein sagen.�</p><p>�Guter Gott, warum denn?�</p><p>�Wir wissen beide, was der konf�derierte Dollar wert ist � ungef�hr soviel wie der Spruch der Regierung, wir k�nnten immer noch den Krieg gewinnen. Ich erledige keinen Privatjob gegen Zahlung in unserer W�hrung.�</p><p>Erleichtert sagte Orry: �Ich besorge irgendwie U.S.-Dollars � vorausgesetzt, Sie beginnen morgen abend mit Ihrer �berwachung.�</p><p>�Abgemacht�, sagte Pilbeam und sch�ttelte ihm die Hand.</p><p>Zum Abendessen teilte Madeline einen kleinen Fisch zwischen ihnen auf und garnierte jeden Teller mit zwei winzigen, gekochten wei�en R�ben. Heute sei nichts anderes zu kriegen gewesen, meinte sie.</p><p>Er berichtete ihr, er habe die Akten weiter nach einem Offizier namens Bellingham abgesucht. Nichts. �Ich w�rde sonstwas darum geben, ihn in die Finger zu kriegen.�</p><p>Nach dem Essen schlug sie vor, ein paar Gedichte zu lesen, aber Orry sch�ttelte den Kopf. �Wir m�ssen miteinander reden.�</p><p>�Oh, wie unheilvoll das klingt. �ber welches Thema?�</p><p>��ber die Notwendigkeit f�r dich, Richmond zu verlassen, solange es noch m�glich ist.�</p><p>Ein verletzter Ausdruck huschte �ber ihr Gesicht. �Das sind die Folgen dieser Party.�</p><p>Tiefer in das Netz der L�gen � zu ihrem Besten. �Nein, da hat es lediglich einige h�mische Bemerkungen gegeben, die ich �berh�rt habe. Ich habe eigene Gr�nde, weshalb du abreisen mu�t. Zwei Gr�nde. Erstens wird die Stadt fallen. Wenn nicht diesen Sommer, dann im Herbst oder n�chsten Winter. Es ist unvermeidlich, und ich m�chte nicht, da� du hier bist, wenn es geschieht. Ich verlie� Mexiko, bevor unsere Armee in die Hauptstadt einmarschierte, aber George hat mir einige der Scheu�lichkeiten beschrieben. H�user werden gepl�ndert. M�nner werden get�tet. Und Frauen � nun, du verstehst, da� ich dich dem nicht aussetzen m�chte.�</p><p>Sie sa� regungslos da und sagte: �Und der zweite Grund?�</p><p>�Den hab� ich bereits erw�hnt. Ich habe das Ministerium satt. Ich �berlege mir, ob ich nicht um eine Versetzung in George Picketts Stab nachsuchen soll.�</p><p>�Oh, Orry � nein.�</p><p>Schneller R�ckzug: �Langsam, langsam, nicht gleich so ernst. Ich sagte, ich �berlege. Ich habe noch nichts unternommen.�</p><p>�Weshalb willst du dein Leben f�r eine verlorene Sache riskieren?�</p><p>�Die Sache hat nichts damit zu tun. Pickett ist ein Freund, und mir h�ngt die Schreibtischarbeit zum Halse hinaus. Au�erdem besteht kein Anla� zur Sorge � das ist ja alles erst Spekulation.�</p><p>�Hoffen wir, es bleibt dabei. Wie auch immer, was du mit mir vorhast, l�uft jedenfalls auf eine Art Verbannung hinaus. Nun, ich danke dir, aber ich bin nicht der Feigling, f�r den du mich h�ltst.�</p><p>�Jetzt h�r mal, ich habe niemals angedeutet � �</p><p>�Aber sicher hast du das. Nun, ich habe jedenfalls vor zu bleiben.�</p><p>�Ich bestehe darauf, da� du gehst!�</p><p>�Du wirst auf gar nichts bestehen!� Sie erhob sich abrupt. �Wenn du mich jetzt entschuldigen w�rdest, ich mu� deine Socken stopfen. In den L�den gibt es keine mehr.� Sie st�rmte hinaus.</p><p>Immer wenn er wieder damit anfing, weigerte sie sich, ihm zuzuh�ren. Schweigend gingen sie zu Bett. Gegen drei Uhr schmiegte sie sich an seinen R�cken, r�ttelte ihn sanft wach.</p><p>�Liebling? Ich f�hle mich elend. Ich habe mich scheu�lich benommen. Verzeihst du mir? Ich war w�tend auf mich, nicht auf dich. Ich wei�, ich habe Schande �ber dich gebracht � �</p><p>Schl�frig, aber auf einmal mit leichtem Herzen rollte er sich herum und ber�hrte ihre Wange. �Niemals. Ich liebe dich so, wie du bist. Ich m�chte dich einfach in Sicherheit wissen.�</p><p>�Mir geht es mit dir genauso. Ich hasse die Vorstellung, da� du zu George Pickett gehst. Die Belagerungslinien sind gef�hrlich.�</p><p>�Ich sagte dir schon, ich habe lediglich daran gedacht. Andere Dinge kommen zuerst.�</p><p>�Du m�chtest also, da� ich heim nach Mont Royal gehe?�</p><p>�Das w�re ideal, aber ich halte es f�r unpraktisch und riskant. S�dlich von hier triffst du auf die gesamte Unionsarmee. Ich m�chte, da� du in die andere Richtung gehst. Nach Lehigh Station.�</p><p>Es wirkte, als h�tte er Konstantinopel oder Sansibar gesagt. �Orry, unser Zuhause ist South Carolina.�</p><p>�Einen Moment. Brett ist in Belvedere. Sie w�re sicher froh �ber deine Gesellschaft, und ich glaube nicht, da� du lange dort sein m��test. Nicht mal ein Jahr, wenn ich die Anzeichen richtig deute.�</p><p>�Aber ich m��te durch die feindlichen Linien.�</p><p>�Das Land n�rdlich von Richmond ist Niemandsland. Als Grant Lee nach Petersburg jagte, nahm er fast seine gesamte Armee mit. Um Fredericksburg, so besagen unsere Berichte, gibt es beispielsweise kaum Truppen. Und nach Washington hineinzukommen wird nicht schwer sein. Du sagst einfach, du seiest eine Unionssympathisantin, und sie werden dich f�r eine Frau von schlechtem Ruf halten, die beschlossen hat � �</p><p>�Was f�r eine Frau?� Sie richtete sich auf, schaffte es, ihr Kichern mit vorget�uschter Emp�rung zu �berspielen.</p><p>�Na, na � das wirst du ertragen k�nnen. Schlimmstenfalls wirst du einige Beleidigungen und eine kurze Inhaftierung hinnehmen m�ssen. Ein oder zwei Stunden. Vielleicht wird der Busen, den ich so liebe, abgeklopft, um zu sehen, ob er klirrt.�</p><p><emphasis>�Klirrt?</emphasis> Wovon redest du? Du hast den Verstand verloren.�</p><p>�Nein. Frauen, die, �h, weniger gut ausgestattet sind als du, nehmen Zuflucht zu metallischen Brustformen.�</p><p>�Seit wann bist du ein Fachmann f�r Metallbr�ste geworden?�</p><p>�Seit jene Frauen, die diese Formen nicht ausf�llen k�nnen, darin Arzneien und Papiergeld schmuggeln.�</p><p>Er f�hlte sich wie ein Schauspieler, der nur deswegen eine leichtherzige Rolle spielte, weil das St�ck es verlangte.</p><p>�Vor allem�, fuhr er fort, �brauchst du die Reise nach Washington nicht alleine zu machen, wenn Augusta Barclay ihre Farm noch nicht verlassen hat. Ich besorge dir einen von Augustas freigelassenen Negern, der dich bis zu den Unionslinien bringt. Sie hat uns eine Gef�lligkeit versprochen.�</p><p>�Wann willst du sie besuchen?�</p><p>�An diesem Wochenende.�</p><p>�Ein Colonel der Konf�derierten kann nicht schnurstracks nach Fredericksburg reiten. Wenn du einer dieser Yankee-Einheiten begegnest?�</p><p>�Glaub mir, ich habe nicht die Absicht, jemanden wissen zu lassen, da� ich Colonel bin. H�r auf, dir Sorgen zu machen.�</p><p>�Leicht gesagt.�</p><p>Er kannte eine alte, konventionelle, aber ungemein angenehme Methode, um derartige Unterhaltungen zu stoppen und �ngste zu zerstreuen. Er begann, sie zu k�ssen. Dann liebten sie sich und schliefen anschlie�end ein.</p><p>Er ersetzte seine Uniform durch einen schwarzen Anzug und steckte sich Madelines Bibel in die Tasche, zusammen mit einem Pa�, den er f�r sich ausgestellt hatte; das hei�t, auf Reverend O.O. Manchester.</p><p>Mit einer gemieteten, mindestens zwanzig Jahre alten Schindm�hre machte er sich auf den Weg. Orry hoffte, das Tier w�rde die �ber vierzig Meilen bis nach Fredericksburg schaffen.</p><p>Die Bibel deutlich sichtbar unter seinem Arm, erkundigte sich Orry bei einem �lteren Mann nach dem Weg zu Barclays Farm. Eine Stunde sp�ter erreichte er sie, entsetzt von dem, was er vorfand. Charles hatte den Ort ziemlich genau beschrieben. Der Stall und die beiden Ahornb�ume waren verschwunden; der Stall war abgerissen worden, von den B�umen waren nur noch St�mpfe �briggeblieben.</p><p>Boz und Washington erkannten ihn und begr��ten ihn freudig, als er von dem zitternden Gaul stieg. Die beiden Neger versuchten ein zertrampeltes Feld zu pfl�gen. Washington f�hrte den Pflug, Boz spielte das Ersatzpferd.</p><p>Er fand Gus in der K�che. Ihr schlichtes Kleid spannte sich �ber der Taille; sie war rundlicher, als er sie in Erinnerung hatte. Aber auch verh�rmt, vor allem um die blauen Augen herum.</p><p>�Mehr als die halbe Stadtbev�lkerung fl�chtete, als die Yankees kamen�, erz�hlte sie, nachdem sie sich von ihrer �berraschung erholt hatte. �Viele von denen, die blieben, nahmen verwundete Feinde auf. Ich ebenfalls. Ich hatte einen Captain hier, einen h�flichen Burschen aus Maine, der von oben bis unten mit Bandagen bedeckt war, ansonsten aber recht munter schien. Er wollte sich von mir nicht beim Wechseln der Verb�nde helfen lassen. Ich lie� ihn von Boz beobachten. Er war gar nicht verwundet, sondern hatte sich lediglich die Verb�nde von irgend jemandem geborgt, um den K�mpfen auszuweichen. Ich warf ihn hinaus und nahm zwei echte Patienten auf. New Yorker Jungs. Iren � sanft und nett, noch nie zuvor in einer Schlacht gewesen. Einer ging nach acht Tagen. Der andere starb in meinem Bett.�</p><p>Sie seufzte. �Ich wei� nicht, warum wir hier weitermachen. Sturheit, denke ich. Und wenn ich gehe, w��te Charles nicht, wo er mich finden k�nnte. Hast du � hast du ihn gesehen?�</p><p>�Einmal, bevor der Fr�hjahrsfeldzug richtig losging.� Er berichtete von Billys Flucht aus dem Libby-Gef�ngnis.</p><p>�Ja�, sagte sie, �solche Sachen passen zu Charles. Dem alten Charles.� Die seltsame Bemerkung verwirrte Orry. �Und seit dieser Flucht hast du nichts mehr von ihm geh�rt?�</p><p>�Nichts mehr. Aber ich bin sicher, da� es ihm gut geht. Ich beobachte die Verlustlisten sehr sorgf�ltig.� Kein Grund, ihr zu sagen, da� viele der Toten und Vermi�ten niemals identifiziert wurden.</p><p>�Weshalb ich hier bin, Augusta�, fing er an, �ich brauche deine Hilfe � das hei�t, die Hilfe eines deiner M�nner. Er soll Madeline nach Washington begleiten.�</p><p>�Washington? Hast du vergessen, auf welcher Seite wir stehen?�</p><p>�Nein.� Er erkl�rte ihr seinen Plan ausf�hrlicher, und sie stimmte bereitwillig zu, bestand sogar darauf, da� Boz ihn zur�ck nach Richmond begleitete, um Madeline beim Packen zu helfen. Nachdem Orry ein St�ck altes Brot und hausgemachten K�se gegessen hatte � die Eroberer hatten Gus gn�dig erlaubt, eine Milchkuh zu behalten �, machten er und Boz sich zum Aufbruch bereit. �Zuerst reitest du, und ich laufe�, sagte Orry. �Diese Schindm�hre kann uns beide nicht tragen.�</p><p>Es war sehr hei�. Orry wedelte sich mit dem Hut K�hlung zu. Er sch�ttelte Gus die Hand. �Ich komme mit Madeline zur�ck, sobald ich ihre Wegpapiere fertig habe. Es kann zwei Wochen dauern.�</p><p>Es dauerte nicht einmal eine. Die Mains und Boz brachen Ende Juni zu Barclays Farm auf, als die Kriegsnachrichten immer schlimmer wurden. Davis, ein ausgebrannter Mann, unterrichtete die Zeitungen davon, da� er Joe Johnston alle Verst�rkungen geschickt hatte, die entbehrt werden konnten. Was immer nun an der Schwelle zu Atlanta passierte, fiel unter die Verantwortlichkeit des Generals, war die Schuld des Generals. Gleichzeitig versuchte Davis, die Journalisten und die �ffentlichkeit davon zu �berzeugen, da� sich die Lage in Virginia gebessert hatte, weil Grant weder Lee zu vernichten noch Richmond zu erobern vermochte. Niemand glaubte ihm.</p><p>An einem Mittwoch, dem vorletzten Tag des Monats, sagten sich Orry und Madeline auf der Veranda des Farmhauses auf Wiedersehen. Das Wetter pa�te sich der Gelegenheit an. Dunkle Wolken zogen hoch, Wind kam auf. Die ersten Tropfen klatschten in den Staub des Hofes. Orry konnte kaum an all das denken, was er schnell noch sagen wollte.</p><p>�� sobald du in Washington bist, ben�tze einige der Greenback-Dollars, um Brett zu telegraphieren.�</p><p>�Ja, das hatten wir schon, Liebling. Mehrmals. Boz wird mich sicher zu einer der Potomac-Br�cken bringen.� Sie ber�hrte sein Gesicht. �Irgendwie mu�t du mich benachrichtigen. Ich werde st�ndig in Sorge sein.�</p><p>�Wenn m�glich werde ich einen Kurierbrief schicken.� Sie trat dicht an ihn heran; Tr�nen standen in ihren Augen. �Wei�t du, wie sehr ich dich vermissen werde? Wie sehr ich dich liebe? Ich wei�, weshalb du mich fortschickst.�</p><p>�Weil es unklug w�re, wenn du bleibst.�</p><p>�Tausende von anderen Frauen bleiben in Richmond�, unterbrach sie ihn. �Das ist nicht der Grund � du hast mich besch�tzt, und daf�r liebe ich dich mehr denn je.� Staub wirbelte um sie herum. �Deine Vorgesetzten glauben Ashtons Anschuldigung. Mach dir nicht die M�he, es zu leugnen; ich wei�, da� es so ist. Ein Beamter des Kriegsministeriums mit einer Negerin verheiratet � das ist unertr�glich. Also mu� man mich loswerden. Ich bin �ber meine Abreise nicht besonders traurig, au�er da� ich dich ganz schrecklich vermissen werde.�</p><p>Sie gab ihm einen schnellen, innigen Ku�. Die Wolken �ffneten ihre Schleusen, der Regen fiel schwer und heftig. Gro� und d�ster funkelte er sie an. �Wer hat es dir erz�hlt?�</p><p>�Mr. Benjamin, als ich ihn vorgestern zuf�llig auf der Main Street traf.�</p><p>�Dieser schmierige, ehrlose � �</p><p>�Er sagte kein Wort, Orry.�</p><p>�Aber wie �?�</p><p>�Er schnitt mich vollkommen. Sah mich kommen und �berquerte schnell die Stra�e, um mir auszuweichen. Ganz pl�tzlich begriff ich alles.�</p><p>Von Zorn und Kummer gesch�ttelt, schlang er die Arme um sie. �Gott, wie ich diesen verfluchten Krieg hasse und alles, was er uns angetan hat.�</p><p>�La� ihn uns nicht noch Schlimmeres antun. Opfere ihm nicht noch dein Leben.�</p><p>�Ich werde vorsichtig sein. Du auch � versprichst du mir das?�</p><p>�Nat�rlich.�</p><p>Er umarmte sie und k��te sie fast eine halbe Minute lang voller Leidenschaft. �Ich liebe dich, meine Madeline.�</p><p>�Ich liebe dich, Orry. Wir werden es schaffen.�</p><p>�Da bin ich ganz sicher�, sagte er und l�chelte zum erstenmal.</p><p>Sie blieb auf der Veranda stehen, bis der Einsp�nner im str�menden Regen auf der Stra�e nicht mehr zu sehen war.</p><p>Orry sa� gerade seit zehn Minuten an seinem Schreibtisch, als ein Ger�usch ihn aufblicken lie�. Josea Pilbeam kam auf ihn zugehinkt und fl�sterte: �Ich mu� Sie sprechen. Sofort. Es ist dringend.�</p><p>Nach dem Sturm war es dunkel und feucht im Treppenhaus. Pilbeam sagte: �Gestern verlie�en die Lady und ihr Gatte die Stadt f�r fast vier Stunden.�</p><p>�Wohin sind sie gegangen?�</p><p>�Zu der �rtlichkeit, die Sie mir beschrieben haben. Sie besprachen sich mit einem schwergewichtigen Mann, den ich noch nie gesehen habe.�</p><p>Sie ben�tzten wieder die Farm. Seine Geduld hatte sich ausgezahlt. Er w�rde Seddon, Benjamin und der ganzen Bande zeigen, da� er kein Spinner war. Aufgeregt fragte er: �Haben Sie den Nachnamen des Mannes geh�rt?�</p><p>Pilbeam sch�ttelte den Kopf. �Keiner erw�hnte ihn, solange ich lauschte.�</p><p>�Wo genau haben sie sich getroffen?�</p><p>�In dem Geb�ude rechts am Rande der Klippe. Nach ungef�hr einer Viertelstunde kam noch jemand dazu, den ich erkannte. Er ist oft genug in unserem B�ro gewesen.�</p><p>�Wer war es?�</p><p>Die Marmorw�nde und Stufen schienen zu grollen und zu zittern, als Pilbeam sagte: �Winders Totschl�ger. Israel Quincy.�</p><p><strong>110</strong></p><p>So furchtbar einfach, dachte Orry, w�hrend er durch das Feld schlich, dem gleichen Weg folgend, den er beim erstenmal eingeschlagen hatte. Der Detektiv aus Winders B�ro hatte keinen Beweis f�r eine Verschw�rung gefunden, weil er selbst daran beteiligt war.</p><p>Der Abend war sehr still, kein Mond schien. Die Feuchtigkeit hing schwer in Orrys Kleidung; sein Hemd war bereits schwei�getr�nkt. Der Boden um ihn herum war erst k�rzlich umgegraben und zertrampelt worden. Er erinnerte sich, da� bei seinem ersten Besuch das Feld unkrautbewachsen gewesen war. Dann war er ein zweitesmal hinausgeritten und hatte bemerkt �</p><p>Was? Er trieb seinen m�den Geist voran, w�hrend er durch seine tropfende Nase m�hsam Luft holte. Die Erk�ltung, die er sich auf der R�ckfahrt von Barclays Farm geholt hatte, war schlimmer geworden. Er unterdr�ckte ein Niesen. Ganz deutlich erinnerte er sich an gepfl�gte Erde bei seinem zweiten Besuch. Merkw�rdig, da� jemand das Feld einer verlassenen Farm bearbeitete.</p><p><emphasis>Dumm. Dumm!</emphasis> Wieder so offensichtlich, und wieder war es ihm nicht aufgefallen. Er wu�te, wohin die Whitworth-Gewehre und die Munition verschwunden waren. Sie waren direkt vor jedermanns Nase versteckt worden.</p><p>�Unter jedermanns F��en�, korrigierte er sich fl�sternd. Der Trick stammte geradewegs aus Poes ber�hmter Detektivgeschichte vom gestohlenen Brief. Als Poe-Anh�nger f�hlte er sich doppelt gedem�tigt. <emphasis>Und ich m�chte wetten, Mr. Quincy �bernahm es, diesen Teil der Farm zu untersuchen. Mr. Quincy schlenderte �ber das frisch gepfl�gte Feld und bemerkte nichts Ungew�hnliches.</emphasis></p><p>Hatte auch Powell sich w�hrend der ganzen Zeit irgendwo auf dem Grundst�ck verborgen? Orry steckte sein Taschentuch weg und zog den Navy-Colt aus dem Halfter, den er sich ans linke Bein gebunden hatte. Er spannte den Hammer und schlich vorsichtig weiter.</p><p>Er n�herte sich demselben erleuchteten Spalt. Nahe am Ger�teschuppen entdeckte er einen Einsp�nner und zwei Sattelpferde beim Haupthaus. Er pre�te seine Wange gegen das Holz und bi� sich voller Zorn auf die Unterlippe. Auf einer der dreckverschmierten Whitworth-Kisten thronte James Huntoon.</p><p>Er hielt ein gro�es Blatt Papier an den R�ndern; eine Art Plan oder Diagramm. Er hielt es schr�g, legte es fast auf seinen Bauch, damit die anderen es sehen konnten.</p><p>�D�rfte ich um eure Aufmerksamkeit bitten?� sagte eine Stimme. �Das ist der Plan, den Mr. Powell entwickelte, bevor er f�r einige Tage abberufen wurde, um sich um andere Details unserer Kampagne zu k�mmern.� Orry runzelte die Stirn; er konnte den Sprecher nicht sehen, aber die Stimme klang ungemein vertraut.</p><p>Er kniete nieder, ver�nderte seinen Blickwinkel. Mit einem Strohhalm zwischen den Z�hnen sah er rechts neben Huntoon den freundlichen Mr. Quincy. Orry begann vor Wut zu kochen.</p><p>Die Stimme seiner Schwester: �Sind Sie sicher, da� es funktionieren wird, Captain Bellingham?�</p><p><emphasis>Bellingham?</emphasis> Hatte er den Mann gefunden, der ihr das Gem�lde gezeigt hatte?</p><p>�Meine liebe Mrs. Huntoon, H�llenmaschinen, die von General Rains vom Torpedo Bureau stammen, haben eine bemerkenswerte Erfolgsstatistik aufzuweisen.�</p><p>Ein korpulenter Mann watschelte in sein Blickfeld. Nur sein R�cken war sichtbar, aber seine Kopfform kam Orry ebenso qu�lend bekannt vor wie seine Stimme.</p><p>Und dann identifizierte Orry die Stimme. Das hei�t, er gab ihr einen Namen, den richtigen Namen, obwohl er es kaum glauben konnte. Zu seinem kochenden Zorn kamen Erinnerungen, die bis zu seinem ersten Sommer an der Akademie zur�ckreichten.</p><p>Israel Quincy gab ein kicherndes Ger�usch von sich. �Die Bombe kann einen wirklich zum Narren halten, Captain. Niemand k�nnte sie von einem St�ck echter Kohle unterscheiden.�</p><p>�Bis sie losgeht.� Er reichte Quincy die H�llenmaschine, dessen H�nde unter dem Gewicht nach unten sackten. �Untersuchen Sie den Gu�. Die Form, die perfekte F�rbung des Eisens � genial.�</p><p>In diesem Moment sah Orry das Profil des fr�heren Unionsoffiziers, der irgendwie in eine konf�derierte Verschw�rung verwickelt worden war. Es bestand kein Zweifel � er hatte Elkanah Bent vor sich, alias Bellingham.</p><p>H�tte Orry nicht Bent erkannt, dann w�re alles andere vielleicht nicht geschehen; vielleicht w�re er zur�ck nach Richmond geritten und h�tte eine ganze Kompanie M�nner geholt. Aber die lebenslange Vendetta gegen Elkanah Bent �ffnete eine Schleuse in Orrys Kopf.</p><p>Drei Mann waren im Inneren, aber in seiner Geistesverfassung h�tte es auch keine Rolle gespielt, wenn es drei�ig gewesen w�ren. Er hastete um die Ecke des Geb�udes. Den Navy-Colt im Anschlag trat er die T�r mit dem Stiefel ein. �Keiner bewegt sich.�</p><p>Ashton schlug die H�nde vor den Mund, Huntoon lie� das Diagramm fallen. Bents Gesicht war voller Verwirrung, die schnell in entsetztes Erkennen �berging. <emphasis>�Orry Main �?�</emphasis></p><p>�Ich werd� verr�ckt�, sagte Quincy, ganz ruhig und professionell, w�hrend seine rechte Hand blitzschnell unter seiner Jacke verschwand. Orry wirbelte herum und dr�ckte ab. Die Kugel schleuderte Quincy zur�ck. Trotzdem zerrte er noch seinen Mehrsch�sser heraus, ri� immer wieder den Abzug durch; mit der letzten Kugel scho� er sich die linke Stiefelspitze weg, w�hrend er zur Seite kippte.</p><p>Bent hielt die Kohlen-Bombe, zitternd wie ein Kind, das mit einem gestohlenen Kuchen erwischt wird.</p><p>�Captain Bellingham, nicht wahr?� sagte Orry mit rauher Stimme. �Ich hab� verdammt noch mal keine Ahnung, wie Sie hierher kommen, aber ich wei� genau, wo Sie hingehen, Sie und Ihre Freunde. Ins Gef�ngnis wegen versuchter Ermordung des Pr�sidenten.�</p><p>Bent fa�te sich schnell; seine Augen nahmen einen verschlagenen Ausdruck an. Genau wie Orry begriff er nicht, wie es zu dieser erstaunlichen Konfrontation gekommen war, aber �ber die Konsequenzen war er sich durchaus im klaren.</p><p>Huntoon pre�te eine Faust gegen seine Lenden und jammerte: �Guter Gott � er wei� es. Er wei� alles!�</p><p>�Genau wie Minister Seddon�, sagte Orry, �und der Pr�sident selbst. Du bist erledigt, James. Du ebenfalls, mein geliebtes, verr�terisches Dreckst�ck von einer Schwe�� Huntoon packte die Laterne und schleuderte sie. Orry duckte sich. Die Laterne zersplitterte hinter ihm. �ltropfen bespritzten Wand und Boden. Verstreutes Stroh begann zu rauchen.</p><p>Orry hatte einen fl�chtigen Eindruck von Huntoon, der von Ashton wie ein Kind an der Hand vorbeigezerrt wurde, konnte aber nicht weiter auf ihn achten, weil Bent auf ihn losst�rmte, die Bombe in den erhobenen H�nden. <emphasis>Mein Gott, er jagt uns alle in die Luft</emphasis> �</p><p>Bent schlug nach Orrys Kopf. Orry wich aus; Metall scharrte �ber seine linke Schl�fe. Die einzige Explosion war eine Schmerzexplosion. Erneut knallte Bent die Gu�form gegen Orrys linke Schulter, den Stumpf seines amputierten Armes. Orry fiel auf ein Knie; Tr�nen des Schmerzes liefen ihm �ber die Wangen. An Bents Absicht bestand kein Zweifel: Das in der Falle sitzende Tier w�rde t�ten, um zu entrinnen. �Arroganter � South Carolina Bastard � �, keuchte Bent. Wieder hob er die Gu�form, drehte sie, bis die scharfe Spitze auf Orrys Sch�del zeigte. <emphasis>�Jahre</emphasis> hab ich darauf gewartet � �</p><p>Schemenhaft sauste die Gu�form auf Orry nieder. Er hob den Colt und feuerte. Die Kugel traf Bents linkes Handgelenk; die Wunde lie� Bent aufschreien, die Gu�form zur Seite rei�en. Die Bombe streifte Orrys Armstumpf und landete neben dem Feuer, das in dem verstreuten Stroh hochz�ngelte.</p><p>Ha� trieb beide M�nner voran. Nie in seinem Leben hatte Orry so intensiven Ha� empfunden. Er stemmte sich hoch, drehte den Colt um und schlug Bent den Kolben �ber den Sch�del. Bent kreischte auf.</p><p>Wieder schlug Orry zu. Blut spritzte aus Bents Nase. Er schwang den rechten, dann den linken Unterarm hoch, um sein Gesicht zu sch�tzen. Orry fluchte innerlich, w�hrend er erneut zuschlug. Bent taumelte nach rechts. Noch einmal schlug Orry zu. Bent wankte � <emphasis>Das reicht; er ist fertig.</emphasis></p><p>Durch das Prasseln der Flammen h�rte er knirschende R�der, schnelle Hufschl�ge. Huntoon und Ashton fl�chteten. Es spielte keine Rolle. Nur dieser fette, sich windende Feigling z�hlte � und Orrys grenzenlose Wut, die uralte wahnwitzige Feindschaft.</p><p>Bent schwankte st�rker. <emphasis>Nimm ihn als Gefangenen; er kann sich nicht mehr wehren.</emphasis> Die schwache innere Stimme fand kein Geh�r. Genauso wahnsinnig wie sein Gegen�ber schlug Orry erneut zu.</p><p><emphasis>�Ah-ha.�</emphasis> Bents Aufschrei hatte eine bizarre �hnlichkeit mit Gel�chter. �Jesus, Main � Jesus Christus, hab Gnade � �</p><p>�Wann hattest du welche?� kreischte Orry und rammte sein rechtes Knie in Bents Genitalien. Bent wankte zur�ck, ein taumelnder Schritt, noch einer, noch �</p><p>Zu sp�t sprang Orry vor, um ihn festzuhalten. Bents R�cken stie� gegen das Fenster, er fiel hindurch, eine Gesichtsseite von dem splitternden Glas aufgerissen. Im Fallen kreischte er, dann h�rte Orry das dumpfe Ger�usch eines aufschlagenden K�rpers.</p><p>Orry streckte den Kopf zum Fenster hinaus. Bent war von einem Klippenvorsprung abgeprallt, fiel immer noch. Wieder und wieder schlug er auf, flog hinaus und landete mit m�chtigem Klatschen im Wasser. F�r einen kurzen Augenblick sch�umte der Flu� auf, dann � nichts mehr.</p><p>Orry suchte krampfhaft die Wasseroberfl�che nach Bents K�rper ab, aber er blieb verschwunden, war bereits abgetrieben worden, auf die am Horizont aufzuckenden roten Lichter der explodierenden Granaten zu.</p><p>Er besa� zwei Beweisst�cke f�r die Verschw�rung. Orry legte die Kohle-Bombe auf den Boden und entrollte den Plan, den er vor den Flammen gerettet hatte. Im Schein des brennenden Geb�udes studierte er ihn. Zuerst ergab die Anordnung der kleinen Rechtecke innerhalb von gr��eren Rechtecken keinen Sinn. Dann erkannte er, da� er einen Plan mit den verschiedenen Stockwerken des Finanzministeriums vor sich hatte.</p><p>Er sah mit Tinte eingetragene, beschriftete Kreuze. Bei den Kreuzen im Keller stand KOHLE-BOMBEN. In verschiedenen B�ros im zweiten Stock, gekennzeichnet durch die Buchstaben J.D. stand Z�NDSPRENGSATZ. Die Ungeheuerlichkeit des Ganzen lie� ihn erschauern.</p><p>Die explodierende Munition erinnerte ihn daran, da� durch den L�rm und die Flammen Leute aufmerksam werden w�rden. Er wollte keine Zeit auf Erkl�rungen an Farmer und Milit�rpatrouillen verschwenden. Er zwang sich, seine durch den Schock erzeugte Lethargie zu �berwinden, und ging auf das Farmhaus zu, wobei er merkte, da� er sich beim Kampf den linken Fu�kn�chel verstaucht hatte.</p><p>Trotzdem durchsuchte er schnell das Haus, entdeckte eine Mansarde mit einigen M�belst�cken und Kleidung. Israel Quincy mu�te also das Haus durchsucht und dabei mit voller Absicht Powell oder sein Versteck �bersehen haben. Hier fand Orry auch ledergebundene Exemplare mit Berichten �ber die Fortschritte der Sezessionsbewegungen von Georgia und South Carolina.</p><p>Orry wu�te nicht, ob Powell gefa�t werden w�rde, aber er hatte nun ein zweitesmal die Verschw�rung aufgedeckt; und, was noch wichtiger war, er konnte nun auch Beweise f�r deren Existenz vorzeigen.</p><p>Er hinkte die Stufen hinunter und zur Hintert�r hinaus. Vom Ger�teschuppen war nur noch Glut �briggeblieben. Jetzt, wo keine Munition mehr explodierte, h�rte er von der Stra�e her Stimmen. So schnell er konnte, raffte er seine Beweisst�cke zusammen und humpelte quer �ber das gepfl�gte Feld zu seinem Pferd, das er in dem Obstgarten zur�ckgelassen hatte. Orry zog den Kopf seines Pferdes herum und ritt auf Richmond zu.</p><p>Ein verschlafener Seddon in gestreiftem Nachthemd starrte den Mann an, dessen Geh�mmer gegen die T�r ihn geweckt hatte. Orry dr�ckte dem Minister eine schwere Papierrolle und einen Kohleklumpen in die Hand.</p><p>�Die Sachen hier beweisen die ganze Geschichte � und Quincys Leiche. Er war einer von ihnen. Wenn das Feuer erloschen ist, werden wir mit Sicherheit geschmolzene Teile der Whitworth-Gewehre finden. Ausreichende Beweise f�r jeden vern�nftigen Menschen�, f�gte er hinzu, unf�hig, die Bitterkeit ganz aus seiner Stimme herauszuhalten.</p><p>�Das ist verbl�ffend. Sie m�ssen hereinkommen und mir genau berichten � �</p><p>�Sp�ter, Sir�, unterbrach Orry. �Ich mu� noch eine Aufgabe erledigen, um diese Sache abschlie�en zu k�nnen. Gehen Sie mit diesem Kohleklumpen vorsichtig um. Wenn Sie ihn ins Feuer werfen, jagen Sie sich selbst in die Luft.�</p><p>Er hinkte davon, verschwand in der Dunkelheit.</p><p>Als er den leeren Navy-Colt vor der T�r des Hauses in der Grace Street zog, bemerkte Orry dunkle Flecken am Kolben. Bents Blut. Er packte den Lauf und schlug mit dem Colt gegen die T�r. Die Glocke hatte keine Reaktion gebracht.</p><p>�Wenn niemand �ffnet�, br�llte er zum oberen Stock hoch, �schie�e ich das Schlo� auf.�</p><p>Die Vordert�r ging auf. Orry rammte mit der Schulter dagegen, erwartete, Huntoons Gesicht vor sich zu sehen. Statt dessen stand Homer da, von der erhobenen Lampe teilweise beleuchtet.</p><p>�Sag ihnen, ich will sie sehen, Homer. Beide.�</p><p>�Mr. Orry, Sir, sie sind nicht � �</p><p>Er ignorierte den alten Mann und ging zur Treppe. �Ashton? Huntoon? Kommt runter, verdammt noch mal.�</p><p>Das wilde Echo zeigte ihm, wie dicht er daran war, erneut die Beherrschung zu verlieren. Oben tauchte ein Lichtschein auf. Huntoon n�herte sich vorsichtig dem Treppenabsatz, gefolgt von Ashton, die die Lampe trug. Keiner von beiden war f�rs Bett gekleidet.</p><p>Orry blickte auf; es war einer der seltenen Momente, in denen er eine ver�ngstigte Ashton vor sich hatte.</p><p>�Eine alte Szene wiederholt sich, nicht wahr, Ashton? Ich habe dich einmal in South Carolina fortgeschickt, und jetzt tue ich es in Virginia. Diesmal allerdings sind die Eins�tze h�her. Du riskierst nicht nur meinen Zorn, wenn du bleibst. Du wirst verhaftet werden.�</p><p>Huntoon gab einen kleinen, w�rgenden Laut von sich und trat von der obersten Stufe zur�ck. Ashton packte ihn am �rmel. �Bleib stehen, du verdammter Feigling. Ich sagte, bleib stehen!�</p><p>Sie beugte sich �ber das Gel�nder und spuckte die Worte f�rmlich aus: �Erz�hl den Rest, lieber Bruder.�</p><p>Ein kaltes Achselzucken. �Einfach genug. Ich habe Mr. Seddon Beweise �bergeben, die ausreichen, euch beide zu h�ngen. Ich beziehe mich auf die Kohlebombe und den markierten Plan mit den B�ror�umen des Pr�sidenten. Dazu die Reste der Gewehre, Powells pers�nliche Habseligkeiten und Israel Quincys Leiche. Euer Informant, der sich Bellingham nannte � er ist ebenfalls tot. Im Flu� ertrunken.�</p><p>�Das hast du getan?� fl�sterte Huntoon.</p><p>Orry nickte. �Lediglich euch beide habe ich noch nicht genannt. Ich wei� nicht, weshalb ich euch schonen sollte, blo� weil wir verwandt sind, aber ich tue es, wenn auch nicht f�r lange. Ihr habt eine Stunde, um die Stadt zu verlassen. Tut Ihr es nicht, dann klage ich euch bei Seddon des Verrates und des versuchten Mordes an. Viertel vor f�nf bin ich wieder da.�</p><p>Er ging hinaus.</p><p>Um halb f�nf fuhr er zur�ck zur Grace Street. Die Haust�r war verschlossen, alles lag dunkel da. Er zerbrach ein Fenster und streifte durch s�mtliche R�ume. Leer.</p><p>In ihren Schlafzimmern � getrennte Zimmer, wie ihm auffiel � standen Schubladen offen, lag Kleidung verstreut. Merkw�rdigerweise empfand er keine Befriedigung, nur M�digkeit und Melancholie.</p><p>Welcher D�mon mochte Ashton besessen haben? Er w�rde es nie erfahren. Irgendwie war er dankbar daf�r.</p><p>Er verlie� das Haus, als die gro�e Uhr Viertel vor f�nf schlug.</p><p>Am folgenden Nachmittag kursierten mehrere Versionen der Geschichte in den B�ros um den Capitol Square herum. Gegen vier Uhr kam Seddon auf Orrys Schreibtisch zu.</p><p>Er r�usperte sich, l�chelte und sagte: �Orry, ich habe wunderbare Nachrichten. Ich habe eben mit dem Pr�sidenten gesprochen, der Ihnen ein schriftliches Lob ausstellen m�chte. Es ist das �quivalent zu einer Auszeichnung f�r Tapferkeit im Kampf und wird auch ebenso behandelt. Ver�ffentlichung in zumindest einer Zeitung Ihres Heimatstaates und � �</p><p>Seddon z�gerte. Orrys Gesicht dr�ckte derart heftigen Abscheu aus, da� der Minister erschrak. Orrys Blick ausweichend, fuhr er weniger herzlich fort: �Mr. Davis m�chte Ihnen morgen in seinem B�ro die Belobigung verleihen. K�nnen wir einen passenden Zeitpunkt vereinbaren?�</p><p>�Ich will diese verfluchte Belobigung nicht. Er hat meine Frau aus Richmond vertrieben.�</p><p>Seddon schluckte. �Wollen Sie damit sagen, Colonel, Sie wollen � die Ehre ablehnen?�</p><p>�Genau das. Was sicherlich einen weiteren Skandal verursachen wird, nicht wahr? Meine Frau und ich haben uns bereits daran gew�hnt.�</p><p>�Ihre Bitterkeit ist verst�ndlich, aber � �</p><p>Orry unterbrach ihn. �Ich lehne ab, au�er Sie und Mr. Davis versprechen mir sofortige Versetzung zum Stab von General Pickett. Ich habe dieses B�ro satt, diese Arbeit, diesen Schweinestall von einer Regierung � �</p><p>Mit einer heftigen Armbewegung fegte er alle Papiere von seinem Schreibtisch. W�hrend die Bl�tter zu Boden flatterten, stand er auf und ging hinaus.</p><p>Seddons Gesicht verlor seinen vers�hnlichen, weichen Ausdruck. �Ich bin sicher, da� eine Versetzung m�glich ist�, sagte er laut.</p><p><strong>111</strong></p><p>In der Folge des Falls Eamon Randolph begann sich Jasper Dills um sein Gehalt zu sorgen. Er hatte nichts mehr von oder �ber Elkanah Bent geh�rt. Er wu�te, da� Starkwethers Sohn von Baker wegen Brutalit�t in der Randolph-Sache hinausgeworfen worden war. Das war alles.</p><p>Zur Zeit war Dills mit Arbeit �berlastet. Obwohl einige seiner Klienten Demokraten waren, w�nschte keiner, da� ein Friedenskandidat zum Pr�sidenten gew�hlt wurde; ein verk�rzter Krieg bedeutete verminderte Profite. Nichtsdestoweniger beschlo� er, dem Chef der Spezialabteilung einen Besuch abzustatten, was er dann auch Ende Juni tat. Bakers Antwort fiel knapp aus.</p><p>�Ich wei� nicht, was aus Dayton geworden ist. Es k�mmert mich auch nicht. Ich folgte den Befehlen, entlie� ihn und verga� ihn dann.�</p><p>�Verdammt noch mal, Colonel, Sie m�ssen doch einige Informationen besitzen. Ist er noch in der Stadt? Wenn nicht, wo ist er dann? Wollen Sie mich zwingen, meine Fragen Mr. Stanton vorzulegen und ihm mitzuteilen, da� Sie mir Ihre Hilfe verweigert haben?�</p><p>Sofort zeigte sich Baker kooperativ. �Ich wei� aus sicherer Quelle, da� Dayton sich vor ungef�hr einem Monat in Richmond aufhielt.�</p><p>�Richmond! Warum das?�</p><p>�Ich wei� nicht. Ich erfuhr lediglich, da� er gesehen wurde.�</p><p>�Hat er sich vielleicht auf die andere Seite geschlagen?�</p><p>Baker zuckte die Achseln. �M�glich. Er war ziemlich w�tend, als ich ihn rauswarf. Ehrlich gesagt, ich w�nschte, ich h�tte ihn nie eingestellt. Ich kenne Ihren Ruf, Mr. Dills. Ich wei�, Sie haben eine Menge Freunde in dieser Regierung. Aber ich verstehe wirklich nicht, weshalb Sie sich so f�r Dayton interessieren. Was f�r eine Verbindung besteht da?�</p><p>Dills hatte mittlerweile entschieden, da� er sich an h�here Stellen wenden mu�te. �Ich bin nicht in der Lage, Ihre Fragen zu beantworten, Colonel Baker. Guten Tag.�</p><p>Dills traf eine Verabredung mit Stantons Vertrautem, Stanley Hazard<emphasis>.</emphasis> Hazard war zwar nur Mittelma�, aber er war reich und hatte sich irgendwie einen Kreis einflu�reicher Freunde geschaffen; durch Kauf, wie Dills vermutete, was die �bliche Art und Weise darstellte. Allein seine F�higkeit, bei den wilden Schwankungen der Parteipolitik die Balance zu halten, zeichnete Hazard aus. Angesichts der Geschichten, die �ber ihn verbreitet wurden, war Stanley Hazards �berleben doppelt bemerkenswert, vor allem, wenn man das Ger�cht ber�cksichtigte, da� er bereits morgens um halb zehn betrunken war.</p><p>Auf winzigen F��en stieg der Anwalt die Stufen zu Stanleys B�ro hoch. In einer Ecke stand ein Messinggef��, in dem Weihrauchw�rfel verbrannt wurden. Um den Alkoholduft zu maskieren?</p><p>Dills setzte sich. �Ich wei�, da� Sie ein vielbesch�ftigter Mann sind, Mr. Hazard, also lassen Sie mich gleich zur Sache kommen. Erinnern Sie sich an einen Mann, den Sie an Colonel Baker weiterempfahlen? Ein Mann namens Ezra Dayton?�</p><p>Stanley richtete sich etwas auf. �Das tue ich tats�chlich. Sie haben ihn empfohlen, aber er wurde entlassen. H�chst unzul�nglich � �</p><p>�Das bedaure ich zutiefst. Ich konnte das nicht voraussehen. Was mich zu Ihnen f�hrt, ist die Notwendigkeit, etwas �ber Daytons Aufenthaltsort zu erfahren. Als Gegenleistung w�re ich bereit, einem politischen Kandidaten Ihrer Wahl eine gro�z�gige Spende zukommen zu lassen. Einem Mann der republikanischen Seite, wie ich hoffe.�</p><p>�Selbstverst�ndlich.� Stanley zuckte bei diesem Angebot mit keiner Wimper. �Mal sehen, ob wir was haben.� Er rief einen Assistenten, der f�r zehn Minuten verschwand, bei seiner R�ckkehr etwas in Stanleys Ohr fl�sterte und wieder hinausging.</p><p>Stanley seufzte.</p><p>�Absolut nichts, f�rchte ich. Es tut mir sehr leid. Ich hoffe, das wird Ihr Versprechen nicht beeintr�chtigen, da ich Ihr Angebot guten Glaubens angenommen habe.� Dills sp�rte die Drohung hinter dem widerlichen L�cheln. Er zuckte zur�ck, als Stanley hinzuf�gte: �Tausend w�ren sehr gro�z�gig.�</p><p>�Tausend! Ich dachte an wesentlich � � Hastig schluckte Dills. Wie konnte so eine aufgedunsene, blasse Kreatur so viel Macht besitzen? �Aber sicher doch. Ich werde die Anweisung morgen schicken.�</p><p>Stanley schrieb etwas auf ein St�ck Papier. �Zahlbar auf dieses Konto.�</p><p>Bent war verschwunden � und diese Information hatte ihn tausend Dollar gekostet. In �bler Stimmung verlie� Dills das Geb�ude und ging hin�ber zum Park, wo seine Kutsche wartete. Doch trotz seines �rgers erheiterte ihn die Vorstellung des behenden Mr. Hazard. Hinter dem Weihrauchduft hatte Dills eindeutig Whiskey gerochen. Was f�r ein verbl�ffender Balanceakt.</p><p>Ah, es gab viele solcher Balanceakte in Washington. Es war, das hatte ihn die Erfahrung gelehrt, eine Stadt der Raubtiere, in der Verkleidung von Patrioten.</p><p>In Lehigh Station wurden neue Gr�ber ausgehoben, die ankommenden Frachtz�ge brachten neue S�rge, ankommende Wagen gelegentlich Verwundete oder auf Dauer Verst�mmelte. Ab und zu war in der Stadt auch ein gesunder Mann zu sehen, der gerade jetzt nicht zu Hause sein sollte. Brett wohnte lange genug hier, um solche M�nner zu erkennen.</p><p>Sie beschlo�, der �rtlichen Feier am 4. Juli fernzubleiben, und widmete sich statt dessen neun Stunden lang Scipio Browns Kindern. Es war eine Zeit dr�ckender Hitze, sinkender Moral, pl�tzlicher Alarmmeldungen. Jubal Earlys Armee hatte Washington eingekreist und alle Bahn- und Telegraphenlinien nach Baltimore unterbrochen. Jubal Earlys Armee hatte Silver Spring erreicht, in Sichtweite der Unionsbefestigungen entlang Rock Creek. Jubal Earlys Armee hatte fast schon Washington in der Tasche gehabt, bevor sie nach Pennsylvania abgedr�ngt worden war. Wie weit mochten die Rebs diesmal in den Staat vordringen?</p><p>Es war eine Zeit der allgemeinen Kriegsm�digkeit, voller Zynismus. Aber all das spielte in Bretts Leben nur eine untergeordnete Rolle. Mit Charles Mains Hilfe war Billy aus dem Libby-Gef�ngnis entkommen, hatte das Feindesland durchquert und w�hrend der titanischen Schlacht bei Spotsylvania die Unionslinien erreicht. Eine Kugel hatte ihm eine harmlose Beinwunde zugef�gt, aber in seinen Briefen schrieb er, da� er sich vollkommen erholt hatte und zu seiner Einheit bei Petersburg zur�ckgekehrt war.</p><p>Diese Wendung machte sie froh und gl�cklich. In geringerem Ma�e taten das auch die Besuche von Scipio Brown, der jede zweite oder dritte Woche mit einem neuen Kind erschien. Die R�umlichkeiten waren l�ngst hoffnungslos �berf�llt. Aber Brown brachte weiterhin kohlschwarze oder kaffeebraune Kinder, und sie verliebte sich sofort in jedes einzelne von ihnen.</p><p>Constance beobachtete all das verbl�fft und am�siert. �Ich sage dir, Brett, am Tag vor Scipios Ankunft bist du jeweils viel gl�cklicher als am Tag seiner Abreise.�</p><p>�Tats�chlich?� Ein L�cheln, ein Schulterzucken. �Ja, ich glaube auch. Ich mag ihn.�</p><p>Constance nickte; beide Frauen wu�ten, da� dies die einzig n�tige Erkl�rung war. Doch in ihren Briefen an George schrieb Constance von einem bemerkenswerten Wandel.</p><p>Dann traf als gro�e �berraschung eine telegraphische Bitte von Madeline Main ein. Sie befand sich in Washington.</p><p>�Orry wollte nicht, da� sie nach South Carolina geht�, sagte Constance, nachdem sie die Nachricht ein zweitesmal gelesen hatte. �Mit Hilfe eines Schwarzen von Fredericksburg erreichte sie Fort Du Pont und �berquerte die Linien. Einen Tag hielt man sie zum Verh�r fest, dann wurde sie entlassen. Sie bittet um Erlaubnis, herkommen zu d�rfen.�</p><p>Sofort sagte Brett: �Ich glaube, jemand sollte nach Washington fahren, um ihr behilflich zu sein. Ich bin bereit.�</p><p>�Das �berlasse ich dir nicht allein. Wir fahren beide.�</p><p>Und so unternahmen die beiden Frauen die lange, schmutzige Bahnfahrt, w�hrend es mit der Belagerung von Petersburg nicht voranging und Sherman vor Atlanta zum Stillstand zu kommen schien. Die H�lfte der Passagiere warf �ngstliche Blicke zum Fenster hinaus, aber zwischen Lehigh Station und Washington sahen sie keinen einzigen Rebellen. In einem kleinen, dunklen Zimmer auf der Insel begr��te sie Madeline. Sie wirkte etwas matronenhafter, war aber immer noch eine Sch�nheit, wie Brett feststellte, bevor sie sich umarmten.</p><p>�Wie sch�n, dich zu sehen�, sagte Constance. �Ich bin froh, da� Orry dich in diese Richtung anstatt nach S�den geschickt hat, wo so viele Gefahren lauern.�</p><p>�Wir werden gut f�r dich sorgen�, versprach Brett. �Du siehst ersch�pft aus.�</p><p>Madelines Gesichtsausdruck wechselte. �Bevor wir fahren, m�chte ich euch sagen, weshalb ich Richmond verlassen mu�te. Andere Leute haben erfahren, was Orry wu�te, seit ich von Resolute fl�chtete. Ich � �</p><p>Sie schwieg einen Moment, schien mit der Last zu k�mpfen. �Ich habe Negerblut in mir. Meine Mutter war eine Terzeronin.�</p><p>Brett sa� ganz still, wagte aus Angst, Madeline zu besch�men, keine Bewegung. Ruhig fuhr Madeline fort: �Ihr wi�t, was das in der Konf�deration bedeutet. Ein Tropfen schwarzen Blutes, und du bist ein Schwarzer.� Sie hielt inne. �Wird das auch in Lehigh Station so sein?�</p><p>Constance antwortete zuerst. �Ganz sicher nicht. Du h�ttest es uns nicht zu erz�hlen brauchen.�</p><p>�Oh doch, dazu f�hle ich mich verpflichtet.�</p><p>Brett war sich nicht sicher, was sie empfand. Widerstreitende Gef�hle, in ferner Kindheit eingepflanzt, tobten in ihr.</p><p>�Seid ihr �berzeugt davon, da� es keinen Unterschied macht?� fragte Madeline.</p><p>�Keinen�, sagte Brett und w�nschte, es w�re so.</p><p>�W�re ich auf der Stra�e am Flu� geblieben, dann h�tten sie mich sicher erwischt�, sagte Andy. �Sie kamen zwischen den Palmen hervor � zwei davon auf Mulis �, aber ich kenne ein paar Schleichpfade, und sie nicht.�</p><p>�Setz dich erst mal, ruh dich aus�, sagte Philemon Meek und gab ihm seinen eigenen Stuhl. �Ich bin froh, da� dir nichts passiert ist.�</p><p>Die schwere Luft des Juliabends f�llte das B�ro der Plantage. Meek marschierte auf und ab. Wie alt er geworden ist, dachte Cooper.</p><p>Meek hatte darauf bestanden, da� sie sich hier berieten, damit niemand vom Hauspersonal etwas h�rte. Er wollte nicht, da� sie auch noch fort rannten. Cooper gab sich da geringeren Illusionen hin als der Verwalter. Das Hauspersonal wu�te, da� die Guerillabande in der N�he lagerte, und die Reihen lichteten sich.</p><p>Meek h�rte auf, seine Brille herumzuwirbeln. �Eins m�chte ich ganz klar wissen. Du hast diesmal wei�e M�nner gesehen?�</p><p>�Ja. Zwei im Grau der regul�ren Armee, drei in zimtfarbenen Uniformen.�</p><p>�Wenn wei�e Deserteure sich den Reihen der Neger anschlie�en�, sagte der Verwalter, �dann haben wir doppelten Grund zur Furcht.� Er wandte sich Cooper zu. �Ich zweifle kaum daran, da� sie uns angreifen werden, Mr. Main. In diesem Bezirk ist das hier die gr��te noch in Betrieb befindliche Plantage. Ich meine, wir sollten einige der Sklaven bewaffnen � vorausgesetzt, wir finden irgendwelche Waffen.�</p><p>�Ist das der einzige Weg?� schnappte Cooper. �Kampf?�</p><p>Nach einigen Sekunden der Verbl�ffung sagte Meek: �Wenn Sie einen anderen Vorschlag haben, dann w�rde ich ihn nur zu gern h�ren.�</p><p>Die Stille wurde nur von Insektenger�uschen unterbrochen. Oben beim Haus summte eine Frau die Melodie einer Hymne. Andy sp�hte angestrengt zum Fenster hinaus.</p><p>Cooper wu�te, da� er geschlagen war, und seufzte. �In Ordnung. Ich fahre nach Charleston und schaue, ob ich einige gebrauchte Waffen auftreiben kann.�</p><p>Br�sk und dr�ngend sagte Meek: �Bald, ja?�</p><p>In Richmond packte Orry am n�chsten Tag die letzten pers�nlichen Sachen, mit denen er und Madeline die R�ume in der Marshall Street ausgestattet hatten, in eine Kiste. Dann nagelte er sie zu und brachte sie in ein Lagerhaus.</p><p>Er stopfte Uniformen und Ausr�stung in einen zerschlissenen Koffer, f�r den er einen horrenden Preis gezahlt hatte. Als der Abend d�mmerte, zog er seine beste graue Uniform an, verschlo� die Wohnung und gab der Vermieterin den Schl�ssel. Dann bestieg er den Versorgungswagen, der ihn die siebeneinhalb Meilen Richtung S�den nach Chaffin�s Bluff brachte. Dort hielt Picketts Division das rechte Ende der innersten Verbindungslinie, einen der f�nf Verteidigungsringe der Stadt.</p><p>Trauer lag �ber George Picketts Gesicht, als der General Orrys Salut erwiderte und ihn im Divisionshauptquartier willkommen hie�.</p><p>�Es tut gut, dich endlich doch noch begr��en zu k�nnen.�</p><p>�Es tut gut, hier zu sein, Sir.�</p><p>Ein melancholisches L�cheln. �Ich hoffe, du bist noch der gleichen Meinung, wenn du einige Wochen in n�chster Nachbarschaft zu deinem alten Bekannten aus West Point hinter dir hast. Diesmal stehen wir einem Mann gegen�ber, der entweder nicht wei�, wann er geschlagen ist, oder dem es egal ist, ob er eine gesamte Armee beim Versuch, uns zu schlagen, verliert. Es gibt keine wirkungsvolle M�glichkeit, diesem Typ Mann lange zu widerstehen.�</p><p>Es gibt eine, dachte Orry. Aber er wollte nicht mit dem Thema der schwarzen Rekruten ihr Wiedersehen und seine ersten Momente im Kriegsgebiet verderben.</p><p><strong>112</strong></p><p>Drei Frauen speisten. Constance hatte Kerzen entz�ndet, um eine gem�tliche Atmosph�re f�r das Abendessen zu schaffen. Das war auch gelungen, aber nach ihrem ersten Versuch, ein Gespr�ch in Gang zu bringen, spielte das kaum noch eine Rolle.</p><p>�Nun, da sitzen wir�, sie hob ihr Weinglas ihren G�sten entgegen, �drei Kriegswitwen.�</p><p>�Ich w�nschte, du w�rdest sowas nicht sagen�, rief Brett.</p><p>�Oh, meine Liebe, es tut mir leid. Es war ein ungeschickter Versuch, eine leichte Bemerkung zu machen. Ich entschuldige mich.�</p><p>�Das ist viel zu ernst, um dar�ber zu scherzen�, sagte Brett, als Bridget und ein weiteres K�chenm�dchen die falsche Schildkr�tensuppe auftrugen.</p><p>�Ich verstehe, was du gemeint hast�, sagte Madeline zu Constance, �aber ich mu� Brett recht geben.� Sie probierte die Suppe und versuchte Constance mit einem L�cheln zu tr�sten. �Das ist k�stlich.�</p><p>Genauso bem�ht: �Ich danke dir.�</p><p>Danach steuerte Constance das Gespr�ch auf sicheres Gebiet. Sie lachte und sprach �ber ihr Gewichtsproblem, in der Hoffnung, da� Scherze auf eigene Kosten ihre Gedankenlosigkeit vergessen lassen w�rden. Sie bemerkte kaum ein Anzeichen des Erfolgs.</p><p>Sie beantwortete Madelines Fragen nach ihrem Vater, der in Los Angeles damit besch�ftigt war, sein Spanisch zu verbessern, damit er auch einheimische Mandanten vertreten konnte.</p><p>�Und Virgilia?�</p><p>�Wir haben nichts mehr von ihr geh�rt. Ich nehme an, sie ist noch beim Schwestern-Corps.�</p><p>�Sie k�nnte ruhig etwas dankbarer sein f�r die Unterkunft und die Hilfe, die du ihr gegeben hast�, sagte Brett. �Zumindest ein gelegentlicher Brief w�re ein schlichtes Gebot der H�flichkeit.�</p><p>Constance griff zum Messer und begann l�chelnd das hei�e, frische Brot zu schneiden. �Ah, ich glaube nicht, da� Dankbarkeit zu den Tugenden meiner Schw�gerin z�hlt.�</p><p>�Besitzt sie �berhaupt welche?� konterte Brett, und danach senkte sich grimmiges Schweigen �ber den Tisch.</p><p>Guter Gott, dachte Constance, hat meine dumme Bemerkung all das ausgel�st? Es schien so zu sein.</p><p>Madeline sp�rte die Spannung und sagte zu Brett: �Erz�hl mir von dieser Schule f�r schwarze Waisenkinder, ja?�</p><p>�Wenn du magst, nehme ich dich morgen mit hoch.�</p><p>�Oh ja, gern.�</p><p>Auch Brett sch�mte sich ihres Ausbruchs. Angst war die Hauptursache daf�r. Sie ha�te das Wort <emphasis>Witwe</emphasis> in Verbindung mit sich selbst.</p><p>Doch sie mu�te ehrlich sein; noch etwas irritierte sie: Madelines Enth�llung. Brett hatte zu ihrer eigenen Verbl�ffung unerwartet emotional reagiert. Madeline hatte Bretts Respekt und ihre aufrichtige Zuneigung besessen. Jetzt � sie konnte nicht dagegen ank�mpfen � betrachtete sie Orrys Frau mit anderen Gef�hlen.</p><p>Madeline war sich Bretts neuer Zur�ckhaltung durchaus bewu�t. Das Gespr�ch an diesem Tisch heute abend war teilweise unerfreulich gewesen. <emphasis>Drei Kriegswitwen.</emphasis> Sie verstand die Bem�hung um leichte Konversation, fand es aber trotzdem st�rend. Gott sei Dank hatte Orry nichts unternommen, um sich Picketts Stab anzuschlie�en. Er sollte in Richmond relativ sicher sein, bis die Stadt fiel. Danach w�rde er vielleicht f�r eine Weile interniert werden, aber das w�rde er bestimmt �berleben; er war ein starker, tapferer Mann.</p><p>Die Kerzen brannten nieder, die Unterhaltung schleppte sich dahin. Constances Antworten klangen immer gezwungener, ihre Scherze verkrampft. Als sie ihren Nachtisch beendeten, sagte sie abrupt: �Ich glaube, ich gehe noch auf eine Stunde in die Stadt.�</p><p>Madeline fragte: �Soll ich dich begleiten?�</p><p>�Danke, nicht n�tig. Ich gehe in die Kirche.�</p><p>Sie mu�te nicht erkl�ren, da� sie es n�tig hatte. Ihr Gesicht machte das offensichtlich.</p><p><emphasis>Da sitzen wir. Drei Kriegswitwen.</emphasis></p><p>Seit dieser Bemerkung hatte sie eine Vorahnung befallen: F�r eine der drei Frauen am Tisch w�rden diese Worte wahr werden.</p><p><strong>113</strong></p><p>W�hrend der ersten zehn Julitage litt Charles unter einem schlimmen Anfall von Ruhr. Am elften Tag stand er auf, obwohl er in seinem geschw�chten Zustand immer noch ins Bett geh�rte, lie� sich einen Pa� ausstellen und machte sich auf den gef�hrlichen Ritt westlich um Richmond herum, dann weiter nord�stlich nach Fredericksburg. Nur sein Revolver und seine Schrotflinte konnten f�r seine Sicherheit garantieren.</p><p>Es w�rde sein letzter Abstecher zu Barclays Farm sein. Das hatte er w�hrend der Tage im Bett beschlossen. Der S�den w�rde k�mpfend untergehen, und er w�rde mit untergehen. Das war jetzt seine einzige Pflicht. Er konnte nicht leugnen, da� er Gus liebte, aber sie verdiente einen Mann mit besseren Zukunftsaussichten. Jeden Tag wurden die Chancen, von einer Kugel t�dlich getroffen zu werden, gr��er. Auf kurze Sicht w�rde er ihr weh tun, aber wenn sie dann einen besseren Mann gefunden hatte, w�rde sie ihm dankbar sein.</p><p>Es h�rte gerade zu regnen auf, als er die Farm erreichte. Es war halb sechs abends.</p><p>�Major Charles!� Washington sprang auf die F��e, als Charles angeritten kam. �Der Herr steh� uns bei � der alte Sport schaut fast genauso verhungert aus wie Sie. Hatten �ne Weile nicht mit Ihnen gerechnet. Warten Sie, ich sag Miz Augusta � �</p><p>�Ich sag�s ihr selber.� Ohne zu l�cheln ri� Charles die Hintert�r auf. �Gus?� Die K�che war leer. Er rief: �Gus, wo zum Teufel steckst du?�</p><p>Sie kam den Flur entlanggerannt, die Haarb�rste in der Hand. Bei seinem Anblick leuchtete ihr Gesicht auf. Sie warf die Arme um seinen Hals. �Liebling!�</p><p>Er pre�te seine b�rtige Wange gegen die ihre, l�ste sich aber aus der Umarmung, als sie anfing, ihn zu k�ssen. Er schwang ein Bein �ber eine Stuhllehne und setzte sich, suchte in seinem Hemd nach Streichh�lzern und einem Zigarrenstummel. Sein Mangel an Gef�hl �ngstigte sie.</p><p>Mit einem langen Holzl�ffel r�hrte sie die Suppe auf dem Ofen um, dann wandte sie sich widerstrebend ihm zu.</p><p>�Darling, du siehst krank aus.�</p><p>�Ich habe mir wieder die Ruhr eingefangen. Ich wei� nicht, was schlimmer ist, auf einem Feldbett zu liegen und sich zu w�nschen, die Ged�rme sollten einem rausfallen, oder mit General Hampton durch halb Virginia zu reiten.�</p><p>�Ist es so schlimm gewesen?�</p><p>�Wir haben mehr M�nner und Pferde verloren, als du f�r m�glich halten w�rdest. Wenigstens drei Kompanien der South Carolina Sixth sitzen ohne Ersatzpferde im Camp.�</p><p>Sie blickte zum Fenster hinaus. �Du hast immer noch Sport.�</p><p>�Was von ihm �briggeblieben ist.� Er klopfte zweimal auf den Tisch.</p><p>Sie strich sich eine blonde Haarstr�hne aus dem Gesicht. �Es bricht mir das Herz, so d�nn und bla� wie du bist. Und entmutigt.�</p><p>�Was sonst kannst du heutzutage erwarten?� Er wurde zunehmend nerv�ser. Urspr�nglich hatte er die Nacht �ber bleiben wollen, hatte mit ihr schlafen wollen, aber jetzt stellte er fest, da� er ihr das nicht antun konnte; au�erdem fehlte ihm die Kraft, es selbst zu ertragen. Abrupt entschied er sich f�r ein schnelles Ende.</p><p>Er bi� in den Zigarrenstummel, entz�ndete das Streichholz am Stuhl. �Die Farm ist total runtergekommen.�</p><p>�Den Yankees sei Dank. Kaum ein Tag vergeht, an dem Boz oder Washington nicht einen Warnschu� auf einen herumschleichenden Deserteur abgeben m�ssen.�</p><p>�Du h�ttest nicht hierbleiben sollen. Du solltest jetzt nicht hier sein. Wie kannst du was anbauen? Wie k�nnt ihr �berleben, du und die Nigger?�</p><p>�Charles, du wei�t, da� ich das Wort nicht ausstehen kann, vor allem in Verbindung mit meinen M�nnern.�</p><p>Er zuckte mit den Schultern. �Hab� ich vergessen. Tut mir leid.� Es h�rte sich nicht so an.</p><p>Sie zupfte an der straff gespannten Taille ihres Kleides. Charles hatte den Kopf gesenkt, den Blick auf das Streichholz an der Zigarre gerichtet.</p><p>Ver�ngstigt sagte Gus: �Du klingst, als m�chtest du einen Streit vom Zaun brechen.�</p><p>Er nahm die Zigarre aus dem Mund. �Jetzt h�r mal zu. Es war ein verdammt weiter Ritt hier hoch.�</p><p>�Niemand hat dich darum gebeten, vergi� das nicht.� Der alte Schutzpanzer war wieder da. Es schmerzte ihn, aber Schmerz war notwendig f�r das, was er tun mu�te.</p><p>Er sah die �rgerliche Verwirrung in ihren blauen Augen und w�re beinahe schwach geworden. Dann fiel ihm Ab Woolner ein und Sharpsburg und � so viele Ereignisse, da� sie kaum in einem Zeitraum von drei Jahren Platz zu haben schienen. Oder da� irgendein Mann sie hatte ertragen k�nnen. Er hatte es geschafft, aber er trug die Narben in sich.</p><p>Sanfter fragte sie: �Wie lange kannst du bleiben?�</p><p>�Wenn�s dunkel ist, mu� ich mich auf den R�ckweg machen.�</p><p>�M�chtest du �?� Die nicht beendete Frage und ihre leichte Drehung zur Schlafzimmert�r hin f�rbten ihre Wangen rot.</p><p>�Ich mu� Sport Wasser geben und ihn ausruhen lassen�, sagte er; jede Faser in ihm sehnte sich danach, mit ihr ins Bett zu gehen. Sie verstand die unausgesprochene Ablehnung.</p><p>�Ich mache dir was zum Abendessen, wenn du fertig bist.�</p><p>Mit einem Kopfnicken ging er hinaus.</p><p>�Schmeckt gut, die Suppe�, sagte er ohne �berzeugung und schob die Sch�ssel zur�ck. <emphasis>Jetzt! Z�gere es nicht hinaus!</emphasis></p><p>�Was ich sagen wollte, Gus�, er r�usperte sich, �wo die Dinge so schlecht stehen, ich wei� nicht, wann ich wieder vorbeikommen kann.�</p><p>Gus hob den Kopf, eine schnelle, stolze Bewegung, wie die Reaktion auf einen Schlag. Bitter sagte sie: �N�chste Woche oder nie mehr, das liegt an dir. Ich � � Sie verstummte, sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Red weiter.�</p><p>Ihre Stimme wurde kr�ftiger. �Ich hoffe, du erwartest auf deine Ank�ndigung hin keine Tr�nenflut. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich in deiner gegenw�rtigen Verfassung hier haben will. Die Feststellung, da� der Krieg schrecklich ist, ist nicht gerade neu. Und du scheinst zu vergessen, da� die M�nner nicht die gesamte Last tragen. Glaubst du, es ist leichter, eine Frau mit einem Sohn oder einem Mann in der Armee zu sein? Ich wei�, der Krieg hat dir schlimme Dinge angetan. Es steht in deinen Augen geschrieben, liegt in dem, was du sagst, was du tust. Du scheinst von einem Zorn erf�llt zu sein � �</p><p>Er stie� den Stuhl zur�ck, stand auf, die Zigarre zwischen den Z�hnen. Nach dem Essen hatte er sich eine neue Zigarre angez�ndet und beschlossen zu gehen, sobald er sie zu Ende geraucht hatte. Vielleicht sollte er eher gehen.</p><p>�Mach dir nicht die M�he, mir deine Rohheit vorzuf�hren�, zischte Gus w�tend. �Ich habe genug davon erlebt. Was gibt dir das Recht, l�nger und schwerer zu leiden als wir anderen? Ich liebe dich, bl�d wie ich bin. Du tust mir leid. Aber ich lasse mich nicht wie irgendein dumpfes Tier behandeln, das nicht brav war. Ich lasse mich nicht treten, Charles. Falls du dich entschlie�en solltest, wieder herzukommen, dann als der Mann, in den ich mich verliebt habe. Er ist derjenige, den ich will.�</p><p>Die Sekunden tickten weg. Er nahm die Zigarre aus dem Mund.</p><p>�Dieser Mann ist gestorben.�</p><p>Sie erwiderte seinen starren Blick. Leise, ohne jeden Zorn, sagte sie: �Ich glaube, du gehst besser.�</p><p>�Ich glaube auch. Danke f�r das Essen. Pa� auf dich auf.�</p><p>Er marschierte hinaus, schwang sich auf Sport und ritt in die Nacht hinein.</p><p>Sie f�hlte sich wie in der Nacht, in der ihr Mann gestorben war. Sie konnte kaum glauben, wie sehr es schmerzte. H�tte sie alles anders machen sollen? H�tte sie sich weigern sollen, ihn zu lieben? Ihre Antwort bestand aus einem spontanen, �berzeugten Nein. Aber bei Gott, es tat so weh.</p><p>Doch trotz allem empfand sie Stolz, da� sie eine selbst�ndige Frau war. Sie hatte diesen elenden Krieg ertragen, und sie w�rde ihn weiterhin ertragen. Sie w�rde auch den Schmerz ertragen, solange er dauerte. Und sie wu�te, wie lange das sein w�rde � bis zur Stunde ihres Todes.</p><p>Egal. Sie w�rde alles ertragen, weil es immer, auch unter den schlimmsten Umst�nden, einen Grund zum �berleben gab. Ihren eigenen Grund kannte sie nur zu gut und w�nschte blo�, sie w�re in der Lage gewesen, es ihm zu sagen. Aber das w�re ein grausamer, egoistischer Einsatz der Wahrheit gewesen.</p><p>Zart legte sie ihre Hand auf den Bauch. Dann, als die Uhr Mitternacht schlug, lie� sie sich auf die Knie sinken und begann den Fu�boden zu schrubben.</p><p><strong>114</strong></p><p>In der Nacht nach der Krater-Schlacht schrieb Billy:</p><p><emphasis>Sonntag, 31. Juli. Routinem��ige Kompanieinspektion. Nach den gestrigen Verw�stungen alles ruhig an der Belagerungsfront.</emphasis></p><p><emphasis>Samstag wurden wir um zwei Uhr nachts geweckt, marschierten dann nach Ft. Meikel, von wo aus wir die Detonation von 8.000 Pfund Pulver in dem T-f�rmigen Minenschacht miterlebten, der von Lt. Col. Pleasants 48th Pennsylvania Volunteers �ber eine L�nge von ungef�hr 600 Yards bis unter die Stellungen der Rebellen gegraben worden war. Die Ladung ging mit solch elementarer Gewalt hoch, wie ich es nie zuvor gesehen hatte. Der Plan war ein voller Erfolg, bis Gen. Burnsides IX. Corps in den rauchenden Krater vormarschierte.</emphasis></p><p><emphasis>Aus noch unbekannten Gr�nden stockte der Vormarsch; am Grunde des Kraters sa�en die M�nner in der Falle, w�hrend weitere Truppen hineindr�ngten � und sich wie auf dem Pr�sentierteller dem feindlichen Gewehr- und Artilleriefeuer darboten. Das forderte gewaltige Verluste &amp; bereitete den Boden f�r Gen. Mahones Gegenangriff vor, der den brillanten Plan in eine Niederlage verwandelte.</emphasis></p><p><emphasis>Die Belagerung h�lt ohne gro�en Erfolg an. George ist nun in City Point beim RR Corps stationiert, mit der Aufgabe, unsere Bahnversorgungslinien in Gang zu halten. Ich m�chte ihn besuchen, bin aber bis jetzt noch nicht dazu gekommen; t�glich scheinen neue Aufgaben auf das Bataillon zu warten. Ein Gro�teil unserer Arbeit wird in n�chster N�he der Rebellenstellungen erledigt, was �u�erste Vorsicht und Heimlichkeit notwendig macht. H�ufig f�hren wir unsere Auftr�ge nachts durch, vollkommen lautlos, sofern das m�glich ist. Jeder einzelne Mann wei�, da� ein unbedachter Laut das feindliche Feuer auf uns ziehen kann, wodurch der Krieg f�r manchen um eine betr�chtliche Zeitspanne eher beendet sein k�nnte als bei der offiziellen Kapitulation. Kein Wunder, da� wir eine t�gliche Ration Whiskey ausgeschenkt bekommen. Unser Job ist hart &amp; gef�hrlich. Ich z�gere nie, meinen Whiskey zu trinken. Ich habe viele Gr�nde, mein Bestes zu geben, um jeden neuen Tag zu �berleben. Viele Gr�nde, aber einer �berragt alle anderen. Dieser Grund bist du, meine geliebte Frau. Wie sehr sehne ich mich danach, dem T�ten zu entrinnen und dich wieder in meinen Armen zu halten.</emphasis></p><p>Mit den farbigen Bl�ttern brachte der Herbst bessere Nachrichten nach Lehigh Station. Am 2. September hatte Sherman Atlanta eingenommen. Das und die erfolgreichen Heldentaten von Little Phil erregten den ganzen Norden.</p><p>Der Herbst brachte auch Scipio Brown ein letztesmal nach Belvedere. �berschwenglich wie ein Junge drehte er sich vor Brett, um seine hellblauen Hosen mit den breiten, gelben Streifen und die dunkelblaue Jacke ohne Insignien vorzuf�hren � wodurch sich Junior-Lieutenants von Senior-Lieutenants unterschieden.</p><p>�Lieutenant Brown, Second United States Colored Troops, Kavallerie. Ich ersetze einen Offizier, der bei einem Scharm�tzel des Regiments bei Spring Hill eine Verwundung erlitt.�</p><p>�Oh, Scipio � genau das haben Sie sich doch gew�nscht. Sie schauen einfach gro�artig aus.�</p><p>Constance und Madeline waren der gleichen Meinung. Die drei Frauen hatten sich im Wohnzimmer versammelt, um Brown zu begr��en und mit Sherry und kleinen Kuchen zu verw�hnen.</p><p>Er verbeugte sich vor den Damen. �Die Erfrischungen waren k�stlich, aber es ist bereits halb sechs vorbei. Mein Zug f�hrt um sechs. Ich mu� mich beeilen.�</p><p>Auf Belvederes Veranda stand Brett ihm schlie�lich allein gegen�ber. Brown r�usperte sich. �Ich wei� nicht, wie ich mich verabschieden soll. Sie waren mir eine so gro�e Hilfe.�</p><p>�Nur zu gern. Ich brauche keinen Dank. Ich liebe jedes dieser Kinder.�</p><p>�Wenn Sie ebensoviel Liebe f�r einen Erwachsenen der gleichen Hautfarbe empfinden werden, dann sind Sie den ganzen Weg gegangen. Aber f�r Sie ist es bereits ein weiter Weg gewesen. Eine unglaubliche Strecke. Sie sind�, ein ganz untypisches Z�gern, �Sie sind eine wunderbare Frau. Ich kann verstehen, weshalb Ihr Mann so stolz auf Sie ist.�</p><p>Ohne nachzudenken streckte Brett die Hand aus, ber�hrte ihn. �Sie m�ssen gut auf sich aufpassen. Schreib uns!�</p><p>Er trat einen Schritt zur�ck, l�ste seinen �rmel von ihrer Hand. Erst jetzt merkte Brett, was sie getan hatte.</p><p>�Nat�rlich werde ich das, wenn es die Zeit erlaubt.� Pl�tzlich klang er steif und f�rmlich. �Ich mu� gehen, sonst verpasse ich den Zug.�</p><p>Er band sein Mietpferd los, schwang sich leichtf��ig in den Sattel und trabte davon. Im Westen flammte das Licht noch einmal �ber den D�chern auf, darunter lag alles im Schatten. Bald schon hatte sie den Reiter aus den Augen verloren.</p><p>Jetzt erst begriff sie, weshalb sie ihn ber�hrt hatte. Emotionen hatten sie �berw�ltigt: tiefe Besorgnis, Zuneigung und, am verbl�ffendsten von allem, eine ungemeine Anziehungskraft. Sie konnte es kaum glauben, konnte aber die Erinnerung daran auch nicht leugnen. Einsam und innerlich leer durch Billys lange Abwesenheit, hatte sie sich f�r einen winzigen Augenblick nach diesem gro�gewachsenen Mann gesehnt.</p><p>Und dabei hatte es nicht das geringste ausgemacht, da� Scipio Brown ein Neger war.</p><p>Dieses Gef�hl hatte sich unterdessen verfl�chtigt, die Erinnerung daran w�rde ihr immer bleiben. Sie war Billy untreu gewesen, wenn auch nur ganz kurz, und ihr Moralgef�hl erzeugte Scham. Mit Billys Hautfarbe hatte das allerdings nichts zu tun. Er war die Liebe einer jeden Frau wert.</p><p><emphasis>Wenn Sie f�r einen Erwachsenen der gleichen Hautfarbe ebenso viel Liebe empfinden, dann haben Sie es geschafft.</emphasis></p><p>�Oh�, fl�sterte sie, drehte sich um und rannte ins Haus. �Madeline? Madeline!� Sie rannte durch die Zimmer, bis sie Madeline, Gedichte lesend, gefunden hatte. Als Madeline aufstand, warf Brett die Arme um sie und fing an zu weinen.</p><p>�Na, na, was ist denn?� begann Madeline mit vorsichtigem L�cheln.</p><p>�Madeline, es tut mir leid. Verzeih mir.�</p><p>�Was soll ich dir verzeihen? Du hast nichts Unrechtes getan.�</p><p>�Oh doch, das habe ich. Verzeih mir.�</p><p>Das Weinen hielt an, und Madeline streichelte die j�ngere Frau, um sie zu tr�sten. Erst f�hlte sie sich dabei unbehaglich, aber dann legte sich das. Eine ganze Weile hielt sie ihre Verwandte in den Armen, im Bewu�tsein, da� Brett Absolution brauchte, auch wenn sie den genauen Grund daf�r nicht kannte.</p><p><strong>115</strong></p><p>Granaten hatten das Schanzwerk teilweise zerst�rt. Billy f�hrte den Reparaturtrupp; sie arbeiteten in h�chster Eile, damit das Schanzwerk wieder bemannt werden konnte.</p><p>F�r Oktober war es noch sehr hei�, und Billy schuftete ohne Hemd. Billys Arbeiter geh�rten zu einem Zug von Schwarzen, die er in den vergangenen Wochen h�ufig beaufsichtigt hatte. Der Schwarze, der Billys M�nner unmittelbar kommandierte, war ein schwergewichtiger, sanft wirkender Sergeant namens Sebastian, mit einer Haut so hell wie Milchkaffee, einer gewaltigen Hakennase und leicht geschlitzten Augen, die nicht zu seinen anderen Gesichtsz�gen pa�ten. Er schonte sich nicht und erwartete das gleiche von den M�nnern seines Zuges.</p><p>W�hrend Billy Seite an Seite mit ihm schwitzte, erkundigte er sich: �Wo leben Sie, Sergeant Sebastian?�</p><p>�In Albany, New York, aber fr�her, da ist mein Opa von einer Farm in South Carolina weggerannt, wo er der einzige Sklave war. Opa war � �</p><p>Eine scharlachrote Explosion im Himmel �ber Petersburg zerschnitt die Unterhaltung. Fl�che schallten der heranheulenden Granate entgegen. Billy br�llte ein �berfl�ssiges Kommando, in Deckung zu gehen. Die meisten M�nner lagen schon auf dem Boden, als die Granate direkt in die teilweise reparierte Brustwehr einschlug.</p><p>Billy sch�tzte seinen Kopf mit beiden Armen. Irgendjemand schrie: �Sergeant Sebastian? Lieutenant Buck ist verwundet oder tot.�</p><p>Buck war der Zugoffizier. Sebastian verschwendete keine Zeit. Er kroch hoch, w�hrend weiter entfernte Batterien das Feuer er�ffneten. �Ich hole ihn rein.�</p><p>�Aber es ist nicht sicher w�hrend des Bombardements � �</p><p>�Zum Teufel mit der Sicherheit. Buck ist verwundet oder tot.�</p><p>Geduckt rannte Sebastian am Schanzwerk entlang. Billy hatte seinen Einwand aus �berlegung, nicht aus Feigheit gemacht, aber er wu�te, da� Sebastian ihm das nicht glaubte. Er sprang auf und rannte hinter dem Sergeant her.</p><p>�Reich ihn runter, Larkin.� Sebastian stand aufrecht, m�hte sich, das zerfallende Schanzwerk zu erreichen, wo der schwarze Offizier lag. Billy, der sich geduckt vorw�rtsschob, konnte nicht erkennen, was vor sich ging, aber es schien Schwierigkeiten zu geben.</p><p>Billy rief: �K�nnen Sie ihn erreichen, Sergeant?�</p><p>�Nein.�</p><p>�Ich versteh� nicht. Haben Sie ihn?�</p><p>�Ich sagte nein�, br�llte Sebastian, worauf ein Sch�tze der anderen Seite einen Schu� auf ihn abgab. Sebastian zuckte zusammen, st�hnte auf und krallte sich in die Erde. Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete er sich wieder auf.</p><p>Mit vor Angst trockenem Mund trat Billy neben den Sergeant. �Corporal Larkin?�</p><p>�Hier, Sir.�</p><p>�Wo ist der Lieutenant getroffen?�</p><p>�In der Brust.�</p><p>�Versuchen wir�s noch mal. Lassen Sie ihn mit den F��en zuerst runter. Ich wei�, da� Sie verwundet sind, Sebastian. Sie gehen auf der Stelle zur�ck.�</p><p>�Sie k�nnen ihn nicht allein tragen. Ich bin ganz in Ordnung.� Es h�rte sich nicht so an.</p><p>Langsam man�vrierten sie den verwundeten Lieutenant herunter in eine horizontale Position, dann trugen sie ihn auf die Sch�tzengr�ben zu.</p><p>�Da w�ren wir�, fl�sterte Billy, als die Holzverschanzung auftauchte. �Ihr M�nner da unten, nehmt ihn. Vorsichtig � vorsichtig! Ja, so ist�s gut � oh, verdammt � � Er sp�rte, wie Bucks Oberk�rper fiel, als Sebastian bewu�tlos umkippte.</p><p>Billy befahl einem schwarzen Soldaten: �Klettere hinten raus, und besorge M�nner mit zwei Tragbahren. Schnell, verflucht noch mal!�</p><p>Die halbe M�he war verschwendet. Die �rzte holten eine Kugel aus Lieutenant Bucks Brust und flickten ihn mit Erfolg zusammen, aber Sebastian starb bei Tagesanbruch.</p><p>An diesem Nachmittag schrieb Billy einige Gedanken in seinem Tagebuch nieder:</p><p><emphasis>Kein wei�er Mann k�nnte sich der Gefahr tapferer stellen als die farbigen Truppen. W�hrend des Granatfeuers zeigte Sebastian untadeligen Mut. Welch ein Fehler, da� ich Soldaten seiner Rasse als mir unterlegen betrachtete. Der Tod des Sergeants l��t mich an all dem, an das ich bisher glaubte, heftig zweifeln.</emphasis></p><p>Der Versorgungszug ratterte s�dwestw�rts. George fuhr, in seinen Mantel geh�llt, auf einem offenen Waggon. Es war ein grauer Samstag; Montag w�rde der 1. November sein. Die Luft roch nach Schnee und danach, da� die Belagerung nach dem fehlgeschlagenen Vorsto� vom letzten Donnerstag wieder zu einschl�fernder Ruhe �bergehen w�rde.</p><p>Der Zug nahm eine Biegung; die von Granaten zerfetzten B�ume blieben zur�ck, ein �berf�lltes Camp kam ins Blickfeld. Auf gefrorenem Boden wurde schwarze Infanterie gedrillt, w�hrend George und sein m�rrischer Begleiter vorbeifuhren.</p><p>�Schauen Sie sich dieses Spektakel an�, sagte der Colonel. �Vor f�nf Jahren h�tte kein anst�ndiger Christ das f�r m�glich gehalten.�</p><p>George hob eine Augenbraue, was der Colonel f�r Interesse hielt. Hitzig fuhr es fort: �Eine einzige Verschw�rung, um den wei�en Mann dem Nigger zu unterwerfen. Ich werd� Ihnen sagen, was dabei herauskommt. Blut in den Stra�en. Mehr Blut, als je in diesem Krieg vergossen worden ist, denn die Wei�en werden nicht zulassen, da� man sie versklavt.�</p><p>�Tats�chlich?� sagte George. �Ich dachte, die Sklaverei h�rt auf, und nicht, sie f�ngt an. Ich danke Ihnen f�r die Aufkl�rung, Sir.�</p><p>�Bei Gott, Sie lachen �ber mich. Ihr Name, Major?�</p><p>�Harriet Beecher Stowe�, sagte George und sprang vom Waggon.</p><p>Mittlerweile hatte es st�rker zu schneien begonnen. D�ster gestimmt trampte er auf das Camp des Pionierbataillons zu.</p><p>Das Camp hallte von Axtschl�gen wieder. Der pl�tzliche K�lteeinbruch hatte den Bau von H�tten beschleunigt.</p><p>Der Adjutant im Hauptquartier sagte, Billy sei in einem Arbeitsschuppen am Rande des Lagers. Als Billy seinen Bruder eintreten sah, grinste er und winkte ihm zu. Er war sehr d�nn geworden. Schau ich auch so schrecklich aus? fragte sich George. Vermutlich.</p><p>Die Br�der umarmten sich. Billy grinste breit: �Wie geht�s dir? Beim Gedanken, da� du kommst, konnte ich letzte Nacht nicht schlafen.�</p><p>Sie gingen zur Messe und begannen zu erz�hlen. Billy berichtete von einigen seiner Gef�ngniserlebnisse.</p><p>�Ich glaube, wir k�nnen f�r eine ganze Menge dankbar sein�, sagte Billy. �Ich h�tte im Gef�ngnis sterben k�nnen. Ohne Charles w�re ich wahrscheinlich auch tot.�</p><p>�Irgendeine Ahnung, wo er steckt?�</p><p>Billy sch�ttelte den Kopf. �Wade Hampton hatte hier in der Gegend einige hitzige Gefechte.� Er schaute nachdenklich drein. �Ich kann keine Begeisterung mehr f�rs Soldatspielen aufbringen. Ich glaube nicht, da� ich bei der Armee bleiben m�chte, falls ich je heil heimkomme.�</p><p>�Als ich Herman Haupt das letztemal sah, sprach er �ber den Westen. Er meint, nach dem Krieg w�rden da drau�en wie verr�ckt Eisenbahnen gebaut werden. Die Idee der Transkontinentallinie wird zweifellos wieder aufleben. Er meint, f�r f�hige Ingenieure bieten sich da gro�artige M�glichkeiten.�</p><p>�Da kann man mal dr�ber nachdenken.� Billy nickte. �Vorausgesetzt, wir bringen Bob Lee jemals zur Kapitulation.�</p><p>�Die Belagerung zieht sich sicher noch eine Weile hin�, stimmte George zu. �Scheu�liche Sache. Es hei�t, die Rebellen seien am Verhungern. Eine Handvoll Mais pro Tag, wenn �berhaupt. Ich wei�, sie haben den ersten Schu� abgefeuert. Ich wei�, sie m�ssen geschlagen werden, bis sie aufgeben. Aber es gibt Tage, da f�hle ich mich so deprimiert wie noch nie in meinem Leben.�</p><p>Billy starrte in seine leere Blechtasse. �Mir geht es ebenso.�</p><p>George war der �ltere der Br�der, und aus irgendeinem Grund hatten nun mal �ltere Br�der klug und stark zu sein. Er machte einen ziemlich fadenscheinigen Versuch.</p><p>�Wir schaffen es, wir kommen durch, mach dir nur keine Sorgen.�</p><p>In den Augen seines Bruders entdeckte George traurige Skepsis. Billy glaubte kein Wort von dem, was er eben gesagt hatte.</p><p>Nun, er selbst glaubte es auch nicht. Er hatte zuviel von Washington und Petersburg gesehen. Er hatte die Feuerglocken im April l�uten h�ren, vor langer Zeit schon.</p><p><strong>116</strong></p><p>Das Kratzen ihrer Feder und das Rauschen des Meeres � das waren die einzigen Ger�usche in der vollgestopften, sch�bigen Kabine.</p><p>Ashton beugte sich �ber das Rechnungsbuch auf dem winzigen Tisch unter der flackernden Lampe. Huntoon lag in der unteren Koje und betrachtete sie m�rrisch. Nach ihrer Abfahrt von Hamilton, Bermuda, hatte er den ganzen ersten Tag mindestens jede halbe Stunde einmal in einen Eimer erbrochen. Am zweiten Tag schaffte er es bis zur Reling, aber der Gestank hielt sich in der Kabine.</p><p>Ashton wog neun Pfund weniger als am Tag, an dem Orry ihr Mordkomplott aufgedeckt und sie fortgejagt hatte. Sie sehnte sich nach einer Gelegenheit, sich an ihrem Bruder zu r�chen. Im Moment aber hatte sie wichtigere Ziele. �berleben. Montreal erreichen, dann den S�dwesten. Ihre Sch�nheit wieder herstellen; im Augenblick sah sie gr��lich aus.</p><p>Ihr dringlichster Wunsch aber war, wieder bei Powell zu sein.</p><p>Schwere Brecher sch�ttelten die <emphasis>Royal Albert</emphasis> durch. Es war der Abend des Wahltags im Norden. November, die Zeit der rauhesten See im Nordatlantik.</p><p>Von seiner Koje aus r�chelte Huntoon: �Wie sp�t ist es?�</p><p>Zahlen niederschreibend sagte Ashton: �Schau auf deine Uhr.�</p><p>Er gab pathetische Ger�usche von sich, um die damit verbundene Anstrengung zu demonstrieren. �Fast elf. Willst du die Lampe nicht l�schen?�</p><p>�Erst, wenn ich fertig bin.�</p><p>�Was tust du?�</p><p>�Unsere Zinsen ausrechnen.� Die Nassau-Bank, in der ihre Profite deponiert waren, w�rde nicht wissen, wohin sie ihre Quartalsberichte schicken sollte, bis Powell die neue Regierung etabliert hatte.</p><p>Schnell rechnete sie die Zahlen zusammen. �Fast eine Viertelmillion Dollar. Das entsch�digt uns zumindest einigerma�en f�r dieses Elend.�</p><p>Huntoons runde Brillengl�ser beschlugen; er schwitzte. �M�glicherweise fordert Lamar einiges von diesem Geld.�</p><p>�Oh nein. Er bekommt keinen Penny, bis die neue Regierung im Amt ist, und vielleicht nicht mal dann. Bei diesem Abenteuer riskiert er das Gold aus seiner Mine � wir riskieren unser Leben.�</p><p>�Ich opfere lieber unser Bankkonto als unser Leben�, entgegnete er weinerlich. �Aber wenn du ehrlich bist, dann riskiert auch Powell mehr als nur sein Gold. Ich meine, er geht die gleichen physischen Gefahren ein wie wir.�</p><p>�Das sollte er auch. Es ist sein Plan.�</p><p>Ashton liebte Powell, sah aber in ihrer Einstellung keinen Widerspruch. Ein Plan war fehlgeschlagen; es konnte auch ein zweitesmal passieren. Merkw�rdigerweise hatte der Fehlschlag Powell nicht verbittert, obwohl er sich wochenlang in dieser dreckigen Mansarde hatte verstecken m�ssen, bevor er nach Wilmington geflohen war.</p><p>Auf Ashtons Betreiben hin hatte Huntoon eine Nachricht in einer von Powells Lieblingskneipen hinterlegt. So hatte er erfahren, was passiert war, und war via Nassau in Hamilton wieder zu ihnen gesto�en. Entdeckung, Flucht, Angst vor Verfolgung, all das hatte seine Entschlossenheit nur noch verst�rkt. Ashton war �berzeugt, da� Powell diesmal Erfolg haben und eine neue Nation ins Leben rufen w�rde.</p><p>W�hrend der Zeit hier an Bord dr�ngte sie ihn gelegentlich, ihr Einzelheiten �ber den neuen Staat mitzuteilen. Wo und auf wieviel Land? Wieviele Siedler erwartete er, und von wievielen Bewaffneten sollten sie verteidigt werden? Er behauptete, �ber s�mtliche Antworten zu verf�gen, sie aber lieber f�r sich behalten zu wollen � ein weiterer Grund, weshalb Ashton ihm ihren K�rper, aber nicht ihr Geld geben wollte.</p><p>�Ohhh.� Huntoon umklammerte seinen Bauch. �Ich glaube, ich sterbe.�</p><p>Nur zu, dachte Ashton. Sie stampfte mit dem Fu� auf. �Ich werde noch verr�ckt, wenn du nicht mit deinem kindischen Gejammer aufh�rst.�</p><p>�Aber ich f�hle mich so schrecklich elend.� Seine Augen waren feucht und schw�chlich. �Ich will wieder zur�ck nach South Carolina � ich will mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben.�</p><p>�Das geht nicht.� Er zuckte vor der Verachtung in ihrer Stimme zur�ck. �Es <emphasis>wird</emphasis> eine neue Konf�deration geben, und wir werden eine sehr wichtige Rolle dabei spielen.�</p><p>�Ashton, ich wei� einfach nicht, ob ich den Mut habe.�</p><p>�Oh doch, du hast.� Sie sch�ttelte ihn an den Schultern, spuckte ihm fast ins Gesicht. �Bei Gott, du wirst den Mut haben, oder du bist nicht mehr mein Mann. Jetzt schlaf. Ich brauche ein bi�chen frische Luft.�</p><p>Sie schnappte sich einen Umhang, blies die Lampe aus und knallte die gebrechliche T�r hinter sich zu. Sie fluchte vor sich hin, als sie ihn weinen h�rte.</p><p>Sie fand Powell an der Reling. Sein L�cheln, als er ihren Kopf an seine Schulter zog, sah sie nicht.</p><p>�Ich ertrage das nicht mehr, Lamar�, sagte sie. �James macht mich mit seinem ewigen Gejammer verr�ckt. Ich kann nicht allein in deine Kabine kommen. Ich kann dich nicht k�ssen, dich nicht mal ber�hren.� Halb krank und von Liebe �berw�ltigt, griff sie mit der Hand nach unten, klammerte sich fest. �Das ist es, was ich will. Allein damit hast du mich an dich gekettet, wie ein Niggerm�dchen auf einer Plantage. Ich kann nicht mehr schlafen, ich habe jedes Gef�hl f�r Anstand verloren, ich will nur noch das. Du hast mich zu seiner Sklavin gemacht, und dann hast du ihn mir weggenommen.�</p><p>Der gefl�sterte Ausbruch entz�ckte ihn. Sie merkte, was sie getan hatte, und senkte den Kopf. Abrupt lie� sie los. Fast onkelhaft t�tschelte er ihren Arm.</p><p>�Ich habe ihn dir, wie du es so entz�ckend formuliert hast, aus reiner Notwendigkeit weggenommen. Was regt dich so auf?�</p><p>�Ich will <emphasis>dich!�</emphasis></p><p>�Sonst nichts? Geduld�, murmelte er. �Nur Geduld. Wir brauchen James noch eine Weile. Ich ben�tige mindestens einen Mann, der mich nach Virginia City begleitet und mir beim Transport des Goldes von der Mine hilft.�</p><p>Powell warf einen schnellen Blick �ber Deck, dann beugte er sich vor und k��te sie, seine Zunge zwischen ihre Lippen schiebend. Sekunden vergingen, dann l�ste er sich l�chelnd.</p><p>�Wovon du vorhin geredet hast, Liebes, wonach es dich so heftig gel�stet, das wird bald wieder dort sein, wo es hingeh�rt.�</p><p>Einige Tage sp�ter kehrte Cooper aus Charleston zur�ck. Sein Besuch in der belagerten Stadt konnte kaum als Erfolg bezeichnet werden. Er hatte nicht mehr als zwei alte, rostige Hawkens auftreiben k�nnen. Munition vom .50-Kaliber f�r die Vorderlader hatte es keine gegeben. Daf�r hatte er eine Gu�form und ein paar Bleibarren entdeckt, die in der n�chsten Woche mit dem Dampfer den Ashley hochtransportiert werden w�rden. Pulver gab es nirgendwo; sie mu�ten mit dem kleinen Restvorrat auf Mont Royal auskommen.</p><p>Auf dem alten Klepper, den er sich von einem Nachbarn geliehen hatte, ritt Cooper die Flu�stra�e entlang. Durch das pl�tzlich aufsteigende Kr�hengeschrei hindurch h�rte er eine k�rperlose Stimme. �Mist� Cooper?�</p><p>Er ri� die Taschenpistole aus seiner Jacke. �Wer ist da?�</p><p>�K�nn� mich nich� sehen, Mist� Cooper. Ich seh� Sie gut.�</p><p>Schreck zeigte sich auf Coopers Gesicht, als er die Stimme erkannte.</p><p>�Cuffey? Bist du das?�</p><p>Das rauhe Gekr�chz hallte �ber die leere Stra�e. Dann ert�nte wieder die Stimme.</p><p>�Hei�t, Sie sind wieder da. Will Ihnen was sag�n. Das Unterste wird bald oben sein.�</p><p>�Wenn du ein Mann bist, Cuffey, dann zeig dich.� Schweigen. �Cuffey?�</p><p><emphasis>CuffeyCuffeyCuffeyCuffey �</emphasis> der Schrei rollte in d�stere Ferne. Das Pferd scheute; Cooper zog scharf am Z�gel.</p><p>�Was ganz unten wird oben sein. Was oben iss�, wird kaputtgemacht, zerhackt, niedergebrannt. F�r immer, kannst dich drauf verlass�n � � Die unsichtbare Stimme verklang, bis nur noch ein Echo zu h�ren war.</p><p>Mit angeekeltem Gesicht stie� Cooper die Pistole zur�ck in seine Tasche. Im Galopp trieb er den alten Klepper die Flu�stra�e entlang. Die Kr�hen kreischten. Weshalb h�rte es sich wie Gel�chter an?</p><p><strong>117</strong></p><p>Graue W�lfe schlichen sich in diesem Herbst in die Gr�ben der Petersburgfront. Mit Z�hnen und Klauen gruben sie sich knurrend ihren Peinigern entgegen.</p><p>Graue W�lfe, die von gebranntem Mais lebten, noch mehr aber nach einem oder zwei Schluck Blut d�rsteten. Mit zwanzig hatten sie die uralten Augen, die man von hundert Jahren T�ten bekommt.</p><p>Das k�ltere Wetter bleichte viele Gesichter; andere blieben vom Sommer sonnenger�tet. Ob wei� oder rot, sie sahen b�sartig, sie sahen t�dlich aus.</p><p>Mit Blechtasse, Decke, Patronenschachtel, Gewehr hatten sie sich kreuz und quer �ber die Landkarte des Staates gek�mpft � Plantagenjungs, Farmerjungs, Stadtjungs. Auf der dicken Hornhaut ihrer nackten F��e waren sie zur letzten Stellung marschiert, in Vogelscheuchenklamotten und mit knurrenden M�gen. Sie duckten sich in die Gr�ben, nur noch mit ihrem Mut bewaffnet und einem Ruf, der gr��er war als sie alle zusammen. So gro�, da� er all die Spr�che und Slogans �berdauern w�rde, an die sie sich gar nicht mehr erinnern konnten.</p><p>Graue W�lfe; sie waren bereits zur Legende geworden, als der erste Schnee fiel. Sie waren die Armee von Nordvirginia.</p><p>�Haben Sie das geh�rt?� fragte Orry. Seine Hand ruhte auf dem Knauf des Solingen-Degens. Er und zwei Adjutanten kehrten auf der Stra�e �stlich von Richmond vom Hauptquartier des Ersten Corps zur�ck, als das Ger�usch, laut genug, um die Ger�usche der Pferde zu �bert�nen, sie zum Halten brachte.</p><p>Wachsame Blicke huschten von Baum zu Baum; die beiden Adjutanten, junge und unerfahrene Virginier aus Montagues Notbrigade, nickten. �Ein Hilferuf�, sagte der eine. �Zumindest glaube ich, das Wort Hilfe geh�rt zu haben.�</p><p>�Sollen wir nachsehen, Sir?� fragte der andere.</p><p>Orrys Instinkt sagte nein. Sie waren bereits zu sp�t dran, und der Nebel war geradezu ideal f�r einen Hinterhalt. Er versuchte, sich ganz genau an den Laut zu erinnern; er glaubte, Schmerz herausgeh�rt zu haben.</p><p>�Ich gehe voran�, sagte er.</p><p>Orry atmete tief durch. Ein pl�tzliches Wiehern erschreckte sein Pferd. Er z�gelte durch und ritt, den Revolver im Anschlag, um den n�chsten gro�en Baum; dahinter lag ein gefallener Kavalleriewallach mit einer gro�en, blutenden Ri�wunde an der Seite. Er hob den Kopf und schlug schwach mit den Hufen. Ein Unionspferd, kein Zweifel.</p><p>�Wo sind Sie?� rief er in den Nebel.</p><p>Schweigen. Feuchtigkeit tropfte aus den B�umen.</p><p>Dann: �Hier.�</p><p>Orry trieb sein Pferd voran. �ber die Schulter sagte er: �Das Pferd ist erledigt. Erschie�t es.�</p><p>Das Echo des Schusses rollte davon, dann wieder Stille. Hinter einem weiteren Baum entdeckte Orry ihn; ein blaues Bein mit gelbem Streifen, das andere abgeknickt, um sich gegen die nasse Borke des Baumes zu stemmen. Ihre Blicke trafen sich. Seine Augen waren voller Schmerz, jedoch vorsichtig, fast kalt. Der Kavallerist war ein z�h wirkender, stoppelgesichtiger junger Mann mit schweren Brauen. Seine linke Hand ruhte auf der durchbluteten Taille seines dunkelblauen Waffenrocks. Am linken Oberarm hatte er einen dunkelbraunen, fleckigen Verband.</p><p>�Hab� ihn gefunden�, sagte Orry, ohne sich umzudrehen. Die Adjutanten ritten heran. Der halb bewu�tlose Yank beobachtete sie aus d�steren Augen. �Nehmt ihm den S�bel ab.�</p><p>Der Adjutant nahm seinen Revolver in die linke Hand. Der S�bel glitt mit einem st�hlernen Laut aus der Scheide. Der Adjutant hustete. �Mein Gott, ist der dreckig. Eiter und L�use und Gott wei� was noch.� Er wandte sich Orry zu. ��ble Wunde, Colonel. Schaut nach Bauchwunde aus.�</p><p>�Dein Name und deine Einheit, Billy Yank?� wollte der andere Adjutant wissen.</p><p>�Daf�r ist sp�ter auch noch Zeit�, sagte Orry.</p><p>Der zweite Adjutant stieg aus dem Sattel. �K�nnten ihn genausogut erschie�en, oder, Sir? Mit der Verwundung hat er kaum eine Chance.�</p><p>Das stimmte. Bauchwunden waren f�r gew�hnlich t�dlich.</p><p>Es w�rde ihren vielbesch�ftigten �rzten Zeit und M�he ersparen, wenn er jetzt einfach dem Soldaten eine Kugel durchs Herz jagte. Das w�re humaner, als ihn leiden zu lassen. Au�erdem traute Orry dem Ausdruck in den Augen des jungen Kavalleristen nicht.</p><p>Scham �berw�ltigte ihn. Zu was f�r einem Monster entwickelte er sich, um so etwas �berhaupt in Erw�gung zu ziehen?</p><p>�Wir sollten die �rzte entscheiden lassen, wie seine Chancen stehen�, sagte er zu den Virginiajungs. Er trat zu dem Verwundeten, der keinerlei Dankbarkeit, keinerlei Emotion zeigte. Seine Vorsicht verwandelte sich in k�hles Mitleid. Orry trat zwei Schritt zur�ck, drehte sich den beiden Adjutanten zu. �Mal sehen, ob wir aus diesen �sten und einer Satteldecke eine Tragbahre bauen k�nnen. Dann � �</p><p>Er h�rte die Ger�usche hinter sich, sah im gleichen Augenblick Schock und Angst auf dem Gesicht des einen Adjutanten. Orrys hochgewachsener K�rper hatte den jungen M�nnern f�r einen Moment den Blick auf den verwundeten Yank verwehrt, der die Gelegenheit benutzt hatte, um einen verborgenen Colt unter seinem rechten Oberschenkel hervorzuziehen. Er zielte auf Orrys Hinterkopf und dr�ckte ab.</p><p>Der Schu� dr�hnte; die Kugel fetzte den Oberteil von Orrys Sch�del weg. W�hrend er, bereits tot, auf die Knie sank, feuerten die fluchenden, schreienden Adjutanten Schu� um Schu� in den Yank. Die Kugeln rissen ihn in die eine, dann in die andere Richtung, wie eine wahnsinnige Marionette. Als das Schie�en aufh�rte, legte er sich mit einem seltsamen, friedlichen Seufzer nach rechts, als w�rde er schlafen.</p><p>An diesem Tag verlie� Madeline wenige Minuten vor der Mittagszeit Belvedere, um einen Spaziergang durch die H�gel zu machen. Im ganzen Haus herrschte eine Art Jubelstimmung, ausgel�st durch Neuigkeiten, die �ber den Telegraphen gekommen waren und sich innerhalb von zwei Stunden in Lehigh Station ausgebreitet hatten. Drei Tage zuvor hatte General Sherman dem Pr�sidenten eine unerwartete Gru�botschaft geschickt.</p><p><emphasis>Ich bitte darum, Ihnen als Weihnachtsgeschenk die Stadt Savannah pr�sentieren zu d�rfen.</emphasis></p><p>Madeline konnte die Feiertagsstimmung nicht teilen. Vor allem Constance verstand das und hielt sich mit ihren Bemerkungen �ber Shermans unglaublichen Vormarsch auf die K�ste zur�ck.</p><p>Vom H�gel oben h�rte sie Kirchturml�uten. Nach und nach fielen die anderen Kirchenglocken ein, um die guten Nachrichten zu feiern. Mit gesenktem Kopf wandte sich Madeline ab, nur von einem einzigen Gedanken besessen: <emphasis>Wenn doch Orry nur zu Weihnachten hier w�re.</emphasis></p><p>Sie mu�te ihre Abneigung gegen das Glockenl�uten aufgeben, sie mu�te sich dar�ber freuen. Jeder Unionssieg brachte den Tag n�her, an dem Orry Richmond verlassen und zu ihr nach Mont Royal kommen konnte. So betrachtet enthielten die Glocken eine Hoffnungsbotschaft.</p><p>Der Friede der Jahreszeit erf�llte sie langsam und zeigte ihr Visionen vieler anderer Weihnachten, die sie mit ihrem geliebten Orry erleben w�rde. Sie war gl�cklich, als sie sich wieder auf den Weg nach unten machte.</p></section><section><title><p><strong>Sechstes Buch.</strong></p><p><strong>Das Urteil des Herrn</strong></p></title><p><emphasis>Ich bin der Ansicht, Sir, da� unsere Leute des Krieges m�de sind, sich geschlagen f�hlen und nicht mehr k�mpfen wollen. Unser Land ist am Ende.</emphasis></p><p>General Joe Johnston zu Jefferson Davis, nach Appomattox, 1865</p><p><strong>118</strong></p><p>Mr. Lonzo Perdue, Postangestellter und in dritter Generation Einwohner von Richmond, f�hlte sich vom Elend verfolgt. Eine Menge Anzeichen deuteten darauf hin, da� der Todeskampf der Konf�deration bereits begonnen hatte, was gleichbedeutend war mit dem Todeskampf der Stadt.</p><p>Es war Januar, nach Lonzo Perdues Erinnerung der k�lteste Januar seit Menschengedenken. Noch m�rrischer als gew�hnlich betrat er an diesem Morgen Goddin Hall, das vierst�ckige Backsteingeb�ude gerade unterhalb vom Capitol Square. Salvarini, sein Kollege, hatte bereits den Inhalt zweier gro�er Taschen mit eingegangener Post auf den Arbeitstisch gekippt, die in andere Kisten und Taschen sortiert werden mu�te.</p><p>Sie machten sich �ber die Briefe her, geschrieben auf Packpapier, Tapetenpapier, Zeitungspapier � auf jedem nur vorstellbaren Papier.</p><p>�Die Adressen werden auch jeden Tag vager�, beklagte sich Mr. Perdue. �Schau dir das an.� Er hielt einen Umschlag hoch, der sich dadurch unterschied, da� er genau das war � ein richtiger Briefumschlag, versiegelt und mit k�hner Handschrift versehen. Der Absender hatte sich in der oberen Ecke als <emphasis>J. Duncan, Esq.</emphasis> identifiziert. Die Anschrift lautete: <emphasis>Maj. Chas. Main, Hampton�s Cavalry Corps, C.S.A.</emphasis></p><p>Salvarini nickte. �Au�erdem ist keine Briefmarke drauf.�</p><p>�Ja, das hab� ich gesehn�, knurrte Mr. Perdue. �M�chte wetten, irgendein verdammter Yankee hat das mit illegalem Kurier geschickt und der Kurier hat sich die Marke geschenkt, als er den Brief hier aufgab. Ich will verflucht sein, wenn ich Feindpost bef�rdere.�</p><p>Salvarini war gn�diger. �Vielleicht ist der Absender ein S�dstaatler, der sich keine Marke leisten konnte.�</p><p>Lonzo Perdue, respektabler Ehemann, besorgter Vater, entt�uschter Patriot, starrte den Brief an, w�hrend sich seine Mundwinkel noch weiter nach unten zogen.</p><p>�Vorschrift ist Vorschrift�, erkl�rte Mr. Perdue.</p><p>�Aber du wei�t nicht, was drin steht, Lonzo. Vielleicht ist es wichtig. Nachricht vom Tod eines Verwandten � was in der Art?�</p><p>�Dann wird�s dieser Major Main schon auf andere Weise erfahren�, entgegnete sein Kollege. Mit einem kurzen Rucken des Handgelenks schleuderte Mr. Perdue den Brief in eine Holzkiste, die bereits zur H�lfte mit falsch adressierten Briefen gef�llt war � unzustellbare Sendungen, die gelagert und sp�ter vernichtet werden w�rden.</p><p><strong>119</strong></p><p>Der Kampf war zweifellos verloren; Charles spielte seine Rolle, aber er f�hlte sich zunehmend einsamer. Selbst General Hampton wirkte nicht mehr zuversichtlich, obwohl er schwor, bis zum letzten Blutstropfen zu k�mpfen. Der General war m�rrisch geworden und steckte, wie manche behaupteten, voller Rachegef�hle, seit Preston, sein Sohn und Adjutant, im letzten Oktober bei Hatcher�s Run get�tet worden war. Im gleichen Gefecht war sein anderer Sohn Wade verwundet worden.</p><p>Charles funktionierte, er ritt und scho�, aber sein wirkliches Ich lebte losgel�st von den t�glichen Ereignissen. Nach seiner Bef�rderung war Hampton zum Stab gegangen; und Charles sah ihn nur noch von fern. Calbraith Butlers Division befand sich auf dem Weg in die Heimat, um South Carolina gegen Shermans Horden zu verteidigen.</p><p>Zusammen mit der Januark�lte st�rzte das Charles in die tiefste Depression, die er je erlebt hatte. Ein Gedanke ging ihm Tag und Nacht nicht aus dem Sinn. Allm�hlich war er �berzeugt davon, da� er den schlimmsten Fehler seines Lebens begangen hatte, als er Gus verlassen hatte.</p><p>Sein Bart hing ihm nun bis auf die Brust. Sein eigener Geruch war eine Beleidigung f�r seine Nase. Um sich in der Eisesk�lte warm zu halten, hatte er sich aus Uniformfetzen einen Poncho gen�ht, der mit der Zeit immer l�nger wurde und ihm einen neuen Spitznamen einbrachte.</p><p>Er trug diesen Mantel, als er und Jim Pickles in einer schwarzen Januarnacht neben einem kleinen Feuer kauerten. Ein scharfer Wind wehte, w�hrend sie ihre Tagesration genossen, eine Handvoll Mais, getrocknet und halb verbrannt.</p><p>�Gypsy?� Charles blickte auf. Jim w�hlte unter seinem dreckigen Mantel. �Hab� heute Post bekommen. Sechs Wochen alt. Meine Mama liegt im Sterben, wenn sie�, er r�usperte sich, �nicht schon gestorben ist.� Eine Pause. Er beobachtete seinen Freund angespannt, um die Wirkung seiner n�chsten Worte abzusch�tzen.</p><p>�Ich haue ab.�</p><p>Die Ank�ndigung kam nicht �berraschend. Aber Charles� Stimme war so kalt wie das Wetter, als er antwortete:</p><p>�Das ist Desertion.�</p><p>�Na und? Wenn Mama tot ist, ist niemand da, der sich um die Kleinen k�mmern k�nnte. Niemand au�er mir.�</p><p>Charles sch�ttelte den Kopf. �Es ist deine Pflicht zu bleiben.�</p><p>�Red mir nicht von Pflicht, wenn sich die halbe Armee bereits nach S�den abgesetzt hat.� Jims Lippen wurden schmal. �Erz�hl mir noch so �nen Quatsch. Ich erkenne Schei�e, wenn ich sie rieche.�</p><p>�Macht keinen Unterschied�, sagte Charles mit fremder, t�dlicher Stimme. �Du kannst nicht gehen.�</p><p>�Macht auch keinen Unterschied, wenn ich bleibe.� Jim schleuderte den letzten Rest seiner kleinen Ration ins Feuer; das h�tte Charles warnen sollen, vorsichtig zu sein. �Wir sind geschlagen, Gypsy. Erledigt! Jeff Davis wei� es, Bob Lee wei� es, General Hampton � alle bis auf dich.�</p><p>�Trotzdem�, Charles zuckte die Schultern, �du kannst nicht gehen.� Er starrte ihn an. �Ich werde es nicht zulassen.�</p><p>�Sag das noch mal, Gypsy.�</p><p>�Einfach genug. Ich lasse nicht zu, da� du desertierst.�</p><p>Jim sprang auf die F��e. Sein K�rper, einst bullig, wirkte geschrumpft und zerbrechlich. �Du verdammter � �</p><p>Er stoppte, schluckte, beherrschte sich. �Halt dich raus, Charlie. Bitte. Du bist mein bester Freund, aber ich schw�re bei Jesus � wenn du mich aufhalten willst, dann tue ich dir weh. Ich werde dir verdammt weh tun.�</p><p>Charles, m�de und ausgelaugt, starrte weiterhin unter seiner Hutkrempe vor. Jim Pickles meinte, was er sagte. Charles hatte seinen Armee-Colt unter dem Umhang, aber er griff nicht danach. Regungslos blieb er sitzen.</p><p>Voller Trauer: �Irgendwas hat dich um den Verstand gebracht, Charlie. Besser, du kurierst dich selbst erst mal aus, bevor du auf andere losgehst.�</p><p>Charles starrte vor sich hin.</p><p>�Mach�s gut. Pa� auf dich auf.�</p><p>Jim drehte sich um und schlurfte mit langsamen, entschlossenen Schritten davon. Charles h�rte die sich entfernenden Hufschl�ge von Jims Pferd. Zusammengekr�mmt blieb er am sterbenden Feuer sitzen. <emphasis>Irgendwas hat dich um den Verstand gebracht.</emphasis> Die Liste lie� sich m�helos zusammenstellen. Der Krieg. Die Liebe zu Gus. Und sein letzter, unheilvoller Fehler.</p><p>Zwei Tage sp�ter ritten Charles und f�nf weitere Scouts, alle in erbeuteten Yankeeuniformen, erneut los, um die linke Unionsflanke zu beobachten. Im fahlen Licht kurz vor der Morgend�mmerung schlugen die Scouts einen weiten Bogen in s�d�stlicher Richtung, auf die Weldon-Eisenbahnlinie zu. Der leichte Schneefall h�rte auf, und der Himmel wurde klar. Sie zogen sich auseinander, jeder au�er Sichtweite des anderen, um mehr Grund und Boden abzudecken.</p><p>Charles trieb Sport in das weite Schweigen hinein, die Schrotflinte �ber den Oberschenkeln; es fehlte nicht viel zu der Vorstellung, er betrete irgendeine fantastische wei�e Kathedrale.</p><p>Schreie zerst�rten diese Illusion. Die Schreie eines sterbenden Mannes. Durch den dichten Bodennebel direkt vor ihm drangen sie zu ihm.</p><p>Er hielt Sport zur�ck; der knochige Wallach hatte die Schreie ebenfalls geh�rt. Charles lauschte. Keine Sch�sse. Merkw�rdig. Er murmelte ein Kommando. Der Graue strebte vorw�rts. Nach vielleicht einer Viertelmeile sah Charles orangefarbene Flecken im Nebel. Wieder h�rte er die durchdringenden Schreie und lautes Knacken. Er roch Rauch.</p><p>Noch langsamer trieb er Sport voran, begann berittene M�nner zu erkennen vor verwaschenem Feuerschein, irgendeinem brennenden Geb�ude. Aber warum die Schreie?</p><p>Teilweise hinter einem Baum verborgen z�hlte er zehn M�nner. Er sah einen Wagen mit wei�er Plane und sechs weitere M�nner in blauen Uniformen, die von den anderen mit Pistolen und Schrotflinten bedroht wurden. Einer der zehn drehte sein Pferd. Charles sah einen Offiziersrock mit Goldverschn�rung. Und einen Priesterkragen.</p><p>Etwas klickte. Er kannte diese Bande lokaler Partisanen.</p><p>Hinter ihnen brannte ein teilweise zerst�rtes Farmhaus hell und leuchtend. Charles beschlo�, sich bemerkbar zu machen. Zuerst aber mu�te er die Uniformjacke der Union loswerden. Er k�mpfte noch mit dem �rmel, als er den Reiter mit dem Priesterkragen mit einem Handschuh winken sah. Zwei seiner M�nner stiegen ab und zerrten einen der ver�ngstigten Unionssoldaten mit vorgehaltenen Waffen aus der Gruppe. �Marschier da rein, Yank. Genau wie die anderen vor dir.�</p><p>Der Gefangene begann zu schreien, noch bevor ihn die Flammen ber�hrten. Einer der Partisanen rammte ihm von hinten ein Bajonett in die Beine, so da� er mit dem Gesicht nach vorn in das Feuer fiel. Sein Haar entz�ndete sich; dann h�llte ihn der Rauch ein.</p><p>Zitternd und fluchend trieb Charles Sport unter den B�umen hervor, seine Schrotflinte schwenkend. �Major Main, Hamptons Kavallerie. Nicht schie�en!�</p><p>Die Partisanen hatten sich bereits umgewandt und ihre Waffen auf ihn gerichtet. Er hielt vor den ungewaschenen, gemein wirkenden M�nnern, deren Verheerungen zum Skandal in der Konf�deration geworden waren.</p><p>�Was zum Teufel geht hier vor?� fragte Charles, obwohl die Schreie und der �ble Gestank nach verbranntem Fleisch eine nur zu deutliche Sprache sprachen.</p><p>�Colonel Follywell, Sir�, sagte der Anf�hrer. �Und wer sind Sie, um eine solche Frage zu stellen, noch dazu auf so arrogante Weise?�</p><p>�Deacon Follywell�, sagte Charles, der seine Vermutung best�tigt sah. �Ich habe von Ihnen geh�rt. Ich sagte bereits, wer ich bin. Major Main. Scout f�r General Hampton.�</p><p>�K�nnen Sie das beweisen?� scho� Follywell zur�ck.</p><p>�Mein Wort gen�gt. Und das hier.� Charles hob seine Schrotflinte. �Wer sind diese Gefangenen?�</p><p>�Gruppe von Pionieren, laut ihrem kommandierenden Offizier. Wir �berraschten sie, wie sie dieses verlassene Besitztum sch�ndeten.�</p><p>�Wir haben Holz geholt, nichts weiter, du m�rderischer Bastard�, schrie einer der Gefangenen. Ein Partisan zu Pferd schlug ihn mit dem Gewehrkolben nieder.</p><p>�Und so fordern wir, wie es unsere Gewohnheit ist, Vergeltung f�r die zahlreichen Yankee-Grausamkeiten, w�hrend wir gleichzeitig die Verhei�ung des Apostels Paulus erf�llen: �Der Himmel mit seinen Allm�chtigen Engeln wird uns den Herrn Jesus offenbaren��, mit erhobenem Zeigefinger deutete der Diakon auf Charles, ��und mit flammendem Feuer Rache nehmen an jenen, die Gott nicht kennen und dem Evangelium unseres Herrn Jesus Christus nicht gehorchen.��</p><p>Charles pre�te voller Abscheu die Lippen zusammen. Mit einem leicht drohenden Ausdruck in seinen w��rigen braunen Augen sagte Deacon Follywell: �Ich nehme an, wir haben eine zufriedenstellende Erkl�rung abgegeben. Wir werden deshalb mit ihrer freundlichen Erlaubnis unser Werk fortf�hren.�</p><p>Charles sch�ttelte den Kopf. �Den Teufel haben Sie meine Erlaubnis, Deacon. Bestimmt nicht, um Leute bei lebendigem Leib zu verbrennen. Ich �bernehme die Gefangenen.�</p><p>Er rechnete damit, da� die Partisanen einem regul�ren Armeeoffizier gehorchen w�rden; Follywell hatte sich zweifellos selbst zum Colonel ernannt. Er erkannte seinen Fehler, als Deacon Follywell seinen S�bel zog und die Spitze gegen Charles� Brust dr�ckte.</p><p>�Versuchen Sie�s, Major, und Sie gehen als n�chster in die Flammen.�</p><p>Nackte Angst durchzuckte Charles. Er konnte diese Bande nicht zum Gehorsam zwingen. Noch konnte er einfach davonreiten, selbst wenn sein Gewissen das zugelassen h�tte, was nicht der Fall war. Im gleichen Moment erkannte er die einzige M�glichkeit, die Yanks zu retten und weitere Morde zu verhindern. Er mu�te eine vor�bergehende Allianz bilden.</p><p>Zum erstenmal betrachtete er die Gefangenen. Sein Magen verkrampfte sich. Der untersetzte, b�rtige Offizier, der die Gruppe f�hrte, war Billy Hazard.</p><p>Billy erkannte ihn; Charles sah es an dem Schock in den Augen seines Freundes. Aber Billy vermied sorgf�ltig jedes Zeichen.</p><p>W�rden die restlichen Yankees k�mpfen? Wahrscheinlich, angesichts der Alternative, die ihnen blieb. Konnten sie die doppelte Anzahl Feinde �berw�ltigen? Vielleicht � wenn Charles die Chancen etwas umverteilte. Was ihm jetzt durch den Sinn ging, war eine Abkehr vom Weg, den er seit Sharpsburg gegangen war; irgendwann in diesem trostlosen Winter hatte er zu sp�t begriffen, wohin dieser Weg f�hrte.</p><p>Charles senkte den Kopf und begegnete Follywells starrem Blick. �Droh mir nicht, du ignoranter Farmer. Ich bin ein ordentlich ernannter Offizier der Konf�deration und werde diese M�nner � �</p><p>�Zieht ihn aus dem Sattel.� Follywell winkte seinen Kumpanen zu. Der Reiter rechts von Charles griff nach ihm. Charles verpa�te ihm eine volle Schrotladung.</p><p>Die Schrotkugeln machten ein Sieb aus dem Gesicht des Mannes. Follywell r�hrte los und holte mit dem S�bel zum t�dlichen Schlag aus. Er bekam die zweite Schrotladung. Der Schu� ri� ihn aus dem Sattel; sein Kopf kippte �ber den zerfetzten Nacken.</p><p>�Billy � ihr alle � rennt!�</p><p>Charles hatte die Chancen acht zu f�nf eingesch�tzt. Ein Partisan drehte sein Pferd Charles zu, der hastig seinen Colt aus dem Holster zerrte. Zwei Yanks sprangen einen weiteren Partisan an, w�hrend der andere auf Charles zielte.</p><p>Rufe, Fl�che, Kampfget�mmel. Charles w�re getroffen worden, h�tte ihm nicht ein anderer von Follywells M�nner von hinten den Lauf seines Gewehrs �ber den Sch�del gezogen. Charles rutschte nach links aus dem Sattel. Der Partisan mit dem Gewehr hinter ihm hustete rauh; der Schu�, den der andere Mann abgefeuert hatte, war durch seine rechte Schulter gegangen.</p><p>Mit Kopf und Schultern schlug Charles hart auf den Boden. Sport sp�rte das ungewohnte Zerren am linken Steigb�gel, stampfte und scheute. Der Rest ging sehr schnell, aber f�r Charles lief alles in Zeitlupe ab. Ein weiterer Partisan sprang aus dem Sattel und trat auf Charles� ausgestreckten rechten Arm. Seine Hand �ffnete sich. Er verlor seinen Revolver.</p><p>Der Partisan warf sich auf Charles, w�rgte ihn, dr�ckte ihm eine Pistolenm�ndung gegen die Achselh�hle. Er wappnete sich gegen die Kugel, als ohne Vorwarnung ein wuchtiger Schatten gegen den Partisanen knallte. Die Pistole des Mannes ging los; jemand schrie auf. Erst da begriff Charles, da� Billy im Hechtsprung den Partisanen weggefegt und selbst die Kugel abbekommen hatte.</p><p>Der Partisan zu Pferd feuerte. Ein tierisches Bellen folgte dem Schu�. Charles schrie: <emphasis>�Sport!�</emphasis></p><p>Billy, verwundet, k�mpfte mit dem anderen Partisanen unter dem Bauch des grauen Wallachs. Billy schaffte es, das Handgelenk des Partisanen zu drehen, dessen eigene Pistole zu wenden. Billys Finger glitten �ber die Finger des anderen Mannes, zwangen ihn, sich selbst in den Bauch zu schie�en.</p><p>Charles starrte auf Sports linke Schulter, wo die Kugel eingedrungen war. Der Schu�kanal ging nach unten. Nicht tief, dachte er, oh Gott, la� es nicht tief sein.</p><p>Er griff nach seinem Colt, rollte nach links weg. Der berittene Partisan versuchte erneut, auf ihn zu schie�en, war aber zu langsam. Charles umklammerte mit beiden H�nden seinen Revolver. Zwei Kugeln t�teten den Gegner.</p><p>Schwer atmend kroch Billy unter dem Grauen vor. Die anderen Pioniere befanden sich im Handgemenge mit Follywells M�nnern, noch l�ngst nicht au�er Gefahr. Charles schwankte hoch; Billy ebenfalls.</p><p>�Hau ab � solange du noch kannst.� Billys Atem kam in wei�en Wolken. Vor Schmerz bi� er die Z�hne zusammen. �Das ist � eine Schuld weniger.�</p><p>Schnell dr�ckte Charles den �rmel seines Freundes. �Pa� auf dich auf.�</p><p>Er schwang sich in den Sattel; beinahe w�ren die Vorderbeine des Grauen weggeknickt. Er mu�te verschwinden � die Sch�sse w�rden nahegelegene Unionstruppen anlocken �, zuvor aber mu�te er noch das �berleben der Yankees sicherstellen. Er feuerte zweimal; zwei Partisanen kippten aus dem Sattel, einer tot, der andere verwundet. Als die Unionspioniere sich der Waffen bem�chtigten, rissen die Partisanen ihre Pferde herum und donnerten davon.</p><p>Der Wallach begann zu trotten. �Schaffst du es, Sport?� fragte Charles mit trockener, angespannter Stimme. Sie ritten �ber wei�en Schnee, und hinter sich sah er in regelm��igen Abst�nden die Blutflecken. Er wu�te, wie das Ende aussehen w�rde, und begann zu fluchen.</p><p>�ber seine Schulter hinweg erkannte er zwei von Deacon Follywells Partisanen, die ihn verfolgten. Einer lie� die Z�gel fallen und feuerte seinen Karabiner ab. Die Kugel schlug vor Sport ein, der mit der Sicherheit des erfahrenen Streitrosses sich seitlich wegb�umte; ein gro�er, roter Fleck blieb zur�ck.</p><p>Der fahle Sonnenschein warf die bleichen Schatten der Reiter in das Feld, einer vorn, zwei dahinter. Charles schnaufte fast so schwer wie sein Pferd. Er sehnte sich nach dem Schutz des nahen Waldes direkt vor ihm, wu�te aber, da� jede zus�tzliche Anstrengung weiteres Blut aus Sports Wunde pumpte.</p><p>Ein weiterer Schu� der Verfolger. Charles dachte an seine Schrotflinte, die er irgendwann verloren hatte. Er setzte die Sporen ein, und Sport flog �ber einen Bach, lie� ein rotes Band hinter sich in der Luft flattern.</p><p>Peitschende �ste rissen Charles eine Wange auf. Jetzt h�rte er den m�hsamen Atem des Wallachs, sp�rte dessen Kraft schwinden. Nach einem weiteren Augenblick sah Charles die Stellungen der Konf�derierten. Er schwenkte seinen Hut, stie� den Erkennungsruf aus und deutete auf seine Verfolger. Die Jungs hinter den Verschanzungen begannen zu feuern. Die Partisanen rissen ihre Pferde herum und zogen sich zur�ck.</p><p>Sport stolperte, w�re fast gest�rzt. Charles f�hrte ihn zu einem von kahlen B�schen umstandenen Halbkreis und sah zu, wie der Graue langsam auf die rechte Seite kippte und mit bebenden Flanken liegenblieb.</p><p>Ohne sich umzudrehen, sagte Charles: �Besorgt mir eine Decke.�</p><p>�Sir, hier gibt es keine Decken.�</p><p><emphasis>�Besorgt mir eine Decke!�</emphasis></p><p>Innerhalb von f�nf Minuten wurde ihm ein zusammengen�htes Teppichst�ck gereicht. Charles breitete es vorsichtig �ber Sport. Der Graue versuchte den Kopf zu heben, als wollte er seinen Herrn sehen. Charles kniete neben ihm nieder; der nasse Boden durchweichte seine Knie.</p><p>�Bestes Pferd der Welt�, fl�sterte er. �Bestes Pferd der Welt.� Zwanzig Minuten sp�ter starb Sport.</p><p>Zwei Tage sp�ter erreichte er zu Fu� die umk�mpfte Weldon-Eisenbahnlinie s�dlich von Petersburg. Eine zerlumpte Gestalt mit einem Revolver an der H�fte, unter dem Arm einen in Wachstuch gewickelten leichten Kavalleries�bel, eine Zigarre zwischen den Z�hnen, so kletterte er auf einen langsam fahrenden G�terzug. Granaten hatten das Land zerrissen. Er interessierte sich nicht f�r die Landschaft. Wenn es nach ihm gegangen w�re, dann h�tten sie den ganzen Staat Virginia in die Luft jagen k�nnen. Was ihnen beinahe auch gelungen w�re.</p><p>Scharrende Ger�usche weiter vorn machten ihm klar, da� in dem Richtung S�den fahrenden Waggon noch weitere Passagiere sa�en. Vielleicht besa�en sie Passierscheine; vielleicht waren es Deserteure. Ihm war es gleichg�ltig. Er rauchte seine Zigarre bis auf einen Stummel und warf sie weg. Die Nachtluft war so kalt wie sein Inneres. Der Rand seines langen Umhangs flatterte im Wind. Einer der Jungs, die sich in die vordere Ecke dr�ckten, wollte ein paar Worte mit dem neuen Fahrgast wechseln. Nach einem Blick auf das b�rtige Gesicht im Schein einer schwankenden Laterne �berlegte er es sich anders.</p><p><strong>120</strong></p><p>Ashton tat alles weh, vom Schlafen in fremden Betten und von der Anstrengung, jede Ber�hrung mit dem Fettleib ihres Mannes zu vermeiden. Wie satt sie dieses Geheuchel hatte, vor James und vor all den Fremden, die sich st�ndig nach ihrem Akzent erkundigten.</p><p>�Jawohl, Sir � ja, doch, Madam � in gewissem Sinne sind wir S�dstaatler. Wir sind von Kentucky, aber loyale Unionsanh�nger.�</p><p>Mit ihren gef�lschten Papieren waren sie von Montreal nach Windsor und Detroit gereist, dann weiter nach Chicago und jetzt Anfang Februar nach St. Louis, wo sich ihre Wege trennen w�rden. Powell und ihr Mann w�rden mit der �berlandkutsche nach Westen fahren; sie sollte nach Santa Fe.</p><p>Am Nachmittag vor ihrer Abreise sp�rte Powell das Elend, das Ashton v�llig ausf�llte, und riskierte einen Spaziergang mit ihr, w�hrend Huntoon sein Nickerchen hielt.</p><p>�Tut mir leid, da� wir uns f�r eine Weile trennen m�ssen�, sagte Powell. �Ich wei�, die Reise war problematisch.�</p><p>�Scheu�lich.� Ashton schob die Unterlippe vor. �Mir fehlen die Worte, um auszudr�cken, wie sehr mir dreckige Betten und billiges Essen zum Hals raush�ngen.�</p><p>In der Annahme, da� in dem gesch�ftigen Treiben am Flu� sie niemand kennen w�rde, legte Powell einen Arm um ihre Schultern.</p><p>�Ich versteh� dich�, murmelte Powell. �Und vor uns liegen auch noch einige harte Tage.� Er streichelte ihre rechte Hand, und sie fragte sich, weshalb sie sich dabei so unbehaglich f�hlte.</p><p>�Ich freue mich bestimmt nicht auf die Fahrt�, sagte sie, ohne zu l�cheln.</p><p>�In der Kutsche wirst du vollkommen sicher sein. Du hast Geld f�r Notf�lle.�</p><p>�Darum geht es nicht. Es ist eine weitere elende Reise.�</p><p>Er brauste auf. �Glaubst du, ich hab�s leichter? Ganz im Gegenteil. Ich mu� zwei Wagen mit geheimer Fracht beladen � st�ndig auf der Hut vor Dieben. Dann mu� ich diese Wagen ein paar hundert Meilen durch die Wildnis auf das Territorium von New Mexico transportieren. Im Vergleich zu dem Risiko k�nntest du dein Gejammer �ber eine relativ bequeme Kutschenfahrt ruhig einstellen.�</p><p>�Ja, du hast recht � ich entschuldige mich.� Die Erkenntnis, da� auch Powell in letzter Zeit st�ndig unter gro�er Anspannung gestanden haben mu�te, bes�nftigte Ashton. Ein bi�chen Farbe erschien in ihrem Gesicht, das w�hrend des Winters bla� und hager geworden war, weil sie so viel von dem schlechten Essen verweigert hatte. �Ich ertrage James einfach nicht mehr.�</p><p>�Vergi� nicht�, sagte er sanft, �da� wir eine sehr lange Reise vor uns haben. Wasserlose W�ste und die Bedrohung durch Indianer, da kann jedem meiner Soldaten, die mich begleiten, was passieren.�</p><p>Jetzt lachte sie, f�hlte sich erleichtert. Ein kurzer Anfall von Mitleid f�r James �berkam sie. Armer Soldat, kurz vor seinem letzten Feldzug. Aber dieses Gef�hl ging schnell vor�ber.</p><p>Einen halben Block entfernt, versteckt im Schatten einer hohen Mauer, sch�ttelte Huntoon den Kopf, fuhr mit einem Taschentuch unter seine Brillengl�ser und wischte sich heftig die Augen. Dann folgte er seiner Frau und Powell weiter am Flu� entlang, bis sie hinter einer Pyramide von F�ssern verschwanden.</p><p>Wieder flossen die Tr�nen. Benommen, w�tend zwinkerte er sie weg. Seit mehr als einem Jahr schon hegte er diesen Verdacht. Lamar, den er immer noch bewunderte, gab er keine Schuld. Der l�ufigen H�ndin, die er geheiratet hatte, gab er die Schuld. Er hatte vorgegeben zu schlafen und war dann hinter dem P�rchen hergeschlichen, weil er einen einwandfreien Beweis ben�tigte. Er mu�te nun einen zweiten Brief schreiben und ihr von dem ersten erz�hlen.</p><p>Er drehte sich um und ging schnell zu dem billigen Hotel zur�ck, in dem sie hausten.</p><p>Huntoon k��te in dem Tumult vor der Abfahrt Ashtons Wange und dr�ckte ihr einen versiegelten Umschlag in die Hand. M�rrisch fragte sie: �Was ist das?�</p><p>�Nur � pers�nliche Sentimentalit�ten.� Sein L�cheln war schlaff; er wich ihrem Blick aus. ��ffne ihn, wenn mir etwas zusto�en sollte. Aber nicht vorher. Schw�re, da� du mir diese Bitte erf�llst, Ashton.�</p><p>Sie w�rde alles tun, um von diesem fetten Narren fortzukommen. �Nat�rlich. Ich schw�re.�</p><p>Sie bot ihm ihre Wange zum Abschiedsku�. Huntoon dr�ckte seinen Kopf gegen ihre Schulter, gab ihr so die Chance, Powell einen letzten, sehnsuchtsvollen Blick zuzuwerfen. Powell, sehr elegant an diesem Morgen, wirbelte seinen Stock herum und betrachtete das Liebespaar aus h�flicher Entfernung.</p><p>Ungeduldig stie� Ashton Huntoon zur�ck. �Ich mu� los.�</p><p>�Gl�ckliche Reise, Liebes�, sagte er und half ihr in die Kutsche. Sie schaffte es, sich auf den letzten bequemen Sitz zu quetschen.</p><p>Sie untersuchte den Briefumschlag. Vorn hatte er <emphasis>Ashton</emphasis> draufgeschrieben und den Umschlag mit drei gro�en Tropfen Wachs verschlossen. Ihm schien viel daran zu liegen, da� seine Bitte erf�llt wurde, wenn er ihn so sorgf�ltig versiegelt hatte. Nun, bald schon w�rden es die Umst�nde erfordern, da� sie diesen Brief �ffnete.</p><p>Lamar hatte Huntoon untergehakt und winkte mit seinem Stock. Ashton winkte fr�hlich zur�ck. Powells forsches Benehmen und sein zuversichtliches L�cheln sagten ihr, da� sie sich wegen des Briefes keinem Irrtum hingab.</p><p>George arbeitete an einer Bahnbr�cke der City-Point-Linie, die eine Schlucht �berspannte.</p><p>�Scow? Ich gehe r�ber zu diesem Bach was trinken. Bin gleich zur�ck.�</p><p>�In Ordnung, Major�, sagte der Schwarze.</p><p>George hakte die Blechtasse von seinem G�rtel und �ffnete mit der anderen Hand seine Revolvertasche. Der Bach, au�er Sicht der Bahnlinie, str�mte nur wenige hundert Yards von der Front entfernt dahin. Aber es war Sonntag und noch fr�h, also rechnete er mit keiner Gefahr.</p><p>George kauerte sich am Ufer nieder und tauchte seine Tasse ins Wasser. Er f�hrte sie gerade zum Mund, als ein Mann hinter einem Baum auf der anderen Seite hervortrat.</p><p>George lie� die Tasse fallen, versch�ttete das Wasser. Seine Hand flog zu seinem Revolver. Der Reb hob schnell die rechte Hand, mit der Handfl�che nach oben.</p><p>�Langsam, Billy. Ich will blo� einen Schluck trinken, genau wie du.�</p><p>George hielt den Atem an, blieb geduckt stehen, die Hand am Revolver. Der Reb, um einiges gr��er als er, mochte in seinem Alter sein, mit einem kr�nklichen Gesichtsausdruck. Sein Gewehr hielt er achtlos, den Lauf gen Himmel gerichtet.</p><p>�Blo� was zu trinken?� Der Reb nickte. �Hier.� George hob seine Tasse auf und warf sie �ber den Bach. Der Impuls war so pl�tzlich gekommen, da� er ihn nicht ganz begriff.</p><p>�Danke.� Der Reb ging oder hinkte vielmehr zum Wasser hinunter, tauchte die Tasse ein und trank gierig. Dann kam die Tasse, im Sonnenlicht aufblitzend, zur�ckgesegelt. �Noch mal vielen Dank, Billy.� George fing die Tasse auf, tauchte sie ein und trank ebenfalls. Der Reb erhob sich und wischte sich �ber die Lippen. �Wo kommst du her?�</p><p>�Pennsylvania.�</p><p>�Oh. Ich hatte gehofft, es sei Indiana.�</p><p>�Warum?�</p><p>�Mein Bruder lebt dort. Zog vor acht Jahren von Charlottesville auf eine kleine Farm au�erhalb von Indianapolis. Er geh�rt zu einem Freiwilligen-Infanterieregiment. Dachte, du kennst ihn vielleicht. Hugo Hoffmann, mit zwei f.�</p><p>�Ich f�rchte nein. Die Unionsarmee ist ganz sch�n gro�.�</p><p>Hoffmann erwiderte das L�cheln nicht. �Viel gr��er als unsere.�</p><p>�Mu� schlimm sein, einen Bruder auf der anderen Seite zu haben. Kommt aber oft genug vor. Cousins k�mpfen gegeneinander � und Freunde. Mein bester Freund ist Colonel in eurer Armee.�</p><p>�Wie hei�t er?�</p><p>�Oh, den kennst du nicht. Er ist in Richmond, in eurem Kriegsministerium.�</p><p>�Wie hei�t er?�</p><p>Sturer Deutscher, dachte George. �Main, wie in Main Street. Vorname Orry.�</p><p>�Aber den kenne ich. Das hei�t, ich habe von ihm geh�rt. Ist mir im Ged�chtnis geblieben, weil es kein gew�hnlicher Name ist. Im letzten Herbst gab es einen Colonel Orry Main beim Stab von General Pickett.�</p><p>George konnte kaum sprechen: �Gab?�</p><p>�Ein Verwundeter, dem er helfen wollte, scho� von hinten auf ihn � ein Kavallerist von euch.� Groll schlich sich in seine Stimme; Hoffmanns gr�ne Augen wurden weniger freundlich. �Wurde viel �ber den Vorfall geredet, als Beweis f�r die Barbarei von General Grants Truppen.�</p><p>�Du sagtest, er hat auf ihn geschossen. Du meinst doch nicht, er wurde � �</p><p>�Get�tet? Nat�rlich wurde er das. Sonst w�rde doch niemand die Geschichte verbreiten. Okay, Billy, der Trunk war erfrischend. War nett, mit dir zu reden. Tut mir leid, da� ich dir das von deinem Freund sagen mu�te. Ich mu� jetzt gehen. Ich denke, der Krieg wird nicht mehr lange dauern. Ich hoffe, wir werden�s beide heil �berstehen. Tut mir leid, das mit deinem Freund.� Er tippte an seine schmierige M�tze. �Leb wohl!�</p><p>George sagte ebenfalls �Leb wohl�, aber so leise, da� es vom Murmeln des Baches �bert�nt wurde. Langsam wandte er sich der Eisenbahnlinie zu. Sonnenschein �berflutete sein Gesicht und blendete ihn.</p><p>Schwankend, zweimal stolpernd, ging er auf die h�mmernden Ger�usche zu. Als die Bockbr�cke in Sicht kam, mu�te er sich zur�ck in die B�ume fl�chten, wo er sich versteckte und f�nf Minuten lang beim Gedanken an seinen Freund und das Feuer im April weinte.</p><p><strong>121</strong></p><p>Februar. In der Finsternis �ber Washington tobte ein elektrischer Sturm. Die aufzuckenden Blitze verliehen dem Diamantanh�nger, den Jeannie Canary zwischen ihren gro�en Br�sten mit den rosigen Spitzen trug, einen unheimlichen Glanz. Sie lag nackt in dem verschwitzten Bett und spielte gl�cklich mit ihrem neuen Schmuck.</p><p>Stanley band sich den Morgenmantel aus k�nigsblauem Samt zu, dann schenkte er sich aus der Whiskeykaraffe ein. Es war nur noch ein kleiner Rest �brig. In Pl�schslippern holte er sich aus der kleinen K�che der F�nf-Zimmer-Wohnung, in der er seine Geliebte untergebracht hatte, etwas zu essen und kippte den Inhalt seines Glases hinterher.</p><p>Miss Canary lie� den gro�en Stein in ihren Handfl�chen h�pfen; ein weiterer Blitz lie� ihn auffunkeln. �Du trinkst sehr viel heute abend, Liebling.�</p><p>�Schmier�l f�r die Maschinerie des Geistes.� Und ein Verteidigungsmittel gegen die st�ndige Furcht, da� man ihm all das � die kleine T�nzerin, die sechs Millionen Dollar, die sich bei Lashbrook�s angesammelt hatten, seine Macht in Republikanerkreisen � wegnehmen k�nnte, weil er es nicht verdiente. Er nahm einen kr�ftigen Schluck.</p><p>Miss Canary lie� dieses Thema fallen und brachte statt dessen eine Stanley vertraute Klage an.</p><p>�Ich w�nsche mir so sehr, du w�rdest mit mir zu Mr. Lincolns Amtseinf�hrung gehen.�</p><p>�Ich hab dir schon ein paarmal gesagt, das ist v�llig unm�glich.� Isabel kehrte anl��lich dieses Ereignisses von einem langen Aufenthalt in Newport zur�ck. Sie hatte mit Geld nicht gespart, um Fairlawn in eine Ganzjahresresidenz zu verwandeln, und war dann dort eingezogen, ohne irgendein anderes Familienmitglied um Erlaubnis zu fragen. Der Besitz geh�rte den drei Br�dern gemeinsam, aber das hatte Isabel ignoriert, als sie letzten Herbst das Kommando �bernahm, kurz nachdem sie ihre unerziehbaren S�hne in einem kleinen Internat in Massachusetts untergebracht hatte.</p><p>�Aber ich m�chte den Pr�sidenten so gern aus der N�he sehen. Ich habe ihn noch nie von nah gesehen.�</p><p>�Da hast du nichts vers�umt, glaub mir.�</p><p>�Du redest oft mit ihm, nicht wahr?� Stanley nickte und trank einen Schluck Whiskey. �Stimmt es, da� er nie badet?�</p><p>�Diese Behauptung ist zumindest stark �bertrieben.�</p><p>Miss Canary kratzte sich. �Aber es hei�t, Frauen meiden ihn, weil er riecht.�</p><p>�Einige Frauen meiden ihn, weil er gelegentlich mal eine ganz sch�n gew�rzte Geschichte erz�hlt. Der Westernhumor, ein bi�chen b�uerlich�, sagte er mit geringsch�tzigem Achselzucken. �Aber in erster Linie wird er wegen seiner Frau gemieden. Mary Lincoln ist eine eifers�chtige Harpyie.�</p><p>�Gestern abend im Theater�, sagte Miss Canary, �h�rte ich eine schreckliche Geschichte �ber den Pr�sidenten. Einige Schauspieler planen, ihn zu kidnappen oder zu t�ten. Sie alle sollen S�dstaatensympathisanten sein, aber Namen h�rte ich keine.�</p><p>Stanley kn�pfte sein Hemd zu und r�lpste diskret. �Mein Liebes, wenn ich einen Penny f�r jede dieser Geschichten bek�me, dann h�tten wir bald genug Geld f�r eine Seereise nach �gypten.�</p><p>�Willst du mit mir nach �gypten fahren?�</p><p>Schnell hob Stanley eine Hand. �Blo� ein Beispiel.� Das arme Kind stellte seine Geduld manchmal wirklich auf eine harte Probe. Aber das verzieh er ihr immer schnell, wenn sie ihre sexuellen Talente demonstrierte.</p><p>�Mu�t du gehen, Liebling?�</p><p>�Ich mu�. Um halb zehn erwarte ich einen Gast.�</p><p>�Weil du gerade von erwarten sprichst � ich warte immer noch auf meinen Monatswechsel f�r die Miete.�</p><p>�Tats�chlich? Ich werde meinem Buchhalter eins auf die Finger geben. Gleich morgen fr�h bekommst du ihn.�</p><p>Seine Kutsche brachte ihn durch regnerische Stra�en zu dem gro�en Haus in der I-Street. Die Dienerschaft hatte das Gas angez�ndet und Erfrischungen zurechtgestellt. Doch sein Gast traf erst um elf ein.</p><p>Ben Wade warf seinen nassen Umhang ab. Der Butler hob ihn vom Boden auf. Stanley machte eine scharfe Geste. Der Mann ging hinaus und schlo� die T�r hinter sich.</p><p>Wade eilte zum Herd, um sich aufzuw�rmen. �Tut mir leid, da� ich mich versp�tet habe. Ich wartete, bis die <emphasis>River Queen</emphasis> zur�ckkehrte.� Er rieb sich, offensichtlich erfreut, die H�nde. �Mr. Seward und unser geliebter F�hrer empfingen die Abgesandten der Konf�deration in Hampton Roads. Man sagte mir jedoch, da� es zu keinem Waffenstillstand kommen wird.�</p><p>�Immer noch der gleiche z�he Punkt?�</p><p>Wade nickte. �Die Frage von zwei Nationen oder einer. Der Pr�sident beharrt weiterhin auf bedingungsloser Anerkennung des letzteren. Davis weigert sich weiterhin. Das bedeutet, da� Sie noch ein paar Monate der Armee Schuhe verkaufen k�nnen�, schlo� er mit einem listigen L�cheln. Er verlie� seinen Platz am Herd, nahm Teller und Gabel und spie�te sich ein St�ck Truthahnbrust vom Silbertablett. �Ich habe noch eine Neuigkeit.�</p><p>�Ich hoffe, es ist die Neuigkeit, auf die ich gewartet habe.�</p><p>�Nicht ganz. Ich kann Ihnen die Ernennung zum Chef des Versorgungsamtes f�r ehemalige Sklaven nicht besorgen.�</p><p>�Sie meinen, der Kongre� bef�rwortet die Einrichtung dieses Amtes nicht?�</p><p>�Oh doch. Das wird diesen Monat geschehen � sp�testens n�chsten.� �ber dieses Amt wurde bereits seit dem letzten Jahr diskutiert; es ging dabei um die Regulierung all der Dinge, die die nach Beendigung des Krieges befreiten Sklaven des S�dens betrafen. Alles von der Landverteilung bis zur Umsiedlung. Es war ein Weg zu ungeheurer Macht, aber wenn Stanley das Benehmen von Wade richtig deutete � der Senator schien mehr am Essen als am Gespr�ch interessiert zu sein �, dann war f�r ihn nicht nur diese Stra�e gesperrt, sondern das gesamte Thema erledigt.</p><p>F�r Stanley bedeutete das soviel wie die Amtseinf�hrung des Pr�sidenten f�r Miss Canary. �Ben, ich habe der Partei Unmengen Geld gegeben. Ich glaube, das berechtigt mich wenigstens zu einer Antwort. Warum kann ich den Job nicht haben?�</p><p>�Sie � �h � � Wade schien von einem St�ckchen Truthahn auf seiner Gabel fasziniert.</p><p>�Eine offene Antwort, Ben.�</p><p>�Also gut. Sie wollen einen Mann mit gr��erer administrativer Erfahrung. Sie ziehen einen General in Erw�gung. Oliver Howard steht ganz oben auf der Liste.�</p><p>Stanley wu�te, was der Senator ihm in Wirklichkeit sagen wollte. Der radikale Fl�gel, der jetzt jede wichtige Angelegenheit entschied, hielt ihn f�r inkompetent.</p><p>Wade ging auf seinen reichen Gastgeber zu und legte ihm einen Arm um die Schultern. �Schauen Sie, Stanley. Ich habe Ihnen nie garantiert, da� ich Ihnen den Posten sichern kann. Aber ich werde daf�r sorgen, da� Sie zu einem der ersten Assistenten ernannt werden, wenn Sie m�gen. Die wahre Macht wird sowieso auf dieser Ebene liegen � Howard wird lediglich eine Galionsfigur sein. Die in der zweiten Reihe werden es sein, die daf�r sorgen, da� die Farbigen am Wahltag nach der republikanischen Pfeife tanzen. In einem Jahr k�nnen wir den Sprung von einer Minorit�tspartei zur einzigen Partei, die wirklich z�hlt, schaffen.�</p><p>Wades glitzernder Blick, die stille Glut seiner Worte bes�nftigten und �berzeugten Stanley.</p><p>�In Ordnung, Ben. Ich nehme den h�chsten Posten, der mir angeboten wird.�</p><p>�Gut � ausgezeichnet!�</p><p>Cuffeys Guerillabande war mittlerweile auf zweiundf�nfzig Mann angewachsen; fast ein Drittel davon waren wei�e Deserteure. Sie hielten zwei Acres dicht bewaldeten, verh�ltnism��ig soliden Gel�ndes am Rande des Salzsumpfes nahe des Ashley besetzt. Gewehre und Revolver nahmen sie den Wei�en ab, die sie auf den Stra�en ermordeten; Nahrungsmittel stahlen sie aus den H�usern, Farmen und Reisplantagen des Bezirks.</p><p>Dreimal schon hatte Cuffey Trupps angef�hrt, die H�hner von Mont Royal stahlen. Die Plantage selbst hob er sich f�r einen besonderen Tag auf. Er suchte den Himmel nach verr�terischen Rauchwolken ab und schickte regelm��ig einen seiner wei�en Jungs nach Charleston, um sich von der Situation dort berichten zu lassen.</p><p>In den kurzen, k�hlen Tagen Anfang Februar suchte er den Himmel mit zunehmender Ungeduld ab. Er wu�te, da� Sherman, der General, dessen Stil und dessen Ruf er bewunderte, Beaufort und Pocataligo passiert hatte und nach Norden zu auf Columbia marschierte. Bald schon, so hatte sich Cuffey ausgerechnet, w�rde der Konf�deriertengeneral in Charleston den gr��ten Teil seiner Truppen zur Verteidigung der Hauptstadt einsetzen m�ssen. Dann w�rde der ganze Bezirk offen und ungesch�tzt daliegen � und er, Cuffey, konnte damit tun, was er wollte.</p><p><strong>122</strong></p><p>Am n�chsten Morgen gegen zehn erreichte Charles die Stelle, wo sich die Flu�stra�e mit dem Weg kreuzte, der zu dem gro�en Haus f�hrte. Seine Lumpen, hei� und stickig, zogen ihn schwer nach unten. Sein winziger Zigarrenstummel � die letzte Zigarre, die er hatte � ging aus, als er den Weg hoch zu der vertrauten Dachlinie starrte, der oberen und unteren Veranda, zu den dichten Reben, die sich am Kamin hochrankten.</p><p>Rauch stieg vom K�chengeb�ude auf. Ein Negerm�dchen kam heraus und eilte zum Haupthaus. Eine Kr�he segelte kr�chzend vorbei; w�re er nicht so m�de gewesen, er h�tte gelacht. Er war zu Hause.</p><p>Es war keine gute Zeit f�r eine Heimkehr. Sherman hatte geschworen, Georgia mit Blut und Tr�nen zu �berziehen, und diesen Schwur hatte er eingehalten; dann war er weiter nach Norden gezogen, unter Umgehung des Ashley-Bezirks. Mit einem ersch�pften Staunen in den Augen ging Charles langsam den Weg hoch. Dieser Ort hier schien vom Krieg v�llig unber�hrt. Dann bemerkte er die Ver�nderungen an den Geb�uden und das Fehlen der Sklaven. Wieviele von ihnen mochten davongerannt sein?</p><p>Er ging bis zum Haus, vorbei an dem Kamin, und entdeckte halb verborgen hinter einer S�ule eine Frau. Mit vagem L�cheln erhob sie sich von ihrem Stuhl, als er sich n�herte. H�flich sagte er: �Hallo, Tante Clarissa.�</p><p>Sie betrachtete ihn einige Sekunden lang stirnrunzelnd � vor allem den Revolver und den eingewickelten Degen unter seinem Arm. Dann pre�te sie die Handfl�chen gegen ihre Wangen und kreischte in t�dlicher Furcht auf � die Ank�ndigung seiner Heimkehr.</p><p>Jetzt tauchten andere Leute auf. Zwei Hausdiener kamen herausgerannt, um sich um Clarissa zu k�mmern. Wie alt und gebeugt sie aussehen, dachte Charles, w�hrend er darauf wartete, erkannt zu werden. Es dauerte lange.</p><p>�Charles? Charles Main?�</p><p>Er schob seinen Hut zur�ck, brachte aber kein L�cheln zustande; er war fast so erstaunt, wie Clarissa eben gewesen war. �Ja, Judith, ich bin�s. Was um alles in der Welt machst du hier?�</p><p>�Ich kann�s nicht erwarten, dich das gleiche zu fragen.�</p><p>�Ich habe mein Pferd bei Petersburg verloren. Ich habe den ganzen Weg hier runter gemacht, auf der Suche nach einem Ersatz.�</p><p>�Fahren die Z�ge?�</p><p>�Einige. Meistens bin ich gelaufen. Als ich North Carolina verlie�, dachte ich, ich w�rde schon zuvor irgendwo ein Pferd oder wenigstens ein Muli auftreiben. War ein Irrtum�, endete er, als Orrys �lterer Bruder auf die Veranda trat. Cooper erkannte Charles und stie� einen Jubelschrei aus. Das Ehepaar geleitete den Neuank�mmling in das geliebte, vertraute Haus, aber Charles nahm es kaum zur Kenntnis. Ein Gedanke h�mmerte in seinem Kopf: <emphasis>Wu�ten sie �ber Orry Bescheid?</emphasis></p><p>Charles badete in einer gro�en Zinkwanne in Coopers und Judiths Schlafzimmer � das gleiche weitr�umige Zimmer, das einst Tillet und Clarissa und sp�ter vermutlich Orry und Madeline geh�rt hatte.</p><p>Seine Ankunft hatte viel Aufsehen erregt. Neger wimmelten �berall im Haus herum � fast so, als w�ren sie Cooper und Judith gleichgestellt, dachte er ohne jede Feindseligkeit; er registrierte damit lediglich einen weiteren bemerkenswerten Wandel. Er begegnete einem muskul�sen Vorarbeiter namens Andy und einer h�bschen Negerin namens Jane, die ihm ernst die Hand sch�ttelte, w�hrend sie sagt: �Ich habe von Ihnen geh�rt.�</p><p>Die Botschaft ihres offenen Blickes, weder feindselig noch freundlich, war eindeutig: <emphasis>Du bist also in der Armee, die daf�r k�mpft, mein Volk in Fesseln zu halten.</emphasis></p><p>Philemon Meek, der neue Verwalter, kam zum Mittagessen hereingeschlurft � das �ppigste Essen, das sie auftischen konnten, sagte Judith verlegen. Jeder bekam einen Teller mit Safranreis, ein paar Erbsen, ein kleines St�ckchen Maisbrot und zwei St�ckchen Huhn, die zum zweiten oder dritten Mal gekocht worden waren.</p><p>�Du brauchst dich nicht zu entschuldigen�, sagte Charles. �Im Vergleich zu der Kost weiter oben im Norden ist das hier ein Festmahl.�</p><p>Schnell begann er zu essen. Meek beobachtete ihn �ber seine Brille hinweg und berichtete Charles dann von der Guerillabande, die in der Nachbarschaft ihr Unwesen trieb.</p><p>�Die Bande hat sich hier im Tiefland eingenistet�, sagte Meek. �Ich habe geh�rt, der Anf�hrer ist ein alter Bekannter von Ihnen � ein Nigger namens Cuffey.�</p><p>�Cuffey�, wiederholte er. �Nicht zu fassen. Glauben Sie, da� Mont Royal �rger bekommt?�</p><p>�Wir bereiten uns auf diese M�glichkeit vor�, sagte Meek.</p><p>�Ich habe den Eindruck, es sind nicht mehr viele M�nner auf der Plantage. Vom Vorarbeiter abgesehen hab� ich nur Leute bemerkt, die so grau wie das Moos vorm Fenster sind.�</p><p>�Wir sind bei siebenunddrei�ig Leuten angekommen�, gab Cooper zu. �Die Freiheit ist ein Magnet f�r menschliche Wesen. Eine Zeitlang hab� auch ich das vergessen, wie ich zu meiner Schande eingestehen mu�. Ach was, wozu die Vergangenheit aufr�hren? Ich m�chte die Neuigkeiten aus Virginia h�ren. Warst du �berhaupt in Richmond? Hast du Orry und Madeline gesehn?�</p><p>Cooper wartete auf eine Antwort. Langsam legte Charles die Serviette neben seinen Teller.</p><p>�Ich hatte nicht damit gerechnet, der �berbringer schlechter Nachrichten sein zu m�ssen.�</p><p>Judith beugte sich vor. �Oh Gott � ist einer von ihnen krank? Madeline?�</p><p>Schweigen.</p><p>�Charles?� sagte Cooper fast unh�rbar.</p><p>Er erz�hlte es ihnen.</p><p><strong>123</strong></p><p>Billy, als Invalide mit einer Brustwunde zu Hause, schlief sehr viel. Er war auch nicht wach, als Constance mit bleichem Gesicht den Brief zu Brett in die Bibliothek brachte.</p><p>�Er ist von George. Komm, setz dich, bevor du ihn liest.�</p><p>Die Nachricht �ber Orry traf Brett wie ein Hammerschlag. Constance lie� sich neben dem Stuhl auf die Knie sinken, w�hrend Brett schluckte und merkw�rdige kleine, w�rgende Laute von sich gab. Sie hob die beiden Bl�tter auf, deutete hilflos auf sie und sch�ttelte den Kopf.</p><p>�Ich verstehe das nicht. Madeline sagte, er sei noch in Richmond.�</p><p>�Das dachten wir alle.�</p><p>Jetzt fing Brett an zu weinen, wurde vom Schluchzen gesch�ttelt. Constance war �berrascht, da� dieser Anfall in weniger als einer Minute vor�ber war.</p><p>Eine halbe Stunde sp�ter dachte sie, was f�r eine bewundernswerte Frau Billy doch geheiratet hatte. W�rde sie selbst sich in �hnlicher Lage als ebenso stark erweisen? Nachdem sie sich die verschwollenen Augen getrocknet und den Brief wieder an sich genommen hatte, sagte Brett: �Ich mu� hinauf zu Madeline. Ist sie in ihrem Wohnzimmer?�</p><p>Constance nickte. �Sie wollte ein bi�chen lesen. Soll ich mitkommen?�</p><p>�Danke, aber ich glaube, es ist besser, ich gehe alleine.�</p><p>Langsam ging Brett am Bibliothekstisch vorbei. Es schien Stunden zu dauern, bis sie die Treppe bew�ltigt hatte; nie hatte sie einen l�ngeren und schwereren Gang angetreten. Ihre Hand zitterte, als sie an die T�r klopfte.</p><p>�Komm rein!� rief Madeline fr�hlich.</p><p>Geh, dachte Brett. Es wurde ein lautloser Aufschrei. <emphasis>Geh!</emphasis> Sie wollte wegrennen.</p><p>�Wer ist denn da?�</p><p>Mit raschelnden Unterr�cken kam Madeline zur T�r und �ffnete sie. Ihren Zeigefinger hielt sie in einem schmalen Goldb�ndchen. Heute trug sie eines ihrer Lieblingskleider aus so tiefblauer Seide, da� es fast schwarz wirkte.</p><p>�Brett! Komm doch herein! Ich habe gerade einige von Poes Gedichten gelesen. Eins davon ist Orrys Lieblings� aber Liebes, was ist denn passiert?� Erst jetzt bemerkte sie, da� Brett geweint hatte. �Geht es Billy wieder schlechter?�</p><p>�Es ist nicht Billy. Es ist Orry.�</p><p>Madelines dunkle Augen weiteten sich angstvoll. Sie nahm ihren Finger aus dem Buch und hielt es sich wie einen Schild vor die Brust. Sie entdeckte den Brief in Bretts Hand.</p><p>�Gibt es in Richmond irgendwelche Schwierigkeiten?�</p><p>�Orry ist nicht � war nicht � in Richmond. Der Brief ist von George. Eine sehr schlimme Nachricht.�</p><p>Mit gek�nstelt skeptischem Blick nahm Madeline den Brief zur sonnenhellen Fensternische. Sie beendete die erste Seite und begann die zweite zu lesen. Als erstes Anzeichen einer Reaktion lief ein Zittern �ber ihre Schultern.</p><p>Ihr Kopf flog herum. �rgerlich sagte sie: �Die Petersburg-Linien? Wie soll er zu den Petersburg-Linien gekommen sein?�</p><p>�Ich wollte, ich w��te es.�</p><p>Madeline zwang ihren Blick zur�ck auf den Brief. Brett sah ihr Profil, sah das Glitzern einer Tr�ne. Das Buch fiel aus Madelines Hand. Ihre Finger kn�llten den Brief zusammen. �Orry!� schrie sie auf und sank in einem Gew�hl von Seide und Petticoats zusammen.</p><p>�Kathleen!� rief Brett in den Flur. �Kathleen, das Salmiakfl�schchen! Schnell!�</p><p>Brett wirbelte wieder herum. Madeline lag auf dem Perserteppich, schon wieder aus kurzer Ohnmacht erwacht, traf aber keine Anstalten, sich zu erheben. Sie lag auf der Seite, ungeschickt auf beide H�nde gest�tzt. Sie zitterte, ihr Mund stand halb offen. Sie sah Brett an, ohne jedes Erkennen.</p><p>Brett f�hlte sich wie gel�hmt, konnte nicht mal sprechen. Billy war verschont geblieben, aber ihr Bruder war tot. Der Schmerz war gnadenlos. Um wieviel schlimmer mu�te es f�r Madeline sein. Woher sollte sie die Kraft zum Weiterleben nehmen?</p><p><strong>124</strong></p><p>Charles erwachte am fr�hen Sonntagmorgen, dem 19. Februar. Er hatte von Gus getr�umt.</p><p>Er ging hinunter zum Flu�. �berall herrschte erwartungsvolle Stille, seit gestern schon, als die wildesten Ger�chte im Flu�-Bezirk herumzuschwirren begannen. Ger�chte, da� in der vorletzten Nacht Columbia niedergebrannt worden sei.</p><p>Gegen Mittag fuhr eine heruntergekommene Kutsche in den Hof. Der Fahrer war Markham Bull, Nachbar und Mitglied der gro�en, angesehenen Bull-Familie. Markham, ungef�hr f�nfundf�nfzig, befand sich in heller Aufregung. Er war in Columbia gewesen, als Sherman eintraf. In den Wirren nach dem Gro�brand Freitagnacht war er mit knapper Not entkommen.</p><p>�Die Stadt ist praktisch verschwunden. Die verfluchten Yankees behaupten, Wade Hampton habe das erste Streichholz entz�ndet, um die Baumwolle anzustecken, damit sie dem Feind nicht in die H�nde fiel. Ihr k�nnt euch nicht vorstellen, wie Shermans M�nner gew�tet haben. Im Vergleich dazu waren die Goten und Vandalen von ausgesuchter H�flichkeit. Sie haben sogar Millwood niedergebrannt.�</p><p>Charles zog die Augenbrauen hoch. �Hamptons Millwood?�</p><p>�Jawohl. All seine Familienportr�ts, seine herrliche Bibliothek, alles vernichtet.�</p><p>�Wo ist der General jetzt?�</p><p>�Ich wei� es nicht. Ich h�rte, er habe vor, westlich vom Mississippi weiterzuk�mpfen, aber das mu� nicht stimmen.�</p><p>Im Laufe des Tages verringerte sich die Anzahl der Nachz�gler auf der Stra�e. Die Sonne versteckte sich hinter einer leichten Wolkendecke. Charles polierte seinen Degen. Gegen vier Uhr funkelte die Klinge fast wieder wie neu. Eine Kr�he kr�chzte irgendwo am Flu� hinter dem Haus. Jetzt erst fiel ihm auf, da� er w�hrend der letzten Stunde eine ganze Menge Kr�henschreie geh�rt hatte.</p><p>Gegen f�nf tauchte Cooper wieder auf, mit grauem, angespannten Gesicht. �Charles, du kommst besser rein.�</p><p>In der Bibliothek traf er Andy und einen aufgeregten, schwitzenden zw�lfj�hrigen Negerjungen. �Das ist Jarvis, Marthas Sohn�, erkl�rte Cooper seinem Cousin. �Erz�hl uns noch mal, was du gesehen hast, Jarvis.�</p><p>�Ich sah �ne Bande wei�er und schwarzer M�nner im Sumpf, Meile hinter den H�tten. Kommen die Richtung.�</p><p>�Wieviel sind eine Bande?� fragte Charles.</p><p>�Vierzig. Vielleicht f�nfzig. Haben Gewehre. Aber viel Lachen, ganz sicher keine Eile. Ein Negerkerl, war fett wie Waschb�r im Sommer. Reitet altes Muli, singt und macht viel Spa� mit allen.�</p><p>Andy machte ein finsteres Gesicht. �Mu� dieser verdammte Cuffey sein.�</p><p>�Danke�, sagte Charles zu dem Jungen.</p><p>Cooper sagte: �M�chte wissen, wann sie kommen.�</p><p>�Ich an Cuffeys Stelle�, sagte Charles, �w�rde bis morgen fr�h warten, wenn wir alle von der Nachtwache hundem�de sind.�</p><p>Andy z�gerte. �W�re vielleicht sinnvoller, zusammenzupacken und zu verschwinden, Mr. Cooper.�</p><p>�Nein�, sagte Cooper mit so fester, ruhiger Stimme, da� Charles ganz �berrascht war. �Dies ist mein Zuhause. Meine Familie erbaute Mont Royal, und ohne Kampf gebe ich es nicht verloren.�</p><p>�Das deckt sich mit meinen Empfindungen�, sagte Charles. Er brachte ein m�des L�cheln zustande. �Nicht sonderlich intelligent, aber nichtsdestoweniger meine Empfindungen.�</p><p>Jane, die vor einiger Zeit in die Bibliothek gekommen war, sagte: �Und die anderen sollen ihr Leben riskieren, um einen Ort zu verteidigen, wo ihr sie wie lebenden Besitz gehalten habt?�</p><p>�Jane�, begann Andy und trat einen Schritt vor. Sie ignorierte ihn.</p><p>Cooper starrte sie finster an, brachte aber seine Gef�hle schnell wieder unter Kontrolle. �Niemand wird gezwungen zu bleiben. Weder Sie noch sonst einer der Leute.�</p><p>�Aber die meisten werden bleiben�, sagte Andy. �Ich bleibe. Es gibt einige gute Dinge auf Mont Royal.�</p><p>�Sie k�nnen uns sp�ter belehren, Miss Jane�, sagte Charles mit fast zu scharfer Stimme, weil er ihr insgeheim zustimmte. �Jetzt m�ssen wir erst mal die M�nner zusammenrufen.�</p><p>�Und die Frauen und Kinder an einen sicheren Ort schaffen�, f�gte Cooper hinzu. �Andy, f�ngst du damit an?�</p><p>Andy nickte, nahm Janes Arm und f�hrte sie aus der Bibliothek. Der Griff war etwas zu fest f�r ihren Geschmack, und sie ri� sich los. Charles konnte sie streiten h�ren, als sie das Haus verlie�en.</p><p>Cooper warf seinem Cousin einen d�steren Blick zu. �Wir sind in einer schlimmen Lage, was?�</p><p>�Ich f�rchte schon. Die Anzahl spricht gegen uns. Bestenfalls k�nnten wir einen alten Indianertrick probieren, den ich in Texas gelernt habe.� Stirnrunzelnd betrachtete er den Degen, den er von drau�en mitgebracht hatte.</p><p>Er merkte, da� Cooper darauf wartete, da� er weitersprach. �T�te den Anf�hrer, dann kehrt manchmal der restliche Kriegstrupp um.�</p><p>Cooper zog die Unterlippe hoch. �Ziemlich schwache Hoffnung.�</p><p>�Stimmt. Aber haben wir eine andere?�</p><p>�Zusammenpacken und verschwinden.�</p><p>�Ich dachte, du sagtest � �</p><p>�Das hab� ich auch. Ich m�chte diesen Ort hier retten, nicht nur aus sentimentalen Gr�nden. Ich denke, nach der Kapitulation werden wir ihn zum �berleben dringend n�tig haben. Verschwinden wir, dann k�nnen wir sicher sein, da� sie nichts verschonen werden.�</p><p>�Na gut, damit w�re das erledigt. Wir bleiben.�</p><p>�Du mu�t nicht.�</p><p>�Was?�</p><p>�Ich meine es ernst, Charles. Du kamst auf der Suche nach einem Ersatzpferd her, nicht um weiterzuk�mpfen.�</p><p>�Zum Teufel, Cousin, au�er K�mpfen habe ich nichts gelernt. Die gegenw�rtigen Unannehmlichkeiten haben mich f�r jede zivilisierte Besch�ftigung ungeeignet gemacht.�</p><p>Sie starrten einander an; keiner von ihnen l�chelte. Charles sp�rte Ungeduld, so, als ob er es kaum erwarten k�nnte. Das �berschwengliche Gef�hl kehrte wieder, intensiver als zuvor. Eine Schlacht stand bevor, jawohl. In der Ferne kr�chzte eine Kr�he, und eine zweite Kr�he antwortete.</p><p><strong>125</strong></p><p>Jedesmal, wenn Virgilia eine Kutsche h�rte, eilte sie ans vordere Fenster, nur um wieder entt�uscht zu werden. Warum kam Sam so sp�t? War daheim etwas schiefgegangen?</p><p>Gegen halb acht war die kleine Ente verschmort, und Virgilia befand sich in heller Aufregung. Sie h�rte das Ger�usch eines Pferdes, wirbelte auf die T�r zu und ri� sie auf.</p><p>�Sam? Oh, ich habe mir solche Sorgen gemacht!�</p><p>Es verwirrte sie, da� er nicht gleich vom Sitz seines Einsp�nners kletterte. �Ich mu�te Emily schnell zur Bahn bringen. Ihr Vater in Muncie ist krank geworden. Sie hat die Kinder mitgenommen. Sie wird mindestens eine Woche fort sein.� Das Licht von der T�r her lie� sein L�cheln sichtbar werden. �Ich kann die Nacht �ber bleiben, falls ich dazu eingeladen werde.�</p><p>�Oh, Darling, das ist ja wunderbar.�</p><p>Im Haus legte sie lachend die Arme um seinen Hals und k��te ihn. Er liebte es, ihre Zunge in seinem Mund und anderswo zu sp�ren. �Sollen wir jetzt oder sp�ter essen? Ich f�rchte, die Ente ist fast schwarz.�</p><p>�Probieren wir sie. Dann k�nnen wir mit dem restlichen Abend anfangen, was wir wollen.�</p><p>Er ging in den Keller und holte eine der zahlreichen Weinflaschen, mit denen er sie versorgt hatte. Dann prosteten sie sich zu. Es war ein schwerer Bordeaux, ein ausgezeichneter Wein, alles andere als billig. Nachdem er einen Schluck gekostet hatte, sagte er: �Verdammtes Theater mit diesem Inaugurationsball � hast du schon geh�rt?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Was soll damit sein? Klingt doch gro�artig. Im <emphasis>Star</emphasis> stand, blo� zehn Dollar f�r Essen und Tanz im Patent Office.�</p><p>�Aber eine Anzahl unserer dunkleren Br�der �u�erten den Wunsch, ebenfalls dabei zu sein. Einige der Kongre�frauen, meine eingeschlossen, h�tte beinahe der Schlag getroffen. Emily regte sich eine Stunde lang �ber die Vorstellung auf, sie k�nnte von Fred Douglass oder irgendeinem anderen Pavian zum Tanz aufgefordert werden. Das Ball-Komitee mu�te schnell beschwichtigen. Die Formulierung war h�flich, aber die Botschaft war klar. Keine Kartenverk�ufe an Nigger.�</p><p>�Ich finde das sch�ndlich.�</p><p>�Verwechsle Freiheit nicht mit Gleichheit, Virgilia. Das erstere ist in Ordnung, ein Werkzeug, um Stimmen zu sammeln. Letzteres w�rde niemals toleriert werden, jedenfalls nicht zu unseren Lebzeiten.�</p><p>Sie wandten sich angenehmeren Themen zu. Der Wein entspannte Virgilia und versetzte sie in eine f�r sie untypische verspielte Stimmung. �Darf ich mich nach dem Platz bei der Inaugurationszeremonie erkundigen?�</p><p>�Ich habe einen f�r dich besorgt. Reservierte Sektion f�r W�rdentr�ger nahe der Plattform.�</p><p>�Oh, gro�artig, Sam. Ich danke dir.�</p><p>�Aber das ist noch nicht alles. Ich habe es auch geschafft, mittags einen Sitz auf der Senatsgalerie f�r dich zu bekommen. Lincoln wird unten sitzen und seine Frau ganz in deiner N�he. Wenn alle zur Ablegung des Eides und zur Ansprache des Pr�sidenten hinausgehen, werden Emily und ich ganz vorn auf der Plattform sitzen.�</p><p>Ihre Beschwingtheit lie� sie sagen: �Vielleicht winke ich, wenn ich dich und deine Frau sehe.�</p><p>Unter dem Tisch hatte er ihre Hand gestreichelt. Jetzt lie� er sie los.</p><p>�Ich sch�tze derartige Bemerkungen nicht.� Sein ernster Ton �berraschte sie.</p><p>�Sam, ich habe doch nur gescherzt.�</p><p>�Ich nicht.�</p><p>Ver�ngstigt und ern�chtert sagte sie hastig: �Es tut mir leid, Liebling. Ich wei�, da� wir in der �ffentlichkeit nicht zeigen d�rfen, da� wir uns kennen. Ich w�rde nie etwas tun, was deine Karriere gef�hrden k�nnte.� Sie dr�ckte seine Hand. �Glaubst du mir das?�</p><p>Be�ngstigendes Schweigen. Dann, als ihm die Strafe f�r sie ausreichend erschien, verschwand der harte Zug aus seinem Gesicht. �Ja.�</p><p>Virgilia wechselte schnell das Thema. �Ich bin nicht begierig, eine Ansprache vom Gorilla zu h�ren, aber ich m�chte ihn gern aus n�chster N�he sehen. Schaut er wirklich so schlimm aus?�</p><p>�Der Mann sieht aus wie eine Mumie. Drei�ig Pfund Untergewicht, dazu st�ndiger Sch�ttelfrost, hab� ich geh�rt. Die Leute fl�stern sich zu, er sei todkrank. Ungl�cklicherweise hindern ihn seine Krankheiten nicht daran, mit seiner maultierhaften Sturheit seine Programme durchzudr�cken.� Er probierte ein St�ckchen Ente. �Sehr gut.�</p><p>�Das ist es bestimmt nicht, aber nett von dir, zu l�gen.�</p><p>Das brachte ihn wieder zum L�cheln. �Mache ich gut, nicht wahr? Ich �be auch jeden Tag. Hast du den Entwurf meiner Rede gelesen?� Sie nickte. �Was h�ltst du davon?�</p><p>Virgilia legte ihre Gabel nieder. �Du sagtest mir, Lincoln w�rde in seiner Antrittsrede dem S�den gegen�ber einen vers�hnlichen Ton anschlagen.�</p><p>�Soweit ich das feststellen konnte, ja.�</p><p>�Ich f�rchte, deine Rede klingt �hnlich.�</p><p>�Tats�chlich? Zu sanft?�</p><p>�Viel zu allgemein und zu h�flich. Da erinnert nichts an Shermans Bemerkung, da� er Georgia mit Blut und Tr�nen �berziehen wird. <emphasis>Du</emphasis> mu�t f�r die �ffentlichkeit der Mann sein, der den ganzen S�den auf Jahre mit Blut und Tr�nen �berziehen wird, um ihn f�r seine Verbrechen zu bestrafen. Deine Rede mu� ein ganz einfaches, lebhaftes Konzept enthalten, das du bei jeder Gelegenheit wiederholst. Wenn die Leute dann an Kongre�abgeordnete denken, dann kommt ihnen zuerst dein Name in den Sinn.�</p><p>Er gluckste. �Das ist ein ehrgeiziges Ziel.�</p><p>�Es ist das, was du willst, oder? Nat�rlich bekommt man nichts umsonst. Und wenn es nicht funktioniert? Na gut, dann wird dein Name eben an <emphasis>zweiter</emphasis> Stelle stehen. Aber wenn du etwas Geringeres als den ersten Platz anstrebst, dann wirst du ein Nichts sein.�</p><p>Wieder ert�nte sein leises Lachen. �Du bist eine bemerkenswerte Frau. Ich habe Gl�ck, dich zur Freundin zu haben.�</p><p>�So lange du willst, Darling. Sollen wir die Rede durchsehen?�</p><p>�Nicht jetzt.�</p><p>Beinahe h�tte er den Tisch umgeworfen, so eilig hatte er es, hinter sie zu treten und sie zu umarmen. Sie blieb sitzen, pre�te sich gegen die Versteifung in seiner Hose. Sie drehte sich halb um, griff danach, st�hnte leise auf. Seine Hand tastete nach ihren Br�sten. Gemeinsam taumelten sie ins Schlafzimmer, zerrten einander hastig die Kleider vom Leib. Er kniete neben dem Bett nieder, k��te ihre nackten Br�ste.</p><p>Niemals w�rde sie ihn gehen lassen. Sie w�rde ihm helfen, ihn tr�sten, anleiten � ihm in jeder Beziehung eine Ehefrau sein, nur nicht im legalen Sinne.</p><p>Er warf sie auf den R�cken; ihre Petticoats bauschten sich noch um die Kn�chel. Sie schrie nach ihm, die Arme ausgebreitet. Sein Geschlecht f�hlte sich riesig an, als er sich in sie bohrte. Er war ein potenter, ein sehr potenter Mann, und das nicht nur physisch. Mit ihm � durch ihn � w�rde sie den armen Grady und die Millionen seinesgleichen r�chen. Sie w�rde sich von ihrem tiefsten Ha� befreien.</p><p><emphasis>Sie</emphasis> w�rde den S�den mit Blut und Tr�nen �berziehen.</p><p><strong>126</strong></p><p>Am n�chsten Morgen sprang der Zeiger der Uhr auf Mont Royal auf eine Minute vor sechs, als ein gl�hendes Licht funkenspr�hend in weitem Bogen aus der Dunkelheit geflogen kam. �Sie sind da!� rief Philemon Meek.</p><p>Gedankenlos nahm er eine der heruntergedrehten Lampen vom Tisch und eilte zu einem der hohen Fenster. Charles stie� seinen Stuhl zur�ck. Der Solingen-Degen lag in seiner Scheide auf dem Tischtuch. �Weg mit dem Licht!�</p><p>Der ver�ngstigte, aufgeregte Verwalter h�rte ihn entweder nicht oder ignorierte die Warnung. Er hob den Vorhang, um besser sehen zu k�nnen. �Sie haben das K�chengeb�ude mit einer Fackel angesteckt. Sie kommen jetzt auf � � Ein Gewehrschu� dr�hnte auf, die Fensterscheibe zersplitterte, und Meek wurde �ber einige St�hle zur�ckgeschleudert. Sofort entz�ndete sich das �l aus der zerbrochenen Lampe. Fluchend sprang Charles auf.</p><p>H�hnisches Geschrei trieb aus der Dunkelheit her�ber. Charles rannte zu dem Verwalter, eine nutzlose Anstrengung. Die ganze Vorderseite von Meeks Hemd war von roten Punkten �bers�t, aus denen das Blut lief; die Schrotladung hatte ihn sofort get�tet.</p><p>Charles kroch zum Fenster. Ein zweites Feuer flammte auf. Das B�ro.</p><p>�Wir postieren uns besser in der Eingangshalle�, sagte er zu Cooper. �Du beh�ltst die T�r zur Flu�seite hin im Auge, ich die zur Einfahrt.� Von diesen Positionen aus konnten sie auch die T�ren zum Salon beobachten, wo sie alle Frauen und Kinder untergebracht hatten.</p><p>Mit angespanntem Gesicht folgte Cooper seinem j�ngeren Cousin in die Halle, die das Erdgescho� von vorn bis hinten durchzog. �Wir bekamen keine Warnung, Charles. Was ist mit all den Burschen passiert, die du auf Wache geschickt hast?�</p><p>�Wei� der Teufel. Entweder sie sind tot oder fortgerannt, oder sie haben sich Cuffeys Armee angeschlossen.� Wie jeder f�hige Kommandant hatte er den gr��ten Teil der Nacht drau�en verbracht, hatte die Wachen kontrolliert und sie aufgemuntert. Vor einer halben Stunde war er hereingekommen, um sich ein bi�chen auszuruhen, und das war nun die Folge davon. Keine Warnung.</p><p>�Die Seite dr�ben�, fl�sterte er pl�tzlich, sich wieder zusammenkauernd. Ein Schatten schob sich an dem schmalen Fenster links neben der T�r zur Einfahrt vorbei. Er zog seinen Armee-Colt und dr�ckte ab. In das Klirren von Glas hinein sackte die Gestalt zusammen.</p><p>�Das w�re einer.�</p><p>Hinter ihm klapperte ein Riegel. Er h�rte ein Kind weinen, als sich die Salont�r �ffnete. Judith rief: �Cooper? Wie viele sind � �</p><p>�Zu viele�, br�llte Charles. �Bleib drin, verdammt noch mal.�</p><p>Die T�r knallte zu, der Riegel wurde wieder vorgeschoben.</p><p>Mit flacher, emotionsloser Stimme sagte Cooper: �Ich glaube nicht, da� wir das �berleben werden.�</p><p>�Schlu� mit diesem Gerede.� Charles rannte zu der T�r auf seiner Seite; an dem schmalen Fenster hatte er eine berittene Gestalt vor�berhuschen sehen. Rauch trieb ins Haus. Eine herausfordernde Stimme schreckte ihn auf.</p><p>�He, Charles Main, bist du da drin? Hier iss� einer von deinen Niggers, holt dich jetzt. Werd� dich ausr�uchern, Mist� Charles Main. R�st� dich bei lebendig Leib und fick� deine Weiber.�</p><p>�Cuffey, du Hundesohn!� Charles rammte seinen rechten Arm durch das zerbrochene Fenster und feuerte. �Komm rein und probier�s.�</p><p>Jemand schrie auf. Charles h�rte die Hufe des Maultiers klappern.</p><p>Dann Cuffeys Stimme: �Komm schon bald. Komm bald � �</p><p>Die f�r ihn bestimmte Kugel hatte einen anderen getroffen. Verflucht. Solche Verschwendung konnte sich Charles nicht leisten.</p><p>�Hier r�ber�, schrie Cooper, einen Augenblick, bevor die verriegelte T�r auf der Flu�seite splitterte; von au�en wurde mit schwerem Gartenger�t dagegengeh�mmert.</p><p>Die T�r brach ein. Charles wirbelte zu schnell herum und st�rzte zu Boden � was ihm das Leben rettete. Sch�sse jaulten durch den Raum, etwas ri� an seinem Oberschenkel, seiner Hand. Er feuerte seinen Revolver leer. Die Angreifer wichen zur�ck.</p><p>Sein Gesicht oberhalb des Bartes war schwei��berstr�mt. Er taumelte auf die F��e, bemerkte den gl�nzenden Blutfleck, den sein Bein auf dem Holzboden zur�ckgelassen hatte. �Wir m�ssen die Frauen rausbringen�, sagte Cooper.</p><p>�Gut. Aber von nun an bleibst du bei ihnen.�</p><p>�Wir sind erledigt, was?�</p><p>�Nicht, wenn � � Charles schluckte. Er versuchte nachzuladen, aber seine Finger waren taub und unbeholfen. Er konnte die Patronen nicht richtig fassen. Zwei lie� er fallen. Er kniete nieder, um sie zu suchen. �� nicht, wenn ich Cuffey finden kann.�</p><p>�Hast ihn gefunden, wei�er Mann. Er dich auch.�</p><p>Charles blickte zum Treppenabsatz hoch und glaubte f�r eine Sekunde, den Verstand verloren zu haben. Wie ein aufgeblasener Ballon stand dort Cuffey in einem Ballkleid aus leuchtend gelber Seide.</p><p>Charles erinnerte sich, geh�rt zu haben, da� Shermans Landstreicher und einige der befreiten Sklaven Frauenkleider angezogen hatten, die sie in Georgia erbeutet hatten. Cuffey mu�te das ebenfalls geh�rt haben. Er machte einen trunkenen Eindruck; das Messer mit der breiten Klinge zum Schneiden von Unterholz in seiner rechten Hand lie� ihn noch bizarrer erscheinen. Die Klinge war zwei Fu� lang.</p><p>Charles starrte und starrte, suchte nach dem Jungen, der in diesem Mann verborgen sein mu�te. Der Junge, mit dem er gerungen, gefischt, �ber Frauen geredet und all die anderen Dinge getan hatte, die Jungen so taten. Er konnte diesen verlorenen Freund nirgendwo mehr entdecken.</p><p>�Hast ihn gefunden, und er mu� dich t�ten�, sagte Cuffey und kam langsam die Treppe herabgestiegen, w�hrend Cooper und Charles ihn anstarrten, die leergeschossenen Waffen in den H�nden, und die Flammen aus dem zweiten Stock des gro�en Hauses schlugen. Charles sp�rte die Hitze durch die Decke dringen.</p><p>�Bring die Frauen raus�, fl�sterte Charles.</p><p>�Ich kann dich nicht allein lassen � �</p><p><emphasis>�Geh, Cooper.�</emphasis></p><p>�Geh, geh�, sagte Cuffey undeutlich. �Ist Mist� Charles, den ich jetzt will.� Die M�nner auf der Veranda zur Einfahrt kreischte er an: �Ihr alle bleibt drau�en, bis ich fertig bin, h�rt ihr? Bleibt weg!�</p><p>Langsam lie� Charles den Revolver ins Halfter zur�ckgleiten. Er wischte seine rote Hand an seiner Hemdbrust ab, griff dann nach der Scheide, die er auf den kleinen Tisch gelegt hatte. Der Paradedegen war zu fein und zierlich, um von gro�em Nutzen zu sein, aber er war immer noch besser als gar nichts.</p><p>Cuffey watschelte die Stufen hinunter; die gelbe Seide raschelte. Das lange Messer pre�te er grinsend gegen seine Seite.</p><p>�War�n mal Freunde, nich�?�</p><p>Er rannte auf Charles zu, beide H�nde um das Buschmesser geklammert. Er schlug damit von oben nach unten zu; die pfeifende Klinge h�tte Charles den Kopf abgetrennt, wenn er ihn nicht zur�ckgerissen h�tte.</p><p>Der kleine Tisch, auf dem der Degen gelegen hatte, brach in der Mitte auseinander. Charles m�hte sich, den Degen aus der Scheide zu ziehen, aber irgendwie hatte er sich verklemmt. Cuffeys Klinge kam horizontal angezischt, geradewegs auf seinen Hals zu. Charles wich taumelnd aus. Das Messer knallte in einen Zierspiegel, der in Hunderte reflektierender Glasfragmente zerschellte.</p><p>Charles, dessen rechte Beinmuskeln wegen der Wunde spastisch zu zucken begannen, schaffte es endlich, den Zierdegen freizubekommen. Wieder hob Cuffey beide Arme �ber den Kopf; gewaltige Schwei�flecke verf�rbten sein Kleid unter den Achseln. Das Buschmesser klirrte gegen den Kronleuchterbehang.</p><p>In sinnloser Wut schlug Cuffey nach dem Kronleuchter. Der Behang zerbrach, und ein kurzer Prismenregen ging nieder. Mit nur einem Gedanken im Kopf � beim Fechtunterricht auf der Akademie hatte er es nie zu Eleganz gebracht � st�rzte Charles mit ausgestrecktem Degen vor.</p><p>Sein Stiefel rutschte auf einem Glasst�ck des Kronleuchters aus. Cuffey trat ihn in die Leisten, hart genug, da� er aufst�hnte und nach vorn abknickte. Sein rechtes Bein gab nach. Er st�rzte auf das Knie; der Aufprall schmerzte mehr als der Tritt. Das Buschmesser flirrte auf seinen entbl��ten Nacken nieder.</p><p>Charles brachte die Solingen-Klinge hoch und traf Cuffey an der Innenseite des rechten Handgelenks. Blut spritzte. Cuffey lie� das Messer los, das so dicht an Charles� Ohr vorbeizischte, da� er das Metall an seinem Ohrl�ppchen sp�rte.</p><p>Charles kniete immer noch. Cuffey trat gegen seinen linken Arm. Er kippte weg, rollte herum. Cuffey stampfte mit seinem schweren Stiefel auf Charles� ausgestreckten rechten Arm. Seine Hand �ffnete sich. Er verlor den Degengriff.</p><p>Mit einer Grimasse � ein L�cheln konnte man es nicht nennen � lie� sich Cuffey mit beiden Knien auf Charles� Brustkorb fallen. Charles bekam ihn zu fassen, und sie rollten auf dem mit Scherben �bers�ten Boden herum. Charles hielt die schwarze Hand fest, die wie eine Klaue nach seinen Augen schlug, aber er sp�rte, wie seine Kr�fte schnell schwanden.</p><p>�Werd-dich-t�ten-wei�er-Mann.� Keuchend ri� Cuffey seinen Arm aus Charles� blutenden, glitschigen Fingern los. Seine beiden H�nde krallten sich um Charles� Hals.</p><p>�Bist erledigt. Wie � alles hier � �</p><p>Und so schien es tats�chlich zu sein. Schmerz und Schock bet�ubten Charles. Die H�nde dr�ckten zu, schlossen sich unbarmherzig fester und fester. Charles� blutrote Finger ber�hrten und schlossen sich um etwas, was er nicht sofort identifizieren konnte �</p><p><emphasis>Der geriffelte Degengriff.</emphasis></p><p>Aus den Augenwinkeln sah Cuffey ihn kommen. Charles rammte den leichten Degen in Cuffeys linke Seite, gerade unter seinen Arm. Gleichzeitig lie� Cuffey die blutbeschmierte Kehle von Charles los und wich vor dem Degen zur�ck. Die Spitze war bereits durch die gelbe Seide gedrungen und glitt nun tiefer. F�nf Zentimeter. Zehn. F�nfzehn �</p><p>Charles sp�rte, wie die Klinge an einem Knochen abrutschte und weiterglitt. F�nfundzwanzig Zentimeter. Drei�ig �</p><p>Jetzt kreischte Cuffey, sprang auf und kr�mmte sich, den t�dlichen Stahl tief in seinem Leib. Charles hielt fest. Die Klinge brach direkt vor dem Griff, einige Zentimeter von dem Kleid entfernt. Cuffey zerrte wie verr�ckt an dem Stahl, schwankte und kreiselte in das brennende Wohnzimmer. Das bauschige Kleid fing Feuer. Flammen liefen den Saum entlang, sprangen nach oben. Drehend und rudernd tanzte Cuffey seinen Todeswalzer, ehe er in das Feuer st�rzte.</p><p>Die Flammen fanden neue Nahrung, stiegen h�her. Charles bekam von Cuffey nichts mehr zu sehen.</p><p>Die rauchende Decke krachte und sackte durch. Charles k�mpfte sich auf die F��e. Sein rechtes Hosenbein war blutgetr�nkt. Er ersp�hte seinen Colt und nahm ihn wieder an sich. Die Fenster im Salon waren herausgeschlagen worden; vermutlich waren Cooper und die anderen auf diesem Weg gefl�chtet. Er mu�te sie finden. Das gro�e Haus war verloren.</p><p>Das Tageslicht d�mmerte herauf. Cuffeys Gefolgsleute hatten fast alles Wertvolle an sich gerafft, bevor das Feuer das Haus zerst�rte. Sie hatten die Wein- und Schnapsregale geleert, die Garderoben, die K�chenschr�nke. Er sah dreckige, b�rtige M�nner, Schwarze und Wei�e, die beutebeladen durch die Rauchschwaden glitten.</p><p>Es wurde kaum noch geschossen. Aber eine Kugel gen�gte, und so hielt sich Charles vorsichtig hinter einer der wei�en S�ulen, als er rief: �Cooper?�</p><p>Schweigen.</p><p>�Cooper!�</p><p>�Charles?�</p><p>Die ferne Stimme wies ihm die Richtung. Sie hatten sich in dem Pflanzengewirr des ehemaligen Gartens am Flu� versteckt. Er kroch am Haus entlang, um die Ecke, vorbei am Kamin, sp�hte �ber den Rasen.</p><p>Niemand. Er wollte schon losrennen, dann fiel ihm ein, da� er noch etwas anderes verk�nden mu�te.</p><p>�Cuffey ist tot, Cooper. Cuffey � ist � tot. Ich habe ihn get�tet.�</p><p>Die Ger�usche des brennenden Mont Royal f�llten die Stille. Aber die Stimmen schwiegen. Er wu�te, da� sie ihn geh�rt hatten. Tief sog er die Luft in seine schmerzenden Lungen und rannte los, auf den Ashley zu.</p><p>Jemand scho� auf ihn. Die Kugel schlug in das feuchte Gras rechts von ihm, aber weitere Sch�sse blieben aus. Im Garten sah er sich von vertrauten Gesichtern umringt. Ohne ein Wort fiel er ohnm�chtig nach vorn.</p><p>Den ganzen Tag �ber versteckten sie sich in einem der Reisfelder. Die Gruppe der �berlebenden bestand aus Cooper, seiner Frau und seiner Tochter, Clarissa, Jane, Andy, einer jungen K�chenmagd namens Sue, ihren beiden kleinen Jungen und Cicero, dem alten, arthritischen Sklaven mit dem wei�en Kraushaar. Charles lehnte unerbittlich jeden Vorschlag ab, zum Haus zur�ckzugehen.</p><p>�Nicht vor Anbruch der Dunkelheit. Dann gehe ich zuerst, allein. Sinnlos, noch weitere Menschenleben zu riskieren.�</p><p>Der Verband, den er sich noch im Haus angelegt hatte, war seiner Beinwunde gut bekommen. Sie hatte sich geschlossen. Er f�hlte sich alles andere als gut, aber er konnte wach bleiben.</p><p>Gegen Sonnenuntergang verk�ndete Charles, da� er jetzt das Haus und die Umgebung inspizieren w�rde.</p><p>�Glaub nicht, da� einer allein gehen sollte�, sagte Andy. �Ich gehe mit.�</p><p>�Ich w�rde vorschlagen, wir gehen zu dritt�, sagte Cooper. Charles war mittlerweile zu m�de, um zu streiten. Achselzuckend gab er nach.</p><p>Coopers ganze Aufmerksamkeit war auf das Haus gerichtet. Er fl�sterte: �Oh, Gott im Himmel.� Selbst Andy schien ersch�ttert zu sein. Charles wollte nicht hinschauen, tat es dann aber doch.</p><p>Mont Royal war bis auf die Fundamente niedergebrannt; nur noch Schutt und Asche und der gro�e, rauchgeschw�rzte Kamin waren zu sehen.</p><p>�Wie konnten sie?� sagte Cooper mit zornbebender Stimme. �Wie konnten sie, diese verfluchten, ignoranten Barbaren.�</p><p>Sanft sagte Charles: �Wir haben nur bekommen, was du immer vorausgesagt hast.�</p><p>Er ging voraus und verschwand hinter dem Kamin. Pl�tzlich h�rten Cooper und Andy ihn wie einen Verr�ckten lachen.</p><p>�Los, schnell�, sagte Cooper und rannte los.</p><p>Charles stand neben einer Leiche und br�llte wie ein Irrer. Die Ursache seines Heiterkeitsanfalls stand ein St�ck weiter zur Einfahrt hin: ein gro�ohriges Maultier mit Z�gel und Haltestrick.</p><p>�Cuffeys Maultier!� japste Charles. �Mont Royal ist dem Erdboden gleichgemacht, aber ich habe ein Ersatztier. Gedankt sei Gott und Jeff Davis! Jetzt kann der Krieg weitergehen und weiter und weiter � �</p><p>Die irre Stimme brach. Er warf ihnen einen besch�mten Blick zu und humpelte zur n�chsten noch stehenden Eiche. Er lehnte sich mit dem Arm dagegen und verbarg sein Gesicht.</p><p><strong>127</strong></p><p>An diesem Sonntagmorgen, dem 2. April, verrichteten Mr. Lonzo Perdue und seine Frau und seine T�chter kniend ihr Gebet, als ein Bote durch die St. Pauls-Kirche eilte und dem Pr�sidenten etwas zufl�sterte. Mr. Perdue beobachtete, wie der wei�haarige Pr�sident unsicheren Schrittes die Kirche verlie�. Mr. Perdue beugte sich zum Ohr seiner Frau.</p><p>�Die Verteidigungslinien sind durchbrochen. Hast du sein Gesicht gesehen? Wir m�ssen packen und einen Zug erwischen.�</p><p>Am Bahnhof wurden ohne offizielle Erkl�rung alle Z�ge zur�ckgehalten. Gegen Nachmittag wuchs die Menschenmenge immer st�rker an und wurde immer unruhiger. Mr. Perdue und seine Familie wurden bis vor den Bahnhofseingang zur�ckgedr�ngt.</p><p>Bei Einbruch der Dunkelheit schwirrten wilde Ger�chte durch die riesige Menschenmenge. Es kam zu Gewaltt�tigkeiten; Soldaten mu�ten gegen den Mob vorgehen. Dann kam die erste Explosion.</p><p>�Oh, Papa!� rief Mr. Perdues Tochter und dr�ngte sich gegen ihren genauso entsetzten Vater. �Was tun sie nur?�</p><p>�Geb�ude zerst�ren.�</p><p>Gegen elf Uhr war die Stadt ein Nachtasyl, erleuchtet von sich ausbreitenden Feuern. Davis erschien in einer von schwer bewaffneten Soldaten umringten Kutsche. Ein Zug nach Danville warte auf ihn, sagte jemand.</p><p>Mr. Perdue begann Verrat zu wittern, als er gewisse andere Personen den Bahnhof betreten sah. Er entdeckte den Halunken Mallory, der so viele wertvolle Dollars mit seinen sinnlosen Marinepl�nen verschwendet hatte. Trenholm, der Memminger im Schatzamt abgel�st hatte, kam in einer Ambulanz an. Denn erschien Benjamin, glatt und fr�hlich wie stets. Die Privilegierten wurden in Sicherheit gebracht.</p><p>�Die Frachtwaggons des Sonderzuges werden ge�ffnet�, verk�ndete ein Bahnbeamter. �Ich wiederhole, die Frachtwaggons werden ge�ffnet, aber kein Gep�ck wird zugelassen. Keins!�</p><p>Kreischend und schiebend dr�ngte die Menge vorw�rts. Nicht alle konnten sich gleichzeitig durch die Bahnhofst�ren quetschen. Wie feindliche Soldaten begannen die Leute aufeinander einzuschlagen.</p><p>�Oh, Lonzo � kein Gep�ck? Ich kann nicht auch noch die wenigen wertvollen Sachen zur�cklassen!�</p><p>�Dann bleibst du eben hier, ohne mich. Los, M�dchen, tretet die Frauen beiseite, wenn sie sich nicht bewegen.� Auf die Weise sicherte sich die Familie einen Platz in dem Zug, der um elf Uhr Richmond verlie�.</p><p>Die sich anklammernden Menschentrauben fielen ab, als der Zug Tempo aufnahm. Mr. Perdues Mantel und seine Krawatte hingen in Fetzen. Er war ersch�pft, aber gl�cklich � sehr zufrieden mit seinem ungewohnt heldenhaften Verhalten angesichts einer gef�hrlichen Situation.</p><p>Flu�aufw�rts brannten weitere Br�cken. Vielleicht h�tte ich doch zur Armee gehen sollen, dachte Mr. Perdue, als der Zug ihn in die Nacht trug.</p><p><strong>128</strong></p><p>Mrs. Burdetta Halloran war vorbereitet, als die Eroberer an diesem Tag in Richmond einmarschierten. Sie hatte fast ihr ganzes restliches Geld f�r eine der alten Fahnen ausgegeben, die durch die starke Nachfrage ungemein teuer geworden waren. Die Nationalfahne der Konf�derierten verbrannte sie in ihrem Kamin.</p><p>An diesem Morgen zog die Parade der Yankees an ihrem Haus vorbei, angef�hrt von den schwarzen Kavalleristen der Fifth Massachusetts Colored Cavalry � ein unglaublicher Anblick. Sie verbarg ihren Zorn und ihre Verachtung und winkte mit ihrem Taschentuch unter dem Sternenbanner, das sie auf ihrer Frontveranda aufgeh�ngt hatte.</p><p>Hunderte von Eroberern zogen pfeifend, trommelnd, grinsend vorbei, feierten unter einem Himmel, der von den immer noch brennenden Feuern gef�rbt war. An den Flanken der vor�berziehenden Kolonnen sprangen und tanzten Schwarze herum und verh�hnten die Wei�en.</p><p>Sie bemerkte einen wei�en Offizier und jubelte um so lauter. Vielleicht w�rde ein solcher Mann von ihrer Erscheinung angetan sein. Irgendwie mu�te sie �berleben. Sie w�rde �berleben.</p><p>�Oh, gedankt sei Gott, gedankt sei Gott!� schrie sie unter der alten Fahne und wedelte so heftig mit ihrem T�chlein, da� ihr ganzer Arm schmerzte. Sie schauspielerte so gro�artig, da� ihr die Tr�nen �ber die Wangen liefen. Ein rotbackiger Colonel z�gelte sein Pferd durch, scherte aus der Kolonne aus und n�herte sich langsam ihrem Gartenzaun; sie eilte ihm entgegen und wartete darauf, da� er sie ansprechen w�rde, w�hrend er l�chelnd seinen Hut zog.</p><p>�Keine Sklaverei mehr � und bald auch kein Krieg mehr, nicht wahr, Captain?�</p><p>�Ja, schaut wirklich so aus, als w�re Lee auf der Flucht�, stimmte Billy zu. Pinckney Herberts kleine, helle Augen gl�nzten freudig, als er mit einem St�ck Schnur den zusammengerollten Abziehriemen f�rs Rasiermesser zusammenband. Billy stutzte seinen langen Bart an den oberen R�ndern, und der alte Riemen war abgenutzt.</p><p>Er dankte Herbert, nahm sein Wechselgeld und den Riemen und verlie� den Laden. Seine Brust begann zwar wieder zu schmerzen, aber mit neuerwachter Lebensfreude sp�rte er, da� die Dinge bald wieder ihren normalen Gang gehen w�rden. Zum Zeichen daf�r trug er keine Waffe mehr.</p><p>Er kam an einem Rekrutierungsb�ro vorbei. Drei l�rmende M�nner l�mmelten an einem Gel�nder, zwischen einem breitschultrigen Negerjungen auf der Stra�e und dem B�roeingang. Einer der Wei�en trug eine dreckige Armeeuniform. Billy erkannte Fessenden, den Mann, der einst Brett bel�stigt hatte.</p><p>�Verschwinde, Nigger�, sagte einer der M�nner.</p><p>�Ja, geh zur�ck in die Fabrik, und mach dich an die Arbeit�, sagte Fessenden, gleicherma�en erheitert. �Bob Lee ist am Rennen. Der Krieg ist fast vorbei. Wir brauchen keine farbigen Jungs, die f�r uns k�mpfen.�</p><p>Der Junge hatte eindeutig Angst, aber er schluckte krampfhaft und sagte: �Ich will keinen �rger. Ich will blo� zur Armee, solange noch Zeit ist.� Er trat einen Schritt vor.</p><p>Der junge, pickelige Wei�e links neben Fessenden ri� etwas aus der Tasche. Ein Schnappen, ein Blitzen und der Junge blieb beim Anblick der langen Klinge des Schnappmessers vollkommen still stehen.</p><p>�Boy? H�rst du nicht? Du hast hier nicht rumzustehen, wenn ein wei�er Mann � �</p><p>�La�t ihn vorbei!�</p><p>Die Stimme aus dem dunklen Schatten lie� alle drei herumwirbeln. Billy trat auf den sonnenbeschienenen Gehsteig hinaus. Verdammter Narr, sagte er zu sich selbst; Schwei� lief ihm �ber das Gesicht.</p><p>Nur Fessenden erkannte ihn. �Das geht dich nichts an, Hazard.�</p><p>�Er hat ein Recht darauf, in die Armee einzutreten.�</p><p>�Ein Recht?� Der Messerheld kicherte. �Seit wann hat ein Nigger irgendwelche � �</p><p>Billy �bert�nte ihn. �Also, la�t ihn durch!�</p><p>�Sag ihm, er soll zum Teufel gehen, Lute�, sagte der dritte Mann.</p><p>Fessenden kratzte sein stoppeliges Kinn. �Schei�e, wei� nicht recht, Jungs. Er ist�n verwundeter Veteran wie ich.�</p><p>�Habe geh�rt, deine Verwundung sei hinten erfolgt�, sagte Billy. �Beim Wegrennen.�</p><p>�Du Hundesohn�, schrie Fessenden, aber es war der Pickelige mit dem Messer, der Billy angriff. Hastig wich Billy gegen die Wand zur�ck, zerri� die Schnur, rollte den Abziehriemen auf und zog ihn dem Angreifer mit voller Wucht �bers Gesicht.</p><p>�Oh, mein Gott!� Kreischend lie� er das Messer fallen. Unter dem schweren Verband pochte Billys Wunde. Benommenheit �berkam ihn pl�tzlich. Zusammengekauert tastete der pickelige junge Mann nach seinem Messer. Billy trat es vom h�lzernen Gehsteig in den Staub. Fessenden warf ihm einen emp�rten Blick zu.</p><p>�Schei�e�, sagte er. �Als n�chstes erz�hlst du uns, da� Nigger w�hlen d�rfen � wie Wei�e.�</p><p>�Wenn es ihnen erlaubt ist, f�r die Regierung zu sterben, dann sollten sie sie auch w�hlen d�rfen, oder, Lute?�</p><p>�Jesus�, sagte Fessenden kopfsch�ttelnd. �Was haben sie in der Armee mit dir gemacht? Hast dich in einen dieser verfluchten Radikalen verwandelt.�</p><p>F�r Billy kam es fast genauso �berraschend. Er hatte aus �berzeugung gesprochen, eine �berzeugung, die in ihm gewachsen war, ohne da� es ihm richtig zu Bewu�tsein gekommen w�re.</p><p>Billy blickte den Negerjungen an. �Du kannst reingehen.�</p><p>Bevor der Junge das B�ro betrat, schenkte er Billy ein L�cheln. Er sagte: �Danke, Sir�, und war im Inneren verschwunden.</p><p>�Guten Tag, Gentlemen�, bellte Billy im besten Kommandoton.</p><p>Pinckney Herbert kam �ber den Gehsteig gelaufen, um ihm die Hand zu sch�tteln. Die schmerzhafte Wunde hatte Billy fast vergessen. Er f�hlte sich gro�artig: boshaft erheitert, unerwartet stolz, herrlich lebendig.</p><p><strong>129</strong></p><p>Regen fiel auf das flache Land an diesem Nachmittag. Charles sa� am Fu�e einer gro�en Eiche, vor dem Regen einigerma�en gesch�tzt, w�hrend er in einer alten Baltimore-Zeitung las, die irgendwie nach Summerville gelangt war, dem Dorf, in dem er und Andy Nahrung aufzutreiben versucht hatten.</p><p>Charles war viel l�nger als geplant auf Mont Royal geblieben. Jede Hand wurde ben�tigt, um ein neues Haus � nicht viel mehr als eine gro�e H�tte � aufzubauen. S�mtliche Bretter waren entweder zerbrochen oder verkohlt oder beides. Die Folge davon war eine verr�ckte Konstruktion, aber zumindest bot sie den �berlebenden Schutz.</p><p>Die Nahrungssituation war verzweifelt. Ihr Nachbar Markham Bull hatte etwas Mehl und Hefe mit ihnen geteilt. So hatten sie Brot und ihren eigenen Reis, aber kaum etwas anderes. Gelegentliche Besucher berichteten, der ganze Staat sei am Verhungern.</p><p>Der Besuch in Summerville best�tigte das. Selbst S�cke mit Gold h�tten ihnen nichts genutzt. Es gab nichts zu kaufen.</p><p>Charles kn�llte die Zeitung zusammen und warf sie weg. Er sa� da, starrte in den Regen und bildete sich ein, Gus stehe vor ihm und l�chle ihm zu.</p><p>Er hielt sich die Hand vor die Augen, fast eine halbe Minute lang, nahm sie wieder weg.</p><p>Gus war verschwunden.</p><p>Er raffte sich hoch, mit einem Gef�hl, als wiege er siebenhundert Pfund. Wegen der Beinwunde noch leicht hinkend machte er sich auf die Suche nach seinem Muli. Er nahm seinen alten Armee-Colt mit, f�r den er keine Munition besa�, dann das kreuzf�rmige Degenfragment, das im Notfall als Dolch dienen konnte, und seinen Umhang mit Kleinkram. Er sagte allen auf Wiedersehen und ritt vor Einbruch der Dunkelheit in Richtung Norden davon.</p><p><strong>130</strong></p><p>Am Palmsonntag unternahmen Brett und Billy einen Spaziergang oberhalb von Belvedere. Immer wieder war Brett die beiden Sachen durchgegangen, die sie ihrem Mann sagen wollte. Das eine hatte direkt mit dem bevorstehenden Ende des Krieges zu tun, das andere weniger.</p><p>Sie wu�te genau, was sie sagen wollte, aber sie brauchte dazu auch die richtige Umgebung. Deshalb hatte sie den Spaziergang vorgeschlagen.</p><p>�Was glaubst du, wann Madeline in der Lage sein wird, nach South Carolina zu reisen?�</p><p>Madeline hatte diesen Wunsch ge�u�ert; sie f�hlte sich Orrys wegen verpflichtet, sich um Mont Royal zu k�mmern.</p><p>Er �berlegte einen Moment. �Es hei�t, von Lees Armee ist so gut wie nichts mehr �brig, ebensowenig von Joe Johnstons. Ich kann mir nicht vorstellen, da� einer von ihnen l�nger als ein paar Wochen durchh�lt. Vermutlich kann Madeline im Mai Richtung Heimat aufbrechen, wenn nicht eher.�</p><p>Sie griff nach seiner Hand, stand ihm im verblassenden Abendlicht gegen�ber.</p><p>�Ich m�chte mit ihr gehen.�</p><p>Ein L�cheln. �Ich dachte mir schon sowas.�</p><p>�Ganz so, wie du denkst, ist es nicht. Nat�rlich m�chte ich sehen, wie es um Mont Royal steht, aber ich habe noch ein anderes Motiv. Wobei ich mir�, sie blickte ihn offen an, �nicht sicher bin, ob du es billigen wirst. Ich m�chte eine Weile auf Mont Royal bleiben. Die befreiten Neger werden Hilfe brauchen, um sich der ver�nderten Situation anzupassen.�</p><p>�Das h�rt sich entfernt nach der g�tigen Plantagenherrin an.�</p><p>�Ich gebe zu, ich habe auch Heimweh. Aber die Neger brauchen wirklich Schutz. Sie sind in Gefahr, aus der einen Art der Sklaverei in die n�chste �berzugehen. Es war dein eigener Bruder, Stanley, der mich gewarnt hat.�</p><p>�Stanley? Wie meinst du das?�</p><p>So genau wie m�glich wiederholte sie Stanleys Bemerkung �ber den republikanischen Plan, sich mit den befreiten Negern anzufreunden, um ihre Wahlstimmen besser manipulieren zu k�nnen.</p><p>�Das hat Stanley gesagt?�</p><p>�Ja. Er war betrunken, sonst h�tte er nicht so offen gesprochen. Ich glaube ihm. Deshalb m�chte ich auch heim. Die Sklaverei der Unwissenheit ist so b�sartig wie jede andere.�</p><p>Sie wartete auf seine Reaktion. Sein Schweigen lie� sich nur als Ablehnung deuten.</p><p>Sehr sanft sagte sie: �Wie kann Liebe im Besitz einiger weniger Bevorzugter sein? Oder Freiheit? Ich wurde in diesem Glauben erzogen. Dann kam ich in diesen Staat, in diese Stadt, eine Fremde � und ich lernte.�</p><p>�Du hast dich ver�ndert, w�rde ich sagen.�</p><p>�Nenn es, wie du willst. Ich nehme an, du bist dagegen, da� ich �?�</p><p>Seine Hand ber�hrte ihre Wange. �Ich bin gegen gar nichts. Ich liebe dich. Ich bin stolz auf dich. Ich glaube dir jedes deiner Worte.� Sein L�cheln wurde noch w�rmer. Unter dem Sternenschein beugte er sich �ber sie, k��te ihren Mund.</p><p>�Ich liebe dich, Brett. Und da ich bald schon wieder meinen Dienst antreten mu�, gibt es keinen Grund, weshalb du nicht so lange in Mont Royal bleiben solltest, wie du magst.�</p><p>�Doch, es gibt einen Grund.�</p><p>Die sanften Worte lie�en ihn aufhorchen. War das R�te, die in ihre Wangen stieg?</p><p>�Liebling�, sagte sie, �trotz deiner Wunde warst du so feurig � nun ja, ich bin mir noch nicht ganz sicher, ich war noch bei keinem Arzt, aber ich glaube, wir werden ein Kind haben.�</p><p>An diesem Sonntagabend, dem 9. April, befand sich George in Petersburg, nachdem er den Nachmittag damit zugebracht hatte, Baumaterial auf Frachtwaggons zu verladen. Die Petersburg &amp; Lynchburg-Linie, die westlich der Stadt verlief, wurde repariert, um die Armee zu versorgen, die Lee verfolgte. Noch vor Tagesanbruch mu�te George nach Burkeville aufbrechen.</p><p>Ersch�pft marschierte er auf die Zelte zu, die f�r zu Besuch weilende Offiziere bestimmt waren. Ganz pl�tzlich galoppierte laut br�llend ein Reiter vorbei: �Kapitulation! Kapitulation!�</p><p>Ein verschlafener Offizier stolperte mit baumelnden Hosentr�gern und nackter Brust aus dem n�chsten Zelt. �Kapitulation! Mein Gott, ich wu�te nicht mal, da� wir angegriffen werden.�</p><p>Grinsend sagte George: �Ich glaube, jemand anderer hat kapituliert. H�rst du die Musik? Gehen wir uns erkundigen.�</p><p>Massenhaft dr�ngten die M�nner aus den Zelten. George konnte aus dem allgemeinen L�rm kaum etwas heraush�ren.</p><p>�� irgendwann heute � �</p><p>�� der alte Graufuchs fragte Ulysses nach den Bedingungen � �</p><p>�� irgendwo drau�en bei Appomattox Court House � �</p><p>Innerhalb einer Stunde verwandelte sich Petersburg in ein Tollhaus. Es stimmte offensichtlich; die Armee von Northern Virginia legte die Waffen nieder, um weiteres Blutvergie�en in einem Krieg, der nicht mehr gewonnen werden konnte, zu vermeiden.</p><p>Salven von Revolver- und Gewehrsch�ssen zerrissen die Dunkelheit. Kleinere und gr��ere Gruppen stimmten patriotische Melodien an. George stemmte die F�uste in die H�ften und tanzte mit den anderen mit. Er sang aus vollem Herzen und sprang wie verr�ckt herum, ohne den Graben in der Finsternis richtig wahrzunehmen, obwohl er ihn eindeutig gerochen hatte. Zum Gl�ck sank er nur bis zu den Knien ein, was allerdings auch schon schlimm genug war.</p><p>Er s�uberte sich am Ufer des friedlichen Appomattox River. Es war eine Nacht, die ewig Stoff f�r Erz�hlungen abgeben w�rde, Geschichten f�r Kameraden, Ehefrauen, Sch�tzchen, Kinder und Enkelkinder, wo man gewesen war und was man gerade getan hatte, als die Nachricht bekannt wurde. George konnte sich nicht vorstellen, da� er ganz bei der Wahrheit bleiben w�rde:</p><p><emphasis>�Ich war in Petersburg, mit der Reparatur der Milit�reisenbahn besch�ftigt.�</emphasis></p><p><emphasis>�Warst du gl�cklich, als du die Nachricht h�rtest, Gro�vater?�</emphasis></p><p><emphasis>�Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie gl�cklich.�</emphasis></p><p><emphasis>�Wie hast du gefeiert?�</emphasis></p><p><emphasis>�Ich fing an zu tanzen und fiel in einen Graben voller Schei�e.�</emphasis></p><p><strong>131</strong></p><p>Auch der Friede brachte ganz spezielle Belastungen mit sich, erkannte Stanley Ende der Woche. Der betrunkene Mob tobte durch die Stra�en, in den N�chten knallte Feuerwerk, l�uteten Glocken, und pausenlos zogen Musiktrupps durch die Stra�en. Dazu kam noch Stantons Furcht vor einem Anschlag auf Grant oder den Pr�sidenten � all das zusammen ergab eine miserable Woche f�r Stanley.</p><p>Vor seinem Abschied vom Kriegsministerium und bevor er den neuen Posten, den Wade ihm verschafft hatte, antrat, wollte Stanton noch einmal alles mit ihm durchgehen. Freitagmorgen hatte Stanley seine Akten vorbereitet, aber Stanton mu�te zu einer Kabinettsitzung, die mehrere Stunden dauerte. Stanley war ausgehungert, als er endlich in Stantons B�ro gerufen wurde.</p><p>Schnell gingen sie die Sachen durch, die Stanley vorbereitet hatte. Stanton machte sich Notizen � diese Akten mu�ten dahin transferiert werden, jene Verantwortlichkeiten dorthin. Stanley war dankbar, da� der Minister �berlastet war und sich st�ndig um die Sicherheit des Pr�sidenten sorgte. So konnte er das B�ro zwei Stunden fr�her als erwartet verlassen und noch Jeannie Canary einen Besuch abstatten.</p><p>Bald schon bedauerte er diesen Entschlu�. F�r amour�se Abenteuer hatte er den falschen Tag erwischt, und sie befand sich in launischer Stimmung.</p><p>�Willst du mich heute abend nicht ausf�hren, Liebling? Ich m�chte das St�ck im Ford-Theater sehen. Es hei�t, der Pr�sident und seine Frau besuchen die Vorstellung. Du wei�t, da� ich Mrs. Lincoln noch nie gesehen habe. Kannst du keine Karten besorgen?�</p><p>�Jetzt nicht mehr. Au�erdem w�ren wir die meiste Zeit in der Menschenmenge eingequetscht. Dazu kommt noch, da� Tom Taylors St�ck furchtbar altmodisch ist. Es w�rde ein �u�erst unangenehmer Abend werden � und entsetzlich langweilig.�</p><p>Es war, als h�tte eine pervertierte Natur einen schwarzen Fr�hling geboren. �berall an diesem Wochenende erbl�hte schwarzer Krepp: an Mantel�rmeln, am Stuhl des Pr�sidenten in der Presbyterianischen Kirche, an den Marmorfassaden der �ffentlichen Geb�ude.</p><p>Booth war entkommen. Stanton verk�ndete, da� der ganze S�den bestraft werden m�sse. Selbst Grant sprach von extremen Vergeltungsma�nahmen. Die Gesch�fte bereiteten sich auf das Staatsbegr�bnis am Mittwoch vor, Portr�ts des ermordeten Pr�sidenten tauchten in den Schaufenstern auf.</p><p>Der Pr�sident lag im East Room aufgebahrt. Die sich langsam voranschiebenden Schlangen waren ungemein lang. Die meisten w�rden abends unverrichteter Dinge abziehen m�ssen. Der Pr�sident blieb nur diesen einen Tag aufgebahrt.</p><p>Der Katafalk war mit schwarzer Seide bedeckt. Auf einer Silberplatte stand:</p><p><emphasis>Abraham Lincoln</emphasis></p><p><emphasis>Sechzehnter Pr�sident der Vereinigten Staaten</emphasis></p><p><emphasis>Geboren 12. Februar 1809</emphasis></p><p><emphasis>Gestorben 15. April 1865</emphasis></p><p>Fast jeder Farbtupfer im Raum war schwarz abgedeckt. Virgilia wartete auf den schwarz gestrichenen Stufen, die zur rechten Seite des Sarges f�hrten, bis sie an der Reihe war. Sie trat an dem strammstehenden Armeeoffizier vorbei und blickte auf Abraham Lincoln herab. Selbst der Leichenbestatter mit all seinen kosmetischen F�higkeiten hatte nicht viel ausrichten k�nnen. Lincoln sah verbraucht aus. Unter halb geschlossenen Lidern hervor studierte sie die Leiche. Er war zu weich und nachgiebig gewesen. Er hatte eine Bedrohung der hohen Ziele von M�nnern wie Sam und Thad Stevens dargestellt.</p><p>Virgilia f�hlte sich gut. Der Anblick des toten Pr�sidenten deprimierte sie kein bi�chen. Sam hatte recht. Im Tode diente der h��liche Pr�rie-Anwalt seinem Lande besser, als er es je im Leben getan hatte. Seine Ermordung war ein Segen.</p><p><strong>132</strong></p><p>Huntoon wollte sterben. Zumindest einmal t�glich war er �berzeugt davon, da� dies innerhalb der n�chsten Stunde passieren w�rde. Er hatte ungef�hr f�nfundzwanzig Pfund an Gewicht verloren und all seine Energie. W�rde er nie wieder in einem richtigen Bett schlafen? Richtig gekochte Speisen essen? Ungest�rt seiner Toilette nachgehen k�nnen?</p><p>Jeder Abschnitt des langen Weges von St. Louis war beschwerlich gewesen. Virginia City mit seinen aufragenden Bergen, qualmenden Schornsteinen und rauhen Bergarbeitern wirkte so fremd und bedrohlich wie China. Nachts mu�ten er und Powell die Goldbarren in die Wagen verladen, entsprechend einem Plan, den Powell in groben Z�gen umrissen hatte. Jedes Wagenbett nahm neunzig Barren auf, was auf ein Gesamtgewicht von ungef�hr vierhundertsechzig Pfund hinauslief. Bei einem Unzenpreis von zwanzig Dollar sechsundsiebzig Cent ergab das einen Wert von knapp hundertf�nfzigtausend Dollar. Dasselbe beim zweiten Wagen.</p><p>�Das ist lediglich die erste Ladung�, erinnerte Powell. �Es wird noch mehr kommen, aber nicht sofort. Ich habe �ber ein Jahr gebraucht, um diese Ladung zusammenzustellen. Ich mu�te aus der Ferne unter gr��ter Geheimhaltung arbeiten, per Kurier. Von nun an wird es schneller gehen.�</p><p>Die Wagen waren verst�rkt worden; die beiden M�nner hatten falsche B�den in jeden Wagen genagelt und sie mit dreckigen Decken bedeckt. Auf die Decken kamen Proviantschachteln und am n�chsten Tag noch einige Kisten mit Spencergewehren. F�r jeden Wagen wurden sechs Pferde ben�tigt.</p><p>Dann heuerte Powell die Fahrer an � zwei regul�re Fahrer, einen dritten Mann als Ersatz. Der F�hrer, noch rauher und brutaler als die anderen, war ein ungef�hr vierzigj�hriger Schotte namens Banquo Collins mit einem Schnurrbart, den er sich wie ein Chinese hatte wachsen lassen.</p><p>Huntoon ha�te jeden einzelnen Tag der Reise, er ha�te das st�ndige Gerede, mit dem sie ihn auf den Arm nahmen, aber es erschreckte ihn noch mehr, als eines Tages pl�tzlich Schlu� damit war. Die Fahrer fixierten wortlos den zerkl�fteten Horizont. Collins begann Huntoon mit Warnungen vor Indianern zu bombardieren, und das geschah nicht nur zum Scherz.</p><p>�Wir sind jetzt im Apachenland. Die wildesten Krieger, die Gott je geschaffen hat � obwohl manche behaupten, Satan habe ihm dabei geholfen.�</p><p>Collins wu�te nicht genau, wieviel Gold sich in den Wagen befand. Aber es mu�te eine ganze Menge sein. Vermutlich Barren. Nat�rlich hatte ihm Powell nichts davon gesagt; er hatte es selbst nach und nach herausfinden m�ssen. Die geheime Fracht brachte ihn dazu, sich auf verschiedene Eventualit�ten vorzubereiten, denn er bef�rchtete, da� sie verfolgt wurden, schon seit drei Tagen. Er sch�tzte die Bande der Jicarilla-Indianer auf zehn bis zwanzig Mann. Sollte es zu einem Zusammensto� mit ihnen kommen, dann war Collins entschlossen, nicht nur seine Haut und seinen Skalp zu retten, sondern auch mit einem Teil des Goldes abzuhauen.</p><p>An diesem Abend lagerten sie zwischen hoch aufragenden Felsbl�cken in einem tiefen Einschnitt oberhalb eines Flusses, den sie �berqueren mu�ten. Collins versicherte Powell, da� es drei Meilen weiter s�dlich einen leichten Abstieg gebe, aber dieser Lagerplatz hier sei einfacher zu verteidigen.</p><p>�Besser hier als auf offener Fl�che.�</p><p>�Glauben Sie, da� die Apachen so nahe sind?�</p><p>�Da bin ich mir sicher.�</p><p>�Wie lange brauchen wir noch bis Santa Fe? Drei Tage?�</p><p>�Vielleicht ein bi�chen l�nger.� Collins riskierte bei Powell keine L�ge. Die Augen des Mannes und seine unverh�llte Anspannung warnten ihn davor. �Ich w�rde vorschlagen, Sir, da� wir jetzt Feuer machen und dicht zusammenbleiben. Falls Sie einen Spaziergang machen, dann nicht weit.�</p><p>�In Ordnung.�</p><p>Powell fuhr sich mit schmaler Hand �ber das Haar. Es f�hlte sich trocken an. Vor Wochen schon war ihm die Pomade ausgegangen. Er ha�te H�te. Als Folge davon tauchten immer mehr graue Haare auf. Er mu�te wie eine Vogelscheuche aussehen. Wie eine alte Vogelscheuche. Er fragte sich, ob Ashton wohl dar�ber lachen w�rde. W�hrend er sich gegen das Wagenrad lehnte, stellte er sie sich nackt vor.</p><p>Huntoon erhob sich mit entschuldigendem Gesichtsausdruck und verschwand hinter einem Felsen. Zwei Fahrer kicherten bei dem pl�tschernden Ger�usch.</p><p>Noch drei Tage bis Santa Fe. Apachen in der N�he. Powell beschlo�, nicht l�nger zu warten. Huntoon war n�tzlich gewesen, hatte untergeordnete Arbeiten verrichtet, aber jetzt hatte er seinen Zweck erf�llt.</p><p>Powell verlie� das Feuer und ging zwischen den Felsbrocken hindurch zum Rand der Schlucht. Der Grund lag jetzt bereits in pechschwarzem Schatten verborgen.</p><p>Er blickte nach Osten, wo Ashton auf ihn wartete. Die Erkenntnis, wie sehr er sie vermi�te, verbl�ffte und schockierte ihn. Auf seine Weise liebte er sie. F�r seinen neuen Staat w�rde sie eine ideale First Lady abgeben.</p><p>Ungef�hr eine Stunde sp�ter, als sich die Nacht herabsenkte, �berpr�fte er seine vierl�ufige Sharps. Er steckte die Waffe unter seinen staubigen Gehrock und ging an das rauchende Feuer zu Huntoon.</p><p>�James, mein Freund?� sagte er, ihn an der Schulter ber�hrend. Huntoons Brillengl�ser blitzten im Schein des Feuers, als er sich umdrehte.</p><p>�Was ist?�</p><p>�Begleitest du mich auf einen kleinen Spaziergang? Ich habe was mit dir zu besprechen.�</p><p>M�rrisch sagte Huntoon: �Ist es wichtig?�</p><p>Ein charmantes L�cheln. �Sonst h�tte ich nicht gefragt.�</p><p>�Ich bin entsetzlich m�de.�</p><p>�Nur f�nf Minuten. Dann kannst du lange schlafen.�</p><p>�Also gut.�</p><p>Das Feuer knackte unter dem schwarzen Himmel, als sie auf die Felsen zugingen. Aus ziemlicher N�he ert�nte ein Tierschrei, halb Japsen, halb Knurren. Banquo Collins richtete sich auf und schob seine Hutkrempe hoch. Einer der Fahrer warf dem Scout einen Blick zu.</p><p>�Bergl�we?�</p><p>�Nein, mein Junge. Dieses Tier hat zwei Beine.�</p><p><strong>133</strong></p><p>Am gleichen Tag, um einiges fr�her, ritt Charles weiter nach Norden in den Fr�hling von Carolina hinein; ein gr�nes, wogendes, bl�hendes Land. Er bemerkte kaum etwas davon, sah nur Gus vor sich.</p><p>Er ritt in dem hei�en Sonnenschein dahin, als er einen Reiter auf sich zukommen sah. Sofort war er auf der Hut, bis ihm klar wurde, da� er sich immer noch in North Carolina befand. Der Reiter trug eine graue Uniform.</p><p>�Colonel Courtney Talcott, First Light Artillery Regiment von North Carolina, zu Ihren Diensten, Sir. An Ihrem Hemd und Revolver sehe ich, da� Sie vermutlich Soldat sind?� Ein gewisser Verdacht schwang in der Frage des Colonels mit.</p><p>Charles murmelte: �Jawohl, Sir. Major Main, Hamptons Kavallerie-Scouts. Wo ist die Armee?�</p><p>�Die Armee von Northern Virginia?� Charles nickte. �Dann haben Sie es noch gar nicht geh�rt?�</p><p>�Was geh�rt? Ich war unten am Ashley, auf der Suche nach einem Ersatzpferd.�</p><p>�Vor mehr als drei Wochen hat General Lee von General Grant die �bergabebedingungen verlangt. In Appomattox, in Virginia.�</p><p>Charles sch�ttelte den Kopf. �Das wu�te ich nicht. Ich habe mir beim Zur�ckreiten Zeit gelassen.�</p><p>�Das kann man wohl sagen.� Talcotts Stimme klang mi�billigend. �Sie m�ssen nicht weiter. Die Armee hat sich aufgel�st. General Johnston und seine M�nner befanden sich noch im Feld, aber m�glicherweise haben auch sie mittlerweile kapituliert. Der Krieg ist vorbei.�</p><p>Schweigen. Der Artillerieoffizier warf Charles einen schr�gen Blick zu und wiederholte mit mehr Betonung: �Vorbei.�</p><p>Charles zwinkerte und nickte: �Ich wu�te, da� es so kommen w�rde. Ich wu�te nur nicht wann.� Der Offizier machte ein finsteres Gesicht. �Danke f�r die Information.�</p><p>Frostig: �Nichts zu danken. Ich an Ihrer Stelle w�rde umkehren und heimreiten, Major. In Virginia gibt es nichts mehr zu tun.�</p><p>Oh doch, es gab.</p><p>Der Artillerist ritt weiter. Charles blieb in sich zusammengesunken mitten auf der Stra�e auf seinem Maultier sitzen. Jetzt war es offiziell. Sie hatten verloren. F�r einen Augenblick ha�te er jeden verdammten Yankee, aber das ging schnell vor�ber. Eine Mischung aus Erleichterung und Verzweiflung �berw�ltigte ihn.</p><p>Er wu�te, da� es f�r ihn nur einen Weg gab, wenn er nicht den Verstand verlieren wollte: nach Virginia zu reiten und zu versuchen, den Schaden wieder gutzumachen, den er in seiner Dummheit angerichtet hatte. Zuerst aber kam die Pflicht. Immer kam die Pflicht zuerst. Er mu�te sich um Mont Royal k�mmern, mu�te es vor Gefahren sch�tzen, die er jetzt noch gar nicht erahnen konnte. In dem Moment, wo er zu Hause alles erledigt hatte � Virginia.</p><p>Er hob die Z�gel, drehte den Kopf des Mulis und ritt schnell den Weg zur�ck, den er gekommen war.</p><p><strong>134</strong></p><p>Ein strahlender Vollmond stand am Himmel; Huntoon und Powell erreichten den Rand der Schlucht. Huntoon war froh, stehenbleiben zu k�nnen. Seine F��e schmerzten. Powells rechte Hand glitt in seine Jackentasche.</p><p>Huntoon nahm seine Brille ab, polierte die Gl�ser und sagte schlie�lich: �Was m�chtest du mit mir besprechen?�</p><p>Mit einem r�tselhaften: �Schau da runter!� nickte Powell in Richtung Schlucht. Huntoon beugte sich vor, sp�hte in den Abgrund. Powell zog die vierl�ufige Sharps und scho� ihm in den R�cken.</p><p>Der Anwalt stie� einen kleinen, japsenden Schrei aus. Er drehte sich um und griff nach Powells Jackenaufschlag. Powell schlug mit der freien Hand nach ihm. Huntoons Brille verschwand in der Finsternis unter ihm.</p><p>Huntoon blinzelte wie ein neugeborenes Tier, versuchte, den Blick auf den Mann zu richten, der auf ihn geschossen hatte. W�hrend der Schmerz durch seinen K�rper fuhr, verstand er den ganzen Verrat. Von Anfang an war alles so geplant gewesen.</p><p>Wie naiv er doch gewesen war! Nat�rlich hatte er vermutet, da� Ashton und Powell ein Liebespaar waren. Deshalb hatte er ja auch den Brief an seinen Anwaltskollegen in Charleston geschrieben. Sp�ter dann, in der neuerwachten Hoffnung, Ashtons Zuneigung durch eine Mutprobe seinerseits zur�ckzugewinnen, hatte er die Instruktionen in diesem Brief bedauert, war aber nie dazugekommen, sie zur�ckzunehmen. Und was er in St. Louis gesehen hatte, war der Anla� f�r den zweiten Brief gewesen; den Brief, den er ihr gegeben hatte.</p><p>�La� mich los�, sagte Powell angeekelt und jagte Huntoon eine zweite Kugel direkt in den Bauch. Huntoon taumelte zur�ck und machte einen Schritt in den leeren Raum. Dann war nur noch das dumpfe Aufschlagen von Huntoons K�rper zu h�ren.</p><p>L�chelnd betrachtete Powell den vollen Mond. Er stellte sich Ashtons Br�ste mit den dunklen Warzen vor, die nun ihm allein geh�rten. Er f�hlte sich jugendlich. Zufrieden. Erfrischt.</p><p>Hinter einem Felsblock tauchte f�r einen kurzen Augenblick ein kleiner, d�nner Mann im Mondlicht auf. Powell sah den Mann nicht, auch nicht den zweiten, der auftauchte, als der erste sprang. Er h�rte den Aufprall und wirbelte erschrocken herum. Er packte die Sharps, aber irgendwie verfing sie sich im Jackenfutter. Der Tomahawk knallte auf seinen Kopf, ein m�chtiger, genau gezielter Schlag, der seine linke Schl�fe zerschmetterte. Er war bereits tot, als er auf die Knie st�rzte und vorn�ber sank.</p><p>Der kleine Apache grinste und hielt die bluttriefende Keule triumphierend in die H�he. Sein Gef�hrte sprang und landete neben ihm. Ein halbes Dutzend weitere Indianer glitten hinter den Felsen hervor, barfu� und leicht wie T�nzer. Sie schlichen auf das Stimmengewirr und den Schein des Feuers zu.</p><p>Als die beiden Sch�sse aufbellten und die Fahrer losbr�llten, begann Banquo Collins seine Ausr�stung zusammenzuraffen. Einer der Fahrer fragte: �Wer hat geschossen? Apachen?�</p><p>�Bezweifle ich. Die nehmen lieber eine Keule oder schlitzen dir mit einem Messer die Kehle auf. Au�erdem riskieren sie�s nicht, bei einem Kampf nachts zu sterben. Sie glauben, im Jenseits h�tten sie dann die gleichen Bedingungen wie in der Todesstunde, und sie m�chten lieber im ewigen Sonnenschein leben. Also nichts zu bef�rchten, klar?�</p><p>Jetzt hatte Collins seine Ausr�stung beieinander. Er zog den Hut in die Stirn und marschierte los, weg vom Feuer. Jetzt wurde der Fahrer munter. �Wohin zum Teufel gehst du?�</p><p>Mit gesenktem Kopf marschierte der Scout weiter. Noch ein paar Schritte, und er konnte zwischen den gro�en �</p><p>�Collins, du feiger Hund, komm zur�ck!�</p><p>Er warf sich zur Seite und griff zum Revolver. Der Schu�, den der Fahrer abgefeuert hatte, ging zwei Meter daneben und prallte vom Felsen ab. Collins verschwendete keine Kugel. Nach einigen weiteren Schritten drehte er sich um. Er sah die Jicarillas aus der Dunkelheit jenseits des Feuers hervorst�rmen und die drei M�nner umzingeln. In wilder Angst st�rzte Collins davon, h�rte hinter sich das scharfe Bellen, mit dem sie Kojoten imitierten. Das Bellen war nicht laut genug, um die Schreie zu �bert�nen.</p><p>Stolpernd und taumelnd durchquerte Collins den Flu�. Die M�nner waren ihm egal; was z�hlte, war seine eigene Haut und dann, in zweiter Linie, die Wagen mit ihrer wertvollen Fracht. Im Flachwasser auf der anderen Seite eilte er flu�aufw�rts, bis er einen guten Beobachtungspunkt erreichte. Er befand sich fast gegen�ber der Schluchtm�ndung, �ber der das Camp lag. Die Apachen hatten Holz auf das Feuer gelegt. Gelegentlich sah er Flammen �ber die hohen Felsen schlagen.</p><p>Bald merkte er, da� er die Ursache des Feuers falsch eingesch�tzt hatte. Die Flammen stammten von einem der Wagen, der zwischen den Felsen auftauchte, geschoben von f�nfzehn oder zwanzig tobenden Indianern. Das ganze vordere Drittel des Wagens brannte hellauf.</p><p>Grunzend und schreiend stie�en die Apachen den Wagen �ber den Schluchtrand. Holz splitterte, das Feuer teilte sich, schlug an verschiedenen Stellen auf. Die Apachen verschwanden, tauchten bald mit dem zweiten brennenden Wagen auf, den sie ebenfalls in den Abgrund schickten. Dann standen sie da, jaulten und br�llten und sch�ttelten ihre Keulen und Lanzen.</p><p>Collins w�rde die �berreste genau untersuchen, das stand fest, aber bestimmt w�rde er das nicht in dieser Nacht tun. Er mu�te nur die Nacht �berleben. Bei Tagesanbruch war die Apachenbande bestimmt verschwunden. Die Tr�mmer der Wagen lagen f�r eine Weile sicher in der Schlucht; hier kam nicht oft jemand vorbei. Er konnte Wochen, sogar Monate sp�ter zur�ckkommen, er w�rde bestimmt das vorfinden, was in den Wagen verborgen gewesen war � vor allem, wenn es sich wirklich um Gold gehandelt hatte.</p><p>Banquo Collins wu�te nicht viel �ber Metalle, nur eines wu�te er: Gold konnte seine Form ver�ndern, aber es konnte nicht zerst�rt werden.</p><p>In bester Stimmung machte er sich auf den Weg. Gelegentlich leckte er sich die Lippen, wenn er sich selbst als reichen Tourist sah, Austern schl�rfend und auf jedem Knie eine Hure.</p><p><strong>135</strong></p><p>Heimkehrende Soldaten legten ab und zu eine Rast auf Mont Royal ein und berichteten den Mains in lebhaften Bildern vom Ruin des ganzen Staates. Daf�r erhielten sie Wasser aus der Quelle. Nahrungsmittel hatte Cooper keine anzubieten.</p><p>Columbia war verbrannte Erde. Negerbanden verstopften die Stra�en, befreit, aber von ihrem Status verwirrt und hungernd. Es gab weder f�r Wei�e noch f�r Schwarze was zu essen. In den meisten D�rfern hatten die Besitzer ihre L�den mit Brettern zugenagelt.</p><p>Cooper versuchte es mit einer Juni-Ernte. Zur Bearbeitung des Bodens mit den wenigen rostigen Ger�ten hatte er nur Andy, Cicero, der f�r diese Arbeit zu alt war, Jane und seine Tochter zur Verf�gung. Judith half aus, wenn sie nicht gerade kochte oder sonst mit dem Haushalt besch�ftigt war.</p><p>Tausend Fragen h�mmerten in seinem Kopf, bis er so sehr schmerzte wie sein K�rper. W�rden sie gen�gend Reis ernten, um ein bi�chen davon verkaufen zu k�nnen? Um den Winter �berleben zu k�nnen? W�rde der S�den auf Jahre hinaus von feindlichen Truppen besetzt werden? W�rde �</p><p>Er hob den Kopf von seiner Arbeit, als Andy scharf seinen Namen rief, und wischte sich den Schwei� aus den Augen. Judith kam �ber die D�mme gerannt, die die Reisfelder voneinander trennten.</p><p>�Cooper, deine Mutter. Wie gew�hnlich ging ich zu ihr, w�hrend sie ihr Nickerchen hielt. Nach ihrem Gesichtsaudruck zu schlie�en ist sie in Frieden gestorben. Vielleicht ohne jeden Schmerz. Es tut mir so leid, Liebling.�</p><p>Er legte einen schmerzenden Arm um sie; seine Augen f�llten sich mit Tr�nen. F�r den Rest des Tages kehrten sie zu dem Holzhaus zur�ck.</p><p>Cooper hatte schon vor langem entdeckt, da� das Leben eine perverse Art hatte, einen mit dem Unerwarteten zu �berraschen. In der D�mmerung h�mmerte er mit Andy einen Sarg f�r Clarissa zusammen, als Jane auftauchte.</p><p>�Wir haben drei Besucher.�</p><p>Cooper fuhr sich mit dem Unterarm �ber die nasse Stirn. �Noch mehr Soldaten?�</p><p>Sie sch�ttelte den Kopf. �Sie kamen mit der Eisenbahn, soweit es ging. Dann schafften sie es, ein altes Maultier und einen Wagen zu kaufen und � �</p><p>Gereizt sagte er: �Wer immer sie auch sind, du wei�t, was du ihnen zu sagen hast. Sie k�nnen lagern und die Quelle benutzen. Aber Nahrungsmittel haben wir keine.�</p><p>�Sie werden diese Leute schon ern�hren m�ssen�, sagte Jane. �Es sind Ihre Schwester mit ihrem Mann und Miss Madeline.�</p><p>Als es ihm einigerma�en sicher erschien, fuhr Jasper Dills in das besetzte Richmond. Er war entsetzt von der allgemeinen Zerst�rung nach dem Zusammenbruch und der Flucht der Regierung der Konf�deration. Einige halbwegs stabile Geb�ude standen noch, aber ganze H�userreihen waren zerst�rt. Es war die sch�nste Fr�hlingszeit, und die Luft h�tte nach Blumen und erwachendem Gr�n riechen sollen. In Richmond roch die Luft nur nach Rauch.</p><p>Dills war hochgradig nerv�s, als er die Marketenderzelte erreichte, wo er mit seinem Kontaktmann zusammentraf, einem ehemaligen Agenten von Lafayette Baker, den Dills zu einem hohen Preis angeheuert und nach Virginia geschickt hatte, um eine m�glicherweise nicht existierende Spur zu suchen.</p><p>Der Agent, ein untersetzter Bursche mit einem Schielauge, trank Lagerbier, w�hrend Dills eine j�mmerliche Limonade zu sich nahm.</p><p>�Also, was haben Sie zu berichten?�</p><p>�Bis vor sechs Tagen hatte ich gar nichts. Bin fast drei Wochen den James rauf und runter, bevor ich auf was stie�. Ist aber immer noch nicht viel.�</p><p>Der Agent bestellte sich noch ein Bier. �Anfang Juni letzten Jahres sah ein Farmer eine Leiche im James treiben. Zivilkleidung. Der K�rper war zu weit vom Ufer weg, um herausgeholt werden zu k�nnen, aber die Beschreibung � ein fetter, dunkelhaariger Mann � pa�t in groben Z�gen auf Captain Dayton.�</p><p>�Letzten Juni, sagten Sie?� Dills leckte sich die Lippen. Die Zahlungen waren w�hrend der ganzen Zeit erfolgt. �Wo war das?�</p><p>�Der Farmer war am Ostufer, ungef�hr eine halbe Meile oberhalb der Pontonbr�cke, die von der Armee im Herbst gebaut wurde. Ich trieb mich noch weitere drei Tage in der Gegend herum und stellte Fragen, aber es kam nichts dabei raus. Jetzt will ich mein Geld.�</p><p>�Ihr Bericht ist unbefriedigend.�</p><p>Der Agent packte das d�nne Handgelenk des Anwalts. �Ich habe meine Arbeit getan. Ich will mein Geld.�</p><p>Dills holte die Bankgutschrift aus seiner Jacke. Der Agent betrachtete sie mi�trauisch, steckte sie ein, st�rzte den Rest seines Bieres hinunter und verschwand.</p><p>Nach l�ngerem Nachdenken kam der Anwalt zum Schlu�, da� auch ein Bericht ohne konkretes Ergebnis seinen Wert hatte. Er konnte weiterhin Memoranden schreiben und versichern, da� Bent am Leben war. Das brachte ihm ein zeitlich unbegrenztes, festes Monatseinkommen � eine gewaltige Summe im Vergleich zu der kleinen Investition.</p><p>Er entspannte sich, ignorierte den Geruch von Rauch und billigem Parf�m und bestellte sich ein zweites Glas Limonade.</p><p><strong>136</strong></p><p>Dem gemurmelten Amen folgte ein Augenblick des Schweigens. Die Beerdigung von Clarissa Gault Main war vor�ber. Andy sagte: �Ich erledige den Rest. Sie m�ssen nicht alle bleiben.�</p><p>Billy legte den Arm um Brett und f�hrte sie durch das Tor in dem vollkommen verrosteten Zaun. Schmiedeeisen, bemerkte er. Eisen von Hazard h�tte l�nger gehalten. F�r einen Moment beunruhigte ihn der Gedanke.</p><p>Cooper und die anderen folgten dem jungen Paar. Pl�tzlich hielt Brett an und blickte durch die Eichen hin�ber zu den schwarzen Aschehaufen, wo das Haus gestanden hatte. Wieder kamen ihr die Tr�nen, aber es ging schnell vor�ber. Sie sch�ttelte den Kopf und wandte sich Billy zu.</p><p>�Mutters Tod gerade jetzt � es ist eine Art Wasserscheide, nicht wahr? Das Ende von Etwas. Dieses Haus, diese Plantage � nie war es ganz das, was es zu sein schien. Doch was immer es gewesen sein mag, es ist nun f�r immer dahin.�</p><p>Madeline h�rte ihre Worte und nickte melancholisch. Cooper antwortete ruhig, jedoch mit einer Glut, die seine j�ngere Schwester �berraschte.</p><p>�Das Schlimmste haben wir ziehen lassen, aber das Beste werden wir wieder aufbauen. Und daf�r mit jedem Atemzug k�mpfen.�</p><p>Wer ist er? fragte sich Brett staunend. Ich kenne ihn kaum. Der alte Cooper h�tte so etwas nie gesagt. Ich bin nicht die einzige, die der Krieg ver�ndert hat.</p><p>Drei Tage sp�ter tauchte Charles auf seinem Muli auf. Brett eilte ihm entgegen und umarmte ihn. Er pre�te seine b�rtige Wange gegen die ihre, aber es war nur eine mechanische Bewegung. Er war m�rrisch und in sich gekehrt. Als Brett ihn �ber seine Erlebnisse bei Hamptons Kavallerie auszufragen versuchte, wischte er ihre Fragen mit gereizten, nichtssagenden Antworten vom Tisch.</p><p>Noch vor dem Abendbrot fand Madeline Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. �Wie geht�s Augusta Barclay?�</p><p>�Keine Ahnung. Habe sie lange nicht mehr gesehen.�</p><p>�Ist sie noch in Fredericksburg?�</p><p>�Ich hoffe es. In ein paar Tagen werde ich hinreiten und sie suchen.�</p><p>Es schien so, als w�re Hochsaison f�r Besucher. Am folgenden Montag, als Charles sich gerade zum Aufbruch anschickte, erschien Wade Hampton zu Pferd. Er war auf dem Weg nach Charleston, hatte aber vorbeigeschaut, weil er von Clarissas Tod und dem Gro�brand auf Mont Royal geh�rt hatte. Au�erdem hoffte er, einige Informationen �ber einen seiner besten Scouts zu bekommen. Er war mehr als �berrascht, Charles pers�nlich anzutreffen, und war �ber dessen schlechte Verfassung sichtlich erschrocken.</p><p>Hampton, grauer, als Charles ihn in Erinnerung hatte, trug keine Uniform mehr, aber immer noch einen Revolver. Seinen Lieblingsrevolver mit dem Elfenbeingriff.</p><p>Aufgrund seines hohen milit�rischen Ranges hatte man Hampton die Amnestie verweigert, die der Mehrzahl der konf�derierten Soldaten nach der Kapitulation gew�hrt worden war. Der General trug seine B�rde frei und offen. Seine Bitterkeit wurde besonders deutlich, als er um den Schutt herumging, der einst das Herrenhaus gewesen war.</p><p>�So schlimm wie Millwood�, sagte er kopfsch�ttelnd. �Wir sollten ein Foto davon machen und es Grant schicken. Vielleicht begreift er dann die wirkliche Bedeutung von dem, was er fortschrittlichen Krieg nennt.�</p><p>Hampton erkundigte sich nach Charles� letzten Tagen bei der Kavallerie. Charles hatte wenig zu sagen. Hampton umri� kurz seine eigenen Erlebnisse. Er hatte tats�chlich westlich des Mississippi weiterk�mpfen wollen. �Durch das, was sie meinem Sohn und meinem Bruder und meinem Zuhause angetan hatten, f�hlte ich mich moralisch nicht an die Kapitulation gebunden.� Und so war er hinter dem fliehenden Pr�sidenten und dessen Leuten hergeritten.</p><p>�Ich h�tte Mr. Davis bis Texas eskortiert. Sogar bis Mexiko. Ich hatte einen kleinen Trupp loyaler M�nner bei mir, zumindest glaubte ich das, aber pl�tzlich stand ich ganz alleine da.�</p><p>Cooper fragte: �Wissen Sie, wo Davis jetzt ist?�</p><p>�Nein. Vermutlich in irgendeinem Gef�ngnis � vielleicht haben sie ihn sogar aufgeh�ngt. Booth hat uns riesigen Schaden zugef�gt.�</p><p>�Hat man irgendwas von ihm geh�rt?� frage Billy.</p><p>�Oh ja. Vor einigen Wochen wurde er auf einer Farm in der N�he von Rappahannock gestellt und erschossen.�</p><p>�Nun, Gentlemen�, Charles erhob sich, �ich bitte, mich zu entschuldigen. Ich habe einiges in Virginia zu erledigen und m�chte bei Tagesanbruch aufbrechen. Ich �berlasse Euch Euren hohen Idealen sowie den Wiederaufbau unseres glorreichen Staates.�</p><p>Diese Bitterkeit verbl�ffte Billy. Er hatte seinen Freund als leichtherzig in Erinnerung, schnell zu einem Lachen bereit. Dieses heruntergekommene, b�rtige Skelett hatte nichts mit Bison Main zu tun.</p><p>�Jemand mu� f�r den S�den k�mpfen�, erkl�rte Cooper. �Wir m�ssen ihn mit allen friedlichen Mitteln verteidigen, sonst wird auf Generationen hinaus nichts weiter bleiben als verbrannte Erde und Verzweiflung.�</p><p>Charles starrte ihn an. �Fr�her hast du ganz anders gesprochen, Cousin.�</p><p>�Nichtsdestoweniger hat er recht�, sagte Hampton mit einem Hauch der alten Autorit�t in der Stimme. �Der Staat wird gute M�nner sehr n�tig brauchen. Sie eingeschlossen, Charles.�</p><p>Charles deutete eine kleine Verbeugung an und l�chelte. �Nein, besten Dank, General. Ich habe meine Schuldigkeit getan. Ich habe Gott wei� wie viele menschliche Wesen get�tet, Amerikaner wie ich, aufgrund der hochgestochenen Prinzipien des hochgestochenen Mr. Davis und seiner Kollegen. Verlangen Sie nicht von mir, noch etwas f�r den S�den oder dessen verfehlte Sache zu tun.�</p><p>Hampton sprang auf die F��e, seine untersetzte Gestalt eine Silhouette gegen das verblassende Licht im Westen. �Es ist auch Ihr Land, Sir. <emphasis>Ihre</emphasis> Sache.�</p><p>�Falsch, Sir. Es war meine Sache. Bis zur Kapitulation hab� ich Befehlen gehorcht, aber keinen Augenblick l�nger. Guten Abend, Gentlemen.�</p><p>Es war Samstag, der 13. Mai; Davis und seine kleine Gruppe waren in einem Biwak in der N�he von Irwinville, Georgia, ergriffen worden. George war zusammen mit Constance auf einem K�stendampfer von Philadelphia nach Charleston gekommen. Die allgemeine Zerst�rung entsetzte ihn. Die vielen niedergebrannten H�user und Geb�ude bek�mmerten ihn; noch trauriger stimmten ihn die �berall herumlungernden Neger. Sie schienen alles andere als gl�cklich zu sein.</p><p>�Es ist nur recht, da� sie endlich ihre Freiheit haben�, sagte er zu Constance, als sie an Bord der uralten Schaluppe <emphasis>Osprey</emphasis> gingen, die sie den Ashley hochbringen sollte. George trug einen dunklen Anzug; er war noch nicht ausgemustert, weigerte sich jedoch, Uniform zu tragen. Auch so zog er gen�gend feindselige Blicke an.</p><p>�Aber es gibt praktische Probleme�, fuhr er fort. �Wie soll die Freiheit sie ern�hren? Sie kleiden? Ausbilden?� Selbst wenn praktische Antworten gefunden werden konnten � w�rden die Nordstaatler sich damit abfinden, jetzt, wo der milit�rische Sieg errungen war? Menschen wie seine Schwester Virgilia sicherlich, aber sie waren bestimmt in der Minderzahl. Die Einstellung der Mehrheit zeigte sich in dem Telegramm, das er noch in der Tasche hatte.</p><p>Die Nachricht kam von Wotherspoon und hatte ihn kurz vor Auslaufen erreicht: SECHS M�NNER GEK�NDIGT AUS PROTEST GEGEN EINSTELLUNG VON ZWEI FARBIGEN.</p><p>Sofort hatte er zur�cktelegraphiert: DIE SECHS SOLLEN GEHEN. HAZARD. Aber das Gesamtbild wurde dadurch nicht ge�ndert.</p><p>Als Antwort auf seine Fragen sagte Constance: �Das ist die Aufgabe des Amtes f�r befreite Sklaven, nicht wahr? General Howard soll ein anst�ndiger, f�higer Mann sein.�</p><p>�Schau dir blo� an, wer sich als einer seiner Assistenten in das Amt geschlichen hat. Glaubst du wirklich, Stanley ist aus humanit�ren Gr�nden dort? Uns stehen schlimme Zeiten bevor, einige Jahre, f�rchte ich, wenn die Wunden nicht heilen. Wenn man nicht zul��t, da� sie heilen.�</p><p>Ihre Fahrt den Ashley hinauf verlief ereignislos � bis die Plantage sichtbar wurde. George stie� einen leisen Ruf aus. Constance umklammerte die Reling.</p><p>�Mein Gott�, sagte er. �Selbst der Pier ist verschwunden.�</p><p>�Sie m�ssen �ber eine Planke an Land gehen�, sagte der Kapit�n. Sein Blick deutete an, da� er alles andere als traurig gewesen w�re, wenn die beiden dabei in das schlammige Wasser gefallen w�ren.</p><p>W�hrend Constance wartete, marschierte George den Rasen hoch. Ein Neger kam ihm entgegengeeilt. Er stellte sich als Andy vor.</p><p>�George Hazard.� Sie sch�ttelten einander die H�nde. Andy erkannte den Namen und rannte los, um Cooper und den anderen, die auf den Reisfeldern arbeiteten, die Nachricht zu �berbringen.</p><p>Cooper und Judith zeigten sich erstaunt �ber die Ankunft der Besucher. Sie taten erfreut, aber ihre M�digkeit und Ersch�pfung schimmerte durch, ebenso wie eine unmi�verst�ndliche Zur�ckhaltung. Beim Anblick der verarmten Mains stieg leise Verzweiflung in George auf. Er hoffte, das Heilmittel in seinem Gep�ck w�rde zumindest leichte Linderung bringen.</p><p>Madeline und Judith f�hrten die Besucher zu der notd�rftig errichteten Veranda � Bretter und Kisten, vor dem neuen Holzhaus aufgebaut � und gingen dann hinein, um einige Erfrischungen zuzubereiten.</p><p>Eine halbe Stunde lang tauschten sie z�gernd Informationen �ber die beiden Familien aus. George brachte Madeline gegen�ber sein Mitgef�hl zum Ausdruck, dann fragte er Cooper: �Wo ist Orrys Grab? Ich m�chte ihm gerne die letzte Ehre erweisen.�</p><p>�Ich zeige dir das Kreuz, das wir errichtet haben. Das Grab selbst ist leer.�</p><p>�Sie haben seine Leiche nicht heimgeschickt?�</p><p>�Oh doch, sie haben ihn in einen Zug gesteckt. Irgendwo in North Carolina versagte wieder mal unser gro�artiges Transportsystem, der Zug entgleiste, und es kam zu einem furchtbaren Unfall. Vierzig Piniens�rge verbrannten, George Pickett schrieb, da� nichts �briggeblieben sei.�</p><p>Selten in seinem Leben hatte George einen solchen Schmerz empfunden. �Ich m�chte trotzdem � trotzdem gern das Kreuz sehen und dort ein bi�chen allein bleiben.�</p><p>Cooper beschrieb ihm den Weg zum Friedhof. Bei dem Kreuz zog George den Brief aus der Tasche, den er vier Jahre lang in seinem Schreibtisch aufbewahrt hatte. Den Brief an Orry. Er kniete nieder und grub vor dem Kreuz ein Loch in den sandigen Boden. Er legte den Brief hinein und gl�ttete den Sand wieder. Obwohl er kein sehr religi�ser Mensch war, faltete er die H�nde und senkte den Kopf. So verharrte er drei�ig Minuten und sagte seinem Freund auf Wiedersehen.</p><p>Der Nachmittag war eine Last. Die Mains schienen Fremde geworden zu sein. Oder verzerrte lediglich ihre Notlage die Perspektive?</p><p>Nein, vieles hatte sich ge�ndert; bedeutete das, da� sich alles ge�ndert hatte?</p><p>Das Abendessen hob die Stimmung ein bi�chen, und die Unterhaltung wurde etwas lebhafter. Cooper bildete eine Ausnahme. Er sagte kaum etwas. Georges Bef�rchtungen verst�rkten sich. Cooper anzusehen, das war so, als versuche man eine Seite in einer orientalischen Sprache zu lesen. Nichts lie� sich entziffern.</p><p>George r�usperte sich. �Lange vor dieser schrecklichen Zeit waren unsere Familien eng miteinander befreundet.� Brett dr�ckte sich gegen Billy, der hinter ihr stand. �In einigen F�llen sogar mehr als nur befreundet�, f�gte er mit mildem L�cheln hinzu.</p><p>Der liebevolle Blick von Constance ermutigte ihn, und er fuhr zuversichtlicher fort: �Das mu� auch so bleiben. Vor vier Jahren glaubte ich, da� wir einer schweren Pr�fung entgegengehen w�rden. Orry und ich, wir versprachen uns, da� wir trotz des Krieges die Bande der Freundschaft zwischen uns und unseren Familien erhalten w�rden.�</p><p><emphasis>Dann kam das Feuer, und ich bef�rchtete</emphasis>, <emphasis>das sei nicht m�glich.</emphasis></p><p>�Wir schafften es�, er wandte sich zu Cooper, �zumindest meiner Einsch�tzung nach.�</p><p>Orrys Bruder schwieg weiterhin. M�hsam fuhr George fort: �Jetzt f�rchte ich etwas anderes. Ich glaube, uns steht eine zweite Zeitspanne der Feindseligkeit und des Kampfes bevor, die auf ihre Weise noch schlimmer als der Krieg werden k�nnte. Bei all dem Kummer und den Verlusten auf beiden Seiten, wie lie�e sich das vermeiden? Wir m�ssen bereit sein, all dem zu trotzen. Wir m�ssen wieder � �</p><p>Er hob einfach nur die rechte Hand; sein Gesicht schweifte langsam von Gesicht zu Gesicht. Dann, ganz ruhig: �Wir m�ssen die Bande stark halten.�</p><p>Niemand bewegte sich. Niemand sprach. Gott im Himmel, er hatte versagt. Er pers�nlich hatte versagt, aber, schlimmer noch, er hatte auch Orry im Stich gelassen. Wenn er nur die richtigen Worte finden k�nnte.</p><p>Brett reagierte als erste, griff nach Billys Hand. Madeline, die Augen voller Tr�nen, nickte einmal kr�ftig und zustimmend. Doch es war Cooper, der ernst f�r sie alle sprach.</p><p>�Ja.�</p><p>Die pl�tzliche Erleichterung machte George ganz benommen; er sah die Mains l�cheln, sich erheben und hielt hastig beide H�nde in die H�he. �Einen Moment noch. Es gibt einen besonderen Grund f�r unseren Besuch auf Mont Royal. Ich wollte Euch ein Zeichen f�r meinen Glauben an unsere Freundschaft �berbringen.�</p><p>Er ging zu dem Holzklotz zur�ck, der ihm als Hocker diente, und schob mit dem Fu� eine kleine Mappe vor. �Erkennt das jemand?�</p><p>Mit einem leicht verwirrten L�cheln kratzte sich Cooper am Kinn. �Hat sie nicht meinem Bruder geh�rt?�</p><p>�Ja. In dieser Mappe brachte Orry das Geld, um das Darlehen zur�ckzuzahlen, das ich zur Finanzierung der <emphasis>Star of Carolina</emphasis> gegeben hatte. Orry machte im Fr�hjahr 1861 die gef�hrliche Reise nach Lehigh Station mit �ber sechshunderttausend Dollar in bar � alles, was er zusammenkratzen konnte. Das werde ich ihm nie vergessen, auch nicht�, wieder r�usperte er sich, �wieviel mir Orry bedeutete. Ich kam her, um ebenso wie er eine Ehrenschuld zur�ckzuzahlen. Ich m�chte einige meiner Mittel in eure H�nde legen, um euch beim Wiederaufbau zu helfen.�</p><p>Er nahm die Mappe und �berreichte sie Cooper. �Ich konnte keine zuverl�ssigen Informationen �ber die Banksituation in diesem Staat bekommen. Vermutlich ist sie immer noch chaotisch.�</p><p>Cooper nickte.</p><p>�Nun, ich bin Hauptaktion�r der Bank von Lehigh Station, die ich bei Kriegsbeginn gr�ndete. In dieser Mappe befindet sich ein auf meine Bank gezogener Kreditbrief. Der urspr�ngliche Betrag bel�uft sich auf vierzigtausend Dollar�, Madeline schnappte nach Luft, �aber es steht mehr zur Verf�gung. Soviel Ihr braucht. Jetzt � � er err�tete �berraschenderweise. �Ich frage mich, ob ich noch ein bi�chen von dem k�stlichen Beerenpunsch haben k�nnte, den es heute nachmittag gegeben hat? Meine Kehle ist pl�tzlich ganz ausgetrocknet.�</p><p><strong>137</strong></p><p>Santa Fe war fliegenverseucht und scheu�lich. Ashton war �berzeugt davon, da� die H�lle, falls sie existierte, nicht hei�er sein konnte.</p><p>Nach drei Wochen Wartezeit in ihrem zwar sauberen, aber vollgestopften Zimmer kam sie sich wie ein altes Weib vor. Die staubtrockene Luft machte Falten, vor allem um die Augen herum. W�rde Lamar ihre trockene, sonnenger�tete Haut mi�fallen?</p><p>Als sie nach dieser entsetzlich langen Kutschenfahrt Santa Fe erreicht hatte, fand sie Powells Brief vor und rechnete mit dem Eintreffen der beiden Wagen innerhalb einer Woche. Die Woche verging, dann die n�chste, dann die dritte. Ihr Optimismus begann ebenso zu schwinden wie ihre Geldmittel. Jetzt waren ihr nur noch ein paar Dollar geblieben.</p><p>An einem Samstag gegen Ende der dritten Woche erregte ein kleiner Aufruhr auf der sonnen�berfluteten Plaza ihre Aufmerksamkeit. Eine Kavalleriepatrouille war mit der Leiche eines jungen Mannes aufgetaucht.</p><p>�Haben ihn bei Winslows Handelsstation aufgegabelt, westlich von hier am Rio Puerco�, erkl�rte der Yankee-Lieutenant. �So weit � drei, vier Meilen � ist er mit seinen drei Stichwunden gekrochen, nachdem die Jicarillas den Rest seines Trupps massakriert hatten.�</p><p>Ashton �berlief es eiskalt. �ber das Rauschen in ihren Ohren hinweg h�rte sie schwach die Stimme des Lieutenants.</p><p>�Winslow verband seine Wunden, aber l�nger als zw�lf Stunden lebte der Junge nicht mehr.� Nein, dachte Ashton, Powells Trupp war es bestimmt nicht.</p><p>Sie f�rchtete sich, die Aufmerksamkeit dieser w�st aussehenden Soldaten zu erregen, aber schlie�lich konnte sie ihre Neugier nicht l�nger unterdr�cken und n�herte sich dem Sergeant, der von allen noch den saubersten Eindruck machte.</p><p>�K�nnen Sie mir sagen, ob dieser Trupp Wagen mit sich f�hrte?�</p><p>Der Sergeant stammte aus Indiana, war aber trotzdem h�flich und hilfreich. �Ja, Ma�am, der H�ndler sagte, der tote Junge habe Wagen erw�hnt. Zwei wurden verbrannt und in die Schlucht gesto�en, wo das Massaker passiert war.�</p><p>Sie schwankte benommen. Die Augen des Sergeants wurden schmal. Was spielte es schon f�r eine Rolle, wenn er mi�trauisch wurde? Sie brauchte Gewi�heit.</p><p>�Hie� der Anf�hrer des Trupps Powell?�</p><p>�Richtig. Irgendein Reb.�</p><p>�Und er ist �?�</p><p>Ein Nicken. Erst dann dachte Ashton an ihren Mann.</p><p>�Der Rest auch?�</p><p>�Alle. Kannten Sie jemanden davon?�</p><p>�Mr. Powell � nur dem Namen nach, nicht pers�nlich.�</p><p>Das Mi�trauen des Sergeants wuchs. Wenn sie in keiner Verbindung zu den Opfern stand, weshalb hatte sie sich nach den Wagen erkundigt? Hochm�tig wandte sich Ashton von dem Sergeant ab und lauschte den Worten des Lieutenants, der mit anderen �ber die Wagen sprach.</p><p>�Nach dem Tod des jungen Mannes ritten Winslow und seine beiden S�hne zu der Stelle. Die Apachen waren l�ngst verschwunden. Winslow entdeckte Teile eines Wagenrads und eine Menge Asche auf dem Grund der Schlucht, aber das war schon alles. Die Geier und die gro�en Katzen hatten sich die Leichen geholt.�</p><p>In ihrem Zimmer setzte sich Ashton zitternd aufs Bett. Zwei Wagen enthielten dreihunderttausend in Gold � dahin. Ebenso wie Powell. Sie hatte Lamar Powell mehr geliebt als jeden anderen Mann.</p><p>Nein. Das war vorbei, und sie mu�te sich dieser Tatsache stellen. Sie sa� allein in dieser gottverlassenen Wildnis, ohne irgendwelche finanziellen Mittel bis auf das Konto in Nassau, das jetzt ihr allein geh�rte.</p><p>W�hrend der n�chsten zwei oder drei Monate w�rde sie zwar kaum an das Geld auf den Bahamas herankommen, aber eines wu�te sie mit Sicherheit: Sie w�rde von diesem Geld so lange leben, bis sie die Schlucht entdeckt hatte, in der die �berreste der Wagen lagen. Der H�ndler und seine S�hne hatten nicht weiter nachgeforscht, wahrscheinlich, weil ihnen nie in den Sinn gekommen w�re, da� unter der Asche Goldbarren versteckt sein k�nnten. Je mehr sie an den Schatz dachte, desto schneller schwand ihr Kummer um Powell dahin.</p><p>James� Tod l�ste keinerlei Trauergef�hle bei ihr aus. Er war schon immer ein Schw�chling gewesen. Der Gedanke an ihn brachte die Erinnerung an den versiegelten Brief, den er ihr in St. Louis �bergeben hatte. In der Annahme, da� es sich ohnehin nur um sentimentales Geschw�tz handeln w�rde, hatte sie ihn in ihre Tasche gestopft und vergessen.</p><p>Der Brief war alles andere als sentimental. Nach br�sker Anrede stand da:</p><p><emphasis>Ich habe mich Mr. Powells Abenteuer nicht nur aus Gr�nden der Loyalit�t angeschlossen. Ich bewundere Mr. Powells Ansichten bez�glich der Rechte und Ideale des S�dens, mu� aber hier eingestehen, da� ich ihn pers�nlich verabscheue aufgrund meines Verdachts in bezug auf ihn und Dich. Mir fehlt zwar ein echter Beweis, aber ich bin �berzeugt davon, da� Du schon seit einiger Zeit seine Geliebte bist.</emphasis></p><p><emphasis>Im Falle eines vorzeitigen Ablebens meinerseits kann ich wenigstens daf�r sorgen, da� Deine Hurerei nicht auch noch belohnt wird. Bevor ich Richmond verlie�, schrieb ich einen von Zeugen best�tigten Brief an meinen alten Partner der Kanzlei Thomas &amp; Huntoon, Charleston. In Detroit bekam ich seinen Eingang als Testament best�tigt, das nun anstatt meines alten Testaments in Kraft tritt. Das unselige Geld von der</emphasis> Water Witch, <emphasis>das laut Ehegesetz mir geh�rt, wird nun im Falle meines Todes an meine Verwandten verteilt werden. Der Rest wird mildt�tigen Zwecken zugef�hrt. Du wirst keinen Penny davon bekommen.</emphasis></p><p><emphasis>Das ist nur eine kleine Vergeltung f�r das viele Unrecht, das Du mir angetan hast.</emphasis></p><p><emphasis>James</emphasis></p><p>Ashton taumelte hoch, zerkn�llte den Brief. �Das ist nicht wahr�, fl�sterte sie.</p><p>Sie packte ihr T�schchen und schleuderte es gegen die Jalousie. �Nicht wahr.� Sie kippte das Bett um, knallte den Stuhl gegen die Wand. Die Vermieterin h�mmerte gegen die T�r.</p><p>�Se�ora, qu� pasa aqui adentro?�</p><p>Der Stuhl zerbrach. Kreischend zerschmetterte sie die Waschsch�ssel.</p><p>�Nicht wahr � nicht wahr � <emphasis>nicht wahr!�</emphasis></p><p>�Se�ora, est� enferma?�</p><p>Die letzten Worte fielen in eine sturmgepeitschte Leere, als Ashton die Augen verdrehte und in Ohnmacht fiel.</p><p>Die Vermieterin dr�ckte, bis der Haken an der T�r brach. Keuchend erkl�rte Ashton, sie habe einen Anfall gehabt, und versprach, alles zu bezahlen, was sie zerst�rt hatte.</p><p>Den ganzen Nachmittag und Abend lag Ashton stocksteif im Bett, ihr Gehirn ein einziges Chaos. Endlich, gegen Morgen, begann die Luft abzuk�hlen. Sie schlief ein und erwachte kurz vor Mittag.</p><p>Sie richtete sich auf und hielt sich den Kopf. Von Nassau w�rde sie keinen Dollar bekommen. Aber da drau�en lag Gold. Sie war noch nicht geschlagen. Sie zog ihr bestes und leichtestes Kleid an. Nach den langen Reisen befand es sich in bedauernswertem Zustand, aber immerhin brachte das Korsett ihren Busen gro�artig zur Geltung. Und nur darauf kam es an.</p><p>Sie verlie� ihr Zimmer und stieg die Stufen hinab. Man hatte ihr gesagt, der Hausherr sei ein Yankee. Als sie die Bar betrat, klappten den M�nnern buchst�blich die Unterkiefer herab. Sie k�mmerte sich nicht darum, sondern ging auf den kr�ftigen Mann hinter der Bar zu, in dessem blonden Haar sich schon eine Menge Wei� zeigte.</p><p>Ashton l�chelte ihn an. �Sie sind Amerikaner, ja?�</p><p>�Richtig.�</p><p>�Ich ebenfalls. Durch unerwartete Umst�nde hier gestrandet.�</p><p>�Ich habe Sie schon auf der Stra�e bemerkt. Fragte mich, in was f�r einer Lage � �</p><p>�Darf ich Ihnen eine Frage stellen? Vertraulich?�</p><p>�Sicher.� Es entging ihr nicht, wie sein Blick �ber ihre Br�ste wanderte.</p><p>�Ich m�chte gern die Namen der zwei oder drei reichsten M�nner in dieser Gegend wissen.�</p><p>�Der zwei oder drei �?�</p><p>�Reichsten.�</p><p>�Hab� ich tats�chlich richtig geh�rt.� Am�siert f�gte er hinzu: �Verheiratet oder unverheiratet?�</p><p>Zum Teufel mit ihm. Er hielt sie f�r ein d�mliches Weibchen, �ber das man sich lustig machen konnte. Sie w�rde ihn eines besseren belehren. Ich werde auch das durchstehen, ich �berlebe das, so wie ich alles andere �berlebt habe. Und wenn ich soweit bin, dann wird jeder Mann in dieser Gegend des Landes um zwei Minuten meiner Zeit betteln.</p><p>�Ma�am? Verheiratet oder unverheiratet?�</p><p>Ashtons L�cheln war bet�rend.</p><p>�Das spielt wirklich keine Rolle.�</p><p><strong>138</strong></p><p>Unter dem stillen Sternenhimmel, kurz nach Sonnenuntergang, schlenderten Andy und Jane am Ashley entlang; sie unterhielten sich leise, suchten nach Antwort auf eine Frage, die Madeline gestellt hatte.</p><p>Ciceros Zukunft war klar. Er war zu alt, um neu zu beginnen. Er beschwerte sich sogar �ber die unerw�nschte Freiheit, die Vater Abraham ihm aufgedr�ngt hatte, weil sie sein Leben durcheinanderbrachte. Jane wollte ihn zurechtweisen, �berlegte es sich dann aber anders. Cicero war �ber siebzig; sie begriff, da� f�r ihn jede Ver�nderung eine Bedrohung darstellte.</p><p>Bei ihr und bei Andy war das anders. Und so spazierten sie eng umschlungen dahin, unterbrachen ihr Gespr�ch nur f�r einen gelegentlichen Ku�. Nach einer Stunde kehrten sie Hand in Hand zum Holzhaus zur�ck.</p><p>Alle waren noch auf, weil George und Constance morgen mit der flu�abw�rtsfahrenden <emphasis>Osprey</emphasis> abreisten. Madeline l�chelte dem schwarzen Paar zu. �Hallo, Andy � Jane! Kommt herein!�</p><p>Jane fing an: �Wenn der Zeitpunkt schlecht ist, um mit euch zu reden � �</p><p>�Ganz und gar nicht. Kommt nur.�</p><p>Andy r�usperte sich. �Wir wollten nur die Frage nach unseren weiteren Pl�nen beantworten.�</p><p>Es wurde still; die gesamte Aufmerksamkeit richtete sich auf sie. Jane sprach f�r sie beide.</p><p>�Wir dachten, wir bleiben noch ein bi�chen in South Carolina.�</p><p>�Als freie Menschen�, f�gte Andy hinzu.</p><p>�Es ist jetzt auch unser Staat�, sagte Jane. �Unser Land, ebenso wie das des wei�en Mannes.�</p><p>Ihre Worte klangen leicht herausfordernd. Vielleicht z�gerte Cooper deswegen einen Moment, bevor er sagte: �Nat�rlich ist es das. Ich begr��e eure Entscheidung. Ich w�rde mich freuen, euch hier zu behalten, wenn ihr nichts anderes im Sinn habt.�</p><p>Jane sch�ttelte den Kopf, blickte dann zu dem starken, stolzen Mann an ihrer Seite. �Mont Royal war gut zu mir. Besser, als ich erwartet hatte.�</p><p>�Aber wir k�nnen nicht ohne Lohn arbeiten�, sagte Andy. �Jetzt nicht mehr.�</p><p>Cooper und Madeline tauschten zustimmende Blicke. �Einverstanden�, sagte Cooper. �Dank George ist das jetzt m�glich.�</p><p>Jane l�chelte. Erleichterung zeigte sich auf den Gesichtern der anderen. Andy trat vor.</p><p>�Noch eins � �</p><p>�Ja?� sagte Judith.</p><p>�Wir m�chten heiraten.�</p><p>Gl�ckw�nsche kamen von allen Seiten, bis Andy unterbrach. �Aber nicht auf die alte Weise. Nicht, indem wir �ber Besen springen. Und wir werden beide unsere Namen �ndern. Jane und Andy sind Sklavennamen. Sie wurden uns gegeben. Wir m�chten uns unsere eigenen Namen aussuchen.�</p><p>Angespanntes Schweigen. Dann hob Cooper einfach nur die Hand.</p><p>�Gut.�</p><p>George sagte: �Ich w�nsche euch beiden das Beste. Es wird nicht leicht sein f�r euch hier unten, zumindest nicht in der n�chsten Zukunft. Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob es im Norden viel besser w�re.�</p><p>Mit einem Hauch von Traurigkeit sagte Jane: �Ich wei�. Die Leute f�hlen sich von schwarzen Gesichtern irgendwie bedroht. Das macht ihnen Angst. Nun, ich kann es nicht �ndern. Sie haben f�r unsere Freiheit gek�mpft, Major Hazard, jetzt m�ssen wir den Kampf weiterf�hren. Ich rechne mit vielen weiteren K�mpfen, bevor die Wei�en auch nur beginnen, uns zu akzeptieren.�</p><p>In dem folgenden unbehaglichen Schweigen runzelte Cooper die Stirn, und Billy mu�te sich eingestehen, da� Jane recht hatte. Er brauchte sich nur seine eigene Einstellung, die er noch vor ein paar Jahren gehabt hatte, vor Augen zu f�hren. Er teilte die Auffassung seines Bruders: Ein Krieg war zwar vorbei, aber der n�chste begann gerade.</p><p><strong>139</strong></p><p>Unkraut und wilde Gr�ser, die seinem Maultier bis �ber die Knie reichten, wehten im warmen Wind. Charles� Umhang bauschte sich, als er in den Hof einbog; ein unheilvolles Gef�hl beschlich ihn. Die Felder waren nicht bearbeitet worden. Es war ein herrlicher Tag. Die frische Luft h�tte das Haus ges�ubert, aber alle Fensterl�den waren verschlossen. Die offene Stallt�r bildete ein finsteres Rechteck.</p><p>�Washington? Boz?�</p><p>Der Wind pfiff.</p><p>�Irgend jemand hier?�</p><p>Sonnenblumen wiegten sich dort, wo der Garten gewesen war. Weshalb wartete er auf eine Antwort? Hatte er die nicht schon erhalten, als er auf der vernarbten Stra�e �ber den letzten H�gel geritten war und das Haus so still hatte liegen sehen, die Felder leer und unbestellt im Sonnenschein?</p><p>Sie hatte das Haus abgesperrt, bevor sie � wohin auch immer � weggegangen war. Mit einem Ellbogen zerbrach er das Fenster an der K�chent�r, griff hindurch und sperrte auf. M�bel und K�chengeschirr befanden sich noch an Ort und Stelle.</p><p>Er rannte in ihr Schlafzimmer; seine Stiefel polterten �ber den Boden. Das Bett war ordentlich gemacht, und auf dem Tischchen daneben entdeckte er ein Buch von Pope, mit einem blauen Band als Lesezeichen. Bestimmt h�tte sie das nicht zur�ckgelassen, wenn sie f�r l�ngere Zeit fortbleiben wollte. In ein oder zwei Tagen w�rde sie zur�ck sein.</p><p>Zur Best�tigung ri� er ihren Schrank auf, in Erwartung, ihre Kleidung vorzufinden.</p><p>Leer.</p><p>Er zers�gte einige Bretter, nagelte sie innen vor das zerbrochene Fenster, nahm das Buch und zurrte die T�r mit einem St�ck Seil zu.</p><p>Er wollte gerade sein Muli besteigen, als er das Buch beim Lesezeichen aufschlug. Er schluckte. Das Gedicht hie� �Ode an die Einsamkeit�. Mit zierlicher Feder hatte Gus vier Zeilen unterstrichen.</p><p><emphasis>So la� mich leben, ungesehen, unbekannt,</emphasis></p><p><emphasis>So la� mich sterben unbeklagt;</emphasis></p><p><emphasis>Aus der Welt mich stehlen, und kein Stein</emphasis></p><p><emphasis>Verr�t den Ort, an dem ich liege.</emphasis></p><p>Er fluchte und klappte das Buch zu. Ein Schauder lief ihm �ber den R�cken. Den ganzen Weg bis Fredericksburg trieb er das Maultier mit den Stiefeln an.</p><p>In zwei L�den forschte er ohne Erfolg nach. Der Besitzer des dritten Ladens, ein st�mmiger Metzger, gab ihm einige Informationen.</p><p>�Sie hat ihre beiden freien Neger gehen lassen. Der j�ngere, Boz, kam hier durch und erz�hlte es mir. Paar N�chte sp�ter verschwand sie ohne ein Wort.�</p><p>�Wie lange ist das her?�</p><p>�Einige Monate.�</p><p>�Und seitdem haben Sie sie nicht mehr gesehen?�</p><p>�So ist es.�</p><p>�Aber wohin zum Teufel ist sie verschwunden?�</p><p>�Was glaubst du, wen du vor dir hast, Soldat? Ich bin ein Mann der Union.� Seine Hand glitt �ber den feuchten, roten Holzblock zum Hackmesser. �An deiner Stelle w�re ich h�flicher zu Leuten, die euch geschlagen haben, sonst tun sie�s vielleicht noch mal.�</p><p>Charles lief rot an, z�gelte aber seinen �rger. �Tut mir leid. Ich bin weit geritten, um sie zu finden.�</p><p>Der Metzger grinste. �Vielleicht wollte sie gar nicht von dir gefunden werden? Je daran gedacht? Mrs. Barclay hat ihre Farm verlassen, ohne einer Seele in Fredericksburg oder Umgebung zu sagen, wohin sie geht.�</p><p>Charles ging hinaus, betroffen von der Wahrheit in den b�sartigen Worten des Metzgers. Sie hatte seine R�ckkehr nicht gew�nscht, sonst h�tte sie auf ihn gewartet. Oder zumindest ihr Reiseziel verraten. Statt dessen hatte sie ein Gedicht �ber den Tod zur�ckgelassen. Das Ende von allem.</p><p>Der Schmerz, die Ungewi�heit des Verlustes trafen Charles von Sekunde zu Sekunde schwerer. Er versuchte seine Gef�hle nicht zu unterdr�cken. Und selbst wenn er es gewollt h�tte, er h�tte es gar nicht gekonnt.</p><p><strong>140</strong></p><p>Der Corporal, der den Zwei-Mann-Trupp befehligte, stammte aus Illinois. Seine Ausbildung hatte er an einem winzigen College im Nachbarstaat erhalten und war dann nach Danville zur�ckgekehrt, wo er an einer Schule, die aus einem einzigen Zimmer bestand, unterrichtete, ehe er sich freiwillig meldete. Er war vierundzwanzig Jahre alt. Sein kleiner Trupp war einer von den vielen, die im Schutt von Richmond nach unverbrannten Regierungsdokumenten suchen sollten.</p><p>�Hier ist eine kaum besch�digte Kiste, Sid�, sagte einer der Soldaten. In diesem Teil des Lagerhauses hatten sie gestern einige Pakete noch nicht zugestellter Briefe entdeckt, die meisten davon zumindest angesengt. Als sie die Kiste aufbrachen, fanden sie anscheinend unversehrte B�ndel, wurden aber gleich darauf entt�uscht. Der Soldat zeigte Sid den obersten Brief eines B�ndels, das er in der Hand hielt.</p><p>�M�ssen einen kr�ftigen Regen abgekriegt haben. Sch�tze, die Kiste war nicht dicht. Adressen sind unleserlich.�</p><p>Der Corporal studierte den Brief.</p><p>�Sind die anderen auch so?�</p><p>Der Soldat bl�tterte den Sto� durch. �Alle gleich.�</p><p>Erfreut sagte Sid: �Ich denke, dann sollten wir die Briefe �ffnen. Vielleicht steht drinnen noch mal die Adresse.� Das war ein Vorwand; er langweilte sich und wollte eine Weile sitzen.</p><p>Sie rissen einen Brief nach dem anderen auf. Nach zwanzig Minuten langweilte Sid sich schon wieder. Aber Befehl war nun mal Befehl.</p><p>Nach einer Stunde richtete er sich pl�tzlich auf. �H�r mal, der hier klingt interessant. Unterschrieben von J.B. Duncan � einem unserer eigenen Offiziere.�</p><p>Er zeigte dem Soldaten die Abk�rzungen und Initialen, die auf den Namen folgten. �Brigadier General, Freiwilligenarmee der Vereinigten Staaten. Aber adressiert ist er an jemanden, den er �Mein lieber Major Main� nennt. Meinst du, das ist ein Reb, Chauncey?�</p><p>�Ziemlich wahrscheinlich, sonst w�re der Brief kaum hier, oder?�</p><p>Sid nickte. �Scheint um irgendeine Frau namens Augusta zu gehen � oh Gott, h�r dir das an: <emphasis>Sie wurde von Ihnen schwanger, und obwohl sie zur Zeit Ihres letzten Besuches um ihren Zustand wu�te, sagte sie nichts, um keinen moralischen Druck auf Sie auszu�ben � �</emphasis> Mit neu erwachter Begeisterung sagte Sid: �Das ist wenigstens mal ein gebildeter Mann. Tolle Geschichte.�</p><p>�Ziemlich hei�e Sache�, bemerkte Chauncey.</p><p>Sid las weiter. <emphasis>�Die Schwangerschaft war genauso schwierig, um nicht zu sagen gef�hrlich, wie jene zur Zeit ihrer Ehe mit Mr. Barclay. Den ungl�cklichen Ausgang kennen Sie, glaube ich. Da sie w�hrend der schlimmsten K�mpfe n�rrischerweise auf ihrer einsamen Farm blieb, veranla�te ich, da� meine Nichte �ber den Potomac geschmuggelt wurde und in mein gegenw�rtiges Haus in Washington kam. Hier brachte sie am 23. Dezember Ihren Sohn zur Welt, einen h�bschen, gesunden Jungen, dem sie den Namen Charles gab. Bedauerlicherweise mu� ich sagen � �</emphasis></p><p>Der Corporal brach ab. Er warf dem Soldaten einen melancholischen Blick zu.</p><p>�Was ist los, Sid?�</p><p><emphasis>�� mu� ich sagen, da� die Geburt tragisch endete. Eine Stunde danach starb die arme Augusta. Sie schied dahin mit Ihrem Namen auf den Lippen. Ich wei�, sie liebte Sie mehr als das Leben selbst, denn sie hat es mir gesagt.�</emphasis></p><p>Sid wischte sich die Nase. �Mein Gott!� Er fuhr fort: <emphasis>�Ich habe Ihnen bereits zwei Briefe geschrieben und mit privatem Boten nach Richmond geschickt. Wenn diese unseligen Zeiten vor�ber sind, dann haben Sie Anspruch auf Ihren Sohn. Ich werde so lange f�r ihn sorgen, bis Sie ihn holen; sollte das nicht der Fall sein, dann werde ich mich so lange um ihn k�mmern, wie das einem alten Junggesellen m�glich ist. Ich bringe Ihnen keine feindseligen Gef�hle entgegen. Ich bete, da� dieser Brief Sie bei guter Gesundheit erreicht. M�gen Sie sich �ber den guten Teil meiner Nachrichten freuen. Hochachtungsvoll � �</emphasis></p><p>�Der Brief sollte auf jeden Fall zugestellt werden�, sagte Chauncey.</p><p>Sid faltete den Brief zusammen, steckte ihn wieder in den Umschlag. �Ich bring ihn selber zum Lieutenant.�</p><p>�Gut�, sagte Chauncey und starrte Sid an. Sid starrte zur�ck. Beide wu�ten, da� es nicht einfach, da� es fast hoffnungslos sein w�rde. Die Regierung von diesem verdammten Davis hatte so viele Aufzeichnungen verbrannt � wie sollten sie da einen Rebellenmajor unter den Hunderttausenden Richtung S�den ziehenden Soldaten finden?</p><p><strong>141</strong></p><p>Nachdem er Fredericksburg verlassen hatte, zog Charles drei Tage lang ziellos umher. Jede Nacht lag er wach. Verlor ohne jede Provokation die Beherrschung und h�tte daf�r in einer Kneipe beinahe ein Messer zwischen die Rippen bekommen. Er wollte weinen und konnte nicht.</p><p>Er lagerte am Stra�enrand und schreckte mit einem Ruck hoch. Etwas hatte ihn im Gesicht gekitzelt; der halbe Z�gel, immer noch an einen Ast gebunden. Er war mitten durchgebissen worden. Das Maultier war verschwunden, mit Sattel und allem Drum und Dran. Zum Gl�ck hatte er noch seinen Colt.</p><p>Er ging mitten auf die Stra�enkreuzung und betrachtete das tote, leere Land um sich herum. Einen seltsamen Augenblick lang f�hlte er sich, als h�tte sich die gesamte Macht der Union gegen ihn pers�nlich verschworen. Er wollte nichts weiter als sich niederlegen. Aufh�ren. F�r immer.</p><p>Erinnerungen dr�ngten sich auf. Gus. F�r eine Weile geno� er die Gedanken an sie. Dabei fiel ihm ein Detail ein, das er ganz vergessen hatte. Ein Name.</p><p>Brigadier Duncan.</p><p>Mit dem Handr�cken wischte er sich �ber den Mund. Gus hatte ihm unmi�verst�ndlich signalisiert, da� ihre Liebesaff�re vor�ber war, aber er konnte sich zumindest erkundigen, wo sie sich aufhielt und wie es ihr ging. Duncan war vielleicht in der Lage, ihm dabei behilflich zu sein � falls er ihn finden konnte.</p><p>Es gab nur einen Ort, wo er mit der Suche beginnen konnte. Er nahm seinen Umhang und machte sich von der Kreuzung in n�rdlicher Richtung auf. Nach einer halben Stunde hatte er eine Negerfamilie eingeholt, die vorhin an ihm vorbeigegangen war und nun am Wegrand lagerte. Die beiden Erwachsenen schauten alarmiert drein. Charles versuchte ein L�cheln. Es fiel ihm sehr schwer.</p><p>�Abend.�</p><p>�Abend�, sagte der Vater.</p><p>Die Frau, weniger mi�trauisch als ihr Mann, sagte: �Gehen Sie nach Norden?�</p><p>�Washington.�</p><p>�Wir auch. M�chten Sie sich setzen und ausruhen?�</p><p>�Ja, danke.� Eines der beiden M�dchen kicherte und l�chelte ihn an. �Ich habe mein Maultier verloren. Ich bin ziemlich m�de.�</p><p>Endlich l�chelte auch der Vater. �Ich wurde m�de geboren, aber in letzter Zeit f�hle ich mich besser.�</p><p>Charles w�nschte, er k�nnte das auch von sich sagen. �Wenn ihr wollt, dann helfe ich euch, den Karren zu ziehen.�</p><p>�Sie sind ein Soldat.� Er meinte damit nicht Unionssoldat.</p><p>�War�, sagte Charles. <emphasis>�War.�</emphasis></p><p><strong>142</strong></p><p>Brigadier Jack Duncan, ein untersetzter Offizier mit grauem Kraushaar, marschierte mit gestrafften Schultern ins Kriegsministerium. Eine halbe Stunde sp�ter verlie� er es wieder mit strahlendem Gesicht.</p><p>Er hatte eine kurze, aber �u�erst befriedigende Unterredung mit Mr. Stanton gehabt, der ihm lediglich die ersehnte Abkommandierung zur k�mpfenden Truppe genehmigt hatte. Sie war ihm w�hrend des Krieges verweigert worden, da General Halleck nicht auf seine administrativen F�higkeiten verzichten wollte. Jetzt hatte Duncan seine Marschbefehle in der Tasche.</p><p>Er war zu der West-Kavallerie abkommandiert worden, wo erfahrene M�nner zur Bek�mpfung der Indianer ben�tigt wurden. Seine Abreise stand unmittelbar bevor.</p><p>Beim �berqueren der �berf�llten, l�rmenden Pennsylvania Avenue bemerkte der Brigadier einen schlanken, z�h wirkenden Burschen mit langem Bart, grauem Hemd und Armee-Colt. Offensichtlich nerv�s kaute der Mann auf einer Zigarre herum und studierte das Geb�ude, das Duncan eben verlassen hatte. Ein Reb, aus seiner gesamten Erscheinung zu schlie�en. Hunderte von Ex-Konf�derierten schienen die Stadt zu �berschwemmen, aber im Grunde gab es nur einen Reb, f�r den sich Duncan interessierte: ein Major namens Main.</p><p>W�rde er je von dem Burschen h�ren? Er begann es zu bezweifeln. Auf seine drei Briefe hatte er keine Antwort erhalten. H�chstwahrscheinlich war Main tot. Duncan f�hlte sich leicht schuldig, da� er f�r das Schweigen dankbar war. Er geno� es, sich um den kleinen Charles k�mmern zu k�nnen. Zus�tzlich zu seiner Haush�lterin hatte er ein nettes irisches M�dchen eingestellt.</p><p>Bald erreichte er das kleine Haus, das er einige Blocks von der Avenue entfernt gemietet hatte. �berschwenglich wie ein Junge sprang er die Treppe hoch.</p><p>�Maureen? Wo ist mein Gro�neffe? Bringen Sie ihn her. Ich habe gro�artige Neuigkeiten. Wir verlassen noch heute abend die Stadt.�</p><p>Wenige Dinge im Leben hatten Charles eingesch�chtert. Washington sch�chterte ihn jetzt ein. So viele verdammte Yankees. Er kam sich vor wie ein Tier aus den W�ldern, von J�gern umzingelt.</p><p>Mit vorget�uscht zuversichtlicher Miene marschierte er die Stufen zum Kriegsministerium hoch und ging durch die erste offene T�r. In einem gro�en Raum w�hlten Soldaten und Zivilangestellte hinter einem Schalter in den Papierst��en auf ihren Schreibtischen herum. Einer der Angestellten in Blau, vollkommen kahl, obwohl er kaum drei�ig sein konnte, n�herte sich dem Schalter, nachdem er Charles drei Minuten hatte warten lassen.</p><p>�Ja?�</p><p>�Ich versuche, einen Armeeoffizier zu finden. Bin ich hier richtig?�</p><p>�Haben Sie nicht die falsche Stadt erwischt?� unterbrach ihn der Angestellte. �Das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten f�hrt keine Rebellenakten. Und falls es Ihnen noch niemand gesagt hat, falls Sie amnestiert wurden: Sie d�rfen diese Waffe nicht tragen.� Er wandte sich ab.</p><p>�Entschuldigen Sie�, sagte Charles. �Der Offizier geh�rt zu Ihrer Armee.� Kaum hatte er es ausgesprochen, da wu�te er, da� er einen Fehler gemacht hatte. Damit hatte er seine fr�here Zugeh�rigkeit best�tigt. �Sein Name ist � �</p><p>�Ich f�rchte, wir k�nnen Ihnen nicht helfen. Wir haben anderes zu tun, als jedem amnestierten Verr�ter Ausk�nfte zu geben, der hier reinmarschiert kommt.�</p><p>�Soldat�, sagte Charles, vor Wut kochend. �Ich frage Sie so h�flich, wie es mir m�glich ist. Ich mu� diesen Mann finden. Wenn Sie mir sagen, in welchem B�ro � �</p><p>�Niemand in diesem Geb�ude kann Ihnen helfen�, sagte der Angestellte sehr laut. Andere wurden aufmerksam. �Warum fragen Sie nicht Jeff Davis? Heute morgen haben sie ihn in Fort Monroe eingesperrt.�</p><p>�Mich interessiert nicht, wo Jeff � � Wieder wandte sich der Angestellte ab.</p><p>Charles lie� seine Zigarre fallen, seine Hand scho� �ber den Schalter und packte den Angestellten am Kragen. �H�r mir zu, verdammt noch mal.�</p><p>Allgemeine Verwirrung. Rennende M�nner, Rufe, Charles schrie am lautesten. �Sie k�nnen zumindest so h�flich sein und � �</p><p>Stimmen:</p><p>�Er hat einen Revolver.�</p><p>�Nehmt ihm die Waffe weg.�</p><p>�Pa�t auf, vielleicht � �</p><p>H�nde packten ihn von hinten. Der andere Soldat, ein riesengro�er Kerl, war um den Schalter herumgerannt. �Komm, Reb, sei vern�nftig�, sagte der gro�e Mann gar nicht unfreundlich. �Verschwinde von hier, bevor � �</p><p>�Was zum Teufel ist hier los?�</p><p>Bei den gebellten Worten nahmen die Soldaten Haltung an. Charles drehte sich um und sah einen strengen, wei�haarigen Offizier in mittleren Jahren vor sich, an dessen rechter Hand drei Finger fehlten.</p><p>�Colonel�, fing der Angestellte an, �dieser Reb hier kam reinmarschiert und stellte beleidigende Forderungen. Eine h�fliche Ablehnung akzeptierte er nicht. Statt dessen versuchte er � �</p><p>Die Worte wirbelten durch Charles� Kopf; er starrte den Unionsoffizier an und sah eine Farm in Virginia vor sich, in einem anderen Jahr, in einem anderen Leben.</p><p>Mit heiserer Stimme sagte er: �Prevo?�</p><p>�Richtig. Ich erinnere mich an Sie. Hamptons Kavallerie. Davor West Point.�</p><p>Jemand im B�ro murmelte: �Oh, ein Akademie-Treffen.�</p><p>Prevos Blick brachte den Sprecher zum Schweigen. Dann sagte er zu Charles: �Was gibt es hier f�r Schwierigkeiten?�</p><p>�Ich kam her, weil ich Hilfe brauche. Ich mu� unbedingt einen Brigadier Duncan in der Unionsarmee finden.�</p><p>�Sollte nicht schwer sein�, sagte Prevo; seine Gereiztheit richtete sich gegen den err�tenden Angestellten. �Sie sollten aber nicht mit diesem Revolver herumspazieren. Vor allem nicht in diesem Geb�ude. Geben Sie ihn mir, und wir werden sehen, was wir tun k�nnen.�</p><p>Charles beruhigte sich und schnallte seinen Revolvergurt ab. Prevo hing ihn sich �ber die Schulter und sagte zu dem glatzk�pfigen Angestellten: �Ihren Namen, Soldat! Warum haben Sie den Mann nicht ins Personalb�ro geschickt?� Zu Charles: �Dort hat man die gegenw�rtige Adresse des Brigadiers. Ich kenne ihn nicht.�</p><p>�Sir�, stammelte der Angestellte. �Dieser Mann ist ein Reb. Schauen Sie ihn an. Arrogant, dreckig � �</p><p>�Halten Sie den Mund�, sagte Prevo. �Der Krieg ist vorbei. Zumindest haben das die Gener�le Grant und Lee erkl�rt, auch wenn Sie dazu anscheinend nicht in der Lage sind.�</p><p>Der gedem�tigte Mann starrte zu Boden. Zu dem gro�en Soldaten sagte Prevo: �In einer Stunde m�chte ich seinen Namen auf meinem Schreibtisch haben.�</p><p>�Jawohl, Sir.�</p><p>�Kommen Sie, Main. Ihr Name ist mir jetzt auch wieder eingefallen. Ich zeige Ihnen das richtige B�ro.�</p><p>�Danke, Prevo�, sagte Charles. �Ich habe Sie gleich erkannt. Georgetown Mounted Dragoons.�</p><p>�Und einige andere Einheiten seitdem. Jede einzelne wurde in Virginia so stark dezimiert, da� ich schlie�lich hier landete. In ein paar Monaten werde ich wieder drau�en sein. Hier entlang � nach rechts. Gleich werden wir wissen, wo dieser General Duncan steckt.�</p><p>�Ich bin Ihnen sehr dankbar, Prevo. Ich mu� ihn unbedingt sprechen.�</p><p>�Beruflich?�</p><p>�Pers�nlich.�</p><p>Prevo hielt vor einer geschlossenen T�r. �Hier ist das B�ro.� Alle Falten in seinem ersch�pften Gesicht bewegten sich, als er sich ein L�cheln abm�hte. �Ich war zwar nur das erste Jahr dort, aber ich denke gern an die Akademiezeit. �brigens � haben Sie es eilig?�</p><p>�Nein. Ich mu� Duncan finden, aber es eilt nicht.�</p><p>�Ausgezeichnet. Dann lade ich Sie hinterher zu einem Drink ein. Und�, f�gte er mit gesenkter Stimme hinzu, �gebe Ihnen Ihren Revolver zur�ck.� Mit einem Finger und dem Daumen �ffnete er die T�r so m�helos, als h�tte er noch seine s�mtlichen Finger.</p><p><strong>143</strong></p><p>Auf Duncans Ruf hin brachte Maureen, eine rundliche junge Frau, das Baby aus der K�che. Der Junge hatte dunkle Haare und ein fr�hliches, rundes Gesichtchen.</p><p>�Sagten Sie <emphasis>heute abend,</emphasis> Sir? Wohin gehen wir?�</p><p>Das Kind erkannte seinen Gro�onkel und kr�hte vergn�gt, als der Brigadier es in die Beuge seines linken Armes bettete. �Ins Grenzgebiet � uns die Roth�ute anschauen.� Besorgt: �Kommen Sie mit?�</p><p>�Aber ja, General. Ich habe einiges �ber den Westen gelesen. Da gibt es gro�artige M�glichkeiten � und es ist nicht so �berf�llt wie hier im Osten.�</p><p>Mit listigem L�cheln erg�nzte er: �Au�erdem gibt es in der Kavallerie der Vereinigten Staaten viele anst�ndige M�nner, alleinstehende M�nner, die sich nichts mehr w�nschen, als eine attraktive, junge Frau zum Heiraten zu finden.�</p><p>Maureens Augen gl�nzten. �Ja, Sir. Das habe ich auch gelesen.�</p><p>Mrs. Caldwell, die vollbusige Haush�lterin in mittleren Jahren, kam die Treppe hinunter. �Ah, Sir, Sie sind es. Ich war oben, aber ich h�rte Sie kommen.�</p><p>�Nur, um unsere Abreise zu verk�nden. Noch heute abend.� Er erkl�rte seiner Haush�lterin den Stand der Dinge, w�hrend der Kleine zufrieden an einem seiner Finger nuckelte.</p><p>�Dann ist das also eine Bef�rderung, Sir?�</p><p>�Ja, Mrs. Caldwell.�</p><p>�Meinen aufrichtigen Gl�ckwunsch.� Sie wischte sich die Augen. �Es tut mir so leid, da� Sie gehen. Die letzten f�nf Jahre sind so schnell vergangen. Und sehr angenehm.�</p><p>�Danke. Jetzt m�ssen wir uns �ber Ihre Zukunft unterhalten.�</p><p>Mrs. Caldwell zeigte sich �ber die gro�z�gige Regelung erfreut und fand an der pl�tzlichen Abreise sogar eine positive Seite. �Meine verwitwete Schwester in Alexandria hat mich gebeten, sie zu besuchen. Vielleicht bleibe ich einige Wochen. Wann geht Ihr Zug, General?�</p><p>�Punkt sechs.�</p><p>�Dann fahre ich noch heute zu meiner Schwester. Ich nehme mir eine Mietkutsche.�</p><p>�Nehmen Sie das Pferd und den Einsp�nner. Ich schenke sie Ihnen. Ich brauche sie nicht mehr.�</p><p>�Oh, Sir, das ist ungemein gro�z�gig von Ihnen.�</p><p>�Nicht gro�z�giger, als Sie es gewesen sind�, sagte er in Erinnerung an gewisse N�chte, in denen sie beide einsam gewesen waren, in denen sie mehr als nur eine gute Haush�lterin gewesen war. Ihre Blicke trafen sich, dann schaute sie err�tend zur Seite.</p><p>�Wenn Sie mich entschuldigen, mache ich mich jetzt ans Packen, Sir.� In den n�chsten paar Stunden mu�te noch vieles getan werden.</p><p>Selbst der kleine Charles schien den abrupten Wandel in ihrem Leben zu begr��en. Er kaute kr�ftiger denn je am Finger seines Gro�onkel.</p><p>In Willards Saloonbar zog Charles ebenfalls die Blicke auf sich, aber Prevos Gegenwart verhinderte �rger.</p><p>Sie fingen mit einem Whiskey an. Das f�hrte, w�hrend die Stunden in angenehmem Erinnerungsaustausch verrannen, zu drei weiteren Whiskeys. Charles sp�rte eine Art von Hochstimmung, wie er sie seit Sharpsburg nicht mehr empfunden hatte. Nicht nur, da� ein Zettel mit Duncans Adresse in seiner Tasche steckte, der Brigadier befand sich auch hier in Washington.</p><p>Leicht beschwipst hielt sich Prevo seine Taschenuhr dicht vor die Nase. �Um Viertel nach f�nf hab ich eine Verabredung im Ministerium. Da bleiben uns noch zwanzig Minuten f�r einen Abschiedsschluck. In Ordnung?�</p><p>�In Ordnung. Dann mache ich einen Spaziergang zu Duncan.� Prevo winkte dem Kellner. Charles fuhr fort: �Das gibt mir die Chance, etwas zur Sprache zu bringen, das mich schon seit langem beunruhigt.�</p><p>Prevo l�chelte leicht verwirrt und wartete.</p><p>�Erinnern Sie sich noch an den Tag, an dem wir uns trafen? Ich gab Ihnen mein Wort, da� sich die Schmugglerin nicht im Haus befindet.�</p><p>Prevo nickte. �Ihr Wort als Offizier und West Pointler. Ich akzeptierte das.�</p><p>�Aber es war ein Trick. Oh, ich sagte die nackte Wahrheit. Sie war nicht im Haus.� Der Kellner kam mit zwei frischen Drinks. Charles wartete, bis er wieder weg war. �Sie versteckte sich im Wald.�</p><p>�Ich wei�.�</p><p>Charles, der gerade sein Glas zum Mund f�hrte, verspr�hte einen kleinen Whiskeyregen.</p><p>�Ich hatte den Buggy entdeckt. Meine M�nner zum Gl�ck nicht.�</p><p>Charles stellte kopfsch�ttelnd das Glas ab. �Ich verstehe nicht. Warum �?�</p><p>�Ich sollte sie verfolgen; von Fangen hatte niemand was gesagt. Es gefiel mir nicht, Krieg gegen Frauen zu f�hren, und es gef�llt mir heute noch nicht.�</p><p>�Verdammte Schande, da� einige eurer Jungs nicht auch so dachten. Was Sherman und seine stinkenden Landstreicher in South Carolina angerichtet haben � �</p><p>Abrupt schwieg er. Prevos Augen waren kalt geworden.</p><p>�Ich entschuldige mich. Was Sie zu diesem Angestellten sagten, gilt auch f�r mich. Der Krieg ist vorbei. Manchmal vergesse ich das.�</p><p>Prevo blickte auf seine verst�mmelte rechte Hand. �Ich auch, Charles. Wir alle haben daf�r gezahlt. Wir alle werden auf Jahre hinaus daran denken.�</p><p>Zehn nach f�nf schieden sie drau�en auf der Stra�e mit einem festen H�ndedruck als Freunde.</p><p>Am Baltimore &amp; Ohio-Bahnhof bestiegen Brigadier Duncan und Maureen, die das Baby trug, ihren Zug. Die Bahnsteiguhr zeigte 5:35.</p><p><strong>144</strong></p><p>Noch leicht schwankend ging Charles den H�userblock entlang und studierte die Hausnummern. Es schn�rte ihm die Kehle zu, als er die richtige Nummer entdeckte, und er wurde sehr schnell n�chtern.</p><p>Das Haus lag dunkel und verlassen da. Nirgendwo war ein Licht zu sehen. Panik �berfiel ihn; er sprang die Stufen hoch und klopfte hart gegen die T�r.</p><p>�Hallo? Irgendjemand da?� Wenn er nun umgezogen war? Wenn er ihn nicht finden konnte? �Hallo?�</p><p>Hinter dem Haus h�rte er Ger�usche. R�der, ein Pferd.</p><p>Er rannte zum Ende der Veranda, gerade als ein von einer kr�ftigen Frau gefahrener Einsp�nner vorbeirollte.</p><p>�Ma�am? Darf ich Sie etwas fragen?�</p><p>Sie wandte den Kopf, sah die b�rtige, bedrohliche Gestalt. Mrs. Caldwells instinktive Reaktion war Furcht. Sie peitschte auf das Pferd ein.</p><p>�Warten Sie! Ich mu� Sie fragen � �</p><p>Sie bog in die Stra�e ein. Charles sprang �ber das Gel�nder, rannte hinter dem Einsp�nner her. Keuchend warf er sich davor. �Bitte halten Sie. Es ist sehr wichtig, da� ich � �</p><p>�Verschwinden Sie!� Mrs. Caldwell schlug mit der Peitsche nach ihm. Charles� Hand scho� vor und umklammerte ihr Handgelenk.</p><p>�Verdammt noch mal, h�ren Sie mich an�, sagte Charles schwer atmend. �Ich mu� unbedingt General Duncan finden.�</p><p>Er lie� sie los und trat zur�ck. Die Peitsche in ihrer Hand zitterte, aber sie sah nun weniger ver�ngstigt aus. �Ich wollte Sie nicht erschrecken, aber es ist ungemein wichtig, da� ich den Brigadier spreche. Das hier ist doch sein Haus, oder?�</p><p>Widerstrebend: �War sein Haus.�</p><p>�War?�</p><p>�Der General ist versetzt worden.�</p><p>Charles� Magen klumpte sich zusammen. �Wann?�</p><p>�Jetzt in diesem Augenblick ist er am Bahnhof. Sein Zug f�hrt um sechs. Und jetzt, Sir, bestehe ich darauf, Ihren Namen zu erfahren.�</p><p>�Sechs�, wiederholte Charles. �Das mu� es jetzt gleich sein � �</p><p>�Ihren Namen, Sir, oder ich fahre auf der Stelle los.�</p><p>�Charles Main.�</p><p>Sie reagierte, als h�tte er sie geschlagen. �Zuletzt in der konf�derierten Armee?� Er nickte. �Dann sind Sie der � �</p><p>�R�cken Sie r�ber�, sagte er pl�tzlich und schob sie praktisch auf die andere Seite des Sitzes. �Halten Sie sich fest. Ich werde diesen Zug erwischen. H�!�</p><p>Er lie� die Z�gel klatschen. Mrs. Caldwell kreischte auf, als der Einsp�nner wie ein von der Sehne schnellender Pfeil losscho�.</p><p>Nach einer Fahrt, bei der Mrs. Caldwell ein Dutzend Tode gestorben war, kam der Einsp�nner direkt vor dem Bahnhof knirschend zum Stehen. Die Uhr zeigte auf eine Minute nach sechs.</p><p>�Der Zug nach Baltimore?� br�llte Charles einen Uniformierten an, der gerade ein Eisentor zurollte.</p><p>�Gerade abgefahren�, sagte der Mann und deutete auf die Dampfwolken am Bahnsteig. Charles quetschte sich seitlich durch die �ffnung. �He, Sie k�nnen nicht � �</p><p>Sofort waren drei Bahnbeamte hinter ihm her. Sie waren �lter und in schlechter Verfassung; er war mager und verzweifelt. Doch seine Lungen begannen bald vor Anstrengung zu schmerzen. Und er verlor das Rennen. Der Zug hatte bereits die �berdachte Halle verlassen.</p><p>Er sah das Ende des Bahnsteigs vor sich auftauchen. Zu sp�t, um sein Tempo noch zu bremsen. Er sprang auf die Schienen.</p><p>Er landete schief. Sein verwundetes Bein knickte weg, er st�rzte auf die Schwellen. �Haltet den Mann!� br�llte einer seiner Verfolger.</p><p>Keuchend stemmte sich Charles hoch, rannte weiter, rannte schneller als je zuvor in seinem Leben. Bis auf eine Handbreit kam er an den letzten Waggon heran, legte seine ganze Kraft in einen letzten, langen Schritt.</p><p>Mit beiden H�nden erwischte er die hinterste Querstange. Der Zug zerrte ihn weiter. Er warf beide Beine hoch; ein Stiefel glitt auf der eisernen Stufe ab. Aber er zog sich hoch �</p><p>Zog �</p><p>Nach Luft ringend taumelte er mit weichen Knien auf die hintere Plattform. Die Waggont�r ging auf, und ein breitschultriger Schaffner versperrte ihm den Weg. Der Bahnbeamte sah die Verfolger �ber die Schwellen stolpern, verstand ihre Rufe und Gesten.</p><p>�Bitte�, sagte Charles, �lassen Sie mich rein.�</p><p>�Runter vom Zug.�</p><p>�Sie begreifen nicht. Es handelt sich um einen Notfall. Einer Ihrer Passagiere � �</p><p>�Runter, oder ich werfe Sie runter�, sagte der Schaffner und gab ihm einen Sto�. Charles taumelte zur�ck, trat ins Leere und erwischte gerade noch das Gel�nder.</p><p>�Runter!� br�llte der Schaffner, die H�nde zum zweiten, entscheidenden Sto� erhoben. Etwas Hartes rammte sich in seine Magengegend. Beim Anblick von Charles� Armee-Colt blieb er stocksteif stehen.</p><p>�Sie haben zehn Sekunden, um den Zug anzuhalten.�</p><p>�Ich kann unm�glich � �</p><p>Charles spannte den Hahn.</p><p>�Zehn Sekunden.�</p><p>In einem Durcheinander von Signalflaggen und Alarmpfeifen stoppte der Zug.</p><p><strong>145</strong></p><p>Nur Brigadier Duncans Einflu� hatte Charles es zu verdanken, da� er nicht auf der Stelle eingesperrt wurde. Am gleichen Abend noch gegen halb elf sa�en sich die beiden M�nner im Wohnzimmer von Duncans altem Haus gegen�ber, ihre Gesichter grimmig wie die von Gegnern, die sich noch im Krieg befinden. Die irische Kinderschwester war mit dem Kind nach oben gegangen, das Charles voller Verwirrung, ja sogar Abneigung angeblickt hatte. Nach der R�ckkehr vom Bahnhof hatte Duncan ihm die ganze Geschichte erz�hlt.</p><p>Von Nordwesten her zog ein Sturm herauf. Charles sa� in einem Pl�schsessel, ein unber�hrtes Glas Whiskey vor sich. Seine von der Lampe erhellten Augen wirkten tot � so tot, wie er sich innerlich f�hlte.</p><p>Pl�tzlich beugte er sich zornig vor. �Warum hat sie mir nichts gesagt?�</p><p>�Major Main�, erwiderte der Brigadier eisig korrekt, �das ist das dritte, m�glicherweise das vierte Mal, da� Sie mir diese Frage stellen. Sie liebte Sie sehr. Sie war voller Trauer, weil der Krieg Sie � besch�digt hatte, um ihren Ausdruck zu verwenden. Besch�digt bis zu dem Punkt, wo Sie irrt�mlich glaubten, Sie k�nnten die Beziehung nicht l�nger aufrechterhalten. Meine Nichte war eine anst�ndige, ehrbare junge Frau.� Sein Tonfall lie� keinen Zweifel daran, da� Charles �ber diese Eigenschaften nicht verf�gte. �Sie weigerte sich, ihren � Zustand als Druckmittel gegen Sie einzusetzen. Ich werde Ihnen das alles nicht noch mal erkl�ren. Tats�chlich beginne ich zu bedauern, da� Sie mich gefunden haben. Ich begreife Ihre K�lte Ihrem eigen Fleisch und Blut gegen�ber nicht.�</p><p>�Das Baby hat sie umgebracht.�</p><p>�In Ihrem Kopf stimmt tats�chlich etwas nicht, Main. Die Umst�nde haben sie umgebracht. Ihre Zartheit hat sie umgebracht. Sie wollte das Kind. Sie wollte Ihren Sohn zur Welt bringen sie gab ihm Ihren Namen. Wollen Sie ernsthaft nichts mit ihm zu tun haben?�</p><p>Gequ�lt sagte Charles: �Ich wei� es nicht.�</p><p>�Nun, ich werde den morgigen Abendzug um sechs Uhr nach Baltimore und dem Westen nehmen. Wenn Sie Ihren Sohn nicht wollen, ich will ihn.�</p><p>Ein benommenes Zwinkern. �Westen?�</p><p>�Dienst bei der Grenz-Kavallerie, falls Sie das was angeht. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen, ich m�chte mich zur�ckziehen.� Angestrengte H�flichkeit lie� ihn an der T�r innehalten. �Im zweiten Stock gibt es ein leeres Schlafzimmer. Sie k�nnen dort die Nacht verbringen, wenn Sie m�gen.� Duncans Blick gei�elte ihn. �Sollte Ihr Sohn weinen, bem�hen Sie sich nicht. Maureen und ich werden nach ihm sehen.�</p><p>�Verdammt noch mal, reden Sie nicht so mit mir�, schrie Charles aufspringend. �Ich habe sie geliebt! Nie habe ich jemanden so geliebt! Ihr zuliebe wollte ich die Beziehung abbrechen, damit sie sich nicht st�ndig sorgen mu�te. Wenn das Ihrer Meinung nach ein Verbrechen ist, dann zum Teufel mit Ihnen. Als ich den Zug stoppte, wu�te ich nichts von einem Sohn. Ich wollte nur wissen, wo sie � sie � �</p><p>�Sie ist auf dem Privatfriedhof in Georgetown beerdigt. Ein Kreuz steht dort. Ich werde mich morgen vor meiner Abreise nach Ihrer Entscheidung �ber den kleinen Charles erkundigen.�</p><p>�Ich kann nicht. Ich wei� nicht, was es ist.�</p><p>�M�ge Gott Erbarmen haben mit einem Mann, der solche Worte sprechen mu�.�</p><p>Der Brigadier marschierte die Stufen hoch. Am oberen Treppenabsatz h�rte er die Haust�r knallen, dann ein Donnergrollen, dann Stille. Mit einem Kopfsch�tteln und pl�tzlich absackenden Schultern ging er zu seinem Zimmer, ein bek�mmerter, best�rzter Mann.</p><p>Charles marschierte den ganzen Weg nach Georgetown, bei Blitz und Donner und Regen. Er schreckte die Bewohner einer H�tte aus dem Schlaf und erkundigte sich nach dem Weg zum Friedhof.</p><p>In pechschwarzer Finsternis trat er das Tor auf und schwankte auf den Friedhof. Nach langer Suche im Lichtschein der Blitze fand er das Grab. Der Grabstein war klein und rechteckig; Duncan hatte nur ihren Namen und das Jahr ihrer Geburt und ihres Todes eingravieren lassen.</p><p>Charles, vom Regen v�llig durchweicht, sank auf die Knie. Er sp�rte weder die N�sse noch die K�lte. Nur das Elend, dieses schreckliche, zerst�rende Elend. Er kniete neben dem Grab, ballte die H�nde und begann auf seine Schenkel zu h�mmern.</p><p>Was sollte er tun, nun, da er diese Schuld auf sich geladen hatte? Was sollte er mit dem Kind tun, f�r das er verantwortlich war, so wie er f�r diesen Grabstein verantwortlich war? Was sollte er tun?</p><p>Ein kleiner, fremder Laut drang aus seiner Kehle; der Kummer eines Tieres. Dann, tief in seinem Inneren, begann sich etwas aufzubauen, eine Macht, die sich unm�glich unterdr�cken lie�. Er �ffnete seine schmerzenden F�uste. Hob seine rechte Hand an das nasse Gesicht, an die Augen. Das war kein Regen.</p><p>Er warf sich vorn�ber auf das Grab, nasse K�rper gegen nasse Erde gepre�t, und weinte zum erstenmal seit Sharpsburg wieder.</p><p>Bis nach Tagesanbruch, als der Sturm nachlie�, hielt Charles Totenwache an Augusta Barclays Grab. Zitternd und mit klappernden Z�hnen marschierte er den langen Weg zur�ck. Gegen zehn Uhr erreichte er das Haus des Brigadiers.</p><p>Die physischen und psychischen Anstrengungen der vergangenen Nacht hatten Duncan lange schlafen lassen, und er sa� gerade beim Fr�hst�ck, als Charles Main in der T�r auftauchte. Er bot einen unglaublichen Anblick.</p><p>Mit zusammengebissenen Z�hnen k�mpfte Duncan um seine Selbstbeherrschung. Mit rotem Gesicht sagte er: �Jesus! Was haben Sie getan, gesoffen und die restliche Nacht in der Gosse verbracht?�</p><p>�Ich habe die Nacht an ihrem Grab verbracht. Ich habe �ber meinen Sohn nachgedacht, habe versucht, eine Entscheidung zu treffen.�</p><p>Langsam richtete sich Duncan auf, bis sein R�cken die Stuhllehne nicht mehr ber�hrte. Seine Augen waren voller feindseliger Herausforderung.</p><p>�Und?�</p><p><strong>146</strong></p><p>�N�chste Station ist Lehigh Station. Der Zug h�lt jetzt in � �</p><p>Die Stimme des Schaffners verhallte, als er den Waggon verlie�. In weniger als einer Stunde sollten sie in Belvedere sein. George war dankbar; er war erledigt. Constance ebenfalls, der Art und Weise nach zu schlie�en, wie sie mit geschlossenen Augen an ihm lehnte.</p><p>Eine gewaltige Woge der Liebe f�r die rundliche Frau an seiner Seite �berschwemmte ihn. Liebe f�r sie und f�r seine Kinder, deren Leben er wieder in die Hand nehmen mu�te, f�r die er sich vom Soldaten wieder in den Vater verwandeln mu�te. Liebe war es gewesen, die ihn die vergangenen vier Jahre hatte �berstehen lassen, sinnierte er. Und nichts anderes w�rde sie durch die vor ihnen liegenden Jahre bringen.</p><p>George dachte an den ermordeten Pr�sidenten. Zumindest f�r f�nf Tage hatte Abraham Lincoln die Gewi�heit gehabt, da� sein Nordstern noch hell und rein leuchtete, �ber der abk�hlenden Glut der Feuer, die zuerst in jenem l�ngst vergangenen Fr�hling aufgeflammt waren, an den sich George noch so lebhaft erinnerte. Die Union stand � stark ver�ndert, aber im Fundament unber�hrt.</p><p>Er schlo� die Augen, ruhte sich f�r einen Moment aus. Dann zog er den Kreis seiner Gedanken enger, dachte an die Ver�nderungen in seiner unmittelbareren Umgebung.</p><p>Orry tot � und seine Witwe machte kein Geheimnis daraus, da� sie zumindest nach strengster S�dstaatenauffassung eine Negerin war. Zuerst hatte er es von Billy erfahren, aber Madeline hatte ganz offen dar�ber gesprochen, bevor die Hazards Mont Royal verlie�en.</p><p>Und Charles. Der Krieg hatte ihn ausgebrannt, ihn zu einem m�rrischen, zornigen Mann gemacht. Im Gegensatz dazu bereitete sich Brett voller Freude auf ihre Mutterrolle vor und h�rte sich oft genug mehr wie Virgilia als wie eine S�dstaatlerin an.</p><p>Cooper zeigte gelegentlich neue, fast reaktion�re Einstellungen, als h�tte er schlie�lich das S�dstaatenerbe akzeptiert, das er so lange verachtet hatte. Aber Cooper hatte seinen Sohn verloren, und er wurde langsam alt. Das Alter brachte konservative Gedanken und Meinungen mit sich, wie George nur zu gut wu�te.</p><p>Billys Einstellung den Schwarzen gegen�ber hatte sich ge�ndert, nicht jedoch seine Pl�ne f�r sein zuk�nftiges Leben. Seine restlichen zwei Wochen Urlaub wollte er noch bei den Mains verbringen, dann aber wieder zu den Pionieren zur�ckkehren.</p><p>Wie tief hatte doch dieser durch den Krieg beschleunigte Wandlungsproze� sie alle, das ganze Land ber�hrt. Und warum leugneten so viele die universelle Kontinuit�t dieses Prozesses, fragte sich George. Sie gaben Gott die Schuld, ihren Frauen, der Regierung, B�chern, unz�hligen Kombinationen von Ereignissen � manchmal sogar den Stimmen in ihren K�pfen. Sie lebten gequ�lte, ungl�ckliche Leben, versuchten, den Niagara mit einer Teetasse einzud�mmen.</p><p>Er bezweifelte, da� irgend jemand diese Leute �ndern konnte. Sie waren der Fluch und die B�rde einer Rasse, die sich in halber Finsternis einen Berg hochqu�lte. Sie waren � er l�chelte m�de � so best�ndig und dauerhaft wie der Wandel, den sie so ha�ten. Was ihn an eine kleine, aber wichtige Ver�nderung erinnerte, die er auf Belvedere vorzunehmen w�nschte. Als sie auf Belvedere angekommen waren, �berraschte er Constance damit, da� er � nachdem er eine halbe Stunde lang seinen Sohn und seine Tochter begr��t hatte � durch die K�che hinaus und den H�gel hoch ging und mit einem gr�nen Lorbeerzweig zur�ckkehrte. Er legte ihn neben das Meteoriteneisen auf den Tisch in der Bibliothek.</p><p>�Ich m�chte, da� hier stets ein frischer Zweig liegt�, sagte George. �Wo wir ihn alle sehen k�nnen.�</p><p>Am gleichen Abend sa�en sich Brigadier Duncan und Charles in einem Erste-Klasse-Abteil des Sechs-Uhr-Zuges nach Baltimore gegen�ber. Charles machte in seiner zerlumpten Kleidung kaum den Eindruck, als geh�rte er hierhin. Duncan bestand darauf, da� sie auf der Reise nach Westen einen anst�ndigen Anzug kauften.</p><p>Seit seiner R�ckkehr vom Friedhof hatte Duncan mehrfach versucht, Charles auszufragen, wie er zu seiner Entscheidung gelangt war, aber Charles konnte unm�glich all die unterschiedlichen Gef�hle beschreiben, die ihn durchstr�mt hatten.</p><p>Es gab so viele M�glichkeiten, er konnte in die Berge gehen und den Guerillakrieg gegen die Yankees fortsetzen. Er konnte heimgehen und sich dem Trunk und dem M��iggang hingeben. Er konnte Selbstmord begehen. Und dann war da noch der Westen, Duncans Reiseziel. Er hatte den Westen schon immer geliebt, und Duncan wiederholte eindringlich, wie sehr da drau�en Kavalleristen ben�tigt wurden. Charles hatte nichts anderes gelernt.</p><p>Aber all das spielte nur am Rande eine Rolle, verglichen mit dem, was ihm bei seiner Totenwache bewu�t geworden war: der Tod von Gus und das Leben seines Sohnes. Das waren keine voneinander getrennten Dinge, sie waren unl�sbar miteinander verbunden. Noch immer liebte er Augusta Barclay mehr als das Leben selbst. Also mu�te er auch den Jungen lieben. Er mu�te f�r den Jungen ebenso leben wie f�r sie, weil die beiden eine Einheit bildeten.</p><p>Duncan runzelte die Stirn, als er Charles� d�steren Gesichtsausdruck sah. Er fragte sich, ob Charles die Folgen seiner Entscheidung ganz erfa�t hatte. Duncan r�usperte sich.</p><p>�Wissen Sie, mein Junge, den Dienst, den Sie antreten wollen � wieder in der regul�ren Armee �, das wird nicht einfach sein f�r einen Mann Ihrer Herkunft.�</p><p>Charles reagierte sofort gereizt. Hart bi� er auf seine kalte Zigarre.</p><p>�Ich habe genau wie Sie die Akademie absolviert, General. Ich bin kein Dilettant. Ich habe die Uniform einmal getauscht. Ich kann es auch ein zweitesmal tun. Es ist wieder ein Land, nicht wahr?�</p><p>�Das stimmt. Aber ich m�chte Sie nur vor dem Unvermeidlichen warnen. Unh�flichkeiten. Beleidigungen � �</p><p>Mit harter Stimme sagte Charles: �Damit werde ich fertig.� Ein Sonnenstrahl blitzte zwischen den H�geln auf und erhellte sein verw�stetes Gesicht.</p><p>Dankbar blickte Duncan auf. �Ah � Maureen � �</p><p>Das Kinderm�dchen kam mit dem Baby aus der Zweiten Klasse. �Er ist wach, General. Ich dachte, vielleicht m�chten Sie � � Sie wu�te nicht, an wen sie sich wenden sollte.</p><p>�Geben Sie ihn mir!� Dann, sich beherrschend, sagte Charles mit sanfterer Stimme: �Danke, Maureen.�</p><p>Mit unendlicher Vorsicht nahm er das B�ndel in den Arm, w�hrend sich Duncan vorbeugte und den Deckenzipfel vom Gesicht des Kindes hob. Duncan strahlte, der Prototyp eines stolzen Gro�onkels.</p><p>Das rosige Kind betrachtete seinen Vater mit weit ge�ffneten Augen. Voller Furcht, ihm weh zu tun, versuchte Charles ein z�gerndes L�cheln. Der kleine Charles verzog das Gesicht und br�llte los. �Wiegen Sie ihn, um Gottes willen.�</p><p>Das half, Charles hatte nie zuvor ein Kind geschaukelt, aber er lernte schnell.</p><p>�Ganz ehrlich, mein Junge�, sagte Duncan. �Ich freue mich zwar sehr, da� wir hier gemeinsam unterwegs sind, aber erstaunt bin ich trotzdem. Ich war fest davon �berzeugt, da� Sie mit Ihrem Sohn nach South Carolina zur�ckkehren und ihn als S�dstaatler erziehen.�</p><p>Der junge Vater starrte den �lteren Mann an. �Charles ist Amerikaner. Genau so werde ich ihn erziehen.�</p><p>Duncan r�usperte sich, um sein Einverst�ndnis anzudeuten. ��brigens, er hat noch einen zweiten Vornamen.�</p><p>�Das haben Sie mir nicht gesagt.�</p><p>�Hatte ich vergessen. Der Tag war wohl etwas au�ergew�hnlich. Sein voller Name lautet Charles Augustus. Meine Nichte w�hlte ihn vor � �</p><p>Er pre�te eine Hand gegen die Lippen. Auch ihm fiel die Erinnerung schwer, erkannte Charles.</p><p>�Vor ihrer Entbindung. Sie sagte, sie habe den Spitznamen Gus immer geliebt.�</p><p>Charles sp�rte Tr�nen aufsteigen und zwinkerte schnell. Er blickte auf seinen Sohn herab, dessen Gesicht sich geheimnisvoll ger�tet hatte, so, als m��te er sich sehr anstrengen. Duncan sagte: �Oh, ich glaube, wir brauchen Maureens Hilfe. Ich hole sie.�</p><p>Er trat auf den Gang hinaus. Vorsichtig ber�hrte Charles das Kinn seines Sohnes. Das Baby packte seinen Zeigefinger, steckte ihn sich in den Mund und begann heftig daran zu nagen.</p><p>Duncan hatte Charles bereits klargemacht, da� Sauberkeit unerl��lich war. Heute hatte er sich schon dreimal die H�nde geschrubbt � ein Rekord in seinem Erwachsenenleben. Er wackelte mit dem Finger. Charles Augustus gurgelte. Charles l�chelte. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf seinen Sohn gerichtet; er sah weder den Zaun, der pl�tzlich neben den Schienen auftauchte, noch die aufflatternden, vom Zug erschreckten Bussarde, die sich an den verwesenden �berresten eines schwarzen Pferdes g�tlich getan hatten.</p><empty-line/><empty-line/><empty-line/><p><emphasis>Der Krieg hat eine tiefe Kluft aufgerissen zwischen dem, was zuvor in unserem Jahrhundert geschehen war, und dem, was seitdem geschehen ist � Ich habe nicht das Gef�hl, in dem Land zu leben, in dem ich geboren wurde.</emphasis></p><p>George Ticknor,Harvard, 1869</p></section><section><title><p><strong>Nachwort</strong></p></title><p><emphasis>Alles �nderte sich, �nderte sich vollkommen: Eine schreckliche Sch�nheit ward geboren.</emphasis></p><p>So schrieb Yeats in �Ostern 1916�. Diese Worte wurden zum Leitspruch f�r dieses Buch.</p><p>Es wurde nicht geschrieben, um zum x-ten Male zu demonstrieren, da� der Krieg die H�lle ist, was er nat�rlich ist; oder um die Sklaverei wieder einmal als unser abscheulichstes Nationalverbrechen zu entlarven, woran wohl kaum ein Zweifel besteht. Beide Begriffe spielen in dieser Geschichte eine wichtige Rolle, doch was ich in erster Linie zeigen wollte, ist der Wandel als universelle Kraft, die gr��te Neuorientierung, die Amerika innerhalb einer kurzen Zeitspanne vornahm: im B�rgerkrieg.</p><p>In seinem Buch <emphasis>Ordeal by Fire: The Civil War and Reconstruction</emphasis> charakterisiert James McPherson den Krieg in gro�artiger Weise als �das zentrale Ereignis im historischen Bewu�tsein Amerikas� (Es) bewahrte dieses Land vor der Zerst�rung und bestimmte auf lange Sicht, zu was f�r einer Nation es sich entwickeln w�rde. Der Krieg regelte zwei fundamentale Dinge: �ob (die Vereinigten Staaten) zu einer Nation mit souver�ner Nationalregierung oder zu einer jederzeit aufl�sbaren Konf�deration souver�ner Staaten werden w�rden; und ob diese Nation, geboren aus der Erkl�rung heraus, da� alle Menschen ein gleiches Recht auf Freiheit haben, weiterhin als gr��tes Sklavenhalterland der Welt existieren sollte.�</p><p>Aber abgesehen von einer starken Erz�hlstruktur ben�tigte das Buch meiner Meinung nach drei Dinge, wenn es seinen Anspr�chen gerecht werden sollte.</p><p>Erstens Detailgenauigkeit. Und zwar nicht die Details der bekannten Ereignisse. W�hrend der Entwicklung des Buches vom ersten Entwurf bis zur Endfassung entstand vor meinem geistigen Auge ein neues, gro�es Schild. (Das mittlerweile sehr alte Schild, das ich st�ndig vor mir hatte, trug die Aufschrift: <emphasis>In erster Linie wird eine Geschichte erz�hlt.)</emphasis> Auf dem neuen Schild stand: <emphasis>Nicht noch einmal Gettysburg.</emphasis></p><p>Die Details, die ich wollte, fand ich oft genug auf Nebenwegen an faszinierenden Orten, die in Romanen �ber den B�rgerkrieg meist links liegengelassen werden. Beispielsweise auf dem Grund des Hafens von Charleston, wo das erstaunlich kleine Tauchboot einen dramatischen Wandel des Seekrieges ausl�ste. In der B�rokratie und in Kavallerie-Camps. Bei den Pionieren und den Mannschaften des milit�rischen Eisenbahnbaus. Im Inneren des Libby-Gef�ngnisses, in Liverpool und im Waffenamt in Washington.</p><p>In der Hoffnung, da� die Dinge, die mich interessierten, auch die Leser interessieren w�rden, w�hlte ich eine Anzahl weniger bekannter Nebenschaupl�tze und begann mit den Recherchen, die sich �ber ein Jahr hinzogen. An Material besteht wirklich kein Mangel, doch meine Suche galt ganz bestimmten Besonderheiten, was es hie�, in diesem Kampf als Soldat zu dienen und ihn zu �berleben.</p><p>Aus diesem Grund trifft Charles auf die ersten Landminen auf der Halbinsel, und Cooper experimentiert mit �Torpedos� (diese Bezeichnung ist leicht verwirrend, da zu der Zeit damit Seeminen gemeint waren). Aus diesem Grund taucht Cooper mit der <emphasis>Hunley,</emphasis> deren Nachbau in voller Gr��e heute vor dem Eingang des Museums von Charleston steht. Deshalb wird hier weniger von Gener�len und mehr von Soldaten mit all ihren Problemen berichtet.</p><p>Einige der erfundenen Details haben durchaus eine gewisse Wahrscheinlichkeit f�r sich. Powells Plan zum Beispiel, keineswegs unwahrscheinlicher als der tats�chliche Plan, eine �dritte Nation� durch Anschlu� der sogenannten Grenzstaaten an den Mittleren Westen zu etablieren. Diese Idee schwirrte w�hrend des Winters 1862/63 durch Richmond. Zu Beginn des Krieges ging das Ger�cht einer pazifischen Konf�deration um, die ebenfalls im Buch erw�hnt wird.</p><p>Die geplante Ermordung von Davis ist eine Erfindung, aber auch sie erscheint nur logisch. Wenn Lincoln st�ndig als Ziel von Mordanschl�gen betrachtet wurde, warum dann nicht auch sein konf�derierter Widerpart? Zumal Davis genauso leidenschaftlich geha�t wurde, ganz besonders von seinen eigenen Baumwollpflanzern.</p><p>Die zweite Zutat, die ich ben�tigte und die auch im Nachwort von <emphasis>Die Erben Kains</emphasis> erw�hnt wird, war historische Exaktheit.</p><p>Ich meine damit nicht Unfehlbarkeit. Bei einem so langen und komplexen Roman ist es unm�glich, perfekt zu sein. Aber es ist absolut notwendig, es zumindest zu versuchen. W�hrend der Anfangszeit meiner Arbeit bekam ich in diesem Punkt einen wirkungsvollen Anschauungsunterricht vorgesetzt.</p><p>Schon immer ein Fan der Filme von Errol Flynn, nahm ich einen auf Band auf, den ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatte: <emphasis>Santa Fe Trail.</emphasis> Warner Brothers brachte ihn 1940 heraus, und er ist auch heute noch h�ufig im Fernsehen zu sehen. Es kommen darin folgende M�nner als Angeh�rige der West-Point-Klasse von 1854 vor: Jeb Stuart, gespielt von Flynn � zumindest dieser Jahrgang ist korrekt. Au�erdem Longstreet (Klasse von �42), Pickett (�46), Hood (�53) und Stuarts bester Kumpel, George Custer (�61). Der junge Custer wird von Ronald Reagan dargestellt.</p><p>Im Verlaufe der wirren Handlung � Flynn-Anh�nger betrachten das Ganze als einen seiner schw�cheren Filme � begegnen wir einem silberhaarigen Schauspieler, der den Typ des ehrenwerten Gesch�ftsmannes verk�rpert. Dieser ehrenwerte Gesch�ftsmann besitzt eine Eisenbahn in Kansas und eine Tochter, die Jeb heiratet. Mit anderen Worten, Jeb kommt auch nicht ann�hernd dazu, das zu tun, was er in der Realit�t getan hat: die Tochter von Philip St. George Cooke zu heiraten, des Karriereoffiziers, der im Krieg zu seinem verschworenen Feind wurde und den er bei seinem Ritt um McClellan herum zu dem�tigen suchte.</p><p>Stuarts ewig grinsender Kumpel Custer ist gezwungen, sich mit einer faden Blondine zufrieden zu geben, der Tochter von Jeff Davis. Davis schaut aus wie ein Lincoln aus dem Schlu�verkauf: das M�dchen �hnelt einem Revuegirl aus einem billigen Musical.</p><p>Schlimmer noch, es ist ein seltsam r�ckgratloser Film, was die Sklavenfrage betrifft. An einer Stelle k�mpfen die Kavalleristen gegen John Brown in dem �verfluchten� Kansas, aber sowohl Stuart als auch Custer erkl�ren, da� �andere� in der Sklavenfrage �entscheiden� m�ssen. Sie f�hren �lediglich Befehle aus� und haben offensichtlich in wichtigen nationalen Angelegenheiten keine eigene Meinung.</p><p>Dieser Film strotzte also von Ungenauigkeiten. Da Menschen und nicht Maschinen Romane � und Drehb�cher � schreiben, wird es immer zu Fehlern kommen, wenn man die Vergangenheit wiederauferstehen l��t. (Im ersten Buch dieser Trilogie leistete ich mir einen Schnitzer mit M�nzbezeichnungen.) Aber unbeabsichtigte Fehler sind nicht ganz das gleiche wie grobe Ver�nderungen der Geschichte, wie sie in vielen Romanen toleriert werden, am schlimmsten aber in Filmen auftauchen. Ich hoffe, die Leser haben nichts dergleichen in diesem Buch entdecken k�nnen.</p><p>Der Fairne� halber mu� gesagt werden, da� nicht nur Filmemacher an der Vergangenheit herumpfuschen. Als Volk neigen wir alle dazu, im Laufe der Generationen Mythen aufzubauen. So ist unsere Ikonen-Version von Lincoln f�r immer auf den allwissenden, ewig ruhigen Idealisten und Humanisten festgelegt worden anstatt auf den von Zweifeln getriebenen, depressiven und verha�ten politischen Pragmatiker, der durch die Umst�nde und sein eigenes Gewissen zur Gr��e getrieben wurde. Unser Lee ist der ewig g�tige Held, nicht der Soldat, dessen F�higkeiten und Entscheidungen oft genug in Zweifel gezogen wurden und dem viele Mit-Konf�derierte ihre Verachtung durch Spitznamen wie �Granny� und �R�ckzugs-Lee� zum Ausdruck brachten.</p><p>Wir mythisieren nicht nur Individuen, sondern auch den Krieg selbst. Unsere nat�rliche menschliche Tendenz, Glanz und Gloria dem Schmutz und Elend vorzuziehen, hat den Krieg mit einer Patina �berzogen � um ihm seine Romantik zur�ckzugeben. Die hatte er auch � f�r ungef�hr neunzig Tage. Danach kam der Horror. Und der Horror wurde gr��er und gr��er.</p><p>Obwohl der Film <emphasis>Vom Winde verweht</emphasis> all die Bewunderung und Ehren verdient, die er erhalten hat, ist er keine glaubw�rdige Nachbildung der Geschichte; der Film ist eine Romanze. Das brennende Atlanta ist ein gewaltiges Spektakel, sagt aber wenig �ber pers�nliche Trag�dien aus. Sklaverei ist nie ein Thema; die Hausneger auf Tara sind gl�cklich, niedlich und offensichtlich zufrieden. Und trotz einiger Hospitalszenen wird echtes Leid nie dargestellt, bis auf die ber�hmte Einstellung, wo der Kamerakran steigt und steigt und mit verheerender Eindringlichkeit immer mehr und mehr Verst�mmelte ins Blickfeld geraten l��t.</p><p>Es mag unfair sein, einen Klassiker nach anderen als den zu seiner Zeit g�ltigen Normen zu beurteilen. Andererseits besitzen die sozialen Ansichten von Charles Dickens durchaus bis heute G�ltigkeit.</p><p>Ich habe zwei Probleme mit dem autorit�ren <emphasis>Vom Winde verweht,</emphasis> den ich trotz seiner eindeutig negativen Aspekte schamlos liebe. Erstens ist es die gr��te filmische Darstellung des Krieges und somit eine stillschweigende G�ltigkeitserkl�rung seiner eigenen zweifelhaften Moral. Und zweitens kommt nur ein in letzter Zeit gedrehter Film � David L. Wolpers Meilensteinproduktion <emphasis>Roots �</emphasis> seiner Wirkung und seinem popul�ren Zuschnitt nahe. Dies mag eine anhaltende, wertvolle Erinnerung an die unterschiedlichen Normen der drei�iger Jahre und des neuen Amerika sein: der Unterschied zwischen Mythos und Wahrheit.</p><p>Der Genauigkeit zuliebe folgte ich den Spuren des Krieges, besuchte noch einmal jedes �stliche Schlachtfeld und jeden historischen Park. Die meisten hatte ich zuvor schon besucht, jedoch nicht alle. Ich sah Little Brandy Station 1982 an einem wunderbaren Fr�hlingstag. In der gleichen Woche verbrachte ich einen ganzen feuchten, nebligen, einsamen Samstag in Antietam.</p><p>In Kapiteln, in denen es um Schlachten und Feldz�ge geht, werden die Leser bemerkt haben, da� kaum Namen und Nummern milit�rischer Einheiten verwendet werden. Eine Armee-Organisation ist stets komplex, das trifft jedoch in verst�rktem Ma�e auf den B�rgerkrieg zu, da die Armeen auf beiden Seiten mehrfach umstrukturiert wurden, den speziellen Vorstellungen des jeweils kommandierenden Generals entsprechend. Ich glaube, das Nummerngewirr von Armeen, Divisionen und Regimentern ist in erster Linie f�r Spezialisten von Interesse. Als Fundament eines Schlachtberichts verwirrt und irritiert es jedoch lediglich. Aus diesem Grunde habe ich es vermieden. Nichtsdestoweniger habe ich mich bem�ht, f�r die Erz�hlung wichtige Armee-Einheiten zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheinen zu lassen.</p><p>Noch einige andere Dinge m�ssen erw�hnt werden, um keine Irrt�mer aufkommen zu lassen.</p><p>Wade Hampton f�hrte tats�chlich die �Iron Scouts�, doch diejenigen, deren Taten hier beschrieben werden, sind fiktiv.</p><p>Ich bekenne mich schuldig, in einem Punkt absichtlich ein ganzes St�ck vom Pfad der Wahrheit abgewichen zu sein: Ich habe mich gegen den Versuch entschieden, das nachzuahmen, was Douglas Southall Freeman so treffend als �den �berladenen Konversationsstil der Epoche� bezeichnete. �Selbst beil�ufige Gespr�che waren im allt�glichen Gebrauch bedachtsam und steif.� Billys Pionierkamerad Boone ist ein Typ, der einen Hauch von diesem Stil vermitteln soll, aber wirklich nur einen Hauch.</p><p>Als dritte Zutat ben�tigte ich Hilfe. Hilfe von Experten. Hilfe von Personen, die mich auf Gebieten unterst�tzten, die nicht direkt mit den Recherchen zu tun hatten. Und Hilfe von jenen, die mir allein durch ihre Gegenwart Unterst�tzung zukommen lie�en. Ihnen allen m�chte ich �ffentlich danken und sie gleichzeitig von jeglicher Verantwortung daf�r freisprechen, da� ich m�glicherweise irgendwelches von ihnen zur Verf�gung gestellte Material mi�handelt habe. Auch sind sie keineswegs verantwortlich f�r meine Interpretation der Fakten.</p><p>Ich beginne mit Ruth Gaul von der Hilton Head Island Bibliothek, die sehr geduldig all das Material in anderen Bibliotheken aufsp�rte, das ich ben�tigte. Die Quellennachweise aus zweiter Hand, die Tageb�cher, Briefsammlungen, Monographien und Fotokopien von Ausbildungs-Handb�chern, Landkarten und anderes �berstiegen die Zahl 300. Wir fanden sogar eine schmale, aber faszinierende Sammlung konf�derierter Kriegsrezepte, viele davon mit Ersatzstoffen f�r bestimmte Nahrungsmittel. Ohne Ruth und die gleichfalls �u�erst hilfsbereiten Leute der Bibliotheken von Beaufort County und South Carolina State w�ren die Recherchen so gut wie unm�glich gewesen.</p><p>Au�erdem schulde ich, wie jeder Student des B�rgerkriegs, sehr viel dem Buch <emphasis>The War of the Rebellion: A Compilation of the Official Records of the Union and Confederate Armies</emphasis> (Eine Sammlung der offiziellen Aufzeichnungen der Armeen der Union und der Konf�deration). Dieses monumentale und zu Recht ber�hmte Werk wurde 1864 begonnen und 1927 vollendet. Es bel�uft sich auf 128 B�nde, die Atlanten nicht mitgez�hlt. Ich habe einen Freund, der eine der wenigen Gesamtausgaben besitzt, die sich in diesem Land in privater Hand befinden. F�r diese unsch�tzbare Hilfe m�chte ich ihm hier danken, allerdings nicht namentlich, da er es vorzieht, anonym zu bleiben.</p><p>Senator Ernest Hollings und Ms. Jan Buvinger und ihr Personal der Volksbibliothek Charleston halfen mir, eine Kopie der aufschlu�reichen, wenn auch langatmigen Debatte �ber das West-Point-Bewilligungsgesetz aufzusp�ren.</p><p>Mein Freund Jay Mundhenk, dessen B�rgerkriegs-Kenntnisse nicht einmal von seinen F�higkeiten als Chef und Gastgeber �bertroffen werden, l�ste mehrere schwierige Probleme bez�glich einiger Operationen in Nord-Virginia, als ich an einem toten Punkt angelangt war.</p><p>Wie schon bei <emphasis>Die Erben Kains</emphasis> war die West-Point-Bibliothek auch bei diesem Buch wieder �beraus kooperativ.</p><p>Dr. med. Arnold Graham Smith gab mir wertvolle Ratschl�ge in medizinischen Angelegenheiten. Mein alter Freund und Klassenkamerad Walter Meade von Avon Books trug auf eine spezielle Art und Weise zum Gelingen bei, die nur er versteht.</p><p>Und mein Verleger, Bill Jovanovich, stand stets mit ganzer �berzeugung hinter dem Projekt.</p><p>Mein Anwalt, Berater und Freund, Frank Curtis, begleitete mich auf Schritt und Tritt w�hrend dieser zweij�hrigen Reise bis zur Vollendung.</p><p>Das gilt auch f�r alle Mitglieder meiner Familie, jedoch ganz besonders f�r meine Frau Rachel, der gegen�ber ich hier noch einmal meine Dankbarkeit und Liebe zum Ausdruck bringen m�chte.</p><empty-line/><p>Hilton Head Island, 30. April 1984</p><p>�John Jakes</p></section></body><binary id="cover" 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